Mr. 183. 80. Jahrg. Bbonnemcnts-Bcdingungen: BHi Die TnfertionS' Gebühr «bonnementS. Preis pränumerando: W« DD f�T/ WM BE!» keträgt für die sechsgespaltene Kolonel- Bierteljährl. 8L0 Md, monatl. 1,10 MI, W> Wl ZW M■ //■ H gg HB B'BITM �. B B B L�\ B Hi BB B �W B A/. ESI**// politische und gewerk, chaftliche»ereins. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonntagS. iEBBS Irl H B B Bf BS Wz KD B B l» 9 ZW // und Versaminlungs-Anzeigen 80 Psa. Nummer mit illustrierter EonntagS.* I MD HB|H WD MB WW B B H» w) PI HB //„Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Beilage.Die Neue Welt' ll> Pfg. Post- 9BH Ii SB H8 BB HS BW BM« Elf Wort 20 Pfg. lzulässig 2 fettgedruckte «bonncmem: 1,10 Marl pro Monat. ▼r�H I I|B B MI l HB B B Worte), jedes weitere Morl 10 Pig. Eingetragen in die Post-Zeitungs- I WW �W WW WM) 19 Stellengesuche und Schlafsiellenm! Pr-isliste. Unter«reuzb?nd für VW VW Wi�Bv BLZ» B �� B Zkigen das erste Wort 10 Pfg., jedes Deutschland und Oesterreich- Ungarn WW I HH i �W/ JSBL\ � �W weitere Wort 5 Psg. Worte über IdAuch- 2ch0 Marl, für das übrige Ausland WS �1 �WE> Ar Hl stoben zahlen sllr zwei Worte. Inserate s Marl pro Monat. Postabonnements—---,__ 1/ HSx Ii"1. i),e nii�ftc Nummer müssen bis nehmen an: Belgien. Dänemark. JS* /7____ �(T- ▼/"str nachmittags in der Expedition Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, C/( V-/«)------ T N\\>0 abgegeben werden. Hie Expeditton ijt »nmtänieit, Schweden und die Schweiz. V____ bis 7 Uhr abendH geöffnet. Vevlinev sos Zentratorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrasöc 69. Fernsprecher: Amt Moripplatz, Nr. 1983. Politik gegen Ihvgiene. Paris, 17. Juli.(Eig. Ber.) Beinahe zwei Tritte! der Kammer haben gestern der Regierung den Willen getan und der Einstellung der Zwanzig- jährigen zugestimmt. Tie Regierung ist somit ihrer Haupt- sorge entledigt. Sie kann im Herbst den Jahrgang von 1910 nach Hause schicken. Und sie darf darauf zählen, daß nunmehr, nach einiger Flickarbeit, die Militärvorlage- glück- lich verabschiedet werden wird. Das parlamentarische Bild war gestern von dem gc- wohnten einigermaßen verschieden. Gegen die vom obersten Gesundheitsbeirat verworfene Einreihung der Zwanzig- jährigen traten auch Anhänger der dreijährigen Dienstzeit auf. Ter„unabhängige Sozialist" L e f d v r e, der der von der militaristischen Presse vielgepriesene Hauptredner für das dritte Dienstjahr gewesen war, inachte den einleuchtenden Ein- wand geltend, daß das stärkste Argument für die Reform wegfalle, sobald mau die Zwanzigjährigen einstelle. Die Generalstäbler haben behauptet, Frankreich könne niit einer Armee, die im Herbst nur einen Jahrgang ausgebildeter Truppen besäße, kein Auslangen finden, und sie erklärten weiter, die Kriegstüchtigkeit des Heeres steige mit der Dienst- dauer und mit dem Verhältnissatz der stehenden Arniee zu den des Dienstes entwöhnten Reservisten. Und nun sollen auf einmal zwei Jahrgänge Rekruten neben.einen Jahrgang Zweijähriger gestellt werden. Und wenn vor ein paar Wochen, als der Friede auf dem Balkan gesichert schien, die europäische Lage so düster war. daß Herr Barthou das Zurückbehalten der Trittjährigen für unerläßlich erklärte, ist sie jetzt, da im Südosten alles drunter und drüber geht, so beruhigend, daß das Experiment gewagt werden kann, die Armee mit Re- kruten zu überschwemmen und den ohnehin nicht genügenden Unteroffizier- und Ofsizierkadres ihre Ausbildung im Schnell- tempo aufzuerlegen? Ein größeres Kompliment vor der Milizidee konnten die Kasernenmilitaristen wirklich nicht machen. Aber dasselbe Motiv, das die Regierung bewog, der Rettung der Militärvorlage zu Liebe das zu opfern, was ihr Sinn und sozusagen ihre Rechtfertigung war, brachte eine Anzahl von Radikalen, die der Ausdehnung der Dienstzeit auf 3 Jahre widerstrebt hatten, dazu, sich über das Gutachten der Gesundheitslehrer hinwegzusetzen. Sie mochten nicht vor die Wähler treten, ohne die Heimsendung des Jahrgangs in diesem Herbst durchgesetzt zu haben, und sie waren nicht sicher, sie ohne die Einstellung eines weiteren Jahrgangs durchzu- setzen. Sie haben sich den Nationalismus über den Kopf wachsen lassen und lavieren nun, das Herz in den Hosen, zwischen ihm und den demokratischen Interessen. Sie gaben sich Rechenschaft darüber, daß ein Gesetz, das die Arbeits- crnergie des französischen Volkes um ein Jahr länger bindet, die schwersten wirtschaftlichen Nachteile zur Folge haben muß, und glaubten, ihre Wähler wenigstens davor behüten zu müssen, daß die zwischen Teutschland und Frankreich be- stehende Altersdifferenz der in die bürgerliche Tätigkeit ein- tretenden männlichen Jugend auf zwei Jahre erhöht werde. Und die durch die Einwendungen d?r Hygieniker erweckten Bedenken mochte wohl die stille Hofsnung überwinden, daß die nationalistische Welle ohnehin in einigen Jahren zurück- gehen und die Rückkehr zum zweijährigen Dienst um so leichter durchzusetzen sein werde, wenn sie sich als Forderung der Volksgesundhcit darstelle. So ergibt sich als politisch« Wirkung der gestrigen Ver- Handlung, daß die Regierung ihren Willen durchgesetzt hat und die kampfunlustigen Radikalen sich als die Sieger ge- bürden. Ter„Radical" beglückwünscht die Regierung und die Kammer zu ihrem Beschluß, der die Familien der das zweite Jahr Dienenden vor grausamer Enttäuschung bewahre. Für die Radikalen ist aber vor allem wichtig, daß die Ent- lassung des Jahrgangs eine innere Krise hintanhält, die eine Verschärfung der reaktionären Diktatur und die Festsetzung einer parlamentarischen Mehrheit der Rechtsparteien herbei- geführt hätte. Die Radikalen haben jetzt nur die eine Sorge: in die Wahlen nicht als eine der Gunst der Verwaltungs- behörden entbehrende Oppositionspartei eintreten zu müssen. In diesem Sinne können sie die gestrige Abstimmung in der Tat als Aktivposten buchen und die Entrüstung der anti- republikanischen Presse über die Vorsicht der Regierung, die es nicht um der Enllassungfrage willen auf Blutvergießen ankommen lassen wollte, ist zu begreifen. Tie bonapartistische „Autorit�" tobt:„Es wäre aufrichtiger, cinzugestehen, daß man sich vor den Meutereien und vor den Wählern gefürchtet hat. Herr Barthou hat durch das verbrecherische Zugeständnis, das Herr Jaurds sehr richtig die große Fehlgeburt nennt, Mnze Patriotische Unternehmen seines und des früheren Kabinetts vernichtet." "fL" gestern der Opportunismus gesiegt, der ohne Ruckstcht auf Prinzipien und Programme nur den Augen- blick retten will. au r�s charakterisiert heute die Abstim- mung Mit den Worten:„Niemals war der scheinbare Sieg eines Mimstcriuins m diesem Grade eine jammervolle Nieder- läge und Kapitulation." Er meint, das Gesetz in dieser Form sei. mit seinem inneren Widersinn, ein Strohhalm, den der Wind hinwegfege. Indes könnte es in den Stürmen, die die Zukunft zu bergen scheint, um ganz andere Dinge geben als Sonnabend, den 19. Jnli 1918. um Strohalme. Vorläufig mag man ja ein Kompromiß zwischen der nationalistischen Demagogie und der parla- mentarischen Republik gefunden haben. Aber sollte nicht im kannibalischen Jubel des zur chauvinistischen Orgie erhitzten „Nationalfestes" den Herren des Tages die Sorge aufge- dämmert sein, ob sie die Geister, die sie gerufen haben, noch los werden?_ kleine Vertuschung?! Seit den: Ausscheiden des Herrn v. Heeringen aus der Regierwng scheint die Heeresverwaltung jede Verbindung mit der amtlichen Presse verloren zu haben. Denn zu Mit- teilungen des Kriegsministeriums wird nicht etwa die offiziöse„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" benutzt, sonjbern irgendeine Korrespondenz. So bringt jetzt dieselbe Kor- respondenz, die über die angebliche Anweisung der Militär- Verwaltung, die Krupp-Affäre vor dem Kriegsgericht unter strengstein Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden zu lassen, berichtet hatte, nunmehr die Erklärung des Kriegsministeriums, daß eine solche Weisung keines- weg ergangen sei. Die Entscheidung über Ausschluß der Oeffentlichkeit liege vielmehr ausschließlich in dem freien Ermessen des erkennenden Gerichts. Auch sei ein Schweigebefehl an die militärischen Zeugen nicht ergangen. Wir wollen hoffen, daß es sich hier nicht um einc rein formale Ausrede handelt. Auch Kriegsgerichte sind ja gegen- über Wünschen von höherer Stelle sicherlich nicht allzu schwer- hörig, so daß bloße Andeutungen schon ohne ausdrückliche Weisung ihren Zweck erreichen könnten! Nachdem jedoch jetzt das Kriegsministerium erfahren hat, daß die Oeffent- lichkeit eine Verhandlung hinter verschlossenen Türen geradezu als Ungeheuerlichkeit betrachten würde, wird man hoffentlich dafür sorgen, daß das Kriegsgericht von seinem Rechte des Ausschlusses der Oeffentlichkeit möglichst geringen Gebrauch macht!». Der Verlauf der Verhandlung selbst wird ja hinlänglich Gelegenheit bieten, sich über das Verfahren des Gerichts- Hofes ein Urteil bilden zu können! * * An dem kindlichen Versuch des Herrn v. Heeringen und der Krupp-Offiziösen, die Bestechungsaffäre der Firma Krupp als die Privatangelegenheit eines ganz untergeordneten Be- amten der Kanonenfirma hinzustellen, übt die„National- Zeitung" vernichtende Kritik. Das nationallibe- rale Organ erzählt: „Das Haus Nummer 18 in der Voßstraße ist eines jener älteren Gebäude, wie man sie, gediegen und mit einfacher Vor- nehmheit ausgestattet, in dem Viertel der A e m t e r und Ministerien vor etwa zwanzig Jahren errichtete. Es hat nichts Auffälliges an sich. Eine teppichbelegte breite Treppe führt vom Eingangsflur empor, und über dieses Haus tväre nichts zu bemerken, wenn nicht an der im Halbstock ge- legenen Doppeltüre eine kleine Messingtafel die Aufmerksamkeit fesselte. Dieses unscheinbare Schild trägt die Jnschrit: Fried- r i ch Krupp, A.-G., Kriegsmaterialien. Hier befindet sich also die Berliner Niederlassung der Essener Weltfirma, und sie steht oder vielmehr sie stand unter Lei- tung eines Herrn Brand. Es ist dies dieselbe Person, die am 18..April d. I. im Reichstage vom damaligen Kriegsminister Herrn v. Heeringen ein„unterer Beamter der Firma Krupp" genannt wurde. Die Ansichten darüber, wie der Be- griff eines„unteren Beamten" aufzufassen sei, können aus- einandergehen, allein es erscheint wohl kaum angängig, einen Mann, dem der wichtige Posten obliegt, die Berliner Filiale des Kruppschen Unternehmens zu lei- t e n, in die Kategorie der Unterbeamten einzureihen. Herr Brand ist auf Veranlassung des Untersuchungsrichters vom Landgerichte I in Berlin späterhin verhaftet, hernach wiederum auf freien Fuß gesetzt worden. Das gleiche Schicksal teilten sieben Zeugoffiziere der Heeresverwaltung, gegen die das Kommandanturgericht eingeschritten war. Nunmehr, nach beendigter Untersuchung, ist gegen diese Sieben die Anklage wegen Ungehorsams gegen Dienst- befehle, Bestechung Und Verrates militärischer Geheimnisse erhoben worden.... Zwischen den Erklärungen des früheren Kriegsmini- sters Herrn v. Heeringen— er ist zur rechten Stunde ab- gegangen—, die er am 18. April und den darauffolgenden Tagen vor dem Reichstage abgab, und dem heutigen Tat- bestand klaffen einige Widersprüche. Herr v. Heeringen sagte damals, bei der Krupp-Affäre„handele es sich n i ch t um Verrat militärischer Geheimnisse, die die Sicherheit des Vater- landeS gefährden könnten". Nun wird gerade die Anklage wegen dieses Vergehens erhoben, das Herr v. Heeringen in Abrede stellte.... War der Kriegsminister, als er dem Reichstag Er- klärungen abgab, falsch unterrichtet? Ist er vielleicht sogar aus dem Grunde von seinem Posten geschieden, well er seine damaligen Worte mit den Dingen, wie sie sich uns heute dar- stellen, nicht hätte decken können?..'. So viel steht heute fest, daß eine Anzahl von Angestellten der Heeresverwaltung ziemlich häufig den Weg von der Leipziger Straße zur Voßstraße gegangen ist und mit dem Ber- liner Kruppbureau in enger Verbindung stand. Rdan stattete in der Voßstraße Besuche ab und unterhielt sich mit Herrn Brand über Neuanschaffungen oder Aenderungene die die Expedition: SM. 68, Ländenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Mvritiplatz, Nr. 1984. Militärverwaltung plante. Man unterhielt sich auch darüber, welche Preise der Heeresverwaltung von den Kon- kurrenzfirmen vorgelegt worden waren, und die Herren aus der Leipziger Straße führten diese Gespräche nicht etwa aus reiner Freundschaft für Herrn Brand, sondern sie ließen sich von ihm in Theater und Restaurants einladen, empfingen von ihm Darlehen, ja sogar Geldgeschenke. Dies ging so manches Jahr, bis die Sache an den Tag kam und sich nicht länger verbergen ließ. Der Firma Krupp war die Angelegenheit natürlich peinlich. Man'wollte also der Gefahr vorbeugen, in die Affäre hineinbezogen zu werden und entließ kurzer- Hand Herrn Brand, so daß man jetzt ruhig sagen darf:„Ein ent- lassener Angestellter..." Auch das nationalliberale Blatt rät der Regierung, den Prozeß doch lieber nicht„mit schützenden Schleiern" zu um- hüllen. Gebiete doch schon die Staatsraison, keinen noch so leisen Argwohn zu erregen, als hätte man etwas zu vertuschen. Die ganze Angelegenheit sei viel zu wichtig, als daß man sich einbilden dürfe, die Oeffentlichkeit mit einigen mageren Brocken abspeisen zu dürfen. «* * Die„V 0 l k s- Z e i t u n g" fordert nicht nur für den bevorstehenden Prozeß, sondern auch weiterhin vollste Oeffent- lichkeit: „Die Beleuchtung der Kruppschen Machinationen in voll- st er Oeffentlichkeit ist aber auch für die kommenden Ver- Handlungen der Kommission, die die Zustände in den Rüstungslieferungen prüfen soll, unbedingt notwendig. Ter Staatssekretär des Innern hat noch kurz vor den Reichstags- ferien auf eine kurze Anfrage erklären lassen, daß die vor- bereitenden Schritte zur Bildung der Kommission zur Prüfung der Rüstungslieferungen bereits in die Wege geleitet worden sind, und daß der Zusammentritt der Kommission voraussichtlich im Herbst dieses Jahres erfolgen wird. Naturgemäß muß diese Kommission auch die Erörterungen auf die Vorkommnisse bei Krupp ausdehnen. Ihre Beschlüsse müßten aber der Oeffentlichkeit Unverständlich bleiben, wenn man nicht weiß, auf welche tatsächlichen Unterlagen sie sich stützen. Anch der deutsche Steuerzahler, der jetzt in unerhörtem Maße zu den Opfern für die neuen Rüstungen herangezogen wird, hat ein gutes Recht darauf, genau zu erfahren, ob sein Geld nicht irgendwo unnütz vergeudet worden ist. An einer Säuberung vor der großen Oeffentlichkeit ist auch die Reichsregierung auf das lebhafteste interessiert. Herr v. Heeringen hat damals im Reichstage, als sogar das Zentrum und die Nationalliberalen von einenr allgemeinen Mißtrauen gegen die Regierung sprachen, seinen Schild vor die Firma Krupp gehalten. Gerade da- durch ist der Verdacht entstanden, als hätte die Regierung ein Interesse daran, bei den Kruppschen Vorkommnissen etwas zu verbergen. Die Regierung hat alle Veranlassung, diesen Verdacht aufs nachdrückli ch'st e zu zerstören." Noch Immer bei» Ergebnis der Verhandlungen. Die Antwort, die der König von Rumänien auf das Schreiben König Ferdinands gegeben hat, ist sehr kühl und ausweichend ausgefallen. Rumänien will erst den Abschluß des Waffenstillstandes vollzogen sehen, che es seinen glücklicher- weise bisher unblutigen Feldzug einstellen will. Da aber Serbien und Griechenland den Waffenstillstand nur unter Be- dingungen, auf die Bulgarien bisher noch nicht eingegangen ist, abschließen wollen, hält der unleidliche Zustand zwischen Krieg und Frieden noch immer an. Die jungtürkischcn Hitzköpfe sind mit der Einhaltung des türkischen Vormarsches durchaus nicht einverstanden. Es wird ihnen aber wohl kaum gelingen, die Regierung zu einem Vor- stoß auf Adrianopcl aufzuputschen. Die rumänische Antwort. Bukarest, 18. Juli. Dem„Unipersul" zufolge soll die Antwort, die König Carol auf das Telegramm des Königs Ferdinand erteilte, dahin gelautet haben, daß Bulgarien die Bedingungen genau angc- den möge, unter denen es die Friedenspräliminarien nicht nur mit Rumänien, sondern mit allen Kriegführenden zu unterzeichnen wünsche. Die Unterzeichnung könne nur gleichzeitig mit allen Kriegführenden erfolgen. Nur dann könne die Einstellung der Feindseligkeiten angeordnet werden. Eine offizielle Bestätigung dieser Meldung liegt nicht vor. Rumäniens Absichten. Bukarest, 18. Juli.(Meldung des Wiener k. k. telegra- Phischen Korrespondenzbureaus.) Das Antworttelegramm König Carols an König Ferdinand ist heute früh um 8 Uhr von Corabia nach Sofia abgegangen. Der König kehrt heute abend in die Hauptstadt zurück. Die rumänische Politik hält daran fest, daß einer der Zwecke des Einrückcns in Bulgarien der A b s ch l u ß eines W a f f c n st i l l st a n d e s ist. Solange dieser nicht eingetreten sei, könne von einer Einstellung des Vormarsches nicht die Rede sein. Dabei sei es ohne wesentliche Bedeutung, wem der Abschluß eines Waffenstillstandes Hindernisse bereite, auf deren Urheber müsse nach Ansicht hiesiger maßgebender Kreise ein Druck ausgeübt werden, damit er dem allgemeinen Friedensbedürfnis nachgibt, An der gemeldeten strategischen Linie ergibt sich aus militärischen Rücksichten ein vorübergehendes Halt. Der rumänische Vormarsch. Bukarest, 18. Juli. Die Agencc Roumaine veröffentlicht eine amtliche Mitteilung, wonach gestern Kavalleriepatrouillen Erkun- düngen auf einem weiten Gebiete durchführten. Der Vormarsch der Truppen vollziehe sich unter günstigen Bedingungen. Die Mcl- düngen von einer Beschießung von Nikopoli werden dementiert.— $ Die militärische Lage. � Belgrad, 18. Juli. Das sorbische Pressebureau gibt über die augenblickliche militärische Lage folgenden Bericht aus Tie Bulgaren dirigierten zwei Heere in der Richtung au: Knjatschewatsch— Zajetschar einerseits und Pirot— Nisch andererseits in der Absicht, das serbische Territorium zu be setzen. Die erste Armee war 5l) Bataillone und 120 Kanonen stark und stand unter dem Befehl des Generals Kutintschew. Tie zweite Armee(die 5. bulgarische) war 56 Bataillone und 126 Kanonen stark und stand unter General Petrowr- Ihr Versuch glückte im Anfang, als unsere Truppen im Süden der Bregalnitza kämpften. Doch kam nach kurzem Erfolg der allgemeine Zusammenbruch für sie. Die bulgarischen Truppen wurden endgültig von unserein Boden vertrieben. Bei ihrem eiligen Rückzug zerstörten sie die Eisenbahnbrücke bei Sukowo. Sie versuchten dann, bei Vrla Glawa wieder Kräfte zu sammeln, wurden aber durch unsere Artillerie dezimiert. Wir machten viele Bulgaren, die serbische Uniformen trugen, zu Gefangenen. Unser Heer ist bis auf 26 Kiloineter in bulgarisches Ge biet vorgerückt, hat den Feind bei Bosilovgrad geschlagen und ihn durch die Gebirgspässe nach- Küstendil zurückgeschlagen, wo er sich gegenwärtig wieder sammelt. Die bulgarischen ■ Truppen haben sich auch von Egri Palanka zurückgezogen. Serben und Albaner. Balona, 18. Juli.(Meldung des Wiener K. K.� Telegr. Korr.- Burcaus.) Der Regierung ist gestern ein Schreiben des Komman danten der serbischen Garnison in Ochrida, Milovanowitsch, zu gegangen, worin die vor zwei Wochen in der Mati-Gcgend erfolgten Zusammenstöße zwischen Albane sen und Ser den folgendermaßen aufgeklärt werden: Die serbischen Truppen haben die von der serbischen Regierung anerkannten Grenzpunkte besetzt, welche im Winter der Kälte wegen unbesetzt geblieben waren. Das Vorgehen der serbischen Truppen verfolgte keinerlei aggressive Absichten. Die Albanesen können der Aufrichtigkeit der Serben versichert sein. Dennoch, so schließt das Schreiben, werden die Serben alle Orte von Oroschi, Malscheit und Mali-Dejs bis Tschafana besetzen und besetzt halten, bis die Kommission zur Fest- stellung der Grenze an Ort und Stelle erscheine. Diese Rechtfertigung und diese Zusage werden jedoch als nicht stichhaltig bezeichnet, da die serbischen Truppen Punkte besetzt haben, die laut Beschluß der Großmächte bereits Albanien zufallen. Es handelt sich um eine eklatante Verletzung der Beschlüsse der Botschafterkonferenz, die zu weiteren Zusammenstößen Anlaß bieten kann, worauf die Aufmerksamkeit der Großmächte gelenkt werden wird. Tic jungtürkische Hetze. Konstantinopel, 18, Juli, die jungtürkischc Presse meldet. die gesamte Nation sei über die offizielle Meldung unzu- frieden daß die Armee auf der Linie Enos— Midia Halt gemacht habe. Die letzten Ereignisse auf dem Balkan hätten den Beweis geliefert, daß die Herrschaft der Türkei im Wilajet Adrianopel wieder eingeführt werden müßte, weil dessen Bevölkerung zum größten Teil türkisch sei und nicht mehr unter der Herrschast eines so wilden Volkes bleiben könne. Trotz der Unschlüssigkcit der Regierung würden die Ottomanen ihren Marsch fortsetzen und das Wilajet Adria- nopel wieder in Besitz nehmen. Der„Tanin" erklärt, der Londoner Vertrag habe keine Kraft mehr, weil er mit dem Balkanblocke abgeschlossen worden sei und dieser nicht mehr bestehe. Das Blatt beruft sich auf den Nationalitätengrund- satz zugunsten der Türken in Adrianopcl. Die Ottomanen wären verpflichtet, der Bevölkerung zu Hilfe zu kommen, die unter der Grausamkeit der Bulgaren leide. Kricgsgreuel und kein Ende. Sofia, 13. Juli. Die Agence Bulgare meldet: Ehe die gris- chischen Truppen bei ihrem Einzug in Kilkitsch die Stadt in Brand steckten, machten sie die ganze Bevölkerung nieder. Sie stießen sogar die Tore der Kirchen ein, obwohl diese unter dem Schutz der französischen Flagge standen, und ermordeten die Bul- garen, die sich dorthin geflüchtet hatten, ebenso einige Mönche. Dann plünderten und zerstörten sie die Gebäude. Konstantinopel, 18. Juli. Das ökumenische Patriarchat über- mittelte den Botschaftern einen schriftlichen Protest gegen die Greueltaten der Bulgaren. Vertagung der internationalen Finanzkommission. Paris, 18. Juli. Die Finanzkommission hat heute eine Plenar- sitzung abgehaltenen und sich sodann auf den 30. September vertagt. DaS Komitee für Gcldreklamationen hat sehr zufriedenstellende Re- sultate erreicht, da sowohl die ottomanische wie die hellenische Dele- gation sich im Geiste der Versöhnung bereit erklärt hat, ein Schieds- gericht zur Prüfung der hellenischen Ansprüche betreffend die Bc- schlagnahme griechischer Handelsschiffe anzuerkennen. Je ein Mit- glied der drei Komitees wird in wenigen Tagen einen Vorbericht über die Tätigkeit der Komitee? herstellen. In der heutigen Sitzung gab der Präsident Margerie nochmals einen Ueberblick über die Arbeit der drei Komitees. Mit einem Dank der Delegierten an den Präsidenten wurde die Sitzung sodann geschlossen. polltifcde dcberlicht. Die Rache der Konservativen. r Die Konservativen versuchen jetzt die Fortschrittler ein- zuschüchtern. Unter dem Titel:„Naivität oder Unverfroren- heit" schreibt die„Kreuzzeitung": Wenn die fortschrittlichen Dämpfungspolitcker auch nach der neuesten Heldentat in Zauch-Belzig noch mit großer Entrüstung die Hände ringen, weil die Konservativen sich genötigt sehen, die innige Zusammengehörigkeit der Rosaroten auch bei etwaigen Stichwahlen zu respektieren, so kann das nur entweder Naivität oder Unverfrorenheit sein. Es wäre ja noch schöner, wenn die Konservativen auch jetzt noch sich dazu hergeben wollten, Fort- schrittskandidaten herauszuhauen. Das wäre nicht— wie man auf liberaler und auf angeblich..Parteiloser" Seite vorgibt—„national", sondern das wäre charakterlos. Die Rosaroten gehören nach ihrer eigenen Meinung zusammen, sie müsseg slso. aus gleicher Ztuse behandelt werden. Wer von beiden mehr werf ist, das mögen sie unter sich ausmachen. D halb mögen sie die Stichwahlen miteinander unbeeinflußt durch „reaktionäre" Wahlhilfe selbst ausfechten. Die Dämpfungsbrüder stehen ja selber auf dem Standpunkte, daß die„Volksstimme' nicht„gefälscht" werden dürfe. Eine Fälschung der Volksstimme aber würde es sein, wenn die„Reaktionäre" in die Entscheidung zwischen Fortschrittlern und Sozialdemokraten eingreifen wollten Deshalb stimmt auch die„Krcuzzeitung" dem sächsischeil Parteiorgan der Konservativen zu, das für die Nachwahl in D r e s d e n- N e u st a d t bereits für den Fall der Stich- Wahl zwischen einem Sozialdemokraten und dem Fortschrittler Stimmenthaltung proklamiert mit der unverschämten Begründung, daß die Fortschrittler„national ebenso minder wertig wie die Sozialdemokraten" seien— eine freilich un ausführbare Drohung, da wir das Mandat schon in der Hauptwahl zu holen gedenken. Wir glauben überhaupt nicht, daß diese konservativen Drohungen allzu großen Eindruck machen werden. Denn wahltaktisch hat sich der Fortschritt schon längst darauf be sonnen, daß die Stimmenmacht der Sozialdemokratie für ihn viel mehr ins Gewicht fällt, als die konservative Unterstützung. Und schließlich rechnet er auch darauf, daß das Gros der konservativen Wähler, wie immer die Parole lauten mag, schließlich doch gegen den Sozialdemokraten zur Urne eilt. Wären die fortschrittlichen Wähler übrigens im Kampf gegen die Konservativen zuverlässiger, als sie es bis heute sind, so würde den Konservativen noch viel mehr Abbruch getan werden können. Verfügen doch Sozialdemokratie und Fort schrittspartei annähernd über 47 Proz. der Wählerstimmen. Würde nicht ein so großer Teil der fortschrittlichen Wähler bei den Stichwahlen noch immer ins Lager der konservativen und klerikalen Reaktion desertieren, so würde auch die Macht Verteilung im Reichstag mit der Stimmenmehrheit mehr in Uebereinstimmung gebracht werden können. Deutschland— das Land der Hundefleischesser. .Die„Deutsche Tageszeitung" sucht unsere Mitteilung, daß die Fleischpreise wieder eine Tendenz zum Steigen zeigen. durch die Zusammenstellung der Preise vom Januar bis Juni d. I. zu widerlegen und hofft, daß wir auch diesen Erscheinungen ge- legentlich unser wertvolles Interesse zuwenden. Recht gern! und zwar umgehend. Daß die Preise seit dem Januar um einige Pfennige gesunken sind, wissen auch wir. Aber dieser Rückgang eit den Tagen der ärgsten Fleischnot beträgt für daS Kilo Rind, leisch 3 Pf.. Kalbfleisch 4% Pf. und nur bei Schweinefleisch 18,7 Pf. Hammelfleisch st i e g dagegen im Preise um g,7 Pf. Nach den amtlichen Preisberichten zeigen die Preise der zweiten Hälfte des Juni indessen wieder eine Steigerung gegenüber der ersten Hälfte des Juni. Die gegenwärtigen Preise stehen sogar höher als im Juni des Vorjahres. So betrug die Steigerung bei Kalb- leisch 3,3 Pf., für Hammelfleisch 10,6 Pf., für Schweine- leisch 1,ö Pf., für Pferdefleisch 11,8 Pf., für Schinken 25,3 Pf., für Speck 16 Pf. Die Preise sind zurzeit also höher als im gleichen Monat des Vorjahres, wo bereits allgemein über die Teuerung geklagt wurde. Was das für Wirkungen auf den Konsum hat, möge das Agrarierblatt aus den Mitteilungen einer sächsischen Korrespondenz entnehmen. Es heißt da: „Hat schon der Hundefleischkonsum seit dem Jahre 1967 in Deutschland einen immer größeren Umfang angenommen, so hat die anhaltende Teuerung im Jahre 1912 den Verbrauch von Hundefleisch noch ganz besonders, sta;k beeinflußt, und in diesem Teuerungsjahre ist das rapide Amoachse» der Hunde» schlachtungen geradezu beängstigend. Während im Jahre 1911 die Zahl der beschaupflichtigcn Hundcschlachtungen in Deutschland 6553 betrug, ist für das Teuerungsjahr 1912 eine Zunahme von nicht weniger als 1579 Schlachtungen zu konsta- tieren, so daß 1912 8132 Hunde ihr Leben lassen mußten, um den Menschen als Nahrung zu dienen. Sachsen ist nun einmal das Land der Hundefleischesser, denn mehr als die Hälfte aller Hunde- schlachtungen entfällt auf das Königreich Sachsen. Die Zahl der be- schaupflichtigen Hundeschlachtungen in Sachsen stieg von 3546 im Jahre 1911 auf 4288 im Jahre 1912. Aber auch Preußen ist in bc- zug auf den Hundefleischkonsum„fortgeschritten": von 1917 Hundeschlachtungen im Jahre 1911 auf 2636 im Jahre 1912. Es ist nun zu berücksichtigen, daß aus naheliegenden Gründen nur der geringste Teil aller verspeisten Hunde der Fleisch- beschau unterworfen wird. Das Jahr 1913 bringt wahrscheinlich eine weitere Steigerung des Hundcfleischkonsums. Im ersten Quartal 1913 wurden bereits 2517 Hunde der amtlichen Fleischbeschau unterworfen, gegen 2441 im ersten Vierteljahr 1912." Hoffentlich nimmt nun die„Deutsche Tageszeitung" auch an diesen unseren Mitteilungen„wertvolles Interesse". Wir glauben, daß selbst ihrem geistig schwerfälligsten Leser daS Verständnis für diese Zahlen nicht fehlen wird. Ministerialerlaß gegen den Jnnungsterrorismus. Der preußische Handelsminister hat an die Innungen nach- tehcnden Erlaß gerichtet: „Aus Anlaß der Lohnbewegungen der letzten Jahre sind so- wohl bei den Beteiligten als auch bei den Behörden öfter Zweifel darüber entstanden, wieweit Zwangsinnungen befugt sind, in den wirtschaftlichen Kämpfen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ihren Mitgliedern Vorschriften zu machen. Da die bei der Eni- cheidung von Einzelfällen von mir eingenommene grundsätzliche Stellung bisher nicht allgemein bekannt geworden ist, auch aus den von mir hierüber im Abgeovdnetenhause abgegebenen Erklärungen irrige Folgerungen gezogen worden sind, so sehe ich mich veranlaßt, auf folgendes hinzuweisen: Wie sich Zwangsinnungen in Arbeit- gebervcrbänden nicht weiter betätigen sollen, als mit der Förderung des Friedens zwischen Arbeitgebern und Arbeitern vereinbar ist, so dürfen sie auch im übrigen keine Beschlüsse fassen, die sich als Kampfmaßregeln in einem wirtschaftlichen Streite zwischen Arbeit- gcbern und Arbeitern darstellen. Deshalb ist es z. B. unzuläsfig, wenn Zwangsinnungen ihre Mitglieder bei Strafe verpflichten, alle gewerkschaftlich organisierten Gesellen zu entlassen und nur solche Gesellen in Arbeit zu nehmen, die einen bestimmten Revers unter- zeichnet haben, oder wenn sie ihren Mitgliedern unter Straf- androhung allgemein und ohne Rücksicht auf den Inhalt verbieten, Sondcrverträge mit den Gesellen abzuschließen, und wegen der Nichtbcfolgung solcher Vorschriften Strafen gegen die Jnnungs- Mitglieder festsetzen. Beschlüsse, welche lediglich dazu dienen, die Jnnungsmitglieder zur Befolgung der von den Arbeitgebern zum BeHufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen ge- lroffenen Verabredungen zu nötigen, verletzen überdies die Vor- chriften der Gewerbeordnung gegen den Koalitionszwang. Eine Verpflichtung der Jnnungsmitglieder. nur bestimmte' Gesellen in Arbeit zu nehmen oder bestimmte Gesellen zu entlassen, ist auch nach§ 41 der Gewerbeordnung unzulässig. Soweit indes die In- nungsmitglieder in den von ihnen abzuschließenden � Sonderverträgen Verpflichtungen übernehmen sollen, die mit bestimmten. gesetzlich von den Innungen zu verfolgenden und daher auch von >en einzelnen Jnnungsmitglicdern zu unterstützenden Jnnungs- aufgaben in Widerspruch stehen würden— z. B. die Verpflichtung, ausschließlich einen anderen als den von der Innung eingerichteten Arbeitsnachweis zu benutzen und somit den Jnnungsarbeitsnach- weis grundsätzlich zu meiden— oder, soweit sie sich zur Jnnehaltung der Sonderverträge durch ehrenwörtliche Erklärungen verpflichten sollen, sind die Zwangsinnungen hesugtz ihren Mitgliedern dxn Atzschluß derartiger, gegen die Gesetze öder gegen die guten Sitten verstoßenden Verträge zu untersagen." Die Aufsichtsbehörden der Innungen sind anzuweisen, ge, gebenenfalls nach den vorstehenden Grundsätzen zu verfahren. Die Flucht vor der Wehrvorlage. Vor der Strafkammer in Th�rn fand die Verhandlung gegen 51 junge Leute statt, die sich der Wehrpflicht durch Auswanderung entzogen haben. Jeder der AntiMilitaristen wurde zu 166 Mark Strafe verurteilt. Da man im modernen Preußen ganz wie im alten Nürnberg nur den hängt, den man kriegt, werden die meisten Urteile des Thorner Gerichts freilich' unvollstreckt bleiben. Schade, daß man keinen preußischen Gerichtsvollzieher nach Rusfisch-Polen oder nach den Vereinigten Staaten senden kann! Der Profit in Gefahr. Die skandalösen Zustände in der Großeisenindustrie sind im Reichstag vielfach Gegenstand der Erörterung gewesen. In dieser Industrie, die keinen Feiertag kennt, besteht noch die zwölfstündige Arbeitsschicht und bei den wöchentlichen Wechselschichten kommt es vor, daß Arbeiter einmal achtzehn Stunden und noch länger hintereinander arbeiten müssen. Dem Raubbau, der mit der menschlichen Arbeitskrast hier getrieben wird, kann nur durch die Einführung der gesetzlichen Achtstundenschicht begegnet werden. Gegen diese Absicht laufen nun die Sachwalter der Groß- eisenindustrie Sturm und in ganz raffinierter Weise versuchen sie es, auch die Unterstützung anderer Industrien, die längst eine kürzere Arbeitszeit haben, zu gewinnen. In der Generalversammlung eines Verbandes der Industriellen in Kattowitz führte der Bergrat Dr. Willinger aus: „Haben die Sozialdemokraten und ihre Helfershelfer erst ihr zunächst ins Auge gefaßte Ziel, die Einführung des gesetz- lichen Achtstundentages für die Großeisenindustrie, erreicht, dann gibt es auch für die übrigen Industriezweige kein Halten mehr. Entweder werden sie ebenfalls einem solchen Gesetz unterstellt, oder aber das Achtstundcngesetz für die Großeisenindustrie wird ein so kräftiges Hilfsmittel für die gewerkschaftliche Agitation, daß die übrigen Industrien dem Druck der Arbeiterverbände nicht mehr Widerstand zu leisten vermögen. Wie gewaltig aber die Schädigung der gesamten deutschen Industrie und ihrer Arbeiter- schaft wäre, wenn die Sozialdemokratie dieses von ihr heiß- begehrte Ziel erreichte, braucht hier nicht näher dargelegt zu werden. Woher sollten vor allem die Arbeitermassen genommen werden, die bei der Einführung des Achtstundentages in� der Großeisenindustrie oder gar in der deutschen Industrie über- Haupt mehr erforderlich sein würden, zumal durch die vorletzte Heeresvorlage etwa 46 666, durch das jetzt verabschiedete Wehr» gesetz weitere 76 666 Mann alljährlich dem Arbeitsmarkte mehr entzogen werden? Notgedrungen würde die Industrie dazu über- gehen müssen, die benötigten Arbeiter ans den Kreisen des Hand- Werks, der Verkehrsg'ewcrbe und namentlich der Landwirtschast zu entnehmen, so daß die Einführung des Achtstundentages für die Großeisenindustrie sich zu einer Kalamität für das ganze deutsche Wirtschaftsleben auswachsen würde." Dieser Appell wird natürlich nicht ganz ohne Wirkung bleiben. Gleichwohl muß der Achtstundentag für die Arbeiter der Großeisenindustrie erkämpft werden, denn gerade diese Industrie ruiniert den Arbeiter in ziemlich ftühen Jahren. Darin liegt aber auch eine enorme Schädigung der deutschen Wehrkraft und dieser Umstand kann von der Regierung nicht unbeachtet gelassen werden. Der mit enormen Gewinnen arbeitenden Großeisenindustrie, hinter der daS brutalste Unternehmertum steht, ist es lediglich um die Er- Haltung enormer Profite zu tun, mögen auch Hekatomben von Menschen darüber zugrunde gerichtet werden. Anch ein deutscher Kulturpionier. Wegen schwerer Eingeborenenmißhandlungen wurde der Betriebs» leiter Stöcker von den Swakopmunder Bezirksgericht zu einer Gesamt- träfe von ein Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Mann muß es schon sehr toll getrieben haben. Aus dem Soldatenleben! Das Kriegsgericht in Breslau verurteilte den Vizewachtmeistek der Landwehr, Waldemar P l o n t k e, stüher im Ulanenregiment Nr. 1 in M i l i t s ch, seit April 1912 Schutzmann in BreS- lau, wegen Beleidigung eines Untergebenen im Dienst zu drei Tagen gelinden Arrest.— Der Rekrut Nickel kam zu spät zum Stalldienst und wurde nach seiner eidlichen Aussage von dem Wachtmeister dafür ins Gesicht gespuckt und geohrfeigt. Der Angeklagte kann nicht mehr sagen, ob er den Mann schlug, auch will er ihn nicht angespuckt, nur vor ihm ausgespuckt haben. Nach Nickels Zeugenaussage habe der Wachtmeister den Mann gcstagt, ob er ihn melde. N. sagte ja- wohl, das lasse ich mir nicht gefallen. P. bat N. ihm nicht die Karriere zu verderben und unglücklich zu machen. KriegSgerichtsrat Schubert bezeichnet die Handlung als unerhört und bcan- tragic wegen tätlicher Beleidigung drei Wochen gelinden A r r e st. Das Kriegsgericht nahm zugunsten des Angeklagten an, daß er den Rekruten nicht absichtlich angespuckt, sondern nur vor ihm ausgespuckt habe, wobei Speichel ins Gesicht flog, ohne Ab- icht des P. Der Rekrut hatte angegeben, die Ohrfeige hätte ihm nicht Schmerz bereitet, somit konnte keine Anklage wegen Mißhandlung erhoben werden. Das Wölfische Bureau. Von der Redaktion des Wolfffchen Bureaus erhalten wir eine Entgegnung auf unseren gestrigen Artikel. Die darin ousgesprochenen Bemängelungen erklärt das Bureau insofern für berechtigt, als bei Uebersetzung der fraglichen Depesche über den Verlauf der Deputiertenverhandlung tatsächlich ein Fehler vorgekommen sei. Gänzlich unberechtigt sei aber unsere Bemängelung, soweit sie sich auf die Abstimmung über die Resolution Denis- Noel beziehe. Nach dem amtlichen Bericht sei die Re- ölution über die Abstimmung nicht in zwei, sondern in drei Teile zerlegt worden. Der dritte Teil, der die Anwendung der Schärfe des Gesetzes gegen die antimilitaristische Propaganda fordere. öi ebenso wie die ganze Resolution einfach durch Handaufheben angenommen worden. Von einer Minderheit sei im� amtlichen Protokoll nicht die Rede. Es sei daher durchaus glaubhast, daß der Abstimmungsmodus den Eindruck hervorgerufen habe, die TageS- Ordnung sei nahezu einstimmig angenommen worden. Wir können demgegenüber nur bemerken, daß nach den Be- richten der französischen Presse, sowie unseres Korrespondenten der entscheidende Passus der Resolution, der die Strenge des Ge- etzes gegen die antimilitaristische Propaganda fordert, nur 333 gegen 158 Stimmen erhalten hat. Wir werden aber nach Einsicktnahme in den amtlichen Bericht eventuell auf die Sache noch zurückkommen._ Eine neue Offenbacher Kommnnalaffäre. Durch die bürgerliche Presse geht eine neue Schauermär von der Vcrruchtheit der Offcnbachcr sozialdemokratischen Stadtver- ivaltung. Danach soll der Oberbürgermeister Dr. Düllo von Offenbach sich Aeweigert haben, die vom deutschen Städtetag be- chlossene Jubiläumsadresse an den Kaiser zu unterzeichnen. Dazu oll der„Verbrecher" das Rundschreiben des Städtetages beiseite gelegt Habens ohnx tzxx jn ihre; lozialtzemostattjchen Stadtverordnetenversammlung davon Mitteilung zu machen. Erst mehr wie drei Wochen nach dem Kaiserjubiläum besann sich ein klerikaler Stadtverordneter auf seine Pflichten als Monarchist und interpellierte den Oberbürgermeister wegen der behaupteten schweren Pflichtverletzungen. Der Oberbürgermeister_ erklärte seelenruhig, um die Unterzeichnung der Glückwunschadresse sei er gar nicht angegangen worden, da diese nur von dem Porstand des Städtetages, dem er nicht angehöre, unterzeichnet wurde. Auch ein Schreiben des Vorstandes vom Städtetage hätte er nicht empfangen, also auch nicht 26 acta legen können. Dagegen habe er allerdings von der Stellung eines Antrags, zur Jubiläumsfeier des Kaisers für eine Stiftung Geld zu bewilligen, abgesehen, nachdem er sich bei der Führung der gegenwärtigen sozialdemokratischen Mehrheit vergewissert habe, daß ein solcher Antrag von der Stadtverordneten- Versammlung abgelehnt werden würde. Er glaube, damit so- wohl das Interesse der Stadt, wie im Interesse des monarchischen Gedankens gehandelt zu haben.» Ter Standpunkt des Oberbürgermeisters fand jedoch keines- Wegs die Billigung der Gegner, die dem Oberbürgermeister..ganz unwürdige Abhängigkeit von der sozialdemokratischen Mehrheit' vorwarfen. Die Patrioten waren noch eiftig beim Schimpfen, als in Offen- bach ein Kreisturnfest der freien Turner stattfand. Mehr wie 30 000 Menschen kamen zu diesem„sozialdemokratischen" Fest zusammen, die meisten Häuser der Stadt waren deshalb mit Fahnen und Girlanden geschmückt, selbst das Stadthaus steckte mehrere Fahnen heraus und die städtischen Straßenbahnwagen trugen Laubgewinde mit Weißen, blauen und— roten Rosetten! Es kam sogar noch ärger! Am Hauptfcsttag erschien dann der Oberbürgermeister selbst auf dem Festplatz und hielt eine Be- grützungsrede— man denke, an sozialdemokratische Turner!— in der er die körper- und geiststärkende Wirkung des Turnens pries und den Festteilnehmern viel Vergnügen wünschte. Das versetzte die Offenbacher Patrioten in rasende Wut. Sie schimpften über den pflichtvergessenen Oberbürgermeister, der die heiligsten Gefühle der monarchisch gesinnten Bürgerschaft durch völlige Nichtbeachtung der erhebenden Jubiläumsfeier tief verletzte und nun ein sozialdemokratisches, republikanisches, umstürzlerisches Fest in einer noch nicht dagewesenen Weise verherrlichen half. So klingt es nicht nur in hessischen, sondern in allen„gutgesinnten" Blättern Teutschlands. In Wirklichkeit hat aber der Offenbacher Oberbürgermeister auch beim Kaiserfest am Stadthause Fahnen herausstecken lassen, hat auch auf den Kriegervereinsfesten die Stadt vertreten, und auch einen Aufruf zur Sammlung einer Kaiserspende für die Mission in den Kolonien mitunterzeichnet. Auch sonst übt der Offenbacher Oberbürgermeister den Brauch, bei größeren Veranstaltungen, Ju- biläen usw., die in der Stadt gefeiert werden, das Stadthaus usw. schmücken zu lassen und möglichst persönlich die Gäste zu begrüßen. Solange es sich dabei um bürgerliche Turner, Sänger, Schützen usw. handelt, haben die Gegner gegen die höflichen Gepflogenheiten deS Stadtoberhaupts nie etwas einzuwenden gehabt, sie vielmehr für selbstverständlich gehalten. Nur wenn auch Sozialdemokraten solche Höflichkeiten erwiesen werden, schimpfen die Offenbacher Emporkömmlinge und ihre Soldschreiber loS. Und ihr Aerger ist um so größer, als in der Tat die festliche Ausschmückung in der Stadt beim Arbeiterturnerfest den Festschmuck gelegentlich deS Kaiserjubiläums weit in den Schatten stellte. Die patriotischen Hetzereien der Fabrikantenpresse hatten aber nur die Wirkung, daß am zweiten Tage des ArheiterturnerfesteS noch über 10 000 Menschen mehr wie am ersten Tage den sfestplatz bevölkerten. Die Hoffnung, mit dem patriotischen Radau Wahlftimmung zu machen, ist jedenfalls zuschanden geworden. Lippold berichtigt. Der freikonservative Redakteur L i p p 0 l d, der den be- rüchtlgten Kronzeugen Köhler zu jener Denunziation an- stiftete, die das Schweidnitzer Schwurgericht zu dem unbegreif- lichen Zuchthausurteil veranlasste, beglückt uns— unter gleichzeitiger Androhung eines Strafantrags— mit folgender Berichtigung: „In Nr. 178 des„Vorwärts" vom 16. d. M. veröffentlichen Sie unter der Spitzmarke:„Held Lippold, aus dem Waldenburgcr Meineidsprozeß bekannt" ein Urteil des Großherzoglichen Schöffen- gerichts zu Neu-Strelitz, wonach ich wegen Beleidigung des Ge- schäftsführers des dortigen Konsumvereins zu 60 M. Geldstrafe verurteilt worden sein soll. Dieses Urteil ist nie rechts- kräftig geworden; auch ist die Urteilsbegründung ungenau bzw. unzutreffend. Für die zweite Instanz nämlich war neues Zeugenmaterial vorhanden. Doch kam in einem Termin, dem ich nicht beigewohnt habe, ein Vergleich zustande, den mein Rechtsbeistand für mich als akzeptabel erachtete. Wilh. Lippold, Chefredakteur des„Neuen Tageblattes" in Waldenburg(Schief.).* franhmd). Tie Beratung des Militargesetzes. Paris, 18. Juli. Kammer.(Beratung des MilitärgesctzeS.) Die Kammer nahm Artikel 14 an. der unter Zustimmung der Kom- Mission von Andre Lefevrc abgeändert worden ist und eine Prü- fung für R e s e r v e 0 f f i z i e r s ch ü l e r sechs Monate nach ihrem Eintritt ins Regiment Vorsicht. Die zugelassenen Kandidaten sollen ein Jahr in den Schulen zubringen und werden dann zu Offiziers- ospirantcn ernannt. Sie werden ihre Dienstzeit als Unterleut- üants her Reserve ableisten. Vorher hatte die Kammer einen Ab- änderungsvorschlag I a u r e s mit 327 gegen 246 Stimmen abge- lehnt, der jenes Examen sofort beim Eintritt ins Regiment for- derte. Augagneur trat für folgendes Amendement ein: Wenn die Umstände es gestatten, so sollen der Kriegs- und der Marine- minister»rmächtigt sein, diejenige Jahresklasse, welche das zweite Dicnstjahr beendet hat, vom Dienst zu befreien. Augagneur er- klärte, es sei eine schöne Vollmacht, die Soldaten in die Heimat ent- lassen zu dürfen, falls die äußere Lage sich gebessert habe. Minister- Präsident Barthou erwiderte, die Antwort, der Regierung auf das Amendement sei, daß das Gesetz annulliere, die Festsetzung der Effektivbestände des Heeres unmöglich mache und durch eine Jnter- pellation den dreijährigen Dienst jedes Jahr in Frage stellen könnte, sei die Vertrauensfrage.(Lebhafter Beifall im Zentrum und auf verschiedenen Bänken.) Bei der darauffolgenden Abstimmung wurde das Amendement Augagneur mit 331 gegen 827 Stimmen abgelehnt. Hierauf wurde mit 321 gegen 240 Stimmen der Artikel lg, der von I a u r e s bekämpft wurde und der der Regierung die Mög. lichkcit gibt, die Jahresklasse, die vom Dienst befreit werden könnte, durch Dekret zurückzubehalten, angenommen. Camuzet legte hierauf ein Amendement vor, welches innerhalb von drei Jahren ..fünf Monate Urlaub außer den Sonntagen und den Festen vorsieht und festsetzt, daß die gleichzeitig beurlaubten Mannschaften 10 Proz. der gesetzlichen Cadres nicht überschreiten dürfen. Pate erklärte als Berichterstatter, es sei unmöglich, über vier Monate hinauszugehen, ohne die Effektivbestände zu gefährden. Das Amendement wurde von Barthou bekämpft, der die Per- trauensfrage stellte. Das Amendement wurde alsdann mit 300 gegen L01 Stimmen abgelehnt. Englanck. Die englische Auswanderung. London, 16. Juli.(Eig. Bcr.) Die beständig steigende Aus- Wanderung Englands bildet einen sonderbaren Kommentar zu den Behauptungen der bürgerlichen Oekonomen, die an der Hand der mächtig angeschwollenen Ziffern des englischen Einfuhr- und Aus- suhrhandels nachweisen, daß sich das englische Volk nie so wohl gefühlt habe wie heute unter der Herrschaft Lloyd Georges. Weshalb wandern denn jährlich Hunderttausende Menschen in der Blüte ihres Lebens aus? mutz man sich fragen. Nach den soeben veröffentlichten Ziffern für das Jahr 1912 hat die Zahl der eng- lischen Auswanderer eine noch nie dagewesene Höhe erreicht. In früheren Jahren schätzte man die Zahl der britischen Auswanderer, indem man die Zahl der in England ankommenden Reisenden bri- tischer Nationalität von der Zahl der England verlassenen Reisen- den britischer Nationalität abzog. Im Jahre 1911 fand man auf diese Weise, daß 261 809 Personen in dem Jahre ausgewandert waren. In diesem Berichtsjahre hat man die Zahl der Ein- und Abwandernden zum ersten Male genauer registriert. Man hat ge- funden, daß die Zahl der englischen Auswanderer(abzüglich der Wiedereingewanderten) im Jahre 1912 nicht weniger als 336 464 betrug! Von diesen gingen 74,6 Proz. Nach den Kolonien und 23,1 Proz. nach den Vereinigten Staaten. 60 Proz. der erwachse- nen Männer und 66 Proz. der erwachsenen Frauen standen im Alter von 18 bis 30 Jahren und 26 Proz. der erwachsenen Männer und 27 Proz. der erwachsenen Frauen waren 31 bis 46 Jahre alt. Von den erwachsenen Männern über 18 Jahre waren 19 Proz. Landarbeiter, 16 Proz. Handelsangestellte und Mitglieder freier Berufe, 32 Proz. qualifizierte Arbeiter und 26 Proz. Taglöhner. Die Tatsache, daß die große Mehrheit der Auswanderer nach den Tochterstaaten geht, ist kaum geeignet, die englische Nation mit diesem furchtbaren Aderlatz zu versöhnen. Auch die Ar- beiterbewegung fühlt den Verlust. Denn die Er- fahrung lehrt, daß es gerade die unternehmungslustigen und re- bcllischen Elemente sind, die der Heimat den Rücken kehren. Viel- leicht hat die große Auswanderung aus England nicht wenig damit zu tun. daß es mit der sozialistischen Bewegung in Großbritannien so langsam vorwärts geht. Beweisen läßt sich dieS Wohl schwerlich. Aber man könnte Dutzende von Fällen anführen, in denen junge vielversprechende Genossen plötzlich nach Australien oder Kanada verschwanden und den Staub der alten Welt von den Schuhen schüttelten. China. Tie neue Gegruregierung des Südens. Peking, 18. Juli.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die allgemeine Lage hat sich für die Nordtruppen ge- bessert. Die Südtruppen wählten Tsenkhunhsuan, einen alten Feind DuanschikaiS, zum Präsidenten, und ernannten einige Mi- nister. Es wird berichtet, daß die Südtruppen den Gouverneur von Anhui und etwa 20 andere Offiziere töteten. Eine Anzahl er- gebener Generale beriet gestern lange mit Duanschikai. Feng- knochane, der Eroberer von Hanhun während der Revolution, soll das Oberkommando erhalten. Bus der Partei. Totculiste der Partei. Rom, den 16. Juli.(Eig. Ber.) Ein alter Sozialist, der noch mit Costa, Malesta und Casfiero dem italienischen Zweig der„Jnter- nationale" angehört hat, Genosse Carlo Monticelli, ist am 14. Juli in Rom an Herzlähmung gestorben. Um sich einer langen Gefängnisstrafe zu entziehen, die ihm sein Wirken für die Jnter- nationale eingetragen hatte, floh er in jungen Jahren nach Paris, wo er gemeinsam mit Andrea Costa mehrere Jahre in großem Elend verlebte. Nach einer Amnestie nach Italien zurückgekehrt, veröffentlichte er zahlreiche Propagandaschristen und gab eine sozialistische Zeitschrift, den„SoeialiSmo Popolare' heraus. Da damals die Parteiprcsse in Italien niemandem eine Existenzmöglich- keit bieten konnte, mußte Monticelli in der Redaktion eines bürgerlich-radikalen Blattes arbeiten. Im Jahre 1903 berief ihn Enrico Ferri als erste» politischen Redakteur in die Redaktion des „Avanti", der er fast drei Jahre angehörte. In der Folge zog er sich immer mehr vom politischen Leben zurück, das ihm viele und bittere Enttäuschungen gebracht hatte. Seine journalistische Tätigkeit, der er sich bis zu seinen letzten Lebenstagen eifrig und gewissenhaft widmete, hat ihm immer nur mit knapper Not das krasse Elend vom Leibe gehalten. Er war gut und Hilfteich, und eS war ihm immer heiliger Ernst mit seiner sozialistischen Ueberzeugung. Die Partei ist ihm ein dankbares Gedenken schuldig. Ter außerordentliche holländische Parteikongreß zur Beratung der Ministerfrage wird Sonnabend, den 26. und Sonntag, den 27. Juli d. I. in Zwolle abgehalten. Als ein neues Zeichen des Aufschwunges der holländischen Partei ist mitzuteilen, daß das Zentralorgan„Het Volk" in drei Wochen 1708 neue Abonnenten gewann und damit die Abonnenten- zahl auf über 26 000 brachte. Die Statutenänderung der franzSsischen gceinigten Partei. Paris, 14. Juli.(Eig. Ber.) Die Versammlung des National- rats der sozialistischen Partei, die gestern getagt hat, hatte eine Auf- gäbe von besonderer Wichtigkeit zu erfüllen. Ihr hatte nämlich der Parteitag von Brest, der bekanntlich wegen der Ministerkrisc vor- zeitig abgebrochen werden muhte, die Entscheidung über die S ta- tutenänderung übertragen, die sich schon längst als notwendig erwiesen hatte. Eine Kommission wurde mit der Vorarbeit betraut. Sie legte gestern einen Entwurf vor, der in den wesentlichsten Punkten angenommen wurde, nach einer Diskussion, die erfteulich die Auflösung der alten„Tendenzen" im einheitlichen Parteiorga- nismus bezeugte. Die wichtigsten Beschlüsse betrafen das Verhältnis zwischen den Deputierten und den Vertretungs- törpern der Partei. Art. 30 bestimmte bisher, daß die Fraktion im Nationalrat durch eine Delegation vertreten werde, der einzelne Deputierte also nicht vo» seiner Föderation delegiert wenden könne. Gestern wund« eine neue Fassung beschlossen�, die die besondereVertretung der Fraktion aufhebt und die Deputierten den anderen �Parteigenossen gleichstellt. Der Nationalrat wird künftig izur aus den Delegierten der Föderationen und der vom Parteitag gewählten permanenten VerwaltungSkommifsion zusammengesetzt sein.— Diese Reform wunde mit 2206 Mandaten gegen 406 an- genommen. Art. 33 schloß bisher die Deputierten von der permanenten Verwaltungskommission(d. h. Parteivorstand) aus. Die RevisionS- kommission schlug vor, daß 8 von den 24 Parteivorstandsmitgliedern der Fraktion entnommen werden sollten. Nach einer Debatte wurde beschlossen, daß alle 24 Vorstandsmitglieder vom Parteitag in einem einzigen Wahlgang gewählt werden sollen und die Zahl der ge- wählten Parlamentarier höchstens ein Drittel des Parteivorstandes betragen darf. Beschlossen wurde ferner, daß zur Wählbarkeit in die Verwal- tungskommission sowie zum„permanenten Delegierten", d. h. ange- stellten Agitator eine fünfjährige Parteimitgliedschaft erforderlich sei— mit einer Ausnahme für die jungen Föderationen.— Das Parteibureau, bestehend aus dem Generalsekretär, dem Kassierer und den Sekretären der vier Unterkommissionen wird von der perma- nenten Verwaltungskommission gewählt und vom Nationalrat he- statigt. Der Nationalrat wird' von nun an nur zweimal im Jahre'zw- sammentreten, nicht viermal wie bisher.— Der Nationalrat bekommt ferner das Recht auf Einleitung des Ausschlietzungs- b e r f a h r cn s, das nur den Föderationen zustand.— Der „Socialistc", das Schmerzenskind der Partei, wird nicht mehr wöchentlich, sondern als M 0 n a t s b u l l e t i n erscheinen und die offiziellen Dokumente der Partei enthalten Er wind den Organi- sationen unentgeltlich zugestellt werden.— Die Buchhandlung der Partei wird mit der der„H u m a n i t e" verschmolz e n. Aus einem kurzen Bericht Brackes über die„Humanite ergibt sich der Aufstieg des Blattes. Im Herbst soll eine neue Aktion unternommen werden, um der„Humanite" eine ungehemmte Ent». Wickelung zu sichern. Die Frage des Volkshauses, mit dessen Errichtung sich die Partei schon seit mehreren Jahren beschäftigt, ohne recht vom Fleck zu kommen, wurde neuerlich vertagt. Nach Mitteilungen des Genossenschaftlers Genossen H e l i e s scheint eine Lösung unter Teilnahme des Konsumvereins„Egalitaire" in guter Aussicht.� Zum Schluß wurde die neue Verwaltungskommission gewählt. Es gehören ihr 7 Deputierte an, und zwar Bracke, Eompere- Morel, Groufsier,.GueSde, Jaures,(vembat und Vaillant. Bus Induftne und DandeL Herrn von LievertS Gründung, die Deutsche Rufiji Baum- Wollgesellschaft, ist, nachdem sie nur wenige Jahre bestanden hat, vor kurzem in Liquidation getreten. Wie die bürgerliche Presse meldet, gehen die Anteilseigner dieses Unternehmens völlig leer aus, da das ganze Stammkapital der Gesellschaft ver- l 0 r e n ist und die Plantagen den. Darlehnsgebern verpfändet waren. Im Gründungsprojekt waren seinerzeit Dividenden von 20 Proz. und mehr in Aussicht gestellt worden! Die Gesellschafter sind von vornherein über den Wert des Gcsellschaftsbesitzes und die eigentlichen Vorgänge bei der Gründung im unklaren gelassen worden. Gegen den Borbesitzer und Mitgründer Dr. Groppler schweben gerichtliche Klagen, die sich gegen falsche Zlngaben in den Gründungsprospekten u. a. richten. Herr v. Liebcrt soll durch Ver- tuschung ihm bekannter Unregelmäßigkeiten bei der Gründung und Leitung der Gesellschaft ebenfalls an der Pleite nicht ganz unschuldig sein. Er hat es daher vorgezogen, sein Mandat als Mit- glied des Aufsichtsrats niederzulegen, ehe die Gesellschafter- Versammlung hierzu Stellung nehmen konnte, ob ihm da? Mandat entzogen werden solle. Auf die wunden Punkte seiner Tätigkeit in der Gesellschaft weist ein Zirkular von Gesellschaftern hin, worin es u. a. heißt:„Bedauerlicherweise ist in dem(Verteidigungs-) Rundschreiben des Herrn v. Liebcrt gerade über sehr wesentliche Punkte, über welche die Gesellschafter gewiß gern eine Erklärung gehört hätten, nichts zu finden, wie z. B. über die ihm gewährten Freianteile und die Bedingungen dieser Abtretung, über die von ihm unterlassene Herbeiführung der Bilanz- genehmig ung und insbesondere auch darüber, wie er die Uebernahme des Aufsichtspostens und der damit verbundenen B e- züge zu rechtfertigen vermag, obwohl er, wie urkundlich nachgewiesen ist, von vornherein die Unrichtigkeit der An- gaben des Prospekts und des Gründers Groppler s a n n t e.— Hoffentlich leuchten die Prozesse(jegen Groppler auch etwas in die Gründertätigkeit v. Lieberts hinein. „Rotes Kreuz gegen Börscnpanik." Die Petersburger Groß» banken haben nach dem„Berl. Börsen-Courier" in einer Beratung unter dem Vorsitz des Vizedircktors der Reichsbank beschloffen, ein Rotes Kreuz gegen Börsenpanik ins Leben zu rufen, um den Preis- stürz der Werte aufzuhalten. Dieses Rote Kreuz hat sich nunmehr gebildet. Es besteht aus den Banken Asow-Don, Wolga-Kama, Handels-Jndustriellen, Bank für auswärtigen Handel, Russisch- Asiatische, Diskontobank und Handelsbank mit einem Grundkapital ovn 30 000 000 Rubeln. Der Direktor der Reichsbank wurde mit der Aufgabe betraut, für Rechnung des Roten Kreuzes die Werte anzukaufen, die am meisten der Börsenpanik unterliegen.— In Deutschland tuen die Großbanken diese Helferdienste, ohne dem Kinde diesen mildtätigen Namen zu geben. In Wahrheit verbirgt sich hinter der sogenannten Intervention zugunsten gefährdeter Papiere nichts als eine planvolle und großzügige ExpropriaÜM der Äleinkapitalisten, die in der Zeit der Geldnot ihre Papiere verkaufen müssen/ zugunsten der Großbanken. Letzte Nadrnditew. Neichstagsnachwahl in Weilheim. Wcilhcim, 18. Juli. Bei der heutigen Reichstagsersatzwahl wurde der Amtsrichter Emmingen(Z.) gewählt. Nach dem bis- her vorliegenden Ergebnis der Stimmcnzählung erhielt Emmingen 11394, der Bauernbüttdler Eisenberger 6081, der Sozialdemo- trat Stainer 3376 und der Liberale Dr. Müller 2482 Stim- men. Zersplittert sind 10 Stimmen. Es stehen noch Gemeinden aus, die aber an der Wahl Emmingens nichts mehr ändern. Friefrensaussichten? Bukarest, 18. Juli.(W. T. B.) Im Interesse einer raschen Ausstellung der Grundlagen, unter denen«in allgemeiner Balkanfrieden geschlossen werden kann, wird die rumänische Regierung voraussichtlich noch heute mit der serbischen Regierung in Verbindung treten. London, 18. Juli.(P. C.) Hier sind zuverlässige Nachrichten eingetroffen, daß der Friede zwischen den Balkan- staaten in aller kürze st er Zeit bevor st eh t. Auf diese Nachrichten hin war die Börse heute optimistisch gestimmt. Die russische Mobilisierung. Krakau, 18. Juli.(P.-C.) Die Nachrichten bestätigen sich, daß Rußland trotz aller ofsiziellen Dementis fieberhaft Mobili- sierungsmaßnahmcn trifft, die sich nicht nur auf die Militärbezirke an der österreichisch-ungarischen Grenze beschränken, sondern das ganze europäische Rußland umfassen. Der Frachtverkehr Ruhlands leidet schon jetzt teilweise unter dem Ein- flutz der Mobilisierung. Die Bremerhavener Polizeiattackc bor Gericht. * Aurich, 18. Juli.(W. T. B.) In zweitägiger Sitzung wurde gestern und heute vor der hiesigen Straftammer über die anläßlich der Maifeier in Bremerhaven vorgekommenen Ausschreitungen ver- handelt. Der Staatsanwalt beharrte auf der Anklage wegen Auf- ruhrs, jedoch hielt das Gericht Aufruhr nicht für erwiesen und verurteilte drei der Angeklagten wegen Teilnahme an einem Auflauf, und zwar den Nieter Johann Krüßmann zu zwei Monaten und den Arbeiter F. Paschik zu drei Wochen Gefängnis und den Schmied B. Kleine zu 30 M Geldstrafe. Ter Maurer D. Wasser wurde freigesprochen. Militär gegen Streikende. London, 18. Juli.(W. T. B.) Die Haltung der streiken« den Dockarbeiter von Leith, die um eine Lohnerhöhung kämpfen, ist so drohend(!) geworden, daß das Militär aufgefordert wurde, sich bereit zu halten. Die Admiralität befahl den Kriegs- schiffen, sich fertig zu halten, um Matrosen zum Schutz von Leben und Eigentum zu landen. Infolge der Unruhen war die Polizei heute gezwungen, vorzugehen. Werftarbciterstreik i» Sudrilsiland. Nitolajew, 18. Juli.(W. T. B.) In der hiesigen Schiffswerft, in der ein partieller Streik ausgebrochen war, haben jetzt alle Arbeiter die Arbeit eingestellt. Besonders billige Ausnahmepreise Wasch- Joppen grünlicher Bamnwollstoff.. 80 Pf- Wasch-Joppen grau gemustert........ 1.95 Wasch"Joppen grün Jagdtuch........ 2.65 Wasch- Joppen sdüligrün, mit Falten.... 5.25 Wasch- Hosen 3.00 2.35 1.55 Weiße Wasch-Hosen 4.10 3.35 2.15 Wasch-Westen sdiöne Muster,,. von 1 5 Fk. an Bsst-flnzQ� Imltot. 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Einrichter, ZigarettenNaschmenfuhrer, Scharfschleiftr, sowie sämtl. in Suchdrackereimaschiven- fabrikeu beschüstigtev Kollegen. (Die Kollegen der A.E.G.-Werke sind besonders zn der Versammlung eingeladen.) Tagesordnung': 1. Bortrag über.Volkssürsorge". Referent Genosse R. Peterhansel. L. Branchen- und Verbandsangelegenheiten. Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt."V6 Montag, den 21. Juli, abends 6 Uhr, im Gewerkschafts- Haus, Engelufer IS, Saal 1: == Versammlung aller in Metallwarenbetrieben beschäftigten Metall-, Fasson- nnd Revoloerdreher sowie Dreherlnven. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. BW Lhne Mitgliedsbuch kein Zuttitt."VM Montag, den 21. Juli 1913, abends SVa Uhr, in den Musiker-Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 18m, gr. Saal: Braucken-Versammlung der Klektromonteure und Helfer Groß- Derlins. Tagesordnung: 1. Vortrag über die.Volkssürforge". Reserent Kollege B. Ohomse. 2. Bericht der Agitationskommission. 3. Verbandsangelegenheiten. KV" Zutritt nur gegeu Vorzeigung des Mitgliedsbuches."ME GAMer! Msntag, den 21. Juli, nachmittags SV, Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. S8/S9: = Große Versammlung � aller in den Setriebeu der Militäressekten- Krauche beschäftigten Kollegen nnd Kolleginnen. Tagesordnun g: 1. Die AÄeiterschast und der Geburtenrückgang in Deutschland. Ref.: Genosse Dr. Ä«»««. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenhetten. Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet 122/5 Ute» Oi-t»v«r(r»Itiuis. zu Berlin. E. G. m. b. H. Montag, den 88. Juli 1913, abends 8 Uhr, im großen Saale des GewerkschaftshauseS, Engelufer IS: 11. ordentl. Gcneralocrfammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht: Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Verlust- rechnung� 2. Bericht der Revisoren und Genehmigung der Bilanz sowie Beschlichsassung über die Verteilung des Gewinnes oder Verlustes. 3. Bc- richt von der- gerichtlichen Revision. 4. Neuwahlen des Vorstandes. 5. Ersatzwahlen zum Aussichtsrat. 6. Antrag des Vorstandes betr. Wetter- zahlunz der 50 Ps.-Beiträge. 7. Evenwelle Anträge der Genossen. 8. Bcr- schied-neS. 10S/4 ES ist P sticht eines jeden, zu erscheinen. Nur Mitglieder haben Zulriil. Ohne Mitgliedsbuch kein Einlast. Die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung sind in der Geschäfts- stelle SO. Kortbuser Ufer 44 in den Kassenständen einzusehen. Etwaige Antröge der Mitglieder müssen bis spätestens Montag, deu 31. Juli, schriftlich beim Vorstand eingegangen sein. B«? Voi-staaiad. G. Dorner. P. Schiffte. I. Hoppe. Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der deutsehen Drechsler = und Berufsgenossen(E. H. 86 Hamburg).== Mitgtieder-Nersammlungett am Montag, den 21. Juli 191Z, abends 8'/, Uhr: Bs-Mc A: Gewerkfchaftshaus, Saal 9. „ B: Restaurant Ehlert, Kottbuser Strasse 19. „ C;„ Bartsch, Alte Jakobstr. 18—19. „ D:, Schule, Neue Königstr. 16. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Kassenbericht vom 2. Quartal 1913. 3. Bericht von der Generalversammlung am 13. Mai. 4. Verschiedenes. 39/7 tttr mnn Verwaltung Berlin. Laden- und IMortnöhelbranche Montag, den 21. Juli, abends 6 Uhr, im Englischen Hof, Alexanderstraste 37c: Branchen- V er fammlung. Tagesordnung: 1. VierieljahreSbericht. 2. Ausgabe des NebcnvertrageS und Be- sprechung desselben. 86/3 Die arbeitslosen Kollegen find besonders zu dieser Bersamm- lung geladen. Ole Ortsverwaltnng. Sommer- Ansnahme- Preise für Juli-Lieferung Michel-Brikett-Kofilenhandlung\nes�HecSem' WUWM Salonbriketts ».2S st>000 Industriebriketts 0a30 Mark pro fl Zetlf nePs frei Gelaß jeder Etage in Neukölln. Ufenhalln. Knesebeckstr, 148. Tel. 1619._* � rminz by/f�rm MOas Mundivax�ar ofanz Rivalen!! Die Bazillen in � Mund u. Radien M vernichtet e-r 6 X hA:bne,llerl als jedes emderej Mundrua/zer. Fl. M. 1,— Heine Filiolen. iMark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante Herren- Moden fertig und nach Mast! Garantie für tadellosen Sitz. Jonas Kurzbers Oranienstr.1601- zwischen Morftz-n. Oranienplatz. 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Verdächtig, sehr verdächtig ist das Vertrauensvotum, das sich die schuldig Beteiligten selbst dieser Tage ausstellten. Man denke, die Leute, die den Massenstreikbruch damals beschlossen, geben nun sich das Zeugnis, daß ihr Tun und Treiben dem Interesse der Arbeiter gedient. Man könnte über diese auf der letzten General- Versammlung des christlichen Gewerkvereins aufgeführte Hans- Wursterei lachen, wenn es sich nicht um die große Sache der Arbeiterschaft handelte. Daß die M.-Gladbacher mit dem Streikbruch ein Bombengeschäft für das Kohlenkapital gemacht haben, das wissen alle Leute, die den Dingen nicht gänzlich fremd gegenüberstehen. Es ist ja auch zu greifbar deutlich geworden, daß der von den Gewerkvcreinsleitern kommandierte istreikbruch die Arbeiter um ungezählte Millionen betrogen hat. die nun als Gewinne die Herzen der Kohlenkapitalisten crftreuen. Wie war die Sache? Die Kohlenfürsten trieben die Kohlenpreise gewaltig hinauf. Breiter und breiter floß der Strom der Gewinne. Auf der anderen Seite blieben die Löhne hinter den Preissteigerungen weit zurück, und toll chinaufgesetzte Lebensmittelpreise verteuerten den Arbeitern in sehr empfindlicher Weise die Lebenshaltung. Sie erhoben daher mit vollem Recht Lohnforderungen. Höhnende Ant- Worten waren der Erfolg. Alle Versuche, die auf eine fricb- liehe Verständigung hinzielten, scheiterten an der protzigen Haltung der Kohlenkapitalistcn. Es kam zum Streik. Leider auch zu einem fast unglaublichen, organisierten Streikbruch. Er machte den Streik kaputt. Die Unternehmer frohlockten. Sie heimsten höhere Preise ein, aber die Arbeiter bekamen wenig oder gar nichts. Nun ersticken manche Unternehmer beinahe in ihren Gewinnen. In den Kreisen der Bergarbeiter aber herrscht Zorn und Empörung ob der ihnen Wider- fahrenen Behandlung. Das mag die Streikbruchführer in Angstzustände versetzen und so kams es zu dem unsagbar traurigen Komödienspiel, sich selbst da Vertrauen und„ein- mütige" Anerkennung auszusprechen. Diese Selbstbeweihräucherung auf der erwähnten General- Versammlung wird den Streikkaputtmachern wenig nutzen. Sie haben Unglück. Ihre intimste Freundin, die„Kölnische Wolkszeitung", macht gerade jetzt— Nr. 610— Feststellungen, die ihnen sehr, sehr unangenehm in die Ohren klingen müssen. Bedeuten sie doch eine Verurteilung ihrer Taten und eine glänzende Rechtfertigung der Streikenden von damals. Aller- dings nicht in einer Polemik gegen den Gewerkverein, sondern bei der Begründung eines Protestes gegen den Eintritt des Staates in das Kohlensyndikat kommt das ultramontane Blatt zu den die Gewerkvereinsleitung schuldig sprechenden Fest- stellungen. Dem Zentralblatt für M.-Gladbacherei entschlüpft bei der Gelegenheit u. a. dieses Geständnis: .In der Tat war die Begründung, welche die Bergwerksbesitzer fiir ihr Vorgehen anführten, nämlich der Hinweis auf Steigen der Löhneusw. unberechtigt. Schon die vorherige Erhöhung der Preise brachte ihnen bedeutend reichere Gewinne. Kohlengewerlschaften zahlten erheblich größere Ausbeute, und die Vierteljahrsausweise der Aktiengesellschaften ließen gewaltige Zunahme der Gewinne erkennen, obgleich die neueste Erhöhung der Preise noch gar nicht in Geltung war. Darüber ließen sich interessante Einzelheiten anführen, überhaupt über den Ertrag des Kohlenbergbaues und feinen ungeheueren Wertzuwachs im Laufe des Bestehens, des Syndikats." Die Wahrheiten wird man doch auch gelten lassen nmssen, wenn es sich um die Frage des Massenstreikbruchs der Christen handelt. Gerade mit Hinweis auf die nun von der„Köln. Volksztg." so scharf herausgestellten Preiserhöhungen be- gründeten die Bergarbeiter ihre Forderung. Die GeWerk- Vereinsführer aber hatten Mitleid mit der Not der Kohlen- kapitalisten. Man müsse erst ruhig abwarten, ob sie Lohn- steigerungen in genügendem Maße eintreten lassen würden. So begründeten sie ihren Aufruf zum Streikbruch. Im Bunde mit den Kapitalisten überwand christliche Tücke die Streikenden. Später, nach vollbrachter Tat, jammerten die Christenführer darüber, daß die envarteten Lohnsteigerungen ausgeblieben seien. Nun aber flicht man sich selbst den Ruhmeskranz für den Streikbruch. Mit ihm, o, welche Erleuchtung, habe man das Wohl, das Glück, das Interesse der Arbeiterschaft ge- fördert. Schnurrige Logik! Es heißt demnach Arbeiterinter- essen vertreten, wenn man die Arbeiter zu Boden schlägt, man dem Kapital bei der Ablehnung berechtigter Forderungen Handlangerdienste leistet. Von den M.-Gladbachern ist, wie ihr Verhalten deutlich erkennen läßt, Besserung leider nicht zu erwarten; die Reue ist ihnen fremd, hartnäckig verharren sie in dem Zustand des Arbeiterverrats. Die Arbeiter müssen's endlich doch merken. Berlin uncl llmgegenck. Achtung, Former und Gicßereiarbciter! Die Firma Härtung Aktiengesellschaft, Lichtenberg, Herzbergstr. 122—124, ist für Former und Gießereiarbeiter gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Deuvlcheo Reich. Zur Werftarbeiterbewcgung. In Stettin baben am Donnerstag die bereits früher an- beraumten Verhandlungen stattgefunden. Ein positives Resultat haben sie nach keiner Richtung hin gezeitigt. Von den Vertretern der Arbeiter wurde versucht, aus den Vertretern der Werftindustrie herauszubekommen, auf welchen Standpunkt sich ihre Mandatgeber jetzt, angesichts der augenblicklichen Situation, stellen. Das zu wissen sei um so notwendiger, als doch die Arbeiter der Parole ihrer Organisationsleitungen harren. Die Antwort lautete wenig zuversichtlich. Der Vertreter der Werften konnte irgendwelche Zu- geständnisse nicht machen, obgleich von dem Arbeitervertreter in bezug auf die Verkürzung der Arbeitszeit darauf hingewiesen wurde, daß die weit kleinere Rostocker Werft schon längst eine össtündige Arbeitszeit zugestanden habe. Die beiderseitigen Vertreter gingen wieder unverrichteter Sache auseinander. Es scheint, als ob die Leitung der Metallindustriellen strikte Anweisung gegeben hat, die „Zugeständnisse" unter keinen Umständen zu überschreiten. Das ist eine Hartnäckigkeit, die für einen friedlichen Ausgang der Bewegung nicht spricht. Am Donnerstagabend sind die Zentralvorstände der in Frage kommenden Organisationen zusammengetreten. Es wurde be. schlössen, zu Freitagabend eine Vertrauensmännersitzung ein- zubecufen. Am Sonnabend finden dann die Werftarbeiterversamm- lungen statt— auch die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine berufen eine solche ein—, die dann endgültig über den Fortgang der Be- wegung entscheiden sollen. Der Stettiner Vulkan ist jetzt bemüht, die Arbeiter in ein Kündigungsverhältnis hinein zu bekommen. Er will sich also, da er genügend Aufträge hat, Arbeiter sichern, die später den Raus- reißer spielen sollen. Zum Ausstande der N i e t e r ist noch zu berichten, daß die Zahl der Streikenden 486 beträgt. Bisher ist es nicht gelungen, auch nur einen Arbeitswilligen zu finden. Zum Terror der Lausitzer Grubenbarone. Nach unendlicher Mühe war es gelungen, im Losser Revier eine Zahlstelle des Bergarbeiterverbandes zu gründen. Dies ging aber den Grubenbaronen wider den Strich und so suchten sie der Zahlstelle mit allen Mitteln das Lebenslicht auszublasen. Dieser Tage erhielt der Vorsitzende, der auf der Grube Augusta beschäftigt ist, folgendes Schreiben ins Haus gesandt: „Grube Augusta, Sarau. An den Bergmann...... Da Sie anscheinend mit unseren Arbeitsbedingungen nicht mehr zufrieden sind und in Ihrer Unzufriedenheit auch noch andere unserer Leute aufzureizen suchen, so verzichiiv wir auf Ihre fernere Handleistungen und verbieten Ihnen bis aus weiteres, unsere Grubenanlagen und Grundstücke zu betreten usw. Achtungsvoll Grube Augusta. sgez.) Kühne." Die ganze Schwere der Macht der Grubcnbarone bekommen die Vorstandsmitglieder der Zahlstelle zu fühlen. Nicht allein, daß sie ent- lassen werden, sind sie auch noch auf allen Gruben im Lausitzer Revier von der Beschäftigung ausgeschlossen. Es ist aber dafür gesorgt, daß die Organisation trotz alledem weiter an Boden ge- Winnen mutz._ HusUm&. Die Gefahr eines allgemeinen Eisenbahnerausstandes wird in Südafrika immer größer. Die Eiscnbahnverwaltungen verlangen, bevor sie Konzessionen machen, daß die Arbeiterverbände eine andere Haltung annehmen. Man befürchtet, daß in einer Woche der Ausstand vor sich gehen wird. Die Regierung hat alles vor- bereitet, um die Bewegung in ähnlicher Weise niederzuknüppeln, wie die der Goldgräber. Alles ist bis ins kleinste geregelt. Ueber die Haltung der 25 000 eingeborenen Eisenbahuarbeiter ist noch nichts Bestimmtes bekannt._ Soziales* Abnahme der Vergehen und Verbrechen. Wenn unsere Reaktionäre für strafrechtliche Knebelung der Meinungsfreiheit Propaganda machen wollen, dann be- gründen sie ihre dunklen Pläne mit einem Hinweis darauf, daß die Welt immer schlechter werde und die Bevölkerung— natürlich infolge der sozialdemokratischen Verhetzung— sittlich immer mehr verwildere. Dies infame Gerede ist jedoch haltlos wie alle Arg»- mente unserer Dunkelmänner und wird durch die Statistik gründ- lich Lügen gestraft. Trotzdem es im Grunde genommen auch für einen anständigen Menschen eine Kunst ist, um die zahlreichen Fallstricke der Gesetze herumzukommen und unbestraft zu bleiben, hat sich im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die Zahl der in Preußen wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Reichsgesetze verurteilten Personen im Laufe von 15 Jahren nicht unerheblich vermindert. Es wurden rechtskräftig verurteilt von je 100 000 strafmündigen Personen im Jahre 1895 noch 1305, im Jahre 1910 hingegen nur noch 1246 Personen. Die Abnahme der Berurteilun- gen erstreckt sich ziemlich gleichmäßig fast auf alle Gebiete des preußischen Staates, eine merkwürdige Ausnahme bilden nur einige Regierungsbezirke des Rheinlandes. So haben sich in den er- wähnten 15 Jahren im streng katholischen Regierungsbezirk Trier die Verurteilungen auf je 100 000 Strafmündige von �055 auf 1347 und im Regierungsbezirk Köln gar von 1016 auf 1583, also um mehr als 50 Prozent gesteigert. Desgleichen hat sich im frommen Regierungsbezirk Münster die Verhältniszahl von 847 auf 1017 erhöht. Unrichtig ist ferner die reaktionäre Behauptung, daß namcnt- lich in der Jugend die sittliche Verwilderung immer mehr um.sich greife. Zwar bliep in der Zeit von 1895 bis 1905 die Zahl der auf 100 000 Strafmündige verurteilten Jugendlichen stabil; im Jnhve 1910 sank gegen 1895 die Zahl jedoch von 693 auf 648, so daß auch hier ein Fortschritt zum besseren zu verzeichnen ist. Ganz besonders hat aber die Zahl der schweren Verbrecher ab- genommen. Während im Jahre 1898 in die preußischen Zucht- Häuser im ganzen 5826 Strafgefangene eingeliefert wurden, vcr- minderte sich diese Zahl im Jahre 1905. auf 4612 und im Jahre 1910 aus 4485. Auf je 100 000 der erwachsenen strafmündigcn Bevölkerung berechnet stellte, sich der Zugang 1898 auf 3,22, 1905 kleines fcuilleton Kommt das Plattdeutsche wieder? Aus Hamburg wird uns geschrieben: Im selben Augenblick, in dem wir diese Frage stellen, müssen wir sie auch schon begrenzen. Es kann sich natürlich nie um die Frage handeln, ob das Platt- deutsche wieder wie in alten Zeiten, die herrschende Kultur- spräche von Norddeutschland werden soll. Wohl ist eine ehrwürdige Welt norddeutscher Anschauung und norddeutschen Gefühls zu Grunde gegangen, als die plattdeutsche Sprache als Kultursprache ins Grab sank. Aber wie sehr ein Nord- deutscher, der die plattdeutsche Sprache in ihrer herrlichen Boden- ständigkeit liebt, diese Vorgänge auch mit Wehmut bedenken mag: es sind Vorgänge, die längst zu einer unüberwindlichen ge- schichtlichen Wirklichkeit geworden sind. Es ist durch diesen kulturellen Prozeß ohne Zweifel viel Kost- Kares verloren gegangen, aber es sind auch große Werte gewonnen worden. Die geistige Einheit des deutschen Volkes, die durch die hochdeutsche Kultursprache gewonnen worden ist, ist zugleich eine Garantie der nationalen Einheit und damit auch der nationalen Freiheit. Es kann sich also nur darum handeln, ob in Norddeutschland die Verehrung der plattdeutschen Sprache wieder im Wachsen be- griffen ist, nachdem sie allzulange einer schmählichen Gleichgültigkeit gewichen war, und ob das Plattdeutsche, gleicknam unter den Fittichen der unverlierbaren hochdeutschen Sprache, sich in Norddeutschland eine lokale Geltung als Kultursprache wieder zurückerobern kann. Wenn es der Fall sein könnte, würden wir sehr bereichert werden und mancher Wert würde aufblühen, der nur aus dem alten Mutterboden der plattdeutschen Sprache erwachsen kann. Es kann unseres Erachtens der Fall sein. Und es wird auch der Fall sein. Wer. wie der Verfasser dieser Zeilen, zwanzig Jahre von dem norddeutschen Zentrum Hamburg weg war, um dann wieder- zukehren, sieht mit freudigem Erstaunen und selbst nicht ohne Ergriffenheit, daß die Plattdeutsche Sprache wieder im Steigen be- griffen ist. Es gibt im heutigen Hamburg ernstzunehmende Plattdeutsche literarische Gesellschaften: es gibt eine Generation von unzweifelhaft begabten plattdeutschen Dichtern, Rezitatoren, Sängern; die Zeitungen bringen ernste plattdeutsche Erzählungen snicht nur wie früher banal-komische Schnurren): ja sogar die Rezensionen der plattdeutschen Kunstabende werden in platt- deutscher Sprache geschrieben. Es handelt sich zunächst immer nur noch um Vorpostengefechte; aber ein Fortschritt der plattdeutschen Sprache ist unverkennbar. Aber freilich: Der entscheidende hi st arische Faktor, der allein die plattdeutsche Sprache mit einem neuen machtvollen Leben durchbrausen könnte, steht noch aus. Der niederdeutsche B a u e r liegt noch zum großen und größten Teil in den Garnen des Junkertums. Erst wenn der niederdeutsche Bauer zum sozialen und kulturellen Bewußtsein seiner selbst erwacht, wie es beim skandinavischen Bauern bereits geschehen ist. erst dann wird die Plattdeutsche Sprache ein Heer treuer erdgebundener Anhänger "besitzen. Das Fernsprechkabcl Berlin— Köln. Versuche mit einem unter- irdischen Fernsprechkabel von 50 Doppelleitungen sind schon seit langem abgeschlossen. Seit dem vorigen Jahr wird diese neueste Errungenschast der Fernsprechtechnik in die Praxis umgesetzt bei dem Fernsprechkabel Berlin— Köln, für das der Reichshaushalt für 1912 als erste Rate die Summe von 5 Millionen Mark enthielt. Die Verlegung dieses Kabels, des ersten für den Sprechverkehr auf weite Entfernungen in Deutschland, ist in vollem Gange. Das Kabel ist bis Magdeburg beinahe verlegt; die Fertig- stellung dieser Teilstrecke ist demnächst zu erwarten. Im laufenden Reichsetat steht als zweite Rate die Summe von 6 Millionen Mark für die Strecke Magdeburg-Hannover, die in diesem Geschäftsjahr beendet werden toll, und im nächsten Jahr soll das Fernsprcchkabel von Hannover bis Dortmund verlegt werden. Die Fertigstellung des ganzen Kabels ist für das Jahr 1915 in Aussicht genommen. Die Gesamtkosten des Fernsprechkabels, das 50 Sprechleitungen enthält und in einen Zementkanal verlegt wird, belaufen sich auf weit über 20 Millionen Mark. Zur Aufwendung dieser hohen Kosten hat sich die Reichspostvcrwaltung ent- schloffen. weil die Beschädigungen der Luftlinien durch Wind und Wetter zu groß waren, und die Herstellung der zerstörten Leitungen zu hohe Summen verschlang. Früher standen solchen unterirdischen Fernstnechkabeln technische Schwierigkeiten ent- gegen. Seit Einführung der Pupinspulen sind die Schwierigkeiten jedoch behoben und die Reichspost hat unterirdische Lautübertragungen auf 600 und mehr Kilometer erzielt. Die Erfahrungen mit Fern- sprechkabcln aus weite Entfernungen, wie sie bereits in Nordamerika bestehen, sind durchaus günstig und gegen große unterirdische Fern- sprechleitungen bestehen keine Bedenken mehr. Ein Wink an das Nobelschc Fricdcnskomitee. Der Lon uns seinerzeit wiedergegebene Schmähartikel des Sekretärs der Nobelschen Friedensstiftung R. M o e über die sozialdemokratische Friedensarbeit hat das Gute gehabt, daß er iu Norwegen selbst vielen die Augen darüber geöffnet hat, welcher Geist jetz't in dieser Friedensstiftung herrscht. Nun wird aber das Nobelkomitee vom Storlhing gewählt, so daß es immerhin unter einer gewissen Kontrolle steht. In der letzten Woche hatte das Storthing eine Ersatzwahl für das Nobel- komitee vorzunehmen. Der betreffende Ausschuß hatte den Professor Gjelsrock, einen gelreuen Schildknappen des früheren Ministerpräsidenten und gegenwärtigen Storthingspräsidenten sowie den Obmann des Nobelkomitees Lövland vorgeschlagen. Aber das Storthing wählte statt dessen den Obmann der sozialdemokratischen Landespartei C h r. H. K n u d s e n. Es ist zum ersten Male, daß das Storlhing einen derartigen Vorschlag des Ausschusses ablehnt und die radikale Presse ist darüber ganz erstaunt. Unser in Kristiania erscheinendes Parteiblatt sagte den Herren ganz deutlich, daß diese Wahl eine Mißbilligung des unter Lövland im Nobelfriedcnskomitee herrschenden Geistes ist und eine deutliche Antwort aus die gehässigen Angriffe auf die sozialdemokratische Friedensarbeit. WaS ist aus der Bastille geworden? Daß die Bastille am 14. Juli 1789 von �en Parisern erstürmt wurde, weiß ein jeder. Dagegen ist man gemeinhin im unklaren darüber, was aus den riesigen Trümmern der verhaßten Zwingburg geworden ist. Sie wurde von der wütenden Menge dem Erdboden gleichgemocht, und der erste, der am Morgen des 15. Juli mit der Spitzhacke das Zerstörungswerk begann, war der»Bürger Palloh", dem die Regierung in Anerkennung der Verdienste, die er sich bei dem Bastillesturm erworben haben wollte, offiziell mit der Niederlegmig des Bollwerks der Tyrannei betraut hatte. Die Aufgabe war nicht eben leicht; das geht zur Genüge schon aus der Talsache hervor, daß die Bastille eine Fläche von etwa 2600 Quadratmeter bedeckte und Türme von 96 Fuß Höhe solvie Mauern von 6ftz Fuß Dicke enthielt. Palloy hatte denn auch für das Unternehmen nicht weniger als 1200 Personen zu seiner Verfügung. Was geschah aber mit dem Abbruchsmaterial? Nun, Palloy war ein findiger Kopf. Er verwandte das Material zur Verfertigung von Miniaturmodellen der Zwing« bürg, die er von seinen Reisenden an Private und Behörden gegen Ersatz der Herstellungskosten überließ. Er ließ es sich ferner an-' gelegen sein, die Steine der Bastille zur Errichtung von Denk- mälern der im Dienste der Republik gefallenen Helden zur Ver- fügung zu stellen und von diesen wieder kleine Modelle her- stellen zu lassen, die den Departements überwiesen wurden. Im Jahre 1791 sieht sich der findige Palloy aber bereits genötigt, im Interesse der Räumung der Trümmerstücke „seiner" Bastille die verschiedensten seltsamsten Gegenstände, wie Tintenfässer, Medaillen, Briefbeschwerer, anfertigen zu lassen. Als Mirabeau stirbt, benutzt er die gute Gelegenheit, aus dem Mauer- werk der Bastillenerker ein Mausoleum mit der lebensgroßen Statue des Verstorbenen zu errichten, dessen Nachbildungen in verkleinertem Maßstabe in der Provinz guten Absatz fanden. Kurz, Palloy überschwemmte das Land mit seiner aus dem Bastillenmaterial ge- arbeiteten.Steinkonfektion", und da der Vorrat gleichwohl nicht zu Ende gehen wollte, war er schließlich glücklich, sein Material bei Straßenpflasterungen und Briickenbauten unterzubringen. Trotz seiner patriotischen Geschäftsgebarung ereilte aber auch Palloh das Schicksal, unter der Anschuldigung, die Abbruchsrechnungeu gefälscht zu haben, ins Gefängnis gesteckt zu werden, und er entging dem Tode nur durch das Dazwischentreten einflußreicher Gönner. Aber um die Popularität des Mannes war es von Stund an geschehen. Palloy starb, nachdem er hintereinander sechs Regierungen seiner Ergebenheit versichert hatte, am 19. Januar 1835. Notizen. — PaulHeyse. der deutsche Dichterpatriarch. der jetzt ins 84. Jahr geht, ist in seiner Sommerfrische am Starnberger See an einer Bronchitis nicht unbedenklich erkrankt. — Der Selbstmord eines Künstlers. Jn Olden- bürg gab sich der schwedische Bildhauer Wilhelm Larse». dessen Klinkerplastiken eben noch auf der Leipziger Bau- ausstellung viel Lob empfingen, den Tod. Die Kugel war ihm Erlösung von ewigeti Kämpfen um die notwendigsten Güter des Alltages. Aus der harten Fron des Handwerkers hatte er sich heraus- und heraufgearbeitet, sein Talent wies ihn zum eigenen Schaffen. Aber all' die Früchte eines unermüdlichen Fleißes trugen nicht so viel ein, um deir� feinen, innerlichen Menschen zu befreien von dem Harni der schwersten Lebensuot. — Das Zeitungsarchiv. Der Organisationsausschuß des Deutschen Zeirungs- Archivs hat festgestellt, daß die ursprüngliche Absicht eines rein gemeinnützigen Unternehmens durch die von Herrn Dr. Beck getroffenen Maßnahmen durchkreuzt worden ist. Er will daher den Ausschuß auflösen oder das ganze Unternehmen neu organisieren. Exira billig IIIIWIIMUWW!ZIII!I!!>IÜ!iII»IIWIIIIM>II Moderae Herren-' und Damcn-'Stiefcl Extra billig Hilf 2,28 unb 1910 auf 1,95. Im Jahre 1909 hatte die Verhältniswahl gar nur 1,86 betragen. So zeigt sich also an unumstößlichen Zahlen, daß der fromme Jammer ob der Verschlechterung der preußischen Menschheit eitel Wind ist und daß in den einzelnen Ausnahmefällen, wo die Statistik wirklich auf solche Verschlechterung schließen läßt, die Schuld daran, wenn überhaupt jemandem, so einzig den Frommen zur Last fallen kann. Wollte anderseits die Sozialdemokratie mit der Wirkung ihrer Lehren prunken, so könnte sie geltend inachen, daß gerade in den unter ihrem Einfluß stehenden Landes- teilen die Zahl der Vergehen und Verbrechen ganz beträchtlich iioer den Durchschnitt abgenommen hat. So verringerten die Ver- nrteilungen sich, auf 100 000 Einwohner berechnet von 1895 auf '• 010 im Regierungsbezirk Magdeburg von 1387 auf 974, im Re- a�erungsbezirk Breslau von 1481 auf 1233 und im Regierungsbezirk Potsdam von 1484 auf 1093. GericKts-Leitung. Der Wert von Kinderaussagen 'wurde wieder einmal durch einen Fall illustriert, welcher die zweite Ferienstrafkammer des Landgerichts III beschäftigte. Erst vor einigen Tagen hatten wir den Fall des Drogisten Greve, der auf eirund einer Aussage eines 13jährigcn Mädchens, wie sich jetzt her- ausgestellt hat, unschuldig zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, zu besprechen. In dem jetzt zur Anklage stehenden Fall handelt es sich wiederum um die fälschliche Bezichtigung eines anständigen jungen Mannes durch ein Schulmädchen. Wegen Sittlichkeitsverbrcchens im Sinne des 8 176,3 St.-G.-B. war der '.'0jährige Maschinenarbeiter Karl Waworczvnski angeklagt. Ter '.lngeklagte wurde beschuldigt, sich in der Jungfernheide an einem neunjährigen Schulmädchen in sehr schwerer Weise vergangen zu laben. Dem Mädchen waren seinerzeit mehrere der Tat ver- d ichtige junge Leute gegenübergestellt und unter diesen bezeichnete das Mädchen den jetzigen Angeklagten als den Täter. Trotzdem W. bei seinen Eltern wohnt und eine feste Arbeitsstelle hat, wurde er verhaftet und muhte von Januar d. I. bis zu dem jetzigen Termin in Untersuchungshaft sitzen. In der Verhandlung trat Rechtsanwalt Loewe II für den An- geklagten einen neuen umfangreichen Alibibeweis an, der Zweifels- rrei den Nachweis erbrachte, daß der Angeklagte als Täter über- Haupt nicht in Frage kommen könnte, da er sich zur Zeit der Tat an einem anderen Orte befunden hatte. Das Gericht erkannte dem »trage des Staatsanwalts gemäß auf Freispruch, da es sich da- von überzeugt hatte, daß die Beschuldigung des Mädchens falsch war. Außerdem hielt es das Gericht, da sich die völlige Unschuld des Angeklagten ergeben habe, für notwendig, das Gesetz über die Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft in An- Wendung zu bringen und dem Angeklagten die nach dem Gesetz vorgeschriebene Entschädigung zuzusprechen. Eine Anklage, die nur auf einer Rekognoszierung durch ein Kind beruht, schwebt so stark in der Luft, daß ihre Erhebung Ver- wlinderung erregen muß. Bon der Auskunfterteilung aus s 23 des Einkommensteuergesetzes. Herr Lehre war von der Berliner Steuerbehörde aufgefordert worden, Namen, Wohnung und Einkommen' derjenigen bei ihm beschäftigten Personen anzugeben, welche ein Einkommen bis 3000 Mark haben. Zugleich wurde er gebeten, falls er solche Personen nicht beschäftige, dies der Behörde mitzuteilen. Er gab keine Aus. kunft, weil er derzeit solche Personen, die weniger als 3000 M. Einkommen hatten, nicht beschäftigte. Die Mitteilung, daß er solche Personen nicht beschäftigte, unterließ er ebenfalls. Deshalb wurde er wegen Uebertretung des§ 23 des Einkommensteuergesetzes angeklagt. Das Landgericht Berlin I sprach ihn jedoch frei. Das Kammer- gcricht verwarf dieser Tage die Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Der§ 23 begründe die Auskunfts- Pflicht nur mit Bezug auf die Personen, deren Einkommen 3000 M. nicht übersteige. Solche waren nicht beschäftigt. Zu einer negativen Auskunft verpflichte das Gesetz aber nicht, Angeklagter sei darum mit Recht freigesprochen worden. Milde Richter gegen Studenten. Ein sehr bemerkenswertes Urteil zum Kapitel Vandalismus, fällte Tonnerstag das Schöffengericht in Hannooer. Die Studierenden der Tierärztlichen Hochschule Joseph Knothe und Fritz Syri, hatten sich wegen gemeinschaftlicher schwerer Sachbeschädi- gvng, strafbar nach§ 304 St.-G.-B., zu verantworten. Nach einer starken Kneiperei tobten die beiden morgens gegen 4 Uhr eines Nachts in der Kestnerstraße umher und zertrümmerten in ihrem Uebermut eine Straßenlaterne und das offizielle Straßenbczeich- nungsschild. Ein Schutzmann, gegen den die beiden sich noch oben- drein sehr renitent benahmen, brachte die beiden wegen Sachbe- schädigung nach§ 304 zur Anzeige. Nach diesem Paragraph wird derjenige, der öffentliche Gegenstände, die dem öffentlichen Nutzen dienen, beschädigt oder zertrümmert, mit Gefängnis bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 1500 M. bestraft. Neben der Gefängnisstrafe kann auch auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. Der Versuch ist strafbar. Die beiden Angeklagten bestritten den Tatbestand der Anklage nicht. Zu ihrer Entschuldi- gung führten sie an, sie hätten den Schaden bereits ersetzt. Der Vertreter der Anklage beantragte die Verurteilung der beiden An- geklagten zu Geldstrafen. Das Schöffengericht erkannte auf kosten- lose Freisprechung der beiden Angeklagten mit folgender Begrün- dung: Die Angeklagten hätten nicht von vornherein die Absicht und den Vorsatz gehabt, das Schild oder die Straßenlaterne zu zer- trümmern und auch nicht die Absicht, durch diese Zertrümmerung das Vermögen des Eigentümers, des Magistrats Hannover zu schädigen. Sie hätten zunächst gekneipt und sich dann noch ein weiteres Vergnügen verschaffen wollen. Dieses Vergnügen hätten sie dadurch erreicht, daß sie mit ihren Stöcken nach dem Straßen- schild und der Straßenlaterne schlugen und ein klapperndes Ge- räusch herbeiführten. Diese Handlungsweise stelle sich aber nur als grober Unfug dar? auch wenn sie die Sachen dabei zufällig zer- trümmerten. Dieser grobe Unfug sei hart genug gesühnt dadurch, daß sie den Schaden ersetzt hätten. Eine Verurteilung wegen Sachbeschädigung sei nicht be- gründet. Ein nicht übler neuer Rechtssatz: wer zu seinem Vergnügen eine strafbare Handlung begeht, bleibt strafftet, wenn er den Schaden ersetzt und wenn er Student ist. Unzulässige Herabsetzung der Polizeistunde. Wiederholt wurde versucht, für Wirte, die ihr Lokal Arbeitern zur Verfügung gestellt hatten, die Verlängerung der Polizeistunde rückgängig zu machen. In allen gegen solche Polizeidrangsalierung gerichteten Klagen hat das Oberverwaltungsgericht die Anord- nungcn der Polizei außer Kraft gesetzt, weil nur wegen Mißbrauch des Gewerbebetriebes, Vorschubleistung der Völlerei oder aus sicherheitspolizeilichen Gründen eine einmal, wenn auch auf Wider- ruf erteilte Verlängerung der Polizeistunde rückgängig gemacht werden dürfe. _ Denselben Grundsatz sprach am 11. d. M. das OberverwaltungS» gericbt anläßlich eines anderen Falles aus. Die Polizeistunde für Lüchow(Regierungsbezirk Lüneburg) ist durch Polizeiverordnung im allgemeinen auf 10 Uhr bestimmt, die Polizei kann aber die üblichen Ausnahmen machen. Von dieser Befugnis hatte die Polizeiverwaltung in zahlreichen Fällen Ge- brauch gemacht. Und zwar wurde die Polizeistunde erheblich ver» längert, auch erheblich über 12 Uhr hinaus. Der RegierungS- Präsident zu Lüneburg nahm daran Anstoß und wies die Polizei. Verwaltung an, die Polizeistunde in bestimmter Weise zu kürzen. Die Polizeiverwaltung erließ darauf an die verschiedenen Gast. wirte ziemlich gleichlautende Verfügungen, wodurch die Herab- setzung der Polizeistunde bestimmt wurde. Solche Verfügungen erhielten unter anderem der Hotelier Schulze(„Deutsches Haus"), die Hoteliere Sasse(„Krone") und der Gastwirt Ritz. Es wurde verfügt, daß die Polizeistunde am Sonnabenden, Sonntagen und Markttagen auf 12 Uhr festgesetzt werde, und an anderen Tagen auf 11 Uhr. Als Grund wurde übereinstimmend angegeben, daß durch die Herabsetzung des Ladenschlusses von 9 Uhr auf 8 Uhr sich in dem Ort die Verkebrsverhältniffe geändert hätten, daß eine späte Polizeistunde nicht mehr erforderlich wäre. Nach vergeblichen Beschwerden klagten die Genannten gegen den Regierungspräsidenten beim Oberverwaltungsgericht. Das Oberverwaltungsgericht hob den Befchwerdebefcheid drS Regierungspräsidenten auf und setzte die polizeilichen Berfügun- gen, durch die den Wirten die früher verlängerte Polizeistunde be- schnitten worden war, außer Kraft. Begründend wurde ausge- führt: Wenn bei Regelung der allgemeinen Polizeistunde durch eine Polizeiverordnung die danach zulässige Vergünstigung einer Verlängerung bewilligt sei, dann könne die Vergünstigung nur dann wieder zurückgezogen werden, wenn polizeiliche Gründe da- für vorliegen, und zwar müßten das solche polizeiliche Gründe sein, die mit dem ftaglichen Gewerbebetriebe selber zusammen- hingen. Von solchen polizeilichen Gründen sei hier in den drei Streitfällen keine Rede. Der bloße Umstand, daß in der Stadt etwas andere Verhältnisse dadurch eingetreten seien, daß die Zeit des sogenannten Ladenschlusses für offene Verkaufsstellen von 9 Uhr auf 8 Uhr abends herabgesetzt worden sei, könne die Zurück- nähme jener Polizeistundenvergünstigung der Gastwirte nicht recht- fertigem Deshalb seien die ftaglichen Verfügungen aufzuheben. Den Klägern sei die ihnen seinerzeit bewilligte verlängerte Polizei- stunde zu belassen. Brnfkaften der Redaktion. | Tie luriftllche evxemunit findet Ltndenftragr 69, vor« Biet Zteppe» — F- d t fl» b l—, iBotScntöglirti Bon 414 bis 714 Übt abends, Sonnabends, Bo» 414 bis 6 Uhr abends statt. Jeder fite den»rieftaften bestimmten«nfeage ist ein Buchstabe»nd eine gabt als Meelzetchen detzniiigen.«eiefliche«Ntwor« mied nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsqnittnng deigesngt ist, ,crd-n nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man i» der Sprechstnnde Bor. Schriftliche Arbeiten werden in der Sprechstunde bis einschließlich den 19. d. Mts. nicht erledigt. Masseustreikfrage. Den überaus zahlreichen Einsendern von Artikeln über die Massenstreiksrage teilen wir mit, daß es bei dem uns zur Ver- sügung stehenden Räume unmöglich ist, ihre Einsendungen abzudrucken. Wir können uns nur aus auszugsweise Widergabe von Aeußerungen über den Massenstreik in der Presse und in den Organisationen beschränken. Dir empseblen den Genossen, ihre Einsendungen bei der Diskussion in ihre» Organisationen zu verwenden. H. 45. 1. Eine derartige Einrichtung ist uns nicht bekannt, wenden Sie sich an den Magistrat. 2. Falls neuerlich bereits 200 Beitragsmarken geleistet sind, ist die Berechtigung wegen Invalidenrente ersüllt. diese würde etwa 12 M. monatlich ausmachen. Um den angegebenen Betrag zu er- langen, müßten noch etwa drei Jahre vollgeklebt werden.— E. P. 300. Ja. R. P. 5. 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Kerlig SM. 6 St. 182. z«. ZchtM». 2. Ifllai ..................................................................|| Riegling. Ueber die ErziehuncMnsialt Rickling in SchleZwig-Holstein haben wir am 2. Juli einige Angaben veröffentlicht, die sich auf die Art der Erziehung der dort untergebrachten Fürsorgezöglinge bezogen. Bemängelt hatten wir die Einrichtung der Anstalt Falkenburg, die Zellen seien Zuchthauszellen gleich zu achten, die Arrestzellen seien kir.z und unzulänglich, böten keinen Raum für'Bewegung, Zöglinge würden an Unternehmer zu Chausseebauten vermittelt, die den Zög- lingen gelieferten Holzschuhe� hätten die Füße der Zöglinge ruiniert, es bestände ein Sprechverbot und anderes mehr. Unsere Angaben sind in Blätter in Schleswig-Holstein übergegangen und haben jetzt eine Antwort erfahren, allerdings nicht von dem Leiter der Anstalt, der kürzlich durch einen anderen ersetzt worden ist, sondern durch einige fromme Brüder, die an der Anstalt Rickling einen Rein- Waschungsversuch vorzunehmen versuchen. Im.Flensburger Annoncenblatt" veröffentlichen vier fromme Brüder— Rickling gehört der Gesellschaft für innere Mission in Schleswig-Holstein— einen offenen Brief an den Redakteur der „Flensburger Volkszeitung", weil dieses Blatt unsere Darlegungen über Rickling übernommen hatte. Die in diesem Briefe versuchte Verteidigung der Erziehungspraktiken ist so interessant und für die von den frommen Brüdern betätigte Auffassung über Erziehung so charakteristisch, daß wir die wesentlichen Auslassungen hier wieder- geben wollen. Zunächst wird die angegebene Zahl der Zöglinge richtig gestellt, es seien untergebracht im Burschenbeim 86, in Falkenbrock und Bühlen 40 und in Falkenburg 28, im ganzen 163 Zöglinge. Dazu kämen noch etwa 30 Kind-r in Thetmanshof. Für die Behandlung der Zöglinge spielt die Zahl keine Rolle. In dem„offenen Briefe" heißt es do rn u. a.: „Der Artikel erweckt nun. anscheine nd mir Absicht, den Eindruck, als ob alle Burschen in gleicher Weise behandelt würden. Das ist falsch. Das ist gerade so falsch, als wenn jemand ein deutsches Ge- fängniZ gesehen hätte und danach ganz Deutschland beschreiben wollte. Die Falkenburg wird gefürchtet. Es ist uns aber auch lieb, daß sie g e f ü r ch t e r wird, denn die Burg ist eine „geschlossene Anstalt" und der Aufenthalt für die„Straf- kolonne". Dahin kommen nur diejenigen, welche sich als un- derbes serlich, wenn nicht zu sagen als geborene Ver- brecher erwiesen haben. Es gibt solche. Sie werden ebenfalls zugeben, daß solche geborene Verbrecher in anderer Weise behandelt werden müssen, als unsere verwahrlosten Burschen. In der Burg handelt es sich um 17- bis 21 jährige Burschen, von denen Brandstiftung. Ueberfälle, Straßenraub und andere Dinge verübt worden find. Oft sind es der Mehrzahl nach Berliner. Aber auch diese kommen nur dann in die Burg, wenn sie durch andauernde Widersetzlichkeit oder unentschuldbare Roheit sich so betragen haben, daß der Gewalt auf ihrer Seite auch auf unserer Seite Gewalt entgegengesetzt werden muß. Die mitunterzeichneten Brüder Wcstphal, Lippert und Menken haben selbst diese Straffamilie gehabt. Halten Sie es für angenehm, Herr Redakteur, wenn man sich in jeder Stunde sage» muß, der oder jener Bursche wartet nur darauf, wie er dir einen Schlag über den Kopf geben kann, um dann auszurücken. Wir selbst haben die Sachen miterlebt, als noch keine Burg vorhanden war und auch in der Zeit, in der die Burg besteht. Verdenken Sie es unseren Ricklinger Brüdern, daß die meisten schon um ihrer eigenen Sicherheit willen dankbar sind, daß eine solche Sonderung eingeführt ist? Möchten Sie gerne mit solchen jungen Verbrechern zusammen in einem Räume schlafen, wie wir es bei unseren anderen Burschen tun? Herr Redakteur, wir laden Sie freundlichst ein, sich mit 2 oder 3 Ihrer Parteigenossen und Freunde die Sache anzusehen und mit uns nach Rickling zu fahren. Es soll Ihnen nichts kosten. Sie werden dann vermutlich finden, daß diese Erziehungsarbeit der verwahrlosten Burschen eine der schwersten Arbeiten ist, die es gibt. Trotzdem sind nur 4 Aufseher in der Burg bezahlte Auffeher. Die andere Arbeit wird von den Brüdern getan. Da redet der Bericht nun davon, daß wir Ricklinger Brüder schlecht bezahlt werden. Es müßte Ihnen eigentlich bekannt sein, Herr Redakteur, daß wir gar nicht bezahlt werden, ja, gar nicht be- zahlt sein wollen. Wir haben nur freie Station und etwos Taschen- geld. Wir arbeiten genau so wie die Diakoniffen in der Kranken- pflege, weil wir gern unserem Heiland dienen wollen. Das mag Ihnen sonderbar vorkommen, aber es ist nun einmal so. Des- wegen protestieren wir aber auch energisch dagegen, daß in unseren Anstalten der Geist Breithaupts regiert. Wir sind mit unseren Burschen auch ohne Prügelstrafen ausgekommen. Körperliche Strafen werden überhaupt nur angewandt auf Beschluß des vorgesetzten Geist- lichcn oder Hausvaters und nur vom Hausvater vollzogen. Auch das ist nicht wahr, daß eine ärztliche Behandlung der Zöglinge nicht statlfindet. Der für die Trinkerheilanstalt Salem bestellte Arzt hat auch die Zöglinge zu behandeln.— Ja mit Ge- walt lassen sich die Zöglinge oft erst von uns zum Arzt führen. Sie wollen sich nicht einmal untersuchen lassen.— Außerdem werden die Zöglinge von der ersten psychiatrischen Autorität der Provinz kontrolliert, um die geistig zurückgebliebenen von denen zu sondern, bei denen böser Wille die Ursache der Verwahrlosung ist. Worüber der Artikel sich ja eigentlich beklagt, ist, daß die Zög- linge H o l z s ch u h e tragen. Man möchte fragen, auf welchem Dorfe tragen die Knaben keine Holzschuhe? Wir möchten nur wünschen, Herr Redakteur, daß Sie diese Arbeit aus eigener An- schauung kennen lernen. Es ist leicht, über eine so schwere Arbeit gehässig zu urteilen, ober es ist nicht leicht, sie besser zu machen. Wir unterzeichneten, in Flensburg stationierten Ricklinger Brüder laden Sie also herzlich ein, mit uns nach Rickling zu fahren und die Anstalten zu besehen. Dann werden Sie sehen, daß die Arrestzellen in der Burg geräumig genug sind und die Aufenthaltsräume sowohl wie die Kost so beschaffen sind, daß die Zöglings gesund und stark sind und körperlich nichts entbehren. Auch fragen Sie, bitte, die Zöglinge, die in Rickling gewesen sind, ob sie irgend etwas entbehrt haben. Schon dieses ist ein Beweis dasür, daß sich die Burschen in Rickling wohlgefühlt haben, daß sie, nach- dem sie 21 Jahre alt geworden sind, sehr oft die Anstalt besuchen. In' vorzüglicher Hochachtung gez. die Brüder - Weftpfahl-St. Johannes. A. Lippert-St. Jürgen. G. Menken- St. Marien. P. Berg-St. Nicolai. An dieser Erklärung ist interessant, daß die frommen Brüder an den von uns veröffentlichten tatsächlichen Angaben herumgehen, wie die Katze um den heißen Brei. Mit allgemeinen Redensarten glauben sie, die Aufmerksamkeit von den fast unglaublichen Tatsachen abzulenken, die wir veröffentlicht haben. Kein Wort über die Be- schaffenheit der Zellen in der Falkenburg, von denen wir gesagt haben, sie seien Zuchthauszellen. Kein Wort über die Verpachtung der jungen Leute an Unternehmer zu Chausseebauten und Wege- arbeiten, kein Wort über die Unzulänglichkeit der Wäsche, keine Silbe über die mit Narben und Wunden bedeckten Füße der Zöglinge. Jedes nähere Eingehen auf unsere tatsächlichen Angaben ist streng vermieden. Natürlich kann auch nichts abgeleugnet werden, da RevisionSbeamte der Berliner Waisenverwaltung den Tatbestand selber festgestellt haben. Es sei, so heißt eS in der Erklärung, ärzt- liche Hilfe vorhanden. Wir haben das nicht bestritten. Behauptet haben wir, daß die Zöglinge, deren Füße mit Narben und Wunden bedeckt waren, einem Arzt nicht vorgeführt worden sind. d» Jta W Ktlim Und nur der seit kurzem angestellte Hausvater hat sich der Zöglinge erst etwas angenommen, indem Socken beschafft werden und die *cue Hausmutter hat die Füße etwas verbunden. Das ist aber keine ärztliche Hilfe. Und dann der Hinweis auf die Holzschuhe und daß auf dem Dorfe doch sonst Knaben Holzschuhs trügen. Darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß die Zöglinge in solchen Holzschuhen schwere Wegearbeit leisten müssen und sich die Füße kaput machen. Bemerkenswert ist die Aeußerung, daß die Arrestzellen in der Burg„geräumig" seien. Bei der Revision ist festgestellt worden, daß die Arrestzelle 3% Schritt lang ist, und wenn man den für die Pritschen bestimmten Raum abzieht, so bleibt für den Zögling ein ganz schmaler Raum zu Bewegungszwecken übrig, der zusammen- genommen einen ganzen Quadratmeter Fläche umfaßt. Es wird beim besten Willen nicht mehr, trotz aller Erklärungen. Ohne Körperstrafen sind die Brüder mit den Zöglingen aus- gekommen, nur der Hausvater oder der Geistliche durften solche ver- hängen. Wmn die frommen Brüder alle die Hiebe bekommen sollten, die in Rickling schon ausgeteilt worden sind, so würde mancher recht lange daran zuzubringen haben; sind uns doch früher selber Klagen über einen der Unterzeichner zugetragen woroen. Und daß früher Erzieher mit Zöglingen in Rickling Päderastie getrieben haben, ist doch auch nicht gerade etwas besonders Erziehliches. Was die schlechte Bezahlung der sogenannten Erzieher in Rickling betrifft, so sagt die Erklärung, daß nur vier bezahlte Aufseher vor- handen sind, die Brüder aber die Arbeit für freie Station und etwas Taschengeld leisten. Damit wird die schlechte Bezahlung doch nicht ge« rechtfertigt, auch nicht daß so wenig Erzieher in der Anstalt sind. Das wesentlichste an der frommen Auslassung ist aber die Auffasiung von der Erziehertätigkeit überhaupt. Die Leutchen stellen es so dar, als ob sie es mit Gefängnis- oder Zuchthausinsassen zu tun hätten und daß deshalb die Gewalt der Gewalt entgegengesetzt werden müßte. Diese Auffassung ist bezeichnend für die Art, wie in Rickling erzogen wird. Von einer Erziehung ist auch nicht die Spur vor- Händen, wir lesen deshalb auch aus der Erklärung der Brüder nichts von Erziehern, sondern von Aufsehern. Jetzt wundern wir uns über nichts mehr, wundern uns nicht mehr über die Behandlung der Zöglinge. Wer aber glaubt, daß Zöglinge zuchthausmäßig behandelt werden müssen, sollte sich lieber als Aufseher in einem Zuchthause melden, aber nicht Erziehungsarbeit verrichten wollen und Gottes Wort fortgesetzt im Munde führen. Partei-?Zngelegendeiten. Zur Lokalliste. Wittenau N.-B. Das Lokal von Friedrich Schulze, Oranien- burger Str. 96 ist streng zu meiden, speziell sind die Genossen, die bei Kremserpartien vorbeikommen, hierauf aufmerksam gemacht. Heinersdorf N.-B. Das Lokal von Götze, Wilhelmstr. 67, Ecke Vlankenburger Straße ist streng zu meiden. Zweiter Berliner Rcichstagswahlkreis. Sonntag, den 20. Juli: Großes Sommerfest in den Gesamträumen der Berliner Bock- brauerei, Tempelhofer Berg. Konzert. Turner, Radfahrer, Kinema- tograph, Ball sHerren zahlen 50 Pf. nach). Jedes Kind erhält einen Bon zur Slocklaterne gratis. Die Kaffeeküche ist von 2—6 Uhr geöffnet. Billetts im Vorverkauf 20 Pf., an der Kasse 30 Pf. Dritter Wahltreis, 2. und 10. Abteilung. Sonntag, den 20. Juli, findet eine Herrenparte nach Strausberg statt. Abfahrt vom Schle- fischen Bahnhof früh 7 Uhr 10 Minuten. Tcmpelhof. Die Bibliothek des Wahlvereins ist vom 19. Juli bis 15. August geschlossen, Stralau. Der Wahlverein veranstaltet sein diesjähriges Volks- fest am morgigen Sonntag im Etablissement„Schwanenberg", Tunnelstraße. Erkner. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet für Fangschleuse am Sonnabend, den 19. cr., abends 8V3 Uhr, bei Hiller, Bergluch, statt. Alt-Glienicke. Der sozialdemokratische Wahlverein veranstaltet am Sonntag, den 20. d. M., im„Terrassen-Restourant"(Inhaber Rodenbusch), Rudower Str. 64, sein diesjähriges Sommerfest. Für Unterhaltung ist bestens gesorgt. Anfang nachmittags 3 Uhr. Einlaß- karte 20 Pf.(bei allen Funktionären zu erhalte»). Trebbin. Am Sonnabend, den 19. Juli 1913, bei W. Fromm (Schützenhaus) Wahlvereinsdersammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom 4. Quartal 1912/13. 3. Bericht von der Verbands- Generalversammlung. 4. Wahl der Delegierten zur Verbands- und Generalversammlung. 6. Neuwahl der Funktionäre. Wittenau- Borsigwalde. Sonntag, den 20. Juli, veranstalten die freiorganisierten Arbeiter von Wittenau im Lokal von Eberhardt, Lübarser Straße, ein großes Kinderfest, verbunden mit Preiskegeln und Fackelzug durch den Ort. Der Ueberschuß soll der Arbeiter- jugend zugute kommen. Drewitz. Oeffentliche politische Versammlung unter freiem Himmel am Sonntag, den 20. Juli 1913, nachmittags 4 Uhr, auf dem Grundstück der Gebrüder Paul und Otto Sieke in Drewitz, Kirchsieigweg(Potsdamer Straße). Tagesordnung:„Preußen im Jubiläumsjahr". Referent: Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil. Freie Aussprache. Nieder- Schönhausen-Nordeud. Morgen Sonntag, den 20. Juli, findet das diesjährige Sommerfest des Wahlvereins im Lokale von Liedemit(Jnh. Ferfchke) am Kirchplatz statt, bestehend aus Garten- konzert, Gesangsvorträgen sowie Auftreten der Sängergesellschaft Lewandowsky-Berlin. Die Kasseeküche ist von 2 Uhr ab geöffnet. Reinickendorf-Ost. Die Arbeitervereine(Wahlverein, Ge- sangverein, Turnverein, Radfahrerverein und Schwimmklub) Vera»- stalten morgen(Sonntag, den 20. Juli) ein S 0 m m e r f e st in dem am Schäfersee gelegenen großen Gartenrestaurant„Seebad"/ Residenzstr. 49. Das Programm, bestehend aus Konzert, Gesang, Reigenfahren, sportlichen Vorführungen der Arbeiterturner und -schwimmer sowie Kinderbelustigungen und Feuerwerk, ist ein sehr reichhaltiges und abwechselungsreiches und verspricht, alle Teilnehmer zufrieden zu stellen. Der Eintrittspreis beträgt im Vorverkauf 20 Pf., an der Tageskasse 26 Pf. Lerlmer I�acZrncdten. Regelung des Arbeiterverkehrs auf der Stadtbahn. Der des Morgens und des Abends starke, oft lebens- gefährliche Andrang auf der Stadtbahn hat schon immer zu lebhaften Klagen Anlaß gegeben. Die ständige Forderung auf Abhilfe ist von der Eisenbahndirektion dahin beantwortet worden, daß nach dem heutigen Stande der Dinge eine Ver- mehrung der Züge kaum möglich sei. Die Eisenbahnver- waltung drängt schon auf die Elektrisierung der Stadtbahn, um dem Verkehr im allgemeinen genügen zu können. Die Eisenbahndirektion ist zudcni der Meinung, daß sich heute schon manches tun ließe, um dem Andrang etwas' zu begegnen und zwar, wenn es ermöglicht werde, daß große Fabriken ihren Arbeitsbeginn nicht zu gleicher Zeit festsetzen, sondern wenn eine Staffelung der Oiliüiililtt Z-m-dnid. w. Z-N IM. Arbeitszeit in den verschiedenen Betrieben stattfände. Der Präsident der Eisenbahndirektion hat jetzt an die verschiedenen gewerblichen und industriellen Großbetriebe ein Rundschreiben gerichtet, in dem dieser Gedanke zum Ausdruck kommt. In diesem Rundschreiben heißt es: „Bei der fortschreitenden Entwicklung aller Gewerbebetriebe hat der Arbeiter massenverkehr auf der Stadt- und Ringbahn in den Morgenstunden jetzt einen solchen Umfang erreicht, daß er gerade noch bewältigt werden kann. Die Züge folgen von 6— 7 Uhr morgens einander in einem Abstände von je 21/.3 Minuten, das ist die dichteste Zugfolge, die zurzeit überhaupt möglich ist, ohne die Betriebssicherheit zu gefährden, �und dennoch sind die Züge auf fast allen Strecken sehr stark überfüllt. Die Ursache liegt nicht in den gegenwärtig bestehende» Vev- kehrseinrichtungen. Es gibt kein Verkehrsmittel, das einen derartig anstürmenden Massenverkehr in so kurzer Zeit ordnungs- mäßig bewältigen kann. Der Grund des eine halbe bis drei- viertel Stunden anhaltenden Menschenstromes, der sich nur mit unendlicher Schwierigkeit für die Verwaltung und �mit der größten Unbequemlichkeit für die Reisenden bewältigen läßt,� liegt darin, daß die Arbeitszeit bei fast allen Werken� bei annähernd gleicher Weglänge zwischen Bahnhof und Arbeitsstätte zugleich m» 7 Uhr morgens beginnt. Es steigen z. B. auf Bahnhof Beuffel- stratze in einer Viertelstunde(von Vs bis'/i7 Uhr morgens) 3900 Fahrgäste aus; eine Stunde später(von st, bis st«8 Uhr) nur 184 Personen.... Wir können eine ordnungsmäßige Bedienung deS Berufs« Verkehrs nur dann möglich machen, wenn die Arbeitszeit nicht überall gleichzeitig beginnt, sondern der Arbeitsbeginn von den verichiedenen Werken zu verschiedenen Zeiten staffel« förmig festgesetzt wird. Wenn die benachbarten Werke in Ab« ständen von einer Viertelstunde mit der Arbeit beginnen, so würde dadurch ihre Arbeitszeit nur um st« bis st. Stunde verlegt, aber schon dies würde für die Verkehrsregelung von großer Be« deutung sein. Nach unseren Erfahrungen ist nur durch eine solche plan- mäßige Staffelung des Arbeitsbeginns eine Beste« rung der jetzt so mißlichen Verhältnisse möglich. Darum ersuchen wir Sie ergebenst, uns in unseren Bemühungen, eine Besterung zu. erziehen, zu unterstützen und zunächst zur Gewinnung der nötigen Unterlagen für die Anregung zu einer solchen Staffelung den beigefügten Fragebogen baldmöglichst zu beantworten und uns zurückzusenden. Wir werden Ihnen alsdann weitere Bor- schlüge inachen, sind auch gern bereit, mit Ihnen mündlich die Au- gelegenheit zu besprechen." Die Anregung der Eiscnbahndirektion ist sehr beherzigens- wert und liegt sicher im Interesse aller Beteiligten. Die 500. Einäscherung im städtischen Krematorium fand am gestrigen Freitag in der Gerichtstraße statt. Dasselbe ist seit dem 1. Dezember des vorigen Jahres in Betrieb. Die Zahl der Einäscherungen verteilt sich auf die einzelnen Monate wie folgt: Im Dezember(1912) 66, im Januar(1913) 53, im Februar 65, im März 72, im April 62, im Mai 72, im Juni 70 und in diesem Monat bis zum heutigen Tage 40. Darunter befinden sich 309 Männer, 177 Frauen und 14 Kinder. Dem Bekenntnis nach waren 401 evangelisch, 17 katholisch, 1 altkatholisch, 49 mosaisch, 4 freireligiös, 26 Dissidenten und 2 Andersgläubige. Religiöse Trauerfeiern wurden 378 abgehalten. Von den Verbrannten waren 245 aus Berlin, 205 aus Groß-Berlin und 50 von auswärts.' -".v, Niederbarnims Spekulation. Die Nachricht, daß Berlin die Herrschast Lanks zu erwerben btz- absichtigt, hat in maßgebenden Kreisen des Kreises Niederbarnim sofort den Gedanken ausgelöst, daß bei diesem Geschäft auch der Kreis noch ein besonderes Geschäft machen könne. Es wird berichtet, daß mit einer kaum glaublichen Geschwindigkeit der Niederbarnimer Kreistag beschlossen habe, die Kreisumsatzsteuer auf Grundstücke im Werte von fünf Millionen Mark kurzerhand zu verdoppeln. Dieser Beschluß richtet sich ausschließlich nur gegen Berlin. Der Ober- Präsident soll auch sofort dem Beschlüsse seine Genehmigung erteilt haben. Man sieht, die Kreisbehörden und Oberpräsident können auch sehr schnell arbeiten, wenn es sein muß. Ob ein Beschluß, der wie der vorliegende nicht allgemeine Anwendung findet unp einen Aus- nahmezustand darstellt, einer Prüfung des OberverwaltungsgerichtS standhält, ist sehr zweifelhaft._ Vier Menschen ertrunken. Gestern früh wurde von Anglern ein Ruderboot kieloben treibend im Tegeler See bei Hciligensee aufgefunden. In dem Boote waren verschiedene Kleidungsstücke und Sachen festgeklemmt, die, wie festgestellt werden konnte, dem Bootsverleiher Meyer, einem Kellner, namens Gumpel, und einem Hausdiener, alle in Jörsfelde wohnhast, gehörten. Diese haben sich gestern nacht gegen stz3 Uhr in einem Restaurant in Papenberge aufgehalten und bestiegen darauf in angetrunkenem Zustande das Boot. Man vermutet, daß ihr Boot kenterte und die Insassen dabei den Tod fanden Bisher konnten die Leichen noch nicht geborgen werden. Der zweite Unfall ereignete sich bei Gatow. Der 22 jährige Techniker Karl Haase von: Ruderklub Normannia hatte gestern mit einem Freunde auf dem Wannsee eine Ruderpartie unternommeu. Das Fahrzeug geriet dabei in den von einem Schleppdampfer ver- ursachten Wellengang. Es kenterte und beide Jnsasten fielen ins Wasser. Während es einem gelang, sich zu retten, geriet Haase unter eine Zille und fand den Tod._ Der Geisteskranke vor dem Schlöffe. Ein aufregender Borfall ereignete sich in der vergangene» Nacht an der Schloßfreiheit. Gegen Mitternacht verlangte ein Mann am Portal 4, an der Seite des Lustgartens, Einlaß in daS Königliche Schloß. Einer der beiden Militärposten, die hier Wache stehen, wies den Mann jedoch zurück. Als er seiner Aufforderung, sich zu entfernen keine Folge leistete, rief er einen Schutzmann des 1. Reviers herbei, der in der Nähe stand. Dieser forderte nunmehr den Fremden, der den Eindruck eines Betrunkenen oder Geistes- kranken machte, zum Weitergehen auf. Der Mann machte auch Miene, jetzt seines Weges zu gehen. Als nun auch der Beamte sich entfernen wollte, zog er plötzlich aus einigen Schritt Entfer-- nung einen Revolver und schoß auf den Beamten. Die Kugel traf diesen unterhalb des Halses in die Brust und machte ihn für den Augenblick besinnungsws. Jetzt gab der Militärposten dem Fremden mit dem Gewehrkolben einen Stoß gegen die Brust. Unterdessen hatte sich auch der Schutzmann von seiner Verletzung wieder erholt. Er zog jetzt seinen Säbel und gab dem Angreifer einen Hieb über den Kopf, so daß dieser zusammenbrach. Der Beamte schaffte hn nun trotz seiner Verletzung mit einer Droschke nach der Hilsswache am Spittelmarkt, wo sowohl er, wie der Mann verbunden wurden. Ter Beamte wurde nach Anlegung eines Not- Verbandes nach der Charite gebracht, wo ihm durch einen operativen Eingriff die Kugel entfernt werden muß. Der Verhaftete wurde nach dem 2. Polizeirevier in der Georgenstraß- übergeführt nitd Der In Gewahrsam behalten. Er entpuppte sich Äs ein Landwirt Michaelis, der sich in Berlin wohnungslos aufgehalten zu haben jscheint. Ohne Zweifel handelt es sich um einen Geisteskranken� Vr wird auf seinen Zustand hin untersucht werden. Sich selbst des Mordes beschuldigt. Mit der Selbstbeschuldigung, einen Mord verübt zu haben, hat sich ein Fabrikarbeiter Schmitz aus Köln dem hiesigen Polizei Präsidium gestellt. Bei dem diensthabenden Kriminalkommissar -erschien Schmitz gestern mittag und behauptete, daß er im der- Langenen Mai zu Mülheim a. Rh. ein kleines Mädchen der- gewaltigt und ermordet habe. Er sagte, daß er sich der Polizei zu Verfügung stelle, weil ihm sein Gewissen keine Ruhe mehr lasse. Es ergab sich nun, daß Schmitz schon mehrere Jahre in einem Jrrenhause zugebracht hat. Deshalb ist Wohl anzunehmen, daß er vielleicht in einem Anfalle von Verfolgungswahnsinn handelt. Er selbst aber bleibt auch heute noch bei der schweren Beschuldigung und fügt hinzu, daß er sich besonders deshalb gestellt habe, weil er erfahren habe, daß ein Mann unter dem Verdacht, diesen Mord verübt zu haben, verhaftet worden sei. Richtig ist, daß ein kleines Mädchen, die Tochter eines Schankwirts Klein, um die angegebene Zeit einem Lustmörder zum Opfer gefallen ist. Unter dem Verdacht der Täterschaft sitzt ein Onkel dieses Mädchens in Untersuchungshaft. Dieser Onkel bestreitet entschieden die Tat, ist aber in Hast behalten worden und zwar hauptsächlich deshalb, weil er sein Alibi nicht genügend nachweisen kann. Hier läßt sich natürlich nicht beurteilen, ob die Selbstbeschuldigung zu trifft. Wenn man auch mit der Wahrscheinlichkeit rechnet, daß Schmitz die Beschuldigung gegen sich selbst in einem Anfalle seiner Krankheit erhebt, so muß doch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, daß er tatsächlich der Täter ist. Dies muß aber alles an Ort und Stelle nachgeprüft werden. Schmitz wird deshalb voraus- sichtlich von der Staatsanwaltschaft nach Köln gebracht werden. Wieder ein Kautionsschwindler festgenommen. Den Kautionsschwindel im Großen betrieb ein 62 Jahre alter Max Köppe, der jetzt von der hiesigen Kriminalpolizei unschädlich gemacht wurde. Köppen ist wegen Kautions- und Vermittelungs- schwindeleien früher in Sachsen bereits wiederholt mit Gefängnis bestraft worden, zuletzt mit zwei Jahren. Dann verbüßte er in Oesterreich ein Jahr schweren Kerker. Anfangs dieses Jahres kam Pr von Oesterreich wieder nach Sachsen und richtete dort zum Schein eine Geflügelgroßhandlung ein. Für diese suchte er dann Geschäfts- führer, die Zweiggeschäfte leiten sollten. Er fand auch zwei Leute, einen Braumeister und einen Fleischcrmeister, die in Leipzig und Dresden Filialen leiten sollten. Beide gaben größere Summen her, die sie als Kaution betrachteten, während der Schwindler sie als Geschäftseinlage bezeichnete. Um die Leute sicher zu machen, zahlte er das Geld bei einer Großbank ein, jedoch nur, um es am nächsten Tage wieder abzuheben. Mit dem Gelde fuhr er nach Ungarn, kaufte einiges Geflügel ein und sandte es seinen Leitern. Die Sendungen hörten aber bald auf, da der Schwindler das Geld für sich verbrauchte und an einen Einkauf gar nicht mehr dachte. Die beiden Geprellten mußten, obwohl sie tüchtige Ge- schäftsleute sind, ihren Betrieb einstellen, da sie durch die Hergabe der Kaution aller Geldmittel dar waren. Wie jetzt festgestellt werden konnte, kaufte der Gauner in Rosien bei Meißen ein altes Mühlengrundstück, das seit Jahren außer Betrieb ist, für 25 000 M., um sich hier wieder, natürlich nur zum Schein, eine Geflügelgroß- Handlung, und Milchmastanstalt zu errichten. Obwohl er die An- zahlung von 5600 M., nach der die Auflassung erfolgen sollte, noch gar nicht geleistet hatte, spiegelte er Leuten, die er durch Zeitungs- anzeigen suchte, vor, daß das Grundstück sein Eigentum und schon in vollem Betriebe sei. Er fand auch eine Reihe von Leuten, die �lhm Geld gaben, u. a. einen städtischen Arbeiter, den er als Ver- Walter angestellt hatte, nachdem dieser 600 M. Kaution gezahlt hatte. Endlich kam er von Nossen nach Berlin, um hier seine Opfer zu suchen. Innerhalb 14 Tagen verhandelte er in dem Hotel, wo er mit seiner Frau abgestiegen war, mit nicht weniger als 86 Be- Werbern. Unter diesen befand sich auch ein früherer Beamter, ein gutgestellter Mann, der eine Nebenbeschäftigung suchte. Er war aber vorsichtig genug, sich zu erkundigen und erfuhr so, daß der „Geflügelzüchter" nur in Hotels wohnte und das Grundstück in Nossen gar nicht sein Eigen war. Er besaß auch gar nichts, nur hatten ihm Geldvermittler, an die er sich gewandt hatte, größere Summen in Aussicht gestellt. Der Beamte wandte sich nach diesen Feststellungen an die Kriminalpolizei und schützte sich so nicht nur vor den Verlust von 4(XX> M., die er hergeben sollte, sondern auch viele andere Leute, u. a. einen hiesigen Kaufmann, der bereit war und im Sprunge stand, dem Schwindler 10 000 M. anzuvertrauen. Die Kriminalpolizei nahm den Schwindler fest, ehe er noch ein Opfer hier gefunden hatte. Er gab selbst zu, keine Mittel zu be- sitzen und auch nicht über Kenntnis und Erfahrungen zu verfügen, die zu einem solchen Geschäftsbetrieb notwendig sind. Den Leuten hotte er erzählt, daß seine Frau größere Waldungen in der Steier- mark besitze und sehr vermögend sei. Es stellte sich aber heraus, daß auch sie nicht einen Pfennig befitzt. Sie mußte deshalb bei der Festnahme ihres Mannes der städtischen Armenvcrwaltung überwiesen werden. Der Schwindler wurde gestern dem Unter- suchungsrichter vorgeführt, der ihn in Hast behielt. Betrübt über jseine Festnahme sind nur die Geldvermittler, denen er bis zu 10 Proz. Vermittelungsgebühr versprochen, und die sich viele un- nütze Mühe gemacht haben, dem„Geflügelzüchter" und„Grund- hefitzer" Kapitalien zu verschaffen. schwere äußere und innere Verletzungen und verstarb auf dem Transport nach dem Urban-Krankenhause. Verhaftung einer„weisen Frau". Unter dem Verdacht, sich seit längerer Zeit gegen den§ 218 de? Strafgesetzbuches vergangen zu haben, ist gestern die 33jährige Masseuse Ida Ziemle vom Grünen Weg verhaftet worden. Entgleist sind gestern früh 8 Uhr 36 Min. auf dem Bahnhof Alexanderplatz drei leere Wagen, wodurch das Gleis auf etwa zwei Stunden gesperrt wurde. Gefunden wurden am Mittwoch, den 16. d. M. auf dem Spiel- platz der Arbeiterjugend in Treptow mehrere Gegenstände, darunter auch Jugendmarken. Abzuholen bei W. Rähse, Glogauerstr. 2g. Mit einem Umbau des Landwirtschaftsministcriums in der König- grätzerstraße 123 ist begonnen worden. Zeugengesuch. Diejenigen Personen, die am Sonnabend, den 31. Mai, abends 6V2 Uhr. in Baumschulenweg gesehen haben, wie ein junger Mann von einem Privatautomobil überfahren wurde. werden gebeten, ihre Adresse an Alfred Christiansen, Johannisthal, Lindhorststr. 2, abzugeben. Noch keine Sanierung der Wcißensecr Bank. Die Hoffnung der Leitung der Weißenseer Genossenschaftsbank, ihre beiden Geschäfts- stellen am heutigen Sonnabend loieder eröffnen zu können, hat sich als trügerisch erwiesen. Dem Kreisausschutz von Niederbarnim, der sich in seiner gestrigen Sitzung mit den Sanierungsbeschlüssen der Gemeindevertretung von Weitzensee beschäftigt hat, ist nach einer Prüfung der finanziellen Verhältnisse der Bank zu einer Vertagung der Angelegenheit gekommen. Selbst wenn in der nächsten Sitzung des Kreisausschusses eine Genehmigung deS Vorhabens der Gemeinde, der Bant weitere Geldmittel zur Verfügung zu stellen, er- folgen sollte, wird es doch noch 8—14 Tage dauern, ehe die Ge- uossenschast wieder ihre Pforten öffnen kann.— Für die vorläufige Nichtgenehmigung der Sanierungsbeschlüsse der Gemeinde Weitzensee durch den KreiSauSschuß war u. a. auch matzgebend die Abwesenheit 'des Vorsitzenden, des Landrats Dr. Busch. Dieser kehrt am 23. Juli von seiner Urlaubsreise zurück und dann wird sich das Schicksal der Weißenseer Bank wohl entscheiden. Todessturz vom Baugerüst. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich am gestrigen Nachmittag gegen Vzb Uhr auf dem Grundstück Kott- buser Ufer 39/40 zugetragen. Dort befindet sich das umfangreiche Geschäftshaus.Erdmannshof", das kürzlich von einem Brande heimgesucht worden ist. Gegenwärtig ist man mit der Aus- besserung der durch den Brand verursachten Beschädigungen be« schäftigt. Bei der Ausführung der Glaserrcparaturen, die dem Glasermeister Lutze aus der Britzer Straße 10 übertragen worden waren, war dessen 29 jähriger Sohn Richard nach Feierabend behilflich. Als Richard Lutze gestern nachmittag auf dem Bau- aerllst in der Höhe des dritten Stockwerkes mit dem Ein- setzen von Fensterscheiben beschäftigt war. brach plötzlich das Brett. suf dem er stand, und Lutze stürzte kopfüber in die Tiefe. Er erlitt Vorort- l�ackmckten.% Charlottenburg. Fürsorge für die Kleinkinder, d. h. für die Kinder vom 1.— 6. Lebensjahr, hat neben der Säuglingsfürsorge die Stadt Charlottenburg seit dem 1. April 1911 eingerichtet. Gerade für diese Altersstufe, in der die Grundlage für die körperliche und geistige Entwicklung gelegt und der Kern für manche spätere Erkrankung aufgenommen wird, ist eine sorg- fältige ärztliche Ueberwachung dringend geboten. In jeder der Charlottenburger Säuglingsfür sorge st eilen werden besondere Wochensprechstunden für Kinder vom 1. bis zum vollendeten 6. Lebensjahre abgehalten. In diesen Sprechstunden werden in regelmäßigen Zwischen- räumen zunächst solche Kinder, die bis zum vollendeten 1. Lebensjahre bereits die Fürsorgestelle besucht haben, weiter vorgestellt. Zugelassen zu diesen Sprechstunden werden jedoch alle Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren, auch wenn sie die Säuglingsfürsorgestellen vorher nicht besucht haben. Mütter und Pflegemütter erhalten dabei unentgeltlich s p e z i al ä r z tli ch e n Rat über die für das Gedeihen des Kindes gebotenen Maßnahmen und die Vermeidung von Schädlichkeiten. Eine ärztliche Behand- lung findet nicht statt. Diese Kleinkindersprcchstundcn werden an folgenden Tagen abgehalten: 1. Säuglingsfürsorgestclle I, Berliner Str. 137: Mittwoch 2—3 Uhr; 2. Säuglingsfürsorge- stelle II, Wilmersdorfer Str. III: Dienstag 2—3 Uhr; 3. Säuglingsfürsorgestclle HI, Scharrenstr. 32: Freitag 1 bis 2 Uhr; 4. Säuglingsfürsorgestellc IV, Nchringstr. 11: Diens- tag 2V2— S'/z Uhr; 5. Säuglingsfürsorgestelle V, Kaiserin- Augusta-Allee 102: Dienstag 2—3 Uhr; 6. Säuglingsfürsorge- stelle VI, Kaiserin- Auguste- Viktoria- Haus, Mollwitzstraße: Mittwoch 2—3 Uhr; 7. Säuglingsfürsorgestelle VH, Horstweg 28; Donnerstag 2— 3 Uhr. Die Mütter und Pflegemütter, die zugleich einen Säug- ling und ein größeres Kind in der Fürsorgcstelle vorstellen wollen, können ausnahmsweise auch die größeren Kinder in der Säuglingssprcchstunde mitvorstellen. Die Einrichtung der Fürsorge für die Kleinkinder hat sich bisher sehr gut bewährt und kann den Müttern und Pflegemüttern der Kinder zum eifrigen Besuch nicht dringend genug empfohlen werden. Ober-Schöncweide. Der Arbeitcrturnvcrein„Obcrspree" feiert am 19. und 20. Juli sein IvjährigeS Bestehen im Schloßpark Wilhelminenhof. Sonn- abend, abends 9 Uhr: Kommers bei freiem Eintritt. Sonntag vor- mittag auf unserem Spielplatze: Wettspiele. Sonntag nachmittag 2 Uhr: Festzug durch den Ort, Abmarsch vom Wilhelminenhof. Nachdem in demselben Lokal Gartenkonzert verbunden mit turneri- schen Aufführungen und Gesang(Männergesangverein«Liedertafel"). Im Saale: Tanz. Eintrittspreis 20 Pf. Wegen des 10. Stiftungsfestes fallen die Kinderspiele am Sonn- tage aus. Nächste Kinderspiele am 27. d. M. Abmarsch von den bekannten Stellen. Weitzensee. Der hiesige Arbeiter-Turuvcrein feiert am Sonntag, 20. Juli, sein 15 jähriges Stiftungsfest verbunden mit Schauturnen auf seinem Turnplatz in der Falkenberger Straße. Eintritt frei. Anfang 4 Uhr. Nach dem Turnen Kinderspiele. Da der Verein sich zu allen Festen der organisierten Arbeiterschaft zur Verfügung stellt, ist eine zahl- reiche Beteiligung erwünscht. Bohnsdorf. Die Freie Turnerschaft„Bohnsdorf" veranstaltet am Sonnabend, den 19. d. Mts. im Restaurant.Falkenruh", Inhaber Bakofzer, ein Sommerfest. Wir bitten die Genossinnen und Genoffen, dieses Fest rege zu unterstützen. Herzfelde. Ein größeres Schadenfeuer brach am Donnerstag ftüh auf dem Ziegelei- und Böttchereibetriebe C. O. Wegener im benachbarten Hennickendorf aus. Die Böttcherei, sowie die dicht daneben befind- liche Stellmacherei wurden fast vollständig vernichtet. Die Zahl der verbrannten Fässer geht in die Tausende. Das Maschinengebäude wurde ebenfalls arg beschädigt. Der durch Versicherung gedeckte Materialschaden ist sehr bedeutend. Kalkberge-Rüdersdorf. Um falschen Gerüchten zu begegnen, teilt die Bezirksleitung von Kalkberge-Rlldersdorf mit. daß der Fahrradhändler Georg Brüning- Kalkberge bei der Landtagswahl seine Stimme unserem Wahlmaun gegeben hat. Spandau. Die„Freie Turnerschaft Spandau" feiert am 19. und 20. d. M. ihr lojährigeS Bestehen. Am 19. findet bei Borchardt, Seeburger Straße 26, Kommers und am 20. in der Brauerei Pichelsdorf großes Volksfest statt. Konzert, turnerische Aufführungen der Männer- sowie Damenabteilung und Kinderspiele wechseln am Nachmittag miteinander ab. Gesellschaftsspiele aus dem großen Exerzierplatz, u. a. Fuß- und Faustballspiele, sowie Stafettenläuse mit fremden Vereinen bilden die Einleitung zum Volksfest. Beginn des Kommerses 8 Uhr abends, der Spiele 8 Uhr früh und des Volksfestes durch einen Ausmarsch der Turner mit Musik vom Turnplatz in der Feldstraße um 2 Uhr nachmittags. Eintritt zum Kommers 20 und zum Volksfest 30 Pf. Beim Waldfest am Sonntag, den 13. Juli, in der Bürger-Ablage sind ein Spazierstock und ein Paar Manschetten gesunden worden. Abzuholen in der„Vorwärts"- Spedition(E. Köppen) Breitestr. 64. Die Feriensitzung der Stadtverordneten hatte sich vor Eintritt in die Tagesordnung zunächst mit einem Schreiben des Direktors v. Hirsch-Schwabe, betreffend das zu erbauende Stadttheater, zu be- schäftigen. Nachdem längere Zeit von dem Theaterprojekt über- Haupt nichts zu hören war, beantragte jetzt die Theatergesellschaft eine vollständige Umänderung des Theaters. Stcttt der Ursprung- lich geplanten 800 Sitzplätze sollen jetzt 1200 Sitzplätze errichtet wer- den. Von dem Bau eines großen Festsaales, der allen Parteien zur Verfügung gestellt werden sollte, sowie dem Vau großer Ge- sellschaftsräume, soll Abstand genommen werden. Die Stadt soll zwar die Ausbietungsgarantie für 600 000 M. übernehmen, aber auf die Einführung einer Billettsteuer verzichten. Nach Erledigung der neuen Unterlagen will die Gesellschaft mi t dem Bau am 15. September beginnen. Da dem Magistrat eine gleiche Eingabe zugegangen ist, wollen die Stadtverordneten erst dessen Beschluß abwarten. Die erste Vorlage betraf die Beschaffung von Unterkunfts- räumen für die neu aufzustellenden Truppenteile und die Zu- sttmmung zu dem Mietsvertrag über die Militärbarackcn. Mit Rücksicht auf die spätere Verwendung der Baracken im Südhasen, sollen die Mannschafts- und Wirtschaftsbaracken auf dem Gelände am Tiefwerder Weg und an der Götel- und Spichernstraße als Massivbauten mit 25 Zentimeter starken Wänden, 6 Zentimeter starker Luftschicht und innerer 13 Zentimeter starken Verblendung errichtet werden. Die Bauten sollen insgesamt 446 200 M. kosten. Gegenüber der ursprünglichen Vorlage will der Fiskus die Ba- racken nur auf l'A Jahre statt auf 2 Jahre mieten, wodurch die Stadt einen Ausfall von 50 000 M. erleidet. Wie Stadtbaurat Paul mitteilte, wollte der Militärfiskus die Baracken sogar nur auf ein Jahr mieten, da die Kasernen innerhalb Jahresfrist fertig sein sollew Trotzdem die neue Vorlage eine weitere große Be- lastung der Stadt bedeutet, stimmte die Mehrheit der Vorlage zu. Für die Herstellung einer Wasserleitungs- und Kanalisations- anlage im Straßenzuge zu beiden Seiten der Hafenbahn einschlich- lich der Teltowstratze wurden 52 600 M. aus der Hafenanlcihe und 43 900 M. aus dem Stratzenregulierungsfonds zur Erschließung des Hafengeländes ohne Debatte bewilligt. Zugestimmt wurde der Vorlage, wonach die Wasserrohrleitung in der Gatower Straße bis zu dem Grundstück der Spandauer Zünderwerke verlängert wird. Die Kosten betragen 2200 M. Eine Magistratsvorlage betraf Erweiterung des städtischen Friedhofes in den Kisseln, anschließend an die jetzige Anlage bis zur Bahn Spandau— Bötzow. Zum besseren Abschluß soll an der Bahn entlang der Holzbestand in einer Breite von 20 Metern er- halten bleiben. Die Gesamtkosten belaufen sich bei einer Auf- höhung bis auf 33,50 Meter aus 90 000 M. Wie Stadtv. Walter mitteilte, soll rechts am Haupteingang später ein Urnenhain ange» legt werden, während links davon ein Park erstehen werde. Stadt- verordneter Dr. Kantorowicz stellte wieder einen Antrag in Aus- ficht, wonach die Redehalle auf dem Friedhof jedem Einwohner, wenn er auch keinen Geistlichen hat, zur Verfügung gestellt werde. Da verschiedenen Rednern die geforderte Summe zu hoch war, wurde die Vorlage an den Magistrat zurückverwiesen. Einem Antrage der Stadtv. Rupke und Genossen wurde zuge- stimmt, wonach Straßenbahn-Monatskarten jederzeit im Rathaus wie im Straßenbahndepot zu haben sein sollen. In der Debatte über diesen Antrag wurde ausgeführt, daß der Straßenbahndirektor Müller zu bureaukratisch sei, und leider gehe es auch in vielen städtischen Bureaus nach Schema?. Jetzt können Monatskarten nur bis zum 10. jeden Monats gelöst werden, trotzdem die Stadt doch nur einen Vorteil davon hat, wenn Monatskarten auch später gelöst werden können. Betreffend Besteuerung der Ueberlandzentrale wurde be- schlössen, daß dieselben ebenso wie das KreiSkrastwerk nur b,s zu 100 Proz. Zuschlag zu der Einkommensteuer herangezogen werden soll. In der hierauf folgenden geheimen Sitzung wurde zunächst der Ankauf des Meyerschen HolzplatzeS neben der städtischen Gas- anstatt in Größe von 8709 Quadratmetern zum Preise von 310 040 Mark(35,60 M. pro Quadratmeter) zur Vergrößerung des Ter- rainS der Gasanstalt beschlossen.— Der Verpachtung des Rats. kellers im neuen Rathause an den Pächter des„Badischen Hos" in Berlin, F. Thomas, wurde zugestimmt. Im ersten Jahre hat Pächter keine Pacht zu zahlen, im zweiten Jahre 3000 M., im dritten 3500 M., im vierten 4000 M. und im fünften 5000 M. Versammlungen. Die Perschmelzungsbestrebungen in den Reihen der Privat- angcstvlltcn. Am vergangenen Freitag hielt der Zentralverband der Hand- kungsgehilfen eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab. "Nach einem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat deZ Stadtverordneten Ritter über die„Polksfürsorge" referierte 1. Bevollmächtigter R 0 g 0 n über die Verschmelzung mit dem Verband der Bureauange st eilten. Tie Berliner Kollegenschaft ist nun der Meinung, daß nicht allein die Grenz- streitigkeiten für eine Vereinigung sprechen, sondern besonders auch die wirtschaftlichen Verhältnisse. Die Unternehmer tzehen darauf aus, die verschiedensten kaufmännischen Angestellten nicht mehr als Handlungsgehilfen zu betrachten. Hierzu kommt noch der häufige Berufswechsel. Eine Verschmelzung der Verbände hält der Handlungsgehilfen- vorstand für möglich, wäbrend der Bureauangestelltenvorstand diese Auffassung nicht teilt. Letzterer mit der Begründung, daß Gren�- streitigkeiten nicht allein maßgebend sind, auch zu wenig Organi» sierte vorhanden seien, die Berührungspunkte nur lose, ein Ab- schweifen vom Neutralitätsstandpunkte und ein Majorisieren des kleineren Verbandes nicht von der Hand zu weisen wäre. In Widerlegung dieser Argumente kommt R 0 g 0 n dann auch auf die eventuelle Gründung eines allgemeinen Privatangestelltenverban» des zu sprechen, dem man sehr sympathisch gegenüberstehe. Doch dürfe diese Frage nicht überS Knie gebrochen werden. Die vom Hauptvorstand gestellten Fragen, ob Berlin für Verschmelzung, deS weiteren für einen allgemeinen Privatangestelltenverband je,, er- sucht die OrtSverwaltung mit„Ja" zu beantworten. Lange(Hauptvorstandsmitglied) sagt, daß Berlin vorerst als einziger Ort dieser Frage näher getreten ist. Bis jetzt habe er eine regere Anteilnahme nicht gefunden. Es muß die Frage gestellt werden, ob die Grenzstreitigkeiten nicht durch gegenseitiges Ein- Verständnis gehoben werden können Eine gewisse Selbständigkeit im tecknisch-organisatorischen Verkehr läßt die Frage zu, ob das für beide Teile eine finanzielle Förderung ist. Auch trifft es nur für verschiedene der Burauangestcllten zu, daß diese ,n ein und dem- selben Betrieb tätig sind. Die Neutralität scheint die schwierigste Frage zu sein; denn innerhalb der Bureallangestelltenverbände besteht nicht so eine Kampfform wie zwischen den einzelnen Hand- lungsgehilfenverbänden Der Bureauangestelltenvcrband arbeitet mit den Bürgerlichen'anders als wir und will wohl auch seine Taktik noch beibehalten.. j.•cr Torstand. Verband der Fabrikarbeiter. Zahlstelle UraL Berlin. Am Sonnabend, den 2" K»Ii verstarb unser Mitglied'' Mfred Günther. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung findet heute Sonnabend, den 19. Juli, nach, .liitlags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemcindestledhofes jn Friedrichssclde auS statt. 57,/ Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. I Frauen- Sterbekasse von Mitgliedern der Zentral■ Kranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer(V. a. G). Ortsverwaltung Berlin lt. Am 16. Juli verstarb unser Mitglied Helene de Grille im 42. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute, den 19. Juli, nachmittags 4'/, Uhr, von der Halle des Gethsemane- KirchhoseS in Nordend aus statt. 258/10 Die QrtSvertvaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines guten Mannes, unseres unvergefflichenVaters sprechen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere den An- gestellten der Kunstdckorationsmalerci Georg Schmitt unsern herzlichsten Dank aus 93A Witwe Emma Pacch und Kinder. Orts- Krankenkasse Verlin-Lichtenberg. Einladung zur Außerordentlichen Lkm>-Vks»Ililig der gewählten Vcrtrclcr der Orts- krankenkasse Berlin-Lichtenbcrg zu Montag den S«. Juli 1913. abends 8 Uhr. in das Lokal von Richard«rnhold. Gasthof zum Schwarzen Adler, Berlin-Lichtenbera Frankfurter Chaussee s. Tagesordnung: 1, Zurückziehung des Zulassungs- anirageS vom 11. November 1912. 2 Beratung über den Statutentwm „ach den Vorschriften der Reich,. ncrsichcrungsordnung. 3. Vorlegung der Abrechnung des Erwetterungs. baues der Badeanstalt. 4 B-schluff. saftung üb-r G-ballsr.guIterungen- kl der Aerzie, Herren Dr. tzwschseld. Dr Koslowski und Dr.�unk, b) des Geschäftsführers. 5. Kasscnangelegen. Helten... Der Torstana. I. H,: Otto Selkel. Vorsilzender. Dr.Si Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, Ä'au 10—2. 5—7, Sonntags 10—12. Westman Schluß in einigen Tagen!!! Großer Inventur-Ausverkauf Versand n.ausser- halb gegenNachn. dßfrajMÄllil 1 Posten WaschkostUmo 8 IE, sonst bis 48.— 1 Posten Gesellschaftskleider 30 Uli., sonst bis 166.— 1 Posten KostOme(zuröckges) 10 M., sonst bis 75.— Heines Werke ■ 3 Lände 4 Mark■ Buchhandlung Vorwärts Vornehme Herren liEDEI BrannenstraOe 1 FranHforter Allee 89 Kottbaser Daum 103. liefert auf unter günstigsten Zahlungsbedingungen Kleidung fertig und nach Maß erhalten Sie in der modernen Mass- Schneiderei J. 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März 1913) wendet sich die Bundesleitung »grundsätzlich gegen jede militärische Uuiformierung, gegen militärische Rangstufen, Gradabzeichen und Titulaturen, gegen das Älaffentragen und namentlich gegen die Verwen- dung irgendwelcher Waffen einschliehlich der Knallpistolen bei Hebungen, gegen Schießübungen, gegen das Exerzieren und jed??,' Drill...'! Auch jeder Vorbeimarsch kann in der sehr gut aus- sehenden Marschkolonne erfolgen. Wenn zum Jungdeutschlandbunde gehörige Vereine von früher her Waffe» tragen und an diesem Gebrauch hängen, so haben sie die Waffen nur als Schmuckstück zu betrachten; das Ablegen ist anzustreben. Bei gemeinschaftlichen vom Jungdeutschlandbunde veranstalteten Uebungen ist das Waffentragen und jedes Schießen jedenfalls zu verbieten.� Sehr interessant und höchst bezeichnend ist die Begründung tiefer Vorschriften oder richtiger: guter Vorsätze: „Dem Augenblick, in dem der junge Mann als Vaterlands- Verteidiger ins Heer tritt, darf die Feierlichkeit nicht dadurch genommen werden, daß ihm Uniform und Waffen schon vorher vertraut wurden oder gar die bis dahin getragene Uniform ihm schöner erscheint als die seines Truppenteils." Man will sich also, wenn Gleichmäßigkeit im ganzen Anzug bei den einzelnen Abteilungen nicht zu erreichen ist. mit gleicher Kopfbedeckung und einem gleichen Abzeichen(Armbinde und dergl.) begnügen. „Daß die Beschaffung einer vollständigen Bekleidung be- sonders für die ärmere Jugend von großer Bedeutung ist, unter- liegt keinem Zweifel; denn diese Jugend besitzt neben dem Arbeitsanzug fast ausschließlich nur eiiren Sonntagsanzug, der selbstverständlich bei den Uebungen nicht angelegt werden kann. Der Arbeitsanzug muß aber für die Lehrlinge vielfach vom Meister geliefert und instandgchalten werden; es wird daher den Jugendlichen nicht erlaubt, ihn bei den Geländeübungen anzulegen. Andererseits wollen, auch vielfach die Jugendlichen selbst bei den meist nur an denSonntagen stattfindenden Uebungen den durch ihren Beruf beschmutzten, befleckten und geflickten Anzug nicht anziehen. Der Wert einer gleichmäßigen Kleidung liegt aber vor allem auch darin, daß der äußere Unterschied von arm und reich verschwindet und sich so die Klassengegensätze leichter aus- gleichen. Leider ist die Bundesleitung bei den ihr zu Gebote stehenden Geldmitteln noch n i ch t in der Lage, bei der Beschaffung dieser Uebungsanzüge helfend einzugreifen." Der Anfang ist allerdings auch in dieser Richtung bereits gemacht: Mir Genehmigung des Justizministeriums sind fünf Gefängnisse, die gebrauchte Militärsachen„verarbeiten", ermächtigt worden. diese zu„mäßigen" Preisen an die„vaterländischen" Jugend- vereine abzugeben.(Namentlich Bekleidungs-, Ausrüstungsgegenslände und— vor allem— Schuhzeug!) Ueber die Bevorzugung des I. D. B. bei Eisenbahnfahrien sind die Leser des„Vorwärts" informiert. Auch darüber, daß der preußische Staat aus dem Gelbe der Steuerzahler die Kosten trägt für die Haftpflicht- Versicherung aller der„staatlichen Jugendpflege- Organisation" angeschlossenen Vereine sowie für die Unfall- Versicherung der Führer, Leiter usw., zu deren Anstellung man »mit der Zer immermehr" überzugehen plant! All das wollen wir uns merken. Denn es zeigt uns. wie die Herrschaften von der vereinigten staatlichen und privat-bürgerlichen „Jugendfürsorge" den Seelenfang im proletarischen Lager ganz s y st e m a t i s ch betreiben und wie sie ihn mit immer größerem Raffinement auszubeuten und zu verschärfen gedenken. Jugendheime in Stadt und Land sind geplant, einige schon fertig oder im Entstehen begriffen, z. B. in Hameln, auf dem Schießplatz Tegel bei Berlin, in Moabit usw. Essssehlt ja auch nicht an Geldgebern und einflußreichen Gönnern: Ober- oürgermeister Dominicus(Schöneberg), Franz v. Mendelssohn, der alle Turner-Goetz, Staatssekretär a. D. Dernburg, Polizeirat Atzrott(Steglitz), Freiherr v. Bissing, Staalsminister a. D. Heutig, Reichskanzler a. D. v. Bülow, Friedlaender- Fuld, Direktor v. Gwinner, Kommerzienrat Haberland /Berlin), Roberl v. Mendelssohn, der„bekannte" Richard Nordhausen— nicht zu vergessen allerlei Leutchen aus der Regierung und von den „deutschen" Radfahrern,„deutschen" Fußballern,„nationalen" Hand- lungSgehilfen,„deutschen" Turnern. Sehr beachtenswert ist auch die Einteilung des Jung- deutschlandbundes, die ouf den Armeekorps des deutschen Heeres basiert und alle möglichen aktiven und inaktiven Offiziere, Re- gierungsräte, Rektoren. Polizeipräsidenten, Kammerherren, Staats- räie als Vertrauensmänner hat. Durch all diese und all dieses soll 1. das Vertrauen zur Armee und zu seinen Offizierkorps zum Wachsen gebracht, 2. eine Abschwächung der Klassengegensätze angebahnt, 3.„unseren" jungen Offizieren Gelegenheit gegeben werden zur Betätigung als Lehrer und Bildner,„die ihnen rm Rahmen des militärischen Dien st es im all- gemeinen versagt bleibt"! In der Tat— ein Eingeständnis, das sich die Proletarier- k l lern einprägen mögen. Die Arbeiterkinder als Versuchskaninchen für die jüngsten Offiziere, die sich beim Militär„im allgemeinen" nicht als Bildner und Lehrer der Soldaten betätigen! Vorsicht also, ihr Proletariereltern I Denn der Wolf im Schafs- pelz inacht sich schon„an die obersten Klassen der Volks- und Mittel- schulen" heran, nimmt diese,„soweit es die Schulleitung ge- stattet", zu seinen Ausflügen mit„und hofft, auf diese Weise die Jungen nach ihrer Schulentlassung am leichtesten in die ihnen dann schon bekannten Organisationen des Jungdeutschlandbundes eingliedern zu können". Etwa auch,„soweit es die Schul l e i t u n g gestattet"? I Ist eS wirklich schon soweit gekommen, daß die Arbeitereltern rein gar nichts mehr in den Angelegenheiten ihrer eigenen Kinder mitzureden haben? övo 000„Jugendliche" sind bereits vom Jungdeutschland bund gekapert! Hütet die anderen vor dieser Gefahr! Versammlungen. Gentr-nlvcrsammlung des Zentralverbandes der Schuhmacher. Am vergangenen Mittwoch hielt die Ortsgruppe Berlin ihre Ge- neralvers aintnlung ab. Dem vom B e n'd i g gegebenen Kassen- �be r i th t ist j!« �rtnehmen, dost der Zentraltassenetat mit 17 314,93 Mark balanziert. 8544,15 M. wurden verausgabt und an die Lokalkasse 1610,14 M.. an die Hauptkasse 7660 66 M. überwiesen. Von den Ausgaben interessieren besonders 2051,85 Ak. Streikunter- stutzung(inkl. Lokalkaffe) und 145,40 M Maßregelungsunter- stützung. An Arbeitslosenunterstützung wurden 3358.60 M-(inkl. Lokalkaffe) und an Krankenunterstützung wurden 3114 45 M. ver- ausgabt. In der L o k a l z u f ch u ß k a s s e ist ein augenblicklicher trieben mußte die Arbeitszeit verkürzt werden sowie auch Arbeits- aussetzung jetzt Regel ist. In zirka 100 Sitzungen, Versammlungen, Konferenzen usw. wurden die Verwaltungsgcschäftc des 2. Quar- tals erledigt. Verschiedene Differenzen mit den Unternehmern gelang es durch Verhandlungen beizulegen. Zum Schluß wünschte er regere Anteilnahme an den Veranstaltungen des Verbandes. Dem Geschäftlichen folgte ein mit lebhaftem Beifall aufgenommenes Referat Dr. Moses' über:„Die Arbeiterschaft und der Geburten- rückgang Deutschlands."_ Eingegangene Druckrcbriftcn. Theorie der Prcisverschicbung als Grundlage zur Erllärung der Teuerungen. Von Dr. Othmar Spann. 62 Seiten. Manzjche f. u. k. Hos-, Verlags- und UniversitätS-Buchhandlung, Wien 1. Telckaba. Zahlcnlaute für die Ziffcrnschrist von Pros. C. v. Pirquet. Preis 0,59 M.= 0,60 K. Verlag vorm. R. v. Waldheim, Jos. Eberle u. Co., Wien, und Otto Klemm, Leipzig. 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