Ur. 188. DbonnementS'ßedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Vierteljährl. Z.Z0 Mt, monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pjg. frei ws Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- mumnec mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, eingewogen in die Post> Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnemcnts nehmen am Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal. Nmnänien. Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. CridlOM täglich. Vevlinev DalfeWafl. Die Insertion!. Lebühr beträgt für die sechsgespaltcne Kolonel- zeilc oder deren Raum 00 Psg., für polittschc und gcwerkschastliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen»0 Psg. „lxleine Anreigen", da- fettgcdruckic Wort 20 Pfg. szulasfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15Buch- ! laben zählen für zwei Worte. Jnseraie ür die nächste Nummer müssen bis > Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozialdtmokrat Rtrlin". Zentralorgan der(bzialdemokratirchen parte» Deutfcblands. Redahticn: 8AI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritiplati, Nr. 1983. Li» gelehriger Schüler. Den einsam trauernden konservativen Gegnern der Ver- Nlögenszuwachssteuer ist ein hochwillkommener Freund und Tröster ini liberalen Lager erstanden: Richard W i t t i n g, der ehemalige Oberbürgermeister von Posen und setzige Di- rektor der Nationalbank, der auch eine Zeitlang der national- liberalen Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses ange- hört hat, veröffentlickft im„Tag" eine finanzpolitische Be- trachtuiig, die mit ihrer abfälligen Kritik an der Haltung des Liberalismus und mit ihren boshaften Bemerkungen über die schwächliche Regierung des Herrn v. Bethnlann Hollweg der ».Konservativen Korrespondenz" und der„Deutschen Tages- zeituilg" zur Zierde gereichen würde. Gegen die Vermögenszuwachssteuer sind ja nun auch schon von anderer kapitalistisch-liberaler Seite lebhafte Be- denken erhoben worden, und wir für unser Teil verstehen nicht nur die Sorgen in gewissen Bank- und Börsenkreisen, sondern gönnen dem Liberalismus auch von Herzen die Schwierigkeiten, in die er sich durch seine feige Angst vor einer mit Hilfe der Sozialdemokraten zustande zu bringenden Erbanfallsteuer gebracht hat. Aber Herr Witting geht aufs Ganze. Es ist ihm nicht nur um die Vermögenszuwachssteuer zu tun, sondern er verurteilt die direkte Reichssteuer über- Haupt, und wie eng er sich dabei dem junkerlichen Agrarier- tum anschließt, ergibt sich aus dem Klageruf, daß das wahr- Haft Perniziöse in der Preisgabe direkter Steuern an ein Parlament liege, das wie der Deutsche Reichstag schon jetzt u n't e r der Herrschaft der Masse st e h e.„Wenn die Besitzlosen," so jammert er,„mögen es arbeitende Prole- tarier sein oder die sogenannte Intelligenz, in einent Parka- ment des allgemeinen, gleichen Wahlrechts über das Porte- m 0 n n a i e der Besitzenden souverän zu verfügen haben, und wenn eine sdAiache Regierung dein milde zusclfaut 7� dann sind wir schon mitten drin im s 0 z i a l i st i s ch e n Zukunftsstaa t." Herr v. Heydebrand und der Ianuschauer werden stolz sein auf diesen Schüler, der in seiner Bewunderung für ihre Staatskunst so weit geht, sich ihre Phrasen und Schlagworte zu eigen zu machen. Sich mit dem ü la«uite des Junkertums stehenden Herrn Wilting über die von ihm aufgeworfene Frage aus- einanderzusetzen, was der Liberalismus mit Freihandel und Schutzzoll, mit direkten und indirekten Steuern zu tun habe, überlassen wir zunächst gern seinen engeren oder weiteren Parteifreunden. Uns interessieren an seinen Ausführungen vor allen Tingen die hahnebüchenen Behauptungen, die er über die Belastung der breiten Volksmassen bei uns und im Auslande und über das Verhältnis zwischen ifinanziellen Pflichten und politischen Rechten aufstellt. Er zetert über den schweren Steuerdruck, unter dem die Besitzenden zu seufzen hätten, und versichert, daß alle Ausgaben, die die Einzelstaa- tcn und die kommunalen Gebilde für die allgemeine Wohl- fahrt im weitesten Sinne, Schule. Unterricht. Kunst. Wissen- schast, Verkehr usw. machen, beinahe ausschließlich von den Be- sitzenden getragen würden. Er zieht insbesondere Preußen als Beweis heran und versucht glauben zu machen, daß das, was in diesem Staate— nennen wir es einnial so für die Kultur geschehe, von den reichen und wohlhabenden Schichten der Bevölkerung bezahlt werde. Nun bestehen die Einnahmen Preußens zur Hälfte aus Steuern und zur Hälfte aus Betriebsüberschüssen. Unter den Steuern nimmt bekanntlich� die E i n k 0 m m e n st e u e r und unter den Betricbsüberschüssen nehmen die Einkünfte aus den Eisenbahnen die erste stelle ein. Die Einkommensteuer erfaßt alle Einkommen von 900 M. an, und im Jahre 191L haben die Einkommen von 999 bis 3909 M. 33,65 Proz. des gesamten Ertrages aufgebracht, die von 999 bis 6590 M. 50,73 Proz. Leute aber mit einem Einkommen bis zu 6500 Mark und nun gar erst solche, die bis zu 3009 M. jährlich vereinnahinen, pflegt ntan doch wohl nicht zu den„Besitzen- den" zu rechnen. Wenn ferner für das Etatsjahr 1913 die Reinerträge aus der Eisenbahn auf 234 Millionen Mark ver- anschlagt sind, so weiß nachgerade jedes Kind,� daß nicht die vielleicht zwei Millionen Passagiere erster Klasse, sondern die 509 Millionen Passagiere vierter Klasse diese Summe ein- bringen. � Gewiß, die Zuschläge der Kommunen zu den direkten Staatssteuern müssen mit in Rochnung gesetzt werden, aber solange der preußische Staat schon die Einkonimen von 900 Mark an besteuert und dafür gesorgt ist, daß der Arbeiter bis zum letzten Pfennig seines Lohnes herangezogen wird, spüren die Kommunalzuschläge nicht nur die Wohlhabenden. Jedenfalls ist die Behauptung, die Besitzenden trügen so gut wie ausschließlich die Lasten der Kulturausgaben, einfach un- erhört. Dasselbe gilt von der Feststellung Wittings. man könne eher sagen, der Beamte bezahle die sozialen Leistungen, als das arbeitende Volk bezahle die Beamten, und wenn dieser Vertreter des sogenannten gebildeten und besitzenden Bürger- tums eine gegenteilige Meinungsäußerung eine dreiste Un- Wahrheit lärmender Rowdies nennt, so ist das npr so zu er- klären, daß die Angst vor einer Schädigung seines Besitzes durch den Ausbau direkter Reichssteuern ihn alle Rücksichten auf seine sogenannte„Bild U'n g" völlig außer acht setzen läßt. Der kühnste Satz aber, zu dem sich der nationalliberale Bankdirektor aufschwingt, ist der, daß in keinem Lande der Erde der Besitzlose so wenig steuerliche Lasten und nur annähernd so viel politische Rechte habe wie bei uns. Glaubt er tatsächlich allen Ernstes, daß der englische Arbeiter, was die politischen Rechte angeht, mit dem deut- sehen, insbesondere dem preußischen Proletarier tauschen möchte? Das Wahlrecht zum englischen Parlament ist in der Tat im gegenwärtigen Moment noch ein wenig ungünstiger als das zum Deutschen Reichstag, aber gerade Herr Witting weist doch da, wo es ihm paßt, auf die großen Aufgaben hin, die den Einzelstaaten gestellt sind, er müßte also konsequenter- weise auch anerkennen, daß das Fehlen eines wirksamen Wahlrechts zu den einzelstaatlichen Parlamenten für die Be- sitzlosen eine Entrechtung schlimm st er Art ist. Wir könnten weiter noch vom Vereins- und Versammlungs- recht reden, von der polizeilichen Bevormundung und den sonstigen Schikanierungen durch die Verwaltungsbehörden, wie sie, abgesehen von Rußland, kaum ein Land der Erde kennt, aber das hieße wirklich Zeit und Papier verschwenden. Wie aber steht es mit den steuerlichen Lasten? Vorsich- tigerweise führt Herr Witting nur Frankreich an. Von Eng- l a n d redet er nicht. Es wäre ihm natürlich unangenehm, eingestehen zu müssen, daß die englische Einkommensteuer alle Einkommen unter 3209 M. freiläßt, daß England keiße Zölle auf Brot und Fleisch kennt, der Proletarier also von vornherein ganz wesentlich günstigere Bedingungen genießt als sein deutscher Klassengenosse. Frankreich muß un- serem Finanzpolitiker herhalten, und er stellt fest, daß der französische Proletarier 46 M. jährlich an indirekten Steuern zahle, während der deutsche nur 18 M. aufzubringen habe. Herr Witting spricht vom Proletarier. Das ist ganz irreführend. 46 M. oder vielmehr etwas darüber be- trägt die Summe, die an indirekten Steuern auf den Kopf der französischen Bevölkerung fallen. Aber wäre nun selbst 18 Mark die entsprechende deutsche Summe, so ließe sich doch aus diesen Ziffern noch keineswegs ein sicherer Rückschluß auf die Belastung der Proletarier in beiden Ländern ziehen, denn es käme vor allen Dingen darauf an, zu berechnen, ob und inwieweit die indirekten Steuern hüben und drüben gleichmäßig den Bedarf der breiten Massen der Bevölkerung treffen. Es ist nicht ganz leicht, darüber ein sicheres Urteil zu gewinnen, aber nach der gesellschaftlichen Struktur Frank- reichs sowohl wie in Anbetracht der Tatsache, daß die in- direkten Abgaben in Deutschland in erster Linie die Lebens- mittel verteuern, darf man ohne weiteres behaupten, daß der finanzielle Druck, der auf dem deutschen Proletarier liegt, zum mindesten nicht geringer ist als der, unter dem der fran- zösische Arbeiter steht. Vor allen Dingen aber möchten wir gern wissen, wie Herr Witting zu den 18 M. indirekter Steuern pro Kopf der deutschen Bevölkerung kommt. Schon im Jahre 1908 wurde der Anteil der indirekten Steuern an der staat- lichen und Reichssteuerbelastung in Deutschland auf über 25 M. pro Kopf berechnet, wobei natürlich die Lasten, die sich aus der Verteuerung der inländischen Lebensmittel durch die Zölle ergaben, nicht einbegriffen sind. Im Jahre 1913 aber, nachdem inzwischen die schwarzblauc Finanzreform die indirekten Steuern beträchtlich in die Höhe gesetzt und die Teuerung sich in der schlinunsten Weise fühlbar gemacht hat, kommt Herr Witting und erzählt dem deutschen Arbeiter, wie gut er es im Vergleich mit seinem ausländischen Kollegen habe. Vielleicht könnte man den Finanzkünstlcr, der die Ver- gleiche mit dem Auslande liebt, auch noch auf die prozentuale Steigerung der direkten und der indirekten Steuern in den verschiedenen Ländern während der letzten Jahrzehnte auf- merksam machen.� Es ergibt sich, daß pro Kopf berechnet in der Zeit von 1875 bis 1908 gestiegen sind in England.... direkte um 259 Proz. indirekte um 2 Proz. in Frankreich.... direkte um 19 Proz. indirekte um 29 Proz. in Preußen.... direkte um 48 Proz. indirekte um 299 Proz. im Deutschen Reich*). direkte um 65 Proz. indirekte um 112 Proz. *) Hier in der Zeit von 1881—1998. Aus diesen Ziffern ergibt sich, wohin die Reise int Aus- land und wohin die Reise bei uns geht, und wie es die höchste Zeit war, den Weg zu betreten, auf dem der Deutfche Reichs- tag einen ersten tastenden Schritt gemacht hat, selbst auf die Gefahr hin, daß darüber ein selbstgefälliger nationalliberaler Bankdirektor zu einem begeisterten Verehrer junkerlicher Politik und junkerlicher Rechenkünste würde. Doch Ausschluß der Oeffentlichltelt? Zu dem bevorstehenden Krupp-Prozeß meldet die „National-Ztg.": .Wie uns von bestunterrichtcter Seite mitgeteilt wird, ist die offiziöse Berichtigung: das Kriegsministerium habe nicht den Wunsch geäußert, daß die Verhandlungen gegen die sieben Zeug- offiziere und den Jntendantursekretär in der Krupp-Angelegenheit vor dem Kriegsgericht der Berliner Kommandantur unter Aus- s-bluß der OeffentliÄkeit geführt werden sollen, unrichtig. Es steht in den diesbezüglichen Akten:.Das Kriegs- Expedition: SAl. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morivplatz, Nr. 1984. Ministerium wünscht, daß die VerHand- lung in, Interesse der Landesverteidigung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt wird." Allerdings, so wird uns weiter mitgeteilt, hat der Ver- treter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Dr. Welt, geäußert, er werde einen Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit nicht stellen. Es ist auch richtig, daß über den Ausschluß der Oeffentlichkeit ledig- lich der Gerichtshof zu entscheiden hat. Wahrscheinlich hat das Kriegsministerium inzwischen eine teilweise Oeffentlichkeit für zulässig erachtet, zumal von autoritativer Seite die Ver- sicherung gegeben worden ist, daß die Oeffentlichkeit nur bei Er- vrterung der Einzelfälle ausgeschlossen werden wird. Da aber, wie wir weiter erfahren, die Einzelfälle sich auf fast 999 belaufen, so dürfte doch der Ausschluß der Oeffentlichkeit ziemlich lange währen. Wenn bei der Verhandlung der Einzelfälle die Oeffentlichkeit im Interesse der Landesverteidigung ausgeschlossen wird, dann erscheint es zweifelhaft, ob die Plaidoyers in öffent- licher Sitzung stattfinden werden, da der Vertreter der Anklage und auch die Verteidiger doch wohl genötigt sein werden, in den Plaidoyers auf die Einzelfälle einzugehen. I a, es erscheint sogar zweifelhaft, 0 b die Urteilsbegründung in vollem Umfange bei öffentlicher Sitzung verkündet werden wird." Da hätten wir also die Bescherung! Nicht nur die Be- Weiserhebung soll hinter verschlossenen Türen stattfinden, sondern auch die Plaidoyers und die Urteilsverkündung sollen ganz oder doch teilweise unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erfolgen. Damit wäre die ganze Oeffentlichkeit für die Katz und das schöne Heeringen- Wirt:„Wir haben nichts zu vertuschen!" erführe die reizendste Des- avouierung! Glaubt man denn aber wirklich der Oeffentlichkeit weis- machen zu können, daß die Behandlung sänitlicher 900 Fälle die Landesverteidigung gefährde. Die Bestechungen reichen doch auf viele Jahre zurück, und zweifellos die meisten aller Konstruktionsgeheimnisse sind längst im sicheren Besitz des Auslands! Interessen der Landes- Verteidigung könnten doch nur dann gefährdet erscheinen, wenn es sich um?! c u k 0 n st r u k t i 0 n c n handelte, die n 0 ch nicht eingeführt sind- Die aber werden doch, wenn überhaupt, nur in ganz verschwindendem Maße in Frage kommen. Man fordert also geradezu das Kindergespött her- aus, wenn man sich hinter solch fadenscheinige Aus- flüchte verschanzen wollte. In Wirklichkeit müßten dann ganz andere Motive angenommen Iverden! Zudem: gerade die Beweiserhebung ist für die Oeffentlichkeit von höchstem Interesse. Hier könnte die Oeffentlichkeit kontrollieren, ob man sich nicht nur nüt Ermittelung der Vergehen der„untergeordneten" Organe, des Brand und seiner sieben Verführten begnügt, sondern auch den dringend gebotenen Eifer entwickelt, den wirk- lichen Schuldigen, den A n st i f t e r n, auf die Spur zu kommen! Wieviel die sieben Zeuglcutnants aufgebrummt kriegen, ist eine ganz sekundäre Frage; die wichtigste Frage ist die Erforschung und schonungslose Durchleuchtung des ganzen Bestechungs s y st e m s, die Aufdeckung der sauberen Gepflogenheiten, durch die unser Panzerplattenpatriotismus zu den unerhörtesten Dienstverbrechen anstiftete! Das will die Oeffentlichkeit kontrollieren. Und dazu haben wir gerade die Oeffentlichkeit des kriegsgerichtlichen Verfahrens, das�sonst zur schlimmsten Farce wird! Schlägt ntan hier dem aufs höchste gespannten Volke die Tür vor der Nase zu, so könnte man sich das ganze Gerichts- verfahren schenken. � Es verliert dann jeden Wert. Jeder Mensch mit fünf gesunden Sinnen weiß dann, was er von der ganzen Sache zu halten hat! Auch die Tätigkeit der parlamentarischen Untersuchungs- kommission wird dann vollends zur Farce. Denn sie ist ja auf die Ergebnisse des unter so höchst eigenartigen Umständen verlaufenen Prozesses angewiesen. Sie soll einfach glauben, was man ihr erzählt! Als ob nicht auf die Methode der Untersuchung, die Art der Vernehmung der Zeugen und Angeklagten alles ankäme. Beachtenswert ist auch, ivas eine bürgerliche Handels- Korrespondenz schreibt: „Es ist in diesem Prozesse nicht nur die Fahr lässig- keit bei der Behandlung militärischer Geheim- n i s s e bloßzulegen, sondern auch die Korruptionsmelhode, die sich ja nicht nur auf diesen Einzelfall beschränkt, son- dern im gewerblichen Leben zur Alltäglichkeit geworden ist. Es ist von allergrößter Wichtigkeit, daß die Oeffentlichkeit einmal erfährt, in welcher Weise man in der Industrie zu Auf- trägen gelangt.... Wir haben zwar das Gesetz über den un- lauteren Wettbewerb, das die aktive und passive Angestellten- bestechung aus der Welt schaffen will, aber dieses Gesetz hat leider bisher die gewünschte Wirkung ganz und gar nicht gehabt. Wenn man überhaupt aus gesetzlichem Wege gegen diese Unehr- lichkeiten ankämpfen will, so müssen die Bestimmungen einer Revision unterzogen werden. Die großen Industrie- g e s e l l s cha f t e n behaupten zwar, sie könnten nur durch Be- stechung in direkter oder indirekter Form zn ihren Aufträgen gelangen.... Sicherlich wird es vielen Privatuniernehmungen durch Entgegenkommen auf Schenkungen hin leichter gemacht. Austrüge hereinzuholen..,,, Auch die öffentliche.Submission- läßt immer noch alle möglichen Hintertürchen. Man kann z. B. einer bestimmten Firma die Angebotspreise der Konkurrenz der- raten, oder die Preise, auf deren Basis die Behörde abzuschließen geneigt ist. Gesündigt wird auf diesem Gebiete von beiden Parteien. Die einen nehmen gern und die anderen geben zwar ungern, aber sie geben doch, weil sie fürchten, sonst leer auszu- gehen. Daher dann auch der große Spesenapparat für solche Zwecke bei Firmen, die es sich leisten können. Man glaubt gar nicht, mit welchen Mittel« da gerechnet wirb. Die Verwaltungen wälzen die Verantwortung gewöhnlich von sich ab, indem sie die Gelder auf das Repräsentationskonto verbuchen, Sie haben dann eben die Summen den Angestellten, die die Bestechung zu besorgen haben, zu Repräsentationszwecken gegeben. Aehnlich lassen sich auch auf seilen der Beamten die Geschenke verteidigen, und wenn die Beamten nicht selbst geschickt genug sind, die Ver teidigung zu führen, so nehmen ihnen die Firmen die Mühe ab. Der Krupp-Prozeß konnte in diesen Unfug einmal kräftig hineinlrucksten, er konnte zeigen, in welcher Weise die Be- stechung vorgenommen wird, die ja schließlich dem Volke wieder zur Last fällt, da die Produzenten natürlich die Bestechungssummen in die Herstellungskosten hineinverrechnen. Würde der Krupp-Prozeß in dieser Hinsicht der Oeffentlichkeit genügend Aufklärung bringen, so konnte man vielleicht schon bald an eine entsprechende Ergänzung des Gesetzes über den un- lauteren Wettbewerb gehen." Sollte man wirklich angesichts all dieser einleuchtenden Tatsachen den Mut besitzen, dem Volke die ihm zehnfach ge- schuldete Ausklärung vorzuenthalten?! einig in tlek lüatloügkeit. Die Türken begnügen sich nicht mit der Wiederbesetzung ihres thrazischen Gebietes, sie lassen ihre Truppen sogar in die bulgarischen Grenzdistrikte einmarschieren. Dieses Vorgehen scheint eine Beschleunigung der Friedensverhandlungen zur Folge zu haben. Serbien und Griechenland tun jetzt so, als ob sie mit dem Vorgehen der Türkei nicht einverstanden wären, sie sind aber sicherlich ganz zufrieden gewesen, daß Bulgarien von allen Seiten in die Enge getrieben wurde. Die Mächte sind sich darüber einig, daß sie die Türkei nicht im Besitze Adrianopels lassen wollen. Sobald es sich aber darum handelt, Mittel zu finden, diesen Willen in die Tat umzusetzen, hört die Einigkeit auf. Rußland droht mit einer Besetzung Armeniens und soll schon seine kaukasischen Truppen mobilisieren. Damit sind aber die anderen Mächte nicht einverstanden, so daß trotz aller Einigkeitsphrasen der tollste diplomatische Wirrwarr herrscht. Die Eroberung von Kirkkilisse. Konstantinopel, L3. Juli. Amtlichen Mitteilungen zufolge kam es bei der Besetzung von Kirkkilisse zu einem Gefecht mit der bulgarischen Infanterie. Die Bulgaren sprengten unmittelbar vor ihrem Abzüge die Kasernen, das Munitionsdepot und die öffentlichen Gebäude in die Luft. Der Kommandant der Ka- vallerie des rechten Flügels meldet, daß an verschiedenen Punkten der Stadt noch immer Explosionen erfolgen. Die Türken auf bulgarischem Gebiet. Sofia, 24. Juli.(Meldung deS Wiener K. K. Telegr.» Korresp.-Bureaus.) Infolge der Nachricht über das Bordringe« der Türke» in bulgarisches Gebiet wurden alle Gesandten der . Großmächte ins Palais geladen, wo der König und der Minister deS Aeußern ihrer Entrüstung über diese Verletzung deS Böller- rechts Ausdruck verliehen und um riu sofortiges Einschreite« der Großmächte baten. Die Serben in Bulgarien. Belgrad, 24. Juli. In den Kämpfen bei Bjelogratschik erlitt der Feind sehr schlvere Verluste. Er zog sich in Unord- nung auf Lom Palanka und Vidin zurück. Unsere auf Vi- diu vorrückenden Truppen wurden gestern morgen ange- griffen. Der Kamps dauerte bis 4 Uhr nachmittags. Die Bulgaren wurden gezwungen, sich mit großen Verlusten in ihre Stellungen zurückzuziehen. Unsere Truppen haben sich bis auf 10 Mlometer Vidin genähert. Angebliche bulgarische Erfolge. Sofia, 24. Juli.(Meldung der Agence Bulgare.) Gestern herrschte in der Umgebung von Pirot Ruhe. Bei Vlassina wurden die Angriffe der Serben zurückgeschlagen und diese aus dem bulgarischen Gebiet verjagt. Bei Egripalanka ver- lief der Tag gleichfalls ruhig. In der Umgebung von Kotschana griffen die vereinigten serbischen, griechischen und montenegrinischen Truppen den linken bulgarischen Flügel mit starken Streitkräften an, wurden aber überall zurückge- schlagen. Die zwischen den Tälern der Struma und Bregal- nitza vorrückenden griechischen Truppenabteilungen wurden von drei Seiten zerniert und unter dem mörderischen Feuer der bugarischen Truppen zum Rückzug gezwungen, wobei sie beträchtliche Verluste erlitten. Die Haltung der bulgarischen Truppvn ist auf der ganzen Kampflinie ausgezeichnet. Beschleunigung der Unterhandlungen. � Bukarest, 24. Juli. König Carol hat gestern an die Könige von Griechenland. Serbien und Montenegro Telegramme gesandt, in denen mit Rücksicht auf die drängeude Lage in Sofia sowie auf den Wunsch Europas, eine weitere Schädi- gung Bulgariens nicht zu dulden, die Annahme des Vorschlags der rumänischen Regierung empfohlen wird, daß die Ein- 'iellung des Vormarsches der Armeen sowie der Feindseligkeiten vor Beginn der Verhandlungen in Bukarest über einen Waffenstillstand und die Friedenspräliminarien möglichst bald erfolge. Bukarest, 24. Juli.(Meldung der Agence Roumaine.) Obgleich die Friedenspräliminarien zu gleicher Zeit mit dem Wafsenstillstand in Bukarest unterzeichnet werden sollten. hat die rumänische Regierung, um eine Einstellung der Feind- seliakeiten zu erleichtern, dem General Coanda den Auftrag erteilt, sich sofort nach Nisch zu begeben, um dort mit den Ab- aeordneteir der Verbündeten zusammenzutreffen, die zur Kon- fcrenz nach Bukarest kommen werden. Daher ist es möglich, daß noch vor Unterzeichnung des Waffenstillstandes selbst vor- läufige Maßregeln zur Vermeidung neuen Blutvergießens ergriffen werden. Die Friedensdelegierten. Bukarest, 24. Juli.(Meldung der Agence Roumaine.) S e r- bien hat als Bevollmächtigte für die Friedensverhandlungen Ministerpräsidenten Paschitsch, den früheren Gesandten ,n Sosia Spalaikowitfch. fern« zwei Oberste» und«neu Sekretär m Aus- stcht genommen. Grieche»!«»!» wird woSMemKch de» � nisterpräststenten Venizelos und den früheren Gesandten in Sofia PcmoS entsenden, Montenegro den Ministerpräsidenten Pia menatz. Die Absichten der Verbündeten. Athen, 24. Juli.(Meldung der Agence d'Athines.) Nach zu zuverlässigen Informationen werden die Bedingungen der Ver kündeten erst auf der Konferenz in Bukarest mitgeteilt werden Man kann schon jetzt behaupten, daß die Bedingungen sich au die Idee des Gleichgewichts auf dem Balkan stützen werden. Der Grundsatz des Gleichgewichts beweist die Rechtlichkeit der Ansprüche der Verbündeten, die nichts Unmögliches fordern, und ihren Wunsch, einen dauernden Frieden auf dem Balkan herzustellen. Seitens Rumäniens besteht keine Gefahr, daß die Frage verwickelt werde, denn Rumänien trat ohne vorgehendes Einverständnis mit den Verbündeten in den gemeinsamen Kamp ein, von der Absicht geleitet, für das Gleichgewicht«uf dem Balkan zu wirken; ein Großbulgarien würde eine ständige Gefahr für Rumänien sein. Ter ehrenvolle griechisch-serbische Defensivvertrag traf für alles Vorsorge und hat keine Lücke gelassen, die einen Vorwand zu Streitigkeiten unter den Verbündeten schaffen könnte. So floßt die im Voraus gelöste Frage der Teilung keine Besorg� nis ein. Infolgedessen drohen von Griechenland, Serbien, Man tenegro und Rumänien keinerlei zukünftige Verwicklungen. Die Idee des Gleichgewichts wird bis zum Schlüsse vorherrschen. Wenn eine Gefahr von Verwicklungen besteht, so ist sie in der Intervention der Türkei zu suchen, einer unglückseligen und un- erwarteten Intervention. Die Verbündeten wünschten, daß die Türkei die internationalen Abmachungen des Londoner Vertrages nicht verletzt. Trotz deS Vormarsches der Türkei in Thrazien sind die Verbündeten keineswegs geneigt, auf der Konferenz in Bukarest Thrazien al» türkisches oder bulgarisches Gebiet anzuerkennen. Thrazien ist für die Verbündeten ein Gebiet, daß ihnen gemeinsam gehört, wie es der Kongreß in London bestimmt hat. Ueber das Geschick Thraziens wird gemeinsam entschieden werden. Mehr als je fordert Griechenland infolge des unmenschlichen Betragens Bub garienS, unterstützt von seinen Verbündeten, die ernstesten Bürg schaften für Leben, Ehre und Besitz der griechischen Bevölkerung, die der Herrschaft Bulgariens unterworfen sein wird. Serbien will keinen Waffenstillstand. Bukarest, 24. Juli.(Meldung des Wiener K. K. Teleg.- Korresp.-BureauS.) In der diplomatischen Lage ist seit gestern eine Aendernng eingetreten. Die serbische Regierung ist von ihrem bisherige« Standpunkt abgegangen, wonach die Einstellung der Feindseligkeiten den Verhandlungen in Bukarest hätte vorangehen sollen. Sie wünscht jetzt, daß der gesamte Komplex von Fragen in Bukarest verhandelt werde, während die Feindselig- leiten inzwischen fortdauern. Serbien begründet seinen Standpunkt mit dem Hinweise darauf, daß die vlarmnachrichten aus Sofia übertrieben seien. Somit hat sich die serbische Re- gierung der Auffassung Griechenland? angeschlosson. Eine rumänische Warnung an die Türkei. Bnkarest, 24. Juli.(Meldung der Agence Roumaine.) König Carol hat unter Berufung auf seine dem ottomani- scheu Reiche stets bezeigten Sympathien und auf seine der Türkei in der Vergangenheit wie zuletzt beim Abschlüsse des Friedens mit Italien geleisteten guten Dienste an den Sultan ein Telegramm gerichtet, in dem er die Aufmerksamkeit des Sultans auf die Enttäuschung lenkt, die die Türkei mit chrer Aktion erfahren könnte, die sie in ein Gebiet führe, dessen Schicksal von Europa in bestimmtester Weise geregelt fei. Eine deutsche Drohung an die Türkei. Die„Kölnische Zeitung" wendet sich in ihrer Abendausgabe vom Donnerstag in einem anscheinend offiziösen Artikel scharf gegen die Türkei, weil sie mit ihrem kriegerischen Vorgehen gegen Bulgarien, den Londoner Vertrag durchbrochen habe. Die„Kol- nische Zeitung" droht der Türkei folgendermaßen: „Es ist kaum anzunehmen, daß sich irgendein Anspruch er- erheben wird, wenn die Balkanstaaten abermals eine Räumung des von den Türken frisch besetzten Gebietes werden vornehmen wollen, ebenso wenig wie man ein gewisses moralisches Recht der Türkei, die schlimme Lage Bulgariens auszunützen, bean- standet hat. Aber diese moralische Zustimmung ist noch lange keine politische. Wenn es wahr ist, daß ein bedeutender tür- kischer Staatsmann ausgesprochen haben soll, nur der Waffen- gewalt würden die Türken aus Adrianopel wieder weichen, und diese Auffassung, die Anschauung der verantwortlichen türkischen Kreise ist, so wird man sagen müssen, daß die Türkei sich auf einem neuen schlimmen Wege befindet, ganz abgesehen davon, daß der Friede Europas aufs neue und aufs schwerste gerade durch diesen unerwarteten Schritt bedroht wird. Die Ruhe, die man ihm gegenüber trotzdem bisher bewahrt hat, ist gewiß darauf zurückzuführen, daß man immer noch annimmt, die Geldnot würde der Auflehnung gegen den Londoner Vertrag bald ein Ende bereiten. Sollte sie daran nicht scheitern, so wird gewiß— und das sollten sich die maßgebenden Kreise in der Türkei in diesen Tagen immer vor Augen halten— ein anderes Mittel gefunden werden. Es liegt nur im Interesse der Türkei, wenn man sie vor den Folgen eines Schrittes warnt, den sie selbst als mit voller Ueberlegung getan, bezeichnet, und der doch nur als eine Unüberlegtheit angesprochen werden kann." Rußland rührt sich. Ueber russische Truppenbewegungen wird aus Kutais gemeldet: Auf den kaukasischen Eisenbahnen werden täglich Militärzüge zur Grenze befördert. Fast das ganze in Tiflis und Kutais befindliche Militär ist an der Grenze. Auch aus Südosten werden die Truppen nach dem Kaukasus befördert. Nach weiteren Nachrichten ist die gesamte russische Schwarze-Meer-Flotte ausgelaufen. .Halbamtlich wird erklärt, die Gesamteinwirkung der Mächte bei der Pforte werde am Freitag oder spätestens Sonnabend erfolgen. Die Ausreise der Schwarzen-Meer-Flotte aus Sebastopol und des englischen Geschwaders aus dem Pi- räus wird damit in Verbindung gebracht. poUtifcbe Qcbcrlicbt. Zum Austritt Max Maurenbrechers. Der Verfasser dieser Zeilen, der als radikaler Demokrat der Sozialdemokratie zwar nahe steht, aber nicht zu ihr gehört, hat die Nachricht von dem Austritt Max Maurenbrechers nicht ohne persönliche Bewegung lesen können, weil er in einem Teil seiner Jugend auch die Irrwege gegangen ist. die nun Maurenbrecher von der Hauptmacht der deutschen Demokratie ent- fernt zu haben scheinen. In den jungen bürgerlichen Idealisten, die sich um Nau- mann versammelten, lebte die durchaus nicht unnoble, aber naive Sehnsucht, das Volk in nationalen Dingen als eine feste Einheit zu sehen. Was nicht einer Partei, sondern der ganzen Nation diente,' sollte auch von der ganzen Nation getragen werden. Die Wehrvorlagen dienen der Sicherheit des ganzen Reiches. Also sollten sie auch von dem ganzen Voll getragen werden. Die Naivität dieser jungen Idealisten übersah nur, daß die Vor aussetz n» K ihres ganzen Gedankenganges picht z«. treffend war. Das gegenwärtige Heer, das nach einem Wort aus sehr zu- ständigem Munde, bereit sein mutz auf Väter und Brüder zu schießen, dient keineswegs der Sicherheit der ganzen Nation. ES ist zum mindesten gleichzeitig eine Prätorianergarde der herrschenden Klassen, die das Volk niederschlagen soll, wenn es sich in seiner Not oder in seinem Grimm über crdul- detes Unrecht erheben sollte. Schafft aber das Heer auf diese Weise selber die beiden großen Nationen der Unterdrücker und der Unterdrückten, dann zerstört es auch selber die nationale Einheit und kann darum von einer nationalen Einheit nicht getragen werden. Das Argument, das mir einmal in jungen Jahren ein alter sozialdemokratischer Parteiführer entgegenhielt, wird ewig seine Durchschlagskraft behalten:„Man kann dem Staat ein Schwert gegen seine auswärtigen Feinde liefern, aber das Volk kann ihm niemals ein Messer geben, mit dem er die Kehle des Volkes zu durchschneiden gedenkt." Nur ein freies Heer in einem freien Staat, nur ein Heer, das seinem ganzen System nach gegen das Volk selber gar nicht gebraucht werden kann, könnte als ein nationaler Fak- wr empftinden und von einer nationalen Einheit getragen werden. Die sozialdemokratischen Anträge aber, die auf eine freiheitliche Reform des Heeres abzielen, werden von den maßgebenden Militaristen mit der kältesten Nichtachtung behandelt. ES ist ein heilloser Irrtum Naumanns, daß der Haß gegen die Sozialdemokratie schwinden würde, wenn sie für die militärischen Vorlagen stimmte. Ganz abgesehen davon, daß sie unmöglich wie jene Kälber handeln kann, die ihren Metzger selber wählen, würde durch eine derartige Schwenkung auch nichts Wesent- liches verändert werden. Ter preußische Junker haßt die Sozialdemokratie, weil sie entschlossen anti-feudal ist und würde sich in diesem Haß selbstverständlich durch kein wie immer ge- arteteS taktisches Manöver beirren lassen. Auch unsere in- dustriellen Kapitalisten verraten durchaus keine Sehn» sucht nach einer englischen Entwicklung, sondern verlassen sich im Gegenteil auf den feudalen Geist der Armee, das die Gewehre deS Volke? gegen das Volk selber richtet. Wenn die Taktik Naumanns akzeptiert würde, würde nichts weiter erreicht, als daß die llnterwürfigkeit vor dem Feudalismus, die dem bürgerlichen Freisinn die Schwindsucht gebracht hat, nunmehr auch die sozialdemokratischen Massen ergriffen hätte. Die breite Masse des Volkes findet sich in diesem Punkte in einem tragischen Konflikt mit dem Staat, der ihr keine Wohnung bieten, sondern sie unterdrücken will. Tragische Kon- flikte aber können niemals vom gefühlvollen Herzen aufgehoben, sie können nur bis zum bitteren Ende durchgefochten werden. Die Verantwortung trifft diejenigen, die die staatliche Macht in Händen haben und sich nicht scheuten, sie mit aller Schärfe gegen das Volk selber zu kehren. Wenn ein ästhetischer Vergleich gestattet ist, würde die Taktik Naumanns bedeuten, daß man auf den lodernden Fürstcnhatz in Kabale und Liebe verzichtete, um sich dafür an einem national-politischen Rührstück Jfflands zu erbauen. Die gegenwärtige Taktik hat die Sozialdemokratie zwar ver, haßt, aber zugleich auch mächtig gemacht. Der antimilitaristische Geist der sozialdemo, k r a t i sch e n Arbeitermassen im Heer ist die sicherste Bürgschaft gegen frivole Kriege und gegen die Staats- ftreichgelüste der preußischen Junker. Laudfriedensliruch-Prozeft. Die Staatsanwaltschaft in Freiburg i. Br. hat gegen fünf Ar- bester Anklag« wegen LandfiiedenSbruch erhoben. E» handelt sich um die Zusammenstöße zwischen Streikenden und Polizei beim Färberstreik in Basel-Friedlingen. die teilweise auf deutschem Ge- biet sich abspielten. Die Sache wird am 29. Juli vor dem Schwur. gericht in Freiburg verhandelt. Der Waldeuburger Gehilfe des Staatsanwalts, der konservative Chefredakteur L i p p o l d, der bekanntlich den Waldenburger Mcineidsprozeß dadurch inszeniert hat, daß er einen arbeitslosen Budjbrucker zur Anzeige drängte und ihm dafür Arbeit versprach, macht immer mehr durch seine Kampfesmethodcn gegen die Sozialdemokratie von sich reden. Unser Waldenburger Partei- organ, die„Schlesiscye Bergwacht", ist in der Lage, einige ganz besonders pikante Enthüllungen über diesen Mann zu vcröffent- lichen. Fest steht jetzt, daß Herr Lippold auch interne Vertrauens- männersitzungen der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften in ganz raffinierter Weise bespitzeln läßt. Bewiesen sind in dieser Beziehung die folgenden zwei Fälle. Von einer Vertrauens- männersitzung des Bergarbeiterverbandes brachte am anderen Tage das Organ des Lippold einen Bericht, der unter der Spitzmarke: „Von unserem roten Protokollführer" verschiedene vertrauliche Mit- teilungen brachte, die nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt waren. Das konservative Blatt gebrauchte damals den demagogischen Kniff. zu behaupten, daß ein V e r b a n d S m i t g l i e d. aus Verärgerung über die mangelnden Fortschritte des Verbandes und aus Ab- neigung gegen die Sozialdemokratie dem konservativen„Tageblatt" diese vertrauliche Mitteilung gemacht habe. Jetzt steht fest, daß Lippold den Bergmann Schelinsky vor längerer Zeit beauftragt hat. sich in den Bergarbeiterverband aufnehmen zu lassen, um Neuigkeiten erfahren zu können. Der Schelinsky hat den Auftrag mit dem Erfolg ausgeführt, daß es ihm gelang, an einer ver- traulichen Besprechung teilzunehmen, von deren Ergebnis er dann 'einem Auftraggeber Mitteilung machte. In einem zweiten Falle handelte es sich um dm Bespitzelung einer sozialdemokratischen Sitzung, über deren Verlauf ebenfalls am anderen Tage in dem konservativen Blatt etwas zu lesen war. Hier schrieb das vornehme Blatt, daß ein Angestellter, der ge- chäftlich in dem Lokale zu tun hatte, zufällig in die sozialdemokratische Sitzung hineingeraten sei. Auch in diesem Falle steht jetzt einwandfrei fest, daß Lippold mehreren seiner Angestellten den Auftrag erteilte, sich' in die Sitzung einzuschmuggeln. Gefährdung militärdienstlicher Interessen? Vor acht Tagen ging durch einige bürgerliche Lokalblätter in der Nähe des Truppenübungsplatzes Senne lager eine Noiiz, wonach bei einem G e w a l t m a r s ch e eines Reserve- r e g i m e n t s ungefähr � � � � 1'*" J r, a. n 1 geworden und . k,. � k.i.n Auch die Parteipresse hat inawik».» regiments ungefayr»"'--'"*-»»* gerooiDcn und 2 gestorben seien. Auch die Parteipre,� hat inzwischen darüber berichtet. Nähere Angaben über das bedauerliche Vorkommnis waren nicht zu erlangen und merkwürdigerweise hüllt sich auch jetzt noch die Militärbehörde m vollkommenes Schweigen. Danach kann man annnehmen, daß die Angaben richtig waren. Würde sonst der Dementierapparat nichts längstem Tätigkeit getreten fem? Mag das nun richtig, oder übertriebe» st jeden Fall ist e< axtt vollendete Mckpchttlopgleit— keinen schärferen Ausdruck gebrauchen will— die Oeffentlichkeit über die tatsächlichen Vorgänge im Unklaren zu lassen. Der Mili- tariSmus fühlt sich hier zu vornehm, um dem Volke Rechenschaft abzulegen. Gerade in diesem Augenblick, wo dem Volke, und nicht nur den Besitzenden, neue Opfer an Gut und Blut zu besserem Gedeih des militaristischen Wesens aufgelegt werden, müßte ein derartiges Verhalten militärischer Behörden auch auf bürgerliche Kreise aufpeitschend wirken. Aber vielleicht fällt dies Schweigen unter die bezeichnende Rubrik.Gefährdung militärdienstlicher Interessen." Wozu brauchen wir noch Kolonien. In der Begründung für die Notwendigkeit unserer Kolonien nahm und nimmt das Argument einen großen Raum ein, daß wir den Bevölkerungsüberschuß in einer neu zu begründenden deutschen Heimat unterzubringen hätten und die Söhne deutschen Bodens nicht fremden Nationen(den Amerikanern und Briten) überlassen dürften. Nun hat sich aber, woran der Londoner„Eco- nomist" erinnert, die Situation seit Jahren so verändert, daß Teutschland nicht mehr ein Land der Auswanderer, sondern der Einwanderung ist. Die Zahl der Auswanderer ist rapide auf eine ganz unbedeutende Größe zurückgegangen. Dagegen stieg in Teutschland die Zahl der Fremden von 0,48 Millionen i. I. 189b auf etwa 2 Millionen gegenwärtig. Nur in Frankreich ist der Anteil der Fremden an der Gesamtbevölkerung noch größer als in Deutschland und nur Belgien und die Schweiz weisen den gleichen Prozentsatz von Nichtheimischcn auf.� Die Londoner Zuschrift knüpft au diese Zahlen den erstaunten Ausruf: Es ist seltsam, daß angesichts dieser und der weiteren Tat- fache, daß die Nachfrage nach Arbeit von Jahr zu Jahr rasch steigt, es immer noch Kolonial schwärmer gibt, die behaupten, daß Deutschland neues Land braucht, um seine über- flüssige Bevölkerung aufzusaugen. So schlagend auch die tatkräftige Entwicklung das Argument der Kolonialschwärmer widerlegt hat, von bürgerlichen Agitatoren wird es immer wieder vorgeholt, um die koloniale Raubpolitik zugunsten der kommerziell und finanziell Interessierten vor naiven Parteicmhängern zu entschuldigen. Amtsvorsteher und Bereinsgesetz. Der§ 7 des Reichsvereinsgesetzes besagt u. a.:„Oeffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge auf öffentlichen Straßen und Plätzen bedürfen der Genehmigung der Polizeibehörde. Die Genehmigung ist von dem Veranstalter mindestens 24 Stunden vor dem Beginn der Versammlung oder des Aufzuges unter der An- gäbe des Ortes und der Zeit nachzusuchen." Diese Bestimmung hat der Amtsvorsteher Schulz in Muskau einfach durch folgende Verfügung außer Kraft gesetzt: .Amt Muskau Nr. 15(55. Von verschiedenen Vereinen find in letzter Zeit Anträge von Korsofahrten und Umzüge kurz vor den betreffenden Festen gestellt worden. Ich ersuche sämtlichen in ihrem Bezirk vorhandenen Vereinen bekaunt zu geben, daß derartige Anträge mindestens zwei Wochen vor der Veranstaltung einzureichen sind, anderenfalls die Genehmigung nicht erteilt wird." Diese Verfügung ist auf Veranlassung des Amtsvorstehers sämt- lichen in Krauschwitz vorhandenen Vereinen durch den Gemeinde- Vertreter zur Unterschrift vorgelegt worden. Der weise Amtsgewaltige in MuSkau, von dem die Verfügung ausgeht, wird sich aber wohl damit abfinden muffen, wenn die Bereine sich nach dem§ 7 des Reichsvereinsgesetzes richten und nicht nach seiner ungesetzlichen Ver- Fügung._ Ein Gefreiter als Rekruteafchinder. Vom Kriegsgericht in Düffeldorf wurde der inzwischen bereits zur Reserve entlaffene frühere Gefteite August Glöck aus dem Land- Wehrbezirk Effen wegen Mißhandlung von Untergebenen in acht Fällen, vorschriftswidriger Behandlung in mindestens fünf Fällen, gefährlicher Körperverletzung und Anmaßung einer BesehlSbefugnis zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Glöck diente beim 11. Husarenregiment in Krefeld(den bekannten„Tanzhusaren") und war dort im letzten Dienstjahre Gefreiter und Stubenältester. Als solcher drangsalierte er die ihm zugeteilten Rekruten auf alle mög- liche Weise. Nachts mußten sie mit geputzten Sachen vor seinem Bette antreten oder er ließ sie auf und in die Spinden klettern, wobei er mit Püffen und Knüffen.nachhalf". Aus der Kantine ließ er sich von Rekruten Bier und Wurst holen, gab ihnen aber das ausgelegte Geld nicht zurück. Bezeichnenderweise wußte er die Leute so einzuschüchtern, daß sie von den Schindereien keine Anzeige machten, bis schließlich der Vater eines der Mißhandelten die Vor- gange brieflich dem Regiment mitteilte. Wieder ein Opfer. Am 18. April d. I. hatte der Reservist Kamrath in Berlin an der Kontrollversammlung teilzunehmen. Der Mann ist Antialto- holiker, folgte aber auf Zureden an diesem Tage der Einladung seiner früheren Kameraden, mit ihnen ein Glas Bier zu trinken. In etwas angetrunkenem Zustande bestieg er die Straßenbahn und bezeichnete es wahrend der Fahrt im Gespräch als einen Blödsinn, daß man jedes Jahr zweimal zur Kontrollversammlung müsse. Plötzlich stand vor dem Manne ein Offizier, der Hauptmann v. Wölfs, den der Reservist nicht bemerkt hatte und der nun die Frage an ihn richtete, ob er nicht wisj�e, dah er am Tage �er Kon- trolwersammlung unter � dem militärischen Gesetze stehe. Der Offizier verlangte den Paß, er erhielt ihn auch, doch soll dann Kamrath in verletzendem Ton seinen Paß zurückverlangt haben. Der Offizier erklärte ihm, daß er sich den Paß beim Bezirks- kommando abholen könne. Die Folge dieses Vorkommnisses war eine Anklage gegen den Reservisten wegen Erregung von Miß- vergnügen und wegen Achtungsverlctzung. Das Kriegsgericht nahm nur das letztere Delikt an und erkannte auf 7 Tage Mittelarrest. Gegen dieses Urteil legte der Gerichtsherr Berufung ein. Er verlangte, daß auch wegen des schweren Deliktes Strafe eintreten müsse.. Das Gericht beschloß, die Sache zu vertagen und zum nächsten Termine eine Anzahl Zeugen zu laden. Es kann also dem Reservisten passieren, daß er schließlich noch mit einer erheblich höheren Strafe belegt wird, nur weil er in angetrunkenem Zustand vergessen hatte, daß er an diesem Tage unter dem Militärgesetze stand und offenbar auch nicht daran ge- dacht hat, daß seine harmlose Bemerkung von einem Offizier gehört wurde, der sich verpflichtet fühlen könnte, den Vorgang zur Anzeige zu bringen. franftmcb. Stein Arbeiterschust tu den flofontcit, Ali» Paris wird uns geschrieben: Dle Bourgeoisrepublik ist jetzt gegen die Eingeborenen der Kolonien sehr zärtlich. Man läßt uniformierte Senega- lesen, Kongoncger, Annamiten usw. an der Parade von Long- �ei[fie�mcn' spendiert ihnen sogar eine Fahne, Photo- graphiert sie m allen Stellungen. Aber das patriotische Ge- meinschaftsgefühl hört beim Geldbeutel auf Es haben wohl gelegentlich wohlmeinende Deputierte die Ausdehnung der doch schon im Mutterland Frankreich selbst nicht üppigen Arbeiter- schutzgesetzgebung aus die Kolonien verlangt. Der„Offtclel" vom 22. d. M. bringt die Antwort des Kolonienministers an den Deputierten des Senegal. Herrn Carpot. der die Anwendung des Gesetzes über den wöchentlichen Ruhetag im Interesse der Handelsangestellten und der Etsenbahnbeamten der Kolonie befürwortet hatte. Der Minister hat eine „Enquete" angestellt und zwar gleich über die Einführung der Arbeiterschutzgesetzgebung in ihrer Gesamtheit. Befragt wurden — die drei Handelskammern der Kolonie, d. h. die Vertretungen der Unternehmer. Und der Minister teilt voll Harmlosigkeit mit, daß diese Körperschaften einen solchen Schritt für„verfrüht" halten und der gleichen Ansicht sei die Lokalverwaltung. Denn es ginge bei dem heutigen Stand der Dinge nicht an, die Wohltaten des Gesetzes über den Kreis der Europäer hinaus auszudehnen. Für die europäischen Handelsangestellten aber bestehe„im allgemeinen" die Sonntagsruhe sowieso, die Gastwirtschaften jedoch, Ivo dies nicht der Fall sei. machten am Sonntag ihre besten Geschäfte.(Vom Ersatz-Ruhetag weiß der Herr Minister offenbar nichts.) Was die Eingeborenen anlange, so sei für sie die Sonntagsruhe in der Praxis ein- geführt und überhaupt hätten sie auch sonst viel Feiertage. Das„Regime der Freiheit" scheine jetzt für alle Teile am besten!_ Die Finauzreform. Paris, 24. Juli.(P r i v a t t e l e g r a m m des„Vor- w är ts".) Nach einem spannenden Rededuell mit C a i l l a u x verpflichtete sich B a r t h o u, die Finanzreform mit einer Be- steuerung des Kapitals und des Einkommens in das Budget von 1914 aufzunehmen, falls der Senat die Tinkommensteuer nicht erledigen sollte. Die Opposition zog hierauf ihre Tages- Ordnungen zurück. I a u r ö s erklärte die formelle Ver- pflichtung Barthous für eine genügende Bürgschaft. Die Fraktion tritt somit nicht in eine Obstruktion gegen das Budget ein. Cbina. Mißerfolge der südstaatliche» Revoluftonäre. Peking, 28. Juli. Die Rebellen sind genötigt worden, sich von Sutschaufu im Norden von Kiangsu zurückzuzieben. Sie sind auf Liuhweikan in Anhui zurückgegangen, um Verstärkungen abzuwarten. Duanschikai erklärte, er werde von seinem Kreuzer alle Fahrzeuge mit Rebellen an Bord versenken lassen, gleichviel welche Flagge sie führen. Shanghai, 23. Juli. Die Rebellen machten gestern ftüh einen Angriff auf das Arsenal von Tiangyan. Der Angriff wurde gestern abend erneuert, aber mit Verlusten zurückgewiesen. Die angxeifenden Truppen beziffern sich aus etwa 8000 Mann, während die Garnison 1000 Mann beträgt. Schanghai, 24. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Während der Kämpfe der letzten Nacht haben die Nord- truppen einen größeren Erfolg errungen. Sie bemächtigten sich der Hangtschou-Eifenbahn, schlugen die Südtruppen auf der ganzen Linie zurück und fügten ihnen große Verluste zu. Die Soldaten der Süd« truppen sind demoralisiert; viele von ihnen haben Uniform und Ge- wehr von sich geworfen und sich ergeben. Heute nacht wird ein entscheidender Kampf erwartet, Es geht das Gerücht, daß Nanking sich in den Händen der Nordtruppen befindet. Die Rebellion wird fortgepflanzt. Mulden, 24. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen« agentur.) Infolge der Vorgänge im Süden erhielt der Tutu die Vollmacht, an Orten, an denen es zu gären beginnt, den Kriegs- zustand zu erklären, A«nteu HuanghsiengS find hier einge« troffen, um die Mandschurei und die innere Mon- golei zur Empörung aufzureizen, damit die Truppen der Mandschurei nicht im Süden verwendet werden können. Kämpfe iu der Mongolei. Urga, 23. Juli. Eine Abteilung von mongolischen Truppen wurde don Chinesen in der Nähe von BatschalgraiS geschlagen, das von den Chinesen eingenommen und niedergebrannt wurde. Damit ist den Chinesen der Weg nach Khaika geöffnet. In der Schlacht kämpften etwa 500 Mongolen mit zwei Geschützen gegen 5000 Chinesen mit neun Geschützen und vier Maschinengewehren. Die Mongolen be- finden sich auf dem Rückzüge. JVIextko. Erfolge der Jusurgente». TexaS, 24. Juli. Die Insurgenten haben Torreon ein- genommen, sie sollen 1500 Gefangene gemacht, 20 Kanonen und große Munitionsvorräte erbeutet haben. Hus der Partei. Aus den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein für Kassel» Melsungen hielt am vergangenen Sonntag seine Generalver- sammlung ab. Aus dem erstatteten Geschäftsbericht geht hervor, daß die Mitgliederzahl von 4072 am Schluß des vorigen auf 4153 am Schluß des letzten Geschäftsjahres gestiegen ist. Weibliche Mitglieder sind 292 vorhanden. Die Zahl der Abonnenten auf die „Arbeiter-Jugend" beträgt 405. Der Kassenabschluß weist bei 17 343,12 M. Einnahme und 14 071 M. Ausgaben einen Bestand von 2 071,72 M. auf. In einem währeno des Berichtsjahres ge- bildeten, gesondert verlvalteteten Wahlfond, in den die in der Stadt Kassel wohnenden Mitglieder monatlich einen lO-Pf.-Beitrag hineinzuzahlen haben(welchen Beschluß sich auch bereits ländliche Filialen zu eigen machten), sind 401,20 M. enthalten.— Die Generalversammlung nahm einen recht angeregten Verlauf. Nach einem Referat des Vertreters des Kreises im Reichstage, des Ge- nassen Hüttmanu, über Steuerpolitik und Militarismus, wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der die Haltung der Reichstags fraition gegenüber den Wehr- und Deckungsvorlagen gebilligt wird.— Zum Parteitag in Jena, an den eine die Anwendung des Massenstreiks im preußi- schen Wahlrechtskainpse befürwortende Entschließung gerichtet wurde, werden drei Delegierte entsandt. Aus der französischen Partei. Bei der Nachwahl im Departement Charolles ist Genosse Merl e. Bergarbeiter, im ztveiten Wahlgang mit 8014 Stimmen gewählt worden, sein progressistischer Gegenkandidat bekam 7131 Stimmen. Der radikale Kandidat hatte sich zurückgezogen. Von feinen 3707 Wählern hat der größere Teil für den Sozialisten ge- stimmt. Ter Wahlkreis war seit 1910 von dem verstorbenen Ge- Nossen Duearouge vertreten. Der Vertreter von Marlinique L a g r o s i l l i e r e ist vor der Schlußabstimmung über die Militärvorlage aus der sozialistischen Fraktion und damit aus der geeinigten Partei ausgetreten, nach- dem er schon in den wichtigsten Teilabstimmungen durch Stimm- enthaltung seine Loslösung von den Parteiauffassungen kundge- gebei� hatte. In seinem Austrittsschreiben behauptet er, in der Fraktion, wie in der Partei überhaupt und auch in der„Humanite" einem Mißwollen für die eingeborenen Bewohner der Kolonien begegnet zu sein. Was diesem Vorivurf zugrunde liegt, ist die Tatsache, daß Lagrosillieres Vorschläge wegen ihrer Konfusion in der Fraktion, nicht immer Anklang fanden. Bezeichnend für die Verwirrtheit dieses Deputierken ist, daß er die„Humamte" iet Mißachtung der Gleichberechtigung der Menschenrassen anklagt, weil sie über die zur Parade in Lougchmnp herangezogenen, von den Hurrapatrioten angejubelten und von neugierigen Weiblein bestürmten Senegalschützcn nicht mit dem genügenden Respekt geschrieben hat! Lagrosilliöre behauptet nun, die Fraktion habe den Unterschied der sozialistischen Auffassungen der Slational- Verteidigung und dem von gewissen Führern der Arbeitskonsöde- ration vertretenen„AntiPatriotismus" zu sehr verwischt. Dieser Vortvurf könnte glauben machen, daß der Ankläger die letzte Zeit ganz verschlafen habe, sowohl die lange Kammevdebatte mit den wahrlich doch genug klaren Reden Jaures, Baillants usw. wie die von der Presse vielbesprochene Konserenz der Gewerkschaften, auf der gerade die bekanntesten syndikalistischen Gewerkschaftsführer die«cheidung der Gewerkschaftsbewegung von der„antipatrioti- schen" Revoluzzerei öffentlich verkündet haben.— Man kann es bedauern, daß übertriebene persönliche und Rassenempfiudlichkeit — Lagrosilliere ist Neger— den strebsamen Mann dem Sozialis- mus auch innerlich so weit entfremdet haben, daß er nicht mehr versteht, ivas er vordem selbst zu lehren bemüht� war. Lagrosilliere wird allerdings von seinem Austritt keinen Schaden Höchen. Es ist ja kaum möglich, als Oppositioneller in den Kolonien ein Man- dat zu behaupten._ Personalien. Zum Redakteur des„Hamburger Echo' ist der Genosse Jan Reitze in Vegesack erwählt worden. Genosse Reitze ist von Beruf Buchdrucker, war viele Jahre in Hamburg als solcher tätig und wurde vor 5 Jahren zum Vertreter der»Bremer Bürgcrzeitung" im Vegesacker Industriegebiet bestellt. polizeiliches»©mchtliches ukw» Das Urteil in Sachen Limbertz rechtskräftig! Bekanntlich wurde Genosse Limbertz kürzlich von der Anklage, durch„unwahre und entstellte Tatsachen Staats- einrichtungen verächtlich gemacht" zu haben, steige- sprachen. Gegen dieses Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Revision angemeldet. Allem Anscheine nach ist dem Staatsanwalt die Be« gründung einer Revision sehr schwer geworden, und zwar so schwer, daß er schließlich das Rennen aufgab und seine Revision zurück- zog. Mittwoch nachmitlag wurden dem„Sozialdemokratischen Büreau für Rheinland-Westfalen" in Düsseldorf die seinerzeit beschlag« nahmten 13 000 Flugblätter:„Der moderneMilitarismus, ein Segen oder ein Unglück für das Volk?" durch die Kriminalpolizei wieder zugestellt. Die Freigabe erfolgt gerade zur rechten Zeit, denn jetzt, kurz nach der Annahme der Militärvorlage, wird dos Broschürchen in Hunderttausenden von Exemplaren seine aufklärende Wirkung in den breiten Massen des Volkes erst recht vollbringen. Blinder Eifer schadet nur! L,ctzU ffochmbtcn. Schwerer Konflikt im Metallarbeiterverband. Stettin, 24. Juli.(Privattelegramm des „V o r w ä r t s".) Eine außerordentlich stark besuchte Ge- neralversammlung der hiesigen Verwaltungsstelle des Metall* arbeiterverbandes nahm heute abend Stellung zum Werft- arbeiterstreik und zu dem Verhalten der Zentralvorstände, die dem Streik als nicht berechtigt ihre Anerkennung versagten. Die Versammlung stellte sich auf den Standpunkt, daß die Stellungnahme der Zentralvorstände, wenigstens was Stettin anbelange, nicht gutzuheißen sei. In Stettin seien mit einer anderen Unternehmergrnppe Verhandlungen gepflogen wor- den, und könne es daher nicht mit Hamburg zusammenge- warfen werden. Es wurde beschlossen, daß von Anfang dieser Woche an die Streikunterstützung ausgezahlt wird. Da der Hauptvorstand die Anweisung gegeben hatte, auch aus der Lokalkasse keinerlei Unterstützung zu bewilligen, wurde weiter beschlossen, daß trotzdem aus der Lokalkasse die Streikunter- stützungen gezahlt und daß vorläufig keine Gelder an die Hauptkasse abgeführt werden sollen. Ferner wurde die Ein- berufung einer außerordentlichen General- Versammlung des Verbandes gefordert. In der Versammlung erhob sich ein lebhafter Unwille gegen den Hauptvorstand, dessen Verhalten geeignet sei, den Verband zu zertrümmern.__ Kühne Pläne der Türkei. Konstantinopel, 24. Juli.(W. T. B.) Die Pforte hat nach Sofia eine Antwortnote übermittelt, in welcher sie mit Bezug auf ihre letzte Zirkularnote erNärt, daß sie sich zum gegenseitigen Schutze entschlossen habe, die natürliche Grenze Maritza- Adrianopel wiederherzu stellen. Die türkische Aktion und die Botschafterkonfcrenz. London, 24. Juli.(W. T. B.) Die Konferenz der Botschafter verhandelte heute darüber, welche Schritte angesichts der Aktion der Türkei und ihrer Ueberschreitung der Grenzlinie EuoS-Midia unternommen werden sollen. Alle Botschafter waren darin einig, daß irgendein Schritt getan werden müßte, um die Entscheidung der Mächte aufrechtzuerhalten. Es wurde jedoch kein formeller Vorschlag gemacht, auf welchem Wege dieö erreicht werden solle. Die Meldungen, daß die Türken auf Philippopel zu vorrücken, ver- ursachten eine gewisse Bestürzung. Es heißt, daß König Ferdinand von Bulgarien um die Intervention der Großmächte gebeten habe. Die Verluste der Bulgaren in den letzten Kämpfen. Belgrad, 24. Juli.(W. T. B.) Nach einer Meldung des ser» bischen Pretzbureaus haben die serbischen Bauern auf dem Berge Delovik 857 bulgarische Soldaten begraben, die in den Kämpfen bei Pirot gefallen waren. Insgesamt schätzt man die Berluste der Bulgaren an Toten und Verwundeten in diesen Kämpfen anf 7000 Mann. Internationaler Bergarbeiterkongreß. Karlsbad, 24. Juli.(W. T. B.) Witt-Deuffchland führte heute den Vorsitz. Die Anträge, daß Minimallöhne für UutertagSarbeiter auf dem Wege der Gesetzgebung fixiert und daß Kollektivverträge gefordert werden sollen, wurden angenommen. Verhaftung englischer Frauenrechtlerinnen. London, 24. Juli.(W. T. B.) Eine Abordnung von An- Hängerinnen des Frauenstiminrcchts aus der Versammlung in der Caxton Hall passierte heute die Einfriedigung'des Unterhauses, da sie von der Polizei für Besucherinnen der Tribüne gehalten wurden. Als sie dann aufgefordert wurden, das Gebäude zu ver- lassen, weigerten sie sich, worauf die Polizei sie hinausbeförderte. Die Damen P e t h p i ck und Lawrence und zwei andere Frauen, die darauf bestanden, dem Staatssekretär des Innern Mc.Kenna eine Eingabe zu überreichen, was man ihnen nicht gestattete, wurden verhaftet. Schweres Automobilunglück in Frankreich. LimogeS, 24. Juli.(W. T. B.) Auf der Strecke nach Paris überschlug sich ein Auwmobil. Zwei Insassen wurde« getötet. Globus- Bouillonwürfel Dose 25 50 Stück 43 pt 85 pt. Dose 100_ 500 Stück 1.65 8 Mk. d.UDwtkemt Wl ■��Königstr.�V Oranienstr�� G j Leipzigerstr\VKönigstr.iraOramenstrroiRosenthalerstr. Freitag«. Sonnabend, soweit vorhanden.*ArtiKel werden nicht zngesandt Kalte Suppen Milch- Kaltschale mit Erd beer-, Himbeer-, Vanille- u Mandel-Geschmack, Kirsch Suppe, leicht gefärbt, Scho koladen-Suppe mit Monda min und Eizusatz 5 Pakete 45 Pf. Kolonialwaren Wein W ur st war en Java-Reis. Pfund 24, 30, 36 pi. Rangoon-Rcis.. Pk°°d 18, 20 pr Bruch-Reis.... pk id. 12, 17. Kochäpfel 13 pl Augustiner Aepfel.. Hund 10 h. Französ. Weintrauben piund 37 pl Saure Kirschen mustiei pid. 25 pi. Gebirgs-Preisselbcercnpid 27 pl Johannisbeeren... pund 15 pl Pfirsiche pid. 32, Reineclauden 27 h. Blaue Pflaumen____ Pfund 20 h. PtßflS srhr dankbare farre Top/ 35 P/. Moostöpfe AoA' s'°rk' T°p('apf 30 p/. Adiantium stark..... Topf 35 p Asparagus sprengen 80 p/. Asparagas plumostts 80 p/. Tradescantien«'""»flföfSO p/. Rosentöpfe r--, �Spf- Fuchsien reich blühend.. Topf 28 Pf. "Begonien reich blähend. Topf 35 Pf. Qualifäts�Cigaretfe mit Hohl mundst. . t � GEOßCA.JASMATZI ArC.DPESDEN • � eRÖSSTE DEUTSCHE N ■fewnhpTWe&alti;«Iftefe Wiejepp. SeuIöHu, Lnjerätenteil verantw.: Sruit u. Verlan:«orwärlS Äugdr. u. L-rwgsaiijuu�MäuiSmger&. �o.( ibecUn SW. Hierzu 3 Brilagen u. Unterhaltung»«. Kr. 188. 30. Iahlgang. 1 KeW i>ts Jonüärts" fnlinct önllislilBtt. Freitag, 25. Juli 1913. Sias nun in Preußen? Zur Massen st reikfragc schreibt uns Genosse Karl Lieblnecht: Rechte sind Form, aber noch kein JnHalt. Politische Rechte sind noch nicht politische Macht, nur mannigfach bedingte Macht- Möglichkeit. Demokratische Verfassung heißt noch nicht Demokratie; noch'weniger bedeutet demokratisches Wahlrecht zu einer gesetzgeben- den Körperschaft— am Ende gar unter dem Zweikammersystem— Demokratie, nicht einmal im oberflächlichsten formalen Sinn. Politische Rechte sind auch nur in ganz engen Grenzen Macht- quellen, Mittel zur Erringung von Macht, vielmehr im wesentlichen nur technische Mittel zur Durchsetzung bereits vor- handener Macht. Freilich zuweilen sehr wirksame technische Mittel zur Durchsetzung sonst politisch kaum nutzbarer gesellschaftlicher Macht. In der Hauptsache besitzen sie aber nur den Wert, den.sie durch die zu ihrer Geltendmachung verfügbare Macht erhalten. Liquidität der Macht, d. h. ihre jederzcitige Anwendungsbereit- schaft, ist eine Sache van aktuellster Wichtigkeit, am meisten in einer von stürmischen Klaffenkämpfen durchwühlten Epoche. Da ist in der Tat Bereitsein, d. h. Schlagfertigkeit, wie im Kriege, leicht genug„alles". Ein wesentlicher Teil der politischen EntWickelung besteht in der Verwandlung bloßer Machtmöglichkeiten in Machtwirklichkeiten und in der Umsetzung illiquider Macht in liquide, sowie im korre- spondierenden umgekehrten Prozeß. Den gesetzgebenden Körperschaften eignet besonders unter dem Zweikammersystem an sich nur eine geringe direkte, liquide Macht — ganz im Gegensatz zur Exekutive, zur Verwaltung, deren Wesen in der Verfügung über die staatlichen Zwangsmittel besteht, so daß ihrer Macht der höchste Grad von Liquidität, von jederzeitiger Realisierbarkeit innewohnt. Wo das Parlament zugleich eine oberste Verwaltungsinstanz ist, wie in England, vereinigt es in sich auch einen großen Teil der bereiten Machtfülle der Exekutwe. Das bloße Budgetrecht, das formell das Recht zur Aufsicht über die Ver- waltung einschließt, verleiht bei seinem indirekten Charakter nur ebensoviel liquide Macht, wie sie den außerparlamentarischen Fak- toren zukommt, die für den politischen Budgetwillcn des Parla- ments jeweils sofort mobilisierbar sind..�1 fresco: Die Verwaltung ist direkte politische Macht für sich, durch sich; die gesetzgebende Körperschaft und damit auch das Wahlrecht zu ihr noch nicht. Parla- mente nach Art der deutschen, deren geringe Zuständigkeiten mit Hilfe des Zweikammersystems noch mehr oder weniger neutralisiert sind, bilden ein sehr unvollkommenes, verzwicktes Mittel zur poli- tischen AuSnützung der vorhandenen außerparlamentarischen Kräfte und weisen gar oft eine verzweifelte Aehnlichkeit mit jenen tropi- schen Wüsteneien auf, in die gewaltige Ströme fließen, um als- bald zu versanden und zu verdunsten. Hinter dem deutschen Reichstagswahlrecht stehen gewiß sehr beachtliche außerparlamentarische Faktoren, aber deren Kraft, wie z. B. die der politischen Organisationen des Proletariats, in bereite politische Macht umzusetzen, ist heute noch ein überaus schwieriges Problem. So ist zwar das Reichstagswahlrecht, trügt nicht alles, genügend geschützt selbst gegen staatsstreichlerische und auch gegen etwaige mit dem Rafsinemcnt der gesetzgeberischen Technik unter- nommene Uebersälle. Aber die Macht des Reichstags und damit den Inhalt des Reichstagswahlrechts zu vermehren, das vermochten jene außerparlamentarischen Faktoren, von Geringfügigkeiten ab- gesehen, vorläusig noch nicht; selbst Schwächungen des Reichstags- «influsses konnten sie zeitweilig nicht hindern. Eine gewisse Nüchternheit in der Wertung selbst des verhältnismäßig radikalen Reichstagswahlrechts ist danach begreiflich. Da indessen die Schwäche dieses Wahlrechts in der ausgedehnten Zuständigkeit der einzel- staatlichen Gesetzgebung und in der gewaltigen Macht der Exekutive des Reichs wie der Einzelstaaten beruht, da ferner die Macht der Reichserekutive fast vollkommen aus der Macht der einzelstaatlichcn Exekutive abgeleitet ist, und da die hemmenden Einflüffe vor allem in der Verfassung und Verwaltung Preußens und einiger preußi- scher Dependenzen verkörpert sind, so folgt, daß jene Nüchternheit mit grundsätzlicher Geringschätzung des parlamentarischen Wahl- rechts nichts zu tun hat. Sie schließt die Erkenntnis nicht aus, sondern ein, daß eine Umgestaltung der preußischen Verfassung im demokratischen Sinn auch die Erlösung des Reichstagswahlrechtcs und des Reichstages aus erstickender Umklammerung sein wird. Umgestaltung der preußischen Verfassung in dem umschriebenen materiellen Sinne ist keineswegs gleichbedeutend mit bloßer demo- kratischcr Reform des preußischen Landtagswahlrcchts. Allerdings bedeutet, wie gezeigt, eine solche Reform immerhin eine Verbesse- rung der Technik zur politischen Verwertung der vorhandenen demo- kratisch verwertbaren Macht. Eine Erleichterung der Machivcr- wirklichung, in manchem Betracht eine Verwandlung illiquider Macht in liquide und die Zerbrechung und Auflösung bisheriger liquider Macht. Da die Hauptsumme der bereiten politischen Macht jedoch gerade in Preußen, mehr wie irgendwo in konstitutionellen Staaten, bei der Verwaltung liegt und sich der gegenwärtige, schein- bar so beherrschende Einfluß des Dreiklassenhauses und des Herren- Hauses, vor allem aber des erster«», sich daraus erklärt, daß diese sogenannten Parlamente im wesentlichen Ausschüsse der staatlichen Exekutive und ihrer Auftraggeber darstellen, so muß ein Kampf um ernstliche politische Machtvcrschiebung in Preußen in erster Linie ein Kampf um die Verwaltung sein. Konfliktsperioden sind freilich bei der politischen Mündigkeit der großen Massen viel ris- kanter als vor S0 Jahren, und so bedeutet auch ein bloßes demo- kratisches Wahlrecht für das preußische Abgeordnetenhaus einen Strick um den Hals der junkerlich-milltaristischen Bureaukratie Preußens. Das gilt um so mehr, weil ein erkämpftes politisches Sbecht mehr Machtmöglichkeit verleiht, als ein geschenktes oder bloß überkommenes: mindestens bei seiner Turchtrotzung muß es Macht- Wirklichkeit gewesen sein; und ist es unter Entfaltung aller für und Wider wirkenden Kräfte errungen, so trägt eS, solange diese Kräfte üch nicht erheblich verschieben, zeitlebens den Stempel seiner Ab- stammung. . Gerade daraus aber und aus der ganzen politischen und ft�ialen Struktur Preußens ergibt sich wiederum als selbstverständ. „ der preußische Wahlrechtskamps geführt wird gegen die jetzige preußische Verwaltung als die Preisfechterm'hrer eigenen ?£tere5en ussd der gesamten hinter ihr stehenden Antidemokratie. Ohne ihre Niederwerfung kein Erfolg. fc U- tr6! �"Mche Wahlrechtskampf seit je ganz von ,elbst Mack-tdurck.'�?«" ePfeS urn die parlamentarische Methode der Machtdurchietzung ein Kampf um die Macht selbst, zunächst um die verbältnitse?n denT-v" � um di- Verschiebung der Macht- Neaen l f01®"6"' die außerbalb der staatlichen Jnsti- fcra tole �glicher Kampf, so in hervorragen- schöpft durch sich se�bst W Bedeutung ein Macht- Darüber sind im Grunde alle Genossen einig, gleichviel ob sie nun die Rolle des parlamentarischen Kampfes höher oder geringer werten. Es ist nicht nötig, in diesem Punkte einen Gegensatz zwischen Reformisten und Revolutionären zu konstruieren. Er be- steht nicht. Zu meinen, daß es bei dem Wahlrcchtskampfe um das Ganze der sozialen Revolution gehen müsse, daß es nur einen Kampf um d i c Macht, d. h. die gesamte Macht gebe, oder zu wähnen, daß nur ein Teilkampf nach Art des belgischen, holländi- schen oder österreichischen in Frage stünde, sind gleicherweise schäd- liche Axiome. Allerdings muß an der Spitze jeder Erörterung über den Wahlrechtskampf die klare, in alle Konsequenzen durchzu- denkende Erkenntnis stehen: der preußische Staat ist so festgefügt, und das Dreiklassenwahlrecht mitsamt der bureaukratisch-milita- ristischen Vorherrschaft, vor allem des Junkertums, bildet der- maßen den Grund- und Eckstein dieses Staatswesens, daß es bei dem Wahlrechtskampf notwendig nicht um ein kleines Bröckchen, son- dern um ein gewaltiges Stück Macht geht— auf Biegen oder Brechen; daß es in diesem Sinn„aufs ganze" geht. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich aber zugleich, daß es sich lohnt, den Wahlrechtskampf durchzukämpfen, koste es, was es wolle. Er ist ein Kampf nicht nur um ein großes Stück politischer Macht in Preußen und Deutschland, sondern auch— wenn man diesen Unter- schied anerkennt— um ein großes Stück wirtschaftlicher Macht. Wenn einige Genossen auf die Bedeutung der künftigen Zollkämpfe hingewiesen haben, so ist zu beachten, daß der Kampf um das preußische Wahlrecht seinem ganzen Charakter nach auf Nieder- werfung gerade der Kotericn und, wenn man will, Klassen aus- geht, die als Vampirc an den Adern der Volkskraft saugen und ohne deren jetzigen gewaltigen Einfluß schon unser gegenwärtiges Zoll- und Steuersystem undenkbar wäre. Der preußische Wahl- rcchtskampf ist also auch der beste Kampf gegen die Lebensmittel- teuerung, ein Schuß ins Schwarze der agrarischen Beutepolitik. Es handelt sich bei ihm aber weiter um alles überragende elementarste Interessen der gewerkschaftlichen Bewegung. Von der ungemeinen Wirkung der Wirtschaftspolitik auf die Gewerkschaften ganz zu sckqveigen; auf politischen Grundrechten baut sich der gewerkschaft- liche Kampf auf; Versammlungsrecht, Koalitionsrccht, Prcßrecht sind Lebensnerven der Gewerkschaften; die Klassenjustiz trifft die gewerkschaftliche wie die politische Bewegung in gleicher Schärfe; Polizei und Militarismus bedrohen und schlagen beide mit den gleichen niederträchtigen Schikanen, mit der nämlichen brutalen Gewalttätigkeit; Schule, Kirche, amtliche Jugendkorruption machen ebensowenig Unterschied. Der preußische Staat ist zudem der größte Arbeitgeber der Welt; der Wahlrechtskampf erstrebt Steigerung des proletarischen Einflusses auf ihn als den größten Arbeitgeber der Welt, der zugleich der kleinlichste und arbeiterfeindlichste der Welt ist und ohne Demokratisierung seiner Verfassung nicht einmal zur Erfüllung der primitivsten Arbeiterforderungen angehalten werden kann. Und das Schicksal der preußischen Staatsproletarier ist zu- gleich das Schicksal der deutschen Reichsproletarier sowie der Staatsproletarier in den übrigen deutschen Bundesstaaten und schließlich auch in hohem Maße bestimmend für die Lage der freien Arbeiterschaft. So gewinnt der Kampf um das preußische Wahl- recht gerade vom gewerkschaftlichen Standpunkte aus eine geradezu grundlegende Wichtigkeit und eine ganz eminente Dringlichkeit. Es erübrigt noch, daran zu erinnern, daß der Sturz und selbst eine erhebliche Schwächung der feudal-burcaukratischen Reaktion in Preußen für ganz Europa die Befreiung von einem AlbdÄuck heißen und weite durchaus nicht phantastische Ausblicke auf eine Neu- orientierung der inneren und äußeren Politik der ganzen zivili- sierten Welt eröffnen wird, ein Ziel des Schweißes und auch der Freiheit und des Blutes der Edelsten wahrlich wert. Das hohe Ziel verlohnt den höchsten Einsatz. Preußen ist in der Tat der archimedische Punkt, von dem aus eine ganze Welt der Nieder- tracht aus den Angeln gehoben werden kann und mutz. Aus der Periode des bloßen Geschehenlassens und Abwartens sind wir längst hinaus, endgültig. Wir können nicht mehr zurück oder anhalten, am wenigsten jetzt nach den Wahlen. Zaudern wäre Stillstand, Stillstand Rückschritt. Die Zeit ist reif, überreif. Der Fclsblock mutz aus dem Wege— gerollt oder gesprengt! Daß der preußisch-„parlamentarische" Weg nicht zum Ziele führt, ist seit langem Kindcrweisheit. Mit Münchhausiaden macht man keine Politik. Der Versuch eines legislatorischen Eingriffs vom Reichstag aus wird natürlich fortzusetzen sein; er hat jedoch vorläufig nur propagandistischen Wert. Stärkung der politischen, gewerkschaftlichen, genossenschaftlichen Organisation, Steigerung der Aufklärung und Kampfbereitschaft innerhalb und außerhalb der Organisation sind noch keine Mctho- den der Machtanwendung, sondern nur der Machtsammlung. Daß bloßes Vorhandensein der gesammelten Macht als eine stetige Drohung zur Durchsetzung von Forderungen und zur Abwehr von Anschlägen wirkt, hat die innere Politik mit der auswärtigen gc- mein. Aber auch der Grad an Respekt, den eine solche Drohung findet, hängt ab von dem Grad der Möglichkeit ihrer Ausführung. Die antimilitaristische Propaganda und die Propaganda in der Beamtenschaft dient einer wesentlichen Schwächung der reaktionären Stellung, gehört aber auch noch mehr in die Kategorie der Macht- sammlung. Strahendcmonstrationen sind eine Mobilisierung der Massen zum Zweck des energischen Willensausdruckcs. aber doch, von- ihrer propagandistischen Wirkung abgesehen, auch nur eine Drohung; und mit Versammlungen— ihre agitatorische Kraft hoch in Ehren— kommen wir in der Wahlrechtsfrage schon längst nicht mehr weiter. Im Austritt aus der Landeskirche und im Boykott der Kircheneinrichtuugen erblicken wir noch nicht genug geübte Machtanwcndungen, deren Wert nicht unterschätzt werden darf. Die Steuerverweigerung könnte theoretisch eine schneidige Waffe sein, ihre Durchführung stößt unter den heutigen Verhältnissen auf schier unüberwindliche Schwierigkeiten. Selbstverständlich darf keines der bisherigen Kampfmittel über Bord geworfen werden. Aber sie reichen nicht mehr aus; wir brauchen neue zu neuem Kampf. iEin Schlutzartikel folgt.) 24. Intervotionalkr KkrprbeiwKliiigrtß. Dritter Tag.. Karlsbad, 23. Juli_ 1913. Die Diskussion über den Bergarbeiterschutz wird fortgesetzt mit der Uebersetzung der Rede„, Duncan- Macdonalds(Amerika): Unsere Schutz- gesetze sind zum Teil ganz gut, aber sie werden nur dort� durch- geführt, wo die Organisation stark ist. In Kansas dürfen die Arbeiter zwar Inspektoren wählen, aber als sie einen Sozialisten wählten, bestätigte ihn die Regierung nicht und ernannte einfach einen anderen.(Hört! hört!) Da die einzelstaatliche Gesetzgebung gegeneinander ausgespielt wird, fordern wir eine llnited-�tates- Gesetzgebung. Zu Inspektoren werden vielfach ganz unwissende Leute ernannt. Die Inspektoren müssen Kaution stellen, dafür, daß sie die Gesetze durchführen werden— da sie aber meistens arm sind, stellen vielfach die Bergherren diese Kaution!(Lebh. Hört! hört!)— Zuruf: Tammanyhall!) Es besteht die Befürchtung, daß ein neues Gesetz, das in Illinois Arbeiterinspcktorcn einführt, vom Obersten Bundesgericht als ver- fassungswidrig aufgehoben wird. Die Kapitalskonzentration ver- stärkt den Widerstand des Kapitals gegen den Arbeiterschutz, popularisiert deshalb aber auch die Verstaatlichung der Bergwerke. — Da vielfach ganz ungelernte Arbeiter in die Zechen fahren, haben wir schon in einigen Staaten durchgesetzt, daß jeder Un- gelernte erst 2 Jahre unter einem Vollarbciter lernen muß. Gerade die große Zahl der zu uns kommenden Ausländer zeigt uns den gewaltigen Wert der Arbeiterinternationale, die auch den europäischen Arbeitern sagen muß, loas sie in Amerika er- wartet.(Großer Beifall.) M e r c i c r- Frankreich legt dar, daß die Schwäche der Orga- nisation die Durchfiihrung der Jnspektionsvorschriften vereitelt. Die Resolutionen(vom Staat besoldete Arbeiterkontrolleure, direkt und geheim gewählt,— Ausbau der Bcrgarbeiterschutz- gesetze) werden e i n st i m m i g angenommen. Exmissionen. Robert- Vorkshire i England) begründet eine Resolution, die die Arbeitervertreter in den Parlamenten auffordert, für Gesetze einzutreten, die die Unternehmer daran hindern, während Wirt- schaftlicher Streitigkeiten die Arbeiter aus ihren Häusern zu ver- treiben.— In Dorkshire ist das System der Exmissionen am meisten geübt worden, besonders bei den Streiks auf Cadeby und Damby, wo mitten im Winter Zehntausende Arbeiterfamilien auf die Straße geworfen wurden; ihre Unterbringung war für uns höchst schwierig, wir müssen aber die Mitwirkung der Kirchen an- erkennen. Solche brutale Mißhandlung muß verboten werden, wenn das Parlament versagt, werden wir uns direkt helfen. Der angeblich unmögliche Miuimallohn ist ja heute auch schon sanktio- niert(Beifall), so werden wir auch schließlich hier Erfolg haben müssen.(Lebh. Beifall.) B a r t e l s- Dortmund: Die sogenannten Wohlfahrtseinrich- tungen der Arbeiterwohnungen dienen allein der Wohlfahrt der Unternehmer.(Sehr richtig!) Die Rede unseres Bruders aus Großbritannien hat das wieder bewiesen; aber solche Brutalität kommt auch anderwärts vor, wenn auch weniger als in England; man fürchtet eben nach einem Hinauswurf der Arbeiter nicht mehr genug Hände zur Arbeit zu bekommen. Die„Arbcitgeberzeitung" schrieb ja selbst noch vor einigen Jahren, daß die Errichtung von Arbeiterkolonien natürlich geschäftlichen Rücksichten entspränge. (Hört! hört!) Aber außer der Bindung der Kolonicarbeiter ver- dienen die Zechen auch noch an den Mieten direkt. Das hat die Zeche Dorstfeld rundweg ausgesprochen. Unser Kampf gegen dieses Kasemattensystem gilt aber vor allein der Hemmung der Bewe- gungsfreiheit der Werkskolonisten. Arbeitsvertrag und Mietsvcr- trag dürfen miteinander nicht verquickt werden. Die Wohnungs- ordnung in den Werkskolonien steht vielfach einer Zuchthaus- ordnung gleich. Man läßt sogar die Krankenkassenorgane lKnapp- schaftsältesten) nicht in die Werkswohnungen, wie es z. B. 1908 die Zeche Schamrock tat. Die gesundheitliche Mangelhaftigkeit der Werkswohnungen ist bekannt, wenn auch einzelne Zechen bestrebt sind, die Wohnungen so einzurichte», daß sich die Arbeiter in ihnen heimisch fühlen. Noch jetzt hat die Zeche Maximilian in Hamm, Westfalen, erst jüngst Exmissionen wegen Lohnbewegung vorge- nommen. Die Einwohner müssen im Kolonieladen kaufen. Ein Drahtseil hält alle fremden Händler ab.(Hört! hört!) Fort mit der Hörigkeit der Werkskolonisten, die ihnen sogar die Lektüre und die Deckung des Konsumbedarfs vorschreibt.(Lebh. Zustimmung.! Verlassen wir uns mehr auf unsere Kraft, als auf die Regierungen! (Lebhafter Beifall.) E b e r t- Oesterreich: Unser große Streik 1900 hat uns die „Wohlfahrt" der Werkswohnungen kennen gelernt. Unser mehr als 00 jähriges Berggesetz gestattet, daß die Dienstordnung auch Bestimmungen über das bloße Arbeitsverhältnis hinaus enthalten darf. Ein späteres Gesetz gibt den Arbeitern zwar das Recht, die Dienstwohnung zu begutachten, aber die Bergbehörden halten sich stets an das Gutachten und die Wünsche der Bcrgherren. Drei- tägiges unentschuldigtes Fehlen ist ein Kündigungsgrund— also jeder Streik natürlich! Die Behörde bestätigt dieses„Recht" der Unternehmer, die bei Streiks die Arbeiter delogieren. Erst durch Prozesse müssen wir wenigstens eine Frist erkämpfen. Ueber die Verwendung der Werkstvohnungen als Erpressungsmittel gegen die Organisation, gegen Lohnforderung, gegen Abivanderung der Söhne der Kolonisten haben wir dieselben oder noch schlimmere Erfahrungen wie die Deutschen. Mehr als 30 Prozent der Berg- arbeiterfamilien wohnen in Werkswohnungen, in den Steinkohlen- revieren noch mehr. Die Fessel der Bergarbeiter muß gebrochen werden!(Beifall.) Qu entin- Frankreich: Wir haben zwar keine Exmissionen, aber zur Gewissensknechtung der Arbeiter werden die Werkswoh- nungen auch bei uns benutzt, man verbietet ihnen, Arbeiter- qeitungen zu halten, man zwingt sie in Anzin, ihre Kinder in derselben Grube arbeiten zu lassen. Wir stimmen also auch für die Resolution. Mit einer minutenlangen stürmischen Ovation wird der Märtyrer der nordameritanischen Bcrgar- bciterbewegung Mover beim Betreten der Rednertribüne begrüßt. Die kräftige Gestalt ist gebeugt, das Gesicht Moycrs zeigt deutlich die Spuren des Grames und der Leiden, dieses von einer infamen Parteijustiz, auf Denunziation elender, meineidiger Judasse jahrelang unschuldig eingekerkerten Genossen. Moyer: Wir sind mit der Resolution vollständig cinver- standen, wie überhaupt mit allen Forderungen der Bergarbeiter- internationale. Ich vertrete die Gewerkschaft der Erzbergarbcitcr des Westens von Nordamerika und British Columbiens. Gerade dort sind die Arbeiter durch die Werkstvohnungen versklavt. Bei einem Streik dort, durfte ich Grubengebiet nicht betreten, da aber alles der Grube gehört, durfte ich mich nur auf dem Eisen- bahnkörper bewegen, dort mußten die Arbeiter sich ver- sammeln, nur auf Eisenbahngcbiet konnte ich wohnen. Die Drohung mit der Exmission der Arbeiter brach schließlich den Streik. Aehnliche Zustände sind auch in Vancouver und in der Union selbst. Mit vollem Herz sind wir bei dem Werk der Jnter- nationale!(Stürmischer, anhaltender Beifall.)— Mittagspause. D e j a r di n- Belgien schätzt die Werkswohnungen genau so ein wie die Vorredner, und schildert besonders ihre Verwendung zu katholisch-kirchlichen Terrorismus. Selbst beim letzten Wahl- rechtsgencralstreii versuchte man es mit dem Einschüchtorungs- mittel der Wahnungskündigungen. Die Resolution wird einstimmig angenommen. Regelung der Kohlenförderung. Internationaler Sekretär Ashton gibt den Bericht des In- ternationalen Komitees. Der Amsterdamer Kongreß hat beschlossen, daß die nationalen Sekretäre Berichte und Vorschläge hierher ein- senden sollten. Das ist geschehen, die Berichte tvurden gedruckt versandt. Am 28. Februar bis 1. März d. I. tagte das Jnter- nationale Komitee in Brüssel und beschloß, daß alle Nationen zu- nächst eine internationale Einigung über Arbeitstag und Arbeits- Woche anstreben, für die Regelung der Kohlenförderung weiter agitieren und durch ihre Sekretäre weitere Berichte und Vorschläge zur Lösung dieser offenen Frage erstatten sollen. Sa ch se-Deutschland beantragt,'den Bericht ohne Debatte entgegenzunehmen, weil auch eine tagelange Debatte zu einem endgültigen Ergebnis nicht führen könnte.(Zustimmung.)— Der Kongreß beschließt dies. Die Beratung der Punkte Kollektivverträge und Minimallohn wird auf Vorschlag Sachses verbunden. Belgien beantragt: 1. Der Kongreß fordert, daß durch die Ge- werkschaften Kollektivverträge entweder nach Distrikten oder für ein ganzes Land abgeschlossen wenden.— 2. Wir fordern den Minimallohn für die Untertagsarbeiter auf dem Wege der Gesetz- gebung oder der Kollektivverträge. Arnswald- Deutschlan d: Gerade wir hätten Kollektivver träge am allernötigsten und ohne den christlichen Verrat von 1912 hätten wir sie auch erreichen können. Die Unternehmer behaupten, daß nur der Akkordlohn die Arbeitsleistung sichere. Aber England beweist das Gegenteil. Unsere Gesetzgebung hält sich von jeder Einmischung in den Arbeitsvertrag fern— im Interesse der Unter nehmer tut daS derselbe Staat, der doch selbst Mindestlöhne für seine Arbeiter und Beamten festsetzt. Gerade die niedrigen Löhne und der Umstand, daß sie schwanken und unter jedes Maß gedrückt werden können, steigern die Unfall- und Krankenziffern im Berg- bau über die Zahlen bei allen anderen Berufen heraus. Von Jahr zu Jahr sinkt die Lebensdauer und Dienstzeit der Bergarbeiter. Tarifverträge würden den Lohndruck bei abflauender Konjunktur hindern, betrug er doch im Ruhrrevicr 91 Millionen M.!(Hört! bört!) Die Arbeitsordnung im Ruhrrevier bestimmt, daß bei Nichteinigung über das Gedinge dem Arbeiter zwei Drittel des letztmonatigen Durchschnittslohns gezahlt wird— also eine Strafe für Nichteinigung. ein Hohn auf den Mindestlohn. Als Sachse und Hue beim Kaligesetz im Reichstag die Bestimmung forderten, daß Tarifverträge zu schließen seien, da verrieten die Zentrums- arbeiter ihre alte Forderung und stimmten dagegen! Wir konnten aber doch einen gewissen Minimallohn durchdrücken.— Man klagt über den Geburtenrückgang. Möge'der Staat, der mehr Soldaten braucht, für angemessene ArbeherVhne sorgen!(Beifall.) Labbe- Belgien tritt für die Anträge ein. Die Minimal lohnfrage steht augenblicklich im Vordergrund des Interesses. Die belgischen Lohne sind sehr niedrig, das hat das Handelsamt 1995 selbst festgestellt. In Frankreich find sie 25 Prozent, in Deutsch- land 37 Prozent nnd in England 48 Prozent höher wie in Belgien bei allen Arbeitern, und eine entsprechende Progression gibt es auch für die Lebenshaltung. Wir haben also die Festsetzung der Minimallöhne besonders nötig. Pohl- Oesterreich(Westböhmen): Vieles von dem, was die Vorredner sagten, trifft für unS besonders zu. Auch unsere Unter- nehmer sagen, daß die Bergleute Tarifverträge nicht halten wür- den und Minimallohn könnte es nur bei normaler Arbeitsleistung geben. DaS aber sollen die Unternehmer einseitig festsetzen, wie sie eS jetzt tun, denn das einzige Recht des österreichischen Berg- arbefters ist, bei Nichteinigung über das Gedinge in 14 Tagen zu gehen. 79 Prozent all unserer Streiks sind Slbwehrstreiks gegen Löhnreduzierung oder Kämpfe um den versprochenen Lohn. Unsere Bergarbeiter sollen schlecht sein. Warum läßt man sie mit hohen Ausgaben für Deutschland und Amerika anwerben?(Sehr gut!) Wir haben jetzt wenigstens I4tägige Lohnauszahlung, freies Gc- zähe und Gelenchte, Verbot gewisser Abzüge und Einrechnung der Sluszahlungsdctuer in die Schichtzeit erreicht, aber obwohl das Ge- setz seit acht Monaten in Kraft ist, müssen wir überall um seine Durchführung kämpfen. Der Minimallohn hat für uns leider zur- zeft nur prinzipielles Interesse, wir stellen aber mit Freude fest, daß unsere britiscken Brüder ihm die Wege geebnet haben.(Leb- baster Beifall.) Gegen jede Lohnforderung haben wir das ge- schlossene Bürgertum gegen uns mit den Unternehmern. In Oesterreich würde man den delegierten(exmittierten) Streikenden nicht die Kirchentore öffnen,— nein, man würde sie mit den Bajonetten der Gendarmen verteidigen.(Lebhaftes Sehr wahr! — Zurufe: In Deutschland auch! In Holland auch!) Der Pro- duktionSgewinn der Unternehmer stieg von 1997 bis 1919 von 60,36 Prozent auf 62,35 Prozent des Produktionswerts im Reichs- durchschnitt!— Wir wissen sehr wohl, daß auch unser Parlament erst dann uns Rechnung tragen wird, bis wir, wie die Engländer, stark genug find, daS ganze Wirtschaftsleben lahmzulegen.(Leb- hafter Beifall.) Der Kongreß vertagt die Weitevberatung auf morgen, Donnerstag, früh._ Lieme»!& yskile gegev den Carif- »ertrag. verrat der Lokalisten.— Die„Berliner BolkSzeiwng". Am 27. Juni berichteten wir über eine Versammlung des Zimmerervcrbandes, die sich mit tariftvidr-igen Zuständen und Maßregelungen auf dem von der Firma Siemen? u. Halske aus- geführten Bau der Untergrundbahn, Strecke Müllerstrah«, be- fchäftigte. Eine weitere Folge dieser Versammlung war eine von der Lokalorganisation abgehaltene Versammlung, worüber die „Berliner Volkszeitung" am 9. Juli einen Bericht brachte. Dieser Bericht wird auf Seiten des Verbandes der Zimmerer als so tendenziös entstellt bezeichnet, daß eS der Verbandsleitung not- wendig erschien, in einer am Mittwoch abgehaltenen Mitglieder- Versammlung den wahren Sachverhalt im Zusammenhang darzu- legen. Der Vorsitzende der Berliner Zahlstelle des Zimmererver- bandeS, Genosse Witt führte hierzu folgendes aus: Die Vorgänge auf dem Bau der Untergrundbahnstrecke Müller- straße bedürfen im Interesse unseres Berufs sowie der Arbeiter- betvegung einer nochmaligen Klarlegung, um so mehr, als die „Berliner BolkSzeitung" aus Anlaß einer von etwa 129 Personen besuchten Lokaliftenversammlung einen Bericht veröffentlicht hat, der an Verdrehungen und Entstellungen nichts zu wünschen übrig läßt. Ich habe der„Berliner Volkszeitung" nie viel Arbeiter- freundlichkeit zugetraut, aber daß sie einen so entstellten Bericht in die Welt setzen würde, hätte ich nicht erwartet. Sie hat damit der organisierten Arbeiterschaft einen schlechten Dienst erwiesen und sich in die Reihen der schlimmsten Hetz- und Skandalblätter gestellt. Die„Berliner Volkszeitung" hat durch ihren Bericht nicht nur die taristvidrigen Zustände bei der Firma Siemens u. Halske gutgeheißen, sondern sie hat auch den schweren Verrat, den die Lokalisten an den Verbandsmitgliedern versucht haben, beschönigt. Demgegenüber müssen wir klarstellen, daß es sich auf dem ge- nannten Bau um nichts anderes gehandelt hat, als von der Firma Siemen? u. Halske dasselbe zu verlangen, was alle Unter- nehmer unseren Kameraden gegenüber laut Tarif zu erfüllen haben.— Am 22. Mai wurde uns mitgeteilt, daß die Firma Siemens u. Halske den Tarif nicht innehält und daß' auch sonst noch Mißstände auf der Baustelle bestehen. Wir haben an Ort und Stelle festgestellt, daß diese Angaben zu- treffen und haben den bauleitenden Ingenieur ersucht, Abhilfe zu schaffen. Es wurde uns versprochen, daß die tarifliche Arbeitszeit eingeführt werden soll. Sonst aber ist im großen und ganzen an den taristvidrigen Zuständen nichts geändert. Da eine Abhilfe an Ort und Stelle nicht möglich schien, besprachen wir die Mißstände am 25. Juni in einer Verbandsversammlung. Eine Resolution wurde angenommen, welche das tarifwidrige Verhalten der Firma verurteilt und den Magistrat ersucht, die Firma zur Jnnehaltung des Tarifs zu bewegen.— Am 27. Juni hat der„Vorwärts" über diese Versammlung berichtet. Daß unsere Angaben über die Miß- stände auf dem Bau den Tatsachen entsprechen, wird dadurch be- wiesen, daß die Firma Siemens u. Halske unseren Angaben öffentlich nicht widersprochen hat. Aber sie hat in anderer Weise auf unsere Versammlung reagiert. Zwei unserer Kameraden wurden plötzlich entlassen, gleichzeitig aber vier andere Zimmerer eingestellt. Arbeitsmangel >var also nicht der Grund der Entlassung. Wir forderten vom Polier die Wiedereinstellung unserer Kameraden. Er der- weigerte sie und sagte, der Tarif gehe ihn nichts an; er habe eS sq emgerichtrt, daß nicht zu viele Verbandsmitglieder eingestellt, werden, damit sie nicht in die Lohn- und Arbeitsverhältvisse hin- einreden. Nach dem Grunde der Entlassung befragt, gab der Polier an, der eine der Entlassenen habe einen losen Mwsd gehabt und der andere habe das Material zum Vortrage tu der Persamm- lung geliefert. Am 2. Juli hielten wir eine Versammlung der auf her Bau- stelle beschäftigten Zimmerer ab. Von den 69 Beschäftigten er- schienen 54. Von den dort Beschäftigten gehören etwa zwei Drittel der Lokalorganisation an. Ein Drittel sind Verbandsmitglieder, auch sind noch einige Unorganisierte beschäftigt. Die Versammlung sprach die Meinung aus, daß die Kameraden ohne Unterschied der Organisationszugehörigkeit verpflichtet sind, gegen die Mißstände Front zu machen und gemeinsam dafür einzutreten, daß unsere beiden gemaßregelten Kameraden wieder eingestellt werden.— In der vorhergegangenen Diskussion sagte ein Lokalist, unser Vorgehen bei Siemens u. Halske sei nur eine Stänkerei. Weisel, der ehemalige Geschäftsführer der Lokalisten erklärte, von Miß- ständen bei Siemens u. Halske sei ihm nichts bekannt; er lehne jede Solidarität mit uns ab, weil der Verband vor Jahren beschlossen habe, daß seine Mitglieder mit Lokalisten nicht zu- sammenarbeiten sollen. K l a m a n n, der Vorsitzende der Lokalisten, erklärte sich damit einverstanden und sagte, wenn Witt nicht zurücknimmt, was er bei der Tarifbewegung 1912 sagte, nämlich, daß die Lokalisten nicht als Arbeitsbrüocr zu betrachten find, und wenn Witt nicht verspricht, daß kein Terrorismus gegen die Lokalisten geübt werden soll, dann können diese sich nicht mit den Verbandsmitgliedern solidarisch erklären. Darauf habe ich erklärt: Eine Resolution, welche die Verbands- Mitglieder verpflichtet, nicht mit Lokalisten zusammenzuarbeiten, hat der Verband nie beschlossen. Meine Bemerkung am 6. November 1912, daß nur der als Arbeitsbruder zu betrachten ist, der dem Verbände angehört, war durchaus angebracht. Sie ist so gemeint, daß wir alle in eine Organisation gehören. Die söge. nannten Terrorismusfälle werden von den Lokalisten sehr stark übertrieben. Meistens ist gar nichts daran oder die Schuld liegt auf beiden Seiten. Oft werden auch unsere Kameraden von den Lokalisten provoziert. Doch auf das alles kommt es jetzt nicht an, hier handelt es sich nur t«rum, daß wir gegen bestehende Miß- stände auf der Baustelle gemeinsam vorgehen.— Als eS in der Versammlung zur Abstimmung kam, stimmten für die Wiederein- stellung der beiden Gcmatzregelten nur die Verbandsmitglieder. Die Lokalisten enthielten sich der Abstimmung. Die Wahl einer Kommission, welche beim Baumeister vorstellig werden sollte, kam nicht zustande, weil die vorgeschlagenen Kameraden fürchteten, ge- maßregelt und dann von den Lokalisten im Stich gelassen zu wer- den. Die Versammlung war damit einverstanden, daß ich zum Baumeister gehen sollte.— Die Lokalisten hatten also ihr Ziel, ein einmütige? Vorgehen auf der Baustelle zu hintertreiben, erreicht. Aber sie gingen noch weiter. Als ich tags darauf den Baumeister der Firma Siemens u. Halske aufsuchte, wurde vor mir Weisel zu ihm gelassen. Nachdem er eine Stunde mit dem Baumeister verhandelt und sich entfernt hatte, wurde ich vorgelassen. Ich trug die Forderungen unserer Kameraden vor. Darauf erklärte der Baumeister: Die Firma Siemens u. Halske erkennt den Tarif grundfätz- lich nicht an. Den Tariflohn von 89 Pf. zahlt sie aus freiem Willen. Die Firma lehnt eS ab, Zuschlag für die Nachtarbeit zu zahlen; sie läßt sich über die Arbeitszeit keine Borschriften machen und kann auch nicht davon abgehen» daß der Lohn für vier Tage stehen bleibt, die Arbeitsordnung mutz von allen Be- fchäftigte» unterschrieben werden. Auch die Wiedereinstellung der Entlassene« wird abgelehnt." Ich machte den Baumeister darauf aufmerksam, daß, wenn er den Tarif nicht anerkenne, er damit rechnen müsse, daß die Zim- merer m e h r als den Tariflohn verlangen. Der Baumeister ant. wortcte mir:„Damit werden sie kein Glück haben. Ich habe eben mit Weisel verhandelt, der hat mir namens der Loka- listen versichert, daß sie mit den Lohn- und Ar- beitSbedingungen durchaus zufrieden find und dieselben als durchaus gut und einwandfrei betrachte n." „Dem Verlangen des Verbandes," sagte der Baumeister�„kann ich nicht stattgeben, ich werde noch mit denen sprechen, die Sie als Wilde bezeichnen. Die werden sich gewiß mit den Lokalisten ein- verstanden erklären, also ist die Mehrheit zufrieden." Damit war unsere Verhandlung zu Ende. Die Haltung des Baumeisters war, wie ich in einer Bauversammlung am 4. Juli erklärte, die richtige Antwort auf das schlappe Verhalten oer Loka- listen. Wenn alle auf dem Bau Beschäftigten einig gewesen wären, dann wäre das Resultat ein anderes gewesen. Es ist ein Skandal, daß d i e Leute, die immer so radikal tun, uns wie Hintzebrüdcr in den Rücken fallen und Arbeiterverrat in höchster Vollenoung treiben. Das haben wir den Lokalisten in der Bauversammlung gesagt, wo aber nur drei von ihnen anwesend waren. Auch dort erklärten die Lokalisten wieder, für die Beseitigung der Mißstände würden sie eintreten, aber nicht für die Wiedereinstellung unserer entlassenen Mitglieder. Ich ließ nun diese Forderung fallen, um ein gemeinsames Vorgehen zur Beseitigung der Mißstände zu er- möglichen. Darauf erklärte K l a m a n n, der Vorsitzende der Loka- listen, sie müßten über diese Angelegenheit einen Beschluß ihrer Mitglieder herbeiführen. Ich sagte:„Warum sind Eure Mitglieder nicht hier? Warum habt Ihr sie abkommandiert? Hier hätten sie doch beschließen können. Nun gut. Laßt Eure Mitglieder in einer neuen Versammlung beschließen und teilt uns den Beschluß mit." Am 7. Juli bekam ich dann einen Einladungszettel zu� einer von den Lokalisten einberufenen öffentlichen Zimmererversamm- lung. Ich ging hin. Weisel als Referent sang ein Loblied auf die Firma Siemens u. Halske und ihren Polier und be- zeichnete den Bericht des„Vorwärts" über unsere erste Versamm- tung als ein Lügengewebe; Mißstände existierten aus dem Bau überhaupt nicht.— Demgegenüber habe ich meine Angaben auf- recht erhalten und mitgeteilt, daß der Polier schon wieder zwei Berbandsmitgliedcr entlassen hat, weil sie in der Bauversammlung für die Wiedereinstellung der Gemaßregelten eingetreten sind.— Das Lokalistenblatt„Die Einigkeit" sagte am 5. Juli, in solchen Fällen zwinge man den Unternehmer durch die Sperre zur Ancr- kennung der Arbeiterforderungen, aber die Verbändler hätten sich durch ihre Tarife diesen Weg verlegt. Nun habe ich den Lokalisten in der Versammlung am 7. Juli erklärt: Wir sind bereit, den Bau zu sperren, es liegt an Euch, einen dahingehenden Beschluß zu fassen. Darauf bemerkte Klamann: Was der VerLand erkläre, sei ihm nicht maßgebend, wegen der schlechten Konjunktur sei ein Vorgehen gegen die Firma ausgeschlossen.— Die Versammlung nahm zwei Resolutionen an. Die eine billigt das Verhalten von Weisel und Klamann, die andere stellt der Firma Siemens u. H a l s ke ein Vertrauensvotum aus und verurteilt die Maßnahmen des Verbandes sowie den Bericht des„Vorwärts". — Damit war die Komödie der Lokalisten zu Ende. Für uns handelt es sich jetzt darum, die verräterische Hand- lungsweise der Lokalisten an den Pranger zu stellen und denen von unseren Kameraden die Augen zu öffnen, die noch glaubten, sie müßten bei der Tarifbewegung Rücksicht auf die Lokalisten nehmen. Wenn wir jetzt ein« vertragSlose Zeit hätten, die Loka- I listen würden unS in unseren Lohnbewegungen gewiß nicht unter- stützen. Sie würden unseren Kampf illusorisch machen. Der Vor- gang bei der Untergrundbahn beweist das. Das Bestreben, ihre Sonderorganisation zu erhalte», treibt die Lokalisten in die Arme der Unternehmer und zum Streik, bruch. Gewerkschaftlich sind sie nichts mehr. Ihr Kampf richtet sich nicht gegen das Unternehmertum, sondern nur gegen den Verband und die Arbeiterbewegung im allgemeinen. Das hat auch ihr Vor- gehen bei der Untergrundbahn gezeigt. Den Darlegungen des Referenten folgte eine längere Dis- kussion, in der allseitig der Bericht der„Berliner Volkszeitun�" über die Lokaliftenversammlung als ein tendenziöses Machwerk be- zeichnet wurde, dem alle sachlichen Momente fehlen, während Nebensächlichkeiten in erkennbarer Absicht breitgetreten werden. Em Industrie und Findel. Differenzen zwischen Hapag und Lloyd. Zwischen der Hamburg-Amerika-Linie und dem Norddeutschen Lloyd schweben seit einiger Zeit erhebliche Unstimmigkeiten, über deren Ursachen die bürgerliche Presse berichtet: Bekanntlich haben beide Reedereien die Beteiligung, die ihnen für das deutsche Aus- Wanderergeschäft vom allgemeinen nordatlantischen Dampfer- Pool zugeteilt worden ist, so untereinander verteilt, daß auf den Lloyd 57 Proz., auf Hamburg-Amerika-Linie 43 Proz. der deut, scheu Beteiligung entfallen. An dieser Quote ist auch seit Jahren bei den Verhandlungen zur Erneuerung des allgemeinen Pools nichts geändert worden. Inzwischen stellt aber die Hamburg- Amerika-Linie die Dampfer der Jmperator-Klasse in Fahrt, und sie hat daher ein großes Interesse an einer Erhöhung der Quote, wogegen sich der Li o ablehnend verhält. Die Differenzen zwischen dem Lloyd.od der Hamburg-Amerika-Linie haben aber auch auf den allgemeinen Pool übergegriffen. Dieser wurde am 18. Oktober 1911 aus fünf Jahre bis zum 23. Februar 1916 ver- längert. Durch den Austritt der Canadian-Pacific-Bahn aus dem Pool ist der Pool aber aus eine andere Grundlage gestellt worden, in der alle Beteiligten darüber übereingekommen find, den Pool bereits mit Ende dieses Jahres aufhören zu lassen. Nun ist man mit den Erneuerungsverhandlungen beschäftigt, die durch die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden deutschen Reedereien beeinträchtigt werden. Die Verhandlungen zwischen Hapag und Lloyd sind bis jetzt ohne Ergebnis geblieben und äugen- blicklich auf dem toten Punkt angelangt. Eine dritte Quelle der Unstimmigkeiten ist die Frage der staatlichen Dampfer, subventionen. In dem letzten Jahresbericht hat sich der Per, ein Hamburger Reeder, dessen Vorsitzender Generaldirektor Ball in vom Hapag ist, sehr scharf gegen solche Subventionen ausgesprochen, weil ohne sie die übrigen Schiffahrtsgesellschaften konkurrenzfähiger würden. Es ist nun möglich, daß die Hapag den Lloyd bei der Reichsregierung„unterboten" hat und bei gleichen Verpflichtungen geringere Subventionen fordert als der Lloyd. Die Lage des Eisenmarktes zeigt recht deutlich die Konjunktur- abschwächung. Natürlich sind die Werke bemüht, diese Tatsache zu verschleiern, um möglichst lange die Preise zu halten. Dieses Be- mühen tritt auch in den Mitteilungen des StahlwerkSver, b a n d e s über die Geschäftslage hervor. Es heißt dort: DaS In- landsgeschäft in Halbzeug hat seit dem JunibericÄ eine Aenderung nicht erfahren. Der Abruf ist infolge des schwächeren Geschäfts, ganges bei den Halbzeugverbrauchern und wegen der Inventur- arbeiten etwas ruhiger. Auf dem Exportmarkte ist die Preis- bewegung nach unten zum Stillstand gekommen. Es konnten sich sogar geringere Aufbesserungen durchsetzen. Auch zeigt sich mehr Kauflust. In schwerem Oberbaumaterial wurde der Bedarf der preußischen Staatsbahnen für daS Etatsjahr 1914 an Schiene», Schwellen und Kleineisenzeug den Werken überschrieben. Bon feiten der württembergischen Staatsbahnen ist ein zweiter Nach- trag für 1913 überwiesen worden. Die mecklenburgische Staats- bahn hat ihren Bedarf für das EtatSjahr 1914 in Austrag gegeben der den vorjährigen übertrifft. Auf dem Auslandsmärkte t» schweren Schienen haben in der letzten Zeit, entsprechend der all- gemeinen Weltmarktlage, die Anfragen nach neuen Käufen etwa» nachgelassen. In Grubenschienen ist der Abruf auf die ge- tätigten Abschlüsse noch zufriedenstellend._ Im Auslände wirkt der belgische Wettbewerb nachteilig auf die Preisbildung ein. Da» Rillenschicnengeschäst ist noch befriedigend, und die Werke sind sehr gut besetzt. In: Auslande niacht sich neuerdings die belgische und englische Konkurrenz bemerkbar. In Formeisen(Inland) herrscht infolge der bekannten ungünstigen Verhältnisse auf dem Geldmarkt weiter Zurückhaltung. Wenn trotzdem in den ersten 29 Tagen dieses Monats der Speziftkationseingang höher war als in der gleichen Vorjahrszeit, so beweist dies, daß vor» läufig der Bedarf immer noch etwas größer ist als die Kauflust. Im Auslande liegen die Verhältnisse ähnlich Auch hier herrscht infolge der allgemeinen Abschwächung des Marktes und der durch den Wiederausbruch der Balkanwirren hervorgerufenen erneuten Beunruhigung wenigNeigung fürKäufeauf längere Zeit. Gerichts-Leitung. „Kientopp-Kinder". Dieses bezeichnende Wort wurde gestern in einer Verhandlung geprägt, in welcher es sich wieder einmal um die Zuverlässigkeit von Kinderaussagen handelte. Wegen Verbrechens gegen die Sitt- lichkeit im Sinne des ij 176,3 Strafgesetzbuches war der frühere Kinematographen-Theatcrbesitzer Willi Burstein und der Dreh- orgelspieler Gustav Nickel vor der 4. Ferienstrafkammer deS Land, gerichts I angeklagt. Der Angeklagte Burstein betrieb längere Zeit ein autgehendes Kinematographen-Theater in dem Stadtteil Moabit. Da es ihm schon wiederholt aufgefallen war. daß sich der Ailgeklagte Nickel. der das Theater häufig besuchte, in auffälliger Weise an verschiedene Schulmädchen herandrängte, gab er«uf�N besonders ,c�rfe Obacht. Eines Nachmittags faßte er den ec mit drei Schulmädchen den Abortraum aufgeiucht und sich an ihnen vergangen hatte Nickel wurde daraufhin einige Tage spater verhaftet. Wie B be�uptet, muh es ihm � oer Av.�enze.t ibn die schärften finanziellen Folgen, da er gezwungen war. lern fchb'eßen. dlung verwickelten sich die als Zeug«, vernommenen� beiden SchÄmädchen in starke Widersprüche bezüg- lich der dem Anacklägten Burste.n zur � gelegten Straftaten. schon"m ehr mals in raffinierter We.se Entschuldigungszettel ge- fäli'ckit bat und trotz des Alters von 13 Jahren noch in der vierten fibf ferner ergab es sich, oaß der Mutter des Mädchen ta» NehIngsreA entzogen worden war und daß das Mütchen zu anberrn Personen wiederholt derartig gemeine Worte gebraucht WV; Lfi ein alter Wachtmeister dabei erröten würde. Der Staatsanwalt beantragte gegen Burstein 8 Monate und gegen den aeitändigen Angeklagten Nickel 19 Monate Gefängnis. Für den Anaeklagten Burstein machte Rechtsanwalt Dr. Puppe geltend. es sich hier um echte Kmo-Kinder handele, auf deren wider- sprechende Aussagen hin ein bisher unbescholtener und aläruend beleumundeter Mann unmöglich verurteilt werden könne. Das Gericht schloß sich diesen AuSführmigen an und erkannte ataen Burstein auf Freisprechung. Nickel wurde auf Grund fewcS Geständnisses zu 8 M-aate Gefängnis verurteilt. | Todes-Anzeigen� SozialiemokpatiscIierWahlYereiii f.tl. 4. ßeri. Reiebstagswalükreis. Frankfurter Viertel. Bezirk ZS4 I Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unser Genosie, der Maler frieäridi Makuth Barnmistraße 13 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Lonnabend. den SS. Juli, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen. Halle des Krankenhauses im Friedrichshaw, Eingang Virchow- straße.aus aus dem Bartholomäus- tirchhose in Weigensee, Fallen- bergcr Weg, stait. Um rege Beteiligung wird er- sucht,_ Stralauer Viertel. Bezirk 203. STachrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosie, der Schmied Ulbert Lcdäker Lange Straße 52 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 215/18 Der Torstand. Sozialdeinokratiseiier WaWyerein I Am 19. Juli verstarb unser Parteigenosse Ott« May Knisebeckstraßi 7, 13. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 25, Juli, nach- mittags 2'/, Uhr, aus dem Neu- löllner Gemeinde-Friedhofe, Ma- riendorser Weg, stall. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand., HeutzeberMäitoitei'-Vertäiii! Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosier «Jod. Höhne Lhchener Str. 132, am 22. Juli gestorben ist. _SMe Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. Juli, nach- mittags t Uhr, von der Leichen- Halle des Gethsemane-Kirchhoses, Nordend, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Klempner �uxust Voxt Wiclesstrahe 11, am 20. Juli. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. Jull, nach- mittags i Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-KirchhofeZ in Plötzensee auS statt. Ferner starb der Schlosier unser Mitglied, kram Dittig Siemensstr. 11, am 23. d. M. an Zuckerleiden. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. Juli. nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Johanncs-KirchhoseS in Plotzensce aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 122/12 Die Ortsverwaltung. Dom von Mailand, das größte Laubsägekunstwerk der Welt, ist vom SS. Juli ab im Restanrant zur alten Spree- terrassc, Jannowitibrucke. aus. gestellt. Bersertigungszcit>'/, Jahr. Enttee für Erwach ene S« Pf.. Kwder 10 Ps. l62Sb Dentsetier BaQarbeltemrbaQi Zweigverein Berlin. Am 23. Juli starb unser Mit- glied, der Maurer Karl Raeke (Bezirk Südost.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Emmous- Kirchhofes in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 143/18 vor Torstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die ttaurige Nachricht, daß mein lieber Mann und guter Vater, der Maurer Marl Ita«lk« am 23. Juli nach langen, schweren Leiden im 57. Lebensjahre ner- starben ist. 6SA DieS zeigen ttesbetrübt an Ernostln« Raeke, geb. Märten, nebst Kinder. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 26. Juli, nachmlltagS 4 Uhr, von der Halle des Emmaus-KirchhoseS, Hermannstr., aus statt. Mal-krankeii- verein der Sehmiede und»erw. Gewerbe Deutschlands. Zahlstelle Berlin 11. Den Mitglietern zur Nachricht, daß unser Kollege LduanZ Mielke Willdenowstt. 1 verstorben ist. 287/15 Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. Juli, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle deS städtischen Friedhofes, Muller- straße, Ecke Seestraße, au» statt. Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbelter-Yerband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler ürast Starck Hennigsdorf er Str. 37 im Aller von 35 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beeidigung findet heute Freitag, den 25. Juli, nachmittags 3'/. Uhr, von der Halle des Ge- melndesriedhoss, Seestr., auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 86/8 Die OrtSverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und unserer guten Mutter sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere den Arbeitern und Ar- beiterinnen der Velvetsabrik und den Bewohnern deS Hauses Köpenicker Stt. 160 unseren ttesgesühllen Dank. iStanlslans Dolata. Kranzspenden sowie sämtliche Blumcnarrangcitients liefert schnell und billig Rani Eiross. Lindenstr.69, Tel.Mpl.7203. Freitag, den 25. Juli 1913. Ansang Tl, Uhr. Prater. Das Bummelmädchen. Ansang 7'f, Uhr. Neues Opern(Kroll). Die Meiste» singer von Nürnberg. Antang 8 Ubr. Urania. Von der Zugspitze zum Wahmann. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Ruf. Schiller O. Stella marie. Berliner. Filmzauber. Dbalia. Pupvchen. Metropol. Die Kino-Königm. Wintergarte». Spezialstäten. Reichshallen. 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Den Anschluß an die Ar- beitslosenversicherung der Stadt haben im ersten Halbjahr 44 Gewerkschaften und 2 Sparvereinigungen vollzogen! außerdem wurden von 22 Einzelsparern Einzahlungen auf die besonderen Arbeitersparbücher gemacht und damit das Recht zum Bezug der Unterstützung erworben. Im ersten Halb- jähr meldeten sich 943 Arbeitslose, und zwar 414 Ledige und 529 Verheiratete mit 777 Kindern unter 14 Jahren. Hiervon wurden 145 Arbeitslose unter Berufung auf das Statut abgewiesen. In den Genuß der Arbeitslosenunterstützung gelangten 798 Personen, und zwar 329 Ledige und 469 Ver- heiratete mit 679 Kindern. Die meisten Unterstützungs- elnpsänger gehörten dem Holzarbeiterverbandc an. es folgen die Verbände der Buchdrucker, der Zimmerer, der Metallar- beiter, Buchbinder usw.; 19 Unterstützte gehörten Sparver- einigungen an. 3 waren Einzclsparer. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit dauerte 16,4 Tage. An städtischem Zuschuß wurde in 892 Fällen die Summe von 9746 M. bezahlt oder 10,92 M. pro Fall. Ein abschließendes Urteil über die Einrichtung will der amtliche Bericht bei der Kürze der Praxis noch nicht fällen. Er weist nur auf die große Geschästsvermehrung hin, die dein städtischen Arbeitsamt durch die Angliederung der Ar- bestslosenversicherung erwachsen sei, und betont, daß eine be- friedigende Kontrolle über die tatsächliche Arbeitslosigkeit und die Unmöglichkeit, anderweitig Arbeit zu erhalten, sehr erschwert sei. Auch die Gewerkschaften seien in den ineisten Fällen lediglich auf die Aussagen der Arbeitslosen selbst an- gewiesen. Während die organisierte Arbeiterschaft sich die Einrichtung in weitgehendem Maße zunutze zu machen suche, habe die Möglichkeit des Anschlusses von Einzelsparern wenig Beachtung gefunden. Das ist erklärlich. d.enn der Arbeiter, der überhaupt über seine Lage und seine Zukunft nachdenkt, schließt sich seiner Gewerkschaft an. die korporativ der Ar- beitslosenversicherung angeschlossen ist. Zur Schlichtung von Streitfällen über die Anwendung des Statuts besteht ein Schiedsgericht, das sich aus dem Referenten des Gemeinderats für die Arbeitslosenunterstützung und je einem Unternehmer- und Arbeitermitglied der Kommission für das städtische Ar- beitsanit zusammensetzt. Dieses Schiedsgericht hatte über 11 Fälle zu entscheiden, von denen vier zugunsten der be- schwerdefiihrcndcn Arbeiter, die übrigen abweisend erledigt wurden. Bemerkt mag noch sein, daß der städtische Zuschuß für die Mitglieder der Berufsvereine auf 59 Proz. der Leistung dieser Vereine, höchstens 1 M. täglich, festgesetzt ist.. Dieser I standen. Seit einiger Zeit hat jedoch ein Mißstand in diesem Be- �rufszweig Fuß gefaßt, der die früheren Preise erheblich zu ver- schtechtern geeignet ist. Das Zwischenmeistersystem breitet sich hier immer mehr aus, und die einzelnen Zwischenincister unterbieten sich gegenseitig in den Preisen. Dadurch werden die Preise fortwährend herabgesetzt. In der vorigen Woche haben nun die botreffenden Arbeiter eine Versammlung einberufen, die sich mit dieser Angelegen- heit beschäftigte. Die Versammlung beschloß, daß eine K-.mrmission Vorschläge ausarbeiten solle, die, sobald eine bessere Geschäftslage eintritt, den Unternehmern einzureichen sind. In einer zweiten Versammlung gab nun die Kommission ihre Vorschläge bekannt. In der Hauptsache handelt es sich mü eine be- stimmte Regelung der einzelnen Akkordsätze, sowie um die Be- stimmung, daß bei Bedarf von Arbeitskräften der paritätische Arbeits- Nachweis zu benutzen ist. Die Versammlung stimmte den Vorschlägen einstimmig zu. DeuvIcKes Reich. Zum Kampf der Hamburger Werftarbeiter. Am Donnerstag, den 24. Juli, tagte in Hamburg ei,ie außer- ordentliche Generalversammlung des Verbandes der SchiffZzimmerer Deutschlands. Nach eingehender Debatte, die sich mit den Ver- hältnissen auf den Seeschiffswersten und der Lage des gegeuwärtigen Streiks beschäftigte, wurde folgende Resolution angenommen: „Die heute, am 24. Juli 1913, im Hamburger Gewerkschaftshause tagende außerordentliche Generalversammlung des Ver- bandes der Schiffszimmercr Deutschlands erklärt, daß die auf den Seeschiffswerflen vorgenommene Arbeitseinstellung«ls eine statutarisch unberechtigte zu betrachten ist. Das Verhulten des Zentralvorstandes zur Wersiarbeiterbewegung muß, da es statutarisch als richtig zu gelten hat, anerkannt werden. In An- beträcht der äußerst schwierigen Lage unseres Verbandes und in Anbetracht der weiteren Tatsaäie, daß unsere Mitglieder durch das Vorgehen der Mitglieder anderer Organisationen bei diesem Kampfe in Mitleidenschaft gezogen sind, erklärt die General- Versammlung, daß unseren streikenden Mitgliedern in diesem Falle die volle Streikunterstiitznng zu teil wird." Außerdem wurde folgende Entschließung angenommen: „Die Generalversammlung beschließt, daß die Zahlstellen unseres Verbandes für die Dauer des Streiks auf den See- schiffswerften für jede Woche eine Mark pro Mitglied an die Haupt- lasse abführen. Die Art der Erhebung bleibt den einzelnen Zahl- stellen überlassen." Streikbrecher haben, wie wir schon meldeten, sich bisher in nennenswerter Zahl nicht gefunden. Es wird versucht, auf dem neu ausgebauten Stadtteil Neuhof Streikbrecher einzuquartieren. Agenten sind im rheinischen Jndustriegebietz besonders in Essen, tätig, Streik- brecher für Hamburg und andere Werstorte anzuwerben. Auf die streikenden Werftarbeiter hat die Mitteilung, daß Streikunterstützung vom Sonnabend ab gezahlt wird, eine äußerst beruhigende Wirkung ausgeübt.___ Die Arbeitsfülle der Werften. Die Werften sind sehr gut mit Aufträgen versehen. Das stärkt die Position der Arbeiter ganz bedeutend. Tie Arbeit kann nicht in Wochen oder Monaten erledigt werden. Einzelne Werften haben sogar auf Jahre hinaus für alle Betriebsanlagen reichlich Aufträge. Man kann auch keine Streikarbeit vergeben, denn die ausländischen Werften sind ebenfalls sehr stark, teilweise auf noch längere Dauer als die deutschen Anlagen, für eigene Rechnung beschäftigt. Nach 25 �Proz. Ter Gesamtbetrag des Zuschusses kann demnach 1,25 M. pro Tag nicht übersteigen. Verlin unci llmgegencl. Preisunterbietungen in der Goldschnittbranche. Für die im Deutschen Buchbinderverband sLuxuspapierbranche) organisierten Goldschnittmacher bestehen Lohnvereinbarungen, die sich im Laufe der Zeit fast allgemein in der Branche Geltung verschafft baben. Eine Gruppe in der Branche, die Postkartengoldschnittmacher, haben ihre eigenen Akkordpreise, die früher auf annehmbarer Höhe würde die Situation für die Arbeiter selbst dann keine Verschlechte- rung erfahren, wenn die Unternehmer die Entscheidung noch etliche Wochen hinausschieben könnten. ZuMck. erbölit tust M ftedes Kind unter 15' Jahren- um einer Aufstellung in Lloyds Register" befinden sich gegenwärtig in 5 Proz. der Leistung des Berufsvereins, höchstens' ledöiH England --- 0 n----'--- o-t---— i----' i �--------- o ) MS Schiffe mit rund zwei Millionen Neg i stertön'neii"im Bau. Diese Tonnage übersteigt jene der entsprechenden Zeit des Vorjahres um ungefähr 229 OVO Tonnen. Die Bautätigkeit der Schiffswerften der anderen Länder bleibe hinter jener Englands zurück. Ihr am nächsten kommt Deutschland. Hier seien auf den Werften gegenwärtig 99 Schiffe im Bau. Dann folgen die Ver- einigten Staaten von Amerika mit 72 Schiffen, Holland mit 43, Frankreich mit 42 und Italien mit 25 Schiffen. Hinzu kommen die Kriegsschiffe, die den Auftragsbestand der Werften noch ganz be- deutend steigern. Einzelne Wersten können auf absehbare Zeit gar keine neue Arbeit mehr übernehmen. Unter solchen Umständen In der Kösliner 4|apietfn6nf haben die Arbeiter nach lang- wierigcr, aber doch friedlich verlaufener Lohnbewegung eine Stundenlohnerhöhung um 5 Pf. erzielt, wodurch die Arbeiter jähr- lich 198 M. pro Kopf mehr verdienen. Für die Arbeiterinnen wurde der Wochenlohn um eine Mark aufgebessert. Der Verband der Lithographen und Steindrucker im Jahre IDIS. Für das graphische Gewerbe stand das Jahr 1912 im Zeichen einer schweren wirtschaftlichen Depression, die besonders aus dem Lithographie- und Steindruckgewerbe außerordentlich stark lastete. Die Folgen machten sich bemerkbar in einer weiteren Steigerung der Arbeitslosigkeit, von der unter allen Verbänden des graphischen Gewerbes die Organisation der Lithographen und Steindruckcr am schwersten betroffen wurde. Die Zahl der Fälle von Arbeits- losigkcit stieg in diesem Verbände von 8955 im Jahre 1911 auf 9251 im Jahre 1912, also um 296. Auf je 100 Mitglieder kamen 1911 schon 13, 1912 aber 13,65 Fälle von Arbeitslosigkeit. Die Gr- samtzahl der Arbcitslosentage betrug 1911: 167 537, 1912: 171660; sie war demnach im Berichtsjahre um 4023 höher als im Jahre 1911. Infolge der verhältnismäßig größeren Steigerung der Zahl der Arbcitslosenfälle sank die auf jeden Fall durchschnittlich entfallende Zahl der Arbcitsjosentage von 19,0 auf 18,5. Diese Massenarbeitslosigkeit veranlaßte viele Steindrucker und besonders Lithographen, den erlernten Beruf aufzugeben, als uu- gelernte Arbeiter ihren Unterhalt zu suchen oder ins Ausland aus- zuwandern. Nach einer Statistik der Berliner Lithographenfiliale ging zum Beispiel die Zahl der Berliner Chromolithographen von 652 im Juni 1911 auf 392 im Mai 1913 zurück; sie sank also in knapp zwei Jahren um 260 oder um 40 Proz.! In Leipzig betrug der Rückgang von Ende 1909 bis Ende 1912 rund 200 oder 25 Proz.! Aehnlich lagen die Verhältnisse auch in anderen Druckorten. � Auch bei den Steindruckern zählte der Abgang vom Beruf oder die Ab- Wanderung ins Ausland nach mehreren Hunderten. Diese Umstände wirkten natürlich zurück auf die Mitglieder- zahl, die Ende 1911 17 092, Ende 1912 16 619 betrug und demnach um 473 zurückging. Die dem Verbände angegliederte Lehrlings- abteilung zählte Ende 1911 2729 und Ende 1912 2407 Mitglieder; der Rückgang um 323 ist hier auf den Rückgang der Lehrlingszahl im allgemeinen zurückzuführen. Ten Jahrescinnahmcn vott 1 182 994 M. standen im Jahre 1912 1 701 156 W. Ausgaben gegenüber. Diese überstiegen demnach die Einnahmen um 618 162 M., so daß das Vermögen des Verbandes um diesen Betrag von 724 449 M. auf 206 287 M. zurückging. Die Mehrausgabe ist ausschließlich auf die Kosten der Lohnbe- wegungen, besonders des großen 18wöchigen Streiks und Aus- sperrungskampfes im Winter 1911/12 zurückzuführen, der rund 4500 Lithographen und Steindrucker in Mitleidenschaft zog. Diese Kosten betrugen allein im Jahre 1912: 834 652 M. Die Wirksamkeit des Verbandes für die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse toar im Jahre 1912 hauptsächlich darauf gerichtet, die Ende Januar beim Abschluß des Kampfes mit dem Schutzverband der Steindruckuntcrnehmer getroffenen Vereinbarungen auch in den Nichtschutzverbandsbetrieben zur Geltung zu bringen. Diese Arbeit führte zum Abschluß zahlreicher Firmen-, Orts- und Bczirkstarife mit zum Teil erheblichen Verbesserungen der bisherigen Lohn- und Arbeitsbedingungen. Außerdem wurde für die Verbandsgruppe der Formstecher im September ohne Kampf ein tteu.er� Zentraltarif, der ebenfalls beträchtliche Verbesserungen der bisherigen Bcrufsverhältnisse vorsah, abgeschlossen. Reben den Kosten für die Lohnbewegungen, die fast restlos für Unterstützung an Streikende und Ausgesperrte verausgabt wurden, hat der Verband 1912 noch folgende Unterstützungen ausgezahlt: An Gemahregelte 5468 M., für Rechtsschutz 2942 M., Umzugskosten 19 845 M., Reiseunterstützung 20 013 M., Arbeitslosenunterstützung 142 338 M., Krankengeld 195 950 M., Invalidenrente 91041 M., Witwcnunterstützung 49 196 M. und Sterbegeld 15 261 M., insgesamt also 547 054 M. Demnach wurden weit über eine Halbe- Million Mark fitr die mannigfaltigsten Unterstützungen ohne Streik- Unterstützung verausgabt. Auch diese Zahlen reden eine deutliche Sprache von dem Werte des Verbandes. kleines fcuületon Braucht der Schauspieler Intelligenz? In seinem„Paradox über die Schauspielkunst" hat Diderot die Behauptung aufgestellt. der>schauspielcr brauche zu seinem Berufe Intelligenz und nicht Instinkt. Grimm trat dieser Ansicht entgegen, indem er behauptete, dte L,utntnhett eines Menschen, der starke Leidenschaften empfindet und ganz in ibnen aufgeht, sei in der Schauspielkunst wertvoller und kostbarer als die höchste„Weisheit eines starken Geistes". Immer wieder hat diese alte Streitsrage die Geister beschäftigt; jetzt verofientltcht die„£ra" eine interessante Zusammenstellung von Aussprüchen und Urteilen berühmter Schauspieler. Talma. der bekannte Tragode des napoleonischen Zeitalters, teilte die Ansicht TrimmS. Er forderte von dem Schauspieler ein„Uebermaß von Instinkt", die Fähigkeit, in fremden Gefühlen völlig aufzugehen; und dazu bedürfe es keiner Intelligenz, sondern nur eines starken Gefühles. Die Elairon dagegen rühmt„die methodische Arbeit des Verstandes und der Ueberlegung"; sie swht in einer unerschütterlichen Kaltblütigkeit des Kunstlers den Weg zu den gröh- ten tragischen Leistungen, �.atz Shakctpeare der gegenteiligen An- ficht war und die Hingabe an die Leidenschaft verteidigte, ist be- kaunt; auf seiner Seite stand auch Mollere, der immer wieder sein« Schauspieler vor der Gefahr der Kuhle warnte. Aber Ricco- boni macht geltend, daß eine blinde Hingabe an die eigenen Gc- fühle seine darstellerische Kfitst beeinträchtige. Unter den berühm- ten Schauspielern der jüngsten Zeit stand Eoquelin auf der Seite der..Verstandesschauspicler".„ilm ein grjPcr Schauspieler zu sein," sagte er,„muß man eine uuvedingte �elbitbeherrschung be- ützen und Empfindungen vortäuschen können, die man nicht fühlt." Moni, et-Sully dagegen behauptet das Gegenteil:„Man sagt s° oft. der Schauspieler krieche in die Haut seiner Rolle. Der Aus- druck ist unzutreffend. Rieht wir Schauspieler kriechen in eine kssftssde Persönlichkeit hinein: nein, sie, oie Perionlichkcit der •'•olle, ergreift von uns Besitz Aber wie lehr wtr auch von der anderen Gestalt besessen sind, die Basis ist immer unsere eigene Perionlichkcit." Sarah Bernhardt bekennt stch dedingungs- los zur Partei der Jnstinktschaufpieler. sie geht ganz tu ihrer Rolle Our und verlaßt sich auf ihr Gefühl l?> Auch die R e I a n e neigt, wenn auch nicht g?n7 o 7ntsch oss n der reinen Gefühlskunst zu. aber sie glaubt daß das Leben einen lehre. Gefühlsäußerungen zu buchen: Wenn ich auf der Bühne weine oder lache, weme und lache ich wirklich. Und ich bin auch überzeugt, daß tch ohne das kcm Gefühl aus das Publikum übertragen würde. Bor allem ausdrücken!"' � nian selbst und wirklich fühlt, kann man Der Kampf um den Lehrstuhl. Die Berufung zweier junger Psychologen als ordentliche Professoren für Vbilosophie üat die remen" Philoiophen in starke Errequna verlest Daß N.Ach. nmit fUt?- Willensuntersuchungen ein Zentralproblem der Phtlolophte tn Aitgnff genommen, einen völlig unbedeutenden Z'losophie in Königsberg'"7blöste �nd dadurch auf �'O�rstuhl Ksmtt gelangte, hat man schließlich noch eher ver- wunden, all- dte Erjetzung von Cohen, des Reu-KaMianers in Marburg, durch I a e n s ch, der das erkenntnistheoretisch wichtige Kapitel der Raumanschauung experimentell untersuchte. Der Kampf der alten Philosophiezöpse, die den Spott eines Schopenhauer oder Dühring nicht weniger reizten als den von Marx und Engels, gegen das Eindringen neuer, frischer Elemente in die Reihen der Philo- sophiezunft führt dabei zu Geständiussen der Beteiligten, die auf den Wissenschaftsbetrieb ein recht Helles Licht werfen. In einer soeben erschienenen Schrift von dem Würzburger Psychologen Karl M a r b e(Die Aktion gegen die Psychologie, Verlag Teubner) wird der Beweis dafür geliefert, daß der Widerstand der Philosophie- Professoren gegen die Psychologie sich in der Hauptsache aus Furcht vor dem Verlust der eigenen Lehrstühle erklärt. Als vor einigen Jahren sich ein junger Psychologe als Privatdozent niederlassen wollte, kündigte ihm der zuständige Professor offen seine Gegner- schaff an:«Ich bedauere, auf Ihre Wünsche nicht eingehen zu können, wir Philosophen müssen Rückgrat haben; die Psycho- l o g e n n e h m e n u n s d i e L e h r st ü h I e weg." Darum dreht sich der ganze Streit. Die Philosophen, die der modernen Psychologie feindlich oder ftemd gegenüberstehen, fürchten für Amt und Brot der eigenen Person und ihrer Schüler. Die Psychologen aber wollen unter allen Umständen als Professorett der Philosophie zugelassen werden, weil das für sie die einzige Möglichkeit der Unterkunft be- deutet, so lange es keine eigenen Lehrstühle für Psychologie gibt, womit es in Deutschland noch gute Weile hat. Unsere Sympathie tvird sich dabei den Psychologen zuneigen müssen, deren Unter- suchungen in philosophischer, ästhetischer, pädagogischer und juristischer Hinsicht tatsächlich von größerer Bedeutung sind als die verstaubte Wissenschaft, die man heute als„reine" Philosophie an unseren Universitäten verzapft. In grundsätzlicher Beziehung beleuchtet der ganze Streit das Elend unserer heutigen Wissenschaft, deren Existenz an ein paar Stellen behördlich gefüllter Krippen gebunden ist. Zwei Kommunekämpfer. In Nancy ist am 22. d. M. der Dichter des Z£bant du Travailleur"(Arbeiterlied), ivohl deS schwungvollsten französischen Proletarierliedes, gestorben: Charles Keller. Er war in Mülhausen geboren und von Beruf Ingenieur. Unter dem Kaiserreich war er Mitglied der Pariser Sektion der Internationale. Den Krieg von 1870 inachte er als Freiwilliger mit. Nach Ausbruch des Kommuneausstandes warf er sich mit Begeisterung in die Be- wegung und hielt bis zum Schluß aus. Er wurde am Donnerstag der blutigen Maiwoche auf einer Barrikade verwundet, vermochte ober nach Bern zu entkommen. Später ging er nach dem Elsaß, bekam es auch mit der deutschen Polizei zu tun und kebrte nach der Amnestie nach Frankreich zurück, wo er sich in Nancy niederließ. Er ist der Arbeiterbewegung treugeblieben und hatte für ihre Kämpfer immer eine hilfreiche Hand. Das schöne Volkshaus der Stadt ist seiirer Freigebigkeit zu danken. Er hat unter einem Pseudonym zlvei Gcdichlbände herausgegeben. Im französischen Proletariat lebt er fort, durch das von ihm in der Schweiz gedichtete, von dem Bakunisten Guillaume vertonte Kampf- lied mit seinem berühmten Refrain: „Arbeiter, nimm die Maschine, Nimm die Erde, Bauer!" Ein seltsamer Zufall hat eS gefügt, daß am gleichen Tage wie Keller ein anderes Mitglied der Schweizer Kommunardcnemigration gestorben ist: Edmond Lepelletier de Bou Hölter, der allerdings später andere Bahnen eingeschlagen hat. Lepelletier gc- hörte zur literarischen Boheme des Kaiserreichs, die daim unter der Kommune die Gefolgschaft Raoul Rvgoults im Stadtbaus gc- bildet und die Pariser Revolution nicht wenig kompromittiert hat. Er selbst war unter der Kommune Konservator des Staatsrats. Lepelletier schlug sich nach seiner Heimkehr zu den Nationaltsten. wurde Gemeinderal und Deputierter und war während zweier Jahr- zehnte ein Hauptrcdakteur des„Eckio de Paris". Der sehr begabte Mann, der außer Romanen und Theaterstücken unter anderem auch eine literarische Studie über den ihm nah befreundeten Verlaine herausgegeben hat, arbeitete in den letzten Jahren an einer groß angelegten Geschichte der Kommune, von der zwei Bände er- schienen sind. Alkoholfreie Getränke vom Faß. Einem Tübinger Mediziner ist es nach mehrjährigen Versuchen gelungen, ein Verfahren zu ersiniten. wie inan alkoholfreie Getränke, insbesondere Apfel- und Trauben- wein, in Fässern aufbewahren und täglich abzapfen kann, ohne daß der Rest in Gärung übergeht. Dadurch ist jedermann, der Wert auf gute alkoholfreie Getränke legt, die Möglichkeit gegeben, ohne das umständliche Sterilisieren in Flaschen in einfachster und verhältins- mäßig billiger Weise für das ganze Jahr sich einen Hanstrunk ein- zutun, der sämtliche im Handel befindliche alkoholfreie Getränke nicht nur an Güte und Wohlgeschmack, sondern auch an Billigkeit bei weitem übertrifft. Das Verfahren ist patentamtlich geschützt. Näbere Auskunft erteilt die Geschäftsstelle deS Schwäbischen GauverbandcS gegen den Alkoholismus(Reutlingen). Notizen. .-�Professor H i s, der Direktor der ersten medizinischen Klinik in Berlin, hat eine Berufung an die Wiener Universität ab- gelehnt und verbleibt in Berlin.(Die Berliner Professuren sind nicht sehr begehrt, und selbst bei Professoren, die bereits länger in Berlin wirken, liegt immer die Gefahr nahe, daß sie die preußische Herrlichkeit hinter sich lassen.) — Das leere Theater der 6000. Das vom Zirkus- direktor Stosch-Sarrasani mit«item Kostenaufwande von 2 Millionen Mark erbaute.Theater der 5000" in Dresden-Neustadt sieht unbenutzt da. Das mächtige Zirkusgebäude, das größte der Welt, sollte während der zirkuslosen Zeit zu großen Veranstaltungen für Musik, für Theaterausführungen usw. Verwendung finden. Aus alledem ist nichts geworden. Herr Stosch boykottiert sein eigenes Haus, da nach seiner Behauptung die Polizei der projektierten.groß- städtischen Zerstreuungen" nicht genug entgegengekommen ist. — M ehlets Sinfonie der Tausend soll sowohl in London wie Paris vom Leipziger Riedel-Berein aufgeführt werden. — Der wackelnd e Turm von Pisa. Der berühmte .Schiefe Turm" in Pisa(Mittelitalien) befindet sich, wie von dort gemeldet wird, in Gefahr einzustürzen. Es sind Maßnahmen ge- troffen, um ihn zu stützen, da man sonst eine Katastrophe be- fürchtet. Erfolgreich beendeter Streik der Hafenarbeiter in Bremerhaven. Der Streik der Ladungsarbeiter des Norddeutschen Lloyd in Oremerhaven ist nach vierwöchentlicher Dauer durch die Be- mühungen der Organisationsleitung des Transportarbeiterverbandes beendet. ES kam zum Abschluß für die Arbeiter akzeptabler Wer- einbarungen. Der Zu�ug von Arbeitswilligen war ein sehr starker. Am Montag erfolgt d,e Aufnahme der Arbeit und die Abschiebung der 1700 Arbeitswilligen. HusUncL Die Finanzen der österreichischen Zentralverbände haben sich im letzten Jahr besonders günstig entwickelt. Das Gesamtvermögen ist auf 15 064 000 M. gestiegen, 1912 allein um 2,9 Millionen. Pro Mitglied sind 85,16 Kronen Vermögen vorhanden, 1905 waren eS erst 16,68 Kronen. Ueber eine Million besitzen die Buchdrucker (3.96 Millionen), Metall-, Holzarbeiter und Eisenbahner.— Die Streikkassen müssen infolge des alten Koalitionsgesetzes selb ständig von den„freien Organisationen" verwaltet werden, die Einnahmen hierfür betrugen 1912: 6 792000 Kronen, die Ausgaben 1 022 000 Kronen. Daneben besteht der obligatorische Solidaritäts« fonds für besonders schwere Kämpfe und große Aussperrungen. Ueber ihn wird satzungSgemätz nichts öffentlich bekanntgegeben. ?iigeiiäbewegiiiig. Der Kampf um die Arbeiterjugend in Württemberg. Das Borgehen der württembergischen Schulbehörden gegen die Schüler der Volksschulen, der Gewerbe- und Fortbildungsschulen, die den Schüler« oder Zöglingsabteilungen der Arbeiterturnvereine an- gehören, nimmt schärfere Formen an. In den Fällen, in denen die Eltern der auf einer sehr zweifelhaften Rechtsbasis beruhenden Aufforderung, ihre Kinder aus dem Arbeiterturnverein(dem sie gar nicht angehören, denn die Schüler- und Zöglingsabteilungen sind besonders verwaltete Nebeninstitute der Arbeiterturnvereine und haben mit dem Vereinsleben nichts zu tun) herauszunehmen, nicht nachkommen, wird den Kindern mit Karzerstrafen, Arrest und den Ge- Werbeschülern sogar mit dem Ausschluß aus der Gewerbeschule gedroht. Besonders eifrige Lehrer begnügen sich damit noch nicht, sondern befehlen den Kindern den Beitritt zum Jungdeutschlandbund oder zur Deutschen Turnerschast und drohen bei Nichtbe« achtung_ dieser Aufforderung mit denselben Strafen. DaS geschah in Eßlingen und in Göppingen. Der neue Kultusminister, der, ohne sich aus ein gesetzliches Recht zu stützen, den Kampf gegen die Arbeiterturnvereine in die Wege leitete, findet also gelehrige Untergebene, die noch päpstlicher sind als er. Der Minister wird aber kaum zu dem ersehnten Ziel ge- langen. Die Arbeiterturnerschaft hat mit Unterstützung unserer Landtagsabgeordneten eine lebhafte Gegenaktion eingeleitet. In diesen Tagen finden in den größeren Städten des Landes Versammlungen statt, in denen die Eltern aufge« fordert werden, den ungesetzlichen Aufforderungen der Lehrer- schast nicht nachzukommen. In den Gemeindeverwaltungen, in denen unsere Partei Einfluß besitzt, werden die Ortsschulräte, deren Zuständigkeit vom Ministerium ignoriert wird, zur Geltendmachung ihrer Rechte aufgerufen, auch die Verweigerung der von den Ge- meinden zu leistenden Aufwendungen für die Schulen wird erwogen. Zweifellos werden auch die bürgerlichen Gerichte noch angerufen werden, die dann nachprüfen müssen, ob die Regierung die geltenden Gesetze respektiert oder nicht. Kommt die Rechtsprechung, wie das selbst in Preußen in einigen Fällen geschah, zu dem Ergebnis, daß die Arbeiterturnvereine keine politischen Vereine sind, so schwebt die ganze staatSretterische Aktion des Kultusministers in der Luft. Sosiales. Sand in die Augen. Der Monteur Holste klagte gestern vor dem Gewerbeger ich: gegen die Firma Degen u. Goebel, Zentralheizungen, auf Zahlung von 88,71 M. Lohnrest. Kläger gab an, es sei ihm tarifmäßige Bezahlung zugesichert worden, aber für die Einrichtung einer Baubude seien ihm nicht die tariflichen drei Prozent des Werkzeugwertes— das wären 60,— M.— gezahlt worden, sondern nur 30.— M. und für die Fertigstellung eines Akkordes habe er auch nicht die tariflichen 7ZH Prozent der Akkordsumme erhalten, so daß auch hier noch 58,71 zu zahlen seien. Die beklagte Firma bestritt zunächst, daß ein Tarif bestehe. Sie ist allerdings auch nicht dem Tarif des Deutschen Metall- arbeiter-Verbandes für das Rohrlegergewerbe beigetreten, weil sie sich nicht binden und stets„nach Leistung" zahlen wolle. Den- noch ist stets von einem Tarif die Rede getvesen. Den neu Ein- tretenden wurde versichert, selbstverständlich werde nach Tarif ge- zahlt! Aber— und darin liegt der Kern— die Firma wird damit stets nur den einseitig vom Berein Deutscher Zentralheizungs-Jn- stallateure aufgestellten Tarif gemeint haben. Das Gericht unter Vorsitz des Magistrats-Rat Dr. Wölbling verurteilte die Firma zur Zahlung der geforderten Summe und führte begründend auS: Durch die Zeugenaussagen sei erwiesen, daß gesagt wurde. eS sollen die tariflichen Löhne gezahlt werden. Die Arbeiter meinten natürlich die für sie günstigeren Löhne des Tarifs des Deutschen Metallarbeiter-Berbandes. Die Firma hatte aber die Verpflichtung, ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß sie den Tarif der Arbeitgeber meinte. Dafür, daß sie nur allgemein von einem Tarif sprach, trifft sie allein das Verschulden an dem Mißverständnis und sie mutz daher auch die Folgen auf sich nehmen._ Nochmals das bayerische Heimatsgesetz. Eine Reihe Blätter, so die.Kölnisch« Volkszeitug" und die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sind ebenso wie das.Berliner Tageblatt" auf die bayerische.Liberale Landtagskorrespondenz" hineingefallen. Sie drucken das von uns bereits erwähnte Ge- schwafel dieser Korrespondenz ab und knüpfen daran einige liebens- würdige Ausfälle gegen den»Vorwärts", dem ein„erheiterndes Malheur" passiert, der.blamiert" sei und dergleichen. Und das, weil wir die endliche Beseitigung von Härten des bayerischen Heimatsgesetzes durch möglichst schnelle Einführung des reichsgesetzlich beschlossenen Unterstützungswohnsitzgesetzes in Bayern verlangten, aber nicht erwähnt haben,� daß ftüher unsere Genossm in Bayern geschlossen gegen die Einführung des Unterstützungswohnsitzes ge- stimmt haben. Toller kann die felbstgenügsame Ignoranz es kaum treiben. Unsere Genossen haben im Bayerischen Land- tag Beseitigung der Härten des bayerischen Heimats- gefetzeS verlangt. Das haben die Zentrumspartei und die Liberalen wiederholt abgelehnt. �Jm bayerischen Landtag haben diese Parteien nur für die Einführung des Unterstützungswohnsitz- Gesetzes votiert, um einer Verbesserung des Heimatsgesetzes durch ein bayerisches Gesetz entgegenzutreten. Unter diesen Umständen haben unsere Genossen in Bayern im Landtag gegen die Einführung des UnterstützungSwohnsitz-Gesetzes gestimmt. Im Reichstag ist dann einstimmig oder nahezu einstiksimig die Einführung des Unter- stützungSwohnsitz-Gesetzes für Bayern von allen Parteien beschlossen. Dadurch wird es ermöglicht, einige— durch die verbohrte Politik deS Zentrums und der Liberalen in Bayern gegen die Stimmen der Sozialdemokratie verewigte— Härten deS Heimatsgesetzes für die auS Bayern Gezogenen zu mildern. Damit dies Gesetz in Kraft tritt, ist ein bayerisches AuSführungS- gesetz zu dem Reichsgesetz erforderlich. Bei Beratung dieses ÄusführungsgesetzeS ist es möglich, den Anträgen der Sozialdemo- traten im bayerischen Landtag entsprechende Vorzüge des bayerischen Heimatsgesetzes aufrechtzuerhalten, Schäden aus deniselben auszu- merzen und an deren Stelle die seit Jahrzehnten von der Sozial- demokratie verlangten Verbesserungen anzunehmen. Aber schon jetzt bereitet die törichte Notiz der bayerischen„Liberalen Landtags- korrespondenz" darauf vor. daß abermals die bürgerlichen Parteien versagm wollen sobald eS sich darum handeln wird, die Lag« der Armen im Sinne der Anträge unserer Genossen in Hähern zu der- bessern. Wenn jetzt diese Absicht durch blöde Redewendungen gegen den.Vorwärts' zu verdunkeln gesucht wird, so zeug: dies von dem bösen Gewissen der bürgerlichen Parteien. Spotten Ihrer selbst und wissen nicht wie._ Ein skandalöser Borgang, der aber in unseren.kulturgesegneten Zeiten" öfter vorkommt, hat sich in den letzten Tagen in Westfalen an der lipxischen Grenze ereignet. Bürgerliche Zeitungen berichten darüber: Preußisch-Feldrom, 20. Juli. In einem recht hilfsbedürftigen Zustande wurde hier im Walde vorgestern eine allere Frau auf- gefunden. Sie soll aus dem Hessischen stammen und bei dem Landwirt Hanse in Schlangen in Dienst gestanden haben,«sollte das Gerücht, dieselbe sei aus dem Dienste darum entlassen, damit sie in der Gemeinde keine Unterstützungsberechtigung erwerbe, auf Wahrheit beruhen, so bedarf das Gesetz, welches Gemeinden gestattet, pflegebedürftige Personen aus obigem Grunde abzuschieben, einer gründlichen Abänderung. Wäre die Person nicht gefunden worden, so wäre sie bald elend im Walde umgekommen. Bor Hunger erschöpft, am Kopfe mit einem Geschwür behaftet, in dem Würmer lebten, so lag sie da. Der Gastwirt Haas« von hier hat die Pflege übernommen. Mit Kognak und heißer Milch suchte man die Löbensgeister wieder aufzufrischen und durch fach- gemäße Behandlung die Schmerzen zu stillen. Man kann ohne weiteres annehmen, daß die Angaben Wort für Wort stimmen, ja, daß die Tatsachen vielleicht poch schlimmer liegen, als diese etwas unbestimmte Meldung erkenven läßt. Man erinnert sich ähnlicher Vorkommnisse, die im vorigen Jahre und im letzten Winter aus Thüringen, aus Mecklenburg und aus den öft lichen Provinzen gemeldet wurden, aber diese Kulturschande bleibt nicht auf die vorwiegend ländlichen Gegenden des Reiches beschränkt, wenn es auch in der Regel ländliche Ortschaften find, an deren Namen solche skandalösen Dinge haften bleiben. Sehr oft werden diese unverantwortlichen Schiebungen aus geführt, ohne daß etwas davon bekannt wird. Wie viele alte und kranke Menschen dadurch den Tod gefunden haben, das verrät keine Veröffentlichung. In der Nähe des hier in Betracht kommen- den Ortes wurden erst in den letzten beiden Winter» zwei oder drei alte Leute verhungert und erfroren im Walde ausgefunden. Ge- rade diese Vorkommnisse zeigen, in welcher erschreckenden sozialen Rückständigkeit wir noch leben.- Tödliche Berunglückungen in Preuße«. Nach den jetzt veröffentlichten Zusammenstellungen über die tödlich verlaufenen Unfälle in Preußen gab es derer im Jahre 1911 16 810 gegen 15 112 im Jahre vorher. Auf 100 000 der Bevölkerung kamen im letzten Jahre 41,5— im Jahre vorher 38,2— tödliche Unglücksfälle. Von der Gesamtzahl der verunglückten Männer, mit insgesamt 13 351 zu Tode Gekommenen, entfallen auf: Land- und Forstwirtschast..... 3 136 gleich 23,49 Proz. Bergbau und Hüttenwesen..... 1 928. 14,44. Sonstige Jndustie........ 4 318. 82,34, Handel und Verkehr....... 1 824, 13,66, Andere........... 2 145, 16,07, 13 351 gleich 100,00 Proz. Die Industrie hat ja längst den Ruf, besonders gefahrenreich zu sein; man sieht, mit der Zunahme des Maschinenbetriebes in der Landwirtschaft liefert auch sie eine große Zahl tödlicher Unglücks- fälle. Bemerkenswert ist auch, daß die beiden Provinzen Ost. und Westpreußen die meisten Unglücksfalle aufweisen, die Kindern unter 15 Jahren das Leben nehmen. Insgesamt waren bei den tödlich verlaufenen Unfällen im Jahre 1911— 4668 Kinder, unter 15 Jahre alt, beteiligt, darunter 1717 weibliche. Wie die Statistik mitteilt, sind im Berichtsjahre 184 Menschen erfroren; 124 kamen infolge Htvschlags zu Tode, Sonnenstich brachte 602 Personen ins. Grab. Die Zahl der durch Stürze mit Flugmaschinen Getöteten stieg im Jahre 1911 auf 8 gegen 2 im Horiahre. Wie in der Industrie viele der tödlich Verunglückten das traurige Ereignis sozialen Ur- fachen zu verdanken haben, so auch bei einer Reihe der durch Hitz- schlag und infolge ErsrierenS Getöteter. Aus aller Welt. Eine Rarität für Markensammler. Ein Freund unseres BlatteS sendet uns folgende Zuschrift: Berlin, SS. Juli 1913. An die Redaktion deS.Vorwärts' I Es ist alles schon dagewesen, auch unsere Germauia-Briefmarke, die bereits vor fast 99 Jahren(am 27. Juli werden es gerade 99) zur Frankierung benutzt wurde, wie die Abstempelung einliegenden Briefumschlages beweift. In der Tat muß es sich um eine recht seltene Sache handeln, denn ich habe dieselbe noch ,n keinem Katalog entdecken können. Selbst in der Sammlung des Post- museums fehlt diese Marke, und vielleicht ist es nicht aussichtslos, diese dem genannten Institut zum Kauf anzubieten! Können Sie das nicht vermitteln, ich biete Ihnen Halbpart an, außerdem und falls sich's lohnt, ein gute« Abendessen mit Champagner für die Gesamtredaktion.. Ich will auch nicht verfehlen, darauf hinzu- weisen, daß diese Marke einen enormen Wert besitzen muß, denn für die aus dem Jahre 1347 stammende blaue 2 Pence Mauritius, die sogar in drei Exemplaren vertreten ist, zahlte das Reichspost- museum 27 000(27 Tausend) Mark. Mir wird ganz schwindlig, wenn ich mir die Hälfte dieser Summe vorstelle. Ich erwarte umgehend gute Nachricht und bin bis dahin Ihr 6. L. Aus dem beigefügten Beweisdokument konnten wir uns über- zeugen, daß der Einsender in der Tat recht hat: eS gab schon im Jahre 1314 unsere schöne Germaniabriefmarke. Die den Brief zierenden 5 Pfennigmarken tragen ganz deutlich den Poststempel: 27. 7. 14. Und da wir unS doch noch nicht im Jahre 1914 befinden, müssen die Marken am 27. Juli 1814 abgestempelt worden sein- Zumal unsere Reichspostverwaltung doch sonst nicht gerade in dem Rufe steht, ihrer Zeit so weit vorauszueilen. Wir sind also bereit, mit ernsthasten und nachweislich zahlungs« fähigen Reflektanten, auch dem Poftmuseum, m Verhandlung zu treten I_____ Unter der Geiftel der Cholera. Nur selten erwähnen die kurzen Telegramme vom maze- donischen Kriegsschauplatze die furchtbare Heimsuchung, die über die serbische Armee hereingebrochen ist. Der schlimmste Feind, den eine Armee zu fürchten hat, die Cholera, hat ihren Eroberungszug angetreten, und zu Tausenden sinken in den Heerlagern ihre Opfer dahin. Ter Kriegsberichterstatter des Journal Andr� Tudesq, der vor einigen Tayen rn einem Militärzug die Reise von Belgrad nach Uesküb unternahm und seitdem in der Hauptstadt Mazedoniens weilt, gibt eine Schilderung seiner Beobachtungen, die düstere Rückschlüsse auf die Verhältnisse gestatten, die man nach Kräften geheim halt. Der Militärzug, mit dem Tudesq nach Uesküb kam, brauchte 38 Stunden, um die 500 Kilometer zurückzulegen, und der widerliche Geruch-der starken Desinfektionsmittel erfüllte die Wagen Die Cholera! Rings um die Stadt sind abgeschlossene Lager errichtet, in denen die Cholerakranken untergebracht sind, Wachtposten verhindern, daß die noch nicht Angesteckten mit jenen Unglücklichen in Berührung kommen. Nur die Ochsenkarren mit frisch gezimmerten Särgen, die durch die Straßen Ueskübs ziehen, hinaus zu den Choleralagern, er- zählen von den Opfern, die Tag um Tag in rastlos wachsen- der Zahl die furchtbare Seuche fordert.„Die Welt muß eS erfahren: die Cholera hat sich in Mazedonien festgesetzt, zieht über das ganze Land und im Schutze der Sommerhitze ent» völkert sie die Städte, vernichtet die Dörfer und dezimiert die Heere. In Veles selbst zählt man am Tage 200 Tote, und ich erfahre von einem Bataillon des 6. Regiments, daß es vor drei Tagen noch 800 Mann zählte: nur 200 von ihnen sind heute noch am Leben. Dreiviertel der ganzen Truppe sind dahin gemäht, ohne daß ein Schuß fiel: die Cholera. In Kumanowo dehnen sich weite Zeltbaracken, in denen die dem Tode geweihten Unglücklichen der Erlösung harren, und als ich nahe an einem dieser Zelte vorüber kam, erhaschte ich ein paar Sätze aus dem Gespräch zweier Offiziere. Der eine von ihnen, von der Nachtwache noch erschöpft, erklärte dem Ka- meraden:„Heute morgen haben wir 243 verbrannt." Er sprach die paar Worte auf Französisch, in der Hoffnung, daß keiner der Soldaten sie verstehen würde. Ich erkundigte mich: Wer waren diese 243, waren es cholerakranke Bulgaren, waren es Gefangene? Nein, 243 junge, frisch aus der Heimat auf den Kriegsschauplatz gekommene Rekruten, die heute mor- gen verbrannt wurden, ohne einen Feind gesehen zu haben. Und nach allen Himmelsrichtungen hin, nach Norden. Süden breitet sich die Seuche aus, an der Grenze sind die Zustände bereits unbeschreiblich. Ein junger Montenegriner, der aus Egri Palanka zurückgekehrt, erzählt mir, daß infolge der fort- dauernden Kämpfe, Scharmützel und Beunruhigungen die Leichen nicht bestattet werden. Am Erdboden bleiben sie liegen, verpesten das Land und vergiften Wasser und Luft: „Wenn Sie nur wüßten, wie viel von dieser seuche befallen sind!" fügte der Montenegriner hinzu.„Sie werden alle schwarz wie die Türken Kleinasiens. Und ihre Leichen ver- giften alle Quellen und Flüsse." Em Befehl des serbischen Generalstabs verbietet allen Soldaten, sich fortan die Hand zu geben, wenn sie sich begrüßen wollen, dürfen sie sich die Ellen- bogen drücken. Wenn immer in einem Truppenteile ein Cholerafall eintritt, wird die ganze Kompagnie sofort isoliert. Die Sanitätsbehörden vertauschen die Uniformen, desinfi- zieren Zelte, Waffen und Karren: aber in den Dörfern und Städten sind die Schreiner Tag und Nacht an der Arbeit und hämmern weiße neue Särye. Die zurückgebliebenen Türken aber blicken sich still an, ein Lächeln der Befriedigung liegt in ihren Augenwinkeln und scheint zu sagen:„Allah ist groß!" Die Hekatomben des Bruderkrieges mögen bald ein Ende nehmen: aber andere schlimmere geheime folgen ihnen. Der neue Feind, die Cholera, wird nicht so bald abrüsten." 70 Tote in Binghampton. Feuerwerksinspektor H o g h, der die Löscharbeiten bei der brennenden Kleiderfabrik in Binghampton leitet, erklärte, daß sich unter den Trümmern der Fabrik wenigstens noch 60 bis 70 Leichen befinden müßten. Man habe zuerst angenommen, daß die vielen fehlenden Mädchen ihre Wohnungen aufgesucht hätten. Da sie jedoch bisher dorthin noch nicht wieder zurückgekehrt feien, so müsse man annehmen, daß sie noch unter den Trümmern liegen. Bisher wurden 36 Leichen geborgen, deren Identifizierung jedoch fast bei allen nicht mehr möglich war, da die Leichen gänzlich ver- kohlt und entstellt waren._ Europäische Altoholdurchseuchung im äusjersten Osten. Ein Kapitel zu dem Thema der Alkoholifierung ganzer Land- striche aus Profilgier finden wir in der italienischen Zeitschrift .Contra l'olcooliSmo". Diesem Blatt schreibt ein Dr. Bossont au» Kanton dir folgende Geschichte einer für die Hauptstadj' Siam, für Bangkok, bestimmten Alkoholsendung. Das Königreich Siam hat. um sich gegen die Gefahr deS Alkohols zu schützen, Prohibitiv- zölle auf Spirituosen gelegt. Trotzdem versuchte ein deutscher Händler, der in Bangkok wohnt, die Einfuhr einiger Hunderte Gallonen von Allohol, die er als Essig einführen wollte. Ein Zollbeamter ließ aber den Fässern Proben entnehmen und stellte fest, daß alle nur Alkohol enthielten. Der Deutsche wird also wegen versuchten Schmuggels zu einer ungeheuer hohen Geldbuße verurteilt. Bon hier an wird die Geschichte merkwürdig. Der Verurteilte beschwört hoch und teuer, in gutem Glauben gewesen zu sein, weigert sich, die Buße zu zahlen und verlangt, auf Grund der internationalen Gesetze, eine Revision des Prozesses vor dem deutschen Konsul. Es werden also neue Zeugen gehört, die Flüssigkeit wird noch einmal geprüft, und auch der Konsul kann uicht umhin, zuzugeben, daß eS sich um Alkohol und nicht um Essig handelt. Nach diesen Feststellungen zieht sich der Konsul mit den einheimischen Behörden zur Beratung zurück, um nach einiger Zeit die Freisprechung deS deutschen Kaufmanns zu verkünden mit der Begründung, daß die in Frage kommende Ware als Essig eingeschifft worden ist, ober sich auf der Reise unter dem Einfluß der Hitze in Alkohol verwandelt hat!! Somit wurden die beschlagnahmten Fässer dem ehrlichen Deutschen zurückgegeben, der nun die ganze Hauptstadt von Siam mit Alkohol überschwemmen kann. Mit derartigen ehrlichen Mitteln bringt man den asiatischen Völkerschaften Achtung vor europäischer Gesittung und Liebe zu den Europäern bei._ Kleine Notizen. Mord und Selbstmord. In Lübeck erschoß der Heizer Man seine Haushälterin und verletzte deren Mutter durch einen Streif- schuß, worauf er sich selbst erschoß. Leutnant Jollys Rückflug Konigsberg-Köln. Leutnant Jollh, der gestern auf seiner Rumplertaubc mit Hauptmann Osius als Passagier von Königsberg aus die Rückreise auf dem Luftwege nach seinem rheinischen Standorte Köln angetreten hatte und in- folge deS unsichtigen Wetters in Danzig eine Notlandung hatte vornehmen müssen, ist heute morgen um 9,05 Uhr in Danzig auf- gestiegen. Er erreichte ohne Unterbrechung mittags Berlin und landete glatt um 12,50 Uhr auf dem Truppenübungsplatz von Döberitz. Er will am Freitag nach Köln weiterfliegen. Ein Zyklon in N-rditalie«. Viele Ortschaften Norditaliens und besonders die Mailänder Gegend wurden gestern durch einen heftigen Zyklon heimgesucht, der an der Ernte immensen Schaden anrichtete. Durch einen nie gesehenen Hagelschlag wurden fast alle drahtlichen Verbindungen zerstört. Verschiedene Flüsse traten aus den Ufern. Wttteruugsnbersicht vom 21. Juli 1913. CtatUmen Haparanda Petersburg Scillh Aberdeen Paris ISSMW 763 WSW 7S&OSO 7698131» 76291 Setta heiter Dunst Zibcdeckt bedeckt wolkig c* ti w« 14 20 14 12 14 Wetterprognose für Freitag, den 23. Juli 1913. Etwas wärmer, vielsach heiter bei ziemlich irischen nordöstlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. verlt» er Wetterdure««. IM88. 3V. Iahryany. � Partei- �ngelegendeiten. Stralau. Vom Sommerfest sind die Gewinne auf die Lose 654, 687, 708 und 772 noch nicht abgeholt worden. Die Gewinner werden ersucht, die Gegenstände bis zum 1. August in Empfang zu nehmen.— Ein besserer Knabenspazierstock ist gefunden worden. Abzuholen bei Hermann Schultz, O. 17, Markgrafendamm 19, 1. Ouergebäude in. Bernau. Sonnabend, den 26. Juli, abends S1� Uhr, findet beim Genossen Salzmann, Basdorfer Straße, unsere Mitglieder- Versammlung statt. Sonntag, den 27. Juli, machen die Genossinnen einen Familien- ausflug nach Rvntgental. Treffpunkt mittags l'/j Uhr beim Genossen Otto Troppens, Chausseestratze. Rudow. Am Sonntag, den 27. Juli cr., vormittags 9 Uhr, im Lokale von A. Palm: Mitgliederversammlung. Nowawes. Der letzte Vortrag über das Erfurter Programm, der bereits am Sonntag, den 6. Juli, stattfinden sollte, durch die Polizeibehörde jedoch verhindert wurde, findet nun» mehr am kommenden Sonntag, den 27. Juli, vormittags 9 Uhr, im Schmidtschen Lokal, Ecke Friedrich- und Wilhelmstratze, statt. Die Teilnehmer werden ersucht, sich recht pünktlich einzufinden. ßerliner Nachrichten. schützet Tiere. Eine große Anzahl nützlicher Tiere wird gerade jetzt wäh. rend der Ferien namentlich von der Schuljugend verfolgt und teilweise unter unnützen Quälereien getötet. Da ist zunächst der Frosch, auf den so gern Jagd gemacht wird, und doch ist er ein Jnsektenvertilger ohnegleichen, denn ganze Scharen Mücken, Fliegen, Motten, Erdflöhe, Schmetterlinge, Larven usw. werden von ihm verspeistt. Auch die häßliche Kröte wird ganz unschuldigerweise verfolgt und totgeschlagen. Nur die wenigsten, selbst Erwachsene, haben eine Ahnung davon, daß das Menü der Kröte aus Regenwürmern, Schnecken, Käfern, Larven und Raupen besteht. Dabei ist die Kröte ungemein gefräßig und wird deshalb von den Gärtnern absichtlich in die Gärten gesetzt. Der Igel, der auch unter der Versolgungs- sucht der Menschen zu leiden hat, ist als Vertilger von Mäu- sen und anderen kleinen Nagetieren. Erd- und Wegschnecken, Engerlingen ein sehr nützliches Tier. Selbst die vielfach für giftig gehaltene, tatsächlich aber ganz ungefährliche Blind- schleiche betätigt sich in hervorragender Weise als Insekten- vertilger._ Für die Bekämpfung von Waldbränden werden amtlich folgende Verhaltungsmaßregeln empfohlen: Das Feuer ist stets von der Seite einzuengen oder von der abgebrannten Seite aus zu bekämpfen. Der Versuch, der Feuerrichtung entgegenzutreten, ist gefährlich und führt durch Rauch und Hitze zur Erschlaffung der Kräfte. Ist die eigene Kraft zur Bekämpfung eines Waldfeuers nicht ausreichend, so benachrichtige man den nächsten Forstbeamten und die nächste Ortspolizeibehörde. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß nach 8 44 des Feld- und Forstpolizeigesetzes jeder, der von einem Forstbeamten oder Waldbesitzer bei einem Waldbrande zur Hilfe aufgefordert wird, dieser Aufforderung unverzüglich folgen muß, sofern er dies ohne erhebliche eigene Nachteile zu tun vermag. Vielfach sind von zusammenhängenden Ortschaften Wald- brandkolonnen gebildet worden. Diese werden im Feuerschutz- dienst ausgebildet, damit sie im gegebenen Falle durch wirk- samen Feuerschutz eingreifen und die Feuerwehren in der Bekämpfung von Waldbränden unterstützen können. Durch gelegentliche Alarmierungen soll die stete Bereitschaft dieser Waldbrandkolonnen erprobt werden. 8 173 Der 36 jährige Arbeiter Richard Sp. aus Ketzin hat nach der Anklage am 6. März d. I. im Pferdestall seines Dienstherrn mit einer Stute zärtliche Beziehungen unterhalten und mußte sich deswegen vor der Potsdamer Strafkammer verantworten. Der Angeklagte Sp. gibt den Tatbestand zu, er war so betrunken, daß er nicht wußte was er tat. Der Staatsanwalt beantragte wegen widernatürlicher Unzucht eine Gefängnisstrafe von 3 Mo- naten. Das Gericht hielt für diese Straftat eine Gefängnisstrafe von 2 Wochen für angemessen. Die Bestrafung der intimen Beziehungen zu einer«tute stützt sich auf den§ 175, der lautet: Die widernatürliche Un- zucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Tieren begangen lvird, ist mit Gefängnis zu de- strafen,- auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte er- kannt werden. Eine Schutzmannsleistung. Unsere Schutzleute sind meist erfüllt von dem lebhaften Gefühl ihrer weitgehenden Machtvollkommenheit. Gesellt sich dazu ein starker Glaube an die eigene Unfehlbarkeit, dann„kann man was erleben". Ein Schutzmann, bei dem offenbar beides zusammentraf, hat gegenüber einem ihm betrunken scheinenden Kutscher sich zu einem folgenschweren Mißgriff verleiten lassen. Am Montag hatte in Berlin in der Wilhelmstraße ein Kutscher des Fuhrherrn Paul Neumann aus Neukölln daS Unglück, daß ihm ein Pferd auf dem schlüpfrigen Asphalt zu�Fall kam und dabei durch eine Schraube des Wagens am Rücken verletzt wurde. Weil er vorher diesem Pferd, das nicht recht anziehen wollte, ein paar Peitschenhiebe gegeben hatte, regte eine vorbeigehende Krankenschwester sich auf- und meinte die Verletzung aus den Peitschenhieben erklären zu sollen. Einem Schutzmann erzählte sie etwas von„Mißhandlung", und es fehlte in der sich ansammelnden Menge auch nicht an Leuten, die ihr sogleich beizustimmen bereit waren. Ein anderer Kutscher, der vorüberfuhr, riet der aufgeregten Frau, sie möge sich nicht um Dinge kümmern, die sie nichr verstehe. Der Schutzmann aber gab ihr recht and erklärte im übrigen, den der Mißhandlung beschuldigten Kutscher für betrunken und ganz unfähig. den Wagen zu führen. Als ein unter den Zuschauern stehender Herr das bezweifelte, belehrte ihn der Schutzmann:„Wenn ich sage, daß er betrunken ist, dann ist er betrunken." Der Schutzmann wies den Kutscher an, die Weiterfahrt einzustellen, und hinterließ ihm im Weggehen den Befehl, bei den Pferden zu warten, bis ein per Telephon zu be- stellender Ersatzkutscher eintreffen werde. Ein anderer Schutzmann, der später dazukam und sich erzählen ließ, was los war, bestätigte dem Kutscher, daß er ihn nicht sür betrunken halte. Nachdem auch der zweite Schutzmann wieder gegangen war, traf ein Ersatz« kutschcr ein und außerdem ein Stallmann, der ein Ersatzpferd mit sich führte. Dieser überbrachte zugleich einen von der Firma Paul Neumann(Neukölln, Mariendorfer Weg 76) unterstempelten Zettel, der so lautete:»Ersuche höflich um Ihre werte Be- .Imiiits" Kdim scheinigung, daß der Kutscher unfähig ist, weiter zu fahren". Die„werte" Bescheinigung sollte jener erste Schutz- mann geben, aber der war nicht da. Jetzt griff der oben erwähnte Herr ein, der schon vorher den Kutscher gegen den Vorwurf der Trunkenheit und der Tierquälerei in Schutz genommen hatte. Er ging mit dem Kutscher zu einem benachbarten Arzt, bat um Untersuchung des angeblich Betrunkenen und empfing dann folgendes Attest, das er aus eigener Tasche bezahlte:„Der Kutscher...... (Name und Wohnung)...... erschien heute in der Sprechstunde. Durch eine längere Unterhaltung mit ihm, bei der er durchaus klare Antworten gab, und auch nachfolgende Untersuchung ergab, daß eine Betrunkenheit in keiner Weise festgestellt werden konnte." Mit diesem Attest und dem von der Firma übersandten Zettel, begaben beide sich zu dem nächsten Polizeibureau in der Wilhelmstraße, um sich dem Leutnant vorzustellen und ihn um die voll der Firma ge- wünschte Bescheinigung zu bitten. Der Polizeileutnant gab sie und schrieb:„Nach einem vorgelegten ärztlichen Attest und nach meiner eigenen Ueberzeugung halte ich den Kutscher B..... nicht für betrunken. Meines ErachtenS ist B. auch fähig, sein Fuhrwerk weiter zu führen."(Unterschrift und Siegel.) Also selbst der Polizeileutnant ließ sich durch das Urteil des Schutzmanns nicht im- ponieren, sondern erklärte wie der Arzt den Kutscher für nicht betrunken. Wie endete die Sache? Als B., mit diesen Attesten ausgerüstet, sich auf dem Fuhrhof einfand, sagte sein Arbeitgeber Herr Neumann ihm kurz, er wisse schon Bescheid. B. erwiderte: „Sie denken wohl, ich war betrunken? Da habe ich alles schrift- sich." Aber N. ließ sich auf nichts ein, und ehe B. dazu kam, die Angaben des Schutzmanns durch Vorlegung der Atteste des Arztes und des Leutnants zu entkräften, war er— entlassen. Dem Zusammenwirken einer empfindsamen Ticrfreundin, eines selbst- sicheren Schutzmanns und eines voreilig entscheidenden Arbeitgebers hatte der Kutscher es zu danken, daß er arbeitslos heimkehrte zu seiner Frau, die seit zwei Tagen im Wochenbett lag. ES fehlt nur noch, daß wegen„Störung" einer Amtshand- lung des Schutzmanns jener warmherzige Menschenfreund, der dem ihm gänzlich fremden Kutscher beistand, b e st r a f t würde. Heber den Transport eines gefesselten Kindes, über den wir kürzlich berichteten, äußert sich das Nachrichtenamt des Magistrats wie folgt:„Kürzlich erschien in einer Berliner Tageszeitung die Notiz, daß ein Beamter der städtischen Waisenverwaltung einen 12—13 Jahre alten Knaben an einer langen Biudfadenschnur vor sich herführte. Wir stellen den, gegenüber fest, daß dieser Knabe nicht zu den Pfleglingen der städtischen Waisenverwalrung gehört: diese hat auch den Transport nicht angeordnet. Zöglinge der Waisen- Verwaltung dürfen nicht gefesselt werden." Wir nehmen zunächst aa, daß die obige Erklärung sich auch auf die der Waisenverwaltung unterstellten Fürsorgezöglinge bezieht und wollen hoffen, daß die früher in der Lichtenberger Anstalt tatsächlich stattgefundene Fesselnng von Fürsorgezöglingen beim Transport nach anderen Anstalten heute nicht mehr stattfindet. Es dürfte aber dann übrig bleiben, daß die Polizei die Fesselung von Kindern vor- genommen hat. Gegen diese unerhörte Behandlung von Kindern mit aller Entschiedenheit Protest einzulegen, werden sich unsere Genossen im Landtage bei der ersten sich bietenden Gelegenheit ju mfalls nicht entgehen lassen._ Verkehrsstörung bei der Untergrundbahn. Uns wird geschrieben: Die Fahrgäste des um 9,48 ab Wil- helmplatz abfahrenden Zuges wurden am Mittwoch, kurz vor dem Bahnhof Zoologischer Garten dadurch recht unangenehm überrascht, als plötzlich— infolge Stromunterbrcchung— die Beleuchtung versagte und der Zug stehen blieb. Trotzdem diese unliebsame Unterbrechung zirka 26 Minuten anhielt, waren die Wagen wäh- rend dieser Zeit in Dunkel gehüllt, und von den Zugbeamtcn er- innerte sich anscheinend niemand, daß eine Notbeleuchtung vor- handen ist. Wie immer, war eine Auskunft über die Voraussicht- liche Dauer der Störung nicht zu erhalten. Selbst als der Zug- begleiter nach 16 Minuten zum Bahnhof gegangen war, konnte er den beunruhigten Fahrgästen nur mitteilen, daß es wohl bald weitergehen würde. Dieselben waren von dieser Auskunft wenig erbaut, um so mehr als sie von einem U.>terbeainten des Bahn- Hofs erteilt worden war. Es muß im höchsten Grade befremden, daß die Verwaltung der Hoch- und Uniergrundbahn nicht Vor- sorge trifft, bei derartigen unliebsamen Verkchrsunterbrcchungcn das Publikum zu beruhigen. Dem BahnhofZauffeher mutz es unbedingt zur Pflicht gemacht werden, bei einer Swrung von länger als 16 Minuten, nach dem Rechten zu sehen. Ein groster Juwclendiebstahl. Ein überaus dreister Dieb hat gestern nachmittag eine Villa im Grunewald heimgesucht und reiche Beute gemacht. Er muß aus- gekundschaftet haben, daß bei dem Villenbesitzer, Geh. Justizrat Hellwig in der Auerbachstraße eine kleine Festlichkeit statt- fand. Während nun die wenigen Gäste versammelt waren' stand zufällig daS Toilettenzimmer der Dame des Hauses auf. Diesen Umstand machte sich der Dieb zunutze, er drang in das Zimmer ein und plünderte den Toilettenschrank, der Schmucksachen im Werte von etwa 16 666 M. enthielt. Dem Diebe fiel eine ganze Anzahl sehr wertvoller Schmucksachen in die Hände. Besonders bemerkenswert sind ein Paar Ohr- ringe mit grauen, runden Perlen, darunter je ein kleiner Brillant. Die Ringe haben allein einen Wert von 2666 M. Dazu kommen eine runde Brosche in Platinfassung mit kreisförmig geordneten Brillanten und Perlen, darunter drei Perlen(Wert 1666 M.). eine kleine Brosche in der Größe eines Zweimarkstückes, die kranzförmig abwechselnd mit Smaragden und Brillantröschen verziert ist, eine kleine Brosche in der Größe eines Fünfzigpfennigstückes, die aus einer goldenen Platte besteht, in deren Mitte sich reliefartig ein Frauen- bildnis befindet, ein Anhänger aus Brillanten mit Platinkette, die in der Mitte eine große Perle in Platinfassung trägt(666 M.), eine goldene lange Lorgnonkette, die durch Goldknoten durchbrochen ist und an der sich als Anhänger ein vierblätteriges, goldenes Kleeblatt befindet, sowie noch viele andere Brillantringe, Armbänder- und Schmuck- und Wertsachen aller Art. Der Geschädigte hat auf die Wiederherbeischaffung aller gestohlenen Sachen eine Belohnnng von 1666 M. ausgesetzt, auf Teiibeschaffung 16 Proz. des Wertes. Die Polizei geht bereits einer bestimmten Spur nach. Alle Mitteilungen über den Verbleib der Sachen nimmt- Kriminalkommissar Lehnerdt im Zimnier 89 des hiesigen Polizeipräsidiums entgegen. Die alte Nutzholzfirwa Gedr. Ebeling, Berlin, Stralauer Allee, hat ihre Zahlungen eingestellt, nachdem die beiden Inhaber vor einigen Tagen Selbstmord begangen haben. Der Grund für den Zusammenbruch der Firma, die schon seit drei Jahren mit Unter- dilanz gearbeitet und von verschiedenen Tischlern Gefälligkeitsakzepte entgegengenommen haben soll, liegt in sehr bedeutenden Verlusten am Bauinarkt und in den außerordentlich großen Spesen, mit denen gearbeitet wurde. Die Verbindlichkeiten hetragen einschließlich der Familienforderungen, die auf etwa 466 666 M. beziffert werden, und der notleidend werdenden Wechsel, über l'/z Millionen Mark, denen Freitag, 25. Infi MZ. je nach Eingang der Außenstände, an Vermögenswerten etwa Vo Million Mark gegenüberstehen. Da sich die Gläubiger auf eine Liquidation ohne Garantie nicht einlassen wollen, dürfte es zum Konkurs kommen. Man rechnet mit einer Quote von etwa 25 Proz. Beteiligt sind Mühlen in Berlin, Küstrin und Rakel. Der Pastor Karl Crusemann von Dorotheen ist plötzlich im Alter von 46 Jahren gestorben, nachdem cr nur ein halbes Jahr der Gemeinde gedient hat. Vorher war er jahrelang unermüdlich im städtischen Arbeitshause und im Obdach seelsorgerisch tätig. Be- sonders der Jugendlichen hat er sich stets nnt großer Aufopferung und Hingabe angenommen. Crusemann verstand eS wie kaum einer, mit den im Obdach verkehrenden Jugendlichen umzugehen. Be- sonders für die armen Fürsorgeiinder halte Crusemann volles Verständnis. Längere Zeit in der Lichtenberger Er- ziehungsanstalt Pastor, erwarb er sich das Zutrauen aller Fürsorgezöglinge. Ihm vertrauten die Jungen alles an, weil sie wußten, bei Crusemann alles sagen zu können, ohne Unannehnilichkeiten zu haben. Es gibt in Berlin keinen Menschen, der das Vertrauen der Fürsorgezöglinge so gehabt hat, wie Cruse- mann. Er war eben ein Pädagoge, an dem sich alle Leiter von Fürsorgestellen ein Beispiel nehmen könnten. Aus diesem Grunde ist Crusemann auch bei verschiedenen leitenden Personen in Ungnade gefallen. Die Jungen hatten eben nur zu Crusemann Vertrauen; andere verstanden es nicht, die Kinder zu behandeln, lernen es viel- leicht auch nicht. Alle Fürsorgezöglinge, ohne Ausnahme, mit denen er jemals gesprochen hatte, haben von dem Verstorbenen mit höchster Achtung gesprochen. Das ist auch eine Ehrung! Wir sind sicherlich keine Freunde von Pastoren, aber Herrn Crusemann, der eben anders war, als seine Amtskollegcn, kann man die Achtung nicht versagen. Ein Opfer der Rennbahn ist der Kassierer Albert Krisat ge- worden. In der von ihm Verwalteten Kasse der Berliner Geschäfts- diener- und Packervereinigung Niederwallstratze wurde gestern ein Manko von etwa 4666 M. festgestellt. K. wurde vom Vorstande der Polizei angezeigt und gestern in Haft genommen. Der Mann war ein Besucher der Rennbahnen und hat sich verleiten lassen, zu wetten. Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich, wie wir berichteten, Mittwochnachmittag an der Ecke der Müller- und Antonstraße. Dort wurde ein Knabe von einer Autodroschke überfahren und so schwer verletzt, daß er bald darauf verstarb. Der zuerst Unbekannte ist jetzt festgestellt worden als der 12 Jahre alte Sohn Erich des ver- storbenen Droschkenkutschers Kruhl aus der Triftstr. 69. Bei der Rückkehr von der Ferienreise tödlich verunglückt ist gestern abend die 65 Jahre alte Frau Luise Krakow, geborene Selchow, aus der Mommsenstrahc zu Charlottenburg. Die alte Dame war mit ihrer Tochter gegen ßVs Uhr auf dem Stettiner Bahnhof aus der Sommerfrische angekommen. Als beide gegenüber dem Bahnhof den Fahrdamm der Jnvalidenstratze überschreiten wollten, übersahen sie in der Eile das Herannahen einer Kraft- droschke. Während es der Tochter noch rechtzeitig gelang, dem Wagen auszuweichen, wurde die Mutter erfaßt und umgestoßeir. Sie kam dabei so unglücklich zu Fall, daß die Räder der Droschke über sie hinweggingen und sie schwer verletzten. Man brachte sie sofort nach der Rettungswache in der Eichendorffstraße, doch konnte hier der Arzt schon nicht mehr helfen. Wenige Minuten nach der Einlieserung verstarb sie unter seinen Händen. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Vorort- Nachrichten. Steglitz. Das Dorf mit städtischen Allüren. Vermutlich wird unser Dorf über 166 666 Einwohner zählen, bevor es ihm vergönnt ist, zur Stadt„erhoben" zu werden. Trotz schon seit Jahren von der Bürgerschaft und einem Teil der Gemeinde- Vertretung gemachten Anstrengungen, die S t a d t r e ch t e zu er- langen und aus dem Landkreise Teltow auszuscheiden, ist von einem Näherkommen an das Ziel, geschweige von einem baldigen Erreichen desselben nichts zu spüren. Der Gemeindevorstand hat offenbar keine Eile, der Landgemeindcordnung zu entfliehen, und die Herr- schende Grundbesitzcrpartei erst recht nicht. Man kann diese Behauptung auch umstellen, ohne daß sie unrichtiger lvird, denn jeder Kommunalpoliiiker weiß, daß der Gemeindevorstand nichts tut, was der„maßgebenden Partei" mißfällt. Um das Dorf jedoch städtisch zu frisieren mit dem ausgesprochenen Zweck, steuerkräftige Mit- glicder heranzuziehen, hat man ihm einige Schönheitspflästerchen aufgeklebt. Nachdem die Regierung uns einen Titular- Bürgermeister beschert hatte, ging der Gemeindevorstand daran, diesem städtisch klingenden Titel entsprechende Vor« schuß- Firmenschilder für Gemeinde-Einr ich» tungen zu beschaffen. Dem.Stadtbad" folgte der S t a d t« park mit dem„Stadt park-Restaurant", diesem das„Städtische Elektrizitätswerk", dem das„Städtische Eiswcrk" augeschlossen wurde, und schließlich die„Städtische Sparkasse". Ein „Städtisches Wasserwerk" wird unser Dorf in absehbarer Zeit gleichfalls haben. Der glückliche Umstand, daß wir auch bereits ein Wappen besitzen, gereicht den angeführten Firmenschildern zur besonderen Zierde, wie z. B. der kürzlich erschienene„II. Ver- waltungsbericht des Städtischen Eltzktrizitäts- Werkes Berlin-Steglitz" wieder erkenuey laß:, der unser Dorf so forsch repräsentiert wie ein alter Krieger nq �chprucke seiner sämtlichen Orden und Ehrenzeichen das deutsche.Vaterland. Damit soll durchaus nichts Abfälliges über das Buch gesagt sein, denn es bringt in sauberer typographischer Ausstattung stuprMante Mit- teilungen über die Entwickelung des Werkes, die durch ein reichhaltiges Zahlenmaterial ergänzt werden,'' sowie einige gute Abbildungen von dem Eiswerke und. der neu- errichteten Kohlenentlade-Vorrichtung, die den Ktfljlentransport aus den Kähnen nach der Verbrauchsstelle selbsttälig besorgt. AuS diesem Bericht seien einige interessante Zahlen mitgeteilt. Das Er- freulichste ist der Rechnungsabschluß für das zweite Brtriebsjahr (1912/13), der einen Reinüberschuß von 266 824,48 W. ausweist. Das gesamte Kabelnetz hat eine Länge von 91 137 Meter mit einem Äupfergewicht von rund 123 Tonnen. Erzeugt wurden im Berichtsjahre 4 466 146 Kilowattstunden Energie, gegen das erste Jahr eine Steigerung von 95 Proz. Hierzu wurden 6 L51 166 Kilo. gramm Kohlen verbraucht, das heißt pro Kilowattstunde 1,4 Kilo- gramm im Geldwerte von 2,69 Pf. Die täglich erzeugte Elektrizitätsmenge schwankte zwischen 7266 und 1�656'HßMW stunden, im Durchschnitt sind es 12 266. Die Zahl der HauS- anschlüsse stieg von 1266 auf 1328, die der Abnehmer von 3397 auf 4413. Von dem im Berichtsjahre eingeführten P a u s ch a l t dir j f machen 714 Konsumenten Gebrauch. Daß diese Zahl nicht wesetii- lich größer ist, könnte befremden, erklärt sich aber leicht aus der Abneigung der Hausbesitzer, ihre Häuser und Wohnungen mit elektri- scher Leitung zu versehen. Die Gesamtkosten für eine erzeugte Kilowattstunde betrugen 9,4, für eine bezahlte 12,6 Pf., während die durchschnittliche Gesamteinnahme mit 13,3 resp. 18,7 angegeben ist. Einige graphische Darstellungen der Anschlußbewegung sowie über Stromerzeugung und-verbrauch beschließen den interessanten und lehrreichen Jahresbericht.— Von der dem Elektrizitätswerk an» gegliederten Eisfabrik sei nur erwähnt, daß mit der vor 5anbenen DetrievSeinrichtung innerhalb 20 Betriebsstunden 2400 Zentner Eis erzeugt werden können und daß bei Bedarf der Betrieb für das doppelte Quantum erweitert werden kann. Blüthner-Konzcrt im Stadtpark. Heute, Freitag abend soll das erste der drei von der Gemeinde zu veranstaltenden Konzerte statt» finden, nachdem es schon zweimal wegen ungünstiger Witterung verschoben werden mußte. Eintrittspreis für Erwachsene und Kinder 30 Pf.■ Lichtenberg. Kinderfest. Das der ungünstigen Witterung wegen verschobene Kinderfest des Wahlvereins findet nunmehr bestimmt am Montag, den 28. Juli im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee£>, statt. Der für Sonntag, den 27. Juli, geplante Spaziergang nach dem Schloßpark sä l l t aus. Spandau. Die Verfügung des Regicrungspräfidcntcn betr. die verschärfte Hundesperre gesetzlich unzulässig. Bei gewaltigem Andrang von Angeklagten und Zeugen hatte das Spandauer Schöffengericht vor- gestern nicht weniger als über 48 Anklagen wegen Uebertretung der Hundesperre zu verhandeln. 40 Angeklagte, zumeist aus Char- lottenburg und Nonnendamm, waren beschuldigt, ihre Hunde mit Maulkorb und an der Leine auf die Straße gebracht zu haben, was nach dem Erlaß des Regierungspräsidenten verboten war. Der Amtsanwalt hatte gegen die Gültigkeit der Verordnung keine Bedenken und beantragte gegen jeden der Angeklagten wegen fahrlässiger Uebertretung der Verfügung fünf Mark Geldstrafe. Das Gericht sprach die Angeklagten jedoch mit folgender Begrün- dung frei:„Das Gericht hat die fragliche Verfügung als über den Rahmen des Gesetzes vom Jahre 1876 hinausgehend betrachtet. Die Verordnung war daher ungültig. Das Gericht hat gefunden, daß die Maßnahmen(die nach Meinung des Vorsitzenden noch nirgends vorher angewandt waren) nicht unbedingt erforderlich waren, um das Publikum zu schützen. Die Verordnung hat sich nicht im Rahmen des Gesetzes gehalten, sie ist ja spätem auch auf- gehoben worden. Daher wird auf Freisprechung erkannt." Von den übrigen Angeklagten, die ihre Hunde ohne Maulkorb auf die Straße ließen, wurden 36 zu 1 bis 3 Mk. Geldstrafe ver- urteilt und 2 Angeklagte freigesprochen. Sehr interessant dürfte sich eine Reihe von Entschädigungs- klagen gegen die Stadt gestalten, die von einer Anzahl Hunde- besitzer deshalb angestrengt wurden, weil Polizeibcamte ibre Hunde, die sich auf der Straße befunden hatten, noch nachträglich aus der Wohnung holten und zum Teil auf der Abdeckerei töten ließen. Wird auch in höherer Instanz, da der Amtsanwalt jeden- falls Berufung einlegen wird, der Erlaß der verschärften Hunde- sperre als ungesetzlich erklärt, so ist die gewaltsame Entfernung und Tötung der Hunde durch die Polizei gleichfalls ungesetzlich und die Stadt hat für den Schaden aufzukommen. Am schneidig- sten ging die Polizei auf dem Nonnendamm vor, wo sogar noch nach Aufhebung der verschärften Hundesperre Hunde gewaltsam aus den Wohnungen geholt wurden. Bllcherablicferung. Da die Bibliothek bei gabestelle der Vorwärtsspedition einer Aufbesserung werden soll, werden diejenigen, welche noch Bücher entliehen haben, ersucht, dieselben bis zum 1. August an die Ausgabestelle abzu- liefern. Von diesem Tage ist die Bibliothek geschlossen und werden Bücher nicht verabfolgt. Die Wiederausgabe erfolgt an einem noch später bekannt zu gebenden Tage. der Aus- unterzogen Spiel imcl Sport. Wanderer. Arbeiter- Wauderbund„Die Naturfreunde«. Sonntag, den 27. Juli: I. Rabnsdors— Kranichsberge— Möllensee(Strohlager Bade- rast)— Erkner. Nachtwanderung. Abfahrt Sonnabend abends 9.53 Uhr vom Schlesischen Bahnhof.— II. Storkow— Grirbenmühle— Springsee (Baderast)— Scharmützelsee.(Nachtwandcrung). Abfahrt Sonnabendabends 10.40 Uhr vom Görlitzer Bahnhos.(Königswusterhausen umsteigen.)— III. Malchow— Schwärzesee(Badcrast)—Nonnenfließ— Melchow.(Nacht- Wanderung). Abfahrt Sonnabend abends 11.30 Uhrvom Stettiner Fernbahnhof. IV. Erkner— Löcknitz— Störitzfee— Freienbrink. Abfahrt Schiefischer Bahnhos 5.33 Uhr vormittags.— V. Ei ch w a l d e— Schmöckwitz— Krossin- fee— Eichwalde. Abfahrt Görlitzcr Bahnhof 6.40 vorm.(Schlesischer Bahnhof 6.18 Uhr, Niederschöneweide umsteigen).— VI. Frohnau— Bergfelde— Summtsee— Birkenwerder. Abiahrt Stettiner Vorortbahnhof 5.48 Uhr vorm. — VII. W a i d m a n n s I u si— Tegel. Abfahrt Stettiner Vorortbahnhos 1.20 Uhr nach.m— Ortsgruppe Spandau. Chorin— Plagesenn— Liepe— Niederfinow. Abfahrt 5.06 Uhr vorm. Gäste willkommen. Arbeiter- BSanderverein Berlin. Sonntag, den 27. Juli: Wanderfahrt nach Wildvark— Düsterer Teich— Pannenberge— Bornim— Gr. Heinc-Berge— Nedlitz— Römerschanzc— Salrow— Wannsee. Im Lause der Wanderfahrt Vortrag des Führers Genossen Krause über„Märkische Burg- wölless und Besichtigung derselben. Käste willkommen. Sonntag, den 17. August: Oberspreewaidsahrt. Teilnehmerkarten a 5,75 M. für Bahnfahrt 3. Klasse und itahnfabrt sind in unseren Zahlstellen i Fritz Wählisch, Skalitzer Str. 22 und Georg Weihnacht, Grünstr. 21, zu haben. Arbeiter- Douristenverein„Die Naturfreunde«. Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 27. Juli: I. Birkenwerder— Briese— Wensickendorf— VUenwerder. Abfahrt nach Birkenwerder: Stettiner Bahnhof 5.48.— etz—Sommerjeld— Teschendorf— Grüneberg. Abfahrt nach Sommer- ~£ttinEr Bahnhof Sonnabend nacht 12.00. Gäste stets willkommen. " zeige! Bei Beteiligung von mindestens 10 Personen: Besuch der «n Bausachausstellung in Leipzig am 17. August. Meldung und Teponimmg des Fahrgeldes für Hinfahrt(6 M. für D-Zug) bei "acberg, Neue Stcinmetzstr. 2. 'iidä Schwimmer. Die Arbeiter-Tchwimmvereine Nord, Freiheit, Welle und Südost veranstalten am Schwimmer bahn.) Sic Ziel ist Pap> Arbeit Schwimme Restaurant sammlung über„Die g> Interessenten) den 27. Ju«fi<«llen Mitglieder am s Trefipunkt Potsdamer iendcn Sonntag ein Dauerschwimmen. Treffpunkt für früh 8 Uhr in Tegel.(Endhaltestelle der Straßen- durchschwimmenden Strecke in Nieder-Ncuendors. für diese Strecke erforderliche Zeit ca. 1 Stunde. immvercin„Berlin«(Mitglied des Arbeiter- Am heutigen Freitag findet in Reinickendorf im Residenzstr. 109, um 81/, Uhr eine öffentliche Ver- erselben wird Schwimmgenosse Lücke einen Vortrag hcn Vortelle des Badens und SchwimmcnS" halten. fts Nichtschwimmer, sind hierzu eingeladen. Sonntag, Mibe Schwimmlourcn aus, dafür bctcUigcn sich die gandaschwimmfeft des Schwimmvereins Potsdam. en Abteilungen ist: Abt. I, Jugcndmitgl., 8 Uhr, WMAW thaler Tor; Adlersj schö auptportal): Abt. II, 10 Uhr, Nettelbcckplatz; ahnhof Bellcoue; Abt. IV, 10 Uhr, am Rosen- J01/, Uhr, am Großgörschen-Bahnhof. f'ii wf Turner. Resnlti�e der�austball-SeriensPielc vom Sonntag: Neukölln 3 1— FriedrichSselde 92; 57. Neukölln 1 I— FriedrichSselde 75; 64. Nieder. fchöneweidc— FriedrichSselde 61: 55. V. f. B.— Friedrichsseide 69: 60. '•". Niedenchöneweidc II 86: 63. Friedrichsjelde II— Nieder- ,76: 89. FriedrichSselde II— Lichtenberg II 76: 76. V. f. "erg II—:—. Niederschöneweidc— Köpenick 106: 112. Niederschöneweide— 69: 58. Nicderschönewcide— V. f. B.—:— Köpenick— g 71: 65. Baumschulenweg— Rummelsburg 66: 81. Baum- — V. f. B.—:—. Neukölln II— Lichtenberg 38: 74. Neu- ichtenberg 49: 52. AdlerShof I— Oberfchönewe-de I 87: 91. >f I— Oberschöneweide II 53; 54. ezirksspielfest. 5. Bezirk dcS.I. Kreises des Arbeitcrturnerbundcs. onntag. den 27. Juli, sindet unser erstes Bezirksspielsest im Restaurant _ d o w a statt. DaS Fest verspricht durch sein Arrangement eine der Wteressantesten Veranstaltungen dieser Art zu werden. Turnverein„Froh und Frei«, Gross-Lichrerfelde, veranstaltet am Sonntag, den 27. Juli, ein Schauturnen zur Feier seines 15jährigen v e st c h e n s. Nach den vormittags stattfindenden Kampsspielen findet nachmittags 1 Uhr ein Festzug statt, der sich vom Rcstafurant Birkenwäldchen ,nni F e st P l a tz, Lankwitz, groben-. Ecke Zietenstraße, bewegt. Dortselbst: Turnerische Aufführungen, Festrede: Bruno Lieske, Berlin Abends Festball, Restaurant Richter, Chausseestr. 104. 8. Männerabteilung. Nachtwanderung in zwei Gruppen. Treff- Punkt der 1. Gruppe! Sonnabend 7.10 am Fahrkartenschalter Eingang Wiener Straße. Zkösahrt 7.20. 2. Gruppe: Sonnabend 10.30. Sammel- Punkt ivie opca. Abfahrt 10.40. Gruppe 1 fährt bis Lummersdors(90) und übernachtet dortseibst bei Helling. Gruppe 2 säbrt durch bis Schar- mützelsee(1,20) und läust noch in der Nacht bis zum Springsee. Hicrseibst: Jtaldmische Nacht. Gäste gern gesehen. Für Nachzügler: Sonntag 4.45 ab Görlitzer Bahnhos bis Scharmützclfce. Treffpunkt Ottps Hotel. Radfahrer. Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität«(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 27. Juli, 1. Abt.: 7 Uhr Rüdersdorf. 1 Uhr Schöneiche(Rann). Start: Bülowstr. 58.— 2. Abt.: 5 Uhr Alt- Töplitz. 1 Uhr Nowawes(Singer). Start: Fontanepromenade 18.— 3. Abt.: 6 Uhr Eichwalde(Witte)(Schnitzcljagd). Start. Lausitzer Platz 12. — 4. Abt.: 5 Uhr Kremmen. 1 Uhr Saatwinkcl(Jägcrheim). Start: Küstriner Platz.— 5. Abt.: 3 Uhr Werbelinfee. 1 Uhr Birnau(Waldkaterü Start: Elysium.— 6. Abt. 5 Uhr Seddin(bei Beelitz). 8 und 12*/, Uhr Wannsce(Fürstenhof). Start: Odcrberger Straße 23.— 7. Abt.: 6 Uhr- Ketzin a. Havel. 12'/, Uhr Wannfee OZürstenhof). Start: Schuistr. 29. — 8. Abt.: 6 Uhr Oranienburg- Sandhaufen. 1 Öhr Birkenwerder (Paradiesgarten). Start: Rostocker Str. 28.— 9. Abt.: 8 und 12'/, Uhr Mühlenbeck. Start: Schillingstraße 22.— 10. Abt.: 6 Uhr Eichwalde (Witte). Start: Lausitzer Platz 12. 1 Uhr Eichwalde. Start: Große Frankfurter Str. 30.— 11. Abt.: Am 30., 9 Uhr Wandlitzfee. Start: Große Hamburger Str. 19. Ortsgruppe Neukölln: Sommersest beim Bundesgenossen Richard Felsch, Neukölln, Kncsebeckstr. 48— 49. Lichtenberg: Am 27., 4 Uhr Buckow(SchwcizerhauS). 12'/, Uhr Alt-Landsbcrg. Start: Pfarrstr. 74. Stralau-RummclSburg: Am 26., 11 Uhr abends Sprccwald, Start: Ecke Türrschmidt- und Lessingstraße. Treptow-Baumschulenweg: Am 27., srüh 4 Uhr Lehnin. Start: Treptow bei Kimmel. Wilmersdorf: Am 27., abends 8 Uhr Finken krug. Char lottenburg: Am 27., 1 Uhr Neu-Finkenkrng. Pankow. Am 27., 6 Uhr Rüdersdorf. W e i ß e n s e e: Am 27., 7 Uhr Gorinsee(SportshauS). Start: Ber- liner Allee 251. Lichterfelde: Am 27., 1'/, Uhr Start zum gemeinsamen Festzug m Birkenwäldchen. Reinickendorf: 1. Abt. Start 1 Uhr bei Lüning, Schilling- straße.— 2. Abt. Start 1 Uhr bei Hirsch, Amcndeftraße. Sammclstart: Mörtelwerke, Waidmannslust, Tour nach Mühlenbeck. Ober-Schöneweidc. Sonntag, den 27. Juli, srüh 9 Uhr, Unter- bezirkstour nach Kagel. Start: Th. Schüsfler, Siemcnsstraße 28. Zu allen Touren und Veranstaltungen: Gäste willkommen. Arbeiter-Nadfahrerverein Groff-Berlin. Sonnabend zum Sonn- tag, nachts 1 Uhr: Nach Wörlitz— Dessau. 27. Juli, srüh 5 Uhr: Badetour Groß-Besten; nachmittags 1 Uhr: Ravenstein«: Mühle, Friedrichshagen. Athleten. Stadion und Athletcuwcttstreite. Wer in den letzten Tagen die Sportrubriken der bürgerlichen Lokalblätter einer Durchsicht unterzog, mußte glauben, daß am 27. Juli die gesamte sportliebende Berliner Bevölkerung auf die Beine gebracht werden soll, um als Staffage für eine neue Hurra- patriotische Veranstaltung zu dienen. Im Stadion geben sich die Leichtathleten und Schwimmer ein Stelldichein und man wird nicht verfehlen, erstklassige Kräfte an den Start zu bringen, um vor allen Dingen auf Kosten der Zuschauer im Stadion zu einigem Recht zu gelangen. Es soll auch noch der Reichsverband für Athletik seine Beteiligung zugesagt haben, um sich ebenfalls im Kampf um Medaillen zu zeigen. Nun findet am gleichen Tage in Albrechts Hof, W e i ß e n s e e, ein Wettstreit, veranstaltet von der Freien Vereinigung und dem l. Athleten- und Artistenverband Berllin 1896 statt, welche sich gleichfalls im Kampfe um Medaillen dem Publikum zeigen werden. Es wird versucht, für diese Veranstaltungen auch die Arbeiter- schaft zu interessieren. Es ist erwünscht, wenn diese Leute unter sich bleiben. Einmal steht den Arbeitersportverbänden das Stadion nicht zur Verfügung, andererseits soll aber die Arbeiterschaft die Kassen füllen, um neue Mittel dem Jungdeutschlandbund zuzuführen. Aus diesem Grunde sollten Arbeiter alle Billetts und Eintrittskarten entschieden zurückweisen. Damit wird auch der freien Sportfache genützt. Der Arbeiter-Athletenbund Deutschlands, Kr. Gr.-Berlin, hält am Sonntag, den 27. Juli und 3, August, sein Sommerfest, verbunden mit Wettstreit im Heben und Ringen, im Cafs Bellevue am Rummelsburger See, Hauptstr. 2, ab. Beginn 2 Uhr. Da die Vereine des Bundes bei den von der Arbeiterschaft arrangierten Veranstaltungen mitwirken, bitten sie um Unterstützung durch Maffenbesuch. Eintrittskarten find bei allen Mitgliedern zu haben. Billett 20 Pf. Arbciter-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dies« Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 5. Abt. Neukölln, Freitag, den 1. August. Wetchselstr. 8, Jdealkasino.. Schöneweide. Montag, 28. Juli, Siemens, traße 12 bei Schulz. Nowawes. Montag, 28. Juli, Wilhelm-, Ecke Friedrichstraße, bei Schmidt. Abt. Potsdam Mittwoch, 30. Juli, Kaifer-WUhelm-Skaße bei Gla er. Berlin. Freitag, 25. Juli, abends 8'/. Uhr: Mitgliederversammlung im Restaurant Habeilandt, Neue Fricdrichftr. 35. eingegangene vrucksckrifren. Von der„Neuen Zeit« ist soeben das 43. Heft des 31. Jahrgang» erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Skizzen zur schwedischen Partcigeschichte der letzten Jahre. Von Hannes Sköld(Stock- Holm).— Mein Vertrauensbruch. Eine Abwehr von Fr. Mehring.— Ein Vertrauensmann. Von K. Kautsky.— Die kritischen Wochen. Von Franz Klühs.— Nochmals„Nachdenkliche Betrachtungen". Von Otto Eggerstedt iKiet).— Die politische Lage in Portugal. Von Edmondo Peluso.— Litcrarifche Rundschau: Theodor Schwartz. Hinrlch Paternoslermaker. Von W. B.— Zeitschristenschau. Bon Oda Otberg. Feuilleton der Neuen Zeit' Nr. 65: Kunststile und Kimst- moden. Von John Schikowski. Die bildende Kunst in der Urzell. Von Arnulf. Neue Beiträge zur Parteigeschichte. Von Fr. Mehring.— Bücher- schau: Erich Schlailj«. Gegenwart und Zukunft der deuffchen Schaubühne. — Lose Blätter: Der Fall Hauptmann. Erich Schmidt. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmat und ist durch alle Buch« Handlungen, Postanstatten und Kolporieure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Heft tostet 35 Pf. Vom„LSahreu Jacob« ist soeben die 16. Nummer des 30. Jahrganges, 16 Seiten stark erschienen und bringt ein gutes Porträt de» verstorbenen Genossen FriedrichZietzsch. Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Probenummern find jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dietz Nachi. G. m. b. H. in Stuttgart, sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Von.der„Gleichheit«. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 22 des 23. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Aufruf des Parteivorstandcs zum Parteitag.— Wer zahlt die Zeche V— Der Geburtenrückgang in Berlin. Von Mathilde Wurm.— Die Täligkeit der Frau in der Gemeinde. IV. Von Anna Bios.— Ein wichtiger Arbeiterinncnlamps. Von R. H.— Kann die Bürde der Hausfrau erleichtert werden? Von Mr. L.— Der Budapester Kongreß de» Weltbundes für Frauenstimmrecht. Von e. r.— Die„Gleichheit" erscheint alle. 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonncmentspreis viertetjährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement 2.60 M. BnifkuTtcn der Redaktion» Die lurisiifche epreqftunde findet Linden st raste 69, vorn biet Treppen — F a h r ft u b i—, wochentäglich von 414 bis 714 Uhr abends, Sonnabends, von 414 bis 6 Uhr abends starr. Jeder für den Bricstasten bestimmte» A»sr-gc ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen bctznsügcn. Briefliche Antwort wird nicht crtcflt. Anfragen, denen keine AbonncmentSquittung beigefügt ist, »erden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man tn der Sprechstunde vor. M. R. 109. Falls der Beweis nicht möglich ist, zwecklos. Das Zu« geständnis reicht in der Regel nicht aus.— PH. B. II. Sie brauchen nur für sich persönlich den Antrag ans Aufnahme in den preußische» Staatsocrband zu stellen.— M S. 49. 1. und 2. Nein. 3. Die Geschwister bezw. Kinder verstorben« Keschwist«.— 21.@. N. 11. 1. Ja, eventuell Schadenersatz. 2. und 3. Nein.— Zl. M. 33. 1. Nach Ihrer Darstellung nein. 2. Ja, und zwar die Hälfte des Nachlasses. 3. Ja, so- fern die Testamentserben dem Perlangen auf Auszahlung des Pflichtteils nicht nachkommen.— Schulz 42. Wiederholen sie Ihre Anfrage und geben Sic noch an, wann die Ehe geschloffen und wo der erste Ehewohnsitz gewesen ist.— Chart. 53. Nicht erforderlich. Es genügt Ihre Erklärung beim Standesamt.— C. K. 20. Erst bei zwei Kindern.— 21. R. 22. Ja, wenden 3ie_nch an das deutsche Konsulat.— R. 89. Voraussichtlich werden Sic ein Strafmandat erhalten. Antrag auf gerichtliche Enffcheidung wäre ohne Aussicht auf Erfolg.— O. E. Sie find zur Weiterzahlung ver- pflichtet. W. K. Sofern nächtliche Ruhestörung v«ursacht wird, find Sie dazu verpflichtet.— K. F. 8. Versuchen Sic es mit einer Beschwerde. In der Regel findet ab« eine Beschleunigung des Verfahrens dadurch nicht statt. — S. 38. 1, Die Berufung hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn noch nachträglich eine schriftliche Genehmigung des VormundjckastsgerichtS beschafft wird. 2. Wahrscheinlich würde das Berufungsgericht endgültig cnt- scheiden. Es könnte auch Zurückverweisung an die Vorinstanz zum Zwecke der Verhandlung über die materielle Seite der Sache geschehen.— F. T. 131. Sie find zahlungspflichtig, jedoch kann Ihnen von dem angegebenen Einkommen nichts getürzt werden. Ein EntlassungSgrund ist die Nichtzahlung nicht.— H. Sch. 100. 1. und 2. Ja. 3. Das ist nicht Aufgabe des Vormundschaftsgerichts.— M. W. 100. Die Eltern find Eigentümer des Sparguthabens geworden. Die Verpflichtung zur Zahlung von Ergänzungsfteu« tritt ein, sosern das Vermögen 6000 M. übersteigt und ein Einkommen von mehr als 2000 M. jährlich versteuert wird; ist das Einlommen geringer, so tritt die ErgänzungSstcuer erst bei einem Vermögen von 20 000 Mark ein.— 2l. I. 999. Nein. — R. L. 9- Eine Rückforderung der Kosten erscheint aussichtslos. Zur Beschwerde raten wir.— 2l. B. 36. Falls Sie Ihre Mutter direkt unter- stützen, sind Sie zur Erstattung an die Armenverwaltung nicht verpflichtet. —.. 1>. Fragen Sie bei der Zollbehörde an.— F. N. 80. Nur dann, wenn das Jahreseinkommen 2000 M. nicht übersteigt.— N. W. 99. Ja. 2l. K. 11. Leid« nicht.— H. 2N. 42. DaS ist leider zutreffend. Z. 88. Der Untersuchung durch den Vertrauensarzt müssen Sie sich unterziehen. Falls Sie bettlägerig krank sind, teilen Sie dies der Kasse mit und verlangen Sie, daß der Vertrauensarzt Sie in der Wohnung aus- sucht. Erfüllt die Kasse ihre Verpflichtung nicht, so führen Sie Beschwerde beim Magistratskommiffar für Krankenkassen, Stralauer Str. 3/6.— — 2l. H. 27. 1. u. 2. Ja. Richten Si« einige Tage vor Stattfinden des Termins ein Ersuchen an das Gericht, von der Fragestellung Abstand zu nehmen unter Hinweis aus die Gefährdung Ihrer Stellung.— 2>. 142. Ja. Lcupold Aulnoye. t. Es genügt die Adresse: Kaiserlich-DeutscheS —®. Ol 100. Ja, sofern und oder 28,85 M. wöchentlich über- Konsulat in Paris. 2. Auf Erfordern ja. soweit das Einkommen 125 M. monatlich steigt.— II. F. M. Nein.— Unna. 1. U. E. ja. 2. Nein. 3. Ja. bis zur Höhe der Vertragsstrafe, die im Prozeß wahrscheinlich herabgesetzt werden würde.— W. ft. 52. Der Standpunkt der Steuerbehörde cnt- spricht dem Gesetz.— F. E. 2t. 21. 1. Ja. 2. und 3. Ihr Vater kann Antrag auf Erlaß du Steuer stellen. Die für das erste Quartal bereits gezahlte Steuer müßte zurückgezahlt werden.— O. P. 100. Nein. a. 50. zulässig. 1. New. 2. Fa.— Präkclr Boppstr. ES ist auch Geldstrase Lriefkakten der Expedition. Patienten in Beelist. Buch und anderen Heilstätte». Diejenige» unserer Abonnenten, die noch während deS ganzen nächsten MonatS in der Heilstätte bleiben, wollen ihrem bisherigen Spediteur wegen der Ueberweisung von Frei- ezemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nununern veS neuen MonatS von der Post nicht geltefett werden. All- Adressen müssen leben Monat neu eingesandt werden. Versammlungen— Veranstaltung«. 3. Kreis. D« Leseabend fällt im Juli aus.— Am Mittwoch, den 30. Juli, findet bei Ludwig w Treptow ew gemütliches Kaffee- kochen statt. Neukölln. Am Montag, den 28. Juli, abends 8'/, Uhr, finden vier Frauenversammlungen statt. Für die Bezirke 1—6 in den Hohenftausen-Fesffälen, 7— 12 in den Passage-Feftsälen, 13— 18 bei Petri, Knesebeckstraße, 19—24 bei Bartsch, Hennannstraße 49. In allen Versamm- lungcn kommen Rezitationen freiheitlich« Dichtungen zum Bortrag.— Die Leseabende in den einzelnen Bezirke» fallen auS. Jugendveranstaltung«. Roseuthal. Am Sonnabend, den 26. Juli, findet ein gemeinsamer Besuch der Sternwarte in Treptow statt. Vortrag und Beobachtungen mit dem großen Fernro Hr.— Treffpunkt am Bahnhos Reinickendors-Roscn- thal. Abmarsch pünktlich 7'/, Uhr. Fahrt mit der Linie 32.— Karten für die Sternwarte für Jugendliche statt 1.— M. 30 Pf. Erwachsene, welche zur Teilnahme herzlich eingeladen sind, zahlen für die Karte 40 Ps. statt 1— M.-_ Marktpreise von Pcrlin am 83. Juli 1913, nach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,56 bis 20,60, mittel 20,48—20,52, geringe 20,40—20,44. Roggen, gute Sorte 00,00, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00(ab Lahn). Futtergerste, gute Sorte 17,10—17,60, mittel 16,60— 17,00, geringe 16,10— 16,50. Haser, gute Sorte 17,70—19,10, mittel 16,60-17,60. Mais(mired). gute Sorte 00,00— 00,00. Mais(runder), gute Sötte 14,70— 15,20. Richtstroh 0,00. Heu, alt 0,00, neu 6,00—8,00. MarlthaNenvreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Spcisebobnen. weiße 35,00— 66.00. Linien 35,00—60,00. Kartoffeln(Rteinhdl.) 8,00—14,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2.20—3,00. 60 Stück Eier 3,60—5,40. 1 Kilogramm Kardien 1,80—2,60. Aale 1,60— 3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 1,00—45,00. PSafferstandS-Nachrichte» der LandeSanfialt für Sewäffertunde, mttaeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e I. Tilfit P r e gel. Jnslerburg Weichsel. Thorn Oder, Rattbor . Krossen . Franifutt Warthe, Schrimm . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz Dresden Barbq Magdeburg Wuchs.- Fall.-») Unterpegel. Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau si , Rathenowsi Spree,«Voremberg si , BccSkow Weser, Münden Minden Rhein, MaximUianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Ttter am 23. 7. cra 92 8 —15 68 81 156 244 584 311 297 100 141 69 Jeder Ardeiter, Handwerker, jeder Praktisch arbeitende Alarni der für seine Arbeit, für seineu Beruf, besonder» vorteilhaft geeignete Kleidung nötig hat, kaust diese bei der bekannten Firma Arbeitskleidung ♦ Berufskleidung. Hauptgeschäft: Alerauderstr. 18. Zweiggeschäfte: Rosenthaler Str. 53— Landsberger Allcc 148— FcnlcöIIn: Bergstr. 00. Reelle billige Preise, erprobte solide Oualitäten, guter Sitz- richtige Machart, beste Verarbeitung, gröffte Auswahl. lsterantwörtl icher Redakteur:»lsted Wielepp, Neukölln. Für de» Lnjeratentett verantw.: Th. Glocke, Berttn. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u.9a, Berlik, SM