Pr. 167. nbonnemcntS'Bedingungen: RionncmentS• Preis pränumerando! BiettcIjädrL 3,30 MI, monatl. 1,10 Ml, wöchenllich 28 Pfg. frei inj HauS. Pwzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer niit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pia. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post.ZeiwngS. Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2�0 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemarl Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, "nieii. Schweden und die Schwei». Crtditlnt täglich. Verlinev Volksblntk. 30. Jahrg. vle Tn!erti»nS'Geböl)r beträgt für die sechSgespaltenc Koloncl. »eile oder deren Raum 00 Pfg, siir politische und gcwcrklchaftlichc Vereins. und VersanimlungS. Anzeigen Pfg. „Ateine ZSnreigev", das fettgedruclie Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fctigcdruilie Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch. slaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier niüsscn bis 5 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist b>» 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SoiialdcmöHrat RirliD", Zcntralorgan der foztaldcmokratifcheii parte» Deutfchlands. Redaktion: SLll. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr.»883. Freitag, den 4. Juli 1013. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 188». Sie Kämpfe auf dem Baihan. Noch ist der Krieg zwischen den Verbündeten von gestern nicht erklärt, aber die blutigen Kämpfe, über deren Ausgang die Nachrichten sich völlig widersprechen, dauern fort, und Rumänien hat den Befehl zur völligen M 0 b i l i s i e- r u n g erteilt, um sich neuen Raub zu sichern. Tie Hoffnung, daß doch noch im letzten Moinent durch das Eingreifen der Tripleentente und namentlich Rußlands der friede wieder- hergestellt würde, ist auf ein Minimum gesunken, und der neue Balkankrieg scheint kaum noch aufzuhalten. Uebcr die Gründe, die dem Konflikt zugrunde liegen, schreibt uns unser Korrespondent aus Belgrad: Am Balkan ist die Lage bitter ernst. In allen Lagern herrscht eine verbrecherische Entschlossenheit, die eigenen In- teressen um jeden Preis durchzusetzen. Käme es zum Kriege, dann hätten wir das Furchtbarste und Schrecklichste, was die Weltgeschichte bisher kannte. Zehntausende von Toten be- decken jetzt schon den Boden des Balkans, fast doppelt so viel beträgt die Zahl derjenigen, die sich als Krüppel herum- schleppen. Im Lande herrscht der Hunger, und jetzt soll es noch zu Schlachten kommen, an denen 800 OVO mit modernsten Waffen ausgerüstete Menschen beteiligt sind, wo man von Pirot in Serbien bis Saloniki kämpfen wird. Ge- genüber diesem Kriege würde der mit der Türkei in den Hintergrund treten. Worum handelt es sich bei dieser furchtbaren Völker- Vernichtung? Nicht um die Interessen der Völker, sondern um die der Dynastien, der Militärs und der Bourgeoisie, kurz um bornierte Klasseninteressen. Der Balkanbund war von Anfang an ein ganz loses politisches Gebilde, kein wirklicher Bund, sondern eine bloße Kooperation für den Krieg. Um gegen die Türkei ihre Pläne durchzusetzen, haben die vier christlichen Balkanstaaten den gleichzeitigen Angriff und die gegenseitige Unterstützung ver- abredet. In dem Streit um die Beute tritt jetzt die wahre Natur dieses„Bündnisses" zutage.' E i n Gedanke hat Serbien zum Kriege bestimmt der Gedanke an den Zugang zum freien Meer. Für die Herr- schende Klasse handelte es sich nicht um die nationale Be- freiung. das war bloß die Ideologie. Ihr wirkliches Ziel war die wirtschaftliche Befreiung von Oesterreich- Ungarn. Aus der eisernen Umklammerung der Donaumonarchie den Weg ins Freie zu gewinnen, das war der wirkliche Zweck des Krieges, deshalb schloß sich Serbien Bulgarien und Griechenland an. Deshalb auch willigte es in jenen Ver- trag, demzufolge das Herz des Balkans, Mazedonien, an Bulgarien fallen sollte, um die bulgarische Unterstützung zu erlangen, falls Serbien von Oesterreich angegriffen werde. So hoffte man sich den Weg an die Adria zu sichern und war gewillt, alles andere den Verbündeten zu überlassen. Die bulgarische Hilfe war nicht nötig. Die serbischen Truppen okkupierten etwa 50 Kilonieter der adriatischen Küste. Da griff Oesterreich ein, zwar nicht kriegerisch, aber � diplomatisch. Serbien wurde au die Wand gedrückt, der neue albanische Staat geschaffen. Serbien mußte von der Adria zurück- weichen, sein Zugang zum Meer führte wieder über fremdes Gebiet. Jetzt machte die serbische Politik eine Wendung. Konnte man nicht an die Adria, so mußte man versuchen, den Weg über Mazedonien nach S a l 0- n i k i an das Acgäische Meer sich zu sichern. Dem stand der Vertrag mit Bulgarien im Wege. Doch was ist ein Vertrag? Das freie Meer wollte man haben, wozu wäre sonst der Krieg ge- führt worden. Und so erklärte Ser- bien, daß es sich um den Vertrag nicht mehr kümmern wolle. Das Kriegsglück hatte es der ser- bischen Armee ermöglicht, tief in Maze- donien einzudringen. Monastir zu neh- men und sich in der Nähe von Saloniki mit den Griechen zu vereinigen, die den größten Teil von Südmazedonien besetzt hatten. Beide Staaten verstän- digten sich gegen Bulgarien. Bleibt Griechenland in Saloniki, so wird diese Stadt zu dem ersehnten freien serbischen Hafen. Deshalb sollten Serbien und Griechenland unmittelbar aneinander grenzen und verhindert werden, daß Bulgarien sich dazwischen schiebt. Dann könnte eine Zollunion mit Griechenland Serbien den Zugang zum Meer schaf- fen. Tagegen hätte die Ausführung des Bündnisvertrages Serbien in Wirt- schaftliche Abhängigkeit von Bulgarien gebracht und Saloniki seines Hinter- landes beraubt. So liegt dem gegenwärtigen Kon- flikt neben den Machtinteressen der konkurrierenden Dynastien und Militaristen der Interessengegensatz der bür- gerlichen Klassen in den drei Staaten zugrunde. Tie neue schwere Krise ist zugleich die stärkste Recht- fertigung für den Standpunkt der Sozialdemokratie in der Balkanfrage. Denn all die Fragen, die jetzt das Schwert entscheiden soll, hatte die Sozialdemokratie vorausgesehen und den Weg zur friedlichen Lösung gewiesen. Wie kann Serbien ans Aegäische Meer gelangen? Durch einen Zollbund mit Griechenland! Wie könnte es einen Zugang zum Adriatischen Meer gewinnen? Durch einen Zollbund mit Albanien! Wie kann Griechenland Saloniki wirtschaftlich zu einem machtvollen Hafen ausgestalten? Durch einen Zoll- bund mit Serbien! Wie könnte Bulgarien nach Saloniki gelangen und es sich ersparen, einen neuen kostspieligen und wirtschaftlich minderwertigen Hafen am Aegäischen Meer anzulegen? Durch einen Zollbund mit Griechenland. Eine Zollunion des Balkans, die auch Rumänien und die Türkei umfaßte, brächte mit sich die Lösung aller Wirt- schaftlichen Konflikte, die Befriedigung aller Wünsche, die freie Bahn für eine große und schnelle ökonomische Entwick- lung, den freien Weg nach Europa und Asien! Die von der Sozialdemokratie geforderte d e in 0 k r a- tische Vereinigung der Völker hätte diesen so die besten Entwickelungsmöglichkeiten geschaffen. Aber die Bonr- geoisie und die Dynastien wollten diesen Weg nicht gehen. Sie trachteten nach der Unterwerfung der anderen, nach der Allein- Herrschaft, und ihre Selbstsucht verbarg sich hinter den na- tionalistischen und chauvinistischen Schlagworten. Wenn heute die Waffen wieder klirren, so nicht im Interesse der Balkan- Völker, sondern ini Dienste der selbstsüchtigen Räuber in den drei Staaten, die die Länder und die Völker ausplündern wollen, die mit der Kultur und mit der Zukunft der Mil- lioncn ihr frevles Spiel treiben. Hätten wir nicht die Herrschast einer unbeschränkten mili- tärischen Oligarchie, könnten die Völker in demokratischer Selbstbestimmung frei beschließen, dann wäre der Krieg zwischen den Balkanvölkern unmöglich. Ter Kamps gegen die heutigen Herrscher, gegen die Könige, Generäle, Finanz- leute und Fabrikanten, die die Ministerstellen besetzen, dieser Kampf ist der einzige, der im Interesse der Balkanvölker zu führen ist. Demokratische Republik und Wirt- schaftliche Einheit, das ist heute, sowie während dieser ganzen Krise, der Ruf der Sozialdemokratie der Balkanländer. Die rumänische Mobilisierung. Bukarest, 3. Juli, 2 Uhr 40 Min. nachmittags. Der König hat die a l l g e m c i n e Mobilmachung der Ar- mee angeordnet. Wien, 3. Juli. Die„Neue Freie Presse" meldet aus B u k a r e st: Das Amtsblatt erschien heute um yß Uhr nachmittags in einer Sonderausgabe mit einem königlichen Dekret, in welchem es heißt: Entsprechend dem Vorschlage meines Kriegsministers ordne ich folgendes an: 1. Die aktive Armee mit den Ö SIE Semhn' £0 100'Z00~ 300�. TU N G A R N WaU/rcfim o. mrdgYn /fubin. M- ßulqariscfie Division SePoischB W Griechische to CO I to\fcl9aka X\ ffegoh/ifr R B*\.E N' pCupnja DeHyrao „.„"�Jleksinak arjschsn'fc tyraqascfiani VurnuSerehhiu U IVPfl N l| EN TMaqurele _________ bj, fahußlje Ar tiitomba.o ■ülF.° tosrnje %'sd o <1 /4C Verkarat fäkal*? o o ff/eJogradscftih Wfofio/t 0fievna Hifromka..™ ■k fristia vka oP*™ tffizre/JoM-i tufari wÄ« IWW0* oosfiMr dtdM-zf 0 ARIEN WUr-> S/ahfza Samfrox„. ffe/o/a o fariovo ?Pr//eßC'i*- c£* O rfr us eben o p O"�kaOchrida w 3 tlbassn H oMonash) /*/„/» lfoncaQ üsjoria l, ralon o yerna o f fe/r/fsch£, � n //aridere o teraio Karte des serbisch* bulgarischen TruppenaufmarscheSr Reserven wird mobilisiert und wird eine Operations- armee formieren. 2. Die Mobilisierung wird nach den Vor- schriften des Reglements der Armeemobilisierung durchgeführt werden. 3. Zur Auffüllung der Kriegsstärken werden die notwendigen Linienkontingente und Milizkontingente einbe- rufen. Die derzeit überflüssigen Kontingente werden nach und nach dem Bedarf entsprechend einberufen. 4. Die Ordre de bataille wird die fxm, welche durch den tatsächlichen Mobili- sierungsplan vorgesehen ist. 5. Unser Kriegsminister ist mit der Ausführung dieses Dekrets beauftragt. Ein serbischer Kampsbcricht. Belgrad, 3. Juli. Das amtliche Preßbureau verösfent- licht folgende Einzelheiten über den zweiten Kampftag, den 1. Juli: Tie siebente bulgarische Division, die 24 Bataillone und etwa 70 Geschütze stark war, floh in wilder Unordnung und wurde über das linke User des Flusses Zletovo zurück- geworfen. Die serbischen Truppen verfolgten die Fliehenden und zwangen sie, eine große Anzahl von Toten und Verwuu- deten zurückzulassen. Als die Bulgaren begannen, sich wieder festzusetzen, ging die serbische Infanterie und später ihre Kavallerie mit einer solchen Schneidigkeit vor, daß der Rückzug der Bulgaren zu einer regellosen Flucht wurde. Die Bulgaren ließen ihre gesamten Batterien sowie Maschinen- gewehre im Stich und warfen Gewehre. Munition und Gepäck fort. Mit vereinten Kräften nahmen die serbische Kavallerie und Infanterie eine vollständige Schnellseucrgeschützbatterie von vier Kanonen und 11 Protzen mit den Bespannungen, Bedienungsmannschaften und Offizieren lveg. Außerdem er- beuteten die Serben neun Schnellfeucrgeschützc, dreizehn Protzen, sieben Gebirgsschnellfeuergeschütze und eine ganze Maschinengewehrabteilung von vier Stück mit ihren Be- spannungen, ihrer Ausrüstung und einer großen Anzahl von Gewehren und Munition. Gefangen wurden genommen der Kommandant des 13. bulgarischen Infanterieregiments, das vollständig zersprengt wurde, zehn Offiziere und an tausend Unteroffiziere und Soldaten. Tie Verluste der Vulgaren sind sehr bedeutend. Nach ihren auf dem Schlachtfeld zurück- gelassenen Toten und Verwundeten dürfte sie etwa 800 Tote und 1800 Verwundete betragen. Die serbischen Verluste sind, obgleich hoch, weniger beträchtlich als die der Bulgaren. Ter blutigste Kampf spielte sich auf dem rechten serbischen Flügel ab, wo nach einer fürchterlichen Niederlage der Bulgaren die Serben 19 bulgarische Offiziere, 191 Unteroffiziere und mehr als 1500 Soldaten gefangen nahmen. Tie bulgarische Darstellung. Sofia, 3. Juli. Tie Agence Bulgare ist ermächtigt, alle Belgrader Meldungen von Siegen über die bulgarische Armee entschieden zu dementieren. Nach den ersten serbischen Heraus- forderungen ergriffen die bulgarischen Truppen, nachdem sie die serbischen Angriffe zurückgewiesen hatten, die Offen- sive, besetzten bei der Verfolgung der Serben einige Ort- schaften auf dem rechten Ufer des Slatanowska. Die Bnl- garen stellten hierauf geniäß dem vorgestern vormittag um 10 Uhr erteilten Befehle das Feuer ein und zogen sich in ihre früheren Stellungen auf dem linken Ufer des Slatanowska zurück. Zu den Serben wurden Parlamentäre gesandt, um die Einstellung des Feuers zu fordern. Die Serben hielten jedoch die Parlamentäre zurück und ergriffen die allgemeine Offensive mit allen Truppen. Das ist jene Offensive, die in den Meldungen als Verfolgung der Bulgaren bezeichnet wird. Gestern nachmittag griff die ganze serbische Armee von neuem an, wurde jedoch unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Auch die Meldung, den bulgarischen Truppen sei eine Kriegs- Proklamation verlesen worden, ist reine Erfindung. Ter griechische Vormarsch. Saloniki, 3. Juli.(Ddeldung der Agence d'AthencS.t Die griechische Armee kam gestern auf ihrem siegreichen Marsche vor Kilkitsch an. Am Nachmittag hatten die Bulgaren gewaltige Ver- teidigungswerke errichtet und sie rechneten damit, bei Kilkitsch Widerstand zu leisten um das Vorwärtsdringen der griechischen Armee zu hemmen. Gegen abend wurde Kilkitsch im Sturm genommen. Die Begeisterung der griechische» Truppen war un- beschreiblich. Sie wollten sich nach einem so denkwürdigen Tage der wohlverdienten Ruhe nicht hingeben, sondern verlangten von ihren Führern, zu neuen Siegen geführt zu werden. Jnsolgedeiseu rückte das Heer weiter gegen Norden vor. In diesem großen Kampfe hat das Bajonett die wichtigste Rolle gespielt. Die gricchi- schen Verluste sind erheblich, wenn sie auch im Vergleich mit denen der Bulgaren gering sind. Die Ohnmacht der Grosimächte. London, 3. Juli. Tie„Times" schreiben: Man sagt, daß die Mächte dem Kampf auf dem Balkan ein Ende machen sollten. Aber niemand ist bereit, genau zu sagen, wie sie es anfangen sollen. Wenn die Ermahnung des Zaren erfolglos bleibt, so würde nichts übrig bleiben, als eine aktive Jnter- vention. Aber eine aktive Intervention würde sicherlich in ihrem Gefolge größere Gefahren bringen, die zu vermeiden alle wünschen müssen. Das europäische Konzert hat nicht versagt, denn es besteht noch und seine feste Aufrechterhaltung bedeutet viel mehr als seine Unfähigkeit, die lokalen Kämpfe auf Sem Balkan zu beenden. Wenn die Kämpfe Dimensionen annehmen, die die formale Kriegserklärung nur noch zu einer technischen Frage machen würden, so würde der sicherste Kurs für die Mächte sein, ihre Bemühungen fortzusetzen und den neuen Krieg zu lokalisieren wie in dem Krieg zwischen den Allixrten und den Türken. Sie«Zache der Dirne. Man schreibt unS: Mit Recht sagt der„Vorwärts" in seinem Leitartikel zum Prozeß gegen die Sittenpolizei: Die Drohung.Ich bringe Dich unter Kontrolle" heißt im 20. Jahrhundert.Ich mache Dich c�hr« und rechtlos, ich lasse Dich ächten, ich bringe Dich heraus aus der bürgerlichen Gemeinschaft ich mache Dich wehrloser als ein Straßen Hundt st dem wenig st enS der Tierschutzverein zur Seite stehtl" Wenn die Dirne in ein Bordell gesteckt wird, wird sie der furchtbarsten Ausbeutung durch den Bordellwirt rechtlos preisgegeben Wen» keine Bordelle vorhanden sind— wie beispielsweise in Berlin— muß die Wirtin auf eine Anklage wegen Kuppelei gefaßt sein, wodurch die armen Mädchen selbstverständlich der- brecherischen Frauen in die Hände gejagt werden, denen alles gleichgültig ist. Die Polizei konzessioniert die Dirne, aber sie macht sie zugleich v o g e l f r e i, indem sie ihr eine rechtmäßige Wohnung verweigert. Man kann von der bürgerlichen Gesellschaft freilich nicht der- langen, daß sie die Prostitution ausrottet. Die Prostitusion ist ein organischer Teil ihrer selbst und würde immer wieder hervor brechen, wie stark man sie auch unterdrücken wollte. Man kann aber von der bürgerlichen Gesellschaft verlangen, daß sie der Dirne, die sie selber hervorruft, eine rechtliche Existenz verleiht. Das Vorhandensein der Prostitution ist eine notwendige Folge der bildschönen Ordnung, unter der«dir leben; die R e ch t« l o s i g k e i t der Dirne aber ist eine brennende Schande für das Bürgertum. Es ist zudem eine Schande, für die das Bürgertum am eigenen Leibe geradezu furchtbar bestraft wird. Es waltet hier eine un- erbittliche Nemesis. Die bürgerliche Gesellschaft straft die Dirne mit Ruten und wird dafür von ihr mit Skorpionen gezüchtigt. Die Schrecken der Kontrolle, die vor allem in der absoluten Rechtlosigkeit der kontrollierten Dirne bestehen, führen zunächst zu einer panikartigen Flucht der Mißhandelten. Die Mädchen ziehen die gehetzte Existenz der heimlichen Prostituierten den Schrecken der Kontrolle vor. Daraus aber entsteht der ungeheure Seuchenherd der heimlichen Prostitution, der der bürgerlichen Gesellschaft alle Furcht« barkeiten der Syphilis auf den Hals sendet. Wie mit einem Peitschenhieb der Vergeltung wird hier die kapitalistische Welt für ihren skandalösen Rechtsbruch bestraft. Wer die wisienschaftliche Literatur über die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten kennt, wird wissen, daß ein wirksamer Schutz gegen Ansteckung nur geboten werden kann, wenn die Kontrolle durch eine weitgehende, äußerst peinliche Reinlichkeit der Dirne ergänzt wird. Man hat denn auch zu dem Zweck„Merkblättchen' und Anleitungen für Prostituierte herausgegeben. Aber wie soll eine Dirne, die wie ein Hund getreten wird, der bürgerlichen Welt gegenüber zu einem VerantwortungS- g e f ü h l koinmen? Was kann ihr an der Gesundheit einer Welt liegen, die sie wia� ein rechtloses Wild hetzt?— Die Behandlung, die sie erfährt, kann sie naturgemäß nur mit einem einzigen Gefühl erfüllen: R i�ch e und dreimal Rachel— Wenn aber die Dirnen so gestellt/find. wird man ihnen vergeblich„Merkblätter" inS Haus senden und hier wird darum die bürgerliche Gesellschaft vom zweiten Peitschen- hieb der Vergeltung getroffen. Nun ist aber die Dirne ein Mensch und wünscht darum menschlichen Verkehr. Was soll sie tun, da sie ausgestoßen ist? Sie sucht Anschluß bei den anderen Aus gestoßenen; sie v e r« bündet sich mit dem Verbrechen und trifft so. ihre brutalen Peiniger mit einem dritten Hieb.— Daß nebenher von der ganzen Atmosphäre der Korruption auch die überwachende Sittenpolizei vergiftet wird, hat soeben der Prozeß bewiesen. Die Rache der Dirne vergiftet aber viel mehr als nur die Sittenpolizei, sie vergiftet die ganze Gesellschaft. Und bestätigt so das Walten einer unerbittlichen Nemesis. 13. Mai den Major von Lewinskh von der preußischen Gesandtschaft am Friedensdenkmal meuchlings erschoß und auch den diesem zu Hilfe eilenden Polizeioberwachmeister Bohlender durch Revolverschüsse tötete, zweimal zum Tode und zur Ab- erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt poUtifche Qeberncbt, Stichwahl zwischen Ewald und Oertzen. Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis entfielen bei der Reichstagsersatzwahl in Z a u ch- B e l z i g von 32 601 ab gegebenen Stimmen auf den sozialdemokratischen Kandidaten, Ge nossen Ewald- Berlin, 13 566 Stimmen, auf den Reichsparteiler v. Oertzen 10 986 und auf den Freisinnigen Volksparteiler Hormann- Bremen 7968 Stimmen. Für den ultramontanen Zählkandidaten Erzbcrger wurden 80 Stimmen abgegeben. Eine Stimme war zersplittert. Das noch ausstehende Ergebnis aus fünf kleineren Landgemeinden wird nur noch unwesentliche Ver änderungen der Stimmcnzahlen bringen. Es hat also Stichwahl zwischen v. Oertzen und unserem Genossen Ewald stattzufinden Der Reichsparteiler vermöchte nur dann den Sieg über den Sozialdemokraten davonzutragen, wenn sich eine erhebliche Zahl der freisinnigen Wähler auf seine Seite schlüge. Angesichts der ganzen politischen Siwasion halten wir das indessen für ausgeschlossen� zumal die Fortschrittliche Volkspartei die Wahl Naumanns ja aus schließlich der sozialdemokratischen Hilfe zu verdanken hat. Der Wahlausfall ist für uns erfreulich, weil sich die Zahl der diesmal abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen noch um zirka 200 gegenüber der Hauptwahl von 1912 vermehrt hat, während v. Oertzen seine bisherige Stimmenzahl nicht völlig wieder erreichte und der Freisinn gar um 1258 Stimmen hinter der Stimmenzahl zurückblieb, auf die er es 1912 gebracht hatte. Leider muß auch diesmal wieder Einspruch gegen b e h ö r d- l i ch e Willkür erhoben werden. Eine Anzahl von Arbeitern� die in den Wählerlisten standen, wurden deshalb an der Stimm abgäbe verhindert, weil sie zurzeit nicht mehr Insassen der Lungen Heilstätte Beelitz waren. Mit derselben Logik könnte man schließlich auch bei der Stichwahl solchen Wählern das Wahlrecht verweigern die bei der Hauptwahl abstimmen durften, weil sie sich in Beelitz befanden, aber inzwischen wieder Beelitz verlassen haben. Unsere Genossen werden alles aufbieten, um den Sieg des Genossen Ewald trotz aller Wahlmache zu sichernl Die Stichwahl soll, wie wir hören, am Sonnabend, den 12. Juli, stattfinden. * Amtliches Wahlresultat aus Salzwedel-Gardelegen. Bei der Ersatzwahl im Wahlkreise Salzwedel-Gardelegen er- hielt v. Kroch er(kons.) 6999 Stimmen, Schulz-Ritze(kons.) 4045 Stimmen, Dr. B o e h m e(Bauernbündler) 10 754, Gewerk öhaftsbeamter Bergemann(Soz.) 1619 Stimmen. Es muß also Stichwahl stattfinden zwischen v. Kröcher(kons.) und Dr. Boehme(Bauernbündler). In der Stichwahl entscheiden die 1619 sozialdemokratischen Ssimmen. 1912 erhielt der sozialdemokratische Kandidat 2407 Stimmen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden also die beiden Kreise den Konservativen abgenommen werden. Ne «b Der entlarvte Dnarchiftenfchwlndel. Die Verhandlungen im Mordprozeß©traf 1 er in München haben vollends den dreisten Schwindel zunichte ge- macht, daß der Mörder des preußischen Militärattaches von Lewinski aus a n a r ch i st i s ch e n Motiven gehandelt habe oder überhaupt irgendwie mit dem Anarchismus in Verbind- dung gebracht werden könne. Die Vernehmung des Ange- klagten hat vielnwhr dargetan, daß der Angeklagte nichts ist als ein konfuser und höchstwahrscheinlich geistig abnormer Mensch, der den erstbesten Menschen niederschoß, weil er sich für sein verpfuschtes Leben rächen wollte. Strasser selbst bestritt auf Befragen entschieden, daß er Anarchist sei. Er habe den Major von Lewinski erschossen, weil er ein Preuße gewesen sei, und er alle Preußen nicht leiden könne. Aber nicht nur diese Erklärung des Ange- klagten selbst, sondern sein ganzes Vorleben lieferte den bün- digsten Beweis, daß Strasser so wenig etwas mit Anarchismus gemein hat, wie etwa der Forstassessor Knoblauch oder jener geisteskranke Philologe, der unlängst in Bremen ein Massen- blutbad anrichtete. Viel eher könnte man behaupten, daß Strasser durch seine vielfachen Gefängnis st rasen. die er namentlich in Oesterreich zu verbüßen hatte, geistig und moralisch vollends zugrunde gerichtet worden sei. Erklärte er doch selbst, daß man aus dem Gefängnis nicht besser heraus- komme. Im übrigen stellten die Aussagen Strassers ein solches Gemisch von verbohrter Wut und kindischem Unsinn dar, daß die Annahme nahe liegt, daß er von jeher zum mindesten schwachsinnig gewesen ist und schon früher wegen seines Landstreichens und seiner Diebesvergehen eher in eine Irrenanstalt als ins Gefängnis gehört hätte. Aber er war ja nur ein zum Lumpenproletarier herabge- kommener Kleinbürger! Angesichts dieses Tatbestandes ist es um so skandalöser, daß etliche bürgerliche Blätter noch immer von dem„Münche- ner Anarchistenprozeß" faseln! * München', 8. Juli.'(W. T. B.)' Das oberbaherische Schwur- Gericht hat den Doppelmörder Johann Strasser, der am e Riesenkanonen für die deutsche Kriegsflotte. er Wettkampf zwischen den Kriegsflotten der Seemächte nicht nur durch ständige Vermehrung dieser Flotten ge ührt, sondern auch durch fortwährende Steigerung der Dimensionen der Schiffskörper und der Schiffsartillerie. Die Folge ist dann eine ungeheuerliche Steigerung der Kosten für edes Schiff— kosten doch die Schlachtschiffe, die in der Marinevorlage von 1900 noch mit 20 Millionen kalkuliert waren, heute mindestens 50 Millionen! Nun geht wieder die für alle Panzerplatten- und Kanonem äbrikanten hocherfreuliche Meldung durch die Presse, daß die > e u t s ch e n Großkampfschiffe mit neuen Kanonen von weit 'tärkereni Kaliber ausgerüstet werden. Und zwar hat man gleich einen Riesensprung getan, indem man von 30,5-Zenti meter-Geschützen zu 38.Zentimeter-Geschützen übergegangen ist. Die Zahl der schweren Geschütze muß zwar infolge dieser Ver� größerung von zehn auf acht vermindert werden, dafür wird aber die Mittelartillerie von vierzehn auf sechzehn 13-Zenti- meter-Schnellfeuerkanonen verstärkt. Auch bei den Panzer kreuzern sind an Stelle der bisherigen 28.Zenttmeter-Geschütze 30,5.Zentimeter-Kanonen getreten. Die Vergrößerung des Geschützkalibers bedingt nun wieder eine Verstärkung des Panzerschutzes, die dann wieder eine Vergrößerung des Kalibers der Geschütze nach sich zieht. Beides aber bedingt wieder eine Vergrößerung des gesamten Schiffskörpers, eine neue gewaltige Steigerung der Baukosten! Die Panzerplattenpatrioten streichen den Profit ein und das Volk muß immer mehr blechen! Aus Byzanz. Das Herzogtum Braunschweig besitzt eine Technische Hoch- schule und für jährlich 1 125 000 M. einen Regenten, der zu- meist außerhalb Braunschweigs weilt. Rektor und �>wcit der Technischen Hochschule haben nun den Regenten zum D o k- tor-Jngenieur ehrenhalber— wie man e�."e'n't — ernannt, nachdem die Hochschule vor einigen Wochen Wilhelm II. dieselbe Würde verliehen hat Der Rektor. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Beaurts. überbrachte die Urkunde an Johann Albrecht und hrelt daver eine Ansprache, in der es wörtlich heißt: „Eurer Hoheit überaus erfolggekrönter Tätig- keit als Förderer aller wirtschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen wird im ganzen Reiche und über die Grenzen desselben hinaus in denkbar wärmster Anerkennung und Dank- bar keit gedacht. An der Entwickelung der braun- schweigischcn Industrie haben Eure Hoheit stets die lebhafteste Anteilnahme gezeigt. Die Herzogliche Technische Hochschule er- freut sich seit dem Tage, an welchem Sure Hoheit die Regierung des Landes übernommen haben, Höchssihrcr lebhaften Fürsorge, die auf weite Kreise der Bevölkerung anregend und Vorbild- lich gewirkt und das Ansehen der Hochschule gemehrt hat. Die sechs Abteilungen der Herzoglichen Technischen Hochschule haben deshalb einstimmig beschlossen. Eurer Hoheit die unter- tänigste Bitte zu unterbreiten, die Würde eines Doktor-Jngenieurs ehrenhalber, die höchste Auszeichnung, welche die Hochschule zu verleihen hat, huldvollst anzunehmen. als ein Zeichen dankbarer Anerkennung Eurer Hoheit erfolgreicher Förderung technischer Wissenschaft und bildender Kunst. Nachdem Eure Hoheit diesem Wunsche der Hoch- schule in Gnaden entsprochen haben, haben Rektor und Senat von dem ihnen zustehenden Ehrenrccht Gebrauch gemacht und über die vollzogene Ehrenpromotion die Urkunde ausgestellt. Ich verbinde mit dem Danke für diesen neuen Gnadenbeweis die Versicherung, daß der Lehrkörper der Hoch- schule stets bestrebt sein wird, sich dieser hohen Auszeich- nung würdig zu erweisen, und richte nunmehr die untertänigste Bitte an Eure Hoheit, diese Urkunde au« meiner Hand entgegennehmen zu wollen." Kein Mensch weiß etwas von der Förderung der Industrie durch den Regenten. Nachdem man aber Wil- Helm II. die Ehrendoktorwürde verliehen hatte, glaubte man auch dem eigenen Landesfürsten dasselbe antun zu müssen. Gegen die übelduftende Byzantinerei des Rektors hatte merk- würdigerweise keiner der Lehrer der Hochschule etwas einzu» wenden._ Der politische Meineidsprozest gegen Angestellte unseres Waldenburger Parteiorgans hat mit einer Verurteilung zweier der Angeklagten geendet. Dem rachsüchtigen Denunzianten und seinen konservativen Helfers- Helfern ist es gelungen, zwei Genossen auf lange Zeit ins Zuchthaus zu bringen.— Der Mittwoch wurde ausschließlich mit den Plädoyers des Staatsanwalts, der Verteidiger und der Angeklagten ausgefüllt. Der Staatsanwalt ließ den Kronzeugen Köhler fast gänzlich fallen. Die rachsüchtigen Motive des Denunzianten, die auch der Staatsanwalt nicht zu leugnen imstande war, kamen am dritten Verhandlungs- tage selbst einem Zeugen, dem leitenden Redakteur der„Berg- wacht", Genossen Schiller, gegenüber zum Ausdruck. Er ver- suchte Schiller wegen Zeugenbeeinflussung in die Affäre zu verwickeln. Er benutzte dazu einen völlig harmlosen Brief. den Schiller vor längerer Zeit einmal an einen ebenfalls ge- ladenen Zeugen geschrieben hatte. Abends nach 10 Uhr wurde der Spruch der Geschworenen verkündet. Er lautete auf: schuldig des wissentlichen Mein- eides bei Hoffniann und Weichelt. Osterroth wurde frei- gesprochen. Die Nebenfragen nach Fahrlässigkeit wurden verneint. Der Staatsanwalt beantragte gegen Hoffmann 1Iahr6Monate Zuchthaus, gegen Weichelt 1 1 a h r 3 Monate Zuchthaus, gegen Osterroth Freispruch. Das Urteil lautete für Hoffmann 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus, für Weichelt 1 Jahr 3 Monate Zucht- haus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte aufdreiJahre. Osterroth wurde dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß freigesprochen. Der Antrag der Verteidigung auf Haftentlassung der Angeklagten Weichelt und Hoffmann wurde abgelehnt. Wahlprnfuugen. Jetzt nach der Vertagung des Reichstags rumort ein Teil des bürgerlichen Presse wegen der Nichterledigung der Wahlprüfungen. Die.Braunschweigische Landeszeitung" hat die Legende aufge- bracht, es sei zwischen Nationalliberalen, Zentrum und Sozial- demokraten das Abkommen getroffen worden, alle Entscheidungen über ungültig erklärte Wahlen bis zum Herbst zu vertagen. Es kämen dabei besonders in Frage das Mandat des sozialdemokrati- scheu Abgeordneten Haupt, des nationalliberalcn Abgeordneten Kölsch und des Zentrumsabgeordncten Kuckhoff. Durch die Ver- tagung habe man den Genannten die Freikarten für den Sommer retten wollen.— Die ganze Erzählung ist natürlich blöder Unsinn; es kann von einem solchen Abkommen gar keine Rede sein, ins- besondere hat die Sozialdemokratie mit solchen Dingen nichts zu tun. Die Erledigung der Wahlprüfungen scheiterte lediglich am Zeitmangel. Proteste gegen das Erfurter Schreckensurteil. Der Zorn über das furchtbare Urteil des Erfurter Kriegsgerichtes hat in einer Anzahl von Städten die Ar- beiterschaft zu Protestversammlungen veranlaßt. Dabei wird natürlich nicht nur die Militärjustiz einer scharfen Krisik aus- gesetzt, sondern das ganze militarissische System, wozu die Verabschiedung der Riesenheeresvorlage genug Anlaß gibt. Solche Protestversammlungen fanden oder finden noch statt in Bremen, Dessan, Erfurt usw.. In Dresden 'rotestierte die Arbeiterschaft in sechs Versammlungen. In allen Versammlungen wurde folgende Resolusion angenommen. „Die heutige Volksversammlung belundet ihre volle Zustimmung, daß die sozialdemokrattsche Reichstagsfiatsion in monatclangen, heftigen Kämpfen den neuen Militärvermehrungen Widerstand ge- leistet hat und daß sie dafür Sorge getragen hat, daß die Kosten der neuen Militärvorlage diesmal wenigstens zum Hauptteile auf die Wohlhabenden und Besitzenden gelegt wurden. Die Versammlung erklärt ihr volles Einverständnis mit dem Kampfe der sozialdemokratischen Partei für Beseitigung der Klassen- Vorrechte und Herbeiführung demokratischer Reformen im Heereswesen. Die Versammlung erhebt empörten Protest gegen die ungeheuerlichen Zuchthausurteile der Militärjustiz, wie ein solches jüngst wieder vom Erfurter Kriegsgericht gefällt wurde. Sie begrüßt es. daß eS der sozialdemokratischen Fraktion gelungen ist, ein Notgesey zu erzwingen. durch da? wenigstens eine der schlimmsten Barbareien der Militär- justiz gemildert werden soll. Die Versammlung erklärt es als die Aufgabe der Arbeiter aller Länder, mehr denn je die kapitalistischen und imperialistischen Be» trebungen der herrschenden Klassen zu bekämpfen, aus denen die unaufhörlichen KriegSrüstungen und die Kriegsgefahren erwachsen." Tie Landräte als Lotteriekollektcurc. Wilhelm II. hat bekanntlich dem Jungdeutschlandbu.w einige Stücke der Festung S i l b e r b e r g»um Geichenk gemacht. Um Geld für den Ausbau»uiammenzuschnorren. rst der behördlich privilegierten Jugend die Veranstaltung elner Lotterie m,t 300 000 Losen genehmigt worden. Das Geschäft mit den Losen scheint aber bis jetzt schlecht zu gehen, wenigstens laßt das folgende' Bekannt- machung des Regierungspräsidenten zu Liegn.tz.m amtlichen Kreisblatt vermuten- ..Der Provinzialverband de» Jungdeutschlandbundes bittet die Herren Landräte, die Palize.verwaltungen.d.e Herren Be- zirksjugendvflener die Kreis- und OrtSaus, chusse für Jugend- pflege und sämtlickie den Ausschüssen angeschlossenen Jugend- v reine den B-därf°n Losen, welche voraussichtlich abgesetzt werden können baldmöglichst a» die.Geschäftsstelle des Bei- bandes Brestau V4ll- mitzuteilen. Hhlkarte. werden zur Einsendung der Beträge für der- kaufte"nie übersandt werden. Nicht abgesetzte Lose sind bis l�uli 4913 an die Geschäftsstelle zurückzusenden. ' � Exemplare dieser Verfügung zur Weitergabe an die Ortsausschüsse ff-r Jugendpflege und he Jugendvereine Henen bei.-3-*>• gez. v. Glasow. Wenn sich die Landrate. Polizeiverwaltungen usw. für den Vertrieb der Lose ins Zeug legen, dann kann ja der Erfolg nicht ausbleiben. Vielleicht geht man das nächste Mal schon einen Schritt weiter und bestimmt einfach, wieviel Lose jeder Unter- gebcnc zu nehmen und zu bezahlen hat. Ausweisungsfieber in Strafiburg. In Straßburg wurde der englische Ingenieur Webb. de« eine» neuen Kugapparat auf dem dortigen Flugplatze vorführen wollte, von den Straßburger Behörden ausgewiesen. Die Aus- Weisung scheint sehr schwach begründet zu sein. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" meldet, anscheinend behördlich inspiriert, daß das Ausweisungsverfahren vermutlich mit Ermittelungen zusammen- hängt, die gegen W. vor einiger Zeit wegen Spionageverdachts schwebten. Es wurde damals allerdings kein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet; es sei den Straßburger Behörden aber nicht zu verdenken, wenn sie einen derartig verdächtigen Mann innerhalb der Mauern einer der größten Festungen an der Westgrenze nicht dulden wollen. Im Kriegsministerium sei bisher ein offizieller Bericht über die Angelegenheit noch nicht eingelaufen.— Es ist sehr schlimm, daß man Ausländer kurzerhand ausweist und noch nach Tagen keinen triftigen Grund dafür angibt. Außer dieser Ausweisung wird noch eine zweite gemeldet: Nach einem Telegramm des„Berliner Tageblatts" wurde ein Schweizer namens Brunner, der seit 20 Jahren in Straßburg als Besitzer einer geachteten Buchhandlung ansässig ist, als lästiger Ausländer ausgewiesen, weil er einige gegen Elsatz-Lothringen ge- richtete und deshalb jetzt verbotene Bücher, ehe sie verboten wurden, verkauft hatte, etwas, was die übrigen Straßburger Buchhand- lungen auch taten. Ter Schweizer Bundesrat verlangt eine Unter- suchung der Angelegenheit. Derartig« Ausweisungen fördern gewiß nicht das Ansehen des Deutschen Reichs. franltmch. Schwer bestrafter Demonstrant. Paris, 3. Juli. Aus Nancy wird berichtet: Das Kriegsgericht verurteilte den Soldaten Lucien Barres, der im Fort Villers-le-Sec„Nieder mit den drei Jahren" ge- rufen, die Internationale gesungen und mehrere Unteroffi- ziere beschimpft und bedroht hatte, zu vier Jahren Ge- f ä n g n i s. Der Kampf um die dreijährige Dienstzeit. Paris, 3. Juli. Kammer. Die Besprechung der Heeres- oorlage wird fortgesetzt; der Vizepräsident der Heereskommission bekämpft den Gegenantrag Messimy-Boncour. Montebello sagte, Messimv könne, nachdem er die Bedeutung der deutschen Rüstungen betont habe, logischerweise unmöglich zu seinem Gegen- antrag kommen, durch den das Heer während eiiws Teiles des Jahres zu schwach gelassen würde. Redner setzte unter Beifall im Zentrum und auf verschiedenen Bänken der Linken die militäri- schen und ökonomischen Unzuträglichkeiten des Gegenentwurfes Messimy-Boncour auseinander, der einen Umsturz des ganzen Militärgesetzes bedeuten würde. Er rief die Erinnerungen an 1870 «ruf und mahnte, die zu übernehmende Verantwortung wohl zu erwägen. Zum Schluß bat er die Kammer, den Regierungsentwurf anzunehmen, um das Land nicht neuem Unheil auszusetzen.(An- haltender Beifall im Zentrum und auf verschiedenen Bänken der Linken.) Messimy meinte, sein Gegenentwurf beseitige alle Besorgnisse, auch diejenigen vor einer zu geringen Truppenstärke von Oktober bis März, und gewähre das ganze Jahr hindurch Deckungstruppen, die jedem plötzlichen Angriff gewachsen seien. Redner erörterte dann Mittel, die Grenztruppen zu verstärken, und trat dafür ein, daß die Kompagnien der Regimenter im Innern aus hundertzehn Mann aktiver Mannschaften und hundert- vierzig Reservisten zusammengesetzt würden. Redner sprach sein Bedauern darüber aus, daß die Regierung beschlossen habe, die Vertrauensfrage zu stellen. Ministerpräsident B a r t h o u erklärte darauf, er werde nicht nur wegen des Gegenentwurfs Messimy-Boncour die Vertrauensfrage stellen, sondern auch wegen aller Abänderungsanträge, die über die von der Kommission und der Regierung gemachten Vorschläge, die Herab- setzung der Dienstzeit betreffend, hinausgehen. Darauf lehnte die Kammer mit 312 gegen 26g Stimmen den Gegenentwurf Messimy-Boncour ab und vertagte sich. 6nglatid. Ein Wahlmanifest und seine Folgen. London, 1. Juli.(Eig. Ber.) Das Wahlmanifest, das zu der am 27. Juni stattgefundenen Nachwahl in Lei- c est er veröffentlicht wurde, dürfte für die Arbeiterpartei verhängnisvolle Folgen haben. Das Manifest, das angeblich von dem Parteivorstand der Arbeiterpartei ausging und in denl mit dem Rücktritt MacDonalds gedroht wurde, da die Mitglieder der Arbeiterpartei in Leicester den Wünschen der Parteileitung entgegen für die sozialistische Kandidatur des Genossen Hartley eintraten, wurde plötzlich zwei Tage vor der Wahl, als die Liberalen am Siege verzweifelten, in den Wahlkampf geworfen und hat zweifellos dazu beigetragen, daß der Liberale gewählt wurde. Wir schrieben damals, daß das Schriftstück möglicherweise nichts als eine Erfindung der Liberalen sei. Leider trifft diese Vermutung nicht zu. Aus der in der Presse veröffentlichten Korrespondenz geht hervor, daß die Liberalen allerdings gelogen haben, als sie ver- sicherten, daß ihnen das Manifest von dem Vorstand der Arbeiterpartei oder von einem nicht bestehenden Komitee der Arbeiterfraktion im Parlament eingehändigt worden sei. Doch daß einein liberalen Parlamentsmitglied zwei Tage vor der Nachwahl von einem Mitglied der parlamentarischen Fraktion der Arbeiterpartei eine Mitteilung gemacht worden ist, wird stillschweigend zugegeben. Das liberale Parlaments- Mitglied Sir Maurice Levy behauptet nun, daß ihm ein hervorragender Parlamentarier der Unabhängigen Arbeiter- Partei zwei Tage vor der Wahl das Manifest fast wörtlich diktiert und die Ansicht geäußert habe, daß die darin ent- haltenen Anschauungen in Leicester bekanntgemacht werden mußten. Auch habe ihm dieses Mitglied der Arbeiterfraktion versichert, daß keine offizielle Ableugnung des Manifestes er- folgen werde. Sir Maurice Levy fügt hinzu, daß es die Pflicht des Führers der Arbeiterpartei gewesen wäre, noch vor der Wahl ein klares Dementi zu erlassen, wenn die An- gaben in dem Manifest, das er sofort nach seinen Partei- genossen in Leicester telephoniert habe, in irgendeiner Weife unwahr oder ungenau gewesen wären. Und dies ist eigentlich der Kernpunkt der ganzen Affäre. Auf diesen Vorwurf ist noch keine überzeugende Antwort erfolgt, und es ist auch schwer, wie man es rechtfertigen oder entschuldigen kann, daß man ein Manifest, dem die Liberalen die höchste Bedeutung zumaßen, das man heute als Unsinn bezeichnet, gerade in der kritischen Zeit, als es seine Wirkung ausübte und die Aussichten des sozialistischen Kandidaten schädigte, unwider- sprachen gelassen hat. Der Sekretär der Arbeiterpartei er- klärte zwar, gleich nachdem die Liberalen das Manifest in 50 Wahlversammlungen in die Welt hinausposaunt hatten, daß das Schriftstück nicht von dem Parteivorstand der Ar- beiterpartei stamme, aber er äußerte sich in einer Form, die die Frage der Urheberschaft offen ließ. Diese ganze verun- glückte Hmtcrtreppenpolitik kann der Arbeiterpartei nicht zum Segen gereichen. Sie trägt in sich die Keime der Aus- lösung und verursacht Erbitterung gerade in den Kreisen, wo die treibenden Elemente der Arbeiterbewegung zu finden find. Das lilsssenitreiliproblem. Vi. Einer Artikelreihe der„Bremer Bürgerzeitung' ent- nehmen wir folgendes: „... Das Vorwärtsmarschieren auf Grund der alten erprobten defensiven Mittel entpuppte sich nicht nur als Stillstand in der Bewegung, sondern es zeitigte eine Verzagtheit, eine Minderung der Zuversicht. Obwohl ihr von mancher Seite mit der Versicherung entgegengearbeitet wird, daß wir schon zu schärferen Mitteln greifen werden, wenn wir nur stärker sein loerden, wenn wir noch ein Stück organisatorischer und propagandistischer Arbeit geleistet haben werden, so klingen diese Versicherungen etwas hohl. Denn wir sind ja heute stärker als 1310, und trotzdem protestierten damals Zehntausende auf den Straßen, während die letzten Versammlungsaktionen sämtlich flau verliefen.� Und zweitens: die Ermattungsstrategie behauptet doch, daß � wir so lange warten müssen, bis der Staatsstreich von oben die Massen in Be- wegung bringt... Wenn aber die Reaktion, verschanzt hinter den Mauern des Dreiklassenwahlrechts, hinter dem Wall der infamen Verteilung der Reichstagswahlkreise, gemütlich weiter fortwurstelt, was dann? Sollen die Massen dann weiter die Teuerung über sich ergehen lassen und vielleicht zusehen, wie ein lückenloser Zolltarif durchgeführt wird? Sollen sie zusehen, wie der Imperialismus die größten Gefahren heraufbeschwört? Sollen sie zusehen, wie die preußischen Junker von der Tribüne des Landtags dem Reichstag aus die Bude zu steigen drohen, wenn er es wagen würde, auch den geringsten Schritt nach vorwärts zu machen? ... Die Partei muß nur bereit sein, die Kraft, über die sie schon verfügt, mit dem Nachdruck zu verwenden, den die Umstände erlauben. Sie kann, wo es notwendig ist und die Stimmung der Massen es erlaubt, zu Straßendemonstrationen übergehen. Sie kann, wenn diese die ent- sprechende Spannung im Proletariat hervorgerufen haben und man sich davon polilische Erfolge versprechen kann, zu kurzen Demonstrations« oder Proteststreiks greisen. Ob sie sich zu weiteren, mächtigeren Kämpfen, zu Zwangsstreiks, auswachsen werden, das wird von der Energie der Arbeiterklasse und dem Vorgehen der Gegner ab- hängen. Die Partei kann hier keine Bürgschaften übernehmen, weil sie keine Erlöserin, noch Gouvernante der Massen ist, aber sie braucht auch die Konsequenzen ihres Tuns nicht zu fürchten.„Die Angst vor„verfrühtem Losschlagen' basiertauf dem bürgerlichen Gedankengang, als könnte man revolutionäre Be- wegungen machen. Wir können solche Bewegungen nicht„hervor- rufen'. Kommt die Arbeitermasse aber so in Fluß, daß sie zu solch entscheidenden Schlägen ausholt, so wird sowohl Sieg wie Niederlage die politische Situation Deuschlands, des am meisten entwickelten kapitalistischen Staates, nach vorwärts drängen: Entweder den Massen neue Positionen erobern, von denen sie ihre weiteren Kämpfe mit noch besseren Aussichten führen können, oder trotz momentaner Rückschläge die Kampfeslust und KampfeSnotwendigkeit vermehren. Niederlagen, die auf lange Zeit die Arbeiterklasse lahmlegen könnten, sind unmög« lich, w e i l d i e P r o d u kt i o n S v e r h ä l t n i s f e, die hohe Konzentration der Industrie eine Grundlage deS Zusammenschlusses der Arbeiterschaft bilden, dielein„reaktionärer Wind' wegblasen kann. Dies wissend, hat die Partei mit Ruhe und Entschlossenheit das zu tun, was jedwede Situation erfordert. ... Nicht„Kriegspläne".„Beschlüsse' einer bestimmten Attion sind uns also Vonnöten, sondern die Erkenntnis, daß wir in eine Periode entscheidender Kämpfe eingetreten sind, denen man durch keine Taktik ausweichen kann, wenn wir nicht Rückschritt auf Rückschritt erle bem wollen, die aber eine klare unzweideutige Taktik und eben solche Agitation erfordern. Die möglichst große Aktivität, polttische Initiative und Ent- fchlußkrast, die jeden Kampf mit unseren letzten Zielen verbindet, in der Arbeiterklasse Zuversicht weckt, daß wenn auch die kapitalistische Welt uns Wunden schlagen kann, an diesen Wunden doch nur sie sterben wird, während wir selbst, wenn auch öfter zu Boden geworfen, doch stets mit immer neuen Kräften aufstehen und endlich den Sieg erringen— das ist es, was uns nottut. Jahrzehnte können diese Kämpfe noch dauern. Es können in ihnen Stockungen, ja, momentane Rückschläge erfolgen, eS können nach Teilsiegen Zeiten ruhiger Fortentwickelung folgen, die wieder von stürmischen Kämpfen unterbrochen werden. In der.Nordhäuser VolkSzeitung' heißt eS in drei Arttkeln über„Die Bedingungen zum Gelingen des Massenstreiks' unter anderm: ...„Wir haben, bestimmt durch den Einfluß der Auffassung der leitenden Instanzen, der wieder unterstützt wird von dem immer straffer werdenden Zentralismus in der Partei, in den letzten Jahren die Klassenkampfidee nur in sehr verdünnter Form wirksam werden lassen. Nur ja hübsch vorsichtig, war das immer wiederkehrende Leitmotiv jener Kreise für die Politik der Partei. WaS Mittel zur Stärkung der Wucht des Klassenkampfes sein soll, wurde unter diesem Gesichtspunkt Zweck des ParteilebenS und seiner Erhaltung wurde alles untergeordnet. Die Politik der Partei wurde anstatt zu einer immer sozialrevolutionäreren zu einer bloß radikalparlamentarischen, die von jenem, immer noch bittere Empfindungen auslösenden„Einhalts- befehl" zur ersten Feier des ersten Mai, zur Wahlparole nur gegen Teile der Herrschenden. Wieden schwarzblauen Block, zuDämpsungs- Parolen und Wahlabkommen mit den Liberalen führte. Diese Auf- fassung war auch nicht zuletzt die Ursache des BremsenS in dem zu Straßendemonstrationen gediehenen Wahlrechtskampf. Trotzdem diese kurze Spanne des Offensivkampfes schon einen geradezu glänzenden Erfolg hatte: die Erringung des ungehinderten Rechts der de- monstrierenden Masse auf die Straße. ... Die Arbeit in unseren Organisationen muß endlich mehr revolutionären Geist in sich aufnehmen und weiter zu tragen sich zur Aufgabe machen. So daß sie nicht nur das Rückgrat des Klassen- kampfes bilden, sondern auch seine weitauSlangenden Arme zur Um- fassung der Unorganisierten und Zusammenfassen in Massenakttonen. Heute füllt und durchzieht nur WerkeltagSstimmung unsere Versamm- lungen und sonstige Organisationstätigkeit. DaS Große und Hehre der geschichtlichen Mission der Arbeiterklasse ist von den Kleinarbeiten des täglichen Lebens verdrängt, die als selbständige Dinge betrachtet werden und nicht im organischen Zusammenhang mit dem letzten großen Kampf um das Endziel, um den Sozialismus... Nur die enge Umgrenzuug der AufllärungS- arbeit, die Verschwommenheit im Propagieren unserer Grund sätze sind heute die Schranken, an denen sich die Tatwerdung deö Massen st reik- gedankenS bricht. Sind doch die Schranken des Klassen- bewußtseins nach der sozialrevolutionären Seite hin von weiten Kreisen der Bewegung bewußt enger und enger gezogen worden. Dieses in die engen Schranken einer opportunistischen Politik gepreßte Klassenbewutztfein bildet heute aber den Kriftallisationspunkt im Dentteben weiter Lrbeiterkreise. Nichts führt von diesem Klassen- bewußtsein aufwärts in die revolutionäre Gedankenwelt des Klassen« kampfes, der doch nicht zuletzt auch in der Erkenntnis mündet, daß die Verweigerung der Arbeitskraft nicht nur zum Zweck der Möglich- keit günstiger Vertragsabschlüsse, sondern auch zum Kampfe um me Erlangung, Erweiterung und Erhaltung von Staatsbürgerrechten eine Pflicht moderner Proletarier ist.' Die.Königsberger Volkszeitung' schrieb: ....Wenn die Kampflust der Massen ein entschiedenes, konse- quentes Verhalten der Partei einmal hervorgerufen hat, dann kann die Wirkung zur Ursache werden und die Talkraft der Partei kann die Kampflust der Mafsen erhöhen. Wenn die Genossin Luxemburg oder andere Redner, deren Temperament, Begeisterung, Begabung eben noch ausreicht, die Kampflust der Massen zu entflammen suchen, so steigt der Beifall mit dem Grade der Wucht, mit dem zu den Massen gesprochen wird. Aber diese Aufrüttelung der Massen setzt sich in Taten nur um, wo die wirtschaftlichen und politischen Lebens- bedingungen eine Kampflust erzeugen, deren Ausdruck jene Aufrüttelung 1 der Massen ist. Die vom Redner entfesselte Kampflust verfliegt, wie die Erschütterung durch ein tragisches Theaterstück bei dem Abend« brot, mit dem sich nachher die Zuschauer über ihr Mitleid mit den Helden des Trauerspiels prosassch hinwegtrösten. Die von den Massen entfesselte Kampflust des Redners kann freilich die Kampflust der Massen verstärken. Die Erbitterung des preußisch-deutschen Proletariats hat bisher nicht die Opferfähigkeit bewirkt, die den Ausbruch des Massenstreiks in der nächsten Zeit erwarten läßt.... In Preußen-Deutschland ist zu gleicher Kampfesenergie eine viel größere Zahl nötig wie in romanischen Ländern. Der Kapitalismus vermehrt" ständig die Zahl des Proletariats, er steigert ständig den Unterschied in der Lebenshaltung zwischen Proletariat und großer Bour- geoisie, er rüttelt unaufhörlich die Massen auf, bis in einem Lande, dessen Regierung und bürgerliche Parteien förmlich die Preisfrage lösen, wie man das Proletariat am besten erbittern kann, auch der polittsche Massenstreik wie ein Naturereignis ausbrechen wird. Diesen Zeitpunkt durch Aufforderung oder Aureizung herbeizuführen liegt nicht in der Macht der Partei. Einstweilen bleibt uns kein anderer Weg, als durch die Presse, durch Versammlungeu und ganz besonders durch die parlamentarische Tätigkeit dem Proletariat den Beweis zu erbringen, daß sie weder von der Regierung noch von den bürgerlichen Parteien etwas zu erwarten haben, sondern nur von sich selbst. Und die einzige Partei, die das Werk nur des Proletariats ist, ist die Sozial- demokratie.'_ Hus der Partei.« Aus den Organisationett.' Am letzten Sonntag tagte in Königshütte der Partei» tag für den obersch le fischen Jndu st riebezrrk, der 9 ReichstagSwahlkreise umfaßt. Delegierte hatten entsandt die Wahlkreise Oppeln 2, Cosel— Groß-Strehlitz 1, Gleiwitz— Lublinitz 2, Beuthen— Tarnowitz 9, Kattowitz— Zabrze 9, Pleß— Rybnik 7, Rattbor 2. Leob- schütz 1. Unvertreten war Kreuzburg-Rosenberg. Außerdem waren anwesend neun Mitglieder der Bezirksleittrng. Der Parteivorstand war vertreten durch Genossen W e n g e l S. Eine Anzahl Ge« nassen aus den verschiedensten Orten des Bezirks_ wohnte den Verhandlungen als Gäste bei. Dem Geschäftsbericht, der sich über 9 Monate erstreckt und der vom Bezirkssekretär Genossen H ö n i n g- Beuthen erstattet wurde, ist folgendes zu entnehmen; In den 9 zum Bezirk gehörenden Wahlkreisen bestehen 29 Orts- vereine mit 2327 Mitgliedern, darunter 299 Frauen. Zunahme 263 Mitglieder. Mitgliederversammlungen fanden 221, Volksversamm- lungen 70 statt. Durch die fast über den ganzen Jndustriebezirk zentralisierte Abtreibung der Versammlungslokale mußte der Schlverpunkt der Agitatton auf das münd liche und die Verteilung von Druckichriften gelegt werden. Insgesamt wurden verteilt 3-15999 Flugblätter und 190099 Broschüren. Volkswacht- abonnenten sind zurzeit 2566 vorhanden. Die Einnahmen der Bezirks- lasse balanzieren bei einem Bestände von 362,12 M. mit 13 119,92 M. Die Beitragsleistung hat sich im allgemeinen gehoben, dagegen hob der Berichterstatter hervor, daß der Mitgliederzuwachs ein viel zu geringer ist, was zum Teil auf die große Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist. Die Fluktuation in der Mitglieder- bewegung als auch bei den„Volkswacht'-Abonnenten ist eine un« geheuer große. Die Tätigkeit der Bezirksleitung wurde ohne Debatte anerkannt. Hierauf beschäftigte sich der Bezirksparteitag mit der Kampfes- weise der P. P. S. gegen die deutsche Organisation und einein dazu von der Bezirksleitung vorliegenden, vom „Vorwärts' erst kürzlich veröffentlichten Antrag an den deutschen Parteitag wegen Schaffung einer Einheitsorganisation und Aufhebung des Mannheimer Parteitagbeschlusses vom Jahre 1906. Hüning- Beuthen führte hierzu folgendes auS: Trotz der ge- waltigen Unterstützungen, die die P. P. S. und ihr Organ, die „Gazeta Robotnicza", von der deutschen Partei in den letzten sieben Jahren erhalten haben— rund 198 000 M. inklusive 19 000 M. Ueberschuß des Geschäfts und 17 999 M. Kolportagezuschuß— habe es die P. P. S. im Höchstfalle nur auf 1199 Mitglieder in Ober« schlesien und 2300 Abonnenten der„Gazeta' gebracht. Entgegen dem Wunsche des deutschen Parteivorstandes, aus der dreimal wöchentlich erscheinenden. Gazeta Robotnicza' ein Wochenblatt zu machen, sei der täglich erscheinende„Dzienik' enfftanden. Und als der Parteivorstand deshalb die Hergabe weiterer Mittel für daS Blatt abgelehnt habe, fei er öffentlich des HakatismuS beschuldigt'worden, der in der Partei germanisieren wolle. Die schlimmsten Anschuldigungen würden von der P. P. S. und ihren Führern gegen die in der deutschen Arbeiter- bewegung tätigen Genossen geschleudert und damit dem Zentrum und den Nationalpolen viel Material geliefert. Die ganze Taktik der P. P. S. gehe in NationalpoloniSmus über. Von allen Delegierten wurden die Darlegungen HöningS bestätigt. Alle gaben der Meinung Ausdruck, daß es im Interesse der p o I i t i« schen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung Oberschlestens liege, wenn der deutsche Parteitag durch An- nähme deS Antrages auf Schaffung einer Einheitsorganisation den jetzt unhaltbaren Zuständen ein schnelles Ende be« reite, zumal selbst die Mehrzahl der polnisch sprechenden Ge- nossen dafür ist. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Personalien. AuS der Redaktion der„Alt�nhurgep Volkszeitung" schied Genosse Di kr ei t er auS. An feine Stelle trat Genosse Hermann Müller, langjähriger Redakteur an der Chemnitzer„V o l k S st i m m e". Genosse Wittrisch von der Frankfurter„Volks« stimm c" trat am Montag die viermonatige Gefängnisstrafe an, die ihm auferlegt ist, weil die„Volksstimme" zur Rede Wil» Helms II. im Landwirtschaftsrat, in der er seine Erfolge als Landwirt rühmte und von dem hinausgeschmissenen Pächter von Cadinen sprach, ein vaar Bemerkungen gemacht hatte, in welchen daS Gericht eine MazestätSbeleidigung fand. Auf drei Monate das Gefängnis bezogen hat«tuch Genosse Arno Reichard aus Weißwasser, weil er einen General- direktor beleidigt haben soll. Genosse Reichard ist so krank, daß der beauftragte Kreisarzt sogar den Strafaufschub aus§ 487, III der Strafprozeßordnung empfahl. Das ist aber abge, lehntworden.! Daß bei sozialdemokratischen-„Verbrechern' die btelgerühmte Amnestie nicht zur Geltung kommt, ist im ,ReKtsstaate" Preußen selbstverständlich._ letzte IVacbrlcbtcn. Eine serbische Aufrechnung. Belgrad, 3. Juni.(W. T. B.). Nach Mitteilungen aus mili, tärifchen Kreisen belaufen sich die Verluste der Serben in den b i s» herigen Kämpfen auf 7090 Tote und Verwundete, die Ver« luste der Bulgaren auf 23990 Tote und Verwundete sowie auf viertausend Gefangene. Im Laufe der Nacht und de?. TageS trafen gegen 2909 Verwundete hier ein. Die Marinerüstungen in Rußland. Petersburg, 3. Juli.(W. T. B.) Der Reichsrat hat das Gesetz über die Anweisung von 58 789 999 Rubel für de« Neubau von Kriegsschiffen, für ihre Ausrüstung und für die Anlegung von StaatSwerften gemäß dem sogenannten kleinen Programm tn der Fassung der Duma angenommen. Bestrafung brandstiftender Suffragetten. London, 3. Juli.(W. T. B.) Zwei Anhängerinnen beS Frauenstimmrechts, Klara Giveen und Kitty Marion, wurden zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteflt, weil sie die Tribüne auf der Rennbahn im Hurstpark in Brand gesteckt haben. iK> A.Weiiheun® MI! G« m« b* H. Leipziger Sirasse Konig-Str. Ai�SrL Rosenthaler Strasse Oranien-Sirasse Freitag and Sonnabend, soweit Vorhanden.* Artikel Werden nicht zugesandt. # Speisenfabrikate Roter Tischwein Wurstwaren gefärbt Elcr-Pudding;§�SÄt23pt mit Ter _ schiedenem?? Geschmack....... Paket" chmack Pake Stjcroa- Pudding m't Ter" Krachmandel-Pudding Paket23 pi Sultana-Pudding.. Paket 23 pi Nandel-Rosinen-Puddingpü.23 pi. Exquisite Pudding.. Paket 23 pi. Saucen-Pulver Pakete* 25. � 18 Pi Kunst-Gelce-Pulver �.T Geschmack...... 2 Pakete Rote Grütze-Pulver mit Ter on schied. 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Pfund 68 pt Sardellen..... ptund 65, 85 pt Neue Matjes-Heringe 10,15,20.25 pt ÄÄ 2-50 Neue saure Gurken stock 10 pr Gewürzgurken.«Liter-Dose 1.35 s= Kabeljau ohne Kopf, in ganzen Fischen Pfund Ii Pf. � 8eelaebs ohne Kopf,!n ganzen Fischen, Pfund i i Pf. W LebellHseb............. pfund 11 pf. MM Hornaale.............. Stück 18 Pf. V hdaRreleu.............. stück 15 pf. •J Lebende Aale... Pfund 70, 90 Pf, 1.10, 1.30 JJl bebende Schleie..... Pfund 1.03 V Lebende Krebse..... Mandel 30 pf. ws 4.00 Geflügel Pfund 58, 75 Pf. stück 3.35 bis 4.60 igy Stück 1.85 bis 3.40 MM �____________ Stück 40 Pf. bis 1.50 � Suppen- und Brathühner Stück 1.45 bis 2.60 TB � Jun�e C-änse � QänserüLnpFe ff» Junge Enten Junge Hühner it Nttmltimgsstelle Kerlin C 54, Limeußr. 88-85. Berwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1987. Amt Norden 18S. Amt Norden 1239, 9711. Montag, den 7. Juli I9IB: Bezirks- Versammlungen für die getarnte Oerwaltungsftelle Berlin in folgenden Lokalen: NOrdeil! Pharnssälc, Müllerftr. 142, abends 8'/, Uhr. N0rd8!l* oblslol> P��tsKle, Schwedter Strafte 23, abends Norden! Toigft-Xheater, Badstr. 58, abends 8'/, Uhr. Moabit! JPpachtsftle Nordwest, Wielefstr. 24, abends 8'/, Uhr. Cbarlottenburg! Volkshan«, Rosinenftr. 3, abends 8'/, Uhr. Taifal- Wohlfahrt« Fests&Ie, Reinickendorf, Eichbornstraße 18, IClJCt. abendS 6 Uhr. besten und Schöneberg! Za7p%?'%aaaZJ*!*%rre' OSteQ! Comcnlassäle, Memeler Strafte 67, abends 8'/, Uhr. f iohionltawff* Kcstaorant Knrkowski, Pfarrstrafte 74, LleUlcUUcrg. abends 81/, Uhr. Stralau-Rummelsburg! Sfä®Äv,ie'®iiut,tftta6c2' Velßensee! PPttlaten, Lehderstr. 122, abends 51/, Uhr. Bericht der Bezirksleitung und Neuwahl derselben. Südenbezirke: a�e1tTwtaft8,ia,,s'®,,9Clufcr15'®ttaI4' NeUkÖlln* �/&u�Cllt> FestB�Ie' Hermannstr. 48/49, abends StegHtZ! Albrechtahof, Albrechtstr. la, abends 8'/, Uhr. Köpenick u. Friedrichshagen: griedrichstr. 74, abends 8'/, Uhr. Oberschöneweide, Niederschöneweide, Johannisthal II II INN* Prochowühl, Rathanöstr. 13(gegenüber llldl U« UUiy., der Post), abends 81/, Uhr. SpandaU! Ueatanrant Dertz, Kursk. 21, abends 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: i. Stricht vom Verbandstag in Sreslan. 2. Stellungnahme znr aufterordentlichen Generalversammlung. Btf" Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-MG Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 121/8 vi« OrtsvvrTvoltaax. IM(ir IgpUnlt DmUli ZentraMand dei LadaiaiMar. Filiale Berlin. Bureau: N 4, Gartenstr. 101. Norden 4513. Sonnabend, S.Juli, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Emzelufer 15, Saal 1: Oeffeiiil. NkchmmIuW dttKupferslhniieiie Tagesordnung: Vortrag über:„Kann man Kupfer autogenisch schweißen?" Referent: Kollege Blehard Rudolph aus Dresden.' Zahlreiche Beteiligung erwartet Ber Flllnl vorstand. SS. Kühne. Deutscher Buchbinder-Verbami. Zahlstelle Berlin. Sonnabend, den 5. Juli 1913, nachm. von 2—7 Uhr findet in folgenden Lokalen die Wohl der Seisltzrr und Revisoren M Rerbandsoorliand statt. Gewerkfchastshaus, Saal 1. Mierisch, Friedrichsir. 16. Hippler, Hollmannsir. 16. 4. Zieme, Barnimstr. 13. 5. Eckhart, Müllerftr. 163. 6. Wiemers, Bülowstr. 58. Zu wählen find 6 Beisifter. Vorgeschlagen sind: F. Brückner. P. Schade, O. Wlenlcke, L. Jüncniann, F. Krzyniin. Th. Tentscher, H. Saner, K. Krüger, R. Bühne, Ii. Seemann und O. Winkel. Cä sind mindestens 5 Namen zu streichen. Revisoren sind 4 zu wählen. Vorgeschlagen sind: Otto RUH, Fritz Frendenrclch, Max Schüntelder. Rudolf Lohr und Panl Riemer. ES ist also 1 Name zu streichen. Der Name des Abstimmenden darf nicht auf den Stimmzettel geschrieben werden. Nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches resp. Karte kann gewählt werden. Wer länger als K Wochen restiert, kann nicht wählen. Zahlreiche Beteiligung erwartet 24/6 vi« Ortsvervraltnng. I. A.: R. Würzberger. Bevor Sie Ihre diesjährige Dampferpartie unternehmen, besichtigen Sie erst Voigts Krampetteg rden finden, daß es der schönste und Sie werden finden, und passendste Ausflugsort ist. Folgt, Post Schmöckwitz, Fernsprecher: Köpenick 227. Ortsverwaltnng Berlin I. Sonnabend, den 5. Juli, abends S'/s Uhr, Prinzenallee 33: Versammlung Tagesordnung: 1. Verbandsangelegenheiten. 2. Verschiedenes. 134/ Z Zahlreichen Besuch erwartet R«r Vorstand. mit Brat vernlctitet radikal Rademachers Goldgeist, ,*-. r- f T AO|T__ V.„ fn».VtIi-,CT T) � l,. Kopfhaut v, Schuppen, beford.d. Haarwuchs, verhüt. Zuzug von Parasiten.- Wichtiz fdr Schulkinder. lausende t. Anerkennungen. FI. ä 0.50 u. l.OO M. in Apotheken und Drogerlen. Man weise Nach- ahmungen zurück u. achte genau auf d. Xameu: Goldgeist! 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Jnh.: N�NSt �020�..................--—- Lerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In seratenteil verantw.z Uh�GlockelBe�mDruck u. Berlag?Vorw�tsBuchdr!?VeriagsanstaU Aaul Singer äilto., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u-Unterhaliungsbl. Hauptgeschäft: Alexanderftr. IL. Zweiggeschäste: vto, enthaler Str. 53— co«»»""»"«uvc x»o—«vrgt.c � Äeelle billige Preise, erprobte solide L.ualitäteii. guter Sift. richtige Machart, beste Verarbeitung, gröftte Auswaht Nr. 167. 30. Jahrgang. 1 KtilU Ks Amiirls" Krlim WsdlÄ Freitag, 4. Juli 1913. GcwcrkfcbaftUcbcs. Streihjurttz unter dem gemeinen Kedrt. In Stolp streikten seinerzeit die Maurer. Ein Streik- brechervermittler Maurer Paul Stricker holte aus Posen einen Trupp arbeitswilliger Maurer. Unter ihnen befanden sich einige, die mit den Maurern August R e m u s und Half Pap auf einer Eisenbahnfahrt Bekanntschaft gemacht hatten und von diesen auf den Streik in Stolp hingewiesen wurden. Bei dieser Gelegenheit gaben jene Maurer die Ver- sicherung ab, daß sie in Stolp nicht so ohne weiteres Arbeit annehmen würden. Sie hielten nicht Wort. Als nun am Abend des 14. Mai die Maurer den Arbeitsplatz in Begleitung des Stricker verließen, wurden sie von Streikenden, unter ihnen Remus und Halfpap, auf ihr unkollegiales Verhalten aufmerksam gemacht. Stricker lehnte sich dagegen auf und es dauerte nicht lange, da war der Streit zwischen den Parteien fertig. Als Stricker sich immer wieder ein- mischte, wurde er von Halfpap etwas unsanft zur Seite ge- schoben. Hierauf griff Stricker zwei scharf geladene Revolver und hielt sie den Streikenden entgegen.„Feiger Hund", „Streikbrecheragent" und„elender Wurm" waren nun die Bezeichnungen, die Stricker von der aufgeregten Menge zu hören bekam. Zu Ausschreitungen weiterer Art kam es indessen nicht. Die Menge zerstreute sich auf die Anordnung eines herbeigerufenen Schutzmanns. Die aufgeregten Rufe der Streikenden bildeten nun den Gegenstand einer Anklage. Neben den beiden Maurern Halfpap und August Remus mußten noch der Schuh- macher Hermann Remus, der Arbeiter Borowsky und Frau Remus auf der Anklagebank Platz nehmen. Bereits vor einer Woche stand Verhandlungstermin an. Die Angeklagten>oaren aber nicht erschienen, weil ihr Ver- leidiger am Erscheinen verhindert und ein gerichtsseitiger Auf- schub des Termins nicht zu erreichen war. Sie wurden aber noch am selben Tage verhaftet und festgehalten. Am Montag hat jetzt die Verhandlung stattgefunden. Der Amtsanwalt, ein früherer Jntendanturrat Gaul, beantragte eine exemplarische Strafe, weil die Angeklagten„Terrorismus" auch gegenüber dem Gericht(!) versucht hätten! Dieser„Terrorismus" bestand darin, daß die Angeklagten Verlegung des Termins wegen Behinderung ihres Verteidigers verlangt hatten und daß sie, als dieses nicht unbescheidene Verlangen abgelehnt worden, zum Termin nicht erschienen. In dieser Selbsthilfe, die den Angeklagten noch acht Tage Untersuchungshaft kostete, sieht ein pommerscher Amtsanwalt „Terrorismus"! Dieser Auffassung entsprach das gesamte Strafmaß: gegen H a l f a p als Rädelsführer sechs Monate Ge f ä n g n i s, gegen A. Remus wegen �Beleidigung 60 M. Strafe, gegen Frau Remus 70 M. Strafe, gegen den Maurer B o- r o w s k y, der einem Arbeitswilligen zugerufen hatte:„Dich treffe ich noch!" vier Monate Gefängnis; nur H. Remus sollte freigesprocheu werden. Das Gericht ging über diese Anträge zum Teil weit hinaus. Es erkannte gegen H a l f a p auf neun Monate Gefängnis, gegen A. Remus auf drei Monate Gefängnis, gegen Borowsky und Frau Remus auf je eine Woche Gefängnis. Hermann Remus mußte freigesprochen werden. Der Gerichtshof folgte in der Hauptsache den Deduktionen des Rechtsanwalts Schüler, Vorsitzender des Stolpcr Nationalliberalen Vereins, der als Vertreter des Neben- klägers Stricker meinte: Die Angeklagten sollten dem Stricker dankbar fein, daß er den Revolver gezogen habe.(!) Denn sonst hätten sie sich vor dem Schwurgericht zu verantworten. Die Strafe sei viel zu gering; sie müsse bedeutend höher sein. Auch im vor- liegenden Falle hätte es, wie in Stettin, sehr leicht Menschenleben kosten können, wenn Stricker nicht so große Vorsicht geübt hätte!— Also hätte wohl dem Revolverhelden gar noch eine Belohnung dafür gebührt, daß er die Streikenden, die in Wahrung ihrer sehr berechtigten Interessen handelten, mit dem Revolver bedrohte? Der nationalliberale Rechtsanwalt erörterte auch die Frage, ob es nicht notwendig sei, besondere Gesetze zum Schutze der Arbeitswilligen zu schaffen, wenn die bestehenden Gesetze nicht ausreichten. Das Stolper Urteil wird ihm wohl nun gezeigt haben, daß eine solche Notwendigkeit, selbst vom Standpunkte eines nationalliberalen Scharfmachers aus betrachtet, nicht vor- liegt. Mel dringender erscheint uns, daß sich die Gesetzgebung recht bald einmal intensiv mit der Frage des Schutzes der Streikenden beschäftigt, des Schutzes sowohl gegen die Provokationen, Bedrohungen� Mordanschläge der Streik- brecher wie des Schutzes gegen die-harten Urteile der Ge- richte!_ Berlin und Umgegend. Die Firma L. Winisli-Berlin, Schönhauser Allee 3(Zigaretten- fabrik Herbstoli), ist wegen Nichtanerkennung des Tarifs für Zigaretten- und Zigarettenhülsen-Maschinenführer gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Friseurgehilfen! In die Liste der Tarifgeschäfte sind noch nachzutragen: Stein, Lothringer Str. 41; Cordinal, Man- teuffelstr. 75; Gärtner, Rigaer Str. 98; Szudkowski, Kösliner Str. 5. Aufgelöst ist das Tarifverhältnis bei Rybicki, Waldstr. 24; Mortini, Bergmannstr. 112 und Luisenufer 21. Verband der Friseurgehilfen. Deulkekes Reich. Die Schiffszimmercr der Werften Gebr. Weiß und Gebr. D r ö s ch e r in Rathenow legten am 1. Juli die Arbeit nieder, weil ihnen ihre Forderung: Erhöhung des Stundenlohnes um 3 Pf. für dieses Jahr und weitere 2 Pf. für nächstes Jahr abgelehnt wurden. Bisher wurden 45 Pf. gezahlt. Die Streikenden, welche sämtlich dem Zentralverbande der Schiffszimmerer angehören, ersuchen um strikte Fernhaltung des Zuzugs. Der Streit der Metallarbeiter auf der Schiffswerft Wollheim in Kofel bei Breslau hat nach vierwöchentlicher Dauer mit einem Erfolge für die Arbeitnehmer geendet. Die wenigen Streikbrecher müssen sofort den Betrieb verlassen. Alle Streikenden werden wieder eingestellt und treten in ihre alten Rechte ein. 423 Arbeiter erhalten Lohnzulagcn; die Akkordlöhne werden ebenfalls aufgebessert. Für die ivegen der großen Aufträge dieses Jahr ausfallenden Ferien werden besondere Entschädigungen gezahlt. Der Erfolg ist lediglich dem Umstände zu danken, daß alle Arbeiter des Betriebes mit wenigen Ausnahmen freigewerkschaftlich organisiert sind. Christliche Gewerkschaftssekretäre als Streikbrecher- lieferanten. Bei der Firma Langbein u. Co. in Karlsruhe-Rheinhafen stehen die Arbeiter wegen Maßregelung des Vertrauensmannes seit drei Wochen im Streik. Die Arbeitseinstellung erfolgte einmütig, sogar christlich organisierte Holzarbeiter beteiligten sich an derselben. In zwischen suchte die Firma im„Schwarzwälder Boten" sNr. 13ö vom 15. Juni 1913) unorganisierte oder christlich organisierte Säger, anscheinend jedoch ohne Erfolg. Da übernahm es der Bezirksleiter August Kuhn vom christlichen Verband der Fabrik-, Verkehrs- und Tränsportarbeiter, die Streikbrecher zu liesern, und er begab sich zu diesem Zweck nach Jokgrim in der Pfalz, wo er eine Anzahl Leute unter dem Vorgeben, es handele sich um keinen Streikbruch, nach Karlsruhe zu lotsen suchte. Ein Teil der von christlicher Seite angeworbenen Arbeitswilligen konnte unterwegs schon aufgeklärt werden und diese kehrten sofort zurück. Die übrigen wurden am Mühlburger Bahnhof von den christlichen Funktionären Kuhn, Stocker und U n g e r e r empfangen, welche sie zur Arbeitsstelle geleiten wollten. Doch auch diese weigerten sich sofort, als Streikbrecher tätig zu sein. Der christliche Fabrik- und Transportarbciterverband hat sich schon öster als Streikbrecher organisation gezeigt, indessen wurde die Streikbrecherwerbung noch nie so offen getrieben. Der christliche Fabrik- und Transportarbeiter- verband hat weder im Betrieb noch unter den Streikenden irgend ein Mitglied; es ist damit auch der beliebte christliche Einwand ge- fallen, daß es sich bei dieser Streikbrecherlieferung um die Existenz der christlichen Organisation gehandelt hätle. Ausland. Generalstreik in den afrikanischen Goldgruben. Nach in London einlaufenden Berichten herrscht im südafrikanischen Goldgrubengebiete große Besorgnis wegen des Generalstreiks, den Gewerkschaftsföderation und Bergarbeiterverband für den heutigen Freitag angekündigt haben. Schon stehen 5000 Goldgrubenarbeiter im Kampf und stündlich vermehrt sich die Zahl der Ausständigen. Der Streik hatte seinen Ursprung in den Kleinfonteingruben, wo vor einiger Zeit der Unternehmer die Sonnabendnachmittagsschicht einiger Mechaniker verlängern wollte. Die Arbeiter der ganzen Grube traten darauf in den Streik. Die Unternehmer zogen dann ihre Forderung zurück, weigerten sich aber, die inzwischen ein- gestellten Streikbrecher zu entlassen. Nun zogen die Streikenden von einer Grube nach der anderen und bewogen ihre Kameraden mit- zustreiken. Auch die Arbeiter der großen elektrischen Kraftzentralc, welche die Pumpen der Gruben versorgt, schlössen sich ihnen an. Die weißen Bergarbeiter in den Randgrubcn sind durchweg Auf- seher der Schwarzen oder Mechaniker. Viele der Schwarzen wollen nun ohne den weißen Meister nicht arbeiten. Viele von ihnen sind schon nach Hause gewandert. Ob die Eisenbahner, die Staatsangestellte sind, mitmachen werden, ist noch nicht sicher. Was die Lage besonders gefährlich macht, ist die Tatsache, daß die Regie- rung infolge der zehnprozentigcn Profitsteuer iu großem Maße von der Produktion der Goldgruben abhängig ist. Daher hoffen die Londoner Goldgrubenherren, daß die südafrikanische Regierung den Streik schleunigst niederknüppeln wird. Englisches Militär rückt auf die Goldminen aus allen Landesteilen heran. Man holt Polizisten aus anderen Orten und bewaffnet die Beamten und Schreiber der Gesellschaften. Auf dem Geldmarkt dürften sich die Folgen des großen Kampfes bald bemerkbar machen, da die 800 000 Pfund Sterling Gold aus- bleiben werden, welche die Randgruben wöchentlich liefern. Bc- sonders der Londoner Markt ist zurzeit noch mit nicht aufgenommenen Emissionen überladen. Man wird sich deshalb auf eine allgemeine Einschränkung des Kredits gefaßt machen müssen. Kilitäl'bovliott vor Sem kieichzgericht. Vergeblich hat noch jüngst die sozialdemokratische Fraktion sür ein ausdrückliches gesetzliches Verbot eines Militärboytotts ge- kämpft. Wie solcher Militärboykott unlauteren Wettbewerb groß- zieht, zeigte eine Zivilklage, die am 1. Juli vor dem Reichsgericht verhandelt wurde. Der Direktor des Böhmischen Brauhauses in Jnsterburg und ein Reisender dieser Brauerei vertrauten wohl wenig der Güte ihrer Brauerei im Wettkampf gegen, das Bürgerliche Brauhaus in Jnsterburg. Sie griffen zu dem Mittel der unlauteren Konkur- rcnz durch Verbreitung unwahrer Behauptungen. So teilte der Direktor B. des Böhmischen Brauhauses dem Kommandeur der 2. Division mit, seine Konkurrentin habe das furchtbare Verbrechen begangen, die Sozialdemokratie zu unterstützen. Darauf erging von der Militärbehörde der 2. Division im Sommer 1910 das kaum glaubliche Bcrbot an die Militärkantincn und Militärkasinos, Bier aus dem Bürgerlichen Brauhaus zu beziehen. Das Bürgerliche Brauhaus klagte nun auf Grund des§ 14 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb gegen das Böhmische Brauhaus in Jnsterburg, die Verbreitung solch unwahrer Angaben die detailliert angegeben wurden, zu unterlassen und eventuell den Schaden zu ersetzen, der aus solchen Angaben entstehe. Das Landgericht Jnsterburg verurteilte die Beklagte in vollem Umfang. Das Oberlandesgericht Königsberg wies die Klage insoweit ab, als sie die Unterlassung der Verbreitung verlangte, die Klägerin habe die Sozialdemokratie unterstützt, denn das Bürgerliche Brauhaus habe in der Königsberger„Volkszcitung" inserieren lasse». Das sei aber eine Unterstützung! Hiergegen legte die Klägerin mit Erfolg llicvision ein. Das Reichsgericht hob das Urteil des OberlandcSgcrichts auf und wies die Sache zur nochmaligen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurück. Zur Begründung führte das Reichs- gericht aus, daß es an und für sich zwei ganz verschiedene Tat- fachen sind, ob jemand die sozialdemokratische Partei unterstütze oder ob er lediglich in einer sozialdemokratischen Zeitung inseriere. Das habe das Oberlandesgcricht nicht genügend beachtet, obwohl es bei Anwendung des 8 14 des Wcttbewerbsgesetzcs gerade darauf ankomme. Ivelche Tatsachen von der beklagten Partei behauptet worden sind. Außerdem sei das Oberlandesgericht nicht auf einen Beweisantrag der Klägerin eingegangen, die sich auf das Zeugnis eines Majors berufen habe, der erklärt hatte, daß der Militär- bohkott darauf zurückzuführen sei, daß dem Kommandeur v. H. ausdrücklich die wahrheitswidrige Tatsache berichtet worden sei, das Bürgerliche Brauhaus zahle Beiträge an die sozialdemokratische Partcikasse. sAktenzeichenll. 143/13.) Der Jnstcrburger ist nicht der einzige Fall, daß die Möglichkeit der Verhängung eines Militärboykotts unmoralische Handlungen f)enn Rochefort. Der politische Sturmwind, den die große Revolution in Frank- reich entfesselt hat, wirst auch die genießenden Dilettanten in die Wirbel des öffentlichen Lebens. Zu den Dilettanten gehörte Henri Rochefort ebenso wie die etwas jüngeren Clemenceau und Anawle France. Nur war er sine weniger komplizierte Natur, trotzdem es an scharfen Gegensätzen in seiner Natur ebensowenig fehlt, wie an knatternden Paradoxen i» seinen Artikeln. Blaublütigcr Aristokrat und Demagoge, im Streit maßlos bis zur wüsten Ver- leumdung und doch ritterlich gegen vergeivaltigte Gegner, ein ge- neröser Feuerwerker des Esprits und voll nüchternen Erwerbsinns im Privatleben, zeigt er doch einfache Grundlinien der Person- lichkeit. Unter Franz l. wäre ein verarmter Marquis von Luqay- Rochefort ein hitziger Turnicrheld und in späteren Lebenstagen Marschall von Frankreich geworden, unter dem vierzehnten oder fünfzehnten Ludwig vielleicht em kraftiprühender Abenteurer, der in der Levante oder in Amerika seinen Ruhm, seinen Reichtum und seinen Harem gewonnen hatte, in dem zur Zentrale aller Gelegenheiten gewordenen kaiserlichen laris mußte er Journalist werden. Gin Journalist im alten Sinne, der sein Gewerbe für das Fach aller Fächer ansieht— chw eine Fechtkunst, die sich nach keinen Zwecken außerhalb ihrer selcht umsteht. Es hat wohl selten Menschen gegeben, die von einem so wirblichen Tanz von Erlebnissen zu erzählen hatten, wie Rochefort in seinen Me- moiren. Aber es sind eigentlich doch nur Anekdoten, keine Ideen, die dieses Leben erfüllen. Ein verwirrender Maskenball von Be- gegnungen— in Zeitungs- und. Parlamentssaleu, in Gefäng- bissen und auf Turfplätzen, in den Schrcckensorten oer Deportation und im Feilscherlärm des Versteigerungsamts, in Salons bigotter Gräfinnen und in dumpfigen Trödlerläden»-unübcr» fehbar viel Intrigen, Rausch und Triumph, List und Witz, aber am Ende kein Erkennen, auch keine tiefere Liebe, ja nicht einmal ein tiefer Haß, trotzdem wohl kaum jemand einen größeren Vorrat von Schmähungen aufgebraucht hat. Zu den bewegenden Gedanken seiner Zeit hatte dieser Mann, der sich in soviel„Be- wegungen" herumtrieb, überhaupt kein Verhältnis. Er war ein hitziger, schwungvoller Raufbold, kein Kämpfer. In seiner Jugend hat er für einen Revolutionär gegolten, weil er die napoleonische Dynastie in wilden Pamphleten blutig peitschte. Aber in seiner Opposition, die aus einem individualistischen Drang nach Ellen- bogenfreiheit und aus einer naiven Freude am Auffehen ent- sprang, zuckte vielleicht der Trotz des abgesetzten Feudalen gegen eine Gesellschaft auf, in der� die Rotüriers und stillosen Empor- kömmlinge triumphierten und ein junger� erfolgdürstender Mar- quis aus dem Uradel obskure Schrciberdienste in einer Amtsstube besorgen mußte. Nein, ein Revolutionär ist er nicht gewesen— kein UmWälzer, sondern höchstens ein„Umstürzler" im Polizeisinn und darum täte man ihm bitter unrecht, wollte man ihn um der Kampf- stellung willen, die er in seiner ziveiten Lebenshälfte gewählt hat, des politischen Verrats beschuldigen. Er ist, trotz seiner zehn- tausend oder zwanzigtausend politischer Artikel überhaupt kein Politiker gewesen, denn ihm fehlte der Wille zur Macht, zur persönlichen wie zu der einer Klasse oder Partei. Er war und blieb ein Feuilleionist, dem die Politik der liebste Gegenstand war, weil sie das zahlreichste und am meisten impressionable Publikum hat. Als er in das Heerlager der Reaktion abschwenkte, ist er auch nicht wie andere zum Betbruder, traditionalistischen Snob oder Sophisten des Gottesgvadentums geworden— schon oarum, weil er für den steifen konservativen Dogmatismus zu quecksilbern, lebenskundig, pariserisch und schließlich zu ehrlich war, um über Dummköpfe feierlich zu sprechen.. Er war ein Mann der Knalleffekte, der öffentlich nur im zxor- tissimo zu reden wußte und aus dieser Eigenschaft ein. bürgerliches Metier machte, dessen Früchte er halb in einem koketten Amateur- leben, halb in stillen Werken reinster Herzensgüte verbrauchte. Von den Befreiungsgedanken, die im Chaos der Kommune eine neue Welt vorbildeten, hat er nichts begriffen, und nur die tolle Räch- gier der Sieger kann seine Deportation nach Neu-Kaledonien er- klären, deren Qualen er sich durch eine berühmte, in Gemeinschaft mit den Kommuneminiern Jourde und Paschal-Crousset und ande- ren unternommene Flucht entzogen hat. Der Boulangismus hat dann dem Mißverständnis ein Ende gbmacht, das ihn ein paar Jahre lang unter dem Namen des Blanquismus mit echten Revo- lutionärcn wie Vaillant zusammenhielt. Aber er bewahrte den Genossen auch seiner älteren Sturmzeiten eine redliches Gedenken und hals ihnen, wenn es nottat, ohne die Gabe kleinlich zu messen. Nicht nur der gütigen Louise Michel, mit der ihn einmal engere Bande verknüpft hatten und die auf ihn immer rechnen durfte, wenn es galt, Tränen zu stillen und Dürftigen Brot zu reichen. Gar mancher alter Kommunard hat seine Greisenjahre dank einer Rochefortschen Pension gefristet, u. a. der General Wroblcwski. Und für die Freiheit der Presse und zum Protest gegen politische Vergewaltigung hat er sich allezeit erhoben. Der achtzigjährige Ehrengreis der Patriotenpartci ist ohne Scheu für die angeklagten Herveistcn und Syndikalisten an die Zeugenbarre getreten. O. P. Berliner Lust. Die Berliner Lust erfreut sich bei Hhgienikern weder eines besonders guten noch eines schlechten Rufes. Sie ist so, wie sie in einer Millionenstadt nur sein kann. Unangenehm wird es, wenn man sich in die Tiefe, in die Schächte der Unter- grundbahn begibt. Dort wehen Dünste entgegen, die einem das Atmen benehmen möchten. Die mannigfachen Klagen, die über die verdorbene Luft von feiten des Publikums erhoben wurden, haben nun zu einem interessanten Versuch Anlaß gegeben, den Dr. Arnoldi vom Medizinisch-Poliklinischen Institut der Universität ausgeführt hat. Wie der Forscher in der„Klinischen Wochenschrift" berichtet, hat sich auffallenderweise gar keine Anreicherung der Kohlensäure in der Atmosphäre der Bahnhöfe wie der Wagen im Vergleich zu normalen Verhältnissen nachweisen lassen. Die Grenz- werte, die für eine gute, mit Ausatmungsluft, die bekanntlich viel Kohlensäure enthält, vermengte Luft von den Hygienikeni angegeben werden, schwanken beträchtlich, nämlich zwischen 0,07 und 0,3 Prozent Kohlensäure. Die frische Luft enthält nur 0,02 bis 0,05 Prozent Kohlensäure. Die Lust in den llnter- gnmdbahnhöfen war mit 0,04 bis 0,12 Proz. Kohlensäure belastet, in den Wagen mit 0,05 bis 0,44 Proz. Dabei unterschieden sich iu ihrem Gehalte deutlich die Morgen- von den Abendstunden, die leeren Wagen von den besetzten, die höhere Klaffe von der niederen, die Nichtraucherabteile von den Raucherwagen. Am schlechtesten war die Luft in den Raucherabteilen 3. Klasse mit 0,18 Proz. Fast alle anderen Berliner Verkehrsmittel schneiden schlechter ab. Die Stadtbahn hat gegenüber der Untergrundbahn in ihren besetzten Abtxilen einen Ueberschuß von 0,07 bis 0,16 Proz., die Omnibusse einen solchen von 0,01 bis 0.9 Proz. Nur die Straßen- bahnwagen stehen wegen der ausgiebigeren Lüftung etwas besser. Viel schlechter ist die Lust der Schulstuben mit 0,3 Proz. In großen Versammlungen, stark frequentierten Kollegs kann sie auf das Bier- fache dieser Zahl ansteigen. In den Berliner Restaurants und Cafes weht auch nicht die frische Lust des Hochgebirges. Zugleich mit dem Zigarrenrauch atmen wir an diesen Stätten des Vergnügens noch 0,333 Proz. Kohlensäure ein. Die Störche und die modernen Erfindungen. Dem„Tierfreund" schreibt Dr. A. Fischer-Sigwart in Zofingen: Unseren Störchen droht ein neues Unheil durch die Luftfahrt, Als der Flieger Favre in Zofingen seine Flugübungcn machte, flog er auch in der Nähe von Brittnau vorbei. Das Storchenpaar dieser ältesten bekannten Storchenstation des Aargaues hatte schon seit einiger Zeit von seinem Neste Besitz genommen, geriet aber beim Vorbeifliegen des rasselnden Riesenvogels in Angst, flog hoch auf und verschwand. Nach etwa vierzehn Tagen kam einer der beiden Störche auf kurze Zeit zurück, verschwand aber wieder, wahrscheinlich, Iveil er in der Ferne wieder eine Flugmaschine hoch in den Lüften sah und hörte, da nämlich gerade der Flieger Bider nach Aarau einrückte. Seither sind die Störche in Brittnau verschwunden, und es bleibt abzu« warten, ob sie im nächsten Jahre oder überhaupt in Zukunft wieder- kommen und sich an die Flugmaschine gewöhnen werden, oder ob letztere den Storch ganz aus der Schweiz und auS anderen Ländern Hus Induftrie und Kandel. Frankreichs Eisenerzproduktion im Jahre 1912. Nach Mitteilungen im„Economiste Fran?aiS" hat die Ausbeutung der in Frankreich gelegenen Eisenerzlager einen gewaltigen Aufschwung genommen. Die Ausbeute stieg in den Jahren 1907 bis 1911: Normandie Anjou Bretagne Tonnen 1907;.... 326 700 3118 125 301 1911..... 619 019 92 466 189 700 Etwa ein Drittel deZ in der Normandie gewonnenen Erzes wird in französischen Werken verarbeitet, die zwei anderen Drittel werden nach England und Deutschland verkauft. Das Erz aus dem Anjou und der Bretagne geht nach Nantes und Saint-Nazaire. wo etwas über ein Drittel in einem französischen Hüttenwerk verarbeitet wird und von wo der Rest zur Ausfuhr gebracht wird. Die Ausfuhr des normannischen Erzes erfolgt, von einem kleinen Teil abgesehen, der über Granville geht, von Eaen aus, das durch einen Kanal mit der See verbunden ift. Am Anfang des Jahres 1913 ist beschlossen worden, den Kanal zu verbreitern und ihn in der Nacht elektrisch zu erleuchten. Auf diese Weise wird der deutsch- französische Verkehr erleichtert werden, der Koks nach Frankreich bringt und Erz dafür nach Deutschland nimmt. Die Erzgewinnung in den lothringischen Bassins ist dieser Produktion weit überlegen! sie beträgt gegenwärtig allein in Briey-Bassin mehr als das zehnfache und wächst in den letzten neun Jahren sehr beträchtlich, von 1908 durchschnittlich um 2 Millionen Tonnen, wie nachstehende Tabelle zeigt: 1904...... 1647 000 Tonnen 1908...... 4 368 422 1912...... 12 676 399 Im Nancy-Bassin wurden ausserdem im Jahre 1912 etwa zwei Millionen, im Longwy-Bassin etwa 2Vz Millionen Tonnen Erz ge« Wonnen, so daß im französischen Osten allein unter Einschluß aller Erzgruben 17,235 Millionen Tonnen im Jahre 1912(gegen 15,054 Millionen Tonnen im Jahre 1911) gefördert wurden. Endlich geht inan auch in den Pyrenäen an die Ausbeutung von Gruben, aus denen ntan hofft, bald etwa Millionen Tonnen zu gewinnen. Kriegswirkungcn. Ein interessantes Schlaglicht auf die Wirtschaft� liche und Geldmarktlage im ersten Halbjahr 1913 wirft eine von der Finanzzeitschrift.Die Bank" veröffentlichte Zusammenstellung der Gründungen und Kapitalserhöhungen. Während im ersten Semester 1912 243 Aktiengesellschaften ihr Kapital um 493 906 000 M. er- höhten, betrug das von 190 Aktiengesellschaften in der gleichen Periode 1913 beanspruchte Kapital nur 210 587 000 M. Die Grün> düngen von Aktiengesellschaften weisen ebenfalls einen Rückgang, wenn auch keinen so starken auf. ES wurden nämlich 92 Aktien- gesellschaften mit einem Kapital von 119 365 000 M. gegründet gegen 83 mit 146 796 000 Mark Kapital im Vorjahr. Eine kleine Steigerung ist nur bei den Kapitalserhöhungen der Gesellschaften m. b. H. zu verzeichnen. 530 G. m. b. H. rhöhten ihr Kapital um 57 338 000 M. gegen 404 G. m. b. H. mit 7 784 000 M. im Vorjahre. Die Gründungen von G.� m. b. H. laben ebenfalls nachgelassen und zwar sind 2180 Gesellschaften n. b. H. mit 171965 000 M. Kapital gegründet worden gegen 1214 Gesellschaften mit 196 059 000 M. im Jahre 1912. In Ungarn hat der Ultimo wiederum eine Reihe von ZahlungS- schwierigkeiten, besonders in der Manufaktnrwarenbranche, zur Folge gehabt, darunter in Budapest bei den Firmen Mollinger u. Deutsch sowie ForuS, Sinsor u. Resch mit je über 100 000 Kronen Passiven und in MarmaroS-Szigoth bei der Manüfakturwarenfirma Solomon Steinmetz und Frohmann Kratz mit 256 000 Kronen Passiven. Soziales. Alkohol und Schule. In einem Vortrag, den Universitätsprofessor Heckcr im Mün- chcner Verein alkoholgegnerischer Aerzte hielt, stellte er fest, datz er in drei Müuchener Volksschulen mit einem Gesamtmaterial von 4533 Schülern folgende Zahlen fand: 56 Proz. genießen regel- mähig, 30 Proz. manchmal, 14 Proz. nie Alkohol. Seine ein- gehenden Untersuchungen ergaben weiterhin, daß Alkoholgenutz zu körperlicher Frühreife führt. Die psychische Wirkung hat bereits Äraepelin nachgewiesen. Auch Hecker kommt zu ähnlichen Ergeb- nissen. Er hat bei Schülern dreier Volksschulen und einer Mittel- schule(höheren Schule) den Alkoholgrnust zu den Fortgangs- und Fleißnoten in Beziehung gesetzt. Er fand bei den Abstinenten, dah ihr Anteil an den schlechteren Noten geringer wird, während Alkoholgeniehende sich an den verschlechternden Noten in zunehmen« der Anzahl beteiligen. Auch führte Heckcr aus, datz nicht das vcr- schiedenartige Milieu der gebildeteren und einfacheren Schichten an sich ausschlaggebend ist, sondern datz jener Unterschied zwischen Abstinenten und Trinkern innerhalb des gleichen Milieus auftritt. Es wurde auch hervorgehoben, datz in den letzten Jahren durch vertreiben wird. Die Abnahme der Störche ist eine rapide ge- worden und dauert immer noch fort. Vor wenigen Jahren blieben zum erstenmal die Störche in Lenzburg, ebenfalls einer uralten Storchenkolonie, weg und kamen seither nie wieder, weil die Stark- stromleitung einen alten und zwei junge Störche getütet hatte. In Schöftland, der dritten seit Menschengedenken bestehenden Station im Aargau, fiel im August letzten Jahres ein alter Storch ebenfalls der Starkstromleitung zum Opfer. Infolge dieses Storchmihgeschickes blieb die Station Schöftland dieses Jahr(1913) unbesetzt. In Zofingen sind aus dem gleichen Grunde die Störche seit einigen Jahren weggeblieben, nachdem sie länger als zehn Jahre dort gehaust hatten. Noch eine Reihe weiterer Storchenstationen ist durch die Starkstromleitungen beschädigt oder vernichtet worden. Wenn zu den heimlichen An- feindungen und den Starkstromleitungen als Schädigern der Storchenkolonien und wohl überhaupt der Storchenwelt nun auch noch die Flugmaschinen kommen mit ihrem starken Gerassel und ihrem gespenstischen Erschemen, so wird in kürzester Frist der Storch in der Schweiz nur noch ein Kindermärchen aus vergangenen Tagen sein._ Notizen. — Die Berliner Nationalgalerie hat aus dem Nachlatz des Berliner Landschafters Albert Hertel zwei Werke erworben:»Die Mädchen in Capri" und»Der alte Hof in Scheveningen", beide aus den 70 er Jahren. — Die Berliner Medizinische Gesellschaft hat eS abgelehnt, eine Kommission zur Prüfung des Friedmann- schen Tuberkulosemittels«inzusetzen. Es bleibt Friedmann freigestellt, sein Mittel, dessen Wert vielfach angezweifelt wird, Kliniken zur Verfügung zu stellen. — Ein Schriftsteller, der sich nicht feiern lassen will.»An meine Freunde und Leser und alle, die inir gut sind," schreibt Peter Rosegger im.Heimgarten",»richte ich eine innige Bitte: Mir ist zugelragen worden, datz man gelegentlich meines siebzigsten Geburtstages auf meinem Sommerheim mir persönlich mancherlei Ehrungen plant. Schon die Absicht erreicht ihren Zweck und erfüllt mich mit Dankbarkeit. Aber ich muh von Herzen bitten, die Abficht nicht zu verwirklichen." — Der Maler Karl Haider soll in Schliersee em Denkmal erhalten. Die Freunde und Verehrer des Naturpoetcn sollten wirklich etwas Besseres ersinnen, um den Meister der Andacht zur Natur zu ehren. Professoren für die Anatomie. In einer Versamm- lung des Pariser Leichenverbrennungsvereins erklärte Professor Pinard, ein Mitglied der medizinischen Gesellschaft, datz er seinen Leichnam nach dem Tode zu operativen Zwecken hergeben werde im Einverständnis mit seiner Familie. Nach dieser Mitteilung erhob sich auch Professor Barrier, der Vorfitzende dsS Vereins und erklärte, daß er diesem Beispiel folge. die lebhafte Wunder- und Wehrkraftbewegung die Enthaltsamkeit bei den Knaben erhebliche Fortschritte gemacht habe, weniger bei den Mädchen, denen der Sport im allgemeinen eben nicht so zu- gänglich sei. Gcmcinschädlichkcit des Privateigentums am Grund und Boden. Wie die Bodenspekulation das Allgemeinwohl schädigt, wurde in einer Versammlung der Schönauer Baugenossenschaft von deren Vorsitzenden, dem Gemeindevorstand Schulze, an der Hand der in dieser Gemeinde herrschenden Verhältnisse wie folgt beleuchtet: Seit 1899 hat sich die Zahl der von der Industrie in Schönau be- schäftigten Arbeiter um 300 Proz. erhöht, die Einwohnerzahl ist aber die gleiche geblieben und sogar in der Zeit von 1905 bis 1910 eine fallende Tendenz gezeigt. Im Jahre 1912 überstieg die Zahl der in Schönau beschäftigten Arbeiter die Einwohnerzahl Schönaus. Das ist ein ungesundes Verhältnis. Warum blieb das Wachstum der Gemeinde zurück? Grundstücksspekulanten kauften die Fluren der Gemeinde auf, in deren Hhnden sich fast ganz das Gelände be- findet. Die Gemeinde verfügt nur über einen schmalen Streifen. Die Spekulanten halten das Gelände zurück. Dafür nur ein Bei- spiel: Ein Gutsbesitzer verlangt jetzt für einen Quadratmeter Land 9 Mark, das ihm vor 20 Jahren, also vor nicht allzulanger Zeit, 17,3 Pfennige gekostet hat. Ter Bodenwucher war es, der die Ent- Wickelung der Gemeinde Schönau zurückgehalten hat. Lehrlingsausbeutung. In Spremberg in der Niederlausitz sind sieben Schlosserei- betriebe, welche insgesamt neben 17 Gehilfen 33 Lehrlinge beschäfti- gen. Diese Lehrlinge werden in geradezu unerhörter Weise von den Meistern ausgenutzt. Es haben in der letzten Zeit, in einem Zeitraum von vier Wochen, 21 Lehrlinge zusammen 158(4 U eberstunden arbeiten müssen. Daran nicht genug, halten es auch die „Lehrherren", welche sicherlich gute Patrioten und fromme Ehristen sind, für statthaft, die jungen Leute Sonntag für Sonntag für sich schanzen zu lassen. An sieben aufeinanderfolgenden Sonntagen lmit Ausnahme des Pfingstsonntags) haben alle 33 Lehrlinge der sieben Betriebe insgesamt 690(4 Stunden gearbeitet. Einige haben 5, andere 6, einer hat sogar 7 Sonntage hintereinander arbeiten müssen. Und es handelt sich bei der Sonntagsarbeit keineswegs um nur einige Stunden, sondern um Arbeitszeiten von 5, 6, 7 bis 11 und 11(4 Stunden. Ein 15jähriger Lehrling hat an einem Sonntage 11 Stunden, am darauffolgenden 11(4 Stunden arbeiten müssen. Ein anderer 15jähriger Lehrling arbeitete vier Wochen lang Ueberstunden und� außerdem an den dazwischen liegenden vier Sonntagen je 6 Stunden. Ein weiterer 15jähriger Lehrling arbeitete an 6 aufeinanderfolgenden Sonntagen. Sogar ein 14jähriger Lehrling muhte 6 Wochen hintereinander Sonntags arbeiten. Warum schreitet gegen solche Ausbeutung jugendlicher Arbeits- kräfte die Aufsichtsbehörde nicht ein. Gerichts-Zeitung Freigesprochener Streikposten. Anfang Januar d. I. brach in der hiesigen Glaswarenfabrik Rosenberg, Reichenberger Str. 79/80. ein Streik aus. An dem Streik waren auch viele Frauen beteiligt. Die Arbeiteria Anna Niesalla stand Streikposten. Es wurde ihr aber sehr bald von dem Kriminalschutzmann Wetzel der Ausenthalt in der unmittelbaren Nähe de? Fabrikgebäudes verboten. Einige Tage später, am 9. Ja- uuar, stand Anna Niesalla wieder an der verbotenen Stelle. Wetzel trat in Begleitung des Schutzmanns Franke an die Niesalla mit den Worten heran:„Ich habe Sie doch schon verwarnt, sich hier aufzustellen." Da die Niesalla stehen blieb, wurde sie von den Polizeibeamten zur Wache geführt. Sie erhielt ein Strafmandat über 30 M.»„weil sie infolge ihres Stehenbleibens die Ordnung und Sicherheit des Straßenverkehrs absichtlich gestört habe." Das Schöffengericht Berlin-Mitte trat der Auffasiung des Polizeipräsi- diumS bei, ermäßigte aber die Strafe auf 6 M. Die Berufung der Angeklagten wurde vom Landgericht zurückgewiesen.— Rechtö- anwalt Dr. Kurt Rosenfeld legte Revision ein. Der erste Straf- senat des Kammergerichts erkannte, wie unseren Lesern erinnerlich, auf Aufhebung des Urteils. In der gestrigen Verhandlung vor der Strafkammer wies der Verteidiger darauf hin, datz in der Reichenberger Straße im all- gemeinen wenig Verkehr sei, datz mithin die Angeklagte durch ihr Stehenbleiben oder Auf- und Abgehen vor der Fabrik den Verkehr nicht stören konnte. Zum mindesten hat sich aber die Angeklagte dadurch, datz sie die Aufforderung des Schutzmanns, die einige Tage vorher an sie erging, nicht beachtete, nicht strafbar gemacht. Er beantrage daher die Freisprechung und Uebernahme der Berteidi- gungskosten auf die Staatskasse. Der Staatsanwalt schloh sich dem Antrage auf Freisprechung an, beantragte aber die Ablehnung des Antrages, die BerteidigungS- kosten auf die Staatskasse zu übernehmen.„Die Angeklagte hätte zur Objektivität des Gerichtshofes so viel Vertrauen haben müssen, datz ihr auch ohne Verteidiger ihr Recht werde."— Der Verteidiger führte aus: Wenn auch, die Angeklagte an der Objektivität des Gerichtshofes nicht zweifelt, so war sie doch jedenfalls genötigt, sich für die Revision einen Anwalt anzunehmen. Angesichts des Er- kcnntniffes des Kammergerichts ist es geboten, der Angeklagten die Verteidigungskosten zu ersetzen. Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes verkündete der Vor- sitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Schwartze: Der Gerichtshof er- achtet cS nicht für festgestellt, datz die Aufsichtsbeamten am 9. Ja- nuar 1913 an die Angeklagte eine erneute Aufforderung erlassen haben, sich aus der unmittelbaren Nähe der Fabrik zu entfernen. Tie einige Tage vorher ergangene Aufforderung ist nicht aus- reichend und kann auch das Bewußtsein der Strafbarkeit der An- geklagten nicht begründen. Die Angeklagte war daher freizu- sprechen. Tie Kosten deS Verfahrens und auch die BerteidigungS- kosten sind der Staatskasse aufzuerlegen. Durch Knickrigkeit einer Stadtvertretung zum Verbrecher geworden. Mit welcher Engherzigkeit und Knickrigkeit die sozialistenreine Vertretung in manchen kleinen Städten die kommunale Tätigkeit betreibt und welche schwere Schuld sie dadurch auf sich laden kann, hat eine Gerichtsverhandlung erwiesen, die sich am Dienstag vor dem Kieler Landgericht abgespielt hat. Angeklagt war der Bürgermeister Rohde des holsteinischen Städtchens Bad Bramstedt. Rohde hatte nach und nach 43 000 M. amtlicher Gelder unterschlagen, war dann nach Argentinien ge- flüchtet, aber bald wiedergekommen und hatte sich dann der Staats- anwaltschaft gestellt. Er war im Jahre 1910 zum Bürgermeister von Bad Bramstedt gewählt worden, vorher war er Stadtsckretär in Herdcckc i. W. Sein Gehalt sollte 1500 M. jährlich betragen, ferner sollte eine Dienstaufwandsentschädigung von 1500 M. ge- zahlt werden, diverse Nebenämter sollten 2000 M. einbringen. Bei seinem Amtsantritt erfuhr aber Rohde zu seiner Ueberraschung. daß die Nebenämter von seinem vermögenden Vorgänger, der sich von deni Amte zurückgezogen hatte und von seinem Gelde lebte, weiter verwaltet wurden. Rohde mutzte deshalb von dem Gehalt von 1500 M. leben, davon sogar noch etwas zu den Dienstauf. Wendungen zulegen, weil die dafür ausgesetzten 1500 M. nicht reichten. Alle Anträge auf Gehaltserhöhung scheiterten an der Engherzigkeit der Spietzer, die in der Stadtvertretung saßen. Als dem auf einen solchen Etat.gesetzten Bürgermeister auch noch kurz nacheinander zwei Hypotheken auf seinem Hause, das er sich sn Herdecke hatte erbauen lassen, gekündigt wurden, wurde die Not so groß und die Versuchung so stark, daß er sich an amtlichen Geldern vergriff. Eine Unterschlagung zog dann die andere nach sich. Ter Angeklagte, der in verschiedenen Aemtern vorher tätig war und vorzügliche Zeugnisse besaß, führte zu seiner Verteidigung an, datz er mit seiner Frau und seinen fünf Kindern manchesmal von trockenen Kartoffeln und Brot habe leben und in ungeheizter Wohnung habe wohnen müssen. Tie«ladt Bad Bramstedt besolde ihre Gcmcindebcamten unerhört schlecht. Ein Polizeisergeant habe sein Amt aufgegeben, weil er nicht hungern oder Schulden machen wollte. Der Stadtkafsiercr habe anfangs 400 M., später 800 M. Jahresgchalt erhalten. Schließlich habe die Regierung sein Gehalt zwangsweise auf 1400 M. festgesetzt. Ter Kassierer der Spar- und Leihkasse erhalte nur 800 M. JahreSgehalt. Alle Bitten der Be- amten auf Gehaltserhöhung seien an der Kleinlichkeit und Eng- Herzigkeit der Stadtvertretung abgeprallt.— Ter Staatsanwalt beantragte 2 Jahre Gefänignis. Das Gericht ging aber noch über diesen Antrag hinaus und verurteilte den Angeklagten wegen Unter- schlagung im Amte und Untreue zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis. Der Vorsitzende des Gerichts, Herr Landgerichtsdirektor Dr. Hahn, der wegen seiner Dänen fresserischen Agitation weit bekannte Vor» sitzende des deutschen Vereins in Nordschleswig, sagte in der Be- gründung des Urteils, dem Angeklagten sei wohl seine Not zugute zu halten, aber preußische Beamte müßten treu wie Gold sein. Wenn man den Beamten nicht mehr vertrauen könne, dann breche der Staat zusammen, eher nicht. Ob Herr Dr. Hahn sich schon hat mit trockenem Brot, trocke- nen Kartoffeln und ungeheizter Stube begnügen müssen?� Es wäre doch wohl eine gewagte Sache, die Goldtreue der preußischen Beamten, besonders der mittleren und höheren, damit zu er- proben, daß man sie auf einen Trockenbrotetat setzt.— Bemerkt sei noch, datz es in Bad Bramstedt recht viele steuerkräftige Ein- wohner gibt und dem Reichsverbande zur Bekämpfung der Sozial- demokratie sei zur Beruhigung mitgeteilt, datz in der Bramstedter Stadtvertretung noch kein Sozialdemokrat sitzt. Ein eigenartiges Liebesabenteuer hatte der Kellner Wiegert zu bestehen gehabt, der gestern als Zeuge vor der 10. Strafkammer des Landgerichts I. erscheinen mutzte. Auf der Anklagebank mutzte der Damenimitator und Kellner Karl Röseler Platz nehmen. Am 5. April d. I. ging Wiegert durch die Gipsstratze. Als er an einem Fenster der ersten Etage eines Hauses eine lächelnde junge Dame sah, grüßte er im Scherz hinauf. Er war angenehm überrascht, als dieser Gruß durch ein freundliches Nicken erwidert wurde. Ter abenteuerliche junge Mann unternahm nun einige Zeit lang eine Fensterpromenade, bis er durch ein leises Zeichen der holden Schönen dazu ermuntert wurde, die Treppe hinaufzu- steigen. Oben öffnete ihm die junge Dame, die ihm hold errötend zuflüsterte, daß„Mama" nicht zu Hause sei. Als W. nach etwa einer Stunde wieder die Gipsstrahe entlang ging, schien er eifrig über dieses kleine Abenteuer nachzudenken. Tann begab er sich plötzlich, einer Eingebung folgend, in die nächstliegende Polizei- wache hinein. Dort äußerte er gewisse Vermutungen. Von zwei Schutzleuten begleitet, suchte W. nochmals die�Wohnung jener jungen Dame auf. Sie wurde trotz heftigen Sträubens einge- laden, den Gang zur Polizeiwache anzutreten. Hier gab es ein allgemeines Gelächter, als einer der Beamten mit schnellem Griff der jungen Dame deit eleganten Pleureusenhut samt der blonden Perrücke abnahm und darunter der kahlgeschorene Schädel des— jetzigen Angeklagten Röseler austauchte, der schon viermal wegen ähnlicher unter den K 175 fallenden Dinge vorbestraft ist.— Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die Vorstrafen des Angeklagten auf 3 Monate Gefängnis, der Staatsanwalt hatte 6 Monate Gefängnis beantragt.__ „Ich soll die Leiche abholen." Ein Bierult, der beinahe sehr üble Folgen gehabt hätte, lag einer Anklage wegen Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle zu- gründe, welche gestern die 4. Strafkammer des Landgerichts I. be- schäftigte. Unter der Anklage, einen wasserdichten Zeltplan im Werte von 40 M. gestohlen zu haben, hatte sich der Arbeiter HanS Migula vor dem Strafrichter zu verantworten. Am späten Abend des 2. März d. I. beobachtete die in der Köp- nicker Straße wohnhafte Ehefrau des Dachdeckermeisters Schulz- einen Mann, der sich in verdächtiger Weise in ihrem Lagerkeller zu schaffen machte. Als sie sah. daß der Unbekannte mit einem großen Zeltplan verschwinden wollte, hielt sie ihn an und fragte, was er mit dem Plan wolle. Sie erhielt die Antwort:„Ich soll die Leiche abholen!" Auf eine weitere Frage erklärte der Unbe- kannte, der später als der jetzige Angeklagte festgestellt wurde, daß sich in dem Hause jemand aufgehängt habe und er solle nun die Leiche wegschaffen Es wurde nun die Polizei geholt und der An» geklagte als auf frischer Tat ertappter Dieb sistiert. � In der gestrigen Verhandlung klärte sich diese„Diebstahls- geschichte" recht harmlos auf. Ein Freund des Angeklagten hatte in einem vis-a-vis gelegenen Schanklokal des Guten zu viel getan und lag dort auf einer Bank, sägcmühlenartige Geräusche von sich gebend. Da alle Versuche, ihn aufzuwecken, schctterten. war man auf den Gedanken gekommen, den Trunkenen als„Leiche" zu be- handeln und nach der nächsten Unfallstation zu bringen. Als Transportmittel sollte dabei jener Plan dienen. Dieser Bierulk kam jedoch infolge des Dazwischentretens der Frau Schulze nicht zur Ausführung.— Da da» Gericht dem Angeklagten Glauben schenkte, daß er den Plan nach Gebrauch wieder an Ort und Stelle gelegt hätte, lautete das Urteil auf Freisprechung. Grundlose Prozesse. Vor dem Stettiner Schöffengericht wurde am Mittwoch gegen vier Arbeiter verhandelt, die nach einem fruchtlosen Streik auf dem Gotzlower Kornsilo der pommerschen landwirtschaftlichen Ge- nossenschaften einige Streikbrecher beleidigt und verprügelt haben sollen. Die Angeklagten bestritten entschieden, einer Straftat sich schuldig gemacht zu haben. Sie gehörten zu den nach unglücklichem Verlauf des Streiks Gemahregeltcn. Sämtliche Belastungszeugen erklärten, sie könnten nicht bekunden, datz die Angeklagten die Täter seien. Dasselbe hätten sie bereits im Ermittelungsversahren beeidet. Das Gericht sprach dem Antrage des Amtsanwalts ent- sprechend die Angeklagten frei.<■*. o r*- m Weshalb ist bei dieser Sachlage Anklage erhoben? Die Er- Hebung einer Anklage trotz der beeideten entlastenden Angaben der „Belastungszeugen" ist typisch für die Leicht'gkett. mit der Arbeiter auf die Anklagebank gebracht werden. Eät'r bedauerlich, daß da, Gesetz nicht zuläßt, den anklagenden und die Anklageerhebung be- schließenden Beamten in solchen Fällen die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. Spiel und Sport. Turner S o �.. vuii: L. Männerabt, 11. Männerabt. deS Turnvereine und' Freie Tumcrschast Tempelhof-Mariendorf: Svortlicke Sg-ÄÄIni-«taf-tt-nlausen. Fußball, aut dem Tempelbafer Felde lWestseste) Anfangs Ans-hlletz-nd Beisammensein im Wilhelms. ginnew�'ttitm �die�.Jungen"" nachmittags'/«4 Uhr zu Massenvorsüh- iungei, am z-urnerschaft Waidmaunslust will am Ott das Turne» „ nsscaeri Sie ladet zu diesem Zwecke Freunde und Gönner � ew am Sonnabend, den 5. Juli, abends 8-/. Uhr. in. IÄÄA Dianastratze. sich einzufinden Ml �chw.e'Z"»" hcö Arbciter-T findet in der Weise statt, datz sich die Lehrlwgsabteilungen der oettchicdenen 'ne-eine bezirksweise an einem Ott Kissen, um leichtathletische Wetttämpfe tDreikampfj, verschiedene Wettspiel« in Faustball, Fußball. Barlaus und Stasettenläuse auszukagen. Von Jahr zu Jahr hat diese Veranstaltung Ott Bedeutung gewonnen. Je mehr der preußische Kulturminister und sein Helfershelfer, die Deutsche Turneischast, versuchte, den Arbeiter-Turnvereinen die Jugend zu rauben, desto mehr Gefallen fanden die jungen Turner an der Kreis-Jugendturnsabrt. Letzteres beweist belonderS das stete Wachsen der Beteiliguna. Im Jahre 1910 nahmen 1100 Jugendliche teil, 1911 waren es sast 1300 und 1912 schon IKOO. Für die Groß-Berliner Vereine finden dieses Jahr die Turnfahrten nach jolgenden Qrlcn slatt: 1. Bezirk nach Sadowa. Beginn der Wettkämpse vorm. 9 Uhr. 2. B e z i r k nach T e g e l- H e i l i g e n s e e. Treffpunkt vorm. 8'/, Uhr in Reinickendori-West, Lokal Waldschlösjchen. 3. Bezirk nach K a p u t h. Treffpunkt vorm. 7 Uhr Bahnhos Chor- lottenhos bei Potsdam. 4. Bezirk nach Zossen. Treffpunkt morgens 'Iß Uhr Bahnhos Papcstrage(Schömberg). 5. Bezirk nach K öp e nick. Turnplatz des dortigen Arbeiter-Turnvcreins. Die Arbeiterschaft der be- treffenden Orte und deren Umgegend wird ersucht, ihr Interesse an dieser Veranstaltung der Jugendlichen durch regen Besuch zu zeigen. Radfahrer. Arbeiter-N(idfahrcrbund„ Solidarität»(Ortsgruppe Berlin). Touren .um Sonntag, den 6. Juli: Sämtliche Abteilungen zum G a u s e st in Lichtenberg(Mentes Volksgarten). Start 2 Uhr an den bekannten Stellen. 11. Abt. am 9. Juli 9 Uhr Streiszüge durch den Blumental. Start: Große Hamburger Str. 18/19.(Ortsgruppe Charlottenburg.) Am 6. Juli: Lichtenberg zum Kaufest. Start 1 Uhr.(Ortsgruvve Lichtenberg.) Am 6. Juli: Lichtenberg(Mentes Volksgarten), Gausest. Start: 1'/, Uhr Vsarrstr. 74.(Ortsgruppe Wilmersdorf.) Am 0. Juli zum Gausest in Lichtenberg. Start 2 Uhr.(Ortsgruppe Reinickendorf.) Start 2 Uhr nach- mittags bei Lüming, Schillingstrage, zum Gausest.(Ortsgruppe Neukölln.) Sonntag, 6. Juli: Beteiligung am Gaufest in Lichtenberg. Start: 1 Uhr Jdealpassage. Diejenigen Mitglieder, welche am gleichen Tage die Aus- sührungen beim Sommersest des WahloereinS mitmachen, treffen sich zur Probe vormittags 10 Uhr in der Vereinsbrauerei, Hermannstraße.(Orts- gruppe Ober-schöneweide.) Sonntag, den 6. Juli, in Mentes Volkszarten, Inhaber Schröder, Lichtenberg, Kaufest. Start: Mittags 1 Uhr bei Theodor Schiifflcr, Sicmensstr. 28. Arbeiter-Radfahrervercin Groff-Berlin. Am S. Juli früh 5 Uhr nach Wandlitz und Liepnitzscc, nachmittags 2 Uhr nach Reinickendorf Seebad. Wanderer. % Arbeiter 6. Juli: I. Ch ungünstigem ä Abs. Stcltiner Fernbabnbos Wanderbund„Tie Naturfreunde». Sonntag, den ■inchen— Ihlow— Sasseiipmhl—Wcrbellinsee(Nachttour. Bei etter Fahrt bis Chorin und Nachtquartier in Grotz-Zicthen. Sonnabend 7.46 Uhr abends.— II. Fürsten- berg— Stcchlinsec— Steinsörde— Fürstenberg(Nachttour). Abs. Steltiner Fernbadnhos Sonnabend 10.17 Uhr abends.— III. Oranienburg— Grabow- see— Fichtengrund. Abs. Stcltiner Vorortbahnhos S.48 Uhr vorm.— IV. Chorinchen— Parsteinersee(Baderast)— Freienwalde. Abs. Stetliner Fernbahnhos ö.59 vorm.— V. Bernau— Liepnitzsee— Bernau. Abf. Stettiner Vorortbahnhos 6.06 vorm.— VI. Ahrensselde— Mehrow— Mahlsdors. Abs. Schlcsischer Bahnhof tWriezener Bahnsteig) 6.41 vorm.— VII. Hennigs- dors— P apenberge— Spandau. Abs. Steltiner Vorortbahnhos 12J>ö Uhr nachm.— VIII. Kindcrwandcrung. Spandau— Stadtsorst— Spandau. Treffpunkt Lehrter Fernbahnhof(Haupteingang) 7 Uhr vorm. Gäste stets willkommen. Arbeiter- Wanderverein Berlin. Sonntag, den 6. Juli: I. Unterspree tvaldsahrt. Abs. 6.45 4. Klasse bis Lübben vom Görlitzer Babnhos. Von Lübben Kahnsahrt über Schiepzig durch den prachtvollen Erlenwald Moldenhauerhütte— Puhl AdlerShorit— Groß-Wasserburg. Von hier Wagensahrl über Wcndisch-Buchholz bis Halbe. Teilnehmerkarten a 2,50 M. für Kahn und Wagcnsahrt sind nur bis heute abend in unten- stehenden Zahlstellen zu haben. Für Mitglieder 1,90 M.— Unterspreewaldwanderung. Dieselbe Tour wie oben, nur zu Fuß. Weglänge zirka 30 Kilometer. Abs. 6.45 Görlitzer Bahnhof.— III. Unsere nächste Ober- spreewaldfahrt findet am Sonntag, den 13. Juli statt. Teilnehmerkarten a 5,75 M. für Kahn und Bahnsahrt 3. Klasse sind bis zum 10. Juli in unseren Zahlstellen: Fritz Wählffch, Skalitzer Str. 22 und Georg Weihnacht, Grünstr. 2l, zu haben. Gäste stets willkommen. Arbeiter- Touristeuvcrein„Die Naturfreunde». Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 6. Juli: Wanderungen. I. Königs-Wusterhausen— Wolzigerfee— Storkow. Abf. nach Königs-Wusterhausen Görlitzer Bahnhos 6.10.— II. Melchow— Sophiensladt— Biesenthal. Abs. nach Malchow Stettiner Fernbahnhof») Sonnabend abend 8,58, b) Sonntag früh 5.59. Gäste stet? willkommen. Schwimmer. Das am Sonntag stattgefundene S ch w i m m s e st des Arbeiter- Schwimmvereins ,N c u k ö IIn» hatte, wie nicht anders möglich, sehr unter der Witterung zu leiden. Dennoch hatten sich wohl etwa 200 Besucher ein- gesunden, welche den Vorführungen mit fichtbar regem Interesse solgten. Nachstehend die Resullate: I. Knabenschwimmen(42 Meter) 1. Hans Bcrgemann in 3TI, Sekunden. 2. Max Wutzkp in 37'/, Sek.. 3. Walter Cndler in 38 Sek.— II. Mädchen- schwimmen(42 Meter, 1. Käte Zuhauer in 52 Sek., 2. Crna Hildcbrand in 57 Sek., 3. Luzie Mcckin in 59 Sek.— III. Damenschwimmen(84 Meter, 14�.16 Jahre) 1. E. Bralke in 1,48'/, Min., 2. B. Schlömp in 1,51'/, Min., 3. Ch. Schipporeit in 2,01'/, Min. IV.(16— 18 Jahre) 1. Ag. Boer in 1,50'/, Min., 2. E. Schmidt in. 2,9'/, Min.— V. Hauptschwimmcn (210 Meter) Schröder,„Neptun"-Weißensee, in 3,23'/, Min., W. Rutbe, A.- S.-V. Neukölln, in 3,28'/, Min.— VI. Jugendspringcn 1. C. Kiesel,„Freie Schwimmer»-Potsdam, 2. R. Brülle, A.-S.-V. Neukölln, 3. R. Köhler, A.-S.-V. Neukölln.— VII. Damenstasette(4X42 Meter) 1. A.-S.-V�>icu- kölln in 3,08'/, Min. 2.„Freie Schwimmer"-Cbarlottenburg in 3,15'/, Min, — VIII. Männerspringcn 1. Otto Becker, A.-S.-V. Neukölln, mit 19 Punkten, 2. R. Berqcmann, A.-S.-V. Neukölln, mit 17'L Punkten, 3. Knüpnadel, A.-S.-V. Berlin I. mit 15'/, Punkten.— IX. Bogenstasette(4X42 Meter) 1. A.-S.-V. Neukölln in 2,11 Min. 2.„Neptuii"-Lichtenberg in 2,22 Min.— X. Schwimmen für Damen über 30 Jahre(42 Meter) 1. Frau Hirsch in 53'/, Sek., 2. Frau Mahlendorf in 63 Sek. 3. Frau Algner in 64 Sek.— XI. Erstschwimmen(42 Meter) 1. Fr. Schade in 1,04 Min. 2. A. Hirsch in 1,12'/, Min. 3. L. Schreiber in 1,18*/, Min.— Ein an Zwischenfällen reiches Wasserballspiel zwischen der Abteilung I des Arbeiter-Schwimmoer- eins Berim und der Mannschaft des„Neptun'-Weißensee, sowie ein Wurst- springen und Hindernisschwimmen lösten wahre Lachsaloen im Publikum aus.— Ein gut ausgeführtes Gruppenspringen bildete den Schluß des Festes!— Tie Arbeiter> Schwimmvereine„Nord»,„Freiheit»,„Welle» und„Südost» halten am kommenden Sonntag im Seebad Reinickendorf, Residenzstraße 49, gemeinsam ein Sommersest ab. Durch die Mitwirkung von Nadfahrern, Sängern, Turnern usw. verspricht das Fest ein recht gutes zu werden. Arbeiter- Schwimmverein„Berlin».(Mitglied des Arbeiter- Schwimmcrbundcs.) Sonntag, den 6. Juli, Agitationstour nach Freibad Wannsee. Treffpunkt der einzelnen Abteilungen: Abt. I 8 Uhr am Schlestschen Bahnhof(Untergrundbahn), Abt. II 8 Uhr am Nettelbcckplatz, Abt. III 8 Uhr am Bahnhos Bellevue, Abt. IV 8 Uhr am Rosenthaler Tor, Abt. V 8 Uhr am Bahnhos Groß-Görschenstraße. Ruderer. > Die dem Freien Ruder-Bund, Berlin, angeschlossenen Vereine R.-B. Eollegia-Ticswerder-Spandau, R.-V. Freiheit und R.-B. Vorwärts- Stralau baltcn am Sonntag, den 6. Juli, ihre diesjährige Regatta ab, Beginn mittags 12 Uhr. Start: Eisenbahnbrücke, Treptow. Ziel: Restaur. Schwanenberg. Daselbst im Anschluß� an die Regatta Sommersest. Märkische Spielvereinigung. Am kommenden Sonntag treffen sich Viktoria-Tempelhos und Reinickendorfer Ballspielklub zum zweiten Male im Rcisespiel für die erste Klasse in Weißensee, Rennbahnstr. 40. Ansang 5 Uhr. Im Gesellschaftsspiel begegnen sich Sperber-Neukölln und Vorwärts- Friedrichshagen in Neukölln, Grenzallee. Die 2. Mannschaften beginnen um 3 Uhr, die 1. Mannschaften um 5 Uhr. -» Arbeiter-Samariterbund. Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 5. Abt. Neukölln, Freitag, den 4. Juli, Wcichselstr. 8, Jdcalkasino. Martendorf. Montag, 7. Juli, Chausseestr. 27, Restaurant Büro. Sonntag, 6. Juli, Hebung im Freien. N o w a w e S. Montag, 7. Juli, Wilhelm-, Ecke Friedrichstraße, bei Schmidt. Abt. Potsdam Mittwoch, 9. Juli, Kaiser-Wilhelm-Straße bei Glaser. Schöneweide. Montag, 7. Juli, Siemensstraße 12 bei Schulz. eingegangene DmcKfdmtten. Von der„Neuen Zeit» ist soeben das 40. Heft de» 31. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt des HeftcS beben wir hervor: Die Stimmung der Masse und der Massenstreik. Von Dr. Rud. Brcitscheid.— Laffallc und Marx. Von K. Kautsly.— Der Strasrcchtsentwurs. Von Siegsried Weinberg.— Die Enlwickelung des Arbeilsmarklcs im Jahre 1912. Von Paul Barthel.— Die Stellung der Frau in Japan. Von S. Katayama (Tokio).— Literarische Rundschau.— Notizen: Fünsundzwanzig Jahre hayerffcher Entwickclung. Von I. Säckler.— Zeitschriftenschau. Von I. Köttgen. Die„Neue Zelt» erscheint wöchentlich einmal und Ist durch alle Buchbandlungen, Poslanstaltcn und Koiporleure zum Preise von 3,555 M. pro Quartal zu beziehen) jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hcst lostet 35 Pf. „Ter Kampf.» Sozialdemokratische Monatsjchrist, Wien. Jahrg. VI. Heft 10. Karl Renner: Ein untaugliches Instrument!— Friedrich Adler: Mährische Wahlen.— Emil Strauß(Prag): Die Politik der tschechischen Bourgeoisie.— Anton Jenschik: Die österreichische Jngendorgonisalion.— Reinhard Tittei(Aussig): Die Gelben.— Ernst Kahlenbacher: Privat« angestellte und Klassenkamps.— Karl Renner: Der Kredilund die Arbeiter- ljasje.— Gustav Sielow: Das proletarische Theater. Witterungsübersicht vom 3. Juli 1913. Stationen Swinemde, Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien S 8 2£ i-s p Bf 757 Still 759» 759®® 762.SW l 762 NO 761® «Zetter bedeckt 3Rcgen 2bedcckt t wolkig 2 bedeckt LRegen »II i? Stationen lS 1| w ä s c ii Bf taparanda758,S etersburg 759' Still Seilitz 76791 Werbe« 767 NNW Paris!763NNO V«« 2 wölken! Dunst 4 bedeckt 3bedeckt Ibedeckt ** tj & 19 20 15 13 14 Wetterprognose für Freitag, den 4. Juli 1913. Ziemlich licht, vorherrschend wolkig mit leichten Rcgenfäll« und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner W etterdureau. Aus den Gutachten und Anerkennungen über ff �JÖoo& n Nohrungsmitltl-Unlcrtuchungsamt der Landwirtfdiaftskammer für die Provinz ßrandenburg. ... Sein Genudwerf übertriht den der landlSuflgen billigen Er- frifchungsgetränke, wie Sehers und der unzähligen Arten von Broufellmo- naden. Im Hinblick auf die natürliche Gewinnungswelle der Kohlen- faure und des Aromas dürfte auch die Bekömmlichkeh von Boa-Lle Im Vergleich zu den erwähnten künltlldien Getränken eine weit günftlgere (ein. Meines Erachlens bedeutet die Erfindung von Boa-Lle einen großen, längft hcrbclgcwünfchfen Fortfeh ritt auf dem Gebtete der Herstellung alkoholfreier berw. alkoholarmer Getränke. Berlin, 3.2. 15. gez. Dr. Baier, Dlrddor. Ist zu beziehen durdi alle elnfchläglgen Gefchäfte oder durch �jQoa'Jje G. m. b. H., Berlin-Charlottcnburg 2 Charlottenburger Ufer 70/ Fcmfpr.: Ami Steinplatz 1904, 4001 Preiswerte Mor-Reise-Sehuhe u.-Stieret für Mädchen und Knaben Wunderbar bequeme Formen Schnürstiefel"ff Strandschuhe Ä'IÄ»"w 2� durchgenähte Bandsohle, sehr preiswert. 2"S 3'5 4»» II' �> lila „.„.... 25-26 27-28 29-30 31-33 34-35 Sandalen 25-26 27-28 29-30 31-33 34-35 86-42 43-4« Schnürstiefel weiß Leinen 32S zso 4- 440 490|| leder, genäht, nSate"2- 230 ZÜv 290....... 320 350 425 Schuh» Fabrik Für kleine Kinder! 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Ansang 7'/, Uhr. P rater. Das Bummelmädchen. Anfang 7-/2 Ubr. Kroll-Lpcr. Lohcngrin. Ansang 8 Ubr. llrania. In den Dolomiten. Schiller v. Die Jüdin. Berliner. Kiimzauber. Kleines. Proscssor Bernhardi. Tlmlia. Puppchen. Metropol. Die Kino-Königin. SSintergarten. Spezialitäten. Neichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8>/, Ubr. Komödienftaus. Wohnungen. Friedr.> Willi. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Lustspielhaus. Der lustige Kakadu. Rose. Tagebuch einer Verlorenen. Luisen. Die Allwördens. Folies Caprice. Ein Pechvogel. Die Krauipssache. Ansang 8ll, Uhr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Deutsches Schauspielhaus. Eine Vergangenheit. Theater am Nollendorfplah. Der Mann mit der grünen Maske. Ansang 9 Uhr. Admiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. »» « Sternwarte, Invaliden ftr. 57—62. Schiller-Theater 0. Wallner-Theater. (Sachse s Oper.) Freitag, abends 8 Uhr: Die Jüdin» I>ent8clieiii Schansplelhans SVa Uhr: Eine Vergangenheit. Lerlillerlllöster. s uhr: k�ilmxauber. 7destersm)lollknllorfplst? Täglich 8'/, Uhr: Burleske Sviele. DerMann mit dergrünen Maske — Varletö—— Kino— 3 Sommerreisen gratis! Kr>oII»Q|)s� T/t Uhr: Lohengrin. Sonnabend: Carmen. IOSE=ThEATEI «Kroge Frankfurter Str. 132. Ensembl.-Gastsp.Dedak-Lutz UJTageliucli einer Verlorenen. Ansang S'l, Uhr. Auf der Gartenbühne: Aehtnng! Ks geht los! Ansang i'l, Uhr. Ületropol-Theater. «lbends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. Okonkotvski. Musik von.Jean Ciilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. Passage P�oplikum Der persische Angenfakir in seinen fanat. Derwisch- Martern (hebt u. a. mit den Augen schwere Gewichte). 3 Schwestern Liliput, die kleinst. Schwest. der Welt. ■T" Alles lebend!-Mß Ohne Kxtra-Entree! Reichshallen-Theater Stettiner Sänger. Zum Schluß: �„Künstler der Landstralie*. Eine Musikanten- Burleske von Meysel. Anfang 8 Uhr. �|XSg23gISeZIXSSXitIXIS2Zg2Xi:S2SSXrXZSXX� u N Irbeiter- Radfahrer- Bund.Solidarität', Gau 9 -Sonntag, den<». Juli 1913, in Menkes Volksgarten, Berlin-Lichtenbcrg, Rocderstr. 28-29: llS.lffaiifest Großes Konzert, Erstklassige Spezialitäten, Lichtspiele, Kunst- u. Reigenfahren, Preis- ------------- kegeln, Großer Ball—= Eintritt 20 Pf. ohne Nachzahlung. Bei eintretender Dunkelheit: llinlieriaekelrug,-i-adban« Krlseb auf-, Offenbach a. M. Zentrallager für Nordofldentschland: Berlin N. 58, Eberswalderstr. 30-31. Filialen: Berlin N., Brunnenstr. 35, Berlin S. 53, Kottbuserdamm 22, Berlin NW. 87, Beusselstr. 13. TTTTXXXXXXXX-XXXXXX--XXXXXXTXXTTTTTTTM Volksgarten- Theater. ßadstr. 8 und Bellermannstr. 20/25. Freitag, den 4. Juli: Muttersegen. Schauspiel mit Musik in 5 Akten. Und der hervorragende Varicts-Teit. Voranzeige! Sonntag, den 6. Juli: IJnHere Don-Tnans. Ansang 4 Uhr. Entree 20 Pst Admiralspalast- Eis-Arena Angenehm kühler Aufenthalt. Allabendlich das gr. erfolgreiche Eisballett Flirt in 8t. iSorltx. Bis 6 Uhr und von 103/, Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant 1. Hanges. Wein- und Bier-Abteilung. Brauerei Friedrichshain Am Königstor. Oek.: iErnst Klebing. Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag: Kaffee-frei- Vorstellung der Xorddentschen und Apollo- Sänger iet freiem Entree. Freitags: Fret-Konzert. m jii •• •• Rrheiter-Sehwimmvereine;; Kord, Jreiheit, Veite und Söd-SsL Sonntag, den 6. Juli 1913: Gro ßes So m m erfest im JSeehad Reinickendorf. Residenzstr. 49 Eahrverbmdungen 32, 35, 41. 1 NM Radfahrer □ Sänger □ Turner. Abends: Oroller Fackelzug. Im Saale: TANZ. m Anfang 3 Uhr. 3432b Eintritt 25 Pf. — Ausführliches Programm an der Kasse gratis.— ED Eintritt 1 Tlark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. V oigt- Theater Badstraffe 38. Freitag, den 4. Juli 1313: Nur noch zweimal! Der Bettelstudent. Volksstück mit Gesang und Tanz in 5 Bildern. Vollst, neue erstkl. Spezialitäten. Kaffenöffnung 2 Uhr. Ansang i'h Uhr. Für den Inhalt der Inserate »vernimmt dir Redaktion dem Vnblitum gegenüber keinerlei Verantwortung. «Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig fettgedruckte Worte), Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche!(sehlerbaste) in allen Tröffen, jast für die Hälfte des Wertes Tepvichlage: Brünn. Hackejcher Markt 4, Bahnbof Börse.(Leier deS »Vorwärts- erkalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet! Herrenhüte zum Aussuchen 1 Mk., Mützen 10, 20 und 30 Psg. bei Herrmann Schlcfinger, Turmstraffe 38. Vorjährige etegantcHerrenanzüge Und Paletots aus seinsten Matzstoffen 20— 40 Mark, Hosen 6—14 Mari. 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Gleichzeitig wurden die Löhne der Kellner, die bisher durch Tarifvertrag geregelt und festgelegt waren, reduziert und Arbeits- bedingungen eingeführt, welche bedeutende Verschlechterungen sür die An- gestellten mit sich bringen. Alle Bemühungen, die Differenzen in Güte beizulegen, waren bisher vergeblich. Nach Lage der Sache handelt der Oekononi im Einverständnis niit der Direktion der Brauerei, was Wohl am besten der Umstand beweist, daß diese trotz wiederholter Anfragen den Namen des neuen Betriebsleiters verheimlichte. Der Betrieb ist für organisierte Gehilsen gesperrt. Nerband der Sestwirtsgehiist»."'tSS'i"" Elsholz, Komiker, Gropius- straffe 6. 1426d* Vermietungen. W'ohnimzen. Eine Stube und Küche, 30, 23, 20 Mark, zu vermieten. Oranienfw. 2a. Huttenstrafte 26 Gartenhaus zwei Stuben, Küche. 1437b* Böüowstraffe 3 Gartenhans zwei Stuben, Küche. Sosort oder später.* Lehlakstellen. 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Gott sei Dank gibt es noch aufrechte Männer in den Parteien der Rechten, die sich nicht unter das Joch der politisierenden Frau beugen. Die müssen aufgerüttelt und zu stärkcrem Widerstand angespornt werden. Und warnen muß man die vielen anderen, die zwar noch nichts von Frauenwahlrecht wissen wollen, die aber nichts darin finden, daß konservative Frauen den Männern helfen wollen in der Vertretung konservativer Gedanken und Grundsätze. Als ob es so nicht immer anfinge! Zuerst wollen sie nur helfen, und sie stürzen sich auch mit redlichem Eifer in die Arbeit. Man muß sogar zugeben, daß sie dabei gar nicht ungeschickt vorgehen. Aber dann, wenn ihre Arbeit anerkannt worden ist, wenn man sich an ihre Hilfe gewöhnt hat und sie nicht mehr entbehren kann, dann kommen die Frauen mit ihren Forderungen. Dann haben sie ihr Spiel gewonnen, denn die Partei, die Frauen zur politischen Mit- arbeit heranzieht, die sie für reif hält zur Propagierung politischer Ideen, kann wohl die Gewährung des Frauen- Wahlrechts hinausschieben, aber ernsthaft dagegen ankämpfen kann sie nicht mehr. Sie hat ihre Trümpfe alle aus der Hand gegeben. So argumentieren die konservativen Gegner der Frauen- bewegung, und sie haben bis zu einem gewissen Grade recht. Aber sie bleiben auch nicht untätig; was in ihren Kräften steht, tun sie. um die Partei vor dem sicheren Verderben zu bewahren. In der„Deutschen Tageszeitung" richtete Pfarrer Julius Werner eine ernste Mahnung an seine Parteifreunde, und es geht nicht ohne einen leisen Tadel an die Adresse der Parteileitung ab. Es erscheint ihm„eigentlich nicht so ganz natürlich, wenn in einem Zeitpunkt, wo in allen bürgerlichen Parteien der Widerspruch gegen die politischen Frauen er- wacht(?), der konservative Parteivorstand durch die Gründung einer politischen Frauengruppe glaubt einem dringenden Zeit- bedürfnis gerecht zu werden". Wie sanft ist Herr Werner geworden, seit er nicht mehr gegen Paula Müller vom Evangelischen Frauenbund allein zu kämpfen hat, seit ihre Haltung gedeckt wird von den konservativen Führern! In seinem Schmerz und seiner Trauer über das Entgegenkommen der Männer appelliert er noch einmal an die Frauen selbst, und er hofft, daß sie„so poli- tisch aufgeklärt werden, daß sie in ihrem eigenen Interesse und zuni Wohle des Vaterlandes auf eine aktive Betätigung in der Politik verzichte n". Es ist begreiflich, daß Herr Werner in tieffter Seele betrübt ist und nur schwer die Ent- täuschung zu überwinden vermag, die ihm von seiner Partei bereitet wurde. Er konnte ja nicht ahnen, daß so rasch sich eine Wandlung in den Ansichten der Leitung vollziehen würde. Denn noch im vergangenen Herbst hatte nach seinem Referat über die Frauenfrage der weitere Vorstand der Partei eine Resolution angenommen, in der die Erweiterung kommunaler und kirchlicher Berechtigungen für die Frau abgelehnt wird, und in der nichts von der Notwendigkeit der parteipolitischen Organisation gesagt war. Herrn Werner eilt eine andere Größe des Antifeministen- bundes, Herr Oberlehrer E. Oberfohren-Kiel zu Hilfe. Er weiß, wie er die seinen politischen Ansichten Nahestehenden am leichtesten gewinnen kann. Und da gerade jetzt die Konservativen im Kampfe uni die Heeresvorlage Niederlagen erleiden, so ist es nicht ungeschickt, vor dem„Antimilitarismus" der Frauenbewegung Angst zu machen. Das Argument ist zwar nicht ganz neu, und die Beweisführung paßt auch nicht auf die bürgerliche Frauenbewegung in Deutschland, aber hier und da macht es doch Eindruck, wenn man als die logische Konsequenz des Frauenwahlrechts die militärische Schwächung und den schließlichen Untergang des Staates bezeichnet. Der kriegerische Oberlehrer, für den der Krieg„nicht nur ein Faktor, sondern der Hauptfaktor, nicht nur der Schöpfer, auch der Erhalter wahrer, echter Kultur ist", scheint tatsächlich anzunehmen, daß die bürgerliche Frauenbewegung antimilitaristisch sei. Er kennt sie schlecht; und auch der Auf- satz„Rüftungsfieber" aus der Zeitschrift„Die Frauenbewegung", auf den er Bezug nimmt, bestätigt unsere Auffassung. Wenn auch ein Teil der bürgerlichen Frauen mit der in dem Artikel geäußerten Ansicht, daß die gegenwärtige Heeresvorlage nicht notwendig sei und daß die Millionen, die sie verschlingt, besser angewendet werden könnten, einverstanden sein mag, so ist das noch lange nicht d i e bürgerliche Frauenbewegung. Durch den Artikel geht recht deutlich der Vorwurf hindurch, daß die bürgerliche Frauenbewegung bisher kein Wort des Protestes gefunden hat. Es wird gerade bedauert, daß ein Verständnis für die Friedensidee nur bei den Arbeiterinnen und nicht bei den Frauen der„gebildeten Kreise" zu finden sei. Das ist auch ganz natürlich, und wenn Herr Oberfohren noch mehr Beweise dafür will, daß die Frauen im Bürgertum genau so denken und gegebenenfalls genau so bewilligungs- freudig sind wie die Männer ihrer Gesellschaftsschicht, so möge er nur an Maria Lischnewska— auch Flottcnmaria genannt— denken, der es an Hurrapatriotismus kaum ein Mann gleich tut. In Neu-Sceland agitierten Frauen für die Ausrüstung eines Kriegsschiffes für das britische Reich, und in Norwegen hat die einzige Frau, die bisher im Par- lament saß, die liberale Lehrerin Anna Rogstad, für die Rüstungsvorlage gestimmt, die eine konservative Regierung eingebracht hatte. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die bürger- lichen Frauen, die sich ganz allgemein für Friedensidcen be- geistern, so lange sie an gesetzgeberischer Arbeit nicht teilnehmen können, in der Tendenz ihrer Abstimmung um nichts von der ihrer Partei- und Klassengenossen abweichen würden. Sobald sie an der Macht teilhaben, wird auch bei ihnen Klasseninstinkt und Klassenbewußtsein erwachen. Es will uns aber auch scheinen, als ob manche Frauen, die vor nicht allzu langer Zeit noch den Zusammenhang von Frauenbewegung und Friedensbestrebungen betonten, schon jetzt gern von der Not- Wendigkeit einer starken Rüstung redeten. Nicht weil sie über- •) Der Artikel lag der Redaktion bereits Ende Mai vor. zeugt wären, daß Deutschland bedroht und zu wenig gerüstet sei, sondern weil sie glauben, daß es von politischem Ver- ständnis zeuge, wenn Frauen für Heeresverstärkungen ein- treten. Die Antifeministen in Deutschland brauchten wirklich nicht zu verzweifeln. Träte nicht die Sozialdemokratie immer wieder für das Frauenwahlrecht ein, es würde kaum jemand davon reden. Den Frauen, die stundenlang im entsetzlichsten Gedränge ausharrten, um das Braut- kleid der Prinzessin zu sehen, die sich für den Kronprinzen begeistern, der ganz gewiß nicht zu den Anti- Militaristen gerechnet werden kann, denen ist es höchst gleich- gültig, ob sie das Wahlrecht haben oder nicht.— Die Sozial- demokratie stützt sich auf andere Schichten. Und sie ist der Ueberzeugung, daß die Arbeiterinnen, wenn sie die politische Gleichberechtigung erhalten, ihr Wahlrecht als Waffe zu ge- brauchen wissen. Von den sozialdemokratischen Wählerinnen können wir allerdings eine Stärkung der Friedensbestrebungen erwarten. T. B, Frauenarbeit. Simulanten? Aus London wird uns geschrieben: Noch ist die staatliche Krankenversichemng keine sechs Monate vollständig in Kraft, da liest man in der bürgerlichen Presse Englands auch schon Klagen über die Masse der Simulanten, die das neue Gesetz in be- trügerischer Weise ausnutzen sollen.?iamentlich klagt man die Arbeiterinnen an, sich krank zu stellen, um das Kranken- geld zu erhalten. Tatsächlich ist die Erkrankungshäufigkeit der Arbeiterinnen nach den Ergebnissen der letzten fünf Manate weit größer als man vorher berechnet hat. Bei den Webern in Lancashire erhalten ö Proz. der männlichen, aber 15 Proz. der weiblichen Mitglieder 5lrankenunterstützung. Am größten ist die Krankheitshäufigkeit bei den verheirateten Frauen, die in der Industrie beschäftigt sind. Sehr-lehrreich sind in dieser Hinsicht die von dem Allgemeinen Arbeiterinnenverband ermittelten Ziffern. Dieser Verband hat nach dem Muster anderer GeWerk- schaften eine Krankenkasse gegründet, die 22 000 Mitglieder zählt. Die Kasse fand, daß die Ausgaben in gewissen Gegenden so un- verhälwismäßig groß waren, daß sie einen Vertreter dorthin schickte, um die Ursache zu ergründen und den„Simulanten" nachzuspüren. ES kamen namentlich zwei Ortschaften in Betracht: das berüchtigte Cradleh Heath, wo verheiratete Frauen am Amboß stehen und fiir 2>/z Pence die Stunde Ketten schmieden, und der Londoner Vorort Acton, wo verheiratete Frauen in den großen Wäschereien beschäftigt iverden und 8 bis S Schilling die Woche verdienen. In Cradleh Heath hat die Verbandskasse 1700 weibliche Mitglieder; 130 dieser Frauen beziehen Kranken- Unterstützung. Nach den Berechnungen der Aktuare sollte die Kranken- Unterstützung wöchentlich für ein Mitglied 2'j3 Pence betragen; in Cradleh Heath betrögt sie aber 5'/, Pence. Der Vertreter des Verbandes, der die Verhältnisse genau untersuchte, berichtet, daß wohl ein paar Fälle von Simulation vorkämen, daß aber die große Masse der krank gemeldeten Frauen wirklich arbeits- unfähig seien. Diese bis aufs Blut ausgebeuteten Frauen, die nicht allein ihre Pflichten als Mütter und Haushälterinnen verrichten müssen, sondern auch noch die schwerste Erwerbsarbeit leisten, bilden ein ernstes Problem der jungen englischen Kranken- Versicherung. Die Folgen der grenzenlosen Ausbeutung treten jetzt in der Krankenstatistik deutlich zutage; sie sind schlimmer, als man geahnt hat. Ein großer Teil der Mütter de» Volkes geht in den Fabriken, den Schmieden, den Ziegeleien und Waschanstalten physisch zugrunde. Und da reden die englischen Militaristen von der Einführung der allgemeinen Dienstpflicht, die dem Staate kräftige und gesunde Menschen geben soll! Natürlich muß etwas geschehen, um den finanziellen Zusammenbruch der Kassen zu verhindern, die einen großen Prozentsatz verheirateter Frauen als Mitglieder haben. Nach dem englischen Gesetz kann eine Gemeinde, die durch die Vernachlässigung der sanitären Ein- richtungen Krankheiten verursacht, von den Versicherungsausschüssen zur Leistung von Entschädigung herangezogen werden. Nicht weniger nützlich wäre eine Bestimmung, nach der die Kapitalisten zur Entschädigung verpflichtet werden könnten, die die am wenigsten widerstandsfähigen Mitglieder der Arbeiterklasse aussaugen, um sie dann wie eine ausgedrückte Zitrone in den Müllkasten zu werfen. Eine Tienstbotenschule. In der Londoner Vorstadt Southwark ist, wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, unter dem Protektorat des englischen Unterrichtsministers die erste Dienstbotenschule er- öffnet worden. Sie bestecht aus fünfzehn kleinen Landhäusern, in denen je vier„Studentinnen" wohnen. Sie haben den ganzen Haushalt in vollendeter Ordnung zu halten und sich selbst zu ver- pflegen. Je acht dieser Häuser unterstehen der Aufsicht und der Leitung von zwei Lehrerinnen. Die Häuser sind mit allen modernen Haushaltungs-, Küchen- und Wäschemaschinen ausgerüstet, deren Betrieb die jungen„Studentinnen" zu erlerneu haben. Daneben wird der körperlichen Ausbildung Aufmerksamkeit gewidmet, denn die Mädchen sollen die nötige Zähigkeit und Ausdauer für die Ar- beit, außerdem auch angenehme Umgangsformen erhalten. Die Ausbildung wird nicht spezialisiert. Jede Schülerin hat sowohl die Küchen-, wie die Zimmer- und Haushaltungsarbeit von Grund auf zu erlernen. In den Lehrplan sind auch Literatur- und Ge- schichtsstunden aufgenommen lvorden. frauenftirnrnreebt. Wie die Gegner arbeiten. Ueber die Versammlung der nach Budapest reisenden ausländischen Delegierten für den Frauenstimm- rechtskongreß hatte die„Tägliche Rundschau" einen Bericht gebracht, der neben objektiven Unrichtigkeiten einige alberne Be- merkungen über die deutschen„Wahlweibchen" enthielt. Verfaffer des Artikels ist Herr Adolf Petrenz, der sich bei jeder Gelegenheit in platten Bemerkungen über die Sozialdemokratie gefällt. Als nun Dr. Gertrud Bäumer, wie sie in der„Frauenfrage" erzählt, eine Berichtigung und Entgegnung einsandte, gab die Schriftleitung der „Täglichen Rundschauer Verband zu wenig, andere Organisalionen könnten Vorbild- lich sein. DaS Zwischenmeistershstem sollte mehr be- kämpft werden. Kritisiert wurde auch die geringe Entlohnung der weiblichen Hilfskraft auf dem Verbandsbureau. Bezüglich des ..Fachgenossen" wurde gewünscht, daß dieser die Alkohol- und Jugendbewegung mehr beachtet. Gauleiter D i r s ch e r l- Fürth wandte sich entschieden gegen die Taktik des Vorstandes bei Bewegungen. Den Gauleitern seien bei Streiks zu sehr die Hände gebunden man müsse ihnen mehr Bewegungsfreiheit geben. Unter Zustimmung kritisierte Dirscherl, daß der Vorstand vor Beratung der Ausnahmebestimmungen über die Beschäftigung von Jugendlichen und Frauen in der Glasin- dustcie im Reichstag keinen außerordentlichen Kongreß einberufen hat, in dem laut und deutlich ausreichender Schutz für die Arbeiter in den Glashütten hätte gefordert werden sollen. Redner ist es unbegreiflich, daß die in Gemeinschaft mit Vertretern der sozial- demokratischen Fraktion ausgearbeitete Resolution, in der die For- derunaen der Arbeiter aufgestellt waren, im Reichstag abge- ' ch w ä ch t eingebracht worden ist. Ganz besonders bedauerlich (ei es, daß kein Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion die Resolution im Reichstag vertreten habe, obwohl dies vorher ver- 'prochen worden sei. ReichstagSabgeordneter Horn erklärte, daß die Abäirderung der Resolution von dem sozialpolitischen Ausschuß der Fraktion angenommen worden sei, der zu der Meinung gekommen wäre, daß das Geforderte allgemein fiir die Glasindustrie nicht durch- ührbar sei. Für die Tafelglasindustrie müßte man eine Aus- nähme machen, da könnte man die Beseitigung der Nacht- und Sonntagsarbeit nicht verlangen. Ich habe es deshalb abgelehnt— agte Horn— die Resolution zu begründen, weil ich eine Reso- lution nicht begründen kann, die nicht meiner innersten Ueber- zeugung entspricht. Der Borsitzende des sozialpolitischen Aus- chusses, Robert S ch m i d t, auf den die Abänderung zurückzuführen ist, hatte sich zum Wort gemeldet, aber anscheinend nachträglich wieder streichen lassen. So ist die Resolution nur mit Hilfe des Zentrums ohne Begründung zur Annahme gelangt. Danach hat sich auch der Bundesrat gerichtet. Was durch die neue Bundesratsvcrordnung herausgekommen ist, ist nichts als ein Sammelsurium von Bestimmungen, die den Unternehmern einen weiten Spielraum lassen, die Bestimmungen zu hinter- gehen. Von weiteren Rednern wurde ebenfalls bedauert, daß die Re- olution abgeändert und im Reichstag nicht einmal begründet worden ist. Verbandsvorsitzender G i r b i g erklärte, daß er im Verband»- vorstand für die Abhaltung einer außerordentlichen Generalvev- sammlung eingetreten sei, doch habe sie der Vorstand der Kosten halber abgelehnt. Redner betonte dann, daß Robert Schmidt zu der Ucberzeugung gekommen sei, daß das Verbot der Nacht- und Sonntagsarbeit in der Tafelglasindustrie aus technischen Gründen nicht verlangt werden könne. Er(Girbig) habe dann gesagt, wenn die Fraktion das nicht vertreten könne, so solle sie es lassen; Schutz für die Jugendlichen müsse aber verlangt werden. Außerordentlich erstaunt sei er gewesen, als er sah, daß! die Fraktion im Reichstag keine Begründung der Resolution ge» geben habe. Im weiteren Verlauf der Diskussion brachte Dirscherl fol» gende Resolutton zu dieser Frage ein, der die Generalversamm- lung einstimmig zustimmte: „In bezug auf die Resolution betr. den Arbeiterschutz in den Glashütten spricht die Versammlung ihr Bedauern dar- über aus, daß der sozialpolitische Widerspruch des Genossen tischen Reichstagsfraktion entgegen dem Widerspruch des Genossen Horn in die Resolution eine Bestimmung aufgenommen hat, wonach für die Tafelglashütten die Ausnahme gemacht werden soll, daß in diesen Betrieben die Nachtarbeit für die Jugend- lichen, sowie die Sonntaysarbeit weiter fortbestehen kann. Die Generalversammlung spricht ferner ihr Befremden dar- über aus, daß die genannte Resolutton nicht begründet worden ist. Sie billigt den Standpunkt des Genossen Horn, den er «gen die Ausnahmestellung der Tafelinduitrie eingenommen ü." Die weitere Debatte über die Geschäftsberichte wurde am Abend durch Schlutzantrag beendet. In den Schlußworten gingen die Referenten ausführlich auf die vorgebrachten Einwände ein. Abends 8 Uhr wurden die Verhandlungen vertagt. Morgen wird in gemeinsamer Tagung die Statutenvorlage beraten. ff«0 hat Außerordentülhe Generalversammlung der PorjellaN' ariieiter. Leipzig, 2. Juli 191Ü. Dritter Berhandlungstag. Der Verbandstag trat erst am Nachmittag zusammen. Wallmann- Charlottenburg berichtet über den Stand der Kommissions- arbeiten. Nach ziemlich schwierigen Beratungen habe sich die Kom- Mission der drei Verbände auf einer Grundlage verständigt, die eine Abänderung der Statutenvorlage in der Beitrags- und Unter- stützungsftala darstelle. In einer gemeinsamen Sitzung der drei Generalversammlungen wäre erst über diese neuen Grundlagen zu sprechen. Würden die Grundlagen angenommen, dann könne weiter verhandelt werden. Die Generalversammlung stimmt ohne Diskussion dem Vor- schlage über die Gestaltung der weiteren Verhandlungen zu. Schramm- Selb erstattete sodann den Bericht der Be- schwerdeprüfungskommission. Die Beschwerden sind außerordentlich genau geprüft worden. Sie find interner Natur und betreffen zu- meist verwaltungstechnische Fragen. Die Generalversammlung bestättgt in allen Fällen das Urteil der BeschwerdeprüfungS- kommission. Nach der Erledigung einiger geschäftlicher Fragen vertagte sich die Generalversammlung bi» morgen. Singegangene Druckrcbnftcn. Lehrbuch der Arbeiterverficherungsmediztn. Herausgegeben von Geh. Med-R. Prof. Dr. F. Kumprccht, Geh. Oberreg.-R. G. Pfarttus und Dr. O. Rigler. 24 M., gpb 25,50 M. I. A. Barth. Leipzig. Die ilnternehmcrorganisationeu.(Separatabdr. aus Archiv für Sozialwifsensch. u. Sozialp. Bd. 36 Heft 3.) I. 8. B. Mohr, Tübingen. Die Musik. Heft 19. Halbmonaksschrist. Herausgegeben von B. Schuster. Verlag Schuster n. Loessler, Berlin W 57. Ter Lehrer von Kwchdorf. Schauspiel in 4 Akten von L. Bruhn. 2 M. 33. Härtel u. Co. R-chs., Leipzig. Todes-Anzeigen| Verbantl der Gastvirtsgetiilfen. Ortsverwaltung Berlin I. Am 1. Juli starb nach langem schweren Leiden unser Mitglied Max Fiebig im Aller von 63 Jahren. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. Juli, nach- mittags 4 Uhr, auf dem Fried- hos der Elisabelh- Gemeinde, Prmzenallee, statt. 31/15 I>ev Varuternck. Dienstag, den 1. Juli, v nach schweren Leiden meine Frau und gute Mutter Minna Stekken geb. Padrek. 24A Die» zeigen tiesbetrübt an A. Steffen kX Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Gnaden- Kirchhofes, Barsusstraße, aus statt Orts- Krankenkasse der Kildhauer, Stukkateure und veno. Gewerbe zu Serliu. Am Freitag, den U. Juli 1913, abends 6 Uhr, findet im Gewerk- schaftshaufe, Engelufer 15, Saal 6, eine suBeroi-detrtliclie General-Versammlung statt. Tagesordnung! Stellungnahme zu der Entscheidung des Oberoerficherungsamtes betreffend Nichtzulassung unserer Kasse als be- sondere Lrtslrankenkafse. ____ Der Vorstand. I A: Friß Waldetter, Vorfitzender. BOO Mark 104'4* Anzahl, an verk. Porz, von 2000 Vt. an. 10 Ps.-Tour elektr. Bahn. Linie 164. Hohenschönhausen, Hauvtstr. 17, Hs. pt. —— Ziehung 15. und 16. iull— Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben »erts sage ich allen Verwandten. Freunden, Bekannten. Genossimie» und Genossen sowie den Kollegen der Firma Dittmar meinen auinchiigsten Sank. t4A Im Namen der Hinterbliebenen «tto Rick, Wenk*1*" Dp. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, mÄS* 10_ 2. 6_ 7. Sonntage 10—12. Spezialarztt.r' Heilung- Sehr mfiß. Preise.* Dr med. WockenfuB, Friedrichstr. 125, Dr'enienb.Tor. Spr.8-S, Soimi. fc-ll. __ l.andparzcllen"WS veHSuckoro hinter Britz, 10 Min. v. d. elektr. Sttaßenbahn vertäust spottbillig »eiert, Lankwitz. Dersilingerstr. 4. sonntags von 10 Uhr ab Restaurant Rohrbeck, Buckow. 266/14 ,, Los« tilr IO Mk. rPorto u. Liste! " Ii» Hg. extra J £0000 Lose. 4369 Gewinne. Gewuntw. lt. 60Ö0Ö [20000 lOOOO Lose in allen Lotteri egoschiften, Lose. verkeufsstellon o. durdi Generaldsbit Lnd.Müller&G= i Berlin W.,"xM- ' Tslegr.-Adr. 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Heute abend von ö Uhr an vom Genoffen Barnack aus wichtige Flugblattverbreitung. Sonntagnachmittag 4'/. Uhr findet im Restaurant des Herrn Lindenzann, Zeuthen, Dorfstr. 13 eine öffentliche Versammlung statt, in welcher der Abgeordnete Genosse Adolf H o f f m a n n über kirch- liche Angelegenheiten referiert. Parteigenossen agitiert für zahl- reichen Besuch dieser Versammlung. berliner Nacbricbteiio Das versoffene Bergwerk bei Teupitz. Wenn nian vom Restaurant„Tornows Idyll" bei Teupitz kurze Zeit die nach Norden führende Chaussee in der Rich- tung nach Sputendorf verfolgt, sieht man beim Kilometerstein 14,9 in nordöstlicher Richtung einen einsamen hohen Schorn- stein über die Kornfelder hinausragen. Dort liegt das Ziel unserer Wanderung. Wir gehen aber die Chaussee weiter nach Norden, höchsten Vz Kilomerter weit, da, wo Kornfelder und Wald zusammenstoßen, biegen wir halb links in den Wald hinein. Nach 5 Minuten Wanderung auf kaum ficht- baren Waldweg blinkt durch die Bäume ein kleiner See. Hohe Ufer mit Kiefern umgeben ihn; Birken spiegeln ihr Bild im Wasser wider. Aus hohem Schilf ertönt der Gesang der Vögel. Laut und lockend hört man den Ruf des Kuckucks. Märchenhafte Waldesstille! Man erstaunt, gerade hier eine Art von Fabrikanlage niit mächtigem Schornstein zu erblicken: aber kein Rauch ent- weicht ihni, kein Stampfen, Zischen, Hämmern der Maschinen stört die Waldesandacht. Was hat diese Arbeitsruhe dort in der Fabrik zu bedeuten? Hat hier ein allzu strenger Fron- Herr durch Unnachgiebigkeit seine Arbeiter zum Streik ge- trieben, daß alle Räder stille stehen? O nein! Eine noch böhere Macht hat hier hemmend die schwere Hand an des Menschen Werk gelegt! Hier wurde vor zirka 39 Jahren nach Braunkohle ge- graben im Tagesbau! Ein großes Loch war schon gegraben. Da wurde eine unterirdisck)e Wasserader angebohrt. Nach und nach füllte sich die ganze Grube mit Wasser. Alle Versuche, das Wasser auszupumpen, blieben erfolglos..Da, wo fleißige Hände die schwarzen Schätze ans der Erde holen wollten, bildete sich ein neuer See. Das Bergwerk war ersoffen! All diese Einzelheiten erfahren wir aus dem Munde einer alten Frau, welche dort in dem alten kleinen Häuschen wohnt. Es wird uns gern gestattet, das Pmnpwerk sowie das Maschinenhaus zu besichtigen. Die Dampfmaschine liegt ruhig da. das große Schwungrad dreht sich nicht mehr, die Ventile sind verstaubt, verrostet. An den Wänden hängen verrostet die Schraubenschlüssel. Eine alte Oelkanne liegt verkümmert in der Ecke. Wir sehen hinaus nach dem See. Dort neues Leben: hier Stillstand. Ein alter Holzturm, zum Pumpwerk gehörig, ragt gespenstisch in die Höhe. Eine außerordentliche Tiefe soll der mit einem alten an vielen Stellen durchbrochenen Drahtzaun umgebene See besitzen. Der Sand an diesem See ist noch niit Braunkohlenrcsten vermischt. Jmnicr und immer wieder sieht man nach den: Maschinenhaus hinüber. So ruhig und still wie dort drüben muß es wohl auch im verwunschenen Schloß aus der Märchenwelt gewesen sein. Wir gehen wieder nach der Chaussee zurück, um auf gleichem Wege, wie gekommen, nach„Tornows Idyll" zurückzukehren. Von der Chaussee führt auch ein Weg nach Nestau- rant„Waldfrieden". Um V-ß Uhr geht von hier aus. kurz vorher von„Tornows Idyll" das letzte Motorboot nach Teupitz— Gr.-Köris. In flotter Fahrt geht's'über den lang- gestreckten Teupitzsee, durch den Mochgraben nach dein Restau- rant„Seeschloß" am Zemminsee, ganz in der Nähe des Bahn- Hofes. Die goldene Abensonne sendet uns ihre letzten Strahlen zum Abschied zu, und beglückt fahren wir der Heimat zu, in der Hoffnung, bald wieder eine solche eigenartige Tour unter- nehmen zu können.__ Abreise der �erienkolonisten. Auf dem Stettiner Bahnhof herrschte gestern früh großer Ferientrubel. Schon um 7 Uhr fanden Knaben und Mädchen mit Rucksäcken und anderem Gepäck sich mit ihren Angehörigen ein. Von Minute zu Minute wuchs die Zahl. Um 8 Uhr waren sämtliche Bahnsteige dicht besetzt. Der erste Sonderzug um 8,14 Uhr wurde schnell gestürmt, 240 Knaben und 200 Mädchen mit ihren Reisebegleitern fanden Platz. Die Damen und Herren des Berliner Vereins für Ferienkolonien hatten ihre liebe Mühe und Not, alle Fragen der um ihre Kinder besorgten Angehörigen zu beantworten. Fünf Minuten später fuhren 120 Mädchen und 122 Knaben ab. Alle in der Richtung nach Stralsund und Rügen. Um 8,53 Uhr wurden 390 Knaben und 120 Mädchen mit einem Sonderzug nach Waren in Mecklenburg und weiter befördert. Obgleich schon eine Menge Fahrgäste abgedampft waren, hörte der Ansturm nicht auf. Um 9,57 Uhr verließen dann 240 Kinder in der Richtung Greifswald den Bahnhof. Um 10,10 Uhr folgten noch vierzig Knaben und um 10.45 Uhr weitere 61 Kinder. Mit sechs Zügen wurden insgesammt 1533 Kinder nach Pommern be- fördert. Hoffentlich komküen die vielen kleinen Berliner alle gesund und gekräftigt nach vier Wochen zurück. Die Ungültigkeit des 8 8 der Berliner Gemeinde- Grundsteuerordnung hat am �Donnerstag nunmehr auch das Kamniergericht, erster Strafsenat, ausgesprochen. Der Z 8 der Gemeinde- Grundsteuerordnung für Berlin vom 20. April 1907 bestimmt: „Jeder nicht in Berlin wohnende Eigentümer(eines Berliner Grundstücks) hat der Steuerdeputation einen in Berlin wohnhasten Stellvertreter für die seinen Grundbesitz betreffenden Angelegenheiten schriftlich zu bezeichnen." Wegen Uebertretung dieses Paragraphen war Herr Köp- den angeklagt worden, der in Zehlendorf wohnt und in Berlin ein Grundstück hat, Das Landgericht sprach K. frei, weil der§ 8 ungültig sei. Das Kammergericht hat nun gestern— Donnerstag— die Revision des als Nebenkläger zuge- lassenen Berliner Magistrats zurückgewiesen und zur Begründung folgende prinzipielle Ausführungen gemacht: Mit der zitierten Bestimmung werde nicht nur verlangt die Bestellung eines Zustellungsbevollmächtigten, sondern eines Bevollmächtigten, der den Eigentümer in den das Gründstück betreffenden Angelegenheiten vertritt, somit also eines Bevollmächtigten, der auch rechtsgeschäft- liche Erklärungen, die für den Vollmachtgeber bin- dend sind, für ihn abzugeben hat. Es frage sich, ob das verlangt werden könne. Zu beachten sei hierbei 8 63 des Kommunal-Abgabengesetzes, auf den der Vertreter des Ma- gistrats Bezug genommen habe. Dieser bestimme nun aller- dings im letzten Absatz, daß die in den andern Absätzen hin- sichtlich der Steuerpflichtigen gegebenen Vorschriften auf Be- vollmächtig� und gesetzliche Vertreter sinngemäß Anwendung finden sollen. Damit sei aber nicht bestimmt, daß der Steuerpflichtige gezwungen werden könne, Bevollmächtigte zu ernennen. Der Absatz sei vielmehr dahin zu verstehen, daß seine Vorschrift Anwendung finden solle, wenn Be- vollmächtigte oder gesetzliche Vertreter vorhanden seien. Die Bestimmung des Z 8 der Berliner Gemeinde-Grundsteuerordnung sei nun aber io weitgehend, daß sie nur gültig sein könnte, wenn sie im Gesetz eine besondere Grundlage hätte. Die habe sie aber nicht in irgend einer anderen Gesetzesstelle, und wie schon ausgeführt, habe das Kommunalabgaben-Gesetz auch mit dem letzten Absatz des § 63 nicht die Absicht gehabt, zuzulassen, daß der Eigen- tllmer gezwungen werden könne, einen Bevollmächtigten zu bestellen, der für ihn rechtsgeschäftliche Erklärungen abgeben könne. Soniit sei§ 8 der Gemeinde-Grundsteuerordnung vom 20. April 1907 ungültig.— Im übrigen würde er auch dann ungültig sein, wenn er nur die Bestellung eines bloßen Zustellungsbevollmächtigten im Auge hätte. Denn in diesem Falle würde er sich in Widerspruch setzen mit der Verordimng, welche das Zustellungswescn regele. Biehhändler und Grostschlächter. Mehrere Viehhändler beabsichtigen mit Umgehung der Großschlächter auf dem Zentralviehhof selbst schlachten zu lassen. Das Fleisch wollen sie dann direkt an Ladenschlächter absetzen. Zu diesem Zweck ist die Gründung einer Gesellschaft geplant. Die Großschlächter wiederum beabsichtigen, das Vieh mit Umgehung der Händler direkt von den Produzenten zu bezichen, worüber die Kommissionäre nicht sehr erfreut sein sollen.___ Von den Uraniasäulen. Der Berliner Polizeipräsident hatte der Reklamegesellschaft „Rollero" zur Anbringung automatisch wechselnder Reklame an den Uraniasäulen die Genehmigung widerruflich erteilt, jedoch unter der Bedingung, daß die Reklamen in nicht kürzerer Zeit als 30 Sekunden wechseln dürfen. Die Gesellschaft fühlte sich durch die Bedingung beschwert und klagte. Der Bezirksausschuß erkannte zugunsten der Gesellschaft, weil Verkehrsrücksichten die Bedingung nicht recht- fertigten. Das Oberverwaltungsgericht hob das Urteil auf und wie? die Klage der Gesellschaft ab. Gründe: In Betracht käme gl der Berliner Straßenpolizeiverordnung in Verbindung mit K 93. Nach diesen rechtsgültigen Paragraphen sei u. a. die polizeiliche Genehmigung erforderlich zum Anbringen von Aushängeschildern und anderen Ankündigungsmitteln des Gewerbebetriebes, der Kunst und Industrie, sobald sie so angebracht werden, daß sie von der Straße aus sichtbar sind. Beim Vorliegen einer solchen gültigen Polizeiverordnung entscheide das freie Ermessen, die Genehmigung zu versagen oder zu erteilen oder Bedingungen festzusetzen. Die Klage könnte unter diesen Umständen nur Erfolg haben, wenn Schikane oder Willkür vorlägen. Das sei nicht der Fall. Wieder mal Verkehrsstörung in Südcndc! Den vielen in Berlin beschäftigten Bewohner der Vororte Südcnde, Lankwitz und Lichter- felde-Ost sowie den Leuten, die- mit der elektrischen Vorortbahn nach Dorckstraße, Papestraße und im Anschluß an sie nach Teltow, Machnow, Stahnsdorf wollten, wurde am gestrigen Donnerstag- vormittag die peinliche Ueberraschung. daß die Bahn wieder einmal nicht ging. In Südende stürzte sich alles auf die Elektrische nach Steglitz, die natürlich ihren Verkehr nicht verdichtete, wie denn auch die Station Südende bei Verkehrsstörungen die Leute erst auf dem Bahnhof dies erfahren läßt, statt rasch Plakate an den Laternen der Zugangsstraßen befestigen zu lassen. Falsche Hinweise auf Feuermelder. Die öffentlichen Anschlagsäulen enthalten bekanntlich Hinweise, wo der nächste Feuermelder zu finden ist. Dabei laufen ganz grobe Fehler unter. Ein Leser schreibt darüber:„Vor dem Hause Lothringer Straße 31, Ecke WeinbergSweg, ist ein Säule aufgestellt, die angibt, daß der nächste Feuermelder Schönhauser Allee 181, Ecke Fehrbelliner Straße, zu finden ist, während derselbe vor dem Hause Nr. 51 etwa 15 Schritt von der bezeichneten Säule aufgestellt ist. Dieselbe falsche Bezeichnung trägt die Säule vor dem Hause Nr. 84 derselben Straße, während die auf der anderen Straßenseite vor dem Hause Nr. 64 gegenüberstehende Säule die richtige Be- zeichnung trägt. Die vor dem Hause Rochstr. 1, Ecke Mllnzstraße stehende Säule trägt den Hinweis: Prenzlauer Str. 5, Ecke Linienstraße. Der öffentliche Feuermelder steht vor dem Hause Münzstr. 14, Ecke Kaiser- Wilhelm-Straße. Die Säulen auf dem Aleranderplatz und in dessen unmittelbaren Nähe enthalten den Hinweis: Alexanderstr. 46. Ecke Neue Königstraße. Niemand wird es gelingen, dort einen Feuer- melder zu entdecken. Derselbe befindet sich nämlich dem bezeichneten Hause gegenüber auf einem Jnselperron, also direkt auf dem Alexanderplatz. Diese Blütenlese, welche anscheinend nur einen Teil dieser Uu« genauigkeiten darstellt, sollte das königliche Polizeipräsidium, Ab« teilung für Feuerwehr, veranlassen, eine umfassende Remedur ein- treten zu lassen._ Opfer des Spielteufels. Ein Opfer seiner Spielleidenschaft ist der 23 Jahre alte Friseur- gehilfe Walter König aus Alt-Moabit geworden. König, der schon seit drei Jahren bei seinem Meister war. opferte fast seinen ganzen Lohn dem Spielteufel, so daß er selbst kaum das Nötigste besaß. Er war ein leidenschaftlicher Wetter und Besucher der Rennbahnen. Sein Gehalt, das er vorgestern erhielt, hatte er schon am Tage darauf bis auf den letzten Pfennig verspielt. Diesen Verlust scheint er sich wohl so sehr zu Herzen genommen zu haben, daß er be- schloß, seinem Leben ein Ende zu machen. Gestern mittag, als er sich in dem Geschäft nicht sehen ließ und der Meister deshalb in seinem Zimmer nachsah, fand man ihn air einem Wandhaken tot dahängen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schau- Hause gebracht. Die Kindesleiche im Klosett. Unter dem Verdacht, ihr neugeborenes Kind getötet zu haben, wurde das bei Baufeld in der Friedenstr. 19 bedienstete Dienst- mädchen in Haft genommen. Das Kind wurde im Klosett tot auf- gefunden.__ Ein Kind von einer Bohle erschlage». Der Schiffseigentümer Schulze aus Sachsenhausen kam mit seinem Kohlenkahn hier an und machte in der Nähe der Gotzkowsly-Brücke fest um dort auszuladen. Zu diesem Zwecke wurden starke Laufbretter(Bohlen) zwischen Ufer und Kahn gelegt. Als die Arbeiter heute nachmittag damit be- schäfttgt tvaren, wurde das in der Nähe spielende einjährige Söhnchen des Schiffseigentümers durch eine herabfallende Bohle so schwer ge- troffen, daß er bald darauf unter den Händen eines hinzugerufenen Arztes verstarb. Schwer verunglückt ist auf der Flucht vor Polizeibcamten ein junger Mann Hugo Wegner. Wegen verschiedener Delikte verfolgt. fetzte Wegner über einen Zaun in der Gneisenauftraße. Hierbei verunglückte er jedoch schwer, indem er mit dem Unterleib in einer Eisen spitze hängen blieb. Er arbeitete sich noch aus seiner bedrängten Lage, brach dann aber infolge der Schmerzen zusammen und blieb hilflos liegen. Ter Beamte brachte ihft jetzt mit einer Droschke nach dem Krankenhaus Am Urban, wo der Arzr feststellte, daß die Verletzungen sehr erheblich waren. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde W. als Polizeigcfangcner nach der Charit« gebracht. Die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde gestern vormittag an der Schloßbrücke aus der Spree gelandet. Sie war in braunes Packpapier gehüllt und mit Bindfaden verschnürt. Zur Feststellung der Todesursache wurde die kleine Leiche von der Polizei beschlag- nahmt und nach dem Schauhause gebracht. Wer sind die Toten? Aus der Spree gelandet wurde gestern nachmittag bei Treptow die Leiche eines unbekannten, ungefähr 43 Jahre alten Mannes, dessen Persönlichkeit sich bisher nicht feststellen ließ. Der Tote ist mittel- groß, hat einen rötkichen Schnurrbart und sogenannte Fliege und trug nur noch braune Strümpfe und schwarze Schnallenschuhe. Die übrige Kleidung ist det Leiche, die erheblich verletzt ist, wohl von Schiffsschrauben weggerissen worden.— Im Grunewald erschossen ausgefunden wurde gestern mittag im Bereich deS Jagen 118 ein ungefähr ebenso alter Mann, der auch keinerlei Papiere bei sich hatte, durch die man seine Persönlichkeit hätte feststellen können. Der Un- bekannte ist 1,63 bis 1,68 Meter groß und untersetzt, hat grau- meliertes, kurzgeschnittenes Haar, eine Glatze, dunkelbraunen Schnurr- und Kiunbart und ein volles Gesicht und war bekleidet mit einen: grün- und gelbgesprenkelten Ulster, einem graugestreiften Jackett- änzug, einem schwarzen, steifen Hut, einem weißen Stehkragen mit weißieinenem Oberhemd und Selbstbinder und schwarzen Schnür- stiefeln. Der Hut stammt von der Firma Eckardt und trägt in: Schweißleder die Kreideinschrift„10 857 Geyer". In den Taschen des Toten fand man einen Ring mit 11 Schlüsseln, ein Taschenmesser und eine Nagelfeile._ Tachstuhlbrani» im Osten Berlins. In der ersten Morgenstunde wurde die Feuerivehr gestern nach der P i n t s ch st r a ß e 4 im Osten Berlins gerufen, wo auf dem Boden des Hauses Feuer aus- gebrochen war. Die Flammen hatten mehrere Verschlage mit In- halt und Teile des Fußbodens erfaßt und waren auch schon auf das Dachgebälk übergesprungen. Es wurde mit zwei Rohren Wasser ge- geben. Die Rohrsührer drangen teils über eine mechanische Leiter, teils über die Treppen gegen den Brandherd vor, doch dauerte es über eine Stunde, ehe die Gefahr beseitigt war. Erst gegen 3 Uhr morgens konnte die Wehr den Brandplatz wieder verlassen. Die Ursache ist nicht ermittelt.__ Quittung. Für den Berein Arbeiter-Jugcudheim gingen bei dem Unier- zeichneten ein: 5 M. von den Rotationsarbeitern des„Berliner Tageblatt". 35 M. von den Kollegen der Firma Griebsch, Unter den Linden, 6,50 M. M ärzkranzüberschus! von den sreiorganisicrtcn Arbeitern der Margarine- iverkc„Berolina", Lichtenberg, 18 M. aus der Bicrkasse von den Arbeitern der Firma Franke, Jnselstratzc, 2V M. von den Kollegen und Kolleginnen der Firma Emil Tengelmann, 39,95 M. Kameradschastlichc Vereinigung, 40,70 M. von den Bauarbeitern der Konsumgenossenschaft Lichtenberg. 61 M. von den Arbeitern der Brauerei PaZcnhoser, Abt. 1, 26,05 M. von den Bauarbeitern der Konsumgenossenschast Lichtenberg, 6 M. Referat Dr. Dr. Kurt Rosenscld, 20 M. Buchdruckerei Hempel u. Co., Akz.-Abt., 5 M. Werkstatt Versammlung der Firma A. Roller, 10 M. 5. Kreis I. Abt. Bez. 437/38, 10 M. 5. Kreis Fraucnlefeabcnd, 1 M. 5. Kreis Bez. 438, 10 M. 2. Kreis I. Abt. Bez. 68 iJubiläumsspende), 61,50 M. Arbeiter der Firma Bosse u. Co.(Märzkranzübcrschuß), 2,25 R!. 6. Kreis(vom Kranz- Uberschuß des Genossen Schade), 1l,5S M. 6. Kreis Bez. 798a tlleberschuß einer Kranzspende), 70 M. von einem unbekannten Freund, 8 M. 4. Kreis Abt. XII Frauenlescabend. K. R o s e n s e I d, An der Spandaucr Brücke 1a. Vorort- Pfadmedten. Charlottenburg. Beihilfe für Schwangere. Minderbemittelten Schwangeren, welche in Charlottenburg wohnen, werden von dem Charlottenburger Hanspflegeverein vier Wochen vor der Entbindung und für die Zeit des Wochenbettes Beihilfen ge- währt, meist in Gestalt eines kräftigen Mittagessens in fol- genden Spcisungsstellen: Charlottenburger Ufer 16, Nehring- straffe 11, Wilmersdorfer Str. III, Berliner Str. 137 und Alt-Moabit 39. Meldungen nimmt die Ernährnngsabteilung des Hauspflegevereins, Marchstr. 7t, Dienstags und Freitags zwischen 10 und 11 Uhr vormittags, möglichst 6 Wochen vor der zu erwartenden Entbindung entgegen. Gesangliche Veranstaltung. Der Gesangvcrcm„Char. lottenburger Liedertafel"(M. d. A. S. B.) veranaltet am Sonntag, den 6. Juli, im„Minerva-Sportpark"(Fichte-Spiel- platz), Königsdamm, an der Olympia-Radrennbahn, ein Sommerfest. Konzert: Hollfelder. Anfang 4 Uhr. Eintritt 23 Pf. Da der Verein— als einziger am Orte— die Veranstaltungen der Partei und Gewerkschäften durch Mitwirkung unterstützt, ist ver Besuch de? Festes durch die organisierte Arbeiterschaft Cchar- lottenburgs zu empfehlen. Neukölln. Eine Bormittagsspielpartie nach dem Plänterwald findet am Sonntag, den 6. Juli, statt. Treffpunkt 7 Uhr am Rathause. Die Eltern werden ersucht, ihre Kinder mitzuschicken. Zu der zweitägigen Ferienpartie werden Meldungen bis zum 12. Juli von dem Spielleiter und im Sekretariat entgegengenommen. Ferienspiele! In der Arbeiterstadt Neukölln ist es zum Bedürfnis geworden, die Kinder, denen es nicht vergönnt ist, die Ferien im Gebirge, an der See oder in sonstigen Sommerfrischen zu verleben, hinaus zu führen ins Freie oder auf Spielplätzen, welche uns zum Teil vom Magistrat zur Verfügung gestellt, zum Teil vom Wahlverein ge- mietet worden sind, um dort im fröhlichen, Geist und Körper stählenden Spiele die Ferien zweckentsprechend zu verwenden. Wie gern die Kinder zu uns kommen, beweist die stattliche, stattstisch festgestellte Zahl des Jahre» 1012. 23«76 Kinder waren es, welche während der Ferien an 23 Tagen von unseren Genossinnen zum Spiel geführt worden sind.— Nun haben sich auch in diesem Jahre wieder eine Anzahl Frauen zu diesen Spielen zur Verfügung gestellt.— Wir bitten die Eltern, denen es— durch wirtschaftliche, soziale Verhältnisse gezwungen � nicht möglich ist, ihren Kindern während der Ferien besseres zu bieten, dieselben an den Ferienspielen teil> nehmen zu lassen, damit auch diese Kinder später einmal gern an ihre Ferienzeit zurückdenken können. Die Ferienspiele finden an allen Werktagen saußer Sonn- abends) in der Zeit von 2—6 Uhr nachmittags auf den unten angeführten Plätzen slatt. Den Kindern ist Mundvorrat mitzugeben. Das Gefäß zur Aufbewahrung des Getränkes und das Trinkgefäß selbst soll mög lichst von Emaille sein. Auf dem Spielplatz in der Gehgerstraße spielen der 4., V., 6., 7., 8., 9., 10., 11., 12, 13, 15. Bezirk. Im Karlsgarten spielen der 1, 2, 3, 22, 23, 24. Bezirk. Auf dem Spielplatz in der Lessingstraße spielen der 14, 16, 17, 13, 19, 20, 21. Bezirk. Die Sammelstellen für die Kinder der einzelnen Bezirke, auf welchen sich dieselben Punkt 2 Uhr einzufinden haben, sind folgende: 1.— 3. Bez. Neuterplatz, an der Ratswage. 4. und 5. Bez. Weichselstraße, Ecke Kaiser-Friedrich-Straße. 6. und 7. Bez. Elbe straße, Ecke Weserstraße. 8. Bez. Finowstraße, Ecke Weserstraße. 9. Bez. Spielplatz Gchgerstraße. 10. und 11. Bez. Richardplatz. 12. Bez. Saalestraste, Ecke Elsterstraße. 13. und 14. Bez. Kranoldplatz 15. Bez. Stubenrauchplatz. 16a. Bez. Leinestraße, Ecke Hermann- straße. 16 d und 17. Bez. Warthestraße, Ecke Hermannstraße. 18, 19. und 20. Bez. Jägerstraße, Ecke Falkstraße. 21. Bez. Schillerl Promenade, Ecke Allerstraße. 22. Bez. Schillerpromenade. Ecke Selchower Straße. 23. Bez. Boddinplatz. 24. Bez. Spielplatz Karls- garten. Ein Anspielen findet in diesem Jahre nicht statt; mit den Kindern wird dafür auf dem Sommerfest am 6. Juli in der Vereins- brauerei gespielt. Schöneberg. Die regelmäßigen Spiclabcnde der Freien Elternvereinigung finden während der Ferien nur jeden Mittwoch, abends O'/z bis SVa Uhr statt. Für diejenigen Kinder von Mitgliedern, welche nicht mit der Ferienkolonie nach dem Grunewald fahren, finden jeden Tag Spiele auf dem städtischen Platz RubenS st raße statt. Bei- träge werden Mittwochs entgegengenommen. Wilmersdorf-Halensee« Generalversammlung. Am Montag, den 30. Juni, fand die Generalversammlung des WahlvereinS im Viktoriagarten, Wilhelms- aue 114/115, statt. Genosse Dittmar hielt einen Vortrag über: »Gegenseitige Hilfe in der Natur und im Menschenleben". Den Kassenbericht gab Genosse Goddäus: Bei der Maifeier betrugen die Einnahmen 473,80 M, die Ausgaben 384,43 M, bleibt ein Ueber- schuß von 89,37 M. Die LandtagSwabl brachte Einnahmen 727,44 M, Ausgaben 1457,87 M, bleibt ein Defizit von 730,43 M. Die Ouar- talsabrechnung vom 1. Quartal ergab Einnahmen 860,54 M, Aus- gaben 954,57 M, davon an den Kreis abgeführt 573,70 M, bleibt ein Defizit von 94,03 M. Ueber die Hauskassierung läßt sich noch kein abschließendes Urteil geben, da sie erst im Laufe des Quartals eingeführt wurde. Hierauf berichtete Genossin Bahr von der Verbandsgeneralversammlung Groß- Berlin und bedauerte, daß die Einführung des Wochenabonnements deS.Vorwärts" wieder zurückgestellt worden ist. Mit Entrüstung wurde von der Kritik Kenntnis genommen, welche die Genossen Stadthagen und Ernst an der Wilmersdorfer Massenstreikversammlung geübt haben. Es wurde betont, daß der Wilmersdorfer Wahlverein das Recht habe, öffentliche Versammlungen einzuberufen und sich über das Thema vom Zentralvorstand keine Vorschriften machen lasse. Wie aktuell das Thema gewesen sei, zeige der großartige Besuch der Versammlung, wie er noch nie in Wilmersdorf verzeichnet wurde, ebenfalls der Besuch zahlreicher Genossen aus Berlin und selbst den östlichen Vororten. Auch hat die Versammlung die Anregung zu einer ganzen Reihe von Artikeln in der Parteipresse wie in bürger- lichen Blättern gegeben. Folgende Resolution wurde einstimmig an- genommen:„Trotz des großen moralischen Erfolges, den die Sozial- demokratie bei den letzten Landtagswahlen erzielt hat, zeigt sich immer deutlicher die Unmöglichkeit, mit den bisher angewandten Kampfes- Mitteln, insbesondere auf dem rein parlamentarischen Wege, das freie Wahlrecht für Preußen zu erringen. Deshalb mögen der Parteitag und die Organisationen beschließen, in eine systematische Propaganda für den politischen Massenstreik einzutreten." Genosse Dr. Breitscheid regte an, das Massenftreikproblem nochmals in einer Mitglieder« Versammlung zu behandeln, dieses wurde einstimmig angenommen. Genosse Fabian berichtet von der Kreisgeneralversammlung. ES sei eine Stagnation der Mitgliederzahl im Kreiswahlverein eingetreten. Wenn sie auch zum Teil auf die schlechte Konjunktur im Baugewerbe und in der Holzindustrie zurückzuführen sei, so müßte es Pflicht eines jeden Mitgliedes sein, neue Mitkämpfer zu werben. Die ver- flossene Landtagswahl bietet dazu die beste Gelegenheit. Lichterfelde. Der letzten Gcmeindcvertrcterfttzung vor den Sommerferien lag eine umfangreiche und zum Teil wichtige Tagesordnung vor. Es fiel deshalb allgemein auf. daß der Gemeindevorsteher in dieser Sitzung fehlte, obwohl er sich nicht auf Ferienurlaub befindet. Ein Gerücht will wissen, daß Herr Schulz nicht mehr lange das Amt eines Gemeindevorstehers bekleiden werde, weil er angeblich zu etwas Höherem ausersehen sei. Ob er trotz oder infolge seiner jüngsten Stellungnahme in der Generalversammlung des Groß-Berliner Zweckverbandes, die ihn auf feiten der Gegner der Selb st Verwaltung fand, als geeignet befunden worden ist für die Berufung auf einen höheren Posten, entzieht sich unserer Kenntnis. Zu Beginn der Sitzung erfolgte die Einführung des neu ge- wählten Gemeindeverordneten Kulbe; Schöffe Lange wies in seiner Ansprache auf die harten Kämpfe ibei der jüngsten Gemeinde- Wahl hin und bezeichnete Herrn Kulbe als den bis jetzt zweifellos „teuersten" Gemeindevertreter. Beschlossen wurde nach einem ein- gehenden Referat des Schöffen Syndikus Dr. D o m i n o die Ein- führung der General-Bormundschaftfür diejenigen Minder- jährigen, welche seitens der Gemeinde auf Grund der öffentlichen Armenpflege Unterstützung erhalten. Bei der Größe des OrtcS sollen zwei Bezirke gebildet und geeignete Persönlichkeiten als Vormünder ausfindig gemacht werden; als Entschädigung für die Uebernahme dieses Ehrenamtes find 500 M. festgesetzt. Die Generalvormund- schaft soll bereit« im Oktober in Kraft treten. Eine längere Debatte entspann sich über einen eingegangenen Antrag, daS Gelände von Alexander Katz in der Nähe des Richard- Wagner- Platzes zur" Anlage von Laubenkolonien freizugeben. Der Gemeindevorstand konnte sich zwar der Pflicht nicht entziehen, diesen Antrag, der dem Bedürfnis der minderbemittelten, nach frischer Luft und Erholung sich sehnenden Bevölke- rung entgegenkommt, zuzustimmen. Aber neben diese Ge- nehmigung setzte er gleich den polizeilichen Galgen: Durch die Er- richtung von Lauben soll das Ortsbild nicht verunstaltet werden; zu diesem Zwecke werden besondere baupolizeiliche Vorschriften er« lassen, nach denen die jeweilige Prüfung bei Errichtung von Lauben erfolgen soll. Auf dietem Wege kommt man sicher zu dem zwar nicht ausgesprochenen aber erstrebten Zweck, die Anlage von größeren, für die breite Masse zweckmäßigen und billigen Laubenkolonien zu unterbinden. Die Gemeindevertreter Jaeger, Dr. Gelder- mann und R a u p e r t machten dann auch sofort Front gegen die beabsichtigte Anlegung von Laubenkolonien, welche nach ihrer Meinung den Ort schädigen; daß dabei auck, mancher persönliche Hieb gegen die Laubenkolonisten fiel, versteht sich von selbst. Durch die zarte Schicht sozialer Schminke, die>nan pro korma auftragen zu müssen glaubte, brach immer wieder die unverhohlene Abneigung gegen diese im gesundheitlichen Interesse vieler Tausenden von Proletariern und ihrer Kinder liegenden Einrichtung. ' Das Ergebnis war die Verweisung an eine Kommission, in der die Laubenkolonien wohl endgültig begraben werden. In der Gemeindeschule IV tKommandantenstraße) macht sich der Anbau eines fünften Pavillons notwendig; die Mittel dazu in Höhe von 44000 M. werden bewilligt; gleichfalls zugestimmt wird den Verträgen mit dem Eisenbahnfiskus bezüglich der Verbreiterung der Treppen zum Vorortbahnstcig Lichterfclde-Ost und der Errichtung einer Bedürfnis anstalt unterhalb des Bahnkörpers. Der Antrag Jaeger und Gen. auf Aenderung der Geschäftsordnung der Gemeindevertretung wird zurückgezogen, nachdem Schöffe Lange die Notwendigkeit ihrer Re- Vision nicht nur in den beantragten, sondern auch in anderen Punkten anerkannt hatte. Die Angelegenheit wird einer besonderen Kom Mission überwiesen. Der Punkt: Errichtung einer Gemeindesparkafse wird von der Tagesordnung abgesetzt und soll nach den Ferien die Gemeindevertretung beschästigen. In den Monaten Juli und August finden keine Sitzungen statt. Steglitz. Die diesjährigen Ferienspiele beginnen am Dienstag, den 8. d. M. Gespielt wird jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag. Treffpunkt zu den Spielen am Bahnhof Steglitz. Zeitpunkt mittags 1 Uhr. Da pünktlich abgefahren werden muß, werden die Eltern gebeten, ihre Kinder zum rechtzeitigen Erscheinen anzuhalten. Wannsee. Turnspielc. Der Arbeiter-Turnverein veranstaltet jetzt jeden Sonntag auf einem ihm zur Verfügung gestellten großen Platz in der Friedenstraße Turnspiele, zu welchen die Eltern ihre Kinder recht oft schicken wollen. Jedenfalls sind sie hier bester aufgehoben als bei dein am Orte bestehenden Jungdeutschland-Verein, besten Bestrebungen ja allgemein bekannt sind. Dem Wahlverein ist es gelungen, mit dem Pächter der neuen Badeanstalt am Stölpchensee ein Abkommen zu treffen, wonach Badckarten zu äußerst ermäßigten Preisen in der Verkaufsstelle des Konsumvereins zu haben sind. Waidmannslust. Jugendspielc. Sonntag, den 6. Juli, Treffpunkt 8 Uhr, Schweizcrhaus. Während der Ferien werden jeden Montag und Donnerstag von 5 bis 8 Uhr Spiele veranstaltet. Treffpunkt für alle Veranstaltungen: SchweizerhauS. An den Sonntagen werden wir entweder Spiele oder Wanderungen unternehmen. Wir bitten die Genossen und Genofsinnen, für recht zahlreichen Besuch der Veranstaltungen zu sorgen. Lichtenberg. Die Ferienspiele beginnen Montag, den 7. Juli auf dem Turn- platz der Freien Turnerschaft in Friedrichsfelde, unter Leitung von Genossinnen. Treffpunkte sind: Wismarplatz. Sportplatz Marktstr., G ü r t e l st r. Ecke Frankfurter Chaussee, Wilhelmplatz und L ü ck st r. Ecke Friedrichstr. Mittag 1 bis l'/z Uhr. Die Kinder sollen Vesperbrot mitbringen. Getränke erhalten sie dort. Nieder-Schöneweide. In der letzten Gemeindevertrctcrsitzung führte an Stelle deS erkrankten Gemeindevorstehers der Schöffe Eicke die Geschäfte. Er teilte mit, daß Herr Dr. Kunheim für das letzthin gegründete Alters- heim nach Genehmigung der vorgesetzten Behörde 10 000 M. ge- spendet, was dankend angenommen wurde. Die Gemeinde-Straßen« arbeiter sollen auch zum Feuerlöschdienst ausgebildet werden. Die dazu gehörigen Mittel werden bewilligt. Da die Gemeindeverord neten wegen derselben Tagesordnung zum zweiten mal zusammen gerufen waren, konnten die sieben anwesenden Gemeindevertreter einstimmig die Einrichtung der Zentralheizung für den alten Teil der Gemeindeschule beschließen, was sonst wohl schwer gefallen wäre. Gleich zu Beginn der Schulferien soll mit den Arbeiten der Einrich« tung begonnen werden. Die Ausführung selbst wird der Firma Otto Meyer, Berlin-Schöneberg, übertragen. Nach dem Bericht des Schularztes ist der Gesundheitsznstand unserer Schuljugend sehr be- friedigend. Gebadet haben von allen in Betracht kommenden Schülern und Schülerinnen 40 Proz.; fast alle übrigen gaben an, zu Hause selbst Badeeinrichtung zu haben. Hub aller Ctlelt* Zu den JMalTenerltranhungcn beim Infanterieregiment fsTr. 78 in Oanabrüch teilt das Sanitätsamt des 10. Armeekorps mit: Die Paratyphus- erkrankung in Osnabrück ist im Abnehmen begriffen. In den letzten Tagen find keine Neuerkrankungen mehr zu verzeichnen. Beim 2. Bataillon befindet sichrem Kranker mehr, beim 1. Bataillon befanden sich gestern noch 57 Mann in ärztlicher Behandlung, auch diese 57 sind nur noch ganz leicht krank. Hinsichtlich der Er- krankungsursache hält das Sanitätsamt nach wie vor an der nun- mehr gesicherten Vermutung fest, daß die Erkrankungen durch den Paratyphusbazillus und sein Gift hervorgerufen sind. Nachdem bis jetzt bei 24 Erkrankten diese Bazillen nachgewiesen wurden, hat die Blutuntersuchung auch die Diagnose bestätigt. Die Tatsache. daß andere Truppenteile, die von dem Fleisch der Kuh gegessen haben, nicht erkrankten, erklärt sich aus der Erfahrung, daß die Paratyphusbazillen und ihre Gifte namentlich im Anfang der Er- krankung oft sich nur in einem Teile des Tieres finden. Dadurch findet auch die Feststellung ihre Erklärung, daß sowohl vom Züchter wie vom Metzger als auch vom Schlachthof-Tierarzt das Rind in diesem Stadium der Erkrankung für völlig gesund und das Fleisch von der Abnahmekommission als einwandsfrei befunden wurde. An eine Bleivergiftung, wie in der Presse verbreitet wurde, ist bei dem einwandSfreien Zustande der Küchengeräte niemals gedacht worden. Auch tonnte nach den Krankheitserscheinungen eine Schierlingsvergiftung nicht in Frage kommen. Endlich ließ sich eine Kartoffelvergiftung durch Solanin auf Grund epidemiologi- scher Ermittelungen ausschließen Neue Erdbeben in Messina. Die Bewohner von Messina sind in der Nacht zum Donners- tag durch einen schweren Erdstoß in Schrecken versetzt worden. Die Bevölkerung, die sofort die Häuser verlieh, brachte die Nacht im Freien unter Zelten zu. Der erste Stoß war um 1 Uhr verspürt worden, dem um 1)4 Uhr ein längeres und stärkeres Beben folgte. Die Hitze in Amerika ist weiter unerträglich. Aus Chicago werden 38 Todesfälle infolge Hitzschlages gemeldet. Einen besorgniserregenden Umfang nimmt die Kinoersterblichkeit an. An einem einzigen Tage sind in Chicago 85 Säuglinge gestorben. Die Temperatur hielt sich durchschnittlich auf 37,8 Grad Celsius im Schatten. Die Hitze in Chicago und Philadelphia ist so enorm, daß in den elegantesten Restaurants der Stadt Plakate ausgehängt sind, durch die den Gästen offiziell die Erlaubnis gewährt wird, ihr Mittag- oder Abendbrot in Hemd- ärmeln zu sich zu nehmen._ Eine häsiliche Skandalaffäre beschäftigt die südamerikanischen Republiken augenblicklich sehr stark. In Buenos-Aires hat sich vor einigen Tagen eine bildschöne 30jährige Dame Frau Irma Avegno erschossen. Frau Avegno war die Nichte des bekannten südamerikanischen Bankiers und Staat»- mannes Dr. Joseph Romen, der augenblicklich Minister de» Aeußeren in Uruguay ist. Frau Avegno war dieser Tage von Montevideo nach BuenoS-AireS geflüchtet, weil sich herausgestellt hatte, daß sie Wechsel- und Schecksälschungen in Höhe von nicht weniger als 10 Millionen Dollar und fast ausschließlich auf den Namen ihres Oheims verübt hatte. Als ihre Verhaftung in BuenoS-Aircs vor der Türe stand, zog sie es vor, zum Revolver zu greifen._ Kleine Notizen. Automobilunfall. In E i b e n st 0 ck stieß das mit sechs Per- sonen besetzte Auwmobil des Stickereifabrikanten Paul Hager mit einem Milchfuhrwerk zusammen. Hierbei wurde die Frau des Auto- Mobilbesitzers sowie Herr und Frau Forstrentamtmann Loos sofort gewtet. Herr Hager, die Schwägerin des Herrn Loos und der Chauffeur erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Ein verrückter Millionär. Wie Brüsseler Blätter berichten, hat ein biederer Weichensteller das große Los der Ausstellungslotterie von Charleroy in der Nähe von Brüyel gewonnen. Der über Nacht zum Millionär gewordene Weichensteller— das Los bringt eine volle Million ein— erklärt nun, daß er seinem Berufe treu bleiben werde und auch weiterhin die Weichen stellen würde. Bezeichnend ist, daß der gute Mann sich aus Anlaß des Gewinnes einen Tag bei seiner Behörde Urlaub nahm, um— f e i n Häuschen neu anzustreichen! Ein Mord in Tanger. Etwa 5 Kilometer von Tanger wurde der löjährige Sohn eines französischen Angestellten namens Bauchet ermordet. Eine Tvnamitcxplosion hat das Eisenbahndepot in Curityba im Staate Parana zerstört. Die Stadt ist in Mitleidenschaft ge- zogen worden. Die Panik ist groß. Man spricht von 50 Toten. Jugendveranstaltuugea. Neukölln. Sonntag, den 6. Juli: Wanderung nach dem Erossinsee (Baderast). Absahrt Bahnhos Kaiser-Fnedrich- Straße S.H Uhr und 6.11 Uhr, von Bahnhos Bergstraße 7.18 Uhr bis Grünau. Fahrgeld 40 Pf. Lichtenberg. Sonntag, den 6. Juli, gemeinsame Spiele auf dem Spielplatz Rittergutstraße. Das Heim ist von abends 7 Uhr an geöffnet. Sonntag, den 13. Juli, Tagespartie nach Birkenwerdcr— Briese— ZühlS- darf— Sumnit— Frohnau. Treffpunkt morgens 6'/, Uhr Jugendheim. Jeden Montag und Mittwoch gemeinsame Spiele aus dem Spielplatz Ritterguistraße. Vorzugskarten sür die Badeanstalt Hauptstraße stehen im Jugendheim zur Verfügung. Eine recht zahlreiche Beteiligung, nicht nur unserer jungen Freunde, sondern auch deren Kollegen und Eltern ist unS stets willkommen. Die Arbeiterjugend Pankow-Niedcr-Schönhausen veranstaltet am Sonntag, den 6. Juli, eine Badepartie nach Tegel— Baumwerder. Treffpunkt'/,7 Uhr Nordbahnhos; Absahrt von Schönholz 7'/, Uhr. Fahr- gcld 20 Ps. Badehose und-tücher sowie Proviant jür den ganzen Tag sind mitzubringen. Liederbücher nicht vergessen! Die Arbeiterjugend wird ersucht, sich recht zahlreich daran zu beteiligen. Gäste willkommen I Landsmannschaft Ueckrrmünde-Usedom-Wollin. Am Sonntag den 6. Juli, nachmittags 6 Uhr, Versammlung im Lokal von Rodrigo, Borfigslr. 24._ Briefhaften der Redahtton; Tie ftttlfllldje eprechftunde findet Ltvdenftratze SS, vor» vier Treppe» — Fahrstuhl—, wochraiäglich oon szp dis 7>z, Uhr adends, Sonnadend», von 4 Vi bis 6 Uhr abend» fratt. Jeder für den vrirstaftcn beülmmren Anfrage ist ein Buchsiade und eine Zahl als Merlzeickien betzufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteU». Anfragen, denen reine AdounemeniSontttnng beigefügt ist, derben nicht brantwortrt.«llige Fragen trage man in der eprrchstündc vor. Konflikt 24. 1. und 2. Nein. 3. Ja. 4. Amtsgericht Berlin-Mitte, Neue Friedrichstraße 12/15.— C. B. 206, Die Reklamation hält die ZahlungSvflicht nickt auf. Es wäre sonach auch Lohnbeschlagnahme zu- lassig.- 50. H.-Bis tl Uhr abends.— W. K. N. 65. Nein.— D. 100. Ja, sofern Sie Gewerbe anmelden und die für Rechtskonsulenten vorgeschriebenen Bücher führen.— M. S. 16. Die Steuerbehörde ist im Recht, eine Berufung erscheint aussichtslos.— X. 3. 50. Für das ueue Spieljahr sind Sie dazu nicht verpflichtet.— N. 84. 1. Das hallen wir jür unzulässig. 2. Unseres ErachtenS ja. Wird Zahlung verweigert, Be- Ichwerde beim Magistrai 3. Ja.— Zernsdorf 100. Nur nach Einsichtnahme in den Mietsvertrag zu beantworten.— A. Z. 33. 1. Nein. 2. Eine Antwort wird erteilt. Erinnern Sie nochmals.— X. X. Ja. — Blankenburg, Pankow. Nein.— F. 14. Das Gesuch ist an die Sttftungsdcputalion des Magistrats, Poststt. 16, zu richten.— O. 3. 4. Wenden Sie sich an den Deutschen- Transportarbeiter-Verband. Berlin, Engeluscr 15.— F. W. 165. Armendirektion, Am Mühlendamm 1, Zimmer 13.— E. L. M. 22. Sie tun gut, wenn Sie sich in der Zentrale sür Auswanderer, Berlin. Karlsbad 8/9, Auskunst erbitten.— ÜJI. 2. Di« Berichte der Handelskammer in der Kgl. Bibliothek oder der Bibliothek der Börse.— H. 3t. 24 Ziehen Sie einen Spezialarzt sür Haarkrankheiten zu Rate.— O. G. 18. Ohne Kenntnis der Verhältnisse und Absichten nicht zu beantworten. Setzen Sie sich mit der Bildungs« zentrale, Lindenstr. 3, oder der Arbeiterbildungsschule, Grenadicrstr. 37, in Verbindung.— P.(g. 79. Wollen Sie Ihre Ansrage an die General- kommisston der Gewerkschaften, Engcluser 15, richten.— Paftenrftr. 38. Die Partei nicht. Ueber die Konsum-Gcnofsenschast fragen Sie bei Ihrer Einkaussitelle.— Anna 600. Städtische Devutation sür die Straßen. reinigung, C. 2 Klosterstr. 63.— König 100. Die Eifenbahnbrücke, deren Bogenzahl uns nicht bekannt, ist über 1000 Meter lang.— Z. 7. Ja. — R. K. 10. Die Kinder sind je nach der Leistungssähigkeit zahlungS« pstichttg. Eine Pfändung kann erst erfolgen, wenn für den Fall des Be» streitens der Zahlungspflicht eine Entscheidung deS SladtausichuffeS vor- liegt. Gegen diese Entscheidung ist der ordentliche Rechtsweg zulässig.— F. R.«00. Ihre Darstellung re.Ät zur Amechlung des Vertrages oder zu dem Verlangen aus Minderung des Kaufpreises nicht aus.— N. O- 55. Nein, reklamieren Sie. soweit das Ouartai 1914 in Frage kommt.— 3teuercrlasf 100. Leider nicht.— V. 100. 1. und 2. Die Fragen lassen sich nur nach Einsichwahme in die bisherigen Ausrechnungs. bescheinigungen und nach Mitteilung, ob bei Ihnen oder Ihrer Frau Vcrsicherungspflicht vorlag, beantworten. 3. Das ersehen Sie aus dem Statut der Krankenkasse, da sich die Beiträge nach dem von der Kranken- lasse festgesetzten OrtSlohn richten.— Rrrr. 12. Vliarlorrenburg. Nein. — M. in 40. Beantragen Sie beim Amtsgericht die Erstellung einer Bescheinigung, die Sie der Kirchenbehörde alsdann einreichen.— W. 112. Ja.— M. 3. 88. Sie können beim Amtsgericht Klage erheben. 3. 3. 707. Es kann Klage aus Feststellung daß der Betreffende Ansprüche aus dem Vertrage nicht hat, erhoben werden. Zuständig ist das Landgericht 1 Berlin. Mit Erhebung der Klage muß ein Rechtsanwalt beauftragt werden.— —«. P.<0. 88. 1. Nein. 2. Machen Sic den Versuch. 3. Nur dann. wenn sie ein steuerpflichtiges Einkommen hat, also ein solches von mehr als 900 M. jährlich.— F.(g. 21, 1, Ja. 2.«osern im Mietsoerstrage nichts anderes bestimmt ist, zwischen 10 und 6 Uhr.— R. 3r., Marien- Vors. Der Dienstvertraa ist aültia. sofern Ihr Mündel im Besitz eines Dienstbuches war, was wir annehmen.— Forderung 36. 1. In erster Linie ist der Erzeuger des Kindes hastbar. irallS bei diesem nichts zu er. langen ist. m weilerer Lime auch der Großvater mütterlicherseits. 2. Zur» zeit nichts. Erst dann wenn der Großvater verstorben ist— Gewerbe Neukölln. Unseres Erachten, beträgt die Gewerbesteuer 24 M. Die Ge. werbesteuerpflichi bestebt auch dann, wenn Sie niemand im Hause be- schüstigen.— R 2 38 Die Berufung kann nur im Namen Ihre« RechtsvorgänaerS einäeleat werden. Einer neuen Klage Ihrerseits würde der Einwand der rechtskräftig entschiedenen«ache entgegenstehen.— E. 30. Ein Zurückbehaltungsrecht an der Mete steht Ihnen nicht zu. Fordern Sie unter Setzung einer Frist Ausführung der Arbeiten unker der An- drohung der Klage. Verstreicht die Frist erfolglos, tonnen Sie die Klage erheben.__ BSafferftands-Nachrtchten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteiii vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e t. Tilsit V r e g e l. �nturwrg Weichsel. Th-rn Mattbor ' Frankfurt Warthe, Schrimm LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbp . Magdeburg Wafferstand Saale, Grochlitz Havel. Spandau•) , Rathenow*) Spree, Spremberg') . Beeskow Weser, Münden , Mnden Rhein, Maximlliansau » Kaub » Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel. Trier am 2.7. am 135 10 —11 76 8i 178 255 518 303 278 100 162 33 seit 1. 6. cm1) +i +1 +16 +1 —12 —5 —12 4-17 +14 —15 +1 — 1 ')+ dedeutet Wuchs,— Fall.—-) Unterpegel.— � 5 Uhr nachmittags: 606 cm._ Verantwortlicher Nedalteur; Albert Wachs, Berlin. Für den Jnjeraientetl verantw.: Th Gi-cke, Berlin. Druck u. Vertag; VorwartS�Kuchvruckelel u. Ve ctagSanstalt Paul Singer u. Co, Berlin LM