Ar. 187. HbonncmcntS'Bedingungen: Ilbonnements• Preis pränumerando: Bierteljädn 830 Mk, monoil. 1,10 SKI, Wochenllich 28 Pfg. frei in« Hau». einzelne Nummer S Pfg, Sonntags. O-'lUti.|JI.Ö jyCOuClL eingetragen in die Post-ZeiwngS. Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn LL0 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnemems nehmen aru Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. VIe Tnlerflons-Gebübr beträgt für die sechsgespaltene ßolonel. „Kleine Hnzetgcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 10 Pfg, Etellengefuche und Sehlaffiellenaiu zeigen daS erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 16 Buch- Itaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Erfchtlnt tägfiö. Verlinev Volksblatt. Zentralorgan der rozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. Telegramm. Adresi« „SoziaMtinckrat Rcrlia". Redahtion: 85tl. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1883. ZeparatistiicheNuägetbeivllügung Aus Wien wird uns vom 22. Juli geschrieben: Wer die schweren und ernsten Debatten in Erinnerung bat, die sich an die Budgetabstimmung in den drei suddeut- schen Bundesstaaten vor und in Nürnberg geknüpft haben, wird vielleicht mit Verwunderung hören, wie einfach es mit einer derartigen Budgetbewilligung anderswo zugeht und mit welchen Gründen sie„gerechtfertigt" werden kann. Aller- dings ist es bei den tschechischen Separatisten ge. schehen, und diese haben sich von den Grundsätzen der inter- nationalen, klassenbewußten Sozialdemokratie doch auf allen Gebieten recht weit entfernt. Am letzten Freitag haben in dem neugewählten mährischen Landtag die Separa- tisten für das provisorische Budget gestimmt, und die Bud- getbewilligung ist keineswegs ein Seitensprung jener mähri- fchen Linie des Separatismus, der sich in Verleugnungen des Klassenkampfes seit jeher gefallen hat: vielmehr beruht die Abstimmung auf einem Beschluß, dem der Parteivorstand vorweg seine Zustimmung gegeben hat, weshalb diese mäh- rische Abstimmung für die Entwickelungsfähigkeit des Se- paratismus zur völligen Grundsatzlosigkeit ein denkwürdiges Zeugnis bietet. Und damit die internationale Welt die so- zialdemokratischon Qualitäten der tschechischen Separatisten einmal genau erkenne und davor geschützt bleibe, sich von dem Phrasenschwall, den sie bei internationalen Gelegen- Helten so reichlich handhaben, das Urteil verwirren zu lassen, müssen die Tatsachen dieser Abstimmung genau dargelegt werden. Von irgendwelchen sachlichen Gründen für diese Bud- getbewilligung, die erste in Oesterreich, ist natürlich keine Rede. Die Separatisten können sich darauf nicht berufen, wie es bei den süddeutschen Abstimmungen der Fall gewesen ist. daß sie etwa'die meisten Posten des Etats in der Eopezial- debatte genehmigt hätten, und wegen ihrer einwandfreien Art hätten genehmigen dürfen, wonach die Gesamtabstim- mung nur die Konsequenz ihrer Einzelabstimmung gewesen wäre. Von all dem ist hier keine Rede: handelte es sich doch nur um ein Provisorium— um die General ermächti- gung an den Landesausschuß zur Einhebung'der Steuern und Leistung der Ausgaben�— und zwar für das letzte Vier- tel des Jahres: die Separatisten können also nicht einmal geltend machen, daß sie aus den Inhalt des Etats Einfluß genommen hätten' geschweige denn, daß sie ihn in irgend- einer ausschlaggebenden Weise bestimmt hätten. Haben sie doch gegen die zwei ersten Viertel des Etats im letzlen Land- rag selbst gestimmt— der dritte ist durch die Landtagsauf- lösung ohne ZustimnMng des Landtags geblieben—, also schon durch das eigene Votum bekräftigt, daß es die sozial- demokratische Zustimmung nicht finden könne!.Und da?. was jetzt bewilligt wurde, ist derart, daß es von Vertretern der Arbeiter nie bewilligt werden darf! Tie Einnahmen der Länder Warden in Oesterreich durch Zuschläge auf die staatlichen Steuern, in der Hauptsache auf die Hausklassen- und Hauszinssteuer beschafft, also durch Zuschläge auf dis antisozialsten steuern, denen die schreckliche Wohnungs- fteuerung in Oesterreich vor allem zuzuschreiben ist. Und in Mähren lDtragen diese Zuschläge 61 Proz.(in Niederöster- reich 29 Proz.): und dieseni verrotteten Steuersystem haben die Separatisten ihre Zustimmung gegeben! Ebenso unge- heuerlich ist die Abstimmung in Hinsicht der Verwaltung, der die Separatisten mit ihrer Bewilligung ein so uneinge- schränktes Vertrauensvotum erteilt haben. Die Länder de- sitzen in Oesterreich neben der staatlichen auch eine autonome Verwaltung, die sogenannten von den Landtagen gewählten Landesausschüsse. Ter mährische wird nun aus zwei hoch- privilegierten Großgrundbesitzern, zwei deutschbürgerlichcn und vier tschechischbürgerlichen Abgeordneten gebildet: eine Klassenvertretung der Besitzenden, wie sie schroffer gar nicht ausgesucht werden könnte. Und die Separatisten zögern nicht, der kontrollosen Auslieferung der Landesverwaltung an diese echten Arbeiterfeinde mit ihren ü-timmen zu bekräftigen! Man wird wohl sagen dürfen, daß eine derartig skandalöse Abstimmung in der europäischen Internationale noch nie erlebt worden ist! Ebensowenig sind für die Bewilligung auch irgendwelche �vingende oder plausible politische Gründe aufzutreiben. Weder ist die Konstellation im Landtage so, daß die Bewilli- gung gefährdet worden wäre, noch so, daß von einer Ableh- nung ein Nachteil zu befürchten war. Für die. Bewilligung standen vorweg(151 Mitglieder hat der Landtag) 96 Stim- tsten parat: es wäre also auf die sieben Separatisten wahr- lich nicht angekommen. Nicht einmal der Scheingrund, den die Separatisten vorbringen— und was ist das für ein„Grund!" — ist stichhaltig, c-zie wollen für den Etat nämlich deshalb gestimmt haben, um der deutschen Minorität im Landtag die Gelegenheit zu entziehen, die Abstimmung zur Erpressung „nationaler Konzejsionen" zu mißbrauchen. Wohl eine saubere Auffassung der nationalen Beziehungen in einem von zwei Nationalitäten bewohnten Lande und namentlich eine kgjtbare Auffassung bei Tschechen, die„nationale Konzessionen" ununterbrochen fordern und von den unveräußer- lichen Rechten der Minorität, wenn sie die Minorität sind. in den bewegtesten Worten zu reden pflegen! Aber von ber Neschaffenheit dieses Arguments, das die nationalistische Eni- artung des Separatismus deutlich aufzeigt, ganz abgesehen: der ganze Vorwand selbst ist der aufgelegte Schwindel. Erstens war weit und breit von nationalen Forderungen der Deutschen nichts zu sehen, weil einleuchtenderweise ein Bud- getprovisorium dazu gar keine Gelegenheit wäre: zweitens haben die Tschechen allein im Landtag gar nicht die Mehrheit, sind also immer auf die Stimmen der Großgrundbesitzer an- gewiesen, und drittens war die Abstimmung der Großgrund- besitzer keinen Augenblick fraglich— weil sie für das Budget, das doch geradezu i h r Budget ist. immer stimmen—, die Mehrheit also auch ohne die Separatisten gesichert, weshalb auch die deutsche Opposition den Landtag nichts ins Gedränge bringen konnte. Was die Separatisten zur Rechtfertigung ihres ehrlosen Verhaltens vorbringen, sind also keine Gründe, sind leere Ausreden. Und daß sie nur di�e dummen Beschönigungen vorbringen können, deren Nichtigkeit auf der Hand liegt, beweist sonnenklar, daß ihre Abstimmung gaoz andere, und zwar höchst zweifelhafte Gründe hat. Die Abstimmung der Separatisten ist eben nur aus ihrer allgemeinen politischen Haltung zu begreifen: aus ihrer Feigheit vor der nationalen Verfehmung und aus ihrem heißen Wunsche, wie es einer ihrer Wortführer einmal so charakteristisch sagte, in den„Schoß der Nation" wieder auf- genommen zu werden. Sie wollen vor ihrem Bürgertum unter allen Umständen als„gute Tschechen" dastehen: sie wollen die letzten Zweifel an ihrer chauvinistischen Verläßlich- keit tilgen: sie wollen, insbesondere wegen der Geschäfte bei Wahlen, dartun, daß zu dem„Mißtrauen", zu dem sie den Chauvinisten einmal, als sie eben noch internationale Sozial- demokraten waren, Anlaß gegeben haben mögen, heute kein Grund tnehr, aber schon gar kein Grund mehr vorhanden sei. Daß die Separatisten alle nationalistischen Ausschrei- tungen bedenkenlos mitmachen, genügte zur Erhärtung ihrer „tschechischen Zuverlässigkeit" noch immer nicht: sie mußten das Sozialdemokratische ganz beiseite werfen und sich in die tschechische Mehrheit vorbehaltlos einfügen: dann erst haben sie die Feuerprobe bestanden, dann erst erscheinen sie als voll- wertiges Glied des„tschechischen Volkes"! Und weil die Separatisten ihre Pflicht begriffen, haben sie sich, ohne daß der geringste sachliche Anlaß vorlag, zu dieser Budgetbewilli- gung einfach gedrängt! Klassengegensatz, Klassenkampf, diese altfränkischen sozialdemokratischen Auffassungen haben die Herren Separatisten gründlich überwunden: ihr Wort- führer verkündete stolz im Landtag(man muß das wörtlich vernehmen):. Als Vertreter der Arbeiterschichten der tschechischen Nation in Mähren fühlen wir uns als Teil der.tschechi- schen Majorität in diesem Landtag. Wir würden es für uns und für die Schichten, die wir vertreten, als B e- leidigung erachten, wenn wir aus dieser Ma- jorität ausgeschlossen werden sollten. Die tschechische Arbeiterschaft erfüllt alle Pflichten ihrer Zugehörigkeit zur Nation als selb st der st änd- lich, und nur jemand, der aus kurzsichtiger Parteisucht vergißt, daß der Kampf der tschechischen Nation um eine bessere Zukunft ohne Teilnahme der Arbeiter nicht mit Erfolg zu führen und auszukämpfen ist, könnte uns als ihre Vertreter aus der Nation oder deren Repräsentation ausschließen. Nach dieser Erklärung wird sich über diese Budget- bewilligung der Separatisten wohl niemand mehr im un- klaren sein, wird sie jedermann als das würdigen, was sie in Wahrheit ist: die völlige Abkehr von den Ueberzeugungen des klassenbewußten Proletariats, das unverhüllte Ein- schwenken in die bürgerlichnationale Welt, zu der sich die Separatisten bekennen und in der sie freudig Platz nehmen! Die Zurückentwickelung der Partei des revolutionären Klassen- kampfes zu einem Anhängsel der bürgerlich-nationalistischen Parteien ist nun vollendet, und keinerlei Phrasen, die die Routine noch behalten hat. werden diesen wahren Sachver- halt mehr zu vertuschen vermögen. Der verpatzte Kreuzzug. Vor neun Monaten zogen die christlichen Balkanstaaten in vermeintlich treuer Waffenbrüderschaft gegen den Halb- mpnd. Ein Kpeuzzug sollte es sein im Namen des Christengottes. Im Namen des Gottes der Nächstenliebe fand das blut- und greuelvolle Ringen statt, das zur Niederwerfung der Türkei führte. Aber kaum Ivaren die Osmanenhecre ver- nichtet, da wandten sich die Raub- und Machtgelüste gegen den christlichen Bundesbruder, und ein zweiter Krieg Hub an, blutiger, barbarischer und grausamer als der erste. Die Vor- macht des Balkanbundes, Bulgarien, verblendet durch eine un- ersättliche Eroberungspolitik, erlag den Schlägen der einstigen Bundesgenossen; die schon zur Ohnmacht verurteilte Türkei nutzte den allen christlichen Phrasen hohnsprechenden Bruder- zwist aus,— der Halbmond flattert heute wieder über all den Städten Thraziens, aus denen er im Oktober vorigen Jahres in kurzem Siegeslaufe von den Bulgaren verdrängt war. Die Weltgeschichte hat in wenigen Wochen die blutigste Satire erlebt, die jemals auf kriegerisches Nazarener- tum geschrieben worden ist. Die leider noch wenig zahlreiche Sozialdemokratie in den Balkanländern hat vor Beginn des Krieges all die Konflikte. Expedition: SCQ. 68, Llndenstrasec 69. Fernsprecher: Amt Morittplatz, Nr. 1984. die Greuel und Blutopfer vorausgesagt. In Belgrad und Sofia haben unsere Genossen darauf hingewiesen, daß hinter den christlichen Kreuzzugsphrasen sich nur dynasttsche und nationalistische Sonderinteressen bergen, daß die Völker ihr Gut und Blut für ein Ziel einsetzen, das viel besser und gründ- sicher durch eine friedliche Föderafion der Balkanstaaten auf gemeinsamer wirtschaftlicher und politischer Grundlage zu erreichen sei. Man hat sie verlacht und verspottet. Die Riesenzahl der Getöteten und Verwundeten, der vom National- haß niedergemetzelten friedlichen Einwohner, die rauchenden Trümmer niedergebrannter Dörfer und Städte führen jetzt eine zu eindringliche Sprache, als daß in Zukunft die Mah- nungen der Sozialisten ein ebenso schwaches Echo finden werden als vor Ausbruch des Krieges. Nach Beendigung des Mordens wird der Sozialismus auch im Proletariat der Balkanstaaten seine Werbekraft erweisen. Das ist der einzige Lichtblick, den die zwei Akte der blusigen Balkantragödie für die Zukunft eröffnen. Noch am späten Nachmittag des Dienstag verkündete eine Depesche aus Sofia, daß die Bulgaren noch Herren Adria- nopels seien. Am Abend aber kam die Meldung, daß die kleine bulgarische Besatzung ohne Kampf Adrianopel und Kirkkilisse, diese beiden Stätten bulgarischen Kriegsruhmes, geräumt hat. Die Türken richten sich in dem mit leichter Mühe wieder erworbenen Gebiet häuslich ein. Die bulgarische Regierung fühlte sich des thrazischen Besitzes so unbedingt sicher, daß sie alle Truppen herauszog, um sie gegen die einstigen Kreuzzugsgefährten zu führen. Die kläglichste Rolle bei alledem spielt die Diplomatie der Großmächte. Die Türkei erklärt ganz einfach, daß sie den Londoner Präliminarfrieden so gut wie für null und nichtig ansehe, nur die äußerste Gewalt könne sie wieder aus Adrianopcl treiben. Und Griechenland und Serbien schließen sich dieser türkischen Auffassung an. Die Vertreter der Groß- mächte führen jetzt große Worte gegen die Türkei im Munde, um ihre eigene Ratlosigkeit und egoistischen Gründen ent- springende Zerfahrenheit zu verschleiern. Der Einzug der Türken in Adrianopel. K 0 n st a n t i n 0 p c l. 23. Juli. Eine unabhängige Kavallerie- kolonne unter dem Obersten Ibrahim und eine fliegende In- santeriekolonne unter Enver Bcy sind heute früh in Adria- nopel eingezogen. Sie hatten mit den bulgarischen Truppen einen kurzen Kampf zu bestehen. Tie Bulgaren hatten vorher die Mu- nitionSdepots und einige RegierungSgebäude in die Luft gesprengt. Der zum Wali von Adrianopel ernannte frühere Minister des Innern Hadschi Alil ist auf seinen Posten�abgereist. Gleichzeitig haben sich dreihundert Gendarmen unter dem Obersten Foulon Bcy nach Adrianopel begeben. Sechshundert bulgarische Gefangene wurden hierher gebracht. Der Abzug der Bulgaren. Sofia, 23. Juli.(Meldung der Agence Bulgare.) Unter dem Drucke zahlreicher regulärer türkischer Truppen, die Montag abend vor Adrianopel erschienen, war die kleine bulgarische Garnison, die sich in der Stadt befand, genötigt, sich zurückzuziehen, ohne Widerstand zu leisten. Dienstag früh besetzten die Türken die Stadt und begingen dort furcht- bare Grausamkeit«».� Der Bevölkerung bemächtigte sich eine Panik. Demselben Schicksal wie Adrianopel verfiel K i r k- k i l i s s e. dessen schwache bulgarische Garnison sich gleich- falls zurückzog. Auch dort wurden die Einwohner nieder- gemetzelt. � Die Türkei gegen das Londoner Protokoll. Konstantinopel, 23. Juli. Zu der Frage des neuen Pro- tokolls, über das gegenwärtig zwischen Türkei, Sex- b i e n und Griechenland verhandelt wird, wird von zuständiger Seite erklärt: Das Dokument, über dessen Bc- nennung noch nicht entschieden ist, wird hauptsächlich die Wiederausnahme der diplomatischen Beziehungen festsetzen und die Wiederherstellung des Friedens in sich schließen, ohne andere Einzelheiten zu enthalten, die später geregelt werden sollen. Ter Londoner Präliminarfriedensver- trag wird, ohne im Prinzip aufgegeben zu werden, infolge der durch die Besetzung Adriauopels geschaffenen Lage und unter dem in der letzten türkischen Zirknlarnotc entwickelten Gesichtspunkt als nicht zutreffend angesehen. Neue Kämpfe. Belgrad, 23. Juli.(Meldung des Serbischen Prefiebureaus.) Bei Pirol haben zwei bulgarische Bataillone mit einem Ma- schinengewehr die serbischen Vorposten in Garvan angegriffen. Ter Feind wurde mit beträchtlichen Verlusten in der Richtung des Dorfes Zwontze auf bulgarisches Gebiet zurückgewiesen. Bei Detschani und Kladenatz hat dqr Feind unerwartet die serbischen Vorposten auf der Grenzlinie angegriffen. Es gelang ihm, auf kurze Zeit einige Kilometer weit in serbisches Gebiet einzudringen. Die serbischen Truppen erhielten jedoch Verstärkungen und der Feind wurde wieder über die Grenze zurückgeworfen. Am gestrigen Tage und in der Nacht versuchte der Feind einen Angviff von Trn her.in der Richtung auf Wlasfina. Er wurde jedoch zurückgeworjes und erlitt beträchtliche Verluste. In der Gegend von Egri Palanla spielten sich auf dem äußersten linken Flügel Kämpfe an der Grenzlinie ab, die ohne große Bedeutung sind. In der letzten Nacht versuchten die Bulgaren in der Richtung von Zarewo Selo einen Angriff auf die serbischen Truppen. Die serbischen Truppen waren jedoch auf ihrer Hut und kannten aus Erfahrung die versteckte bulgarische Taktik. Sie warfen die Bulgaren rasch in ihre alten Stellungen zurück. Heute früh 3 Uhr versuchte der Feind seinen Angriff zu wiederholen. Der Kampf dauerte mit Unterbrechungen den ganzen Tag über an. Dieser b-ischenTruppenhaben vollständige Fühlung mit den griechischen Truppen. Die Serben auf bulgarischem Gebiet. Belgrad, 23. Juli.(Meldung des Presse-Bureaus.) Die serbischen Truppen zogen nach erbittertem Kampfe bei St. Nikolas gegen die Bulgaren, welche die Stadt Knjazevatsch und Dörfer am Timok plünderten, siegreich in Belograd- sch i k, einer von Serben bewohnten Stadt(?) in Bulgarien, ein, wo sie von der Bevölkerung begeistert begrüßt wurden. Gleichzeitig zogen serbische Truppen aus Zajetschar in die Stadt ein. Die serbischen Truppen erbeuteten 32 Geschütze, 17 Munitionswagen, 3000 Gewehre, ein Maschinengewehr, ein Feldhospital und eine große Anzahl Lebensmittel. Bulgarische Klagen über Grausamkeiten der anderen. Sofia, 23. Juli.(Meldung der Agence Bulgare.) Die Griechen haben in der Mädchenschule in Serres 93 Bul» garen eingeschlossen, unter denen sich außer Bewohnern der Stadt zehn Soldaten und vier Gendarmen befanden, und sie getötet. Die Leichen wurden sämtlich am 11. Juli von den bulgarischen Behörden aufgefunden. Griechische Kavallerie plünderte das bulgarische Dorf Harsovo im Distrikt Kükütsch und machte dort alle Greise, Frauen und Kinder nieder. Ueber 800 Familien aus den Bezirken Keschan, Malgara und Usunköprü sind auf der Flucht vor den Türken in Bulgarien angekommen und andere langen noch unaufhörlich an. Der Kommandant der bulga- rischen Truppen in Küstendil berichtet, daß serbische Truppen, die in den Distrikt Boszilegrad eingedrungen waren, das Dsttf Doukat vollständig geplündert und eingeäschert haben. Im Distrikt Malgara zerstörten die Türken sieben Dörfer und vergewaltigten dort die Frauen. Auch der bulgarische Markt- flecken Harlagundi wurde geplündert. Die Friedensverhaudlungen. Bukarest, 23. Juli lAmtlich.) Griechenland und Ger» dien stimmen dem Borschlage Rumäniens zu, daß die B r S l i» m i na r i e n und der Friedet» Bukarest unterzeichnet werden. Griechenland stellt daS Verlangen, daß der Waffenstill- stand gleichfalls in Bukarest unterzeichnet werde. Die bulgarische Regierung hat auf die letzte rumänisch« Rote mit der Erklärung geantwortet, bah sie die formulierten Hauptpunkte annehme und hoffe, baß die nevensächlicheren Pnkte keine Schwierigkeiten biete« werden. Die Verhandlungen betreffend die Friedenspräliminarien und de« Waffenstillstand werden gleichzeitig begonnen werden müssen, da die Verhandlungen einen Waffenstillstand erheischen können. Die rumänische Regierung beauftragte den llnterchef des Generalstabs Oberste« ChristeScu, welcher sich gegenwärtig in Bel- grab befindet, sich nach N i s ch zu begeben. Nie das AoIMche Bureau berichtet und- berichtigt. Unser Pariser Korrespondent schreibt un«:.DaS Wölfische Bureau will sich also außer einem.UebersetzungSfehler' in seinem vom.Vorwärts" am 18. d. M. kritisierten Kammerbericht nichts haben zuschulden kommen lassen. Die Darstellung der Abstimmung über die Tagesordnung DeniS-Noöl, erklärt eS, sei vollkommen korrekt und darum die Kritik deS.Vorwärts" gänzlich unberechtigt gewesen. Sehen wir, da sich daS Wölfische Bureau auf daS Detail der Ab- stünmung beruft, einmal zu, wie es sich damit verhält: Die Verhandlung am 11. d. M. hatte sich um sechs Jnter- pellationen bewegt. Von diesen betraf eine die Maßregeln, die die Regierung gegen die die Soldatendemonstrationen»anstiftenden' revolutionären Organisationen zu treffen beabsichtige, ein« zweite diese Kundgebungen selbst und die Maßregeln gegen sie und gegen die»Anstifter außerhalb der Armee", die vier anderen die ungesetz- lichen Hausdurchsuchungen und die arbeiterfeindliche Gewaltpolitik der Regierung. Nach Abschluß der Debatte kam die Abstimmung über die eingebrachten Tagesordnungen daran. Die erste, vom .unabhängigen Sozialisten" Breton beantragte, tadelte die»anti« patriotischen Umtriebe' und betonte die Notwendigkeit, die DiSziMu in der Armee und die Achtung vor den Gesetzen aufrecht zu erhalten, setzte aber hinzu:.aber auch die Not. wendigkeit, die strenge Beobachtung der gesetzlichen Formen und Bürgschaften für alle zu sichern". Dieses Nebensatze« wegen, der, wie Breton ausdrücklich nach--einer Intervention BorthouS erklärte, einem Mißtrauensvotum gleichkam, forderte Barthou unter Stellung der Vertrauensfrage, der Tage«- ordnung die geforderte Priorität zu verweigern. Eben darum stimmten die Sozialisten für die Priorität, ohne natürlich damit den ganzen Inhalt der Bretonschen Tagesordnung zu billigen. Dieser wurde die Priorität mit 837 gegen ISS Stimmen verweigert. Nun war die Reihe an der Tagesordnung der Deputierten Denis und N o S l. Sie lautete: Indem die Kammer die Kundgebungen tadelt, zu denen sich die Soldaten mehrerer Garmsonen haben fortreißen lassen und die zu ihrer Unterdrückung von der Regierung getroffenen Maßnahmen billigt, drückt sie ihr Vertrauen zur Entschlossenheit der Regierung aus. die Wiederkehr der Kundgebungen zu verhindern und die Strenge des Gesetzes gegen die antimilitaristische Propaganda zur Anwendung zu bringen, verwirft jeden weiteren Zusatz und geht zur Tagesordnung über. Im Namen einiger radikaler Deputierter beantragte der Deputierte Paul Boncour, die Tagesordnung zu teilen und zwar nach den Worten:.die zu ihrer Unterdrückung getroffenen Maßnahmen billigt". Der Sinn dieser Teilung ist klar. Die Bürgerlich-Nadikalen wollten die Soldatenkundgebungen sowie die gegen sie getroffenen Maßnahmen tadeln, da sie auf dem Standpunkt des bürgerlichen„Patriotismus" stehen und sich nicht von den Re- aktionären.AntipatriotiSmu«" vorwerfen lassen wollten. Die Sozia« listen, die keinen Grund haben, sich vor der reaktionären Demagogie zu fürchten, und die Unterdrückungsmaßregeln mißbilligen, stimmten natürlich gegen diesen ersten Teil der Tagesordnung. Er wurde mit 131 gegen 72 Stimmen angenommen. Hierauf wurde eine weitere Teilabstimmung vorgenommen und zwar über den Satz»drückt sie ihr Vertrauen zur Ent- schlossenheit der Regierung aus, die Wiederkehr der Kundgebungen zu verhindern." Dies war die Haupt- abstimmung. denn sie hatte da» vertrauen zur Re« gierung zum Gegenstand. Der Deputierte Breton erklärte aus drücklich:»Wir stimmen gegen diesen Teil. Denn wir haben kein Vertrauen zur Entschlossenheit einer Regierung, die unter ihrer Brutalität eine dauernde Entschlußlosigkeit verbirgt." Die Ab- stünmung erfolgte wie die zwei vorhergehenden durch Srimmkarten. Sie ergab 333 Stimmen dafür, 158 Stimmen dagegen. Damit war alles wesentliche erledigt, alles übrige eine bloße Formalität. Das könnte nur jemand leugnen, der vom Mechanismus des französischen Parlamentarismus keine blasse Ahnung hat. Die Re gierung hatte das Vertrauen von einer großen Mehrheit ausgedrückt be kommen, die Sozialisten ihren prinzipiellen Standpunkt durch ihre Ab' stimmung über den ersten Teil klar ausgedrückt. Der dritte Teil der Tagesordnung hatte keinen neuen politischen Gehalt mehr, er war nur eben ein Rest und wurde dann, gleich der Tagesordnung im ganzen, durch die rascheste, bedeutungsloseste Form der Ab- stimmung erledigt. DaS ist in der Tat durch„Händeaufheben" geschehen. In der Praxis vollzieht sich daS in einer solchen Situation in der Weise. daß die Hand aufhebt, wer gerade aufpaßt, seine sieben Sachen nicht zusammenpackt oder nicht schon daS Weite gesucht hat. Es ist daher völlig sinnlos, eine Abstimmung nach einer JnlerpellationSdebatte nicht nach den Skrutinien, sondern nach dem Bild einer auseinander- laufenden Kammerversammlung charakterisieren zu wollen. Die Be- deutungSlosigkeit dieser Abstimmungen geht auch schon daraus hervor, daß der stenographische Bericht einfach verzeichnet:»wird an- genommen", ohne zu sagen, ob mit oder ohne Opposition. Der Wölfische Bericht setzt freilich aus eigenem die Worte »fast ein st immig" hinzu und hebt just den letzten Abschnitt der Tagesordnung hervor, der. wie wir gezeigt haben, in der gegebenen Situation ebenso jede Bedeutung verloren hatte, wie dann die Tagesordnung als Ganzes. Von entscheidender Bedeutung ist die Schlußabstimmung über ein Gesetz, hier aber ging e» eben nur um eine im Augenblick für den Fortbestand der Regierung entscheidende Formel, der ihr Genüge schon durch die zwei Skrutinien geschehen war. Man betrachte aber nur den Wolffschen Bericht! Er gipfelt gerade in dem Satz:.Der letzte Abschnitt, der die ganze Schärfe des Gesetzes gegen die Lntimilitaristen fordert, wurde fast ein- stimmig angenommen." Und im Passus vom.Händeaufheben". Der in die Details deS parlamentarischen Verfahrens in Frankreich und des journalistischen Verfahrens im Wolffschen Bureau nicht- eingeweihte Leser sieht da förmlich eine Neuauflage deS»Schwur» im Ballhaus" von 178g— eine Kammer, die einmütig— die Sozialisten inbegriffen— mit feierlichen Gebärden die Rache des GeietzeS gegen die Antimilitaristen heraufbeschwört! Ist eS danach unrichtig, wenn der.Vorwärts' gesagt hat: „Dieser ganze Bericht ist falsch!" Ist er nicht in der Tat.ein klassisches Beispiel von beruflicher Unfähigkeit und Schlamperei und von offiziöser Unverfrorenheit"? Doch wer möchte an die Harm- losigkeit dieser Berichterstattung mit ihren.Uebersetzungsfehlern", Auslassungen uud Zusätzen glauben? Daß der Pariser Bericht- erstatter de» Wolffschen Bureaus noch nicht so weit gekommen sein soll, den Mechanismus de» parlamentarischen Apparate« zu verstehen, wäre eine beleidigende Annahme, für die wir un« durchaus nicht einsetzen möchten. Aber welche fatale Familienähnlichkeit haben die französischen Telegramme de» Wolffschen Bureaus mit den deutschen Telegrammen der französischen Offi« ziösen, worin diese während der Verhandlungen über die Militärvorlage dem französischen Publikum die patriotisch-mili- taristische Begeisterung und Ungeduld der deutschen Sozialdemokratie vorgeführt haben! polltilcbe Qeberficbt. Der Streit über die BermögenSzutvachSsteuer im Zentrum. Schon bisher war bekannt, daß es bei den Beratungen über die BermögenszuwachSsteuer in der ZentrumSfraktion des Reichstages zu allerlei Differenzen gekommen ist, wie denn auch schließlich bei der Abstimmung sich 22 Zentrums- abgeordnete der Stimmabgabe enthalten haben: doch hieß es, daß diese Differenzen nicht ernstlicher Natur gewesen seien. Die„Köln. VolkSztg." hat sogar noch vor einigen Tagen behauptet, die 22 Abgeordneten, die nickt mitgestimmt haben, hätten durch ihren Wortführer der Mehrheit der Fraktion ihre Bereitwilligkeit erklärt, ebenfalls für die Ber- mögenSzuwachssteuer stimmen zu wollen, wenn ihre Stimmen zur Durchdringung des Gesetzes nötig sein sollten. Demgegen- über macht der klerikale„Münsterische Anzeiger" verschiedene Mitteilungen aus den Fraktionsberatungen, die deutlich zeigen, daß in der Zentrumsfraktion über die einzunehmende Haltung zur Vermdgenszuwachssteuer heftig gestritten wor- den ist. Das Blatt schreibt: „So ungern wir der„Kölnischen Volkszeitung" auf das Gebiet der vertraulichen FvaktionSvsrhandlungc« folgen, fo glauben wir doch, diese Behauptung richtig stellen zu sollen. Die Situation war so. daß daS von einzelnen Mitgliedern der Fraktion mit den Liberalen vereinbarte Kompromiß bei seinem Bekanntwerden in der Fraktion bei der Mehrheit durchaus keine freudige Zustimmung gefunden hat, aber daß die Mehrheit doch geglaubt hat zustimmen zu sollen, in der Meinung, daß in dem damaligen Stadium eine ander« Verein- barung nicht mehr möglich sei. Der Abgeordnete Erzberger sogt im„Tag" l1v8), daß ei oaS Zentrum gewesen sei. da! da ein „große» Opfer" gebracht habe, indem eS den neuen und letzten Verständigungsversuch mitmachte. Die Minderheit war anderer Meinung und hätte am liebsten gegen daS Gesetz g e st i m m t, um so mehr, da sie überzeugt war, daß eine andere Lösung möglich gewesen wäre. Daß sie das nicht getan, daß sie sich darauf beschränkt hat, sich der Stimme zu enthalten, war ein Akt der Selbstverleugnung, der sich gründete auf die Würdi- gung der Gesamtlage und auf die Rücksichtnahme auf den anderen Teil der Fraktion. Mit Rücksicht auf die gesamte Lage, auf die Wichtigkeit der Wehrvorlage hatte dann diese mit ihren 22 Ab- geordneten doch recht beträchtliche Minderheit schließlich erklärt, daß sie für den Fall, daß durch die Stimmenthaltung daS Zu. standekommen de» ganzen Werke» gefährdet werden sollte, noch einmal über ihre Stellungnahme beraten wolle. ES i st aber nicht gesagt worden, daß sie dann für das Kom. p r o m i h st im m e n w o l l e. ES scheint, daß wir über diese Haltung ander« denken als die„Kölnische VolkSzeitung". Wir sind der Meinung, daß die 22 Herren, die sich der Stimme ent. hielten, ein außerordentliche» und anerkennenswertes Maß von Sekbstbeherrschuüg, Ruh«, Entgegenkommen und Rücksichtnahme bewiesen haben, indem sie sich trotz der großen und starken Abneigung gegen diese? Gesetz, da» da» Zentrum in seinen Einzelheiten in den vorhergehenden Jahren mit aller Entschiedenheit und Ueberzeugung bekämpft hat. schließlich dazu verstanden, ihren ablehnenden Standpunkt nur durch Stimmenthaltung zu dokumentieren und so einen scharfen Gegensatz und Mißstimmung per- mieden." Neunzeh« Kirchenfürsten gegen die christlich- gewerkschaftlichen Bestrebungen. Der Streit zwischen der orthodoxen Berliner und der Kölner Richtung im Katholizismus nimmt seinen Fortgang. Auch der Verband der kath okisch en K aufle ute, der vor einige» Tagen in Leipzig versammelt war, hat zu dem katholischen Gewerk- schaflSstreit Stellung genommen. Diese rem katholische Standes« Vertretung der Kaufleute, in der Handlungsgehilfen und Prinzipale in schönster Seelenharmonie vereinigt sind, ist dem Volksverei» für das katholische Deutschland längst ein Greuel. Der Volks» verein wünscht eine Annäherung der bürgerlichen Handlung»» gehllfenbewegung an die christlichen Gewerkschaften. Er spekuliert vor allem auf den Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, der ja schon vor Jahren sich an dem ersten nationalen Arbeiterkongreß beteiligte und diesem Kongreß sogar in dem unvergeßlichen Wilhelm Schock einen Präfidenten stellte. Diesen Bestrebungen de§ Volks» Vereins steht jedoch der Verband der Katholischen Kaufleute im Wege: denn er will von keiner interkonfessionellen und gewerkschaftlichen Organisation etwas wissen, steht er doch völlig unter kirchlichem Einfluß. Jede Ortsgruppe hat ihren geistlichen Beirat und für den Gesamtverband ist soeben in Leipzig sogar die An» stellung eines geistlichen Beirats im Hauptamt be» schlössen worden. Der Verband hat denn auch dem Volksverein für das katholische Deutschland in aller Oeffentlichkeit eine so deutliche Absage erteilt, daß wahrscheinlich harte Auseinandersetzungen zwischen beide» Organisationen folgen werden. Die Resolution lautet: .Die 38. Haupiversammmlung deS Verbandes katholischer kaufmännischer Vereine spricht nach der aktenmäßigen Dar- legung der bisherigen Auseinandersetzungen mit dem Volks» verein dem pflichtgemäßen Verhalten der Verwal- tung vollste Anerkennung auS. Ju Uebereinftimmung mit der Verwaltung erklärt die Hauptversammlung,� daß sie sich von einer grundsätzlichen Gegnerschaft gegenüber dem Volksverein als solchen frei weiß und dessen große Bedeutung für die Interessen des katholischeu Volkes rückhaltlos anerkennt, selbst wenn über die Frage der Stellung des katholische» kaufmännischen Vereins in der kaufmännischen Standes- bewegung Meinungsverschiedenheiten bestehen. In dieser Hin- ficht mutz die Hauptversammlung erwarten, daß der Volks» verein als katholisch« Organisation nichts unternimmt. was den katholischen ka u fm ä n nisch en V e r b a n d schädigt. Jeder derartige Versuch würde den e r n st e st e a Widerstand bei ganzen Verbandes finden." Nicht ohne tiefere Bedeutung ist, daß sich vier deutsche Srzbischöfe und 15 deutsche Bischöfe durch Zu» schriften und Telegramme aufdie SeitedeSantigewerk» schaftlichen Verbandes gestellt haben. So ist der Bischof von Fulda„hocherfreut über da? Bekennt- niS zu den echten katholischen Prinzipien" und auch der neue Erzbischof von Köln hofft zuversichtlich,„baß die diesjährige Hauptversammlung die Weiterentwicklung auf der Grund- läge der bewährten Prinzipien kräftig fördern wird". Diese„echt katholischen und bewährten Prinzipien" sind die der streng konfessionellen und antigewerkschaftliche» Richtung. Die Kundgebung der neunzehn deutschen Kirchenfürsten richtet sich also zugleich indirekt gegen die christlichen Gewerk- schaften und die sogenannte bachemitische Kölner Richtung. Der genarrte Reichstag. Unter dem frischen Eindruck d«S entsetzlichen Erfurter Krieg»» gerichtSurteil» hat der Reichstag bekanntlich am letzten Tag vor den Ferien einem Notgesetz zugestimmt, da» bei bestimmten militätischen vergehen mildernde Umständen zugebilligt. Der Reichskanzler ver- sprach im Bundesrat für dieses Notgesetz einzutreten, und der Reichs- lag gab sich damit zufrieden, in der Erwartung, daß daS Notgesey vom Bundesrat schleunigst verabschiedet werde. Diese Erwartung ist nicht eingetreten, vielmehr wurde die Beratung des NotgesetzeS im Bundesrat bis zum Herbst vertagt, und eS ist noch keineswegs ausgemachte Sache, daß der Bundesrat dem Gesetz zustimmen wird. Die vom Erfurter Krieg«. gericht verurteilten Reservisten werden sich nun bereits Anfang August vor dem OberkriegSgericht in Kassel zu verantworten haben. utto allem Anscheine nach wird dieses Gericht an dem Urteil der ersten Instanz nicht viel ändern. Gewiß bleibt dann noch die An» rufung de» Reichsmilitärgericht»; wenn aber dort die VerHand» lung stattfindet, bevor der Bundesrat dem Notgesetz zugestimmt hat, so wird den Verurteilten nicht geholfen werben können. Sie werden nach wie vor darauf angewiesen sein, die Gnade deS Kaisers anzurufen. Der Reichstag bezweckte aber mit seiner Zu- stimmung zu dem Notgesetz, daß eS noch auf den vorliegenden Fall angewendet werde. Hätte der Reichskanzler nicht versprochen, für das Notgesetz eintreten zu wollen, dann wäre ohne Zweifel der sozialdemokratische Antrag angenommen worden, der die Zulassung mildernder Umstände bei bestimmten militärischen Vergehen in das Wehrgesetz hneinarbeiten wollte. Die Regierung hätte dann die Wahl gehabt, entweder sdfort zuzu- stimmen oder die ganze Militärvorlage scheitern zu lassen. Daß sie in diesem Fall zugestimmt hätte, unterliegt keinem Zweifel, und die Wohltaten deS NotgesetzeS kämen dann den Erfurter Ver- urteilten ohne weitere» zugute. Der Fall beweist wieder einmal. waS auf die Versprechungen der Regierung zu geben ist. Gedämpfte Meinungsfteiheit. Ein Teil der bürgerlichen Gastwim hatte da« Malheur, al, nicht ganz.echte Patrioten" bezeichnet zu werden. Den Anlaß dazu gab ihre Petition gegen den Miliiärboykott. Man machte ihnen den Vorwurf, nicht genügend sozialistenfeindlich Z» Da« bat die Braven anscheinend sehr gekränkl. Ihr Protest gegen den Milvar- boykott war wahrlich nicht politischen Motiven entsprungen. Die Wirt« wollen Geschäfte machen— weiter mchtS. Doch halt: selbst bei verlangen sie nicht unbedingt. Wer si» von ihnen den Luxu, einer eigenen, amtlich nicht gern gesehenen Weltoiischaulmg gestattet. frevelnderweise daS sogar merken laßt, den soll die Boykottstraf« treffen. Das Fachblatt der bürgerlichen Wirte druckt ausdrücklich zustimmend eine Resolution deS angeschlossenen Wirtevereins in «attowrtz der e« h-'sst- � eang auf bem Standpunkt de« Reichsverba?--- der Wirte- daß Soldaten während de? Dauer vonpolitischen Beriammlungen nicht m nn Lokal hinein» ��Ebenfa stehen wir auf dem Standpunkt, daß Soldaten nicht bei einem W irt« c: e n' sich zu einer staatSfeindlilben Partei bekennt und bei dem nur seine Gesinnung»« �Naw�dies««� sch�nen� Bewei« behördlich gewünschter Gesinnung». tllchtigkeit werden wieder aufgetan. Wir haben h'-r nur darauf aufmerksam zu machen, daß die bürger. lichen Wirte den Boykott ihrer sozialistischen Geschäftskollegen beftir» Worten. Lielleicht wünschen sie ihn aar. Es wäre doch ganz nett. wenn die Militärbehörde ihnen, den GefinnungStüchtigen, Kundschaft zutriebe. Steigende Güter, und Pachtpreise. Die„Hannoversche Lanh. und Forstwirtschatte liche Zettung. da» amtliche Organ der Landwirtschasts. faattner, berichtet in rhr:n beiden jüngsten Nuurmern über unge- wohnliche Steigerungen landwirtschaftlicher Güter- und Pacht- preise in der Provinz Hannaver. In Dehnsen(Kreis Lüne- bürg) habe der Landwirt Witzel seine ZOO Hektar große, aus zwei Höfen bestehende Besitzung für WS 000 M. verkauft. Da der bis- kserige Besitzer das Gut vor zehn Jahren für nicht ganz 100 000 Mark erwarb, hat sich also sein Kapital, selbst wenn man berück- richtigt. daß er erhebliche Summen für die Instandsetzung des damals heruntergewirtschafteten Anwesens ausgegeben hat, in zehn Iahren mindestens verdoppelt. Bemerkenswert an diesem Besitzwechsel ist, daß der Käufer, ein Agent auS Magdeburg, einen Teil der Ländereien zerschlagen hat, uno daS Restgut ebenfalls zu veräußern gedenkt; selbstverständlich mit entsprechendem Gewinn. Die kommenden Besitzer, zum Teil kleine Landwirte, wer- den dann für denselben Boden, der vor zehn Jahren 100 000 Mk. kostete» wahrscheinlich mehr alS den dreifachen Preis zahlen müssen. Und wenn sie bei derartig teuer erworbenen Grund und Boden nicht auf ihre Rechnung kommen, werden sie umso lauter nach stärke.rem Zollschutz schreien, um mit Hilfe des Staates die herderblichen Folgen einer solchen PreiSentwickeluna abzuwenden! In derselben Nummer berichtet die„Hannoversche Land- und Forstwirtschaftliche Zeitung" unter anderem über einen neuen Besitzerwerb des bekannten„Wunderdoktors" Schäfer Ast, der für ein 80 Hektar großes Gut in Südergellersen(Kreis Lüne« Surg) 9S 000 Mk. bezahlt habe. Das Blatt bezeichnet diesen Preis als„außerordentlich ho ch", wenn man berücksichtige, daß der Hof zum größten Teil aus Oedländereien bestche und daß die Ernte,'sowie das tote und lebende Inventar nicht mit übergehe. Eine weitere Nachricht desselben Blattes besagt, daß „außerordentlich hohe Landpretse" auch bei einem Gutsverkauf in Soßmar(Kreis Peine), erzielt wurden, wo 25 Morgen Laad, also nackter Ackerboden, für S2 S00 Mk. verkauft wurden, oder pro He ktar für 84 000 Mark. Den hohen Bodenpreisen entsprechen auch die enorm g e- stiegen en Pachtpreise. Auch dafür bringt das genannte Blatt ein charakteristisches Beispiel. Danach bezahlt der Pächter das F. Tirkschen Hofes in Willen(Kreis Wittmund) für die neue Pachfperiode 121 Mk. pro Hektar, statt 80 Mk. bisher. Das bedeutet eine Steigerung von rund 51 Prozent. Auch daS Organ ■der hannoverschen Landwirtschaftskammer bezeichnet diese Steige- rung als„ganz e r h e b I i ch". wenn man in Betracht ziehe, daß die Abgaben und Löhne(? Red. d. Vorwärts) von Jahr zu Jahr zunähmen und die ganze Lebenshaltung immer teurer werde. Die unnatürliche Aufwärtsbewegung der Güter- und Pacht» preise gibt also auch maßgebenden lanowirtschaftlichen Kreisen zu Bedenken Anlaß, zumal ja die Preissteigerung eine allenthalben beobachtete Erscheirrung ist. Daß aber aus der Erkenntnis die einzig richtige Konsequenz: Abkehr vom Wege des Hochschutzzolles als hauptsächlichstem Faktor der Preistreiberei, gezogen wird, ist nicht anzunehmen. Ter Zentralverband Deutscher Industrieller gegen Hochschutzzölle. Wir wir vor kurzem berichteten, hat der Geschäftsführer des DenrralverbandeS Deutscher Industrieller Dr. Schweighoffer sich dahin ausgesprochen, daß er von dem Abbau der(amerikanischen) Schutzzölle sich«ine Stärkung des(amerikanischen) WirtschaftS- rebenS verspreche. Dieses wertvoll« Eingeständnis, daß die Beseiti. gung der Hochschutzzölle die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Auslände stärkt, wird jetzt auch von der Korrespondenz deS HandcISvertragSvereinS wie folgt festgenagelt: „ES kommt darin klar zum Ausdruck, daß der Geschäftsführer des Zentralverbandes ebenso wie die Urheber der Tarifvorlage von dem Abbau der Schutzzölle eine„Renaissance des amerikanischen Wirtschaftslebens" und eine Stärkung des amerikanischen Exports auf dem internationalen Markt« erwartet. Herr Dr. Schweighoffer könnte vielleicht einwenden, gewiß tue ich das, nur darf nicht über- sehen werden, daß das geplante AuSmaß der amerikanischen Zölle im allgemeinen immer noch reichlich so hoch ist, wie das jetzige deutsche Zollniveau. Allein auf die Zollhöhe kommt eS hier gar nicht in erster Linie an. Es handelt sich um eine grundsätzliche Frage. Es ist, wie Herr Dr. Schweighoffer selbst bemerkt, ein „außerordentliches Experiment", das die Demokraten unternehmen wollen. Eine in vielen Branchen so plötzliche und erhebliche Zoll- Ermäßigung ist seit der mitteleuropäischen Freihandelsbewegung der 50er Jahre des borigen Jahrhundert» noch in keinem anderen Handels, und Jndustriestaate vorgekommen, und auch die wichiigsten Grundsätze, von denen sich die Verfasser de» Entwurfs leiten ließen und die zum Teil darin auch Ausdruck gefunden haben, ähneln durchaus den damaligen Forderungen der deutschen und englischen Freihändler, die zu bekämpfen der Zentralverband seit Anbeginn seiner Tätigkeit nicht müde geworden ist, ja die eigentlich den Anlaß zu der Gründung des Verbandes gegeben haben..... Auch der Einwand wäre hinfällig, daß biefe_ Zollfreiheiten für me ameriknischen Produzenten von geringer tatsächlicher Bedeutung seien. In allen Artikeln ist vielmehr mit der lebhaften Konkurrenz des Auslandes zu rechnen, besonders Kanadas, Argentiniens, Bra. stliens ustv. Wenn nun Herr Dr. Schweighoffer von dieser prin- zip'.cllen Umkehr der amerikanischen Handelspolitik soviel für deren „Stoßkraft auf den freien Märkten" erwartet, warum sollte dann Deutschland nicht demnächst dieses vortreff- liche � e isp i e l na ch ah m e n und s o am allerbesten dieser„bedeutenden Stärkung" der amerikanischen Konkurrenz das richtige Gegengewicht bieten? Wir sind in der Tat begierig zu hören, was Herr Schweighoffer auf diese Frage zu antworten weiß. Wieder ein Tpionageprozest. Vor dem Kriegsgericht in Thorn hatte sich v„ Unteroffizier Otto Theodor Emil Tietz vom 2l. Jnfaiiterieregiment wegen vollendet?» und versuchten Verbrechen» gegen da» Reichsgcfttz. b-lresiend Verrat \ mUilärischer Geheimnisse. Fabnenflucht. militärischen Diebstahl« Betruges, Preisgabe von Dienstgegenstauden. und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener zu verantworten. Nach dreitägiger V?r- Handlung wurde der Angeklagte zu achr Jahren ZuchibmiS, sechs Jahren Ehrverlust, Ausstoßung au» dem Heere, Zuläsiigkeit der Polizeiaufsicht, Degradation und Verletzung in die zweite Klasse des �oldatenstandeS verurleilt._____ Oertcrrfcich- Ein neues Schreckcnsurteil über Reservisten. Wien. 22. Juli.(Eig. 93er.) Von einem bosnischen Krieg». tnurden eine Anzahl eingezogener Reservisten auS Böhmen (Beneschau) zu Arrest, und Kerkerstrafen von 15 Tagen bi« verurteilt, weil sie einem in der Mitteilung nicht naher bezeichneten Befehl des den Transport kommandierenden Fahnr.ch« ntcht nachgekommen waren. Qngam. Riax Grosiniann. Budapest. 22. Juli(Eig. Ber.) Max Großmann, einer der Mit- begrunder und lange Ze.t einer der Führer der sozialdemokratischen Parte, in Ungarn, ist in seinem 41. Lebensjahre am IS. Juli'n Budapest gestorben. Obwohl er in den letzten Jahren keinen aktiven UnteU an der Parteibewegung nahm— alsVußedirektorder 2°"/ e-' 2- b-lt-runfallversicheru7gs-undKr° n- *.ff*.? er durch die von der«oalitionSregierung ok- irohiert« Dienstpragpiatck daran gehindert gehörte« doch mit Leib und Seele der sozialdemokratischen Partei an und entfaltete in sekncr neuen amtlichen Stellung im Interesse der kranken Ar- better eine segensreiche Tätigkeit. Ein kühler, außerordentlich scharfer Verstand, ein unbeugsamer, in der Wahl seiner Mittel von Skrupeln nicht allzusehr geplagter Will«— da» waren die Ouali- täten, mittels deren sich Max Großmann vom Setzerjungen zum tatsächlichen Leiter des größten sozialpolitischen Instituts des Landes hinaufgearbeitet hat. Er trat im letzten Jahrzehnt des verflossenen Jahrhunderts anläßlich des ersten großen Buchdrucker- streiks in die Bewegung und wurde sehr rasch in die ersten Reihen gestellt. Er trat mit anderen Kollegen der konservativ-zünftle- rischen Richtung des alten Buchdruckervereins entgegen, focht für den engeren Anschluß der Buchdrucker an die sozialdemokratische Partei und war der Mitbegründer und Obmann deS neuen, auf dem Boden deS Klassenkampfes stehenden Buchdruckersachvereins. Gleich- zeitig nahm er an der politischen Bewegung regen Anteil, wurde in die Parteileitung gewählt, welecher er zehn Jahr« angehörte, und wurde der Redakteur des deutschsprachigen Parteiorgans .Volksstimme". Für die Schlagfertigkeit seines Geistes spricht auch der Umstand, daß er seine Artikel, ohne sie vorher niedergeschrieben zu haben, selbst setzte. Als Agitator wirkte er durch scharfe, pole- mische Reden, die ihm dreimal Gefängnisstrafen eintrugen. Als im Jahre 1904 die Zivilliste des Monarchen mit zwei Millionen Kronen erhöht wurde, machte er in einer Versammlung die Be- merkung: ist der König mit seinem allzu hohen und unverdienten Lohne nicht zufrieden und will er eine Gehaltsaufbesserung, so möge er in den Streik treten. Diesen Streik könnte die Gesellschaft ohne irgendwelchen Schaden ertragen. Er wurde infolgedessen der Majestätsbeleidigung angeklagt und zu 9 Monaten Zuchthaus verurteilt, die er während des Verfassungskonfliktes abbüßte. Im Jahre 1907 trat er in die Landeskrankenkasse ein, deren Organi- sation größtenteils feine Arbeit war. In dieser Tätigkeit raffte ihn der frühe und unerwartete Tod weg. franhrdch. Die Finanzreform.. Pari», W. Juli. Die Kammer erörterte Artikel 3 der Finanzgesetze, wonach vom 1. Januar 1915 ab die Grund- besitzsteuer in eine Verhältnissteuer verwandelt, und die persönliche Mobiliarsteuer durch eine allgemeine gestaffelte Einkommensteuer ersetzt werden. Finanzminister Dumont erklärte, daß man im Laufe deS Jahres 191S die Einkommeneuer auf 250 000 Steuer- zahler ausdehnen könne, wenn man dabei die verwaltungStechni- schen Möglichkeiten berücksichtige. Er fügte hinzu, daß er nicht mehr versprechen könne, als er zu halten vermöchte. ES sei aber unmöglich, die Steuer dann auf 3 Millionen Steuerzahler auSzu- dehnen. Der Radikale Malvy widersprach unter dem starken Beifall der äußersten Linken und eines Teiles der Linken, indem er darauf bestand, daß die Reform vom 1. Januar 1915 ab voll- ständig durchgeführt werde. Klotz, der kürzlich als Finanz. minister den Senat für«ine UebergangSmaßnahme stimmen lieh. stellte sich auf Dumonts Seite und fügte hinzu, daß man kein festere» Versprechen abgeben könne. Der Vizepräsident der Ab- ordnung der Linken Renault machte ebenfalls unter dem Beifall der äußersten Linken und eines Teiles der Linken der Regierung den Vorwurf, daß sie die Entlastung de» Grundbesitze» durch die verspätete Anwendung der Einkommensteuer in Frage stelle. Die Kammer nahm mit 547 gegen 3 Stimmen die Umwand- lung der Grundbesitzsteuer an und schließlich auch mit 424 gegen 136 Stimmen die Anwendung der Einkommensteuer vom 1. Januar 1915 ab. Der gesamte Artikel wurde mit 436 gegen 33 Stimmen angenommen. Jacquier(Radikal) und Javal(sozialistischer Radikaler) ver« teidigten sodann einen Zusatzantrag, der dahin zielt, in da» Budget für 1914 die Deckung der neuen Militärvorlagen in Gestalt einer gestaffelten Einkommen- und VermögenSzuwachSsteuer einzufügen. und gleichzeitig Matznahmen vorsieht, um Steuerhinterziehungen zu unterdrücken. l�nlUand. Verfolgungsfeldzug gegen die Arbeiter. Petersburg, 22. Juli.(Eig. Ber.) Die letzten Tage haben eine Anzahl Maßnahmen der russischen Regierung gegen die Presse und die Organisationen der Arbeiter ge- zeitigt, die an Heftigkeit und Bösartigkeit die bisherigen weit hinter sich zurücklassen. Laut Beschluß der Petersburger Ge- richtskammer vom 16. Juli sind die Arbeiterblätter„L u t s ch" und„P r a w d a" wie auch das Wochenblatt der„Volks- tumler"„Trudowoj Solos" bis zur Fällung eines Ge- richtsurteils vorläufig inhibiert worden. Zu gleicher Zeit hat der Minister des Innern die Schließung deS in Moskau tagenden Kongresses der Handelsangestellten Rußlands, d?r von zahlreichen Städten beschickt war, angeordnet. Die Petersburger Gerichtskammer begründete ihren Be- schluß betreffend die provisorische Schließung der Arbeiter- blätter damit, daß sie„systematisch die Gesetze verletzt, einen schroff ausgesprochenen Parteicharakter getragen und einen offenkundig schädlichen Einfluß aus die Volksmassen ausgeübt hätten". Diese von den richterlichen Bedientenseelen ver» faßte Begründung spricht selbst dem reaktionären russischen Preßgesetz Hohn. Auf Grund dieses Gesetzes hat die Ver- waltung und das Gericht die Arbeiterpresse auf die tückischste Weise drangsaliert. Ein Blick aus die Statistik der Ver- folgungen der Arbeiterpresse zeigt dies zur Genüge Während des ersten Jahres des Bestehens der„P r a w d a" wurden von 296 Nummern 41 konfisziert. 16 mit einer Strafsumme von 7899 Rubel belegt und 3 mit der Verhaftuna. der Re» dakteure auf je drei Monate bestraft. Von je fünf Nummern wurde eine gerichtlich oder im Verwaltungswege verfolgt, und zwar waren die gegen die Zeitung erhobenen Anklagen so haltlos, daß die Konfiskationen in 13 Fällen nachträglich vom Gericht rückgängig gemacht wurden und keine der mit Strafen belegten Nummern genügenden Anlaß zur Erhebung einer Anklage gegen die Redakteure bot. Tie Verfolgungen gegen den„L u t s ch" waren noch heftiger. Von 211 Nummern, die bis zum 1. Juni d. I. erschienen, wurden 57 konfisziert und 17 mit einer. Straffumme von 8599 Rubel belegt. Im Durch- schnitt wurde«in Drittel aller erschienenen Nummern unter- drückt, und zwar war das Einschreiten der Behörde auch hier so willkürlich daß ein Teil der Konsiskationen nachträglich rückgängig gemach't werden mußte und keine der mit Strafen belegten Nummern Anlaß zur Erhebung einer Anklage bot. Seit etwa zwei Wochen ist in Vetersburg und zum Teil auch in der Provinz eine Protestbewegung der Arbeiter gegen die ununterbrochenen Vresseversolgungen im Gange._ Nach- dem die Arbeiter zuerst in Form von Kollektivvrotesten. die an die sozialdemokratische Dumafraktion gerichtet wurden, gegen die Barbarei der sortgesetzten Maßregelungen der Ar- beiterpresse Einspruch erhoben, veranstalteten sie in der letzten Woche eine Anzahl von Proteststreiks und Stroßenmani- festationen, die allein in Petersburg über 59 900 Teilnehmer zählten. Die Antwort der Regierung auf diesen spontanen Protest der Massen war die Plötz- liche Schließung sämtlicher Arbeiterblätter. Ebenso muß auch dieSchließunadesMoskauer Handlungsgehilfen- Kongresses als eine bru- tale Herausforderung der Regierung bezeichnet werden. Fast ein ganzes Jahr hatten die Vorarbeiten für diesen Kongreß gedauert. Sämtliche Gehilscnorganisationen in allen Enden des Reiches, die bereits durch die vorjährige Protestbewegung gegen das neue Gesetz betreffend die Regelung der Arbeits- bedingungen in Handelsbetrieben miteinander in nähere Be- ziehungen getreten waren, nahmen lebhaften Anteil an den Vorarbeiten zum Kongreß. Dem Drängen dieser Massen konnte die Regierung um so weniger widerstehen, als sie die Handlungsgehilfen, die politisch immerhin ziemlich wesent- lich in Betracht kommen, durch geringfügige Konzessionen in ein ihr genehmes Fahrwasser zu drängen hoffte. Als aber die Sitzungen des Kongresses ein ziemlich deutlich ausge- prägtes Klassenbewußtsein der Handelsangestellten und ihre Bereitschaft, für die Aufbesserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage einzutreten, zum Vorschein brachten, begnügte sich die Regierung nicht mehr mit der rigorosen Beaufsichft- gung des Kongresses und den fortwährenden Einmischungen in die Verhandlungen, sondern löste kurzerhand den Kongreß auf. nicht ohne nachträglich unter den Kongreßteilnehmern Verhaftungen vornehmen zu lassen. Letzt* fVachriditem Eine Kritik des türkischen Vordringens. London, 23. Juli.(SB. T. 93.) Oberhaus. Lord HaverSham fragte, ob die Mächte, die doch auf Montenegro einen Druck auSge- übt hätten, die albanische Grenze, die durch das Konzert der Mächt« beschlossen worden war, anzunehmen, einen ähnlichen Druck auf die Türken ausüben würden, damit sie die An- erkennung der Grenzlinie EnoS-Midia, der sie im Londoner Ver- trage unter der Sanktion Europas zugestimmt hätten, aufrecht erhielte. LordMorleh sagte: Die diplomatische und militärische Lag« ist viel zu kritisch und heikel, al» daß ein Vorteil durch eine DiS- kussion in diesem Hause erzielt werden könnte. Die Politik der Britischen Regierung ist gewesen und ist noch, die Türkei zu unter» stützen in der Regelung ihrer Finanzen auf gesunder Grundlage. in der Besserung ihrer Verwaltung und in der Schaffung ihre» endgültigen Zustande». Wir wünschen diese Politik weiter zu verfolgen, aber die Erfüllung dieses Wunsches muß im Zusammen- arbeiten und in Uebereinsttmmung mit den anderen Großmächten erreicht werden. Morley schloß: Wenn die Türkei die-Frage der Grenzlinie EnoS-Midia wieder anschneidet, so könnte eine solche Handlung». weise sehr leicht sehr ungünstig auf Fragen zurückwirken, an denen die Türkei sehr nahe interessiert ist, und die während deS Kriege» zwischen der Türkei und den Balkanstaaten nicht erhoben worden sind, und die wir durch den Londoner Vertrag abgeschlossen hofften. Ich kann keine Erklärung abgeben über die Aktion, zu der die Mächte etwa bereit sind, oder über einen Druck, wenn die Türkei unglücklicherweise den Rat außer acht lassen sollte, den sie bereit» alle gegeben haben._ Greueltaten der Bulgaren. Köln, 23. Juli.(SB. T. B.) Die„Kölnische Zeitung" bringt folgenden SSericht ihre» Berliner Korrespondenten. Der öster- reichisch-ungarische Generalkonsul in Saloniki hat sich bekanntlich nach Serre» begeben, um die Meldungen von den dort durch die Bulgaren verübten Untaten nachzuprüfen. Wie ich von vertrauen»- würdige: Seite erfahre, heißt e» im amtlichen Bericht, den der Generalkonsul an seine Regierung erstattet hat, wörtlich folgender- maßen: Ich begab mich, von meinem italienischen Kollegen be- gleitet, in einem Militärautomobil nach Serres. Diese früher blühende und reiche Stadt ist heute zu drei Viertel ein rauchender Trümmer- und Aschenhausen. Die Bulgaren hatten Serres am 5. Juli verlassen, am 11. Juli jedoch erschienen abermals reguläre Truppen und Komitatschis, die von Offizieren und Beamten ge- führt wurden. Sie bombardierten die wehrlose Stadt mit ihren Geschützen und plünderten und verbrannten die schönsten Stadtteile von Grund aus. insbesondere mehrere Gebäude, die österreichischen Untertanen gehören und sogar unser eigene? Konsulat. Die Verwüstungen werden auf ungefähr 45 Millionen Frank geschätzt. Fünfzig vornehm« Persönlichkeiten wurden massakriert. Darunter der ungarische Staatsangehörige Albert vir». Wehrers Personen sind in de» Flammen umgekommen. Fünf von den neuen Depot» der österreichischen Firma Herzog u. Co. wurden zerstört und brennen zurzeit noch. Der Schaden wird hier allein aus 214 Millio- nen Frank geschätzt. Unsere Fahne ist nicht respektiert worden. Unser Bizekonsul Slatko wurde, obwohl er die österreichisch- ungarische Fahne in Händen hielt, in» Gebirge weit außerhalb der Stadt ge- schleppt zusammen mit 150 anderen Personen, die sich in da» Kon- sulat geflüchtet hatten. Er wurde erst nach Zahlung eine» Lösegeldes wieder freigelassen. ES ist unumgänglich notwendig, daß man un- seren Schutzbefohlenen, die den reichsten israelitischen Familien an- gehören, Hilfe schickt. Ich bitte um Absendung bedeutender Geld- mittel zum Ankauf von Lebensmitteln und Kleidern. Die Stadt Drama wurde von den Griechen besetzt. In Doxator fand man mehrer« hundert Frauen und in Demi-Hissar 140 Personen von den Bulgaren massakriert aus. Die Explosionskatastrophe in Wiener-Neustadt. Wien, 23. Juli.(P.®.) Die Explosionskatastrophe in der WöllerSdorfer Munitionsfabrik in Wiener-Neustadt hat bisher drei Todesopfer gefordert. Weiter find 17 Personen, fast durchweg Frauen verletzt worden, drei davon so schwer, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürsten. Die Entstehungsursache der Explosion konnte noch nicht genau festgestellt werden. Man nimmt an, daß die Katastrophe durch die Explosion eine» Zünder» erfolgte. Wahr- scheinlich hat der betreffende Arbeiter zu stark auf den Zünder ge» schlagen. Vielleicht ist die Explosion infolge Beimischung eine» Fremdkörper» beim Füllen eines Geschosse» erfolgt. Nach der Explo- non entstand unter den Arbeitern eine Panik, al» sie da» Tor de» ArbeitSraume» verschlossen fanden. Tie Arbeiter wurden, al» die erste Aufregung sich etwa» gelogt hatte, aufgefordert/ die Arbeft wieder aufzunehmen. Sie weigerten sich jedoch. Da« Kommando der Munitionsfabrik sah sich schließlich genötigt, die Einstellung der Arbeit anzuordnen. Di« Berwüstun- gen, die die Explosion angerichtet hatte, sind sehr bedeutend. Die Decke des Arbeitsraumes, in dem die Explosion erfolgte, ist ein- gestürzt. Der Materialschaden ist sehr groß. Bemerkt muß werden, daß die» bereits die fünfte Explosion in diesem Jahre in der Munitionsfabrik Wöller»dorf ist. Von feiten der KriegSbehörden wurde ein« eingehende Untersuchung über die Ursache der Explosion angeordnet. »»»SsZAS! R Unserem langjährigen De. � nassen Uobert llaacb W nebst Gattin die herzlich. V sten Dlückwünsche am heutigen «S Tage zur silbernen Hochzeit � und zum(SeburtStage l � 01- Leno-een Iis» V. Keei»«» Bezirk 816. 2Sa • W M c- C' ® ® V SozialileDiokratiseberWalilvereiiil 1.1 l.Bfirl. BeiebstagswaliikrEis. STachraf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Knops- macher �ujjust Klebe Rohstraße 8, im 71. Jahre, Verslorben ist. 204/6 Wir werden ihm ein ehrendes Andenlen bewahresi. Der Vorstand. ZllzIaltaMzcbei'Mvereia I.(i.4.6eri.ReichstagswatiIkreis. GIrtitzer Viertel. Bezirk 147. Den Mitgliedern zur Nachricht, dasj unser Genosse, der Uhrmacher Lrost krieliried Naunynslr. 83 gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des ThomaSkirch- hofeS, Hcrmannstrafie, aus statt. 215/16 ver» Vorstaad. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, Schwieger. und Großvater, der Restaurateur Heinrieli Heitbardt am Mittwoch nach kurzem schweren Leiden im 47. Lebensjahre ver- starben ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen kniee Neithardt geb. Soholze und TSchter. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 26. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Hahe deZ städtischen FriedhoseS in Friedrichsselde aus statt. 1620b i. 1 Ueri. Reiclistagswatilkpeis. Köpenicker Viertel.(Bezirk 194.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt tiemrick I�eitbsrclt Görlitzer Straße 58, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. Juli, nachm. 3 Uhr, von der Halle des Zen« tral.FriedhoseS in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ikoi? Vorstand. Verbaßd der freien Gast- und Scbankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege einrieb Neithardt Görlitzer Straße 58(Bezirk 4) verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. Juli, nach. mittags 3 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs. selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/12 Tie QrtsverwaltunK. Sozialdeniokratisciier Lese- und Diskutierklub Süd-Ost Hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied Heinileb Neithardt am Mittwoch srüh 2st, Uhr nach kurzem, schwerem Leiden ver. ftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. Juli, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Städtischen FriedhoseS, Friedrichs- selbe, aus statt. Um rege BeteiNgung ersucht 1621b Der Vorstand. Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. (V. a.«.) Ortsverwaltung Berlin 11. Am 20. Juli verstarb nach schwerem Leiden unser lang- jähriges Mitglied Ntax Krause- im 51. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 41/. Uhr, von der Halle des Zenlral-�ried- hoscS in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung bittet 258/12 Tie Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein (. d. 6. Bert Reichstags- Wahlkreis, Am 21. Juli verstarb unser Genosse, der Fleischer Willi Peters Saarbrücker Str. 36. Bezirk 477. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 3'/. Uhr von der Halle des Bartholomäus. Kirch. HoscS in Weißensee, Falkenberger Chaussee, aus statt. Am 22. d. M. verstarb unser Genosse, der Tischler lernst Stark Hennigsdorser Str. 37, Bezirk 782. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. Juli, nachmittags 3°/, Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes, Müller- straße. Ecke Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 228/19 vor Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Vi!!! kan gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 24. Juli, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- balle des Georgen- Kirchhoses, Landsberger Allee, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Gürtler veorg 8temgrader Bornholmer Str. 73, am 18. d. M. Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. Juli, nachmittags 5'/, Uhr, von der Leichenhalle des Kelhsemane-Kirchhofes in Nieder- Schönhausen« Nordend aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter Eduard Mielke Wilmersdorser Str. 1, am 22. d. M. an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. Juli, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen FriedhoseS, Müller- sttaße, auS statt. Rege Beteiligung wird erwartet. �tacdi-ut. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mtglied, der Schmied JLldert Schäfer an Wurstoergistung gestorben ist. Staclirnt. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bohrer Evald Malzahn Hennigsdorser Str.10, am 13. d. M. durch Ertrinken gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 122/11 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarheiler- Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Chauffeur Max Albe am 20. Juli im Alter von 34 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. Juli, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zcnttal-Friedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 66/18 Oie Bezirksverwaltung. VerhJ. Schneider, Schneiderihnen u. Wäschearbeiter Deutschlands. == Filiale Berlin.=== Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hcrrenkonsektionsschncider Hermann Thomas am 21. Juli er. im Alter von 57 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des städt. Fried- hofeS Neukölln, Gottlieb-Dunkel- Straße, aus statt. 164/8 Tie Ortsvorwaltung. Deutscher Bolzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Auxust Z\ng\er im Alter von 69 Jahren ge- ftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet heute, Donnerstag, den 24. Juli, nach- mittags 4'/. Uhr, von der Halle des Jerusalemer Kirchhoses, Neu- kölln, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 86/7 01- Ortsverwaltung. I» der Freitagnacht entschlief plötzlich mein lieber Sohn 24A (ieor8 Steingräber. Um stilles BeUeid bittet im Namen der Hinterbliebenen Frau Auguste Steingräder. Die Beerdigung findet am 25. Juli, 5'/, Uhr, von der Halle der Gethsemanegemeinde auS statt. Wanderkarten und Bücher, Reise- sührer, Kursbücher hält stets am Lager. Buchhandlung Vorwärts. Lindenstraße 69. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tellnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Marie Storchmann sage ich allen Verwandten und Be- kannten, sowie den Genossinnen des 5. Bezirks Neukölln und dem Ge- nossen Schütte sür die trostreichen Worte am Sarge der Dahin- geschiedenen meinen herzlichsten Dank. Neukölln, im Juli 1913. 14A W. Storchmann nnd Töchter. Danksagung. Für die Beweise zahlreicher Test- nähme sowie sür die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters kvnnv Klöppel sagen wir ollen Freunden und Be- kannten sowie den Mietern des Hauses unseren herzlichsten Dank. Witwe Eh. Klöppel geb. Maffuthe nebst Kindern. A Grundbegriffe der Polittk, von Friedrich Stampfer. Gebunden 3 M. Buchhandlung Vorwärts, Linden- straße 69(Laden). Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tellnahme bei der Beerdigung mei- nes lieben ManneS, unseres gute« Baters 1615b koherl Wrgens sagen wir allen Verwandten, Freun. den, Vereinen, Gästen und Be» kannten, insbesondere Herrn Wald eck Manasse sür seine trostreichen Worte unseren besten Dank. Minna Jürgens und Kinder. 'Cbcater. Donnerstag, den 24.Jul 1913- Ansang 71/4 Uhr. Brater. Das Bummelmädchen. Ansang 8 Ubr. Urania.� Großglockner, Gastein und die Salzburgcr Alpen. Neues Opern(Kroll). Tann- Häuser. Deutsches Schauspielhaus. Der Dieb. Schiller O. Undine. Berliner. Filmzauber. rdalia. Pupvchen. Metropol. Die Kino-Königin. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshalle«. Dresdener Viktoria- Sänger. Anfang 8'/4 Uhr. Komödienhaus. Hochherrschastliche Wohnungen. Friede.- Wild. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Lnstspielhaus. Der lustige Kakadu. Rose. Tagebuch einer Verlorenen. Ansang 8'/, Ubr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Theater am Nollendorfplah. Der Mann mit der grünen Maske. Ansang 9 Ubr. AdwiralSpalaft. EiSballett: Flirt in St. Moritz. »» « Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. vcatschcsSchnnsplclhmis 8 Uhr: Der Dieb. nerliverlbelller. 8 uhr- I�ilimaiider. Sachse-Oper Schiller-Thealer O.IS: 8 Uhr- Undine. Kroll-Oper 8 Uhr- Tannliäiiser. �Gastspiel: Frieda Langendorfi.) Freitag- Die Meistersinger. OSE=THEATE| Große Frankfurt er Str. 132. lagebuch einer Verlorenen. Ansang 8�/, Uhr. Auf der Gartenbühne: .4cl»tans! Es geht los! Große Posse. Ansang 4'/, Uhr. Passage-Panoptikum I>er persische Augenfakir in seinen fanat Derwisch- Martern (hebt u. a. mit den Augen schwere Gewichte). 3 Schwestern Liliput, dyie kleinst. Schwest. der Welt. Alles lebend!-Wh Ohne Extra-Entree! Theater amKollendorlplatz II Mannmitdergriin.Maske.nl! I Im Kino-Bari eleteil erst- 0> Q llassige Varielenummern 1] 0 a u. d.neuest.Gaumontsiims O Reichshalleo-Theater Gastspiel der berühmten Dresdener Vietoria- Sänger. Anfang 8 Uhr. Freitag, 1.8.: Wiederbeginn der Soireen der Steltiner Sänger. iocischer GAKTEN Täglich: Großes Militdr- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. UNA "ARK Sonnabend, den 26. Juli er.: Elite-Tag mit ms- 3 Preise! 3 Riesen-Brillant- nnd Front- Fcncrwerk. Täglich: Milltiirkonxert. Volksgarten- Theater. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/25. Donnerstag, de» 24. Juli 1913: Unsere Don Juans. Gesangsposse in 4 Akten v. L. Treptow. Vollständig neue Spezialilätenkräste. Heute: Gr. Brillanr. Feuerwerk. Ansang 4 Uhr. V«igt- Ti»eateR' Badstraste 58. Jeden Donnerstag: Kinderfest. Die schöne Melusine. Volksstück mit Gesang u. Tanz v. Bach. Vollst. neueSvezialit. i. Ranges. Kaffenöffn. 10 Uhr. Anlang 4'/, Ubr. Voranzeige. Dienst., 5. Aug.: Benefiz Heinr. Bach: Ter Verschwender. Metnpl-Tltest'sr. Abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3?lkten von Jul. Freund und G. Okonkowski. Musik von denn Viilhert. In Szene gesept v. Dir. Rich. Schultz. Berliner Prater-Theater 7—9 Kastanien-Allee 7—9. TügllcH: Das Bummelmädchen Gr.Ausstattungsp. in 4 Akt. v. M.Heye Musik von Hirsch und Schleyer. Erstklaff. Spezialitäten. Konzert. Ansang 4'/, Uhr. Emtritt 35 Pf. Neue Welt Arnold Scholz. Hasenheide 108/114. Heute Donnerstag, den 24. Juli 1913: -PssssA Elite-Tag! Konzert und Vorstellung verbunden mit Wem Brillant- Jeoenoerk Auf allgemeinen Wunsch noch einmal: Beschießung und Zerstörung von Adrianopel. Anfang 5 Ihr.__ Entree 50 Pf- Im Riesenfestsaal; Großer Ball« Freitag, den 25. Juli: Eröffnung der Bienenansstellung. Admiralspalast Ein». Eispalast der W elt mit prunkvollen Eisballehen. Angenehm kilhler Aufenthalt Allabendlich Flirt in ist. Horitz. Bis 6 Uhr und von 10'/, Uhr ZeDtral-Men- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Bezirk 10. Das Zolumerfest, w-ich-s am 19. Juli bei Karl Ludwig in Treptow stattfinden sollte, ist wegen des schlechten Wetters aus Tonn- abend, de» 8V. Juli, verlegt. SM?- Die Billetts haben Gültigkeit. 258/11 Der Vorstand. OBrsuorvl Friedpichshain n* i Königstor. Oek.: Ernst ElebingTl BW Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag;~93tl } Kaffee-Trei'Vorstellung der Xorddentschen und Apollo• Sänger bei freiem Entree. Freitags: Frei-Konzert. Nach Nach Nach »eedöre! Kabul& Hertzer Billige Extrafahrten ab VVglSöNbrllCkk. Am Sonntag, den 27. Juli:"TiBy Tonnifv i Tornows 1 Abfahrt 71/4 Ubr vorm. ICUpilk 1 Idyll J Hin und zurück 2 M. Kinder 1 M. VromnonliiiPft Abfahrt 1 Hin und zurück 1 M. Rrampeoourg g>,. Uhr vorm. I Einfache Fahrt so Pf. Nono Miihlo Abs. 10 Uhr vorm.l Kinder HCUC muilie und 2 Uhr nachm.� 50 und 25 Pf. Fahrscheine find auch vorher in unserem Kontor zu haben.-MsZ »Achtung! Achtung! Tanz- sciiuie Riehard Heinrich. t Fürftenhos, Köpenicker Str. 137. Beginn der Saison 11113—14: Sonntag, de» 3. August, nachmittags 3 Uhr. Anmeldungen werden vor Beginn des Unterrichts sowie in meiner Wohnung jederzeit entgegengenommen. Von 6 Uhr ab: LpL'kknungs- Kpanzchen der neuen Saison. Alle ehemaligen Schülerinnen und Schüler sind hierdurch freundlichst eingeladen. Hochachtungsvoll Richard Heinrich, Telephon: Neukölln 406._ Deichselstr. 8(Ideal-Passage.) 0 > ♦ l ♦ l ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦< ►♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Deutscher Arbeiter=Sängerbund Gau Berlin und Umgegend. Sonntag, den 27. Juli 1913: 22. Sänger=Fest in ScMoß Weißensee. Gesamtchöre unter Leitung des Bundesdirigenten Herrn van den Dries.— Einzelchöre. Mitwirkende: Sozialistische Liedertafel New York alsQast Konzert des Berliner Konzerthaus-Orcliesters(Franz v. Blon).* Feuerwerk. Anfanz; mittags 12 Chr. Von 4 ab: T A XZ gegen Nachzahlung von SO Pf._ Die KaffeekUchea sind von 12 bis 6 Uhr geöffnet. Billetts im Vorverkauf Si« Pf., an der Kasse 30 Pf._(Festheft mit Programm an der Kasse gratis.) 17/13 ebenso bei den Vorstandsmitgliedern: ---- Str. 8; A. Seiicrit, Neukölln, "eukölln, Reuterstr. 11, Stfl. III; Oer Vorstand. Die Generalprobe znm Sängerfest findet am Freitag, den 25. Juli, abends pünktlich S1/» II11'» In» Konzertsaale der Brauerei Fi-iedrichshaln statt. Berant», Neda«.: Alfred Wielepp, Neulölln. Inseratenteil verantw-- rd-Glocke, B-rl'n. Druck». Vertag: Vorwärts-vuchdr.14 Verlagsanstall GaulSingert(5o.,BerllnLW. Hierzu 3 Beilagen u-Unterhaltungsdl. m 3.6w i Kejillge des JoriDirts" Kerliner iolfeWntt. Der Politische Massenstreik. Der sozialdemokratische Wahloercin für den vierten Berliner ReichStagswahlkreiS hatte für den Dienstag zwei große Mitglieder- Versammlungen einberufen, in denen zu der Frage des Massenstreiks Stellung genommen werden sollte. Als Referenten waren vor- gesehen Genossin Rosa Luxemburg und Genosse L e n s ch. Beide Versammlungen waren übersüllt. In Kellers Saal in der Koppenstraße sprach Rosa Luxemburg. Die wesentlichsten Gesichtspunkte des IsHstundigcn Vortrages waren ungefähr folgende: Unter dem gewaltigen Eindruck der großen russischen Revolution im Jahre ISVS, wo die Anwendung des� Massenstreiks dem russischen Proletariat neben Niederlagen auch Siege brachte, ist in Deutschland das Problem des politischen Massenstreiks diskutiert worden. Die Resolution des Jenaer Parteitages ist ein Niederschlag dieser Diskussion. Die Resolution erklärt den politischen Massen streik als«ine auch in Deutschland anwendbare Waffe des Proletariats. Tann kam eine Zeit, wo die Erörterung dieses Problems zurücktrat. 1310 wurde dann der politische Massenstreik im Zu sammcnhange mit unseren Aktionen für die Erringung des Wahlrechts in Preußen wieder lebhaft diskutiert. Die Wahlrechtsbewe- gung von 1310 kam zum Stillstand. Planmäßig sind die Masten- altionen unterbrochen worden. Man hat die Aufmerksamkeit auf die Reichstagswahl des Jahres 1312 gerichtet. Die Frage des Massenstreiks verschwand wieder aus der öffentlichen Diskussion. Jetzt erleben wir, daß das Problem des politischen Massenstreiks wieder in Versammlungen, in Kreis- und Bezirkskonfercnzcn be- handelt wird. Auch der Parteitag wird nicht umhin können, ernste Stellung zu dem Problem zu nehmen. Wenn man sieht, welch reges Interesse das Problem des Massenstreiks bei den Partei- genossen findet, wird man nicht annehmen können, daß die ganze Diskussion von einigen Anhängern der Mastenstreiksidee aufge- bracht worden ist. Einer so allgemeinen Diskussion müssen doch Ursachen zugrunde liegen, die in den Verhältnissen wurzeln. Solche Diskussionen entstehen immer, wenn die Partei das Bedürfnis empfindet, die Bewegung einen bedeutenden Schritt vorwärts zu treiben und wenn den Parteigenossen zum Bewußtsein kommt, daß wir mit den bisherigen Methoden des Klassenkampfes nicht weiter kommen.(Sehr richtig!) Das ist gegenüber den Kritikern zu sagen, die diese ganze Diskussion als die Mache einiger Querköpfe hinstellen wollen. Wie und wann hat diese Diskussion begonnen? In der Wil- mersdorfer Versammlung? Das ist ein Irrtum. Er ist aber ent- schuldbar bei denen, die nur den„Vorwärts" lesen. Der hat es allerdings so hingestellt, als habe Genosse F r a n k in der Wilmers- vorfer Versammlung den Anlaß zur Diskussion des politischen Mastenstreiks gegeben. Das ist nicht richtig. Schon lange, che in Berlin über den Mastcnstreik gesprochen wurde, habe» sich die Parteigenossen in verschiedenen Qrtcn damit beschäftigt.— Wenn nun also feststeht, daß die Frage des politischen Massenstreiks jetzt zum drittenmal mit elementarer Macht von den Massen auf die Tagesordnung gesetzt worden ist, so müssen wir darin ein Svmptom erkennen und es mit Freuden begrüßen, denn wir sehen, daß wir nicht umhin können, das wertvollste Mittel im proletarischen Klassenkampf früher oder später anzuwenden. Deshalb ist es not- wendig, die Frage des Massenstreiks nach jeder Richtung zu prüfen. Die Frage ist noch lange nicht geklärt. Sie mutz noch viel be- svrochen werden, damit die Masten mit der Anwendung dieser neuen Kampfesform vertraut werden. Wenn wir die gegenwärtige Diskussion betrachten, so sehen wir auf der einen Seite sehr warme Befürworter des Massenstreiks in dem Sinne, daß sie die Forderung vertreten, der Parteitag solle den Parteivorstand beauftragen, nach Rücksprache mit der General- kommission den Massenstreik in die Wege zu leiten. Ja, es wird auch gefordert, man soll mit der Erziehung der Arbeiter für den Massenstreik beginnen. Es wird auch geraten, den Massenstreik nach belgischem Muster vorzubereiten. Das sind die Forderungen der einen Richtung. Die andere Richtung äußerte sofort die stärksten Bedenken gegen jedes„Spiel mit der Idee des Masten- streikS." Man sagte, das wäre höchst gesährlich für unser Partei- leben, denn wir seien in Deutschland noch lange nicht reif für die Betätigung deS Massenstreiks. Die Partei würde eine Niederlage erleiden, von der sie sich in Jahrzehnten nicht wieder erholen könne. Die Vertreter der ersten Richtung, die für die möglichst baldige Anwendung des Mastenstreiks eintreten, gehören verschiedenen politischen Strömungen an. Genosse Frank, der ja auch für den Massenstreik eingetreten ist, vertritt in der Politik eine oppor- tunistische Richtung. Er setzt sich in Baden für die Großblockpolitik mit den Nationaliberalen ein. Seine Politik ist sehr einfach. Man macht im Parlament die große Politik mit allen Mitteln staatS- männischer Taktik, man paktiert mit den bürgerlichen Parteien, man macht einen großen Block der. gesamten Linken; wenn aber, wie nicht anders zu erwarten, die Sache des Proletariats dadurch nicht einen Schritt vorwärts kommt, ei, dann, Arbeiter, kommt auf die Straße und macht einen Massenstreik.— Die Kundgebung Franks ist ein Schulbeispiel dafür, wie man sich nicht zum Massenstreik stellen soll. Der Massenstreik ist keine Sache, die man machen kann, wenn die Politik der parlamentarischen Künstler versagt hat. Ein Massen- streik, unter solchen Umständen ins Werk gesetzt, ist von vornherein eine verlorene Sache. Im Irrtum sind die politischen Künstler, welche glauben, sie könnten den Massenstreik heraufbeschwören und ihn mit einem Wink der Hand wieder beenden. Das kann man nicht. Massenstreiks können erst eintreten, wenn die historischen Vorbedingungen dafür gegeben sind. Sie lassen sich aber nicht auf Kommando machen. Massenstreiks sind keine künstlichen Mittel, die angewandt werden können, wenn die Partei ihre Politik ver- fahren hat, um uns dann von heut auf morgen aus dem Sumpf zu ziehen.— Wenn sich die Klassengegensätze so verschärft haben und die politische Situation sich so zugespitzt hat, daß die parla- mentarischen Wittel nicht mehr ausreichen, um die Sache des Pro- letariats vorwärts zu bringen, dann erscheint der Massenstreik mit zwingender Notwendigkeit und dann hat er, auch wenn er keinen unbedingten Sieg bringt, einen großen Nutzen für die Sache des Proletariats. Nur wenn die Situation so zugespitzt ist, daß sich jede Hoffnung auf Mitwirkung der bürgerlichen Parteien, nament- -riz-k» Sa«------"-.„ rvi v. Tiefi Spr Oir«!53'r4*' vux,------- Wucht im S".'»«schlagen hat. bekommt das Proletariat di wendig ist"Demi; 6 fuE bcn Erfolg deS Massenstreiks not- mit einer Politik � � der Massenstreik nicht vereinbaren i eincr d-e den Schwerpunkt ins Parlament legt. iu t v �'c belgische Bewegung streik-. Nachdem seinerz�daS«r\ar8 ��lem des Massenstreik beseitigt war, legten u � s"1 Punkt ins Parlament Der Matt- SeBrönf oefiännt �<�3 tourbc bflinit in bcn lichen Linken das allgemeine bciiUr0�' Wahl von 1312 brachte einen völl.aen o erringen. Aber die rolismus, und was von ihm noch übrio n-Rr"�"b �"' s Lager der Reaktion über. Da brach f-'L loS. Sofort nach den Wahlen tauchte die s�aae�d-»� a»-i!s weder auf. Aber die Leitung der belgischen Sozialdemokrat� di! ihre Politik aus das Zusammenarbeiten mit den Liberalen einge- richtet hatte, suchte die Massen zu beruhigen durch das Versprechen, den Massenstreik für später vorzubereiten. Dann begann die syste- matische Verzögerung des Massenstreiks. An Stelle eines elemen- taren Ausbruches fing man eine neue Taktik an, man bereitete einen Massenstreik vor, der auf Monate im voraus festgelegt war. Nach einer Vorbereitung von neun Monaten ist endlich, da sich die Masten nicht länger zurückhalten ließen, der Streik zustande ge- kommen und zehn Tage mit bewundernswerter Disziplin geführt worden. Das Resultat war: Ter Streik mußte abgebrochen werden bei der ersten Scheinkonzession, die fast nichts darstellt. Die bel- gischen Genossen hatten nicht das Gefühl, einen Sieg errungen zu haben.— Wir sehen also, daß der Massenstreik in Verbindung mit der Großbloßpolitik nichts als Niederlagen gebracht hat. Angesichts dessen werden wir es ablehnen, wenn man uns die Großblockpolitik im Süden und den Massenstreik in Preußen empfiehlt. Auf der anderen Seit« man, es sei verfrüht, in Deutsch. land den Massenstreik zu propagieren, denn wir seien dazu weniger reif als das Proletariat anderer Länder. Parteigenossen, wir haben in Deutschland die stärksten Organisationen, die am besten gefüllten Kassen, die zahlreichste ReichStagsfraktion, und wir sollten allein im ganzen internationalen Proletariat nicht reif sein? Man sagt, unsere Organisation sei trotz ihrer Stärke doch nur eine Minderheit des Proletariats. Hiernach würden wir erst dann reif sein, wenn der letzte Mann und die letzte Frau ihren Beitrag im Wahlverein bezahlt haben. Auf diesen schönen Augenblick brauchen wir nicht zu warten. Bei allen wichtigen Aktionen rechnen wir nicht nur auf die Organisierten, sondern daraufi daß diese die un- organisierten Massen mit fortreißen. Wie wäre eS denn mit dem proletarischen Kampf, wenn wir bloß auf die Organisierten zählen wollten.— Bei dem Itstägigen Generalstreik in Belgien waren mindestens zwei Drittel der Streikenden nicht organisiert. Daraus ist natürlich nicht der Schluß zu ziehen, daß die Organisation keine Bedeutung hat. Darin liegt ja die Macht der Organisation, daß sie versteht, zur rechten Zeit die Unorganisierten mit in die Aktion zu ziehen. Die Ausnutzung solcher Situationen ist ein Mittel, die Organisationen der Partei und der GewerkMiften gewaltig wachsen zu lassen. Die Ergänzung der starken Organfiationen muß eine großzügige, vorwärtsblickende Politik sein, sonst werden die Organisationen im Stillen verfaulen.(Sehr richtig!) Die Geschichte der Partei und Gewerkschaften zeigt uns, daß unsere Organisationen nur im Sturm gedeihen. Dann sammeln sich auch die Unorganisierten unter unsere Fahnen. Solche Organisationen, die für den Fall einer Aktion die Unter- stützung im voraus auf den Pfennig berechnen, taugen nichts. Sie können den Sturm nicht aushalten. iBeifall.) Das alles muß man sich klar machen und nicht so ängstlich die Scheidewand zwischen Organisierten und Unorganisierten ziehen. Wenn verlangt wird, daß der Parteivorstand in Verbindung mit der Generalkommission den Mastenstreik vorbereiten soll, so ist zu sagen: Massenstreiks lassen sich nicht machen. Aber das ist notwendig: Wir müssen uns Aar sein, daß wir einer Situation entgegengehen, wo Massenstreiks in Teutschland unvermeidlich sind. — Wir haben erst jetzt wieder durch die Annahme der ungeheuren Militärvorlage einen Sieg des Imperialismus erlebt. Nach man- chen Hofsnungen, die man in unseren Reihen auf ein Zusammen� gehen mit den Liberalen setzte, sehen wir, daß diese dem Jmperia lismus den Steigbügel halten. Wenn unsere Fraktion bei der Deckungsvorlage bedauerlicherweise für die Besitzsteuern eintrat, so war das nichts anderes als die Absicht, zusammen mit den Fort schrittlern und Nationalliberalen den Block der Blauschwarzen au? zuschalten. Aber die Liberalen haben uns ausgeschaltet und sich mit den Blauschwarzen verbunden und hinter dem Rücken der So- zialdemokraten ein eilendes Pfuschwerk von Besitzsteuer gemacht. Die Schlußabstimmung unserer Fraktion bei der Deckungsvorlage hat eine mächtige Gärung in der auswärtigen Parteipresse und in Versammlungen hervorgerufen. Darüber werden wir auch auf dem Parteitag lebhafte Debatten haben.— Der Triumph de? Im perialismus bei der Militärvorlage hat uns die neue schmerzliche Lehre gebracht, daß auf die Liberalen nicht mehr zu rechnen ist. Deshalb ist es notwendig, den Massen die Augen zu öffnen.— Es ist Tatsache, daß unsere Parlamentarier der Illusion lebten, sie könnten mit den Liberalen einen Block gegen die Schwarzblauen bilden, und daß sie damit elend Fiasko gemacht habem Dieser Sieg des Imperialismus war ein neuer Schritt zur Zuspitzung der Klassengegensätze.— Wir leben in einer Zeit, wo auf dem Boden des Parlaments keine Vorteile für das Proletariat mehr errungen werden können. Deshalb mutz die Masse selbst auf dem Schauplatz erscheinen. Die Entwicklung geht dahin, daß der Massen- streik auch in Deutschland nicht von der Tagesordnung ver- schwinden wird.— Es gilt nicht, den Massenstreik vorzubereiten, sondern wir müssen darauf sehen, daß unsere Politik das Aeußevste an Kraft ausdrückt, was in der gegemvärtigen Situation not- wendig ist. Ter jüngste Abschnitt unserer Parteipolitik datiert von un- screm Wahlsieg im Jahre 1912. Tie größten Hoffnungen wurden auf diesen Sieg gesetzt. Ein im„Vorwärts" abgedruckter Artikel K a u t s k y S sprach davon, daß sich ein neuer Liberalismus be- merkbar mache.— Das war eine sehr verhängnisvolle Illusion, die sich aber aus der für die Stichwahl gegebenen Dämpfungs- Parole erklärt. Die Dämpfung ist eine Politik wie sie nicht sein soll. Nach der Dämpfung kam die vage Hoffnung auf den neuen Liberalismus, dann dic� überschwenglichen Erwartungen, die sich an den Sitz eines Sozialdemokraten im Reichstagspräsidium knüpften. Alle diese Hoffnungen sind zu Boden gefallen; aber sie zeigen, daß unsere Politik und Taktik nicht auf der Höhe steht.— Wir haben jetzt den Jubiläumsrummel erlebt und den Besuch des Blutzaren am Berliner Hofe. Diese Gelegenheit hätte benutzt werden müssen zu irgendeiner republikanischen Aktion. Haben wir dazu 4 Millionen Sozialdemokraten, daß wir ins Mauseloch kriechen, wenn der Blutzar kommt? Wie viele Anhänger hätten wir gewinnen können, wenn wir eine Demonstration veranstaltet hätten. Wenn wir uns den kommenden großen Ereignissen würdig zeigen wollen, dann dürfen wir nicht am verkehrten Ende an- sangen und den Massenstreik technisch vorbereiten wollen. Wenn die Verhältnisse reis sind, dann wird sich auch die Taktik des Massenstreiks ergeben. Zerbrechen wir uns nicht die Köpse mit der rechtzeitigen Unterstützung.— WaS notwendig ist. Partei- genossen, das ist. daß Sie aufpassen auf die Parteiprcste, damit sie Ihr Werkzeug ist und Ihre Meinung und Stimmung zum Aus- druck bringt. Auch darauf müssen Sie achten. das, unsere Parlamentarier hinter sich eine drängende Masse spüren, damit sie nicht so verhängnisvolle Bahnen betreten wie�bei der Miliiärvorlage. Gestalten Sie die Organisation so, daß Sie nicht wartew brauchen, bis mit dem Komniandostock von oben gewinkt wird, sondern daß der Kommandostock in Ihrer Hand ist. Nicht in technische Einzelsragen dürfen Sic sich verlieren, wie Umge- staltung der Zahlabende und des Telegiertensystems. Alles das fit 1« wichtig, aber vor allem muß sich das Auge den allgemeinen Richtlinien unserer Politik im Parlament und im ganzen Lande zuwenden. Die Politik darf nicht so gemacht werden, daß die Massen immer vor vollendeten Tatsachen stehen. Vor allem müssen Sie darauf sehen, daß die Presse eine scharsgeschliffene Waffe im Kampfe ist. und daß sie die Dunkelheit in den Köpfen zerstreut. Die Massen müssen zur Geltung' kommen, um das schiff der Partei vorwärts zu stoßen, dann können wir getrost in die�Zukunft�blicken. D:e Geschichte wird ihre Sache schon machen. Schauen Sie, daß auch Sie Ihre Sache gutmachen.(Starker Beifall.) Als erster Diskussionsredner sprach Freier. Unter lebhafter Unruhe und Widerspruch der Ver- sammlung bezeichnete er die Kritik, welche Genossin Luxemburg an einzelnen Personen und Parteieinrichtungen übte, als nicht zur Sache gehörig. Dies« Kritik, die mit dem Massenstreik gar nichts zu tun habe, hätte im Interesse der Parteiorganisation unter- bleiben sollen. Eine Propagierung des Massenstreiks zum Zwecke der Aufklärung bezeichnete der Redner als notwendig, aber nicht in dem Sinne, daß alle Einzelheiten des Massenstreiks im voraus festgesetzt werden. Genossin Luxcnburg bewege sich in romantischen Illusionen. Di« Organisationen hätten doch eine große Bedeutung auch bei der Durchführung eines Massenstreiks, der aber aus Anlaß einer Einzelfrage, wie der des preußischen Wahlrechts, nicht ins Werk gesetzr werden solle. Auf die unorganisierten Massen könnten wir nicht rechnen. Das habe der Bergarbeiteistreik gezeigt. � Da hätten sich die Unorganisierten nur in sehr kleiner Zahl beteiligt, obgleich doch für einen wirtschaftlichen Streik die Massen leichter ins Feld geführt wenden könnten wie bei einem politischen Streik. Gerade die Arbeiterschichten, auf die es bei einem politischen Massenstreik hauptsächlich ankomme: DaS Eisenbahn-, Post- und Verkehrs- personal, würden nicht mitmachen. Die preußischen Junker würden übrigens von einem Massenstreik der Industriearbeiter gar nicht betroffen werden. Er treffe aber außer den Arbeitern auch die bürgerlichen Elemente, die Gegner der Junkerpolitik seien. Der Massenstreik könne möglich und notwendig sein, um einen Staats- streich von oben, wie Raub des Wahlrechts oder KoalitivnSrechts abzuwehren. DaS sei«ine Sache, durch die 39 Proz. der Bevöl- kerung bis ins Innerste erregt werden. Das Hauptgewicht müsse gelegt werden auf die Organisation der Massen und die Erziehung der Jugend in unserem Sinne.(Lebhafter Beifall.) Adamski betonte unter lebhaftem Beifall, der Massenstreik müsse, auch über die Köpfe der Führer, in die Wege geleitet werden. Dr. Alfred Bernstein wies auf die Notwendigkeit starker Or- ganisationen hin und empfahl als notwendige Ergänzung des Massenstreik den„Geburtenstreik". Tie Frauen sollten sich sagen: Diesem Staat geben wir keine Kinder. iBeifall.) Dreßler meinte, die Maifeier solle ja auch ein Massenstreik sein, der aber in jedem Jahre Fiasko gemacht habe. Wenn ein politischer Massenstreik inszeniert werden sollte, dann würden wir auch ein glänzendes Fiasko erleben. Lehnert trat dieser Auffassung sowie einigen Ausführungen Freters entgegen und vertrat die Ansicht: Der Massenstreik sei in Deutschland möglich, aber es müsse erst der Boden dazu vor- bereitet werden. Die heranwachsende Jugend müsse in unserem Sinne erzogen werden. Wenn die Träger der Bajonette zu denken anfangen, dann sei es mit der Herrschaft der Besitzenden zu Ende. Julian Borchardt stimmte der Genossin Luxemburg in ihrer Kritik der Parteitaktik zu. Die gesamte Taktik der Partei sei seit geraumer Zeit viel zu zahm geworden. In den Organisationen würden die Genossen nicht im rechten Geist erzogen. Die Partei- taktik sei ganz und aar darauf eingestellt, daß die Massen nur zum Reichstag, zu den Landtagen und den Gemeindekörperschaften zu wählen haben, aber die Kreise der diplomatischen Führer sollten nicht durch die Massen gestört werden.(Beifall.) Die Bildungs- bestrebungen und die Jugendbewegung seien auch nicht von oben, sondern erst auf Drängen der Massen gekommen. ES komme darauf an, daß die Masse in der Parteipolitik selbst zu bestimmen habe und nicht alles den Führern überlassen bleibe. Die Frage des Massenstreiks könne nicht von den Führern entschieden werden, weil sie ja nicht die großen Opfer zu tragen haben, die jeder am Streik Beteiligte bringen muß. Darum müssen in der Frage des Massen. streiks die Massen selbst entscheiden. Damit sie es können, sei Auf- klärung nötig. Der Geist der Dämpfung, in dem wir seit l'A Jahren leben, müsse weichen, und der Geist eines frisch-fröh- lichen Kampfes müsse einziehen.(Lebhafter Beifall.) Filiner meinte, auf die Unorganisierten könnten wir nicht rechnen. Ein friedlicher Massenstreik wie in Belgien sei in Deutsch- land nicht möglich. Ein Schlutzantrag wurde angenommen. Rosa Luxemburg sagte in ihrem Schlußwort, sie sei von der Diskussion sehr enttäuscht. Es sei beschämend, daß nicht andere Gegner aufgetreten seien. Was hier gegen sie gesagt worden sei, das sei an ihren Ausführungen vorbeigesprochen. Weiter betonte die Rednerin, sie habe nicht, wie in der Diskussion gesagt wurde, unsere Organisation herabgesetzt. Sie habe doch an- erkannt, die Macht der Organisation sei so groß, daß, wenn sie rufe, die Massen sich unter ihre Fahne stellen. Die Organisation der Sozialdemokratie sei die Seele der Volksbewegung, des Klassen- kampses. Die große Masse sei der Leib. Man setze doch nicht die Seele herab, wenn man sage, sie sei imstande, den Leib mitzureißen. Die Geldfrage sei hier berührt worden. Zum Kriegführen im Sinne des Militarismus sei Geld allerdings die Hauptsache. Im proletarischen Klassenkampf komme es aber auf die Kraft des Geistes an. Wer für gefüllte Kassen und große Mitgliederzahlcn sorgen wolle, der müsse zeigen, daß er den Herzen der Masse die Nahrung geben könne, nach der sie lechzen. Wann und bei welcher Gelegenheit der Massenstreik kommt, könne die Rednerin nicht sagen. Aber sie wolle, daß, wenn er kommt, die Massen reif dafür sind.— Wenn wir auch an die Gesetze der Entwickelung gebunden seien, so sei es am letzten Ende doch unsere Aktion, die berufen sei, Werkzeug und Vollstrecker der Entwickelung zu sein.— Die Debatte über den Massenstreik solle nicht beeinträchtigt werden durch billige Begeisterung, auch nicht durch den Pessimismus, der nur mit eingeschriebenen Mitgliedern rechnet, Sie solle vielmehr Anstoß geben zu einer gründlichen Prüfung der Parteitaktik, nicht um kleinlich an den Führern zu nörgeln, sondern um große und starke Entschlüsse zu fassen. Dann werden Führer und Massen, wenn die Stunde ruft, auf dem Posten sein.(Lebhafter Beifall.) In der„Urania", Wrangelstraße, sprach Reichstagsabgeordneter Dr. Lensch vor einem dichtgedrängten Publikum, unter dem die Frauen sehr stark vertreten waren. Redner wies eingangs seines Referats auf die Debatten über den Massenstreik hin und knüpfte hieran ungc- fähr folgende Ausführungen: Die Parteitaktik wird in der letzten Zeit einer scharfen Kritik unterzogen, an.der sich insbesondere die Parteipresse beteiligt ha; st und noch beteiligt. Diese Kritik knüpft sich bornchmlick an den � Ausgang der preußischen Landtaasmahlen und an die Rüstungs- i und Deckungsverhandlungen im Reichstage. In die Debatten über ' die beiden Ereignisse ist nun mit einem Male der Schlachtruf vom Massenstreik hineingeplatzt. Es bleibe dahingestellt, wer ihn zuerst ausgestoßen, ' das radikale Stuttgart oder der revisionistische Frank. Er ist da und wir müssen eben Stellung dazu nehmen. Die Debatte darüber sieht allerdings etwas buntscheckig aus. Mancherlei . Meinungen über den Massenstreik werden laut, einige sehen ihn geradezu als Wünschelrute an, die uns aus einer stockenden Situatron, aus einer Sackgasse mit Gewalt heraushelfen könne. Sicherlich aber hat der Aus all der preußischen Landtaaswahlen i bewiesen, baß wir einen Wall vor uns haben, der auf dem bis- ' tierigen Weg nicht zu erstürmen ist. Nun sagen welche: Jetzt muß zur Eroberring des Reichstagswahlrechts für Preußen zum Massen- streik gegriffen werden, und darauf antwortet wieder unser Essener radikales Parteiblatt, an die praktische Durchführung dieser Idee ' iei zurzeit nicht zu denken. Wir hatten in der Partei schon ähnliche Debatten über den Massenstreik, so auf dem Parteitag in Jena. Damals kam der Massenstreik aus Rußland und das Ergebnis der Parteitagsver- hanolungen war sozusagen das theoretische Bekenntnis zum Massenstreik. Der Parteitag sagte: Wenn es einmal hart auf hart geht, dann greifen wir auch zu dieser Waffe. Damit war die Sache erledigt und die Maffenstreikfragc schlief Nneder ein. Jetzt taucht sie mit einem Male aufs neue auf. Aber es ist kein Literatengezänk, kein s. Akademikerstreit, nein, das Problem ist aus der Masse herausge- wachsen. Wenn wir nun fragen, ob die Debatte einen fruchtbaren - Charakter verspricht, so kann man nur urteilen, indem wir die f Wandlungen, die unsere Partei im Lause der Zeit durchgemacht hat, ' verfolgen. In den Zeiten des Sozialistengesetzes hat die Partei sich durchgeschlagen mit ihrer eigenen Taktik. Wir wissen heute bestimmt, daß Bismarck die Bewegung im Blut ersticken wollte. Dazumal, wo die herrschende Klasse lauernd wie ein Tiger lag, um un» zu überfallen, blieb die Partei in der Defensive; sie befand sich in der Verteidigung und benutzte die Zeit, um langsam zu er- starken. In jenen Jahren war die Reichstagstribüne der wichtigste 'Ort, von wo daS Samenkorn des Sozialismus ausgebreitet werden konnte. In den Versammlungen und Zusammenkünften wurde den Arbeitern aber immer wieder gesagt: Laßt Euch nicht provozieren. Später kamen dann die Kämpfe innerhalb der Partei zwischen Ra- dikalen und Revisionisten. Wir sind in jenen Debatten nicht vor- wärtsgeschritten, sondern wie die Katze um den eigenen Schwanz ?)erumgetanzt. Um eine Frage wie die Budgetfrage wurde auf Parteitagen dreimal gekämpft und zwar mit Erbitterung. Seit jener Zeit haben wir nun ganz neue Erscheinungen erlebt. In Jena 1311 muhte sich der Parteivorstand zum erstenmal gegen eine Kritik von links her verteidigen, die ihm vorwarf, nicht scharf genug gegen die Kriegsgefahr eingeschritten zu sein. Feststellen müssen wir, daß erhebliche Verschiebungen in der Partei lsiattfanden. Früher bezeichneten David und Rosa Luxemburg die verschiedenen Richtungen. So leicht ist aber die Unterscheidung heute nicht mehr. Diese Grenzlinien sind verwischt und an ihre Stelle neue Markationslinien getreten. Der Parteikörpcr befindet . sich im Zeichen des Uebergangs und die Debatten jetzt sind ein s Beweis dafür, daß neue Gruppierungen sich vollziehen, daß wir 'vor neuen Problemen stehen, die Antwort erheischen. Diese Gärung ' ist kein Zufall, eS müssen Gründe sozialer und wirtschaftlicher Art 'vorliegen. Wenn wir unsere kapitalistische Gesellschaftsordnung betrachten, so müssen wir feststellen, daß sich auch dort Umwälzungen vollziehen, die wir imperialistische nennen, daß dort ungeheure Kapitalmassen aufgehäuft sind und daß heute in der Hand weniger Bourgeois weit mehr politische Macht vereinigt ist, als im gesamten Mittelstand. Eine Zerreibung des Mittelstandes ist in den letzten Jahrzehnten in schnellstem Tempo vorgegangen. Nennen wir nur eine Zahl: In 42 Jahren hatten wir eine Volkszunahme von LS Millionen. DaS bedeutet eine Umwälzung in den tiefsten Tiefen der Gesellschaft. Dieses neue Deutschland hat mit dem früheren nichts mehr gemein als den Namen. Im Innern selbst haben sich die Verhältnisse zugespitzt wie nur kaum möglich. Desgleichen nach außen hin. Eine rastlose Umwälzung der kapitalistischen und nicht- kapiatlistischen Welt hat sich vollzogen. 1904 kam der Krieg in Ost« asien. Da sagte man bei uns: Was geht das uns an? Jener Krieg aber wurde für uns der Anfang von großen Veränderungen, von einem Prozeß, der jetzt noch nicht abgeschlossen ist. Was wir voraus sagten, traf ein: der Krieg endet mit einer Niederlage Rußlands und einer Revolution in Rußland. Und wer die Ver- jhältnisse überschaut, weiß, daß diese Revolution noch nicht tot Zst. WaS aber au jene Ereignisse anknüpfte, war ein« Kette fast märchenhafter Erscheinungen. Umwälzungen und Revolutionen in der Türkei und in China. Und schon zeigen sich neue Gärungen im Ehinesenreiche. England, Frankreich und Deutschland gerieten -wegen der Aufteilung Afrikas in Verwicklungen und wir standen um Haaresbreite vor einem Weltkriege. Marokko bildete in den letzten Jahren die furchtbarste und akuteste Gefahr, sie ist beigelegt, aber nicht für immer. Dann kam ein Krieg nach dem andern. Italien, die Türkei, die Balkanvölker, sie alle führten Krieg und was noch weiter kommt, kann niemand wissen. Die weltpolitische Situation hat sich verwandelt in rastloseste Unruhe. Und gerade jene Staaten, die als die konfervativesten galten, erzittern jetzt unter Kriegen und Revolten, r feit. 10 Jahren dämpft die Erbe fast unaufhörlich von Blut und Tränen. Ob diese Ereignisse an Deutschland vorübergehen werden? Durch diese Kriege und ourch die innere Zuspitzung der Klassengegensätze Zvevden auch bei uns neue Situationen geschaffen. Sie sind das Produkt der imperialistischen Strömung. Hieraus erkennen wir den Grund zu dem Gärungsprozeß in unserer Partei. In Deutschland itehe« die bürgerlichen Parteien in fast allen wichtigen Fragen ' zusammen. Trotz der 110 Gerrossen im Reichstag sind i« zwei Jahren zwei Heeresvorlagen durchgebrachd worden und so schnell wie nie zuvor. Rein äußerlich betrachtet, kann man sagen: Je mehr Sozialdemokraten im Reichs- tag sind, um so schneller geht«. Ja, je mehr Sozialdemokraten, um so fester schließen sich die anderen Parteien zusammen und ver- schwinden die Gegensätze unter ihnen, gibt es nur ein hüben und drüben. Darum ist eS für uns immer schwerer, diese Gegensätze ianSzunutzen, weil sie immer mehr verschwinden. Wenn bei 110 So- zialdemokraten die arveiterfeindlichen Vorlagen schneller durchgehen als sonst, dann muß das parlamentarische System eine veränderte Werteinschätzung erfahren und danach muß die Partei sich einrichten. Wenn aber der Wert eine? Parlaments ein gemindeter ist. so er- tönt von unten der Ruf: Massenstreik. Wir sind in einer Lage, wo vhne die entscheidende Teilnahme der Massen keine durchgreifende Verbesserung 6er Zustände zu erreichen ist. Hier haben wir das historische Erkenntnis: {ohne daS bewußte Eingreifen der Masse komme« wir nicht vorwärts! Und da kommt, wie aus der Pistole geschossen, der Ruf: Massenstreik! Dieser Ruf ist nun aber nicht so, daß man plötzlich in den Streik eintreten wird. Wenn der Ruf sich ,n erster Linie an das Wahl- recht klammert und verlangt den Massenstreik zur Eroberung des Wahlrechts in Preußen, so liegen die Dinge im Zusammenhang mit diesen Ausführungen, bedeutet doch der Kampf nach Eroberung des Wahlrechts nicht so sehr ein Kampf um Mandate, sondern um die politische Gewalt überhaupt. Ter Kampf um die politische Macht wird in Preußen ausgefochten werde», Preußen ist die auSschlag- bebende Gewalt. �. Wir sind entschlossen, den Kampf um die politische Macht in Deutschland beim richtigen Zipfel anzufassen. ES handelt sich nicht itzarnm, emen Mastenstreik zu machen, fanden» mit der Taktik der Partei, die auf der reinen Dtsenftve aufgebaut ist und vormals klug und angebracht war, zu brechen. Wir haben eine Million organisierter Parteigenossen, dies ist schon ein Faktor, ein Ereignis im politischen 38eben. Doch die Frage, wie diese Masse dirigiert wird, ist von entscheidender Wichtig- keit. Die bisherige schwankende Taktik mutz aufhören. Wenn den Massen beigebracht wird, daß sie lediglich auf fyt) angewiesen ist, wenn die Taktik von Sicgesgewißheit und kühmcm Mut getragen ist, wenn wir auf Schläge mit Gegenschlägen antworten, dann kommt bei den Massen von selbst das Gefühl der Sicherheit und Entschlossenheit. Flugblattaustragcn genügt für eine solche Masse nicht, auch da mutz und soll Politik gemacht werden. Der Wille zur Macht muß zum Ausdruck kommen. So werden uns dann auch in entscheidenden Momenten die abseits Stehenden, die Unorgani- sierten folgen, wenn sie sehen, daß die kühne Taktik unsere Schritte leitet. Keine kopflose Taktik, aber auch kein Bremsen. Wir wollen den Massenstreik nicht künstlich herbeiführen, können wir aber einen Krieg verhindern durch das Parlament? Nein! Die Masse muß eingreife» in das Rad der Weltgeschichte. Redner schließt mit den Worten Dantes: Hier brauchts Kühnheit, und zum zweiten Mal Kühnheit, und zum dritten Mal Kühnheit! (Stürmischer Beifall.) Die Diskussion eröffnete Adam: Ihm scheine, daß Lensch sehr vorsichtig gewesen sei in der Auslegung des Massenstreiks. Als Arbeiter verstehen wir darunter einfach: Alle Räder stehen still. Die Wahlrechtsfrage stelle die Partei vor immer schwierigere Probleme. Die Wahlrechts- demonstrationen seien eine stumpfe Waffe. Nun sehe man sich nach einer anderen um, den Massenstreik. Hier aber hatten die Gewerk- schaften ein sehr ernstes Wort mitzureden. iHärt! hört!) Denn es kann alles, was mühevoll aufgebaut ist, dabei verloren gehen. ES komme darauf an, ob an der heutigen Wirtschaftsform durch den Massenstreik etwas geändert werden könne. Das fei nicht der Fall. Die Gewerkschaften haben zurzeit wichtigere Kragen zu lösen als die Wahlrechtsfrage. (Widerspruch.) Vor allem mutz gesorgt werden, daß die große Re- servearmee vor Hunger und Not geschützt werden kann. Die schwache Beteiligung an den Protestaktionen spreche nicht für die Reife der Arbeiter zum Massenstreik. Es sind erst LS Prvz. den Wirtschaft- lichen Organisationen angeschlossen. Z u b e i l s Rede sei eine Provokation der Gewerkschaften gewesen, damit verleide man den Gewerkschaftsführern nur die Arbeit.(Widerspruch und teilweiser Beifall.) Rintorf: Mit Lensch s Rede könne man einverstanden sein. Wir haben alle Ursache, schärfer vorzugehen. ES herrsche unter den Genossen ein« große Unlust, weil kein rechtes Vertrauen mehr da sei. Der Maffenstreikgedanke müsse in die Massen getragen werden. Unserer Führer müssen uns neue Mittel zum Kampfe geben. Künzel: Wenn wir so lange warten wollte«, wie d,e Gewerk- schaften ihren TSeldbeutel beschützen, dann können wir 100 Jahre warten. So gehts nicht weiter. Wir haben nichts zu verlieren! Lohse: Der Bremsklotz der Gewerkschaften ist die Geldbeutel- frage. Wir kämen zum Stillstand, wenn die radikale Seite nicht immer wieder vorginge. Der Generalstreik ist die einzige Waffe, womit wir die Macht des Kapitals brechen können. Vor allem aber sei nötig: Der Generalstreik im Kindergebären, um dem Kapital die Arbeitskräfte zu entziehen und eine kleinere, aber besser ge- nährte, geschulte und widerstandsfähige Masse zu erziehen. So können wir den Kampf aufnehmen. Gobro: Durch die Gewerkschaften ist der Geist großgezogen worden, der in der Frage zum Ausdruck kommt: Was kriege ich? Den wahren Sozialismus haben die Gewerkschaften durch die Geld- beutelftage zurückgedrängt. Partei und Gewerkschaften haben eS an der nötigen Entschlossenheit fehlen lassen. Wir haben viele Beamte unter uns. ES sei ja zu verstehen, wenn diese nicht gerne auS ihrer sicheren, guten Existenz Herausgeriffen sein wollen, denn sie wären die ersten, die ran müßten. Da hülfe dann kein Mund- spitzen, da mühte gepfiffen werden. Der Hauptkampf gelte dem Militarismus. E. Petrich: Wenn wir die ganze Gewerkschaftsbewegung be- trachten, dann sehen wir, daß die meisten Gewerkschaftsführer die Fähigkeit zum preußischen Minister hätten. Die Partei will die Massenstrelkfrage populär machen, da treten auch gleich die Gewerk- schaftsführer auf. Das sind gar keine Sozialdemokraten mehr, die auf dem Boden des Klassenkampfes stehen. Das Parteileben leide a» geistiger Oede. Die Zahlabendc seien zu entgeistigt und würden mit technischen Fragen ausgefüllt. Er gehe deshalb nur selten hin. ES müßte mehr Politik getrieben werden. lRuje: Fange doch bei Deinem an!) Wir müssen noch mehr an die Gewinnung der Jugend denken. Lchlilicke: Adam hat viel gelesen, aber nichts gelernt. Der erste Angriff mutz Preußen gelten. Von dort kommen die Angriffe gegen die Rechte der Gewerkschaften, das möchte er, Redner, den Gewerkschaftsführern sagen. Wittich: Die Gewerkschaften könnten mit ihrem Geldc, wenn eine so schwere Situation hereinbräche, eingreifen, besonders aber die Familien mit großer Kinderzahl unterstützen. Wenn der Zeit- Punkt zum Massenstreik kommt, dann ist in zwei Tagen die Arbeiter- schaft mobil, auch die unorganisierte. Greiser: Man müsse sich wundern, daß kein Gewerkschaftsführer in diesen Versammlungen das Wort nehme. DaS Gewäsch Adams sei ja eben von anderer Seite widerlegt worden.(Große Unruhe.) Die Tarifverträge haben den KampieSmut geschwächt. Die Gewerkschaften haben ja was geleistet(Na also!), aber die Arbeiter sind lascher geworden. Der Massenstreik sei ein ideeller Kampf ohne Geld.(Zuruf: Der Idealismus fliegt ohne Geld zum Fenster hinaus!) Ja, bei den Gewerkschaftsführern ist das der Fall. Aller. Vings, die Soldaten haben wir noch nicht für uns und am 1. Mai' bleiben die meisten Arbeiter leider auch im Betrieb. Tie gegnc- rischen Gewerkschaften und die Unorganisierten würden beim Massenstreik auch nicht mitmachen. Der Vorsitzende rügt den Ausdruck„Gewäsch" und die Be- hauptung eines Vorredners, daß die Gewerkschaftsführer nur für Geld tätig seien. Werk: Partei und Gewerkschaften müssen zusammen die Be- freiung aus dem Joch betreiben. Er denke als Genosse ebenso wie als Gwerkschaftler. Wenn wir wollen, dann kommt der Massen- streik, ob eS den Führern paßt oder nicht. Lensch nahm als Referent noch das Schlußwort: Es scheine hier ja eine lebhafte Mißstimmung gegen die Gewerk- schaftsführer zu herrschen. Wenn man aber die Haltung, die Genosse Adam eingenommen habe, allen Gewerkschaftsführern zuschreiben wollte, so würde man denselben unrecht tun. Viele derselben haben sich direkt entoegengesetzt geäußert wie Ada m. Allerdings, wenn ein großer Teil sich schon von vornherein gegen das Problem wendet, dann brauche molution zugunsten des Achtstundentages einschließlich Ein- und Ausfahrt, 16 stündiger Ruhezeit zwischen den Schichten und Höchstzahl von 6 Schichten in der Woche.— Er weist besonders auf die gesundheitlichen und Unfallgefahren im Bergbau hin und beklagt die Erschwerung der geistigen Ausbildung der Bergarbeiter durch die überlange Arbeitszeit. In England wurde 1908 da» Achtstundengesetz eingeführt, aber es bezieht die Seilfahrt nicht ein und ist lückenhaft. Wir fordern 8 Stunden Muße, 8 Stunden Schlaf und 8 Schilling den Tag!(Beifall.) C a v r e a u- Belgien feiert den internationalen Zusammen-- schluß der Bergarbeiter, der nun 25 Jahre besteht und stet» in erster Reihe die Verkürzung der Arbeitszeit als eine Forderung der Kultur aufgestellt hat. Wir in Belgien litten unter Arbeits- zeiten bis zu 14 Stunden und blicken mit Neid, aber auch mit Stolz und in der Zuversicht, ihrem Beispiel nachzufolgen, aus un» sere englischen Kameraden. Wir haben 1911 das Neunstunden» gesetz erkämpft und verdanken daS besonders dem internationalen Grubenproletariat, dessen Kampf unsere Schwungkraft vergrößerte. Wir streben besonders die englische 5�-Tagewoche an und dazu ist vor allem Stärkung der"Organisation erforderlich.(Lebh. Beifall.) D u b j« l- Deutschland cPole) unterstützt die Achtstundenreso- lution unter Hinweis auf die degenerierenden Folgen der gestei» gerten Ausbeutung. In Oberschlesien zwingen uns die Kohlen- Magnaten und der Fiskus, 10—11 Stunden unter Tage und 12 Stunden über Tage zu arbeiten. Die bis zu 9 Meter mächtigen Elötze müssen rasch abgebaut werden, die Gefahr ist groß und das oben der leider noch sehr gleichgültigen schlesischen Bergarbeiter währt nur kurze Zeit im Vergleich zu anderen Arbeitern. ES ist höchste Zeit, die verelendende Ausbeutung gesetzlich zu beschränken. (Alig. Zustimmung.)— Di« Angabe der niedrigen Löhne in Ober- schlesien erregt das Erstaunen der Engländer. I a r o l i m- Oesterreich weist auf die der belgischen ähnliche Entwicklung in Oesterreich und die Erkämpfung des Neunstunden- gesetzes im Jahre 1902 hin. Das war damals ein großer Erfolg. Aber seitdem haben wir auf dem Gebiet der Arbeitszeitverkürzung weitere Erfolge infolge des Widerstandes der Regierung und der Verschleppung unserer Anträge durch die bürgerlichen Parteien nicht zu verzeichnen. Tie bürgerlichen Abgeordneten haben sich ja sogar gegen den gesetzlichen Zehnstundentag für die Fabrikarbeiter ausgesprochen, obwohl er kaum nur den tatsächlichen Zustand sank» tionieren würde!(Hört! hörtl) Wir erkennen daraus, daß uns nur der Ausbau der Organisation vorwärts bringen kann. Wir fordern in einer mit Deutschland und Holland gestellten Resolution Verkürzung der Arbeitszeit vor nassen und heißen Orten auf sechs Stunden. Die hohe ErkrankungSzisfer der Bergleute— bis 80 Proz. und mehr— begründet diese Forderung.(Bravo I) Un- sere Bergbehörden könnten das jetzt schon bestimmen, aber sie müssen von der Organisation dazu gedrängt werden, und einmal hat sogar das oberste Gericht erklärt, daß der„hygienische Arbeit?» ta�" zwar notwendig sei, aber seine Festsetzung dem Neunstunden- geietz widerspreche!(Hört! hört!) Wir freuen uns, daß daS eng- liiche Achstundengesetz die Unternehmerlüge widerlegt, daß in Eng- land die Seilfahrt nicht eingerechnet werde. Unser Antrag ist eine Forderung der Menschlichkeit, die Stärkung unserer Organisation muß sie zum Gesetz machen.(Beifall.) C a d a u- Frankreich schildert eindrucksvoll den Widerstand des französischen Senats gegen den sozialpolitischen„Fortschritt" und die„4 Barrieren", die das französische Achtstundengesetz dem Achtstundentag in den Weg stellt. Beide Resolutionen werden auf Vorschlag von Langhorst« Deutschland verbunden und hierauf einstimmig angenommen.— In der Nachmittagssitzung steht zur Beratung der Bergarbeiterschuv. Schmidt-Bochum(deutscher Bergarbeiterverband) weist auf die Treiberei nach Kohlen, Kohlen hin, wobei die SichcrheitSrück- sichten unbeachtet bleiben; es erschlafft nicht nur der Körper, son- der» auch die Wachsamkeit gegen die Gefahren. Fallen doch die meisten Unfälle nach der amtlichen Statistik auf das Wochenende» was übrigens die Behauptung der Berussgenossenschaft(Unsallver» sicherung) genügend illustriert, daß die meisten Unfälle auf Sonn» tagsräusche zurückzuführen seien. 1.886 verunglückten pro 1000: 65,45, 1911 aber schon 136,74. Freilich, entschädigt wird nur ein geringer Teil. Von 366 000 Versicherten im Ruhrrevier ver- unglückten 53 563— 3000 mehr als im Borjahr«, eine viel größere Zunahme als die der Arbeiterzahl. 1902 waren erst etwas über 37 000 verunglückt! 1912 passierten schon 198,54 Unfälle pro Tag, und es(jab 1082 tödliche Unfälle gegen 516 vor 10 Jahren. Die Suherheitsmänner können ihr bißchen gesetzlich gesichertes Recht aar nicht ausüben, weil die Unternehmer sie durch die sattsam dekannten Schikanen und Lohndrückereien daran hindern Der Redner eizählt einige der krassesten Fälle von Sichcrbeitsmänner» schikanierung und selbst von preußischen Gerichten alS ungerechtfertigt erklärter Entlassungen von Ticherbeitsmännern Die Be» schwerden werden in der Regel von den Bergbehörden abgewiesen. Die Eintragung des Schlagwelterbefundes durch einen SicherheitS» mann auf Zeche„Dorstfeld" bezeichnete d?r Bcrgrat als Unsinn— bis er stch selbst davon überzeugte. Unsere Bergbeamten sind eben Mut vom Blut der Zechenherren-- und die christlichen Berg- arbcitersührer loben diese Zustände noch, wie Herr Jmbufch im preußischen Landtag. Und dabei werden die christlichen Sicher- beitsmänner. wenn sie ihre Pflicht lun. genau so schikaniert nne unsere. In England n k e n die Unfälle- und da soll Deuftch- land d,e beste Unfallverhütung haben' Deutschland in der Welt voran- aber besonders bei den Unfällen im Bergbau(Heiterkeit); der Redner beweist di-S zobl-nmäßig. Die einzig- Abh.Ipe zeigt unfere Resolution, die auch von Oesterreich und Holland gestellt ist: die Anstellung von geheim und direkt g e w a h l- ten, vom Älaat besoldeten Grubenlontrol eure« a u s d- r M, t t e d e r Berg a? bl i t e r!(Lebh, Be.sallZ Z w a n z g e r- Leoben, Vertrauensmann der itelrlschon Berg. arbeiler, fuhrt aus. daß die österreichischen Bergarbeiter, gewitzigt durch die deutschen Erfahrungen, die Uebernahme des deutschen ElcherheitsmännersysiemS ablehnen. Auf das Drangen unserer Freunde hat sich der k. k. Arbeitsbeirat für staatliche Besoldung der «icherheitsmänner auögesorocken, dafür aber will die Regierung fern Geld haben. Wird doch der Grubeninspektion nicht genug Geld zur Verfügung gestellt, um die nötigen Bere.sungen vorzu. nehmen.(Höit! hört?) Die Unfallziffern steigen auch be, uns. So steht es bei uns mit dem Bergarbeiter, chutz! Wir stimmen n-turl.ch wr �S�solution.�.���r f. bi UnfaII< Ziffern, da fragen die BergwerkSbentzer nur nach ihrem Gewinn. nicht nach dem Leben der Arbeiter, �avon können auch wir Holländer ein Lied singen. Von 1500 Bergleuten der EtaatSgrube „Wilbelmina" sind 534 verunglückt. Un,ere Gesetze sind noch' schlechter als die deutschen. �- Ar be-terauS, chu ss e bedeuten nichts. denn sie sind vollkommen a�angig von den Grubenverwaltungen. Unsere internationalen �Bcichluste baben wenigstens zur Vorlage eines Gesetzentwurfes durch eine istaat�komimssicm geführt, wonach staatlich besoldete Grubenlontrolleure angestellt werden sollen. Sie sollen zwar von ��lhunen gewählt werden, aber zu diesen sollen auch die Auslander wahlberechtigt werden.(Bravo!) Die Besuche der �nsp�tion werden immer rasch herunter- telcphoniert und die schlechten Arbeitsorte werden ihr nicht gezeigt. H ä r v e Y- Großbritannien legt in sehr temperamentvoller und durch Beifallssturme oft unterbrochener Rede dar, daß die Sicherheit des Leben? des Grubenarbeiters die Hauptfrage für den Kongreß ist Tie Privatunternehmer ignorieren solche Rücksichten. Die langsam vordringende Aufklärung im Sinne der Menschlichkeit schafft nicht schnell und sicher genug Wandel. Das Leben der Bürg« der Nation muß dem Unternehmerpro ftt vorangehen. Welch« Eni- schädigung kann den Kindern den Vater, der Frau den Mann er- setzen? Nur Sicherung gegen weitere Unglücksfälle kann eine halbe Entschädigung sein. Jeder 6. englische Knappe verunglückt, und als wir ein neues, besseres Gesetz erkämpften, beschuldigten uns die Profitraffer des Landesverrats!(Hort! hört!) Das neue Gesetz schränkt die Verwendung der Elektrizität, namentlich an Orten mit gashaltiger Luft, stark ein, durch elektrische Funken sind ja auch schon so viele Explosionen entstanden. Die Sicherung des Lebens der Bergarbeiter mutz allem anderen vorangehen,— stimmen wir einmütig der Resolution zu!(Groher Beifall.) F a l o n y- Belgien begründet unter Hinweis auf die Gruben- Unglücke in Belgien eine Resolution, wonach die Gesetzgebung die Sicherheit der Bergarbeiter in jeder Hinsicht besser gewährleisten sollte. Jetzt werden die Arbeiterinspektoren bei uns, da sich die paritätischen Arbeiter- und Unternehmerkammern nie einigen, vom Arbeitsminister im Sinne der Werksherren ernannt, wir schließen uns daher ganz der deutsch-österreichischen Forderung an.(Beifall.) Die Weiterberatung wird nach einer längeren Rede Mac- d o n a l d S- Amerika, deren Uebersetzung erst morgen vorgetragen wird, auf morgen vertagt. ein Notschrei äer arbcitslolen Berliner Bolzarbeiter. Im großen Saale der Brauerei Friedrichshain hielten die arbeitslosen Berliner Holzarbeiter am Dienstag eine große Ver- sammlung ab. Obgleich die Ortsverwaltung des Holzarbeiter-Ver- bandes im„Vorwärts" darauf hingewiesen hatte, daß die Ver- sammlung nicht von ihr, sondern von dritter Seite einberufen war, war der große Saal der Brauerei völlig überfüllt. Der Referent Knaup führte etwa aus! Die Kollegen sind eingeladen, um die Not der Arbeitslosen zu besprechen. Das Elend ist enorm, das Notstandsidhll auf dem Arbeitsnachweis ist be- ängstigend. Familienväter wissen nicht mehr, woher sie das not- wendigste bißchen Essen für ihre vor Hunger schreienden Kinder hernehmen sollen. Die Verwaltung hat nicht den Mut, dieses grenzenlose Elend bekanntzugeben. Darum griffen wir zur Selbst- Hilfe und beriefen diese Versammlung selbst ein. Die Krise ist international, die Arbeitslosigkeit so erschreckend wie nie zuvor. Die Mehrzahl der arbeitslosen Kollegen ist 8 bis 18 Wochen arbeitslos, daher längst ganz ausgesteuert, ohne Essen, ohne Trinken, viele nur noch in zerrissenen Stiefeln, die Kleider abgerissen. Unser Vorstand prahlt in der Holzarbeiterzeitung mit dem enormen Vermögen von über 7 Millionen Mark, welches wir in unserer Verbandskasse haben, während wir, die Mitglieder, vor Elend samt unfern Familien verkümmern. Wittke: Wir können unsere Verwaltung für die Arbeits- losigkeit nicht verantwortlich machen. Verlangen müssen wir aber, daß diese mit uns gemeinsam über Mittel und Wege berät, um unsere Not zu lindern. Von den 7 Millionen Verbands- vermögen muß 1 Million für die Arbeitslosen geopfert werden. Wir sind die Opfer der von den Unter- nehmern geplanten Aussperrung. Diese hätte uns viel mehr ge- kostet; daher sollte der Vorstand die Arbeitslosen nicht ganz zu- gründe gehen lassen. Vertraglich sind uns in den letzten 13 Jahren 13 Proz. Lohnerhöhung zugebilligt. Praktisch aber sind uns 28 Proz. abgezogen. Unsere Verwaltung muß erneuert werden, damit wir mitftihlende Kollegen als Beamte erhalten.(Stürmischer, lang- anhaltender Beifall.) F litte: Im borigen Jahr hat die Verwaltung fünfmal ab- gelehnt, eine Arbcitslosenbersammlung abzuhalten. Dieses Jahr ist deren Haltung ebenso. Müllers: Die bewilligte Extraunterstützung von 18 M. war kaum ein Tropfen auf eine glühende Eisenplatte; es ist eine dauernde Arbeitslosen-Unterstützung nötig. Umlauf: Wir kämpfen nicht gegen den Arbeitsnachweis, sondern gegen dessen Mißstände. Das Obligatorium muß aufrecht- erhalten werden, ohne dieses hat der Arbeitsnachweis keinen Zweck. Früher mußten wir mit dem Talglicht in der Hand morgens 5 Uhr nach Arbeit suchen und warten, bis sich der annoneierertbe Meister einen von den vielen ausgesucht hat. Dies entwürdigende Schau» spiel hat aufgehört. Die deutschen Proletarier sind viel zu schlapp. Wir lassen uns unsere schwer erkämpften Rechte aus der Hand nehmen. Durch das Vertrag verhältms ist die Arbeiterschaft ein- gelullt worden.(Großer Beifall.) Da noch 18 Redner vorgemerkt sind, wird die Redezeit auf 18 Minuten eingeschränkt. Jähnke: Die Einberufer der heufigen Versammlung find lauter alte Verbandskollegen. Man kann uns keinen Vorwurf machen wegen unseres Vorgehens, da es die Verwaltung seit acht Wochen abgelehnt hat, etwas für'die Arbeitslosen zu tun. Durch unser Delegiertensystem sind wir in der Generalversammlung recht- los gemacbt worden. Das Verlangen unserer Verwaltung, wir sollten nicht zu unserer Versammlung gehen, hat das Gegenteil bewirkt. Plombinskh: Eine solche Arbeitslosigkeit haben selbst unsere ältesten Kollegen noch nicht erlebt. DaS ganze Familien- leben wird zerrüttet. Wo sonst Friede und Eintracht war. da herrschen jetzt Not, Elend, Zank und Streit. Müller: Wie ist der Arbeitslosigkeit abzuhelfen? Durch die Berliner Aussperrungen wurden außerhalb viele große moderne Fabriken gebaut. Ate abgeschlossenen Verträge sind nichtig, weil sie doch nicht gehalten werden. Die Arbeitszeit mutz verkürzt wer- den, damit mehr beschäftigt werden können. Weide: Kaufen und� Verkaufen ist die Devise des Staates. Unsere Ware �Arbeit. kraft, btc wir trotz bestem Willen nicht in Werte umsetzen können, überflüssig geworden. Die Arbeits- losigkeit ist eine rein � Frage; geboren aus der un- gerechten Einrichtung des Klassenstaates. Daher müssen wir vom Staat und der Kommune AbHufe fordern und unsere städtischen und staatlichen Parlamentsvertreter beauftragen, daß diese dort auf Abhilfe drängen. Es wurde dann eine Resolution angenommen, die es mißbilligt. daß die Ortsverwaltung dem Wunsche der arbeitslosen Mit- glieder nach Einberufung von«rbettslosenversammlungen nicht Rechnung getragen hat. In diesen Versammlungen sollte auf die Ursachen der Arbeitslosigkeit und deren Wirkungen hingewiesen und von Staat und Kommune verlangt werden, daß sie ihre Pflichten den arbeitslosen Bürgern gegenüber nachkommen. Verlangt wurde ferner von der Organisation, daß ste die arbeitslosen Kollegen, soweit die Verhältnisse es erlauben, t'or der größten Not schütze. Schließlich wurde ausgesprochen, daß der.lrbeitsnachweis im jetzigen Stadium nicht geeignet sei, die volle Paritat zu wahren. -Ate Versammlung, in der so viele bittere, von der Not diktierte Worte fielen, wurde schließlich geschlossen mit einem Hoch auf den Deutichen Holzarbeiter-Verband. SericKts- Reitling. Hinfällige Anklage gegen Streikposten. Im Malergewerbe Grotz-BerlinS wurden im Frühjahr -- i?. S- ausgesperrt obwohl der von den Gehilfen aufgestellte Tarif von den Arbeitgebern anerkannt war. Die Aus,perrung war aus„Solidarität" vorgenommen worden. ' Siadten im Reiche wegen Nichtanerkennung des Tarifs die Gehilfen streiften. Im chril dieses Jahres standen die Maler Fr a n z Kaup und Fritz Beckman.n in der « A°sten. Bei dieser Gelegenheit soll zwei „Streikbrecher" zugerufen tvorden iein. Die Arbeitswilligen stellten gegen Kaup und Beckmann Straf- omtrag. In der gcitngeit Verhandlung vor der ersten Ferien- teoffammer bmute nicht festgestellt werde«, wer.Streik- «echer gerufen hat. Der Staatsanwalt fteß deshalb die AnÄrge wegen Beleidigung fallen, beantragte aber, die Angeklagten wegen groben Unfugs zu bestrafen. Angesichts des Umstandes, daß solche Ausschreitungen geeignet seien, die öffentliche Ruhe und Ordnung arg zu gefährden, be- antrage er drei Wochen Haft. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Behrend: Es ist jedenfalls auffallend, daß mit einer syfchen Lappalie die Strafkammer behelligt worden ist. Derartige geringfügige Dinge werden doch stets vor das Schöffengericht verwiesen. Jedenfalls ist den Angeklagten nicht nachgewiesen, daß sie „Streikbrecher" gerufen haben und von einem groben Unfug kann gar keine Rede sein. Außerdem steht dies Delikt nicht zur Anklage. Ich beantrage deshalb die Freisprechung. Keineswegs rechtfertigt sich die beantragte hohe Strafe, zumal es sich um eine Aussperrung handelt.— Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes verkündete der Vorsitzende Landgerichts- direktor Jaenisch: Durch die Beweisaufnahme konnte nicht festgestellt werden, wer„Streikbrecher" gerufen hat. Es kann deshalb eine Verurteilung wegen Beleidigung nicht erfolgen. Grober Unfug liegt zweifellos vor. Dies Delikt steht aber nicht zur Anklage. Der Gerichtshof hat deshalb die Angeklagten freigesprochen und die Kosten des Ver- fahrens der Staatskasse auferlegt. Unverständlich ist, worin„grober Unfug" liegt, wodurch das Publikum in seiner Allgemeinheit belästigt sein soll. Etwa durch Ausübung des Koalitionsrechts? Das ist ja undenkbar. Viel näher liegt die Frage, ob nicht in der Erhebung so unberechtigter Anklagen wie dieser uud ähnlicher eine an groben Unfug mindestens grenzende Belästigung des Publikums erblickt werden kann. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft Verbrechen nachspürt. Das Automobilunglück auf der Hennigsdorf»? Chaussee gelangte gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Berlin III zur Erörterung. Am Tage nach dem Unglücksfall fuhr der Bierkutscher Aubel mit seinem Gefährt die Hennigsdorfer Chaussee entlang. In der Nähe der llnglücksstäite sah er ein Seil, das quer über den Chausseeweg gespannt war. Infolge seiner Achtsamkeit hatte er sich vor Unglück bewahrt. Aubel erstattete sofort Anzeige. Als Antwort erhielt er von der Ortspolizeibehörde ein Strafmandat, in dem ihm sechs Wochen Haft wegen„groben Unfugs" zudiktiert wurden. Infolge Einspruchs gelangte die Sache vor das Schöffengericht Berlin-Wedbing. Es wurde der Nachweis geführt, daß die Anzeige des Angeklagten ans Wahrheit beruht«. Der Angeklagte wurde infolgedessen freigesprochen. Der Staat?- anwalt legte Berufung ein und lud eine Anzahl Gemeindediener als Zeugen vor. Diese bekundeten: Die Angabe« des Angeklagten sind wahr. Wenn nach geschehener Anzeige sofort eine Untersuchung stattgefunden hätte, dann wäre eS vielleicht gelungen, des Täters habhaft zu werden.— Das Gericht folgte dem Antrage des Ver- teidigers, Rechtsanwalt Behrend, sprach den Angeklagten wiederum frei und legte auch die Kosten der Verteidigung der Staatskasse auf. Wahrlich ein starkes Stück. Ein gemeingefährlicher Verbrecher wich gesucht. Ein Bürger macht der Polizei wichtige Mitteilungen: darauf wird er mit sechs Wochen Haft belegt und es wird ver- mieden, den mitgeteilten Spuren zu folgen, die zur Entdeckung des oder der Leute hätte führen können, deren Tat an dem Tode eines Ehepaares schuldig ist. Da ist ja das Urbild des Amtsvor- steherS Wehrhahn aus dem„Biberpelz" von Hauptmann beinahe übertroffen. Dieses Urbild war der frühere Amtsvorsteher von Bosse in Erkner. Dieser brachte es unter anderem fertig, zwei ehrbare Bürger, die vermeintlichen freisinnigen Führer Mahlt« und Krätke, wegen schweren Einbruchs zu verhaften, nachdem er die im Schnee eingedrückten Spuren der wirklichen Einbrecher in seiner Aufregung zertrampelt hatte. Bei diesem rm Jahre 1883 aus- geführten Hauptstück seiner vielen tragikomischen Verfolgungen folgte der stramm konservative Amtsvorstehxr seiner angeborenen Klugheit, seinem anerzogenen Haß gegen alle eines Freiheitsdrangs Verdächtigen und den Einflüsterungen seine? Schreibers, eines übel beleumundeten Subjekts, das vom Berliner Polizeipräsidium entlassen war und später unter anderem wegen Unterschlagungen verurteilt wurde. Ist bei solcher Art des Vorgehens von Polizei und Staats- anwaltschaft nicht erklärlich, daß die an wirftichen, schweren Per- brechen Schuldigen so selten gefunden werden und daß das Publikum auch bei den Verfolgungen von Verbrechern sich scheut, der Polizei behilflich zu sein? Die gestrige Verhandlung legt die Frage nahe, ob es nicht angezeigt erscheint, eine. Strafbestimmung gegen Beamte wegen fahrlässiger Begünstigung von Verbrechen zu schaffen. Ein Landproletarier auf eigener Scholle. Vor der Erfurter Strafkammer stand am Dienstag der land- wirtschaftliche Arbeiter Ludwig Keimling aus Nausiß(Kreis Weißensee), weil er einem Landwirt zwei Sack Getreide entwendet hatte. Keimling arbeitet seit 17 Jahren gemeinschaftlich mit seiner Frau bei einem Großbauer. Als die Frau ernstlich krank wurde, mutzte sie einer Heilanstalt überwiesen werden, was, wie der Mann vor Gericht beteuerte, seine familiären Verhältnisse sehr schädlich beeinflußte. Der Bauer zahlt dem Manne einen Tagelohn von 1,58 M. Doch' der Vorsitzende weiß einen guten Rat, wie ein Ar- bester mit einem Einkommen von 1,58 M. pro Tag seine Lage ver- bessern kann.„Sie haben doch Kinder, die Rüben ziehen und Nehren lesen können," so meint er zu dem Angeklagten,„und schließ- lich haben sie doch auch ein Hauschen und können ein Schwcinchen füttern."„Jawohl", spricht der Angeklagte,„meine Kinder müssen arbeiten, auch bin ich Besitzer eines kleinen Anwesens. Doch was nützt mir das alles, mein Häuschen ist mit Hypotheken überlastet. Die Not trieb mich zu der Tat." Diese Angaben wurden durch die Aussagen des Bauern, bei dem Keimling in Stellung ist, bestätigt. Der Zeuge ist sehr wohlhabend und Besitzer von zwei Bauerngütern. Er fühlt sich durch den Angeklagten um etwa 16 M. geschädigt. Während der Verhandlung äußerte er die Befürchtung, daß er durch eine strenge Verurteilung des Angeklagten die billige Arbeitskraft längere Zeit verlieren könnte. Er bittet darum um ein mildes Urteil für den Angeklagten. Das Gericht erkannte auf 4 Monate Gefängnis Äus aller Melt. Tie Grubenkatastrophe auf„Karolus Magnus". Aus Aachen wird gemeldet: Von den im Schacht„Ka- rolus Magnus" verschütteten 15 Bergleuten ist nur ein Bergmann gerettet worden. Für die übrigen be- steht keine Aussicht au f R e t t u n g. Es können noch Tage vergehen, ehe die Leichen erreicht werden können, auf denen 8 bis 10 Meter hohe Erdmassen in Meter Tiefe lagern. Tic Bergungsarbeiten gestalten sich sehr schwierig. Der ganze Schacht muß gestutzt werden, um ein weiteres Ein- stürzen zu verhindern. Erst dann kann man an die Beseiti- gung der Erdmaflen gehen. Von den Verunglückten waren sieben verheiratet. Wann wird gegen Sternickel Anklage wegen des Plackwitzer Raubmordes erhoben? Dieser Tage ging durch die Zeitungen der Bericht, für den Raub- Mörder August Sternickel und seine beiden von ihm verführten, auch zum Tode verurteilten Mittäter ständen bereits die Särge bereit! Wir wissen nicht, was an dieser Meldung zutrifft. Wir ver- weisen aber nochmals darauf, daß die beiden Helfer Sternickcls unter Benutzung der Notlage, in der sie sich befanden, von Sternickel zu ihrer abscheulichen Tat verführt worden sind. Daß ihre Begnadigung nicht erfolgt sei, ist offiziell nicht verlautbart, er- scheint auch wenig glaublich. Sternickel selbst hat sich aber noch wegen ein erReihe Raubmordtaten zu verantworten, deren erste in das Jahr 1985 fällt. Verurteilt zum Tode wurde er wegen des gräßlichen Raubmordes, den er am 7. Januar 1913 an dem Bauerngutsbesttzer Kaltes zu Ortwig, dessen Ehefrau und der Dienstmagd Philipp beging, vom Schwurgericht in Frankfurt a. O. am 15. März dieses Jahres. Wann wird der Prozeß wegen des e r st e n Raubmordes, den Sternickel beging, stattfinden? Dies erste entsetzliche Verbrechen SternickelS bestand in der Beraubung und Ermordung des Müllers in Plackwitz bei Hirsch- berg und in darauf folgender Inbrandsetzung der Mühle zu Pfingsten 1985. Seine Mittäter wurden bald verhaftet. Auf seine Er- mittelung wurde eine Summe von 2888 Mark ausgesetzt. E r wurde auch ermittelt und verhastet, wurde dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt. DaS kam so: Bei dem Mühlenbesitzer Paul Werner zu Loschwitz. Kreis Bunzlan, hatte Sternickel mit richtigen Papieren 1984 gearbeitet- Am Pfingstsonnabend 1985 sprach Sternickel wieder um Arbeit an- erhielt auch solche, verließ jedoch noch an demselben Abend die Arbeitsstelle, weil er notwendigerweise in Löwenberg zu tun habe. Am Tage darauf erfolgte der Raubmord in Plackwitz. Der Mühlen- besitzer Paul Werner meldete sofort seinen Verdacht der Staats- anwaltschaft zu Hirschberg. Ani 5. Oktober 1985 sprach Sternickel bei Werner wieder um Arbeit an. Er entfernte sich dann auffällig aus dem Orte. Dem Mühlenbesitzer Werner gelang es, ihn noch an demselben Tage in Wenig-Walditz festnehmen zu lassen. Er wurde dem zuständigen Amtsgericht Löwenberg zugeführt. Von dem Amtsrichter wurde er aber entlassen weil er Papiere auf den Namen Trautmann besaß. Dadurch ward es Sternickel ermöglicht, noch eine Reihe scheußlicher Verbrechen zu begehen und andere dazu zu verführen. Wird jetzt endlich die Anklage gegen Sternickel wegen des Plackwitzer Raubmordes erhoben werden? Ucberlandflnge. Der Ueberlandflug Köln— Verlin— Königs- berg, der gestern von dem Offiziersflieger Leutnant I o l y ausgeführt wurde, ist wirklich einmal eine Flugleistung, die sich neben den internafionalen, namentlich französischen Flug- leistungen sehen lassen kann. Es ist sogar ein inter- nationaler Rekord, da dieser Flug über reichlich 1000 Kilometer Luftlinie mit einem Passagier ausgeführt wurde, während die großen französischen Uebcrlandflüge, wie der Brindejoncs, der von Paris bis Warschau 1400 Kilo- meter Luftlinie überwand, ohne Passagier ausgeführt wurden.— Der Ingenieur R e i ch e l t, der gleichfalls am Diens- tag von Kiel nach Berlin geflogen und in Johannisthal am Nachmittag abermals zum Weiterflug aufgestiegen war, ist gegen 7 Uhr abends in Posen gelandet. Er hat damit 540 Kilometer— gleichfalls mit Passagier— zurückgelegt und dadurch den Monatspreis der Nattonalflugspende von 4000 M. gewonnen, außerdem 2500 M. für einen ununterbrochenen dreistündigen Ueberlandflug.— Der französische Flieger L e t o r t, der vor wenigen Tagen die 900 Kilometer Paris— Berlin ohne Zwischenlandung gut zurückgelegt hatte, ist am Mittwoch mit der russischen Fliegerin Galantschikoff in Johannisthal zum Rückfluge nach Paris gestartet. Gegen 7 Uhr morgens nahm er in Hannover eine Zwischenlandung vor. Zur Brandkatastrophe in Binghamptou. Aus New Dork wird gemeldet: Aus den Trümmern der am Dienstag niedergebrannten Fabriken in Binghamptou find bis jetzt 22 Leichen geborgen worden, deren Identität jedoch nicht fest- gestellt werden konnte, da fie nur in völlig verkohltem Zustande herausgebracht werden konnten. Man nimmt an, daß unter den Trümmern sich noch weitere 58 Leichname befinden. Es ist den Löschmannschaften sehr schwer, die Leichen zu bergen, da die Trümmer immer noch fortglimmen. Im Hospital von Binghamp- wn finden 58 Frauen und Mädchen Pflege, die zum größten Teil sehr schwere Brandverletzungen davongetragen haben. DaS Unglück nahm einen so furchtbaren Umfang an, da infolge der großen Hitze den Feuerwehrleuten jede direkte Retterarbeit unmöglich gemacht wurde. Auch war die Wasserzufuhr nur sehr mangel- hast. ES heißt, daß der Brand durch daS leichtfinnige Wegwerfen einer Zigarette verursacht worden ist, durch die ein Zelluloidkasten in Flammen aufginge die sich den im Saal befindlichen Kleider- stoffen mitteilten. Sicherlich indes auch diese Opfer des Kapitalismus ihren Tod gefunden, weil die Anlage der Fabrik aller sicherheitS- polizeilichen Vorschriften spottetet Kleine Notizen. Zechcnunglück. Aus Essen a. R. wird vom. Mittwoch ge- meldet: Auf der Zeche„Hugo", Schacht 1, gerieten bei der Seil- bahnförderung drei Arbeiter unter einen h e r a n f kommenden Wagen. Einer wurde dabei sofort getötet. Die beiden anderen Arbeiter erlitten erhebliche Ber-> letzungen. Vom Blitz erschlagen. Der fünfzehnjährige Sohn de? Ordi- narius für Physik an der Universität Marburg ist in Braunwald (Schweiz) vom Blitz erschlagen worden. Explosion in einer Munitionsfabrik. Heute vormittag explodierte in der Wöllersdorfer ärarischen Munitionsfabrik infolge Unvotsichtigkeit einer Arbeiterin ein Zünder, wodurch auch die übrigen in demselben Arbeitsraum befindlichen Explosionsstoffe zur Explosion gebracht wurden. Neunzehn Arbeiter und Arbeiterinnen wurden verletzt. Einer i st gestorben. Das Gebäude ist schwer beschädigt. Der Brand wurde sofort unter- drückt. Ein großes Dampfcrunglück. Der ftanzösische Dampfer„Ville de Dijon" ist nach hier eingetroffenen Telegrammen bei Papudo in Chile gestrandet. Nach einem bei der Gesellschaft in Nantes, der der Dampfer gehört, eingetroffenem Telegramm sind von der 22 Mann starken Besatzung nur drei Personen gerettet worden, so daß insgesamt 19 den Tod in den Fluten gefunden haben. Dos Schiff hatte eine Kohlenladung an Bord und wax <2Ilf frfTTT WfQf jjVmrfmrrt Am stärksten erscheinen durch den Balkankrieg die berühmten Tabak- selber betroffen, die sich in Südmazedonien um die Orffchafien Cavalla, Drama, Geres und Itanthi erstrecken. Nirgends hat der Battankrieg so schrecklich gewütet wie gerade hier, und trostlos blickt der mazedonische Bauer auf das Zerfiörungswerk, das den Gegen des Bodens vernichtete. So steht man nun der Taffache gegenüber, daß diese südmazedonischen Felder, deren Produkt den qualitattv feinsten, unentbehrlichen Rohtabak darstettt, wohl auf lange Zeit hinaus schwer geschädigt sind. Denn selbst nach Beendigung des Krieges wird es jahrelanger zähester Arbeit be- dürfen, um die Tabakfelder attmählich wieder in den vorigen Stand zu fetzen und die Ernte auf die frühere Höhe zu bringen. Die(Zigaretten- Industrie hat daher mit einer bedenklichen Stockung in der Zufuhr dieses unvergleichlich feinen Tabaks zu rechnen. Die Manoli-Eigarettenfabrik hat diese Entwicklung der Dinge schon lange befürchtet und sehte sich daher die Aufgabe, rechtzeitig die größt- möglichsten Quantttäten dieser best ausgereisten, urtürkischen Tabake direkt beim Produzenten zu kaufen. Große Mengen wurden in das Tranfltlager der Firma nach Berlin-Tempelhof überführt, wo sie gegen- wärttg aufgestapelt sind, während ein anderer großer Teil noch unter dem Schutze der Behörde auf dem Kriegsschauplatz lagert. Llnter Berücksichttgung der enormen Steigerung, die der Absatz der Manolt-Marken ständig erfährt, hat die Manoli-Eigarettenfabrik ihren Bedarf an den besten türkischen Rohtabaken auf Jahre hinaus gedeckt, so daß sie nach wie vor aus dem Bollen schöpfen und, wie bisher, das Beste vom Besten liefern kann. Manoli- Zigarettenfabrik Lieferanten der franz. und itat. Regien Kammerlieferanten Gr. k. u. k. Hoheit des Erzherzogs Kranz Kerdinand von Oesterreich- Este. "ge&ztB&tÖ&s ßeifiltaffi£ür fcen Snjetqtentfil oetfluttt.; Th.Glscke.Aerlia. Druck u.Beiwg:Norsqrt» LÜSdrucker« n. S-rwgZanMt Paul Singer U. C*, a. i fcTa.. A- Nr. 187. 30. Jahrgang. 2. ödlnot des Jormirtä" Derlim Nonuerstag, 24. Juli 1913. öcwerkfcbaftlicbea. Unbewußte Selbstkritik. Daß gewerkschaftliche Führer mit Befriedigung kon- ftatieren: unsere Taktik verhinderte zwar den Zuwachs von Mitgliedern, brachte uns gar Verluste, trotzdem sind wir stolz auf unsere, solches bewirkende Maßnahme, das ist gewiß kein alltägliches Vorkommnis. Die M.-Gladbacher jedoch bekunden nun öffentlich Freude über ihre Streikbruchstrategie, die den Zuwachs von vielleicht 20- bis 30()ö() Mitgliedern verhindert habe. Man merkt: d'e Christen sind� in jeder Beziehung— außergewöhnlich. Hören wir, was das Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften in seinem offiziellen Jahresbericht den Lesern für einen seltenen Genuß bereitet. Maw liest dort: „Hätte der Gewerkverein-christlicher Bergarbeiter sich an dem Nuhrbcrgarbeiterstreil beteiligt, und hätten nicht einige größere Verbände sin Vorsorge für die Zukunft) im Berichtsjahre größere BeilragSerhöhungen durchgeführt, so hätten die christ- Ilichen Gewerkschaften, wie dies aus der Mitgliederbewcgung der einzelnen Verbände mit ausreichender Älarheir zu ersehen ist, auch in 1912 sich eine Gesamtmilgliederzunahme von 29 999 bis 39 999 sichern können. Aber auch die Gegner der christlichen Gewerkschaften werden zugestehen müssen, daß die von letzteren im Berichtsjahre ausgetragenen Kämpfe für die zukünftige Po- silion der christlichen Gewerkschaftsbewegung bedeutungsvoller sind als eine einmalige Mitgliederzunahme..." Das ist ja zum Purzelbaumschlagen! Wichtiger als eine einmalige Mitgliederzunahme ist der Rückgang unserer Be- wegung— von Dauer hoffentlich—, denn die sozialdemo- kratische Bewegung ist durch unsere Strcikbruchpraxis im Kampfe gegen das Kapital geschwächt worden!— Das ist die weitere Logik des Zentralblattes für Streikbruchverherrlichunz. Die den Arbeitern mit den glanzvollen Streikbtüchen be- leiteten Niederlogen— Ruhrbergarbciterstreik— sind mit dem Nichtzuwachs von zirka 30 000 Mitgliedern für die christlichen Verbände, mit einer dem Kapital gesicherten goldenen Ernte, mit der Festigung der Willkürherrschaft der Grubenmagnaten nicht zu teuer erkauft!-- Das verkünden in ihrer lleberweisheit die M.-Gladbacher Streikbruchorganisatoren und Strcikbruchverherrlicher. Darin sind wir mit ihnen einig: die Schwächung der christlichen Gewerkschaften ist kein Nachteil— für die Arbeiter! Vielleicht berührt es die Unternehmer schmerzhaft. Den Häuptlingen des Streikbruchs gönnen wir solches Beileid. Wir gratulieren. Verlin und ümgegend. Fwrmerstreik bei der Ffirma Härtung. Im Jahre 1911 wurden noch einem Streik von 19 Wochen die Lohn- und Arbeitsverhältnisse für die Fonner und Gietzereiarbeiler Berlins zwischen dem Verbände Berliner Metall-Jndustcieller und dem Deutschen Metallarbeiterverbande durch schriftliche Vereinbarung geregelt. In letzter Zeil beliebte es der Firma Härtung Akt.- Gesellschaft in Lichtenberg, welche Mitglied des Verbandes Ber- liner Metall-Jndustrieller ist, aus nichtigen Gründen Differenzen herauszubeschwören. Waren es nicht die Gutzputzer, so waren es die Maschinenformer, welche Verschlechterungen ihrer Lohn- und Ar- deitsbedingungen abzuwehren hatten. Nachdem die Firma einsehen mutzte, datz sie mir ihren Matznahmen an dem Widerstand ihrer Arbciier icheiicne. versuchte sie, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Former und Gietzereiarbeiter auf der ganzen Linie zu ver- schlechtern. Durch eine Bekanntmachung glaubte die Firma, indem sie sich auf ihre Arbeitsordnung berief, weil sie andauernd mit großem Verlust arbeile, die Verdienste herabsetzen zu dürfen sowie die täg- liche Arbeitszeit zu verlängern. Im§ 12 der zwischen beiden Organisationen getroffenen Ver- einbarimg heißt es wörtlich: 8 12. Wo bereits bessere Arbeitsverhältnisse als im obigen verembart sind, bestehen, sollen dieselben nicht verschlechtert werden. Die Verschlerbrerungen, welche die Firma vorsah, bedeutete für die Former und Gietzereiarbeiter: 1. Verlängerung der täglichen Arbeitszeit von 8'� auf 9 Stunden. 2. Die Bezahlung der Zuschläge für Ueberstunden erst von der 19. Stunde ab.(Bisher vom Schluß der regulären Arbeits- zeit ab.) 3. Herabsetzung des Einstellungslohnes für Hilfsarbeiter von 45 Pf. auf 42 Pf. per Stunde. 4. Reduzierung der Akkordpreffe für Maschineuformer um zirka 15 Proz. Reduzierung der Akkordpreise für Schmelzer von 22 Pf. auf 29 Pf. pro 199 Kilo. Auch die Akkordpreise der Putzer sollten bedeutend verringert werden. Bisher arbeiteten die Putzer in gemeinsamem Kolonnenakkord und hatten für Bedienung der Sandstrahlgebläse pro Woche 7 M. zu zahlen, während die Firma den größeren Teil der Bezahlung für die Sandsirahlgebläse trug. Nach der Verfügung der Firma sollte in Zukunft der Einheitspreis von 79 Pf. pro 199 Kilo auf 49 Pf. pro 190 Kilo für kernlosen Guß herabgesetzt werden. Während früher die Firma die beiden Bedienungsniannschaften am .Sandstrahlgebläse mit zusammen 53 M. pro Woche bezahlte, und die Putzerkolonne 7 M. zuzuzahlen hatte, sollte in Zukunft die Putzer- kolonne den Betrag von 69 M. pro Woche allein bezahlen. Außer- dem sollten bestimmte Arbeiten(sogenanntes Schalen), welches bisher von den Schlossern gemacht und von der Firma bezahlt würde, im Putzerakkord einbegriffen sein. Weiter sollten Arbeiten, welche durch Schuld der Former oder Kernmacher Ausschuß geworden, und das Putzen der Nackgüsse in Abzug gebracht werden. Das Biertrinken sollte allgemein nicht mehr geduldet werden. Rauchen sollte nur noch den Formern und Maschinenformern, welche in Akkord arbeiten, während des Gießens erlaubt sein. Alles in allem ein ganzes Bündel von Verschlechterungen, welche die Arbeiterschaft auf sich nehmen sollte, um nach Meinung der Firma diese konkurrenzfähig zu erhalten. Wenn die Arbeiterschaft diese Verschlechterungen nicht hinnahm, drohte die Direktion, den Betrieb zu schließen. Nachdem alle fried- lichen Mittel, um den Abzug abzuwehren, erschöpft waren, beschlossen die Arbeiter den Streik. V Die Firma versucht nun in ganz Deutschland, Former, Kern- macher, Putzer und Gietzereiarbeiter unter Verschweigung des wahren Tatbestandes durch Zeitungsannoncen zu bekommen. Wir ersuchen, allerorts die Former, Kernmacher und Gietzereiarbeiter auf den Streik aufmerksam zu machen sowie jedes Angebot der Firma zurück- zuweisen. Der Betrieb der Firma Hartung-Lichtenberg ist für Metallarbeiter aller Berufe streng gesperrt. Deutscher Metallarbeitcrverband. Ortsverwaltung Berlin. Der Streik der Glasarbeiter und-arbeiterinnen bei der Jsola, Schlesische Straße 26, ist beendet und ist am Sonnabend die Arbeit wieder aufgenommen worden. Tie Firma zahlt wieder die tarif- mäßigen Löhne und hat die Streikenden mit Ausnahme von einem, welcher freiwillig verzichtete, und einem anderen, welcher erst einige Tage später ansangen sollte, sämtlich wieder eingestellt. Die Glas- arbciter und Glasarbeiterinnen haben es ihrer guten Organisation zu verdanken, daß sie auch in einer wirtschaftlich schlechten Zeit ver- mochten, den Angriff des Unternehmers abzuwehren und ihre alten Rechte aufrechtzuerhalten. Oeuttebes Reich. Arbeiterferien im Chemigraphie- und Kupferdruck- gewerbe. Zu den Gewerben, in denen die Gewährung von ErholungS- urlaub an die Arbeiter in den letzten Jahren verhältnismäßig stark zugenommen hat, gehört auch daS der Chemigraphen und Kupfer- drucker. Diese Gruppe graphischer Arbeiter ist dem Verbände der Lithographen und Steindrucker angeschlossen,' der seit Anfang 1994, also seil annähernd zehn Jahren, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse für alle dieser Verbandsgruppe angehörenden Mitglieder durch einen mit den Unternehmern dieser graphischen Branche abgeschlossenen Zcntraltarif geregelt hat. Dieser Tarif umfaßt aber bis jetzt die Feriengewährung noch nicht. lieber den gegenwärtigen Umfang der Feriengewährung unter- richtet eine Statistik, die die Zentralkommission für Deutschlands Chemigraphen und Kupferdrucker am Anfang d. I. aufgenommen und jetzt bekannt gegeben hat. Sie umfaßt 142 tariftreue Firmen mit 2513 Gehilfen, von denen in 75 Firmen mit 1722 Gehilfen Ferien eingeführt sind; 67 Firmen mit 791 Gehilfen gewähren keine Ferien. Demnach waren in 52,8 Proz. der von der Statistik er- faßten Firmen mit 68,5 Proz. der in letzteren befchästigten Gehilfen Ferien eingeführt. Diese Verhältnisziffern lassen erkennen, daß die 43,2 Proz. der Firmen, in denen Ferien noch nicht gewährt werden, meist kleinere Firmen sind, da auf sie nur 31,5 Proz. der Gehilfen entfallen. Beachtung verdient auch die Verteilung der Ferien gewährenden Firmen auf die reinen Chemigraphie- betriebe und die gemischten Anstalten, wie Buchdruckereien, Sftin- druckereien usw., in denen die Chemigraphie nur als eine Abteilang des Gesamtbetriebes gesübrt wird. Von den 142 Firmen waren 59 mit 1971 Gehilfen rein chemigraphische und 92 mit 1442 Gehilfen gemischte Betriebe. Von den reinen Chemigraphieanstalten gewährten 31 mit 865 Gehilfen Sommerurlaub, 19 mit 296 Gehilfen aber nicht; demnach war in 62,9 Proz. dieser Betriebe mit 89,3 Proz. der in solchen Anstalten beschäftigten Gehilfen Urlaub eingeführt. Von den gemischten Betrieben gewährten jedoch nur 44 mit 857 Ge- Hilfen Ferien, während in 48 mit 585 Gehilfen Urlaub noch nicht eingeführt war; hier waren also in 47.8 Proz. der Betriebe mit 59,4 Proz. der Gehilfen Ferien eingeführt. Ein Vergleich der reinen Chemiegraphiebetriebe mit den gemischten Anstalten fällt also bezüglich der Feriengewährung sehr zuungunsten der letzteren aus; denn während von den gemischten Betrieben 52,2 Proz., mehr als die Hälfte, mit 49,6 Proz. der Gehilfen noch keine Ferien eingeführt hatten, waren es von den reinen Chemigraphie- betrieben nur 38,9 Proz. mit 19,2 Proz. der Gehilfen. Uebrigcns zeigen auch diese Zahlen,' daß die Firmen ohne Sommerurlaub im allgemeinen kleineren Umfanges sind. Freilich traten �noch nicht alle Gehilfen, die in Ferien gewährenden Firmen beschäftigt sind, in den Genuß der Ferien. Denn nur sechs Firmen gewährten den Urlaub schon im ersten Beschäftigungsjahre: in den übrigen war eine längere Zeit der Beschäftigung zu erfüllen, bevor ein Gehilfe in den Genuß von Ferien kam, und in einem Betriebe mußte man erst das 25 jährige Jubiläum gefeiert haben! Ebenso schwankt die Dauer des Urlaubs zwischen einem und 14 Tagen. Nach einer zweiten Erhebung über die Zahl der Gehilfen, die in diesem Jahre Ferien haben, wurde festgestellt, daß 33 Gehilfen nur einen. 79 je zwei, 255 je drei. 86 je vier. 32 je fünf. 369 je sechs, ein Gehilfe sieben. 6 je acht, sechs je 9, ein Gehilfe 19. neun je 12 und fünf je 14 Tage Urlaub erhielten. Das sind insgesamt 873 Gehilfen. Von 19 Finnen mit 189 Gehilfen lagen keine Angaben über die diesjährige Urlaubs- gewährung vor. Im ganzen dürften von den 1722 Gehilfen, die in Ferien gewährenden Firmen beschäftigt sind, rund 959—1999 dieses Jahr mit Ferien bedacht sein. Ferner waren von 16 Kupferdruckereien mit 229 Gehilfen in 13 niit 196 Gehilfen Ferien eingeführt. Von diesen 196 Gehilfen hatten dieses Jahr rund 190 Ferien. Rechnet man diese den Ferien gewährenden Chemigraphen zu, so ergibt sich, daß dieses Jahr 38Vz Prozent aller von der Tarifgemeinschaft der Chemigraphen und Kupferdrucker umfaßten Gehilfen in 56 Prozent der tariftreuen Firmen in den Genuß von bezahlten Ferien gekommen sind. Es ist daher erklärlich, daß die Gehilfen bei der in diesem Jahre bevorstehenden Tarifrevision auch die tarifliche Regelung der Ferienfrage forder»._ Zum Streik der Werftarbeiter. Zu der Erklärung der Hauptvorstände machen die Vertrauens- leute der Werftarbeiter in Hamburg einige Mitteilungen. Sie geben zu, daß sich der Beginn des Streiks nicht mit dem Statut vereinbaren lasse. Die Mehrzahl der einsichtigen Hamburger Werftarbeiter bedaure auch die ersten Arbeitsniederlegungen, könne aber diesen Schritt, der sich aus allem Vorausgegangenen erkläre, sehr wohl begreisen. Im Jahre 1997 setzten die Werften die Einstellungslöhne fest. 1919 wurden diese in der Praxis überholten Einftellungslöhne zu- gründe gelegt, als die Arbeiter nach neunwöchentlichem Streik eine Erhöhung der Einftellungslöhne um 2 Pf. erzielt hatten. Die derzeit bestehenden Löhne wurden um 2 Pf. erhöht, die Arbeits- zeit pro Woche um eine Stunde verkürzt. Da die Werften bei der Wiederaufnahme der Arbeit sich auf den Standpunkt stellten, daß die rückständigen Mordverdienste nicht ausgezahlt zu werden brauchten(das sei ein Irrtum in den Abmachungen), legten die erbitterten Arbeiter unter ähnlichen Umständen wie am 14. Juli d. I. die Arbeit sofort wieder nieder, bis nach zehn Tagen die Auszahlung der rückständigen Akkordüberschüsse zugestanden wurde. Die Frage der Akkorde hat denn auch feit 1919 die größte Rolle gespielt und die meisten Konflikte hervorgerufen. Die Arbeits- ordnungen bestimmen, daß derjenige seinen Akkordüberschuß ver- liert, der seine Entlassung nimmt, oder aus den Gründen des Kautschuk-Paragraphen 123 der Gewerbeordnung entlassen wird. Di« unerhörte Härte dieser Bestimmung, die bisher vergeblich vor den Gerichten angefochten wurde, wird erst dann recht klar, wenn man bedenkt, daß die-Akkorde teilweise bis zu einigen Tausend kleines feuiUeton. Einakteristc». Wie nennt man einen Menschen, der seiner Familie den Schmerz verursacht, berufsmäßig Einakter zu schreiben? Man nennt ihn einen. E i n a k l e r i st e n". Wer uns das schöne Wort nicht glauben will, braucht es nur in der letzten Nummer des. K un st w a r ts" aufzusuchen, wo wir es auch gefunden haben. Freilich: Der Erfinder setzt es vorläufig noch in schamhafte Gänse- füße, offenbar, weil er von dem inneren Wert seiner Erfindung noch nicht felsenfest überzeugt ist. Das schauerliche Wort„Eheirrung" aber, das jetzt auch in der gut redigierten Presse allgemein gebraucht wird, wurde zunächst auch unter Gänsefütze gesetzt, weil sich niemand getraute, das Ding so schlankweg auszusprechen. Ein Mensch von gesundem Sprachgefühl hat immer nur von„Irrungen" in der M e h r z a h l gesprochen, etwa wie in dem vortrefflichen Gleichklang„Irrungen und Wirrungen". In der Einzahl hat man immer und ewig von einem Irrtum ge- sprochcn, niemals aber von einer Irrung. Obwohl also der„Ehcirrung" das gesunde Sprachgefühl ent- schieden widerstand; obwohl es sachlich die humoristische Ansicht enthielt, daß jemand irrtümlich eine fremde Frau anstatt der eigenen lieben könne, und obwohl es überdies mit einem schauerlichen Hiatus belastet ist, hat das Wort doch allgemeine Geliung gefunden. Unter diesen. Umständen soll man so leicht nichts verschwören, und so erleben wir am Ende noch, daß die jungen Leute der Berliner Theaterjournalistik ihren vortrefflichen Stil mit der Bezeichuung„Einakteristen" auf originelle Weise heraus- putzen. Wir glauben aber kaum, daß der.Kunstwart" diesen Erfolg beabsichtigte, und darum bitten wir den verantwortlichen Heraus- Kaller oder besser; wir bitten den Verantwortlichen Zeit- schrifteristen, seinen geschätzten Artikleristen in Zukunft die hübsche Form. E i n a I t c r i st e n" streichen zu wollen. Der �verloste Doktorhut. Daß in manchen südamerikanischen Staaten �oktordiplome gekauft werden können, und daß ab und zu auch der Prosessoriitel dort für nicht allzu hohen Preis zu haben ist, diese hübsche Tatsache ist schon oft genug festgelegt und daher nicht einmal mehr ein öffentliches Geheimnis. Immerhin stellt eine Ausschreibung, die die Ooopsrativa uoiversitaria zu Sao Paulo im Anzeigenteil einer großen Zeitung der gleichnamigen Stadt erlassen hat, eine bis jetzt unübertroffene Leistung dar. Die Anzeige hat folgenden Wortlaut: „Cooperativa unirersitaria do Sao Paulo. Diplome für Mediziner, Jiigenicure, Advokaten, Apolbeker. Zahnärzte Hebammen, Agronomen, Buchhalter. Notare und Professoren gegen 30 Milreis. Zur Erleichterung der Zahlung kann tue Taxe in zweiwöcheutlichen Raten gemacht werden mit RemissionsauSlosung nach der paulistaner Lotten«. An de« Lesen« unkundig« Individuen werden keine Diplome abgegeben; jeder Kandidat ist verpflichtet, das Einschreibungsbuch mit eigener Hand zu unterzeichnen." Die Dokiordiplome werden also in dem glücklichen Sao Paulo ebenso ausgelost wie Taschenuhren, Spazierstöcke und Grammophone. Man macht eine Anzahlung und bekommt eine numerierte Quittung. Entspricht nun diese Nummer den letzten Zahlen des ersten Gewinnes der Staatslotterie an einem bestimmten Tage, so ist man wohl- bestallter Mediziner, Ingenieur oder— Hebamme. Ilebrigens sind die Zeiten noch nicht lange vorbei, daß auch bei uns die Doktorhüte auf der Durchreise erworben wurden. Bekannt ist die Anekdote, nach der ein Engländer in Heidelberg erst für sich und dann für seinen Kutscher de» Doktor kaufte und schließlich auch noch sein Pferd zum Doktor machen wollte. Wenn nun auch die wissenschaftlichen Anforderungen an die Doktorarbeiten heute be- deutend gestiegen sind, so ist doch der Besitz eineS Doktordiploms keineswegs ein Beweis für eine besonderr wissenschaftliche Leistung. Aber in dem klassischen Lande der Titelsucht und der Ueberschätzung der sogenannten akademischen Bildung mag inan das Dr. nicht missen. Selbst graduierte Parteigenossen lassen sich bei uns gern so anreden. In romanischen und englischen Ländern ist dagegen diese Lächerlichkeit unbekannt. Handschrift und Charakter. Mit der Lehre von der Handschrift als Wissenschaft befaßt sich der Pathologe Prof. Schneidemühl und er hat das Ergebnis seiner ernsten, sich über Jahrzehnte er- streckenden Forschungen kürzlich in einem Lehrbuch veröffentlicht. Durch physiologische und psychologische Erwägungen weist er nach, daß die Eigenart einer Handschrift nicht durch körperliche Eigen- schaften und äußere Einflüsse bedingt ist, sondern fast ausschlietz- lieh von dem Charakter bezw. der jeweiligen Gemütsstimmung des Schreibers abhängt, eine Theorie, die durch die Ergebnisse hypnotisch-graphologischer Experimente eine wesentliche Stütze er. hält. Eine besonders große Bedeutung wird der graphologischen Diagnose in der Pädagogik beigemessen. Van Einfluß auf die Deutung der Handschrist sind die verschiedenen Schrifttypen, das Alter, das Geschlecht und der Beruf. Auch kann man den Zeitgeist und den Volkscharaktcr in den>schristzeichen der verschiedenen Zeiten und Völker nachweisen. In Beziehung zum Charakter des Schreibers stehen die verschiedenen Schriftmerkmalc: der Ab- stand der Buchstaben, Wörter und Zeilen, die Art der Buchstaben- Verbindung, die Länge und Richtung der Zeilen, die Schriftfolge, die Stärke und viele andere Momente der Schrift. Die Form der Buchstaben, die Größe, die Rundung, die An- und Abstriche, die Interpunktion usw. sind von graphologischer Bedeutung. Dennoch kann die Graphologie niemals eine exakte Wissenschaft im strengen Sinne Werden; sie trägt viel zu viel den Charakter einer subjek- tiven Wissenschaft, d. b. eine Kunst, die nur zum Teil gelehrt, in der Hauptsache jedoch durch persönliche Erfahrung erworben wer- den kann. Pjlasteru mit Druckluft. Das Rammen des Pflasters ist eine recht mühsame und zeitraubende Arbeit. Die Pflasterstein« müssen etwa zwei Finger breit in die Bettung eingetrieben werden, eine Arbeit, die von Hand— zumal bei fester Unterbettung— mit den im Gewicht beschränkten Rammen nur unter größler Anstrengung des Aibeiters ausführbar ist. Unter den für diesen Zweck bereits vor- geschlagenen mechanischen Rammvorrichtungen sind unstreitig jene am zweckmäßigsten, die die Handarbeit am treffendsten nachahmen. Es werden deshalb heute schon vielfach mit Druckluft betriebene Handrammen verwendet, die in ihrem Aeußern durchaus den letzteren ähneln. Die Druckluft, durch eine fahrbare Kompressenanlage erzeugt, wird durch lange Schläuche, die von den Rammern bei der Arbeit an einem Leibgurt getragen werden, dem Kopf der Ramme zugeführt. Unterhalb'des rechten Handgriffs befindet sich ein Hebel, der zur Steuerung dient. Beim Anziehen dieses Hebels wird die Ramme durch die Druckluft hochgehoben, wobei sie sich mit einer in ihrem Innern befindlichen Stange auf den einzurammenden Stein stützt. Läßt der Arbeiter den Hebel los, so fällt die Ramme durch ihr eigenes Gewicht auf das Pflaster herab. Man kann mit der Ramme ohne Anstrengung von einem Slein zum anderen übergehen; sie ist vor ihrer Aufwärtsbewegung nur nach der Richtung etwas zu neigen, nach der übergegangen werden soll. Der Rammer kann Schläge(bis zu 89 in der Minute) in jeder Fallhöhe aus- führen. Man hofft, wie in der Zeitschrift des Vereins deutscher In- genieure ausgeführt wird, daß der Maschinenbetrieb den Unter- nehmer wesentlich leistungsfähiger mache, damit er.nicht mehr den oft übertriebenen Forderungen der Arbeiter machtlos gegenüber- steht". Nun, die Arbeiterbewegung wird auch mit dieser Maschine fertig werden. Notizen. — In der Sommeroper im S ch i ll e r- T h e a t e r fällt die Freitag- Aufführung„Stella maris" aus. Die für Freitag gelösten Billette können für die Sonntag- Aufführung von»Stella mariS" an der Kasse umgelauscht werden. — Wie schade! Ein großes Berliner Klatschblatt läßt sich durch Privattelegramm melden: Noald Amundsen, der berühmte Polorfahrer, ist von seiner amerikanischen Vortragsreise nach Kristiania zurückgekehrt. Niemand war von seiner Ankunft unterrichtet, so daß er unbemerkt sich ein Landhaus aussuchen konnte. Hoffentlich läßt die Personalnachrichtenpresse Amundsen nun nicht in Ungnade fallen, weil er so wenig Rücksicht auf sie nimmt. — Ledens Eslimo-Expedition. Die kanadische Re- gierung hat den Polarforscher Christian Loden beauftragt, eine Forschungsreise, dte sich über eine Dauer von 19 Jahren erstrecken soll, zu den Eskimostämmen der Hudson Bah zu unternehmen. Der Hauptzweck der Forschungsreise liegt aus elhuographischem Gebiete. Daneben wird jedoch auch anderen Disziplinen weitgehendste Be- achtung geschenkt werden. So soll die primitive Musik der Eskimos, von der schon mancherlei bekannt geworden ist, eingehend studiert und möglichst auch phonographisch festgehalten werden. Stund«! lairfen. Durch tigorofe Mordreduzierungen wurden die geringen Erfolge der Bewegung von 1910 zum guten Teile wieder wettgemacht. Bei einzelnen Arbeiten wurde ein den Stundenlohn übersteigender AKordverdieNst überhaupt nicht mehr erzielt. Seit einigen Monaten ging man bei der Firma Blohm n. Voß dazu über, die Morde in der Weise zu regeln, daß in ganz willkürlicher Weise.angrenzende Bauteile' oder.angrenzende Bauteil« nach Angabe des Meisters' dem Morde zugeschlagen wurden. Be- sonders hatten darunter die Nieter zu leiden. Dafür ein Bei- spiel. Bei Mohm u. Voß wurde einem Nieter vom KalkulationS- bureau ein Word pro IVO Nieten mit K M. bzw. 12 M. berechnet, d. h. baß ein Teil der Arbeit höher zu dewerten war. Nach Fertig» stellung der Arbeit setzte der Meister den Preis für den höher zu bewertende« Teil der Arbeit von 12 M. ans 6 M. herab. Eine Beschwerde des Nieters hatte sein« Entlassung zur Folge. Ein« Kommission, die wegen dieser Sache vorstellig wurde, wurde nicht nur abgewiesen, sondern sie mutzt« sich Beleidigungen über die beteiligten Arbeiter sagen lassen. Diese Dinge brachten in die Arbeiterschaft die Erregung hinein, die zur Arbeitsniederlegung am 14. Juli führte, als die Werftarbeiter durch E i n st« il u n g gelber Elemente und Entlassung organtsierter Ardeiter provoziert wurden. Wie die BerwaltungSstdle Hamburg des Metallarbeiterver- bandeS bekannt macht, wird die erste Unterstützung an ihr« strei» ! enden Mitglieder am 26. Juli ausgezahlt. Eine nennenswerte Anzahl von StreiSbrechern hat sich bis jetzt nicht heranschaffen lassen, waS bei der großen Zahl der Streiksnden auch schwer fallen dürste. Wie mitgeteilt wird, versucht man, Reparaturarbeiten im Auslande fertig zu stellen, damit in der Schiffahrt keine Stockungen eintreten. Hält der Streik längere Zeit an, so werden sich solche Stockungen nicht mehr vermeiden lassen. In Stettin streiken nach den jetzt vorliegenden genauen Zahlen gegen 6343 Werftarbeiter mit Einschluß der seit voriger Woche srreik enden Nieter. Davon entfallen 5143 auf die freien Gewerkschaften, 1209 auf die Gewerkvereine, 3460 Streikende sind im Metallarberterveüband organisiert, 960 gehören dem Fabrik- arbeitervevband und 370 dem Holzarbeiterverb cmd an. Außerdem sind 187 Mitglieder des Verbandes der Schiffszimmerer, 7S Kupfer- schmiede, 47 Maler, 34 Maschinisten und Herzer an dem Streik beteiligt. Ferner kommen noch ca. 40 Transportarbeiter und Bauarbeiter in Betracht, die sich ebenfalls dem Streik angeschlossen haben. Die christlichen Gewerkschaften haben ihren paar Mit» gliedern die Entscheidung selbst überlassen. Am Dienstag dagte«ine VertrauenSmännersitzung, die zur Erklärung der Zentralvorstände Stellung nehmen wollte. Da diese noch nicht im Druck vorlag, begnügte man sich, die sofortige Einberufung einer Werftarbeiterkonferenz und«inen außerordent- lichen Verbandstag der beteiligten Organisationen zu fordern. Die Sitzung wurde auf Mittwoch früh vertagt. Nach einer erregten Diskussion wurde in dieser Sitzung einstimmig ein« Resolution an- genommen, in der gegen die Darstellung protestiert wird, daß die Arbeitsniederlegungen auf.Putsche' zurückzuführen sind und die ruhig abwägenden Kollegen beeinflußt wurden. Di« Stettiner Werftarbeiter verwahren sich dagegen, daß feiten» der Zentral» vorstände die Unterstützung verweigert wird, obgleich die Arbeiter das Resultat der letzten Verhandlungen abgewartet haben, so daß die feiernden Werftarbeiter mit Recht glaubten, von dem letzten Mittel, der Arbeitseinstellung, Gebrauch machen zu können. Eine ähnliche Resolution wurde am Dienstagabend in einer von den "auf den Werften beschäftigten Holzarbeitern einberufenen Ver» sammlung angenommen. ** * Di« Mitglieder des Holzarbeiterverbandes, soweit sie auf den Werften in Bremen beschäftigt sind, haben in einer Sonder. Versammlung beschossen, nicht am Streik teilzunehmen, bis der Konflikt im Sinne der Hamburger Konferenzbeschlüsse geregölt ist. Zur Lohnbewegung im Stettiner Hafen nahmen am Dienstagabend zwei zahlreich besuchte Versammlungen der beteiligten Arbeiter Stellung. Ihre Forderungen betragen bei neunstündiger Arbeitszeit, und achtstündiger für die Schichtorbeiter der kontinuierlichen Betriebe, für Handwerker, Kranführer, Maschi- nisten, Heizer. Feuerhausarbeiter und Vorarbeiter 26 M. Wochenlohn, steigend pro Jahr um 1 M. bis zum Höchstbctrag von 82 M. Für ungelernte Arbeiter, einschließlich der Saison- und Hilfsarbeiter 23 bis 28 M. Wochenlohn, der sich in den gleichen Steigerungssätzen bewegt. Der Tagelohn unständiger Hilfsarbeiter im Freihaien soll 3,80 Mark betragen. Die bisberige Dienstzeit soll bei der Einrangierung in die Lohnklasse angerechnet werden. Oberbürgermeister Dr. Ackermann hat der Kommission der Arbeiter allerdings wenig Hoffnung gemacht. Bei'der schlechten Finanzlage der Stadt sei die Erfüllung ihrer Wünsche unmöglich, doch über Einzelheiten lasse sich reden, wenn im September die städtischen Kommissionen und Körperschaften wieder beschlußfähig zusammen seien. Sobald die für solche Fragen eingesetzte gemischte Kommission wieder beschlußfähig sei. werde dieselbe einberufen. Falls die Arbeiter sich bis dahin bescheiden würden, werde er dafür sorgen, daß die eventuellen Zugeständnisse vom 1. August ab datiert werden. Die Versammelten gaben sich mit diesem Bescheid vor- läufig zufrieden und nahmen mit 100S Stimmen eine Resolution an, welche die VerbandSleitung und Lohnlommission mit den weiteren Verhandlungen betraut._ Arbeitslosigkeit i» der Textilindustrie. In den einzelnen Gegenden Deutschlands macht sich in den ver- schiedensten Berufen eine immer höhere Arbeitslosigkeit bemerkbar. So haben die Textilarbeiter in Ronneburg S.-A. neuerdings eine Zählung der Webstühle und eine Prüfung darüber vorgenommen, wie sie belegt sind. Dabei stellte sich heraus, daß die Arbeitslosig- keit gegenwärtig den höchsten Stand erreicht hat, der je zu ver- zeichnen war. Ende 1912 wurden 1112 Webstühle gezählt, deren Zahl sich durch Neuaufstellungen auf 1118 steigerte. Im Januar 1912 waren 840 Stühle mit Kette bezogen. 272 standen leer. Im Oktober 1912 hob sich die Zahl der belegten Stühle etwas, sank aber im Dezember aus 795. Im ersten Quartal 1913 machte sich wieder ein Sieigen bemerkbar, so daß im März wieder 846 Stühle besetzt waren. Dann ging e» stark abwärts. Im Juni waren 648 Stühle besetzt und 470 standen leer. Anfang Juli war aber die größere Hälfte mit 626 leer und nur 492 Stühle waren besetzt. Naturgemäß sank auch die Zahl der Beschäftigten entsprechend und die Fabrikanten machen es sich noch insofern leicht, als sie auch die Beschäftigten noch tagelang auf Material warten lassen. Die Arbeiter machten den Versuch, diesen üblen Zustand etwas auszugleichen und baten die Fabrikanten um Freigabe deS Sonn- abendnachmittagS. Der Wunsch wurde abgeschlagen; wahrscheinlich steckt dahinter der Sächsisch-Thüringische Webereiverband, der seinen Mitgliedern einfach verbietet, mit den Arbeitern Vereinbarungen zu treffen. Man fürchtet, daß der freie Sonnabendnachmittag eine dauernd« Einrichtung werden könnte. Hus der parte!. Totenliste der Partei. Ein Veteran der Parteibewegung starb in Dortmund� in der Person des Genoffen Ernst Troost. Schon in den ersten Jahren des Sozialistengesetzes betätigte er sich in seiner HeimatS- stadt Iserlohn, wo er als Schlosser tätig war. In den 90er Jahren stand er im Bordertreffen der Bewegung. Nebenamtlich versah er die Lokalredaktion und Expedition der„Volkstribüne', eines in Dortmund gedruckten Kopfblattes der„Arbeiterzeitung". 1901 kam er nach Dortmund, wo er bis zum Jahre 1911 Jnseratenbuchhalter der„Arbeiterzeitung" war. Ein schweres Leiden verbot ihm in den letzten Jahren die öffentliche Betätigung, aber bei der letzten Land- tagswahl schleppte er sich noch unter dem Aufgebot aller Kräfte zum Wahllokal. Der Tod kam dem 61jährigen als Erlöser. Kritik an der Haltung der NeichStagsfraktio». Ueber die Zustimmung der Reichstagsftaktion zum Wehr- beitrag und den Besitzsteuern referierte in der Versammlung des sozialdemokratischen Vereins Mülhausen i. Elf. vom Montag- den 21. d. M., der Reichstaasabgeordneie Genosse E m m e l. -z-er Abgeordnete des Kreises Mülhausen ist mit dieser Zu- stimmung, der er sich bei der Abstimmung im Reichstag mit den übrigen Abgeordneten der Minderheit in der Fraktion aus Gründen der Disziplin unterwarf, nicht einverstanden, und er erwartet von dem diesjährigen Parteitag in Jena, daß� er für künftige Fälle mit aller Deutlichkeit eine andere Direktive gibt. Er erklärte: Ginge das in Zukunft so weiter, so hätte die Regierung immer nur nötig, bei Steuervorlagen zur Deckung von Heeres- und Marinerüstungen direkte Steuern zu präsentieren, und die sozial- demokratische Fraktion müßte diese Steuern für den Moloch Mili- tarismus schnellstens bewilligen,— bewilligen bis ins Ungemessene. Dagegen müsse die Partei Stellung nehmen, sie dürfe sich nicht durch die Bewilligung von Steuern für militaristische und mari- nistische Zwecke in den Dienst deS Imperialismus stellen, sie müsse zurückkehren zu dem guten alten Wahlspruch, der uns zu so vielen Siegen geführt hat: Diesem System keinen Mann und leinen Groschen! Wolle man selbst zugeben, daß den Besitzsteuervorlagen zugestimmt werden konnte, um zu verhindern, daß nach der gegen unsere Stimmen erfolgten Annahme der Heeresvermehrung an die Stelle von direkten Steuern indirekte treten, so ist doch aus keinen Fall die Zustimmung zu dem Wehrbeitrag von einer Milliarde auf dieselbe Weise zu rechtfertigen, denn es ist von Regierung»- seite selbst ausgesprochen worden, daß es steuertechnisch undurch- führbar wäre, diesen einmaligen Wehrbeiirag- auf dem Wege der indirekten Besteuerung zu erheben. Diese Zustimmung zu dem einmaligen Wehrbeitrag wurde, wie Emmel der Versammlung mitteilte, in der Fraktion mit 52 ßegen 37 Stimmen beschlossen bei einigen Enthaltungen.„Da mug der Parteitag in Jena Sorge dafür tragen, daß einem weiteren Hinabgleiten auf dieser schiefen Ebene vorgebeugt wird.' An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion, in deren Verlauf die Genossen Esell, Wickh, Martin, Müller und Harimann dem Standpunkte des Referenten, was die Kritik der Zustimmung zum Wehrbeitrag betrifft, beitraten, wäh- rend nur Genosse Jammer die Gründe, welche die Reichstags- ftaktion zu ihrer zustimmenden Haltung veranlaßten, als durch- schlagend anerkannte. Im Gegensatze zu dieser Versammlung traten von den elsaß- lothringischen Wahlkreisen die vor einiger Zeit in Straßburg und Metz abgehaltenen Parteiversammlungen nach Anhörung von Referaten der Abgeordneten Böhl« und Dr. W e i l l dem Standpunkte der Reichstagsfraktion bei. In einer Mitgliederversammlung de? Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Frankfurt a. M., die Dienstag stattfand, wurde über die verflossene Landtagswahl diskutiert. Da- bei wurde festgestellt, daß 264 Genossen nicht gewählt und 4 Partei- Mitglieder bürgerlich gewählt haben. Die Redner kritisierten sehr scharf die Nichtbeieiligung von Parteimitgliedern am Wahl. akt. Besonders wurde verurteilt, daß führende Genossen, wie die Redakteure Q u a r ck und Zielowski, nicht wählten. Ouarck sprach am Abend vor der Wahl in Köln und fuhr von dort, um eine Familienangelegenheit zn regeln«, nach Holland. Zielowski hat sich an den Wahlarbeiten beteiligt. Er entschuldigt seine NichtWahl damit, daß er als Listenführer nicht abgelöst worden wäre. Die Versammlung erkannte diese Gründe nicht als berechtigt an. Sie stimmte einer Resolution zu, in der mit aller Schärfe verurteilt wird, daß 264 Genossen, insbesondere die Genossen Quarck und Zielowski, ihrer Wahlpflicht nicht nachgekommen sind. Gegen die Genossen, die bürgerlich gewählt haben, wird das AuSschlutzverfahren eingeleitet. Aus den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein für den Wahltreis Beckum- Lüdinghaufen-Warendorf konnte auf seiner General- Versammlung am letzten Sonntag feststellen, daß die Sozialdemo- kratie im schwarzen Münsterlande gute Fortschritte macht. Das Berichtsjahr brachte einen Gesamtzuwachs von 304 Mit- gliedern, worunter 80 Frauen sind. Dabei hatten zwei Orte einen kleinen, durch einen Streik veranlaßten Rückgang. Auch die Kassen- Verhältnisse sind gut. Die Agitation wird aber durch die infolge der bekannten„Toleranz" der Schwarzen mißlichen Lokalverhält- nisse sehr behindert. Der bisherige Vorstand wurde wiederge- wählt._ Vorn Wachstum der„Humanite". Die Ergebnisse der Ver- grötzerung der„Humanite"— von 4 auf 6 Seiten— sind überaus günstig. Innerhalb 5 Monaten(vom 25. Januar bis 30. Juni) ist der Verkauf von Einzelnummern im Seine-Departemeni von 24 783 auf 48 103 gestiegen, also aus das Doppelte. Im gleichen Verhältnis ist die Abonnentenzahl gestiegen, von 4400 auf 8694. Die Provinz und das Ausland setzten im Januar 22 100 Nummern ab, jetzt 30 707. Der Gesamtabsatz beträgt jetzt im Durchschnitt 87 500 Exemplare bei einer Auflage von 125 000. Em Industrie und Kandel. Die Rentabilität der Bersichcruiigsgesellschaften hat sich im letzten Jahre erheblich gesteigert. Die 103 Akliengesellichasten. die Anfang 1913 ihre Bilanzen mit Bezug auf den Dividendenertrag vergleich- bar veröffentlicht haben, verzeichneten eine Erhöhung ihres gesamten Aktienkapitals von 161,61 auf 163,46 Millionen Mark. Die von ihnen ausgeschüttete Dividende betrug im vorhergebenden Ge- schäftSjabr 32,97 Millionen Mark, im laufenden Jahr 36.03 Millionen Mark. Der Dividendenertrag stieg somit von 26,4 aus 22,0 Prozent des Nominalaktieukapitals. Für den Vergleich von Reingewinn und Verlust der BersicherungSakliengesellschajlen in den beiden letzten Jahren kommen von den im Januar bis Mai veröffentlichten Bilanzen 105 in Betracht. Die Zahl der Reingewinn bringenden Gesellschaften stieg von 101 auf 104. Im Geschäftsjahr 1912 schloß nur eine mit Verlust ab. Folgende Tobelle gestaltet im einzelnen einen Vergleich dcx Geschästsergebnisse der mir Gewinn- resp. Verlust abschließenden Gesellschaften. Zahl der Aktien- Reingewinn Januar— Mai Gesellschaften kapital resp. Verlust in Millionen Mark 1911 1ö12 f 101 157.83 130,983 ) 4 3.37 0.487 s 104 161.26 145,528 \ 1 0,25 0,028 Während also der Reingewinn sämtlicher 105 Gesellschaften von 130 98 auf 145.52 Millionen Mark gestiegen ist. fiel der Gesamt- Verlust von 0.487 auf 0.028 Millionen Mark.— Diese Zahlen zeigen. welch große Gewinne heme in die Taschen der Aktionäre fließen und damit den Versicherten entzogen werden, die diese Summen zu- sammengebracht haben. Durch die Errichtung der„Volksfür- sorge' ist es jetzt den Arbeitern möglich, sich der Dividenden- und Tanüemenpolitik der bürgerlichen Versicherungsanstalten zu entziehen._ Kein Stabeisenvcrband. Als im vergangenen Jahre der Stahl. Werksverband erneuert wurde, ohne die Produkte B(Stabeisen- Walzdraht, Bleche, Röhren) in die Syndizierung mit hineinzuziehen, setzten sehr bald die Versuche ein, wenigstens für Slabeffen ein solches Syndikat zustande zu bringen. Die großen Hüttenzechen forderten aber bei den Gründungsverhandlungen so hohe Be» teiligungsquoten, daß die Gründung vorläufig nicht zustande ge- kommen ist. Ein Telegramm aus Düsseldorf meldet unterm 23. Juli: Tie Verhandlungen zur Bildung eines Stabeisen- Verbandes mußten endgültig eingestellt werden, nachdem sich ergab, daß mit einer Anzahl Werken wegen der Beieiligungsziffern eine Einigimg nicht zu erzielen war. Soziales. Verteuerung der Arzueie». Seil Jahren wehrte sich die Regierung gegen die Forderungen. der deutschen Apotheker, die in jeder Form auf eine wesentlich« Verteuerung der Arzneimittel hinausliesen. Gewöhnlich stimmten dann an Schlüsse einer jeden Beratung die Vertreter der Regierung mit den Vertretern der Krankenkassen gegen jede beabsichtigte Ver» tcuerung und dann auch wieder einträchtig mit den Apothekern zu- sammen gegen jeden Antrag der Krankeniassenvertreter auf Ver» billigung der Arzneimittel. Doch in diesem Jahre scheint sich das Blatt gedreht zu haben. Die Apotheker haben einen großen Sieg errungen. Auf ihr Drängen hat sich kürzlich das Kaiserliche Ge- sundheitsamt zu einer Extrasitzung verstanden und den Unter- ausschuh für die Arzneitaxe zusammenderufen. Die Regierung wollte Auskunft über die Frage haben, wie man den armen Apo- thekern helfen könnte, die über ihre Notlage klagten. Da setzte das Lamento der Apotheker ein: durch die Ausdehnung der Krankenver- sicherung werde der Kreis der Privatpatienten immer kleiner, die Aerzte verordneten immer billiger und einfacher, die freie Konkurrenz der Heilmittelhändler bei fabrikmäßiger Ware werde immer fühlbarer, und auf der anderen Seite sei eine riefige Ver- teuerung der Rohstoffe eingetreten. In der ausgedehnien Debatte wurde den Herren vorgehalten, daß sie durch die Ausdehnung der Krankenversicherung doch höhere und sichere Einnahmen hätten, wie ja auch ihre eigenen Annoncen beim Verkauf von Apotheken kMriesen. An der Berjchuldung ein- zelner Apotheker in der Großstadt sei die Preistreiberei schuld, da man ja heute Apotheken zu wahnsinnigen Summen ankaufe und dann keine genügende Verzinsung fände. Das Volk sei aber an dieser Frage unbeteiligt, also auch nicht dafür verantwortlich zu machen. Eine gewisse Notlage der Apotheker auf dem Lande fei wohl vorhanden, die sich aber sicher etwas hebe, wenn die Kranken- Versicherung im Jahre 1914 mehr durchgeführt wäre und an Stelle der Hausmittel der Bauern die Arznei aus der Apotheke auf Kosten der Kasse verordnet würde. Hier konnten aber auch die Gemeinden und der Staat Helsen, indem man den Apothekern auf dem Lande Subvention gewähre, wie ja auch einzelne Gemeinden zusammen sich einen Arzt angestellt haben und für eine gewisse Einnahme» summe garantierten. Der Staat habe ja in erster Linie die Pflicht, hier zu helfen, wenn elne Apotheke am Ort zu halten sei. Bei den Beratungen der einzelnen Anträge stimmten die Re- gierungsvertreter die alten Anträge der Krankenkassen treulich mit den Apothekern zusammen nieder. Große Mühe gab sich hingegen die Regierung, einzelne Anträge der Apotheker schmackhaft zu machen. Hier zeigte sich wieder der große Einfluß dieser Herren auf die Behörde, deun sie haben ja ihreKollegen als Geheimräte und Räte in der Regierung sitzen, und die Beratungen zeigten deut- lich das warme Herz dieser Berater für ihre Kollegen. Abgelehnt wurden bei der Abstimmung dank der Aufmerksamkeit der Kassen- Vertreter alle Anträge der Apotheker aus Berechnung jede» Tropfen Wassers bei der Arzneizubereitung, Erhöhung des Grammpreises, der Gruudtaxe usw. Hingegen ließ die Regierung durchblicken, daß sie für eine eventuelle Erhöhung der Preise für starkwirkende Mittelgifte usw. zu haben sei. Denn man hat diesen Antrag ans die Novembersitzung zurückgestellt, damit noch weitere Beweise ge- sammelt werden konnten. Ebenso einen Antrag: bei Abgabe fabrikmäßig hergestellter Zubereitungen, die nur in fertiger Ans» machung(Originalpackung) in den Handel kommen, zum Einkaufs- preis von bis zu l M. einen Zuschlag von 100 Proz., zum Ein- kaufspreiz von 1 bis 1,25 M. einen Verkaufspreis von 2 M. und darüber einen Zuschlag von 60 Proz. zu berechnen! Will man wirklich die Arzneimittel auf diese Weise künstlich dem Volke verteuern? Kauft der Apotheker zum Preise von 1 M. ein fertiges, wohlverpackies Präparat ein, so kann er für feine viele Mühe, die nur darin besteht, daß er daS kleine Paket aus dem Schrank holt und dem Patienten einhändigt, schon 1 M. Verdienst berechnen. 100 Proz. Aufschlag, also mehr als 99 Proz.. die unfere „99iger' ja auszeichnen. Sehr naiv war die Ansicht der Apotheker. die Kassenvertreter dafür zu gewinnen: auf die sich nach der Arzneitaxe ergebenden Preffe der für Private angefertigten Rezepte einen bestimmten Prozentsatz(etwa 10 Proz.) auszuschlagen, um so die wirtschaftliche Lage der Apotheker zu bessern. Man suchte den Kassenvertretern begreiflich zu machen, daß es sich doch hier um reiche Leute handle, die sehr gut 10 Ps. für eine Arznei oder Schachtel mehr zahlen könnten als die armen Leute, die ja ver- sichert seien. Es wurde erwidert, daß die Kassenvertreter nicht berufen seien, dem Volke die Arzneimittel noch mehr zu verteuern, sondern zu verbilligen, und daß dann bei einer Verteuerung in erster Linie das arbeitende Volk für die nichtverficherten Fa- milienmitglieder höhere Preise zu zahlen hätte, ebenso der arme Handwerlsmeistcr, dessen Lage doch immer gebessert werden solle. Bei den wichtigsten Abstimmungen zeigte sich, daß sich die Re» gierung sehr oft auf ihre eigenen Leute nicht verlassen kann. Denn die Mitglieder des Reich-Gesundheitsrates stimmten iw vielen Fällen mit den Apothekern zusammen gegen die Kassenvertreter und Regierung, so daß einzelne Anträge vom GesundheltSrme zum Vergnügen der Apotheker angenommen, vom gesamten Plenum dann aber abgelehnt worden sind. Es gehört kein einziger Kassen- Vertreter dem ständigen Reichs-GesundheitSrate an, sie sind nur zur Beratung zugelassen. Sie werden entweder von den Krankenkassen delegiert und bezahlt oder vom Reiche. Auffällig war, daß ein Vertreter des kaum gegründeten„Ra- tionalen Krankenkaffenverbandcs zu Essen" erschienen war, des Verbandes, den die Aerzte in Elberfeld neulich als ein„Veilchen, welches im Verborgenen blüht", genannt haben. Da war die Re- gierung sehr schnell bei der Hand und rief den braven Mann in den Rat. Hatte sie großen Gewinn davon? Ter gute Herr war während der ganzen Tagung sehr ruhig und sprach kein Wo-", Solche Leute werden gesucht. Lriefkaften der Redainion. EU lartRitdie evrcewnuiik t>»°» j-,>>» e n ft r, tz c 0!», vom irtcr Irtmrn — S-l,rft»,i—, nodieiUäflidi Don m 7%«ür aOmtiS, eon«tt»t»w», ■Jim evtl»i» 6 Uhr»d-»ds{tun. Ic»cr für den«rieskasee» bctiüam.-cn»aftigc 18 rin Sudiiicbc uns eine zahl oU Merk,««»» dtuntagco. Änlwort ioirs nicht cilcUt.»niraaen. denen»rtne Avonn-lncntsanitrnnz dcigcsüg» tft. ,crd-» ni«, bcanttuimt Eilige Fragen trage man in der SurrchlUiude«nr. V. 6. Wir raten, beim Zollamt anziiiragcn.— L. SS. Susen» Sie nicht zu den Verwandten gerader uinic gehören, ist die Einforderung von Erbschastsjlcilern zutallig. Die Höhe der ErbichaslSiteuern kann nur dann beurteilt werden, wenn uns der vermmidtschaitliche Grad bekann» ist. ®. R. 99. Sin- Zurüctzichmig des StrajantrageS ist nicht statthaft. Für den Fall datz Hauplverhandlung stattfindet, tonnen Sie im Termine Ihr Zeugnis verweigern, ovrausfichtlich erfolgt dann Frelsprechung. H. Z-. 199. 1- Nur dann, wenn die Frau keinen Scheidongsgrund hat. andernfalls nicht- 2. Rein.- St. P. 30. I. Di« Kinder geboren einer ReliaionSaem-infchost nicht an. sofern der Austritt der Sttern schon vor der Geburt erfolgt ist 2. Sonach ist ein AuStriU nicht erforderlich. S. Leider ja.— G. H. 11. Nein-— G. 3. 101. 1. Für die gell bis zum Tode Ihres Bruders ist die Schwägerin zur Zahlung des vcrcmvarte» BcirageS verpflichtet, weigert sie Zahlung, so kann wigen dieses Betrage« Klage erhoben werden. 2. Nein. 3. Fall» au« der Ehe Ihres Bruder» Kinder nicht vorhanden find, kann Ihre Mutter als gesetzliche Mterbin Auseinandersetzung wegen de» Nachlasse» ihres Bruders fordern, andern- falls lassen sich Ansprüche für die Zeit nach dem Tode ihre« Bruder« nicht erhebe».- H. Martusstras?«. Ihne» stehen Ansprüche«cht p. Hus ckr fraucnbcwegung. Die öchaufpicknn. .Ernst ist das Leben, Zeiter die Kunst!" Wie gern wendet man dies Wort an. Wie leicht ist man geneigt, seine Bedeutung auch auf die zu übertragen, die die heitere Kunst in den Ernst unseres Lebens bringen. Man stellt sich das Künstlervölkchen als eine Schar lebenslustiger junger Menschen vor, die von heul auf morgen. in Saus und Braus leben, die keine Not und keine Sorgen kennen. oder wenn diese auch an sie herantreten, mit leichtem Sinn darüber fortkommen. Wohl wußte man auch früher, daß es unter ihnen lammervolle. Existenzen gab, aber man suchte sie meist nur unter den sogenannten fahrenden Künstlern, unter den Angehörigen der Schmieren. Daß das Elend unendlich groß ist auch unter den Mit- gliedern der größeren Theater, ja auch unter den Tarstellern, die an Hoftheatern angestellt sind, daß ist erst in der neueren ßeit so recht zum Ausdruck gekommen. Und wie ja in fast allen Berufen die Frauen noch mehr benachteiligt find als die ZXänner, so ist auch das Elend der Schauspielerinnen noch weit größer als das ihrer männlichen Kollegen. Der Entwurf zu dem ReichStheatergesetz, der dem Reichstag zugegangen ist, hat in Form von Borträgen, Broschüren und namentlich durch den Bericht der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger Aufschluß gegeben, wie die glänzende Außenseite des Kürtstlerlebcns einen Abgrund jammervoller Existenzen birgt, der nur mit Flitter und Schminke mühselig ver- schleiert wird. Schuld daran ist der bisherige Mangel an Lrgani- sation, die Rechtlosigkeit der Künstler gegenüber den Direktoren, die Gleichgültigkeit der Bühnenslerne gegenüber ihren Kollegen und Kolleginnen.„Seit im Lichte des sozialen Problems e:ne Nacht von dem Theaterelend ausleuchtete, knüpfen sich alle Hoffnungen auf Reform und Besserung an daS Kommen des Thcaiergesetzes", so heißt es in dem von Dr. Seelig. Mannheim, herausgegebenen Beitrag zu der sozialen Frage des Theaters. Es wird darin nach. gewiesen, daß die Künstler weder ausreichend bezahlt noch wirt- schaftlich gesichert sind. Ter Dienstvertrag sichert dem Unternehmer alle Rechte, während dem Schauspieler"alle Pflichten zugewiesen sind. In dem Buche.Theaterelend" bildet die Kostümfrage, die natürlich die weiblichen Bühnenmitglieder am härtesten trifft, das ergreifendste Kapitel. Sie beziehen an sich schon geringere Gagen als ihre männlichen Kollegen. Di« Durchsetzung eines Mindest- einkommens scheitert an dem Ueberangebot und dem Polontärun- Wesen. Während nach dem Bühnenvertrag die Schauspieler wenig- stens die historischen Kostüme geliehen bekommen, heißt eS:.Weio- liche. Mitglieder haben sich, außer den Männerkostümen alles auf eigene Kosten zu stellen und sind verpflichtet, alle Weisungen der Bühnenleitung in betreff der Haartracht, der Schminke und der- gleichen genau zu beobachten." Nur an größeren Hofthearern und einigen Stadt- und Privattheatern erhallen die Schauspielerinnen die historischen Kostüme geliefert. Am schwersten aber werden sie mit dem Aufwand moderner Toiletten belastet, der in den letzten Jahren ins Ungemessene gestiegen ist. Eine Umfrage von Engel Reimers bei den Schauspielerinnen stellt fest, daß häufig nicht nur die Hälfte oder zwei Drittel des Einkommens, sondern auch das ganze Einkommen und noch darüber hinaus von dem Aufwand für Toiletten verschlungen wird. Daß die Prostitution unter den Schau» spielerinnen so häufig ist, daß man sie beschuldigt, leichtsinnig zu fein und reiche Liebhaber zu haben, hgt seinen Grund nur zu oft in den ungeheuren Anforderungen, die die Regie im Interesse des Publikums an die Künstlerinnen stellt. Denn gewisse Kreise des ThcaterpublikumS und gerade die am meisten �zahlenden sehen im Theater mehr eine Toilettenreoue und eine SchänhcitSkonkurrenz als wahr« Kunst. In der Nachtvcrsammlung der Schauspielerinnen vom 1. aus 2. März 19lt> führte Anna Rubner aus:„Innerhalb d«S.-schaufpielerstandes gibt es tatsächlich Prostnution. Einer der wichtigsten Gründe ist darin zu suchen, daß der Dienstaufwand der Schauspielerinnen in keinem richtigen Verhältnis zu ihrer Gage steht, d. h. der Aufwand für Kleider und Schmuck für«ine Rofie ist häufig so groß, daß er nicht aus dem Gehalt der Schauspielerin bestritten werden kann. Wandelnde Modebilder wollen die Damen auf der Bühne sehen, in der Provrnz ebensogut wie in den Lustspiel- theatern unserer Großstädte. Daß eine und dieselbe Toilette einige Make getragen wird, geht fast nicht an. Tie Aermste stürzt sich in Schulden, um den Forderungen der Regie gerecht zu werden. Und schließlich, wenn die Schulden so sehr angewachsen sind, daß sich' kein anderer Ausweg mehr bietet, verfällt sie der Prostitution. Hat sie aber nicht die genügende Toilette, so wird ihr gekündigt, und| sie ist dem ärgsten Elend preisgegeben. TaS Talent kommt oft erst in zweiter Linie, die Hauptsache sind die Toiletten. Biele sind! wohl so starl. diesen Kampf durchzusetzen: sie kommen abgehetzt von■ der Probe, von der Vorstellung, lassen sich kaum Zeit, ihre mehr als kärgliche Mahlzeit einzunehmen, und dann sitzen sie nächtelang an der Nähmaschine, um mit mehr oder weniger Geschicklichkeit und Geschmack ihre Bühnengarderobe zurecht zu zimmern. Sie sind Schneiderinnen, um Schauspielerinnen sein zu können. Mit der Lieferung des historischen Kostüms allein ist nur wenig geholfen. Die moderne Toilette ist da? eigentlich Unerschwingliche, denn sie kann nur in den wenigsten Fällen von der Gage bestritten werden. Die Bühnenkleidung gehört ebenso zum äußeren Rahmen der Dar- stellung. zum Bühnenbild«, wie Dekorationen oder Möbel oder Reauisiken. Von der Schauspielerin Tienstausgaben zu verlangen, die ihre Diensteinnahmen vollständig verschlingen oder noch bc- trächtlich.übersteigen, ist eine Nötigung, ein Zwang zur Prostitution." Eine andere Schauspielerin, Margot von Halle, schildert die Lualen der Probezeit mit Rücksicht aus die Kostümfrage:„Bald weiß man. wer bleiben wird, d. h. man weiß, wer die besten Toiletten hat. Denn eS geht hier nicht etwa nach Talent und künst- kerischem Können, wenigstens durchaus nicht in erster Linie." Ergreifende«childerungen des Elends der Schauspielerinnen enthält.jiuch das„Tagebuch einer deutschen Schauspielerin" von Helene Scharfenstein. Die Verfasserin wurde wegen Uebertreibung und Unwahrheit des Buches angeklagt, mutzte aber freigesprochen werden, da sie für alle ihre Angaben den Wahrheitsbeweis er- bringen konnte. Wenn auch Eitelkeit und Rivalität der Schauspielerinnen wenn auch das Publikum mit seinen gesteigerten Ansprüchen einen großen Teil der Schuld tragen, so sind doch die Unternehmer im Grunde die eigentlich Verantwortlichen, wenn sie von den Mit- gliedern einen höheren Aufwand für Kostüme verlangen, als der Gage entspricht. Nach Martersteig Und Tausende von Frauen und Mädchen an deutschen Theatern mit Monatsgehältern von 20 vis 50 M. angestellt. Das Königliche Schauspielhaus in Berlin zahlte 1904 den kleinen Schauspielerinnen 60 M. im Monat. Aber nicht nur unter dem Tailettenaufwond leiden die Schau- spielerinnen. Eine bedeutende Rolle spielt auch das Uebermaß, die Härte und die Häufigkeit der Ordnungsstrafen. Jeder Verstoß gegen die vom llniernehmer aufgestellte Hausordnung ist mit Geldstrafen belegt, führt sogar häufig dahin, daß er dem Unternehmer das Recht zur Kündigung gibt. Auch von diesem Kündigungsrecht werden wieder die Schauspielerinnen am härtesten bot rossen. Eine Eheschließung z. B. gibt dem Unternehmer daS Recht zur außer. ordentlichen Kündigung. Ter Künstlerin kann sogar eine Wieder- aufnähme ihrer künstlerischen Tätigkeit während der Tauer ihres früheren Vertrags verboten werden. Als Grund wird angeführt, daß daS Mitglied eine Eheschließung zum Vorwand nimmt, um sich vom Beitrage zu befreie» und einen anderen eingehen zu kön-. neu. Das kann vorkommen, ist doch aber nicht die Regel. Das Tätigkeitsverbot schädigt in vielen Fällen die Künstlerin. Die ver- schiedensten Gründe können sie bestimmen, nach ihrer Verheiratung wieder auftreten, z. B. pekuniäre Berhältnisse oder der in Wielen Künstlern so unwrdersichliche Drang, sich zu betätigen. E� kann zur Scheidung kommen, oder sie kann Witwe werden. Sie ist auf alle Fälle durch dieses Verbot benachteiligt. Sine große Schädigung der Künstlerinnen liegt ferner darin, daß uneheliche Schwangerschaft ein Entlassungsgrund ist. Diese Differenzierung zwischen der Schwangerschaft eines verheirateten „Vorwärts" Nr. 187.— Donnerstag, den 24. �uli 1913. und eines nickt vcrbeiratcien Mitgliedcs muß„eine soziale Rück- jkändigleit ersten Ranges" genannt werden. Auch die vielen Gefahren an Krankheiten und Unfällen treffen die Schä» Spielerinnen besonders hart. Im Fall der Krankheit kann schon nach kurzer Zelt Spielgeld und Gage gekürzt werben. Bei der Dürftigkeit des Einkommens und bei den an sie gestellten An- sprüchen, ist eine Künstlerin selten in der Lage, Ersparnisse zu mache». Pensionsberechtiglmg findet man aber nur an ganz wenigen Bühnen. Man sieht, daß die Theaterlaufbahn zu den Frauenberufen gehört, die ganz besonders recht- und schutzlos sind..Es ist höchste Zeit, daß sich auch hier die Frauen organisieren, daß sie auf die Gesetze Einfluß zu erlangen suchen, die ihnen Rechte geben den Unternehmern gegenüber/die Leistung und Gegenleistung sichern. Auch der Dienst der Kunst ist als Arbeit aufzufassen, und jede Arbeit adelt, jede Arbait ist befreiende lebenerzcugende Kraft. In diesem Sinne werden die Schauspielerinnen in der Sozialdemokratie ihr« wirksamste Stütze finden. A. B. Zur frage des Geburtenrückganges. In Nr. 22 der„Gleichheit" äußert sich Genossin Mathilde Wurm ii» Anschluß a» stalistische Mitteilungen über den Geburten- rückgang in Berlin fvlgeiidermaßcn zu der wichligen Frage„Was bcdeulei der Geburtenrückgang für che proletarische Frau?": Die Anschauung, als ob der Geburtenrückgang der Frau eine Hebung ihrer Lage bringe, hat vielfach Wurzel geschlagen, und das auch unter den Genossinnen. Aber auch in dieser Frage und gerade in ihr rreiiiit sich die sozialdemokratische Auffassung von der biirger- lichen. Ob die einzelne Frau und Multer entlastet wird von der großen Sorge, der körperlichen und geistigen Auireibung eines häufigen Wochenbettes, das kann nur dann für die All- gemcinhcit von Bedeutung sein, wenn diese Entlastung dazu verHilst, die Lage der Frauen, der Arbeiterklasse über- Haupt wirlschaftlich und sozial zu bessern. Daß die Verminderung der Geburten aber nicht von dieser Wirkung begleitet ist, hat die Lag» der französischen Arbeiterklasse schon längst bewiesen. Das Zweikindersystcm ist in Frankreich sehr weit verbreitet, doch hat sich in der Folge hier weder die wirtschaftliche Lage der Arbeiter gc- bessert noch die wirtschaftliche und soziale Lage der Frauen ge- hoben. Wir hören nichts von einer höheren Entlohnung der Frauenarbeit in Frankreich oder von der Zuerkennung politischer Rechte für das weibliche Geschlecht.. Mag das einzelne Elternpaar auch zwei Kinder hesser ernähren und erziehen können als sechs, so bleiben doch nichlsdestoweniger Eltern und Kinder genau demselben kapiialistischen Ausbeutungs- regime rnilerworien, die ihre Klasse drückeiide politische und wirtschaftliaic Rechtlosigkeit bleibt bcsichen. Unsere Ausgabe ist es uickt. Täuschungeil über die Bedeutung verminderter Kinderzahl zu nähren, sie liegt vielmehr darin, mit aller Macht auf eine Besserung der Arbeiterschutzgesetze und sozialer Reformen überhaupt hinzu- arbeiten. Ein ausreichender Wöchnerinnenschutz und Säuglings schütz, wie die sozialdemokratischen Anträge ihn forderten und wie ihn die Rcichsvcrficherlingsordnnng nickt bringen sollte, steht an der Spitze dieser Forderungen. Gesunde Wohnungen, öffentliche Spiel-, Turn- und Badeplätze sür die Kinder gehören zu ihnen und nicht zuletzt eine Herabsetzung aller Lebensmittelpreise durch Beseitigung der Zölle, indirekten Stenern und Grenzsperren. Reformen auf der ganzen Linie sind die notwendigen Voraus- setzungen für die Hebung der Geburtenziffer. Schränken die Wohl- habenden die Kinderzahl ein, teils ans Bequemlichkeit, teils um ihren Reichtum zusanimcnzuhalten, so geschieht es bei den Unbemittelten auS dem harten Muß der Rot des Nichternährenkönnens. Aber noch niemals hat die Arbeiterklasse Erkolge und Fortschrsttc errungen durch Verzicht— und die Einschränkimg der Kinderzahl bedsniet einen ganz wesentlichen Verzicht aus Gegenwarlssrcuden und Zu- kunstshoffnung der Werktätigen. Erfolge und Fortschritte sür das Proletariat werden auch nicht erreicht durch die materielle Besser- stellung der Einzelfamilien, sondern durch den Kampf der Klasse, der zur Ersüllnug unserer sozialpolitischen Forderungen zivingt, die die proletarischen Massen und ihren Nachwuchs zu gesunden, kräftigen und widerstandsfähigen Menschen machen sollen. Das Problem den Geburtenrückganges zwingt die Frauen, sich mit den Fragen der ElwerbStätigleit, der wirtschaftlichen und poli- tischen Stellung des weiblichen Geschlechts noch eingehender zu bc- schäsligcn als bisber. Tie bürgerliche Auffassung dagegen, daß die Herabsetzung der Geburtenzahl die Lage der Arbeitcrktasse zu bessern oder gor zu ändern vermöge, müssen wir mit aller Enlschiedenyeir ablehnen. Die Gleichberechtigung erringt die Frau nicht durch weniger Kinder, sondern aller Reaktion zum Trotz durch ihren energischeren und ausgedehnieren Kamps, dessen treibende Kraft ihre wirtschaftliche und politische Unentbehrlichkcit in Staat und Ge- sellschast ist. KürgerUcbe Bewegung. Woher die Enttäuschnngen? Das Organ des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins„Neue Bahnen" klagt mit Recht darüber, daß in den letzten Wochen die Frauen zwei herbe Enttanschungen erlebt haben: bei der Beratung des Reicks- und Dtaatszugehörig- keiiS-GcsetzeS(im Reicks tagt und des Gesetzentwurfes über daS Ber- fahren gegen jugendliche llebeliäter(in einer Reichs tagSkominission) ist auf die Wünsche der Frauen keinerlei Rncksscht genommen worden. DaS Blatt schließt daraus: „Tie geschilderten Vorkommnisse haben wieder eimnal deutlich bewiesen, daß die politischen Parteien über die Wünsche der Frauen kühlen Herzens zur Tagesordnung übergehen, weil hinter den weiblichen Parteimitgliedern, iniolge des Fehlens staatsbürgerlicher Rechte, keine reale Macht steht." Sachlich trifft dieser Vorwurf nur insofern zu, als die b ü r g e r- lichen Parteien eist nach Einiübrung de» Franenstimnireckts die Wünsche der Frauen mehr berücksicktsgen werden. WaS die Beratung des SlaatSangehörigkcitsgejetzeZ angehl, schreiben die„Neuen Bahnen" selbst, daß„außer aus seilen der Sozialdemokratie keinerlei Verständnis iiir die Dünsche der Fronen vorhanden war" und daß.der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. LandZ- bcrg ein Prediger in der Düste blieb." Ebenso kann von einer Lauheit bei der Beratung der Forderung auf weibliche Schöffen sür Jugendgerichte nur bei den Liberalen die Rede seilt.(Der sorlsckritllicke Abgeordnete v. LiSzt wird hoffentlich dafür bereiis von seiner in dieser Frage fortschrittlicheren Tockter abgestrasc worden scin.) Daß u n s c r e Abgeordneken mit aller Energie sür die Zuläisigkeit weiblicher Schöffen eingetreten find, wird auffälllgerweise von den„Babnen" verschwiegen. Rur dadurch la»n man vor den Lesern die Polemik dahin verschieben, daß die Frauen „von reinen Männerparlamenten auch in Zukunft wenig zu erwarten haben werden". Wenn die Frauen nur gewissenhaft darauf achten wollten, wer eigentlich ihre Interessen veitritt, und dann nur die Parteien unterstützen würden, die sich ihrer annebnae». dann stände es heute um die Berwirltichung aller berechtigten Fraucnforde- rungcn besser. Jetzt hoben eS ja die bürgerlichen PpNcien gar nicht nötig, sich ihrer weiblichen Parteimitglieder anzunebmen> denn diese Damen bleiben treu trotz der Fußtritte ihrer männlicken Partei- sreunde. Tie konsequente Parole: Unterstützung nur der Sozialdemokratie. Kampf allen bürgerlichen Parteien(denn alle ver- rateu die Sache der Frauen im entscheidenden Moment), ist das beste und einzige Mittel, die reinen Männer- Parlamente zu beseitigen. Borausietznng dafür ist allerdings ob- jektive Berichwlsta'.inng und wirlliche Aufklärung der eigenen An- Hänger. Tann bewahrt man sich auch vor Enttäuschungen. Frauenarbeit. Kraatenpssezerin und Privattoshninez. Der Amsterdamer Magistrat genehmigte mit einer Stimme Mehrheit einen Vorschlag unserer Parteigenossen dahingehend: es einem Teil der Krankenhaus-� I schwestern zu ermöglichen, außerhalb der Krankenhäuser zu wohneit. Der Vorschlag wurde durch verschieden- Magistratspersonen scharf � bekämvft. Uiner den Gegenargumenten wurde angeführt, daß die Krankenpflegerinnen den Verführungen der Großstadt preisgegeben sein würden, daß sie zu spät zu Bette gehen könnten, daß sie zu viel Freiheitsc mpfin den dadurch erhalten würden und endlich daß das finanzielle Folgen nach sich ziehen könnte. Die beiden letzten Argumente werden wohl von den Gegnern am meisten gefürchtet. Aber jeder, der etwas von dem Klosterlebcn in den Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen kennt, wo eine Anzahl von Frauen, eben durch ihre Wohnung gezwungen, fast ihr ganzes Leben in der gleichen Umgebung zu verbringen hat, wird begreifen, welche große Verbesserung diese p r o b e w e i s e Ein- ricktung bringen kann. Nicht mehr das„Klatschen", nicht mehr die künstliche Abgeschlossenheit von der Außenwelt! Dr. de Man. ein Liberaler, erklärte sogar, daß er ganz mir dem Vorschlag der Sozral- demokraien einig gehe und daß es sehr im In t er e s s e der Kranken Verpflegung läge, daß die Schivestern dem ewigen Druck der Direktoren und Obervflegerinnen entzogen würden. In Deutschland liegen die Verhältnisse ganz ähnlich, die Klagen der Schivestern, daß sie durch Direktion und Oberinnen schwer drangsaliert werden, sind an der Tagesordnung. grauen ptlnirnrecbt. Fralieuwahlrccht in Illinois. Der drittgrößte Staat der Union, das rund 6 Millionen Einwohner zählende Illinois hat sich nun, als erster Staat östlich des Mississippi, den Frauenwahlrechtsstaaten an- geschlossen. Merkwürdigerweise wurde das Recht allen großjährigen Frauen sür die Gemeinde- und Bnndcs-lKongreß- und Präsidenten-). nicht aber für die Staatswahlen verliehen. IlebrigenS wollen die Gegner des Gesetzes, das am 1. Juli in Kraft trat, dessen Rechts- gnliigkeit vor den Gerichten anfechten. Die Unterzeichnung durch den Gouverneur wurde zum feierlichen Akte, dem die Frau des Gouverneurs, die Führerinnen der Frauenbewegung beiwohnten und der, recht zeitgemäß, auch kinematographifch aufgenommen wurde. Das Gesetz gibt rund einer Million Frauen das Wahlrecht. Gewndkeitspflege des Kindes. Wie schützt man sein Kind an: sichersten vor Tuberkulose? Diese wichtige Frage beantwortet Dr. H. Schelble wie folgt: Das Kind muß besonders in den ersten vier Lehens- jähren vor dem Umgang mit Perionen, die Tuberkulosebazillsn aus- Küsten, bewahrt werden, denn einmal stammt die Tuberkulose des Kindes in den meisten Fällen von lungenkranken Erwachsenen aus der Umgebung des Kindes(viel seltener spielt die Milch oder die Vererbung eine Rolle) und zweitens i)\ die Mehrzahl der tubcrku- lösen Kinder vor dem fünften Lebensjahre angesteckt worden.— Für Proletariersamilien, wo zu Hnnderttausenden sechs und mehr Personen mit eine m Wohnraum sich begnügen müssen, ein sehr billiger Rat. Nicht ohne Ursache heißt die Tuberkulose schlechtweg „Prolelarierkrankheit". Vom Kinderwagen. Auf die unzweckmäßige Ausstattung der Kinderwagen macht Dr. Forstreuter aufmerksam. Die Wagen sind in der Regel mit Wachstuch ausgeschlagen. Dadurch wird die Luftzirkulaiion ausgeschlossen und eine Wärmestauung herbeigeführt. die zur Erkrankung und zum Tode der Säuglinge führen kann. Ein jeder, der einen Gummimantel gelragen hat, wird die durch ihn be- dingte Wärmestauung und die hierdurch erzeugte Belästigung empfunden haben. Ein Verdunsten der durch den Körper aus- geschiedenen Sekretionen, des Schweißes usw., ist auch in solchen Kinderwagen nicht möglich. Es muß darum darauf gesehen werden, daß die Kinderwagen nicht mit Wachstuch, sondern mit durchlässigen Zeuggcwebcn ausgeschlagen werden. Auch verdient deshalb� ein Wagen a»S Korbgefleeht den Borzug vor solchen aus festem Holz- stoff.— Proletariermiitter allerdings sind froh, ivenn sie überhaupt nur einen Korb als eigene Bettstelle sür ihren Säugling beschaffen können. Meist müssen sich ihre Kinder mit ein paar Lumpen in irgendeiner Zimmerecke begnügen oder das Bett mit älteren Ge- schwistern und Erwachsenen teilen. Zu einem Wogen sür Ausfahrten reicht das Geld überhaupt nicht. literarisches. Die deutschen Arbeiter innen- Orqnuisatieucu von Dr. Lilly Hauff (Halle a. S.. Ehrbaidt Karras Verlag, tl>t2. t83 Seiten). � Tie Studie gibt ciue Ueberfickt über die Geschichte und den Stand der Arbeiterinnen-Organisationen im Jahre lLIG/ll. Obgleich die Verfasserin sich mehr ans eine rein historische und statistische Darstellung beschränkt, stellt sie in Vor- und Schlußwort einige Maßstäbe sür die Beurteilung der Organisationen zusammen. Sie' siebt mit Recht das geeignetste Mittel zur Erzielung einer Besserung der Verhältnisse unter den erwerbsläiigen Frauen in der Selbsthilfe der Arbeiterklasse auf dem Wege deS gemeinsamen Zusammenschlusses. Im Interesse der Arbeiterinnen fordert sie dabei die Aufnahme der Frauen in die Verbände der Männer, also eine weibliche Organisierung in ge- mischten Verbänden. Geist und Leitung dieser Organisation sollen das Klassenbewußtsein. Verantwortlichkeitsgcsühl und Selbst- bewußtsein der Mitglieder heben. DaS erfordert weiter, daß die Arbeiterschaft selbst auS ihrer Mitte die Erzieher wählt und auf die Hilfe von Frauen anderer Stände im großen Ganzen verzichtet. Ob- gleich diele Forderungen am besten in den freien Gewerkschaften verwirklich: sind, führt das Bestreben nach völliger Neutralität die Verfasserin zu einer unbegründeten Anerkennung anderer Organisationen. So urteilt sie über den Verband katholischer Vereine erwerbstätiger Frauen und Mädchen Deutschlands,„die Ziele dieses Verbandes find in jeder Weise anzuerkennen", trotzdem dieser Verband in erster Linie religiös-konfessionelle Interessen vertritt, von Geistlichen geleitet wird, die EntWickelung des Klassenbewußtseins durch„Versöhnung der Gegensätze zwischen Unternehmer und An- gestellten" hemmt, Fachkurse für die hanswirtschasiliche Ausbildung pflegt— kurz den Forderungen der Verfasserin in keiner Weise ent« spricht. Gereckter ist das Urteil über die Hirsch-Dnnckerscken Gc- werlvereine, deren Mitgliederfluktuation„keine hoffnungsfreudige Stimmung für die weitere Entwickelung" erwecke. Eni- Wickelung und Tendenzen der freigewerkichaftlichen Organi- salionen werden mit ruhiger Sachlichkeit besprochen. An dieser Stelle mag es interessieren, daß die„Gleichheit" mit bc- sonderer Anerkennung bedacht wird:„Diejenige Arbeiterin, die mit Aufmerksamkeit diese Zeitung liest, wird im Laufe der Zeil einen reichen Schatz an Kenuinissen und demnach auch an Verständnis für die gewerkschaftliche Arbeit gewinnen." Bunte Mppe. Eine Stiftung sür weibliche Opfer des Klassenkampfes. Schweden besitzt seit kurzem eine neue und zweckmäßige Stiftung. Der unserer Partei seit langer Zeit nahestehende Großhändler Nil« Berg hat seine in der Umgebung Stockholms gelegene Besitzung M a r- Holmen sowie einen Betrag von 480 000 M. einer Stiftung zu- gewendet, die zur Versorgung weiblicher Opser des Arbeitskampfes bestimmt ist. In erster Linie sollen bedürftige Frauen, die direkt oder durch ihren Mann an einem Arbeitskampfe beteiligt waren, dort untergebracht werden, dann aber auch Frauen, die unter einer langen Arbeitslosigkeit zu leiden hatten. Dem Kuratorium der Stiftung gehören außer dem Gründer noch ein sozialdemokratisches Mitglied der Ersten Kammer und der Obmann des sozialdemo- kratischen GcwerkschaflsverbandeS an. Die Statuten bestimmen, daß jede freiwerdende Stelle im Kuratorium von dem Landessekretariat der Gewerkschaften neu zu besetzen ist, und daß nach dem Tode des Gründers stets ein weibliches Mitglied dem Kuratorium anzu» gehören hat, Allgemeine Ortskrankenkasse Spandau Am 8. September ISIZ finde» die Wahle« zum Ausschuß der AJlgemeiueu Ortskrank enkalse im Lokal von G Haak, Germaniasäle. Stresowplatz IS, sür Arbeit- geber und Arbeitnehmer gelrennt in der Zeit von 10 bis 1 Uhr vormittags und von 4 blS S Uhr nachmittags statt. Gewählt wird gemäfi§ 15 der Reichverfichenmgsordnung nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Zu wählen find SO Ausschußmitglieder, und zwar 20 Arbeitgeber und 40 Arbeiwehmer sowie so Arbeitgebcr-Stellvertreter und 80 Arbeitnehmer- Stellvertreter. ssür die Wahlen find dem Vorstand der unterzeichneten Kasse Vor- schlagslistcn, getrennt sür Arbeitgeber und Arbeitnehmer, bis spätestens den IX. August 1913 einzureichen. Die einzelnen Bewerber sind unter sortlausender Nummer auszusühren, welche die Reihensolge ihrer Benennung ausdrückt, und nach Familien- und Vornamen, Berus und Wohnort zu be- zeichnen. Bei Verficherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie beschästigt sind, anzugeben. Mit den Wahlvorschlägen sür Versicherte ist von jedem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl berett ist. In jedem Wahlvorschlag ist ferner ein Vertreter des Wahlvorschlags und ein Stellvertreter sür ihn aus der Mitte der Unter- zeichner zu bezeichnen. Die Wahlvorschläge müssen von mindestens je 10 Wahlberechtigten der berechtigten Gruppe mit zusammen mindestens 80 Stimmen unterzeichnet sein. Die Stimmenabgabe ist a» diese Wahlvorschläge gebunden. Die eingereichten Wahlvorschläge liegen vom 18. August bis K. September er. im Kaffeulokal, Breite Strafte KS, während der Dienst- stunden von 8—1 Uhr vormittags zur Einsicht aus. Wahlberechtigt und wählbar sind außer den volljährigen Arebitgebern und Verficherten der Allgemeinen Ortskrankenkasse auch die volljährigen Arbettgeber und Versicherten der sich am 1. Januar 191s anschließenden Kassen: 1. der OrtSkrankenkalse der Handwerker, 2. der Ortstrankenkas e der Tischler, 3. der OrtSkrankenkas e der Zimmerer, 4. der Ortskrankenkasse der Maurer, 5. der Ortskrankenkasse sür das Schuh- und Pantoffclmachergewerbe. Zur Feststellung der Wahlberechtigung liegen die Mitgliederoerzeichnisse für Arbettgeber und Arbeitnehmer wie folgt zur Emsicht aus: t Für die Allgemeine Orts.krankeukasse, die Ortskrankenkafie der Handwerker und die Ortskrankenkafie der Tischler bis zum 11. August er. in der Zeit von 8 bis 1 Uhr vormittags im Kasfcnlokal, Brette Straße 69. 2. Für die Ortskrankenkafie der Zimmerer bis 11. August er. in der Zell von 8 bis 1 Uhr vormittags im Kassenlokal, Mittelstraße 2. 3. Für die Ortskrankenkafie der Btanrer bis 11. August er. in der Zeit von 3 bis 1 Uhr vormittags im Kassen lokal, Moltiestraße 49. 4. Für die Ortskrankenkafie sär das Schnh- und Pantoffel. wachergewerbe bis 11 August er. in der Zeit von 8 bis 1 Uhr vormittags im Kafienlokal, Marttstraße 11. Einsprüche gegen die Richtigkeit der stch auS den Arbeitgeber- und Mttgliederverzeichnissen ergebenden Wahl- und Stimmberechtigung find bei Vermeidung des Ausschlusses spätestens bis zum 11. August er. unter Beifügung von Beweismitteln bei dem Vorstand der unterzeichneten Kasse einzulegen. Ferner hat sich jeder Wahlberechtigte bei der Wahlhandlung mtt einer Legitimation zu versehen. Es ist dies sür die Arbettgeber die letzte Beitrags- quittung, für Versicherte die Mitgliedskarte oder eine vom Arbeitgeber aus- gestellte Bescheinigung, daß der Betresfende am Tage der Wahl noch in Be- schästigung steht. Die Stimmzettel müssen von weißer Farbe und 10 X 8 Zentimeter groß sein. Spandau, de» 21. Juli 1912. 274/5 Der Borstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse. R. Appoldt, Vorsitzender. Arbeiter- viläuMichuie. Donnerstag, den 31. Jali, abends 81/: Uhr, im Schnllobal, tSrenadier-StraBo tfr. 37: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrerkollegiums und der Revisoren. 2. Wahl der Unterrichtsvertteter und der Hilssbibliothekare. 3. Schul- angelegenheiten. 4. Anträge und Verschiedenes. . Mitgliedsbuch legitimiert: �. Rückständige Beiträge müssen bezahlt werden. 6/9' verbsuck der Brauerei- u. Iliiilficnarbeiter und verwandter BerufsgenoiSen.»NT Geschäftsstelle: C. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher; Amt Norden 4518- Sonntag, den 27. Juli 1913, nachmittags 2 Uhr, im Gewerkschafts- Hause, Engclufer 13(Saal 4): General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgcordneten Gustav Bauer über: »Die Bedeutung der»Bolkssürsorge-- als Volksversicheruug für die Arbeiterschaft-', ü. Geschäfts- und Kassenbericht vom 2. Quartal 1913. 3. Verbandsangelegenheiten. Berbandsbuch oder Kontrollkarte legitimiert zum Eintritt. Es ist Pflicht jedes Arbeiters, sich mit dem Wesen der.Volksfürsorge" bekanntzumachen. Darum, Kollegen, erscheint zahlreich in dieser Ver- sammlung. 44/1' Die Ortsverwaltnng. f Genaue Augengläser Spezialarzt'- K" und Frauenleiden— Ehrlich- Hata. Blutuntersuchung. SchneUo, sjehore Heilung. Mäßige Preise. 251/17 Dr. med. Wockenfufi, Friedrichstr. 125, Orajiienb.Tor. 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Da es vorläufig nach nicht inöglich ist, die Behörden in ähnlicher Weise wie bei den Militäran- Wärtern zur Einstellung verabschiedeter Offiziere zu zwingen, so appelliert jetzt der K r i e g s m i n i st e r an die Gutherzig- keit und Milde der Bank-, Handels- und Jndustriekreise. Er hat den Handelskammern ein Schreiben zugehen lassessn, in dem er sie bittet, in ihren Bezirken„dahin wirken zu wollen, daß den mit Aussicht auf Anstellung im Zivil- dienst verabschiedeten Offizieren der Zutritt zu g e e i g- neten Stellen des Handels und der Industrie ermöglicht wird". Ter Herr Kriegsminister weiß sehr wohl, daß im praktischen Leben mit einem werabschicdeten Offizier nicht gerade viel anzufangen ist. Er ist deshalb wohlwollend und einsichtig igenug, auf die„grundsätzliche Offenhaltung be- stimmter Stellen des gewerblichen Lebens für verabschiedete Offiziere" zu verzichten. Er würde Wohl auch wenig Glück da- mit gehabt haben. Immerhin glaubt das Kriegsministerium. daß ein ehemaliger Leutnant, den man in der Armee aus dem oder jenem Grunde nicht inehr haben wollte, im Handel oder in der Industrie sehr wohl noch eine leitende Stel- l u n g ausfüllen kann. Es kann nämlich nach Ansicht des Kriegsministers„nicht zweifelhaft sein, daß Offiziere in Stellen, die besonderes Vertrauen, Disponie- rungstalent usw., mehr als kaufmännisches W i s se n erfordern, vermöge ihrer Erziehung im Heere Gutes leisten werden". Das heißt mit anderen Worten, die Heren Leutnants und Hauptleute a. T. werden zwar nicht übermäßig viel leisten im praktischen Leben, aber als gut- bezahlte Dekorationsfiguren kommen sie in Be- wacht. Man halte ihnen nur die gutdotierten Stellen offen, wo sie ihr„Disponierungstalent" betätigen, d. h. alle übrigen Angestellten im Kommißton behandeln können und schon wird Handel und Industrie den Vorzug genießen, wirklich echte Epaulettenträger engagieren zu dürfen. Tie Großbanken sowie diejenigen Zweige der Industrie, die in irgendwelchen Beziehungen zur Heeresverwal. t u n g stehen, schleppen schon heute eine Menge verabschiede- ter Offiziere durch, die sie aus diesen oder jenen Rücksichten aufnehmen mußten. Die Arbeit dieser Herren wird von schlechterbezahlten Kaufleuten nebenher mit erledigt, jyiir die Chefs wie für die übrigen Angestellten bisden aber solche >,Disponierungstalente" in der Regel eine st e t e Quelle der Unzufriedenheit. Die Kaufleute haben am allerwenigsten Veranlassung, die verabschiedeten Offiziere in ihre Betriebe aufzunehmen. Solange man im Offizierskorps den„K o o f m i ch" wie jeden Menschen, der sich durch redliche Arbeit ernähren muß, über die Schulter ansieht, werden die Bittschreiben des Herrn Kriegsministers in den beteiligten Kreisen nur ein mitleidiges Lächeln und b e- dauerndes Achselzucken auslösen. Was würde man im Kriegsministerium sagen, wenn heute ein Paar Hand- lungskommis. die im kaufmännischen Beruf nicht recht vor- wärts kommen, aber über gesunde Beine und eine laute Stimme verfügen, sich um Anstellung als Offiziere bewerben würden? Zweifellos wäre doch in diesem stalle das„Ein- arbeite n" leichter, als wenn heute ein Leutnant a. T. in eine kaufmännische Vertrauensstellung berufen werden soll. In der Stadtbahn. Aus dem Nebenabteil klang Musik herüber zu mir. Der Zug hatte die Station Wedding verlassen und durchschnitt den hoben Norden Berlins, die Hochburg der proletarischen Be- völkerung. Es war nachts um die elfte Stunde, und ich kam aus einer Politischen Versammlung. Neben mir saß eine alte Frau mit einem großen Korbe vor sich, sonst war nie- wand in unserem Abteil. Draußen huschten die Lichter vorüber, ab und zn auch Züge. Und dann tauchten wieder Straßen auf, in unabseh- barer Länge, in denen die blinkenden Laternen wie endlose Feucrketten sich hinzogen. Nur durch die Holzwand von uns getrennt, spielten im Nebenabteil zwei Insassen auf der Mundharmonika. Ter eine hatte die Führung und der andere begleitete. Sie spielten flott und sicher, mit Schwung und Wärme. Sie spielten. gut. Zwei Köpfe von durchaus musikalischer Begabung und seinem Gehör. Tänze, Märsche und die neuesten Variete, und Opcrcttenschlager wechselten in bunter Reihenfolge mitein- ander ab. Mit stiller Freude lauschte ich, lässig in die Ecken gelehnt, dem hübschen Doppelspiel und bedauerte nur. daß diese künstlerischen Kräfte sich auf der Mundharmonika und im Dilettantismus erschöpfen mußten.' Wir waren einige Stationen weiter gekommen. Auf der letzten hatte sich zu den Spielenden ein neuer Fahrgast ge- sellt. Sie hörten auch sofort mit Musizieren auf und begannen eine rege Unterhaltung. Jetzt konnte man heraushören, daß es zwei junge Burschen—-sogenannte Halbstarke, und zwar der übelsten Sorte— waren. Ihr Jargon und der rauhe Tonfall in der jugendlichen Stimme verrieten sie ohne weiteres als solche. Ter neueingestiegene dritte Passagier mußte den beiden bekannt sein, denn man hörte eine weib- liche Stimme dann und wann grell aufkreischen und sich sehr lebhaft in das. Gespräch mischen. Das letztere war nichr gerade dezenter Natur. Da drüben, in dem Nebenabteil, wurde das Serualgebict in einer Weise erörtert, daß zwei jüngere Franeu, die mir gegenüber saßen, ganz verlegen zum Fenster hinaussahen. Was an Unflat und Schmutz nur auf- geboten werden kann, schien da drüben wie in einem Becken zusammenzulaufen. Eine alte Marketenderin hätte schamrot werden können beim Anhören dieser Konversation. Den Lippen, die kurz vorher noch die schönsten Weisen formten, entström- ten nunmehr wahre Schlammfluten der Gcmeinlieit. Gut, daß das edle Trifolium, als der Zug wieder hielt, den Wagen verließ. Ich konnte mir die drei nun genau ansehen. Es waren zwei Burschen im Alter von siebzehn bis achtzehn Jahren. Der eine klein und untersetzt, der andere groß, hager, und mit schlenkernden Bewegungen. Sie hatten die zerknüllten Schiebermützen tief in den Nacken geschoben und die fettglänzenden Haare in einer scharfen Kurve über die Stirn gekämmt. Der Kleinere hatte ein rotes Gesicht, mit wulstigen Lippen, um die noch das gemeine Lachen zuckte, während sich bei seinem Gefährten die bleiche, mit Finnen durchzogene Haut straff über die spitzen Backenknochen spannte, zwischen denen eine schmale Habichtnase scharf heruntersprang. Seine Schultern waren hohl und eingezogen.� Die Hände hatte er tief in die Taschen der viel zu weiten Hosen versenkt, die er von Zeit zu Zeit mit einem heftigen Ruck wieder hochzog. Die Tritte im Bunde, ein junges Mädchen von mittlerer Figur und nicht unschönen Zügen, ging in� der Mitte und hatte die beiden Kavaliere untergefaßt. Sie ging in der Schürze und ohne Hut und die goldgelben Ponnylocken hingen ihr frech bis in die Augen herab. Noch einmal sah ich die drei in dem Gewimmel der Passagiere auftauchen, dann rollte unser Zug aus der Halle. Da stieg ein bitteres Weh und eine dumpfe Wut in mir auf.— Begabte Menschen, kaum den Kinderschuhen ent- wachsen, von allen Lastern umklamurert, rettungslos verloren. Früchte unserer christlich-kapitalistischen Erziehung, Produkte der gottgewollten Gesellschaftsordnung! „Die Schiffbrüchigen." Da daS Interesse für das Werk andauernd ein sehr starkes ist, haben wir uns entschlossen, noch drei aufeinander- folgende Abendvorstellungen im Deutschen Theater zu belegen und zwar Mittwoch, Donnerstag und Freitag, den 30. und 3t. Jnli, sowie 1. August 1913, abends'/z9 U h r. Die Karten werden wieder für 90 Pf., Galeriekarten zu 60 Pf. abgegeben. Der Verkauf für sämtliche drei Vor- stellungen beginnt am Montag, den 28. Juli, in folgenden Ausgabestellen: NW, Oldcnburger Str. 10, Paersch, Restauration. N, Brunnenstr. 145, Dieseler, Restauration. 0, Stralauer Platz 1/2, Bureau des 4. Wahlkreises, von 9—1 und von 4—7 Uhr. SO, Engelufer 15, Harsch, Zigarrengeschäft. SW, Lindenstr. 2, vorn I, im Berliner Bureau von 9—1 und 4—7 Uhr. Der Bezirksbildungsausschuß Groß-Berlin. Jagow über die Fütterung auf dem Viehhofe. Der Berliner Polizeipräsident hat eine neue Verordnung erlassen. Diesmal bezieht sie sich aus die Viehfütterung. Wegen dieser Fütte- rung waren zwischen verschiedenen Interessenten Differenzen ent- standen, die nunmehr durch folgende Verordnung beseitigt werden sollen: „Für die vorgeschriebene Fütterung und Tränkung der auf dem Viehhofe eingestellten Rinder, Schweine und Schafe haben die Einbringer zu sorgen. Kälber dürfen nur von den Augestellten der Viehhofsverwaltung nach deren Anordnung getränkt werden, wofür die tarifmäßige Gebühr zu entrichten ist. Das Vieh ist alsbald nach der Ankunft zu füttern und zu tränken. Rinder und Schafe, die nach den festgesetzten Stunden eintreffen, dürfen nur Heu und Wasser erhalten. Vieh, da? in der Nacht vor dem Markttage nach 12 Uhr eintrifft, ist in besondere Stallungen zu bringen und dort zu füttern und zu tränken. Rinder und Schafe dürfen nur Heu und Wasser erhalten. Die Kälber sind auch in diesem Falle nur von den Angestellten der Verwaltung zu tränken. Das nach 12 Uhr nachts eingetroffene Vieh ist in der von der Verwaltung bestimmten und bekannt gegebenen Art zu zeichnen. Im übrigen ist das Vieh täglich mindestens einmal hinreichend zu füttern und zu tränken. Im einzelnen gelten noch folgende Bestimmungen: Rindern und Schafen darf am zweiten Tage vor dem Markt- tage kein anderes Futter als Gerstenschrot, Kleie, Heu und Wasser gereicht werden. Die Fütterung muß um 8 Uhr abends beendet fein. Wasser darf auch während der Nacht gegeben werden. Am Tage vor dem Marktloge darf kein anderes Futter als Gcrstenschrot, Heu und Wasser verabreicht werden. Die Fütterung mutz um S Uhr abends beendet sein. Um ö Uhr abends ist das Vieh hinreichend zu tränken. Nach 6 Uhr abends darf nur noch Heu und Wasser gegeben werden. Nack 12 Uhr nachts ist jede Fütterung und Tränkung verboten. Die Fütterung der Schweine mutz bis 12 Uhr nachts vor Beginn des Marktes beendet sein. Die Tränkung der Kälber muß bis 12 Uhr nachts vor Beginn des Marktes beendet sein. Futter und Wasser, das bis zu den ange- gebenen Stunden nicht verzehrt ist, muß aus den Ställen sowie aus den beweglichen Trogen entkernt werden. Während der Marktstunden dürfen die zum Berkauf gestellten Tiere weder ge- füttert noch getränkt werden. Jede über die Bestimmungen hinaus- gehende Tränkung und Fütterung, insbesondere die Verwendung nicht zugelassener Futtermittel, ferner das Verabreichen von Salz und anderen die Freßlust und den Durst steigernden Mitteln ist vcr- boten. Die Verwaltung des Viehhofes ist bei Zuwiderhandlungen berechtigt, das Vieh am nächsten Markttage vom Verkauf aus- zuschließen und bis nach Marltschluß in Verwahrung zu nehmen." Die Verordnung, die am 21. Juli erlassen ist, ist bereits in Kraft getreten.__ Aus einer Heilstätte für Angestellte. Uns wird geschrieben: Sonderbare Vorstellungen von dem Leben eines Stehkragenproletariers scheint sich die neugegründete Reichsversicherung für Privatangestellte zu machen. Während die Invalidenversicherung von der selbstverständlichen Vor aussetzung ausgeht, daß die in die Heilstätten aufzunehmenden Patienten ihre paar Kröten, wenn sie überhaupt welche hatten, für Arzt und Medizin längst ausgegeben haben. liefert sie— wenigstens in Beelitz— den neuen Patienten alles; sogar Zahnbürste und Seife. Das umgekehrte Verfahren schlägt die Reichsversicherung für Privatangestcllte ein. In der Heilstätte Belzig verlangt man von aufzunehmenden Patienten eine Ausrüstung, als wenn die- selben eine Reise zum Nordpol antreten sollen. Es wird niemand aufgenommen, der nicht verfügt: Ueber zwei sehr gute Anzüge, einen guten Ueberzieher, drei Paar Stiefel, warme Schuhe, sechs Paar Strümpfe, sechs tadel- lose Hemden, 6 Taschentücher; dann kommen diverse Unterhemden, Unterhosen, Mütze usw. Auch über einen guten Regenschirm muß der Glückliche verfügen, der in der Anstalt herumpilgern will. Wenn man bedenkt, wie ein großer Teil der bei der Angestellten- Versicherung lnntcr enorm hohen Beiträgen) versicherten Personen sich durchs Leben schlagen muß, so muß man über solche Forderungen der Anstaltsleitung geradezu staunen. Oder foll es Absicht sein, daß nur die Elite der Versicherten die 200—300 M. für die Ausrüstung aufzubringen vermag, einzig Anrecht auf den Aufenthalt in der Heilstätte haben soll? Wenn nicht alles täuscht, verfolgt man hier ganz offen die Ab- ficht, eine Heilstätte für Bessersiruierte zu gründen, in der man sich die Proleten vom Leibe hält. Hierzu würde auch stimmen, daß im Gegensatz zu mancher anderen Anstalt über Behandlung und Kost im allgemeinen nicht zu klagen ist und das Trinkgelderunwesen auch ganz erheblich eingeriffen sein soll. Jedenfalls ist zu fordern, daß die zuständigen Instanzen auf die Heilstätte der Angestelltenversicherung ihr Augenmerk richten. 1 Eine betriebsame„guädige" Frau. Wir veröffentlichten dieser Tage ein Inserat aus dem.Lokal« Anzeiger", in dem eine Frau von Arnim in Kröchlendorff U.-M. für 3 Wochen eine gewandte Schneiderin bei bescheidenen Ansprüchen suchte, die auf Wunsch„nur sechsstündige Arbeitszeit" zu leisten hätte, wenn sie auf Gehalt verzichte, wofür sie Landluft atmen könne. Diese menschenfreundliche Dame scheint recht betriebsam zu sein, denn sie sucht auch unter gleichen Bedingungen eine Maschinenstrickerin, Ein Inserat vom 22. Juli im»Lokal-Anzeiger" lautet: „Nehme a. Land für 2—3 Wochen er» holungsbcd. Maschinciistrickerin. Gebe bei cistllnd. Arbeitszeit fr. Stat., fr. Reise. Dubied 9 er Strickmasch, hier. Frau v. Arnim, Kröchlendorff, U.-M. Wie menschenfreundlich doch Frau v. Arnim ist. Eine erholungs« bedürftige Maschinenstrickerin kann sich sechs Stunden am Tage abrackern, ohne einen Pfennig Entschädigung zu erhalten. Wie gütig I_ Eine Arzneiverwechs elung in„Bethabara". Ein Mädchen, das sich in der Obhut der Erziehungsanstalt „Bethabara" fWeitzensee) befand, ist das Opfer einer Arznei« Verwechselung geworden. Die 16jährige Margarete Zr. auS Berlin war, weil sie sich umhergetrieben hatte, vorläufig in dieser Anstalt untergebracht worden, während ein gegen sie eingeleitetes Verfahren auf Ueberweisung zur Fürsorgeerziehung schwebte. Eine Krankheit, an der sie litt, wurde in„Bethabara" behandelt, und hierbei passierte einem anderen Mädchen der Anstalt das Versehen, der Margarete eine zuäuße« rem Gebrauch bestimmte Arznei irrtümlich zu innerem Gebrauch zu geben. Darreichung von warmer Milch als Gegenmittel beseitigte die Lebensgefahr, doch zeigte sich bei der ärztlichen Behandlung, daß der Magen erheblich verletzt war. Als einige Tage später die Mutter in der Anstalt einen durch Postkarte angemeldeten Besuch machte, hatte man Margarete aus dem Bett herausgeholt, und die Erzählung der Tochter wurde von der Vorsteherin ergänzt durch die beschwichtigende Versicherung,.daß das Schlimmste ja schon überstanden sei. Das war Anfang März, aber die erwartete Genesung blieb aus, so datz schließlich Mitte April das noch immer kranke Mädchen dem Auguste« Viktoria-Krankenhaus in Wcißensee überwiesen werden mußte. Hier konnten die Eltern zunächst über den Zustand ihrer Tochter keine rechte Klarheit gewinnen, weil das Krankenhaus- personal auf Befragen immer wieder von der Geschlechtskrankheit sprach, mit der sie in„Bethabara" eingeliefert worden war. Erst jetzt im Juli hat endlich ein Arzt des Krankenhauses die Mutter be« lehrt, der Magen sei durch ätzende Flüssigkeit so an« gegriffen worden, daß man sich zu einer Operation werde ent« schließen müssen. Als die Mutter nicht einwilligen wollte, wurde ihr geantwortet, dann werde die Tochter hinsiechen. Diese Mit« teilung läßt eS dringend nötig erscheinen, datz eine amtliche Auf- klärung der Angelegenheit herbeigeführt wird. Wenn nicht etwa die Mutter den Arzt mißverstanden hat. leidet das Mädchen noch jetzt an den Folgen jener um fast fünf Monate zurückliegenden Arznei- Verwechselung. Wie kommt eS, datz bisher eine Wiederherstellung der Margarete X. sich nicht hat erreichen lassen? Warum ist sie nicht sogleich Ende Februar, sondern erst Mitte April einem Krankenhaufe überwiesen worden? WaS ist von Ende Februar bis Mitte April in „Bethabara" getan worden, um sie wiederherzustellen? Und wie war es überhaupt möglich, datz die Arzneien verwechselt wurden? Wird nicht die Darreichung von Arzneien durch Anstaltspersonal besorgt oder mindestens überwacht? Wir halten eS für felbstverständ- lich, datz die Direktton von„Bethabara" damals sofort eine amt« liche Untersuchung zu veranlassen hatte. Den Eltern ist von einer solchen bisher nichts bekannt geworden. Selbstmorde wegen Arbeitslofigkeit. Die immer stärker in die Erscheinung tretende Krise hat Tausende von fleitzigen Arbeitern ihrer Arbeit und ihres Einkommens beraubt. Fast täglich kommen Nachrichten über Verzweiflungstaten arbeitsloser Arbeiter. Heute liegt folgende Meldung vor: Erschossen aufgefunden Ivurde gestern früh auf dem Lauben- gelände am Weitzenseer Weg ein 20 Jahre alter Arbeiter Theodor Mater, der sich ohne Wohnung in Berlin aufhielt. Er hatte sich mit einem Revolver zwei Kugeln in den Kopf geschossen. Leute, die auf die Schüsse hin herbeieilten, fanden ihn besinnungslos und stark blutend daliegen. Weil er noch Lebenszeichen von sich gab, brachten sie ihn nach dem Krankenhaus in der Prinz-Albert-Stratze. Hier konnte der Arzt aber nur noch seinen Tod feststellen. Die Leiche wurde daraufhin von der Polizei beschlagnahmt. Ueber den Grund zu seinem Selbstmord hat der Lebensmüde nichts hinterlaffen. Ohne Zweifel haben jedoch Arbeits- und Mittellosigkeit den jungen Mann in de» Tod getrieben._ Zu der Verletzung eines Arbeiters durch eine Pulverexplosion in Malchow bei Weißensee, über die wir kürzlich berichteten, bittet uns die Firma Nieland in Mariendorf mitzuteilen, datz der Unfall nicht bei ihr, sondern bei der Firma Deichmann u. Gallwitz passierte. Ei» tödlicher Straßenunfall ereignete sich gestern nachmittag an der Ecke der Anton- und Müllcrstratze. Dort geriet beim lleberschreiien des Fahrdammes ein etwa 12 bis 13 Jahre alter Knabe unter eine Autodroschke. Die Räder gingen über den Bedauernswerten hinweg und verletzten ihn so schwer, datz er bald darauf verstarb. Nachdem auf der Hilfswache in der Lindower Straße, wohin er mit der Droschke sofort gebracht wurde, sein Tod festgestellt worden war, wurde die Leiche von der Polizei beschlagnahmt und dem Schauhause überwiesen. Wer der getötete Knabe ist, ließ sich noch nicht feststellen. Wie es scheint, war er auf dein Wege, eine Besorgung für seine Angehörigen zu verrichten, denn an der Stelle, wo er überfahren wurde, kannten ihn die anderen Kinder nicht. Der Knabe trug eine graue Hose, ein braunes Manchcsterjackett, ein weißes Hemd und schwarze Schuhe. Strümpfe trug er nicht. Ein gewaltiger Dachstuhlbrand kam am Mittwoch nachmittag am Mariannenplatz 22 gegenüber der Thomaskirche aus noch nicht er« mittelter Ursache zum Ausbruch. Als die Gefahr bemerkt wurde, schlugen die Flammen aus allen Ecken und Enden auS dem Dach- stuhl des Vorderhauses mächttg empor. Die Berliner Feuerwehr rückte auf mehrmaligen Alarm sofort mit den Zügen 1. 4, d, 6, 7 und 8 aus. Ueber mehrere mechanische Leitern und die total ver« gualmten Treppen wurde mit fünf Schlauchleitungen angegriffen und große Wassermcngeu in die Gluten gespritzt. Die Flammen hatten reiche Nahrung gefunden und bedrohten die Nachbarhäuser. Den Bemühungen der Löschzüge, die unter Leitung des Brandmeisters Schunk mit großer Bravour vorgingen, gelang eS, den Brand auf den Dachstuhl des Vorderhauses zu beschränken und die Pianoforte- fabrik von E. Jakob zu schützen. Der Brand, der weithin sichtbar war, hatte eine große Menschenmenge herbeigelockt, »eutschtr vrdett«- Singerduud, Gau Berlin. An der am«onntag abgehaltenen AuSschußfitzung wurde der Arbeiter-Gesangderein Kurz- schlag bei Zehdenick aufgenommen. Das Sängerfest, an dem auch die»Sozialistische Liedertafel New Dorl" teilnimmt, findet am Sonntag statt.$}u Ehren der amerikanischen Gäste findet am Dienstag, den 29. Juli, abends, im Gewerkschastshaufe ein Kommers statt. Die Eintrittskarten hierzu sind am Freitag in der Generalprobe zu haben. Sodann gab der Vorstand die Statistik über die Mitwirkung bei der Maifeier bekannt, wobei konstatiert wurde, daß die Beteiligung eine gute zu nennen war. Ferner wurde mitgeteilt, daß sich die Vereine „Sängerkranz" und»Deutsche Eiche" unter dem Namen„Sänger- kränz Deutsche Eiche" und in Neukölln die Vereine„Schneeglöckchen" und»Melodia" unter dem Namen»Liedertafel Neukölln" verichmolzen haben. Zum Schluß wurde darauf hingewiesen, daß der Bildungs» auSschuß den Vereinen beim Engagement von Künstlern zu ihren Konzerten gern vermittelnd zur Seite stehen will. Wer ist der Tote? Bei Hessenwinkel wurde die Leiche eines ungefähr L2 bis 24 Jahre alten ManneS gelandet, dessen Persönlichkeit sich nicht feststellen ließ. Der unbekannte Tote trug einen braun- gestreiften Jackettanzug, ein blauweißgestreifteS Oberhemd, einen weißen Kragen, eine blaue Krawatte und schwarze Strümpfe und Schnürschuhe. Sein Taschentuch ist A. G. gezeichnet. Bei der Leiche, die nach dem Friedhof in Rahnsdorf gebracht wurde, fand man einen Kettenring, eine Vereinsnadel und einen Notizblock. verloren wurde in der Brunnenstrahe eine Handtasche, enthaltend Krankenbuch, Mitgliedsbuch für Taubstumme, Notizbuch, Arbeitslosenschein, Schlüsselbund und Portemonnaie mit Inhalt. Der ehrliche Finder wird gebeten, die Tasche Anklamer Straße 31, bei Karsten abzugeben oder im Bureau des Buchbinderverbandes, Engelufer 1b H._ Vorort- JVadmcbten. Neuköll«. Waldfest der„Bereinigung Fugendheim". Am Sonntag, den 27. Juli, veranstaltet die»Vereinigung Jugendheim" ein großes, allgemeines Waldfest, wobei Belustigungen und Spiele unter er- probter Leitung für Jung und Alt, sowie eine Verlosung von prak- tischen Geschenken stattfindet. Für das leibliche Wohl ist bestens Sorge getragen. Für eventuell vorkommende Unfälle hat der Samariter- bund bereitwilligst ein Zelt zur Verfügung gestellt. Man kann dem Fest nur wünschen, daß sich die Arbeiterschaft daran beteiligt. Karten ä 10 Pf. find in den bekannten und mit Plakaten belegten Lokalen zu haben. Festplatz: KönigSheide, Baumschulenweg, dirett hinter der Brücke vom Verbindungskanal rechts. Ferlenspiele. Bei dem Besuch deS Zoologischen Gartens am Dicnsiag ist in einem Straßenbahnwagen ein Schirm gefunden worden. Dieser kann abgeholt werden bei Wielepp, Weisestr. 17 IV. Der Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität, Ortsgruppe Neukölln, hält am Sonntag, den 27. Juli, im Etablissement von Richard Felsch, Knesebeckstr. 48/49, ein Sommerfest, verbunden mit Spezialitäten, sportlichen Aufführungen und Ball ab. Nachmittag 3 Uhr Korsofahrt der auswärtigen sowie hiesigen Bundesmitglieder vom Startplatz des Restaurants Karlsgarten, KarlSgartenstr. 6 bis 10. Der Ein- trittSpreis beträgt 25 Pf. Wilhclmshagen. Die hiesigen Schulverhältuisse haben jetzt endlich einmal das Bürgertum auf den Plan gerufen. Die Schließung der Schule wegen Erkrankung eines Familienmitgliedes des Lehrers an einer ansteckenden Krankheit veranlatzte den Haus- und Grundbesitzerverein, in seiner letzten Sitzung hierzu Stellung zu nehmen. Die Versamm- lung erhob Beschwerde, daß es zu einer Schließung der Schule, in welcher der Lehrer wohnt, gekommen ist, da im Orte leere Räume ge- nügend zur Verfügung stehen, die zu Unterrichtszwecken halten ge- mietet werden können. Für den Lehrer selbst hätte eine Vertretung gestellt werden müssen, da für derartige Zwecke Mittel im Etat vorgesehen seien und hier eine Sparsamkeit nicht angebracht sei. Die Versammlung gab der Erwattung'Ausdruck, daß in Zukunft diese Anregungen bei der zuständigen Stelle Beachtung finden. Diese Forderung— wenn man diesen Ausdruck gebrauchen kann— ist völlig unzureichend. Wie wir schon vor einem Jahre an dieser Stelle eingebend nachwiesen, reichten weder der eine Lehrer noch die jetzigen Schulräume aus, um den Volksschülern einen annähernd zweckmäßigen Unterricht zu erteilen. Der Mißstand, daß der Hausflur zu Unterrichtszwecken verwendet wird, ist ja glücklicher- weise behoben, ebenso die Hinzuziehung der älteren Kinder zum Unterricht der jüngeren. Aber immer noch liegt einem Lehrer die Last ob, zirka 80 Kindern der verschiedensten Jahrgänge die Elementar- fächer in einer beschämend kurzen Unterrichtszeit, die durch den Religionsunterricht noch auf das Aeußerste zusammengedrängt wird, beizubringen. Dieser mangelhafte Schulunterricht in mangelhaften Räumen wirkt um so krasser, wenn man die große pompöse Kirche vor sich sieht, wenn man ferner beobachtet, wie einige Menschen- und Nächsten- liebe predigende Stützen des Bürgertums eifrig für die Errichtung eines Krüppelhcims agitieren, aber an der geistigen Verkrüppelung der jungen Menschenkinder achtlos vorübergehen. Auf die Beachtung„zu- ständiger Stellen" warten, wie eS der Haus- und Grundbesitzerverein will, ist ein zweckloses Bemühen; der durch daS rückgratlose Bürger- tum unterhaltene preußische Landtag sorgt schon dafür, daß der Sinn für derartige Beachtungen bei den»zuständigen Stellen" sich nicht allzu scharf entwickelt. Hier muß vielmehr ganz entschieden die Verstärkung der Lehrkräfte und Erweiterung der Schulräume gefordert werden, und diese Forderung muß der- stärkt werden durch Unterstützung der sozialdemokratischen Partei, der einzigen, die es wirklich ernst mit der Verbesserung der Volksschule meint. WeiKettsee. Die geplante Kinostcucr auf ein Jahr vertagt, so lautet der Be- schluß der Finanzkommission, nachdem die gemachten Erhebungen wohl kein günstiges Resultat gezeitigt haben. Auch herrschte an und für sich keine rechte Stimmung für diese Steuer, so daß anzunehmen ist. daß die ganze Borlage nach einem Jahre überhaupt unter den Tisch fallen wird. Steglitz. Zu den Ferienspirlen versammeln sich die Kinder von jetzt ab um Vs2 Uhr, Treffpunkt stets am Bahnhof Steglitz. Gespielt wird Dienstag« und Freitags im Grunewald, Donnerstags in,»Birken- Wäldchen' in Steglitz. Mariendorf. Zu einem lustigen Froschmäusekrieg gestaltet sich eine Auseinander- setzung der»großen politischen Parteien" Mariendorfs in den Spätren der hiesigen Ortszeitung. Die Tatsache, daß bei der Landtagswahl die Sozialdemokratte die Hälfte der zu wählenden Wahlmänner durchgebracht hat, macht den Mischmaschführern am Ort arge Kopf- schmerzen, und in ihrer grenzenlosen Verlegenheit schieben fie sich gegenseitig die Schuld zu. Köstlich und amüsant ist eS zu hören, daß bei der nächsten Wahl die liberalen Wähler wohl konservativ wählen werden, weil sie dies- mal über ihre Parteizugehörigkeit nicht genügend aufgeklärt waren. Derselben Ansicht— natürlich im entgegengesetzten Sinne— ist der große Parteiführer der Liberalen am Orte. Sauer waren die Trauben inMariendorf; imSüdenderOrtsteil ging's etwas liberaler zu Der Einsender bekennt ganz unverblümt, daß sich die erstklassigen Wähler eigentlich nur gegenseitig ernannt haben, von einer Wahl war keine Rede. Ganz unsere Meinung! Aber warum denn nun der gegenseitige Groll? Der tapfere oppositionelle Einsender rühmt sich doch in seiner Erwiderung damit, daß die liberalen Parteien im Reichstage bei der Wehrvorlage alles glatt bewilligten, während den Konservativen vor der Deckung graute. Die ganze Stilübung hat anscheinend nur den Zweck, bei der bevorstehenden Vermehrung der Gcmeindevertreter die Mandate unter sich zu verteilen und den im Hinter- gründe arbeitenden Drahtzieher in den Sattel zu helfen. Der Arbeiterschaft am Orte ist dieses Treiben jedoch längst bekannt und sie wird bei der bevorstehenden Gemeindewahl genau wie bei der Landtagswahl den konservativen und liberalen Helden einen gehörigen Denkzettel verabfolgen, damit Mariendorf in kommunal- und sozialpolitischer Hinsicht vorwärtskommt. Lichtenrade. Die Gemeindevertteter-Ersatzwahl findet am Donnerstag, den 24. Juli, statt. Wir richten an die Genossen daS Ersuchen, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß jeder erreichbare Gemeii�dewähler auf seine Pflicht, zu wählen, aufmerksam gemacht und an den Wahltisch gebracht wird.— Kandidat der Sozialdemokratie ist der Genosse Albert M a s f o w �Angesessener.) Die Wahlzeit ist von 5—9 Uhr nachmittags im Wirtshaus Lichtenrade am Bahnhof. Britz-Bnckow. Aus dem Wahlvercin. Dem in der Generalversammlung des Wahlvereins erstatteten Vorstandsbericht für daS 1. Quartal, ist zu ent- nehmen, daß der Mitgliederbestand trotz der Aufnahme von zwei Frauen von 588 auf 587 gesunken ist. Die Zahl der»Vorwärts"- leser ist gefallen von 000 aus 023. Die Einnahme betrug 749,95 M., die Ausgabe 745,09 M.; bleibt ein Bestand von 4,20 M. An Stelle des aus dem Vorstand ausgetretenen Genoffen Ruprecht wurde Genosse Rich. Schmidt zum Schriftführer gewählt. Der Bildungs- auSschuß wurde um die Genossen Sttller, Gehrke, Kirsch und die Genossin Frau Heinisch vermehrt. Zur Verbandsgeneral- Versammlung am 3. August wurden die Genossen Farwig, de Ray und Otto Schulze und zur Kreisgeneralversammlung am 24. August außer zwei Mitgliedern des engeren Vor- standes der Genosse Gehrke delegiert. Dem Bericht über die Gemeinde- Vertretung ist zu entnehmen, daß für das zur Hebung d«S OneS an- gelegte Rosarium 3500 M. in den Etat eingestellt find. Im vorigen Jahre sind auS dem Verkauf von Rosen 525 M. und für Reiser und Pflanzen 000 M. erzielt worden. Diese Konkurrenz gefällt aber unseren Gärtnereibesitzern gar nicht. Das Projekt der Anlegung des Rosariums ist zwar von ihnen ausgegangen, doch die Gemeinde soll nur zahlen. Jetzt stellen sie das Ansinnen, daß der Verkauf von Rosen, Reisern und Pflanzen einzustellen sei. Nach längerem Unterhandeln erklärten sich die Besitzer bereit, den Ausfall im Um- lageverfahren decken zu wollen. Bisher haben sie noch nichts bezahlt, sie verlangen aber, daß ihnen Rosen, Reiser und Pflanzen in Höhe deS Betrages übergeben werden. Andererseits bemüht sich der Leiter des RosariumauSschusseS, um die Preise zu halten, nicht zu viel Rosen auf den Markt zu bringen, sondern lieber zu ver- nichten. Betreffs der Anberaumung der letzten Gemeindewahl der dritten Klasse auf einen Freitag wurde festgestellt, daß dies auf Be- treiben der Bürgerlichen geschehen ist, obwohl der Bürgermeister zu- gesagt hatte, die Wahl wie im vergangenen Jahre auf einen Sonn- tag anzusetzen. Bei Besprechung der späten Zustellung der Abschrift der Wählerlisten entschlüpfte dem bürgerlichen Vertreter Grau in der sich entspinnenden Auseinandersetzung das interessante Geständnis, daß er vom Gemeindebureau alles wa» er wünsche, Wählerlisten und dergleichen, vor der öffentlichen Auslegung erhalte. Da dies von unseren Vertretern sofort angenagelt wurde, bestritt derselbe, sich in diesem Sinne geäußert zu haben. Zum Regierungsjubiläum sind 26 000 M., deren Zinsen zur Säuglingsfürsorge bestimmt sind, bewilligt worden. Unsere Fraktion stimmte für den Antrag. Wenn wir auch den Anlaß nicht gutheißen können, so sei der Zweck doch ein guter. Die bürgerliche Mehrheit ist sonst nicht für soziale Aufgaben zu haben, wenn sie sich nicht zu- gleich ein nationales Mäntelchen umhängen kann. Als seinerzeit die Genehmigung für die Straßenbahnverlängerung bis Buckow erteilt wurde, geschah die« mit der ausdrücklichen Ber- ficherung, daß der Zehnpfennigtarif sür Britzer Gebiet nicht durch- brachen werden dürfe. Jetzt erhebt die Große Berliner trotzdem den erhöhten Tarif von Haltestelle Britzer Mühle ab. Zur Rede gestellt, erklärt der Bürgermeister, das habe sich doch nur auf den bebauten Teil von Britz bezogen. Haben Worte und Abmachungen bei solchen Interpretationen einen Sinn? Nowawes. Der New Aorker Arbeitergesangverein„Liedertafel", der mit etwa 100 Sängern auf einer Tournee durch die größten Städte Deutschlands begriffen ist, trifft am kommenden Montag. 28. Juli, nachmittags gegen 2 Uhr, in Potsdam ein, um nach gemeinsamer Mittagstafel im Parteilokal.Friedrichsgarten" die Stadt und die Anlagen von Sanssouci zu besichtigen. Sodann fahren die Teil- nehmer per Extrawagen der Straßenbahn bis zur Glienicker Brücke, um von dort durch Klein-Glienicke und den Park Babelsberg abends gegen 7 Uhr RowaweS zu erreichen, wo im Restaurant»Volks« garten", Priesterftr. 31, ein Gartenkonzert stattfindet, an dem außer der.Liedertafel" auch die beiden freien Männerchöre NowaweS und Potsdam mitwirken werden. Bei ungünstiger Witterung wird das Konzert, dessen Beginn auf 8 Uhr festgesetzt ist, in den Saal verlegt. Angesichts der selten gebotenen Gelegenheit, einen so großen aus- ländischen Arbeitergesangverein zu hören, steht ein guter Besuch deS Konzerts zu erwarten. Bei der Steuereinziehung geht die Gemeinde jetzt in einer Weise vor, die angesichts der allgemeinen Arbeitslosigkeit und der dadurch bedingten Notlage vieler Arbeiterfamilien unbedingte Ver- urteilung verdient. Zur Illustration sei nur folgender Fall mit- geteilt: Der Bauarbeiter L. erhielt nach etwa achtwöchiger Arbeits- losigkeit endlich in einer hiesigen Fabrik Beschäftigung, nachdem er sich vergeblich um paffende Beschäftigung im Bauberufe bemüht hatte. Am ersten Lohnzahlungstage, an dem er einen Vorschuß von 16 M. erhalten sollte, wurde ihm von der Fabrikleitung mit- geteilt, daß sie von der Gemeinde den Auftrag erhalten habe, ihm vom Lohn 21,35 M. an rückständigen Steuern für daS erste Quartal abzuziehen. L.. der wenige Tage zuvor wegen seiner Steuerrekla- mation auf dem Steuerburcau gewesen war und bei dieser Gelegen- heit auch Angaben über seine längere Arbeitslosigkeit und die da- durch bedingte Notlage seiner sechsköpfigen Familie gemacht hatte, war im ersten Augenblick über das rücksichtslose Vorgehen der Steuerbehörde dermaßen erregt, daß er am liebsten sofort die Ar- beit hätte niederlegen mögen, da er mit Recht befürchtete, die Firma würde ihn, um unnötigen Scherereien mit der Behörde aus dem Wege zu gehen, doch bald wieder aufs Pflaster setzen. Auf Zureden der Fabrikleitung begab er sich schließlich aufS Steuer- bureau, um event. die Zurücknahme der Zwangsbeitreibung oder eine mäßige Ratenzahlung zu erwirken. DaS gelang ihm jedoch nicht; der Steuerbeamte ermäßigte vielmehr nur die ursprünglich verlangte Summe auf 7,93 M.. welcher Betrag etwa der Steuer nach dem im letzten Jahre erzielten Arbeitsverdienst entspricht. Diese Summe wurde ihm denn auch von dem Vorschuß von 1h M. in Abzug gebracht._ Jugendveranstaltnnge«. Pankow. Am Sonntag, den 27. Juli, findet in Niederschönbausen bei Rettig, Vlankcnburgerslr. 4. eine öffentliche Jugendversammlung statt.— Referent: Herr Pieck-Steglitz über: Die Ziele der freien Jugendbewegung. — VollzäbligeS Erscheinen dringend notwendig. Treffpuntt mittags 1>/, Uhr Pankow Kirche.__ Versammlungen— Veranstaltungen. Vierter Wahlkreis, 2 5. A b t e i l u n g. Montag, 28. Juli veranstalten die Genossinnen im Eass Bellevue in Rummelsburg em Kaffeekochen. Treff. Punkt nachmittags 2 Uhr bei Kühn, Posener Str. 10. Bmffcartcn der Redaktion. M. Z. Baugcnossenschast»Paradies», Kottbuser User 44.— C. G. g. Bereinigung für Wohltätigkeitzbistrebungen, Geschästsstelle Charlotten dura. Berliner Str. 137.—®. R. 31. Eriabren Sie am besten in einem Bogelgeschäst.— R. P. 63. Automobilzeitung.—®. P. 4. 1. Jal 2. Reinl— B. I. 10. Man focht Tabak- oder Wallnußblätter ab und begießt nach Abwhlnng die besallenen Psianzenteil« öfter bamit.— H. X. 100. Beides.— H. G. 88. Fragen Sie beim Trans- Port. Arbeiter» Verband, Sektion Seeleute, an.— K. X. 1876. Wenden Sie sich an die Lehrstellen- VermtttlungS zentrale. Am Köllnischen Park 3.— P. X. 34. Per Hektograph, den Sie in jedem Schreibwarengeschäst für billigen Preis erhalten. — 8. B. 45. Sie sind für die Zeit bis zum 1. August zahlungspflichtig, Marktpreise von Berlin am 22. Juli 1913. nach Ermittelungen deS tönigl. Polizeiprändiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,40 bis 20,50, mittel 20,38—20,42, geringe 20,30—20,34. Roggen, gute Sorte 00,00. mittel 00,00—00,00. geringe 00,00—00,00(ab Bahn). Futter- aerste, gute Sorte 17,10—17,00, mittel 10,60— 17,00, geringe 16,10— 16,60. Haser, gute Sorte 17,00—13,00, mittel 10,00—17,50. Mais(mixed), gute Sorte 00,00—00,00. Mais i runder), gute Sötte 14,70—15,20. Richtstroh 0,00. Heu, alt 0,00, neu 5,80— 7,40. Martthattenpretse. 100 Kilogr, Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebohnen. weiße 35,00—00,00. Linien 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 8,00—14,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1.40—2,00. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1.S0— 2.40. Butter 2.20-3,00. 00 Stück Eier 3.00—5.40. 1 Kilogramm Karpsen 1,80—2,60. Aale 1.60— 3,20. Zander 1.40-3.60. Hechte 1,60-2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 1,00—45,00. WttterungSüberflcht vom 23. Juli 1913. Ctattoncn Iii v-ft iE 8| taparanda 7S0V cterSburg 76LO SO Scilly 707 NO Aberdeen! 708 NNW Patts �S2jWNW Teuer 2 halb bb. wollen! wolkenl 5 wolkig 3 b ed eckt ts* t* *£ 23 20 14 12 12 Wetterprognose für Tonncrstag, den 24. Juli 1913. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, aber noch veränderlich mit leichten Regensällen und ziemlich lebhaften südlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WaiieritandS-Naeürichten der Landcsanltall sür Gewässertundc, mUgetcill vom Berliner Setterbureau Waffetttand Memei, Tilsit Pregel, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor » Krassen , Franklutt Warthe, Schttmm , Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmetttz . Dresden , Barby , Magdeburg Wafferstand Saale, Grochlitz Havel, Svandaufl , Rathenow') Spree, Svremberg') » BecSkow Weser, Münden Minden Rhein, MaximUianSau , Kaub Köw Neckar, Heilbromi Main, Hanau Mosel, Ttter ')-h bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. Tankiagung. Für die rege Beteiligung bei der erfolgten Beerdigung meiner innigst» geliebten Frau Marie Praybyl am 22. d. M. sage ich hiermit allen Freunden, Bekannten sowie dem Verein der freien Gastwitte Char. lottenburgS meinen herzlichsten Dank. Charlottenburg, den 23. Juli 1313. Heinrich Prayfoyl, 16126 Fürstenbrunn, Westend. Stkrbkkassr ehem. Pßug'scher Arbeiter iHetzelsche Kasse). Tonntag, de» 27. Juli 4913, vormittags 3'/, Uhr pünttlich vellersI-VefZAmmIvng imBereinshausBerlincrMusiker, Kaiser-Wilhelm-Straße 18iu, unterer Saal. 1432b" Tagesordnung: 1. Kaffenbettcht(Januar bi« Juni 1313). 2. Bericht der Rediioren. 3. Bericht über daS Ergebnis des zur Erhöhung von Kassenlciswngen angesertiglen mathematischen Gut- achtens. 4. Festsetzung derPublikationS- organe sür das Jahr 1313/14. Odno Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreichen Besuch«wartet Der Vorstand. I. 91.:«. W e g« e r. Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts I-indenstr. 69, ardinen- Spezialhaus EmilLefevre Berlin S, Oranienstr. 158. Wanderbare Vcnhelten, Gardinen, Stores, Vitrages, Tüll- bettdecken etc. in allen Stilart. Portieren, Möbelstoffe, Tischdecken, 1-äss0"- Erbstiill- Bettdecken mit Volant s 836 485. äl). Erbstiill-Stores a 835 4" Spezia!»Katalog 650 Abbildungen gratis u. franko mit Volant (bisher 6 bis 8 H.). -rv. 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