Nr. 178. 30. Jahrg. Abonnements-Bedingungen: Hj Die Infertlons- Gebühr Abonnements- Preis pränumerando: BfS I DW WM I m RS WM HSr i � beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- Vierteljährl. S.M MI, monatl. l.lv Mt, WW■§■ MW KB QK // MW BM KD MM M» WM V geile oder deren Raun: M Pfo.. für wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. JMSd MM HB BS KW BD MW MW'// und Lerfiminllungs-SInzeigen 80 Pfg. nummcr mit illustrierter Sonntags» MZWM— ÜBB I BM WM BB MS Hl HE BEB) WM B3 //„Kleine Mnreigcn", das settgedruSte Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post» wBHW I fcBB M KB H HB MM H| v-> W Wort 20 Pfg.(zulässig üsettgedruckte 'Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. ▼V�B 1 BD I �M BK �K �K BK MW �M �MBNu�Hw/ Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Eingetragen in die Post-Zeitungs»-' HM I MM I H| WH JBB.� Jb»\ HW l �W f Etellenaesuche und Schlasslellenan- Preisliste. Unter Kreuzband für KB KH I Hfl L RH\ �HH�BmB'/ BH 7/ HB zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes Teutschland und Oesterreich» Ungarn �H I KH l RH\ A' KK weUere Wortö Pfg. Worte über löBuch- iöO Mark, für das übrige Ausland D�KX ▼/-// A' WM(toben zählen für zwei Worte. Inserate 4 Mark pro Monat. Postabonnemems MBw_____—---— � HBEL sitr die nächste Nummer müssen bis nehmen am Belgien, Dänemarl, sQ A �___ ▼/\ 5 Uhr nachmittags in der Erpedition Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, n Zr-�WA" abgegeben werden. Die Expedition iit Rumänien, Schweden und die Schweiz.-k.> �'» bis 7 Uhr abends geöffnet, Verlinev Volltsltlnkk. ä»/ Zcntralorgan der rozialdcmokrattfcbcn Partei Deutfchlanda. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplaü, Nr. 1983. Stacke als slelschlieseranten. Bekanntlich beschränkten sich die Mahnahmen der Regierung zur Linderung der Teuerung im vergangenen Jahre darauf, daß die Einfuhr von Vieh und Fleisch, soweit sie durch Ge» meindcbehörden geschah, etwas erleichtert wurde. Als diese Hilfsaktion von der Sozialdemokratie sofort als völlig unzu» länglich beurteilt wurde, verwies die Regierung darauf, daß man zunächst die Wirkungen ihres Erlasses abwarten solle und daß sie dann die eventuell notwendig werdenden Er» gänzungen einleiten wolle. Nun ist fast ein ganzes Jahr seither verflossen und der Erfolg der Regierungsmaßnahmen läßt sich voll übersehen. Aber was der einzelne Verbraucher mit Sorgen im eigenen Haushalt verspürt hat, wird durch die Statistik im Großen bestätigt: die Sozialdemokratie hat leider nur zu recht behalten, von einer Linderung der Fleischnot kann keine Rede sein. Zwar sind die Preise gegen den ver- gangenen Herbst etwas gesunken, aber wie weit das durch die Maßnahmen der Regierung verursacht wurde, bedarf noch der Untersuchung. Es ist daher nur zu begrüßen, daß der Leiter des Städtischen Statistischen Amts in Berlin in einer Bro- schüre über die kommunale Fleischversorgung') Momente für die Beurteilung dieser Frage liefert. Eine Nachprüfung, ob die von der Regierung angeregten Mittel die Fleischnot wirklich lindern konnten, wird von dem Umfang der abzustellenden Uebel ausgehen müssen. Wie schwer eine Nahrungsmittelpreiserhöhung den Arbeiterhaushalt trifft, zeigen die Berechnungen des Kaiserlich Statistischen Amts, wonach 46 Proz., also fast die Hälfte, des gesamten Ein- kommens von minderbemittelten Familien für die Ernährung ausgegeben werden. Die Ausgaben für Fleisch- und Wurstwaren beanspruchen allein mehr als 11 Proz. des Gesamteinkommens. Da der Proletarier schon für gewöhnlich seinen Fleischkonsum einschränkt, wird ihm durch eine Fleischpreiserhöhung der Genuß dieses notwendigen Nahrungsmittels fast gänzlich unmöglich gemacht. Wie sehr das den Ernährungs- und Gesundheitszustand der Massen ungünstig beeinflußt, das vermag uns die Statistik nicht zu zeigen. Die volle Wirklichkeit ungenügender Ernährung erfahren nur die davon Betroffenen. Zahlen geben da nur einen gewissen Anhalt. In den 30 er Jahren kostete ein Pfund Rindfleisch 26 Pfennige; heute nmß man mehr als das Dreifache dafür zahlen. Legt man den Schätzungen des Kaiserlich Statistischen Amts, die aber nach den Untersuchungen von Professor Esselln viel zu hoch gegriffen sind, einen Fleischkonsum von 53,33 Kilo pro Kopf der Bevölkerung im Jahre 1911 zugrunde, so fiel dieser rein rechnerische Durchnittsverbrauch im Jahre 1912 auf 52,21 Kilo. Der Preis dieser Fleischquantität stieg aber von 83,97 auf 90,86 M. oder um 6,90 M. Für die geringere Menge Fleisch mußte als ein höhererer Preis ge- zahlt tvcrden. Nimmt man mit Silbergleit an, daß mindestens die Hälfte der Bevölkerung auf den Kauf angewiesen war. während der übrige Teil, die ländliche Bevölkerung, das ver- zehrte Fleisch im eigenen Haushalt produzierte, so würde das wenigstens eine Mehrbelastung von 226 Millionen Mark aus- machen. Trotzdem die in Deutschland allgemein verbreitete Fleisch- not eine Oeffnung aller Grenzen zugunsten aller Konsumenten nötig gemacht hätte, beschränkte die Regierung ihre Einfuhr- erlaubnis auf große Städte, die als Märkte für die Vieh- und Fleischpreise ganzer Landesteile maßgebend wären. Aber auch diesen wurde nicht die Einfuhr schlechterdings erlaubt, sondern gewisse Produktionsländcr als Bezugsquellen vorgeschrieben. Soweit die Regierung die Erleichtcrimgen gewährte, scheinen die Kommunen auch davon Gebrauch gemacht zu haben. Von 62 befragten Städten mit über 75000 Einwohnern hatten 60 mit insgesamt etwa 15,1 Millionen Einwohnern einen gemeindlichen Flcischbezug organisiert. Alle zusammen be- zogen vom Herbst 1912 bis März 1018 rund 9900 Rinder und 13,86 Millionen Kilo Fleisch juw dem Auslande. Das bedeutet für den Konsum von 13,1 Millionen Menschen in 60 Städten recht wenig, besonders wenn man berücksichtigt, daß Groß-Berlin an diesem Bezug allein mit einem Drittel (32 Prozent) beteiligt ist. Eine Stadt wie Aachen mit 156 000 Einwohnern erscheint in derStatistik mit einem Fleischbczuq von 286 Rindern und 50 000 Kilo Fleisch, Elber- fcld(170000 Einwohner) mit einem solchen von 466 Rindern und 10 600 Kilo Fleisch! Wohl hatten sich die Städte in mehreren Eingaben um Beseitigung des§ 12 des Fleisch- beschaugcsetzes bemüht, wodurch die Einfuhr aus den vieh» reichen überseeischen Gebieten Australiens und Amerikas möglich geworden wäre, aber die Regierung ließ es bei der Erlaubnis aus europäischen Ländern, die selbst über keine großen Viehbestände verfügen. So wurde die Einfuhr von Rindfleisch oder lebenden Schlachtrindern aus Rußland. Serbien, Rumänien, Bulgarien und den Niederlanden zu-- �lassen, �n diesen Gebieten entfallen auf den Kopf der Bevölkerung nicht mehr Rinder als in Deutschland(etwa 0.33). Australien und Argenttcn mit einem Rinderbestand von 2,4ü bzw. 0.28 Rindern pro Kopf der Bevölkerung blieben hingegen durch Aufrechterhaltung des§ 12 für die Einfuhr verjchlossen. Die Kommunen hatten daher vielfach mit . si Professor �r. Silbergleit. Ergebnisse der bisherigen Ver- suche komi�nÄer Fleischversorgung(Mitteilungen des Statistischen Amts der Stadt Berlin Rr. Hl). Dienstag, den 15. Juli 1918. der Schwierigkeit zu kämpfen-, überhaupt Fleisch oder Vieh zu billigem Preise aufzutreiben. Die Einfuhr aus den Balkanländern war durch den Krieg völlig unter- bunden. Aus Rußland, das am ehesten für den Bezug in Betracht kommen konnte, durften nach dem Regierungserlaß nur Städte des Ostens einführen. In Holland brach schließ- lich zu Anfang dieses Jahres noch die Maul- und Klauen- seuche aus, so daß auch dies Land ausgeschaltet wurde. Zu den Schwierigkeiten des Bezugs kamen an sehr vielen Orten solche des Vertriebs. Da die Gemeindebehörden mit Rücksicht auf die Stimmung des Mittelstandes fast überall das Fleischergewerbe zum Verkauf des eingeführten Fleisches heranzogen, war es den Fleischern ein leichtes, durch allerlei Manöver das Interesse der Konsumenten zu verletzen. Auch wo es nicht wie in Berlin durch die Schuld der Fleischer zu den bekannten turbulenten Szenen kam, flaute die Beteiligung der Fleischer so ab, daß zahlreiche Städte schließlich den Verkauf selbst in die Hand nahmen. Was nun die Kardinalfrage anbetrifft, ob der ausländische Fleischbezug auf die Preise verbilligend wirkt, so antwortet Silbergleit darauf nickst mit zahlenmäßigen Belegen. Anzunehmen ist, daß der fast überall beobachtete Preis- rückgang auch ohne die städtischen Maßnahmen infolge der natürlichen Entwickelnng eingetreten wäre. Mehrere Städte führen aber das Zurückweichen der Preise auf den von ihnen organisierten Fleischbezug zurück, und die Wut der Agrarier und Fleischer über die Kommunalbehörden, die den Bezug energisch durchführt«!. läßt diesen Einfluß auch durchaus glaubwürdig erscheinen. Man kann daher Silbergleit darin zustimmen, daß es nicht die Schuld der Kommunen ist, wenn die Wirkung ihrer Maßnahmen nicht größer war. Man braucht sich nur an die oben angeführten Zahlen über die Höhe des Bezuges erinnern, um zu erkenuen, daß solch geringe Einfuhrmengcu gegenüber dem gewaltigen Gesamtkonsum die Preise nicht stark zu beeinflussen vermögen. Sind der Tätigkeit der Kommunen auf deni Gebiete der Nghrungs- mittelversorgung auch durch die Zollpolitik des Reiches ge- wisse Schranken gesetzt, so kann andererseits aber nickst davon gesprochen werden, daß die Organisation dieser Versorgung durch die Kommunen unmöglich sei. Das zeigen die günstigen Erfahrungen der Orte, Ivo der Fleischbezug in größerem Maßstabe durchgeführt wurde. Die Organisation dieses Be- zuges selbst bietet für die kommunalen Behörden keine Schwierigkeiten und die Erfahrungen des letzten Winters werden gewisse Klippen bei künstiger Wiederholung des Be- zugs von vornherein vermeiden lehren. So wird man zum Beispielin Zukunft den Versuch überhaupt nicht mehr wieder- holen dürfen, die Fleischer für den Vertrieb des Fleisches her- anzuziehen. Das Hanpthemnmis einer ausreichenden Lebensmittel- Versorgung liegf allerdings bei der Regierung und den agrarischen Parteien. Die gegenwärtige Teuerung, die bereits wieder fast den Stand der vorjährigen erreicht hat. muß Anlaß zu einem Ansturm gegen den Zollwucher werden, und die Regierung wird nicht wieder mit der alten Ausrede kommen können, daß die Aussichten der Preisent- Wickelung gute seien und daß die tatlächlickie Not durch die bis- herigen Maßnahmen beseitigt sei. Die sich ankündigenden Krisenzeiten bringen an und für sich schon Belastung und Elend genug für die arbeitenden Klassen, wodurch die be- stehende und sich wahrscheinlich noch verstärkende Teuerung bitterer empfunden werden wird als zuvor. Dss bedrängte ßulgarien. Die Rumänen fahren in ihrer Besetzung bulgarischen Gebietes fort. Sie wollen ihrem Vorgehen durchaus den Charakter eines Krieges geben, indem sie den bulgarischen Gesandten, der von seiner Regierung in Bukarest gelassen worden war, zur Abreise zwangen. Auch die Türken nehmen, ohne Widerstand zu finden, von dem thrazischen Gebiete Besitz, das ihnen der Londoner Friedensvertrag zugebilligt hat. Die jungtürkische Presse, der stets jedes Augenmaß ftir die politischen Machtverhältnisse gefehlt hat, verlangt sogar die Wiedereroberung Adrianopels. Die Gegner machen sich auch weiterhin die schlimmsten Vorwürfe über Grausamkeiten, die an ihren Landsleuten begangen werden. Tatsächlich hat sich aber keiner von den Kriegführenden etwas vorzuwerfen. Der nationale Hader ist durch den Bruderkrieg erst recht zur Siedehitze entflammt und äußert sich in Besttalitäten, die auf dem Balkan von jeher an der Tagesordnung waren. Die Großmächte hätten alle Ursache, den Greueln mit einem Machtspruche ein Ende zu machen, aber sie sind ja unter sich selbst nicht einig. Drei- bund und Triplcentente stehen sich eifersüchtig gegenüber und wollen dem Konkurrenten den Einfluß streitig machen. Der rumänische Pormarsch. Bukarest, 14. Juli. Blättermeldungen zufolge erreichte die rumänische Armee gestern Turtnkhai und D o b r i t s ch. � Sofia, 14. Juli. Rumänische Kavallerie hat außer Siliftria und Dobritsch auch Baltschik und die benachbarten Ortschafte« besetzt. Expedition: 8M. 68, Lindenstrasse 69* Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Abreise des bulgarischen Gesandten aus Bukarest. Bukarest, 14. Juli. Der bulgarische Gesandte Kalinkow und das Personal der Gesandtschaft haben heute Bukarest im Sonderzug verlassen und sich über Giurgewo nach Rustschuk begeben. Die rumänische Regierung hatte dem Gesandten seine Pässe zugestellt. Der Kriegszustand zwischen Rumänien und Bulgarien ist damit endgültig eingetreten. Der Bormarsch der türkischen Armee. Konstantinopel, 14. Juli. Offiziellen Meldungen zufolge findet dir türkische Armee ans ihrem Bormarsche von Bnlair und Tschataldscha keinen Widerstand. Bulgarien verläßt ftciwillig das türkische Gebiet. London, 13. Juli. Wie das Renterschc Bureau erfährt, hat die bulgarische Regierung gestern ihren Militärbehörden den Befehl ge> geben, mit den ottomauischen Befehlshabern die Räumung der Gebirtc, welche nach dem Friedensvertrag der Türkei zurückgegeben werden, zu regeln. Bulgarien hat den General Heratschief zu seinem Vertreter in der Grenzkommisfion bestimmt. Serbiens Friedensbercitschaft. Belgrad, 14. Juli. Die Meldung, daß Serbien Friedensuntcrhnndlungen zurückgewiesen habe, ist, wie das serbische Presscbnrean mitteilt, völlig unrichtig. Serbien habe erklärt, daß es bereit sei, von Bulgarien abgesandte Bcvoll- mächtigtc zu erwarten, mit welchen die Verhandlungen wegen der Friedenspräliminarien gepflogen werden sollen. Räch Unterzeichnung dieser Präliminarien ist Serbien sofort bereit, die Feindseligkeiten einzustellen. Verletzung des Völkerrechts durch die Vulgaren. Saloniki, 14. Juli.(Meldung des Wiener K. K. Tclcgr.» Korr.-Bureaus.) Bei der Plünderung uud Brandlegung durch die Bulgaren in der Stadt Serres wurde auch das Haus des österreich- ungarische u Konsuls geplündert und verbrannt, ohue daß die Fahne respektiert wurde. Das italie nlsche Konsulat wurde geplündert. Mit Ausnahme der Kaserne, des Regierungsgcdäudes und des Telcgraphenamtcs wurden die meisten öffentlichen Gebäude eingeäschert. Die bulgarische Darstellung. Sofia, 14. Juli.(Meldung der Agencc Bulgare.) Ain 11. d. Mts. traf ein zur Rekognoszierung nach Serres gesandtes bulgarisches Detachement auf. ein tausend Mann starkes Korps Antartes, griechische Irreguläre, das sich nach einem Kampfe teils in die Stadt, teils auf einen benachbarten Bergrücken zurückzog. Als die Bulgaren zu den Toren von Serres gelangten, feuerten in den Häusern verborgene Griechen auf sie. Es entwickelte sich ein erbittertes FeuergefcHt. Als die Bulgaren eine Umgehungsbewegung um die Stadt begonnen hatten, beschlossen die Antartes, außer stände, den Kampf fort- zusetzen, sich zurückzuziehen. Vor dem Rückzüge aber steckten sie die Lebensmittel- und Munitionsdepots, die von den Bulgaren dort zurückgelassen waren, in Brand. Die Anstrengungen der Bulgaren, des Feuers Herr zu werden, blieben erfolglos. Dir ganze Stadt stand bald, infolge des heftigen Windes, in Flammen. Zuerst brannte das bulgarische Viertel, dann das grieschische und türkische. Die Antartes benutzten den Umstand, daß die bulgarischen Soldaten mit der Eindänimniig des Feuers beschäfttgt waren, um sich auf die waffenlose bulgarische Bevölkerung zu werfen. Sie massakrierten über zwei- hundert Bulgaren, darunter besonders Frauen, Kinder, ver- wundete oder kranke Soldaten und Beamte. Kriegsgreucl überall. Sofia, 14. Juli.(Meldung der Agencc Bulgare.) Entgegen den unwahren Meldungen aus griechisiher und serbischer CucUc über Ausschreitungen, die die bulgarischen Truppen sich an der griechischen Bevölkerung hätten zuschulden kommen lassen, erklärt die Agence Bulgare, daß es vielmehr die serbischen und griechischen Truppen gewesen sind, die in den von ihnen besetzten Gebieten an den bulgarischen Bewohnern Ausschreitungen begangen haben, die.- überhaupt nicht näher zu beschreiben sind. Während sich die ganz« Bevölkerung Thraziens und der Aegäischen Küste bis auf seltene Ausnahmen aller Freiheiten auf kirchlichem und religiösem Gebiet erfteut, was ihre religiösen Oberhäupter und die fremden Konsuln bezeugen können, sind die bulgarischen Einwohner einer Schreckens- Herrschaft durch die Serben und Griechen ausgesetzt. Alle Bulgaren werden drangsaliert, gefangen genommen und fortgeschleppt, so daß sie bald ausgerottet sein werden. Das von den Griechen und Serben besetzte Gebiet ist in eine Einöde verwandelt worden. Tie Griechen haben alle bulgarischen Dörfer, in die sie letzthin ein- zogen, und aus denen die Bevölkerung, wenn es ihr gelang, sich flüchtete, in Brand gesteckt. Ueber 200 bulgarische Familien ans Kilkitsch sind bereits in bejammerswertem. Zustande in Sofia an» gekommen. Tausende anderer, die aus den Bezirken Doiran, Strumitza, Jstip und anderen entkommen sind, überfluten die Wege, die nach Bulgarien führen. Die Flüchtlinge erzählen entsetzliche Dinge von der Aufführung der serbische» und griechischen Truppen. Um die Wahrheit an den Tag zu bringen, ist die bulgarische Regie» rung bereit, einer internationalen Unkersuchung dieser Aus- schreitungen zuzustimmen. Eine Sitzung der Sobranje. Sofia. 14. Juli. Die Sobranje wählte zum Präsi- deuten den früheren Ministerpräsidenten Geichs w uni» Zum Vizepräsidenten den ehemaligen Handelsministcr Chr. Theodorow. Tiefer schlug der Versammlung. vor, allen denen, die für Bulgariens Recht kämpften, einen Gruß zu senden, was mit lebhaftem Beifall angenommen wurde. Ferner beantragte er einen Kredit bon 50 Millionen für militärische Zwecke, zil decken durch eine Anleihe und durch Schatzscheine. Der S o z i a l i st S a k a v z ow äußerte den Wunsch, daß die Regierung der Versammlung Aufschlüsse über die Lage gebe. Ter Finanzminister Theodorow reklärte, daß die Regierung alle Anstrengungen mache, das Land in die Bahnen des Friedens zu lenken. Aber sie befänden sich Ereignissen gegenüber, die die Regierung nicht hervorgerufen habe, und sie rechne auf die Unterstützung der Sobranje. iknäeruug der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverftündige. Wiederholt ist in der Presse und im Reichstag darauf hin- gewiesen, daß die jetzige aus dem Jahre 1878 stammende Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige den veränderten Wirt- schaftlichen Verhällnijjen keine Rechnung trägt und daß eine Rovelle dringend erforderlich ist. Der Bundesrat hat jetzt, wie der„Reichs- Anzeiger" mitteilt, dem Entwurf eines Gesetzes betreffend Aenderung der Gebührenordnung zugestimmt. Der Entwurf soll alsbald dem Reichstage zugehen. Sein Inhalt entspricht durchaus nicht der berechtigten Forderung auf Erhöhung der Gebühren der I e u g e n. Nach dem Entwurf sollen die Gebühren der Sachverständigen— von 3 auf 4'/*, von 5 auf T'/.-j M.— erhöht werden. Rücksichtlich der Zeugen soll's im großen und ganzen beim alten bleiben. Nur soll bei selb- ständigen Gewerbetreibenden(wie Gastwirten, Kaufleuten) und bei gewissen Klassen von öffentlichen Beamten eine Aenderung eintreten. Bei selbständigen Gewerbetreibenden gehen heute — wie die Begründung des Entwurfs anerkennt entgegen dem Gesetz— Gerichte vielfach davon aus, eine Zeugen- entschädigung sei nur zu gewähren, wenn der sichere Nachweis eines Schadens im Einzelfall erbracht wird. Dem soll durch eine Gesetzes- Vorschrift entgegengewirkt werden, die die Frage, ob eine Zeit- Versäumnis stattgefunden hat, dem freien Ermessen unter Berücksichti- gung der Lebensverhältnisse und der regelmäßigen Erlverbstätigkeit des Zeugen unterstellt. Damit ist wenig geholfen. Es sollen die niedrigen Entschädigungssätze von 10 Pf. bis 1 M. pro Stunde be- stehen bleiben, auch die Vorschrift, daß Arbeitslose stets nur 10 Pf. pro Stunde erhalten. Das ist im höchsten Grade unbillig. Neben Heraufsetzung der Höchstgrenze muß vor allem die untere Grenze erheblich, etwa auf fünfzig Pfennig erhöht werden. Es liegt doch keinerlei Grund vor, weshalb der Zeuge neben den Unannehmlichkeiten, die jede Zeugenvernehmung niit sich bringt, mit 10 Pf. für die Stunde abgegolten werden darf.» Die direkten Aufwendungen sind ja in der Regel erheblich höhere. Und was berechtigt den Staat, aus der Arbeitslosigkeit ein Geschäft zu machen? Wäre der Zeuge nicht gezwungen, als Zeuge zu er- scheinen, so hätte er vielleicht Arbeit gesunden. Soll der Staat daraus noch Nutzen ziehen, daß er ihn hieran verhindert hat? Ueberraschen muß es auch, daß der Entwurf an der Frage vorbeigegangen ist, ob— wie es vielfach entgegen dem Gesetz 616 B. G. B.) geschieht— eine Arbeitsordnung aussprechen darf, für die Zeit einer Zeugenvernehmung werde Lohn nicht gezahlt, § 616 werde ganz oder teilweise ausgeschlossen. Als Gewerbe- inspektoren diese Mißhandlung des Rechts rügten, wurden sie an- geschnauzt und der Minister verbeugte sich vor dem Beschluß des Zentralverbandes der Industriellen, den§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs durch Diktum der Fabrikherren mittels der Arbeitsordnung zu beseitigen. Die unbillige Vorschrift, nach der öffentliche Beanrte, wenn sie -über Umstände vernommen werden, von denen sie in Ausübung des AmtS Kenntnis erhalten, eine weit höhere Entschädigung(in Gestalt von Tagegeldern und Reisekosten) erhalten als andere Staatsbürger, soll aufrecht erhalten und auf Geistliche, Lehrer und andere bisher von der Gebührenordnung nicht privilegiert behandelte Beamte aus- gedehnt werden. Nach dieser Borschrift erhält z. B. ein Gendarm zwar keine Zeugengebühren, er erhält aber in Gestalt von Tage- geldern und von ihnen nicht verauslagter Reisekosten das Vielfache, oft das Sechs- bis Zehnfache dessen, was andere Zeugen an Entschädigung erhalten. Dadurch Ivachsen die Gerichtskosten bei kleinen Polizeibagatellen ins Maßlose und wird der Glauben genährt, manche Beamte werden zur Erstattung von Anzeigen mit durch die Aussicht auf die ihnen als Zeugen werdende relativ hohe Entschädigung veranlaßt. Der Entwurf bedarf einer gründlichen Umarbeit durch den Reichstag._ Die ßathollsche Strömung in der britischen Arbeiterbewegung. London, 12. Juli.(Eig. Bcr.) Am Ende der ersten Juliwoche lugte in Plpmouth der Kongreß der Katholiken Englands. Die Kongreßverhandlungen fanden in Sektionen statt. In diesem Jahre trat auf dem Kongreß zum ersten Male eine Sektion der katholi- sehen Gewerkschafter auf. Diese Sektion, die von der Hierarchie genehmigt worden ist, tagte unter dem Vorsitz des Herrn James Berrell von der Föderation katholischer Arbeiter in Salford, die, wie erinnerlich sein wird, den Textilarbeitern im letzten Jahre viel zu schaffen machte. Der Vorsitzende führte etwa folgendes aus: In den letzten 7 Jahren haben unsere Mitglieder das Problem zu lösen gehabt, wie sie ihre Zugehörigkeit zur demokratischen Bewc- gung mit ihrer Treue zur Kirche vereinbaren können. Sie haben gezeigt, daß ein Katholik ein loyaler Gewerkschafter sein kann. Tie Gefahr der religionslosen Schi/e ist durch den Beschluß des Gewerkschaftskongresses, die Frage von der Tagesordnung zu streichen, beseitigt worden, aber sie wird wieder auftauchen, sollten wir mit unserer Opposition aufhören. Man hat uns angeklagt, Feinde der Arbeiterbewegung zu sein. Ich weise dies energisch zurück. Aber wir wollen unsere politische Freiheit nicht auf Kosten unserer Religion erkaufen. Die Versammlung verwarf einstimmig in einer Resolution die religionslose Schule. Der Begründer des Antrags bemerkte, daß die katholischen Gewerkschafter des Landes erbitterte Feinde der religionslosen Schule seien, sowohl in der Form, wie sie die Protestanten, als auch in der, wie sie die Sozialisten propagierten. Weiter verurteilte die Versammlung auch den Mchrheitsbericht der Ehescheidungskommission, der von dem letzten Parteitag der Arbeiterpartei begrüßt worden ist. Die Kommission, von der die Rede ist, wurde von der Regierung im Jahre 1909 eingesetzt, um Vorschläge zur Abänderung der veralteten Ehescheidungs- g e s e tz e zu machen. Am Ende des letzten Jahres erstattete sie Bericht. Von den zahlreichen fortschrittlichen Gedanken, die in dem Mehrheitsbcricht vorkommen, seien folgende erwähnt. In Ehe- scheidungsprozessen in England ist die Frau die minderbercchtigte Partei. Ein Mann kann Ehescheidung einfach auf Grund ehelicher Untreue der Frau beantragen. Eine Frau aber muß nicht allein dem Ehemann eheliche Untreue, sondern auch Dkißhandlungcn nach- weisen können. Der Mehrheitsbericht schlägt nun vor, gleiches Recht für Mann und Weib gelten zu lassen und die Ehescheidung zu erleichtern. Namentlich der Arbeiterschaft bietet der Bericht be- deutende Vorteile. Heute ist die Ehescheidung in England mit so gewaltigen Kosten verbunden, daß ein armer Mann oder eine arme Frau gar nicht daran denken kann, sich scheiden zu lassen. Der Mehrheitsbericht schlägt nun vor, den armen Prozessierenden das Ehescheidungsverfahren in kormu pauperis u ermöglichen. Diese und andere Vorzüge des Berichts bestimmten den Parteitag der Arbeiterpartei, sich für ihn auszusprechen. Da? Vorgehen des Parteitags hat die katholischen Gewerkschafter, die, nebenbei bemerkt, fast alle aus Salford bei Marichester kamen, bewogen, die Arbeiterpartei scharf zu kritisieren. Der Hauptredner sagte, er müsse dagegen protestieren, daß die Stimmen der Katholiken dazu benützt würden, Bewegungen zu fördern, die seiner Religion fcind- lich seien. Wenn das nicht aufhöre, würde sich die Arbeiterpartei eine Menge regsamer Anhänger in aktive Gegner verwandeln. Ter Kardinal Bourne hielt der Konferenz einen Vortrag über die Frage, ob sich Katholiken mit Nichtkatholiken in allgemeinen Bc- wcgungen, die die Wohlfahrt des Landes angingen, vereinigen könnten. Ter Redner sagte, er habe nie gezögert, in England wie im Auslände und selbst in Rom zu erklären, daß in England wenig- stens der einzige Weg, um Einfluß in einer großen Bewegung zu erlangen, der sei, sich der Bewegung anzuschließen. Wir registrieren diese Vorgänge nicht, weil sie etwa die Zahl der vertretenen Arbeiter zu einem wichtigen Ereignis stempelte. Tic Zahl dieser katholischen Traufgänger ist sehr gering. Zweifel- los üben sie aber schon in der Arbeiterbewegung einen bedeutenden Einfluß aus. Sie sind die erwählten Instrumente der katholischen Priester, die dafür verantwortlich sind, daß die Frage der religio«?- losen Erziehung von dem Programm der Arbeiterbewegung ver- schwunden ist. Gelingt es ihnen auch fernerhin, durch die Drohung mit der Spaltung der Mehrheit ihren Willen aufzunötigen, so wird sich die Gewerkschaftsbewegung und die Arbeiterpartei bald über- Haupt nicht mehr mit kulturellen Fragen befassen können. pol'tilcke Qcbcrncbt. Die neueste Prinzenrede. Auf dem Abgeordnctcntage des Deutschen Kriegerbundes, der gegenwärtig in Breslau zur Beratung versammelt ist, erschien auch der Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen(sein Ur- großvater war auch der Urgroßvater des regierenden Hohcnzollern) und hielt dort ganz selbstverständlich eine Rede. In dieser Rede bezeichnete er den Deutschen Kriegerbund als ein starkes Boll- werk gegen die Mächte des Umsturzes, die aufs schärfste bekämpft werden müßten. Der prinzliche Redner wünschte, daß die diesjährigen Beratungen dazu beitragen mögen, daß die Kriegcrvcrcine weiter in diesem Sinne wirken. Wie weit es mit der Wirksamkeit der Kriegervereine her ist, das erhellt aus einer Zuschrift über die Wahlniederlage in Zauch- Bclzig, die der freikonservativen„Post" zugegangen ist. Der Ver- fasscr dieser Zuschrift meint unter anderem: „Wenn beispielsweise in einem abgeschlossenen ländlichen Srtc unter öl abgegebenen Stimmen 18 rote sind, noch dazu in einer Gemeinde mit einem Kriegervereinc, der doch Vorbeugungs- mittel gegen die rote Seuche zu sein pflegt, so gibt das zu denken." Auch der Prinz, der erst 33 Jahre zählt, wird in späteren Jahren einsehen lernen, daß die Hoffnungen, die er auf die Krieger- vereine setzte, nicht in Erfüllung gegangen sind. An Eifer in der Bekämpfung der Sozialdemokratie lassen es die Kriegervereinc ganz gewiß nicht fehlen; aber im umgekehrten Verhältnis zu diesem Eifer steht der Erfolg, den sie erzielen. Kamarilla. Die„Deutsche Montagszeitung" veröffentlicht Bruchstücke aus dem Tagebuch eines pensionierten Regierungsbeamten. Mit der Veröffentlichung wird der Zweck verfolgt, den ver- storbenen Kiderlen-Waechter, dessen Nachlaß von dem„Grenz- boten"- Herausgeber CIcinow gegenwärtig in einer Reihe von Blättern veröffentlicht wird, als einen der Führer der alten Eulenburg-Kamarilla zu kennzeichnen. Es ist in den Tage- buchbruchstücken absolut nichts Neues enthalten; aber es schadet auch nicht, wenn die breitere Ocffentlichkeit von Zeit zu Zeit einmal einen Blick hinter die Kulissen tun kann und deshalb geben wir aus den Veröffentlichungen der„Deutschen Montagszeitung, folgendes wieder: 19. Dezember 1892. ..... Der Freiherr von*** hat mir da vor ein paar Tagen bei Borchardt eine sonderbare Geschichte erzählt. Caprivi hat ihm gewissermaßen sein Leid geklagt. Es sei ja alles ganz schön, aber zuweilen käme er sich in seiner Position als Reichskanzler doch sehr bemitleidenswert vor. Oft fühle er sich wie der Schul- junge des Gehcimrats Kiderlen, an dem der Kaiser einen form- lichcn Narren gefressen zu haben scheine. Kiderlen sei das willen- lose Werkzeug Holsteins und suggeriere dem Kaiser die Aus- führung aller Holsteinschen Wünsche. Wenn er, Caprivi, dem Kaiser eine Sache vortrage, so antworte der ihm in der Regel wörtlich dieselben Sachen, die Caprivi vorher schon gelegentlich von Kiderlen gehört habe. Wenn Kiderlen sich in einer Unter- Haltung mit dem Reichskanzler bei Gelegenheit und auf Befragen allersubmissest abfällig über eine Sache geäußert habe, habe er, Caprivi, schon vorher gewußt, daß der Kaiser auch ablehnend ge- sonnen sei. Und dann habe er oft die Sache dem Kaiser gar nicht erst vorgetragen. Stets sei der Kaiser, wenn der Reichskanzler eine Sache vorbringe, entweder brieflich aus München durch Eulenburg oder mündlich durch Kiderlen präpariert.... ö. Juli 1893. ... Kein Tag vergeht, ohne daß Kiderlen irgendeinen Zeitungsausschnitt zum Kaiser bringt, den angeblich die Bismarck- clique gegen den Kaiser lanciert hat. Rößler(1893 vor Kiderlen Prcßdczernent im Auswärtigen Amt. Die Red.) hat sich ein paarmal verplappert. Meistens haben Holstein und Kiderlen die Angriffe selbst lanciert.... 27. November 1893. ... Es wird allerhand laut von einem Krach oben mit Kiderlen-Waechter. Allem Anschein nach ist er„unten durch". Er soll sich im August auf der Englandrejse mit S. M. sehr un- geschickt benommen haben. Ganz bestimmt ist, daß er einmal dem Kaiser nach dem Genuß von zwanzig Importen und einigen Bouteillen auf dem Schiff laute Vorhaltungen darüber gemacht hat, daß der Kaiser sich mit dem Prinzen von Wales über die Möglichkeit eines englisch-französischen Krieges unterhalten habe. Es sind aber noch andere Sachen vorgekommen. Einmal hat Kiderlen sich in Gegenwart der Kaiserin die Erzählung eines Scherzes erlaubt, der Herrn v. Mirbach zur Raserei gebracht hat. Das ist ja ziemlich harmlos. Jedenfalls hat mir Holstein selbst angedeutet, daß wegen dieser Sache eine Verstimmung gegen Kiderlen herrsche. Er fügte hinzu:„Dann hat Kiderlen noch ver- schiedcne Dummheiten gemacht. Er raucht nämlich zu viel, und das umnebelt ihn manchmal förmlich... Ein Jahr darauf fiel Kiderlen tatsächlich in Ungnade. Im Jahre 1894 fand der Leckert Lützow-Prozeß statt. Er war die Folge einer Mucht in die Oeffentlichkcit, die der Staats- sekretär des Acußeren Freiherr v. Marschall, um sich gegen die Kamarilla zu tvehren, unternahm. Für kurze Zeit wurde das Treiben der Kamarilla aller Welt sichtbar, aber die Welt vergißt sehr schnell und es kann nicht schaden, wenn gelegent- lich dieser Tagebuchbruchstücke eines noch lebenden Regierungs- beaniten wieder an jene Zeit erinnert wird. Zur Abänderung des Militärftrafgesetzbuchs. Ein ehemaliger Offizier schreibt uns:' Die Befürchtung, daß der Antrag des Reichstages auf die Ein- führung mildernder Umstände in die von der Meuterei und vom Aufruhr handelnden Paragraphen des Militärstrafgcsetzbuches nicht viel helfen werde, ist schon öfters ausgesprochen worden. Dabei aber wurde ein großes Hindernis für die Besserung des jetzigen Zustandes nicht erwähnt. Es ist dies der Absatz 2 des§ 49, der lautet: „Bei strafbaren Handlungen gegen die Pflichten der militä- rischen Unterordnung, sowie bei allen in Ausübung des Dienstes begangenen strafbaren Handlungen bildet die selbstverschuldete Trunkenheit des Täters keinen Straf milderungs- g r u n d." Bei den meisten Aufrühren ist Trunkenheit die Ursache. Wären die Täter nüchtern gewesen, so hätten sie ihre strafbaren Handlungen gar nicht begangen. Aber der mildernde Umstand, der in der Trunkenheit liegt, darf ihnen nach der oben zitierten Bc- stimmung nicht zugute kommen. Somit wird in den meisten Fällen den„Aufrührern" der gut gemeinte Antrag des Reichstags auch dann nichts nützen, wenn er Gesetz wird. Auch den vom Erfurter Schreckcnsurtcil Betroffenen wird er wahrscheinlich nicht helfen. Es ist höchste Zeit, daß der Reichstag den Absatz 2 des 8 49 des Militärstrafgesetzbuches gründlich auf das Korn nimmt, denn er stellt eine offene Vernunftwidrigkcit vor. Ein betrunkener Mensch ist nicht vollkommen zurechnungsfähig, und zwar um so weniger, je größer der Rausch. Da kommt nun das Militärstraf- gcsetzbuch und erklärt, unbekümmert um die einfachsten Gesetze der Vernunft: Einen durch zu großen Alkoholgenutz vorübergehend nicht ganz zurechnungsfähigen Menschen nehmen wir einfach als geistig normal, wenn er im Dienst bettunken ist oder eine Subordinationsvcrletzung begeht. Begeht er aber außerhalb des Dienstes einen Exzeß und vergeht er sich dabei auch gegen die militärische Unterordnung nicht, so ziehen wir genau in Betracht, daß er betrunken, also nicht ganz zurechnungsfähig war. Gibt ein schwer betrunkener Soldat zuerst einem Zivilisten eine Ohrfeige und dann einem Unteroffizier, so wird ihm in erstem Falle der Rausch als mildernder Unistand angerechnet, im zweiten aber n i ch t, d. h. er wird einmal juristisch als nicht ganz zurcch- nungsfähig und das andere Mal als zurechnungs- ä h i g betrachtet, obwohl der geistige Zustand des Täters bei beiden Handlungen der gleich� war. Das derartiges im 20. Jahr- hundert noch möglich ist, sollte man nicht glauben. „Begründet" wird der genannte Absatz 2 damit, daß er das Antrinken von mildernden Umständen bei absichtlichen tät- lichen Angriffen auf Vorgesetzte verhindern soll. Das Militärstraf- gesetzbuch ist aber derart eingerichtet, daß solche Angriffe auch unter Annahme mildernder Umstände sehr hart bestraft werden könnten. Ein militärischer Vorgesetzter muß seine Untergebenen schon er- bärmlich behandeln, wenn sie auf die Idee kommen, ihn zu attackieren. Nach dem Wiederzusammentritt des Reichstages werden die Rc- ! der Menterei- und Aufruhrparagraphen sowie die Bestim- mung, welche die Personen des Beurlaubtcnstandcs am Konttoll- Versammlungstage auf 24 Stunden zur aktwen Armee rechnet und unter das Militärstrafgesetzbuch stellt, gewiß wieder zur Sprache kommen. Dann möge man ja den Absatz 2 des§ 49 nicht vergessen, weil seine Weiterexistenz die Einführung mildernder Umstände in ehr vielen Fällen wertlos machen würde. Die Finanzen Deutschlands. Das Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht eine Darstellung der Finanzen des Reichs und der deutschen Bundes- st a a t c n. Die Ausgaben, die Einnahmen, die wichtigeren Bestand- teile der Staatsvermögen sowie die Schulden werden behandelt. Die Nachweise beziehen sich durchweg für die Voranschläge auf das Rechnungsjahr 1912, für die Staatsrcchnungen auf das Jahr 1919. Insgesamt betragen die Staatsausgaben nach den Vor- anschlügen der Bundesstaaten 6469 Millionen Mark(dar- unter außerordentliche 267) für das Reich 3286(darunter außerordentliche 134), zusammen in Reich und Bundesstaaten 9 7 46(darunter außerordentliche 491). Die Staatseinnahmen belaufen sich in den Bundes- staaten auf 6463 Millionen Mark, im Reich auf 3286, zusammen in Reich und Bundesstaaten 9722(darunter außerordentliche ans Grundstock, Anlehen und sonstigen Staatsfonds 243 bezw. 134). Unter den Ausgaben und Einnahmen der Bundesstaaten stehen diejenigen aus Staatsbetrieben mit 3226 bezlv. 4247 Millio- nen Mark an erster Stelle. Ter Hauptanteil entfällt auf die Staatseiscnbahncn mit 238S bezw. 3142. Der Rest ver- teilt sich auf Domänen, Forsten, Bergwerke, Staatsdampfschiffahrt. Telegraph und die sonstigen Staatsbetriebe. Die ordentlichen Einnahmen und Ausgaben des Reichs an Er- werbsanstaltcn(817 bezw. 979) entfallen hauptsächlich auf Post und Tclegraphie(696 bezw. 808) und auf die Eisenbahnen(115 bezw. 142). Die nächstwichtige Einnahmequelle bilden Steuern und Zölle. Die Bundesstaaten erheben an direkten Steuern 812, Aufwandsteuern 118, Vcrkehrssteuern 114 und Erbschaftssteuern 22, zusammen 1966 Millionen Mark. Das Reich bezieht aus Zöllen 849, aus Aufwandsteuern 672, aus Verkehrssteuern 276 und aus der Erbschaftssteuer 43, zusammen 1849 Millionen Mark. � Zahlenmäßige Nachweise über das Staatsvermögen der einzelnen Bundesstaaten konnten nur in bezug auf wichtigere Bc- standteilc erbracht werden. Neben Ucberschüssen früherer Rech- nungsjahre, verfügbaren Staatskapitalvermögen usw. besitzen die Bundesstaaten an Domänen ein Areal von 766 699 Hektar, an Forsten 5 982179 Hektar. Die StaatSeifenbahnen repräsentieren eine Länge von 55 618 Kilometern(im Reich 1897) und ein An- lagekapital von 16 659(im Reich 834) Millionen Mark. Die fundierten Staatsschulden beziffern sich zu Beginn des Rechnungsjahres 1912 für die B u n d e S st a a t e n auf 15 905 (darunter Preußen 8739. Bayern 2286), für das Reich auf 4582 Millionen Mark. Die schwebenden Schulden betrugen insgesamt 912 Millionen Mark; sie entfallen in der Hauptsache auf da? Reich und Preußen(649). Der Untergang des Torpedobootes 8. 178 war am Sonnabend Gegenstand einer Verhandlung vor dem Ober- kriegsgericht der Hochseeflotte in Wilhelmshaven. Wege« Fahr» lässigkeit im Dienst angeklagt war der Kapitänleutnant Löto«, der diescrhalb bereits am 26. April vom Kriegsgericht der Au�lärnag». schiffe in Kiel freigesprochen war. Die Verhandlung ergab, daß, als der Angeklagte als Wachoffizicr des Kreuzers„Aork" am 4. März nach Beendigung der Manöver von der bei Helgoland kreuzenden Torpedobootsflottillc das Stcucrbordlicht eines zurückgebliebenen Bootes sah, er sofort das Ruder herumlcgcn und die Maschine zurückgehen ließ; trotzdem ließ sich der Zusammenstoß, bei dem 69 Mann der Besatzung den Tod fanden, nicht vermeiden. Zwei als Sachverständige geladene Konteradmirale gaben ihr Gut- achten dahin ab. daß„Uorl" seine Fahrtrichtung beizubehalten hatte, da keinerlei Gefahr vorlag. Obwohl von dem Angeklagten die zweckentsprechenden Maßnahmen getroffen wurden, sei ihm doch der Borwurf zu machen, daß er das Torpedoboot nicht durch einen Schuß, Ton mit der Sirene oder dergleichen aufmerksam machte. Das Obcrkriegsgericht kam nach einer vierstündigen Verhandlung zu einer abermaligen Freisprechung, da seiner Meinung nach de» Angeklagten eine Schuld nicht treffen könne. Tie Wahl Böhmes. Das amtliche Wahlresultat lautet: Bei der am W. Juli vorgenommenen Stichwahl im Reichstags wähl- kreis Magdeburg I Salzwcdcl-Gardclcgcn wurden im ganzen bei 29 492 Wahlberechtigten 26 064 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Hauptrittcrschaftsdirektor von K r ö ch e r in Binzelberg ikons.) 11 908, auf Dr. Böhme, Privatdozent in Grotz-tlichterfcldc(Fraktionslos), 14 166 Stimmen. Dr. Böhme ist somit gewählt. Preußische Landtagsersahwahl in(Elberfeld- Barmen. Elberfeld ist am Sonntag der Landtagsabgeordnete Dr. Hintzmann nach längerer Krankheit im Alter von 60 Jahren gestorben. Hintzmann gehörte als nationalliberalcs Mitglied dem Abgeordnetcnbausc seit 1908 an, er ist im Kompromiß mit der Fort- schrittspartei in der letzten Wahl mit 717 gegen 410 sozialdemokra- tische Stimmen gewählt worden. Held Lippold aus dem Waldcnburger Mcincidsprozeß bekannt, hat in seiner früheren Tätigkeit in Ncustrclitz sich noch mehr auf das Kerbholz geladen, als»vir dieser Tage schon mitteilten. In seinem dortigen Blatt hatte er nämlich den Ceschäftsführcr des Ncustrelitzcr Konsumvereins auch bezichtigt, von Reisenden Schmiergelder angenommen zu haben, er treibe Pascha Wirtschaft, übe Wortbruch usw. usw. Der Geschäftsführer des Konsumvereins verklagte Lippold, und das Gericht fällte folgendes Urteil: „Der Angeklagte Lippold wird zu 50 M. Geldstrafe oder zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Außerdem trägt er die Kosten und die notwendigen Auslagen an den Privatkläger denn dem Kläger wird schließlich die PublikationSbcfugnis des Urteils in der.Landeszeitung' zugesprochen. Die Urteils- begrün dung durch den Vorsitzenden des Gerichts lautete: das Gericht sieht in den(von Lippold) in der»Landeszeitung" vcr- öffentlichten Artikeln eine fortgesetzte Handlung und ist der Ansicht, daß der Angeklagte von vornherein die Absicht ge- habt habe, alles Mögliche gegen den Kläger vorzubringen. Daß die in den Artikeln enthaltenen Be- hauptungen ehrenrühriger Natur und geeignet sind, den Kläger in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, ist zweifellos. Das Gericht ist aber gleichzeitg der Ansicht, daß die Form der in der..LandeSzeitung" erschienenen Artikel durchaus ungehörig und nicht sachlich ist und die Absicht der Beleidigung klar erkennen lassen. Bedauern müsse das Ge- richt, daß der Angeklagte leine Reue empfunden hab�e, als der Wahrheitsbeweis kür die ehren- rüh'r igen Behauptungen nicht erbracht sei." Das ist der Held Lippold, dem sein Gewissen keine Ruhe gelassen haben soll, den Mcincidsprozeß in Waldenburg zu Wege gebracht zu haben. Eine Parallele. Die Tat des irrsinnigen Lehrers in Bremen, der auf Schulkinder Revolverschüsse abgab, sucht die ultrainontane Presse konfessionell auszubeuten. Angeblich ist der Lehrer Schmidt ein Opfer anti- ultramontaner Hetze— er war Leser der„Täglichen Rundschau". Wrr wollen uns in das Gezänk der Blauen und Schwarzen nicht emmijchen. Die übereifrigen Bemühungen der Ultramontaneir reizen aber zu einer anderen Parallele. Die„Köln. Bolksztg."— Nr. 591— polemisiert also: .... Wir wollen die Pücklerschen Albernheiten nicht mit dem grausigen Kindermord in Bremen vergleichen: das verbietet die Achtung vor dem Schmerz der betroffenen Kreise. Aber eine andere Parallele drängt sich förmlich auf, nämlich die zwischen der Schuld, diesin einem Falle die blinde I u d e n w u t und die im anderen Falle die blinde Jesuitenhetze auf sich ge- laden hat. Ohne überspannten Antisemitismus gab's leinen Grasen Pückler, ohne sanatischen Antikatholizismus keinen Ober- lehrer Schmidt!..." Die„Köln. Bolksztg." wird eingestehen müssen, daß es nach ihrer Logik ohne die fanalisierende christlich-soziale Hetze in Oester- reich auch keinen hinterlistig mordenden Paul K u n s ch a k gegeben hätte.— Allerdings, bisher bemerkte man von solcher selbst- verständlichen Logik in den schwarzen Blättern diesseits und jenseilS der schwarz-wciß-roten Grenzpfähle nichts. Zunächst erklärte man den Kunschak für verrückt. Als sich diese Lesart nicht aufrecht er- halten ließ, stempelten ihn seine Glaubensbrüder zu einem Wirrkopf. Dabei rühmte man ihm fanalische Begeisterung für seinen Bruder nach, den Obermacher der christlich-aniisemilischcn Radaupolitiker in Wien. Mit Händen und Füßen Ivchrte man sich dagegen, der Hetz- Partei den Kunschak an die Rockschöße zu hängen. In jeder Partei, in jeder GcsellschaftSschicht gäbe es Entartete. Wir machte» nie den Katholizismus für die Tat verantwortlich. Solch' vergiftende Taktik, derartige Verlogenheit überläßt man den Kämpfern sür Ordnung. Religion und Sitte. Der Fall Kunschak kennzeichnet gleichzeitig den Versuch der schwarzen Brüder, sich als Gegner der Antisemiten zu empfehle», als ein Manöver, das sehr wenig von Wahrhaftigkeit zeugt. Auch ei» vaterländisches Werk. Tic Taste der Jahrhundertfeier in Breslau haben 306 fchlesischc Schnapsbrennercicn benutzt, eine neue Brennerei- genossenschaft zlir besseren Ansnntznnst der Brennrechtc zu gründen.. An der Spitze dieses volksfreundlichcp Unter- nehmens stehen u. a.: Graf Strachwitz. Ritterstutsbesitzcr Von Korn-Rndolfsdorf. von Mischke-Collende, Hauptmann Martschkc. Rittmeister Kaiser. Resticrungsrat Rojahn. Der schlesische Adel, der das Volk vor dein Hauptmann. fchen Festspiel bewahrte, sorgt dafür, daß den breiten Massen ariderer„Geist" zugeführt wird. Ginc auffällige Beförderung. 5Sor einigen.tagen berichteten wir über eine Verband- luvst vor dem Dresdener Kriegsgericht, die hinter ver- fchloffenen Türen gegen den Erzieher beim Kadettenkorps in Dresden. Leutnant Beyer, geführt worden war. Die Anklage gegen ihn lautete auf Beleldtgung in mehreren Fällen und schweren Ungehorsams, wodurch ein erheblicher Nachteil ent- standen ist. Tie strafbaren Handlungen sind begangen gegen- über den ihm anvertrauten Zöglingen und in Ausübung des Dienstes. Worin die Verfehlungen bestanden, war nicht zn erfahren, weit die umfangreiche Beweisaufnahme und selbst die Urteilsbegründung hinter fest verschlossenen Türen er- folgten— wegen angeblicher Gciährdung militärdienstlicher Interessen! Es waren sogar drei ärztliche Sachverständige, darunter zwei bekannte Psychiater, geladen, die offenbar über den Geisteszustand des Ansteklagten Aufschluß geben mußten. Das Urteil lautete bekanntlich auf 2 Tage Gefängnis wegen einfacher Körperverletzung, im übrigen aber auf Freisprechung. Erregte schon die ganze Affäre und die Behandlung der Straf- fache Aufsehen, so bringt die neile Personalveränderung für die sächsische Armee im Zusammenhang damit eine Sen- satioil. Der wegen schwerer militärischer Verfehlungen ange- klagte und auch vcrlirteilte„Erzieher" ist jetzt zum Ober- lcutnant befördert worden!! Man muß hier fragen: Soll die Beförderung ein Pflaster für die Verurteilung fein? Oder bat der„Erzieher" durch seine strafbaren Handlungen die Qualifikation zum Oberleutnant erlangt? Oder will man ihm etwa durch die Beförderung zuin Oberleutnant für die unvermeidliche Verabschiedung eine höhere Pension sichern? Zurückweisen einer falschen Anschuldigung ' ist— AchtungSverletzung l! Unsere militärische Rechtspflege zeitigt recht sonderbare Blüten und man ist gewiß schon etwas gewöhnt, aber, daß das Zurückweisen einer falschen Anschuldigung gegenüber einem Vorgesetzten eine AchtungSverletzung ist— wie das Dresdener Kriegs- g e r i ch t jetzt entschieden hat— dürfte doch einiges Aufsehen er- regen. Am 17. Mm wurden die Mannschaften der 7. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 177 zum Kartoffelschälen ausersehen und ein Unteroffizier machte das von Stube zu Stube bekannt. Der Soldat Schw crdtfeger saß am Tische und schrieb einen Brief, er hatte— da auch großer Lärm in der Stube war— den Befehl überhört. Das Kartoffelschälen ist ein sehr unbeliebter Dienst und so kommt es, daß sich manchmal Soldaten davon drücken. Um nicht allzuviel Drückeberger durchzulassen, stellte sich an die beiden Ausgänge je ein Unteroffizier. Von der einen Tür her brüllte ein Unteroffizier so fürchterlich in die Stube, daß Schlverdtfeger aufschreckte. Um zu sehen, wer denn der Radau- wacher sei, sah Sch. in gebückter Stellung durch die Betten nach der anderen Tür. In diesem Moment kam von hinten der Unteroffi- zier Ranke auf Sch. zu und fragte, wie er denn dazu komme, unter das. Bett zu kriechen, er wollte sich wohl vom Kartoffelschälen drücken. Sch. war aber weder unter das Bett gekrochen, noch hatte er die Absicht, sich vom Dienst zu drücken; er war deshalb erregt über die falsche Anschuldigung und sagte:„E s i st eine Gemeinheit, so etwas auszusagen; ich lasse mir auch nicht gefallen, daß ich unschuldig von einem Unteroffizier so angebrüllt werde!" Diese Aeußcrung— zu der sich Sch. durchaus berechtigt glaubte— brachte ihm eine Anklage wegen Achtungsverletzimg ein und das Gericht verurteilte ihn auch wirklich zu— einer Woche strengen Arrest!— Also diese Strafe, weil der Soldat die Kühnheit besessen hat, die falsche Anschuldigung in vielleicht etwas erregtem Tone zurückzu- weisen. Höher gehts nicht mehr! Oeflcmicb. Ein zweiter Redl. Wien» 12. Juli.(Eig. Ber.) Vor einigen Tagen wurde bekannt� ein Ingenieur P e y c r sei in Rovereto(Südtirol) wegen Spionageverdachts verhaftet worden. Dabei wurde so nebenhin gemeldet, es handle sich„nur um einen Betrug zum Schaden der Militärverwaltung". In Wirklichkeit stößt mau hier auf eine Redl-Affäre zweiter Auflage. Der E h e f- i�itgenicilr, der den Bau der wichtig st cn Festungen an der italienischen Grenze leitet, verkauft seit Jahren die ganzen Festungspläne au Italien. Seit Iahren hat Peyer den Verrat systematisch betrieben, feine Lebenshaltung und die Lebensführung seiner Familie standen in krassem Wider- spruch zu seinem Einkommen, aber die Militärgewaltigen— die Köpfe voll Kriegspolitik— sahen nichts, bis ihnen der Fall Redl gewaltsam die Augen öffnete. Ueber die Einzelheiten berichten die„Lidove Noviny" aus Brünn: Peyer hatte seine Faniilie in Brünn. Monatlich sendete er seiner Frau 2666 Kronen, jede Woche kam er nach Hause, was an Fahrgeld 328 Kronen im Monat verschlang. Es wurde festgestellt, daß Peyer den verräterischen Verkehr über Brünn organisiert und als Mithelfer seine Frau und seinen ältesten Sohn bcniitzt hat. Am 8. Juni wurde seine Gattin Berta infolge telegraphischen Auftrages verhaftet. Da- gegen war der älteste Sohn Peyers schon seit 4. Juni ver- schwnnden und mit ihm eine Reihe von Dokumenten, die offenbar von entscheidender Bedeutung für den Beweis des Verrats sind. Dieser Tage wurde das Haus, in dem Peyers Familie in Brünn wohnte, einer gründlichen Untersuchung unterzogen. Der Kommission gehörten auch zwei Offiziere des Gencralstabs an. Die Wohnung, die den ganzen zweiten Stock des Hauses umfaßt, besteht aus sieben Zimmern samt Zubehör. Jedes Zimmer ist mit großer Pracht eingerichtet. Die Kommission sckiätztc den Wert der Einrichtung aus 66 666 Kronen. Jn� der Wohnung wurde ein wahres Lager von Juwelen und cschmuckgegenständen gefunden und außer- dem nicht weniger als vierzig Sparkassenbücher, die zusammen auf einen Betrag von rund 46 666 Kronen lauten. Die Koni- Mission fand eine ganze Reihe von Plänen, die Peyers Ver- rat beweisen, obwohl die wichtigsten Schriftstücke offenbar von dem Sohne mitgenomnien worden sind. Ter Schaden, den Peyers Verrat verursacht, beträgt viele Millionen. Man kann sich vorstellen, welche Rolle die vom Chefingenieur Peyer gebauten Festungen in den strategischen Plänen der österreichischen Generale gespielt hätten und noch bis heute gespielt haben. Jetzt wird man die Festungen vielleicht für wertlos erklären und man wird das galizische Beispiel wieder erleben, wo eine neue Festung mit einem Aufwand von unge- heuer viel Millionen Kronen umgebaut wurde. Das soll die Bevölkerung zahlen und noch volles Vertrauen haben zu einem System, dem Verrat ans Verrat entwächst. franhmeb. Zwei Nachwahlen. Paris, 14. Juli. Die gemäßigt republikanischen und konser- vativen Blätter legen der Wahl des früheren Polizeipräsidenten von Paris Lepine, der im Bezirk Montbrison mit 200 Stim-. men Mehrheit gegen den sozialistischen Gegenkandidaten Robert zum Deputierten gewählt wurde, insofern eine gewisse Bedeutung bei. als Lepine entschieden sür die dreijährige Dienstzeit einge- treten ist, die von seinem Mitbewerber bekämpft worden war. Paris, 14. Juli. Im Bezirk Briouds im Departement Hautc- Loire wurde der Links-Rcpublikaner V e y s s e r e mit 9350 Stimmen gegen den Sozialistisch-Radikalen Frayollcs gewählt, der 9275 Stimmen erhielt. Veyffere hatte sich für, Frayolles gegen das Dreijahregesctz ausgesprochen. Etos der Partei. Aus den Organisationen.. Die Parteiorganisation Elsaß-Lothringens hält ihre diesjährige Generalversammlung am 19. und 20. Juli 1913 in Schlettstadt ab. Dem Bericht des Landcsvorstandcs ist zu entnehmen, daß es nicht gelungen ist, die Mitgliederzahl, die im Jahre 1912 aus 6428 angewachsen war, während sie im Jahre 1911 erst 4869, im Jahre 1910 gar nur 3526 betragen hatte, voll zu halten. Sie sank auf 6229, also um 249. Aber dieser Mitglieder- rückgang ist nur ein scheinbarer, da unter den organisieiten Partei- genossen sich ziemlich viel Bauarbeiter befinden, die vielfach im Hochsommer in der Lage sind, ihre aus. der Winterszeit her restic- rendcn Beiträge nachzuzahlen. Da die Mitgliederzahl nach den tatsächlich verkauften Beitragsmarken berechnet wird, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die wirkliche Mitgliedcrzahl eher höher, denn niedriger ist, als im Vorjahre. Das ergibt sich auch daraus, daß in den neun Monaten der Berichtsperiode mehr Gelder an die Landes- und an die Hauptkasse abgeführt werden konnten, als in den zwölf Monaten des vorhergehenden Berichtsjahres. Die Preffe hat ebenfalls recht erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. Erstmals ist es gelungen, die Straßburgcr„Freie Presse" ohne Zuschuß aus Berlin über Wasser zu halten. Bei der Rcichstagscrsatzwahl in Schlettstadt gelang es zwar nicht, die Stimmenzahl von 1912 zu halten, doch ist dies dem Umstand zuzuschreiben, daß bei der Haupt- Wahl ein liberaler Kandidat nicht aufgestellt war und infolgcdeffen viele antiklerikale Wähler für den sozialdemokratischen Kandidaten stimmten. Dagegen hat die Partei bei den Bezirks- und Kreistag?- wählen das zu verteidigende Mandat des Genossen PelroteS in Stratzburg glänzend gehalten und dazu noch ein zweites Mandat neu erobert. Auch bei den Gcmeinderatsersatzwahlen hat die Partei gut abgeschnitten. In 12 Orten beteiligten sich unsere Ge- nossen an den Nachwahlen mit dem Erfolge, daß 25 sozialdemo. kratische Kandidaten gewählt wurden. Gerade diese meist in den ländlichen Orten eroberten Positionen beweisen, daß die sozial- demokratische Partei auch in Elsaß-Lothringen immer festeren � �Aus der Generalversammlung des Wahlvereins für Frankfurt a. O.-Lebus wurde vom Wahlkreisvorstand auS- geführt, daß die EntWickelung der Organisation in dem abgelaufe- neu Geschäftsjahr nicht zufriedenstellend sei. sie komme einer Stag- Nation gleich. Die Organisation zählt 2150 Mitglieder, darunter 406 weibliche. Bei der Landtagswahl wurden im Kreis in zwölf Parteiortcn 3448 Stimmen für unsere Partei abgegeben und 84 Wahlmänner gewählt. Das bedeutet gegen 1908 eine Stimmen- zunähme von Z5 Proz. Zum Parteitage führte der Vorsitzende aus: Die Mmfeier habe auch in diesem Jahre, obwohl sie aus einen bürgerlichen Feiertag fiel, nicht den geringsten Erwartungen entsprochen. Er erachte die Frage des Massenstreiks gleichbedeutend der der Maifeier. Be- kommen wir die Massen nicht zur Maifeier aus den Fabriken, dann bekommen wir sie auch nicht zum Massenstreik. In der Dis- kussion kam zum Ausdruck, daß die Agitation intensiver gestaltet werden müsse, um den Hemmnissen entgegenzuwirken.— � Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. � Totenlistc der Partei. Am 11. Juli d. I. starb im Heidelberger Krebsinstitut der Universitätsklinik Genosse Hermann F a b c r aus Oberstem an der Nahe.— Fabcr war im Jahre 1861 in Alt-Landsberg bei Ber- lin im Kreise Riederbarnim geboren. Nachdem er die Volksschule verlassen, erlernte er das Goldschmiedchandwerk und bereiste als Goldschmied ganz Deutschland und auch Teile des Auslandes. Während des Sozialistengesetzes trat er der Arbeiterbewegung bei und war ein tätiger Genosse sowohl in der Partei als auch im da- maligen Goldschmiedcvcrbaud. Als Ende der achtziger Jahre der Goldschmicdeverband sich im deutschen Mctallarbmtcrverband aus. löste, trat auch er mit über und lourdc bald ein bekannter Gewerk- schaftsbcamter. Schon damals war er publizistisch und agitatorisch> in der Partei tätig. Im Jahre 1894 wurde er als erster von der Berliner Gcwerkschaftskommission als Arbeitersckretar angestellt. Im Jabre 1900—1901>var er Redakteur an der Königsberger „Volkstribüne", der heutigen„Votkszeitung". Von 1901— 1906 wirkte er als Redakteur am„Stcttincr Volksboten", cho er zu gleicher Zeit Vorsitzender der Zahlstelle des Deutschen Metall- arbcitcrvcrbandcs war und als solcher den großen Kamps der Vulkanarbcitcr führte, der den Aiisaiig der Werftarbeiterbcwegung bedeutete. Im Jabre 1903 kandidierte er in Belgrad-Tramburg- Schievelbein, im Jahre 1912 im Kreise Ottweiler-St. Wendel- Mcisenheim. Im Jahre 1906 stellte ihn der Deutsche Metallarbeiter- verband in Pforzheim als Beamten an, wo er die ursprunglich noch kleine Zahlstelle in kurzer Zeit zu einer achtbaren Hohe brachte Von 1907—1911 war er als Geschäftsführer des Vcr- bandcs in Oberstcin tätig. Diesen Posten mußte er aus gesund- heitlichen Gründen wieder aufgeben, um dann bis in die letzte Zeit hinein wieder in seinem ursprünglichen Beruf kaufmännisch tätig zu sein, eine Tätigkeit, die ihn weniger straff angriff. � � � Am 14. Juli wurde der Verstorbene auf dem Heidelberger Friedhof zur letzten Ruhe bestattet. Die deutsche Sozialdemokratie und die deutsche GcwerkschaftS- bewegung werden ihren toten Mitkämpfer in dankbarer Erinnerung halten. Letzte IHacbncbten. Die Homernlebill im englischen Oberyause. London. 14. Juli.(W. T. 93.) Vor dicht besetztem Hause brachte Marquis o f C r e w c die zweite Lesung der Homerulebill ein. Er führte aus, daß der Widerstand Ulsters sich hauptsächlich auf ein Gefühl des Hasses gegen die römisch-katholische Kirche stütze. Ter Führer der Opposition Lord LanSdowne brachte eine Resolution ein, die erklärt, das Haus lehne es ab, sich mit der Bill zu beschäf- tigen, bevor sie die Billigung des gesamten Königreiches gefunden habe. Die Grundsätze der Bill seien verabscheuenswert und verderblich. Der Redner schloß: Wenn das Land die Bill wünscht, sind wir bereit, sie ihr zu geben. Wir bitten die Regierung, die Frage der Beurteilung des Landes zu unter- breiten. Wir sind bereit, uns seiner Entscheidung zu fügen,. Opfer der Automobilraserei. Tortmund, 14. Juli.(W. T. B.) Auf der Chaussee von Lünen nach Werne verlor ein Automobil die Steuerung und sauste in den Straßengraben, in welchem sich im selben Augenblick der mit seiner Frau spazierengehende Landwirt Theodor Küster zu retten suchte. Der Landwirt wurde tödlich verletzt und starb bald darauf. Der Chauffeur erlitt erhebliche, der Besitzer des Au- tomobils, ein Hörder Bcrgwcrksdirektor, leichtere Verletzungen. BcrgtverkSkatastrophe in Frankreich. Aubin(Departement Avchron), 14. Juli.(W. T. B.) In einer Grube hat eine Kohlenstaubexplosion stattgefunden, der nach den bisherigen Meldungen 15 bis 20 Berglente zum Opfer ge- fallen sind. Ermordung eines Engländers in der Mongolei. Urga, 14. Juli.(W. T. B.) Ein englischer Untertan, der Tele« graphist Grant, ist von einem aus der inneren Mongolei stain» wenden Anführer einer Räuberbande getötet worden. WWs> Todes�ln�igen�MMj Am Sonnabendabend um 10 Uhr verstarb plötalich unser allverehrter Chef, der Vorsitzende des Aufsichtsrats und Gründer der Firma Herr Hermann Meyer im 68. Lebensjahre. 118/3 Der Verstorbene hat sich durch sein freundliches Wesen und seine Fürsorge für das Wohl seiner Untergebenen ein bleibendes Andenken bei uns erworben. Die Arbeiter, Arbeiterinnen und Kutscher der Hermann Meyer& Co. Aktiengesellschaft. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. Juli, 12 Uhr, von der neuen Halle des jüdischen Friedhofs zu Weißenseo statt. All?» Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, dag mein lieber Mann, unser Herzens- auter Vater, Schwieger- und Grogvater, der Schristgieger ttermsaa Voigt am Sonntag, den 13. Juli, nach langem, schwerem Leiden im 51. Lebensjahr verstorben ist. 1540b Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Elise Voigt, geb. Brandt. Die Beerdigung findet am Mitt- wach, den 16. Juli, nachmittags 51/., Uhr, von der Halle des Fried- hoss der Freireligiösen Gemeinde, Pappel-Allee IS— 17, aus statt. Sozialdemokratisetier Waiilverein f. iL 4. Berl. Reiehstagswahlkreis. KöpenickerViertel.(Bezirk 189 II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Zigarren- Händler Utadtatf King Schlesische Straße 19 gestorben ist. 215/8 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. Juli, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobikirchhoses in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. KöpenickerViertel.(Bezirk 191 II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schrift- gießer Hermann Voigt Sorauer Straße 21 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. Juli, nach- �mittags S'/j Uhr, von der Leichen- halle des Friedhofes der Frei- /religiösen Gemeinde, Pappel- Allee 15/17, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. £ese- und Diskutierklub Südost. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitbegründer, der Schriftgießer Mmm Voigt im Lichterselder Krankenhaus ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittags 5'/, Uhr von der Salle der Freireligiösen Gemeinde, appelallee 15— 17, aus statt. Um rege Betelligung ersucht 1541b Der Borftand. Deuisetier Transportarbeiter-Verband. Bezirktverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Rollkutscher Julius Alandt am 12. Juli imAlter von 57 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 15. Juli, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des Georgen- Friedhofes, Weißenjee(Rölckestraße), aus statt. 66/12 Die Bezirksverwaltung. Verband der Porzellanarbeiter. Zahlsteile Berlin. Am 9. Juli verstarb durch Uebersahren bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Genossen Zietsch eines unserer ältesten Mitglieder, der Kollege August Key Porzellanmaler im Aller von 46 Jahren. Wir werde» demselben ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 16. Juli, nachmittags 4'/« Uhr, von der Halle des städtischen Gemeindesrieohoses in Friedrichsselde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 1536b Die Verwaltung. Deutseher Holzarheiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler frkm Ruligowski Friedrichftr. 218, im Alter von 51 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. Juli, nach- mittags i'l, Uhr, von der Halle des Klemens-KirchhoseS in Reinickendorf, Berliner Straße 26, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/11_ Die Ortsverwaltung. Verein der in SchriltgieBereien besebält-Arbeiter �Arbeiterinnen Berlins nnd Umgegend. Am 13. Juli verschied nach nach langem Leiden unser Kollege Augusü Ritter. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 16. d. MtS., abends 6 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig- Kreuz- Kirchhofes in Maricndors aus statt. lS39b Der Torstand. Allen Verwandten, Freunden und Kollegen die traurige Nach- richt, daß unser liebes Töchterchcn und Schwesterchen Ell! am Sonnabend nach kurzem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Um stilles Beileid bllten Emil Rosonowsfal nebst Frau und Kindern. Die Beerdigung findet Dienstag, nachm�t Uhr, von der Leichenhalle Ober-Schöneweide aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter Lmm» Martha Hoppe sagen wir allen Verwandten und Be- kannten sowie den Kollegen und Be- amten der Firma C. P. Goertz unser« herzlichsten Dank. Wilhelm Hoppe u. Sohn. Lüderitzstraße 59. Dentseber Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Peul Rietsch Gubener Str. 30, am 12. d. MtS. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 15. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral- Friedhoses in Friedrichsselde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/1 Die Drtsverwaltung Filiale«r-S Berlin. Nachrui. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege �nton Klar welcher im Betriebe Gasanstalt Danziger Straße bcschästtgt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 34/16 Die Drtsverwaltung. Tervalfruig Berlin. Mittwoch, 16. J»li, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 4: Kombinierte Versammlung der Einsetzer, Jalousiearbeiter und Treppen- geländerbranche. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genofion Elnk. 2. Diskussion. 3. Berbands- angelegenheiten. 85/18 Die Ortsverwaltnng. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Am Mittwoch, den 16. Juli, abends 8 Uhr: VsFssmmIimg|«n Bez. Weddmg „ Gesnudorunnen „ Norden l „ Osten „ Südosten j, Westen „ Nordosten „ Moabit „ Lichteuberg „ Neulöllu in folgenden Lokalen: bei Hoffmann, Pasewalker Straße 3 Tausch, Prinzenallee 17 Schmidt, Pappelallee 64 P. Hoffmau«, Königsberger Straße 28 Fröhlich, Moskauer Straße 1 Wiemer, Bülowstraße 58 Krause, Bötzowstraße 8 Bachstein, Salzwedeler Straße 16 Pickeuhagen, Scharnweberstraße 66 Hoppe, Hermannstraße 48 Charlottcnburg im Bolkshause, Rosinenstraße 3 Steglitz bei Liebste, Mommsenstraßc Pankow„ Jtteritz, Florastraße 96 Gr.-Lichterfelde„ Wahrendorf, Bäkestraße 22 Weißensee„ Penkert, Berliner Allee 251 Am Donnerstag, den 17, Juli: Bez. Friedrichshagen bei Schröder, Seestraße 163 Schöueberg„ Obst, Marti» Lutherstraße Norden II„ G. Hoffmau», Swinemünder Str. 47. Kollegen! Da in diesen Versammlungen wichtige An- Gelegenheiten zur Erörterung kommen, wird vollzähliges Erscheinen erwartet. 143/s» Die Obleute. Hpezlalarzt f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in Dl. Homeyer»si Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Fiiediichstr. 81. Ä'Ä, Spr. 10—2, 5— 9, Sonnt. 11—2. Honorar mäftig, auch Tellzahl. Separates Damenzimmer. Ltnmkn- und KrallsbiudtM un Roberl Meyer,' Jnh.: P. eollets Marianncnstr. S. Tel. Mpl. S46. Ich nehme die Beleidigung des Werkmeisters Heinrich Feldhetm, Steglitz, Schloßstr. 90, zurück und leiste ihm Abbitte. Schmied Leo Urbanski, Neukölln, Köllnisches Ufer 73. «H« neue Cpialitäts\ tCigarette m/Hohl mdst. flach Verband der Sattler u. Portefeuiller Orlsverwaltnng Berlin. Achtung! Achtung! Portefeuilles- und Reifeartihelbrancbe. Tonnerstag, den 17. Juli, abends 5Va Uhr, im Lokal von Karl Schulze, Dresdener Str. 116(an der Lranienbrücke): vertrauenzwZliner.yertawwIung — TageS-Ordnung: » At in allen Betrieben die laut Vertrag jällige Lohnerhöhung gezahlt? ... 58crfq)teoene§. DM" Jode Werkstatt muß unbedingt vertreten sein. 15�8__ Die Branchenleitnng. Xlbeater. DienStag, den 14. Juli 1913. Anfang Tt, Uhr. Pratcr. Das Bummelmädchen. Amang 8 Ubr. Kroll-Oper. Mignon. Urania, lieber den Brenner nach Venedig. Schiller D. Don Juan. Berliner. Filmzauber. Dbalia. Puppchen. Metropol. Die Kino-Königin. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Ansang 8'/, Ubr. Komödienhaus. HochherrschaMche Wohnungen. Friedr.- Wilh. Schauspielhans. Das Farmecmädchen. Lnstspielhaus. Der lusttge Kakadu. Rose. Tagebuch einer Verlorenen. Ansang 8'/, Ubr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Deutsches Schauspielhaus. Sine Vergangenheit. Dheater am Nollendorfplatz. Der Mann mit der grünen Maske. Ansang 9 Ubr. Admiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. • �• Sternwarte, Jnvalidenftr. 57—62. Schiller-Theater 0. Wallner-Dheater. (Sachse> Oper.) Heute abends 8 Uhr: Don Juan. Berliner Theater. s uhr- Filmzauber. Dentactaes Sctaansplelhans 81/, Uhr: Eine Bergangenhett. Kroll-Oper 8 Uhr: Kignoii. (Gastspiel: Ethel Hansa.) Mittwoch: Tannhäuser« TheateraraJ(ollendor|plat2 Täglich 81/, Uhr: — Kino—— Vnrlet«— im .Mann mit der grünen Maske.- keledskslleo-Thealer Heute: Letzte Soiree der Stettiner Sänger vor ihrer Ferienreise. D. grobe Gottlieb. Anf. 8 Uhr. Morgen, 16. JuU: (.Gastspiel der Dresdener Tletorla-Sttnger ZW: _ OOSCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Hark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. IOSE=THEATE Große Frankwrter Str. 132. Zum 35. Male- Tagebuch einer Verloreiien. Ansang 8'/, Uhr. Ans der Gartenbühne: .Aclitltns! Es geht los! Anfang l'/j Uhr. Jdetropol-Theater. Abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Atten van Jul. Freund und G. Okonkowski. Mufik von Jkean CSlIbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. Voigt- Theater Badftratze 58. DienStag, den 15. Juli: (jewonnene Herzen. Volks stück mit Gesang und Tanz in 3 Akten von»>. Müller. Bollftandtg neue Spezialitäten. Kaffenöffn. 10 Uhr. Zlnfang 4'/, Uhr. Volksgsrlen- Tbsster. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/25. Täglich: Konzert. Dheater und Spezialitätendorftellung. Unsere Don Juans. Gefangspoffe in 4 Alten o. L. Treptow. Dazu: Erstklassiges Spezialttäten- Programm. Ansaug 4 Uhr. Berimer Praler-Thealer 7—9 Kaftanien-Allee 7— 9. LM- T&gllch: Das Bummelmädchen Gr.AusstattungSp. in 4 Akt v. M.Hcye Musik von Hirsch und schreyer. Erftklass. Spezialitäten. Konzert. Ansang A'/, Uhr. Eintritt 35 Bs. Berliner Bock■ Brauerei. Haute Dienstag, ISJuli, abds. S'/.Uhr: Volks-Sinfonie-Konzert de» BlOttmer-Orebeslers Dirigent: Wnldo v. Fnrhs. Sol.: Konzertmstr. Lambinon(Viol.) Karten ä 30 Pf. in den bekannten Vorverkanfsatellen und abends an der Kasse. Passage-Panoplikiim Iber persische Augenfakir in seinen fanat. Derwisch- Hartem (hebt n. a. mit den Augen schwere Gewichte).' 8 Sebveslern Lilipat, die kleinst. Schwest der Welt. tf Allen lebend!"VC Ohne Extrn-Entree! £ Nene Welt; A. Scholz. Haseilhelde 108-1 14 Täglich: Grobes Konzert U-Vorstellimg. Anf. 5 Uhr. Entree 25 Pf. Heute Dienstg.: Sommerfest d. Vereins Berliner Lokomotivf. Voranzeige: Morg. Mittwoch Or. Kinder-Erntefest mit Verlosung. Anf. 4 Uhr, Entree 15 Pf, 0 Brauerei Friedrichshain mm l Köntgstor. Cef.: Ernst Eieblng. H DV Jeden Dienstag- und Oonnerstagnachmittag;~m& Kaffee-frei- Vorstellung der Norddeatschen und Apollo- Sänger freiem Entree. Freitags: Frei-Konzert. f Kranzspenden sowie sämtliche ßlumenarrangementB liefert schnell und billig Ennl Gross. Lindenstr.69, Tel. Mpl. 7203. 'Hä" Oskar Wollburg Trauer»Magazin Berlin N., BrunnenstraBe 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Httte etc. Anfertigung nach MaB in 12 Stunden. Aenderungen sefert.* Von dar Keise zurück; Dr. L. Herz, Frauenarzt Martin-Lnther-StQisse 9. Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts lilsdenstr. 09. Verantw. Redafteur: Albert Wachs, Berlin. Jv seratenteil venmtw.j Uh.Gloike.BerUn. Drucku.Lerlaa:VorwärtSBuchdr.iA VerlagSanfiall PauISingertCo.,Be.liuLW, Hierzu L Beilage»«.llutcrhaltuugSN. Kr. 178. 30. IahrMg. L ßtilnjE des Jotmäitf Kerl« öollislilntt. Dienstag. 15. Juli 1913. Gewcrkfcbaftlicbca. ßewerhrcbaftshartelle. Mit dem Wachsen und Erstarken der gewerkschaftlichen Bewegung bekamen manche ihrer Einrichtungen andere Be- deutung. Sie wurden teils überflüssig, teils fielen ihnen andere Aufgaben zu, oder sie mutzten ihre Tätigkeitsgebiete verlegen. Das gilt besonders auch in mancher Beziehung von den Gewerkscyaftskartellen. Es sind die örtlichen Vereinigungen der Filialen, Zahlstellen usw. der Zentralvcrbände. Ihr Auf- gabenkreis ist ein sehr vielgestaltiger und umfassender. So- lange die Verbände klein und schwach waren, lag das Schwergewicht der Täfigkeit der Gewerkschastskartellc auf dem Äebiet der Agitation und Organisation. Weiter dienten sie in hervorragendem Matze der Geldbeschaffung. Die Kartells waren die Sammelstellen für die Streikunterstützungen. Streik- komitees sandten an die Kartelle Listen für Streiksammlungen, mit der Bitte um Beschaffung von Mitteln. Das waren noch verhältnismätzig rückständige Zustände; Streiks wurden oft lediglich nach dem zufälligen Eingang der Streiksammlungen beendet oder hingezogen. Längst sind die Verbände den .Kinderschuhen entwachsen. Nun besorgen sie meistens die ort- liche Agitation durch die eigene Organisation. Streiks werden heute zum Teil nach anderen Grundsätzen geführt als früher. Das Sammeln auf Listen für nach örtlichen Gesichtspunkten eingeleiteten Streiks hat vollständig aufgehört. Die Kämpfe werden jetzt nach ganz anderen Gesichtspunkten eingeleitet und durchgeführt. Matzgebenden Einflutz hat nur der Vor- stand des jeweiligen Zentralverbandes und hinter einem Streik- bcschlutz steht die Zeutralkassc mit ihren Mitteln. In dieser Beziehung ist die Tätigkeit der Kartelle sehr zurückgegangen. Agitatorisch und organisatorisch sind sie nun vorwiegend für die erst in den gewerkschaftlichen Anfängen steckenden Berufe tätig. Doch ist ihre Wirksamkeit, im Ver- gleich mit früher nicht weniger wichtig, sie wurde nicht be- deutungsloser. Alle Fragen gemeinsamer Natur für die Ge- werkschaften an einem Ort werden davon erfatzt. Es gehören dazu propagandistische Veranstaltungen, die Vorbereitung und Durchführung von sozialen Wahlen, das Vildungswesen, soziale Statisfiken, das Herbergswesen, teilweise die Einsetzung und Unterhaltung von Rechtsauskunftstellen, Maifeier- Veranstaltungen usw. Neu hinzugekommen ist nun die Ein- führung der Volksfürsorge. Mit der Veränderung ihrer Aufgaben und Betätigungs- Möglichkeiten verschob sich das Schwergewicht der Kartelle mehr und mehr aus den grotzen in die mittleren und kleinen Städte und vielfach auch auf daS Land hinaus. Meistens be- stehen die Kartelle aus Vertretern der einzelnen Berufs- organisationen. Ihre Wahl erfolgt gewöhnlich für längere Zeit. Die Kartelle haben verschiedene Einnahmequellen. Diese bestehen aus festen Beiträgen der angeschlossenen Verbände, ferner aus Einnahmen bei Versammlungen� aus Veranstal- tuilgen von Festen, Maifeiern, gelegentlichen Sammlungen usw. Im Jahre Z.912 bestanden in Teutschland 744 Kartelle. 717 davon lieferte« für die von der Geueralkommisfion ver- ansiälteten Statistik Angaben. Im Berichtsjahr wurden 37 Kartelle neu errichtet. Der Hauptzuwachs an Kartellen ist den kleineren Orten, mit 2—20 Gewerkschaften und bis 2500 Mitgliedern, zugute gekommen. Der Gruppe der grötzten Kartelle mit über 25000 Mitgliedern gehörten im Berichts- jähr neun an. Im ganzen sind etwa neun Zehntel der Ge- werkschastSmitglieder den Kartellen angeschlossen. Die äußere Tätigkeit der Kartelle im Jahre 1912 kommt teilweise in der Veranstaltung von 3289 Versammlungen zum Ausdruck. Für die Agitation unter den Arbeiterinnen sind an manchen Orten besondere Kommissionen eingesetzt worden; deren Zcchl stieg von 62 auf 101. Der Lokal- und Herbergs- frage widmeten sich die Kartelle mit erhöhtem Eifer. Sie unterhielten im Berichtsjahre 29 Versammlungssäle und 77 Gewerkschaftshäuser. Unter der Kontrolle der Kartelle standen 349 Herbergen bei Gastwirten. 36 Kartelle unter- halten Herbergen in eigener Regie. Die Bildung?- und Erziehungsarbeit der Kartelle findet einen Ausdruck in der Unterhaltung von Bibliotheken und Lesezimmern, Ein- richtung von Unterrichtskursen sowie in der Einsetzung von Bildungsausschüssen und Jugendkommiffionen. Auf diesem Gebiet leisten die Kartelle jetzt naturgemäß erheblich mehr als früher. Folgende Zusammenstellung veranschaulicht den Fortschritt. Es hatten von den GewcrkschaftSkartcllen im Jahre: Ivos 252 1910 49« 71 292 293 1912 581 98 429 415 Gemeinsame Bibliothekeu. Lesezimmer...... BildungsauSschüffe.., Jugendkommissionen.. Die Zahl der Bibliotheken und Lesezimmer hat sich mehr als verdoppelt. Daneben wurde gewissermaßen als Neuland die Bildungsorganisation und die Jugendpflege in Angriff ge- nommen. 400 Bildungsausschüsse und Jugendkommiffionen geben Zeugnis von erfolgreicher Tätigkeit. Ein weitverzweigtes Netz von Institutionen der Volksbildung, zum Teil mit be- soldeten Sekretären ist heute vorhanden. Die Statistik gibt über die Zahl der von diesen Einrichtungen ausgehenden Ver- anstaltungen und Kursen keine Auskunft. Weiter bekunden 106 Arbeitersekretariate und 212 Auskunftsstellen für Rechtsfragen usw. einen erfreulichen Eifer der Kartelle. Es sei hier als Beweis für ihre umfangreiche Tätigkeit und soziale Bedeutung noch darauf hingewiesen, daß im Berichtsjahre außer den schon genannten noch 133 Sonderkommissionen bestanden, die die Ausgabe hatten, Beschwerden an die Gewerbeinspettion zu vermitteln; der Bekämpfung des Kost- und Logiszwanges widmeten sich zwei Kommissionen, sowie endlich der Forderung des Bauarbeiterschutzes 257 Kom- Missionen. Ueber die Beteiligung der Gewerkschaftskartelle an Ar- beitervertreterwohlen besagt die Statistik, daß 288 Kartelle (1910= 264, 1905— 175) im Berichtsjahre für diese Zwecke Aufwendungen finanzieller Aat zu machen hatten. Es liegt auf der Hand, daß sich die Wirksamkeit der Kartelle für diese Arbeit nicht in der Ausgabe von Geldmitteln erschöpft, es ist ein erhebliches Matz von AgitationSarbcit damit verbunden. Um die gesteigerten Aufgaben erfüllen zu können, gehen die Kartelle immer mehr daran, eigene BureauS mit besoldeten Kräften zu errichten. Im Berichtsjahre waren 20 solcher Bureaus(1910— 13, 1905— 6) vorhanden. In den meisten Städten besorgen die Arbeitcrsckretariate zugleich die Verwal- tungsarbeiten der Kartelle. Vergleicht man zum Schluß die Gesamtentwicklung der deutschen Gewerkschaftskartelle seit dem Jahre 1901, so ergibt sich, daß die Zahl der berichtenden Kartelle von 319 auf 717 oder um 125 Proz., die Zahl ihrer Gewerkschaften von 3995 auf 9418 oder um 135,6 Proz., und die Zahl ihrer Mtglieder von 481718 auf 2339571 oder um 335,5 Proz. aestieaen ist. Ihre Einnahmen sind gewachsen von 294189 M. auf 1 883 782 M. oder um 524,6 Proz., ihre Ausgaben(ohne Streikunterstützung) von 208 349 M. auf 1 635< 18 M. oder um 635,2 Proz. Diese Zahlen beleuchten zur Genüge, die Bedeutung der Gewerkschaftskartelle. Sie werden auch in Zukunft einen hervorragenden Platz in den Schöpfungen der modernen Arbeiterbewegung einnehmen. Berlin und Umgegend. Die Zigarettenfabrik Hrrbstoli, Schönhauser Allee 8, ist wegen Nichtanerkennung des TarifeS für Zigaretten- und Zigaretten» hülsen-Maschinenführer gesperrt. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen MetallarbeiterverbandeS. Streikbrecher gefällig? Otto GenSke, der vom„Baumeister" zum Strcikbrechervermitt- lcr avanciert ist, bietet seine Streikbrecherkolonnen weiter aus wie sauer Bier. Zu gleicher Zeit werden uns aus mehreren Orten, in denen die Arbeiter des Baugewerbes im Streik stehen, hckto- graphierte Schreiben folgenden Wortlauts eingesandt: „Berlin N. 65. Seestr. 37, d. 16. 6. 1V13. Nrbcitgcbcrbund für das Baugewerbe in...... Sofort können sie jede Zahl Nichtorganisierter Maurer, Zimmerer, Bauarbeiter, Putzer, Zcmentierer und Rabitzer erhalten, wenn sie beigelegten Akkordbrief anerkennen, und für das Jahresabonnement 150 M. zahlen, mich zum Abschließen eines Akkordvcrtrags nach dort kommen lassen, und den Betrag für diese Reise, 75 M. telegraphisch einsenden, dann bin ich in 24 Stunden später in...... Seit dem Jahre 19V7 habe ich an 81 Arbeitgeber im Streikgcbiete Maurer, Zimmerer, Putzer und Bauarbeiter Versand, und besitze darüber gute Zeugnisie. Aus- kunft giebt Ihnen der Arbeitgebervcrband f. d. Baugetverbe in Bad Harzburg Tel. No. 72 Wennstr. L. Nordmann dort habe ich 40 Maurer, Zimmerer Arbeiter zugesandt, und fahren heute noch 4 Maurer nach dort.— Bei Abschluß des Vertrags haben Sie für pro Mann da? Fahr- Zehrgeld im Betrage von 12,50 M. zu zahlen, ebenso den Abonnonientsbetrag von 150 M. Bei Stundenlohn von 75 Pfg. pro Mann 17,50 M. Hochachtent Otto WeuSke."- Daraus, daß die Unternehmer die Streikbrecherempfchlung, anstatt sich ihrer zu bedienen, an den Bauarbeiterverband einsenden, darf man wohl schließen, daß mancher von ihnen in der GenSke- schen Empfehlung ein Haar gefunden hat. Geld will der Mann, der als„Baumeister" unmöglich wurde, verdienen, und zwar nicht wenig. 150 M. im Abonnement für ein Jahr, dazu Fahr- und Zehrgeld für jeden Mann, den Genske zuschiebt und außerdem noch Reisespesen in Höhe von 75 M. für sich selbst. Dafür haben die Unternehmer dann das Vergnügen, für eine Zeitlang eine Zahl rauhbeiniger Gesellen zu erhalten, deren Umgang jeder anständige Mensch gern meidet. Genske rühmt sich zwar der Empfehlungen, die er dafür besitzt, daß er den Unternehmern bei ihren meistens tarifbrecherischen Umtrieben aus der Patsche geholfen hat. Aber innerlich waren seine Kollegen von ehemals immer herzlich froh, wenn sie Genske mitsamt den Rausreißern den Rücken kehren konnten. Seine ehemaligen Berliner Kollegen schüttelten ihn schon einmal recht kräftig ab. Und die Uebersendung der Empfehlungen an die Arbeiterorganisation zeugt davon, daß man anderswo auch so über ihn denkt. Deutlehes Reich. Beendeter Boykott. Der Streik in der Cichorienfabrik I. G. Weiß in Frauen- d o r s bei Stettin ist nach vierzehnwöchiger Dauer am Sonntqg vormittag beigelegt worden. Es ist den Vertretern der streikenden Arbeiter gelungen, die aufgestellten Forderungen zum größten Teile durchzusetzen. Teilweise wurden die Löhne über alle Erwartungen hinaus aufgebessert. Auch bezüglich der Wiedereinstellung der Streikenden wurden von der Firma bestimmte Zusicherungen gemacht. VerabredungSgemäß sollte Sonnabend die Hälfte der Streikenden eingestellt werden. Am Montag vormittag wurden aber bereits drei Viertel der Ausständigen wieder eingestellt. Der über die Produkte der Firma Gebr. I. G. Weiß verhängte Boykott ist aufgehoben. kleines feinUetou. Herr Moiffi beim Papst. Alexander Moissi, der bekannte Dar- steller des Deutschen Theaters, ist in Rom beim Papst in einer besonderen Audienz empfangen worden. Herr Moissi ist vom Papst entzückt. Er schwärmt von seiner „überaus sympathischen Persönlichkeit" und findet namentlich den leicht venetianischen Anklang bei der Stimme des Papstes schön. DaS Gesicht habe geradezu etwas Rosiges. Rosig wie das Gesicht des Papstes ist offenbar auch die Seelen- stimmung der liberalen Blätter, die angeblich gegen das Regiment der Kutten im Kampfe liegen, diese Nachricht aber in auf- fallender Schrift bringen, ohne daß ihr gehobener Gemütszustand auch nur vom leisesten Zweifel beeinträchtigt würde. Auf einen ungetrübten Seelenfrieden läßt es auch schließen, wenn sie im Anschluß an diese interessante Nachricht in schöner Naivität sagen:„Moissi hat alles vorbereitet, um im kommenden April unter Reinhardts Regie(hoffentlich doch unter der berühmten „persönlichen") und mit einer italienischen Gesellschaft eine Tournee durch Italien zu unternehmen, die den„König Ocdipus" bringen wird." Ohne Zweifel hat Moissi alles aufs beste borbereitet, wenn die Tournee schon mit einem persönlichen Segen des Papstes ein- geleitet wird. Max Reinhardt soll, wie wir hören, von dieser neuen Art der Vorbereitung sogar ganz entzückt sein. Wenn sich die Chose bewähren sollte, will er enisthaft überlegen, ob sich für gläubige Katboliken, die seine Theater besuchen, nicht ein S ü n d e n a b l a ß bewirken ließe. Wenn er auf diese Weise das künstlerische Heil mit dem himmlischen Heil vermählen könnte, würde sein Unternehmen ohne Zweifel eine neue Periode des TheatergeschäftS einleiten. Im besonderen müßte es den frommen Gläubigen angenehm sein, daß sie beispielsweise nach einem Besuch von SternyeimS Komödie „Die Hose" beim Verlassen des Theaters für extra begangene Gedankensünden den Ablaß schon in der Tasche hätten. Nachdem Reinhardt sich bereits mit Amerika, China, London und Argentinien verbündet hat, müßte ihm eine Allianee mit der weltbeherrschenden römisch- katholischen Kirche ganz neue Perspektiven eröffnen. Sollte er nicht im Interesse dieses groß gedachten Plane« das Opfer eines Ueber- tritts zum Katholizismus bringen? Der prunkvolle Kult der römischen Kirche kommt seinem Regieempfinden sowieso in weitem Maße entgegen. Ans der Geschichte der Lotterien. In Italien sind zurzeit die Lotterien deshalb sehr aktuell, weil eine wegen angeblich besonders günstiger Kombinationen gepriesene WohllätigkeitSlotterie große Ent- täuschungen gebracht hat und die Gewinste unter so viele Gewinner zu teilen sind, daß die Lotterieverwaltung bekannt machen mußte, der Gewinst würde die Portospesen für die Einsendung des ge- Winnenden Loses nicht decken. Während nun die Blätter ihre Spalten mit Protesten ihrer Leser füllen, erinnert die Zeitung „Roma" an die Geschichte der Lotterien. Diese sollen schon bei den alten Juden Brauch gewesen sein, sicher waren sie aber im antiken Rom als Schluß der öffentlichen Festspiele ver- breitet und deliebt. Der Kaiser Augustus ließ nach öffentlichen Festen verschiedene Gewinste auslosen, so kostbare Kunstwerke und nubische Sklavinnen. Nero brachte seltene Vögel, Schiffe und sogar Inseln zur Verlosung. Unter Heliogabal erhöhte man die Spannung, indem man merkwürdig kontrastierende Lotteriegewinste einsetzte. So konnte man bei einer Lotterie 10 Sklaven gewinnen oder 10 Fliegen, 10 Bären oder 10 Grillen, 10 Straußvögel oder 10 Pfund Sand. In der Folge, mit dem Ende des Reiches, verschwanden die Lotterien und man findet sie erst im 15. Jahrhundert wieder. Da- mals veranstalteten sie die Kaufleute von Genua und Venedig, um ohne Verluste ihre Ladenhüter loszuwerden. Die Leidenschaft er- streckte sich schließlich über die ganze Halbinsel und ging auch auf Frankreich über. Die Revolution verbot dann jede Art öffentlicher Lotterie, aber die Restauration führte das alte Mittel, von der Hoff« nung auf Reichtum eine Steuer zu erheben, wieder ein. Ei» Gönner der Wissenschaft. Der englische Professor Lankaster erzählt in einem der wissenschaftlichen Beiträge, die er wöchentlich für ein großes Londoner Blatt liefert, eine ergötzliche Geschichte von einem Chicagoer Millionär. Dieser König der Schweinemetzgerei besuchte das Laboratorium eines Gelehrten, der den Geldmann für die Wissenschaft zu interessieren suchte, indem er im stillen hoffte, daß dabei eine Spende für das Institut, dem er vorstand, abfallen würde. Der Gelehrte führte dem Besucher viele merkwürdige Experimente vor und zeigte ihm schließlich die von weißglühendem Natrium herrührenden zwei schmalen Linien gelben Lichtes. Er demonstrierte ihm auch vor, wie genau deren Lage im Spektrum festgestellt und gemessen werden kann, wie sie im Spektrum des LichtS, das eine Flamme, in der weißglühendes Natrium vorhanden ist, durchkreuzt, zwei schwarze Linien hervor- rufen. Und dann zeigte er ihm, daß rn dem Spektrum des Sonnenlichts außer tausend anderen zwei schwarze Linien vorkommen, die genau mit den Natriumlinien übereinstimmen, während andere schwarze Linien im Sonnenspektrum mit den hellen Linien übereinstimmen, die von weißglühendem Eisen. Wasserstoff, Magnesium usw. aus- gestrahlt werden. Die Beweisführung schien auf den Besucher einen tiefen Eindruck zu machen und der Professor harrte mit Freuden der Dinge, die da kommen sollten. Schließlich öffnete der Millionär den Mund und sprach:„Aber wem zum Henker ist daran gelegen, ob eS auf der Sonne Natrium gibt!" Wenn der Gelehrte dem großen Mann vorgeführt hätte, wie sich Schweinsohren profitabler verwenden lassen, so hätte die Kasse des Instituts sicher besser ab- geschnitten. Woher stammen die Rumänen? Bei dem Raffengemisch, das die Bevölkerung des Balkans darstellt, ist es äußerst schwierig, die Herkunft und Stammesart der einzelnen Nationen festzustellen. Am kompliziertesten aber ließen wohl die Verhältnisse bei den Rumänen, in denen man lange Zeit Nachkommen der alten Dazier gesehen hat und die man für ein romanisches Volk hielt. Durch die Forschungen des Bukarester Ethnologen Emil Fischer ist aber auf Grund eines reichen historischen und sprachgeschichtlichen sowie ethnographischen Materials der Beweis geführt worden, daß die heutigen Rumänen „Thralo-Romanen" sind. Diese romanisierten Trazier haben dann so viel slowenisches Sprachgut und Blut aufgenommen. daß sie dadurch zu Halbslawen geworden sind. Diese Rassenverhältnisse spiegeln sich deutlich in der rumänischen Volks- poesie wieder, die eine innig- Verschmelzung slawischer und roma- nischer Denkart darstellt und in der dre wilde Leidenschast und düstere Melancholie des echten Slawen mit der scharfen, gesund sinn- lichen Auffassung des Romanen gepaart ist. Einen ebenso klaren Niederschlag haben die mannigfachen Elemente des heuttgen rumä- nischen Volkes in ihrem Idiom gefunden. Diese Mischsprache ent- hält neben französischen, lateinischen und magyarischen Lehnwörtern aucki diele albanische, bulgarische, serbische, griechische, türkische und russische Spuren. Humor und Satire. Selbsterkenntnis. Umständlich und geräuschvoll schneuzen Die Diplomaten ihre Nase: „Seltsam! Man schlägt sich tot mit Kreuzeu. DaS ist die allerneuste Phase. Der Halbmond ist zum Neumond worden; Man könnte mit ihm Stiefel wichsen. Nun sind die Christen dran und morden Sich brüderlich mit Kruzifixen. Da gilt es reislich überlegen Den Wert der Demut und des Stolze», llnd ob das der ersehnte Segen Und Zweck des armen Marterholzes. Warum das Christentum der Griechen, Der Herr'n Bulgaren und der Serben (Man kann es schon von weitem riechen)„ Zum Töten besser als zum Sterben. Doch ist bei näherer Betrachtung An uns die Reihe des Errötens: Sie stiegen ja in unsrer Achtung Erst durch die edle Kunst des TotenS.' „Was werft ihr immer vor unS beide», Daß die Moral ein bißchen lax is'. Ein wahrer Christ muß unterscheiden Klar zwischen Theorie und Praxis." (E. Steiger im„Stmplicissimus".) Notizen. — Die Nationalgalerie erwarb auf der römischen Internationalen Sezessionsausstellung ein Werk des Münchencr Malers Hans Heider. ES stellt den Bahnhof in Dachau dar. — Die schwarze Kapelle. Im Herbst wird auf An- regung des Kolonialamtes eine Askari-Kapelle aus DareSsalam nach Deutschland kommen. Die Schwarzen spielen hauptsächlich deutsche Programme, natürlich auch Wagner.— Wenn diese Reklame für unser« Kolonien nicht zieht! — Opfer des Meeres.. Eine vom britischen HandelSamt herausgegebene Statistik gibt einen U eberblick über die Opfer an Menschenleben, die das Meer im letzten SchiffahrtSjahre von der brittschen Handelsmarine und ihren Passagieren gefordert hat. In der Zeit vom 1. Juli 1911 bis zum 30. Juni 1912 fanden im Ver- laufe von Reisen aus britischen Schiffen nicht weniger als 2890 Menschen den Tod, gegenüber 970 im Jahre vorher. Das gewaltige Ansckwellen der Unglücksziffer wurde durch die„Titanie"-Kata- strophe hervorgerufen. Gerettet wurden im letzten Schiffahrt� jähre von Schiffbrüchen an den britischen Küste» 2393 Perjonen., Die Werftarbeiterbewegung. Wolffs Telegraphenbureau meldet aus Hamburg: Auf der Bulkanwerft haben sämtliche Arbeiter und auf der Werft B l o h m u. V o ß hat ein Teil der Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Dem Streik liegen Lohnforderungen zugrunde. Auf den anderen Secschiffswersten wird vorläufig weitergearbeitet Eine liberale Stadtverwaltung liefert Streikbrecher. In seltener Größe hat sich die Stadtverwaltung der Haupt- und Residenzstadt Oldenburg gezeigt. Bei der Firma Licke, die auch städtische Arbeiten auszuführen hat, streikten die Erdarbeiter, um die Eirma zuin Abschluß eines Tarifvertrages und zur Anerkennung der rganisation zu veranlassen. Am Sonnabend früh kommandierte nun die Stadt einfach städtische Arbeiter zu dem Unternehmer, die dann Strcikarbeit verrichten mußten. Auf die Beschwerde des Organisationsvcrtretcrs hin erklärte das Bauamt, seine Maßnahme sei„im Interesse des Verkehrs" geboten. Durch den Streik war eine gar nicht besonders verkehrsreiche in Pflasterung befindliche Straße in der Fertigstellung verzögert. Gediegen ist, daß zur Streikarbeit die Straßenreinigungskolonne kommandiert wurde.„Im Interesse des Verkehrs" unterbleibt— dem rückständigen Unternehmer zuliebe— also einfach die Reinigung der Straßen. Der Magistrat der Stadt Oldenburg tut sich sonst auf seine Liberalität allerlei zugute. Jetzt zwingt er städtische Arbeiter zu einer Tätigkeit, die von jedem aufrechten Arbeiter als unehrenhaft empfunden wird._ Stadtrat und Koalitionsrecht. Der Mannheimer Stadtrat hatte dem Fahrpersonal der städtischen Straßenbahn durch den Bürgermeister Ritter eröffnen lassen, daß die Straßenbahner nicht berechtigt seien,„öffentliche Versammlungen einzuberufen und darin als Ankläger ihrer vorgesetzten Behörde aufzu- treten". Die Straßenbahner haben sich die Beschränkung ihres Versammlungsrechtes durch ihren„Arbeitgeber" selbstverständ> lich nicht gefallen lassen und haben in einer späteren Versammlung gegen den stadträtlichen Beschluß, der durch die Beschränkung der Kritik auch eine Beschränkung des Koalitionsrechtes in schließt, Verwahrung eingelegt. Der Stadtrat hat nun daraufhin sich abermals mit der Frage befaßt und hat seinen früheren Beschluß nicht nur aufrecherhalten, sondern hat auch noch d en vergeblichen Versuch gemacht, nachzu- weisen, daß die Straßenbahner überhaupt keinKoalitions- recht besitzen. Die Berufung auf den Z 152 der Reichsgewerbe- ordnung, so wird ausgeführt, scheitere an dem Z S der Gewerbeordnung, weil dieser die Betriebe der Eisenbahimnternehmungen ausnehme. Der Gedanke, daß der Gesetzgeber, als im Jahre 1869 dieser das Koalitionsrecht einschränkende Paragraph geschaffen wurde, un- möglich eine Betriebsart im Auge haben konnte, die damals noch gar nicht existierte, scheint dem Herrn Stadtrechsrat, der dieses Gutachten auf dem Gewissen hat, nicht gekommen zu sein. Denn hätte er sich mit dem einschlägigen Material vertraut gemacht und hätte die damals im Norddeutschen Reichstag hierüber gepflogenen Verhandlungen nachgelesen, so würde er gefunden haben, daß weder in der Be- gründung noch im Bericht und auch in den stenographischen Berichten auch ein einziges Mal der Ausdruck Pferdebahner oder Straßenbahner vorkommt. Run, das Rechtsgutachten mußte so ausfallen, wie es der vorgesetzten Behörde genehmer und ihr in den Kram paßte. Geradezu unglaublich ist es, was der Mannheimer Stadtrat sich in bezug auf das Versammlungsrecht erlaubt. Denn das �Interessante stadträtliche Schriftstück schließt mit folgendem selbst- cherrlichen UkaS: _„„Dem Fahrbedienstetenpersonal ist hiernach zu eröffnen, daß der Stadtrat künftighin disziplinär gegen solche Fahrbedienstete einschreiten wird, die eine unbeschränkte öffentliche Versamm- ' lung einberufen, in welcher Beschlüsse des Stadtrats als der der vorgesetzten Behörde in unbeschränkter Oeffentlichkeit kritisiert und zur Diskussion gestellt werden. Der Vollzug ist anzuzeigen. Rr. 5824 I. gez. Ritter." Der Stadtrat bestimmt hier also, worüber nicht geredet werden soll. Er verbietet einfach, daß er öffentlich kritisiert wird. Und wenn der Stadtrat oder das städtische Straßenbahnamt noch so große Dummheiten macht, die Straßenbahner dürfen mit ihren Beschwerden nicht an die Oeffentlichkeit gehen. Ein wirklich verblüffend einfaches Mittel, deffen sich der Stadtrat hier bedient. Kritik ist erlaubt, aber die Oeffentlichkeit darf hiervon nichts erfahren. Soziales* Der Streik iei der Tiefbau-Aktiengesellschaft Julius Brrgcr-Berlin am Nordbahnhof in M ü l h a u s e n i. E l s. hat bei den Vermitte- lungSverhandlungen unter dem Vorsitze des Bürgermeisters zu einer Verständigung noch nicht geführt, da die Firma sich immer noch weigert, die tariflichen Löhne im ganzen Umfange(mit Zuschlägen) zu zahlen. Seit Freitag ist das M i l i t ä r a u S dem Streik- gebiet zurückgezogen und auch die„zum Schutze der Arbeitswilligen" aufgestellten Polizeiposten, die so blutig ihres Amtes walteten, sind auf ein Minimum reduziert. Eine ohne Zwischenfall verlaufene öffentliche Prote st versamm- lung, die von 6 bis 8gcX) Personen besucht war, forderte von der Generaldirektion der Eisenbahnen volle Durchführung des Tarifs. AusUnck. Glasarbeiterstreik in Kopenhagen. AuS Kopenhagen wird berichtet, daß die Glaser bei einem Teile der Unternehmer sich im Ausstand befinden, nachdem die übrigen Unternehmer einen Tarif abgeschlossen haben. Die Unternehmer sollen versuchen, Arbeitskräfte aus dem Auslande zu bekommen und wird deshalb um Fernhaltung des Zuzugs gebeten. Hus Itiduftne und Handel. Süstwestafrikanisches Gefrierfleisch auf dem Hamburger Markt. Die Firma Woermann Brock u. Co. hat versuchsweise eine An- zahl südwestafrikanischer Kälber in gefrorenem Zustande, die den ge« seylichen Vorschriften hinsichtlich des Zusammenhanges der inneren Teile mit dem Tierkörper entsprachen, in Deutschland eingeführt. DaS Kalbfleisch gelangte in Hamburg auf den Markt. Die gleiche Firma hat, um selbst die Güte des Fleisches der deutschen Kolonie zu erproben, in ihrer eigenen� Kantine auS dem eingeführten Gefrierfleisch Kalbsbraten und Kalbsteak herrichten lassen. Trotz- dem es sich unr gefrorenes Fleisch handelte, lautete das Urteil über die Qualität recht zufriedenstellend. Niemand in der Kantine würde es für eingeführtes Fleisch gehalten haben, wenn die Herkunft nicht vorher bekanntgegeben wäre.— Die„Koloniale Korrespondenz" knüpft an die Mitteilung von diesem Einfuhrversuch die Bemerkung, daß nun den südwestafrikanischen Viehzüchtern die große Sorge um den Absatz ihrer wachsenden Rinderherden genommen sei. Wir glauben das nicht, da die Frachtbedingungen in Australien und Südamerika günstigere find als in Westafrika und trotzdem eine Einfuhr von Kühlfleisch in größeren Mengen infolge des § 12 des Fleischbeschaugesetzes wirtschaftlich unmöglich ist. Zum mindesten könnte man erwarten, daß die Vorbesichtigung des Viehs in den deutschen Kolonien durch beamtete Tierärzte die im§ 12 vorgesehenen Bestimmungen über die Beschau in Deutschland unnötig machte. Aber unsere Junker hemmen auch die geringe Entwicklungsmöglichkeit unserer Kolonien, wenn«s sich um ihren eigenen Profit handelt und darum wird auch der z 12 aufrechterhalten. Sersuchte Beseitigung einer Unfallrente. Der Macht der Berufsgenossenschaften, dem Drängen des Reichs aintes deS Innern und der wachsenden Geneigtheit des Reichs- Versicherungsamtes, die Wünsche der Berufsgenossenschaften zu be- friedigen, ist es bekanntlich gelungen, in vielen Fällen crwerbs- unfähige Arbeiter in erwerbsfähige umzumodeln. Niemand als der Arbeiter selbst wäre froher über eine l a t s ä ch l i ch e Wandlung einer Erwerbsunfähigkeit in eine Erwerbsfähigkeit. Diesen Weg schlägt die Praxis jedoch nicht ein, kann ihn nicht einschlagen, weil die ärztliche Kunst nicht allmächtig ist. Sie geht vielmehr den sonderbaren Weg, daß sie tatsächlich Erwerbsunfähige in Erwerbs- sähige durch Aerzte schreiben läßt und das fehlsame ärztliche Gutachten zum Rechtsspruch macht. S» kommt es. i�ß triele Tausende von Arbeitern, die voll invalide sind, in Nicht-Jnvalide umgeschrieben werden. Liegt der Fall gar zu kraß, so begnügt sich die Praxis mit der Zuschreibung einiger Prozente Erwerbs- fähigkeit an den Unfallverletzten. Dnrch solch Rezept ist zwar ein Arbeiter noch nie erwerbsfähiger geworden. Es hilft dem Arbeiter nicht, es schadet ihm. Aber Talmi- Wissenschaftler aus ärztlichen und naiionalökonomischen Kreisen— wir erinnern an Professor Bernhard— stellen sich dem Kapitalismus zu solcherHerabsetzung oder Tilgung der Rente zur Verfügung. Im Interesse des Kapitalismus werden die einfachsten naturwissenschaftlichen Tat- fachen und Erfahrungen in ihr Gegenteil gedeutet, wenn es sich um Arbeiter handelt. Erinnert sei an die Fälle, in denen Aerzte haar- scharf bewiesen, der Invalide sei noch erwerbsfähig oder der Unfall- rentner verstelle sich nur, und die Bescheide just eintrafen, als der Invalide an Entkräftung, der Unfallrentner an„Verstellung"'ge starben war. Die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft hat den Versuch gemacht, nun auch die Fiktion, daß das Gegenteil deffen, was ist, vorliege, auf Rechts begriffe zu übertragen. Das Reichsversicherungsamt ist diesem Versuch in einem Einzelfall ent- gegengetreten. Der Rechtsfall war folgender: Ein Landarbeiter erlitt am 7. August 1897 einen Betriebsunfall durch Verletzung seiner rechten Hand. Die Rente wurde ihm immer mehr herabgesetzt. Schließlich wurde sie auf 10 Proz. fest- gesetzt. Dem Arbeiter standen darnach jährlich ganze 20 M. Rente, zahlbar in vierteljährlichen Raten von 5 M. zu. Er suchte in- zwischen durch Schneiderei sich durchzuschlagen. Die„Rente" wird dem Arbeiter— im Gegensatz zu sonst Verunglückten— nicht zugesendet. Er muß sie sich vielmehr holen und hat dabei viele Scherereien. Der Schneider erklärte nun der Polizei, die Rente sei ihm zu gering, durch die Abholung der Rente versäume er mehr Zeit, als die Rente ihm einbringe. Vom 1. Januar 1911 holte er die Rente nicht mehr ab. Er nahm an, die Berufsgenossenschaft würde sie ihm erhöhen oder zusenden. Darin täuschte er sich aber gewaltig. Die Berufsgenossenschaft erklärre, die Rente werde künftig n Fortfall gebracht, denn in dem Verhalten des früheren Landarbeiters liegen— ein Verzicht auf die Rente. Das S ch i e d S- gericht für Arbeiterversicherung in Königsberg, an das sich nunmehr der Arbeiter wendet, anerkannte: ein Verzicht liege nicht vor, auch habe die Berufsgenossenschaft, da mehr als 5 Jahre seit der Rentenfestsetzung verflossen waren, kein Recht, ein- eitig die Rente zu streeichen; das könne nach dem klaren Wortlaute des Gesetzes nur auf Antrag durch das Schiedsgericht erfolgen. Aber, erklärte das Schiedsgericht,„andererseits hatte das Schiedsgericht kein Bedenken, anzunehmen, da wieder eine längere Zeit seit der letzten Rentenkürzung verstrichen ist, daß nunmehr vollständige Gewöhnung an den Zustand eingetreten ist. Es erschien daher angemessen, die Rente einzustellen." Das Reichsversicherungsamt. bei dem der Unfall- verletzte Rekurs einlegte, hob diesen eigenartigen Spruch auf. Nach dem Gesetz sei ein ausdrücklicher Antrag der Berufsgenossenschaft auf Aufhebung der Rente erforderlich. Em solcher liege über weder in der eigenmächtigen Aufhebung der Rente durch die BerufSgenoffen- 'chaft, noch in ihrem Antrag auf Abweisung der Berufung. Die versuchten Rechtsfiktionen sind in diesem Falle daher nicht geglückt. Der Arbeiter hatte eS glücklicherweise nicht unterlassen, sich an ein Arbeitersekretariat zu wenden. Alkoholismus und Heer. Unter dieser Stichmarke macht jetzt eine Notiz die Runde durch die TageSblätter, nach welcher die Heeresverwaltung sich rühmt, gegen den Alkoholismus vorzugehen. Man schärfe den Soldaten vor dem Ausrücken ins Manöver ein, daß Alkohol gefährlich sei und daher Ersatzgetränke, Tee, kalter Kaffee usw. mitgeführt werden. Sehr gut und die Herren Offiziere werden sicher mit einem guten Beispiel vorangehen. Weiter heißt es in dem Artikel: Eine Statistik über den Einfluß des Alkohols auf die Wehr- fähigkeit der Mannschaften hat ergeben, daß sich mit dem zu- nehmenden Bierkonsum und dem zunehmenden Gebrauch anderer alkoholartiger Getränke im Heere die Zahl der wegen Herzleidens entlassenen Soldaten in 16 Jahren verzehnfacht hat. Während in den Jahren 1881 bis 1887 in der deutschen Armee auf 1000 Mann nur 1,5 Herzkranke kamen, hatte sich die Zahl der Kranken nach 16 Jahren schon auf 14,4 gesteigert. Man nimmt mit Recht an, daß diese Steigerung von Herzerkrankungen auf gesteigerten Alko- holverbrauch zurückgeführt werden muhte. Diese Auffassung wurde bestätigt durch den Rückgang in der Folgezeit, der durch die Alkohol- bekämpfung im Heere erzielt wurde. Schon im Jahre 1909 betrug die Zahl der Herzkranken auf 1000 nur noch 3,2." Diese Auftnachung stimmt aber nicht ganz. Man beachtet nicht, daß man vor 16 Jahren noch größere Anforderungen an die mili- tärische Tauglichkeit stellte als heute. Damals wurden alle Herz- kranken sorgfältig ausgeschieden, ja in vielen Fällen sogar gleich wieder nach ihrer Einstellung entlassen. Anders heute. Tatsache ist, daß heute eine große Anzahl herzkranker Arbeiter in das Heer eingestellt werden und da sich die Zahl der Herzkranken von Jahr zu Jahr an sich schon steigert, die Nervosität eine Folgeerscheinung unserer wahnsinnigen Produktionsweise ist, so werden eben mehr Kranke dem Heere zugeführt. Wird nun nach der neuen Militär- vorläge auch noch die Hunderttausend neu ausgemustert, dann steigt die Zahl noch höher. Was ist dann die Folge? Leider versäumen viele Arbeiter, sich vor der Musterung ein Gutachten von einem Spezialarzt über ihren Zustand zu verschaffen. Sie werden dann einfach„gezogen" und in das Heer eingestellt. Man denke nur an einen Fabrikarbeiter, welcher herzkrank ist, seine gewohnte Tätig- keit in der Fabrik aber ruhig weiter ausführen konnte, welcher dann über den Kasernenhof gejagt, gehetzt wird, turnen mutz usw. In wenigen Wochen schon steigert sich sein Leiden, so daß er das Lazarett aufsuhen muß. Dann wird eine genauere Untersuchung vorgenommen. Es wird festgestellt, daß der Betreffende vor seiner Einstellung bereits„etwas herzkrank" gewesen sei. Er wird dann ohne Pension entlassen. Eine Dienstbeschädigung liegt ja nicht vor, weil der Mann ja schon vor seiner Einstellung nach eigener Angabe herzkrank war. Der Mann war arbeitsfähig, als er in die Kaserne eintrat und verläßt dann diese Ausbildungsanstalt als gebrochener Mensch ohne Rente und fällt dann seiner Krankenkasse zur Last. Verschlimmert hat man sein Leiden dort und kein Pfennig wird ihm gezahlt, kein Ersatz der Krankenkasse für die Aufwendungen erstattet. Ja es gibt sogar kranke Reservisten, verheiratete Männer, die es nicht wagen, durch ein Arztgutachten ihre Dienstunfähigkeit nachzuweisen. Entweder scheuen sie die Ausgaben für ein Arzt- gutachten, welches ja auch nicht gerne gegeben wird, oder sie glau- ben, daß ein Privatgutachten doch dem Militärarzte nicht impo- niert und treten ruhig die Uebung an. Die Folge ist dann auch eine erhebliche Verschlimmerung des Leidens und die Krankenkassen können den Mann dann 26 Wochen womöglich unterstützen. Die arme Familie hatte fast lein Brot während der Uebung des Er- nährers und mutz sich dann mit dem kargen Krankengeld viele Wochen begnügen. Dadurch wird die Notlage natürlich noch mehr erhöht. Die Krankenkassen können ein Liedchen davon singen, welche Belastung ihnen alljährlich durch die unsinnige Einstellung kranker Arbeiter in den Heeresdienst erwächst. Die Krankenkassen können sich hiergegen nicht schützen, wenn die Arbeiterschaft selbst nicht Maßnahmen ergreift. Herz- oder lungenkranke Arbeiter ge- hören nicht in den Heeresdienst und müssen sich dieselben eben selbst zu schützen suchen. Einerlei, wie man auch diese Schutzmaß-! nahmen seitens der Hurrapatrioten aufnimmt. Bon der sozialen inneren Kolonisation. Die Kultnrarbeitsstätte Reppen ist vom Verein für soziale Kolonisation Deutschlands fertig kultiviert worden. Vierzig Morgen Oedland sind in Kulturland umgewandelt, mit Obstbäumen, Beeren. obst, Gemüse, Spargel und Kartoffeln bepflanzt, mit Straßen ver. sehen und mit Zäunen umzogen. Sieben Ansiedlerfamilien leben bereits auf dem Gelände, sie scheinen gut vorwärts zu kommen, ernteten reichlich Erdbeeren, Salat, Frühgemüse und Frühkar- toffeln. Die Kinder, die in Berlin stets kränklich waren, haben sich sehr gut erholt. Der Verein ist bereit, noch weitere Rentengüter zum Preise von 5000 bis 6000 Mk. bei einer Anzahlung von einigen 100 M. und einer Jahresmiete von ungefähr 200 M. einzurichten. Zum Herbst soll in Beeskow eine Kulturarbeitsstätte errichtet und wahrscheinlich auch im Nauener Kreise die Arbeit aufgenommen und Arbeitslose bei ausreichendem Lohn beschäftigt werden. Der Verein für soziale Kolonisation Deutschlands kann die Ursachen der Not nicht beseitigen. Aber er kann im Rahmen der heutigen Gesellschaftsordnung manche Unterlassungen des Reichs, des Staates, der Gemeinden und Provinzialverbände reparieren. Seine praktische Arbeit ist die beste Widerlegung des Gefasels, daß Arbeitslose nicht arbeiten wollen. Sie kann naturgemäß nur ein kleiner Notbehelf für einzelne Fälle sein. Es verdient das Bestre- ben des Vereins, soweit es auf Gewährung von Arbeitsgelegenheit abzielt, trotzdem Anerkennung, wenngleich der Verein Pflichten erfüllt, die öffentlichen Korporationen eigentlich obliegen. Die Hoff- nung freilich erscheint utopisch, daß die Vereinsarbeit Lohnarbeiter in erheblicher Anzahl zu selbständigen Ansiedlern machen und dauernd in wesentlichem Umfang der Arbeitslosigkeit steuern könne._ 6encht9- Zeltung. Die Tragödie einer Arbeiterin. Ihr laßt den Armen schuldig werden, Dann überlaßt ihr ihn der Pein. Ein erschütterndes Elendsbild wurde dieser Tage am Schwur« gerichte zu Amberg i. O. aufgerollt. Die verwitwete Fabrikarbeiterin Elise Franz hatte sich wegen des Berbrechcns des Totschlags zu verantworten. Die Arbeiterin hatte einen dem Alkoholteufel verfallenen Mann, der sie auf das brutalste mißhandelte. Im letzten Frühjahr ließ der Trunkenbold die Frau einmal eine Nacht hindurch im bloßen Hemd vor seiner Wohnungstüre kauern. Hierauf trennte sich die Gequälte von ihrem Manne, der sich inzwischen aufhängte. Mit ihrem dreijährigen Kinde fuhr die Arbeiterin Ansang April von ihrem Wohnort Hof nach Amberg, ihrem früheren Do- mizil, um dort in einer Fabrik Arbeit zu nehmen. Nachts gegen 12 Uhr kam die Frau mit ihrem dreijährigen Kinde in Amberg an. Sie ging von Gasthaus zu Gasthaus und suchte mit bittenden Worten und gegen gutes Geld um ein Nachtquartier nach. Irr- dessen, so wurde am Amberger Schwurgericht konstatiert, im from- mrn, schwarzen Amberg, fand sich kein Gastwirt, der der Frn» und dem Kinde Obdach bot. Die Arme mußte nebst ihrem drei. jährigen Töchterlein die rauhe Aprilnacht im Freien, in einer An. läge zubringen. Am frühen Morgen wollte die Frau Verwandte aufsuchen, mußte aber erfahren, daß diese längst von Amberg weg. gezogen sind. Nun suchte die Gequälte mit ihrem halberstarrten Kinde eine Kaffeeschänke auf und stärkt« da? Kind mit einem war» men Getränk. Nach Verlassen dieser Schänke merkte die Arbeiterin mit Schrecken, daß ihr die Geldbörse mit etwa 11 M. Inhalt— ihrer ganzen Habe— abhanden gekomme« war. Alles Suchen und Fragen um das Verlorene war ohne Erfolg, das Geld fand sich nicht mehr. Mittel, und heimatlos, ohne Obdach, anzüglichen Fragen und mißtrauischen Blicken ausgesetzt, entschloß sich die Verzweifelte, mit ihrem Kinde zu Fuß nach Oberfranken zu wandern. Außer- halb der frommen Stadt Amberg kam die Heimatlos« am Friedhof vorbei. Sie geht dort auf und ab, überblickt Kreuze und Gräber und wird von Berzweiflung und Schwermut befallen. Sie wird mutlos und entschloß sich, mit ihrem Kinde in den Tod zu gehen. Unweit des Friedhofes ist ein großer Weiher. Knaben badeten darin. Als sich die fröhlichen Buben entfernt hatten, wirst die Un- glückliche ihr Kind ins Wasser und sprang selbst nach. Arbeiter, die vorübergingen, sahen die Frau bewußtlos im tiefen Wasser treiben und zogen sie heraus. Auch das Kind wurde gefunden. Es war tot. Die Mutter wurde ins Leben zurückgerufen, kam ins Krankenhaus und von dort ins Untersuchungsgefängnis. Vor dem Schwurgerichte klagte sich die völlig gebrochene Mutter als Vernichterin des Lebens ihres Kindes an. Tie Geschworeneu verneinten die Schuldfrage. Di« Unglückliche mußte freigesprochen iverden. Einsam und elend in größter Not verließ die Arme den Schwurgerichtssaal— sie ist„frei", mit Recht freigesprochen. Denn die Tat kann der verzweifelten unglücklichen Mutter nicht zuge» rechnet werden. Schuld an ihrer Verzweiflung war im letzten Grunde die erbarmungslose Gesellschaftsordnung, die noch weit ab von dem Wahlspruch:„Alle für Einen, Einer für Alle", handelt. Ihr laßt den Armen schuldig werden, dann überlaßt ihr ihn der Pein: denn alle Schuld rächt sich auf Erden. Stadtbahnfledderei. Ein Abenteuer auf der Stadtbahn, welches ihn netto 1000 M. kostete, hat der Kaufmann P. zu bestehen gehabt, der gestern in einer Strafsache vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I als Zeuge erscheinen mußle. Aus der Untersuchungshaft wurdew die Gelegenheitsarbeiter Emil Becke und Albert Lauenburg vorgeführt, um sich wegen gemeinschaftlichen Diebstahls, Berke auch im Rück- falle, zu verantworten. � � � Eines Tages. Anfang Juni d. J-. hatte der tn Charlottenburg wohnhafte Kaufmann P in Berlin ver,ch, ebene geschäftliche An- gelegenheiten zu erledigen gehabt. Als er ermüdet den Nordring. Zug bestieg, um nach dem Bahnhos Charlottenburg zu fahren. dauerte es nicht lange und er war fest cingeichlafen. Als er wieder erwachte, befand er sich in einem tollen Zustande.� Seine Bein- kleidcr waren auf beiden Seiten ausgeschnitten, cben,o war aus dem Jackett ein aroßes Stück herausgeschnitten und zwar an der Stell e, an w eiche r sich bisher.die Brieftasche befunden hatte. Die.e sowohl, wie das Portemonnaie mit insgesamt über 2000 2K. Inhalt waren verschwunden, ebenso Uhr und Kette, �le setzigen beiden Angeklagten wurden als die„Leichenfledderer verhaftei. Berke war schon wiederholt wegen derartiger Stadtbahnraubereien vor- bestraf? Von dem gestohlenen Gelde wurden nur noch 1000 M. vorgefunden, wo daS übrige Geld'" der kurzen Zeit geblieben war. ließ sich nicht"Mitteln.— Mit Rücksicht darauf, daß Berke an- scheinend ein unverbesserlicher Dieb ist, erkannte die Strafkammer gegen ihn auf 2'/-- Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust, gegen Laucnburg lautete das Urteil aus 1 Jahr Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust._ B„teilen von Druckschriften aus Anlaß einer öffentlichen«er« sammlung unter freiem Himmel. Eine sozialdemokratische öffentliche Versammlung unter freie« Himmel fand am p. Oktober 1912 mit Zustinmmng eines Land- fottiS in der Gegend von OelZ auf dessem Hof und angrenzendem Acker statt. Jedermann hatte Zutritt. Nach dem Schlüsse der Vcr- sammlung wurden Exemplare des Kalenders für das werktätige Volk der Provinz Schlesien an etwa 40 Personen verteilt, die noch teils auf dem Hof, teils auf dem Acker verweilten. Als Verteiler wurden Matzke und Treffer von der Strafkammer in Oels wegen Uebertretung des K 10 des preußischen Preßgesetzes verurteilt. Da- nach darf niemand auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten unentgeltlich Plakate, Aufrufe oder Bekanntmachungen verteilen, ohne dazu eine polizeiliche Erlaubnis zu haben. Es seien die Kalender als Aufrufe anzusehen, da sie Aufrufe enthalten hätten. Schon auf der Außenseite habe sich ein Aufruf in Versen befunden, der sich auf die nächsten Wahlen zum Landtage bezogen habe. Weiter befinde sich im Kalender ein Auf- ruf an die Land- und Forstarbeiter, sich zu organisieren. Es habe sich um Verteilung an einem öffentlichen Ort gehandelt. Denn durch die Bestimmung des Privatgrundstücks zu einem öffentlichen Versammlungsorte sei es zu einem öffentlichen Orte geworden, und es sei auch noch so lange ein solcher geblieben, als sich die fraglichen Personen dort aufhielten. Auch handele es sich nicht um einen geschlossenen Raum im Sinne des§ 43 Abs. 5 der Gelverbeordnung, wonach in„geschloffenen Räumen" zur nicht gewerbes- mäßigen Verteilung von Druckschriften eine Erlaubnis nicht er- forderlich sei. Nach alledem sei Angeklagter wegen Uebertretung des Z 10 des preußischen Preßgesetzes zu verurteilen. DaS Kammergericht verwarf die von dem Angeklagten ein- gelegte Revision mit folgender Begründung: Ohne Rcchtsirrtum sei festgestellt, daß es sich um die Verteilung von Aufrufen handelte, weil der Kalender solche enthielt. Ferner sei auch ohne Rechts- irrtum festgestellt, daß die Verteilung an einem öffentliche» Orte erfolgte, da die Strafkammer ausdrücklich festgestellt habe, daß der Landwirt auch nach Schluß der Versammlung, als die Verteilung stattfand» das volle Verfügungsrecht über sein Grundstück noch nicht wieder erlangt hatte. Diese Konstruktion eines Grundstücks, über das dem Einberufer das Hausrecht zustand, zu einem öffentlichen Ort ist mehr als be- denklich. Aber man wird bei der Agitation darauf zu achten haben, daß Aufrufe» Plakate und Bekanntmachungen bei solchen Anlässen nicht verteilt werden. Schulfeiern müssen auch am gowöhnlich schulfreien Nachmittag besucht werden,— so hat dieser Tage das Kammergericht im Gegen- fatz zur Strafkammer in Halle entschieden. Herr Schmeil in Dölau sollte die Schuloerordnung der Regierung zu Merseburg, welche die unberechtigten Schulversäumnisse mit Strafe bedroht, dadurch über- treten haben, daß er seine Tochter an einer Weihnachtsfeier der Volksschule zu Dölau nicht teilnehmen ließ, weil sie an dem ge- wohnlich schulfreien Sonnabendnachmittag und weil sie in einer Gastwirtschaft stattfand. Die Strafkammer in Halle sprach den Angeklagten frei. Sie nahm an, die Schulfei-r sei dem eigentlichen Unterricht gleichzu- stellen, denn sie diente der Belehrung und Erziehung, namentlich auch in sittlicher Beziehung. Es habe aber die Schulfeier nicht innerhalb der Stunden stattgefunden, die gewöhnlich Schulstunden {eien. Die Mittwochnachmittage und die Sonnabendnachmittage eien nach langer Uebung schulfrei. In diese Stunden hätte die Schulfeier nicht verlegt werden dürfen. Da es sich um den Sonn- abendnachmittag handelte, so sei der Angeklagte freizusprechen. Das Kammrrgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinftanz zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung zurück. Begründend wurde ausgeführt: Schulfeiern seien den ge- wöhnlichen Unterrichtsstunden gleich zu achten und die Kinder müß- ten zu Schulfeiern auch in öffentliche Lokale gehen» wenn die Schul- behö.rdc es anordne. Dast der Mittivochnachmittag und der Sonn- abendnachmittag gewöhnlich schulfrei seien, wäre unerheblich. Es komme nur darauf an, ob die Feier von der Schulbehörde ord- nungsmäßig angesetzt gewesen sei. Somit sei das Urteil aufzuheben und die Sache an das Landgericht zurückzuverweisen. Hus aller Welt. Die gekränkten Cintenkulis. Anläßlich de? 75. Geburtstages des Grafen Zeppelin hielt auch der Stuttgarter Magistrat ein solennes Festessen ab— ohne aber die dortige Presse einzuladen. Ob dieser ihr vorenthaltenen Gratis- obfüttcrung ist sie natürlich sehr erbost. Ja, und als ein Rechtsrat in öffentlicher Sitzung des Gemeindekollegiums malitiös erklärte: eS fei nicht einzusehen, warum die Presse nicht auch einmal über etwas berieten könne, wobei sie nicht mitgegcssen habe, da verließen die anwesenden Federmannen forsch wie sie immer zu sein pflegen, wenn es gilt,.Mameluckenstolz" zu zeigen, den Rat- Haussaal. Kein Wunder, denn etwa acht Tage zuvor hatte Graf Zeppelin ihrer Dreihundert, so da in Stuttgart kongressclten, abge- füttert. Sie gedachten ihm zu.huldigen", was soviel bedeutete: sie erhofften eine Gratislustreise. womit cS freilich nichts wurde. Der olle Reitcrgencral kennt eben auch die.sechste Großmacht". Er kalkulierte: Ehe ich ein Luftschiff mobil mache, gebe ich lieber einen Happenpavpen. Das ist billiger. Und bei dieser Gelegenheit ver. setzte er den 300 neugierigen Thcbanern einen kräftigen Nasen- stüber. Es fei augenblicklich kein Jahrzeug da. Und seine.Werk- statt" in Manzell dürfe er ihnen auch nicht zeigen; noch weniger aber dürfe er was ausplaudern, weil zu befürchten stünde, daß eS die bösen Franzosen hörten, die ja ohnehin schon vor nicht gar langen Wochen seinen Kreuzer in Nancy bloß festgehalten hätten, um ihn schleunigst zu kopieren. Und was dergleichen Storchenmärchen mehr waren. Wie zum Teufel sollen sich die Herrn Journalisten nun ver- halten? Dieser stopft ihnen den allzeit redseligen Mund durch ein Gabelfrühstück, und ein anderer erwartete gar, sie sollen schreiben, ohne abgefüttert zu werden. Der erster« Fall, nun ja, darüber ist man rasch einig; aber der zweite? Nein, niemals! Das .Berliner Tageblatt" bemerkt hochtrabend: die Presse könne nicht über Dinge berichten, de sie nicht mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Ohren gehört habe. Das ist natürlich Aufschneiderei. Bürgerliche Tintenfische pflegen doch häufig nach Vorlagen zu arbeiten. Wie käme es sonst, daß Berichte �über irgendein kulina- risches Zweckcsscn usw. schon vorher im«atz zu stehen pflegen? Todcsstürze mit dem Flugzeug. Zu gleicher Zeit mit den Triumphnachrichten über neue imponierende Flugrekords stellen sich auch neue Hiobsposten über tödliche Fliegerabstürze ein, ein Memento, daß die sichere Flngmaschine erst noch erfunden werden muß. Die Telegramme lauten: fahren, daß der Apparat sich überschlug und den Flieger so schwer verletzte, daß er nach wenigen Minuten verstarb. Zericulles, 14. �zuli. Als heute früh in dem benachbarten Guyancourt die beiden Flieger Percin, Vater und Sohn, mit einem neuen Eindecker Versuche unternahmen, stürzte dieser aus 40 Meter Höhe zur Erde. Durch Bersten des Benzinbehälters geriet der Apparat in vrand. sodaß die beiden Flieger vollsiö'-diz verkohlten. Le rol s'amuse. Man schreibt unS: Der„Vorwärts" hat bereits über den Bier- ulk berichtet, der auf einer Nordlandsreise inszeniert wurde, um dem Kaiser über die Langeweile hinwegzuhelfen, als er sich eine Zerrung der Kniekapselbänder zugezogen hatte. Wir haben Humor genug, um einen guten Illk auch dann zu verstehen, wenn er nicht gerade auf den Höhen der Menschheit wandelt. Wir bekennen sogar offen, daß wir gern zugeschen hätten, wie der Diplomat v. Kiderlen-Wächtcr in einer Liebhaber- komöde als Fräulen Eulalia Wcizenkorn auftrat oder wie er mittelst einer großen Zervelatwurst mit einem anderen Herrn zu „siamesischen Zwillingen" zusammengewachsen war. Wir sehen unsere feudalen Diplomaten auf der politischen Weltbühne so oft in traurigen Rollen, daß wir sie zur Abwechselung gern einmal als Possenfiguren bewundert hätten. So sehr wir also den Spaß an sich zu schätzen wissen, so sehr glauben wir doch, daß die Umgebung des Kaisers sich in einem Irr- tum befand, als sie zu so drastischen Mitteln griff, um dem Monarchen die Langeweile zu vertreiben. Bei der vielseitigen künstlerischen Veran- l a g u n g Wilhelms II. hätten sich ohne Zweifel einfachere Aus- Wege finden lassen. Selbst wenn man annehmen will, daß der durch die Erkrankung verursachte körperliche Zustand weder Dichten noch Komponieren noch Entwerfen von Zeichnungen zuließ, hätte der Monarch immer noch auf die künstlerische Produktion verzichten können, um sich da- für dem literarischen Genuß zu widmen. Es bedurfte dazu nur einer Bibliothek. Daß aber auf der so reich ausgcftatetten„H o h e n z o ll e r n" gerade eine Bibliothek fehlen sollte, vermögen wir im Hinblick auf die literarischen Neigungen des Kaisers, wie sie sich beispielsweise Josef v. Lauff gegenüber bekundet haben, in keiner Weise zu glauben. Selbst aber, wenn man diesen ungünstigen Fall annehmen wollte, war ja immer noch Eulenburg an Bord. Phili v. Eulen bürg, der dieHarfe zu schlagen versteht._ Empfehlungsbriefe ohne Ende. Die Aussicht auf die baldige Kammerauflösung hat die Energie der italienischen Abgeordneten in bewundernswerter Weise beflügelt. Ein boshafter Beamter, der feit langen Jahren das Getriebe der Ministerien kennt, hat sich den Spaß gemacht, zu berechnen, wieviel EmpfehlungS- und Bittbriefe die Abgeordneten in den ersten fünf Monaten dieses Jahres an oie verschiedenen Minister und Unterstaatssekretäre gerichtet haben. Der Mann kommt auf die ansehnliche Zahl von 60 000 Briefen. Blanche Abgeordnete haben geradezu Packctc von Empfehlungen geschickt. 15 bis 20 Briefe auf einmal. Es handelt sich dabei darum, das feine Gewebe von Leistung und Gegenleistung, das in Italien den Abgeordneten mit seinen Wählern verknüpft, in Erwartung des neuen Wahlkampfcs stärker und fester zu machen. Darum empfiehlt man alle Leute des eigenen Wahlkreises, den Lehrer, der versetzt werden will, den Bürgermeister, der einen Orden braucht, den Schlächter, der in einer Steuerfrage reklamiert, den Zuchthäusler, der begnadigt werden will. In diesem Briefwechsel zwischen ministeriellen Ab- geordneten und Ministern ist Raum für alle: keine Form der Ver- Mittelung und Empfehlung wird verschmäht. Welche interessanten Einblicke in das politische Leben und die von ihm untrennbare Klientelwirtschast würden diese 60 000 Briefe vermitteln können! Man würde aus ihnen vor allem sehen, wie hohen Wert die Herren dem Abgeordnetenmandat beimessen, da sie sich soviel biegen und schmiegen, um es zu bewahren. Gleich- zeitig würde man freilich auch erfahren, wie wenig die Tätigkeit der meisten Deputierten mit Politik und politischer Ueberzeugung zu tun hat. Kleine Notizen. Streit mit tödlichem Ausgang. In Siegburg wurde in der Nacht zum Montag im Streit ein Mann durck Messerstiche schwer und ein anderer, Vater von acht Kindern, so schwer verletzt, daß er sofort starb. Die Mörder sind gestern verhaftet worden. Selbstmord durch Ucberfahrcu. In der Nacbt zum Sonntag ließ sich der Buchhalter Max Brundel-Gleiwitz auf der Strecke Tarnowitz-Beuthen vom Zuge 343 bei Kilometer 185 über- fahren und wurde sofort getötet. Zusammenstoß zweier elektrischer Züge. Zwei elektrische Züge mit Ausflüglern, die nach Los Angeles(Kalifornien zurückkehrten, nachdem sie den Tag an der See zugebracht hatten, stießen zusammen, wobei 12 Personen getötet und 50 verletzt wurden. Ter Selbstmord eines 15jShrigen Mädchens erregt in NewFork großes Aufsehen. Miß Mary Martine, ein sehr hübsches Mädchen, hatte von ihren Eltern wiederholt wegen ihres Flirtens mit gleich- altrigen„Jünglingen" Verweise erhalten. Trotz eines ausdrück- lichen Verbotes ließ sie sich aber weiter von ihren Anbetern die Cour machen und benutzte die Abwesenheit ihrer Mutter, vier von ihnen in die elterliche Villa einzuladen. Die Mutter kehrte uner- wartet zurück. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel, in dessen Verlauf die aufgebrachte Mutter ihre Tochter vor den Augen ihrer Anbeter verprügelte. Trotzdem setzte Miß Martine ihre Flirts fort und einige Tage später wiederholte sich die Szene, allerdings in bedeutend verschärftem Maße Die in ihrem Ehrgefühl aufs tieffte gekränkte junge Schöne eilte weinend aus ihr Zimmer und jagte sich eine Rcvolvcrkugel in die Brust, sie wurde sterbend ins Hospital gebracht, wo sie nach wenigen Stunden verschied. «rbeiter-Abstinencen-Bund. Ortsgruppe Bcrlin-PSest. Morgen Mittwoch, abends 8'/, Uhr: Versammlung im Bolishaus Charlottenburg, Rosinenslrahe 3. Vortrag des Genossen M. Mahler über.Zeitsragen inner- halb der Arbeiterbewegung'. Distussion. Zahlreiches Erscheinen, auch von Gästen, erwünscht. Kriefkalten der Redaktion. Die lurtftltchc CdteiDftnntit findet Lindenstraße 69, vor» vier Treppe» — Fadrftuht—, wochentäglia, von tVfc bis 7<� Uhr abends,«»»»abends, von tth bis 6 Uhr abends itar». Jeder für den Brieftaften bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe«nd eine Zahi als Mcrlzcicheo deijnfüaen. Brieflich- Antwort wird nicht rrieilt. Antragen, denen teine AdonnrmrniSaniti»»» drigefügt ist, ocrd-n nicht deantworiet. Eilige Fragen trage man in der Sprechsttinde dar. Schriftliche Arbeiten werden in der Sprechstunde bis einschließlich den 19. d. Mts. nicht erledigt. W. Sch. IS. 1. Rund 220 M. Der Antrag ist an das Versicherungs- amt zu stellen. 2. Etwa 260 M. 3. Nein.— A.®. 99. Unseres Erachtens ja. legen Sie Berusung ein.- S. S7. Den Betrag, den Sie durch Nichtverabreichung des Kaffees erspart haben, konnte der Mieter kürzen. 1,50 M. erscheint ungefähr angemessen.— Biesdorf. Der Eigentümer, sofern nicht Sie oder Ihre Familienangehörigen oder bei Ihnen beschäftigte Perionen ein Verschulden trifft.— M. S. ss. 1 und 2. Nein. 3. Bei Beratung der ReichSverncherungsordnung ob. gelehnt, deswegen zurzeit zwecklos.—(6. D. 88. Cä genügt, wenn das Grundstück überschrieben wird, die Kosten betragen etwa 243 M. ausichlietzlich etwaiger Umsatz- oder Werizuwachsiteucr. i-cr Setrag ermäßigt sich um etwa 80 M., sosern Sie ein Einkommen von nicht mehr als 2000 M. versteuern.— W. W. Rem. — M.«. 38. t Wenn die Alimente pünktlich und m ang-m-ssciier v°h- gezahlt werden, besteht kein Klagerecht. 2. Nein, sosern die Alimente gezahlt werden. 3. 30 bis 35 Mark, sosern das Kind tn Berlin geboren ist und erzogen wird. 4. Ja, verschiedene. Sie können sich an die Buchhand- wng.Vorwärts- wenden.— A. H. Oberfchöneweid« 109. DaS Verbot dcS AmtSvorftehers ist leider begründet. ES besteht eine Poltzeiverordmmg rechtswirksam. ES ist ratsam, vielleicht beim AmtSoorsteher persönlich bor- zusprechen.— W. F. 76. 1. Der Vermieter kann nicht gezwungen werden, die Räume an den Käufer zu überlassen. Es bleibt also nur eine gütliche Verein- barung, event. die Stellung der Kaution übrig. 2. Das ist nicht zulässig.— — 9. T. 100. Fragen Sie das Zollamt bezw. das Eisenbahverkehrsamt. — O. W. 1. Ja.— O. R. 155. Die Einziehung ist zulässig, sosern Dicnsttanalichkeit vorliegt. Das eine Vierteljahr muh angerechnet werden. — Hamburg 23. Wir halten die Brauerei für ersatzpflichtig. Im Pro- zesse müßten Sie allerdings Ihre Behauptungen beweisen, insbesondere die Uebertragung der Rechte aus dem Versicherungsvertrag aus die Brauerei. Weiterhin kommt es�ii. E. daraus an, ob die Brauerei behaupten und bc< weisen kann, daß Sic von der Weiicrübertragung der Rechte aus den Direktor Kenntnis erhalten haben oder nicht. Wird bewiesen, daß Sie Kenntnis erhalten haben, so würde allerdings die Recyrslage sür S« ungünstia sein. — F. M. 10. Ja.— Adlershof 12. 1. Ja. 2. Ja, wenn Sie den Gegenstand nicht versteigern lassen ivollen. 3. und 4. Jetzt bedeutungslos, da offenbar ein rechtskräftiger Schuldtitel vorliegt. 5. Ja, soweit Sie mehr als 28,85 M. pro Woche verdienen.— E. M. 82. Eine Klage hat nur dann Aussicht aus Erfolg, wenn die Behauptungen durch Zeugm er- wiesen werden können. Nach ihrer Darstellung erscheint dies zweisei- hast. Wir bedauern deshalb zur Erhebung der Klage nicht raten zu können. 3. und 4. Nicht zu erlangen.— W. S. 10. 1. Wenden Sie sich an den Feuerbestattungsvcrein„Die Flamme', Manteuffcl- straße 11. 2. Teilen Sie der Kirchenbehörde die Ermäßigung mit und verlangen Sie ebenfalls Ermäßigung auf den Jahressatz von 3,20 M. Marktpreise von Berlin am 12. Juli 1913. nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,24 bis 20,30, mittel 20,12—20,18, geringe 20,00—20,06. Roggen, gute Sorte 17,00, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00(ab Bahn). Futter. gerste, gute Sorte 16,50— 16,80, niittel 16,10— 16,40, geringe 15,70—16,00. taser, gute Sorte 17,40—18,30, mittel 16,50—17,30. Mais(mixed), gute orte 15,90—16,10. Mais i runder), gute Sorte 14,90—15,50. Richtstroh 4,40. Heu, alt 0,00, neu 5,30— 7,50. Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Svcisebobnen. weiße 35,06—60.00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.), alte 0,00— 60, 00, neue 9,00— 16,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30— 1,80, Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1.40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Bulter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,60—5,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,60—2,80. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60-3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebs« 1,00—60.00.__ WitterungSüberficht vom 14. Juli 1913. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien ö«- 55 Hl BH ei gj 5 Ol w-c 762WNW 762SO 763 SW 7631NO 764. SW 764SSW kSetter 2 wölken! Lbedeckt I halb bd. 1 Dunst 3'wollenl libedeckt »s «j» A II 1* «O Stationen Habaranda Petersburg Scilly Aberdecn Paris Ä 5 c 2 S« 762! Still 756-NO 762NW 759jS 762 Still «Settel wölken! wolkig wolkig bedeckt bedeckt ** a-* U «i 21 18 14 17 18 Wetterprognose für Dienstag, de« 15. Juli 1913. Viclsach heiter und weitere Erwärmung bei meist schwachen südlichen Winden; Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner W e t t e r b u r e a u. Zentralkrankenkass e der Maurer»sw. „Grundstein zur Einigkeit". Verwaltungsstelle Charlottenburg. Freitag, den 18. Juli, abends 8 Uhr, im BolkShause» Rosinen- straße 3(Stehbierhalle): Mtglielfer-VmMiiiiIung. Tagesordnung: 1. Abrechnung von» 2. Quartal. 2. Bericht von der Generalversamm' lung. 3. Verschiedenes. 151/8 Um pünktliches und zahlreiches Er- scheinen ersucht Die örtliche Verwaltung. Okruckbaaäaxen, Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Snspensoricn, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt• Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt. Lieferant für Krankenkass. Fachgem. Bedienung. 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S»« ».m.!»»,.► 2 Jtilnp te Jitniärfs" itttlinct lolkslilatl»m».».»«. einlichtoshme in die Ashlerlüten. Anfang November finden in Berlin die Ergänzungswahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt. Die Wählerlisten liegen in der Zeit vom 15. bis 31. Juli zur Einsichtnahme aus, und zwar an fünf Stellen. Die Stellen sind aus folgender Uebcrsicht erkenntlich: Gemeindewahlbezirke 1 bis 8, Stadtbezirke 1 bis 78c?, 118, 120 und 210 bis 217. Haqelberger Str. 34 �Turnhalle). Von der IH. Abteilung kommen 1913 zur Wahl: 7. Wahlbez. lStadtbezirke 66AunbB, 70 bis 75B). 8. Wahlbez.(Stadtbezirke 76Ä bis 780). Gemeindewahlbezirke 9 bis 14. Stadtbezirke 79 bis 117, 119 und 121 bis 144. Waldemarstr. 77(Turnhalle). Von der III. Abteilung kommt 1918 der 9. Wahlbez.(Stadtbezirke 78 bis 81 und 84 bis 92) zur Wahl. Gemeindcwahlbezirke 15 bis 25. Stadtbezirke 145 bis 201. Strau-Zbergcr Str. 9(Turnhalle). Von der III. Abteilung kommen 1913 zur Wahl: 16. Wahlbez. (Stadtbezirke 164 bis 166 und 168 bis 175A). 22. Wahlbez.(Stadtbezirke 153, 155 bis 161, 189A, B und E). Gemeindcwahlbezirke 26 bis 35. Stadbezirke 202 bis 209, 218 bis 254E, 258 bis 267, 276 chiS 278 und 321. Oderberger Str. 57 (Turnhalle).'* Von der III. Abteilung kommen 1913 zur Wahl: 26. Wahlbez.(Stadt- bezirke 202 bis 209, 218 bis 222, 225 und 226). 27. Wahlbez.(Stadt- bezirke 223. 224, 227 bis 236). 29. Wahlbez.(Stadtbezirke 242A und C, 247A bis 247E). 30. Wahlbez.(Stadtbezirke 246A, B und D, 248A bis 248D). 31. Wahlbez. lStadtbezirke 249A bis 249F). 32. Wahlbez.(Stadtbezirke 246C, 250A bis E). 33. Wahlbez.(Stadtbezirke 254A, 2540 bis E und 321). Gemeindewahlbezirke 36 bis 48. Stadtbezirke 255 bis 257, 268 bis 275, 270 bis 3200 und 322 bis 326V. Ravengstraße 12 (Turnhalle). Von der Hl. Abteilung kommen 1913 zur Wahl: 37. Wahlbez. lStadtbezirke 273, 275, 300 bis 304). 38. Wahlbez.(Stadtbezirke 270 bis 2870). 41. Wahlbez.(Stadtbezirke 293B und D, 295 bis 209). 44. Wahlbez.(Stadtbezirke 320B. 322. 323A bis 324). Während obiger Auslegezeit kann jedes Mtglied der Stadtgemeinde gegen die Richtigkeit der Liste Einwendungen schriftlich oder in den vorstehend aufgeführten fünf Auslege- stellen protokollarisch erheben; später eingehende Nnwendungen werden nicht berücksichtigt. Wir bemerken hierzu, daß im November nur wählen kann, wer in der Liste verzeichnet steht. Es dürfte gut sein, wenn auch diejenigen Nnsicht in die Liste nehmen, die in Bezirken wohnen, in denen in diesem Jahre eine Wahl nicht statt- findet. Die Listen gelten auf ein Jahr und es kann leicht kommen, daß infolge Tod oder durch andere Umstände eine Nachwahl in einzelnen Bezirken stattfinden muß. Benutze also jeder Wähler die kommenden Tage, um sich unter allen Umständen sein Wahlrecht zur Gemeinde zu sichern. » Omnicnburg. Die Wählerlisten zur Einsichtnahme aller wahlberechtigten Einwohner unserer Stadt werden zu den bevorstehenden Stadtverordneten-Neu- und-Ergänzungswahlen, welche im November dieses Jahres vorgenommen werden, in der Zeit vom 15. bis ein- schließlich 30. Juli, d. h. vom Dienstag nächster Woche ab im Rat- Hause II Hierselbst, Berliner Straße 72, ausgelegt. Die verschiedenen Vorkommnisse bei der Landtagswahl haben gezeigt, wie notwendig es ist. daß sich jeder Wahlberechtigte davon überzeugt, ob er auch in der Liste aufgerührt ist. Selbst Personen, welche schon drei- und viermal ihr Wahlrecht ausüben konnten, unbeschadet darum, ob sie eingesehen hatten, und nun der Meinung waren, daß sie auch diesmal bestimmt in der Liste stehen, mußten zurückgewiesen werden, da sie nicht in der Liste standen, aber auch vorher aus oben erwähnten Gründen leine Einsicht genommen hatten. Solche Fälle wiederholten sich jedesmal, auch bei der Stadtverordnetenwahl. ES sind diesmal 10 Neu- und 2 Ergänzungswahlen vorzunehmen. Deshalb tue ein jeder bei Zeiten seine Pflicht! Bernau. Vom 15. bis 30. Juli d. I. liegen im Rathause, Zimmer 2, während den Dienststunden die Gemeinewählerlisten aus. Versäume niemand durch Einsichnahme sein Wahlrecht zu sichern. Partei- EtogelegeuKeiteu. Vierter Wahlkreis. Die Frauen und Kinder der 14. Abteilung unternehmen morgen Mittwoch einen Ausflug, verbunden mit Kaffee- kochen, nach Ludwigs Viktoriagarten, Treptow, am Treptower Park. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr am Bahnhof Jannowitzbrücke. Fahr- preis 10 Pf. Fünfter Wahlkreis, Abteilung 1b(am Bahnhof Weißensee). Der KiuderauSflug findet am Donnerstag, den 17. Juli statt. Treff- Punkt vormittags 9 Uhr, Ecke Carmen-Sylva- und Naugarder Straße). Abmarsch pünktlich 9ll2 Uhr. Neukölln. Heute abend findet im Etablissement Feldschlößchen, Elsenstr. 75, die Versammlung des 8. Bezirks statt. Tagesordnung: Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Gustav Bauer über: Die neugegründete Vollssürsorge und ihre Bedeutung. Neuwahl der Bezirkssunktionäre. Nicderschönhauscn-Nordcnd. Die Bibliothek de� Wahlvereins befindet sich von jetzt an bemi Genoffen R i e g e r, Eichenstr. 3 II. Bücherausgabe findet statt jeden Dienstag und Freitag von 7—9 Uhr. ____ Der Bildungsausschuß. ßcrlincr Nacbricbtcn. Auf dem Sommerfest. Wenn ich ein'Sommcrfest der Wahlvereine oder der Ar- beitcrsänger besuche und wenn vom Konzertpodium her die Gesangschöre Uthmanns„Sturm" in machtvollen Klängen er- tönen lassen, gewissermaßen das Brausen einer neuen Zeit ankündigend, so habe ich immer den Wunsch, noch größere Massen beisammen zu sehen, die von der Begeisterung erfaßt werden, welche sdieses Sturm- und Dranglied unwiderstehlich ausübt. So erging es mir auch am Sonntag in Weißensee. wo der Wahlverein des sechsten Kreises sein Sommerfest ab- hielt. Ungezählte Tausende mit Kind und Kegel hatten bei dem prächtigen Wetter eine kleine Landpartie nach dem Ricsenlokal gemacht, um hier, jeder auf seine Art, an dem Arbciterfest teilzunehmen. Durch die gegen früher vermehrte Sitzgelegenheit konnte jeder Besucher sich einen guten Platz aussuchen bis auf die Späterkommcnden. die mit weniger günstigen Plätzen vorlieb nehmen mußten. Konzertorchester und Zeltorchester sorgten fiir Ohr und Auge. Sänger. Athleten und Turner zeigten, was sie kc-'nten und brachten jedem etwas. Die Massen, die sich am See nieder- gelassen und von den Konzerten nur von fern etwas hörten, waren insofern wieder im Vorteil, indem sie den Künsten der Schwimmer und dem Feuerwerk besser ihre Aufmerksamkeit schenken konnten. Auf der großen Wiese widmeten sich Mitglieder von„Fichte" dem Spiel und der Unterhaltung der Kinder. Weibliche Mitglieder hatten sich der Mädchen angenommen, während männliche die Jungen unter sich hatten. Mit einer rührenden Sorgfalt und gutem Humor und mit Sachkenntnis entledigten sich die Herren und Damen ihrer Aufgabe und man hätte nur wünschen können, daß die Beteiligung der Kinder noch größer gewesen wäre. Offenbar war den Eltern diese Spielgelcgenhcit nicht genügend bekannt. Eine musterhafte Disziplin herrschte an der Kaffeeküche. Diese Kaffeeküche war in früheren Jahren das Schmerzenskind der Sommerfestbesucher und Veranstalter. Das Drängen und Schieben an der Kaffeeküche war früher manchmal recht gefährlich und Verbrühungen und Beschmutzen der Kleider kamen öfter vor und mancher Arbeiterfrau ist dadurch der Besuch des Sommcrfestes verleidet worden. Die vor zwei Jahren neu- erbaute Kaffeeküche gestattet das Herantreten nur von einer Seite und zwar nacheiander, so daß sich jetzt das„Kaffee- kochen schneller und ohne Störung abwickeln kann. Während Mutter mit ihrem in grauer, blauer, roter oder gelber Tüte befindlichen gemahlenen Kaffee sich an den Schalter begibt und den Kaffee sich durch mehr oder minder heißes Wasser aufbrühen läßt, wobei man manchmal nicht genau weiß, ob man wirklich seinen richtigen Kaffee wiederbekommt, suchen große oder kleine Töchter und Söhne aus den großen Körben die erforderliche Anzahl Tassen heraus, welche die Familie gebraucht. Der größeren Tochter fällt in der Regel noch die Aufgabe zu, die Tassen erst noch zu reinigen— in Ermangelung von Wasser kein leichtes Geschäft; ein großes Tuch ist das Ab- und Aus- trockentuch für alle und für alles. Eine Annehmlichkeit für Frauen war das Kaffeekochen, oder besser gesagt das Auf- brühen, am Sonntag gerade nicht, denn mit einer unbegrenzten Ausdauer hüllte der aus dem Schornstein der Kaffeeküche strömende dicke Qualm die Kaffeekocher und die diesem Schau- spiel zusehenden Besucher dicht und atembcklemmend ein. Aber das tat der Stimmung keinen großen Nntrag. Einen großen Uebelstand in den großen Sommerlokalen bilden die unzulänglichen Toilettenverhältnisse, unter denen vor allem die Frauen sehr zu leiden haben. Wir wollen nicht reden von den Trinkgeldern, die von den Toilettenbenutzerinnen erhoben werden und einer erheblichen Ausbeutung des Publikums gleichkommen— diese können vielleicht durch geeignete Abniachungen mit dem Wirt oder dem Toilettenpächter im Interesse des Publikums befriedigend geregelt werden— unsere Kritik richtet sich gegen die ganze Verfassung, dieser Toiletten in den Sommerlokalen. Schmutzig und unzulänglich sind sie fast durchweg, was bei einem Massenbesuch besonders kraß in Erscheinung tritt. Diese Toiletten in den Sommer- lokalen sind bis auf wenige Ausnahmen geradezu Schweine- ställe und eine Aenderung tut hier dringend not. Von dem Staub, der sich bei großen Volksfesten ent- wickelt, wollen wir gar nicht allzuviel Aufhebens machen, es muß zugegeben werden, daß am Sonntag wiederholt gesprengt wurde, um Staubentwicklung möglichst zu verhüten. Alles in allem: Hat so ein Sommerfest auch manches an sich, was dem oder jenem nicht behagt, im großen und ganzen wird bei recht geringem Eintrittsgeld jedem Besucher etwas geboten, unserer Sache manche Einnahme zugeführt und Gelegenheit geschaffen, mit Freunden und Bekannten, mit denen man sonst im polittschen Kampfe zusammensteht, auch einmal gesellig zusammenzutreffen und ein Wort auszutauschen. Und darin scheint uns der Hauptivert der Sommerfeste zu liegen!_ Armenmilch. Die Berliner Armendireition hat beschlossen, die Versorgung der Armen mit der von den städtischen Gütern gewonnenen Milch zu versuchen, weil die genaue Untersuchung der für die Stadtarmen seilher zur Versendung gelangten Milch ein sehr wenig günstiges Ergebnis gezeitigt habe: von 192 entnommenen Proben seien nur 68 als einwandfrei befunden worden, während die anderen, was Fettgehalt und besonders Sauberkeit der Milch an- betraf, zu Beanstandungen Veranlassung gegeben hätten. Die Ber- liner Milchhändler wehren sich lebhaft gegen den Beschluß der Armendirektion. Sie geben vor, weniger gegen die Versorgung der Armen mit Milch aus städtischen Gütern zu haben, als entrüstet über die Begründung des Beschlusses der Armendirektion zu sein. Die Milchhändler behaupten, sie lieferten wöchentlich 50 000 Liter Milch für die Zentralkommission der Krankenkassen und trotz schärfster Kon- trolle seien Beanstandungen gegen die gelieferte Milch bisher nicht erhoben worden. Diese Haltung der Milchhändler ist taktisch nicht unklug; sie wissen, daß die Berliner Arbeiter sehr empfindlich gegen Unverschämt- heiten sind, die darin liegen, daß mau daS schlechteste Zeug den Armen gibt, sich aber dafür von der Stadt den guten Preis be- zahlen läßt. Leider sind aber die durch das städtische Untersuchungsamt festgestellten Ergebniffe vorhanden. Die Schulvcrsäumnisstrafen haben sich in Berlin schon eine Reihe von Jahren hindurch an- dauernd vermindert. Auch im Etatjahr 1912(1. April 1912 bis 31. März 1913), über das jetzt die»städtische Polizeiverwaltung" ihren Bericht erstattet hat. ist eine weitere Verminderung eingetreten. Diesmal wurden gegen Eltern uiw. nur noch 2104 Strafen verfügt, so daß— bei einer Gesamtzahl von 224 187 Gemeinde- schulkindern— auf je 1000 Kinder nur noch etwa neun Straffälle kamen, gegenüber etwa 13, 15, 16, 22, 44 Straf- fällen pro 1000 Kinder in den fünf vorhergehenden Etatjahren 1911 zurück bis 1907. In 1912 wurden aus 1911 als noch unerledigt 520 Fälle übernommen, wodurch die Zahl der zu bearbeitenden Sachen sich auf 2624 stellte. Erledigt wurden 2345 Sachen, und zwar 1870 durch Zahlung der Geldstrafen, 178 durch Verbüßung der Haft an Stelle der nicht bezahlten Geldstrafen, ferner 175 durch Zurücknahme der Verfügung, 63 durch Einstellung des Verfahrens, schließlich 59 durch gerichiliche Entscheidung, von diesen 33 durch Verurteilung und 21 durch Freisprechung. Die bedeutende Minderung der Strafverfügungen erklärt sich daraus, daß in neuerer Zeit endlich eine einsichtigere Be- urteilung der Schulver säum nisse zum Durchbruch ge- kommen ist. Aus dem neuesten Bericht erfahren wir zum ersten Male, wieviel Schulversäumnisse überhaupt als unentschuldbar ge- meldet worden waren. Für 1912 warm es 9229 Fälle, wobei noch zu beachten ist, daß ein Fall häufig mehrere Versäumnisanzeigen umfaßt. Aus diesen 9229 Fällen wurden, wie oben schon angegeben, nur 2104 Fälle herausgefunden, bei denen eine Straffestsetzung ratsam schien. Gegenüber den übrigen 7125 Fällen wurde oft eine Verwarnung der verantwortlichen Personen als ausreichend angesehen, oder es wurde beim Versagen aller anderen Mitkel die ZivangSzuführung der säumigen Schulkinder angeordnet. Diese letztere Maßregel hatte bisher ihr Bedenkliches, weil zu diesem Zweck der Schutzmann mobil gemacht wurde. Seit 1313 besteht die Einrichtung, daß der Schuldicner mit der Zwangszuführung zu be- trauen ist. Der Bericht nennt noch eine Reihe anderer Matzregeln und er- klärt besonders aus ihnen die Minderung der Strafverfügungen. Er hebt hervor, der Rückgang liege„jedenfalls zum Teil daran, daß in einer Anzahl von Fällen andauernder Schulversäumnisse, die in den wirtschaftlichen Verhältnissen der Familie begründet oder aus schädigende bezw. nicht-erziehliche Einflüsse der Angehörigen oder krankhafte Anlagen der Schüler selbst zurückzuführen waren, auf andere Weise als durch Bestrafung der verantwortlichen Personen diesem Uebelstand ent- gegenzutreten versucht wurde". In»sehr vielen Fällen" hat man die Armendirektion und die Waisendeputatioo aufgefordert, helfend einzugreifen. Mehrfach ist auch beim Vormundschaftsgericht be- antragt worden, Maßnahmen auf Grund des§ 1666 des Bürger- lichen Gesetzbuches zu treffen oder gar Fürsorgeerziehung an»„ zuordnen. l ES ist zu wünschen, daß künftig in dem Bericht die genaue Zahl auch dieser Fälle mitgeteilt würde. Sehr nötig scheint uns das besonders gegenüber den Anträgen auf Fürsorgeerziehung., Nicht einmal, sondern zehnmal sollte man sich'S über- legen, ehe man sich entschließt, Fürsorgerziehung herbei- zuführen._ „Die Schiffbrüchigen." Es wird hierdurch mitgeteilt, daß die Karten für die Sonntagnachmittagsvorstellung bereits vergriffen sind._ Ferner machen wir bekannt, daß wir auch die Vorstellung des Theaterstückes im Deutschen Theater am Montag, den 21. Juli, abends','»9 Uhr, belegt haben. Der Platz kostet 9,90 M., Galeriekarten werden für 0,60 M. abgegeben. Der Verkauf der Karten beginnt am Donnerstag, den 17. d. M. in folgenden Verkaufsstellen: UV7, Oldenburger Str. 10, Paersch, Restauration. N, Brunnenstr. 145, Dieseler, Restauration. O, Stralauer Platz 1/2, Bureau des 4. Wahlkreises, von 9—1 und von 4—7 Uhr. SO, Engelufer 15, Horsch, Zigarrengeschäft. SW, Lindenstr. 2 im Bureau des BezirksbildungSausschuffes und im Jugendsekretariat, Hof 1 Treppe rechts, von 9-5 Uhr. Der Bezirksbildungsausschuß Groß-Berlm. Prüderie im 4tniverfitätssaal. Zimperlicher als die Frauen sind manche Männer, wenn sie Fragen des Geschlechtslebens vor Frauen erörtern sollen. Auch Männer der Wissenschaft machen sich dabei noch allerlei Gedanken, die den unter der Zuhörerschaft sitzenden Frauen wahrscheinlich ganz fern liegen. In den Hörsälen der Universitäten kommt es mitunter noch zu ftauenfeindlichen Kundgebungen, weil dem Herrn Professor oder einzelnen seiner männlichen Zuhörer die Anwesen- heit von Studentinnen peinlich ist. An der Universität Berlin gab es in der letzten Woche bei einem Juristen, dem außerordent- lichen Professor Dr. I. Goldschmidt, einen heiteren Zwischen- fall dieser Art. Professor Goldschmidt hat in seinem Kolleg über Strasrecht unter seinen Hörern auch drei Studentinnen. Als diese zufällig an einem Tage sämtlich zu Beginn der Vorlesung fehlten, sagte Goldschmidt, er werde mit Rücksicht auf die Abwesenheit dieser drei Damen heute außer der Reihe die Sittlich- keitsvergehen behandeln. Ihm dankte die Mehrheit feiner Hörer mit stürmischem Beifallsgetrampel, das sicherlich nicht als ein Kompliment fiir die Frauen gedacht war. Kaum aber hatte Goldschmidt begonnen, über seinen Gegenstand zu sprechen, da öffnete sich die Tür und in ihr zeigte sich— eine der drei der- mißten Studentinnen. Die ahnungslose Nachzüglerin wurde, gewiß zu ihrer nicht geringen Ueberraschung, betvillkommnet mit einem aufs neue sich erhebenden, noch stürmischeren Getrampel. Ging es von der Partei der Frauenfreunde aus, die auf die vor- herige ftauenfeindliche Kundgebung antworten wollte? Oder war es nur der Ausdruck des allseits empfiindenen Vergnügens an dem Erheiternden der Situation? Professor Goldschmidt unterbrach sich, bis der Beifallssturm verrauscht ivar, und fuhr dann fort in dem begonnenen Vortrag über Sittlichkeitsvergehen. Die einzige Studentin, die ihn mitanhörte, ist selber die Tochter eines Pro- fefforS der Jurisprudenz._ Der Pleitegeier. Am Kurfiirstendamm liegt ein hochelegantes Hotel. ES trägt den Namen:„Boardinghouse". Auf daS eleganteste mit allem er- denklichcn Komfort und jeden möglichen Luxus ist eS eingerichtet, aber die Kunden, auf die man ständig rechnete, blieben aus, kamen auch nicht trotz des exguisiten Namens. Die 600 Zimmer bleiben zum größten Teile leer. Jetzt schwebt der Pleitegeier über „Boardinghouse", obwohl es in letzter Zeit zum Hotel„Cumber- land" umgetauft wurde. Die faule Gründung war ein Terrain» speknlationsprojekt, genau so, wie es verschiedene Theater- gründungen waren. Wird der Konkurs verhängt, so machen der- schiedene Leutchen ein schönes Geschäft, während Bauhandwerker und Lieferanten mit etwa 3 Millionen Mark Rauch schnappen werden. Eine solche Pleite läßt man sich gefallen, die lohnt noch! Die M-torbootverbindung zwischen Rahnsdorf und Friedrichs- Hägen, die seit Anfang des Sommers von der Gemeinde Rahnsdorf unterhalten wird, hat sich besonders an schönen Tagen eines der- artigen Zuspruchs zu erfreuen gehabt, daß die vorhandenen sechs Motorboote oft nicht genügten. Die Gemeindevertretung ist sich deshalb in ihrer letzten Sitzung bereits dahin schlüssig geworden, den Fährbetrieb mit der Zeit größer auszugestalten. Augenblick- lich ist ein direkter Motorbootverkchr zwischen Friedrichshagen und Dorf Rahnsdorf eingerichtet Die Fährboote fahren von Dorf Rahnsdorf ab, legen in Neu-Helgoland, Müggelhort, Müggelwerdcr, Müggelfeestrand-Restaurant, Freibad(Hechtbrücke) an und schließen ihre Fahrt in Friedrichshagen(Bellevue), um dann die Fahrt zurück zu machen. Der Betrieb ist zurzeit wochentags ein halbstündlicher, an den Sonntagen ein viertelstündlicher und erstreckt sich auf die Zeit von 9 Uhr vormittags bis 11 14 Uhr abends. Die Fahrpreise schwanken zwischen 10 bis 30 Pf. für Erwachsene, Kinder die Hälfte. Geplant ist die baldige Ausdehnung des Verkehrs bis Hessenwinkel. Eine„schwarze Liste" der Sommergäste ist in Sicht. Die Idee geht von verschiedenen ländlichen Verschönerungsvereine» aus, deren Mitglieder ja zum großen Teil aus dem Vermieten von Sommer» Wohnungen einen Nebenerwerb mache«. Die Erfahrung soll gelehrt haben, daß auch zu den Sommergästen genau so faule Zahler und unruhige Mieter gehören, wie es solche unangenehmen Zeitgenossen in der Großstadt gibt. Die Vermieter auf dem Lande sind dann gewöhnlich nicht im Vorteil, weil schriftliche Verträge nirgends ab- geschlossen werden, vielmehr alles auf Treu und Glaube geht. Da wird beispielsweise Stube und Kiiche vermietet, in die dann uner- wartet gleich mehrere verwandte Familien mit einer ganzen Kinder- schar einziehen, oder die Sommergäste sind so rücksichtslos, daß Hau», Hof und Garten darunter leiden. Mehr Rücksicht könnten ja viele Sommergäste ganz gewiß walten lassen, aber mit den„schwarzen Listen" wird das nicht ausgerottet. Ihre beabsichtigte Anwendung wäre keine Verschönerung der Verschönerungsvereine und könnte leicht zu einem für die betreffenden Ortschaften sehr empfindlichen Gegenstoß führen. Selbstmord aus Furcht vor Erblindung. An der Schwelle des Grabes Hand an sich gelegt hat gestern nachmittag die 7ö Jahre alle Wirwc Auguste Krause, geborene Barteck, aus der Zwingliftr. 0. Die alte Frau wohnte seit dem Tode ihre» Mannes, der Maschinist war und vor drei Jahren verstarb, bei dem Ehepaar Meyer im zweiten Stock des Oucrgebäudes, von dem sie ein Zimmer abgemietet hatte. In der letzten Zeit wurde das Augenlicht der Greisin immer schwächer, so daß sie zuletzt fast gar nicht mehr sehen konnte. Die Furcht, ihre alten Tage völlig erblindet zubringen zu müssen, trieb sie zur Ver- zweislung. Als gestern nachmittag die Wirrsleutc einen Spazier gang machten, schrieb sie auf einen Zettel, daß sie freiwillig aus dem Leben scheide, löste dann den Schlauch des Gaskochers, steckte ihn in den Mund und vergiftete sich so mit Leuchtgas. Abends gegen 9 Uhr fanden die Wirtsleute ihre alle Mieterin tot in der � Küche liegen. Sie riefen noch die Feuerwehr herbei, die mit einem Sauerstoffapparat auch noch Wiederbelebungsversuche anstellte, die jedoch ohne Erfolg blieben. Die Leiche wurde von der Polizei bc- schlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Beim Glase Bier vom Tode überrascht wurde gestern nachmittag der 70 Jahre alte frühere Lokomotivführer Gottlieb Sabaraiv aus der Birkenstraße öö. Der alte Mann, der seit dem Tode seiner Frau als Pensionär lebte, stichle gegen 3 Uhr ein Schanklokal im Hause Quitzoivstraße 69/70 aus. Als er hier am Tische bei einem Glase Bier saß, ivurde ihm, noch ehe er davon getrunken hatte, sehr schlecht. Wenige Augenblicks später ließ er den Kopf nach hinten- über fallen und tvar lot. Ein Arzt, den der Wirt herbeiholte, stellte fest, daß wahrscheinlich ein Herzschlag dem Leben des Greises plötzlich ein Ende bereitet habe. Zur. bestimmten Feststellung der Todesursache wurde die Leiche von der Polizei beschlagnahmt und »ach dem Schauhause gebracht. Krcditübcrschrcitungcn in Höhe von ungefähr 300 000 M. haben, genau wie bei der Diskontogesellschait, vor drei Wochen sich mehrere Beamte des A. Schaaffhausenschcn Bankvereins zuschulden kommen lassen. Es handelt sich um die früheren Vorsteher und einen Buchhalter der Depositenkasse am Stuttgarter Platz 13 des Bankvereins, die gleich nach Aufdeckung der Unregelmäßigkeilen, die schon im April d.J. erfolgte, zur Entlassung kamen. Von dieser Feststellung hat der Schaaffhausensche Bankverein erst gestern mitlag durch Verteilung von Mitteilungen obigen Inhalts an der Börse der Oeffentlichkei: Kenntnis gegeben. Inzwischen ist die Bank bereits mit Verwandten des ungewissen Kunden in Verbindung getreten und sie hofft, daß sie von dieser Seile den größten Teil des Geldes wiedererlangt, so daß, wie es in der offiziellen Darstellung auch heißt, den Bankverein ein nennenswerter Ausfall nicht trifft. Das Schwindelmanöver bei dcr�licichsdank, durch das diese, wie berichtet, um etwa 60000 Mark gesnjädigt worden ist, konnte noch nicht aufgeklärt werden. Die Kriminalpolizei verfolgte anscheinend eine falsche Spur. Wie wir hören, ist der unter dem Verdacht der Scheckfälschung vor einiger Zeit in Haft genommene Hilfsarbeiter Paul Wege aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen worden. Zur- zeit wird eine neue Spur verfolgt. Beim Aufspringen auf einen fahrenden Straßcnbnhnzng ist am gestrigen Montagnachmittag der Schlosser Werner Braun schwer verunglückt. B. versuchte, gegen'/»o Uhr vor dem Hause Müllerstr. 163 auf den Motorwagen eines Straßenbahnzuges der Linie 29 während der Fahrt aufzuspringen. Er glitt jedoch vom Trittbrett ab, fiel und geriet unter den Schutzrahmcn de? Beiwagens. Der Schlosser erlitt einen Bruch deS rechten Oberschenkels, sowie Quetschungen am Unterschenkel und Hautabschürfungen. Der Ver- unglückte erhielt auf der Unfallstation in der Lindowcr Straße Not- verbände und mußte von dort nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhause geschafft werden. Unter dem dringende» Verdacht, sich an Kindern vergangen zu haben, ist gestern der Papierwarenhändler Fritz L. durch die Schöne- berger Kriminalpolizei verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Auf uniformierte Schutzmänner hatte es eine gefährliche Gaunerin abgesehen, die von einem betrogenen Beamten wiedererkannt und festgenommen wurde. Es handelt sich um eine 29 Jahre alte unver- ehelichte Sophie von der Heide, die auch eine Reihe Warenhaus- und Taschendiebstähle auf dem Kerbholz hat. Die Schwindlerin hatte zuletzt die Dreistigkeit, Schutzleu, e als ihre Opfer zu wählen, indem sie an deren Gutmütigkeit appellierte, �sie sprach die im Dienst befindlichen Beamten auf der Straße an und erzählte ihnen, daß sie ihre Tasche mit Portemouaie und Geld irgendwo liegen gelassen habe. Sie beabsichtigte nun ihren Eltern telegraphisch mit- zuteilen, daß sie nicht nach Hause kommen könne. Auf der Post habe sich der Schalterbeamte aber geweigert, das Telegramm per Nachnahme anzunehmen. Ihr bleibe deshalb nichts anderes übrig. als sich an einen Schutzmann zu wenden. In acht Fällen gelang es ihr auch, von den Beamten Geld zu erhalten. Gestern wurde sie von einem Bettogenen erkannt und festgenommen. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hat mit dem 30. Juni ihr 14. Geschäftsjahr beendet. Wie sie uns mitteilt, beträgt der in best Verkaufsstellen erzielte Jahresumsatz 14 987 277,42 M. Die Steigerung gegen das Vorjahr beträgt 42,19 Proz. Berlin hat sich in den letzten Jahren ganz bedeutend entwickelt, und daraus resultieren auch die gewaltigen Umiatzsteigerungen. Die Mitglieder- zahl ist auf 80 649 gestiegen. Am Schlüsse des vorigen Jahres waren es SS 000._ Blüthnerkonzerte. Heute Dienstag, abends Sll2 Uhr, findet in der Berliner Bock- brauerei, Fidicinstr. 2/3, das 13. VolkS-Sinfoniekonzert des Blüthner- Orchesters statt. Am Freitagabend 8>/s Uhr konzertiert das Orchester in der Brauerei Friedrichshain. Eintrittskarten 30 Pf. Vorort-]>fockricbten. Schöneberg. Ein schwerer Automobilunfall hat sick am Sonntag gegen �2 Uhr nachmittags in Schöncberg ereignet. Als der 3Sjährige Artist Edmund Franchec aus der Frobenstratze 9 den Fahrdamm der Hauptstraße an der Akazicnstratze überschreiten wollte, wurde er von einem Automobil angefahren. F. erlitt eine schwere Ver- Ictzuna des Rückgrats und eine klaffende Kopswunde. Der Ver- unglückte erhielt aus der Unfallstation in. der Vorbcrgstraßc Not- verbände und mutzte von dort in besinnungslosem Zustande nach dem Schöncbcrgcr städtischen Krankcnhausc geschafft werden. versaminlung der Vereinigung Jugendheim Neu- k ö l l n. Tagesordnung: 1. VerwalwngSbericht vom letzten Geschäftsjahr. 2. Aufstellung des Voranschlages für das Jahr 1913,14. 3. Wahlen: Vorstand! b) Revisoren; c) Verwaltungsrat. 4. Verschiedenes. Mitgliedskarte legitimiert. Ehefrauen von Mitgliedern haben als Gäste Zutritt. Stralau. Unerschwingliche Schulgcldsätzc für Ausländer. Auch die hiesige Gemeindevertretung hat sich bemüht, den „Ruf der preußischen G a st f r e u n d s ch a f t" zu heben. Sic bat vor einiger Zeit beschlossen, von Ausländern, deren Kinder die hiesige Volksschule besuchen, Schulgeld zu erheben. Begründet ivurde diese Maßnahme damit, daß man für jene Kinder Separat- klaffen errichten müsse, was die Gemeinde erheblich belaste. Wie wenig stichhaltig diese Begründung ist, zeigt der Umstand, daß bicr hauptsächlich tschechische und polnische Kinder in Frage kommen und wohl kaum ein Lehrer der Gemeindcschulc der tschcchi- scheu und polnischen Sprache mächtig ist; was doch nötig wäre, um Scparatklasscn einzurichten. In Wirklichkeit liegen auch wohl ganz andere Gründe vor, die zu der recht seltsamen Maßnahme führten. Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, daß mau die ausländischen Arbeiter, die man anläßlich eines vor mehreren Jahren bei der Firma Protzen u. Sohn ausgcbrochcncn Streiks waggonweise als Streikbrecher heranlotstc, wieder abschieben möchte, weil sie teilweise den Haus- agraricrn unbequem werden. Diese Leute, die in ihrer Heimat unter den ärmlichsten Ver- Hältnissen aufgewachsen sind und infolge der an ihnen verübten Erzichungsweisc keine großen Ansprüche au das Leben stellen, hausten und Hausen teilweise noch mit zwei und drei Familien zu- sammen in einer Wohnung, wo lic meistens auf Stroh schlafen, welches aus dem bloßen Fußboden ausgebreitet ist. Solange der Streik dauerte, drückte man diesen Zuständen gegenüber ein Auge zu. Nachdem aber der Streik beendet, auch eine Wohnungsnot nicht vorhanden war, da begriffen die Hausbesitzer, daß sie an den ausländischen Mietern keinen großen Gewinnst hatten. Zahlungsfähige einheimische Mieter, die von der auS- ländischcn Nachbarschaft nicht sehr erbaut waren, kehrten Stralau den Rücken, und so standen bald zahlreiche Wohnungen leer. Nun sind aber verschiedene Hausbesitzer finanziell auch nicht derart gc- stellt, daß sie ein längeres Lecrstchcn von Wohnungen ruhig mit- ansehen könnten; was liegt da näher, als daß man aus Abhilfe sann, der Kalamität zu steuern. Der von der Gemeindevertretung eingeschlagene Weg ist ja geeignet, die Ausländer mit kinderreichen Familien über die Orts- grenze nach Berlin und den Vororten, die kein Schulgeld für Kinder von Ausländern eingeführt haben, abzuschieben. Dem An- sehen Stralaus aber dürfte es nicht förderlich sein, daß es zu solchen kleinlichen Mitteln gegriffen hat, um Leute, die man beim Streik sehr wohl gebrauchen konnte, wieder loszuwerden. Von dieser Maßnahme werden auch Arbeiter betroffen, die mit den oben erwähnten nicht auf eine Stufe zu stellen sind. So hatte man zloei deutsch-östcrreichischen Glasarbeitern, deren Kinder gar nicht tschechisch verstehen, Schulgeldrcchnungen zugestellt, die sie bei Vermeidung der Pfändung innerhalb einer bestimmten Frist zahlen sollen. Die Rechnung des einen Arbeiters betrug 4ö M.; pro Mmrat waren 5 M. für Schulgeld angesetzt. Solche Schulgeldbcträgc sind für einen Arbeiter mit geringem Einkommen unerschwinglich; sollen es ja auch sein, denn er soll ja cchtoandcrn. Wenn man sich dcit Gcmcindcbcschluß vor Augen hält, dann sollte mau wirklich nicht glauben, daß Stralau bei Berlin liegt, sondern müßte eher an Mecklenburg oder an Rußland denken. Gegen das zigeunerhafte Leben in den Wohnungen, das weder in sittlicher noch in hygienischer Hinsicht zu billigen ist, kann man wahrlich noch in anderer Weise einschreiten. Mariendorf. Ter nächste Fcricnausslug nach Lichtenrade findet am Diens- tag, den lö. d. M., statt. Treffpunkt um 12% Uhr am Rathaus. Vesper und Abendbrot ist den Kindern mitzugeben, für Getränke sorgt das Komitee. Das Fahrgeld beträgt für Kinder unter 10 Jahren 10 Pf., über zshn Jahre 20 Pf. Freitag nachmittags und csonntag vormittags finden die Ferienspiele auf dem Spielplatz in der Ringstrahe statt. Weistensee. Endgültiger Sanicrungsbeschlutz der Weihensrrr Bank und weitere Hilfe seitens der Gemeindeverwaltung. Für den Ort war der letzte Freitag ein Tag von außerordentlicher Bedeutung. Um 7 Uhr tagte die Gencralversammlnng der Wcitzcnseer Bank, um ihre traurige Lage zu besprechen und um Matznahmen zu treffen, die Finanzen auszubessern. Hinterher um 9 Uhr tagte die Gc- incindevcrtrctung. um das Versprechen einzulösen, Hilfe zu gc- währen, wenn ein der Revision und dem Ergebnis gemäßer Sa- nicrungsbeschlutz gefaßt und binnen kurzer Zeit durchgeführt wird. Die Gemeindevertretung tagte bis nach 1 Uhr nachts, die Revision der Bank war vorgenommen von einem Genossenschaftsrevisor und auf Wunsch des Gemeindevorstandes von der Treuhandvereinigung der Dresdener Bank. Das Ergebnis der Revision von beiden Sei- ten ergab, daß Fahrlässigkeiten und Uuterschlagzcngcn nicht vor- lagen, die Bücher waren ordnungsgemäß geführt. Die schlechten Verhältnisse auf dem Grundstücks- und Geldmarkt sind schuld da- ran, daß gute Werte nicht zu realisieren sind. Zurzeit ist vorhan- den ein Defizit von 850 000 Mark. Außerdem gelten als verloren der Reservefonds von 138 000 M., der Spezialrefervefonds von 65 000 M., der Delkrederefonds von 37 000 M. und die Vorhände- neu 1074 Anteil- a 500 M., gleich 537 000 M. Als Schuldner sind vorhanden mehrere Großbanken mit 460 000 M., die Gemeinde mit 1 440 000 M., Scheckkontoinhaber mit 895 00 M., Spargelderinhaber mit 2 642 000 M. und das Wechselkonto mit 1 886 000 M., insge- samt zirka 5 950 000 Mark. Nach diesem Stande.waren die zirka 300 Genossen der Weitzensecr Bank verpflichtet, ihre Anteile bc- deutend zu erhöhen und die Haftsumme ebenfalls. So wurde dann beschlossen, jeden Anteil um 2500 M. zu erhöhen, mit der Matz- gäbe, die ersten 500 M. sofort und weitere 500 M. in den Monaten August, September, Oktober und November zu zahlen. Tie Hast- summe wurde auf 5000 M. erhöht. Die drei Direktoren wurden ihres Amtes enthoben, respektive haben ihre Aemter niedergelegt und wurden drei vom Gemeindevorstand vorgeschlagene Herren ge- wählt und zwar ein Bankvorstchcr Rettig, Gcmeindeobersekretär Mehlhose und Schösse Mewe», außerdem wird der Gemeindevor- stand durch drei Mitglieder im Aufsichtsrat vertreten sein. ES machte die Gemeindevertretung ihre Hilfe weiter davon abhängig, daß der Auffichtsrat Verhandlungen anstreben muß mit den Scheck- kontoinhabern und mit den Spargelderinhabern, ihre deponierten Gelder noch längere Zeit sieben zu lassen, ebenso das gleiche von allen größeren Kreditoren. Der Gemeindevorstand ist ermächtigt worden, vorbehaltlich der Genehmigung des KreisausschupeS An- leihen oder Bürgschaften auszunehmen, die je nach Bedarf der Weitzensecr Bank zufließen. Nachdem der Kreisausschuß seine Zu- stimmung gegeben und weitere Gelder, sei es durch Anleihe oder Bürgschaften beschafft sind, werden sich die Pforten der Weißen- seer Bank wieder öffnen, was vielleicht am Tonnerstag oder Frei- tag geschehen wird, so lange wird wohl noch das Plakat;„Wegen Revision geschlossen"- an der Türe weiter prangen. auf dem O. Schröderschen Grundstück zugetragen. Dort fing der auf dem Hofe befindliche Strohschuppen an zu brennen. Die Frau des B-sitz-rs bemerkte das Feuer und eilte hinaus, um Jllarm zu schlagen. In diesem Augenblick sah sie den sechsjährigen Sohn ihrer Mieterin Schulz aus dem brennenden Schuppen kommen. Da sie den Knaben nun der Brandstiftung verdächtigte, soll sie ihn derb angefahren haben. Wahrscheinlich ans Schreck darüber rannte der arme Junge in seiner Angst wieder in den in Flammen stehenden Schuppen hinein. Frau Schröder hatte jedoch in ihrer Auf» regung sich gar nicht mehr um den Knaben gekümmert sondern Hilfe zum Löschen herangeholt. Während dessen war aber der Schuppen vollständig in Brand geraten. Dem bs« klagenswerten Knaben jetzt noch Hilfe zu bringen, war unmöglich. Der Unglückliche verbrannte deshalb bis auf die Kitt'chcn. Was er gelitten haben mag, wird man sich kaum vorstellen könivn. Nachdem das Feuer gelöscht worden war, wurde nur noch sein Skelett vor» gefnnden. In der Verzweiflung war er gegen einen Naget gerannt, der einen Arm vollständig durchbohrt halte. Die Mutter de6 Knaben, eine Witlve mit noch vier unmündigen Kindern, brach, al-s man ihr von dem entsetzenerregenden Tode ihres Sohnes Mitteilung machte ohn- mächtig zusammen.— Der durch den Brand entstandene Mal.lrial- schaden ist nichl sehr bedeutend. Potsdam. Ter unbestätigte Bürgermeister. Nach langer Zeit dringt wieder eine Nachricht in die Leffcntlichteit, die sich aus die Wahl des zum Bürgermeister von Potsdam am 24. Mai gewählten Stadtrates Dr. Johannes Over bezieht. Wie aus dem Ministerium verlautet. hat der Minister des Innern es abgelehnt, die königliche Bestätigung der Wahl zu befürworten, weil das Wahlreglemcnt vom 15. April 1854 verletzt worden ist. Das lange Zögern im Ein- treffen der erwarteten Wahlbestätigung ließ derartiges vermuten und die Ereignisse scheinen die Richtigkeit dieser?!chnahmc zu bc- stätigen, wenn auch bisher im Magistrat keine derartige amtliche Mitteilung eingelaufen ist. Zur Wahl' srandcne am 24. Iiai außer Dr. Over, Bürgermeister Pohl aus Pcrleberg und die Stadträte Rauscher(Kiel), Dr. Sarau i Kassel) und Wallis(Erfurt,,. Im ersten Wahlgang erhielten: Dr. Over 24, Dr. Sarau 14, lliau- scher 11 und Pohl 3 Stimmen. Da die Städtcordnung im§ 32 bestimmt: Wird die absolute Stimmenmehrheit bei der ersten Abstint- mung nicht erreicht, so werden diejenigen vier Personen, auf welche die meisten Stimmen gefallen sind, auf eine engere Wahl gebracht. Wird auch hierdurch die absolute Stimmenmehrheit: nicht erreicht, so findet unter denjenigen zwei Personen, welche bei der zweiten Abstimmung die meisten Stimmen crhalteoi haben, eine engere Wahl statt, so nahm man nach dem Ergebnis des ersten Mahlganges eine Stich- Wahl zwischen allen vier Kandidaten vor. Hierin dürste aber der Minister einen Wahlvcrstoß erblickt haben, da er das Rcglem-.nt so auslegt, daß nur dann vier 5landidaten zur engeren Wahl g-.- stellt werden dürfen, wenn mehr als vier Bewerber vorhanden sind. Es hätte also gleich im zweiten Wahlgang Stichwahl nur zwischen: Dr. Oven und Dr. Sarau stattfinden dürfen und da scklicßlich im: dritten Wahlgang Dr. Oven nur mit 1 Stimme über die absolute Mehrheit, mit 27 von 52 abgegebenen Stimmen, gewählt wurde. befürchtet man wohl durch den Formfehler das Endergebnis unwill- kürlich beeinflußt zu haben. In der gestrigen Magistratssitzungi konnte man zur Bürgcrmeisterwabl keine entscheidende Stellung nehmen, da noch die aktcnmäßigc Unterlage fehlt, jedoch zweifelt: man nicht an der formellen Unanfechtbarkeit des ministcriellen: Standpunktes. Eine zweite Bürgermeisterwahl steht demnach für den Herbst bevor. Das Resultat wird auch hierfür ebenso schwer zu prophezeien sein wie bei der ersten Wahl. Zur Wahl werden. falls nicht Bewerbungen zurückgezogen werden, dieselben Kandidaten stehen. Die letzte Stadtvcrordnctcnfftzung in Potsdam beschäftigte sich unter anderem mit dem Bau zweier Einfamilienhäuser aus den: Sticfschcn Wiesen. Man hat seinerzeit von der Firma Rhode das Terrain angekauft, um diese vor der Pleite zu schützen. Der Preis betrug 17 M. pro Quadratmeter. Wenn damals auch bekannt. war, daß der Grund ganz mangelhaft und zum Bau wenig ge- eignet ist, rechnete man doch nicht mit so großen Schwierigkeiten, Abnehmer für die Baustellen zu finden, als sich dies jetzt heraus- stellt. Ter Magistrat will jetzt selbst ein Einfamilienhaus mit 12 Zimmern zum Preise von 86 000 M. bauen, um es zu 6000 M. zu vermieten. Außerdem hat er eine Umfrage vei neun Bauunter» nehmen, gehalten, ob sie geneigt wären, Einfamilienhäuser zw bauen bei Abgabe des Landes zu 10 M. pro Onadratmetcr und bei Bewilligung von 75 Proz. Baugcldern. Auf dieses anscheinend günstige Angebot hat nur ein Unternehmer in zusagendem Sinne geantwortet. An die seinerzeitigc Rhodeschc Sanierung wird man noch lange mit gemischten Gefühlen denken und sich bosfcntlich in Zukunft hüten, aus ähnliche Sachen wieder einzugehen.— Zwei Anleihen sollen ausgenommen werden, wovon die eine drei Millionen und die andere 10 Millionen betragen wird. Sic wer- den zum Teil für schwebende Bauprojekte und zum Teil zur Er- Weiterung der gewerblichen Unternehmungen usw. gebraucht. Während die Treimillioncnanlcihc bewilligt wurde, wird die Zehn- millioncnanleihc eine zweite Lesung erfahren, um dann auch ange- nommen zu werden, denn benötigt wird sie.— Die Errichtung eines Gemüsemarktes in der Tcltowcr Vorstadt verzögert sich etwas, weil der Bezirksausschutz jetzt die Bewilligung von der Festsetzung der Marktstunden abhängig macht, trotzdem diese eigentlich schon auf Grund einer Poli�eivcrordnung festgesetzt sind. Diese wurden cnt- sprechend dieser Polizeiverordnung seitens der Stadtverordneten festgelegt.— Für Turngeräte für die 7. Gemcindcschulc wurden 332 M. bewilligt.— Für den Sedanrummel bewilligte man wie in den Vorjahren 500 M. Der Leseabend der sozialdemokratischen Frauen findet heute, Dienstag abend, im Lokal Hausmann um 9 Uhr statt. Zahlabend findet am Mittwochabend in allen Bczirkslokalen statt. Die Kartellsitzung am 30. dieses Monats fällt aus. Die- selbe findet bereits am Freitag, den 13. d. M., gemeinsam mit einer Gewcrkschaftsborständesitzung statt. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Marienfelde. Mittwoch, den 16. Juli, nachmittags 6 Uhr, im Zeichen. saal des neuen Schulhauscs, Dorfstr. S3.. Spandau. Donnerstag, den 17. Juli, nachmittags 4'/. Uhr. im alten Rathause. Diese Titzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige isi be- rechtigt. ihnen als Zuhörer beizuwohnen. WasierftandS-Nachrichten der LandeSansi alt für GewSsfcrlunde. mitgctcill vom Berliner Wetterbureou Herzfelde. Ein junges Menschenleben im Flammenmeer umgekommen. Ein Vorfall, der an Gräßlichkeit seinesgleichen sucht, hat sich am Sonn- abend um etwa 5 Uhr nachmittags im benachbarten Lichtenow(Lamm) Neukölln. Jugendheim. Dienstag, den 15. Juli, abends 8'/3 Uhr. in Kärlichs Festsälen, Hermcmnstr. 49(großer Saal): General-______________ - Perantwortlicher�RedÄteur; Albert Wachs, Berlin. Für den Jnjeratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.«erlag: Borwärt»»uchdruckere, n. BerlagSanstalt Paul Singer u-Eir, Berlin Wasserstand M e m e I. Tilsit ""reget, Jnslerburg eichsel. Thvn Oder. Ratibor Kross-n Frantturt Warthe. Schnmm Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmcntz Dresden ' Barby * Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Spandau') Spree. Sprcmberg') - Beeskow Weser, Münden . Minden Rhein, Maxiniilianseu . Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier »)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Nnterpegel.