Ur. 168. n bonnementS'Bedlngungen: DbonnementZ■ Preis pränumerando: Lierteljährl. ZPV Md. tnonoll. 1,10 Ml. wöchcnUich 28 Pfg, frei ins Haus. einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags, nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. eingetragen in die Post-ZeihmgS. PielSIiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2L0 Marl, für tss übrige Ausland S Morl pro Monat. Postabonnsments nehmen an: Belgien, Däneniarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. «umänien. Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. \-'/: Die TnfertionS'GebQffr Beträgt für die sechSgespaltcne Kolonel- geile oder deren Raum M Pfg., für H �' rz»,| U I, politische und gewerlschastliche Vereins- und BersaminlungS-Anzeigen 80 Pfg. klschetllt lZglich. Berliner Volkcsltlnkk. „Uteine Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstclleuan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Wort 5 Pfg. Worte über 1b Buch. itaim zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen diS > Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SozialiKnttkrat Berlin". N O Zentralorgan der roztaldemokratifcben Partei Deiitfchlands. Redaktion: 8 Tl. 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Die berufliche und soziale Gliederung iu Deutschland. Das gewaltige statistische Material, welches die letzte Be- rufs- und Gcwerdezählung vom Jahre 1907 zusammengebracht hat, ist nun endlich vom Kaiserlichen Statistischen Amt ver- arbeitet worden. Soeben erschien der letzte Band der Berufs- flanstik unter dem Titel„Die berufliche und soziale Gliede- rung des deutschen Volkes". Wie aus allen früheren Ver- offentlichungen gehen auch aus ihm— nur noch viel leichter erkennbar— die ungeheuren Verschiebungen in der deutschen Berufstätigkeit hervor. Einer rapiden Abnahme der landwirtschaftlich Tätigen steht eine unge« heure Zunahme der industriellen Arbeiter gegenüber. Diese Tatsache allein erhellt schon die Verrücktheit der deutschen Wirtschaftspolitik, welche gänzlich auf die Jnter- essen der Junker von Ar und Halm eingestellt ist. Wie sich die EntWickelung abspielte, zeigt die folgende Tabelle. Es entfielen von je 100 männlichen Erwerbstätigen 100 weiblichen Erwerbstätigen im Hauptberufe im Hauptberufe . istst das Land auf die Stadt auf das Land auf die Stadt 1907 40.7 59.3 57.6 42,4 1895 48,7 51,3 58.0 42 0 1882 57,3 42,7 65.4 34'6 Während im Jahre 1882 noch etwas über zwei Fünftel oller mannlichen Erwerbstätigen in den Städten beschäftigt waren, dagegen nicht ganz drei Fünftel auf dem Lande, hat sich nun das Verhältnis genau umgekehrt. Noch riesiger aber scynellte die Zahl der männlichen Arbeiter in den Großstädten herauf, von em Dreizehntel der von der Statistik erfaßten im �ahre 1882 auf ein Siebentel im Jahre 1895 und ein Fünftel bei der letzten Zählung.— Die w e i b I i ch e Erwerbstätigkeit hat ihr Schwergewicht jetzt noch auf dem Lande l dies verschiebt sich aber auch schon mehr und mehr in die Stadt. Etwas über zwei Fünftel aller weiblichen Arbeitskräfte waren 1907 in Städten tätig, gegen gut ein Drittel im Jahre 1882. Rapide nimmt die Zahl jedoch in den Großstädten zu, und zwar stieg sie gegeii 1882 um rund 110 Proz. ..... te � a hl der im Hauptberufe erwerbs- y1.� 9 c" F ra u e ii ging ganz gewaltig in die Hohe. Ihre Zunahme uberragt bei weitem die der Männer Ties zeigt die folgende Aufmachung. Es wurden Erwerbstätige ermittelt: auf dem Lande in der Stadt niannl. weibl. mäunl. weibl. 1907... 7 555 609 4 750 561 11028 255 3 49-1037 ... 7 544 836 3 052 442 7 061 646 2 211 951 1882... 7 659 196 2 783 636 5 713 709 1 475 467 Das ist der Erfolg der Junkerwirtschaft in den 25 Iah- ren, welche von den drei Zählungen erfaßt wurden! Durch auberordentliche Erhöhung aller Lebensmittelzölle, die die Preise samtlicher Waren auf unglaubliche Höhen brachte, wurde der Arbeiterklasse der Brotkorb immer höher gehängt und die Proletarierfrauen in die Fabrik und Werkstätten ge- trieben, zur harten Landarbeit gezwungen. Insgesamt wuchs � Arbeiterinnen in Stadt und Land von 1882 bis 190i um rund 94 Proz., von 1895 bis 1907 um rund � 1 � ö- dagegen nahm in den entsprechenden Zeiträumen die Zahl der männlichen Arbeiter nur um rund 39 Proz. resp. 20 Proz. zu. Das sind in der Tat vollwiegende Beweise gegen d,e soziale Hebung des Deutschen Proletariats. Und sie gewinnen noch an Kraft, wenn man berücksichtigt, was von Amts wegen dazu gesagt wird: „Der natürliche Ablauf des menschlichen Lebens bedingt es, daß ein großer Teil der �evolkerung dem Berufsleben fernstehen muß. Die Kräfte des Kindes w,e des Greises und auch die in Haus- und Kinderpflege sich betätigenden Ehefrauen müssen möglichst der Strenge beruflicher Arbeit überhoben sein!" Deshalb werden aber doch die„Kräfte des Kindes" nicht geschont. Man ermittelte nämlich c r w e r b s t ä t i g e K i n- der im Alter von unter 14 jähren insgesamt männliche weibliche 1907... 296 786 183 428 113368 1895... 181 459 129 437 52 016 Ganz besonders auffällig ist die Erhöhung der Zahl in industriellen Betrieben tätiger Kinder, tsie stieg von 37 319 im Jahre 1895 auf 60 094 im Jahre 1907! Genau läßt sich der wirkliche Umfang der Kinderarbeit, sowohl der Haupt, wie der uebenberuflichen, gar nicht statistisch erfassen. Mit lakonischer Kürze, die aber nichtsdestoweniger Bände redet meint der amtliche Bericht:„Z u d e m wird die Kinderarbeit vielfach vor den BeHorden ver- h e l m l i ch t!" Hochin.e�sant sind die Nachweisunger. über das Alter der hauptberuflich Erwerbstätigen. Sie bestätigen nur, was iclpn aus den Altersstatistikcn der preußischen Gewerbe- mspektoren hervorging, nämlich, daß die schwere aufreibende Jlrven nn Dienste des hetzenden Kapitals v 0 r z e i t l g d 1 e - ifi. zermürbt und zerrüttet! Uebri- ?«» 1? auch aus dem unheimlichen Anschwellen I /�tanken- und Unfallziffern während der letzten Jahr- zehnte hervor. Von je 100 im Hauptberufe Erwerbstätigen entfielen im Durchschnitt des Deutschen Reiches auf die Al- tersklassen von 1395 Männer Frauen bis 16 Jahren 5,7 8.0 16—20, 12,0 19,0 20—30. 26,1 27,9 30—40. 20,9 13,6 40—50. 15,8 12,1 50 u. mehr„ 19,5 19,4 1907 Männer Frauen 5,9 8,1 11,5 16,2 26,6 26.3 22,2 16,7 16,4 14,1 17,4 18,6 D i e Zahl der männlichen Arbeiter im Al- t e r von 40 und mehr Jahren nimmt relativ st ä n d i g ab. Während im Jahre 1895 noch 35,3 Proz. der Gesamtarbeiterschaft im Alter von 40 und mehr Jahren stand, so waren es 1907 nur noch 33,8 Proz. In den Groß- städten liegen die Verhältnisse etwas günstiger, d. h. sie sind von 1895 bis 1907 nicht schlechter geworden als wie sie schon waren. Die Verhältniszahl der Arbeiter von über 40 Jahren zur Gefamtarbeiters'chaft blieb während dieses Zeitraumes koustaiit und betrug 29,4 Proz. Daß hier keine weitere Verschlechterung eingetreten ist, darf man wohl nicht zu Un- recht auf das Konto der g e w e r k f ch a f t l i ch e 11 O r g a 11 i- s a t i 0 u e u bringen, die allmähliche Verkürzuiigen der Ar- beitszeiten durchsetzen und dadurch den maßlosesten Raubbau an der Arbeitskraft etwas einfchränkeii koimteii.» Stark gewachsen ist von 1882 bis 1907 die Zahl der- jcnigen Selbständigen, die ohne jeden Beruf ihr Leben verbringen. Von eigenem Vermögen, Renten, Pen- sionen usw. lebten im Jahre 1907: 2 278 022 Personen gegen 1 288 484 im Jahre 1895. Ihre Zahl stieg also um rund 80 Proz.! Von Unterstützungen, als Studierende und Schüler, die nicht bei ihren Eltern wohnten, als Insassen von Invaliden-, Armen- und Siechenhäusern, Irrenanstalten usw. lebten 1907 insgesamt 1 126 961 Personen gegen 854 324 im Jahre 1895. Das macht eine Steigerung von rund 32 Proz. aus. Die Statistik bemerkt zu dem mächtigen An- schwellen der Zahl der Rentner, Pensionäre usw.: „Im ganzen läßt sich das Wachstum dieser Gruppe ebenso- sehr als ein Zeichen der Entfaltung des nationalen Wohlstandes, als ein Beweis von der Bedeutung des Wertes bezeichnen, das Deutschland in der Arbeiterversicherung geschaffen hat!" Diese Behauptung ist um so. putziger, als die Zahl der Rentner im Alter von über 70 Jahren, die des Genusses der Altersrente teilhaftig fein könnten, relativ ganz gehörig a b- genommen hat. Denn von der Gesamtzahl der Rentner, Pensionäre usw. entfielen auf die Altersklassen von über 70 Jahren 1895 rund 35,4 Proz., dagegen 1907 nur noch 29,2 Proz.— Ueber den Umfang der Haupterwerbs- gebiete und seine Entwicklung unterrichtet die nachfolgende Tabelle. Auch sie zeigt den riesenhaften in- dustriellen und kommerziellen Aufschwung Deutschlands in den letzten Dezennien und den ebenso starken Rückgang der Bedeutung der Landwirtschaft für die Deutsche Volkswirt- schaft. Von den hauptberuflich Erwerbstätigen nebst Ange- hörigen usw. zogen ihren Unterhalt aus den Berufsgebieten der: 1907 1395 1382 Land- und Forstwirtschaft.. 17 681 176 18 501307 19 225 455 Industrie....... 26 386 537 20 253 241 16 058 080 Handel und Verkehr.... 8 278 239 5 966 846 4 531080 Persönliche Dienste.... 446 641 382 401 318 772 Lobnarbeit wechselnder Art. 346107 504406 619 522 Oeffentl. Dienste, Freie Berufe 3 407 126 2 835 114 2 222 982 Bernfslose Selbständige.. 5 174 703 3 327 069 2 246 222 Noch im Jahre 1882 entfielen 41,6 Proz. der Gesamt- bevölkernng Deutschlands auf die Land- und Forstwirtschaft und nur 34,8 Proz. auf die Industrie, 9,4 Proz. auf den Handel und Verkehr. 1895 gestaltete sich das Verhältnis folgendermaßen: 35 Proz. gehörten zur Land- und Forst- Wirtschaft, 38,5 Proz. zur Jndiistne und 11 Proz. zum Handels- und Verkehrsgewerbe, ischon damals also hatte die Landwirtschaft au Bedeutung der Industrie zu weichen. 1907 zogen nur noch 28,4. Proz. der Erwerbstätigen mit ihren Fa- Milien ihren Unterhalt aus dem Dienste im agrarischen Ka- pitale, dagegen 42,2 Proz. aus gewerblicher Tätigkeit in der Industrie und 12,8 Proz. aus solcher im Handel und Verkehr. Dieser wirtschaftlichen Entwicklung spricht die Tatsache Hohn, daß die ostelbischen Junker des schmachvollen Dreiklassenwahl- rechtes nach wie vor die Herren in Preußen-Deutschland sind und hier die auf die Interessen des Agrarportemonnaics ein- gestellte Wirtschaftspolitik bestimmen. Zur Ermitteliing der sozialen Stell ung der Erwerbstätigen gruppiert die Berufsstatistik drei Ab- teilungen, und zwar n.) s? e l b st ä n d i g e, zu deiien die Eigentümer von Unternehmungen, leitende kaufmännische und Betriebsbcamtc, Direktoren, Administratoren usw., Handwerksmeister und Hausgewerbetreibenden gehören, K) Angestellte, d. s. die nicht leitenden technisch und kaufmännisch gebildeten Beamten, die Prokuristen, das Auf- sichts- und Bureaupersonal usw., e) Arbeiter, als welche alle übrigen Hilfskräfte gelten. Auch die Handluiigsgehilfen in Ladengeschäften, Verkäufer, Kommis, werden in dieser Rubrik gezählt.. Die Bcrufsschichtung in den drei größten Berufsabtei- lungen gestaltete sich wie folgt. Es wurden gezählt Hauptberuflich Erwerbstätige Selbständige Angestellte Arbeiter Land- und Forstwirtschaft.. 2 500 974 98 812 7 283 471 Industrie und Bergbau... 1 977 122 686 007 8 593 125 Handel und Verkehr.... 1 012 192 505 909 1 959 523 Summa 5 490 288 1 290 728 17 836 121 Expedition: SWI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1384. Gegenüber 1895 nahm die Zahl der Selbständigen um 0,3 Proz., der Angestellten um 107,6 Proz. und der Arbeiter um 39,2 Proz. zu. In der Landwirtscha.ft verringerte sich die Zahl der Selbständigen um 2,6 Proz., was Wohl auf die ständig zunehmende Latifundienbildung, das Bauernlegen, den Aufkauf von Besitzungen durch die Großgrundbesitzer usw. zurückzuführen ist: die Zahl der landwirtschaftlichen Auge- stellten vergrößerte sich um 2,7 Proz., während die der Ar- heiter um 29,4 Proz. ai, schwoll. Von einschneidender Bedeutung sind dicsozialenVer- ä n d e r u 11 g e n in d e r I n d u st r i e. Die Zahl der Selbst- ständigen nahm um 4,1 Proz. ab, dagegen wuchs die der Auge- stellten um 160,1 Proz., und die Arbeiterzahl um 44,3 Proz. Das ungeheure Anwachsen der iudnstriellen Beamtenschaft liegt in der modernen Betriebsorganisation begründet. Für zahl- lose Verrichtungen, die früher von einem einzelnen Beamten verrichtet wurden, werden jetzt besondere Angestellte beschäf- tigt, von denen jeder ein für allemal eine ganz bestimmte Funktion, die nicht mehr zu zerlegen ist, zugewiesen erhält. So sind z. V. für eine Reihe von Arbeiten, die früher der Werkmeister zu besorgen hatte, jetzt spezielle Angestellte tätig. Im Handel und Verkehr vergrößerte sich die Zahl der Selbständigen gegen 1895 um 20 Proz., die der Angestellten um 93,2 Proz. und die der Arbeiter um 58,9 Proz. Für die haudelsgewerbliche Augestellteuschaft gilt übrigens genau dasselbe wie für die industriellen Beamten. Trotz der enormen Zunahme der Angestelltenzahl seit 1895 wäre es falsch, daraus auf einen sich bildenden neuen „Mittelstand" schließen zu wollen. Schon der Gedanke au die Gehälter, welche diese Angestellten meistens beziehen iGd die oft viel niedriger sind als die Löhne„gewöhnlicher" Ar- heiter, sollte vor einer solchen falschen Annahme bewahren. Wenn es vielleicht auch bei oberflächlicher Betrachtung den Anschein hat, als ob sich tatsächlich zwischen den Unternehmern und der Arbeiterschaft eine neue, von dieser unterschiedliche Gruppe von Lohn- oder Gehaltsarbeitern bildete— aus die Tauer gibt es doch nur ein Hüben und Drüben: hie selbständiger Kapitalist— dort unselbständiges Lohnproletariat— ein Zweites kann nicht sein. Das gestatteten die immanenten Entwicklungsgesetze des modernen' Kapitalismus nicht. Der liriegsmimiter verabschiedet. Herr von Heeringen hat nun unmittelbar nach Verab- schiedung der Wehrvorlage gleichfalls seinen Abschied erhalten. In „Anerkennung seiner großen Verdienste", so meldet das offiziöse. Bureau, die er sich— man staune— durch„seine energische und erfolgreiche Vertretung der Wehrvorlage" erworben haben soll, ist er zum Generalinspektor der 2. Armeeinspektion(Berlin) ernannt worden. Ueberdies ist ihm von Wilhelm II. zum äußeren Zeichen der Anerkennung„allerhöchst dessen Bildnis in Lel" verliehen worden. Unter allen Kriegsministern, die Wilhelm II. bisher berufen, ist Herr von Heeringen unbestritten der allerungeschickteste ge- Wesen. Die Eigenschaft, in den allerengsten Anschauungen des Gamaschendienstes befangen zu sein, teilten auch seine Vorgänger mit ihm; aber so unglücklich wie Herr von Heeringen hat noch keiner zu operieren verstanden. Die Rolle, die der Kriegsminister bei der Vertretung der Wehrvorlage gespielt hat, war die denkbar kläglichste. Wäre das Schicksal der Vorlage von der Art abhängig gewesen, wie sie der Kriegsminister zu vertreten ver- stand, so wät£ sie nie Gesetz geworden. Das offiziöse Scherlblatt drückte es noch mit äußerster Höflichkeit aus, wenn es meint, Herr von Heeringen sei ohne Zweifel vom Glück begünstigt gewesen: er habe keine besondere Mühe aufzuwenden gehabt, um das Gesetz durchzubringen, weil die Ueberzeugung von dessen Notwendigkeit so weit und so stark verbreitet gewesen sei; sonst„wäre die Sache vielleicht anders gekommen". In der Tat: Wenn nicht sämtliche bürgerlichen Parteien von vornherein vom unerschütterlichsten Bewilligungseiscr erfüllt ge- Wesen wären, hätte die geradezu armselige Verteidigung der Vor- läge durch den Kriegsminister auch die Gutgläubigsten stutzig machen müssen. Aber das ist ja gerade das Charakteristische der Situation, daß alle Blamagen des Kriegsministers und alle den Parteien widerfahrenen Brüskierungen in die geschlossene Jasager- garde des Bürgertums keine Bresche zu legen vermochten. Ter Rüstungswahnsinii hatte sie derartig befallen, daß sie trotz des Kriegsministers alles, alles bewilligten. Es verlohnt nicht, bei den Ungeschicklichkeiten des verflossenen Mannes noch lange zu verweilen: bei seiner blamablen Jnschutz-x nähme der Firma Krupp und der anderen Prozentpatrioten vom, Rüftuiigskonzern, seinen Entgleisungen in Sachen der jüdischen Offiziersaspiranten, des Duellzwangs usw.„Ein solcher Mann gehört nicht in die Gesellschaftskreise des Offizierskorps", donnerte damals die„Germania". Zugleich freilich versicherte das Zentrunisblatt, daß die Zenirumspgrtei die Wehrvoriagen auf jeden Fall bewilligen werde. Die Person des Herrn von Heeringen scheide dabei aus,„wie sie überhaupt aus der Leitung des Kriegs- Ministeriums ausscheiden müßte". Ter Befehdete hat nun wirklich seinen Abschied erhalten. Aber hat damit etwa das Zentrum einen Triumph erfochten? Der neue Kriegsminister, dessen Person noch nicht feststeht, wird vielleicht gleich den Einem und Bronsart von Schellevdorf ein geschickter Debatter sein, aber sicherlich ein ebenso waschechter Reaktionär, wie Herr von Heeringen. Bei der bedingungslosen Militärsrömmigkeit und beispiellosen Bewilligungsfreudigkeit unse« res Bürgeriums hat es unser Militarismus ja auch nicht einmal nötig, auch nur in der Frage der jüdischen Osfiziersaspirantep und des Duellzwangs irgendwelche Konzessionen zu machen! Herr von Hecringen wird als Generalinspcktor der 2. Armee inspektion der Nachfolger des Feldmarschas v. d..Goltz, des „Reformators" der türkischen Armee. Der Krieg Im vollen Gange. Mit der Mobilisation der rumänischen Armee stehen sich jetzt an eine Million Männer in Waffen gegenüber, und nach den bisherigen Berichten verlaufen die Kämpfe noch blutiger. ist die Mordluit noch wilder als im Kriege gegen die Türkei Der nationale urid religiöse Fanatismus wird' durch der langen Kriegszustand mit seinen verwildernden Einflüssen sowie durch den Ehrgeiz vom Erfolg berauschter Militaristen und durch den Landhunger einflußreicher Bourgeoiskreise erst recht zur Siedehitze gebracht. Die große Zahl der Ber luste, die vielen Verwundungen durch die blanke Waffe', die blutigen Vorgänge in Saloniki, die die Bulgaren mit der Bartholomäusnacht vergleichen, legen davon ein nur zu be redtes Zeugnis ab. Bei alledem ist der Krieg noch nicht formell erklärt, weil keiner der tÄegner sich offiziell als der anfangende Teil kam promitneren will. Auch die Gesandten der einzelnen Gegner sitzen noch in den verschiedenen Hauptstädten und haben alle Hände voll zu tun, Protestnoten ihrer Regierungen zu über reichen, während draußen in Mazedonien die Armeen sich Schlachten liefern! Da jetzt noch mehr als beim ersten Abschnitt des Balkan kricges fremde Kriegskorrespondenten vom Operationsgebiete ferngehalten werden, ist ein klares Bild über die militärische Situation kaum zu erlangen, da jede Partei sich natürlich den Erfolg zuschreibt. Durch die Mobilmachung Rumäniens ist . Bulgarien in eine schwierige Lage gekomnien, da es einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Armee die Front gegen Worden nehmen lassen muß. Wenn es sich bestätigt, daß die Serben auf bulgarischen! Gebiet schon bis Küstendil, einer Station der Strecke Egri Palaiika— Sofia, gelangt sind und die Griechen von Saloniki aus Terrain gewinnen, dürfte die Lage Bulgariens ziemlich kritisch werden. Nach Meldungen aus Rumänien ist die Stimmung recht österrejchfeindlich, weil Oesterreich-Ungarn aus seinem Haß . gegen Serbien heraus Bulgarien zu weit entgegenge kommen ist. Natürlich lassen sich auch in Rumänien unsere Genossen nicht vom allgemeinen kriegerischen Taumel fortreißen. Trotz des chauvinistischen Rummels proklamierten sie in Bukarest für Freitagmittag den Generalstreik und der- anstaltcten Protestversammlungeu gegen den Krieg. Die Serben auf bulgarischem Gebiete. Sofia, 4. Juli. Tie Nachricht von einem Einfall der scr- bischen Truppen in bulgarisches Territorium im Departement Küstendil bestätigt sich.— General Radko Dimitriew ist zum Gehilfen dcö Generalissimus ernannt worden. Bulgarien reklamiert die Erfolge für sich. Sofia, 4. Juli.(Meldung der«Agence Bulgare".) Bis � gestern mittag sind LS Offiziere und 3000 Soldaten derr-serdi- "'"schen Trmok-Division mit sechs Feldgeschützen und zwei Ge- birgsgeschützen zu Gefangenen gemacht worden. Die von den �Serben.unternommene Offensive zu dem Zwecke, dieser Di- . Vision zu Hilfe zu kommen, sowie zwei heute nacht unter- nommene Angriffe gegen das bulgarische Zentrum sind mit großen Verlusten für die Serben zurückgeschlagen worden. lFnfolge der bisher unternommenen Angriffe, bei denen die Serben beträchtliche Verluste erlitten, ist die serbische Armee außerstande, irgendeine Aktion gegen die bulgarische Armee mit Erfolg zu unternehmen. Auch die Serben wollen gesiegt haben. Belgrad, 4. Juli. Tie Stellung der Bulgaren bei Raj- eevo Brdo nördlich von Kotschana(in Mazedonien), die mit hundert Geschützen besetzt war. ist von serbischen Truppen ein- genommen und dadurch die Schlacht gewonnen worden. Die Bulgaren fliehen in der Richtung auf Kotschana. Das Vordringen der Griechen. Athen, 4. Juli. Beim KriegSministcr ist folgendes Tele- gramm dcS GencralquartierS eingegangen: Unsere Truppen find in N i g r i t a eingedrungen. Sie fanden es von den Bulgaren in Brand gesteckt. Auf ihrer Flucht haben die Bulgaren die Einwohner von Nigrita massakriert, ebenso haben sie die Einwohner von Bogdanza umgebracht. Die klerikale Schnlvorlage. Brüssel, 1. Juli.(Eig. Ber.) I Die Schulvorlage der Regierung— eine neue und verschlcch- tcrte Ausgabe des begrabenen Schollacrtschep Entwurfes— will, wie jener einst, durch den obligatorischen Unterricht bestechen. Der Zwangsunterricht des Ministers Poullct ist aber noch weniger wert, wie der, mit dem der Minister Schollacrt die klerikalen Schul- focdcrungcn aufgeputzt hatte. Diese sind auch in der neuen Vor- löge die Hauptsache, nur daß sie der jetzige Autor ästhetisch neu eingekleidet hat.— Dem Schollaertschcn Projekt hatte mau den famosen„Schulschein" zum Vorwurf gemacht. Jeder Schüler hätte nach dieser schönen Einrichtung einen Geldwert repräsentiert und man mag sich vorstellen, welche Jagd nach Schülern die Klöster da inszeniert hätten. Der„Bon" hat bekanntlich solches Mißfallen im Land und im Parlament erregt, daß der Erfinder mit seinem Portefeuille büßen muhte. Der jetzige Minister Poullct ist kein Sh�lock und besteht nicht auf. dem Schollaertschen„Schein". Wenigstens nicht mehr pro Kopf des Schülers. Der Gutschein pro Kopf ist nämlich ganz einfach in einen Gutschein pro Klasse umgewandelt worden. Eine kleine Formalität, nichts weiter, die das Geschäft, das die Klöster mit dem Zwangsuntcrricht zu machen sich anschicken, nicht weiter berührt. Denn der Zwangsunterricht klerikaler Observanz, der Belgien nach einem fast dreißigjährigen klerikalen Regime gegeben werden soll, ist durchaus kein Zwangs- Unterricht in dem Sinne, daß alle schulpflichtigen Kinder zur Schule gehen sollen, sondern daß möglichst viele Kinder in die kongrcgatio- nistischen Schulen gehen! Man nennt das bei den Klerikalen „Freie Wahl der Schule für den Familienvater"— oder geschäftlich ausgedrückt: die kongregationistischcn Schulanstalten haben das gleiche Anrecht auf Subventionen wie die öffentlichen Unterrichts- anstalten! Auf diesem Prinzip der gleichen finanziellen Behandlung basiert auch die Regierungsvorlage, und wenn seinerzeit die klcri- kale Presse kühn prophezeite, der neue Entwurf werde vou den- Ifffien„Ideen" geleitet sein Bae der altet so hat jie tatsächlich recht behalten. Er ist wie der erste ein Eroberungszug auf die Taschen der Steuerzahler zugunsten des Klosterunterrichts, dem er neben allen materiellen Vorteilen in einer großen Anzahl von Kommunen eine Monopolstellung sichert. Sein unverhiillter Zweck ist die Stärkung des konkregationistischen und die weitere Zerstörung des öffentlichen Unterrichts— zwei Tendenzen, die die früheren kleri- kalen Schulgesetze mit so vielem Erfolg angebahnt haben. Die Klerikalen haben heute das Lehrcrbildungswesen fast völlig in der Hand; von 12WXZ Kommunaltlassen beherrschen sie die Hälfte und 9500 Klassen klerikaler Untcrrichtsanstaltcn versorgen die heran- wachsende Jugend mit der geistigen Kost der Bigotterie und der sonstigen Klostcrwissenschast, aber das alles ist nicht genug. Die „Gerechtigkeit"— diesem Beutezug wird wirklich und wahrhaftig diese Etikette aufgeklebt— bringt erst der Entwurf Poullets, der der Konkurrenz der Klöster gegen den öffentlichen„gottlosen" Unterricht noch ein ganz anderes Tempo geben und in jedem Be- tracht das Werk der Klcrikalisicrung des Unterrichts fortsetzen wird. So nebenbei holt das Projekt auch noch zu einem Schlage gegen die kommunale und provinziale Autonomie aus, indem die Ein- richtungcn für die Schulausspeisung und-Bekleidung usw. der Ein- flußsphäre der großen freisinnigen Gemeinden entzogen und der „diskretionären" Gewalt der Zentralregierung ausgeliefert werden sollcm— mit welchen Absichten liegt nahe. Freilich: der Entwurf bringt ja auch den Zwangsunterricht als Blender. Er hat, wie gesagt, auf dem Weg vom ersten zum zweiten Entwurf nicht gerade gewonnen. Das Schollacrtschc Projekt versuchte dem Zwangsuntcrricht eine gewisse Wirksamkeit zu garantieren, indem es ihm das Verbot anfügte, Kinder unter vierzehn Jahren für gewerbliche Arbeit anzuwerben. Dem neuen Projekt fehlt diese Bestimmung, dafür gestattet es den Eltern, ihre Kinder alljährlich 35 Tage für„Saisonarbeiten" zurückzubehalten....(Mit Recht fordert das Manifest der sozia- listischen Parlamentsfraktion im Zusammenhang mit den Vor- schriften für den Schulzwang die Beratung des Gesetzes über das Verbot der Kinderarbeit, ohne welches das„Prinzip des obliga- torischen Unterrichts" sehr zweifelhaften Wert hat.) Was die Zwangsvorschriften an sich betrifft, so find sie so ge- halten, daß sie auf gewissenlose oder unverständige Eltern, die ihre Kinder dem Schulunterricht entziehen wollen, keinen besonders ab- chrcckendcn Eindruck machen werden, abgesehen davon, daß andere Bestimmungen des Projekts zu sogenannten„berechtigten Ent- schuldigungen" für Schulhinterziehungen genugsam mißbraucht werden können. Außerdem soll den Belgiern der ZwangSunterricht nur raten- weise eingegeben werden. Das Gesetz bestimmt Uebergangs- Perioden: in den ersten 5 Jahren findet der ZwangSunterricht An- Wendung auf die Kinder vom 6. bis 12. Jahre; in weiteren S Jahren vom 6. bis 13. und in weiteren S Jahren vom 6. bis 14. Lebensjahre. Die Noiweädigkeit dieser Bestimmung hängt wesentlich zusammen mit der ganzen klerikalen Schulpolitik, deren Aufgabe wesentlich darin bestand, die. Klöster zu sättigen und ihren Unterricht zu monopolisieren und den öffentlichen Unterricht in Mißkredit zu bringen oder ihn zu zerstören. Zu den klerikalen Missetaten auf dem Gebiet des Schulwesens gehört auch die Unterdrückung einer großen Anzahl von Lchrbildungsanstalten— seit 1884 nicht weniger als 14—, was zur Folge hat, daß schon heute unter dem Regime der Schulfrciheit Lehrermangel herrscht und die Kommunalschulen überfüllt sind. Wie soll das erst beim obligatorischen Unterricht werden, wenn er nicht mit einer ernsten Reorganisation deS Lehrer- bildungswesenS verknüpft wird. DaS oberflächliche, sektoristische, einzig zur Förderung der klerikalen Schulpolitik fabrizierte Mach- werk gibt sich mit solchen Kleinigkeiten nicht ab, denn der Zwangs- Unterricht ist nur Dekoration und Deckung für das Bündel von Schulforderungen, das der Klerikalismüs zur Verwirklichung seiner Schulpolitik nötig hat. poUtifche CJcberHcht. Der Iegen des Bundesrats zu der Wehr- und Teckungsvorlage. Der Bundesrat hat am Donnerstag unter die gewaltige HeercS- Vermehrung seinen Siegel gedrückt. Nun heißt es nur noch: Zahlen! Wie die„Tägliche Rundschau" hört, haben gegen das Vermö« genszuwachsstcuergesetz nur Sachsen und die beiden Fürstentümer Reuß gestimmt. Die Hansestädte, besonders Hamburg, die ebenfalls Gegner der Reichsvermögenssteuer waren, haben auf eine gegnerische Kundgebung verzichtet. Die Konservativen grollen im stillen weiter. Der„Reichs- böte" bemerki zu dem Bundesratsbeschluß: Die Menge der dieser Sitzung bewältigten Arbeit läßt kaum erwarten, daß man sich mit den einzelnen Punkten so eingehend beschäftigt hat, wie es wohl nach der Wichtigkeit der zur Beratung Gehenden Fragen erwünscht gewesen wäre. Freilich blieb ja auch dem Bundesrate, nachdem der Kanzler und damit die preußische Regierung sowie die von dieser mehr oder weniger abhängigen thüringischen Kleinstaaten den ReichstagSbeschlüssen beigetreten waren, keine Wahl mehr. Vielleicht wäre es aber doch angebracht gewesen, in die Beschlüsie einen Satz aufzunehmen, der für die Zu- kunft festlegt, daß die Erhebung direkter Steuern aus dem Besitze unbeschadet dieses Notausnahmefalles nach wie vor einzig den Bundesstaaten zustehe." Mit Volldampf wird nun die Durchführung der Wehrdorlage vor sich gehen. ES wird hierüber gemeldet:„Die endgültige Benennung der neuen Garnisonen ist bereits am 1. Juli erfolgt, alle Verhandlungen wegen Kasernenbauten waren so vorbereitet, daß der Abschluß mit den Kommunen wegen Terrainüberlassung usw. sofort erfolgen kann. Die AuShebungsbehörden find angewiesen worden, ihre provisorischen Entscheidungen über die erhöhte Ausdehnung der Jungmannschaften in definitive umzuwandeln. Die Bestellungen für die Ncuformationen und das erhöhte Rekrutensoll werden in den nächsten Tagen erteilt werden, der Pferdeankauf wird keine Schwierigkeiten machen. Die Personalveränderungen werden tunlichst bald bekanntgemacht werden, da durch die Wehr- vorläge umfangreiche Versetzungen notwendig werden." Die neuen Kavallerieregimenter kommen an folgende Orte: Je eins nach Trier, Saarlouis, St. Avold, Tarnowitz-Lublinitz, Anger- bürg und Jnsterburg. Von den drei neuen Pionierbataillonen kommt je eins nach Küstrin, Posen und Koblenz. DaS neue Telegraphenbataillon kommt nach Hannover. Neu in Betrieb ge- nommen werden in diesem Jahre die Truppenübungsplätze für das 14. Armeekorps Heuberg, für das 18. Armeekorps Orb und für da» Gardekorps Zossen._ Hcrbsttagung des Treiklasscnparlaments. Eine parlamentarische Korrespondenz will wissen, daß der preußische Landtag im November zu einer Herbsttagung zusammen- berufen wird, um die vorliegenden Arbeiten vor der EtalSberatung, die im Januar beginnt, zu erledigen. Es würde sich dabei um die ersten Früchte der Arbeit der Jmmediatkommission für die preußische Vcripaltungsreform. nämlich um Entwürfe über die Reorganisation der Generalkommissionen und der staatlichen Schulbehörden handeln; ferner würde das Fiichcrcigesctz, das Parzellierungs�csetz und ein Fideilommißgesetz vorliegen und da? AuSgrabungSgesctz solle dem Landtag wieder in seiner alten Form zugehen. Auch gehe die Novelle zum Kommmialabgabengesetz ihrer Bollendung entgegen. Tie Angst vor dem Massenstreik. Kaum sind die Probleme des Massenstreiks innerhalb unserer Partei zur Erörterung gelangt, so regen sich auch schon unsere Gegner. Sie wissen zu gut, was es bedeuten würde, wenn sich das Proletariat zu einer machtvollen Massenaktion zusammenschlösse. In der neuesten Nummer der Zeitschrift des Bundes der Jnduriellen widmet Dr. R. Schneider dem Massen- streik eine ausführliche Abhandlung. Er schreibt u. a.: Die sozialdemokratische Partei droht nunmehr damit, in Preußen zur Erzwingung einer Wahlrechtsreform das in Deutsch- land bisher noch ungebräuchliche Mittel des Massenstreiks anzu- wenden. Als Vorbild haben da sicherlich die Vorgänge in Belgien gewirkt, wo vor 2 Monaten der aus Wahlrechtsgründen unter- nommene politische Massenstreik wenigstens mit einem vorläufigen Teilerfolg geendet hat. Es hpt in politischen Kreisen sehr viel Beachtung gefunden, daß der verhältnismäßig gemäßigte süddeutsche sozialdemokratische Führer Dr. Frank- Mannheim in Berlin in einer großen öffentlichen Ver- sammlung über die Frage des Massenstreiks sprach und sich dabei so entschieden für die Anwendung dieses Kampfmittels zu poli- tischen Zwecken aussprach.... Die Wahrscheinlichkeit, daß die Sozialdemokratie bereils dom Herbst dieses Jabres ab in Preußen den Masienstreik als Druckmittel für eine Wahlreform erproben wird, erscheint verstärkt, wenn man sich in dieser Hinsicht die schwierige politische Situation der Sozialdemokratie über- legt.... Es ist deshalb überaus wahrscheinlich. daß der von den Führern erörterte und in den MassenzweifelloSpopuläreMassenstreikbinnen einigen Monaten praktisch erprobt wird. Und zweifellos verdient diese Angelegenheit in hohemMaße die Aufmerksamkeit der deutschen Industrie. Es folgt dann ein große« Lamento, in dem ausgeführt wird. daß man doch unmöglich die Industrie für das preußische Wahlrecht verantwortlich machen könne, da sie doch auf die Aenderung des Wahlrechts absolut keinen Einfluß habe. Es ist wirklich eine rührende Bescheidenheit, die da zwischen den Zeilen dahinfließt. Es wird daraus hingewiesen, daß die preußische Industrie vergeblich eine Aenderung des Wahlrechts angestrebt habe, man dürfe sie deshalb keinesfalls für die Sünden anderer büßen lassen. Inwieweit das richtig ist, mag im Augenblick unerörtert bleiben. Jntereffant ist nur festzustellen, daß den Unternehmern bereits bei dem Gedanken des Generalstreiks ein gelindes Gruseln ankommt. Deshalb wohl auch die folgenden Sätze: Wahrhaftig ein törichtes und zweckloses Spiel I Und oben- drein ein gefährliches Spiel, das inmitten einer niedergehenden Konjunktur, bei den immer schwieriger werdenden Weivmachtver- hältnissen, bei steigendem Steuerdruck und Wettbewerb für viele schwer ringende Industriebetriebe zum Unheil führen könnte. Aller Schaden aber, den die Industrie leidet, trifft ebenso hart auch die industrielle Arbeiterschaft. Daran sollten auch die Agitatoren denken, die jetzt aus parteipolitischen Bedürfnissen und nach aus- ländischen Vorbildern in eine Agitation für den Massenstreik ein- treten! Es ist ganz interessant, daß die bloße Erörterung des Massen- streikproblems schon solche Beklemmungen beim Unternehmertum auslöst._ Nur feine Ausreden k In der.,-Nationalzeitnng" verteidigt Herr B a s s e r- mann die schwachmütige Haltung der Nationalliberalen, die anstatt mit Hilfe der Sozialdemokratie eine finanztechnisch einwandfreie Besitzsteucr, das heißt, die Vermögens- oder Erb- schaftssteuer durchzuführen, das Kompromiß mir dem Zentrum geschlossen haben. Herr Bassermann sagt zu seiner Entschul- digung folgendes: „Ebensowenig, wie es der Fraktion möglich schien, fich den Wünschen der Konservativen wie des Zentrums unterzuordnen. ebensowenig vermochte fie es als richtig anzuerkennen, ohne weiteres die Parole der Erbschaftssteuer auszugeben und damit den Kampf der bürgerlichen Parteien untereinander zu entfesseln. Eine Einigung auf die Deszendentensleuer mit der Volkspartei und der Sozialdemokratie war natürlich möglich. Für die Deszendentensteuer war eine Mehrheit vorhanden, und es konnte mit ihr ein Steuerbetrag von 80 Millionen Mark aufgebracht werden. Da nun aber der zu deckende Bedarf 200 Millionen Mark be- trug, und es sicher war, daß für diese Summe«ine Ueberein- stimmung mit der Sozialdemokratie nicht zu erzielen war, ergab fich mit Notwendigkeit für die liberalen Fraktionen die Bereitwilligkeit zu einer Einigung mit dem Zentrum." Demgegenüber möchten wir feststellen, daß mit der Sozialdemokratie über die Erbschaftssteuer gar mcht verhandelt worden ist, sie daher auch gar nicht in die Lage kam, �angeb- lich unerfüllbare Forderungen zu stellen, �asi selbst LOO Millionen durch eine dirette Besitzsteuer leicht auszubringen gewesen wären, ohne den Besitzenden etwas Unbilliges zuzumuten, das zu leugnen, würde einem halbwegs liberalen Stcuerpolitiker überhaupt völlig unmöglich sein. Uebrigens gesteht ja Herr Bassermann selbst, daß das eigentliche Motiv der Nationalliberalen die Angst vor dem Kampfe war. Sie trauten sich eben wieder einmal nicht, gegen die Schwarzblauen die Schlacht zu schlagen, obwohl ihnen der Sieg sicher war.__ Die Schulden des Deutschen Reichs. Die Schulden des Deutschen Reiches und seiner Kolonien betragen nach einer amtlichen Nachweisung zurzeit 5 160 167 300 Mark; hiervon fallen rund 136 Millionen Mark auf die Schutzgebiete und über 5 Milliarden auf das Reich selber. Die Reichsschulden erfordern jährlich eine Zinsen- jumme von rund 167192 000 Mk. Wir haben es herrlich weit gebracht! Wahlprnfunge«. Die konservative Presse ist über die Ungültigkeitserklärung von Mandaten, die auf amtlichen Wahlbecinflussungen beruhten, erbost. Sie gießt die ganze"äuge ibres Zornes über die jetzige Reichs- tagsmehrheit aus die u a. die Wahlen von Bietmeyer und Kroch er für ungültig erklärt hat. Auch der Ausfall der Nach- wähl in beiden Bezirken zeigt, daß der Reichstag das Richtige ge- troffen hatte Da die amtliche Wahlbeeinflussung in beiden Fällen zu klar ist sucht die konservative Presse durch allerlei Aerdächti- gungen den Parteien etwas am Zeuge zu flicken, die die Freiheit der Wahl schützen wollen und dies bei ihren Entscheidungen zum Ausdruck bringen. Hilfe leistet bei diesem Treiben der konservativen Presse die halbofiiziösc Korrespondenz Woth. Sie dringt jetzt folgende kuriose Erfindung: Die Parteien der Rechten hätten auf Entscheidungen über die Mandate der Abgeordneten Kölsch(natl.i und Haupt(Soz.) gedrängt. Da sei man auf einen recht sonder- baren Einsall gekommen. „Die äußerste Linke stellte die Anträge, Mandate der Rechten und des Zentrums, über die Beweiserhebungen beschlossen werden sollten, für ungültig zu erklären und schüchterte dadurch die anderen Fraktionen ein. Es kam schließlich dahin, fich die unsicheren Mandate bis zum Herbst zu garantieren, indem namentlich die Linke sich gegenseitige Unterstützung gähnte. Ser Sozialdemokratie wurde versprochen, daZ Mandat des geordneten Haupt vorläufig nicht zu kassieren, wenn sie bei der Wehrdorlage von zeitraubender Obstruktion absehe."„Der Ab geordnete Kölsch" habe sogar„für vorläufige Rettung seines Mandates für sozialdemokratische Anträge als einziger Bürger licher stimmen müssen." An dem ganzen Gefasel ist nicht ein wahres Wort. Tatsächlich und aktenmäßig nachweisbar steht vielmehr die Sache so: Die linke Seite, insbesondere die Sozialdemokraten, haben auf Be schleunigung der Wahlprüfungen gedrängt. Der Bericht über das streitige Mandat Haupts— die Wahl ist, wie wir schon früher darlegten, für gültig zu erachten— hat sich verzögert. Dafür konnte die Wahlprüsungskommission und die Linke nichts: der Berichterstatter war durch außerparlamentarische Arbeiten be hindert, den Bericht früher fertigzustellen. Berichterstatter war ein konservativer Landrat. Als die Wahlen endlich auf die Tagesordnung gesetzt waren, stellten die Sozialdemokraten— nicht um einzuschüchtern, sondern um dem Recht zum Siege zu der helfen— den Antrag, die Wahl der Abgeordneten Hegen schcidt sfk.) und Ä uckhoff(Z.) für ungültig zu erklären Mit Stimmengleichheit wurde in der Kommission bei Hegenscheidt die offensichtlich vorliegende amtliche Wahlbeeinflussung als nicht vorhanden erachtet. Bei Kuckhoffs Wahl war in der Kommission ebenfalls mit Stimmengleichheit, entgegen der vor und nach der Prüfung dieser Wahl betätigten Praxis, für unbeachtlich erklärt worden, daß ein Wahlvorstand nur mit zwei Beisitzern besetzt war Die Sozialdemokratie hat noch im letzten Seniorenkonvent daran gedrungen, die Wahlprüfungen zu erledigen. Eine freie Erfindung ist es, daß die Linke sich„gegenseitige Unterstützung zugesichert" habe. Eine geradezu schamlose Verdächtigung ist die Behauptung, „der Sozialdemokratie sei versprochen, das Mandat des Abgeord neten Haupt vorläufig nicht zu kassieren, wenn sie bei der Wehr» Vorlage von zeitraubender Obstruktion absehe". Ein solches oder ähnliches Versprechen ist nicht gegeben worden. Hätte man den Versuch gemacht, so wäre mit dem Versucher so verfahren worden wie man mit einem moralisch Irrsinnigen zu verfahren berechtigt ist. Das Manöver der Konservativen läuft darauf hinaus, eine objektive Prüfung der Wahlen zu hindern, da eine solche zur Ungültigkeitserklärung der Mandate Hegenscheidt und Kuckhof- und zur Gültigkeit des Hauptschen Mandates führen müßte. Nationale Ztoangsverficherung. Man ahnt nicht, wie weit die unnationale Gesinnung im beut fchen Volke schon um sich gegriffen hat. Selbst den Deutschen Kriegerbund, eine Organisation also, die doch wahrhaftig gefeit sein sollte, hat sie ergriffen. Da haben sich alle staatserhaltenden Elemente zusammen� getan und um die Massen vor den Gefahren der„sozialdemokratu scheu" Volksfürsorge zu retten, die nationale„Deutsche Volks- Versicherung A. G." gegründet, die unter dem Ehrenvorsitz des Ab- geordneten Grafen v. Posadowsky-Wehner sieht. Vorbedingung für ihr Gedeihen und ihren Erfolg ist natürlich, daß alle die, denen der Kampf gegen den Umsturz eine heilige Sache ist, ihr wertvolles Leben ausschließlich bei dieser patriotischen Anstalt versichern. Aber was tut die Leitung des Deutschen Kriegerbundes? Sie empfiehlt dem Delegiertentag, der am 12. Juli in Breslau zusammentritt, die Auflösung der eigenen Lebensversicherungsanstalt des Bundes und ihren Anschluß— nicht etwa an die Deutsche Volksversiche- rungs A. G., sondern an die LebenSversicherungSgesell- s»aft„Friedrich Wilhel m". Der Präsident des Deutschen 5Miegerbundes sowohl wie der AufsichtSrat der Lebensversicherunas- austalt lassen dem Grafen Posadowsky, der versucht, den Beschluß rückgängig zu machen, nur eine kurze, ablehnende Antwort zuteil tWrden. DaS ist Verrat an der vaterländischen Sache, und um zu ver- hindern, daß die Delegierten ihm in Breslau zustimmen und so den Glanz der stolzen Erinnerung trüben, die seit ein paar Wochen für die deutschen Krieger mit dem Namen der Stadt Breslau ver- knüpft ist, müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden. Eine ganze Anzahl von ReickstagSabgeordneten, an der Spitze die Ver- treter der christlich-nationalen Arbeiter, haben sich mit einer aus. führlichen Eingabe an den Reichskanzler, den Staatssekretär v. Tirpitz, den Chef des kaiserlichen Zivilkabinetts v. Valentini, den Staatssekretär Dr. Delbrück, den Kriegsminister v. Hecringen, den preußischen Minister des Innern v. Dallwitz gewandt. Sie setzen darin auseinander, wie sehr der Deutsche ftriegerbund die vaterländischen Interessen durch eine Zustimmung zu den Plänen seiner Leitung schädigen würde, und geben der Hoffnung Ausdruck, daß es den verschiedenen Exzellenzherren gelingen werde, die Or- ganisation vor übereilten Schritten zu bewahren und sie zur Ab- setzung des Fusionsantrages von der Tagesordnung der diesjähri- gen Generalversammlung zu veranlassen. Man darf auf den Erfolg dieses Schrittes gespannt sein. Die diversen Minister würden ohne Zweifel an sich sehr gern dem Wunsch der so gut gesinnten und patriotischen Antragsteller ent- sprechen, aber es ist doch auf der anderen Seite eine sehr mißliche Sache für sie, sich unmittelbar in die Verhandlungen des Krieger> bundes mit der Gesellschaft„Friedrich Wilhelm" hineinzumischen. Das privatkapitalistische Unternehmen könnte sich eine derartige Schädigung seiner Geschäftsinteressen doch recht energisch verbitten. Aber welches auch immer der Ausgang sein mag, jedenfalls ist schon der Versuch einer Mobilmachung der staatlichen Behörden sehr be> merkenswert, �"�e die Verfasser der Eingabe sind es ja ge- Wesen, die, als der Plan der Volksfürsorge auftauchte, die behörtv liehe Genehmigung durch den Hinweis auf den TerroriSmus zu hintertreiben suchten, mit dem die Gewerkschaften und Ge- nossenschaften die Arbeiter in ihre Lebensversicherung hineintreiben würden, und nun wenden sie sich an die Minister, den Reichs- kanzler und den obersten Jmcgsherrn, um durch sie einen amt- lichcn Druck auf den deutschen Kriegerbund zugunsten der von ihnen inS Leben gerufenen Konkurrenzanstalt ausüben zu lassen. Das ist dann natürlich kein-�rrrorismus, sondern eine durch die Verhältnisse gebotene nationale Aktion. Die gestörte Fahrt der Hansa. Während ein Teil der freisinnigen Presse SchleS- wig-HolsteinS in anerkennenswert srischen Artikeln ihren Zorn über die chauvinistische Gewalttat deS Sonderburger Landrats zum Ausdruck bringt, ergehen sich andere Blätter in gedrückten Seufzern, wie etwas Derartiges in Preußen möglich sein könne. Wenn die Herren wirklich wissen wollen, warum in Preußen immer noch eine Politik der feudalen Roheit getrieben werden kann, sollte ihnen im Grunde die Antwort recht nahe liegen: es ist jhK eigene Schwäche, die das nordschleZwigsche Gewaltregiment so fröhlich gedeihen läßt. Man sagt keine Silbe zu diel, wenn man sagt, daß die große Mehrheit der schleswig-holsteinischen Bevölkerung von den unerhörten Dingen gar keine Ahnung hat, die im nördlichsten Winkel ihrer Provinz vor sich gehen. Wenn aber aus diesem Gebiet ein so trauriges Dunkel lastet, so trifft die Verantwortung in erster Linie die sch wachgemute Haltung eben der freisinnigen Presse, die letzt so beweglich stöhnt. Die. K i e l e r Z e i t u n g" beispiel«. weise, rne von einem nordschleSwigschen Deutschen gegründet wurde, und durch lange Jahre mit intimer Sachkenntnis einen sehr ehren- werten Standpunkt vertrat, ist längst umgefallen und in Fragen der nordsclsieswigschen Zwangspolitik ein unsicherer Kantonist geworden. Abcrauch im allgemeinen muß der freisimiigen Presse vorgeworfen werden, daß sie sich auf diesem Gebiete würdelos viel gefallen läßt. Wenn die Herren vom Hakatistischen Deutschen Berein in Hamburg eine Hetzversammlung veranstalten, wird mit einer schönen Objektivität darüber derichtet, die einer viel besseren Sache würdig wäre, und selbst die schnödesten Polizeischikanen aus Nord schleswig werden entweder ganz ohne Kommentar(wer schweigt, stimmt zu, sagt ein lateinisches Sprichwort) oder mit einem gott« ergebenen Seufzer hingenommen. Unter diesen Umständen braucht eS nicht weiter Wunder zu nehmen, daß auch die Freisinnigen in Nordschleswig selbe zum Teil eine sehr traurige Rolle spielen. Als bei der letzten Land tagswahl beispielsweise den Freisinnigen in Apenrade Stimm enthaltung zugemutet wurde, rissen sie aus wie Schafsleder und stimmten ausgerechnet aus„nationalen" Gründen für den Hakatistischen Kandidaten, der alle nationalen Interessen mit Füßen tritt. Und als in Sonderburg die Freisinnigen fest blieben und sich der Stimme enthielten, fanden sich sofort liberale Staatsmänner, die den Finger an die Nase legten und meinten, daß man in diesem Fall aus„nationalen" Gründen doch hätte für den Hakatisten stimmen sollen. Am allerschönsten aber ist eS, wenn jetzt liberale Politiker einen frommen Blick zum Auswärtigen Amt in Berlin hinauf- senden, dem diese Störung des bevorstehenden Kaiserbesuchs in Kopenhagen unmöglich angenehm sein kann. Als ob die chauvinistische Gewalttat des Sonderburger Landrats nicht ein wohlerwogener feudaler Handstreich wäre, eben um den Kaiserbesuch in Grund und Boden zu ruinieren. Wir halten eS sehr wohl für möglich, daß dem Auswärtigen Amt die Sache peinlich ist, obwohl man nie verschwören soll, wie- weit die feudale Bureaukratie mit den feudalen Junkern unter einer Decke steckt. Selbst aber wenn der Vorgang dem Auswärtigen Amt peinlich sein sollte, sollten doch zum mindesten die schleswig-holsteinischen Freisinnigen wissen, daß eine wohlmeinende Friedensaktion, die das Auswärtige Amt durch den Schleswiger Regierungspräsidenten v. B ü l o w unternehmen ließ, von den revoltierenden Junkern unter Donner und Blitz in die Luft gesprengt wurde. Wenn die unter- schiedlichen Aemter mit den Junkern aneinander geraten, siegen ewig die Junker. Und daß dem so ist, ist nicht zum mindesten eine Folge der freisinnigen Schwäche. Wir brauchen nur einige Monate zu warten, dann ist die ge störte Hansafahrt vergessen, die nordschleSwigschen Niederträchtigkeiten werden wieder mit der alten SchafSgeduld hingenommen und die biederen liberalen Staatsmänner entscheiden sich im Ernstfall wieder aus„nationalen" Gründen für den Hakatisten. Sie möchten sich ganz gern aus der feudalen Umklammerung befreien, aber„mit Seufzen und mit Stöhnen und mit selbsteigener Pein" läßt sich der Junker nun einmal nicht» nehmen. Und zum rücksichtslosen Schlagen fehlt der Mut! fnnkrtid). Die Gegenwehr der Syndikalisten. Paris, 4. Juli. Nach einer Blättermelduna wird in den Kreisen der Syndikalisten, die über die Verhaftung ihrer Führer sehr erbittert sind, der Gedanke an einen Gesamt- ausstand erwogen. Als Zeitpunkt wurde gegebenenfalls Ende September ins Auge gefaßt, also der Augenblick, wo die Jahresklasse von 191l) heimgeschickt werden sollte. Das Syn- dikat der Erdarbeiter hielt in der Arbeitsbörse eine Versamm lung ab. in der ein zweiter Ausschuß gewählt wurde, der für den Fall, daß alle Mitglieder des gegenwärtigen Ausschusses verhaftet würden, die Geschäftsleitung übernehmen soll. Ferner wurde grundsätzlich beschlossen, einen 24stündigen esamtausstand anzuordnen und am Tage des Na- tionalfestes öffentliche Protestkundgebungen zu veranstalten. Noch mehr verurteilte Demonstranten. Montpellier, 4. Juli. Das Kriegsgericht hat zwei Korporale der Garnison Narbonne, die eine Kundgebung gegen die dreijährige Dienstzeit veranstaltet hatten, zujezweiJahren Gefängnis verurteilt. Eine Aktion für die Opfer der Militärjustiz. Paris, 4. Juli. Eine„Komitee zum Schutz der Soldaten" betitelte Vereinigung, an deren Spitze Anatole France und andere hervorragende Persönlichkeiten stehen, ver öffentlicht einen Aufruf, in welchem unter heftigen An- griffen auf die Regierung und die Kriegsgerichte zu Geld- sammlungen für die wegen der jüngsten Militärkund- gedungen bestraften Soldaten und deren Familien aufge- fordert wird._ Der Kampf um die dreijährige Dienstzeit. Paris, 4. Juli. In der heutigen Morgensitzung der Kammer wurde der Gegenentwurf Treigniner(radikal), der eine iebenjährige Dienstzeit in der aktiven Armee mit einer effektiven Dienstleistung von 28 Monaten vorsieht, m i t 325 gegen 238 Stimmen abgelehnt. Die Regierung hatte die Ver- t;auenSfrage gestellt. Andre Hesse, der Verfasser eines Gegenentwurfs, der dem MessimyS ähnlich ist, erklärte, er ziehe 'einen Entwurf zurück. Die Kammer beschloß, von nächster Woche ab die Sitzungen am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag vormittag der Beratung deS Militärgesetzes zu widmen. Die Diskussion über den Abschnitt betreffend die dreijährige Dienstzeit findet am Montag statt. Der wilde Haß gegen die Arbeiterschaft. Paris, 4. Juli.(Privattelegramm des„Vor- wärt s".) In der heutigen sehr bewegten und durch Sturm- zenen vielfach unterbrochenen Nachmittagssitzung !>erKammer protestierte I a u r d s leidenschaftlich gegen die Verfolgungen der Arbeiterschaft. a u r ö s wies dokumentarisch nach, daß in den Kasernen roschüren für die dreijährige Dienstzeit verteilt und von vielen Offizieren Vorträge darüber gehalten wurden. Durch ein derartiges Verhalten trügen die Militaristen selbst Politik in die Armee und griffen dadurch der souveränen Entscheidung i)es Parlaments vor. Auf die vor einigen Tagen von Barthon verlangte Aufforderung, zu erklären, ob Jaurös im Falle einer Kriegserklärung die Arbeiterschaft zur Insurrektion veranlassen werde, verwies dieser aus die Entstehung der dritten Republik und klagte gleichzeitig Barthou an, daß sich dann die damalige Aera Dupuy-Meline wiederholen werde. Barthou wiederholte in geschickter Rede die Anklagen der reaktionären Presse gegen die„AntiPatrioten" und er- klärte unter Begeisterung einer bis zu den Rechtsradikalen reichenden Mehrheit seinen Entschluß, gegen die Kon- 'öderation der Arbeit nötigenfalls bis zum ä u ß e r st e n z u g e h e n. Die Mehrheit beschloß dann noch, � diese von Barthou gegen die Organisationen und das Pro- letarial gehaltene Drohrede durch Maueranschlag der breiten Oeffentlichkeit bekanntzugeben. Spanien. Neue Proteste gegen den Marokkokrieg. Barcelona, 4. Juli. Gestern abend wurde eine Protestversamm» lung gegen den Marokkokrieg abgehalten. Nach Beendigung der Versammlung kam es zu Krawallen, wobei Schüsse abgefeuert wur» den. Dreizehn Verhaftungen wurden vorgenommen. Italien. Demonstration gegen die reaktionäre Politik. Rom, 2. Juli.(Eig. Aer.) Eine große Demonstration gegen reaktionäre Politik der Regierung hat am 2g. Juni in Rom statt- gefunden. Am Vormittag fand eine Zusammenkunft im Volkshause statt, an der sich die Vertreter der sozialistischen, der reformistischen und der republikanischen Partei beteiligten, ebenso die Delegierten syndikalistischer und anarchistischer Organisationen. Es wurde eine Resolution angenommen, die zur Vorbereitung auf den General- streik, der im Falle eines neuen Blutbades zu proklamieren ist, auffordert, ferner eine solche, die die A m n e st i e für alle wegen politischer Vergehen Verurteilten verlangt. Weiter forderte die Zusammenkunft, an der sich auch die Vertreter der meisten Ge- Werkschaftsorganisationen des Landes beteiligten, die Abschaffung derjenigen Paragraphen des Strafgesetzbuches, die sich dem Wort- laut nach gegen gemeine Verbrechen richten(so der Paragraph über die Bildung verbrecherischer Vereinigungen, über die Aufreizung zum Verbrechen, die Verherrlichung von Verbrechen), in Wirklich- keit aber zur Knebelung der Arbeiterorganisationen und der Partei- presse benutzt werden. Am Nachmittag fand ein Umzug durch die Stadt mit über 80 Fahnen statt und zum Schluß eine Versamm» lung unter freiem Himmel, in der die Redner der verschiedenen Parteien das Wort nahmen. DoUancl. Nach dem Wahlsieg. Amsterdam, 2. Juli. Die konstitutionelle Gewohnheit schreibt vor, daß bei einer Kabinettskrise die Krone den Rat einer Reihe maßgebender politischer Persönlichkeiten einholt, darunter auch den Rat der Führer der politischen Parteien. Bisher aber war die Sozialdemokratie von dieser Beratung immer ausgeschlossen worden. Jetzt hat zum ersten Male die Königin unseren Parteigenossen Troelstra aufgefordert. am kommenden Samstag zu ihr zu kommen und ihr sein Urteil zur Lösung der Kabinettskrise vorzutragen. Troelstra wird als erster der Parteiführer seinen Rat erteilen. Noch eine andere Neuerung hat der Wahlausfall bereits gebracht. Der„Standard", das Hauptorgan der Kuyperschen Partei, verleugnet jetzt schon die projektierte Tarifvorlage, nachdem sie die Wähler verurteilt haben. Das Blatt be» gründet diesen Umfall damit, daß es nicht länger die christ- lichten Wähler stellen will zwischen ihre religiöse Gewissens- Pflicht, klerikal zu stimmen, und ihr materielles Interesse, einem Gegner der Tarifvorlage zuzustimmen. Mit dieser Frontänderung Kuypers ist der Freihandel in Holland wohl für lange Jahre sichergestellt. Letzte Naefmebten. Zu dem Fliegerzus ammenstoß in Johannisthal wird noch gemeldet: Der verletzte Flieger H e I s ch e r ist kurz nach der Einlieferung im Krankenhause an Herzschwäche ge, storben. Er hat scheinbar innere Verletzungen davon, getragen._ Oldenburgische Landtagsersatzwahl. Wilhelmshaven, 4. Juli.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Bei der heutigen Landtagsersatzwahl in Rüstringen wurde Genosse Buddenberg mit 3936 Stimmen g e- wählt ohne Gegenkandidat_ Oesterreichisch-griechischer Zwischenfall. Saloniki, 4. Juli.(W. T. B.) Da der Dampfer„Karlsbad" vom österreichischen Lloyd auf der Fahrt von Konstantinopel hierher den bulgarischen Hafen Porto Lago berührt hatte, vermuteten die griechischen Behörden bulgarische Äontrebande an Bord, sie ver- hinderten die für gestern nacht festgesetzte Abfahrt des Dampfers. Heute vormittag wurde nach entsprechender Verständi» gung des österreichisch-ungarischen Generalkonsulats eine Unter- suchung deS Laderaumes der„Karlsbad" vorgenommen, worauf dem Dampfer gestattet wurde nach Trieft abzudampfen. Gegen dien Zurückhaltung wurde Protest erhoben. Eine offizielle Erklärung Rußlands. Petersburg, 4. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen. agentur.) In der Presse ist ein Telegramm aus Sofia verbreitet, des Inhalts, Minister Ssasonow hätte der griechischen Regierung ein Telegramm geschickt, in der der griechische Angriff auf die bul- garische Garnison von Saloniki heftig getadelt wird. Demgegen- über erklärt das Ministerium deS Aeußeren, daß an keine Regie. rung irgendeines Balkanstaates irgendein Telegramm geschickt worden ist, und daß, der Möglichkeit beraubt, den Grad der Ver- antwortlichkeit jedes dieser Staaten in den gegenwärtigen Ereig. nissen festzustellen, die kaiserliche Regierung mit ganz Rußland offen den gegenwärtigen brudrrmörderischen Kampf der Balkan- taaten tadele, ebenso wie die Politik, die einen bewaffneten Kon- likt zwischen ihnen herbeigeführt hat. Streik und Aussperrung in Russisch-Pölen. Lodz, 4. Juli.(W. T. B.) Infolge des AuSstandeS der Ar» beiter ist die Baumwollcnmanufaktur PoSnanSki ge» chlossen worden. 7000 Leute find arbeitslos. Die Stillegung der Manufakturwerte ist eine Folge des am 27. Juni erfolgten AuSstandeS von 2500 Webern, denen eine kleine Aufbesserung ihrer erbärmlichen Löhne verweigert wurde. Der Streik im afrikanischen Goldminenrevier. Johannesburg, 4. Juli.(W. T. B.) Ein Versuch der aus» tändigen Grubenarbeiter, auf dem Marktplatz eine von den Behörden verbotene Kundgebung zu veranstalten, hatte heute nachmittag einige Ausschreitungen im Gefolge. Vor der für die Kundgebung festgesetzten Stunde war der Platz von Kavallerie und Polizeimannschaften besetzt worden. Die AuSstän» digen bewarfen die Polizei mit Steinen, worauf die letztere mit ihren Knütteln vorging. Tie Kavallerie zog blank und trieb die Menge auseinander, ohne jedoch von der Waffe Gebrauch zu machen. Mehrere Polizeibeamte und Ausständige sind verletzt worden. Verschiedene B e r � a s t u n g e n wurden vorgenomm««. AJandorfoC Spittelmarkt Selle-Aüiancesfrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm i Enorm billige Angebote Splttelmarkl Belle-Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse / «3 I I 1 I I Mo-Meren«..49» Kütten 35. Pfund>j J Pf, JoteÄSeerca..—23. WMma «»•••»« Kfand,� JPt 35. Stoäislten........ 25. M ifsMI�ZO«. GraneSflAn-.».5,12. Pfd. 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Tagebuch einer Verlorenen. Luise«. Die Allwördens. Folies Capriee. Ein Pechvogel. Die Krampssache. Ansang 81/, Ubr. Deutsches. Die Echissbrüchigen. Deutsches Schauspielhaus. Eine Vergangenheit. Theater am Nollendorfplah. Der Mann mit der grünen WaSIe. Anfang 9 Ubr. Admiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte, Jnvalidenstr. S7— 62. Schiller-Theater 0. Wallner-Theater. (Sachse-- Oper.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Zar und Zimmermann. Xkentsclies Scliauspiclhans L»/, Uhr:«ine Vergangenheit. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. Kroli-Oper 8 Uhr: Carmen. (Gastspiel: Alois Pennarini.) Sonntag: Mignon. Theater amKolIendorfplatz Täglich 81/, Uhr: Burleske Sviele. DerMann mit dergrünen Maske — Tarlctö—— Kino— 3 Sommerreisen gratis! 0SU-7N�Tc Große Frantsurter Str. 132. llnsemd!-Lastsg oedak l-ulz TageMi einer Verlorenen. Ansang 8'/, Uhr. Aus der Gartenbuhne: geht los! Ansang 4'/, Uhr. Ületropni-Theater. Abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Alten von Jul. Freund und G. 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Allerdings nur, weil sie die Tatsachen nicht kennt. In Wirklichkeit haben in Belgien die Unorganisierten nur in bestimmten Bezirken und aus ganz besonderen Verhältnissen heraus an dem Kampfe teilge- nommen. Im ganzen vlämischen Teil Belgiens war die Beteiligung der Unorganisierten fast gleich Null. Und zu der Behauptung von der begeisterten Heerfolge der gegnerisch Organisierten liefert die geradezu fanatische Bekämpfung des Ge- neralstreiks durch die christlichen GeWerk» schaften in Belgien einen sprechenden Beitrag. Vor allem aber, das muß nachträglich festgestellt werden, hat gerade der Massen» streik in Belgien mit aller nur wünschenswerten Klarheit gezeigt, daß starke Organisationen die allererste Vorbedingung für einen wirksamen Massenstreik sind. Und dann eine straffe Disziplin. Die unbedingte Unterordnung unter die in demokratisch gefügten und geleiteten Organisationen selbstgegebenen Gesetze ist eine der ersten Vorbedingungen, nicht nur für den Erfolg, nein, schon für den korrekten Aufmarsch moderner Massenkämpfe. Planlose Putsche, blutige Revolten, ivilde Aufstände kann man ohne feste Organisation und ohne jede Disziplin beginnen und durchführen, unter Umständen sogar erfolgreich durchführen— ein politischer Machtkampf in einem modernen Staat ist aber kein russisch- revolutionärer Putsch.... Noch ein Wort schließlich zu dem Ver- such, für einen kommenden Massenstreik neben der absonderlichen Theorie auch eine absonderliche Taktik auszubrüten. Dr. Frank meinte in seinem Vortrage, der Massenstreik könne eventuell auch als„fliegnwes Feuer" ausbrechen.„Vielleicht, daß z. B. im Westen eines Tages hunderttausend Bergleute nicht mehr in die Grube fahren, und, wenn sie zur Arbeit zurückgekehrt sind, es im fernen Osten zu glimmen anfängt, und dann im Norden, in der Mitte und überall, so daß die Herrschenden in Preußen ihrer Herrschaft nicht mehr froh werden dürften." Das wäre der Massenstreik in Lieferungen. Ausdenke« kann man sich so etwas schon; sagen kann man eS auch, aber machen können wir in Preußen so ein politisches Froschfeuer- werk nicht.... Es liegt uns daran, gegen diese Art, den Kampf gegen das preußische Dreiklassenwahlrecht zu„befruchten", ernste Bedenken auszusprechen. Damit maßen wir uns kein Zensorrecht an über die Maß- nahmen der sozialdemokratischen Partei, sondern wahren und vertreten nur das Interesse der gewerkschaftlichen Organisationen, die letzten Endes nicht nur die Verantwortung, sondern auch die Folgen eines Kampfes tragen müßten, der, wie die Dinge nun einmal liegen, blutwenig Aussicht auf Erfolg bietet. Es ist unangenehm, das bekennen zu müssen, aber es ist immer richtiger, seine Kräfte vor der Schlacht zu wägen als nachher. Dr. Frank meinte allerdings, gegen den Massenstreik dürfe sich nur wenden, wer einen anderen Weg zur Erringung eines besseren Wahlrechts angeben könne. Weil das aber keiner könne, müsse dieser Weg gegangen werden, wie steil er auch sei. Zu diesem Einwurf hat Frank erst ein Recht, wenn er nachweist, daß der von ihm empfohlene Weg überhaupt zu dem angestrebten Ziele führt. Dieser Nachweis ist aber bisher noch nicht einmal ernstlich versucht worden. Und wir bezweifeln eben, daß er zu führen ist. Der Massenstreik ist gewiß nicht nur ein theoretisches Problem, sondern auch eine praktisch anwendbare Waffe im Befreiungskämpfe des Proletariats. Aber sein Gelingen ist an Vorbedingungen ge- knüpft, die in dem vorliegenden Falle fast völlig fehlen. Das mag bedauerlich sein, aber es ist so. Diese Vorbedingungen werden auch durch eine Propaganda wie die zurzeit beliebte nicht ge- schaffen, sondern gehemmt. Und darin liegt nicht zuletzt die reak- lionäre Wirkung dieser revolutionären Spielerei." Die letzte Nummer der„Neuen Z e i t" bringt einen Artikel des Genossen Breitscheid über:„Die Stimmung der Masse und der Massenstreik". Breitscheid geht auf einen in der vorher- gehenden Nummer der„Neuen Zeit" abgedruckten und auch in dieser Uebersicht mehrfach erwähnten Artikel des Genossen Meer- f e l d- Köln ein. Dieser ist ein Gegner des politischen Massenstreiks und spricht von einer gewissen„Verbürgerlichung" innerhalb unserer Partei. Nachdem sich Breitscheid mit dieser Auffassung Meerfclds auseinandergesetzt hat, schreibt er: „Aber Meerfeld sagt, die Zeit für den politischen Massenstreik sei in Teutschland vorüber. Das ist richtig, wenn man den Massen- streik als eine Art von Putsch ausfaßt; es ist unrichtig, wenn man ihn als eine von dem Streik im gewöhnlichen Sinne nur durch den Umfang und den Zweck verschiedene Form des proletarischen Kampfes behandelt. Nur in jenem Falle ist die ausgebaute Orga- uisation ein Hemmnis, in diesem aber ist sie ein gewaltiger Vorteil, oder sagen wir vorsichtiger, sie kann es sein. Die Frage lautet dann aber nicht, ob es noch Zeit ist, dieses Kampfmittel anzu- wenden, sondern ob wir schon imstande sind, zu dieser Waffe zu � Niemand kann diese Frage mit ehrlichem Gewissen bejahen. Und wohl alle, die sich grundsätzlich für den Massenstreik um das preußische Wahlrecht ausiprcchen, betonen mit Nachdruck, daß es einer langen und systematischen Vorarbeit bedarf, ehe wir die Schlacht wagen können. Zu der Vorarbeit aber gehört es, die Auf- merksanikeit der Massen unmer wieder auf dieses Ziel zu lenken, ihnen die Notwendigkeit der politischen und der gewerkschaftlichen Organisation gerade auch im Hinblick auf diese Aktion klarzu- machen und sie zu einer �i--kuftlon icher die in dem Kampfe zu beobachtende Taktik zu veranlassen. Meerfeld hat durchaus recht: man soll die Situation und die Stimmung der Arbeiterschaft nicht nach einzelnen Versammlungen in den Sr�cn Städten beurteilen, man soll die Schwierigkeiten nicht unterschätzen, pch besonders in der Streikmüdigkcit der Bergarbeiter liegen, und man soll nicht leichtsinnig über die Tatsache hinweggleiten, daß zahlreiche Arbeiter heute in Organiastionen stehen, die es nicht nur ablehnen, mit uns gemeinsame Sache zu machen, sondern vereit sinp, in den Rücken zu fallen. Aber der Schluß darf nun nicht lauten: Also verzichten wir, sondern vielmehr: Also Häven wir gewal- tige Anstrengungen zu machen, um ore Situation zu unseren Gunsten zu ver schieben. Man wendet von gewerkschaftlicher Seite em, die Propagierung des Massenstreiks störe die stetige Fortentwicklung der�zz�rbände mache die Massen kopfscheu. Diese Bedenken verdienen sicher- nch ernsteste Prüfung. Fürs erste aber möchte ich annehmen, daß el J'atI übertrieben sind. Es hat den Gewerkschatten nrcht ge- schadet, sondern genützt, daß sie stets ihre Entschlossenheit betont haben, den Forderungen ihrer Mitglieder durch einen Streik Nach- verleihen, wenn sie auf anderem Wege nicht verwirklicht 0""ten- Ja- wir sehen, wie heute immer mehr Verbände st�.fcllwn. einer Schicht also, bei der das proletarische Klassen. r r' unvollkommen ausgebildet ist. offen ihre prinzipielle . Arbeitsverweigerung betonen. Kann es da � ��ung haben, wenn man der Arbeiterschaft aus- emandc i tzt, sie muffe sich stark machen, um nach Versagen aller politisches Recht durch einen wuchtigen Schlag auf wirtschaftlichem Gebiet zu ertrotzen? Es ist doch wohl Nicht anzunehmen, daß dieselben Leute, die bereit sind, um einige Pfennige �o�i�erhohung zu kämpfen und zu darben, sich scheuen würden, um des preußischen Wahlrechtes willen dasselbe Opfer zu bringen. Würde aber wirklich hier oder dort eine solche Abneigung vorhanden sein, dann wäre es um der Bedeutung willen, die den Gewerkschaften für den Klassenkainpf zukommt, um so notwendiger, den Gedanken des politischen Massenstreiks in den Vordergrund zu schieben. Alles in allem: Es wäre ein Wahnwitz, zu verlangen, daß heute oder morgen losgeschlagen werden solle, aber es ist politische Pflicht, diejenigen, aus die es"ankommt, an die ihnen noch zur Verfügüiig stehenden Kampfmittel zu erinnern und in ihnen die Bereitwillig- keit zu ihrem Gebrauch um so mehr zu bestärken, als alle anderen Versuche fehlgeschlagen sind, das Ziel zu erreichen, das die Partei selbst als das für die nächste Zeit erstrebenswerte so und so oft hingestellt hat." Der Aalssenburger liieineidsprozeß. Vor dem Schwurgericht zu Schweidnitz wurden bekanntlich am Mittwoch die Genossen Hoffmann und W e i ch e l t zu einem Jahr und sechs Monaten und einem Jahr und drei Monaten Zucht- haus verurteilt. Genosse Ostcrroth wurde freigesprochen. Tie Anklage lautete bei allen drei Genossen auf wissentlichen Meineid. Ueber den Prozötz wird uns noch ausführlich geschrieben: Der Gegenstand des Prozesses führt auf die Reichstagswahl zu- rück. Damals wurde im Kreise Waldenburg ein Flugblatt verbreitet, das schwere Angriffe gegen die Partei der niederschlesischen Gruben- kapitalisten enthielt. Herr K ei n d o r f f, der Hauptmacher der gel- ben Bewegung im Kreise Waldenburg, fühlte sich als Generalbevoll- mächtigter des mächtigen Fürsten von Pleß am meisten betroffen. Er strengte gegen den ehemaligen Oberassistenten Paul Gallasch, mit dessen Namen das Flugblatt gezeichnet war, Klage an wegen formaler Beleidigung. Herr Gallasch gab in der Voruntersuchung an, für den tatsächlichen Inhalt des Flugblattes haften zu wollen; er könne den Wahrheitsbeweis voll erbringen. Für die angeblich beleidigenden Redewendungen sei er jedoch nicht verantwortlich zu machen, da diese nicht von ihm herrührten und ohne sein Wissen in das Flugblatt gekommen seien. Daraufhin wurde die Unter- suchung gegen Gallasch eingestellt und gegen den Geschäftsführer der„Schlesischen Bergwacht" Klage erhoben. Im September 19lL wurde Weichelt vor der Strafkammer zu Waldenburg zu bl) M. Geldstrafe verurteilt. Faktor Hoffmann wurde in dem Prozeß als Zeuge vernommen und bekundete, sich nicht mehr genau entsinnen zu können, ob er das Flugblatt gesetzt und gelesen habe. Auch wisse er nicht, ob in der Bergwacht eine Stelle existiere, wo das Manuskript der Flugblätter vor der Drucklegung geprüft würde. Die Partei der Grubenkapitalisten sann auf Rache. Es gelang ihr, den ehemaligen Expedienten Alfred Köhler als Kronzeugen zu gewinnen. Köhler hatte es verstanden, bei der Gründung der „Bergwacht" das Vertrauen der Parteileitung zu gewinnen. Er bekam eine Anstellung, ergab sich aber gar bald dem Trunk und mußte, da er sich auf verschiedentliche Vorhaltungen nicht besserte, im Oktober 1912 entlassen werden. Köhler ging nun zu seinen ehemaligen Feinden über; er wußte, daß die niederschlesischen Grubenkapitalistcn die Taschen nicht zumachen, wenn einer kommt, der bereit ist, Ehre und Gesinnung um einen Silberling zu ver- kaufen. Köhler wurde eine Stellung im Blatte der niederschlesischen Grubenkapitalisten versprochen, wenn er die„Brüder der Bergwacht meineidig mache". Und am 31. Dezember 1912 ging Köhler zum Staatsanwalt und denunzierte seinen ehemaligen Kollegen Hoff- mann wegen angeblichen Meineids. Hoffmann wurde im Februar verhaftet. Im Verlauf der Vor- Untersuchung soll Weichelt beschworen haben, er könne sich darauf nicht mehr entsinnen, das fragliche Flugblatt geprüft und gesetzt zu haben. Osterroth, der sich damals in Haft befand, sagte bei seiner Vernehmung aus, nicht zu wissen, wer das Flugblatt gesetzt habe, er könne auch keine Auskunft geben, ob Hoffmann und Weichelt da- bei geholfen haben. Nunmehr wurden auch die Genossen Osterroth und Weichelt in Untersuchungshaft genommen. Die Vorunter- suchung baute sich ausschließlich auf die Angaben des Köhler auf, der behauptete, Weichelt und Hoffmann hätten mit ihm das Flug- blatt während der Nacht gesetzt. Sie wären zum Schweigen ver- pflichtet worden; Osterroth habe die Direktiven zum Drucken ge- geben und auch die Setzer gekannt. Nach viermonatiger Untersuchungshaft begann am 39. Juni in Schweidnitz die Verhandlung gegen die drei Genossen. Es steht heute fest, daß während der Beweisaufnahme die An- klage der Staatsanwaltschaft völlig in nichts zusammengebrochen ist. Der Kronzeuge Köhler verwickelte sich in so viel Wider- spräche, daß selbst der Staatsanwalt ihn fallen ließ und sich lediglich auf Indizienbeweise stützen mußte. Köhler hatte bei seiner Anzeige bekundet, Osterroth habe das Manuskript an Weichelt ab- gegeben. Die Beweisaufnahme hat aber ergeben, daß das Manuskript durch die Hände R a b o l d s in die Setzerei gelangte. Rabold hat das Manuskript auch der letzten Feilung unterzogen. Osterroth, zwei Maschinensetzer, Rabold und das Schreibmaschinen- fräulein stellten übereinstimmend fest, daß das Manuskript auf der Schreibmaschine hergestellt worden sei. Der Kronzeuge Köhler behauptete jedoch unter seinem Eid, das Manuskript sei Handschrift- lich verfertigt worden. Drei weitere Zeugen stellten unzweideutig fest, daß Köhler von 1912 zu 1913 wiederholt zu ihnen gesagt habe: „Ich mache die Brüder von der Bcrgwacht noch meineidig; mir sind von der Keindorffpartei lölX) M. Belohnung ver- sprachen worden." Köhler blieb trotz wiederholter Hinweise auf seinen Eid dabei, keine derartige Aeußerung zu den Zeugen getan zu haben. Als der Kronzeuge Köhler schließlich noch behauptete, der Geschäftsführer des Konsumvereins, Genosse Tittel, sei während des Setzens zu- gegen gewesen,.und zwar von neun Uhr abends bis drei Uhr früh, Tittel aber auf das bestimmteste bestritt, sich länger als eine halbe Stunde in der Setzerei aufgehalten zu haben, versuchte Köhler�scine wahrheitswidrigen Behauptungen zu bekräftigen. Er gab an, Tittel habe damals noch nicht in der Druckerei gewohnt, sondern in Gottes- berg, und er habe damals nicht nach Hause fahren können, und habe deshalb in Neusalzbrunn, dem Druckort, bei einem Bekannten, übernachtet. Tittel stellte fest, daß er schon seit Dezember 1911 in Neusalzbrunn wohne, also damals gar nicht mehr nach Gottesberg zu fahren brauchte, Jetzt machte der Verteidiger, Justizxat M a m- r o t h auf die fortgesetzten, haarsträubenden Widersprüche des Köh- ler aufmerksam und beantragte, Köhlers widersprechende Aussagen zu protokollieren. Sonderbarerweise lehnte der Vorsitzende diesen überaus wichtigen Antrag ab. Es kommt noch hinzu, daß alle Zeugen übereinstimmend bekundeten, Köhler sei ein notorischer Käufer, ein Wirtshausspektakler, ein Schürzenjäger, vor dem selbst am hellen Tage die weiblichen Angestellten der„Bergwacht" keine Ruhe hatten, so sehr stellte er ihnen nach mit unsittlichen Anträgen.., �; Trotz alledem verlangte der Staatsanwalt, die drei Angeklagten wegen wissentlichen Meineids zu verurteilen. Die Tatsache, daß sich bei der Vernehmung, die bei Hoffmann ein halbes Jahr und bei Weichelt ein volles Jahr hinter der Drucklegung stattfand. Hoff- mann und Weichelt nicht mehr des wabren Sachverhalts entsinnen konnten, genügte dem Staatsanwalt, zwei ehrenwerte Männer reif für das Zuchthaus zu erklären. Auch Ostcrroth wollte er schuldig gesprochen wissen, obwohl sich auch nicht ein Schatten des Beweises erbringen ließ, daß Ostcrroth eine falsche Aussage ge- macht hatte. In einer glänzenden Verteidigungsrede des Justizrats Mamroth wurden alle Mängel der Anklage, alle trüben Charakterzüge Köh- lets, alle widersinnigen Behauptungen eingehend widerlegt und insbesondere betont, daß der Prozeß einen ganz scheußlichen Hinter- grund hätte. Nicht Not, nicht Gerechtigkeitsgefühl, nicht edle Motive hätten den Kronzeugen Köhler zu seiner Denunziation gebracht, sondern kleinlicher Haß, üble Intrige, schändliche Rachsucht hätten ihn zu seiner Anzeige veranlaßt. Er sei das Werkzeug gewesen; Hintermänner hätten ihn gefügig gemacht und seine falschen, den Tatsachen ins Gesicht schlagenden Behauptungen hätten dem Staats- anwalt genügt, Ehrenmänner zu verhaften und auf Monate hinter Schloß und Riegel zu sperren. Es war ein erhebendes Moment, als Herr Mamroth ausführte, nicht die Genossen Osterroth, Weichelt und Hoffmann hätten während der drei Tage auf der Anklagebank gesessen, sondern der Zeuge Köhler, dem die Trunksucht aus den Augen gucke, dem auch nicht in einem Punkte Glauben zu schenken sei. Aber die treffliche Rede des Verteidigers Mamroth und die wirkungsvolle Rede des Rechtsanwalts Cohn, der vor allem mit den Drahtziehern, die hinter Köhler stehen und denen es in erster Linie daran lag, Osterroth, das Haupt der Waldenburger Arbeiter- bewegung, für immer tot zu machen, gründliche Abrechnung hielt, prallten ab an den Köpfen der Geschworenen, die meist aus agrari- scheu Kreisen stammten. Die Verteidigung wird gegen das Urteil Revision einlegen. Sie hofft bestimmt auf Annahme. Es sind eine Reihe formaler Fehler begangen worden, die zu einer Aufhebung des Urteils führen müssen. Die neue Beweisaufnahme mutz ergeben, daß Hoffmann und Weichelt ebensowenig ins Zuchthaus gehören wie der Genosse Osterroth. Sie haben ihre Aussage nach bestem Wissen so abge- geben, wie sie es mußten. Wenn die Staatsanwaltschaft ihres Amtes gerecht walten will, muß sie nach den Rechtsbegriffen des Volkes sofort ein Aerfahren wegen Meineids gegen Köhler ein- leiten. Dem Empfinden der Verteidigung und dem Empfinden vieler Zeugen und Zuschauer mißfiel besonders die Art der B c- l e h r u n g, die der Vorsitzende den Geschworenen gab. Es schien den Anschein zu haben, als plädiere er für ein schuldig. Die Verteidiger, die Zeugen, und selbst Gcrichtspersonen, die am Ein- gange des Saales Platz genommen hatten, schüttelten wiederholt den Kopf. Staunen erregte es geradezu, als der Genosse Osterroth nach den Reden der Verteidiger ums Wort bat und vom Vorsitzenden darauf hingewiesen wurde, daß er ihm das Wort nur erteilen könne, wenn er sich kurz fasse und keine Wiederholungen brächte. Osterroth konnte nur mit Mühe durchsetzen, zum Worte zugelassen zu werden. Vor dem Schwurgerichtsgebäude hatten sich trotz der vorge- rückten Stunde Hunderte von Menschen eingefunden. Osterroth wurde herzlich empfangen. Eine 72jährige Frau brach hilflos zu- sammen. Sie hatte drei Tage die Verhandlungen verfolgt und hoffte auf einen Frcispruch. Nun muß sie erleben, daß ihr unbe- scholtener Sohn, der Faktor Hoffmann, ein Jahr und sechs Monate ins Zuchthaus muß, wenn das Urteil aufrecht erhalten werden sollte, und W e i ch e l t, ebenfalls unbescholten, soll auf ein Jahr und drei Monate hinter die fürchterlichen Mauern des Zucht- Hauses. So hat dieser Prozeß gewiß ein Stück häßlichster politischer Kultur gezeigt. Es sind zwei Opfer gefallen. Zwei bisher völlig unbescholtene Männer werden der Oual des Zuchthauslebens aus- geliefert und ihre bürgerliche Ehre will man ihnen auf eine lange Dauer ebenfalls nehmen. Daß sie einen wissentlichen Mein- cid geleistet haben, ist auch durch die dreitägige Verhandlung nicht bewiesen woxden. � Gleichviel; vorläufig sind die Akten über dieses Drama geschlossen. Sie mögen den Männern die Ehre genommen haben— in unseren Augen bleiben sie die alten, ehrlichen Ka- meraden auch im Zuchthauskleid. Dek internationale Kongreß zur ßelsäinpfung des Mädchenhandels. London, 2. Juli 1913.(Eig. Ber.) Wir trafen einmal auf einem internationalen Kongreß einen biederen Deutschen mit seiner Frau, der uns vertraulich mitteilte, daß er schon seit Jahren seine Ferien auf die ökonomischste und angenehmste Weise auf internationalen Kongressen zubrächte. Auf irgendeine Weise wußte er sich Mitgliedskarten zu einem der zahlreichen internationalen Kongresse zu verschaffen, wo er und seine Gemahlin dann unentgeltlich alle die Feierlichkeiten und Schmäuse mitmachen konnte. Ob dieses Pärchen auf dem in dieser Woche in London tagenden internationalen Kongreß zur Be- kämpfung des Mädchenhandels anwesend ist, vermögen wir nicht zu sagen. Wenn die beiden nicht hier sind, so haben sie etwas ver- patzt. Denn diese Veranstaltung ist wohl das letzte Wort in Kongretzannehmlichkeiten. Es vergeht kein Tag, an dem nicht zwei oder drei Schmäuse oder Ausflüge stattfinden, und die Zahl der hohen Herrschaften, denen man hier die Hand drücken kann, ist Legion. Zwischen den Vergnügungen finden dann die Debatten statt, in denen das Heer der Pfarrer, das erschienen ist, die sorg- fältig präparierten Moralpredigten los werden kann. Der ganze Kongreß ist pfäffisch verseucht und wenn sich die klare menschliche Vernunft einmal zu Worte meldet, wird sie sogleich durch Füße- trampeln unterdrückt. Wir hatten uns heute< Mittwoch) in das Kongreßlokal begeben, weil das Programm angab, daß die sozialen und wirtschaftlichen Ursachen des Mädchenhandels diskutiert werden würden. Hier, dachten wir, wird man doch endlich etwas anderes zu hören be- kommen als moralische Entrüstungsrufe und pompöse Reden über die Wirkung des letzten Pflästerchens für die Symptome des Uebels. Anfänglich nahm die Debatte einen trostlosen Verlauf. Man sprach über die staatliche Ueberwachung der Stellenvermitte- lungen. Nur insofern war die Diskussion von Interesse, als sie die Hoffnungslosigkeit der symptomatischen Behandlung dieser so- zialen Krankheit aufdeckte. Es wurde nämlich von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, daß die zu strenge Ueberwachung der Stellenvermittelungsbureaus nur dazu geführt habe, die Agenten der Mädchenhändler zu veranlassen, in den Zeitungen zu annon- eieren. Wie ist nun das neue Loch in der Kloake zu verstopfen? Niemand konnte darauf eine gescheite Antwort jseben. Eine französische Baronesse stand auf und konstatierte das obige Faktum unter einem großen Aufwand von moralischer Entrüstung, und als sie sich vergewissert hatte, daß wir eine Gänsehaut bekommen hatten, trat sie befriedigt San der Tribüne ab. Endlich kam das von unS herbeigesehnte Thema an die Reihe. Ein österreichischer Red- ner hielt ein sehr vernünftiges Referat, das heißt, er hätte es ge- halten, wenn man ihn hätte ausreden lassen. Aber seine Erklärun- gen, daß die Behandlung der Symptome des Uebels zu nichts führe und daß die Hauptursache in den erbärmlichen wirtschaftlichen Verhältnissen der arbeitenden Frauen liege, verstieß so sehr gegen den ganzen Geist der Versammlung, daß Vorsitzender und Tele- gierte ihn beständig unterbrachen und ihn nicht ausreden ließen. lind doch war diese Rede Wohl— so weit man aus den Bruch- stücken urteilen tonnte— das interessanteste Ereignis des Kon- gresses. Er führte einleitend aus, daß man Prostitution und Mädchenhandel nicht voneinander trennen könne? der Mädchen- Handel sei eben der Handel mit der Prostitution. Prostitution und Mädchenhandel hätten ihre Wurzeln im wirtschaftlichen Elend. Der Referent setzte sich dann mit Lombroso und Ferrero auSein- ander, die die Prostitution auf die physische Entartung des In- dividuums zurückführten. Diese wissenschaftlich unhaltbare an- thropologische Erklärung des Phänomens sei kürzlich auch auf dem internationalen Kongreß für Fraüenstimmrecht in Budapest zur Grundlage einer Resolution gemacht worden. Wohl sei es wahr, daß ein Teil der Prostituierten aus entarteten Menschenkindern bestehe; ein anderer Teil erweise sich zu schwach, um der Um- gebung widerstehen zu können; aber die große Masse der Proftitu- ierten seien Opfer der sozialen Verhältnisse. In seiner Uebersicht über die verschiedenen Erklärungen, die das behandelte Problem erfahren habe, zitierte er Berta Pappenheim, Kampffmeyer und Strömberg. Er Wandte sich gegen die symptomatische Behandlung des Uebels; spziale Krankheiten müßten durch soziale Heilmittel kuriert werden. Er pflichtete dem deutschen Strafrechtslehrer von Liszt in der Anschauung bei, daß die Sozialreform ungleich tiefer dringe, als die Bestrafung oder ähnliche Mittel. Der Re- ferent fordert deshalb die Hebung der sozialen Lage des Volkes: bessere Löhne, kürzere Arbeitszeit, längere Mußezeit, Bergeistigung der Mußestunden, Volksbildung und dergleichen. Wie schon gesagt, mußte der Redner unverrichteter Sache von der Rednertribüne abtreten. ES ist daher nicht möglich, auf seine anregenden Ausführungen näher einzugehen. Es folgten ihm drei deutsche Geistliche. Der erste, ein Pastor BrunS, sagte:.Der Zeit- geist treibt die Leute zur Prostitution." Doch muß� erwähnt werden, daß auch dieser Redner soziale Ursachen für daS Uebel gelten lassen wollte. Der zweite Gottesgelahrte, Pastor Metzold, sah das Heil in einer Vertiefung des religiösen Lebens. Der dritte, ein Pastor Dissenhof, zeigte einen frischeren Geist. Er behauptete, daß die Hälfte der Prostituierten geistig anormal seien. Jede Pro- stituierte, die dem System der Reglementierung ausgeliefert werde, müßt« ethisch blödsinnig werden. Dieser Geistliche forderte gleiches Recht unv gleiche Moral für Mann und Frau. Erwähnenswert sind auch die Ausführungen einer kanadischen Dame, da sie das geistige Durchschnittsniveau der Delegierten zutreffend illustrier- ten. Diese Rednerin gab wohl zu, daß die Hungerlöhne der weib- lichen Arbeiter zur Erklärung der Prostitution herangezogen wer- den müßten; sie meinte aber, daß die Arbeitskraft vieler Mädchen einen auskömmlichen Lohn sliving wage) nicht wert sei, daß ihnen kein Arbeitgeber diesen Lohn zahlen könnte. Sie wollte daher die Mädchen zu besseren Arbeiterinnen erziehen. Diese tiefsinnigen Betrachtungen wurden von den Versammelten mit großem Bei- fall aufgenommen. Es fehlte nur noch daß der vermaledeite Zeitgeist aufgestanden wäre, um dem Kongreß folgende Predigt zu halten:„Meine Damen und Herren! Auf die Gefahr hin, Sie bei der gegenseitigen Be- wunderung zu stören und Ihren Unwillen hervorzurufen, möchte auch ich meinen Senf hinzutun. Ich verstehe wohl, weshalb die hohen Herrschasten so besorgt sind, dem Problem der Prostitution aus dem Wege zu gehen und es von dem Problem des Mädchen- Handels trennen wollen. Dieses scheint einer so leichten BeHand- lung zugänglich zu sein: man versperrt den Kupplern alle Wege, haut ihnen den Rücken blutig und genießt danach den Ruhm der Hüter der moralischen Weltordnung. Jenes aber, das den Mädchen- Handel einschließt, entspringt, wie Sie selbst gut genug wissen, dem furchtbaren Elend, auf dem die ganze Herrlichkeit ruht, die die Protektoren dieses Kongresses— die königlichen Hoheiten, Prälaten und Aristokraten— genießen. An diesem System ernstlich zu rütteln, hieße für Sie, einen Zweig absägen, auf dem Sie sitzen. Doch ehe Sie mich hinauswerfen, möchte ich Sie noch an die Worte erinnern, die mein Interpret Bernhard Shaw Ihnen vor kurzem zurief, als er sagte, daß der Mädchenhandel so lange bestehen werde, als Millionen von Frauen nur zu wählen hätten zwischen einem Leben voll Hunger und Erniedrigung und dem Champagner und den gebratenen Hühnern der Kupplerin." As; nun in IPreuIZen? Zur Wahlrechtsbewegung nahm eine von mehr als 6000 Männern und Frauen besuchte Versammlung der Arbeiter- schaft Neuköllns am Mittwoch, den L. Juli, Stellung. Der Riesensaal der„Neuen Welt" war bis auf den letzten Platz gefüllt und der Genosse Karl Liebknecht wurde beim Betreten des Saales stürmisch begrüßt. Wohl alle hatten den Ernst der Situation erfaßt. Oft von Beifallsstürmen und Entrüstungsrufen unterbrochen, machte Genosse Liebknecht etwa folgende Aus- führungen: Die Wahlrechtsfrage steht seit einem Menschenalter im Mittelpunkt der sozialen Kämpfe, eine Wendung bekamen diese, als die Arbeiterschaft beschloß, sich an den LandtagSwahlen zu be- teiligen, und durch Massenaktionen eine Aenderung des elenden Wahlrechts herbeizuführen suchte. Die Wirkung blieb nicht aus. Vor 5 Jahren kündete die Re- gierung an, daß eine organische EntWickelung des Wahlrechts statt- finden müsse. Die Vorlage selbst war ein Schlag ins Gesicht, ein Hohn auf die Forderungen des Volkes. Nach lebhaftem Kampf- wurde diese Spottgeburt in die Wolfsschlucht befördert. Seitdem verharrt die Regierung in Untätigkeit, sie findet nicht den Mut, bei der reaktionären Mehrheit deS Abgeordnetenhauses eine Wahlreform durchzuführen. Dem Willen der Junker zeigt sie sich unter- tänig. Der Minister des Innern erklärte aus eine Anzapfung, daß bei der Zusammensetzung des Landtages eine erneut eingebrachte Reform keine Aussicht auf Erfolg habe. Warum wende man hier nicht die'Energie an, wie bei anderen Fragen; aber die Regierung verstecke sich hier nur hinter der reaktionären Mehrheit. Was hat die letzte Wahl gebracht? Einige Freisinnsmänner und vier Sozialdemokraten mehr. Die Konservativen haben die Stirn, zu erklären, daß der Wahlausfall beweise, daß das jetzige Wahlsystem dem Volke seine Vertretung bringe. Bei der Eröffnung des Landtages hat man kein Wort von einer Wahlreform gehört; desto mehr von dem Jubiläum, als wenn das eine weltbewegende Tat wäre. Im Reichstage ist an- gefragt worden wegen einer Wahlreform, der Minister des Innern hat die Erklärung des Ministers Dallwitz wiederholt; also e» gibt keine Wahlreform. Die Wahlrechtsfeinde haben sich heut« organisiert. Wie stellt sich nun die Arbeiterschaft dazu. Eine Wahlrechtsänderung zieht eine Verschiebung der Machtverhältnisse nach sich. Die Anregung dazu kann und wird in den Parlamenten erfolgen, der Druck muß aber außerhalb der Parlamente liegen, da mögen sich die Bürger besinnen, mögen alle ihren Mann stellen. Der Wahlrechtskampf in Preußen stellt einen Teil des Kampfe? um die Macht im Reiche dar. Der Widerstand der Reaktion richte sich dagegen, daß die im Volke vorhandenen Mächte ihren Ausdruck im Parlament finden. Der Reichstag ist den Junkern verhaßt; je mehr die Sozial- demokratie ihn mit ihrem Geiste durchdringt, desto größer wird der Haß. Man wagt eS nicht, offen vorzugehen, weil die Gefahr doch eine zu große ,st, versucht nun aber in Preußen jeden Fort- schritt zu verhindern. Die Arbeiterschaft hat riesige Kräfte in ihren Organisationen und die große Frage in der letzigen Periode ist die, wie diese Kräfte für unser« Kämpfe anzuwenden swd. Früher hatten imr jn Berlin au emem Tage 26 Versammlungen, griffen dann weiter I zu Straßendemönstrationen, und der Kampf von 1910 ist einer der ' glorreichsten Waffentaten deS deutschen, ja deS internationalen Proletariats. Wir können ruhig die Verhinderung der„Wahl reform" unseren Demonstrationen zuschreiben; obgleich ein direk ter Erfolg nicht zu verzeichnen war. Wir müssen nun nach anderen Mitteln suchen. Vor 50 Jahren war das Bürgertum in einer ähnlichen Situation, die ihren Ausdruck in der Konfliktszeit fand, aber das Bürgertum besaß nicht den Mut, einen energischen Vor stoß zu wagen; obgleich Lassalle ermahnte, der reaktionären Re- gierung den Daumen aufs Auge und das Knie auf die Brust zu setzen. Man blieb bei der Ankündigung der Steuerverweigerung. Das Mittel der Steuerverweigerung ist auch neuerdings als Mittel im Kampfe diskutiert worden, es könnte auch zur An- Wendung kommen, aber nur, wenn ganz besondere Verhältnisse vorliegen. Das Genossenschaftswesen ist ein Mittel, welches un- bedingt von jedem beachtet werden muß; ferner die Bewegung zum Kirchenaustritt und der Kampf gegen den Militärstaat. Viel wichtiger und stärker wirkt der ständige politische Kampf, die stete Organisations- und Aufklärungsarbeit des Proletariats Mit großer Angst betrachten die Regierenden den Eintritt von immer mehr und besser geschulten Sozialdemokraten in daS Heer, das Steigen deS rebellischen Geistes in dem Beamtenheer. Der Massen- oder Generalstreik ist unS da als eine Heilsbot schaft erschienen, auf dem Bremer Parteitag war alles gegen mich, schon auf dem Parteitag in Jena wurde es als Kampfmittel auf. genommen. Die Sozialdemokratie ist sich dahin einig geworden. ihn anzuwenden, es ist nur zu prüfen, ob der gegenwärtige Augen- blick der geeignete Zeitpunkt ist, ohne Brimborium muß das er- wogen werden. Das Eintreten sogenannter revisionistischer Ge- nassen, die doch immer als vorsichtige, kühl abwägende Beobachter hingestellt werden, gebe zu denken. Wenn solche Genossen dem Massenstreik ihre Reverenz erweisen, dann ist es klar, daß wir die Bahn beschreiten können. Warum sollten wir es nicht wagen? Haben wir erst einmal das allgemeine Wahlrecht, wird es keiner wagen, eS uns wieder zu nehmen, daß würde die Revolution auf der ganzen Linie bedeuten. In Schweden ist es ganz schmerzlos gegangen, zwar sind dort die Verhältnisse etwas anders und es kamen für den Kampf nur zirka 400 000 in Frage. In Belgien haben wir wohl ein anderes Militärsystem, immer zeigen sich revolutionäre Vorfälle, auch ist die Bevölkerung revolu- tionärer; wiederum sind sie aber nicht so aufgeklärt; eS gibt dort sogar noch viele Analphabeten. Wir aber haben eine Arbeiterklasse, die gut organisiert ist, und das ist ein großes Gewicht, was wir in die Wagschale werfen können. Der wichtigste Helfer aber ist der preußische Staat, die Polizei, die uns ständig Hilfe leisten, und das haben wir vor Belgien voraus. Die Verhältnisse sind bei uns nicht ungünstiger als in Belgien. Der Kampf wurde geführt, bis die Regierung sich zu Reformen bereit erklärte, und nur abgebrochen; er wurde mit glänzender Disziplin geführt und war gut vorbereitet. Manche waren der Ansicht, solche Streiks könnten nicht vorbe- reitet werden, die müßten spontan kommen. Diese sind wohl nun eine? besseren belehrt worden. Lebensmittel wurden vorher auf- gespart, trotz schlechter Lebensverhältnisse, und so haben sie eS fertig gebracht, ohne Ruhestörung, ohne daß die Staatsgewalt Gelegenheit hatte einzugreifen, der herrschenden Klasse Zugeständnisse abzu- zwingen. Wir sind ja daran gewöhnt, jeden Zusammenstoß mit der be- woffneten Macht zu vermeiden; alles das kann eS aber nicht verhindern, daß die Gewalthaber versuchen werden, Zusammenstöße herbeizuführen. Darum haben wir unser Augenmerk auf die Schulung der Massen zu richten. Ein Teil ist aus organisatorischer Verantwortlichkeit dagegen, sie befürchten, daß, wenn der Erfolg ausbliebe, würde die ganze Schuld auf sie gewälzt werden. Nicht von oben muß es kommen, sondern von unten mit ungestümer Macht hervorbrechen. Die Bedeutung eines freien Wahlrechts ist ungeheuer. Den Gewerkschaftsführern müsse gesagt werden, daß ihre Bedenken nicht zutreffen, der politische Massenstreik geht alle an, das politische Recht ist nichts anderes als das gewerkschaftliche Recht. Die Staatsgewalt stellt sich bei Arbeiterkämpfen immer auf die Seite deS Unternehmertums, stehe Mansfeld, Rheinseld, Moabit und der Streik der Bergleute im Ruhrgebiet, um nur einige Beispiele herauszugreifen. Der Schrei nach dem ZuchthauSgesetz kam aus Preußen, Preußen ist der Hort der Reaktion, deshalb muß hier zuerst für bessere Verhältnisse eingetreten werden, die anderen Kleinstaaten würden schon nachfolgen, wenn hier der Sieg errungen ist. Der Kampf um ein besseres Wahlrecht ist wichtiger als der Kampf um eine Lohnerhöhung. Die Gewerkschaften dürfen nicht davor zurück- schrecken, für die polittschen Rechte einen Massenstreik zu führen. Die Gewerkschaften müssen auch die Gefahr einer Niederlage mit in Kauf nehmen. Hat nicht schon die Arbeiterschaft der ganzen Welt Niederlagen erlitten und haben sie ihr geschadet? Nein, ge- stärkt und neubelebt ist sie wieder aufgestanden. Man wird ein- wenden, ja machen auch die christlichen und gelben Organisationen mit? Wenn wir mit frischem Mute in die Arena treten, werden auch die Zögernden mitgerissen. Früher hieß eS, es gäbe nur einen Generalstreik auf Leben und Tod. DaS ist falsch. Man kann ihn führen als Demonstra- tionsstreik, als Streik bestimmter Orte und Berufe, kurzum, eS gibt die verschiedensten Formen des Streiks. Ist es nun nicht an der Zeit, diese Mittel zu prüfen? Der Felsblock der reaktionären Mehrheit muß gesprengt werden. Die Wahlrechtsbewegung muß bei der Eröffnung des Land- tages einsetzen. Man wird sagen, eS sind schlechte Zeiten. Viel- leicht geben diese einen besseren Resonanzboden. Wir müssen alles vorbereiten; der Parteitag wird sich mit der Frage zu be- schäftigen haben. Es wird nötig sein, einen außerordentlichen Parteitag für Preußen einzuberufen. Die Gewerkschaften werden gewonnen werden, gewonnen werden müssen. Es wird ein Kampf sein, der sich über ganz Deutschland vcr- breiten wird, weil eS keine alleinig preußische Sache ist. Ist die Bahn in Preußen frei, wird das andere schon kommen. Die Situation von heute sagt unS: So kommen wir nicht weiter. Aus dem Empfinden heraus, etwas Erhabenes, etwas Machtvolles zu schaffen, gebrauchen wir den Massenstreik als Machtmittel. Die Stimmung der Massen muß opferwillig und bereit sein, die Aktion in den Parlamenten zu unterstützen, damit Preußen endlich ein Kulturstaat wird, daß alle die Versprechungen ein- gelöst werden. Freiwillig wird, nicht? gegeben. Macht gegen Macht. Das Proletariat hat es in der Hand. Sorgen Sie dafür, daß das preußische Wahlrecht noch im kommenden Jahre zusammenbricht unter den wuchtigen Schlägen des klassenbewußten und kämpf. bereiten Proletariats. Nachstehende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die letzten Landtagswahlen haben erneut bewiesen, daß es bei dem elenden Dreiklassenwahlrecht unmöglich ist, eine dem Willen deS Volkes Rechnung tragende Vertretung z» erreichen. Die wiederholten Mahnungen, das Wahlrecht zum Abgeord- netenhause einer durchgreifenden Aenderung zu unterziehen, blie- ben unberücksichtigt. Die Regierung beharrt, unterstützt von der reaktionären Mehrheit, auf ihrem Widerstand. Der Arbeiterschaft als einzige Kämpferin für volle Gleich- berechtiaung wird es dadurch zur Pflicht, den herrschenden Ge- walten den Kampf mit allen Mitteln anzusagen. Als eines dieser Mittel ist der poliftsche Massenstreik anzusehen. Die Versammelten sind sich bewußt, daß das Gelingen des großen Kampfes nur gewährleistet ist, wenn die gesamte Arbeiter- schaft in festgefügten Organisationen zusammengeschlossen ist. Die Versammelten verpflichten sich deshalb, in energischer Weise für den Ausbau der Organisationen Sorge zu tragen. Gleichzeitig fordern sie die leitenden Kreise der Arbeiter» organisationen auf, alle die Kampfmittel anzuwenden, die geeignet (tnb, dem Volke eine gerecht« Vertretung im Abgeordnetenhause[ zu sichern," l Hus der Partei. Aus ben Organisationen. Im Reichstagswahlkreise Naumburg-WeißenfelS, Zeitz ging die Zahl der Parteimitglieder im verflossenen Ge» schäftsjahre infolge der im Kreise herrschenden Geschäftsflaue, durch die viele Genossen aus dem Kreise getrieben wurden, ein wenig zurück. Die Zahl'der organisierten Frauen erhöhte sich um 25. Am Schlüsse des Berichtsjahres gehörten dem Verein 5501 Mitglieder an, darunter 1194 weibliche. Die Zahl der ein- zelnen Verwaltungsstellen stieg von 44 auf 40.— Der Stand des Parteiblattes, des in Zeitz erscheinenden �Lolksboten", ist im allgemeinen befriedigend.— Der Kreiskonferenz lag ein Antrag vor, den Abonnementspreis des Blattes um 10 Pf. pro Monat zu erhöhen und dafür die„Neue Welt" beizulegen. Der Antrag wurde gegen eine starke Minderheit abgelehnt.— Der Antrag auf Gründung eines Kreisbildungsausschusses wurde dem Kreisvorstand zur Erledigung überwiesen._ poliznltches,(Jcricbtliches usw. Das Begräbnis als Versammlung unter freiem Himmel. In Rendsburg hatte beim Begräbnis eines Genoffen ein Gesangverein ein Lied gesungen. Ein Pastor hatte beim Begräbnis nicht mitgewirkt, dafür erstatteten aber zwei Diener der christlichen Nächstenliebe Anzeige, weil nach der Meinung dieser Gottesmänner daS Begräbnis ein„ungewöhnliches" und daher anmeldepflichtig gewesen sei. Drei Genossen wurden deshalb wegen Vergehens gegen das Reichsvereinsgesetz angeklagt und jeder zu 10 M. Gelo- strafe verurteilt. Begründet wurde das Urteil damit, daß das Begräbnis einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel gleich zu achten sei, weil dabei gesungen wurde und weil 400 bis 500 Personen daran teilgenommen hätten. Die Auslegung des„liberalen" ReichSvercinsgesetzeS zeitigt immer schönere Blüten,_ Jugendbewegung. Ein weiblicher Jungdeutschlandbund. Der Ruhm des Freiherrn v. d. Goltz hat die Leiterinnen weib- sicher Jugendvereine aus ihrem beschaulichen Dasein geweckt. Am 2. Juli tagte in Stuttgart eine Versammlung von Vertreterinnen der weiblichen Jugendvereinigungen Stuttgarts, die sich mit der Schaffung einer gemeinsamen Organisation für die weibliche Jugend beschäftigte, von der die Rednerinnen eine Wiederbelebung ihrer im tiessten Schlummer ruhenden Vereine erhoffen. Nach eingehender Aussprache wurde folgender Beschluß gefaßt: „Die versammelten Vertrclerinnen und Vertreter vieler Stutt- garter weiblicher Jugendvereinigungen halten eS für wünschenS- ivert, auch für die heranwachsende weibliche Jugend die gleiche, der Gesunderhaltung und der körperlichen Erstarkung dienende zusammenfassende Organisation zu schaffen, wie eS der Jungdeutschlandbund für die männliche Jugend ist. Die bestehen« den Bereinigungen sollen in ihren Sonderbestrebungen aber da» durch nicht gehemmt werden." Amazonenkorps im Heere jnngdeutscher Kriegspieler? Ei, warum denn nicht. Das wäre wieder mal eine recht zugkräftige Sensation, die sicherlich die lichten Reihen der namrverwüstenden und menschen- vernichtenden Kriegsspieler wieder füllen hilft— daß heißt, wenn die Arbeiterschaft sich dies ftivole Spiel mit ihren Kindern ge« fallen läßt.__ Jungdeutsche Musterknaben. Unser Parteiblatt in Halle entnimmt einem bürgerlichen Matte folgende Notiz: Am Sonnabend, nach 6 Uhr abend, kamen in der Heide fünf junge Damen kurz vor Bahnhof Nietleben singend de? Weges daher und in der entgegengesetzten Richtung ein Trupp zwölf» bis achtzehnjähriger Mitglieder deS WehrkraftvereiuS Jung» deutschland. Schon von weitem ahmten diese den Gesaug der Damen in markerschütternder Weise nach. Anstatt nun den Damen, wie es sich gehört, beim De- gegnen auszuweichen, stellte sich ein etwa achtzehn» jähriger Bursche vor eine der fünf Damen«ud gab ihr ohne jeden Anlaß zwei schallende Ohrfeigen. Damit aber war es noch nicht genug; einige zwölf bis dreizehn Jahre alte Jungen verfolgten die Damen noch ein Stück Weges und bearbeitete« sie mit Fäusten. Es ist wahrlich nicht verwunderlich, wenn sich die Wehrkraft- jüngelchen darüber erbosen, daß singende Damen ihnen den Weg vertreten, wo doch jeder Polizist und Nachtwächter gewissermaßen diensteidlich verpflichtet ist, vor Jungdentschland Kotau zu machen. Die Schlagfertigkeit des angehenden Kriegers, die er als gelebriger Schüler der jungdeutschen Schule sich so ichnell anzueignen verstand, zeugt von einer militärischen Begabung und Tüchtigkeit, die— wie beim Kommiß— auch im Jungdeutschlandbund belobigt werden müßte, v. d. Goltz sollte Orden für Musterlnaben einführen. Aus der österreichische» Jugendbewegung. Eine Werbeaktion der deutsch-österreichischen Jugendorganisation in den Kreisen Wiener-Neustadt (Nieder-Oesterreich), Karlsbad, Te plitz und Reichenberg jBöhmen) brachte dem Verband jugendlicher Arbeiter Oesterreichs in wenigen Wochen 1973 neue Mitglieder I Senoflensebaftliebes. Zentralsterbekasse»Leo" und„Volksfürsorgc". Neuerdings werden wieder in der katholischen Presse West- deutschlands Vergleiche zwischen dem Sterbegelde der„Leo�kasse und den tariflichen Versicherungssummen der„Volkssürsorge" an- gestellt, und dann gesagt, daß die ,.Leo"kasse keinen Grund habe, einen Vergleich mit der roten„Volksfürsorge" zu scheuen. Da die „Leo"kasse mit ihrem Vergleich auf halbem Wege stecken bleibt� er- füllen wir ihren Wunsch, diesen etwas zu vervollständigen. Aufnahmebedingungen. Die„Bolksfürsorge" nimmt alle Volksangehörigen auf. Man- ner, Frauen, Kinder, unbekümmert um ihre religiösen und po- litischen Anschauungen, unbekümmert auch um ihre Zu- oder Nicht- Zugehörigkeit zu Vereinen irgendwelcher Art. Die„Leo"kasse nimmt nur Mitglieder katholischer Vereine auf. Die„Bolksfürs-rge" stellt keine hochnotpeinlichen Vorfragen bezüglich des Lebenswandels der Aufzunehmenden. Die„Leo"kaffe nimmt nur Personen auf, welche eine« acht- baren Lebenswandel führen. Die..Leo"leute scheinen rn dieser Beziehung sehr strenge Richter zu sein, denn sie melden selbst in ihrem Jahresberichte, daß sie im Jahre 1912 in KZ8 Fällen die Aufnahme abgelehnt haben... Bei der„Bolksfürsorge" findet eine ärztliche Untersuchung nicht statt; die„Leo"kasse verlangt in zweifelhaften Fällen oder wenn das Sterbegeld den Betrag von 500 M. übersteigt, auf Kosten des Versicherungsnehmers ein ärztliches Gesundheitsattest. Auch bei Prüfung des Gesundheitszustandes scheint die„Leo"« lasse sehr streng zu verfahren, denn ihr Jahresbericht meldet, daß sie in 41 Fällen die Wartezeit auf drei Jahre verlängert hat. Der grundsätzliche Unterschied zwischen„Vollsfürsorge" um» ,.Leo"kaffe, der, wie jedermann weiß, auch für die Berechnung der Versicherungssummen in Betracht kommt, ist also der: die„BolkS- fürsorge" betreibt Bolksversicherung mit nicht ausgcwähllen Risiken, die„Leo"kasse, eine kleine Sterbckaffe, mit nur streng ausgewähl- te« Risiken. Aufnahmegebühr. Die„Bolksfürsorge" erhebt von allen Versicherungsnehmern, unabhängig von der Höhe der Versicherungssumme, eme»»f. nahmcgebühr von 1 M, Anders bei der»Leo'Iaß«, Bei 1500 M. Versicherungssumme beträgt die Auf- »ahmegebühr bei der„Volksfürsorge" 1 M., bei der„Leo"kasse 7.70 M. Prämienzahlung. Bei der„Le»"kasse ist es Vorschrift, datz die Prämien am Ersten jede? Monats bezahlt werden müsse»; bei Zahlungsversäumnis wird für je 50 Pf. und Monat eine Strafe von 2 Pf. erhoben. Das bedeutet also für sehr viele Mitglieder eine Beitragserhöhung von 4 bis 20 Proz. Die„Bolksfürsorge" kennt selbstverständlich ein solches Strafsystem nicht. Ausschluß. Wer aus einem katholischen Verein austritt oder ausgeschlossen wird, wer die bürgerlichen Ehrenrechte verliert, wer unrichtige� An- gaben bei seiner Aufnahme gemacht hat. wird aus der„Leo"kasse ausgesf�ssen. Es braucht nicht erst betont zu werden, datz die >, Volksfürsorge" derart rigorose Bestimmungen nicht hat. Prämienfreie Versicherung. Bei der„Le»"kassc kann die Umwandlung in eine Prämien- freie Versicherung erst nach dreijähriger Prämienzahlung erfolgen; bei der„Bolksfürsorge" findet eine Umwandlung erforderlichen- falls schon im ersten Jahre statt. Die„Leo"kasse verfährt also genau so rigoros wie die kapita- listischen Gesellschaften, ja, infolge ihrer Ausschlutzbestimmungen noch weit rigoroser. Im Jahre 1S12 schieden bei der„Leo"kasse aus: durch Tod 1034 Mitglieder mit 98 588 M. Versicherungssumme, durch sonstige Ursachen 1887 Mitglieder mit 219 793 M. Versicherungssumme. Können die Herren von der„Leo"lasse, die angeblich einen Ver- gleich ja nicht zu scheuen brauchen, auch nur eine einzige Ver- sicherungsgesellschaft nennen, bei welcher der anormale Abgang an Versicherungssummen über 6g Proz. des Gesamtabgangs beträgt? Der Arbeiter ist in der Lage, in ähnlicher Weise die Be- dingungen der..Volksfürsorge" mit denen von Versicherungsgesell- schaften zu vergleichen. Von der Konsumentenorganisation in Oesterreich. In Wien tagte soeben der 11. Verbandstag der Arbeiter- konsumvereine. Dem Verband gehören zurzeit 540 Genossenschaften (-f 25) an. Die berichtenden 434 Konsumvereine hatten 1912 298 154 Mitglieder(-f- 23 000), eine Zunahme trotz der Balkankrise. Ter Umsatz stieg um 12,3 Millionen Kronen auf 97,7 Millionen Kronen, pro Kopf von 312 auf 329 Kronen. Der..Konsumverein" hat eine Auflage von 4800(-f 200), das genossenschaftliche Familienblatt eine Auflage von 82 000(-f 10 000) erreicht. Die prämien- sparendeti Geschäfte der Versicherungsabteilung, die zur eigenen G. m. b. H. ausgestaltet wird, wachsen, der tschechische Separatismus konnte wenigstens neue Schädigungen nicht aufweisen. Aus der BearützungSansprache des Genossen Dr. Viktor Adler seien folgende Worte wiedergegeben: „Es ist nicht der Zweck der Konsumvereine, Sozialdemokraten zu machen oder auszubilden. Aber die Einsicht, die dem einzelnen Konsumenten im Konsumverein in den ganzen Mechanismus der Konsumtion gegeben wird, muß ihn allmählich und automatisch nuS einem Genossenschaftler zu einem guten Genossen umbilden. DaS ist keine Statutenüberschreitung, das ist nichts, was sich etwa zwischen die Klippen der Paragraphen einfangen ließe. Es ist einmal so, daß jede zielbewußte, zweckdienliche Tätigkeit der Ar- beiterklasse mit Notwendigkeit führt zu einer Gemeinschaft stre- bender, wollender und wissender Arbeiter. Und strebende, wollende und wissende Arbeiter können nichts anderes sein als Sozial- demokraten." Der Verbandssekretär Wilhelm berichtete, daß 1912 an die Angestellten der Konsumvereine um 789 000 Kronen, 14 Proz., mehr als 1904, auf gleiche Verhältnisse berechnet, ausgezahlt wurde. Beschlossen wurde u. a. die Errichtung eines Frauen-AgitationS- komiteeS und eines BildungSfondS, denen in erster Linie die durch die Steuernovelle von 1913 ersparten Beträge zufließen. Nach deutschem Muster wird ein Tarifamt mit den Gewerkschaften ge- bildet. Vor der Entscheidung dieses Amts soll jede Presseerörte- rung von Stteitfragen unterbleiben. Nach einem Referat des Ge- nassen Dr. Renner wurde einstimmig beschlossen, den Gedanken der „Bolksfürsorge" zu propagieren. Der nächste Verbandstag wird in Trieft stattfinden. Gerichts- Zeitung Arbeiterwohnungen auf dem Lande. Gestern stand der Genosse Fritz Faaß, Redakteur deS Organs ..Der Landarbeiter", als Angeklagter vor der 8. Strafkammer des Landgerichts l. Nach der Mitteilung einer Gerichtskorrespondenz — da uns keine Nachricht von dem Termin zuging, konnten wir keinen besonderen Berichterstatter entsenden— handelt e» sich um einen Artikel in der Januarnummer deS„Landarbeiter". Durch ihn fühlte sich Rittergutsbesitzer und Amtsvorsteher Dr. Krause in Pillnitz bei Breslau beleidigt. E» sind in dem Artikel die Wohnungsverhältnisse und Verhältnisse einer Arbeiterin geschildert. In der gestrigen Verhandlung bekundete ein entlassener Guts- arbeiter des Dr. K., datz tatsächlich Burschen und Mädchen in einem Räume geschlafen haben, allerdings sei dies ausdrücklich von der Gutsverwaltung verboten worden. Die weitere Beweisaufnahme ergab, entgegen dem Inhalt des Artikels, datz Dr. K. und seine Gattin in ausgiebiger Weise für eine Wöchnerin gesorgt hatten.— Das Gericht erkannte trotz der bisherigen Unbescholtenheit des An- geklagten auf die vom Staatsanwalt beantragte hohe Strafe von 1 Monat Gefängnis. Auf Mord und Anstiftung zum Morde lautet eine Anklage, deren Verhandlung heute vor dem Schwur- gericht des Landgerichts III unter Vorsitz deS LandgerichtsdirrktorS Sehmer begann. In der Verhandlung soll ein Indizienbeweis ge- führt werden. Es handelt sich um die Aufklärung eine« im De- zember 1910 anscheinend begangenen Mordes. Am 8. Dezember 1910 wurd- die Leiche des in Eharlo:tcnburg. Galvanistratze 9, wohnhaften Schankwirt» Albert Menzel in seinen Schankräumen autgesunden. Die Leiche zeigte eine Schußwunde i» der linken Schiäse. Es wurde Selbstmord angenommen und die Leiche be- crdigl. Später sickerte doch der Verdach: durch, datz Menzel das Opfer einet Verbrechens geworden sein dürfte. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde im Juli 1912 die. Leiche ausgegraben. Der Schädel wurde vom Medizinalrat Dr. Siörmcr konserviert und cZ ergab sich, datz. obwohl Menzel Rechtshänder war, zwei Kugeln die linke Schläfe getroffen hatten und schon der erste Schutz tödlich gewesen sein mutz. AlS vermeintlicher Täter des anscheinend vorliegenden Ver- brechen? steht nun der Nieter und Monteur Friedrich Nickel unter der Anklag« des Mordes vor den Geschworenen, während die Frau de« Verstorbenen, jetzige Haushälterin Anna Menzel geb. Schiele sich auf die Anklage der Anstiftung zu verantworten hat. Der Angeklagt« Nickel, ein 35 Jahr« alter Mann, ist u. a. wegen Bedrohung und lebensgefährdend« Behandlung seiner Ehefrau de- straft, von der er getrennt lebt. Frau Menzel ist im Jahre 1S8Ü in Gernrod« am Harz geboxen; sie ist unbestraft. Beide Angeklagte befinden sich seit dem 4. April 1912 in Untersuchungshaft. Anzeflagter Nickel bestreitet entschieden, daß er ein arbeits- scheuer Mensch sei, wie einmal behauptet worden; er habe immer gearbeitet und sei viel auf Montage geivesen. Im Jahre 1919 sei er mit mehreren anderen Kollegen für die Hagener Firma nach Chorlortenburg zum Brückenbau entsendet worden. Er hat bei Menzel» al» Schlafbursche Wohnung genommen und auch am Todestage Menzel» dort gewohnt. Nach seiner Behauptung ist er erst «ach dem Tode Menzels, und zwar erst im November 1911 in dauerndem intimen Verkehr mit Frau Menzel getreten; er sei immer lustig imb fidel gewesen und weng er über den Zeitpunkt, wo dieser Verkehr begonnen, dritten Personen gegenüber ändere An. gaben gemacht haben sollte, so wäre dies aus Scherz geschehen. Am 5. Dezember 1910 sei er nachmittags 3 Uhr mit Menzel baden ge- gangen. Er habe mit Menzel auf sehr gutem Fuß gestanden. Wäb- rend er ein Schwimmbad genommen, sei Menzel in ein Wannenbad gegangen. Als er nach Beendigung des Bades Menzel wieder auf- suchte, habe dieser mit blassem Gesicht dagesessen und mit stierem Blick ins weile geschaut. Auf eine Frage habe er geantwortet, datz ihm das Baden nicht gut bekommen sei.- Beide hätten dann noch mehrere Wirtschaften besucht; in zwei Wirtschaften sei Menzel so aufgelegt gewesen, datz er herumgetanzt habe. Schlietzlick seien sie nach Hause gegangen und er, der Angeklagte, habe sich auf ein Sofa gelegt und sei eingeschlafen. Etwa um 20 Minuten vor 12 Uhr sei er aufgewacht und habe zwei Bekannten, welche noch Billard spielten, Vorwürfe gemacht, datz man ihn solange habe schlafen lassen. Als man ihn aufforderte, eine Partie mitzuspielen, habe er etwas davon gesagt, daß er zwar Menzel gegenüber Mut zu einer Karombolagcpartie habe, aber nicht gegenüber den anderen. Wenn die Zeugen behaupten, er habe elwas von„Wut" gegen Menzel ge- sprachen, so haben sie sich gründlich verhört.— Der Angeklagte er- klärte auf das Bestimmteste, daß er von der Tat absolut nichts wisse. Er sei erst am nächsten Morgen dazu gekommen, als man Menzel tot aufgefunden hatte. Richtig sei es, datz er�sich auf Er- suchen der Frau Menzel dazu entschlossen habe, das Schankgeschäft fortzuführen. Das sei etwa 10 Tag« lang geschehen, am 22. De- zember sei er schon zum Besuch in Hagen gewesen. Nach Neujahr sei er wieder zurückgekommen. Er habe niemals tpm Frau Menzel Geld erhalten, im Gegenteil sei ihm diese noch 22 M. schuldig, ebenso müsse er bestretten, nach dem Tode Menzels einen Anzug desselben getragen zu haben. Der verstorbene Menzel habe einen Tag vor dem Tode einen Tobsuchtsanfall gehabt und dabei das Porzellan in der Küche zer- schlagen. Weiter erzählt der Angeklagte einen Vorfall, bei welchem einmal Menzel Furcht vor zwei Leuten geäußert haben soll, die nach seiner Behauptung erklärt hätten, ihn erschießen zu wollen. Er selbst habe niemals im Menzelschcn Lokal Gewalttätigkeiten ausgeführt, aber mehrfach Herrn Menzel bei Konflikten mit seinen Gästen, unter denen sich vielfach Schiffersknechte befunden, in Schutz genommen. Ter Verteidiger Rechtsanwalt Fränkel verweist ferner darauf, datz Nickel nach seiner Behauptung in zwei Fällen einem anderen das Leben gerettet habe. Der Angeklagte bemerkt hierzu: Im Jahre 1908 habe ein Kind aus der Wupper gerettet und 1910 einen jungen Mann beim Baden im Rhein. Dann stellt sich der Weiterverhandlung eine große Schwierig. keit entgegen. Nach der Anklage soll Nickel mehrfach zu Arbeits- kollegen geheimnisvolle Andeutungen gemacht haben, aus denen zu schließen sei, datz er Herrn Menzel auf Anstiften der Ehefrau er- schössen habe. Der Verteidiger behauptet demgegenüber, datz diese verdächtigen Bemerkungen ganz bedeutungslos seien, da der An- geklagte, dem vor Jahren in Mühlheim eine schwere Eisenschraube aus nicht unbeträchtlicher Höhe auf den Kopf gefallen sei und ihn verletzt habe, nach dem Genutz von Alkohol sehr schnell in einen Zu- stand gerate, der ibn das törichte Zeug schwatzen lasse. Der Un- fall sei seinerzeit während seiner Beschcrftigung bei der Firma Hein Lehmann vorgekommen, der Angeklagte sei von einem Arzt einer Berufsgenossenschaft behandelt worden, er selbst habe leichtfertig die Sache nicht für schwer gehalten, die Folgen des Unfalls seien aber doch bald eingetreten. Denn der Angeklagte sei seitdem schwerhörig, leide des Nachts an Alpdrücken, fahre aus unruhigen Träumen Plötz« lich empor usw. usw. Er beantrage, den Sachverständigen Dr. Störmer zu befragen, ob nicht ein solcher Mann, der einen solchen Unfall erlitten, unter der Einwirkung de» Alkohols leicht in «inen Zustand kommt, wo er allerlei Dummheiten redet. An- wefende Zeugen werden bekunden, daß der Angeklagt« diesen Unfall erlitten hat; leider wisse er nicht mehr den Namen des Arztes, der ihn behairdelt.— Medizinalrat Dr. Störmer stellt fest, daß sich an dem Schädel des Angeklagten deutlich das Zeichen einer ganz ge- hörigen Depressionsfraktur zeige. Er halte eS durchaus für notwendig, datz der Sache weiter nachgegangen und duch Befragung des behandelnden Arztes festgestellt werde, welcher Art die Verletzung war und welche Folgen auf den Gesundheitszustand d«S Angeklagten daraus anzunehmen seien. Er würde es füt«ine eminente Fahrlässigkeit halten, wenn er, der den Angeklagten heute zum ersten Mal« sehe, ohne weiteres ein Gutachten abgeben wollte. Das Gericht beschließt, eine Paus««intreten zu lassen und Er- Mittelungen anzustellen, bei welcher Berufsgenossenschaft die Firma einen Monteur, der in ihrem Dienst in Mühlheim a. Ruhr einen Unfall erlitten hat, versichert. Diese Ermittelungen haben nicht den gewünschten Erfolg. Di« Nachfrag« bei der Nordöstlichen Berufs» genossenfchaft haben ergeben, datz diese nicht in Frag« komme, wahr. scheinlich handle eS sich um die Maschinenbau- und Klcineisen-Jn- vustrir-Berufsgenossenschaft in Düsseldorf.— Rechtsanwalt Dr. Walter Frankel stellt hierauf eine Reihe von Anträgen. Danach sollen weitere Untersuchungen über die körperliche und geistige Be» schaffenheit Nickels angestellt und auch der Berufsgenossenschaftsarzt in Mühlhcim vernommen werden. Ferner soll der praktische Arzt Dr. Simon, der zur ärztlichen Hilfeleistung zu Menzel gerufen worden war und diesen noch lebend angetroffen hatte, darüber ver- nommen werden, wann wohl die Verletzung dem Menzel beigebracht worden, ob in der Nacht oder am frühen Morgen, d. h. ob es denkbar ist, datz Menzel mit dieser Verletzung die ganze Nacht noch lebend gelegen haben kann, bis er um 8 Uhr morgens aufgefunden wurde. Mehrere Zeugen sollen darüber vernommen werden, daß Nickel tat- sächlich mehreren Menschen das Leben gerettet hat und viele Jahre als sehr fleißiger und tüchtiger Arbeiter sich bewährt hat. Nach langer Beratung beschließt der Gerichtshof: die Sache zu vertanen, über die Vorgänge bei dem Unfall des Nickel im Jahre 1907 die Akten der Bcrufsgenossenfchaft in Düsseldorf einzufordern und den Mühlheimer Arzt gutachtlich zu hören, den Angeklagten auf seinen körperlichen und geistigen Zustand und daraufhin untersuchen zu lassen, ob seine Verletzung geeignet war, eine pathologische Lügen- haftigkeit nach dem Genutz von Alkohol auszulösen, ferner schrift- liche Gutachten von dem Mühlheimer Arzt und dem Geh. Medizinal. rat Dr. Leppmann einzufordern und noch eine Reihe neuer Zeugen zu dem später anzuberaumenden Termin zu laden. Der Antrag auf Haftentlassung der Frau Menzel wird abge- lehnt, da sie der Anstiftung zur Ermordung ihres Ehemannes drin- gcnd verdachtig sei und auch Kollusionsgefahr vorliege. Kus aller Alelt. Der abgeblitzte Vorgefetzte. Einen recht unangenehmen Verlauf für den Vorstand des Militärtelegraphen, Oberstleutnant Weltzien, nahm ein Prozeß, der am Donnerstag gegen den Feldwebel Hör st mann vom Elisabeth-Regiment vor dem Ober-KriegSgericht de» Garde- korpS verhandelt wurde. Horstmann war zum Militärtelegraphen abkommandiert worden und hatte mit seinem Vorgesetzten, dem Oberst- leutnant Weltzien, wiederholt Differenzen. EineS Tages and auf Grund einer Meldung de? Oberstleutnants gegen Horst« mann eine verantwortliche Vernehmung statt, bei der Horstmann eine Reihe Beschwerden über seinen Borgesetzten vor- trug. U. a. erwähnte der Angeklagte, er habe eine» TageS den Oberstleutnant um Urlaub gebeten, weil seine Ehefrau in den allernächsten Tagen einem freudigen Ereignis entgegensehe. Oberst- leutnant W. habe sich jedoch ablehnend verhalten und im Laufe deS Gesprächs die Aeuherung getan:«Die Wilden schneiden ich ihre Kinder allein ab. Ihre Frau aber braucht natürlich eine Pflegerin!" Hierin erblickte der Oberst- leutnant, der von der Aeußerung erfuhr, eine Belei- digung. Er bestritt, eine solche oder auch nur«ine ähnliche Aeußerung getan zu haben, und dadurch, datz der Feldwebel eine solche Behauptung aufgestellt, habe er sich der verleumderischen Beleidigung eine» Bor- gesetzten schuldig gemacht. Vor dem OberkriegSgericht mutzte der Oberstleutnant Weltzien zugeben, datz die Möglichkeit vorliege, datz er eine ähnliche Aeußerung getan habe. Da der Feldwebel bei der Vernehmung erklärt hatte, datz sein Vorgesetzter die Aeutzerung im ironischen und höhnischen Tone gesagt habe, wollte ihn der Vertreter der Anklage wegen einfacher Beleidigung zu einem Tage gelinden Arrest verdonnert wissen. Aber auch daS gelang nicht, das Oberkriegsgericht sprach den Angeklagten frei. Was aber geschieht mit dem menschenfteundlichen Oberst« leutnant? Ist es übrigens keine Beleidigung, wenn man einen königlich preutzischen Feldwebel mit einem Wilden vergleicht? Wird man seine eigenartige Stellung zum Problem der Volksvermehrung gebührend würdigen?_ 151 Menschen verbrannt. Eine furchtbare Brandkatastrophe hat sich nach einer tele» graphischen Meldung in der Nacht zum Freitag in der russischen Stadt Simbirsk zugetragen. In einem ganz aus Holz erbauten Hotel brach ein Brand aus, der das ganze"Gebäude in wenigen Minuten voll ständig ein- äscherte. Da in dem Orte gerade die Messe abgehalten wird, war das Hotel sehr stark besetzt. Es heißt, daß 154 Personen bei lebendigem Leibe ver- b rannt sind._ Frankfurt a. M.— Königsberg i. Pr. Eine bemerkenswerte Fernfahrt hat das für die Militärverwal» tung bestimmte Luftschiff„L. Z. 19" vollführt. Das Luftschiff stieg am Donnerstag vormittag 11 Uhr in Frankfurt a. M. auf, kreuzte abends gegen 8 Uhr über Stettin und setzte ohne Zwischen- landung längs der Küste seine Fahrt nach Königsberg fort wo es Freitag ftüh bald nach 8 Uhr landete, Die vom ,L. Z. 19" durchfahrene Strecke beträgt über 1990 Kilometer. Fortschritte der drahtlosen Telegraphie. Wie gemeldet wird, haben die jetzt begonneneu Versuche der Hochfrequcnz-Maschinen-Mtiengesellschaft für drahtsose Telegraphie sSystem Goldschmidl), eine drahtlose Verbindung zwischen Hannover und den Vereinigten Staaten herzustellen, vollen Erfolg gehabt. Die der Gesellschaft gehörige, noch unfertige Station in Tuckerton(Vereinigte Staaten) hat die bei vollem Tageslicht auf der ganzen Strecke gegebenen drahtlosen Depeschen der Station Eilvese bei Hannover einwandfrei auf- genommen.__ Ter Abgeordnete als Vermittler. Von dem römischen Kassationshof ist soeben ein Urteil gefällt worden, dessen Begründung sich gewisse Abgeordnete hinter die Ohren schreiben sollten. Der Abgeordnete Brunicardi hat eine Firma Parisi auf Vermittlergebühr in der Höhe von 864 000 Lire ver- klagt, weil er ihr den Bau und den Beirieb mehrerer Eisenbahn st recken verschafft hat. Das Gericht erkannte die Forderung deS Abgeordneten für rechtmäßig, fügte aber in die Motivierung den folgenden Satz ein:„Man wird da? Vorgehen BrunicardiS wenig korrekt nennen können, da seine Vermittelung gegen Vergütung den Charakter einer Spekulation annimmt, die dem Wesen und dem Amt des Trägers eines parlamentarischen Mandats durchaus widerstrebt und von den öffentlichen Gewissen getadelt wird, weil dadurch der Abgeordnete zum Affaristen wird, aber dieses tut der Rechtmäßigkeit der Forderung einer Vermittler- gebühr keinen Abbruch." Das bedeutet aus der fürchterlichen Ju- ristensprache in verständliche Ausdrucksweise übersetzt, daß der Abge» ordnete sich einen unanständigen Verdien st verschafft hat. von dessen Geltendmachung ihn aber das Gesetz und die Gerichts nicht abhalten können I Die beunruhigten Amerikaner. Die Landung des„Zeppelin" in Luneville scheint, wie der „Matin" erzählt, eine seltsame und ferne Wirkung in Amerika hervorzurufen. Man hat damals da» Luftschiff ausführlich beschrieben und dabei auch erivähnt, daß sich an Bord auch ein luxuriös aus- gestattetes W.-C.(Klosett) befand. Diese Mitteilung hat, wie es scheint, die Amerikaner beunruhigt. Sie sagen, daß ein W.-C., so luxuriös eS auch sein mag, sich stets nach unten entleert, daß dort unten einige freie amerikanische Bürger sitzen oder gehen könnten, die das nicht zu dulden brauchen. Deshalb zirkuliert jetzt in ganz Amerika eine Petition, die bereits von Tausenden unter« zeichnet worden ist und in der der Senat aufgefordert wird, die Ein- richtung von W.-C.S auf Luftschiffen zu verbieten. Die Petition hat alle Aussicht, angenommen zu werden, und die amerikanischen Luftschiffer iverden zusehen müssen, wie sie fertig werden. Kleine Notizen. Grubenunglück in Obcrschlesien. Auf der Hcinitzgruve bei Beuthen wurden am Freitag fünf Bergleute verschüttet. Einer von ihnen konnte bisher als Leiche geborgen werden. Noch ein schwerer Grubcniinfall. Auf dem im Abläufen be- griffenen Schacht Craja bei Worbis kippte am Donnerstag eine Arbeiterbühne um, so daß ein Teil der darauf beschäftigten Leute abstürzte. Zwei Arbeiter kamen zu Tode, einer wurde schwer und drei leicht verletzt. Dynamitcxplosion. In der Fabrik von Hamburger u. Hache« mann in Czenstochau(Rufs. Polen) ist eine Dynamitexplosion erfolgt. Vier Personen sind lebensgefährlich ver« letzt worden. Ein tollwütiger Hund. In der russisch-polnischen Ortschaft Sosnowice sind dreißig Personen von einem tollen Hunde gebissen worden. Die Verletzten sind nach Warschau in da? dortige Pasteurinstitut übergeführt worden. Marktpreise von Berlin am S. Juli ItUZ, nach Ermittelungen des königt. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,20 bis 20,20, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00. Roggen, gute Sorte 16,38—16,40, mittel 16,34—16.36, genüge 16,30—16,32(ab Bahn). Futter. gerstc, gute Sorte 16,30—16,70, mittel 15,90—16,20, geringe 15,50—15,80. Haser, gute Sorte 17.30—18.50. mittel 16.20-17.20. Mais(mixed), gute Sorte 15,50— 16,00. Mais(runder), gute Sorte 15,80—16,00. Richtstroh 0,00. Heu, alt 0,00—0,00, neu 0,00—0,00. Martthaltenpreise, 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Koche» 30,00—50,00.. Speisebobnen, weiße 30,00—60,00. Linien 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdt,), alte 7,50—9,00, neue 10,00—14,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schwemefleisch 1,40-2,00. Kalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 8,00— 5,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,60—2,80. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,60—8,00. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,40—5,50. Bleie 0.80—1,60. 60 Stück Krebse 1,60-60.00. Wittetungsübersicht vom 4i. Juli 101». Wetterprognose für Sonnatend, den S. Juli 1SIZ. Ziemlich kühl und veränderlich, vorherrschend wolfig mit leichte» Regensällen und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterburea«. Todes-Anzeigen SozialtakratisciiefWahlYemn Neukölln. Am S. Juli verstarb unstr Parteigenosse ?sul Eylert (Richardstr. 53, 10. Bezirk). Ehre seinem Andenken Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 6. Juli, nach- mittags 2 Uhr, vom Gemeinde- Friedhos, Mariendorser Weg, aus statt. 237/14 Ter Borstand. VerM. Schneider, Sehneiderinnen il Wäschearbeiter Deutscblands. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, das; der Heprenmatz- schncider, der Kollege Wildelm Voixt am 2. Juli er.. im Alter von 56 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. Juli 1913, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Simeons-Kirchhoses, Marien- dorser Weg, aus statt. 164/6 Die Ortsverwaltnng. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Klavier- arbeiter �osek Ldiote Proskauerstraste 24, im Alter von 60 Jahren gestorben ist. Ehre sernem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 5. Juli, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des ZentralfriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/11 via Ortsverwaltung. Deutscher Ketallarfaeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den. Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Werk- zeugmachcr Lteinkopk FürSvingerstraste 16 am 3. Just insolge eines Herz- leidens gesr?»ben ist. Ehre stÄnem Andenke«! Die Beeidigung findet am Montag, den f. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heil. Krcuz-Kirchhascs in Marien- vors, Eisenacher Straße, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 121/8_ Oie Örtsverwaltung Nachrnf. Den Sangesbrüdcrn sowie Freunden zur Nachricht, daß unser langjähriger Sangeshruder und Vorsitzender vom Gesangverein .Melodia" Paul Ellert verstorben ist. Sein stets reges Interesse sür den Verein sichert ihm ein ehrendes Gedenken. 59/11 Neuköllner Liedertafel. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 21/, Uhr, auf dem Nculöllner Gemeinde- Friedhof, Mariendorser Weg. statt. Nach langem, schwerem Leiden wurde uns am 3. d. M., früh uni 1 Uhr, unsere tnniggeliebte Mutter, Großmutter und Schwiegermutter /lugustk Thürnen geb.«iilier im 65. Lebensjahre durch den Tod entrissen. 1447b Die trauernden Hinterbliebenen Wilhelm Thümen nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, den 7. Juli, nachmtttagS 5>/, Uhr. von der Leichenhalle des Heilig-Kreuz-Kirchhofesm Marien- dors, Eisenacher Straße, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des tzinscheideuS meines lieben Mannes Ulbert Kaiser spreche ich hiermit allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Chess und Kollegen der Möbelsabrik Lochow, Hering u. Co., dem Deutschen Holzarbeiterverband sowie dem Spar- verein.Fortschritt" meinen tiefgefühlten Dank aus. 57A Witwe Berta Kaiser geb. Schwarze nebst Kindern und Verwandten. Sage hiermit allen bei der Be- erdigung meines lieben Mannes Bc- teiligten meinen herzlichsten Dank. Wit�vs Anna Linse 7831 nebst Kindern. Spexialarzt'leiden1" und Syphilis. Ehrlich-Hata-Kuren. Blutuntersuchung. Sohnelle, sichere Heilung. Sehr maß. Preise.* Dr. med. WockenfuB, Friedrichstr. 125, Oranienb. Tor. Spr. 8-8, Sonnt. 8-11. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines Mamies und lieben Vaters sagen wir allen Verwandten, Bekannten und den Kollegen der Firma A. Borsig unseren herzlichsten Dank. 78Ä Witwe Alane Wilcke nebst Kindern. Orts- Krankenkasse OnOtckttßttliiis Mittwoch, den 9. Juli, abends 8'/» Uhr, im Lokal von D a l g Nachs., Skalitzer Straße 51/52: 273/18 außerordentliche General-Versammiung Tagesordnung: Kenntnisnahme von der Entscheidung des Kgl. Oberversichcrungsamtcs Groß-Berlin, die Nichtzulassung der Kasse als hesondere Orts-Kranken- kasse betreffend, und Beschlußfassung darüber, ob gegen diese Entscheidung Beschwerde erhoben werden soll? Delegiertenkarte legitimiert! I. Horncmann, 1. V orsitzendcr. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. 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Tie politische und ge- werkschaftliche ultramontane Presse befindet sich dabei in wunderbarer Uebereinstimmung. Eine einige, von den Fesseln der Kirche und der Zentrumspartei losgelöste, nur ihr Klassen- interesse verfolgende Arbeiterorganisation ist den„abgestempel- ten" Frommen in der Seele zuwider. Darum reißt man die Ar- beiter auseinander; ja, die Prediger der Nächstenliebe Hetzen die Arbeiter gegeneinander. Fiel doch in einer Versammlung der Christlichen aus dem Munde eines Geistlichen sogar dos Wort von den Todsünden im anderen Lager. Damit waren die freien Gewerkschaften gemeint! Verschiedene Weltanschauung und religiöse Meinung soll ein Hindernis einer gemeinsamen wirtschaftlichen Organi- sation sein. Aus polnischen Erwägungen wirft man den Zankapfel zwischen die Arbeiterschaft. Die Kirchcngläubigen werden verpflichtet, wollen sie nicht ihr Seelenheil gefährden, aus religiösen Gründen auf die gemeinsame Vertretung ge- meinsamer Interessen zu verzichten. Aber das gilt n u r f ü r die Arbeiter, nur für diese! Ten übrigen Berufs- ständen macht man dergleichen Vorschriften nicht. Mit Nicht- christen, mit ausgesprochenen Ungläubigen sitzt der christliche Scharfmacher vergnügt und ungestört in der Scharfmacher- organisation und schmiedet dort mit den anderen schwarze Pläne gegen christliche und nichtchristliche Arbeiter. Ge- schlössen?, von keinem christlichen Demagogen behinderte Organisationen der Aerzte, Handwerker, Kansleute, Bauern usw. widmen sich, oft mit seltener Rücksichtslosigkeit, der Wahrung und Vertretung ihrer besonderen wirtschaftlichen Interessen. Und während die Arbeiter außer gegen das Kapital auch noch gegen einseitige Maßnahmen mancher Behörden kämpfen müssen, erfreuen sich die übrigen Berufe deren liebevollster Unterstützung. Auf ihre Zwiespältigkeit in dieser Beziehung ist die ultramontane Presse sogar noch recht stolz. Sie rechnet es sich als ein hohes Verdienst an, die geschlossene Berufsorgani- sation der— Nichtarbeiter grundsätzlich und machtvoll zu fördern. In einem Artikel„Die christlichen Bauernvereine als wirtschaftliche Berufsorganisationen" tritt die„Kölnische Volkszeitung"— Nr. 573— energisch für den Ausschluß religiöser und politischer Fragen aus der Berufsorganisation ein. Zu diesem Zwecke wird die Auslassung eines Vereins- Präsidenten zitiert, der sich gegen das Hcreinhiehen politischer und konfessioneller Fragen in die Organisation wendet. Er jagt dazu: „Ich halte es für nicht ausgeschlossen, daß irgend jemand, der in sich den Beruf fühlt, eine Rolle zu spielen, an diesem Punkt den Hebel ansetzt, um zu seinem Ziele zu gelangen und die Einigkeit zu sprengen. Ich würde einen solchen für einen Verräteranderguten Sache, ja sogar am Vater- lande halten." Dann sind aber doch auch Verräter an der Arbeitersache alle jenen Leute, die mit dem allergrößten Eifer und den der- werflichsten Mitteln des Geisteszwanges die Arbeiter aus- einander hetzen, eine geschlossene Organisation der Wirtschaft- lich Ohnmächtigsten verhindern. Warum sollen die Bauern unterschiedslos sich organisieren dürfen, während es den katho- tischen Arbeitern als todeswllrdiges Verbrechen angerechnet wird, mit ihren Berufs- und Leidensgenossen zusammen an der Hebung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage zu ar- beiten? Auf solche Frage kann man nur mit rabulistischen Spitzfindigkeiten antworten. Aber keine Jesuitenlogik schafft die Tatsache aus der Welt, daß die Erbpächter abgestempelten Glaubens, die patentierten Hüter offiziell anerkannter Re- ligion der Zersplitterung der Arbeiter als im Hauptgeschäft be- treiben, den Zusammenschluß der grimmigsten Gegner der kleines feuilleton. Egmoat und die Arbeiterpartei. Aus Brüssel wird uns ge- schrieben: Daß die professionellen Fremdenführer der historischen Wahrheit bisweilen ein Schnippchen schlagen, ist ja nicht unbekannt. Warum sollten einem einfachen Chauffeur eines Mietautos nicht umso leichter ein paar kleine geschichtliche Irrtümer verstattet sein? Fuhr da jüngst ein Chauffeur zwei Fremde vor das Egmont- Hoorn- Monument in Brüssel. Als sich die Fremden aus dem Wagen beugten, wollte der brave Chauffeur die sichtliche Wißbegier feiner Passagiere nach Maßgabe setner lokalhistorlschcn Kenntnisse befriedigen und er begann also:.Hier, meine Herrschaften, sehen Sie das Denk- mal der Grafen Egmont und Hoorn, die vor dreihundert Jahren für die Arbeiterpartei ihr Leben lassen mußten und guillo- tiniert wurden.— Daß die belgische Arbeiterpartei so weit zurückreicht, hat wohl bisher niemand geahnt. Die Eisenbahn und der Bolkshumor. Wenn wir heut« auf der Reise einen langsam vorbeifahrenden Güterzug betrachten, so sehen wir, daß jeder einzelne Wagen als Aufschrift die Bezeichnung des EisenbahndivektionSbezirkeS— z. B. Essen, Bromberg usw.— trägt, dem er angehört. Bor der durch den Minister Maybach durch- geführten Verstaatlichung der preußischen Eisenbahnen war dies an- derS. Da wurde jeder Wagen als das Eigentum der Privatbahn- Gesellschaft gekennzeichnet, der er gehört«, und da die Namen der Gesellschaften meistens sehr lang waren, so beschränkte man sich dabei auf die Anfangsbuchstaben der Einzelworte. An diesen Ab- kürzungen hat der BolkSwitz feine Deutungsküstsbe reichlich geübt. Die Buchstaben R. O. U. E. prangten auf den Wagen der„Rechte- Oder-Xlfer-Eisenbahn" in Schlesien. Da man der Gesellschaft eine allzu große. Sparsamkeit hinsichtlich der Beamtengehälter nachsagte, legre man diese Inschrift mit den Worten:„Reichtum oben, unten Elend" aus. Andere interpretierten die Inschrift als:„Recht ohne Ueber�bilung". Die Abkürzung- der ehemaligen„Oppeln-Tarno- witzer Eisenbahn" O. T. E. wurde„O traurige Erfindung" und die Abkürzung der„Ober-Schlesischen Eisenbahn"£. S. E.„Ohne sonderliche Eile" gedeutet. Die„Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn"(G. O. E.) fuhr„ganz ohne Eile" und die Chiffre M. H. E. Wagdeburg.Halberstäoter Eisenbahn) wurde mit„Mich bürgert entsetzlich", weil c*. um die BahnhöfSrestaurotionen dieser Bahn schlecht bestellt gewr.n sein soll, übersetzt. .Jetzt trifft man solche bkürzungen und ihre Deutungen noch häufig in Oesterreich an. Die österreichische„Kronprinz-Rudolf- Bahn lK. R. B.) ist„keine rentable Bahn", die Wagen der„Kaiser- Ferdinands-Ijord-Bahn" lK. F. N. B.) heißen„Käsige für Nord- pol-Bären, und die„Böhmische Westbahn"(83. W. B.)„bietet wenig Bequemlichkeit". Am drastischsten ist jedoch die Deutung, die man in Oesterreich den 5bennbuchstaben der allerdings nicht ein ivkuster von Eleganz bildenden italienischen Eisenbahnwagen gibt, die mit der Inschrift<5. F. A. I. versehen sind und in etwas freier Ueberjctzung ckls„Schandfuhrwerk aus Italien" bezeichnet werden. Arbeiter sowie anderer Berufsgruppen keinerlei Schwierig- keiten bereiten, sie vielmehr eifrigst fördern und unterstützen. Denkende, nicht gänzlich dem Fatalismus verfallene Arbeiter muß diese Zwiespältigkeit der Zentrumschristen doch stutzig machen. Berlin und Umgegend. Differenzen im Verbände der Gastwirtsgehilfen. Die Ortsverwaltung Berlin I des Verbandes der GastwirtSgehilfcn hatte ein O r t s st a t u t beschlossen, das in ver- schiedenen Punkten dem Verbandsstatut widersprach. Die Haupt- Verwaltung genehmigte dieses Statut nicht und hob die schon früher zur Einführung gebrachte BczirkSeinteilung und Delegierten- Vertretung vorläufig wieder auf. Ein Versuch der Hauptver- waltung, ihre Maßnahmen vor den Mitgliedern zu rechtfertigen, scheiterte, da die von ihr einberufene Generalversammlung durch die Opposition an einem ordnungsgemäßen Verlauf behindert wurde. Durch das Versenden eines Flugblattes an die Ver- waltungsstellcn im Reich, durch die Nichtwicderwahl zweier Be- amten, lediglich aus dem Grunde, weil diese sich verpflichtet fühlten, die Beschlüsse der Haiwtverwaltung auszuführen, wurde der Zwic- spalt immer größer. Schließlich mußte die Hauptverwaltung einige von der„Opposition" ausschließen. Diese gingen nun nicht den durch das Statut vorgeschriebenen Weg des Rekurses, sondern sie beriefen, zusammen mil einer weiteren Anzahl ihrer Gesinnunas- genossen, eine Versammlung ein, wählten dort einen Vorstand, de- schlössen ein eigenes Bureau zu errichten, eigene Marken heraus- zugeben usw. Damit hatten sich die Betreffenden außerhalb der Organisation gestellt, sie mußten darum ausgeschlossen werden. Nunmehr riefen die Ausgeschlossenen die Berliner Ge- w e r k s ch a f t S k o m m i s s i o n als Vermittclungsinstanz an. Es wurde ein Schiedsgericht gebildet, zusammengesetzt aus Mitgliedern der Berliner G c w c r k s ch a f t s k o in in i s s i on und der Gene- r a l k o m m i s s i o n. DaS Schiedsgericht unterbreitete nach drei- tägigen Verhandlungen Einigungsvorschläg« zusammen mit einer eingehenden Begründung, die eine Art Urteil in der Sache darstellt, und die von beiden Seiten akzeptiert wurden. Nach den Vorschlägen sind alle Ausgeschlossenen wieder als Verbands- Mitglieder zu betrachten, sofern sie die Einigungsvorschläge für sich als bindend anerkennen. Am Donnerstag, den 3. Juli, fand nun in Kellers Fe st- s ä l c n, Koppenstratzc, eine stark besuchte Generalversammlung des Verbandes statt, die sich mit den Einigungsvorschlägen zu be- schäftigen hatte. Genosse Körstcn referierte; er erläuterte in eingehender Weise die einzelnen Punkte der EinigungSvorschlägc, begründete die Stclkengnahme des Schiedsgerichts zu den einzelnen Handlungen der„Opposition" und den Maßnahmen der Haupt- Verwaltung. Er schloß seine Ausführungen unter großem Beifall der Versammlung mit der Aufforoerung an beide Teile, nunmehr alle Zwistigkciten zu unterlassen, in Zukunft alles zu tun, um die Organisation zu fördern. Die„Opposition" hatte naturgemäß manches an den Einigungsverschlägen und der Begründung, die in der Hauptsache gegen die„Opposition" entschied, auszusetzen. Schließlich aber überwog doch bei allen das Bestreben, die Sache den persönlichen Wünschen und Empfindungen voranzustellen. Alle versprachen, daß nunmehr die Streitaxt begraben sein solle, und so fand die nachstehende Resolution einstimmig« Annahme: „Die heutige Versammlung erkennt die unter Mithilfe der Generalkommission und der Berliner Gewerkschaftskommission vereinbarten Einigungsvorschläge für sich, beziehentlich die OrtS- Verwaltung als bindend an. Die Anwesenden versprechen, in Zukunft alles zu unterlassen, was den Frieden wieder stören könnte, vielmehr alles zu tun, um die Organisation im Interesse der gastwirtschaftlichen Angestellten zu stärken. Sie beauftragt den neuzuwählenden Vorstand der Orts- Verwaltung I, spätestens im Monat September im Einvernehmen mit der Hauptverwaltung die Beratung eines neuen Ortsstatuts für Berlin in die Wege zu leiten." Damit dürfte die Sache erledigt sein. Kaezmarcck auf der Suche nach Arbeitswilligen für Brüssel. Auf der Herberge zur Heimat in der Oranienstraße zu Berlin versuchte am Donnerstag der Arbeitswilligendermittler Kaczmareck, Wagensattler nach Brüssel zu engagieren unter dem Vorwakive, sie würden in Elberfeld Stellung bekommen. Er bot freie Reise und I einen Wochenlohn von 40 M. an. Da man in Preußen aus den schon angeführten Gründen seine Deutungskunst nicht mehr an den Eisenbahnwagen ausüben kann, so hält sich der Bolkswitz an den Kleinbahnen schadlos, denen man allerlei niedliche Namen verliehen hat. Auch über die Mark Brandenburg hinaus ist die„stille Pauline" bekannt geworden, die Kleinbahn, die Neu-Ruppin mit Paulinenaue verbindet. Andere liebliche Namen märkischer Kleinbahnen sind: ,chie zahme Josephine", „die lahme Karoline",„die Blindschleiche",„die Bummeljuste und „der dalle Waldemar". Papier aus GraS. Die Italiener haben soeben in ihrem neu- erworbenen Gebiet in Tripolis eine erfreuliche Entdeckung gemacht. Sie haben herausgefunden, daß das EspartograS, das in ganz Nordaftika, von Marokko bis ans Rote Meer vorkommt, nament- lich aber in JnnertripoliS in Unmenge gedeiht, sich sehr gut zur Papierfabrikation verwenden läßt. BlS jetzt wurde das GraS, da» unserem Pfriemengras ähnlich ist, ausschließlich zu Flechtarbeiten verwendet. DaS EspartograS soll nur einen ganz ausgezeichneten Papierbrei abgeben und einen guten Schliff liefern, der fürs Auge angeiiehm und im Drucke widerstandsfähig sein soll. Die einzige Schwierigkeit für eine profitable Ausbeutung dürfte der Wasser- Mangel in JnnertripoliS sein. Er gestatte zunächst nicht, daß Papierfabriken an Ort und Stelle angelegt werden. Das Roh- Material müßte also exportiert werden, was aber die HerstellungS- kosten ganz bedeutend verteuern würde. Die italienische jRe- gierung ist deshalb auf den Gedanken gekommen, die GraSart im südlichen Italien anzupflanzen. Bereit? sind damit Versuche unter- nommen worden. Mit ganz ähnlichen Untersuchungen ist gegen- wärtig das englische 5tolonialministerium beschäftigt. ES ist ihm der Gedanke unterbreitet worden, da? sogenannte ElesantengraS, das in Uganda sehr verbreitet ist, zur Papierfabrikatlon auSzu- beuten. Mit einer größeren Ladung von diesem GraS auS Uganda sind FabrikationSversuche angestellt worden. Die Pflanze würde eineS der feinsten, allerdings auch des teuersten, Papieres liefern. Denn auch hier hat man wieder mit den enormen Transportkosten zu rechnen. Die Kultur dcS Boxens. In dem Kreislauf der Mode, der auch in der Welt des Sports bestimmend wirkt, rückt in jüngster Zeit das Boxen wiederum in den Vordergrund. Die Leidenschaft für das Schauspiel großer Boxkämpfe hat von England und Amerika einen neuen EroberungSzug nach Europa angetreten und in Frank- reich bereits die Rolle des beliebtesten Sportschauspiels errungen. Heute ist das Boxen nicht nur die am meisten gesuchte Sensation, es ist zurzeit auch der kostspieligste und teuerste Sport. Kein Opernunternehmen und kein Russisches Ballett, kein Caruso und kein Mime kann sich rühmen, so gewaltige Tageseinnahmen zu bringen, wie sie heut? ein öffentlicher Boxkampf zwischen zwei Meistern abwirft. Im letzten November erzielte man bei dem Match Carpentier-Papke für das wenige Minuten dauernde Schau- spiel eine Kasseneinnahme von 110121 FrcS.. die für die Plätze bezahlten Preise gingen bei einem Minimum von 8 Frcs. bis zu 120 Frcs., und bei gewisses Abenden des Londoner National Epo» Da wir genau wissen, daß diese Sattler nach Brüssel verschickt werden sollen, ersuchen wir, den Werbungen KaczmareckS kein Gehör zu schenken._ Differenzen im Happoldt-Ausschank Hasenheide. Zwischen der Betriebsleitung des Happoldt-AusschankeS, Hasen» Heide 32—38, und dem Verband der Gastwirtsgehilfen bestehen Differenzen. Ursache ist das rigorose Vorgehen deS neuen Betriebs- leiter». Alle diejenigen Kellner, die durch den Verband placiert waren, wurden ohne Angabe irgend eines triftigen Grundes entlassen. Gleichzeitig wurden die Löhne der Kellner, die bisher durch Tarif- vertrag geregelt und festgelegt waren, reduziert und ArbeitSbedin- gungen eingeführt, welche bedeutende Verschlechterungen für die An- gestellten mit sich bringen. Infolge der Herabsetzung der bisher gezahlten Löhne hat auch der größte Teil der neueingestellten Kellner die Arbeit eingestellt. Diese haben die Organisation mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt. Die im Restaurant tätigen Kellner schloffen sich ebenfalls diesem Vorgehen an. Alle Bemühungen, die Differenzen in Güte beizulegen, waren bisher vergeblich. Nach Lage der Sache handelt der Oelonom im Einverständnis mit der Direllion der Brauerei, was wohl am besten der Umstand beweist, daß diese trotz wiederholter Anfragen Pen Namen des neuen Betriebsleiters verheimlichte. Die Direktion der Brauerei veranlaßte auch, daß der Betrieb seit gestern mit Polizeibeamtcn besetzt wurde. Der Betrieb ist für organisierte Gehilsen gesperrt! Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin I. Aussperrung in der Pelzbranche. Die Berliner Pelzwarenarbeitcr und Arbeiterinnen stehen mit den Unternehmern in Tarifverhandlungen. Als die Arbeiter die Angebote der Unternehmer als unzureichend ablehnten, formulierte der Arbcitgebervcrband»och ungünstigere Bedingungen, die dem Kürschncrverband mit der Aufforderung zugestellt wurden, sich über die Annahme derselben zu erklären. Als darauf geantwortet wurde, das könne nicht vor dem 11. Juli geschehen, beschloß der Arbeitgeberverband, wie die„Neue Pelzwaren-Zcitung" berichtet, alle Arbeiter, die sich weigern, die neuen Bedingungen zu unterschreiben, am 5. Juli auszusperren, ferner aber auch diejenigen Zwischenmcister, deren Arbeiter diesen neuen Tarif nicht unterschreiben, vom Mittwoch, den 9. Juli, gleichfalls auszusperren. Deutleffes Reich. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen im Jahre 1V1Ä. Nach dem gedruckt vorliegenden Jahresbericht hat der Handlungs- gehilfenvcrband seine Mitgliederzahl um 2S87 auf 18 489 Mitglieder erhöhen können. Der Uebertritt der Lagerhalter ist am 1. Januar dieses JahreS erfolgt, infolgedessen hat jetzt der Verband 20 009 Mitglieder weit überschritten. Die Einnahmen stiegen von 188 873 M. im Jahre 1911 auf 245 499 M. im Jahre 1912. Die Ausgaben verniehrten sich in demselben Zeitraum von 174 538 M. auf 229 083 M. An Stellenlosenunterstützimg wurden an 519 Mitglieder 15 800 M. gezahlt. Die Ausgaben für UnterstützungSzwecke werden im laufenden Jahre erheblich anwachsen, denn mit dem 1. Juli 1913 hat der Verband Kranken- und Umzugsunterstiitzung sowie Sterbegeld neu eingeführt und die Stellenloienunterstützung erheblich ausgebaut. Die Stellenvermittelung des Verbandes lann sich mit denen der bürgerlichen HandlungSgehilfenverbände durchaus messen. Sic konnte im Berichtsjahr von 3035 vorgemerkten Bewerbern 1322 placieren. Von den Lohnbewegungen führten 09 zum Abschluß von Tarif- Verträgen. Die Gesamtzahl der Ende 1912 in Kraft befindlichen Tarife betrug 119, die sich auf 7308 Personeu erstreckten. Unter den gewerkschaftlichen Kämpfen ist besonders eine Bewegung im Waren- Haus Louvre in Straßburg i. Elf. bemerkenswert. Hier wurde u. a. die gänzliche Beseitigung der Geldstrafen erreicht. Auf sozialpolitischem Gebiete erforderte der Kampf um die Be- setzung der VertrauenSmännerposten in der Augestelltenversicherung die größten Anstrengungen. Die»Freie Vereinigung für die soziale Versicherung der Privatangestellten, der auch der Zentralverband der Handlungsgehilfen angehört, hat bekanntlich bei diesen Wahlen schöne Erfolge erzielt. Gegen Ende deS Berichtsjahres setzte der Kampf um die völlige Beseitigung der Konlurrenzklausel besonders lebhaft ein. Der dem Reichstag von der Regierung vorgelegte Gesetzentwurf über die Konlurrenzklausel harrt noch heute einer Erledigung.— Der Jahresbericht zeigt recht deutlich, daß die freigewerkfchaftliche Haiidluiigsgehilfenbelvegmig auf dem Vormärsche ist. Hoffen wir, daß die gute Entwicklung anhält. ting Club werden für die schlechtesten Plätze 40 Mk. und für die besten bereitwilligst Ü00 Mk. bezahlt. Diese intimeren Veran- staltungen können sich natürlich nicht mit dem noch bekannten amerikanischen Wettkampf zwischen Jeffries und Johnson ver- gleichen; er bleibt mit seinen 1� Million Mark Kasseneinnahme ein Weltrekord. Aber auch in Europa findet ein Mcisterboxer heute sein Auskommen. Der junge 19 jährige Meisterboxer von Europa, Carpentier, verfügt durchschnittlich über ein JahreScm- kommen von 200 000 FrcS. Vor 3 Jahren war der junge an- gehende Bergarbeiter froh, wenn er mit seiner Boxkunst in einem Kampfe 20 oder 30 FrcS. verdienen konnte. Freilich, der Boxer, der heute berühmt ist, muß, wenn er nicht bei Zeiten spart, der Zukunft stets mit einiger Sorge entgegensehen. Ein paar Jahre ist daS Glück ihm dielleicht hold, dann ist der Höhepunkt seiner Kraft überschritten, neue jüngere Meister drängen ihn in den Hintergrund, und schnell sinkt er der Vergessenheit entgegen. Notizen. --DaS Kaiser-Friedrich-Museum hat seinem Be- stände an holländischen Kleinmeistern ein neuerworbenes Winterbild des Harlemer MalerS Jsack van O st a d e einverleibt(Kabinett 56). — Neue Dramen. Die Direktion der vereinigten Bremer Schauspielhäuser erwarb die Renaissance- Tragödie»Mutter Maria' von L i l h Braun zur Uraufführung. — Ein deutsche? Sängerdenkmal soll in Koburg zur Erinnerung an die dort erfolgte Gründung des deutschen Sänger- bundeS errichtet werden. — Beteiligung der Künstler am Wertzuwachs ihrer Werke verficht Dr. Otto Spet in eine« Veröffentlichung in der „Werkstatt der Kunst". Er will gesetzlich festlegen, daß der Besitzer eines Originalbildwerls im Falle einer Veräußerung des Werkes an deffen Urheber den vierten Teil de? Wertzuwachses zu entrichten hat. Dem seinerzeit vom Besitzer entrichteten ErwerbSpreiS sind aber hinzuzurechnen die Kosten seiner Aufwendungen für die Er- Haltung de? Werkes und 4 Proz. des ErwerbSpreiseS für die Dauer seines Besitzes. — Ein neuer Erfolg der drahtlosen Tele- g r a p h i e. Die Versuche der Hochfrequenz-Maschinen-Altiengesellschaft für drahtlose Telegraphie(System Goldschmidt), eine drahtlose Ver- bindung zwischen Hannover und den Vereinigten Staaten herzu- stellen, haben vollen Erfolg gehabt. Die Station in Tuckerton(Ver- einigte Staaten) hat die bei vollem Tageslicht aufgegebenen draht- losen Depeschen der Station Eilvese bei Hannover einwandfrei aufgenommen. — Ein flieg endeSRiesentier derUrzeit entdeckt. Den beiden amerikanischen Geologen Dr. F. Salathe und van Wagener, die in den letzten Wochen im Staate Wyoming nach neuen Petroleumfeldern forschten, entdeckten ein großes Fossilienbett, in dem sie die versteinerten Skeletteile eines riesigen fliegenden Reptils der Urzeit fanden. Da? Tier hat eine Länge von über 20 Metern. Im lebenden Zustande muß die Spannweite seiner Flügel mehr als 25 Meter betragen haben. Achtung, Former und Gießerelarbeitcr! Bei der Firma SI. Wagener in Küstrin streiken die Former und Gießereiarbeiter. Abzüge und andere Mißstände, welche die Firma nicht abzuändern gewillt ist, haben Veranlassung gegeben, daß sämtliche Kollegen der Gießerei, 46 Mann, die Arbeit eingestellt haben. Zuzug ist strengstens fernzuhalten._ Tie Tarifbewegung in der Stettiner Konfektion ist erfreulicherweise ohne Streik zu einem günstigen Abschluß gekommen und wurden die neuen Vereinbarungen am Donnerstag- nachmittag in einer zahlreich besuchten Versammlung der Stettiner Konfektionsschneider und-Schneiderinnen mit 1313 gegen 553 Stimmen bei 26 Stimmenthaltungen angenommen. Der neue Tarif bringt eine durch schnittlicheErhöhung derLöhne um 7 bis 9 P r o z. und umfaßt nun alle Haupt- und Extraarbeiten der Herren-, Burschen- und Knabenkonfcktion. Darin besteht sein großer Wert, daß durch ihn er st malig das ganze Arbeitsverhältnis t a r i f i e r r und damit den mannigfaltigen Uebervorteilungen der Arbeiter durch Unternehmer und Zwischenmeister ein Ziel gesetzt wurde. Die bisher getrennten Tarife für die Groß- und die Burschenkonfektion sind unter dem heftigen Widerstand der Stettiner Unternehmer, aber unter Mitwirkung des Zentralvorstandes des Unternehmerverbandes einander angegliedert worden. Da dadurch ein neuer Preis- berechnungsmodus erforderlich ist und die Konfektionäre die jeweils übernommenen Aufträge noch nach dem alten Tarif kalkuliert haben, wurde zugestanden, daß dieser Teil des neuen Tarifs erst mit dem 1. Oktober d. I. in Kraft tritt, während im übrigen der Tarif bis zum I.Juli rückwirkende Kraft erhielt, der- gestalt, daß die vom 1. Juli ab ausgegebene Arbeit nach dem neuen Tarif entlohnt werden mutz. Für die Uebergangszeit tritt jedoch auf die Grundlöhne des alteir Tarifs in der Burschenkonfeklion eine zehnprozentitje Lohnerhöhung in Kraft. Die Bezahlung für Ertraarbeiten ist die gleiche geblieben, doch sind 71 Positionen neu eingeführt worden und gelten die Preise für Exiraarbeiten, die bisher nur in der Großkonfektion besonders be- rechnet wurden, jetzt auch für die übrigen Konfektionsbranchea, und wo bisher für dieselben höhere Löhne gezahlt wurden, dürfen diese nicht gekürzt werden. Die Löhne für die Knabenkonfektion ergaben sich im alten Tarifverhältnis nach Abzug von 16 Proz. von den Löhnen der Großstücke. Das geschieht auch in dem neuen Tarif. Da aber bei der bisherigen Prozentberechnung die Arbeiter und Arbeiterinnen oft übervorteilt wurden, wurde nun nach einigem Widerstand von den Unternehmern zugestanden, daß die Lohnsätze berechnet und dem Tarif eingefügt werden. Das Haupterfordcrnis der diesjährigen Lohnbewegung war d i e Erring ung eines einheitlichen Tarifes für die Massenkonfektion und die Hosen- und Westen- blanche, damit auch die Löhne der armen Näherinnen aufgebessert werden. Es wurde zunächst gefordert, daß die Arbeit unter Aus- schaltung der Zwischenmeister direkt an die Näherinnen ausgegeben werde. Aber das ließ sich noch nicht durchführen. Ein gangbarer Ausweg war, daß statt der bisherigen Firmentarife ein Einheits- tarif geschaffen wird, was nach langem Widerstreben von den Unternehmern zugestanden wurde. Eine Vereinbarung über diesen Tarifteil ist noch nicht völlig zustande ge- kommen. � Aber es wurde bereits vereinbart, daß innerhalb der nächsten 14 Tage durch die lokalen Unterhändler dieser Tarif mit rückwirkender Kraft vom 1. Juli ab vereinbart werden muß, und ist bereits als Unterlage dieser weiteren Unterhandlungen eine Lohnerhöhung von im ungünstigsten Falle 3, im Durchschnitt 7 und in einzelnen Fällen 8 bis 9 Proz. prinzipiell zugestanden worden. Wo in den bisherigen Firmentarifen schon mehr für eine Arbeit gezahlt wurde, als nach dem neuen Tarif vereinbart wird, sollen künftig 5 Pf. pro Stück mehr bezahlt werden. Für die Näherinnen, Bügler, Einrichter usw. liegt bisher nur ein Tarifentwurf der Zwischen- meister vor, der in weiteren Verhandlungen noch verbessert werden muß, damit angemessene Löhne für die Arbeiter und Arbeiterinnen erzielt werden. Visher wurde vereinbart, daß niedrigere Löhne, als dieser Entwurf aufweist, nicht mehr gezahlt werden dürfen, und auch der neue Tarif auf den 1. Juli rückwirken soll. Durch den Einheitstarif können die Näherinnen usw. künftig leicht errechnen, wie hoch sich ihre Lohnsätze beziffern, so daß sie bei einiger Aufmerksamkeit von den Zwischenmeistern nicht mehr übervorteilt werden können. Be- züglich der noch schwebenden Differenzpunkte hofft man bald zu einem zufriedenstelleihden Ergebnis zu kommen. Auch der Ablaufstermin des neuen Tarifs ist noch strittig, doch wurde statt der bisher dreijährigen, eine vierjährige Tarif- dauer festgelegt. Die Arbeitnchmervertreter konnten auf diesen Wunsch der Arbeitgeber um so eher eingehen, als im Jahre 1916 voraussichtlich um einen Reichstarif für Maßschneider gekämpft werden muß und es ihnen deshalb nicht ratsam erschien, im gleichen Jahre noch mit größeren Lohnbewegungen in der Konfektionsindustrie rechnen zu müssen. Gtmeinsllme Tagung der Verbände der Glas-, Parzellanarbeiter nnd Töpfer. Leipzig, 3. Juli 1913. Die Delegierten der drei Verbände der GlaS-, Porzellan- arbeiter und Töpfer traten heute früh SVi Uhr zu gemeinsamer Beratung im großen Saale des Volkshauses zusammen. Die Ver- sammlung wählt als Vorsitzenden die drei Vorsitzenden der Ver- bände, als Schriftführer S ch m i t(Töpfer), G a d o w(Porzellan- arbeitcr) und Oehmke(Glasarbeiter). Der Vorsitzende Wo ll mann gibt bekannt, daß in der ge- meinsambn Kommission über den ursprünglichen Entwurf eine Einigung nicht möglich war, vor allem waren die Glasarbeiter gegen die Vorlage, da diese für deren Verband eine erhebliche Stei- gcrung der Beiträge vorsieht, jedoch verschiedene Kürzungen im Unterstützungsbezug enthält. Die Töpfer suchten ihre Sonder- stellung in der Arbeitslosenunterstützung im Entwurf abzuschwächen, hierzu müssen die Vertreter der Porzellanarbeiter die Erklärung ab- geben, daß das Verlangen, die Unterstützungsdauer der Töpfer bei Arbeitslosigkeit zu verlängern, als berechtigt nicht erkannt werden könne. Die Einführung eines speziell dafür zu entrichtenden Bei- träges erscheine der damit'verbundenen Schwierigkeiten wegen auch nicht annehmbar. Nunmehr habe die Kommission einen neuen Entwurf aufgearbeitet. Danach soll der Verbandsbeitrag gesondert vom Kranhenunterstützungsbeitrag geführt werden mit der Matzgabe, daß es jedem Mitglicde freigestellt sei, sich in der Krankenunter. stützung(die zwar obligatorisch sein soll) beliebig hoch zu versichern. Die Streikunterstützung ist etwas erhöht worden. Hierauf berichtet für die gemeinsame Kommission Bulke (Glasarbeiter). Prinzipielle Verschmelzungsgegner seien in allen drei Organisationen wenig vorhanden. Der Redner erläutert die Gründe, die zu den neuen Vorschlägen geführt haben. Diese wirkten in folgender Weise: Bei der Arbeitslosenunterstützung erleiden die Porzellan- und Glasarbeiter Nachteile, die Töpfer gewinnen. Bei der Streikunterstützung verlieren die Glasarbeiter in den niedrigen Klassen, die Porzellanarbeiter gewinnen, bei den Töpfern ergeben sich keine wesentlichen Veränderungen. Bei der Krankenunter- stützung verlieren die Glasarbeiter, die Porzellanarbeiter gewinnen. Bei der Sterbeunterstützung büßen die Glasarbeiter ein. Redner tritt mit warmen Worten für die Verschmelzung ein. Die Diskussion ergibt, daß den Töpfern der zweite Entwurf schlechter gefällt als der ursprünglich«, die Porzellanarbeiter er- ■iiren fast durchgängig, die von ihnen geforderten Opfer im Jnter- esse der Verschmelzung bringen zu wollen, die Glasarbeiter erklären sich durchgängig auch gegen die zweite Vorlage, da sie diese vor ihren Mitgliedern nicht vertreten zu können gtvuben._ Der Generalkommissionsvertreter Umbreit, der lebhaft für die Verschmelzung eintritt, eröffnet neue Perspektiven durch Empfehlung einer besonderen höheren Beitragsklasse oder, da vor allem die Redner der Töpfer durch das fakultative System der Krankenversicherung starke Einnahmeausfalle befürchten, eine zweite Krankengeldklasse obligatorisch zu machen. Die Sitzung, die nachmittags etwas spater als festgesetzt er- öffnet wird, weil die Glasarbeiter noch ein« gesonderte Tägung ab- halten mußten, brachte eine sensationelle Itcberraschung. Der Vorsitzende G i r b i g vom Glasarbeiterverband gab folgende Erklärung ab: Die Generalversammlung der Glasarbeiter lehnt in ihrer Mehrheit den vorliegenden Statutenentwurf ab, da die darin vor- gesehene Beitragserhöhung bedeutende Mitgliedcrverluste bringen dürfte, die die Aktionsfähigkeit des Verbandes lähmen würden. Wohl seien die Glasarbeiter für eine Verschmelzung, jedoch sei der Weg dorthin auf Grund der Kommissionsvorschläg« nicht gangbar. Deshalb habe die Generalversammlung beschlossen, die Verschmelzung bis zur nächsten Generawersammlung zu vertagen. Die Glasarbeiter werden ihre Beiträge erhöhen, um so den anderen Organisationen näher zu kommen. Die Glasarbeiter beantragen, daß von allen drei Organisationen je 5 Kollegen aus den einzelnen Gauen Deutschlands gewählt werden, die in Gemeinschaft mit je einem Vertreter der Vorstände bis zur nächsten Generalversammlung einen Statutenentwurj ausarbeiten und diesen frühzeitig den Mitgliedern unterbreiten. Aus dieser Erklärung ergab sich, daß angesichts dieser neuge- schaffenen Situation die beiden anderen Organisationen sich ge- nötigt sehen, hierzu gesondert Stellung zu nehmen. Die ge- meinsam« Sitzung wird auf morgen früh 8 Uhr vertagt. Verbandstag der Töpfer. Gleich nach Schließung der gemeinsamen Tagung der drei Ver. bände tritt der Verbandstag zusammen, Um zu der neugeschaffenen Situation Stellung zu nehmen. Lebhaft debattiert wird der Antrag der Glas- arbeiter, der vornehmlich in seiner technischen Lösung Schwierig- ketten mache. Vielfach wird auch der Anschauung Raum gegeben, d t e r? Leipzig, die Verschmelzung prinzipiell abzulehnen, mit 56 gegen 16 Stimmen verworfen. Dagegen wird einer sofortigen Weiterverhandlung mit den Porzellanarbeiter» mit 46 gegen 25 Stimmen zugestimmt. Falls ans der Verschmel- zung mit den Porzellanarbeitern nichts wird, soll die Verschmelzung auf drei Jahre vertagt werden. Dem Antrage der Glasarbeiter soll d-ann insofern zugestimmt werden, daß die Vorstände einen neuen Entwurf in Angriff nehmen sollen, jedem Vorstande soll aber über- lassen bleiben, nur falls er es für nötig hält, zu diesen neuen Be- ratungen auch Vertreter aus dem Lande hinzuziehen. Hierauf wird die Sitzung auf morgen vertagt. Die Porzellanarbeiter erörterten die neue Situation sehr eingehend. Die Aussprache zog sich bis zum Abend hin. Ein Beschluß wurde noch nicht gefaßt; dies soll morgen früh geschehen. Der Beschluß wird dcmn der gemein. samen Tagung unterbreitet, die morgen früh wieder zusammen- tritt. Di« Vereinigung der drei Verbände ist aber vorläufig gescheitert. 14. Generalversammlung des Verbandes der Maler und Meißbinder. Vierter Tag. H a l l e. 3. Juli 1913. In der Fortsetzung der Beratungen über die Satzungsände- rungen erhält zunächst das Wort W a l t h e r- Hamburg: Es ist ein Antrag eingelaufen, wonach die Kollegen im erstmi Gesellenjahre und an Orten mit einem ge- ringeren StundenloW als 45 Pf. in eine besondere Beitragsklasse mit 45 Pf. pro Woche einzuweisen sind. Wir haben uns in der Kom- Mission mit der Frage beschäftigt und wir bitten Sie den Antrag abzulehnen. Dagegen schlagen wir vor: In Lohngebieten, in denen der Tariflohn für Kollegen unter 26 Jahren 46 Pf. und darunter beträgt, kann auf Beschluß der Filiale und unter Zustimmung des Vorstandes eine Vorklasse er- richtet werden. Dieser Vorklasse können nur solche Mitglieder bei- treten, die keinen höheren Lohn als 45 Pf. haben. Der Beitrag in dieser Vorklasse und für weibliche Mitglieder beträgt 46 Pf. mit einem Zuschlag von mindestens 5 Pf. für die Filialkasse. Der Beitritt zu dieser Klasse ist freiwillig. Bei Erwerbslosigkeit durch Krankheit beträgt die Unterstützung pro Tag 46 Pf. und für Erwerbslosenunter- stützung bei Arbeitslosigkeit pro Tag 75 Pf. Kehl- Mannheim tritt für die Kommissionsbeschlüsse ein, da sie eine wesentliche Verbesserung der Vorstandsvorlage bringen.(Zu- stiminung.) Buch-Köln: Der Umstand, daß der Arbeitgeberverband jetzt eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrages um 56 Proz. beschlossen hat, sollte für uns doppelte Veranlassung sein, ohne weiteres den neuen Beitragssätzen zuzustimmen. Klotz-Berlin: Wir müssen betonen, daß die Unterstützungs- einrichtungen für uns nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck sind, nämlich im Kampf zur Verbesserung der Lohn- und Arbeits- Bedingungen. K i r s ch-München: Die Härten, die jetzt noch in unseren Unterstützungseinrichtungen vorhanden sind, werden im Laufe der Zeit durch Verbesserungen, die wir später, sobald wir Ersahrungen gesammelt haben, schaffen, verschwinden. Vor zwei Jahren hat man den Delegierten nach der Generalversammlung in den Mitglied- schaften Vorwürfe gemacht, daß wir wohl ein« Erhöhung der Bei- träge, nicht aber die Erwerbslosenunterstützung beschlossen� haben. Jetzt ist der günstige Augenblick, dies nachzuholen, wir dürfen aus keinen Fall diesesmal mit leeren Händen heimkommen.(Lebhaste Zustimmung.) Verschiedene Redner haben Bedenken dagegen, daß man ein- heitliche Beitragsmarken für dos ganze Jahr schafft, denn dadurch wird das Verlangen gestärli, im Winter Arbeitslosenmarken zu kleben. Da der Verbandstag heute nach Leipzig zum Besuch der Bau- fach-Ausstellung fährt, werde», die Verhandlungen um 11 Uhr auf Freitag vertagt. Jim Induftnc und fjandel. Zur amerikanischen Zolltarifrcform wird uns aus New Dork geschrieben: Der Senat(Erste Kammer des Kongresses) überwies den ihm vom'Repräsentantenhaus zugegangenen Entwurf seiner Finanzkommission, welche nicht nur zahlreiche Zollpositionen änderte, sondern auch die Zollrabattvorschrift und die Schnüffel- bestimmung strich. Diese beiden gegen die Konkurrenz des Aus- landes gerichteten chikanösen Bestimmungen können damit als definitiv abgetan betrachtet werden. Die amerikanischen Zölle find überwiegend' Wertzölle. Die Höhe des zu zahlenden Zolles richtet sich nach dem Werte der zum Import gelangenden Waren. Die von der Senatsfinanzkommission gestrichene sogenannte Schnüffeltlausel wollte der amerikanischen Zollverwaltung die Befugnis übertragen, zur Verhinderung von Zolldefraudationen vermittelst falscher Wertdeklarationen Einsicht in die Bücher der ausländischen Fabritanten, welche die Import- artikel fabrizierten, zu nehmen. Wurde diese Einsicht verweigert, so sollten die amerikanischen Zollbehörden ermächtigt sein, nach freiem Ermessen nicht nur den Marktwert, sondern auch den in den Vereinigten Staaten zu erwartenden Verkaufspreis zu schätze« und danach den Zoll zu berechnen. Gegenwärtig werden, soweit z. B. die deutsche Einfuhr in Be» tracht kommt, die von Handelskammern des Exportlandes, das zu- gleich Produktionsland ist, beglaubigten Fakturen als genügender Wertnachweis angesehen. Unter der Schnüfselbestimmung wäre die ausländische Industrie gezwungen worden, entweder ihre Fabrikgeheimnisse den amerikanischen Zollagenten und damit ihrer amerikanischen Konkurrenz preiszugeben oder auf den Absatz nach den Vereinigten Staaten zu verzichten. Denn die diskreditionäre Wertfestsetzung durch unsere Zollbehörden wäre, wie die An- Wendung der Ausführungsbestimmungen des gegenwärtig geltenden Payne-Aldrich-Zolltarifs dartut, zu einer schikanösen, den Import unterbindenden Waffe geworden. Die Gewährung des Zollrabatts müßte einer SchifsahrtS- Subvention glcichgeachtet werden und würde gegen die mit mehr als einem Dutzend Staaten abgeschlossenen Handelsverträge ver- stoßen. Nach einer von der Senatsfinanzkommission angenommenen Resolution soll eine parlamentarische, aus Repräsentanten und Senatoren bestehende Kommission während der bevorstehenden Kongreßferien die geltenden, der Willkür Tür und Tor öffnenden Ausführungsbestimmungen des Zollgesetzes einer kritischen Prü- fung unterwerfen und dem Kongreß bei dessen im Dezember er- folgenden Wiederzusammentreten einen Reformentwurf unter- breiten. Den Beschluß der Senatsfinanzkommission, Wolle, Fleisch. Schlachtvieh, Mehl und Weizen unmittelbar, dem Zucker nach einer Uebergangszeit Zollfteiheit zu gewähren, darf man zurzeit noch nicht allzu ernst nehmen. Denn der schließliche Ausgang des Schachers um die einzelnen Zollpositionen läßt sich höchstens ver- muten, aber noch nicht mit einem gewissen Maße sachlicher Bei rechtigung vorhersagen. Volksfeindliche Absicht. Das starke Hinaufgehen der Fleisch- preise hat vielfach den Verbrauch von Fischen begünstigt. Der Er- folg davon war, daß auch für dieses Nahrungsmittel die Preise hinaufschnellten. Im laufenden Jahre ist beispielsweise die Ge- samtmenge der aus der Nordsee stammenden Fische im Vergleiche mit dem Vorjahre um 2% Millionen Kilogramm zurückgegangen, der Preis für die kleinere Menge ist jedoch um 1% Millionen Mark höher. Es betrugen die Fangcrgebnisse in den ersten 5 Monaten: 1912: 36 866 973 Kilogramm im Werte von 8174 351 M., 1913: 34 189 366 Kilogramm im Werte von 8 632 742 M. Also 2 617 669 Kilogramm weniger, 458 391 M. mehr! So sieht das Ergebnis un- angenehm genug für die Konsumenten aus. Die Fischer wollen die Preise aber noch weit kräftiger hinauftreiben. Die Handhabe dazu sollen Zölle liefern. Die Agrarier unterstützen solche Forderung selbstverständlich, aus zwiefachen Gründen. Einmal, um damit Bundesgenossen für ihre eigenen Forderungen zu gewinnen, weiter auch, um die Preise für Fische sicherer in die Höhe zu bringen, damit billige Fische dem Fleische keine merkbare Konkurrenz be- reiten. Zeichen des Konjunkturrückgangs. Gleich dem Rheinisch-West- fälischen Kohlenfyndikat wird der Essener Roheisenverband in den nächsten Tagen die Ausfuhrvergütung einführen. ES schweben zurzeit noch Verhandlungen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß der Verband neben der vom Kohlensyndikat zu übernehmenden Bonifikation von IVj M. pro Tonne eine weitere Vergütung in gleicher Höhe gewährt. Ein« teilweise Ermäßigung der Roheisen- preise wird dagegen nicht erwögen. In Belgien haben in der letzten Zeit einzelne Eisenwerke mit Produitionseinschränkungen begonnen. Der Wettbewerb um neue Aufträge ist noch schärfer geworden. Die Inlandspreise für Stab- und. Bandeisen sind weiter um 2,56 Frank ermäßigt worden, wo. durch Flutzstabeisen aus 136 bis 135, Schweißstabeifen auf 147,56 bis 152 Frank gefallen ist. Grobbleche haben sich erneut um 2,56 bis 5 Frank auf 146 bis 145 Frank ermäßigt. Soziales* Die gefüllte Kompottschüssel der Laudarbeiter. Seit Jahren faseln Junker und agrarische Blätter von den„hohen Lohnen" der Landarbeiter. Immer wieder er- zählen sie die Märchen, der Landarbeiter erfreue sich günstiger Erwerbsverhältnisse, und es sei nur die„Vergnügungssucht". die ihn in die Großstädte und Jndustriebezirke locke. Es ist daher nötig, an der Hand von Tatsachen den Herren immer wieder entgegen zu halten, wie erbärmlich schlecht die Landarbeiter bezahlt werden. Im Kreise Wehlau hat ein im besten Alter stehender Landarbeiter bei einem Gutsbesitzer von 14 Hufen Land an Jahreseinkommen: ' Barlohn........... 126 M. 180 Ruten Kartoffelland ä 6,36 M.--- 54„ 25 Scheffel Roggen... 6.—„ 156„ 4 Scheffel Gerste.... 5,—„= 20, 2, Erbsen.... 8,—,= 16. 6, Futtergetreide. 4.50. 27, 6. Hafer.... 4,00.= 24, Futter für eine Kuh im Winter, zwei Fuder Heu a 36 M. 66„ im Sommer Weide 45, Wohnung gerechnet 36, Holzgeld.......... 30» Insgesamt ö/ö M. Das ist der Gesamtjahresverdienst eines ostpreußische» Landarbeiters. Dem Großstädter mag vielleicht die Wohnungs- miete zu niedrig vorkomme� aber der Landarbeiter haust in einer Bude, die aus Lehm und Brettern hergestellt, nnt Stroh notdürftig gedeckt ist und keinen Holzfußboden hat. vM Hausflur und in der Stube kann man sich auf dem Ziegelsußboden die Beine brechen- der Kochherd ist nicht m Ordnung. Durch das Strohdach r'eanet es durch und der Regen ruiniert die paar Habseliakeitcn des Landarbeiters. Rechnet man. daß im Durchschnitt die tägliche Arbeitszeit 12 Stunden beträgt(im Sommer dauert sie bis zu 16 Stunden im Winter ist sie kürzer) so kommt, wenn man 30c) Arbeitstage in nn4nma%& ein täglich-- Verdienst v°° 1,90 M�rk und ei» Stundenlohn von nahezu 16 Pfennigen heraus. Für 16 Pfennia vro Stunde muß der Landarbeiter die schwere Arbeit verrichten. Er stellt aber auch noch einen Sohn, der bereits vom Militär zurückgekommen ist und em Gespann Pferde übernommen hat..tiefer erhält an Lohn: im Sommerhalbjahr pro Arbeitstag 6,76 M..... 168.56 M, im«Halbjahr pro Arbeitstag 6,46 M.....«h-. 6 Scheffel Roggen a 6 M........»»» 36,—» 2, Gerste a5„».«»»»,, 10,—„ � Erbsen ä8,»»»»»»«»,, 8,—„ 5» Haser a 4. 26,—» 40 Ruten Kartoffelland& 0,30 M........ 12,—. für das Besorgen der Pferde am Abend, pro Möftat 8 M.»6,—„ inSgesänn 290,50 M. Dieser erwachsene kräftige Arbeiter erhält also alles in allem einen durchschnittlichen Tage lohn von 95 Pfennigen, und rechnet man auch mit einer zwölf- ständigen Arbeitszeit(bei Pferdeknechten ist sie auch im Durch- schnitt oft länger), so kommt ein Stundenlohn von sage und schreibe acht Pfennigen heraus. Und da versucht man in den Kasernen, die Reservisten zur Rückkehr aufs Land zu bewegen und wundert sich, wenn die Leute so gar keine Sehnsucht nach den ländlichen Gefilden haben. Auch die Frauen der Landarbeiter werden auf den Feldern des Gutsbesitzers beschäftigt. Sie erhalten bei zehnstündiger Arbeitszeit 60 Pf. pro Tag, macht pro Stunde sechs Pfennige. Dafür müssen die Frauen im Sommer in glühender Hitze oder auch oft im Regen auf dem Felde schuften. Der Landarbeiter wird durch solche Verhältnisse verelendet und aus seiner Heimat gejagt. Aufklärung der Landarbeiter, Eintritt derselben in den »Deutschen Landarbeiterverband" und in die politischen Orga- nisationen tut dringend not, um bessere Verhältnisse zu schaffen._ „Du sollst den Feiertag heiligen." Jahrzehntelanges rastloses Drängen der Arbeiterklasse und ihrer parlamentarischen Vertretung, der Sozialdemokratie, hat zur widerwilligen Anerkennung der Forderung geführt: dem Arbeiter muß ein Ruhetag in der Woche werden. Im Parlament hat die sozialdemokratische Fraktion durch einen ausdrücklichen Antrag das Verbot der Sonntagsarbeit zuerst bei Beratung der Gewerbeordnung im Jahre 186g gestellt. Immer wieder kehrte ihre Forderung in ihren Arbeiterschutzgesetzentwürfen vor. Die Fassung im sozialdemokratischen Arbeiterschutzgesetz- entwurf vom Mai 1836 lautete: „Die den Arbeitern zu gewährende Ruhe hat für jeden Sonn- und Festtag mindestens 36 Stunden, für zwei aufeinanderfolgende Sonn- und Festtage mindestens 66 Stunden zu dauern. Die Ruhe hat am vorhergehenden Werktag spätestens abends 6 Uhr zu beginnen." Die Gewerbeordnungsnovelle vom Jahre 1831, der sogenannte Derlepsche Entwurf, brachte eine geringfügige Abschlagszahlung: für die ländlichen Arbeiter blieb's wie vordem, den gewerblichen Arbeitern brachte die Novelle eine Lsstündige, aber vielfach durch- löcherte Ruhezeit, im Handlungsgewerbc wurde noch eine fünf- stündige Sonntagsarbeit zugelassen, die allerdings durch Gemeinde- beschluß herabgesetzt und beseitigt werden kann. Seitdem ist gesetz- geberisch trotz wiederholter Vorstöße der Sozialdemokratie auf dem Gebiet der Sonntagsruhe nichts erreicht. Parallel mit der politischen Aktion geht die Bewegung der freien Gewerkschaften auf allen Gebieten zum Schutz von Leben und Gesundheit der Arbeiter. Für die Erringung der Sonntags- ruhe für Handlungsgehilfen tritt der Zentralverband der Hand- lungsgehilfen seit je lebhaft ein. Wo es ihm unmöglich wird, auf die Gemeindevertretungen einzuwirken, da treten seine Mitglieder an das kaufende Publikum heran. So kürzlich in Braunschweig. Dort sind die städtischen Behörden ganz hartleibig. Da wendeten sich Zentralverbändler an einem schönen Sonntag im Mai während der Verkaufszeit an das Publikum, dem sie unentgeltlich Zettel folgenden Inhalts überreichten: Motto:„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut." (Goethe.) ..Gönnen Sic auch den Handelsangestellten ein wenig Licht, � Lust und Sonnet Dies erreichen Sie, wenn Sie Sonntags keine Einkäufe vornehmen. Sie schaffen damit vielen Ihrer Mitbürger nicht nur einen freien Tag in der Woche, sondern fördern auch die allgemeine Volksgesundheit." Doch mit braunschweigischen Gesetzesmächten ist kein schöner Bund zu flechten und der Schutzmann schreitet schnell. Zwei Handlungsgehilfen, die der verdienstlichen Tätigkeit für ihre Klassengenossen sich unterzogen hatten, wurden auf Antrag eines Geschäftsinhabers von einem'Schutzmann festgestellt und dann mit Strafbefehlen von 3 und 5 Mark bedacht. Das Schöffengericht be- stätigte kürzlich diese Verurteilung, weil die Sünder am Sonntag durch eine unentgeltliche Tätigkeit zur Feier des Sonntags ange- reizt, dadurch aber die braunschweigischen Landesgesetze über Sonntagsfeier verletzt hätten. Diese-Gesetze sind ein Kuddelmuddel der altpreußischen Preßgesetzgebung und Sonntagsheilighaltungs- Verordnungen. „Du sollst den Feiertag heiligen." Forderst Du aber in Braunschweig zur Heiligung des Sonntags auf, dann gibt es 3 bis S M. Strafe. Denn„edel sei der Mensch, hilfreich und gut". So will's der Kapitalismus. Hitzschlag als Betriebsunfall. Die Frage, unter welchen Umständen Hitzschläge als Betriebs- Unfälle zu entschädigen sind, ist gerade jetzt sehr zeitgemäß. Kürz- lich gelangte folgender Fall zur Entscheidung des Reichsversiche- rungsamtes: Ein Arbeiter N. verlud Schwefelkies aus einem Kahn auf einen Eisenbahnwagen. Er war am Tage des Unfalls schon von morgens an tätig und hatte im Freien auf dem Eisenbahnwagen zu stehen. Um 4 Uhr nachmittags unterbrach er die Arbeit wegen heftiger Kopfschmerzen und ging nach der Kantine. Von hier mußte er nach dem Krankcnhause geschafft werden. Dort starb er an den Folgen des Hitzschlages. Die Rentenansprüche der Hinterbliebenen wurden von der Berufsgenossenschaft abgelehnt, vom Neichsversichcrungsamt da- gegen als berechtigt anerkannt. In der Urteilsbegründung heißt es: „Erkrankungen und Todesfälle, die bei der Betriebstätigkeit durch Hitzschlag herbeigeführt werden, sind dann als Betriebs- Unfälle anzuerkennen, wenn die Art und der Ort der Betriebs- arbeit wesentlich dazu beigetragen haben, die Gefahr eines solchen Unfalls zu steigern. Derartige Umstände haben in dem gegen- wältigen Falle vorgelegen. Die Temperatur betrug in dem be- treffenden Ort am 29. Juli morgens 13,8 Grad und stieg um die zweite Nachmittagsstunde auf 33,4 Grad Celsius, um am Abend auf 27,1 Grad zu sinken. N. war bei seiner Arbeit den Sonnenstrahlen schutzlos preisgegeben. Ob die Arbeit anstrengend war oder nicht, ist hierbei nebensächlich. Jedenfalls waren der Ort und die Art der Betriebstätigkeit sowie die Witterung durchaus geeignet, einen Hitz- schlag herbeizuführen. Demgemäß sind durch den Betrieb Verhält- nisse geschaffen worden, welche die an sich schon herrschende hohe Tagestemperatur an der Arbeitsstelle noch bedeutend gesteigert und auf den Gesundheitszustand des an sich körperlich wohl wenig widerstandsfähigen N. in besonderem Maße nachteilig eingewirkt haben. Darin liegt aber ein Betriebsunfall. Dieser ist auf ein zeitlich begrenztes Ereignis zurückzuführen. N. mag bereits am 28. Juli unter denselben Bedingungen gearbeitet und infolge der Einwirkung der Hitze an Kopfschmerzen gelitten haben, indessen fehlt es an jedem Anhalt dafür, daß er schon an diesem Tage von einem Hitzschlag betroffen worden wäre. Dagegen spricht vielmehr, daß N. am 29. Juli die Arbeit wieder aufgenommen und noch bis zum Nachmittag fortgesetzt hat. Es besteht sogar eine Wahrschein- lichkeit dafür, daß erst die Nachmittagshitzc an diesem Tage die Krankheit ausgelöst hat. Aber auch selbst, wenn die Einwirkung der Hitze vom Morgen bis zum Nachmittag als ursächliches Moment für den Eintritt des Hitzschlags angesehen wird, so ist doch gleich- wohl dieser Zeitraum nicht so lang, um nicht noch als ein dem Er- fordernisse der Plötzlichkeit genügender verhältnismäßig kurzer Zeit- räum aufgefaßt werden zu können." Jugendveranstaltungeu. Jugendausfchuß Xreptow-Baumschulenweg. Sonntag, den 6. Juli, Ausslug nach Rüdnitz— Hellmühle— Obersee— Licpnitzsee— Bernau. Absahrt von Baumschulenweg 4A4, von Treptow 4.50 Uhr nach Alcxanderplatz. Absahrt vom Stettiner Bahnhos 5.59 Uhr nach Rüdnitz usw. Wegstrecke etwa 25 Kilometer. Fahrgeld 1.20 M. Proviant für den ganzen Tag mit- bringen._ Köpenick. Sonntag, den e. Juli, treffen sich aus dem Turnplatz des Turnvereins„Eiche" nachmittags 2 Uhr die Jugendturner des V. Bezirks vom 1. Kreise. Es werden Massensreiübungen(300 Turner) und volls- tümliches Turnen stattfinden. 500 Nieter Stafetten und 1006 Meter Stafetten, Barlaus, Faust-, Fuß- und Schlagballspiele. Beginn nachmittags 2 Uhr. Bnefkafteti der Redaktion. Tic turistiichc Spre», stunde findet Linden st raste es, vorn vier Treppen — Fahrstuhl—, wochentäglich von tzh bis 7% Uhr abends, Eonnabends, von tih bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsquittung beigefügt ist, »erden nicht beantwortet. EiAge Frage» trage man in der Sprechstunde vor. — Zepernick 166. Nein.— A. R. 37. Die Gründe reichen zur Ver- tragslösung nicht aus, insbesondere mit Rücksicht aus die bereits 2 Jahre andauernde Mietszcit.— G. M. 16. 1. Ja. 2. Nur nach vorausgegangener Kündigung, die bis zum 15. eines Mongts ausgesprochen sein muh mit Wirkung zum daraussolgenden Monatsersten.— W. 8. Ein An- spruch besteht nicht.— C. C. T. 66. Aus rechtskräftigen Schuldtiteln ist u. E. auch die Eintragung bei Forderungen unter 306 M. zulässig. Im übrigen ist der Gegner zur Annahme einer Teilleistung nicht verpflichtet. Er könnte wegen der Restsordcrung auch das Zwangsversteigerungsver- fahren einleiten.— Ths. 1. Lohnzahlungspflicht besteht nicht. 2. Für un- beschränkte Zeitdauer, sofern nicht die landwirtschaftliche Bcrussgenossenschast die Heilbehandlung übernimmt. 3. Nach Abiaus von etwa 4 Wochen. 4. ZK 616, 617 Bürgerlichen Gesetzbuchs,§ 86 Gesindcordnung.— M. W. Das Testament kann durch eigenhändige mit Ortsbczeichnung, Datum und Unterschrist versehene Niederschrift des einen Teils errichtet werden. Der andere Teil mutz aber den ebenfalls eigenhändig geschriebenen mit Orts- bczeichnung, Datum und Unterschrist versehenen Zusatz machen, datz das Testament auch als das scinige gilt. Andernfalls muß das Testament zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll erklärt werden.— P. B. 56. Ja. — Ernst Ritter Taubstumm. 1. In jedem beliebigen Alter. 2. Nein. — A. Z. 99. 1. und 2. Soweit ersichtlich sechs Wochen vor Beginn eines Kalendcrquartals mit der Wirkung zu Ende des Kalenderquartals. 3. Ja, sosern schwere Beleidigung oder Tätlichkeil vorliegt.— FricdrichSfelde 77. Die von dem Steucrbckstnten erteilte Auskunft ist leider zutreffend.— St. 17. 1. und 2. Unseres Erachtcns nein. 3. Jnvalidenversicherungs- pflichtig.— Ernst 4. 1. Bei der Geringsügigkcit des EinkonimenS nein. 2. Nein.— M. K. 72. 1. Die vorgebrachten Tatsachen erscheinen nicht ausreichend. Im übrigen wäre eine Klage nicht zulässig, sondern es müßte ein Antrag beim Vormundschastsgericht gestellt werden. 2. und 3. Nein.— W. G. 56. Nein. Erfolgt Beschlagnahme, so kann Beschwerde erhoben werden. — L. C.. 24. Wiederholen Sie Ihre Anfrage und geben Sie noch an, welche Tätigkeil Sie ausüben.— P. A. 16. Der Anspruch ist verjährt. — A. P. 22. Die Kürzung war unseres Erachtens unzulässig, fedoch muii Ihre Braut sich das Krankengeld anrechnen lassen. Außerdem hat sie Anspruch aus Entschädigung für Kost.— E. E. 1. Soweit ersichtlich, ja. — O. E. 885.60 M.- Adolf I. 53. 1. Ja. 2. und 8. Nein. — O. M. 66. 70 Jahre.— L. F. 82. 1. Ob der Vertrag rechtsroirk- sam ist, läßt sich nur nach Einsichtnahme in denselben beurteilen. 2. Klage beim Landgericht durch einen Rechtsanwalt. Für daS Kind muß zunächst beim Amtsgericht Bestellung eines Pflegers beantragt werden. Antrag aus Sühnetermin beim Amtsgericht. Wenn Sühneversuch ersolgloS, Ehescheidungsklage beim Landgericht durch einen Rechtsanwalt.— S. F. 1666. 11. E. ja, sosern der Vater vorher die Handlungen deS Kindes gesehen hat und dies bewiesen werden kann.— R. G. 69. Sie können den Betreffenden aus dem Lokal verweisen.— H. B. 4. Verjährung ist nicht eingetreten.— R. 466. Gegen das Verbot deS Eigentümers dürfen die Sachen nicht cntsernt werden. Geschieht dies dennoch, so kann Bestrafung erfolgen und zwar durch Geld- oder Gefängnisstrafe.— O. B. 4. DaS Taschengeld gilt allerdings als Einkommen. Da aber nach Ihrer Dar- stcllung nicht die Hälfte des ortsüblichen Tagelohnes für jugendliche Ar- beiter erreicht wird, dies aber die Voraussetzung der Nichtberücksichtigung bildet, hat trotzdem eine Berufung Aussicht aus Erfolg. AämflicSfce K«siS>csSöiÄC|® �eEc'isaiisS wefsaen Jackett- Anzfige für Herren Serie I.., 14.25 Serie III.33.50 Serie II.. 20.50 Serie IV. 45.75 Ulster a. Paletots für Herren Serie I... 16.25 Serie III. 36.50 Serie II.. 23.50 Serie IV. 44.50 Bast-Anzuge, imif., für Herren Serie I.. 1 1.75 Serie II,. 16.75 Bast-J acketts, imit., für Herren Serie I,,, 4.36 Serie II.,« 7.20 Lüster- Jacketts ffir Herren Stöff-An2uge für Knaben von 3—8 Jahren:j Sport- und Blosenfo Serie 1E'�- 8.95 Serie H 5.76 III 6.90 V„ IV„ 9 35 W Hosen für Herren Serie I.... 2.85 Serie in... 6.95 Serie II... 4.90 Serie IV,. 9.75 Serie I..> 2.65 Serie III.. 7.50 Serie II.. 5.20 Serie IV. 10.30 I'ouristen-Anzugekür Herren Jacketts, teilweise Joppenformen Serie I... 12.50 Serie II.. 20.50 Serie III.26.50 Serie IV. 32,50 Bozener Loden-Mäntel Serie I... 15.75 Serie U 19.50 Gummi-Mäntel ffir Herren Serie I... 9.75 Serie II.. 18.26 Wasch-Anzöge ffir Knaben von 3—§ Jahren Blusen-Anzüge in verschiedenen Farben 5.25 4.10 2.65 1.66 66 Pf. Kieler und Prinz-Heinrich-Anzage ■ 5.60 4.15 3.10 2.75. Schul-Anzüge für 7—12 Jahr«,- 4.35 3.60 210 1.45 Sport-Hosen b!an Satin, 3-8 Jahre 1.35 9-15 Jahre 1.55/ '•rP~ von 7— M Jahren Serie 1. 9.50> Serie II 14.60 ca. 1000 flanellartige Jacketts geslr., in allen Größen, wenig- gelitten 2.40 ca. 1000 flanellartige Hosen m«l'en Längen, wenig gelitten.., 1.85 ca. 1000 flanellartige Westen in«Bon Größe», wenig geftten...75 Pf. Weiße Hosen ffir Herren Serie I.,, 2.35 Serie II., 6.25 Serie HI.."7.10 Serie IV. lO.ÖO Loden-Pelerinen ffir Herren a.Damen Serie I 6.65 Seriell 14.7 5 Sport-Anzflge für Knaben Loden-Pelerinen f. Knaben u. Mädchen Serie III* 3.85 Serie IV 1°� 6.80 ScrieV�5.35 Serie VI �9.60 Jüngl.-Anzüge, Paletots. Ulster, Hosen usw. sind den Serien entsprechend herabgesetzt! 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Paul Delly, MtrkusstraLo 16. Albert Denkewi�, Jableoikiilr. 14 Dollwa, Ferdinand Torcllatr. 4 |Brot-Fabrik„Vorwärt8' I�Zei�snnNlIned�Häpenlck. Franx Psnl vetter, MuttiilelitT. 17. Fiiedr.Flennnlng, e-lb�«»«i»Ir.,7. E. Freier, BIumuu. 7t. B. Isibiiutl Georg Gens, Memelervtr. 30 Oomntor, R. Posenerstr. 16. GOrhkg, Hngo Greif swalderst. 225 M. Omschka, Kflnlgsbergeret 85 70 OvvctiAlte In allen StadUeüen Berlins und In Kisdorf. Gcgrllndet IS08. H oppe'i.Nocbf.Srmsrtk Aislbtrlrt 80 Max Knlftart, Landab. Alles 2t. PanIK5bemlck.Wilh.StoltoetT.3fi Emst Küster, Frankf. Allee 197. Felix Kroast, Dlnenstr. i. Udentliin.O.w.. Emil Llaska, Grüner Weg 123. Ew. Ueeegang, Dansigerstr. 43 Carl Llndanbarg, Ljebeicntr. i, August Mante, Ebortystr. 67. Hennann Harknn, Rlgaerstr. 107 E. Martins, KeiehenbergsrtL 168. Mfiblsteff, Spandsn, Blmtrckrti. 6. Frig Mülle, Qrlfestr. 4. Altred Müller, Brnnnenstr. 87. Roman Nowak, Wieners tr. 8. Frledrlcb Oste, Madaistr. 10. Faal Otto, Dansigerstr. 31 Harm. Proell, Nonnendamm, Friedrich Probst, Andreasetr. 51 Bäckorei„Nordstern" Inh.; Guat. Müller Filialen!. rerßohied. Stadtteflen Ranfft ReicheDbergentr.lTfi nflilill AdiDlralstr.38Q.l9a OttoReeturlsch, Simon Dachs tr.l. F. Rlsleben, Samariterstr. IL Arthur Roemer, Kotit. üuan 101 Walter Rohr, Anklameratr. 26. M.. Sander, Dtmkerstr. 33. Otto Schmidt, Adalbertetr. 37. Helnr. Sdtnberl Boxh. Chanss. 5/6 Slkorskl,* eUraiM.Bsinsndortsrtlr. 1 1 R. Schade, P alis«-St.9 Fil. O u.NG Paiil Sorge, Proskancrstr. 31 Rieh. Schenk"Äas. P. Schineuer, Anklameratr. 16. Oosta v SchSflsch, Dolaigerstr. 31 Panl Schuhs, Hnfelandatr. 3 Paul Schürer, TUsiterstr. 12. H. Spillmann, Grüner Weg 116. P. Sygnxth, SohCnh. Allee 150 fiaatsT Tauplta, Prinzen-AUee 61, Carl Tennert, Schlealacheatr, 19. F. Tladomano, Boik.-A, Eaitstr 47. Tuakan Filialen In allen Stadt- man teuen. doset Ullrich, Hanteuffelstr. 103. Volksbrot,LGJ.lil Otto Wagnitx, Müllerstr. 28 Ludwig Mer.flufelaiidslf. Z7. Fritz Wahl, Koppenstr. 46 K. Waltor lr., lAwestr. 18 Ghonneretr.es I FU.Ackerstr.l I Clemens Weise, Jshlonskistr. 1 Ullllinlnan Brotfabrik llllllBlina Andreaestr. 33. Otto Winkler, Nannynetr. 73. E. Woltf. Grüner Weg 76. ZDhlke,OIatzer*tr.7, Gürteist. tSa c Badeanstalten Arkonn-Bnd, Anklamer-Btr. 84. BadAit-HoabitlOU�Kass. M3~a Lands bergerstr. 107 13ctO Oollnowatr. 41. Börgerhad Canitz-Bad, MfinsstrsBe 3. NeukSln Anzengruberatr. 36. 1 Neukölln, I Mfincheneratr. 61 Bad Frankfurt, Gr. Frkft. Str. IIS. Lieferant nämtl. Krankenkassen Bad FriedrlihsbBin.Lsodsb Allee 1 i I Bad Hafaland, Hnfelandstr. 46. Kalser-Frledriciis-Bad,Ckert.i.Bk. »früher Münaol, Wellstr. 70/71 NaGonol-Bad, Brunnonstr. 9. Bad Ostend ÄKsra» Passage-Bad Reform-Bad, Wiener Str. 65. Silesia ÄteSesiT" V Flfetot�la- Bad Kottbusor Damm 76 FrlsdrlehWIlhelmsbad ChstMeestr. 87, Erscheint 2 m wöchentlich, | BeaeugsquelieifVerageichniSe Bandagen, Bummlw.) R. Bänke, Stralauer Str. 56. Berkbolz, Köpenickerstr. 70. Lange, A. E., Brnnnenstr. 167. 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Körber,0., Maritsdorf.CkuaMMtr. 396 W. Kyrrth, O. 112, Voigtetr. 8, I. H. LIndeke, Warschauer jtr. 80. M. Rasenke, Birken« tr. 22 Karl Sommer, FrnkfkrtU Alle« 104. Witte, Max �kÄ.r�rs verantwortlicher Redakteur:«lbert Wach», Verlin. Für de« Inseratenteil derantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt»»uchdruckerei«. Berlagtanstalt Paul Singer u.<£ix, Berlw Nr. 168. 30. Iahrgaug. 3. KilM des, Amiirls" Krrlim KIKsM Sonnabend, 5. Ivli 1913. Nerbaiid ftMidcmI'.ratislhtt Wahlmciiic Lerlins nud Nmgegeud. 2entralvorftanct für ,9,5/, 914. A. Aktionsausschuß: Eugen Ernst. SW. 68, Lindenstr. 2, erster Borsitzender. Telephon: Amt Moritzplatz, 1863. Max Grogcr, Berlin 8W. 68, Lindenstr. 3, zweiter Vorsitzender. Telephon: Amt Moritzplatz, 14 714. Theodor Fischer, 8W. 68, Lindenstr. 2, Schriftführer. Telephon: Amt Moritzplatz. 14 623. Emil Boeöle, SW. 68, Lindenstr. 2, Kassierer. Telephon: Amt Moritzplatz, 14 629. Karl Petermann, 8W. 68, Riterstr. 49. Heinrich Schröder, SW. 29, Bergniannstr. 95. Mathilde Wurm, W. 35, Steglitzer Str. 45. August Pohl, SO. 26, Naunynstr. 30. Paul Hoffmann, 0. 34, Königsberger Str. 28. Hermann Barenthin, 0. 17, Stralauer Platz 1/2. Willi Friedlönder, X. 24, Elsasser Str. 25. Friedrich Staffier, X. 65, Hochstädter Str. 16. Karl Fahrow, X. 33, Gerichtstr. 71. Richard Herbst, X. 58. Lettestr. 7. Minna Reichert, XW. 52, Spenerstr. 16. Franz Thurow, Neukölln, Weserstr. 11. Alfred Scholz, Neukölln. Weisestr. 23. Emil Lehmann, Friedrichsfelde, Walderseestr. 26. Paul Brühl,<0. 112, Scharnweberstr. 6/7. Otto Wels, SW. 68, Lindenstr. 69, Obmann der Prestkommission. Karl Melle, 0. 34, Tilsiter Str. 19, Obmann der Schiedsgerichts- kommission. Albert Höhnisch, C. 54, Auguststr. 51, Obmann der Lokalkommission. Emil Baoncr, X. 26, Prinzenallee 46�, Obmann der Stadtverordneten und Gemeindevertreter. Gustav Schmidt, W. 57, Kirchbachstr. 14, Obmann der Revisoren. Richard Seidel, SW. 68, Lindenstr. 2, Sekretär des Bezirksbildungs- ansschusseS. Telephon: Amt Moritzplatz, 14 629. Richard Wcimann, SW. 63, Lindenstr. 2, Sekretär des Bezirksjugend- ausschusses. Telephon: Amt Moritzplatz, 14 629. Alle Briefe und Mitteilungen sind an Theodor Fischer*, oben» S'l, Uhr. Bericht der Bezirksleitung und Neuwahl derselbe». SMenbezlrbe: N£UkÖIlll*?'au*8CllS Fe8t8ftle» Hermaunstr. 48/49, abends Steglitz! Albrechtshof, Albrechtstr. la, abends 3>/, Uhr. XSgeuicb u. krleilriebabagm: Fricdrichstr. 74, abends 8'/, Uhr. Oberschönewelde, Nledersehöneweide, Johannls- tho] Ii IfiMfi• Prochowskl, Rathausstr. 13(gegenüber Iflrtl u. umg.. der Post), abends 8'/, Uhr. Spandau! Pestanrant Dert», Kurstr. 21, abends 8'/» Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: i. Kericht vom Verbavdstag in Sreslao. 2. Stellungnahme zur aufterordentlichen Generalversammlung. ZDM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 121/7 Die Ortsverwaltaax. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Gewerkschaftshaus. Bezirk Groß-Berlin, Sektion II. Engelufer 14-15. Achtung! Kollegen! Achtung! Kutscher, Arbeiter uud Stalleute aus bell Kau-, Arbeits- uud Mörtel- Fuhrmerbsbetriebeu sowie Gips- und Aemeutlageru Croß-Kerlius. Heute Sonnabend, de» 5. Jnli 1913, abends 9 Uhr, im Gewerkfchaftshans, Engelufer 14— 15 fgr. Saal): B r aiicb en- V er iaimnlu n g Pf mit Trauen."AI Tagesordnung: 1. Die laut Darifvertrag fällige Wochenzulage von 1 Mark und wie ist dieselbe von feiten der Fubrherren bisher durchgeführt worden? Referent: Kollege Otto Frank«. 2. Diskussion. 3. Branchen- und Verbandsangelegenheiten. 66/7 Kolltgeu! Laut Tarisvertrag ist die Arbeitszeit so geregelt, daß Mann sür für Mann m seiner sfrau in dieser Versammlung erschemen kann. Also auf zur Versammlung! Das Berbandsmitgliedsbuch muft am Eingang des Saales zur Kontrolle vorgelegt werden u. wird m. ein. Kontrollstempel versehen. Ohne Mitgliedsbuch keinen Zutritt znr Versammlung. Mit kollegialem Gruß Die Branchenleltnng. HERMANN TIETZ Britz-Bnckow. Die hiesigen der Arbeiterschaft beginnen am Montag, den 7. Juli. Treffpunkt 1 Uhr mittags Rungiusstraße Ecke Jahnftraße. Die Genossinnen und Genoffen sowie Freunde der Ferienspiele werden ersucht, ihre Kinder an diesen Spielen resp. Ausflügen teilnebmen zu lassen. 202/10 I. A.: Fr. Freudenreich, Britz, Hannemannstraße 35. preise zum Teil auf die Hälfte herabgesetzt Dr. R, Relss emcet gleich wertvoll für Damen zur Teintpflege.— Dose eo Pf. -Kinder-Puder»-■ BS S II d P M A UM A Beste, von ersten Aerzten empfohlene Wund- und ■£H tfl U 1 w 1 IS flil«S Kühlsalbe. Zur Kinder- u. Schönheitspflege.—(60 Pf.) Schweiß- beseitigt Hautgeruch und nur den übermäßigen Schweiß, also kein„Schweißvertreibungsmittel". Große Dose 75 Pf.(Apotheken und Drogerien). ütLenicef- Fabrik Berlin-Charlottenburg 4, •Wund-U.pudweer Rheumasan Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2fettgedruckte Worte). 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Quartal und der Landtagswahl. 3. Bericht von der Verbands-Generalversammlung Grost-Berlin. 4. Wahl von Delegierten zur Verbands-Generalversammlung. Eintritt nur durch Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Ter Vorstand. Berliner Ffocbricdten. Waldbrände. In den heißen Tagen der Monate Mai und Juni ist die Mark, wie man nach und nach erfährt, von ganz ungewöhnlich vielen Waldbränden heimgesucht worden. Die meisten er- langten ja erfreulicherweise keinen größeren Umfang, wenn auch immer eine ganze Anzahl von Morgen vernichtet wurde. Dennoch gibt die steigende, schon im vorigen Jahre aufgc- fallene Zahl der Waldbrände zu denken. Tie Forstbeamten rechnen ja in der wärmeren Jahreszeit stets damit, daß der riesige Ausflüglerverkehr der Großstadt solche Gefahren für den Wald mit sich bringt. Deshalb sind in den letzten Jahren viele Hunderte neuer Warnungsschilder„Rauchen streng ver- boten" angebracht worden; auch wird von den Forstbemnten verschärft aufgepaßt und im Betretungsfalle mit Strafver- fügungen nicht gespart. Die Hauptursache der vermehrten Waldbrände liegt aber doch, wie die Förster und Landbewoh- ner erklären, zweifellos in der Unvorsichtigkeit und Unvernunft der Jungdeutschlandbündler und Pfadfinder, die in kleinen und großen Abteilungen unsere märkischen Waldgebiete über- fchwenimen und für sich das Recht in Anspruch nehmen, mitten im Walde zum Abkochen Feuer anmachen zu dürfen. Gewöhnlich wagen die Forstbeamten nicht, viel zu sagen, wenn in Be- gleitung der höchst übermütigen jungen Leute sich Offiziere befinden, und auch vor Anzeigen bei der Behörde schrecken sie zurück, damit es nicht obendrein noch eine Nase gibt. Diese giftpilzartig wuchernden, patriotisch abgestempelten Vereine und Bünde betrachten eben den Wald schon ganz als den ihrigen, maßen sich Rechte an, die ihnen mit dem gesucht militärischen Charakter ihrer Patriotenmache eingeimpft werden. Häufig machen sie Feuer unter geschlagenen jungen Stämmen. Das sollen mal Ausflügler wagen! Werdendann die Feuerstellen nicht ganz sorgfältig gelöscht, so ist natürlich die Gefahr eines Waldbrandes in die größte Nähe gerückt. Weshalb dürfen die Jungdeutschlandbürrdler und Pfadfinder im Walde machen, was anderen Leuten bei Strafe verboten ist? Die notwendige Schonung unserer Wälder, die hohe Gefahr, unter der im Falle eines ausgedehnten Waldbrandes ganze Ortschaften stehen, fordert dringend, daß dem Unfug ein Ende gemacht wird. Wollen diese Patriotenzüchtlinge, die aus dem sonst doch so konservativen platten Lande höchst un- gern gesehen werden, im Freien abkochen, so mögen sie sich dazu das freie Feld aussuchen, sofern nicht auch hier die Interessen der Besitzer Schaden erleiden. Es soll nicht verkannt werden, daß auch viele Ausflügler es an der nötigen Vorsicht fehlen lassen. Im Walde Zigarren oder Zigaretten zu rauchen, ist überlwupt nicht nötig Ter Wald bietet tausendfach Ersatzgenüsse. Wer aber das Rauchen doch nicht unterdrücken kann, werfe wenigstens kein brennen- des oder glimmendes Streichholz fort und trete jeden Zigarrenstummel, der in den dichten Sandjwr Waldschneisen gehört, sorgfältig aus. Bei hochgradiger Sonnenhitze, wenn im Walde alles wie Zunder Feuer fängt, sollte jeder Mensch, der zu den Verständigen gerechnet sein will, das Rauchen im Walde unbedingt unterlassen. Man wirke auf die Beachtung dieser eigentlich selbstverständlichen Regeln besonders auch in ollen Vereinen hin, die ja um die jetzige. Zeit geschlossen zahl- »ichc Ausflüge in die märkischen Wälder unternehmen. Konto 8. Ein boshafte Mär. Es war einmal eine Frau, die verpflanzte die englische Idee, einen„Mülterbund" zu gründen, nach Deutsch- land, und hatte Erfolg damit, um so mehr als ihr die Gunst eine? hohen Magistrats, die der größte deutsche Dichter nicht entbehren kann, lächelte, llnd die reichshauptstädtischen Mütter, zuerst wenige, dann mehr, zuletzt mehr als siebenhundert, tagten unter ihrer Leitung im Bürgersaal des Rathauses. Dort berieten sie das Wohl und Wehe der deutschen Mütter. Und nur„Mütter" durften diesem Bunde angehören. Der Mitgliedsbeitrag betrug 3 M. Der ekle Mammon, ohne den doch nun einmal in unserem realen Zeitalter nichts erreicht werden kann, floß den Müttern auch von vielen Gönnern zu. Die Mütter gründeten alsbald aus eigenen Mitteln eine Zeitung für ihre Zwecke, in der tüchtig annonciert wurde. Eine„Frau in Schwesterntracht" mußte sie vertreiben, die Nummer zu 20 Pf. Und die Zeitung„Mütterkonferenz" fand guten Absatz, gz waren aber auch keine garstigen, altersgrauen Mütter, wie in Goethes Faust, die sich so betätigten, es waren junge, frische Mütter, wie Milch und' Blut, die sich im„Ersten deutschen Mütterbund" zusammenfanden. Und es war einmal ein junger Stadtsekretär, der hieß Schmidtke. Der war gegen den Geburtenrückgang und war trotzdem Junggeselle. Der interessierte sich mächtig für die vielen sorgiamen „BundeSmütter"; er stand ihnen kraftvoll zur Seite und sie mochten ihn alle sehr gern und er wurde bei ihnen sozusagen Hahn im Korbe. Und dieser allgemein beliebte Junggeselle und Stadtsekretär wurde, obgleich er keine Mutter war. ehrenamtlicher„Bundesdirektor" und er übernahm durch„Sonderbeschluß einer außerordentlichen Mitgliederversammlung" alle Rechte und Pflichten eines selbst. herrschenden, lebenslänglich gewählten und z« zw er Dritteln beteiligten BundesdirettorS. Und das wurde e.n einträgliches Geschäft. Um den Müttern beispielsweise „ �uchtuhrung zu erleichtern, richtete er drei verschiedene Konten für den Mutterbund und die Müttcrkonferenzen-in:-in Verwaltungs- konto, em Wohltätigleitskonto und ein Konto 8, worauf das meiste Geld emgetragen wurde. Aber die Ehemänner der jungen, frischen Mütter, die schon lange einen ganz unbegründeten Groll auf den gefälligen Jung- gesellen und unumschränkten Bundesdirektor hegten, nahmen Äergernis an diesem harmlosen Konto L. Sie stachelten einen kleinen Teil * „einsichtiger" Mütter gegen den zielbewußten Stadtsekretär auf, und obgleich sich der größte Teil der für ihren Bundesdirektor schwär- wenden Mütter dagegen empörten und jaminernd klagten:„Uns ist alles andere„piepe", wenn wir nur unseren Bundesdirektor be- halten!", kam es doch durch die neidhammeligen Ehemänner zu einem großen Krach. Und der wird der deutsch-bürger- lichen Frauenbewegung sicher großen schaden tun, denn der Herr Schmidtke hatte sich wirklich sehr für die Mütter und ihre Konferenzen eingesetzt und nun hängt das von ihm entworfene, mit einem wundersamen, vielsagenden, buntfarbigen Rosenkränzlein gezierte Plakat, daß alle deutschen Mütter zum Bei- tritt in den Mütterbund, Jahresbeitrag drei Mark, und zur Lektüre der Mütterzeitung auffordert, traurig an den Berliner Haupt- Verkehrszentren, an den Bahnhöfen, an den großen Holztafeln, auf denen auf die bekannten und weniger bekannten evangelischen, katholischen und simultanen Großstadt-Wohlfahrtseinrichtungen hin- gewiesen wird. Man sollte das bunte Kränzlein schwarz übermalen. Gedrängte Heimatkunde mit Ohnmachtsanfällen. Am 14. Juni berichteten wir.an der Hand eines besonderen Falles, daß der Berliner Magistrat die Eltern derjenigen Kinder, die bei den Einzugsfeierlichkeiten im Mai ohnmächtig geworden waren, mit einem Angebinde bedacht hatte. Für die den erkrankten Kindern auf der Unfallstation zuteil gewordene Hilfe sollten die Eltern näm- lich die Kosten zahlen. Indem vorliegenden Fall riet unser Gewährs- mann dem mit einer derartigen Kostenrechnung bedachten Vater in Wilmersdorf, das Geld nicht einzusenden, sondern es auf das Verhalten der verantwortlichen Behörde ankommen zu lassen. Da es sich hier um ein von einer Wilni ersdorfer Gemeindeschule ver- anstalteteS Unternehmen handelte, so konnte letzten Endes auch nur der Wilmersdorter Magistrat für die Kostendeckung in Betracht kommen. Daß hieran kein Zweifel war, zeigt die Antwort, die diese Behörde dem Beschwerdeführer hat zugehen lassen. Es wird darin aus- einandergesctzt, daß es sich in dem fraglichen Falle um einen heimatkundlichen Ausflug Wilmersdorfer Schulkinder in den Tiergarten gehandelt habe. Der Ausflug sei auf den 22. Mai ge- legt worden, damit die Kinder zum Schluß noch etwas von dem Einzüge der Fürstlichkeiten hätten sehen können.„Die Kinder", so heißt es wörtlich weiter in der Antwort,„haben im Schatten des Tiergartens etwa 1 Stunde gestanden oder gesessen. Das betreffende Mädchen, das ohnmächtig wurde, ist von dem Klassenlehrer im Automobil zur Unfallstelle gebracht worden. Die Fahrt hat der Lehrer sofort bezahlt. Von sonstigen Ansprüchen wußte die Schulleitung bisher nichts, da von der Rettungswache darüber nichts mitgeteilt worden war. Die in der Rettungswache entstandenen Kosten in Höhe von 1,50 Mark werden von der hiesigen Schulverwaltung beglichen werden." Sieht man davon ab, daß es eine recht gewagte Sache ist, einen heimatkundlichen Schulausflug mit dem Anstaunen der in Berlin eingezogenen Potentaten in Verbindung zu bringen, so hat die Wilmersdorfer Behörde in dem vorliegenden Falle ge- handelt, wie sie anstandshalber handeln mußte. Sie trifft keine Schuld. Desto fragwürdiger steht der Berliner Magistrat da. An ihn ist die Frage zu richten, ob es denn wirklich notwendig war, an jenem Tage, wo zehntausende Mark an Steuergroschen für Straßen- schmuck verpulvert wurden, die Eltern der im Gedränge erkrankten Kinder auch in dem Falle, wo es sich um eine amtliche Schul- angelegenheit handelte, mit einer Kostenrechnung abzustrafen? Ein solches Verfahren hätte allenfalls nur dann einen Sinn, wenn es als Denkzettel für Eltern und Schulbehörden gedacht war. Wollte der Berliner Magistrat derart auf Umwegen dem Hurra- Patriotismus einen Dämpfer aufsetzen? Vom Wohnungsamt. Der Magistrat hat zum Direktor des Wohnungsamtes, das am 1. Oktober d. I. seine Arbeiten aufnehmen wird, den Syndikus der Handelskammer in Göttingen Dr. Phil. Laporte gewählt. Dr. Laporte hat Nationalökonomie studiert und war früher Assistent am staatswissenschaftlichen Seminar und Vor- sitzender der Ortsgruppe Göttingen des Hansabundes. Außer- dem hat er vorher ein Jahr lang als wissenschaftlicher Hilfs- arbeiter beim Stadtmagistrat in Göttingen gearbeitet. Geburten und Sterbefälle in Groft-Berlin. Die vom Berliner Statistischen Amt herausgegebene Zeitschrift „Groß-Berlin, Statistische Monatsberichte" bringt in ihrem neuesten Heft eine für Groß-Berlin ausgeführte Zusammenstellung über die Geburten und Stcrbefälle aus 1912. DaS Ergebnis zeigt, daß die Geburtenminderung im letzten Jahr in dem ganzen Gebiet Groß- Berlin noch deutlicher hervorgetreten ist als in Berlin allein. Für Berlin allein stellte sich die Gesamtzahl der Geburten in 1911 auf 44 848(lebend 43 199, tot 1649>. in 1912 auf 44 303 (lebend 42 562, tot 1741), das heißt pro 1000 Personen der durch- schnittlichen Bevölkerung in 1911 auf 21,7(lebend 20,9, tot 0,8), in 1912 nur noch auf 21,3(lebend 20,4, tot 0,9). In Groß-Berlin, bestehend aus Berlin und 87 Nachbarorten, die fast sämtlich im Um- kreise von 15 Kilometer um das Berliner Rathaus liegen, wurden geboren in 1911 noch 82 291 Kinder(lebend 79 541, tot 2750), aber in 1912 nur noch 81916 Kinder(lebend 79 014, tot 2902), das heißt pro 1000 Personen der durchschnittlichen Bevölkerung im vorletzten Jahr noch 21,8(lebend 21,0, tot 0,8), aber im letzten Jahr nur noch 21,0(lebend 20,3, tot 0,7). Die Geburtenziffer, berechnet pro 1000 der Bevölkerung, war in 1911 für Groß-Berlin höher als für Berlin allein. In 1912 sank sie für Groß-Berlin so weil, daß sie noch unter diejenige für Berlin allein hinabging. Die S t e r b l i ch k e i t war in 1912 sehr viel geringer als in 1911. Berlin allein hatte im vorletzten Jahr 32 307 Sterbefälle, im letzten Jahr nur 29 980 Sterbcfälle(immer ohne die Tot- geburtcn), das sind 15,6 und 14,4 pro 1000 der Bevölkerung. In dem ganzen Gebiet Groß-Berlin, wie es oben umgrenzt wurde, starben(ohne die Totgeborene») im vorletzten Jahr 54 981 Personen, im letzten Jahr nur 51 572, sind pro 1000 der Bevölkerung 14,5 und 13,2. Das Jahr 1911 mit seinem ungewöhnlich heißen Sommer hatte sehr zahlreiche Säuglings st erbefälle gebracht, dagegen hielt in dem kühleren Sommer des JahreS 1912 die Säuglingssterblichkeit sich auf mäßigerer Höhe. Bon 1911 zu 1912 verringerten sich die Säuglings- sterbefälle in Groß-Berlin von 14 074 auf 11 198, in Berlin allein von 7462 auf 6031. Berechnet man den G. e b u r t e n ll b e r s ch u ß, so ergibt sich — wegen dieser bedeutenden Unterschiede in der Zahl der Sterbe- fälle— für igi2 es,, s-hr viel höheres PluS als für 1911. Der Ge- burtenüberschuß des ganzen Gebietes Groß-Berlin stellte sich in 1911 auf nur 24 560, aber in 1912 auf 27 442. Berlin allein war in 1911 mit nur 10 892, in 1912 mit 12 582 beteiligt. Ein geplantes Eisenbahnattentat? Amtlich wird gemeldet: Berlin, den 4. Juli. Heute vor» mittag gegen 9 Uhr 30 Minuten entdeckte ein Bahnwärter beim Streckenbegang zwischen den Bahnhöfen Neubabelsberg und Zehlendorf-Mitte, daß im Gleis Magdeburg— Berlin durch Lösen einzelner Schienenbefestigungen ein Anschlag versucht worden war. Die Kriminalpolizei hat mit einem Polizeihunde die Nachforschungen eingeleitet. Die königl. Eisenbahndirektion Berlin hat für die Ermittelung der Täter eine Belohnung von 600 M. ausgesetzt. F-liegerzusammenstoß in Johannisthal. Einen jähen Abschluß nahm der gestrige Tag auf dem Johannis- thaler Flugplatz. Bei dem schönen Wetter waren eine ganze Anzahl von Piloten zu Uebungsflügen aufgestiegen. Gegen 8 Uhr abends erhob sich auch der Aviatiker Hölscher auf einem A. S. G.- Doppeldecker in die Luft. Aus entgegengesetzter. Richtung steuerte Hauptmann F r i e d e I vom 5. Pionierbataillon durch die Luft. Aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache er- folgte plötzlich in einer Höhe von etwa 15 Metern ein Zusammenstoß der beiden Flugzeuge. Beide Apparate stürzten zur Erde und bildeten dort einen Trümmerhausen. Schnell war Hilfe zur Stelle. Die beiden verunglückten Piloten wurden rasch aus den Trümmern hervorgezogen. Oberstabsarzt Dr. K o s ch e I stellte fest, daß die Verletzungen des Hauptmanns Friede! nur leichterer Art seien, während der Flieger Hölscher schwere, auch innere Verletzungen davongetragen hat. Die beiden Verletzten wurden sofort in das Britzer Krankenhaus übergeführt. Ter gefälschte Scheck. Durch Unterschiebung eines gefälschten Schecks ist die Reichsbank von einem ihrer Angestellten, wahrscheinlich einem Hilfsarbeiter, um ungefähr 60 000 M. geschädigt worden. Im Hauptgebäude der Bank in der Jägerstraße ist ein Scheck über 60 000 M., der auf die Leip- ziger Filiale der Reichsbank lautete und dort einer Bersicherungs- gesellschaft gutgeschrieben werden sollte, mit einem anderen Ueber- Weisungsscheck, der auf das Konto eines Spießgesellen des Täters bei der Dresdner Bank in Stettin lautete, vertauscht worden. Durch die Reklamierung des Schecks durch die Leipziger Filiale und die Empfangs- bescheinigung der Dresdner Bank in Steltin kam die Reichsbank gestern auf den vor drei Tagen verübten Schwindel. Sie erstattete sofort Anzeige bei der Kriminalpolizei, die noch Donnerstag spät abends einen aushilfsweise beschäftigten Schreiber unter dem Verdacht der Täterschaft festnahm. Der Verhaftete befindet sich im Gewahrsam der Kriminalpolizei. Bisher konnte die Angelegenheit noch nicht weiter aufgeklärt werden, da der vermuiliche Täter entschieden in Abrede stellt, mit der Fälschung und Unterschiebung des Schecks irgend etwas zu tun gehabt zu haben. Den Kontoinhaber bei der Dresdner Bank in Leipzig, der am Tage nach der Ueberweisung den größten Teil des Geldes erhob, konnte man bisher noch nicht aus- findig machen._ Ein Opfer der Jahrhundertfeier. Einer Vergiftung durch Schwefeldämpfe ist gestern der Haus- wart Ferdinand Draheim aus Friedrichshagen erlegen. D., der fünfzehn Jahre hindurch in den Diensten der Gemeinde Friedrichs» Hagen gestanden, hatte während des vor mehreren Tagen statt- gefundenen Festzuges ein bengalisches Feuer abgebrannt. Er atmete dabei größere- Mengen von Schweseldämpfen ein und erkrankte dann derart, daß er nach dem Krankenhaus gebracht werden mußte. Gestern erlag der Beamte im Königin-Elisabeth-Hospital den Wir» kungen der verhängnisvollen Vergislung. D. hatte zuletzt die Ver- waltung des Friedrichshagener Polizeigefängnisses übernommen. Ein raffinierter Ringneppcr treibt gegenwärtig sein Unwesen. Der Gauner operiert in folgender Weise: Er spricht auf der Straße Damen an und erzählt ihnen in fast weinerlichem Tone, es ergehe ihm sehr schlecht. Er habe den ganzen Tag noch keinen Bissen Brot bekommen und sei der Ver- zweiflung nahe. Das einzige, was er noch besitze, sei ein Schlangen« ring, den er von der Mutter geerbt habe. Er bittet dann die Passantinnen flehentlichst, ihm doch den Ring abzukaufen. Er sei echt und auch der Stein sei ein echter Rubin. Durch fein mitleid- erweckendes Gebahren versteht es der Mensch auch, den„echten� Schlangenring los zu werden. Später stellt sich dann erst bei näherer Prüfung heraus, daß es sich um ganz billige Ringe, die einen Wert von einigen Pfennigen besitzen, handelt. Vor dem dreisten Gauner seien die Damen Großberlins dringend gewarnt. Bei einer Explosion tödlich verunglückt ist gestern nachmittag der 27 Jahre alte Meiereiarbeiter Johann Lojetvski, der in der Meierei"von Bolle in Alt-Moabit beschäftigt tvar. Lojcwski hatte gegen Abend auf dem Boden an der Zentrifugalinaschine zu tun. als diese plötzlich auf noch nicht geklärte Weise explodierte. Durch die umherfliegenden Eiscnteile der Zentrifuge wurde L. so heftig am Kopfe getroffen, daß er gegen die Wand flog und auf der Stelle verschied. Eine Fachausstellung des Tcntschen Tesinfektorenbundes findet vom 13. bis 16. Juli im„SJiarinchaus", Brandenburger Ufer 1, statt. Vermißt wird seit Montag ein vierzehn Jahre altes Mädchen Wanda Blume, Charlottcnbnrg, Pcstalozzistr. 103, bei den Eltern wohnhaft. Tie Eltern glauben, daß das sehr entwickelte Kind irgendwo festgehalten wird. Am Sonntag war es noch in einem Kino gewesen. Das Mädchen ist 1,54 Meter groß, trug einen dunkelblauen engen Rock, griingestreiste Bluse, gelbe Schuhe und weißen Hut. Wer Angaben über den Verbleib des Mädchens machen kann, wolle den Eltern Nachricht geben., Verloren. Etvva 50 Marken vom Deutschen Transportarbeiter- verband sind verloren gegangen auf dem Wege von der Wittstocker Straße(Moabit) nach der Waldstraßc. Ter Finder wird gebeten, dieselben Engel Ufer 14, 2 Treppen, abzugeben. Vorort- Nacbncbtem Neukölln. Errichtung einer Provinzial- Hebamme»- Lehranstalt in Reukölln. Die seit längerer Zeit schwebenden Verhandlungen niit der Provinzialverwaltung über Verlegung einer der großen sanitär«� Anstalten der Provinz nach Neukölln haben zu einem ErsoalAlgeführt. Der Provinzialausschuß der Pro- vinz Brandcnbl!?g hat vorbehaltlich der Zustimmung des Provinziallandtages beschlossen, die aus Anlaß des Re- gierungsjubiläums geplante Provinzial-Hebammen-Lehranstalt in Neukölln zu errichten und das hierfür gemachte An- gebot der Stadt auf unentgeltliche Hergabe von 13'/, Morgen städtischen Geländes am"Mariendorfer Weg anzunehmen. Die endgültige Beschlußfassung wird in der nächsten Provinziallandtagssitzung erfolgen. Die Anstalt ist eine Musteranlage großen Stils, die das ganze Jahr über geöffnet bleiben soll. Mit der Lehranstalt wird nach dem vorläufigen Projekt eine gynäkologische Abteilung verbunden werden, in der die Ausbildung von Wochen- Pflegerinnen in Lehrgängen von etwa dreimonatiger Dauer erfolgen soll. Das Projekt ficht u. a. Räunie für die Unter- bringung von 7l) Schülerinnen und 3 Säle für Wöchnerinnen vor, von denen 80 unentgeltlich Verpflegung finden sollen. Die Stadtverordnetenversammlung, die sich grundsätzlich bereits mit dem Projekt einverstanden erklärt hat, wird sich in der ersten Sitzung nach den Ferien mit der Angelegenheit be° schäftigen. Lichtenberg. Anlagr einer StraßcaSahnerfiedclung. Einer der wichtigsten Punkte auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung am 3. Juli betraf die Anlage einer Stratzenbahnersiedelung auf dem Gelände des ehemaligen Rittergutes Roeder in der Nähe des neuen großen Bahnhofes der großen Straßenbahngesellschast. Dessen An- läge macht den Zuzug einer großen Zahl Straßenbahner nach Lichtenberg notwendig. Die große Berliner Straßenbahn beabsichtigt nun, ftir etwa den dritten Teil ihrer in Lichtenberg wohnenden Angestellten eine Kolonie zu errichten. Das Gebiet wird imNordendurchdieStraßeS8, im Osten tyirch die Straße 23, im Süden durch das nördlich der Herz- bergstraße abzweigende Eisenbahnanschlußgleis und im Westen durch die Siegfriedstraße begrenzt. Das Siedlungsgelände wird in der Mitte von zwei 12 Meter breiten Hauptzugangsstraßcn und von mehreren 4 bis 8 Meter breiten Nebenstraßen durchkreuzt, deren Befestigung durch Teer- makadam erfolgt. Die Herstellung sowie die dauernde Unterhaltung dieser Privatstraßen einschließlich aller Nebsnanlagen wie der Kanäle liegt der Großen Berliner Straßenbahn ob und entstehen der Stadtgemeinde durch die Anlegung keinerlei Kosten. Innerhalb des Siedlungsgeländes werden nach dem eingereichten Projekte zirka 300 Zweifamilien-, zirka 100 Einfamilien- und etwa 170 Drei- und Vierjamilienhäuser für insgesamt etwa 2000 Köpfe errichtet. Die Häufer sind lediglich zum Wohnen der Angestellten bestimmt und ge- hört zu jedem Hause ein kleiner Garten. An dem Hauptguerweg in der Mitte des Siedlungsgeländes wird vor einem zirka Vs Morgen großen freien Platze ein Verkaufs- und Klubhaus errichtet, das den Angestellten zur Erholung und zur Förderung der Geselligkeit dienen soll. Von bürgerlicher Seite wurde beantragt, die Angelegenheit in die geheime Sitzung zu verweisen. Angeblich kämen geheim zu haltende Angelegenheiten zur Erörterung. Gegen den Widerspruch unserer Genossen wurde die Verweisung in die Dunkelkammer bc- schlössen. Und von hier aus schob man sie— Zeit gewonnen, viel gewonnen!— in eine Sonderkommission ab. Die eigentlichen Be- weggrllnde für den Widerstand wurden schon vorher angedeutet: man will den Hausbesitzern keine Konkurrenz machen. Da jetzt Ferienzeit ist, hofft man, die unangenehme Angelegenheit wenigstens aus die lange Bank geschoben zu habem Die Stadtverwaltung hatte bei der Eisenvahndirektion um Wiedereinführung der Sonntags-Nord- und Südringe auf der Stadtbahn petitioniert. Das Gesuch wurde abgelehnt. Eine er- neute Eingabe hatte denselben Erfolg. Die Eisenbahndireklion bestreitet in dem Antwortschreiben, daß die Bewohner des Westens auf der Stadtbahn begünstigt würden und die Einziehung der Nord- und Südringe an Sonnlagen irgendwelche Nachteile für die Be- wohner des Ostens im Gefolge Härten. Fertig!— Als Vorsitzenden des Kausmanns- und Gewerbcgerichts wählte die Versammlung auf weitere 3 Jahre den bisherigen Inhaber des Amtes, den Assessor Willweber.— Die Verbandsversammlung des Verbandes deutscher Gewerbe- und KaufmannsgeriSte— vom 18. bis 20. September in Leipzig— soll nach dem Vorschlage des Magistrats durch je einen Arbeitnehmer und einen Arbeitgeber beschickt werden. Genosse Grauer beantragte, je 2 Delegierte zu ent- senden; Genosse Becker befürwortete die Erhöhung d�r Diäten von 12 auf 15 Mark. Der letztere Antrag fand eine Mehrheit, der crstere verfiel der Ablehnung.— Für die weitere Ausschmückung der Mittelpromenade in der Frankfurter Chaussee werden weitere 1700 M. gefordert und be- willigt.— In der Sitzung vom 11. April d. I. hatte die Stadt- verordnetenversammlung beschlossen, daß in Zukunft„Lieferungen an die Magistratsmitglieder sowie Lieferungen an Stadtverordnete, die alz Kommissionsmitglieder auf die Vergebung von Lieferungen Einfluß haben, zu untersagen seien". Der Magistrat, teilweise als Jnlercssent, ist dem Beschlüsse nicht beigetreten. Augeblich haben sich aus dem bisherigen Verfahren, das die Vergebung von Liefe- rungen an Magistratsmitglieder und Stadtverordnete in keiner Weise behinderte, Mißstände nicht ergeben. Der Beschluß würde eine An- zahl Stadtverordnete und Magistratsmitglieder, auf deren Mitarbeit man nicht verzichten möchte, veranlassen, ihre Tätigkeit im Dienste der Stadt einzustellen. Gegen diese merkwürdige Begründung wandte Genosse Grauer ein, daß Lichtenberg zweifellos genügend Kräfte befitze, die ohne Sonder- interessen die Aemter übernehmen würden, wenn jetzt amtierende Stadtverordnete und Magistratsmitglieder, ohne Geschäfte mit der Stadt machen zu können,' nicht mitarbeiten wollen. In Berlin, auch Das imli man sehen In pBen ScIjntoren-Saiso�mM! D. CftO/ Preis- BlS|0 ermäßigimg! Braune Damen-Stiefel früh, ws«.so, M, 550 n Schwarze Damen-Stiefel mit Lack, m 395 m. Weiße Damen-Spangen Gr. seu. 37, jetzt 75 pi. Di?. HalbSChUhe braune u. schwarze v. 1M bis 4" M. Di?erse Herren-Stiefel........ 550 m. 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Der Magistrat will dem Antrage entgegenkommen durch Hergabe eines Platzes auf dem Terrain der Löper-Stiftung in Erbbaupacht, und zwar auf 30 Jahre zum jährlichen Pachtzins in Höhe von 1380 M. Das Grundstück hat einen Verkaufswert von 27 600 M. Die Vorlage soll noch näher erörtert werden, deshalb wandert sie in eine Kommission. Weißensee. Allzu viel ist ungesund! Die kürzlich stattgehabten National- feiern jagten sich förmlich und keine wird auf die Kosten gekommen sein. Die Volksschulen haben die Kinder nach dem Rennbahngelände „befohlen" mid so war einigermaßen Volk vorhanden. Ein nationales Komitee lud die patriotischen Vereine abends 6 Uhr zur Grundstein- legung eines Kaisersteins ein, die Beteiligung war nicht besonders. Dann folgten die höheren Schulen mit einer Extrafeicr und zum Schluß sollte noch was Großartiges geschehen. Einige Geistliche und ein Stadtmissionar wollten den nationalen Gedanken unterS Volk bringen und forderten die Bevölkerung auf, zu einem Feste nach dem Schloß zu kommen. Ein Festzug sollte den Akt eröffnen und eine Militärkapelle,— anders wird es hierorts nicht mehr gemacht—, spielte auf. Wenn eS viel waren, so folgten der Kapelle 150 Kinder einschließlich der Kurrende. Das war der grrroße Anfang dieser Festlichkeit. Der Besuch des Festlokals bot dasselbe Bild, und in seiner Festrede soll dann auch der Stadt- Missionar seinen Unwillen über das böse Volk Ausdruck verliehen haben. Voller Zorn bekannte er, daß der nationale Gedanke in Weißensee nicht hochzubringen sei. Die vielfachen Be- mühungen des Herrn Stadlmissionars, das verderbte Volk zur Umkehr zubringen, kann er auch durch seine Kurrende nicht erreichen, da sollte er sich dorthin wenden, wo das böse Uebel sitzt. Für die Arbeiterschaft zieht solch Mummenschanz nicht. Für die Klirrende hat sie höchstens Mitleid und sie wundert sich, daß es noch Eltern gibt, die ihre Kinder der Ausnutzung so frühzeitig preisgeben. Was sollte denn der Zweck sein für die Veranstaltung des National- festes und waS bezweckt die Kurrende, die von Tür zu Tür um ein Scherflein bittet. Steht nicht in der Bibel: Du sollst nicht Schätze sammeln, die der Rost und die Motten fressen! Herzfelde. Seinen Verletzungen erlegen ist jetzt der Kutscher des hier in der Lindenstraße wohnhaften Landwirts F. Weiche im Rüdersdorfer Ver- bandskrankenhause. Der Kutscher, ein bejahrter Mann, war am Montag auf der Berlin— Frankfurter Chaufiee in der Nähe von Vogelsdors von einem Fuhrwerk heruntergefallen und von demselben überfahren. �eisefütirer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts liindenstr. 69. 40 Mark Anzug oder Paletot n. Maß. Cut-away m. gestr. Hose 46 M. Gute Zutaten, auf Rotzbaar. 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