Nr. 173. Bbonnemenfs-Bedlnanngen; KiotmtmenlS- Preis pränumerando: Vierteljährl. 330 Ml, monatL 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Summet 5 Pfg. Sonntags. nununer mit illustrierter Sonntags. BeUage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Pos». Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,60 Mark, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Poftabonnements nehmen am Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 33. Jahrg. Die TnlerflonS'GcblUjr beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel, geile oder deren Raum oo Pfg, für ----------------------. fettgedruckte Wort 20 Pfg. szulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wettere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buch- f iben zählen für zwei Worte. Inserate r die nächste Nummer müssen bis r-..... . t für zw nächste Nu.,,.,. 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet, «»Uiit»glich. Nevlmev Dolllsblotk. Zcntralorgan der lozialdemokrati leben Partei Deutfcblands. Telegramm- bldresse: „Sozialdemokrat Rerlia", Redaktion: 8 Cd. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S8S. Donnerstag, de« 13. Juli 1913. Expedition: 8 LI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 198t. Reichstagswähler von Zsuch- Kelzig■ Jüterbog- Cuckcnwalde. Am Freitag, den 11. Juli (nicht, wie irrtümlich berichtet, am 12. Juli) findet im Zauch-Belziger Reichstagswahl- kreise die Stichwahl statt. Alle in Berlin befindlichen Wähler des Kreises haben die Pflicht, ihr Wahlrecht auszuüben und unserem Kandidaten Ferdinand Ewald ihre Stimme zu geben. Nur so Nnn es gelingen, den konservativen Arbeiterfeind v. Oertzen unschädlich zu machen. Tut Eure Pflicht, es kann sich um jede Stimme handeln! * Die früheren Insassen der Heilstätte Beelitz, die durch die örtlichen Wahlbehörden um ihr Wahlrecht gebracht worden sind, können don der angerufenen Entscheidung des Ministers des Innern er st Freitag früh durch den „Vorwärts" verständigt werden. Der Minister hat trotz des dringenden Ersuchens um telegraphische Antwort bis Mittwoch abend noch keine Entscheidung getroffen. Auf persönliche Anfrage im Ministerium des Innern wurde den Genossen Heinemann und Wels die Mitteilung gemacht, dast die Ange- legenheit zur Entscheidung dem O b e r p r ä si d e nt e n des Regoierungsbezirks Potsdam überwiesen sei. Die genannten Genossen werden sich nach dem ihnen im Ministe- rium gegebenen Rat im Laufe des heutigen Tages an den Oberpräsidenten persönlich wenden. Die Parteigenossen wissen, daß es auf jede einzelne Stimme ankommt, sie werden sich bereit halten müssen, um ihre Pflicht gegen die Partei unter allen Umständen erfüllen zu können.__ Krieg und Arbeit. Als im vergangenen Herbst der Balkankrieg ausbrach, wurde allgemein der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß der Krieg keine wesentlichen Schädigungen für das europäische Wirtschaftsleben mjt sich führen werde, falls der Krieg auf die zunächst beteiligten Staaten imd Gebiete beschränkt bleiben würde. Nun i st zwar der Bckktanbrand nicht auf die benach- karten europäischen Großstaaten übergesprungen und doch— welch schwere Schädigungen für das wirtschaftliche Leben aller modernen kapitalistischen Staaten hat er verursacht. Gewiß wurde diese Hemmung durch die Gefahr der Teilnahme eines Groß- staates an dem Kriege stark vergrößert. Aber die Gegnerschaft der Sozialdemokratie gegen kriegerische Verwickelungen überhaupt erscheint dadurch nur begründeter. Denn wenn schon ein Krieg mit relativ beschränkten Mitteln und die bloße Möglichkeit eines Krieges zwischen großen Kulturvölkern solch' empfindliche Störungen des Wirtschaftslebens hervorzurufen vermag, welche Verwüstungen allein in wirtschaftlicher Hinsicht würde erst ein Krieg im Herzen Europas bringen! Woran man noch vor einigen Monaten zweifeln mochte, liegt jetzt unbestreitbar zutage: die Ereignisse auf dem Balkan haben der Hochkonjunkturperiode der beiden vergangenen Jahre frühzeitig ein Ende gemacht. Noch in den Monaten, als bereits die Balkanvölker gegeneinander stritten, ließ sich an allerlei wirtschaftlichen Symptomen ein weiteres Ansteigen der Konjunkturkurve ablesen. selbst die Produktions- und Verkohrsziffern der ersten sechs Monate dieses Jahres zeigen noch Steigerungen gegenüber denen im ersten Halbjahr von 1312. Aber die Anzeichen haben sich gemehrt, daß im gegenwärtigen Augenblick der Kulminations- Punkt der Konjunkturbewegung bereits überschritten ist.- So sehr man zur Erklärung dieser Tatsache auch noch andere Ursachen heranziehen mag, daß die politischen Ereignisse einen Anteil an diesem Rückgang tragen, läßt sich nicht leugnen. Wenn die Arbeiterschaft das Elend der nächsten Krise wird auskosten müssen, so. darf sie nicht vergessen, daß nicht allein die Anarchie des kapitalistischen Wirtschaftslebens überhaupt daran schuld ist, sondern ebenso die Machtpolisik der kapita- lislischen Staaten, deren Eifersucht sie zur Ohnmacht ver- dämmte, als es galt, einen friedlichen Ausgleich der Gegen- sätze auf dem Balkan herbeizuführen. In der bürgerlichen Presse sind vornehmlich die Folgen des Balkankrieges erörtert worden, die den Kapitalisten treffen. Die direkte Absatzstockung nach den kriegführenden Ländern hat den Produzenten und Kommerziellen übrigens am wenigsten Verluste gebracht. Nur die Textilindustrie ist un- mittelbar durch den Krieg empfindlich geschädigt worden. Die anderen Gewerbezweige werden erst mittelbar durch die außerordentliche Geldteuerung und die damit verbundene Kredit- einschränkung getroffen. Die Zurückhaltung der Geldkapitalisten infolge der Unsicherheit über die Entwicklung der politischen Ereignisse mußte um so empfindlicher wirken, als die vorangehende Epoche des Konjunkturaufschwungs durch die Aufnahme alles verfügbaren Kapitals zu Betriebserweite- rungen usw. bereits an sich zu einer Geldteuerung geführt hatte. Unter diesem Geldmangel litt auch die Allgemeinheit, indem es den Regierungen und Kommunalbehörden gar nicht oder nur zu sehr teuren Bedingungen gelang, Geld aufzu- nehmen. Die Unterbindung des Kredits und die Furcht vor wei- teren kriegerischen Verwickelungen führte schließlich zu einer Hemmung des Warenabsatzes und der Warenproduktion. Vergeblich haben die Werke es zu verheimlichen versucht, daß sie mit einem Abflauen der Konjunktur rechneten. Wohl suchte man nach außen, auf den großen Warenmärkten die Preise zu halten. Dafür gewährte man in der Stille an die Abnehmer Sonderrabatte. Es ist bezeichnend, wie auch im gegenwärtigen Moment noch die großen Industrie- Monopolverbände(Kohlensyndikat, Roheisensyndikat u. a.) sich um offene Preisermäßigungen herumzudrücken suchen. Sie gewähren lieber Ausfuhrvergütungen an ihre Mitglieder, um im Inlands die Preise weiter halten zu können. Trotz- dem sind Preisherabsetzungen eingetreten. Am schlimmsten leiden natürlich die Arbeiter unter diesem Konjunkturumschwung. Wo im Winter noch durch Ueber- und Nachtschichten der dringenden Nachfrage Rech- nung getragen wurde, werden heute schon Betriebseinschrän- kungen durch Einlegung von Feierschichten vorgenommen. Vielleicht hätte sich der Konjunkturwechsel noch einmal durch die endgültige Beseitigung aller politischen Konfliktsstofse hinausschieben lassen. Aber der neu ausgebrochene Balkan- krieg läßt für die nächste Zeit wenig Hoffnung. Es ist viel- mehr für diesen Winter eine starke Zuspitzung der krisenhaften Spannung im Wirtschaftsleben zu erwarten. Unter diesen Verhältnissen erscheint die Lage am A r- beitsmarkt besonders bedrohlich. Während die früheren Konjunkturperioden mit der Zunahme der Beschäftigten eine Minderung des Andranges v onArbeitsuchenden verbanden, brachte das vergangene Hochkonjunkturjahr eine merkwürdige Erscheinung: bei steigenden Ziffern von Beschäftigten eine Zunahme von Arbeitsuchenden und Arbeitslosen. Trotz guter Konjunktur also eine steigende Ueber- zähligmachung von Proletariern— ein Satz, der angeblich durch die Erfahrungen der letzten Jahre wider- legt sein sollte. Gehörte es doch zu den landläufigsten„Wi- derlegungen" Marxscher Gedankengänge, daß die Entwicke- lung der Industrie immer wieder reichliche, ja zunehmende Arbeitsgelegenheit für die durch technische Neuerungen auf das Pflaster geworfenen Proletariermassen verschaffe. Die letzten Jahre, die so manche„Resormierung" marxistischer Oekonomie als unberechtigte Verallgemeinerung einer vor- übergehenden besonders günstigen Prosperitätsepoche wieder verschwinden ließen, haben auch diese Reforntidee durch die tatsächliche EntWickelung widerlegt. Unter den Einzelursachen des allgemeinen Gesetzes von der eigenen Ueberzähligmachung der Arbeiter ist besonders auf zwei Punkte hingewiesen worden, wobei diese aber nicht die allgemeine Tendenz erschöpfen: die Zunahme der F r a u e n ar b e i t- und der Abwanderung vom Lande. Ob die Flucht nach der Stadt und nach industri- ellen Gebieten tatsächlich im letzten Jahre stärker zugenommen hat als in früheren Jahren, läßt sich, wenigstens heute nicht, statistisch belegen oder sonstwie beweisen. Ob diesem Mo- ment zur Erklärung der Arbeitsmarktverhältnisse überhaupt Bedeutung zukommt, muß offen bleiben. Sicher trifft da- gegen die allgemeinere Behauptung zu, daß die zunehmende Verschlechterung der Lage der kleinbürgerlichen Schichten neue Massen ins Proletariat herabdrückt, die nun selbst oder deren Nachkomnien sich an den Markt der Lohnarbeiter drängen. Neben der Beseitigung des selbständigen Mittel- standes durch den Großbetrieb, die mehr noch in der zuneh- menden finanziellen Abhängigkeit vom Großproduzenten und Großhändler als in der sinnfälligeren direkten Ausschaltung zutage tritt, wirkt in dieser Richtung die Verteuerung der Lebensverhältnisse, unter der unser sogenannter Mittelstand ebenso leidet als die Lohnarbeiterschaft.' Die Bedeutung der durch die allgemeinen Produktions- Verhältnisse und die Hochschutzzollpolitik des Staates verur- sachten Teuerung für die EntWickelung des Arbeitsmarktes drückt sich auch deutlich in der Zunahme der Frauen- arbeit aus. Vor wenigen Monaten veröffentlichte das Reichsarbeitsblatt statistische Belege für die wichtige Tatsache, daß die Zahl der beschäftigten Frauen relativ schneller zu- nimmt als die der erwerbstätigen Männer, so daß von einer Verdrängung der Männerarbeit durch die billigere Frauenarbeit gesprochen werden kann. Bei diesen Zahlen handelt es sich um industrielle Lohnarbeit: von einer Wirkung frauenrechtlicher Emanzipation, die nach den komischen Anschauungen der Gegner aus bloßer Herrsch- sucht nach Teilnahme an der Berufsarbeit schwärmt, kann also dabei keine Rede sein. Bitterste Not zwingt immer wieder Tausende von bisher berufslosen Frauen in die Fa- briken. Weitgehende Arbeiterschutzgesetze, speziell für die Frauen, werden demnach erst eine Entlastung des Arbeits- Marktes bringen können. Geschieht das nicht, so werden die kommenden Krisenzeiten für das Proletariat besonders schwere sein. Da aber die gegenwärtig herrschenden poli- tischen Parteien mehr als je sozialpolitischen Reformen ab- geneigt sind, ist es um so dringlichere Aufgabe des Prole- tariats, selbst auf dem Wege der gewerkschaftlichen und po- litischen Organisierung und durch diese Organisationen die Schäden abzuwehren und zu lindern. Hoch keine Klarheit. Die gestern vorliegenden Nachrichten, die wie die meisten Meldungen über den Krieg aus nur sehr bedingt zuverlässigen Wiener Quellen stammen, aus denen besonders die großen bürgerlichen Blätter Berlins gespeist werden, ließen die An- nähme zu, daß die strategische Lage der Bulgaren sich durch geschickte Umgehungsmanöver sehr gebessert habe. Der Grund- gedanke der heutigen Meldungen ergibt aber gerade das Gegenteil. Danach hätten die Serben im Zentrum einen großen Vorteil errungen. Sie sollen die Stadt Jstip ein- genommen haben. Jstip und Kotschana waren gleichsam die beiden Zitadellen der bulgarischen Stellung im Wardar- gebiete, beide sollen aber jetzt in den Händen der Serben sein, was einen empfindlichen Schlag für die Bulgaren be- deuten würde. Auffallend ist die große Schweigsamkeit auf bulgarischer Seite und die Sprache der bulgarischen Presse, die die Bevölkerung zur Geduld ermahnt und eine lange Dauer des Krieges voraussagt. Ob der serbische Erfolg aber wirklich so groß ist, und ob die Bulgaren sich in ihren strategischen Maßnahmen verrechnet haben oder ob sie schließlich doch noch zu einem umfassenden Angriff ansetzen können, läßt sich heute noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Die Vernichtung von Menschenleben durch die Waffen ist jedenfalls in den bisherigen Kämpfen sehr groß gewesen. Vermehrt werden aber die Kriegsgreuel durch das stärkere Auftreten der Cholera, gegen die Oesterreich bereits Sicherheitsmaßregeln ergreifen mußte. Die Serbe» in Jstip. Belgrad, 9. Juli. Nach hier eingetroffeneu Meldungen ist Jstip von de» Serbe» nach erbittertem Kampfe eingenommen worden. Die Bulgaren find ungefähr 35 Kilometer südöstlich in der Richtung auf Karowolago zurückgedrängt worden, ziehe» sich aus Radlowische und Beschowo zurück, verfolgt von den nunmehr vereinigten serbi' schenund g rie ch is ch e n Trup p en. Eine Gefechtspause. Wien, 9. Juli. Die„Neue Freie Preffe" meldet aus Belgrad: Der Umstand, daß das Kampffeld mit Tausenden von Toten und Verwundeten besät ist und in Jstip die Cholera wütet, hat das serbische Armeekommando veranlaßt, eine Operationspause eintreten zu lassen, um die Verwundeten aufzunehmen und die Toten zu beerdigen und hierdurch die Verbreitung der Cholera zu verhüten. Das Vordringen der Grieche». Belgrad, 9. Juli.(Meldung der Agencc Havas.) Die Griechen haben Serres genommen. Ihre Flotte bombardiert Kawala. Die Kämpfe im Norde«. Belgrad, 9. Juli.(Meldung des PrcffeburemtS.) Ein heute früh ausgeführter heftiger Angriff der bulgarischen Truppen aus Zajetar ist von den serbischen Truppen abgewiesan worden. Ebenso wurden die bulgarischen Angriffe auf Wlafina entschieden»zurückgewiesen. Die Blättermeldungen über einen angeblichen Vormarsch und Erfolg der bulgarischen Truppen bei Wranja sind daher vollständig unwahr. Eine Mahnung an das bulgarische Volk. Sofia, 9. Juli. Ueber die militärischen Operationen sagt der offiziöse„Mir", nach ihrem bisherigen Gange sei zu erwarten, daß der Krieg länger dauern werde, als man anfangs geglaubt habe. Entscheidende Erfolge könnten erst nach einigen Tagen erwartet werden. Bis dahin möge sich die Oeffentlichkeit in Geduld fassen und auf die siegreichen bulgarischen Waffen vertrauen. Im Interesse der Geheimhaltung der Operationen dürften bis zum endgültigen Triumph der bulgarischen Waffen keine Einzelheiten darüber ver- öffentlicht werden. Völliges Schweigen sei heute notwendiger, als während des Türkenkrieges, wo es sich so bewährt habe. Eine Proklamation König Peters. Belgrad, 9. Juli. Eine Extraausgabe des Amtsblattes veröffentlicht die ziemlich poetisch gehaltene Kriegsproklamatton, in der der König das serbische Heer auffordert, die Treulosig- keit der Bulgaren zu rächen. Oesterreichische Maßnahmen gegen die Cholera. Wien, 7. Juli. Angesichts der Gefahr der Verschleppung der auf dem Balkan herrschenden Cholera durch gefangene bulga- rische Soldaten sind nach Mitteilungen von matzgebender Stelle seitens der Monarchie die notwendigen sanitären Abwehrmatz- nahmen an den Grenzen gegen die, Balkanstaaten»n umfassender Weise getroffen worden. Cierarztlicl)• Byzantinikbcs. Zu den Zierden des deutschen Volkes, denen beim Jubiläum Wilhelms II. ein Orden an die patriotisch schlagende ManneSbrust geheftet wurde, gehört auch der Geheime Regierungsrat Professor Dr. S ch m a l tz von der Tierärztlichen Hochschule zu Berlin. Der Rote Adlerorden III. Klasse mit der Schleife war der—- allzu be scheidene Lohn seiner loyalen Staatsbürgerbetätigung. Von Rechtswegen hätte Herrn Professor Schmaltz mindestens der Rote Adlerorden e r st e r Klasse gebührt. Nicht daß wir seine wissen schaftlichen Verdienste so hoch einschätzten—(vorausgesetzt einmal, dah solche Verdienste um die Wissenschaften durch eine Ordensverleihung .belohnt" werden könnten)— wohl aber seiner ganz außerordent lichen, wirklich ungewöhnlichen Loyalität wegen. Denn eine Huldi- gung, wie sie Professor Schmaltz in der Nr. 25 der.Berliner Tierärztl ichen Wochenschrift" dem jubilierenden Ordens Verleiher dargebracht hat, dürste selbst in unserem neobhzantinischen Zeitalter vereinzelt dastehen. Hören wir: „Inmitten dieser Zeit der Wandlung und Entwicklung steht die Person des Kaisers selbst. Wie sie sich in 25 Jahren entfaltet hat, in heißem Bemühen und schwerem, oft ergreifendem Ringen mit äußeren und inneren Gewalten, nicht zuletzt mit sich selbst, ist sie seinem Volke immer näher gekommen und zugleich immer höher gestiegen in der Achtung undAnerkennung der ganzen Welt. Pflichttreue, Fleiß und Be- harrlichkeit, gepaart mit S ch w u n g und F e u e r, haben mehr und mehr, bald hinreißend, bald unmerklich gewinnend, ihre Wirkung getan. Ein Volkscrzieher in des Wortes e d e l st e r und w e i t e st e r Bedeutung ist der Kaiser ge- worden; das deutsche Stadion ist dessen jüngster Beweis." Damit nicht genug. Denn was würde dieser Kaiser erst geleistet haben, wenn er nicht allezeit mit den„ungeheuren Schwierigkeiten der deutschen Gegenwart" zu kämpfen gehabt hätte, namentlich der .Drachensaat des allgemeinen gleichen Wahlrechts",.dieser Bismarck schen Unbegreiflichkeit". Die.Drachensaat" ist„jetzt erst aufgegangen"„und bedroht uns mit einer Masienherrfchasr, die nicht bloß revolutionär und antinational, sondern ihrem innersten Wesen nach rückschritt I i ch und b i l d u n g s f e i n d l» ch ist, denn ihr Ziel oder wenigstens ihr Bkittel ist rohe Unterjochung anderer Meinung und Erniedrigung der Intelligenz zur Sklavin der Faust!" So verächtlich der Herr Professor von der Faust denkt, die ehrliche Arbeit mit Schwielen bedeckt hat, so begeistert ist er von der gepanzerten Faust. Den anderen großen Fehler Bis marcks erblickt er nämlich darin, daß er nicht damals bereits auf weltpolitische Eroberungen ausgegangen,.wo große Fetzen der Welt noch billig zu haben" gewesen seien. Aber dieser Fehler, so meint Herr Professor Schmaltz, sei noch immer gut zu machen. Denn: „Ein großer Zug geht durch die Zeit, In den deutschen Augen beginnt es zu glimmen und fester legen sich die Hände an Hammer. Pflug oder Schwert. Der Kaiser hat das Lob der ganzen Welt geerntet, daß er 25 Jahre lang den Frieden gehalten. Wenn er in Zukunft mit ruhigem Gewissen, auf jenen Friedens- erfolg blickend, das Schwert ziehen müßte, niemand könnte wagen, ihn der Uebereilung oder Ruhmgier zu zeihen. Wenn das Schwert aber gezogen werden müßte, das wäre herrlich! Mag man den Frieden preisen mit Engelszungen: der Kampf bleibt die Quelle der ManneStugend und in diese» Kaisers geschichtliches Bild gehört auch der Sieg in der Schlacht. Möge Wilhelm der Zweite noch einmal als Sieger einziehen durchs Brandenburger Tor, wie das in späten Jahren auch seinem Großvater beschieden gewesen ist. Möge das deutsche Volk unter seiner Führung noch einmal durch Blut und Eisen zusammengeschweißt werden, wie einst in allen seinen Staaten, so jetzt in allen seinen Schichten." Nicht irgendein junger Mann deS Rüstungskonzerns spricht so, sondern ein Hochschulprofessor, ein Mann, der ausdrücklich für sich in Anspruch nimmt, als„Vertreter der Intelligenz, der Bildung, der Wissenschaft".vaterländischem Gefühl Worte und Ausdruck zu verleihen"! „Die Halle der Wissenschaft ist der Tempel der Demokratie", meinte ein Buckle in seiner berühmten„Geschichte der Zivilisation". Herr Professor Schmaltz weiß eS besser, besser auch als ein anderer Geheimbderat, ein gewisser Johann Wolfgang Goethe, der da sagte:.Wissenschaft und Kunst gehören der Welt an, und vor ihnen verschwinden die Schranken der Nationalität". Oder sollte der Widerspruch sich weniger aus dem Unverstand der Buckle und Goethe als aus der Sorte W i f f e n s ch a f t er- klären, die Herr Professor Schmaltz vertritt? „Ist Geist und Wissen zweifelhasten Ranges?... Wo gibt es wahren Adel außer diesem?" Herr Professor Schmaltz ist auch mit diesem Dichterwort nicht einverstanden, denn wahrhast begeistert erzählt er in seinem Artikel von der allergnädigst verliehenen neuen Amtstracht deS Professorenkollegiums der Tierärztlichen Hochschule: .Die Feier erhielt ein ganlz besonderes Gepräge durch daS neue, und man darf sagen, wirkungsvolle Bild, welches da» Professorenkollegium den überraschten Blicken darbot. Seine Majestät hat nämlich den etatSmäßigen Pro- fessoren der Berliner landwirtschaftlichen und tierärztlichen Hoch- schule eine Amtstracht verliehen. Während die Roben der landwirtschaftlichen Hochschule schwarz und mit grünem Samt besetzt sind, haben alle Professoren der tierärztlichen Hoch- schule deren alter Farbe Treue gehalten. Die Talare bestehen aus violettem Tuch mit samtenem Schultereinsatz und helleren seidenen Aufschlägen, nebst einer etwas altertümlich wirkenden aber historisch getreuen EraSmUSkappe." Nehmen wir noch hinzu, welch glühenden Dank der Herr Professor dem Kaiser namens des tierärztlichen Standes dafür abstatlet, daß er das Veterinär o f f i z i e r s korps und das Promotionsrecht ge- schaffen habe, so können wir vollends nicht mehr an der Richtigkeit der Schillerschen Definition von der Wissenschaft zweifeln: .Einem ist sie die hohe, die himmlische Göttin, dem andern Eine tüchtige Kuh, die ihn mit Butter versorgt." poUtifcbe Qcberficbt. Die Reichstagsnachwahlen. Heute. Donnerstag, findet die Nachwahl in A a l z- wedel-Gardelegen statt, wo es gilt, Herrn K r ö ch e r zur Strecke zu bringen, und Freitag ist die Wahl in Zauch-Belzig.wo es, wenn die Fortschrittler ihre Pflicht tun, gelingen muß, den Freikonservatlven das Mandat zu ent- reißen und unserem Kandidaten den Sieg zu sichern. Zu dieser Schwächung des schwarz-blauen Blocks fordert auch das »Berliner Tageblatt" von neuem aus, indem es schreibt: „Die fortschrittliche Parteileitung empfiehlt daher im Ein- Verständnis mit den führenden Vertrauens- männern im Wahlkreise allen Anhängern der Fortschrittlichen Bolkspartei, bei der Stichwahl am Freitag dem freikonservativen Kandidaten der Rechtspartei� und des Bundes der Landwirte jegliche Unterstützung zu versagen. Da die Wahl- Parole der Fortschrittler außerdem ausdrücklich eins„weiter Stärkung der Linken für dringend geboten' exachtet, so kann für die fortschrittlichen Wähler von Zauch Belzig-Jüterbog-Luckenwalde nur die eine Entscheidung in Frage kommen, diese dringend gebotene Verstärkung der Linken mit dem Stimmzettel für den Sozialiste» Ewald herbeizuführen." Die Konservativen sind natürlich wütend, und das um so mehr, da sie auch in dem Reichstagswahllreis des der- storbenen konservativen Grafen Kanitz, in Ragnit-Pillkallen sich gar nicht sicher fühlen. Im Jahre 1912 siegte dort Gra Kanttz mit 10 932 Stimmen gegen 2364 sozialdemokratische und 6216 nationalliberale Stimmen. Es ist deshalb durchaus nicht unmöglich, daß auch dieser Wahlkreis den Konservativen verloren geht. Wenn aber die„Deutsche Tageszeitung" von einem „Großblock" spricht, und es so darstellt, als würde zwischen der sozialdemokratischen Parole für Böhme und der fortschritt- lichen gegen Oertzen ein Zusammenhang bestehen, so ist das nicht wahr. Unsere Vertrauensmänner haben die Parole für Böhme ausgegeben, weil er gegenüber einem Kröcher das kleinere Uebel ist. Sie haben entsprechend dem Jenaer Be- schluß gehandelt, aber ihre Stichwahl-Parole hat nichts zu tun mit der der Fortschrittler in Zauch-Belzig. Das beweist schon die Tatsache, daß in diesem Wahlkreis die nationallibe- ralen Parteigenossen des Herrn Böhme die Parole für Oertzen ausgegeben haben. Sind die Konservativen wütend, so ist die freikonservative„Post", ganz gegen ihre sonstige Gewohn heit, jetzt v o r der Wahl sehr zurückhaltend und möchte plötzlich die Reichspartei, diese rücksichtsloseste Truppe der Scharf macher, diese skrupellosesten Rufer nach Ausnahmegesetzen gegen die Gewerkschaften und gegen die Sozialdemokratie, als eine Partei hinstellen, die sich von den Konservativen ausge- rechnet durch ihre Arbeiterfreundlichkeit unterscheide. Es braucht bloß darauf hingewiesen zu werden, daß Herr v. Oertzen ja zugleich der Kandidat des Bundes de Landwirte ist, und daß die Konservativen zu seinen Gunsten die Kandidatur Pauli zurückgezogen haben. Vielleicht gibt die„Post" bekannt, unter welchen Bedingung gen Bündler und Konservative ihre Zustimmung zur Kan didatux Oertzens gegeben haben. Zum Steuerkompromitz. Konservative und Klerikale zanken sich in ihrer Presse darüber, ob es wirklich notwendig war, daß das Zentrum mit den Liberalen das Besitzsteuerkompromiß abgeschlossen haben. Den Liberalen sei es ja doch mit der Erbschaftssteuer nicht ernst gewesen, das Zentrum hätte sich also durch eine leere Drohung verblüffen lassen. Darauf antwortet nun die kleri kale„Schlesische Volkszeitung": „Tatsächlich haben die maßgebendsten— wir bitten den Superlativ zu beachten— Stellen der Regierung in Borbesprechungen keinerlei Zweifel darüber gelassen daß sie die reine Erbschaftssteuer von einer b e l i e b i g e n Diehrheit, in der auch die Sozialdemokraten hätten fein können, a n g e n o mm e n haben würden, wenn an- ders keine Verständigung erzielt worden wäre.' Daran ist Nichts zu ändern. Ob die Regierung schließlich der nationalliberalen Partei gegenüber Druckmittel in der Hand hatte oder nicht, lassen wir ruhig dahingestellt. Eine andere Frage ist die, ob die Re gierung den Willen hatte, diese Druckmittel den National- liberalen gegenüber in Anwendung zu bringen.". Daraus geht hervor, haß bie Liberalen ohne weiteres die Möglichkeit hatten, die Erbschaftssteuer durchzusetzen, die politisch wie finanztechnisch den Vorzug vor der Vermögens- zuwachssteuer verdient hätte. Daß die Erbschaftssteuer, die in England über eine halbe Milliarde bringt, finanziell aus- reichend gewesen wäre, bleibt wahr, wenn auch die Liberalen jetzt nachträglich ihre eigene bessere Ueberzeugung verleugnen, um das Kompromiß zu rechtfertigen. Nicht die Möglichkeit. andern der Mut hat den Liberalen gefehlt, den Schwarz- blauen die verdiente Niederlage zu bereiten. Tie Abänderung des Militärstrafgesetzbnchs. Das furchtbare Zuchthausurteil des Erfurter Kriegsgerichts hatte auf den Reichstag einen so gewaltigen Eindruck gemacht, daß er noch in seiner letzten Sitzung vor den Ferien nahezu einmütig einem Kompromißantrage aller großen Parteien zusfimmte, in dem verlangt wird, daß bei Verbrechen des militärischen Aufruhrs, bei Meuterei usw. in minder schweren Fällen die Mindeststrafe, die jetzt 5 Jahre Zuchthaus beträgt, bis auf 6 Monate bezw. 1 Jahr Gefängnis ermäßigt werden kann. Jetzt kommen selbst liberale Blätter zu der Ansicht, daß der Antrag wohl einen Schlag ins Wasser bedeuten wird. DaS Richtigste wäre gewesen, der Reichstag hätte die Aufhebung der Bestimmungen verlangt, nach welchen die zur Kontrollversammlung einberufenen Personen am Tage der Kontrollversammlungen überhaupt nicht unter den Militärgesetzen stehen. Die..Voss. Ztg." bemerkt in einem Artikel über diese Materie:„Die herrschende Lehre, wonach Reservisten und Land wehrleute als„zum Dienst einberufene" aktive Soldaten zu be handeln seien, auch wenn die Kontrollversammlung vorüber ist, ist von hervorragenden Militärjuristen nachdrücklich angefochten wor den. Sie alle behaupten, die zur Kontrollversammlung einberufenen Personen seien nicht„zum Dienst" einberufen, könnten also auch nicht, wenn der Zweck der Versammlung erfüllt ist, bis zum Ablauf des Tages als aktiv« Militärpersonen behandelt werden.... DaS Notgesetz, daS der Reichstag am letzten Tage seiner Session be schloffen hat, ist an sich gut und nützlich; aber eS ist nicht aus- reichend. Und es würde sich, kommt nicht die Aenderung des K 36 des ReichsmilitärstrafgesetzeS hinzu, wenigstens insoweit eS drako- nifche Urteile, wie das Erfurter, verhüten soll, nur zu leicht als ein Versuch mit untauglichen Mitteln erweisen." ES ist bedauerlich, daß die Erkenntnis hierüber erst so spät kommt. Der panslatvistische Popanz. Nachdem so gründliche Kenner der slawischen Verhältnisse wie Professor O. Hoetzsch in der„Kreuz-Zeitung" und Professor F r i e d j u n g in der„Vossischcn Zeituno" das Argument des Reichskanzlers von der.slawischen Gefahr" auf dem Balkan zerpflückt haben, erteilt nun auch Professor Th. S ch i e m a n in seiner letzten Wochenüberfidsi in der „Kreüz-Zcitung" Herrn v. Bethmann Hollweg in der Frage der angeblichen Verschiebung der militärpolitischen Situation im Südosten Europas eine derbe Lektion. „Die verbündeten Balkanvölker— schreibt er-- die nach den Berechnungen der Pariser und Petersburger kriegslustigen Kreise Oesterreich-Ungarn in den Rücken zu fallen bestimmt waren, scheiden al« Faktor für Unternehmungen außerhalb der Balkanhalbinsel au S; an das Eingreifen England» zur Unterstützung eine» russisch-stanzösischen Angriffskrieges gegen Deutschland und seine Bundesgenossen glaubt heut« ebenfalls»iemaad mehr, der sich ein nüchternes Urteil gewahrt hat, zumal die russisch-englischen Interessen je länger je mehr in Asien auSein- andergehen. Es kommt noch eins hinzu; der Balkankrieg ist ein furchtbarer Schlag für die sogenannte slawische Idee. Die Vorstellung von der Zusammengehörig» keit aller Slawen unter der historischen Führerschaft Rußland», die stets mehr dem Wunsche kleiner Kreise, als der Wirklichkeit ent- sprach, läßt sich heute nicht mehr aufrecht- erhalten." Diese ausnehmend vernünftigen Ausführungen Professor Schiemanns, die die Demagogie der Regierung bei Be- gründung der Wehrvorlage in ein Helles Licht rücken, sind um so interessanter,-.als sie ungefähr das Gegenteil dessen darstellen, was der„gelehrte" Leitartikler der.Kreuz-Ztg." vor dem Einbringen der Wehrvorlage im Reichstage schrieb. Damals entrüstete sich Prof. Schiemann, unter Hinweis auf den Slawenrummel in Rußland und die militärpolitischen Verschiebungen auf der Balkanhalbinsel,„wie unter solchen Verhältnissen über irgendwelche Fragen, die mit unserer Wehrkraft in Zusammenhang stehen, gemarktet werden kann".(Kreuz-Ztg. Nr. 83, vom 19. Februar 1913.) Jetzt. nach Annahme der Wehrvorlage, werden diese faulen Argu- mente von ihren eigenen Schöpfern der verdienten Lächer- lichkeit preisgegeben. Wir gehen aber wohl mit der Annahme nicht fehl, daß sie wieder hervorgeholt werden, sobald es gilt. den deutschen Michel wieder für neue Rüstungsforderungen gefügig zu machen._•■• Der Patriotismus unserer Agrarier« Die stoatserhaltende Presse ist wieder einmal in der Lage. gleichzeitig drei Klagelieder über„deutsche Stammesgenossen" cmzustiinmen, die heimatliche Erde um schnöden Mammons willen an den polnischen Feind verkauften. Im ersten Falle ist es ein adliger Herr von G o e b e l im Kreise Lubli- nitz, der ein 5000(!) Morgen großes Ritergut an den Polen Prondzynski. verkaufte und dabei 800 000 M.„verdient" haben soll.— Im zweiten Falle verkaufte der Ritterguts- b e s i tz e r Eichstädt ein 2100 Morgen großes Besitztum int Kreise Bromberg an euren Polen, im driften Falle handelt es sich um eine Bauernwirtschaft im Kreise Posen-Ost. Alle die Agrarier gehören sicher zu denen, die vor der„vatev- landslosen" Sozialdemokratie, einen gewaltigen Abscheu haben!_ Sie rühren fich nicht! Ueber die von uns in zwei Artikeln angenagelte Korrupfiou auf dem GebiM des Luftfahrtwesens und seiner publizistische» Propaganda hat die bürgerliche Presse noch immer kein Wort ver- loren. Seltsam, höchst seltsam. Sollte man sich an die Sache nicht herantrauen, weil man vielleicht weiter.« Enthüllungen be, fürchtet? Nur die„F r a n k f u r t e r Z t g." bringt unter der Stichmarl« „Jla-Nachklänge" folgende Notiz? „In einer Broschüre des Herrn Artur Müller(Berlin), der sich gegen Angriffe des Herrn Albert Greeven wendet— eS handelt sich um ,.Gründungs"Affären— werden auch angebliche Borgänge erwähnt, die sich 1809 bei der Frankfurter IIa, der Internationalen LuftschiffahrtS-Ausstellung, abgespielt haben sollen. Räch dieser Taistellung soll durch Vermittelung eines Berliner Herrn, der damals in Lustschifferkreisen und Luftschiffer. OpaanissitiofiKS eipe Rofly Ipielt«, die Leitung der Jla veranlaßt wörden'fcin. einige tausend Mark zu bewilligen, damit Berichte. dcc für die ÄuSsicllüng günsfig' seien, ni die Berliner Presse lanciert' würden. Einige Namen werden genannt; manche der erwähnten Personen müssen, da die gegen sie erhobenen Beschul. digungen schwerer Natur sind, ein Interesse daran haben, daß die Sache gerichtlich klargestellt wird. Wir werden also noch ist die Lage kommen, ausführlich über die Sache zu berichten. Heute haben wir lediglich festzustellen, daß der P r es sea u S sich u ß der Jla vpn jener Angelegenheit— wenn sie sich so abgespielt haben sollte, wie sie geschildert ist— nicht die geringste Kenntnis hatte und niemals darüber befragt worden ist. Sonst hätte er unter allen Umständen eine so unerhörte Zumutung ohne weiteres zurückgewiesen." Auch wir nehmen an, daß die Sache noch ein Nachspiel haben wird. Durch einfaches Sichtot stellen kommt man über solche Affären denn doch nickt hinweg! Der Kampf der württembergischen Schnlbehörden gegen de» Arbeiterturnerbund, der sich äußert in dem Verbot deS Beitritts von Schülern selbst Landtag. gcgründung daß daS V Hey ma n n nach, daß daS Vorgehen der Schailbehörden jeder rechtlichen Grundlage entbehre. Ter Kultusminister behauptete demgegenüber, bei den höheren«chulern ergebe sich das Recht der Verwaltung zu ihrem Verfahrst« aus der Unterwerfung der Schüler unter die Schulordnung, bei den VoWschulen aus dem Volksschulgesetz, das die Pflege der sittlichen Erziehung vorschreibe- Ter Arbeiter turnerb und treibe sozialdemokrQtische Politiiz JCCZ L-Uci ic ix. ixt-------|*�3iu.xifcmyj.x,vu,i|vxf*--r— 7—•» Politik solle aber überhaupt aus der Schule ferngehalten weroen. darum sei das Einschreiten� der Schulbehörden berechtigt Der Staat habe gegen die politische Verhetzung der Jugend mit allen Kräften den Kampf zu führen. Nach dieser Antwort setzte Genosse Heymann dem Minister auseinander, daß gercrde durch die ckte- der bolitifchc Äamvr in dip netra nen tveröe.„cach �� 7. 1_' t"w-•-X- a-i vuq jz � t_ m>- gierung der politische Kampf in die Schule getragen werb�.cach rechtsgültigen Gerichtsentscheidungen gelte selbst:n Preußen den Arbeitcrturnerbund nicht als politisch Orgcinis�wn. Politische Betätigung se, der Deutschen Turnerschost und oem Jungdeut, ch. landbund in viel höherem Maße nachzuweisen. Wen» die Re- gierung die Mitgliedschaft der Schüler-n diesen Vereul«« dulde, beim Arbelterturnerbund sie verbiete, so niache sie sich der be» wußten Parteilichkeit schuldig. Die bureaukratische Usberhebung, die auf alle Schöpfungen oer Arbeiterklasse gering. 'chätzig herabsehe, äußere sich hier wieder in den krassesten Formen. �.. In der anschließenden Debatte tzaien der ZentrumSfuhrer Grober, der Nationalliberale v. H l e der Konsewatrv« W o l f f und mebr oder minder selbst der Volksparterler Fischer dem Standpunkt des Minister» bei..Als Grober eS so barstellte, als stehe die Pflege sozialdemokrat, icher Gesinnung im Wider- spruck mit oer sittlicken Erziehung. V�t-stierte Genosse Keil durch heftige Zwi ch-niuf- gegen diese Besch, mpsungen und be- zeichnete sie wiedcrlwlt ols„unvcr,chamt. was ,hm mehrere Ord- nungsrufe eintrug. Kräftig ging sowohl mit den.bürgerlichen Rednern als auch mit dem Muusier Genosse H. loe n b ra n d ins Gericht. Er kennzeichnete die Mffassung des MimsterS als die zum P r i n z i p e r h o be n e W i l l k u r und erklärte, dte Herren dürften sich nicht einbilden, daß sie durch das gegen d>« Ardeiterturner S-sKtten- AuSnahmerecht �e Arbeiterjugend in» Lager der bürgerlichen Jugend- und Sporwereinigungen hinein- treiben könnten. Mit der Forderung der Gleichberechtigung der Arbeiterturner werde nunmehr die Sozialdemokratie vor die Wäbler treten. Um den Erfolg fei öS ihm nicht bange. Heymann iciate noch an der Hano zahlreicher Lenpiele. wie die Deutsch« ? urnerschaft systematisch den Kampf gegen die Sozialdemokratie. also Politik in der gehässigsten Form treibt. Dieser Kämpf der Behörden-gegen die Lrbeiterturner wird auf das politische Leben in Württemberg nicht ohne Einfluß bleiben. A MM M isdil Kt�ClCo« Die reaktionäre Welle. Paris, 7. Juli.(Eig. Ber.) Die geeinigte Partei hat am Sonntag im ersten Wahlgang das Mandat von I s s o u- d u n, das der verstorbene Genosse Dufour inne hatte, an einen„republikanischen"— oder wie es früher hieß—„un- abhängigen" Sozialisten verloren. Dieser erhielt 6989 Stimmen, gegen 4249 im ersten Wahlgang. Der größte Teil der 2913 Wähler, die im ersten Wahlgang für einen„republi- konischen", d. h. reaktionären Kandidaten gestimmt hatten, ging für den„Unabhängigen" zur Urne. Kandidat der ge- einigten Partei war Genosse D e s l i n i s r e s, der bekannte Theoretiker, der vor der Einigung zur Guesdistischen Partei gehörte und auch vor einiger Zeit mit dem seltsamen Vor- lchlag eines vom Parlament zu bewilligenden sozialistischen Experiments in Marokko hervorgetreten ist.— Das Wahl- ergehnis ist sicherlich zu bedauern, aber doch nicht eigentlich als Niederlage der Partei zu bezeichnen, da Dufour manche loyalen Beziehungen und Interessen zugute gekommen waren. Entschieden noch ungünstiger ist, in größerem Zusammen- hang betrachtet, das gestrige Ergebnis in Charolles im Departement Sadne-et-Loire, trotzdem die sozialistische Partei das Mandat des gleichfalls verstorbenen Genossen D u c a- nouge im zweiten Wahlgang voraussichtlich behaupten wird. Unser Kandidat war der GrubenvertrauenSmann M e r l e. lockc.Beri'n Truck u Verlaa VorwäriSBuchfr u: aufwies,«inen beträchtlichen Rückgang, der, auch wenn man berücksichtigt, daß der Kraftverbrauch für Licht- zwecke im Mai geringer war als im April, doch zum größten Teil wohl auf den langsameren Gcfcbäftsgaug in Gewerbe und Handel zurückzuführen ist. Daraus ergiot sich, daß bei Beurteilung dieser Ziffern zunächst die Verschiedenheiten zu berücksichttgen sind, die sich aus dem Wechsel der Jahreszeiten in dem Verbrauch an elektrischer Kraft für Zwecke der Lichtcrzeuaung ergeben. Es wäre deshalb er- wünscht, wenn die für Lichkzwecke bestimmten Strommengen gesondert angegeben.werden könnten. Das läßt sich jedoch nicht durch- führen, da bei den Zentralen selbst sehr häufig nicht auseinander- gehalten werden kann, welchen Verwendungszwecken der von ihnen abgegebene Strom dient. Ferner ist zu berücksichttgen, daß in den von Monat zu Monat eintretenden Veränderungen nicht nur der Mehrverbrauch der an die einzelnen Zentralen bereits ange- schlossenen Verbraucher zum Ausdruck kommt, sondern auch die Wirkung der Neuanschlüss« an die Zentralen. Naturgemäß weist die Anschlußbewegung bei den einzelnen Zentralen, je nachdem der »stromabsatz von ihnen mehr oder minder eifrig und geschickt ge- fördert wird, große Verschiedenheiten auf. Man kann also die Sta- tistik über die erzeugten Mengen elektrischer Kraft nur mit gewissen Vorbehalten zur Beurteilung der wirtschaftlichen Gesamtlage her»». ziehen. Auch wird man sie für diesen Zweck erst dann verwenden können, wenn sie sich über längere Zeiträume erstreckt, so daß sich gewisse Kurven ergeben, an denen sich der Kraftveibrauch ablesen läßt. Jedenfalls läßt sich das eine jagen, daß zunehmende Erzcu- gung und wachsender Verbrauck von elektriscber Kraft nach Berück- sichtigung der besonderen Einflüsse, denen ihre Verwendung durch den Wechsel der JahreSzeiien unterworfen ist, unmittelbar auf zu- nehmende Lebhaftigkeit in der wirtschaftlichen Tätigkeit schließen lasse. Das gilt auch dann, wenn der Mehrverbrauch elektrischer Kraft zum Teil dadurch bedingt wird, dnß andere Betriebskräfte. wie Wasser, Dampf, tierische oder menschliche Arbeitskraft, durch den elektrischen Strom ersetzt werden. Den» regelmäßig wird mit dessen Einführung auch eine Steigerung v". Intensität der Arbeit ver» bunden sein. Unigekehrt wich also auch das Nachlassen des Ver- brauch» den Schluß aus eine Verlangsamung der wirtschaftlichen Tätigkeit zulassen."__ Ein prinzlichcr Gründer. Unter den Berufsgenossen unserer Souveräne von Gottes Gnaden finden sich immer mehr Häupter, die sich iu Geschäfte einlassen, auf die ein echter Junker al§ nicht recht standeswürdig herabsieht. Wie die bürgerliche Presse meldet, hat Prinz Heinrich XXXII. R e u ß j. L. vor einiger Zeit zwei Kautsckulplantagen in Deulscki-Ostafrika erworben und diese in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung eingebracht. Prinz Reuß ist zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der neuen„Mango Marimba G. m. b. H." geworden. Das prinzliche Interesse hat der G. m. b. H. aber nicht das Schklfsal erspart, die auch sonst kolonialen Neugründungen blüht: die Mango Marimba schlob im ersten Jahr mit einem Verlust von 45 000 M.. im zweiten Jahre mit einem Verlust von 27 703 M. ab. Arbeitermangel und Trockenheit schadeten der Ausbeute auS den Kautschukpflanzungen, so daß sich die G. m. b. H. in Zukunft auch anderen Kulturen zuwenden will. Kohlenprofite. DaS„Kohlenkontor", das sich aus dem Rheinisch« Westfälischen Kohlensyndikat und Mitgliedern dieses Syndikats zu« sammenietzt und eine KohlenvertriebSgesellschaft des SyndikaiS darstellt. erzielte im vergangenen Fahre einen Gewinn von 7V Pf. pro Tonne Beteiligung. Da die Gciellichafter des Kontors zusammen eine Beteiligung von mehr als 9 Millionen Tonnen besitzen, ergibt das einen Gewinn von über 6 Millionen Mark. Davon sollen 55 Pf. als Dividende pro Tonne Beteiligung ausgezahlt werden. während 15 Pf. der Kapitalbeteiligung der Gesellschafter zugerechnet werden.— Der Versand des Kontors, der sich über die Rheinhäfen nach Süddeutschland und die Niederlande erstreckt, erfubr im ver« gangenen Jahre ein« Steigerung von 1,1 Millionen Tonnen auf 12,3 Millionen Tonnen._____ Hus aller(ftelt. Hllcrhöcbfte Leluftigungen. Ter Herausgeber der konservativen„Grenzboten", Georg C l c i n o w, veröffentlicht zurzeit in den„Grenzbvtcn" den literari- scheu Nachlaß des verstorbenen Ministers Kiderlen-W aechter. In Briefen und Tagebuchblättern wird da». a. geschildert, wie man sich im Anfang der 90er Jahre auf den Rordlandreisen des Kaiser» amüsierte. In einem Briese Kiderlen-WaechterS vom 28. Jutr 1831 an fein« Schwester heißt eS: .. Abends sind Zauber- und Theatervorstellungen.?ch bin bereits in zwei Stücken ausgetreten, im„Gespenst um Mitternacht" als Kellner Kaleb und in„Othellos Er- folg" als Fräulein Eulalia Weizenkorn'.!! In einem improvu jierten Ti n ge l tangel häbe ich mit G... die siamesi- schcn Zwillinge gemacht; zusammengewachsen waren wir mit einer großen Servelatwurst. G... war der um ein Jahr ältere Zwillingsbruder!!! So wird allerlei Unsinn gemacht; die Tage würden sonst zu lang.* ( Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, hatte sich die kaiser- liche Nordlandrcisegesellschast ein Statut geschaffen. An der Spitze der Gesellschaft stand der„Allerdurchlauchtigste Fahrtenmeister" Kaiser Wilhelm II. Die übrigen Teilnehmer waren in Oberfahrt- gesellen und Vizeoberfahrtgesellen eingeteilt.«Auszeichnungen" und„Rangerhöhungen" gab es die schwere Menge. Eine„Beförde- xungsliste" nennt folgende Rangerhöhungen: Es wurden ernannt: die Oberfahrtgesellen: Graf Valdersec, zum Punschwart; von Hahnke, zum Oberschlürfer und Oberkapell- xneistcr in Eß-dur; Graf Görtz, Proteus, Sachverständiger in Un- fallangelegenheiten und Sangesbruder; Graf Wedel, Sachverständi- ger in Eti-Piquet- und sonstigen Angelegenheiten; Graf Eulen- bürg, Festbarde und Polarskaldc; Dr. Leuthold, Eis- culap 1. Klasse; Dr. Güßfeldt, Sachverständiger in Berg- und Tal- angelegcnheiten; von Senden, Navigationsoffizier unter beiden Wendekreisen, namentlich aber des Krebses, sowie bei sonstigen Festfahrten; von Arnim, Nobelhornist und Sachverständiger in Wojcn-Unfallangelegenheiten; von Lyncker, Direktor der geistigen usw. Getränke und Sachverständiger im allgemeinen und beson- deren; von Hülsen II, Seeschlangenlbändigcr, Eispoet und Nord- stern 1. Größe(in Anbetracht seiner besonderen Verdienste); ferner wurden befördert die Vize-Oberfahrtgesellen: von Lippe, zum Schlürfer und Sachverständigen in Froschangelegenheiten; von Kessel, Eisschnurrer 1. Klasse, Aeolus und Flaschenwart; von Kiderlen, Lustbarde, Schriftwart und Wiegenfestlootse; von Bülow, Doktor der Seekrankheit und Dünnungsmeister; Saltzmann, Eis- onkel und Sachverständiger in Oel und Essig; von Scholl, Seeunge- heuer; Truppel,'Sachverständiger in Bordstreitigkeiten; Götz, Steuerrat und Sachverständiger in Frischwachsangelegenheiten; Dr. Schneider, Eisculap 2. Klasse; von Hülsen I, Eisgorilla und Sach- verständiger in Pistolenangelegenheiten; von Zitzewitz, Eisschnurrer L. Klasse, Sachverständiger in Mondscheinangelegenheiten und Eingebold; Berger mit dem Charakter als Philonhmphe, gleichzeitig die Aussicht auf eine Nereide erteilt, für deren stündliche Ablösung das Seeungeheuer zu sorgen hat; Breusing, Cocktailor und Kapitän zur See mit der Bezeichnung„not het". Kaisevlichc Gunst ist ein treffliches Sprungbrett! Was Wunder daher, daß an manchen der mit närrischen Titeln geschmückten Fahrtgesellen ganz besondere Fähigkeiten entdeckt wurden, die fie geeignet erscheinen ließen, auch im zivilen Beruf hervorragende Stellungen zu bekleiden. Nur einem, dem Festbarden und Polar- fkalden, wurde es in den hoben Regionen zu kalt. Als ewig Ange- klagter trauert er in Liebenberg, daß für ihn noch immer keine Zuchthauszelle gebaut worden ist. �-amiliendrama iu München. In München hat sich am Mittwoch vormittag auf der Großhesseloher Brücke ein furchtbares Familiendrama ab- gespielt. Eine Frau stürzte sich mit einem etwa 4 Jahre alten Mädchen von der Brücke in die Isar. Die Leiche der Frau und ebenso das Kind konnten bald geborgen werden. Letzteres gab zwar noch schwache Lebenszeichen von sich, starb aber bald darauf. Kurz vor dem Todessprung der Frau schwang sich ein Mann, wahrscheinlich der Ehe- mann der Ehemann der Frau, nachdem er zuvor einen Knaben in die Isar geworfen hatte, über daS Geländer der Brücke. Die Leiche des Mannes konnte noch nicht gefunden werden, ebenso ist der Knabe noch nicht ge- borgen. Der Name der Familie ist gleichfalls noch nicht er- mittelt._ Ein Naturwunder. Wie aus M a d r i d gemeldet wird, hat am Dienstag eine eigen- artige Naturerscheinung in der Umgebung von Valencia großes Unheil angerichtet. Gegen 4 Uhr nachmittags bemerkte man eine etwa 10V Meter hohe Feuersäule, die sich mit großer Ge- schwindigkeit fortbewegte. Alles, was in den Bereich der Feuerhose kam, wurde niedergebrannt. Die Naturerscheinung verschwand etwa 200 Meter vor dem Dorfe Alcocer, nachdem sie Flammen nach allen Richtungen verteilt hatte. Es blieb ein st arker Pulver- g e r u ch übrig. Die Bewohner der Dörfer eilten in die Kirchen, da sie ein Strafgericht des Himmels vermuteten. Zur selben Zeit wütete über den Dörfern Benavites und Cuartil ein heftiger Sturm, der von einem Steinhagel begleitet war. Es fielen Steine bis zu einem Kilogramm Gewicht. An der- schiedenen Stellen lagen die Steine 16 Zentimeter hoch. Ein mißglückter Flug Berlin-Paris. Der bekonnte französische Lustschiffer AudemarS stieg Mitt- wach früh 4 Uhr in Johannistal zu einem Fluge Berlin- Paris auf, um den dafür ausgeworfenen Batschari- Preis von 10 000 M. zu erobern. In der Nähe von Gütersloh(Westfalen) erlitt AudemarS' Flugzeug bei einer Notlandung einen Propeller- bruch, so daß AudemarS seinen Flug aufgeben mußte. Der Flieger will seinen Flug in den nächsten Tagen von Johannistal aus wieder- holen._ Kleine Notizen. Arbeiterschicksal. Eine folgenschwere Explosion ereignete sich DienStagnachmittag in der chemischen Fabrik Mannheim-Wald- Hof. Der 30 Jahre alte Arbeiter Georg Froschauer und der 40 Jahre alte Arbeiter Nikolaus Müller erlitten dabei so schwere Verletzungen, daß sie in daS Krankenhaus gebracht werden mußten, wo sie nach kurzer Zeit ver starben. Ein dritter Arbeiter trug ebenfalls schwere, aber nicht lebens- gefährliche Verletzungen davon. Straßcnbahnunfall in Kassel. Am Mittwoch vormittag 10 Uhr fuhr ein Straßenbahnwagen in voller Fahrt die abschüssige Bahn- Hofsstraße in Kassel hinab, sprang am Lutherplatz aus dem Gleis und stieß mit voller Wucht gegen ein Haus. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert. Der Führer und eine Frau erlitten Rippenbrüche und äußere Verletzungen. Der Schaffner, der sich im Innern des Wagens befand, wurde durch Glassplitter einer zertrümmerten Fensterscheibe erheblich am Kopfe verletzt. Die Cholera in Belgrad. Mehrere Verwundete in den Belgra d er Hospitälern sind an Cholera erkrankt. Ihre Isolierung in Cholerabaracken ist bereits durchgeführt. Der Mangel an Aerzten macht jedoch durchgreifende Maßnahmen gegen die Seuche u n m ö g- lich, so daß ein rasche» Weiterumsichg reifen der Epidemie zu befürchten ist. Todessturz eines Fliegers. Der amerikanische Aviatiker Leutnant Call stürzte während eine» FlngeS bei TexaS-City mit seinem Apparat ab und blieb sofort tot. frauen-LefeabencU. Martendorf. Chausseestratze 283. Freitag, den 11. d. Mts., abends S Uhr, bei Herold, Verein für Frauen und Madchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 16. Juli, Besichtigung der städtischen Wasserwerke am Müggelsee. Abfahrt vom Schlestschen Bahnhof nachmittags 1.68 Uhr bis Friedrichs- Hägen.— Donnerstag, den 24. Juli, Dampserpartte nach Woltersdorser Schleuse(Restaurant Schmidt). Abfahrt srllh S Uhr von der Schillingsbrucke. Lrlefkatten cler l�eckaktion. Die laristiiche Cpreqstunde findet Lindcnftraße es, vor» die« Treppe» — Fahrstuhl—, wocheniiiglich von iVi bis 74h Uhr abends, Sonnabends, bon 4'/-j bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmte« Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briesttche Antwort wirb nicht rrtrilt. Ansragcn, denen keine Zlbonnemenisquittung beigefügt ist, rcrd-ll nicht braniwortct. EUigc Fragen trage man ti� der Sprechstunde vor. A. R. 60. Das Gesuch kann auch während der Gerichtsserien erledigt werden.— B. 8. Der Klage aus Scheidung wegen böswilliger Verlassung mutz die Klage aus Wiederherstellung der häuslichen Gememschast voraus- gehen. Erst dann, wenn die Frau binnen Jahresfrist nach Rechtskrast des aus Wiederherstellung lautenden Urteils nicht zurückkehrt, kann die Scheidungsklage erhoben werden. Nach Staltfinden des Sühnetermins beaustragen Sie einen Anwalt mit der Klageerhebung. Schwerhörig. Die Invalidenrente wird nicht zu erreichen sein, da mehr als zwei Drittel Erwerbsunfähigkeit nachgewiesen werden mutz. Wir halten es für zweck- mätzig, bei der Versicherungsanstalt das Heilverfahren zu beantragen.— Laube 84. Ihre Frage lätzt sich erst nach Einsichtnahme des Pacht- Vertrages beantworten. Schicken Sie diesen unter Wiederholung Ihrer Anjrage ein oder kommen Sie in die Sprechstunde— A. I. Ja. — Adlershofer Abonnent. 1. Die Uebereignung an Ihren Schwager ist nicht notwendig; für den Fall der Pfändung kann Ihre Frau inter- veniercn. 2. Binnen 30 Jahren.— Z. R. 81. Unseres Erachtens ja.— — W. 30. Für die Zeitdauer der Krankheit sind Sie nicht zahlungs- pflichtig. Es jrägt sich nur, ob nicht nach bem Vertrage Unterricht ge- nommen werden mutz.— H. 1000. Die Beschlagnahme der Mieten könnte sich auch aus die Monate April bis einschlietzlich Juni erstrecken. Ob dies der Fall ist oder nicht, lätzt sich nur nach Einsich tnahme in den PsändungS- und Ueberweisungsbeschlutz� beurteilen.— F. H. 70. Sic baben Anspruch aus Befreiung von der Steuer für die Monate Slprll, Mai, Juni.— A. 100. Zu der Ucbung sind Sie verpflichtet.— P.®. 74. Der Standpunkt der Firma erscheint begründet.— M. Sch. 86. Die für den betreffenden Truppenteil in Betracht kommende gesetzliche Dienst- zeit.— Berlin C. 1. Nein, soweit der seinerzeit geschlossene Ueber- eignungSvertrag formell gültig ist. 2. und 4. Die Stempelung oder Nicht- stempelung eines Vertrages bat aus die Wirksamkeit keinen Ein stutz. Es kann nur Stempelstrase in Betracht kommen. 3. Nach Ihrer Darstellung nein. 5. Nicht erforderlich, da Sie Erstpsänder sind.— W. 306. Die Frau 1,08 M., jedes Kind 36 Pf. pro Tag bis zum Höchstbetrage von 2,16 M.— W. K. 00. 1. und 2, Ja, 3. Antrag an das VormundschaftSgericht. — Sllter Abonnent 1913. Ja, sosern durch ärztliches Gutachten bezw. durch Zeugen daraelan werden kann, datz der Bruch sich nicht allmählich eingestellt hat, sondern plötzlich beim Heben der Kartoffeln hervorgetreten ist. 2. Den?lnspruch melden Sie beim Versicherungsamt Züllichau an. 3, und 4. Die Kosten wird vorausstchllich die Berussgenossenschast tragen. Eine Verpflichtung, sich der Operation zu unterziehen, besteht nicht. Z., 7. und 8. Nein. 6. Ja.— Erbschaft. Ihre Anfrage ist tn der Nr. 162(Sonn- tag, den 23. Juni) beantwortet.— Koplin. Gerichtliche Schritte sind aus- sichtslos.— E. H. 35. Für den Fall Ihres Ablebens würde die Hälfte an Ihren Mann, die andere Hälfte an die Geschwister fallen. Ver- stirbt Ihr Mann vor Ihnen, so haben dessen Verwandte au dem von Ihnen hinlcrlassenen Vermögen keinen Anspruch. Die gesetz- lich« Erbsolg- lätzt sich aber durch Testament anders gestalten. — L. E. St. 144. 1. Sofern die Mutter Eigentümerin ist, hat sie allein daS VeräußerungSrecht. 2. Der Sohn könnte Rückzahlung des DarlehnS verlangen.— Friefia. 1. Für die Zeit bis Ende Oktober ja. 2. Erst dann, wenn Sie zur nochmaligen Zahlung ausgesordert werden.». Nein. 4. Die Anmeldung mutz beim KonkurSgericht geschehen, falls der Konkurs- Verwalter nicht vorher zahlt. 5. Bevorrechtigte Forderungen gelten nur bis zum Tage der Konkurseröffnung.— C. F., GotzkowSkystr. 34. 1. Nein. 2. Geldstrafe bts zu 1500 M. oder Gesängnisstrase bis zu einem Jahre.— M. H. Warten Sie den Bescheid des Polizeipräsidenten ab.— Carmen 3. Zwischen 10 und 6 Uhr mit Ausnahme deS Sonntags. SIE II IGE* Uunior o — Saison- Ausverkauf in unseren s&mtlichen Geschäften Ermäßigung bis Serie 1 5 80 früherer Wert.. 9-50 Serie II 8 90 früherer Wert. 10.50 Serie III 80 9 früherer Wert. 12.50 - Serie IV- ll früherer Wert. 15.50 Besichtigung erbeten» Kein Kaufzwang» Man beachte die Schaufenster Carl Stiller smiss W, Leipziger Str. 29 Ick» Friwbicbatr.(Miaiariuuu) Hotel Fürstenhof V. KOnlggritxcr Str. 134-1» S, Oranienstr. 155-156 Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, USA 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts liindcnstr. 60. Quali/a/s Cioafene Deutscher Holzarbeiter-Verband. Tcrwaltnne Berlin. gtd>t""a' Schirmmachen! 3td'tuni' Heute Donnerstag, den tv. Juli, abends 8 Uhr, im Marinehaus, Brandenburger Ufer: Gr. Versammlung aller in der Schirmindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. 8S/14 Tagesordnung: 1. Vortrag:„Die moderne Arbeiterbewegung." Referent: Genosse Br. Stephan. 2. Branchenangelegenheiten. Achtung: Einseiaer. Achtung: HP" Die Bezirkssitzungen"WW finden heute, Donnerstag, den 10. Juli, abends 8 Uhr, in den bekannten Lokalen statt. IMe Ortsverwaltnng. | Todes-Anzeigen| Verband der Sattlern. Porteleniiler Lrtsverwaltuug Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Täschner Igosti osieglovske Werkstatt E. G. Grosse, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 10. Juli. nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen.' halle des Gemeinde-FriedhoseS, ?IIt-StraIau, Tunnelstr., aus statt. 157/5 Die Ortsverwaltung. Zlllen Verwandten, Freunden und Nollegen die traurige Nachricht, dag mein lieber Mann, der Arbeiter Oslrai' Grosehke am i. Juli verstorben ist. Die trauernde Witwe I'raa tironcdlie. Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittag 3'/,Ubr, von der Leichenhalle des Dankeskirchhofs, Scharnweberstrage, aus statt. Deutseher ßauarbeiterverband. Zwelgrcrein Berlin. Am 4. Juli starb unser Mit- glied, der Bauarbeiter Oskar Grosehke (Bazirk W cd ding). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 10. Juli, nach. mittags 3'/, Uhr. von der Halle des DankcZkirchhofeS in Rcinicken- dors-Wcst, Blankcslrage, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 143/14 Ber'Vorstand. Deutseber Transportarheitep-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Auto- sührcr Oskar Schönhut am 5. d. MtS. ißt Alter von 59 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken l 66/10 Die Bezirksverwallung. Banbsagong. Für die vielen Bewcfic Herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung unserer unvergeßlichen Mutter, der Witwe Paulme Schreiber sagen wir allen, besonders dem sozial- demokratischen Wablverein deS sechsten Nrcijcs und dem Transportarbeiter- verbände unser» besten Dank. 34A Im Namen der Hinterbliebenen Geschwister Schreiber._ Verantwortlicher Rcdalteur! Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, gute» Mutter und Großmutter Lina Kleeblatt sagen wir allen Verwandten und Bc- kannten, dem sparverein„Vergnügte Armut" und den Sängern unseren herzlichsten Dank. 1484b luilwig Kleeblatt und Kinder. Spezialarzi Haut-, Frauenleiden. Ehrlich-Hata- Blutuntersuchung. Schnelle, sichere Heilung. Maß. Preise.•* Dr.mel Wockenluß, Friedpichstp. 125, Oranienb.Tor. Spr.8-8. Sonnt. 8-11. Zurückgekehrt Dr. Kassel, Spezialarzt sür Kinderkrankheiten, Schönhauser Allee 124. l.nndp:»mcll«n b. Buckow hint. Britz, 10 Min. v. d. elektr. Straßenb., verk. spottbillig Holort, Lankwitz, Dcrfflingcrstr. 4. Sonntags von 10 Uhr ab Restaurant Rohrbcck, Buckow. 266/15* 300 Mark 104/4' Anzahl, an verk. Parz. von 2000 M. an. 10 Ps.-Tour elektr. Bahn. Linie 164. Hohenschönhausen, Hauptstr. 17, Hs. pt. Wanderkarlen hält stets vorrätig Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69(Coden) IjD» Die Mitglieder werden ersucht, ihre Mitgliedskarten in ihrer Zahlstelle abzugeben mit der Erklärung, ob sie einer Nachmittags-,(Gemischten oder Abendabteilung angehören wollen und können gleichzeitig nach Zahlung des nächsten Beitrages von Mark 1.10 die neue mtsliedskurte für das Spieljahr 1918/14 (in der blsherisren Zahlstelle) in Empfane nehmen. Alle etwaigen Umschreibungen in eine andere Zahlstelle müssen spätestens bis Ende Juli bewirkt sein. X Zahlstellenvcrändcrnngen: Zahlstelle SÄ, bisher Augustin, befindet sich jetzt im Restaurant Kraatz, Kochstr. 39. Zahlstelle OO, bisher Schäfer, befindet sich jetzt im Konfitürengeschäft t». H Oller, Motzstr. 73. Nen! Zahlstelle KL: Xcnkölln, Hagedorn, Zigarrenladen, Mareschstr. 15. 244/18* Neu! Zahlstelle 65: Elchtenberg, Artur Stein, Zigarrenladen, Frankfurter Chaussee 45. Der Vorstand. I. V.; G. Winkler. Vermitullgsstelle Kerliu C 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185. 123». 1987, 9714. Sonntag, den 1». Juli, vormittags 10 Uhr: Mitglieder Uersammliingen für Königswusterhausen, Wildau umg�nd im„Wildauer Hof"(Inhaber: Kodanech. Tagesordnung: 1. Bericht vom Verbandstag in Breslan. 2. Bczirksangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt, Sonntag, den 13. Juli, nachmittags 5 Uhr: Für Grünau, Bohnsdorf, Alt-Glienicke und Falkenhagen im Lokal von Schönebcrg, Grünau(am Bahnhof). Tagesordnung: 1. Bericht vom VerbandStag in Breslau. 2. Wahl eines HauSkassierers. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert k Der wichtigen Tagesordnung wegen ist cS Pflicht eines jeden Kollegen, in diesen Versammlungen zu erscheinen. 121/14 Die Ortsverivaltnns. Zhcutcr. DonnerSta, den 10. Juli 1913. Ansang 7'/, Ubr. Prater. Das Bummclmädchen. Aniang 8 Ubr. Urania. In den Dolomiten. Kroll-Lper. Lavaleria rusticana. Bajazzo. Schiller O. Don Juan. KleineS. Projessor Bernhard!. Äerlincr. Fiimzauber. Thalia. Puppchen. Metropol. Die Kino-Königin. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshalle«. Stcttiner Sänger. Aniang 8'/, Ubr. KomödienhauS. Hochherrschastlichc Wohnungen. Friedr.- Wild. Schauspielhaus. Das Farmcrmädchcn. Lustkpiclbaus. Der lustige Kakadu. Rose. Tagebuch einer Verlorenen. Luise». Die Allwördens. Folies Caprice. Ein Pechvogel. Die Krampssache. Ansang 8'/, Ubr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Deutsches Schauspielhaus. Eine Vergangenheit. Theater am Nollcndorsplah. Der Mann mit der grünen Maske. Ansang 9 Ubr. AdmiralSpalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. »» * Sternwarte. Jnvalidenstr. 57— 62. Sehiller-TheaterO.lS: Sachse-Oper. Donnerstag, abends 8 Uhr: Don Jnan. Freitag, abends 8 Ubr: Zar und Zimmermann. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Jüdin. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Undine.(Zu ermaß. Preisen.) Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. Deutsches Schansplclhuns 6'/. Uhr:(fine Bergangenheit. Kroll-Oper 8 Uhr: Cavalleria rusticana und Bajazzo. (Gastspiel: Max Garrison.) Freitag: Der fliegende Holländer. TheateramKollendorfplatz Täglich 81/, Uhr: Burleske Tvielc. TerMann mit dergriinen Maske Außerdem: Das erstklassige Varieteprogrammund Kino. OSE=THEATE| iRcoße Frankfurt er Str. 132. Ensembl Gastsp.Oedak-Lutz Tagebuch einer Veriopenen. Ansang S'l, Uhr. Aus der Gartcnbühne: .�.elitrtnitz! üs geht los I Aniang l'/i Uhr. Jltetropol-theater. vibenbä 8 Uhr: Die Kino- Königin. Operette in 3'Akten von Iul. Freund und'G. Okonkowski. Musik von Jean Gilhert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. mW:. • LOGISCHER• GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert, Eintritt 1 Hark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Passage-Panoplikum I>er persische Angenfaklr in seinen fanat. Derwisch- Martern (hebt u. a. mit den Augen schwere Gewichte). 3 Schwestern Liliput, die kleinst. Schwest. der Welt. Alles lebend!"Wß Ohne Extra-Entrce! VolUsgarten- Theater. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/25. Donnerstag, den 10. Juli: Unsere Don Juans. Gesangsposse in 4 Akten v. L. Treptow. Dazu: die glänzenden Juli-Spezial. Heute: Gr. Brillant-Feuerwerk. Anfang 4 Uhr. RelchZhallen-Theater Stettiner Sanger. 3). grobe Gottlieb. Burleske von Meysei. Anf. 8 Uhr. Ab 16. Juli: Gastspiel der berühmten Dresdener Victorla-Sanger Stadt-Theater Alt-Moabit 47/48. Theater imbSpezialltäten. (% Solm kii Ii iill'.cs Steuerfreie Preise. Anf. 5 Uhr. VoiKt- Theater " Padftraffe 58. Heute sotvie täglich: Ge�oiuiene Herzen. Volksstück mit Gesang und Tanz in 3 Akten von.(?. Müller. Vollständig neue Spezialitäten». Kassenöffn. 10 Uhr. Ansang 4'/, Uhr/' Berliner Prater-Theater 7—9 Kastanien. Allee 7—9. Tilslich: Das Bummclmädchen Gr.Ausstatlungsp. in 4 Akt v. M.Hcye Musik von Hirsch und Schrcycr. Grstklass. Spezialitäten. Konzert. Ansang 41/, Ubr. Eintritt 35 Pf. AdmiralSpalast Einz. EiHpalaHt der Welt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt Allabendlich Flirt in St. Boritz. Bis 6 Uhr und von IG/, Uhr halbe Kassenpreise. on Jojeiw neit-y. am Brauerei Friedrichshain mma ■ Am KöniqStor. Ock.: Ernst Elcblng.■ BV Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag:"StflB Kaffee-Irei- Vorstellung der Norddeutschen und Apollo-»Unser I bei freiem Gntree ----- Sllngep Freitags: Frei-Kouzert. fl Neue Welt. Arnold Scholz. Hasenheide 108/114. OEORCj AJASMATZI DEUTSCHE DRESDEN CI&ABETTEM FABRIK A 1 6err®ach«7 Berlin. Für den Luserahenteil vckrantw.: Th7Glöcke.Lepltlt. Druck».Verlag: Lorwärt»"«uä��ckerei u. Vcxtagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SM jfleute Donnerstag, tten 10. 1913! ♦ Elite-Tag ♦ Großes Brillant- Jeuenoerk Beschießung und Zerstörung von Adrianopel. Anfang 5 Uhr.__ Jiniree 50 Pf. luT Neuen SaaTT" Großer Ball. Olme jede Anzahlung m Ertttklassigcx Fabrikat! Dl Q 11 fl C(9 X prämiiert, Stuatsmed.) M. I I U II U in a'len üo!2- und Stilarten,» * von wunderb.Tonf.(Flügelton). K Flügel Harmoniums verkaufe ich sowie 36 o-eo-en kleine raonatl. Teilzahlung.— Eür jede« Instrument g geTwührc ich zwanzigjährige ucbrlftl. Uarantic. ConradKrauseNchfgH�l�i1;: Auch Sonntag» gettlTnet. Hr. 173. M Jahrgang. 2. Keilme>» Junrirts" Mm pMliilt Donnerstag, 10. Inlt 1918. 5Jt. Gin angenehmer„Kollege". AuS der»A r b e i t" des Polizeispitzels machten wir in 169 einige Mitteilungen. Wir schilderten die Tätigkeit jener Vigilanten, die am Tage einem sie nährenden Beruf nachgehen und nur am Abend oder an Sonntagen sich in den Dienst der Polizei stellen. Sie übernehmen hauplsächlich.Kontrollgänge", auf denen sie allerlei Verstöße gegen Polizeivorschriften durch Observierung festzustellen suchen, z. B. Verspätungen des Ladenschlusses, Ueber schreitungen der Polizeistunde, Reglementswidrigkeiten von Straßen dirnen usw. Wir erfahren jetzt von dem Treiben eines Vigilanten, der am T a g e s e in e n A r b e i t s w a g en fuhr, am Abend aber .Kontrollgänge" für die Polizei leistete. Erst vor kurzem ist es seinen Kollegen gelungen, die Doppelnatur dieses Kohlenkutschers und Polizeivigilanten zu durchschauen. Es handelt sich um einen 22jährigen Kurscher Paul Bergemann, der in Neukölln im Hause Knesebeckstraße 24/25 bei seinen Ellern wohnt und bisher Beschäftigung in dem auf demselben Grundstück befindlichen Fuhrbetrieb von Paul Jahn gehabt hat. Aufgefallen war bei Bergemann, daß er öfter schon bald nach Feierabend in nobler Kleidung durch die Straßen flanierte. Auch wurde bei ihm zuweilen mehr Geld bemerkt, als man nach seinem Arbeitslohn erwarten konnte. Aus dem Lohn hatte er sogar weniger Einkommen als seine Kollegen, denn er arbeitete gegen geringeren nicht tarifmäßigen Lohn. Der Verdacht, daß er am Abend noch einem Nebenerwerb nachgehe, wurde zunächst scherzweis geäußert. Im Hinblick auf seine noble Kleidung ulkte ihn einer an:»Du bist wohl Achtgroschenjunge?" Aber Berge mann verstand keinen Spaß und fuhr heftig auf:„Wenn Du Dir nochmal so was erlaubst, dann lasse ich Dich hochgehen." „Hochgehen lassen" wollte er den Kollegen? Das klang ja sehr sonderbar! Mit dieser Aeußerung, die ver- dächtig an die Sprache eines auf seine Beziehungen pochenden Polizeivigilanten erinnerte, brachte Bergemann selber den Stein ins Rollen. Den„Kollegen", der so sehr dafür schwärmte, nach Feierabend in nobler Kleidung durch die Straßen zu spazieren, sah man sich nunmehr etwas näher an. Organisiert war er nicht, das glaubte man zu wissen. Aber, siehe da I Es stellte sich heraus, daß er dem Deutschen Transportarbeiter-Verband angehörte, in den er erst vor wenigen Wochen plötzlich eingetreten war. Er kam jetzt sogar zu einer Berriebsbesprechung, allerdings wohl nur deshalb, weil in der zu erörternden Lohnstreiligkeit zufällig er selber eine Rolle spielte und der Benachteiligte war. In dem verabredeten Lokal fand kurz vor Beginn der Verhandlungen sich ein Gast ein, der im Sckankraum mit dem bereits anwesenden Bergemann ein paar Worte wechselte und sich dann sogleich wieder entfernte. Ein Kollege,-der gleichfalls bereits anwesend war und das bemerkte, meinte einen Polizeibeamten des Reviers in dem Fremden erkannt zu haben. Trieb Bergemann die Sache so offen I? Jener Kollege war nicht wenig überrascht, daß Bergemann nachher im Laufe einer sich entspinnenden Unterredung gar kein Geheimnis aus seinen Beziehungen zur Polizei machte- Kergemann erzählte, daß er für die Polizei arbeite, und nannte als seinen Chef den Neuköllner Krimiualwachtmeister S t ü b i n g, der im Hause Neue Jonasstratze 35 wohnt. Haupt sächlich beschäftige er sich mit.Kontrollgängen", doch arbeite er auch anderes und„eigentlich alles". Manchmal erhalte er Aufträge, manchmal aber arbeite er auch ganz selbständig. Als Beispiel einer Verwendung zu wichtigem Dienst erwähnte er, daß bei dem B e- such deS Russenkaisers in Berlin die Polizei ihn am Ringbahnhof„Hermannstraße" einen Beobachtungsposten an- gewiesen habe. Damals wurde wohl der vom Zaren benutzte Hof» zug über die Ringbahngleise nach einem anderen Bahnhof geleitet. Bergemam, hatte den Auftrag, im Straßenpublikum die ihm als „verdächtig" bezeichneten Personen zu observieren, auf elwaige „Redensarten" zu achten und diese einem uniformierten Beamten zu melden, damit /löiigenfalls sofortige Festnahme erfolgen konnte. Ueber alles das plauderte Bergemann so ohne Scheu, daß der erstaunte Kollege schließlich in ganz gemütlichem Ton die Frage an ihn richtete:„Dann bist Du wohl sozusagen Achtgroschen- junge?" Diesmal nahm der Vigilant das nicht übel, sondern antwortete ebeni'o gemütlich:„Nein, ick bin über einem Acht- grosckenjungen, ich arbeite ja schon selbständig." Im Dienst der Polizei stehe er seit Herbst 1912, wo er vom Militär los kam, doch habe er auch schon vor seiner Militärzeir für sie gearbeitet. Uebrigens habe jeder Kommissar so seine vier, fünf, sechs Leute dieser Art zur Verfügung. Bergemann sei doch aber, meinte der Kollege, jetzt im Verband; ob denn die Polizei das leide.„Aber natürlich!" belehrte ihn Bergemann.„Ich wurde," erzählte er. ,ge> fragt, ob ich organisiert bin. Ich sagte„nein", da wurde mir ge- antwortet:„Es ist uns angenehm, wenn Sie o k g a n i s i e r t find; die Leute nehmen wir erst recht." Da habe ich mich organisiert." Da hat er sich organisiert! Wir vermuten, daß Bergcmann in nicht zu ferner Zeit auch Mitglied des sozialdemokratischen Wahlvereins zu werden versucht hätte. Aber damit ist es nun vorbei, nachdem er selber durch seine Geschwätzigkeit sich so gründlich entlarvt hat. Er schien große Pläne vorzuhaben und sprach von Hoffnung auf Anstellung, auf festes Einkommen, das ihm dann winkt. Seine Beschäsiigung bei Jahn hat er inzwischen verloren, und man weiß vorläufig nicht, wo er jetzt steckt. Am Ende hat er bereits Ersatz in einem festen Vigilantenposten gefunden? Oder vielleicht taucht er plötzlich an anderer Stelle wieder auf. Also Vorsicht vor diesem„Kollegen"! Partei- Kngelegenkeiten. Wilmersdorf-Halcnsce. Am Sonnabend, den 12. Juli, veranstaltet der örtliche Wahlverein im Viktoria- Garten, Wilhelmsaue 114, sein diesjähriges S o m m er fe st, bestehend in großem Gartenkonzert, humoristischen Darbietungen, Verlosung. PretSichießen, sowie unter Mitwirkung des Arbeiter-RadfahrerbundeS „Solidarität", Ortsgruppe Wilmersdorf. Außerdem findet großer Ball statt. Die Teilnehmerkarte kostet 25 Pf. Köpenick. Zum�., Volksfest" findet heute abend von 7 llhr ab von den bekannten stellen aus eine Flugblaltverbreitung statt. Tegel. Die ausgegebenen Bibliotheksbücher werden im Juli nur MoniagS, abends von 8— g'/z Uhr. zurückgenommen. Andere werden nicht ausgegeben. Im August bleibt die Bibliothek wegen Instandsetzung der Bücher geschlossen. Röntgcntal, Zepernick. Heute abend 8>/z Uhr: Zahlabend in •den Lokalen von August Lange. Siemensstr. 9 und August Adomeit, Faiser-Friedrich-Straße. Buch. Heut abend SV, Uhr: Zahlabend wnt zur Tanne. ßerllner N�cbncbten« Die Reichstagsersatzwahl in Zauch-Belzig fitKiet am Freitag, den 11. Juli, statt. Alle in Berlin arbeitende», in Zauch-Belzig wohnhafte« Arbeiter und Wähler haben die Pflicht, am Freitag in hhreul Wohnort ihr Wahlrecht im Sinne der Sozialdemokratie Aus- zuüben. Am Freitag kommt es auf jede Stimme an! Die sprechende Uhr. Die EntWickelung des Uhrenwesens hat im Laufe de X Zeit erhebliche Fortschritte gemacht. Das zeigte gestern zi\ einem Vortrage Professor Wilhelm Förster, den er im Hotel „Prinz Albrecht" vor einem geladenen Publikum hielt und in welchem er nachwies, in welcher Weise in den verschiedensten Zeitperioden die Zeitbestimmung erfolgte. Der bekannte Uhrensammler Karl Merfeld, der vor einiger Zeit seine große Uhrensammlung an Pierpont Morgan veräußert hat, aber noch heute einige wunderhübsche Seltenheiten von Uhren besitzt, legte dar, wie die hochentwickelte Technik unseres Zeit- alters mit ihrem Suchen nach Zeitersparnis jetzt d i e sprechende Uhr gezeitigt habe. Diese Uhr, die vor- gesührt wurde, ruft nach Ablauf einer viertel, halben oder vollen Stunde die Zeit mit menschlicher Stimme aus: 9 Uhr, 10 Uhr 45. 11 Uhr 15, 12 Uhr usw. Sie wiederholt diese Zeit beliebig oft, wenn man auf einen Knopf drückt. Die Uhr kann man beliebig abstellen, wenn man nicht gestört werden will. Man kann aber auch dann, wenn das Rufwerk des Nachts abgestellt ist, jederzeit durch Drücken auf einen Knopf bis auf die Viertelstunde erfahren, wieviel Uhr es ist. Man kann die Uhr so stellen, daß sie uns nur eine bestimmte Zeit zuruft. Die Konstruktion des Werkes ist recht vielgestaltig, weil ein gut funktionierendes Werk mit einem sprechenden Film verbunden werden mußte. Die praktische Verwendung dieser Erfindung des Berliner Konstrukteurs Max Markus wird sich erst noch zeigen müssen. Die verschiedensten Perspektiven er- öffnen sich da. Zur Verwertung der Erfindung hat sich eine Gesellschaft mit 1'/» Millionen Mark gebildet, durch welche die Uhren zu einem Preise von 130 M. pro Stück vertrieben werden sollen. Bemerkt sei noch, daß die Uhr auf die ver- schiedenen Sprachverhältnisse der Länder Rücksicht nimmt, und daß man gestern französische, englische, spanische Zeitangaben rufen hören konnte._ Die Eröffnung des Grohschiffahrtskanals Berlin— Stettin wird voraussichtlich nicht mehr in diesem Jahre, keinesfalls aber schon im Oktober erfolgen. Die Wiederherstellungs- arbeiten der undicht gewordenen Äanalstrecke bei Niedcrfinow erweisen sich als außerordentlich schwierig, da an jener Stelle der Großschiffahrtsweg durch Schwemmsandablagerungen führt, auf die ein angrenzender Höhenzug drückt, und es darauf an- kommt, weitere Verschiebungen und Senkungen des sehr lockeren Erdreiches zu verhindern. Diese Aufgabe stellt so hohe Anforderungen an die Baulestung und die ausführenden Kräfte, daß die feierliche Eröffnung des Großschiffahrtskanals Berlin— Stettin wahrscheinlich erst am 1. April 1914 wird er- folgen können._ Gardekürasfiere und �luguftaner. Ein kriegsgerichtliches Nachspiel sollte, die Ausschreitungen von Gardisten in einem Tanzlokal in der Hasenheide habe». In der Hasenheide selbst sowie in den angrenzenden Straßenzügen liegen eine Reihe von Tanzlokalen, die viel von Militär besucht werden. Da aber im Laufe der letzten Jahre oft Streitigkeiten zwischen den Angehörigen der verschiedenen Regimenter vorgekommen find, so hat sich allmählich eine„Scheidung" herausgebildet. In den einzelnen Lokalen verkehren die Angehörigen eines be stimmten Kavallerie- und eines Infanterie- Regiments. Aber auch dadurch scheinen die Reibereien nicht aus der Welt geschafft worden zu sein. Es beweist dies ein Exzeß, der in einem Etabliiiement an der Fichtcstraße zwischen Gardekürassieren und Augustanern zum Ausbruch gekommen ist. Beim Tanzen hatten eine Anzahl von Kürassieren etwas abseits im Saal gestanden. Der Grenadier Widdart vom Augustaner-Regiment trat nun beim Tanzen versehentlich. vielleicht auch absichtlich, dem Kürassier Köhler auf den Fuß. Dies sollte den Anlaß zu einem blutigen Auftritt geben. Es wurden Schimpfworte zwischen den Infanteristen und Kavalleristen hin und her gewechselt. Einer rief den Kürassieren zu:„Ihr Pferdeknechte und Mistkutscher!" worauf von der anderen Seite erwidert wurde:„Ihr Sandhopserl Wir können uns ja nachher sprechen!" Es kam nun zu einem Handgemenge, wobei eine größere Anzahl von Kürassieren auf den Angeklagten W. eindrangen und ihn blutig mißhandelten. Der Grenadier wiederum ergriff ein BierglaS und schlug eS mit solcher Wucht auf den Kopf deS Kürassiers Köhler, daß eine klaffende blutende Wunde entstand. K. sowohl als auch W. mußten dann nach dem Krankenhaus Am Urban gebracht werden, wo sie mit Notverbänden versehen wurden. Sie waren beide längere Zeit revierkrank, vor Gericht gab Widdart, gegen den Anklage wegen schwerer Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs erhoben worden war, an, er habe in der Notwehr ge- handelt. Mit dem Rufe:„Schlagt den Hund tot!" seien die Kürassiere auf ihn eingestürmt, und um sich zu wehren, habe er zum Bierglas gegriffen. Einige der als Zeugen vernommenen Kürassiere zogen es vor, die Aussage darüber, ob sie auch zu- geschlagen hätten, zu verweigern. Das Kriegsgericht kam schließlich zu der Ueberzeugung. daß der Angeklagte bei dem Tumult tatsächlich in der Notwehr gehandelt habe, und es sprach ihn infolgedessen von der Anklage der gefährlichen Körperverletzung frei. Wegen Vergehens gegen das Auswanderergesotz wird der 45 Jahre alte Maurerpolier Hermann Knuth, der aus Jasenitz im Kreise Randow gebürtig ist und hier in Berlin zuletzt in der Dunckerstraße 17 wohnte, von der Staatsanwaltschaft steck- brieflich verfolgt. Knuth war seit einiger Zeit für einen brasilia- Nischen Auswandererverein agitatorisch tätig. Durch Zeitungsanzeigen forderte er junge Leute dazu auf, mit ihm Deutschland zu verlassen und nach Brasilien auszuwandern. Es gelang ihm auch, eine ganze Anzahl junger Männer, Handwerker und Arbeiter zu überreden, mit ihm nach Südamerika zu fahren. Die Gesellschaft fuhr auch tarsächlich ab. Knuth, der den Führer spielte, ließ seine Frau mit sechs Kindern im � Alter von zwei bis vierzehn Jahren in größter Not zurück. bei Bodum, Rest«!« I Nachdem die Strafbehörde Kenntnis von dem Treiben des Mannes I erhalten hat, sucht sie ihn steckbrieflich wegen Vergehens gegen das Auswanderergesetz vom 9. Juli 1897 und gegen den§ 144 des Reichsstrafgesetzbuches. In letzterem wird mit Strafe bedroht, wer es sich zum Geschäft macht, Deutsche unter Vorspiegelung falscher Tatsachen oder wissentlich mit unbegründeten Angaben oder durch andere auf Täuschung berechnete Mittel zur Auswanderung zu ver- leiten. Nach den letzten Mitteilungen scheint sich der flüchtige Familien- Vater mit den von ihm geworbenen jungen Leuten noch nicht ein- geschifft zu haben. Man hofft deshalb, ihn noch in der Hafenstadt dingfest machen zu können._ Bauunfälle in Buch. Aus dem Neubau des VerwaltungstzebäudeS der Irrenanstalt Buch stürzte Montag nachmittag gegen 4 Uhr der 65 jährige Zimmer- mann Wolff auS Bernau beim Rüsten vom Gerüst herab und brach sich den linken Unterschenkel. Gestern mittag gegen 12 Uhr fiel ebenfalls beim Rüsten der 19jährige Zimmermann Andres aus tBernau herunter und brach den linken Fuß. Beide fanden im tlrankenhaus Aufnahme._ Schützenbrüder schieben zum Wohle des Vaterlandes. Sind d i e P r ä m i e n- u n d W e t t s ch i e ß e n des Ber- li uer Schützenbundes als„Lustbarkeit" anzusehen? Ua'cr diese Frage traf gestern der Potsdamer Bezirksausschuß als Ber. Haltungsgericht zweiter Instanz eine Entscheidung, die in weitesten Schü tzenkreisen Beachtung finden wird und nicht ohne Einfluß auf die kl. fi'ftigen Programme solcher Veranstaltungen bleiben wird. In Kauls. forf hat der Berliner Schützenbund sein Bundesschützenhaus und do rt finden alljährlich die Wetlschießen statt, bei denen sich die einzelne u Vereine untereinander messen. Am 1. September 1999 trat in. Kaulsdorf eine Lustbarkeitssteuerordnung in Kraft, die sich auch au.' die Schützenveranstaltungen erstreckt, und im Jahre 1919 wurden sieben Vereine zur Lustbarkeitssteuer veranlagt. Be- trofsen n»aren der Moabiter Schützenbund, der Rehberger Schützender Vn. der Berliner Scharffchützenverein, der Vereinigte Schützenverc«n. die Kaulsdorfer Schiitzengilde, der Schützen- verein Zenl Icum und die Schützengilde Zentrum. Alle diese Vereine hatte � interne Wettschießen nur für ihre Mitglieder ver- anstaltet. Oh. tw Rücksicht darauf veranlagte der Gemeindevorsteher die Veranstalte« zur Lustbarkeitssteuer. Sie erhoben dagegen kor- porativ als B«liner Schützenbund Einspruch. der jedoch zurück- gewiesen wurde, und beschritten den Klageweg. Vor dem Kreis- ausschuß machten 1 sie geltend, daß ihre Veranstaltungen keine Lust- barkeiten seien, s'ondern dem Wohle 1>eS Vaterlandes gelten und einen tüchtigen Landsturm heranbilden wollen. Die Schießübunge« dienen nur der Ausbildung der Mitglieder, die bei Gefahr d en eindringenden Feind abwehren können müssen. De r Kreisausschuß wies die Klage ab und vertrat den Standpunkt des Gemeindevorstehers, der in erster Linie nur das Vergnügen der ll Mitglieder gelten ließ, dem dann erst die Wehr- zwecke nachfolgen. D.* Bezirksausschuß wies aus demselben Grunde die Klage ab. DaS Oe Icrverwaltungsgericht hob das erste Urteil auf, weil es eine eingehende Prüfung des Tatbestandes vermißte und auf- geklärt wissen wollte, ob die Schießveranstaltungen aus ihrer ganzen Aufmachung den Charakter einer Lustbarkeit in sich schließen. Der Bezirksausschuß nah<" nun eine eingehende Beweisaufnahme vor und hörte die Bors itzenden und Mitglieder dxr Vereine. Er kam dabei zu dem Ergeb:«§, mit Ausnahme der Kaulsdorfer und Rehberger die Kläger von der Steuer freizustellen, weil sie nach- gewiesenermaßen nur inter.«e Wettbewerbe veranstalteten, die der Schießausbildung der Mitglic t>er und indirekt der Wehrfähigkeit der Leute gelten, die im Dienste v des Vaterlandes gegebenenfalls ihre Pflicht zu tun haben. Da d ie Rehberger und Kaulsdorfer an das Schießen ein gemeinsames Eff W reihten oder'gar nachts gleich ein Stiftungsfest feierten, bekunde trn sie damit, daß der Zweck ihrer Veranstaltung dem Vergnügen i« erster Linie gegolten habe. Wem, jemand c ine Reise tut..« Zu der unter obiger Spitzma rke kürzlich veröffentlichten Zuschrift bitte: uns das„Journal d'Allema gne" um Aufnahme folgender Er- widerung: „Unmittelbar vor der Abfahrt beS ZugeS unserer Reiseteilnehmer von Paris meldete sich ein Herr b.« unserem Leiter der Reisegesell. schaft und erklärte, er habe soeben ftine Handtasche in dem Mail- Coach igroßer Pariser Kremser) lieg»n lassen und zwar unter der Sitzbant. Die von uns unverzüglich angestellten Recherchen haben über den Verbleib der angeblich ab! Vmden gekommenen Handtasche nichts ergeben, desgleichen die von i ms gemachte Meldung bei der Pariser Kriminalpolizei. � � �, Fl,. Davon, daß in der Handtasche i tgendwelche Wertgegenstande enthalten seien, wie später in Berlin angegeben wurde, hat der betreffende Herr weder bei Anzeige deS Verlustes, noch während der ganzen Reise voll Paris nach Berlin un f-rem Vertreter gegenüber irgend etwas erwähnt. Die Angabe, di rb dem Betreffenden sein Handgepäck gestohlen worden sei, ist fa Vch. eS liegt eigene« Ver- schulden vor. Es entspricht den Tatsach M auch nicht, daß von irgendeinem anderen der 899 Reisetee I nehmer über etwa vorgekommene Diebstähle geklagt worden sei. Wir haben vielmehr AnerkennungSschree ven von einer Anzahl Teilnehmer erhalten." t... Die obige Darstellung dürste dem Besch» ferdeführer nicht viel helfen. Daß es nicht ollen Reiseteilnehmern) V ergangen ist, wie ihm, das ist ganz hübsch und gut, dürfte aber d«n Beschwerdeführer schwerlich über seinen Verlust trösten können.>?b nicht_ auch von dem Beschwerdeführer etwas Borsicht außer acht gelassen ist, wollen wir nicht näher untersuchen.____ Beim Rechtsanwalt eingebroch Dem Arbeitszimmer eines Rechtsanwaltes statte ten in der vergangenen Rächt Einbrecher einen Besuch ab. Im zn viten Stock des Ouergebäudes im Hause Unter den Linden 54 be) Inden sich die Bureauräume und das Privatkontor des Rechtsanwalt X Dr. Treitel. Auf letzteres hatten es die Einbrecher abgesehen, wahr scheinlich die- selben, die vor ungefähr Jahresfrist in dem Arbeitstisch 1 des Rechtsanwalts 499 M. bareS Geld vorfanden. Auch dieSmc tl erbrachen die Diebe, nachdem sie sich gewaltsam Eingang in daS i lantor verschafft hatten, den Arbeitstisch und ruinierten ihn dmttrrch sehr. Bares Geld fanden sie jedoch nicht, da der Anwalt jseit dem letzten Einbruch kein Geld mehr darin aufbewahrt. Sehr enttäuscht hielten sie sich jetzt an anderen Sachen im Kontor schadlos, deren Verlust für den Bestohlenen viel erheblicher und schmerzlicher ist. Von der Wand lösten sie eine orientalische Handstickerei, läe dem Anwalt von einem Freunde als Andenken aus dem Chinesischen Krieg verehrt wurde. Es ist ein sehr seltenes und kostbarett Stück und hat einen Wert von mehreren Tausend Mark. Die S. sickerei stellt zwei kämpfende Hähne dar sowie eine« Taubenschlag, von: dem die Tauben nach allen Richtungen davonfliegen. Unter and wem nahmen sie dann noch eine Bronzefigur mit, die einen Dackdl auf einer Marmorplatte darstellt.__ Tie Einäscherung des Genossen Fritz Zietsch. Auf dem städtischen Berliner Krematorium in der Gerichtstraßv fand gestern nachmittag die Einäscherung der Leiche unseres in sc» jungem Lebensalter plötzlich dahingeschiedenen Genoffen Fritz Zietsch statt. Die stimmungsvoll dekorierte Halle tvar überfüllt, Wairxen standen noch hunderte Parteigenossen und Parteigenossinnen, um dem Verstorbenen den Dank für treue Arbeit und den letzten ÖSrusi zu entsenden. Prächtige Kränze waren unter anderem von dem Partei- vorstand, der ReichstagSfraksion, dem sozialdemokratischen Wahl- Verein für Teltow-Beeskolo, dem Wahlvercin für Charlolten- burg, der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion in Char- lottenburg, von der Arbeiterschaft für Koburg- Land und Koburg-Stadt, von dem Verband der Porzellanorbeiter und den bürgerlichen Kollegen des Verstorbenen in der städtischen Verwaltung Charlottenburgs niedergelegt. Der Partcivorstand und Vertreter der oben genannten Organisationen gaben ihrem Schmerz � über den herben Verlust und ihrem Dank für das eifrige Airken und Streben des Genossen Zietsch auf allen Gebieten des Emcrnzipativnskampfes der Arbeiterklasse tiefgefühlten Ausdruck. Alle, Reden durchzog die wärmste Anerkennung für die treffliche Arbeit des Verstorbenen, der unermüdlich und opferbereit in dem Kampf für die Arbeiter- klasss auf so vielen Gebieten schuf und arbeitete. Die Dankesworte mögen der huiterblicbcncu Jamilie, der er ein fürsorgender liebender Gatte und Vater war. � ein wenn auch schwacher Trost sein. Auch viele bürgerliche Stadtverordnete und MagistratZMitalieder waren erschienen, um Zeugnis davon abzulegell. dasi sie auch in dem politischen Gegner seine ernste Hingabe und Pflichttreue auf allen Gebieten des lommunalen Lebens und seinem/ Gemesnfinn Anerkennung zollten. DaS Gelöbnis verband die Gc> nassen, nicht zu ruhen, bis daS Ziel erreicht ist, dem der verschiede tt Sohn des Volkes mit so zäher Energie und arbeitsreicher A uf- opferung nachstrebte. Fritz Zietsch war der Besten einer. Er.sfebt in treuem Andenken seiner Mitstreiter fort. Sein Wirken war■ nicht vergeblich. Er ist dahin, seine Arbeit wirkt Weiterl Nahruitgssorzeil und schlechte Familieuverhäktuisse Habels den 31 Jahre alten Korbmacher Ernst Thiede aus der Viktoria- Strafe zu Friedrichs felde in den Tod getrieben. Er griff zum Str ick und erhängte sich im Keller auf seine: Arbeitsstätte. Eiu Bootsunglück ereignete sich am Sonntagnachmitta-' t auf der Oberspree beim Neuen Krug unweit Hefienwinkel. Ein jun-er Manu von zirka 20 Jahren unternahm eine Kahnpartte und vc/xlar dabei eine Ruder. � Benn Heraussischen stürzte er plötzlich ko /pfüber ms Waffer. Mehrere Ausflügler beobachteten den Vorfall, d arunler auch der Werkmeister Mb. Wudtke aus Rahnsdorf, welcher, mit seiner Fcmttlte am Strand lagerte. Kurz entschlonen entledigte.«x sich seines Rocke?, sprang inS Wasser und schwamm bis zur llifla Istelle, wo er den schon bereils Untergegangeucn noch rechtzeuig erwischte und lebend anS Land brachte. Die sofort angestellten SSö Aderbelebungsversuche waren von Erfolg. Diebstahl aus dem Friedhof. Durch einen dreist an Diebstahl ist die Witwe Hedwig Ehrenreich aus Berlin empfl �dlich geschädigt worden. Frau E. hatte vor kurzem ihren Gatte, � durch den Tod verloren. Vorgestern begab sie sich nach dem Jasi Asikuchhas in der Berliner Straffe in Stcukölln, um das Grab ihres Mannes zu Pflegen. AuS Furcht, während ihrer Abwesenheit könnten Diebe»n die Wohnung eindriugeu. hatte die Witlve ihr g- �rzes bares Geld in: Betrage von 62 M.. iowie die goldene Uhr und, Kette ihres Monues und dcffrii goldene Schsipsnadel in der Hand Aasch« mitgenommen. Während Frau E. W-sier zum Begieffen der Blumen holte, stellte sie die Tasche mit dem wertvollen Inhalt am/ eine Bank, weil sie glaubte, allein zu sein. Als sie nach wenige, x Minuten zurückkehrte. muffte sie zu ihrem Schrecken wahrnehmen.' mff die Handtasche ge- stöhlen worden war. Die Uhr. Kette und Krawattennadel haben einen Wert von mehr als 250 M. Von de gi Diebe fehlt noch jede Spur. Artriwr-Bitdungsschnle. Am Sonnt hz. den 13. Juli, Ausflug nach Wandlitzsee. Sammelpimkl Restan remt Seekrug, Jnh. Klein. Gemeinsame Rundpartie um den itßsMsch gelegenen Liepnitzsee. Abfahrt Stettiner Vorortbabnhof 7.20 sxja 7.36 morgens. Reinicken- dorf-Rosentbal umsteigen.�8 Uhr Abfa/�l nach Wandlitzsee. Es ist Hin- und Rückfahrckarie sSomitagssahg /arte Wandlitzsee 1.35 M.) zu lösen. Für Nackzügler Treffpunkt n xittags 1 Uhr im Restaurant Seekrug, Wandlitzsee. Mitglieder sow fe Gäste sehr willkommen. Aus der Lraudchronik. In der i Atzten Nacht wurde die Feuer- wehr»ach der llsedomsträffe 31 und nach der Ecke der Ehlauer und Dreibundstraffe gerufen. An der ers hm Stelle brannte das Kessel- Haus der Holzbearbeitungsfabrik v, m Gebrüder Raabe und an der zweiten Stelle stand auf eine pi Rummelplatz ein Dampf- karussell in Flammen. Hier wie dort bedurfte es längeren Wassergebens, �mn� die Gefahtz zu beseitigen.— Auf dem Schlesiscken Güterbahnhxof hatte ein mit Stroh beladener Wagen Feuer gesangen. Dir Fl, Binnen schlugen stockwerkhoch empor und konnten erst durch kröftigrs Waffergeben aus zwei Rohren ge- löscht werden.— Ein böswilliger Alarm führte die Wehr nach der Spandauer Brücke. T Täter, der den dortigen öffent- lichen Feuermelder unbesvgtrri �eise gezogen hatte, ist leider ent- kommen. Zu rekognoszieren. Da$ Polizeipräsidium teilt mit: Berlin, 8. Juli. Am LI. Juni ISIS,-nachmittags 3 ff, Uhr, ist im Dfftrikt 160 der kgl. Oberförsterei Chvrii t eine unbekannte männliche Leiche auf- gefunden worden. Die Lei H« war mit einem grauen, weichen Filz- Hut, braunem Jackettanzug, neubesohlten Schnürschuhen, hellgrauen, wofleneu Strümpfen, lest' /nem Hemd mit dem Zeichen?. 2l. und Stehkragen mit Krawasi jt(Selbstbinder) bekleidet. Die deiche ist ungefähr 1.65 Dieter grcxsi. ziemlich kräftig, ohne Bart und 25 bis 30 Jahre alt. Die bei, der Leiche vorgefundene silberne Taschenuhr an gewöhnlicher Kette.ist wie daS Hemd ebenfalls mit F. M. gezeichnet. Es liegt Selbstmord durch Erschieffen vor. Mitteilungen über die Persönlichkeit nimmt die Kriminalpolizei und jedes Polizeirevier zu 2607 IV 7., 13 entgegen. V(troYt- Na eh richten* Wilmersdorf /Halensee. .i/ Finaoznot. Mcht nur sin Groß-Berlin. sondern im ganzen preußischen Staat ist Wilmer S d orf die steuerkr ästig sie Stadtgemeinde. Nach dem Stande vom 31. März ISIS entfielen hier auf jeden Einwohner 12,18 M. oi* direkten und 18,55 M. an indirekten Steuern. Für Armen- uvip Wohlfahrtspflege zusammen hatte die Stadt lSll pro Einwohner nur 2.72 M. aufzubringen. Wie günstig diese Zahlen sind, zeiktzt, ein Vergleich mit Neukölln, wo der Ertrag an ,n- direkten Weuern 1.11 SR. der an direkten Steucrn 17,71 M. und die Buss.ube für Armenpflege und Krankenhau» 3.01 M. ausmachte. Trotz alledem muß die Finanzlage der Stadt Wilmersdorf sehr Bc". denklich sein. Denn dieser Tage hat der O b e r b ü r g e r m e i st e r an sänttliche Dienststellen und Schulleiter eine Verfügung ge- richtet, worin allen zur unabweisbaren Pflicht gemacht wird, jede Uebers�hreitung der Posten des Voranschlages unter allen U m ftzsi n d e n zu vermeiden und hierüber hinaus mit den AuSavben so zu sparen, daß Ersparnisse erzielt werden. Zur Beaunnduna dieser Lersiigung führt der Oberbürgermeister an. daß die Lage des Wirtschaftsmarkte« schlecht, der Ueberschug des. Jahres 1012 nur sehr gering sei und daß für 1313 sogar em Feh l- betrag erwartet werden müsse. Daß eine derartige Verfügung bei ordnungsmäßiger Zeitung der Geschäfte kaum durchgeführt werden kann und daß ihre Durch- ' führung in der�rme n v er w a ftu n z. B. schwere Sch ä dl- g u n gen mr Gefolge haben muff, sollte auch das Stadloverhaupl wissen. SBüifi dennoch mit einem früher nicht gekannten Nachdruck Sparsamkeil anbefohlen wird, so müssen hierfür schlimme Ursachen vorliegen. Tatsächlich ist es denn auch um Wilmersdorfs Finanz- läge nicht zum besten bestellt, und das Lied, das jetzt den Dienst- stellen vc cgepfiffen wird, konnte man in her Stadtverordneten- versamiu xwg schon während des ganzen Frühjahrs hören. Für das T.'� e a t e r p.r o j e k l, für den tängst beschlossenen Bau der Badeiznstalt ist kein Geld vorbanden, und wohl ein Dutzend Wohls». trtSeiiirichtungen, von denen wir nur das Ferienheim und öc/s Mittel st andsfanatorium nennen, hat die Stadt- verorl metenversammlung beschlossen, ohne daß ein Mensch an die AuSfi/hrung denlt. Die 300 000 M. für Schulhausbauten, die gesetzt mäF. /g aus laufenden Einnahmen zu bestreiten sind, wurden dem Av. tgleichsshsids entnommen, und auch sonst wurden alle Ausgaben ivi. letzten Etat bereits karg bemessen. Die Verwirklichung des An- t, jges. die Gemeindeschulkinder in klaisische Theatervorstellungen zu ■ft/ickert, beschränkte der Magistrat auf daS kuappste— alles aus ' llhsmgel an Geldmitteln. Wenn das am grünen Holz geschieht, wenn das reiche Wil- an erS darf sich die Schaffung öffentlicher Einrichtungen nicht leisten kann, die andere, verhältnismäßig arme Gemeinden längs: besitzen, dann muß eS um die ganze Finanzwirt schafi der Stadt bedenklich bestellt sein. Das Streben der Gemeindekörperschasten, durch Eröffnung zahlreicher höherer Schulen, in denen jeder Platz gegen 300 Mark Zuschuß erfordert, und durch sonstige Zockmittel ausschließlich ein zahlungsfähiges Publikum heran- zuziehen, die ebenfalls hierauf angelegte Wohnungspolitik der Stadt — alles dies scheint sich als verfehlt erwiesen zu haben. Das zahlungsfähige Publikum stellt eben Ansprüche, bei denen namentlich in einer jungen, leicht zur Ueberhastung verleiteten Gemeinde die Elle teurer als der Kram zu stehen kommt. Besonders bedenklich ist noch, daß die Finanzverwaltung der Stadt selber über die- Lage der Dinge in Unkenntnis war. Denn eine absichtliche Täuschung der Bürgerschaft ist doch nicht gut anzunehmen. Bei der vorjährigen Etatsberatung sollten 110 Proz. Steuerzuschlag unerläßlich sein; der Magistrat gab nach, als die , große Fraktion", in der Hoffnung, daß Wilmersdorf nach Streik-- brechcrmanier von den Finanzkünsten- der übrigen Gemeinden prosi- tieren könne, die Schaffung eines einheitlichen Groß-Berliner Steuer Zuschlags hintertrieb. In diesem Jahre war aber, nach Versicherung des Magistrats, die Finanzlage der Stadt Wilmersdorf so günstig, daß eine Erhöhung des SteuerzuschlagS überhaupt gar nicht erst ver- sucht zu werden brauchte. Früh genug hat sich diese widerspruchsvolle Steuerpolitik gerächt. Immerhin wäre einiges gewonnen, wenn jetzt auch in Wilmersdorf die Einsicht einkehrte, daß man sich selber/ ein Bein stellt, wenn man im Gegensatz zum übrigen Groß-Berlin auf Sondervorteile spekuliert. Vielleicht lernen die maßgebenden Personen in der Stadtverordneten- Versammlung aus dem Unglück und zeigen sich fortan leichter dem Gedanken geneigt, daß auch ein« scheinbar bevorzugte Gememde nur im gemeinschaftlichen Streben zum Ganzen gedeihen kann. Eharlottenburg. Die Unterführung der Windscheidstraße unter demBahnhof Charlotten bürg wird nunmehr in Angriff genommen werden, nachdem zwischen der Stadt Charlottenburg und dem Eiieiibahnfiskus die Verträge abgeschloffen sind. Die Bauarbeiten werden bereits am kommenden Montag beginnen. Durch diese Untxrführung, deren Kosten sich auf ungefähr 690 000 M. belaufen werden, wird eine seit langem von den Bewohnern der dortigen Gegend ge- wünschte Verbindung des Stadlteils südlich der Berliner Stadl- bahn zwischen WUmersdorfer und Küstriner Straße mit dem nördlich der Berliner Stadtbahn gelegenen älteren Stadtteil hergestellt. Eltcrnvercin für freie Erziehung. Sonntag, den 13. d. Ms., findet ein großer Familienausflug nach dem Grunewald statt. Trrffpunkl nachmittags 2 Uhr pünktlich vor dem Kaiser-Friedrich- Denkmal(Luisenplotz), für Nachzügler zur Kaffeepause auf dem Spandauer Bock. Auch NichtMitglieder und deren Kinder können daran teilnehmen. Sonntag, den 20. d. MtS., findet eine Wanderung von Potsdam über Caputh nach Ferch statt. Wander�eit zirka Stunden. Treff- Punkt morgens 6 Uhr 20 Minuten pünktlich vor dem Charlotten- burger Bahnhof. Kinder der Mitglieder erhalten freie Fahrt, doch müsse»- sich dieselben bis zum 18. d. MS. beim Vorsitzenden Max Grätz, Spreeftraße 56, gemeldet haben.. Gäste willkommen. Der Vorstand. Pankow. AuS der Gemeindevertretung. Bon den wenigen Beratung»- gegenständen der kurzen öffentlichen Sitzung am Dienstag ist nur erwähnenswert die Beratung eines Gesuchs des Ortsausschusses � für Jugendpflege und Ermäßigung der Entschädigung für Ueberlassung der Turnhallen an Jugendvereine. Dieses Gesuch wurde vom Bürgermeister iin Einverständnis mit dem tollegialischen Gemeinde- vorstand und der Finonzkommission warm befürwortet und begegnete in der Vertretung allgemeiner Sympathie. Auch unsere Bertreter stimmten demselben im Prinzip zu. Nur nahmen sie durch den Wund des Genossen Kubig Veranlassung, nicht nur gegen die unterschiedliche Behandlung zwischen proletarischen und bürgerlichen Jugendbestrebungen zu protestieren, sondern vor allem auch bei dieser Gelegenheit wiederum gegen die ungerechte Hand- habung bei Ueberlassung der Turnhallen an bürgerliche Vereine und den Arbeiterturnverein Einspruch zu erheben. Unser Genosse verlangte, daß man wenigstens die Turnhallen der höheren Lehr- anstalten— wo die Gemeinde als alleinige Eigentümerin tun und lasien könne, was ihr beliebt— für die Arbeiterturner hergeben solle, wenn dies bei denen der Gomemdefchulen aus den belannlen Gründen nicht möglich sei. Bürgermeister Kühr erwiderte diesmal auf die Ausführungen unseres Redngxs mit einem einzigen lakonischen Satz, m dem gesogt wurde, daß eine Aenderung des krititchen ZustandeS nur durch den Lau einer Gemeindeturnhalle herbeigeführt werden könne,'für die bereits die Pläne vorhanden, nur noch nicht die'Mittel durch die Vertretung bewilligt worden sind.— An die öffentliche schloß sich eine geheime Sitzung. Weifteusee. Die Sonne" bringt es an de» Tag. Diese im Straßenhandel erscheinende..Unbestechliche Wochenschrist für daS schaffende Volk" ttiicht in seiner Nummer vom 8. Juli unter l>ei_ sensationellen Ueberschrifi:„Weißcnsee auf dem Wege zum Zukunscsstaal" die ollen Kamellen auf, die bei dem langjährigen Milchkricg bereits in der antisemitischen Preffe eine Rolle spielten. In der gleichen Nummer nemn dieses Blatt den.Vorwärts" daS verlogenste Blatt Berlins. Dieser Satz kann zurückgegeben werden, da m dem Artikel des BlärtchenS kein wahres Wort enthalten ist: er stellt sich dar als ein in der Sauregvl lenzeil wiedergekäuter aller Ladenhüter. Entgegen dem Artikel hat sich der Milchperkaus so erweitert, daß der Bestand der im vorigen Jahre vorhandenen ll Kühe auf 10 vermehrt wurde, daß außerdem das Rittergut Birkholz täglich 600 bis 800 Liter Milch an den hiesigen Kuhstall abführt und vom Oktober ab die gesamte in Birkholz gewonnene Milch nach hier überführt wird. Eine Ver- legenheit, die Milch abzusetzen, besteht also nicht, auch ist bis jetzt noch nicht bekamit geworden, daß ein einziger Milchveckäufer zugrunde gegangen ist. Die BetriebSanlagen der Milchkuranstalt der Gemeinde sind so vergrößert worden, daß die Gemeindevertretung für diese Zwecke vor drei Monaten einstimmig 35 000 M. bewilligte. Der angebliche Sachverständige, dessen Rame nicht genannt werden braucht, aber dennoch von jedem erkannt wird, wird am hiesigen Orte nicht mehr ernst genommen. Seine Faseleien über derr jährlichen Verlust von 88 000 M. in der Milchwirtschaft- auf dem Gute Birkholz werden ebenso an passender Stelle widerlegt werden, wie die angebliche Unterbilanz, welche der Musterkuhstall am Orte bringen soll. Reitlickendorf. Der Ankauf des Schäfersees beschäftigte die Gemeinde« Vertretung abermals in ihrer letzten. Sitzung. Dia VerHand- lungeu mit der Stadt Berlin, der jetzigen Besitzerin des Sees, be- gönnen bereits vor über einem Jahrzehnt. Obgleich sie wiederholt ins Stocken gerieten, wurde die Frage des Ankaufs doch nie ganz fallen gelassen. Der augenblickilch trockene Znstand des Sees und des dazu gehörigen Grundstücks sowie die Herstellung von am See vorüberführenden Berbindungsstraßen fordern die Uebernahme des Sees in Gemeindeeigeniunr immer dringender. Die Verhandlungen sind denn zurzeit auch in ein etwas lebhafteres Fahrwaffer geraren. Zur Wahrung der Jntereffen der Gemeinde wurde die Airgelegeu- heit in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt. Tie Tagesordnung der öffentlichen Sitzung umfaßte nur wenige Pmckte. Sie war nichts Weiler als Dekoration für den mchlöfferit- lichen Teil. Die Mehrabführung von 1165,15 M. an Kreissteuern bedingte eine Etatsüberschreitung in dieser Höhe. Sie wurde ge- nebmigt. Für die höhere Mädchenschule wurden die stellen zweier wissenschaftlicher Lehrkräfte bewilligt. Die Erteilung einer Prozeß- vollmacht sowie Ersatzwahlen für ein Mitglied der Armen- und Waisendeputation und zwei Armen- und Waisenpflegerinnen füllten den Rest der Sitzung._■ 6mchts- Zeitung«. Gewiss ensqual. Tos Schwurgericht des Landgerichts Berlin I hatte sich in den letzten beiden Tagen mit einer Anklage zu beschäftigen, die auf die abhängige sklavische Stellung eines Dienstmädchens von ihrem TienstHerru ein grelles Licht zu werfen geeignet war und die Ge- schworen«» vor eine schwierige Ausgabe stellte. Unter der Anklage des wiederholten Meineids stand das 26jäHri(je Dienstmädchen Amanda Wittke und unter der Anklage der Verleitung zum Meineide der 65jShrlge Tischlermeister Woldemar Hennicke, der frühere Dienstherr der Wittke. Der Ausgangspunkt zu diesem umfangreichen Prozeß, zu dem über 10. Zeugen geladen waren, war folgender: Hennicke war im Jahre 1900 mit einer Witwe Gerhardt, die von ibm Möbel bezogen bezw. nach Zeichnung bei ihm bestellt hatte, in Differenzen geraten und hatte eine Zivilklage gegen sie angestrengt. In diesem Prozeß- verfahren ist die Angeklagte Wittke. die früher Dienstmädchen im tause des Hennicke war. in Gemäßheit eines vom Gericht gefaßten eweisbeschlusses über eine ganze Reihe von Punkt-n vernommen worden. Sie hat in drei verschiedenen richterlichen Vernehmungen sich ausführlich über die Verhandlungen der Frau Gerhardt mit dem Angeklagten Hennicke. bei denen sie angeblich zugegen gewesen sei, ausgelaffen und zwar durchaus zugunsten ihres Dienstherrn. Frau Gerhardt wurde darauf vom Landgericht zur Zahlung von 5315 M. verurteilt. Dia Wittke ist nach der Vernehmung vereidigt worden. ihre eidlichen ekundungen sind aber, wie sie selbst jetzt zugesteht, sämtlich wissentlich falsch gewesen. Im Laufe des Prozesses war die Zuverlässigkeit dieser eidlichen Aussaßen angezweifelt und eZ war die Behauptung aufgestellt worden, daß sie in ganz intime« Be- ziehungeu zu Hennicke gestanden, mit ihm Bummelfabrten gemacht und Bierlokale aufgesucht habe. Eine nach dieser Richtung hin an die Wittke gerichtete Frage hat diese wiederum unter ihrem Eide mit Entschiedenheit vernciut. Auch dieser Eid soll iv*ch ihrem Geständnis wissentlich falsch gewesen sein und mit diesem Geständnis stimmen die Wahrnehmungen zahlreicher Zeugen überein, die samt» lich darauf hindeuten, haß ein äußerst intimes Liebesverhältnis zwischen dem Madchen und ihrem um so viele Jahre älteren und verheirateten Diensthsrrn geherrscht haben muß. Nachdem wegen des letzteren Punktes ein Verfahren gegen sie eingeleitet worden war, bekam sie Gewissensbisse. Als sie im Fe- bruar d. I. bei ihren Großeltern in Neu-Zittau war. erfuhren diese von dem gegen sie eingeleiteten Verfahren und redeten ihr ernstlich ins Gewissen, die Wahrheit zu gestehen, wenn sie sich schuldig fühle. Das hatte Erfolg. Die Wittke erklärte den Großeltern, daß sie ent- schlössen sei, ihr Gewissen zu erleichtern und die Wahrheit zu be- kennen; sie habe die Meineide geleistet, weil sie wie�eine Sklavin unter der Knute des Hennicke gestanden habe. Sie behauptet, Hennicke habe ihr fortgesetzt zugeredet, zu seinen Gunsten in seiner Prozeßsache gegen Gerhardt falsch auszusagen und von ibren intimen Beziehungen zu ihm nichts zu sagen. Vor dem llntersuchungS- hat dann das Mädchen ei.n umsafsendes Geslal�dniA�adgelpgt. Das hatte am 26. März die Verhaftung des Hennicke zur Folge. Hennicke und die Wittke bekämpften sich in ihren Auslastungen vor dem S�hwurae riebt in vielen Pulsten. Hekinicke behauptete» da* die Wittke ihn fälschlich bezichtige, um Rache an ihm zu nehmen. weil er ihre Bitte um Ge!d abgelehnt habe. StaatSanwaltschaftsrat Carl hatte einen großen Zeugenapparat in Bewegung gesetzt, um zu beweisen, daß die Bezichtigungen der Wittke psychologisch den Vorzug verdienen vor den abwehrenden Behauptungen des Hennicke. Schtießtich ergab sich am zweiten Tage der Verhandlung aber doch noch die Notwendigkeit, weitere Beweye zu erheben, so daß die Ber- Handlung vertagt werden mußte.# Enthüllungen aus dem deutschen Theaterlebe». Der Beleidigungsprozeß des Dr. Martin Zickel gegen den Prä. sidenten der Bühnengenossenschaft Nissen und den Schriftsteller Erik Schlaitjer ist in die erste Instanz zurückverwiesen. Die Klage gegen Nisse» ist angestreügt wegen eines in dem GenössenschaftS-Oraan ..Neuer Weg" veröfsenklichten Artikels unter der Ueverschrist..Die Broschüre Nissen— bestellte Arbeit", die Klage gegen Schlaitjer wegen eines von diesem verfaßten Artikels. Enthüllungen aus dem deutschen Theaterleben". Die Verhandlung in erster Instanz endete damit, daß das Schöffengericht das Verfahre« einstellte, weil nach der Ansicht des Gerichts Verjähruno vorlag. Auf die hiergegen eingelegte Berufung des Dr. Zickel iiatte sich die 3. Strafkammer des Landgerichts I mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Sie kam neulich noch nicht zu einer bestimmten Stellungnahme»u der strittigen Frage der Verjährung, sondern vertagte die Beschlutz- fassung auf acht Tage. Nunmehr hat die Straflammer d-e Ent» scheidung dahin gefällt, daß eine Verjährung nicht eingetreten sei. Die Sache wurde daher an die erste Instanz zuruckverwwsen und wird nun. im Herbst vor dem Schöffengericht zur Verhandlung kommen. Ein schwachsinniger Graf. Ter 27jährige Majoratsherr Gras vv« Saldern-Ahlimb-Ringen. watde, dem es aelana trotz seiner Entmündigung m wenigen Jahren in über 200 Fallen Schulden in Höhe von 2 Millionen zu machen. wurde von der Wiesbadener Straf ammer gem-rn von der Anklage des Betrugs, der Urlunden- und Wechjeftalschung aus Grund de« Sachverständigenurteils.-Z-'b« b°chgradtg jch�chs.nn.g er. klärten, freigesprochen. D.e Betrogenen hatten mehr auf die Schwachfinnigkeit als auf den Grasentitel achten sollen. Zum Kampf gegen die Polen. Ni»arre Wüten treibt der engherzia furchtsame Bureaukran«» Mus gegen„polnische Bestrebungen". Au» der letzte.- Zeit sei«. zwei alle reg s �ein Gymnasialoberlehrer, Professor Kilarsti Posen, von zwei Schutzleuten nach dem Polizeigebäude transportiert. Welckses Verbrechen wtte der Professor begangen. der sich mit mehreren seiner Schüler auf der Durchreise von Sambro in Golizien nach Zoppot befand? Er hatte das im Jahre 1858 m s,er Marstiesstraße in Posen errichtete Denkmal des polnischen Dichters Adam Mickiewiez mit seinen Schülern besichtigt, in eine« dem Denkmal gegenüber liegenden Blumenladen einen Kranz ge, kauft und diesen am Denkmal durch einen Schüler niederlegen lassen. Am Kranz befand sich eine rote Schleife. Darob wurde der Professor sistiert und unter Polizeibegleitung zum Polizeigebäude geführt. Tort wurde der Hergang fein sauber- lich protokolliert, dann in den«traslisten einregistriert. gegen den Professor ein Stcafbefehl über Z Mark expediert und dem Lehrer der Jugend insinuiert. In dem Strafbefehl wird behauptet, daS öffentliche Niederlegenlassen eines Kranzes in'.t grosser roter schleife sei eine Uebertretung gegen eine Polizeiverordnung vom n. April 1892. Der Professor, der an demselben Abend weiter reisen wollte, zahlte und verzichtete auf den Einspruch gegen daK Dokument preutzisch-deutscher Kultur, Gesittung und Toleranz. Ter staatsgefährliche Kranz war von der Polizei einhehaltcn. Seine sofortige Aushändigung an den Lherlehrer erschien bedenklich. Des- halb wurde dem Herrn schriftlich mitgeteilt,„den Kranz und die an ihm abgetrennte und eingehüllte Schleife wollen Sie sich heute Abend vor der Abreise von der Polizeiwache auf dem Bahnhof ab-- holen". Preussen ist wiedermal gerettet. Wann endlich wird auch auf rote Unisormstreifen, rote Rosen und rote Nasen der Polizei- bureaukratismus in Gang gebracht werden? 2. Das Posener Landgericht verhandelte am� Sonnabend gegen nicht weniger als elf Angeklagte, deren soziale Stellung neben dem ihnen zur Last gelegten Vergehen viel zu dem lebhaften Interesse beitrug, das man der Verhandlung entgegenbrachte. Tie Ange Marktpreise von Verlin am 8. Juli ltU3. nach Ermittelungen des tönigl. Potizeivräsidiums. 100 Kilogranim Weizen, gute Sorte 20,0t bis 20,10. miltel 19,92— 19,98, geringe 19,80—19,80 Zloggcn. gute Sorte ~ c:„=>; trw Mr„ iOO ,00—00,00, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00(ab Bahn). Futter. � die' l� �Nte, gute Sorte 10,ä0-18.80. inittek t0.10-10.t0. Mige. 15,7�10.00. die Redakteure v. Kedczierskr und v. Powidzcki. die Kauileute Rcepeszkr, Olmianowski und Marweg, der Rechtsanwalt v. Chrza. nowSki, sowie Frau Klara Paczkowska und Frl. Aniela Tudlodziccka, waren der Aufreizung der Bevölkerung sowie der Uebertretung der Vorschriften des Bereinsgesetzes beschuldigt. Im Bazarsaal in Posen fand am 22. Januar d. I. eine Feier zum Gedächtnis des Polenaufstandes von 1863 statt- Die Einberufer waren der Wei- nung, dass es sich hier nicht um eine politische, also anmeldnngs- Pflichtige Versammlung handle, und unterliessen die Anzeige bei der Polizei. Diese aber war anderer Ansicht und entsandte zwei Beamte zur Ueberwachung. Den Beamten wurde der Zutritt zum Saal erst nach längeren Verhandlungen gestattet. In dem von mehr als 896 Personen besetzten Saal stand in der Mitte eine KoszinSko- büste, umgeben von ausrechtstehenden Sensen und überragt von einer Kosziuskonrütze. Zu Füssen der Büste lag ein mit grauer Leinwand umwundener Dornenkranz mit einem Büschel Weiden- palmen. Der Redner in der Versammlung, der Angeklagte Dr. Rvdlewski, der zuerst polnisch sprach, leistete sofort Folge, als einer der Polizeibearnten verlangte, dass deutsch gesprochen werde. Per- sammlungstei/nchmcr aber begannen polnische Lieder zu singen und erst nach längerer Zeit rrat, als dagegen vorgegangen wurde, Ruh« ein. Rechisanwalt p. Chrzanowski soll nun an den Polizei- kommissär herangetreten sein unh ihn in höhnischer Weise zu dein ..ehrenvollen" Auftrag, den er auszuführen habe,.beglückwünscht halben. Bor dem Mickiewiezdenkmal ikam cS zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Publikum und Polizei, die durch ein grosses Polizeiaufgebot„Ruhe stiftete". Die unter Ausschluss der Ceffentlichkeit durchgeführte Verhandlung endete mit der Freisprechung Llmiauowslis und Powidzkis, während Rcepeszti und Cbrzanowsti zu je 599 M. und die übrigen Angeklagten zu je 29 M. Geldstrafe verurteilt wurden. ZSitterungSübersscht vom 9. Juli ISIS. aser. gute Sorte 17,40—18,80. mittel 16,50—17,30. Mais smired), gute Sorte 15,80—16.20, Mais crunder), gute S orte 14,90—15,50,"Richtstroh 1,40. Heu, alt 7,20, ucu 6,00—7,60. Martthallenvreise. 100 Kilogr. Erbien, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Svclsebokmen, weine 30,00—60.00. Linien 35,00— 60,00. Kartosteln(Kleinhdl.), alte. 0,00— 00,00, neue 11,00— 16,00. 1 Kilogramm Rindsteisch, von der Keule 1.70—2,40, Rmdileiich, Bauchsleiich 1,30— 1.80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2.40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,40— 5,40. i Kilooramm Karpten 1.60—2,80. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3.60. Hechle 1,60—3,00. Barsche 1,00—2,40. Schleie 4.60—3.50. Blei« 0.30—1.80. 60 Stück Krebse 1,00—60.00, SlaNonen J2 IB— || = !- If, Ceßet c# ü? Swinemde. 760 RW Hamburg' 761.SW Berlin 760«W Franks. a.M 765 SW München 765NÄ 3 balb bd>6 2 Nebel j 10 3halb bd. 16 21>alb bd 12 4, bedeckt! 9 ltzß Etattonen ic 5( ä S 2= 1« i? 51 W~ (Bettes IJU 55SS9 ** Ii JS* 4 bedeckt U 1t 12 Haparanda 760 0 Betersburg Scillh' 702® 3 Bebel Aierdeen 762 S 2 heiter Paris>767 SSW 1 heiter 738(58 JW, liegen l 12 Wcttervrognoie kür Donnerstag, den 1V. Jnti 1913. Ziemlich kühl und veränderlich, vielfach wolkig bei mässigen westlichen Winden; c'tiuas Regen und Äeivitlerneigung. Berliner Wcttcrbureau. 12 WaiserstandS-Nackrichten der Landesanstalt sür Gewässertunde. mitgeteilt vom Berliner Detterbureau Wasserstand M«« e I. Ttlsit P r e g e I, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor Krassen Fraittiurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe. Leitmertg „ Dresden . Bardo Magdeburg l)+ bedeutet Wuchs.— Fall.— st ltntervegel, AUONAUSVERKOUF j A sinci Restbestände in Jackett- und RockanzQgen W anreBÜ U1.0S01* Z. ievtr der billigen SaisonausverkaufLoreise bis teil- Jadkett-�n�üZe für Herren weise auf die H83fta des IPreises herabgesetzt. Rockanzuge, Cutaway u. Westen$rTea Jackett-Anzüge für Herren 3P rnarengo, blau und fein gernusb Melton- Cheviota, 1 und_.. «mhisr......... jetzt garn;, 1 und 2reihig J „Ersatz für Maß", vornehm gem. 45* aus Mußstoffen gefert.|a4v«£* A AA Serie viii 54°° j Gehrock-Änzüge 37" M Gehrock-Änzüge 46" j c• IV gemusterte und schwarze 1 Q50 Oerie JA �ock- Anzüge.... jetzt 1Ü7 „. y gemust. Cheviots u. Kamm- �JQSO aene A garne, Rock-Anzüge jetzt Za>0 c. vi Cutaway u. 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Z.)(Nachdruck verboten) N 621 tm 101*1609 S0O 68 2M7 140 886 3126 644 783 813 4278 644 88 900 00 SWZSI 928 Zog 2g 662 «92 90? 2b 70 7644 794 8231 430 667 721 S019 227 368 41 J 10220 366 448 619'J®'4«2 95 830 12118 824 36 41«313f"<300) 55 132 272 320 514(200} 53 89 711 26 oo 909 111224 98 333 680 723 823 56 983 1 6159 203 43 711 62>70� 227 48 8CS 18009 108 236 96 307 63 697(300) 706 9 79 831 936 1980.669 J0 20089 164 93 657(100) 952 g*7 5� rn t")108 Ä 7Ä� 2631�!� Ä " M 6« rn, �« aof.? 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