Nr. 177. ( 5 Pfennig) MoNtttASlMSMite l SPfennia) BbonnementS'Bidlngungen: BSomtementS- Preis Jitänumctanbo: Bierteljährl.'i�S Mi, monatL 1,10 Mi., wöchentlich 28 Psg. frei mS HauZ. Einzelne Nummer ö Pfg. EomuagZ. Hümmer mit illustrierter Sonntags. Vellage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Wonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2F0 Marl, für das übrige Ausland 4 Mari pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. «tmänien, Schweden und die Schweiz. Crfdxlst täglich. 80. Jahrg. Die Tnlertions' Gebühr betrögt für die sechsgespaltene Kolonel- zelle oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- kersaininlnungs-Anzeigen und Versainmsnungs-Anzeigen M Psg. „Kitine Hmcigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tzulässig 2 fetlgedrllckte Worte), jedes wlltcre Wort 10 Pfg. Stellengesuche � und Schlafstcllenan- z eigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- i laben zühlkii für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Erpeditton abgegeben werden. Die Erpeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SsÄiismslmtl mni»". Zentralorgan der foztaldcmokrati feben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8W. 68» Lindenftraßc 69. Zsternsprecher: Amt Moritzplatz, Rr. I.g8Z. Montag, den 14. Juli 1918. Expedition: 8M. 68, �indenltraße 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Rr. 1984. Me sremckenlegion. Sie wird mehr und mehr zu einer chronischen deutsch- französischen Gefahr, diese IsLitm 6trangfere. Seit im Jahre 1907 zur Zeit txr Marokkohändel die Affäre der Deserteure von Casablanca die beiden Länder auf Messerschneide einem Kriege nahebrachte, rissen die die deutsch-französischen Be- Ziehungen trübenden Legionsgeschichten nicht ab._ In neuester Zeit war es die abenteuerliche Anwerbung des Bürgermeisters Trömel und die Erschießung des Legionärs Hans Müller, die wieder viel von sich reden machten. Der Fall Trömel steht in der Legionsgeschichte, nicht ver- einzelt da. Die Zahl der seelisch oder gesellschaftlich aus der Bahn geschleuderten Intellektuellen, die in der Legion unter- tauchen, ist sehr groß. Und was den erschossenen Hans Müller anbetrifft, dessen Blut laut Kriegsgerichtsurteil in Udschda den ostmarokkanischen Sand rot färbte, so tvar er ein Opfer jener wahnsinnig barbarischen Kriegsjustiz, die in allen Ländern, auch in Deutschland, sogenannte Meuterei vor dem Feinde mit dem Tode durch Pulver und Blei bestraft. Ein Fall so brutal und grausam wie etwa das Erfurter Schreckensurteil: ein Fall, der wirklich nicht noch der Sen- fationsmache irgendeines geriebenen Zeilenreißers bedurft hätte, der den unglücklichen Schweizer Hans Müller zu einem minderjährigen Deutschen niachte, der die gebeugten Eltern zwei istunden vor der Hinrichtung nach Oran kommen ließ und so weiter. Nur schade, daß die Eltern bis heute noch nicht gefunden werden konnten, trotz behördlicher Bemühungen. Die Stellung der Sozialdemokratie zur Fremdenlegion ist ohne weiteres gegeben. Wir, als erbitterte Feinde des Militarismus und Anhänger der Milizidee, sind eo ipso Gegner einer Söldnertruppe. Unser Kampf gegen die ko- loniale Raubpolitik schließt ohne weiteres den entschiedenen Kamps gegen die giftigste Blüte des Kolonialmilitarismus, die kolonialen Fremdentruppen in sich. Nichts lächerlicher als der Vorwurf der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung", die vor einiger Zeit den„Vorwärts" einen Verteidiger der Frem- denlegion nannte. Nein, wir rufen lauter als alle deutschen Patrioten: Fort mit der Legion, fort mit dem ganzen mili- tärischen System, dem diese Soldatenhölle ihr Dasein ver- dankt! Es wird sich vielleicht notwendig machen, daß sich die deutsche und französische Sozialdemokratie über eine gemein- same Aktion gegen die Fremdenlegion verständigt, daß sich vielleicht ein internationaler Sozialistenkongreß mit ihr be- schäftigt, da die Eigenart dieser Truppe in gespannten Po- litischen Situationen nur zu leicht Anlaß zu Konflikten geben kann. Der Kampf, den das bürgerliche Deutschland gegen die Fremdenlegion führt, gebärdet sich geräuschvoll genug. Ver- eine mit hohen Gönnern Haben sich gegen die Legion gebildet, in Schulen und Kasernen wird mit Eifer ein Abschreckungs- feldzug inszeniert und die Zeitungen und Buchhändler machen mit der Legionsvernichtung ein einträgliches Geschäft. Der Büchermarkt ist überschwemmt mit Legionärerzählungen. Manches Wahre darin wird überwuchert von Uebertreibungen und von einer die legionsfeindliche Konjunktur ausnutzenden nationalistischen Tendenzmache. Das literarisch Beste, was in den letzten Jahren über die Legion geschrieben wurde, ist das Buch von Erwin Rosen. Der Mann saß aber nur einige Monate in Sidi-bel-Abbes bei einer Depotkompagnie des ersten Fremdenregiments. Vom eigentlichen Feldzugsleben des Legionärs in Marokko, Ostasien usw. hat er nichts aus eigener Erfahrung kennen gelernt. Er kolportiert daher eine gute Portion Legionsklatsch, der noch üppiger wuchert als der„Küstenklatsch" in unseren Kolonien. So muß denn dieser Kampf gegen die Fremdenlegion nur auf der Oberfläche bleiben, denn mit etwas gutem Willen und sehr viel nationaletn Pharisäertum, verbunden mit einer Dosis chauvinistischer Hetzgelüste, legt man nicht die Axt an die Wurzel des Legionsllbels. Dieser seit einigen Jahren mit Halbheit und Unehrlich- feit geführte Kampf hat die Reihen der Legion noch nicht gelichtet. Noch immer setzen sich junge Deutsche den Kugeln der Marokkaner aus, noch immer stehen Landsleute von uns Posten im fiebcrschwangeren tonkinesischen Urwald. Man schreibt soviel über das Unwesen französischer Wer- ber für die Fremdenlegion. Aber wieviel gerichtliche Verur- teilungen solcker angeblichen Werber sind denn erfolgt, von deren Abfassung immer wieder berichtet wird? Der Fall des Tunichtguts von Handlungsgehilfen in Frankfurt a. M., der dieser Tage verurteilt wurde, liegt wirklich nicht so klar, daß man daraus auf eine systematische Werbetätigkeit der fran- zösischen Behörden schließen könnte. Nein, der beste Werber für die Fremdenlegion war und ist die deutsche Kasernenroheit und unser grausames militärisches Strafsystem. Es sind nicht immer die schlechtesten Soldaten, die in einer Stunde der Verwirrung und aus Furcht vor Strafe über die Grenze gehen und sich zur Legion anwerben lassen. Sie kommen meist aus dem Regen in die Traust, und wissen das sogar, aber die Angst vor der Schinderei beim preußischen Kommiß ist stärker als der Legionsschrecken. Unsere neue� Wehrvorlage,� die Zehnbausende von Re- kruten mehr in die Kaserne zwängt, ohne auch nur das min- deste an der Brutalität des Prinzips des militärischen Ka- �davergehorsams zu ändern, wird die Zahl der Legions- 'anwärter ganz erheblich vermehren. Der durch die Wehr- Vorlage in Frankreich ausgelöste Rüstungskoller wird die Militaristen jenseits der Vogesen aber auch mehr als bisher an der Legion ststhalten lassen, die auf verlorenem Posten stehend, Zehntausende von Sandeskindern erspart. So arbeiten sich auch hier die Militaristen beider Länder jn die Hände. Zahlreiche junge Elsaß-Lothringer wurden und wer- den durch den preußischen Korporals- und Polizeigeist. der in den Reichslanden dominiert, in die Legion getrieben. Das„Jn-Scherben-Schlagen der elsaß-lothringischen Ver- fassung" wird auch nicht gerade abschreckend wirken. Junge Elsässer aus bürgerlichen Kreisen benutzen die Legion sogar als Sprungbrett für eine militärische Karriere. Männer, die die französische Kolonialgeschichte als Helden feiert und denen auch die deutsche militärische und koloniale Fachpresse Anerkennung zollt, so zum Beispiel der Oberst Moll und der Hauptmann Fiegenschuh, die vor einigen Jahren in Zentralafrika fielen, waren Elsässer und haben in der Fremdenlegion von der Pike an gedient. Dank der Ex- klusivität unserer Ofsizierskaste hätten sie es in einer könig- lich preußischen Kaserne im allergünstigsten Falle zum Feld- webel gebracht. Wenn man die„verdammten Franzosen- köppe" überhaupt der Gefreitenknöpfe für würdig gehalten hätte. Bei dieser Gelegenheit sei beiläufig eingeschaltet, daß man dem berühmten Afrikaforscher Gerhard Rohlfs nächstens ein Denkmal errichten will. Wird tnan sich dabei erinnern, daß Rohlfs erst durch seine Dienstzeit in der Fremdenlegion zur Afrikaforschung angeregt wurde? Groß ist die Zahl der deutschni Handwerksburschen, die ohne den Umweg über die preußische Kaserne zur Fremden- legion gehen. Die meisten zwingt der nagende Hnnger auf den Weg zum Bureau de recrutement. Viele könnten davor bewahrt werden, wenn unsere lieben Bourgeoisländs- leute in Frankreich etwas mehr Mitleid und Hilfsbereitschaft zeigen wollten. Wir haben viele bittere Klagen solcher anner Teufel gehört, die von den deutschen Hilfsvereinen in den französischen Städten mit einigen armseligen Bettelpfennigen abgespeist wurden und in ihrer Not schließlich doch den Werbeschein unterschreiben mußten. Die meisten deutschen Fremdenlegionäre sind Opfer der sozialen, militärischen und politischen Zustände ihrer eigenen Heimat. Werden diese Ursachen beseitigt, werden sich nur noch wenige aus Leichtsinn oder Abenteurerlust das Legions- käppi auf den Kopf stülpen. Wer durch die sozialistische Schule gegangen ist. wird sich von vornherein dafür bedanken, seine Haut einer der brutalsten militaristischen Einrichtungen zu verkaufen, sich zum Werkzeug der kolonialen Raubpolitik zu machen. Die Er- ziehungsarbeit der proletarischen Jugendbewegung ist ein vortreffliches Hilfsmittel im Kampfe gegen die Fremden- legion. Aber gerade diese Bewegung wird von denselben Leuten bekämpft und schikaniert, die angeblich der Legion zu Leibe gehen wollen. Ihr kurzsichtigen Pharisäer! Mit eurer Begönnerung des wüsten Kriegspielrummels eines Jungdeutschlandsbundes tragt ihr ja nur zur Förderung des Landknechtsgeistes bei. Wir Sozialdemokraten als ent- schiedene und konsequente Bekämpfer des Militarismus können dagegen mit vollem Recht rufen: Nieder mit der Legion!_ Das Reich und Preußen. Von Professor Wolthcr Cchiicking.*) Gegen die Möglichkeit eines parlamentarischen Regierungs- systems in Deutschland ist von jeher die Verschiedenheit des Wahl- rechts im Reiche und in Preußen in das Feld geführt worden. Jn der Tat läßt sich nicht leugnen: Preußen und das Reich sind so sehr miteinander verquickt, daß eine parlamentarische Regierung nicht durchgeführt werden kann, wenn innerhalb des Reichstags und des Abgeordnetenhauses ganz verschiedenartige Majoritäten vorhanden sind. Nicht der Wortlaut der Reichsverfafsung, wohl aber die Tatsache der Struktur des Reiches erfordern, daß der Reichskanzler auch der preußische Ministerpräsident ist. Denn, wie noch in allerjiingster Zeit der Staatssekretär des Innern im Reichstag mitgeteilt hat, gelangt— von preußischen Anträgen abgesehen, die von der Rcichsvcrfassung allein vorgesehen sind— auch keine Präsidialvorlage an den Bundesrat, die nicht zuvor die Zustimmung Preußens gefunden hätte, so daß ihr wenigstens die preußischen Stimmen gesichert sind. Andernfalls würden die Ver- Handlungen innerhalb des Bundesrats meistens pro nibilo(ver- geblich) sein, und der Reichskanzler würde in eine geradezu un- sinnige Position geraten, wenn er die von ihm. selbst eingebrachten Vorlagen nachträglich als stimmsührender Bevollmächtigter Preu- ßens selbst bekämpfen müßte. Die Anhänger des parlamentarischen Systems haben des- halb von jeher verlangt, daß das preußische Wahlrecht mit dem Reichstagswahlrecht in Einklang gebracht werde. So z. B. Westerkamp in seinem wertvollen Buche über die Reichsverfassung vom Jahre 1873, dem freilich die sogenannte.juristische Schule" des Staatsrechts nicht gerecht tverden konnte. Aber auch wenn man die Dinge unter dem Zeichen des deutschen Konstitutio- nalismus würdigt, erweist sich die Diskrepanz zwischen der poli- tischen Zusammensetzung des Reichstags und des preußischen Ab- geordnetenhauses täglich unerträglicher und hemmender. Die fort- gesetzten Reibungen zwischen dem Reichsparlamcnt und dem preußischen Parlament schaffen eine chronische, schleichende Krisis unseres Verfassungslebens. Wenn wiederholt preußische Politiker von verschiedener Färbung es als einen wünschenswerten Zustand bezeichnet haben, daß das preußische Parlament infolge eines wesentlich konservativen Wahlrechts sozusagen das Oberhaus für das Deutsche Reich bilde, so liegt darin meines Erachtens für das nichtpreußische Deutschland geradezu eine Herausforderung. Etwa ein Drittel unseres Volkskörpers soll sich also ein Oberhaus ge- fallen lassen, auf dessen Zusammensetzung es nicht den geringsten Einfluß besitzt! Aber davon ganz abgesehen: Wie sollen die Ge- schäfte geführt werden, wenn das deutsche Parlament nach links, das preußische nach rechts gehen will? Woher soll der Bismarck kommen, der sich heute in diesen beiden Parlamenten homogene Mehrheiten zu schaffen wüßte? Denn dieselben Politiker, die im preußischen Parlament dem Kanzler den Vorwurf machen, er ließe sich von der Mehrheit des Reichstags führen, betrachten es als selbstverständlich, daß in Preußen die Regierung in ihrem Sinne geleitet wird. Und der einmal von Bülow in der interessan- ten Aera des BlockfrühlingS unternommene Versuch, im Reiche mit den Liberalen und in Preußen weiter gegen die Liberalen zu regieren, mutzte wegen der dargelegten Verquickung der preußischen und der Reichspolitik schon ans diesem Grunde ein jähes Ende finden. Ein Reichskanzler muß sich eben auf die Kräfte stützen können, die in Preußen herrschen, sonst fegt ihn der erste Wind- stoß davon. Die Notwendigkeit, zwischen der Reichspolitik und der preußischen Politik den nötigen Gleichklang zu schaffen, hat Sa- vigny in seiner wertvollen Untersuchung über„Das parlamcnta- rische Wahlrecht im Reiche und in Preußen und seine Reform" zu dem Vorschlag geführt, hier wie dort ein Pluralwahlrecht ein- zuführen. So demokratisch dieses Pluralwahlsystem gestaltet wer- den möchte, immer wird es als Reichstagswahlrecht gegenüber dem geltenden Rechtszustand für die große Masse eine Minderung ihres politischen Einflusses mit sich bringen. Die große Masse wird es deshalb als eine Entrechtung empfinden und da der INeist der Zeiten nun fraglos dahin zielt, der großen Masse mit der ge- steigerten Bildung einen erhöhten politischen Einfluß einzuräumen, so wäre Savignys Plan eine Maßregel von rückschrittlichem Charakter. Soviel sich auch gegen das gleiche Wahlrecht einwenden läßt und so zahlreich dessen heimliche und offene Gegner sein mögen: es gibt meines Wissens keine einzige politische Partei in Deutschland, die es ihren Wählern gegenüber glaubt wagen zu dürfen, die Aufhebung des gleichen Wahlrechts im Reiche zu for- dern. Eine praktisch unmögliche Maßregel braucht aber meines ErachtenS die Politik nicht weiter zu beschäftigen. Da nun aber auch der Gedanke, mit Hilfe eines besonderen preußischen Systems die demokratischen Ideen im Reiche hemmen zu wollen, nur Ver- wirrung schafft, und mit der preußischen Führung den ganzen Reichsgedanken diskreditiert, so bleibt keine andere Möglichkeit, als das preußische Wahlrecht dem Reichstagswahlrecht nachzubilden oder wenigstens anzunähern. *) Aus dem jüngst im„Vorwärts" besprochenen Buche,„Reue Ziele der staatlichen EntWickelung". Kulgariens Kapitulation. Aus Belgrad kommt die Meldung, daß die Bulgaren ihre Zustimmung zu direkten Verhandlungen gegeben haben. Die Nachricht hat alle Wahrscheinlichkeit für sich. Denn was bliebe den Bulgaren»och übrig? Sic müssen zusehen, wie die Rumänen ins Land einrücken und können ihnen nicht einmal Widerstand entgegensetzen. Und nun marschiert auch die türkische Armee vor, um jenes von den Bulgaren noch besetzte Gebiet einzunehmen, auf das die Türken nach denr Londoner Friedensvertrage Anspruch eicheben. Die Frage ist also bloß, ob die Gegner Bulgariens auch zum Frieden bereit sind. Und da scheinen die' Grieck)en, denen bisher Er- folge ohne allzuschwere Kämpfe beschieden waren, unnach- giebiger zu sein, als die Serbe». So stützen sich die Hoffnungen Bulgariens darauf, daß ihm die ärgsten Demütigungen erspart bleiben, vor allem auf das Eingreifen Rußlands, in dessen Schutz sich der bisherige österreichische Bundesgenosse. bedingungslos ge- flüchtet hat. Direkte Berhandluugen. Belgrad, 12. Juli. Einer Meldung aus Ueskt'ib zufolge befindet sich die s e r b i s ch e Armer im Vormars ch. Es verlautet, daß� Bulgarien d i e r c k t c n Ver- Handlungen mit Serbien und Griechenland zu- gestimmt hat. Das Vorgehe» der Türkei. Wien, 13. Juli. Das Wiener K. K. Telegr.-Korresp.- Bureau meldet aus K 0 n st a n t i n 0 p e l: An unterrichteter türkischer Stelle wird erklärt, daß die Verhandlungen mit dem bulgarischen Unterhändler Natschewitsch offiziell abgebrochen worden sind, und daß Natschewitsch unverzüglich abreisen wird. Die Pforte hat den, Gene- ralissimus Jzzet Pascha ein Telegramm geschickt des Inhalts. ein Jrade sanktioniere den Beschluß des Ministerrates, der den Generalissimus ermächtigt, alle nötigen Maßregeln zu ergreifen, um das der Türkei gehörige Gebiet zu besetzen. Die Türken marschieren. K o n st a n t i n v p e l, 13. Juli. Wie amtlich gemeldet wird, hat die türkische Armee in der vergangene» Nacht den Vormarsch begonnen. Ruhe in Sofia? Wien, 13 Juli. Tie„Neue Freie Presse" erhält von be- sonderer Seite in Sofia die telegraphische Mitteilung, daß alle Gedichte iiber Unruhen, Zusammenstöße und Attentate in Sofia unrichtig seien: die Stadt sei r u h i g. Die Kriegsgreuel. Athen, IL. Juli. König Konstantin hat an den Minister des Aeußeren folgendes Telegramm gerichtet: Der Stab der 6. Di- Vision berichtet, daß bulgarische Soldaten auf Befehl ihres Haupt- manns auf einem Schulhofe in Demirhissar den Metropoliten, zwei Geistliche und mehr als 10t> N o t a b e l n zusammenschleppten und sie dann umbrachten. Der Kommandeur der Division befahl, die Leichen wieder auszugraben. Auf diese Weise wurde das Verbrechen bestätigt. Zur selben Zeit schändeten die bulgarischen Soldaten junge Mädchen. Eine, die Wider- stand leistete, wurde in Stücke gehauen. Protestieren Sie in meinem Namen bei den Vertretern der zivilisierten Mächte gegen diese Ungeheuer in Menschengestalt. Protestieren Sie auch bei der ganzen zivilisierten Welt und erklären Sie, daß ich mich zu meinem Bedauern gezwungen sehe, mich zu rächen, um Schrecken einzuflößen und um diese Ungeheuer zur Vernunft zu bringen, bevor sie weitere derartige Verbrechen begehen. Die Bulgaren verüben alle Greueltaten der- gangener barbarischer Zeiten und beweisen, daß sie nicht das Recht haben, sich zu den zivilisierten Völkern zu zählen. Die Depesche des Königs erregte in Athen Zorn und tiefe Entrüstung gegen die Bulgaren. Konstantiiiopel, 13. Juli. Die bulgarischen Metro- politen von Mona st ir und Ochrida sowie der Vikar von Prilep sind hierher gekommen, um sich bei der Pforte über Misse- taten der Serben gegen Bulgaren zu beklagen. Sie wurden von der Polizei zur Polizeidirektion gebracht. politilcbe(leberlicdt. Die Konservativen gegen die Regierung. Das Entschuldigungsgestainmel der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" hat dem Herrn Reichskanzler nichts ge- nützt. Stürmischer als je hageln die Angriffe der konser- vativen Presse auf den unzulänglicktcn Geschäftsführer nieder, der sich von den, Event, laldelikt nicht reinigen kann, daß er eine Erbschaftssteuer auch aus den Händen der Sozialdemo- kratic entgegengenommen hätte. Die Konservativen berufen sich dabei auf das Zeugnis des Abgeordneten Erzberger, der schreibt: „Tatsache ist und bleibt, daß die Regierung keinen Augenblick darüber einen Zweifel ließ, daß sie die Erb- schaftssteuer ohne jedes Bedenken annehmen würde, und daß die Regierung für Durchsetzung ihrer Vorlagen nur insoweit auftrat, als sie die Annahme der drohenden Reichs- Vermögenssteuer tatsächlich verhindert hat." Drohend fordert deshalb die„Deutsche Tageszeitung" nochmals Rechenschaft von der Regierung. Aber sie erwartet augenscheinlich keine befriedigende Antwort und erläßt fol- gende Kriegserklärung: ..Und wenn wir nach dieser ganzen Debatte nun auch zweifelsfrei wissen, wo der locus minoris resistentiae(Ort des geringeren Widerstandes) gelegen hat, so steht doch noch die Alocdenfilm. ... Dieweil des Menschen Fllrrecht Lachen ist. Rabelais. ßlanrierte Europäer. > i. Ende Juni. Der Chefredakteur des Berliner Weltblattes betritt das Zimmer der„Auswärtigen Politik":„Meine Herren, die Balkanfritzen geraten sich jetzt tatsächlich in die Lausehaare. Der Bruderkrieg wird Tatsache. Jetzt heißt es wieder, eine großzügige Berichterstattung zu organisieren. Wir müssen darin unbedingt die Führung haben.— Was? Kriegsberichterstatter runterschickcn? Nich zu machen! Werden ja doch nicht zur Front gelassen. Hut uns das erstemal ein paar Stangen Gold gekostet, und dabei hätten die Herren ebenso gut ihre Kriegsberichte hier im Cafehause schreiben können. Nein, machen Sie unsere Wiener Korrespondenten mobil. Und die in Sofia, Belgrad, Athen und Bukarest.— Was sagen Sie, Herr Kollege? Das wird einen schönen Salat geben? Macht nichts. Nur viel Originalmeldungen. Und wenn sie sich hundertmal wider- sprechen. Wenn wir täglich sieben, acht Spalten Originalkorrcspon- dcnzen bringen, stehen wir auf der Höhe. Ob der Leser daraus ge- schcit wird, kann uns ja Wurscht sein. Im Resume tippen wir natürlich auf Bulgarien. Nach Kirkilisse, Lülle Burgas und Adria- nopel ist das ganz selbstverständlich. Außerdem sind wir das unserem schwarz-gelben Bundesbruder schuldig. Und dann, noch eins! Habe erfahren, daß der Kriegsberichterstatter der Wiener „Reichspost" nach Sofia geht. Famoser Kerl, dieser Hermenegild Wagner. Hatte immer die besten Tips. Benutzen Sie dessen Mel- düngen fleißig. Und bitte, meine Herren, variieren Sie recht fleißig das Thema: Die Bulgaren„die Preußen des Balkans". Und Pa- rallelen mit anno 1864 und 1866. Und so weiter.— Na. Mahlzeit. meine Herren." Anfang Juli. Der Herr Chef zum militärischen Mit- arbeitcr:„Verfluchte Kiste, Herr Major! Diese Saukerle von Griechen und Serben nwlden in einemfort Siege. Und wenn auch dreiviertel davon erstunken und erlogen ist, so muß doch etwas Wahres dran sein. Wie? Ach so. Sie meinen, die Bulgaren machen einen strategischen Schachzug? Umklammerung und so? Famos. Schreiben Sie uns ein militärisches Situationsbild. Mit Karten- Ach nee. jetzt nicht. Verschonen Sie mich mit den blöden Namen. Ovtsche Polje, Kozana, Egri Palanka, kann mir alles ge- stöhlen bleiben. Wie meinen Sie? Vorbereitung eines serbischen Scdan? Famos. Schreiben Sie darüber etwas recht Sachversiändi- geS, Herr Major. Meine ja auch, daß diese zähen uird schweigsamen Bulgaren die andere Schweinebande noch in die Pfanne hauen. Aber bitte, Herr Major, den Anfsatz und die Skizze mit dem bul- aarischen Umgchungsaufmarsch noch für das Abendblatt!" � Mitte Juli. Der Herr Chef zu den„Auswärtigen:„Na. da sind wir ja schön reingeschlittert mit unserem Tip. Diese Scheiß. kerle von Bulgaren sind also glücklich pleite. Und die verfluchten Wiener Schmocks haben uns gründlich reingelegt. Na, also denn Klärung der Frage aus, wo der locus minlmae resistentiae(Ort des gering st en Widerstandes) gegeben war. Die Aufklärung darüber aber ist vor allem deshalb so wichtig, weil sie nicht nur einen interessanten Beitrag zu der Frage liefern würde, w i e groß im allgemeinen die Energie der derzei- tigen Reichsregierung in der Vertretung ihrer eigenen Gesetzesvorschläge eingeschätzt werden muß, sondern zugleich auch zu der anderen Frage, wohin überhaupt der Kurs des Herrn Reichskanzlers von Beth mann Holl- w e g g e r i ch t e t i st."* Das ist ja deutlich genug. Die ganze Richtung paßt den Konservativen nicht mehr und Herr von Bethmann steht dort, wo die meisten Kanzler kurz vor ihrem Fall gestanden haben, vor dem Konflikt mit der konservativen Partei. Die schwarzen Bundesbrüder sehen aber vorläufig mit Unbehagen auf das Toben derer um Heydebrand. Immer wieder erinnern sie daran, daß für die n e u e n Handels- Verträge die Nationalliberalen unentbehrlich sind. Des- halb sollten doch die Konservativen die leidige Steuerfrage ruhen lassen und dem Zentrum dankbar sein, daß es die Rückkehr der Nationalliberalen zur Zoll- Wuchermehrheit angebahnt habe. Und es ist nicht un- lvahrscheinlich, daß diese Mahnungen Erfolg haben und sich, steht erst die Volksausplünderung wieder auf der Tages- ordnung, schon alles finden wird mit oder ohne Herrn von Bethmann._ Das Wahlergebnis in Zauch-Belzig. Das amtliche Wahlergebnis wird jetzt bekanntge- macht. Bei der Reichstagsersatzwahl(Stichwahl) im Wahlkreise Potsdam 9 am 11. Juli wurden bei 49 768 Wahlberechtigten 33 467 gültige Stimmen abgegeben. Stadtverordneter Ewald-Berlin(Soz.) erhielt 17151, Oberregierungsrat a. D. v. O e rtz e n- Remlin(Reichspartei) 16316 Stimmen. Ewald ist somit gewählt. Was ist's mit der Wahlreform? Von offiziöser Seite wird wiederum verkündigt, daß der preußische Landtag bereits im Herbst zu einer Ta- gung einberufen würde. Verschiedene Gesetze, so Aenderun- gen des Staatsverwaltungs- und Kommunalabgaben- Gesetzes, werden angekündet und auch erzählt, daß das Herrenhaus auf die frühe Einberufung Wert lege, um gründ- licher beraten zu können. Nur von einem redet die offi- ziöse Korrespondenz nicht, von der Einlösung des Wahlrechtsversprechens. Und doch ist dies das einzige, was das preußische Volk interessiert. Aber die Re- gierung will offenbar darauf warten, bis sie dieses Interesse deutlicher als bisher zu fühlen bekommt. Erneute Steigerung der Fleischpreise. In der zweiten Hälfte des Juni haben die Preise für Fleisch im Kleinhandel im Wochendurchschnitt von 5L Orten gegenüber der ersten Hälfte des Juni zumeist wieder zugenommen. Lediglich der Preis von Schweinefleisch ist mit 164,5 gegen 164,3 Pf. für das. Kilo ziemlich gleich geblieben. Dagegen ist der Preis für Rindfleisch von 178,7 Pf. auf 179.3 Pf., der für Kalbfleisch von 200,7 Pf. auf 201,1 Pf. und der für Hammelfleisch von 201,7 Pfennig auf 201,8 Pf. gestiegen. Schweineschinken im ganzen und Schweinespeck behielten den Preis vom Anfang Juni mit 269,7 und 192,4 Pf., dagegen stieg Schweineschinken im Ausschnitt von 377,5 Pf. auf 377,7 Pf., inländisches Schweineschmalz von 186,2 Pf. auf 186,9 Pf. und ausländisches Schweineschmalz von 144,3 Pf. auf 144,4 Pf. Keine Nachwahl in Stuttgart. Ein Telegramm aus Stuttgart meldet, daß Gen. Reichstags- abgeordneter Hildenbrand eine Stellung bei der Volks- f ü r s o r g e in Hamburg angenommen hat, wohin er im Herbst übersiedeln wird. Das ReichStagSmandat behält Genosse Hildenbrand bei. ckanxement de direction, meine Herren! Schreiben Sie, daß der Sturz Bulgariens vorauszusehen war. Die größenwahnsinnige Abenteuerpolitik des Ministerpräsidenten Danew und so. Deuten Sie zart an, daß der re nasone(Nasenkönig) Ferdinand eventuell ans Kofferpacken denken muß.'S ist vielleicht gut für alle Fälle. Unser Redaktionsstratege kann dann etwas über die offen zutage liegenden Gründe der militärischen Schwäche Bulgariens schreiben. Führen Sie auch psychologische Gründe an: Bulgarischer Volks- charakter, Bauernschädel. Verachtung alles Fremden, Selbstüber- schätzung und so weiter. Wir haben das natürlich alles voraus- gesagt.— Was meinen Sie? Was die Leser zu dieser Schwenkung sagen werden? Ach, die Rindviecher merken das ja gar nicht." 17. Sitzung im Konferenzzimmer der Redaktion der„Militärischen Woche". Der Redaktionsstab, bestehend aus Generälen und Stabs- offizieren, sitzt, streng nach Rangstufen geordnet, mit ernsten, kühlste Sachlichkeit ausstrahlenden Mienen um den mit Karten, Mctzzirkel, Schreib- und Krokimaterial usw. bedeckten Tisch. Der Vorsitzende, Herr Generalleutnant z. D. von Wichtig eröffnet die Sitzung:*) „Meine Herren. Wir sind berufen, der Oeffentlichkeit eine wirk- lich fachmännische und sachverständige Darstellung der Kriegslage im zweiten oder, wie wir ihn nennen wollen, im mazedonischen Balkankriege zu geben. Die Lügenfabriken in Belgrad und Athen sind in vollem Gange. Siege werden fabriziert, die nicht erfochten sind, bei Orten, die genauere Karten nicht enthalten. Das höchste Mißtrauen gegenüber serbischen und griechischen Nachrichten ist am Platze. Bulgarien sticht» in bezug auf Nachrichtenverbreitung wohl- tuend von seinen Gegnern ab; erscheint eine Nachricht aus Sofia, so enthält sie meist nur Wesen t'licheS und wenigstens Wahr- scheinliches. Man muß sich die Grundlage der Berichterstattung näher an- sehen, um den Wert der Depeschen der Berichterstatter richtig ein- schätzen zu können. Militärattaches befinden sich bei den Armeen nicht, ebensowenig sind sachverständige Kriegsberichterstatter zugelassen. Die schußsicher in Belgrad, Sofia und Athen sitzenden Zeituugskorrespondenten sind also lediglich auf die Nachrichten an- gewiesen, die ihnen die Regierung des betreffenden Landes, die ein- heimische Presse sowie aus der Front kommende Verwundete oder gegnerische Gefangene oder gar Gerüchte zukommen lassen. Die Hauptschuld an der von mir gekennzeichneten Berichterstattung trägt das Publikum, das sein Leibblatt für schlecht bedient hält, wenn es nicht in unruhigen Zeiten möglichst vi�l spannende Nachrichten bringt, ein gut Teil Schuld trägt auch die Presse selbst, die wahllos alle Nachrichten veröffentlicht, ohne sie vorher von S a ch v e r st ä n- d i g e n auf ihren wahren Wert prüfen zu lassen. Wir Soldaten müssen schon fiir uns in Anspruch nehmen, daß. wenn in einem Kriege die Kriegskunst und die Kriegs- •) Die folgenden Ausführungen sind zum größten Teil wörtlich aus dem Militär-Wochenblatt vom 10. Juli 1913, Beilage, zitiert. Der Verfasser. Eine R-iesenciemonftration gegen dk dreijährige Dienftzeit. Paris, 13. Juli.(Prrvattelegramm des „V o r w ä r t s".) Heute fand auf der Wiese Saint Gervais bei Paris ein Massenmeeting gegen die dreijährige Dienstzeit statt, das vom Verband der Gewerkschaften ge- meinsam mit der Partei einberufen worden war. Trotz der Ferientage aus Anlaß des Nationalfestes, die Zehntausende ans dem Lande verbringen, nahm die Demonstration einen imposanten Verlauf. Auf 11 Tribünen sprachen Vertreter der Gewerkschaften und der Partei. Auf der fünfzehnten sprachen Anarchisten. Die größten Massen hatten sich um die Tribüne gesammelt, wo Jaurös sprach, dem große Ovationen dargebracht wurden. Hus 6roß-ßerlm. Eine menschenfreundliche Erinnerung. Ich bin seit längerer Zeit krank. Im Krankenhause zu Neukölln liege ich und hoffe, hoffe wieder gesund zu werden, wie das alle Kranken hoffen. Der Krankensaal ist freund- lich und sauber. Nur eines stört mich, beunruhigt auch andere Kranke. An der Wand hängt eine Hausordnung. Diese Hausordnung hat es uns angetan. Täglich sehe ich hin und täglich lese ich die Bestimmung, daß Leichen von Verstorbenen in der Regel geöffnet werden und nur davon Abstand genommen wird, wenn von Angehörigen der Ver- storbenen innerhalb 12 Stunden nach erhaltener Todesnach- richt Einspruch erhoben wird. Jedesmal, wenn ich diese Be- stimmung lese, wird meine Hoffnung erheblich herabge- mindert. Sterben denn alle Leute, die ins Krankenhaus kommen? Ich war schon in einem anderen Krankenhause, aber diese Verkündigung habe ich nirgends gefunden. Mir persönlich kann es Wurst sein, ob ich nach meinem Tode auf. geschlitzt werde oder nicht. Ist aber ein Krankenhaus der ge- eignete Ort, alle Tage dem Kranken vom Tode zu erzählen? Ist vielmehr nicht auch die Stimmung von Einfluß aus das Wohlbefinden eines Kranken? Wissen das die Aerzte im Neuköllner Krankenhause nicht auch? Und wenn sie es wissen, weshalb lassen sie zu, daß dem Kranken alle Tage der Tod vor Augen gehalten werden muß? Wie ein memeuto mori hängt es vor den Augen der Kranken: Du wirst morgen geöffnet, wenn du stirbst. Was geht das überhaupt den Kranken an! Hat doch nur Interesse für die Angehörigen! Muß man denen aber das im Krankensaole sagen, wenn sie den Kranken besuchen und ihm Mut und Hoffnung machen? Kann den Angehörigen nicht auf andere Weise diese Bestim» mung übermittelt werden, etwa wenn der Tod wirklich ein» getreten ist und die Benachrichtigung erfolgt? Ist es wirk- lich menschenfteundlich, den Kranken tagtäglich die Hoffnung zu rauben durch den Anblick dieses Plakats mit der ominösen Bestimmung?_ Der Mord bei Landsbcrg. Die Nachforschungen nach dem Urheber des grauenvollen Mordes bei Landsberg haben im Laufe des gestrigen Tages auf neue Vermutungen geführt. Man hatte anfangs den aus der Land- armenanstalt entlassenen Arbeiter Carl(Baabe im Verdacht dev Täterschaft. Die Ermittlungen haben jedoch ergeben, daß S. nicht als Täter in Betracht kommt. Dagegen glaubt die Polizei. eine neue Spur entdeckt zu haben. Der Verdacht, das brutale Verbrechen verübt zu haben, richtet sich jetzt gegen den 44 Jahre alten Feldaicheiter Karl Kos.se aus Greifenhagen. Die von dem Mörder und seiner Kleidung gegebene Beschreibung soll auf K. passen. K. soll an den letzten Tagen wiederholt in der Stahe der Mordstätte gesehen worden sein. Bisher war es noch nicht möglich, ihn zu verhaften._ w i s's e n s ch a f t ein Urteil bedingen, bei Abgabt eines solchen wie "in jeder anderen Kunst und Wissenschaft nur wirkliche Sachvcrstän- dige zu Worte kommen sollten. Man läßt auch keinen Leut- nant a. D. über medizinische Kongresse berichten; was in dem einen Fall recht ist, ist aber im anderen billig. Nachdem nach den Zeitungen Bulgaren und Serben gesiegt haben(beide Parteien zählen dabei immer genauer die Toten und Verwundeten des Gegners als ihre eigenen), müssen wir unserer- seits als einzige kompetente Fachleute die tatsächlichen Kriegsereig- nisse unwiderleglich feststellen. Falls eine Einigung Bulgariens mit Rumänien zustande kommt, fällt für die bulgarische Heeresleitung jeder Grund zur Zurückhaltung seiner nördlichsten Armeen(nordwestlich Sofia und bei Küstcndil) fort. Nach den Erfahrungen des eben beendeten Bul- garisch-Türkischen Krieges wird dann eine rücksichtslose Offensive mit Sicherheit eintreten. Die Presse hat sich über strategische Probleme den Kopf zerbrochen. Wir aber tonnen auf Grund unserer langjährigen militärischen Erfahrungen und befruchtet durch eingehendes Studium der Kriegswissenschaften folgendes konstatieren: Das Ziel der Bulgaren ist sehr einfach und mit vier Worten festzulegen:„Vernichtung der serbischen Haupt- armcc"(Erste und Dritte Armee). Nebenoperation: Vorstoß der nördlichsten Streitkräfte gegen die Lebensader der Serben, die Bahn Belgrad-Nisch-Uesküb in Richtung auf Nisch oder Vranja. womit zugleich eine Deckung des rechten Flügels der über Egri Palanla vorgehenden bulgarischen Kräfte erreicht wird. Und dieses Ziel werden die Bulgaren mit absoluter Sicherheit erreichen. Ein vielleicht beabsichtigt gewesener serbischer Vormarsch über Egri Palanka-Küstendil in Richtung Sofia scheint schon heute wegen der geschickten Operationen der bulgarischen Armeeabteilung in der Linie Kozana-Jstip ausgeschlossen. Die gesamte serbische Haupt- armee hat sich mit Front nach Südosten engagiert und steht etwa in der Linie nördlich Köprülü-Kratowo. Vortruppcn am Bregalnica- Sletowska-Fluß. Beide Flügel sind durch die Annäherung der Bul- garen an Köprülü und Egri Palan.a sehr gescihr.ct... Scr§err(McncrcilIcutnQnt A. ft)icb ui feinen Ausführungen durch ein' schr energisches Klopfen gestört. Ter Gesd)äftssührer der„Militärischen Woche" tritt ein.„Verzeihung, meine Herren, aber es dürfte Sie bei Ihren Beratungen interessieren, daß soeben ein offizielles Telegramm aus Sofia eingetroffen ist. Die Bulgaren haben, veranlaßt durch ihre bisherigen militärischen Mißerfolge. Rußland ersucht, die Friedensvermittlung in die Hand zu nehmen." nehmen." Tableau! Der Herr Generalleutnant z. D. sagt zuerst:„Hem. hem", und die anderen eecundum ordinem. Nach einer längeren Kunstpause sagt dann der Präses der be- rufcncn militärischen Fachleute:„Angesichts der neuen Sachlage, glaube ich'» Ihrem Einverständnis zu handeln, wenn wir unsere Sitzung um einige Tage derschieben. Ich werde in der Zwischenzeit mit unserem berufensten Balkankenner, der uns schon so oft wert- volle Direktiven gegeben hat, Exzellenz von der Goltz-Pascha kon- ferieren. Ich danke Ihnen, meine Herren." Mit welcher Roheit der Mörder sein wehrloses Opser hin- geschlachtet hat, geht aus dem Befund der Leiche hervor. Die Obduktion hat ergeben, daß nicht nur die ganze Schädeldecke, son- dern auch der Hinterkopf bollständig zertrümmert worden ist. Der Mordbube hat den Kopf der Frau Troschke nicht allein mit Feld- steinen bearbeitet, sondern er hat den Schädel auch mit voller Wucht auf einen auf der Erde liegenden Stein aufgeschlagen. Zwischen dem Opfer und dem Mörder hat auch ein verzweifelter Kampf stattgefunden. Es geht dies daraus hervor, dah in der rechten Hand der Ermordeten graumelierte Bart- und Kopfhaare des Mörders entdeckt wurden. Bei dem Kampf hat die unglückliche Frau dem Täter die Haare ausgerissen. Der Verbrecher hat die Ermordete vom Feld in eine Schonung hinein- geschleift und auch noch dort erbarmungslos auf sie eingeschlagen. Eine breite Blutspu-r zeigt den Weg, den der Mörder Frau T. ent- lang gezogen hat._ Zwei Ranbanfälle. Zwei schtnere Ueberfälle wurden in der Nacht zum Sonntag derübt, beide im Nordosten der Stadt, der eine im Friedrichshain, der andere an der Ecke der Kurischen und Trakehner Strasse. Auf die Ermittelung der noch nicht verhafteten Täter ist in beiden Fällen eine Belohnung von je 300 M. ausgesetzt worden. Die Polizei läßt darüber die folgenden Mitteilungen verbreitem Im Friedrichshain war ein Tischler A l b e r t R. aus der Greisswalder Strasse ein Opfer der Räuber. Er kam gegen 1 Uhr nachts mit seinem Fahrrad durch den Hajn und führte das Rad, weil er keine Laterne hatte. Als der Ahnungslose am Spiel- platz vorbeiging, sprangen plötzlich drei junge Burschen auf ihn zu und. fielen ohne weiteres über ihn her. Während einer ihn am Halse packte, würgte und zu Bode» warf, schlug der zweite mit Fäusten auf den Ueberrumpelten ein und benutzte seine Wehr- und Hilflosigkeit, ihm das Portemonnaie mit t» M. aus der Tasche zu reißen und einzustecken. Der dritte Räuber ergriff unterdessen das Fahrrad und fuhr davon. Ihm folgten die beiden anderen Räuber mit ihrer Beute, bevor der Beraubte sich von seinem ersten Schreck erholt hatte. Alle drei entkamen unerkannt, doch können sie zum Teil einigermaßen beschrieben wenden. Der eine ist etwa 25 bis 26 Jahre alt, 1,65 bis 1,70 Meter gross und schlank, hat ein läng- liches Gesicht mit dunklem Schnurrbart und trug ein dunkles Jackett und Hose und einen schwarzen, steifen Hut. Der Zweite ist etwa 17 bis 13 Jahre alt und 1,50 bis 1,55 Meter gross, hat ein rundes bartlose? Gesicht und trug ein graues Jackett mit Radfahrerhosen, schwarze Strümpfe, einen grauen Sweater und eine graue Rad- fahrermütze. Der Dritte ist 20 bis 23 Jahre alt, 1,50 bis 1,70 Meter gross und gleichfalls bartlos. Die Kleidung kann Beraubte nicht angeben. Der zweite lleberfall ist um 4 llhr, also schon bei Hellem Morgenlicht, verübt worden Als ein Kaufmann R. aus der Wichertstrasse auf dem Heimwege durch die Kur i sch e Straße kam und eben die Ecke der Trakehner Straße erreicht hatte, traten ihm vier Burschen in den Weg und fragten ihn, ob er ihnen nicht sagen könne, wieviel Uhr eS sei. Der Gefragte kam aber gar nicht zu einer Antwort. Ohne daß er ihnen die geringste Veranlassung dazu gab, fingen sie— so schildert er den Hergang— Hälwel mit ihm an und brachen einen Streit vom Zaun, um ihn zu berauben. Schon nach wenigen Worten schlug einer der Wegelagerer R. mit 'einem Stock über den Kopf. Der Angegriffene setzte sich aber kräftig zur Wehr und streckte seinen Gegner durch einen Gegenhieb zu Boden. Jetzt sprang sofort ein Zweiter hinzu, stürzte sich auf den Angefallenen und lvarf ihn nieder. Zu seinem Glück fand der Ueberfallene in Armnähe einen halben Mauerstein auf dem Boden. Er ergriff diesen und schlug damit den zweiten Angreifer so wuchtig auf den Kopf, daß er besinnungslos zusammenbrach. Nachdem der Ueberfallene sich so auch des zweiten Angreifers entledigt hatte, eilte er nach der Revierwache, um die Polizei zu holen. Unterdessen schleppten die drei anderen Burschen den am Kopfe schwer verletzten und besinnungslosen Räuber, ohne Beute gemacht zu haben, fort. Als die Polizei mit dem Ucberfallenen am Tatort erschien, waren die Täter bereits verschwunden. Es ist anzunehmen, daß der Ver- letzte sich in einem Krankenhause, auf einer Unfallstation oder aber wenigstens von einem Heilgehilfen hat verbinden lassen. Sicher ist, daß er eine Kopfverletzung erhalten hat, die schwer und deutlich sichtbar sein muß._ Kampf mit einem Einbrecher. Der Zigarrenhändler Julius Lewin aus der Ti e ck- straße 26 wurde gestern morgen durch ein heftiges Geräusch aus dem Schlafe geweckt. Als er aus dem hinter dem Laden belegenen Zimmer nach der Straße eilte, sah er, daß seine Schaufensterscheibe eingeschlagen worden war. Geraubt war fast nichts, vielmehr hatten die Einbrecher, weil das Geräusch zu groß geworden war, schleunigst die Flucht ergriffen. Eine Bäckersfrau hatte sie jedoch gesehen und beschrieb dem Bestohlenen die Burschen und sagte ihm auch, daß diese die Borsigstrasse hinuntergelaufen seien. Hier traf Lewin einen Mann, der genau so aussah, wie einer der Diebe, nur hatte er nicht wie dieser ein weisse? Paket unter dem Arm. Der Bestohlene trat auf ihn zu und fragte nach dem Manne mit dem weißen Paket. Der Gefragte antwortete ruhig, niemand gesehen zu haben. Als Lcwin der Bäckersfrau den Mann beschrieb, den er gesehen hatte, wußte diese sofort, daß er mit einem der Einbrecher gesprochen hatte. Lewin eilte nun wieder nach der Borsigstrasse und hier traf er den Mann noch an, wie er, die Hände auf dem Rücken, langsam auf und ab ging. Jetzt packte Lewin den Dieb beim Kragen, um ihn zur Polizei zu bringen. Der Ertappte setzte sich jedoch heftig zur Wehr und schlug mit einem Stiefel, den er aus dem Jackett hervorzog, so lange auf L.«in, bis der zusammen- brach. Dann ergriff er die Flucht, der Händler erhob sich aber wieder und nahm mit anderen Passanten die Verfolgung de? Flüchtigen auf. Es gelang ihnen auch, den Einbrecher in der Ar- tilleriestraße zu stellen. Auch hier wehrte er sich aus Leibeskräften mit Stiefeln, die er und seine Spießgesellen, wie sich später heraus- stellte, in der Nähe bei einem Schaufenstereinbruch gestohlen hatten. Als ein Schutzmann hinzukam, gelang es schliesslich, den Tobenden zu überwältigen und nach der Wache zu bringen. Noch im Laufe des Vormittags konnte die Kriminalpolizei auch seine beiden Spieß- gesellen festnehmen. Alle drei leugneten zuerst, gaben aber schließ- lich die Einbrüche zu. Die von ihnen angegebenen Namen sind falsch. Vorsicht vor Bahnhofshyäne»! Eine der Bahnhofshyänen, die den durchreisenden Ar- b e i t er n auflauern, um ihnen durch Lift oder Gewali ihre Er- Iparnisse abzunehmen, kam gestern an den Unrechten. Ein Ar- beiter, der hier durchfuhr, um Arbeit zu suchen, traf auf dem Schle, ischen Bahnhof einen Mann, der stch bereitwilligst erbot,'hm ,n der Großstadt behilflich zu sein.*und ihm erklärte. dav er auch Beschäftigung nachweisen könne. Er veranlaßte den k'- k> T1*1" Lokal in der Nähe dcS Bahnhofes zu besuchen. um dort die Sache weiter zu besprechen. Der Arbeitslose war sehr ®'nrC""�uhrer" und Arbcitsvermittler" gefunden zu habem Bald gesellten sich mehrere andere Männer zu ihnen, die den Hkner kannten und sich, wie sie sagten, freuten, ihn zufallig hier zu treffen. Nachdem die ganze Gesell�chast eine Zeitlang ver. gnugt gcplauderr und gezecht hatte, suchten sie einen Grund, um ««n Fremden das Portemonnaie abzunehmen, das. wie sie durch geschickte Fragen erfahren hatten, gut gespickt war. S,e verlangten schlieglich, daß der Arbeitslose für alle Mann die Zeche bezahle. Dieser lehnte das Ansinnen aber entschieden ab. und s° gerieten sie bald ,n Streit. Als nun der Fremde seine eigene Zeche bezahlen wollte, schlugen sie ihm die Börse aus der Hand, so daß ihr Inhalt sich auf dem Fußboden zerstreute. Es waren aber nur wenige Mark in Silber und Nickel. Zwei Goldmünzen hatte der Mann, als er sah, daß es mit seinen Bekannten nicht ganz geheuer war, unbemerkt aus der Börse genommen und in den Strumpf gesteckt. Enttäuscht über ihre geringe Beute, die sie natür- lich sofort aufhoben und einsteckten, fielen sie über ihr Opfer her, verprügelten es und rissen ihm Uhr und Kette vom Leibe. Als der Wirt dazwischentrat, verschwanden alle bis auf den „Führer", der jetzt den Harmlosen spielen wollte. Der Arbeitslose traute jedoch auch diesem nicht und ging ihm, als er sich ebenfalls aus dem Staube machen wollte, nach. Er sah, daß dieser in ein Haus hineinging, und wartete hier, bis Kriminalbeamte, die in der Nähe patrouillierten, herbeigekommen waren und den freundlichen „Führer" beim 5h:agen packten. Uhr und Kette fand man noch in seinem Besitz. Der gefährliche Bursche, der sich zuerst noch aufs Leugnen legte und dann einen falschen Namen angab, entpuppte sich als ein B o o t s m a n n A n u s ch i s ch., Rettungstat einer Zwölfjährigen. Eine brave Tat hat am Sonnabeich die 12jährige Else Schneider aus Ober schöneweide vollbracht. In der Ge- meindebadeanstalt in der Nähe von Tabberts„Waldschlößchen" an der Obersprce war das 20jährige Dienstmädchen B. über die Sperr- leine des Schwimmbassins hinausgeschwommen. In der Mitte der Spree verließen das junge Mädchen plötzlich die Kräfte, und es rief angstvoll um Hilfe. Die kleine Else Schneider schwamm sofort hinzu, und es gelang ihr, die B. gerade in dem Augenblick zu fassen, als diese zu versinken drohte. In der Todesangst umschlang die Verunglückte den Hals des Mädchens und zog dieses mit sich in die Tiefe. Ter mutigen Retterin gelang es aber mit Aufbietung aller Kräfte, sich und die B. wieder an die Oberfläche zu bringen. Noch einmal wurde die Schneider durch die schwere Last in die Tiefe ge- zogen,.konnte sich jedoch wieder herausarbeiten. Inzwischen war der Unfall auch von dem Bademeister beobachtet worden, der unver- züglich ins Wasser sprang und den beiden Mädchen zunächst einen Rettungsring zuwarf. Nach vieler Mühe vermochte Else Schneider den Ring zu ergreifen und sich daran über Wasser zu halten. In- zwischen war der Bademeister an die Unfallstelle herangeschwommen und konnte die beiden Mädchen ans Land bringen. Die ver- unglückte B. war besinnungslos und konnte erst nach längeren Be- mühungen wieder ins Leben zurückgerufen werden. Auch die mutige Retterin brach infolge der Ueberanstrcngung bewußtlos zusammen, erholte sich aber glücklicherweise bald. Dem tapferen Mädchen wurden lebhafte Beifallsbezeugungen dargebracht. Ter alte Schwindel der Wechselfalle. Mit großem Raffinement geht eine dreiste Gaunerin zu Werke, die als Wechselfallenschwindlerin auftritt. Sie sucht mittlere und kleinere Geschäfte auf, macht kleinere Einkäufe und gibt ein Zehn- markstück in Zahlung. Während des Wechselns versteht es die Be- trügerin, die Verkäufer in eine Unterhaltung zu verwrckeln, so daß diese meist nicht sogleich bemerken, wie die Kundin sowohl das Wechselgeld als auch das Zehnmarkstück einstreicht. Die Gaunerin ist etwa 25 Jahre alt, geht elegant gekleidet, trägt neueste Mode und sucht dadurch„Eindruck" zu machen. Messerstecherei. In der Nacht zum Sonntag stand in der Na unyn straße der Arbeiter GeorgLorhch zu später Stunde mit seiner Braut vor dem Hause Nr. 13, als vier junge Burschen vorüberkamen. Diese hänselten ihn und das Mädchen und wurden tätlich, als er sich das verbat. Alle fielen über Lorych her und dann auch über den Arbeiter Wilhelm Zahn, der aus einer benachbarten Schankwirtschaft kam und Lorych bcisprang und den Streit zu schlichten vetsuchte. Jetzt wandte sich die ganze Gesellschaft gegen die beiden, und es dauerte gar nicht lange, da griffen sie zu oen Messern und stachen blindlings aus sie ein. Lorych und Jahn wurden beide so schwer verletzt, daß sie nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht werden mußten. Während es Leuten, die hinzu- kamen, gelang, einen der Täter, einen Arbeiter Anton Pallacz aus der Blumenstraße, zu ergreifen, entkamen die anderen un- erkannt. Einbrüche. In der H o l st e i n i s ch c n S t r a ße zu Wilmersdorf hatten Einbrecher es auf die Gesellenstube des Bäcker- meisters Schmidt abgesehen. Während die Gesellen bei der Arbeit waren, öffneten die Spitzbuben mit einem Nachschlüssel die Tür und stahlen alles Bargeld und die Schmuck- und Wertsachen der Gesellen. Ausserdem nahmen sie noch deren beste Kleidungs- stücke mit.— Klingelfahrer suchten den im zweiten Stock des Hauses Pestalozzistraße 4 zu Charlottenburg wohnenden Professor Dr. Fröhlich heim, während dieser mit' seiner Gemahlin ausgegangen und die Wohnung unbeaufsichtigt geblieben war. Sie stahlen für ungefähr 1000 M. Kleidungs- gegenstände.__ Hud aller Melt. Em neuer flug pam-ßerUn. Der Flieger Audemars ist am Sonnabendabend auf den, Flugfelde von Villacoublay gelandet. Audemars, dem es nach verschiedenen vergeblichen Versuchen nun endlich geglückt ist, in den Besitz des Batscharipreises zu ge- langen, äußerte bei seiner Landung in Villacoublay, daß sein Flug infolge des starken Windes sehr mühsam gewesen sei. Er hielt sich durchschnittlich in einer Höhe von 1500 Meter, war aber zeitweilig durch den Nebel so behindert, daß er, um die Orientierung wieder Zugewinnen, bis auf 80 Meter Höhe heruntergehen mutzte. Interessant ist, festzustellen, daß die Landung Audemars ge- nau 7,41 Uhr abends erfolgte. Die Sonne geht am 12. Juli um 7,49 Uhr unter. Audemars hat den Preis also mit der geringen Differenz von 8 Minuten in seinen Besitz gebracht. * ** Kaum hat der Pilot Audemars seinen Flug Berlin— Paris, der ihm den Batscharipreis eingetragen hat, vollendet und schon hat wieder ein französischer Flieger den Flug Paris— Berlin ohne eine einzige Zwischenlandung vollbracht. Gestern morgen um 4,10 Uhr stieg der Flieger Leon Letort auf dem Pariser Flugfelde zum Fluge nach Berlin auf. Letort, dessen Flug vom herrlichsten Wetter begünstigt war, und der einen Morane-Saulnier-Eindccker mit einem 80pscrdigen Motor benutzte, hatte für neun Stunden Benzin und Oel aufgenommen. Lhnc jede Zwischenlandung flog Letort auf Berlin zu und landete auf dem Flugplatz in Johannisthal gegen 1 Uhr. Letort hatte sich während seines Fluges immer in beträchtlichen Höhen aufgehalten und seine größte Höhe war 3720 Meter. Der Pilot, der die Strecke in einer Zeit von nicht ganz 9 Stunden bewältigt hatte, landete im schönen Gleitflug auf dem Johannisthaler Flugplatze, und be- absichtigt, sich längere Zeit hier aufzuhalten. Leon Letort steht im 24. Lebensjahre und erhielt da? franzö- fische Pilotenzeugnis Nr. 170 am 9. August 1910 in Paris auf einem Blcriot-Eindcckcr. * ** lieber Letort? Landung in Berlin wird uns von anderer Seite folgendes mitgeteilt: Am gestrigen Sonntagmittag gegen 1 Uhr bemerkten die aus dem �Flugplatz Johannisthal übenden Flieger genau über Rudow ein Flugzeug, das in einer Höhe von etwa 2000 Metern herankam. Als der Apparat plötzlich in steilem Gleitfluge niederging, glaubten die Flieger, daß es sich um einen Unfall handeln könnte und be- gaben sich nach Rudow. Hier trafen sie zu ihrer Verwunderung auf dem freien Felde neben dem Kirchhose einen ihnen unbekannten Flieger wohlbehalten an, der sich ihnen als der Pilot Letort der Morane-Saulnier-Werke in Paris vorstellte. Trotz zum Teil widriger Windverhältnisse hat der Franzose die Entfernung zwischen Paris und Berlin ohne Zwischenlandung zurückgelegt. Er überflog Reims, Cöln, Hannover in einer Höhe von durchschnittlich 1500 Meter. Als er über Rudow war, glaubte er, Johannis- thal vor sich zu haben und ging aus 2000 Meter Höhe in einem Gleitfluge herab. Als er sich während des Ab- fluges vergewissert hatte, daß er sich geirrt hatte, wollte er wieder höher steigen. Als er aber gleichzeitig wahrnahm. daß der Motor nicht ganz ordnungsmäßig funktionierte, ging er nieder und landete glatt um 12.50 Uhr mittags in der Nähe des Rudower Kirchhofes, wo ihn seine Berliner Berufskollegen an- trafen. Der Morane-Saulnier-Eindccker wurde dann nach dem Johannisthaler Flugplatz geschafft und bei der Luftverkehrs-Gcsell- schaft eingestellt, wo der nur ganz geringfügige Defekt des Motors repariert werden soll. Letort wird die Rückreise wahrscheinlich nicht auf dem Luftwege machen, sondern mit der Bahn nach Paris zu- rückkehren. Letort hat den Flug nicht als einen Wettbewerb um einen Preis unternommen, sondern lediglich als Sportflug. Der Franzose wurde von den Berliner Fliegern sehr herzlich aufgc- nommen und für seine glänzende Leistung beglückwünscht. Unbeabfichtigte Sperrung des Simplonwnnels. Das Eingangstor des Simplontunnel? nach der italienischen Seite zu befindet sich auf Schweizer Boden. Zwischen Felsen- gehängen au schweren Ketten hängt ein schweres eisernes Tor. Im Falle eines Krieges wird es herabgelassen, wodurch der Eisenbahn- verkehr unterbunden ist. Die Ketten, welche? dieses Tor hielten, zerrissen am Sonnabend, das Tor siel herab und versperrte den Weg. Dadurcki hatte der Expreßzug nach Mailand eine Stunde Verspätung. Glücklicherweise konnte man noch dem Zuge Signale geben und so ein großes Unglück verhüten, da das starke Tor darauf berechnet ist, einem Eisenbahnzug erfolgreichen Widerstand zu leisten. Flug über die Alpen. Der Schweizer Flieger Bider stieg gestern früh'4 Uhr 8 Minuten zu einem Flug über die Berner Alpen nach Mailand auf. 6 Uhr 7 Minuten passierte er das Jungfraujoch in einer Höhe von 3470 Meter, 6 Uhr 20 Minuten Eggishorn, 6 Uhr 40 Minuten landete er, von einer Volksmenge begeistert begrüßt, in Domodossola. Nach Einnahme von Benzin setzte er seinen Flug fort, um dem Bürgermeister von Mailand ein Schreiben der Stadt Bern zu überbringen. Kleine Notizen. Ein sehr schwerer Eiscnbahnunsall hat sich in der Nacht zum Sonntag auf dem Bahnhof von Dijon ereignet. Der Pariser Schnellzug aus Marseille, der gegen 1 Uhr nachts in Dijon an- kommt, stieß bei seinem Einlauf in den Bahnhof von Dijon auf sieben dort stationierte Rangierlokomotiven auf. Der Zusammen- prall war äußerst heftig und vier Gepäckwagen sind völlig zer- trümmcrt worden. Das Ende des Zuges stürzte um und sperrte das Gleis. Tic Postbeamten, die sich in den ersten Wagen be- fanden, sind von dem Unfall sehr schwer betroffen worden. Einer von ihnen ist bereits tot, drei andere lebensgefährlich verletzt. 27 andere Personen sind durch herumspritzende Glasspliiter mehr oder weniger leicht verletzt worden. Der Verkehr war auf der ganzen Strecke bis gestern' morgen 10 Uhr unterbrochen. Trotz der sofort eingeleiteten Untersuchung konnte die Ursache des Unglücks nicht festgestellt werden. Bei einem Eisenbahnunglück in Eolchester, das durch den Zu- sammenstoß eines Expretzzugcs mit einer Lokomotive verursacht wurde, sind vier Personen gelötet worden. Der erste Wagen des Zuges ging völlig in Trümmer. Der Speisewagen wurde schwer beschädigt. Die Zahl der Verletzten ist noch unbekannt. Letzte NaehrieMeti« Griechische Siegesmeldungen. Athen, 13. Juli. Nach einein Telegramm des Haupt- quartiers an das Kriegsministerium wird der b u l- garische Rückzug über die Pässe von Kresna und Pet- schewo fortgesetzt. Die Griechen sind auf ihrem Vor- marsch ununterbrochen mit dem Feinde in Berührung. Sie finden allenthalben zurückgelassene Waffsn, Munition und Lebensmittel. Mehrere bulgarische Soldaten, die auf der Flucht vor Ermattung liegen geblieben waren, wurden sterben aufgefunden. Das beweist die voll- kommene Zerrüttung der bulgarischen Streitkräfte. Auf dem Wege von Jschtip nach Petritfch wurden 26 Kanonen. 166 Wagen mit Munition, funken- telegraphischen Apparaten sowie Krankenwagen, Infanterie- Patronen und andere Kriegsmaterialien und Lebensmittel erbeutet._ Türkischer Größenwahnsinn. Konstantinopcl, 13. Juli. In Besprechung des Marsches der türkischen Armee führt„Tanin" auS: Die Intervention Rumäniens, insbesondere daS Vordringen der Griechen in das Wilajet Adria- nopel habe die Lage vollständig geändert. Die Armee bei Bulair werde gegen Tedeagatsch und Adriänopel marschieren müssen. Bezüglich der Verhandlungen mit Bulgarien meint das Blatt: Solange die Bulgaren sich nicht verpflichten, Adrianopel an die Türkei wieder abzutreten, werden wir Verhandlungen ablehnen. „TaSwir i Efkiar" sagt, die türkische Armee müsse Adrianopel wieder besetzen und sodann nach Dedeagatsch, Gümuldschina und Drama marschieren. Ein Deutscher auf der Pariser Westbahn überfahre«. Hamburg, 13. Juli. Ein auf den Gleisen der Pariser Westbahn in der Nähe deS Bahnhofs Champ du Mars aufgefundener Toter, der ein Abotmement der Hamburger Vorortbahn bei sich trug, ist als der 30jährige Kaufmann Friedrich Kirschner, geboren in Witten (Ruhr), Sohn eines dortigen Großindustriellen, festgestellt. Er hatte in einer hiesigen Pension gewohnt und war eines TageS spur- los verschwunden. Soeben erschienen: Von Rudolf Oestreich, Berlag der Tribüne, Berlin LlZt., Zimmer- straße 95. Preis 50 Pf. Der wegen eines Zeitungsartikels zu langjähriger Zuchlhausstrase verurteilte Verfasser unterzieht in dieser Schrift den Swasvollzug im Zuchthaus zu Brandenburg einer sachlich scharfen Kritik. Die Broschüre ist durch alle Z e i tun a s b a n o I er und B u ch h a n d tun g e n, sowie direkt durch den Verlag der Tribüne, Berlin'Zimmerftratze 95,»u be» ziehen. HERMANN II ETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE Ein Posten Wasch Stoffe Meter Voile....... Foulardine Musseline.. Zephyr.... enorm Ullis 35 Pf. diese Woche Saison- Soweit Vorrat StrympfQomi 28 Damenstrümpfe schwarz................. Kerrensocken macofarb., in allen Größen.............. Herrensocken-»1°«.». m Terschledenen Farben........ Schweissocken meuen, m allen Grüßen.............. DamenstrUmpfe.nSi.LßnK,, schwarz und leder........... Damenstrümpfe«chwan«. weiss, ä Jour.............. Herrensocken{einfarbig od. geringelt. Schweissocken»euen. m allen Grossen............. 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