Pr. 170. Montagsausgabe BbomKmtnts-BedingunfltD: nomtmmtt- preis btiramtercnbo: BierteljSbrl. ZLZ Mk, monatl. l.10 M!. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hans. Sinzeine Ntnmner 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- BeUage»Die Neue Well' 10 Pfg. Post. Wonnement: l.IV Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,30 Marl, für das übrige klusland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemorl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. «chetol lZgNch. 30. Jahrg. Die TnicrtionS'Gebüiff Betrogt für die sechsgefhaltene Kolonei- »eile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und VersammInungS-Anzeigen S0 Ptg. „Uleine Snreigen", daS fettgedruckte Wort 20 Pfg. lzulSssig 2 fettgedruckte Worte), jedes wtttere Wort 10 Pfg. Stellengesuche imd Schlasstellenan- zeigen das erlte Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 1k Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis t» Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Deleoramm- Adreffe: „Sszialiiemohrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokrattfchen parte» Deutfcblands. Redaktion: 8RI. 68, Lindcnftraßc 69. Fernsprecher: Amt Morihplatt, Nr. 1.883. Montag, den 7* Jnli 1913. Expedition: 8Al. 68, binden ftraße 69. Fernsprecher: Amt Morillplatt, Nr. 1881. Horrliption. Vor einigen Tagen zeigte der„Vorwärts" die Bühnen- mache unserer Lustbegeisterungskomödie. Das naive Publikum sieht-nur das bestechende szenische Bild, hört nur die pathetischen Deklamationen des nationalen Demagogentums: Deutschland in der Welt voran auch bei der Lusteroberung I Es ist eine Ehrensache für die sonst so hoch entwickelte deutsche Technik, sich nicht ins Hintertreffen drän- gen zu lassen. Erfinderehrgeiz und ungestümer Tatendrang unserer Jugend brennen danach, das Problem der Luftbeherr- schung restlos zu lösen. Nicht minder gebietet die Wehrhaft- machung unseres geliebten deutschen Vaterlandes die rastlose Fortentwickelung unseres Luftmilitarismus. Darum: unser deutsches Erfindergenie, unsere herrliche Fliegerjugend, unser alter deutscher Idealismus bipp hipp Hurra! Und nun guckst Du hinter die Kulissen. Wo bleibt da das Erfindergenie, die Fliegerjugend, der Idealismus I Die Erfinder saugen Hungerpfoten. Die alten, die vor etlichen Jahren Geld und Nervenkraft geopfert, um selbständige Flug- zeugtypen zu schaffen, wie die neuen, die von den großen Militärlieferanten platt an die Wand gedrückt werden und vergebens um eine Subvention aus der famosen National- flugspende betteln. Die Flieger, die schon seit jeher von den Unternehmern als armselige Handlanger behandelt und jammervoll entlohnt wurden, werden durch die Kon- kurrenz, die ihnen die Nationalspende auf den Hals gesetzt, vollends zu den bemitleidenswertesten der Proletarier degra- diert. Die Fabriken haben nicht nur für ein Trinkgeld die Auswahl unter ihnen, sie können sie auch ducken und demütigen nach Herzenslust. Und vollends der Idealismus! Staat und Kapital drückten sich um die Wette, als es galt, der Flugtechnik in der ersten schwersten Zeit beizuspringen. Erst als die Militär- lieferungen den Flugzeugbau zum profitablen Geschäft machten, beteiligten sich potente Kreise. Bis dahin war Luft- schiff- und Flugwesen die Domäne des dubiosesten Gründer- tums gewesen. Darin aber gleichen sie sich alle, die Gründer von gestern, von heute und von morgen, daß ihr„Jdealis- mus" nur das eine reale Ziel kennt: Geld zu machen auf Kosten des Volkes, zu verdienen an dem Luftmilitarismus, soviel sich nur unter raffiniertester Ausnutzung der künstlich erzeugten Massenstimmung verdienen läßt! Till Stimmungsmache ist die Hauptsache. Wie wäre es möglich gewesen, bei der Wehrvorlage rund 150 Millionen für den Luftmilitarismus durchzudrücken, wenn die Oefsent- lichkeit nicht durch die'Presse so trefflich bearbeitet worden wäre. Wie aber die Panzerplatten- und Kanonenlieferanten die Presse ihren Zwecken dienstbar zu machen verstanden hcchfn, so hat sich auch der Luftmilitarismus seine publi- zisisichen Handlanger gewonnen, die eine außerordentliche Be- triebiamkeit entfalten. Wenn heute eine Anpreisung unserer Lenkballons erfolgt und morgen eine Verherrlichung der Flug- Maschine, und das tagaus, tagein so weiter geht, so müssen ja die Aktien unseres Luftrüstungskapitals steigen! Wie die Luftreklame aber gemacht wird, das hat uns ein Eingeweihter selbst erzählt, Herr Artur Müller, der vielseitige Gründer der Flugplatz, und Terrain-Gesellschast Johannisthal. Er berichtet uns, daß mehrere als höchst reputierlich geltende Persönlichkeiten in gesellschaftlich hochangesehener Stellung einfach B e st ech u n g s g e Iber genommen haben, um in der Presse Reklameartikel für die„IIa", � Frankfurter Luft- schiffahrtsausstellung, zu veröffentlichen. Wir haben den Fall bereits vor einigen Tagen angedeutet. Da aber die ganze bür- gerliche Presse sich in allen Tonarten ausschweigt, müssen wir schon etwas deutlicher werden, um diese schläfrigen Hüter der publizistischen Moral endlich mobil zu machen. Herr Artur Müller behauptet also, und zwar ganz offen- bar gestützt auf die Zeugenschaft des Majors a. D. von Tschudi, daß der Berliner Justizrat E s ch e n b a ch Herrn v. Tschudi' der damals, 1909, Direktor der IIa war, den freundschaftlichen Vorschlag gemacht habe, einige Tausend Mark für die Be- stechung von Berliner Journalisten auszuwerfen, die günstige Berichte über die IIa in die Presse lancieren sollten. Unter 1090 M. für jeden Journalisten sei jedoch nichts zu machen. Major v. Tschudi befragte darüber den Präsidenten der IIa, den Geh. Kommerzienrat Gans. Ter willigte ein und so meldete dann der Direktor der IIa dem Justizrat Eschenbach, dag er akzeptiere. Als die gefälligen Journalisten stellten sich Üan«?lö darauf in Frankfurt vor der Hauptmann a. D. v. H r I d e b r a n d t und der Meteorologe Professor Dr. Stade! mnr �5"��-dieser Affäre, dem Justizrat Eschenbach, war aber das Geschäft nicht großzügig genug. Er setzte— immer nach der Tarstellung des Herrn Artur Müller und Sf v. Tschudi- eine Zahlung von s irnfJ*-■a � die Berichterstattung für die Mosse- und Ullstem�reise je 1000 M. Kosten verursache. In Wirk- stchkeit �reni.� wurde von H i l d e b r a n d t nur ein Redakteur K i eck e n gegen Zahlung von 100— hundert— M. bestimmt, die nn Mope- und� Ullstein-Verlag erscheinenden Blätter zu laueiben. � n die restlichen 3900 M. teilten sich zu gleichem Part die Herren �imenback». Hildebrandt und Professor Stade. Der Fall des RedaktÄirs Riecken liegt offenbar harmloser. Der Mann ist vermutlich ein armer Teufel, der die Reisekosten nach Frankfurt nicht riskieren mochte. Um so schlimmer liegen die Dinge bei Hildebrandt und Stade. Gerade sie, die im Vordergrund der lufttechnischen Propaganda standen, hätten von den Interessenten auch nicht einen Pfennig nehmen dürfen. Bot die IIa Interessantes und die Sache Förderndes, so war es ja ihre Pflicht, sie publizistisch zu unterstützen und sich mit den Honoraren der Scherl-Presse usw. zu begnügen. Aber die Herren standen offenbar dem Gründertreiben zu nahe, um nicht auch vom Geiste des Geschäfts angesteckt zu werden. Warum sollten nur Geldmenschen und Gründer Geld in den Beutel tun und nicht auch sie, von deren journalistischer Re- klame doch so viel abhing! Diese Geschäftsverbindung zwischen Journalisten und Kapitalisten ist ja nichts Neues. Der Bericht der Börsen- enquetekommission vom Jahre 1894 enthüllte deutlich genug die metallischen Beziehungen zwischen der Presse und der Finanz. Ein von der Kommission vernommener Sachverstän- diger, Generalkonsul Rüssel von der Diskontogesellschaft, gab unumwunden zu, daß er Redakteure empfange, um durch sie Mitteilungen in die Presse zu lancieren. Ja, er fand nicht einnial etwas Bedenkliches darin, daß Banken Journalisten für solche Dienste bezahlen. Nur müsse sich das Verhält- nis„in den Grenzen einer ehrlichen und ordentlichen Leistung und Gegenleistung halten". Anders urteilte der gleichfalls als Sachverständiger vernommene Handelsredakteur der „Kreuzztg.", der zwar das weitverbreitete System der Be- zahlung durch die Banken bestätigte, es aber als Bestechungs- system verdammte. Wohin denn auch die„ehrliche und ordentliche Leistung und Gegenleistung" führt, das bewies 1901 der Dresdener Presseskandal. Die ganze bürgerliche Dresdener Presse, einschließlich des„königlichen"„Dresdener Journals", mußte damals ihre Börsenredakteure hinaus- werfen, weil sie als bezahfte Kreaturen der Dresdener Kredit- anstatt für Handel und Industrie die heillose Mißwirtschaft des Instituts hatten cachieren helfen und für den Ruin von Tausenden mitverantwortlich waren. Sehr selten nur gelingt es, diese Korruptton aufzudecken. Auch die Bestechungsaffäre der IIa ist ja nur dadurch ans Tageslicht gekommen, daß ehemalige Freunds und Komplizen sich in die Haare gerieten. Weder Herr v. Tschudi noch Herr Artur Müller hätten jemals aus der Schule geplaudert, hätten nicht Konkurrenzneid und Mißgunst beide Parteien zu wilder Bruderfehde getrieben. Was mag sich da alles an unsauberen Affären für immer der Öffentlichkeit entziehen! Die Korruption ist unvermeidlich. Sie liegt im System. Die Jagd nach Profit ist nun einmal das A und O unseres Kapitalismus. Was der Kapitalismus angreift, verwandelt er in ein brutales Geschäft. Patriotisch ist, was recht hohe Prozente abwirft. Wenn die Dynastie Krupp das Bedürfnis nach einer Betriebserwefterung und Profitsteigerung ver- spürt, ist es vaterländische Pflicht, eine Artillerie- oder Flot- tenvorlage zu bewilligen. Seit Luftschiffahrt und Flug- Wesen durch die Militärvorlagen profitabel geworden, sind die abenteuerlichsten Luftrüstungen eine nationale Ehren- Pflicht. Die Presse macht sich das interessierte Kapital so oder so willfährig. Es kauft Blätter� ködert andere durch Jnse- ratenaufträge oder es greift zur plumperen oder feineren Bestechung einflußreicher Journalisten. Unser öffentliches Leben, unsere Presse sind so um einen Skandal reicher, das Volk um eine Erfahrung klüger. Wer, obwohl er an dem kapitalistischen Freibeutersystem nicht materiell interessiert ist, noch immer nicht begreift, daß die Korruption nur auszurotten ist durch den Kampf gegen die Rüstungshetze und den Kapitalismus selbst, dem ist nicht zu helfen! hauptet werden. Genosse Lietzsch blieb aber von nun an mit der parlamentarischen Arbeit innig verbunden, denn am 1. Juli 1912 betraute die Reichstagsftaktion ihren früheren Kollegen mit dem wichtigen und verantwortlichen Posten eines Sekretärs, und Ge- nasse Lietzsch hat die Erwartungen, die man in ihn setzte, auch in dieser Stellung voll erfüllt. In ihm lebte das sozialistische Ideal, und er hat diesem Ideal treu und unermüdlich gedient. Er war ein prächtiger Repräsentant jener Arbeiter, die sozialistische Ueber- zeugung anspornt, unaufhörlich an sich selbst zu arbeiten, immer wieder zu lernen, um immer besser kämpfen zu können. Neben seiner ausgebreiteten agitatorischen und organisatori- schen Tätigkeit arbeitete Genosse Lietzsch auch schriftstellerisch und wir verlieren in ihm einen tüchtigen Mitarbeiter, dessen Beiträge stets wertvollen Inhalt boten. Nun hat ein tückisches GeschiA diesen jungen und doch schon so erfahrenen Kämpfer aus unseren Reihen gerissen. Eine Frau und vier kleine Kinder trauern an diesem Sarge und mit ihnen die deutsche Arbeiterschaft, die ihrem treuen Sohne stets ein ehrendes Andenken bewahren wird. I �ricdricl) Zletzfcb. Unser- Genosse Lietzsch ist Sonntag vormittag nach kurzem Leiden gestorben, eine Nachricht, die, indem sie völlig unerwartet kommt, uns doppelt schmerzlich trifft. Genosse Lietzsch ist am 23. April 1877 in Berlin geboren, aber so kurz dieses Leben war, so reich ist es an nie erlahmendem Streben und unermüdlicher Arbeit im Tienste der Arbeiterklasse gewesen. Genosse Lietzsch war Porzellanarbeiter und als solcher hat er in jungen Jahren ein gut Stück Welt gesehen; in der Schweiz, in Wien und Paris hat er sein Handwerk geübt. Nach Deutschland zurückgekehrt, errang er sich rasch die ehrende Anerkennung seiner Kollegen sowohl in der Gewerkschaft als auch in der Partei. Bald beriefen sie ihn in führende Stellungen. 1999 bis 1993 war Ge- uosse Lietzsch Redakteur im„Saalfelder Volksblatt" und schon mit LS Jahren wurde er 1992 Landtagsabgeordneter in Sachsen- Meiningen. Von 1993 an war er wieder in Berlin tätig und leitete die „Ameise", das Organ des Verbandes der Porzellanarbeiter. Er war auch internationaler Gewerkschaftssekretär und nahm als solcher an den Kongressen seiner Berufskollegen in Frankreich und England teil. 1998 wurde er zum Stadtverordneten in Char- lottenburg und 1999 bei der Nachwahl in Koburg in den Reichstag gewählt, doch konnte das Mandat bei der letzten Wahl nicht be- Der Krieg der verbiiiMe». (Von unserem Korrespondente n.)' Wien, 5. Juli. Das Schlachten und Morden auf dem Balkan hebt also von Neuem an. Dieser Krieg ist so-sinnlos, steht mit dem, was in ihm errungen werden kann, in so schroffem Mißver-- hältnis, daß man gar nicht erstaunt wäre, wenn er so plötzlich für aufgehoben erklärt würde, wie er plötzlich und ohne Ver- nunft ausgebrochen ist. Man hat den Zwist zwischen Bulgarien und Ser- bien und zwischen Bulgarien und Griechenland allmäh- lich entstehen und wachsen gesehen, daß man sich der unsagbaren Schändlichkeit dieses Mordens der Bundes- genossen gar nicht mehr bewußt ist. Aber in Wahr- heit, welch ein erbärmlich Schauspiel! Man sollte jetzt die Manifeste nachlesen, mit denen der Balkanbund im vergan- genen Herbst den Türkenkrieg rethorisch einleitete! Damals war es ein Kreuzzug gegen die Ungläubigen; von der Be- freiung der Christen hörte man tönende und stolze Worte, von der Gemeinbürgschaft der christlichen Kultur, von der slawischen Blutbruderschaft, von dem kommenden Reich des Friedens und der Gessttung auf dem Balkan. Das alles ist noch nicht neun Monate her, und heute bezichtigen sich die Bundesgenossen von gestern der fcheusäligsten Dinge, heute Wersen sie einander die grimmigsten Beschuldi- gungen hageldicht ins Gesicht! Gemeinsam überstandene Gefahr kettet schon die einzelnen Menschen unauflöslich an- einander, und der Mensch würde ein Verkommener gescholten werden, der den Freund und Genossen, mit dem er gestern schwere Not überwand, heute verraten und anfallen wollte- Und diese Völker, die sich erhoben hatten, um das Joch des türkischen Eroberers und Bedrückers zu sprengen, die fallen nun übereinander her und beginnen das Zerfleischungswerk, weil sie sich über die Teilung der Beute nicht verständigen können! Und dabei ist für keinen das, was er begehrt, eine Lebensfrage, kaum ein nennenswertes Interesse! Sie alle sind doch durch den Sieg über die Türkei unermeßlich bereichert Wörde», weit über ihre Erwartungen bereichert worden, und sie machen nicht einmal den Versuch einer ernsthaften Aus- einandcrsetzung, obwohl es sich um Forderungen und Ver- Weigerungen handelt, bei denen sich ein Ausgleich unschwer erzielen ließe, ein Ausgleich überdies, bei dem es den Streiten- den an Beratern und Helfern Wohl nicht gefehlt hätte! Der Krieg um die Verteilung der Beute zeigt der Welt, was es mit den Großsprechereien von der gemeinsamen heiligen stawischen Sache auf sich hat, zeigt die ganze Hohlheit und Nichtigkeit des Panslawismus, der der nebelhaften Rassenzugehörigkeit die Kraft und Weihe eines unerschütter- baren Bandes zuschreibt, deutlich auf. Und wie töricht war es von der europäischen Diplomatie, diesen Balkanbund ernst zu nehmen, ihm eine ewige Geschlossenheit zuzuschreiben, die die militärische Kräfteverteilung in Europa von Grund aus umstürzen werde! So von Grund aus, daß Herr von B e t h- m a n n H 0 l l w e g die große Rüstungsvorlage damit recht- fertigen wollte� daß der Balkanbund zu der dem Dreibund gegnerischen Koalition in Europa beizuzählen sei! Und heute, ehe noch die Erde das vergossene Blut aufgesogen hat, stehen die Bundesgenossen, mit deren Einheit und Geschlossen- heit der Panslawisten Europa schrecken wollten, und die das Hauptargument für die Abwehrrüstungen zu liefern hatten, in erbitterter Fehde und haßerfüllter Feindseligkeit gegenein- ander! Es war eben, allen Jubelhymnen über die„gemeinsamen slawischen Siege" zum Trotz, der Balkanbund nur ein Geschäfts- vertrag für ein bestimmtes Unternehmen, und nachdem dieses glücklich zu Ende gebracht war, lebt der Balkankrieg, der seit Jahrzehnten auf mazedonischem Boden zwischen Serben, Bul- garen und Griechen geführt worden ist, in anderer und größerer Form auf. Im großen Stil eines Staatenkrieges kommt zum Austrag, was sich seit einem Menschenalter vor- bereitet hat. Die großen Agitationsersolge des bulgarischen Exarchats haben Mazedonien für den Anfall an Bulgarien vor- bereuer, Ssrben unb Grieche� biesekt Erfolg blufig Bejlrttiffft. Jetzt sollen die Maschinengewehre und Geschütze entscheiden, was die Bomben und die Schulen, die Bandenführer und die Priester vorbereitet haben. Wessen„nationaler" Anspruch auf das mazedonische Gebiet berechtigter sei, ist eine Frage, die bei diesem Pölkergemisch überhaupt nicht zu entscheiden ist, denn auch heule, nachdem eine jahrelange, mit allen Mitteln betriebene Agitation von allen Seiten ihr scheidendes und ein- ordnendes Werk getan hat, dürste die Bauernmasse Maze- doniens kein Bewußtsein einer nationalen Zusammengehörig- keit haben. Tie vernünftigste Lösung dieses Völkerproblems wäre wohl die Autonomie Mazedoniens. Wo ist aber in diesem Rassen- und Machtkriege für Vernunft noch Raum! Wie immer die Würfel dieses Krieges fallen mögen: die Frage Mazedoniens wird noch lange für die streitenden drei Staaten das Kampfobjekt bleiben, und Friede wird zwischen ihnen nicht werden, auch wenn sie schon Frieden geschlossen haben. Und wenn etwas den Abscheu von diesem Blutvergießen, cht dessen Barbarei die Menschheit noch einmal die vcr- wüstende Gewalt des Krieges erkennt, nach hätte steigern können, so ist es wohl der Ueberfall, den nun Rumänien Vorbereitet. Und daß dieses Rumänien, das eine so nichts- nutzige Infamie verbricht, von der europäischen Tiplomatie noch verhätscheil wird, gehört sicherlich zu den Tingen. die uns erkeniieit lassen, wie es um Recht und Menschlichkeit in der kapitalistischen Welt steht. Rumänien bereitet einen Ein. fall ins bulgarische Gebiet vor. dem natürlich ein großer Raub folgen soll. Womit könnte Rumänien diesen Ueberfall rechtfertigen? Es hat mit Bulgarien keinen wie immer ge- arteten Streit gehabt: denn der Umstand, daß die Bulgaren über die Türken glänzende Siege erfochten haben, ist doch keine Unbill, die Rumänien angetan worden wäre. Auch auf das nationale Recht kann sich Rumänien nicht berufen, denn das Gebiet, das es besetzen will und in Anspruch nimmt, ist ausschließlich von Bulgarien bewohnt. Rumänien wagt den Einfall in das bulgarische Land nur. weil sich Bulgarien in den schwersten Bedrängnissen befindet, weil es, die Hyäne dieses Schlachtfeldes, auf ungefährliche Weise einen großen Fischzug machen zu können glaubt. Wenn in den Verhält- nissen der Staaten Recht und Billigkeit noch eine Stätte hätten, so niüßte Rumänien gewärtigen, ob seines schäbigen Handelns überall Verachtung zu ernten: statt dessen sehen wir, daß sich die ganze europäische Staatenwelt in Umschmeichelun- gen Rumäniens gefällt und seinem Beginnen den besten Er- folgt wünscht, wenn man dabei nicht gleich mithilft! Eine taubere Ordnung, in der ein Ueberfall von hinten als sitt- liche Tat gewertet wird! Freilich können sich die Rumänen damit entschuldigen, daß sie zu ihrem Beutezug von dem Dreibund, insbesondere von Oesterreich-Ungarn geradezu angestiftet worden find. Hat man sie nicht von Wien unausgesetzt ermuntert, ja nur tüchtig zu fordern: und trat man ihnen nickt ununter- brachen versichert, man würde schon dafür sorgen, daß sie bc- kommen, was zu verlangen sie ein so gutes Recht haben? Freilich hat es der gute Graf Berchtold anders gemeint und sich die Sache umgekehrt vorgestellt. Er hat Rumänien gegen den Balkanbund vorgeschoben und dessen Begehrlichkeit aufge- stachelt, unr den damals einigen Bund Serbiens und Bulga- riens gleichsam in Schach zu halten: aber statt daß Rumänien, wie es sich der dilettantische Berchtold dachte und erhoffte, ein Instrument gegen Serbien geworden ist. wohin die Politik des Ballplatzes zielte, als sie Rumänien gegen den Balkan- bund hetzte, ist Rumänien heute ein Helfershelfer der Serben: indem es gegen Bulgarien ausrückt, kommt es den Serben zu Hilfe! Und die rumänische Mobilisierung steigert die Ge- fahr dieses Krieges, der nicht enden will, ins Unheimliche. Auf dem Ballplatz bildet nian sich ein, die Rumänen zu be- wegen, sich mit einer vergleichsweise bescheidenen Konzession zu begnügen: aber der Appetit kommt unter dem Essen, und wenn Rumänien einmal eine Armee von einer halben Million Soldaten aufgestellt hat, wird ihm der Appetit wahrscheinlich rasch kommen. Heißt cS doch schon heute, daß Rumänien die „Linie" von Rustschuk bis Varna als seine„natürliche" Grenze beansprucht, daß also seine letzte Absicht dahin geht, Bulgarien, seinen gefährlichsten Nebenbuhler auf den: Balkan, zum Ver- bluken zu bringen. Damit eroffnöt sich ober die Aussicht auf ein allgemeines Morden auf dem Balkan, und damit steigert sich die Ge- fahr, daß in dieses Blutvergießen auch die Großmächte hineingezogen werden können. Dieses kapitalistische Europa, von Eigennutz geschüttelt, und des sittlichen Bewußtseins völlig entäußert, ist eben unfähig geworden, Recht und Moral gegen die entfesselte Barbarei zu vertreten, muß sie also toben und wüten lassen bis zur Er- schöpfung. Die Kriegslage. Tie Balkanstaaten haben nunmehr die diplomatischen Beziehungen abgebrochen und ihre Ge- sandten abberufen. Tie Kämpfe dauern fort. Ihr Ergebnis wird ganz verschieden dargestellt. Während die Bulgaren sich ihres Sieges über die Timok-Tivision rühmen und jeden Sieg der Serben in Abrede stellen, müssen die' Serben allerdings zugeben, daß die Bulgaren im Süden einen Teilerfolg errungen hätten. Aber sie sprechen diesem jede Bx. deutung ab. Er könne mit den Erfolgen der serbischen Armee einen Vergleich nicht aushalten, welche verschiedene Punkte von der größten strategischen Bedeutung, wie z. B. Retke Bukve und Raitschani. genommen habe und den rechten Flügel der Bulgaren, welcher die bulgarische Hauptmacht darstelle, zersprengte. Tie serbischen Truppen auf dem rechten bul- garischen Flügel seien weit in bulgarisches Gebiet eingedrun- gen, während die bulgarischen Truppen nur bei Krivolak an einem einzigen Punkte serbisches Gebiet besetzt hätten. Immerhin ist es bemerkenswert, daß das serbische Regierungsorgan ausführt, eine direkte Ver- st ä n d i g u n g zwischen den Serben und Bulgaren dränge sich von selbst auf als Kombination zur Wiederherstellung der gestörten Eintracht auf dem Balkan. Bedauerlicherweise sei es aber schwer, sich angesichts der Phantasien und größen- wahnfinnigen Ideen der bulgarischen Staatsmänner und Po- litiker einem Optimismus hinzugeben. Das klingt immerhin nicht ganz unversöhnlich und nicht ganz siegesgewiß. Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Belgrod, 6. Juli. Ter serbische Geschäftst rä g e r iu Sofia wird heute die bulgarische Regierung mittels einer Note davon verständigen, dafi infolge deS tückischen Ueherfalls der bulgarischen Armee vom 3l>. Juni und weiterer Ueberfälle, es voll- kommen erwiesen erscheint, daß die bulgarische Regierung, von un- begreiflichem Hasse und Feindseligkeit geleitet, den Krieg gegen Serbien ohne Kriegserklärung eröffnet und hiermit den Bund und das Freundschaftsbündnis zerrissen hat. Bon heute an be- trachtet daher die serbische Regierung alle Bezichun. gen mit Bulgarien als abgebrochen und ruft ihren Gesandten ab. Abreise des griechischen und bulgarischen Gesandten. Sofia, 6. Juli. Infolge der Abreise des griechischen Gesandten Panas ordnete die Regierung gestern au. daß der bulgarische Gesandte in Athen, Hadji M i s ch e w, seinen Posten verlassen und die Archive der russischen Gesandtschaft anvertrauen soll. Vordringen der Bulgaren. Sofia, 6. Juli. Nachdem die Serben vor einigen Tagen mit starken Kräften in bulgarisches Gebiet eingedrungen waren, erhielt die bulgarische Armee Befehl, ihrer- seits die Grenze z u überschreiten. Taher griff sie gestern den S v e t i N i k o l a- P a ß an, schlug sechs serbische Bataillone in die Flucht und verfolgte sie. Tic Bulgaren er- beuteten sechs Kanonen. Zsolgc» der Mobilifierung. Bukarest, S. Juli. Die Wirkungen der Mobili- s i e r u n g auf das öftentliche und private Leben beginnen sich zu zeigen. Infolge Mangels an Personal werden die kleineren Berwaltungen. Banken und Bureaus geschlossen. Die Z e i- t u n g e n beschränkten sich in ihren Ausgaben auf zwei Seiten, ivaS sowohl aus Mangel an Personal, als auch auS Mangel an Papier notwendig wird, dessen Zufuhr infolge der Einstellung deS Mockenkilm. ... Dieweil deS Menschen Fürrecht Lachen ist. Rabelais. Berlin O.. 4. Juli 1913. Sehr geehrte Redaktion! Vielleicht lassen Sie auch wieder einmal einen liberalen Bürgersmann zu Worte kommen, nachdem Sie Ihrem konservativen August und Mitarbeiter immer wieder Ihre Spalten geöffnet haben. WaL mich gar nicht wundert, indem daß der He�r Abgeordnete Kopfch einmal in unserer Bezirtsvercinsversammlung in einem Vortrage gesagt hat, daß zwischen der Junkerrcattion und dem sozialdemokratischen Radikalismus eine gewisse Seclcnver- wandtschafl bestehe. Außerdem ist mein steifes Genick auch weg. und ich kann ohne die Hilfe meiner Frau mich mit politischen Fragen beschästigen. Da möchte ich Ihnen zunächst einmal meine Meinung über die Erfurter Kriegsgerichtsgeschichte sagen, über die Sie so viel Ge- schrei gemacht haben. Gewiß, das ist ja sehr schlimm für die ver- sosfenen Landwehrleute, wenn sie nins Jahre ins Zuchthaus oder ins Kittchen müssen. Und für ihre Familien auch. Aber Ordnung, Zucht und Disziplin muß sein. Dafür treten auch wir liberalen Bürger ein. Ich gönne es den Leuten gern, wenn sie ein paar Jährchen weniger zu brummen haben, aber einen Denkzettel müssen sie kriegen. Mein Freund und Vereinskollege Distclmeycr zeigte mir vorgestern im Cafe einige Zeitungen, wo über den Fall ge- schrieben haben. Was die konservativen Zeitungen darüber ge- schrieben haben, davon will ich als liberaler Bürger nicht reden. dazu kann sich ja Ihr konservativer August äußern, in den seinen Augen sind wir ja doch nur Spießer oder Philister. Aber was ein liberales Blatt, die„Magdeburger Zeitung" glaube ich war es, geschrieben hat. das legt den Finger in die offene Wunde. Jawohl, das Blatt bat Recht. In Erfurt saßen Sie, die Sozialdemokraten auf der Anklagebank. Wenn Ihr nicht den sieben Arbeitern mit Eurem Organisationsschwindcl, Euren blutrünstigen VolkSvcr- sammluugSphrasen und Euren giftigen Flugblättern und Zeitungs- ortikeln den Kopf verkeilt hättet, würden sie sich nicht an den Herrn Gendarmeriewachtmeister und de» Herrn Polizeisergeanten vergrissen haben. Ohne Ihre Verhetzung wäre in den Landwehr- leutcn auch im Suff das Bewußtsein lebendig gewesen, daß sie am Kontrollversammlungstage bis Punkt 12 Uhr nachts königlich preußische Kommißsoldatcn sind und sich als solche zu benehmen haben. Von Eurer Verhetzung können wir liberalen Brotgeber, da Wir uns oft mit Arbeitern, die in den sozialdemokratischen GeWerk- schaften organisiert sind, herumärgern müssen, auch ein Liedchen singen. Und wenn dann, wie im Erfurter Falle, der Alkohol noch dazu kommt, dann werden alle von Euch entfesselten bösen Instinkte lebendig und aller Respekt vor der Autorität geht zum Teufel. Darum hat das Magdeburger Blatt ganz recht, wenn es Euch für das Erfurter Urteil verantwortlich macht. Darum ist auch ein großer Unterschied zwischen der bösartigen. sozusagen politisch vergifteten Besoffenheit und der. ich will mal sagen, anständigen Besoftenhett. Wenn ich mir mal einen Assen kaufe, dann bin ich der gemütlichste Mensch von der Welt und habe mich nur mit meiner Alten auseinanderzusetzen. Und daS geht keinem was an. Und wenn Studenten sich sternhagel voll. pumpen und, wie das in Bonn, Marburg, Halle usw. geschah, wovon Sie so großen Lärm machen, Polypen verhauen, Polizeiwachtstuben stürmen oder Eisenbahnwagen demolieren und Babnschwellen auf. reißen, so geschieht das nur in jugendlichem Ungestüm und un- beeinflußt durch irgendwelche autoruätsfeindliche Verhetzung. Daß solche Lappalien mit ein paar Mark Geldstrafe abgetan werden, muß doch jedem vernünftigen Menschen einleuchten. Ter alte Herr schickt dem studierenden Sohn, der einen Polypen«in paar Löcher in den Kopf geboxt hat, ein paar blaue Lappen mehr zum Monats- Wechsel, damit er die Geldstrafe bezahlen kann, und die Sache ist damit abgetan. Aber bei Arbeitern muß das Gericht die bösartige, unbotmäßige Gesinnung mit in Betracht ziehen, das ist eben ganz etwas anderes. Sic werden freilich sagen wollen, die in Erkürt Verurteilten wären gar keine Sozialdemokraten. Aber im Ableugnen sind Sie ja groß. Das kennt man als liberaler Politiker schon. Hat Ihnen doch sogar die„Berliner Volkszeitung", wo doch gewiß ein demo- kratischeS Blatt ist, dieser Tage gesagt, was für eine terroristische Gesellschaft Sie und Ihre Anhänger sind. Ueberhaupt was Sie den Arbeitern heutzutage für Ideen bei- bringen, das gel» bald auf keine Kuhhaut mehr. Davon habe ich dieser Tage wieder so ein schönes Beispiel erlebt. Und das kam so: Ich mache natürlich jedes Jahr mit meiner Familie eine Sommcrrcise nach Ahlbcck an der Ostsee. Denn erstens kann man es sich leisten, zweitens muß man es schon wegen des Re- nommeeS vor den Bekannten tun, und drittens ist es dort sehr gemütlich. ES ist dort sehr viel anständige» Berliner Publikum: man hat seinen Stammtisch, seinen regelmäßigen Skat, kurz, es ist wie zu Hause. Gehe ich da kürzlich mit meinem Dienstmädchen aus den Boden, um die Reisekörbe und Koffer herunterzuholen. Da begegnet mir oben einer von meinen Mietern, einer von Ihrer Kulör, aber sonst ein ganz anständiger, fleißiger Kerl, und sein- Miete bezahlt er auch pünktlich. Er hilft mir. die großen Reise- körbe durch den schmalen Bodengang ziehen, und wir kommen in» Eisenbahnverkehrs beschränkt ist. Der Versuch einizer Kaufleut«. die Lebensmittelpreise zu erhöhen, führte zur«uf» lehnung des Publikums, das einen Laden zerstörte. Infolge der Einberufung der Kutscher und der Requisition der Pferde beginnt sich ein Mangel an öffentlichem Fuhrwerk fühlbar zu machen. Die Haltung der Pforte. Konstantinopel, 6. Juli. Nach einer offiziösen Mitteilung wünscht die Pforte, Neutralität zu bewahren, dabei wird aber betont, daß der Streit unter den Verbündeten die öffentliche Meinung und die Armee sehr aufregt, und daß es schwer sein wird, sie im Zaume zu halten, wenn die Rechte der Pforte nicht in gerechter und billiger Weise anerkannt werden. Ter Militärgouverneur von Konstantinopel hat allen beurlaubten Offizieren, Aerzten und Soldaten derTschataldscha. Armee und der Westarmee, soweit sie zur Tschataldscha-Armee kommandiert sind, die sofortige Rückkehr in ihre Korps be- fohlen. pditifcbe üeberlicbt Fortdauer der Schreckensherrschaft. Tie Beschlüsse des Reichstags zu den Wehr- und D e ck u n g s vorlagen sind vom Bundesrat unverzüglich an- genommen worden. Dagegen hat man es mit der Zustim- niung zu der im Zusammenhange mit der Wehrvorlage vom Reichstag verabschiedeten Novelle zum Militär st ras- g e s c tz b u ch nicht so eilig gehabt. Man hat sie vielmehr erst einem Ausschuß überwiesen. Die Bestätigung der dem Volke auferlegten neuen Lasten konnte nicht rasch genug erfolgen. Daß viele Tausende von Rekruten den Militärstrafgesetzen unterworfen wurden, ver- trug keinerlei Aufschub. Aber die Milderung der allgemein als ungeheuerlich empfundenen mittelalterlichen Be- stimmungen deS Militärstrafgesetzbuchs vermochte der Bundesrat nicht ohne weiteres zu akzeptieren. Hier war eine peinliche Nachprüfung am Platze. Ter Reichskanzler hatte zwar im Reichstage die Erklä- rung abgegeben, daß er die Beschlüste des Reichstags im Bundesrat energisch vertreten werde. Lag es nun an der Ohn- macht des-Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten oder an seiner mangelnden Energie— jedenfalls hat der Bun- desrat ein Gesetz, das vom Reichstag als überaus dringlich anerkannt und wegen seiner Dringlichkeit als N o t g e s e tz beschlossen worden war. auf die lange Bank geschoben und die Entscheidung darüber bis zum Herbst ver- tagt. Selbstverständlich wäre es für den Bundesrat ein leichtes gewesen, vor dem Eintritt in die Sommerferien nach Ein- holung der ihm notwendig erscheinenden Informationen noch eine oder mehrere Sitzungen abzuhalten und dann das Gesetz sofort zu erledigen. Das aber entsprach nicht der B e- guemlichkcit des Bundesrats. Tie Hauptfache war für ihn. daß ungezählte Tausende mehr als bisher in den un- erwünschten„vornehmsten" Rock gesteckt wurden. Dafür, daß von Gesetzes wegen Schreckensurteile wie das von Erfurt auszuschließen oder wenigstens zu mildern seien, fchlte jeg- liches Verständnis. Diese Verschleppung einer längst dringlichen Re- form wird unserem Militarismus vollends das Brandmal aufdrücken._ Eine Kavallerieattacke gegen das Reichstagswahlrecht. Tie„Deutsche Tageszeitung" veröffentlicht eine Zuschritt des Generals der Kavallerie v.'Klei st. der Mitglied des preußischen Herreuhauses und wahrscheinlich auch Mitglied des Preußenbundes ist. Ter Herr General ist in helle Empörung geraten über die Resolutionen, die im Reichstag zur Webr- Vorlage angenommen wurden und die nach seiner Meinung einen Ansturm gegen die Kommandogewalt bedeuten. Er schreibt: „Daß auch bürgerliche Parteien sich an diesem Ansturm gegen die Kommandogewalt beteiligten, das ist für einen Vater- landsfreund einfach unverständlich. Ich würde mich nicht gc- wundert, sondern gefreut haben, wenn der Kriegsm-nister heraus- Gespräch.„Wer es doch auch so gut haben könnte", meinte er. als ich ihm von meinen Reiseplänen erzählte.„UnZ Arbeitern ivürdcn ein paar Wochen Ferien auch gut tun, wenn wir so die ganze Zeit in dem staubigen, muffigen Maschinensaale stehen." „Ja, mein Lieber," sage ich,„daS ist nun mal nicht anders. Wenn Sie es erst mal zu was gebracht haben, dann können Sie sich dos auch leisten." Da wurde der Kerl frech und sagte dreckig lächelnd: „Na, Herr Schulze, mit Ihrer Hände Arbeit hätten Sie eS auch nicht zu Badereisen gebracht. Wenn Sie nicht die schönen Grund- stücke geerbt hätten..." Das konnte ich mir als Hauswirt und anständiger Bürger natürlich nicht bieten lassen.„Wenn Ihr streikt, habt Ihr gerade genug Ferien", schnauzte ich ihn an. Aber da hätten Sie den Menschen mal hören sollen. Er sagte, ob die Arbeiter aus bloßem Uebermut streikten, und od ich wüßte, wie eng sie sich in solcher Streikzeit den Hungerriemen schnallen müßten, und ob die Arbeitslosigkeit auch eine angenehme Ferien- zeit wäre, wenn kein Brot im Hause sei. Und die Zeit würde kommen, wo auch der Arbeiter seine richtigen Ferien haben werde. Ter Anfang sei schon hier und da gemacht. Kurz, er schnatterte die ganze Litanei, die man bei Ihnen so oft lesen kann, herunter. Ich habe ihn einfach stehen lassen. Mit solchen Leuten kann ein honetter Bürgersmann eben nicht diskutieren. Arbeiter und Ferien?! Damit hätte man früher einmal Jemandem kommen' sollen. Ich möchte wissen, was mein seliger Vater, und das war doch ein Mann, der in die Welt paßte, zu so einem gesagt hätte. Ihn auslachen und für verrückt erklären wäre das mindeste gewesen. Aber solche Raupen werden den Leuten eben durch Ihre Schreiberei in die Köpfe gesetzt. Schimpfen Sie. soviel Sie wollen, aui Pfaffen und Junker. Da machen wir liberalen Bürger auch mit. Aber machen Sie den Arbeitern keine brägen. klilrigcn Illusionen. Standcsunterschiede hat eS eben immer ge- geben und das wird auch so bleiben. Darum hören Sie auch mit Ihrem Geschreibsel über den so- genannten Massenstreik auf. Für solche Alnkerlttzcheu sind wir liberalen Realpolitiker nun schon rein gar nicht zu fabcm Wenn 'es soweit käme, wären wir Hauswirte die ersten, die sehen könnten, wie sie den Mietzins rein kriegten. Na, ich dankte schön.... Doch ich will mich nicht ärgern. Morgen soll die Reise losgehen. und da sollen ausgerechnet Sie mir nicht die Stimmung ver. derben. Vielleicht muß ich in der Angelegenheit doch noch mal an Sie schreiben. Also adieu und grüßen Sie den konservativen August. Mit der Ihnen gebührenden Hochachtung� Friedrich Wilhelm Schulze, Rentier und Hausbesitzer. Ernst. gegangen wäre nnb die Tür mit einem solchen Krach zugeworfen hätte, daß der ganze Reichstag auseinander geflogen wäre." Tann versucht der General, die Bundesstaaten aegen den ReicbZtag scharf zu machen. Cr sagt mit Rücksicht auf die ueueu Zteuergesebe: ..Vian versteht nicht, daß die einzelnen Bundesstaaten, und besonders Preußen, es sich gefallen lassen, daß ein von ihnen selbst geschaffener Reichstag mit ihnen Fangball spielt. Was ist zu tun? In der Defensive die Erhaltung eines starken Preußens mit seiner konservativen Staatsverfassung. Und tvenn ich von Preußen spreche, so gilt das �ebenso für die anderen Bundesstaaten. Nachdem die finanzielle Selbständigkeit verloren gegangen ist, ist es um so notwendiger, die letzten Reste der staatlichen Selbstäitdi gleit und ein konservatives Wahl- recht zu währen. Äbcr die Defensive genügt nicht. Wir müssen zur Offensive übergehen und mir Hilfe der einzelstaatlichen Elemente und des Bundesrats im Reiche Wehre bauen gegen eine weitere Demokratisierung. Dazu beißt es aber Aufklärungsarbeit tun und die Deutschen wieder mehr mit preußischem Geiste, mit einem vaterländischen Parti- kularismus erfüllen. Diesen preußischen Geist finden wir im Programm der konservativen Partei.„In Ihrem Zelte i!t Preußen"." Auch wir versprechen uns von dieser Aufklärungsarbeit, die die Konservativen als die geschworenen Feinde des gleichen Wohlrechts zeigen wird, recht nützliche Wirkungen. Stichwahltcrmine. Die Stichwahl im Wahlkreise Salzwedel-Garde- legen zwischen v. K r o ch e r(f.) und Dr. Böhme(Bauernbund) ist auf Donnerstag. 10. Juli, festgesetzt worden. Die Stichwahl in Zauch-Belzig-Jüterbog-Lucken- Walde findet am Freitag. 11. Juli, statt. Hier wird bekanntlich der Kampf zwischen unserem Genossen Ewald und dem Konscr- vativen v. Q e r tz e n ausgefochten. DaS amtliche Wahlergebnis verzeichnet für Ewald 13 778, für Ocrtzcn 11 IIS, für Hör- mann 7gS6, für Erzberzer 84 und 6 zersplitterte Stimmen. Der Slablrccbtsfeampf in Belgien. T a s an d es k o in i t e e für das allgemeine, gleiche� Wahlrecht hat sich wieder konstituiert und A n s e e l e zun: Lorsitzenden ernannt. Anseele erklärte, die Arbeiterklasse habe durch den Streik ihre Macht kennen ge- lernt und an Ansehen gewonnen. Tiefe Macht gelte es zu ent- falten und für den Bedarfsfall zu einem unwidcrstebllchen An- stürm zu verwenden. Hauptsächlich gelte es. die fast überall vortreisliche Stimmung zur Propaganda auszunützen. Weiter seien Maßnahmen gegen die in manchen Landesteilen von den Großunternehmern eingeleitete Maßregelungsaktion zu er- greifen. Ein Aktionsplan wird ausgearbeitet, ein neuer Kampffonds angesammelt werden. Während die Klerikalen über die Steuerfrage streiten und ein neues Schulver- pfaffungsgesetz planen, sind die Arbeiter entschlossen, den Sieg der Wahlreform zu erkämpfen. Oer 8tmh der Goldgräber. Johannesburg, 6. Juli. Tic Verhandlungen, die General Botha, General Smuts und Liir George Färrar mit den Führern der Ausständigen heute vormittag geführt haben, sind zu einem erfolgreichen Abschluß gelangt. Die Führer der Ausständigen haben den vorge- fchlagenen Bedingungen zugestimmt. Ter Streik ist für beendet erklärt worden; die Leute kehren unverzüglich zur Arbeit zurück. Tie Bedingungen schreiben vor. daß die Ausständigen nach ibren Wohnorten zurückkehren und die Unruhen ein Ende nehmen. Die Au s st ä n d i g e n in K l e i n f o n t e i n sollen wieder angestellt werden. Die Regierung gewährt den Arbeitswilligen eine angemessene Entschädigung. Auch die Ausständigen der anderen Gruben sollen zur Arbeit zurück- kehren. Sie sind wieder anzustellen, sobald der Betrieb in den Gruben wieder aufgenommen werden wird. Ten Ver- tretern der Arbeit ist es gestattet, irgendwelche anderen Be- schwerden der Regierung vorzulegen, die sie dann untersuchen wird. Trotzdem die Minenarbeiter ihre Arbeit wieder aufge- nommn haben, verharren die Eisenbahnange- stellten im Aus stände, so daß der Eisenbahnverkehr zum größten Teil eingestellt ist. > Die Opfer. Johannesburg, 6. Juli. Die Zahl der bei den Straßen- kämpfen Getötete» und Berletzten soll über hundert betragen. Zwei Stunde» lang fegten die Truppen mit ihrem Feuer die Haupt- straßen. Die Ambulanzen wurden dauernd in Tätigkeit gehalten. In verhälmiSmäßig kurzer Zeit und auf einem verhältnismäßig kleinen Räume sind Schätzungen zufolge etwa sechzig Personen getötet oder verwundet worden. Huö Groß-ßerlin* Die Frommen von Kapcrnaum. Die evangelische Kirche in Berlin ist in viele Kirchen- /emeinden eingeteilt. Fast jede Gemeinde hat eine Kirche für die Seelen ihres Bezirks. Wir finden alle möglichen Benennungen für die Kirchengemeinden und ihre Kirchen. Marienkirche, Jerusalerner-, Himmelfahrt-. Sophien-, Na- zareth-, Paulskirche bilden nur einige Kirchennamen. Hoch oben im Norden Berlins, in der Seestraße. liegt die Ka- pernaumkirche. Der Geschäftsgang in dieser Kirchengemeinde scheint kein günstiger zu sein, was begreiflich ist, wenn man die Lage in der roten Gegend bedenkt. Ter Gemeindekirchcn- rat der Kapernaumkirche hat nämlich gedruckte Anschreiben herstellen lassen, in denen Personen, die mit einem Kinde beglückt werden, aufgefordert werden, das Kind� taufen zu lassen. Der Segen Jesu und Gottes heiliger Geist geben Kraft zu allem Guten und Kraft wider alles Böse. Und das empfangen die Kinder durch die heilige Taufe, so heißt es in dem Anschreiben. Tie Kirche ist sogar bereit, jeden Nach- mittag in der Wache um 3 Uhr Taufen gebührenfrei zu vollziehen. Mehr kann man doch wirklich nicht verlangen. Aber die Frommen von Kapernaum scheinen sich auf ihre Saäje nicht recht verlassen zu wollen. Ter freiwillige Zuspruch zur Kirche scheint etwas recht schwach zu sein. Da muß mit anderen Mitteln nachgeholfen werden. In dem Anschreiben steht nämlich wörtlich drin:„Da nach dem Gesetz die Kinder innerhalb sechs Wochen zu taufen f i n b" usw. Tiefe Behauptung ist eine bewußte Unwahrheit. Nirgends besteht ein Gefetz, nach welchem Kinder getauft werden müssen, und noch weniger gibt es eine gesetzliche Be- stimmung, nach der eine Frist vorgeschrieben ist. Das wissen die Frommen von Kapernaum, das weiß der Kirchenrat und das weiß auch der Pastor Koiierba. dessen Namensstempel auf dem Anschreiben enthalten ist. Wenn die Leute das aber wissen, so handeln sie nicht allein gegen die kirchlichen Gesetze, die ihnen verbieten, unwahrhafüg zu fein, sie handeln auch gegen jeden Treu und Glauben. Wie unwissend muß übrigens der Genicindekirchenrat von Kapernaum die Gemeindeinsassen einschätzen, wenn er ihnen derartiges zu glauben bietet! Wenn sckion das kirchliche Geschäft schlecht geht, zu Mitteln der UnWahrhaftigkeit sollten Kirchengläubige nicht greifen. Schweres Bootsunglück. AuS Grütz bei Rathenow wird ein schtvereS BootSunglück go- meldet, das die Familie Oskar Lohr aus Berlin betroffen hat. Lohr ist vereidigter Bucherrevisor im Bezirk der Handelskammer Berlin. Mittels Ruderbrot wollte er mit seiner Frau uno dem jüngsten Sohne eine Fahrt von Berlin nach Hamburg unter- nehmen. Bei der Grüner Staustufe wurde das Boot infolge starken Stromes gegen die sogenannten Archen geschleudert, so daß das Boot mitten durchbrach und alle drei Personen in die Havel stürzten. Tie Frau wurde bereits als Leiche geborgen, während die Leichen des Mannes und des Knaben noch nicht ge- funden sind. Der älteste Sohn war seinen Angehörigen nach Schollene nachgefahren, wo die ganze Familie übernachten wollte. Am nächsten Tage sollte die gemeinschaftliche Fahrt nach Hamburg und von da nach Helgoland erfolgen. Immer wieder Heiratsschwindel. Mit gefälschten„A n st e l l u n g Z v e r t r ä g e n" arbeitete ein Heiratsschwindler, der eine ganze Reihe von Mädchen um zum Teil recht beträchtliche Geldsummen geprellt hat. Ein 34 Jahre alter Buchhalter G u st a v Bi r n b a u m aus der Ackerstraßc pflegte mit zwei„Urkunden" in der Tasche in der Gegend des Stettiner Bahn- Hofes spazieren zu gehen und wußte die Bekanntschaft von Damen zu machen, auf die er schnell einen starken Einfluß gewann. Je nach der Veranlagung seiner Opfer holte er dann die eine oder andere„Urkunde" hervor. Waren es Mädchen, die, wie er durch geschickte Fragen bald festzustellen wußte, viel Lust am Vergnügen und Theaterbesuchen hatten, so langte er einen Bertrag aus der Tasche, nach dem er für längere Zeit als Theaterbuchhalter und Kassierer in einem größeren Theater angestellt wurde. Der Ge- danke an die vielen„Freibilletts", die den Mädchen winkten, machte diese allzu schnell bereit, mit barem Gelde dafür zu sorgen, daß der Verehrer bis zur Anstellung nicht in„Verlegenheiten" kam. Waren aber seine„Bräute" gesetzter und sahen sie mehr auf eine gesicherte Zukunft, so wies er einen Vertrag vor, nach dem er An- stellung als Buchhalter bei der A. E. G. erhielt. Wenn er seinen Opfern durch falsche Vorspiegelungen genug abgenommen hatte, blieb er eines Tages aus und ließ sich dicht zvieder sehen. Zahl- reiche Anzeigen von Betrogenen liefen bei der Kriminalpolizei ein, der es zuerst nicht gelingen wollte, des Schwindlers habhaft zu werden. Jetzt hat sie einen falschen„Kriminalbeamten" fest- genommen, der mit Mädchen, deren Bekanntschaft er auf der Straße machte, in Lokale ging. Er ließ sich von ihnen das Porte- monnaie geben, um zu bezahlen, zog dann aber vor, mit der Börse zu verschwinden und sein Opfer mittellos dasitzen zu lassen. In diesem„Kriminalbeamten" erkannte die Polizei bei der Verhaftung auch den schon länge gesuchten Heiratsschwindler. Ter entflohene Stadtsekretär. Zu der Flucht des StadtsekretärS R i e. s e aus E h a r I o t t e n- bürg wird mitgeteilt, daß es bisher noch nicht gelang, von dem Flüchtigen, seiner Frau und seinem Kinde eine Spur zu finden. Tie Ermittelungen nach der Höhe der Veruntreuungen sind noch nicht abgeschlossen, so oaß eine bestimmte summe noch nicht ge- nannt werden kann. Die Strafbehörde rechnet auch damit, daß sich die Flüchtigen nicht, wie zuerst angenommen wurde, nach England gewandt haben, sondern sich hier inBerlinverborgen halten. AuS Not in den Tod. Auf dem Leopoldsplatz erhängt hat sich in der Nacht zum Sonntag der 53 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Selchow aus der Schulitr. 37. Gestern morgen jand man seine Leiche dort auf dem Rasen liegen. Er halte sich an einem Baum erhängt, ooch war die Schnur gerissen. Ten Mann, der Witwer ist, ljat�A r b e i t s» und Mittellosigkeit in den Tod getrieben. Selchow hatte schon acht Monate keine Arbeit mehr und konnte auch keine finden. Ein Kind verschleppt? Das geheimnisvolle Verschwinden eines kleinen Mädchens be- schäftigt die Polizeibehörden Groß-Berlins. Die vierjährige Tochter des Wächters Weber aus der B e e r m a n n st r. ö ent- fernte sich am vergangenen Dienstag in Begleitung eines sechs- jährigen Knaben aus der Nachbarschaft, um spielen zu gehen, seit- dem wurden die beiden Kinder vermißt. Ter Knabe stellte sich am folgenden Tage wieder in der elterlichen Wohnung ein. Er hatte eine große T ü t e B o n b o n S bei sich und erzählte, er habe sie von" einem„Onkel" erhallen. Dieser habe beide aus der Straße angesprochen und sei dann mit dem Mädchen weiter- gegangen. Es wiro daher befürchtet, daß die kleine W. von dem Fremden verschleppt und daß sie das Opfer eines Verbrechens ge- worden ist. Ter Fremde wird als ein Mann in den mittleren Jahren beschrieben. In der Uniform eines Neserveoffiziers. Ein Schwindler, der von mehreren Staatsanwaltschaften ge- nicht wurde, ist jetzt der hiesigen Kriminalpolizei in die Hände ge- fallen. Es handelt sich um einen 24 Jahre alters Handlungsgehilfen Max Knöchel, der aus Berlin gebürtig ist. Seine Schwindeleien begann er in Frankfurt a. M., wo er unter falschen Porspiege- langen die Stellung eines Volontärs bei einer Tageszeitung gefunden hatte. Bei einem ersten Schneider in Frankfurt a. M. ließ er sich die Uniform eines Leutnants der Reserve des 1. Garde- regiments zu Fuß machen, die er bei allen möglichen Gelegenbeiten trug, aber bisher noch nicht, bezahlt hat. Sodann ließ er sich bei einer dortigen Firma Visitenkarten anfertigen. Hiernach hieß er Dr. jur. et rer. pol. Hans Friedrich de Martincourt und mar Leutnant der Reserve im 1. Gardcregtment zu'Fuß, sowie Ver- treter der betreffenden Zeitung, bei der er als Volontär tätig war. Infolge feines sicheren Auftretens und feiner Erzichlungen, daß er sich mit 75 000 M. an einer Zeitung beteiligen wolle, wurde dem Gauner fast überall Kredit gewährt. Reben Geschäftsleuten prellte er aber auch Pensionen und Hotels, aus denen er nach einiger Zeit auszog, ohne an Begleichung der Logis- und Zechschuld zu denken. Nachdem dem gerissenen Schwindler in Frankfurt a. M. der Boden zu heiß �eivorden war, verschwand er eines Tages. Er legte sich jetzt daraus, Offiziere der Bezirkskommandos zw betrügen, die er um größere Beträge unter allerhand falschen Borspiegelungen anzuborgen verstand. So gab der gefährliche Hochstapler in Dort- mund und Hannover Gastrollen. Bon dort aus wandte er sich nach Berlin und nahm Stellung in einer größeren Buchhandlung an, unter dem Namen eines Dr. Friese, den er auch früher schon wieder- holt getragen hatte. Der Geschäftsinhaber erinnerte sich nun, ge- lesen zu haben, daß ein Gauner unter diesem Namen allerlei Schwindeleien begehe. Er schöpfte deshalb Verdacht und teilte diesen der Kriminalpolizei mit, die von dem gefährlichen Treiben des falschen Offiziers und Pressevertreters genau unterrichtet war. sie kannte auch den richtigen Namen des Gauners sowie sein AeutzereS und nahm daraufhin den Gesuchten fest. Leichenfund. Ein Kindesmord wird aus Anlaß eines FundeZ btu mutet, den gestern früh eine Bewohnerin des Hauses Kottbuser ll f e r 6 5 machte. Als eine Gemüsehänolerin B. den Wagen vom Hos holte, um damit zur Markthalle zu fahren, fand sie in einer Ecke deS HafeS ein Paket, das die neugeborene Leiche eines.Knaben enthielt, sie. übergab den grausigen Fund der Revierpolizei, die die kleine Leiche zur Feststellung der Todesursache beschlagnahmt» und nach dem Schauhause bringen ließ. )Zus aller Clelt. Ter Spion in Geldnot. Ein junger Deutscher kam nach Meldungen Pariser Bläiter auf das Polizeikomtnissariat der Rue Pradier und bat um ein Nachtlager, da er völlig mittellos sei. Er wurde der- hört und erklärte, er komme direkt aus Deutschland, seiner Heimat, und halte sich erst seit zwei Tagen in Paris aus. Das wenige Geld, das er mitgehabt hätte, wäre indessen bereits ausgegeben worden. Da er nun gänzlich ohne Geld sei, bitte er, verhaftet zu werden. Da der Kommissär keine weitere Auskunft von ihm erhalten konnte, entschloß sich die Polizei, das einzige Gepäck des jungen Mannes, einen gelben Hand- koffer, zu untersuchen. Unter Hemden und Kleidern versteckt, wurde ein vollständiger Plan der neuen deutschen Maschinen» gewehre, die erst vor einiger Zeit erprobt wurden, und andere Dokumente, die sich auf die Verteidigung von Deutschland be- ziehen, gefunden. Von der Sache wurde sofort dem Polizei- Präsidium Mitteilung gemacht, welches vollständiges Still- schweigen über die Angelegenheit anbefahl. Der„Goulois" will jedoch trotzdem durch eine Indiskretion erfahren haben, daß der Deutsche in einer Waffcnfabrik beschäftigt war. Nach einer Meldung des„Matin" handelt es sich um den Deutschen polnischer Abstachmung Paul Rodowski. �„Echo de Paris" schreibt, daß er früher Zeichner in den Kruppschen Werken war. Die Pariser Abendblätter von Sonnabend bringen fol- gende Erklärungen des vorläufig noch in Haft Befindlichen: „Einem meiner Freunde war es geglückt, sich aus der Krupp» scheu Fabrik Zeichnungen zu verschaffen, die sich auf die Berbcsse- rixng verschiedener Geschütze und Waffen bezogen. Er hatte diese Pläne für 10 0M Mark verkauft. Ich glaubte nun, daß eS auch mir leicht fallen würde, in Frankreich viel Geld zu verdienen, wenn ich seinem Beispiel folgte, und bemächtigte mich deshalb der Zeichnungen eines Schnellfcucrgeschützes gegen Aeroplane. Ohne meine Eltern zu benachrichtigen, reiste ich mit den Plänen in der Tasche nach Paris ab, wo ich am 27. Juni eintraf. Ich hatte 50 Mark bei mir und habe inzwischen von meiner Mutter noch weitere 25 Mark erhalten. Das Geld ist jedoch sehr schnell alle geworden. Ich begann sofort nach meiner Ankunft Verhandlungen mit dem Kriegsmini/tcrinm, um meine Pläne und Zeichnungen los- zuschlagen. Das französische Kricgsministerium ließ sich jedoch auf direkte Verhandlungen nicht ein. Immerhin erhielt ich ver- schiedene Adressen genannt, denen ich morgen meine Pläne vorlegen sollte. Da ich mittellos geworden war, so stellte ich mich gestern der Polizei, um zu erfahren, was ich zu tun hätte." Die Reisetasche Rodowskis ist von der Polizei beschlag- nahmt worden: ihr Inhalt wird einer genauen� Prüfung unkerzogen werden. Vorläufig verbleibt Rodowski in Haft. Das Ideal des Hauspaschas. In den letzten Jähren haben sich in den Unterweserorten Wohnungsverhältnisse herausgebildet und die Mieten eine Höhe' er- reicht, daß jetzt eine allgemeine Protestbewegung gegen die Unverschämtheit der Hausagrarter einsetzt. Was die Mieter sich gefallen lassen müssen, zeigt das Schreiben eines Hausbesitzers O n k e n aus G e e st e m ü n d e, der in der Körnerstraße in Lehe eine Mietskaserne sein eigen nennt. Dieser Herr übersandte seinen Mietern folgendes Kulturdokumrnt: „Teile mit, daß ich die Miete Ihrer Wohnung vom 1. Oktober a. c. erhöhen muß um 40,— M. pro anno mit Zuschlag von M. pro anno für jeden dauernden Bewohner mehr wie fünf. Falls sie die Wohnung mit dieser Bedingung wollen, bitte um baldigsten Bescheid und sende dann neuen Kontrakt zur Unter» schrift. Andernfalls gilt die Wohnung als zum 1. Oktober a. c. gekündigt. HochachtungZvll B. H. Onken." Normalfamilien dürfen nach Ansicht dieses HauSagrariers nur aus fünf Personen bestehen; wenn sich Eheleute erdreisten, für Familienzuwachs zu sorgen, dann haben sie an den Hausherrn eine Strafe von 12 Mark zu entrichten. Was kümmert es den Hausherrn, daß kinderreiche Familien an und für sich schon schweres um ihre Existenz zu kämpfen haben, wenn nur sein Grundstück sich gehörig verzinst._ Tie„Helden" des Films. Durch die dänische Presse marschiert augenblicklich ein Bericht, der die Kunst des Films in glänzender Weise illustriert. Auf S a m s ö wurde gefilmt. Man steckte eine alte Mühle in Brand und ein Schauspieler sollte sich dadurch aus der brennenden Mühle retten, daß er aus einem Fenster stieg und mit Hilfe der Mühlenftügel auf die Erde yinabklctterie. Nachdem der Darsteller einige Schritte nach unten gestiegen war, begann er in den senk- recht nach oben stehenden Mühlenflügel hinaufzuklettern, der sich dann mit dem Manne zur Erde senken sollte. Aber der Flügel wollte sich nicht drehen. Was nun? Das Feuer verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit und die Flammen mußten in wenigen Minuten die ganze Mühle mitsamt den Flügeln einhüllen. Der junge Mann schwebte augenblicklich in der größten Gefahr, vor den Äugen sämtlicher Zuschauer lebendig verbrannt zu werden. Niemand aber machte den Versuch, ihm zu Hilfe zu kommen— das hätte den Film verdorben. Der Unglückliche dort oben im Mühlenflügel war sicher von der großen Hitze des gewaltigen Feuers halb gebraten, als es ihm end- lich gelang, sich zu retten. Wäre er ganz gebraten worden— die Filmfabrik hätte eine sensationelle Aufnahme gefilmt, der die Zu- schauer des Kino zugejubelt hätten. LctzU Nachrichten. Rohrlegerstreik. Posen, 6. Juli. In Posen ist ein Streik der Installateure und Rohrleger ausgebrochen. Zuzug ist fernzuhalten. Mord aus Rache. München, 6. Juli. Heute vormittag 11 Uhr schoß am Jsartor- platz eine dreißigjährige Aufwaschfrau ihrem Geliebten, dem Schneider Josef Musna aus Posen, meuchlings zwei Revolver» schüsse in den Kopf, die sofort tödlich wirkten. Die Täterin wurde verhaftet. ca. 20000 Batist- Blusen 90«. IT ZT Voile-Blusen |60|90|SD �90|9C iCtZt enorm billig ■a' f."''-S• Strumpfwaren Damenstrflmpfe Damenstrümpfetra�."! flerrensocken � Schweißsocken meliert..... Damenströnipfe f Baumwo�- Vtefe Nsche Saison- Soweit Vorrat Ausverkauf Dieser Verlcsuk erstrecke sick suk fast slle Abteilungen. SämtlicheWaren, die dem Wechsel der Mode unterworfen sind, sollen vor Saisonschluss unbedingt geräumt werden. 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Strasser wurde zweier Verbrechen des Mordes schuldig erkannt und vom Mlln- chener Schwurgericht zum Tode verurteilt. Wenn ein Dichter— Russen vermöchten es!— eine Gestalt wie die des Strasser. der am Donnerstag vom Münchener Schwurgericht zweimal zum Tode der- urteilt wurde, auf die Bühne brächte, so würde im Parkett das Publikuni zu Tränen gerührt werden. In der Wirklich- keit, in den Behausungen der Justiz, hat Menschenverständnis, Seelenkunde, soziale Pathologie keine Stätte. Wir häufen Bibliotheken über das Wesen des Vagantentums, wir gründen Vereine, um dem Hebet Einhalt zu tun, kommt aber so ein Landstreicher vors Gericht, so wird lediglich über Handlungen des Menschen gerichtet, nach dem Buchstaben eines Rechts, das weit zurückgeblieben ist hinter den Erkenntnissen der Wissen- schaft und den Forderungen sozialer Einsicht. Aber welcher Art ist dieser Verbrecher, der im Mai dieses Jahres an der Münchener Friedenssäule zwei Menschen, die er nicht kannte, die ihm kein Leid zugefügt haben, mit klarem Bewußtsein, wie in der Erfüllung einer Mission, niederschoß? Der Staatsanwalt rechnete ihn unter die blindwütigen Brand- stifter: unüberwindliche Arbeitsscheu— Mordlust— heimtückische feige Bestie, so begründete der Ankläger den Schuld- antrag. Die gewaltig ernsten Probleme jedoch, die der Fall Strasser— fast in der seltenen Reinheit eines Laboratoriums- Versuchs— vor uns stellt, sind weder mit Zorn und Abscheu. noch mit doppelten Todesurteilen erledigt. Aus dem Grabe des Verscharrten wächst die Hand hervor. Unsere Zeit ist nichts weniger als wehleidig, sie kennt keine Heiligung des Lebens. Unsere soziale Verfassung mordet tagtäglich Ungezählte, durch unverschuldete Not, Er- fchöpfung, verderbliche und gefährliche Arbeit. Unser„natio- nales" Bewußtsein kreist unablässig um die höchste Vervoll- kommnung der Massenvernichtung, Blutströme kriegerisch hingeopferter Menschen tränken die besudelte Erde, und schon unsere Jugend wird dazu begeistert, morgen oder übermorgen iclbst mit den furchtbarsten Werkzeugen Menschen zu über- allen, von denen sie nie Unrecht erlitten. Wie winzig ist gegen diese Greuel, gegen diesen Wahnsinn der ganzen Zeit die Zerstörung zweier Menschenleben, die das elementare Er- eignis eines verbrecherisch verirrten Gehirns traf! Dennoch hat sich gerade wegen dieses Verbrechens die »«angreifbare Solidarität eines Abscheus und einer Ver- geltungssucht erhoben, die nichts von einer sozialpsychologi- scheu Erklärung und nichts von mildernden Umständen wissen und hören will. Wenn die Achtung vor dem Leben unserer Zeit so fremd, warum jetzt diese allgemeine Empörung? Es ist das schleckste soziale Gewissen, das in dieser Stimmung zum Ausbruch kommt. Jeder fühlt sich Plötzlich in seinem Leben bedroht, wenn da aus dunklen Tiefen der Gesellschaft ein verstörter Unhold auftaucht und einen„Höheren" am hellen lichten Tage mitten in friedlichen Schmuckanlagen einer Stadt vor aller Welt niederknallt, nur weil das Opfer ein Höherer istmnd der unheimliche Schütze Vergeltung üben will für sein sozial verlorenes Leben. Wer ist da noch sicher? Dieses synibolische Verbrechen eines abstrakten Rachegefühls ijtuß auf die wirtschaftlich geborgene Menschheit wie eine ewig drohende Erdbcbcngefahr wirken. Und so schreit man wiederum nur nach Rache. Unsere Gerichtsberichterstattung, deren Unzulänglichkeit gerade bei solchen sozialen ClemeNtarprozessen kraß hervor- tritt, gibt nur kümmerliche Worte und sensationelle Zwischen- fälle wieder. Und da dieser Münchener Prozeß insofern ohne jede Spannung war, als«chuld und Sühne von vornherein in jeder Einzelheit feststand, und so der Wettreiz eines Spiels um Tod und Leben fehlte, so ist die Oeffentlichkeit in dem Prozeß Strasser nicht nur nicht unterrichtet, sondern eher irregeführt. Man liest da wohl, schaudernd vor dem Ab- grund menschlicher Verworfenheit, daß dieser Doppelmörder bei seinen Ausführungen mitunter frech gelachh habe, und war es doch nur das jedem Unterrichteten hinlänglich bekannte Lachen völliger Erschöpfung, das Geschwächte und Gehetzte zu befallen pflegt. Strasser hat es der Justiz leicht gemacht. Er hat mit einer unerhörten Aufrichtigkeit seine Tat bekannt. Ja. er hat die blutigen Vorsätze seines dunklen Willens freiwillig preisgegeben, die nieniand hätte wissen können, wenn er sie felbst nicht verriet. Er lieh sogar dem Staatsanwalt die wirksamsten Stichworte, wenn er das in die letzten Gründe seiner Seele hineinleuchtende Wort sprach, er habe erst nach der Tat seinen Seelenfrieden wieder gefunden. Dieser Ver- brechcr, der nicht eine einzige Unwahrheit, nicht einmal eine Ungenauigkeit sagte, erwies der Justiz den Dienst, im Sinne des Gesetzes nicht im mindesten geisteskrank zu sein, weder allgemein, noch bei Begehung der Tat. Keine der bekannten Formen geistiger Erkrankung ist bei ihm festzustellen. Ja, Strasser hat sogar die medizinischen Voraussetzungen einer geistigen Erkrankung vermieden. Dieser ruhelose Land- streicher ist kein Alkoholiker! zu seinem Unglück, meinte der Verteidiger mit einem furchtbar wahren Wort, denn sonst wäre er in Gleichgültigkeit und Stumpfsinn verfallen, so aber grübelte er. Er ist auch nie geschlechtskrank gewesen, so daß 5er Verdacht einer versteckten progressiven Paralyse möglich wäre. Nicht die mindeste Psychose im Sinne des Gesetzes. Und soziale Pathologie, die schließlich einen Menschen dazu bringt, aus Weltanschauung zu morden, ist fiir unser Recht fremdes Gebiet. Strasser ist der Sohn eines kleinen Gütlers. Der Vater stirbt ein Jahr nach seiner Geburt. Der Knabe verlebt seine Jugend auf dein Hofe eines Stiefvaters in einem berühmten niederbayrischen Wallfahrtsort, der voll getränkt ist mit klerikaler Frömmigkeit. Er erhält die dürftigen Kenntnisse einer niederbayrischen Landschule, er ist ein guter Schüler. Körperlich fühlt er sich früh ausgestoßen. Diese äußerlich typische niederbayrische Bauerngestalt ist von Ansang an schwächlich, �in der Arbeitsfähigkeit beschränkt, seelisch gedrückt. Nach der Schulzeit arbeitet er auf dem Hofe des Stiefvaters. Im Hause hat er bald Händel und so geht der Sechzehn- jährige auf die Wanderschaft, um sich als Zinngießer duvchzu- bringen, obwohl er körperlich ein halber Krüppel ist und außerdem das Handwerk niemals ordentlich gelernt hat. Er ist oft arbeitslos. Er ist an ein niedergehendes Gewerbe gekettet. Daß aus langem Wanderleben schließlich, nament- lich bei einem körperlich verunglückten Menschen, Arbeits- Unfähigkeit folgt, ist eine Selbstverständlichkeit. Volljährig tritt er in den Besitz des väterlichen Erbes, eines kleinen Bauernguts im Werte von viertausend Mark. Der uner- fahrene Bursche läßt sich von einenr Münchener Agenten be> reden, das Erbe zu verkaufen und dafür in der Nähe von München einen Acker zu erstehen, der als Bauplatz spekulativ verwertet werden soll. Mitbesitzer dieses Ackers wird der Agent, der nichts dazu zahlt. So ist Strasser um. das Erbe betrogen, und bis zu diesem Jahre kehrt er immer wieder nack) München zurück, um wenigstens einen Teil seines Geldes zu erhalten. Vergebens. Er ist ein Bettler der Landstraße. Mit 22 Jahren wird er zum ersten Male bestraft— wegen Betteins. Dann stiehlt er einen Anzug, um sich zu kleiden. 35 Mal wirb er in rascher Folge eingesperrt, in bayrische Arbeitshäuser, in österreichische Gefängnisse, deren menschlichere Behandlung zu loben ihm angesichts des Todes ihin mehr am Herzen liegt, als sich zu verteidigen. Sieben Jahre vier Monate- ist er im ganzen eingekerkert, niemals wegen Roheitsver- brechen. In der Einsamkeit erwacht in ihm der Bildungstrieb, er grübelt und liest. Die geistige Gefängniskost. Er hat offenbar niemals eine Schrift sozialer und politischer Auf- klärung gelesen, nichts Sozialdemokratisches, auch nicht» Denn wenn er auch die Soldaten bewilligt, So hat er doch die.Deckung" nicht gebilligt.— Den Aerger vergessen will er nun im Bad, Da er nach dem vielen Sitzen die Ruhe wohl verdienet hat. Allda trifft er seinen schwarzen Bruder, Den Psaff, der ein ganz geriebenes Luder. Der sagt zu ihm:.Freund, nimm'» nicht krumm, Im Winter drehn wir die Sache anders rum. Wir Kerle mit solchen pfissigen Köpfen Werden den Plebs bald wieder schröpfen. Geniehe drum hier die schöne Stund' Und bleib' immer mit mir im Bund." Auch die ganz und halb Liberalen Können sich jetzt in den Ferien ahlen. haben sie doch nach manch Weh und Ach Eifrig bewilligt die Wehrvorlag'. Als nun die Reichstagsbude geschlossen, War Junker Hans nicht wenig verdrossen. Denn für ihn war's ein schlechter Witz, Daß man Steuern legte aus den Besitz. And es sitzen aus des Berges Halde Der Fortschriktsmann und der brave, alte Rationale Tappergreis, Der sich bekanntlich nie nicht zu helfen weih. Um sich die freie Zeit zu verkürzen. Tun sie eifrig den Knobelbecher stürzen, Ob in der nächsten Reichstagssession, Für sie sei nach links oder rechts die Direktion. Und wie beim Würfeln das Glück tut schwanken. So ist's auch mit den sogenannten liberalen Gedanken. Saum sind sie ein bifsel nach links orientiert, wird der Kurs auch schon wieder nach rechts verliert. Jobs der Jüngere. AnauKstlsHes. Tie Folgerungen, die er aus seiner per- sönlichen Lebenserfabruna zieht, verbinden sich eber mit ge- wissen christlich-sozialen Anschauungen. Er lobt die gute alte Zeit. Er ist Monarchist, aber er wünscht eine größere Selb- ständigkeit der Krone. Daneben erkennt er die tiefe Unbildung seiner niederbayrischen Heimat, und er frißt einen förmlichen Haß ggen diese„dummen Menschen" in sich hinein. So denkt er nach und kann doch nicht weit denken. Gerade weil er so ganz und gar unpolitisch ist, nerirrt er sich in hoffnungslosen Wahn. Mit der überempfindlichen Reizbarkeit und der schweifenden Versonnenheit des Gefängniskunden spinnt er nun seine Theorien. Gewiß vergräbt er sich zunächst ganz in-sich selbst, aber indem ihn allmählich der Gedank, Rache zu nehmen für sein verpfuschtes Dasein, immer enger umstrickt, fühlt er sich doch auch als Vertreter aller Ausgestoßenen. Er ist seines Daseins satt. Im Februar dieses Jahres kommt er nach München, und es gelingt ihm endlich, 10M M. von dem Schwindler zu erhalten. Mit dem Gelde fährt er nach dem Süden. In Trieft kauft er sich einen Browning. Er will sich töten, aber vorher will er noch einen anderen mitnehmen. Er versteht nicht, sagt er, wie so viele Menschen Jahr für Jähr sich das Leben nehmen, ohne sich vorher für ihren Jammer zu rächen. Ein Vertreter der anderen Welt soll daran glauben, ein Höherer, ein Mächtiger, ein Großkopfeter. In seiner Er- mordung will er sich rächen für diese,„ganze Musik" der so- zralen Zustände, für all den„Kram", für diese„kulturellen Segrrungen", von denen man immer spreche. Mit dem Vorsatz kommt er nach München. Eine verruchte Tat gelingt ihm. Wäre er nicht gehindert worden, gesteht er. die Pistole noch einmal zu laden, so hätte er noch andere Menschen und dann sich selbst getötet. Ztach der Tat. beichtet er dem Arzt, fand er endlich seinen Seelenfrieden: ein Ungeheuer— sozialer Wirrnis! Ob er Reue fühle? Nein, wozu das! Ob ihm nicht die armen Hinterbliebenen der Ermordeten leid tun? Nein, er habe so viel Elend unter Kindern und Frauen gefunden, daß es gar nichts schaden könne, wenn auch einmal die Kinder und Frauen Höherer leiden. So grauenhaft systematisch verfolgt er seinen Wahn? Tas Verbrechen des Strasser erinnert in manchem an die Untat, der unser Freund Schumeier zum Oppfer fiel. Nur ist das Verbrechen Kunschaks menschlich noch viel schrecklicher. Nicht weil d?r Wiener Meuchelmord politisch kompliziert war, sondern weil der Verbrecher nicht zu den Ausgestoßenen gehörte, um den niemand sich kümmerte, kein Stromer, der von Haus zu Haus bettelte und von Kerker zu Kerker ge- i schleppt wurde. Strasser hat auch niemanden ohne Not Schaden zugefügt, wie der deimnzicrende'Kunschak, im Gegenteil, er selbst ist schmählich betrogen worden. Schließlich war Kunschak kein Äriivppel. Er hat den Racheakt wirklich nur aus persönlicher Gier verübt. Dennoch, es war derselbe Wahn, und dasselbe Mittel, ihn abstrakt zu verwirklichen. Es war dieselbe Psychose eines Zerfallenen. Die Hinterbliebenen unseres Freundes haben ein Gnaden- gesuch für den Mörder unterzeichnet, der nicht nur ihren geliebten Ernährer vernichtete, sondern in ihm auch die ihnen heilige-Sache des Proletariats verwundete. Was die gott- losen Sozialdemokraten über sich vermochten, werden das auch die frommen Christen der vornehmen Gesellschaft können? _____ Kurt Eisner. Bedienten fiirn In seiner letzten Nummer mokiert sich der„K u n st w a r t" über die bekannte Tätsache, daß bürgerliche Geschäftsleute sich immer wieder bereinlegen lassen, wenn ihnen ein Schwindler mit hochtönendem Namen entgegentritt. Ter Verfasser erinnert an den halbverrückten Kanzleigehilfen HanS Müller, der einem Berliner Erwerbsmenschen mit dem allerplumpsten Trick Hunderttausende abschwindeln konnte. Im prosaischen Lichte des Gerichtssaales erschien er in seinem grauen schlecht sitzenden Uebcrzieher als ein armer Schlucker, der einen ganz und gar stupchen Eindruck machte. Er brauchte sich aber nur Gerichtsassessor Dr. Müller zu nennen und durchblicken zu lassen, daß er mit Hilfe des Geheimen Rats im Kaiserlichen Patentamt Dr. Sachs«, der sein Gönner sei, Patent- änmeldungen in nicht ganz ordnungsmäßiger Weise ausnützen könne, um sofort Kredit zu haben. Eine, andere Schwindlerin fuhr als„große Dame" in einer Eguipage Unter den Linden vor, beriet sich„beiläufig" auf ihre intime Freundin, die Gräfin Königs mark, und konnte der Firma 1485 Mark schuldig bleiben. Der Verfasser des.Kunstwart"-Artikels sieht in diesen Tinge» einen Beweis für die E n t g c i sl i g u n g des modernen Erweros- lebens, in dem die talentvollen Neuschöpfer immer mehr von den glücklichen, aber gelegentlich recht beschränkten Erben verdrängt worden sind.— Wir beabsichtigen nun durchaus nicht, uns für die Intelligenz der Kapitatiften in journalistische Unkosten zu stürzen, vielmehr sind auch wir durchaus der Ansicht, daß in der bürgerlichen Welt die brutale Macht des Kapitals die kaufmännischen und technischen Talente immer mehr in eine sklavische Abhängigkeit hineingebracht hat. Wenn man aber die geistige Armut der Kapi- talisten für die genannten gelungenen Gaunerstreiche verantwort. lich machen lvill, greift man doch fehl. So gewiß von einer geistigen Oede der Kapitali. st e n gesprochen werden kann, so gewiß sind sie, wo ihr eigener Mammon in Frage kommt, wenn auch nicht klug, so doch zum mindesten gerieben— und die Geriebenheit ist gegen Gauner und Schwindler ein besserer Schutz, als die Klugheit in einem höheren Sinne des Worts. Was in jenen Gaunerstreichen zum Ausdruck kommt, ist die. politische Unterwürfigkeit des Bürgertums, das sich in der Politik von den echten Feudalen genau so über den Löffel barbieren läßt, wie im geschah' ichcu Leben von den imitierten. Tie schwerreiche» Industriellen vermögen nicht einmal durch- zusetzen, daß ihre Söhne in den sogenannten„vornehmen" Gardcrcgim entern dienen, obwohl hier doch die bei ihnen stark entwickelte Eitelkeit ins Spiel kommt. Der preußische Krautjunker, der an wirtschaftlicher Macht ihnen gcgenüver ein armer Schlucker iii, knallt ihnen ruhig die Ohrfeige herunter, daß ihr Sohn, also ihr eigen Fleisch und Blut, seinen Söhnen gegenüber minderwertig sei. Und sie stecken diese Ohrfeige seelenruhig ein und huldigen dem „obersten Kriegsherrn" noch mit sanft geschwollenen Backen. So lange das Bürgertum erträgt, daß seine Söhne als Offi- ziere und Reserveoffiziere von den vornehmen feudalen Offizieren über die Achsel angesehen werden; so lange es das nicht nur erträgt, sondern noch im O f f i z i e r s r o ck, der für seine, Söhne ein. Rock der Zurücksetzung und der Minderwertigkeit ist, wonneschauernd eine. Ehre sieht, so lange wird es sich in anderen viel ernsteren politischen Fragen der feudalen Hörigkeit Nicht entziehen können. Und so lange werden die bürgerlichen Geschäftsleute zu- sammenknicken, wenn sich ihnen ein Gauner mit hochariftokratischen Verbindungen näht. JVochmals der geisteskranke König, Tie von Professor H i n tz e wieder aufgefrischte Erinnerung an das„Testament" Friedrich Wilhelms I V., das die Aufforderung zum Verfassungsbruch enthielt, hat für den Kenner dieses Kronen- trägers sicher nichts Ueberraschendes gehabt. Man schlage nur die Tagebücher VarnhagenS von Ense auf, jenes feinsinnigen Aristokraten, der die Entwickelung dieses Geisteskranken auf dem Throne Preußens ganz aus der Nähe zu beobachten Gelegenheit gehabt hat. Einige?lufzeichnungen auS diesem Tagebuch seien hier wiedergegeben: 22. Januar 1841: Ein Bolkswitz; Zwei Bürger vor einem Bild- nisladen betrachten das Bild deS vorigen und des jetzigen Königs. „Zwei selige Könige", sagt der eine.—„Was soll das heißen?" fragt der andere.—„Ei nun!" versetzt der erste,„jener ist der hochselige, und der ist der redselig e." 14. Januar 1842: Es sind wieder neue Süchelmen gegen den König im Schwange. Er reist nach London sagt man, um nach- zusehen, ob auch wirklich die Läden dort geschlossen sind am Sonn- tage. Er ist ein starker Redner, sagt man. aber auch stark im Versprechen— und nicht Halten! fJn der Tat wird darüber sehr geklagt, daß er nur dem Augenblick folge, und was er gestern zugesagt, heute vergessen habe.) * 15. Mai 1846; Ter König läßt vor dem Schloß, an den Ecken der Terrasse einzeln stehende Säulen errichten, auf denen goldene Adler stehen. Diese Sucht zu schmücken, ist sehr geschmacklos. Tie Leute stehen und mackien ihre Bemerkungen darüber, sie finden die Sache unnötig, man vergleicht sie mit den Achselklappe» der königlichen Lakaien, sie waren dem Könige zu einfach, es mutzte eine Krone hinein. * 26. August 1846: Ter König war in Moskau und ist wieder zurück. Man sagt, solche Reisen, große und kleine, seien ihm Bedürfnis, er werde von Unruhe und Aufreizung ge- trieben, nicht lange an derselben Stelle zu bleiben. * 20. September 1846: Ter König hat zum Grafen von Münch- Belliughausen gesagt, er brauche gar keine Leute mit Ideen. Ideen habe er selbst genug, er brauche nur Diener zum Ausführen.— Aber wenn diese ideenlos sind, so wird's auch mit dem Ausführen schlecht stehen. Wir sehen's. 16. Oktober 1848: Zu den Abgeordneten der Nationalversammlung hat der König gestern gesagt:„Tanken Sie Gott, daß Sie noch einen König haben, und daß er noch stark von Gottes Gnaden ist, werd' ich Ihnen zeigen." Auch hat der König ge- äußert, er sei ein Hohenzoller, daö solle man nicht vergessen. Man scherzte sogleich, auch der eben verjagte Fürst von Sigmaring-n sei ein Hohenzoller, und zwar von der älteren Linie. Kurz der gestrige Tag brachte nichts Gutes. 23. Oktober 1848: Ein Fürst, ein regierender, ist ihm ein höheres Wesen, das er zu seiner eigenen Klasse rechnet, ein höherer gottbegnadeter Mensch, alle andern Leute, wenn auch sonst vornehm und ausgezeichnet, sind ihm dagegen ein bloßes Gesindel. Für jene hat er alle Aufmerksamkeiten und Sorgialt, die anderen bebandelt er achtlos. Man mutz es nur sehen, wie er abends in Unruhe und Zorn gerät, wenn ein ge- ringercr Gast zufällig in einen Lehnsessel zu sitzen kommt, oder ein Prinz aus einen gewöhnlichen Stuhl sich setzt. Er ruht auch nicht, bis er die Abänderung bewirkt hat. 11. März 1849: Ter König hatte sich anfangs gegen den Minister Grafen von Brandenburg, hinter dem aber andere Leute standen, verpflichten müssen, gewisse Sch r a u k e n z u h a l t c n i m R c d c n, manche Personen nicht zu sehen, keine Abordnungen vorzulassen. Eine Zeit lang befolgte er die Vorschriften, machte sich aber oll- mählich davon los und kümmert sich jetzt nicht mehr darum. Aber man bewacht ihn doch möglichst. 3. Juni 1849: Ter König hat neulich bei einer Truppenschau plötzlich vvr einem Bürger still gehalten, der den Hut nicht abge- nommen hatte, überschüttete ihn mit Sckssmpfrcden,„schändliche Frechheit, gleich den Teckel herunter. Die Flegel sollen wissen, daß ihr Herr da ist" usw. Konstitutioneller K ö n i g! Freilich ist es schlimm, ivenu alle Ehrerbietung gesunken ist, avcr so wird sie nicht hergestellt. -i- 12. Juni 1849: Man erzählt, der König habe kürzlich bei einer politischen Verhandlung dem Grafen von Brandenburg die geballte Faust unter die Nase gehalten, seinem„Retter".— Brandenburg soll es entschieden satt haben. Mantcusfek aber nickt, der„sieht weniger auf gute Behandlung, als auf Kost und Loh n". * 18. Januar ISöO; Der König hatte zum Ordensfeste diesmal einige Ueberraschungen vor, neuen Prunk. Unler anderm hatte er Herolde in mittelalterlichen Trachten bestellt, aber bald im Mißmut über die Kammern wieder abgesagt. Er will Zierat, Spielerei für seine romantischen Gelüste, er will Pairs wie Herolde, wie Prosessorenkostüme. wie Waffen. buntheit,— schauspielerische Effekte. Reden halten gehört dazu. Vor allem will er in Verwunderung setzen! » 22. April 1850: Vor einigen Tagen soll der König mit der Königin einen sehr ernsten Zank gehabt und sie dabei eine„dumme Liese" genannt haben. Majestätsbclcidigung zwischen Majestäten!! * � 19. Mai 1850: Ter König hat mit verschwenderischem Luxus den Pagen neue prächtige Kleider machen lassen im Ge» Sin Oenun2iant. Von Rudolf Franz. Der Staatsanwalt: Alio, was wollen Sie? Kullrich: Auge um Auge, Zahn... Staatsanwalt: Na, was soll das hier? Sie haben an- gegeben, Sie wollten eine Anzeige machen. Gegen wen? Was für eine Anzeige' Kullrich: Ich stehe hier als Kläger... Staatsanwalt: Nun kommen Sie aber gefälligst bald zur Sache. Kullrich: Ich stehe hier als Angesagter... Staatsanwalt: Sagen Sie mal: sind Sie betrunken? Kullrich: Ich bin nie betrunken. Ilußer am Geburtstag des allerhöchstrn Landesherrn. Staatsanwalt: Sie find ein älterer Mann, tragen mehrere Orden, sehen sauber und manierlich aus. Also benehmen Sie sich auch entsprechend. Kullrich: Diese mit Orden geschmückte... Staatsanwalt: Jetzt sein Sie mal still!— Um was für ein Vergehen handelt es sich? Kullrich: Um eine Majestätsbeleidigung. Staatsanwalt: Aha. Das wüßten wir also wenigstens schon... Ruhig! Warten Sie, bis ich Sie frage. Sonst kommen wir nie zu Ende. Kullrich: Zu Befehl! Staatsanwalt:«sie haben gedient? Kullrich: Zu Befehl. Ich bin Mitbegründer deZ Krieger- dereins... Staatsanwalt: Das geht uns zunächst nichts an. Sie machen also Anzeige wegen einer Majestätsbeleidigung. ES ist recht, daß Sie als alter Krieger.. Kullrich: Mit Gott für... Staatsanwalt: Warten Sie l Sind Sie selbst Zeuge der Majestätsbeleidigung gewesen? Kullrich: Jawohl. Staatsanwalt: Sind noch andere Zeugen vorhanden? Kullrich: Nein. Staatsanwalt: Und der Schuldige ist Ihnen bekannt? Kullrich: Jawohl, sehr genau. Staatsanwalt: Worin bestand die Beleidigung? Kullrich: Ich sagle... Staatsanwalt: Was Sie sagten, gehör: nicht hierher. Sagte der Verbrecher etwas? Kullrich: Na ja doch:.Meinetwegen kann Lehmann.. Staatsanwalt: Lehmann? Kullrich: So nennen die Sozi unseren allergnädigsten Landesherrn. Staatsanwalt: So? TaS ist ja sehr interessant. Also: „Meinetwegen..." Kullrich:.Meinetwegen kann Lehmann beirecken." Staatsanwalt: Aha. Weiter nichts? Kullrich: Nein. Staatsanwalt: War also außer Ihnen niemand zugegen? Kullrich: Nein. Staatsanwalt: Den Wortlaut köimen Sie beschwören'f Kullrich: Jawohl. Staatsanwalt: Nun zur Persönlichkeit deS Verbrechers! War er übrigens angetrunken? Kullrich: Nein, vollkommen nüchtern. Staatsanwalt: Ta§ können Sie ebenfalls beschwören? Kullrich: Jawohl, ich muß es ja wissen. Staatsanwalt: Wieso? Kullrich: Ich selber war der Verbrecher. Staatsanwalt: Sie selber...?— Sagen Sie mal: wollen Sie uns zu besten haben? Kullrich: Recht muß Recht bleiben. Auge um Auge... Staatsanwalt: Hallen Sie doch den Mund! Kullrich: Ich bin ein elender Mensch. Ich verdiene, daß man mich... Staatsanwalt: Ruhe! I Sie sind also Ihr eigener Ankläger. Kullrich: Jawohl. Staatsanwalt: Aber es hat doch niemand Ihre Aeußerung gehört? Kullrich: Gott hat sie gehört. Staatsanwalt: Ach Ouatich! Ich meine... Sie mögen sich ja im stillen Ihrer Worte schämen. Aber man denunziert sich doch nicht selber. Noch dazu loegen einer solchen Kleinigkeit! Kullrich: Kleinigkeit?! Meinen allergnädigsten Landesherr» so ist den Kot zu ziehen! Ich bin ein erbärmlicher... Staatsanwalt: Na, nun weinen Sie nichl auch noch oben- drein! Damit machen Sie s nicht ungeschehen. Sie bestehen auf der Selbstanzeige? Kullrich: Jawohl. Recht muß... Staatsanwalt: Betrunken waren Sie also nicht. Geistes- gestört sind Sie niemals gewesen? Kullrich: Nein. Staatsanwalt: Auch niemand in Ihrer Verwandtschaft? Kullrich: Nein. Staatsanwalt: Ja, wie kamen Sie denn zu einer so dummen Bemerkung? Kullrich: Es ist das Werk des Teufels. S t a a t s a n w a I r: Na. na. Teufel gibt's nicht. Wenigstens vor Gericht nicht. Erzählen Sie also das Nähere! Wann haben Sie die Aeußerung getan? Kullrich: Heute nacht. Staatsanwalt: In der Nacht? Also hatten Sie doch wohl gekneipt, wie? Waren berauscht? Kullrich: Nein. Rur am Geburtstag des..- Staatsanwalt: Und wo fiel die Aeußerung? Kullrich: Das weiß ich nicht. Staatsanwalt: Na, hören Sie mal. TaS wollen>st« mir doch nicht weiOmachen. Sie waren im Besitz Ihrer isinne, müssen also doch wissen, wo Sie sich befanden? Kullrich: Ich kannte die Gegend nick!-., Staatsanwalt' Waren Sie dem� auswärts. Kullrich: Nein. Ich schlief zu House w,e tmmer. Staatsanwalt: Sie schliefen?? Kullrich;%<,, und im Traum bab ich... Staatsanwalt: Im Traum?. Kullrich; Ja. im Tramne sagte ,ch daZ abicheuliche Wort. ich schändlicher Bube � S t a a t s a n w a l.: Jetzt machen Sie aber aus der Stelle, dap Sie hinauskommen' Eine solche Verhöhnung der Justiz ist mir ja m meiner aan-en Praxis noch nicht vorgekommen. Sie scheinen mj: ein bißch-n trottelhaft zu sein. HmauS. marsch! Wenn ich nicht eine gewisse Achtung b-sSße vor Ihren Orden und Ehrenzeichen... Kullrich: Utecht muß Recht bleiben. Ich verlange meine " t a a t s a n w a l,t: Wenn Sie nicht verschwinden, riskieren Sie, daß ich Sie einsperren-lasse. Kullrich: Das schreckt mich nicht. Es ist meine wohlver- diente Strafe. Kein Auge habe ich mehr zutun können seit dem gotteslästerlichen Traum. Das Gewissen ließ mir keine Ruhe. Ich habe meinem Fürsten immer treu gedient; in Krieg und Frieden hob' ich»'eine Schuldigkeit getan... Staatsanwalt: Sie sollen sich hinausschere»! Kullrich�Jch verlange meine Strafe! Ich habe immer meine Pflicht getan. Sie tun Ihre Pflicht nicht! Staatsanwalt: Was? Kullrich: Nein! Sie sind angestellt, um... um... Ra« ibrecher zu entdecken. Und wenn man selbst zu Ihnen kommt, dann schmacke Ludwigs deS Vierzehnten. Tie Königin bat einiges daran auszusetzen, er aber bestand darauf, es müsse so bleiben, das sei mittelalterlich. Tie Sache war ihm wichtiger als die deutsche Union, der dänisch» Frieden. » 17. Januar 1851:'iMX König ist ganz verloren in der Orden sspiclerei. Dieses Schaugepränge ist sein Element, da gibt es bunte Farben, Altertümelei, Frömmc- lei, Eitelkeit, Gnaden usw. Man hört im Volke furchtbare Aeutzerungen über den vor- geschriebenen Festtag morgen. Die Leute sagen, was gehen uns seine— Orden an? Tie neue Geldverschwendung die fällt auf uns ein. Und noch so vieles andere, was ich nicht schreibe! « 2. Oktober 1851: Gespräch:..Er hat ja lange keine Rede gehalten?"—„Nun, w i r h a d e n an den alten genu g." * 17. Oktober 1857: Die Nachrichten vom Könige lauten gut in Betreff des körperlichen Befindens: aber die Geisteskrank- h e i t besteht und ist u n I e u g b a r. In dieser ist keine Besserung zu hoffen, wohl aber ein langes Hinschleppen zu fürchten. TW Königliche Familie ist in größter Verwirrung und Verlegenheit. Der König ist unfähig, das. was man ihm sagt, zu verstehen, noch mehr, irgendeinen Entschluß zu fassen, einen Befehl zu geben und zu unterschreiben. » SO. Oktober 1857: Ueber den König nichts besonderes Neues. Die Krankheit dauert fort, er wird auch schon unartig, er warf einem Lakaien, der ihm eine Tasse Tee reichte, diesen an den Kopf, weil etwas Tee in die Untertasse verschüttet war. Man erzählt vielerlei, unter anderem auch, daß der König, als man ihm Eis- Umschläge auf den Kopf gemacht, plötzlich die Hand wie zum Militärgruße an die Schläfe gelegt, und in seiner Berliner Possen- baftigkeit gesagt habe:„Ich melde mich gesund!" Der Eindruck soll aber ein sehr schauerlicher gewesen sein. Immer kommen auch mehr Züge von früheren Geistesschwächen des Königs an den Tag.— Die Teilnahme für den König ist schon merklich geschwächt, viele Leute leugnen, daß sie je lebhaft gewesen sei. Im Volke hört man viele tausende Hohnreden upd Spöttereien, man erinnert sich, wie seine Versprechungen gelautet haben, wie ganz unerfüllt sre geblieben, sein Werk, seine Verfassung, nennt man eine b e- trügerische Pfuscherei, man fragt, ob er denn von Gottes Gnaden toll sei, usw. * 20. Dezember 1857; Immer mehr Stimmen hört man jetzt. die den König anklagen, schon längst und von jeher auf dem Wege gewesen zu sein, aus dem ihn jetzt alle Welt sieht. Hat er sich nicht schon ganz verrückt benommen im Jahre 18-17 beim Vereinigten Landtag? In der Revolutionszeit, namentlich bei der Katserwahl, dann bei der Spannung gegen Oestrreich? Nicht ganz verrückt beim orientalischen Kriege und in dem Handel mit Neuchatel? Tie Minister können nicht umhin, allerlei zu erzählen, was sie mit ihm ausgestanden. 24. Mai 1858: Ter König hat wenigstens Augenblicke des helle- ren Bewußtsein?, der Beschämung. Er, der so stolz auf sein„V o n Gottes Gnaden" pochte, rief vor einiger Zeit schmerzlich auS:„Von Gottes Gnaden! Ja von Gottes Gnaden bin ich nun verrückt!"— Doch soll er selber noch hoffen, wieder zu regieren und in einzelnen Augenblicken sich darauf freuen, alles wieder gerade zu machen, was sein Bruder in- zwischen krumm gemacht hat! Sommerferien. Von M. Andersen N e x ö. Wir traten Glasgows Straßenpflaster, müde und abgespannt von dem entsetzlichen Lärm, der Tag und Nacht diese Industrie- zentren erschüttert und einen keine Stunde der Ruhe finden läßt. Unablässig regnete der Rauch herab— ein schwarzes Gestöber, das ekelerregend wirkt und die Schläfen schmerzhast pochen macht. Er legte sich auf das Pflaster als picke Schlammschichte, in der tief drinnen in den abseitigen Gäßchcn, die der infernalisch« Wagen- verkehr unberührt läßt, kleine Menschlein sich seelenvergnügt tum- melten. Draußen aber auf den großen Verkehrslinien rumpelten di« Lastwagen langsam über die Pflastersteine und die Elektrische stampfie klingelnd ihrer Wege. Straßenverkäufer von fünf Jahren wollen Sie sich drücken, sie scheuen die Mühe. Sie wissen nicht, was Sie zu:un haben. Sie verstehen Ihr Amt nicht... Staatsanwalt: Bleiben Sie auf Ihrem Platze. Zurück! K u l l r i ch: Sie find ein ungerechter Richter. Ich verlange meine Verhaftung-... Staatsanwalt: Zurück!! K u l l r i ch: sie schreiten nur«in, wenn es Ihnen paßt... Staatsanwalt: Tie Hände weg! K u l l r i ch: Und es paßt Ihnen nur dann, wenn Sie Vorteil davon haben für Ihre Karriere. Staatsanwalt: Lassen Sie ineinen Rock los. Zu Hisse! Zu Hilfe!. Kullrich: Ich will Sie lehren, was Recht ist, was Ihre Pflicht ist... Staatsanwalts Diener, fuhren Sie diesen Mann ab! Er ist verhaftet— wegen tätlicher Beleidigung. Kullrich: Wegen Majestätsbeleidigung! Führt mich hinweg. Ich bin Euer Gefangener. Willig nehme ich meine Strafe auf mich Wie sie auch ausfallen möge: sie wird die gerechte Sühne sein für »neine frevle Lästerung. Auge um Auge, Zahn um Zahn Empfehle mich, Herr Staatsanwalt. Gin ortclbifched Kulturbüd. 3« der„Ostpreußischen Zeitung' befand sich dieser Tage folgendes Inserat:" Am 15. d. M. Galizier entlausen: 1................ 3... 4. Um Nachricht bittet m. Wiesberger. Pawiedlaulen. Km« Pillkollen. Porto wird gerne ersetzt. �ü-hnlichcr Weise wird inseriert, wenn Hunde entlaufen find. H,er hastdelt es sich ober um Menschen, um zwei Arbeiter V*:1.�e' m}en- Tic werden steckbrieflich verfolgt, weil sie -e Arbeit. sie e aufgegeben haben. Sie werden verfolgt auf Grund oe. � e grtl matronskartenzwanges. den Preußen v-r- fo!,ungZwldr.g emgefuhrt hat. Und Angesichts solcher Zustände Wundem sich die Agrarier über den Arbeitermangel auf dem Lande- aufwärts trieben in dem Strom umher, tauchten zwischen den zermalmenden Rädern auf und sangen ihren Singsang hinaus in die Luft; man konnte cs an dem aufgesperrren Rachen sehen, die Stimme selbst erstarb in dem Spektakel. Auf all dem Lärm aber rill eine schrill triumplnerenle Stimme: die einer knochigen Weibs- Person, die vor dem Eingang einer unterirdischen Bedürsnisanstait Wache hielt, vor der sich stets ein dichter Knäuel Arbeitsloser staut, Christi Gnade über unsere Trangsalnisse herabbeschwörend. Arbeitslose gab es übrigens auch sonst genug; längs aller Rinnsteine standen sie und spuckten trübselig in die Leere des Tascins. Die Großstadt fängt sie ein mit dem Versprechen eines guten Verdienstes und stellt sie dann der Reihe nach auf als eine Art Huugerdrohung— sie bilden die hohle Resonanz der Arbeit. Um die Mittagszeit aber machte sich eine plötzliche Veränderung im Lustdruck bemerkbar, die Spannung löste sich, cs kam mit einem Schlage, just als es ringsumher zwölf tutete und gab sich an alleil Ecken nnd Enden zugleich kund. Die Kutscher machten plötzlich mit ihren mächtigen Fuhren Kehrt und lenkten rasch dem Stalle zu, Häuser und Gäßchen sogen das schwarze Menschengewimmel an sich, die Geschäftsleute kamen heraus und ließen die Läden vor ihren Auslagefenftern berab. Ich kreuzte die Straße, um mir von dem gegenüberstehenden Schubputzer die Stiefel bürsten zu lassen. „Zu spät!" sagte er und klappte den Putzkasten mit einem munteren Knall zusammen.„Montag in acht Tagen stehe ich wieder zu Diensten!" Und fort war er. Sie alle waren fort, die es noch vor einem Augenblick so atemlos eilig gehabt hatten; der Trambahnverkehr war erstorben— nur ab und zu ging wie eine letzte Krampfzuckung ein Wagen über die Schienen. Tie Arbeitslosen waren die einzigen, die zurück- blieben. Sie standen noch immer auf ihrem Uriasposten, wechselten nur hie und da die Stellung und gaben mit ihrem trübselig starren Blick der Leere ein Relief. Taheim empfängt der Wirt mich an der Türe.„Wollen Sie fortfahren, so müssen Sie sich beeilen, Sir," sagt er eifrig,„heute sind die Züge überfüllt und von morgen an stockt der Lokalvcrkchr völlig." „Was gibt es denn? Generalstreik?" frage ich. „Nein, es sind nur die Sommerferien! Und ich habe nichts dagegen, wenn Sie sich aus dem Staube machen, denn auch ineine Leute haben um zwölf Ubr Urlaub genommen, und wir selbst sind im Begriff einzupacken. Auf Wiedersehen Montag in acht Tagen, Sir!" Es pflegt sonst Hände genug zu geben, um einen Koffer auf- zuhucken, heute aber müssen wir es selbst tun. Jeder Arbeitslose, den ich unterwegs anspreche, zuckt bedauernd die Achseln. Summer Holidays" murmelt er und wendet sich wieder dem Rinnstein zu. Tie Bahnhöfe sind gesteckr voll von Menschen, von starken Ar- beilern, die die Reiseausrüstung in einem Sack auj� dem Nacken und Weib und Kinder auf den Fersen haben. Die Spannung ist bei ihnen allen groß, sie brassen scharenweise darauf los und stehen plötzlich still, um zu beraten; sie sind noch kupferrot von der An- strengung, Ruß und Schwärze von sich abzuscheuern und sichtlich aufgeregt. Man hat den Eindruck von etwas überwältigend Großem und Ilnwiderftevlichem— von einem ganzen Volke, das im Begriffe steht, nach fremden Himmelsstrichen aufzubrechen. „Wohin geht die Reise, Kameraden?" „Wohin? Nach der Küste natürlich!" Diesmal ist es keine beißende Selbstironie, sondern die wohl- bewußte Antwort eines Mannes; die rußigen Sklaven der In- dustrie sind wirklich auf dem Wege nach der Küste, nach dem See- bade. In diesem sonnenverlassenen Lande— vielleicht tief unter der Erde, während sie in den Kohlen gruben— hat der Sonnenruf sie getroffen, und nun wollen sie hinaus und versuchen, wie es ist, Mensch zu sein. Tann rollen wir unter der Stadt fort und brechen Plötzlich mirten draußen in den Feldern bei vollem Tageslicht hervor. So- weit man sieht, ragen die Fabrikschornsteine leblos in die Luft hinein, nicht ein Rad surrt, da und dort läßt ein verspätetes Kessel- ventil Dampf aus. Auf den großen Schiffswerften längs dem Clvde liegen die Riesenhämmer und grübeln vor sich hin, das Kinn auf den Amboß gesenkt; Sitigers mächtige Maschinen, die täglich 5000 Mann beschäftigen, liegen tot. TaS Kohlenland steht ganz Hilsts drein, seines Rauches ent- kleidet. Darüber flackert in einem Spalt ein Stückchen blauer Himmel. Im Bauch der Erde hat es aufgehört zu rumoren. Unsere breithüftige Mutter hat eine Weile Ruhe vor den Eingeweiden- würmern, sie kneifen sie nicht mehr, sondern wälzen sich auf die Oberfläche; schmutzig und lichtscheu, tun sich zusammen und nehmen die Richtung nach der Küste. Die vielmeilenlange Küste des Forthfjords ist lebendig ge- worden; der weiße Strand, der von der Brücke gesehen, sich wie em sanftes Band weit um den Fjord und wieder hinausfchlängelt, ist nun schwarz und unruhig. Ein fepner Laut steigt von da unten auf, ein heiseres Kochen, wie man e§ zur Paarungszeit rings um die Vogelklippen hört— es ist ein rauher, aber wohlgemeinter Lob- gesang auf Sonne und Sommer. Nehmen wir einen der unzähligen Badeorte da unten, gleich- viel welchen, Portobello zum Beispiel! Ter Name kling gut, nach Bakkarat und blauem Golf. Und der Ort ist, was er sein muß, ein von Sommergästen erobertes Fischerdorf, wie es deren über die ganze Welt givt. Dies und jenes fehlt ja wohl, die Korbstühle, die roten und blauen Sonnenschirme, der Flirt und die Feldstecher, um die badenden Nhmphen cinzufangen. Vater hat die kurze Pfeife angezündet' und liegt auf dem Rücken und schaut zum Himmel hinauf; so liegt er am liebsten, und läßt die Erde seine in langen Togen aufgespeicherte Müdigkeit an sich saugen. Dazwischen gräbt seine eine Hand mechanisch im Sande tiefe Löcher und Gänge, als sei hier eine geheime Verbindung aufrechtzuerhalten. Man merkt ihm keinen ohrenbetäubenden Ilebermut an. Aber wie er das Dasein genießt! TaS sieht man an der vertraulichen Art, mit der seine Glieder sich an die Erde schmiegen. Dicht bei ihm liegen fünf bis sechs Kleiderhaufen, die die Kinder frühmorgens von sich geschleudert baben, um den Tag draußen auf dem Strande zu verbringen; sie springen wie helle Funken der See zu und füllen die Lufl mit sinnlosem Jubel. Hie und da kommt eines gelausen und steckt ein Bein in die Hofe; es sitzt ein Weilchen still, schmeißt dann alles von sich— und hinaus geht es wiederum! Mutter hat die Schürze voll Muscheln gesammelt, die sie auf e>n Zigarrenklstchen kleben will, um sich solcherart ein kleines Näh- kästchen herzustellen. Sie braucht kein Essen zu kochen und findet eigentlich, das ganze Tafein fei aus den Fugen geraten: dazu laufen die Kinder beständig nackt herum, so daß es nichts zu stopfen und zu flicken gibt. Sie tut nichts, als an Gewicht zunehmen und Wäsche und Kleiderbünde weiter zu machen, bald wird sie soviel wiegen wie als junges Mädchen. Aber wie das Geld fliegt! Wie das Geld fliegt! Haben sie doch ein ganzes Zimmer veim Fischer gemietet— möbliert und alles— und kaufen das Essen zumeist fertig! lind dieses schreckliche Meer! Eigentlich hat sie eine un- überwindliche Angst davor, aber dennoch bat sie die Röcke um ein Paar reipektierlicher Waden aufgeschürzt und versucht zu waten, um doch in der Nähe ihrer närrischen Nachkommenschaft bleiben zu können. Ganz außer Rand und Band sind sie, und sie watet am Strande bin und her, gackernd und glucksend wie eine Henne, die ihre junge Entlein draußen hat. Und plötzlich stürzen sie über sie her und puffen sie im Triumph hinaus in das flache Wasser; sie kreischt auf und bittet um Gnade, hält krampfhaft ihre Röcke empor — und ist über alte Maßen glücklich. Es gilt, sie so weit hinaus- zuziehen, bis ihre Röcke ins Waffer tauchen— o, diese Nichtsnutze! Wenn man nun den Krampf bekommt und untergeht! Aber man hat ja auch das ganze Jahr dafür gespart, da mutz man schon auch den Spaß gründlich auskosten! Glücklichere Menschen hat die Sonne nie beschienen. Und eine ganz� Woche währt es, ehe sie wieder zurückmüssen in den Rauch und Lärm und die Minen; achteinhalb Tage ununterbrochenes Herrenleben, wenn man den Sonnabendnachmittag und die beiden Sonntage mitzählt! Es kostet ja ein schönes Geld, die Fabrikanlagen wieder anzu- heizen und das Ganze wieder in Gang zu bringen. Und in den Häfen drinnen liegen die Kapitäne und streiten mit Konsulen und Maklern wegen Kontraktbruch und Ueberliegegebühren. Weit drüben auf der anderen Seite der Erdkugel gibt es überschrittene Lieferungsfristen, stehengebliebene Räder, ins Ausland übertragene Bestellungen, alles nur, damit die Armen Sommerferien halten können. Und dieser„Unfug", der nirgends sonst auf der Erde ge- duldet würde, bat bei der rücksichtslosen, harthändigen, geldnüchter- neu britischen Nation Platz gegriffen. ES muh doch etwas an der Definition falsch sein. Ob irgendeine andere moderne Nation die Phantasie und Frei- gebigkeii des Herzens besäße, um die größte Maschinerie der Welt in Gang zu setzen und dann des armen Peter Zappels wegen wieder aufzuhalten? Sommerferien über die ganze Linie — das klingt ja fast wie eine Botschaft von der Sonne selbst! r* Spiel und Sport Die diesjährige Regatta des Arbeiter-Ruberbunde? fand am gestrigen Sonntag auf der Strecke Eisenbahnbriicke Trep- tow-Stralau, Restaurant Schwanenberg, über 1600 Meter statt. Durch das laue, ruhige Waffer unterstützt, nahm die Veranstaltung einen guten und interessanten Verlauf. Beteiligt waren 8 Ver- eine mit 84 Booten. Als besonder?, bemerkenswert ist die Tatsache zu verzeichnen, daß die beiden kleineren Vereine, besonders„Frei- heit", ihrem großen Bruder„Vorwärts" immer mehr auf die Fersen kommen. So holte sich„Freiheit" den Seniorvierer, der bisher unbestrittener Besitz des„Vorwärts" war. Den Einer be- hielt„Vorwärts" nur dadurch, daß der„Äoslegia"einer, der bis zum „Vorwärts"haufe führte, sich dicht vorm Ziel versteuerte. Ein Tamenviercr, der über 1200 Meter gefahren wurde, zeugte von einem erfreulichen Aufschwung des Tamcnruderns; docb konnte leider die technisch bessere Mannschaft gegen die überlegene Kraft und Masse des gegnerischen Bootes nicht aufkommen. Der Doppel- zweier ohne Steuermann fiel überlegen an„Vorwärts". Im Achter standen sich ein paar gleichwertige„Lorwärts"mannschaftcn gegenüber und dementsprechend war auch der Endkampf ein recht scharfer. Nachstehend die Resultate: Doppelzweier für Senioren: gewann.Freiheit" 6,11'/, Mn. Vierer für Junioren:.Vorwärts- 5, lsst- Min. B i e r e r für Anfänger:„Freiheit" 5,43'/, Min. Doppclvierer sür Junioren:.Kollegia" 5,25'/, Mn. Ein er:.Vorwärts" 6,35 Mi». Doppelvierer sür Senioren:.Freiheit" 5.15'/, Min. Doppelzweier sür Junioren-„Freiheit" 6,22 Mn. Vierer für Senioren:.Freiheit" 5,31 Min. Doppelvierer für Damen: Boot 2.Vorwärts' 4,3?',, Min. Dovpelzweicr ohne Steuermann:.Vorwärts" 5,13 Min. ?l ch t e r: Boot 2„Vorwärts" 5,8'/, Min. Turner. Fußball-Wett spiel Fichte 3— Fichte 11. Nach Erledigung der leichtothletiscken Wettkämpfe standen sich die beiden 1. Mannschaften Fichte 8 und Fichte 11 im Fußball- Wettspiel gegenüber. Tie Schnelligkeit, der Spieler der 3. Abteilung zeitigte zu Beginn des Spieles eine lleberlcgenheit dieser Mann- schaft, doch konnten Erfolge des guten Spieles der gegnerischen Ver- teidigung wegen nicht erzielt werden. Ein Durchbruch verhalf Fichte 1! zum 1. Tor. Kurz daraus konnte die 3. Abteilung durch gute Kombination ausgleichen. sHalbzeit 1: 1.) Nach Halbzeit war Fichte 2 wieder überlegen und konnte den zweiten Erfolg buchen. Erst zum Schluß gelang es der 11. Abteilung durch gutes Zu- fammcnspiel, das Resultat unentschieden zu gestalten. Dem Spiel. welches einen durchaus fairen Verlauf nahm, wohnten einige Hundert Zuschauer bei. Resultate der leichtathletischen Wettkämpse: Schien derball wer- fcn: Th. Fuckcl lt. Abt. 3S.20 w. M a n n s ch a f t s ku g e Ist o tz c n' 13 Mann) 3. Abt. 68.20 m- Stafetten:(5 Mann ä 100 m) 3, Mt- Zeit: 1:04 Minuten,(4 Mann ä. 4(0 m) 3. Abt. Zeit: 4:08» Minuten. 5. Bezirk. I. Kreis. Resultate von den Stafetten: l. Töpenick l. M. 6?'/, Sek., 2. Neukölln I. M. 70 Sek.. 3. Rummelsburg I. M. 70'/, Sek., 4. ÄohnS- dors 74 Sek., 5. Grünau 74 Sek. Resultate van den Faustballspielen: 1. Cöpenick I- Neu- kölln I 96—35, 2. Oberschöneweide-Adlershos 91—73, 3. Treptow I- Lichtenberg 86—85, 4. Rummelsburg-Friedrichshagen 68—50. 5. Neukölln II-Adlers» hos ll 66— 54, 6. Rummclsburg-Fürstenwaldc 75—69. Die dem Arbeiterturnervund angeschlossenen Vereine: Verein für Bewegungsspiele-Friedrichshagen und Olymp standen sich gestern gegenüber. Ersterer gewann mit 2:1. Märkische Svirlcrvereinigung. Im Gesellschaftsspiel standen sich gestern Sperber-Neukölln und Vorwärts-Friedrichsbagen gegen- iiber. Das Spiel der 1. Mannschaften endete unentschieden mit 2: 2, mährend die 2. Mannschaften von Sperber ihre Gegner mit 4: 1 abfertigten. Radfahrer. Radrennen zu Treptow, Sonntag, 6. Juli. Die Rennen! standen im Zeichen des Motorengeknatters, denn acht Tauerfahrer trafen in drei Rennen zusammen, um ihre Kräfte zu messen. Sonderbarerweise kam es zu keinem eigentlichen Kampf, denn in jedem Rennen siegte der beste Mann mit weitem Vorsprung. In dem Fohren für die Klasse A lvar es der Franzose. Jules M i q u e l, der sowohl das 25- wie das 50-Kilometerrentien gewann, und in dem Fahren der Klaffe B über 50 Kilometer siegte der Ber- liner Errleben überlegen. Einige Rennen für die„Flieger", d. h. die Fahrer über die kurze Strecke, vervollständigten das Pro- gramm. Im Hauptfahren ither 1000 Meter wurde Rudel erster, ebenso im Pramienfahren über 5000 Meter. Rundenprämien gewannen Bierck ili, Häusler und Tennigkeit(je 3). TheiS(2), Rudel. Börgemann und Krahner(je 1).— Tie vom Wetter be- günstigten Rennen verliefen ohne Unfall. Ter bekannte deutsche Radrennfahrer Walter Rütt trug gestern ini Großen Internationalen Ziadrennen in BinceikneS den ersten Preis davon. Fuhball. Das zum dritten Male a»sgetragcne Spiel zwischen Reinicken« dorfer Ballspielklub und Biktoria-Tempelhof wurde wiederum nach hartem. Kampfe von Viktoria mit 7: 5 gewonnen. Bei Halbzeit 5:0.— Leider ereignete sich wäbrend des Spiels auch ein Unfall. Der Torwächter des Reinickendorfer BallspielklubS wurde durch einen Ball so hart am Kopf getroffen, daß er dem Weißcnseer Krankenhause zugeführt werden mußte.— Selig ruidt die reinen Gerzens lind. ®fne wahre Geschichte. In einem rheinischen Städtchen befiiwet fich unter dem Namen ..Concordia-HauS" ein« Anstalt, in der junge protestantische Männer für die schweren, aber gottwohlgefälligen Berufe von Waisenhaus- Vätern, Herbergsvätern und Missionsgehilfen ausgebildet werden. SIuS dem Waisenhause, das dieser Anstalt angegliedert ist, ging ein Mann hervor, der später viele Reichtümer sammelte und Albert Runge hieß. Dieser Mann starb. Und weil er keine LeibeSerben hinterließ, vermachte er dem .Toncordia-Hause" für die guten Lehren, die es ihm mit auf den mühsamen Lebensweg gegeben hatte und die in klingende Münze umzusetzen er mit seltenem Erfolge bestrebt gewesen war, aus Dankbarkeit sein ganzes Vermögen im Betrage von etwa Dreimal- hunderttausend Mark. Laut testamentarischer Bestimmung sollte das Geld unter dem Namen„Albert-Runge-Stiftung" im Kampfe gegen die überhandnehmende Schmutzlitertaur verwendet werden, dergestalt, daß da?„Concordia-HauS" eine Verlagsanstalt für reli- giöse UnterhaltungS- und Erbauungslektüre einrichtet. Das geschah. Weil nun das alte, ehrwürdige„Concordia-HauS", dessen Pro- kektorat seit langen Jahren ein Mitglied eines Königlichen Hauses inne hatte, in den Kreisen, die als Hauptkonsumenten der neuen Verlagserscheinungen in erster Linie in Betracht zu kommen pflegen, einen guten Klang besitzt und aufs Vorteilhafteste einge- führt ist. wollt« der umsichtige Verwaltungsrat aus Reklamerück. sichten den Namen„Concordia-HauS" bei Benennung der neuen Firma nicht missen. Deshalb nannte man das Verlagsgeschäft: .vlbert-Runge-Stiftung Concordia-HauS". Nun machte der erste Vorsitzende deS evangelischen Männer- und JünglingsvereinS, der al» stimmberechtigtes Mitglied der Ver- waltungsratssitzung beiwohnt«, den leicht verständlichen und höchst lobenswerten Vorschlag, man möge den langen und umständlichen Namen der Firma nach berühmten Vorbildern auf ein kurzes, recht prägnantes Kenn- oder Schlagwort konzentrieren. Durch diese bewährte— wenn auch schon längst nicht mehr originell«— Art gedachte man den Namen der Firma auf mnemotechnischem Wege in die Köpfe derer, auf die man es abgesehen hatte, bequem einzw- hämmern und die Erzeugnisse der Firma populär zu machen. Gleichfalls nach berühmten Mustern, wie z. B.„Hapag",„Delag", „Iba" u. a. m., wählte der Verwaltungsrat als Merkwort die an- einander gereihten Anfangsbuchstaben der neuen Firma. In der Sitzung erhob sich keine einzige Stimme dagegen. Der Name der Firma, sowie das Merkwort, das gleichsam als Banner den neuen Verlagserscheinungen siegverheißend voranslattern sollte, wurde unbeanstandet handelsgerichtlich eingetragen. Ebenso unbeanstandet wurde Firma und Merkwort bei der Handelskammer registriert. Und auch das Postamt, wo das Bannerwort als Tele- grammadresse angemeldet wurde, fand nichts Auffälliges daran, was Anlaß zu Einwendungen hätte geben können. Wenn man bei den Mitgliedern des VerwaltungSraies, an dessen Spitze ein Geistlicher steht, absolute Unbefangenheit des kindlichen Gemüts und eine geradezu strafbar« Unkenntnis der charakteristischen Worte unserer Umgangssprache billigerweise vor- aussetzen muß, so dürfte das bei den rein weltlichen Instanzen, durch die das Bannerwort gehen mußte, wohl weniger der Fall sein. Daß keine der in Betracht kommenden Instanzen sich für verpflichtet hielt, den Verwaltungsrat hinreichend aufzuklären, mag daher rühren, daß die betreffenden Beamten mit Recht glaubten: WaS Gott, also auch seine irdischen Stellvertreter tun, ist wohl- getan. Außerdem soll man nicht vergessen, daß die Anstalt unter hohem Protektorat steht. Kennt man jede einzelne Schrulle hoher Herren? Wie denn aber nun, wenn vom geistlichen Vorsitzenden d«S Verwaltungsrates bis herab zum kleinen Posteleven lediglich Mangel an ehrlichem Mannesmut die alleinige Ursache war, eine aus» reichende Sachkenntnis zu leugnen? Tie Folgen sind nicht auSzu- denken. Jedenfalls ist es jammerschade, daß ein noch schulpflichtiger Zögling des„Concordia-Waisenhauses", der wegen seiner schönen Handschrift im Bureau der Anstalt mit Schreibarbeiten beschäftigt wurde und das Manuskript für die Propagandabogen der neuen Firma ins Reine schreiben sollte, das Bannerwort„entdeckte". Er erhielt vom Hausvater dafür, daß ihm die volkstümlichen Ausdrücke der deutschen Sprache st» sehr geläufig waren, 48 Stunden Karzer mit Entziehung der warmen Kost aufgebrummt. Das war eine durchaus ungerechte Strafe. Die„Albert-Runge-Stiftung, Concordia-Haus" hätte ihm eine Tantieme in Gestalt einer lebenslänglichen Rente zahlen müssen. weil er nicht bloß das Unternehmen gerettet hat, sondern die ganze Gattung. Die Rettung des hohen Protektors läßt fich überhaupt nicht in bar ausdrücken. Da würde selbst die komplizierteste Berechnung glatt versagen. R. M, Verständnisvolle Richter. Frau Jnstitia kann auch milde sein. Nicht immer werden Ur- teile gefällt, die die Arbeiterschaft als äußerst hart empfinden muß. Ein besonders mildes Urteil fällte dieser Tage das Schöffengericht in Essen. Der Unterprimaner Hermann Balz war ange» klagt, in der Nacht zum 4. Februar d. I. in einem Eisenbahnabteil der 1. Klasse sämtliche Pol st er in mutwilliger Ab- ficht zerschnitten und vollständig unbrauchbar gemacht zu Hben. Der Angeklagte behauptete, bei Begehung der Tat sinn- IoS betrunken gewesen zu sein und sich auf nichts mehr be- sinnen zu können. Wie erwiesen wurde, hatte der junge Mann vor Begehung der Tat stark gezecht. Eine sinnlose Trunkenheit hat aber keiner der Zeugen an ihm wahrgenommen. Das Schöffen- gericht hielt die Behauptung des Angeklagten nicht für widerlegt und war der Meinung, daß der Unterprimaner die Tat in einem, die freie Willensbestimmung ausschließenden Zustande begangen hat. Unter Anwendung des§ LI des Strafgesetzbuches erfolgte die Freisprechung des Angeklagten. Wir haben gegen den Freispruch prinzipiell durchaus nichts einzuwenden, denn ein betrunkener Mensch ist seiner Sinne nicht mächtig und daher für seine Handlungen nur bedingt verantwort- lich. Wie kommt es aber, daß bei Angehörigen der besitzenden Klassen in der Trunkenheit fast stets die freie Willensbestimmung ausgeschlossen ist, während in Urteilen gegen betrunkene A r- b e i t e r der 8 61 gar nicht zu existieren scheint, vielmehr in ähnlidj gelagerten Fällen neben der Strafe noch auf Ueberweisung des Jugendlichen in die Zwangsfürsorge erkannt wird. UKeater. Montag, den 7. Juli 1913. Anw»--, j! U6r. Kroll»Oper. Tannhäuser. Urania. In den Dolomite«. Schiller O. Undine Berliner. Ftlmzauber. Kleines. Geschlossen. Tbalia. Puppchen. Metropol. Die Kino-Königin. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettwer Sänger. Ansang 8'/, Mr. KomSdieuhans. Hochherrschastllche Wohnungen. Friede., Wilb. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Lnstspielhaus. Der lustig« Kakadu. Rose. 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Tagesordnung: i- Der Kampf gegen den fchwarz-blauen Block,«-fermt: Landtagsabgeordneter USlnrivI» 2. Freie Aussprache.. � 196/18* Genossen! Weist überall auf diese Versammlung hin! Sorgt dafür, dast kein Wähler am 12. Juli der Wahl fern bleibt! Sorgt dadurch mit für den Sieg der Sozialdemokratie! _ Da«»orialdemokratlsche Wahlkomltee. I. A.: H. Jahn, Luckenwalde. Beruis- Kleidung für alle Zweige der Gewerke«. Industrie Chausseestraße 29-30 11 Brückenstraße 11 Gr. Frankfurter Str. 20 G-r-is« Schönet»., Hauptstr. 10 für Sanitätsdienst and gewerbe- polizcüichc Vorschriften iitmi not JUImiif von Nachahmungen des echten Küpitän-Kautabaks l Jedes Stück /Rollen oder Bündel) wird nur verpackt und mit Aufdruck: - Kapitän-Kautabak", gesetzlich geschützt",——» geliefert. 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