Nr. 186. RbontttmentS'Bcdinsungen: BlonnemcntS-Prei» prünumerand o; SieiteljShrl. 8,30 Ml, monalL 140 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neu« Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,60 Marl, für das übrige Susland s Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Selgien, DSnemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die InfcrtionS'Gebüijr beträgt für die sechsgespaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg, für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Vcrsnmniliings-Anzeigen M Pfg. „Kleine Hnicigen", das fettgedruckte Wort AI Pfg. tzulässig 2 fcilgcdrucktc Worte), fedes weitere Wort W Pfg. Etellcngeiuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buch. 'laben zählen für zwei Worte. 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Wir werden es in seiner Gänze einstimmig ablehnen. Es ist aus dem Gedanken der sozialen Reaktion geboren und hat zur Aufgabe, mit einem Rückschritt zur Berufs- armee die Gewalttätigkeit der Regierenden gegen das Volk, gegen die Arbeiter- und Bauernklasse zu verschärfen und aus der Armee in der Tat, wie ein bekanntes Wort sagt, eine große nationale Gendarmerie zu machen. Weit entfernt, die Verteidigung des Landes zu sichern, gefährdet es sie. Die wahrhaft republikanische Organisation der be- waffneten Nation hätte Frankreich nicht nur unbesiegbar, sondern unangreifbar gemacht. Nun aber wird Frankreich im Gegenteil durch eine drückende und widerwärtige Ver- längerung der Dienstzeit geschwächt, die das Land von der militärischen Erziehung der. Jugend und von der wirk- sameu Einfassung der Reserven abkehren und es in den Quellen seiner Produktion, seines Reichtums und seines Wissens treffen wird. Schon hat fiir die Urheber dieses beklagenswerten Werkes die Züchtigung begonnen. Da es unmöglich wäre, der Natur der Dinge völlig entgegen zu handeln und eine große Demokratie wirklich zu veralteten Formen zurückzuführen, wenn sie gezwungen, elende Kompromisse zu suchen. Nach- dem sie willkürlich und ungesetzlich die Zurückhaltung eines Jahrgangs für ein weiteres Jahr verfügt hatten, tvurden sie von Furcht ob der Folgen ihres Gewaltstrcichs ergriffen und haschten nach allen Auskunftsmittcln, nicht um den Jahrgang zu befteien, den sie nicht zurückbehalten konnten. sondern um sich von dem Jahrgang zu befreien. Und das Mittel, das sie annahmen, hat nicht allein die Wirkung, die Gesundheit der vorzeitig einberufenen jungen Männet zu gefährden, sondern es untergräbt durch die Aufhebung der permanenten Effektivbeständc die Grundlage ihres Gesetzes. Es vernichtet den Vorwand selbst, dessen sie sich zur Rechtfertigung des Dreijahrgesetzcs be- dient haben. Man hat dem Land gesagt, daß es dringlich sei, in den Kasernen ausgebildete Soldaten zurückzubehalten, uni in dem kritischen Zustand Europas einer unmittelbaren Gefahr zu begegnen. Die Regierung und ihr Gesetz aber häufen in den Kasernen, sogar in den Grenzgebieten und in den Regimentern der Deckung eine Masse unmobilisierbarer Rekruten an. Wären die für das Dreijahrgesetz vorgebrachten Gründe ernst zu nehmen, so wäre das Gesetz, das beschlossen werden wird, einemVerrat gleich zu achten. Nie- mals hat man ein großes Volk eine so ungeheuerliche Mystifikation teurer bezahlen lassen! Dieses widerspruchsvolle Zwittergesctz, dieses Gesetz der militärischen Desorganisation und na- tionalen Schwächung ist auch ein Gesetz des finanziellen Ruins. Es fügt den: ohnehin not- leidenden Budget direkt oder indirekt eine jährliche Last von 500 M i l l i 0 n e n hinzu und steigert das jährliche Defizit auf eine Milliarde. Wir werden bald sehen, ob die privilegierten Klassen Frankreichs den Opfern zustimmen werden, die notwendig sind, um ihre Politik der Voraussichtslosigkeit und Reaktion zu bezahlen. Wir aber, die mit allen Kräften gekämpft haben, die Last des dritten Kasernenjahres vom arbeitenden und Bauernvolk fernzuhalten, werden weiterkämpfen, um von ihm die drückende La st neuerSteuern fern- zuhalten. Und wir werden nicht ablassen, das antirepublikanische Werk, das Sie mit Ihrer Abstimmung besiegeln, anzuklagen. Wir werden unser Bemühen und unseren Kampf fort- setzen, bis das Land die Aufhebung eines ver- werflichen Gesetzes erlangt und die p s e u d 0- nationale Reaktion der Poincaröschen Präsidentschaft zurückgeworfen hat. Nieder mit den drei Jahren!" v 2>ie sozialistische Linke unterstrich die wichtigsten Stellen der Erklärung mit Beifall. Für den Schlußsatz bekam Gen. De la Porte einen Ordnungsruf wegen der„unkonstitutionellen" Hereinziehung des Präsidenten der Republik in die Debatte. Aber was» half. Das Kind war schon beim rechten Namen genannt!'' Vor den Sozialisten hatte Cailleux im Namen der radikal-sozialistischen Opposition eine Erklärung voll scharfer Kritik abgegeben. Der Kampf um die Deckung. Paris, 22. Juli. Die Kammer beriet heute das vom Senat zurückgegebene Budget. Im Laufe der allgemeinen Diskussion erklärte der Sozialist Thomas, daß seine Freunde alle Mittel aufbieten würden, damit die finanzielle Deckung für das neue Militärgesetz in das Budget für 1g13 aufgenommen würde. Jaurss fügte hinzu: Dies ist unsere einzige Garantie. Finanzminisier D u in 0 n t versicherte, daß die Regierung stets zur Verfügung der Kammer stände, um die Deckung nach dem Budget zu bespiechen.(Lärm auf der äußersten Linken.) Ministerpräsident B a r t h 0 u präzisierte die Haltung der Regierung und erinnerte daran, daß sie eine Vorlage eingebracht habe, die dahin ziele, die Deckung durch das erworbene Vermögen zu bewirken. Die Vorlage werde zusammen mit den neuen von der Kommission gemachten Vorschlägen erörtert werden. Aber die Regierrng habe niemals versprochen, sie vor der Ab- stimmung über das Budget zu erörtern. Und niemand habe sich dem widersetzt. Die Kammer werde die Deckung gleich nach der Abstimmung über das Budget besprechen; denn das Pro- visorium müsse beendet werden.(Widerspruch auf der äußersten Linken und bei einem Teil der Linken.) Der radikale Deputierte Malvy rief: Die Haltung der Regierung ist zweideutig- Ministerpräsident B a r t h 0 u erwiderte: Meine Worte sind nicht zweideutiger als Ihre Haltung.(Beifall im Zentrum und auf verschiedenen anderen Bänken, Lärm auf der äußersten Linken und einem Teile der Linken.) Malvy entgegnete: Sie können niemand Zweideutigkeit vorwerfen, da Sie eine Politik der Reaktion treiben.(Beifall auf der äußersten Linken und einem Teile der Linken.) Ministerpräsident B a r t h 0 u erklärte: Ich habe die Republik früher als Sie verteidigt. Malvy: Ja, unier Minister Mölme. B a r t h 0 u: Mit Ihren Freunden. Damit war der Zwischenfall erledigt. Der Sozialist Thomas warf der Regierung vor, daß sie die Schwierigkeiten im Budget nicht löse. Finanzminister D u m 0 n t antwortete, die Lage des Schatzamtes sei günstig. Thomas erklärte: Sie zwingen das Land zu einem Defizit durch Ihre Politik der kolonialen Ausdehnung und durch Ihre hochmütige Politik in Europa. Thomas schlug vor, die neuen Ausgaben dadurch zu decken, daß man in das Fipanzgesetz eine g e- st a ff e I t e Einkommensteuer einfüge. Der Finanzmi-nister sagte, daß diese Einrichtungen nicht vor dem Jahre löiö Geltung erlangen würden. Man müsse darum zuerst über das Budget 1913 abstimmen und das Gleichgewicht für das Budget 1914 vorbereiten. Die Regierung werde das Budget für 1914 sofort nach der Abstimmung über dasjenige von 1913 einbringen. Der Sozialist B e d 0 u c e widersprach. Der Budgetberichterstatter N 0 u l e n s versprach, daß der Bericht in zwei bis drei Tagen vorgelegt werden würde. Damit war die allgemeine Aussprache beendet. Das Finanz- budget wurde mit Ausnahme des auf Liquidation der Kongregationen bezüglichen Kapitels, das auf Jaurss Verlangen zurückgestellt wurde, angenommen._ Die Mächte lind wieder einmal„einig". Wenn auch türkische Kavallerie und leichte Truppen bis in die Nähe Adrianopels vorgedrungen sein mögen, so befindet sich die Festung doch noch in den Händen der Bulgaren. Nichtsdestoweniger hat die Pforte schon einen Regierungsbeamteu an die Spitze des Gebietes Adrianopel ernannt. Die Regierungen der Großmächte lassen feierlich ver künden, daß sie„einig" darüber sind,'gegen die Türkei vor zugehen. Nur über das Wie und Wann schweigt man sich aus; darüber lassen auch die so redseligen englischen Minister nichts verlauten. Die inneren Interessengegensätze der Groß mächte sind schuld daran, daß die Diplomaten jetzt wieder hinter den Ereignissen herlaufen. Adrianopel noch bulgarisch. Sofia, 22. Juli.(Meldung des Rcuterschcn Bureaus.) Nach dem gestern abend die Verbindungen mit Adrianopel wiederhergestellt worden waren, wurde festgestellt, daß die Meldungen, daß Adrianopcl von den Türken besetzt sei, falsch ist. Diese Meldung ist durch das Erscheinen dreier Kaoallcrie-Eskadrons nebst irregulären Truppen unter Enoer Bcy in der Nähe der Stadt hervorgerufen worden. Diese Truppen habe» sich bald wieder zurückgezogen. Die bulgarische Regierung befahl den gcstohencn Behörden, ihre Posten wieder einzu- nehmen. Die gleiche Weisung wurde den Beamten in den anderen Orten in Thrazien erteilt, die aus Furcht vor einem Vormarsch der Türke» geflohen waren. Der türkische Vormarsch. Konstantinopel, 22. Juli. Die türkische Armee setzt ihren Vormarsch gegen Adrianopel fort. Der gestern gemeldete Kampf fand bei Kumsaid zwischen Muradly und Lüle Burgas statt. Eiueyt Blatte zufolge wurden S bulgarische Offiziere und 600 Mann bei Kabakdje zu Gefangenen gemacht. Zwei Kompagnien, welche Tscherkesköj verteidigten, wurden gefangen genommen. Bie Bulgaren sollen im Vilajet Adnanopel über 25 000 Mann verfügen, welche von zahlreichen Banden unter stützt tverlen. Der Wali von Adrianopel. Konstantinopel, 22. Juli. Der frühere Minister des Innern Hadschiadil ist zum Wali von Adrianopcl� ernannt worden. Er wird morgen auf seinem Posten eintreffen. Expedition t SM. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Die„einmütigen" Botschafter. London, 21. Juli. Das Reutersche Bureau erfährt: Ob- Wohl das Vorgehen der Türkei in diplomatischen Kreisen als die bereits hinreichend verwickelte Lage noch ver» wickelter gestaltend angesehen wird, wird es unter den Groß» mächten keine Verwickelungen hervorrufen, weil diese die einmütige Auffassung haben, daß das unsinnige Bestreben der Türkei bezüglich der Enos— Midia-Linie nicht geduldet werden dürfe. Es werden Schritte getan werden, um diesen Standpunkt der Mächte in Konstantinopel klarzulegen. Die Bot' schaftervereiuigung zeigte heute nachmittag voll- kommene Einmütigkeit in dieser Hinsicht, obwohl noch keine endgültigen Vorschläge gemacht worden sind. Die Botschafter besprachen ferner die Notwendigkeit, daß die Kriegführenden bald zu einer Verständigung kommen, und machten einige Fortschritte bezüglich des Statutes für Albanien. Asquith über das Vorgehen der Türkei. Loudon, 22. Juli. Auf dem großen Bankett der Handels- kammer von Birmingham sagte Premierminister Asquith: So- weit Großbritannien in Betracht kommt, haben wir, die wir keine eigenen speziellen Interessen im Orient haben, unermüdlich und nicht ohne Erfolg daran gearbeitet, eine gemeinsame Aktion der Großmächte zu fordern und zu erhalten. Ihr Konzert ist loyal aufrechterhalten worden, und ich sage mit voller Gewißheit, daß es niemals weniger in Gefahr w»r als jetzt. 3lsquith erwähnte die Ergebnisse dieser gemeinsamen Politik der Mächte: Die Bestimmung der Grenzen Albaniens und die Bestimmungen über die ägäischcn Inseln und den Friedensschluß von London. Asquith sagte: Was die Türkei betrifft, so wären wir selbst, und ich glaube alle Mächte, geneigt, auf der Grundlage des kürzlich geschlossenen Vertrages als anerkannte Tatsache zu betrachten, daß die Türkei ihr europäisches Gebiet innerhalb der festgelegten Grenze behielte und daß bei billigen Bürgschaften für gute Regierung die Integrität ihres asiatischen Reiches erhalten bleiben würde, und wir waren bereits eifrig bestrebt, ihr bei Verfolgung der schwierigen Aufgaben, die vor ihr liegen, allen möglichen Beistand zu gewähren. Wenn die Türkei, und ich will mich ganz rückhaltlos aussprechen, so schlecht beraten ist, daß sie sich über die Bestimmungen des Ver- träges hinwegsetzt, so muh sie darauf gefaßt sein, daß Fragen auf- gerollt werden, von denen es keineswegs in ihrem Interesse liegt, daß sie zur Diskussion gestellt werden. Mehr will ich jetzt nicht sagen,, aber ich konnte in einem solchen Augenblick nicht umhin, es nicht nur hier, sondern vor ganz Europa völlig deutlich zu machen, was die Stellung der Regierung und ich glaube des ganzen König- reiches ist. Austen Chamberlain sprach seine Zustimmung zu den Ausführungen deS Premierministers aus. Eine nichtssagende Antwort Greys. London, 22. Juli. Unterhaus. Nvel Bui'ton (liberal) regte an, daß vor endgültiger Regelung der serbischen, bulgarischen und griechischen Grenzen die Wünsche der Be- völkerung durch ein Plebiszit unter europäischer Leitung fest- gestellt würden. G r e y antwoilete: Ich fürchte, daß die politischen Verhältnisse jener Gegend nicht so sind, daß ein Plebiszit tunlich ist. Burton fragte nun, ob angesichts_ der Erklärung Asquiths von gestern abend, daß die Machte jetzt bezüglich der Regelung der Angelegenheit ihre Ent- scheidung zurückhalten würden, die Angelegenheit vor die Bot- schaftervereimgung gebracht werden würde. Grey ant- wortetc: Ich kann nicht sagen, ob die Angelegenheit im einzelnen vor die Botschaftervereinigung gebracht werden wird. Die Erklärung des Premierministers ging dahin, daß die Mächte ihre Entscheidung zurückhalten würden, bis die Regelung im ganzen vorgenommen iverde. Auf welche Weise die Botschafter sie in ihre Beratungen einbeziehen werden, ist eine Slugelegenheit. die sie entscheiden müssen, wenn die Zeit kommt. Die Antwortnote Rumäniens. Bukarest, 21. Juli. Die Antwortnote der rumänischen Regie» rung auf das Friedensgesuch der bulgarischen Regierung hat folgen« den Inhalt:' Die rumänische Regierung nimmt daS bulgarische An- gebot betreffend die Abtretung von Turtukhai, Dobritsch und Baltschik und die Zugeständnisse betreffend die Rumänen in Maze» donien an. Von der Ansicht ausgehend, daß der militärische Teil der Aktion von dem politischen zu trennen ist, schlägt sie die Er» nenmmg eines höheren Offiziers vor zum Zwecke deS Abschlusses eines Waffenstillstandes,/ dem die Ernennung von Friedensdelegierten zu folgen hat. Die Wahl des OrteS für die WaffenstillstandSver» Handlungen überläßt die rumänische Regierung den andern Krieg- führenden, die Friedensverhandlungen sollen in Rumänien statt- finden. Entwaffnung der bulgarischen Flotte. Sewastopol, 21. Juli. Der bulgarische Kreuzer „Nadjesda" und die sechs bulgarischen Torpedoboote,, die am 12. Juli hier eingetroffen waren, sind heute entwaffnet worden. t Fühlungnahme zwischen der rumänischen und serbischen Armee. Bukarest, 22. Juli.(Meldung der Agence Roumainc.) Das Presseburcau des Kriegsministerium� veröffentlicht einen amtlichen Bericht über die Operationen der Kavallerletruppen, die in südlicher und südöstlicher Richtung vorrücken. Am 20. Juli besetzte die Kavalleriedivision Orhanie, einen wichtigen strategischen Punkt am Nordfuße des Balkan, der die von Sofia über das Balkan— Jsker-Defilee zur Donau führende Straße und namentlich dieLandstraße Sofia— Rahova—Nikopolis beherrscht. Die Division machte 600 Mann des 16. bulgarischen Infanterieregiments zu Gefangenen. Nach kurzem Widerstand ergab sich der Feind, ohne daß auf rumänischer Seite irgend- welche Verluste zu verzeichnen gewesen wären. Hierdurch wird der rumänischen Kavallerie die Ueberwachung der Ausgänge jenseits des Balkans erleichtert. Das Defilee von Orhanie ist 50 Kilometer von Sofia entfernt. Zwei Tage vorher er- beutete die rumänische Kavallerie bei Osikowitza in der Nähe des Jskerdefilees einen Transportzug von etwa hundert Wagen mit Waffen und Munition, die der Feind von Rahova nach Orhanie und Sofia transportierte. Durch das Äewchrfeucr der Eskorte des Transports wurde ein Kavallerie- sergeant leicht verwundet. Aus den letzten Meldungen, sagt das Communigus, geht hervor, daß die Verbindung zwischen der rumänischen Armee und dem linken serbischen Flügel hergestellt ist, sowie, daß die feindlichen Truppen aus deni Gebiet nördlich vom Balkan verschwunden sind. Der amtliche Bericht schließt mit der Bemerkung, daß die in Friedenszeiten ausgearbeiteten Opcrationspläne in allen Punkten und Vermutungen aus- geführt werden könnten. Eine bulgarische Regierungserklärung. Sofia, 22. Juli. Der Minister des Auswärtigen Ghenadiew gab gestern in der S o b r a n j e die bereits angekündigte Erklärung ab, in der er u. a. sagte, er betrachte es als seine Pflicht, zu betonen, daß die Regierung, seitdem fie die Geschäfte über- nommen hat. von allen Mächten nur gute und aufrichtige Rat- schlüge erhalten sowie warme Sympathien und Unterstützung in ihren Bemühungen gefunden habe, der Krise ein Ende zu setzen. Wir lverden trachten, fuhr Redner fort, diese wohlwollenden Absichten der Mächte weiter zu entwickeln und zu stärken, indem wir diese vor allem von der unerschütterlichen und ehrlichen Absicht Bulgariens uberzeugen, loyal mitzuarbeiten an ihrem Werke der Wieder- Herstellung des Friedens, und dadurch die Achtung vor ihren Rat- schlügen beweisen. So stark auch das Recht Bulgariens, so groß auch die Qualitäten drS bulgarischen Volkes find, glauben wir dennoch, daß unsere Interessen nur dann am besten gewahrt sein werden, wenn wir mit den allgemeinen Interessen des zivilisierten Europas ge- meinsame Sache machen. Wir konnten das Wohlwollen der Mächte auch gelegentlich d«S Einfalls der türkischen Truppen in unser Gebiet jenseits der Linie EnoS— Midia sehen. Allerdings haben die von den Botschaftern der europäischen Mächte unter« nommenen Schritte noch nicht vollen Erfolg gehabt, aber wir haben Zusicherungen, daß die Großmächte, unter deren Leitung unsere Grenze gegenüber der Türkei festgesetzt worden ist, nicht zu- lassen werden, daß sich die Türkei jenseits dieser Grenze festsetze. Andererseits rechnen wir darauf, daß auch bei der Pforte die Einsicht Oberhand gewinne» werde über böse Leidenschaften, die danach angetan sind, die in der letzten Zeit angebahnten Versuche zur Herstellung von freundschaftlichen Beziehungen zwischen Bulgarien und der Türkei, wie sie den wechselseitigen Bedürfnissen der beiden Aachbarvölker entsprechen, zum Scheitern zu bringen. In diesem Sinne haben wir heute an den Großwefir Depeschen gerichtet. Die Mission, welche die Regierung übernommen hat, und an deren Duchführung sie sofort nach ihrer Bildung geschritten ist, bestand darin, das Königreich durch einen ehrenvollen Frieden aus der gegenwärtigen Krise zu befreien. Die Schritte, welche wir bei der rumänischen Regierung zur Wiederherstellung freund» schaftlicher Beziehungen in Bukarest unternahmen, bildeten . die erst« Bekundung unseres Entschlusses, mit den dringendsten Mitteln auf die Durchführung unseres Programms hinzuarbeiten. Die Antworten, die wir von der rumänischen Regierung erhielten, iiberzeugten uns, daß unsere Initiative bei ihr demselben Wunsche begegnete, sobald als möglich der abnormen Lage zwischen den beiden Völkern, zwischen denen nach ihrer gemeinsamen Vergangenheit und ihren gemeinsamen Interessen die größte Harmonie bestehen sollte, ein Ende zu machen. Wir find nach wie vor überzeugt, daß diese natürliche Harmonie trotz der letzten Mißverständnisse ihren Ausdruck in einer festbegründeten politischen Freundschaft finden könnte. Nachdem die Regierung mit Rumänien Verhandlungen eingeleitet hat, tritt sie nunmehr mit Serbien und Griechenland in Verhandlungen ein. Auf Einladung der russischen Regierung haben wir zwei Delegierte entsandt, welche die Friedens- Verhandlungen beginnen werden. Wir haben damit nicht bloß den wohl- wollenden Ratschlägen Europas entsprochen, sondern gleichzeitig einen schon in der ersten Stunde gefaßten Cnschluß der Re- gierung ausgeführt: denn wir glauben, daß dieser Entschluß den Wünschen der bulgarischen Bevölkerung und den höchsten Interessen Bulgariens entsprich� lieber die bevorstehenden VerHand- lungert können wir nur erklären, daß die Regierung fest und aufrichtig einen ehrenvollen Frieden abzuschließen wünscht. Dtr Ort, wo die Verhandlungen stattfinden werden, ist noch nicht festgestellt. Wir find von dem Wunsche des Kabinett» in Bukarest verständigt, durch einen Gesandten an den Ver- Handlungen über den allgemeinen Frieden auf dem Balkan teilzunehmen, worüber wir unsere vollkommene Befriedigung auS- sprechen, da wir Grund haben zu glauben, daß Rumänien erfüllt von dem Bewußtsein der Notwendigkeit, eine dauernde Lage auf der Balkanhalbiniel herzustellen, im Geiste der Versöhnung und Unpartei- lichkeit vorgehen werde.. Während sich einerieits Aussichten auf den von der ganzen Welt heiß ersehnten Frieden eröffnen, muß ich andererseits mit Bedauern feststellen, daß die serbischen und die griechischen Truppen ihre Angriffe gegen unsereLinien er« n e u e r n. Dank der Festigkeit und der unerschütterlichen Moral der bulgarischen Armee, welcher ich hier die begeisterte Liebe und An- erkcnnung unserer aller ausdrücken will(lebhafter Beifall), wurden alle Angriffe zurückgeschlagen. Ich kann indessen nicht umhin, mein Bedauern darüber auszudrücken, daß dieses neuerliche Blutvergießen gerade in einem Moment sich ereignete, wo die Mächte den Krieg« führenden einmütig und nachdrücklich empfahlen, einander die Hand zu reichen._ politifchc Qcbcrficht i „Der Zwang zum Schaffen." Seit den Wahlen im Januar 1912 hat sich die Lage des Zentrums im Reichstage wesentlich geändert. Es hat statt mehr als hundert nur noch neunzig Mandate, und auch die Rechte ist wesentlich geschwächt in den neuen Reichstags ein- gezogen. Vorllber ist auch die glorreiche Zeit von 1895 bis 1907, wo daS Zentrum eine Mehrheit nach rechts und eine Mehrheit nach links bilden und damit die Geschicke des Reiches nach Belieben leiten konnte. Das Zentrum muß sich deshalb nach neuen Wegen in der ReichSpolltik umsehen und da glaubt cS, auS dem Verlauf der Verhandlungen über die jüngste HeereSvsrmehrung die erforderlichen Lehren ziehen zu können. Iii einem Artikel der„Kölnischen Volkszeitung" (Nr. 626), überschrieben„Der Zwang zum Schaffen", wird dargelegt, daß sich bisher bei wichtigen Vorlagen auch im Reichstage die nötige Mehrheit, wenn auch von wechselnder Art, gefunden habe. Unter dem Zwange zum Schaffen seien die vorhandenen Gegensätze und etwaige Unstimmigkeiten immer überwunden worden— was sich namentlich bei der letzten Heeresvorlage gezeigt habe, trotzdem hier die Schwierig- keiten im Anfang und noch lange Zeit nachher unüberwindlich schienen. Das Btutt stellt nun die Frage, ob die Erledigung der Heeresvorlage auch einen Wendepunkt in dem Ver- halten der bürgerlichen Parteien außerhalb des Reichstags bedeuten würde— eine Frage, die das Zentrum nach seinem Mandatsverlust im Januar 1912 und im Hinblick auf seine konservativen Freunde auch nach den letzten Ersatzwahlen besonders nahe angeht. Das Zentrum predigt, seitdem ihm die Leitung der Reichspolitik aus den Händen entschlüpft ist, die S a m m- luüg der bürgerlichen Parteien— zunächst im Reichstag zur Bewältigung der parlamentarischen Geschäfte mit der besonderen Absicht, dadurch die Sozial- demokraten auszuschalten, dann aber auch im Lande zur Rettung der Mandate für die bürgerlichen Parteien und zur Niederhaltung der Sozialdemokratie. Die Reichstags- arbeit im bürgerlichen� Sinne ist nicht möglich ohne eine Wahltaktik im selben Sinne, denn, so schreibt die„Kölnische Volkszeitung", es geht nicht an,„daß eine der Arbcitsparteien (Konservative, Zentrum und Liberale) diejenige Partei unter- stützt, die sich allen als Todfeindin gegenüberstellt und einen Hemmschuh für stuchtbringende parlamentarischeTätigkeit bildet." Das Kölner Zentrumsblatt gibt den Liberalen die Ver- sichcrung, daß Zentrum und Konservative in der Zeit nach 1909 gar nicht daran gedacht hätten, sie auszuschalten, andererseits aber bestehe für die Liberalen die Gefahr, als Wahlverbündete der Sozialdemokratie von der radikalen Linken so in Ab- hängigkeit zu geraten, daß dann die Arbeitsfähigkeit des Reichstages ernstlich bedroht und die Regierung zum Ein- greifen genötigt sei. Nachdem ein Ausspruch Bassermanns als Beweis dafür angeführt ist, daß der Kampf unter den bürger- lichen Parteien verderblich sei, schließt das Blatt: Gibt die gemeinsame Arbeit um die Verstärkung unserer Wehr- macht den Anstoß zur Zurückdrängung der Sozial- d e m o k r a t i e, die bei gemeinsamem Vorgehe» gar nicht schwer ist, so hat sie nicht nur unsere Kraft nach außen, sondern auch unsere innere nationale Widerstandsfähigkeit ersteulich gehoben. Es läßt sich begreifen, daß sich unter den gegenwärtigen Verhältnissen im Reichstage das Zentrum nicht wohl fühlt, besonders deshalb nicht, weil die Tage näher rücken, wo die Erneuerung deS Zolltarifs in Angriff genommen werden muß. Die Bauern im Zentrum sind ungebärdige Leute mit Ansprüchen, die sich an Unverschämtheit nicht im mindesten von denen der ostclbischen Junker unterscheiden. Sie machen Kehrt und gehen zu den Landbündlcrn, wenn das Zentrum ihnen nicht genügend Beute sichert. Da versteht man es, wenn das Zentrum sich zeitig nach Hilfe umsieht, um diejenige Partei auszuschalten und zu schwächen, von der am meisten Widerstand gegenüber den Anmaßlichkeiten der agrarisch interessierten Parteien zu erwarten ist. Ob die Bemühungen des Zentrums, die Liberalen für die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft zu gewinnen, Erfolg haben, muß abgewartet werden. Auch die Liberalen dürsten die Er- fahrung gemacht haben, daß das Zentrum nichts tut lediglich um Gotteswillen. Tatsächlich hat das Zentrum nichts anderes im Auge, als sich wieder die Bildung einer doppelten Mehr- heit zu ermöglichen. Gingen die Liberalen mit dem Zentrum, um bei den Wahlen die Sozialdemokraten niederzuringen, so wären nicht wir, sondern die Liberalen die Leidtragenden, und auS der Ausschaltung der Sozialdemokraten, die das Zentrum so verlockend in Aussicht gestellt, würde in Wirklichkeit eine Ausschaltung der Liberalen werden. Klerikale Märchen. Bei der am Sonntag in Köln abgehaltenen Kolpingfeier hat auch, wie wir bereits in der Montagsnummer meldeten, der neu- gebackene Kölner Erzbifchof Dr. von Hartmann eine Rede gehalten. Er sagte: „Ich zweifle nicht daran, daß Sie alle, besonder» die Gesellen, die Angehörigen deö Handwerks und die Präsides, über die Gunstbezeugung und gütig« Teil« nähme des heißgeliebten Heiligen Baters hoch erfreut sind z ich zweifle auch nicht daran, daß dieser Akt des Statthalters Christi ein Ansporn für Sie sein wird, mit unerschütterlicher Treue und heiliger Liebe dem Papste ergeben zu sein. Wir wollen in diesem Augenblick über die Alpen schicken den Schwur der Treue— wir wollen dem Helligen Bater sagen:„Heiliger Bater, was du lehrst. erfassen wir mit vollem Ernste, wo du hingehst, folgen wir. und Ivir bleiben dir ergeben mit Herz und Hand." Das ist der Schwur, den wir heute niederlegen zu den Füßen des Heiligen VaterS, und damit er in Erfüllung gehe, möchte ich Ihnen allen, be- sonder« den Gesellen und Prästdes, meinen oberhirtlichen Segen geben." Daß die Gesellen und die„Angehörigen des Handwerks", so weit unter diesen Arbeiter zu verstehen sind, sich der besonderen Gunst de» Papstes zu ersteuen haben, wird niemand behaupten, denen nicht theologische Scholastik und Kasuistik die Fähigkeil logischen Denkens geschwächt hat. Oder ist vielleicht die päpstliche Enzyklika gegen die christlichen Gewerlschaften, die diese wirtschaftlichen Arbeiter- verbände der Willkür deS KleruS ausliefert und sie an allen Enden in dem Bestreben hindert, die wirtschaftliche Lage ihrer Mitglieder zu verbessern, als eine den katholischen Arbeitern erwiesene Gunst zu betrachten. Wie einst dem Thomas von Aquino gelten auch heute noch dem Papsttum die Arbeiter als ein minder berechtigter, zum Dienen und Gehorsam bestimmter Stand, und der Bischof von Regensburg Dr. Henle hat die Tendenz der katholischen Staatslehre treffend gekennzeichnet, als er den Satz prägte:„Wer Knecht ist, sollKnecht bleiben!" Heißt es doch z. B. in der gegen die sozialpolitischen Bestrebungen der christlichen Demokratie ge- richteten Enzyklika Leo Xin. vom 18. Januar 1901: „Die christliche Demokratie hingegen muß. schon weil fie christ- lich heißt, auf die vom göttlichen Glauben gegebenen Grundjäye als auf ihr Fundament sich stützen und auf dieser Grundlage für den Vorteil der untersten Schichten so wirken, daß fie die für die ewigen Güter geschaffenen Seelen in entsprechender Weise ver- vollkommnet. Darum darf ihr nichts heiliger sein als die Ge- rechtigkeit. Das Erwerbs- uud Besltzrecht muß sie für unantastbar erklären. Sie achte den Unter- schied der Stände, die wahrhaft für ein wohl« bestelltes Staatswesen natürlich sind." Und weiterhin heißt eS: „In der gleichen Weise muß die christliche Demokratie dem anderen Stein des Anstoßes ausweichen, nämlich dem Vorwurf, sie wende dem Wohle der niederen Stände in einem Maße ihre Sorgfalt zu, daß die höheren Stände von ihr vernachlässigt zu werden scheinen: stirb doch die Leisturrgen dieser letzteren für die Erhalt» rrg und Vervollkomm- nung des Staatswesen« von nicht geringerer Bedeutung." Bor allem das Wohl der«höheren Stände", die in ihren Er- werbsintereflen und Befitzrechten durchaus nicht geschädigt werden dürfen— dann erst hinterher kommt daS Interesse der Arbeiter! DaS ist päpstliche Arbeitersreundlichkeit. Protest geg,nd den Erfolgen der proletarischen Bildungtbewegung. ve,p«m? dr««usaaben der SildungsauSichusse. denen in Zutunsl der N»u»u schaffende LezirlSbildungSauSjchuß Mit Rat und Tal zur Seile stehen 20. Ortskrankenknssentng. Ter Hauptverband deutscher Ortskrankenkassen, e. V., Sitz Dresden, welcher den allgemeinen Zwecken der Krankenhilfe der Reichsversicherung dient und die gemeinsamen Aufgaben und Jnter- essen der Ortskrankenkassen fördert, hält vom 18. bis 20. August diese« Jahre« von vormittags 9 Uhr ab im großen Saale bei Schicßwerders' zu Breslau seine 29. ordentliche Mitgliederver. sammlung ab. Dem Verband gehören zurzeit 479 Kassen und 25 Kaffcnver- bände mit 4� Millionen Versicherter an. Alt vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Bericht der geschästSführcnden Kasse, 2. Wohnungsfrage und Krankenversicherung, Referent: Dr. jur. Iah. Altenrnth-Charlotten- bürg, 3. Neue Gegner der Sozialversicherung, Referent: Rudolf Wissell-Berlin, 4. Stand der neuen Organisation der Krankenkassen »nd deren Berhältni« zu Aerzten und Apothekern, Referent: Fraß- darf, 5. Eingabe an den Bundesrat wegen Ausführung der PS 517 und 518 der ReichsversichernngSordnung, Berichterstatter: Eichstädt- Weimar, Vorsitzender des Verbände« der Ortskrankenkassen Thürin- genS, S. TaS Recht der Kassenvereinigungen und die Aufwendung von Kassrnmittrln hierzu i§§ 363 und 414 RVO.), Referent: Justizrat Dr. Mayer-Frankenthal, 7. Berhandlungen mit deutschen und österreichischen Badeoerwaltungcn wegen der Benutzung von Kur. bädern für die dem Hauptverbunde angehörenden Ortskrnnkenkaflen, Referent: Albert Kohn-Berlin. 8. Hinwei« auf die Rezeptrevifionen für OrtSkrankenkassen durch Dr. med. Landinann in Oranienburg und Apotheker A. Kofska in WilmerSdorf-Berlin, 9. Praktische Bcr- waltungSfragen, 10. Revision der Satzung und der Geschäftsordnung des Hauptverbande«, 11. Bestimmung de« Orte« zur Abhaltung der nächstjährigen»rdentlichen Mitgliederversammlung. Ein Armenhaus zur Abschreckung der Armut. Aus allen Gegenden von Europa hat die rheinisch-westfälische Industrie ihren Arbeiterbedarf zusammengesucht. Unter den glän- zendsten Versprechungen werden die Leute von gewissenlosen Agenten angeworben. Sind sie erst einmal an Ort und Stelle, dann erleben sie die schlimmsten Enttäuschungen. Einmal sind die WohnungSverhältnisse unter aller Kritik; z. B. mußten noch im vorigen Jahre eine Anzahl fremder Arbeiterfamilien in Dorstfeld wochenlang in zugigen Kegelbahnen, früheren Pferdeställen und elenden Baracken kampieren. Dann kommt hinzu, daß der Ar- beiterverbrauch ein sehr großer ist. Frühe Invalidität ist die unab- wendbare Folge der schweren und ungesunden Grubenarbeit. Auch die vielen Unfälle tragen dazu bei, daß viele Arbeiterfamilien schließlich der völligen Verarmung anheimfallen. Sobald'der Prole- tarier aber nicht mehr auSbeutungSsähig ist, hat die Großmdustrie alle« Interesse an ihm verloren. Die Sorge für die Verarmten wird großmütig den Gemeinden überlassen, deren Armenlasten in erschreckender Weise wachsen. Diese hätten allen Anlaß, aus Mittel und Wege zu sinnen, wie die Großindustrie zu den von ihr ver- schuldeten Lasten herangezogen werden'könnte. Statt dessen denken die Gemeinden darüber nackß wie sie sich der Armen erwehren können. Ein geradezu klassisches Dokument dazu bietet eine Vor- lag«, die den Gcmciudevertrctcrn gegenwärtig im Amt Mengede (Kreis Dortmund) gemacht wird. Für dys Amt soll ein Armenhaus errichtet werden. Der Amtmann iv. Köckritz) hat dazu eine Be° gründuno ausgearbeitet, in der zunächst auf die steigende» Armen- lasten de« Amte« hingewiesen wird. Dann heißt es wörtlich: ..Es ist anzunehmen,.daß für die Folge die Armenlasten in stäriereiu Maße steigen werden. Zwecks Verminderung der Armenlasten empfehle ich den baldigen Bau eine« Armenhause«. Hierdurch würde erreicht, daß verarmte Personen oder. Familien besser verpflegt werden könnten al» durch die Verabreichung von Barunterstütz'ungs ferner würde man ln der Lage fein, Wmju kanten besser z« kontrollieren. Mancher Gesuchsteller, dem ein Plan im Armenhause angewiesen wind, würde verzichten und e« vorziehen, fich durch eigene Kraft weiter zu helfen. Arme Obdach- lose, die bei dem hiesigen Wvhnungsmangel oft erst nach mehreren Tagen untergebracht werden können, würden beim Vorhandensein eines Armenhauses sofort ein Unterkommen sin- den. Es ist wiederholt vorgekommen, daß eine obdachlose Familie, für die die Armenvcrwal- t u n g keine Wohnung beschaffen konnte, tage- lang von einer anderen Arbeiterfamilie auS Mitleid aufgenommen wurde.' Das Armenhaus soll also einmal als Abschreckungsmittel für die Armut dienen und zum anderen zur Beseitigung der Wohnungs. not beitragen. Mehr kann man von einer solchen..wohltätigen" Einrichtung wirklich nicht erwarten. Trotz alledem will man weiter. wie es in der Vorlage noch heißt,„die noch vorhandene Arbeitskraft der im Armenhause untergebrachten Personen zum Vorteil der All, gemeinhcit ausnutze n." Diese Begründung wird noch interessanter, wenn man hört, daß seinerzeit der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerksgesellschaft (Stinnes) die Erlaubnis zum Koloniebau nur unter der Bedingung vom Amt Mengede gegeben wurde, daß. die Gesellschaft fi�r die von ibr verursachen Armenlasten selbst auslommc. Wahrscheinlich will diese jetzt die ihr auferlegte Verpflichtung den einzelnen Gemeinden aufbürden. Unter der Herrschaft der Jndustriejunker bilden sich nachgerade dieselben Zustände heraus, wie sie bei den Krautjunkern gang und gäbe sind._ Letzte Nachrichten. Adriauope! und KirkUissc von den Türken zurückerobert? K o n st a n t i n o p e l, 22. Juli.(W. T. B.) Amtlich wirb gemeldet, daß Adrianopel und Kirkilisse von den Türken unter Enver Bey besetzt worden sind. Die Besetzung beider Plätze er» folgte sehr schnell, die Bulgaren leisteten fo gut wie keine« Widerstand. Vom ÄriegSschaupIatze auf dem Balkan. Belgrad, 22. Juli. lMeldung des serbischen PressebureauS.) Die Entsendung der bulgarischen Unterhändler nach Pirot und Nisch und die wiederholten Versuche, in Friedensverhandlungen einzu- treten, haben den Lauf der Operationen nicht unterbrochen. Gestern und heute kam es fast auf allen Fronten zu Kämpfen, gestern abend eröffneten die Bulgaren daS Artilleriofeuer gegen unseren rechten Flügel und versuchten die Stellungen wicderzuerobern, die sie in einem nächtlichen Angriff verloren hatten. Unsere Jnfan» terie und Artillerie erwiderten das Feuer, und der Feind wurde zurückgeschlagen. Die Kämpfe bei Egri-Palanka waren iveniger bedeutend, aber sie dehnten sich übor die ganze Linie von Patrizo big zum Osogowogebirge aus. Die bulgarischen Truppen wurden in diesen Kämpfen zurückgeschlagen, während die serbischen zwei Dörfer einnahmen. Eine unserer Kolonnen kam von Knjejewat» gestern bi« auf sechs Kilometer in die Nähe von Belogradschik, ein anderer Truppenteil rückte von Zaitschar gegen Belogradschik vor; heute früh besetzten unsere Truppen diesen Ort. Budgetabstimlnung in der französischen Kainmer. Pari«, 22. Juli.>W. T. B.) Die Deputiertenkammer hat das Budget des Innern, in der die Einziehung der Unterpräfekturen für die Zukunft vorgesehen ist, mit 266 gegen 256 Stimmen angenommen. Ferner hat die Kammer die Budgets des Kriegs-, Ma- rine- und Unterrichtsministeriums sowie das deS Arbeits- Ministeriums und desjenigen der OeffenUichen Arbeiten ange- nommen. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Landung österreichischer Offiziere auf italienischem Gebiet. Rom, 22. Juli. iP.-C.) Ein österreichischer, mit vier Personen besetzter Freiballon ist bei Grocaria auf italienischem Boden gelandet. Die Insassen sind österreichische Offiziere, die w ä h» read der Fahrt zahlreiche photo graphische Auf. nahmen gemacht haben. Sie»vurden nach Moggio über- führt, Ivo sie in Haft behalten werden, bis nähere Anwtisun- gen vom Kriegsminister in Rom eingetroffen sind. Entdeckung neu» Verschwörungen in Portugal. Lissabon, 22. Juli.(W. T. B.) Es wurden neue Per- Haftungen vorgenommen und mehrereBomben be- schlagnahmt. Wie die Blätter melden, wurde ein neues Komplott entdeckt, durch das mehrere Unteroffiziere des ersten Artillerieregiments kompromittiert sind. In Lissabon und in den Provinzen herrscht vollkommene Ordnung. Die Unruhen in Mexiko. Washington. 22. Juli. lP.-E.) Die Unruhen in Mexiko dauern an. I» der am Golf von Mexiko gelegenen Hafenstadt Tuxpan»in Staate Veracruz»st es den Rebellen gelungen, die Re- gierungstruppen zu vertreiben. Die Rebellen ergingen sich in den größten Grausamkeiten, so daß der englische Konsul sich gezwungen gesehen hat, die amerikanische Regierung zum Schutz der britischen Kolonie»in Entsendung eines Kriegsschiffes zu bitten. Die ..Louisiana", ein Schlachtschiff von 18 OOO Tons Deplacement, dessen Besatzung 950 Mann beträgt, ist nach Tuxpan abgesandt worden. Das Kanonenboot„Wheeling" ist an die Grenze von Mexiko be- ordert worden, wo Leben und Eigentum von Amerikanern be- droht sind. Vom internationalen Bergarbeiterkongrefe. Karlsbad, 22. Juli.(W. T. B.) Der heutige Verhandlungstag deS 24. internationalen Bergapbeiterkongress-ts war der Be- sprechung der Arbeitszeit und deS Bergarbeiter-, schütze« gewidmet. Anwesend waren. 145 Delegierte, die 1 333 000 Bergarbeiter vertraten. Die Delegierten berichteten über die Ae- setze und Einrichtungen ihrer Länder, hierauf wurde eine R e so- l u t i o n betreffend die achtstündige Arbeitszeit angenommen, in der verlangt wird, daß an heißen oder nassen Arbeitsstätten nur sechs Stunden gearbeitet werden darf. Ein weiteres Opfer der Bremer Bluttat. Bremen, 22. Juli.(W. T. B.) Di« Bluttat in der hiesigen Marienschule hat noch ein weiteres Opfer gefordert. Gestern abend starb im Diakonijseuhause die sechsjährige Elli Höger infolge der erhaltenen Schußwunden. Bootsunglück. Bremen, 22. Juli. lW. T. B.) Wie die..Weserzeitung" meldet, ertranken gestern infolge Kentcrns des JährbooteS, das mit 15 Ar, beitern besetzt war, zwei Arbeiter im hiesigen lJndustriehafen.- Eine Brandkatasirophe. Binghainpton iNcwtzork», 22. Juli. kW. T. B.) In einer Fabrik für Arbeiterkleidung ist ein Brand ausgebrochen, bei. dem vierzig Arbeiterinnen u m s L e b e n kamen. Der Brand breitete sich Mit großer Schnelligkeit aus und rief eine große Panik hervor. Es befanden sich 125 Arbeiterinnen in dem Gebäude, viel« von ihnen sprangen au» den Fenstern und er- litten dabei schwere Verletzungen. Da» Gebäude brannte in zwanzig Minuten nieder. &€€€€««««»»ASSS Un(em werten SangeZbrnder vsld Emdener Straße 41, im Alter vou 47 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. Juli, vor- mittags 9'/, Uhr, vom Kranken- Hause Moabit/ Birkenstraße, aus nach dem Sebastian- Kirchhof in Neinickendors statt. Um rege Beteiligung ersucht 36/6 Gie Ortsvcrwaltung. I Codcaanzcigc. Statt jeder besonderen Meldung machen wir die traurige Mitteilung. daß unser lieber Vater, Schwiegcr- vater, Großvater und Schwieger- söhn Exnst Friedrich Naunynstraßc 83, nach langem schweren Leiden am Sonntag, den 20. Juli, 6'/, Uhr, verstorben ist. Im Austrage derHinterbliebenen Ernst Lobe nebst Frau Neukölln, Emserstr. 41. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. Juli, nach- mittags 4 Uhr von der Leichen- halle des Thomaskirchhoses, Neu- kölln, aus statt. 24A LelltoKei'MtMeiler-Vesltöiiii Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechaniker Frnst Friedrich Naunynstraßc 83, am 20. Juli, an Leberlciden gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Thomas-Kirchhoses in Neukölln. Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/10 die Ortsverwaltung. Verbanil d. Brauerei- o. Hiihlen- arbeitero.ferw.Beru!spossen. Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen diene zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Brauer Max Krause gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. d. Mts., nachmittags 4>/, Uhr, aus dem städtischen Friedyos in Friedrichs- selbe statt. 43/20 Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Die Ortsvcrwaltung. Deutscher Transportarbeiter-YerbaniL Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Max Kaiser am 21. Juli imAller von2ö Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. Juli, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Christus-Kirchhoses in Mariendors aus statt. 66/17 Oie Bezirksverwaltung. Danksagung. Ssit die Beweise zahlreicher TeU- nagme sowie sür die zahlreichen Kranz- spenden bei der Einäscherung meines sieben Bruders Frnst Hennig sagen wir allen Freunden und Gönnern den besten Dank. L3A Die Anverwandten. Zentraiverband der Fleischer. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege Willi Peters am 21. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. Juli, nach mittags 33/4 Uhr, aus dem Bartho- lomäus- Kirchhos in Wcißensee statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 287/13 Der Borstand. Am Montag, den 2t. Juli, entschlief nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber Kollege, der Fleischcrgcselle Willi Peters. Alle, die ihn gekannt haben, werden ihm ein ehrendes An- denken bewahren. Oie kleisehergesellen der Firma Aschinger. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. Juli, nach- mittags 3°/, Uhr, auf dem Weißen- scer Bartholomäus-Kirchhof statt. Verband der ireien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die krau Kollegen Schneller, Klara geb. Brockmann Dölzig erstraße 18(Bezirk 3) nach langen Leiden verstorben ist. Ehre ihrem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhofes in Friedrichs- sclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/11 Die Ortsverwaltung. Kranken- nnd Stkrbe;nschuß- Kasse der Zchneider und oer- wandter Kerufsgenossen Berlins und Umgegend. Sonnabend, den»«. Juli 1913, abends.8'/, Uhr, im Lokal»Corona-Prachtiäle3', Kommandantenstraße 72: General-Versammliing. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. u. 2. Quartal. L. Kasscnangelegenheiten. 3. Slatutenberatung. 4. Wahl eines Revisors. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches Erscheinen wird ge- beten. 287/14 I. A.: Der Rorstand. Di». Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Vochenrate 2 Mk. 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Bericht von der General- Bersammlung in Halle. 4. Diskussion. 5. Verbandsangelegenheiten. ----------- Mitgliedsbuch legitimiert!--- Wegen der reichhaltigen Tagesordnung wird die Bersammlung pünktlich um 8'/., Uhr eröffnet. 130/18' vi« Ortsvorwoltmis. Gtllcl 'Cbeater. Mittwoch.*1« 88; Sali 1913. Ansang 7'/, Uhr. Prater. Tausend und eine Nacht. Antang 8 Hb:. Urania. Von der Zugspitze zum Watzmann. Acnes Oper«(Kroll». Tannen. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Ruf. Schiller O. Der Troubadour. Berliner. FUmzauber. Dbalia. Pupvchcn. Metropol. Die Kino-Königin. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshalle«. Dresdener Viktoria- Sänger. Anfang S'l, Übt. Komödienhans. Hochherrschastliche Wohnungen. Friede.< Wild. Schauspielhaus. DaS Farmermädchen. LnftspielhauS. Der lustige Kakadu. Rose. Tagebuch einer Verlorenen. Aniang 8'/, Übt. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Theater am Nollendorsplah. Der Mann mit der grünen MaSke. Ansang 9 Ubr. Admiralspalast. EisballcU: Flirt in St. Moritz. -»» Sternwarte. Jnvalidenstr. 57— 62. Saehse-Oper SeWller-TbealerO.lSS: 8 Uhr: Der Troubadour. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. Kroll-Oper 8 Uhr: Carmen. (Letztes Gastspiel: Bernardo Bernardi.) Donnerstag: Tauuhäuser. OSE=THEATE (Btoße Frankfurt c: Ztr.»Z» Tagebuch einer Verlofenen." _ Ansang 8'/, Uhr. Aus der Gartenbühne: vs geht los! Große Posse. Ansang 4'/, Uhr. Ttoster am Kollendorfplatz 8 1,1 Mann mit der grün. Maske, ft II | Im Kino-Bari etöleil erst- Ul 1 2 klassige Varictonummern u. d. neuest.Gaumontfilms 8' Jßetropol-Theater. Abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Alten von Jul. Freund und G. Okonkowski. Musik von«Jean<*ilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. pa88age-paiiopti!lum Her persische Augenfakir in seinen fanat. Derwisch- Martern (hebt u. a. mit den Augen schwere Gewichte). 3 Schwestern Liliput, die kleinst. Schwest. der Welt. Alles lebend: Ohne Kxtra-Entree! DentscheaSchsasplelhana 8 Uhr: Der gute Ruf. LOCI SCHER-�3 � GARTEN � Täglich: Großes Militär- >ii Doppel-Konzert. Eintritt 1 Murk, von 6 Uhr ab SO Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälft«. Voigt-Theater Badftraste 58. Jeden Mittwoch: Elitetag. m Jlelnaine. VolkSstuck mit Gesang u. Tanz v. Bach. Ballst. neueSpezialit. 1. Ranges. Kassenöfin. 10 Uhr. Ansang 4-/, Ubr. Voranzeige. Dienst., S. Aug.: Benefiz Heinr. Bach: Ter Verschwender. iieielizlisllen-Theater fäastaplcl der berühmten Dresdener Viktoria- Sänger., h Anfang 8 Uhr. Freitag, 1.8.: Wiederbeginn der Snireen der Stelliner Sänger Berliner Praler-Theater 7_9 Kastanicn-Allee 7—9. �eute: tSr-ftes Kiudersre�»e»test. Tuulfud und eiue yaltit. Pbantasti'ches Märchen in 3 Bildern 00» Schulz. Musik v. A. Kerftcn. «rftklafi. Spezialitäten. Konzert. Ansang 4'/, Uhr. Emtritt 39 Ps. Volksgsrtsn-Thester. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/25 Heute; Kr Gala-Benefizvorstellung lur oernn Regfiseur Artur Limburek Der Rand der Sabinerinn".. Schwank in 4 Akt. v. F. u. B-chämbön todfte,,unbD0�Ä3<:"bCr Sbeziolitäten. Is Neue Welt s A.Scholz. Hasenheide 108-1 14 Mittwoch, den 23. Juli 1913: Großes Ifiler-Erntelest verbunden mit Eirntoumzug. Puppenflieater, Bcnhonregon, Fackelzug und Verlosung. 1. Hauptgewinn für Knaben und 5Iädchcn_ je eine goldene Anfang4 Uhr. EngegiEXi: Voran»: elfte! ■ ycnerwcrK. ___ Bremer ei Friedrichshain mm rSL«-Lnigstor..„ Cef.: Ernat Ideblng.■ ■ OCf icden Dienstag- und Oonnerstagnachmittag:"*01 Kaffee-*Jrsi-Vor Stellung| 5 der Xorddentsehen und Apollo- Sänger I bei freiem Entree. Freitags: Frci-Konzrrt. �.6m!ralspslsst Ein». Elapnlaat der Welt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt Allabendlich Flirt in St. IHorltz. Bis 6 Uhr und von lO3/, Uhr halbe Kassenpreise. Berantw. Redast.: Alfred Wiejepp, Neukölln. Inseratenteil veranffv.: Uh. Glocke, Berl'N. Druck u.«erlag: Vorwärts Buchdr.u.«erlags'anstal, KaulSinger ö- Co., Berlin L>V. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltung»� S Nr. 186. 30. Iahrgaug. 1. Seilme des Jonöttf fitiiiiict Bolblilalt. Pittwjodj, 23. Juli 1913. GewerkrchaftUcbca. Die pfiffigen Ctterftbefitzer. Die alte Leier I Die Forderungen der Arbeiter sind un> annehmbar! Ueber die gemachten Zulagen— Scheinauf- befferungen— kann nicht hinausgegangen werden, ohne die Rentabilität der Unternehmen vollständig zu untergraben. Jetzt schon stehen die Erlöse mit den Selbstkosten nicht im Einklang. Vielfach wird mit Verlust gearbeitet!-- So, und ähnlich hört man es bei jeder Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit aus dem Lager der Unternehmer ertönen. Manchmal mit etwas mehr, manchmal mit etwas weniger Gehässigkeit gegen die Arbeiterschaft. Die Werstbesitzer gehören nicht zu den Sanftmütigsten unter den— Scharfmachern. Auch sie lassen vexkunden, daß die Geschäfte eigentlich schauderhast schlecht gingen, sie nichts verdienten und nun noch die ausschweifende Forderung der Arbeiter. Das sei zu viel I Die Forderung der Arbeiter müsse man, wohl oder übel, in Sorge um die Existenzmöglich- keit der Betriebe, unbedingt ablehnen. Und die nähere Be- gründung? Auch die bringt immer wieder die alten be- kannten Ladenhüter. Entweder man ist gerade am Beginn einer Hochkonjunktur und dann hat man Aufträge zu den in der Krise üblichen niedrigen Preisen hereinnehmen müssen, oder, es ziehen Krisenzeichen auf, dann läßt man verkünden. das Material sei zu hohen Konjunkturpreisen eingekauft worden, nun aber müßten die Verkaufspreise herabgesetzt werden. Sonderbar, daß es gerade immer so trifft I Die armen Aktionäre. Die Werftbesitzcr klagen über ihr Leid, von der guten Konjunktur wenig profitiert zu haben, denn die schönen großen Aufträge seien zu den schlechten, un- lohnenden Preisen vor dem letzten Aufschwung über- nommen. Hat man dafür Material zu hohen oder höchsten Konjunkturpreisen eingekauft? Kein vernünftiger Mensch wird's glauben. Aber noch eins: Die Werften ver- fügen noch über ungewöhnlich hohe Auftragsbestände;— die in Aussicht stehenden neuen Kriegsschiffsbauten sichern zudem gute Ergänzung. Gleichzeitig jagen die Eisen- und Stahl- Hersteller hinter Austrägen her und verstehen sich zu enormen Preisnachlässen. Da höhere Preise einkalkuliert worden sind, drückt das Sinken der Eisenpreise auch die Gestehungskosten der Werften beträchtlich herab. Für sie beginnt nun erst die rechte Hochkonjunftur. Dazu war die voraufgegangene nicht schlecht. Als Beweis für solche Ansicht diene die Aufstellung der verteilten Dividenden: vorletztes Jahr letztes Jahr Atlaswerke, Bremen..... 4 6 Blohm und Votz, Hamburg... 4 7 Janssen und Schmilinski.... 4 7 Henry Kreb, Lübeck...... 6 8 Stettmer Oderwerke...... 6 8 Tecklenburg, Bremerhafen.... 4 8 Bremer Vulkanwerke..... 10 10 Andere Werften, die im vorletzten Jahre sehr r eichlich ausgeschüttet hatten, ermäßigten die Dividenden für das letzte Jahr etwas, brachten aber doch mehr als L Proz. heraus, wie die Vulkanwerke in Stetttn und Hamburg. Da die Wersten, besonders die großen Unternehmen, nun erst recht in Hoch- konjunkturverhältnisse hineinkamen, ist die Möglichkeit zweifellos gegeben, die Arbeitsverhältnisse nach den Wünschen der Arbeiter zu regeln. Daß noch ziemlich bedeutende Aufträge zu erledigen sein müssen, das kann man aus folgenden Angaben entnehmen: Es wurden in den betreffenden Jahren Schiffe fertiggestellt und es waren noch im Bau begriffen am Jahresschluß, wobei zu bemerken ist, daß nur Schiffe von über 100 Brutto-Register- tonnen berücksichtigt worden sind: fertig- noch im gestellt Bau 1907... 259 000 Tonnen 260 648 Tonnen 1908... 149 638„ 189 439 1909... 203 540„ 127 675 1910... 117 784„ 315 404 1911... 272 909„ 481 603 1912... 280 462, 798 547 Man ging demnach mit einem ganz ungewöhnlich hohen Auftragsbestand in das Jahr 1913 hinein. Diese Tatsache ist für die Beurteilung der Situation sehr wichtig. Manche Aus- träge verlangen baldige Erledigung und eine längere Arbeits- ruhe würde die Unternehmer in böse Verlegenheiten bringen. Wenn die Unternehmer trotzdem sehr protzig auftreten, dann steckt dahinter ein gut Stück Berechnung. Man will dadurch auf die Arbeiter einwirken. Die nach außen be- kündete eigene Siegeszuversicht soll die Arbeiter einschüchtern, mutlos machen. Der Trick zieht nicht. Die Arbeiter sind über die Werkverhältuisse viel zu gut unterrichtet, als daß sie sich durch solche plumpe Mittel bluffen ließen. Berlin und Umgegend. Tie Berliner Bauarbeiter für die Arbeitslosen- Unterstützung. Im Laufe der letzten Wochen erörterte ver Zweigverein Berlin des Bauarbeiterverbandes in einer Delegierteuversammlung und vielen Bezirksversammlungen eingehend die vom außerordentlichen Verbands- tage in Berlin den Mitgliedern zur Beratung und Beschlutzfassung überwiesene Vorlage betr. Einsührung der Arbeitslosenunterstützung. Als der Verbandsvorstand im Herbst des vorigen Jahres mit seiner Vorlage an die Oeffentlichkeit getreten war, erklärte sich der Verein im Prinzip f ü r die Einführung dieses Unterstützungszweiges, lehnte jedoch die Vorlage des Vorstandes in bestimmten Einzel- hellen ab und beauftragte die Delegierten, auf dem VerbandSwge für die Annahme der' gestellten VerbesserungSanträge zu wirken. Der ordentliche Verbandstag nun stellte die Verabschiedung der Frage bis nach Beendigung der Lohnbewegung zurück, setzte aber eine Kommission ein, dem autzerordentlichen Verbandstag, der zur Beendigung der Tarifbewegung einzuberufen war, unter grötzt- möglichster Berücksichtigung aller aus dem ordentlichen Verbandstage geäußerten Wünsche die Grundlagen sür die mit der Einführung der Arbeitslosenunterstützung stehenden notwendigen Aenderungen des Statuts zu schaffen. Ihrer Aufgabe entsprechend arbeitete die Kommission die Vor- läge des Vorstandes um und legte dem autzerordentlichen Verbands- tage einen Entwurf vor, der bei einer geringeren Beitragserhöhung den Mitgliedern enorme Rechte und Vergünstigungen sichert. Aber auch das wurde gegen eine die Majorität fast erreichende Minorität abgelehnt. Der Verbandstog beschloß dann schließlich, im Herbst dieses Jahres einen neuen Verbandstag, der endgültig beschließen soll, ein- zubcrufen, wenn sich ein Viertel der Zweigvereine, die die Hälfte der Mitglieder des Gesamtverbandes umfassen, auf den Boden der Vor- läge stellt. Die Delegiertenversammlung des Zweigvereins Berlin verkannte die Verbesserungen, die die ursprüngliche Vorlage des Vorstandes durch die Kommission erfahren hat, nicht, machte auch keine prinzipiellen Bedenken dagegen geltend. Sie hielt aber die in Aus- ficht gestellte Belastung der Mitglieder durch die vorgeschlagene Bei- tragserhöhung zu hoch und lehnte den Entwurf unter Annahme einer Resolution ab, die eine durchschnittliche Beitragserhöhung von 10 Pf. vorsieht. Der Zweigvereinsvorstand hatte die Annahme des Entwurfs empfohlen und eine Erhöhung der wöchentlichen Beiträge von 20 Pf. für die Mitglieder ungelernter und von 30 Pf. für die Mitglieder gelernter Berufe vorgeschlagen. Sie brauste allerdings in der Höhe nicht einzutreten, ivenn der Lokalzuschlag, der ftüher erhoben worden ist, beibehalten worden wäre. So müsse er jetzt mit vorgeschlagen und auch dann erhoben werden, wenn die Unter- stützung nicht Gesetz wird, um die alljährliche Wiederkehr des Defizits in der Zweigvereinskasse unmöglich zu machen. Die Belastung sei, gemessen an den dafür zu erwartenden Vorteilen, relativ und ab- folut nicht zu hoch, denn es würde schon nach einjähriger Mitglied- fchast eine Arbeitslosenunterstützung für 48 Tage jährlich gezahlt werden von 70 Pf. bis 1 M. sür den Tag: sich steigernd bis auf 1,65 bis 2 M. bei und nach einer Beitragsleistung von 10 Jahren. In den Bezirksversammlungen wurde die vorhin erwähnte Resolution sehr umworben, aber man gewann doch die Ueberzeugung, daß mit einer Beitragserhöhung von 10 Pf. nicht auszukommen sei, wenn die Mittel, die sür den Kampf bereitgehalten werden müssen, nicht geschwächt und die Organisation nicht zu einer„Nur-Ver- sicherungsanstalt" herabgewürdigt werden solle. Diese Versamm- lungen stimmten daher der Vorlage zu und ebneten somL die Bahn, die beschritten werden muß, um die Einberufung des neuen Verbands- tages möglich zu machen. Betrachtet man die Situation im Baugewerbe, dann können die baugewerblichen Arbeiter gar nicht anders, als die Arbeitslosen- Unterstützung in ihrer Organisation einzuführen. Schon überaus schwer unter den Schwankungen der Konjunktur leidend, werden sie auch sonst recht fühlbar von den Eigenartigkeiten ihres Gewerbes getroffen: Man ziehe nur in Betracht, wie oft sie schon in normalen Zeiten zu feiern gezwungen sind. Die Herstellung eines Berliner Baues dauert kein Menschenalter mehr. Und beträgt die Bauzeit wirklich mal mehrere Monate, dann herrscht eine derartige Fluktuation unter den Arbeitskräften, daß nur die wenigsten darauf rechnen können, den Bau vom Grund bis zum Dach ausführen zu Helsen. Nirgends sind die Folgen der Perioden längerer Arbeitslosigkeit schrecklicher und grausamer, nirgends wirken sie demoralisierender auf Menschen und Berussverhältnisse als gerade im Baugewerbe. Und nur zähe Energie und Arbeit kann sie bei Beginn besserer Zeiten wieder ins Gleichgewicht bringen. Darum kann und wird hier die Arbeits- losenunterstützung gute Früchte zeitigen, obgleich sie auch dem ein- zelnen finanzielle Opfer auferlegt. Aber sie können und müssen ge» tragen werden. Hoffen wir, daß auch hier der Glücklichere Winde zerstreut waren, noch lange „Äen Äri'es-N emcn prächtigen Ausdruck in den gedankcn- reichen Briefen Hullens an A. W. Schleael die im Anhang der ABeitt"?1 veröffentlicht werden. Eine schöne Stelle, die IriÄÄi ,f,m ii'r besten Jugend vor den Befreiungskriegen wi�crgibt, je, zum Schluß angeführt;„Es ist wirklich eine Schande. wie das edle lichte Gold durch unsaubere Hände so entweiht und beschmutzt wird. Aber unsere Nachkommen müssen wissen, daß zur Zeit der tiefsten Knechtschaft auch noch freie Männer lebten, und darum laß uns ein Feuer anzünden und das Sonnenlicht der Erde wieder frei machen und klar, daß unsere Nachkommen uns segnen, wenn sie die Altäre wieder aufbauen und die hohen Tempel der Götter." Der rechnende Hund. Der Ruhm des klugen Hans und der Elberfeldcr Pserde hat die Hundewelr nicht schlafen lassen; auch sie weist jetzt einen Mathematiker ayf, Rolf, im Besitz der Frau Dr. Mökel in Mannheim. Zu den besonderen Fähigkeiten dieses Rolf gehört es, ganze Sätze zu— kratzen, denn jeder Buchstabe wird in der Hundesprache durch eine bestimmte Anzahl von Pfotenschlägen gekennzeichnet. Wer nickst sofort von der Richtigkeit dieser Mit- teilungen der glücklichen Besitzerin des klugen Rolf überzeugt ist, sehe sick, nur einmal diesen„Satz" von Rolf an: armmrdirdod. Wird nicht jeder Unbefangene mit H�rrn Professor Dr. Krämer von der Landwirtschastlickicii Hochschule zu Stuttgart obne Zögern darin das Zeugnis einer mitleidigen Hundeseele„arme Meertiere tot" erkennen? Wir verstehen gar nicht, wie der Herr Professor fürchten kann, scine Mitteilungen über den Terrier könnten„in den Kreisen der Un- gläubigen und der Unbelehrbaren vielleicbt sogar stürmische Heiter- keit auslösen". Im Gegenteil, die Gläubigkeit eines Hochschul- Professors ist eine so ernste Sache, daß selbst wir berufsmäßigen Spötter nicht einen Mundwinkel zu verziehen wagen. Eine amerikanische Polarcxvedition. An Bord des englischen Walsischfängcrs„Diana" hat die neue unter der Leitung von Donald'B. Mc Millan stehende amerikanische Polarexpedition von Brooklyn aus die Ausreise nach dem fernen Norden angetreten; ihr Ziel ist die Erforschung jenes geheimnisvollen arktischen Berglandcs, dem Pcary bei seiner Fahrt den Namen Crockerland gegeben hat und dessen Entdeckung seinerzeit in der Ivissenschaftlichen Welt lebhaftes Aufsehen erregte. Weit nörd- lich von Grönland hatte Peary im Herbst 1906 in einem Gebiete, das man bisher als eisbcdcckten Ozean ansah, am östlichen Horizont eine Kette hoher Bergwipfel gesichtet; seine Aufgabe machte es ihm damals unmöglich, den Kurs zu wechseln, und dieses bisher un- bekannt gebliebene Land näher zu erforschen. Was damals unter- bleiben mußte, soll jetzt nachgeholt werden. Nach dem Plane des Unternehmens hoftt man, bereits Ende August das Kane-Bassin in Ellesmereland am nördlichen Ende der Baffinsbai zu erreichen; hier werden die Expeditionsteilnehmer das Schiff verlassen und Winterquartier aufschlagen. Im Februar 1914 soll die Expedition dann aufbrechen, über das Eis bis zum Achselheibergland vor- dringen, wo am Thomas Hubbardkap ein letztes Depob errichtet wird. Von hier aus will man geraden Weges über das Eis nach Crockerland vordringen. Ein Zoologe und ein Botaniker begleiten die Expedition, die zum erstenmal auf arktischem Gebiete auch die drahtlose Telcgraphic ihren Zwecken dienstbar macheu wird. Ueber die Ausrüstung des Unternehmens fällen Sachkenner das günstigste Urteil. Es werden Schlitten eines neuen Modells verwendet, sie wiegen nur 69 Pfund, sind, also 55 Pfund, leichter als die seinerzeit von Peary benutzten. Bei hartem Schnee laufen sie auf schmalen Stahlkufen; bei weicherem Schnee treten breitere Holzkufen in Be- Nutzung, bei tiefem Schnee dient der ganze Boden des Schlittens als Glcitfläche. Auch die Ernährungsweise der Expedition ist nach anderen Grundsätzen als bei früheren Unternehmungen geregelt. Bisher bildete Pemmikansleisch, harter BiSquit und Tee oder Schokolade die Basis der Ernährung. Die neue Expedition will statt dessen eine besondere Art Weizenkuchen verwenden und als Ergänzung eine durch Erdnüsse verdickte Schokolade. Durch die mitgcsührten drahtlosen Telcgraphicapparate hofft man während der ganzen Dauer des Unternehmens mit der Station am kanadi- scheu Kap Wolstenholme in Fühlung bleiben zu können. Notizen. — Die Juryfreie Kun st schau hat in diesem Jahre das Haus der Sezession am Kurfürstendamm zur Verfügung er- halten. Sie wird Mitte August eröffnet werden und bis zum 30. September dauern. — Professor Hermann Credner ist im 72. Lebens- jähre in Leipzig gestorben, wo er seit 1869 Erdgeschichte und Paläontologie jVcrsteinerungskunde) an der Universität lehrte. In weiteren Kreisen ist Credner durch sein vielverbreiteteS Lehrbuch der Geologie bekannt geworden. — Ein bronzezeitliches Gräberfeld wurde bei Diemsdorf-Kodlow am Scharmützelsee aufgedeckt. EL wurden be- reits 100 Gräber untersucht und zahlreiche Funde gemacht. — Die zehn n a s s e n I a h r e. In den vergangenen 200 Jahren sind, wie Prof. A. Heim in der„Neuen Zürcher Zeitung" schreibt, in auffallend regelmäßigem Wechsel stets auf etwa 20 Jahre relativ tvarmer trockener Witterung etwa zehn naßkalte Jahre ge- folgt. Tatsächlich befinden wir uns jetzt in den zehn naßkalten Jahren. Wir hatten sie schon auf 1902 erwartet, sie haben erst 1906 deutlich eingesetzt. Erstaunlich und ganz unverständlich war da- zwischen der warme Sommer 1911, der ganz aus der Rolle gefallen ist. 1913 scheint den Fehler wieder gutmachen zu wollen; 1913 ist wieder regelrecht naß und kalt. — Die En twaffnung der— Biene. Nach langjährigen Versuchen ist eS dem Bienenzüchter Louis I. Terrill jJndiana) ge- lungen, eine stachellose Bieueuart zu züchten. Durch die Kreuzung von Bienenlöniginnen italienischer Abstammung mit Hummeln aus Zypern vermochte er die neue Bienenart zu züchten. Dorfe stachel- tose Bienenarr soll auch gegen manche Krankheiten Widerstands- fähiger sein. — Die Bakterien im Meerwasser. Auch das Meer- Wasser enthält zahlreiche Bakterien, aber erst jetzt ist der Nachweis erbracht worden, daß manche dieser Bakterien eine bedeutsame Auf« gäbe erfülle». In den Ablagerungen von Kalkschlamm auf der großen Bahamabank ist ein neues Bakterium entdeckt worden, das die Fähigkeit hat, aus verdünnten Kalziumlösungen kohlensauren Kalk niederzuschlagen. Es wird nun sehr wahrscheinlich, daß Bakterien auch in früheren Zeiten der Erdgeschichte beim Niederschlag von Kalksteinschichten auS dem Meer, die am Aufbau der Erdkruste den größten Anteil nehmen, mitgewirkt haben. Die Gelbsucht hat im Wirkungskreise dieses Herrn Geschäfts führers schon die widerlichsten Blüten gezeitigt. Unaufhörlich werden die Verbandsmitglieder und in die Ouelle ncueintrelende Angestellte be stürmt,»im eigenen Interesse" Mitglied von.Blauweiß" zu werden, und die? in einer Weise, die sönnlich an Nötigung grenzt. Die Hintermänner berufen sich in ihrem Tun, um bessere Wirkung zu erzielen, auf das E i n v e r st ä n d n i s der Direktion, was seitens der letzteren jedoch in Abrede gestellt wird. Redensarten aber, wie:»Ich kann Ihnen bloß raten, treten Sie aus dem Ver bände aus und werden Sie Mitglied von.Blauweiß"",— und: „Wenn Sie länger bei der ftirma tätig sein wollen, müssen Sie sich unserem Verein anschließen, nicht aber dem Verbände," sind in der 26. Quelle an der Tagesordnung. Unerhörte Uebergriffe läßt man sich insofern dortselbst bei Neu einstellungen zuschulden kommen, als die Betreffenden vor der Ein- stellung förmlich einem Verhör nach ihrer Organisationszugehörig keit unterworfen werden, das in der Regel mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit zum Anschluß an den gelben Werkverein ab schließt. anderen Fällen empfahl der übereiftige Vertreter der Firma Aschinger auch einen sonstigen gelben Kellnerverein in Berlin als genehme Organisationsstätte für Aschinger-Bedienstete, immer aber mit dem Hinweis, daß sonst wohl kaum auf längeres Verbleiben bei der Firma gerechnet werden könne. ES ist verwunderlich, daß die vertragschließende Direktion, der das Treiben ihres angestellten Betriebsleiters nicht unbekannt ist, nicht längst die Konsequenz zog und durch vernünftige Maßnahmen Sorge dafür trug, daß der mit der Organisation der Gastwirts- gehilfen abgeschlossene Vertrag auch wirklich innegehalten wird. DeutTcbes Reich. Zum Werftarbeiterstreik. In Stettin ist die Arbeitsniederlegung seit Montag eine all« gemeinere geworden. Auf der Vulkanwerft sind außer den bereits streikenden 400 Nietern seit Montag über L000 Arbeiter ausständig. Auf den Stettiner Oderwerken streiken etwa 000. Auf der Schiffs- werft von NueSke u. Co. streiken 300 Arbeiter. Die christlichen Metallarbeiter haben sich dem Streik nicht angeschlossen. Ob auch hier die beteiligten Organisationen die Streikunterstützung ver« weigern, ist bisher noch nicht endgültig entschieden. Die Stettiner Werftarbeiter drängen aber sehr darauf, daß die Vorstände der Gewerkschaften ihren bisherigen Beschluß ändern, da die Berhand« lungen in Stettin später angesetzt waren und dann auch längere Zeit in Anspruch genommen haben, so daß die Werftarbeiter darin eine Verschleppung der Verhandlungen erblickten. Ueber die Streikbewegung auf den W e s e r w e r k e n berichtet die„Weser-Zeitung": Eine von etwa 400 Arbeitern besuchte Ver- sammlung beschloß gegen nur 12 Stimmen, daß die Angehörigen des Holzarbeiterverbandes, die auf der Werft der Aktiengesellschaft „Weser" beschäftigt find, den Anweisungen des Verbandsvorstandes folgen und die Arbeit nicht niederlegen. Diesem Beschluß haben sich auch die Holzarbeiter der Atlaswerke unterworfen. Die Zahl der Ausständigen bei den AtlaSwerken beträgt mit Ausschluß der Meister und Lehrlinge sowie der Holzarbeiter, die weiterarbeiten, etwa 1600. Auf der Werft der Aktiengesellschaft»Weser" werden heute, wenn die beschloffene Arbeitsniederlegung unter Ausschluß der Holzarbeiter erfolgt, etwa 4000 Mann ausständig werden. Zusammen werden in Bremen und Vegesack etwa 8600 Ausständige zu zählen sein.— Au» Bremerhaven wird gemeldet, daß die Arbeiter der Wersten in Geestemünde und Lehe, sowie deS technischen Betriebes des Norddeutschen Lloyd» in ihren Versammlungen zu keinem end- gültigen Beschluß darüber gekommen sind, ob sie sich dem Streik anschließen sollen oder nicht. Besonders die Arbeiter de» technischen Llohd-BetriebeS verhalten sich ablehnend. An allen Werftbetrieben der Unterweser wird also in normaler Weise gearbeitet. Am Donnerstag wollen die Arbeiter sich versammeln, um über ihr künftige» Verhalten Beschluß zu fassen. In Hamburg haben auch die Hirsch- Dunckerschen Gewerk- vereine der Maschinenbauer, der Holzarbeiter, der Fabrikarbeiter und der Maler in Versammlungen einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: »Die Gewerkvereine Hamburg? erkennen die Forderungen der 0»w§ v NC v v* v v vv v»«i v iL,' vw» i w y v v**v*»*»vt» v»v w vv»**»»«z v»» vw Werftarbeiter als berechtigt an und sie werden in dem Kampfe, der vorwiegend durch zu geringes Entgegenkommen der Werft- besttzer entstanden ist, die Werftarbeiter moralisch und materiell nach besten Kräften unterstützen. Die am 14. und IS. Juli auf den Hamburger Werften geschehene Arbeitsniederlegung können sie nicht billigen, weil diese Form der Arbeitseinstellung, die vorliegt, trotzdem die Verhandlungsweg« noch nicht erschöpft waren, im Gegensatz steht zu dem im Verbände der Deutschen Gewerk« vereine sHirsch-Duncker) gepflogenen Grundsätzen. Als Minorität waren die Gewerkvereiner nicht in der Lage, die Arbeitseinstellung zu verhindern. Eine Verantwortung für die daraus entstehenden Folgen müffen die Gewerkvereiner ablehnen." Uns scheint, die Gewerkvereinler greisen die Sache beim falschen Ende an. Nicht die Arbeiter haben den Kampf während der schwebenden Verhandlungen eröffnet, sondern die Unternehmer, als sie die Vertrauensleute der Arbeiter maßregelten. Wir halten e» doch unter allen Umständen für angebracht, daß diese Tatsache der Oeffentlichkeit gegenüber festgestellt wird, um künftigen GeschichtS- fälschungen vorzubeugen. Den ersten Schuß feuerten in diesem sozialen Kampfe mitten in die Friedensverhandlungen hinein die maßregelnden Werftbefitzer. *» • Der Streik greift auch auf andere Arbeiterkategorien über. Die Kranführer uud Trimmer der Altonaer Kai- und Lagerhausgesell- schaft, Abteilung Kohlenkai, sind am Montag nicht auf ihrer Arbeits- statte erschienen. Sie hatten am Sonnabend den Streik beschlossen, weil auch hier die Verhandlungen mit der Betriebsleitung zu keinem Resultat geführt haben._ Tartfverhandlungen im Chemigraphie- und Kupferdruck- gewerbe. Der Tarif für Deutschlands Chemigraphen und Kupferdrucker läuft am 31. Dezember d. I. ab. Die im Verbände der Litho- graphen und Stemdrucker organisierten Chemigraphen und Kupfer- druck» haben sich auf zwei Konferenzen, zuletzt am IV. Juli in Berlin, mit dem Ablauf deS Tarifes bezw. mtt Abänderungsanträgen zu diesem befaßt und die Anträge End« Juni beim Tarifamt em- gereicht. Da auch von Unternehmerseite Anträge auf Abänderung deS Tarife« gestellt worden sind, aber eine Kündigung des Ver- trage? von keiner Seite vorliegt, finden am 4. August d. I. in Berlin die Verhandlungen des TarifausschuffeS zur Beratung der vorliegenden Anträge statt.__ Schon wieder eine christliche Streikbruchaffäre. Der Ort der Handlung ist diesmal Bamberg. In der dortigen Möbelfabrik von Gustav G e r st streiken seit Montag, den 14. Juli, die Tischler, weil die Firma, der anscheinend der Deutsche Holz- arbeiterverband recht unbequem ist, fortwährend Arbeiter, die zum Teil Familienväter und schon seit Jahren im Betrieb beschäftigt sind, ent- läßt, um an deren Stelle andere Arbeitskräste einzustellen. Mit Recht vertraten die Arbeiter der Firma den Standpunkt, daß diese Entlassungen von alten und tüchtigen Arbeitern nur deshalb erfolgten, weil letztere Mitglieder des Deutschen Holzarbeiterverbandes waren. In einer Unterhandlung mit den OrganifalionSvertretern gab der Firmeninhaber unumwunden zu, daß er tatsächlich die Ab- ficht habe, in seinem Betrieb, in dem bisher bis auf wenige Ausnahmen sämtliche Arbeiter der fteien Organisafton an- gehörten, nach und nach Arbeiter einzustellen, die entweder »«iu«r oder der christlichen Organisafton angehören. t>« che« Selbstachtung de« Arbeiter» gebot, gegen diese« Uniernehmerangriff auf ihre Organisatton Front"zu machen, trat die Arbeiterschaft in den Ausstand, als die Firma stch weigerte, die vorgenommenen Maßregelungen zurückzunehmen. Die Christ- lichen sprangen nun der Firma helfend bei. Der Leiter des christ- lichen Holzarbeiterverbändchens in Bamberg, ein Bürschchen von kaum 20 Jahren, klopfte alle Pennen und Herbergen der näheren und weiteren Umgebung ab, um für die Firma„Hintzebrüder" zu gewinnen. Gleichzeitig wurde, wie wir erfahren tonnten, eine Anzahl christlicher Zahlstellen durch Rundschreiben animiert, Streik- brecher nach Bamberg zu liefern. Den krampfhaften Bemühungen dieser Aucharbeiter ist es gelungen, einige zwanzig höchst fragwürdig aussehender Elemente zusammen zu trommeln, die bei der Firma Gerst den Rausreißer machen. Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß die vorhandenen und noch etwa kommende Arbeitswillige in der Lage sein werden, die bisherige Arbeiterschaft zu er- setzen, da der Betrieb äußerst geschickte und geschulte Arbeitskräfte braucht. Die Streikenden sehen denn auch der Zukunft ruhig entgegen und sind auf einen langen Kampf vorbereitet. Trotz des äußerst provozierenden Ver Haltens der christlichen Streikbrecher, die täglich von Schutzleuten bewacht zur und von der Arbeit geführt werden, ist es bisher zu keinerlei Ausschreitungen gekommen; eS muß im Gegenteil konstatiert werden, daß die Streikenden eine musterhafte Ruhe be wahren. Es ist um so notwendiger, diese letztere Tatsache ausdrücklich zu konstatieren, als schon versucht wird, angebliche Ausschreitungen in die bürgerliche Presse zu bringen. Die Sonntagsnummer des liberalen«Fränk. Courier", der in Nürnberg erscheint, fabuliert von Ausschreitungen anläßlich des Streiks, die das Einschreiten der Polizei notwendig gemacht hätten. An dieser Behauptung, die lediglich in die Presse lanciert wurde, um die streikenden Arbeiter in Mißkredit zu bringen. ist kein wahres Wort. Mit dieser Zeitungsnotiz ist wieder erneut der Beweis geliefert, wie sehr vorsichtig man bei B* bauptungen der bürgerlichen Presse sein»nutz, wenn es. sich um Arbeiterangelegenheiten handelt. llebei'gzngsbettimmlingen itiir steichzveriichei'iingzontoiiiig. Der Bundesrat hat auf Grund des Z 100 de? Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung folgende im gestern abend erschienenen.Reichsanzeiger" veröffentlichte Bekanntmachung»lasten: I. 1. Bei neuerrichteten allgemeinen Ortskrankenkasten stellt für die ersten Wahlen der Vertreter im Ausschuß das VersicherungSamt Wählerlisten, getrennt für die Arbeitgeber und die Versicherten, auch dann auf, wenn die Wahlordnung die Aufstellung solcher Listen nicht vorsieht. In der Wählerliste für die Arbeitgeber ist auch die Zahl der den einzelnen Wahlberechtigten nach der Satzung zukommenden Sftmmen zu vermerken« 2. Das VersicherungSamt fordert die Wahlberechftgten durch öffentliche Bekanntmachung auf, sich zur Eintragung in diese Wähler- liste zu melden. Eine besondere Benachrichtigung der einzelnen Wähler findet nicht statt, auch wenn die Wahlordnung sie vor- schreibt. 3. Soweit sich Wahlberechtigte nicht rechtzeitig gemeldet haben, kann die Wahl nicht aus dem Grunde angefochten werden, daß diese Personen nicht in die Wählerliste aufgenommen sind. 4. Die oberste Verwaltungsbehörde oder die von ihr beauftragte Behörde kann das Nähere bestimmen. Sie kann insbesondere be« stimmen, wieweit Wahlberechtigte, die nicht in die Wählerlisten ein- getragen sind, gleichwohl bei gehörigem Ausweis über ihre Wahl- herechtigung zur Wahl zuzulasten sind, und wie dieser Ausweis erbracht werden kann. 6. Die vorstehenden Anordnungen gelten auch für die durch die Reichsversicherung neu in die Krankenversicherung einbezogenen Mit« glied» der nach Artikel 16 deS Einführungsgesetzes zur Reichsver« sicherungSordnung ausgestalteten allgemeinen Ortskrankenkassen und für die Arbeitgeber dieser Mitglieder. Die oberste VerwaltungS- behörde oder die von ihr beauftragte Behörde kann Abweichungen anordnen oder zulasten. II. 1. Soweit bei neuerrichteten allgemeinen Ortskrankenkasten die Vertreter im Ausschuß oder die Mitglieder oder der Vorsitzende des Vorstandes am 1. Oktober 1S13 noch nicht gewählt find, nimmt da» VersicherungSamt ihre Geschäfte selbst oder durch Beauftragte bis zum Zustandekommen der Wahl wahr. 2. Verträge, die daS VersicherungSamt oder seine Beauftragten für diese Kasten mit deren Angestellten sowie mit Aerzten, Zahnärzten und-technikern, Krankenhäusern, Apotheken und dergleichen ab- schließen, kann der gewählte Kastenvorstand, sofern der Vertrag keinen früheren Termin vorsieht, mir dreimonatiger Frist zum 1. Oktober 1914 kündigen. Ein späterer Kündigungstermin soll nur im Notfall vereinbart werden; seine Vereinbarung bedarf der Zustimmung deS Oberversicherungsamts. 3. Bei Streit zwischen den Kassenorganen und dem Versiche- rungSamt oder seinen Beauftragten über diese Geschäftsführung ent- scheidet das Oberversicherungsamt sBeschlußkammer) endgültig. 4. Die oberste Verwaltungsbehörde od» die von ihr beauftragte Behörde kann daS Nähere bestimmen. HI. 1. Alle aus der Durchführung der vorstehenden Bestimmungen entstehenden Kosten trägt die Krankenkasse. 2. Bei Streit setzt das Oberversicherungsamt sBeschlußkammer) die Kosten endgültig fest._ 24. IllterMtiolmler KttMbtltttkoMtß. Karlsbad. 21. JuIMOIS. Zu der heutigen Eröffnungssitzung hatten sich in dem Saal deS VarictötheatcrS in Fischern bei Karlsbad gegen 200 Delegierte und zahlreiche Gäste eingefunden, unter denen die österreichischen sozial- demokratischen ReichsratSabgg. L ö w- KarlSbad-Land, Hillebrand- Asch, Seliger-Teplitz, Schäfer-Reichenberg und Dr. Diamand- Lemberg, der zur Kur hier weilt, befanden. Um V,11 Uhr vormittags eröffnet der Vorsitzende der Union der Bergarbeiter Oesterreichs, I a r o l i m, den Kongreß mit Worten herzlichen Willkommens auf einem Boden, wo Luxus und Armut nebeneinander wohnen.— Den Vorsitz übernimmt darauf der Präsident der englischen Bergarbeiterföderation, Abg. Smillie- London.— Gen. de Witte- Karlsbad begrüßt darauf den Kon- greß namens der aufstrebenden Arberterschaft Westböhmen«. Abg. Schäfer überbringt die Wünsche � der ReichS- gewerkschaftskommission in Wien, der deuischösterreichischen Sozial- oemokcalie. ihrer ReichSratSfraktion und des polnischen Sozialisten- klubS im Abgeordnetenhaus. Nach der Uebersetzung, die wieder von Smith- Paris für französisch und K ö t t g e n- London für englisch gegeben wird, hält Präsident Smillie seine Eröffnungsrede. In der N a ch m i t t a g s f i tz u ir g antworten die Vertreter der einzelnen Nationen auf die Begrüßungen. Es werden dann die einzelnen Komitees eingesetzt. Ver- treten find auf dem Kongreß: England durch 76. Amerika durch 3, Deutschland durch 22 sdarunter 6 von der Polnischen Berufsvereinigung— die Hirsch-Dunckerschen fehlen, weil sie mit dafür sind, nur alle zwei Jahre zu delegieren). Belgien durch 17. Frankreich durch 11. Holland durch 1. Oe st erreich durch 29, zusammen 149 Delegierte. Zum Präsidenten für morgen wird der alte österreichische Berg- arbeiterabgeordnete Peter C i n g r, zum englischen Stellvertreter Smith, zum französischen Marv rlle» zum deutschen Witt besttmmt. D» Kongreß vertagt sich auf Dienstag 9'/, llhr. Em Indufrm und ftendeL Die finanzielle Ausbeutung der Türkei. Genosse Parvus schreibt uns aus Konstantinopel: Wie sich auch die politischen Verhältnisse und das Kriegsschicksal gestalten, wie sich auch die Türkei wiederum wendet, so verstrickt sie sich doch immer mehr in eine finanzielle Abhängigkeit, in eine Schuldknechtschaft gegenüber der Hochfinanz Europas. Jede Regung der Türkei wird skrupellos und schonungslos ausgenützt, um ihr neue drückende Ver» pflichtungen aufzuerlegen, um sie auszuwuchem. Methodisch und zielbewußt wird die Türkei in wirtschaftlicher Beziehung in eine kapitalistische Kolonie verwandelt, und einträchtig wirken dabei die Großbanken aller Nationen zusammen. Die Anleihe, die soeben die Stadt Konstanftnopel mit der ftan- zösischen Finanzgruvve Pürier abaeschlossen hatte, sollte, wie ver- mutet wurde, zum Teil dazu dienen, der Geldnot des Staatsschatzes abzuhelfen. Die Staatspräfektur führte denn auch den ersten Scheck, den sie einlöste, sofort an den Staat ab— um ihre Schuld an diesen abzutragen. Nun sehe man sich die Bedingungen an, unter denen diese Anleihe gewährt wurde I Der Zinsfuß beträgt S Proz., der Emissionskurs 86 pro 100. Die Stadt hat also in Wirklichkeit 5,3 Proz. zu zahlen. Außerdem ist der Umrechnungskurs ein viel zu hoher, so daß man gar mit 6 Proz. rechnen kann. Das sind aber bloß die allgemeinen Bedingungen. In Wirklichkeit soll der Anleihebetrag erst vi» Monare nach dem Friedens- schluß ausgezahlt werden, bis dahin gewährt das Haus Pürier u. Cie. nur einen Vorschuß von ganzen 5 Millionen Franken, für die 6'/, Proz. Zinsen zu zahlen sind. Ueber die Provision, die gewöhnlich in solchen Fällen außerdem noch zu zahlen ist, erfährt man nichts in der Oeffentlichkeit. Also um 5 Millionen Franken sofort zu bekommen, zahlt die Stadt bezw. der Staat, denn die Anleihe ist unter Staatsgarantie, 6>/z Proz., und verpflichtet sich, vier Monate nach dem Friedens- schluß, also wenn der Zinsfuß seine normale Höhe erreichen und für Staatsanleihen kaum mehr als 4>/,— 5 Proz. erreichen wird, weitere 20 Millionen zu 6 Proz. aufzunehmen! Der Vorschuß kommt auf diese Weise auf rund 10 Proz. zu stehen, wobei die Provision nicht mitgerechnet ist. Das sind aber nur erst die direkten Bedingungen der Anleihe bezw. des Vorschusses. Aber bei allen Anleihen, die mit der Türkei abgeschlossen werden, laufen Nebengeschäfte mit. Gleichzeitig mit den Anleihen werden Konzessionsverträge abgeschlosten, die als selb- ständige Abmachungen erscheinen, in WirNichkeil aber mit zu den Anleihebedingungen gehören. So kommt auch jetzt gleichzeitig mit dem Anleihcabschluß die Nachricht, daß an dasselbe HauS Pürier& Cie. eineEisenbahnkonzessionDardanellen-Smyrna vergeben worden sei. Ueber die Bedingungen der Konzession erfährt man vorläufig nichts. Und das alles wegen 5 Millionen Frank? So groß auch die Geldnot des Staates sein mag, so ist doch, erstens dieser durch 5 Millionen Frank nicht abgeholfen, zweitens, das Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung viel zu groß. Da mir die objektiven Grundlagen zu einem wissenschaftlichen Urteil in dieser Frage fehlen, so begnüge ich mich damit, die Tatsache als sonderbar, höchst sonderbar zu bezeichnen. Nicht minder sonderbare Dinge gehen beim Tabakmonopol vor, das bekanntlich an eine französische Ge- sellschaft, die mit der Banque Ottomane und dem Gläubiger- konsortium der Türkei eng zusammenhängt, verpachtet ist. Die Pachtfrist erlischt 1914. Trotz aller Anstrengungen der beteiligten Finanzgruppen war vor dem Krieg an eine Erneuerung der Pacht infolge Widerstands des Parlaments kaum zu denken. Jetzt wurde die Sache anders. Schon seit geraumer Zeft spricht man von einer Pachtverlängerung um 15 Jahre— nunmehr heißt eS, die Pacht werde um 40 Jahre verlängert werden und außerdem werde die Gesellschaft das Monopol deS Tabakexports erhalten, während bis jetzt nur der inner« Tabakverbrauch monopolisiert wurde. Sollte sich das bewahrheiten, so werden nicht nur der Staat über- vorteilt und die Konsumenten ausgebeutet werden, sondern sämt- liche Tabakbauern der Türkei werden zn Fronknechten der Tabak- regie werden. Selbstverständlich bleibt auch die D e t t e Publique, die berühmte internationale Verwaltung der verpfändeten Staats- einnahmen der Türkei, nicht müßig. Es heißt, daß sie jetzt den gesamten Zehenten, die wichttgste Staatscinnahme der Türkei, in ihre Verwaltung bekommen werde. Für das türkische Finanz- Ministerium bleibt dann nur noch so wenig zu tun, daß die Aus- rechterhaltung dieses Institut» als überflüssige große Ausgabe er- scheinen muß. Außerdem verkündigt das türkische Finanzministerium den Berkauf an den Meistbietenden von mehr als 2'/, Millionen Hektar Staatsländereien, aus denen Hundertlausende von Bauern sitzen. Die Rechte dieser Bauernpächler sollen.gewahrt" bleiben. Aber wie das geschehen soll, wenn das Land in den Besitz«uro- päischer Großbanken übergehen sollte, bleibt zweifelhaft. Marktpreise von Berltn am LI. Juli IttIZ. nach Ermittelungen des tönigi. Polizeipräsidiums. 100 Mogramm Weizen, gute Sorte 20,33 bis 20,40, mittel 20,28—20,32, geringe 20,20—20,24. Roggen, gute Sorte 17,10, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00(ab Vahns. Futter- erste, gute Sorte 17,10—17,60, mittel 16.60—17.00. geringe 16,10-16,50. mser, gute Sorte 17,60—19,00, mittel 16,50— 17,40. Mais(mixed), gute ? orte 00,00—00,00. Mai»«runder), gute Sorte 14,70— 16,20. Richtstroh 0,00. Heu, alt 0,00, neu 0,00. Martthallenpreis«. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Speisebobiien. weiße 35,00-60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartossein(Kleinhdl.) 8,00—14,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1.80. Schlpeineflcisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,20—8.00. WM W 40, 1 Kilogramm 60 Stück Eier 8,60—5 r 1,' ichtt Bleie 0,80-1,60, Karpfen 1,80—2,60. Aale i0— 8,00. Barsche 1,0 60 Stück Krebse 1,00-48,00. 1 ,60— 3,20. Zander 1,40-8,60. Hechte 1,60—8,00. Barsche 1,00—2,40. Schleie l,«— 55"................ «Saflersiands-Nachrichten der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterdureau Waflcrstand M e m e I, Ttlfit P r e g e l, Znfterburg Weichsel. Schont Oder, Rattbor » Kroijcn Frankfurt Warthe, Schrimm » Landsberg Netze, Vordamm Elb«, Leitmeritz » Dresden . Barby . Magdeburg Wasserstand Saale,«rochlitz SÄÄ ® glÄ""' ß e f e r, Münden 1 Minden Rh ein, Ma�imilianSau Kaub ' KSIn Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier >) llnterpegel. am 21. 7. onr 84 10 -17 63 82 163 236 546 283 271 122 141 54 fett 20. 7. cm') +6 +1 —2 +1 +15 +10 +23 +10 +11 +48 +8 0 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall- »«i...-..na»übersicht vom LL. Juli IS1Z. «tattone» Swinemde. Hamburg Berlin ü g £ s i« £= = 2 »+ II S? «Setter 7571® S® 3 wolkig 758� WNW 3 wolkig 759« 763,SD 7643© 763IS© �bedeckt Ibedeckt 4j bedeckt tbcdeckt Ä»1 i* *2» Swttonen h P 15 st Haparand 0.7621 SSO Petersburg 759D Scilla 765 WNW Aberdeen Paris 767.NNV 764 SSW Wetter üwolkenl 3 halb bd. 3 wolkig 4bedeckt l'wolkig erlin ranki.a.M ünchen Wetterprognose für Mittwoch, den LZ. Juli IS1Z. »flbl, vorwiegend trüb« mit wiederHollen Reaensällen und srischen weMchen Ainden. dazwischen zeitweise ausW-d ettUnir Wette»»« i 23 20 14 11 14 Franz Abr ah am Xlamb. Messina-u.Römertrank-Keil. C.25 Barielatr. Sa, Fernsp. 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Verlag:«örwärt»�uWrückerei u- Kerlagsanstalt Kaul Singer iL®*, SäettoaSUL Nr. 186. 30. Jahrgang. 2. StilM ks.lotmärts" Ctrlintt KllisM Witti«°ch, 23. lull 1913. Aus dem Genesungsheim„tzohenelie". Das von der Landesversicherungsanstalt der Provinz Branden« bürg unterhaltene Genesungsheim.Hohenelse" bei RheinSberg ist d«l Lesern des„Vorwärts nicht unbekannt. Mit den dort herrschenden Zuständen haben wir uns wiederholt beschäftigen müssen, weil sie unter den Patienten große Mißstimmung hervor- riefen und den Heilerfolg zn beeinträchtigen geeignet schienen. Heute wollen wir erneute Klagen, die unS aus dem Kreise der Patienten zugegangen sind, durch öffentliche Besprechung unter- stützen. Die Lage von„Hohenelse" in schöner Landschaft am Rheins- berger See läßt nichts zn wünschen übrig. Aber im Innern der Anstalt fehlt es an manchem, was zu einem rechten„Heim" gehört. Etwa 320 Pfleglinge werden untergebracht in zwei Häusern, deren jedeS in zwei Geschossen etwa 60 Pfleglinge aufnehnien muß. Jedes Geschoß enthält neben mehreren kleinen Zimmern mit je zwei Betten einen großen Saal mit sechzehn Betten, der von den Patienten als„Stall" bezeichnet wird. Bei den der Ruhe be- dürfenden Nervenkranken, die sich in„Hohenelse" sehr zahlreich unter den Patienten finden, sind diese„Ställe" begreiflicher- weise recht wenig beliebt. Noch weniger behaglich ist der Ausenthalt in den sogenannten„Tagesräumcn". Als solche dienen die Treppenflure, die bei Regenwettter ungemütlich und zugig sind. Für Raucher stehen ein paar besondere, ganz unzureichende Räume zur Verfügung. An Bequemlichkeiten, wie sie sonst in den meisten Genesungsheimen anzutreffen sind, fehlt es in„Hohenelse" sehr. Liegestühle gibts hier für die Patienten nicht; wer im Freien sitzen will, muß auf Lattenbänken—„Häniorrhoidenbänke" nennen die Patienten sie— sich drücken. Primitiv ist auch das B a d e h a u S, an dem schon die weite Entfernung von den Wohnhäusern bei kaltem Wetter sofort unangenehm auffällt. Da im allgemeinen jeder Patient alle zwei Tage baden soll, so müssen bei voller Be- legung der Anstalt etwa 60 Personen pro Tag das Badehaus benutzen. Gebadet wird früh von 6—9 Uhr, das ergibt pro Swnde etwa 20 Personen. Die Badeeinrichtnngen mögen ausreichen, aber der Raum zum Aus- und Ankleiden ist unzulänglich. Dasselbe gilt von dem Raum für die Massage. Patienten, die aus die Massage warten müssen, finden nicht mal immer genügende Sitzgelegenheit. Warten muß mancher ziemlich eine Stunde, und in allen Ecken stehen dann die Leidens- geführten umher. Das Ganze macht einen geradezu ärmlichen Eindruck. Neben der Bade- und Massagekur wird in„Hohenelse" als ein wichtiges„Heilmittel"— anscheinend sogar als das wichrigste— die Arbeit betrachtet. Klagen über Mißgriffe bei der Anwendung dieses„Heilmittels" kehren inimer wieder und sind im„Vorwärts" schon öfter besprochen worden. Neues kann man hierüber kaum berichten, denn in diesem Punkt bleibt eben alles beim alten. Die Arbeit, nach Art und Dauer von den Aerzten„verordnet", ist Beschäftigung im HauS, in der Werkstatt, im Garten, auf dem Feld, und sie soll sich auf täglich 1—3 Stunden erstrecken. Zunächst muß die gesamte Reinigung der Wohn- und Schlafräume von Patienten be- sorgt werden. ES verdrießt sie besonders, daß auch Reinigung der Spucknäpfe und des Klosetts dazu gehören. Weiter werden Aus- besserungs- und Erneuerungsarbeiten an den Geräten und an den Häusern von Patienten ausgeführt, wozu Tischler- und Schlosserwerkstätten in der Anstalt bereit stehen. Vor einiger Zeit hatten Patienten auch eine Gullhanlog« zur Ablenkung des Regenwassers zu bauen. Die hauptsächlichste und für die Anstalt wertvollste Arbeit wird im Garten- und Feldbau ge- leistet. DaS ganze Treiben in„Hohenelse" macht den Eindruck, wie � wenn man es nicht mit einem Genesungsheim, sondern mit einem Landwirtschaftsunter nehme» zu tun hat. Das Anstaltsgebiet umfaßt 156 Morgen, davon sind snach Ab zug des Gebäudeterrains) 43 Morgen Ackerland, 7 Morgen Garten. land, 36 Morgen Wiesen, der Rest Parkanlage und Wäldchen. Be. wirtschaftet wird diese? umfangreiche Gebiet von einem Gärtner samt einem Hilfsarbeiter, dem ein paar Pfleger und Kutscher mit der ganzen Schar der Patienten zur Seite stehen. Wenn die Patienten ihr Bad samt der von den Pflegern mit schwieliger Faust ausgeführten Massage überstanden haben, verwandeln die Pfleger sich in Acker knechte. An der Spitze der Pfleglingsschar, die mit Schippen und Hacken, mit Mistgabeln und Pflug ausgerüstet ist. ziehen sie hinaus Die von der Anstalt gelieferten großen Schaftstiefel, in denen die Patienten zur Landarbeit marschieren müssen, haben bei ihnen den Spitznamen.Heilfaktoren". Da» ist aber auch der einzige Spaß bei der ganzen Sache, denn mit der Arbeit, die die Patienten leisten müssen, nimmt die Anstaltsleitung es verdammt ernst. Wäre es nur leichte Gartenarbeit, dann könnte man eS sich noch gefallen lassen. Aber schwere Feldarbeit, wie Dung laden, den Pflug führen usw., ist für Insassen eines Genesungsheimes doch ein starkes>L>tück. Auch die Staub aufwirbelnde Arbeit bei Wegebautcn, zum Beispiel die Siebung von Koksschlacke, scheint uns ein sehr seltsames„Heilmittel" zu sein. Daß die Feldarbeiten nicht selten noch über die vor- geschriebene Zeit ausgedehnt iverden, liegt im Wesen des Landwirtschaftsbetriebes, der zeilweise eine gesteigerte Anspannung der Arbeitskräfte erfordert. Aber eben deshalb sollte man den Landwirtschaftsbetrieb von einem Genesungsheim fern halten, so rentabel er auch bei Verwendung unbezahlter Patientenhände sein mag. lim den Patienten einiges Behagen zu schaffen, könnte die Anstalt wenigstens für ausreichende U n terhaltungz möglich- keit sorgen, aber auch hiermit hapert es. Kahnfahrten auf dem See, eine schon recht verfallene Kegelbahn, bei schlechtem Wetter einige'Damenbretter, schließlich noch eine Bibliothek frag- würdigen Inhalts- das ist so ziemlich alles. Wer Verlangen nach einer Zeitung hat, soll sich an der„Deutschen Warte" delektieren, die in der Ansialt au-sliegt. Eine„parteipolitische" Zeitung zu halten, ist nicht erlaubt Die Verwaltung denkt dabei vor allem °n den„Vorwärts", der ihr auS begreiflichen Gründen ver- haßt ist. Sie sieht in solchen Maßregeln da? einzige Mittel, die Unzufriedenheit zu„beseitigen". Partei- �Zngelegenbeiten. Sechster Kreis. Die.Zerienspielo der 13. Abteilung finden nicht mehr Mittwochs, sondern Tonnerstaas in Plöhensee im „Lindenbaum" statt. Treffpunkt 2 Uhr bei Paersch. Olden- burger strage 10. � ... zum Konzert des Philharmonischen Orchesters 3retiaMcVü- �rili. in der„Germania". Chausseeuraße, zu haben. S3ureau des Wahlvereins. Gerichtstraße 71, saa iiimi iuim maapMjeggn— hh—— um Zossen. Am Donerstag, den 34. d. Ms., abends 8>/z Uhr, finde! in: Lokale des Herrn Scherler unsere Mitgliederver- s a m m l u n g statt. Unter anderem Vortrag. Der Vorstand. Lerlmer r�acbricdten. Bergmannsfest. Die Volksfeste, die das anspruchslose alte Berlin feierte, sind bis auf wenige verkümmerte Reste, zusammengeschrumpft. Was einst das so überaus volkstümliche„Fischerstecheu" war, wissen heute die Berliner überhaupt nicht niehr. Es wurde alljährlich im Sommer aus der Spree am Mühlendamm aus- getragen. Festlich gekleidete Fischer standen sich auf blunieu- geschmückten, langen schmalen Nachen ini Wasserturnier gegen- über und suchten sich mit hölzernen Stangen, die vorn in eine runde Platte ausliefen, vom Boot ins Wasser zu stoßen. Wer die meisten Gegner über Bord warf, war der Held des Tages und der erklärte Ritter der schönsten Berliner Fischerjungfrau. Vom Stralauer Fischzugsfest ist der kaum beachtete offizielle Fischfang mit dem großen Netz auf der Oberspree zwischen Treptow und Stralau sowie ein heutzutage kindlich anmutender Umzug durch das Dorf ge- blieben. Etwas mehr Popularität genießt noch das alljährlich im Juli gefeierte Rüdersdorfer Bergmannsfest, aber von seinem ehemals so volkstünilichen Charakter ist auch immer mehr abgebröckelt. Dazu waltet seit langen Zeiten über diesem Fest ein seltsanier Unstern. Die bekannten ältesten Leute sagen, daß es mindestens an einem der beiden Festtage, die diesmal auf den 20. und 21. Juli fielen, schlechtes Wetter war. Wenn die Knappschaft sich zum Feste rüstet, muß es unbedingt stürmen und regnen. Trotzalledem bietet gerade dieses Fest der Bergleute einen eigenartigen Reiz, der auch heute noch um so mehr Beachtung finden sollte, als die Rüdersdorscr Kalkberge die einzige märkische Gebirgs- formation darstellen und dem Laien den Betrieb, der fast ausschließlich„über Tage" geführt wird, genau veranschau lichen. Selbst die Sprengungeu mit Pulver in den kurzen Stollengängen können beobachtet werden, und die vorher an- gekündigten großen Bergstürze, bei denen durch Spreng Material mächtige Kalksieinwände zum Einsturz gebracht werden, ziehen regelmäßig viele interessierte Gäste herbei. Ein ganz anderes Bild als die keineswegs ungefähr- lichc Arbeit über Tage bietet das Bergmannsfest. Alle Räder stehen still. Die über tausend Rüdersdorfer Bergknappen haben die malerische Bergmannstracht mit Käppis und Schurzfellen, für die Berliner ein ungewohnter Anblick, angelegt. Unter Vorantritt der Bergkapelle, der Mitglieder der Bcrginspektion, Vertreter der hohen Regierungsbehörden und der Stadt Berlin, die fast ihren gesamten Kalksteinbedarf aus Rüdersdorf bezieht, marschiert die Belegschaft zur Kirche. Die„königlichen Bergknappen", die trotz dieses hochtrabenden Namens in der überwiegenden Mehrheit schlechtgelohnte Ar beiter im Staatsbetriebe ohne Pensionsberechtigung sind, machen den Kirchgang mit, weil sich unmittelbar cm denselben die Verteilung der Festgabe anschließt. Jeder Knappe erhält dreiviertel Pfund Wurst, sechs Schrippen und sechs Biermarken— eine fürstliche Belohnung für die Lebensgefahr, der die Knappen selbst in dem oberirdischen Bergmannsbetriebe täglich ausgesetzt sind. Das Rahnsdorfer Knappschaftskrankenhaus weiß zu erzählen, wieviel Rüders dorfer Knappen alljährlich Betriebsunfälle erleiden. In der eigens erbauten hölzernen Festhalle dürfen dann die Berg knappen mit ihren Familien sich an den Spenden einer noblen Regierung laben, und rings um den Kesseln entfaltet sich nach Berliner Muster und Schützenplatzmanier echtes Rummel treiben. Die übliche Parade vor dem Berghauptmann fiel am Sonntag aus. Der aufgezwungene Kirchgang ist auch überflüssig. Ein Zwanzigmarkstück aus den reichen Einnahmen der Kalksteinbrüche wäre den Knappen lieber als die billige Bergpredigt._ Achtet auf zum Ginholen gesandte Kinder! Schwindler und Schwindlerinnen, die es auf zum Einholen geschickte Kinder abgesehen haben, treiben nach wie vor ihr Unwesen. Obwohl über ihr gefährliches Treiben nachgerade genug geschrieben worden ist und man meinen sollte, daß die Eltern ihre Kinder besonders auf sie aufnierksam gemacht und ihnen eingeschärft hätten, daß sie ihr Geld nicht ans der Hand geben sollten, finden die gefährlichen Gauner und Gaunerinnen immer wieder ihre Opfer. Meistens sind es junge Burschen und Mädchen, die den alten Trick anwenden, indem sie die Kleinen beauftragen für sie eine Besorgung zu machen, während sie unterdessen ihr Geld aufheben wollen. Besonders in der Gegend der kircher reichen Brunnenstraße sind in den letzten Tagen-wieder mehrere Knaben und Mädchen beraubt ivorden.' Durch Be obachtungen der Kriminalpolizei gelang es gestern, dort einen dixser gefährlichen Burschen festzunehmen. Es ist dies ein Bengel von 18 Jahren, der seinen Eltern entlaufen ist und sich nun schon seit längerer Zeit obdachlos in den Straßen umhertrieb und die Kinder bestahl. Extrablattfabritanten machen wieder don sich reden. Am Montag wurden auf dem Ge» sundbrunncn Extrablätter ausgerufen über eine„Wahnsinnstat einer Mutter". Eine Arbeiterfrau in der Soldiner Straße sollte ihre drei Kinder mit Gas vergiftet haben, während sie selber sich durch Er- hängen das Leben nehmen wollte. Die Nachricht, die bereits von verschiedenen Montagsblättern übernommen war, ist wie immer ge- waltig übertrieben und zurechtgemacht, um Sensation zu treiben. In Wirklichkeit handelt es sich um folgende traurige Familien- angclegenheit: Die in der Soldiner Straße wohnende Frau des Böttchers H. ist seil Jahren stgrk nervenleidend und war auch schon zum Zwecke der Heilung in einem Sanatorium. Immer klagte die sonst sehr ordentliche Frau über ihren Kopf, der ihr schmerze. Ende voriger Woche kam eS mit einer Nachbarin zu Auseinandersetzungen, über welche sich die Frau H. wieder sehr erregte. Der Mann, der seine Frau kannte, wollte sich in den Streit nicht ein- mischen, was wiederum die Frau ärgerte und sie veranlaßte, vom Hause fortzugehen. Am Sonntag besuchte der Böttcher H. ein krankes Kind, das im Kinderkrankenhause liegt. Da erschien auch die Frau. Sie entfernte sich aber schnell wieder und ging in die Wohnung, wo sie versuchie, sich an einem Schürzenband am Bett- Pfosten zu erhängen. Ein älteres Kind rief um Hilfe, ein Nachbar sprengte die Tür. schnitt die Frau ab. machte Belebungsversuche und ließ ärztliche Hilfe holen. Weil solche nicht sofort zu finden war, kam ein Schutzmann und ein Heilgehilfe. Die arme Frau wurde nach der Unfallstation und von da nach einem Krankenhause gebracht. Von einer Vergiftung der Kinder kann keine Rede sein; die Kinder sind wohlauf. Wohl soll in der Wohnung ein schwacher Gasgeruch wahrnehnibar gewesen sein, aber von einem Schaden, den die Kinder genommen haben, ist keine Spur vorhanden. ES ist auch falscb, wenn behauptet wird, eS seien an den Kindern Wiederbelebungs- versuche gemacht worden. Das war gar nicht nötig, wie unS ein Augenzeuge, der sofort in der Wohnung war und sich der Frau H. angenommen hat, mitteili. Uns kam die Meldung von vornherein gleich übertrieben vor weshalb wir unsere Leser damit verschonten, zumal es sich um die Tat einer sehr bedauernswerten Frau eines braven Arbeiters handelte, der man Mitgefühl nicht versagen kann. Es ist aber im höchsten Grade tadelnswert, wenn Extrablatt- fabrikanten daS Vorkommnis in unerhörter Weise ausbauschten und noch Gewinn daraus zu ziehen versuchten. Leider gibt es noch viele Leute, die solche Sensationsnachrichten und Klatschgeschichten mii einer wahren Gier verschlingen und noch obendrein auf die Zeitungen schimpfen, die diese Sensationsmacherei nicht mitmachen. Das älteste Gasthaus Berlins, der sagenumwobene„Schweins- köpf", wird demnächst verschwinden. Da» Etablissement, das zwischen dem Bahnhof Pullitzstraße, dem Nordringbahndamm und dem Spandauer Schisiahrtskanal liegt, fällt dem Westhafen bei Plötzensee zum Opfer. Seine Entstehung wird auf Joachim II. zurückgeführt. der das Grundstück angeblich einem Köhler schenkte, der ihn vor den Hauern eines wütenden wilden Ebers rettete, indem er das Tier mit einem Schürbaum erschlug. Als Wahrzeichen brachte der Köhler, als ihm die Schankgerechtigkeit verliehen worden war, den Eberkops über der Haustür an. Jetzt hängt dieses Wahrzeichen im Innern de» Gasthauses, das in seiner Anspruchslosigkeit in umnittelbarcr Nähe des Großstadttrubels ein Wirtshaiisidhll aus vergangenen Zeiten bildet. Bemerkenswert ist, daß dieses Gasthaus unter dem Sozialistengesetz eine Rolle gespielt hat. Unsere Genossen im sechsten Kreise hielten hier öfter ihre Zusammenkünfte ab, um vor der Polizei, die ihnen immer auf den Fersen war, sicher zu sein. Hier war e» auch. von wo aus die Genossen Hensel, Lachmanii und Nauen nach einer itzung, um den Häschern zu entgehen, ihre Heimkehr über da» recht dünne Eis des SchiffahrtSkanals nehmen mußten. Dabei brachen die Genossen ein und versanken in den Fluten. Ihre Leichen konnten erst nach tagelangem Suchen gefunden und geborgen werden. Bon einem Stadtbahnzng überfahren nnd getötet wurde in der vergangenen Nacht ein noch unbekannier Mann von etwa 30 bis 35 Jahren, der seinem Aenßeren nach dem Arbeiter- stände angehört zu babcn scheint. Ter Lokomotivführer des Güter- zuges 9521 sah gestern früh kurz vor 81h Uhr, als er von der Station Prenzlauer Allee nach dem Gesundbrunnen fahren wolllc, kurz hinter dem Bahnhof auf dem Nebengleise der Ringbahn die völlig verstümmelte Leiche eines Mannes liegen. Er benachrichtigte die Bahnverwaltung, die die Leiche nach dem Schauhause bringen ließ. Welcher Zug über den Unbekannten hinweggegangen ist, ließ sich nicht mehr feststellen. Allem Anschein nach liegt jedoch ein Selbstmord vor. Der Tote, der keinerlei Papiere bei sich hatte, war von mittlerer Gestalt, hatte dunkelblondes Haar und ebensolchen Schnurrbart und trug eine graukarierte Hose, ein blaues Jackci!, ein Barchenthemd und schwarze Zugstiefcl. Gefesselte„Ichwerverbrecher?" Erst in der letzten Sonntagsnummer unseres Blattes beröffent- lichten wir die empörte Zuschrift eines Lesers über den Transport eines Fürsorgezöglings, und schon wieder wird uns ein gleichartiger skandalöser Vorgang bekannt: Wer gestern vormittag gegen 11 Uhr die Alexanderstraße zwischen Blumen- und Magazinstratze passierte, konnte beobachten, wie ein etwa zwölf Jahre alter Knabe in Begleitung eines Schutz- mannS in der Richtung nach dem Bahnhof Jannowitzbrücke zu ging. Die Arme des Jungen waren ihm auf dem Rücken fest zusammen- gebunden, so daß er bei dem geringsten Weghindernis hinfallen und sich eine schwere Verletzung zuziehen mußte. Auch hier, wie in dein von uns oben bereits erwähnten Falle war der Junge barfust und ohne Kopsbcdcckiing, seine ganze Kleidung bestand bei dem gestern herrschenden regncrisch-kaltcn Weiter mir in einem leichten blauen Sporthemd und einer dünnen Leinenhose. Was mag der Junge wohl Schweres verbrochen haben, daß man ihn wie einen gemeinen Verbrecher gefesselt die Straße entlang transportierte? Hätte-S denn nicht genügt, daß der Schutzmann, ein Hüne von Gestalt, lediglich den schwächlichen Jungen bewachte; war es unbedingt notwendig, daß diese schändliche Fesselung erfolgte? ES scheint, wie die mitgeteilten Fälle be- weisen, System bei den zuständigen Behörden darin zu liegen, Fürsorgezöglinge beim Transport zn fesseln. Groß ist das Geschrei der bürgerlichen Kreise und Wohltäter über unser humanes Zeitalter und die Fürsorge für unsere Jugend. Diese öffentliche Aechtung von.Kindern, die irgend welche Verfehlungen begangen haben, ist wirklich nicht dazu angetan, Besserung zu schaffen. Die Waisenverwaltung und die Polizeibehörden müßten sich doch selber sagen, daß durch solche entwürdigenden Erziehungsmethoden das direkte Gegenteil erreicht wird. Im Interesse der Menschlichkeit verdienen solche aufreizenden Vorgänge immer wieder die Brandmarkung als daS was sie sind, als Kulturschande unseres heutigen Staats- Wesens. � Einen schmerzlichen Verlust erlitt am Sonntagabend, wie erst nachträglich bekannt wird, ein Berliner Kaufmann. Während der Zeit von 10 bis IIVh Uhr abends kamen ihm während der Fahrt in der Straßenbahn von Schloß Schöneichc nach Friedrichshagen oder von dort in einem Vorortzug nach dem Bahnhof Friedrichstraßc 2100 M. abhanden. Der Mann hatte das Geld, das aus 17 Hundert-, 6 Fünfzigmarkscheinen und 100 M. in Gold bestand, in Zeitungs- Papier eingewickelt bei sich getragen. Wahrscheinlich ist der Ge- schädigte das Opfer eines gewerbsmäßigen Langfingers geworden. Einen sehr lohnenden Griff machte ein Taschendieb in Grünau. Tort wurde einem Berliner Herrn, wahrscheinlich am Bahnhos bei einem künstlichen Gedränge, von einem der gefährlichen Langfinger mit einem geschickten Griff die Brieftasche entwendet, in der sich 2700 M. befanden. Der Beftohlene nahm den schmerzlichen Ver- lust leider zu spät wahr. Das Geld bestand aus Hundertmark- scheinen; die Brieftasche war aus braunem Leder. Wer ist der Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 6. Juli 1913 ist am Nordufer des Müggelsees die Leiche eines un- bekannten, anscheinend dem Arbeitersiande angehörenden Mannes, die nach dem Befund nur kurze Zeit im Wasser gelegen haben kann, gelandet. Der Tote war 40—45 Jahre alt, 1,62 Meter groß, kräftig, hatte längliche? Gesicht, blondes Haar, blonden Schnurrbart, und hatte blaugestreiftes Hemd und dunkle Hose an. Am Ufer, in der Nähe der Landungsstelle, fand man einen schwarzen steifen Hut, ein graues Jackett und Weste, schwarze Schuhe. Bis jetzt ist es nicht möglich gewesen, die Persönlichkeit des Toten festzustellen, der zweifellos den Tod im Wasser gesucht hat. Nachrichten hierüber erbittet die Kriminalpolizei zu 2St>2. IV. 7. IL, auch nimmt jedes Polizeirevier solche entgegen. Vorort- Nach richten« Neukölln. Für junge Genossen und Genossinnen findet heute abend bei Bartjch, Hermannstraße 49. eine Versammlung der Jugendsektion statt, in der Genosse Klüß die Beteiligten in die grundlegenden Fragen des Sozialismus durch einen Vortrag über die materialistische Geschichtsauffassung einführen wird. Britz. Die Errichtung und Unterhaltung eines Jugendheims am Orte wird eine Notwendigkeit. Neben anderen Gründen ist besonders auch der maßgebend, daß in nächster Zeit von bürgerlicher Seite ein Heim eröffnet wird. So weiß eine Lokalzeitung zu melden:„Der Orts- ausschuß für Jugendpflege hat jetzt unter Aufwendung erheblicher Mittel, mit Unterstützung von Gemeinde, Kreis und Regierung ein gefälliges und geräumiges Jugendheim geschaffen." Im Neuköllner Jugend- Ausschuß wurde nach gründlicher Aussprache einstimmig beschlossen, zum September ein eigenes Heim zu eröffnen, welches vorläufig an zwei Abenden der Woche in Betrieb genommen werden soll. In den Vorstand wurden gewählt die Genoffen Farwig, Stiller, Schmitt, Friedrich und die Genossin Kapke. Lichtenberg. Die Ferienspiele finden wie bisher Montag und Donnerstag statt, aber nicht mehr in der Treskowallee, sondern auf dem städti- schen Spielplatz in der Lückstr. 19. Treffpunkt wie bisher. Vesper- brot und Trinkgefäße sind mitzubringen. Lankwitz. Der Bildungsausschusi veranstaltet am Sonntag, den 27. Juli, einen Familienausflug nach Lichtenrade. Treffpunkt bei Schulz, Mühlenstraße. Nachzügler treffen sich im Restaurant am Bahnhof. Ferienspiele: Donnerstag, den 24. Juli, nach Osdorf. Montag, den 28. Juli findet der Ausflug nach dem Grunewald statt. Ober-Schöneweide. Absturz eines Feuerwehrmannes. Der Feuerwehrmann Pahm aus Köpenick, welcher mit einem Mitgliede der hiesigen Wehr am Sonnabend einen von ihnen konstruierten Rettungsapparat aus- probierte, stürzte beim dritten Versuche mit dem neunjährigen Sohne seines Kollegen ab. Während der Sohn von seinem unten- stehenden Vater aufgefangen wurde, erlitt P. einen Oberschenkelbruch und innere Verletzungen, so daß er dem Elisabeth-Hospital zugeführt werden mußte. Aerztlichc Hilfe bei nächtlichen Unglücksfällen zu erreichen, scheint recht schwer zu sein, wie dies aus Anlaß eines Vorkommnisses in voriger Woche zu konstatieren war. Ein hier zu Besuch weilender Lehrer, welcher die nach Köpenick führende Straßenbahn in Treptow bestiegen hatte, wurde in derselben von einem Unwohlfein befallen, welches sich sehr verschlimmerte. Ans dem Königsplatz in Ober- Schöneweide angelangt, wurde er auf einer Arbeitslore niedergelegt, während ein bei den Gleisbauten beschäftigter Arbeiter ärztliche Hilfe herbeizuholen suchte, was aber nicht gelang, trotzdem er bei vier Aerzten läutete. Nach einer halben Stunde war der Erkrankte verstorben. Wenn auch mehrere der hiesigen Aerzte ferienhalber abwesend sind, so sollte man doch fordern dürfen, daß auch deren Vertretung um ll'/z Uhr abends zur Hilfeleistung zu haben sei. Kalkberge- Rüdersdorf. Eine Straßcnbahn-Fahrpreiserhöhung tritt vom S. August ab in Kraft. Es handelt sich um eine Erhöhung des Fahrpreises von 40 Pf. auf 45 Pf. für die ganze Strecke Kalkberge— Friedrichshagen. Der bisherige Fahrpreis von 40 Pf. für die ganze Strecke wird jetzt für die Tour zwischen Berghof und Friedrichshagen, sowie zwischen Kalkberge und Schöneiche(Chausseehaus) erhoben.— Die Erhöhung der Fahrpreise ist nicht geeiguet, eine Bahn rentabler zu gestalten. Das Gegenteil ist eher der Fall. Je billiger der Preis für die Be- förderung, desto größer die Benutzung. Das ist ein alter Er- fahrungSsatz. Nowawetz. Tie Arbeitcrbibliothek� wird nach nunmehr beendeter Inventur und Instandsetzung im Singerschcn Lokal vom Donnerstag, den 3K Juli, ab wieder in der üblichen Weise zur Bücherentnahme gc- öffnet sein. Bücher werden an jeden gewerkschaftlich oder politisch Organisierten sowie an Jugendliche gegen ausreichende Legitimatian unentgeltlich verliehen. Ckrichts- Leitung» Schmiergelder? Behauptungen, die noch dringend einer näheren Nachforschung bedürfen, brachie der I n g e n i e u r Paul Scheck vor, der gestern aus der Untersuchungshaft der zweiten Ferienstrafkammer des Land- gerichts III vorgeführt wurde, um sich wegen Unterschlagung und Untreue zu verantworten. Der Angeklagte hatte längere Zeit die Generalvertretung der Asphallwerke Emil Köllner-Leipzig für Berlin inne. Als vor einigen Monaten der Verdacht auftauchte, daß er bei den Abrechnungen mit den Leipziger Werken fingierte Posten aufführe und das Geld dann für sich verbrauche, stellte der eben- falls bei der Firma angestellte Kaufmann Karl Zermelmann in Charlottenburg nähere Ermittelungen an. Diese bestätigten den Verdacht, ferner ergab es sich, daß S. verschiedene Beträge, die er für die Firma einkassiert hatte, nicht abgeführt hatte, darunter ein größeres Darlehen, welches die Firma einem Gemeindebeamien in Steglitz gegeben und dieser an den Angeklagten zurück- gezahlt hatte. Der Angeklagte gab die Verfehlungen auch zu und verpflichtete sich der Firma gegenüber, für die Summe von 25 000 M. persönlich zu hasten. Einige Tage nach der Verhaftung des S. liefen bei der Firma Köllner in Leipzig anonyme Drohbriefe ein, in welchem mit s e n s a- t i o n e l l e n Enthüllungen gedroht wurde, wenn die Anzeige nicht zurückgenommen werden würde.— Schon in der ersten seiner- zeit vertagten Verhandlung war der Angeklagte mit der Behauptung hervorgetreten, daß er das Geld nicht für sich, sondern im Interesse der Firma verwendet habe, indem er Schmiergelder an Beamte und andere Personen gezahlt habe, um der Firma Aufträge zuzuwenden. Er behauptete damals, u. a., daß er an einen Beamten Gelder gezahlt habe, um der Firma die Arbeiten an der Döberitzer Heerstraße zuzuwenden. In der gestrigen Verhandlung wollte der Angeklagte, als er von dem Vorsitzenden hierüber befragt wurde, offensichtlich nicht recht mit der Sprache heraus. Er gab schließlich zögernd an, daß zu den Personen, die von der Firma Zuwendungen erhalten hätten, auch Spandäuer Stadtverordnete, deren Namen er nicht nennen wolle, und, serner ein Baumeister, der an dem Bau der Untergrundbahn beteiligt sei, gehören. Nähere Auskunft hierüber könne der Ingenieur Reichhardt in Spandau geben. Die be- treffenden Personen seien häufig eingeladen und mit Champagner und auserlesenen Soupers traktiert worden, um sie für Aufträge an die Firma günstig zu stimmen.— Der Staatsanwalt be- antragte eme Gefängnisstrafe von 1>/z Jahren und 3 Jahren E h r v e r l u st. Das Gericht sah die Möglichkeit, daß der An- geklagte einen Teil des Geldes.im Interesse der Firma" verwandt habe, nicht als widerlegt an und erkannte auf 1 I a h r G e- fängnis unter Anrechnung von 3 Monaten der erlittenen Unter- suchungshaft. Außerdem wurde von der Verhängung der Strafe des Ehrverlusts Abstand genommen Der Leidensweg einer jungen Mutter. Unter der Anklage der fahrlässigen Tötung und der Beilegung eines falschen Namens hatte sich gestern die 35jährige Schneiderin Pauline Soplowek vor der zweiten Ferienstraftammer des Landgerichts zu veruntworten. Am frühen Morgen des 4. April d. I. beobachtete ein Zehlen- dorfer Polizeibeamter in der Nähe der Waldseebrücke an der„Alten Fischerhütte" im Grunewald eine weibliche Person, die sich leise stöhnend nach dem Wasser zu schleppte. Er glaubte eine Selbst- Mörderin vor sich zu haben. Als er näher kam, bemerkte er, wie die Unbekannte ein Kleiderbündel ins Wasser warf und dann längere Zeit wie geistesabwesend auf jenen Punkt starrte, an welchem das Bündel untergegangen war. Der Beamte sprach die Unbekannte an, die immer nur leise wimmernd die Worte sprach:„Mein Kind", und führte sie, da sie bei jedem Schritt zusammenzubrechen drohte, bis zu der nächsten Fahrgelegenheit. Auf der Polizeiwache gab die offenbar Schwerkranke an, daß sie„Schmidt" heiße, dann war es mit ihrer Kraft vorbei. Sie brach zusammen und mutzte schleunigst nach dem Kreiskrankenhause geschafft werden, wo es sich ergab, daß sie vor ganz kurzer Zeit einem Kinde das Leben gegeben habe. Die kleine Kindesleiche wurde dann auch, in Wäschestücke eingehüllt, in dem See gefunden. Die angebliche„Schmidt" wurde am nächsten Tage als die jetzige Angeklagte Soplowek erkannt. In der gestrigen Verhandlung erzählte die Angeklagte unter Tränen, welche entsetzlichen Leiden sie in jener Nacht habe ausstehen müffen. Sie habe am Abend des 3. April ihren in Steglitz wohn- haften Bruder aussuchen wollen, um die nötigen Vorbereitungen treffen zu können. Als sie ihren Bruder nicht antraf, habe sie nach Berlin zurückkehren wollen, sie sei aber in den falschen Zug gestiegen und bis nach Nikolassee gefahren. Hier hätten sie plötzlich die heftigsten Schmerzen gepackt, so daß sie, ihrer Sinne nicht mehr mächtig, in den Wald hineingelaufen sei. Sie habe sich dann im Walde verirrt und sei schließlich immer die Schienen entlang gegangen. Hier sei sie plötzlich ohnmächtig geworden und habe dann, als sie wieder zu sich kam, das Kind tot neben sich liegen gefunden. AuS Furcht, als Mörderin angesehen zu werden, habe sie die Leiche dann beseitigen wollen.— Der Staatsanwalt beantragte 6 Monate Gefängnis. Das Gericht kam jedoch mit Recht zu einer Freisprechung b* züglich der fahrlässigen Tötung, da es als nicht wider- legt ansah, daß die Angeklagte sich offenbar in der Zeit geirrt habe und überrascht worden sei. Wegen der falschen Namxns- b e i I e g u n g lautete das Urteil auf e i n e n Tag Haft, der als verbüßt angesehen wurde._ Bor dem Gesetz sind alle Preuße» gleich. Zwei bemerkenswerte Urteile, die so recht deutlich das herrschende Recht kennzeichnen, fällte das Schöffengericht in Stolp in seiner letzten Sitzung. Bei einer Lohnzahlung geriet der Maurerpolier Münch ow aus Neuendorf mit einem Maurergesellen in einen Wortwechsel, in dessen Verlauf er den Gesellen zu Boden warf, ihn würgte und ihm später mit einer Wasserwage und einem Hammer bedrohte. Trotzdem der Polier be- reits wegen Gewalttätigkeiten schon mit 1 Monat Gefängnis bestraft war, erkannte das Gericht auf 21 Mark Geldstrafe. Dasselbe Gericht fällte eine'Viertelstunde vorher folgendes Urteil: Der bisher unbestrafte Maurer Lind städt auS Stolp hatte im Vorbeigehen zwei arbeitswillige Maurer durch die Worte.Eisböcke, Lump, Streikbrecher" beleidigt und sie mit Schlägen bedroht. Hier lautete daS Urteil auf 2 M o n a t e Gefängnis. Und es wurde dabei begründend erNärt, daß auf eine so milde Strafe erkannt sei, hat der Streikende nur seiner Unbescholtenheit zu verdanken. Man sieht daraus, daß Recht und Gesetz zweierlei Begviffe find. Hus aller Alelt. Eine Grubenkatastrophe. Wie die„Kölnische Volkszeitung" aus Aachen meldet, er- eignete sich am Dienstag mittag um 12 Uhr aus der Gewcrk- schaft„C a r o l u s Magnus" in U e b a ch� bei Gelsen- kirchen ein fchiveres Grubenunglück. Tic neuen Schachtanlagen des Steinkohlenbergwerks stürzten ein, ein Steiger und 14 Bergleute wurden verschüttet, ein Bergmann konnte sich retten. Die Verschütteten dürften sämtlich verloren sein, da etwa 40 Meter Erde ein- gestürzt sind: die Rettnngsarbeiten wurden unverzüglich auf- genommen. Die Grubenverwaltung>glaubt, daß der Einsturz eine Folge eines Wolkenbruches ist, der vor kurzer Zeit dort niederging und dessen Wassermassen große Löcher in den Schacht gerissen hoben, v_ Rnhrerkrankungen in der Mark. Zwei Todrsfälle. In dem märkischen Dorfe Gleißen im Kreise Ost-Sternberg sind innerhalb weniger Tage mehrere Bewohner an der Ruhr erkrankt; zwei der Erkrankten, der 70jährige Rentenempfänger Paul Träger und der 19jährige Arbeiter August Wuttkc sind der Seuche erlegen. Wir erfahren über die Ruhrer- krankungen, die in Gleißen und Umgebung große Aufregung verursachen, folgende Einzelheiten: Am 4. Juli erkrankte der 70jährige Invalide Träger aus Gleißen, der in der Seiden- fabrik von Röder u. Co. in dem benachbarten Königswalde beschäf- tigt war, unter Begleiterscheinungen, die auf Ruhr'schließen ließen. Zwei Tage darauf zeigten sich die gleichen Krankheitssymptome bei dem ebenfalls in der Seidenfabrik angestellten 19jährigen Arbeiter Wuttke, und in der Folge erkrankten noch weitere acht Personen, die bei der Firma Röder u. Co. in Königswalde in Arbeit standen. Die ärztliche Untersuchung stellte in allen Fällen fest, daß es sich tatsächlich um Ruhr handelte. Auf erfolgte Anzeige hin ließ die zuständige Polizeibehörde sofort alle Vorsichtsmaßregeln in Kraft treten, die nötig erschienen, um ein Umsichgreifen der Seuche zu verhindern. Der. Zustand der beiden zuerst erkrankten Personen verschlimmerte sich in den nächsten zwei Tagen derart, daß sie dem Leiden erlagen. Der Zustand der übrigen Patienten hat sich inzwischen derart gebessert, daß Lebensgefahr bei keinem mehr be- steht. Die Zahl der Erkrankten betrug einschließlich der beiden Ver- storbenen im ganzen 12. Gegenwärtig sind noch sieben Personen. darunter zwei Kinder im Alter von 3 und 4 Jahren an Ruhr er- krankt und befinden sich in ärztlicher Behandlung in ihren Wohnungen. Weitere Erkrankungen sind nicht vorgekommen. Bemerkenswerte �teberlandflüge. Unsere deutschen Flieger scheinen endlich, durch die Leistungen ihrer französischen Kollegen angespornt, zeigen zu wollen, daß auch sie in Ueberlandflügen etwas zu leisten vermögen. So haben sich gerade das keineswegs einladende stark böige und regnerische Wetter vom DienStag zwei Flieger zu großen Ueberlandflügen ausgesucht. Der Flieger R e i ch e l t ist gegen 4 Uhr morgens von Kiel aus gestartet und, nach einer Zwischenlandung, 7>/< Uhr in Johannisthal eingetroffen. Er hat also trotz heftigen Seitenwindes die 300 Kilo- meter Luftlinie in 3'/� Stunden zurückgelegt. Aber nicht genug mit diesem Erfolg, ist Reickelt gegen 4>/z Uhr nachmittags abermals aufgestiegen, um womöglich Breslau(Luftlinie 250 Kilometer) zu erreichen. Ungefähr zur gleichen Zeit, als Reickelt in Kiel startete, Deutschland von Nordwest nach Südost zu durchqueren, ist der Militärflieger Leutnant I o l l y in Köln aufgeflogen. Nach vier» stündigem Fluge bereits vermochte er mit seinem Passagier ia Johannisthal zu landen. In dieser Zeit hatte der Flieger die 500 Kilometer betragende Luftlinie Köln— Johannisthal durchflogen. Auch dieser Flieger stieg um 11 Uhr 14 Minuten abermals auf, um ein weiteres Ziel, Königsberg, zu erreichen. Dort ist er. wie uns ein Telegramm aus Königsberg meldet, um 3'/z Uhr glatt gelandet. Anfangs hatten die Offiziere mit heftigen Böen zu kämpfen, doch besserte sich das Wetter, je weiter sie nach Osten kamen. In Königsberg landeten sie bei herrlichstem Sommerwetter. Lür den gesainten Flug von Köln bis Königsberg gebrauchten die Ossi- ziere eine reine Flugzeit von 8 Stunden. In Anbetracht der ungünstigen Wirterungsverhältnisse sind die Leistungen der beiden Flieger als recht respektable zu betrachten. Dies gilt auch von Reichelt, selbst wenn er durch irgendwelche Um» stände zu einer vorzeitigen Landung gezwungen werden sollte. Opfer der Automobilraserei. Sechs Tote nnd sicbeu Berletztc! In Frankreick, insbesondere aber in der Umgebung von Paris hat sich am Montag eine erschreckend große Anzahl von Automobilunfällen zugetragen. In der Nähe von Clermont schlug das Auto deS Grasen Fernandez d'Albana um. Der Graf und seine Frau wurden aus dem Wagen geschleudert und getötet; der Chauffeur blieb unverletzt.— Bei Briancon fuhr ein Auto gegen einen Baum. Der Chauffeur wurde getötet, zwei Insassen schwer verletzt.— Ferner fuhr bei Corcassone der Sohn des dorttgen Bürgermeisters, der sich auf einer Agitationsreise für die Wahl zur Deputierten» kammer befand, mit seinem Auto in einen Graben, wobei der junge Mann unter den Wagen zu liegen kam und getötet wurde.— In Reims erlitt ein Weinreisender mit seinem Auto einen Unfall, wobei er schwer verletzt wurde.— In der Nähe von Verdun schlug ein Auto mit drei Offizieren in einer Kurve infolge des Regens um. Alle drei wurden schwer verletzt in das Garnisonlazarett gebracht. Einer von ihnen ist bereits gestorben. — Ferner ist, wie aus Innsbruck gemeldet wird, auf der Straße zwischen Toblach und Jnnichen ein stanzösisches Automobil ver- unglückt. Der Chauffeur wurde tödlich, ein Herr und zwei Kinder leichter verletzt.__ Mordversuch eines Polizeibeamten. Aus Paris wird gemeldet: Der Polizeibeamte Maurice. der vor einem Jahre beauftragt gewesen war, Nachforschungen nach der verschwundenen Nichte einer Rcntncrin namens Roudier anzustellen, drang am Montagnachmittag in die Wohnung dieser Frau und suchte sie zu erwürgen. Es gelang ihr, sich frei zu machen und Maurice festnehmen zu lassen. Maurice erklärte, daß er ursprünglich nur die Absicht gehabt habe, Frau Roudier um ein Darlehen zu bitten. Kleine Notizen. Gefährliche Revolverspiclerci. Ein löjähriger Kaufmanns» lehrling in G ö t l i n g e n lieh sich von einem Gleickalttigen zu einer Radfahrt nach Kassel einen Revolver. Beim Erklären des Mechanismus ging ein Schuß los und ttaf den Lehrling in die Brust. Er ringt nun in der Klinik mit dem Tode. Tttaßcnbahnunglück. In M ü l h e i m am Rhein siel auf einer steil abschießenden Straße ein Straßenbahnwagen gegen eine Mauer. Ein auf der Plattform stehender Soldat wurde getötet, mehrere andere Personen wurden verletzt. Tödlicher Absturz. Der Steueroberverwalter Viktor Lasier von Zollheim ist bein Blumenpflücken vom Untersberg bei Salzburg abgestürzt und erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach Aufnahme in das Spital diesen erlag. Schwerer Unglücksfall bei Schießübung«». Wie aus der hollän- dischen Hafenstadt Nieuwediep gemeldet wird, wurde am Dienstagvormittag bei Schießübungen auf dem Fort ErfprinS das Verschlußstück eines 24 Zentimeter-Geschützes herausgeschleudert. Zwei Unteroffiziere und drei Mann wurden ver- letzt. Zwischen Lokomotive und Güterwagen zermalmt. Ein Opfer seines Berufs ist der Rangiermeister Schulze aus L u ck e n- Walde geworden. Sch. war am Dienstag beim Umrangieren von Güterwagen. Als er, auf dem Trittbrett der Lolomottve stehend. eine Schienenkreuzung passierte, kam auf dem Nebengleis ein Güter- wagen vorübergesaust. Er fuhr so dickt an der Maschine vorbei. daß er sie fast berührte. Sch. wurde zwischen beide Gefährte gequetscht und fast vollständig zermalmt. Die ganze Brust sowie der Kopf wurden dem Unglücklichen zerqueffcht, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. 30 Sträflinge verbrannt. Aus St. Louis wird gemeldet, daß das bei Jefferson-City gelegene Gefängnis des«Staates Miffourt niedergebrannt ist. 3 0 S t r ä f l i n g e, sämtlich Farbige, sind in den Flammen umgekommen. Es wird Brandstiftung vermutet. Ter Brand des Gefängniffcs dürfte die� Reform des amerikanischen Gcfängniswesens, die durch die jüngsten Eni- hüllungen über die Zustände im New Dorker Staatsgefangnis von ~ing-Sing in lebhaftem Maße die öffentliche Meinung erregte, wieder in Fluß bringen.. � Ein neucS Todesopfer der Aviatlk. Auf dem Flugfelde von Mourmelon-le-Grand kippte am Dienstag ein von einem Militär- flieger gesteuerter Zweidecker kurz nach dem Anfluge um. Ein Pionier, der als Beobachter auf dem Rücksitz des Apparates sich befand,'fiel so unglücklich unter den Motor, daß er auf der Stelle getötet wurde.__ Bnefhaftcn der Redahtio«. TU lurtstis«- Svrea, stunde findet Ltndenstr-Se SS, vorn vier Trcvve, _ F- i> est u d l—, Woche!, taglich von tiz VIS 714 Uhr aVtnbä, Sonnabends, tum bis 6 Uhr-dcndS statt. Jeder für den Briefkasten hestimmten Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl alS.Mertzcichen betjnsügen. Briefliche Antwort wird nicht crtciit. Anfragen, denen tcinc AbonnementSgnittung beigefügt ist, ncrb-n nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. H. G. Die 200 M. können angerechnet werden. Erbschastssteucr ist zu zahlen, da der fl-ciamtnachlan 500 M übersteigt.— W. M. Alexandrine». straffe 7. Die Mutter kann einen Antrag aus Rückgabe des Kindes an das Vormundschaflsaerichl Achten. Gegen das schreiben wird sich nichts tun lassen.— H. L. 13. Rein— K. M. 177 B. 1. Ja. 2. und 3. An- trag auf gerichtliche Entscheidung«schalt ausiichtslos— F. H. 43. 1. Bestimmte Derlonen empfehlen wir nicht. 2. Nicht unbedingt notwendig, aber in der Regel zweckmäßig 3. Unterliegt der Vereinbarung.— K.P. 34. Ihre Sachdarslellung reicht nicht auS. kommen sie mit deu Schristftücken. die aus die Sache Bezug haben, in die Sprechstunde.- ff.®. 50. KrankenversicherungSpflichtig war Ihre Schwester leider nicht, jedoch invalidenversicherungspslichtig, sie kann bei der Polizeibehörde den Antrag stellen, daß die Marken nachgeklebt werden.— K. 22. Dagegen läßt sich nichts tun— E. G. 35. 1. Ja. 2. Nicht notwendig. 3. Der Anttag ist beim Jcrsicherungsamt in Berlm. Am K°lln.schen Park 8. zu stellen. — A. N. 31. Die Eingabe scheint wenig Aussicht au, Ersolg zu haben. jedoch machen Sie den«ersuch. Zuslandig iit der Magistrat.— I. H. 16«. Etwa 15 M. Hinzu kommt noch dle Entschädigung sü� die vorgeschriebenen Bciuche mit je 1 M.— P. T. 200. Eine Vertragslösung läßt sich vor dem 1 Oktober nicht erreich ew Die Kündigungsfrist muß innegebalten werdew— H R 7«. Gm«cheidungsgnmd liegt vor. ebenfalls ist Be. strasuna möglich, TaS Etrafmaß bewegt sich zwischen 1 Tag und 6 Mo. naten Gcsängnis.— Auna 333. Das reicht zur Vertragslösung nicht aus.— C. R. 111 1. Oeiinung war zulässig, sofern der Gerichtsvollzieher im Besitz eines Schuldtitels war. Die Fortschaisung war nur dann zulässig. wenn die Gefahr der Bcisciteschassung des Psandstücks bestand. Ob die» der fiall war oder nicht, läßt Ihr Schreiben nicht erkennen. 2. Für den «auspreis baftct in deni vorliegenden Falle u. E. der Ehemann nicht W. L. 471' Zenttalkommission der Krankenkassen, Alcxanderstr. 3g— 40. _ P.!». 27. Zentralstelle für Auswanderer, Berlin, Karlsbad 9—10.— Nermitwortlicher Redgkteur: Alfreh Wielepp, Neukölln. Für he« Jnferatenteil vercmtw.; Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Mchvruckeret u. Verlagsanjtalt Paul Singer it.. So, Berlin LÄ