Zr. 164. fl bonnemen tS'Bedingungen: ?lb°nnemeiits- Preis pränumerando: Bierteljährl. S.30 Mk, monaü. 1,10 Mk, wöchcnllich 2ä Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntoas- numiner mü illustrierler Sonntags. BeUage.Die Neue Welt" 10 Pfa, Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post-Zeirungs- Preisliste. Unter Kreuzband ftir Teutsck)land und Oesterreich. Ungarn 2b0 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat, Postabonnemenis nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. kllchelnt IZgllch. r,* f. Berliner Volkesblnkk. 30. Jahrg. Die Tnferttons- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg„ für politische und aewerlschaftliche BereinS- und VersnmmIungs.Anzeigen 30 Pia, „Nietn e Hftzeigtn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlafstellenan. zeigen da? erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lo Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozlaldtmoltrat Berlin". Zentralorgan der rozialdetnokratifcben Partei Deutfchlande. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrassc 69, Nernsprecher: Amt Moriliplat«. Nr. ISSS. Expedition: SM. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. Gin Gnde nnd ein Anfang. Das Wetter macht draußen jede Viertelstunde ein anderes Gesicht. Bald prasseln Regcnbön auf das kraftstrotzende Grün der Bäume des Tiergartens, bald bringt ein Windstoß die Baumkronen wild durcheinander und reißt welkes Laub herunter, bald lacht der Sonnenschein durch die grünen Blätter und spiegelt sich tausendkarbig in den Regentropfen. Der Natur selbst aber ist das eine wie das andere recht. Ob die Sonne scheint, ob es regnet oder stürmt, sie geht ihren Gang„nach ewigen ehernen Gesetzen" weiter. Im Innern des großen Steinbaues am Königsplatz, in dem über die Geschicke des deutschen Volkes entschieden wird, wechselt am Montag, am letzten Tage des Reichstages vor seinen wohlverdienten Sommerferien, gleichfalls alle Augenblicke das Wetter. Die Abstimmungen fallen so und so aus, bald gibt es heitere Gesichter links, bald quält man sich rechts ein Lächeln heraus, zwischendurch werden saure Gesichter in grämliche Falten gezogen. Die Sozialdemokratie im Reichstage aber gleicht der Natur da draußen: ob die Konservativen das eine Mal lachen und das nächste Mal weinen, ob die Liberalen bald Himmelhoch jauchzen, bald zu Tode betrübt sind, ob das Zentrum zwischen Propheten links und Propheten rechts als— Weltkind weinend und lachend zugleich in der Mitte sitzt, sie geht ihren Weg weiter, ihr muß das eine wie das andere zum Besten dienen, es ist„der Geschichte ehernes Muß", daß sie zielsicher und unbeirrt ihrem Zukunftsziele entgegen- schreitet. Die Verhandlungen am Montag beginnen mit der Be- ratung des Notgesetzes, das in letzter Stunde aus Anlaß des Erfurter Schreckensurteils eingebracht worden ist. Daß dieses Gesetz noch in dritter Lesung eingebracht werden kom re- haß seinetwegen— und nur seinetwegen!— der Reichstag an� Sonnabend die Verhandlungen über diesen Punkt der Wehrvorlage abgebrochen hat; daß in einer„freien Kommission" zwischen Regierung und den großen Parteien des Reichstages die Grundzüge dieses Gesetzes bis zum Montag festgestellt worden sind; daß das Gesetz am Montag in allen drei Lesungen fast einstimmig vom Hause angenommen worden ist; und daß Herr Generalleutnant und Reichskanzler B e t h m a n n H 0 l l w e g sich mit seiner Person für die Annahme des Gesetzes im Bundesrat einsetzt— das alles ist von einer außerordentlichen Bedeutung für die Beurteilung der gegen- wältigen politischen Lage am Ende der tvochen- und monatelangen Beratungen des Reichstags über die Wehr- Vorlage. Gewiß hat es ein glücklicher Umstand gewollt, daß das furchtbare Unteil nicht drei Tage später, nachdem der Reichs- tag bereits nach Hause gegangen war, bekannt geworden ist. Und es ist gewiß auch die herzhafte und schnelle Entschlossen- hcit, mit der unsere Fraktion die Angelegenheit für eine gesetz- geberische Aktion anpackte und formte, zu begrüßen. Aber beides hätte den glücklichen Ausgang nicht bewirkt, hätte Re- gierung und Mehrheitsparteien nicht zur Annahme der sozialdemokratischen Anregung gezwungen, wenn nicht der lange, zähe und aufrüttelnde Kampf der sozial- demokratischen Fraktion gegen den Militarismus und für volkstümlichere Reformen im Heereswescn voran- gegangen wäre. Wir hatten uns schon damit abgefunden, daß wir die Früchte dieses Kampfes erst in späteren Zeiten ernten würden, und die wichtigsten Erfolge werden auch erst im Laufe der Jahre einer nach dem anderen heran- reifen, sofern die Fraktion wie bisher unermüdlich weiter kämpft und die Massen draußen im Lande geschlossen und vor- wärtsdrängend hinter ihr stehen. Der Ausgang der Aktion wegen des Erfurter Schreckens- urteils hat uns jedoch eine dieser Früchte schon jetzt beschert. Sie ist nur klein, aber sie ist dennoch von höchstem Werte. Noch bedeutungsvoller jedoch ist die Tatsache, daß sie über- Haupt schon ha: fallen können. Mit Recht dürfen wir be- haupten, daß die heiße Glut, mit der die sozialdemokratische Kritik in den letzten Wochen dem Militarismus zugesetzt hat, den Reifeprozeß in solcher unerwarteten Weise be- schlcunigt hat. Wir dürfen daraus einen Rückschluß auf den Reisegrad der weiteren Miliiärresormen ziehen. Wenn die Regierung sich früher oder später mit neuen Militärforderungen an den Reichstag heranwagen sollte, so kann sie sich von vornherein darauf einrichten, daß sie so leichten Kaufs wie dieses Mal nicht davonkommt. Es muß nur mit aller Deut- lichkcit dem Volke bekannt und klargemacht werden, daß— wie in diesem einem typischen Falle— die Regierung dem Reichstage nachgeben muß und daß der Reichstag alle Re- sonnen haben kann, die er will, sobald er nur ernstlich will, sobald eine entschlossene und tat- bereite Mehrheit der Regierung entgegen- tritt. Mag sein, daß die bürgerlichen Parteien ob ihrer un- erwarteten Standhaftigkeit, die ihnen selbst vielleicht am über- raschendsten gekommen ist, nachträglich Herzklopfen und Alp- drücken bekonimen. Das schadet nichts! Wenn nur die Wähler daraus lernen, daß es für sie darauf ankommen muß, entschlossene Männer in den Reichstag zu senden. » Daß diese entschlossenen Männer nicht in den bürger- lichen Parteien sitzen, dafür lieferte der weitere Verlauf der Montagssitzung Beweise auf Beweise. Bei der dritten Lesung der Wchrvorlage wurden abermals die gestrichenen drei Kavallerieregimenter verlangt. Bis zu dieser ent- scheidenden Stunde hatten sich genügend bürgerliche Abge- ordnete gefunden, um mit den Sozialdemokraten die Streichung aufrechtzuerhalten. Als jetzt aber die endgültige Entscheidung zu fällen war, da knickten die bürgerlichen Männer bis auf wenige um und stimmten für die drei Regimenter. Schmunzelnd nahm der Kriegsministcr diesen bisher zweifelhaften Rest seiner Riesenforderung entgegen. Bei der dritten Beratung der Besitzsteucrvorlage erfolgte der zweite Umfall der bürgerlichen Mehrheit. Es handelte sich um die Steuerfreiheit der Fürsten, mit der ein sozialdemokratischer Antrag aufräumen wollte. Eine Selbst- Verständlichkeit schlechthin, doppelt selbstverständlich aber im Jahre des Opfers 1913! Bisher hatten sich genügend Ab- geordnete der bürgerlichen Parteien gefunden; die diesem sozial- demokratischen Antrag eine sichere Mehrheit verbürgten. Da erhob sich der Reichskanzler und drohte mit einem einzigen Satze das Mißfallen der Verbündeten Regierungen an; er ließ durchblicken, daß damit das Gesetz unannehmbar werde. Anstatt auf diese brüske Herausforderung die einzig richtige Antwort zu geben, anstatt der Regierung zu über- lassen, zur Rettung der Steuerfreiheit der Fürsten den Reichstag aufzulösen— hei, wäre das ein Tanz geworden! — fiel die bürgerliche Mehrheit vor dem Stirnrunzeln des Herrn v. Bethmann Hollweg in die Knie und ließ die Fürsten weiterhin steuerfrei!' Die Wähler haben also noch ein gut Stück Arbeit zu verrichten, bis sie alle wankenden und schwankenden Elemente der bürgerlichen Parteien aus dem Reichstage hinausgeworfen haben. ch Aber es gibt im Reichstage außer den Sozial- demokraten doch noch Männer, die wissen, was sie wollen und die den Konsequenzen für ihre rück- sichtslose Politik nicht aus dem Wege gehen. Das sind die Konservativen! Sie sind am Montag nicht-umgefallen. Sie haben der Regierung ihre Zustimmung zur Besitzsteucr- Vorlage nicht gegeben. Sie sehen in den neuen Steuern— ganz mit Recht! � Vermögens-, Einkommens- und Erbschaftssteuern, die das Portemonnaie der Besitzenden, wenn auch vorläufig nur mit einer kleinen Falte, dem Reichstage, dem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht aus- liefert. Sie sehen darin den Sieg eines sozialdemokratischen Prinzips— ganz mit Recht, wenn das Prinzip auch vor- läufig nur ganz unvollkommen zur Geltung kommt—, die Sozialdemokratie aber kommt für die Konservativen gleich nach dem Teufel oder noch vor ihm! � Sie sehen in den neuen Steuern— wiederum ganz mit Recht!— den Anfang auf dem Wege zum„demokratisch regierten Einheitsstaat", eine entsetzliche Perspektive für preußische Junker! Uns schreckt diese Aussicht freilich nicht. Gerade sie hat für uns etwas Herzerfrischendes. Der konser- vative Graf Westarp schnarrte die Regierung dafür an, daß sie ihre eigene Vorlage nicht„fest und geschickt" genug ver- treten habe. Für die Regierungsvorlage hätten auch sie stimmen können. Das glauben wir! Diese Vorlage war das Produkt des Bundesrats, der Bundesrat aber ist das Feigen- blatt für den preußischen Junkerabsolutismus. Dadurch, daß der Reichstag der Regierung die ihr von den preußischen Junkern in die Feder diktierte Stcucrvorlage zerrissen vor die Füße geworfen hat, hat er zum ersten Male auch den preußi- scheu Junkern ein(Juos ego! zugerufen. Und dadurch, daß die Junker bei ihrer ostelbischen Stiernackigkeit nicht beizeiten eingelenkt, sondern sich bis zur endgültigen Entscheidung grollend abseits gestellt haben, haben sie ihre Niederlage und den ersten bescheidenen Sieg des Reichsgedankens über preußisch junkerlichen Partikularismus vor aller Welt in dankenswerter Weise offenbar gemacht. * Solche Erwägungen haben auch die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion in der Besitzsteuer- frage mitbestimmt. Es war keine leichte Entscheidung für sie, ob sie den neuen Steuern zustimmen sollte oder nicht. Sie hat sich zur Zustimmung entschlossen und dadurch ver- hindert, daß wiederum, wie bisher, die Lasten der neuen Rüstungen auf die Schultern der breiten Massen abgewälzt worden sind. Ge- nosse H a a s e verlas unter lautloser Stille des Hauses die folgende Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion: „Die Mehrheit dieses Hause? hat eine neue ungeheuerliche und völlig unbegründete Steigerung der Heeres- rüstung beschlossen. Wir haben den Nachweis erbracht, daß dies nicht der Weg ist, unser Land vor Kriegsgefahr zu schützen und den Frieden zwischen den Kulturvölkern zu sichern. Nachdrücklich haben wir betont und wiederholen es in dieser Stunde: die fortgesetzten Rüstungstreibereien steigern das Mißtrauen zwischen den Völkern, stören die internationalen Beziehungen und beschwören schließlich trotz aller Friedcnsversicherungen die Gefahr eines Weltkrieges herauf, entgegen den Interessen und Wünschen des werktätigen Volkes aller Länder. Zugleich ist der Militarismus als Instrument der Klassenherr- s ch a f t auch eine stete Bedrohung der Freiheit im Innern. Unsere Anträge, die darauf gerichtet waren, schwere Mißstände dieses Systems zn beseitigen und seine Umbildung zur Volkswehr vor« zubereiten, sind abgelehnt worden. Die Wehrvorlage ist Gesetz. So stehen wir nur noch vor der Frage: Wer soll die K 0 st e n tragen? Wir haben stets gefordert, daß die RüstungS- lasten nicht den Besitzlosen aufgebürdet werden. Damit stehen wir im vollen Einklang init der internationalen Sozialdemokratie und namentlich auch mit unseren Partei- freunden in der französischen Depntiertenkammer. Gemeinsam mit ihnen haben wir dies noch am 1. März d. I. in einem Manifest zum Ausdruck gebracht und erklärt: „Wenn trotz unseres entschlossenen Widerstandes den Völkern neue militärische Ausgaben auferlegt werden, so wird die Sozialdemokratie beider Länder mit aller Energie dafür kämpfen, daß die finanziellen Lasten auf die Schultern der Wohlhabenden und Reichen abgewälzt werden." Von diesem Grundsatz ausgehend stimmen wir gegen das Gesetz über Aenderungen im Finanzwesen, obwohl einige Verbesserungen erreicht wurden. Denn in ihm wird unter Bruch des wiederholt gesetzlich festgelegten Versprechens die Ermäßigung der Z u ck e r st e u e r dem Volke vorenthalten und der Kriegs- schätz erhöht, eine politisch und wirtschaftlich verhängnisvolle Maß- regel. Wir stimmen ferner gegen die Aenderung des Reichs st empelgesetzes, weil dadurch der Mittelstand in ungerechter Weise belastet wird. Die Gesetze über den einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag und über eine Besitzsteuer haben zwar auch viele Mängel, für deren Beseitigung wir vergeblich gekämpft haben. Trotzdem bilden sie den Anfang der von uns stets ge- forderten Reichseinkommen-, Reichsvermögcns- und Erbschaftssteuer. Zu unserer Genugtuung wurde der Plan durchkreuzt, den auf rückständigen Wahlgesetzen beruhenden Landtagen der Einzelstaaten die Möglichkeit zu geben, daß die Kosten dieser Rüstungssteigerung wiederum den minderbemittelten Schichten aufgebürdet werden. Um zu verhindern, daß an ihre Stelle andere, die ärmeren Volksschichten belastende Steuern treten, sind wir bereit, diesen beiden Vorlage» unsere Zustimmung zu gebe». Dabei gehen wir von der Ucberzeugung aus, daß die damit eingeleitete schärfere Heranziehung der Besitzenden zu den RüsiungSkosten dazu beitragen wird, die Sympathie dieser Kreise für eine Forlsetzung der Rüstungstreibereien zu kühlen und uns dadurch den Kampf gegen den Militarismus zu erleichtern. Diese Erklärung läßt keinen Zweifel an der p r i n z i- piellen sozialdemokratischen Ablehnung des Militarismus, gegen den die Fraktion konsequent und energisch gekämpft hat. Die Zustimmung zu den neuen Steuern aber erklärt die Fraktion, nachdem sie die Annahme der Militärvorlage nicht hatte verhindern können, und nun- mehr die Frage der Deckung zu entscheiden war, für not' wendig, um schlechtere Steuern zu verhüten. Diese Zwangs- läge, in der die Fraktion sich zu befinden glaubte, war. der Grund ihrer Zustimmung für Ausgaben, deren Zweck sie aufs schärfste verwirft, ohne daß sie im übrigen ver- kenn!, welch wichtigen Fortschritt die Durchsetzung direkter Reichssteuern in sozialpolitischer und staatsrechtlicher Be- ziehung bildet.. * ..Die Sozialdemokraten haben auf der ganzen Linie ge- stegt." so stöhnte vor einigen Tagen der Reichsparteiler Schultz. Leider ist dieser Schmerzensruf nicht ganz richtig. Wir sind mit dem Erreichten noch lange nicht zufrieden. Aber etwas Wahres ist doch an der Klage. Daß eine Steuergesetzgebung im Deutschen Reiche in die Wege geleitet worden ist, der die starrsten Reaktionäre grollend und zorn- bebend ein schroffes Nein entgegensetzten, während ihr die Sozialdemokratie, wenn auch nicht freudig und wenn auch mit Vorbehalten, zustimmen konnte, und daß der deutsche Reichs- kanzler, der soeben noch der Sozialdemokratie den ernsten Willen zur Besserung der Mißstände im Heereswescn absprach. einige Stunden darauf einem Gefetzentwurfe zustimmen mußte. der allein dein ernsten Willen der Sozialdemokratie zur Besserung sein Dasein verdankt— das sind Zeichen der Zeit! Anfänge sind es, bescheiden nur. aber doch Anfänge! Vävant segueutes! Beginn der Feindseligkeiten auf dem Balkan. Die Erbitterung der Balkanstaaten gegeneinander hat sich durch das Hin und Her der diplomatischen Verhandlungen sowie durch die innerpolitischen Krisen derart verschärft, daß die Militärpartei in beiden Lagern die Oberhand bekam. Und da der Aufmarsch der feindlichen Armeen nicht eingestellt wor- den war, mußte es bei der gespannten Situation zu einem ernsten Zusammenstoß kommen, nachdem schon eine ganze An- zahl Scharmützel vorangegangen waren. Nach den heute vorliegenden Nachrichten ist eS zwischen den Bulgaren auf der einen'und Serben und Griechen auf der anderen Seite zu mehreren ernsten Gefechten gekommen. Jeder beschuldigt den and»ren, angefangen zu haben. Wider alles Erwarten ist damit ein neuer Balkankrieg in greifbare Nähe gerückt, dessen Konsequenzen gar nicht abzusehen wären. Die Kämpfe. Sofia, 29. Juni. iMeldung der Ageuce Bulgare.) DaS Hauptquartier erhielt heute abend die Meldung, daß die Ter- den starke Infanterie- und Artilleriemafsen auf ihren vorgeschobe- ncn Linien bei der Bahnstation Kriwolah, nicht weit von Köprülü und bei der Station Ondowo zusammengezogen haben. Die zwischen Slatowo und Jschtip aufgestellten serbischen Truppen rrLffneten heute ein wohlgenährtes Feuer auf die bulgarischen Iorposten. Man konnte auch bemerken, daß starke serbische In- fanteriemassen in die erste Linie geschoben wurden. Die Bulgaren erwiderten das Feuer. Das Ergebnis des Gefechts ist»och nicht bekannt. Ein andere? Gefecht wurde heute nördlich vou Leftera ge- liefert» wa die Griechen, die bedeutende Berstärkungeu erhalte» hatten, ein besonders heftiges Feuer auf Abteilungen bulgarischer Truppen eröffneten» welche dir bei Chemaltos und Tonzlateiflik aufgestellte» Mannschaften ablöse» wollten. ES entspann sich ein hartnäckiges Gefecht, dessen Ausgang man noch nicht erfahren hat. Die serbische Tarstelluug. Belgrad, 30. Juni.(Meldung der Serbischen Presse- bureaus.) Ein Bericht aus dem Hauptquartier von Uesküb lautet: Die Bulgaren haben auch mit dem Angriff auf der ganzen griechischen Front begonnen. Auf serbischer Seite dauert der heute nacht von den Bulgaren begonnene Kampf auf der ganzen Linie, vom Ursprug des Zletovkaflusses bis Jstip fort. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. An den Kämpfen nahmen auf beiden Seiten größere Jnfanteriemassen und Artillerie teil. Die griechische Meldung. Athen, ZV. Juni. DaS amtliche Presscbureau veröffentlicht folgende Depesche auS Saloniki: Die bulgarische Armee hat den allgemeinen Angriff gegen die griechischen und serbischen Streitkräfte begonnen. In der durch die Serben besetzten Region hat sie die durch das Protokoll festgesetzte Greozliuic überschritten und ist gegen Mezikoos, Bogdautza und Gewgheli vorgerückt. In der Annahme, daß Gewgheli von den Bulgaren besetzt fei, hat die bulgarische Armee gleichfalls die im griechisch-bulgarischen Protokoll festgesetzte Grenze bei dem Pangaeongebirge überschritte» und marschiert auf Aeleftherai und auf Eleftherai. Eine in Eleftherqi stationierte Kompagnie ist abgeschnitten. Eine griechische Abteilung im Tale Musteni wurde angegriffen und zog sich auf Tzvest zurück. Bon der Kompagnie in Eleftherai liegen keine anderen Nachrichten vor, als daß gestern abend 6 Uhr 5V Minuten zwanzig Kanonen- schösse gegen den Ort abgegeben worden sind. Heute früh 4 Uhr wurde nördlich vo« Bogdautza auf dem linken Ufer dcS Wardar Geschützfeuer vernommen. Drei bulgarische Regimenter aus Doirane haben auf dem linken Ufer dcS Wardar bei Metzikoov die serbische« Borposteu angegriffen. Die bulgarische Artillerie be- schießt die auf dem rechte« Ufer befindlichen Befestigungen. Um 5 Uhr früh wurde eiu griechischer Poste«, der 12 Kilometer von Karassuti entfernt, i« der Nähe vou Kilindra stand, angegriffen; 7 Uhr 4S Minuten morgens griff ciu bulgarisches Bataillon eine» griechischen Posten bei Nigrita an; 8 Uhr ZV Minuten rückten die Bulgaren gegen den Bagolitzasee vor. Eine verspätete Erklärung. Belgrad, 30. Juni. In der S k u p s ch t i n a erklärte der Ministerpräsident, daß die Regierung dem russischen Schiedsgerichte unter Festhalten an den bekannten Be- schlüssen der Skupschtina z u st i m m e. Nachdem die Jnter- vellanten Riberac, Marinkovic und Draskovic gesprochen hatten wurde die Debatte auf morgen vertagt. lioch einmal das€rfurtcr Schreckensurteil. Aus Erfurt wird uns geschrieben( Nachdem sich der Reichstag am Sonnabend mit dem dra- konischen Urteil des Kriegsgerichts in Erfurt beschäftigt hat. ver- sucht jetzt die Reichsverbandspresse, die Sozialdemokratie für die von den sieben Landwehrleuten und Reservisten verübten Exzesse verantwortlich zu machen. Ter Erfurter.Allgemeine An- zeiger" bringt in seiner Sonntagnummer einen Artikel, betitelt: ..Die Sozialdemokratie auf der Anklagebank." In diesem Artikel wird unter anderem die alberne Behauptung aufgestellt, daß das ..System der Sozialdemokratie" die Arbeiter bis zur BesinnungS- losigkeit gegen jede staatliche Autorität aufhetze und dann ihrem Schicklas überlasse. Die Verurteilten hätten bei den Exzessen das Gift von sich gegeben, das die sozialdemokratische Hetzpresse ihren Lesern einflöße. Die sozialdemokratischen Redner im Reichstage hätten die Verantwortung für das Erfurter Urteil dadurch von sich abzuwälzen versucht, daß sie dem ganzen Land glauben machen wollten, es handele sich um eine„betrunkene Geschichte". Tiesem verlogenen Gewäsch gegenüber sei folgendes festgestellt: Die Verhandlung hat mit voller Bestimmtheit ergeben, daß die An- geklagten nicht nur große Diengen Bier, sondern auch Schnaps ge- trunken hatten. Vor Gericht entwarfen sie von den Vorkommnissen ganz verworrene Bilder, weil sie sich infolge totaler Trunkenheit bei den Exzessen keine klare Vorstellung mehr von den Vorgängen machen konnten. Auch die Beweisaufnahme bestätigte diese An- nähme. Der Verteidiger Rechtsanwalt Justizrat Schweichel wies dann auch in seinem Plädoyer darauf hin, daß es sich eigentlich nur um eine„bezechte Sache" gehandelt habe. Es könnten sich Wohl wenige Menschen davon freisprechen, daß sie nicht schon einmal in ihrem Leben in Alkoholstimmung etwas Unvernünftiges getan hälten, ohne daß sie sich dessen so recht bewußt gewesen seien. Wenn man als Nüchterner in eine bezechte Gesellschaft gehe, so komme einem das Tun und Treiben dort immer unvernünftig vor, doch seien sich die Beteiligten dessen nicht bewußt. Man müsse mit einem recht fühlenden menschlichen Herzen den Fall beurteilen und sich in das Seelenleben der Angeklagten hineinversetzen, um gerecht zu urteilen. Gegenüber der tendenziösen Darstellung des Falles im G>.- richtsbericht des„Erfurter Allgemeinen Anzeigers", der im Reichs- tag Gegenstand der Erörterung war, sei ferner festgestellt, daß das Blatt in demagogischer Weise alle Stellen in dem Bericht unter- schlagen hat, die den Fall als menschlich begreiflich erscheinen lassen, nur zu dem Zweck, um einen angeblich von sozialdemokratisch verhetzten Arbeitern verübten Exzeß daraus zu fabrizieren. Nach den Informationen, die das Gericht über den Charakter und die sonstige Führung der Angeklagten eingezogen hatten, sollten einige von ihnen aufsässige und gewalttätige Personen sein, eine An- nähme, die durch die klaren und bestimmten Aussagen des Ge- meindcvorstehers von Wolkramshausen, dem Wohnorte der Ange- klagten, sich, als vollständig falsch erwies. Der Mann sagte vor Gericht, nachdem ihn der Vorsitzende über diesen Punkt befragt hatte:„Nein, meine Herren, so schlimm ist das denn doch nicht. Die Leute sind alle lobenswerte, gute Charaktere und ihre unüber- legten Taten müssen nur auf die Wirkungen des Alkohols zurück- geführt werden." Ferner wurde die vom Vorsitzenden während der Verhandlung wiederholt geäußerte Meinung, als ob die An- geklagten Opfer der„Einflüsse und Belehrungen von außerhalb" seien, durch nichts bestätigt. Alle Fragen in dieser Richtung an die Zeugen und Angeklagten wurden klar und bestimmt mit „N e i n" beantwortet. Ferner erwies sich die Annahme des An- klagevertreterS, als ob die Angeklagten eine am Ausschank be- schäftigte Frau über das Büfett gezogen hätten, während sie sich Bier einschenkten, als falsch. Die Frau sagte aus, daß sie wohl belästigt worden fei, doch fei daS nur Scherz und Unsinn gewesen. Alle diese gerichtlichen Feststellungen hat das Blatt unterschlagen. Schließlich sei noch erwähnt, daß weder der Gendarm Stock noch der Polizist Müller bei dem Tumult Verletzungen erlitten haben. Die Landwehrleute und Reservisten sind nicht etwa über den Gendarmen und den Dorfpolizisten hergefallen, sondern sie haben sich in.per Hauptsache gegen den Hinauswurf aus dem Lokal gesträubt, wöbet es zu Püffen und Schlägen kam. Eine ernste Ge- fahr bestand für die Beamten überhaupt nicht, weil sie gegenüber den nur zum Teil mit Spazierstöcken bewaffneten Angeklagten von chren Waffen Gebrauch machten, wobei ein Angeklagter einen Säbelhieb auf den Arm erhielt. Bei den Versuchen der Angeklagten, wieder in das Lokal einzudringen, aus dem sie eben hinausgeworfen waren, war es hauptsächlich der Lärm, den die Leute verursachten, der den Exzeß gefährlicher erscheinen ließ, als er in Wirklichkeit war. Die Beamten bekundeten als Zeugen, daß sie Säbelhiebe ausgeteilt und einige Püffe und Swckschläge erhalten hätten. Be- merkenswert ist die Feststellung des Vorsitzenden am Schluß der Verhandlung vor der Urteilsberatung, daß die vorgesetzte Behörde des Gendarmen Anzeige von dem Fall erstattet habe, weil sie die dem Beamten zugefügten Beleidigungen gesühnt wissen wollte. DaS Verfahren wegen aufrührerischer Zusammenrottung muß also auf Grund anderer Einflüsse entstanden sein. Diejenigen Personen, die als Unbeteiligte der Verhandlung beiwohnten, konn- ten sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich da vor ihren Augen ein Drama abspielte, wie es sich schrecklicher nicht gedacht werden kann. Das Weheklagen der anwesenden Eltern und Frauen der Angeklagten, die Verzweiflungsschreie von der Anklagebank sollten den Herrschenden Ermahnungen sein, ein Strafsystem zu beseitigen, das an das barbarische Mittelalter erinnert. Gewiß, die Ange- klagten haben sich vergangen, aber das waS sie taten, hätte vor einem bürgerlichen Zivilgericht mit einigen Monaten Gefängnis eine genügende Sühne gefunden. Und wenn in der jetzigen Situation die„nationale" Presse anstatt angesichts eines solchen grauenvollen Urteils energisch die Beseitigung solcher drakonischen Gesetzesbestimmungen zu fordern, die Sozialdemokraten verant- wortlich für die Taten der Verurteilten macht, dann ist sie mit- schuldig an der Erhaltung eines kulturwidrigen Systems. pol'tifcke(leberllcdt. Graf Kanitz gestorben. Montag nachmittag ist der konservative Führer, Graf v. K a n i tz- Podangen nach kurzer Krankheit gestorben. Kanitz ist geboren am 17. April 1341 in Mednicken in Ost- Preußen. Neben unserem Bebel ist er der einzige Reichstags- abgeordnete gewesen, der noch dem Norddeutschen Reichstag in den Jahren 1868 bis 1870 angehört hatte. Mitglied des deutschen Reichstages war er ununterbrochen seit 1889. Dem preußischen Abgeordnetcnhause gehörte er seit 1886 an. Graf Kanitz hatte ursprünglich die Landratskarnere ein- geschlagen und war Landrat des Kreises Sprottau. Später widmete er sich ausschließlich der Politik und war nament- lich in allen wirtschaftspolitischen Fragen der Wortführer der Konservativen, bei denen der„gelehrte Graf" hoch im An- sehen stand. In der Form konziliant, war er ein konsequenter und energischer Verfechter der agrarischen Interessen. Sein Name wurde zum Schlagwort durch den bekannten Antrag, der ein Staatsmonopol zun: Ein- und Verkauf des aus- ländischen Getreides mit Einschluß der Mühlenfabrikate forderte. Für den Verkauf durch das Reich waren in dem Antrag, der zuerst im April 1894 eingebracht worden war, Mindestpreise festgesetzt, die für Weizen 215 und für Roggen 165 M. betragen sollten. Der Antrag wurde in der damaligen und in der nächstfolgenden Session abgelehnt. Die Wucher- zolle haben dasselbe Ziel auf andere Weise erreicht und heute genießen die Agrarier wirklich jene Preise, die damals phan- tastisch erschieuen und deren Forderung als Brotwucher be- zeichnet wurde. Aus jener Zeit stammt auch das Wort:«Ohne Kanitz keine Stöhne". Damit sollte gesagt sein, daß, wenn bis Regierung die Forderung der Agrarier nicht bewillige, diese auch die Forderung für die Flotte ablehnen würden. Graf v. Kanitz vertrat im Reichstag den 2. Wahlkreis des Regierungsbezirks Gumbinnen Ragnit-Pillkallen. Er wurde mit 10032 konservativen Stimmen gewählt. Der nationalliberale Kandidat erhielt 6216, der Genosse Hofer 2964 Stimmen. Die gesetzgeberische Arbeit des Reichstage». Der Reichstag hat von Ende November bis Ends Juni getagt. In dieser Zeit getrennt durch die Osterferien, hat er hauptsächlich zwei Aufgaben gelöst, vor Ostern beriet er die Hauptteil« des neuen Etats, der allerdings mit einer Verzögerung von vier Wochen nach dem verfassungsmäßigen Termin verabschiedet werden konnte. Die Arbeit der Zeit von Himmelfahrt bis End« Juni war Wehrvorlage und den Decküngsgefetzen gewidmet. I« acht Wochen sind die Vorlagen verabschiedet worden. Erledigt sind außer dem Etat, der Wehrvorlage, den Entwürfen über den Wehrbeitrag, über das Reichsstempelgesetz und dem Eni- würfe über die Aenderungen im Finanzwesen sBesitzsteuergesetze) das Reichs, und Staatsangehörigkeitsgesetz, die SchutzgebietSnovelle über die Rechtsfähigkeit kolonialer Vereine, der Entwurf über die Entschädigung der Schöffen und Geschworenen, die Aenderung des Wahlreglements(Wahlurnen einheitlicher Art), der Entwurf über die Zollerleichterung bei der Flcischeinfuhr, die Uebereinkunft zum Schutze des gewerblichen Eigentum», das Abkommen über ein einbeitliches Weltwechselrecht, ein Entwurf über die Aenderung von Reichstagswahlkreisen. Nachtragsetats, der Entwurf über den UnterstützungSwohnsitz in Bayern und einige andere kleine Gesetze. Unerledigt geblieben sind: das Postscheckgesetz, das Petroleum- Monopolgesetz, der Entwurf über die Jugendgerichte, das Kon- kurrenzklauselgesetz(alle sind von Kommissionen vorberaten). ferner daS neu vorgelegte Spionagegesetz(noch gar nicht beraten) und drei kleine Gesetze, schließlich das Literaturabkommen mit Ruhland. Abgelehnt wurde von der Kommfffion das Kindersaugflafchen- gcsetz- Außer den Entwürfen wurden noch einige Interpellationen (Fleischteuerung, Wagenmangel in Westfalen, reichsländische Dik- taturgesetze), wenige Initiativanträge und etwa 100 bis 120 Peti- tiensberichte beraten. An Wahlprüfungsberichten bleiben 10 un- erledigt. Schließlich wurden 79 kleine Anfragen gestellt und be- antwortet. Zu den Reichstags-Ersatzwahle». Im Wahlkreis D r e s d e n- N e u st a d t hat die Fortschrittlich« Volkspartei am Sonntag ihren früheren Kandidaten Rechtsanwalt Klöppel wieder aufgestellt. Die übrigen Parteien sind noch auf der Kandidatensuche. Bon reaktionärer Seite ist versucht worden, ein Bündnis der sämtlichen bürgerlichen Parteien zustande zu bringen. Die Versuche sind gescheitert, da sie ja doch am Resultat nichts ge- ändert hätten. Für die RkichstagS-Ersatzwahl in Weilheim hat eme Ver« trauenSmännerversammlung des Bayerischen Bauernbundes den Land- tagsabgeordneten Bürgermeister Eisenberg er als Kandidaten aufgestellt._ Tie Welfeupartei ruht nicht. Durch die neu aufgerollte hannoversche Frage haben sich die Hauptschreier in den Wahn verrannt, die Partei werde nochmals einige Bedeutung erlangen. Sie zeigen sich als die einzigen und wirklichen Patrioten, und deshalb kämpfen sie um so mehr für ihren hannoverschen König, je weniger die interessierten Kreise Ansprüche auf diesen Königsthron erheben. Am Sonntag trat nun in Hannover das„Direktorium" der kleinen Deulsch-hannoverschen Partei zu einer Ausschußsitzung zusammen, in der folgender Beschluß gefaßt tuutb»-* „Der GesamrauSichuß der Deutfch-Hannoverichen Partei, be» stehend aus Bertrelern aus allen Teilen des Landes, entnimmt dem Bericht des Direktoriums, daß kein Verzicht des Herzogs oder des Prinzen Ernst August auf die hannoverschen Rechrs- anspräche weder direkt noch indirekt vorliegt. Es besteht demnach für die Deutsch-hannoversche Partei kein Anlaß, ein: Aenderung ihres Verhaltens und ihrer politischen Betäiigung vorzunehmen." Man kann neugierig sein, ob dieser Appell das Leben dieser ucreaktionären Gruppe noch verlängern kann, nachdem ihr geliebter „König" den Frieden mit den„Usurpatoren" geschlossen hat. Die Entschädigung für Schöffen und Geschworene. Einer Korrespondenz zufolge hat jetzt der Bundesrat die T a g e S s ä tz e für Schöffen und Geschworene auf S M. festgesetzt. Die Kosten, die dem preußischen Staat durch die neuen Fest- setznngen entstehen dürften, sind auf etwa eine Million Mark pro Jahr zu berechnen. Ein Entwurf über die Neuregelung der Ge- bühren für Sachverständige und Zeugen ist dem Bundesrat zu« gegangen und dürfte nach dessen Beschlußfassung dem Reichstage voraussichllich im Herbst vorgelegt werden. In diesem Entwurf ist eine Erhöhung der Gebühren für Sachverständige im Durchschniit um ö0 Proz. vorgesehen und auch die Sätze für den Aunvand und Nachtquartiere haben in den Lorschlägen des Entwurfes eine Steige» rung erfahren._ Zur Praxis des neuen Vereinsgesctzes. Die Bochumer politische Polizei scheint der Ruhm, mit dem ihre Essener Kollegin sich in letzter Zert aus den verschiedenneu Gebieten bekleckert hat, nicht schlafen lassen. Mit ihren HauS« suchungen und Engagements von Polizeispitzeln hat sie allerdings bisher ebensoviel Pech gehabt, als Erfolgws�ertbe. den Versuche». jugendliche Arbeiter des Bochumer„VolksblattS durch Geld- angebote zur Auslieferung bestimmter«achen zu veranlagen. Jetzt hat sie einen Hereinsall bei d-mVersuche, das neue Vereins» und Versammlungsrecht nach ihrer Weise auszulegen, erlitten. Gegen neun Nationalpolen hatte sie die Einleitung eines. Strafverfahrens veranlaßt weil sie während der Landtagswahl. kampagne Versammlungen veranstaltet bzw. in solchen gesprochen haben sollen, die als Wahlversammlungen im Sinne des Vereins- gesetzes einberufen und folglich nicht angemeldet worden waren. Da in diesen Versammlungen aber auch über Dinge gesprochen worden sei. die mit der Wahl nichts zu tun gehabt hatten, so läge eine Umgehung des Gesetzes vor. So wäre u. a. zur Einigkeit der Polen zum r-esen polnischer Zeitungen, zur Anlage der Spargelder in polnischen Banken usw. aufgefordert worden. In der Ver- Handlung vor dem Bochumer Schöffengericht fügte der Vertreter der Staatsanwaltschaft dem noch als besonders erschwerendes Moment hinzu daß zu den Versammlungen auch Frauen ein. geladen wären, und daß solche auch an den Versammlungen tell. genommen hätten. Das Gericht erkannte jedoch auf Frei. sp r e ch u n g. In der mündlichen Begründung wurde gesagt, daß den Angeklagten nicht nachzuweisen sei. daß sie die Versammlungen zu anderen als zu Wahlzwecken einberufen haben. Wenn hier und da die Redner von den Wahlen abgeschweift wären, so sei dos noch nicht geeignet, den beabsichtigten Zweck der Versamm- lungen derart in den Hintergrund zu drängen, daß eine grund- sä lliche Veränderung im Charakter der Versammlung vorliege. '' Ta diese Auffassung auch der der oberen Instanzen entspricht. dürste der Versuch der Bochumer Polizei, das Versammlungsrecht nach dieser Seite hin zu verkümmern, als deffnitiv gescheuert au- zusehen sein. Ein politischer Meineidsprozeß. «m 30. Juni hat vor dem Schwurgericht in Schweidnitz der Prozeß wegen wissentlichen Meineids gegen den Arbeitersekretär £) st e r o t h, den Geschäftsführer Weichelt und den Faktor Hoff- mann— die beiden letzteren von unserem Waldenburger Partei- organ, der„Schlesischen Bergwacht'— begonnen. Der Prozeß dürfte zwei bis drei Tage dauern. Die drei Angeklagten befinden sich seil Anfang März in Haft, eine Kautionsstellung von je 1l> 000 M. wurde seinerzeit abgelehnt. Der Prozeß scheint sich zu einer Art politischer Sensation auSzuwachsen. Aus der ganzen Provinz sind Zeitungsberichterstatter angemeldet. Es sind rund 40 Zeugen ge- laden. Die Verteidigung liegt in den Händen des Breslauer Justizrats M a m r o t h und des Rechtsanwalts Dr. Cohn. Der Prozeß be- gann bereits mit einem erregten Vorspiel. Von den dreißig ausgelosten Geschworenen lehnt die Verteidigung vor allem alle konservgtiben Großgrundbesitzer, darunter den durchgefallenen früheren Reichstagsabgeordneten v. R i-ch t h o f e n ab. Aber auch der Staatsanwalt strich rücksichtS- los alle die Namen, die halbwegS einen liberalen Klang haben. Die Vorgeschichte dieses Prozesses ist kurz folgende: Zur Reichstags- Wahl 1912 wurde ein„Offener Brief' eines ehemaligen fürstlich Pleß- fchcn Grubenbeamten als Flugblatt verteilt. Der Brief war unter- zeichnet mit dem Namen deS Beamten. Als dieser wegen einiger beleidigender Stellen zur Verantwortung gezogen wurde, mußte er erklären, daß die inkriminierten Stellen durch einen anderen hineingekommen seien. Wer das gemacht hatte, konnte nicht festgestellt werden. Aber einer mußte dran glauben und deshalb wurde der Drucker— also der Geschäftsführer Weichelt von der „Bcrgwacht'— zu Sv M. Geldstrafe verurteilt. In diesem Prozeß gegen Weichelt wurde auch der Faktor Hoffmann eidlich vernommen. Frage steht, da geht es noch ganz ander» zu: Tic Stadt Arad war vollgepfropft mit Militär und Gendarmerie. Tie Abgeord- netep der Regierungspartei gingen von Haus zu Haus und suchten die Wähler durch Ueberreden. Versprechungen und, wo diese nichts nützten, durch Drohungen für TiSza zu gewinnen. Nur zu oft hetzen sie bei dieser Agitation als Lockmittel einige Hundertkronen- scheine bei den Wählern zurück. War ein Wähler auf diese Weise für TiSza gewonnen, so wurde ihm ein Gendarm als Ehrenposten vor die Wohnung postiert, der den Befehl erhielt, den Wähler der- art zu beschützen, datz er mit niemand mehr verkehren konnte, der ihn etwa in seiner„Ueberzeugung" wankend machen könnte, Trotzdem nun in der keine 60 000 Einwohner zählenden Stadt Arad etwa-,00 Polizisten und Militärpersonen solchergestalt beschäftigt waren, wagte der Kandidat TiSza nicht, in Arad aufzureten. Der Polizeichef hatte die Regierung verständigt, daß er für die Aus- rechterhaktrmg der Ordnung bei einem Auftreten TiSzas keine' Garantie übernehmen könne. So arbeiteten die 64 Abgeordneten der Regierungspartei ohne den Kandidaten mit allen Mitteln für seine Wahl. Statt der Reden der Agitatoren hörten die Wähler nur das Anzapfen der Bierfäffer, das Füllen der Weinkrüge und der Schnapsflaschen, und statt der Flugschriften wurden Kupons verteilt, die auf Portionen Goulasch, warme Würste, einen Liter Wein, einen Liter Bier oder einen Viertelliter Schnaps lauteten. Wer bis zum 24. Juni sich nicht verpflichtete, für Tisza zu stim- men, wurde gematzregelt. frankmeb. Ter Kampf um die dreijährige Dienstzeit. Paris, 30. Juni. Die Kammer setzte heute die Beratung der Militärvorlage fort. Der Deputierte Molke erklärte, in jeder Hinsicht Anhänger deS Gegenentwurfs Augagneur zu sein, bei dem der Redner namentlich die regionale Rekrutierung für wertvoll hielt. Dann verteidigte Augagneur von neuem seinen Gegen- entwurf und versuchte die Ziffern des Generals Legrand zu wider- legen. Der Redner bestand auf der Ersetzung der Militärhand- werker und sonstigen Beschäftigten durch Zivilpersonen, die im Falle der Mobilisierung ihre Beschäftigung beibehalten würden. Daraus wurde die Beratung geschlossen und eS wurde zur Abstimmung über den Gegenentwurf Augagneur geschritten. Der Gegenentwurf wurde schließlich mit 339 gegen 214 Stim- men abgelehnt. Der Abgeordnete Painleve verteidigte den Gegenantrag, durch den die JahreSklassen im Jahre ihrer Aushebung vom zwanzigsten Jahre an eingestellt werden sollen; vorübergehend solle im Jahre 1913 mit der jetzt 1912 genannten Jahresklasse die eine Hälfte der JahreSklasse 1913 und mit der Klasse 1914 die andere Hälfte der Jahresklasse 1913 eingestellt werden. Der Gegenantrag hält die zweijährige Dienstzeit ausrecht und sieht die Ersetzung von gewissen Militärbeamten durch Zivilisten vor. Painleve rechnet darauf, auf diese Weise 120 000 Mann mehr einstellen zu können. Painleve glaubte, datz sein System in den Jahren 1914 und 191S eine ausreich ende Rekrutierung ergeben würde, um den deutschen Heeresverstärkungen gewachsen zu sein, nach 1916 würde die Aushebung der Araber in Senegal die Lücken ausfüllen. Painleve schätzt das eventuelle jährliche arabische Kon- tingent auf 12000 Mann. Kriegsminister Etienne unterbrach den Redner und sagte, datz diese Schätzung ein wenig kühn sei. Messimh hält es für möglich, algerische Kolonialtruppen zur Aus- Übung des Polizeidienstes in Nordafrika zu bilden und so zu er- möglichen, die 80000 Mann, die das Mutterland dorthin entsandt habe, zurückzurufen. Painleve schloß mit der Aeutzerung, datz sein Gegenentwurf die Disziplin wiederherstellen würde.(Beifall auf der äußersten Linken und auf verschiedenen Bänken der Rechten.) Der Berichterstatter Pate erklärte die Frage der Einstellung der Zwanzigjährigen sei vorbehalten worden.(Bewegung auf der Rechten und auf der äußersten Rechtem) Der Berichterstatter be- kämpfte den Gegenentwurf, dem er vorwarf, nur von vorüber- gehender Wirkung zu sein und im Oktober nur 615 000 Mann statt der 712 000 Mann zu stellen, die Frankreich brauche. Er erinnerte dann daran, datz die Kammer die zweijährige Dienstzeit abgelehnt habe, die der Gegenentwurf aufrecht erhalte. (Beifall im Zentrum auf verschiedenen Bänken.) Dann wurde abgestimmt und der Gegenentwurf Painleve mit 323 gegen 233 Stimmen abgelehnt. Eine politische Maßregelung. Pari», 29. Juni. Ter Professor an der Schule der hohen Wissenschaften. Paul P a s s y, wurde vom Unterrichts- minister von seinem Posten enthoben. Es erregt großes Auf- sehen, daß diese Maßregelung ohne vorherige Untersuchung einfach auf dem Administrationswege erfolgte. Die Maß- regelung ist in der literarischen Tätigkeit des Professors zu suchen, der vor einiger Zeit Artikel gegen die drei- jährige Dienstzeit veröffentlichte. Italien. Äriegsbarbareien in der Cyrcnaika. Rom, 28. Juni.(Eig. Ber.) Im Militärrayon von Der na haust jetzt nach dein unglücklichen Gefecht von Ettangi und dem darauf folgenden Rachezug der Kriegsschrecken in seiner barbarisch- sten Form.'Dem.Avanti' zufolge geht man heute in der Um- gegend von Derna mit denselben Mitteln ans Werk, mit denen im Oktober 1911 die Oase von Tripolis.gesäubert' wurde. Die Dörfer werden verbrannt, die Felder verwüstet, das Vieh weggeführt, die Eingeborenen gehetzt und niedergemacht wie wilde Tiere. Greise, Frauen und Kinder werden seit fast einer Woche in den Pflanzungen aufgestöbert und in den Grotten belagert, bis sie schließlich zusammen mit den mit den Waffen in der Hand er- griffcuen Männern niedergeschossen werden. Oft bleiben — immer dem.Avant:" zufolge— die Opfer schwer verwundet liegen und werden hilflos einer langen entsetzlichen Agonie überlassen. Es kommt vor, datz man den Einwohnern im Namen des Königs von Italien Sicherheit für Leben und Gut verspricht, wenn sie die Waffen abliefern und sie dann unterschiedslos umbringen läßt, falls sich in dem Torfs noch versteckte Waffen finden. Diese Mordarbeit mutz dem Kommando selbst grauenhaft erschienen sein, so datz man sie nicht von italienischen Truppen besorgen lassen wollte: die Säuberung der Umgegend von Derna ist den AzkariS. den eingeboreneu Truppen von ErNthräa. überlassen worden. Der .Avanti' meint, datz wahrscheinlich die offiziösen Dementis eben- sowenig ausbleiben würden wie die Versuche, da? Vorgehen des Kommandos zu rechtfertigen. Man wird sagen, datz es sich im Grunde um die Eingeborenen handelt, die bei Ettangi hunderte italienischer Soldaten getötet und die Gefangenen gemartert haben. So leitet man eine Barbarei aus der anderen ab, entschuldigt die eine mit der anderen, rechtfertigt Grausamkeit mit Grausamkeit und führt auf diese Weise die Eingeborenen in die Geheimnisse christlich-europäscher Zivilisation ein. Wenn dann eines TageS die Schüsse verhallt und der Rauch der brennenden Dörfer verweht ist, dann wird Ruhe in der Cyrenaika sein; aber sie wird der Kirch- hofsruhe von Warschau verflucht ähnlich sehen. Spanien. Sozialistischer Protest gegen den Marokkokricg. Madrid, 30. Juni. Ter sozialistische Fuhrer I g l e s i a S er- klärte in seiner Rede, die er in Valencia in einer von 3000 Personen besuchten Protestversammlung gegen den marokkanischen Feldzug hielt, er fordere die Regierung auf, die Revision des fxan- zösisch-spanischen MaxokkovertrageS zu verlangen. �Tie Sozialisten veranstalteten nach der Versammlung auf der Straße Kund- gedungen und riefen:„Nieder mit dem Kriege!' Die Polizei schritt ein und nahm mehrer« Verhaftungen vor. foilUand. Die Antwort des russischen Militarismus. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Drotz der außerordentlichen Zurückhaltung der russischen Regierungsvertreter in der Duma und des notgedrungenen Stillschweigens der russischen Presse/ ist es doch schon möglich� ein annäherndes Bild der geplanten Heeresverstärkungen an der deutschen Ostfront zu geben. Der russische Ministerpräfi- dent K o k o w z e w betonte schon in seiner Budgetrede in der Duma, daß die neuen Militärkredite im nächsten Jahre nicht nur den Zuwachs der ordentlichen Einnahmeetats, sondern auch in beträchtlichem Maße den freien Barbestand der Staatskasse in Anspruch nehmen würden. Das bedeutet die unverhüllte Ankündigung einer neuen Heeresvorlage, die allein im nächsten Jahre, außer den jetzt bewilligten 864 Mil- lionen für Heer und Marine, noch einige Hundert Millionen Rubel verschlingen wird. Die neuen russischen Rüstungen dienen fast ausschließlich dem Zweck, die durch die deutsche Wehrvorlage herbeigeführte Kräfteverschie- bung an der russischen Grenze auszugleichen� Wie auD den Reden der Regierungsvertreter General S h i l i n s k y und General D a n i l o w in der Duma hervorgeht, ist das Kriegsministerium bereits an die Reorganisation der Armee und an die Formierung neuer Truppenteile � geschritten. General Shilinsky betonte, daß die Reorganisation der Armee sich nach zwei Richtungen hin bewege: erstens würden neue Truppenteile aller Waffengattungen gebildet, und dann werde die Friedensstärke der bestehenden taktischen Einheiten erhöht. Die hieran anknüpfenden Erörterungen namhafter Militärschriftsteller weisen darauf hin, daß einerseits eine Zusammenziehung größerer Truppenteile an der deutschen Grenze, von wo bekanntlich 1916 zwei russische Armeekorps zurückgezogen wurden, und an- dererseits die völlige Instandsetzung derGrenz- truppen für den Kriegsfall geplant wird. Wenn. so heißt es, die deutsche Friedenspräsenz auf drei Viertel und die österreichische— auf zwei Drittel der Kriegsstärke gs- bracht wird, so muß Rußland in Anbetracht der ungünstigeren Mobilisationsverhältnisse überhaupt von einer Friedens- Präsenz Abstand nehmen und die Grenztruppen fort» während schlagbereit halten. Fügt ntetn hinzu, daß die russische Feldartillerie außer- ordentlich verstärkt, neue strategische Bahnen gebaut und neue Befestigungen an der deutschen Grenze angelegt werden sollen, so erkennt man, wie zutreffend die Worte des Genossen Scheidemann sind:„Ist es nicht Wahnsinn, daß wir durch die ungeheure Heeresvermehrung nur dafür sorgen, daß ganz Europa rüstet und wir schließlich schwächer dastehen als die anderen?" Norwegen. Gegen das Secicuterccht. Christiania, 29. Juni 1913.(W. T. B.) Die Generakber- sammlung deS Nordischen Schiffsreedervereins, die gestern unter der Leitung des Präsidenten Otto Thoresen abgehalten wurde, be» schlotz«instimmig folgende Resolution:„Die Generalversamm» lung spricht aus. daß sie das Recht, das Eigentum feindlicher Untertanen zur See aufzubringen, für eine veralteteUeber. lieferung der Barbarei vergangener Zeiten ansieht, die gegen die Zivilisation ist und die Entwicke. lung deS Verkehrs zur See in unserer Zeit behindert."— Weiter erklärte die Versammlung, daß mit Rücksicht auf den inter» nationalen Handelsverkehr zur See nur Gegenstand und Waren, die direkt zu Kriegszwecken benutzt'Verden können, also namentlich Waffen und Munition als Kriegs! o.n t e r» bände angesehen werden können. DaS Präsidium wird daher ersucht, sich an die Regierung der skandinavischen Länder zu wenden und die Notwendigkeit zu betonen, daß diese Reformen baldigst aus dem Wege von Traktaten befördert werden. TLctzU ffcdmchten. Unterschleife bei der Deutschen Bank. Am gestrigen Mittag sollten 17 Kassenboten der Deutschen Bank aus dem Kassentresor eine größere Summe in die oberen Räume bringen. Beim Aufzählen des Geldes entdeckte man, daß 10 vvv M. in Banknetcn fehlte». Die sofort verständigte Kriminal- Polizei entsandte einen Kriminalkommissar an Ort und Stelle, doch ergab die Untersuchung ein negatives Resultat. Da die Äassenboten das Bankhaus nicht verlassen haben, nimmt man an, daß die Summe in der Bank selbst versteckt worden ist. Die polizeilichen Untersuchungen gehen weiter. Die neuen Kämpfe auf dem Balkan. Athen, 30. Juni.(Meldung der Agence d'Athenes.) Der ge- meldete Angriff der bulgarischen Truppen scheint ohne ernste stra- tegische Bedeutung zu sein. In zuständigen Kreisen wird erklärt, das? der bulgarische Angriff gegen die gricchisch-scrbischc Front lang« vorbereitet worden sei. Die griechische Regierung hat alle not- wendigen Maßregeln getroffen, um die Sicherheit deS eroberten Landes aufrechtzuerhalten. Eine amtliche Nachricht über eine Kriegserklärung Bulgariens liegt jedoch nicht vor. Der Ministerrat hat beschlossen, heute abend in Sofia energischen Protest gegen die neue Verletzung deS Demarkationsprotokolls ein» zulegen. Die öffentliche Meinung ist über das Verhalten der Bul- garen auf daS äußerste empört. Sofia» 30. Juni.(P. C.) Der Besetzung von Gew» gel: durch hie Bulgaren ging ein vierstündiger mörde- rischer Kampf voraus. Die Serben machten verzweifelte An- strengungen, die Linie Gewgcli zu halten, und gingen dreimal mit gefälltem Bajonett gegen die Bulgaren vor, wurden aber jedesmal unter großen Verlusten zurückgeschlagen. In- zwischen hatten die Bulgaren bedeutende Verstärkungen heran- gezogen und ergriffen, unterstützt von ihrer Artillerie, die Offensive. Die Serben zogen sich in vollkommener Unordnung zurück. Buk» garische Kavallerie verfolgte die flüchtenden Truppen bis auf 10 Kilometer. Saloniki, 30. Juni.(Meldung des Wiener Telegr. Bureau».) Die hier befindlichen bulgarischen Truppen wurden von den griechi- schen Militärbehörden aufgefordert, die Waffen abzuliefern. Die Stadt ist gegenwärfig ruhig. Ein Dampfer gestrandet. Pillau, 30. Juni.(W. T. B.) Der der Reederei von Zedier in Elbing gehörende Dampfer.Jaroslawna' ist 800 Meter vom Rettungsschuppen auf der Nehrung gestrandet. Es wird mittel» RaketrnapparoteS versucht, die Passagiere zu bergen. Schon wieder drei Bergleute verunglückt Hörde, 30. Juni.(W. T. B.) Auf der Zeche.Glückaufsegeu" wurden drei Bergleute von plötzlich hereinbrechenden Gestein»- massen getroffen und lebensgefährlich verletzt. Einer, namen» Schnitzer, starb auf dem Weg zum Krankenhaus. Ter Zustand der anderen ist hoffnungslos. Die Hitzschläge in Chicago. Chicago, 30. Juni.(W. T. B.) Es sind hier zweiundvierzig Todesfälle infolge der feit drei Tagen andauernden großen Hitze vorgekommen. #1*�............. 'nUsre Finna Bdiauptungen i€r* V�yB�ßnedenen �um&MinierelFsi��SsLic werdsn übt hneitd, ufänadi didBbe Ghar�rußangdiarü, oder dhamloldiGn abhängig IgL � ❖ Dgtrppt önBrergsgenMigcn l/SFahsrungm vdn druppe tän CigarTpngdFhajten unten0 Mita/frkung ß�ncbQltehendGrJ�taioren. cbigeBdiaupMungeR ndt emgdteljt Werden t heben v/Ff emere Klage anTUnterlaßungünd JdhcKener/cäxJf erhoben und dem den lebderm dek� gäben,]hrGgngc6bc!helmanB2c��dGnc!bt ah �meDjunterFdm Kodsrhotn.& IM nmdbhcn etari tcrwjneßhrumiär�beugm��m wir urPuirßlgenJd&i cfirdichen KfKdrung vdranlaßt desxnjntdtvfir •»** � fädendht unter Zid bdCMrüßgen ufärden o /- IST Wm�MM.dald untrertma Fpend emsnuv S Trm oder IdnKgen Kanzem angdied, odsnßn ansmßdien T rF T Jtr\ KK-u»wi x-v__.., SP~.l.—._ d*____ r7_ dKF �.-—_7- �----- FT~*X____ /Z— 7" KFl. 1 Fl________-- /�7_/7_ 'i�h öS/ bürden$ Da6 Fl der üdBMnß angelegte neue fhptal I FF und bleibt m, den MmardSf ed hat ad renne Fapltaldanlage auf den deBbaßgang i keinerlei EKfluQ, rSa�rgj�nai�d�&cypftlfesamiep I u. TMUSiyiPMBI. EdFFunaühr daß Kr die SdbMijiigktit ded Hon 1 dd6 Fn TabcdCjuhrFkateri irgenddie anta/Fea oder dazu heb tragen, w&lerisddß derßlbe in Jlohangigklsit iKFa| irgend ehern Kanzem geraten kennet Mrfehen dem Hon dd und dem Kpohmenten naPh u/Fe uQr als Fhgd\flrma gegenüber und haben an unleren ßHhertgen Itreng� reellen(jdFh�jringipiea /uFeßlabeieit unKremtBeFehen ih der getarnten TdbcrkbrandiG bekannt hnd/nidit f dad genhgdej geändert, r Jn Immdungimt obigen Behauptungen J uSdia eherJhzahl iFm dgarrengeßhqfen h ofjem her hoduMgerJhßdht der Imudh gemacht, den Fcntumjenien durch die Udermlung gegen und errmjnehrnen�aß in den Quahtdten unie| rerBdbtikntG ehe UerFMedderung ehgetreten fei* ❖ IFBMKkE�ßFBNUMSIt Ftälen u/irßit, daFmniCbt die germglfe löekd&mgh unterer Idhrßäiicn Plaifi gegriffen hat/ untere EmejgrMe u/eraen genau trie Mherhergeftdlt, unter Verwendung der heß ten Fhhiaoake und faniten ugarettenpnpiere, mtammemettdltauf örund eher audjahrriebnielans get Praxh eiwär&nen ErFahmng, � in deridhen vbllttmnenm Qualttät, dmxh di&fkMem. n/ir mslhrmx 1 W&i/Ituf arJsfäzhGn. Mmmätax fin dieBcniuirenten und untere(fetchditÄ freunde richten u/fr die Bttie/ ßdi durch derartig umdhre Behauptungen nicht hetrreruo> I-xu laßen, u/kl ßlche lediglich �auf u/MörBdrin Brirndungen beruhen/ 1 U/m erlauben 1 unc w&terjederrmnn gegenüber die ergebene ßhddigende Behauptungen aufgdtdlh\ oder iKrbrettet u/frden, damit utr und dagegen auf dem Kochtdn 1 u€ge fhützen Komeri/ Jrilll ImTFMMM i/ör l/erhrettung übnur\ ch'et&ErMdrung rrideripredhenden äerilditen, Baden-Baden, den 1, JuK IQld '(jtgareäenfabiik C[,m,b,H, rlfeteranten* 6M, deslfrilers iFOetlerrdch und Rani'gc i/F Ungarrh Hotheferanien', 6M deötbniQS von Schweden» 6, If. Hoheit des öroßherzogs vPn Baden/ JKH der ErbprtnzeFtm USachten-Mdrmcen. Lieferanten 6, Di desfumen Max Egon xu farftenherg Ueferanten der Staathfranxöstfchen ujtaltentfchen TabaK-Uestea AuöldndiTche Vertretungen int Jknstardam ♦ Batavta*Bru66d* Buenos-JfreS ♦ Kopenhagen* krtstianid* Lissabon* London* Madrid* Neapel* NeuryorK* Parts* Petersburg* Shanghai* StocLholm«SnHRopmund* u/ U/Ien* = U Nr. 164. BO. Jahrgang. 1. Stitat des JonuMfi" Sttlintt öollisUntt. Dienstag, 1. Juli 1913. Das McnKrcihproblem. Von den Blättern des rheinisch-wcstfälischcn Industriegebiets hat sich jetzt auch die„Dortmunder Arbeiterzeitung" zur Masscnstreiksrage geäußert. Sie schreibt u. a.: „Zweifellos steht fest, daß mit den bisher angewandten friedlichen Mitteln der Wahlrechtskampf nicht mehr zu steigern ist. Versammlungen und Resolutionen, selbst Straßen- demonstrationen machen keinen Eindruck auf Junker uns Junkergenosscn. Und unsere Arbeiter werden schließlich intcr- e s s e l o s, weil sie die Unwirksamkeit der angewandten Mittel erkennen. Nur dann dürfen wir wieder auf den Massen- aufmarsch der Arbeiter zu Versammlungen und Demonstrationen rechnen, wenn sie wissen, baß diese Versammlungen usw. vor- bereiten sollen zu grösicren wirksamen Aktionen. Daß im g e- gebenen Moment der Massenaufmarsch der proletarischen Wahlrechtskämpfer erfolgen wird, daran glauben w i r felsenfest. Es scheint allerdings, daß durch das Ergebnis der Landtags- Wahlen manche Genossen in den Redaktionen unserer Partei- blätter völlig dem Pessimismus verfallen sind. Das kommt daher, daß manche Genossen ihre Hoffnungen ricscnhoch geschraubt hatten und nun arg enttäuscht sind und über diese Enttäuschung den Mut verloren haben. Was will man denn eigentlich? Wir haben gar nicht mehr erwartet, und bei nüchternem Nachdenken muß jeder zugeben, daß auch bei erheblich verstärkter Kraftanstrengung ein wesentlich größerer Erfolg kaum zu erzielen war...... Wir halten selbstverständlich auch dafür, daß der Massen- streik eine wertvolle Waffe ist, mit der nicht leichtfertig gespielt werden darf. Der preußische Wahlrechtskampf ist aber auch keine leichtfertige Sache und spielend ist dieser Kampf erst recht nicht zu gewinnen. Und doch müssen wir diesen Kampf gewinnen. Preußen ist der Hort der Reaktion in Deutschland, Preußen ist das Hemmnis für jeden Fortschritt, die preußischen Junker müssen überwunden werden, wenn Teutschlands Arbeiter frei werden sollen. Statürlich ist dies Ziel ohne schwere Opfer nicht zu erreichen, aber haben über diese Tatsache wir Sozial- demokraten uns je einer Täuschung hingegeben? Gewiß: morgen wird der Massenstreik noch nicht prokla- miert, auch über sechs Wochen oder sechs Monate wohl noch nicht. Noch sind die Dinge nicht reif. Im gegenwär- t i g e n Moment wäre hier im Jndustriebezirk der Massenstreik ein verfehltes Beginnen. Wir verkennen nicht die mancherlei Schwierigkeiten, die in nächster Zeit einen solchen Kampf noch unmöglich erscheinen lassen. Es ist unnütz, diese Schwierigkeiten im einzelnen hier zu erörtern. Aber jetzt schon ändert sich die Situation und jetzt schon weichen die Schwierigkeiten. Wer will sagen, was etwa in Jahres- fr ist schon sein kann! Nicht leichtfertig wird die sozialdemo kratische Arbeiterschaft zum äußersten Mittel greifen; sie wird nur gezwungen und nach reiflicktiter Ueberlcgung und sorgsamster Vorbereitung sich der Waffe des Massenstreiks bedienen. Es ist richtig, in Preußen wird der Kampf ungleich schwieriger sein als in Belgien....... Mag der kommende Kampf schwer werden, scheuen dürfen wir ihn nicht. Und freiwillige Berzichtleistung auf die Waffe des Massenstreiks kann es nie und nimmer geben....... Alle Flaumachcrei ist vom Uebel, schlimmer jedoch ist ein Taktiker, der seine Pläne vor aller Welt offenlegt und damit dem Gegner Gelegenheit gibt, seine Abwehrmaßnahmen zu treffen. In der„Leipziger Volkszeitung" erschienen unter der Spitzmarke„Taktische Fragen" von Ii. L. gezeichnete Artikel. In dem zweiten Artikel wird u. a. ausgeführt: „Sachlich von Wichtigkeit und einer ernsten Untersuchung wert ist die Frage von der Roll« der sozialdemokratischen Organisationen in den proletarischen Massenkämpsen im allgemeinen. Merkwürdig genug ist fteilich, daß die stärksten Zweifel an der Reife der Arbeiter schaft zu Massenaktionen gerade in dem Lande auftauchen, wo die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften die größte Macht er- reicht haben. In Schweden und Holland, in Belgien und Italien, in Spanien und in Rußland, in Frankreich und in Oesterreich, in der Schweiz und in Ungarn haben wir seit einem Dutzend von Jahren zahlreiche Massenstreiks verschiedener Art erlebt, nur in Deutschland, dem Musterland der Organisation, der Disziplin und der Wahlsiege, soll das Proletariat zum Massenstreik noch nicht reif fctn!_ Solche Ansichten gäben ein trauriges Zeichen für den Wert uns««r Organisationen ab, wären sie nicht selbst bloß der Ausfluß eines auffallenden Mangels an historischer Perspektive. Wir sollen offenbar erst dann zu Massenstreiks„reif" sein. kenn der letzte Mann und die letzte Frau aus der Arbeiterklasse eingeschriebene Mitglieder des sozialdemokratischen Vereins ge- worden sind. Bei allem löblichen Eifer für die Organisationsarbcit spricht aus solchen Ansichten eine gefährliche Untcrschätzung der ge- schichtlichen Rolle und der Aktionsfähigkeit der unorganisierten Masse. Man muß sich schließlich an den Kopf fassen und fragen: wie ist denn die Weltgeschichte bisher ohne uns, ohne Wahlvereine, ohne den sozialdemokratischen Partcivorstand und die Frakion aus gekommen? Der Klassenkampf ist— was man in unseren Reihen nur zu oft vergißt— nicht ein Produkt der Sozialdemokratie, umgekehrt: die Sozialdemokratie ist selbst ein Produkt des Klassen- kampfes. sein jüngstes Produkt. Der Klassenkampf ist so alt. wie die Klassengesellschaft, und � es waren stets und überall die arbei- tenden Massen, die bandelten, wenn die Zeit reif war, die Schlachten lieferten, die den Kampf entschieden. T-a ging auch noch alles ohne Wahlvereine und ohne Parteipreffe. Wie waren Bauernkriege möglich? Wir kamen die großzügigen Aktionen der Masse in der englischen Revolution des 17. Jahrhunderts zustande? Wie die Chartistenbcwegung, wie die wunderbare Kampagne des Pariser Proletariats im Jahre 1848 und 1871, wo die sozialistische Organi- sation nur winzige Geheimzirkel umfaßte? Und in diesen Fällen handelte es sich nicht mehr um chaotische Ausbrüche verzweifelter Haufen, wie man— völlig zu Unrecht— die Bauernkriege auffassen mag, sondern um großartige Aktionen mit politischem Ge- danken, Ausdauer, Zähigkeit, Opfermut, mit Disziplin und Zucht, Ernst und Würde. � Und wenn auch in der Revolution von 1848, wenn in der Pariser Kommune Fehler und Dummheiten gemacht wurden— werden denn von unfern Führern nicht häufig genug Dummheiten gemacht? Das Aufkommen der Sozialdemokratie garantiert so wenig vor politischen und historischen Fehlern, wie es den Erfolg und Sieg der Arbcitersache in jeder einzelnen Kampf- Phase verbürgt. Wir müssen eben genau so jeden Tag von neuem aus der Geschichte lernen, wie alle aufstrebenden und kämpfenden Schichten es-seit jeher mutzten...... Mit dem Hirngespinst, das gesamte arbeitende Volk erst in die Parteikaders einzustellen, ehe man Geschichte macht, drehen wir uns übrigens im fehlerhaften Zirkel. Je mehr unsere Organi- sationen»vachscn, Hunderttausende und Millionen umfassen, um so mehr wächst notgedrungen der Zentralismus. Damit geht aber auch das geringe Maß an geistigem und politischem Inhalt, an Initiative und Entschluß, das im alltäglichen Leben der Partei von den Organisationen aufgebracht wird, gänzlich auf die kleinen Kollegien an der Spitze: auf Bcrcinsvorstände, Bezirksvorstände und Parlamentarier über. Was siir die große Masse der Mit- §ueder übrig bleibt, sind die Pflichten zum Beitragzahlcn, zum lugblatterauStragen.� zum Wählen und zu Wahlschleppcrdienstcn. zur Hausagitation für das Zeitungsabonnement und dergleichen. Das Mufterbeispirl in dieser Hinsicht ist die Berliner Organisation, in der so ziemlich alles Wichtige an Leitung und Entschluß von dem Zentralvorstand erledigt wird, und wo die Initiative von unten, sich gewöhnlich an dem Gitterwerk der zahllosen Instanzen wie an ernem Stacheldrahtzaun bricht-■ Es ist aber eine wunderliche Idee, dauernd Millionen von Menschen nur mit Erfüllung laufender Pflichten, mit Erörterungen über eine Erhöhung der Beiträge, über die Anstellung neuer Zei- tungsausträgcrinncn, mit Wahlen des ersten und zweiten Vor- sitzenden und des Kassierers, oder, zur Abwechselung, mit allerlei örtlichen kleinen Reibereien unter den Funktionären zu beschäs- tigen, wie sie nun einmal nicht zu vermeiden sind, wo viele Men- scheu zusammenarbeiten. Es ist eine wunderliche Vorstellung, man brauche diesen bureaukratischen Kleinkram nur mechanisch ins Riesenhafte zu steigern, um mit der Zeit zwei Millionen, drei Mil- lionen, vier Millionen Mitglieder und so weiter in die Parteiorga- nisation hineinzukriegen und sie dort halten zu können. Für die großen Massen muß viel mehr die Qualität in eine ganz andere Qualität umschlagen. Tie großen Massen müssen sich in einer ihnen eigenen Weise betätigen, ihre Massenenergie, ihre Tatkraft entfalten können, sie müssen sich selbst als Masse rühren, handeln, Leidenschaft, Mut und Entschlossenheit entwickeln. Da aber unser alltäglicher Organisationsapparat unmöglich ein solches Leben bieten kann— gehören doch auch geschichtliche Situa- tionen dazu, die sich nicht künstlich schaffen lassen—, da in unserer Organisation umgekehrt selbst das mögliche Minimum an geistigem Leben der Masse durch den Zentralismus erstickt wird, so muß man sich ein für allemal von dem Wahn freimachen, als ob uns je gelingen würde, die ganze gewaltige Masse des arbeitenden Volkes in beitragzahlende Mitglieder der Wahlvereine zu verwandeln. Ties ist als Vorbedingung für große Massenaktionen weder möglich noch auch notwendig. Was notwendig, ist nur eine kühne Initiative und Aktion der Partei, mit der sie sich an die Spitze der Massen stellt, jedesmal wo die politische Situation dies erfordert. Die unorganisierten Massen, ja, die gegnerisch organisierten Schich- ten werden ihr dann begeistert Heerbann leisten. Als Beweis diene dasselbe belgische Beispiel, das vielfach von verkehrter Seite auf unsere Genossen so faszinierend wirkt. Das wichtigste, was sich als positive Lehre aus dem belgischen Experiment ergibt, ist gerade die Tatsache, daß die unorganisierten Massen in wichtigen Mo- menten nie versagen und daß jede ernste Aktion der Sozialdemo- kratie ohne diese Massen ganz undenkbar loäre. In Belgien lassen die gewerkschaftlichen wie die politischen Organisationen so ziemlich alles zu wünschen übrig, auf jeden Fall können sie sich mit den deutschen nicht entfernt messen. Und doch kommt seit 20 Jahren ein imposanter Wahlrechtsstreik nach dem andern zustande. Allerdings können die Massen nur dann Erfolge erzielen, wenn die Führung der Partei konsequent, entschlossen und durchsichtig klar ist. Wird auf zwei Schritte vorwärts stets ein Schritt zurück gemacht, dann werden schließlich auch die Massenaktionen verpuffen. In jedem Fall versagt aber dann, wenn ein politischer Feldzug scheitert, nicht die unorganisierte Masse, sondern die organisierte Partei und ihre Führung. Die Sozialdemokratie ist historisch dazu berufen, die Vorhut des Proletariats zu sein, sie soll als Partei der Arbeiterklasse führend voranstürmen. Bildet sie sich aber ein, sie allein, die So- zialdcmokratic, sei berufen, die Geschichte zu machen, die Klasse sei selbst nichts, sie müsse erst ganz in Partei verwandelt werden, ehe sie handeln darf, dann kann sich leicht ergeben, daß die Sozial- demokratie zum hemmenden Moment im Klassenkampf wird und daß sie, wenn die Zeit reif ist, der Arbeiterklasse nachlaufen mutz, von ihr wider Willen zu Entscheidungsschlachten geschleift." In den: 3. R. L. gezeichneten Artikel der„Leipziger Volks- zeitung" heißt es u. a.: „Im Kampfe um das preußische Wahlrecht kann nicht irgend- ein Massenstreik in Frage kommen, der uns nach 10 oder 20 Tagen geduldigen Streikens den Sieg bescheren soll, sondern eine lange Periode erbitterter und scharfer Kämpfe, mit mehreren Massenstreiks von verschiedener Dauer und verschiedenem Charakter. je nach der einzelnen Wendung deS Kampfes und der allgemeinen Situation: Demonstrationsstreiks und Kampfstreiks, politische und wirtsckmftliche Streiks. In einer solchen Periode gälte es. alle Momente auszunützen, die zur Aufpeitschung der Masse beitragen, alle größeren gewerkschaftlichen Konflikte, Arbeitslosen- bewegungen und dergleichen, sich zunutze kommen zu lassen, nament« lich aber die stummen Sklaven des Staates, die Arbeiter und An- gestellten der öffentlichen Dienste aufzurütteln, um alle Energien der Masse wachzurufen, allen Zorn, oer in ihr bebt, in dasselbe Bett des politischen Kampfes zu leiten und den Ungestüm des Druckes aufs höchste zu steigern. Eine derartige Aktion muß von Hause aus stürmischen Charakter haben, soll sie etwas ausrichten, soll sie die ganze wirkliche Macht der Volksmasse in die Wag- schale werfen. Und damit ist schon gegeben, daß man zu einer solchen Kampfperiode nicht mit einem fertigen, bis ins Kleinste und Kleinlichste ausgearbeiteten Feldzugsplan und mit einer fertigen Kostenrechnung in der Tasche ausrücken, daß man dabei nicht die„Gesetzlichkeit" zur wichtigsten Sorge der Leitung und die Disziplin zur Kampfparole des Kampfes mache» kann.'Zu einem großen politischen Kampfe, der ein Stück Geschichte machen soll, darf man nicht die Arbcitermassen führen, wie der Tierbändiger wilde Bestien vorführt, hinter eisernem Gitter und mit Pistolen uzid Schutzstangen in jeder Hand. Das Ungestüm der unorganisierten Massen ist uns in großen Kämpfen überhaupt viel weniger'gefährlich, als die Haltlosigkeit der Führer. Bei näherer Betrachtung sieht also die Anwendung des Massen streiks, wie sie allein in der Praxis in Betracht kommen kann, viel weniger gemütlich ans, als sich mancher Genosse vorstellt. Mit kleinlichen Mitteln und zaghafter Politik läßt sich«in Kampf ans diesem Maßstabe nicht meistern, und nicht die„Vorberei- tung" zu irgend„einem" Massen st reik liegt uns gegenwärtig ob. sondern die Vorbereitung un- sererOrga nisation zur Tauglichkeit für große politische Kämpfe, nicht die„Erziehung der Arbeiterklasse zum Massenstreik", sondern die Erziehung der Sozialdemokratie zur politischen Offensive." Reickstag. 173. Sitzung. Montag, den 30. Juni 1913, mittags 12 Uhr. Arn BundeSratstische: v. Bethmann Hollweg, Del- brück. Kühn, v. Heeringen. Das Haus ist �ehr stark besetzt. Die Hbanderung des JMUitärrtrafgerctzbucba. Der fortschrittliche Antrag, der bei den Verbrechen des militärischen Aufruhrs, der Meuterei usw. mildernde Umstände zu- lassen und dann Gefängnisstrafe verhängen will, wird zugunsten eines Kompromißantrages aller großen Parteien zurückgezogen, wonach bei diesen Delikten in minderschweren Fällen die Strafe bis auf 6 Monate bezw. 1 Jahr Gefängnis ermäßigt werden kann. Dieser Antrag wird in der ersten Lesung ohne Debatte angenommen. In der zweiten Lesung erklärt Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg: Ich kann aus natürlichen Gründen im gegenwärtigen Augenblick nicht im Namen der Verbündeten Regierungen sprechen. Für meine Person erkenne ich es an, daß es wünsche>rswert ist, für eine Anzahl militärischer Delikte mildernde U m st ä n d e zuzu- lassen. sBravo!) Ich werde deshalb, falls der gestellte Antrag vom Reichstag angenommen wird, im Bundesrat für ihn eintreten. (Bravo!) In zweiter Lesung wird der Antrag gegen wenige Konservative, darunter die Abgg. v. Bühle ndorff- Kulpin und Kreth, angenommen.(Beifall.) Abg. Baffermann(natl.) beantragt, sofort die dritte Lesung vorzunehmen. Vizepräsident Paasche: Das kann nur ausnahmsweise geschehen und das Präsidium läßt eine solche Ausnahme ungern eintreten. Da sich aber kein Widerspruch erhebt, beginnen wir mit der dritten Lesung. Abg. Haase(Soz.): Wir sehen in diesem Antrag nur einen kleinen Ans a n g zu der dringend notwendigen allgemeinen Reform des Militärstrafgejetz- bucheS. Unsere Wünsche gehen viel weiter, namentlich auch in bezug auf diese Paragraphen. Aber wir stimmen dem Antrag zu, in dem festen Entschluß, eine sofortige Besserung eintreten zu lassen (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir rechneu auch darauf, daß der Gerichtsherr, dem die Untersuchung des E r> furter Urteils zusieht, es in einer solchen Weise prüfen wird, daß die Wohltaten des vorliegenden Gesetzentwurfs den Verurteilten sofort zugute kommen.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten und anderen Parteien.) Abg. v. Brockhausen(!.): Wir hoben mehrfach anerkannt, daß eine Abänderung des Militär- strafgesetzes gerechtfertigt wäre, auch bei diesen Paragraphen. Wir müssen aber Verwahrung dagegen einlegen, � daß die Beratung der Wehrvorlage dazu benutzt wird, Zugeständnisse von einer Trag- weite zu erlangen, die»och nicht zu übersehen ist. Wir pro- testieren auch dagegen, daß solche gesetzgeberischen Maßnahmen vom Reichstag derartig übers Knie gebrochen werden.(Sehr wahr! rechts, Widerspruch links.) Da aber hier eine sachliche Berechtigung vorliegt, werden meine politischen Freunde in ihrer Mehrzahl für den Gesetzentwurf stimmen, ohne sich aber für die Zukunft irgendwie zu präjudizieren.(Beifall rechts.) Abg. Schultz-Bromberg(Rp.) bedauert, daß mit diesem Anftag ein Zwang auf die Regierung geübt werde, weshalb ihn die Reichspartei auch nicht habe unterschreiben können. Abg. Dr. Spahn(Zt.): Nicht um einen Zwang auf die Regierung handelt es sich hier. sondern um die Erfüllung sehr alter Wünsche des Reichstags. Es muß auf diesem Gebiet endlich etwas geschehen. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum und links.) Der Gesetzentwurf wird in dritter Lesung fast einstimmig. gegen wenige Konservative, angenommen. Die Abstimmung dieser paar Konservativen erregt den lebhaften Unwillen der großen Mehrheit deS Hauses, der sich in zahl- reichen Zurufen äußert. Der damit angenommene Gesetzentwurf�hat folgenden Wort- laut: Als§ 110a des Militärstrafgesetzbuches wird folgende Vor- schrist eingefügt:„§ 110a. Liegt in den Fällen der 8§ 100, 106, 107,110 ein minder schwerer Fall vor und ist die Tat nicht im Felde begangen, so kann die Strafe in den Fällen der ZK 100, Absatz 1, und 106 bis auf sechs Monate, in den Fällen der KZ 100, Absatz 2, 107 und 110 bis auf ein Jahr Gefängnis ermäßigt werden." Im Absatz 2 deS Z 109 wird das Wort„zwei" durch „einem" ersetzt. Die dritte Peking der JVIUitärvorlage. In der Lesung verlangt niemand das Wort. Der Antrag Basscrmann(natl.) auf Wiederherstellung der in der zweiten Lesung auf die Hälfte reduzierten Regierungsforderung, sechs neue Kavallerieregimenter zu bewilligen, wird unter allgemeiner Unruhe mit den Stimmen der Rechten, des Zentrums und der Nationalliberalen ange- n o m m e n.(Lebhafter Beifall und vereinzeltes Händeklatschen bei diesen Parteien.) In der G e s a m t a b st i m m u n g wird die Militärvorlage auf Mehreinstellung von 136 000 Mann pro Jahr in das stehende Heer gegen die Sozialdemokraten, Elsässer und Polen angenommen.(Lebhaftes Bravo! bei den bürgerlichen Parteien.) Der Nachtragsetat, der infolge der Militärvorlage nötig ge- worden ist, wird ohne Debatte von den gleichen Parteien a n- genommen. Die dritte Lelung der Dediunge vorlagen. In der Generaldebatte gibt im Namen der sozialdemo- kratischen Fraklion Abg. Haase die an leitender Stelle wieder- gegebene Erklärung ab. Weitere Wortmeldungen zur Generaldebatte liegen nicht vor. Zur Spezialberatung liegt zum Z 3 des Zuwachssteuergesetzes ein Kompromißantrag Basser mann-Erzberger« F i s ch b e ck vor, der die darin vorhandenen Steuerfreiheiten für kleinere Grundstücke nicht eintreten lassen will, wenn der Veräußerer oder sein Ehegatte den Grundstückshandel gewerbsmäßig betreibt. Abg. Haase(Soz.): Wir werden dem Antrag zustimmen, der ernv von mir gegebenen Anregung aus der zweiten Lesung entspricht. Ter Antrag ivird e i n sl i n, m i g angenommen. Ein weilcrer Kompromißantrag Basser mann- Erz- berger-Gothein will den aus der Besteuerung der Erbschaften aufkommenden Robertrag zu vier Fünftel dem Laiche und zu ein Fünftel den Bundesstaaten überweisen. Abg. Graf Westarp(k.): Wir stimmen gegen den Ans«g, der den Bundesstaaten weitere 60 Millionen entzieht. Abg. Erzberger(Z.): Der Antrag ändert gar nichts; bisher verblieben den Bundesstaaten von einer geringeren Erbschaftssteuer 25 Proz. und nun sollen sie von einer höheren Erbschaftssteuer, durch die sie keinerlei Mehrarbeit haben, 20 Proz. bekommen. Der Antrag wird gegen die Rechte angenommen. Dir Gesamtabstimmung wird ausgesetzt. Es folgt die dritte lUfting des Befitzfteuergeretzes. Abg. Graf Westarp(I): Wir hätten gewünscht, diese Steuer mit der Mehrheit be« schließen zu können, und daß es möglich gewesen wäre, den 1909 entfachten Parteistreit endgültig zu erledigen.(Sehr wahr! rechts.) Aber es gibt Grenzen, über die wir grundsätzlich nicht hinausgehen können. Wir haben gegen dieses Gesetz der- fassungsmäßige und staatsrechtliche Bedenken ernstester Art. Es enthält eine Vermögens-, Einkommens- und Erb- schaftSsteuer.(Sehr wahr I links.) Damit greift es in die Finanzen der Einzelstaaten zu sehr ein, und macht es ihnen unmöglich, ihre Kulturaufgaben zu erfüllen.(Sehr wahr! rechts. Lachen links.) Trotz all dieser schweren Bedenken hätten wir der Regierungsvorlage in ihren Grenzen noch zugestimmt. Die K o m m i s s i o n s- b e s ch l ü s s e gehen aber weit darüber hinaus und gestatten den Einzelstaaten nicht knehr, die Kosten entsprechend ihrer Eigenart und geschichtlichen EntWickelung aufzubringen. Die direkte ReichSerbschafts-, Vermögens- und Ein- k o m m c n st e u e r rührt an die verfassungsmäßigen Grundlagen deS Reiches, die wir aufrechterhalten wollen.(Sehr wahr! rechts. Heiterkeit links.) Der Triumph der Sozialdemokratie über dieses Gesetz zeigt aber, daß es G e i st vom sozialdemo- kratischen Geist ist. iGroße Heiterkeit links.) Wir machen diesen Anfang auf dem Wege zum demokratisch regierten Einheitsstaat nicht mit. lZustimmung rechts, Heiterkeit links.) Wir können aber auch der Festlegung der Treu erpflicht der Bundesfür st cn nicht zustimmen, wie wir oft betont haben. Endlich müssen wir noch die Besteuerung der Ersparnisse und Meliorationen, die Doppelbesteuerung der Erbschaften der Seitenverwandten und die Mehrzahl von uns auch die Besteuerung des Kindeserbes ablehnen. Matz- gebend find aber für uns die staats- und finanz- rechtlichen Gründe. Der Vorwurf, datz wir bei dem nationalen Werk nicht bis zum Ende mitgetan hätten, wäre un- berechtigt. Wir wollten alles bewilligen, was die Regierung und wie fie es gefordert hatte, auch die von i h r geplante Besitzsteuer. Bei fester und geschickter Vertretung wäre die Regierungsvorlage niich durchzusetzen gewesen. �Heiterkeit links.) So hätte sich eine Einigung der bürgerlichen Parteien vollzogen, die der Reichskanzler in der zweiten Lesung als nötig bezeichnet hat. Wir wären also bereit gewesen, alles zu bewilligen sZuruf bei den Sozialdemokraten: Aber nicht aus Ihren Taschen!), aber der jetzigen Vorlage können wir nicht z u st i m m e n. sBravo! rechts, Heiterkeit links.) Abg. Baffermann(natl.) beantragt namentliche A b st i m- m u n g über das Besitzsteuergesetz. Abg. Schultz(Rp.): Wir freuen uns, datz Heeresvorlage und Deckung gleichzeitig verabschiedet werden. Die Verantwortung für die Gestaltung der Deckung trifft die Regierung, die sie zugelassen hat. Wir stimmen aber einstimmig für dieVorlage, dies erkläre ich auch namens des Abg. v. Hehl.(Grotze Heiterkeit links.) Damit s ch l i e h t die Gencraldiskussion. In der Einzelberatung begründet Abg. Ledebour kSoz.) einen Antrag, wonach alljährlich bei der Feststellung des Etats be- stimmt werden soll, welcher Prozentsatz der Besitzsteuer in den be- treffenden Jahren erhoben werden soll(Ouotisierung). Das deutsche Reichssteuersystem enthielt bis jetzt in der Hauptsache nur indirekte Steuern, die ein für allemal in ihrem Ertrag festgesetzt find und auf deren Höhe, wenn sie einmal beschlossen sind, da- einzelne Steuerjahr keinen Einflutz haben kann. Um aber wenigstens in gewissem Sinne die Steuern dem jährlichen Bedürfnis anpassen zu können, sind die Matrikularbeiträge eingeführt worden.(In der grotzen Unruhe des Hauses ist der Redner schwer verständlich.) Jetzt, wo wir direkte Reichssteuern einführen, ist es driiigend notwendig, datz dem Mangel abgeholfen wird, den unser Steuersystem bis jetzt zeigte, und datz der Reichstag in die Lage kommt, jährlich den Betrag der zu erhebenden Steuer fe st zu setzen. Nun wird man gegen unser Verlangen vielleicht einwenden, datz eine Vermögenssteuer nicht so leicht variabel gemacht werden kann, wie eine Einkommensteuer. Wir würden ja eine Reichs« c inko mm e nst euer der nun vorgeschlagenen Reichsbefitzsteuer vorziehen, aber all diesen Bedenken hat Graf Westarp von vornherein die Spitze abgebrochen, indem er zweimal erklärt hat, datz dieses Gesetz die Reichseinkommen-, Vermögens- und Erbschaftssteuer enthalte. sSehr gut I bei den Sozialdemo- kraten.) Dipnit hat Graf Westarp auch das Bedenken entkräftigt, daß eine reine Vermögenssteuer nur schwer tzder gar nicht variabel gemacht werden könnte. fHeiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wenn Graf W e st a r p fortfährt, die sich vollziehende Entwicklung so anzuerkennen, so kann er dem deutschen Volk in seiner weiteren parlamentarischen Karriere vielleicht noch ganz gute Dien st e leisten(Heiterkeit), und das erkennen wir immer gern an, von welcher Seite eS auch geschehen möge. Wir sind auch jederzeit be- reit, die Bundesgenossenschaft anderer Parteien anzunehmen, wenn es sich um Fortschritte handelt. Also. Graf Westarp selbst hat die Hinfälligkeit des Haupteinwandes gegen unseren Antrag dargetan und ich hoffe, datz deshalb unser Antrag vom Hause angenommen werden wird.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichsschatzsekretär Knhn bittet, den Antrag aus prinzipiellen und praktischen Gründen ab- zvlehnen. Zurzeit sei auch kaum die Möglichkeit gegeben, die Frage der Luotisiernng aufzurollen. Abg. Fischbeck(Vp.): Ihrer ganzen Natur nach lätzt sich die Besteuerung der Erb- schaffen nicht beweglich gestalten. Abg. Ledebour(Soz.): Für unseren Antrag mutzten alle Parteien eintreten, denen es mit den EratSrechte» des Reichstags ernst ist. Früher haben sich auch Zentrum und Nationalliberale im Sinne unseres Antrages ausgesprochen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Einkommensteuer yuotisiert werden kann, dann kann es auch die Erbschaftssteuer. ES folgt die dritte Lesung des§ 43, dem als Absatz 2 in der zweiten Lesung auf Antrag der Sozialdemokraten die Bestimmung hinzugefügt worden war, datz der Bundesrat die Behörden bestimmt, die für die Veranlagung der B u n d e S f ü r st e n zur Besitzsteuer zuständig sind. Reichskanzler v. Bethmann-HoNtveg: Ich kann nur die bereits wiederholt abgegebene Erklärung der Verbündeten Regierungen wiederholen und den Reichstag dringend bitten, den Absatz 2 des§ 43 im Interesse des Zustandekommens des Gesetzes abzulehnen,(llnruhe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Junck(natl.): Wir werden den Absatz ablehnen, weil wir nicht wollen, datz auch nur ein Teil dieses nationalen Werkes an dieser Frage scheitert. Durch unsere Abstimmung bringen wir aber nicht zum Ausdruck, datz die deutschen Fürsten nach dem geltenden RcichSrecht der Besteuerung nicht unterliegen. Die weitaus überwiegende Mehr- heit m?i»er Fraktion ist vielmehr gerade entgegengesetzter Ansicht, überlätzt die Entscheidung dieser Frage aber der Anwendung des Gesetzes.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Bei dieser Ge- Icgenheit pellen wir fest, datz sich eine etwaige Steuerfreiheit zu be- schränken hat auf die Person deS Landesherrn und der Landesherrin. Gegen die Steuerpflicht der anderen Mitglieder fürstlicher Häuser sind staatsrechtliche Bedenken nicht mehr erhoben worden. Eine Resolution Herzog(Wirtsch. Vg.) ersucht die Verbündeten Regierunge», ein Gesetz einzubringen, durch das die Steuer- Pflicht der Fürsten geregelt Ivird. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.) bittet diese Resolution anzunehmen. Abg. Hanse(Soz.): Was wir bisher erlebt haben, ist ein glatter U m f a l l gegenüber dem Stirn runzeln derRegierung.(Sehr wahr! links.) Wie das Gesetz angewendet werden wird, können wir uns ja denken, denn die Regierung verneint ja die Steuerpflicht der Fürsten. Daher mutz der' Reichstag den Verbündeten Rc- gierungen den Zwang auferlegen, im Sinne seiner MehrheitS- beschlüffe das Gesetz anzuwenden.(Sehr gut! links.) Die grotze Mehrheit deS Reichstags ist der Ansicht, datz die Steuerpflich, der Fürsten b e st e h t. Würde der Absatz 2 des§ 43 abgelehnt werden, so würde trotz aller Erklärungen drautzen der Ein- druck erweckt werden, als ob der Reichstag eine solche Steuerpflicht nicht anerkennt.(Sehr richtig! links.) � Dieser Eindruck aber wäre ein falscher. Gerade nach der Erklärung des Reichskanzlers ist es die Pflicht deS Reichstages, hier einen Riegel vorzuschieben. Tun wir das nichr, so lönnen sich Staatsrechtslehrer in Zulunit darauf berufen, datz der Reichstag niemals im Sinne der Steuer- pflicht entschieden habe.(Sehr richtig! bei den Sozial- deinokraten.) Seien Sie daher konsequent und halten Sie am Be- schlug zweiter Lestmg fest.(Beifall links.) ' Abg. Dr. David(Soz.): Wenn die Resolution der Wirtschaftlichen Vereinigung an- genommen würde, würde der Reichstag erklären, datz bis zum Zustandekommen des darin verlangten Gesetzes eine Steuerpflicht der Fürsten nicht besteht. Die Resolution ist also kein ge- eignetcr Ausweg aus der jetzigen Situation. Daran, datz durch die Aufrechterhaltung des Beschlusses zweiter Lesung das Gesetz gefährdet würde, glaubt doch hier im Hause kein Mensch.(Sehr richtig! links.) Meinen Sie, datz es die Regierung vor dem Lande wagen würde, dieses Gesetz zurückzuweisen, nur weil die Steuer- Pflicht der Bundesfürsten darin steht'i(Sehr gut! links.) Das ist politisch einfach nicht möglich. Der Reichstag hat die ganze Macht in dieser Frage in der Hand und deshalb hat er auch die ganze Verantwortung.(Lebhafte Zustimmung links.) In namentlicher Abstimmung wird der Absatz 2 des ß 43 mit 195 gegen 139 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen ge- strichen. Die Resolution Herzog wird gegen die Stimmen der Wirt- schaftlichen Vereinigung abgelehnt. Die Aenderung des Reichsstempelgesetzes wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Es folgen die Ges amtabstimmungen. Der Wehrbeitrag wird gegen die Stimmen der Polen und Elsässer angenommen.— Die Aenderungen im Finanzwesen(Aufrechterhaltung der Z u ck e r st e u e r usw.) werden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Polen, Elsässer und Welsen angenommen.— Das Besitz- steuergesetz wird mit 28(1 gegen 33 Stimmen bei 29 Stimm- cnthaltungen angenommen. In der Minderheit stimmte die Rechte, die Stimmenthaltungen stammen aus dem Zentrum.— Die Aenderung des Reichs st empelgesetzeS wird in der Gesamtabstimmung gegen die Stimmen der Sozial- demokraten angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt.(Die Sozialdemokraten verlassen den Saal.). Präsident Kaempf: Wir stehen am Schlutz eines Sitzungsabschnitts, der in der Ge- schichte des Reichstags als einer der denkwürdigsten bezeichnet werden wird. Nicht nur die Dauer von sieben Monaten habe ich dabei im Auge, sondern die fast unüberwindliche» S ch lv i e r i g- leiten, die der Reichstag zu überwinden hatte. Wenn ein Ausweg gefunden worden ist, so ist das dem festen Willen deS Reichstags zu verdanke», i» einer seiner selbst würdigen und vor der Kritik der Geschichte standhaltenden Weise die ihm gestellten Aufgaben zu er- jüllen.(Beifall.) Groß waren die Anforderungen, die an die Arbeiiskrast der Reichstagsmitglieder nn allgemeinen und der Budgetkommissionsmitglteder mit ihrem bewährien Vor- sitzenden mi der Spitze gestellt wurden.(Beifall.) Der Reichstag ist den gestellten Anforderungen gerecht geworden und zwar mit einer planvollen Initiative bei der Ausgestaltung der ihm vorgelegten Gesetze, wie kaum je zuvor. Wir können heute das Gefühl der erfüllten Pflicht haben, das uns vollen Ersatz bietet für die hinter uns liegenden Sorgen und Aufregungen. Die Opfer, die gebracht werden müssen, sind schwerer als je zuvor. Möge der Ab- schlutz des grotzen Werkes in der gesamten Nation das Gefühl der Sicherheit und Ruhe stärken, das stir die gedeihliche Entwicklung des Reiches unentbehrlich ist, und möge eS dazu beitragen, uns und der Welt den Frieden zu bewahren, den das gesamte Deutschland ehrlich will.(Beifall.) Abg. Baffermann(natl.) dankt dem Präsidenten für die umsichtige und gerechte Leitung und Präs. K a c in p f überträgt den Dank auf die Vizepräsidnten, Schrift- führer, Ouästoren und alle Reichstagsbeamte.(Bravo l) Er er- bittet und erhält die Ermächtigung, die nächste Sitzung einzuberufen und die Tagesordnung festzustellen. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Lasten Sie auch mich die Ueberzeugung aussprechen, datz dank der gemeinsamen Arbeit der Verbündeten Regierungen und deS Reichstags ein grotzes Werk getan ist. Es wird gewitz keiner unter uns sein, der an dem grotzen Werk nicht manches anders wünschte, und mancher im Lande wird Mängel und Härten darin sehen, wie die neuen Lasten verteilt worden sind. Aber trotz aller Mängel im einzelnen wird das Ganze der Nation zum Heile dienen. Die grotzen Opfer werden getragen für die höchsten Güter der Nation, für den Frieden und die Ehre des Landes. Mit der Betätigung des festen Entschlusses, für die Sicherheit des Reiches Gut und Blut herzugeben, können wir hellen Blickes und mit ge- stärkter Zuversicht auf Frieden und— wenn es sein mützte— auf siegreiche Abwehr in die Zukunft sehen.(Bravo!) DaS Bewutztsein hiervon möge jetzt nach langer und aufopfernder Arbeit die Herren in ihre Heimat geleiten.(Bravo!) Der Reichskanzler verliest dann die kaiserliche Verordnung, durch die der Reichstag bis zum 29. November ver- tagt wird. ' Präsident Kaempf schlietzt die Sitzung mit dem üblichen Kaiserhoch. Schlutz 3 Uhr. )Ziis der Partei. Aus be« Organisationen. Der Bczirkspa�rteitag für Oldenburg-Ost- f r i c s l a n d tagte am Sonntag in Oldenburg. Anwesend waren 35 Delegierte, der Vorstand, einzelne Landtagsabgeordnete usw. Aus dem Bericht des Landesvorstandes ist folgendes hervorzuheben: Die Parteiorganisation Oldenburg-Frieslands besitzt zurzeit 34 Ortsvercin/:: auherdem sind in 12 weiteren Orten Mitglieder vorhanden, doch konnten dort sichere Stützpunkte bisher nicht ge- Wonnen werden. In den zum Bezirk gehörenden drei oldenbur- gischcn und zwei ostfriesischen Wahlkreisen sind insgesamt 7310 männliche und 1513 weibliche Mitglieder vorhanden. Ter Zu- wachs gegen das Vorjahr ist nur schwach. Besseres ist von der Jugendvewegung zu berichten, die trotz aller Drangsalicrungen, insbe'ondcre der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven, aufblüht. Die Anzahl der Jugendlichen beiderlei Geschlechts ist in den neun Monaten des Berichtsjahres von 459' auf 559 gestiegen. Während die oldenburgische Eisenbahndirektion den Jungdeutschlandbiinden auf den Bahnen freie Fahrt gewährt, wurden unsere dahinzielen- den Anträge regelmätzig abgelehnt. Vom ZertungSgeschäft konnte günstig berichtet werden, wenn auch die Abonnentenziffcr eine höhere sein könnte, im Hinblick darauf, datz bei der letzten Reichs- tagswahl rund 27 999 sozialdemokratische Stimmen abgegeben wurden und im Bezirk 29 999 frciorganisierte Gewerkschafter vor- Händen sind. In den Orten, wo sich die Partes an den Gemeinde- und Stadtratswahlen beteiligte, hatte sie auch Erfolge zu«er- zeichnen. In der Stadt Brake wurde zum erstenmal drei Ge- nassen in den Stadtrat gewählt. Das Bildungswesen erfuhr eine mannigfache Förderung durch Wanderlurse und Wandervor- stellungen. Vier weiteren Mitgliedschaften wurden aus der Be- zirkskasse Bibliotheken beschafft. Die Maifeier ist überall befrie- digend verlausen bis aus die Vorgänge in Rüstringen-Wilhelms- Häven. Den jetzt unter Anklage Gestellten wurde die vollste Sym- pathie ausgesprochen.— In der mehrstündigen Diskussion über den Geschäftsbericht wurden die Verhältniffe in den einzelnen fünf Wahlkreisen eingehend erörtert. Der Antrag auf Herausgabe eines Volkskalenders zu Agitationszwecken, wie das früher ge- schah, wurde dem Vorstand zur Prüfung überwiesen.— Das Bezirksorganisationsstatut wurde dahin abgeändert, datz jeder Orts- verein bis 499 Mitglieder einen, von 499 bis 1999 zwei, bis 2999 drei, bis 3999 vier und für jede weiteren 1590 Mitglieder einen Delegierten mehr entsenden kann, gr Genosse H u g gab dann den Bericht der Landtagsfraktion. Er hob hervor, datz die 12 Stimmen unserer Genossen im Landtage vielfach ausschlaggebend gewesen find, so bei der Beamlcnbcsoldungsfragc, Einführung des Frauen- Wahlrechts usw.— klebet den diesjährigen Parteitag referierte der Parteisekretär Meyer. Er verteidigte die Haltung der Fmk- tion und des Parteivorstandes bei der Bemmng der Wehr- und Deckungsvorlagen, Er trat auch für das mit der General- kommiffion getroffene Abkommen über die Maifeier ein.— 8tv genommen wurde ein Antrag auf Abhaltung regelmätziger Ge- meindcvertretertage.— Als Vorsitzender wurde Genosse Sag, alS Vorort Rüstringen einstimmig wiedergewählt. Der dritte braunschweigische Reichstagswahl- kreis(Holzminden-Gandersheim) hielt in Ildehausen seine Jahreskonferenz ab. Die Mitgliederzahl hat sich bei starker Fluktuation uni nur 18 vermehrt. Sie beträgt 1162 und ver- teilt sich auf 31 Ortsvereine. Gewerkschaftsmitglieder sind 2194 im Kreise vorhanden. Die Zahl der„Volksfreund�-Leser betrug im Dezember 1912 2637; 379 mehr als im Dezember des Vor- jahres. Die Gemeinderats- und Stadtverordnetenwahlen brachten uns 16 neue Mandate. Wir haben in 5 Städten 16 Stadtverord- nete und in 31 Gemeinden 43 Gemeinderatsmitglieder. Unsere Stimmen überflügelten die der gesamten Gegner um 212. Kreisvorsitzender wurde wieder Genosse Martin-Holzminden. jOolireilicheg, ßerichtliches ulw. Ein Justizirrtum. Vor einigen Monaten wurde unser Gothaer Parteiblatt und mit ihm sein Gewährsmann, ein Arbeiter Raab, wegen Belei- digung des Schultheißen Henneberg aus Dietharz verurteilt. Der Arbeiter Raab erhielt vier Monate Gefängnis, unser Parteiblatt 69 Mk. Strafe. Den Ausgangspunkt der Klage bildete eine Schultheitzenwahl in Dietharz, für die Henneberg, der bisherige Schultheih, wieder kandidierte. Er fiel bei der neuen Wahl durch, und dieser Durchfall ist dem Umstand zuzuschreiben, datz Raab und nach ihm das„Volksblatt" mitgeteilt hatten, vor 16 Jahren sei bei dem Bau der Wafferleitung in Dietharz von dem Vater des Schultheißen und seinen Söhnen absichtlich ein Holzstöpsel in die Wasserleitung getrieben worden, um sie so gut wie unbrauch- bar zu machen. Die Tatsache konnte nicht bestritten werden, daß die Wasserleitung immer mangelhaff war. Die Firma, die sie ausgeführt hatte, soll sogar die mit der Ausführung betraut gewesenen Beamten entlassen haben, weil man annahm, es liege ein Konstruktionsfehler vor. Es wurden auch, nachdem Raab seine Behauptung aufgestellt hatte, Untersuchungen vorgenommen und Teile der Leitung bloßgelegt und gereinigt, ohne datz die Angaben des Raab bestätigt wurden. Erst jetzt, am vergangenen Freitag- abend, fand man an einer Stelle der Wafferleitung einen fest in das Rohr eingekeilten Holzstöpsel, der dem Waffer den Weg ver- sperrte. Werm nun auch der Fundort sich nicht mit den Angaben des verurteilten Arbeiters deckt, so mutz eben berücksichtigt werden, datz zwischen der Tat und der Auffindung 16 Jahre liegen. Jedenfalls aber dürfte so viel feststehen, daß auf Grund dieses Fundes der Prozetz wieder aufgenommen und der Mann frei- gesprochen werden mutz. Natürlich kann nun auch nicht mehr von einem sozialdemokratischen Wahlmcmöver gesprochen werden. Sie Srülitluiig eine; keramischen InÄuitrieverdsnÄe;. Tie Tagungen der Glasardeiter, Töpfer und Porzellanarbeiter.. Leipzig, 39. Juni. Der Gedanke des Zusammenschlusses' gewerkschaftlicher Olga. nisationen zu großen Jndustrieverbanden hat in den letzten Jahren immer weitere Fortschritte gemacht. Die kapitalistische.Konzentra- tion, der Zusammenschluß der Unternehmer zu großen Verbänden. drängt zur gewerkschaftlichen Konzentration. So sahen wir beson. ders 1919 die Verschmelzung mehrerer GewerkschastSorgamsa- tionen: die Gründung eines Jndustrieverbandes für daS TranS- Portgewerbe zu Wasser und zu Lande(die Verbindung der Orgaui- sationen der Hafenarbeiter, Seeleute und Transportarbeiter) und den Zusammenschluß der Maurer und Bauhilfsarbeiter zum Deut- scheu Bauarbeiterverband. In den folgenden Jahren haben sich mehrere kleine Verbände größeren Jndustrieorgani sationen ange- schlössen. Nun stehen wir wieder vor einem Zusammenschluß, vor der Gründung eines Jndustrieverbandes. Tic Delegierten der Ver- bände der Glasarbeiter, Töpfer und Porzellanarbeiter kamen am Montag, den 39. Juni, hier zusammen, um das Statut der neuen Organisation zu beraten. Der Gedanke der Verschmelzung dieser drei Verbände ist nicht neu. Die VerschmelzungSfrage wird schon seit einer Reihe von Jahren sehr eingehend in den Kreisen der Mit- glieder erörtert, und wiederholt sprachen sich Generalversammlungen der Verbände für die Gründung eines keramischen Jndustriever- bandcs aus. Die letzten Generalversammlungen der drei Organi- sationen(1919 und 1911) beauftragten die Vorstänlde. ein gemein- sames Statut auszuarbeiten und dieses den Mitgliedern zur llr- abstimmung vorzulegen. Zur Annahme des Stawts sollen zwei Drittel der abgegebenen Stimmen erforderlich sein. Die Borstande kamen diesem Austrage nach und arbeiteten ein Statut für den neuen Verband aus. Doch soll über dieses nicht so« fort eine Urabstimmung vorgenommen werden, sondern die Vor- bandstagungen sollen eS zunächst beraten. Die OrganisationS- leihingen sind der Meinung, datz eine Urabstimmung ohne voraus« gegangene Generalversammlungen wertlos sei, weil ja dann eine Abänderung der Statutenvorlage unmöglich wäre. Die Urabstim- mung müsse also nach den Tagungen stattfinden. Bei der Ausarbeitung der Vorlage machten die Unterstützungs- einrichtungen die größten Schwierigkeiten, was erklärlich ist. da diese in den drei Verbänden sehr verschieden sind. Besonder» d-ie Frage der Arbeitslosenunterstützung erwies sich als schwer lösbar. Es galt hierbei, der Heimarbeiterfrage sowie den besonderen Verhalt- nisten in der Glasindustrie und nicht zuletzt der öfteren«»citS- losigkeit bei den Ofensetzern Rechnung zu"ragen. Äff« Wunsche konnten natürlich nicht berücksichtigt werden. Hauptgewicht legten die Vorstände auf die Kampsfähiakei: dc»»eiwn Verbandes. Die Unterstützungseinrichtungen durften deshalb»ich: überspannt, sondern mutzten in einer gewissen Grenze gehauen werden. Ter neue Verband soll den Namen„Deutscher Keram- arbeiterverband" erhalten und sein SiH®t soll alle Arbeiter und Aicheiterinnen der Glas-, Por�llan-, Steingut-, Steinzeug- und Tonindustrie, der Tonofensabriken, Scheibentöpsereien, die Ofensetzer. Fliesenleger mü> alle Hilfs- arbeitet umfassen. Neben de- Gewährung von Rechts, chutz will der Verband Unterstützung bei Streiks. Aussperrung uiri Matzreae- lungen, bei Arbeitslosigkcu und Krankh� gewahren; serner �ahr. gelder und Umzugsunterstützungen. Unteritutzung an Wochne- rinnen, sowie Sterbcaelü für MitglnF>er unh deren Frauen. Der Beitrag richtet sich»acki dem Verdienst des MAgliedes und soll bei einem Wu4>,'nn„„v■,)« M 25 Pf. pro Woche, bis zu 13 M. � 23 M. 70 Pf., bis 28 M. si Pf. und Statuwne�urs ist in den Mitglie�rversainmlungen und in den«- sehr eingehend erörtert, worden. Er stutz Widerspruch. Von den Glasarbeitern wurde beso�.-rs die Erhöhung der Beitrage sowie geaen die vorgeschlager«: Fo?>n �«rbeitslchenurAerstutzung Einwendungen flenwchT aw Unterstützungselnrichtungen nahmen übrigens be, all7n Dis�c b,n«n den breitesten Raum ein. Verurteilt wurde die Niäbe.�Äla-was Ausschusses. Die verschiedenen Wünsche der Mü°l-d-r lÄcn sich zu einer autzcrordentlich grotzen Zahl Anträge S&i-t u�r SOG Anträge liegen zu dem StawuNentwurf vor. ? m-ntiallcii auf den Glasarbeircrverband allein 431; die ,,nd Porzellanarbeiter waren bescheidener, sie begnügten sich «tivas über 299 Antrage. Diese enorme Zahl von Anträgen läßt erkenne», wie eingehend.die Beratung des Statuts aus den Zunächst' w»den die einzelnen Verbände den Statutcnentwurf „-tnSnt beraten und dann wind in gemeinsamer Tagung die end- aüliigc Form der Satzungen festgelegtl�Die Glasarbeiter und die Töpfer werden danach die übrigen TageSordnungsp unkte M« ordentlichen Generalversammlung(Entgegennahme der Geschäfts- berichte usw.) erledigen. Die neue Organisation nnvd eine Mitgliederzah! von sofort über S0 000 haben. Am Schlüsse des Jahres 1912 zählten die drei Verbände insgesamt 47 908 Mitglieder. Der Glasarbeiterverband ist mit 20 097 Mitgliedern an erster Stelle, dann kommt der Por- zellanarbeiterverband mit 10 078 und der Töpserverband mit 11733 Mitgliedern. Organisationsfähige kommen in der keramischen. Industrie ungefähr 150 000 in Betracht. Der Verband hat also noch ein sehr großes Ausbreitungsgebiet. Die Kassenverhält- nisse der drei Verbände haben sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Die drei Verbände zählten am Jahresschluß 1912 ein Vermögen von fast 1 Million Mark. Das größte Vermögen bringen die Töpfer mit, 37S0S1 M., die Glasarbeiter hatten Ende 1912 ein Vermögen von 279 797 M. und die Porzellanarbeitcr ein solches von 273 721 M. Hoffen wir nun, daß die Beratung der Statutenvorlage so aus- fällt, daß das neue Statut allseitige Befriedigung erweckt, und daß die Arbeiten der Generalversammlungen zum Vorteile aller in der Keramindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen ausfallen. In diesem Sinne begrüßen wir die Gründung des keramischen Jnduftrieverbandes, der zweifellos die Machtposition dieser Arbeiter stärken wird. U. Gkneralversammlung der Maler und Wtißbmder. Salle, 30. Juni 1913. Zum dritten Male seit Jahresfrist treten die Delegierten des Verbandes der Maler, Weißbinder und Lackierer zusammen. Zwei- mal erheischten die Lohn- und Tarifbewegungen die Einberufung außerordentlicher Verbandstage, während vom 30. Juni bis zum 5. Juli hier die in zweijährigen Perioden fällige ordentliche Generalversammlung stattfindet. Die diesmalige Tagung erfordert ganz besonderes Interesse, denn neben den üblichen Tagesordnungspunkten sRechenschafts- bericht, Wahlen u. dgl.) stehen die verflossenen Lohnbewegungen zur Debatte und außerdem ist über grundlegende Aenderungen. des bisherigen Statuts zu beraten. Der im Druck vorliegende Vorstandsbericht für die Geschäftsjahre 1911 und 1912 weist mit Befriedigung darauf hin, daß die Konjunktur in den Sommermonaten für den Beruf im allgemeinen günstig war, während der Arbeitsmangel im Win- ter 1911/12 außerordentlich groß war, so daß in Bremen auf eine Arbeitsstelle 19 Bewerber kamen, in Hamburg auf eine Stelle 14 Bewerber, obwohl erfahrungsgemäß eine Anzahl Arbeitsloser den Arbeitsnachweis fernbleiben. Räch den statistischen Erhebun- gen kamen auf je 100 offene Stellen durchschnittlich 990,90 Arbeit- suchende im Januar 1910 und 91,11 Arbeitsuchende im April 1910. Aus dem Bericht über das Tarifwesen geht hervor, daß der Verband in den Jahren I90S bis 1912 494 Tarife abgeschlossen hat. Die ersten Tarife begnügten sich damit, die Tarifdauer, Lohn und Arbeitszeit festzusetzen. Dann wurden die Tarife auf immer weitere Gebiete, auf Kündigungsfrist, auf Festlegung der Pausen, auf Zuschläge für Gerüstarbeit, für Ueberlandarbeit, für Fahr- geldvcrgülung, auf das Stellen von Werkzeug, Akkordarbeit und schließlich selbst auf die Arbeitsleistung ausgedehnt. Tarifinstanzen wurden geschaffen und ihre Rechte von Tarifperiode zu Tarif- Periode erweitert und befestigt. Eine Frage um die andere wurde in den Tarif hineingebracht und heute untersteht fast das ganze Arbeitsverhältnis der Kontrolle der Organisation. Rur noch ganz wenige Fragen bleiben durch den Tarif unberührt, aber auch deren Lösung wird über kurz oder lang erreicht werden. Das Jahr 1912 brachte die Vorbereitungen für den neuen Reichs« tarif und im Okwber 1912 beschaffigten sich in ganz Teutschland Bezirkskonferenzen mit dieser Frage. Die Einzelheiten in der Tariffrage haben sich ja erst in der jüngsten Zeit abgespielt und find wohl noch in bester Erinnerung. In den beiden Berichtsjahren fanden 278 Lohnbewegun- gen statt, die sich auf 284 Orte erstreckten mit 2502 Betrieben und 10 000 Beschäftigten. 158 Bewegungen konnten durch VerHand- lungen ohne Streik erledigt werden, und zwar in 159 Orten mit 1850 Betrieben und 0000 Beteiligten. Durch Streiks und Aus- sperrungen fanden 120 Bewegungen in 125 Orten mit 040 Be- trieben und 3940 Beteiligten ihre Erledigung. Die Lohnkämpfe dauerten insgesamt 4289 Tage. Von den Bewegungen endeten 146 mit 4422 Beteiligten mit Erfolg, 110 mit 4008 Beteiligten mit teilweisem Erfolg und 21 mit 227 Beteiligten ohne Erfolg. Es wurde hierbei für 3782 Personen eine wöchentliche Arbeitszeit- Verkürzung von 9195 Stunden erzielt. Die für 8405 Personen er- reichte wöchentliche Lohnerhöhung beläuft sich auf 10 537 M. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1910 11 882 und Ende 1912 50 550, so daß eine absolute Zuuahme von 8208 zu ver- zeichnen ist. Eigentlich hätte der Mitgliederzuwachs zahlenmäßig ganz anders zum Ausdruck kommen können, wenn nicht mit einer außerordentlich starken Fluktuation gerechnet werden müßte und außerdem vielfach Streichungen wegen rückständiger Beiträge Platz greifen mußten. Es sei darauf hingewiesen, daß der Verband in den beiden Berichtsjahren wohl 70 004 Neuaufnahmen erzielte, dagegen aber einen Abgang von 01 429 zu verbuchen hatte. Mit den ausländifchen Bruderorganisationen unterhielt der Verband gute Beziehungen. Er hat wiederholt die Position diese Organisationen in Lohnkämpfcn dadurch stärken können, daß er den Zuzug aus Deutschland fern hielt, außerdem aber auch wiederholt finanzielle Unterstützung den Bruderverbänden gewährte. Im Jahre 1912 wurde zum ersten Male ein i n t e r- nationaler Bericht durch das internationale Sekretariat herausgegeben, und zwar in deutscher, englischer, französischer und dänischer Sprache. Matzregelungsunter st ützung wurde an 507 Mitglieder ausbezahlt, und zwar in der Gesamthöhe von 22 879,20 M. Für Rechtsschutz mußte der Verband 4108,92 M. ausgeben. Von den Unterstützungseinrichtungen des Verbandes kommt der Krankenunterstützung die größte Bedeutung zu. In den beiden Berichtsjahren erforderte dieser Zweig 455 715,90 M., an Sterbegeld wurden 23 105 M. verausgabt. Die Reiseunterstützung erforderte 23 211,03 M. für 2531 Mitglieder. Das Verbands- vermögen belief sich Ende 1912 auf 2 232 788,90 M. Die Einnahmen betrugen im Jabre 1911 1 200 099,20 M. und 1912 1 502 450,39 M. Die Auflage des Vereinsanzeigers betrug 1911 2 584 100 Exemplare und 1912 2 797 000 Exemplare. Die genannten Zahlen geben ein deutliches Bild von dem Er- starken des Malerverbandes. Daß der Verband auch in seinem organisatorischen Aufbau nicht sfille steht, geht zur Genüge aus den zahlreichen Anträgen zur Statutenänderung hervor, die den dies- maligen Verbandstag beschäftigen. Am einschneidendsten dürste Wohl der Antrag des Vorstandes auf Aenderung der Beiträge sein. Während bisher der Beitrag nur nach dem Geschlecht der Mitglieder unterschieden wurde(die männlichen Mitglieder zahlten in 35 Som- merwochen 00 Pf. und in 17 Winterwochen 20 Pf, die weiblichen stets 20 Pf.), ist jetzt eine Beitragsstaffelung vorgesehen, die in drei verschiedenen Beitragsklassen wöchentlich 70, 90, 110 Pf. verlangt und in den Wintermonaten 35, 55 und 75 Pf. Dabei ist vor- gesehen, daß 40 Wochen als Sommerwochcn und 12 als Winter- wochen zählen. Es bleibt den Mitgliedern freigestellt, in welcher Klasse sie Beiträge leisten loollen, doch bedingt naturgemäß erhöhte Beitragsleistung auch den Genuß erhöhter Unterstützungssätze. Neu vorgesehen ist eine Erwerbslosen- und eine Umzugs- Unterstützung. Bisher bestand bereits eine Krankenunter- stützung; mit der Erwerbslosenunterstützung will man einem in Mitgliederkreisen lange gehegten Wunsche entsprechen. Voraus- setzung für den Bezug der Erwerbslosenunterstützung ist eine vor- hergegangene S2wöchige Beitragsleistung. Die Dauer der Unter- stützungstage richtet sich nach der Zeit der Organisationszugehörig- keit und schwankt zwifchen 30 bis 240 Tagen.— Eine ganze Reihe von Anträgen beschästigen sich mit dem Streik- reglement. Das ist erklärlich, weil gerade der diesjährige Tarifkampf auf verschieden« Mängel des bisherigen Reglements aufmerksam gemacht hat. Alles in allem wird der Verbandstag ein großes Pensum zu erledigen haben und es ist zu wünschen, daß er gute Ardeit im Dienste der Organisafion leisten wird. Gerickts-�ettimg. Bauernbund gegen Bund der Landwirte. Ein politischer BeleidigungSprozeß beschäftigte gestern unter Vorsitz des Amtsrichters Dr. Engelmann das Schöffengericht Berlin-Mitte. Als Kläger stand der nationalliberale Abgeordnete und Präsident des„Deutschen Bauernbundes" Dr. W a ch h 0 r st de W e n t e gegen den verantwortlichen Redakteur der Zeitschrift „Bund der Landwirte", Otto Kastner, auf. In der Nummer vom 22. März ds. Js. des genannten Organs des Bundes der Landwirte, erschien unter der Spitzmartc„Ein liberaler Agitator als übler Spaßvogel" ein Arfikel, welcher sich mit der Person des jetzigen Klägers Wachhorst de Wente beschäftigte. In diesem Arfikel wurde u. a. gesagt, daß„Herr Friedrich Wilhelm Wach- borst de Wente-Groß-Mimmelage„Oberpräsident" des sogenannten Deutschen Bauernbundes und liberaler Landtagskandidat für Osnabrück" in seinen Agitationsreden eine besonders komische Wendung gebrauche, die nach der nationalliberalen„Osnabrücker Zeitung" folgenden Wortlaut habe:„Der Bauernbund sei z. B. energisch gegen die Einfuhr deS argentinischen Gefrierfleisches eingetreten, während Zentrum und Bund der Landwirte in dieser Frage die Hände in den Schoß gelegt hätten." In dem Artikel wird weiter gesagt, daß Herr Wachhorst de Wente offenbar einen sehr gesunden Winterschlaf, um den ihn der fetteste Dachs beneiden könnte, ge- habt, da er nicht gemerkt habe, daß der Bund der Landwirte seit dem Einsetzen des„Fleischiwtrummcls" den Deutschen Bauernbund gegen die drohende Einführung des Gefricrfleifches verteidigt habe. Schließlich wurde auch noch gesagt, daß der Kläger in seinen„leichtfertigen Verdächtigungen des Bundes der Landwirte die unschöne Rolle eines üblen Spaßvogels" spiele. Von dem Kläger wurde wegen der höhnenden Bezeichnung „Oberpräsident" des Bauernbundcs und die bezeichnung„übler Spaßvogel" die vorliegende Privatklage erhoben. Nach einer längeren Verhandlung kam das Gericht zu einer Freisprechung des Beklagten. Diesem sei der Schutz des § 193 lWahrnehmung berechtigter Interessen) zuzubilligen, auch lasse sich weder aus der Form noch aus dem Inhalt die Absicht einer Beleidigung erkennen. Anklage wegen Zettelanklebens. Vor dem Amtsgericht Berlin- Mitte hatte sich der Angestellte des Transportarbeiterverbandes Otto Franke zu veranttvorten. Franke war beschuldigt, in der Nacht vom 22. zum 23. November 1912 streikende Mitglieder des Verbandes veranlaßt zu haben, Zettel zu verteilen bezw. an Zäune usw. ankleben zu lassen. Der Angeklagte erklärte, er habe die Zettel nur anfertigen lassen, aber niemanden den Auftrag gegeben, die Zettel auf der Straße zu verteilen oder an Häuser und Zäune anzukleben. Nur ein Zeuge behauptete, Franke habe den Auftrag zum Ankleben der Zettel erteilt, die übrigen Zeugen bekundeten das Gegenteil. Der Amtsanwalt beantragte 10 M. Geldstrafe eventuell zwei Tage Haft. Das Urteil lautete auf Freisprechung. In der Begründung wurde gesagt, daß die Verhandlung nichts ergeben habe, was auf eine Mitschuld des Angeklagten hinweise. Es müsse angenommen toerden' daß der belastende Zeuge den Angeklagten falsch verstanden hat, zumal aus den Aussagen der übrigen Zeugen hervorgehe, daß dieser Zeuge während der Streiktage öfter stark betrunken war. * Studentische„BefreiungS�feiern. Die Hallesche Studentenschaft erfreut sich im Jubiläumsjahr, wie wir schon des öfteren berichteten, auch in strafrechtlicher Be- ziehung der größten Freiheiten. Obwohl jetzt fast tagtäglich in der bürgerlichen Presse über studenfische nächtliche Skandalszenen geklagt wird, verhängen die Gerichte bei Aburteilung ftudenfi scher Rüpeleien die mildesten Strafen. Von der Abs chreckungStheorie, die zuweilen bei Strikkprozessen gepflegt wird, merkt man so gut wie nichts. Am Tage nach dem Regierungsjubiläum Wilhelm» II. empörte sich die„liberale" Saalezeitung über eine schamlose Verunreinigung des Bürgersteiges durch mehrere Studenten in hellblauen Kneipjacken und knüpfte daran die Bemerkung:.Ob die Studenten dadurch der Feier des Regierung» z jubiläumS einen würdigen Abschluß geben woll». t e n? Schulbuben hätten dafür eine derbe Tracht Prügel ver- dient." Am Freitag standen wiederum zwei Studenten wegen nächtlicher Ruhestörungen, Sachbeschädigung und öffentlicher Beleidigung vor dem Schöffengericht unter Anklage. Der Student der Theologie Otto Pröl»! l e r war in einer Maiennacht imt seinen Kommilitonen im Gänse- marsch durch die Straßen gezogen und hatte skandalierend mit seinem Spazierstock da» Marmor-Reklameschild eines Drogisten ge- waltsam vorsätzlich zerstört. Dann hatte die Gesellschaft Reißaus gemacht. Das Schild war 00 Mk. wert und mußte von dem bald ermittelten künftigen Kanzelredner ersetzt werden. Dem Gericht wollte der künftige Verkünder der Wahrheitslehre glauben machen, er wäre mit dem Stocke.nur so zufällig" in daS Schild„hineingeraten". Ein Wächter bekundete aber, daß der Angeklagte ab»i sichtlich gehandelt habe.— DaS Gericht nahm anch vorsätzliche Sachbeschädigung als erwiesen an, ließ den Angellagten aber mit einer Geldstrafe von 1b Mk. davonkommen.— Noch billiger kam der Swdent der Landwirtschaft Eugen Baischli davon, der bei dem Krakeelmachen einem Polizisten gegenüber erklärt hatte, er, der Beamte, sei verrückt.— B. wurde verurteilt wegen öffentlicher Beamtenbeleidigung, 10 Mk. zu zahlen. Vergleicht man damit die zuweilen aus Anlaß von Streiks gegen Arbeiter verhängten drakonischen Strafen, dann Wird man die Befreiungtfeiern schon zu würdigen verstehen. � Ihrem Kollegen, dem Metteur des„Vorwärts" P Robert Lampe � zum fünfzigjährigen Berufsjubiläum die herzlichsten W Glückwünsche!'.,..... ,, Seine Mitarbeiter. M Heines Werke ReukersWerke . Z»«»>- 4 Mut» 3 SinlK 4 Sinti. Buchhandlung Vorwärts Buchhandlung Vorwarks Tankiaqung. Hiermit sagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem sozialdemokratischen iSahiverew, Ztr. Nicdcr-Barnim, Lichtenberg, Kruppetz anläßlich unserer Silberhochzeit für die erwiesenen Auimerkfamkeilen im- seren herzlichsten Dank, 7ZA Karl Rosenblatt und Fra». HoOfiKimliiifeti Wanderkarten Half stet» vorrätig Buchhandlung Vorwärts Lindenftr. SS sLadeu) Oet»v«i-vr»Itiu»? Berlin. Bureau: Berlin O., Rosenthalerstr. 11/12, Restaurant Schilling. Amt Norden, 2438. !— 90/1* Wir empfehlen bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten vorstände«, Komitees und Saaliuhaber» unseren kostenlosen Arbeitsnachweis, Rosenthalerstr. Geschäftszeit täglich von 10-/,-1 Uhr mittags. Kapellen vom größten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Verfügung. Der vorstand. NB. Unsere Mitglieder find im Besitz einer Kontrollkarte. Dielelbe ist kür daS 2. Quartal rot und nmß mit dem Verbanosstempel versehen sein. 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CIGARETTEN Bekanntmachung. Unseren Gasabnehmem von Berlin, Berlin-Schöne berg. Berlin-Wilmersdorf, Berlin-Schmargendorf, Berlin-Dahlem, Berlin-Mariendorf, Benin-Grunewald, Berlin- Tempelhof, Berlin- Marienfelde, Rudow, Buckow, Stahnsdorf, Groß- Ziethen Groß- Waßmannsdorf, Teltow, Lichtenrade, Klein-Machnow und Nikolassee teilen wir mit, daß wir von dem Tage ab, an dem im Laufe des Monats Juni 1913 die Gasmesserstände aufgenommen werden, folgende Rabatte auf den Preis von 13 Pfennig für das Kubikmeter gewähren: a) ohne Rücksicht auf die Verwendungsart(abgesehen vc und Treppenbeleuchtung, zum Motorenbetriebe, zu Hi von dem zur Flur- Heizzwecken sowie zur zentralen Warmwasserversorgung von ganzen Häusern oder auch einzelnen Wohnungen verbrauchten Gase): 5"/o für Abnehmer, welche jährlich verbrauchen 1— 5 000 cbm S°/°, d n n 5001- 25000, 9,5»/„„,. 25 001- 50 000„ 10„ 50 001— 7o 000, U»/,.. 75 001-100 000. 12°/,.,. 100 001-125 000„ 13°/«,,,,, 125 001-150 000« 11°,» n n,,, 150 C01 175 000. 15°/,,,, 175 001-200 000, 16°/,,„,.» 200 001-225 000„ 17°/..., 225 001-250 000, 1«°/,,,,,, 250 001-275 000 B 19°/,.,, 275 001-300 000, 20°/,„„„, r 300 001 und mehr„ b) ohne Rücksicht auf die Höhe des Verbrauches: 1. für Gas zur Plur- und Treppenbeleuchtung........ 15°/« 2. für Gas zum Motorenbetriebe, zu Heizzwecken sowie zur zentralen Warmwasserversorgung von ganzen Häusern oder auch einzelnen Wohnufigen verwendete Gas.......... 20°/« Die Rabattgewährung zu b) kann nur erfolgen, wenn die zu den unter 1. und 2. genannten Zwecken entnommenen Gasmengen durch je einen besonderen Gasmesser festgestellt werden. Auf kürzere Fristen als ein Jahr werden Rabatte nicht gewährt• Berlin, den 24. Juni 1913. Dr. Voekenfuss Spezlalarzt für Haut-, Harn-, Frauenleiden. Ehrlich-Hata-Kuren, Blutuntersuchung. Schnelle, gründliche und schmerzlose Behandlung.* Wedrittair. 125 Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Inger.— Gegen 30 Pfennig auf 10 Ps. Anweisung frei. Ohne Zweifel die bequemste u.wirksamsteHilfe. Der Schmerz ist in SMin. fort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salieylsäure u. indischen Hansextratt.) Dr � Unger in Würzburg. Berlin(20 Pf.): Balemen- Apotheke, Charlottensträge 54.— Lreit- Apotheke, Barnimstr. 33.— Wo nicht, zn Haben; Rosen-Apotheke, WUrzburq 8! 800 Mark 104|4* NhzaHI. an Verf. Porz, von 2000 M. an. 10 Ps.-Tour eleltr. Bahn. Linie 104. Hohenschönhausen, Hauptstr. 17, Hs. pt. Kerlmer Asyl-Verem für Obdachlosk. Seit unserer Befanntmachung vom 27. Januar d. I. sind folgende Bei- träge bei uns eingegangen: Legate und Stiftungen. 10 000 M., Vermächtnis von Herrn Ernst Böhm. 10 000 M., Rudolf Masse anläsjh s. 70. Geburtstages. 1000 M., Kröningscher Nachlaß. 1000 M., Julius Ruhm Nachlaß. Einmalige Beiträge. 40 000 M., Stadthauptfasse Berlin. 2000 M., Stadthauptfasse Neufölln. 1500 M., Stadl hauvtfasse Berlin- Wilmersdorf. 1500 M., Stadthaupt- fasse Berlin. Schöneberg. 1000 M,, Stadthauptfasse Charlottenbg. 1000 M., Banldireltor Paul Wauliewiez. 800 M., Frau Hedwig Lachmann. 800 M., Ungenannt. 200 M., Frau Simon-Lippmann.' 100M.,Ncgicrungs- baumeister E. Lippmann. 100 SN., Arbeiter der Turbinensabrif Huttenstr. 100 M.. Frau Gcbcimr. Kirstem anläßl. ihres 70. Geburtstages. 57,10 M., Arbeiter der Zlnorrbrcmse durch Willi Sielest. 50 M., Frau Hetih Coro. b0 M., Olga Ginsberg. 40 M. Per- «inigung sür staatswissenschastl. Fort« bildung. 32,50 M., Deutscher Portier- verband. 30 M., Personal der Finna Fcrd. Ashclm. 30 M., Dr. Fränfel. 30 M., Gustav Mette. 25 M., A.KIühn. 20 M., Dr..vierzscld. 20 M., Richard Lebram. 20'M., R. Albrecht. 20 M.. Dr. W. Karsten. 20 M., Frau Kommerzr. Cäcilie Löscr. 10,35 M., Personal d. Firma Hauptner. 10 M., Hilfsarbeiter der Galvanoplastischen Fabrif. 10 M., P. B.. Friedenau. 10 M., Hugo Eisner. 10 M., Baurat Hcidicke. 10 M.. E. Äuhnfe. 10 M., Dr. Leiden. 10 M., Margarete Horn. 10 M., Frau Eh. Hcinemanu. 10 M., Frau Mctterhausen. 10 M., Arnold Küthe. 10 M.. Fr. Jeserich. 10 M., A. Kübnel. 8,45 M., O. Seiscrt, Neufölln, von 25 Patienicn d. Heil- ftätte Beelitz. 8 M., 81. F., Steglitz. 7,30 M.. Kollegen d. Fumia Bolzani. 6 M., soziald. Wahibs.�1!einilfeiidors- West. 5 M., F. Gocckel, Beelitz, Halle II, von 14 Patienten. 5 SN., Paula v. Lichtenfels. 4,50 M., lln- genannt. 1,02 M., Restaurant Stein- äcker. 1,55 M., Schneider, Panlow. Zweimal 1,50 M., Hermann Beck. Wir sagen den geehrten Spendern herzlichen Danf und bitten, weitere Beiträge und Zeichnungen an unseren Schatzmeister Herrn A. Hirsibseld, Berlin W, gosanenstr. 33, Postscheck- fonto 2969, oder an dessen Stellver- trcter, Herrn Kommerzienrat Dr. Arons, Maucrstr. 34, Postscheckfonto 1153 dcS Banfhauscs Gebr. Arons, einzusenden. Getragene Kleidungs- stücke lassen wir durch unsere Boten oder durch die Pafetjahrt gern ab- holen. Berlin, den 28. Juni 1913. Ter Bermaltungsrat Zeitutlgs-Ausgave stellen und Juseraten-Aunalsme. Zentmin: Albert H a h n i s ch. Slckerstr. 174, am Koppenplatz. L.>V»hIhref«:\V.: Gust. Schmidt, Kirchbachstr. 14. Hochparterre. S. und SW.: Hermann Werner. Gneisenaustr. 72. 8. VrtUiIIirei«: St. Fritz, Priiizenstr. 31, Hos rechts Part. G. �'«.Iilltrei«: Ost e n: Robert W e n g e l S, Gr. Franfsurterstr. 120. — Richard H ack e I b u s ch, PeterSburgervlatz 4(Laden). 4. Walilkreis, S ü d o st e n: Paul Böhm. Lauiitzerplatz 14/15. 5. Walilkreis: Leo Zucht, Jmmaiiuelfirchstr. 12(Hos). 6. W ahlkreis(Jloabit): Salomon Joseph, Salzwedeleritr. 8. We«idiiig: I. Hönisch, Müllerstr. 34a Ecke Utrechter Str., Laden. Itoseathaler und Oranienbargcr Vorstadt: Wilhelm B a»mann, Rheinsbergcrstr. 07. Laden. �iesiiaddraiiaea: Fischer, Bastianstr. 0, Laden. t�eliöahanser Vorstadt: Karl Mars, Greisenhagener Str. 22. Adlershof: Karl S ch w a r z i o s e, Bismarckstr. 50. AIt-ti!lie nicke: Wilhelm Dürre, Köpenickerstr. 0. Iiaiiii>schi>Ici>,rcg: H. Hornig, Marientbalerstr. 13, l. Dernau. Itöiitgeutal. Zepernick, Schönow. Schön brück und Buch: Heinrich Brase, Mühleustr. 5. Laden. Dohnsdorf, Vaikenhcrg und Valkenhorst: Paul Äensch, Bobnsdors, GenossenichaslsHaus.Paradies". l/harlottenhiirg: Giuinv Scharnberg. SelenHeimeritraße 1 Wlichwalde, Sehmöekwit»: O s f a r Mahle, Stubenrauchstr. 99. Ilrkner, Ken-Zittau: Ernst H o s s in a u n, Friedrichshagener Chaussee. Fredersdorf-Detershagen, Eggersdorf: S. H ö s e l b a r t h, Petershagen. Friedenau, Steglitz, Südende, Grc-ß- I-lchterfelde, Lankwitz: H. B e r n s c e, Alsenstr. 5 i» Steglitz. Friedrichshagen, Fichtenau, Rahnsdorf, Schönelche, Kl.-Schönebeck: Ernst SScrfutann, Friedrichshagen, Köpenicker Straße 18. türünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. .Johannisthal, Rudow: Max G o n s ch u r, Parfstr. 0. Karisliorst: Richard Küter, Rädelstr. 9, II. Königs- W»sterliausen, Wildau: Friedrich B a u m a n n, Bahnhosstr. 8. Köpenick: Emil W i ß l e r, Kietzerstr. 0, Laden. l-ieutcnberg, Friedrichsfelde. Hohenschönhausen: lAto Seifet, Wartenbergftraße 1(Laden). Ruhlsdorf. Kuuisdorf, Biesdorf: P. Heßberg, Kanls- dors, Ferdinandstraße 17. Zlaricndorf: August Leip, Ehausseestr. 290. Hos. IHarienfclde: Emil Sein tri, Berliner Str. 114 II. Keuenhagen, Hoppegarten: Gustav L e y, Wolterstraße. Neukölln: M. Heinrich, Sieckarstr. 2, im Laden,- Neufölln, Britz: St o hr, Siegjriedslräße 28/29. NlederOLehme: Karl Freitag. Kledcr-Scliöncwcide: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 10, II. Vowawes: Wilhelm I a p v e, Lutherslr. 2. Obcr-Schöneweide: Alfred Bader, Wilhelminenhosstr. 17, Laden. Pankow,>icderschönhausen, Nordend, F'rs.-Bneh- holz:, Blankenburg: R i ß m a n u, Mühleustr. 30. Reinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. G u r s ch, Provinzstr. 50, Laden. Rnininelsburg, Boxkagen, Stralau:Sl. Rosenfranz, Sllt- Boxhagen 50. Sehenkendorf b. Königs-WusterHausen: Ehr. H a n t s ch f e, Dorsstr. 10. Schöneberg: Wilhelm Bäumtet, Marlin Lutherslr. 09, im Laden. Spandau,\oniiendauiui, Staaken, Seegefeld und Falkcnhugcn: Koppen, Breitestr. 04. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidinunnslust, Hcrmsdorf, Hohen- Xencndorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Reinickendorf W est: Paul Kieliast, Borsigwalde, Släuichstraße 10. Teltow: Wilhelm Bvuow, Teltow, Berliner Str. 10. Tempelhof: Joh. Strohn, Borussiastr. 02. Treptow; Rob. Grameuz, Kiesholzstraße 412, Laden. WeilSensee, Heinersdorf: K. F u h r m a u u, Sedanstr. 105, Part. Wilrnez-sdorf, Halensee, Schmargendorf: Paul Schubert, Wihelmsaue 27. Zeuthen, Allersdorf: Ernst H ü 1 1 i g, Zeuthen, MierSdorser Str. 14 Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wisseiiichastlicheii Werfe werden gelieiert Theater und Vergnügungen s-V. Dienstag, den 1. Juli 1913. Ansang 7'/, Uhr. Kroll-Oper. Tristan und Isolde. Aniang 8 Ubr. Urania. Im Lande der Mitternachts- sonne. Schiller O. Die Jüdin. Schiller- Charlottenburg. Zwei Wappen. Berliner. Filmzauber. «ieineö. Professor Bernhard!. Deutsches Opernhaus. Die Königin von Saba. Thalia. Puppchen. Metropol. Die Kino-Königin. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8'/, Ubr. Komödienhaus. Hochherrschaslliche Wohnungen. Friedr.- Wild. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Lustspielhaus. Der lustige Kafadu. Rose. Tagebuch einer Verlorenen. Luisen. Die Allwördens. FolieS Capriee. Ein Pechvogel. Die Kramp stäche. Ansang 8'/, Ubr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Deutsches Schauspielhaus. Eine Vergangenheit. Dheater am Nollendorsplah. Der Mann mit der grünen Masfe. Ansang 9 Ubr. Admiralspalast, St. Moritz. Eisballett: Flirt in Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—02. Scliiller-TliealerO.?SS: DienStag, abends 8 Uhr: Eröffnung der Sachse-LPer Die Jüdin. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zar and Zimmermann. Donnerstag, abends 8 Uhr: Fra Hlavolo. Scliiller-Theaier""Cr Dienstag, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. Mittwoch, abends 8 Uhr: Letzte Vorstellung vor den Ferien Zwei Wappen. Wicder-Eröffnung Donnerstag, den 14. August: Her Lelbgardist. Deutsches Schauspielhaus S1/, Uhr: Eine Bergangenheit. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. Kroll-Oper 7'/- Uhr: Tristan und Isolde. (Gastspiel: Cäcilie RBsche-Endorf und Th. Lattermann.) Mittwoch: IOSE=THEATE Große Franfiurter Str. 132. llneembt-GaeUp Dellak-I.utz Tagebuch einer Verlorenen. Ansang S1/, Uhr. Auf der Gartcndühne: Achtung! Ks geht los! Aniang 4'/, Uhr._ Voigt-Theater Badstraftc 58. Der�Bettelftudent. VolfSstück mit Gesang und Tanz in 5 Bildern. Vollst, neue crftkl. Spezialitäten. Kassciiöffnung 2 Uhr. Ansang 4'/, Uhr. Jffetropol-Theater. Abends 8 Uhr: Die Kino- Königin. Operette in S Aften von Jul. Fecund und G. Ofonfowsfi Musif von Jean GiH>CPt. In-zene gcwtzt u. Dir. Stich Schultz. Reichshallen-Thealer Sfettiner Sänger. Zum Schluß: ..Künstler der Eine Musikanten- Burleske von Meysel. Brauerei Friedrichshain■■ Am KönigStor. Ocf.: Frnsf Biebing. VM- lesen oiensteg. uns Oonnerstagnaedmittag!"WO Kaff ee-7r ei-Vorstellung der Norddeutschen und bei freiem Entree. .VpoN«- Sänger Freitags: Frei-Konzert. Theater am �ollendorfplatz Täglich SV, Uhr: Burleske Tvicle. Der Mann mit der grünen Maske — Varietö—— Kino— 3 Sommerreise» gratis! • I» lOCISCHER GARTEN Täglich: Großes Militar- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Hark, von 0 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Passage-PaiiopMum Der persische Augenfahlr in seinen fanat. Derwisch- Martern (hebt u. a. mit den Augen schwere Gewichte). 3 Schwestern Liliput, die Schwost. der Wolt. «r Alle» lebend!"Mf Ohne Exfa-Entrce! Volksgarten- Theater. Badsitr. S und Bellermannstr. 20/25. Heute, Dienstag, den 1. Juli: �cbut der grostartige» Juli- � Spezialitäten und Atattersegeti. Schauspiel mit Musik in 5 Allen. Ansang 4 Uhr_ Entree 20 Pf. Adiniralspalast- Eis-Äreaat Angenehm kühler Aufenthalt Allabendlich das gr. erfolgreiche Eisballett Flirt in ist. itloi-itz. Bis 6 Uhr und von KP/, Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Ranges. 1 Neue Welt i A.Scholz. Hasenheide 108-1(4 Heute, Dienstag, 1. Julit Vollständig neues Programm. An f. 5 Uhr. Entree 25 Pt. Voranzeige! Mittwoch, den 2. Juli: GroBes Kinderfest. BctantloortlicD« Reöaiteuti A Uteri LLachö, tiSecliju Für de? LnjeraienieU veranttv..: Td- Glocke, ivertin. Druck u. Berlag; Porwarr« ivuctzdruckerei u- LerlagsanjlaU Paul«tnger u- To� tverltg Slit, 9t.i64 so.»« 2. KeiliM des LmMs" Mlim VolksblM GeiverksckaMickes. (Znternekmer-Üei'rorismus. Obgleich in dem Kampf um die bescheidene Lohnforderung der Arbeiter und Arbeilerinnen der Zichorienfabrik von I. G. Weiß in Frauendorf bei Steltin schon ein Menschenleben zum Opfer ge- fallen ist, zeigt der Unternehmer sich noch nicht zu einem Entgegen- kommen bereit, weshalb die Stelliner organisierte Arbeiterschaft den Boykott über seine Fabrikate verhängen mußte. Da die Zichorien- brühe nur von der ärmeren Bevölkerung getrunken wird, muß der Boykott zum Siege führen, wenn er nur einigermaßen von den Arbeitern durchgeführt wird. Und letzteres ist umso notwendiger, als die Firma auch jetzt noch kein Entgegenkommen zeigt, fondern in Verbindung mit dem Verein der Industriellen Pommerns eine Verschärfung des Kampfes erstrebt. Eine große Anzahl Stettiner Arbeitgeber hat folgendes Zirkular erhalten: Ortsgruppe Stettin des Vereins der Industriellen Pommerns und der benachbarten Gebiete. Stettin, 23. Juni 1313. Firma....... Stettin. Bei unserer Mitgliedsfirma I. G. Weiß, Zichorien- f a b r i k, S t e l t i n, ist am 4. April d. I. der größte Teil der beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in den Aussland getreten. Der Firma ist es gelungen, durch Heranziehung von Arbeits- willigen den Betrieb aufrecht zu erhalten. Der Streik ist somit für die Ausständigen als verloren anzusehen, und infolgedessen hat die Organisation kürzlich zu dem Mittel der Verhängung' des Boykoits gegriffen. Mit Rücksicht auf die schweren Schädigungen, die hierdurch unserem Mitglied bereitet werden dürften, sehen wir uns veranlaßt, auch an die unserem Verband nicht angeschlossenen Firmen die dringende Bitte zu richten, uns ihre Unterstützung da- durch zu gewähren, daß die streikenden Arbeiter und Arbeiterinnen in ihren Betrieben nicht eingestellt werden. Zu diesem Zweck über- senden wir Ihnen in der Anlage ergebenst ein alphabetisches Ver- zeichnis der Ausständigen. Sollte eine Einstellung bereits erfolgt sein, so bitten wir Sie, den oder die betreffenden Arbeitnehmer in der gesetzlich vor- geschriebenen Weise b a l d m v g l ch st wieder zu entlassen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ortsgruppe Stettin des Vereins der Industriellen Pommerns und der benachbarten Gebiete. Der Vorsitzende. Der Geschäftsführer. lgez.) Haberr.(gez.) Dr. Flechtner. Es folgen zwei Anlagen, in denen unter Beifügung des GeburtS- datums die Namen von 45 Arbeitern und 46 Arbeiterinnen der- zeichnet waren. Interessant ist in diesem Schreiben das Eingeständnis, daß der Boykott die Firma Weiß schwer treffen wird. Da wird es ihr sicherlich nur ein recht magerer Trost fein, daß vielleicht ein paar Arbeiter oder Arbeiterinnen durch den Terrorismus des Arbeitgeber- Verbandes längere Zeit mit ihrer Verbandsunterstützung auskommen muffen. Viel Erfolg wird der Unternebmerterronsmus allerdings nicht haben, denn das Schreiben des Jndustriellenverbandes ging von Arbeitgeberseite sofort unserem Stetliner Partciblatt zu, ein Beweis, daß selbst die Arbeitgeber nicht alle mit der Firma Weiß und den Scharfmachern sympalhisieren. Für die Arbeiterschaft muß es aber ein Ansporn sein, den Boykott mir größter Energie durch- zuführen. Berlin und Qmgegcnd. Lohnbewegung der Zuschneider. Am Montag erstattete Krienke in einer gemeinsam mit dem Eewerkverein einberufenen Versammlung Bericht über die weiteren Verhandlungen mit den Arbeilgebern. In der Sitzung teilten die Unternehmer mit, daß sie eine andere Antwort wie in den vorangegangenen Zusammenkünften nicht erteilen könnten. Es fanden dann wieder erneut Verhandlungen statt, in der die Arbeitgeber sich dazu verstanden, einem Einheitstarif zuzu- stimmen. Der Tarif lauft bis 30. April 1917, zu welcher Zeit auch der Tarif in der Herrenkonfektion zu Ende geht, und umsaßt 5 7 Firmen, während bisher nur 23 Firmen im Tarif- Verhältnis standen. Liemes Feuilleton. Was man alles kaufen kann. In Paris gibt es ein Theater, den»Grand Gnignol", der aus der Aufführung von blutrünstigen Scnsationsstückcn seine Spezialität gemacht hat. Aber die Eintritts- preise im Grand Guignol sind teu« und man kann das Vergnügen auch umsonst haben, nämlich im Versleigerungsamt in der Rue Drouot. Dort ivurden am Freitag folgende liebliche Gegenstände losgeschlagen: l. xj,, versteinerter Palagonier, 2. ein mumifizierter Jndianerkops, 3. zwei in F r a u e n h a u t gebundene Bücher, eines darunter in die Haut einer Negerin gebunden. Der Patagonier wurde vor 15 Jahren in Chile ausgegraben und ivgg Paris von seinem verschuldeten Be- sitzer einem Gläubiger zum Pfand gegeben. Seilher lag er in einem Möbelaufbcwahrungsmagazin. Der Jndianerkops war in seinen Glanzzeiten eine Äriegstrophäe. c-,, �xuador, woher er stammt, wurden den abgeschnittenen FeiiidcSköpfcn die Knochen sozusagen zum Hals herausgezogen, durch ein besonderes Verfahren aber die Gesichrs- zöge trotz der Einschrumplung erhallen. Der versteigerte Kopf hat ckiva die Größe� einer Faust. DaS Gesichr zeigt die Verzerrung des Todeskampfes.— Von den zwei Einbänden aus Frauenhaut deckt das eine ironischerweise ein Werk zum Lob der Frauen. Die Versteigerung geschah vor einem eleganten und— ohne Not— parfümierten Publikum. Die beiden Bücher erzielten einen Preis von 495 Frank, der Jndianerkops brachte 1320. der Palagonier gar 8200 Frank. � Immerhin nicht io viel wie ein Rembrandl.— Der Jndiaiierkopf wurde angeblich lbr Rewnung einer Schauspielerin erstanden— wohl aus Revanche für die tückische Geschichte mit der Frauciiballt. Theater. Josef Kai nz-Theater: HanS Sachs-Spiele. Es war ein regnenscher Sonntag, und gerade gegen 6 tlhr, als auf dem Platz des Rudolf Lorenzschen Freilichttheaters a„l kleinen Wannsee der wandernde Thespiskarren Halt gemachl halle, goß es Pom wolkenichwangeren Himmel, wie aus Kannen. z�,. cin warliches Publikum saß in der Sckutzhalle. Und die Schauspieler trieften vor Nässe. Glücklicherweise klarte es sich rasch auf. Dem Galgcnbunior war keinerlei Abbruch getan Eanz ,„1 Gegenteil; die bestellien Buben und Mäderln lrieben ihr manches Frozzelspicl mit dem Hanswurst, wie zu Hans Sachsens Leiten. Freilich, ein bißchen moger war diese improvisierte Straßen- szene.»Mehr Volk" als Gaffer vor der»Bude- häile gewi« der Beiätigung des Narren ein kräftigeres Relief ge- gegeven. J» emer eigentlichen Bude ivurde auch nicht geipietl: sondern auf offenem Bretterpodium. Zur Vorstellung kamen vier Faitiiachl-Ichwänke, die jedesmal auch durch einen Kernipruch des großen Nürnberger Schusterpoelcn, den Karl Bernhardt darstellte, angekündigt wurden. Am wirksamsten erwiesen sich„Das heiße. und»Das Kalberbrüte n", ob- gleich auch bei ihnen.die Wirkung durch einen enger umichloffenen Raum nur noch gewonnen hätte. Dieser Mangel Der letztere Umstand, sowie die augenblickliche Konjunktur waren mitbestimmend dafür, daß die Kommission e i n st i m m i g beschloß, ihren Kollegen diesen Tarif zu empfehlen, der allerdings bei weitem nicht das erfüllt, was gerechterwcise verlangt worden war. Nach längerer, zum Teil sehr heftiger Debatte, in der eine Reihe von Rednern gegen Annahme der Borlage opponierte, wurde der Tarif mit großer Mehrheit angenommen. Achtung, Firseurgehilfen! Anläßlich der Arbeitsniederlegung der Angestellten der Firma A r n d t- M a r t i n i, Luisenufer 21 und Bergmannstraße 112, erfreut sich die Belle-Alliance-Straße 75, Ecke Bergmannstraße, errichtete Rasierstube eines sehr guten Be- suches. Infolgedessen sah sich Herr Arndt veranlaßt, die ange- botene Verhandlung mit den Organisationsvertrctern aufzu- nehmen. Leider weigerte sich Herr Arndt, die in Betracht kom- wenden Hauptfragen, Wiedereinstellung des gemaßregelten Kollc- gen und Ausdehnung deö Anerkennung des Tarifvertrages auf sämtliche drei Geschäfte, zu bewilligen. Die fliegende Rasierstube, Belle-Alliance-Straße 75, bleibt bis zur Beilegung der Differenzen bestehen. Tarifgeschäfte in der Nähe des Luisenufer 21 sind Schreiber, Britzer Straße 14, Ä u h r m a n n, Wofferwr- stratze 38, und G o g o l I a, Waldemarstratze 38. Verband der Friseurgehilfen. Freizügigkeit. Das Einstellungsbureau vom Kavelwerk Ober-Spree in Ober- schöneweide scheint ein Maßregelungsbureau zu sein, denn Arbeite- rinnen, deren letzte Arbeitsstelle die Kettengarndruckerei und Setzerei»Franz Schmidt" in Oberschöneweide war, werden vom Ver- treter obigen Einstellungsbureaus mit dem Bemerken abgewiesen: „Wenn sie zuletzt bei« ch m i d t gearbeitet haben, werden sie bei uns nicbt eingestellt". Eine solche Jnteressenverbindung scheint aber auch mit der Färberei Feldmann zu bestehen. Junge Leute, die dort wegen zu schlechter Bezahlung die Arbeit aufgebey mußten, wurden ebenfalls nicht eingestellt, weil sie vorher bei Feldmann gearbeitet hatten. Wie vereinbaren sich solche Maßnahmen mit der„Freizügigkeit" des deutschen Arbeiters? Jn�der Weiß- und Braunbierbrauerei von Heinrich Ebert, Hohen-Schönhausen, haben sämtliche Arbeiter wegen Lohn- diiferenzen die Arbeit eingestellt. Herr Ebert weigert sich bcharr- lich, mit der Organisationsleitung zu verhandeln. Der Betrieb gilt deshalb für organisierte Arbeiter gesperrt. Deutscher Transportarbeiter-Verband, Bezirksverwaltung Grotz-Berlin, Gewerkschaftshaus, SO., Engelufer 15 II. Telephon: Amt IV, 4747. Dcutkches Reich. Die Lohnbewegung in der Stcttiner Konfektion ist durch das Eingreisen der Zcntralvorstände günstig gefördert worden, nachdem zunächst jedes Zugeständnis von den Stettin. w Konfektionären abgelehnt wurde. Die Verhandlungen gestalten sich allerdings sehr langwierig, so daß in fünftägiger aiigestrengter Beratung nur etwa ein Drittel der Tarifpositionen durchgesprochen und von den Unterhändlern Vereinbarungen darüber erzielt wurden. Ter schleppende Gang der Verhandlungen wird eines- teils dadurch hervorgerufen, daß die Unternehmer sich nur schwer zu Zugeständnissen bereit finden, zum anderen, weil in dem neuen Tarif auch alle mannigfaltigen Cxtraarbeiten einzeln aufgenom- men luerden sollen, die während der bisherigen Tarisdaucr zahl- reiche Streitigkeiten verursachten. In der Grotzstückkonfektion wurde bisher in den meisten Tarisvositionen ein EinVerstand- nis zwischen den Unterhändlern der beiden Parteien erzielt, das für deren Arbeiter eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 6 bis 7 fsi Proz. bedeutet. Dieses Teilresultat ist befriedigend und des- halb zu hoffen, daß auch in den weiteren Verhandlungen ein zu- friedenstellendes Resultat erzielt und ein Kampf vermieden wird. Allerdings sind noch so viel Tarifpositioncn streitig, daß der Ge- samterfolg der Lohnbewegung sich noch nicht sicher voraussehen läßt. Es ist in der Grotzstückkonfektion eine neue Tarisklaffe für bessere Arbeiten zugestanden worden, deren Lohnsätze noch strittig sind, es ist auch über die Extraarbeiten und namentlich über die Bezahlung der Kleinkonsektion noch kein Einverständnis erzielt worden, so daß also erst das Gesamtresultat abgewartet werden muß, ehe über Annahme oder Ablehnung der Zugeständnisse ent- schieden werden kann. Die Unterhandlungen dürften Mitte der Woche zum Abschluß gelangen. Eine äußerst zahlreich besuchte Versammlung der Stettiner Schneider und Schneiderinnen nahm an Konzentration schien sich nocki bemerklicher zu machen bei den beiden andern Possen j„D er Teufel nahm ein altes Weib" und„Der R o ß d i e b von F ii n s in g"). Ob ein Naturtheater hierfür geeignet ist, bleibt zu fragen. Jndetz— der derbe Holzschnitt-Realismus in Worten und Handlungen kam dank der klaren Sprechweise und groteSkkomischen Gestaltung. deren sich die Mitwirkenden befleißigten, doch auf seine Rechnung. Die Wandlungsfäliigkeit der Schauspieler� in ihren verschiedenen Rollen ist verblüffend echt. Ganz vortrefflich »lachen Elsa Fritsch, Eugen Eislohr und Gerd. Gustav Fricke ihre Sachen. Auch die Gevatterin und das alte böse Weib fanden in Karl Pundler und Kurt Kaminski ulkige Vertreter. Alles in allem ist dem Unternehmen größerer Zuspruch zu wünschen. v. k. Humor und Satire. Der Preuße ii bund. Also sprach der Januschauer: Preußen in der Welt voran! Sperrt in euren Vogelbauer Alles, was da fliegen kann! Väter für die Freiheit starben. Wessen Freiheit, Majestät? Einer schneidet sich die Garben, Und der andre pflügt und sät. Junker ist von Gottes Gnaden Garbenschneider hierzuland, Mault der Bürger, fort mit Schaden! Wer das Amt hat, hat Verstand. Neues Wahlrecht? Ein Berliner Hat das Märchen ausgebracht. Für verkappte Jakobiner Gibi's ein Spandau.— Gute Nacht! Nach so vielen JubilSen In der Well des Trugs und Scheins Wollen wir noch eins begeben: Lieber Bruder Ouitzow, deins! Du, vor dem dereinst gezittert Großer Vorfahr von S. M.— Wenn der Junker ungewittert, Weiß der Enkel schon--- hm! hm! (Der Zwickauer im„Simplic.".) Notizen. — Da« Deutsche Opernhaus in Charlottenburg schließt seine Spielzeit am Donnerstag. Die Wiedereröffnung erfolgt am Sonnlag. den 31. August. In der Ferienpause wird der neue Kuppelhorizont nach Fortuny montiert, daneben werden umfangreiche Umbauten, besonders im Orchester und der Untermaschinerie ausgeführt. am Sonntag den Bericht über den Verlauf der bisherigen Ver- Handlungen entgegen, faßte aber noch keine Beschlüsse. Immerhin ließ die Stimmung der Versammlung erkennen, daß die bisherigen Zugeständnisse das äußerste des Annehmdaren darstellen und auch nur dann auf Annahme rechnen können, wenn auch in den noch strittigen Positionen Aufbesserungen erfolgen und insbesondere in der Kleinkonfektion durch entsprechende Zugeständnisse die Lohne der Näherinnen gesteigert werden. Ein Antrag, die Arbeit am 1. Juli niederzulegen, bis ein Tarif abgeschlossen sei, wurde auch nur zurückgezogen, nachdem die Lohnkommission sich dagegen wandte und versprach, dahin zu wirken, daß bei etwaigem spateren Abschluß der Tarif bis zum 1. Juli ds. Js. rückwirkende Kraft erhalten solle. Ob eine friedliche Verständigung in der Stettiner Konfektion erfolgen kann, ist demnach noch immer fraglich, aber doch wahrscheinlich geworden._ Ein Schutzbedürftiger. Der Streikbrecher Otto Müller, der während des Kampfes in der Unionsgießerci zu Königsberg als„Schutzbedürftiger seiner „staatserhaltenden Tätigkeit" nachging, versuchte eines Morgen», seine Braut zu ermorden und erhielt dafür acht Jahre Zuchthans. Als er nach der Strafanstalt transportiert werden sollte, überfiel er den Gefängnisbeamien, entriß ihm die Schlüssel und hieb mit ihnen auf den Beamten ein, so daß dieser schwere Kopfverletzungen davontrug. Als dem Wärter der Hausvater zu Hilfe eilte und eine schwere Eisentür passierte, ivars der Streikbrecher diese zu. wobei dem Beamten beide Hände eingeklemmt wurden und er Haut- quetschungen davontrug. Schließlich wurde der Zuchthäusler doch überwältigt, und dieser Tage verurteilte ihn die Äönigsberger Strafkammer zu z we i Ja hrcn und neun Monaten Ge- f ä n g n i s. Und solche Leute gelten als„schutzbedürftig". Jhret- wegen sollen ehrliche Arbeiter unter Zuchthansgesctzc gestellt wsrden. Ter Wert der gewerkschaftlichen Organisation. Die städtischen Arbeiter in Königsberg haben wiederholt um Erhöhung der Löhne petitioniert, aber stets wurden sie abgewiesen. Jetzt hat der tMagistrat beschlossen, die Löhne um 30, 40 und� 50 P f. pro Tag zu erhöhen. Gleichzeitig hat er die Ge» hälter der Feuerwehrleute und unteren Beamten, die cin Em- kommen bis 2600 M. haben, aufgebessert. Die Stadtverordneten. Versammlung ist diesen Beschlüssen beigetreten und hat insgesamt gegen 225 000 M. für Lohnerhöhungen bewilligt. Der Magistrat sagt in der Begründung: daß er im Hinblick ans d i e L o b n-- st e i g e r u n g e n, welche durch den Abschuß neuer Tarifverträge im Baugewerbe s m Frühjahr die- scs Jahres eingetreten seien, die Löhne der siädti scheu Arbeiter erhöht habe. Aus dieser Veranlassung habe er auch die Gehälter der Be- nmten mit niedrigem Einkommen einer Nach- Prüfung unterzog n. Das ist eine indirekte Anerkennung des Wertes der gewer!- schaftlichen Organisation. Weil die gut organisierten Bauarbeiter dem Unternehmertum höhere Löhne abgerungen haben, deshalb sieht sich die Stadtverwaltung veranlaßt, ebenfalls Lohnaufbesserungen vorzunehmen. Sie kann nicht zurückbleiben, da ihr dann die besten Arbeitskräfte den Dienst kündigen und dahin gehen würden, wo sie mehr verdienen. Und da die städtischen Arbeiter Lohnerhöhun- gen bekommen, so können die unteren Beamten auch nicht unbc- rücksichtigt bleiben. Daher haben diese die Verbesserung ibrer Lebenshaltung ebenfalls der gewerkschaftlichen Tätigkeit der Ar- beiter zu verdanken. Das beweist so recht, daß alle Proletarier nur gemeinsame Interessen haben und diese stets gemeinsam ver- treten und fördern sollten: Unternehuierrachc.- Bei der Firma Danner in Nasdorf, Kreis Neiße, sind die dort beschäftigten Steinarbeiter vor einigen Monaten Mitglieder des Zentralverbandes der Steinarbeiter Deutschlands geworden. Darunter Ivaren auch einige Ausländer. Mit dieser Talsache konnte sich der Unternehmer schwer abfinden, und wiederholt ver- suchte er namentlich die Ausländer wieder zum Austritt zu be» wegen, was ihm aber nicbt gelang. Eine kleine Differenz mit den Arbeitern genügte deshalb, um den Kassierer des Verbandes zu maßregeln, woraus sich die übrigen Arbeiter der Firma mit dem Gemaßregelten solidarisch erklärten und gemeinsam die Arbeit — Fest spie lopf er. Auch die Leipziger hatten ihr Jahr- Hundertfestspiel bekommen. Warum auch nicht? Jeder Schützen- und Feuecwehrvercin hat heute sein Festspiel, von den patriotischen Gedenkfestspielen nicht zu reden, mit denen pfiffige Unternehmer das Land heimsuchen, indem sie niit Erfolg auf die Eitelkeit der aus der Bürgerschaft zugezogenen Mitspieler rechnen. Das Leipziger Fest- spiel, das in einem Parke in der Nähe der Stadt vor sich ging und genau so albern war wie alle anderen, ist pleite und an hundert Berufsschauspieler sitzen in Not und Elend da. Hunderte von Sta- listen haben umsonst die schönsten Posen einstudiert. Die viel zu gering bemessene Kaution mußte erst mit Hilfe der Genossenschaft flüssig gemacht werden, damit die Opfer des patriotischen Geschäfts- rummels etwas zu beißen bekamen. — Ein Majestätsbeleidiger als Professor. Prof. F. W. Förster, der Sohn des bekannten Professors Wilhelm Förster, hat einen Ruf als Professor der Pädagogik nach München erhalten und angenommen. An derselben Universität München hatte Förster vor 17 Jahren seine Laufbahn aufgeben müssen, weil er in der„Ethischen Kultur" au den Attacken, die Wilhelm II. bei der 25jährigcn Gedenkfeier an den Scdantag gegen die Sozialdemokratie richtete, Kritik geübt hatte und zu Festungshaft verurteilt worden war.— Förster jnn. hat sich inzwischen nach der reaktionären Seite gemausert. — Gesetzlich e Regeln n garktNch er Expeditionen. Der unglückselige Ausgang der Schröder-Siranz-Expedition hat in Norwegen mächtigen Widerhall gefmiden. Jetzt hat sich dazu auch der norwegische Minister des Aeußern geäußert. Der Minister steht auf dem Standpunkt, daß eine gesetzliche Regelung angestrebt werden müsse dergestalt, daß eine gewisse Kontrolle über alle Schiffe, die von norwegischen Häfen nach der Arktis aufbrechen, ausgeübt wird, ganz gleich, ob die Mannschaft aus Norwegern besteht oder nicht. Besonders wünscht der Minister, daß aus' genügende Verprovian- tierung gesehen wird, und daß ein Zeitpunkt festgelegt wird, zu dem die Expedilion zurückzukehren oder Nachricht zu geben hat. Bleibt dieie Nachricht aus, so sollen unverzüglich Hilfsexpeditionen aufbrechen. — Die Wiege der Himmelskunde. Daß der früheste Ursprung der Himmelskunde im alten Babylon zu finden ist, hat sich durch die neuen Ausgrabungen bestätigt. Auf Denkmälern, die rund 6000 Jahre alt sind, hat sich ein eigentümliches astronomiiches Symbol gefunden, das a�s Sterntrias bezeichnet worden ist. Der Astronom Maunder von der Sternwarte in Greenwich erklärt dieses dreifache Zeichen durch die Annahme, daß der Anfang des JahreS von den alten Babylonien durch eine Konstellation Mischen dem Neumond und den ZwillingSsternen Kastor und Pollnx bestimmt wurde. — Die Robbe ii jagd in Neufundland. In einer Mitteilung des französischen Vizekonsuls in Neufundland wird die Zabl der Robben, die während der Jagdzeit von 1013 auf dieser Insel getötet worden sind, auf 300 000 geschätzt. Damit ist die Zahl von 1911 fast wieder erreicht, da in diesem Jahre 304 531 Robben erlegt wurden.' Die Jagdergebnisse von 1913 haben einen Werl von etwa 2 Millionen Mark.— Diese Plünderung der Naturschätze wird bald ein Ende haben. Wenn es dann zu spät ist, wird ein Naiur- schutzverein für Robben eröffnet. niederlegten. Durch Vermittelung der Organisation wurden nach zwei Tagen alle Ausständigen wieder eingestellt. Am meisten schmerzte es dem Unternehmer, daß die bei ihm beschäftigten Aus- länder mit den übrigen Arbeitern gemeinsame Sache machten. Schon bei den Verhandlungen um Wieder- einstellung der Ausständigen ließ er durchblicken, das; eS in s e i n e r Hand liege, die A n s I än der ausweisen zu lassen. Diese Drohung hatte zur Folge, daß einige Ausländer in Strehlen Arbeit nahmen. Tort war die Arbeit aber nicht von langer Dauer, denn die Firma Sanncr setzte es durch, daß alle seine frü- beren Arbeiter dort wieder entlassen wurden. Um ihre in NaSdorf zurückgelassenen Familien nicht länger hun- gern zu lassen, kehrten die meisten von den Entlassenen wieder nach dort zurück und traten wieder bei Sanner in Arbeit. Einer von den Ausländern blieb ober trotzdem in Strehlen und kehrte erst später nach Nasdorf zurück. Für dieses Verhalten sollte er die Rache des Unternehmers zu spüren bekommen. Kürz darauf erhielt dieser den Ausweisungsbefehl, der aber auf wiederholtes Verhandeln mit dem Landrat vorläufig außer Kraft gesetzt wurde. Alles schien wieder in Ordnung zu sein. Bis er am 1(3. Juni einen neuen Ausweisungsbefehl erhielt, dem er sofort Folge leisten mußte. Und zwar wurde er, wie jetzt feststeht, auf Grund des Materials ausgewiesen, das sein Ar- beitgeber der Behörde übermittelt hatte. Zehn Jahre lqng war der Ausgewiesene bei dem humanen Arbeitgeber beschäftigt gewesen,' der ihn jetzt mit seiner Familie über die Grenze jagen läßt. Wäre ex ein Arbeitswilliger gewesen, hätte er Streik- Posten wie tolle Hunde niedergeschossen, dann wäre er nicht nur nicht ausgewiesen worden, sondern dann hätten die königlich-preußischen Behörden ihre schützenden Fittige über ihn ausgebreitet. Weil er aber als denkender Arbeiter gc- handelt hatte, mutz er und seine Familie die Rache des Unter- nehmers spüren und das Land verlassen, das ihm zur zweiten Heimat gew'orden ist. Textilarbeiteraussperrung. In Bocholt wurden am Sonnabend weitere 3000 Textilarbeiter ausgesperrt. Die.Gesamtzahl der Ausgesperrten beträgt 6000. Hualand. Der Streik der Streikbrecher. Die durchaus undemokratischen brutalen„Herren im Hause" kn der Basler Seidenfärberei haben Pech, sie haben mit ihren in Krefeld abgetakelten und nach Basel exportierten HiNtzcgardisten einen bösen Reinfall erlebt. Die Herren Streikbrecher waren unterwegs schon unter sich zwischen den Stationen Mülhausen und Rixheim in eine blutige Rauferei geraten, so daß der Zug anhalten und Polizei sowie Gendarmerie zur Wiederherstellung der Ordnung und der Eintracht aufgeboten werden mußten. Ein durch Messerstiche schwer verletzter Streikbrecher mußte ins Mül- hausener Spital verbracht werden. Tie Weiterfahrt brachte bis St. Ludwig zwischen den„nützlichen Elementen des Staates" neuen Krach, aber sie konnten doch ausgeladen und auf die Auto- mobile der Färbereibesitzer verbracht werden, wobei sie von einer großen Volksmasse als„Empfangskomitee" begrüßt wurden. Die „Herren im Hause" schienen gerettet und den Sieg über die Ar- beiter errungen zu haben. Aber mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten und das Schicksal schreitet schnell. Die Ärefelder Arbeitswilligen waren mit den ihnen angebotenen Löhnen nicht zufrieden; man hatte sie unter falschen Angaben nach Basel gelockt, u"d nun weigerten sie sich, die Arbeit aufzunehmen. Die Streikbrecher streikten, und nun kam die Polizei gegen sie! Es soll dann die Hälfte in der Tat abgereist sein, wäh- rend die andre Hälfte, ca. 40 Mann, zwar vorläufig dablieb, aber gleichfalls wieder abzuziehen gedenkt. Unter diesen Umständen werden die Basler Fabrikbarone noch sehr froh sein, wenn ihre alten und bewährten Arbeiter bei ihnen die Arbeit wieder aufnehmen. Da wir diese Zeilen geschrieben, kommt die Nachricht aus Basel, daß die Färbercibesitzcr den Streikenden Lohnerhöhung und Wiedereinstellung sämtlicher Streikender zugestanden haben, und die Arbeiter am nächsten Montag die Arbeit wieder aufnehmen. Wenn es noch nicht geschehen, wird dann auch der letzte Hintze- gardist wieder verschwinden. Der Färberstreit führte auch zu zwei Interpellationen, einer sozialdemokratischen und einer bürgerlichen, im Großen Rat an die Regierung wegen des Vorgehens der Polizei gegen die Strci- kenden und wegen der Pikettstellung von zwer Kompagnien. Ter sozialdemokratische Polizeidirektor Dr. B I o ch e r stellte dem Ver- halten der Streikenden das beste Zeugnis aus, während er den Unternehmern vorhielt, daß sie die Polizei einseitig nur für ihre Interessen beanspruchen wollten. Er sicherte die neutrale Haltung der Polizei zu. Der bürgerliche Militärdircktor Dr. A e m m e r erklärte, daß ein Beamter eigenmächtig Matratzen aus der Ka- ferne in die Fabrik für die Streikbrecher lieferte, und daß sie wieder zurückgeholt worden sind. Daran knüpfte sich eine leb- hafte Debatte, in der unsere Genossen scharfe Kritik an dem Geld- protzentum der Färöereibesitzer und den schlechten Lohnverhältnissen übten. Em Induftrie und Handel» Ter Tabaktruft in Deutschland. Der Kampf des deutschen TabakgewerbeS gegen eine Knebelung durch den amerikanischen Tabaklrvst wird mit außerordentlicher Heftigkeit geführt. Man findet augenblicklich in einer großen Anzahl deutscher Zigarren- geschäfte ein Flugblatt, das von der Vereinigung, die in Deutschland gegen den Tabaktrust kämpft, verbreitet wird, in dem es heißt:„Der im Jahre 1890 unter Führung der American Tobacco Company ge- gründete amerikanische Tabaktrust, eine der mächtigsten Trustorga- rrisationen der Welt, hat in seinem Heimatland unter Vernichtung fast aller selbständigen Existenzen nahezu die gesamte Zigaretten-, Rauch-, Kau- und Schnupftabakindustrie und einen großen Teil der Zigarrenindustrie in seine Gewalt gebracht. Das rücksichtslose Vor- gehen des Tabaktrustes führte in Amerika zu einem jahrelangen StaatSprozeß gegen ihn, der ihm aber doch die Möglichkeit, ließ, feine Monopolstellung weiter auszudehnen und auszunutzen. Nach Unterwerfung der amerikanischen Industrie begann der Tabaktrust seine Macht auch aus andere Länder auszudehnen. Er unterwarf sich fast das ganze Tabakgewerbe Englands, machte der fran- zösischen Regierung, allerdings ohne Erfolg, Pachtangebote auf die Tabakregie, suchte auf Holland, Schweden und die«chweiz überzu- greifen, richtete aber bor allem seine Bticke nach Deutschlaud, das unter den europäischen Ländern, soweit Tabak in Frage kommt, in Industrie, Handel und Verbrauch die hervorragendste Stellung ein- "'""in Deutschland richtete er seine ersten Angriffe, genau wie in Amerika und England, auf die Ziga retten in dustrie. Im Jahre 1901 erwarb die American Tobacco Co.. New Jork, die Zigarettenfabrik Jasmatzi in Dresden, wandelte sie um in die Georg A. Jasmatzi Aktiengesellschaft, und suchte durch gewallige Reklame und die schon in Amerika erprobten Zugabe-, Coupon- und Gutscheinsysteme für diese Gesellschaft eine Machtstellung in Deutsch- land zu gewinnen. Durch Anschluß weiterer Firmen an die JaS- matzi A.-G. an die British American Tobacco Co., aber auch an andere Tochter- und Enkelgesellschaften, suchte nun der Tabaktrust seine Rächt in Deutschland zu verstärken und hafte Erfolg bei den Zigarettenfabriken„Joseni" Meier U. Peters G. m. b. H., Berlin, „Sulima" F. L. Wolf, G. m. b. H., Dresden,„Delta" Tschache u. Benski, G. m. b. H., Dresden, A. Batschari, G. m. b. H., Baden- Baden, und Johannes N. Jasmatzi, Dresden. Schon heute ist ein Viertel der gesamten deutschen Zigaretten- Produktion nicht mehr trustfrei. Schon jetzt ist die Zeit abzu- sehen, in der der Trust bei Fortdauer dieser Enlwickelung sich die ganze Branche unterworfen haben wird. Damit wird das Schick- sal auch aller anderen Zweige des Tabakgewerbes entschieden sein. Denn mit dem Besitz einer Industrie gewinnt der Trust die volle Macht auch über den Kleinhandel, die ihm, wie die Erfahrung anderer Länder zeigt, um so leichter auch die.Herrschaft über alle anderen Zweige des Gewerbes zuführen wird." Soziales. Mängel in der Arbeiterschutzgesctzxebung. Die am 1. Januar 1910 in Kraft getretene Gewerbeordnungs- Novelle vom 28. Dezember 1908 hat u. a. eine wichtige Aenderung insofern gebracht, als gewisse besondere Bestimmungen, die bisher für„Fabriken» in welchen in der Regel mindestens zwanzig Arbeiter beschäftigt werden", galten, nunmehr ausgedehnt sind auf „Betriebe, in denen in der Regel mindestens zehn Arbeiter beschäftigt werden". Diese Betriebe unterstehen der Aufsicht der Gewerbeinspektion und für sie gelten die Bestimmungen, durch welche die Dauer der Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugend- lichen Arbeitern beschränkt ist. Durch die Einreihung aller Be- triebe mit mindestens zehn Arbeitern in diese Kategorie ist der Kreis der geschützten Personen im allgemeinen nicht unwesentlich erweitert worden. Auf der anderen Seite hat aber die neue Um- schreibung des Begriffes der geschützten Betriebe auch die uner- wünschte Folge gehabt, daß Betriebe mit geringerer Arbeiterzahl, die bisher als„Fabriken" den beschränkenden Bestimmungen unter- standen, nunmehr völlige Ausbeutungsfreiheit genießen. Das kommt insbesondere in kleineren Ziegeleien sehr wesentlich in Betracht. Der Jahresbericht der Hessischen Gewerbeinspektion für das Jahr 1912 enthält hierüber interessante Bemerkungen. Es wird darauf hingewiesen, daß nach dem Inkrafttreten der fraglichen Ge- werbeordnungsnovelle in den Ziegeleien mit weniger als b Arbeitern die Wohltat der 10 stündigen Arbeitszeit den jugendlichen Arbeitern nicht mehr zugute kommt. Diese werden wieder ebensolange und mit den gleichen Arbeiten beschäftigt, wie die erwachsenen Arbeiter. Daß die schwere Arbeit in den Ziegeleien bei einer Arbeitszeit von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends der Gesundheit der jungen Leute höchst nachteilig ist, dürfte ohne weiteres einleuchten und man kann es nur begrüßen, daß, wie berichtet wird, aus diesem Grunde aus zwei solchen Ziegeleien die Jungen von ihren Eltern von der Arbeit fortgenommen wurden. Die Gewerbeinspektion ist mangels gesetzlicher Bestimmungen außerstande, gegen derartige un- vernünftige Ausbeutung der jungen Arbeiter einzuschreiten. Dabei reizt dieser Zustand die Unternehmer benachbarter Betriebe, die vielleicht nur eine um ein geringes größere Arbeiterzahl be- schäftigen, auch ihrerseits sich über die Arbeiterschutzbestimmungen hinwegzusetzen, denn sie können es nicht begreifen, daß die Gesetzes- Vorschriften für sie, nicht aber für den Betrieb des Nachbarn gelten. Aehnliche Beobachtungen werden in dem gleichen Bericht in bezug auf Wäschereien gemeldet. In einem Ort bei Frankfurt am Main wurden S Wäschereibesitzer wegen Zuwiderhandlung gegen§ 105b Absatz 1 der Gewerbeordnung(Verbot der Sonntags- arbeit) bestraft. Sie hatten ihre Arbeiterinnen am Sonnabend- abend bis in den Sonntag hinein beschäftigt, wobei Arbeitszeiten bis zu 16 Stunde« festgestellt wurden. An sich wäre diese lang dauernde Beschäftigung nicht strafbar gewesen, weil in den Wäsche- reien weder 10 Arbeiter noch elementare Kraft verwendet wird. Ist jedoch eine dieser Vorausetzungen erfüllt, dann dürfen die Ar- befterinnen nicht über 10 Stunden und am Sonnabend nicht nach 5 Uhr nachmittags beschäftigt werden. solche verschiedenartige Behandlung der Betriebe, je nachdem ob sie einige Personen mehr oder weniger beschäftigen, wider- spricht dem Rechtsgefühl. Derartige Beispiele beweisen aber, welche widersinnige Zustände entstehen, wenn die Gesetzgebung den rück- ständigen Jnnungskrautern zuliebe den Arbeitern in den Klein- betrieben selbst den bescheidenen Schutz versagt, den sie den Ar- beitern in den Fabriten gewährt. Wenn schon anerkannt wird, daß die unbeschränkte Ausbeutung der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter schlimme Folgen zeitigt, dann muß der Schutz auf olle Betriebe ausgedehnt werden, unbekümmert um ihren Umfang. Fobrikdamen. § 137 der Gewerbeordnung verbietet in seiner gegenwäriigen Fassung die Beschäftigung von Arbeiterinnen in der Nachtzeit zwischen 8 Uhr abends' und 6 Uhr morgens und an den Vorabenden vor Sonn- und Festtagen nach 5 Uhr nachmittags. Er ist zwar schon seit«inigen Jahren in Kraft, doch können sich viele Unter- nehmer nur schwer an diese geringfügige Beschränkung der Aus- beutung der weiblichen Arbeitskrast gewöhnen. Sehr häufig de« gegnet man in den Berichten der Fabrikinspektoren der Mitteilung, daß diese oder jene Fabrikanten es unangenehm empfinden, daß sie die Arbeiterinnen in der fraglichen Zeit nicht beschäftigen dürfen. Taß diese sich selbst zur längeren Arbeit drängen, dürfte wohl recht selten vorkommen. Um so merkwürdiger berührt eine Mitteilung in dem neuesten Bericht der Hessischen Gewerbe- lnspektion. Aus Offenbach berichtet der Beamte: „In einer Lederwarenfabrik verlangten einige Mädchen, die in der Packerei beschäftigt werden, von ihrem Arbeitgeber, er möchte ihnen den Verdienst monatlich auszahlen und mit ihnen eine monatliche oder sogar sechswöchentliche Kündigung eingehen. Ter Zweck dieser Forderungen war, daß die Mädchen nicht mehr als Fabrikarbeiterinnen angesehen und behandelt sein, sondern als kaufmännische Gehilfinnen gelten wollten. Ihrem Auftreten nach sind diese Mädchen allerdings von kaufmännischen Ange- stellten nicht zu unterscheiden; sie werden daher hie und da„F a- b r i k d am e n" genannt. Der Arbeitgeber bewilligte den Mädchen jedoch nur die mo- natliche Lohnzahlung und behandelte sie nach wie vor, was die Arbeitszeit anlangt, wie alle übrigen Arbeiterinnen. Eines der Mädchen verließ deshalb die Stelle." Ter Fabrikinspekwr bemerkt hierzu, dies sei ein Beispiel, wie schwer es oft den Aufsichtsbeamten gemacht wird, die genaue Durch- fübrung der gesetzlich vorgeschriebenen Maximal-Arbeitszeit zn kontrollieren, wenn�dic Beschäftigten selbst die zu ihrem Sckuye erlassenen gesetzlichen Vorschriften außer Kraft gesetzt wissen loollen. In der Tat sollte man es kaum für möglich halten, daß Arbeite- rinnen, die auf den Erwerb angewiesen sind, um„etwas Besseres" zu scheinen, als sie sind, eine Verlängerung ihrer Arbeirszcit for- dern.' Ter Fall zeigt aber auch, wieviel Aufklärungsarbeit noch unter den weiblichen Proletariern geleistet werden muß, um bei ihnen Verständnis für den bescheidenen Schutz zu wecken, den die geltende Gesetzgebung ihnen gewährt. Unternehmer und Arbeiterjugend. Vor dem Dresdener Gewerbcgericht wurden zwei Lehrlinge, die ihr Lchrverhältnis gelöst hatten, verurteilt, binnen acht Tagen wieder zurückzukehren oder eine Strafe von 100 M. zu zahlen. Die beiden Angeklagten sind anerkannt tüchtige und fleißige junge Leute. Sie gehören abtzr.der Jugendabteilung des Metallarbeiter- Verbandes an. Als der Direktor der Firma Photographische Appa- rate Ernemann dies erfuhr, entzog cr den beiden Lehrlingen die für das vierte Lehrjahr mündlich versprochene, aber nicht vertrag- lich festgelegte Zulage von wöchentlich 4 bis ö R., und forderte sie zum Beitritt in den gelben Werkverein und zum Austritt aus dem Metallarbcitcrverband auf. Das verweigerten die jungen Leute und verliehen die Lehre. Alle jungen Leute, die dem gelben Werkverei» angehören, erhalten die Zulage. Der Lehrvertrag enthält die Be. stimmung, daß die Lehrlinge nur mit Genehmigung des Werkmeisters einem Verein oder einer Gewerkschaft angehören dürfen. Aus diesem Grunde und weil die Zulage nur mündlich in Aussicht ge» stellt war, erkannte das Gericht auf das eingangs mitgeteilite Urteil. Es ist empörend, daß ein Gewerbegericht zu einem so unHalt- baren Urteil kommen konnte, das einen gesetzwidrigen und aegen die guten Sitten verstoßenden Terrorismus billigt. Bus aller Welt. öchleftrches Rimmclmch. „Die Arbeiterfrauen verstehen nicht zu kochen und setzen deshalb ihren Männern Fleisch, Fleisch und immer wieder Fleisch vor." So erklärte im Landtage gelassen der große Volkskenner und preußische Landwirtschaftsminister von Schorlemer. Um diesem be- trüblichen Mangel an Kochkunst abzuhelfen, wird seit Ostern dieses Jahres in mehreren Bergarbeitergemeinden Oberschlesiens den Mädchen in den Volksschulen Äochunterricht erteilt. Ter Unter- richt wird hoffentlich den vollen Beifall des Herrn Landwirtschafts- mnisters finden, denn Fleisch ist dabei ein so nebensächliches Nahrungsmittel, daß es im Unterricht bisher überhaupt noch nicht auf die Speisekarte gekommen ist. Für je 7 Mädchen stehen für jede Mahlzeit eine Mark zur Verfügung. Davon mutz aber noch etwas für außerordentliche Fälle aus- gespart werden. Bisher sind folgende Gerichte als nahrhaft und sättigend den Kindern gelernt worden: Eine ButtergrieSsuppe für 14 Ps., bei der für die Butter und einen Löffel Salz 6 Pfennig veranschlagt sind. Eine Wassersuppe mit Bratkartoffeln kostet 63 Pf., während man Salzkartof» feln und Zwiebelbeiguß für sieben Personen schon um 35 Pf. herstellen kann. Offenbar wollen die Macher dieser Kochkunst mit ihren Rezepten der starken Säuglingssterblichkeit unter der oberschlesischen Bergbevölkerung entgegenwirken. SMiaMEÄ-aliNfiEF WahJyEFEiß leukiiilii Am 27. Juni verstarb unsere | Parteigenossin Frau Berta Kiek (Kailer Friedrichstr. 121, 11. Bez.) Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1. Juli, nach- mittags 2st, Ubr, von der Leichen- Halle des Neuköllner Gemeinde- sriedhoseS, Mariendorser Weg auS statt. 237/13 Ter Aorftand. 1 VErlianii iIsf SätÜEFD. PortslEulllEr Ortsvcrwallung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, ! daz unser Kollege, der Sattler W. Amstätter J fBctricb 6. P.(Soerj, Friedenau) [ verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute 1 Dienstag, den 1. Juli, nachmittags 6 Uhr, aus dem Steglitzer s Gemeinde- Friedhofe, Bergstrage, ! all. 1 157/3 Die Ortsverwaltung. Hierdurch die Nachricht, dafi j unsere liebe Tochter und Schwester Sda Schy9z am Sonnabend nach schwerem Leiden im 43. Lebensjahr ver- storben ist. 1415b Mit der Bitte um stilles Beileid im Namen der Hinterbliebenen tttt» Siclmli!!, Naunhnstr. 35. Die Beerdigung findet Mittwoch nachm. 3>/z Uhr von der Halle des Thomas-Friedhoses in Neukölln, Hermannstrage, au» sialt. vEiilMfliElaliaFdEitEF-VEFliallll Verwaltungsstelle öerlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Bohrer Kar! Scdonberx Charlottenburg, Reuchlinstr. 7 am 28. Juni an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Juli, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle deZ Luisen-Kirchhoses in Charlottenburg, Fürstenbrunner Weg, auS statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 121/1 Die Ortsverwaltung. Hännereiior Moabit Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Sangesbruder Kar! Lcdüaberx am(Sonnabend verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen- Kirchhose», Neuer Fürstenbrunner Weg(Westend) aus statt. 141Sb Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise der Teil- nähme bei der Beerdigung unseres Sohnes und Bruders Hermann sagen wir allen Freunden und Be- kannten, den Beamten, Arbeitern und Lehrkollegen der Firma F. Piechatzek, den Mitgliedern des Ar- beiter-RadsahrerbundeS„Solidarität", Abt. IV. des Deutschen Metall- arbeiter-Berbandes. Ortsv. Berlin, sowie dem Maschinenpersonal der Pumpstation Schöneberg und deS LriuolhotelS unseren herzlichsten Dank. it. Schwittau nebst Frau u. Kinder. KIllmr»- uud üranjlriudmi von Robert Jnh.: P. Golletn Mariannenstr. 2. Tel. Mpl. 346. Kranzspenden sowie sämtliche ßlumenarrangemeiitd liefert schnell und billig Pool Gross, Lindenstr.63, Tel. Mpl. 7203. Gtruizwrurstei die berühmten, von Mittwoch ab bei �Vnrstmo>or, Brunneustr. 6. KREDIT. 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Tagesordnung: 1. Bericht des Obmanns. 2. Bericht der Werkstatt-Vertrauensleute. 3. Die Regelung der Beiträge nach den Beschlüssen der letzten Generalversammlung. 4. Verbandsangelegenheiten. Jede Werkstatt mnst vertreten sein. Mitgliedsbuch und Vertrauensmännerkarto legitimiert» Versammlungslokale:. 1>Isfcdmenarbeiter abends 8 Uhr bei asoelcr, Webersir. 17. GuifetZCP im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15, Saal 9. Ctfchler. Südwesten und Westen: in Hebels Brauerei, Bergmannstr. 5/7. Süden: bei Gliesing. Wassertorsir. SS. Südosten I u. II: im Lolai Südost- Waldemarstr. 75. Osten I: bei Kluge, Langestr. 53. Osten II: bei Huth, Warschauer Str. kl. «sten III: in Fredersdorfs Gesellschaftshaus. Frankfurter Allee 127. Oestllche Tororte: bei W. Schulz, Lichtenberg, Kronprinzen- ftratze 47, Ecke Scharnweberstratze. Nordosten: bei Merkmann, Gr. Frankfurter Str. IS. nosentlmler nnd Schönhauser Torstadt: bei Obigl» Schwedter Straße 23. Weddlnzt nnd Aonhlt: bei Kaczarowski, Ravenöftr. S. WelLensee: im Prälaten, Lehderstr. 122. Abends 5'/, Uhr. XenNöIIn: im Jdcal-Kasino, Wcichselstr. 8. SehÖneherg:: um S>/, Uhr bei Kuschke. Meininger Str. 8. Charlotten bürg: bei Thunack, Wielandstr. 4. Mcdenmöbelbrancde bei Kilörig. An der Stralau-r Brücke 3. leiden- und Kontormöbelbrancbc abend« s Uhr b-i Hermel, Holzmarklstr. 21. Bautikdiler. Bezirk 1: Südwesten, Süden, Südosten bei Grasthoff, Zldmiralslr. 18c. Bezirk L: Osten bei Bratner, Weidenweg 85. Bezirk S: Sorden nnd nördliche Tororte bei Gltesche, Kopenhagener Str. 74. Bezirk 4: Kesnndhrnnnen, Wedding nnd Aoahlt bei Sariife, Lindower Str. 2S. Bezirk S: SeaköII» bei Schenk, Rofenstr. 24. stlöbel- u. Stublpotterer koxvie stlagaÄnarbeiter Osten: bei Boeker, Webcrstr. 17. Südosten: im Märkische» Hof, Admiralstr. ISc. Forden: bei Günther, Brunnenstr. SS. Vrecbller, OreppenAeländer- und I�uxusmöbel- brancke. Forden bei Döhliug, Bruunctistr. 73. Osten bei Rosin, Gubener Str. 13. Südosten nnd Südwesten bei Tiuius, Ritterstr. 123. Die Vertrauensleute aus den LupuSmöbelwerkstälten gehen nach den Versammlungen der zuständigen Tischlerbezirle. stlodelltiscdler abends s Uhr bei Waldt, Pfiugstr. 5. Stellmacder bei Hummel, Sophienstr. 5. Jalouliearbeiter abends sil, Uhr bei Walter. Adalbertstr. S2. Silken- und kloffermacber Be?ei»sh°u� �T6mfvm.2i. Korbmacher. Die Versammlung fällt aus. Bilrrtenmacbcr b« Preufi. Holzm-rktstr.«5. Perlmutt-, Born- u. Steinnußarbeiter um« nhr bei Ernst Thomas, Melchwrstr. 5. ßtlderrahmenmacher um e uhr bei W-hiisch, Sialltzerstr.s». Lodenleger im Gewerrschaftshause, Engeluser 14/15, Saat 2, 8 Uhr. Vergolder. Die Versammlung fallt aus. Donnerstag, den 3. Juli: abends 6 Uhr in Hermcls VercinShaus, Holzmarklstr. 21. Sargtiliehler abends 7 Uhr bei Kühn, Petersburger Str. 84. Beiirk Ober-Schöneweide. Heute Dienstag, den I. Juli, abends 8'/, Uhr, bei Warnecke, Wiihelminenhosstr, 18: Mitglieder- Versammlung WG Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Verbands- uud Branchen« angelegenheiten. ZT1»vKvr»rii»vKtvi'. Donnerstag, 3. Juli, abeuds 8 Uhr, im GewerischaftshauS, Saal 4: Branchen-Bersammlung. Die Bibliothek ist wegen Inventur geschlossen. 85/8 Alle noch ausstehenden Bücher müssen umgehend zurückgeliefert werden. Ble Ortsverwaltnngr. Sei Säcksrai- mktämmang lltmaie S mit meinsm berühmten reenlierbaren Re- dressiona- Apparat— System Haas— tür lirwactisene uud Kinder. Meie Apparat wurde aut dem 10. Aerzte-Konzress in Lemberg mit dem 1. Preis ausgezeichnet und erhielt aut der Internationalen Hygiene- Anastellung in Dresden 1911 die silberne Medaille. Prospekt und taebmäunisebe Erläuterung kostenlos FMamvaI Berlin W. 35, » I""«HCl, Scböneber eer Uf er28 In Dosen übereil crhälllicb Fabrik Urban&i Lcmm. ChorloMenburfl N.& P. Uder, Tabak-Großhandlnng und Tahaktabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. 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Juli dieses Jahres an die Zentralkommiision für Sport uud Körperpflege(I. Mafia, Bcrlin-Tcgel, Schlieperstraße 30) mit der Auf- schrist.Bewerbung' einzureichen. I+13b Zeutralkommissiou für Sport und Körperpflege. Verantwortlicher Redakteur: Alhcrt Wachs, Berlin. Für den Lnjeraienteitverantw.l Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Smger u. Eft, Berlin ZHK mm».»w» 3. ßtiijijt iits.lorniiitts" Klllim PoMIntt „VoHts-Zcitungs'S.Cerrorisraus". In den Spalten der Berliner„Volkszeitung" treibt seit län� 'gerer Zeit ein Terrorismusschnüffler fein Unwesen. Der Mann chat allem Anscheine nach einmal Druckerzeugnisse des Reichsver- bandcs zur Bekämpfung der Sozialdemokratie gelesen, darunter auch solche, in denen zum Zwecke der Schaffung eines Zuchthaus- gesctzes sogenannte Terrorismusfälle zusammengcschwindelt worden sind. Wenn der„Volkszeitung" von irgend einem Mih- vergnügten, der seine Organisationspslicht schmählich mißachtet, und der von seinen Arbeitskollegen an seine Pflicht erinnert worden ist. Klagen zugehen, die sich gegen die organisierten Arbeiter rich- tcten, konnte man sicher sein, diese Klagen mit den nötigen An- würfen in der„Volkszeitung" veröffentlicht zu sehen, und zwar ohne jede Nachprüfung der tatsächlichen Verhältnisse. Wir haben dieser Tatsache in voriger Woche in einer Polemik mit der„Volkszeitung" Erwähnung getan und unter Wiedergabe von Ausführungen eines Artikels der„Volkszcitung" gezeigt, von welchem Haß dieses Blatt gegen die moderne Arbeiterbewegung erfüllt ist. In ihrer Sonn- tagsnummer kommt die„Volkszcitung" in einem„Terrorismus" überschriebenen Artikel auf die Sache zurück und meint, wir hätten ihre tatsächlichen Feststellungen nicht widerlegt und auch nicht widerlegen können. Das ist der Gipfel! Die„Volkszeitung" bringt allgemeine Behauptungen, bezeichnet sie als t a t s ä ch- liche Feststellungen, und fertig ist sie. Es lohnt nicht, auf das Verlegenhcitsgestammel der„Volks- zeitung" einzugehen. Bemerkenswert ist, daß das Blatt eine Ein- sendung eines Unorganisierten abdruckt, in der sich der Einsender über Tcrrorismus der Hirsch-Dunckcrschen beklagt, was von den freien Gewerkschaften nicht gesagt werden könnte. Die„Volks- zeitung" wendet sich nunmehr gegen die eigenen Parteifreunde. Tic„Volkszeitung" kann mit ihren Terrorismusgeschichtcn nicht diel Staat machen. Freunde wird sie sich höchstens unter den Scharfmachern der Arbeitgeber erringen. Partei- Angelegenheiten» Rcichstagsersatzwahl in Jüterbog-Luckenwalde. Für die Wahlhilfe am Tage der Haupt- Wahl haben fyh bei uns weit mehr Genossen gemeldet wie benötigt werden. Alle die- jenigen, die von uns per Karte benach- richtigt sind, ersuchen wir, pünktlich an den angegebenen Plätzen zu erscheinen. Brandenburger Provinzialsekretariat, Lindenstr. 69. Moritzpl. 8623. Zentralwahlverein für Teltow-Bceskow-Storkow- Charlottenburg. Das Bureau des Wahlvereins befindet sich jetzt Lindcn- stratze 3, III. Aufgang IV(Fahrstuhl). Fernsprecher: Amt Moritzpl. 14714. Stralau. Den Genossen zur Kenntnisnahme, daß die Bibliothek für die beiden Monate Juli und August geschlossen� ist. Die Ausgabe beginnt wieder mit dem ersten Montag im«op- tember. Lichtenberg. Heute, Dienstag, abends S'A Uhr, Viertclsver- sammlung des dritten Viertels im Cafe Bellevue, Hauptstraße. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Thurm, 2. Diskussion, 3. Vicr- telsangelcgenheiten. Reinickendorf-West. Heute Dienstag, den 1. Juli, abends 7 Uhr, Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Potsdam. Tic Wahlvcrcinsversammlung findet morgen, Mitt- woch, abends 8M Uhr, bei Glaser, in der Kaiser-Wilhclm-Straßc, statt. berliner I�admcbcen. Gepfefferte Somsnerfrischen-'vrcise. Neben den Rosen stehen gleich die Dornen. Wer die Rosen blühen sieht, kann sie oft doch nicht pflücken. Nur aus der Ferne dringt ihr Duft. Wie viele Hunderttausende, die sich aus der Fron ein paar Wochen in die freie Natur sehnen, müssen jetzt wieder auf die so notlvcudige sommerliche Erholung verzichten! Einer Minderzahl auch unter den Pro- letaricrn glückt es ja, sich freizumachen und mit ein paar Spargroschen irgendwo außerhalb des großstädtischen Stein- kolosses unterzutauchen. Das Sommerleben auf dem Lande ist jedoch mit den Fähren für die Sommervögcl immer teurer geworden. Zum Teil inag das an der allgemein ungiinstigen Konjunktur, an den unter dem Druck einer wahnsinnigen Steuerschraubcrei anhaltend teuren Lebensmittel- und Woh- �lungspreisen liegen. Daneben ist aber doch das Bestreben, die Sommerfrischler nach Strich und Faden zu rupfen, nicht zu verkennen. Man soll nicht glauben, daß nur die besuchte- sten deutschen Kurorte den Reisenden das Fell über die Ohren ziehen. Ii? der Mark wird das beinahe noch besser verstanden. Der Reiz der märkischen Wald- und Scenlandschaft ist sozusagen erst seit einigen Jahrzehnten entdeckt. Einst flüchtete man vor dem verrufenen märkischen Sande, heute zieht die Mark viele Tausends an, die aus anderen Provinzen kommen. Auch die Groß-Berlincr, die nicht mehr weite Soiumerreisen machen, sondern sich ein paar Meilen von Berlin entfernt namentlich während der„Hundstagc" einauarüeren, haben sich gemehrt� In vielen märkischen Ortschaften ist die Nach- frage nach Sommerwohnungen viel größer als das Angebot. In demselben Verhältnis sind aber auch die Preise gestiegen und gerade an. den schönsten Punkten der Mark für die iveniger bemittelten Kreise unbezahlbar geworden. Eigens für die sommerlichen Erholungszwecke gebaute Villen und Logierhäuser sind wie die Pilze aus dem Boden geschossen. Sie stehen während der Hälfte des Jahres leer, und so muß zur Deckung des Anlagekapitals während der paar Sommer- monate an Miete doppelt und dreifach gezahlt werden. Ileberall bemerkt man aber auch ein geschlossenes Vorgehen der reinen Gewerbetreibenden mit den Einheimischen, die aus dem Vermieten im Sommer einen Nebenerwerb inachen. Die Preise werden systematisch immer mehr in die Höhe geschraubt, und es wird dabei keine Rücksicht genommen, wie schwer es für viele ist, das Geld für die paar Erholungswochen zu- sammenzubringcn. Je schöner der Wald, je reicher die Seen, desto mehr muß auch bezahlt werden. Ein nüchternes Zimmer ohne Betten ist für weniger als 16 Mk. pro Woche an einiger- maßen bevorzugten Orten kaum noch zu haben. Ebenso schlimm steht es mit der Verpflegung. Man muß alles über den Kopf bezahlen und erhält nicht inal das Beste, das die schlauen Bauern bekanntlich nach dein„großen Wasserkopf" schicken. Ter Preissteigerung haben sich auch die meisten länd- lichen Restaurateure angepaßt. Die Portionen sind winzig klein, häufig minderwertig, die Preise unverschämt hoch. Der Aufenthalt im Badeort ist verhältnismäßig billiger. Zwar gibt es eine Menge Pensionen, aber auch hier sind die Preise in die Höhe geklettert. Wo es anfangs nach einem„billigen Nest" aussieht, ist bald zu bemerken, daß das Gebotene frag- würdig ist und die Pensionsmutter in irgendeiner Art auf ihre gute Rechnung kommt. Das noch junge Ansehen der märkischen Sommerfrischen kann durch dieses Schröpfungs- system nicht gerade gewinnen. Die Untcrgrundbahnstreckc Spittelmarkt— Alexandcrplatz wird mit dem heutigen Tage dem öffentlichen Verkehr über- geben werden. Sie sollte nach dem Vertrage Ende 1912 be- triebsfcrtig sein. Die Verzögerung ist eingetreten, weil in- zwischen ein neuer Vertrag hinzugekommen ist, nach welchem die Bahn nach der Frankfurter Allee geführt werden soll. Infolgedessen ist beim Bau des Bahnhofs Klosterstraße auf die neue Strecke bereits Rücksicht genommen worden. Die Bahn unterfährt vom Bahnhof Jnselbrücke die Spree in ihrer ganzen Breite. Ans diesem Grunde hat auch der Bahnhof Insel- brücke, der zu den verkchrsärmcrcn gehören dürfte, eine recht rcspektablcLänge aufzuweisen. DerBahnhofAlcxandcrplatzhatbc- sondere Schwierigkeiten gebracht, weil noch eine Unterführung unter dem Untcrgrundbahnhof angelegt werden mußte. Die Direktion hofft, den Betrieb der Strecke Alexanderplatz— Schönhauser Allee Ende Juli aufnehmen zu können, obwohl diese Strecke erst 1918 betriebsfertig zu sein brauchte. Der Verkehr dürfte sich erst dann ganz eniwickelu, wenn die ge- samte Strecke im Betriebe ist. Das gesamte Werk in seiner ganzen Ausdehnung zeigt die EntWickelung des Verkehrs in Berlin, aber auch einen gewaltigen Fortschritt der Technik, der die größten Schwierigkeiten übertvindct. Schwimmer und Augenkrankheiten. Ein bekannter Berliner Augenarzt hatte, da einige seiner Pa- tienten als Mitglieder des Schwimmklubs Vorwärts regelmäßig in der Schwimmhalle der städtischen Badeanstalt in der Gericht- straße gebadet hatten, in dieser»Anstalt den Anjteckungsheerd einer Augenkrankheit vermutet. Die Deputation für Turn- und Badcwesen traf nach Kenntnis der Sache sofort ihre Maßregelm Außerdem wurde eine aus Fach- leutcn bestehende Untersuchungskommission unter Leitung des neuen städtischen Medizinalrats, Geheimrat Dr. Weber eingesetzt. Die eingehenden Untersuchungen an Ort und Stelle, des Bade- Wassers sowie der erkrankten Personen, haben ergeben, daß die Schwimmanstalt als Ansteckungsgebict nicht in Frage kommen kann. Eine Besorgnis für die Badegäste liegt also nicht vor. Die An- steckungen müssen außerhalb der Anstalt erfolgt sein. Bemerkens- wert ist allerdings, daß meistens nur junge Leute im Alter von zirka 16 Jahren erkrankt waren. Ob das Schwimmen und Tauchen mit offengehaltenen Augen die Schleimhäute derselben entzünden und die Ansteckungsgefahr ermöglichen können, ist nicht unwahr- scheinlich. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß der Schwimmklub Vor- wärts seine, auch in den leichtesten Fällen erkrankten Mitglieder vom Baden sofort ausgeschlossen hat, um vorzusorgen. Wünschens- wert wäre es, wenn die Schwimmvcrcine besondere Aufmerksamkeit auf die Krankheiten ihrer Mitglieder, die Art und Weise, sowie Tauer derselben richten möchten, um erforderlichen Falles stich- haltiges Material für Untersuchungen bieten zu können. Aus dem Zwcckverbandsausschuft. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth fand gestern eine Sitzung dcS Verbandes Groß-Berlin statt. Der Bebauungsplan für das sogenannte Schöncbcrgcr Südgclände mit einer neuen Polizeivcrordnung, wurde endgültig genehmigt. Dieser neue Bebauungsplan sieht eine staffelförmige Bebauung der Gegend an der Wannsecbahu nach ganz neuen Grundsätzen vor. Da auch die anderen zuständigen Behörden schon zugestimmt haben, so steht nunmehr der Bebauung des Geländes nach erfolgter Erschließung mit Straßen nichts mehr im Wege. Ferner stimmte der Ausschuß dem neuen Bebauungsplan von Zeuthen nach einigen Aenderungen zu. Der aufgestellte neue große Bebauungsplan für das Gelände zwischen Nieder- Schöneweide und Adlershof. am Johannisthaler Flugplatz, wurde cnigehcnd beraten, aber noch nicht endgültig verab- schiedet. Außerdem wurden noch einige Verkchrsangclegcn- heiten beraten und erledigt. Der neue Städtebauer Baurat Binster, Königsberg i. Pr., wird am 1. September seine Stellung im Zweckverband antreten. Zum Schluß der Sitzung werden noch Mitteilungen gemacht über den Verlauf der Verhandlungen mit dem Forstfiskus betreffend den Ankauf des Grunclvaldes. Die Verhandlungen hierüber sind noch nicht zum Abschluß gelangt und sollen während der Ferien fortgesetzt werden.__ Ein neuer Schwindel. Von gewerkschaftlicher Seile wird uns geschrieben:„Die Aus- beutung der UnkennwiS und der Leichtgläubigkeit hat schon recht sonderbare Blüten gezeitigt. In den Spalten der bürgerlichen Presse ist manches Inserat zu finden, das von vornherein als Schwindel bezeichnet werden kann. Besonders der Arbeitsmarkt wird in aus- giebigem Maße dazu benutzt. Es gibt gewissenlose Leute, die genau wissen, daß die Leser des ArbcitSmarktcS in Not befindliche Leute sind, die nach allem möglichen greifen, um in Zukunft eine bessere Existenz zu finden. Diese Notleidenden opfern, in der Hoffnung auf gute Bcschäflignng, ihre letzten Groschen. In der„Berliner Morgenpost" fand ich dieser Tage folgendes Inserat: Rcvolvcrdrehcr, bilde jeden aus, eventuell abends.„M. P.', Postamt Nr. 6ö. Für den Sachkundigen war sofort klar, daß es sich hier um keine einwandfreie Sache handelte. Ein Arbeiter, der die ükcvolver- dreherei lernen wollte, erbat Auskunft und erhiebt folgende Antwort: Teile Ihnen mit, daß Sie bei mir die Revolverdrcherei lernen können. Preis beträgt 25 M., Dauer 3—4 Tage. Erwarte Sie bald. Achtungsvoll Paul Hering, Schulstr. Ivo, Keller. Diese Antwort des Herrn Hering charakterisiert sich selbst. Es ist unerhört, zu behaupten, in drei bis vier Tagen könne die Revolverdreherei gelernt werden. Die Revolverdreher gehören heute zum größten Teil mit zu den Oualitätsarbeitern, an die in den modernen Betrieben große Anforderungen gestellt werden. Sie müssen über große Erfahrungen verfügen, wenn sie übcrhanpt lohnende Arbeit erhalten wollen. Als wir unS den Betrieb des Herrn Hering näher ansahen, fanden wir unsere Vermutung bc- stätigt, Herr Hering besitzt eine alte Revolverbank mit Fußbetrieb, die mit modernen Maschinen gar nicht verglichen werden kann, an der sich niemand auch nur die elementarsten Kenntnisse der Dreherei aneignen kann. Werkzeuge waren fast gar nicht vor« handen. In einer Aussprache teilte Herr Hering mit, daß sich die Ausbildung auf drei Stunden pro Tag beschränke, daß er auch jedem ein Zeugnis ausstelle. Auf unseren Hinweis, daß man mit einem Zeugnis von drei Tagen doch nirgends Be- schäfiigung finden würde, erklärte Herr H., er schreibe ja keinen Datum ins Zeugnis, den könne sich jeder selbst einschreiben. Als wir dann sagten, sein ganzes Gebaren würde von jedem Fachmann als Schwindel betrachtet, erklärte er, daß sei ihm egal, er habe schon 18 Mann ausgebildet und würde weiter ausbilden. Wir warnen deshalb jeden vor diesem plumpen Manöver, es kann Herrn Hering nur um die 25 M. zu tun sein, von einer Ans- bildung kann gar keine Rede sein." Die Einrichtung eines Heimes für„verloren" gegangene Kinder stellt sich immer mehr als ein dringendes Bedürfnis heraus. Nach polizeilicher Berechnung gehen in Groß-Berlin täglich etwa 36 Kinder verloren und werden irgendeiner Polizeistelle zugeführt. Mailgels einer Zentralstelle für solche aufgefundc- neu Kinder müssen sie auf den Wachen verbleiben, bis sie abgeholt werden, was mitunter aber erst nach einigen Tagen der Fall ist. Trotz des Fernsprechers ist es nicht immer mög- lich, den besorgten Eltern Auskunft über den Verbleib ihres Kindes zu geben. Wenn nun auch die kleinen Findlinge aus den Polizeiwachen gut aufgehoben sind und durch die Schutz- lcute Essen und Trinken erhalten, so ist doch dringend die Einrichtung eines Heimes erforderlich, das im Mittelpunkte Verlins belegen ist und dem alle verloren gegangenen und sonstwie obdachlos aufgefundenen Kinder sofort nach ihrer Einliefcrung zuzuführen sind. Hierdurch würde der Polizei eine große Last abgenommen werden und die Eltern usw. wüßten, wohin sie sich zur Wiedererlangung ihres verirrten Lieblings zu wenden hätten. Man darf es getrost als eine Pflicht der Stadtverwaltung Berlin bezeichnen, eine solche Zentralstelle in Form eines Heimes zu schaffen. Bei der Arbeit vom Tode überrascht wurde der 23 Jahre alte Hausdiener Friedrich Meyer aus der Pücklerftr. 2. Der junge Mann, der bei einer Papierfabrik in der Lindenstraße in Stellung war, wurde beim Aufladen von Papier« ballen auf einen Wagen plötzlich von einem heftigen Unwohlsein befallen, dem er gleich darauf, ehe ärztliche Hilfe herangezogen werden konnte, erlag. Nachdem ein Arzt den Tod festgestellt hatte, wurde die Leiche von der Polizei beschlagnahmt und zur Feststellung der Todesursache nach dem Schauhause gebracht. Ter Lotteriegelvinn im Handtuch. Auf eine sonderbare Idee, sein Geld vor Diebstahl zu schützen, kam ein Frankfurter, der einen Lotteriegewinn in Höhe von 75 OOO Mark gemacht hatte und hierher gekommen war, um den Betrag in Empfang zu nehmen. Als der Mann im Besitz des ihm durch die Göttin Fortuna zugedachten Geldes war, bekam er es� mit der Angst zu tun, daß ihm der Gewinn hier entwendet würde. Er sann deshalb darüber nach, wie er es wohl am best?« anstelle, daß das Geld auch ganz sicher aufgehoben sei. Dabei kam er auf den eigenartigen Gedanken, es in ein Handtuch einzunähen und sich dieses als Gürtel um den Leib zu binden. Hier hielt er es für gut aufgehoben und besuchte, bevor er wieder nach seiner Heimatstadt abreiste, noch mehrere Restaurants. Zur Vorsicht reiste er dann noch am selben Tage wieder nach Frankfurt a. M. ab. Als er hier ankam und in seiner Wohnung die Scheine in dem kuriosen Geldbeutel nachzählte, machte er zu seiner größten Ueberraschung die schmerzhafte Entdeckung, daß von den 75 000 M. 24 500 M. fehlten, und zwar 20 Tausendmarkscheine und 45 Ein- Hundertmarkscheine. Der Verlierer des Geldes, der auf die Wieder- herbcischaffung der Summe eine Belohnung von 1000 M. aus- gesetzt hat, nimmt an, daß ihm die Scheine abhanden gekommen sind, als er die Toiletten der Restaurants, die er besucht hat, auf- suchte. Hier fand man sie, als auf seine Nachricht hin nachgesehen wurde, natürjich nicht mehr. Wenn er das Geld tatsächlich an einem der vielbesuchten Orte verloren hat, so dürfte es längst jemand gefunden haben, der es besser aufzuheben weiß. Tie Kriminalpolizei ist nun bemüht, diesen unehrlichen Finder zu er- Mitteln. Ein Zusammenstos, zweier Straßenbahnwagen ereignete sich ain gestrigen Abend gegen hA llhr an der Ecke der Göben- un» Mansteinstraße. Tort fuhr ein aus einem Trieb- und einem Anhängewagen bestehender Straßenbahnzug in der Richtung nach dem Zoologischen Garten über die Kreuzung. Während der Mowrlvagen anstandslos die Kreuzung passierte, sprang der Au- Hänger aus den Schienen und prallte gegen den Motorwagen 035 der Linie 89. Bei dem Zusammenstoß wurde der Anhänger schwerer beschädigt, während an dem Motorwagen zwei Scheiben in Trümmer gingen. Als verletzt meldeten sich ein Herr Arndt, der über Schmerzen in der Brust klagte, ein Herr Erich Reetz, der einen Nervcnchoc davongetragen hatte und ein Herr Schneider, der Hautabschürfungen am Kopf erhalten hatte. Ein vierter Herr wurde auf der nahen Unfallstation behandelt. Wer ist der Tote? Im Tiergarten versuchte sich, wie wir vor mehreren Tagen mitteilten, ein unbekannter Mann zu erschießen. In der Charits, wohin der Lebensmüde gebracht wurde, ist er in- zwischen seinen Verletzungen erlegen, ohne daß es bisher gelungen ist, die Persönlichkeit des Unbekannten festzustellen. Der Tote, der ungefähr 55 bis 60 Jahre alt gewesen sein mag, scheint feinem Acußercn nach dem Mittelstande angehört zu haben. Er ist ungefähr 1,70 Meter groß und schlank, aber kräftig gebaut, hat graumeliertes Haar, eine Glatze, einen graumelierten Schnurrbart, ein rundes Gesicht, blaue Augen, eine Adlernase, abstehende Ohren und ein breites Kinn und trug einen graugrünen Jackettanzug, ein blauweiß- gestreiftes Hemd, weiße Manschetten, einen schwarzen steifen Hut und schwarze Stiesel. Der Tote war im Besitz eines schwarzen Regenschirms mit gebogener Krücke und hatte eine Karte in der Tasche, die, soweit sie zu entziffern ist, die Aufschrift„Amalie FullinowSki" oder so ähnlich trägt. Leichtathletische WettkSmpf« und Wettspiele am die Aaustball» Meisterschaft veranstaltete am vergangenen Sonntag die Gruppe Schöneberg und Umgegend vom 4. Bezirk deS Arbeitir-Turncr. bundes. Die Veranstaltung litt unter den häufigen Regenschauern. Trotz- dem hatten sich über 100 Turner aus den V cremen Friedenau, Groß« Lichtcrsclde, Lankwitz, Marienfelde, Schöneberg, Steglitz, Tempelhos-Maricn- dors, Wilmersdorf und Teltow eingefunden, um ihr Können zu erproben. Im Fünjkamps, der aus Stabweiisprung. Steinstoßen, Schleuderball» weitwerfen, Weitsprung und Hürdevlausen bestand, wurde Stahn-Schöne» flerg mit 90 Punkten der beste. Zweiter wurde NoSke-Schöneberg, dritter Reetz-Grotz-Lichterfelde. Die besten Leistungen waren: Stabweitsprung 7,40 Meter; Steinstoßen(30 Psund) 7,50 Meter; Weitsprung 5,90 Meter: Schleuderball 44 Meter. Zu den Faustballwettspielen traten zwöls durchweg gut spielende Mann- schalten an. Sieger wurde mit viel Glück Grotz-Lichterseldc. Vorort- I�acKricbten. Treptow-Baumschulenwcg. Der Bahnhof Baiimschulrnwcg soll jetzt eine Veränderung in der Weise erfahren, daß für die nach Berlin fahrenden Stadtbahnziige ein neuer Aufgang von der Spreeseite geschaffen wird. Damit soll erreicht werden, dasj die von Neukölln kommenden Züge nicht mehr die nach Treptow führenden Gleise kreuzen brauchen. Diese Unglücks- weiche führte bekanntlich vor einigen Jahren zu einem Zug- zusammenstoß und zum Absturz einiger Wagen nach der Storm- swaße. Die Folge der an jenen Fall geknüpften behördlichen Er- wagungen ist auch, daß die am Bahndurchlaß der Baumschulen- straße errichtete Bedürfnisanstalt noch immer nicht ihrer Bestimmung übergeben ist. Seit Jahren sind Türen und Fenster mit rohen Brettern verschlagen und schon mancher Fremde hat fragenden Blicks vor dem geheimnisvollen kleinen Häuschen am Bahndamm ge- standen——I Nun wird wohl auch diese„wichtige Frage" bald eine Lösung finden. Mit den Bahnbauarbeiten ist bereits begonnen. Die Feuerbestattungsanlage hat in letzter Woche bereits die ersten zwei Einäscherungen vollzogen. Es handelte sich in beiden Fällen um Nichtangehörige unserer Gemeinde. Die Anlage selbst ist jetzt auch für jedermann zur unentgeltlichen Besichtigung frei- gegeben; für diese Zwecke sind die Sonntagsstunden von 9— i2 Uhr und die Abende des Dienstags und Donnerstag von b Uhr ab be stimmt. Vereine, die eine gemeinsame Besichtigung des Krema toriumS wünschen, können den Zeitpunkt mit dem Gemeindevorstand vereinbaren. Karlshorst. DaS Thema Wahlrecht und Massenstreik behandelte in der gut besuchten Mitgliederversammlung des WahlvereinS Genosse Dr. Kurt R o s e n f e l d. Der Redner knüpfte zunächst an den Ausfall der preußischen Landtagswahl an. Da auf Grund des Dreiklassenwahl- rechts die Stimmung des Volkes in der gesetzgebenden Vertretung keinen Ausdruck finde, sei die Frage am Platze, ob der in Belgien wiederholt mit Erfolg angewendete Generalstreik ein Mittel sei, um auch. in Preußen größere politische Rechte zu erobern. Durch den Kölner Gewerkschaftskongreß sowie durch die Parteitage von Jena und Mannheim sei die Frage, ob der Massenstreik anzuwenden sei, eigentlich schon geklärt. ES handelt sich noch darum zu fragen, wann ist diese Form des Kampfes zur Anwendung zu bringen. Wesentlich sei. daß bei Inszenierung deS Massenstreiks die Arbeiterklasse in genügender Zahl mobil gemacht werde; zum mindesten dürfe die Tatsache, daß es bei der Durchführung des Massenstreiks zu Konflikten mit den Behörden kommen könne, kein Hindernis für dessen Anwendung fein. Vor solchen Konflikten dürfe die Arbeiterklasse ebensowenig zurückschrecken, wie die Kämpfer in der Zeit des Sozialistengesetzes bei Verfolgung ihrer Ziele ein Hindernis daran erblickt hätten. In der ausgedehnten Diskussion, an der sich die Genossen Mier, Becker, Kliem, Engel, Greve, Schüning, Dampfwolf, Gewinner und «spliedt beteiligten, traten wesentliche Abweichungen von den Aus- führungen des Redners nicht hervor. Genosse Küter machte am Schluß der Versammlung auf den Stillstand in unserer Organisation aufmerksam. Er glaube diesen Stillstand darauf zurückführen zu sollen, daß in der Organisation ein Mangel an Impuls zu verzeichnen ist. Immer mehr müsse die Arbeiterklasse sich indessen mit dem Gedanken vertraut machen, daß auf dem bisherigen Wege in Preußen auf lange Zeit hinaus nichts zu erwarten sei, wenn nicht mit den heutigen Machthabern ein ernstes Wort gesprochen werde. Stralim. In der Generalversammlung des WahlvereinS erstattete der Vor- sitzende den Bericht der Bezirksleitung. AuS demselben ist u. a. sorgendes zu erwähnen: Bei der LandtagSwahl in diesem Jahre wurden 5SS sozialdemokratische Stimmen abgegeben, während im Jahre 1908 nur 364 Stimmen auf unsere Wahlmänner entfielen. Desgleichen konnten auf den von Stralau bearbeiteten sechs Land« orten 72 Stimmen gezählt werden. Bei der Wahl 1906 verewigten wir dagegen nur 14 Stimmen auf unsere Kandidaten. Der Bibliothek wurden im letzten halben Jahre 142 Bücher entliehen. Die Zahl der Mitglieder beträgt zurzeit 370 am Orte. Der Kassen- bestand beträgt 141 M. Aus den Neuwahlen gingen hervor die Genossen Alfted Eichler als Vorfitzender, Gustav Wende als Kassierer und Gustav Buck als Schriftführer. Bruchmühle. AuS der Gemeindevertretung. Unser Vertreter beantragte, daß für den verstorbenen Gemeindevertreter Boelter eine Ersatzwahl vorgenommen werden möge. Nachdem der Gemeindevorsteher jedoch betont hafte, daß eine Wahl mit zu großen Unannehmlichkeiten verknüpft sei, wurde der Antrag mit 7 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Die Wahl soll erst im März vorgenommen werden. Die verlangten Neparawren am Spritzenhause sowie am llebungsturm wurden ge- nehmigt. Eine Differenz von etwa 700 M., die zwischen dem Ge- meindevorsteher und dem Steuererheber besteht, vermochte die Rechnungsprüfungskommission nicht zu klären, es soll daher eine Nachprüfung durch den behördlichen Revisor vorgenommen werden. Das Ortsstatut befteffend Wegereinigung ist vom Landrat abgelehnt worden. Lankwih. In der Generalversammlung des Wahlvereins elstattete der stellvertretende Vorsitzende, Genosse W. Richter, den Vorstandsbericht vom 1. Quartal. Die Versammlung beschloß, gegen die Genossen Wolf und Pardemann wegen Nichtbeteiligung an der LandtagSwahl das Ausschlußverfahren zu beantragen. Die Abrechnung für das 1. Quartal erstattete Genosse Kister. Einer Einnahme von 342,37 M. steht eine Ausgabe von 332,81 M. gegenüber. Die Mitgliederzahl betrug am Anfang des Quartals 286, am Schlüsse des Quartals 292. Den Bericht von der Kreisgeneralversammlung erstattete Ge- nasse Radike, den von der Verbandsgeneralversammlung Genosse W. Richter. Räch Erledigung einiger interner Angelegenheiten schloß die gut besuchte Versammlung. Martendorf. Aus der Gemeindevertretung. Die letzte Gemeindevertreier- sitzung hatte die Baugebühren-ordnung an die verstärkte Baukom- Mission zurück verwiesen. Wie der Gemeindcbaurat Saß ausführte, hat die Kommission, mit Ausnahme von einigen kleinen Aende- rungen, den Entwurf, wie er in der vorigen Sitzung vorgelegen, bestehen lassen. Nach Absatz a des Entwurfs sind beim Neubau von Gebäuden, beim Bau von Hofkellern und sonstigen selbstän- digen Kelleranlagen, sowie beim Neubau von Stallgebäuden für gewerbsmäßig betriebene Reit-, Fuhr-, Pensionsstallungen und für Molkereien für ein Kubikmeter Rauminhalt 3 Pf. zu zahlen; auf Antrag Schmidt wurde dieser Satz auf 2sH Pf. ermäßigt. Nach Ab- satz c sollten für einfache Lauben 1 M. gezahlt werden: auf Veran- iassung unserer Genossen wurde dieser Posten gestrichen. Die Auf- stellung von einfachen Lauben ist demnach gebührenftei. Bei dieser Gelegenheit verstieg sich der Gemeindevertreter Dillges zu der Be- hauptung, daß die Lauben in den sogenannten Kolonien der Unter- schlupf für allerhand Gesindel wäre. Demgegenüber betonte Genosse Reichardt, daß die Lauben vom sozialen und volksgesund- heitlichen Standpunkt eine Wohltat für die Menschheit wären; in Äariendorf hätten sich dieselben, abgesehen von einem Fall, noch in keiner Wesse unangenehm bemerkbar gemacht. Absatz ti sah für Herstellung von verbundenen Eisenkonstruktionen, Binder, Turmdächer für«ine Tonne Eisengewicht 5 M. vor. Die Gemeinde- Vertreter Schmidt und Sauer sprachen sich dagegen aus; auch die Genossen Reichardt und Weber bekämpften denselben. Es wurde beschlossen, ftir eine Tonn« Eisengewicht 2 M. zu berechnen. Mit diesen Aenderungen wurde sodann die neue Baugebührenordnung genehmigt.— Beim 2. Punkt: Zustimmung zu einem Vertrage be- treffend den Ausbau der Straße 94, ersuche Genosse Reichardt, die ..Terraingesellschaft Martendorf" anzuhalten, das auf den Bürger- steigen zwischen den Steinen emporwuchernde Gras zu entfernen. Baurat Saß versprach, dem Folge zu geben; hierauf wurde die Zustimmung zum Vertrage erteilt.— ES folgte noch eine geheime Sitzung. Pankow.-. Herr Polizeikomwissar Becker, der erst seit Anfang September vorigen Jahres der hiesigen Exekutivgewalt vorsteht, hat sich ent> schlössen, Pankow wieder den Rücken zu kehren. Wie die„Neue Vorortztg." zu melden weiß, ist Herr Becker zum Polizeiinspektor für Brandenburg a. H. gewählt worden und wird dortselbst mit 1. Oktober seine Tätigkeit aufnehmen. In der kurzen Zeit seiner hiesigen Wirksamkeit hat der Herr Polizeikommissar eS meisterlich ver-« standen, sich die Sympathien fast überall gründlich zu verscherzen, was ihn vielleicht auch veranlaßt haben mag, sich so bald schon einen anderen Ort für sein weiteres Wirken zu suchen. Selbst in den Kreisen deS loyalen Bürgertums hat ihm sein Eifer nicht allzu- viel Freunde erworben. Welche Erfahrungen die Pankower Arbeiter- schaft mit Herrn Becker in der kurzen Zeit seiner Amtstätigkeit ge- macht hat, dürfte noch in ftischer Erinnerung sein. Der Herr Konlmissar schien sich namentlich die Förderung der Arbeiter- jugendbewegung in Pankow zum Ziel gesetzt zu haben. Denn wenn auch nicht beabsichtigt, so war doch der Erfolg seines Auftretens gegenüber der arbeitenden Jugend für letztere von gutem agitatorischem Nutzen. Es interessierte ihn sehr lebhaft, wo und wie die Arbeiterjugend ihre Feste feierte, wo- hin sie ihre Ausflüge machte und worüber fle sich in ihren Zu- sammenkünsten zu unterhalten hatte. Auch um die Interpretation des Reichsvereinsgesetzes hat sich Herr Becker praktisch verdient ge- macht. So hat er dem§ 13 Abs. 2 in einer Versammlung die Deutung gegeben, den ihm als überwachenden Beamten reservierten Tisch statt mit einer bunten Decke mit einer solchen vom zartesten UnschuldSweiß zu versehen. Kurz, der Herr Kommissar war eben in seinem Beruf immer mit übermäßigem Eifer tätig und wir Sozial- demokraten konnten damit äußerst zufrieden sein. Denn an der Tat- fache, daß polizeilicher Uebereifer stets zu unserem Nutzen ausschlägt, hat weder Herr Polizeikommissar Becker noch seine etwaigen höheren Auftraggeber etwa« ändern können. Köpenick. Aus der Orgauisatioa. In der Mtgliederversammlung des WahlvereinS erstattete Genosse Herbst den Bericht des Bildungs- ausschusses vom verflossenen Jahre. ES sind fünf Theatervorstellungen und eine Museumsbesichtigung veranstaltet worden. Daß diese Veranstaltungen immer mehr Anklang finden, beweist der sehr gute Besuch derselben. ES ist ein Ueberschutz von 23S M. erzielt worden. In den Bildungsausschuß wurden die Genossen Max Heinze und Behlendorf gewählt. Aufgenommen wurden 16 Mitglieder. Genosse Schubert teilte mit, daß die Maifeier einen Ueberschuß von 171,38 M. erbracht habe. Zur Verbandsgeneralversammlung wurden die Ge- nassen Kitzing, Raschle, Klauk, Stein und als Ersatzmann Kießling gewählt. Zum Volksfest ist der Ausmarsch mit Musik von der Be- Hörde genehmigt worden. Hierzu wird eine rege Beteiligung er- wartet, damit dieses Fest zu einer eindrucksvollen Kundgebung sich gestaltet. Vom 1. Juli ab wird auch hier die Hauskassierung der Beiträge eingeführt. Beschlossen wurde noch. daS diesjährige Stiftungsfest am 13. September bei Jarius abzuhalten. Einer An- regung des Genossen Kitzing, wonach in Zukunft die Versammlungen durch Vorträge interessanter gestaltet werden, soll entsprochen werden. Potsdam. Aus der Stadtverordnetensitzuug. Die Stiefschen Wiesen sollen mit Villen bebaut werden, weil sich zu anderen Gebäuden wegen des schlechten Baugrundes keine Baulustigen finden. Der Magistrat hatte anfangs die Absicht, selbst zwei Villen zu bauen, um hier einmal«inen Anfang zu machen. Eine Kommission, die zur Vor- beratung dieser Magistratsvorlage gewählt wurde, hält die Sache zu riskant und will lieber die dortigen Terrains unter Preis (8 bis 10 M. pro Quadratmeter) an die Bauunternehmer abgegeben wissen, außerdem soll ihnen Baugeld bis zur Höhe von 70 bis 80 Proz. gewährt werden. Der Magistrat wird in diesem Sinne mit verschiedenen Bauunternehmern unterhandeln.— Die städtischen Angestellten unterliegen der Privatangestelltenversicherung. Um diese zum Teil zu umgehen, soll die Mehrzahl Beamteneigen- schaft erhalten und die Pensionsverhältnisse entsprechend umge- ändert werden.— Eine ausgiebige Debatte brachte der Magistrais- antrag auf Erwerb des Brauhausberggeländes. Rund 83 Hektar Land sollen vom Forstfiskus zum Preise von über 2 ZH Millionen Mark erworben und hiervon nur 300 000 M. bei der Auflassung angezahlt werden. Der Rest wird zehn Jahre lang zinslos ge- stundet und ist nach Ablauf von zehn Jahren mit 3,4 Proz. zu verzinsen und mit einem Zwanzigstel zu tilgen, so daß der Kauf- preis nach 20 Jahren gezahlt ist. Da das betreffende Terrain zum Kreise Zauch-Belzig gehört, soll die Eingemeindung in die Wege geleitet werden. ES schweben bereits Verhandlungen wegen dey Eingemeindung der Kolonie Cäcilienhöhe, der Kolonie Daheim, des Tornos, der Kriegsschule usw.— Der Potsdamer Verkehrsverein ist in Schulden geraten. Die Stadt wird ihm helfen und sein Defizit von 2000 M. decken, außerdem erhält er einen Laden inl Palast Barberini als Vereinslokal angewiesen.— Das Hochbauamt war bisher in drei verschiedenen Gebäuden untergebracht, vom 1. Oktober ab soll es nach dem Palast Barberini verlegt werden, in Räume, die bisher vermietet waren und 1522 M. Miete brachten. NowaweS. Dem ersten Bortrag über das Erfurter Programm am Sonn« tagvormittag im Schmidtschen Lokal wohnten außer 45 Teil- nehmern zwei Polizeibeamte in Zivil bei. Genosse Krähnberg betonte, die Anwesenheit dieser Beamten sei zwar durch das Ver- einsgesetz in keiner Weise gerechtfertigt, sie könne jedoch angesichts des auch für Polizeibeamte recht lehrreichen Themas gestattet wer- den. Tie beiden Beamten wohnten denn auch dem Vortrage bis zum Schluß bei. Nach Beendigung des Vortrages, dem die An- wesenden mit größter Aufmerksamkeit gefolgt waren, wurde auf Wunsch des Vortragenden, Genossen Max Grunwald, beschlossen, den zweiten Vortrag bereits am Mittwoch, den 2.�J uli» abends 8H Uhr, abzuhalten, so daß am nächsten Sonntag, den 6. Juli, die Vortragsreihe geschlossen werden kann. Genossen und Gewerkschaftsmitglieder, denen es nicht möglich war, am Sonn- tag zu erscheinen, können trotzdem an den zwei letzten Vorträgen teilnehmen, weil erst am Mittwochabend das eigentliche Programm in seinen einzelnen Sätzen eingehend erläutert werden soll. Am nächsten Sonntag wird der Vortragende eine kurze Zusammen- fassung des behandelten Stoffes geben und die eventuell gestellten Fragen beantworten._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Niedcr-Schönhausen. Heute Dienstag, nachmittags 6 Uhr, i« Rathause. Steglitl. Außerordentliche Sitzung der Gememdeverftetung am Mitt- rooch, den 2. Juli, nachmittags 6 Uhr. Diese Sikunge« sind iffentlich. Jeder Semrtndeangehönge<8 berechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. frauen-I�eseabencle. Zehleudorf(Wannseebahn). Mftwoch, den 2. Juli, bei Miklei. Pot«. damer Straße 25. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herr» Dr. Schivartz über Kinderkrankheiten. 2. Fragestellung. 3. Vereinsangelegenheiten. Da der Vortrag pünktlich um'1,9 Uhr beginnt, so ersticht um regen Besuch Der Vorstand. Wilmersdorf. Der Frauen-Leseabend fällt Juli aus. Mittwoch, den 2. Juli: Kaffeekochen im Cass Türk, HubertuSbader Str. 8, Schmargendorf(Grunewald). Briefkarten der Redaktion. P. A. 50. a) Der Anspruch ist verjährt, weshalb sich auch die Be« antwortung der Frage b) erübrigt.— B.(S. 42. Monatlich.— Kul 26. Der Antrag ist mündlich oder schriftlich an daS Polizeipräsidium oder an das für Ihre Wohnung zuständige Polizeirevier zu richten. Dem Antrag Regierungspräsidenten Schriftstücke bleiben be in Potsdam gerichtet werden. Die überreichten bei den Akten.— M. P. 8. Der Verweis gilt als Strafe.— E. L. Bcusselstr. 27. Die Schlüssel müssen abgegeben werden. DeS Sonntags braucht die Wohnung nicht gezeigt zu werden, falls nicht im Mietsverftage etwas anderes bestimmt ist.— D.100. Wenden Sie sich an die dortige Kirchenbehörde und fordern Sie Rückzahlung. Marttpretse von Berlin am 28. Juni 1913.»ach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilograirnn Weizen, gute Sorte 20,06 bis 20,10, mittel 19,98— 20,02, gering« 19,90—19,94. Roggen, gute Sorte 16,38—16,40, mittel 16,34— 16,36, geringe 16,30—16,32(ab Lahn). Futter» gerste, gute Sorte 16,10— 16,50, mittel 15,70— 16,00, geringe 15,90—15,60. Haser, gute Sorte 17,30—18,50, mittel 16,20-17,20. Mai»(mixed), gute Sorte 15,50—16,00. Mais(runder), gute Sorte 15,80—16,00. Richtstroh 5,00. Heu, alt 6,50—7,00, neu 6,00—7,40. Markthallenpreije. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speisebobnen. weiße 30,00—60,00, Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.), alte 7,00—10,00, neue 00,00—00,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1.30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,00—5,40. 1 Kilogramm Karpfen 1 ,60—2,80. Aal- 1,60—3,20. Zander 1,40—3,80. Hechte 1.40—2,80. Barsche 1,00—2,40, Schleie 1,40—3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 1,60—60,00.__ Witterungsübersicht vom 30. Juni 1913. i £& SB Ss te- if Swmemde, 761 amburg 765 WNW lerlln 762 NW Franks.-.M 768 NNW München>768 NW Wien"östDNW Vetter ü» -t» 5? wS> 4 wolkig; 14 3 bedeckt 12 lbcdeckt 1 bedeckt 5 Regen ojhaU) bd. «tattoueu s:-! taparand�764 eterSburg 757 Scilly!771 Abcrdeen Pari» 1771 S 2 Bf NO ONO Still 772tNNL Vetter K* fi w« NO bedeckt 14 bedeckt 18 halb bd( 16 eckt' 12 6b.' 15 Äbede -'haw Wetterprognose für Dienstag, den 1. Juli 1913. Kühl, teUweise ausklarend, aber noch vorwiegend wübe mit geringeren Regensällen und ziemlich irischen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserftands-Nachrichte« der LandeSanflall für Gewässerkunde, mitgeteitt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilfit P r e g e i, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Rattbor , Zdroffen , Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe. Leitmeritz m Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Srochlitz Havel, Spandaus , Rathenow») Spree, Spremberg») , BeeSkow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilianSau . Kaub . Köln Neckar, Heilbrom» Main, Hanau Mosel, Trier >) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—>) Unterpegel. «Rheinau. ei Mannheim. Sunlichf Seife wird in einer imposanten Fabn'fc bet Mannheim fBadcmher- gesfellh Dieses Mustcr-Efablissementisfrnif allen modernen Ein« rieh hingen der Technik ausgesfaffef und wird streng wissensgiajrlich betrieben. Sunlichf Seife isf garantiert rein, ihre Qualifätunveränaerlitfi