Ar. 181. 30. 1-Hrg. B�nnemenls-Redingungen: M A A., lonnemcnlä• �teiä ptinumetanto:■■■■[ M � d r/n�m�W P�°",ür ImÄ zna™8uÄ H Jm\ M W■ k H■■ Hl■ � ur ��7/&«euÄÄffi®.?8� r�rln;%,.mmEf� Wn eLS�i' W W W MTl Hi W RH W W W// M M>- // und Leri-Unmlungz-Anzeigen 30 Wa. 'mit InnnMnl' �uSS Ii-— I RH RH—'|H DH»>W) DD W Ar„Kleine Hnreigen", das seUgedrucklc sfÄÄÄl«: GW rm II H HHH Hl H�l H> AL la,30,� inaelraatn' in � bietoolf0 �Hhino«* H BS HB bRI JBLx BHI B8 H| Ih Stellengesuche und Echlafstellenan fISlhil* o?�;!hnns?■>■■ B HB JBa.\ B zeiyen dag erste Wort lv Psg. jedes W W � �(�P�tÄX/ BB-V Hl Z' B weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buch- SSCrSSs k.M.- 1-X l'yas'eÄ»":,? ffiSÄnS&ÄS u?4»ÄK* SÄÄiTi SÄ&ÄasS: � V�_i-— J � «.«««». X�CVlttlCU ÄsSÄS". Zentralorgan der fozialdemokratifd�en Partei Deutfchlands. Redaktion: öd. 68, Llndcnstraese 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Str. IStiZ. Lrfinäerichut?. Der„Reichsanzeigcr" vom 11. d. M. veröffentlicht au •46 Spalten die vorläufigen Entwürfe eines Patent- g e s e tz e s, eines Gebrauchsmustergesetzes und eines Warcnzeichengesetzes nebst Begründung. Die Entwürfe sind den Regierungen der Bundesstaaten vom Reichskanzler zur Prüfung mitgeteilt. Die Veröffentlichung im„Reichsanzeiger" ist zu dem verständigen Zweck erfolgt, damit auch weitere Kreise zur Ateinungsäutzerung Gelegenheit haben. Die wesentlichsten Aendcrungen, die der P a t e n t g e setz- en t wu rf gegenüber dem geltenden Recht einführen will, bezichen sich, abgesehen von den Aenderungen der Verfassung des Patentamtes auf Aenderungen in der Gebührenhöhe und auf eine formal andere Gestaltung des Rechtes des Erfinders sowie auf Regelung der Rechte des gewerblichen Ange st eilten, falls dieser Erfinder ist. Bei Regelung dieser drei Punkte ist im Gegensatz zu der Anficht des Entwurfs keineswegs der sozialen Gerechtigkeit eutgcgengekommen. Tie Gebühren betragen zurzeit für das erste Patent- fahr 30, für das zweite 50, für das dritte 100 und für jedes folgende Jahr jedesmal 50 M. mehr. Wird das Patent volle 15 Jahre hindurch aufrechterhalten, so werden insgesamt 5820 M. Gebühren bezahlt. Ter Entwurf schlägt für die ersten fünf Jahre eine gleichmäßige Festsetzung von 50 M. der Gebühren vor. Für die volle patentfähige Zeit von 15 Jahren würden also statt 5280 M. 3500 M. zu zahlen sein. Neben dieser kleinen Herabsetzung der Gebühren schlägt der Entwurf eine Heraufsetzung der Be- schwerdcgebühr gegen einen ein Patent ablehnenden Bescheid von 20 auf 50 M. vor. Das ist eine arge Be> uachteiligung der minder wohlhabenden Erfinder. Zurzeit werden jährlich etwa 10 000 bis 50 000 Patente angemeldet Tie Motive erhoffen von der Erhöhung der Gebühr eine Minderung aussichtsloser Ansprüche. Das ist eine bureau- - kratischc Engherzigkeit. Die Aussichtslosigkeit eines Patent- anspruchcs richtet sich doch nicht nach der Schwere des Geld- beutcls des Ansprucherhcbers. Eine solche Erschwerung ist ent- schieden zu verwerfen, die Herabsetzung der Gebühren ist durchaus ungenügend. Wiederholt ist im Reichstage mit Fug und Recht eine erhebliche Herabsetzung der Gebühren verlangt. Weit mehr noch als in der Gebührenfrage enttäuscht der Entwurf in der Frage des S ch u tz e s des Erfinders. Tie Motive anerkennen, daß in der öffentlichen Diskussion die Klagen über den Mangel des bestehenden Gesetzes an sozialem Empfinden und an billiger Rücksicht auf die Wirtschaft- lich Schwachen einen breiten Raum eingenommen haben. Diesen Klagen will der Entwurf gerecht werden. Er tut es aber keineswegs. Ter Entwurf versagt nach wie vor dem geistig schaffenden Erfinder das unbedingte Recht auf das Patent, er versagt völlig gegenüber dem Recht des als Arbeiter, Ge- Hilfen. Angestellten, Werkmeister in abhängiger Stellung befindlichen Erfinders. Er schützt hier in einseitigster Weise die Interessen des Unternehmers, des Ausbeuters der Er- findung eines anderen. Wie liegt denn die Sachlage? Erfindungen und Entdeckungen beruhen zum weitaus größten Teil auf der kulturellen Entwickelung und geistigen Arbeit der Vorwelt und Mitwelt. Die wirtschaftliche Entwickelung drängt nach Erfindungen.. Häufig werden daher epochemachende Erfindungen und Entdeckungen an verschiedenen Orten gleichzeitig gemacht. Glück und Geist sind weder für Entdeckungen noch für Er- sindungen zu entbehren. Beide können, losgelöst von aller wissenschaftlicher imd wftrtuatucher Arbeit, auf reiner Erfahrung und Geichsiklichkeit beruhen oder aus systematischem Suchen und aus bewußter Verwertung von Naturgesetzen für das praktische �eben. Das Ertindeu ist oft nichts weiter als ein glückliMs Finden. Es kann Ent- deckung und Erfindung dem 3usvu zu dan.en sein, es kann aber auch der Abschluß bewußten Siichens scin. Oft sind ohne große Anstrengungen gctvaltige Ernndunqen und Entdeckun- gen gemacht, rastlose geistige Tätigkeit hat andere in die Er- scheinung gebracht. Stets l)at aber die Allgemeinheit, die wirtschaftliche und kulturelle Entwickelung den Hauptanteil an der Ersinduiig oder Entdeckung... Ter frühere Sprachgebrauch unterschied nicht zwischen Entdeckungen und Erfindungen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein finden wir zum Beispiel den Ausdruck:„KolumbuL erfand Amerika".' Erst allmählich hat sich emc schärfere Unterscheidung beider Begriffe herausgebildet. In der Rege: wird bei der Auffindung eines bereits vorhandenen Gegen- standes von Entdeckung" besprochen und mit dem Ausdruck „Ersliidung" eine A r b e i t s: ä t 1 g k c i t des Erfinders verbunden. Tic. gewaltigsten Erfindungen und Entdeckungen. soweit sie»lcht direkt in klingeiide Müiize sich umsetzen lassen. sind Gemeingut: an Patentierung astronomischer Erfindungen und Entdeckungen, mathematiicher gtochnungsmethoden. notionalökononiischer Ofcsrtze, historischer Methoden hat man nie gedacht. Nur da, wo eine Erfindung zu gewerblicher Verwertung verwendet werden kann, dachte man an Privilegrerung und Patentierung. Freitag, den 18. Juli 1913. Bis in den Anfaiig der kapitalistischen Wirtschaftsperiode hinein wurde die gewerbliche Verwertung ohne Rücksicht auf die Person des Erfinders bestimmten Personen privilegiert, durch ein Patent staatlich bekundet, daß sie die ausschließliche Berechtigung haben sollen. Diese Privilegienwirtschaft ist init der fortschreitenden wirtschaftlichen Entwickelung unvereinbar. Nicht Zufall ist es, daß zuerst England im An- fange des 17 Jahrhunderts solch willkürliche Privilegien aufgehoben und ein Schutz des Erfinders proklamiert wurde. In ähnlicher Weise führte in Amerika der Kongreß 1770 das Recht des Erfinders unter den Menschenrechten auf. Bald nach der französischen Revolution im Jahre 1791 treffen wir in Frankreich ein Recht des. Anmelders oder t>es Er- finders auf gewerbliche Verwertung einer Erfindung an. In den verschiedenen deutschen Vaterländern treffen wir ähnliche Bestrebungen seit Ausgang des 18. Jahrhunderts. Hier allerdings zielte die Gesetzgebung immer klarer auf den kapitalistischen Ausbeuter und nicht aisi den Erfinder als Nutznießer seiner Erfindung, als Palentberschtigten ab. Die Reichsverfassung nennt die Erfindungspatente unter den Gegenständen in Artikel 4, die der Gesetzgehung und der Beaufsichtigung des Reichs unterliegen. Erfindungen und Verwertung von Erfindungen sind von gewaltigem Wert für die wirtsibaftliche Entwickelung. Im Jahre 1877 kam das Patentgesetz als deutsches Reichsgesetz zustande, 1891 wurde es amcndicrt. Diese Patentgesetzgebung steht unter einseitigem Einfluß kapitalistischer Anschauungen. Nicht der Ersinoer, sondern der Aninelder hat in Teutschland das Patentrecht, das heißt das ausschließliche Recht, die neue Erfindung, welche eine gewerbliche Verwertung gestattet, gewerbsmäßig her- zustellen, in Verkehr zu bringen und seilzuhalten. Nur im ganz geringen Umfang erkennt das Gesetz das Recht der All- gemeinheit auf die Erfindungen an. Es können nämlich nicht patentiert lverdcn: Nahrungsmittel, Arzneimittel oder Stoffe, welche aus chemischem Wege hergestellt werden. Allerdings hat aber die spätere Gesetzgebung durch den sogenannten Warenzeichen- und Namenschntz dies Verbot leider lmrch- krochen. Ter Staat läßt ferner Patente und Erfindungen nicht zu, deren Verwertung den Gesetzen oder den guten Sitten zuwiderlaufen würden. Der setzt vorgelegre Entwurf schlägt vor, auch Mittel zur Verhütung der Empfängnis und zur Beseitigung der«Schwangerschaft unter allen Umständen einer Patentierung zu entziehen. Ohne die Begründung für diese Neuerung gutzuheißen, die wesentlich auf dem Verdacht eines Verstoßes gegen die guten Sitten durch die Erfindung be- ruht, kaiin man die Ausdehnuug solcher Mittel zuin Gemein- gut mit Rücksicht auf die Gesundheit des Volkes und zwecks Entgegentrctcns marktschreierischer Reklame billigen. Nur müßte hier und ebenso bei Arzneien der Umweg einer Patentierung durch Namen- oder Warenzeichenschutz verlegt werden. Abgesehen von den angeführten Ausnahmen, steht das Patentgcsetz und der jetzt vorgelegte Entwurf auf dem Staudpunkt eines Privatrechts an einer patent- fähigen Erfindung, das heißt, einer neuen Er- findung, welche eine gewerbliche Verwertung gestattet. Aber nicht dein Urheber der E r f i n d u n g steht nach dem geltenden Gesetz das Patent zu, wie dies in England und Amerika seit je. in Oesterreich, in Japan, in Norwegen, in den Nieder- landen seit einem Jahrzehnt der Fall ist, sondern dem A n- in c l d e r. Nominell soll nunmehr im Gegensatz zum be- stehenden Recht auf die Erteilung des Patents nicht der An- melder. sondern der Erfinder Anspruch haben. Aber die Ansprüche des Erfinders, der in einem gewerblichen Unternehmen angestellt i st, sollen in der Regel auf den Unternehmer übergehen. Die Ehre der Erfindung soll also der Arbeit werden, dem Kapital soll aber der Vorteil des Patentes zufallen. Das Reichsgericht hat alle Erfindungen eines An- gestellten zum Eigentumsmonopol des Arbeitgebers gemacht. Erst Ausgang der achtziger Jahre gelang es in einem Einzel- fall, das Reichsgericht wenigstens zu der Anerkennung zu bringen, daß ein Arbeiter, der Musikplatten mechanisch her- zustellen hatte, einen Anspruch auf eine zur Herstellung der Platte und zur Aenderung der Platte günstige Erfindung habe und nicht der Arbeitgeber. Aber Verträgen, welche Ent- gegenstehendes bestimmen, ist die Rechtskraft nicht versagt. Wer in einem gewerblichen Unternehmen angestellt ist, ver- liert nach der herrschenden Praxis, wenn die Erfindung ihrer Art nach im Bereich der Aufgaben des Unternehmens liegt, sein Recht. Ties Recht geht ans den Unternehmer über. S o s o I l c s auch nach dem Entwurf bleiben. Heute geht nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts ohne jeden besonderen ausdrücklichen Vertrag, wenn die Tätigkeit, die zu dieser Erfindung geführt hat, zu den Obliegenheitcu des Angestellten gehört, sein Recht auf den Unternehmer über. Ter Entwurf will es dabei lassen, uur soll allerdings im Gegensatz zum geltenden Recht im Patent der Angestellte c>ls Erfinder genannt werden, aber seine Rechte gehen auf den Unternehmer über. So liegt es nicht nur in den Fällen, in denen zum Beispiel in chemischen Fabriken oder in Großbetrieben, der Metall- Industrie Personen gegen Gehalt angestellt werden, um zu erfinden, sondern alle Fälle rechnen hierher, in denen es zum Beispiel einfachen Arbeitern. Werkmeistern. Angestellten durch ihre Geschicklichkeit oder Erfahrung gelingt, eine Er- Expedition: Öd. 68, Lindcnetraaec 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. findung an dem Gegenstand zu machen, den sie für den Bc- trieb herzustellen haben. Ja, weit darüber hinausgehend sind mit Arbeitern und vor allem mit Angestellten Verträge abgeschlossen, die ausdrücklich erklären, daß jede Erfindung, die der betreffende in der Zeit seiner Beschäftigung oder eine Reihe Jahre über die Bcschäftigungs- zeit hinaus macht, der Firma und nicht dem Erfinder gehört. Solche Verträge sind sogar mit An- gestellten abgeschlossen, die unter 3000, ja unter 1000 M. Jahresgehalt erhalten. Der Entwurf geht achtlos hieran vorüber. Dem Unternehmertum genügen nicht die juristischen Kniffe, um das geistige Eigentum des Angestellten auf das Unternehmen übergehen zu lassen und den Angestellten zu dessen geistigen Sklaven zu machen. Die Technik gelangt zu demselben Ziel durch Arbeitsteilung. Bei der sogenannten Etablissementserfindung, die in großen Bc- trieben mit feingegliederter Arbeitsteilung üblich geworden ist, machen eine Reihe von Angestellten Erfindungen. Aber erst durch Zusammenstellung mehrerer solcher Erfindungen kommt die zur Patentierung gelangende Erfindung zustande. In solche m Fall soll nach dem Entwurf der Unternehmer als ursprünglicher und alleiniger Erfinder gelten. Die Angestellten sollen eben nur Werkzeuge für den Kapitalisten sein. Als einzigen Vorteil bietet das Gesetz dem Erfinder— abgesehen von der Etablissementserfindung— den, daß er die Ehre hat, als Erfinder genannt zu werden. Die materiellen Vorteile der Erfindung sollen aber, wenn es sich um Auge- stellte in einem gewerblichen Unternehmen handelt, auf die Firma selbst übergehen. Doch halt, der Entwurf verspricht dem Angestellten ein T r i n k g e l d. In§ 10 Abs. 2 heißt es: „Der Angestellte kann, wenn das Patent erteilt ist, von dem Unternehmer eine Vergütung verlangen." Und wie hoch soll die Vergütung sein? Soll sie in bc- stimmten Prozenten des Gewinns aus dem Patent zum Aus- druck gelangen? Mit nichten. Das Gesetz erklärt: in der Regel liegt die Vergütung im Gehalt oder im Lohn. Sollte das ausnahmsiveise nicht der Fall sein, so kann eine V e r e i nb a r u 11 g über die Vergütung getroffen werden. Ist aber auch diese nicht getroffen, so soll der Unternehmer verpflichtet sein, ein Trinkgeld zu geben. Die Höhe des Trinkgeldes bestimmt der Unternehmer. Allerdings darf der Angestellte den Richter anrufen, wenn nach seiner Ansicht die Vergütung unbillig klein ist. Der Entwurf drückt das folgendermaßen aus „Ist über A r t und Höhe der Vergütung weder durch dieBemessungdesGehaltsoderLohnes noch sonst eine Vereinbarung getroffen, so bc- st i m m t darüber der Unternehmer nach b i l li g e m � Ermessen. Die Bestimmung erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Angestellten. Die Vorschriften des§ 315 Absatz 3 des Bürgerlichen Gesetzbuches finden Anwendung. Der Gesetzentwurf tritt den Forderungen sozialer Gc- rechtigkeit eirtgegen. Es widerspricht diesen Forderungen, die Leistung einer Erfindung zum Gegenstand eines einfachen Anstellungsverhältnisses zu machen, ohne den Erfinder an dem wirtschaftlichen Stutzen seiner Erfindung hinreichend zu beteiligen. Unvereinbar mit sozialer Auffassung ist ferner,% daß eine Erfindung des Arbeiters dem Unternehmer gehöre, der für die bedungene Arbeit, nicht aber für die Erfindung bezahlt hat. Unzulässig sollten endlich Verträge sein, die das geisfige Eigentum des Arbeiters oder Angestellten über die Zeit des Arbeitsvertrages hinaus dem Unternehmer zu- wenden oder gar verlangen, daß auch nach Ablauf des Ar- beitsvertrages gemachte Erfindungen dem Unternehmer zu- fallen. Der Entwurf bedarf einer gründlichen Aenderung durch Einräumung des vollen Rechts aus dem Patent auf den Erfinder und durch Verbot von Vereinbarungen, die den Wirt- schastlich schlechter gestellten Erfinder dem wirtschaftlich mächfigen Unternehmer ausliefern. llicht; zu vertuschen?! Auch einer Reihe von bürgerlichen Blättern fft eS aufgefallen. daß die HccreSverwaltung von vornherein so strenge Vorkehrungen getrosten hat, von den Verhandlungen gegen die in die Krupp- Affäre verwickelten Offiziere ja nichts in die Oeffentlichkeit ge- langen zu lassen. TaS sei um so befremdender, ÄS doch nicht nur die krupp-offiziöse Presse immer wieder versichert habe, daß die Be- stechungen ohne Vorwissen der Betriebsverwaltungen der Firma Krupp nur mit cinigep untergeordneten Beamten der HeereSver- waltung angeknüpft worden feien, sondern da auch der damalige Kriegs minist er v. Hccringen selbst Liebknecht gegen- über feierlich versichert habe, daß die Heeresverwaltung n i ch t s z u vertuschen habe. Die Ausschließung der OeffentQchkeit in dem bevorstehenden Prozeß sehe aber einer Vertuschung verteufelt ähn- lich. Sie werde denn auch im In- und Auslande höchst ungünstig beurteilt werden. Nur wenn rückhaltlose' Aufklärung vor der breiten Oeffentlichkeit erfolge, könne die fatale Geschichte eine einwandfreie Erledigung finden. Daß es aber wirklich mancherlei zu vertuschen gibt, daß nicht nur einige„untergeordnete" Organe, sowohl auf militärischer Seite, als auch auf feiten der Firma Krupp, in die schmutzige.Geschichte verwickelt sein dürften� ergibt sich hinlänglich ou3 weiteren Mitteilungen, die wir in der Presse finden. Ta heißt es: ..Ueber die Art der Verfehlungen, die den Angeklagten zur Last gelegt werden, verlautet, daß die Angeklagten die Firma Krupp durch chren Angestellten Brand über Neu- anschaffungen oder Aenderungen, die von der Militärver- waltung geplant waren, informierten, daß sie der Firma Krupp bei Submissionsausschreiben die Preise der Äon- kurrenzsirmen, besonders der Rheinisch-Westfälischen Metallwarenfabrik, mitgeteilt hätten, und daß sie der Firma Krupp Mitteilungen aus Büchern oder Geheim- briefcu und Abschriften aus Büchern übergeben hätten. Tie Angeklagten werden, wie wir hören, weiter beschuldigt, sich rechtswidrig Schriftstücke, deren Geheimhaltung im Interesse der Landesverteidigung lag. verschafft und der Firma Krupp zugänglich gemacht zu haben. Die Be- stechung, deren die Angeklagten beschuldigt werden, soll darin liegen, daß die Angeklagten sich und ihre Familien in Restaurants. Theatern und BariÄss von Brand freihalten ließen, von ihm Darlehen entgegennahmen und schließlich auch Geldgeschenke empfingem Der Verkehr Brands mit den Angeklagten soll sich über viele Jahre erstreckt haben. Brand soll regelmäßig, insbesondere bei Submissionen der Heeresverwaltung, Berichte von den Angeklagten erhalten haben, die er dann sofort nach Esten weiterschickte. Durch diese Berichte soll es der Firma Krupp ermöglicht worden sein, die Konkurrenz zu unterbieten und eventuell für die Zukunft die Preise für die Lieferungen zum Schaden der Heeresverwaltung zu erhöhen. Es soll auch gelungen sein, solche Berichte bei der Firma Krupp in Essen zu be- schlagnahmen. Die sieben Angeklagten und auch Brand sollen bereits Geständnisse abgelegt und die ihnen im .einzelnen zur Last gelegten Straftaten zugegeben haben." Und ferner: Wenn wirklich nichts vertuscht werden soll, wie ist es dann möglich, daß die offiziöse„N o r d d e u t s ch e A l l- gemeine Zeitung" die Oeffentlichkeit durch folgenlte Notiz „informiert": „Wie die Korrespondenz Piper hört, wird am 31. Juli vor dem Kommandanturgericht Berlin gegen einige unter- geordnete Persönlichkeiten des Bcrwaltuugsdienstes wegen Bestechung und Ungehorsams, begangen durch Preisgabe dienstlicher Geheimnisse, verhandelt werden. Diese Per- iönlichkeiten sollen einem Herrn Brand, Vorsteher des Kruppschen Berliner Bureaus, amtlickie Nachrichten vor- zeitig und unbefugt übermittelt haben." Hier wird also von einigen„untergeordneten Persönlichkeiten des Verwaltungsdienstes" gesprochen, während es sich in Wirklich- keit nach der Korrespondenz um sieben Zeug-O f f i z i e r e handelt. Wenn es sich auch nur um Offiziere der unteren Grade, um Leut- nantS oder Hauptleute, handeln sollte, so ist es doch unglaublich, diese Offiziere als untergeordnete Persönlichkeiten deS Ver- waltungSdienstes zu bezeichnen. W i e untergeordnet ihre Tätigkeit war, ergibt sich ja aus den oben wiedergegebenen Mitteilungen. Wenn es möglich war, daß die„untergeordneten" Persönlichkeiten der Firma Krupp so außerordentliche, die Volksinteressen und die Landessicherheit gefährdende Mitteilungen machen konnten, so würfe das auf die ganze Organisation unserer Militärvecwal- hing ja ein höchst eigenartiges Licht! In Wirklichkeit aber ist die Darstellung des amtlichen Organs wahrscheinlich eine total u n- richtige und nichts als ein plumper Versuch zur Ver- stiV'chuNg? �/ �' Die Oeffentlichkeit hat also alle llrsäche, sich durch diese neuesten PAPänge aufs äußerste beunruhigt zu fühlen! Das Volk wird sich aber solch unerhörte Vertuschungsmanöver einfach nicht gefallen lassen! Das mögen sich die Herren von der Heeresverwaltung ge- sagt sein lassen! Sie verzögerte frieÄensvermittelung. Jeder Tag dieses scheußlichen Krieges vermehrt die nervöse Spannung und allerlei Gerüchte flattern auf. Sa wollte man wissen, daß Oesterreich nunmehr aktiver als bisher in die Ereignisse eingreifen werde, um Bulgarien vor allzu harten Friedensbedingungen zu bewahren. Erschien ja die Lage dieses österreichischen Schützlings immer prekärer, da so- wohl Rumänien immer weiter vorrückte und auch der Türkei die Absicht zugeschrieben wurde, den Krieg wieder aufzunehmen. Tatsächlich aber haben die TürkcnHalt gemacht und gehen über das im Londoner Frieden ihnen zu- gewiesene Gebiet nicht hinaus. Der K ö niz von Bul- garten hat sich direkt an Rumänien um Bekanntgabe �der Friedensbedingungen gewandt und damit die Verständigung eingeleftet. Die eigentliche Schwierigkeit, die in den über- spannten Forderungen Griechenlands liegt, bleibt aller- dings bestehen. Rußland beschränkt sich darauf, den bulgari- scheu Ministerpräsidenten aufzufordern, direkt mit dem serbi- schen und griechischen Ministerpräsidenten in Nisch zu ver- handeln. Und den Bulgaren wird kaum etwas anderes übrig- bleiben, als diesen Weg zu gehen. Vorläufig allerdings ist es noch nicht einmal gelungen, in Sofia eine definitive Regierung zu bilden. Die Türken machen Halt. K o n st a n t i n o p e l, 17. Juil. Wie amtlich gemeldet wird, haben die türkischen Truppen nach Besetzung der Ortschaften Midia, Sarai, Karischtian, Seidler, Muradli, Malgara, Keschan und Enos Halt gemacht. Tie rumänischen Ansprüche. Bukarest, 17. Juli. In einer N o t e an die Groß- mächte legt die rumänische Regierung die Gesichtspunkte dar, die für Rumänien bei Abschluß des allgemeinen Friedens maßgebend seien, sie erklärt ferner, daß die neue Dobrudscha- grenze die Orte Turtukhai. Dobritsch und B a l t s ch i k entlang laufe, jedoch im einzelnen so. daß sie eine strategische Grenze im modernen Sinne darstelle. Ter rumänische Vormarsch. Bukarest. 17. Juli. Der Agence �ioumaine wird von aintlicher Stelle niitgeteilt: Im Laufe des 1ö. und 16. Juli nahm rumänische Kavallerie von den Donau- Übergängen aus Erkundungen nach allen Richtungen, auch entlang der Eisenbahnlinie Rustschuk— Warna, vor. Offizierspaftouillen haben mit den feindlichen Truppen Fühlung genommen. Hinter der Kavallerie rückte die Vorhut der Truppen vor. Das ganze rechkc Donanufer befindet sich in den Händen der rumänischen Armee. Bulgarien vom Auslände abgeschlossen. Sofia, 17 Juli. Rumänische Kavallerie erschien gestern auf der Station Tscherwenbreg und brachte den B a hn v e r- kehr auf der Strecke Sofia— Warna, der einzigen für die V e r p r o v i a n t i e r u n g der bulgarischen Armee aus dem Ausland zur Verfügung stehenden Linie, zum Stillstand. Auch der Bahnhof uüd das Telegraphenamt in Warna wurden vorgestern von Rumänen besetzt, daher hat Bulgarien keinen direkten Verkehr mehr mit dem Auslande, es muß den Weg über Rumänien oder Serbien benutzen. Tie in Warna lagernden Waren können nicht in das Innere des Landes gebracht werden. Bulgarische Siegesmeldung. Sofia, 17. Juli. Wie die Agence Bulgare meldet, wurden die serbischen Truppen, welche in das bulgarische Gebiet ein- gedrungen waren, gestern angegriffen und in der Richtung auf Vlassiana zurückgeschlagen. Ter Versuch der Griechen, den linken Flügel der Bulgaren zurückzudrängen, scheiterte. Der Angriff wurde von den bulgarischen Vorposten unter, großen Verlusten für die Griechen zurückgewiesen. Im übrigen herrscht in. der Gefechtslinie Ruhe. Gefecht bei Küstendil. Belgrad, 17. Juli. Am 15. Juli, 4 Uhr nachmittag», besetzte eine Abteilung serbischer Truppen nach heftigem Kampfe eine gegen den rechten bulgarischen Flügel vorgeschobene Stellung bei Küstendil. Der Feind erlitt außerordentlich große Ver- l u st e, wurde in großer Unordnung zerstreut und ergriff die Flucht. Tie Kriegsgreuel. Saloniki, 17. Juli.(Meldung der Agence d'AtHenes.). Die bulgarischen Truppen haben bei ihrer Flucht von Lahana in Demir Hissar große Grausamkeiten verübt. 104 No- tabeln nmrden durch Bajonettstiche getötet oder verwundet. Die Ausschreitungen der Bulgaren richteten sich, auch gegen Frauen, Kinder und Greise. Dem Erzbischos und drei Priestern wurden die Augen ausgestochen und die Arme abgeschnitten. Diese Grausamkeiten sind von den regulären Soldaten des zweiten und des einundzwanzigsten Regiments, sowie von den Offizieren dieser Regimenter verübt worden. Nie das NolMche Bureau informiert. Daß die offiziösen Depeschenagenturen es mit der Wahrheit nicht genau nehmen, ist eine Erfahrung, die sicher nicht auf Deutsch- land allein beschränkt ist. Aber wenn man schon begreift, daß diese Institute die Bedeutung der von ihnen gemeldeten Vor- gänge tendenziös darstellen, soviel hätte man schon das Recht zu fordern, daß sie nicht unwahre Berichte über die Vorgänge selb st liefern, womit sie nicht allein das Publikum belügen, son- dorn sogar, rein juristisch betrachtet, die Zeitungsunternehmungen. von denen sie erhalten werden, hintergehen. Denn ein Verlag, der mit einem Depeschenbureau ein Vertragsverhältnis eingeht, tut dies zweifellos unter der Voraussetzung, daß das Bureau den an- gebotenen Berichterstattungsdienft gewissenhast— und zwar sowohl mit beruflichem Eifer als mit Genauigkeit— besorgen werde. Daß das Wolfs s che Bureau dieser Voraussetzung nicht Rechnung trägt, ist leider nichts Neues. Aber was es in neuester Zeit in seinen Meldungen ans Paris leistet, geht doch über die Hutschnur. Man vergleiche z. B. seine Depesche über die Kammersitzung vom 11. Juli mit dem wirklichen Verlauf! Es handelte sich um die Interpellationen wegen der willkürlichen Hausdurchsuchungen und' Verhaftungen.(Die Depesche sagt sehr ungenau:„über' die Zwischenfälle in den Kasernen" Wolfssche Bericht läßt in- seinem' Lakonismus die charakteristischen Momente der Verhandlung beiseite, so vor allem, daß' die„Recht- fertigungsrede" des Justizministers so ausfiel, daß die Sozialisten ihren öffentlichen Anschlag beantragten, den die in Verlegenheit gebrachten Regierungsparteien ablehnten. Wer dieses Schweigen mag der internationalen Solidarität aller Offiziösen zugute ge- schrieben werden. Schlimmer ist jedoch der Schluß des Berichts. Es heißt da: „Ministerpräsident Barthou erklärte, eine Tagesordnung des Soziali st en Breton zurückweisen zu müssen, indem er das Verhalten der AntiMilitaristen tadelte und die dringliche Notwendigkeit betonte, die Disziplin in der Armee ausrechtzuerhalten, aber unter Beobachtung der gesetzlichen Garantien und Formen. Nachdem die Dringlichkeit der Tagesordnung Breton abgelehnt worden war, wurde eine Tagesordnung, in der das Vorgehen der.Regierung gebilligt und ihr das Vertrauen ausgesprochen wurde, in ihren einzelnen Wschnitten angenommen. Der letzte Abschnitt, der die ganze Schärfe de? Gesetzes gegen die AntiMilitaristen fordert, wurde fast ein st im- m i g angenommen." Dieser ganze Bericht ist falsch— und ein geradezu klassisches Beispiel von beruflicher Unfähigkeit und Schlamperei und von offiziöser Unverfrorenheit. Vor allem ist das, was als Argumentation des Ministerpräsidenten wiedergegeben wird, nicht von Herrn Barthou gesagt worden, sondern eS ist im Gegenteil der Inhalt und fast der wörtliche Text der Tagesordnung des bekanntlich„unabhängigen Sozialisten" Breton! Herr Barthou dachte so wenig daran, die„Beobachtung der gesetzlichen Formen und Garantien" zu predigen, daß er just um dieser Stelle willen, die er als indirekten Tadel bezeichnete, die Resolution Breton ablehnte und die Vertrauenssrage stellte. Was aber das folgende Vertrauensvotum anlangt/ so wunde in der Tat über seine zwei Abschnitte besonders abgestimmt. Der erste Mschnitt, der die militärischen Kundgebungen tadelt und die gegen sie angswendeten Unterdrückungsmoßregeln billigt, wurde mit allen bürgerlichen gegen 72 sozial iftische Stimmen angenommen. Der zweite aber, der die..Strenge des Gesetzes gegen die antimilitaristische Propaganda" fordert und der Regierung das Vertrauen ausspricht, bekam nur 333 gegen 158 Stimmen. Also nicht nur die Sozialisten, sondern auch dieLinksradikalen haben gegen ihn gel st i m m t. Was die Wolffsche Depesche über die„fast einstimmige Annahme durch Handerheben" sagt, ist glatt erfunben, wie man sich durch den Einblick in irgendeine französische Zeitung vom 12. Juli überzeugen kann. Die Abstimmung der Bürgerlich-Radikalen hat sogar den reaktionären Blättern Stoff zu Leitartikeln gegeben. Wie soll man nun eine derartig« Berichterstattung— und die Beispiele ließen sich wiederholen!— bezeichnen? Sie ist unent- schuldbar, auch soweit sie mit Fahrlässigkeit zusammenhängt. Schließlich ist doch die Verhandlung in der Deputiertenkammer eine zu ernste Sache, als daß man sie etwa von unerfahrenen Gym. nastaften besorgen lassen dürfte. Und daß die groteske Behauptung. die Kammer hätte„fast einstimmig"— also auch mit den Stimmen der großen Mehrheit der Sozialisten— die schärfften Maßregeln gegen die antimilitaristische Propaganda gutgeheißen, aus purer Unschuld nach' Deutschland telegraphiert worden sei. wird man nicht leicht jemand glauben machen, der die fortgefetzten niederträchtigen Bemühungen der chauvinistischen Hetzer hüben und drüben kennt, die Sozialisten des Auslandes denen de? eigenen als Nationalfften und MstunßSpatriyteN verdächtig zu machen. Politische(leberlickt. Die Abänderung des Militärstrafgesetzbuches« Von vielen Seiten wurde in den letzten Wochen ausgesprochen, daß mit der Milderung des Militärstrafgesetzbuches, wie sie vom Reichstag beschlossen wurde, noch keineswegs alle Härten deS Militärstrafrechts beseitigt seien. Unsere Fraktion hat selbst bei Begründung ihres Antrags keinen Zweifel darüber gelassen. daß es sich nur um eine kleine Abschlagszahlung handle und daß durch dieses N o t g e s e tz nicht auf unsere weilergehenden Forderungen verzichiei werden solle. Aber trotz» dem darf der Wert der Aenderung nicht unterschätzt werden. Die Bedeuiung der Reform liegt kurz gesagt darin, daß künftig die Verantwortung für barbarische Urleile nicht mehr von den Kriegsgerichten auf ein veraltetes Gesetz abgewälzt werden kann. In allen„minder schweren Fällen", in denen bisher fünf Jahre Zucht» haus ausgesprochen werden mußten, kann später bis zu sechs Monaten Gefängnis herabgegangen werden.'Wir hatten im„Vorwärts" vom 15. Juli einer Zuschrift Raum ge» geben, in der gesagt war, in den meisten Prozessen werde die neue Vorschrift nichts nützen, weil nach Z 49 des Militär» Strafgesetzbuches die Trunkenheit des Täters leinen Strafmilderungsgrund bilde. Aus diesem Grunde werde die Milderung auch den vom Erfurter Schreckensurteil Betroffenen wahrscheinlich nicht helfen. Diese Auffassung ist jedoch irrig. Die mildere Strafe ist nach dem vom Reichstag beschlossenen Gesetz zulässig, so oft ein„minder schwerer Fall" gegeben ist. Nie- mand wird aber behaupten wollen, daß die in Erfurt verurteilten Männer bloß aus dem Grunde Anspruch auf menschlichere Beurteilung haben. weil sie betrunken waren. Ein„minder schwerer Fall" ist auch aus dem Grunde gegeben, weil die Tat für die Verletzten keine schlimmen Folgen hatte und weil die Angeklagten bei dem Streit mit Gendarmen sicherlich nicht das klare Bewußtsein hatten, daß sie militärische Vorgesetzte angriffen. Aehn- lich liegt die Sache in allen jenen Fällen, die in den letzten zehn Jahren die Oeffentlichkeit beschäftigt haben. Wenn Reservisten im Manöver aus Eifersucht einen Unteroffizier prügeln, oder wenn zwei Freunde während der Landwehrübung mit einander Streit bekommen, von denen der eine Vizefeldwebel, der andere aber Gemeiner ist, so find das zweifellos„minder schwere Fälle", gleichgültig ob die Täter betrunken oder nüchtern waren. Sobald die Novelle zum Militärstrafgesetzbuch Gesetz geworden ist, werden die Militär« richter die Verantwortung für ihre Urteile in vollem Umfang zutragen haben. Sie werden sich dem Druck des allgemeinen Rechtsbewußtseins aus die Dauer nicht ent» ziehen können. Das wird sich auch im Erfurter Fall zeige n. �_ Der polizeiliche Kampf gegen die Arbeiterjugend. Die politische Polizei de» Kreises R e ck l i n g h a u s e n hat eS offenbar ganz besonders auf die proletarische Jugendbewegung ab- gesehen. In den letzten Tagen hat sie wieder sieben Jugendfreunde aus Gladbeck auf die Anklagebank des dortigen Schöffengerichis gebracht. Dieser Anklage gingen etwa S0 Haussuchungen und polizeiliche Ver» nehmungen voraus. Nächste Woche ist eine Anzahl Jugend- freunde aus Necklinghausen an der Reihe, sich vor Gericht zu verantworten. Es handelt sich also um ein großes„Reine- machen' in dem ganzen Kreis. Die Anklagen lauten übereinstimmend dahin, daß die Jugendfreunde es unterlassen haben, die Satzungen des � gar nicht bestehenden— Vereins und das Verzeichnis der Mitglieder de» BörsiandeS der zuständigen Polizeibehörde cinzu« reichen, strner-daß- sie geduldet haben, daß Personen-unter achtzehn Jahren an den palitrschen Vereiusversammlungen teilgenommen haben. Gegen die jugendlichen Angeklagten geht die Beschuldigung dahin, daß sie dem angeblichen Verein angehört und sich an seinen Versainmlungen beteiligt haben. Daß ein regelrechtes Vereinsleben existiere, das konnte auch durch die eidlich vernommenen Kriminal- beamten nicht festgestellt werden. Selbstverständlich war auch kein Statut vorhanden: es kamen lediglich junge Leute in ihrer Eigen- schaft als Abonnenten der„Arbeiter-Jugend" zwanglos zusammen, um zu spielen, unpolitische Vorträge zu hören oder Ausflüge zu machen. AuS der Fragestellung de§ Borsitzenden konnte man entnehmen, wie er sich die Sache zurechtgelegt Hatte, so daß der Ver» leidiger eigentlich gegen den Vorsitzenden zu polemisieren hatte. Er stellte mit allem Nachdruck fest, daß ein Vereinsleben im Sinne deS Gesetzes nicht bestanden hat. demnach auch das Gesetz nicht verletzt werden konnte. DaS Gericht hielt e§ trotzdem für feststehend, daß die Form deS Zusammenschlusses eine Umgehung des VcreinsgesetzeS bedeute und erkannte gegen den Angeklagten B o d e n auf dreißig Mark und gegen zwei Mitangeklagte Jugendliche auf je drei Mark Geldstrafe: vier Angeklagte Jvurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen._ Die„Deutsche Tageszeitung" befiehlt. Der Regierungspräsident von Lüneburg hatte bekanntlich Anfang Juni sämtliche ausländischen(polnischen usw.) Arbeiter und Arbeite» rinnen am Bahnbau Eelle-Gifhorn durch Gendarmen festnehmen und auf Grund des Legitimationszwanges für ausländische Arbeiter ent- fernen lassen. Diese Maßnahme des Lüneburger RegierungSprgsi- deuten war natürlich ganz nach dem Wunsche der Agrarier: wurden ihnen doch auf diese Weise eine erhebliche Anzahl Arbeitskräfte zwangsweise zugewiesen: denn die Leute mußten Landarbeiterstellen annehmen, wenn sie nicht ausgewiesen werden wollten. Augenblicklich werden auch am Kanalbau bei W u n st o r f aus» ländische Arbeiter beschäftigt. Das gibt der.Deutschen Tageszeitung" Veranlassung, in dem ihr eigenen herrische» Ton von dem hannoverschen Regierungspräsidenten die Durch'uhrung ahn- licher Maßnahmen zu fordern wie sie die Lüneburger Regierung angeordnet hat. Nachdem sie' über die angeblich empfindliche Ar- beiternot in der hannoverschen Landwirtschaft geklagt hat. ,chreibt sie unter Hinweis auf die Vorgänge im Lüneburg, che» � � „Hoffentlich genügt dieser Hinweis,.damit der Herr Regie» rungspräsident in Sminover dem Beispiel seines Luneburger Kollegen folgend der miniften-llen Anordnung entspricht und die ausländischen' Landa7b°iter. insbesondere d.e Madchen und Frauen, vom Kanalbau im Regierungsbezirk Hannover entfernen laßt." Der hannoversche R-gi-rung-Präsid-nt w.rd sich also beeilen müssen, wenn er sich»-cht den Zorn des Agranerorgans zuziehen will, was ihm möglicherweise ebenso gefahrlich werden konnte wie anderen hohen upd höchst-n Staats- und Re.chsbeamten. Klcrjkalismus und Kindersegen. Da--Ideal der Mit Kindern reich gesegneten christlichen Familie wird innerhalb d-S Katholizismus von emflutzreichen Kräften mächtig aeförden Nationale und religiöse Grunde werden von kaiholischen Schriftstellern und Pfarrern vorge.choben und doch sollen dies« tausendfach in Zeitungen und im Beichtstuhl vorgebrachten Gründe m.7 den Hauptgrund verschleiern: Die Stärkung de» �tbol'scken Bekenntnis, es. Das spricht klar und deutlich die„Korrespondenz des katbolifchen tt-brerverbandes aus. der die Zentrumspresse eine Statistik über die oThl der evangelischen und kaiholischen Schulkinder entnimmt. Darin mitgeteilt, daß von 188S bis 1911 die Zahl der Schulkinder ge- stiegen ist: von 4 838 247 um 1 733 893 auf S 672 140. Die prozentuale Zunahme- beträgt; im Durchschnitt........ 35,8 Proz. bei den evangelischen Kindern.,. 26,4, ,„ katholischen,... 53,2, 2aS heißt: die Zahl der katholischen Schulkinder hat sich um VLO 320 vermehrt, die der evangelischen aber trotz höheren Anteils der evangelischen Bevölkerung an der Bedölkerungszahl nur um 809 046.„Während 1886 noch 66,3 Proz. aller Volksschüler evan- gelisch waren", so sagt die„Korrespondenz",.sind es 1911 nur noch 58,9 Proz.; dagegen stieg der Anteil der Katholiken von 35,8 Proz. auf 40,7 Proz." Wie sich die Steigerung der Geburtenzahl bei den Katholiken und das Sinken bei den Evangelischen in den einzelnen Jahrfünften vollzogen hat, das zeigt folgende Aufstellung. Es stieg die Zahl der evangelischen katholischen Schulkinder im Jahrfünft 1386/1891 um.. 1.43 1,11 Proz. 1891/1896... 6,07 7,59. 1896/1901... 6,41 11,46. 1901/1906... 6,18 12,89, 1906/1911... 3,95 10,82. Das Resultat dieser Ermittelungen ist für den Klerikalismus sehr erfteulich: Es bedeutet für ihn zunehmenden Einfluß auf die Vorgänge des öffentlichen Lebens und steigende Machtfülle. Man versteht deshalb den frommen Wunsch, der in den Worten der „Lehrervereins-Korrespondenz" versteckt liegt: „Gelingt es den p r e u ß i s ch e n K a th o Ii k e n, das Zweikinderihstein erfolgreich zu bekämpfen, so ist der Zeitpunkt abzusehen, an dem die Hälfte der Volksschüler dem katholischen Bekenntnis angehört." Der Tatsache, daß in immer größerem Maße auch die katholi- schen Volkskreise an den außer- und antiklerikalen Geistesströmungen Anteil nehmen, stellt der Klerikalismus die große Fruchtbarkeit der ihm ergebenen Bevolkerungsschichten gegenüber und er erreicht dadurch wenn auch vielleicht nicht die erhoffte Stärkung, so doch emen längeren Bestand seiner Position. Die„Deutschen Turner" und ihre Sittlichkeit. Der.Reichsbote" führt bittere Klagen über die Unsittlichkeit, die das Deutsche Turnfest in Leipzig gezeitigt hat. Es heißt da: .Trotz der zahlreichen und schönen Reden, in welchen gesunde Manneskrast, deutscher Sinn, Ehrenhaftigkeit und Sittlichkeit tags- über und abends bei den Festbanketten unablässig geseiert wurden — schämten sich dieselben Männer nachher nicht, Nacht für Nacht in Scharen, noch geschmückt mit ihren Turnerabzeichen, gewisse ver« rufene Straßen auszusuchen, in welchen bald ein Andrang herrschte, der jeder Beschreibung spottete. Die zahlreichen Angehörigen der deutschchristlichen Studentenvereinigung und des Christlichen Vereins junger Männer, welche als Nachtmissionare dem Unfug etwas zu steuern versuchten, stießen zumeist auf Verständnislofigkeit oder offene Verachtung." Der Gewährsmann des.Reichsboten', ein Leipziger Theologe, kommt schließlich zu folgendem Urteil:„Wer dieses Treiben mit angesehen hat, dem siehr es unumstößlich fest, daß der sittliche Schaden des 12. Deutschen Turnfestes viel größer ist als der nationale Erfolg. Man wende nicht ein, das seien nur wenige„räudige Schafe', die da auf Abwege gerieten. Würden sie denn von den Turnvereinen aus zur Rechenschaft gezogen werden, wenn ihre Namen festgestellt worden wären, oder würde man es ihnen hingehen lassen? Jedenfalls erhob sich an Ort und Stelle kein Widerspruch! Wie ich erfahre, sind die Vereine vor dem Fest durch Zuschriften der SittlichkeitS- vereine vor der Prostitution gewarnt worden— kann da nicht so viel Zucht in den Vereinen herrschen, daß dieser öffentliche Skandal bei Strafe des Ausschlusses aus der Deulschen Turnerschaft verboten wird?... Wenn die Deutsche Turnerschaft nicht mit eisernem Besen die unsittlichen Elemente aus sich entfernt, ist ihr die Berechtigung abzusprechen, an der Erziehung der deutschen Jugend mitzuarbeiten!" Das ist starker Tabak, der den Patrioten schwer auf die Brust fallen wird.� Doch nicht genug damit. Bon anderer', �durchaus vertrauenswürdiger" Seite wird dem.Reichsboten' dazu noch mit geteilt, daß„viele Turner das Leipziger Fest zu einem kleinen Ab- stecher nach Berlin benutzten, wo sie im Schmucke ihrer Vereins- abzeichen dem bekannten Naibtbild der Friedrichstraße eine ganz be- sonders unerfreuliche Note hinzufügten." Oer engUfche flott enetat. London, 17. Juli. Marineminister Churchill brachte heute im Unterhause den Etat über die Schiffsbauten ein. Er behandelte zuerst die Frage der Oelfeuerung und erklärte, daß gegenwärtig über 100 Zerstörer vollendet oder im Bau begriffen seien, die ausschließlich Oelfeuerung hätten.' Churchill fuhr fort, er hätte bereits zu Anfang der Session ausführlich über die deutsch-engli schen Beziehungen gesprochen, und er habe keinen Grund, seine damaligen Ausfüh- rangen irgendwie zu. modifizieren. Er müsse indessen auf die Frage der überseeischen Verantwortung zurückkommen, zum Unterschiede von der Frage der Sicherheit in den heimischen Gewässern. Bezüg- lich des Mittelmeeres habe er kgine neuen Tatsachen zu be- richten. Zwar würden in Italien und Oesterreich-Ungarn neue Programme erwogen, aber man müsse sich durch Tatsachen, nicht durch Gerüchte leiten lassen. Er kenne keine Tatsache, die eine Aenderung des englischen Programms im Mittelmeer erforderlich mache. Ueber die kanadischen Kriegsschiffe sagte Churchill, wenn die Lücke nicht ausgefüllt werde, so würden Ende des Jahres 1913 drei Schiffe zur Verteidigung des Reiches fehlen. England hätte drei Schiffe auf Stapel legen können; aber dieser Schritt sei un» nötig Es liege kein Grund vor zu der Annahme, daß Kanada keinen Beitrag zur Landesverteidigung liefern werde. Die Ad- miralität habe die Beschleunigung dcs� Baues der drei Schiffe des diesjährigen Programms beschlossen. Im nächsten Jahre werde sie besser in der Lage sein, zu beurteilen, ob eine weitere Bc- schleunigung oder eine Erweiterung des Pro» g r a m m s nötig sein werde._ franhmch. Tas Militärgesetz. Paris, 17. Juli. Die Kammer lehnte ein Amendement Augagneur, das die Zahl der von Jahresklasse 1913 emzu- stellenden Mannschaften auf 20 Proz. festsetzen wollte, mit 427 gegen 136 Stimmen ab. Hierauf wurde der durch das gestrig« Amendement E s c u d i e r abgeänderte Artiieiö angenommen. AlSdann nahm die Kammer mit 425 gegen 12o«tlmmen die E i n- st eilung des Jahrganges 1913 m der zweiten Halste des November an, nachdem der Direktor des Geiundheit-dienstez xx, Hart hatte, daß in den vier ersten Monaien des Jahre» die meisten Erkrankungen vorkämen. General Le Grand mitgeteilt hafte daß f'ü1 t un8 im Februar große militärische Unzutraglichkeitcn bringen würde und Ministerpräsident Barthou sich wer. pflichtet hatte, der Kammer �ur recbten flett die notwendigen Dls» ffis:?« asiirÄ» i» d» ni 8l Bequemlichkeit vorfinden..... .. Nachmittag wurde Artikel 12 erörtert, der den Familien der. te,V*clä)e Ernährer der Familie sind. eine, tägliche Entschädigung gewaqrt mit einem Fuschlaa für icdcs einzelne Kind. Der Präsident der Budgetkommission Cockery warnte die Kam. mer vor den srnanz.ellen Folgen dieses Artikels..Widerspruch.) Finanzminister ChaAes D u m o n t trat für die von der Regie- rung vorgeschlagene Entschädigung von 75 Centimes und«inen Zu- ww?8 s■ f. ,)ro Ki-id ein. Die Armeekommisfion er- l�te dieie Enft�digung auf 1.25 Frank mit einem Zuschlag von 50 Centimes. Die von der Regierung bekämpfte Entschädigung von 1.25 Frank wurde Mit 365 gegen 204 Stimmen angenommen, lBeifall auf der äußersten Linken.) Der Zuschlag von 50 Centimes für jedes Kind unter 15 Jahren wurde dann durch Handaufheben angenommen. Im Widerspruch mit dem Finanzministcr und der Armeekommission stimmte die Kammer noch für Entschädigungen, die den bedürftigen Soldatenfamilien gewährt werden sollen, die sich im Auslände befinden. Cngland. Der Fall Adamowitsch. London, 16. Juli.(Eig. Ber.) Tie englische Regierung hat einen Bericht Lord Kitcheners über den Fall des Genossen Adamowitsch veröffentlicht, der vor einiger Zeit von dem russischen Konsul ohne Angabe des Grundes in Aegypten ver- haftet und bald darauf auf einem russischen Schiffe nach Rußland geschafft wurde, ohne daß die englischen Behörden in Aegypten gegen diese offenbar ungesetzliche Handhabung der Kapitulationen Einspruch erhoben hätten. Folgendes ist nach dem Bericht die offizielle Darstellung des Falles: „Die Polizei Alexandriens hatte seit einiger Zeit in Ver- bindung mit dem russischen Konsul die Bewegungen eines ver- dächtigen russischen Anarchisten verfolgt, der später dem Konsul von dem Kapitän eines russischen Schiffes als der bekannte Re- volutionär Adamowitsch bezeichnet wurde, der die Streiks der Schiffsmannschaften in Odessa angezettelt hatte. Nachdem sich der Konsul mit der russischen Regierung in Verbindung gesetzt hatte, ersuchte er den Gouverneur von Alexandrien mündlich um die Verhaftung des Adamowitsch. Eine Haussuchung wurde darauf mit Unterstützung des deutschen Konsuls bei ihm vorge- nommen, da Adamowitsch unter dem Namen Alexander Kornelson einen deutschen Patz besaß. Ich möchte hier jedoch erklären, daß das deutsche Konsulat Adamowitsch nicht als deutschen Unter- tanen anerkennt. Adamowitsch wuode angeklagt, ein russischer Revolutionär zu sein, der letztes Jahr die revolutionäre Be- wegung der Schiffsmannschaften der Handelsschiffe in Odessa leitete und sich an die Spitze ihres Streiks stellte. Eine nach der Verhaftung veranstaltete Durchsuchung zeigte, daß sich Adamo- witsch an Bord aller in Alexandrien einlaufenden russischen Schiffe zu begeben pflegte, um unter den Mannschaften eine revo- lutionäre Propaganda zu betreiben." Ob dieses„Verbrechen" in Aegypten strafbar ist. wird von dem britischen Agenten in Aegypten nicht angegeben. Nach seinen Darstellungen schalten und wallen die ausländischen Konsuln in Aegypten ganz nach ihrem Belieben, und zwar scheint dieses Treiben nicht auf Grund der Kapitulationen, sondern trotz dieser vor sich zu gehen. Die Kapitalutionen enthalten zum Beispiel keine Bestimmung, nach der die ägyptischen Behörden verpflichtet wären, die ihnen von den Konsuln bezeichneten Personen zu verhaften und dem Kon- sulargericht auszuliefern. In dieser Lage haben sich die Konsuln einfach selbst geholfen und die ihnen mißliebigen Personen verhaftet. Die verhafteten Personen können auch in ägyptische Gefängnisse gesperrt werden, wo sie, ohne daß irgendeine Anklage gegen ste erhoben würde, auf unbestimmte Dauer eingesperrt bleiben. Lord Kitchener zitiert ein über- raschendes Beispiel: „Im Monat Juni 1912 machten zwei griechische Zeitungen, die die Namen„Ethniki und„VoSporos" trugen und von denen Idie eine in Alexandrien, die andere in Kairo prschien, einen hef« tigen Angriff«ruf den griechischen Konsul in Kairo, Herrn Verenikis. Im September ließ der griechische GesckäftSträger die zwei Redakteure von der ägyptischen Polizei verhasten und aus weisen. Er benachrichtigte zu gleicher Zeit die ägyptische Re- gierung und ersuchte sie, die nötigen Befehle zur schnellen Unter drückung der beiden Zeitungen zu erlassen und Schritte zu tun, daß keine weiteren Exemplare gedruckt würden. Die ägyptische Regierung benachrichtigte demgemäß die Gouverneure Alexan- driens und Kairos, und die beiden Zeitungen wurden unter- drückt." Dieser haarsträubende Fall berechtigt zu der Frage: Wo war in diesem Fall der britische Agent, ohne den in Aegypten nichts passieren kann? Fühlte er, daß man in Anbetracht, daß die englische Regierung dem ägyptischen Volke gegen über ihr Wort gebrochen und die Aegypter aufs schändlichste unterdrückt, schon ein Auge zudrücken muß. wenn sich die Konsuln anderer Länder ähnliche Ungerechtigkeiten zuschulden kommen lassen? Denn das ganze Treiben der ausländischen Konsuln in Aegypten, wie es durch die Verhaftung und Deportierung des russischen Genossen Adamowitsch gekenn- zeichnet wird, beruht nicht auf dem geschriebenen Recht oder den Verträgen, wie auch Lord Kitchener zugeben muß. sondern ist lediglich Gewohnheitsrecht, das heißt in diesem Falle die zur Gewohnheit gewordene Ungerechtigkeit. Wenn die russische Entente nicht bestünde oder auch, wsnn sich Sir Edward Grey nicht immer vor Rußland beugte, hätte man Adamowitsch aus den Klauen des russischen Despotismus retten können. Das fühlt man wenigstens in fortschrittlichen Kreisen Englands, denen das russische Einverständnis ein Greuel ist und die noch immer hoffen, durch Demonstrationen den Minister des Auswärtigen zu bestimmen, bei der russischen Regierung für den Genoffen Adamowitsch einzutreten. China. Die Revolution im Süden. Schanghai, 16. Juli.(Meldung des Reuterschen BureauS.) Die Revolte im Yangtsetal breitet sich anscheinend aus. Revolutionäre Proklamationen wurden heute in ganz Schanghai verbreitet. Sie besagen, daß eine Strafexpedition unternommen wird, um A u a n sich i k a i zur R e ch e n s ch a f t zu ziehen wegen der Ermordung des früheren UnterrichtsministerS Suangtfchiaohen und wegen der Verletzung der Verfassung. Die Proklamationen versprechen den Fremden Schutz. Aehnliche Proklamationen sind in Nantschang und in Nanking veröffentlicht worden, wo Ge- neral Huangsing den Befehl hat. Truppen nach Pukau zu befördern. Der eigentliche Anstifter in Nanking ist ein früherer Vizelönig von Kanton Sentschungsuan. Der Kampf an der Bahn- linie Tientsin— Pukau nimmt seinen Fortgang. Bei Likwo, 20 Meilen nördlich von Sutschufu, ist die Strecke zerstört. In Schanghai liegen die Geschäfte vollständig still. Auktionen von Stückgütern haben aus Mangel an Käufern aufhören müssen. Der Dollar steigt rapide im Werte. IZus der Partei. Maurenbrcchers Austritt aus der Partei. Die Mannheimer„Volksstimme" veröffentlicht eine Zuschrift des Herrn Dr. Max Maurenbrecher und seiner Frau Hulda an den Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins Mannheim, in dem beide ihren Austritt aus der sozialdcmokrati- schen Partei erklären. Dieser Schritt wird begründet mit der Stellung der beiden zu den militärischen und äußeren politischen Fragen, die bekanntlich seit Jahren schon nicht mehr mit derjenigen der sozialdemokratffchen Partei übereinstimmen. Aus dett Organisationen Von der West preußischen Partcibewegung. Tie Weichselprovinz ist ein Gebiet, in dem der Sozialdemokratie eni Fortschritt ganz besonders schwer gemacht wird. Zu der geringen EntWickelung der Industrie Kitt die kulturelle Rückständigkeif der Bevölkerung, die sich nicht zum wenigsten in dem Kampf zwischen Polen- und Deutschtum äußert. Während aber der deutsche und der polnische Arbeiter einander vielfach grimmig befehden, zieht der Unternehmer beiden zugleich das Fell über die Ohren. Die westpreußischen Genossen sind es gewöhnt, jeden Fußbreit Terrain den Gegnern in hartem Kampfe abzunehmen. Und wenn auch lang- amer als anderswo, so ist eZ im Weichselgau doch stetig vorwärro gegangen. Die Reichstagswahl von 1912 mit ihrer Steigerung von 20 000 auf 28 000 rote Stimmen brachte unseren Genossen auch einen wohlverdienten äußeren Erfolg. Für die Gegner war das freilich der Anlaß zu einer Verfolgungshetze, wie sie sonst auch im Osten nicht häusig ist. Wollten wir allein das Kapitel der Saalabtreiberei schildern, so wären dazu Seiten nötig. Zu dem erhöhten gegnerischen Ansturm gesellte sich eine schlechte Wirt- schaftliche Konjunktur. Mit Ausnahme der beiden Städte Danzig und Elbing, in denen die Eisenindustrie noch gut beschäftigt ist, lebt die westpreußische Arbeiterslbaft bereits mitten in der Krise. Speziell das Baugewerbe liegt völlig danieder, und viele hundert Arbeiter sind zur dauernden oder zeitlveisen Abwanderung ge- zwungen. Die Folge dieser Dinge ist, daß die tvestpreußischcn Parteiorganisationen für das Bcrichtssahr 1912/13 mit einem Mit- gliederverlust von 311 abschließen. Von 3768 organisierten Gc- nassen am 1. Juli 1912 sank die Zahl auf 3457 am 1. April 1913. Aus diesem Rückgang kann jedoch nicht auf eine Zerrüttung der Partei geschlossen werden. Tie Kassenvcrhältnisse haben sich trotz der verringerten Mitgliederzahl bedeutend gebessert. Der Provinzvorstand hat in drei Quartalen fast dieselbe Summe an Prozenten erhalten wie im Vorjahre bei vier Quartalen. Wäre statt über drei Quartale über vier Quartale, wie das sonst gc- schieht, abgerechnet worden, so wären die Einnahmen um mehrere hundert Mark größer gewesen als im Vorjahre. In den letzten Wochen wird zudem wieder ein Steigen der Mitgliederzahl aus den verschiedensten Bezirken gemeldet. Die Gegner haben sich also umsonst gefreut, die rückläufige Mitgliederbewegung ist über- wunden.—- Das Vermögen des Arbeiterdruckerei-SparvereinS Westpreußen vermehrte sich von 4335 M. am 1. Juli 1912 auf 10 293 M. am 1. April 1918. Ein gutes Ergebnis, das den Wunscki der westprcutzischen Genossen nach dem Erwerb einer eigenen Druckerei der Verwirklichung ein gutes Stück i näherbringt. Genosse Schröder, der Redakteur der Danziger„Volkswacht", bucht in der Berichtszeit zwei Verurteilungen und vier eingestellte Strafverfahren. Genosse Lorenz, sein Stellvertreter, ist drei- mal angeklagt und bestrast worden. Der Verschmelzung der bisherigen Bezirke Lübeck und Mecklrn- bürg stimmte am letzten Dienstagabend eine außerordentliche Gene- ralversammlung des Bezirkes Lübeck zu; sie genehmigte auch den Entwurf der Satzungen, der als Bezirksvorstand Rostock und einen elfglied eigen Bezirksvorstand, in dem Lübeck zwei Sitze erhält, vor- sieht. Die Delegicrtenwahl zum Parteitag in Jena wurde in Lübeck in diesem Jahre erstmalig durch Urabstimmung vorgenommen, an der sich 1370 Mitglieder oder 23,2 Proz. der Gesamtmitgliedcr bc- teiligtcn. Gewählt wurden die Genossen Bromme, Mehrlein und die Genossin Jckstat. Ter fünfte Kongreß der Sozialisten Portugals fand unter Teilnahme von 128 Delegierten, die 50 Vereine vertraten, in O p o r t o statt. Die Berichte der Parteileitung und des Abgeordneten Ma- nuel Jose da S i l v a, der Oporto im Parlament vertritt, wurden genehmigt. Resolutionen wurden angenommen zugunsten der Wahlpflicht, der Proportionalvertretung, des Referendums und des Frauenstimmrechts. Die Partei besitzt 10 Zeitungen. Für die Errichtung eines sozialistischen Altersheims tritt die „New Forker Volkszeitung" ein. Infolge einer Selbstmordepidemie unter ausgedienten Kämpfern wurde 1907 der„Sozialist. Unter- stützungsverein New Dork" gegründet, der über 1200 Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 3000 M. zählt und ein Vermögen von 8400 M. besitzt. Es wird nun vorgeschlagen, um die Pensionäre (über die Gewährung der Pension entscheidet ein Vertrauensaus- schuß unter Ausschluß der Oeffentlichkeit) besser zu versorgen, eine Farm zu erwerben, die zum Teil durch Verpachtung und Aus- nähme von Sommergästen rentabel gemacht werden, im übrigen den Pensionären dienen solle. Es wird an die Krankenkasse und die Mobiliar-Feuerversicherung erinnert, die sich trotz anfänglicher Schwierigkeiten blühend entwickelt haben. polizeiliches, Gerichtliches ufw. Der beleidigte KriegSministe.r. Die„Leipziger Volkszeitung" Hatte in einem am 21. April er- schienenen Artikel den damaligen Kriegsminister v. Heeringen etwas scharf kritisiert. Der Kriegsminister suhlte sich beleidigt und stellte gegen, den verantwortlichen Redakteur Strafantrag mit dem Erfolge, daß der Preßsünder zu 50 M Strafe verknurrt wurde. &ctxtc IVachricbtcn. Das alte diplomatische Lpicl. London, 17. Juli. Wie das Reuterschc Älipeall mitteilt, sind ihm folgende Informationen zugegangen: Die Mächte sind im Be- griffe, Schritte in Sofia, Konstantinopel und B u k a. r e st zu unternehmen. In Sofia, um Bulgarien zu veranlassen, -daß eS einen Vertreter zur Konferenz mit den Ministerpräsidenten Serbiens und Griechenlands entsendet, in Konstantinopel, um bei der Pforte darauf zu dringen, daß sie nicht über die Linie Midia— EnoS vorrücke, in Bukarest, um Rumänien den Rat zu erteilen, daß eS Sofia nicht besetzen möge. In diplomatischen Kreisen herrscht starke Unsicherheit bezüglich der gemeldeten Aktionen der Türkei und Rumäniens, es macht sich eine bemerkenswerte Ueberraschung geltend über den Umstand, daß, während den Mächten von der Türkei mitgeteilt wurde, sie beabsichtige nicht über die Grenze hin- auszugehen, nunmehr von Konstantinopel ausgegangene Mit- teilungen ein Vorrücken auf Adrianopel ankündigen. Die Nach- richten geben in diplomatischen Kreisen keinen Anlaß zur Be- unruhigung, da man es für sicher hält, daß die Mächte, die ent- schlössen sind, Bulgarien nicht vernichten zu lassen, ebenso Sorge dafür tragen werden, daß die Türkei A d r i a n o p c l nicht behalten dürfe, auch wenn sie bis Adrianopel vor- rücken sollte, was man nicht glaubt. Die Situation wird als sehr schwierig und verwickelt, aber nicht als gefährlich betrachtet. Ein dreizehnjähriger Mörder. Bärcnbrück bei Kottbus, 17. Juli.(W. T. B.) Ein feit gestern abend vermißtes achtjähriges Mädchen namens Hänschcn, wurde heute morgen in einem Kornselde in der Nähe des Dorfes e r- mordet ausgefunden. Die Leiche weist zahlreiche Stiche in der Brust und im Gesicht auf. Die Schädcldecke ist durch Axthiebe zcr- trümmert. Der Tat verdächtig ist ihr dreizehnjähriger Stiefbruder Richard, Sohn des Schuhmachermeisters Häuschen in Bärenbrück. Die Tat wurde in der Zeit ausgeführt, als die Eltern auf dem Felde mit Erntearbeiten beschäftigt waren. Der Junge, der hart- näckig leugnet, den Mord begangen zu haben, wurde in das Gc- richtsgefängnis zu Peitz eingeliefert. Absturz in den Bergen. Wien, 17. Juli.(W. T. B.) Wie die Bläfter aus Salzburg melden, stürzte der Kohlenhändler Gustav Luckschandel, sein Bruder Fritz und seine Schwester Magdalene aus Wien bei einem Aus- flug bei St. Michael in Lungau ab, Gustav und Magdalene waren tot, Fritz konnte sich rette«. � Y Theater. Freitag, den 18. Juli 1913. Anfang VI, Nbr. P rater. Das Bummelmädchen. Ansang 8 Ubr. Urania. In den Dolomiten. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Ruj. Schiller«. Der Troubadour. Berliner. Filmzaubcr. Thalia. Puppchcn. Neues Opern(Kroll). Carmen. Nketropol. fDi: Kino-Königin. SÄintergartru. Spezialitäten. RcichShalle«. Dresdener Viktoria Sänger. Anfang 8'/4 Uhr. Komödienhaus. Hochhcrrschaflliche Wohnungen. Friedr.. Wilh. Schanspiothauö. DaS Farmcrmädchen. LustsPielhanS. Der lustige Kakadu. Rose. Tagebuch einer Verlorenen. Anfang 8'/, Ubr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Theater am Nolleudorsplah. Der Mann mit der grünen Maske. Anfang 9 Ubr. Admiralspalast. Eisballett: Flirt m St. Mori?. »» Sternwarte, Jnoalidenstr. 57—62, Schiller-Theater 0. Wallner-Theater. (Sachse c Oper.) Heute abends 8 Uhr: Der Troubadour. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. Deutsches Schauspielhaus 8 Uhr: Der gute Ruf. Kroll-Oper 8 Uhr: Carmen. (Gastspiel: Thea Dorrt.) Sonnabend: Tristan und Isolde. Theater anKoTWorfplatz Täglich 8'/, Uhr: — Kino—— Variete— im „Mann mit der grüne» Masken osc-TN�iei ßiroffe Frattksurter Str. 132. Tagehnch einer Verlorenen. Ansang 8'/, Uhr. Zluf der Gartenbüftne: rr>«cht I««! Anfang-t'/z Uhr. ZKelropo!-7lleater. Abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. Okonkowski. Musik von Seau Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. pasZage-panoplihiim l>er persische Augenfakir in seinen fanat. Derwiscli- Martern (hebt u. a. mit den Augen schwere Gewichte). 8 Schwestern Liliput, die kleinst. Schwest. der Ü'clt. V* Alles lebend! Ohne Extra-Kntree! Berliner Prater-Thealer 7—9 Kastanien-Allee 7—9. Ttteltch: Das Bummelmädchen Gr. Ausstaitungsp. in 4 AN. v. M.Heye Musik von Hirsch und Schreyer. (Srftklaff. Spezialitäten. Konzert. Ansang 1'/, Uhr. Eintntt 35 Ps. Voigt- Vheater Badftrasie ÖH., Freitag, den 18. Juli 1913: Nur noch bis Montag: Ciewoimene Herzen. Vollständig neue Spezialitäten. Kassenöffn. 10 Uhr. Ansang 4'/, Uhr. Zib Dienstag, 22.: Die tchüne Melusine IM UNA HARK Im bayerischen Dorf täglich stürmischer Lacherfolg! Täglich; GroBes Mililärkoniert. Heute Freitag: Kap. des Garde- Kürassier-Regts., kgl. Obermusikmeister Wagner fas MaHiiMsclief NlMlii lif ilcii 2. Berlinef BeielislapaliWs. Sonntag, den 20. Juli 1913: Großes Sommerfest in den Gesamträumen der„Berliner Bockbrauerei", Tempelhofer Berg. Konsert, Turner, Radfahrer, Klnematograph, Ball(Herren zahlen 50 Pf. nach). Die Kaffeckfiche ist von 2— 6 Uhr geöiinet. 206/6 - Mitwirkende: Berliner Sinfonie-Orctaester, Dirigent: Maximilian Fischer.- Mitglieder des Arbeiter-Turnerbnndes und des Radfahrerbundes„Solidarität. Vorverkauf: Billett 20 Pf., an der Kasse SO Pf. Der Vorstand. Sozlaldctnokratlfehcr ftfablvercin für den IV. Berliner Reichstagswahlkreis i Großes Sommerfest am Sonntag, den 20. Juli, in den Lokalen: Sttdwigs Viktoriagarten, Treptow, Am Treptower Park 25/26 ftfcntes VOlUSgarten,(Inh. Schröter), Ldchtenberg, Röderstr. 28/29 Sranerei Triedrichshain, Am Friedrichshain Ca|6 Sellevue,(Inh. G. Tempel), Rnmmelsbnrg, Hauptstraße. «�SIDsSSSS KONZERT 66€€€€6«eew unter Mitwirkung von Vereinen des„Deutschen Arbeiter-Sängerbundes" Spezialitäten x Athletische und turnerische Auftöhrungen Reigenschwimmen des Schwimmvereins„Welle" x x x Unterhaltungen jeder Art- rar jnnK n. au Kaiieekochen Preiskegelschieben und Tanz Eröffnung 2 Uhr 215/10» Billett 20 Pfennig Jedes Kind erhält am Eingang in allen Lokalen einen Bon— Stocklaterne und Schaukel oder Karussell— gratis. i Diese Anzeige erseheiol nur Ausschne/i 2- nj.lfai's Hafermark macht Buhen u. Mädchen stark. Nicht nur wissenschaftliche Erwägungen, sondern auch ärztliche Erfahrung haben uns den Wort der Hafomahrung schätzen gelehrt. Kein anderes Haferpräparat übertrifft an« ohl- geschmack, Nährwert, Bekönnnlichkeit und schneller, einfacher Zubereitung Dr. Rud. Weils Hafermark. Eine aus Dr. Rud. 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Jnll: WS" Gr Promenaden- Mondschclnfalirt mit Bundfahrt auf dem Müggelsee, dann zurück nach dem Restaurant Kyffhliaser. Daselbst großer Ball. Ab'ahrt abends 9—9'/, Uhr. Hin und zurück 50 Pf. Ereitag früh lO Uhr: Mit 20 Mann Musik nach Vene Mühle. Hin und zurück 50 Pf._ 15616 Brauerei Friedrichshain Ol Königstor. DV Jeden Dienstag r"" jeden Dienstag- und Kaffee-?r ei ■eancnsnam Cef.: Ernst Elebing. I Donnerstagnachmittag;"W 'Vorstellung| der Norddeutschen und Apollo- Sftnger bei freiem Entree. Freitags: Fret-Konzert. I ir Verwaltung Berlin. Drechsler. Sonntag, 20. Juli, vorm. OVs Uhr, bei Eicke, Schönleinstr. 6: * Versammlung aller in den Alabakerbetrieben beschäftigten Kolleaen. Tagesordnung: Die Verhandlungen bei(Soldschmidt. 86/1 Die Drtsverwaltnng. Krausenftratze Ä9, visavis Tietz, Aeschästslofal, worin seit Jahren Gast- und Kaffeewirffchast mit Erfolg betrieben, ist per l.vOttober er. zu vermieten. 118/13 llp-SImmsl Zpenisl-�rzt kür klsut- und tlsrnleiden. 41, Morstz platz lg— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. mit Brut vernichtet radikal Rademachers Goldgeist, Zuzug von Parasiten.- Wichtig TL._ Tausende ▼. Anerkennungen. FI. ä. 0�0 n. 1.00 iL in Apotheken und Drogerien. Man weise Nachahmungen zurück u. achte genau auf d. Namen: Goldgeist! Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68 Lindenstrasse 69 Klassenfustiz Von Erich Kuttner Preis broschiert 1 Mark In der Einleitung sagt der Verfasser:„Rocht und Gerechtigkeit, so verwandt beide auch klingen, sind zwei Begriffe, dio sich im heutigen Staat« durchaus nicht miteinander decken. Und dieser Nachweis wird hier durch Gegenubersteilung einer Reihe von Gerichtsurteilen uberzeugend gefuhrt. Ursprung der Religion und des Gottesglaubens Von Heinrich Cunow Preis Lieinenband 1.50 Mark Aus dem Inhaltsverzeichnis geben wir wieder: Die neuere Roliirionsforschung. Die Entstehung der Geister- und Götter- Vorstellungen.— Die Anfange des Oeisterkults.— Vom Goisterkult zum Totem- und Ahnenkult.— Weltschöpfung. _ Himmel und Hölle.— Ahnonvergötterung und Ahnenopfer.— Vorn Ahnenkult zum Naturkalt.— Ueberreste der Geister- und Ahnenverehrung in der altindischen Religion. Nr. 181. 30. Jahrgang. 1 ßtilugt des.Awiirls" Sttlintt lolMntt. Frettag, 18. InR 1913. GewerkfcbaftUcbes. Em BluturteiU Ein Jahr Gefängnis gegen einen Betrnuktuen, der am Streik teilnahm. In Stolp in Pommern werden aus Anlaß des dortigen Maurerstreiks Urteile gegen Streikende verhängt, die den Un- befangenen schaudern machen. Und alle diese Urteile werden ohne jeden Umschweif damit begründet, daß in Streitigkeiten, die aus Anlaß des Streiks zwischen Arbeitswilligen und Streikenden stattfinden, die Richter unerbittlich gegen die streikenden sein müßten, damit diese abgeschreckt werden davon, auf die Arbeitswilligen einzuwirken. Nicht die Schwere des Vergehens dient als Maßstab für die Urteilsfindung, sondern die Stellung der Beteiligten im Wirtschaftskampfe. Am Morgen des 15. April, des ersten Streiktages, begab sich der Maurer Kindermann zu einem Neubau. Er war angetrunken und forderte so einen arbeitenden Maurer auf, den Bau zu verlassen. Als dieser sich dessen weigerte, erklärte K. ihn für einen„Streikbrecher. Lump und Eisbock". Darauf entfernte er sich, suchte eine Kneipe auf, und nachdem er weiter gehörig Alkohol zu sich genommen hatte, ging er wieder auf den Bau und ersuchte den Maurer abermals, die Arbeit einzu- stellen. Als dieser das wieder ablehnte, zerstörte der Betrunkene die hergestellteArbeit. Den Aufforderungen des hinzugekommenenBau- Unternehmers, sich zu entfernen, kam er nicht nach, so daß sich dieser gezwungen sah, aus der Wasserleitung einen Strahl kalten Wassers auf Kindermann zu richten, worauf dieser ab- gekühlt den Bau verließ. Im Laufe des Tages stieg ihm der Groll noch einmal empor. Nachdem er sich gehörig Mut an- getrunken hatte, ging er abermals auf den Bau und geriet wieder mit dem Maurer in einen Wortwechsel, in dessen Ver- laus er den Arbeitenden mit einem Spaten bedrohte. Ein hinzugerufener Polizeibeamter nahm ihn schließlich mit zur Wache. Dieser auch von uns verurteilte Vorgang, der doch nur eine Folge von reichlichem Alkoholgenuß war, gab dem Staatsanwalt, einem Assessor, Gelegenheit zu erklären: „Der äußerst hartnäckig geführte Streik zeigt dem Gericht. daß die bisher geübte Milde nichts gefruchtet hat. Die Streikenden machen sich lustig über die milde Strafe. Die Arbeitswilligen müssen unbedingt geschützt werden. Werden keine harten Strafen verhängt, so verlieren die Arbeitswilligen die Lust zum Arbeiten, deshalb muß das Gericht, um sein Ansehen zu heben, harte Strafen verhängen. Es ist geradezu ein System in den Ausschreitungen der Streikenden. Es wird ein Terrorismus selbst auf die Streikenden ausgeübt. Streikende haben zu den Arbeit- gebenl�erklärt, sie würden gern arbeiten, aber sie bekämen dann Schläge." Der Staatsanwalt beantragte sieben Monate Gefängnis. Daß dies so recht nach dem Herzen des schon einmal von uns charakterisierten Vertreters des Streikbrechers, des Rechtsanwalt Schüler war, braucht wohl nicht hervor- gehoben Iverden. Auch er stellte sich in einer Scharfmacher- rede auf den Standpunkt des Anklägers. Auch er verlangte eine harte Strafe, da eine Geldstrafe nicht am Platze sei, da diese doch von der Streikkasse gezahlt werde. Das Gericht selbst führte begründend aus, der Arbeiter habe ein Recht zu streiken, aber nicht ein Recht, Arbeitswillige abzuhalten. In jedem Rechtsstaat müßte diesem Vorhaben mit der größten Entschiedenheit entgegengetreten werden. Die Freiheit der Arbeitswilligen dürfe nicht behindert werden. Es sei deshalb auf 1 Jahr Gefängnis erkannt! So das Urteil, das gegen einen Menschen gefällt wurde, der bei Begehung der Tat betrunken und einer ruhigen Ueber- legung unfähig war. � Wir hegen nicht den geringsten Zweifel, daß dieselbe Strafkammer jedem anderen Trunkenen seine Unfähigkeit, die Tragweite seiner Handlungen zu übersehen, als mildernd an- gerechnet hätte. Dem streikenden Trinker versagte das Gericht jede Anwendung mildernder Umstände. Hier sah es nur die erschwerenden, schlimmer kann die Befangenheit der Richter, die über Streikende zu urteilen haben, nicht mehr zutage treten._ Berlin und Qmg-egend. Misiftändc bei der Firma Schwarßkopff. Eins Versammlung aller bei der Firma Schivartzkopff in der Scheringstraße beschäftigten Arbeiter, die vollzählig besucht war, beschäftigte sich nach dem Bericht des Arbeiterausschusses mit den Mißständen im Werk. Die Arbeiter fordern die Lohnauszahlung am Freitag, sowie den früheren Arbeitsschluß am Sonnabend. Diese Forderungen sind durch den Ausschuß schon wiederholt der Betriebsleitung unterbreitet worden. Die Firma lehnte diese Forde- rungen immer wieder ab. Sie erklärte, wenn der Lohn am Freitag ausgezahlt würde, kämen die Arbeiter am Sonnabend nicht in einem Zustande zur Arbeit, wie er zur Aufrechterhaltung des Betriebes erforderlich wäre. Der frühere Arbeitsschluß um eine Stunde am Sonnabend aber würde für das Geschäft ein materieller Schaden sein und liefe auf eine Arbeitszeitverkürzung hinaus. Allein schon aus dem letzteren Grunde könne die Firma dies nicht bewilligen. Die Klosettanlagen reichen für das Personal nicht aus. Die Firma sagte die Erweiterung der Anlagen zu. jedoch erst, wenn die Möglichkeit gegeben sei, bauliche Veränderungen vorzunehmen. Die Wasserleitung versagt sehr oft, wenn die Arbeiter sich gerade beim Waschen befinden. Ebenso find die Entlüftungsanlagen, insbesondere in der Setzmaschinenabteilung, völlig unzureichend. Abhilfe wurde schon vor Wochen zugesagt; bis zu der Versammlung war aber noch nichts geschehen. Dasselbe trifft auf den Fahrradstand zu, wo jedes Rad eine Nummer bekommen sollte, aber immer noch keine er- hallen hat. Die Art, wie die Firma die Ablehnung der zuerst angeführten Forderungen motivierte, wurde als geradezu unerhört bezeichnet. Jeder, der im Betriebe sei. wisse, daß der Konsum von Milch, Kaffee und alkoholfreien Getränken im Betriebe ständig zunimmt. Es wurde auch erklärt, daß es mit der Ablehnung nicht sein Bewenden haben könne. Es müsse jetzt darauf gedrungen werden, daß die Forderungen Geltung erhalten. Uebrigens dürfe sich die Arbeits- zeitverkürzung nicht auf den Sonnabend beschränken, sondern müsse auch auf die anderen Wochentage ausgedehnt werden. Zuletzt wurde ein Antrag angenommen, daß eine Kommission mit dem Ausschuß, den Vertrauensleuten und der Ortsverwallung die Forderungen er- neut ausarbeiten möge, die dann mit allen Mitteln und ganz ent- schieden durchgedrückt werden sollen. Achtung, Friseurgehilfen! In die Liste der Tarifgeschäfte sind noch nachzutragen: Hiede, Stargarder Str. 18, Langer, Dunckerstr. 68, B e n k, Tilsiter Str. 17, Z i r s ch w i tz, Rykestr. Ib. Aufgelöst ist das Tarifvcrhältnis bei Oberländer, Neue Hoch- straße 42, K o ch m a n n, Lindenstr. 7g, Kroll, Beteranenstr. 6, M a i r e, Bellcrmannstr. 95. Der Streik bei Martini, Arndt Bergmannstr. 112, dauert unverändert fort. Verband der Friseurgehilfen. DeutMses Reich. Ter Streik der Werftarbeiter in Hamburg hat jetzt auf sämtliche Werften übergegriffen. Es arbeiten lediglich noch kleinere Reparaturwerkstätten, in denen aber auch jeden Augen- blick Differenzen ausbrechen können. Die Gesamtzahl der Streikenden wird für Hamburg auf ungefähr 14 900 geschätzt; die höheren Schätzungen müsien als übertrieben bezeichnet werden. Auf der großen Werft von Blohm und Voß haben selbst viele Gelbe die Arbeit niedergelegt. Den Rest der Gelben hat die Firma sodann ebenfalls entlassen. Der Hafen bietet, seit der Lärm auf den Werften auf unbestimmte Zeit verstummt ist, ein wesentlich ruhigeres Bild als gewöhnlich. Die Arbeiter bewahren eine besonnene Haltung. Die Streikleitung fordert die Streikenden in Plakat- anschlügen auf den Kontrollstellen und in sonstigen Verkehrslokalen dringend auf, alle Ansammlungen auf den Straßen zu verweiden. Die Organisationsleitungen beharren auf ihrem Standpunkt, die Arbeitsniederlegungen nicht anzuerkennen und Unterstützungen nicht zu gewähren. Der Ausstand sei darauf zurückzuführen, daß von bisher unbekannten Personen auf den Werften das Gerücht verbreitet worden sei, die Organisattonsleitungen hätten den Streik beschlossen. Allgemein herrscht die Auffaffung, daß trotz der Erklärung der Zentralvorstände mit der Ausdehnung des Streiks so oder so eine Entscheidung herbeigeführt werden würde, die in den nächsten Tagen erwartet wird. Die Werften sind mit Aufträgen gut versehen, ein Abflauen der Schiffsbaukonjunktur ist vorläufig nicht zu erwarten. Das bestätigt auch die bürgerliche Vresie. Die Arbeitsniederlegung ist für die Werften ein schwerer Schlag. *« * Ueber eine Antwort der Werften auf das Schreiben der Arbeiter« verbände, die zu neuen Verhandlungen zum 17. Juli eingeladen hatten, konnten am Mittwoch bereits bürgerliche Blätter berichten. Den Verbandsvorständen ist bis Donnerstagabend eine solche Ant- wort noch nicht zugegangen. Streik der Werftarbeiter in Kiel. Kiel, 17. Juli.(Eigener Bericht des„Vorwärt Eine überaus stark besuchte stürmische Versammlung von Arbeitern der Kruppschen Germaniawerft, der Werft der Howaldtswerke und der Werft von Stock u. Kolbe, die heute abend im größten Saale Kiels tagte, beschloß ein st im m ig, morgen früh in den Streik einzutreten. Die Arbeiter der kaiserlichen Werst waren in der Versammlung nicht vertreten. Im Ziegcleiarbeiterstrcik in Kolberg ist ein weiterer Fortschritt zu verzeichnen. Stadtrat S ch ö n r o ck, der Besitzer der Ziegelei Hohenberg ist, hat den Kampf aufgegeben und die Forderungen der streikenden Arbeiter bewilligt. Es kam ein Tarifvertrag zum Ab- schluß. Nunmehr sind noch die Arbeiter der Ziegelei von Neu- mann- Altstadt ausständig. Es steht zu erwarten, daß auch dreier Herr bald zur besseren Einsicht kommen wird. Vorläufig bleibt der Betrieb für Ziegeleiarbeiter noch gesperrt. Arbeiter oder kirchliche Sklaven? Katholische Unternehmer vereine gibt es bekanntlich nicht. Die katholischen Kapitalisten schließen sich mit ihren evangelischen, jüdischen und heidnischen Profitgenossen zusammen, wie es ihnen beliebt. Kämen aber irgendwo katholische Unternehmer auf die Idee, einen klerikalen Kapitalistenverein zu gründen, würde ganz gewiß die Kirche nicht verlangen, daß sie um Erlaubnis gefragt wird. Anders bei den Arbeitern. In der.Sieg-Zettung" ver- öffentlicht Kaplan Sandgathe diese Drohnote: Einige in hiesiger Stadt verbreitete Zeitungen kündigen für Sonntag, den 13. Juli 1913 eine Versammlung im Michaellshause an, auf der die Gründung eines katholischen Arbeitervereins für Siegburg-Nord in Aussicht genommen ist. Diese Gründung erfolgt ohne jede Fühlungnahme mit dem von der Erzbischöflichen Behörde er- nannten Präses des bestehenden katholischen Arbeit er Vereins, ferner gegen den Willen der Bezirks- und Diözefanleitung. Alle katholischen Arbeiter werden eine solche Gründung richtig beurteilen und mit Recht verurteilen. Der von der E r z b i s ch ö f li ch e n Behörde ernannte geistliche Präses des katholischen Arbeitervereins betrachtet sich dem- nach als der Vorgesetzte aller katholischen Arbeiter Siegburgs. Die arbeitsharten Proletarier sollen wie Kinder dem jungen Herrn Kaplan um Erlaubnis bitten, ob sie einen Verein gründen dürfen. Es muß doch noch recht dunkel fein in Siegburg. Kein Wunder, daß dieser Wahlkreis dem Zentrumsführer Trimbonr wieder zu einem Mandat verhalf, obgleich es ihm in dem benachbarten Köln durch den Spruch der Wähler aberkannt worden war. Ausland. Sechstausend Hafenarbeiter sind in Hu II in den Ausstand ge- treten. Die Bewegung begann unter den Zimmerleuten der Viktoriadocks, die einen halben Penny die Stunde Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit verlangten. Die Unzufriedenen suchten die anderen Docks auf und forderten die Arbeiter zum Streik auf. Alle Docks sind in Mitleidenschaft gezogen._ Kleines feuilleton. Was ist des Deutschen Vaterland? In diesem Jahre könnten wir auch das Jubiläum von Ernst Moritz Arndts patriotischem ivragc- und Antwortlied„Was ist des Deutschen Vaterland"? feiern. ~t?,g,,tt'arc aJ'er zugleich der Gedenktag einer fast hundertjährigen Falichung.-tciin als 1813 in Berlin ohne Ort. Jahr und Namen «Fünf nieder für deutsche Soldaten" erschienen, enthielt das be- kanntefte Lied des Dichters noch eine fünfte Strophe, die auch in den„Kriegsliedcrn der Teutschen" 1814 noch enthalten war. Diese Strophe lautete: Was ist des Deutschen Vaterland? So� nenne mir das große Land! Ist's, was der Fürsten Trug zerklaubt? Vom Kaiser und vom Reich geraubt? O nein! O nein! Das Vaterland muß größer sein. Als dann nach dem Sturz Napoleons der Fürsten Trug begann, die Freiheit der Freiheitskämpfer zu zerklauben, korrigierte erst Arndt den Trug der Fürsten in„der Welschen Trug". Aber auch das sicherte ihn nickü vor der Verfolgung, und so gab er denn 'chlictzlich die ganze Strophe preis, ohne übrigens dem preußischen Rächerarm zu entgehen. So wird denn bis heute die Fanfare von 1613 gerade der Zeilen beraubt, die am deutlichsten Geist und Stimmung der Patrioten von 1813 wiedergaben. Bielleicht wenn im August die deutschen Bundesfürsten in der Bcfreiungshalle vpn Kehlheim versammelt wm werden, wird das begeisterte Volk den unverstümmelten Text der Arndtschen Na- tionalhymnc singcq. Und man fügt gleich Richards Wagners zum 50jäHrigen Jubiläum gedichtete Parodie hinzu: Was ist des Deut. schen Vaterland?... Wo dem. den sie zu Tod gehetzt. Man Reden hält und Standbild setzt?... O ja! O?«! Ja! Ja! Sein Vaterland, da ist es. da!" Sport-Zigcuner. Ende dieses Monats wird sich der englische Romanschriftsteller H. G Wells der durch seine phantastisch- utopistischen Romane auch bei uns einen großen Leserkreis erwor- den bat aufmachen, um als hausierender Vagabund und Zigeuner ein stuck von der Romantik in fein Leben zu tragen, m d,e er bis. her nur m'«'nen Romanen geflüchtet. Wells ist nämlich Mitglied j' und dieser hat einen originellen Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich Diwter beteiliaen will. Das Ziel, das� mit diesem Wet.bew�b erreil�t we�en soll, ist der Beweis �er Qud5 noch so tief im modernen, tadtischen ll- auT bcr Landstraße sein Dasein zu finden. daß das �.eben des Zigeuners unter dem freien Himmel gesund Kh un!> selbständigen Geiste angemessen ist. Nur Mitglieder des Zigeunerklubs und des Amateur Camping- ? Wettbewerb beteiligen, und keiner der m tf nur.'elncr Fahrt eine Begleitung mitnehmen. Auch Geld mitzunehmen, ist nicht erlaubt; dagegen wird gestattet, daß die«Vagabunden des Nachts unter einem leichten Zelt schlafen. Zahlreiche andere Vorschriften schließen sich an, darunter auch genaue Angaben über die im Landstreicherleben üblichen Weg- marken und Zeichen, die an allen Kreuzwegen angebracht werden sollen. So müssen z. B. bei Tag drei Haufen Gras am linken Wegrand angebracht werden; bei Nacht sind Aeste oder Stöcke so zusammenzulegen, daß sie die Wegrichtung angeben; bei nassem und nebligem Wetter ist eine Marke in Form eines Ci anzubringen und bei windigem Wetter Steine in derselben Form an dem linken Wegrand. Um ihren Unterhalt zu fristen, dürfen die Wettbewerber als wandernde Hausierer allerlei Waren mitnehmen, und der wird den Preis davontragen, der bei diesem Leben und Verkaufen auf der Landstraße die besten Geschäfte macht. „Die Sklaverei des Rockes". Eine Amerikanerin, die es sich leisten kann, will die Frauenröcke abschaffen. Frau John Boldt gehört— so wird darüber berichtet— zu den Vorkämpferinnen der amerikanischen Frauenstimmrcchtlerinnen. Attentate, Brand- stiftungen, Ueberfälle und sonstige suffragsstische Heldentaten hat sie nun zwar nicht aufzuweisen; dennoch kann man mit Fug be- haupten, daß sie manche ihrer GesinnungSgcnossinnen an Mut überragt. Denn sie wagt, was keine wagt: sie geht in Hosen. Mrs. Boldt erklärt:„Was kann das nützen, daß die Frauen Stimmrecht und Freiheit fordern, wenn sie ihre Befreiung nicht zu allererst auf dem Gebiete der Kleidung durchführen? Es ist der Rock, der die Frau zum Sklaven macht. Ter Rock hindert ihre Bewegungsfreiheit, der Rock reizt und erhöht ihre Eitelkeit, der Rock macht die Frauen zu Puppen anstatt zu Menschen. Darum vor allen Tingen: fort mit den Röcken!" Das Programm ist nicht neu, aber die Amerikanerin hat den Mut ihrer Meinung und trägt die Hosentracht überall, auch auf der Straße. Ihre Kleidung unter- scheidet sich in ihrem oberen Teile wenig von der sonst üblichen Frauentracht, geht aber dann in ein paar weite faltige Beinkleider über, die kurz über den Knöcheln festgeschlossen sind. Vom Gürtel herab hängt vorn eine lange Schärpe. Daß diese Tracht anstößig wirke, das kann man, soweit sie sich nach der bildlichen Wiedergabe beurteilen läßt, kaum behaupten, und jedenfalls hat die Amerika- ncrin, die die Hosen nicht mehr bloß symbolisch anhat, eine scbr hübsche Reklame für sich gemacht. Hoffentlich nicht bloß aus— damenhafter Eitelkeit. Musik. Sommer'oper im Schiller-Theater O. Der V e r d i s ch e Troubadour, das ist die ob ihrer Gruselromantik und Leierkastenpopularität arg verrufene..Schreioper" für lyrische Tenöre, die das Hobe C in der Kehle verspüren, wurde Mittwoch ge- geben. Die Aufführung hatte im einzelnen und ganzen künst- lerische Qualitäten. Das kleine, aus tüchtigen Bläsern und Streichern gebildete Orchester entwickelte prächtige Klangfülle. Die grauen- und Männcrchöre sangen rein, selbst die hinter der Szene. Das dekorative Element offenbarte Stimmung, das Zigeunerlager malerischc Anordnung; und alles ging sehr präzis, ohne doch allemal da, Ivo die Handlung es mit sich bringt, der dramatischen Schlag- kraft zu entbehren, was alles von emsigem Studium zeugt. Recht glücklich darf die Besetzung der solistischen Hauptparts genannt werden. Otto F a n g e r, der kürzlich so erfolgreich als Eleazar in Halevhs„Jüdin" debütierte, gab den Manrico. In den Mittel- lagen befriedigt sein Organ allerdings weniger, das Troubadour- lied im Kerker enttäuschte etwas; hingegen entfaltete er strahlenden Stimmklang in hohen Lagen bis zum Gipfel des dreigestrichenen C und mußte die Schlußarie des dritten?lktes wiederholen. Vor- züglich bei Stimme war diesmal wieder Mimi Poensgen als Gräfin Leonorc. Ihr machtvoller Sopran, dem dramatischer Cha- raktcr eignet, bringt doch auch lyrische Koloraturen mit Geschmeidig- teit. Adolf Per mann betreute seine Baritonrolle(Graf Luna)� gesanglich wie darstellerisch gut. Für Azacena, die Zigeunerin. hat Signe B'e ck e r eine nicht unebene Erscheinung. Ihr Mezzo- sopran besitzt Färbung und Kraft— bei ungleicher Gesangsleistung. Das spärlich besetzte Haus erklang zeitweilig von begeisterten Be,- sallsjpendcn. c k- Notizen. _ Bühnen chronik. Hermann Vahrs neueste? Bühnen« werk„Das Phantom", eine Komödie in drei Wen, wird im Theater der Sozietät in Berlin zur Uraufführung gelangen.— Tie Tragödie„S o n n e n f i n ft e r n i s" von Arno Holz soll im Stadtthcatcr zu Bernburg ihre Uraufführung erfahren und dann als Gastspiel(I) nach Berlin kommen. — K u n st ch r o n i k. Die Ausstellung der Sezession wird Sonntagabend 7 Uhr geschlossen.— Eine Reihe der aus der Sezession ausgeschiedenen Künstler veranstaltet die von der alten Sezession projektierte Herbstausstellung im Ausstellungs- hause am Kurfürstcndamm. Sie soll am 1. November eröffnet werden. ~ Eine Künstler-Produktivgenossenschaft. In Stuttgart ist der interessantc Versuch gemacht worden, Künstler in einer Art Produktivgenossenschaft zu vereinigen. Die Leute von den Stuttgarter Lehrwerkstätten haben sich zusammen mit einer kleinen Anzahl Gleichgesinnter von auswärts unter Pankoks Leitung zu einer„Genossenschaft für fteie und an- gewandte Kunst" zusammengetan. Die Genossenschaft, die nur Künstler und Kunstfreunde, aber keine Fabrikanten aufnimmt, übernimmt die Lieferung von Entwürfen jeder Art, überwacht oder übernimmt die Ausführung, verkauft Bilder, Plastiken und künst- lerisch einwandfreies Kunstgewerbe. Die Prüfung aller zum Ver- kauf gestellten Stücke erfolgt durch eine aus den Mitgliedern der Genossenschaft gebildete Jury. — D i e Barbarossahöhle im Khffhäuser ist von Fachgelehrten aufgenommen und vermessen worden. Dabei ergab sich, daß die Barbarossahöhle eine der größten Höhlen Deutschlands ist. Die Höhle erstreckt sich auf weit über 1300 Meter, während man bislang nur 350 Meter angab. — D i e Kalendcrreform in Rußland. Die bereits feit langem geplante Einführung des westeuropäischen Kalenders in Rußland ist nunmehr abermals als gescheitert zu betrachten, da sich die vom Reichsrat eingesetzte Kommission gegen die Einführung des Gregorianischen Kalenders und für die Aufstellung eines neuen Wclttalcnders ausgesprochen hat. Das MalieMeikproblem. x. � � In der„N e u c n Z e i t" wird die Mnsscnstreikfrage auch vom Genossen K a u t S ky dehandelt. Wir werden auf seine AuSfüh- rungen zurückkommen, wenn sie vollständig vorliegen, �ie Nr. 41 unseres wissenschaftlichen Organs lätzt außerdem auch zwei Ge- Nossen zu Worte kommen, die sich gegen den Massenstreik als Kampfmittel um ein freies Wahlrecht in Preußen wenden. So schreibt Genosse Steiger Wald-«Älingen: «Wenn man zu der Frage des politischen Massenstreiks Stellung nehmen will, fällt ganz besonders auf, daß bisher nur Akademiker oder die Redaktionen als solche sich zu dieser Frage geäußert� haben. Um aber diese Frage zur Klärung zu bringen, müssen sich auch Genossen, die heute noch im kapitalistischen Wirt- scbaftsbctrieb stehen, äußern. Genossen, die an der Spitze unserer gewerkschaftlichen Bewegung seit Jahren tätig sind, die die Er- fahrungen der letzten Jahre in den gewerkschaftlichen Kämpfen gesammelt haben, die sollten zu der Frage des politischen Massen- streikz Stellung nehmen. Und da, glaube ich, würden unsere Ge- Nossen vom grünen NedaktionStisch manche bittere Wahrheit über die Durchführbarkeit deS politischen Massenstreiks zu hören be- kommen. Man täuscht sich ganz gewaltig, wenn man auf jener Seite glaubt, der Boden für den Massenstreik sei in Deutschland gut vorbereitet und man brauche einfach nur loszuschlagen. Nein, durch die in den letzten Jahren betriebenen gewerkschaftlichen Ab- schlüsse von Tarifverträgen hat man die Arbeiterschaft durchaus nicht zur Kämpferscbar erzogen. Diese ist vielmehr nach und nach infolge der gewerkschaftlichen Disziplin und Stärke in das Fahrwasser der selbstverständlichen'Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen hineingeraten...." Wenn man die Tarifbewegung innerhalb Deutschlands in den Vordergrund schiebt und dann Vergleiche anstellt zwischen Deutsch- land und all den Ländern, in denen ein Massenstreik inszeniert wurde, dann kommt man zu ganz anderen Schlüssen als Genosse Dr. Frank in seiner Wilmersdorfer Versammlung. Fragen wir einmal unsere Vergarbeiterführer, ob Fehntausendc von Bergleuten sich finden, um für die Erringung eines besseren PrcuhenwahlrechtS mehrere Tage und vielleicht Wochen ohne Unterstützung die Berg- werke verlassen? Man unterschätze ja nicht die Unter- stützungSfrage. Gerade diese ist cS, welche in Deutschland die ganze Frage scheitern lassen würde, wenn nicht genügend Mittel zur DurchHaltung eines Massenstreik vorhanden sind. Wodurch ist denn unsere Gewerkschaftsbewegung mit so groß geworden? Welche Frage tritt denn den Genossen, welche für unsere Geweri- schaftSbewegung agitieren, zuerst entgegen? Doch immer wieder die eine: Was bekomme ich an Unterstützung? Nicht umsonst ist auSTstn der am 22. Juni auf der KreiS- generalversammlung für den Wahlkreis Solingen zur Frage des künftigen Wahlrcchtskampfcs angenommenen Resolution der PassuS enthalten, daß unsereArbeiter heute schon an. fangen mögen, Mittel zurechtzulegen, um einen eventuellen Kampf auch finanziell durchhalten zu können. Man scheint bei unseren Massenstreikfanatikern keine Ahnung zu haben, waS es heißt, mit 23 bis 27 M, ja auch noch mit 30 M. die Woche eine Familie von sechs Köpfen zu ernähren I Man rechne nur die vielen Krankheiten und Feierschichten und die sich jetzt schon wieder fühlbar machende Krise, und dann lege man sich die Frage vor. wo dann noch der Idealismus für große politische Fragen herkommen soll. Auf die speziellen Solinger Verhältnisse will ich dabei gar nicht erst eingehen, sonst müßten wir noch zu viel niederdrückenderen Feststellungen kommen. Solange nicht in den gewerkschaftlichen Kreisen ein größerer Enthusiasmus für dieses Problem zu entfachen ist. solange dürfte «tilch die Durchführbarkeit des Massenstreiks auf sich warten lassen. Aber außer der Frage der Tarifgemeinschaft gibt eS noch eine fl«ize Reihe anderer Dinge, die bei un» in Deutschland die Durch» führbarkeit eines politischen Massenstreiks sehr erschweren. Besehen wir uns nur einmal näher unseren militärisch disziplinierten Klassenstaat I Wer da glaubt, daß es in Deutschland mög- lich ist.auch nur annähernd eine derartige Oppo- sition in der Armee selb st zu finden, wie wir sie jetzt in Frankreich gefunden haben bei Bekannt- werden der Vorlage der dreijährigen Dienst- zeit, dem dürfte nicht zu helfen sein. Wenn heute unsere Eisenbahnarbeiter, unsere Lokomotivführer, unsere Heizer usw., unsere Bäcker und Transportarbeiter in den Streik treten, sind diese zum Teil sofort durch Militär ersetzt. Und wer daran glaubt, daß unsere Arbeitsbrüdcr in den Kasernen Preußen? den Befehl, die Stellen der Streikenden zu besetzen, nicht ausführen, der dürfte sich wohl schwer getäuscht haben. Tann nur noch eins— obwohl von nicht so ausschlaggebender Bedeutung wie das erstere. Wieviel Arbeiter haben wir in den chrisilich-katholisch-evangelisch-Hirsch-Tunckerschen Organisationen uns gegenüberstehen? Wie groß ist die Armee der arbeitslosen Un- organisierten? Wie mancher der uns abseits Stehenden wird mit Freuden den Streikenden in den Rücken fallen! Damit ist unserer Bewegung durchaus nicht gedient, daß man mit dem Feuer spielt. Nein, klar und deutlich soll gesagt werden, was ist! Ich hoffe, daß sich auch unsere Genossen, die noch im Ar- beitSverhältnis bei den großen oder kleinen Unternehmern stehen, zu dieser Frage äußern werden.... Es gilt Klarheit zu schaffen zur Erringunq weiterer politischer Reckte in Preußen." Genosse P e r n e r. Redakteur am«Hamburger Echo", schreibt zu dem Thema«Massenstreik und Preußcnwahlrccht": „In der Frage des preußischen Wahlrechts droht unsere Partei von einem Extrem ins andere zu fallen. Kaum ist der jahrzehntc- lang festgehaltene Standpunkt, das Junkerparlament müsse seiner eigenen Fäulsnis überlassen bleiben, allgemein aufgegeben, da fängt man an. die preußische Landstube zum Rang einer Welt- bühne zu erheben, auf der die Jahrhundertfrage, ob Europa kosakisch oder republikanisch wird, zur Entscheidung kommen soll. Man wird einwenden, daß die Hobe Bedeutung nicht dem preußischen Landtag an sich beizumessen sei, wohl aber dem Kampf um das Wahlrecht, von dessen Ausgang die ganze künftige Ent- Wickelung Deutschlands abhängig sein wird. Auch das' darf be- zweifelt werden. Gewiß ist die Vorherrschaft der Junkerkaste in Preußen ein Hemmnis für den kulturellen Fortschritt in Preußen wie im übrigen Deutschland. Aber beruht diese Vorherrschaft der Junker etwa nur auf ihrer Vertretung im Landtag? Und ist selbst für einen mit aller Krpft geführten Wahlrechtskampf in Preußen ein Erfolg in Aussicht, der für das Proletariat mehr bedeutet als eine etwas größere Zabl von Mandaten, die unter einem irgendwie reformierten Wablrecht errungen werden könnten? Es kann im günstigsten Falle nichts weiter hcrauSspringen, als die Wiederholung des Schauspiels, das schon 1848 einmal aufgeführt wurde. Die Arbeiter opfern sich für die Bescitigussg feudaler Ruinen und helfen dem Liberalismus den bürgerlichen Verfassungs- staat vollenden, um dann von den bürgerlichen Parteien um die Früchte deö Sieges geprellt zu werden. Da« kann unter Um- ständen eine unumgängliche historische Notwendigkeit sein, die gegenwärtigen Umstände sind aber kaum so beschaffen, daß die Arbeiterklasse zu dieser Rolle genötigt wäre. Das wissen die Massen, deren Urteilsfähigkeit darüber, was für sie eine Lebensfrage fein muß, durchaus nicht gering ist. Und darum zeigen sie wenig Nei. gung, für die Erstürmung der Dreiklassenwahlrcchtsschanze mehr Kralt aufzuwenden, als sie bisher schon aufgewandt� haben. Sie baben ein sicheres Gefühl dafür, daß mit den Opfern, die daS preußische Wahlrecht nicht wert ist. sich an anderem Ort und zu an- derer Zeit ertragreichere Sieye erringen lassen. WaS durch unsere Beteiligung an den preußnchcn Landtags- wählen erreicht werden konnte, ist durch die jüngsten Wahlen in verstärktem Maße erreicht worden: cS steht eine Vorhut sozialdemo- kratischer Vertreter im Junkerparlament auf Posten und macht dem Feind das Dasein an dieser Stelle so sauer wie möglich. Ihm aber den Gefallen zu tun, nun unsere Hauptstreitkraft auf diesen Kampfplatz zu konzentrieren, wäre das Gegenteil politischer Klug- heit. Für uns ist der günstigste Kampfbodcn die Reichs- Politik, auf deren Gebiet sich nach der natürlichen Entwickelung der Dinge die großen Entscheidungen abspielen müssen. Auf sie gerüstet zu sein, ist jedenfalls wichtiger, als dem Gegner auf dem für ihn günstigeren Felde der Politik der Einzelstaaten die unver- diente Ehre eines Kamxfes um Sein oder Nichtsein anzutun. Es kommt hinzu, daß ein Massenstreik um das preußische Wahlrecht nicht einmal beim liberalen Bürgertum, dem doch die Frucht örs Kampfes mir beschieden sein würde, auf Synrpathie zu rechnen hat. Denn der Massenstreik ist seiner Natur nach die stärkste Waffe der Arbeiter im Kampfe gegen die Bourgeoisie. Er taugt nichts in einem Kampfe, dessen Ziel die Beseitigung feudaler Ueberreste und die Vollendung des bürgerlichen VerfassungsstaateS ist. Die Schläge, die das Prole- tariat mit dem Massenstreik austeilen kann, treffen in erster Linie das gewerbliche und industrielle Kapital, wenig oder gar nicht die Junker, die dabei weit eher sich als lachende Dritte aufspielen könnten. Wenn darum jetzt das Verlangen gestellt wird, die Massen- streikresolution des ersten Jenaer Parteitags solle so geändert wer- den, daß die Anwendung des Massenstreiks auch für die Erobe- rung eines besseren Wahlrechtes in Preußen in Frage kommen kann, so spricht aus solchem Verlangen weif mehr eine gewisse nervöse Ungeduld, die das Zutrauen in die noch keineswegs nn- brauchbar gewordenen Methoden des bisherigen Wahlrcchtskampfcs verloren hat. als eine wohlüberlegte Beurteilung der Dinge, wie sie wirklich sind. Vor 23 Jahren eroberten wir in der Reichstagswahl 35 Man- date und wurden der«timmenzahl nach die stärkste Partei Deutsch- lands. Heute sind wir eS auch nach der Zahl der Mandate. Nicht übertriebener Optimismus, sondern ruhiges Vertrauen in die stei- gende Werbekraft unserer Ideen, die sich immer wieder bewähren wird, läßt unS damit rechnen, daß wir in abermals 20 Jahren spätestens so weit fein werden, daß uns entweder die Mehrheit im Reichstag zufällt, oder— da» ReichStagSwahlrecht streitig gemacht wird. Es ist keine Frage, daß dann die ganze Partei einig sein wird in dem Entschluß, nickt nur daß, sondern auch wie ge- kämpft werden muß. Und die Massen wird man dann nicht mehr mit von Lassalle erhorgten Zitaten über die Wichtigkeit de» Wahl- rechts aus der Teilnahmslosigkeit aufzurütteln brauchen; sie werden da sein, weil sie fühlen, was eine Lebensfrage für sie ist. ES ist natürlich möglich, daß auch schon früher Fragen der Reichspolitik so ungeheure Bedeutung gewinnen, daß die Massen bereit sind, zu den schärfsten Waffen zu greifen. Die Frage der Zoll- und Wirtschaftspolitik, die bald erneut aufgerollt wird, kann, wenn ihre Entscheidung mit einer Wirtschaftskrise zusammentrifft, leicht dazu führen. Ebenso eine neue Forderung des Militär- molochs, bei der eS der Regierung nicht wieder so leicht gelingen dürfte, durch verblüffende Deckungsvorlagen den Widerstand breiter Volksschichten einzulullen. Immer aber werden es Fragen sein müssen, die daS ganze deutsche Volk in höherem Maße angehen als die preußische Wahlrcchtsfrage." So2ia!es. Oberschiedsgericht für Angestelltenversicheruna. Der..Reichsanzeiger" enthält folgende Bekanntmachung: „Für die Angestelltenversicherung ist für das Reichs- gebiet ein Oberschiedsgericht errichtet worden, das seinen Sitz in Berlin hat. Zum Vorsitzenden des Oberschiedsgerichts ist der Ge- Heime Regierungsrat und vortragende Rat im ReichSamt des Innern Dr. Laß und dessen Stellvertreter der Geheime Regierungsrat und vortragende Rat im Reichsamt des Innern Siefart bestellt worden. Die Geschäftsräume des Oberschiedsgerichts befinden sich in Berlin. Luisenstraße 33/34." „Schutz der nationalen Arbeit." „Schutz der nationalen Arbeit" ist ein Schlagwort zur Ver- teidigung der daS Volk belastenden Schutzzölle. Wie aber tatsächlich Junker, Kapitalisten und Vater Staat ihre Liebe zur nationalen Arbeit in der Praxis gegenüber den deutschen Arbeitern betätigen, zeigen erneut drei Berichte, die an einem einzigen Tage aus drei ziemlich nahe beieinander liegenden Orten der Provinz Sachsen, dem typischen Land der Sachscngängerei, kommen. Alle drei Fälle zeigen wieder kraß, wie fast völlig rechtlose Ausländer herangeholt werden, um die nationale Arbeitskraft, um deutsche Arbeiter brotlos zu machen. In Eisleben übergab die vor rcichstreuem Patriotismus schier triefende ManSfclder Gewerkschaft den Neubau eines Kaliwerks einem Unternehmer, der speziell solche Werke und fast immer nur mit ausländischen Arbeiterkolonnen erbaut. So beschäftigte er auch in Eisleben vorwiegend Italiener. Als nun wegen technischer Schwierigkeiten angeblich Nrbeiterentlassungen nötig sein sollten, wurden 30 einhoimische Arbeiter, teil? Eislebener Familienväter, aufs Pflaster gesetzt. In den nächsten Tagen mußten aber die Italiener schon Ueberstunden machen, und nach einigen Tagen wur- den die Stellen der entlassenen Deutschen durch ausländische Ar. beiter besetzt. Da die Stadt Eisleben ständig in der Einwohnerzahl zurückgeht, und dort deshalb viel von der notwendigen Hebung der Steuerkraft geredet wird, glaubten die so unerhört brüskierten Arbeiter, das Stadtoberhaupt, Erster Bürgermeister Dr. Riese, würde ihnen helfen, zum«Schutz der nationalen Arbeit". Aber der Herr Bürgermeister erklärte der Arbeitslosendeputation, daß er in diesem Falle machtlos sei.— Trotzdem wird er natürlich genau so wie der Leiter der reichstreuen ManSfelder Gewerkschaft im nächsten Wahlaufruf für den«Schutz der nationalen Arbeit begeistert und energisch eintreten". Ganz ähnliche auslandsfrcundliche Grundsätze befolgt der— preußische Fiskus beim benachbarten Bahnbau Laucha— Kölleda. AlS der Bau begonnen wurde, glaubten die Arbeiter der anliegen- den Orte, daß sie jetzt endlich einmal einige Zeit aus dem Elend der ArbeitSlosigteit befreit würden. Unsere Genossen hatten ver- langt, daß die Stadt darauf dringen solle, daß nur einheimische Unternehmer und Arbeiter herangezogen würden. Aber zu diesem Schutz nationaler Arbeit reichte der Einfluß der Stadt nicht auS. Der preußische Fiskus sah den Schutz der nationalen Arbeit darin, daß er die ihm schon so vertrauten auswärtigen Firmen, die fast nur mit Polen und Italienern arbeiten, heranzog. Die guten deutschen Arbeiter konnten mit knurrendem Magen bei„ihrem" Bahnbau zusehen. Die einzige Firma Gramenz u. Co. Berlin, die wirklich noch einige Einheimische beschäftigte, geriet noch dazu in Zahlungsschwierigkeiten, blieb 3 und 4 Wochen den Lohn schuldig, so daß die Arbeiter sich bestens für diese Beschäftigung bedankten. Bei dem BahnhofSneubau einer rein italienischen Firma sind übrigens fo lebensgefährliche Gerüste gestellt, daß Anzeige bei der Berufsgenossenschaft erstattet werden soll, damit die deutschen Be- Hörden wenigstens etwas tun können zum Schutze der ausländischen Arbeiter. Ein noch krassere? Kulturbild ist schließlich zur gleichen Zeit von der Chaussee zwischen Heeringen und Nicderhauscn gemeldet. Polnische Arbeiter, die bei Nordhausen, wie überall im geliebten Preußen zum Segen nationaler Arbeit in Massen beim Kanalba« beschäftigt waren, hatten die Arbeit niedergelegt. Sie feierten am Mittwoch, hordenweise im Chausseegraben liegend, Abschied von ihren auf einem benachbarten Rittergut sich zu dcutschnationalem Junkcrwohl betätigenden Landslcuten. Ströme von Schnaps flössen bei diesem Abschied. Und die alkoholisierten Polen machten dann die Chaussee unsicher. Frauen und Kinder wurden aus daS schändlichste belästigt. Radfahrer wurden vom Rade gerissen und in ge- meinster Weise behandelt. Ein Arbeiter wurde vom Rade gehoben und erhielt zwei Schläge auf den Kopf. Er mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. Einem anderen Arbeiter wurde das Rad demoliert. Er selbst erhielt«inen Stich in den Arm! Als Schlaginstrumente wurden leere EchnapSflafchcn benutzt. Auf dem Kopfe eines Arbeiters wurde eine Fuselflasche zerschlagen, wodurch erhebliche Verletzungen entstanden. Die Angegriffenen verteidigten sich so gut wie sie konnten, waren aber gegen die Polen machtlos. Erst als Hilfe aus Urbach kam, ergriffen die Trunkenbolde die Flucht. Die Verantwortung für solche Szenen haben die Unternehmer. Sie locken auf tiefer Kulturstufe stehende Ausländer nach Deutsch- land, um sie gegen deutsche Arbeiter in Lohnkämpfen auszuspielen. Die ausländischen Arbeiter würden bald Hand in Hand mit den deutschen gehen, wenn sie nicht durch die AuswucherungZmöglichkeit nahezu rechtlos gemacht wären. Wer als ausländischer Arbeiter einmal in Deutschland war, überzeugt sich bald, wie wenig die ihm bei der Anwerbung nach hier gemachten Versprechungen der Wahrheit entsprechen und kehrt nicht wieder nach Deutschland zurück. Auf Geheitz der Junker hat aber bekanntlich der preußische Minister für öffentliche Arbeiten angeordnet, daß bei Kanalbauten* und dergleichen„vorzugsweise" Ausländer beschäftigt werden sollen. DaS ist„Schutz der nationalen Arbeit". £Iiis Induftnc und Rande!. Balkanwirren und Baumwollindustric. Tie Textilindustrie leidet bekanntlich am schwersten unter den Baltamvirren. So äußert sich die Weiß thaler A k t i e n- S p i n n c r- i, die mit dem Balkan bisher in enger Beziehung stand, in dem Bericht über die Wirkungen des Krieges auf ibren Absatz:«Kriegsunruben auf dem Balkan und Kriegsgefahr für die interessierten Großmächte hin- derten eine gesunde Entwickelung der Baumwollindustric im allgemeinen. Da wir mit einem großen Teil unserer Produltion auf den Export nach den Balkanstaaten eingerichtet sind— diese Staaten aber im Berichtsjahre als Absatzgebiet nicht in Frage lamen—, waren wir allen Folgeerscheinungen der Stockung im Absätze der deutschen Fabrikate in erhöhtem Maß« ausgesetzt. Das Inland- geschäft war einesteils durch die fast dos ganze Jahr andauernde Zurückhaltung der Käufer, welche einen Rückschlag des Marktes er- warten, andcrntcils durch die Einführung billiger österreichischer Garne und Gewebe sehr erschwert." Ter Saffeesturz. Nachdem der Kafteemarkt Jahre bindurck ein« ungewöhnliche Hausse erlebt hatte, sind in den letzten Monaten die Kasscepreise sehr erheblich zurückgegangen, und es gab Tage, an denen man von einem Sturz der Kaffeepreise sprechen konnte. Die Ursachen dieser Baisse führt man aus die mißliche Geldmaritlage zurück, die den Kasteestaat Sao Paulo zum Verkauf von 3L Millio» neu Sack ValorisationSkassee zwängen, ferner auf die Nachrichten über eine unverhältnismäßig große neue Kafteeernte. In Kaffee- großhandelSkreisen steht man diesen Motivierungen mit Mißtrauen gegenüber. WaS die Vermutungen über den Verkauf de» Balori- sationSiaffee» angeht, so ist man der Meinung, daß die Regierung von Sao Paulo trotz der schlechten Geldmarktlagc nicht gezwungen sei, diese» gegen früher verhältnismäßig kleine Quantum zu ver- kaufen, nachdem sie Jahre hindurch eine viel größere Menge Kas'ee eingesperrt geHallen Hab«. Man sagt, daß die Situation völlig ne» klar sei, o daß man klare Gründe nicht erkennen könne. Daß die unverhältnismäßig große Ernte teilweise die Baisse verursacht habe. sei wohl anzunehmen. Berechtigter aber sei vielleicht die Ver» mutung. daß der Kafteesturz seinen wesentlichsten Grund in spcw» latwen Machenschaften habe. Da die. augenblickliche KasfeepreiS» bewegung als spekulativ oder zum mindesten in ihren Ursachen als durchaus unklar angesehen werden müsse, so könne man auch über die nächste Zukunft de» Kafseemarktei nicht» Bestimmte« sagen. Di« Ersparnisse der italienischen AuSwandercr. Nach einer von der Banco Commerciale Jtaliana mitgeteilten Statistik lebten im Jabre 1910 S.bSS Millionen Italiener im Auslände gegen 3.345 Millionen im Jahre 1901. Wie Italien Jahr für Jahr aus dem F r e m d e n v e r t e h r 4S0 Millionen Lire Einnahmen zieht, so erhall es von seinen in die Fremde gewanderten wohnen zahrlich fast genau denselben Betrag von 450 Millionen Lire nach dem alten Baterlande gesandter Remissen und Ersparnisse. Aus die in Amerika lebenden Italiener entfällt von dieser riesigen Gesamtmmme ein jährlicher Anteil von etwa 145 Millionen Lire: im Jahre 1907 erreichten diese nach Haute gesandten Gelder der in Amerika wohnende» Italiener sogar 208 Millionen Lire. 6ericbt9- Zeitung. Die Leidensgeschichte eine«„commis vo>»g«ur" kam in einer Verhandlung zur Sprache, welche gestern unter Vor. sitz des Landgerichtsrats Timonson die 4. Fcricnstrafkammer veS Landgerichts I beschäftigte. Wegen Untreue war der Geschäfts» reisende Bruno Lachotzki angeklagt.,~, Der Angeklagte tvar bei einem Wascheversandhaus als Reisen» der angestellt gewesen. Diese Firma wendet folgende Methode an, um ihre Waren auf dem platten Lande an den Plann zu bringen: Es sind bei ihr ettiw 30 Reisende beschäftigt, die eigentlich nicht als Reisende, sondern al» Hausierer zu bezeichnen sind, da sie die zu verkaufende Ware, in großen Koffern verstaut, gleich mitbekommen und sie dann gleich verkaufen müssen. Bor einiger Zeit wurde L. plötzlich entlassen, da der Inhaber der Firma verschiedene Unregelmäßigkeiten feststellte. Es ergab sich, daß ein Manko von 1000 M. entstanden war, und ztvar dadurch. daß L. unterwegs einen Teil der ihm mitgegebenen Waren versetzt hatte. Die Folge war die jetzige Anklage wegen Untreue. Vor Gericht machte der Angeklagte geltend, daß er in seiner Stellung bei der Firma R. eine wahre Leidensgeschichte habe durchmachen müssen. Infolge einer mangelhaften Organisation sei er häufig in Orte geschickt worden, die soeben erst von einem anderen Reisen- den derselben Firma„abgegrast" worden wart». Da die Leute dort inzwischen erfahren hatten, daß sie über» Ohr gehauen worden waren, da sie die Sa-ften im nächsten Städtchen billiger kaufen konnten, habe er häufig die bekannte Witzblattfiaur de«„fliegenden" Reisenden spielen müssen. Ter„HinauSwurf" sei mitunter so plötzlich erfolgt, daß er nickt einmal imstande geweicn sei, die vorgelegten Waren wieder einzupacken. Nachdem die Leute gehört hatten, von welcher Firma er komme, sei er sofort hmauSgcworsen worden und habe dabei einen Teil semer Waren einbüßen müssen. Einmal sei ein Bauer mit dem Gewehr hinter ihm hergelaufen und habe auf ihn gi-schossen. so daß er m seiner Angst schleunigst dsvonaelaufen s-i. Tebr häufig sei e« auch vorgekommen, daß er von der Firma zu geringe oder überhaupt keine Spesen erhalten habe, so daß er. um in den Gasthöfen nicht als Zechpreller ver» liaflet zu iverden, gezwungen gewesen sei, Waren zu verpfänden. .öierdurch sei dann das Manko entstanden.— Ter Staatsanwalt i'cantragte eine Gefängnisstrafe von 10 M-naien. Tos Gericht erkannte auf Freisprechung des Angeklagten. Nach seiner unwider- legten Darstellung habe der AngcklM�e au« einer Notlage hcrau» Waren verpfändet. Es fehle da«? oußtsein der Rechtswidrigkeit der vorgenommenen Handlungen, t» diese in der Annahme einer Zustimmung der Firma, jedenfall« aber nur in ihrem Interesse vorgenommen seien. Verrat von Geschäftsgeheimnissen. Ein Göttinger Handlungsgehilfe war längere Zeit in einem öottingcr Fabrikbetriebe tätig und trat dann bei einer Berliner KonkurrenTfirma in Stellung. Dort war er ein halbes Jahr lang als Expedient für Groß-Berlin tätig, lernte dadurch den ganzen Kundenkreis kennen, schnüffelte nach der Anklage in den Mittags- pausen in den Lieferantcnkatalogc» herum und schrieb sich aus diesen die Adressen der Lieferanten sowie die einzelnen von ihnen geführten Artikel heraus. Nach einem halben Jahre gab er seine Berliner Stellung auf und trat wieder bei der Göttinger Firma ein. Bereits am nächsten Tage wurden die Lieferanten der Berliner Firma von Göttingen aus ersucht, Warenangebote zu machen und Muster von der Art zu senden, wie sie die Berliner Angelgeräte- fabrik Ziegenbalg beziehe. Diese Aufforderungen schickten die Lieferanten an die genannte Berliner Firma, worauf diese geg-m den Handlungsgehilfen Strafantrag auf Grund des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb stellte. Ter Angeklagte machte geltend, jeder Handlungsreisende, der seine Stellung wechsele, suche dann die Kunden seines früheren Prinzipals auf, und jeder Angestellte, der sich selbständig mache, tvende gerade den leistungsfähigsten Lieferanten, die er in fremden Diensten kennen gelernt habe, seine Aufträge zu. Ter Staatsanwalt vertrat die Ansicht, der Angeklagte habe die Berliner Stellung nur zum Zwecke des Ausspionicrens der Geschäftsgeheimnisse der Angelgerätefabrik angenommen und be- antragte 1 Monat Gefängnis und 500 M. Geldstrafe. Das Gericht trat zwar der Anschauung des Staatsanwaltes nicht bei, dah der Angeklagte nur in der Absicht der Ausspionierung die Berliner Stellung angenommen habe, verurteilte aber den Angeklagten auf Grund des sj 17 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb vom 7. Juni lS09 zu 200 M. Geldstrafe. Nach dem Z 17 des Gesetzes vom 7. Juni 1009 wird mit Ge» fängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 5000 M. oder mit einer dieser Strafen bestraft, wer als Angestellter, Arbeiter oder Lehrling eines Geschäftsbetriebes Geschäfts- oder Betriebs- geheimnisse, die ihm vermöge des Dienstverhältnisses anvertraut oder sonst zugänglich geworden sind, während der Geltungsdauer des Dienstverhältnisses unbefugt an andere zu Zwecken des Wett- bcwerbs oder in der Absicht, dem Inhaber des Geschäfts Schaden zuzufügen, mitteilt. Dieselbe Strafe trifft denjenigen, welcher Gc- schöfts- oder Betriebsgeheimnisse, deren Kenntnis er durch eine der im vorstehenden Satz bezeichneten Mitteilungen oder durch eine gegen das Gesetz oder die guten Sitten verstohende eigene Handlung erlangt hat. zu Zwecken des Wettbewerbs unbefugt ver-� wertet ober an andere mitteilt. Versammlungen. Der Verband der Sattler hielt am Mittwoch seine Luartals- Versammlung ab. Den Geschäftsbericht erstattete S ch u l z e. Der Geschäftsgang in der Lederwarenbranche war im letzten Quartal kein günstiger. � An dieser bedauerlichen Tatsache hat auch die Psingstsaison nichts geändert, die in diesem Jahre sehr wenig Aufträge gebracht hat. Hingegen haben die politischen Zustände es bewirkt, dah die Militärbranche sehr flott zu tun hatte und noch hat. Es konnten deshalb aus anderen Branchen dcZ Verbandes eine große Anzahl Arbeitsloser unterkommen. Ebenfalls gut war der Geschäftsgang in der Automobilbranche. Diese Branche stand im Zeichen der Hochkonjunktur; doch kann fest- gestellt werden, daß diese ihren Höhepunkt bereits überschritten hat. Neben anderen Umstänoen läßt hieraus die erfolgte und in Aussicht stehende Entlassung von Arbeitern dieses Industriezweiges schließen. Alle übrigen Exportbranchen haben unter flauem Geschäftsgang fehr zu leiden. Die Reiseartikelbranche hat einen dreijährigen Vertrag abge- schlössen, der die Bestimmung enthält, daß nach zwei Jahren für die Lohnarbeiter, soweit deren Lohn 34 M. nicht übersteigt, eine Lohn- erhöhung eintritt. Am 1. Juli d. I. war diese Zulage fällig, die Auszahlung derselben stößt jedoch auf Schwierigkeiten. Differenzen waren im letzten Quartal nicht viele zu verzeich- nen. Die Arbeiter aus der Flugzeugindustrie, die sich immer mehr entwickelt, konnten mit drei großen Firmen einen Vertrag unter annehmbaren Bedingungen abschließen. Die Linoleum- und Tcppichlegcr sowie die OffizicrSsattler haben ihren Bertrag ge- kündigt. Den K a s s e n b c r i ch't erstattete W e h h e r. Einnahmen und Ausgaben der Ortsverwaltung bilanzieren mit 23 802 M. Für Unterstützungszwecke wurden 9791,95 M. ausgegeben. Die L o- kalkasse zeigt folgenden Abschluß: Bestand und Einnahmen 97 221,23 M., Ausgaben 5836,59 M., bleibt ein Bestand von 91 384,67 M. Die Einnahmen der B e'r l i n e r Verwaltung betragen 3796,89 M., die Ausgaben 1855,78 M., bleibt ein Bestand von 1941,11 M. Einnahmen und Ausgaben der Lehr- lings- und Jugendabte i'lung bilanzieren mit 174,50 M. Dieselbe Abteilung hatte am 30. Juni einen Mitgliederbestand von 142. Davon sind Lehrlinge 121, Hilfsarbeiter 21. Ter Mitgliederbestand der Erwachs esti e n umfaßte am gleichen Zeitpunkte 3803, darunter 185 weibliche Mitglieder. Die Benutzung des A r b e i t s n a'ch w e i s e s zeigt folgendes Bild: Eingeschriebene Arbeitslose 827, davon nichtorganisiert 20. April 308, Mai 264, Juni 255. Verlangte Arbeitskräfte: 400; April 130, Mai 159, Juni III. Besetzte Stellen: 334; Zlpril 114, Mai 131, Juni 89. Nach Erstattung der Geschäftsberichte hielt der Zcntralvor- sitzende Blum einen instruktiven, mit großem Interesse und Beifall aufgenommenen Vortrag über„Zweck und Ziel der Volks- fürsorge." An den Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion bezw. Fragestellung. Zum Schluß wurden noch einige Aufnahme- und ?luSschlußanträge erledigt. /Zus aller Melt. Das JMUltärluftreJnff„8chüttc-Lanz" zerstört. Ein Soldat tot, ein zweiter schwer verletzt. Unsere Luftkreuzerflotte ist wieder einmal von einem schwere» Unfall betroffen worden, der von neuem beweist, wie verhängnisvoll eS für ein jedes Luftschiff starren oder halbstarren Systems werden muß, wenn es bei stürmischem Wetter � zur Landung gezwungen ist, ohne sich rechtzeitig in eine Ballonhalle flüchten zu können. Das Militärluftschiss„L. T. 1' war Sonntag in Biesenthal bei Berlin zur Fernfahrt über Tanzig nach Königsberg aufgestiegen. Von Königsberg aus war es am Dicnstagmittag in Schneidcmühl eingetroffen, um dort eine Nachfüllung vorzunehmen. Es wurde zu diesem Zwecke auf dem Exerzierplatz verankert utvd zur größeren Sicherheit von Mannschaften des Infanterieregiments Nr. 147 bc- wacht. Bereits an diesem Tage erlitt das Lustschiff durch Gewitter- böen nicht unerhebliche Beschädigungen. Am Donnerstagmittag vollends wurde es von einer heftigen Böe erfaßt und von der Ver- ankcrung losgerissen. Die zur Bewachung kommandierten Sol- datcn machten vergebliche Anstrengungen, den Ballon zu halten. Zwei von ihnen vcnvickeltcn sich in die Hattetaue und wurden von dem rasch in die Lust cmporgetriebencn Luftschiff mit in die Höhe gerissen. Einer der beiden konnte aus 30 Meter Höhe »och abspringen, so daß er wenigstens keine direkt tödlichen Ver- letzungcn erlitt. Der zweite Soldat, der Musketier Ratzki, stürzte aus 200 Meter Höhe ab. Er war sofort tot. Da? führerlos treibende Lustschiff wurde über die Stadt Schncidemühl hinweg in einen benachbarten Wald getrieben, wo eS schwere Havarien davontrug. Als es schließlich bei dem Dorfe Erpel nieder- ging, bot es das Bild völliger Zerstörung. Gerippe, Gondeln, Mo- toren sind vollständig vernichtet worden. Der Luftkreuzer.8. L. 1" war 132 Meter lang bei einem Durchmesser von 18 Meter und einem Inhalt von 29 000 Kubikmeter- Das Gerüst dieses Starrluftschiffes bestand zum Unterschied von dem Zeppeliutyp aus leichtem furnierten Holz. ES wurde am 28. Juli 1912 von der Militärverwaltung übernommen. Seine Zer« störung bedeutet die Vernichtung eines Wertes von einer Million Mark. Soviel hat wenigstens das Reich dafür bezahlt. „Was unser Herrgott will!" In Köln sind in einer Woche zwei Mädchen an dem Versuche, das in ihrem Schöße keimende Leben zu töten, zugrunde gegangen. Die eine sprang, von den wahnsinnigen Schmerzen des operativen Eingriffs gepeinigt, auf die Straße, um ihr Leben zu enden. Die andere war schon beerdigt, als ihre Todesursache bekannt wurde. In beiden Fällen waren es«honette BürgerStöchter, die aus Furcht vor der„Schande" ihr Leben wagten und verloren. Es ist bezeichnend für die bürgerliche Moral, Ivie der Tod des einen dieser unglücklichen Mädchen, einer 17jährigen HandelSschllleriu, angekündigt worden war. Daß ihre Familie„GottcS unerforsch- lichen Ratschluß" bemühte, hätte man noch hingehen lassen können. Das genügte aber nicht. Der Bräutigam(!) des Mädchens, das sich ihrer werdenden Mutterschaft geopfert hat, ein den Ruf eines galanten Herrn genießender Fabrikant, wagte der Ocffentlichkeit in den gelesensten Blättern ein langes schwülstiges Gedicht zu bieten, worin es unter anderem hieß: Still blick ich Deinem Antlitz zu, dem süßen, Das selbst im Tode lächelt und verklärt, Als wolltest Du zum Abschied mich noch grüßen. Bevor hinaus man Dich zur ewigen Ruhe fährt. Kann ich Dein treues Auge auch nicht schauen, Und schweigt Dein Mund auf ewig für mich still, Hör ick Dich dennoch flüstern:„Hab' Vertrauen, Der Mensch, er ändert nicht, was unser Herrgott will." Die Staatsanwaltschaft hat nun die Leiche ausgraben lassen und wird feststellen, ob wirklich gescheben ist,„was unser Herrgott will", oder ob es bei dieser Affäre nicht recht irdisch zugegangen ist. Daß ein Abireibungsversuch vorliegt, steht trotz des schönen Gedichts schon fest. Kleine Notizen. Wegen Blutschande und Sittlichtcitsverbrcchens wurde von der Essener Strafkammer das 19jährige Vorstandsmitglied des evangelischen Jünglingsvercins in Rellinghausen, Johann Krolik, zu 1% Jahren Gefängnis verurteilt. Krolik wurde des Verkehrs mit seiner noch nicht 14 Jahre alten Schwester und der Vornahme unsittlicher Handlungen an vier Mädchen unter 14 Jahren für schuldig befunden. Ein Eifersuchtsdrama spielte sich gestern in der Nähe der Grafen- berger Irrenanstalt bei Düsseldorf ab. Der Krankenpfleger Bühncr versuchte seine Braut, die Krankenpflegerin Jaok, durch mehrere Revolverschüssc in den Kaps zu töten. Dann schoß sich MHnsr mehrere Kugeln ins Herz und war auf der Stelle tot. Seine Braut ist schwer verletzt. Vierfacher Selbstmord. In H c i d e I b e r g wurde am Donners- tagvormittag die ganze Familie Gernsheimcr, Mann. Frau, Tochter und Schwägerin, mit Leuchtgas vergiftet t o t aufgefunden. Die Tat ist in allgemeinem Einverständnis aus- geführt worden und dürfte auf ein jahrelanges Leiden des Familien- oberhauptcs zurückzuführen sein. Fünf Personen verbrannt. Bei einer FeuerSbrunst in O b c r- k a m n i tz(Böhmen), wo in der vergangenen Nacht ein Wohnhaus abbrannte, sind drei Erwachsene und zwei Kinder ver- b r a n n t; eine weitere Person wurde tödlich verletzt. Ein 800 Kilometer-Flug im Acroplan. Ter Flieger D e r o ii c stieg am Donnerstag früh 4 Uhr 23 Minuten in Mailand aus und landete nach Durchqucrung fast ganz Italiens von Norden nach Süden mittags um 12 Uhr 7 Minuten in Bari. Die von ihm durchflöge»? Strecke beträgt in der Luftlinie 800 Kilometer. Der fällige Flicgcrabsturz. Der englische Artillcriekomman- dant H e w e t s o n ist gestern früh bei einem Probefluge auf der. Ebene von Salisbury aus einer Höhe von hundert Fuß abge- stürzt. Er war sofort tot. Das Flugzeug geriet in Brand. Briefkasten der Redaktion. DI« lnrlfttlch« ePriqftmide findet Llndenstroste 69,»out die« Sitt»«» — Fahrstuhl—, wochenläglich von iVi bis 7V4 Uhr abendS, Sonnabends, hon i'/i bis 6 Uhr abcndS statt. Jede« für den«rieftaften bestimmten Snfragc ist et« Buchstabe und eine Zahl als Wertzeichen deizufllgcn. Brieflich« Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonncmentsquitwnz beigefügt ist, ,crd-n nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in bcr Sprechstunde vor. Schriftlichc Arbeiten werden in der Sprechstunde bis einschließlich den 19. d. Mts. nicht erledigt. Streiter. R. Strauß ist Hoskapellmeister an der kgl. Oper in Berlin. — W. Sch. 12. Das wäre noch möglich.— L. P. 5. 1. Ja, sosern im Mietsoertraa die Versicherung eiithalten ist, daß die Gegenstände Ihr Eigentum sind. 2. Nein, sofern nicht im MIetsvertrage vorgesehen.— Erbschaft 1. 1. Ja. 2. Nein. B. Zu Lebzeiten des Erblassers nicht, nach dessen Tode muß es dem Amtsgericht sofort eingereicht werden.— — L. Z. 100. Wenden Sie sich an die AbsertigungSstelle eines GiiterbahnhosS.— T. 5. 1.— 4. Nein, ausgeschlossen.— 21. S. 9. Erfahren Sic durch Genossen Bauer, Engeluser Ib.— Z. 6. Nein. Todes-Anzeigen Sozlalrtemokratischer Wshl?erein Wiimersitorl. Am 14. Juli verstarb nach längerer Krankheit unser Genosse, der Schrislsetzer Eichisrd Schubert im 75. Lebensjahre. 202/12 Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmiltagS b>/,' Uhr, auf dem Gemeinde» Fricdhos, Berliner Straße 101 statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. ZozisIlleistvIff'stizeliei'VsnIvei'eill �Nlerskok. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Paul Britzke Plötzlich verstorben Ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags S-/, Uhr, von der Leichenhalle de« hiesigen Gemeindc-JricdhgseS aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 202/3 Der Borftand. Helltzctiei' fiolzarbelterverhaii!!. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Oskar Kob erstein am 16. Juli im Ziller von 82 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. Juli, nach- mittag« 8 Uhr, von der Halle des EUsabcih-KirchhofeS, Prinzen- alle«, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 88/2 vi« Orimnoastiing. Invaliden- ünterstiitzungskasse iIerStein(lruckeru.LilliOijraphen. Die Beerdigung des am 15, Juli verstorbenen Stclndruckcrs, Herrn Etarl Reuig; findet am Donnabend. ig. IM 5 Uhr. aus dem Bonisa,«us-Ktrchl hos in Lankwitz statt. lüövb l .<' die herzliche Teilnahme hl der Beerdigung meine« lieben Mannes sage ich allen Verwandten undlöe. tannien sowie Herren Henschte vuchholz und allen Kollegen'untghzn Uiise Rietsch Gubener Str. 80. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe grau. Muller und Groß. mutier 8SA Auguste Dolata geb. Frenake, nach langem Leiden gestern der- storben ist. Der trauemde Matte St»» Ii,!,»,,» Dolata. Die Beerdigung findet am Montag, den 21. Juli, nach- mittagt 3 Uhr, von der Leichen- balle des Städtischen Friedhoss in FriedrichSselde aus stall. Am DienStag, den IS. Juli. nachts 11'/, Uhr, enlschlief nach kurzem, schwerem Lelden meine innigstgeliebie Frau. Schwester. Schwägerin und Tante Anna Pellmann geb. Z a m c i t tm vollendeten 04. Lebensjahre. Die» zeigt im Nam-n der Hlnterblicvcnen licsbetrübt an Kudolf FcUiuann. Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseld« aus statt. g3A Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes sage ich der Leilung und Kollegeiischast der Bcr- üner Sitzmöbeltndustrie sowie dem Verbände der Tapezierer, Filiale Bcrun, meinen aufrichtigsten Dank, M Anna Wurtzbach. DeulsdieFMelallarbeiter-Verhanil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall- arbeiter Paul Britzke gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 18, Juli, nach, mittags SV, Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde-Friedhoscs in Adlershof aus statt, Rege Beteiligung erwartet t22/4 Oia Örtsverwaltung. Allen Freunden und Belaunten die traurige Nachricht, daß Diens- tag nacht meine liebe Frau und Mutter liechvig öießmann geb. Gras nach kurzem, schwerem Leiden verstorben ist. 1SS2b Um stille« Beileid bitten Otto Gicstmann nebst Sohn. Neukölln, Jägcrstr. 41. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. d. Mts., nachmittags S UHr, von der Leichen- Halle de« neuen Jerusalcmcr Kirchhoses in Neukölln, Hermann- slraße, aus statt, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tetluahm« und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Vaters sprechen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere Herrn Schulz und den Kollegen vom Porzellanarbeiter-Ver- band, unseren herzlichen Dank aus, Witwe Toni Key 16606 nebst Kindern. Tischler-Verein zu llerlin. - E. H. 89. Sonnabend, den 19. Juli 191S, abends 8'/, Uhr, GewcrkschaftshauS, Saal 4, Engcluser 15: General-Versammlung. Bericht vom 2. Quartal. Kassen- angelegenbelten. Mitgliedsbuch legitimiert. Sonntag, den 10. August 1918, veranstaltet der Verein seine Dampferpartie mit Musik und sonstigen Belustigungen nach Müggelheim, Große Krampe. Fahrpreis für Gäste 1,26 Mark, Kinder frei. Freunde und Gönner des Vereins ladet ein 287/9 Der Borstand. MenuntErstiitziings- u. Begräbnisverein(ür Bau- nnS gewerbliche Arbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag-«Ion ÄO..lull, vormittags 10 Uhr, In Grauninn ns Fontsttlcn, Nannynftr. Ä7; General-Versammlung. Tagesordnung: 1. klbrechnung vom 2. Quartal 1913. 2. Bericht der Revisoren. 3. VeretnSangelegenheiten und Ver- schiedeucS. Pflicht der Mitglieder ist eS. zahl- reich zu erscheinen. I. A. des Vonstandez: K. A, Gatagast, Soldiner Str. 75 Part., Vorsitzender._ Weiche ein mit Bleich-Soda. Allgkintine Krallktn- und Zterbkbllssed.Metallarbtlw V. a. G., Hamburg. Filiale Berlin 6. Sonnabend. 19. Juli, abends 9 Uhr, im Swinemünder GofellschaftShauS, Swincmündcr Straße 42: Mitgliederversaminlung. Tagesordnung: Bericht von der Generalversammlung. Um zahlreiche Beteiligung wird dringend gebeten. 1SS3b Die OrtSverwaltnng. S* Landparzellen, Vorort, direkt am Bahnhof. An Borivärtslcser schon mit 100 M. Anzahlung, ll. jäbrl. Teilzahlung. Kitter Boden, Acker, Wald, Wiese. Große Zulunst und Wertsteigcruiig. Auskunst Zll. Itncliliolz, NO, Kniprodestr. 19.* Los nur 50 Pfcr- L Ziehung 7. August Gnesener Pferde- otterie S297 Gewinne I. Gesamtwerte v. M. 700SS0 darnnterSi Pfordts 3 Kqcipagos M» 60000 SIOO Silber�ewlnn« Mark) 20000 UanptRe-rliin 1 Vlerennf Mk.i 10000 In SOPLäTüII. Porto und Liste 25 Pf. extra durch das General»Dcblt üXKrifeer BERLIN W 8, Friedrichatr. 193a Bar*«owle alle durch Plakate äSW" kenotlichen Verkanfsstell. !•— TeleBr.-Adr.;„GoldqHelle" Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts I-Indcnstr. 69. J. Baen BadstrißpÄee Aki Herren- und Knaben- f Motion, Berufskleidung. Li RlttSTb EleD. Paletots. GraQes £«UUByy Stofflager zur Anferti- gung nach Haß. Aller-« billigste streng feste Preise. 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Ständiger Verkauf: Jagd-u-Manöver- Konserven „Hausmannskost" gQ 14 rersohiedeno Gerichte Dose Pf. Wein Zur Bowle. WRI Fla.che'/, Fl, bei 10 Fl Obcrmoseler.... 65 pf. 63 pi. Wormeldingcr____ 75 pf. 73 pt. 191 1 WIntringer.. 85 pf.82 pt 1 91 1 Oberbilligcr 95 pl 92 pt 1909 Eitelsbacher 1.10 1.05 1 91 2 Edenkobencr 70 n. 65 pt 1 91 1 Wclnheimer 85 pi. 82 1910 Mcttenheimcr 95 92 pr. Apfelwein InU. Flasche 'A Fl. bei 10 Fl. Borsdorf. Apfelwein 30 pf. 29 pt Fein.Borsdorf.Äpfelwein 36 pf.35 pt 'Räucherwaren Gr. Nordsee-Schollen piund 70 pi. Kieler Flundern____ pfu°d 40 pt Ahlbecker Flundern. Pfund 35 pl SchleibückliDge 3 st 20, z st 1 0 pt Makrelen....... 2 stuot 25 pf. Geräuch. Aale pfd. 1.15°°d 1.50 Lachsstör........ Pfand 65 pt Neue Matjes-Heringe st 10, 15, 20 pr. Dose 12 Stock Inhalt...... 2.25 Sardellen..... pw 65. 85 pt Neue saure Gurken. stock 10 et Gewürzgurken 4 Liter-Dose.. 1.35 CLIOertkim O. r�Königstr�Oranienstr� Leipziger strKHKonigstr.vx Or anienstr Vv Rosenthalerstr. ithnmiüd Freitag u. Sonnabend, soweit vorhanden. �ArtiHel werden nicht zugesandt .'H *FleiscK Pa. Ochsenschmorfleisch Pfd. 1 Mk. Filet im Ganzen, unausgeschält, Pfund 1,10 Roastbeef mit Knochen.... Pfund 1 Mk. SchweineKamm u. Schuft pfd 95 pf. SchweineHotelettes.. Pfund 1.10 Rüchenfett pfd 65, Liesen pfd.70 pr. Kalbsheule u. Rüchen m Pfund 90 pr. Kalbsbrust pfd. 75, Spitze pfd. 90 pf. Kalbshamm u. Bug. Pfund 70, 75 pr. HammelheUle im ganzen. Pfund 80 Pf. HammelrÜChen im ganzen Pfund 75 Pf. Diche Rippe........ Pfund 75 pf. Hammeldünnung.... Pfund 65 pf. Hammelhotelettes... 2 stück 25 pr. Kasseler Rippespeer pfd. 90 � 1.05 Kasseler Kamm..... Pfund 85 pf. Rehheule........... von 5 Mk. an Rehrüchen von 6 Mk.,>Blatt von 1.70 an Keule Rücken Blatt Wildschweinpfd.l Mk. pfd.85pf. pfd.75 pf. "Besonders preiswert: Fruchtsäfte 1 inkl. Flasche garant.rein mit Raffinade eingekocht: Himbeersaft �85 pf, eit™ 1.10 Kirsch- u, Johannisbeersaft V. Flasche 85 Pf. Kirschsaft cztra. Vl Fiesehe 1.20 �.nanassaft.... V, Fiaeche 1.20 Zitronensaft.. Flasche 85 Pf. Zitronensaft extr«.,>/, fl 1.20 *Geflügel Junge Gänse... Pfund 58 bis 75 Pf. Rümpfe...... stück 3.10 bis 4.60 Junge Enten...... 1.60 bis 3.25 Masthühner...... 2.80 bis 3.25 Suppenhühner.... 1.45 bis 2.60 Brathühner...... 1.45 bis 2.60 Junge Hühner... 38 pf. bis 1.50 Tauben......... 35 Pf. ms 70 pf. Tische Kabeljau ohneKopfinganzenFiÄ 12 Pf. Seelachs ohne Kopf in gan2en FiÄ 10 pr. Schellfisch......... Pfund 16 Pf. Rotzungen...... Pfund 8 und 14 pf. Bratschollen........ Pfund 13 pf. Mahrelen.......... stück 11 pf. Hornaale.......... stück 14 pf. Leb. Aale 65, 85 pf. 1 Mk. 1.15, 1,25 Lebende Krebse Mandel 25 pi. bis 4 Mk. Tafellachs in ganzen Fischen Pund 58 Pf. Kolonialwaren Stän/z9 Uhr, im Gewerkschaftshause. Die Versammlung ist vom Verband.Volksgesundheit" einberufen. Personen unter 18 Jahren habe» keinen Zutritt. Straßensperrung. Die Köthener Straße von der Bernburger Straße bis zur Kölhener Brücke einschließlich wird wegen Gleis- arbeiten vom 17. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Vorori'- f�acKmMen. Neukölln. Jugendheim. Am Dienstag, den 15. Juli, hielt in Bartsch' Fest- sälen die Bereinigung Jugendheim Neukölln ihre Generalversammlung ab. Aus dem vorliegenden Jahresbericht ist zu ersehen, daß die Vereinigung im letzten Jahre gute Fortschritte gemacht hat. Die Mitgliederzahl ist um ungefähr 2500 vermehrt, beträgt also gegen- wärtig 5400. Das Jugendheim hat eine Reihe von Verbesserungen erfahren, so z. B. die Anschaffung einer kleinen aber gut zusammen- gestellten Handbibliothek, praktische Aenderung der Garderobe, Er- richtung einer Getränkeausgabe zum Selbstkostenpreise usw. Infolge der eiftigen Tätigkeit des Jugcndausschusses war der Besuch des Jugendheims immer ein sehr guter. In der Generalversammlung gaben die Genossen Feller und Gaudig den Bericht des Vor- standes. Während ersterer mehr die agitatorischen Momente betonte, beschäftigte sich letzterer als Kassierer mehr mit der möglichst praktischen und restlosen Kassierung der Bei- träge. Von beiden Rednern wurde am das dringendste die Erweiterung des alten und die Errichtung eines zweiten Fugend- heims gefordert. Kopfsclimerzen machte anscheinend beiden Rednern nur die zur Anschaffung der Möbel und sonstigen Innenausstattung benötigte Summe. In der Diskussion wurden Einwendungen gegen die Tätigkeit des Vorstandes nicht erhoben, sondern nur eine Reihe von Wünschen geäußert, welche sich auf das neue Jugendheim und sonstige Neuerungen erstreckten. Der Boranschlag siir das Geschäfts- jähr 1913/14 wurde genehmigt und die Erweiterung des alten sowie die Errichtung eines zweiten Jugendheims einstimmig beschlossen. Es erfolgte sodann die Wahl fast aller schon im Vorjahre tätigen Funktionäre. Vorsitzender ist Genosse Paul Feller. Großfeuer kam Mittwochnacht um 1 Uhr inderGrammophonplatten- sabrik und Fabrik von Massenartikeln von Paul Seifert, Berliner Straße 32 zum Ausbruch und machte der Wehr ungeheure Arbeit. AlS die Wehr erschien, standen auf dein 2. Hof der Seitenflügel und die Bodenräume schon total in Flammen. Diese hatten an Furnieren und Brettern reiche Nahrung gefunden. Die Löschung ivar durch Hitze und Rauch sehr erschwert. Durch Funken geriet der Dachstuhl und die unteren Geschosse in Brand. Die Feuerwehr hatte bis gestern vormittag zu tun, um den großen Brand zu löschen. Mariendotft Das Spielen fällt am Sonntag, den 20. Juli, aus. Dafür findet am Sonntag ein F e r i e n a u S f l u g� nach Blankenfelde statt. Treffpunkt 12 Uhr bei Heublein, Dorfstraße, Ecke Rathansstraße. Abfahrt Bahnhof Marienfelde 1 Uhr 38 Minuten. Nachzügler 1 Uhr 56 Minuten. Kinder und Erwachsene müssen sich Trinkgefäße niit- bringen, da das Kaffeekochen auf der Spielwiese statlfindet. Lichtenberg. Ein Kinderfest veranstaltet der Wahlverein am Montag im Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 5/6. Der Eintritt für Kinder beträgt 10 Pf. Erwachsene zahlen 15 Pf. Für Unterhaltung der Kinder ist bestens gesorgt. Pankow. Jugendheim. Sonnabend, den 19. Juli, abends 8'/z Uhr, im Restaurant Roczycki, kleiner Saal. Pankow, Kreuzstr. 3/4: General- Versammlung des Vereins Arbeiter-Jugendheim. Mitgliedskarte rst als ' Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Legitimation vorzuzeigen. Neuaufnahmen werden am Saaleingang vorgenommen. Sldlershof. Feuer brach in der Chemischen Fabrik C. A. F. Kahlbaum G. m. b. H. in Adlershof gegen fünf Uhr in der Methylalkohol fabrikation infolge einer Explosion aus, welches einen Holzschuppen ergriff. Dadurch, daß der Schuppen, der zirka 20 Meter hoch war, ganz in Flammen stand, wurde der Anschein erweckt, als wenn es sich um ein größeres Feuer handele. Das Feuer sprang dann auf ein Nebengebäude über, in dem ebenfalls Methylalkohol fabriziert wird. Infolge der für solche Fälle vorgesehenen Rieseleinrichtung wurde dieses Gebäude jedoch binnen wenigen Minuten vollständig unter Wasser gesetzt, so daß die ganze Feuersgcfahr in einer Stunde beseitigt und in l'/o Stunden das Feuer vollständig abgelöscht wurde. Der Schaden ist unbedeutend und die Fabrikation erleidet keinerlei Unterbrechung. Es ist lediglich ein Arbeiter verletzt, der einen ein- fachen Knöchelbruch davongetragen hat. Friedrichshngen. Der Turnverein„Vorwärts" begeht am Sonnabend, den 19. Juli, sein achtes Stiftungsfest im Gasthaus„Zur goldenen Krone"(In- Haber Albert Conrad), Friedrichstratze 137. Der Eintrittspreis beträgt 40 Pf., Tanz ftei. Zossen. Parteigenosse»! Die Liste der stimmfähigen Bürger liegt vom 15. bis 30. Juli im hiesigen Rathaus, Zimmer 3, öffent- lich aus. Innerhalb dieser Frist können Einsprüche gegen die Richtigkeit der Liste hier erhoben werden. Spandau. In der Generalversammlung des Wahlvcreins rief der Vorstands- berichl für das erste Quartal, den Genosse Max Jahnke erstattete, eine längere Diskussion hervor. Ueber die Ursachen des Rückgangs an Mitgliedern, der zu verzeichnen war, waren sich alle Redner darin einig, daß diese der schlechten Konjunkmr in den Privatbetrieben und den Masseneinstellungen in den königlichen Fabriken zuzuschreiben seien. Durch rege Agitation und gemeinsames Arbeiten mit den Gewerkschaften könnte noch eine große Anzahl neuer Mitglieder gewonnen werden. Ueber den verschärften Boykott des.Roten Adlers" wurde rege diskutiert und zur strengen Durchführung des Boykotts aufgefordert.— Infolge Erkrankung des bisherigen 1. Vor- sitzenden Genossen Völker mußte eine Ergänzungswahl des Vor- standes vorgenommen werden, die folgendes Ergebnis hatte: 1. Vor- sitzender Genosse Willi Jahnke. 2. Vorsitzender Genosse Köppen, 1. Kassierer Genosse F. Abraham, Revisor Genosse Pieper. Als Abteilungsführer für die 2. Abteilung wurde Genosse Langner gewählt und für den 16. und 17. Bezirk die gewählten Bezirks- sührer bestätigt.— Nach dem vom Genossen Köppen erstalteten Kassenbericht schlössen die Einnahmen und Ausgaben mit 1704,97 M. ab. Die Kreiskasse hatte einen Zuschuß von 614,62 M. zu leisten, während an dieselbe abgeführt wurden 850,28 M.— Die mit dem hiesigen Verein der Freien Gastwirte anläßlich des Waldfestes ent- standenen Differenzen wurden dem Vorstand zur Regelung über- wiesen.— Nach lebhafter Diskussion wurde folgender Antrag des Vorstandes angenommen:.Es ist dringende Pflicht jedes Partei- genossen, die preußische Staatsangehörigkeit zu erwerben. Denjenigen Parteigenossen, die nicht genügende Gründe beibringen, welche die Unterlassung der Erwerbung der preußischen Staatsangehörigkeit rechtfertigen, loird eine Rüge erteilt, eventuell wird der Vorstand bei hartnäckiger Weiterung schärfere Maßregeln ergreifen." Weitergehende Anträge des 6. und 14. Bezirks wurden abgelehnt. Hierauf gelangte noch ein Antrag des Genossen Schleusener zur Annahme, wonach in einer demnächst abzuhaltenden Mitgliederversammlung ein Vortrag über den Massenstreik gehalten werden soll.— Der vorgerückten Zeit wegen, es war mittlerweile 12'/z Uhr geworden, mußten die übrigen Punkte der Tagesordnung vertagt werden. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Bernau. Freitag, den t8. Juli, abends 6 Uhr, im Stadtverordneten- Sitzungssaal.(Bericht über die Abrechnung der Hussitenspiele.) Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gcmeindeangchörigc ist bc> rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Spiel iiud Sport. Radfahrer. Arbciter-Rndsahrerbund.Solidarität"(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 20. Juli. 1. und 2. Abt.: Am 13.. abends k>/. Uhr: SPrecwaldsahrt. Tresfpmikt: Görlitzer Bahnhof. Wartesaal. 1. Abt.: l Uhr Papenbcrge. Start: Bülowslr. 58.— 2. Abt.: l'/j Uhr Picheiswerder(Alter Freund». Start: Fontancpromcnadc 18.— 3. Abt.: 4>/, Uhr Kloster Chorin, K'/z Uhr Laute(Badetour), 12'/. Uhr Bernau (Waldkater>. Start: Lausitzer Platz 12.— 4. Abt.: 7 Uhr Rahnsdorf (Nauendorf), 2 Uhr Rummelsburg(Bellevue) zum Partcisest, Start: Küstriner Platz.— 5. Abt.: 6 Uhr Müggelsee(Badelour), 2'/, Uhr Lichten- bcrg(Mentes Polksgarten) zum Partcisest. Start: Elhsium.— 6. Abt. und Ortsgruppe Pankow: Am 13., abends 10 Uhr Mondscheinsahrt nach Rheinsberg, am 20., 8»ud 12 Uhr Hohenschöpping. Start: Odcrbergcr Straße 28.— 7. Abt.: Am 13., abends 8>/. Uhr Lampiontour nach Glienicke a. d. Nordbabn(Aitermann), am 20., 2 Uhr Waidmannslust. Start: Schulst,. 23.— 8. Abt.: Früh l Uhr Wörlitz, 6 Uhr Laufe, 12 Uhr Gorinsee(Sportshaus». Start: Levetzowstraße.— 9. Abt.: 8 und Uhr Fricdrichshagen(Gesellschastshaus), Badetour. wtart: Schilling- straße 22.— 10. Abt.: 1 Uhr Buch. Start: Schulstr. 29.— 11.3161.: Am 23., 9 Uhr Tiesensee. Start: Große Hamburger Str. 23. Ortsgruppe Neukölln: Am 20., 12 Uhr Königs-Wustcrhausen. Start: Hohcnzolleriiplatz. Ortsgruppe Wilmersdorf: Am 13., abends 3 Uhr �Precwasd, am 20., 10 Uhr Nedlitz.(Römcrjchanze ist nicht frei.» Ortsgruppe Lichtenberg: Am 20.. 6 Uhr Körbiskrug(Badctour), 12'/, Ui,r Eichwalde»Witte). Start: Psarrstraße 74. Ortsgruppe C h a r l o l t e n b u r g: Am 20., 7 Uhr Wennsickendoft- Wandlitz. Ortsgruppe Stralau-RummclSburg:?lm 20., 7 Uhr e-chmock- Witz. Start: Ecke Türrschmidt- und Lessingftraßc. Ortsgruppe Trcptow-Baumschulcnwcg: Am 13., 6'/, Uhr Buckow. Start: Baumschulcnweg. Ortsgruppe W e i ß c n s e e: i>lm 20., 2 Uhr Teilnahmcjmi Stiftungsfest und S cb au I urnen des Slrbeiler-TurnvereinS auf dem Sommcrturnplatz, Falfenberger Str. 152. Stark: Berliner Zlllec 251. Ortsgruppe R ei ni ck en d o r f: 1. Abt. Start 2 Uhr nachmittags bei Lüning, Schillingstraße, 2. Abt. Start 2 Uhr nachmittags bei Hirsch. Amendeitr. 83, zum Volks sest im Seebad.' Arbeitcr-Rndfahrerverein Grotz-Bcrlin. Ain Sonntag, den 20. Juli, chnitzclsagd nach Eichwalde(Witte). Dortjelbst Belustigungen aller Slrt. Start srüh 6 Uhr. Wanderer. Arbeiter- Wanderbund.Tie Naturfreunde". Sonntag, den 20, Juli: I. Ebcrsivaldc— Buckow-See— Werbellin-Scc(Nachl- wanderung). Abfahrt Sonnabend abends U,24 Uhr vom Stettiner»Fern- bahnhos. II. E b c r S w al d e— Liepe— Partsteiner See— Chorin(Nacht- Wanderung). Abfahrt Sonnabend abends 11.30 Uhr vom Slcttincr Fern- babnhos. III. Grane rt— Moser— Planer See— Dicbcsgrund— Neue Mühle—Brandenburg a. H.(Nachtwanderung). Abfahrt Sonnabend abends 7.52 Uhr vom Potsdamer Fernbahnhos. IV. F ü r st e n w a l d e— Peters- dovfer See— Fürstenwalde(Nachlivandcrung). Abfahrt Sonnabend abends 10.26 Uhr vom Bahnhof Friedrichstraßc. V. C a b l o w— Ucklepsec— Freienbrink— Störitzsce— Erkner(Nachtwanderung). Abfahrt Sonnabend abends 10 40 Uhr vom Görlitzer Bahnhos. VI. Rahnsdorf— RüdcrSdois— Stienitzsee— Strausberg. Absahrt schlcslsch�: Bahnboj früh 5.53 Uhr. VII B'rkei, werder— Summtsec— Gorinsee— Buch. Abfahrt Stettincr Vorortbahnhos srüh 6.45 Uhr. VIII. Buch— Gorinsee-Franz.-Buchholz. Abfahrt Stettmer Borortbahnhos srüh 6.04 Uhr. IX. Kinder- Wanderung. Frohnau— Sunimt— Mühleubecker«ccz— Stolpe. Treff. puult Stettiner Vorortbahnhos srüh 7 Uhr. Fahrgeld 50 Ps. X. Motiv- tour der Photo-Abteilimg. Strausberg. Abfahrt schlesischer Bahnhof srüh 7.11 Uhr. Gäste willkommen. Arbeiter- BSandcrveret» Berlin. Sonntag, den 20. JulK Stistungssesi-Wandersahrten zum Gorinsee. I. Nachtwandcrsahrt nach Bernau Absahrt Sonnabend 7,55 �tetlincr Vorortbahuhos bis Bernau Ladcburg(Nacht,, uarticr). Sonntag srüh Wanderung durch den Bcrnaucr Forst zum Gorinsee. II. Bernau— Waldlater— Gorinsee. Absahrt 7.33 «tcltiner Vorortbahnhos. III. Birlenwerder—Zummt— Gorinsee. Abiabrt Jnjeratentetl oerantw.; Th. Glocke» Berlin. Druck».Verlag: VorwärtH 1 7.45 Stcttiner Borortbahnhos. IT. Buch— Forsthaus Buch— Hobrechtsfelde— Gorinsee. Abfahrt 10.3 Uhr Stettincr Vorortbahnhos.— Am Gorinsee Tagcsrast sämtlicher Touren. Gäste bei allen Wanderfahrten willkommeu, Nächste Spreewalösahrt Sonntag, den 17. August. Turner. Sportkartcll Ober- und Nieder-Tchöneweidc. Am Sonntag findet das zehnjährige Stistungssest der Zlrbeiter-Turnvercine statt. Die Vereine, welche am Festzug teilnehmen, treten um 2 Uhr in Wilhelminenhof zu« Festzuge an. Am letzten Sonntag war die Freie Turnerschast Rathenow bei der 9. Männer-Abt. deSTurnv. Fichte zu Gaste. Die Spiele und Wettkämpse hatten solgendes Ergebnis: Faustball: 1. Mann« schaften: Rathenow 103, Berlin 93 Punkte.— Fußball: Rathenow-Fichte 9» 3 zu 5. Dito, 2. Mannschaften: 3 zu 0.— Staffettenlam 1000 Meter. Rathenow 16'/,, Fichte»9 19®/,. Am 19. und 20. Juli veranstaltet die 10. L e h r I.- A b t. des Turnv. Fichte eine Nacht- und Badepariic nach Gorinsee. Treffp. 10.15 Bahnhof Gesundbrunnen. Jugendliche Arbeiter willkommen. Hinfahrt bis Stolpe, Rückfahrt von Bernau. Der Nordwe st- Bezirk des Turnv. Fichte hält am Sonntag auf dem Minerva-Sportplatz an der Olympia-Bahn sein dieSjähr. Sommerfest ab. Zlußc, dem beliebten turnerischen Programm werden Gesellschaftsspiele mit den Gästen und, was selbstverständlich ist, auch Kinderspiele veranstaltet. Ansang 4 Uhr, Eintritt 10 Ps. Fussball. Märkische Spielvereinigung. Am kommenden Sonnlag treffen sich im Reisespicl sür die 1. Klasse: Vorwärts-Rcinickendors— Vorwärts-Fricdrichs- Hagen in Weißensee, Rennbahnstr. 40. Spiclbezirk Groß-Berlin. Am Donnerstag, den 24.� Juli, 8'/, Uhr, findet in Berlm, Alcxanderstr, 27o(Englischer Hos,, eine össcnt- liche Versammlung stall mit der Tagesordnung:.In welchen Organi« sationen kann der Arbeiter Sport, insbesondere den Rasensport betreiben?" Referent B. Lieske, Fußballspieler aller Vereine sind hierzu freundlichst eingeladen. Schwimmer. Arbeiter- Schwimmvercin.Berlin"(Mitglied des �Arbeiter- Schwimmer-Bundes). Am kommenden Sonntag fallen sämtliche Schwimm- touren aus. Sämtliche Mitglieder beteiligen sich am Vollssest im Seebad Reinickendorf. Diejenigen Mitglieder, ivetchc an den schwimmerischen Vor- führungcn leilzunchnien wünschen, wollen sich dem Schwimmwart um 3 Uhr zur Verfügung stellen. Die Rettungsmannschaften»verdcn ersucht, um 2 Uhr sich einzufinden. Billetts sind noch bei den AblcilungSkassiercrn zu haben. Arbeiter-Schwimmerverein Neukölln(M. d. A.-Sch.-B.). Sonn- tag. den 20. Juli: Badctour nach Zicgenhals verbunden mit Dauer- schwimmen. Abfahrt srüh 7 Uhr Bahnbos Neukölln nach Schmöckwitz, von dort Fuß- tour nach Ziegenhals. Für Nachzügler Treffpunkt Restaurant Merche in Ziegenhals. Freunde und Gönner herzlich willkommen. Fahrgeld hin und zurück 60 Ps. pro Person. * Arbeiter-Tnmariterbund, Kreis Brandenburg. Berlin. Monalsversammlung der alliven Mitglieder am»Freitag, 25.. Juli, abends 8'/, Uhr, im Restaurant Haberland, Neue Friedrichftr. 35. Lchrabend baben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr»: N o w a w e S. Montag, 2t. Juli, Wilhelm-, Ecke Friedrichstraßc, bei Schmidt, Abt. Potsdam MUtwoch, 23. Juli, Kaiscr-Kilhelm-Stratze bei Glaser, Mariendors. Sonntag. 20. Juli, Uebung ün Freien. Montag, 21. Juli, Chausseestr. 27, Restaurant Büro, Schöncweide. Montag, 21. Juli, SicmenSstraße 12 bei Schulz. Eingegangene DTucKscKnften. Von der.Neuen Zeit" ist soeben das 42. Hest des 31. Jahrgang« erschienen. Aus dem Inhalt de-5 HestcS beben wir hervor: Miliz und stehendes Heer. Bon Fr. Mehring. I.— Nachgcdanten zu den nachdenk- lichen Betrachlungen. Von K. KautSky.(Schluß.)— Ein italienischer Kongreß sür Gewerbekrankheitcn. Bon Oda Olberg(Rom).— Volksbildung und Militarismus. Von Fr. Tr.— Literarische Rundschau: Dr. Stanislaw Kulrzebo, Grundriß der polnischen Versassungsgeschichte. Von M. Bronsi. Grögoire AlcxinSky, La Russie Moderne. Bot» G. Sttekloff.— Zeitfchristcnschau. Von a. s. Jugeudveranstaltunge». Die Arbeiterjugend EharlottenburgS veranstaltet am kommende« Sonntag AbteiwngSpartien nach Cladow. Jugendliche, die daran teil- nehmen wollen, können sich noch bis morgen im Jugendheim, Rosinenftr. 3, melden. Fahrgeld 50 Ps. Jeden Mittwoch von'/,7 Uhr abends ab finden aus dem Sportplatz Westend Turn- und Sportspiele sür die Arbeiterjugend statt. Die jugend» lichen Arbeiter und Arbeiterinnen werden gebeten, sich recht zahlreich daran zu beteiligen._ Arbeiter- Touristenverein.Tic Naturfreunde«. Ortsgruppe Berlin. Sonnabend, den 19. d. M., Ohmftr. 2. Berliner Klubhaus, wichtge Versammlung. Sonntag, den 20. d. M., Wanderung Zepernick, Gorinsee, Birkenwerdcr. Absahrt Stctt. Bhs, 6.04. Ortsgruppe Köpenick. Sonntag, den 20. d. M.. Wanderung Annatal, Herrcnsec, Straussec. Jhlandsee, Tiesensee. Absahrt Straßenbahn Schloß. platz 5.30 nach Mahlsdors. hier ab nach Strausberg 6.42. Gäste stet» will- kommen._ Marktpreise von Berlin am 4«. Juli lvlZ. nach Ermittelungen des tönigl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,34 bis 20,40, mittel 20,22—20,28, geringe 20.10—20,16, Roggen gute Sorte 17,10. mittel 00,00—00,00. geringe 00.00—00,00 ,ab Bahn). Futter« gerstc, gute Sorte 16,80—17,20, mittel 16,40—16.70, geringe 16,00—16,30. Hafer, gute Sorte 17,50—19,00, mittel 16,50—17,40. Mais(müed). gute Zorte 00,00—00,00. Mais»runder), gute Sorte 14,70—15 30. Richtsiroh 4,60, Heu, alt 0,00, neu 6,00— 8,00. Marithallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Svenebobiien, weiße 35.00—60.00. Linien 35.00—60.00. Kartoffeln(Kleinhdl.), alte 0.00—00,00, neue 9 00—15 00 1 Kilogramm Rindileisch, von der Keule 1.70-2.40. Rindflejsch Lauchiicisch 1.30—1.80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1 ,40—2 40 idammelfleisch 1,50-2.40. Butler 2,20-3,00. 60 Stück Eier 3.60-540 1 Kilogramm Karvien 1,80—2,80. Aale 1,60— 3,20, Zander 140—3 60 Hechte 1.60—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1.60—3,50. Bleie 0 80—1 60 60 Stück Kreb»- 1,00—60.00. Wasterstands-Nackirirfiten_. � der Landcsanftall sür Gewässerkunde, mitgclcill nom Berliner Wetterburea« Wassersland M e sr, e l, Tilsit Pregel. Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor Krassen Frankiurt Warthe, Schrimm Landsbera Neye, Vordamm Ell-e, Leitmeritz . Dresden » Barbv _• Magdeburg Wasserstand L- a I e. Grochli» H a° e t. Svandau-) v Nathenow-) Sorte, Spremberg-) Bccslow «. r e r, Münden 23*' Minden Rhein. Maximiliansau Kaub ' Köln Neckar, Heilbronn Main. Hanau Mosel, Trier ») Unterpegel. -st bedeutet Wuchs, � 8"� «r.-..«...-s»b-riich- vom 17. Juli 1913. Slattonen ßi! i f Ii if 5 e» C 'aB\ £r s«-N" I OS e« xll i* mS> 4wolkig 3bcdeckt 1 wolkig 1 Nebel 3 Regen »v£ Glanoneo SÜ x; I«— s »8 euer Haparanda 758 SS Petersburg 752 ONO Seillh 765 WNW Aberdeen>756 SSW Paris 766 W 4wolkig I Regen 3w»ltig t bedeckt I bedeckt C* I* 23 17 14 14 15 Swinemde.760WNW Hamburg 762® Berlin 761 N® Franks. a.W7°3sW 759»NW! 4 Regen Wetterprognose für Freitag, den 1#. Juli 1913. fflärmer, zunächst vielfach heiter bei mäßigen ftidwestlichc» Sindenz wbcr Wieder zunehmende Bewölkung etwas Regen und Gewitterneigung. �____ Berliner W c t terbureau. Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul E-nger�Eo� Berlin SM'