Ur. 166. flbonnementS'Bedlngungen: »lbonnementS» Preis pränumerando: Vierteljähil. SSO Mk, mrmall. 1,10 ÜRt., wöchenllich 28 Pfg. frei inä Haus, Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- «lbomicment: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. PostabonnemeniS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die InfertionS'GcbOljr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersmnmiungS-Anzeigen SO Pfg. „Aleine Mnztigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- flaben zählen für zwei Worte. 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In- fanterie, Artillerie und Kavallerie, Landarmee und Marine prahlen mit bunten Litzen, flunkernden Orden und breiten Goldtressen. Die zollroten, breiten Hosenstreifen verraten die Herren General- stäbler, die den glitzernden Uniformen die höhere militärische Würde geben. Die Brust jedes Zivilisten wird von dem er- hebenden Bewußtsein geschwellt, sich in erlesenster Gesellschaft zu befinden. Der deutsche Flugsport, der in der ersten Zeit ein so kümmerliches Dasein fristete, ist durch den vornehmsten Rock geadelt worden: nicht mehr das schlichte Werkelgewand des Ingenieurs und Technikers gibt dem Flugplätz das Ge- präge, seit der allbehcrrschcnde Militarismus erkannt hat, daß die Flugmaschine, von der Idealisten eine neue Kultureroberung crivartet hatten, besonders tauglich sei, dem militärischen Kundschafterdienst und zur raffinierten Menschen- Vernichtung aus den Lüften herab zu dienen. Die Atmosphäre höchster Feudalität, die heute der Start- Platz des größten deutschen Flugplatzes atmet, läßt nicht ahnen, welch üble Miasmen kapitalistischer Korruption derjenige zu atmen bekommt, der etwas tiefer in die Geheimnisse des Flug- sports und des Luftmilitarismus eindringt. Denn geradezu atembenchmendc Fäulnisdünstc sind es, die uns aus zwei Broschüren entgcgenschlagcn, die in den letzten Wochen über die Geschichte des Johannisthaler Flugplatzes und die flua- kapitalistischen Gründungen selbst veröffentlicht worden sind. Ein Börsenjournalist A I b e r t G r e e v c n hat in einer Broschüre dem Hauptgründer und derzeitigen Beherrscher der Flugplatzgesellschaft finanzielle Manipulationen der aller- schlimmsten Art vorgeworfen. Darauf hat nun in einer noch umfangreicheren Gegenschrift der Angegriffene, Herr Artur Müller, geantwortet und dabei allerhand Geschäfts- acheimnisse ausgeplaudert, die für das ganze flugkapitalistische Gründcrtum geradezu vernichtend find. Diese Enthüllungen sind deshalb, auch polifisch, außer- ordentlich interessant, Iveil sie, ebenso wie die Einblicke in das korrupte Geschäftsgcbahren der Panzerplatten- und Munifions- fabrikanten, der naiven Laienivelt offenbaren, daß hinter dem ganzen luftmilitaristischen Treiben keineswegs nationale Beweg- gründe stehen, sondern nichts als die Sucht nach schranken- loser Profitmacherei, als die allerordinärste Gier nach fetten Profiren. Herr Albert Greeben wirft Herrn Artur Müller nichts Gcrinderes vor, als daß er die mit allen Mitteln der„nationalen" Reklame künstlich erzeugte Luftflottcnbegeisterung zu den un- glaublichsten Gründungsmanövern ausgenutzt habe, durch die ihm kolossale Gewinne in den Schoß gefallen seien. Die Sicherung eines Millionen-Rebbachs aber sei Herrn Müller nur dadurch inöglich gewesen, daß ihm briu Landwirtschaftsministerium das fiskalische Gelände des Flugplatzes, zu gerade- zu befremdenden Bedingungen als Objekt einer kolossalen Terrainspckulation käuflich überlassen worden sei. Das Ent- gegenkommen des Landwirtschaftsmisteriums sei geradezu un- begreiflich, und es sei deshalb ernstlich die Frage auszuwerfen, in wessen Eigentum 750000 Mark Provisionsaktien über- gegangen seien, die Herr Müller seinen Helfershelfern zu- geschanzt habe. Herr Müller seinerseits bestreitet in seiner Gegenschrift auf das entschiedenste, daß die drei Viertel Millionen Griinder- spesen etwa, wie Greeven angedeutet, zu Bestechungszwecken gedient hätten. Er habe vielmehr dein Dezernenten des Land- wirtschaftsministeriuins genaue Abrechnung über die Verwen- dung der fraglichen 750 000 M. Aktien gegeben und damit den bösartigen Verdacht schlagend entkräftet. Apex pas, was Herr Müller dann selbst über seine Gründungsmanöver er- zählt, ist so charakteristisch, daß es der iOeffentlichkeit bekannt- gemacht zu werden verdient Herr Müller war ursprünglich leitender Teilhaber einer Artur Miillecjchen F e l d s ch e n n e n- B a u g e s e l l s ch a s t m. b. H. Durch eine geschickte Ertragsberechnung gelang es ihm, diese Gesellschaft in eine Artur M ü I l e r s ch e Land- und I n d u st r i�e b a u t e n° G e s e l l s ch a s t zu verwan- dein, bei der die Staiiimanteile der ersten Genossenschaft zum doppelten Betrag in Anrechnung gebracht wurden. Um nun diese neue Gründung rentabel zu machen warf sich Herr Artur Müller spekulativen Geistes auf das gerade cinporkonimende Luftsahrwesen. Er lieferte für die in Frankfurt a. M. veranstaltete„Jla" zur Reklame Ballonhallen und heckte iveiter da» Projekt aus, in Berlin einen Flug- und Sportplatz zu gründen, dessen Hauptlieferant für Ballonbauten und Flug- schuppen seine Land- und Jndustriebauten-Gesellschaft werden sollte. Von dem Letter der„Jla", dem Major von Tschudi, erfuhr er, daß der ehemalige Kapitän zur See Pustau sich in Berlin bereits mit dem gleichen Gedanken trage. Flugs setzte er sich mit ihm i» Verbindung. Er hörte von Pustau, daß dieser an seiner Gründung verzweifle, da er für seine Idee weder bei dem Privatkapital, noch den Behörden irgend- welches Entgegenkonimen finde. Was aber dem schwerfälligen Marineoffizier inißlungen war, sollte dein geschäftsgewandten Artur(Aron) Müller im Handumdrehen glücken. Das Land- wirtschaftsministerium stellte ihni das fiskalische Gelände, das heute den Johannisthaler Flugplatz bildet, gegen eine Jahres- Pacht von 10 000 M. zur Verfügung, so daß die Neugründung alsbald in Angriff genommen werden konnte. Natürlich sollte die Gründung der Flugplatzgesellschaft in erster Linie der Land- und I n d u st r i e b a u t e ii- G e s c l l s ch a f t durch profitable Lieferungen auf die Beine helfen. Das brachte Herr Müller dadurch zuwege, daß sowohl Kapitän zur See Pustau wie ein in Berliner Luftfahrtkreisen Wohl akkreditierter Justizrat mit Müller eine Art 5iompagniegeschäft machten. Pustau wurde erster Direktor des Flug- und Sportplatzes und durch materielle Beteiligung an der Land- und Industrie- bauten-Gesellschaft gleich dem erwähnten Justizrat Aktionär des Konzerns. Das Gründungskapital der Flugplatzgesellschaft betrug nur 60 000 M. Es mußte alsbald auf 200 000 M. erhöht werden, da allein die Ausgaben für die erste internationale Flugwoche, die im Herbst 1909 Hals über Kopf veranstaltet wurde, über 300 000 M. verschlang und der Pleitegeier über dem neuen Unternehnien kreiste. Das Kapital sollte gar auf 700 000 M. gebracht werden, allein es fand sich niemand, der im Interesse der Lufttechnik oder aus nationalem Ehrgeiz sein koscheres Geld aufs Spiel gesetzt hätte. Aber Herr Müller wußte sich zu helfen. Als das Flug- platzuntcrnehmen eine riesige Schuldenlast kontrahiert hatte � Herr Müller und seine Land- und Jndustriebauten-Gesellschaft hatten allein 100 000 Mark zu fordern—, schritt Herr Müller zu einer neuen Tochtergründung: der Ballon- h a l l c n b a u- G e s e l l s ch a f t. Die für diese Gesellschaft am Gründungstag eingezahlten 300 000 M. schafften der Flug- platzgcsellschaft fürs erste Luft. Als aber auch dies Unternehmen der Pleite zu verfallen drohte, kam es zur Müllerscheu Gründuim Nr. 4: der Gründung der L u s t f a h r t- b e t r i ei s- G e s c I l s ch a f t in, b. H., deren Hanptaktionäre wiederum Herr Artur Müller und seine früheren Gründungen waren, außerdem die P a r s e v a l g e s c l I s ch a f t und eine Reihe industrieller Unternehmen, die wiederum v 0 m B a l l 0 n b a u und dem L n f t in i l i t a r i s m u s zu profitieren gedachten. Nun wurde flugs darauflos gewirtschaftet: es wurden Ballonhallen und Parsevalluftschiffe gekauft, die Reklamefahrten der Parsevalluftschiffe wurden eingerichtet und weitere Gründungen in der Provinz ins Auge gefaßt, durch die der Ballonbau und der Aeroplanbau gefördert werden sollten. Der Endeffekt all dieser Grün- düngen war nur, daß der aus diesem Rattenkönig von Grün- düngen resultierende Fehlbetrag immer größer wurde, so daß es zu einem kolossalen Zusammenbruch kommen mußte, wenn nicht— der Fiskus obernials Herrn Müller zu Hilfe ge- kommen wäre. Das geschah dadurch, daß einmal die Luftfahrtbetriebs- gesellschaft, die als Ableger wiederum die L n f t v e r k e h r s- g es ellschaft gegründet hatte, endlich einen Flugapparat herausbrachte, auf den große militärische Bestellungen ein- gingen, und daß vor allen Dingen der preußische Fiskus Herrn Müller den Flugplatz nebst Ncbengelände in Größe von 306 Hektar verkaufte. Als Preis wurden 21 Millio- neu Mark festgesetzt. Davon brauchten aber nur 500 000 M. uigczahlt zu werden, während der Rest von 201/2 Millionen auf 10 Jahre zinsfrei und auf weitere 20 Jahre bei nur dreiprozentiger Verzinsung gestundet wurde. Jetzt hatte Herr Müller endlich ein wirkliches Wertobjekt in Händen. das von Sachverständigen auf 51 respektive 56 Millionen ver- anschlagt wurde. Nun konnte Herr Müller mit einigen Geschäftsfreunden zu der sechsten Gründung, der des T e r r a i n u n t e r n e h m e n s, die Hälfte des 2 Mil- lionen betragenden Gründungskapitals aufbringen, während die E r b p r i n z l i ch M e i n i n g e n s ch c n Herr- s ch a f t e n die zweite Million einzahlten, nachdem sie sich auch für die ersten vier Jahre von Müller eine vierprozentigc Vor- zinsung ihres Kapitals hotten garantieren lassen. Und nun war Holland nicht mehr in Nöten. Die neue Terraingründung verwendete im ganzen nicht weniger als 1 M i I i 0 n Mark zur Deckung der Passiva, die all die frühere n Gründungen des Herrn Müller angehäuft hatten. Herr Müller selbst aber ließ sich als Gewinnanteil für sich und seine Mitgründer 2,2 Millionen Aktien gutschreiben. �Da behaupte noch einer, daß fleißige Arbeit und ideales Streben heute nicht auch seinen klingenden Lohn finde! Ohne uns heute auf eine weitere Kennzeichnung der famosen Mllllerschen Gründungen einzulassen, wollen wir nur das Folgende festhalten: Als die neue Lustfahrt- und Flugtechnik anftauchte, hatten weder unsere Kapitalisten noch der Fiskus Geld zur Förderung dieser unabsehbaren technischen Errungenschast übrig. Dem Gründergenie des Herrn Müller blieb es vor- behalten, die Rolle eines Protektors der technischen Revolution Zu spielen I So sorgt unser heutiger Kapitalismus und unser Staat für die Förderung der Kultur au f. 9 a b e n! �...,. Wohl aber sorgte der preußische Fiskus dafür, daß dem wilden Spckulationsfieber eines Müller die unausbleibliche Riesenpleite erspart blieb. Unser preußischer Fiskus, der sich mit Händen und Füßen dagegen sträubte, Groß-Berlin zui Expedition: ÖQL 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. akzeptablen Bedingungen im Grunewald die unentbehrliche Lunge zu erhalten, war sofort bereit, einem Artur Müller zu verblüffend günstigen Bedingungen ein Riesenterrain zu Zwecken der Privatspekulation zu verkaufen! Und zum dritten zeigt diese Griindungsgeschichtc., welche Mächte am Werke sstid, die Luftflottenbegeisterung in Deutsch- land ins Abenteuerliche zu schüren. Nichts als schnödeste Profitmacherei birgt sich hinter den„patriotischen" Phrasen der interessierten kapitalistischen Beutejäger. Hierzu kommt noch eines. Herr Müller erzählt in aller Harmlosigkeit ein ungeheuerliches Kapitel über die j 0 u r n a- listische und P r e s s e k 0 r r n p t i 0 n. Zwei hochan- gesehene publizistische Luftpropagandisten, einen staatlich an- gestellten Professor und einen Hauptmann a. D., d i e e r m i t Name n nennt, bezichtigt er. daß sie sich von der„IIa" seinerzeit für klingendes Geld zur Reklame für die„Jla" hätten kaufen lassen. Jeder dieser beiden Herren habe, gleich einem nicht minder angesehenen Justizrat, je 1300 M. dafür genommen, dag sie etliche günstige Artikel über die„Jla" in die Presse lanziert hätten. Und die Leitung der„Jla", so führt Herr Müller aus, habe anstandslos die 4000 M. Be- stechungsgelder an die betreffenden Herren gezahlt, die sich obendrein zur Durchdrückung dieser Summe falscher Vor- spiegelungen bedient hätten! Auch diese Behauptung Müllers glauben wir der Oeffent- lichkcit nicht vorenthalten zu fallen, weil er sich als Gewähxs- mann deutlich auf keinen Geringeren als den derzeitigen Leiter des Johannisthaler Flugplatzes, den Major a. T. von Tschudi, beruft. Das sind nur etliche der Geheimnisse unseres hock- aristokratischen Flugsports, der sich inzwischen, zuni volksaus- saugenden Luftinilitarismus entwickelt hat.— Liberalismus und Arbeiterpartei. London, 27. Juni. jEig. Skr.) Die Nachwahl zu Leicestcr, einem Wahlkreis mit doppelter Vertretung, wo es die Arbeiter- Partei abgelehnt hat, einen Versuch zur Eroberung des einen ee« ledigtcn jlibcralenj Mandats zu machen, scheint zu einem Wende- Punkt in der Entwickelung der politischen Arbeiterbewegung Groß- britanniens zu werden. Den Sieg des Liberalen haben wir bcrciiS in der Sonntagnummer gemeldet. D. R.) Ursprünglich schien der durch die Nachwahl in der Arbeiterpartei entstandene Zwist eine persönliche Spitze zu haben; handelte es sich doch um die politische Zukunft des Führers der Partei, MacDonald, der das andere Mandat für Leicestcr innc hat, das durch die unentwegte Haltung der Arbeiterpartciler Leicesters, die durchaus einen eigenen Kandi- daten aufstellen wollten und jetzt, nachdem ihnen dies die Partei- leitung abgeschlagen hat, den von der B. S. P. vorgeschlagenen sozialistischen Kandidaten unterstützen, gefährdet erschien. Es heißt nämlich, daß zwischen der Arbeiterpartei und den Liberalen ein stillschweigendes Uebcreintommen besteht, nach dem sich beide Par- teien bei den Wahlen einander gegen den Konservativen unter- stützen. Von der Arbeiterpartei wird dies abgeleugnet; doch die Liberalen werden nicht müde, aus die bestehende Allianz zwischen beiden Parteien hinzuweisen. Tatsache ist jedenfalls, daß bei den letzten Wahlen nur ganz vereinzelt Kandidaten der Arbeiterpartei gegen Liberale auftraten. Man sagte nun, daß der Führer der Ar- beiterpartci bei den nächsten Wahlen sein Mandat verlieren würde, sollte es der Arbeiterpartei jetzt einfallen, den Liberalen das eine Mandat von Leicestcr streitig zu machen, oder sollten die Arbeiter- parteiler in Leicestcr den Liberalen durchfallen lassen. Dach diese persönliche Seite des Konflikts wird immer mehr durch eine andere Frage überschattet. Es handelt sich um nichts weniger als die ganze Politik der Arbeiterpartei, um das Zu- sammcnarbeitcn mit den Liberalen. Der Streit zwischen der Partei- leitung und den Parteimitgliedern Leicesters, der Hochburg der Arbeiterpartei, hat seine Anfänge in der großen Niederlage, die die Partei letztes Jahr in Hanlcb erlitt. Wie erinnerlich sein wird, ging dort der Arbeiterpartei das durch den Tod des Vorsitzenden der Bergarbeitcrfödcration erloschene Mandat verloren. Der live- ralc Gegenkandidat siegte mit großer Mehrheit, während der Arbeiterparteiler nur wenige Stimmen auf sich vereinigte. Dadurch war der Beweis erbracht, daß die große Masse der Wähler, die hinter dem verstorbenen Arbcitcrpartciler standen, Liberale waren. Die Niederlage war um so empfindlicher, als die Liberalen nebenbei auch noch die Gelder der Wahlorganisation annektierten, die zur Wahl eines Arbeitcrkandidaten ins Leben gerufen worden war. Damals schrieb der Führer der Arbeiterpartei:„Was mich an- langt, hoffe ich, daß wir so bald wie möglich jeden Wahlkreis ver- lieren werden, den wir unter den in Hanleh herrschenden Bedin- gungcn besitzen.... Wenn die Liberalen zum Beispiel glauben, daß ich Leicestcr durch die Gnqdc einer Partei halte, die ihn mir nehmen könnte, wenn sie wollte, so sind sie willkommen, wenn sie ihre Täuschung auf die Probe stellen wollen." Diese Worte fanden in den Parteitrcisen Leicesters selbstverständlich einen lauten Widerhall, und als sich vor kurzem in Leicestcr selbst eine Gelegenheit bot, die Niederlage von Hanleh wieder gutzumachen, wurde der Vorschlag, einen Parteiveteran der I. L. P. dem Liberalen gegen- überzustellen, mit großer Begeisterung aufgenommen. Dazu kam die aufreizende Wirkung, die die Person des liberalen Kandidaten auf die Arbcitermassen ausübte. Dieser Mann ist nämlich derselbe Jurist, der vor wenigen Wochen von der Regierung ausgeschickt wurde, um dem Genossen Whiteley, dem Geschäftsführer der Partei- druckcrci der I. L. P., wegen der Veröffentlichung der„Suffragette" „.n Prozeß zu machen. Als Gründe zur Bekämpfung der Regierung goß man ferner an: D'ie reaktionäre Politik in Persien: das Ver- halten Sir Edward Grchs in dem Falle der Fräulein Malecke und dem des russischen Genossen„Arles"; die Haltung der Negierung beim Eisenbahner- und Bergarbeiterstreik: die Verfolgung der Änti- Militaristen; die Ablehnung des Antrags auf Abschaffung der Lebensmittelsteuern usw. Aber der Parteivorstand der Arbeiter- Partei lehnte es ab, den Kampf aufzunehmen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren nach den Aussagen des Partei- sekretärS Henderson folgende Erwägungen: Um die Trade Union- Akte, Home Rule und andere Gesetze nicht zu gefährden, ist es not- wendig, datz die liberale Regierung bis zum Januar am Ruder bleibt, Sollte die Arbeiterpartei diesmal in Leicester einen Kandi- baten aufstellen, so würde wahrscheinlich der konservativen Minder- heit das Rlandat zufallen(eine Stichwahl gibt es bekanntlich in England nicht). Das würde eine Parlamentsauflösung unter den obwaltenden Verhältnissen wahrscheinlich bedenklich näher rücken und die Arbeiterpartei ist auf allgemeine Parlamentswahlen nicht vorbereitet. Natürlich rief diese Ablehnung einer von der Parteiorganisa- tion Leicesters fast einstimmig beschlossenen Kandidatur in den Parteikreisen der Stadt den größten Unwillen hervor, und als gleich darauf die der Arbeiterpartei nicht angeschloffene Britische Soziali- stische Partei mit einem Kandidaten in der Person des Genoffen Hartley an die Oeffentlichket trat, beschloß man, den Kandidaten dieser Partei zu unterstützen, obwohl sich Arbeiterpartei und B. S. P. beständig in den Haaren liegen. Den Höhepunkt erreichte der Zwist zwischen der Parteileitung und den Parteimitgliedern Leicesters durch die Veröffentlichung eines ManifestS, das, wie die liberalen Blätter behaupten� der Regierung von dem Haupteinpeitscher der parlamentarischen Fraktion der Arbeiterpartei, Roberts, zugestellt sein soll. ES lautete: „Die Handlungsweise der Arbeiterpavteiler Leicesters wird als ein so schweres Vergehen gegen die allgemeine Parteidisziplin und als eine so ungehörige Mißachtung der Lage des Herrn Ramsay MaeDonald betrachtet, daß sie unausbleiblich zu einer empfindlichen Spaltung in den Reihen der Arbeiterpartei führen und Herrn MacDonald zwingen mutz, seine Beziehungen zu Leicester aufzugeben. Schon stehen ihm andere Wahlkreise offey. Seine parlamentarische Laufbahn ist daher gesichert. Nichtsdesto- weniger sollte jeder Arbeitcrwähler. der um die Erhaltung der Parteidisziplin und Einverständnisse besorgt ist und der aner- kennt, daß es wünschenswert ist, Herrn MacDonald in Leicester zu behalten, die Kandidatur des Herrn Hartley nicht begünstigen, die von der offiziellen Arbeiterpartei nicht anerkannt wird." Möglicherweise ist dieses Manifest nur eine Erfindung der Liberalen, die große Angst haben, daß ihnen der Wahlkreis verloren geht. Sie beuten das Schriftstück nach allen Regeln der Kunst gegen den Sozialisten Hartley aus, dem auch die Vertreter des Vorstandes der Arbeiterpartei feindlich gegenüberstehen. Man erlebt hier das Schauspiel, daß Führer einer Arbeiter- Partei, die sich Sozialisten nennen, zugunsten eines Liberalen gegen einen Sozialisten auf- treten. Größer kann die Zerfahrenheit in der politischen Ar- beiterbewegung Englands kaum werden. Der Genosse Philipp Snowden, der sich ebenfalls die Vertretung einer Stadt(Blackburn) mit einem Liberalen teilt, schreibt zu der Krise in der laufenden Numuter des„Labour Leader": „Die I. st. P.(jn Leicesterj hat als Führer einige der er- fahrensten und nüchternsten Leute in der Partei. Wenn diese Männer eine Taktik unterstützen, die, wie klar ist und zugegeben wird, nicht einen unmittelbaren Gewinn für die Arbeiterbewegung oder einen'Zuwachs der Aebeitervertretung im Parlament brin- . gen würde, sondern im. Gegenteil der Arbeiterpgrtei.sicher den Verlust eines Mandats bei der nächsten allgemeinen.Wahl bringen und Gegenangriffe hervorrufen würde,, dte in vielen anderen Wahllreisen. die die �Arbeiterpartei, heute upter ähnlichen Ver- '"�hältnWn innehat, ein ähnliches Resultat zeitigen würde,'dann mutz irgendein starker Beweggrund für die Taktik vorhanden sein, die diese Männer zu befolgen wünschen. Jn klaren Worten: Was die Arbeiterparteiler Leicesters zu tun wünschten, als sie einen offiziellen Arbeitrrkandidaten verlangten, war, der Abmachung oder dem Einverständnis— man nenne es, wie man will— ein Ende zu machen, nach dem die Liberalen zu ihrem eigenen Vorteil in gewissen Wahlkreisen mit doppelter Vertretung e i N Mandat dem Arbeiterkandidaten überlassen haben. Wenn der Vorstand der Arbeiterpartei einen zweiten Arbeiterkandidaten für Leicester genehmigt hätte, würde er die Mandate von vier Fünfteln der vorhandenen Arbeitervertreter gefährdet haben. Es nützt nichts, jeden anderen Grund als den wahren vorzubringen. Die be- stehende Arbeitervertretung im Parlament ist dort hauptsächlich durch das Wohlwollen der Liberalen, und sie wird verschwinden, wenn dieses Wohlwollen in tätigen Unwillen umschlägt." Man wird aus den Worten Snowdens, der allgemein als einer der klügsten Arbeitervertreter in England angesehen wird, merken, welch stachlicheS Problem die englische Arbeiterpartei zu lösen hat. Bleibt sie auf dem alten Weg, so kommt sie nicht vom Fleck und enttäuscht ihre Mitglieder. Sucht sie aber Fühlung nach links und kündet sie den Liberalen die Fehde an, so kann es ihr passieren, daß sie viele Mandate verliert. Snowden meint, daß vier Fünftel der Arbeitervertreter ohne das Wohlwollen der Liberalen nicht ge- wählt werden würden. Das ist jedoch etwas?n pessimistisch gedacht. Jedenfalls wäre die Arbeiterpartei, wenn sie überall kämpfend auf- träte,, ein ganz anderer Machtfakior in der englischen Politik als sie heute ist. Konsequent durchgeführt würde die Kampftaktik alle jene proletarischen Elemente in ihre Reihen führen, die sie jetzt mit dem Einverständnis mit den Liberalen abstützt und die heute entweder politisch untätig bleiben oder in Ermangelung eines großen Kampfobjekts mit der Arbeiterpartei oder miteinander zanken. Nichts vertreibt die Schrullen so wirksam wie der Kampf. Eine wirklich unabhängige Arbeiterpartei könnte fordernd an die Liberalen herantreten, um die Nachteile gutzumachen, die ihr ein veraltetes Wahlsystem auferlegt. Dies etwa sind die Gedanken, die sich in Leicester und in anderen englischen Städten Bahn gebrochen haben. 6$ wird weiter gekämpft. Die gestrige Meldung von einer Feuerpause hat sich als falsch erwiesen. Der Kampf tobt vielmehr seit drei Tagen in Mazedonien, und keiner der Gegner ist gewillt, einen Fuß breit des von ihm besetzten Gebietes aufzugeben. Auch heute läßt sich nicht feststellen, wer mit den Feindseligkeiten an- gefangen hat. Aller Wahrscheinlichkeit nach steht aber die serbische Kriegspartei in engster Fühlung mit der Armeeleitung und hat diese zur Offensive getrieben. Von einer offiziellen Kriegserklärung und einem Abbruch der diplomatischen Be- Ziehungen ist noch nicht die Rede. Je mehr Truppen aber in die Kämpfe hineingezogen werden und je mehr Opfer fallen, desto schwerer wird sich der Streit zwischen den Balkanstaaten auf diplomatischem Wege beilegen lassen. Serbische Darstellung der Kämpfe. Belgrad, 2. Juli. Das Serbische Pressebureau meldet über die Kämpfe, die sich bis gestern abspielten: Bulgarische Truppen der regulären Armee, in Stärke von 100 000 Mann, überschritten am 30. Juni Z Uhr mittags die Demarlativnslinie bei den Orten Djevdjelia, Retki, Bukvi, ebenso bei de« Flüssen Beregaluiza, Sletowa, wo die bulgarischen Angriffe de« ganze» Tag andauerten. Obwohl von serbischer Seite nur Truppe» der Avantgarde beteiligt waren, die an Zahl den Bulgaren bei weitem unterlegen waren, hatten sie doch an« Abend die Stellungen behauptet, die sie am Morgen innegehabt hatten. 20 bulgarische Offiziere, 58 Unteroffiziere und über 700 Mann wurden gefangen genommen; unsere Verluste sind noch nicht belannt. Die Bulgare» wurde» vis zu den Flüsse» Bere- galniza und Sletowa zurückgetrieben. Gestern wurde der Kampf auf der ganzen Linie fortgesetzt. Rückzug der Bulgaren? Belgrad, 2. Juli.(Meldung des Serbischen Pressebureaus.) Nach erbitterten Kämpfen während zweier Tage haben sich die Bulgaren auf der ganzen Front zurückgezogen, verfolgt von serbischen Truppen, die die Bulgaren zwangen, über die Flüsse Beregalniza und Sletowa sich zurückzuziehen, aus derepl linken Ufern sie Verteidigungsstellungen einnahmen. Ihre Verluste sind sehr groß. Nach den letzten Meldungen haben die Serben. 30 Offiziere, 120 Unteroffiziere und über 1000 Soldaten gefangen genommen, 10 Schnellfeuerkanonen und 12 Munitionswagen erbeutet. Die serbischen Truppen rücken weiter vor. Die serbischen Verluste. Belgrad, 2. Juli. Nach Meldungen der Blätter belaufen sich die Verluste der Serben in den vorgestrigen Kämpfen an Toten auf 17 Offiziere und 1400 Mann, an Verwundeten auf 40 Offiziere und eine große Zahl von Sol- daten, bisher sind drei Sanitätszüge mit insgesamt 1300 Ver- Mündeten angemeldet. Privatberichten zufolge hätten die Bulgaren ungeheure Verluste erlitten. Die Haltung Bulgariens. Wien, 2. Juli. Die„Polifische Korrespondenz" meldet auS Sofia: Ministerpräsident D a n c w erklärte gestern den einzelnen Gesandten, die bulgarische Regierung sei entschieden gegen eine kriegerische Lösung der bestehenden Konflikte und wolle solche Läsung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern. Der Ministerpräsident bestritt, daß die bisherigen Kämpfe eine größere Tragweite hätten, ihre Er- Neuerung sei auf Grund von Weisungen aus Sofia nur dann zu befürchten, wenn die Abwehr einer von der gegnerischen Seite erfolgten Herausforderung notwendig werde. Vertagung der serbischen Skupschtina. Belgrad, 2. Juli. Wegen der Kriegsereignisse, die die ganze Aufmerksamkeit der Regierung in Anspruch nehmen, ist die Skup- schtina bis aus weiteres vertagt worden. Die Sitzungen werden wieder ausgenommen werden, sobald die Lage sich geklärt haben wird. Vor Aufhebung der heutigen Sitzung hielt der Präsident eine Lobrede auf die siegreiche serbische Armee, die mit begeistertem Bei- fall aufgenommen wurde. Rumänien wartet ab. Bukarest, 2. Juli. Die„Agence Roumaine" bestätigt, datz Rumänien bezüglich der Mobilisierung abwartet, bis der Krieg effektiv ausgebrochen und von den Kriegführenden, wenn auch ohne formelle Erklärung, als solcher festgestellt sein wird. pol'tilcke ClebeflicKt. Nationalliberale Anpassungsfähigkeit. In der Provinz Hannover stehen sich die Nattonakliberalen und die Wolfen einander aüherordentlich scharf gegenüber.. Im An- schluß an die jüngsten Vorgänge im Kaiserhause gingen die Wogen des Kampfes besonders hoch, und bei jeder Gelegenheit mutzten sich die Welsen sagen lassen, daß sie durch die Fortführung ihre« ProtestlertumS den Bestand und die Ehre Preußens gefährdeten. Da ist nun interessant, Einblick in zwei von der welfischen„Deutschen VolkSzeitung' veröffentlichte Briefe zu gewinnen, die nationalliberale Führer vor der ReichstagSstichwahl im 13. hannoverschen Wahlkreise GoSlar) an welfische Vertrauensleute richteten, um die Stimmen der Welsen zu gewinnen. Jn dem ersten dieser Briefe, der von dem Borsitzenden der nationalliberalen WahllreiSorganisation, Amts- gerichtsrat Frank, herrührt, heißt es unter anderem, daß die Behauptung, die Nationalliberalen legten auf d i e w elfisch en S ti mm en kein Gewicht,„zu keiner Zeit die Ansicht der nationalliberalen Partei- leitung oder der nationalliberalen Wähler gewesen" sei; die Nationalliberalen fühlten sich vielmehr als Angehörige derselben Provinz in sehr vielen Punkten eins mit den Welsen. Noch weitgehendere Zugeständnisse an die welfischen Be- strebungen aber enthält der zweite von dem jetzigen national- liberalen Abgeordneten Vötting geschriebene Brief. Nachdem Götting zunächst angeführt hat, daß die Gegensätze zwischen den Nationalliberalen und Weifen durch unrichtige historische Nachrichten übertrieben seien, fährt er wörtlich fort: „Ich... habe in allen Wahlkämpfen, auch schon 1903 gegen das Zentrum in Hildesheim, das Fe st halten an heimischer Kultur, am besseren alten Recht gegen altpreutzische Bevormundung hervorgehoben. Als stellvertretender Bor- sitzender im hannoverschen Sparkassenverbande habe ich bis zur Stunde die Freiheit der Sparkasse in der Verwendung der Ueber- schüsse gegen preußisches Schema verteidigt.... Auf allen Gebieten habe ich positiv gearbeitet für b o d e n st ä n d i g e h a n- noversche Kultur.... Ich achte die Anhänglich- keit der Althannoveraner an ihr altes Königs- hauS als germanische, niedersächsische Vasallen- treue...." Man ist ja manches von den Nationalliberalen gewöhnt; datz ihre Führer aber, um die Stimmen der so gehatzten Welsen zu er- gattern, zu solchen Mitteln greifen würden, wird doch noch manchen überraschen. Die Ausführungen der beiden nationalliberalen Herren widersprechen so scharf der bisher von ihrer Partei beobachteten offiziellen Haltung gegenüber dem Welfentum, daß die national- liberale Parteileitung wohl nicht vermeiden kann, sich zu dieser Sache zu äußern. Bis jetzt hat allerding« der„Hannoversche Courier", der Rufer im Streit gegen die welfischen„Reichsfeinde", noch kein Wort der Erwiderung auf die Veröffentlichung der „Deutschen Volkszeitung" gebracht. Der Balkankrieg nnd die deutsche Heeresverstärkung. Die„Frankfurter Zeitung" verspottet in einem Leitartikel, in welchem sie sich mit dem neuen Balkankriege befaßt, ihre eigenen Parteifreunde im Deutschen Reiche, die eben der Heeresvorlage zu« gestimmt haben. Sie schreibt: „An manchen Stellen der Triple-Entente scheint man diese Zu- verficht(die Zuversicht auf die Einigkeit der Balkanstaaten) ernst genommen zu haben, und besonders in Frankreich machte man sich in dieser Richtung Illusionen auf Gewinnung eines neuen Bundesgenossen gegen Deutschland. Das Merkwürdigste aber war, daß auch der deutsche Reichskanzler sich solchen Illusionen hingab und die große Wehrvorlage wesentlich damit begründete, datz durch den Balkankrieg die Machtverhältnisse im Südosten stark zu unseren Ungunsten sich verschoben hätten. Leider ist die„Frankfurter Zeitung" in diesem letzten Halbjahr das einzige bürgerliche Blatt gewesen, das von Anfang an dauernd auf die vollständige Un- richtigkeit dieser Begründung hingewiesen und sie nachgewiesen hat. Wir möchten heute nicht in der Haut eines Staatsmannes stecken, der im Winter und Frühjahr hindurch so harmlos ge- Wesen ist, die siegreichen Balkanstaaten für die Zukunft als ein- heitlichen Machtfaktor in seine Rechnung zu setzen und seine ganze Politik auf diese Rechnung zu basieren. Es ist aber auch charakteristisch für den ganz unbegründeten Respekt vor den gc- Heimen und vertraulichen Informationen und Kenntnissen von allem, was sich„Diplomat" und„Auswärtiges Amt" titulieren, daß in Deutschland die öffentliche Meinung und leider auch die Volksvertretung davor zurückscheucht, ein selbständiges Urteil in Fragen der internationalen Politik sich zu bilden und durch- zuhalten. Dabei war im Oktober v. I., als der Balkankrieg gegen die Türkei begann, die Meinung allgemein, daß die Einigkeit zwischen den Verbündeten nicht von Dauer sein werde. Nur haben die braven Leute, die der Geheimwissenschaft titulierter Po- litiker mchr_ vertrauten, als ihrem eigenen Wissen und Verstand, inzwischen sich das wieder ausreden, lassen und stehen vor einer ganz überraschenden Situation." Noch eine Stimme zu den Wehr- und De«kuugs- vorlagen. In den„Preußischen Jahrbüchern" nimmt deren Herausgeber, Hans Delbrück das Wort zu den neuen Gesetzen iWK»r die Heeresverstärkung. Wir registrieren diese Stimme noch, weil Delbrück den Konservativen eine sehr schlechte Note ausstellt. Mit der Armee- und Steuervermehrung, wie sie der Reichstag beschlossen hat. ist Delbrück sehr zufrieden. Dann bemerkt er: „Eine merkwürdige und höchst bedauerliche Rolle bei der Her- stellung des großen Werkes hat leider die konservative Partei gc- spielt. Das Verdienst hat das Zentrum mit den beiden liberalen Parteien. Im besonderen ist es dem Zentrum sehr hoch anzu- rechnen, daß es sich von den Konservativen getrennt hat— aber- mals die Fabel vom schwarzblauen Block Lügen strafend— und die lange bekämpfte Erbschaftssteuer akzeptiert hat, während die Libc- ralen wiederum die Selbstentsagung geübt haben, das Zuwachs- Prinzip anzunehmen, das im allgemeinen der Landwirtschaft günstiger ist als den städtischen Gewerben. Weshalb die Konser- vativen sich unter solchen Umständen schmollend in die Ecke gestellt haben, statt an dem vaterländischen Werk mitzuarbeiten, ist schwer zu verstehen. War es der allerkleinlichfte Standesegoismus? War es Doktrinarismus? Ich habe schon sagen hören, Herr von Heydc- brand werde mit seiner Unentwegtheit die Konservativen ruinieren, wie einst Eugen Richter den Liberalismus. Werden die konserva- tiven Abgeordneten etwa gar sich vor den Wählern, die unzufrieden sind, weil sie zahlen sollen, rühmen, daß sie gegen diese Steuer ge- stimmt hätten? Daß sie sich damit bei vielen Wählern liebes Kind machen könnten, ist wohl wahr, aber nicht einmal Eugen Richter hat mit solchen Tricks dauernden Erfolg gehabt— für eine konservative Partei müßten sie tödlich werden.— Die nächste Rückwirkung des so unpolitischen wie unpatriotischen Gebarens der konservativen Partei muß sich im preußischen Abgcordnetenhause zeigen. Die- selbe Partcikombination, die die Finanzreform im Reich gemacht hat, kann auch die Wahlreform in Preußen machen." Die Attentatslüge. München, 2. Juli 1013.(Eig. Ber.) Am 13. Mai d. I. um die Mittagsstunde knallte ein mit der Menschheit Zerfallener auf dem Rondell vor dem Friedensdenkmal in München einen preußischen Offizier und einen Schutzmann, der dem Ucberfallenen zu Hilfe eilte, nieder. Ein paar Arbeiter, die die Schüsse gehört hatten, liefen hinzu, sahen den getroffenen Offizier wanken, den Schutzmann bereits am Boden liegen. Ein kurzer Blick auf die mit dem Tode Stingenden sagte den Leuten alles utid iht'erstes wär. sich des Mörders zu versichern. Die Opfer des Tollhäuslers waren der Militärattache dev preußischen Gesandtschast Major von LftK i n S k i und der Polizeioberwachtmeister Christian B o h l e n d e r, der bei der Friedens- säule Dienst getan hatte. Der Mörder war der 34 jährige Zinn« gießer Johann S t r a s s e r Von Niederaltcich in Niederbayern. Für die Tat fehlte es zunächst an jedem Motiv und man neigte anfäng- lich dem Gedanken zu, daß ein armer Narr auf diese wahnsinnige Weise zwei Menschenleben vernichtet hatte. Diese Auffassung wurde zerstört durch die Erklärung deS Täters, daß er wenigstens den Offizier mit voller Ueberlegung niedergeschossen habe. Jn diesem Augenblick war daS Feld für die politischen Hyänen bestellt. Die bürgerliche Presse hatte schon knapp 24 Stunden nach der Tat die politischeTriebfeder entdeckt. Plötzlich waren sozialistische und anarchistische Erziehung und Propaganda der Boden, auf dem der Mord gediehen war. Es half nichts, daß die Polizei diese Gerüchte selbst dementierte, daß man betonte, eS habe bei der Tat jedes politische Agens auszuscheiden; mit dem Heißhunger, mit dem die sozialisten- feindliche Presse sich aus solchen Anlässen in die politische Ver- unglimpfung des Gegners verbeißt, sollte der Mörder den „Umstürzlern" an die Rockschöße gehängt werden. Daß die christlichen Organe mit einer gewissen Hast nach politischen Motiven fahndeten, war erklärlich: daS mußte ja das schönste Pendant zu der Kunfschak-Affäre abgeben! Heute, am Vor- abend der Schwurgerichtsverhandlung gegen Straff er, ist von alledem, was oie bürgerlichen Blätter mit soviel Liebe an politischen Motiven für Strassers Tat zusammengelogen hatten, auch nicht ein Jota übrig geblieb en. Der 1370 geborene Zinngießer Johann Strasser verließ als 18 jähriger Mensch daS ihm verhaßt gewordene Haus seines Snes- Vaters und trieb sich in der Welt herum. Sein auf 4000 M. ge- wertetes väterliches Erbteil hatte er nach erreichter Grotzjährigkeit in unsicheren Grundstücksspekulationen angelegt und war ins AuS- land ausgewandert. Einer geordneten Tätigkeit hatte sich Straffer nie zugewendet und so kam er mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt. Jn die Heimat zurückgekehrt, ließ er sich, um wenigstens einen Teil seines Erbes zu retten, von dem Mit- besitzer seines Grundstückes mit 1000 Mark abfinden. Seit Jahren hatte er nichts mehr rechtes gearbeitet. Der Mißerfolg mit seinem Erbteil hatte ihn de« letzten Restes an sittlichem Halt beraubt. Nach einer neuerlichen Reise nach Italien kehrte Strasser, mit der ganzen Welt zerfallen und mit tiefem Haß gegen die menschliche Gesellschaft erfüllt, mit dem Plane nach München zurück, sein verpfuschtes Leben durch irgendeine aufsehen- erregende Tat zu rächen. Am 13. Mai begegnete er LewinSki, den er schon einige Tage beobachtet hatte, wiederum in der Nähe der preußischen Gesandtschast und streckte ihn mit mehreren Kugeln aus seinem Browning nieder. Dem herbeieilenden Wachtmeister Bohlender lief er entgegen und tötete ihn durch 2 Schüsse ins Herz. Während Bohlender am Platze blieb, verstarb der Offizier auf dem Wege zum Kranken- hause. Nach seiner Festnahme gestand Strasser ein. daß er den Major mit Ueberlegung getötet habe; an der Absicht, sich selbst zu entleiben, sei er gehindert worden. Nach seiner politischen Ueberzeugung bestagt, gab Strasser an. daß er keiner politischen Partei angehöre; er sei weder Anarchist, noch Sozialdemokrat, noch Republikaner, sondern einAnhänger der Monarchie, an der er allerdings viel auszusetzen habe, ins- besondere sei ihm die bayerische Regierung nicht genug selbständig. Er wollte verhüten, daß die bayerische Krone an Preußen verkaust oder verschachert werde. Preußenallein trage die Schuld an den gegenwärtigen unhaltbaren Zuständen. Straffer gab weiter an. daß er ursprünglich die Absicht hatte, in die preußische Gesandtschaft zu gehen und dort einen Schuß abzugeben. Er habe dann schließlich einen erschossen, der die größten Borten an der Uniform gehabt habe. In dem bei Strasser vorgefundenen Notizbuch waren außer dem preußischen Gesandten auch einige Mitglieder des derzeitigen Ministeriums namentlich aufgeführt. Strasser erklärte auf Beftagen, daß er von den namhaften Münchener Anarchisten keinen kenne und niemals mit einem ein Wort gewechselt habe. Auf die Frage, ob er ge« werkschaftlich organisiert sei, erwiderte Straßer:„Nein! Um einer Organisation angehören zu können, muß man ständig Arbeit haben." Da Anzeichen einer geistigen Erkrankung bei Straßer nicht be obachtet wurden, wurde das Hauptverfahren gegen ihn eröffnet. Straffer hat sich nun am Donnerstag, den 3. Juli, vor den< schworenen zu verantworten.— Die Verhandlung wird wohl kaum den ganzen Tag in Anspruch nehmen. Deutsch-frauzöfisches Abkomme» über die Landung von Flugzeugen. Nach Pariser Meldungen sind zwischen der deutschen und der französischen Regierung Vereinbarungen getroffen worden über die Maßnahmen bei der Landung von Flugzeugen Danach würde man einen Unterschied zwischen privaten und öffentlichen, das heißt Militärflugzeugen, machen. Die In- fassen der Militärluftfahrzeuge müßten stets Militäruniform tragen. Wenn sie infolge einer Panne oder eines Irrtums zu einer Landung auf fremdem Boden genötigt sein würden, dann würden sie entsprechend dem in Bern ausgearbeiteten Codex Notsignale geben müssen. Militärjustiz. Ueberaus harte Strafen verfügte das Kriegsgericht in Marien bürg über die Musketiere Gustav Adolf und Erich Schröder vom 152. Infanterieregiment. Sie lvaren wegen Beleidigung, Wider- stanbes und Angriffs angeklagt. Im Mai waren sie auS einem Tanzlokal gewiesen worden. Dabei beleidigten sie einen Unter« offizier und widersetzten sich auch ihrer Festnahme. Das Kriegs- gericht verurteilte Adolf z u U/z Jahren und Schröder zu zwei Jahren Gefängnis.— In Königsberg hatte sich der Musketier Becker vom 43. Infanterieregiment wegen Fahnenflucht und Dieb- stahls zu verantworten. In der ersten Instanz hatte der Angeklagte beantragt, ihn zum Tode oder zu lebenslänglichem Zuchthaus zu verurteilen. Das Gericht hatte aber auf Gefängnis und Versetzung in die zweite Klaffe des Soldatenstandes erkannt. Vor dem Ober kriegsgericht ließ der Angeklagte durch seinen Ber> leidiger Zuchthausstrafe beantragen, damit er nicht in die Arbeiterabteilung kommen könne, denn da würde eS mit ihm nicht gut ergehen. Das Gericht erkannte auf zwei Jahre Gefängnis und— um dem Angeklagten entgegen- zukommen— auf Entfernung aus dem Heere. Es handelt sich um einen Mann, der eine freudlose Jugend gehabt, seine Eltern nie gekannt hat und annimmt, im Zuchthause geboren zu sein. Sklavenmärtte in den deutschen Kolonien. In Dar-es-Salaam und in anderen größeren Plätzen Deutsche Ostafri'aS fanden früher sogenannte ArbeilSmärkte statt, bei denen sich die. einzelnen Haushaltungen und Pflanzungen mit den nötigen Arbeitern versehen konnten. Arbeitnehmer und Arbeitgeber traten in direkten Verkehr und Verhandlungen. Diese Arbeitsmärkte wurden von gewisser Seite als Sklavenmärkle bezeichnet und ihre Aushebung daher angeordnet. Nunmehr erfährt, die»Post",, im NeichSkoloyiajgmt.würdet� Er Hebungen angestellt, die zum Ziel haben, diese Arbsttsmärkte wieder einzuführen. Als Grund wird angegeben, es träten wieder als ArbeitSanwerbcr�snder, Griechen usw. in die Erscheinung, die sich ihren Dieust in der Regel doppelt, vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer. bezahlen lassen. Die amtliche Aufsicht werde dadurch außerordentlich erschwert, ivenn nicht gar unmöglich gemacht. Für die Neger würden daher die Arbeitsmärkte vorteilhafter sein.— Man darf wohl annehmen, daß die Plantagenbesitzer eS sind, welche die Sklavenmärkte wieder haben wollen, und zwar lediglich zu ihrem Vorteil.___ Oeftemich. Landtagöwahlcn in Galizieu. Die Wahlmännerwahlen in den galizischen Landgemeinden brachten den Ruthenen einen Gewinn von 13 Randaten auf Kosten der Polen, und zwar zumeist der klerikalkonservativen. Die Wahl von Sozialdemokraten, deren Galizien 8 in den Reichsrat entsendet, ist bei dem schändlichen Landtagswahlrecht so gut wie ausgeschlossen. franhmcb. Der Tod eines alten Rebellen. In PariS starb am Dienstag Henri Rochefort im Alter von 83 Jahren; ein Mann, der eine Zeitlang eine Rolle in der Geschichte Frankreichs gespielt hat, da er einer der gefürchtefften Journalisten war. Er betrieb die Opposition aus Neigung und frei von irgend welchen politischen Grundsätzen. Er war einer der gefährlichsten Gegner Napoleons III. In seiner Zeitung„La Lanterne" griff er die Regierung deS Kaiserreiches in der bissigsten Weise an, die sich durch zahllose Verfolgungen an ihm zu rächen suchte. Rochefort beteiligte sich dann in feiner Weise am Kom muneaufstand und wurde dafür zu lebenslänglicher Deportation verurteilt. ES gelang ihm aber, zu entfliehen, und zunächst von der Schweiz aus, dann nach der Amnestie wieder in Frankreich mit seiner„Lanterne" und später in anderen Zeitungen die Rolle eine« journalistischen Raufboldes weiter zu spielen. Später wurde er ein Helfer Boulangers, was ihm wiederum gerichtliche Verfob gungen eintrug. Seine innere Haltlosigkeit warf ihn dann in der Dreyfusaffäre auf die Seite der Klerikalen und der Generalstabs- kamarilla, wodurch er sich selbst um alles Renommee brachte. Seine Grundsatzlosigkeit hat ihn auch niemals zu einem Verständnis des Sozialismus und der Arbeiterbewegung kommen lassen. Tie Gewaltmaßregeln gegen die Syndikalisten. Paris, 2. Juli.(Privattelegramm des„Vor- wärtS".) Die vor einigen Tagen gegen die Syndikalistenführer vorgenommenen Verhaftungen hält man für ein Mittel der Re- gierung, die Parlamcntsopposition, die gegen die Einführung der dreijährigen Dienstzeit ist, einzuschüchtern. I a u r e S wendet sich in einem Artikel der„Humanite" scharf gegen die Regierung, welche die angeblichen Urheber der Flug- blätter jetzt verhaften läßt. Er erklärt unter anderem, wenn der Inhalt der verfolgten Flugblätter strafbar gewesen sein sollte, warum werden dann die Urheber derselben erst jetzt verfolgt? Und wenn die Soldatendemonstrationen mit ihnen zusammen- hängen, warum werden ihre Urheber nicht zusammen mit den militärischen Demonstranten abgeurteilt? Die Regierung wende in dem Augenblick Gewalt an. wo sie die dritte Jahresklasse durch die Einstellung der Zwanzigjährigen doch freiläßt. Interessant ist noch, daß der heute verhaftete KonföderationS- sekretär D V eto t, der Verfasser des SoldatenhandbuchS, seiner- zeit angeklagt und von Briand verteidigt wurde. Italien. Drei Helden deS Jnstizpalast-Skandals wiedergewählt. Rom, den 30. Juni 1S13. Vckn den vier Abgeordneten, die nach dem Votum über den Justizpalast derartig kompromittiert dw standen, daß sie ihr Mandat niederlegen mußten, sind gestern drei. nämlich Guaraccino, Abignente und Mosca, wiedergewählt worden, davon der letzte nur mit wenigen Stimmen Mehrheit. Wider Er- warten ist der Abgeordnete Luzzatto, gerade der am wenigsten kompromittierte, von den vieren, nicht wiedergewählt worden, sondern an seiner Stelle der liberale Gegner. Daß der Wahlkreis Luzzattos eS mit der Ablehnung seines Abgeordneten ernst meinte, geht aus der Tatsache hervor, daß er nur 43 Stimmen erhielt. Gestern fanden auch in Trapani Ersatzwahlen statt, bei denen der unvermeidliche Nasi mit 2162 Stimmen gewählt wurde. Der sozialistische Gegner, Genosse Sceusa, erhielt 526 Stimmen-. Hus der Partei. Aus den Organisationen. In Düsseldorf wurde am Sonntag und Montag der Bezirkstag für den Niederrhein abgehalten. Dem Vorstanosbericht ist zn entnehmen, daß im abgelaufenen Geschäfts- jähr die Zahl der organisierten Parteigenossen um 15 abnahm. die der Parteigenossinnen'dagegen um 473 stieg. Die Gesamt- zahl der organisierten Genossen des Bezirks betrug am 31. März d. I. 41 390, darunter 6860 weibliche. Die Jugendbewegung im Bezirk hatte trotz der behördlichen rigorosen Unterdrückungsversuche immerhin noch einen Erfolg von 1500 weiteren Abonnenten der „Arbeiter-Jugeno".— Im Bezirk sind 204 sozialdemokratische Ge- meindevertreter tätig, davon 144 in 22 Stadtgemeinden und 60 in 25 Landgemeinden.— Nach Erledigung des Geschäftsberichts re- ferierte Neichstagsabgeordneter Genosse Ouarck über die Woh- nungs- und Verkehrspolitik in den Gemeinden. Nach erfolgter Aussprache über die Mißstände auf diesem Gebiet und über die zu ergreifenden Maßnahmen wurde über die preußischen Land- tagswahlen und über den Massenstreik lebhaft diskutiert. Genosse Berten-Düsseldorf hielt anstelle des verhinderten Genossen Haber- land das einleitende Referat.— Einstimmig wurde nachstehende Resolution angenommen: „Der Ausfall der letzten Wahlen zum preußischen Landtag hat aufs neue belviesen, daß die Erringung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Preußen eine unbedingte Notwendigkeit ist. Der Niederrheinische Parteitag der Sozialoemokratie erklärt, daß die bisher im Kampfe um das Wahlrecht in Preußen angewandten Mittel nicht zur Durch- führung der proletarischen Wahlrcchtsforderung ausreichen und einer Ergänzung bedürfen. Der Parteitag erblickt in der stärkeren Heranziehung der Massen zum Kampfe, der erforder- lichenfalls bis zum politischen Massenstreik gesteigert werden muß, das gegebene Mittel zur Fortführung des Wahlrechts- kampfes. Nur dauernde Auftlärung und organisatorische Er- ziehung kann das notwendige Interesse der Massen wecken und damit einen Erfolg des Kampfes vorbereiten. Der Nieder- rheinisch« Parteitag richtet daher an den Parteivorstand das Ersuchen, mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch- lands in Verbindung zu treten, um eine die Propagierung deS Massenstreiks bezweckenoe Entschließung dem allgemeinen Partei- tag vorlegen zu können." Im Reichstagswahlkreise Eschwege-Schmalkalden- Witzenhausen, der im Reichstag durch den Genossen Thöne vertreten wird, entwickelt sich infolge der ziemlich traurigen Er- werbsverhältnisse die Zugehörigkeit zur Parteiorganisation ziem- lich langsam. Etwa 1200 ständig zahlende Mitglieder sind im Kreise vorhanden. Die Zahl der Abonnenten. auf daS Parteiblatt ist etwas höher. Zehn Parteifilialen wurden im letzten Geschäfts- jähr neu gegründet. Besonders große Aufwendungen' hat die Parteileitung des Kreises für die systematische Aufklärung ge- macht. Die Generalversammlung des 16. hannoverschen Wahl k r e i s e s fand am Sonntag in Lüneburg statt. Aus dem Ge schäftsbericht sei folgendes erwähnt: Die Mitglicderzahl hat sich gegen das Vorjahr um etwas über 100 gehoben. Es sind gegen- wärtig in 57(47) Ortschaften 1212(1116) männliche und 109(101) werbliche, also zusammen 1321 Mitglieder vorhanden; gcwerkschaft- lich organisierte Arbeiter hingegen etwa 3000. Auch die Presse, das„Volksblätt", hat einen erfteulichen Fortschritt zu verzeichnen. Die BildnngSarbeit in Thüringen. Die BildungsauSschuß für Thüringen(Sitz Erfurt) kann für da? verflossene Geschäftsjahr eine erfreuliche Belebung der Bildungsarbeit im Bezirke feststellen. Dem Bildungsausschuß sind 15 Wahlkreise angeschlossen, drei in Preußen, zwölf in den kleineren angrenzenden thüringischen Staate». Es bestehen 15 Kreis- und 52 Ortsbildungsausschüsse. Von den den Bildungsausschüssen über- sandten Fragebogen sind leider nur 34 beantwortet worden, so daß sich ein lückenloses Bild der geleisteten BUdungsarbeit nicht geben läßt. Aber schon daS vorliegende Material läßt ernstes Streben erkennen. Der Gesamtetat in den 34 Orten belicf sich auf 36 945,24 M. An Zu« schüssen haben die Ausschüsse 7011,45 M. erhalten. Nur in einer Gemeinde wurden aus öffentlichen Mitteln 200 M. bewilligt, sonst sind die Zuschüsse von A r b ei t e r o rg a n is a t t o n en auf- gebracht worden. Das Hauptinteresse wurde der wissenschaftlichen Fortbildung der Arbeiterschaft zugewendet. Im ganzen sind in Thüringen in der Berichtszeit 35 Vortragskurse abgehalten worden, dazu kommen 51 wissenschaftliche Einzelvorträge und 67 künstlerische Veranstaltungen. Ausstellungen von künstlerischem Wandschmuck und Jugendliteratur wurden in 15 Orten veranstaltet. In 24 Orten ist das Bibliothekswesen zentralisiert, in 7 Orten gibt eS noch 11 Einzel- bibliotheken; eine Anzahl Orte besitzt leider noch keine Bücherei. Zur Jugendbewegung unterhalten die Bildungsausschüsse gute Be< zichungen; im allgemeinen hat sich aber die Auffassung bewährt. daß die Jugendbewegung von besonderen Ausschüssen gepflegt werden müsse._ Hirn Industrie und Kandel. Krupp. Nach dem Jahresbericht der Essener Handelskammer umfaßt die Friedr. Krupp A.-G. die Gußstahlfabrik in Essen mit den Schieß- Plätzen in Meppen, Tangerhütte und Essen, sowie den Außen- Verwaltungen der Kohlenzechen: Ver. Sälzer und Neuack in Essen, Hannover und Hannibal m Hordel bei Bochum, zahlreiche Eisen- eingruben in Deutschland und Bereiligung an Eisensteingruben bei Bilbao in Nord-Spanien. Ferner die mittelrheinischen Hüttenwerke Mülhofenerhütte bei EngerS(Hochofenanlage), Hermannshütte bei Neuwied(Hochofenanlage), Saynerhütte bei-Sayn(Eisengießerei und Maschinenfabrik), eine Reederei in Rotterdam mit eigenen See- dampfern für Erztransport, die Friedrich-Alfred-Hütte' in Rhein- hausen-Friemersheim, das Stahlwerk Annen in Annen, Westfalen, das Grusonwerk in Magdeburg-Buckau und die Germaniawzrst ia Kiel-Gaarden. Auf der Gußstahlfabrik waren im Jahre 1912 in den etwa 60 Betrieben in Tätigkeit: etwa 7700 Werkzeug- und Arbeits- Maschinen, 16 Walzwerke, 164 Dampfhämmer von 100 bis 10000 Kilogramm Fallgewicht, 139 hydraulische Pressen, 639 Dampf- Maschinen von 2 bis 7000 Pferdestärken, 3392 Elektromotoren von zusammen 62 565 Pferdestärken. Hebe-, Transport- und Verlade- Vorrichtungen bis zu 150 000 Kilogramm Tragfähigkeit. Die Kohlen« örderung aus den eigenen Zechen betrug im Jahre 1912 ins- gesamt 2 714 770 Tonnen. Der Gesamtverbrauch der Kruppschen Werke, soweit sie von der Gußstahlfabrik versorgt wurden, betrug 1912 an Kohlen 1 890 826 Tonnen, an KokS 1 268 244 Tonnen, an Briketts 67 069 Tonnen. Die Wasserversorgung der Gußstahlfabrik mit den dazugehörigen Kolonien und der Besitzung Hügel erfolgt durch vier getrennte Anlagen. Der Geiamtverbrauch erreichte nahezu den Wasserberbrauch der Stadt Essen a. d. Ruhr. Das Gaswerk der Gußjtahlfabrik nimmt seiner Produktion nach die 17. Stelle unter den Gasanstalten des Deutschen Reiches ein. Die 7 Elektrizitätswerke der Gußstahlfabrik in Essen speisen 2897 Bogen- lampen, 36 412 Glühlampen und 3417 Elektromotoren. Zur Bermittclung des Verkehrs auf der Gußstahlfabrik in Essen dienen u. a. ein normalspuriges Eisenbahnnetz mit direktem GleiS- anschluß an die Stationen der Staatsbahn: Essen Hauptbahnhof, Essen-Nord und Bergeborbeck mit etwa 91 Kilometer Gleis, 19 Tender-Lokomotiven und 952 Wagen; ferner ein schmalspuriges Eisenbahnnetz mit etwa 60,36 Kilometer Gleis, 37 Lokomotiven und 1586 Wagen. Das Telegraphennetz der Gußstahlfabrik in Essen enthält 17 Stationen mit 29 Morse- Apparaten und 90 Kilo- meter Leitung und ist in Verbindung mit dem kaiserlichen Tele- graphenamt. In den Kruppschen Werken waren nach einer Zählung vom 1. April dZ. Is. insgesamt 76983 Personen beschäftigt. Ausfuhrprämien im Kohlensyndikat. DaS rheinisch-westfälische Kohlensyndikat will zur Unterstützung des daniederliegenden Export- Marktes die Ausfuhrvergütung wieder einführen. Durch die Ab- rechnungsstelle für Ausfuhrvergütung in Düsseldorf wird den Ab- nehmern mitgeteilt, daß das Syndikat am 1. Oktober 1913 eine Bonifikation von 1,50 M. pro Tonne für Syndikatsbrcnnstoff gewähren wird, wenn dieser nachgewiesenermaßen gebraucht ist, um Eisenbahnmaterial für den Export zu fabrizieren. Keichztzoseristswshle». In zwei Wahlkreisen fand am Mittwoch eine Reichstags- ersatzwahl statt. In Z auch°B elzig und in Salz- wedel-Gardelegen. In Zauch-Belzig muhte eine Ersatzwahl stattflnden, weil das Mandat des Reichsparteilers v. O e r tz e n für ungültig erklärt werden mußte, da bei der Hauptwahl 1912 die Insassen der Lungen- Heilstätte Beelitz nicht in die Wählerlisten eingetragen und da- durch um ihr Wahlrecht gebracht worden waren. Durch die? gesetzwidrige Versahren war es damals gelungen, dem Reichs- parteiler v. Oertzen den Sieg in die Hände zu spielen. Im Jahre 1912 waren bei der H a u p t w a h l abgegeben worden für den Sozialdemokraten. 13 367 Stimmen „ Reichsparteiler.. 11044 H „ Freisinnigen... 9 226„ das Zentrum.... 56„ Bei der Stichwahl war der Reichsparteller v. Oertzen mit 16 942 Stimmen gegen den sozialdemokratischen Kandidaten Ewald, der 16 652 Stimmen erhalten hatte, gewählt worden. Der kassierte Vertreter des Kreises, v. Oertzen, hat sich diesmal erst nach längerem Drängen dazu bewegen lassen, die recht unsicher gewordene Kandidatur wieder zu übernehmen. « Luckenwalde, 2. Juli.(Privattelegramm des Vorwärts.) Es findet zwischen unserem Genossen Ewald und dem Kon» servativen von Oertzen Stichwahl statt. Das genauere Stimmenverhältnis ist noch nicht bekannt. ltf In Gardelegen-Salzwedel handelte es sich di Sozialdemokratischer Kandidat ist diesmal Genosse Karl Bcrgemann- Magdeburg. « Die heutige Nachwahl brachte folgendes Ergebnis: v. Kröchcr(Kons.).. 6 978 Stimmen Schulz-Ritze(Bund d. L.) 4 044„ Boehme(Bauernb.Natl.) 10 667„ Bergemann(Soz.).. 1918 � Ungültig...... 18, Bis um 11 Uhr abends standen noch zwei Ortschaftest aus, die jedoch am Resultat nichts ändern. Es findet daher Stichwahl zwischen Kröcher und Boehme statt.' Letzt* ffochricbten* Eingreifen der Großmächte. London, 2. Juli. Wie das Reutersche Bureau erfährt, hat die englische Regierung heute Mitteilungen von der bulgarischen, griechischen und serbischen Regierung er- halten, die deren Ansichten über die gegenwärtige Krisis dar- legen. Es verlautet, daß Großmächte in Sofia, Belgrad und Athen dringende Vorstellungen erheben und auf die dor- tigen Regierungen einwirken, daß sie sich nicht in einen Krieg hineindrängen lassen, fondeen den Weg für ein S ch i e d s- gericht ebnen._ Generalstreik der Bergarbeiter in Südafrika. Johannesburg, 2. Juli. Die ausführenden Ausschüsse deS BergarbeiterverbandeS und der Gewerkschaftsverbände haben sich einstimmig für einen Generalstreik aller Bergleute entschieden, der am Freitag beginnen soll. Auf einzelnen Gruben ist der Aus- tand schon heute erfolgt. Wse auS Pretoria gemeldet wird, hat die Regierung beschlossen, weitere fünfhundert Mann der Garnison von Pretoria nach dem Randgebiet zu entsenden, die Truppen werden morgen' abgehen. Fliegeravsturz. Epernay, 2. Juli.(W. T. B.) Der Pionierflieger B o u ch a r d- I e t stürzte mit seinem Flugzeug ab und wurde schwer ver- letzt. Sein Fahrgast Hauptmann Reh war sofort t o t. Unserem lieben Genossen Paul Hildebrandt die besten Wünsche zum GebuvtsMge! Die Ksnossen v. kse.4lS. S. Xeei5 Todes-Anzeigen Zentralverliand der Nlaschinisten u. Heizer sowie Berulsy.Deutselil. Geschäftsstelle Groß■ Berlin. Bezirk Schöiihnuser Borstitdt. Am Sonntag, den 29. Juni, verstarb unser Mitglied, Kollege Ujuis Thums. Ehre seinem Zlndenken Die Beerdigung stndet am Donverstag, den 3. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der iteichen- stalle des Getstscmanc-Kirchhoses. Nordend, auS statt. löS/lG Zahlreiche Beteiligung erwartet Vle Geschäftsstellenverwaltung. Deutscher Buehhinder- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, das; unser Kollege, der Präger »ermun Ehrhardt nach langem Leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet Freitag/ den 4. Juli, nachm. 5 Uhr, aus dem Heilands-Kirchhos in Moabit statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 24/7 Die Ortsverwaltung. Deutscher Hetallarbeiter-Yerband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen, zur Nachricht, dag unser Mitglied, die Arbeiterin Mathilde Niedling Schulstr. 25 am 30. Juni gestorben ist. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen» hall» deS Nazareth-KirchhoseS in Neinickendors. West, Kegelstragc, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 124/5 Die Ortsverwaltung. Mittwochmorgen entschlief nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater und Großvater, der Gastwirt Heinrich Salzwedel im 61. Lebensjahre. tfcau�alzwedel nebst Kindern Die Beerdigung findet Freitag, nachm. 3 Uhr, vom Traucrhause Romititener Straße 44 ans nach dem Georgcn-Kirchhos, Lands- beiger Allee, statt. 142Sb F> zur Nachricht. daß mein guter Mann, unler geliebter, unvcrgeß. lichcr Vater, stlöstlich am Herz- schlag sanjt verschieden ist. 7SA lldle ta-aurniidcn Hinterbliebenen Wwe. Marie Wilcke «ebst Kindern. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nahm- bei der Beerdigimg meines geliebten Mannes und Onkels sagen wir allen lieben Kollegen und Mit- arbcitern der Firma H. S. Hermann sowie allen Freunden und Bekannten unseren herzlichste» Dank. 8SA �n tiefer Trauer Hartha(irotisc nebst.Vichts Ctertrad. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Deilnabmc sage allen Kollegen und Genossen innigsten Dank. KSA Ir'.inina Böttcher. Speziälapzt�r und Syphilis. Ehrlich-Hata-Kuren, Blutuntersuc hung. Scknelle, sichere Heilung. Sehr maß. Preise.* Dr.med.' WockenfuB, Friedriehstr. 125 Oranienb. Tor. Spr.8-8, Sonnt. 8-11. Orts- Krankenkasse für das Bäcker- und Konditor- Gewerbe zu Berlin. Dienstag, de» 8. Fuli 1913, abends 61/. Uhr, int Lokal Rosen- thalcr Hos. Rosenthaler Str. 11/12: Außerordentliche General-Versammlung der Delegierten. Tagesordnung: 1. Kenntnisnahme von der Eni- scheidung des Kgl. Oberversicherungs- amteS Groß-Berlin, die Nichtzu- lassung der Kasse als besondere Orts-Krankenkassz! betreffend, und Beschlußfassung darüber, ob gegen diese Entscheidung Beschwerde er- hoben werden soll? 2. Verschiedene Kassenangelegenheiten. 273/15 Der Verstand. I.A.: Karl Hefischold, Vorsitzender. Spezlalarzt f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in Gr. Homeyer Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Friedriehstr. 81, ÄSm. Spr. 10— 2, 5—9, Sonnt. 11— 2. Honorar mästig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Fet'�iieii-l.DiiBktilii'vei'Itz-iBDllDg m Berlin. Bekanntmachnng.. Am Donnerstag, den 17. Juli 1913, abends 8 Uhr, findet im „Prälaten", Dircksenstratze— Stadtbahnbogen 110— die statutenmäßige Neuwahl des Gehilfenausschusses statt. Wahlberechtigt sind die bei einem Jnnungsmitgliede beschäftigten volljährigen Gehilsen, welche sich im Besitze der bürgerlichen Ehren- rechte befinden. Wählbar ist jeder wahlberechtigte Gehilfe, welcher zum Amte eines Schöffen sähig ist.— 31, 32 des Gerichtsversassungs- gesetzes�! Legimnation: Bescheinigung des Jnnungssuhrherrn. 286/20 I. A.: A. Rohnke. Obermeister. Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69(Laden) insichtskarten vom Riesengebirge, Harz, Sächsische Schweiz, Dresden, Berlin in reicher Auswahl. !8tück 5 Pf. Sommer- Räumungs-Verkauf |M mO herab- OJßelzl!! Gelegenheitskauf! Schwere Schlasdelbkii i«. i«U. lfferäetlecken! z-««. �Iekedeekm !sl.4".e".e"d Versand unter Nachnahme. BmilLefevre Leriiu 8., Urauieustr. M. Der neue Katalog mit bunten Teppichniuslern jläOÄbbildung. gratis u,iranko. 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Die Allwördens. Folies Capriee. Ein Pechvogel. Die Krampssache. Ansang 81/, ilbr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Deutsches Schauspielhaus. Eine Vergangenheit. Theater am Rollcndorfplah. Der Mann mit der grünen MaSke. Anfang 9 Ubr. Admiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. »» Sternwarte, Jnoalidenftr. 57— 62. Sehiller-ThealeFO.lS: Sachse-Oper. Donnerstag, abends 8 Uhr: Fra Itiavolo. Freitag, abends 8 Uhr: Die Jüdin. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zar und Zimmermann. Deutsches Schauspielhaus 8'/, Uhr: Eine Bergangenhcit. BerlinerTheater. s uhr: Filmzauber. Kroll-Oper 7 Uhr: Die Meistersinger von Niirnlierg. Fr«Oag: Lohengrin. TheateraniKollendorfplatz Täglich 8>l, Uhr: Burleske Sviele. Der Man» mit der grünen Maske — Variete—— Kino— 3 Tommcrreisen gratis! Brauerei Königstadt Heute Donnerstag, 3. Juli, abds.S'�Uhr Volks Sinfonie Konzert des Blüthner' Orchesters Richard- W agner- Abend. Dirigent; Guido v. Fachs. Sol.; Werth fGes), Lembinon(Viol.) 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Ferner wurde gewünscht. daß die Karenzzeit zum Bezug von Unterstützungen herabgefetzt und teilweise aanz beseitigt wird. Die Arbeitslosenunterstützung sollte noch crböbt werden. Vorgeschlagen wurde auch, die Kranken- kasse getrennt zu führen, der Beitritt für diese Unterstützung könnte fakultntiv sein Die Grcnzstreitigkclten mit den Fabrikarbeitern wurden auch heute eingehend erörtert. �cr Vertreter der Generalkommission. U m b r ei t- Berlin. vertrat deren Standpunkt. Es müsse im Sinne der Hamburger Resolution des Gewerkschaftskongresses gearbeitet werden. Eine Svraac der EntWickelung sei es, eine Institution zu schaffen, die Erckutivgewalt habe. Dies könne und dürfe aber nicht von der Generalkommission ausgehen, sondern müsse aus den Organisa- lionen heraus verlangt werden. Verbandsvorfitzender Wollmann betonte: Die Fabrik- arbeiter würden sich nach den Entscheidungen der Gencralkommissüm nicht richten und auch keine Verständigung wollen. Nach weiteren Ausfnhrugnen Kurde die Generaldebatte ge- schlössen. Zur Weiterbcratung der Statutenvorlage wurde eine Kam- Mission von S Mitgliedern eingesetzt, die in Gemeinschaft mit den Vertretern der übrigen Verbände neue Vorschläge machen soll. Die Verhandlungen wurden bis zur Beendigung der Kam- missionsarbeiten vertagt._ Soziales. Konferenz der Krankenkassen der Provinz Brandenburg. Die 1l>. Konferenz der Freien Vereinigung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg findet am Sonntag, den 13., und Montag, den 14. Juli, im Restaurant„Zum Lindengarten" in Forst i. L. statt. Am Tonnabend, den 12. Juli, abends 7 Uhr, findet eine Borversammlung statt. Tie vorläufige Tagesordnung lautet: Sonntag, den 13. Juli, vormittags 10 Uhr: 1. Geschäfts- und Kassenbericht der Verwaltung und Bericht der Revisoren. 2. Vortrag des Herrn Professor Th. Sommcrfcld-Berlin über: „Gewerbckrankhciten und Gewerbehygiene".(Mit Lichtbildern.) 3. Vortrag des Herrn Professor Dr. Albu-Berlin über:„Volks- ernährung und Volksgesundhcit".' 4. Die Bewilligung von Zahnersatz an Mitglieder der Kranken- fassen der Provinz Brandenburg durch die Landesversichcrungs- anstalt der Provinz Brandenburg. Referent: Der Vorsitzende der Gemeinsamen Lrtskrankenkasse Berlin-Wtlmersdorf, Herr Kauf- mann Otto Lübsen(Arbeitgeber). 5. Die Uebernahme des Heilverfahrens der Kassenmitglieder in den ersten 13 Wochen nach dem Unfall durch die Berufsgenossen- schaften. Referent: Der Geschäftsführer der Ortskrankenkassc Berlin-Pankow, Herr C. Koblenzer. Montag, den 14. Juli, vormittags 9 Uhr: 6. Vortrag des Herrn Dr. med I. Zadek-Berlin über:„Was können die Krankenkassen ihrerseits tun, um Krankheiten und Krankheitsverschlimmerungen zu verhüten". 7. Vortrag über:„Tie Durchführung der Reichsversicherungs- ordnung" unter Bezugnahme auf die Arzt- und sonstigen Liefe- rantensragcn. Referent: Der Geschäftsführer Herr C. Koblenzer. 'V. Vortrag über:„Die Statistik und Rechnungsführung nach der Reichsversicherungsordnung bei den Krankenkassen". Referent: Ter Geschäftsführer der Ortskrankcnkasse der Kaufleute usw. zu Berlin, Herr Albert Kohn. 9. Anträge von Krankenkassen. 19. Neuwahl des geschästsführenden Ausschusses. 11. Wahl des Ortes für die nächste Konferenz. 12. Verschiedene Mitteilungen. Endlich Bruch als Unfallfolgc anerkannt. Der unheilvollen Rechtsprechung zuungunsten von Arbeitern, die durch die Arbeit sich einen Unfall zuziehen, ist in einem Einzel- falle jetzt das Oberversicherungsamt Chemnitz in einer bemcrkens- werten Entscheidung entgegengetreten. Ein Kutscher B. in Glauchau klagte auf Unfallrcnte. Er stützte diesen Anspruch auf die Behauptung, daß er sich am IS. Juni 1912 beim Transport von Reissäcken einen Bruch zugezogen habe. Bruchschäden werden leider als entschädigungspflichtig in den seltensten Fällen von der sozialen Rechtsprechung anerkannt. Nur wenige Fälle im Verhältnis zu der Unzahl von Brüchen der der- schiedensten Art werden als Gewaltbrüche, das heißt als solche Brüche anerkannt, die durch äußere Einwirkungen plötzlich ent- standen sind und deshalb.als entschädigungspflichtig erachtet werden. Die Berufsgenossenschaften geben fast ausnahmslos bei eingetretenen Bruchschäden den Renteansprcchern ablehnenden Be- scheid. Die ärztlichen Untersuchungen haben meist Gutachten zur Folge, in denen gesagt wird, daß der Bruch nicht eine Folge des Unfalls sei, sondern daß der Unfall nur die Gelegenheit zum Aus- treten des Bruches gegeben habe und Bruchanlage bereits vor- Händen war. Als Autorität bei Beurteilung von Brüchen gilt in der Praxis Professor Bier. Dieser knüpft die Anerkennung eines Bruches als Unfallfolge an strenge� Bedingungen und an gewisse Beglcit- erscheinungen. Tie Arbeit, bei der ein Bruch entstanden fein soll, müsse, meint er, über den Rahmen der gewöhnlichen Arbeit hin- ausgegangen, eine außergewöhnliche Krastanstrengung müsse mit ihr verbunden gewesen sei. Es müssen große Schmerzen eintreten, die Arbeit sofort eingestellt und ein Arzt sofort herbeigeholt worden sein. Uebelkeit und Erbrechen gelten als Begleiterscheinungen beim .Gewaltbruch. Dieser Gutachter steht auf dem Standpunkt, daß eine größere Anzahl von Brüchen zu Unrecht entschädigt wird und er empfiehlt bei Anerkennung von Brüchen als Unfallfolgc die größte Zurückhaltung. Diese Ansicht ist nach und nach gewissermaßen Gemeingut der sozialen Rechtsprechung geworden und deshalb kommt es wunder- selten vor, daß Brüche als Unfallfolgc und als entschädigungs- pflichtig erachtet werden. B. hatte nun am Unsalltage drei Säcke im Gewicht von je 229 Pfund eine schmale Treppe hinaufgetragen. Mit dem letzten Sack blieb er beim Aufstieg an einem Nagel hängen und kam bei dem plötzlich eintretenden Hindernis in die große Gefahr, mit dem schweren Sack rücklings die Treppe hinabzustürzen. Das konnte er nur mit äußerster Kraftanstrengung verhindern. Dabei stellte sich ein stechender Schmerz ein und nötigte ihn, die schwere Arbeit aufzugeben. An diesem Tage hat B. nur noch leichte Arbeit ver- sorgt. Der folgende Tag war ein Sonntag, an dem er sich pflegen konnte, dann hat er am Montag wiederum nur leichte Arbeit gc- leistet. Er sah sich aber doch gezwungen, einen Arzt in Anspruch zu nehmen. Am 21. Juni mußte er sich einer Operation unter- ziehen. Der Arzt hatte einen Leistenbruch festgestellt und die da- durch herbeigeführte Minderung der Erwcrbsfähigkeit auf 39 Proz. geschätzt. B. erhob nun Anspruch bei der Lagereiberussgcnossen- schast auf Unfallrente. Er erhielt aber ablehnenden Bescheid. Dr. Hering-Chemnitz gab sein Gutachten dahin ab, daß es sich um einen Bauchbruch handle, der aber als Unfallfolge nicht anzu- sprechen sei. Dagegen gab Professor Dr. Clemens sein Gutachten dahin ab, daß der Bruch möglicherweise durch den Unfall herbei- geführt worden sei. Jedenfalls sei aber vorher schon leichte Bruch- anlage vorhanden gewesen. Die Lösung der Frage, ob ein Gewalt- bruch vorliege, überließ er aber dem Gericht. Das Obcrversichcrungsamt ging dem Vorschlage des Arbeiter- sekretärs Straube nach und nahm eine Beweisaufnahme an Ort und Stelle vor. Hier scheute sich der Borsitzende des Oberversiche- rungsamtes nicht, den Rock auszuziehen und sich einen gleich- schweren Sack auflegen zu lassen, um sich selbst zu überzeugen, welche Kraftaufwendung notwendig sei, solche Last zu tragen. Gelegentlich dieser Beweisaufnahme schilderte der Arbeitgeber des B. diesen als einen nerven- und willensstarken Menschen, der in der Lage sei, sich selbst zu bezwingen und das auch tue. Gleich- zeitig nahm der Arbeitgeber Gelegenheit, sich unverblümt darüber auszusprechen, daß es Unfallverletzten so schwer gemacht werde, die Unfallrente zu erhalten, auf die sie auf Grund des Gesetzes An- spruch haben. Das Oberversichcrungsamt verurteilte die Bcrufsgenossenschast, dem Verletzten von der 14. Woche nach dem Unfall an bis Ende 1912 39 Proz. der» Vollrente, vom I. Januar 1913 an bis auf weiteres 19 Proz. der Vollrente zu gewähren. Die notwendigen Lasten für die Vertretung des Rentenklägers wurden gleichfalls der Genossen- schast auferlegt. In der Urteilsbegründung wurde u. a. gesagt, daß die Vor- aussetzungen für die Annahme eines Gewaltbruches gegeben seien. Es war nach den ärztlichen Gutachten Bruchansatz vorhanden. Aber durch den Unfall sei eine starke Bauchpresse hervorgerufen worden, die den Austritt des Bruches zur Folge gehabt habe. Dem Ver- letzten sei es schlecht geworden und er habe die schwere Arbeit auf- geben müssen, obwohl er kein wehleidiger Mann sei. Auch andere Voraussetzungen für Gewaltbruch seien festgestellt worden. ' Endlich ein Erfolg im Kampfe gegen die im Reichstag und von uns so oft abfällig kritisierte Voreingenommenheit gegen die Rechte der Arbeiter bei Bruchschäden. Es wäre zu wünschen, daß jeder Porsitzende eines Oberversicherungsamtes so vorurteilsfrei wie in diesem Falle der in Chemnitz sich und seinen Beisitzern die Grund- läge für ein Urteil zu schaffen suchte. Die Arbeiter ersehen aus diesem Fall, daß hartnäckiger Kampf für die Rechte des Einzelnen nicht immer vergeblich ist, und daß die Vertretung durch Arbeiter- sekrctäre in Unfallsachen dringend erforderlich ist. Gerichts-Zeitung* Angeschossene Schulmäbchen. Einen«cht gefährlichen Dummenjungenstreich hat der jetzige Angeklagte wohnte bei seinen Eltern in Tcmpclhof in einem Hause, das an den Hof einer Mädchenschule grenzt. Der Junge ist etwas schwachsinnig und»rächt seinen Eltern manche Sorg«: er ist wegen eines Eigentumsvergehens bereits mit 6 Wochen Gefängnis borbestraft, aber der bedingten Begnadigung empfohlen worden. Gerade an dem Tage, an welchem ihm die Mutter die Nachricht von dem Gnadenakt mitteilte, hat der Angeklagte sich das seltsame „Amüsement" verschafft, das ihn aufs neue auf die Anklagebank führte: er holte sich die seinem Vater gehörende Luftbüchse, lud sie mit den dazu gehörigen Kugeln und wartete am offenen Fenster. bis die Mädchen das benachbarte Schulgebäude verließen. Tann nahm er sich in verschiedenen zeitlichen Zwischenräumen einzelne aufs Korn, schoß nach ihnen und freute sich dann unbändig, wenn die Mädchen, ohne zu ahnen, woher das Geschoß kam, erschreckt und ängstlich davonrannten. Einige Schulmädchen sind aber auch getroffen worden:-einem Mädchen verletzte die Kugel das Ohrlöpp- chen, eine andere erhielt einen Streifschuß über dem Auge, der dritten wurde der Mantel, einer vierten das Cape durchbohrt usw. Eines der gefährdeten Mädchen hatte schließlich den Schützen entdeckt, der sich in Abwesenheit der Mutter diesem bedenklichen Vergnüge» hingab und nun bald den Besuch eines Polizeibeamten erhielt und mit einer Anklage bedacht wurde. Das eingeforderte ärztliche Gutachten ging dahin, daß der Angeklagte zwar geistig etwas minder- wertig und für sein Alter recht kindisch, ober doch nicht geisteskrank im Sinne des 8 51 sei. Das Jugendgericht hielt dies« Schieß- versuche für so gefährlich, daß es den Angeklagten wegen gefähr- licher Körperverletzung zu einen Monat Gefängnis verurteilte. In der Berufungsinstanz machte Rechtsanwalt Dr. Rosenscld geltend, daß der nach dem ärztlichen Gutachten geistig zurückgebliebene Angeklagte sicher nicht die Erkenntnis von der Strafbartcit seines Handelns hatte, als er die doch von Knaben so oft als Spielzeug benutzte Luftbüchse zur Hand nahm und die Mädchen zu erschrecken suchte. Seine Tat könne als„grober Unfug" angesehen iverden; auf keinen� Fall rechtfertige sich eine Gefängnisstrafe, da der an- gerichtete Schaden ganz minimal gewesen sei.— Das Gericht hielt den Tatbestand der Körperverletzung für erwiesen, bewahrte aber den Angeklagten vor dem Gefängnis und verurteilte ihn unter Aufhebung des ersten Urteils zu K9 Mark Geldstrafe. Mit der ein- dringlichen Ermahnung, nie wieder solche„Scherze" zu treiben, entließ der Vorsitzende den Angeklagten. Zwei Butterfälscheriuncu, welche die Wochenmärkte in der Umgegend Berlins mit einem Gemisch von billiger Butter und Margarine beglückt hatten, muß- ten sich gestern bor dem Strafrichter verantworten. Wegen wissrnt- licher Nahrungsmittelsälschung hatten sich die Buttcrhändlerin Emma Oehlke und deren Tochter Else Oehkke vor der 5. Straf- kammer des Landgerichts III zu verantworten. Die beiden Angeklagten besuchen ständig die Wochenmärkte auf dem Wittcnbergplatz in Charlottenburg und in anderen Vororten. Proben, die wiederholt bei ihnen entnommen waren, ergaben, daß die von ihnen verkaufte„garantiert«ine Tafelbutter" zur Hälfte aus Margarine bestand. Außerdem wurde beobachtet, daß der Sohn der Frau Oehlke aus einem Margarinesaß ein großes Stück Margarine enkklahm und genau abwog, welches dann offenbar zu Tafelbutter verarbeitet wurde.— Das Schöffengericht Charlotten- burg hatte die Frau Oehlke zu 299 M. und die Tochter zu 199 M. Geldstrafe verurteilt. Die von den Angeklagten eingelegte Bc- rufung wurde von der Strafkammer kostenpflichtig verworfen. Außerdem wurde auf Publikation des Urteils in mehreren Tages- zcitungen erkannt._ Vom Arbeitswilligen-Meineidsklub„Kanone". Vor dem Schwurgericht in Halle a. S. hatte sich am Dienstag der blutjunge 19jährige Buchhalter Pauk Ziegengrist wegen wiffent- lichen Meineid zu verantworten. Z. ist auch ein Opfer des bc- kannten Arbeitswillizen-Schwurzeugen Maurermeisters William Pfeiffer, der bereits sieben Jahre Zuchthaüs erhielt, dann einen Selbstmordversuch beging und jetzt geheilt wird, damit er im Scp- tember wegen weiterer Meineidsverbrecheu abgeurteilt werden kann. Dem jungen Z. hat Pfeiffer und fein Architekt angestiftet, um ein Objekt von 559 M. einen Meineid zu leisten. Z., der bei Pfeiffer als Buchhalter tätig war, in dessen Behausung wohnte und mit Pf.'s Tochter Anna intim verkehrte, bekundet unter Tränen, man habe ihn nachts 1 Uhr aus dem Bett geholt und zur Meineids- lelstung bearbeitet. Man habe ihm vorgeredet, er könne bei der Verheiratung mit Pf.'s Tochter„eine feine Partie" machen und sehe einer guten Zukunft entgegen. Leiste er den Meineid, dann bekomme er ein schönes Stück Bauland. Pfeiffer habe tatsächlich einen verein der Meineidstrister gegründet. Der Verein nannte sich „Klub Kanone", und wenn jemand einen falschen Eid leisten mußte, dann sagte Pf. das Stichwort, er solle„Kanone machen". Vor feiner, Z.'s, Mein- eidsleistung habe ihn Pf. beispielsweise in eine Gerichtsverhandlung geführt und ihm dort„klar gemacht", wie leicht es fei. einen Mein- cid zu leisten. Pf. habe die Zeugen vor der Eidesleistung„Wetter» hart" gemacht. Der Verteidiger wies darauf hin. daß der blut» junge Mensch von seinem„Brotherrn" in das Unglück gestürzt war- den sei. Schwor Z. nicht, wie es Pf. verlangt«, dann wäre er aus der Arbeit entlassen worden, denn jener Unternehmer sei ein Mann gewesen, der über Leichen ging.— Ziegengeist mußte dem Ge» schworencnspruch gemäß zu der niedrigst zulässige» Strafe von einem Jahre Zuchthaus verurteilt werden. Die Geschworenen reichten ein Gnadengesuch ein. WWMMM siin 1867 Neue Halbschuhe für Damen Strand-Schuhe* Sandalen Leinen-Schuhe Kraftige Kinder-Stiefel Reise-Winke Sich mit geeigneter Fußbekleidung auszurüsten, ist wohl eines der wichtigsten Erfordernisse für die Sommcrrcise, um den Aufenthalt im Freien zu einem wirklichen Genuß zu gestalten. Für dcnStrand* für das Gebirge bieten wir eine enorme Auswahl zweckentsprechender Schuhwaren. Wir studieren jahraus, jahrein, aufmerksam die Bedürfnisse für die Reise und für den Sport und bringen sofort alle Neuerscheinungen auf diesem Gebiete. 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Tagesordnung: 1. iBericht der Kommission.— 2. Verbands- und Branchenangelegen» hciten.— 3. Verschiedenes. In Anbetracht der äusierst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller dringend notwendig. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß folgende Zahllokale eingezogen wurden: Heider, Prinz-Eugen-Straße 8. Schreiber, Gartenstraße 90. Kaminsky, Allensteiner Straße 3. Ende, Schöneberg, Sachsendamm 13. Neugebauer, Friedenau, Bcnnigsenstraße 6. Neuerrichtet wurden: Wesemann, Müllerstraße 133. Mehlhase, Friedenau, Bcnnigsenstraße 5. 121/4 IM« Ort»verwaltnng. •9*94 Wir empfehlen jedem ZeitungSleser zur Anschaffung: Ciebknechtt i Dolhsfrcmdwörtcrbucl) Dreizehnte HufUge. Neu bearbettei, berichtigt und vermehrt unter Berücksichtigung der Rechtschreidung nach dem vereinbarten amtlichen Regelbuch. Pwi» in Leinwand gebunden fflarfe 3,20. Zu beziehen duvch die Buchhandlung Vorwärts» Berlin SW 68, Lindenstraße 69(Laben). 248/13* Bekanntmachung. rlii-WilwW and Umgegend. 17. Nachtrag zum Statut der.Gemewiamen Ort». tranlenkasse sür Beriiu-Wilmersdors un» Umgegend' vom 18. Juli und IV August 1894. Beschlossen in der außerordent- lichen Generalversammwng vom 18. Juni 1913. Der§ 13 Abs. 1 Ziffer 3 11. Nach. trag wird gestrichen und dasür gesetzt: „Im Falle der SrwerbSunsähigleit vom dritten Tage nach dem Tage der Erkrankung ab sür jeden Wochen- tag ausschließlich der Sonntage die Hülste des durchschnittlichen Tageiohns (§ 12) als Krankengeld.' Der§ 30 15. Nachtrag wird gestrichen und dafür folgender Wort- laut gesetzt: „Die wöchentlichen Kaffenbeittüge werden aus 5 Proz. festgesetzt und betragen: sür die I. Klasse— M. 1.20 .. rr..--- M. 1.05 .. m..--- M. 0 90 .. IV..— M. 0.75 ,. V..~ SR. 0.60 ,, VI..— M. 0.45 Genehmigt Potsdam, den 30. Juni 1913. Namens des BezirksauSschusies Der Vorsitzende Stempel In Vertretung (B. 9818) gez. Unterschris». Dieser Nachtrag tritt am Montag, den 7. Juli 1913 in Kraft. Wir bitten die Arbeitgeber und Arbestnehmer hiervon gefl. Kenntnis zu nehmen. 273/16 Heu Vorntaud. I. A.: Lübseu Bredel Borfitzender. Schriftführer. BOO Mark 10i'4' Anzahl, an verk. Parz. von 2000 M. an. 10 Ps.-Tour elektr. Bahn. Linie 164. Hohenschönhausen, Hauptstr. 17, Hs. pt Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(rulässlg 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nichste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr. fOr die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition. Undenstrasse»0, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe, Bettenstand 9,—. Brunnen. stratze 70, im Keller._ 1200K* Tevptchc!(lelsierfmite) m allen Größen, jast jür die Halste des Wertes Teppichlayer Brünn. Hackejcher Markt 4, Bahnbof Börse.(Leier deS .VorwärtA' erchalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöftnev'' Borjahrige eleganleHerrenanzüge und Paletots aus jeinsten Matzftosien 20—40 Mark, Hosen 6—14 Mark. 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Jührgang. 2. KtilW Ks Jdrniärts" Sttlintt WMK Donnerslag» 8. Juli 1913. parte!- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. I« Schildow, N.-B. iKolonie Katharinensee) findet am Sonntag, den 6. Juli ein Rosenfest statt. Da uns in Schildow leine Säle zur Verfügung stehen, aber in Berliner Arbeiterkreisen versucht wird, Billetts umzusetzen, ersuchen wir sie zurück zu weisen. Das Lokal von Potker am Katharinensee ist streng zu meiden, da es für die organisierte Arbeiterschaft beharrlich verweigert wird. _ Die Lokalkommisfion. ö. Kreis, 7. Abteilung. Sonntag, 6. Juli: Familienausflug nach�Schulzendorf, Restaurant Hubertus. Treffpunkt: Tegel, Stratzen- bahnhalteftelle 9,80 vorinittags. Nachzügler werden in Schulzendorf erwartet. Schenkendorf bei Konigswu st erHausen. Die zurück- gestellte Agitationsversammlung findet am Sonnabend, den ö. Juli, abends 8 Uhr, bei Otto Paetsch statt. Vortrag des Genossen Max Groger über:„Was nun?" Jeder sozialdemokratische Wähler ist hierzu eingeladen. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Versuchung. Sehr oft traf ich ihn, wenn er keuchend die Straße cnt- laug trabte. Ich mußte ihm imnier nachsehen. Nicht, daß er etwas Besonderes an sich gehabt hätte. Durchaus nicht. Er wäre mir im Trubel des Großstadtlebens wohl kaum auf- gefallen, hätten nicht äußere Umstände dazu beigetragen, mein Interesse auf ihn zu lenken. Er war mittelgroß und hager und da er stets vornübergebeugt ging,, sah er erheblich älter aus, als er in Wirklichkeit war. Auf 45 Jahre hätte ich ihn geschätzt, er zählte aber erst 34, wie ich später aus seinem Munde erfuhr. Sein Gesicht war bleich und welk und sorgendurchfurcht, und die hohe Stirn lief in eine endlose Glatze aus, die wie eine Billardkugel glänzte, wenn gelegent- lich einmal die Mütze mit dem Firmenschild sie nicht bedeckte. Der spärliche Haarkranz an den Seiten spielte schon ins Graue hinüber, und alles sprach dafür, daß der Mann Zeit seines Lebens nicht auf Rosen gebettet war. Im Gegenteil: Der Sorge umdüstertes Haupt hatte ihm sicherlich stets kalt grinsend cntgegengestarrt. Doch all das wäre noch nicht geeignet gewesen, ihm eine besondere Beachtung zu schenken. Du lieber Himmel! Arme hungernde, unglückliche Menschen findet man überall, nicht zum wenigsten in der Großstadt. Nein, ein Kontrast war es, der die Aufmerksamkeit geradezu herausforderte? Der ärmliche, schlecht genährte, kränklich aussehende Mensch schleppte Geld, Geld, Geld! Beutel voll, Säcke voll Geld, in Gold und Scheinen, schleppte Summen, die in seineu Augen Unsummen, Reichtümer, Märchenschätze sein mußten. Schleppte sie stünd- lich, täglich, unter Ausbietung aller seiner Körperkräfte. Die Säcke wogen ihr Teil, und er war ja so schwach, so miekrig. Manchmal ging er allein, oft waren sie ihrer zwei, auch drei und mehr Mann, die mit ihrer lockenden Last durch das lärmende Verkehrsgetriebe zogen. Einmal fand ich ihn abseits auf einer Bank sitzend und sein Frühstück verzehrend. Er hatte wieder Geld fortgebracht und biß mit Heißhunger in die kahlen Schmalzbrote. Ich setzte mich zu ihm und wir kamen ins Plaudern. Es schien ihm wohl zu tun, daß er sein bedrücktes Herz entlasten konnte. Altgewohnte Bilder waren es, die da an mir vorüberzogen, Bilder von Not, Elend, Krankheit und ewig währender, ver zehrender Sorge. Draußen in Rixd— o, pardon— Neukölln, wohnte er, na, wie arme Leute so wohnen, Stube und Küche für 26 M. Die Frau lungenleidend und von der letzten Geburt noch ge- schwächt, vier Kinder, das älteste zehn Jahre, zwei davon skrofulös— und 95 M. Monatsgehalt. Davon mußte alles bestritten werden: Mete. Essen, Kleider, Arzt und Apotheke usw., eine schwere Kunst! Ob sie damit auskämen? ..O gewiß!" Ein mattes Lächeln spielte jetzt sogar um die schmalen Lippen des Mannes:„Wir kommen aus und beherzigen dabei noch den Bibelspruch, wonach der Mensch nicht Schätze sammeln soll, die der Rost und die Motten fressen." Er lächelte noch immer und tupfte mit dem feuchten Mittelfinger die Brotkrumen aus der Papierhüllc auf. Ich betrachtete nachdenklich das Schild an seiner Mütze, worauf der Name einer Großbank von Weltruf stand. „Und Sie tragen täglich viel Geld fort?" fragte ich. Ter Mann nickte:„Tausende und Abertausende". Ob nie auch nur die leiseste Versuchung an ihn und seine Kollegen herantrete angesichts ihrer mißlichen Lebenslage und dieser Riesenstimmcn, forschte ich weiter. „Leiseste Versuchimg?" Er richtete sich straf auf und sah mir voll in die Augen:„Herr, wir sind nicht nur ganz leisen, wir sind ganz starken Versuchungen ausgesetzt, glauben Sie niir's, aber wir denken an Frau und Kind, an unseren ehr- lichen Namen und beißen die Zahne znsammen.— Und trotzdem: So mancher, von denen, die ich kannte, wurde schwach, unterlag und ist versunken in Schande und Not— oder auch, aber das nur sehr selten—, üuf Nimmerwiedersehen ver- schwunden." Die Strahlen der Morgensonnc fielen durch die Baum- Wipfel über uns und malten zitternde Kringel in den Sand. Die Vögel zwitscherten munter und sorglos in den jung- schonen Tag hinaus, als sei das Leben eitel Lust und Freude; von der Straße her klang die Sinfonie des Alltags. Der Erzähler stand auf und verabschiedete sich. Bald sah ich seine, schlotternde, aebeuqte Gestalt im Menschengewühl untertauchen. Ich habe ihn auch späterhin täglich mit seiner Last traben sehen. Er grüßte immer schon von ferne und sah mich an mit seinen feuchttrauriqen Augen, und seine Blicke sprachen, was sein Herz bedrückte, Eines Tages, beim Durchsehen der Morgenblätter, stutzte ich. �-i. a stand es, in dicken Lettern: Bankbote mit 19 006 M. berfchtmmhen! Es folgte die Schilderung der Tat und die Beschreibung des Geflüchteten. Auch sein Bild war beigefügt. �.o schlecht, wie es wiedergegeben war, ich erkannte meinen Bankvoten, der neben mir auf der Bank gesessen und mit ®"1 Schmalzbrote gebissen halte. AIS ich eine Swnde später in der Elektrischen saß, hatten zwei Verrcn Mir gegeniiber ihre Zeitungen entfaltet und sprachen von der 10 0-Mark-Unterschlagung. „Ich hab's ja immer gesagt," meinte der eine, ein statt- licher, elegant gekleideter Vierziger, von forschem martialischem Aussehen,„mit unsereni heutigen Strafsystem kommen wir nicht weiter. Uebcrhaupt diese ganze moderne blödsinnige Humanität, na, ich sage schon. Was ist das, so'n bißchen Brummen ini Käfig, das schreckt gar nicht, aber eine gc- salzcne Tracht Prügel, Sie sollten mal sehen.. Die Knrfürstcndamm- Linie der Untergrimdbahn soll bekanntlich im September d. I. eröffnet werden, gleichzeitig mit der Wilincrs- darf— Dalehmer Schnellbahn, deren Betrieb die HochbaHngesellschaft übernehmen wird. Die Wilmersdorser Bahn, welche an die Unter- grundbahnstrecke Wittenberg— Nürnberger Platz anschließt, ist 7,2 Kilometer lang. Wegen Verlängerung der Kurfürsten- da mm-Linie schweben, wie schon gemeldet, seit längerer Zeit Verhandlungen zwischen den Gemeinden Charlottenburg und Wilmersdorf. Es handelt sich dabei um die Fortführung der Bahn über den Lehniner bis zum Henrietten-Platz in Halensee iRingbahnbrücke). Tie Strecke bis dahin ist von der Uhlandstraße etwa 2>/z Kilometer entfernt. Da die neue Bahn zum Teil auf der Grenze beider Gemeinden liegen würde, müßten sowohl Charlottenburg wie Wilmersdorf zu den Baukosten beisteuern; über die Verteilung der Kostenlast kann man anscheinend nicht einig werden. An eine Weiterführung der Kurfürstendamm-Linie über die Ringbahn- station Halensee hinaus, von welcher dieser Tage die Rede war, ist vorläufig nicht zu denken, denn eine solche würde noch auf viele Jahre hinaus hohe Zuschüsse erfordern. Und daß die Gemeinde Grunewald, welche sich um die Verlängerung der Kurfürsten damm-Linie bis Hundekehle bemühen soll, die Bau- und Be- triebSkosten allein aufbringen loerde, darf wohl als ausgeschlossen gelten. Die fragliche Strecke ist Kilometer lang, der Tunnelbau allein würde, im Hinblick auf de» Grundwasserstand im Grunewald, wohl an zehn Millionen Mark kosten. Aus der Pflcgekindervermittelung. Wenn eine Mutter ihr Kind in Pflege geben will, wird sie in gewissen Jnseratenblättern zahlreiche Anerbictungen von„linder- lieben" Leuten finden, die ein Kind aufzunehmen bereit sind. Wer selber ein Kind in Pflege nehmen möchte, wird in denselben Zeitungen nicht lange nach Inseraten zu suchen brauchen, die ihm Kinder unter verlockenden Bedingungen anbieten. Die meisten Inserate der einen wie der anderen Art nennen nicht die Adressen der Jnse rierenden, sondern fordern Einsendung von Offerten unter Chiffre an die Zeitungsexpedition oder an ein Postamt. Bei solchen Chiffrcinseraten darf man mit ziemlicher Sicherheit vermuten, daß dahinter weiter nichts als ein„Bureau für Pflegekindervermittlung" steckt. Mancher, der dieses Geschäft betreibt, inseriert gleichzeitig nach Pflegekindern, die er an Pflegeeltern weitergeben will, und nach Pflegeeltern, die ihm Pflegekinder abnehmen sollen. Eine Leserin unseres Blattes teilt uns mit, Ivelche Erfahrungen sie machte, als sie ein Kind in Pflege zu nehmen wünschte. Auf eine„Morgenpost"- Annonce, durch die ein Kind für 40 Mark pro Mona! in gute Pflege gegeben werden sollte, sandte sie unter Chiffre eine Offerte ein. Alsbald erhielt sie eine Antwort, aus der sie schließen zu sollen meinte, daß sie es mit einer Hebamme Hodam zu tun habe. DaS Wort„Hebamme" flößte ihr Vertrauen ein, aber als sie nach der angegebenen Wohnung K o t t b u f e r Damm 16 kam, sah sie zu ihrer Enttäuschung sich bor einem Adressenbureau. Sie fragte einen im Bureau anwesenden Herrn nach der Hebamme, worauf der Herr erwiderte, das fei seine Mutter, die sei mal Hebamme gewesen. Die Vermittelung durch daS Hodamfche Adreffenbureau bestand darin, daß 80 Adressen angeboten wurden, wofür 6 M. gezahlt werden sollten. Herr Ho dam begnügte sich schließlich mit S M., nachdem er den ihm gemachten Vorschlag, erst nach Vermittelung eines Pflegekindes seine Gebühr einzukassieren und dafür das Pflegegeld des ersten Monats zurückzubehalten, glatt abgelehnt hatte. Für die 6 M. hatte nun die Pflegemutter das Vergnügen, von ver- schiedenen Frauen und Mädchen aufgesucht zu werden, die alle, von Hodam zu ihr geschickt, ihr Kinder anboten, aber nicht 40 M. pro Monat, sondern sehr viel weniger geben wollten. Eine der Mütter erzählte, wie Hodam es gemacht hatte, um nicht wegen der Heran schaffung einer ausreichenden Zahl Pflegekinder in Verlegenheit zu geraten. Sie überreichte eine„Morgenpost"-Annonce, in der ein Ehepaar den„Herzenswunsch" äußerte, ein Kind gegen geringen Monatsbeitrag in Pflege zu nehmen. Auf diese Annonce halte sie sich gemeldet, und so war sie an Hodam geraten, der dahinter steckte. Mütter, die ihre Kinder weggeben wollen, sind meist in Un kenntnis über das Verfahren der Pflegekindervermittelung. Auch die Pflegefrauen, die nach Pflegekindern suchen, wissen in der Regel nicht, wie solche Pflegestellenvermittelung sich abwickelt. Namentlich ist noch viel zu wenig bekannt, daß wohl die allermeisten Annoncen, die von Müttern beziehungsweise von Pflegefrauen herzurühren scheinen, von Bureaus aufgegeben worden sind. Wer auf solche Annoncen eingeht, kann leicht erleben, daß er— sehr wider seinen Willen— an ein Adreffenbureau gerät. Die neuen Obstkulturen am Scharmützelsee. Der großzügige Erschließungsplan, der für die zum Dominium Silberberg am Scharmützelsee gelegenen Ländereien im Vorjahre entworfen lvurde, ist innerhalb JahreSstist verwirklicht worden und der märkischen Obstproduklion ist ein Obstneuland erstanden. Au dein welligen Terrain Siberbergs haben mehrere Ansiedler, die bis- her 120 Morgen gepachtet haben. Obstbäume und Sträucher gepflanzt, Spargelbeete angelegt und das frühere Perland für den Obst- und Gemiisebau urbar gemacht, zu dem es sich vortrefflich eignet. Der Boden, der vom schweren Lehm- bis zum leichten Sandboden wechselt, erwärmt sich leicht und verfügt über daS erforderliche Maß von Feuchtigkeit, und der Wasserreichtum der Umgebung verbürgt die notwendige Feuchtigkeit der Luft. Die bisherigen Ansiedler, die auch mietSweise Wobnstätten überlassen erhalten, haben vor einiger Zeit eine Wasserleitung bekommen, so daß sie in der Trockeuperiöde. die in diesem Jahre strichweise auftritt, mit dem Leitungswasser nach- helfen können, wo eine natürliche Berieselung und Befeuchtigung unterblieben ist. Bon dem im ganzen zum Dominium gehörigen 1500 Morgen werden noch zirka 300—400 Morgen für Obstbauzwecke bereit gehalten._ Doppelselbstmord eines Ehepaares. Gestern vormittag wurden in ihrer Wohnung im Hause Schlie mannstr. 21, Hos parterre, der 60 Jahre alte Kaufmann Wilhelm Michelis und seine um zwei Jahre jüngere Ehefrau Marie geborene ZeddieS, tot aufgefunden. Das Ehepaar hatte sich mit Leuchtgas vergiftet. Frau Michelis lag vollständig weiß gekleidet auf ihrem Bett, während der Mann neben dem Sofa auf der Erde lag. Nach einem hinterlassenen Schreiben ist das Ehepaar aus dem Leben geschieden, weil es Nahrungssorgen hatte und der Stadt nicht zur Last fallen wollte. Die Leichen wurden dem Schauhaus zugeführt. Hierzu wird noch gemeldet: Der Kaufmann Michelis hatte früher in Württemberg eine große Fabrik, die aber in den letzten Jahren soweit zurückging, daß er Konkurs anmelden mußte. Aller Mittel bar, zog er mit seiner Frau nach Berlin, wo er mit ihr, da er gar nichts mehr besaß, zuerst ogar im Asyl nächtigen mußte. Als er dann die Wohnung in der Schliemannstraße gefunden hatte, erwarb die Frau durch Nähen und er durch kleine kaufmännische Arbeiten so viel, daß sie sich gerade über Wasser halten konnten. Den Bewohnern erzählten sie wiederholt, daß es ihnen so schlecht gehe, weil ihre Kinder sie verlassen hätten. Die jetzige Frau Michelis war seine zweite. Er heiratete sie, als seine erste Frau gestorben war und ihn mit mehreren kleinen Kindern zurückgelassen hatte. Die Stiefmutter nahm sich aber der Kinder an und sorgte sehr für ihr Fortkommen. Sogar ihr eigenes Geld, was sie in die Ehe mitgebracht hatte, gab sie nach ihrer Erzählung hin. Als die Kinder aber groß geworden waren und die Eltern in Not gerieten, wandten sie sich von ihnen ab und kümmerten ich gar nicht mehr um sie. In der letzten Zeit hatten die alten Leute wieder sehr mit Nahrungssorgen zu kämpfen. In der Ver- zweiflung beschlossen sie, gemeinschaftlich aus dem Leben zu scheiden. Ihren Entschluß schrieben sie auf einen Zettel nieder und baten noch um ein gemeinsames Grab. Dann nahmen sie Gift und öffneten auch noch die Gashähne in der Stube und in der Küche. Gestern mittag wurden die Nachbarn stutzig und holten die Polizei herbei. Als diese eindrang, fand sie beide Eheleute tot auf. Im Scharmützelsee ertrunken ist der 27 jährige Buchhalter Wilhelm Roch aus Berlin. Der junge Mann hatte mit anderen Freunden gemeinsam im See gebadet. Obwohl er ein guter Schwimmer war, stieß er, während er noch Grund unter den Füßen hatte, plötzlich Hilferufe aus. Sofort eilten die Begleiter hinzu, um ihn zu retten, doch kamen sie leider zu spät. R., der tvahrscheinlich einen Herzschlag erlitten, war bereits in der Tiefe verschwunden. Kurz darauf barg man seine Leiche. Verwechselung von Leichen komnlt in Krankenhäusern und auf Friedhöfen eigentlich ein bißchen oft vor. Mancher lächelt über die bei Beerdigungen immer wieder auftauchende Besorgnis, daß„in dem Sarg vielleicht eine ganz andere Leiche liegt". Aber man kann eS den Angehörigen Verstorbener wirklich nicht verdenken, wenn sie noch auf dem Friedhof eine nochmalige Leichenbesichtigung wünschen. Vor kurzem ist wieder eine Leichenverwechselung bei einer Be- erdigung passiert, die auf dem Friedhof der Nazarethgemeinde statt- fand. Eine 72jährige Frau Schröder, dieimBirchow-Kranken- Haus verstorben war, sollte von dort nach dem Friedhof hinaus« geschafft werden. Als die Angehörigen zur Beerdigung erschienen, fanden sie den von ihnen gekauften Sarg in der Leichenhalle vor. Eine 6gjährige Schwester der Verstorbenen wünschte, daß man ihr die Leiche noch zeigte. Der Sarg wurde geöffnet, aber— in ihm lag nicht die Leiche der Frau Schröder, sondern die einer fremden und sehr viel jüngeren Frau. ES läßt sich denken, daß diese Ver« wechselung bei dem Trauergefolge große Bestürzung hervorrief. Durch Telephon wurde das Versehen dem Virchow-Krankenhause gemeldet, lvorauf dann die falsche Leiche nach der Leichenkammer des Kranken- Hauses zurückgebracht und dafür die richtige von dort herbeigeschafft wurde. Ziemlich zwei Stunden vergingen, bis endlich die Beerdigung stattfinden konnte. Fragen muß man, wie bei dem erheblichen Altersunterschied der beiden Verstorbenen ein derartiger Irrtum möglich war. Die Angehörigen der Frau Schröder haben es unterlassen, eine Be« schwerde einzureichen und um Aufklärung zu ersuchen. Was würde die Direktion des Virchow-KrankenhauseS geantwortet haben Z Die defekte Eisenbahnbrücke. Von einem verhängnisvollen Geschick ist die neu erbaute Eisenbahnbrücke an der Lehnitzer Chauffee hinter Oranienburg betroffen worden. Die beiden Hauptpfeiler weisen zahlreiche starke Risse auf. Diese sind teilweise derart breit, daß man bequem einen ganzen Arm hineinstecken kann. Die Brücke ist bereits seit einigen Monaten fertiggestellt und soll dazu dienen, den Eisenbahnverkehr der Nauen-Kremmener Bahn, der bis nach Oranienburg erweitert wird, über die Lehnitzer Chaussee zu leiten. Die rissigen Pfeiler, die aus Beton hergestellt sind, sind mit besonderer Vorsicht in der Erde befestigt. Sie ruhen auf starken Pfählen, die teils aus Eisen, teils aus Beton hergestellt sind. ES wird vermutet, daß die Risse nicht durch schlechtes Material, sondern durch ein Nachgeben deS Erd- reichs verursacht worden sind. Um die genaue Ursache festzustellen, werden gegenwärtig eingehende Grunduntersuchungen vorgenommen. Die Bahn sollte am l. Oktober kommenden Jahres eröffnet werden, doch dürste der Vorfall an der Lehnitzer Brücke eine erhebliche Ver- zögerung im Gefolge haben. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die ganzen Brückenpfeiler abgerissen und durch neue ersetzt werden müssen._ Ein tödlicher Automobilunfall hat sich gestern in stüher Morgenstunde in der Schönhauser Allee ereignet. Der 37 Jahre alte Wächter Otto Runge, Rodenberg- straße v, war im Begriff, auf dem Heimwege den Fahrdamm der Schönhauser Allee zu überschreiten, als vom Schönhauser Tor her ein Droschkcnautomobil herangefahren kam. Bei dem Versuch, vor dem Kraftwagen noch den Biirgersteig zu erreichen, wurde R. vom Vorderrad erfaßt, zu Boden gerissen' und überfahren. DaS Auto ging dem Verunglückten über Kopf, Brust und Beine hinioeg. R. erlitt einen schweren Schädelbruch, doppelte Beinbrüche sowie erheb- liche innere Verletzungen und wurde sterbend nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht._ Die Urheber wochenlang«: nächtlicher Raubzüge hat die Polizei im Grunewald unschädlich gemacht. Sie verhaftete drei mit Beute beladene Männer, die nach eigenem Eingeständnis seit Wochen Raub» züge in die westliche und nördliche Umgebung Berlins unternommen haben. Die Festgenommenen sind der Bäcker Wilhelm Schultz, der Sattler Rudolf Schwab und dessen Bruder, der Hausdiener Otto Schwab. Bei ihrem Verhöre gaben sie nach und nach zu, in der letzten Zeit nur aus dem Erlöse der bei den Ein- brüchen erbeuteten Gegenstände gelebt zu haben. DaS Trio befaßte sich mit Wohnungscinbrüchen, Ladendicbstählen usw. Auch Automaten wurden erbrochen und ausgeraubt. Ferne? führten die Diebe viele Einbrüche in Restaurants aus. Nacht für Nacht verließen sie Berlin, um bald den einen bald den andern westlichen oder nördlichen Vorort heimzusuchen. So trieben sie u. a. in Tegel, in Charlolteuburg, Westend. Spandau, Wannsee, Nikolas- see, Kolonie Grunewald ihr Unwesen. Auch das Stadion haben die Verbrecher„beehrt". Fast alle bekannten Restaurants im Grüne« Wald wurden von den Verhasteten gleichfalls heimgesucht. Die Polizei hat wirklich Pech mit ihren Spitzeln und Krön- zeugen. So ist jetzt ein 20 Jahre alter Buchhalter Ernst Knappe, Greifenhagener Str. 60 verhastet worden, der nach Unterschlagung von 7500 M. mit mehreren„Freunden" eine Bummelfahrl in und um Berlin gemacht hatte. Wer ist nun dieser Knappe? Es ist der- selbe K. auf dessen Zeugnis hin mehrere Gastwirte des Nordens wegen Uebertretung der Polizeistunde bestraft wurden und dem Ii* Haber des Lokals„Zum Strauß", Pappelallee, fast einen ganzen Monat lang Schutzleute inS Lokal gestellt wurden. Ein feiner Mann, dieser Kronzeuge l Der freiwillige ErzieHungZbeirat für schulentlassene Weisen ssat seine letzte ArbeitSausschusssitzung vor den Ferien abgehalten. Es wurde berichtet, dah der Vertrieb des vom Berein herausgegebenen .Wegweisers für die Berufswahl" nach wie vor lebhaft sei, so daß die Auflage in absehbarer Zeit vergriffen fein werde. Die Ver- breitung dieses„Wegweisers" unterstützt das Bestreben des Vereins, die jungen Leute sogleich nach der Schulenllassung so unterzubringen, daß ihnen durch Erlernung einer bestimmten Fachlätigkeit möglichst geeignete Waffen für den Lebenskampf in die Hand gegeben lverdcn. und daß sie nicht, z. B. zunächst als Laufburschen, die Schar der„Ungelernten" vergrößern. Die Benutzer des BncheS finden den umfangreichen Stoff übersichtlich systematisch geordnet, so daß es ihnen nicht schwer fallen wird, was sie für den einzelnen Fall suchen, zu finden.— In der Sitzung wurde ferner mit dem Ausdrucke des Dankes und der Befriedigung berichtet, daß die Trcptolver Stern warte den. Pfleglingen des Vereins an den beiden letzten Sonntagen im Juni freien Zutritt zu den linematographischen Vorführungen gewährt hat und daß die Pfleglinge in größer Zahl von dieser Ver günstigung Gebrauch gemacht haben. Arbeitslosigkeit, Nahrungssorgen ui»d Krankheit haben den 51 Jahre alten Arbeiter August Wölkh aus der Gottschedstrabe in den Tod getrieben. In seiner Verzweiflung vergiftete sich der Mann gestern vormittag mit Leuchtgas. Gefundene KindeSlcichr, Am 1. Juli 1913 wurde im Hause Elbinger Strafe 73 die Leiche eines etwa zwei bis drei Tage alten Knaben gesunden, die wahrscheinlich dort am 39. Juni, abends nach 9 Uhr niedergelegt worden ist. Tie Leiche, ivelche am Halse Würge spuren aufweist, ist eingewickelt in ein weißes Barchenthemd mit feinen roten und blauen Streifen. Von diesem Hemd ist der obere Teil abgerissen. Weiter diente alK Umhüllung eine Februarnnmmer der Berliner.Illustrierten Zeitung" und zwei große Bogen neues braunes Packpapier.____ Vorort- JMacbncbtcin Friedenau. Dir diesjährigen Fcricnausflügc beginnen am Montag, den 7. d. M., und finden täglich, mit Ausnahme der Sonnabende, statt. Sammel punkte sind Schillerplatz und Rönnebergstraße, Ecke der Kaiser-Allee Zeitpunkt mittags 1 Uhr. Im Interesse einer pünktlichen Abfahrt wird gebeten, die Kinder rechrzeitig zu den Sammelplätzen zu schicken, Köpenick. In der letzten Stadwerordneteilsitzung hatten die Stadtverordneten fich vorwiegend mir der Wahl von unbesoldeten Stadträten zu be fassen. Es scheiden mit Schluß des Jahres aus die Herren Belcke und Theunert. Außerdem soll, einem Beschluß der Stadtverordneten und des Magistrats gemäß, zum 1. Januar 1914 der Magistrat um zwei unbesoldete Stadträte vermehrt werden. Wiedergewählt wurden die Herren Betcke und Theunert, an Stelle des Herrn Gimborn, der sein Amt niedergelegt hat, kam Herr Jachmann, In die zwei neuen Stellen wurden Kaufmann Müllcr-Wendenschloß und Buchdruckerei bcsitzer Nacken bestimmt. Zum Städtetag in Spandau wurde u. a, auch Genosse Niels delegiert. Zum Ausbau der Rudower Straße wurden 49 985 M. bewilligt. Es soll statt des 4 Meter breiten chaussierten Fahrdammes Kleinpflaster aus Betoir verlegt werde». Gleichzeitig soll eine Regenwasserleitung eingebaut und eine bessere Beleuchtung durch Hängeglühlicht geschaffen werden. Am Friedhof cnt lang soll der Promenadenweg mit Mosaiksteinen gepflastert und neue Bordsteine aufgestellt werden. Weiter lagen die Berichte der Schulärzte der Versammlung zur Kenntnisnahme vor. Von unseren Genossen wurde hierbei aus den ungünstigen Gesundheitszustand der neueingeschulten Kinder hingewiesen. Von 314 eingeschulten Kindern war der Gesundheitszustand bei 188 gut, bei 386 mittel und bei 49 schlecht. Am auffälligsten sind die Zahlen in der dritten Gemeinde- schule s hier war von 48 eingeschulten Kindern die Korperbeschaffenheit bei 10 eine gute, bei 29 eine mittlere und bei 4 eine schlechte. Von den eingeschulten Kindern litten an Blutarmut 75, an Nasen leiden 43, Skrofulöse 45, Augenleiden 63, an Mandelvergrößerung 52, an Herzleiden 95, an Ohrenleiden 49. Schlechte Zähne hatten nicht weniger als 99 Proz. der Kinder. Unter den Gesamtschülern der Stadt befanden sich im Laufe des Jahres über 699 Kranke. Nach drücklichst ersuchten unsere Genossen den Magistrat und auch die städtische Gesundheitskommission. Erhebungen anzustellen und das Ergebnis der Versammlung bekanntzugeben über die Erwerbs Ernährungs- und Wohnungsverhältnisse der Eltern der in Betracht kommenden Kinder. Es müsse alles daran gesetzt werden, um die Volksgesundheit mehr zu beben. Die bürgerlichen Vertreter schwiegen fich zu den Schularztberichten ans. Auf Antrag unseres Genossen wurden dem Komitee für Ferienspiele 59 Mark zu den Unkosten bewilligt. Eichwalde. Aus der Gemeinde. Die neugewählten Vertreter der'ersten und zweiten Abteilung, Bahnmeister Wehland und Restaurateur Tietz wurden in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung in ihr Amt eingeführt. Der Gemeindevertreter Baabe hat sein Amt niedergelegt. Genosse Allritz erinnert au einen früheren Beschluß, nach dem die Sitzungen um'/a? Uhr beginnen sollen.— Herr Bischof will 5999 M. zum Bau einer neuen Leichenhalle stiften, anstatt, wie ursprünglich, zu einem Kriegerdenkmal.— Die Vergebung der Arbeiten zum Bau der Turnhalle sollte in der Sitzung vorgenommen werden. Da ei» Gutachten über Anbringung einer Zentrölheizung, aber lein 5losten- anschlag vorlag, wurde auf Antrag des Genossen Allritz die Angelegen- heit von der Tagesordnung abgesetzt. Für die Anfertigung eines Projektes zur Wasserversorgung will die Firma Schewe in Düsseldorf die Kleinigkeit von 3099 M. haben. Die Firma ist formell im Recht, die Gemeinde muß zahlen. Es war angeregt worden, zu Lehrzweckcn für die Schulen aus Wetter- karten zu abonnieren: Kosten jährlich 24 M. DaS wurde einstimmig abgelehnt. Der Herr Gemeindevertreter Merz machte den einzigartigen Vorschlag, die Lehrer sollten sich die Karten vonr Tag vorher von der Post holen lassen!!— Dann wurde über die Verschmelzung Eichwaldes mit der Nachbargemeinde Schmöckwitz verhandelt. Beide Gemeinden würden durch eine Verschmelzung nur Vorteile haben, hauptsächlich durch Weiterführung der„Uferbahn" von Schmöckloitz nach Eichtvalde. Die Schmvckwitzcr Gemeindevertreter haben die Verschmelzung leider abgelehnt.— Die Kommission für den Bau einer Straßenbahn wird durch die Wahl des Herrn Thom auf drei Mitglieder.ergänzt.— Es folgten noch einige kleinere Sachen und dann eine geheime Sitzung. Weißetisee. In Sachen der Wcißcnsccr Bank� bringt die„Weißenseer Ztg." eine Notiz aus- der letzten geheimen Sitzung der Gemeindevcrtrelung, wonach die Genossen Taubmann und«schlemminger aus prinzipiellen Gründen der Weißenseer Bank jede weitere Hilfe aus Gemeinde» Mitteln versagten. Diese Notiz erweckt den Anschein, und soll wohl auch de» Zweck haben, beide Genossen als Nichtbeteiligte in allen Kreisen der Bevölkerung zu verdächtigen. Daß auch ein bürgerlicher Vertreter als Dritter im Bunde ist, verschweigt das Lokalblatt. Im übrigen sollte von den Verhandlungen der geheimen Sitzung im Interesse der Bank nichts in die Oeffentlichkeit konimen, da aber durch diese Verdächtigung der Beschluß gebrochen, haben wir keine Veranlasstmg zum Schweigen. Die Weißenjeer Bank hatte aus der Gemeindekasse bereits die Summe von 1499 999 Mark zur Verfügung gegen entsprechende Sicherheiten. Nach dem letzten Sturm auf die Bank wurden die Anforderungen so hoch gestellt, daß die Gemeinde nochmals 599 999 Mark hergeben sollte. Aus den Debatten ging hervor, daß die Bank hierfür keine genügende Sicherheiten bot und daß der Aufsichlsrat sich noch nicht bemüht hatte, irgendwelche Sanierung vorzunehmen. Weiter kam hinzu, daß der jetzt beschäftigle Revisor den augeu- Llicklichen Stand der Bank nicht feststellen konnte, so daß man einen gewissenhaften Gemeindevertreter nicht zumuten konnte, aufs Blaue hinein Gelder zur Verfügung zu stellen. Hinzu kommt noch, daß ein Antrag auf sofortige Bewilligung von Geldern vom Gemeinde- Vorsteher nach 8 149 der L.-G.-O. beanstandet wurde. Auch der § 198 der L.-G.-O., wonach Beteiligte au den Verhandlungen nicht teilnehmen dürfen, wurde von der Mehrheil abgelehnt, weil dann überhaupt eine Verhandlung nicht mehr möglich war. Jetzt endlich hat auch der Aufsichlsrat die Genossenschaftler zusammenberufen, um eine Sanierung vorzunehmen, was vielleicht unterblieben wäre, wenn die Gemeinde wiederum geholfen hätte. Die Weißenseer Bank ist ein reines Privatunternehmeu und hat die Gemeinde- mittel in ziemlich hohem Maße in Anspruch genommen, Arbeiter- genossenschaften unterstützt man nicht in derselben Weise. Nieder- Schönhause«. Die Durchführung der Linie 23 ist nunmehr vom Polizeipräsi- deuten gznehmigl ward", nachdem die Verhandlungen über l'/2 Jahre gedauert hatten. Die letzte Gemeindevertretersitzung hatte sich deshalb nochmals mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen wegen der Kosten für Vorarbeiten und Umpflasterung der Bismarckstratze. Die Kosten betragen 69 759 M. für Umpflasterung der Bismarckstraße, für Um- legung des Gleises der Siemensbahn, ferner für die Herrichtung der Promenade in der Bismarckstraße für die Zwecke der Straßenbahn. Weiter macht fich die Verbreiterung und Verstärkung der Zinger- grabenbrücke notwendig. In den Etat Ivarcn bereits 65 999 M. ein- gestellt worden für die Umpflasterung der Bismarckstraße, somit mußten noch 4259 M. nachbewilligt werden. Die Betriebseröffnung soll spätestens bis 1. November d. I. erfolgen.— Unter Punkt Mit- teilungen wurde bekanntgegeben, daß die Regierung gestattet, daß die Erbauung des Proghmnasiums erst zum 1. April 1919 erfolgen braucht, jedoch sieht sie einer Vorlage bis zum Jahre 1917 entgegen. Hierauf folgte eine nichtöffentliche Sitzung. Eine Million für ein Eheversprechen. Ein interessanter Prozeß beschäftigte am Mittwoch die Lon« d o n e r Gerichte. Der Marquis vonNorthampton hatte mit der schönen Schauspielerin D a i s y Wi a r k h a m ein Liebes- Verhältnis angeknüpft und ihr das Eheversprechen gegeben. Der Marquis von Northainpton. der erst vor kurzem den Titel eine? Marquis erhalten hatte, begann nach einiger Zeit die zarten Bande zu der schönen Schauspielerin zu lösen. Daist) Markham brachte darauf bei dem Londoner Gericht wegen der versprochenen Ehe die Klage gegen den Marquis ein, die jetzt zur Verhandlung stand. Jedoch noch vor Beginn der Verhandlung hatten die Anwälte der Parteien eine Einigung zwischen der Klägerin und dem Bc- klagten erzielt, wonach der Marquis wegen Nichteinlösung des Ehe« Versprechens der Schauspielerin Daist) Markhain eine A bfindungs« summe von einer Million Mark zahlen muß. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Obcr-Schöneweide. Freitag, den 4. Juli, nachmittags 5 Uhr, in der chulaula, Frischenstraße. Lichtenberg. Heute Donnerstag, abends 6 Uhr, öffentliche Sitzung der Stadtverordneten im Ratbausc, Möllcndorffstraße ö. Lankwitz. Donnerstag, den 3. Juli, abends 6 Uhr, im Rathaussaale Sitzung der Gemeindevertretung. Friedrichsfelde-Karlshorst. Freitag, den 4. Juli, abends 61/., Uhr, im Schulgebäude an der Treskow-Allcc. Diese Sitzungen sind össentlich. Jeder Gemeindeangchinge ist de- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Hiid aller Melt. Kleine Notizen. Schwerer Betriebsunfall. Im Gebiet der Julienhütte in B o- b r e k bei Beuthen stürzte infolge von Unterlvaschung eines Dammes eine Hültenlokontvtive die Böschung hinab. Der Lokomotivführer P i e tz u ch wurde getötet, ein Heizer leicht verletzt. Schreckenstat eines Geisteskranken. Der Maschincnfahrikant Emil G u t m a n n in Frankfurt a. O. erschoß Mittwoch früh seine Ehefrau uod seine beiden fünf und sechzehn Jahre alten Töchter. Dann verletzte er sich selbst schwer durch einen S ch u ß in die Schläfe und Schnitte im Handgelenk. Die Tat ist anscheinend in geistiger Umnachtung verübt worden. Folgenschwerer Zusammenstoß. In der Nähe der Stadt B u d a- p e st stieß ein Lastzug der Staatsbahn mit einem elektrischen Zuge der Lokalbahn zusammen. Acht Passagiere wurden ver- letzt, davon zwei schwer. fraueu-IUleabetide. Zweiter Wahlkreis. Der Leseabend bei Saß macht Doimerstag, den 17. Juli, einen AuSslug nach Treptoiv zum Fichlc-Turnplatz. Treffpunkt 19 Uhr ooriniltags. Nachmittags Kaffcckochen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 7. Juli Kindersest bei Ludwig, Treptow, Köpenicker Landstraße. Sine Statistik des Grausens. Zur bevorstehenden russischen Hygieneausstellung hat die Peters- burger Stadtverwaltung eine Statistik der Bevölkerung erscheinen lassen, die ein furchtbares Licht auf die soziale Lage der Bevölkerung wirft. Nach der Statistik ist die Sterblichkeit in Peters- bürg größer als fast in allen anderen Großstädten der Welt. Von den Gestorbenen sind nicht weniger als 16 Proz. dem Würger Tuberkulose zum Opfer gefallen, also einer Krankheit, die nach übereinstimmender Ansicht medizinischer Autoritäten erfolg- reich bekämpft werden könnte, wenn man ernsthaft den Ursachen ent- gegcntreten würde. Erschreckend groß ist die Zahl der Unfälle und der Selllst- morde. 1818 Männer und 499 Frauen fielen im letzten Jahre zumeist dem Straßenverkehr zum Opfer. Soweit festgestellt werden konnte, wurden im selben Zeitraum in Petersburg 384 Morde verübt, Selb st morde und Selbstmordversuche waren 1297 zu verzeichnen, davon waren 61 männliche und 99 weibliche Selbst- mörder im Alter von 11 bis 17 Jahren. Nur in 684 Fällen konnte die Ursache der Verzweiflungstat festgestellt werden. In erster Reihe war eS Arbeitslosigkeit, oftmals der Hunger im buchstäblichen Sinne, leider nicht selten verbunden mit dem Mißbrauch von Alkohol, der zum Selbstmord ührte. Diese trockenen Zahlen sprechen eine beredte Sprache, sie zeigen: in welchem körperlichen und geistigen Elend die Masse der Be- völkerung von den russischen Machthaber» gehalten wird. Bombenexplosion in Lissabon. Auf einem Platz in Lissabon, an dem drei Straßen zu- ammcnstoßen, explodierte am Mittlvoch eine Bomb e. Ein Kind, das sie, ohne eS zu wissen, getragen hatte und fallen ließ, ivurde in Stücke gerissen. Nach einem anderen Bericht hat das Kind die Bombe auf der Erde liegen sehen, mit dem Fuße daran gestoßen und dadurch die Explosion herbeigeführt. Ein Arbeiter, der etwa lOv Meter vom Orte der Explosion entfernt beschäftigt war, wurde a)i der B r u st v e r>v u n d c t. �__ Brindcjonc bei Paris gelandet. Ani Mittwochmorgen ist der Flieger B r i n d e j o n c im H a a g zur Durchquerung der letzten Etappe feines großen Fluges, der ihn über eine Strecke von insgesamt 4899' Kilo meiern führte, aufgestiegen. Der Start erfolgte um 8 Uhr 5 Min. bei st a r k e m i n d und strömendem Regen. An seinem Endziele in Villa cubla y ist der Flieger nachmittags um 4 Uhr A) Min. eingetroffen und glatt gelandet. Brindejonc wurde bei seiner Ankunft begeistert empfangen.__ Der Kampf ums Leben. Ster nickel kämpft bis zur letzten Minute um sein arm- eliges Leben. Jetzt hat er ei» W i e,d e r a u f n a h m c v e r f a h r e n beantragt, das er damit begründet, mehrere Zeugen hätten falsch geschworen. Freilich besteht keine Aussicht, daß seinem Antrage Folge gegeben wird und Sternickels Versuch, dadurch einen Auf- schub der Todesstrafe zu gewinnen, Erfolg hat. DaS Urteil dürste ofort nach Eintreffen der Bestätigung des Todesurteils an ihm und zweien seiner Mittäter vollstreckt iverden. LmfKaften der Redaktion. Sic juristpchc Sprechstunde findet Lindenstrutze LS, vorn vier Treppe» — F a II r st u h i—, wochentä glich von tVi bis 7Vi Uhr abends, Sonnabends, von tg, bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brirskastr» bestimmien Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteUt. Anfragen, denen keine Adonnementsaniitung beigefügt ist, »erden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstnude vor. Sachsen-Altenburg. Ein sog. Mitläufer. 5 Marl an geeignete Stelle abgeführt. Gewünschter Aujruj aus verschiedenen Gründen untunlich. H. H. 99. I. und 2. Bei diesen Fragen reichen Ihre Angaben nicht aus. 3. Unseres Erachtens nein. 4. Falls Ihre Frau als Zeugin ver- nommen ioird oder ihr als Partei cm Eid zugeschoben wird, müßte sie natürlich die Wahrheit sagen. 5. Ja.— S. Z- Z. 160. 1.— 5. Ja und zwar Zuchthausstrafe, wenn nicht mildernde Umstände zugebilligt werden. 6. Nein. — A. R. 100. Es besteht eine Beschräiilung nur insoweit, als der deutsche Michel es sich gefallen läßt.— Blendinger, Weistenser. Gewi». Solche Schweinereien sind erwiesen.— F., Eisciibahnstraffe. Geben Sie ein schriftliches Gesuch, indem Sie Ihre Verhältnisse darlegen, persönlich im Bureau. Gr. Präsidcntcnstr. 7, in der Zeit von 4-6 ab.— Gustav Kramte. Ihre drei Fragen sind vhne nähere Kenntnis der Verhältniffe nicht zu beantworten. Vielleicht fragen Sie die Bcraimigsstclle am Köll- nischcii Park 3, Zimmer 142, unter Angabc des Alters und der sonstigen Verhältnisse.— W. G. 100. Kommen überhaupt keine Entschuldigungs- gründe in Frage.— Schule 100. Bollen Sie nicht dann mit dem Rcllor der Schule Ihres Sohnes sprechen? Es fehlt uns ja die Einsicht in Ihre Ver- bältnisse.— C. St., Eharlotteuburg 44. Der Stadtv. Scharcnberg in der Sescnheimer Str. 2, Spedition des„Borw.". wird Ihnen gern Auslunst geben. — R. K. 13. Ja, reichen Sie einen Antrag an den Vorsitzenden der VeranIagungSkoimnission ein.— P. H. 29. Ihre Frau kann mit drei- monatlicher Frist kündigen. Erfolgt Zahlung innerhalb der Frist nicht, so laiin Ihre Frau gerichtliche Schritte unternehmen�(ZahlungSbeschl oder Klage.)— H. H. 492. Ihr Mann kann bei dem Standesamt, bei dem der GebunSsall gemeldet ist, dem Kinde seinen Namen geben. Kosten entstehen dadurch nicht. Die Genehmigung des Lormnndes oder des Vormund- schastSgcrichts ist nicht erforderlich.— P. 101. Sofern Ihre Frau in der Kcrkstelle tätig war, ist die Auffassung deS Unternehmers, daß vierzehn- iägigc Kündigungsfrist bestand, zutreffend. Trotzdem kann Ihre Frau Aus- zahlung des Lohnes verlangen, da eine Aufrechnung von schadenerfatz- anfpriicheli bei der Lohnhöhe nicht zulässig ist. Ihre Frau soll beim Gcwcrbcgericht Klage erheben._ Marktpreise von»erlin am I. Juli 1913. nach Ermitlelungen des lönigl. Polizeipräsidiums. 199 Kilogramm Beizen, gute Sorte 29,16 bis 29,20, mittel 20.08—29,12. geringe 20.00—20.04. Roggen, gute Sorte orte 15,50— 16,00. Alois(runder), gute Sorte 15,80—16,00. Zlichtstroh 0 00. Heu. alt 6,59—8,00, neu 5,90—7,40. M a r l t h a I l e n p r e i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30 00—50 00. Spciscbobncn. weiße 30,09—60,00. Linien 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.), alte 7,00—11,00, neue 00,00—00,00. 1 Kilogramm Rindfleifch, von der Keule 1.70— 2,40. Rindfleisch, Bauch fleisch 1,30— 1,80. Schwemefleifch 1,40-2.00. Kalbfleisch 1.40-2.40. Hammelfleisch 1,50—2.40. Butter 2,20—3.00. 60 Stück Eier 3,'10— 5.40. 1 Kilogramm Karpfen 1 ,60—2,80. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3.60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,40—3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 1,60—60,00.____ Witterungsübersicht vom 2. Juli 1913._ lü Et» Swincmdc. 758 SU© tqmburg erlin 7625!© 760 US Franks. a.M 765 Still München Wien 765 NW 760,© 4 heiter 4 bedeckt 5' wolkig bedeckt 5halb bd. 4 molkig| 17 13 14 13 12 13 Glatwncn LS E3- g HavarandaI753NO Petersburg 752p Tcilly 771NNO Aberdecn 771 R© Paris 76SN Ccuet 2 woNenI 2 bedeckt »halb bd. 4 bedeckt' 2bedeckt I ti Bk 17 19 16 15 13 Wetterprognose für Donnerstag, de» 3. Juli 1913. Ziemlich lühl, vielsach heiter, aber»och veränderlich mit cinzelmn Reacn chaucr» und irischen nordwestlichen Winden. Berliner Weite rbureau. MvaKIK Quall/als *kfcttc af Kranzspenden sowie sämtliche Blumenarrangements liefert schnell und billig F®"1 ___ GrcBB, Linilen$tr.68. Tel. Mpl 7203. »«alMÄÜlS» Keöatteur!»lfm Wachs.)ic:Up. gut Der Lnjrral-ntcil velanlw.sTch. Glocke. B-rlm. 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