Ar. 171. HbonnemcntS'Bedlngungen: tlbonnements- Preis pränumerandoi »ierteljährl. Z,Z0 All, monatl. 1,10 Mi.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne fenraner 5 Pfg. Sonntags- nunnner mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung-. Pretsliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich> Ungarn 2L0 Mark, für das übrige Ausland « Mari pro Monat. Poftobonnemems nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, «uttiänien, Schweden und die Schweis. 30. Jahrg. crlchelvt laglich. Verlinev Volksblskt. Sie Insertion!-Lebilhr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum eo Psg., für poluische und gewerkschaftliche Vereins- und Versainmlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Mnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über l Z Buch- 1 toben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nmnmer müssen bis » Uhr nachmsttagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedstion ijt bis 7 Uhr abend- geöffnet, Telegramm- Adresse: uSozialdunolirat Bttlia*. Zentralorgan der rozialdemofcrattfcben Partei Deutfcblands. Redaktion: SOI. 68, Lindenstrassc 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S8S. Expedition: 8M. 68, Lindenstrasse 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1.98t. ein Idealift. Wenn ein Hochschullehrer das biblische Alter erreicht, oder irgend ein Jubiläum begeht, so tun sich seine Fach- kollegen zusammen, um ihm in Gestalt eines Sammelwerkes, zu dem jeder einzelne eine Abhandlung über ein ihm nahe- liegendes Thema beigesteuert hat, eine Festgabe zu überreichen. In der Regel sind das schwer gelehrte Arbeiten, in denen die Herren Professoren ihr wissenschaftliches Licht leuchten lassen, Untersuchungen über Doktorfragen, die für den Laien wenig Interesse und für das praktische Leben nur eine untergeordnete Bedeutung besitzen. Um so mehr Aufmerksamkeit muß eine Schrift erregen, die der Staatsrechtslehrer an der Marburger Universität, Professor Walter S ch ü ck i n g, zu der Jubiläumsfestgabe der Marburger juristischen Fakultät für den Professor Ludwig Enneccerus beigesteuert hat. Sie heißt„Neue Ziele der staatlichen Entwickelung". Und schon der Untertitel deutet etwas Besonderes an, denn er lautet: Eine politische Studie. Professor Enneccerus hat selber bekanntlich längere Zeit als n'ationalliberaler Vertreter im Deutschen Reichstage und im Preußischen Abgeordnetenhause gesessen. Dieser Tatsache tut Schücking Erwähnung, um damit die Wahl seines Themas zu rechtfertigen. Aber man wird wohl nicht mit der Annahme fehlgehen, daß seine Studie bei seinen Kollegen doch ein be- denkliches Kopfschütteln hervorgerufen hat, und ob der Gefeierte, trotzdem er den Wissenschaftler und den Politiker in seiner Person vereinigt, gerade an diesem Geschenk eine besondere Freude haben wird, ist auch zum mindesten zweifelhaft. Aber das ist ja gerade das Erfreuliche, daß Schücking sich um die unausbleibliche Wirkung seiner Untersuchung in der Pro- fessorenzunst nicht bekümmert und ohne Rücksicht auf die Perücken und ihre Angst vor der Politik frisch von der Leber weg geredet hat. Die gelehrten Herren werden ihres Kollegen politische Studie eine politische Agitationsschrift nennen, und damit tun sie ihr nicht einmal Unrecht. Nur daß sie natürlich mit dieser Bezeichnung ein abfälliges Urteil über den Wert des Fest- beitrags fällen wollen, während der Verfasser, und andere Leute mit ihm, einen von wissenschaftlichen Voraussetzungen aus- gehenden und an die Erscheinungen des Tages anknüpfenden Appell zu politischer Arbeit eines Staatsrechtsle'hrers für ebenso würdig erachten als eine mehr oder weniger tiefgründige Untersuchung über irgend einen der Geschichte angehörenden Staatsvertrag oder ähnliche Gegenstände. Darauf kommt es ja Schücking an: den Juristen im allgemeinen und den Staatsrechtslehrern im besonderen die Behandlung des S e i n s 0 l I e n d e n zur Pflicht zu machen. Er will im Staatsrecht die Herrschaft der sogenannten juristischen Schule brechen, die historisch und dogmatisch arbeitet, und an ihre Stelle die rechtspolitische Be- trachtung gesetzt sehen. Er legt dar, wie etwa seit dem Jahre 1870 die Staats- rechtswissenschaft darauf verzichtet hat, Rechtspolitik zu treiben. Er sucht nach Gründen für diese Erscheinung. Man habe sich vor der Weisheit Bismarcks gebeugt. Das Bürgertum und die aus ihm hervorgegangene Gelehrtenwelt habe darauf ver- zichtet, dem ersten Kanzler gegenüber eigene politische Meinungen zu vertreten. Der Eintritt der unteren Klassen in die Politik sei für die sogenannten gebildeten Schichten ein willkommener und bequenier Vorwand für ihre Zurück- Haltung gewesen, und erst neuerdings mache sich eine moderne Strömung bemerkbar, die nicht nur die Lehre vom positiven Recht, sondern die von der Gerechtigkeit kultiviere. Aber was ist diese Gerechtigkeit? Die Antwort, die Schücking auf diese Frage gibt, wird ihm bei seinen Fach- genossen am meisten übelgenommen werden. Denn wenn di Herren schon in die politische Arena hinabsteigen, so tun sie es in der größten Mehrzahl der Fälle, um das Gewordene und Bestehende zu rechtfertigen, um mit den Waffen ihrer Wissenschaftlichkeit für die Interessen der herrschenden Klassen und gegen die heranstürmenden Vertreter neuer Ideen zu kämpfen. Der Marburger Geburtstagsgratulant aber tritt auf und erklärt, der Staatsrechtswissenschaft sei zwar der relative Wert aller Parteien bekannt, trotzdem gelte es für die Wissenschaft, daß sie grundsätzlich mit den Ideen der Zukunft im Bunde sein müsse. Es ist ein Ideologe der hier spricht, oder wenn das schöner klingt, ein Idealist. Einer, dessen Betrachtungsweise im wesentlichen unter der Herrschaft des Gefühls und des Temperaments steht, und doch besitzt auch er ein Verständnis für den letzten Grund der Erscheinung, daß die anerkannte Universitätswissenschaft nicht den Ideen der Zukunft sondern denen der Vergangenheit ihre Unterstützung leiht. Das Gelehrtentum stammt aus der höheren Bourgeoisie. Es ver- teidigt mit den Resultaten seiner Forschungen die Interessen der Klasse, in der es geboren ist und zu der es gehört.„Es bedeutet" sagt Schücking.„im letzten Grunde eine ungeheure Gefahr für das geistige Leben unserer Hochschulen, wenn das Bekenntnis zur Sozialdemokratie, der größten deutschen Partei, genügt, um den Betreffenden von den deutschen Kathedern ein für allemal auszuschließen." fjpd da so die Gedanken der aufsteigenden Schichten nicht durch ihre berufenen Vertreter zum Ausdruck gebracht werden, sollen sich nun wenigstens die aus der Bourgeoisie Geborenen !mit dem nötigen Idealismus durchtränken, um sich von den Anschauungen ihrer Schicht loszumachen. Mit anderen Worten, Schücking gibt sich der beseligenden Hoffnung hin, daß eine größere Zahl von Professoren im- stände sein würden, über ihren eigenen Schatten zu springen, ihr Milieu zu verleugnen und unter einem System, das von ihnen die Unterordnung der Wissenschaft unter die Gesinnung verlangt, die Forderungen einer entrechteten und unterdrückten Klasse zu unterstützen. Wir haben leider zu viel schlechte Er- fahrungen mit unseren deutschen Hochschullehrern gemacht, als daß wir uns von Herrn Schückings Aufruf eine nennenswerte Wirkung versprechen könnten, und wenn er daran erinnert, wie seinerzeit doch auch der nationale Gedanke von den deutschen Professoren aufgenommen und propagiert worden sei, so darf nicht vergessen werden, daß der nationale Gedanke eben einer der wichtigsten Programmpunkte der Bourgeoisie gewesen ist, und daß die Wissenschaftler, die ihn aufnahmen, nicht mehr Idealismus aufgebracht haben, als ihre Klasse von ihnen verlangte. So bleibt denn die Studie des Marburger Staatsrechts- lehrers im Ivesentlichen eine Art von politischem Bekenntnis, dessen Bedeutung darin liegt, daß es ein Angehöriger der Professorenzunft ausspricht. W a s er sagt, ist nichts Neues und nichts Epochemachendes. Nur d a ß er es sagt, verdient Beachtung und Anerkennung. Die Ideen der Zukunft, mit denen er im Bunde sein will, sind, wenn wir sie Partei- politisch rubrizieren wollen, die eines linksstehenden Fort- schrittlers mit starken sozialreformerischen Neigungen. Er bringt die Forderungen der neuen Zeit auf drei Grund- gedanken: den demokratischen, den sozialen und den inter- nationalen, und mit dem oft etwas naiv anmutenden Frei- mut, der die Familie Schücking auszeichnet(der Marburger Professor ist der Bruder des ehemaligen Husumer Bürger- meisters), entwickelt er in erfreulich unprofefsoralem Tone seine Meinung. Erfrischend wirkt die Art, wie er das Preußentum und die Kulturarmut des historischen Preußens behandelt und die Notwendigkeit der energischen Durchführung demo- krafischer Reformen damit begründet, haß sonst die Staats- kutsche bald in den Gutsbezirken Hinterpommerns angekommen sein werde,„während die Reise eigentlich nach dem Westen gehen sollte, von wo zwar nicht der preußische Staat, wohl aber die Zivilisation zu uns gekommen ist". Nicht minder schonungslos wie mit dem spezifischen Preußentum springt er mit der jämmerlichen Schwäche der ordens- und titellüsternen Bourgeoisie um, die mit Hilfe ihrer politischen Vertretung, der nationalliberalen Partei— Herr Enneccerus wird sich freuen—, jene deutsche Abart des Konstitutionalismus möglich gemacht habe, die die halb feudale, halb absolutistische Herr- schaft befesügt. Das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht gilt Herrn Schücking auch für Preußen als eine Notwendigkeit, und dieser merkwürdige Professor hat sogar Verständnis für die Forderungen der Frau. Nur in einem Punkte ist er merkwürdig inkonsequent: Er, der Demokrat, verlangt nämlich nicht eine Beseitigung, sondern nur eine Reform des preußischen Herrenhauses. An seinem sozialpolitischen Programm hätten wir aller- dings mehr auszusetzen. Als echter und rechter Ideologe träumt er von einer Aussöhnung zwischen Kapitalismus und Sozialismus, und mit marxistischen Lehren setzt er sich in der Schlagwortmanier der Leute auseinander» die nur sehr von weitem etwas von ihnen vernommen haben. Aber soll man schließlich einen Professor des Staatsrechts schelten, wenn er vom Marxismus nicht niehr weiß und nicht mehr versteht als die große Mehrzahl seiner Kollegen von der Nationalökonomie? Es ist für Deutschland und insbe- sondere für Preußen wirklich schon allerhand, wenn ein Uni- versitätsprofessor die„lächerliche Angst vor dem Sozialismus" verspottet und versichert, der Sozialismus sei auf dem Marsche und die Anschauung von der Heiligkeit des Privateigentums in rapidem Schwinden begriffen. Wo er über den Internationalismus spricht, hat er wieder festen Boden unter den Füßen. Wenn die Sozialdemokratie international sei, so deshalb, weil der vierte Stand das größte Interesse daran habe, daß die in Deutschland heute noch vornehmlich von ihm in der Form der indirekten Steuern auf- gebrachten Milliarden nutzbringender angelegt würden als in Riesenpanzern und Mordmaschinen. Gerade auch in der Frage des Internationalismus wirkt seiner Ueberzeugung nach die Sozialdemokratie bahnbrechend: sie hat die Wissen- schaffen an den Universitäten weit überholt. Diese große kulturelle Bedeutung der Sozialdemokratie macht ihm immer aufs neue die Stellung unverständlich, die der Staat zu ihr einnimmt. Er erblickt in ihr das stärkste Element fortschritt- licher Entwickelung und vermag keinen Grund zu erkennen, der die Machthaber berechtigt, sie schlechter zu behandeln als andere Parteien. Auch ihre republikanische Gesinnung gibt seiner Meinung nach dazu kein Recht.„Was verpflichtet denn den Sozialdemokraten in einem konstitutionellen Staatswesen, in dem er als Aktivbürger seine politischen Ideale öffentlich vertreten kann, vor der Monarchie Halt zu machen?" Wir haben hier also einen ordentlichen Professor, der sich ! für die Demokratie und den Internationalismus begeistert, mit dem Sozialismus liebäugelt und den Republikanismus nicht für ein verabscheuungswürdiges Verbrechen hält. Die milderen unter seinen Kollegen werden ihn einen sonderbaren Schwärmer nennen. Die Anhänger der strengeren Observanz aber werden ihn aufs schärfste verurteilen und im Bunde mit den schwarzblauen Dunkelmännern eine fröhliche Hetze gegen ihn veranstalten, um diesen Verführer der Jugend vom Katheder herunter zu bringen. Auch wenn ihnen das nicht gelingt, werden sie wenigstens den Zweck erreichen, andere weniger mutigere einzuschüchtern, und jedenfalls bleibt Schücking ein Vereinzelter. Sein Auftreten ist für ihn ehrenvoll und verdient unser Lob. Aber wir können ihn leider nicht als den Verkünder einer neuen Zeit begrüßen, sondern nur als einen, dessen Versuch, der Universitätswissenschaft neue Wege zuwiesen, nur dazu beiträgt, ihr Elend im kapitalistischen Staate zu beleuchten.__ Die Sprache der blitzenden Bajonette. Arn 20. Juni debattierte der Reichstag den sozialdemo- kratischen Antrag auf Verbot des militärischen Eingreifens in politische und wirtschaftliche Kämpfe. Dieser Antrag zielte ins Herz des Militarismus, dessen höchstes Gebot lautet: „Du sollst auf Eltern und Geschwister schießen". Alle inner- politischen Mißbräuche und Gefährlichkeiten des stärksten klassenstaatlichen Gewaltinstruments treten hinter der Ver- Wendung der Armee zur Niederhaltung des politisch und wirtschaftlich voranstrebenden Volkes weit zurück, in den Rang bloßer niederträchtiger Schikanen. An einem erdrückenden Beweismaterial zeigten unsere Redner die Sündenfälle an rasselnden Drohungen, an rohen und blutigen Taten, an systematischer Vorbereitung zum Bürgerkrieg, die das Konto des preußisch-deutschen Mili- tarismus belasten. Sie rissen die gleißende Hülle von der Guillotine für Kulturfortschritt, Volkswohlfahrt, Volksfrei- heit. Sie entkleideten die schimmernde Wehr ihres patriotischen Schimmers. Die bürgerlichen Parteien, allesamt Hehler der nüli- taristischen Schreckensherrschaft, wählten den besseren Teil der Tapferkeit, sie schwiegen das beredteste Schweigen. Die Regierung aber? Was hatte der Kriegsminister, der Angeklagte, zu sagen?— Daß er nicht leugnete, nicht zu leugnen versuchte, war selbstverständlich. Er konnte nickst leugnen. Frohgemut pries er dafür zum begeisterten Ent- zücken derer um Fischbeck, Bassermann, Erzberger, Liebert und Kreth die Rolle des sogenannten„Volksheeres", das nur in Hinsicht der B e l a st u n g des Volkes diesen Namen verdient, als eines himmlischen Instruments zur Aufrechterhal- tung der göttlichen Junkermißordnung, nötigenfalls zur Massakrierung des„inneren Feindes", der in Wahrheit nur eben der Feind des wirklichen inneren Feindes, des Aus- beuter- und Unterdrückertums ist. Aber den Gipfel seiner Beredsamkeit erklomm er, als er die brutale Niederwerfung des vorjährigen Ruhrstreiks„rechtfertigte". Das war nur ein sanftes Kitzeln der Unbotmäßigen, der Streikenden, mit den Ulanenlanzen! Man mutz sich die Sache nicht so ernst vor- stellen, höhnte er zynisch. Es ging ja so harmlos zu! Er griff jenes Wort auf, das ein Offizier der Exekutionstruppen im Ruhrrevier geprägt hatte: Es war nicht nötig, die Waffen mit dem Blut der streikenden Bergsklaven, deutscher Bürger, zu beflecken: die Leute waren ja so friedlich: es genügte, ihnen vielsagend mit den Bajonetten zu winken, um sie, die Waffenlosen, zu Paaren zu treiben. Die Sprache der blitzend en Bajonettewar eindringlichgenug. So unter dem Beifall der bürgerlichen Reichstagsmehr- heit Herr v. Heeringen, heute schon weiland, preußisch- deutscher Kriegsminister. Das ist Wegelagerermoral! wurde im von unserer Seite zugerufen. Einst hieß die Alternative: „Die Börse oder das Leben!" schlechthin Raub. Künftig wird viel schöner von einer energischen Ausnutzung der beredten Sprache des geladenen Revolvers gesprochen werden dürfen. Dank, Kriegsminister, für dieses Wort, tausend Dank! Wie ein Peitschenhieb wirkte es, um so mehr, je aufdringlicher es mit jener bieoermännischen Bonhomie vorgetragen wurde. die der verflossene Militärgewaltige so meisterlich beherrschte. Es wurde in dem Sturm der jüngsten Reichstagsdebatten dennoch längst nicht genug beachtet. Es soll der Vergessenheit entrissen werden und unserem Kampf gegen den Militarisnius hundertfältig Frucht tragen. Wir setzen der Sprache der blitzenden Bajonette die Sprache der blitzenden Geisteswaffen entgegen, der Empörung, des blitzenden Hasses gegen den Kapitalismus und den ihn beschützenden Militarismus: die Sprache der Völ- kerbefreiung, der Völkerverbrüderung. Und die Zukunft wird lehren, daß diese unsere Sprache eindringlicher, über- zeugender, mächtiger ist als jene, daß sie nach dem babylo- nischen Gewirr der heutigen Tage als die Sprache der Menschheitserlösung alle Zungen und alle Herzen erobern wird, triumphierend über eine ganze Welt von Bajonetten und Kanonen._ Kämpfe ohne Cnticheidnng. Das Ringen zwischen Serben und Bulgaren auf dem mittleren Operationsgebiete zwischen Wardarfluß und der bulgarischen Landesgrenze hält noch imnier an und hat sich bis jetzt in einer Anzahl heftiger Teilkämpfe abgespielt. Etwas Zuverlässiges über den Ausgang dieser Kämpfe läßt sich auch heute noch nicht sagen. In den letzten Tagen wurde von bulgarischer Seite gemeldet, daß die sogenannte serbische Timokdivision bei ihrem Vorstoß in der Richtung auf Jstip umzingelt und vollständig aufgerieben oder gefangen worden sei. Heute wird diese Niederlage von der serbischen Regierung ■ in der energischsten Weise dementiert. Unkontrollierbar sind auch die Nachrichten, die über das Ringen auf dem Plateau von Ovtsche Polje und am Bregalnitzaflusse auS den einzelnen Lagern kommen. In diesem Bruderkriege haben die Parteien mehr denn je alle Ursache, dem Auslande und dem eigenen Lande möglichst rosig gefärbte Nach- richten vorzulegen. Möglich ist, daß die Bulgaren durch strategische Umgehungsmanöver und durch Verstärkung ihrer Truppenmacht im Zentrum zu einem entscheidenden Schlage ausholen. Ob es daher zu einem serbischen„Sedcn" kommen wird, wie einige Konjekturalstrategen prophezeien, muß abgewartet werden. Daß die Bulgaren es im Zentrum des mazedonischen Kriegsschauplatzes zu einer Entscheidung treiben, beweist ihre verhältnismäßig untätige Haltung im Norden und das Zurückweichen im Süden, wo den Griechen das Siegen sehr leicht gemacht wird. Sollte es sich bewahrheiten, daß die Türkei aus ihrer Passivität heraustreten will und die Zurückziehung der bul- garischen Truppen aus Thracien fordert, könnte die Situation für die Bulgaren, die dann eine starke Truppenmacht gegen die türkische Tschataldschaarmee bereit halten müßten, sehr be- denklich werden. Das wäre auch der Fall, wenn R u> m ä n i e n nach Beendigung seiner Mobilisierung in bulgarisches Gebiet einrücken würde. Gin serbisches Dementi. Berlin, 7. Juli. Die Königlich Serbische Gesandtschaft teilt tnit: Alle Rachrichte» der Bulgarischen Telegraphen-Agontur von einer entscheidenden Niederlage und Gefangennahme der Timok- Division bei Kriwolak entbehren jeder Begründung; der Beweis hierfür ist, daß gerade die Timok-Division gestern Kriwolak zurück- erobert hat. Noch eine geschlagene serbische Division? Sofia, 7. Juli. Die zwischen Egri-Palanka,.Kratowo 'und Kumanowo operierende serbische M o r a w a> Division ist durch die Angriffe des Generals Toschew umgangen und hat schwere Verluste erlitten. Kotschana von den Serben genommen? Belgrad, 7. Juli.(Meldung deS Serbischen Pressebureaus.) Unsere Truppen haben soeben die Stadt Kotschana und das ganze Gebiet bis zum Bregalnizaflutz besetzt, wo sie einen Kampf zu bestehen hatten mit den Resten des bulgarischen Flügels, der auf stark befestigten Stellungen vor der Stadt den Rückzug der vorher geschlagenen siebenten(Rilo), und der vierten(PrcZlaw) Division deckte. Nach erbittertem Kampfe wurde der Feind unter Zurücklassung von Gewehren und Munition in die Flucht ge- schlagen; er zog sich, von unseren Truppen verfolgt, in der Rich. «ung aus Zarcwo-Selo zurück. Die Kämpfe im Norden. Belgrad, 7. Juli. Die bitlgrischen Versuche, bei Pirot die Grenze zu überschreiten, sind mißglückt. Gestern versuchten die Bulgaren, bei Obrcnovatsch die Grenze zu überschreiten; sie wurden jedoch zurückgeschlagen. Wieder ein griechischer„Sieg". S; Athen, 7. Juli. Nach der Schlacht bei Kilkitsch hat die Division des äußersten rechten Flügels der Griechen die Bulgaren nach neuem lebhaften Kampfe geschlagen; diese zogen sich über die Struma zurück. Die Divisionen deS linken Flügels griffen den Feind, der die Höhen südlich von dem Dojran-Sce besetzt hielt, an. warfen ihn zurück und verfolgten ihn bis an die Strumitza. Die Griechen haben zwölf Kanonen und viele Waffen erbeutet; die Verluste der Bulgaren sind sehr groß. Der Gesamtverlust der Griechen seit Beginn des Krieges beträgt zehntausend Mann an Toten und Ver- mundeten. Das Verhalten der Türkei. Köln, 7. Juli. Der„Kölnischen Zeitung" wird auS Berlin telegraphiert: Die Nachrichten, die andeuten, daß sich in der Türkei der Wunsch erhält, die Lag« schleunigst auszubeuten, b«. ruhen auf Richtigkeit. Es bestätigt sich, daß die Pforte eine Note an Bulgarien gerichtet hat, worin schleunige Räumung von Rodosto und der Marmara- Meer- Küste ver- langt wird. Falls Bulgarien den Abzug seiner Truppen nicht freiwillig veranlassen sollte, so würden die dort befindlichen Streit» krälte der bulgarischen Armee durch die türkischen Truppen g«. waltsam vertrieben werden. Die Behauptung, daß die Pforte sich bei diesem Borgehen auf eine Verständigung mit Rumänien stütz«, scheint bisher nicht begründet. Tie Pforte wird vielmehr ge- drängt durch die Stimmung im Heer und in der Bevölkerung, die es ihr nicht verzeihen würden, wenn sie die anscheinend günstigen Aussichten für das Eingreifen der Türkei unbenutzt lassen würde. Die Pforte mag wohl auch in dem Gefühl handeln, daß sie für ihr Vorgehen in Athen und Belgrad Verständnis finden werde. Russische„Reservistenübungeu". Petersburg, 7. Juli. Die auswärts verbreitete Meldung von einer bevorstehenden Probemobilisierung der russischen Armee wird von der Petersburger Telegraphenagentur als ganz unbegründet bezeichnet; eS handle sich um die üblichen alljährlichen Sommerübungen der Reservisten. Da wird Oesterreich seine Reservisten auch bald wieder „üben" lassen. Die feindlichen Kreuzfahrer. Genosse Parvus schreibt uns aus Konstantinopel; Ter Befreiungskampf der christlichen Völkerschaften des Bal» kans löste sich in eine allgemeine christliche Keilerei auf. bei der sowohl die Christen im allgemeinen wie auch die Slawen im be» sonderen sich gegenseitig mit noch größerer Wut zerfleischen al» jene, mit der sie ihren gemeinsamen„Kreuzzug" gegen die„Un. gläubigen" führten. Tie gegenseitige Mißgunst und Vergewaltigung begann von dem Moment an, als sie sich Herren ihres okkupierten Gebietes fühlten. Sowohl die Serben wie die Bulgaren und Griechen suchten alle Elemente, die nicht der gleichen Nationalität oher Kon- fession waren, zu verdrängen, zu schwächen oder gewaltsam zu bekehren. Die Serben wollten nur lauter Serben um sich haben, die Griechen nur Griechen, die Bulgaren nur Bulgaren. DaS Verhältnis zu den Muselmanen war sogar duldsamer als das zu den Gleichgläubigen. Denn an eine sofortige Assimilierung der Muselmanen konnte nicht gedacht werden, dagegen gehört tat- sachlich nicht viel dazu, um in den gemischtsprach, gen Teilen Maze» doniens, wo oft in der gleichen Familie der eine sich Grieche, der andere Bulgare nennt, die Bevölkerung bulgarisch oder griechisch erscheinen zu lassen. So suchte man denn vom ersten Tage der Besitzergreifung an durch Feuer- und Bluttaufen dem religiösen Bekenntnis und dem nationalen Selbstgefühl nachzuhelfen. Das griechische ökumenische Patriarchat hat soenen em Memo» randum veröffentlicht über die Vergewaltigungen, welche die Bul. aren cm Priestern und an der griechischen Bevölkerung begangen aben. Einiges aus diesem Schriftstück sei hier mitgeteilt:„Da ist der Metropolit von Elentherpolis.' Die Bulgaren verbieten ihm, sein HauS zu verlassen. Ebenso verhinderten die Bulgaren den Metropoliten von Strumnitza daran, zur Feier des GeorgStages das Dorf Sibovo zu besuchen. Den Metropoliten von Drema ver- treiben sie auS dem Ort Wysschterin. wo er die Liturgie abhält, und schließen ihn in seine bischöfliche Residenz ein. Die Abwesen- beit des Metropoliten von Merovia benutzen sie, um den bischos- lichen Konak zu besetzen, wobei sie den Vertreter des Bischofs mit dem Tode bedrohen. Im Dezember wurde der DiakonuS des Me- tropoliten von Drema, Bessaren, aus dem dortigen Bahnhof auf den Befehl des Offiziers Stanischeff gemißhanbelt, bespien und geschmäht. In der Diözese zwingt man die griechischen Priester, gegen ihren Glauben und ihre Ueberzeugung zusammen mit schis- inatischen bulgarischen Priestern den Gottedienst zu halten. Der Priester im Dorfe Kara Kassim, Christer. mußte den Widerstand mit seinem Blute bezahlen. Ein Tiakonus der Diözese Heraklea wurde von einem bulgarischen Offizier in einer Apotheke er- schössen. Es werden ferner eine ganze Reihe von Verhaftungen und Mißhandlungen'griechischer Priester angeführt." ES werden folgende gesetzwidrige Maßnahmen gegen Kirchen angeführt:„Die Vertreibung der griechischen Orthodoxen aus den Kirchen der Orte Wysschtrani und Dranow, aus der FranzeS« kirche von Temokota. die dem Militär überwiesen wurde, auS der Kirche von Oklay, die in einen Stall verwandelt wurde. Ebenso verfahren die Bulgaren mit den Schulen, �die gewiß in Kasernen und Hospitäler verwandelt werden. Die Schulmöbel wurden ver- brannt. Die Lehrer wurden zum Militär eingezogen, die Lehre- rinnen wurden vergewaltigt und einige starben infolge der Miß. handlnnaen oder verloren den Verstand. In der Residenz des Metropoliten von Heraklea nahmen die Bulgaren allen kirchlichen Schmuck, Marmorplatten von archäologischem Werte. AuS der Kirche� des heiligen Georg in Heraklea nahmen sie daS in Gold und Silber gefaßte Bild der Ponapia mit sowie sechs antike In- schriften. In der Eparchie GenoS raubten sie aus der Kirche deS Ortes Herapia zwei alte, hochverehrte Ikonen(Bilder) u. s. w. Besonders gründlich wurde die Plünderung in der Eparchie Tschorlu ausgeführt, wo alle bewegliche und unbewegliche Habe der Bewohner von den regulären und irregulären bulgarischen Truppen mitgenommen wurde. Wie die Griechen ihrerseits gegenüber den Bulgaren verfahren, davon gab, außer anderem, schon die blutige Entwaffnung der Bulgaren in Saloniki eine recht grelle Illustration. In seinen anderen Ausführungen tritt der„Tanin" mit einer 'auffallenden Entschiedenheit für eine Politik ein, die sich gegen Bulgarien richtet. Bulgarien sei„das... Element". Es sei im Interesse der Türkei,„daß Bulgarien schwach bleibe". Es will mir scheinen, daß dieser Artikel stark unter dem Einfluß russischer Inspirationen steht. Als maßgebend für die Politik darf er nicht gelten. politische deberslcdt. Liberale Verantwortlichkeit. Am Donnerstag und Freitag dieser Woche finden in Salz- wedel-Gardelegcn und Zauch-Lelzig die Stichwahlen statt. ES besteht die Möglichkeit in b e i d e n Kreisen den K o n s« r. v a t i v e n daS Mandatzuentreißen. In Salzwcdel-Garde. legen dürste der von den Nationalliberalen unterstützte Bauern- bündler Dr. Böhme über den Erzjunker v. Ärocher den Sieg davontragen. wenn die Sozialdemokraten für Böhme eintreten, und in Zauch-Belzig haben eS am Freitag mit noch viel größerer Sicherheit die Freisinnigen in der Hand, dem Sozialdemokraten Ewald zum Sieg über den freitonservativen Herrn von Oertzen zu verhelfen. Es wäre deshalb nichts als ein Gebot der politischen Klugheit, wenn der Freisinn auch offiziell endlich aus seiner Reserve heraustreten und seinen Wählern in Zauch-Lelzig die Weisung geben würde, in der Stichwahl für den Genossen Ewald einzutreten. Das„Berliner Tageblatt" hat schon in seiner Nr. 234 diese Losung für die fortschrittlichen Wähler ausgegeben. Es schrieb: „Man wird deshalb den liberalen Wählern in Zauch-Belzig aufs dringendiie empfehlen müssen, bei der Nachwahl, die am 12. Juli stattfinden soll, einmütig ihre Stimme für de» sozial- demokratischen Kandidaten Ewald abzugeben, ebenso wie als selbstverständlich zu erwarten ist. daß auch in Salzwedcl-Garde- legen die sozialdemokratischen Stimmen auf den Vertreter de» Bauernbundes Böhme entfallen. Um die Personen ist e« uns dabei gewiß nicht zu tun. Aber die S a ch« erfordert, daß zunächst einmal die Mehrheit der Linken im Reichstag sichergestellt wird. Die Autnützung jeder sich in dieser Richtung bietenden Gr- legenheit ist ein Gebot der politischen Klugheit." Und im Abendblatt vom Montag erneuert da?„Berliner Tageblatt" seinen Appell an däe offizielle Parteileitung: „Man darf sich nicht darüber täuschen, daß die Aussichten für Herrn v. K r ö ch e r bei der Stichwahl so lange günstig sind. als keine volle Klarheit über die liberale Taktik nicht bloß in Salzwedel-Gardelegen. sondern auch in Zauch-Belzig geschaffen ist. In Gardelegen kann der Kandidat des Bauernbundes nur mit sozialdemokratischer Unterstützung siegen, während umgekehrt in Zauch-Belzig die fortschrittlichen Stimmen nötig sind, um dem sozialdemokratischen Kandidaten den Sieg zu aewinniuu. Sobald die liberalen Parteien ihre Anhänger zum geschlossenen Eintreten für den sozialdemokratischen Kandidaten in Zauch-Belzig aufsor- dern, dürfte auch die Wahl des Bauernbündlers Böhme in Gar- delegen gesichert sein. Im anderen Fall wäre die Wiederwahl Herrn v. KröcberS nicht ausgeschlossen. ES liegt daher bei den liberalen Parteien, ob die Linke um zwei Mandate verstärkt werden soll, oder ob die reaktionäre Rechte ihren Besitzstand behaupte t." DaS„Berliner Tageblatt" hat die Situation politisch richtig gekennzeichnet:„ES liegt bei den liberalen Parteien, ob die Linke um zwei Mandate verstärkt werden soll, oder ob die reak- tionäre Rechte ihren Besitzstand behauptet." Aehnlich einsichtsvoll hat übrigens auch die„P o s f i s ch e Z e i t u n g" geurteilt. Da die Wahl in Salzwedel-Gardelegen bereits am Donnerstag, den 1». Juli, und die Wahl in Zauch-Belzig am Freitag, den 11. Juli, stattfindet, wäre es die höchste Zeit für die Herren Liberalen, Farbe zu bekennen!___ Heeringens Nachfolger. Als Nachfolger Heeringens ist der Generalmajor von Falkenhayn, Chef des GeneralstabeS deS vierten Armeekorps, unter Beförderung zum Generalleutnant ohne Patent, zum Staats- und KricgSminister ernannt worden. Der neue Kriegsminister ist aus der Infanterie hervorgegan- gen und ist vornehmlich im Generalstabe verwandt worden. Protest gegen das Erfurter Schreckensurteil. In Erfurt, der Stadt, die durch daS militärische Zuchthaus- urteil vom 26. Juni in der gesamten Kulturwelt zu so trauriger Be. rühmtheit gelangt ist. fand am Sonnabend abend eine Proteswer- sammlung statt, die zu einer gewaltigen Kundgebung gegen die Auswüchse einer mittelalterlichen Militärjustiz und für die dagegen ankämpfende Sozialdemokratie wurde; an 18(>c> Personen waren im„Tivoli" versammelt und mehrere Hundert mutzten umkehren. weil sie keinen Platz fanden. Ter Reichstagsabgeordnete Genosse Heinrich Schulz hatte das Referat übernommen. Eine Resolu- tion, die gegen das Erfurter ZuchthauSurteil protestiert, die in» folge de» Urteils gemilderten Gtrafbesrimmungen ausdrücklich auf die kraftvolle Initiative der sozigldemokrati- schen Fraktion im Reichstage zurückführt und die schamlose Hetze der reichsverbändlerischen Blätter, die die Sozialdemokratie für die drakonische Harre des Urteils verantwortlich machen wij� der allgemeinen Verachtung preisgibt, fand einstimmige Annahme. Seit der Reichstagswahl hat Erfurt keine solche Riesenversamm» lung mehr gesehen, ein Beweis dafür, welch tiefe Empörung in den Volksmassen gegen den Militarismus und seine Auswüchse herrscht. Auch in Wolkramshausen, der Heimat der siebe» ver. urteilten Landwehrleute, fand eine überfüllte Protestversammlung statt, in der Genosse Reichstagsabgeordneter P euS sprach, nachdem er schon am Sonnabend in Nordhausen in einer gleichfallt stark besuchten Protestversammlung die Barbarei der Militärjustiz und des ganzen militaristischen Systems gegeißelt hafte. Auch in diesen Versammlungen wurde eine entsprechende Resolution ein, stimmig angenommen, in der es u. abbeißt: „Die Versammlung spricht die Erwartung auS, daß, nachdem der Reichstag eben aus Grund des neuen Wolkramshäuser Falle» sich genötigt sah, drei Lesungen eines sofort gemachten neuen Ge» setze» in knapp 1l> Minuten zu erledigen und der Reichskanzler er. klärte, sich für die Annahme des Gesetzes im Bundesrat einsetzen zu wollen, die Wolkramshäuser Verurteilten nunmehr zum min. desten auf Grund deS neuen Gesetze? ganz erheblich milder bestraft werden."- Die Krupp-Kommission Ueber die Militärlieferungen wird zu Beginn der neuen Reichstagssessios eine Kom- Mission Erhebungen anstellen und dann dem Reichstag Be- richt erstatten. Tie Kommission ist bekanntlich auf Beschluß des Reichstags eingesetzt worden, nachdem Genosse Lieb- k n e ch t seine Enthüllungen über das Treiben der Firma Krupp gemacht hatte. Der„Türmer" erinnert an gewisse Vorgänge bei den Militärlieferungen, die vielleicht dieser Kommission bei ihren Untersuchungen auch als fchätzenS- wertes Material dienen können. Es wird da über den Kampf zwischen der Kanonenfirma Ehrhardt und der Firma Krupp erzahlt. diesen Kampf sehr genau, und ich begehe keine Indiskretion, wenn ich von dem gerechten Zorne spreche, der m Ehrhardt kochte, als ihm im AriegSminlsterlum achselzuckend be. deutet wurde, daß er gegen Krupp nichts vermöge. Weil der Kaiser mit der Familie Krupp befreundet war. protegierten die Behörden die Firma Krupp. Die Freundschaft des Kaisers war für diese Firma ein lukrative» Geschäft, das aber den deutschen Steuerzahlern sehr kostspielig wurde. Ehrhardt hatte die größten Verdienste um die Wehrhaftigkeit de» Reiches sich erworben, als er gegen den jahrelangen Wider. stand Krupps daS Rohrrücklaufgeschütz konstruierte und zum Siege führte. Krupp aber sollte die Früchte ernten.... DaS finanzielle und das militärische Interesse des Reiches machen eS zur Pflicht der Minister, dafür zu sorgen, daß die Beziehungen des Kaisers zur Familie Krupp nicht einmal in das Licht kommen dürfen, daß sie auf die Geschäfte der Firma Krupp einen fördern, den Einfluß Haben. Thyssens und Ehrhardts Klagen sind ein sehr dankbqxes Feld für den Reichstag, der es nicht zulassen darf, daß da» Reich Monopole von Privaten züchtet auf Kosten deS Volkes und zum Schaden der Wehrhaftigkeit des Lande». Um welche Preis» unterschiede es sich dabei handeln kann, zeigte sich besonder» grell bei einer Munitionslieferung: Ehrhardt hat dem Reiche ein auch im Frieden in großen Mengen erforderliches Geschoß zu ungefähr einem Drittel des Preises geliefert, den vorherKrupperhaltenhatte. Die Minister haben selbstverständlich die Pflicht, den Kaiser darüber aufzuklären, daß die Interessen de» Reiches nicht nur gleiche Behandlung, sondern sogar die Begünstigung der Kon. kurrenz Krupps verlangen, damit das Monopol Krupps gebrochen wird. Ich wiederhole auch den Ausdruck meiner Ansicht, daß e» nicht geduldet werden darf, daß ein A d m i r a l, der in Pension geht, AufsichtsratspostenbcidenMonopolfirmen annimmt, mit denen er jahrelang als Dezernent im Marineamt Geschäft« über riesige Summen für das Reich abgeschlossen hat. Solche Vorgänge enthüllen einen Zustand, der sich aus pem Kontrast zwischen Beamtengehältern und Jndustrieprofiten„ng. türlich" entwickelt, aber deshalb noch nicht unbesehen fortexistieren darf, weil er„natürlich" ist. Im Jahre 187S warf die„Kreuz. zeitung" dem Fürsten Bismarck vor, feine Beziehungen zu Bleich. röder dürften mindesten» indirekt schon an die vorministerielle Zeit des Fürsten anknüpfen, als derselbe, um mit spärlichem Gesandtengchalte und ohne eigenes Vermögen seinen Souverän repräsentieren zu können, allerdings guten Rat in finanziellen Dingen haben mußte. Als Bismarck darauf alle Leute öffentlich brandmarkte, die noch an der„Ären, zeitung" sesthlelten, trat ihm der preußische Adel beinahe geschlossen mit einer öffentlichen Er- klärung gegenüber. Wo sind diese Herren zetzt, da zwischen Be» Hörden und großen Erwerbsgesellschaften Fäden hin und her laufen. die einen hohen Offizier, der in Pension geht, aus dem Dezernat für Artillerie in vier AufslchtSratSsinekuren bei Gesellschaften leiten, mit denen er für das Reich Riesengeschäfte geschlossen hat? Ich behaupte nicht, daß da» Reich billiger gekaust hätte, wenn der Dezernent de» Marine» amtS nicht nachher AuffichtSrat geworden wäre— die Gesell» schasten können sich ja den Offizier gerade deshalb geholt haben, weil er ihnen vorher als energischer Preisdrstcker imponiert hatte—; aber ich behaupte, daß auch in diesem Falle solche Aar- bindungen ausgemerzt werden müssen, und dag sie weit mehr Anlaß zum Unbehagen geben, als Bismarcks Verbindung mit Bleichröder." Diese Bemerkungen enthaften zwar für unsere Leser nichts Neues. Als Auslassung eines konservativ geachteten Organs sind sie aber immerhin bemerkenswert. Massenkundgebungen gegen das Waldenburger Zuckithansurteil. In zwei überaus stark besuchten Massenversammlungen demow» strierten Sonntag die Arbeiter des Waldenhurger Jndu. strier ev ie rs gegen das ZuchthauSurteil des Schweidnitzer Schwurgericht». Die Massen waren emvöy über das Urteil. Die Ausführungen der R.edner unter denen sich der freigesprochen« Ar. beitersekretär O st e r r o t h befand, wurden überall mit stürmischer Begeisterung ausgenommen. Auch daS Bürgertum war in den Ver. sammlungen stark vertreten. Die Entrüstung über den Denun» ziantenstreich d-S fteikonservativen Chefredakteurs Lippold. der den Kronzeugen Köhler zur Denunziation anstiftete, war allgemein., Unter stürmisch«» Zustimmungskundgebungen wurden Reso. lutionen angenommen, die den Schuldspruch der Geschworenen für einen Fehlspruch und RcchtSirrtum erklären und dem Denunzianten. spiel des Köhler und Lippold tieffre Verachtung aussprechen. In den Resolutionen werden den Verurteilten und ihren Angehörigen die wärmsten Sympathien ausgesprochen. Oefterrtieb. Keine Entmündikung Böhmens. LuS dem Plan der Einsetzung einer VerwaltungSkommissiou ist vorläufig nichts geworden. Ter Landesausschuß legt sein« Mandate nicht nieder, weil die zuerst mit der Entmündigung ganz einverstandenen Deutschbürgerlichen jetzt erklären, von einer Ver» waltungSkommission unter der Leitung de» Statthalter» Fürst« THun derstärkte Tschechisierung zu befurchten. Der LandeSaus. fchuß verlangt, daß ihm die der VerwaltungZkommission zugedachten neuen Steuern lOttroi'i bewilligt werden. Aber das will die Re- gierung nicht tun und so ruckt der Bankrott Böhmens immer näher. fVanhreicb. Ter Äamps um die dreijährige Dienstzeit. Paris, 7. Juli. In der Kammer wurde heute der-Artikel 18 des Militärgesetzes, der die Tauer des aktiven Dienstes auf drei Jahre festsetzi, beraten. I a u r« s �klärte, daß der ganze Inhalt des Gesetzes, fstr das dieser Artikel grundlegend sei, durch die Erklärung der Regierung über die Einstellung der Ztvanzigjährigen in Frage gestellt sei. Die Regierung würde im Oktober den ganzen Jahrgang 1910 entlassen müssen, dessen Zurückbehaltung sie an- gekündigt hätte. Somit rübre sie an ein Sßrinzip des Gesetzes, nämlich das. Minimum der Efsektivbestände, und zerstöre ein Haupt- argument für das Gesetz, da ja nur em Jahrgang gedienter Leute unter der Fahne blieben würde. Ter Berichterstatter Pa t e erklärte, die Kommission habe sich betreffend die Einstellung der Zwanzigjährigen noch nicht ausge- sprachen, und im übrigen berühre diese Frage in keiner Weise den zur Beratung stehenden Artikel. Ter Präsident der Kommission, Leherisse, drang auf eine sofortige Abstimmung über den Artikel 18 und erklärte, das Gesetz achte den Grundsatz der Gleichheit.(Beifall im Zentrum.) Sodann wurde mit 314 gegen LSS Stimmen Schluß der Debatte über den Artikel 18 beschlossen. Weiter nahm die Kammer mit 475 gegen 2 Stimmen einen von der Kommission ge. billigten Zusatzantrag Daniel Bincent an, nach dem alle Wlitär- tauglichen gehalten sein sollen, tatsächlich die gleiche Zeit b'ct der Waffe zu bleiben. Annahme des Prinzips der dreijährigen Dienstzeit. Paris, 7. Juli. Tie Deputiertenkammer hat mit 233 gegen 223 Stimmen denjenigen Teil des Artikels 18 angenommen, welcher besagt, daß jeder als militärtauglich egckannte Franzose drei Jahre lang der aktiven Armee angehören müsse. Lelgien. Eine Turchpeitschung der klerikalen Schulvorlage. Brüssel, 6. Juli.(Eig. Ber.)„Das Schulgesetz muß noch bor Beginn der parlamentarischen Ferien votiert werden." So wenig- stens erklärt das klerikale„XX. Siecle" in einem Artikel, der diese Ueberschrift trägt und der den Patriotismus der Klerikalen in Lochst anixutiger Form zeigt. Die Rechte hat die Militärforderun. gen bewilligt, heißt es darin, sie ist zu den finanziellen Opfern bereit: nun aber„schuldet" die Regierung dem katholischen Belsen das Schulgesetz, das endlich den„Verdiensten der freien Schule" — das ist nämlich der Klosterunterricht— Gerechtigkeit bringen soll! Da hat man eS also: Die berühmte„Landesverteidigung" wäre den Klerikalen schnuppe, wenn ihnen Herr von Broqueville nicht als Belohnung für die brave Verleugnung ihres antimili. tgristifchen Programms die Millionen für die' Klosterschulen zu- gesagt hätte. Und darum nur nicht lange gefackelt und bringt die Geschichte noch vor Kammerschlutz unter Dach und Fach. So wenigstens fordert es das„XX. Siecle". Daß das auch der Wunsch der meisten Klerikalen ist, ist wahrscheinlich genug, wenn sie sich auch hüten, in die ungenierte brutale Sprache des klerikalen Blattes zu verfallen. Ist der Artikel nur«in Abtasten, des TerrainS? Ist er eine Herausforderung der Opposition, die von vornherein gegen «ine etwa beabsichtigte Durchpeitschung protestiert hat? Oder der- birgt sich in all dem, wie die„Etoile Belg«" meint, vielleicht eine Kalkulation, die Opposition zur Ostrultion zu zgranlaffen, um aus dieser Situation zu einem Parteistreich Mut zu fassen? Aus alle- dem sieht man jedenfalls das eine mit Sicherheit: Die Kloster wollen nicht nur die Millionen, sie wollen auch nicht wartsn. DoUsnä. Die Sozialdemokratie und die Kabinettskrise. Amsterdam, 6. Juli.(Eig. Ber.) Gestern hat Genosse Troelftra die angekündigte Unterhaltung mit der Königin ge- habt, um die Frage der Kabinettskrise einer Lösung entgegen- zuführen. Am Tage vorher hat der Parteivorstand mit der Redaktion des Zentralorgans und der neuen Kammerfraktion eine Konferenz abgehalten, in der die Ricktlinien festgelegt- wurden, die Troelstra zur Lösung der Kabinettskrise vorzu- tragen hatte. Die Beschlüsse in dieser Konferenz wurden ein- stimmig gefaßt. Bemerkenswert ist die Mitteilung eines gut informierten bürgerlichen Pressenachrichtenbureaus, daß trotz des lauten Geschreis der bürgerlichen Presse über die „Rcgierungsveraniwortlichkeit" der Sozialdemokratie und die Notwendigkeit für die sozialdemokratischen Führer,-Minister- vgAtefeuilles zu akzeptieren, bisher noch kein einziger liberaler Politiker einem Sozialdemokraten einen Sitz inr Kabinett an- geboten hat. KlNen. Kämpfe zwischen Chinesen und Tibetanern. Tschöng-tu(Provinz Sze-tschwan), 7. �Juli. Die Chinesen schlössen kürzlich Hsiang Tschqng ein, aber die Munition ging ihnen aus und sie wurden überall von den Tibetanern zurückgeschlagen und Hunderte pon Chinesen fanden den Tod. Nach einem Bericht haben die Tibetaner, als sie sich von den Chinesen eingeschlossen sahen, ihre Häuser verbrannt und ihxe Frauen und Kinder getötet, ehe sie in den Kampf zogen, um sie nicht in die Hände der Feinde fallen zu lassen. Die Chinesen ziehen sich auf Tatsieu-lu zurück. Hfriha. Neue Kämpfe der Italiener in Tripolis. Benghasi, 7. Juli. Da der kürzliche Ueberfall auf die Abtei- lungen der Majore Billi und Miglwccio von 5 hielt am 6. Juli in Königslutter eiizp Jahreskonferenz ab. Ter Geschäftsbericht ergab, daß die Mit- glisderzahl um ein Geringes, auf 1161 zurückgegangen war. Weib- liche Mitglieder waren 127 vorhanden. Die Zahl der„Volksfreund"- Leser stieg auf 1576. Bei den Kommunalwahlen hatten wir einen Zuwachs von drei neuen Vertretern. Insgesamt verfügt die Partei über 13 Sitze in den Gemeindeparlamenten. Kreisvorsitzen- der wurde Genosse Scheerle-Wolfenbüttel, Reichstagskandidat Ge- nosse Ricke-Braunfchweig. Die Bildungsarbeit der Partei. Die Bildungsausschüsse aus den 15 Thüringer ReichZtagswahlkreisen tagten am 6. Juli in Erfurt. Anwesend waren 51 Vertreter von 12 Kreisbildungsausschüssen und 27 Ortsbildungsausschüssen. Genosse Schulz vom Zentralbildungs- ausschutz stellte fest, daß in keinem Bezirk so viel Arbeit geleistet wurde, wie in Thüringen. Die Tätigkeit der Wanderlehrer fand allseitige Anerkennung. Doch zeigte es sich, daß auf einigen Ge- bieten ein Mangel an tüchtigen Kräften vorhanden ist. Ein Vor, trag des Genossen Filig-Gera über Jugendschriften fand großen Beifall. Die nächste Tagung soll in Jena stattfinden.— Erfurt wurde wieder als Vorort bestimmt. To�iales. Zwei Jahre unschuldig im Zuchthause. Der Drogist Artur G r e v e in Neubrandenburg wurde am 1. Februar 1908 wegen Sittlichkeitsverbrechens zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Revision gegen dieses Urteil blieb ohne Erfolg. Greve hat die Zuchthausstrafe vom 10. März 1908 bis 10. März 1910 voll verbüßt. Es war ihm zur Last gelegt, sich an der Tochter des Oekonomierats Kruse, die damals 13 Jahre alt war. sittlich vergangen zu haben. Der Angeklagte beteuerte fortgesetzt seine Unschuld und versuchte vom ersten Tage der Verbüßung seiner Straft: an, ein Wiederaufnahmeverfahren durchzusetzen. Schließlich hat die Zeugin Kruse, die als Novize und Hilfskrankenschwester in einem Krankenhause Anstellung gefunden hatte, von Ge- Wissensbissen gepeinigt, ihrer Oberin gegenüber erklärt, daß sie den Greve zu Unrecht bezich'tigt habe. Nunmehr wurde dem Wiederaufnahmtzantrage- des Rechtsanwalts Bahn stattgegeben. Die Verhandlung fand ain Sonnabend vor der Strafkammer des Landgerichts Neu-Strc- litz statt. Tie Zeugin Kruse gab zu. daß ihre damaligen Angaben unwahr seien, sie habe seinerzeit unter dem Zwange ihrer Erzieherin gehandelt. Nach 8�stündiger Verhandlung wurde der Angeklagte auf Kosten der Staatskasse freigesprochen.— Greve ist durch die Verbüßung der zweijährigen Zuchthausstrafe körperlich und geistig fast zusammengebrochen. Vorsicht vor Kinderaus- sagen lehrt aufs neue der Prozeß. Geburtenrückgang in Preußen. Im 4. Quartal 1312 sind nach der jetzt vorliegenden amtlichen Zusammenstellung in Preußen 288 2HZ lebende Kinder geboren gegen 291 373 im 4. Quartal 1311 und 301698 im 4. Quartal 1310. ES hat also gegenüber dem voraufgegangenen Jahre ein Rückgang um 31H6 oder 1,1 v. H. stattgefunden, während im Jahre 1311 eine Abnahme um über 10 000 oder 3,4 v. H. erfolgt war. Tie Zahl der Todesfälle ist gegenüber dem Jahre 1311 von 154 608 auf 143 061, also um 5542 oder 3,6 v. H. zurückgegangen. Damit ist der Ueberschuß der Geborenen über die Gestorbenen von 136 776 auf 133 162 gestiegen. Die Zahl der Eheschließungen betrug im 4? Quartal 1312: 103 511 gegen 101272 im 4. Quartal 1311 und 36 12� im 4. Quartal 1910. Sonntagsruhe in Hamburg. Am berslossenen Tage ist folgende Senatsvcrordnung auf Grund des OrtsstatutS über die Sonntagsruhe in Hamburg in Kraft ge- tretzen: � 1. Für die Stadt Hamburg wird die nach Z 106 b Absatz 2 der Gewerbeordnung an Sonn- und Festtagen mit AuSnahlpe des ersten Weih nachts-, Oster- und Pfingsttages zulässige Beschäftigung der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe emge- schränkt 1. auf drei Stunden in allen Handelsgewerben, mit Aus- nahm« der unter Ziffer 2 bezeichneten; 2. auf 45� Stunden mit iPumen und Kränzen und im SpeditionSgcwerbe. Für den Zeitungs- perlag, die Zeitungsspedition und den Handel mit Grabsteinen findet eine Einschränkung nicht statt.. � § 2. Die Beschäftigung darf nur während der nachstehend be- zeichneten Stunden stattfinden: 1. im Handel mit geräucherten. marinierten, gesalzenen ooer gekochten— überhaupt zubereiteten— Fischen und Seetieren aller Art ä) für den Großhandel(Absatz an Wiederverkäufer) vor 12 bis 3 Uhr nachmittags, b) für den Kleinhandel(Absatz av Konsumenten) von 6 bis 3 Uhr abends. Die Festsetzung unter d) gilt nur für die Geschäfte, in denen der Handel mit den genannten Artikeln den alleinigen oder den Hauptbetrieb bildet; 2. in den übrigen unter die Ziffer 1 des Z 1 fallenden Handelsgewerben pon 7 bis 10 Uhr vormittags; 8. im Handel mit Blumen und Kränzen und im Speditionsgewerbe von 7 bis 10 Uhr vormittags und von 12 bis IVi Uhr nachmittags. Hirn Industrie und Kandel. Das Kohlensyndikat und die Regierung. Nach den scharfen Worten, die gelegentlich des Rücktrittes des preußischen Handelsministers Pom Kohlenshndikate aus dem Ruhr- revier ertönten, mußte man annehmen, daß dem Kohlensyndikat an einem Wiedereintritt des Fiskus in das Syndikat überhaupt nichts mehr gelegen sei. Aber schon aus Mitteilungen, die vor einiger Zeit veröffentlicht wurden, ging hervor, daß die Situation nicht ganz� so liegt. Charakteristisch hierfür ist auch ein Pgssus-yis dem Bericht des Syndikats, den der Jahresbericht der Handalskammer für Essen enthält. Am Schluß einer Sckilderung der Markt- und Preis- tage für Kohlen im Jahre 1312 heißt es dort:„Der Ruhrbergfiskus, der nach seinem Abkommen mit dem Syndikat zur Preisstellung gehört werden mutzte, erhob gegen die Preiserhöhung, namentlich loweit sie Hausbrandkohlen betraf, Widerspruch. Seine Warnung gegen die Preiserhöhung ist von den Beteiligten des Syndikats mehr als die formelle Wahrung eines abweichenden Standpunktes, denn als eine unabweisbare Bedingung für das Zusammengehen mit dem Syndikate aufgefaßt worden.... Dem Vorgehen des Handelsministers haben sich zwar die übrigen außenstehenden Zechen, die ebenfalls Borkaufsabkommen mit uns getroffen hatten. nicht angeschlossen, doch besteht kein Zweifel darüber, daß durch den Rücktritt des westfälischen Dergfiskus von dem VerkaufZabkommen neue Schwierigkeiten in die Verhandlungen über die Syndikats» erneuerung hineingetragen worden sind. Immerhin ist es zu be» grüßen, daß auch nach Kündigung seines Verkaufsabkommens der BergfiSkuS weiter einen Vertreter zu den Verhandlungen über die Erneuerung des Syndikates entsendet." Diese Worte klingen schon sehr milde und es ist charakteristisch, daß das Kohlensyndikat die Entsendung eines Vertreters des Bergfiskus zu den Erneue- rungsverhandlungen begrüßt. Daraus geht mit aller� Deutlichkeit hervor, daß dem Syndikate an der Beteiligung des Fiskus außer- ordentlich viel liegt, woraus wieder für den Fiskus folgt, daß er bezüglich der Preispolitik seine Bedingungen stellen kann. Noch in anderer Hinsicht ist das Kohlensyndikat von der Regierung abhängig, wenn auch nicht vom Bergfiskus. In der Frage der Eisen- bahntarife wird schon seit langer Zeit vom Syndikate mit dem Eisenbahnfiskus um Tarifherabfctzungen verhandelt. Die rheinisch-westfälischen Werke erstreben Tarifherabsetzungen für die. Ausfuhr von Kohle nach dem Ausland. Bisher hat sich die Eisenbahnverwaltung gegen solche Tarifermäßigungen erklärt. Die Regierung wäre also sehr wohl kn der Lage, die Interessen der Kon- sumenten gegenüber dem Syndikat nachdrücklich zu vertreten. Aber bei der freiwillig geübten Abhängigkeit der Regierung von den Ju-� dusirie-Magnaten ist das allerdings kaum zu erwarten, Der Sitgeszug des elektrischen StroweS. In welch schneller und umfangreicher Weise der elektrische Strom seine Erorberung macht, zeigt sich an der folgenden Tabelle, die die Entwicklung des Stromabiatzes der oSerschlesifchen Ueberlandzentrale in den letzt« 10 Jahren darlegt: Jahr Kilowattstunden 1303... i.. 15 840 823 1906...... 37 063 883 1909...... 72 086 104 1911...... 100 081 306 1913.....* 126 240 074 Es fehlt also nicht viel, daß in den 10 Jahren eine Verzehn» fachung des elektrischen Verbrauchs in dem Bezirk dieser Heber» landzentrale eingetreten ist. foctzU rfacbriditcm Die Verhandlungen im Goldgräberstreik. London, 7. Juli.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Nach des letzten Nachrichten wird die von Lord Gladstone an den Kolonialminister telegraphierte Ansicht, daß die Bergarbeiter jeden� fglls dp: Friedensbedingungen anerkennen werden, als nicht zu» treffend geschildert. Die Arbeiter verlangen, daß sich die Re» gierung schriftlich verpflichte, für die Familienangehörigen der Ge» follencn und für die Verwundeten zu sorgen. Eine Deputation der Streikführer ging heute, Montag morgen, nach Pretoria, um mit General Botha über diese Angelegenheit Rücksprache zu nehmen. Pretoria, 7. Juli. Wie das Reutersche Bureau meldet, haben heute die Generale Botha und SmutS eine Abordnung der AuS- ständigen empfangen, um über die Bedingungen der Beilegung des Streiks zu verhandeln. Die Minister versprachen, die Frage in Erwägung zu ziehen, wie für die Hinterbliebenen der bei den lln» ruhen getöteten Leute gesorgt werden solle, verweigerten aber, die» jeniges zu begnadigen, welche sich schwerer Straftaten schuldig ge- macht haben. Sie vevsprachen indessen, die anderen Fälle in Be». tracht zu ziehen. Die Chos�era aus dem Kriegsschauplätze. Belgrad, 7. Juli.' Das Serbische Pressebureau meldet: Gestern herrschte an der Front der dritten Armee Ruhe. Nachdem die Bul» garen 6 Tage lang erfolglos versucht hatten, die serbischen Kampf- linien zu durchlöchern, beginnen sie jetzt, sich zurückzuziehen und ihre zerstreuten Abteilungen zu sammeln. Die Verluste der Bulgaren an Menschen sind ungeheuer groß. In Jstip herrscht die Cholera. Alle Gegenmaßnahmen sind getroffen- Absturz eines Fliegers. Schwerin, 7. Juli.(W. T. B.) Heute abend kurz vor 6 Uhr stürzte auf dem Flugplatz Görries Leutnant Adami, der- heute zum erstenmal allein aufstieg, aus einer Höhe von 20 Meter ab, wahrscheinlich infolge eines Fehlers am Höhensteuer. Der Apparat wurde zum Teil zertrümmert. Der Flieger wurde schwer Vers letzt nach dem Garnisonlazarett gebracht. Bankenzusammeubruch in Pittsburg. New Uork, 7. Juli. iP.-C.) In Pittsburg ist eine allge» meine Panik in Bankkreisen ausgebrochen. Der Grund dazu ist der Zusammenbruch einiger großer, angesehener Banken, die mit der American Water Work» and Guarantee Compagnh in Verbtn- dung stehen. ES handelt sich um die erste und zweite Pittsburger Nationaldank, die heute ihre Zahlunzen einstellen muhten. Ebenso hat die American Water Works and Guarantee Eompagnie, die in 40 Städten der Bereinigten Staaten Wasserleitungsanlagen betreibt, ihre Zahlungen eingestellt. Als die Nachricht von der Zah. tungselnstellung bekannt wurde, bemächtigte sich des kleinen Sparer» Publikums eine große Erregung und die Kassen der Pittsburger Sparbank, die in finanziellem Zusammenhang mit den insolvente« Häusern steht, wurden vom Publikum gestürmt, das feine EinzlH» lungen zurückverlangte, Donnerstag....... den 10...... d.M. beginnt unser SaifonÄus verkauf Enorm billige Preise! Sozialdemokratiseher Wahlverein für den 4. Berliner Reiehslagsvahlkreis. Heute Dienstag, dem 8. Juli, abends 8�z Uhr, UM- m den„Prachtsälen des Ostens": �ZtslZodor-VersammlunK des Petersburger Viertels. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Fritz? Zubeil über: »Ist der politische Massenstreik ein Kampfmittel für die Ardeiterklasse?" 2. Diskussion. 216/6* Mitgliedsbuch legitimiert! Die Tiertelaleitnng. Penvaltullgsflelle Kerlm Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. C 54, Llllikllstr. 88-85. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Donnerstag, den 10. Juli, abends 8'/, Uhr. im Gewerkschaftshauie, Eugelufer Nr. IS: Mitglieder-Versammlung der Kauan schläger Kerlivs». llmgegeni> Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Diskussion. 3. Dahl der Kommisfions- _ Mitglieder. 4. Verschiedenes. SW Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt,-va Zahlreiches u. pünktliches Erscheinen erwartet 121/11 Die Di-t«vervea.It«>us. Ortskrankenkasse des Zimmerergewerbes zu Berlin. Am Sonntag, den 13. Juli er.' vormittags 10 Uhr, findet in Schulz' Festsälen(Eingang KönigSgraben) eine Außerordentliche Geoelal-Versammlung statt. 14706 Tagesordnung: �Stellungnahme zum Bescheide des Oberversicherungsamtes. einlaäungzliarts legitimiert! Der Vorstand. Aug. Brunzel, Ewald Petermann, Vorsitzender, Schriftführer. Obcater. Dienstag, den 8. Juli 1913. Ansang 71/, Ubr. Prater. Das Bummelmädchen. Ansang 7'/, Ubr. Kroll-Oper. Lohengrin. Aniang 8 Ubr. Urania. Im Lande der Mitter- nachtssonne. Schiller O. Fra Diavolo. berliner. Fumzauber. kbalia. Puppchen. Metropol. Die Kino-Königin. TSintergarteu. Spezialitäten. Reichshallc». Stettiner Sänger. Ansang 8'/, Ubr. Komödienhaus. Hochherrfchastliche Wohnungen. Friedr.- Wild. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Lustspielbans. Der lustige Kakadu. Rose. Tagebuch einer Verlorene«. Luisen. Die Allwördens. FolieS Caprice. Ein Pechvogel. Die Krampssache. Ansang 8'/, Ubr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Deutsches Schauspielhaus. Eine Vergangenheit. Theater am Rollendorfplatz. Der Mann mit der grünen Maske. Anfang 9 Ubr. Admiralspalaft. Eisballett: Flirt m St. Moritz. »» « Sternwarte, Invalid enstr. 57—62. Schiller-Theater 0. Wallner-Theater. (Sachse- Oper.) Heute abends 8 Uhr: prs Diavolo. BerlmerTheater. s uhr: Filmzauber. Dentsctaeu Schanspielhans 8'/. Uhr: Eine Vergangenheit. Kroll-Oper 71/, Uhr: Lohengrin. Mittwoch; Die Meistersinser von Werg. OSE=THEATE! ikroffe Frantiurte: Str>32. s Eneembl.-lla3tep.lZedai<-l.utr fzgebiicli eiiiei' Veflmiieit. 8',. Uhr. Auf der Garteubühne: �.ehtiRiis! ISs geht lo»! Ansang 4'/, Ubr._ Jtontis Operetten-Theater (st. Neues Theater), Amt Norden 1141. Sommerpreise. Gastsp. Jul. Spielmann. 8 Uhr: Der lachende Ehemann. Neue Welt"ff,'/ff Heute Dienstag, 8. Juli, abds. S'/a Uhr: Volks-Sinfonle Konzert des Blülhner- Orchesters Biriaent: Guido v. Fuchs. Sol.: Werth(Ges.), Lambinon(Yiol.) Karten a 30 Pf. in den bekannten VorverkaufssteUen und abends an der Kasse. LOCISCHER GARTEN Täglich: Großes Doppel-Konzert. Eintritt 1 TIark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Theater amKollendorsplatz Täglich 81/, Uhr: Burleske Spiele. Der Manu mit der grüne» Maske Außerdem: Das erstklassige Varielsprogramm und Kino. Passage-Panoptikum Der persische Augenfakir in seinen fanat. Berwisch- Martern (hebt u. a. mit den Augen schwere Gewichte). 3 Schwestern Uliput, die kleinst. Schwest. der Welt. Alle» lebend! Ohne Extrn-Entree! 1 Neue Welt U A.Scholz. Hasenheide 108-114 Heute Dienstag: Großes Auf. 5 Uhr. Entree 25 Pf. Toranzeige! Mittwoch, den 9. 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Qjf; Ernst Eiebing. tftgr Jeden Dienstag- und Donnerstagnaohmiltag: MI Kaffee-frei-Vor steUmsg der Korddeutschen und Apollo- Säncer bei freiem Entree. Freitags: Fret-Konzert. öuehhsntilungVarwsrts l.ill Die Arbeiten des neu gewählten Landtages werden das bald zeigen. Daneben werden auch in Zukunft poli- zeiliche und gerichtliche Attentate auf die Arbeiterbewegung in Preußen dazu beitragen, den Massen klar zu machen, daß an eine Aenderung unserer politischen Zustände herangegangen werden mutz. Fest steht zunächst, datz unser Wahlrcchtskampf in verstärktem Matze weitergeführt werden wird. Der Gedanke an einen Massen» streik bewegt heute größere Kreise als je zuvor. Wenn seine Anwendung in der nächsten Zeit auch weder empfohlen, noch be- schlössen werden kann, so kann doch auch niemand mehr sagen, daß er auf keinen Fall kommen könnte. Ein törichtes Beginnen wäre es jedenfalls, wenn unsere junkerlichen und sonstigen Gegner aus der ablehnenden Haltung, die zahlreiche Arbeiterführer be- greiflicherweise dem Massenstreikgcdankcn gegenüber noch ein- nehmen, den Schluß ziehen wollten, datz es diesen nicht ernst wäre mit der Erringung eines besseren Wahlrechts in Preußen. Zeit und Uinitande werden es lehren, ob die schärfste gesetzliche WPse im Wahlrechtskampfe der Arbeiter auch in Preußen einmal an- gewendet werden mutz." Im..Braunschweiger Volksfreund" heißt es u. a. über„Matze und Massenstreik: „Der politische Kampf des deutschen Proletariats gipfelt in! Es ist eine riesige politische und eine noch ausgedehntere gewcrk- � schaftlichc Organisation g«schaffen worden, Organisationen, die dem einzelnen gegenüber von erdrückender Macht sind. Beide Or- ganisationen sind zentralisiert und mit einer straffen, mustcr- haften Disziplin ausgestattet. Alle Kämpfe, die sie führten, wurden mit gesetzlichen Mitteln geführt, auf die Gesetzlichkeit wurde streng gehalten. Ja, man kann sagey, datz sich die Dis- ziplin zum großen Teil darauf erstreckte, die Massen in den gc- setzlichen Schranken zu halten. Das ist vorzüglich gelungen. Nicht nur gesetzesfromm, sondern auch wohlanständig in gut bür- gcrlichcm Sinne ist die organisierte Arbeiterschaft. Man hat sie sich in Geduld zu fassen und sich jede impulsive Temperaments- regung zu verkneifen gelehrt. Nur nicht mit den Gesetzen und der gesetzlichen Gewalt in Konflikt geraten! Die Regierung könnte sonst daraus Anlaß zu einem neuen Ausnahmegesetz oder zu noch schlimmerem nehmen. Außerdem wollte man im Par lament stets ein reines Hemd anhaben. Die Disziplin hatte da- für zu sorgen, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten ja nicht über irgendwelche räudigen Schafe in Verlegenheit kamen. Die organisierte Arbeiterschaft solltx. immer als der leidende Teil da- stehen, dem stets von oben herab Unrecht geschehe. Diese Taktik der leidenden Gesetzlichkeit war notwendig und bat die Organisation stark gemacht. Sie bewährte sich bei den Wahlen vorzüglich. Aber sie ließ auch die herrschenden Mächte stark und brachte von der politischen Macht so viel wie nichts in die Hände des organisierten Proletariats. Es war eine Taktik der Vorbereitung auf eine ferne Zukunft. Damit gab man aber der Masse nicht einen revolutionären, sondern einen friedfertigen, versöhnlichen, geduldigen Charakter. Die Arbeiter richteten sich im bestehenden Staate ein. Sic wurden dadurch nicht verbürgerlicht, im Gegenteil, sie bildeten erst recht eine besondere Klasse und schieden ihre Einrichtungen streng von den bürgerlichen. Aber die Tendenz, sich in der bestehenden Ord- nung auf unabsehbare Zeit behaglich einzurichten, war und ist doch unverkennbar vorhanden. Der deutsche Arbeiter ist ein so vorzüglicher Haushältcr, daß er selbst der Brotwucherpolitik trotzen konnte. Er hält auch die Sparkasse hoch, liebt seinen Schieber- garten, erwirbt wohl selbst ein Grundstück, lebt hygienisch, nimmt Luft- und Wasserbäder, trinkt keinen Alkohol, pflegt sein Aquarium vermeidet eine große Kinderzahl, kurz und gut: er richtet sich ein, so gut es geht, wobei ihm seine Organisationen, seine Gc werkschaft, sein Konsumverein usw. einen guten Rückhalt geben. Für seine Unterhaltung sorgen der Bildungsausschutz, der Arbeiter turnerbund, der Arbeitergcsangverein usw., und jetzt bietet ihm die„Volksfürsorgc" noch eine Sicherstellung der Familie nach seinem Tode Die Gedankenwelt des oyganisierten Arbeiters wird dadurch, trotz aller prinzipiellen Aufklärung in der Gegenwart und ihrer Gesetzlichkeit verankert. So sind freilich nicht alle Ar- beiter. Aber die maßgebenden, die von den Arbeitern geachteten, den Charakter der Masse bestimmenden Arbeiter sind ruhige, sparsame, gewissenhafte, solide Leute, die schon einen Stich ins Puritancrtum annehmen. Aus ihnen rekrutiert sich dann die Burcaukratie der Organisationen. Unwirtschaftliche, leicht cnt flammbarc Sprudclköpfc stehen sehr tief im Kurse. Und auch die stillen Träumer, Dichter und Philosophen unter den Arbeitern spielen keine Molle. Es dominiert die wohlanständige, aber auch nüchterne Tüchtigkeit, die keine Revolution macht. Mit dem nationalen Temperament hat das nichts zu tun, Es ist eine Folge der Auslese, die die Erziehung zur Gesetzlich- keit vorgenommen hat. Der den Charakter der proletarischen Masse bestimmende sozialdemokratische Musterarbeiter ist klaffen- bewußt und durchaus nicht verbürgerlicht, aber sein sehr stark ent- wickelteS Pflichtgefühl ist Impulsen gegenüber zurückhaltend. Er hält sich am liebsten an seine Instanzen. Der Ausdruck„Es wird den Genossen zur Pflicht gemacht" ist denn auch zu einer ständigen Phrase in unseren Resolutionen geworden.... Die Taktik der leidenden Gesetzlichkeit hat es dem Proletariat zur Pfkicht gemacht, seine Impulse zu unterdrücken. Woher soll da die Initiative aus den Massen kon:m>n? Scll sie ihnen auch zur Pflicht gemacht werden? Wenn der Parteirrrstand unglück- licherweise dem Vorschlage der Genossin Luxemburg gefolgt wäre und anläßlich der Anwesenheit des Zaren in Berlin einen ein- tägigen Massenstreik proklamiert hätte, würden wir die schönste Gelegenheit gehabt haben, uns eine gründliche Blamage zuzu- ziehen. Der Streik wäre jämmerlich mißlungen. Auch unsere Organisation möchten wir nicht grundsätzlich um- gestalten. Solch festen Kitt schlägt man nicht in Stücke. Dennoch müssen wir uns aus große politische Kämpfe, die mit allen Mitteln zu führen sind, gefaßt machen. Darauf müssen die Massen er- zieherisch vorbereitet werden. Das geht aber nur, wenn unsere Agitation wieder von revolutionärem Geiste getragen wird, wie es z. B. während der russischen Revolution der Fall war. Die Erziehung zur Einrichtung im Älassenstaate, die die Gefahr einer Verwachsung mit dem herrschenden Staatssystem in sich birgt, da sie doch alle die ichönen Nestchen, die sie baut, am Stamme des KlasscnstaateS und unt'.r dem schützenden Laubdache seiner Ge- setze aufhangt, muß zurückstehen hinter der Erzwhung zur poli- tischen Massenaktion. Und wenn das.ucht mehr möglich wäre, dann mutz eben ort eine neue Gen-rution heranwachsen, bevor wir in das gelabte Kanaan einzi'.Y.'-r." r---■-,■■..... zu Kassen zwecks Aufbesserung der Einnahmen der dem parlamentariicheg, per wirtichaftliche im gewerkschaftlicheg. I Aerzte degradiert werden sollen. Wir haben trotzdem zu dem llet 39. fkrzteliongrcß. Vom 3. bis 5. Juli wurde der 39. Aerztekongreß in Elberfeld abgehalten. Etwa 400 Aerzte nahmen als Vertreter von rund 25 000 Aerzten teil. Ter Aerztekongreß identifizierte die Aerzteinteressen mit den Bestrebungen des Leipziger Verbandes. Die Tagung wurde von dem Verhältnis zu den Krankenkassen, dem zu den B e- rufsgenossen schatten und den Reichsversiche- r u n g s a n st a l t e n beherrscht. Der Vorsitzende D i p p e meinte bezüglich der Kassenfrage:„Mutz denn überhaupt gekämpft werden? Diese Frage möchte ich für meinen Teil laut und deutlich mit Nein beantworten. Es mutzte gekämpft werden, aber es mutz nicht mehr." Weit� weniger friedlich aber klang es aus dem Referat des Dr. �stresser- Leipzig. Nach seiner Anschauung haben— darin täuschen die von ihm gebrauchten Floskeln von einer Gleichberech- tigung mit den Krankenkassen nicht— die Aerzte zu diktieren. Die Krankenkassen sollen allein mit der ärztlichen Organisation sich in Verbindung setzen. U n a n�n c h m b a r sei es für die Aerzte, datz die Krankenkassen, ihrem Selbstverwaltungsrecht und. dem Gesetz entsprechend, das System der kassenärztlichen Versorgung fest- setzen. Alle Einigungsverhandlungen, die dies Recht der Klrankenkassen nicht aufgeben, seien für die Aerzte u n a n- n e h m b a r. Sie dürften es auch nicht dulden, daß nicht appro- bierte Aerzte bei den Krankenkassen zugelassen würden. Vor An- Wendung des Kampfcsparagraphen lK 370 der Reichsversicherungs- ordnung) schrecken die Aerzte nicht. Sie seien zum Krieg bis zum Aeutzerstcn gerüstet. Nach diesen Darleaungen wird die Arbeiterklasse mit einem Kampf der im Leipziger Verband organisierten Aerzte zum 1. Januar 1914 zu rechnen haben. Es zeigt sich immer deutlicher, daß das Privilegium der Approbation zum Nach- teil der Allgemeinheit geinißbraucht wird und daß es in dem leidigen Streit zwischen Leipziger Verband und Kranken- kassen kein anderes Mittel als das des Behandlungs- z w a n g e s und der Verstaatlichung gibt, wenn nicht die Ge- sundhcit der Arbeiterklasse untergraben und die Kranken- kassen zu Kasse« zwecks Aufbesserung der Einnahmen verständigen Teil der Aerzte das Vertrauen, daß er den Schreiern im Kampfe nicht folgen wird.> Bei dem Verhältnis zu den Berufsgcnosscnschaften scheint cnd- lich die Einsicht sich durchgerungen zu haben, datz die sogenannten Vertrauensärzte der Berufsgcnossenschaftcn das Zutrauen zu den Aerzten ebenso untergraben wie die unter Führung des Leipziger Verbandes und Dr. Mudgans unternommene Hetze gegen die Kran- kenkassen. Vielleicht hat diese Einsicht mitgewirkt, sicherlich noch igehr das pekuniäre Interesse der Aerzte, sich endlich f r c, e Arztwahl für Unfallverletzte anzubahnen. In einer Entschließung heißt es: � „Jedem Unfallverletzten steht die Wahl des behandelnden Arztes frei, soweit nicht gesctz- lich Beschränkungen bestehen(5j§ 368 und 558 der Reichsversicherungsordnung).?ie iinbegründete, insbesondere die allgemeine Zuweisung aller Unfallkranken oder bestimmter Gruppen an bestimmte Aerzte bezw. Spczialärzte stellt ehpnso wie die unbegründete Einweisung in bestimmte Heilanstalten, Unfallkrankenhäuscr und dcrgl. cliic ilnstatthafte Beschränkung ärztlicher Berufstätigkeit und eine schwere wirtschaftliche und ethische Schädigung des Aerztestandes dar. Erscheint eine solche Ueberwcisung im Interesse der Heilung des Kranken der Berufs- genossenschaft notwendig, soll sie nach Möglichkeit mit Zustim- mung des behandelnden Arztes erfolgen, in keinem Fall aber, ohne datz diesem eine kurze Mitteilung mit Angabe der Gründe gemacht worden ist." Die Vertrauensärzte bei der Reichsversicherungs- anstatt endlich werden aufgefordert, ihre Stellung zu kündigen. um bessere Verhältnisse bei der Begutachtung von Gutachten für die Reichsversicherungsaiistalt durchzuführen. Beschränken sich die nach einem Kongretzbeschlutz einzuleitenden Verhandlungen der Aerzte mit den Bcrufsgenossenschaften und der Versicherungsanstalt auf die pekuniären Interessen der Aerzte, so haben sie für die Arbeiterklasse wenig Interesse. Anders, wenn die Verhandlungen darauf abzielen sollen, zur Ermittelung der Wahr- heit in den zu begutachtenden Fällen beizutragen. Dann könnten die Aerzte darauf rechnen, datz die Arbeiterklasse Arm in Arm mit ihnen kämpfen würde.__ Vkrbllndstlig der Töpfer.. Leipzig, den 5. Juli. In der Debatte über die Flicsenfrage kamen heute nur noch zwei Redner zum Wort. Dann fand eine Resolution Annahme, die den Zentralvorstand beauftragt, bei der Gcneralkommission und — wenn dort den Töpfern nicht ihr Recht wird— beim Gewerk- schaftskongretz Protest einzulegen gegen das Versahren in Bau- arbeiterireisen, die Töpfer zum Anschluß an den Bauarbeiterver- band zu zwingen, falls sie Fliesen ansetzen. Ein weitere� Antrag auf Gründung von Fliesenlegersektionen wurde gegen 3«stimmen angenommen, ein erneuter Vorstoß der Opposition, die Grenz- streitigkeiten in der Fliesenfrage durch Angliederung der Ofen- setzer an den Bauarbeitervcrband aus der Welt zu schaffen, in namentlicher Abstimmung mit 56 gegen 10 Stimmen zurückge- wiesen. Die Frage der Reichstarife und der damit verbundenen ein- heitlichen Tarifabläufe soll auf der nächsten Generalversammlung behandelt und schon vorher diese Frage im Fachorgan diskutiert werden. Als Delegierte zum im August stattsindcnden Bauarbeiter- schutzkongretz werden der Vorsitzende, der Redakteur und 7 Tele- gierte gewählt. ' Aus der nun folgenden Statutcnberatung Wäre als wichtigster Beschlutz die Erhöhung der Streikunterstützung zu erwähnen, die in jeder Stufe um 2 M. wöchentlich erhöht wird. Bei der Beratung der Gaue wird beschlossen, die Verwaltung des zweiten Gaues(Brandenburg ohne Grotz-Bcrlin, Pommern und Mecklenburg) dem Zentralporstand zu überweisen und diesen für die vernpjfirte Arbeit eine ständige Bureauhilfe zu überweisen. Weiter wird beschlossen, einen Ausschutz als Schlichtungsinstanz bei Streitigkeiten zwischen Zentralvorstand und Filigjpn einzu- setzen. Das neue Statut soll am 1. Oktober 1913 in Kraft treten. Es folgen Wahlen. Zum internationalen Kongreß in Wien loird. D r u n s e l delegiert. Die Wahl von 4 Olewcrkfchaftskongreß- delegierten fällt' auf Drunsel-Berlin, Schmit-Berlin, Segawe-Berlin und Birkholz-Hamburg. Die Vcr- bandsbeamten und der Redakteur werden wiedergewählt, des- gleichen die Gauleiter. Als Vorort des neueingesetzten Ausschusses wird DreSden-Meitzen bestimmt, als Ausschutzvorsitzendcr John-Meitzen gewählt. Die Festsetzung des Tagungsortes der nächsten Generalversammlung wird, falls damit die Tagungep der Glas- und Porzellanarbeiterverbände verknüpft werden, dem Vorstand überlassen, im anderen Falle soll in Halle a. S. getagt werden. Nach Abschicdsworten der ausländischen Delegierten und nach einem anfeuernden Schlußwort des Verbandsvorsitzenden wird dann die Generalversammlung mit einem kräftig aufgenommenen Hoch auf das Weitergedeihen der Organisation geschloffen. 14. Gkneraiversmullllilg des Nerbaudes der Maler \ nud Weißbillder. Sechster BerhandlnngStag. Halle, den 5. Juli 1913. Die Neuregelung der Gehaltsvcrhöltnisse der Beamten nimmt auch heute noch einen breiten Raum in der Diskussion ein, die gestern abend begonnen wurde. In namentlicher Abstimmung wird die Gehalts- regelung nach dem Vorschlage der Kommission mit 77 gegen 26 Stimmen bei 1! Stimmenthaltungen angenommen. Danach bewegt sich das Einkommen des 1. Vorsitzenden, 1. Kassierers und des Redakteurs zwischen 2800 bis 3400 M., der übrigen Vorstandsmitglieder im Hauptbureau 2600 bis 3200 M., der Bezirksleiter 2400 bis 3000 M., der ständigen Hilfsarbeiter 2200 bis 2800 M., der Angestellten in den Filialen 2200 bis 2600 M. Es wird jedoch den Filialen freigestellt, das Gehalt der Filialbeamten bis zu der Einkommcnsgrenze der Bezirksleiter in die Höhe zu setzen. Der neugeschaffene Beirat soll von den Mitgliedschaften der folgenden Städte gewählt werden: Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg(Ersatzmann aus Kiel), Düsseldorf lErsatzmann aus Tortmund), Dresden, Karlsruhe und Nürnberg. Für den BauarbeiterfchutzkongreH sollen die Delegierten in den Mitgliedschaften gewählt werden; außerdem sollen Vorstand, Redaktion und Ausschutz auf dem Kongreß vertreten sein. Dem Obmann des Ausschusses wird als Entschädigung für seine Tätigkeit während der verflossenen zweijährigen Periode der Betrag von 300 M. gewährt. 4 Sodann werden Vorstand, Redakteur und Ausschuß-Obmann, sowie sämtliche Bezirksleitcr wiedergewählt. Für den neuge- schaffcnen zweiten Sekrctärsposten wird Delle- Stuttgart ge- wählt. Der Posten soll am 1. Oktober 1913 angetreten werden. lieber die internationalen Kczichungcn berichtet Tobler- Hamburg. Er verweist darauf, daß die ausländischen Bruder- organisationen rüstig vorwärts schreiten und datz mit allen die besten Beziehungen bestehen. Die Tagesordnung ist erschöpft. Tobler- Hamburg schließt die Generalversammlung mit anfeuernden Worten und der Auf- forderung, die gefaßten Beschlüsse zum Segen der Organisation zur Ausführung zu bringe» � H.& P. Uder. 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Juli, tagte eine außerordent- liche Mitglieder-Gcneralversanimlung der Ortsverwaltung I des Verbandes der Gastwirtsgehilfen, in welcher Genosse K ö r st e n Bericht erstattete über die Einigungsverhandlungen zur Beseitigung der Differenzen innerhalb der Verwaltungsstelle. Nach ausgiebiger Diskussion gelangte eine Resolution zu. Annahme, welche besagt, daß die Generalversammlung die unter Mithilfe der General- und Gewerkschaftskommission ver- einbarten Einigungsvorschläge für alle Mitglieder als bindend anerkennt und daß man in Zukunft alles unterlaffen werde, was den Frieden und die ruhige Wcitercntwickelung der Ver- waltungsstelle st ö r e n könne. Neuerdings versuchen nun die früheren Verbands- Mitglieder N. Sehr und G. Hohen st ein Stimmung für eine öffentliche Versammlung zu machen, welche am 8. d. M. stattfinden soll. Tie Unterzeichneten erwarten von allen Mitgliedern des Verbandes, daß diese sich mit Rücksicht auf die am Donners- tag gefaßten Beschlüsse an dieser Versammlung nicht be- teiligen. Diejenigen, die es dennoch tun, müssen es sich gefallen lassen, als solche betrachtet zu werden, die ehrlich den Frieden nicht wollen. Die Versammlung und deren Besuch wider- spricht den am 3. Juli angcnomnicnen Einigungsvorschlägen. Wir ersuchen die Vertrauensmänner, die im Betriebe tätigen Kollegen von Vorstehendem in Kenntnis zu setzen. Berlin, den 7. Juli 1913. Für die Geueralkommission: Legten. Für die Gewerkschaftskommisslou: K ö r st e n. Für die Hauptverwaltung des Verbandes der Gastwirts- gehilfen: Z e is k e. Für den Vorstand der Verwaltungsstelle l: Sohn. Berlin und ömgcgcnd. Deutscher Buchbinder-B'-rbalid tZablstellc Berlin). Bei der Urabstimmung am Sonnabend, den 5. Juli 1913 wurden insgesamt 1588 Stimmzettel abgegeben. Als Beisitzer zum Verbandsvorstand wurden, gewählt die Kollegen: O. W icnickc(llq2 Stimmen), E. Brückner(1129j. L. Jünemann( 1032), Kollegin K r z y m i n(962), P. Schade(924) und O. T e u t s ch c r(763,. >. Als Revisoren wurden gewählt die Kollegen: Freudenreich £288), Schönfelder(1215), O. Rö l l(1075) und Lohr(1069). Die Ortsverwaltung. Jln� Happoldt-Ausfchank, Hafenheide 32/38, dauert der Streik fort. Seitens der Betriebsleitung gibt man sich alle erdenkliche Mühe, den Streik der Kellner als unberechtigt bezw. gar nicht vor- liegend hinzustellen. Man vergißt dabei ganz und gar, daß es ja der Betriebsleitung außer der Lohnherabsegung vok allem darum zu tun ist, wieder die bereits abgeschafften Hausdienerarbeiten ein- zuführen. Dazu kommt, daß das Einigungsamt des Berliner Ge- Werbegerichts sich ebenfalls mit den Arbeitsbedingungen im Hap- poldt-Ausschank beschäftigt hat und diese in all ihren Punkten anläßlich einer Differenz mit Herrn Zabel festlegte. Wenn behauptet wird, die Brauereidirektion hätte mit dem Engagement des Personals nichts zu tun, so sei darauf hinge- wiesen, daß es die Arauereidireklion in Person des Kommerzien- rats Happoldt war, welche bei den ersten Differenzen sofort eingriff und den Verhandlungen über die Arbeitsverhältnisse des Personals von Anfang bis Ende beiwohnte. Daß die Brauereidirektion ihr Einverständnis zu dem be- stehenden Streik gegeben hat, geht wohl auch aus einer Aeutzerung des neuen Oekonomen Herrn Wroblewski hervor. W. äußerte beim Beginn der Differenzen zu einem Interessenten, als er über die Sachlage befragt wurde:„Ich möchte gern alles ver- meiden, aber mir sind ja die Hände gebunden!"?luf einige Vor- kommnisse, die ebenfalls beweisen, daß die Direktion der Brauerei hier ihre Hand im spiele hat, kommen wir noch zurück. Aus- hei t 1 drücklich sei darauf hingewiesen, daß der Happoldt-Betrieb alle �organisierten Gehilfen gesperrt ist. Verband der Gastwirtsgehilfen. Kutscher, Arbeiter und Stallcutc aus den Bauv Arbeits- und Möbelfuhrwerksbetrieben sowie Gips- und Zementlagern Groß- Berlins hatten laut Tarif am 1. Juli eine Zulage von 1 M. pro Woche zu verlangen. Eine Versammlung derselben im Gewerk- schaftshause nahm nach dem Bericht des Branchenleiters Otto Franke folgenden Beschluß an: Laut Tarif, abgeschlossen 1912, haben die Kollegen ab 1. Juli 1913 die Zulage zu beanspruchen. In Betrieben, wo dieselbe nicht gewährt wird, haben zunächst die Vertrauensmänner vorstellig zu werden. Sollte der Unterneh- mer sich weigern, die Zulage zu gewähren und der tariflichen Ver- einbarung nicht nachkommen, so ist umgehend der Organi- sation davon Mitteilung zu machen. Es wird dann von feiten der Organisationsleitung ein letzter Versuch unternommen werden, um den Unternehmer an sein gegebenes Wort zu erinnern. Ferner wird es den Kollegen zur Pflicht gemacht, nicht eigenmächtig zu handeln, sondern abzuivarten, bis die Branchcnleitung loeitere Maßnahmen trifft. Ebenfalls dürfen keine besonderen Verein- barungen, die dem Tarif widersprechen, mit den Unternehmern getroffen werden. Oeublcbes Reich. Zur Bewegung der Arbeiter auf den Seeschiffswerften. Am Freilag, den 4. Juli, fanden auf Einladung der einzelnen Untergruppen des Uuternehmerverbandes der Seeschiffswerften zwischen Vertretern der Werflbesitzer und Vertretern der Arbeiter von den Werften der Uuierwcser. der Elbe und des westlichen Ostseegcbietes unter Hinzuziehung einiger Vertreter der örtlichen Organisations- leitungen in Hamburg Verhandlungen statt. Die Verhandlungen konnten ihrem ganzen Charakter nach nur eine allgemeine Besprechung der zu behandelnden Angelegenheit sein. Irgendwelche Beschliiffe über die Forderungen der Arbeiter wurden noch nicht gefaßt. Es wäre also auch eigentlich nichts zu berichten. In der bürger- lichen Presse erscheinen aber trotzdem schon Berichte über die Verhandlungen. Diese Berichte enthalten in der Hauptsache Unwahres. Bei der Besprechung am Freitag haben die Vertreter der Werstbesitzer die Forderungen der Arbeiter als zu weitgehend be- zeichnet, aber man hat am Schluß der mehrere Stunden dauernden Besprechung vereinbart, daß am Dienstag, den 8. d. M., die Vertreter der Unterhandelnden wieder zusammentreten unter Hinzu- ziehnng noch einiger Arbeitervcrtreter von der Unterweser. Diese Verhandlung wird sich loiederum mit den allgemeinen Fragen, die alle Werkten betreffen, beschäftigen. Dann ist in Aussicht genommen, am nächsten Tage mit der Beratung der örtlichen Angelegenheiten zu beginnen. In welcher Form diese Verhandlungen statt-' finden locrden, das muß erst die weitere Beratung ergeben. Wie schon erwähnt, finden diese Verhandlungen nur für die Werften, die in den obenbezeichneten Gebieten liegen, statt. Für die Werften an der Oder sind ebenfalls Verhandlungen angesetzt und zwar ist als vorläufiger Termin der 11. Juli in Aussicht genommen. Der Verhandlungsorl ist Stettin. Da einzelne Teilnehmer der Hamburger Verhandlungen auch in Stettin anwesend sein sollen, wird der Ver- handlungstermin je nach-dem Fortgang der Hamburger Vorhand- lungen eventuell geändert werden. Am Sonntag, den 6. Juli, tagte in Hamburg eine Konferenz der Werftarbeiter. Diese Konferenz war zur Information der Werstarbeiter über den Stand der Bewegung notwendig. Eine Slellungnahme zu den Forderungen respektive den Aeußerungen, die von den Vertretern der Werftbesitzer über die Forderungen der Arbeiter gemacht worden sind, hat die Konferenz nicht für. erforder- lich erachtet. Die Unternehmer haben hei den Verhandlungen bisher noch nicht zu erkennen gegeben, was für Absichten bezüglich etwaiger Zugeständnisse sie hegen. Infolgedessen muß bei den weiteren Ver- Handlungen erst darüber Klarheit geschaffen werden. Dann erst, wenn die Verhandlungen ein bestimmtes Ergebnis gebracht haben, wird eine weitere Konferenz Beschlüsse fassen. Achtung! Prägereiarbciter und Arbeiterinnen. In Dresden und Umgegend haben die Arbeiter der Plakatprägereien den bestehenden Tarif gekündigt und einen neuen Entwurf eingereicht. Ein Teil der Prinzipale ist anscheinend nicht geneigt die Forderungen wohl- wollend zu berücksichtigen. �Außer Nichtbeantwortung des in der höflichsten Form gehaltenen Schreibens der Tarifkommifsion hat man schon jetzt mit Entlastungen gedroht resp. Kündigungen aus- gesprochen, teilweise wird auch der Arbeiterschaft gegenüber eine verletzende Nichtachtung an den Tag gelegt. Es ist anzunehmen, daß größere Differenzen entstehen und die Unternehmer anderweitig Arbeitskräfte anlocken werden, deshalb er- warten wir von allen in Betracht kommenden Arbeitern und Arbeiterinnen, daß sie auf der Hut find und vor Arbeits- Zunahme nach Dresden und Umgegend(Tolkewitz-Laubegast) genaue Erkundidungen einziehen beim Deutschen Buchbinderverband, Dresden-A., Kaulbachstraße 16 I. Streik der Haudschuhnäherinnen im Erzgebirge» In Johanngeorgen st adt beschlossen am Mittwoch in ge- heimer Abstimmung 400 Handschuhnäberinnen, nachdem die Fabri- kanten die Forderungen auf geringe Lohnerhöhung kurzerhand ab- gelehnt halten, einstimmig, in den Streik einzutreten. In- zwischen ist die Zahl der streiken de ir Näherinnen auf 900 gestiegen und noch im Wachsen begriffen. Au einem Tage er- folgten 150 Beitritte zum Lederarbciterverband und noch fortgesetzt erfolgen Neuanmeldungen, so daß fast sämtliche Arbeiterinnen dieser Branche organisier! sind. Den wenigen �arbeitswilligen Näherinnen suchen die Behörden dadurch Mut zum Streikbruch beizubringen, daß sie den§ 153 der Gewerbeordnung im Wortlaut zur öffeutlichen Kenntnis bringen. Die Hungerlöhue dieser armen Arbeiterinnen. die seit 20 Jahren keinerlei Aufbesserung erfahren haben, ja sogar noch reduziert worden sind, sollten die Behörden wahrlich ver- anlassen, ihren Amtseifcr nach einer anderen Seite hin zu betätigen. Die Slimmung unter den streikenden Näherinnen ist die denkbar beste, ihre Haltung ausgezeichnet. Der Streik greift auch auf das angrenzende böhmische Gebiet über. Die arbeiterfreuudlichen Zeitungen werden um Abdruck gebeten. Ter Gewerkverein christlicher Bergarbeiter hält in diesen Tagen in Aachen seine Generalversammlung ab. In einer Bckanmmachung des Vorstandes im„Bergknappen" über die Bedingungen, unter denen die Vertreter der Presse Zutritt zu den Verhandlungen haben sollten— sie mußten die Organe angeben, für die sie berichten wollten war nur von bürgerlichen Blättern die Rede. Ans die Anfrage eines parteigenüssischen Journalisten wurde diesem der Bescheid, daß die sozialdemokratische Presse grnnd- sätzlich ausgeschlossen sei. Die versprochene schriftliche Bescheiderteilung hat man für gur geholten, zu unterlassen. Uebrigens hat man die Vertreier des Bergarberterverbandes schon seitJahrenvomZutritt zu den Generalversammlungen ausgeschlossen. Ein Gebaren, das nicht nur kindisch ist, sondern das auch von einem schlechten Gewissen zeugt. Dem Bergarbeiterverband gegenüber bedeutet dieses Verhalten über- dies eine besondere Rüpelhaftigkeit, da umgekehrt die christlichen Bergarbeiter erst noch in diesen: Jahre auf der Generalversammlung des Bergarbeiterverbandes in Hannover das ihnen gewährte Gast- recht in denlbar häßlichster Weise mißbraucht haben. Aus dem Geschäftsbericht des christlichen Verbandes ist in erster Linie die Tatsache hervorzuheben, daß die Mitgliederzahl von 84 321. die für 1911 angegeben wird, auf 77 967 im Jahre 1912 zurückgegangen ist. In Wirklichkeit ist der Verlust— selbst nach den gewiß möglichst günstig dargestellten Zahlen des Verbandes— noch viel größer, denn der"Bericht führt an, daß im Jahre 1912 18 000 Neuaufnahmen gemacht worden seien. Und trotzdem der Schluß- cffckt am Ende des Jahres 1912 ein Rückgang der Mitgliederzahl um 6354 in einem Jahre! Das wäre also ein Gesamtaustntt von 24 354 Mitgliedern! Eine drastische Quittung über den Verrat der Streikbruch- christen. Das will Man natürlich nicht wahr haben,«so hilft man sich über die Ursachen dieses Verlustes in dem Bericht wie folgt hinweg: „Sehr schädigend wirble die nach dem Streik einsetzende Mut- losigkeit und Gewerkschaftsmüdigkeit. Wie immer nach verlöre- neu Bewegungen machte sich auch hier die bezeichnete Stimmung geltend und verhinderte für einige Zeit jeden Fortschritt. Um so mehr konnte das geschehen, als nach dem Streik auf den Gruben des Ruhrgebiets mit Hochdruck die gelben Gewerkschaften ge- fördert wurden. Mancher Unorganisierte und auch einzelne ver- ärgerte oder nicht auf ihre Rechnung gekommene Organisierte wurden für die Gelben gewonnen. Eifrig wurde sodann von den Förderern der Gelben unsere Bewegung verdächtigt nnb nach Möglichkeit zu schädigen gesucht." In Verbiiidung damit wird auch der sogenannte Gewerkschaft?- streik und die sich anschließende schädigende konfessionelle Hetze be- sprochen. Es heißt dort u. a.: „In der zweiten Hälfte des Jahres 1911 und den ersten Monaten 1912 hatten wir infolge der Gcsamtlage im Ruhrgebiet mehr als früher Eingang in tarn evangelischen Kreisen gefunden, die uns früher mißtrauisch und ablehnend gegenüberstanden. kleines feuiUeton. Was Brindejonc von feinem Fluge erzählt. Im„Motin" veröffentlicht Brindejonc, der von seiner Rekordlustfahrt durch Europa glücklich nach Paris zurückgekehrt ist,„Eindrücke eines Reisenden", in denen er allerlei von seinem kühnen Unternehmen berichtet. Mit bescheidenem Stolz stellt er das Resultat seiner Reise voraus:„Die Fortschritte sind in der Flugkunst in letzter Zeit derartig gewesen, daß ich mit einem einzigen Apparat, einem einzigen Motor und einem einzigen Mechaniker, landend ganz gleich wo, wieder aussteigen, in den verschiedensten Gegenden mit einziger Unterstützung von Leuten, die niemals in ihrem Leben eine Flugmaschine gesehen hatten, den Rundslug von 5000 Kelo- meiern, den ich mir vorgenommen hatte, beinahe mit der Punkt- lichkeit eines Kursbuches, habe zu gutem Ende führen können." Brindejonc, so zufrieden er init seinem Apparat ist, will doch nicht sagen, daß alles bereits vollkommen sei. Die Flugmaschine müßte beim Landen auf eine viel geringere Schnelligkeit einge- stellt werden können, etwa�auf 25 oder 30 Kilometer in der Stunde, während seine geringste Schnelligkeit 62 Kilometer in der Stunde beträgt. Dann würde die Ländung viel exakter und bequemer aus- zuführen sein. Eine wertvolle Hilft für den Flieger wäre die automalische Abfahrt des Motors, denn meist hatte er keine geübten Leute zur Verfügung, sondern mußte sich auf Personen verlassen, die beim Drehen der Schraube entsetzt flüchteten.„Eine gute Karte von 1: 200 000 und ein Kompaß genügen, um ans Ziel zu gelangen. Man mutz sich aber deshalb noch nicht in Sicherheit glauben, weil die Karte vorzüglich ist und der Kompaß nach Wunsch funktioniert. Eigentlich weiß man nie, wo man ist, und am häufigsten verbringt man seine Zeit damit, den richtigen Weg zu verlieren und ihn wiederzufinden, da sich immer wieder Wollen zwischen den.Flieger und den Boden schieben. Es ist mir mehrere Male passiert, daß ich ohne Aufregung eine Stunde, zwei Stun- den, ja sogar drei Stunden über einem Meer von Wolken schwebte, ohne das geringste Stückchen Erde zu sehen. Ich würde einem Anfänger nicht raten, es ebenso zn machen. Während der Etappe von Hamburg nach dem Haag habe ich nicht gewußt, wo ich bin, bis ich an den Zuidersee gelangte. Aber man kann sich auch bei klarem Wetter verirren. Es wäre deshalb von Nutzen, wenn der Flieger, von Zeit zu Zeit sich dem Boden nähernd, ganz deutlich am einem Dach den Namen einer Stadt oder einer wichtigen Eisenbahnstation lesen könnte.... Beim Fliegen muß man in ernsthaften Fällen sehr rasche Entschlüsse fassen. Deshalb ist eine sportliche Hygiene notwendig. Tie Muskeln stählen, um nicht unter physischen Anstrengungen zu leiden, das Nervensystem all- mählich an immer schwierigere Fahrten gewöhnen— das ist, glanbe ich, das Geheimnis jener Eigenschaften, die ein guter Flieger besitzen muß.' Unterricht im Sozialismus. Die Redaktion des„Jntercolleglate Eocialist", des Organs des Verbandes der akademischen sozialisti- schcn Gruppen, hat die Professoren der Pädagogik aufgefordert, sich darüber zu äußern, ob sie die Kenntnis der Grundlehren des So- zialismus als notwendigen Bestandteil des Ilniversitätsiinterrichts anerkennen. Der Nationalökonom Beard von der Universität Columbia hat daraus geantwortet:„Ich würde, gern den ge- wünschten Artikel schreiben, könnte ich meine zustimmende Ant- wort in einigen hundert Worten ausdrücken. In einer Zeit, da nach der Meinung aller der Sozialismus in der ganzen Welt die alten politischen Einrichtungen erschüttert und Wissenschaft, Kunst und Literatur durchdringt, wäre es überflüssig, erst zu beweisen, daß studierende junge Leute sich für eine solche Bewegung inter- cssieren müssen. Ich kann den geistigen Horizont jemandes, der das bestreiten wollte, nicht verstehen und verzichte auf den nutz- losen Versuch, seine Meinung ändern zu wollen."_ Was würde der Mann erst von dem Geisteszustände von Staats- behörden und Universitätslehrern sagen, die jeden Versuch solcher Belehrung Studierender mit Entfernung vom akademischen Lehr- amt und selbst vom Studium bestrafen, ja Sozialisten selbst zur Vertretung völlig neutraler Lehrfächer nicht qualifiziert erachten! Einen Erfolg sozialistischer Schulpolitik stellen auch die letzten Schulrats Wahlen im Staate Wji s h i n g t o n dar. Es wur- den eine große Zahl sozialistischer Schulbehörden gewählt. Die Bewerber hatten als ihr Programm u. a. auch die Aufnahme der Grundzüge desjäaziaiismus in das Unterrichts» Programm der Schulen erklärt und suchen nun durch eine eigens gebildete Stellenvermittlung sozialistische Lehrer aus allen Teilen der Union. Island als Wcttermachcr Mitteleuropas. Auf Grund mehr- jähriger Beobachtungen der Wetterkarte, die sich hauptsächlich auf die beiden Stationen der Insel Island, Reykjavik und Seydisfjord richteten, teilt Rudolf Fischer in der„Umschau" einige Erfahrungen mit, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine Prognose für unser Wetter aus der Witterungslagc auf dieser Insel folgern lassen. Wenn im Sommer die Temperatur auf Island morgens um 8 Uhr mehrere Tage lang auf etwa 14 Grad Celsius und noch höher steigt, dann tritt für Mitteleuropa eine Hitzeperiode ein. Das bat sich besonders charakteristisch im Sommer 191 l gezeigt, in dem wir ja große Hitzeperioden erlebt haben. Dieses warme Wetter pflegt beständig zu sein, wenn sich die Morgentemperaturen auf Island längere Zeit zwischen und 8 und 10 Grad und noch höher bewegen. Fallt dagegen die Temperatur wieder rasch und bleibt nur halb so hoch, also um 4 Grad, so ist die Hitze nur von kurzer Dauer. In derselben Weise machen sich auch 1>ie Kälte- Perioden bei uns zuerst auf dieser nördlichen Insel bemerkbar. Wenn die Temperatur auf Island tagelang auf 1 bis 6 Grad und noch tiefer sinkt, dann tritt einige Tage später in Mitteleuropa eine Kälteperiodc ein; sie hält sich nur länger, wenn die Temperatur auf der Insel in die Höhe geht und zwischen 6 und 8 Grad oder noch höher bleibt. Hält sich die Temperatur auf Island um 0 Grad, dann dauert die Kälte bei uns nur kurze Zeit. Der Winter ist stets gelinde, wenn die Temperatur auf Island wochenlang zwischen —2 Grad und fi-2 Grad schwankt. Im Frühjahr und Herbst sind anhaltende schöne Perioden durch höhere Temperaturen auf Island, 6 bis 8 Grad und mehr um 8 Uhr morgens, und kühle verregnete Frühjahre und Herbste durch niedrige Temperaturen um 0 Grad gekennzeichnet._ Notizen. — Der AuSzug der Sezession. Die jetzige Sezession. die aus der siegreichen Minorität gebildet wird, hat den Vertrag mit dem AuSstellungShauft am Kurfürstendamm gelöst. Sie wird nach Schluß der jetzigen Ausstellung(am 20. Juli) dort nicht mehr ausstellen.— Uebrigens soll die reduzierte Session starke kapi- talistische Größen gefunden haben, so daß ihre Weiterexistenz auch ohne den Cassirerschen Nährboden gesichert erscheint. — Bühnenchronik. Kammersänger Kurt Frederich ist von der Leitung der S a ch s e- O p e r im Schiller-Theater k) für einige Gastspiele verpflichtet worden. Er wird u. a. den Belmonte in Mozarts„Entführung aus dem Serail" und den George Brown in Boildieus.Weiße Dame" singen. — Vom Arbeiter zum Hochschullehrer. Durch die bürgerliche Presse läuft unter dieser Spitzmarke folgende Notiz: Franz Havelka aus Jena arbeitete ftüher als Lithograph in der Blech- cmballagenfabrik in Jena, besuchte später die Kunstgewerbeschule ni Barmen und die königliche Akademie in Leipzig, an der er dank verschiedener Schriften über Ornamentik und Kunstdruck als Asfistent angestellt wurde. Seine hervorragenden Arbeiten auf dem Gebiet des ReproduktionSversabrens und der Kunstschrist verschafften ihm jetzt einen Ruf als Profeffor. Man liest mit Vergnügen die Meldung bis dahin und fragt erstaunt, wo dieser weiße Rabe nun wirkt. Mit Erstaunen erfährt man: am Polytechnikum in Tomsk(Sibirien). — DieOper einerJndianerin. Sine eigenartige Ur- aufführung hat vor einiger Zeit in Verna! in der Uintha-Reservation im Staate Utah stattgefunden: man brachte eine Oper zur Auf- führung. die von einer jungen Indianerin geschaffen wurde und deren Stoff und Handlung dem Leben der Sioux entstammt. DaS Werk führt den Titel„Der Sonnentanz" und die Kom- ponistin ist eine junge Sioux-Jndianerin, Zitkala Sa. Weither aus der Umgebung waren die Zuschauer herbeigeströmt, auch viele In- dianer wohnten der Uraufführung bei. Das Werk soll einen großen Eindruck hinterlaffen haben. — Verrücktheiten des Sammelsport S. Auf der internationalen Briefmarkenausstellung, hje zurzeit in Paris statt- findet, sind die meistangestaunten Raritäten die beiden ungebrauchten Mauritiusmarken mit der fehlerhaften Umschrift„Lost-oktrcc". die der Sammler Duveen als die„hervorragendsten Prachtstücke! seiner kostbaren Sammlung ausgestellt hat. Die beiden Marken, einen Nennwert von 3 Pence haben, gelten zurzeit mindestens 100 000 Fr.! Die beiden Fetzen Papier gelten also bei den Briefmarken- narren und-Spekulanten so viel, wie 100 fleißige Landarbeiter u, Jahre verdienen. De- Gewerkschaftsstreik gaS dann trotz seiner auch dom ewn- gelischen Standpunkt aus einwandfreien Erledigung manchem Rsugewonnsnen wieder Veranlassung, uns den Rücken au kehren." 0 HusUnd. Die Lage im südafrikanischen Randgebiet. London, 7. Juli.(Privatixlegramm des„Vorwärts'.) Der Streik der Goldgräber hat viele Opfer gekostet. Nach den letzten Darstellungen sind am Freitag und Sonnabend bei den Unruhen in Johannesburg 270 Personen getötet und verwundet worden. Am Sonnabend betrug die Zahl der Toten 20. Es ist noch nicht sicher, ob der Streik beendet ist. Die zwischen der Regierung und den leitenden Grubenmognaten vereinbarten Friedensbedingungen. die von den Streikführern am Sonnabendnachmittag angenommen wurden. scheinen viele nicht zufrieden zu stellen. Nach der Abmachung werden die entlassenen Arbeiter der Kleinfonteingrube wieder eingestellt. Die Streikende» werden alle wieder eingestellt, wie es die Wiederaufnahme des Betriebes zulaßt, und die Rcgieruug verpflichtet sich, die Klagen der Arbeiter zu untersuchen Die Streikführer geben sich die größte Mühe, die Massen zur Wieder- aufnähme der Arbeit zu bewegen. Doch die ungeheure Entrüstung, die das Eingreifen des Militärs hervorgerufen hat. macht ihnen ihre Aufgabe sehr schwer. Die Arbeiter fragen:„Und wie steht's mit unseren Toten?" Die ersten Nachrichte» aus Arüeitcrkrcisen Südafrikas laufen jetzt ein. Der Vorstand der Maschinenbauer in Johannesburg hat an den Hauptvorstand der Gewerkschaft in London telegraphiert und diesen aufgefordert, eine Versammlung nach Trafalgar square ein- zuberufen, um gegen die mit kalten. Blute in den Straßen Johan- neSburgs an den Arbeitern verübten Morde Protest einzulegen. In Pra etoria und Blocuifontei» haben große Masscnvcrsamm- lungen stattgefunden, in denen die Reichsregierung aufgefordert wurde, den Generalgouverneur Lord Gladftone abzuberufen, den man für das Wüten der Soldateska verantwortlich macht. ll. Gtlltralversamlnlnllg der Glllsarbntkr. 6. Berhaudlunzstag. Der Verbandstag nahm heute zunächst zu Erklärungen der Topfer und Porzellanarbeiter zur Bcrfchmelznngsfrage Stellung. Ohne Debatte stimmte der Verbandstag folgendem Vorfcklag des Verbandsvorsitzenden G i r b i g zu: Der Vorstand wird beauftragt, möglichst bald mit den beiden anderen Organisationen in Verbindung zu treten, um eine Kör- derung der Verschmelzungsfrage herbeizuführen. Vorläufig soll also der Vorstand die Sache in die. Hand nehmeu,, und bei den Verhandlungen darauf dringen, daß' dem Beschlutz des Glas- arbeiterverbandeS Rechnung getragen wird. Halten jedoch die anderen Organisationen die Hinzuziehung von Kollegen aus dem Lande nicht für notwendig, fäll der Vorstand doch in Ver- Handlungen über einen Zusammenschluß eintreten können. Die Versammlung hörte hierauf ein Referat des Gauleiters D o r n h e i m über Tarifverträge und Arbeitsnachweife in der Glasindustrie. Der Redner sagte, wie die Ausbreitung der Tarifidee in den letzten Jähren allgemein und im besonderen auch in der Glasindustrie eine sehr starke war. Die Tarifbewegung marschiere in erfreu- licher Weise. In der Glasindustrie bestanden Ende 1912 45 Ta- rife für 34l> Betriebe mit 5352 beschäftigten Personen. Zwanzig Prozent der Berufskollegen arbeiteten unter einem tariflich ge- regelten Arbeitsverhältnis. Dornheim schilderte nun die Vorteile der Tarifverträge für die Arbeiter. Auch die so wichtige Arbeits- nachlveisfrage könne durch den Tarifvertrag geregelt werden. Die Befürchtung, daß durch die Ausschließung von Tarifverträgen der KampfeScharakter der Organisation geschwächt werde, kann Redner nicht teilen. Hinter dem Tarifvertrag müsse eine starte Organi- sation stehen, die den Unternehmer zwingt, den Tarif auch einzu» halten. Die Tarifgemeinschaft allein genüge nicht. Ter Referent verbreitete sich hieraus über die Arbei'svermittlungSfrage. Er hält es für notwendig, daß in allen Zahlstellen ein eigener Arbeits- nachweiS errichtet wird. Mitglieder, die diesen Arbeitsnachweis nicht benutzen, sollen ausgeschlossen werden. Die Benutzung deS Arbeitsnachweises des Arbeitgeberschutzverbandes soll untersagt sein. Doch wo die Möglichkeit dazu bestehe, seien Arbeitsnachweise aus paritätischer Grundlage zu schassen. Das Endziel soll die Schaf. ung von Zentralarheitsnachlveisen für die einzelnen Branchen sein. Der Referent legte eine Entschließung vor, die im Sinne seiner Ausführungen gehalten ist'und einmütige Annahme fand. Der Vertreter der Generalkommission verlas hierauf eine lange Erklärung des Genossen Rod. Schmidt zu den Ausführungen der Generalversammlung über die Behand- lung'des Arbeiter schutzes in der Glasindustrie im Reichstag. Schmidt erklärt, daß über die Sache in der General. Versammlung eine irrige Darstellung gegeben worden sei. Was die Tätigkeit der Fraktion für die Glasmacher betreffe, so dürfe wohl kaum ein Beruf so wenig Anlaß zur Beschwerde haben, als die Glasarbeiter. Die Aenderung der Resolution sei nach Aussprache und in Uebereinstimmung mit G i r b i g vorgenommen worden. Bei der diesmaligen Tagung des Reichstags sei aller- dingS kein Vertreter der Fraktion zum Wort gekommen, weil die Debatten so in die Länge gezogen waren, daß es unmöglich ge- wesen sei, noch das Wort zu nehmen, Verbandsvorsitzender G i r b i g erlviderte unter Zustimmung: Wir müssen zurückweisen, daß wir keinen Anlaß zur Beschwerde ketten. Wir haben der Reichstagsfraktion Material in Hülle und Fülle übergeben. Es wurde uns erklärt, daß unsere Forderungen im Reichstag energisch vertreten werden. Und die Folge war, daß kein Abgeortpieter der sozialdemokratischen Fraktion gesprochen hat. Wir haben also allen Anlaß zur Beschwerde. Die Aenderung der Resolution ist wohl in meinem Einverständnis vorgenommen worden; es wurde mir aber versprochen, daß die schlechten Ver- Hältnisse beziehentlich der Jugendlichen ganz besonder» im Reichs- läge erörtert würden. Das ist nickst geschehen. ReichstagSaügeordneter Horn vertrat nochmals seinen Stand- vunkt. ES habe keine berechtigte Veranlassung vorgelegen. 5ie Resolution abzuändern, sie wäre auch in der alten Fassung an. genommen wordeg. Gauleiter D ir s che I l- Fürth: Schmidt ändert mit seiner Erklärung an unserer Meinung nichts. Wir müssen an unserer Resolution festhalten.(Zustimmung) Damit war der Zwischenfall erledigt. Der BerbandStag faßte nun Beschluß über die weitere Anstellung von Ortsbeamten. Ter Vorstand wurde beauftragt, sich mit den betreffenden Zahl. stellen in Verbindung zu setzen. Die Anstellung soll in Gemein. schaft mit den Zahlstellen erfolgen; sie gilt nur dann als voll- zogen, wenn der Vorstand die Wahl anerkannt. Um die Entschä- digung zu ermöglichen, werden allen Zahlstellen 12 Proz. der Ge- samteinnahmen zur Verfügung gestellt. Von diesem Prozentsatz haben die Zahlstellen% zur Besoldung des Angestellten herzu» geben. Ueber die AnstellungSbedingungen hat der Vorstand einen Entwurf auszuarbeiten. Er wurde nun der- Bericht der Statutcnberatungstommifsion, den Gr ü nz el-Berlin gab. entgegengekommen. Die General. Versammlung beschloß nach kurzen Erörterungen im wesentlichen den Vorschlägen der Kommission an. Die wichtigsten Be,chluße. die Aenderungen des Statuts zeitigen, sind: Die Beitrage wurden ganz wesentlich erhöht. Bisher betrugen die Beitrage bei einem Fabresverdienst bis 790 Mk. 40 Pf-, von 700 bis 1000 Mk. 50� Pf. und über 1000 Mk. 60 Pf. Nun wurden 4 Klassen festgesetzt, und zwar für die jugendlichen und weiblichen Mitglieder eine 2S-Pf.-Klasse-. Bis zu 10 Mk. Wochcnverdienst soll der Bei- trag 25 Pf., von 10 bis 16 Mk. 40 Pf., über 16 bis 24 Mk. 60 Pf. und über 24 Mk. 80 Pf. betragen. Für die beiden obersten Klassen bedeutet dies also eine Erliöbung um 20 Pf. Das Ein- triitsgeld wurde für die beiden untersten Klassen auf 50 Pf. fest- gescht. Die II n t e r st ü tz u n g e n wurden sbenfall neu geregelt. Tic Arbeitslosenunterstützung wurde in den obersten Klassen etwas erhöbt. Sie beträgt je nach der Dauer der Mit- zliedschaft und der BcitragSklasse 3 Mk. bis 14,40 Mk. pro Woche. Bei einer Mitgliedschaftsdauer van 52 Wochen wird die Unter- itützung 5 Wochen, bei 104 7 Wochen, bei 208 9 Wochen und bei 312 12 Wochen lang gewabrt. Feierschichten dürfen nicht mehr zusammengerechnet werden, dafür soll die Unterstützung bei Aus- löschen der Oesen schon vom 19. Werktage lvisber nach 30 Tagen) �ewäbrt werden. Bei Arbeitslosigkeit der Heimarbeiter in der Christbaumschmuckbranche tvird in der Zeit vom 15. Dezember bis. 1. Januar keine Unterstützung gewährt. Diese.Feit wird als regelmäßige..Feierschicht' angesehen. Die Krankenunter- stütz u n g fand, um den Porzcllinsrn entgegenzukommen, eine ganz wesentliche Erböhung tür die Mitglieder der beiden oberen Klassen. Sie beträgt bei einem Beitrag von 25 Pf. 1.50 Rk. pro Woche, bei 40 Pf. 2.50 Mk.. bei 60 Pf. 3.60 Mk. und bei 80 Pf. 4,80 Mk. Die Unterstützung wird bei»injähriger Mit- gliedschaft aus die Dau-r von 5 Wochen, bei zweijähriger 6 Wochen, bei vierjähriger 8 Wochen und bei sechsjähriger Mitgliedschaft 10 Wochen gewährt, und zwar vom 7. Werktag an.'Feiertage in der Woche gelten als Werktage. Das Sterbegeld beträgt künstig 10 bis 80 Mk-, je nach der Dauer der Mitgliedschaft und der Beitragsklasse. Beim Tod der Ehefrauen der Mitglieder wird die Hälfte der Unterstützung bezahlt. Die Streikunter- st ü tz u n g wurde in der höchsten Klasse etwas erhöbt. Sie bc- trägt bei einer Mitgliedschaftsdauer bis zu 13 Wochen je nach der Beitragsklasse 6 Mk.. 8.70 Mk.. 11.10 Mk. und 13.50 Mk. pro Woche, und bei einer Mitgliedschaftsdauer über 13 Wochen 7.20 Mk.. 10,50 Mk. 14,10 und 17.70 Mk. Die ledigen Kollegen bekommen in allen Klassen 20 Pfg. pro Tag weniger. Für die schulpflichtigen Kinder wird 1 Mk. biS zur Höchst summe von S Mk. bezahlt. Die ersten vier Tage wird keine Unterstützung gewährt. Ergibt sich bei einem Streik, daß die Fortführung' für die Gesamtorganisation schädlich ist. so kann ihn der Borstand in Gemeinschaft mit der Gauleitung beendigen. Die Bestimmungen über die Generalversammlung wurden dahin abgeänder, daß auf 150—400 Mitglieder(bisher 100—250) ein Delegierter und auf Orte über 400 Mitglieder 2 Delegierte kommen. Mehr wie zwei Delegierte darf keine Zahl» stelle wählen. Als Delegierte für den nächsten internationalen GlaS. arberterkongretz wurden die Gauleiter A r i tz e, Dir- schert und Dorn heim und Reichstag-abgeordneter Horn gewählt. Das neue Statu! tritt am 1. Ottober in Kraft. Die angestellten Vorstandsmitglieder wurde» einstimmig wiedergewählt; Sekretär Grunze l und der Redakteur Gebe! erhalten Stimmrecht im Vorstand. Der Ausschuß bleibt in Dresden. Damit waren die Arbeiten der Generalversammlung beendet. Der nächsie ordentliche Verbandstag findet 1915 statt. Der Ort wurde nicht bestimmt. Sollte wegen der VerschmelzungSfrag« sin gemeinschaftlicher Berbandstag stattfinden, so soll Berlin der Tagungsort sein._ Gerichts-Zeitung. Ein Mlllioucnschivlndek. Vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I begann gestern die Verhandlung gegen den alt„Millionenschwindler" bezeichneten Kaufmann Aron Kozhen aus Kiew und dessen angebliche Helfers- Helfer, den Kaufmann Josef Jacubowil; und den Kaufmann Markus Gelhorn. Sie sind des gemeinsamen Betruges in großem Umfange beschuldigt. Unter den vorgelaoenen zirka 40 Zeugen befindet sich auch die 29 Jahre alte Ehefrau des Angeklagten. Die Aermste hat seinerzeit, als sie von den Betrügereien ihres Ehemannes er- fuhr, einen Selbstmordversuch gemacht, indem sie sich eine Kugel in die Schläfe jagte. Sie ist am Leben geblieben, hat aber leider das Augenlicht verloren, so daß sie durck ein« Führerin in den Saal geleitet werden mußte. Sie konnte bald wieder entlassen werden. da sie von ihrem Recht, ihr Zeugnis zu verweigern, Gebrauch machte. Koghen macht aus die Fragen des Vorsitzenden bezüglich seiner persönlichen Verhältnisse folgende Angaben: Er ist im Jahre 1868 in Kiew geboren und befindet sich seit dem 15. Julr 1912 in Hast. Bezüglich seiner Religion gibt er an. daß er Karäer sei. Es»st dies eine jüdische Sekte, die sich abgewendet bat von den rabbinischen Ueborlieferungen und vom Talmud und bestrebt ist. dem alten Testament in seiner reinen Gestalt nachzuleben. Er bestreitet. wegen Wechselsälschung vorbestraft zu sein. Er sei seinerzeit in die Hände eines Erpressers gekommen, sc» aber freigesprochen und der Erpresser sei zu 4� Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Der Staatsanwalt erklärt hierzu, daß der Angeklagte wegen Wechsel- fälschung nach Rußland ausgeliefert werden soll. Der Angeklagte Kvghen entstammt einer sehr angesehenen russischen Kausmannsfamilis in Kiew. Sein Bater. Moses Koghen. war der Inhaber der in Rußland sehr bekannten Zigarettensabrik ..Gebrüder Koghen' in Kiew. Sein Onkel Salomon Koghen, der früher Mitinhaber der Firma war, gründete dann ein» eigene Fabrik, die ebenfalls zu hoher Blüte gelangte. Als sein Vater starb, hinterließ er ein Vermögen von 11, Millionen Rubel, welches an den Angeklagten, seine beiden Brüder Abraham und Isaak und an seine drei Schwestern fiel. Äoghe», der das Gymnasium de- sucht und zwei Jahre Medizin studiert hat. machte schon als junger Mensch große Schulden. Er unternahm alle möglichen Gründungen, die Hunderttausende verschlangen. So gründete er ein« Zeitung „Wolluinien", die er selbst zwei Jahre redigierte. Eine weitere Gründung des Angeklagten war ein..Handelsmuseum" in Kiew. vor welchem seinerzeit der deutsche Konsul in Kiew in Rußland und in Deutschland öfsantliche Warnungen erließ. Wie die Anklage behauptet, soll Koghen im Jahre 1907 unter Hinterlassung einer Schuldenlast von mehreren Hunderttausend Rubeln aus Kiew ge« flüchtet sein. Der Angekalgte behauptet, daß er in dem Konkurs- verfahren 70 Proz. an seine Gläubiger gezahlt habe, während der Rest von seiner Mutter gezahlt worden sei. Nach London sei er ge. gangen, weil sein Vater sich der Verheiratung mit seiner jetzigen Frau widersetzt hatte. Sein Aater wollte, daß er ein« Karäerin heiraten sollte, er habe jedoch sein« aus Frankfurt a. M. stammende evangelische Frau geheiratet. Nachdem er au» London zurück» gekehrt war, gründete er im Jahre 1909 ohne jegliche Barmittel in dem Hause Kassauische Straße 53 in Wilmersdorf unter der Firma ..Erste russische Zigaretten, und Tabatfabrik Äoghen-K>ew" ein Geschäft, welches er. wie der Vorsitzende ihm vorhäli, mit ganzen 2500 Zigaretten, die ihm sein« Mütter geschenkt hatte, begonnen haben soll. Bald daraus folgte die Gi�indung eines zweiten Geschäfts im Hause Potsdamer Straße 66. welches einer Frau Thiem gehört, die in diesem Prozeß-»ne große Rolle spielt. Ferner wurde als Glanzleistung der neuen Firma in der Friedrichstraße 64 ein Geschäft eröffnet, welches alles bisher Dagewesen« überbieten sollte. Die Eröffnung deS prunkvoller Geschäftslokals erfolgte am 22. Sep. tember 1911. Die Miete betrug 32 000 M.. das Geschäft hatte einen Raijchsalon. ein Schreibzimmer. Telephonzimmer usw.. ferner wurden zwei Buchhalter. Lageristen, ein Page, ein- Korreipondentin. Kassiererin. Telephomstin usw. engagiert. Auf eine Frage des Borsitzenden, welche Barmittel er denn bei der Gründung dieser Geschäfte besessen Hab«, erklärte der Angeklagte:.,Gar keine!" Auf den Hinwei« des Vorsitzenden, daß es doch eigentlich unerhört sei. daß ein völlig mittelloser Mensch Geschäfte derartige n llinsanaeZ gründe, erklärte der Angeklagte, daß er von der Frau(Thiem ohne weiteres Geld orbalten habe.— Zu jener Zeit hattej>ei: Angeklagte nicht nur kein Vermögen, sondern ganz erhebliche Schulden. Nach seiner eigenen Angabe dem Bücherrevisor Spuhl gegen üb« hatte er 120 000 M. Schulden, nach der Feststellung des Bücherrevisors sogar über 200 000 M. Trotzdem eröffnete er neben den erwmhnten Geschäften noch Filiatei, in der Leipziger Stratze 119/120, PijüS- damer Spraße 25, Joachimsthaler Straße 3, Stübbenstraße, Gru.ne» waldstraße, Stuttgarter Straße und in der Hauptskratze in Schöne- berg. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor. daß er den ver- schiedenen Leuten, von denen er riesige Summen entnommen, vor- gespiegelt habe, er sei der Erbe seines reichen Vaters und ebenfalls reichen Onkels und habe noch Millionen zu erwarten, während er tatsächlich enterbt war und der Vater und der Onkel dies ausdrüek» lieh in ihren Testamenten festgesetzt hatten, weil der Angeklagte schon alles was ihn hätte zufallen können weg hatte. Teitamen, tarisch ist die Mutter nur verpflichtet worden, dem Angeklagten gn, legentUche Untersrützungsn zuzuwenden, bis zu 1200 Rubel jährlich. Der Angeklagte behauptet, daß dieses Testament nur zum Schein so abgefaßt worden sei; tatsächlich sollten age drei Söhne mit gleichen Rechten eingesetzt werden. Weiter hält ihm der Vorsitzende vor. daß er den Leuten vorgespiegelt habe, bald 1�4 Millionen aus» gezahlt zu erhalten. Der Angeklagte behauptet, daß seine Mutter ihm versprochen hatte, ihm 100 000 Rubel in Aktien zu überlassen,. so daß er imstande gewesen wäre, seinen Verpflichtungen nachzu- kommen. Ueber den Ausfall der auf mehrere Tage berechneten Verhand, lungen werden wir berichten. Hus aller Melt. Ein Streikürechervermittler als Mörder. In der Nacht zum Sonntag erwürgte ein gewisser A r t U r Mann in einer Parkanlage zu Essen seine Braut. Mann ist ge- lernt« Elektrotechniker, welchen Beruf er seit Jahren mit dem traurigen Gewerbe der Streikbrechervermittelung ver- tischt hat: seitdem nennt er sich Kaufmann. Der Mörder wurde verhaflet. Er will die Tat aus Eifersucht verübt haben. Das Ver» hältnis mit seiner Braiit bestand bereits sieben Jahre. Seit zwei tohren war er mit dem Mädchen, einer Modistin, verlobt. Der körder scheint dos Mädchen völlig in seiner Gewalt gehabt zn haben. Zwischen beiden soll bereits seit anderthalb Jahren ein ge» spanntes VerhällniS bestanden haben, weil das Mädchen in einer Ilntersuchungssachs gegen ihren Bräutigam eine Aussage gemacht, di« eine mehrmonatige Untersuchung gegen Mann zur Folge gehabt hat. Als daS Mädchen sich deshalb auf Beranlassuiia ihrer Ellern von ihrem Bräutigam lossagte, wurde sie von diesem auf Schritt und Tritt verfolgt. In einem Hotel, wo der Mörder am Mordiag« ein Zimmer für sich und seine Braut bestellt halte, zu dessen Be» Nutzung es aber nickt mehr kam. wurden unter dem Bert zwei Gläser mit Gift und auf dem Nachttisch ein geladener Revolver gesunden.___ Eine geborstene Ordnungssäule. Herr Robert Max Beckert war ein wackerer Sozialistentöter. Er war in dem Dorf« HerlberSdors bei Chemnitz Ge» meindevorstand. Dieser Vorort wurde zur Großstadt schlagen und seltsamerweise wurde der Gemeindevorstand, der sie als echt nationaler Held im Kampf« gegen die organisiert« Ar- dsiterfchaft gewiß die Sporen perdient hatte, nicht„mitübernom- men". wie der Fachausdruck lautet. Man munkelte allerlei. Herr Beckert öffnete �en Mund weit und begann selbst die Sozialdemo» traten des Orte's mobil zu machen(d. h. er vensucht« es und blitzte ab), um seine Anstellung als städtischer Beamter durchzudrücken. DaS ist nun einige Jahre her. Beckert wurde Buchhalter und be- trieb Unterschlagungen in großem Stil. Urteil: 4 Monate Gefängnis. Tann betrieb er ein Darlehnsschwindel» geschäft. Er wurde abermals festgenommen. Die Anklage beschul, digte ihn. daß«r s->t Mitte d-S Jabres 1911 bis November 1912 Gutgläubige, die sieh auf Grund von Inseraten um Darlehen oder Hypotheken an ihn wandten, um«twa 3290 Mk. betrogen hat. AuS der Verhandlung por dem Chemnitzer Landgericht ist hervorzuheben. daß es sich um nicht weniger als.293 Fälle von versuchten und voll- endeten Darlehnsschwindeleien Handelle. Von ihm oder durch seine Vermittelung hat nicht ein einziger Darlehnssucker Geld erhalten. Beckert wandert auf ein Jahr und vier Monat« ins.Gefängnis, außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren entzogen. So lang« mindestens wird er genötigt ft'n, den Kampf gegen den Umsturz einzustellen.__ Luftschiffer wider Willen. Ein seUsainer Unglücksfall, der glücklicherweise ohne schlimmere Folgen blieb, hat sich Sonntag abend in der Nähe New DoxkS et» eignet. Im Park am Hudson River waren Arbeiter mit der In» stallation eines lenkbaren Luftschiffes beschäftigt, als plötzlich d>e Salteseil« rissen. Das Luftschiff, in dessen Gondel sich nur ein junger Gehilfe befand, der die Maschinerie nicht beherrschte, wurde mit�rasender Geschwindigkeit, steuer- und schraubenlo» bis»u einer Höhe von 3000 Metern emporgehobe,,. Erst nach L Stunden gelang es den verzweifelten Anstrengungen des jungen Mannes. das Luftschiff zum Sinken zu bringen. In einer Höbe von 200 Metern wurde jedoch aus dem Sinken ein Lsturz, und nur dem glücklichen Umstände, daß das Luftschiff in den H u d s o n River stürzte, ist cs zu verdanken, daß der Aviatiker wider Willen a m Leben blieb. Tie Einstürze am Pauamatanal. Nach einer Meldung aus W a s b i n g t o n macht die Häufigkeit von Erdrutschen im Panamakanal den Ingenieuren Sorge. denn sobald nach einem Erdrutsch die Erdmassen weggcschatft sind, findet eine neue Bewegung statt, und T a u s e n d e v o n T o n n e n stürzen den Abhang hinunter� In dem grotzen Durch- stich von Eulebra sind die Eisenbahnlinien, auf denen da« aus- gehobene Material weggeschafft wurde, verschüttet. Kleine Notizen. Drei Menschen verbrannt. Bei einem in der Nacht zum Mon» tag auf dem Anweken deS O-konomen Ried er rn Sannen. berg(Schwaben) ausgebrochenen Großfeuer, das alle Gebäude einäscherte, sind der fünfjährige Hohn des Besitzer«, der Knecht«a«n-r und der Tagelöhner Schwelgert verbrannt. Di- übrigen Bewohner konnten nur mit Müh« das Schweres Autamabilunglück. Bei Weilburg im Tauiuts trug sich am Sonntag-m Automobr ungluck zu Ein- Frau Heide aus Baden-Baden fuhr mit dem lelbstgesteuerten Auiomobil m den Ehausseegraben. Frau Heide wurde dabe» getötet,»hr vnverleht. Ehedrama. J» Mannkeim tötet« am Montagmorgen der Ladenb-sitz-r Ka/F r redl- s e, n- F ra u durch-men Revolver- schütz und erschoß slch dann selbst. Briefkasten der Redaktion. 84. Eine Ausweisung ist au« dem genannten Grund« m'ch .u beiurch!«».- 21. L. 113. AI« Smpsä»gnt»»«it gilt di« Zeil vorn igi bis 302. Tag« von der Geburt d-S Kind«« zurückgcrechnet «z 0. 665. Jbre Darstellung ist unverständlich lammen Sie in d-, Sprechstunde.— I. I. Nach Ihrer Schilderung liegt strasbar« Handlung „ct. iSic können Anzeige bei der StaatSanwaltschcht erstatten.— Sllter Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Veclagsanstalt Paul Tinger v.To., Berlin LM Nr. 17!. 30. ZahlMg. Mick" Kerlim Dslktli». Dienstag 8. Juli l9!3. vom Vreiklzslevvshli�te« Äez LemeinöeMahIssctztz. Die � ist« der Gemeindewähler Berlins ist für ISIS. wie alljährlich, dum Wahlbureau bc-S Viagistrats neu aufgestellt worden. Sie wird, damit sie kontrolliert und nötigenfall» berichtigt werden kann, in der Zeit vom 15. bis 30. Juli öffentlich ausliegen. Für die Dtadtverordnetenwahlen, die der diesjährige Herbst uns bringt, hat sie als Grundlage zu dienen. Bei der Aufstellung der Gemeindewählerliste mußten auch die drei Wählerklasfen nach der Steuerleistung neu abgegrenzt werden. Die Summe aller dabei zu berücksichtigenden Steuern ist diesmal geringer als im vorigen und im vorvorigen Jahr: sie beträgt 70 787 433,73 M. für 1913, gegenüber 71 844 248.83 N. für 1013 und 75 785 709,06 M. für 1911. Gegen 1913 ist ein Rückgang um mehr als 1 Million Mark zu ver- zeichnen, und der Rückgang gegen 1911 stellt« sich auf nahezu 5 Millionen Mark. Dementsprechend hat auch der Durchschnitt der Sieuerleistung sich weiter verringert: pro Steuerzahler ergeben sich diesmal rund 1§6,86 M.('genau; 186 M. SS1*/,«, PfO, gegenüber rund 130,01 M. in 1912 und rund 193,97 M. in 1911. Nachdem eine Reihe von Jahren hindurch bis 1911 die Summe der Steuern und der Durchschnitt pro Steuerzahler ziemlich ununter- brachen gestiegen waren, ist es in den Jahlen 1913 und 1913 zu einem recht merklichen Rückgange gekommen. Die Berechnung de« Durchschnitts wird ausgeführt, weil das in Berlin für die Klassen. einteilung geltende Verfahren darauf fußt. Alle diejenigen Wahl' berechtigten, deren Steuerleistung den Durchschnitt nicht überschreitet, werden der dritten Wählerklasse zugeteilt. Zu ihr gehören, wie bekannt, regelmäßig über neun Zehntel aller Ge. meindewähler Berlins. Für 1313 sind die Wählsrzahlen noch nicht bekannt; der Magistrat wird sie im Herbst den Stadtverordneten zur Kenntnisnahme austeilen. Da für 1912 eine Bekanntgabe der Zahlen bisher nicht erfolgt ist, so muß man noch auf 1911 zurück- greifen. Im Jahre 1911 hatte Berlin überhaupt 394 629 Ge- meindewähler. davon gehörten zur dritten Klasse 361 669 Wähler, die sich aus 48 Wahlbezirks verteilten. Mehr als neun Zehntel aller Gemeindewähler haben hiernach nur ein Drittel aller Stadtverordnetenmandate zu vergeben. Die anderen zwei Drittel der Mandats bleiben den Wählern der zweiten und der ersten Klasse überlassen, die knapp ein Zehntel der gesamten Wählerzahl sind. Diese beiden Klassen werden nach dem in Berlin geltenden Ver- fahren so gegen einander abgegrenzt, daß die zweit« Klasse im ganzen dieselbe Steuerleistung aufbringt wie die erst« Klasse. Auch hierbei ergibt sich noch ein Gegensatz, der an Schroff. heil gleichfalls nichts zu wünschen übrig läßt. Regelmäßig genügt für die erste Klaffe zur Aufbringung der ihr zukommenden Steuer- leistung schon ein winziges Häuflein allerreichster Steuerzahler. Nach der Wählerliste von 1913 umfaßt die zweite Klaffe die Wähler, die mit Steuerbsträgen von 186.86 his unter 7480.08 M. verzeichnet sind. Erst mit einem Steuerbetrag von 7430.03 M. gehört man zu den auserlesenen Erstklassigen, während hierzu im vorigen Jahr nur 6601,40 M., im vorvorigen aber 7834 M. erforderlich waren. Im Jahre 1911 bestand die zweite Klaffe auS 32 126 Wählern, die erste Klaffe nur au- 834 Wählern. Gegenüber diesen 831 Wählern der ersten Klasse, die allein ein Drittel aller Ttadtverordnetenmandate zu vergeben hatten, standen mit gleichfalls nur einem Drittel der Stadlperordneten. Mandat» jene 361 669 Wähler der dritten Klaffe. Durchschnittlich holte jeder Wähler der ersten Klasse 435 mal so vielWahlrecht wie jederWähIer der drittenAIasse. Diese Gegensätze der Wählerklassen haben sich im Laufe der Zeit immer schärfer herausgebildet, und sie werden sich auch in 1913 nicht gemildert haben. Da« die Gelbsäcke bevorrechtende Drei- klassensystem de« GemeindeivahlrechtS sichert in Berlin der bürgerlichen Älajjo zwei Drittel de« Stadtparlamcnts und gewährt dem Freisinn in der Kommunalverwaltung ein« Macht, die in argem Mißverhältnis zu seiner sonstigen Unbedeulendheit steht. Um so mehr muß darauf hingearbeitet werden, daß wenigsten« in der d r i t t e n K l a s s» die das a r b« i t e n d» Volk als ihre Hauptmacht in sich schließt, die S o z i a l d e m o kr>a t i« Allein- Herrscherin wird. Jetzt gilt eS zunächst, sich um die Wählerlist« zu kümmern, damit die etwa nötigen Berichtigungen und Er- gänzungen beantragt werden können. Wer nicht in der-Wählerliste steht und die nachträgliche Aumahme zu fordern versäumt, büßt sein Wahlrecht ein.__ partci- Hncfekgenbeitcn* Die Stichwahl in Jttteröog-Luckeuwatde findet nicht am l2. Juli, sondern schon am Freitag, den U. Juli. statt. Man geht wohl kaum fehl, Wskh man annimmt, daß der erstgenannte Termin in der Oeffentlichkeit bekannt gemacht wurde, um durch die jetzt erfolgte osfiziells Bekanntgabe des Wahltage» Verwirrung in die Wählerschaft zu bringen. Wir bitten deshalb die Genoffen, nun erst recht dafür Sorge zu tragen, daß sich am Freitag, den 11. �„li. lein in Verlin arbeitender Wähler seiner Wahlpflicht entzieht. Gleichzeitig machon wir auf die am Mittwochabend S Uhr. in den Jndustrie-Festsälen. Beuthstr. 21. stattfindende Wähler- Versammlung aufmerksam, in welcher der LandtagSabgeordneto Heinrich Ströbel über:„Der Kampf gegen den schwarz. blauen Block".reden wird. Brandenburger Provinzialsekretariat. Lindenstr. 69. Tel.: Moritzplatz S02Z. «*«#. 3. Zuteilung. Mittwock. den 9. Juli, abend« 6ti K-nzack. Keibelstraße 39. g-mcinsmnrr Kchm?dt R-ichStagsabgeordnelen Genossen Robert Friedrichsfelde. Mittwoch, den 9. d. Mi«., abend« 8'/, Uhr: gemeinsamer Zohlaiend bei Haberland. Wilhelmstraße 38. TageZ. ange�egmheiten Genossin Anna Matschk». i. Parlet- M-rienfelde. Mittwoch, den 0. Juli, abends 8'/. Uhr. Mit- aliederversammlung de« Wahlverems bei Schuster, Kirckistraße. Tagesordnung:.Die Aufgaben der Gegenwart". Referent: G-nosie Etvald-Tempelhof. 1 «euenÜageu«. v. Mittwoch, den 9. Juki, abends S'/z Uhr. «eneralverfammlung tM Lokal von Wünsche, Bahnhofstraße. Französisch-Buchholz. Am Mittwoch, abends S'/a Uhr. findet im Lokal von Kähne, Berliner Str. 39, ein gemcinschaftttcher Zahlabcnd statt. Bortrag des Genoffen Emil Dittmer über:„Geschichtsauf- faffung". Tie Mitglieder werden ersucht, recht pünktlich und zahl- reich zu erscheinen. Biesdorf. Mittwoch abend findet im Lokal von Haak unser Zahl« abend mir Vortrag statt. Trmpelhof. Die Einzelzahlabende fallen am Mittwoch aus. Dafür findet ein gemeinschaftlicher Zablobend im„Wilhelm«- garten" statt. Schmargendorf. Die nächste Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Mittwoch, den 9. Juli, im Lokal von Pötscher, Spandauer Str. 40, statt. FriedrichShagen. Am Mittwoch, den 9. Juli, abends 8'/, Uhr, gemeinschaftlicher Zahlabend bei Witwe Lerche, Friedrichstt. 112. Auf der Tagesordnung steht unter anderem ein Vortrag deS Genossen Fritz Tornow über:.50 Jahre deutsche Sozialdemokratie." Berliner Nacbrlcbten« TaS Theaterstück„Die Schiffbrüchigen" von Eugen Brieux, das zurzeit im Deutschen Theater zur Ausführung gelangt, soll in erster Linie dem Kampfe gegen die Syphilis und ihre furchtbaren Folgen dienen. Wenn das Stück in seiner Anlage auch nicht allen Anforde- rungen der sirengen und abstrakten Kunstregeln entspricht, so enthält es doch eme wuchtige Anklage gegen die verbrecherische Gewissenlösigkeit derer, die. vom schleichenden Gifte der Krank- heit behaftet, sich nicht scheuen, es zu verbreiten. Es ist eine Warnung für alle, die aus Unwissenheit oder unangebrachter Scham zur Verbreitung der Seuche beitragen. Es schildert in packender Weise, mit großem sittlichem Ernst und ohne jede Uebertrcibung das Elend der Unschuldigen, die durch die Schuld jener Gewissenlosen um Gesundheit und Glück betrogen werden. Aber noch mehr' enthält das Stück: es ist eine An- klage gegen die bürgerliche Geschlechts- und Ehcmdral überhaupt." Jedem Denkenden zeigt das Stück, wie diese Moral eS ist. die die Prostitution und mit ihr die Syphilis erzeugt und fortpflanzt. Es verdient aus allen diesen Gründen die Beachtung der Berliner Arbeiterschaft. Der BezlrksbudungSauSschuß Groß-Berlin hat daher für zwei Vorstellungen eine größere Anzahl von Karten zum Ver- trieb übernommen. Diese Vorstellungen finden am Montag, den 14. Juli, abends ff1/, Uhr und Sonntag, den 20. Juli, nachmittags 4 Uhr, statt. Der Vertrieb der Karten geschieht durch die freundliche Unterstützung folgender Stellen: fiW., Oldeubnrger Str. 10, Paersch, Restauration. N., Brunnenstr. 145, Dieseler, Restauration. 0.. Stralauer Platz 1/3, Bureau deS 4. Wahlkreises, von 9—1 und von 4—7 Uhr. 80.» Engelufer 15, Horsch, Zigarrengeschäft. 8>V.. Lindenstr. 2, im Bureau des BezirkSbildungSausschusseS, Hof eine Treppe, von 9— ö Uhr.' � An diesen Stellen gelangen die Karten für Monis den 14. Juli, vom Donnerstag, den 1». Jul ab zur Ausgabe. Der Preis der Plätze beträgt: für die Vorstellung am 14. Juli v,90 M.. für die Aufführung am 20. Juli 0,90 M. inkl. Garderobe und Jettel. Der Anfangstermin für die Ausgabe der Karten für die zweite Borstellung am 20. Juli wird noch bekannt ge- geben. Wir hoffen, daß die Arbeiterschaft von dieser Gelegen- heit. für wenig Geld ein gutes Theater zu besuchen, reichlich Gebrauch machen wird. Der BezirksbildungsanSschuß Groß-Berlin. Eine unangenehme Hochzeitsgratulation. Der Hausdiener Z. trat kürzlich in den Ehestand. Just an seinem Hochzeitstage, da er mit Verwandten und Freunden den Tag feierte, klopfte e« an der WohnungStür. Ein Freund öffnet» und anstatt ein mit Glückwünschen versehener Postboi« stand ein Steuer- erheher vor der Tür. um-ine Steuereinschätzung abzugeben. Diese Einschätzung hatte bereit« einen längeren Weg gemacht infolge der Wohnungsveränderung des HauSdienes«. In der alten Wohnung in der Landsberger Straße war der junge Mann nicht mehr an- getroffen worden und der Bote mit der Steuereinschätzung hatte sich an da« Polizeirevier um Auskunft gewandt. Diese« hatte angegeben, daß H. im Untersuchungsgefängnis fitze und diesen Vermerk auch auf der Rückseite der Steuereinschätzung mit dem Stempel de« 51. Polizeireviers versehe». Die Ein- schätzung wandert« nunmehr nach dem UntersuchmigSgefängmS. Z. hat aber noch nie mit dem Gefängni« Bekanntschaft gemacht, auch nicht mit dem Untersuchungsgefängnis. Au« diesem Grunde erhielt die Einschätzung den Vermerk:„Im Register deS Unter- fuchungSgefängniffcS nicht auffindbar." Mit diesen Vermerken ver- sehen, wurde die Einschätzung am Hochzeitstag» in der Wohnung de« neugebackenen Ehemamro« präsentiert. Ein Glück, daß ein Freund des Z. dies« HochzeitSgratulation abnahm und daß die junge Frau zunächst von der Sache nicht« erfuhr, sonst wäre der größte Verdruß entstanden. Man fragt sich ober, wie e< möglich war, daß ein« solch« falsche Auskunft erloilt werden konnte. Das Begießen der Bäume. Der Magistrat teilt mit:.Eine Tageszeitung brachte jüngst die Anregung, die Bürgerschaft solle in der heißen, regenlosen Zeit die städtische Parkverwaltung durch Be- gietzen der Bäume vor den Häusern unterstützen; da« Auffcheuer- Walter vom Reinigen der Hausflure und Läden sei sehr gut dazu verwendbar. Es ist richtig, daß bei der schon lang« anhaltenden Trockenheit die Bäume in den Straßen Not leiden. Da« Begießen, welches überall seitens der städtischen Parkverwaltung geschieht, reickt oft nicht au«, weil die Luft zu trocken und die Verdunstung durch die Blätter zu groß ist. Da« Begießen durch die Hausbesitzer könnt« Nutzen stiften. weit» nur reine« Wasser oder wenigstens unschädliche F l ü t't i g! e i t e n an die Bauino gegossen würden. Leider wird aber an die Bäum« oft schmutzige« Wasser gegossen, welche» scharfe Lau g e o d e r �alz« enthält, die den Bäumen schädlich sind. Alle diejenigen, welch« an dK Baumpsiege Interesse nehmen, wollen die« fteund- lichst beachten. � � Das größte märkische Schlangeunest ist die den Berlinern inerkwürdigerweise fast gänzlich unbekannte, nur aus einem halben Dutzend Gehöften und einer betrieb«. losen Waffermühl« bestehende Kolonie Klein- Wall zwischen Fang- schleuse und HaiigelSborg. Nur wenige versprengte oder zufällig wissende Ausflügler finden den Weg nach dieser großartigen Waldeinsamkeit. Der umfangreiche Mühlenteich, von dichtem Schilf durchzogen und von herrlichem Laubwald umgrenzt, über und über mit gelben und weißen Seerosen besät, sucht an Schönheit seinesgleichen. Schon bei den Gehöften liegen die Schlangeii träge im Sande, zeit- weise zu Dutzenden. An anderen Stellen beim Teich findet man oft 20 bis 30 Stück zu einem wirren Knäuel vereint. In der übergroßen Mehrzahl sind es Ringelnattern, darunter Exemplare von weit über Meterlänge, aber auch recht viele Kreuzottern kommen vor. Der Gei'amtbestand an Schlangen auf verhältnismäßig geringem Räume wird auf mehrere Tausend geschätzt. Obwohl die Ringelnattern durch Jnseltenvertilgung niitzlicheTiere sind, mußte n>an schließlich daran gehen, der Vermehrung Einhalt zu tun, da man hier tatsächlich überall auf das wenig angenehme Gewürm tritt. Sie dringen sogar in die Wohnungen von Klein-Wall. Trotz aller Ausrottungsversuche ist auch in diesem Sommer nicht die geringste Abnahme zu bemerken gewesen. Zudem ist die Jagd nicht ungefährlich, weil man dabei die dunkler gefärbte und bedeutend kleinere giftige Kreuzotter nur zu leicht übersieht. Die abnorme diesjährige Witterung mit vorzeitiger Wärme hat auf die Vermehrung der Kreuzottern ebenfalls eingewirkt. Auch sonst hat sich in diesem ungestörten Natur- idyll die Tierwelt ganz erstaunlich entwickelt. Im Teich wimmelt eS von Fischen, im Schilf von Rohrsängern und Wildenten. Klein-Wall gehört einem Berliner Hofschlächtermeister, der Aus- flügler nicht gern sieht und auch nicht das Vermieten von Sommerwohnungen gestattet. Die Jagd ist an einen Grafen Carmer ver- pachtet, wird aber auch nicht ausgenutzt. Wer die Löcknitz-Motor- boote benutzt, hat von Alt-Buchhorst ab nach Klein-Wall nur.einen dreiviertelstündigen Waldweg. Das Bootsunglück auf der Havel. Im Lauf« des Sonntagabends ist es gelungen, auch die Leiche de? Bücherrevisors Oskar Loehr aus Berlin, der, wie berichtet, auf einer Bootsfahrt mit seiner Frau und seinem jüngsten Sohn bei der Grützer Staustufe bei Rathenow in der Havel ertrank, zu landen. Die Leiche de« Knaben ist dagegen noch nicht gefunden worden und man hat daS Suchen eingestellt, da die Havel an der Unfallstelle etwa zehn Meter tief und schwer abzusuchen ist. Die beiden Toten wurden in die Leichenhalle in Grütz untergebracht. Sie sollen nach Berlin gebracht werden, sobald die Freigabe erfolgt ist. An der Un- fallstelle erschien gestern abend der Amtsvorsteher von Großwudicke, der den Tatbestand aufnahm und Bericht an die Staatsanwaltschaft in Stendal erstattete._ Fahrpreisermäßigungen von Mitgliedern von Krankenknsieu und Bersicherungsanstalten zum Besuche der Internationalen Baufach-Aus- siellung Leipzig 1913. Auf den Strecken der sächsischen Staatsbahnen, der preußisch-hessischen Staatsbahnen und der Reichsbahnen, des pfälzischen Netze- der bayerischen Staatsbahnen, der olden« burgischen und der mecklenburgischen Staatsbahnen werden für ge- meinschaftliche. belehrenden Zwecken dienende Reisen zum Besuche der Internationalen' Baufach- Ausstellung in Leipzig auch besondere Fahrkarten zur Hälfte deS sonst üblichen Preises der dritten Klaffe für Eil- oder Personenzüge verausgabt werden, für Schnellzüge gegen vollen tarifmäßigen Zuschlag. Für diese Vergünstiguug kommen erstens in Betracht die ver« sicherungSpflichtigen Mitglieder von Krankenkassen, von einge- schriebenen Hilfskassen und von wappschaftlichen Krankenkassen, zweiten« pflichtgemäß Versicherte von Versicherungsanstalten und diesen gleichgestellten besonderen Kasseneinrichtungen, sofern daS jährliche Gesamteinkommen den Betrag von 2500 Mark nicht übersteigt, dritten« freiwillige Mitglieder der vorher aufgeführ- ten Kassen bi« zur gleichen Gehaltsstufe. Auf der Hinreise müssen sich mindestens zehn Teilnehmer zu einer gemeinschaftlichen Fahrt zusammenschließen, die Rückreise kann auch einzeln ausgeführt werden. Als Ausweis ist eine Beschei« nigung der oben erwähnten Krankenkossen etc. darüber vorzulegen, daß da« betreffende Mitglied zu seiner Belehrung die Internationale BaufachauSstellung in Leipzig aufsuchen will. Die Fahrpreis- ermäßigung für die Hinreise ist bei der Fahrkartenausgabe der Ab- aabestation möglichst frühzeitig unter Vorlegung der Bescheinigung für alle an der gemeinsamen Fahrt teilnehmenden Personen zu be- antragen. Die Abfertigung erfolgt auf Beförderungsschein, der vier Tage«inschließlicki deS Lösungstages Gültigkeit hat. Die Fahr- vreisermäßigung für die Rückreise wird von der Fahrkartenausgabe in Leipzig gegen Porlegung der erwähnten Bescheinigung gewährt. Reisen mehrere Personen nach demselben Bestimmungsorte, so kann für sie ein Beförderungsschein ausgestellt werden. Die Be- scheinigungen sind während der Fahrt und an der Bahnsteigsperre auf Verlangen vorzuzeigen und bei Beendigung der Rückfahrr mit dem Beförderung«>chem oder der Fahrkarte wieder abzugeben. Auf der Hin- und Rückreise ist im allgemeinen\t eine Fahrtunterbrechung wie im gewöhnlichen Verkehr gestattet. Bei BeförPerüngSscheinen ist nur eine gemeinsame Fahrt- Unterbrechung zulässig, die HnterbrechungSstation ist aus dem Scheine zu vermerken. Personen, die die Ermäßigung in Anspruch nehmen, ohne hierzu berechtigt zu sein, werden als Reisende ohne gültige Fahrkarte behandelt. Für solche Personen hasten auch die Krankenkassen und Versicherungsanstalten bei un- richtiger Ausstellung der Bescheinigungen. Bei einer Beteiligung von mehr als hundert Personen, bei Eil- und Schnellzügen bei mehr als fünfzig Personen, muß die Reise mindesten« dreimal 24 Stunden vor der Abfahrtszeit des Zuge« bei der Abgangsstation angemelder werden. Im übrigen werden verschiedene Sonderzüge nach Leipzig mit zweiter und dritter Klaff« zu ermäßigten Preisen ein- gelegt, worüber in jedem Falle besondere Bekanntmachungen erlassen werden.__ Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich an der Ecke der Prenzlauer und Linienstraße. Hier geriet der 20 Jahre alte Dchlächtergesclle Josef Schmidt auS der Barnimstraße 14, als er mit seinem Zweirade die Straße kreuzen woll», unter die Räder eines Autoomnibuffe« der Linie 8. Dabei erlitt er so schwere innere und äußere Verletzungen, daß er noch auf den» Transport nach dem Krankenhaus« am Urban verstarb. Die Leiche wurde daraufhin nach dem Schauhause gebracht. Die Ueberfüllung der Hochbahnzüge. Der Polizeipräsident teilt mit:.Die zeitweise Ueberfüllung der Wagen aus der elektrischen Hoch- und Untergrundbahn ist im pvesent- lichen daraus zurückzusühren. daß bei gelegentlicher Verspätung eine« Zuges, die gerade in den verkehrsreichen Stunden nicht immer zu vermeiden ist, sich ein« verhältnismäßig große Anzahl von Fahr- gasten auf den Bahnhöfen ansammelt, die den ersten einlaufenden Zug überfüllen, während der nächste, dann meistens in kürzester Frist folgende Zug häufig fast leer bleibt. Diese Ersah- rungen geben mir Veranlassung, an das Publikum die Mahnung zu richten, von der Benutzung bereits gefüllter Wagen im Interesse der öffentlichen Ordnung und der eigenen Be- auemlichkeit Abstand zu nehmen und das Herannahen des nächsten Zuges in Ruhe abzuwarten. Die Angestellten der Hochbahngesellschaft haben strenge Weisung erhalten, die Ueberfüllung der Wagen durck entsprechende Zurückweisung de« Publikum« zu verhindern. Dabei mache ich darauf aufmerksam, daß die Angestellten der Hochbahn- gesellschaft die Eigenschaft von Polizeibeamten haben und daß nach den bestehenden Bestimmungen den Anordnungen dieser Beamten unbedingt Folge zu leisten ist." D« Schöoeiergtr Polizeipröfideut als Oieraufschcr städtischer Turnhallen. Bor unS liegt folgendes preußisches Kulturdokument: Stadtschuldeputation. Berlin- Schöneberg, den 1. Juli 1913. an den Schöneberger Sportklub 1911. .»uf Veranlassung des Herrn Polizeipräsidenten, hier, können imr Ihnen die Benutzung der Turnhalle unserer 14. Volksschule oder einer anderen Schulturnhalle nicht weiter gestatten, da wir sonst auf Grund des Ministerialerlasses vom 27. April 1909 und der Regierungsverfügung vom 16. Juni 1910 zu erwarten haben daß uns das VerfüGungsrecht über die Turnhallen ganz ent- zogen wird. Die für Juli/September im voraus gezahlte Gebühr von 24 M. lassen wir durch die Stadthauptkasse zurückzahlen. gez. Kobe. WaS hat nun dieser Schöneberger Sportklub verbrochen, daß er die städtische Turnhalle räumen muß? Es ist doch das mindeste, daß dem Verein gesagt wird, welche Gründe gegen ihn vorliegen, daß der Schöneberger Polizeipräsident einschreitet.. Der Hinweis auf einen Ministerialerlaß und auf eine Regie rungsverfügung kann die Angabe von Gründen nicht ersetzen. Die Wohnungseinbrecher sind doch recht gefährliche Gesellen. wenn sie in Abwesenheit der Wohnungsinhaber in Wohnungen ein dringen und mitnehmen, was sie gerade finden. Besondere kleine Mieter, die mühsam ihre paar Habseligkeiten erarbeitet haben, werden von diesen Diebstählen am härtesten betroffen. Dieser Tage stahlen Spitzbuben einer Arbeiterfamilie in der Oudenarder Str. 37 einen guten Anzug, eine Plüschdecke, eine goldene Damenuhr, Wäsche und einen Militärpaß, auf den Namen Fritz Girod ausgestellt. Wiedergefunden ist die vierjährige Tochter des Wächters Weber aus der Beennannstr. 6, deren angebliches Verschwinden von einer Zeitungskorrespondenz gemeldet wurde. Dem Kinde ist nichts passiert, es hatte sich, wie uns mitgeteilt wird, nur verlaufen und ist den Eltern wieder zugeführt worden. TodeSsturz eines Kindes. Beim Spielen ans dem Fenster ge- fallen ist gestern nachmittag gegen 6 Uhr der 5 Jahre alte Sohn Walter des Kutschers Wolf aus der Oranienburger Straße 43. Ter Knabe spielte mit anderen Kindern aus dem Treppenflur des vierten Stockwerkes. Hierbei kletterte er aus die Fensterbrüstnng und lehnte sich so weit hinaus, daß er das Gleichgewicht verlor und kopfüber auf den asphaltierten Hof hinabstürzte. Mit zer- schmetterten Gliedern und einem schweren Schädelbruch blieb der Kleine besinnungslos liegen. Nachbarn nahmen sich seiner an und brachten ihn nach der Klinik in der Ziegelstraße, doch konnte hier der Arzt nur noch den Tod feststellen. Die Leiche wurde be- schlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität, Gau Zur Wahlhilfe am Stichwahltage am Freitag, den 11. Juli, werden etwa 60 Genossen benötigt, die sich am Mitt- woch nachmittag 3 Uhr bei Knörig, Stralauer Brücke 3, einfinden wollen, um nähere Informationen entgegenzunehmen. Vorort- J�achnchtem Charlottenburg. Tesinfektion bei ansteckenden Krankheiten. Ter Magistrat teilt mit: Es ist in vereinzelten Fällen wieder darüber geklagt worden, daß die polizeilich vorgeschriebene Tesinfektion bei ansteckenden Krankheiten von der städtischen Tesinfektionsanstalt in C h a r l o t t e n b u r g nicht so schleunig ausgeführt wurde, als es den Beteiligten erwünscht erschien. Es handelte sich hierbei fast stets um den Todesfall eines Angehörigen oder um die Ueberführung eines anderen in ein Krankenhaus, und es lag das berechtigte Verlangen vor. die bisher verschont gebliebenen Angehörigen durch Vor- nähme der Tesinfektion so schnell wie möglich zu sichern. In solchen und ähnlichen Fällen empfiehlt es sich stets, die städtische Anstalt um Vornahme der Desinfektion un- mittelbar zu ersuchen, anstatt abzuwarten, bis bei dieser die polizeiliche Anzeige eingelaufen ist. Da diese Anzeige vom Eingang der Meldung des behandelnden Arztes und von anderen Umständen abhängig ist, so ist der Verlust eines ge- wissen Zeitraumes unvermeidlich. Die städtische Desinfektionsanstalt nimmt die Des- infektion von Wohnungen und Gegenständen auch vor Ein- gang der polizeilichen Anzeige auf private Aufforderung vor. Iie bedarf der polizeilichen Mitteilung allerdings, um je nach der Art der gemeldeten Erkrankungen feststellen zu können, ob die verlangte Desinfektion gebührenpflichtig oder gebührenfrei war. Diese Feststellung aber kann natürlich auch nachträglich erfolgen. Nieder-Schönhausen, Nordend. Ferienspiele. Während der großen Ferien finden die Kinderspiele jeden Tag statt. Treffpunkt mittags 2 Uhr am Kirchplatz,_wo zwei Spielleiterinnen die Kinder erwarten und diese zum Spielplatz sühren. Nach beendetem Spiel erfolgt die Auflösung wiederum am Kirchplatz. Auch finden vom Spielplatz Ausflüge nach Wilhelmsruh und Schönholzer Heide statt, welches von den Leiterinnen�bekannt gegeben wird. Ferster sei auf den Ausflug, welcher am sonnlag, den 13. Juli', nach Hermsdorf stattfindet, aufmerksam gemacht. Friedrichsfelde. c, Aus der Gemeindevertretung. Tic Bauveremigung Eigenhaus batte vorder Gemeindevertretung die Genehmigung erhalten, einen Gedenkstein zu errichten, der an den Beginn der Kolonie Karlshorst erinnern soll. Aus Anlaß der damit verknüpften Feier wurden der Gemeinde von der Bauvereinigung 3000 M. überreicht, die zu einem von der Gemeindevertretung zu bestimmenden öffentlichen, gcmeinützigen oder wohltätigen Zweck verwendet werden sollen. Ter Gemcindevorstand hatte nun vorgeschlagen, das Geld zinsbar anzulegen und die Zinsen als Beitrag zur Unterhallung von gärtnerischen Anlagen im Ortsteil Karlshorft zu verwenden. In der Debatte zeigte sich jedoch, daß die Vertreter mit diesem Bor- schlag nicht einverstanden waren. Es wurden vielmehr eine große Anzahl von Gegenvorschlägen gemacht, die vor allen Dingen lehrten, welche Fülle sozialer Aufgaben noch durch die Gemeinde zu lösen sind. Von unseren Genossen wurde beantragt, die Summe, so ge- ring sie auch sei, als Grundstock zu einem Fonds zu verwenden, der die Errichtung von Eiaenhäusern durch die Gemeinde fördern soll. Zu einem Beschlutz kam es nicht, die«ache wurde vertagt. Wie erinnerlich sein wird, hatte kürzlich die Gemeindevertre- tung beschlossen, den an der hiesigen Jahrhundertfeier beteiligten bürgerlichen Vereinen' eine Armenunterstützung von je 12,50 M., zusammen 130 Sil., zu bewilligen. Kühn gemacht, durch das glor- reiche Verhalten der bürgerlichen Mehrheit, rückte jetzt der Krieger- verein von Karlshorst mit dem Verlangen heran, die Gemeindeoer- tretung möge die Hälfte der Kosten einer Jahrhundert- feier der Schlacht bei Leipzig bewilligen, in Summe rund 400 M. Der Gemeindevorstand brachte vorsichtigerweisc in Vorschlag, nur 130 M. zur Verfügung zu stellen. Diese wurden denn auch stramm bewilligt. Erfreulich war, daß jetzt auch ein, wenngleich nur vereinzelter,. Protest von bürgerlicher Seite kam. Der Abschluß der«trom- und Wasserlieferungs- vertrüge mit Lichtenberg geht leider nicht so glatt von- statten, wie man erwartet hatte. Zirka seit zwei Jahren sind die Verhandlungen im Gange und eine Einigung schien bereits er- reicht. Neuerdings ist aber von der Stadt Lichtenberg angeregt worden, nochmals eine gemischte Kommission zu bilden, um die letzten Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Welche Aende- rungen gewünscht werden, ist freilich nicht angegeben worden, und daS vcranlatzte unsere Gemeindeverwaltung, zu empfehlen, die Ge meindevertretung möge die Einsetzung einer Kommission ablehnen solange Lichtenberg nicht bestimmt seine Wünsche äußere. Matz- gebend war dabei anscheinend der Verdacht, daß Lichtenberg einen Druck in der Eingcmeindungsfrage ausüben wolle. Wir hatten in unserem letzten Bericht vorausgesagt, daß die damals angenommene Geschäftsordnung uns Gelegenheit� geben werde, darauf zurückzukommen. Schon der Verlauf dieser Sitzung hat uns recht gegeben. Wiederholt kam es bei den verschiedensten Punkten zu langen und oft sebr erregten Geschäftsordnungs- debattcn, namentlich zwischen unseren Vertretern und dem Bürger- meister. Das sind aber die notwendigen Folgen, wenn man eine Geschäftsordnung allzu einseitig gegen eine bestimmte Partei auf- richtet. Dann mutz man eben erleben, daß man mit den eigenen Waffen ganz gehörig aufs Haupt geschlagen-wird. Hoffentlich be nutzt der Herr Bürgermeister seinen Urlaub dazu, nachzudenken, ob es nicht doch klüger ist, etwas weniger rigoros in der Hand- habung der Geschäftsordnung zu sein. Trebbin(Kreis Teltow). Oeffcntliche Stadtverordnetenfihung vom 3. Juli 1913. Das neue Projekt zum Anbau am Wasserwerksgebäude wird einstimmig genehmigt.— Bei der Etatsberatung wurde beschlossen, den Miels- wert der Dienstwohnung des Polizeiwachtmeisters im Ratbaufe zu erhöhen und zwar von 73 auf 100 M., auch sollte der Wert der freien Heizung statt mit 30 mit 50 M. in Berechnung gebracht werde». Hiermit hat sich der Magistrat nicht einverstanden er klärt. Unter Bezugnahme auf den unbequemen und vermehrten Dienst, den die Dienstwohnung mit sich bringt, sollen die bis- herigen Sätze beibehalten werden. Weiter stellt der Magistrat den Antrag, die Mictsentschädigung als Extraanerkennung statt mit 75 M. nur mit 30 M. zu berechnen. Die Beratung der Vorlage ruft eine längere Debatte hervor; sie wird mit 12 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Der Beitritt der Stadt zum Reichsverband deutscher Städte und der Jahresbeitrag von 20 M. werden einstimmig ab- gelehnt. Zum Bcfll des Förstereigrundstückes wird die Aufnahme einer Anleihe von der Teltower Kreissparkasse in Höhe von 20 000 Mark beschlossen. Dieselbe soll mit 4 Proz. verzinst und mit 2 Proz. getilgt werden. Ter vom Kreise Jütcrbog-Luckenwaldc projektierte Chausseedau Löwendorf-Ahrensdorf, der aber später bis Lucken- Walde verlängert werden soll, ergibt, daß vom Beginn der Kreis- grenze bis zum Weichbilde der Stadt sich 92 Meter befinden, die noch zum Kreise Teltow gehören. Der Teltower Kreisausschutz hat sich nun damit einverstanden erklärt, die Strecke chaüsseemätzig auszubauen, wenn sich der Kreis Jütcrbog-Luckenwalde verpflichtet, seine noch fehlenden Anschlutzsirccken zu bauen. Der Kreisauöschutz beschloß nun nach Erledigung der Vorverhandlungen, die Strecke auszubauen und zwar auf Wunsch der Stadt gleich mit Kopfstein- Pflaster, und soll die Stadt die Unterhaltungspflicht der Straße übernehmen. Die Versammlung begrüßt die Anlegung der Chaussee mit Freuden und erklärt sich auch bereit, die Unterhaltungspflicht zu übernehmen, jedoch soll der Magistrat beim Kreisausschutz dahin vorstellig werden, daß der gepflasterte Teil der neuen Chaussee- strecke an die Grafschc Seite zu liegen kommt. NowatveS. Die süriorglichc Polizei. Uns wird geschrieben: Der auf Sonntag, vormittag 9 Uhr, im Schmidtschen Lokale angesetzte letzte Vortrag über das Erfurter Programm mutzte auf Anordnung des Amtsvorftehers, der ihn„öffentliche, politische Versammlung" stempelte, der polizeilicher Anmeldung bedürfe und nur nach be- endeter Kirchzeit gestattet werden könne, ausfallen. Die erschiene- neu Teilnehmer begaben sich nach dem„Volksgarten", um dort beim Glase Bier über die eigenartige Auslegung des Vereins- gesetzeS durch den Amtsvorsteher nachzudenken. Da erschienen plötzlich auch die nach dem Schmidtschen Lokal zwecks eventueller Auflösung der„öffentlichen, politischen Versammlung" entsandten Polizeibeamten und äugelten mit scharfen Blicken in den Garten, in dem die Kursus teil neb wer weilten. Sie glaubten wahrscheinlich, daß hier durch eine improvisierte Versammlung eine Umgehung der polizeilichen Verfügung geplant sei, die ihr Eingreifen vielleicht doch noch notwendig machen könnte. Als sie jedoch nichts Ver- dächliges wahrnahmen, zogen sie bald wieder ab. Als die ahnungs- losen Teilnehmer den Bortragenden zum Bahnhof geleitet und dann nach einein gemeinsamen Spaziergang im Garten des Resrau. rants„Zum Einsiedler" an der Berliner Straße zu kurzer Rast ich niedergelassen hatten, erschienen auch hier wieder nacheinander ein Polizeibeamter per Rad, ein Kriminalbeamter in Zivil und etwas später noch zwei Kollegen in Uniform, die im Vorbeigehen die im Garten Sitzenden mit kritischen Blicken musterten. Es war aber wieder umsonst. Als die Polizeibeamten schließlich wieder am Lokal vorüberkamen, quittierten die vergnügten Gäste für die ihnen während des ganzen Vormittags geschenkte Aufmerksamkeit mit lautem Händeklatschen. Zeuthen. Volksversammlung. Vor einer überfüllten Volksversammlung im Lokal von Lindemann dielt Landtagsabgeordneter Genosse Adolf Hoffmann einen Vortrag über:.Neue Soldaten, neue Kirchen". Der Andrang zur Versammlung war so stark, daß sämtliche Tische aus dem Saal entfernt wurden, trotzdem mutzten ungefähr 100 Personen mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Stimmungsvoll eingeleitet wurde die Versammlung durch das Lied„Tord Foleson", vorgetragen vom Gesangverein„Einigkeit". „Die Steuern schwer, die Ernten schlecht geraten, Und immer mehr, und immer mehr Soldaten Mit diesen Dichterworten begann Genosse Hoffmann in wir- kungsvoller Weise seinen Vortrag. Er wies auf Grund der histo- rifchcn Entwicklung nach, daß durch die steigenden Ansprüche des Militarismus in jeder Gestalt das Volk bis zum Zusammen- brechen mit immer neuen, unerträglichen Lasten beschwert wird.— Tie Machthaber sagen: Um dem Volke die Religion zu erhalten und den Glauben zu verbreiten, müssen immer neue Kirchen gebaut werden, trotzdem die vorhandenen leer bleiben. Genosse Hoffmann weist auf die staatliche und bürgerliche Jugendpflege hin, die nur den Zweck bat. die arbeilende Jugend den modernen Ideen fernzuhalten. Für Säugling- und Mutterschutz kein Geld, aber für„Jugendpflege" Millionen. Der Referent zeigte an Hand von treffenden Beispielen, daß die christliche Kirckie zur Unlerdrückung der Besitzlosen diene. In der Diskussion teilte Genosse Feierlag mit. daß die Zeulhener Gemeindevertretung 100 M. zur Jahrhundertseier be- willigt hat, die der Kriegerverein in bekannter Weise verbrauchte. Ferner sind 300 M. für Veteranen bewilligt und 20 000 M. dem evangelischen Kirchengemeinde zum Bau einer Kirche, die SO 000 M. kosten soll. Von den anwesenden Gegnern sprach u. a. auch Herr Pfarrer Tiez: er ging aber als ein vorsichtiger Mann auf die Ausführungen des Genossen Hoffmann in keiner Weile ein. Interessant war zu bören, daß den Pfarrern eigentlich verboten ist. sozialdemokratische Versammlungen zu besuchen, aber— eine„gewisse" Freiheit hätten sie, die Pfarrer, doch. Ein Diskussionsredner teilte mit, daß anläßlich der Kirchen- austrittSerklärung einer Gaslwirtswitwe der Niedcrlehmer Pfarrer derselben nahe gelegt habe, so lange sie ihr Lokal besäße, nicht aus der Kirche auszutreten. Herr Pfarrer Tiez hatte, trotz Aufforderung des Genossen Hoff- mann, zu bleiben, die Versammlung vorzeitig verlassen. In seinem Schlußwort geißelte Hoffmonn das bestehende preußische Landtags- Wahlrecht, unter dem es möglich ist, daß ein Bordellbesitzer in der ersten und der Ministerpräsident, der höchste Beamte im Staat, in der dritten Klasse wählt. Durch den Kampf gegen daS Dreiklaffenwahlunrecht muß eS uns gelingen, die Massen aufzurütteln, damit sie klar erkennen, daß nur durch Einigkeil, durch Organisation, bessere Zustände erreicht werden. Der Gesangverein„Einigkeit" beschloß die Versammlung durch den Vortrog deS Liedes„Saat und Ernte'' Eigsno Werkstatt lieferant tu» ________ Krankenkass. Bedienuej verantwortlicher Redakteur! Albert Wachs, Berlin. Für de? Jnjerai-nteil verantw.:'Tb. Glocke, Berltu. Druck».Verlag: Vorwärts Vuchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin i»M Eichwalde. Eine Nachtwächterausschreitung macht viel von sich reden. Der Nachtwächter Priebe hat kürzlich in Gegenwart von Augenzeugen zwei Arbeiter namens O. und L. geohrfeigt und den L. in einer solchen Weise gemißhandelt, daß derselbe laut ärztlichein Attest eine Zeit arbeitsunfähig ist. Der ganze Vorgang zeigt, daß der Mann nicht den Talt und die Ruhe besitzt, um sachgemäß seines Amtes zu walten. Nachdem die Geschlagenen mit ihren zwei Begleitern still- schweigend ibres Weges gingen, kies der Bruder des P. hinter ihnen her und forderte sie in der völlig menschenleeren Bahn- h o f st r a ß e auf, auseinderzugeheit und die Straße zu verlassen. Das Revier des jüngeren P. bestndet sich westlich der Görlitzer Bahn. Derselbe hat vor 4 Uhr gar nichts auf der östlichen Seite zu tun. Vor einiger Zeit hat die Gemeindevertretung den Nachtwächtern zu ihrer Sicherheit Revolver bewilligt. Man denke nur, was für ein Unglück entstehen tonnte, wenn die Nachtwächter in ihrer Aufregung zur Schußwaffe gegriffen hätten. Potsdam. Die letzte Wahlvcreinsvcrsammlung nahm die Abrechnung vom 2. Ouarwl entgegen. Einer Einnahme von 532,14 M. stand eine Ausgabe von 411,63 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 120,46 M. verbleibt, der an die Kreiskasse gesandt wurde. Die hohen Ausgaben gegen sonst sind auf die Landtagswahl zurückzuführen. Von der Kreisgeneralversammlung erstattete der Genosse Hausmann Bericht, dem sich eine lebhafte Diskussion anschloß, die dahin endigte, sich mit den gefaßten Beschlüssen einverstanden zu erklären. Den Hilfskassierern' wurde für ihre Mühewaltung eine vierteljährliche. Entschädigung von 3 M. zugebilligt. � Marktpreise von Berlin am 3. Juli 1913, nach Ermittelungen des köniql. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,14 bis 20,20, mittel 20,02— 20,08, geringe 19,»0— 19,96 Roggen, gute Sorte 00,00-00.00, mittel 00.00—00.00, geringe 00.00—00.00(ab Bahn), guttcr. gerste, gute Sorte 16,40— 16,80, mittel 15,90—16,30, geringe 15,50— 15,80. Hafer, gute Sorte 17,30—18,60, mittel 16,30—17,20. MaiS(mixcd). gute Sorte 15,70— 16,20. Mais(runder), gute Sorte 13,60— 16,00. Richtstroh 4,40— 5,00. Heu, alt 0,00—0,00, neu 6,00— 7,40. Martthallenvreije. 100 Kilogr. Erbse», gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Sveisebobnen. weiße 30,00—60,00. üinicn 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.), alte 7.00— 10,00, neue 11,00— 18,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2.40. Rindfteiich, Bauchsleilch 1.30— 1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleiich IpO— 2.40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3.40— 5.40. 1 Kilogramm Karvicn 1,60—2,80. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,60. Hechle 1.60—3,00. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stuck Krebse 1,60—60,00._ WttterungSübersicht vom 7. Juli 1913. Etationen C H ?6 55 c= BH Bf Swinemde. 735 SO Hamburg 754 NW Berlin 755]® rankt. a.M 755 SW Ilünchcn j756 SW Wien 756, Still St L euer a as Äll i? Mo 2wolkenl 17 2 Regen 12 2 heiler 17 1 wolkig 14 4 bedeckt 14 halb 6b. 16 Stationen t E ~ 6 S|| Bf Ü-l Gmet 31 Ii avaranda 739 NO 2 wolkig � 13 eterSburg 756 Still bedeckt 17 cilly 761 NW 4 wollig � 13 Aberdeen 761 NNW 4 wolkig 11 Paris 757 W 1 bedeckt 13 II Ii 1 Wetterprognose für Dienstag, de» 8. Juli 1913. Etwas lühler, zeitweise aufklarend, aber vorherrschend wollig mit lcichlcn Regensällen und mäßigen westlichen Winde». Berliner W etterburcau. Waiseritands-Nackirichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, milgeteill vom Berliner Wetterburea« i- Wasserstand M-mel. Tilsit P r e g e l, Jnfterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor Krossen Franksurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Dordamm Elbe, Leitmentz , Dresden , Barbv Magdeburg 0+ bedeutet Wuchs,— Fall.— Untervegcl. Todes-Anzeigen Deutscher lietallarlieiter-yerlianil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nacbricht. daß unjer Mtglied, der Werl- zeugmach er keiarled Dannenberg gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 8. Luit, nachmittags 4';, Uhr, von der Leichenhalle des ülnslalls-Kirchhofes in Buch aus statt._ Ferner starb der Gürtler unser Mitglied, Otto Ditimar Kottbuser Damm 18/19 am 4. Julj an Schlagansall. Die Beerdigung findet um Mittwoch, den 9. Juli, vormittags 11 Uhr, von der Leichenhalle deS Heilig-Kreuz-Kirchhofes. Marien- dors(Eifenacher Straße) aus statt. Ehre ihrem Audeutcut Rege Beteiligung erwartet 121/12 Oje Ortsverwaltung Verhanil i Brauerei- u. Hühlen- arbeiter u. verwierulsgeuossen. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 5. Juli der Kollegs, Fahrer,_ Karl Holm (Hochschulbrauerei) nach kurzer Krankheit verstorben ist. Ehre feinem Audenten t Die Beerdigung erfolgt heute Dienstag, nachmittags 5 Uhr. von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes, Seejtr. 93, aus. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Freunden und Genossen die traurige Mitteilung, daß am Sonnlagvormitlaq mein innig- geliebter Mann, Stadtverordnete»' und Fraltionssekretär Fritz Zietsch plötzlich verstorben ist. Es bittet um stilles Beileid 1478b Charlottenburz, Guerickestr. 43 üertruä Zietsch geb. Ilofmunn im Namen der Hinterbliebenen. Die Einäscherung der Leiche erfolgt am Mittwoch, den 9. Juli. nachmittags 5 Uhr, in Berlin, G-richtstr. 37/38(Krematorium), Kranzspenden sowie sämtliche ßhirneiiarrangeniciits liefert' schnell und billig l'-sal Croas. Undanstr. 69, Tel. Mpl. 7203. Spezialarzt j. Haut-, Haru-, Frauenleiden, nerv. Schwäche. Beinkranke jeder Art. Ehrlich Hata- Kuren in Dl. Homöp-W Untersuchung.. Fäden i. Harn usw. Friedriclislr. 81, Ägi. Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 1 1—2. Honorar mästig. auch TeLzahl. Separates Tameuzimmer. Bruchbandagea, « Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc, SRspensorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt* Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., Lotbringer Str. 60.