Nr. 179. nbonncmcnts-Bcdingungen: Abonnements< Preis prinumerando: Pierteljährl. 3,M Mb. inonatl. 1,10 Mb. wöchenllich 2S Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Weit" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2ch0 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnemcnts nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. liämcn. Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. cllchiinl liglich. �*>■ Vevliner Volksblskk. Die TnfertionS'Gcbüljr beträgt für die scchSgcspaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg.. für Politische und gewcrkschastliche Vereins- und BcrfnniinlungS-Sllizeigen 30 Pfg. „Aleine Isnreigen", das fcttgcdrulklc Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fctlgcdruillc Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlasstellemn:- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Wortö Pfg. Worte über ISBuch- Itaben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditton ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SMtoMliMl!«' Eirti«". Zcntralorgan der Ibzialdemokratifcbcn parte» Doitfcblands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Mittwoch, den 1«. Juli 1913. Expedition: SM. 68» L,indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Der ruNch-lleuNche Handelsvertrag. 1. Die gesellschaftliche Meinung Rußlands beschäftigt sich sehr intensiv mit der bevorstehenden Erneuerung des Handels- Vertrages zwischen Rußland und Deutschland. Nicht nur die Industriellen und die Landwirte haben spezielle Kommissionen zu dem Zwecke eingesetzt, um ihre Wünsche der Regierung in Er- innerung zu bringen, sondern die Regierung selbst scheint diese Frage sehr ernst ins Auge gefaßt zu haben. Sind doch von drei Ministerien spezielle Rcgierungskommissionen gebildet worden, um den Vertrag vorzubereiten. So leicht wie 1906 will sich die russische Regierung nicht mehr übers Ohr hauen lassen. Zwang die politische Konstellation früher Rußland zum Nachgeben, so will man heute in Ruß- land Revanche nehmen, Deutschland bessere Vertrags- bcdingungcn abzwingen. Welche Forderungen und Wünsche stellen nun die interessierten Kreise an den neuen Handels- vertrag? Das ist von erheblicher Bedeutung auch für die deutsche Arbeiterklasse, die doch ebenfalls im Begriffe ist, den Kampf um bessere Handelsverträge mit dem Auslände und Zunächst influß der gegen die wucherischen aber müssen wir uns die Agrarzölle zu beginnen klar machen, welchen Einfluß neueste Handelsvertrag Rußlands mit Deutschland auf russische Volkswirtschaft ausgeübt hat. Einmal hat Deutschland die Einfuhr von russischem Getreide höher belastet und dadurch erschwert, und die Ein- fuhr von Vieh und Fleisch fast gänzlich verboten. Anderer- seits hat Rußland eine Reihe von Einfuhrartikeln aus Deutschland mit höheren Zöllen belegt, so für verarbeitetes Gußeisen, für Eisen- und Stahlwaren, für Nähmaschinen, gewöhnliche Maschinen, für elektrotechnische Apparate, für für gesponnene Wolle usw. Die sind also beim Abschluß des 1904 besser davongekommen als sind heute weder die Industriellen, die Agrarier nüt diesem Vertrag zufrieden. Die russischen Landwirte haben gewiß Grund genug. sich über den Handelsvertrag zu beklagen. Sie verweisen auf die Tatsache, daß der Unterschied zwischen dem verzollten und unverzollten Roggen keineswegs immer den vollen Betrag des Zolles ausmacht. Noch mehr. Durch die Einfuhrscheine begünstigt, steigt die Roggenausfuhr aus Deutschland von r zu Jahr, drückt den Weltroggenprcis und verdrängt ußland von den Märkten der Nordstaaten. � Richtigkeit dieser Anklagen ist gar nicht zu be- Durch die Einfuhrschcine wurden Zollbeiträge be- geschlagene Vaumwollc, russischen Industriellen Handelsvertrages von die Agrarier. Trotzdem noch weniger nattirlich Die streiten. glichen: 1906....... 56,8 Mill. Mark 1910....... 121,9. 1911....... 104,6., 1906-1911..... 534,6. In den sechs Jahren nach dein Inkrafttreten des neuen Zolltarifs wurden also den deutschen Agrariern über eine halbe Milliarde Mark als Ausfuhrprämien gezahlt. Was Wunder, wenn die Ausfuhr von Getreide, speziell von Roggen, aus Deutschland stark gestiegen ist. So wurden ausgeführt (in Millionen Doppclzentnern): 1900/1902 1903/1905 1906/1908 0,9 2.9 3.5 1908/1910 1911.. 1912.. 7.3 7.7 7.9 Deutschland führt also heute mehr Roggen aus als Ruß- land. Nur 1911 war der Getreideexport Rußlands größer als der Deutschlands. Aber schon 1912 und noch mehr im laufenden Jahre ist Rußlands Getreideexport stark gesunken. Es ist daher selbstverständlich, daß die so erstarkte Kon- kurrenz Deutschlands den russischen Agrariern recht unan- genehm wurde. Dabei machr sich diese Konkurrenz selbst auf dem russischen Markte fühlbar. Der Anteil Rußlands an der deutschen Roggeneinfuhr ist umgekehrt gesunken. Absolut ist die Einfuhr von russischem Roggen auf rund die Hälfte bis Zwcidrittel herabgegangen: relativ ist die Vernündcrung geringer, immerhin tritt auch hier ein Zurückweichen Rußlands deutlich zutage. Günstiger liegen die Verhältnisse für die Einfuhr von Weizen aus Rußland. Ter Zoll auf Weizen ist relativ geringer, weil Weizen bekanntlich im Cjtcu Deutschlands nicht angebaut wird, so daß die ostpreußischcn Junker an ihm weniger Interesse haben. Dabei hat die amerikanische Kon- furrenz in den letzten Jahren abgenommen, der Weizen- preu- Üt stark in die Höhe gegangen, so daß die Nachfrage nach rusiischcnl Weizen in Deutschland im Steigen begriffen ierb-m källt hier der Zoll aänzlich zu Lasten des Man�l leidet � Deutschland beständig an Weizen �$at Rußland in steigendem Maße Weizen nach Deutschland geliefert. 1912 har sich die Lage für Ruß- land wiederum verschlechtert. Zum Teil sind es zufällige Momente— die Kriege der letzten Jahre und die Dardanellen- sperre zum Teil aber scheint es. daß Rußland für die nächsten Jahre ebenfalls weniger Weizeii ausführen werde. �rug doch dm gesamte WeizenauSfnhr Rußlands 1911 240.6 Millionen Pud und 1912 nur noch 160,9 Millionen Pud. Ueberhaupt ist die Getreideausfuhr Rußlands in den letzten Jahren bedeutend zurückgegangen. Vergleicht man die Erntejahre untereinander, so ergibt sich eine Gesamtausfuhr von Getreide 1909/10 von 683 Millionen Pud, 1910/11 782, 1911/12 423 und 1912/13 gar bloß 412 Millionen Pud. Auf diese Tatsache hinweisend, erklären die russischen Industriellen, daß Rußland nunmehr gar kein Interesse habe, von Deutsch- land die Herabsetzung der Getreidezölle zu fordern, daß Ruß- land immer mehr selbst sein Getreide verbrauchen werde und eher dazu übergehen solle, Einfuhrzölle auf deutsches Getreide einzuführen. Da Rußland sich industrialisiert, so verwandelt es sich aus einem Ausfuhr- in ein Einfuhrland. Daher habe eS kein Interesse an niedrigen deutschen Getreidezöllen. Nein, so stehen die Verhältnisse noch nicht. Der innere Markt ist doch bei weitem nicht so groß, da die großstädtische Be- völkerung bloß 5,2 Proz. der Gesamtbevölkerung(in Deutsch- land 20,8 Proz.) ausmacht. Allerdings drückte die Steuerlast nicht so stark den Bauer, der selbst hungert und trotzdem sein Ge- treibe verkauft, so würde Rußland unter den jetzigen Produk- tionsbedingungen kaum viel Brot verkaufen können. Es wurden nämlich produziert und konsumiert(in Pud pro Kopf der Bevölkerung): Weizen Roggen Gerste Hafer Kartoffeln Produktion<1906/1910). 6,70 8,0 3,4 5,4 12,0 Konsumtion(1907/1911). 5,76 7.8 2.4 5.2 12,2 Ueberschuß..... 0,94 0,2 1,0 0,2—0,2 Man sieht daraus, daß der Ueberschuß der Produktion über die Konsumtion in den Jahren 1906/1910 tatsächlich gering war. Man darf aber nicht vergessen, daß Rußlands Landwirt- schaft noch sehr rückständig ist, daß der Bodenertrag in Deutschland in den Jahren 1907/1910 bei Weizen dreimal, bei Roggen, Gerste und Hafer zweieinhalbmal und bei Kartoffeln zweimal so groß ist als in Rußland. Unter normalen Verhältnissen kömitc also Rußland noch lange Jahre hindurch Getreide ausführen. Aber auch schon jetzt steigt der Export von Futtermitteln an. So führte Deutsch- land Mais aus Rußland 1909 1,38 Millionen Doppelzentner, 1912 aber 2,4 Millionen Doppelzentner ein. Ebenso müßte Rußland bei einigermaßen normalen Verhältnissen viel Vieh. Fleisch, Milcherzeugnisse usw. ausführen können. So führte Rußland an Vieherzeugnissen aus: 1902/1906 für 20,6 Mil- lionen Rubel. 1910 für 28,9 und 1912 für 30,1 Millionen Rubel. Dabei macht sich gerade hier der Drück der un- geheuerlichen Steuerlast und der feudalen Reste einerseits und die Absperrung der deutschen Grenze andererseits be- sonders fühlbar. Denn den Bauern mangelt es fiir eine rationelle Viehzucht an nötigem Kapital, das die Regierung und der Adel ihnen abnimmt: sie finden ferner noch relativ geringen Absatz fiir die Viehprodukte, weil die Stadtbevölke- rung noch gering, der deutsche Markt so gut wie ge- schlössen ist. Wer also die Tatsachen objektiv betrachtet, muß zugeben, daß die rnssische Landwirtschaft noch für viele Jahre an einer erleichterten Ausfuhr nach Deutschland großes Interesse haben wird II. Betrachten wir nun die verschiedenen Aeußerungen der russischen öffentlichen Meinung in bezug auf den kommenden Abschluß des Handelsvertrages. Die bekannten Volks- Wirtschaftler, so Tugan-Baranowsky. der Mos- kauer Professor M a n u i l 0 w u. a., fordern, daß man beim Abschluß des Handelsvertrages die heutigen Interessen der Landwirte wahren soll. Tagegen meint Kokowzew, der russische Ministerpräsident, daß der Gegensatz- zwischen den Landwirten und den Industriellen auch in Rußland nunniehr der Vergangenheit gehöre, daß ihre Interessen vielmehr zusammenfallen. Diese ganz unbegründete Ansicht l)at Kokowzew in seinen zahlreichen Ansprachen an die russischen Industriellen immer aufs neue wiederholt. Sie hat dann auch warme Verteidiger unter den Volkswirten der„neuen Schule von Struve" gefunden, die im Gegensatz zu den alten russischen Volkswirtschaftlern, die die Interessen des „Volkes", das heißt des Bauerntums, vertreten, sich offen auf die Seite des industriellen Großkapitals stellen. Früher extreme Freihändler, weil der Freihandel die Doktrin der„liberalen" Semstwomänner war. wollen sie heute von jedem Entgegenkommen den Landwirten gegen- über nichts wissen. Die Industriellen selber sind praktischer und suchen die Agrarier dadurch für einen hohen Industrie- schütz zu gewinnen, daß sie ihnen die Einführung von Agrar- zollen als Kompensation verspredjen. Tarauf scheinen denn auch die Reden Kokowzews von der Jntereffensolidarität beider Klasse, der Agrarier und er Großinustrie. hinauszu- laufen: in der Ausbeutung der Konsumenten treffen die Interessen der russischen Agrarier und des kartellierten Kapitals zusammen.. r„r Rußland droht also die Gefahr, nicht allein noch höhere Jndustriezölle. sondern auch zugleich noch Getreidezöllc zu be- kommen! Bleiben die Einfuhrscheine in Teutschland auf- rcchterhalten. so ist es sehr wahrscheinlich, daß auch die russischm Agrarier darauf eingehen werden, Getreidezölle als Gegenmaßregeln zu fordern. Der Zustand, der vor der Brüsseler Zuckerkonbention auf dem Zuckermarkte existierte, wird sich dann allmählich auch auf dem Roggenmarkte, wenigstens in bezug auf den Verkehr zwischen Rußland und Deutschland, herausbilden. Da auch die Schweizer und nordamerikanischen Müller mit den deutschen Ausfuhr- Prämien sehr unzufrieden sind, ist es wahrscheinlich, daß auch diese Länder Gegenmaßregeln gegen die Ausfuhrprämien- Politik Deutschlands ergreifen werden. Welchen Zweck wer- den aber dann die Einfuhrscheine noch haben? Was die EntWickelung der russischen Industrie unter dem Einflüsse der Zollerhöhungen der letzten Jahre betrifft. so sind die russischen Industriellen, wie schon erwähnt, damit recht unzuftieden. Rußland schützt bekanntlich sowohl seine. Rohstoffgewinnung als auch die Fabrikindustrie, das Resultat aber der geradezu unerhört hohen Schutzzölle ist ein völlig klägliches. Die Einfuhr steigt von Jahr zu Jahr. Die Einfuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten ist im letzten Jahrzehnt um 61 Proz.. die Einfuhr von Fabrikaten gar auf niehr als das Doppelte gestiegen. � Daß die russische Produktion trotz aller Begünstigungen keine solche Erfolge aufweisen kann, geht schon daraus hervor, daß sich die Zahl der Fabrikarbeiter von 1901/1905 bis 1910 von 1,67 ailf 1,90 Millionen oder nur um 13 Proz., die der Kohlen- bergarbeiter von 1905 bis 1909 von 120 000 auf 170 000, die Roheisengewinnung von 1905 bis 1911 von 165,9 auf 219,1 Millionen Pud erhöht hat.,,. Aus diesen wenigen Zahlen geht also deutlich hervor. daß die russische Industrie nickst imstande ist, den einheimischen Bedarf zu decken, daß die Ernfnhr trotz des fast prohibitiven Zolltarifes immer mehr steigt, während die russische Jnustrie nur geringe Fortschritte aufweist. Die Erklärung dieser Erscheinung liegt darin, daß die russische Industrie vollständig kartelliert ist und daß die Kar- teile sich wohl die hohen Zölle gefallen lassen, keineswegs aber daran denken, die Produktion auszudehnen. Das wurde kürzlich einwandfrei von T u g a n- B a r a n 0 w s k v bei der Behandlung der Frage der Naphtateuerung in Rußland' fest- gestellt. Aehnlich hohen auch die Kohlengrubenbesitzer und die Eisenindustriellcn eine künstliche Preistreiberei in diesen Produkten hervorgerufen. Im Zeitalter der Kar- teile und Trusts fördern also die Zölle nicht mehr die Produktion, die kontingentiert ist, sondern treiben bloß den Kurs der Aktien i n d i e H ö h e. Daß die Rohstoff- und Halbfabrikatzölle die Entwickc- lung der weiterverarbeitenden Industrie und speziell die der Maschinenindustrie aufhalten, konstatiert ein so guter Kenner der russischen Eisenindustrie wie Kaffenarus(in den „Russischen Nachrichten" vom 9. März 1912). Er beruft sich dabei auf die Erklärungen der Unternehmer selbst und be- weist, daß für die weitere EntWickelung der russischen In- dustrie gerade die Ermäßigung der Zölle auf Fabrikate und fast völlige Abschaffuna der Zölle auf Rohstoffe und Halb- fabrikate notwendig ist. Tugan-Baranowsky andererseits beweist, wie Deutschland gerade die Einfuhr von Rohstoffen aus Rußland begünstigt, so die von unverarbeitetem Holz, und empfiehlt eine ähnliche Politik. Dagegen treten die In- dustriellcn für die Einführung von Rückvergütungen für die Exporteure ein, das heißt für die Zahlung von Export- Prämien durch die. Regierung. So wie heute die Dinge in Rußland liegen, wo die Regierung auf die Unterstützung des Großkapitals angewiesen ist, kann man annehmen, daß die russischen Industriellen wohl ihren Willen durchsetzen und höhere Zölle und Ausfuhrprämien erhalten werden. Zwar rief kürzlich verärgert ein russischer Minister den In- dustriellen zu: Nun Schluß mit den Regierungsliebesgaben! Lange genug hat man Euch auf Kosten des Regierungs- säckcls und der Bauern gefüttert! Er mußte aber bald darauf seine Worte zurücknehmen, und man braucht keinProphet zu sein. um vorauszusagen, daß sich in dieser Beziehung keine Aendc- rung vollziehen werde: sowohl die Industriellen als auch die Großgrundbesitzer werden sich vom Regierungstische aus nach wie vor mästen lassen. Nach nie hat die„sclbstherrschende" Regierung gegen den Willen der Industriellen aufkommen können, und heute, wenn die revolutionäre Bewegung wiederum ihren Kopf erhebt, weniger als je. �.Nur der Druck anderer Länder wird die russischen Industriellen zwingen, ihren Appetit etwas zu mäßigen. Nur die Abschaffung der Agrarzölle in Deutschland wird den russischen Industriellen den Wind aus den Segeln nehmen. Ein günstiger Vertrag mit Rußland ist nur auf diesem Wege abzuschließen. � vor dem Blaffenftlllftand. Vom Kriegsschauplatze liegen Nachrichten von Belang nicht vor. Die rumänische Armee setzt ihren Vormarsch fort. Mit der Türkei hat sich Bulgarien friedlich geeinigt; eS zieht seine Truppen aus dem der Türkei gehörenden thrazischen Gebiete. Die Verhandlungen, die zum Abschluß des Waffenstill- standes führen sollen, sind noch im vollen Gange und gebe», da sie geheim geführt werden, Anlaß zu allen möglichen Kombinationen. So wird in der„Times" erzählt, Serbien und Griechenland verlangten erst die Abrüstung Bulgariens, ehe sie sich auf einen Waffenstillstand einlassen könnten. Die Richtigkeit dieser und ähnlicher Sensationsmeldungen kann nicht nachgeprüft werden. Das bulgarische Hauptquartier gibt eine sehr gewundene Tarstellung der Kriegsereignisse, die in erster Linie zur Be- ruhigung des eigenen Landes bestimmt ist. Der rumänische Vormarsch. B u k a r e st, 15. Juli.(Amtlich.) Am 13. Juli besetzte eine starte Abteilung Infanterie, Kavallerie und Artillerie um K Uhr morgens Turtucai. Tas gauzc Gebiet zwischen der alten Grenze und der Linie Turtucai— Dobritsch—Baltschik befindet sich jetzt in der Gewalt der rumänischen Truppen, die keinerlei Berlustc zu vcr zeichnen haben. Die Absichten Rumäniens. London, 13. Juli. Das Reutersche Bureau erfährt von maßgebender Stelle, Rumänien habe eine der Aufgaben der Mobilisierung erfüllt, nämlich die der B e s e tz u n g der neuen strategischen Grenze und werde jetzt der- suchen, Bulgarien zu veranlassen, sich mit Serbien und Griechenland zn verständigen, um eine Störung des Gleich gcwichts auf dem Balkan zu verhindern. Wenn dieses Bc streben zum Ziele gelange, so werde allem Anschein nach Rumänien seine Aufgabe erfüllt haben. Man hofft, nach der endgültigen Regelung werden Rumänien und die übrigen Balkanstaaten damit beginnen, zusammenzuarbeiten in dem genieinsamen Bestreben, die eigenen Interessen zu verteidigen. Wenn kein Einzelstaat die Vorherrschaft haben werde, so werde das wahrscheinlich den Anschluß Rumäniens an einen Balkan bund, wie er sich immer in der Zukunft gestalten möge, in sich schließen. Eine türkisch-bnlgarische Verständigung. Sofia, 15. Juli. Die Agence Bulgare meldet, daß ent- sprechend dem zwischen den Regierungen der Türkei und Bulgariens getroffenen Abkommen gestern die Räumung der Gebiete jenseits der Linie Enos— Midia seitens der bulgarischen Truppen und ihre Besetzung durch die türkischen Truppen begonnen hat. Eine bulgarische Darstellung der Kriegsereignisie. Sofia, 11. Juli.(Meldung der Ägence Bulgare.) Ein Communiqu6 des Hauptquartiers besagt: Der ursprüngliche Plan des bulgarischen Heeres gegenüber den griechischen und serbischen Truppen zielte einerseits auf eine Besetzung der befreiten Gebiete äff die nach der Rcgelting der Streitsragen Bulgarien zufallen sollten, andererseits auf eine Verteidigung des Gebiets gegen einen eventuellen Einfall Serbiens. Bei der Zusammen Ziehung der Truppen war der Generalstab also nur von diesen Rücksichten geleitet, ohne irgendeine aggressive Absicht. Seit Beginn der Operationen bis heute wurde die gc samte serbische Armee durch die 7. bulgarische Division aufgehalten, die fast allein zehn Tage lang focht, mit Ehren einen ungleichen Kampf führt und ihren hartnäckigen An greiser auch jetzt noch in Schach hält. Andere bulgarische Armeen unternahnien. das kann man laut sagen, keine ernsten Operationen außer dem Gewaltmarsch des Generüls Ku- tintschcw. der Knjatschewatsch einnahm und schon Pirot be- drohte, als er aus rein politischen Gründen das Gebiet des Königreichs Serbien räumen mußte. Gegen Grieche nlaird operierten von Anfang an bis jetzt nur schwache Streitkräfte des Generals Iwanow, die bei der rein defensiven Bestimmung dieser schwachen und iin Vergleich mit dem Totalbestande des griechischen Heeres sogar unbedeutenden Kontingente den Ansturm der Griechen mit unerhörtem Heldenmut zehn Tage lang aufhielten und so den scrbisch-griechischen Plan zuschanden machten, dessen �Durchführung vielleicht für unsere vierte Armee Verhängnis- voll gewesen wäre. 20 009 Bajonette hielten, von nur unbe- deutender Artillerie unterstützt, das ggnze griechische Heer auf, während unsere Truppen die ihnen zugewiesenen Orte besetzten. Das Heer des Generals Iwanow befindet sich. nachdem es diese schwierige Aufgabe so glänzend durchgeführt hat, heute in einer vortrefflichen Lage, bereit, die verzweifelt- sten Anstrengungen des griechischen Heeres zu brechen. Die Serben sind, anstatt in irgendeiner Richtung vor- zurücken, im Gegenteil an mehreren Stellen zurückgewichen. Was das griechische Heer anbetrifft, so rückte es iin Verlauf von zehn Tagen, die ihm genügten, in der eroberten Zone alles in Brand zu stecken und zu zerstören, nur 30 Kilometer vor. Alle Gerüchte über Niederlagen der verschiedenen bulgarischen Kontingente sind also falsch. Eine vernünftige serbische Stimme. Belgrad, 13. Juli. Die offiziöse„Samouprava" betont In einem Leitartikel gewissen Blättern gegenüber, es sei nicht zweckmäßig, den Grundsatz zu verteidigen, daß jeder Staat behalten niüsse, was er nnt Waffen erobert habe. Dieser Grundsatz sei fehlerhaft und gefährlich. Serbien hätte diesen Grundsatz ausnahmsweise der Türkei gegenüber verteidigen können, aber in dem Kriege nnt �Bulgarien, der ihm aufge- zwangen worden sei. verteidige Serbien den Grundsatz des Gleichgewichts auf dem Balkan. Natürlich müsse Serbien .nach dem Kriege und nach den neuen, unverschuldeten Opfern seine Landforderungen ändern und seine Grenzen anders schützen. Obwohl die serbische Armee siegreich sei. werde sie den Grundsatz vom Gleichgewicht nicht vergessen und ihn un- angetastet lassen. Dies werde ein neues Verdienst seiner Diplomatie sein. Gegenseitige Borwürfe. Sofia, 15. Juli.«Meldung der Agcnee Bulgare.) Tie De- pcschc des' Königs Kanstantin über die angeblichen Ausschreitungen bulgarischen Truppen in Temir Hissar ist in einem drohenden Ton abgefaßt, der mit der hohen Stellung ihres Verfassers unverträglich ist und von den Gefühlen zeugt, die die Griechen gegenüber den Bulgaren hegen. In dieser Depesche hat man absichtlich das Datum ausgelassen, an dem die berichteten Gewalttaten geschehen sein sollen, um eine Prüfung der Angaben und Feststellung der Wahr- bcit unmöglich zu machen. Indessen haben sich die Tinge auf sehr einfache Weise zugetragen. In der Nacht vom 4. auf den 5. Juli brach eine allgemeine Panik in Temir Hissar aus, bei der mehrere Personen mißhandelt wurden. Es gelang den bulgarischen Be- Hörden, die Ordnung wieder herzustellen und die Urheber der Un- ruhen festzunehmen. Am Abend des 9. Juli verließen die schwachen bulgarischen Abteilungen mit den Beamten auf Befehl des Ober- kommandos Demir Hissar, und alle verhafteten Personen ivurdcn freigelassen. Während dieser Zeit waren Banden von Antarten in der Umgebung der Stadt erschienen. Es fanden einige blutige Zusammenstöße statt, doch wurden von den bulgarischen Soldaten keine Gewalttaten verübt. Durch ihre vollständig unberechtigten Beschuldigungen sucht die Depesche des Königs Konstantin die öffentliche Meinung Europas offenbar den verräterischen Angriff auf die bulgarische Garnison in Saloniki und die Metzeleien, Plün- dcrungcn und Ausschreitungen aller Art, die von dem griechischen Heere begangen wurden, vergessen zu machen, Sofia, 15. Juli.(Meldung der Agenee Bulgare.) Die N«h richten aus Belgrad von Räubereien und Grausamkeiten der bulgarischen Truppen im serbischen Gebiete sind tendenziös. Die bulgarischen Truppen haben Änajevatz auf Befehl des Haupt- quartiers verlassen, ohne das Eigentum der Bewohner zu berühren. Was die Photographien anbetrifft, von denen man spricht, so haben die Serben jederzeit selbst solche angefertigt. Die Opfer sind Bulgaren, die die Serben getötet haben, und die man als Serben ausgibt. Griechische Anklagen. Berlin, 15. Juli. Im Austrage der griechischen Regierung teilt die griechische Gesandtschaft in Berlin folgende genaue Daten über die bulgarischen Greuel mit: Die Verbrennung der 799 Griechen durch die Bulgaren m Kilkisch geschah am 4. bis 5. dieses Monats. Die Verbrennung der Einwohner von Planitz« und Raimovo durch die Bulgaren am 4. und 6. dieses Monats. Tie Massakrierung der Einwohner von Nigrita und Bogdanza geschah am 6. und 7. dieses Monats durch die bulgarische Armee. Die Enthauptung des verwundeten grie chischen Leutnants Martantonakis und das Herausbohren der Augen seiner 12 verwundeten Soldaten geschah durch die bulgarische Armee am 5. d. M. bei Sarigul. Die Ev würgung der 199 Bewohner von Demir-Hissar(Bischof und zwei Priester darunter), die Schändung ihrer Frauen und die Zcrstücke lung von Agathe Kipuros geschah am 8. und 9. d. M. durch die bulgarisch: Armee unter dem Gendarmcrieofsizier Mcligof. Die Entführung des Bischofs von Doiran, Fotios, und der 30 Notabien (darunter Paragianis, T. und G. Tzitmakis, Eh. und Em. Psomas, D. und G. Tzantznas, Monastiris, S. G. Anastasiou, V. Bartsos usw.) erfolgte am 11. d. M. durch die Armee— wir befürchten, daß auch diese Leute massakriert wurden.— Die Massakricrung der 299 Notablen von Serres(Direktor der Oricntbank Stamulis, Ghmnasialdirektor Papapavlu, die Acrzte Ehrysafis und Fokas) durch die bulgarische Armee geschah am 19. und 11. d. M. Die Plünderung und Verbrennung von Toxana und Massakrierung ihrer Bewohner geschah am 14. d. M. durch die flüchtende bul garischc Armee. Die auf 79 Munitionswagcn entführten Hab seligkeiten fielen nach der Einnahme von Drama wieder in die Hände unserer Soldaten und wurden den überlebenden Ein. wohnern zurückerstattet. Die Entführung der 27 griechischen Notablen aus Cavalla (Bischof Athanazios, des Dragomans beim französischen Konsulat Lekos, des griechischen Konsulatsbeamten Candiotis, des Direktors der Banque d'Athenes, Dulzarides, des Direktors des Sanitäts- dienstcs Joannou, des Direktors der Firma Muratti, der grie chischen Tabakgroßhändlcr BulideS, Alexopulos, Natsos, Harissiadcs, Termintzis, Gebrüder Fcssas, des Direktors der Zeitung Simea, Zulaß, des Sekretärs des Bischofs Papadopoulo, der Großkauflcute Pantzis, Zorbas, Economu, Antoniadcs, Valimedes, Temintsikis usw.) geschah durch die bulgarische Armee am 12. d. M. Ueber das Schicksal dieser Personen kann man leider nicht im Zweifel sein. Wo auch die fliehende bulgarische Armee vorübcrkam, wurde alles verbrannt, ermordet, geschändet und zerstört. Grch über den Balkankrieq und die Rolle der Großmächte. London, 14. Juli. Beim Schluß der Sitzung des Unter- Hauses erwiderte Sir Edward Grey auf die Anregung eines Mitgliedes betreffend eine britische Intervention im neuen Balkan kriege, eine Erwägung über den Charakter des Krieges und die Leidenschaften, von denen er begleitet sei, zeige äugen- scheinlich, daß bloße Worte außenstehender Mächte nicht geeignet seien, die Lage zu beeinflussen. Grey fragte, ob er das Haus um einen Kredit ersuchen dürfe, der zur Beilegung des Balkankricges Verwendung finden solle. Und selbst wenn dieser Kredit bewilligt werden würde, was könne man in einem Kriege zwischen Serbien und Bulgarien tun. Schon die geographische Lage der kricgfiihren- den Länder bringe es mit sich, daß das europäische Konzert dort nicht als Ganzes vorgehen, sondern einem Teile das Mandat zur Exekutive übergeben müsse. Das europäische Konzert sei um die Beendigung des Krieges sehr besorgt, es sei aber fiir das Konzert «außerordentlich schwierig, den Frieden init Zwangsmaßnahmen herbeizuführen. Was in Uebcreinstimmung der Mächte untereinander für den Frieden getan werden könne, werde sicherlich ge- chehen. Die Lage sei gegemvärtig die folgende: Bulgarien habe sich an Rußland gewandt, um die Einstellung der Feindselig- leiten zu erlangen. Griechenland und Serbien seien bereit, in die Einstellung der Feindseligkeiten zu willigen, aber unter Bedingungen, die Bulgarien annehmen müsse, bevor sie dies täten. Was das türkische Vorgehen anlange, so sei ihm(Grey) versichert worden, daß es die Absicht der Türkei sei, nur das Gebiet jenseits der Linie Enos— Midia zu besetzen. Solange die Türkei bei dieser Absicht bleibe, sei auch ihr gegenüber keine Ausnahme- maßregel nötig. Die Grenze werde durch eine internationale Kommission festgesetzt werden, und inzwischen sei es natürlich, daß die Bulgaveir auf der einen und die Türken auf der anderen Seite die Wacht hielten. Er vertraue, daß die Türkei bei ihrer Absicht bleiben werde, denn ein Hinausgehen über diese Grenzlinie würde die bestehenden Schwierigkeiten noch verinchren. Eine andere Angelegenheit von vitaler Wichtigkeit sei es, daß die Großmächte fortgesetzt miteinander in Berührung blieben und keine von ihnen einen Schritt untcrnchine, der Schwierigkeiten zwischen ihnen verursachen könnte. Tas Ziel erstrebten die Mächte 'eit Ausbruch des Krieges und würden es dauernd weiter erstreben. Sic seien betreffend Albanien zu einer Entscheidung gekommen, und diese Entscheidung habe zur Aufrechterhaltung der Sarmonic zwischen ihnen wesentlich beigetragen. Es sei natürlich wesentlich, daß nichts, was im gegenwärtigen Kriege geschehe, die bereits er- reichten Enffcheidungcn, die einen wertvollen Aktivposten für die Harmonie zwisck>en den Mächten darstellen, umzustoßen geeignet ei. Sir Edward Grey schloß: Der günstigste Ausblick, den ich dem Sause bieten kann, ist der. daß erstens der jetzige Krieg so er- chöpfend, so schrecklich in seinem Charakter ist, daß er nicht lange dauern wird, zweitens, daß schon seine bloße Intensität ihn zum Abschluß bringen wird, drittens, daß sich aus ihm hoffentlich keine Komplikation ergibt, die einer Großmacht de» Zusammenhang mit der anderen raubt und dem europäischen Konzert Gefahr bringt. Die erste Sorge des europäischen Konzerts ist, sich selbst und die Harmonie zwischen seinen Teilen zu bewahren. Wenn das nicht gelingen sollte, dann wäre dies für Europa unheilvoller als alles, was sich bisher ereignet hat. Es ist jede Aussicht vorhairden, daß die Mächte fortdauernd in Berührung miteinander bleiben werden, und daß sie, wie sie die bisherigen Komplikationen überwunden haben, so auch durch Bewahrung dieser Fühlung die Komplikationen überwinden werde», die in Zukunft entstehen können. Tas Haus nahm die Ausführungen Sir Edward Greys mit lebhaftem Beifall auf und vertagte sich sodann. London, 15. Juli. Unterhaus. In Erwiderung aus»er- chicdenc Anfragen betreffend den Balkan erklärte Staatssekretär Grey: Die Lage ist noch immer so, wie ich sie gestern abend be- chricben habe: Bulgarien hat sich an Rußland gewandt, um die Einstellung der Feindseligkeiten zu erwirken. Griechenland und Serbien haben verlangt, daß gewisse Bedingungen von Bulgarien angenommen werden, ehe sie dem Waffenstillstand zustimmen. Ich möchte die Haltung der Großmächte dahin zusammenfassen, daß ich sage, daß es seit Beginn des Krieges im vorigen Jahre ihre Politik gewesen ist, Fühlung miteinander zu nehmen, um den Frieden im Balkan zu fördern. Wenn sie dies durch diplomatischen Einfluß erreichen konnten, sich einer gewaltsamen Intervention zu enthalten und nichts für sich selber zu beanspruchen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß das Einvernehmen zwischen den Großmächten aufrechterhalten loerden kann, wenn sie die verschiedenen Punkte dieser Politik fallen lassen. politiscbe deberlickt. Worte, keine Taten! Die„Post" findet zwar die schöne Rede des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, die er auf der Tagung des Deutschen Kricgerbuudcs in Breslau gehalten hat, höchst lobenswert, aber sie meint doch, daß Reden wenig wirksam und des- halb überflüssig sei, solange man nicht zu Taten schreite. Zu Taten nämlich gegen den inneren Feind, die Sozialdemokratie! Dagegen ist die„Post" wieder sehr für Redensarten, aber gegen Taten, sobald es sich um die preußische Wahlreform handelt. Aus parlamentarischen Kreisen läßt sie sich nämlich die Hoffnung aussprechen, daß dem Landtag in seiner nächsten Tagung eine Wahlvorlage nicht zugchen möge. Der Landtag sei doch eben erst für fünf Jahre gewählt worden, so daß eine Acndcrung des Wahlrechts eine„unmittelbare praktische Bedeutung gar nicht haben" könne. Der so nahe liegende Gedanke, daß der Landtag sofort nach Schaffung einer neuen Wahlrcform aufzulösen sei, liegt also jenseits des geistigen Horizonts des Scharsmacherorgans. Die„Post" fordert deshalb eine Zeit des„A b w a r t e n s und Studieren s", damit die Regierung erst einmal sehen könne, welche Haltung die Parteien einzunehmen für richtig hielten. Natürlich: Der«Ichlaumeier Octavio hofft, daß die Parteien sich auch im neuen Landtag als ebenso geschworene Feinde einer wirk- lichen Wahlrcform beweisen werden, wie dem alten Landtag. Taten also will die„Post" bei der Eröffnung des neuen Landtages nicht sehen. Dagegen hat sie nichts gegen mehr oder minder schöne Redensarten. Sic meint, eine Erwähnung der Wahlrechtsreform in der Thronrede könne ja nichts schaden. Schweige die Regierung vollständig, so könne das gegen sie agita- torisch ausgenutzt werden. Sache des entrechteten Volkes ist es. umso rücksichts- loser auf T a t e n zu drängen! Besoldungsreform in Preuhen? Der Köder einer Besoldungsrcform wird abermals ausge« warfen. Die„Verl. Beamten-Korresp." kündet an, daß die Vor- arbeiten für eine Reform der preußischen Unterbeamtengehälter bereits im Gange sei. Auch der Ministerpräsident habe seine Ab- ficht dahin ausgesprochen, die Bezüge der Unterbeamten in größerem Umfange aufzubessern. Es sei daher eine Novelle zur Beamten- besoldungsvcrordnung vom 26. Mai 1999 zu erwarten, durch die wenigstens die Klassen mit einem Höchstgehalt von bisher 1799 M. „bereits vor 1917" eine Aufbesserung erhalten sollten. Strittig sei dagegen noch, ob auch die Klassen VI bis Xll schon in diese Novelle einbezogen würden. Die Untcrbeamten, deren Bezüge schon im Jahre 1999 um mindestens 199 M. hätten höher angesetzt werden müssen, sind all- zu oft vertröstet und von der Mehrheit des Dreiklassen- Hauses— leider auch unter Mitwirkung der bürgerlichen Linken — genarrt worden, als daß sie den neuen Versprechungen sonderlich gutgläubig gegenüberstehen sollten. Roch in der letzten Session des letzten Landtages führten ja sämtliche bürgerliche Parteien solch eine Komödie auf, die einzig von der Sozial- dcmokratic als dreiste Vorspiegelung von Tatsachen gekennzeichnet wurde, an deren ernsthafte Realisierung man gar nicht denke. Namentlich das Zentrum sprudelte damals in sittlicher Entrüstung über die sozialdemokratische Brandmarkung über; aber die Tat- fachen haben der sozialdemokratischen Fraktion wieder einmal recht gegeben! Auch die Ncuverhcißung, daß nun wenigstens die schlcchtest- gestellten Unterbeamten endlich die längst notwendige Gehaltsaufbesserung erhalten sollten, erhält dadurch kein besseres Gesicht, daß versichert wird, die Aufbesserung würde„noch vor 1917" erfolgen. Offenbar will sich die Regierung noch etliche Jahre Spielraum lassen, während die Notlage der Unter- beamten dringend eine sofortige Revision der Bcsoldnngs- ordnung verlangt! Kein Geld für Kulturaufgaben. Die Erhöhung der Bezüge für die Alterspensionäre des Reiches sollen mit Beginn des neuen Etatsjahres, am 1. April 1914, eintreten. Dieser Pcnsionserhöhung scheinen Schwierig- leiten in den Weg gelegt zu werden. Eine Korrespondenz meldet, vorerst müsse eine gündlichc Prüfung der Frage mit ein- gehenden Verhandlungen mit den Bundesregierungen Hand in Hand gehen. Die Angelegenheit sei zur Zeit, da eine Auf- besserung der Pensionen aus laufenden Etatsmitteln gedeckt werden soll, noch keineswegs geklärt, und anstelle einer gesetz- lichen Regelung der Frage könnte auch die Bereitstellung von besonderen Mitteln zu einem Fonds m Frage kommen, aus dem je nach Bedarf Zuschüsse fiir bedürftige Altpensionäre entnommen werden könnten. Es ist das alte Lied: Für Kulturaufgaben sind keine Mittel vorhanden. Daß aber so kurz nach der Verabschiedung der großen Militärvorlage, die Milliarden verschlingt, diese Meldung auftauchen konnte, charakterisiert»nserc Zeit treffend. Luftbombardement gegen ein Panzerschiff. Während der Kieler Flugivoche hat man auch wieder einmal das militaristische Experiment versucht, von den Flugzeugen herab ein Ziel durch herabgcworfene Bomben zu treffen. Das Ziel bot das ausrangierte Panzerschiff„Bayern", das im Kieler Hafen verankert war. Die von den Flugzeugen geschleuderten Bomben mußten aus mindestens 599 Meter Höhe abgeworfen werden. Bon den sieben Zivilsliegcrn traf kein einziger das Schiffswrack: da- gegen vermochte der Passagier des außer Konkurrenz mitwirkenden Offizicrsflicgcrs Leutnant Sanier mit zwei Bornen zwei Treffer zu machen. Ex war, wie von fachmännischer Seite versichert wird, eben der einzige Flieger, der einen brauchbaren Visierapparat ver. wendete. Das mit diesem Apparat erreichte Resultat sei um so bcachtenslverter, als der die Bombe» lauzicrcnde Leutnant sich zum ersten Mal des Apparats bedient hätte. Danach hätte der LuftmilitarismuS wieder einmal einen Triumph davongetragen. Und das ist ja� für uiner preußisch- deutsches Flugwesen die Hauptsache. Daß durch die Militari- ierung uniercr Fliegerei die E n t w i ck c l u n g der wirklichen Flugtcchnik nickst nur nicht gefördert, sondern ,m Gegenteil bin tan aehaltcn wird, darüber sind nch zetzt so ziemlich alle Sachverständigen auch in der gesamten bürgerlichen Presse einig. Aber was verschlägt das. T.c EntWickelung einer sicheren. auch den Verkehrs- und K u l t u rr n t e r e s s e n dienenden Flugmaschine ist ja auch irebensachlich. wenn nur unsere heutigen Flugapparate sich zu militärischen Kundschafter- und Massen mo rdszwccke n gebrauchen lassen! Sehnsucht nach billigen Arbeitskräften. Die„Krcuzzcitung bespricht in ihrer Morgenausgabc vom Dienstag in einem längeren Artikel Deutschlands landwirtschaftliche Kricgsrüstung. Es wird raraus hingewiesen, daß sich im Falle eines Krieges die Verjorgiing der Armee und die Verpflegung der Zurückbleibenden weit schlvieriger gestalten würde als früher. Die Bevölkerung ist von 49 auf fast 79 Millionen gestiegen, die Zahl der in der Landwirtschaft Tätigen ist dagegen gefalle». Die Pro- duknvltat der Landwirtschaft hat sich allerdings erhöht, ganz be- sonders durch umsapende Anwendung von Maschinen aller Art. Trotzdem würden sich im Falle eines Krieges Schwierigkeiten in der Bestellung der Felder und in der Vornadmc der nötigen landwirt- schaftlichen Arbeiten ergeben. Auf die Einfuhr ausländischer Arbeiter müßte man im Kriegsfälle verzichten, und deshalb stehe die Regierung vor der Aufgabe, dafür zu sorgen, daß der Landmir)- scherst in diesen, Falle gciüigcnd Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Bestimmte Vorschläge macht das agrarische Blatt nickt, aber einige Gesichtspunkte will es zur Diskussion gestellt wissen. Diese Gesichts- Punkte gehen zunächst dahin:„Die Stadt Berlin hat in diesem Sommer wieder Tausendc von erholungsbedürftigen Kindern in die Ferienkolonien gesandt. Das ist dankenswert. Tie in� der Großstadtluft verkümmerntcn Lungen sollen draußen freie Luft in sich fangeivden schwachen Körpern neue, bessere Nahrung zuführen. Sie spielen, turnen ruhen. Warum läßt man sie nicht, wie die Dorfjugend, mit draußen auf den Feldern leichte Arbeit verrichten? Das gibt Appetit, stählt den Körper, bringt die Lungen und Muskeln in dienliche Bewegung und die jungen Menschenkinder werden Achtung vor dem Berufe lernen, den die Großstadtpresse so verächtlich zu behandeln pflegt. Sie werden sich bei Arbeit und Spiel mit den Torfkindern eins fühlen lernen, und dieses Gefühl der Anerkennung wird auch haften bleiben, auch lvenn sie später wieder in der Großstadt untertauchen. Mit der Beschäftigung von Fürsorgezöglingen in der Landwirtschaft sind teilweise keine schlechten Erfahrungen gemacht worden. Vielleicht könnte man auch da noch weitergehen und besserungsfähige ältere Personen, die in den Großstädten rückfällig zu werden pflegen, draußen beschäftigen." Die Sorge für das Wohl des Vatcrkmdcs wird hier vorgeschützt, um die Sucht nach billigen Arbeitskräften etwas zu maskieren. Mit den Schulkindern, die die landwirtschaftliche Arbeit als eine Art Spielerei auffassen, ist den Agrariern auf keinen Fall gedient, sie würden die ihnen überwiesenen Schulkinder nach allen Regeln der Kunst ausbeuten. Man weiß ja, wie es in den Rübengegenden zugeht, wo die Schulkinder zur Zeit der Rüben- ernte oft bis zu 10 und 12 Stunden pro Tag gegen einen wahren Hungerlohn beschäftigt werden. Der„unerzogene" Bürgermeister. Der neue Oberbürgermeister von Breslau, Dr. Matiing, leistet sich anläßlich des gegenwärtigen Jahrhundcrtrummels fortgesetzt allerlei Dinge, die sich bei einem„liberalen" Manne, der er doch sein will, höchst sonderbar ausnehmen. Bei der Eröffnung der Ausstellung hielt er eine Ansprache an den kronprinzlichen Protektor, die in den wirklich liberalen Kreisen von Breslau verlegenes Räuspern auslöste. Es folgte die Unterdrückung des Hauptmannschen Festspiels durch den Magistrat, an der natürlich auch das Oberhaupt von Breslau nicht unschuldig ist. Gegenwärtig hältnun der„Deutsche Krieg erb und" inBreslau seinen Abgcordnetcntag ab. Da gab es am Sonntag eine förmliche Danksagung des Oberbürgermeisters dafür, daß die „Abgesandten" der Krieger die Güte gehabt haben, der Stadt Breslau einen Besuch abzustatten. Und weiter redete der Oberbürgermeister davon, daß unsere Armee auch als Friedens- instrument nicht zu unterschätzen sei. Nach seiner ehrlichen Ucberzeugung sei sie unersetzlich für die Erziehung des deutschen Volkes. Der deutsche Offizier stehe als Erzieher des Volkes nicht hinter dem deutschen Schul- m e i st e r z u r ü ck. Unsere Armee und unsere Marine seien das Bollwerk des Friedens nach innen und außen, unter dessen Schutz sich die Entwickclung babe vollziehen können, die den Wohlstand des Deutschen Reiches festgefügt habe. Auf die Ablegung des Bekenntnisses lege er, Redner, besonderen Wert, als Mann aus dem Bürgerstande, der nie des Königs Rock habe tragen dürfen. Schade, sehr schade, daß gerade dieser Mann aus dem Bürgerstandc nie„des Königs Rock" tragen durfte. Es wäre ihm sogar zu gönnen gewesen, den Rock des„Gemeinen" zu tragen, vielleicht hätte ihm dann� sein Unteroffizier sogar das Rückgrat etwas gestrammt. So muß der Mann nun „unerzogen" herunilaufen, denn auch die besten Lehrer können eben den Offizier und den Unteroffizier nicht ganz ersetzen.___ Ein Aufruhrprozest. Am 17. Juli findet vor dem Landgericht in A u r i ch die Ver- Handlung gegen die Wilhclmshavcncr„Aufrührer" statt. Dort war es anläßlich der diesjährigen Maifeier zu einer Polizei- attacke auf wehrlose Arbeiter gekommen, deren gcricht- lichcs Nachspiel nun die Strafkammervcrhandlung darstellen wird. Am Vormittag des ersten Mai strömten, nach einer cindrucks- vollen Festrede des Genossen Winnig aus Hamburg, die Maifeiern- �dcn Arbeiter Rüstringen-Wilhelmshavcns aus dem Bersammlungs- lokal, um in losen Gruppen nach einem eine halbe Stunde ent- fcrnten Biergarten zu gehen. Schon nach zwei Minuten jedoch stießen sie auf eine Schutzmannskctte, die den Passanten den Weg abschnitt. Schnell stauten sich nun die Massen an, und als die Straße auf den Befehl des Polizeikommissars nicht schnell genug geräumt wurde, ließ dieser mit der blanken Klinge ein- hauen. Sechs Schwerverletzte waren der Erfolg der Polizei- lichen Schncidigkeit. Vier von diesen sollen sich nun wegen Auf- rühr verantworten, obwohl keinem von ihnen eine Tätlichkeit nach- gewiesen ist. Ihr ganzes Verbrechen war, daß sie in der Menge drangvoll eingekeilt waren und auf die Aufforderung daher nicht schnell genug den Platz räumen konnten. Z�r dem Prozeß ist von beiden Seiten ein umfangreicher Zcugenapparat aufgeboten worden. stlarokko. Tie spanischen 5lultnrträger. Madrid, IS. Juli. Amtlich wird aus Elksar gemeldet: Zwei Kolonnen aus dieser Stadt zerstreuten auf dem Gebiete von Ahiserif zwei große feindliche Ansammlungen. Diese erschienen aber von neuem und das Feuergcfccht dauerte dann von ü Uhr morgens bis S Uhr nachmittags, worauf die Spanier nach Elksar zurückkehrten. Ihre Verluste betrugen: 1 Korporal und.1 Soldat tot. 1 Hauptmann. 2 Unteroffiziere und L2 öoidaten verwundet. Die Marokkaner hatten zahlreiche Ver- luste. Acht Dörfer wurden gezüchtigt, die Notabcln dieses Gebiets haben Pardon erbeten. Lkina. Das Parlament gegen die Regierung. Peking, lö. Juij. Das, Repräsentantenhaus»ahm gestern in erster Lesung fünf Gesetzvorlagen an, wonach der Kriegs- minrstcr als stellvertretender Premierminister sowie der Fi- n a n z m i n i st c r� und der Marineminister in Anklage- zustand zu versetzen sind. Ter Grund ist in dem Falle des Kricgsminrsters und des Finanzministers der Abschluß der öfter- reichischen Anleihe, während der Marineministcr verfaffungswidrig gehandelt haben soll. Ein weiterer Gesetzentwurf, der ebenfalls in erster Lesung angenommen wurde, will das ganze Kabi- n«tt. in Ank lagezustand versetzen. Die Vorlage über di« österreichische Anleihe wurde an eine Kommission verwiesen. wahrscheinlich wird sie nicht angenvnnncn, aber beraten werden. Der russische Störenfried. Peking, lo. Juli.(Meldung des Reutcrschen Bureaus.) Zu den inneren Unruhen in China treten nunmehr c r u st e Schwierigkeiten mit dem Ausland. Es herrscht eine große Aufregung soivohl unter den Chinesen als auch unter den Ausländern wegen neuer, von Rußland unerwartet gc- stell tcr Forderungen, die das Abkommen ersetzen sollen, das von der chinesischen Regierung angenommen, am 30. Mai dem Parlament unterbreitet, von ihm an eine besondere Kommission verwiesen wurde, alsdann die Zustimmung des Repräsentanten- Hauses erhielt und jetzt im Senat beraten werden soll. Gestern und heute fanden geheime Sitzungen beider Häuser statt und der stell- vertretende Premierminister, dringlich aufgefordert, machte den Mitgliedern die Mitteilung, daß Rußland China eröffnet habe, es habe sich entschlossen, das vorgeschlagene Abkommen vor seiner Unter- zeichnung zu annullieren. Rußland habe an Stelle dieses Abkom- mens vier neue Vorschläge gemacht, welche die chinesische Regierung für härter halte, als die Bestimmungen des jetzigen Abkommens. Durch diese Vorschläge werde die volle Autonomie der äußeren Mongolei anerkannt, China nur zum Suzerän er- klärt- und gezwungen, die russische V e r m i t t e l u n g anzu- nehmen und alle Rechte anzuerkennen, welche durch das Abkommen und das Protokoll von Urga vom November vorigen Jahres Rußland zugestanden worden sind. Ferner werden durch diese Vor- schlage die Rechic der russischen Untertanen und Händler in der Mongolei festgesetzt. Alle Fragen, die sich hieraus ergeben, sollen durch spätere Verhandlungen erledigt werden. Im Parlament wurde gegen die neuen Vorschläge ein scharfer Widerspruch laut. Kamps zwischen Süden und Norden. Hankau, 14. Juli. Bei Kiukiang ist eine Schlacht zwischen nordchinesischen Truppen und den Truppen von Kiangsi im Gange. Die Nordarmee rüstet sich zur Belagerung der Stadt. Die Konsuln von Hankau haben beschlossen, an die Familien der Ausländer nach Kiukiang Lebensmittel abzusenden. Diese Feindseligkeiten in Kiangsi, wo der abgesetzte Gouverneur der Provinz Li-Lie-Tschun und der General Kwang-Hsing an der Spitze der Rebellierenden die Kiangsi-Truppen Duanschikais, die der Regierung Respekt verschaffen sollten, zu vertreiben suchten, ferner die Sprengung eines Magazins in Kaifung und andere Versuche, der Regierung Schwierigkeiten zu machen, werden als Anzeichen betrachtet, daß die Jung-China-Partei enffchlossen sei, eine Ent- scheidung herbeizuführen. Iuanschikai sendet Verstärkungen in das Dangtse-Tal. Historisches zum Msiieustreiiiproblem. Gleich nach der Beendigung der preußischen Landtagswählen begann das Massenstrcikproblem in der Presse und in Versamm- lungen die Parteigenossen wieder zu beschäftigen, und höchst wahr- scheinlich wird diese Frage auch bei den Verhandlungen des in wenigen Wochen stattfindenden Parteitags der deutschen Sozial- dcmokratie erörtert werden. Unter diesen Umständen dürfte ein Rückblick auf die bisherige Behandlung der bedeutungsvollen An- gelegcnheit angebracht sein. Die Frage, ob es möglich und zweckmäßig sei, den politischen und wirtschaftlichen Zielen des klassenbewußten Proletariats durch eine allgemeine, umfassende Arbeitseinstellung näher zu kommen, beschäftigt die heutige Sozialdemokratie seit einem Vierteljahr- Hundert, und ztvar bildete das Kampfmittel vorwiegend auf i n t c r- nationalen Kongressen den Gegenstand der Verhandlungen. Als im August 1889 zum ersten Male nach der Auflösung der alten Internationale wieder Arbeitervertreter aus allen Kulturländern in Paris zur Beratung ihrer gemeinsamen Interessen versam- melt waren, handelte es sich bekanntlich auch darum, durch Kund- gebungen für den A ch t st u n d c n t a g und andere Forderungen der Arbeiterklasse gleichzeitig in allen' Ländern, wo organisierte Arbeiter vorhanden sind, am 1. Mai ein Fe st der inter- nationalen Solidarität zu feiern. Bei den Erörterungen hierüber war es der Delegierte Tr e s sa ud- Marseille, der den Antrag stellte, der Kongreß solle als Anfang der sozialen Revo- lution den General st reik beschließen, da anders die geplante Manifestation wirkungslos bleiben werde. Ter Antrag wurde mit sehr großer Majorität verworfen. Als dann 1891 ein internationaler Kongreß tagte, beantragte der Holländer Domela Nicuwcnhuis, daß die Sozialisten aller Länder eine Kriegserklärung mit einem Aufruf an das Volk zur allgemeinen Arbeitseinstellung beantworten sollten. Auch dieser Antrag wurde aus Gründen, die hier nicht dargelegt zu werden brauchen, abgelehnt. Abermals zwei Jahre darauf beauftragte der Internationale Kongreß zu Zürich 1803 eine K o m m i s- s i o n mit der Erörterung des Generalstreiks. Die Kommission schlug eine Resolution vor, die aber nicht weiter zur Erörterung kam. ES wurde in dieser Kundgebung der allgemeine Welt- streik seiner Undurchsührbarkcit wegen verworfen; jedoch findet sich in den Dokumenten die Darlegung, daß Massenstreiks � unter Umständen eine höchst wirksame Waffe nicht bloß im ökonomischen, sondern auch im politischen Kampfe sein können, eine Waffe je- doch, deren wirksame Anwendung eine tüchtige gewerkschaftliche und politische Organisation der Arbeiterklasse voraussetzt.„Der Kongreß", so heißt es am Schluß dieser Resolution,„empfiehlt daher den sozialistischen Parteien aller Länder, diese Organisation mit aller Energie zu fördern und geht über die Frage des Welt- streik» zur Tagesordnung über". Tcr Internationale Kongreß in London 1806 entschied ebenso nach einem von Molkenbuhr über die Wirtschaftslage der Arbeiterklasse gehaltenen Referat dahin, daß die Möglichkeit für einen internationalen Generalstreik nicht gegeben sei, daß aber das nächste Erfordernis die gewerkschaftliche Organisierung der Arbcitcrmasscn sein müsse, weil von dem Umfang der Or- ganisation die Frage der Ausdehnung des Streiks auf ganze In- dustricn oder Länder abhänge. Der Internationale Kongreß zu Paris 1090 bestätigte dann mit 27 gegen 7 Stimmen den Lon- doner Beschluß, und eine vom Internationalen Kongreß zu Amsterdam 1094 gefaßte Resolution lautet: „In Erwägung, daß die notwendige Voraussetzung für den Erfolg eines Massenstreiks eine starke Organisation und die frei- willige Disziplin der Arbeiterschaft ist, hält der Kongreß den absoluten Generalstreik in dem Sinne, daß alle Arbeit nieder- gelegt wird, für unausführbar, weil er jede Existenz, also auch die oes Proljtariats, unmöglich macht. In weiterer Erwägung, daß die Emanzipation der Arbeiterklasse nicht daS Resultat einer öerartigen plötzlichen Kraftanstrengung sein kann, daß es aber möglich jst. daß ein Streik, der sich über einzelne für das Wirt- schaftsleben wichtige Betriebszweige oder über eine große An- zabl Betriebe ausdehnt, ein äußerstes Mittel sein kann, um be° deutende gesellschaftliche Veränderungen durchzu- fuhren oder sich reaktionären Anschlägen auf die Rechte der Ar- bcitcr zu widersetze», warnt der Kongreß die Arbeiter davor, sich durch die von anarchistischer Seite betriebene Propaganda für den Generalstreik, in der Absicht, sie davon abzuhalten, den bedeutungsvollen täglichen Kleinkampf durch die geWerk- schaftliche, politische und genossenschaftliche Aktion zu führen, nicht ins Schlepptau nehmen zu lassen, und fordert sie auf, ihrö Einheit und Machtstellung im Klassenkampf durch die EntWicke- lung ihrer Organisation zu stärken, weil, sollte der Streik mit einem politischen Ziel sich einst als unnötig erweisen, sein Ge- lingen davon abhängen wird." Inzwischen hatte die bedeutungsvolle Frage auch die P a r- teitage der deutschen Sozialdemokratie zu bc- schäftigen begonnen. In Dresden beantragte 1093 der später zum Anarchosozialismus übergegangene Delegierte Dr. Friede- b e r g, daß dem Parteivorstand empfohlen werden möge, die Frage des Generalstreiks auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen und einen Antrag auf Erörterung des politischen Streiks vertrat 1094 auf dem Parteitag zu Bremen der Spandauer Delegierte Karl Liebknecht. Während der von Friedeberg gestellte Antrag gegen wenige Stimmen verworfen worden war, überwies der Parteitag den von Spandau gestellten Antrag dem Parteivorstand zur Erlvägung. Mit besonderer Lebhaftigkeit beschäftigte dann im Jahre 109S die Frage des Massenstreiks die organisierte Arbeiterschaft. Zu Köln a. Nih. tagte im Monat Mai der fünfte Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands. Hier fand eine vor» Th. Bömclburg gestellte Resolution Annahme, auf die dann vier Monate später der zu Jena abgehaltene sozialdemokratische Parteitag zurückkam. Die Resolution erklärte es für eine Pflicht der Gewerkschaften, die Verbesserungen aller Gesetze, auf denen ihre Existenz beruhe, zu fördern und alle Versuche, die be- stehenden Volksrechte zu beschneiden, mit aller Entschiedenheit zu bekämpfen. Auch die Taktik für etwa notwendige Kämpfe solcher Art habe sich genau so wie jede andere Taktik, nach den jeweiligen Verhältnissen zu richten; der Kongreß halte daher auch alle Ver- suche, durch die Propagierung des politischen Massenstreiks eine bestimmte Taktik festlegen zu wollen, für verwerflich und emp- fehle der organisierten Arbeiterschaft, solchen Versuchen entgegen- zutreten. Aus dem Parteitag zu Jena hielt dann Bebel das Referat über den politischen Massenstreik und die Sozial- d e m o k r a t i e. Seine Ausführungen gipfelten in dem Ausspruch, daß erbärmlich die Arbeiterklasse sei, die ihren Bedrängern nicht die Spitze zu bieten wage. Auch unter den zahlreichen Diskussions- reden erregte besonders der Hinweis des Gewerkschaftsführers v. E l m Aufsehen, daß der Moment kommen könne, wo die Ar- beiterschaft mit Gut und Blut für ihre Rechte eintreten müsse, und daß es ihre Aufgabe sei, sich auf diese Möglichkeit vorzube- reiten. Mit 287 gegen 14 Stimmen nahm der Parteitag eine Resolution an, wonach es für eine Pflicht der gesamten Arbeiter- klasse erklärt wird, namentlich im Falle eines Anschlages auf das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht oder das Koalition s recht jedes geeignet erscheinende Mittel zur Ab- wehr nachdrücklich anzuwenden. Für eines der wirksamsten Kampfmitel, um ein solches politisches Verbrechen von der Ar- beiterklasse abzuwehren oder um sich ein wichtiges Grundrecht für ihre Befreiung zu erobern, erklärte gegebenen Falles der Par- teitag die umfassende Anwendung der M a s s c n a r b e i t s e i n- st e l l u n g. Es kam dann ein Jahr der Auseinandersetzungen zwischen Partei und Gewerkschaft, die auf dem Parteitag zu Mannheim 1096 ihren Abschluß fanden. Mit 386 gegen S Stimmen fand hier folgende Resolution Annahme: „Der Parteitag bestätigt den Jenaer Partcitagsbeschluß zum politischen Massenstreik und hält nach der Feststellung, daß der Beschluß des Kölner Gewerkschaftskongresses nicht in Wider- spruch steht mit dem Jenaer Beschluß, allen Streit über den Sinn des Kölner Beschlusses für erledigt. Der Parteitag einst- fiehlt nochmals besonders nachdrücklich die Beschlüsse zur Be- achtuug, die die Stärkung und Ausbreitung der Partciorgani- sation, die die Verbreitung der Partcipreffe und den Beitritt der Parteigenossen zu den Gewerkschaften und der Gewerkschafts- Mitglieder zur Parteiorganisation fordern. Sobald der Par« teivorstand die Notwendigkeit eines politischen Massen» st r e i k s für gegeben erachtet, hat er sich mit der General- k o m m i s s i o n der Gewerkschaften in Verbindung zu setzen und alle Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich sind, um die Aktion erfolgreich durchzuführen." Eine zweite Resolution wies auf die Bedeutung der G e w e r k- schaften hin und betonte weiter die Notwendigkeit, die geWerk- schaftliche Bewegung mit dem Geiste der Sozialdemokratie zu er« füllen. letzte NaefrffcMen« Ablehnung der Homcrulcbill im englischen Oberhause. London, IS. Juli.(W. T. B.) Das Oberhaus hat in seiner heutigen Sitzung die zweite Lesung der Homerulebill mit 392 gegen 64 Stimmen abgelehnt, und den Antrag des Lord Lansdownes, die Bill zuvor dem Urteil der Wählerschaft zu unterbreiten, ange« nommen. Feststellung der Forderungen an Bulgarien. Belgrad, IS. Juli.(W. T. B.) Ministerpräsident P a s ch i t s ch hat sich 2 Uhr nachmittags mittels Sonderzuges nach Nisch be« geben, woselbst er mit dem griechischen Ministerpräsidenten Veni« z e l o s und dem montenegrinischen Ministerpräsidenten W u k o« titsch zusammentreffen wird. Wie verlautet, werden in der Kon« ferenz die� Forderungen festgesetzt werden.welche die Verbündeten! an Bulgarien stellen werden. Gegenseitige Ränbertaten der neuen Kreuzfahrer. Sofia, IS. Juli.(Meldung der Agence Bulgare.) Nachdem eine serbische Kolonne, die bis aus 29 Kilometer in das Innere Bul« gariens eingedrungen und in die kleine Stadt Bosilovgrad einge« zogen war, die sie mit sämtlichen umliegenden Dörfern plün« d e r t c, zurückgeschlagen worden war, wurde am 12. Juli fest« gestellt, daß der Befehlshaber des 3. serbischen Bataillons, Drago« lub Arsemewitsch, vier bulgarische Offiziere, einen Unteroffizier und einen Soldaten, die die Serben in Bosilovgrad gefunden hatten,? r- schießen ließ. Einen Tag vorher waren 19 bulgarische Soldaten unter den Augen der Bevölkerung Bosilovgrads, die voller Schrecken in das Innere geflohen war, niedergemacht wordem Im Augenblick der Einnahme des Dorfes Uzeem durch die Bulgaren fand man in den serbischen Schanzgräben die Leichen von drei bul« garischen Mädchen von 13 bis 15 Jahren verstümmelt vor. Die Pariser Arbeitsbörse gegen den allgemeinen Ausstand. Paris, lö. Juli.(W. T. B.) Die Vollversammlung der Ver- treter der Arbeitsbörse und der dem Allgemeinen Ar« beitsverband angehörenden Gswerkschasten nahm einen Be- schlußantrag an, in welchem zu einer entschiedenen Fortsetzung des Kampfes gegen die Reaktion aufgefordert wird, lehnte jedoch einen Antrag, am 24. September dieses Jahres einen allgemeinen Ausstand anzuberaumen, wenn die Jahresklasse 1019 zurück- behalten wird, mit großer Mehrheit ab. Zum Streik der Werftarbeiter. Flensburg, lö. Juli.(W. T. B.) Wegen nicht bewilligter Lohnforderungen sind auf der Flensburger Schisfsbauwcrft 390 Ar« briter in den Ausstand! getreten» Theater* Mittwoch, den 1k. Juli 1913. Ansang 7'/, Uhr. Pratcr. Das Bumniclmädchcn. Ansnilfl 8 Ubr. Deutsches Schauspielhaus. Der Dieb. Kroll-Oper. Tannhäuser. Urania. In den Dolomiten. Schiller O. Der Troubadour. Berliner. Filmzaubcr. Thalia. Pcfpchen. Mctropol. Die Kino-Königin. »Sintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Dresdener Viktoria Sänger. Änfang 8'/, Ubr. Komödieuhaus. Hochhcrrschastliche Wohnungen. Frtedr.» Wilb. Schauspielhaus. DaS Farmcrmüdchcn. Lnstspiclhaus. Der lustige Kakadu. Rose. Tagebuch einer Verlorenen. Ansang 8'/, Ubr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Theater am Nollendorfplah Der Mann mit der grünen Maske. Ansang g Ubr. AdmiralSpalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte, Jnvalidcnftr. 57—62. Schiller-Theater 0. Wallner-Theater. (Sachse«Oper.) Heute abends 8 Uhr: Der Troubadour. BerlinerTheater. s uhr: Filmzauber. Dentsches Scbansplelhaaa 8 Uhr:»er»ieb. Kroll-Oper 8 Ubr: Tannhausei*. (Gastspiel: Frieda Langendorff.) Donnerstag: Die Meistersinger. Soxtaldcmokratlfchcr Ofahlvcrdn für den IV. Berliner Reiehstagswahlkrels TkateratnKollendorfplatz Täglich S'/j Uhr: -Kino-— Variete— im .Mann mit der grünen Maske." iOSI=THEATE (Äcoffe Franksurl er Str. 132. Isgeluicli einer Verlorenen Ansang S'l4 Uhr. Auf der Garteubnline: Achtang! geht los! Ansang 4'/. Uhr._ MeTröpöI-theater. Abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. 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Schröter), I-Iebtenberg, Röderstr. 28/29 Srauerei Triedrichshain, Am Fnednchshain Caje äelleyue,(Inh. G. Tempel), Knnunclsbnrg, Hauptstraße. «Ilsssssssss KONZERT€€6€€€€6««* unter Mitwirkung von Vereinen des„Deutschen Arbeiter-Sängerbundes" Spezialitäten x Athletische und turnerische Auttiihrungen Reigenschwimmen des Schwimmvereins„Welle" x x x Unterhaltungen jeder Art- für jnng n. au Kaffeekochen Preiskegelschieben und MI Tanz � Eröffnung 2 Uhr 215/10» Billett 20 Pfennig ■■ SB Jedes Kind erhält am Eingang in allen Lokalen einen Bon— Stocklaterne und Schaukel oder Karussell— gratis. «-? l �riOCISCHER GARTEN Täglich; Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Hark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte 113 Volksgarten- Theater. Badstr. 8 und Bellermannsfr. 20/25. Mittwoch, den 16. Juli: 9. Sonder vorstellung. Mathilde. Schauspiel in 4 Akten von Benedix. Daraus: Debüt der vollständ. neuen Spezialitälenkräste. Ansang 4 Uhr. Moehiter Gesslischattshaus.- Heute Mittwoch, 16. Juli, abds. S'/jUhr Volks Sinfonie Konzer! Blülhuer- Orchesters "Dirigent: Guido v. Encbs. Sol.: Gottfried Zeelandcp(Cello). Karton a 30 Pf. in den bekannten Vorverkaufsstellen und abends an der Kasse. Admiralspalast Einz. Eispalast der W elt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt. Allabendlich Flirt in ist. Moritz. Bis 6 Uhr und von liP/« Uhr halbe Kassenpreise. Berliner Prater-Theater 7-9 Kasianien-Allee 7—9. Heute: Großes Kindersreudeiisest. Tausend und eine Naiht. Märchen in 3 Akten von H. Schulz. Musik von Kersten. Grstklass. Spezialitäten, Konzert. Ansang 4'/. Uhr. Eintritt 35 Pf. Reichshallen-Theater Erstes Gastspiel der berühmten Anfang 8 Uhr. henkel s Bleich- Soda H-—— Berliner—»MM M umor-naarteit �BruyMAL W. Wut; ty w|£oderbergerSlr.36 mfW B Voigt- Theater Badstraste 58. Heute: Elitctag. Gewonnene Herzen. Bolksstülk mit Gesang und Tanz in 3 Akten von H. Müller. Bollständig neue Spezialitäten. Kassenöffn. 10 Uhi'. Ülnsang ill, Uhr. Kerlin- Ober-Schönewelde. "Wieder auf der Hübe! Jeden«onntag: Großes Doppel- Frei- Konzert Im Saale: GfOßer Ball. Jeden Dienstag:_ FfeitanZ. Jeden Donnerstag: Gr. Kinder-Freudenfest und Konzert. Wozu ergebenst einladet gobert Schulz. .OderbergorSlr-Sfi Rosenthal I.(Wilhelmsruh). Sonntag und Montag, den 2G. u, 21. Juli; Großes Erntefest nach Ihndlichcr Sitte. Es laden ganz ergebenst ein die Gastwirte W. Sclineider, 0. Deutschmann. 6. Milbrodt. G. Grande. sm Brauerei Friedrichshain aa Am Königstor. Cef.: Ernst I.lcblng. Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag:"ME Kaffee-Frei-Vorstellung der Siorddcntsclicn und Apollo- bei freiem Cntree. Freitags: Fre SSV gev i-Konzert. Neue Welt. Arnold Scholz. Hasenheide 108/114. Hcnte Mittwoch, den 16. Jnll: Großes Kinder-Erntefest verbunden mit Ernte-Einzag, Pnnpen-Thcater, Honbonrcgcn, Fackeleng und Verlosung. I.Hauptgewinn für Knaben 1 rrni/iana IThi- und Mädchen je 1 gOlUCnC Ulli. Anfang 4 Ehr. Entree 15 PI. Voranzeige! Morgen Donnerstag: Elitetag mit großem Brillant»Feuerwerk sd&nüWd.r alf jzda.J' andere. vernichtet da� rmin�« � rm die Ba�sSten m Mund und Radien Fl. M. t und M. 2,—. KT« Sl e unwiderruflich Ziehung am 2 3. Juli 1913 IBFamS®! Schleswig- jU fk• *7�*' äc&Stä&Vtg. 3261 Qcvnrne im Gesamtwert röa Mark WMkBMW tpez, 48 Pfordt«00 4 tqcfpagea Mark»» Garbat Qualitai mmm 3216 ToUvertlj» Silbergewtece MaA—■ J. ijLoeoe a a I MI# n Lo»t_ m üb Haoptgewioo: eiu degenter Vler»pllaner AUA■■ LOSe I RÄk. Äog yertchlcdenen T«n«enden � ISk« Porto und Llete 30 Pfg. extra empfiehlt«od versendet "do'm' Qusf. Pfordfc, Essen-'Ruhr »owie in allen durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen. Schleswig-Holst. Lose ä 1 M., 11 Lose 10 M. Porto und Liste 50 Pf. extra empfiehlt und versendet ebenfalls H C. Kröger, Berlin W 8, Friedrichsir. 193a Telocr.-Adr CoMquelle Bwlln.----———- Buchhandlung Vorvuärts Lindenstr. 69(Laden) Ansichtskarten Riesengebirge, Harz, Sächsische Schweiz, Dresden, Berlin in reicher Auswahl. 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Die letzten Ereignisse in der Werftarbeiterbewegung in Hamburg lassen befürchten, daß die Bewegung aus dem Stadium des VerHandelns vielleicht schon zu früh in das des offenen Kampfes getrieben wird. Denn trotz der abwartenden, ruhigen Haltung der Arbeiter ist es durch provokatorische Entlassungen von Vertrauensleuten der Vulkauwerft und bei Blohm und Voß in Hamburg zum Ausstand gekommen. Es streiken nach den Angaben bürgerlicher Depeschenbureaus etwa 20 000 Mann. Die Arbeiter wären durch die Maß- regelungen derart erbittert, daß sie den Weisungen der Zentralvorstände nicht mehr folgten. Auch in Flensburg sind am Dienstag die Werftarbeiter ausständig geworden. Die Zentralvorstände der in Betracht kommenden Ge- werkschaften wurden sofort telegraphisch nach Hamburg bc- rufen, um zu der neuen Sachlage Stellung zu nehmen. Schon bei den letzten Verhandlungen zwischen den Ver- tretern der beiden Organisationen zeigte sich, daß bei den Unternehmern anscheinend wenig Neigung für eine friedliche Erledigung vorhanden ist. Die von ihnen gemachten Angebote waren so gering, daß die Arbeitervertreter sich außer stände sahen, darauf einzugehen. Die Vertreter der Unternehmer legten ein von Herrn H. Blohm unterzeichnetes Schreiben vor. in dem folgende von der Norddeutschen Gruppe des Gesamt- Verbandes deutscher Metallindustrieller beschlossene Zugeständ- -nisse gemacht wurden: 1. Die Einstellungslöhne werden um 2 Pf. erhöbt in den« jenigen Betrieben, in denen seit Oktober 1910 eine Erhöhung nicht vorgenommen ist. 2. Die Stundenlöhne aller Arbeiter werden von August 1913 ab um 1 Pf. und vom April 1914 ab um einen weiteren Pfennig erhöht. Die Lohnzahlung soll, soweit es noch nicht geschehen ist, wieder auf den Sonnabend verlegt werden. Wegen aller übrigen Forderungen soll es bei den im Jahre 1919 getroffenen Vereinbarungen bleiben. Lokale Verhandlungen sollen nicht mehr stattfinden. Diese Zugeständnisse wurden als das äußerste bc- zeichnet, was die Werften bewilligen könnten. Die Arbeiter- Vertreter gaben die Erklärung ab, daß sie auf die Vorschläge nicht eingehen könnten; sie wollten aber ihre Stellungnahme dem Unternehmerverband schriftlich über- Mitteln. In dieser dann erfolgten schriftlichen Erklärung hieß es: Die Arbeiter können in der Erklärung der Unternehmer keine befriedigenden Zugeständnisse ersehen, die geeignet sind, den Frieden auf den Werften zu sichern. Die Arbeiter erklären aber noch einmal bestimmt, daß sie bereit sind, bei weiterem Entgegenkommen der Unternehmer, über die Vorschläge beraten zn wollen. Auf erbetenen schriftlichen Bescheid teilten die Unternehmer mit, daß die gemachten Zugeständnisse das äußerste enthalten, was die Werften gewähren könnten. Damit waren die Verhandlungen auf dem toten Punkt angelangt. Eine wesentliche Aenderung in der Stellung- nähme der Unternehmer ist eingetreten. Es war vereinbart, daß im Anschluß an die allgemeinen zentralen Beratungen noch lokale Verhandlungen stattfinden sollten. Diese mündlichen Vereinbarungen werden durch das erwähnte Schreiben des Unternehmervcrbandes einfach aufgehoben. Ferner ist darauf hinzuweisen, daß die Zugeständnisse nur unter zwei eine Bedeutung haben; die die Einstellungslöhne be- treffenden enthalten eigentlich kein Zugeständnis, denn für die große Mehrzahl der Werftarbeiter sind nach 1910 die Ein- stellungslöhne von neuem vereinbart; aber auch auf den wenigen Werften, wo darüber keine Vereinbarung getroffen ist, werden schon längst bei der Einstellung neuer Arbeiter höhere Sätze gezahlt, als 1910 vereinbart worden sind. Daraus erhellt schon zur Genüge, wie die Zugeständnisse der Werften zu bewerten sind, ganz zu schweigen davon, daß alle anderen Arbeitsbedingungen von einer Neuregelung aus- geschlossen bleiben sollen. Zu dieser Sachlage haben dann die Zentralvorstände der beteiligten Gewerkschaften unter Hinzuziehung der Verhand- lungskommission der Arbeiter Stellung genommen. Die Vor- stände versuchen im Interesse der Allgemeinheit nochmals eine friedliche Verständigung. In einem Schreiben an den Unternehmcrverband bekundeten sie, daß die Vorstände der gewerkschaftlichen Arbeiterverbände es für ausgeschlossen halten, daß die Mitglieder ihrer Verbände sich mit den gemachten Zugeständnissen zufrieden geben werden. Da ihnen aber an einer friedlichen Erledigung gelegen sei, machen sie den Vorschlag, zwischen einer Vertretung der Gruppe des Unternehmervcrbandes und einer solchen der Vorstände der Arbeiterverbände über eine zeitgemäße Regelung der Arbeitsverhältnisse Verhandlungen stattfinden zu lassen. Eine Antwort würde bis zum 17. Juli erwartet. Diesen Maßnahmen der freien Gewerkschaften haben sich die Hirsch- Dunckerschen Gewcrkvereine angeschlossen. Die Stettiner Werften waren bei den Verhand- lungen in Hamburg nicht beteiligt, für diese hat am 11. Juli eine Verhandlung in Stettin stattgefunden. Dort kommt der „Verein der Pommerschen Eiscnindustriellen", dem die Werften angehören und der ebenfalls wie die Norddeutsche Gruppe dem Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller angeschlossen ist, in Betracht, Die Unternehmer haben dort ein ähnliches Zugeständnis gemacht wie die Norddeutsche Gruppe, es enthält aber noch etwas weniger. Es ist aber für den 17. Juli noch eine Verhandlung angesetzt worden. Die beteiligten Organisationen hatten am Sonntag, den 13. Juli, wieder eine Wcrftarbeiterkonfercnz nach Hamburg einberufen, die zu dem Stand der Bewegung Stellung nehmen sollte. Die Konferenz hat nach eingehender Beratung die ge- schilderten Maßnahmen der Verhandlungskommission der Ar- heiter und die der Zentralvorstände anerkannt, sie hat mit großer Majorität den Maßnahmen der Vorstände zugestimmt, daß auch noch dieser Schritt zu einer friedlichen Regelung unternommen worden ist. Die Werftarbeiter haben damit zu erkennen gegeben, daß sie für eine Verständigung zu haben sind. Sie wollten abwarten, was die Unternehmer jetzt auf die Anfrage ihrer Vorstände sagen. Nachdem sollte eine weitere Werftarbeiterkonfercnz einberufen werden. Den Unternehmern scheint aber an einer friedlichen Ent- Wickelung der Dinge nichts zu liegen. Während die Ver- Handlungen noch schweben, gingen sie in der aufreizendsten Weise mit Entlassungen vor und erbitterten die Arbeiterschaft derart, daß dieselbe gegen den Willen der Organisations- leitungen zur Arbeitsniederlegung griff. verlin iinck Umgegend. Die Asphaltarbciter in Königsberg i. Pr. sind wegen Lohn- differettzen m den'Streik getreten. Es wird versucht, von Berlin Kollegen nach dort zu holen. Kollegen, übt Solidarität! Keiner darf nach Königsberg i. Pr. Arbeit annehmen. Vorstand, des Zentralverbandes der Asphalteure Deutschlands. Achtung! Betonbaubranchc. Die Sperre über den Bau Neuen- burger Str. 8, Unternehmer Berliner Eisenbeton-, Wand- und Deckenbau-G. m. b. H., Inhaber Richard Fischer u. Krüger, ist a u t g e h o b e n, da Verhandlungen stattgefunden, welche zu einer Einigung führten. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Sektion der Gips- und Zementbranche. DeutTdies Reich. Streikbrecher-Vandalismus. Sechzig Hintze-Gardisten auS Barmen, die während des Streiks der Gestellbauer in Breslau als Rausreitzer fungierten, st a h l e n am Tage vor ihrer Abschiebung den Arbeitern eines benachbarten Platzes Blusen, Gurte und Handtücher, schleuderten das Inventar des unbeteiligten Unternehmers, das sie nicht mitnehmen konnten, Waschbecken, Körbe und dergleichen, auf den Hof herum und zum Teil auf das Dach eines Gebäudes, zwischen die Sicherung eines Güterwagens und verübten ähnlichen Unfug, durch den sie ihren Ruf als nützliche Elemente und ihre besondere staatliche Schutzbedürftigkeit dokumentierten. Die Firma, die die liebevollen Elemente holte, wird für den Schaden auf- kommen müssen._ Zur Textilarbeiteraussperrung in Bocholt. Als seinerzeit die Ruhrbergleute streikten, konnten die christ- lichcn Gewerkschaftsführer sich nicht genug über die Unfähigkeit der Führer des freien Bergarbeiterverbandes aufhalten, weil diese angeblich entgegen jeder gewerkschaftlichen Praxis einen Streik zuließen bei einer den statutarischen Erfordernissen nicht ent- sprechenden Mitgliederzahl der Organisation. Von der Tribüne des Reichstags herab priesen sich die Giesberts und Konsorten als die umsichtigen Leiter von Lohnbewegungen. Schon der Streik der Saarbergleute zeigte die Hohlheit der Giesbcrtschen Deklamation. Jetzt wird auch der Vorsitzende des christlichen Textil- arbeitcrvcrbandcs, ReichStagsabgeordnctcr Schiffer, der damals in dasselbe Horn blies, durch seine eigene Praxis ad absurdum geführt. Ilm das durch die Verrätcrrolle im Krefelder Streik arg mit- genommene Ansehen des christlichen Textilarbeiterverbandes wieder etwas aufzufrischen und dem vorschreitenden Mitgliederschwund entgegenzuwirken, hat der Vorstand des christlichen Verbandes� eine Lohnbewegung in Bocholt inszeniert. Bocholt, dicht an der holländi- scheu Grenze gelegen, ist eine ausgesprochene Textilstadt des Münsterlandes mit etwa 27 909 Eimvohnern. Mehr als 69 Betriebe sind hier anzutreffen, darunter 43 Baumwollwebcrcien und 9 Baum- Wollspinnereien. Beschäftigt werden gegen 7999 Personen. Etwa anderthalbtauscnd der Beschäftigten kommen täglich per Rad oder Bahn aus Holland herüber. Tie Löhne sind niedrig, wie im ganzen Münsterland. Nach den Angaben der Fabrikanten ist der Durch- schnittslohn in Bocholt übrigens noch 42,49 M. pro Jahr höher als der 8S9,69 M. betragende Durchschnittslohn der Textilarbeiter des gesamten Münsterlandes. Die Arbeiter sind gut zentrumskatholisch gesinnt; der Ort gehört zum Wahlkreis des Herrn Schiffer. Die gewerkschaftliche Organisation ist jedoch schwach. Nur 919 Mit- glieder zählte der djristliche Verband am Schlüsse des dritten Quar-- tals 1912. In der folgenden Zeit soll der Mitgliederstand etwas zurückgegangen sein. Der Deutsche Textilarbeiterverband kommt mit seinen 49 Mitgliedern überhaupt nicht in Betracht. Trotz dieser geringen Mitgliederzahl leitete der christliche Textil- arbeiterverband die sich über ganz Bocholt erstreckende Bewegung ein, ließ den Streik beschließen und nahm die Aussperrung auf. Die vordem so gepriesenen„gewerkschaftlichen Grundsätze" wurden demnach in den Wind geblasen. Bei dem Streik handelte es sich hauptsächlich um eine lbprozentigc Lohnerhöhung. Eine Einigung kam nicht zustande. Schließlich wählte der christliche Verband eine nicht katholische Firma zurückgegangen. Indessen nicht nur relativ, auch prozentual ist die Ziffer gesunken; während 1911 auf 1000 Versicherte 65,81 gemeldete Unfälle kamen, sind es 1912 nur noch 6 4,86. Wichtig ist, was der Berichterstatter über die entschädigungs- Pflichtigen Unfälle sagt. sDie entschädigungspflichtigen Unfälle sind solche, bei denen das Heilverfahren bei Ablauf der 13. Woche noch nicht beendet war, bezw. solche, die nach Beendigung der Heil- behandlung noch erwerbsstörende Folgen hinterlassen haben.) Die Zahl der entschädigten Unfälle— nach dem Bericht„sogenannte schwere Unfälle" � ist von 461(1911) auf 391(1912) zurückgegangen; auf 1000 Versicherte kamen(1912) 4,50 gegen 4,70(1911). Hierzu sagt der Berichterstatter selbstgefällig:„Das ist der Rekord der Unfallverhütung; seit 1885 sei das der niedrigste Prozentsatz in der Sektion I. Diese Selbstbelobigung trifft indessen nicht zu. Denn erstens ist die Zahl der Beschäftigten ganz erheblich(11000) geringer ge- worden; zweitens kann bei den entschädigten Unfällen nicht ohne weiteres von den„sogenannten schweren" geredel werden. Zu den schweren Unfällen zählen sicher die mit tödlichem Ausgang. Hier ist indessen die Ziffer die gleiche geblieben. Im Jahre 1911 kamen bei 1000 Versicherlen auf 4.70 entschädigte Unfälle 0,58 Todesfälle. während ,m Jahre 1912 schon auf 4. 5 0 entschädigte Unfälle 0.58 Todesfälle kommen. Tödliche Unglücksfälle lassen sich auch durch Aerzte und Rechtsprechung nicht minder schweren stempeln. Anders steht'S leider bei anderen Unfällen. Die.Rentenlast.' sagt der Berichterstatter,„die sich seit 1906 in absteigender Linie bewegt, ,st auch l9I2 weiter um 45 000 M. zurückgegangen und erfüllt uns mit doppelter Freude." ES heißt dann weiter: .Der Fürsorge der verunglückten Arbeiter in den ersten dreizehn Wochen, in der sogenannten Wartezeit, wenden wir nach wie vor unsere größte Aufmerksamkeit zu; wir übernehmen, wo es der Fall erheischt, fteiwillig auf unsere Kosten die ärztliche Behandlung, um die Arbeitsfähigkeit dc§ Verletzten so bald wie möglich zu heben." Die Arbeitsfähigkeit„heben" heißt zu deutsch: Die Verletzten werden von den Vertrauensärzten der Sektion I der„Nordöstlichen" erwerbsfähig geschrieben, ohne es zu sein. Und was die Herren Rothenberg, Roemert, Neuhaus und Meldelsohns nicht erwerbsfähig schreiben lönnen, das wird dann auf Grund der neuen Rechts„iibung" mit der„Gewöhnung" erwerbsfähig gemacht. Die Rentcnquctscherei der Sektion I der„Nordöstlichen" ist bis zur höchsten Potenz gediehen. Bezugnehmend auf die stetige Reutenquetscherei, pardon sinkende „Renienlast". und mit dem Hinweis auf die Reichsversicherungs- orduung sagt der Berichterstatter:„Nicht Schattenseiten, sondern Licht- seilen wirft die Reichsversicherungsordnung voraus, und wir können mit der Ouvertüre dieser neuen Gesetzgebung nach dieser Richtung hin wohl alle recht zufrieden sein." Indessen die Rciltcnquctschcrci, alias„soziale Fürsorge" der Sektion I der„Nordöstlichen" wird noch durch das Reichs- Versicherungsamt gebührend in das rechte Licht gerückt. Von den von der Sektion I eingelegten und im Berichtsjahr durch das Reichsversicherungsamt erledigten Rekursen wurden 48,80 Proz. (gegen 48,12 Proz. 1911) zurückgewiesen. Die von den Ver- letzten eingelegten und als begründet anerkannten Rekurse gegen die Sektion I stiegen von 11,49(1911) auf 17,24 Proz.(1912). Die Zahl der gemeldeten Unfälle bei allen fünf Sektionen der „Nordöstlichen" betrug 10 945. Davon waren entschädigungspflichtig 1360 Unfälle. Der Anteil der einzelnen Sektionen in absoluter wie auch in der Prozentziffer gibt das folgende Bild. Gemeldete Unfälle absolut: Bei der Sektion.. I II Hl IV V 5366 2568 2134 744 869 Auf 100 Versicherte 0/0 6,49 3,74 3,69 3,29 3,20 Entschädigte Unfälle absolut: Bei der Sektion.. I II HI IV V 391 411 187 182 189 Auf 100 Versicherte 0/o 0,45 0,60 0,65 0,81 0,70 Auch diese Ziffern der anderen Sektionen über die entschädigten Unfälle läßt eine Schlußsolgerung auf die„soziale Fürsorge" der Sektion I gegenüber zu. Die gezahlten Entschädigungen betrugen: bei der Sektion I 1 355 072,99 M.. Sektion II 991 802,48 M., Sektion III 396 787,45 Mark, Sektion I V 285 840,55 M., Sektion V 315 659,91 M., bei der Nordöstlichen Baugewerksberufsgcnossenschaft überhaupt 3 315 163,38 Mark. Für die Uebertvachung der Betriebe verausgabte die Sektion I 15 716,52 M. Der Genossenschaftsvorstand für die übrigen Sek- tionen 16 281,97 M. Für Vergütungen, Reisekosten, Tagegelder an die Mitglieder des Genvssenfchaftsvorstandes wurden verausgabt 9637,67 M. Die Spesen der Vorstandsmitglicler usw. betrugen demnach fast ebensoviel wie die Kosten für die Ueberwachung der Be- triebe bezw. den gesamten Bauarbeiterschutz. Das darf kein Wunder nebmen. wenn man weiß, wie derartige Dinge beispiels- weise von dem Vorsitzenden der Sektton II, Herrn Stadtrat B. in Eberswaldc, gehandhabt werden. Der Berichterstatter hat den Nagel auf den Kopf getroffen mit den Worten:„Mit der Ouvertüre können wir zuftieden sein!" Die Arbeiter indessen können es nicht. Hus Induftric und Ftendel. Die Kinderarbeit t« der Tarifrcvision. Wie bürgerliche Blätter melden, hat der Finanzausschuß des Senates der Vereinigten Staate» bei der Beratung der Zolltarif- revifion den Beschluß gefaßt, wonach bei der Einfuhr aus Ländern, in denen die Industrie Strafgefangene oder Kinder unter 14 Jahren beschäftigen darf, eine eidesstattliche Ver« sicherung gefordert werden soll, daß die eingeführten Artikel nicht von diesen Arbeitergruppen hergestellt sind. Sollte diese Besttm- mung wirklich Gesetz werden und so gewissenhaft durchgeführt wer- den, daß sich die europäischen Importländer zur gesetzlichen Beseiti- gung der Arbeit von Kindern unter 14 Fahren gezwungen sähen, so Iväre ein solcher Beschlutz nur zu begrüßen. In Deutschland z. B. ist nur die Arbeit von Kindern unter 13 Jahren gesetzlich ver- boten. Auch die Zurückweisung der Arbeit von Gefangenen, unter deren Schmutzkonkurrenz auch die Arbeiter in Deutschland leiden, würde zu einem sozialpolitischen Fortschritt führen. D-ie bürgerliche Presse jammert zwar, daß diese neuen Beschlüsse der Zollkommission nur Schikane seien, weil es für den Exporteur nicht möglich sei, festzustellen, ob bei seinen Waren in irgendeinem Stadium der Verarbeitung auch die bezeichneten Gruppen mitgearbeitet hätten. Durch gesetzliche Regelung für alle Industrien könnte der Vorschrift aber leicht entsprochen werden. Mögen die Motive auch rein wirtschaftlicher Natur sein, um die Einfuhr zu erschweren, die Wirkungen einer solchen Matzregel verloren dadurch nichts an sozialpolitischem Wert._ Eine Liga für Verbillig»«« der Lebenshaftung in der Schweiz. Die bürgerliche Presse hat zwar gemeldet, daß in den zukünsti- gen neuen Handelsverträgen keine einschneidenden Aende- rungen in den bestehenden Zollverhältnissen erfolgen werden, allein es dürfte sich dabei nur um einen Einschläferungstrick handeln, zu dem Zwecke, die sonst wachsamen organisierten Konsumenten irre- zuführen. Die Agrarier haben sicher für neue Zollcrhöhungen schon alle ihre Vorbereitungen getroffen und wahrscheinlich auch dem Bundesrat in Bern schon ihre Forderungen unterbreitet. Die Kon- sumgenossenschaften und die sozialdemokratische Presse beschäftigen sich aber ebenfalls schon seit längerer Zeit mit der Erneuerung der Handelsverträge und jetzt erlassen der Konsumverband, der Schwei- zerischc Gcwerkschaftsbund und der Schweizerische Arbeiterbund zu- sammen einen gemeinschaftlichen Aufruf zur Gründung einer schweizerischen Liga zur Verbillig ung der Lebens- Haltung. Die neue Liga soll aber eine dauernde Organisation sein und nicht nur für die nächste Zolliampagne(die Handelsver- träge laufen im Jahre 1917 ab) gegründet werden. Sie soll nicht nur die Lebensmittelzölle bekämpfen, sondern auch anderweitige Zölle und importfeindliche Maßnahmen, die die Lebenshaltung zu verteuern geeignet sind. Auch die den gegenteiligen Interessen dienenden Organisationen sind von dauerndem Bestände. Der Liga kann sich jedermann ohne Unterschied der parteipolitischen oder konfessionellen Richtung als Mitglied anschließen, der mit ihren Be- strebungen einverstanden ist. Mitglieder können Organisationen wie Einzelpersonen werden. Das Aktionsprogramm ist im Statuten- enttvurf in folgender Form vorgesehen: Schriftliche und mündliche �Propaganda für eine den Interessen der Konsumenten und der Exportindustrien entsprechende schweizerische Handelspolitik, Herausgabe wissenschaftlicher und populärer Publikationen, Per- anstaltung statistischer Erhebungen über die in Betracht kommenden wirtschaftlichen Verhältnisse der Schweiz und des Auslandes, Förde- rung des schweizerischen Außenhandels, Mitwirkung bei der Vor- bereitung von Zolltarifen und Handelsverträgen, Vertretung der Forderungen der Liga in der schweizerischen Presse, beim Bundes- rate, bei den eidgenössischen Räten und in allfälligen Volksbewe- gungen(Jnittative, Referendum, Volksabstimmung). Die konstituierende Versammlung der Liga wird voraussichtlich schon in nächster Zeit erfolgen. Die Konsumenten in der Schweiz rühren sich also frühzeitig zur� Wahrung ihrer Interessen in der nächsten Zollkampagne und darüber hinaus und ist ihnen recht diel Erfolg zu wünschen. Der Sieg deS Dampfschiffes. Nach einer dem Berichte des Vereins Hamburger Reeder angehängten Tafel betrug die Gesamt- tonnage der Weltdampserflotte im Jahre 1912 46,51 Millionen Brutto-Rcgistertons gegen 37,29 Millionen im Fahre 1910. Im Jahre 1903 belief sie sich erst auf 29,9 Millionen und im Jahre 1890 auf 12,9 Millionen Brutto-Registertons. Der Anteil Deutschlands ist im Laufe der Zeit sehr erheblich, und zwar sowohl absolut wie relativ, gestiegen. Im Jahre 1912 betrug er 4.2 Millionen Brutto-Registertons. im Jahre 1900 2,1 Millionen und im Jahre 1890 rund 929 000 Brutto-Registertons. Umgekehrt ist die Entwickelung der Welt s e g l c r flotte gewesen. Während im Jahre 1890 9,16 Millionen Brutto-Registertons gezählt wurden, waren es im Jahre 1912 nur noch rund 4 Millionen. Deutschland war an diesen 4 Millionen mit 352 792 Brutto-Registertons be- teiligt. Deutlicher kann der Sieg des Dampfschiffes im Welthandel nicht illustriert werden. Tie Konjunktur bei der A. E. G. In der' am 15. d. M- ab- gehaltenen Aussichtsratssitzung der Allgemeine nElektri- zit ätsgesellschaft wurde über das Geschäftsjahr 1912/13 Bericht erstattet, aus dem hervorgeht, daß trotz der Äbschwächung, die die Konjunktur einer Reihe von Industrien erfahren hat, die Beschäftigung der Gesellschaft eine starke Zunahme aufweist. Die für die ersten zehn Monate des abgelaufenen Geschäftsjahres vor- liegenden Ziffern der Umsätze wie der Aufträge übersteigen die hohen Ziffern aus der gleichen Zeit des Vorjahres erheblich, zu- sammen um mehr als 90 Millionen Mark. Eine Kapitalserhöhung ist für die nächste Zeit nicht beabsichtigt, da die flüssigen Mittel der Gesellschaft für die an sie herantretenden Geldbedürfnisse ausreichen. Soziales* Tie Wahrung des guten Tones unter Mitangcstelltcn. In den Urteilen der Kaufmannsgerichte spiegelt sich der oft einheitliche Wille wieder, die weiblichen Angestellten ganz besonders gegen wörtliche Vertraulichkeiten oder Annäherungen der Chefs oder der männlichen Vorgesetzten zu schützen. Andererseits hat mit Recht die 3. Kammer des Kaufmannsgerichts in einem dieser Tage ergangenen Uvteil ausgesprochen, daß man auch von der Hand- lungsgchilfin verlangen muß, daß sie in ihren Gesprächen mit ihren Kolleginnen einen gewissen Takt wahrt und besonders nicht mit jugendlichen Gehilfinnen Gespräche führt, die an Verführung grenzen. In dem betreffenden Falle hatte die Klägerin einem sechzehnjährigen Lehrmädchen ganz detaillierte Schilderungen, ihres Verkehrs mit„ihrem Herrn" gemacht. Von einem anderen Herrn erzählte sie, er habe sich erschossen, als er erfahren, daß sein Verkehr mit ihr nicht ohne Folgen blieb. Als sich das Lehrmädchen aus dem Konfittirengcfchäft des Beklagten einige Stückchen Konfekt ein- steckte, reizte es die Klägerin zu weiteren Zugriffen mit den Warten an:„So wenig nehmen Sie? Das lohnt sich ja gar nicht. Stopfen Sie sich man ordentlich die Taschen voll." Das Kaufmannsgericht hielt die Entlassung der Klägerin für voll begründet. Solche Aeußerungen könnten vom Prinzipal nicht zugelassen werden, da sie von schlechtem Einfluß auf die Sitten der anderen Angestellten seien. Erkrankung eines Gehilfen vor Antritt der Stellung. Erkrankt der Gehilfe vor Antritt der Stellung, so muß er die Erkrankung unverzüglich dem Prinzipal anzeigen, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen will, für alle dem Chef hieraus er- wachsenden Schäden ersatzpflichtig gemacht zu werden. In einem vor dem Kaufniannsgericht verhandelten Falle hatte der verklagte Handlungsgehilfe sich zum Antritt einer Stellung bei der klägeri» schon Konfekttonsfirma am 1. März verpflichtet. Am 23. Februar erkrankte er, teilte aber der Firma erst am 28. Februar, also einen Tag vor vereinbartem Antritt, mit, daß er infolge jtzrankheit nicht kommen könne und bitte, ihn vom Erscheinen zn entbinden. Die KonfektionSfirma verlangte angemessenen Schadenersatz. Das KaufmannSgericht billigte ihr auch einen solchen in Höhe von 100 M. zu. In der Begründung heißt es u. a.: War der Gehilfe arbeits. unfähig, dann hätte er Gelegenheit und Vertrayspflicht gehabt, seinem neuen Dienstherrn schon am 23. Februar mitzuteilen, daß er den Dienst nicht aufnehmen könne. Tat er dies nicht, so machte er sich schon deshalb schadenersatzpflichtig. Eine Entschuldigung seines Vertragsbruchs hat der Beklagte nach Anficht des Gerichts nicht beigebracht, er war deshalb zu vervtteilcn. Bei Bemessung der Schadenersatzhöhe trat richterliche Schätzung ein. Gerichts- notorisch ist, daß an Inseraten für Gehilfenstcllung regelmäßig etwa 30 bis 50 M. ausgegeben werden, und daß ferner der März die Hauptverkehrszeit für diese Art Geschäfte ist. Der Schaden wird daher auf mindestens 100 M. geschätzt. Wann endlich tritt das Unterstlltzungswohnsitzgefet? für Bayern in Kraft. In der letzten Session ist endlich die Ausdehnung des Reichs- unterstützungswohnsitzgesetzes auf Bayern vom Bundesrat und Reichstag beschlossen worden. Mit Inkrafttreten des Gesetze? wird endlich der Schikanierung von Arbeitern durch das bayerische Heimatgesetz ein Riegel vorgeschoben. Leider aber ist im neuen Reichsgesetz kein bestimmter Termin für Einführung deS Reichs- gesetzes in Bayern angegeben, das Inkraftsetzen des Gesetzes viel- mehr kaiserlicher Verordnung unter Zustimmung des Bundesrats überlassen. Wie dringend Abhilfe gegen die Schikanen bayerischer Ge« meinden geboten ist, lehrt folgender typische Fall aus neuester Zettl Ein alter Invalide, der schon seit 1867 in Straßburg lebt, aber bayerischer Staatsangehöriger ist, war gezwungen, die Armenver- waltnng um Hilfe anzugehen. Das Resultat war nachstehender Ausweisungsbeschluß: Armenverwaltung der Stadt Sttaßburg. Schloßplatz 5. A. Nr. III. A. 3971. Beschluß. Der am 8. Februar 1849 zu Rheinzabern geborene Invalide A. S. und dessen Eheftau müssen wegen hohen Alters und der dadurch gegebenen Erlverbebeschränktheit im Wege der öffeat- lichen Armenpflege unterstützt werden. In Erwägung, daß der Genannte und dessen Frau nicht hin» reichende Kräfte besitzen, um sich den nötigen Lebensunterhalt zu verschassen, ihn auch weder aus eigenem noch ans dem Vermögen unterhaltspflichtiger Verwandten bestteiten können, und nachdem festgestellt worden ist, daß der genannte S. in Pfortz.a. Rh. heimatsberechtigt ist, und die Verpflichtung zur Uebernahme dahin von der zuständigen Behörde mit Schreiben vom 13. Juni 1913 anerkannt worden ist. wird den Genannten, deren Unterstützung aus anderen Gründen als wegen einer nur vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit notwendig geworden ist, die Fortsetzung des Aufenthaltes in der Gemeinde Straßburg i. Elf. auf Grund des ß 5 des FreizügigkeitsgesetzeS und der§§ 31, 32 btS Unter. stützungswohnsitz-Gefctzes hiermit untersagt. Gegen diesen Beschlutz ist Beschwerde beim Kaiserlichen Be- zirksprästdenten Hierselbst zulässig. Straßburg i. E., den 2. Juli 1913. Der Armenrat: I. A.: gez. Dr. Blaum. Die Armenverwalwng hatte dem Ehepaar für drei Monate eine Unterstützung von monatlich 10 M. gewährt. Die bayerische Heimatsgemeinde verlangt nun Abschiebung. Die alten Leute sind der„Heimatsgemeinde" längst entfremdet. Aber man kalkuliert wohl so: aus Furcht vor der Drangsalierung in der Heimat werden die alten Leute auf die hohe Armenunterstützung von 10 M. ver» zichten. Solche Ausbeutung des Elends nennt man dang „bayerisches Reservatrecht", c AlkohaHrele Setrflnke z Franz Abraham Hamb. Meßsina-u.RSmertrank-Kell. C.25 Barfelatr. 8a, Fernsp. Kg8t.l3708 Epscheint 2 mal «rSchentlich. Si-Si c Bestes alkoholfreies Gctr&nk. Berlin 0,Rudolfstr.4. ArbaHer-BeklBldunn J Hamburger Laden, Ciiarl.,W>llal.C9 � Auto-Fahrsci�ilen J C Q n I/O Gr. Frankturterstr. 44 UUuiVu Eintr.tigl., Teilz.gest. f BflokarBlei», Konditor. J Blottner's Großbäckerei GescbSfte in Berlin, Cherlatteabara, Sohäneborg, Wilmersdorf. Albrecht, Fruchtstr. 29. Asmna, Wilhn üectennünduritr. 11. Frledr. Bars, Laudsv. Allen 146 Paul Berger, Mirbaehatr. 29 K. Biedermann, Gryphinsstr. 18. Paul Deily, Markusatraßo 15. Albert Denkewik, Jablosiklitr- 14 Dollwa, Ferdinand Torellstr. 4 |Brot-Fabrik„Vorwärt8" | Hermann Ullrich, KCpenick. 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Bisher hatte in Berlin die Fortschreibung der Liste stimmfähiger Bürger alljährlich einen Zuwachs gebracht. Die Fortfchrcibung der Lifte wird besorgt vom Wahlbureau des �Magistrats auf Grund der bekannt werdenden Zu- und Abgänge die durch Erlangung des Wahlfähigkeitsalters und durch Zuzug schon Wahlfähiger, sowie andererseits durch Wegzug oder Tod Wahlfähiger entstehen. Dem jetzt vom Magistrat veröffentlichten Bericht über die Tätigkeit des Wahlbureaus im Etatsjahr 1912 (i. April 1912 bis 31. März 1913) entnehmen wir, dag diesmal für wahlfähig gewordene Berliner und für nach Berlin zugezogene Wahlfähige zusammen 91 279 Personenkarten neu angelegt, aber für aus Berlin weggezogene Wahlfähige und für verstorbene Wahl fähige zusammen 91 824 Personenkarten ausgeschieden werden mutzten. Die Zahl der neu angelegten Karten war geringer als im vorhergehenden Jahr, wo noch 94 236 neue Karten hinzukamen. Dagegen ist die Zahl der ausgeschiedenen Karten, die für das vov hergehende Jahr nur 82 723 betrug, diesmal sehr beträchtlich gc stiegen. So ergibt sich, dah die Gesamtheit der Wahlfähigen während sie im vorletzten Jahr sich noch um 11 612 gen, ehrt hatte, im letzten Jahr sich um 646 ge- ni i n d e r t hat. Leider fehlt in diesen alljährlichen Tätigkeits berichten des Wahlbureaus immer wieder eine Angabe darüber, wie stark im einzelnen die Erlangung des Wahlfähigkeitsalters und der Zuzug schon Wahlfähiger und andererseits Wegzug oder Tod Wahlfähiger beteiligt sind. Zweifellot ist die im letzten Jahr eingetretene autzerordentlichc Steigerung der Zahl derjenigen Per soncnkarten, die ausgeschieden werden mutzten, auS der beträcht lichcn Mehrung der Wegzüge von Berlin zu erklären Tic in dieser Weise fortlaufend berichtigte Liste der stimm fähigen Bürger dient als Grundlage für die Kommunal� w ä h l c r l i st c, die alljährlich neu aufgestellt und vom 16. Juli ab zur Prüfung ausgelegt wird. Aus dem Bericht des Wahlbureuus ersehen wir jetzt, wie grotz im vorigen Jahr die Zahl der Kommu- nalwählcr Berlins war und wie sie sich auf die drei Wählerklassen verteilten. Nach Aussonderung derer, für die wegen Unterstützung aus öffentlichen Mitteln oder wegen Aberkennung der Ehrenrechte, wegen Konkurs usw. das Wahlrecht vorübergehend ruhte, wurden 388 738 Personen in die Kommunalivählerlijte aufgenommen. Das den Gcldsack bevorrechtende D r e i k l a s s e n s y st e m überwies in die 3. Klaffe 363 794 Wähler, fatzte zur 2. Klaffe 32 998 Wähler zusammen und reservierte die 1. Klasse 938 Wählern. Dem Berliner Stadtfreisinn patzt diese Geldsacksbevor rechtung in seinen Kram. Gegen sie aufs neue zu pro- t c st i e r c n, bietet sich den Wählern der 3. Klaffe erneute Gelegen hrit bei den in dem diesjährigen Herbst zu vollziehenden Kommunal� wählen. In der 3. Klasse darf kein Freisinniger mehr gewählt werden. Wähler der 3. Klasse I Zunächst kontrolliert die Wählerliste, damit ihr euer Wahlrecht nicht verliert! Tic Listen liegen vom 16. bis zum 39. Juli wochentags von nach mittags 3 Uhr bis 8 Uhr abends und Sonntags von vormittags 19 Uhr bis 4 Uhr nachmittags an den von uns in Nr. 178 bekanntgegebenen Stellen aus. Partei- �ngelegendeiten. Neukölln. Heute abend 8'/z Uhr findet bei Bartsch, Hermann. strotze 49, die Versammlung der Jugendsektion statt. Tagesordnung .Die Vorläufer des Sozialismus." Referent: Genosse Timm. Diskussion und Verschiedene«. Wir bitten die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen Neukölln» um Besuch dieser Versammlung. Mariendorf. 8. Bezirk. Heute abend 7 Uhr: Flugblatt verbreituna vom Bezirkslokal, Konigstratze 14, auS. Frirdrichshagen. Heute Mittwoch, abend« 8'/, Uhr, findet im.Eiskeller", Friedrichstratze 98/97 eine B o l k S v e r> f a m m l u n a statt mit folgender Tagesordnung:.Die Schäd der kapitalistischen BolkSversicherung und ihre Reform durch 1,� Voltsfürsorge". Referent: ReichStagSabgeordn. G. Bauer. Alle Einwohner find zu dieser Versammlung eingeladen. Der Einberufer. Teltow. Mittwoch, den 18. Juli, abend« 8 Uhr: Mitglieder. Versammlung. Bortrag. Wegen der bevorstehenden Stadtverordneten- u-ahlen ist daS Erscheinen aller notwendig. Lerliner Nadmcbten. Ter Schulmeister beim Erntefest. Tie„Deutsche Tageszeitung" klagt, daß bei den Erntefesten, die jetzt in den Laubenkolonien ver- anstaltet werden, unter den Nguren der Feftziige der„Dorf- fchulineister" durch wiirdelofe Darstellung unangenesiin auf- fällt. Die Klage ist nicht neu. Neu ist nur. datz das Agrarierblatt jetzt die folgende Erklärung jenes Unfugs geben zu sollen meint: „Die Hauptniassc der Berliner Laubenkolonisten. anicntlich im Osten und Norden Berlins, sttzt sich ans sozialdemokratischen Arbeitern zusammen. die auch in dieser„harmlosen" Art ihr Politisches Ziel verfo'lgcn, die Jugend so früh als n, öglich gegen alleS. was Autorität heitzt, aufzuhetzen, und leider gibt es eine Menge ..liberaler" Mitläufer, die in ihrer Torheit solchen„Ulk" mitmachen." ..®?8 klingt, wie wenn die„lustig" sein sollende s�igur des„Dornchulineisters" in den Festzüaen der Erntefeste eine Errungensäxift erst der allerneuestcn Zeit wäre und erst die „autorltatslosenfi Grotzstädter sie erfunden hätten. Ebenso �äe alhergebrachte Karikierung des„Dorfschul. meisterS, ist die Idee der„Deutschen Tageszeitung", sie der Sozialdemokratie aufs Konto zu setzen und in ihr ein Mittel zur„Aufhetzung der Jugend zu sehen. Ter gröstt««trastenbahnhof der Welt. Grotz-Berlin wird in diesen Tagen um eine neue „Rekordcrscheiiiung" reiclicr. Heute eröffnet die Große Berliner Straßenbahn m Berlin-Lichtenbera einen neuen Bahnhof, den 2l.. den die Gesellschaft im Betrieb hat. Er wird alle seine Vorgänger an Größe übertreffen. Die Lalle ist 200 Meter lang und über 100 Meter breit: sie wird 500 Wagen gleichzeitig aufnehmen können, die auf 26 nebenein- ander liegenden Gleisen aufgestellt werden. Dieser Fassungs- räum machst den Straßenbahnhof zum größten seiner Art. Weder in Europa, noch in Amerika ist ein ähnliches Bauwerk anzutreffen. Man würde jedoch fehl- gehen, wenn man sich diesen reinen Nutzbau in seinem Aus- sehen nüchtern oder düster vorstellen wollte. Vielmehr ist auf Gefälligkeit und nettes Aussehen besonderer Wert gelegt worden. Schon der weite Vorplatz, auf dem alle Rangier- bewegungen vorgenommen werden, erhält durch den reichen gärtnerischen Schmuck zwischen den Gleisen ein freundliches Aussehen, und die langgestreckte Halle mit ihren vielen Ein- fahrten gibt diesem Bilde einen gefälligen Hintergrund. Tie Halle selbst überwältigt beim Eintritt durch ihre fast unübersehbaren Dimensionen und überrascht durch die Lichtfülle, die aus den Obcrlichten hercinströmt. Im Vorder- teile sind unter den Gleisen die Arbeitsgruben untergebracht, in denen sich die Schlosser zur Revision der Untergestelle und Motoren unter den Wagen bewegen. Diese Gruben sind so tief, daß darin ein Mann aufrecht stehen kaum Sie stehen untereinander in Verbindung, so daß man von einer in die andere gelangen kann, ohne auf das Hallen Niveau hinaufsteigen zu müssen. Das luftige Dach der Halle wird von einer überaus leicht wirkenden und doch soliden Eisenkonstruktion getragen. Jetzt, wo noch keine Wagen im Schuppen stehen, ist der Ueberblick von einem Ende zum andern möglich. Nach der Inbetriebnahme werden natürlich Hunderte von Wagen, besonders in der Nachtzeit, in der Halle aufgestellt sein. An der rechten Längswand der Halle sind Werkstätten, Wirtschaftsränme, Magazine und Aufenthalts räunie für das Personal untergebracht, die bei dem reichlich zur Verfügung stehenden Platz gleichfalls geräumig und hell ausgefallen sind. Auf dem Vorraum find dann noch in einem schmucken Bau die Bahnhofbureaus. Säle für Schaffner und Fahrer und eine geräumige und freundliche Kantine unter gebracht. Nach voller Besetzung des Bahnhofs, die sehr bald zu erwarten ist. wird auf ihm ein Personal von etwa20l)0 Mann beheimatet sein. Ilm für diese Beamten reichlich Wohngelegenheit zu schaffen, beabsichtigt die Große Berliner Straßenbahn, eine Gartenstadt in Lichtenberg zu erbauen._ Für Laiibenkolonisten. (Com Wohnen beziehungsweise Schlafen in der Laube.) Nach § 13 des Ansiedelungsgesetzes ist eine Ansiedelungsgenehmigung er' forderlich, wenn jemand außerhalb einer im Zusammenhang ge- bauten Ortschaft ein Wohnhaus errichten oder ein vorhandenes Ge- bände zum Wohnhaus einrichten will. Nach dem Absatz 2 ist die Ansiedelungsgenehmigung dann nicht erforderlich, wenn das Wohn- hauS in den Grenzen eines nach dem Fluchtliniengesetz festgestellten Bebauungsplanes liegt. Um die Anwendung des Gesetzes handelte es sich bei einer polizeilichen Verfügung gegen Barth, durch die es ihm verboten wurde, seine Laube bei Zossen zu Wohn- zwecken zu benutzen. Den Anlatz gab, datz sich B. in seiner Laube— Sonnabendabends fährt er im Sommer gewöhnlich nach Zossen— Schlafgelegenheit für mehrere Personen geschaffen hatte und datz er öfter, zuweilen mit Frau und Kind, die Nächte vom Sonnabend bis zum Montag dort verbringt. Der Polizeiverweser sah in seinem Tun die Einrichtung eines Be bäudes zu Wohnzwecken und stützte fein Verbot, die Laube zu Wohnzwecken zu benutzen, darauf, datz hier eine AnfiedelungS- genehmigung erforderlich gewesen wäre, eine solche aber nicht vor- liege.— Die Schlafgelegenheit sollte auch entfernt werden. Nach vergeblichen Beschwerden klagte B. gegen den Regierungspräsidenten zu Potsdam, der den letzten abweisenden Bescheid erteilt hatte, beim Obervcrwaltung-gericht. Das OberverwaltungSgericht wies die Klage ab und führte begründend auS: Die Laube liege nicht in einer im Zusammenhang gebauten Ortschaft und auch nicht in einem derartigen OrtS teil, der ihr gleich zu achten wäre. Nach behördlicher Auskunft sei dort auch kein Bebauungsplan vorhanden, 'o datz auch nicht die Ausnahmebestimmung deS Abf. 2 de» K 18 des Ansiedelungsgesetzes in Frage kommen könne. Nach Ansicht deS Gerichts sei aber die Laube auch so, wie sie hergestellt sei, sehr wohl geeignet, als Wohnhaus benutzt zu werden. Der Kläger habe sie auch zu Wohnzwecken benutzt. Dies sei darauS zu entnehmen, datz er ür mehrere Personen Schlafgelegenheit geschaffen hatte und datz man auch drautzen schlief. Datz man nur zeitweise drautzen schlief, Metze nicht aus, datz die Laube als Wohngebäude zu betrachten ei. Mangels einer Ansiedelungsgenehmigung habe dem Kläger die Benutzung der Laube zu Wohnzwecken polizeilich untersagt werden können. Die vorstehende Entscheidung, die unserer Meinung nach ab« wegig ist, hnt nur auf den vorliegenden Fall Bezug. Von den ver- chiedcnen Polizeibehörden sind die verschiedensten Bestimmungen über die Lauben erlassen worden, insbesondere über Bewohnbarkeit und über die Anlegung von sogenannten Feuerstätten. Alle diese Bestimmungen sind aber mehr oder minder recht schikanöser Natur und auch vollkommen überflüssig. Ter regelmästige Entwertungstag der Beitragsmarken ist der Sonntag. lieber die Eiitwertmig der Beitragsmarken und Zusatzmarken ür die Invaliden- und Hulterbliebenenversicheruiig hcrrschl in weiten Kreisen noch arotze Unklarheit. Wir nehmen deshalb Veranlassung, einen diesbezüglichen Bescheid des ReichsversichcrungSamtes vom 26. April 1913 zu veröffentlichen, der ganz ausführlich die Frage der Entwertung der Beitragsmarken zur Invaliden- und Hinter- bliebenenvcrstchernng behandelt: Sämtliche für die Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung verwendeten Marken müssen alsbald nach dem Einkleben entwertet werden. Beim Entwerlen dürfen die Marken nicht unkenntlich gemacht werden: insbesondere müssen der Geldwert, die Lohnklasse und der Name der VersichcrungSanftalt ersichtlich bleiben. DaS Entwerten der Marken hat in der Weise zu erfolgen, datz mit Tinte oder einem ähnlich festhaltenden Farbstoff auf jeder einzelnen Marke handschriftlich oder durch Stempel der betreffende Kalendertag lediglich in Zahlen deullich bezeichnet wird, zum Beispiel .27. 4. 13". nicht etwa.27. April 1918' oder gar.Entwertet am 27. 4. 1918" oder dergleichen. Nach§ 1431 Satz 2 der ReichSverficherungSordnung soll als Tag der Entwertung der letzte Tag desjenigen Zeitraums angegeben werden, für den die Marke gilt. Da die Beitragswoche nach§ 1887 Absatz 8 a. a. O. mit dem Montag beginnt, so gilt jede einzelne BciiragSmarle, sei cS nun eine Emwochen-, eine Zwelwochen« oder eine Treiwochenmarke, immer bis zu einem Sonntag, auch wenn bei dem die Marke einklebenden Arbeitgeber eine Beschäftigung sogar wahrend der Woche aufhört<{}§ 1426, 1428 a. a. O.). Somit st durchweg der Soirntag als Tag der Entwertung Anzutragen, auch wenn die Markenverwendung oder die Eintragung schon an einem früheren oder erst an einem späteren Ständige und unständige Arbeiter sind in bezug auf daS Entwerten der Marken gleichmäßig zu behandeln. Nur auf den Z u s a tz m a r I e n, die für die freiwillige Zusatzversicherung zu verwenden sind, soll als Tag der Entwerwng der Tag vermerkt werden, an dem sie in die QuittungSkarte ein- geklebt werden._ Tempelhof braucht Geld. Gegen Uebertreter der Radfahrdor- fchriften gehen die Tempelhofer Polizeisergeanten scharf vor und der Amtsvorsteher verleiht ihren Anzeigen durch drakonische Strafen Nachdruck. Unter fünf Mark. Geldstrafe scheint man es jenseits der Dreibundstratze überhaupt nicht mehr zu tun. Wenigstens wurde jüngst mit einem Strafmandat in dieser Höhe ein S ch ül er bedacht, der, weil der Fahvdamm gesperrt war, einige Meter auf dem„Bürgerfteig"(was man in Tempelhof so nennt) gefahren war. Auf seine Beschwerde erhielt er vom Amts- Vorsteher den Bescheid, daß die Strafe„nicht ermäßigt werden könne". Es blieb also bei fünf Mark Geldstrafe eventl. einen Tag Haft— soviel ungefähr verdient ja ein Schüler pro Tag.... Auf der Ostseite des Tempelhofer Feldes benutzen die Radfahrer übrigens unbehelligt den breiten Futzgängerweg und es geht auch so. Auf dieser militärfiskalischen Seite hat nämlich der Tempelhofer Amtsvorsteher„nix to feggen".... Hilflos gestorbew'. Aus der Berliner Epileptikeranstalt„Wühl- garten" wird ein Todesfall bekannt, der zu denken geben kann. Ein Patient Franz Kinne, der im Landhaus 11» untergebracht war, wurde am Sonnabend in früher Morgenstunde auf dem Abort tot aufgefunden. Er hatte in der Nacht den Abort besucht, wo ihn dann der Tod ereilte, ohne datz daS Pflegepersonal von der Hilflosigkeit des Sterbenden etwas ahnte. Bei Auf- findung der Leiche entstand die Vermutung, daß Kinne in einem Anfall von Epilepsie durch Erstickung umgekommen fei. Der Körper war in sitzender Stellung zusammengesunken und der Kopf ruhte vornübergefallen auf der Brust, in die das Kinn sich ein- gegraben hatte. Unter dem Personal ist die Meinung verbreitet, datz der Tod nicht durch Herzschlag, sondern tatsächlich durch Er- stickung verursacht worden sei. Wir müssen das unentschieden lassen, weil das Ergebnis der Obduktion und das Urteil der Aerzte sich unserer Kenntnis entziehen. Nur deistiurmen können wir da- gegen der Bemängelung von Zuständen, die es ermöglichen, datz solche Kranken in der Nacht aufsichtslos und unbemerkt Bett und Schlafraum verlassen. Es ist leider glaubhaft, daß das Pflege- personal nicht ausreicht, um genügende Nacht- wachen zu stellen, aber dann sollte man schleunigst sich zu einer Pcrsonalvermchrung entschließen. Wenn Kinne tatsächlich einen Anfall von Epilepsie gehabt hat und dabei einem Herzschlag erlegen oder an Erstickung zugrunde gegangen ist, so darf ver- mutet werden, datz ein solches Ende bei rechtzeitiger Hilfe sich hätte verhüten lassen. Wir wollen ab- warten, ob man im Rathause es als Pflicht empfinden wird, über die ganze Angelegenheit sich öffentlich zu erklären. Was mag übrigens die Anstaltsdirektion über den Tod des Patienten Kinne seinen Angehörigen mitgeteilt haben?, Bauunfall in der Univerfitätsstraste. Seit einigen Wochen befinden sich die letzten drei alten Häuser in der Universitätsstratze im Abritz, der von der Firma Franz Carl Tornow, Berlin-Heinersdorf, besorgt wird. Entgegen den polizeilichen Anordnungen werden Mauern und Pfeiler mit dem Seil umgerissen und die Bauten mit einer solchen Hast dem Erdboden gleich gemacht, datz jeder Laie Unglücksfälle für unausbleiblich halten mutzte. Diese sind dann auch eingetreten. Erst stürzten zwei Arbeiter ab und mutzten ins Krankenhaus gebracht werden und gestern morgen fiel der eine der Poliere, der sich durch sein Antreiben der Arbeiter auszeichnete, ab und tmitzte mit einem Beinbruch ebenfalls dem Krankenhause zugeführt werden. Ein anderer Arbeiter wurde ebenfalls verletzt. Das alles geschieht unter den Augen der Polizei, die sich in dem gegenüber» liegenden Hause Universitätsstratze öd befindet. leiniraguna sche Tage stättfindet. Gemeinsam in den Tod. Im Teltowkanal ertränkten sich der 18 Jahre alte Geschäft»- angestellte Graubaum aus der Mühlenstrahe in Lankwitz und seine 17jährige Geliebte, das Dienstmädchen Martha Kotscharowski aus der Halskestratze in Steglitz. Die beiden jungen Leute kannten sich schon seit längerer Zeit und beabsichtigten, sich zu heiraten. Da aber die Eltern mit der Heirat nicht einverstanden waren, be- schloffen die beiden Liebenden, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Montag abend nach Einbruch der Dunkelheit schritten sie zur Ausführung ihres Planes. Nachdem sie Abfchiedsbriefe anl ihre Eltern geschrieben hatten, banden sie sich mit Stricken zu- sammen und stürzten sich von der Kanalbrücke in Südcnde gemein- sam in den Teltowkanal. In der Nacht war der Vorfall in der ein- samcn Gegend unbemerkt geblieben. Gestern früh sahen jedoch Passanten die Leichen der beiden Liebenden auf dem Wasser treiben und benachrichtigten die Lankwitzcr Kriminalpolizei. Die Beamten sorgten für die Ueberführung der Toten nach der Leichenhalle in Lankwitz und benachrichtigten die Eltern von dem traurigen Ende ihrer Kinder. An Wurstvergiftung gestorben ist die 19 jährige Tochter des Arbeiters Bastian aus der Wattstr. 77 zu O b e r- S ch ö n e w e i d e. Frau B. hatte auf dem Wochenmarkt Blutwursi gekauft und ihren beiden Kindern, einem Knaben und einem Mädchen, davon zu essen gegeben. Auch sie selbst genoß von der Wurst. Alle drei Personen erkrankten bald darauf unter Ver- giftungserscheinungen und das Mädchen starb nach mehreren Stunden. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Der Zustand des Bruders ist bedenklich, während bei der Mutter Lebensgefahr nicht vorliegt._ Fahrstnhlungliick. Ein Fahrstuhlunglück ereignete sich gestern nachmittag tn Ker Konfitürenfabrik von Duclaud Aktiengesellschaft, Hierselbst, Schulzendorfer Straß« 23. Dort waren an einem Lastenaufzug zwei Monteure der Firma Neumann u. Rechlin, Berlin, Chaussee- stratze 2, mit Reparaturen beschäftigt. Als sich der Fahrstuhl in der Höhe der 4. Etage befand, war der Monteur Wilhelm Schmeitzer zu Berlin, Ziethenstrahe 28, an der im Erdgeschoß befindlich«» Seil- trommel beschäftigt. Auf bisher nicht aufgeklärte Ursache fuhr den Fahrstuhl plötzlich in die Tiefe und der an der Trommel beschäftigte Monteur wurde durch da» plötzliche Anschncllen deS Seiles so schwer verletzt, da er außer einem Schädelbruch noch schwere Vor- letzungen im Gesicht erlitt. Im hoffimngslosen Zustande wurde er nach dem Birchow-Krankeichause gebracht. Am Grate des Manne»»am Schlage gerührt. Von einem tragischen Geschick ist die 80 jährige Witwe Mlhelmine Schwane»» Berti aus der Tothenstraße 4 in-Schöneberg detroffen worden. Frau Sch. besuchte das Grab ihres vor einiger Zeit verstorbenen Mannes auf dem EmmauSfriedhof in der Hermannstraße in Neukölln. Kaum hatte sich die Witwe einige Zeit auf dem Kirchhofe aufgehalten, als fie plötzlich besinnungslos zu Boden sank. Andere Besucher brachten die Erkrankte zu einem in der Nähe wohnenden Arzt, der einen schweren Schlaganfall feststellte, durch den die Frau auf der ganzen rechten Körperseite gelähmt worden war. Mittels Krankenwagens wurde die Witwe nach dem Schöneberger Krankenhause geschafft. In der Badewanne vom Tode überrascht wurde gestern abend der 30 Jahre alte Obsthändler Hermann Strctz aus der Sorauer Str. 24. Der Mann, der verheiratet war und Vater von zwei kleinen Kindern ist. litt schon seit längerer Zeit an Herzkrämpfen. Erst gestern nachmittag hatte er einen schweren Anfall. Als er sich gegen Abenl) erholt hatte, ging er, obwohl seine Frau ihm davon abriet, in eine Badeanstalt in der Köpenicker Straße und nahm ein warmes Wannenbad. Als er über die Badezeit hinaus in seiner Zelle blieb und sich darin nicht rührte, öffnete der Besitzer. Dieser fand Stretz tot in der Badewanne liegen, aus der das Waffer bereits abgelaffen worden war. Da der Körper noch warm war, benachrichtigte er sofort die Hilfswache in der Görlitzer Straße. Als der Arzt erschien, konnte er jedoch nur noch den in- folge Herzschlages eingetretenen Tod feststellen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. In de« Tegeler See gesprungen ist von einem Sterndampfer aus am vergangenen Sonntag ein noch unbekannter Mann, deffen Leiche bisher noch nicht geborgen und dessen Persönlichkeit nicht festgestellt werden konnte. Es ist ein Mann von etwa 35 Jahren, der seinem Acutzercn nach dem Arbeiterstande angehört zu haben scheint. Er ist 1,60 Meter groß, hat dunkles Haar, einen ebensolchen Schnurrbart und ein volles Gesicht und trug einen dunkelgrauen Anzug, eine lange dunkle Krawatte und einen grauen, weichen Filzhut. der noch aus dem Wasser gefischt werden konnte. Im Innern trägt der Hut die Firmenbezeichnung Hanni Neubert, Müllerstr. 164. Leim Baden ertrunken ist gestern nachmittag im Tegeler See unweit Tegelort ein in der Gerichtstraße wohnender Mann, der etwa 44—45 Jahre alt sein kann. Der Mann ging plötzlich unter und obwohl schleunig Hilfe gebracht wurde, konnte von dem herbei- gerufenen Arzt nur noch der Tod festgestellt werden. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich gestern auf der Lehrter Eisenbahnstrecke zugetragen. Zwischen dem Spandauer-Hauptbahnhof und der Station Ruhleben wurden Reparaturarbeiten ausgeführt, bei denen auch der 26 jährige Arbeiter Alfred Grosche aus der Plantage 14 iir Spandau beschäftigt war. Als nachmittags der von Verlin fällige Eilgiiterzug heran- nahte, traten auf das Signal des KolonnenführerS die übrigen Ar- beiter rechtzeitig zurück, während G. anscheinend das Zeichen nicht beachtet hatte. Er wurde von der Lokomotive erfaßt und überfahren. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Leiche des Verunglückten wurde polizeilich beschlagnahmt. Ein„gerissener" Spitzbubentrick. Mit einem schon recht alten, doch immer noch wirksamen Trick „arbeitet" eine Schwindlerin und Diebin, die seit einiger Zeit in Warenhäusern auftritt und es hier auf die Kundinnen abge- sehen hat. Damen, von denen sie nach ihrem Acußcren annimmt, daß sie Gold oder Schmucksachen in ihrer Handtasche nachtragen, folgt sie durch die einzelnen Gänge, um ihnen bei geeigneter Gc- Icgcnheit— a u f den Rock zu treten. Am liebsten wählt sie hierzu die Truppenflure. Trotzdem sie dies so heftig macht, daß st e t s ein Ritz entsteht, versteht sie es so geschickt anzu- stellen, daß man ihre Absicht dabei nicht merkt. Im selben Augen- blick, wo sie einer Dame ans den Rock getreten hat und diese er- schreckt sich umsieht, bittet sie tausendmal um Entschuldigung und erbietet sich sofort, den Schaden wieder zu reparieren. Sie bittet die Damen zu diesem Zweck, mit ihr eine Toilette aufzusuchen, wo sie sich gleich so ernsthaft um die Ausbesserung der zerrissenen Stelle bemüht, daß die Kundinnen ihr gern verzeihen und gerührt darüber sind, wie sich die Fremde so eifrig ihrer annehme. Diese setzt oas ganze Manöver jedoch nur in Szene, um Gelegenheit zum Diebstahl zu erhalten. In der Aufregung merken ihre Opfer gar nicht, daß sie deren Handtasche nach Geld und Schmucksachen durchwühlt, um damit im geeigneten Augenblick unter irgend- einem Vorwandc zu verschwinden. Die gefährliche Spitzbübin, vor der hiermit gwvarnt sei, steht im Anfang der zwanziger Jahre, ist kaum mittelgroß, hat eine gebogene Nase uno pflegt ein langes, schwarzes Jackett zu tragen. „Der freie Händler". Unter diesem Titel hat die Berliner Händlerschaft am 15. Juli ein neues Organ herausgegeben, das die Interessen der Kleinhändler und freien Gewerbetreibenden vertreten will. � kammission des Kreises Nicderbarnim sieht sich infolge der rapiden Entwickclung ihres Veranlagungsbezirkes genötigt, ihre in Berlin, Sicbcrstraße 1/2, belegene Verwaltung zu teilen und eine zweite Vcranlagungsstelle nach auswärts zu verlegen. Hierzu ist nun nach geeigneter Scrrichhing die mictsweise Ucbcrlassung der alten Schule ausersehen. Die Gemeindevertretung hat dem Projekt bereits zu- gestimmt und die erforderlichen Mittel bewilligt. Bei der Instand- setzung des Gebäudes ist beabsichtigt, dasselbe durch Beseitigung der auf der Nordscite belegenen öffentlichen Bedürfnisanstalt und Frei- bank freizulegen und letztere beiden Gemeindeanstaltcn an anderer geeigneter Stelle unterzubringen. Adlershof. Die Generalversammlung des WahlvcrrinS wurde eingeleitet mit einem Vortrag des Genossen Müller über„Amerikanische Kultur- Verhältnisse". Der Vortrag wurde allgemein beifällig aufgenommen. Darauf wurden die Berichte von der Kreisgcneralversammlnng und der Verbandsgeneralversammhing von Groß-Berlin ohne Diskussion entgegengenommen. Genosse Meil gedachte im Vorstandsbericht der zur Landtagswahl geleisteten Arbeit und deren Erfolge. 1908 wurden bei der Landtagswahl 17 sozialdemokratische Wahlmänner am Ort gewählt, wohingegen bei der diesjährigen Wahl von 40 am Ort zu wählenden Wahlmännern 28 auf unsere Partei entfielen. In der darauf folgenden Hausagitation wurden 26 neue Mitglieder und 16.Vorwärts"-Leser gewonnen. Die Mitgliederzahl vermehrte sich im Quartal um 47; also sind im ganzen 882 Mitglieder am Ort. Die Zahl der„Vorwärts"- Leser vermehrte sich trotz Abbestellungen und Verzüge um 6; Gesamtzahl 892. Genosse Martin gab den Kassenbericht. Die Einnahmen im Quartal betrugen 693,10 M.: Ausgaben waren 652,52 M., so daß ein Ortsbestand von 40,58 M. vorhanden ist. Genosse Friedrich weist in seinem Bericht des BildungSauSschusseS besonders auf den Kampf gegen die Schundliteratur hin. Zwei vom Genossen Neu mann eingebrachte Anträge zum Parteitag wurden einstimmig an- genommen und dem Zentralvorstand des Kreises zur weiteren Be- Handlung überwiesen. Am Schlüsse fordert Genosse Meil nochmals die Versammelten auf, stets rührig für die Partei zu wirken. Sitznngstage von Stadt-«nd Gemeindevertretungen. Mariendorf. Donnerstag, den 17. Juli, nachmittags 5 Uhr, im Rathause, Kaiserstratze. Diese Sitzungen sind Sssenilich. Jeder Gcmcindeangehörigc ift b« rechtlgt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Smcbts- Zeitung. Bei einem Zusammenstoß schwer verunglückt ist gestern früh der Führer eines Aktenautomobils des Polizeipräsidiums. Als der Kraftwagen, auf dem ein Beamter als Führer auf dem Bock»nd ein zweiter als Begleiter im Innern pes Autos saß, gegen 7 Ubr durch die Langestraßc kam, wollte es vor dem Grundstück Nr. 99 einen Mörtelwagen, der in derselben Richtung fuhr, überholen. Infolge des schlüpfrigen Pflasters schleuderte das Automobil aber und stieß von der Seite mit dem Lastfuhrwerk zusammen. Durch den heftigen Anprall wurde der Beamte vom Bock gerissen. Er siel dabei so unglücklich auf das Straßenpflaster, daß er sich einen doppelten Bruch des linksn Armes zuzog. Sein Begleiter und der Kutscher blieben unverletzt. Der Führer wurde nach der Hilfs- wache in der Holzmarktstratze gebracht und von hier nach An- legung eines Verbandes auf seinen eigenen Wunsch nach seiner Wohnung._ Verloren. Ain Dienstag, den 3. Juli, ist ein geschlossenes Kuvert, enthaltend 56 Marken a 40 Pf., 26 Marken a 20 Pf., 6 Jugendmarken auf dem Wege vom Köllnischen Park zur Bocckh- straße verloren gegangen. Es wird gebeten, dieselben bei Meister, Boeckhstr. 12, vorn III, bei Weickert abzugeben. Vorort- 1>iackrid)ten. Pankow. Tie alte Dorfschule, welche wegen durch ihr Slltcr bedingter Untauglichkcit zu Unterrichtszwcckeu auf im Frühjahr 1911 ge- faßten Beschlutz der Gemeindcvcrtrctring mit 1. Januar 1912 ab- gerissen sein sollte, hat ein recht zähes Leben und dürste vorläufig noch aus längere Jahre ihren Platz in der Breiten Straße bchaup- ten. Nachdem im Herbst 1911 die Leitung des hiesigen, damals durch Brandschaden unbenutzbar gewordenen jüdischen Waisen- Hauses bis zur Fertigstellung eines neuen die alte Schule als Unterkunftsstätte für ihre Zöglinge zu mieten und herzurichten wünschte, wurde dem von der Gemeindevertretung unter Aushebung ihres oben erwähnten Beschlusses stattgegeben, jedoch erneut bc- stimmt, daß das Gebäude mit 1. April 1913 endgültig beieltigt sein sollte. Ungeachtet dessen steht es aber noch heute, da sich die Fertigstellung des neuen jüdischen Waisenhauses bis setzt verzögert hat und erst mit 1. Oktober die jüdischen Waisenkinder ihr neues Heim in der Berliner Straße beziehen werden. Aber auch dann wird das alte Schulgebäude nicht verschwinden, sondern einer neuen Bestimmung zugeführt werden. Die Einkommensteuervcranlagungs- Vom Polizeitampf gegen die Gewcrkschafteu. Wie neuerdings an zahlreichen anderen Orten, so hat die Polizei auch in A r n s>v a l d e den mißlungenen Versuch unternommen, die Gewerkschaften für politische Vereine zu erklären. Sie richtete an die Vorsitzenden der Z a h l st e l l c n des Metallarbeiter-, Bauarbeiter- und Zimmererverbandes das Ersuchen, Statuten und Verzeichnis der Vorstandsmitglieder einzureichen. U n- begreiflicherweise ist derZimmcrervcrband diesem Verlangen nachgekommen. Der Bauarbeiter- undMetallarbcitcrverband lehnte das Verlangen aber ab. Darauf wurden die Vor- sitzenden der genannten beiden Verbände tvcgcn Ilebertretnng des Vereinsgesctzes unter Anklage gestellt. Gestern stand Termin vor dem Amtsgericht Arns walde an. Die Angeklagten wurden von Rechtsanwalt Dr. Heine- mann- Berlin vertreten. Auf die Auffordernng des Vor- sitzenden, dem Gericht Material für die politische Natur der beiden Gewerkschaften vorzulegen, wußte der A m t s a n iv a l t nichts weiter zu sagen, als daß die Zimmerer dem Polizei- lichen Ersuchen entsprochen und damit selbst den Charakter der Gewerkschaften als politische Vereine anerkannt hätten. Auch sei eigentlich jeder Streik eine mehr oder minder politische Angelegenheit. Diesen Ausführungen gegenüber hatte der Verteidiger einen leichten Stand. Das Gericht kam nach kurzer Beratung zu den: Ergebnis, daß es direkt widerlegt sei, daß die Zahlstellen des Bauarbeiter- oder Mctallarbeitervcrbandes in Arnswaldc sich politisch betätigten. Beide seien rein gewerkschaftliche Verbände ihren Statuten und ihrer Betätigung nach. Die Freisprechung sei daher ohne weiteres geboten. Zuhälterei. Mit einem argen Fall Zudältcrci beschäftigte sich gestern die 6. Fcrienstrafkammcr unter Vorsitz des Londgcnchtsdirckwrs Gocvcl. Angeklagt ist der Gclegenhcitsbauarbcitcr Fcodor Wicsner. Der Angeklagte ist Vater von vier aus erster Ehe stammenden Kindern im Alter von 5 bis 1l Jahren. Er schaffte sich eine „Braut" an, die er ztvaug, für ihn auf die Straße zu gehen und dort Geld zu verdienen, welches sie ihm abliefern mußte. Nach- dem er.seine„Braut" geheiratet hatte, nahm er seine vier Kinder zu sich. Die Versuche der Frau, wieder einen anständigen Lebens- Wandel aufzunehmen und sich und die vier Kinder durch Haus- arbeit zu ernähren, scheiterten daran, daß der Angeklagte ihr den geringen Lohn ivegnahm, in Bier und Schnaps umsetzte und sie dann unter Schlägen zwang, wieder auf die Straße zu gehen. Die nächtlichen«paziergänge- der Frau, die dabei von ihrcm Manne begleitet wurde, endeten in der ans Stube und Küche bestehenden Wohnung, in ivclcher die vier Kinder in einem Bett schliefen. Diese furchtbaren Zustände fanden endlich ihr Ende, als die Frau, da sie die fortgesetzten Mißhandlungen nicht mehr ertragen konnte, zur Polizei ging und Anzeige erstattete. Mit Rücksicht auf die Schändlichkeit des Treibens dcs�Ange- klagten erkannte die Strafkammer dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Außerdem verhängte das Gericht die llcvcrweisung an das Arbeitshaus auf gleiche Dauer über den Angeklagten. Trotz eigenen Geständnisses freigesprochen. Die Gastwirtsfrau Marie Moths, Reichcnbergcr Str. 71, er- sucht uns um Feststellung, daß sie mit der vom Schöffengericht Neukölln am 10. d. M. in zweiter Instanz freigesprochenen Gast- Wirtsfrau svcrgl. Bericht in Nr. 174 des„Vorwärts") nicht identisch ist. Diesem Wunsch kommen wir hiermit nach. GcfundhcitSgcfährlichc Tanzmusik. Den Jubiläumsrumincl bat ein geschäftskundiger Unternehmer in Stettin zum Anlaß genommen, um auf einem freien Platz einen sogenannten„Rummelplatz" einzurichten. Auf diesem „Rummelplatz" befindet sich auch ein Tanzzelt, in Ivclchem bis 12 Uhr nachts gewalzt wird, während die Fiedel singt, die Pauke dröhnt und die Trompete drcinschincttert. Ringsum sind nur Bau- stellen und zwischen diesen n»d der Stadt grünt ein großer Park. Nur ein Haus ist in der Nähe. In diesem wohnt aber ein Re- giernngsrat, der 4000 M. Miete zahlt und dafür auch seine Ruhe haben möchte. Der Rcgierungsrat beschwerte sich über die Musik in dem Tanzzelt. Der Stcttiner Polizeipräsident hatte für diese Beschwerde ein recht großes Verständnis. Ist er doch selbst ein sehr nervöser Herr, der erst in voriger Woche den Arbeitern eines Neu- baues, der gegenüber seiner Amtsstube aufgeführt wird, verbot, während seiner Amtsstunden zu arbeiten, da er den Lärm nicht der- trägt. Nun konnte aber der Polizeipräsident die Tanzniusik, nach- dem um des„patriotischen" Zweckes willen alles genehmigt war, nicht so leicht verbieten! er kmmte sie auch nicht ivegen der Ruhestörung einschränken, da selbst mitten in der Stadt gelegenen Eafes erlaubt ist, bis 12 Uhr mit Schlagzeug und Blechinstrument«« in ihren Lorgärtcn zu musizieren. Schließlich fand er, daß die Musik die Gesundheit der Anwohner gefährde. Um Ruhe zu habest, müßten sie auf einer Seite der Wohnung die Fenster geschlossen halten und hätten infolgedessen nicht genügend Luftzufuhr. Ucbrigcns sei es der„vornehmste Teil der Stadt", auf dem der ..Rummelplatz" errichtet wurde, und„diesem sollte soweit wie niög« lich Ruhe und Würde bcivahrt werden". Denn:— so hieß es in der Begründung einer polizeilichen Verfügung, Ivclche für die Zeit von nach 10 Uhr abends die Verwendung von Schlagzeug und Blech- instrumcntcn verbot—„die Bewohner dieses Stadtteils setzen sich aus Kreisen zusammen, die sich an derartige musikalische Dar- bictungcn schwerlich gewöhnen können, und die infolge ihrer Lebens« gcwohnheiten und-ansprüche Gcfundbeitsgefahrcn leichter ausgesetzt sind, als andere Kreise der Bevölkerung". Leider hat der Bezirksausschuß diese polizeiliche Verfügung aus sachlichen und formalen Gründen aufgehoben. Nun werden wohl die Leute mit dem großen Gcldsack sich eine robustere Gc- sundheit anschaffen oder sich an die Musik gewöhnen müssen, die nun einmal mit Geräusch verbunden ist. Dagegen, daß allerorts allgemein der Rubcstörung zu nacht- schlafender Zeit entgegengetreten wird, wäre nichts cinzulvenden. Weshalb aber Leute mit Kapital ein größeres Ruhcbedürfnis haben sollen als abgcrackcrte Arbeiter, ist nicht recht erfindlich. An einigen Orten bestehen allgemeine Polizcivcrordnungen in diesem Sinne.__ Gültigkeit einer Polizcivorschrift gegen Nachtmusik. Eine Polizciverordnung für den Regierungsbezirk Wiesbaden vom 20. Februar 1912 schreibt für eine Reihe von Veranstaltungen, die in öffentlichen Gastwirtschaften stattfinden und bei denen ein höheres Jntcressc der Kunst und Wissenschast nicht obwaltet, vor, daß sie um 11 Uhr abends beendet fein müssen. Für Ausnahmen ist eine besondere polizeiliche Erlaubnis rcforderlich. Wegen Ucbcrtretung der Verordnung war der Gaftlvirt Lcder- bogen von der Strafkammer in Wiesbaden verurteilt worden, weil er in feinem Lokal eine Musikaufführung ohne höheres Kunst- intcressc bis 1 Uhr nacht? geduldet habe, ohne im Besitz einer Er» laubnis für die längere Dauer zu sein. Es handelte sich um ein« Instrumentalmusik. Das Landgericht nahm an, daß die Vorschrift gültig sei, weil sie dem Schutze der Umwohner gegen nächtliche Ruhestörungen diene und somit im Gesundheitsintercsse habe er» lassen werden können. Der Angeklagte legte Revision ein. Das Kammergcricht verwarf dieser Tage das Rechtsmittel und führte aus: Im Gegensatz zu Darlegungen des Oberstaatsanwaüs sei nicht anzunehmen, daß der vorliegende Fall das Kammergericht zwinge, die Richtigkeit seiner bisherigen Auffassung nachzuprüfen, welche dahin ging, daß§ 360 Ziffer 11 des Strafgesetzbuchs die Materie des ruhcstörenden Lärms erschöpfend regele und auf diesem Gebiete keinen Platz lasse für Polizciverordnungcn. Denn mit Bezug auf Musikonffnbrnngen und äbnlichc Aufführungen ohne höheres Kunstinteressc, wenn sie in öffentlichen G-astwirtschoften stattflicheii, sei damit zu rechnen, daß sie bei längerer Ausdehnung in die Nacht binein zu einem gesteigerten Alkoholgenuß und damit leicht zu Exzessen führten, die das Publikum bedrohen. Mit Bezug auf solche Veranstaltungen, von denen sa vier eine in Frage komme, sei die Verordnung deshalb rechtsgültig im Hinblick auf K 6 des Polizeivcrwaltungsgesetzcs in Verbindung mit§ 10 Teil 2 Titel 17 des Allgemeinen Landrechts, wonach die Aufgabe der Polizei u. cl. die sei, vom Publikum bevorstehende Gefahren abzuwenden. Versammlungen. Deutscher MctaNarbcitcrverband. Tie OrtSvcrloaltnng Berlin hielt am Montag eine außerordentliche Generalversammlung ab. Cohen referierte über den kommenden in Berlin stattfinden» den internationalen Metallarbeitcrkongretz. Redner erinnerte an die früheren Kongresse und deren Ergebnisse und gab eine all- gemeine Ucbcrsicht von der in den letzten Jahren geleisteten Arbeit des„Internationalen Bundes". Cohen stellte auch fest, daß bereits fast der ganze Kontinent in einem Vertragsvcrhältnis zu- einander steht. Die Schaffung und Fördex/rng des Bundes ist im wesentlichen dasx Verdienst der deutschen Metallarbeiter. Wenn es bisher von deutscher Seite vermieden»oordcn ist, auf den Kon- grossen über die grundsätzliche Auffassung des Kampfes und fein« Formen zu debattieren, so deshalb, weil in Anbetracht der ver- schiedencn Landes- und Sprachvcrhältnisse eine Klärung und Ver- ständigung doch sehr schwer Ivärc, Der Aufbau der gcwerkschaft- lichen Organisationen und die Auffassung vom wirtschaftlichen Kamps ist in einzelnen Ländern kein willkürlicher, sondern ein historisch gewordener und eine Aenderung von beute auf morgen nicht zu erzielen: doch sei auch hier eine Entwickclung in unserem Sinne zu vcrzeichncn. Der Kongreß soll den ausländischen Gc- Nossen, insbesondere den englischen zeigen, daß das, was früher einmal vorbildlich war in Gemcrkschaftseinrichtungcn, heute in Deutschland schon weit überholt sei. Damit solle nicht geprahlt werden, aber der Kongreß sei berufen, die Idee» weiterzupflcnrzen, und er werde auch eine Art Anschauungsunterricht darstellen. An den Bericht schloß sich keine Diskussion. Hierauf wurde die Aufstellung der Kandidaten für die Delegation vorgenommen. Cohen berichtete, daß der Vorstand beschlossen habe, den Verband durch 25 Delegierte auf dem Kongreß vertreten zu lassen. Für Berlin sind 3 Telegicrie vorgesehen. Tic OrtSvcrioaltung habe den Bczirksvcrsammlungen die Mitglieder Cohen. Sterin g, Watfchijki vorgeschlagen, und da au? den Bezirksversamnilungen lvcitcrc Vorschläge nicht gemacht werden, stehen jetzt auch nur diese 3 Mitglieder auf der Kandidatenliste, Es fei natürlich das Recht der Generalversamm» lung, weitere Vorschläge zu machen. Von den nunmehr vorgeschlagenen Mitgliedern nahm memand mehr an, so daß die somit endgültige Liste nur die 3 von der Ortsvcrlvaltung vorgeschlagenen Namen entlnclt. Mit Rucksicht darauf, daß für die zu wählenden 3 Delegierten nur 3 Kandidaten vorhanden waren, beschloß die Generalversammlung, die vor- geschlagenen Mitglieder als gewählt zu betrachten, unter der Vor. aussetzung, daß der Vorstand»ich der Aufsassung anschließt, wonach unter den gegebenen Umständen eine UrWahl sich erübrigt. Hus aller Melt. 30 Personen durch Explosion einer Staphtaquelle 1 verbrannt. Ein fuchtbarcs Unglück hat sich in Baku bei Bohrarbeiten zu- getragen. Als die Arbeiter eine neuerbohrte Naphtaquelle einfassen wollten, begann diese plötzlich zu brennen. Im Augenblick sahen sich etwa 30 Arbeiter, die fich tn dem Bohrturm befairde», von einem gelvaltigen Flammenkrcis unigebcn, aus dem es kein Eni- rinnen gab. 30 Arbeiter sind m oen Flammen umgekommen. Die riesige Flammenfontäne ist noch in einer Entfernung von 50 Kilo- meter sichtbar.- Ein Titteuskandal. In Saarbrücken schwebt nach der„Franks. Ztg.' seit acht Tagen eine peinliche Untersuchung gegen Schüler und Schülerinncn mehrerer hiesiger höherer Schulen. Man ist einem Klub auf die Spur gekommen, dessen Z'veck die Pflege erotischer Beziehungen war. Zwei Frauen, die durch Hergäbe ihrer Wohnungen dem Treiben der jungen Leute Vorschub leisteten, sind bereits ermittelt und in Haft genonunen worden. Durch die Affäre sind eine ganze Anzahl angesehener Familien in Mit- leidenschaft gezogen worden. Die Angelegenheit erregt unangenehmes Aufsehen, zumal erst vor einigen Jahren eine ähnliche Affäre viel böseS Blut gemacht hatte. 31 Polizeiverordnungen auf einmal hat die in Linden eingemeindete Ortschaft Ricklingen erhalten. Der Magistrat von Linden gibt die Verordnungen nach Namen und Datum bekannt; sie betreffen das bürgerliche Leben von der Wiege bis zum Grabe, das geschäftliche und öffentliche Leben im Handel und Verlehr und werden den nun erst zu wirklichen städtischen Bürgern gewordenen Ricklinger Einwohnern nicht wenig Kopf- zerbrechen machen. Was sie alles regelt, hat ein Lokalpoet in folgende kurze, von jedem Ricklinger auswendig zu lernende Form gebracht: Willst, Ricklinger, du jetzt baden Oder etwa Mi st verladen, Willst du in der Kneipe zechen, Oder dir ein Blümchen brechen, Willst du über Nacht hier bleiben, Oder Vieh durch Straßen treiben, Willst du Freibankslei sch verkaufen, Läßt du H u n d c V i e ch c r laufen, Hältst du dir für ein kleines Schwcinchcn Oder bricht dein Pferd ein Bcinchen, Willst du Droschken fuhrwerk haben, Andere mit Eis erlaben, Willst du, allen zum Entzücken, Mit'nem K i e n t o p p uns beglücken, Willst dein Haus du nummerieren Oder es desinfizieren, Wächst etwa auf deinem Acker Das Franzosenkraut zu wacker, Willst du dir ein Haus erbauen, Oder'nen störrff'chcn Gaul verhauen, Möchtest du'nen Tcppich klopfen, Oder frische W ü r st e stopfen, Solltest du die Pocken haben, !Dt>er läßt du dich begraben, Dann, Ricklinger, Frau und Mann, Sieh' er st die Verordnung a n! Gcschäftspatriotismus. Die„Tägl. Rundsch." entrüstet sich— man staune— über den Geschäftspatriotismus eines Fabrikanten. Betrieben werde dieser »üble Geschäftspatriotismus" von einem gewissen Paul Rohr in Leipzig, der anläßlich des 12. Deutschen Turnfestes in einem Pro- fpekt angekündigt habe, daß er der Deutschen Turnerschast öOOV M. schenken werde. »Was veranlaßt ihn(den Herrn Rohr) denn zu dieser nam- haften Gabe? Eine Erfindung, die auch, abgesehen von der 5000- Mark-Gabe, die Beachtung der deutschen Turner verdient; eS ist dies der vorzügliche Hosenträger„Wahrheit", D. R.-G.-M. 549 689, der sich besonders durch sein bewegliches Hinterkreuz vorteilhaft vor den anderen Hosenträgern aus- zeichnet. Unter welcher Bedingung soll das öllvv-Mark-Geschenk der deutschen Turnerschaft zugewendet werden? Die deutsche Turner- schaft hat es selbst in der Hand, diese Bedingung ohne Anstrengung und Opfer zu erfüllen. � Der T u r n g e n o sse Rohr macht nämlich lediglich zur Bedingung, daß bei ihm bis zum Jubel- festtag wenigstens 20 099 Paar Hosenlräger be- fielt worden sind, eine Forderung, die im Hinblick auf die Riesenschar der deutschen Turner und in Anbetracht der erprobten Brauchbarkeit, Einfachheit und Dauerhaftigkeit des„Wahrheits*- Hosenträgers schnell erfüllt sein kann...." Wenn eS keinen schlimmeren Geschäftspatriotismus gäbe, als den des findigen Hoienträgerfabrikanten, wäre es trefflich um das Vaterland bestellt. Leider ist der Gcschäftspatriotismus unserer Rüstungsinteressenten viel weniger harmlos. Dagegen freilich wird man in der Presse vom Schlage der »Tgl. Rdsch." vergebens nach Protesten suchen! Holz wertvoller als Soldatenlcben. Aus Pettau(Steiermark) wird vom 12. Juli gemeldet: Als heute 19 Uhr vormittags eine von den Pionieren des hiesigen Bataillons zu Nebungszweckcn hergestellte Brücke zu sprengen war, wurden zehn Pioniersoldaten unter dem Kommando des Leutnants Ntazenkowitsch befohlen, das brauchbare B rücken- holz aufzufangen. In zwei Zillen fuhren deshalb die Soldaten in der Drau. Plötzlich kippte eine Zille um und fünf Pioniere und der Leutnant fielen in den Strom, der infolge des Regens sehr reißend ist. Ter Leutnant wollte die Pioniere retten, wäre aber, tvenn nicht Hilfe gekommen wäre, selbst ertrunken. Ter Korporal W o h I g c m u t h, der Gefreite I u d und die drei Pia- nierc Klaps, Steiningcr und Sessel sind ertrunken; die Leichen konnten trotz eifrigen Suchcns noch nicht gefunden werden. Man hat die Soldaten in den Strom geschickt, obwohl Hochwasser ist. Kleine Notizen. Sittlichkcitsvcrbrcchen. In Vingst bei Köln lockte am Mon- tag abend ein Mann ein kleines Mädchen in ein Roggenfeld. Auf das Geschrei des Kindes eilten Erwachsene herbei. Sie fanden das kleine Mädchen in ihrem Blute liegend auf. Der Unhold hatte es mehrere Stiche im Kopf und in der Lungengegend beigebracht. Die Leute brachten das Kind in ein Hospital, wo es schwer danieder- liegt. Der Täter entfloh nach dem Walde. Folgenschwerer Eisenbahnzusammenstoß. Aus Prag wird ge- meldet: Bei Smekna-Sternberg auf der Buschtiehradcr Bahn stieß vorgestern nacht ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen. Zehn Personen w u r d e u s ch w e r und elfleichtverletzt. Die Züge wurden stark beschädig!. Zur Grubcnkatastrophe in Auliin. Nach den letzten Meldungen aus Aubin im Departement Avehron sind der gestrigen Gruben- katastrophe im ganzen 11 Tote zuni Opfer gefallen. Die Leichen waren so furchtbar verstümmelt, daß es erst nach stundenlangem Bemühen gelang, ihre Identität festzustellen. Neun andere Ar- bester sind'mehr oder weniger schwer verletzt worden. Brnfkaften der Redaktion. Sit Jntiftifdit Sprtqstundt findet Ltndtnstrake Lg, dorn dler Treppen — Fahrstuhl—, wochcntäglich von bis 7V. Ein solcher Vertrag isi bindend.— F. H. 199. 1. Gegen die Schwiegereltern. 2. Landgericht Magdeburg. 3. Ja. 4. Auf Verlangen dcS Anwalts ja, sofern Sie nicht das Armenrccht haben.— K. 56. Eine Be- strasung könnte nur dann� erfolgen, wenn wegen des Verkehrs die Ehe gc- schieden ist.— H. R. Die Kündigung ist oerspäiet erfolgt, Sie würden nicht nur für das Vierteljahr Ottobcr— Januar, sondern sür die Vertrags- daucr haftbar bleiben, sofern der Vermieter nicht weiter vermietet. Witterungsüberficht vom 15. Juli 1913. Stationen ->? = Ü I ef Swinemde.>7ö7OsO Hamburg 756 D Berlin 7p6'aD Franks. a.M 75KjSW München 7593® Wien i758';S Wetter S tsS E-- <4(1 i» «ä IwolkenU 20 I balb bd. 20 I halb üb. 21 2 bedeckt 20 4 bedeckt 17 Ibcdcckt 18 Stationen SS 2 S i= 6- = 3 ü � Haparanda 758NO Petersburg!—— Scill» 1762 3k®. Abcrdeen! 762 NN® Paris Wetter wolkcnl _ i_ 4 wolkig Medeckt 759 WS® 3 bedeckt C* f* *£ Wetterprognose für Mittwoch, den 16. Juli 1913. Etwas kühler, zunächst ziemlich trübe mit leichten Regensällen und mäßigen südwestlichen Winden; später wieder aufklarend. Berliner Wettexbureau. Waiierstandö-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterbureau ') st- bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. Marktpreise von Berlin am l t. Juli 1913, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,24 bis 20,30, mitiel 20,12— 20,18, geringe 20,00—20,06. Roggen, gute Sorte i7,>8— 17,20, mitte! 17,14—17,16, geringe 17,10—17,12(ab Bahnj. Futter« geilte, gute Sorte 16,70—17,00, mittet 16,30—16,60, geringe 15,90—16,20. Hajer, gute Sorte 17,40—19,00, mittel 16,50—17,30. Mais(mired), gute Sorte 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,70—15,30. Richtstroh 0,00. Heu, alt 0,00, neu 0,00—0,00. M a r t l h a l l en p r e i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebobnen, weihe 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.), alte 0,00—00,00, neue 9,00—16,00. 1 Kiiograinni Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchflcisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,60—5,40. i Kilogramm Karpieu 1,80—2,80. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,00— 2,40. Schleie 1,60— 3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 1,00—60,00. Todes-Anzeigen S30 Am Montag, den 14. Juli, nachmittags 51/, Uhr, verstarb nach längerem Krankenlager, an den Polgen eines Schlaganfalles, unser innig, stgeliebter Vater, Schwiegervater, Onkel und Großvater, der Schriftsetzer 118/4 ■Eduard Rimbert im beinahe vollendeten 75. Lebensjahre. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Paul Schubert, als Sohn Marie Schubert, als Schwiegertochter. Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. Juli, nachmittags o1/, Uhr von der Leichenhalle des Gemeindefriedhofs in Wilmersdorf,«Berliner Straße 101—103, aus statt. I B ist Sozialdemckratischer Wahlverein 1.1 2.BeFl.PieiclistaäS-Wah!kfeis. Bezirk III. Am 13. Juli verschied nach nach langem Leiden unser Genosse August Kittel'. Ehre feinem Andenken Die Beerdigimg findet heute Mittwoch, den 16. d. MiS., abends 6 Uhr, von der Leichenhalle des v Heilig-Kreuz- Kirchhofes in Ma- B riendorf aus statt. 206/5 Der Vorstand. Sozialtlemokratiseher Wahlverein L 1 Uerl. Reieiistagswahlkreis. (Bezirk 191 Teil I u. II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Äkilgiied, der Schristgichcr Hennalm Voigt im Lichterfeidcr Krankenhaus c gestorben ist. 1542b Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung sindct heute, Mittiooch, nachmiltags 5'/. Uhr, von der Leichenhalle des Frei- l religiösen Friedhofes, Pappel- Allec 15/17, aus statt. Um rege Beteiligung ersuchen Die Bezirlsführer. Deiitscher Transporlarheiter-Yerhanl Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Packer Fritz Hirsch am 12. Juli im Alter von 50 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 16. Juli, nachm. 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des städt. Friedhofes in Buch aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 66/13 Bio Bezirksvei-Aaltiing. Am 13. Juli verstarb nach lan- gem Leiden unser lieber Kollege, der Schristgichcr, Hermann Voigt im 51. Lebensjahre. 1543b Seine rege Wirksamlcit in der Mcwerkschast imd sein kollegiales Wesen können stets cinVorbildsci». Sein Andenken wird immer in hohen Ehren hallen: Das Personal der Schrift- gicfferci Wilhelm Woellmer. Beerdigung siebe gestrige Anzeige! �Danksagung. Allen denen, die sich an der Be- erdigung unser lieben, braven Tochter und Schwester 40A Hanna Baumgart beteiligt haben, sagen wir unseren herzlichsten Dank. Berlin-Lbcrschöneweide. Familie Krüger. 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Die Vertrauensmcinner Konferenz am Donnerstag, den 17. Juli, findet nicht statt. 122/2 Die Ortsverwaltung. Eine Badereise mit Kindern soll nicht nox für diese, sondern auch für die Mutter eine Erholung sein. Trotzdom müssen die Kinder natürlich zu ihrem Rechte kommen, besonders die Kleinsten bedürfen der gleichen pünktlichen Wartung und Pflege und derselben sorgfaltigen Ernährung wie daheim. Eine leicht und bequem zu bereitende Nahrung wie nKufeke"-Milchsuppe wird daher bevorzugt, besonders da es bekannt ist, daß sich„Kufeke* durch lange Haltbarkeit, hohen Nährwert und leichte Verdaulichkeit auszeichnet, und daß die Kinder bei„Kufeke"- Kost sich kräftig und gesund entwickeln. c/ti-ß-eÄ/i-e/r» cJtiw XU' Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzetislr. 41, ä'Ä 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen S Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedltlon, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Gnrdtneitk Steppdecken! Portieren! Tischdecken I außergewöhnlich billig! VorwärtZleser 5 Prozent Rabatt extra I Gardinenhaus Brünn, Hacke» scher Markt 4(Bahnhos Börse). Sonntags geöffnet.* Pfandlethhaus Hermannplatz 6- Spottbilliger Betlenoerfaus. Wäsche- verkaus. Gardinenverfaus. Teppich. verknus. Goldwarrnlager. Riesen- auswahl Herrengarderobe. Sonntags- verkaus ebensalls.* Pettenstaiid 9,—. Brunnen- straffe 70, im Keller. 120051* Wanderkarte» und Bücher, Reise- sührer, Kursbücher hält stets am rt.iger. Buchhandlung Vorwärts. Lindenstraffe 69. Toppich-Thomns.Oranienstr. 126, verkaust sarbsehlerhaste Teppiche ipott- billig! Gardinen, Steppdecken, Tischdecken halben Preis. 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