N-.ZKS. wovaemtntz-Seckwgllngeo: HSonnentnüä- PrciZ prSnumerando: NerteliShrl. S.20 MI, mon-tü 1,10 Mk., wichenllich 28 Pfg, frei WZ HauZ. Einzelne Nummer S Pfg. Eonnlag?. Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Seit* 10 Pfg, Post. «bonnement: 1.10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Poft.ZeitungZ. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn ZEO Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien, Dänemarh Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Kittlianiav Schweden und die Echweiz, 30. Jahrg. v!e Insertion;-Gedah? beträgt für die sechsgejpaltene Kolonelzeile oder deren Raum 80 Pig,. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Berfnmnilungö-Anzeigen 80 Pfg. „kleine Anreisen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg,(znläfsig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. 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Die Zustimmung des Zentrums zu der gewaltigsten Militärvorlage, die seit Be- stehen des Reiches den Reichstag beschäftigt hat, versucht man den Wählern dadurch etwas genießbarer zu machen, daß eine ganze Menge Konzessionen aufgezählt werden, die der Re- gicrung„abgerungen" worden sind. Mit einem Au- gurenlächeln wird Herr v. Bethmann Hollweg lesen, wie ihn das Zentrum zu Zugeständnissen„gezwungen" hat, und der Zentrumswähler von B i b e r a ch und von Aßlkofen, oder wie sonst die geistigen Zentren der Herren von der schwarzen Couleur heißen mögen, wird aus dem Staunen nicht herauskommen iiber die bedeutsamen Erfolge, die seine Vertreter iin Reichstag erzielt haben. Bei Lichte besehen sieht es mit diesen Erfolgen allerdings ziemlich windig aus, um so mehr, als manche dieser Errungen- schaften die VerWässerung eines sozialdemokratischen Antrages darstellen, der von den biederen Zentrumsmannen vorher niedergestinunt worden war. Die Erfolge, die das Zentrum für sich bucht, zerfallen in zwingende Beschlüsse, die in das Gesetz aufgenommen wurden, und in R e s 0 l u t i 0 n e 11. Zunächst der Z 3a des Friedenspräsenzgesetzes: „Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes werden, soweit militärische und wirtschaftliche Gründe es gestatten, nur in den Wintermonaten zur Uebung ein berufen." Mit der Zustimmung zu diesem Antrag hat sich die Heeresverwaltung zu gar nichts verpflichtet. Wenn sie diesem Beschluß keine Folge geben will, dann braucht sie chloß militärische Gründe vorzuschützen und das Zentrum ist befriedigt. Praktisch ist also damit gar nichts erreicht. Aber die Aufwandsentschädigung für soldaten reiche Familien! In dem Etat des Reichsamts des Innern wurden 240 00(1 M. eingestellt, zu Aufwandsent schädigungen an solche Familien, von denen bereits drei Söhne ihrer gesetzlichen zwei- oder dreijährigen Dienstpflicht im Reichsheer oder in der Marine als Unteroffizier oder Gemeine genügt haben oder noch genügen, und zwar in Höhe von 240 M. für das Jahr während der gleichen gesetz lichen Dienstzeit eines jeden weiteren Sohnes in denselben Dienstgraden. Wenn also aus einer Familie bereits drei Söhne gedient haben und es wird auch noch ein vierter eingezogen, dann erhält die Familie für diesen Sohn eine Beihilfe von 240 M. pro Jahr. Die Zahl solcher Familien ist eine sehr be- schränkte, die 240 000 M. reichen gerade für 1000 Familien aus. und es ist fraglich, ob die ganze Sunime aufgebraucht wird. Man wird auch abwarten müssen, wie das Reichsamt des Innern den Begriff der Familie auszutragen gedenkt. Daß Vater und Mutter, oder Vater oder Mutter darunter zu verstehen sind, erscheint uns zweifellos. Wie aber, wenn die Eltern verstorben sind? Wer ist denn befugt diese Auf- Wandsentschädigung zu empfangen? Dem Soldaten selbst kann sie nach deni Wortlaut der Bestimmung nicht aus- bezahlt werden und doch würde sie der elternlose Soldat am nötigsten brauchen. Weil die Sozialdemokraten auf diese und andere Schwierigkeiten hingewiesen hatten, hat in der Zentrumspresse sofort eine Hebe gegen sie eingesetzt, weil sie angeblich soldatenreichen Familien diese Beihilfe nicht gönnen wollten. In Wirklichkeit hatten die Sozialdemokraten nur eine präzisere Fassung verlangt, um bureaukratischen Tifteleien bei der Austragung dieser Bestimmung einen Riegel vorzuschieben. Die Sozialdemokraten haben aber trotzdem f ü r. die Bewilligung der 240 000 M. zu dem vor- erwähnten Zweck gestimmt. Von wesentlicher Bedeutung ist aber die ganze Sache nicht, wie sich schon aus der Gering- fügigkeit der benötigten Mittel ergibt. Genau so wenig bedeutungsvoll ist die Bestimmung im Wehrbeitrasgesetz, wonach Steuerpflichtige, deren Vermögen 200 000 M., oder deren Einkommen 20 000 M. nicht übersteigt, von ihrem Wehrbeitrag 10 Prozent abziehen dürfen, für den dritten und jeden weiteren Sohn, der im Heer oder in der Marine dient. Für die weitesten Kreise hat diese Bestimmung aus naheliegenden Osründen nichts zu besagen. Von Wichtigkeit ist lediglich die in den Etat ein- gestellte Position: „Zu freien Urlaubsreisen der Unteroffiziere und Gc- meinen in die Heimat 1 600 000 M. Der Beitrag ist so berechnet, daß Unteroffiziere und Gemeine jährlich einmal freie Hin- und Rückfahrt in die Heimat erhalten können." Die Anregung, den Soldaten alljährlich eine freie Ur- laubsreise zu gewähren, ist nun aber nicht etwa lediglich auf das Zentrum zurückzuführen, vielmehr sind dafür S 0- zialdeniokraten und auch Liberale schon seit Jahren gleichfalls ei ngc treten. Das Zentrum hat einfach den?lnjrag gestellt, hätte es das glicht Getan, dann wäre der Antrag von sozialdemokratischer Seite gekommen. Es kommt bei solchen Anträgen keineswegs darauf an, wer sie stellt, als vielmehr darauf, wer ihnen zustimmt, und zu den zustimmenden Parteien gehörte auch die Sozialdemokratie. Das Zentrum allein ist ja auch gar nicht in der Lage, selbständig für einen Antrag eine Mehrheit aufzubringen. Was hier vom Zentrum in üblicher Bescheidenheit als eigenen Erfolg in die Welt hinausposaunt wird, ist in Wirklichkeit ein Erfolg, den a u ch d i e a n d e r e n zustimmenden Parteien für sich reklamieren können. Zudem krankt der Antrag daran, daß die Gewährung der freien Urlaubsreise in das Belieben der Kommandobehörden gestellt bleibt, denn diese freie Reise kann, aber sie muß nicht gewährt werden. Der Willkür und der Schikane ist damit der Weg geebnet, und wir zweifeln nicht daran, daß man Soldaten, die man nicht für politisch einwandfrei hält, die freie Urlaubsreise, wenn irgend möglich, versagen wird. Immerhin bedeutet der Beschluß einen Fortschritt, für die Soldaten eine Erleichterung, weshalb gerade dieser Antrag eine große Mehrheit im Reichstag fand. Die 15 Resolutionen des Zentrums haben eigentlich nur Papierwert, das Zentrum wird sich selbst besonderen Erfolg davon nicht versprechen. Gerade aber diese Reso- lutioucn beziehen sich auf Materien, die in das Gesetz hätten hineingearbeitet werden müssen. Man darf bezweifeln, daß die Resolutionen des Zentrums durchgängig e r n st g e- mein t sind. Ihr eigentlicher Zweck ist ganz offenbar, den ultramontanen Agitatoren als Material zn dienen, das zu einem doppelten Zweck verwendet werden kann: einmal, um den Wählern zu zeigen, wie tätig das Zentrum auf allen Gebieten ist, zum andern, um auf die Regierung losschlagen zu können, die diesen Wünschen des Zentrums nicht Rechnung trägt. Was vom Zentrum als Erfolg in die Welt hinaus- posaunt wird, ist somit entweder matzlose Uebertrei- b u n g oder es sind Errungenschaften, die Gemeingut fast aller Parteien sind. Allerdings hätte es das Zentrum diesmal in der H a n d gehabt, der Militärverwaltung weitgehende Zuge- ständnisse abzutrotzen, wenn es die sozial- demokratischen Anträge unterstützt hätte. So vor allen Dingen den Antrag aufVerkürzungderDienst- zeit, eine Forderung, für die zu Wahlzeiten und auch sonst, wenn es opportun erscheint, auch Zcntrumsblätter eintreten. Hier genügte ein Wink des„Beichtvaters des Kriegsmini- sters", des Generals von Wachs, und das Zentrum lehnte ab. Dafür verlangt man für jeden Soldaten jährlich min- bestens vier Wochen Urlaub, was einer Herabsetzung der Dienstzeit bei den Fußtruppen auf 22 Monate gleichkäme. Aber selbst dieses höchst bescheidene Verlangen ist in die Form einer Resolution gekleidet, um die sich die Heeresver- waltung nicht einen Pfifferling kümmert. Nicht einmal für die Beseitigung des Burschen Wesens war das Zentrum zu haben, nur um Maßnahmen zu einer Ver- ringerung des Burschenwesens wird der Reichskanzler gebeten, woraus sich aber der Philosoph von Hohenfinow ver- teufelt wenig machen wird. In Wirklichkeit hat das Zentrum bei der Militärvor- läge wieder einmal völlig versagt, soweit es sich um dringend nötige Reformen im Heerwesen handelte. Selbst die drei Kavallerieregimenter, die in der zweiten Lesung gestrichen worden sind, wurden mit Hilfe des Zentrums in der dritten Lesung bewilligt. Es gehört die ganze Gerissenheit eines Erzberger dazu, selbst in dieser Situation noch Erfolge herauszufinden, für die das Volk dem Zentrum danken soll! Aufgabe der Sozialdemokratie ist es, zu zeigen, wie es mit diesen Erfolgen bestellt ist, und die Sozialdemokratie hat die weitere Aufgabe, den unverdienten Glorienschein wegzuwaschen, mit dem das Zentrum sich wieder einmal zu umgeben versucht. Die Partei für„Wahrheit und Recht" hat, wie schon so oft, auch diesmal wieder die Interessen des Volkes mit Füßen getreten, nur um der Regierung dienstoillig sein zu können. Vom bösen Gewissen getrieben, sucht man nun ein p a a r kümmerliche Konzcssionen heraus, die zu machen die Militärverwaltung sich herabgelassen hat, und zeigt sie dem gutgläubigen Volke, das hinter dem Zentrum steht, als glorreiche Errungenschaften ultramontaner Taktik. Was will aber die fragwürdige Aufwandsentschädi- g u n g und selbst die freie Urlaubsreife der Sol- baten bedeuten gegenüber den ungeheuren Opfern an Menschenmaterial und an Geld, das-dem Volke durch die letzte Militärvorlage aufgehalst worden ist? Der Ausfall der Reichstagsersatzwahl, wo das Zentrum mit Ach und Krach das Mandat gerade noch behaupten konnte, war eine beut- liche Antwort der Wähler, die hoffentlich immer mehr dazu kom- men, in den Erfolgen des Zentrums Danaergeschenke zu erblicken.__ Diplornatilche liöte und Hofen. Nach Rumänien haben sich auch Oesterreich und Rußland ins Mittel gelegt, um die serbische und griechische Regierung zum Abschluß eines Waffenstillstandes zu veranlassen. Da aber die Verbündeten wohl nicht ganz mit Unrecht befürchten, daß Bulgarien die Waffenruhe benutzt, um seine militärische Schlagkraft wieder auf die Höhe zu bringen, bleiben sie allen Vorstellungen gegenüber taub. Die Feindseligkeiten werden also ihren Fortgang nehmen, während in Bukarest wegen des Friedens verhandelt wird. Vollständig ratlos stehen die Mächte der Türkei gegen- über. Man will ihr zunächst mit diplomatischen Noten zu Leibe gehen, deren Wirkungslosigkeit aber von vornherein feststeht. Dann fabelt man von einer internationalen Flotten- demonstration, die, wenn sie in einigen Wochen zustande käme, auch nur eine höchst platonische Demonstration sein würde. Denn die gegenseitige Eifersucht der Mächte läßt eine energische Aktion gar nicht aufkomnien. Daneben taucht auch das Gerücht auf, daß Rumänien als„Mandatar Europas" gegen die Türken zu Felde ziehen solle. Im Hinter- gründe aber droht nach wie vor die russische Raubpolitik, die sich des schon lange ersehnten Armeniens bemächtigen will, was die anderen in Kleinasien konkurrierenden Großmächte auf den Plan rufen würde. Kurz, wohin man blickt, die alte Zerfahrenheit und Ratlosigkeit der Diplomatie, die durch den fieberhaften Notenwechsel nur noch vermehrt wird. Türkische Träume und Sorge». Genosie P a r d u s schreibt uns aus Konstantinopel: Mit Ach und Krach setzte man die Armee in Bewegung. Man war nicht auf einen Vormarsch vorbereitet, und das beweist, daß an dem Bündnis, das allem Anschein nach vor der Eröffnung des neuen Balkankricges Griechenland und Serbien mit Rumänien ab- geschlossen hatten, die Türkei nicht mit beteiligt war, obwohl Ver- Handlungen zwischen dieser und Rumänien ununterbrochen im Flusse waren. Da man nicht vorbereitet war, ließ man einige kostbare Tage verstreichen. Aber schließlich war man doch soweit, daß man in das von den Vulgaren okkupierte Gebiet einmarschieren konnte. Der einzige Trost dabei ist, daß die türkische Armee unblutige Siege feiert, da sie auf ihrem Wege keinen feindlichen Bulgaren mehr antrifft. Unter der Agitation der Tagespreffe entflammte immer mehr der Wunsch, Adrianopel zurückzuerlangen. Aber schon drängen sich neue Sorgen und Befürchtungen auf. Den Bulgaren ist der Türke losgeworden, dafür rückt ihm aber jetzt der Grieche auf den Leib. Die militärischen Erfolge Griechenlands werden der Türkei unheimlich. In der leitenden türkischen Preffe wird die Möglichkeit eines Zusammenstoßes mit den Griechen erörtert. In den Verhandlungen, die hier mit Herrn DragumiS geführt wurden und nunmehr in Athen fortgesetzt werden, besteht deshalb die türkische Regierung vor allem darauf, daß Griechenland die Friedenspräliminarien unterzeichne, was bekanntlich bis jetzt noch nicht geschehen ist. Doch Griechenland säumt und stellt recht hohe Forderungen. Neben dem Schimpfen auf die Bulgaren und dem Schrei nach Rache ist deshalb die türkische Presse voll von Vor« würfen gegen Griechenland. Man beklagt sich über die griechische .Megalomanie", daß Griechenland sich zum obersten Richter über die Geschicke der Balkanhalbinsel und des osmanischen Reiches auf- werfen wolle, daß es für die Griechen in der Türkei mehr Vorrechte verlangt, als den Großmächten zustehen usw. AlleS in allem sind offenbar die Erfolge, die die Serben und Griechen gegen die Bulgaren erfochten haben, auch für die Türkei viel zu rasch gekommen. Es würde ihr besser passen, wenn der Krieg sich in die Länge gezogen hätte und die Kräfte der Balkan- Völker zermürbt würde». Indessen haben die Türken selbst durch ihren Vormarsch auf Adrianopel ihren Armeebestand an der Marmaraküste ge- schwächt. Je mehr jetzt die türkische Armee fortschreitet, indem sie in umgekehrter Richtung den Weg verfolgt, auf dem sie zurück- geflüchtet war. desto mehr wachsen die Sorgen bezüglich Griechen- lands. In Aengsten wendet man sich an Europa, um, wie immer, von diesem betrogen zu werden. So schreibt z. B. der bekannte .Tanin":„Wir haben Adrianopel den Bulgaren überlassen; nun machen uns in diesem Punkt die Griechen Opposition. ES war aber niemals die Rede, daß das Wilajet Adrianopel den Griechen ver- bleiben solle. Wenn jemand Anspruch erheben kann, der Nachfolger der Bulgaren zu sein, so ist es der rechtmäßige Besitzer, also wir. Die Okkupation von Dedeagatsch würde eine permanente Gefahr für die Dardanellen bedeuten. Es würde einen Mangel an Logik beweisen, wenn Europa, nachdem es selbst darauf bestanden hatte, daß die Insel LemnoS uns verbleiben solle, nun- mehr die Anwesenheit der Griechen in Dedeagatsch dulden wollte. Der Schutz der Dardanellen obliegt nicht nur der Türkei, sondern ganz Europa gemäß dem Londoner Vertrag." Aber, ach, was nützen alle Gründe, wenn die Macht fehlt, sie geltend zu machen! Die europäische Diplomatie schweigt, während die Bankokratie Europas sehr kaltblütig und sehr zielbewußt die Türkei auspreßt. Die Konstantinopeler Presse bringt zwar die Meldung, wonach der frühere Finanzministcr Dschawid-Bey von Paris an die Hohe Pforte telegraphiert habe, daß die Verhandlungen über den Abschluß einer großen Anleihe eine günstige Wendung nehmen, doch ist das allem Anschein nach ein Humbug, an dessen Ende die Türkei, wie soeben bei der Konstantinopeler Stadtanleihe, ohne Geld, aber mit neuen drückenden Verpflichtungen dasitzen wird. Bares Geld wird die Türkei nicht in die Hände kriegen— schon aus dem Grunde nicht, weil sie sich verpflichtet hat, aus dem Ertrag„der ersten großen Finanzoperation" ca. 130 Mill. Franl Vorschüss- gegen Schatzscheine, deren Frist abgelaufen ist, sofort zu bezahlen. Diese Forderungen befinden sich in sehr starken Händen, nämlich in denen der Osmanischen Bank, die sich für diese verfallenen Schuldforde- rungen g Proz. Zinsen zahle» läßt. Man spricht von einem Vor« schuß von 1'/, Mill. türl. Pfund, falls die Türkei dm Bertrag mit dew Pachiew des TakakmonopolZ erneuert und deren Bedingungen annnwnt. Das wird ihr recht teuer zu stehen kommen. Die„Aktion" der Mächte. London, 25. Juli. Wie das Reutersche Bureau erfährt, lverden die Botschafter ihren Regierungen eine neue Note an die Türkei vorschlagen: ob eine Kollektivnote oder nicht, ist noch nicht entschiedeir. Die Note wird von neuem die Aufmerksamkeit der Pforte auf den Beschluß der Mächte lenken, der Grenze Enos— Midia Achtung zu verschaffen. Obgleich man unbestimmt von einer Flottende mon- stration und anderen Mitteln, einen Druck auf die Türkei auszuüben, gesprochen hat, ist der gestrigen Konferenz kein Vorschlag gemacht worden. Einzelne Diplomaten glauben, daß ein Druck finanziellen Charakters ge- nügen wird. Ter Standpunkt Rußlands unter- scheidet sich von dem der anderen Mächte infolge seiner Son- derinteressen. Rußland erklärt, keineswegs die Wiederher- stellung der ottomanischen Herrschaft in dem Gebiete zulassen zu können, aus dem die Türken schon vertrieben waren. Rußland»vird also gezwungen sein, eine Aktion zu unter- nehmen, die den Zweck verfolgt, den Rückzug der türkischen Truppen sicherzustellen. Man glaubt, daß diese Aktion ge- ureinsam unternommen werden wird, jedenfalls aber ist Rußland der Ansicht, daß nichts geschehen wird, was Un- cinigkeiten unter den Mächten hervorrufen könnte. Ein verlogenes Dementi. Petersburg, 25. Juli. Die im Zusammenhang mit den Ge- rächten von einer angeblichen russischen Mobilisierung sowie mit den Meldungen von dem Auslaufen der Schwarzen Meer-Flotte und der bevorstehenden Rückkehr des Kriegsministers nach Ruß- tand in einem Teil der ausländischen Presse aufgetauchten alar- nüerenden Kombinationen entbehren, wie dem hiesigen Vertreter des Wiener K. K. Tclcgr.-Korr.-Bureaus an kompetenter Stelle mitgeteilt wird, jeder tatsächlichen Begründung. Eine österrcichlsch-russische Intervention. Athen, 25. Juli. In einem neuen freundschaftlichen Schritt bei den Kabinetten in Athen und Belgrad be- steht Rußland auf der Notwendigkeit, wegen des überaus kritischen Zustandes in Bulgarien, der den Statusquo ernst- lich bedrohe. Waffenstillstand zu schließen. Dem Schritt Ruß- lands' folgte gestern ein ähnlicher Schritt Oesterreich- Ungarns. Griechenland und Serbien gegen den Waffenstillstand. B u k a r e st, 25. Juli. Tie Antworten der Könige Peter und K o n st a n t i n auf das aestrige Telegramm des Königs Karol � sind heute hier eingetroffen. König Konstantin versichert in seinem Telegramm, daß auch er den Wunsch habe, dem Blutvergießen mög- lichst bald ein Ende zu fetzen, sowie daß er nicht die Absicht habe, daS Gleichgewicht auf dem Balkan zu stören. Auch beabsichtige er keine Berklrinerung Bulgariens. ES wäre aber ein Verbrechen gegen sein Land, wenn er nach diesem blutigen, von Bulgarien aufgedrängten Krieg einen Waffenstillstand schließen würde ohne die Sicherheit, daß der Friede Griechenland und seinen Berbündcten jene Borteile bringen werbe, die man ihnen schulde. Der König fügte hinzu, daß er nach den bitteren Erfahrungen, die er mit Bulgarien gemacht habe, damit rechnen müsse, daß ein Waffenstillstand ohne Garantien Griechenland der Früchte seiner Siege berauben würde. Wenn Bul- garien die Bedingungen des Borfricdens annehme, sei die griechische Regierung bereit, Bevollmächtigte zu entsenden. Die Antwort des Königs von Serbien auf das Tele- gramm König Karols ist inhaltlich der Antwort des Königs Kon- stantin gleich. Verstimmung in Rumänien. Wien, 23. Juli. Nach einer der Politischen Korrespondenz aus Bukarest zugegangenen Mitteilung ist man in Bukarest über das ablehnende Verhalten Griechenlands und Serbiens gegen das Verlangen nach Einstellung der Feindselig- leiten mit Unmut erfüllt. Es wird hervorgehoben, daß der zweite Balkankricg sowie die rumänische Aktion hauptsächlich den Zweck verfolgten, das Balkangleichgewicht gegen Übertriebeue An- spräche Bulgariens zu schützen. Dieser Zweck sei gegenwärtig im Wesentlichen als erreicht zu betrachten und es gewinne fast den An- schein, als ob man nunmehr vor die Aufgabe gestellt werden dürfte, das B al kan g le i chgew i ch t gegenüber etwaigen maßlosen Forderungen Griechenlands und Ser- bienS zu schützen. Rumänien werde sich aber durchaus nicht zur Niederzwiugung Bulgariens unter allzu drückenden Bcbin- gungen gewillt zeigen. Er stelle sich auf den Standpunkt, daß eine unverzügliche' Einstellung der Feindseligkeilen geboten sei, da sie die Entwirrung der Krise fördern würde, ohne die berechtigten In- tcressen Griechenlands unb Serbiens ei,.er Schädigung au-�usetzen. Das Vordringen der Serben in Bnlgarien. Belgrad» 25. Juli. Nachdem Bjelogratschik emgenom- r.icit ist, fangen Abteilungen unseres Heeres an. Viddin zu zernieren, eine alte Festung, die mehr durch ihre natür» liche Lage als durch künstliche Befestigungen geschützt wird. Immerhin wird die Einnahme nicht lange auf sich warten lassen. Die Truppen des Generals Kutintfcheff fangen an, 'sich zu übergeben. Bei Pirot nahinen wir an der bulgari- s-cken Grenze Strack. ia b Tschukova auf dem rechten Ufer d.-r Nischava und Gvlera und Glava auf dem linken Ufer. An den übrigen Punkten herrscht Ruhe. Das Vorgehen der Türken. KSlckj 25. Juli. Der Korrespondent der.Kölnischen Zeitung' telegraphiert aus Sofia: Der Einfall der Türken droht, obwohl er nur von einer kleinen Abieilung regulärer Truppen, untermischt mit allerdings viel Irregulären ausgeführt wird, ganz Südost- bulgarien in große Unruhe zu versetzen. Die Felder sind der- lassen, die Ernte zum Teil verbrannt und die Dörfer bis 50 Kilo- meter in» Land hinein unbewohnt. Bulgarische Truppen sperren den weiteren Weg: von der Maritza bis BurgaS aber ist das Land von bulgarischen Truppen entblößt. Man hat hier den Einsall der Türken nicht für möglich gehalten. In Anbetracht dessen, daß die bulgarischen Truppen unabkömmlich sind, taucht der Gedanke auf, Rumänien auch diese Sache anzuvertrauen. Serbische Beschwerden über bulgarische Greueltaten. Die serbische Gesandtschaft in Berlin sendet uns folgendes Schreiben: m ' Die königliche Gesandtschaft beehrt sich der Redaktion deS.Vor- wärts' folgenden offiziellen Bericht über die von den Bulgaren be- gaugenen Greueltaten zu übersenden:.... Sowohl gelegentlich des bulgarischen Ueberfalles und be, den späteren Kämpfen auf dem mazedonischen Kriegsschauplätze als auch beim Eindringen in das serbische Staatsgebiet haben bulgarische Soldaten Grausamkeiten schlimmster Art nicht nur an den wehrloien Verwundeten, Greisen, Frauen und Kindern begangen, sondern sie haben auch in der gröblichsten Weise Hab und Gut der einzelnen vernichtet und ganze Ortschaften dem Boden gleich gemacht. Um diese V»brechen festzustellen, hat die königliche Regierung iowohl einzelne Konsuln fremder Staaten in Uestüo als auch aus- ländische Aerzie und Journalisten ersucht, sich an Ort und Stelle zu begeben, um sich davon zu überzeugen. Von den vielen seitens der bulgarischen Soldaten bcgangeucn Verbrechen seien beispielsweise einzelne des näheren angeführt: Korporal S. Bogdanowitch sagte aus, daß ihm auf Befehl eines bulgarischen Offiziers ein Ohr abgeschnitten wurde, um zur Aussage über die serbischen Truppen gezwuiigen zu lverden. Die Soldaien Nilolitch und Kraintschinowitsch(vorn VI. Juf.-Reg.) wurden, nach- dem sie bereits verwundet waren, durch sieben bezw. neun Bajonnelt- stichc schwer verletzt. Der Soldat S. Rakilch, der jetzr schwer vcr- wundet darniederliegt, sagte aus, daß Oberstleutnant Tilow, Kom- inandeur des XII. bnlgarischen Regiments, auf ihn noch zu schießen, nachdem er bereits zusammengebrochen war, den Befehl gab, wo- bei ihn, eine Kugel durch den Mund drang. Bei Jstip wurden Soldaten mit abgebauenen Köpfen gefunden; einzelne fand man mit abgezogener Gesichtshaut und ausgestochenen Augen; einzelnen Ivieder ist der Mund bis zu den Ohren aufgeschnitten, der Bauch aufgeschlitzt und die Eingeweide berausgeiiommen. Laut Berichtes des Kommandeurs des IL serbischen Infanterie- Regiments sind alle Verwundeten, die aus dem Schlachtfelde liegen geblieben sind, von den Bulgaren uachlräglich massakriert; unter diesen befanden sich auch Offiziere, w. z. B. Oberleutnant Milan Risto- witsch, Feldwebel Raketitsch und Pcschitsch und viele Soldaten, deren Namen ebenfalls festgestellt wurden. Bei der Position„Retk, Bukt' wurden ebenfalls ein serbischer Offizier und 30 Soldaten gefunden, bei denen man seslstellen konnte, daß sie ankaugs minder oder schwerer verwundet waren und daß ihnen erst nachträglich die Schädel durch Axihiebe zertrümmert worden sind. Der Kommandeur des II. serbischen Jnfanterie-Regiments, der Kommandeur des Donau-Kavallerie-Regiments und der Kommandeur des 4. Bataillotis des II. Regiments berichten, daß sie einen serbischen Soldaten aufgefunden haben, der verbrannt worden ist; der blutige Verband neben der Leiche zeigt, daß der Betrefiende ebenfalls der- wundet gewesen sein muß. Außerdem wurden aus den von den serbischen Truppen wieder eroberten Positionen serbische Soldaten ausgefunden, denen als Verwundeten die Augen ausgestochen, die Schienbeine zerschlagen, die Gesichtshaut abgezogen und Kiefer zer- schmettert worden sind. Ein Soldat sagte aus, daß ihm, als er bereits schlver verwundet war, die Hand seitens eines bulgarischen Offiziers gebrochen wurde. Aus dem mazedonischen Kriegsschauplatze Laben nicht reguläre bulgarische Truppen sKomitaschiS) Dörfer und Saaten in Brand ge- steckt, die Einwohner niedergemacht. Außerdem pflegten gerade die Komitatschis nach beendeten Kämpfen zwischen regulären Truppen, während die Verwundeten hilflos auf dem Felde lagen, dieselben hinterrücks niederzumachei,. Gelegentlich des Eindringens der bulgarischen Armee in das serbische Staatsgebiet wurden alle Dörfer, durch welche die vulga- rischen Truppen zogen, geplündert, in Brand gesteckt und viele Ein- wohner getötet. Der Kreispräfekt von Timok berichtet, daß er über 40 Vergewal- tigungen an Mädchen, unter denen sich auch Kinder im Alter von 12 Jahren befanden, festgestellt hat, und selbst gegen Greisinnen richtete sich diese Roheit. Die Stadt Krjazewatz wurde gänzlich au?» geplündert und ein Teil derselben eingeäschert. Der Geschäftsträger: Dr. M. Boghitschewitsch. Griechische Klagen. Berlin, 25. Juli. Die hiesige griechische Gesandt. schaft hat von ihrer Regierung folgendes Telegramm erhalten: Di« Bulgaren haben 80 griechische Notabeln aus Tanthi weg- geschleppt, deren Schicksal unbekannt ist. Ferner haben die Bnl- garen vor ihrer Flucht aus Dedeagatsch 240 und aus Makri 90 Griechen als Geiseln mitgenommez,. In Makri wurden außer- dem 9 Notabeln massakriert. Bulgarien will sich rechtfertigen. Sofia, 25. Juli.(Meldung der Agence Bulgare.) An- gesichts des systematischen Verleumdungsfeldzuges, der gegen Bulgarien und seine Armee mit Erbitterung geführt wird und der nach der Unterbrechung der Verbindungen mit Europa einen ungeheuerlichen Umfang angenommen hat, hat die Regierung die Bertreter Bulgariens im Auslande beauf- tragt, die Bitte nach Einsetzung einer internatio- nalen Untersuchung auszusprechen, die von den offi- ziellen Vertretern der Mächte geführt werden und sich über den ganzen Kriegsschauplatz erstrecken soll. politiscke(leberllcbt. Jntereffante Geständnisse. Wenn in den Verhandlungen über die letzte Hceresborlage von den Rednern unserer Partei darauf hingewiesen wurde, daß die Sozialdemokratie eine Auflösung des Reichstages nicht zu scheuen habe, erscholl allemal aus den Bänken der Rechten, insbesondere auch de? Zentrums, lautes Gelächter, und höhnische Rufe:.1907!' tönten uns entgegen. Das Geständnis, daß die Angst vor der ReichstagZanflösuiig nicht bei uuS, sondern bei ganz anderen Leuten geherrscht und ihr Tun und Lassen bestimmt hat, wird nun nachträglich doch vernehmbar. Herr Erzberg er geht in seiner Schrift.Zenirumspolitik im Reichstage' ausführlich auf die Deckung«- frage der letzten Heeresvorlage ein und äußert sich zu der Möglichkeit einer Ablehnung der Befitzsteuer: � Ein Konflikt wäre die Folge gewesen und die Auflösung des Reichstags unvermeidlich, dies aber in einer Situation, die für das Zentrum nicht angenehm gewesen wäre. Gerade das Zentrum habe alles Interesse daran, es in dieser Frage nichtzum Konflikt kommen zu lassen. Und die„Kölnische V o l k s z e i t u n g die sich in Nr. 634 vom 22. Juli mit den Konservativen wegen ihrer Haltung in der Deckungsftage auseinandersetzt, meint zu dar Frage, ob man es hätte auf einen Konflikt ankommen lassen sollen: Die größere Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß, wenn wirklich der Reichstag unter der Parole der Wehr- und DeckungSvorlagen aufgelöst worden wäre, die Stellung der Rechten gegenüber der Linken nicht stärker ge- worden wäre. Die Nachwahlen haben die I l l u s i o n, als sei mit den Wehr- und DeckungSvorlagen die vereinigte Linke zu sprengen gewesen, jedenfalls endgültig zer- stört. Das Kölner ZentrumSblatt meint, daß bei einer Auflösung deS Reichstags für die- Rechte keine Geschäfte zu machen gewesen wären; Herr Erzberger ist sogar der Meinung, daß dem Zentrum eine Auflösung schlecht bekommen wäre. Von beiden Seiten aber wird dadurch bestätigt, daß die Sozialdemokratie eine Auflösung nicht zu fürchten gehabt hätte. In der Zentrumswählerschaft war durchaus keine Begeisterung für die Riesenmilitärvorlage vorhanden, und wenn es nicht zu einer stärkeren Aeußerung des Unwillens gekommen ist, so deshalb, weil einmal die Zentrumsmassen wenig Neigung und Gelegenheit zu selbständigem Vorgehen haben, und dann, weil sie bei dem Zustande angelangt find, wo sie sich sagen: eS nutzt ja doch nichts. Bei der Wahl pflegt jichs aber doch zu zeigen. Nun waren aber auch die führenden Personen des Zentrums in der Deckungsfrage durchaus nicht einig. Die Agrarier in der Partei machten Opposition gegen daS liberal-ultra- montane Steuerkompromiß, und es hat großer Mühe bedurst, die Minderheit zu bewegen, daß sie es bei der Abstimmung über das Befitzsteuergesetz mit der Stimmenthaltung bewenden ließ. Das alle» waren Umstände, die da» Zentrum Angst empfinden ließen vor einer Auflösung des Reichstages, und wenn seine Abgeordneten, die Zuversicht unserer Redner mit Lachen beantworteten, so war das nichts weiter als das Zeichen der Verlegenheit und des schlechte» Gewissens. Tic Nnternchmerintcreffen über alles. Als im vorigen Jahre der langwierige Streik der Waggonarbeiter in Rastatt im badischen Landtag besprochen wurde, stellte sich der Abgeordnete für Rastau, der freisinnige Dr. Vogel, nicht bedingungslos auf die Seite der Rastatter Unteruehmer; er erkannte auch den Fordeniiigeu der Arbeiter eine gewisse Berechtigung zu. Das haben ihm die Fabrikanten, soweit sie national- liberal sind, nicht vergessen. Die Zeit der Rache ist jetzt gekommen. Nachdem Vogel wiedeurnr als Landtags» kandidät aufgestellt war, proklamierten sie am Mittwoch eine nationalliberale Kandidatur in der Person des Gemeinderats Nieder« bühl. Dazu sind sie aber nach dem zwischen den badischen Fort- schriUlern und den Nationalliberalen für die Landtagswahlen ab- geschlossenen Blockabkommen nicht berechtigt, da für den Wahlkreis Rastatr-Stadt die Fortschrittler den' Kandidaten zu stellen und die Nationalliberalen für ihn einzutreten haben. Aber die Uilternchmerintercüen gehen den Rastatter National- iberalen über parteipolitische Abmachungen, denn sie stimmten schon am 22. Juni durch ihre Vertreter auf der national« tiberaleu� LaudlUftonferenz gegen das bekannte Teilabkommen mit der Sozialdemokratie.— Wird die Kandidatur Niederbühl nicht wieder zurückgezogen, fällt der Kreis an die Neaklion, denn das Zentrum ist bereit, die natioualliberale Kandidatur bedingungslos zu unterstützen. Militärische Provokationen. AuS dem Elsaß wird uns geschrieben: Es bestätigt sich, daß das Generalkommando des 16. Armee- korps in Metz einen Befehl erlassen hat, wonach kein Soldat von elsaß-lothringischer Herkunft mehr in den Bureau? des Telegraphen-, Telephon- oder Eisenbahndienstes Verwendung finden darf. Noch mehr, es stellt sich heraus, daß auch im 15. Armee« korps mit dem Generalkommando in Straßburg ein ähnliches Verfahren geübt wird. So wird mitgeteilt, daß vor einigen Wochen, als dort Versuche mit neuen Geschützen angestellt wurden, von oben iit letzter Stunde ausdrücklich der Befehl erging:„Au dem Kom« mando dürfen keine Elsaß-Lothringer teilnehmen'. In den Regiments« befehlen, in denen Mannschaften für Bureaus, Telegraphie usw. verwendet werden, heißt eS auch beim 15. Armeekorps zum Schluß stets:„Wenn möglich keine Elsaß- Lothringer.' In den Kommentaren, mit welchen die Presse der Reichslande die jetzt bekannt gewordene Tatsache dieser Ausnahmebehand« ltlng derLandeSkinder in den in Elsaß-Lothringen liegenden Armeekorps begleitet, wird nicht mit Unrecht be- tont, man möge doch die Elsaß-Lothringer ganz vom Militärdiensts befreien, wenn man nicht Vertrauen genug zu ihnen hat, um sie in Dienstzweigen zu verwenderwän welchen die Vetsuckmug zum Verrat militärischer Geheimnisse den� Armeelommando besonders groß zu sein scheint. Natürlich ist die Geschichte Wasser auf die Mühle der Nasio« nalisien, die in Elsaß-Lothringen und Frankreich solche Beweise der Ausnahmebehandlung der Elsaß-Lothringer weidlich ausnützen. Wo« zu der Fahneneid, wenn die Geburt schon ein Hindernis der Gleichberechtigung bildet? ES kann nicht bestritten werden, daß die ungünstigen Folgen solcher Ausnahmebehandlung sich für die Be« troffenen auch nach der Entlassung aus dem aktiven Dienste fühlbar machen müssen: sie lernen nicht, was sie lernen könnten, sie haben ein schwierigeres Fortkommen als Miluäranwärter usw. Aber auch die Erfüllung des militärischen Dienstes im allgemeiuen kann in den an der französischen Grenze liegenden Armeekorps durch die Aus- nahmebehandlung nicht gewinnen. Mißtrauen erzeugt Mißtrauen. WaS aber soll im Kriegsfall werden, wo man doch auf die Hingebung der zum Dienste eingezogenen elsaß-lothringischen Mann- schaften angewiesen ist? Eine weitere Provokation der einheimischen Bevölkerung in Metz liegt in einer Verfügung des Festungskommandanten Generalleuwaut Freiherr v. Gregory. Auf Grund deren ist auf der sogenannten Pulverinscl bei Metz— in den Moselanlagen, wo die Militär« Verwaltung einen dem MilitärfiSlus gehörenden Park im allgemeinen für die'lbsfiziere und deren Familien reserviert— neuerdings«in Anschlag gemacht worden, der da laute::„Hier wird nicht französisch gesprochen!' Dabei sollen eS OffizierSfrauen gewesen sein, die durch lautes lieben im Französischsprechen beim Spaziergang Anlaß zu den Verboten gegeben haben.— nach anderer Lesart waren es drei Herren, darunter ein Altdeutscher, welche nach einer langen Zecherei etwaS übermütig dem Kellner zuriefen: „Gartzon, radditioal"(Kellner, zahlen I) Das Verbot mutz in Metz provozierend auf die Einheimischen wirken, deren Muttersprache das Französische ist. In der Presse wird daran erinnert, daß ja auch Wilhelm IL sich gelegentlich recht gerne in der Gesellschaft französisch unterhält,— er komme also nur ja nicht nach der Pulverinsel bei Metz I Die Germanisatoren in Uniform verderben in Elsaß-Lothringen spielend mehr, als ernste Politiker in langer Arbeit wieder gut« machen können. Tie Ungeheuerlichkeit der Militärjustiz. Ueber das Schicksal von fünf Garde-Grenadiercn hatte gestera das Oberkriegsgericht des Garde-Korps in Berlin in längerer Sitzung zw entscheiden. Schwere militärische Ver« brechen waren es. die den Angeschuldigten zur Last gelegt wurden: MilitärischerAufruhr, bzw. tätlicher Angriff gegen einen Vorgesetzten und Widersetzung. Tie Angeklagten waren die Grenadiere Kardinal, Wyrwol, Schmidt III, Bensch und Barth II, sämtlich von der zweiten Kompagnie des Alexander-Gavde- Grenadier-RcgimentS. Ein Rencontre am Himmelfahrtsabend sollte den Anlaß zu dem Prozeß geben. Ter Grenadier Kardinal war früher wegen seiner vorzüglichen Führung als einer der ersten Gefreiter ge« worden. Er sprang dann aber eines Abends auS dem Kasernen« fenster heraus, so daß ihm die Knöpfe jetzt wieder genommen wurden. Am Tage vor Himmelfahrt war auf dem Zossener Uebungsplatz Gesechtscxerzieren, wobei K. dem Kommandeur derart vorteilhaft auffiel, daß er ihn sofort wieder zum Gefreiten ernannte. Dies freudige Ereignis mußte begossen werden. Am Himmelfahrtstage lud K. mehrere Kameraden in einem Lokal in Zossen zum Glase Bier ein, und sieben Mannschaften traten in der zehnten Stunde in angetrunkenem Zustand den Rückzug nach dem Lager an. Unterwegs wurden Reservelieder gesungen. Die Leute hatten sich gegenseitig eingehakt und brauchten aus der Chaussee ziemlich viel Raum. Sie waren vielleicht noch 150 Meter vom Lager ent» fernt_ es war inzwischen sehr dunkel geworden— als ihnen ein Radfahrer entgegenkam. In ihrer animierten Stimmung wollten die Soldaten dem Radler nicht ausweichen, sondern si« gingen weiter geradeaus und zwangen so den Radfahrer, um si« herumzufahren. Als der letztere bis aus wenige Schritte heran« gekommen war, ertönt« unter den Mannschaften plötzlich der Ruf: „Reserve hat nicht mehr lange. Spinner, runter vom Rädel' Di« Bezeichnung.Spinner' ist im Heere der Spitzname der Unter« offiziere. Der Radfahrer, Unteroffizier Jacob von der 9. Kom- pagnie, stieg deshalb vom Rade herunter, kehrte zu den singenden Soldaten zurück und faßte einen von ihnen, und zwar den Kardinal, am Kragen. K. rief nun, er solle loslassen, und er versuchte auch, sich loszureißen. Dabei versetzte er dem Untcrosfizier einen Stoß gegen die linke Schulter. Die anderen Grenadiere stellten sich zwischen die beiden und versuchten, den K. vom Unteroffizier forizubekommen. Es blieb infolgedesicn dem I. nichts' weiter übrig, als von K. abzulassen. Die Grena- diere flüchteten darauf querfeldein, wurden aber schließlich doch abgefaßt. In erster Instanz fiel die Sache für die Beschuldigten aber noch glimpflich aus. Bensch wurde gänzlich freigesprochen und Schmidt und Wyrwol erhielten je drei Tage Miticlarrest wegen Belügens eines Vorgesetzten, während Barth wegen Ge- horsamsverwetgerung vierzehn Tage Mittel- arrest erhielt. Kardinal schnitt am schlechtesten ab; er wurde wegen Widersetzung und Gehorsamsverweigerung zu sechs Monaten und vierzehn Tagen Gefängnis Verurteilt. Der Gerichtsherr beruhigte sich aber nicht bei diesem Urteils- spruch. Er legte Berufung ein und forderte, daß die Leute alle wegen tätlichen Angriffs und Widersetzung verurteilt werden sollten. In der gestrigen Berufungsverhandlung vor dem Oberkriegsgericht des Garde-Korps wurden die Angeschuldigten und die Verteidiger gleich darauf hingewiesen, daß auch militärischer Aufruhr angenommen werden könne. Der Vertreter der Anklage bcantagte denn auch gegen die Angeklagten Kardinal und Wyrwol das gesetzlich niedrigste Strafmatz von fünf Jahren Zuchthaus! Bei den anderen Angeklagten sei der Sachverhalt leider nicht völlig aufgeklärt, so_daß hier die Berufung des Gerichtsherrn vcr- warfen werden müsse. Das Oberkriegsgericht erklärte, daß ein erheblicher Verdacht dafür vorliege, daß sich die Angeklagten des m i l i- tärischen Aufruhrs schuldig gemacht haben. Mit Rück- ficht aber darauf, daß sich der ganze Vorgang in so kurzer Zeit— er hat nicht einmal eine Minute gedauert — abgespielt hat und bei der herrschenden Dunkelheit nicht völlig aufgeklärt werden konnte, und mit Rücksicht auf die tadellose Führung der Angeklagten nahm es militärischen Aufruhr nicht an. Es verurteilte Kardinal nur wegen Gehör samsver- Weigerung zu drei Wochen und einen Tag strengen A r r e st. Tie Berufung des Gerichtsherrn wurde in allen Fällen verworfen. Ten Angeklagten wurde in der Urteilsbegründung vorgehalten, daß sie diesmal mit einem blauen Auge da- vongekommen wären. Würde der Sachverhalt mehr aufzuklären sein, so hätten sie leicht fünf Jahre inß Gefängnis, und diejenigen, die Tätlichkeiten begangen, fünf Jahre ins Zuchthaus wandern können. selbst wenn die vom Reichstag beschlossene Reform, die die Zubilligung mildernder Umstände zuläßt, bereits Gesetzeskraft erlangt hätte, würden die Angeklagten wegen dieser kindischen Flachserci— sofern sie als erwiesen angeschen worden wäre — zur Mindeststrafe von 6 resp. 12 Monaten Gefängnis verurteilt worden sein! Das beweist wie absolut n o t w e n d i g � ein« durchgreifende Reform unserer ganzen mittelalterlichen Militärstrafgesetzgebung ist! frankmck. Annahme des Budgets. Paris, 23. Juli. Das Gesamtbudget wurde mit einem vom Finanzminister gebilligten sozialistischen Zusatzantrag an- genommen, dem die Kanimer mit 2�5 gegen 231 Stimmen zustimmte und der dahin zielt, daß vom Budget 1914 nur die von der Regierung vorgefchlagenen Aenderungen. also etwa zwei Drittel des Budgets erörtert werden. � Die Kanimer trennte vom Finanzgesctz den vom Senat beseitigten Artikel, der den Kohlengruben vom 1. Oktober 1913 ab eine Steiler von 23 Centimes pro Tonne auserlegt. Das Gesamtbudget wurde darauf mit 459 gegen 69 Stimmen angenommen. Dollanc!. Nachwahl in Amsterdam. Amsterdam, 24. Juli.(Eig. Ber.) Bei der Nachwahl zur Zweiten Kammer im dritten Amsterdamer Wahlkreis ist, weil unser Parteigenosse Troelslra zweimal gewählt war, im ersten Wahlgang Genosse Henri Polak. der Vorsitzende des Diamant- arbciterverbandes. gewählt worden. Er bekam 4831 Stimmen, der Liberale 2375, der Klerikale 1025 und der Kandidat der aus der Partei ausgeschiedenen Links-Marxisten 217. Die Wahl des Genossen Polak ist eine sehr bedeutsame Ver- stärkung der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion und stellt eine Verbindung dar zwischen der Fraktion und der Gcwerk- schaftsbewegung, unter deren Führern Polak mit an erster Stelle steht. Lkina. Ter Kampf bei Schanghai. Schanghai, 25. Juli. Während der letzten 24 Stunden sind mehrere Angriffe auf das Arsenal gemacht worden. Spät abends ergriffen die Regicrungstruppen die Offensive und drängten die Re- bellen aus Rantao, einer südlichen Vorstadt der Chinesenstadt zurück. Eine große Zahl der Rebellen ist desertiert. Admiral Tseng hat der Handelskammer von Rantao mitgeteilt, daß er ihre Stellungen bombardieren werde, wenn die Rebellen sich nicht zurückzögen. Em der parteü Totcnliste der Partei. Harro Köhncke, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, ist, 68 Jahre alt, in Hamburg gestorben. Köhncke kam in der ersten Hälfte der siebziger Jahr als Volksschullehrer nach Ham- bürg. Bis zu seiner im Jahre 1906 erfolgten Pensionierung ge- hörte er dem hamburgischen Schuwienstc an. Der nun Verstorbene bat per Sozialdemokratie schon lange nahe gestanden, ohne daß er als Lehrer öffentlich für sj. wirken konnte. Als er aber durch die Pensionierung frei geworden war. nahm er sofort sehr«gen Anteil an der Parteitatigkeit und hat in den Jahren scitvem besonders auf dem Gebiete oer Schulfragen im Parteiintcrcsse eine rege agitatorische Tätigkeit entfaltet. Zu den Bürg:rschaftswahlen von IM? wurde Köhncke von der Sozialdemokratie Hamburgs als Kandidat aufgestellt und er gehörte zu den Gewählten. Natur- gemäß wandte sich auch in der Bürgerschaft sein Hauptinteresse den Schulfiagen zu. Parteiliteratur. Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844— 1883. Herausgegeben von A. B e b e l und E d. B e r n st e i n. Der Verlag von I. H. W. D i e tz Nachfolger in S t u t t- gart teilt mit, daß die Bearbeitung des Briefwechsels der beiden großen Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus fertiggestellt ist und daß er eine Subskription ans das 4 Bände Großoltav umfassende Werk eröffnet. Die Bände haben folgenden Inhalt: 1. Band. Erster Abschnitt(1344 bis 1849>: Die ersten Jahre des Bundes.— Zweiter Abschnitt(1850 bis 1853); Das Londoner Exil bis zur Auflösung des jiommiinisteiibundcs. 2. Band. Dritter Abschnitt<1864 bis 1860): Krimkrieg.— Geschäftslrise von 1857.— New Dork Tribüne.— Italienischer Krieg. 3. Band. Vierter Abschnitt<1861 bis 1867); Der amerikanische Bürgerkrreg.— Die liberale Aera.— Schleswig-Holstein.— Prcußisch-Oesterreichischer Krieg.— Lassalleanische Bewegung.— Norddeutscher NeicbSlag.— Das Kapital. 4. Bau d. Fiinfler Abschnitt<1868 bis 1883): Die Partei- cntwickelung in Denlslbland.— Duhring.— Der Deutsch-Französische Krieg.— Engels llebersiedelung nach London 1870.— Marx' Krankheit und Tod.— Register. Die Herausgeber sehen davon ab, die Veröffentlichung zum Gegenstand einer buchhändlerischcn Spekulation zu machen. Die Aus- tage ist daher auf wenige hundert Exemplare bemessen, auf die die HerstcllungSkosteii verteilt worden sind. Der Gesamtpreis für die vier Bände beträgt 40 Mark broschiert. Als Abnehmer dürften vorzugsweise Biblio- theken und ZeitnngSredaktionen in Betracht kommen, da Rezensions- und Frei-Exemplare nicht ab- gegeben werden. Es gelangen auch gebundene Exemplareie Oi-tsverwaltnng. Allgemeine Familien- Sterbekasse zu Berlin. Sonntag, den 3. Augnst 1913, vorm. 9'/, Uhr, im Lokale des Herrn Schwcdler, Ackcrstr. 183: MtglieckeA-- V e�tammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Rendanten, des Vorstandes sür 1312/13 und Bericht der Revisoren. 2. Festsetzung der Entschädigung sür den Vorstand und die Revisoren. 3. In welchen Zeitungen die Bekannt- machungcn der Kasse stattzufinden haben. 4. Neuwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder und der Revisoren. Zu wählen sind: 1. Vorsitzender (Ergänzungswahl), 2. Vorsitzender, 1. Schristsührcr, Rcndant, ein Beisitzer, drei Revisoren. 5. Verschiedenes. Der Eintrilt ist nur gegen Vorzeigung des OuittungSbuches gestattet. Der Vorstand. I. A.: C. W ä ch t I e r. stellv. Vorsitzender, N 65, Adolsstr. 27. 287/13 macht jedes Badewasser weich wie Regenwasser und verleiht demselben angenehmen Duft. Lysoform macht die Haut weich und zart und beseitigt unreinen Teint. Echt nur in Originalfl. von 65 Pf. an. --"'-8'--- •C««.Äsjirted, zu Berlin. E. G. m. b. Ii. Sun; SO!0, Wlter Hier«, Bo! r. L If"5'"" Sonnabend v. 5— 8 Uhr. Montag, de« 88. Juli 1913. abends 8 Uhr, im groheu Saale deS Gewerkschaftshauses. Engelufer 15: 11. ordenll. Generalversammlung. Tagesordnung: 1 Tcschästsbcricht: Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn» und Verlust- rechnung. 2. Bericht der Revisoren und Genehmigung der Bilanz sowie Bcschlugsassung über die Verteilung deS Gewinnes oder Verlustes. 3. Be. richt von der gerichtlichen Revision. 4. Neuwahlen deS Vorstandes. 5. Ersatzwahlen zum ZlussichtSrat. 6. Antrag des Vorstandes aus Weiter- zahlung der 50 Ps.-Beiträge. 7. Verschiedenes. kzs/S Nur Mitglieder haben Zutritt. Ohne Mitgliedsbuch kein Einlast. Es liegt im Interesse jedes Genossen zu erscheinen. Her G. Torner. P. Schiffte. Jf. Hoppe. Ztntrnlnerbnnd b« Mnsihinifien°°d Kciser somit Kkrnfsgtnosseu Mutschtands. -- Geschäftsstelle Groß- Berlin.----- �wox»..«iiaaiciic uro«- Dernii.- Sonntag, den 87. Juli 1913. vormittags 10 Uhr. im Lokal von Jarius. Köpenick. Grünauer str. �1: General-Versammlung. 1. Bericht der Verwaltung.�° o°KaVcnbcricht �und Bericht der Revisoren. _ 3- Bericht der G-werkschastskommissiow 4- Antrags Der Zutritt ist allen Mitgliedern gestattet. Sorgt sür guten Besuch. = Mitsllcdsbnch lositiniiee-t � 152/17 Die Vcrwaltungi. Ausnahmepreise! �UIWX Kohlen-Briketts- Qroßhandlung Lagerplatz u. HanptUontor BERLIN 0. 17 Rüdersdorf erst*!®® 3CI9"6 Tel. 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Scilnp des„Dmörls" Kerlim MMIR Zonudrnd, ZK. MlvlZ. Vsz nun in Preußen? II. Der Streik ist neben bem Boykott diejenige Anwendungsform ter proletarischen Macht, die der sozialen Natur des Proletariats, seiner Funktion in der kapitalistischen Gesellschaft am meisten ent- spricht, ihr unmittelbar entfließt. Die gewerkschaftlichen Streiks »verden ihrem Umfange nach immer mehr Massenstreiks. Sie nähern sich auch oft genug ihrem Ziele nach den politischen Streiks, werden immer ausgeprägter Kämpfe um die Machtstellung der Llrbeiterklasfc in der Gesellschaft. Immer entschiedener trirl die ganze Staatsgewalt bis hinauf zum Militarismus rücksichtslos gegen sie in die Schranken: auch die gewerkschaftlichen Streiks werden in immer höherem Maße Kämpfe mit der Staatsgewalt, ja nm die Staatsgewalt.����W Der Massenstreik für politische Ziele hat seine Feuerprobe langst bestanden, kein Wunder, daß aüch in Deutschland seine �Möglichkeit nicht nur, sondern seine Notwendigkeit fast überall er- Zäunt ist. Das gilt gerade für die preußische Wahlrechtsfrage. Hier führt kein anderer Weg nach Kütznacht; die Situation ist sonst in der Tat ausweglos. WWW Sonderbarerweise ist mehrfach die Forderung erhoben worden, 'tit Jenaer Resolution von 19l)S dahin zu erweitern, daß der Massenstreik auch zur Eroberung von politischen Rechten in Aussicht zu nehmen sei. Dabei wird vergessen, daß in der Jenaer Resolution bereits ausdrücklich die Verwendung des Massenstreiks zur Eroberung von Rechten vorgesehen ist. Sie bedarf keiner Er- gänzung. Die Bahn ist seit 1302 bereits frei. Und seitdem„re- vifionistische" Genossen, die im Rufe der Staatsmänncrei mit der kühlen Besonnenheit stehen, offen, ja demonstrativ ins Lager der Massenstreiksfreunde eingeschwenkt sind, ist den Massenstreiks gegnern ein gutes Teil ihrer Einwände aus der Hand geschlagen. Die Stürmer und Dränger waren stets rasch abgetan. Jetzt wird manch Zaudernder vielleicht eher gewonnen. So begrüßen wir tiefe Verstärkung doppeltWWWj����������� Es fragt sich für den preußischen Wahlrechtskampf schon längst nicht mehr: ob Massenstreik, sondern nur noch: wann; wann unü unter welchen Bedingungen? Unter den Befürwortern des Massenstreiks dürfte sich auch nicht einer dem närrischen Wahn hingeben, irgend eine etwaige un- erfreuliche Situation durch ein taktisches Mittel umgestalten zu können. Sie suchen samt und sonders nur nach dem wirksamsten Mittel zur Ausnützung der gegebenen Situation, nach dem Mittel, das durch diese Situation nicht nur zugelassen, sondern geboten wird. Es gibt auch in der politischen Entwickelung trotz ihrer immanenten Unerbittlichkeit verpaßte Gelegenheiten. Auch die Aufklärung über die gegebenen taktischen Mittel für den Klassen- kämpf ist ein Stück revolutionärer Aufklärung des Proletariats; und auch die Propaganda solcher Mittel wirkt auf Stärkung der Kampfkraft des Proletariats. Die Situation vergewaltigen oder diplomatisch erlisten wollen, wäre hirnverbrannt; aber nicht weniger verwerflich wäre eine Taktik, die ohne kugelsicheren Panzer sich nicht in den Kampf wagen und die scharfe Märzluft eines revolutionären Risikos in entfchei- dender Stunde scheuen würde aus Besorgnis, die bisherigen Orga- nisationen und Institutionen des Proletariats, die doch nur Mittel zum Zweck sind, zu gefährden. Es heißt wägen, besonnen abwägen, aber dann auch wagen. Ich wiederhole: das hohe Ziel verlohnt den hohen Einsatz. Wir marschieren im Preußenkampf in der Linie der sicheren Entwicklung. Nur Niederlagen auf Zeit kommen in Betracht, und nur Niederlagen, die doch nicht ganz ergebnislos sind. Keine Gegenrevolution der Weltgeschichte hat je eine in der Entwickelungsrichtung liegende revolutionäre Bewegung in ihrer Wirkung wieder völlig aufheben können. Nicht einmal die preußi- . sche nach 1848 oder die russische nach 1903. Und so wahr die deutsche Sozialdemokratie wie die deutschen Gewerkschaften in rauher Kampftemperatur aufgewachsen sind und ihre Unübcrwind- lichkeit dadurch bewiesen haben, daß sie von ihren Niederlagen stets mit vermehrten Antäuskräften aufgestanden sind, um weiter zu kämpfen, so wahr sind Kampfesorganisationen, die, wenn der Moment ruft, die Gefahr einer Niederlage nicht scheuen, besser als solche, die durch Vermeidung entscheidender Kämpfe einer Nieder- läge auszuweichen suchen. Es gibt Situationen, die die Bereit- schaft selbst zu Niederlagen erheischen. Was ist politischer Massenstreik? Theoretisch betrachtet, kann er viele Gestalten annehmen: vom bloßen Demonstrationsstreik, der noch keine Machtanwendung bedeutet, bis zum Streik mit dem Ziel der Niederzwingung des Gegners, vom örtlich oder beruflich begrenzten bis zum allgemeinen Streik. Alle diese Formen könnten, wie schon in Jena hervorgehoben, in betveglicher Taktik, die natürlich auch die bisherigen Kampfmittel festzuhalten hat, bis zur höchsten Steigerung entfaltet werden. Gewiß wird schon ein Demonstrationsstreik Opfer fordern. Aber auch sie werden durch den Wert der Kundgebung�eincr revolutionären Energie gerecht- fertigt, die über aas bei ctraßendemonstrationen hervortretende Maß weit hinausgeht. Zuzugeben ist, daß im preußischen Wahl- rechtskampf die schwachen Streikarten nicht allzuviel Eindruck machen dürften und sogar zeitweilig eine Schwächung des Willens zum Massenstreik herbeisühren tonnen. Jeoenfalls darf keine Art des Massenstreiks unternommen werden ohne die Bereitschaft des sofortigen Uebergangs zum rücksichtslosen Niederwerfungsstreik, falls die Situation dazu im Kamps erwachst. Dk Entschlossenheit zum ganzen großen Generalstreik mus; hinter jeder Form des Massenstreiks stehen.. Besonders schwierig ist unsere �.age, weil der Massenstreik un- mittelbar fast nur Industrie, Handel und Verkehr treffen wird, d. h. solche Kreise der herrschenden Klagen, die nicht die Exponen- ten oes schärfsten Widerstandes gegen jede Wahlreform, jedenfalls nicht die vorbehaltslosen Repräsentanten oes bestehenden Wahl- rechts sind. Aber Feinde des demokratischen Wahlrechts sind auch sie allesamt; und ein Keil treibt schließlich den anderen; lehren wir erst die Vertreter des mobilen Kapitals einschließlich der s�weren Jnoustrie. und die staatliche Bureaukratie zu unserem Gott beten, so werden auch die Junker wohl oder ubel dem Rezept oes alten Remigius von ReimS folgen. . dai( Proletariat beim Massenstreik auf Bundesgenossen U*te belgische Streik wurde von der«ympath.e des liberalen Burgertums unterstützt' in Deutschland wird auf der- gleichen nicht zu rechne., sein � Unser Bürgertum hat viel mehr Angst vor der Arbeiterklasse als Hoffnung auf eine Wahlreform nach seinem Herzen— trotz.naacher politischer Kleinkramer, eelen, w--ulkren"a��" �U-efor-ii in. ihrem engen Parteisinn L"n Viertelpfund Gewürznelken. Es mochte Hint-�i?, � schwachmütigen Hasses nach oben und der �!"i"llst nach unten. Tritt ihnen die Forderung nach e.nem wirklich demokrat.iey-n Wahlrecht, die sie auch mit den Lippen de/�Tn'- T;. entgegen unter ���°�n_p?-wschen Streiks! so wird es sich und Militär schreien. So muß das Proletariat auf sich selbst stehen. Nur laue Hilfe mag es hie und da finden in den Kreisen des Mittelstandes, der ja auch entrechtet ist. Allerdings wird es keinen geschlossenen Reihen und keiner einheitlichen Taktik des ge- samten Bürgertums begegnen. Zersplitterung und gegenseitige Mißgunst der halben und ganzen Wahlrechtsfeinde wird unseren Kampf erleichtern. Aber schon die Erinnerung an die erbärmliche denunziatorische Haltung selbst der„entschieden Liberalen" gegen- über unseren Straßendemonstrationen von 1919 muß allen hoch- fliegenden Hofsnungen auf die künftige Haltung des Liberalismus den Garens machen. Je mehr das Proletariat auf sich selbst angewiesen ist, um so mehr muß es seine höchste eigene Kraft einwerfen. Nur sämtliche Organisationen des Proletariats gemeinsam in einmütiger Ge- schlossenheit können den Massenstreik aufnehmen. Vor allem ist vorbehaltlose Beteiligung der Gewerkschaften nötig. Sie werden aber trotz Konjunktur und Krise nicht auf die Dauer widerstreben. Das Verständnis für die Bedeutung der parlamentarisch-politischen Arbeit und einer Machtverschiebung in der Verwaltung für die wirtschaftliche Lage der Arbeiterklasse, das Verständnis für die schlietzliche Identität der politischen und wirtschaftlichen Interessen, Aufgaben und Kämpfe auf den weitesten Gebieten ist bereits vor- Händen; es kann mit Leichtigkeit verallgemeinert und verschärft werden. Die oben dargelegte Bedeutung gerade des preußischen Wahlrechtskampfes gerade für die Gewerkschaften ist so einleuchtend auch für den wenig geschulten Kopf, daß die Propaganda für den politischen Massenstreik zum Zwecke der Wahlrechtseroberung eines bei weitem leichteren Erfolgs gerade in den größten Gewerkschaften sicherer ist als die Propaganda für gewerkschaftliche Tagesfordc- rungen. Und die gleichzeitige Beteiligung aller Arbeitergruppen übt eine starke suggestive Wirkung. So mutz äuch aus rein geWerk- schaftlicher Betrachtung der Gesamtlage der Arbeiterklasse Preußens und Deutschlands der entschlossene Wille zum Wahlrechtskampf und zum Massenstreik geboren werden, soweit er noch nicht geboren sein sollte. Auch das unorganisierte Proletariat und selbst das Proletariat der christlichen Organisationen und der Gewerkvereine wird diesen Argumenten zugänglich sein, leichter noch als der Agitation für einen wirtschaftlichen Streik. Die ängstliche Haltung des v:r- räterischen Zentrums in der Wahlrechtsfrage zeigt, daß es sich dieser Gefahr wohl bewußt ist. Allerdings wird auch das zum Klassenkampf organisierte Proletariat, noch mehr aber das ihnen fernstehende, nicht auf ein Kommando von oben in den Massenstreik treten, entschlossen und fähig, ihn bis zum Ziele zu führen. Wer— und wäre er selbst der leuchtendste Star des politischen Belkanto— könnte daran denken, die Massenstreikstimmung künstlich zu erzeugen? Das wäre eine Sache politischer Salontirolerei. Slber eine höchstgespannte Kampfesstimmung kann sich in unzweckmäßigen, ziellosen Kämpfen entladen. Es gilt den zu beschreitenden Weg zunächst geistig im Bewußtsein der Massen der Wahlrechtskämpfer zu bahnen. Ist der Weg des Massenstreiks als der allein mögliche für die wirksame Ausnützung der von leiocnschaftlichem Kampfmut getragenen proletarischen Macht klar erkannt, so muß diese Erkenntnis verbreitet werden, so daß der Wille und die Kampfbereit- schaft der empörten Massen schließlich spontan dieses Kampfmittel ergreift. Die Verbreitung dieser Erkenntnis wird nicht schwer fallen. Schon längst hat der Massenstreikgedanke in den Massen der Arbeiterschaft einen ungemein starken Anhang, und gerade die Schulung in den gewerkschaftlichen Kämpfen und die daraus gewonnene Einsicht in die Macht der Arbeiterschaft sowie die zu ihrer Geltendmachung geeigneten Mittel hat sie ganz von selbst auf den Gedanken des politischen Massenstreiks gelenkt. Die natür- liche Aufgabe der sogenannten Führer der Arbeiterschaft ist bei ihrer ungeheuren Verantwortung vorsichtige Zurückhaltung und ein nur allzu begründetes Mißtrauen gegen das Feuer der Be- geisterung. das sich nur allzuoft als Strohfeuer entpupt, mit dem man keinen revolutionären Brand erzeugen kann. Ihre wohlver- ständliche Abneigung gegen ungenügend gesicherte Experimente wird sie aber nicht hindern, wenn die Voraussetzungen fiir einen Massenstreik, soweit eben möglich, erkennbar vorhanden sind und die Arbeiterschaft in ungestümer Wucht vorandrängt, sich nicht nur mitreißen zu lassen, Jondern die Führung zu übernehmen. Sind jene Voraussetzungen heute bereits vorhanden? Gewiß noch nicht in dieser Stunde. Aber sie werden, wenn nicht alle Zeichen trügen bald vorhanden sein. Möglich, daß eine Krise be- vorsteht, möglich, daß sie zur vorläufigen Zurückhaltung nötigt, möglich, daß sie gerade in Verbindung auch mit den Zollkämpfen den Ausbruch eines Massenstreiks erleichtern wird. Jedenfalls wird der kommende Winter Ereignisse zeitigen, an die sich ganz von selbst eine neue Wahlrechtsbewegung knüpfen wird. Daß es zum Kampfe kommt,»st gewiß. Entweder verhöhnt die preußische Regierung das entrechtete Volk, indem sie überhaupt keine Wahl- reform einbringt: das bedeutet Kampf! Oder sie fordert es durch eine neue Ausgeburt des Dallwitzschen Polizeihirns heraus: das bedeutet nicht minder Kampf aufs Messer. Ist dann die Stim- mung im Proletariat bis zu demjenigen Siedepunkt erhitzt, der di: Voraussetzung für den Massenstreik bildet, und ist dann der Massenstreikwille so leidenschaftlich entschlossen und festgewurzelt, wie es ein Kampf aufs Aeußerste erheischt, dann wird nicht mehr aufzuhalten sein, was doch kommen muß— trotz alledem. Inzwischen ist es gebieterische Pflicht, sich auf alles zu be- reiten. So sehr die preußische Wahlrcchtsfrage eine deutsche Frage ist und so sehr der preußische Massenstreik von dem ganzen deutschen Proletariat unterstützt und getragen werden muß, so sicher mutz der Kampf doch schließlich selbst in Preußen ausgekämpft werden. Allerdings wiro das mecklenburgische, das braunschwcigi- sche, das hanseatische und das thüringische und vielleicht auch das sächsische Volk von dem preußischen Sturme mit erfaßt werden. Aber der entscheidende Schlag wird in Preußen geführt; wenn der preußische Mantel fällt, dann fallen auch die Herzogtümer, Groß- Herzogtümer c tutti quanti. In Preußen find daher die entscheidenden Entschlüsse zu fassen. Schon für den Herbst empfiehlt sich ein außerordentlicher preußischer Parteitag. Er wird nicht zu früh sein, er wird der Vorbereitung für alle Eventualitäten zu gelten haben, einer weit ausgreifenden Borbereitung, vielleicht auch der Vorbereitung nach belgischem Muster. Kommt mit der Eröffnung des Landtags der kritische Moment, so muß alles klar zum Gefecht sein. Dann gilt's einen raschen Entschluß aus der gegebenen Situation heraus. Ohne Wankelmut, aber wenn es sein muß, voll Wagemut. Das freie gleiche Wahlrecht für Preußen ist eine Messe, ist einen Massen- streik wert. Karl Liebknecht. Hua Induftm und Handel. Heber de» Bergbau in Südwcstafrika spricht sich der_ JahreS- Bericht der„Deutschen Kolonialgesellschaft für ia» r-.— oiicus, io witu � 7>Südwestafrika" sehr vorsichtig aus. Das ist um so bedeut- �yren zuito�sen und nur noch nach StaatSanwaltschrft.� Posizei isamer. als die Aktiengesellschaft au der günstigen Beurteilung der südwestaftikanischen Verhältnisse interessiert ist und daher ein mög« lichst optimistisches Bild zu entwerfen sucht. Es heißt in ihrem Be- richt:„Außerhalb deS Diamantgebietes ist die bergmännische Tätigkeit in unserem Gebiete eine beschränkte geblieben. Die Khan-Kupfergrube ist noch mit dem Ausbau ihrer Anlagen beschäftigt. Von einer neuen Kupfcrfundstelle unseres Gebietes östlich der Station Kalkfeld der Otavibahn wird.berichtet; genauere Angaben stehen noch aus. Auch Nachrichten von G oldfund en drangen in die Oeffentlichkeit. Das wirtschaftlich- n e g a ti v e Er- gebnis aller bisherigen Goldfunde in Südwestafrila macht uns bei seiner Beurteilung die größte Vorsicht zur Pflicht. Der Zinnerzbergbau, der bis zum Jahre 1908 zuriickzuverfolgen ist, scheint über einen verhältnismäßig b e s ch e i d e n r n Rahmen nicht herausgehen zu wollen. Die Betriebe blieben, � abgesehen von kleineren Untersuchungsarbeiten, an der Ober- fläche und gewannen vorwiegend das zutage aufgereicherte Erz. Auch BetriebZeinstellungen sind vorgekommen. Auf unseren eigenen Feldern bei Oljimbojo wurden 23>/z t(!) Erz niit einem Dnrchschnittsgehalt von 72,2 Proz. Zinn gefördert und zu Versuchszwecken verschickt. Die Edelstein gewinnung und-Verwertung haben wir in dem vorgesehenen und beschränkten Rahmen durchführen können. Die südwestafrikanischen Edelsteine, unter denen bemerkenswerte Oualitälen waren, haben allseitiges Interesse ge- weckt, selbstredend kann aber an große Absatzmengen nicht gedacht werden." Auch sonst weiß die Gesellschaft nicht besonders GuteS aus Süd« West zu berichten. Bei den L a n d v e r l ä u f e n har der Stillstand angehalten; es ist auch keine Aussicht vorhanden, daß hierin in der nächsten Zeit eine Aenderung zum Besseren eintritt. In Swakop- mund wurden nur wenige Grundstücke verkauft; in Lüderitzbucht ruhte das Geschäft ganz. Bei fremden Verkäufen wurden sogar er- hebliche Einbußen gegen die Einstandspreise verzeichnet. Was das Handelsgeschäft anlangt, so ist laut Ausweis des Zollregisters die Wareneinfuhr fast auf allen Gebieten im Lande erheblich gefallen, zum großen Teil wohl infolge der Be- endigung der Bahnkanten um Mitte vorigen Jahres; als weiterer Grund dafür werden die geringen Barmittel angeführt, die der Farm- Wirtschaft zur Verfügung stehen bezw. vorläufig zufließen, ein Um- stand, dem jetzt durch Gründung der Landwirtschaftsbank für Süd- Westafrika Rechnung getragen werden soll. Wenn trotzdem die Gesellschaft eine Erhöhung der D i v i d e n d e um 3 Proz. auf 49 Proz. vornehmen konnte, so dankt sie die Mehr« einnahmen fast ausschließlich dem Erträgnis aus Beteiligungen an anderen Gesellschaften. In erster Reihe steht dabei die Deutsche Diamanten- Gesellschaft m. b. H. Der Geschäftsbericht führt dazu aus, daß die Aenderung der Diamanten- Besteuerung die Förderung der Diamanten gesteigert habe. „Vereinzelte, namentlich kleinere Gesellschaften, hatten im Vertrauen auf diese Aenderung ihren Betrieb schon vorher wiederaufgenommen, andere hatten ihn verstärkt, um die Vorteile der wahlweise belasseneu Bruttosteuer herauszuholen. Hinzu trat ferner endlich nach voll- zogenem Einigungsakl die Pomona- Diamantengesellschaft und zwar fast unmittelbar mit einer so stattlichen Förderung, daß die Gesamtförderung Südwestafrikas im Jahre 1912 mit 1 003 205 Karat alle früheren Jahre übertraf. Auch in der südafrikanischen Union ist die Förderung gestiegen(1912: 3 971 882 Karat gegen 1911: 4 891 998 Karat). Die Wirkung der Nettosteucr wird naturgemäß nicht sofort in Erscheinung treten; einige Diamantengesellschaftcn konnten aber schon für das verflossene Jahr bessere Einkünfte auf- weisen. Günstig wirkten auf die Erträgnisse des Diamantenberg- banes die langsam steigenden Preise, die von der Regie erzielt wurden(29, 3ö M. pro Karat gegen 25,60 M. i. V.). Im laufenden Jahre haben sich gelegentlich der Diamamenvergebung die Preise abermals gebessert." Daß auch die Diamantenförderung in Deutsch-Südwestafrika übrigens keineswegs sehr aussichtsreich ist, geht aus Gerüchten hervor, die an derselben umlaufen. Als vor einigen Tagen die An- teile der Pomona- Diamanten- Gesellschaft(an der die Deutsch- Südwestafrikanische Kolonialgesellschaft mittelbar beteiligt ist) um 30 Proz. sanken, glaubte man, daß die Pomona weitere Produktions- einschränkungeil vornehmen müsse. Bereits früher hat sie ihre Monats- förderung auf zirka 30 000 Karat eingeschränkt. Ueber die Ursachen der Einschränkungen ist man nicht klar unterrichtet. Es heißt, die Gesellschaft wolle durch freiwillige Kontingentierung eine geplante Finanzkontingentierung durch den Staat abwenden. Sollte die vor- aussichtliche baldige Erschöpfung der Felder nicht der Anlaß für diese Äontingentierungspläne sein? Die Königliche Porzellanmnnufaktur in Berlin feiert in diesen Tagen den 150. Jahrestag ihres�Uebergangs in die Hand des Staates. Sie ist im Jahre 1763 von Friedrich II. dem Berliner Kauftnann Gotzkowski für 223 000 Taler abgekauft worden. Tie Einnahmen der Porzellanmanufaktur haben sich naturgemäß nicht gleichmäßig entwickelt. In den letzten zflxlnzig Jahren ist jedoch ein stetiger Aufschwung zu verzeichnen. Während das Unternehmen im Jahre 1894 aus dem Verkauf von Gebrauchsgcschirren 74 344 Mark erzielte, betrug der Erlös aus diesem Geschäftszweig im Jahre 1911 über 112 909 M. Aus dem Verkauf bemalter Porzellane ergab sich im Jahre 1894 ein Erlös von 433 783 M., im Jahre 1911 eine Einnahme von 382 148 M. Am schnellsten sind die Einnahmen ans dem Verkauf tecknischer Geräte gewachsen. Sie betrugen im Jahre 1894 erst 194 307 M., im Jahre 1911 waren sie auf 703927 Mark gestiegen. Augenblicklich hat die Manufaktur einen Gesamt- Umsatz von ungefähr 1% Millionen Mark. Ein Spezialfabrikat des Unternehmens ist der sogenannte Brennkegel, der der Regulierung des Schmelzprozesses in der keramischen Industrie dient und der in ungeheuren Mengen hergestellt wird. Im Jahre 1911 wurden für beinahe 113 990 M. Brennkegel abgesetzt, von denen das Stück etwa 3 Pf. kostet. In früheren Jahren betrieb die Manufaktur auch noch in größerem Umfange die Fabrikation von Isolatoren, Seit jedoch die private Porzellanindustrie und auch einige Elektrizi- tätsfirmen Jsolatorenfabriken eingerichtet haben, hat man die Her- stellung dieses Erzeugnisses wesentlich eingeschränkt. Bemerkt sei noch, daß die� Terrains des Unternehmens, die vor hundert Jahren für etwa 163 000 M. erworben wurden, augenblicklich einen Wert von rund 13 Millionen Mark haben. Daran mag man ermessen, wie ungeheuer der Berliner Grundbesitz im Werte gestiegen ist. Das Rheinisch-Westsälische Kohlenfyndikat konnte im Juni so- wohl seine Förderung als seinen Gesamtabsatz gegen den Vormonat und den Juni des Vorjahres steigern. Betrachtet man aber die Zahlen getrennt für Kohlen, Koks und Briketts, so ergibt sich die für die Konjunkturabschwächung charakteristische Tatsache, daß der Ver- fand von Koks gegen Mai dieses Jahres zurückgegangen ist. Dieser Rückgang für Koks zeigt sich bereits seit dem März dieses Jahres. Die geringere Nachfrage nach Koks, der so gut wie ausschließlich zu industriellen Zwecken verwandt wird, ist ein untrügliches Zeichen, daß die Beschäftigung der Industrie(insbesondere der Eisenindustrie) nachgelassen haben muß. Marktpreise von Berlin am 24. Juli 1913, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,36 bis 20,60, mittel 20,48— 20,52, geringe 20,40— 20,44. Roggen, gute Sorte 17,56—17,60, mittel 17.48—17,52, geringe 17,40—17,44(ab Bahn). Futter. gerste, gute Sorte 17,10— 17,60, mittel 16,60—17,00, geritje 16,10—16,50. �aser, gute Sorte 17,70—19,10, mittel 16,60—17,60. Mais(mixed), gute -orte 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,70—15,20. Richtslrob 0,00. Heu, alt 0,00, neu 0,00—0,00. Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speisebobnen. weiße 35.00—60,00. Lmsen 35,00—60,06. Kartoffeln(Kleinhdl.) 7,00— 14,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1.80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,20—3,00." 60 Stück Eier 3,60— 5,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,80—2,60, Stale 1,60—3,20. Zander 1.40—3.60. Hechte 1.60—2,80. Barsche 1,00—2.40. Schleie 1,60—8,50. Bleie 0,80-1,60. 60 Etflck Krebse Z.00-4ü.00. Theater* Sonaabtud, de» 2«. Juli 1913 gnttmq 5 Uhr. Tcvtsches. Die Schiffbrüchige». Anfang Uhr. Prat«. Das Bummeimädche«, Anfang lll, Uhr. NeueS Opern(Kroll). Lohengrin. Aniang 8 Ubr. Urania. Der Grohglockner, Tastet» und die Salzburger Alpen. TentscheS Schauspielhaus. Der Dieb. Schiller O. Mauna Vanua. berliner. Filmzauber. Thalia. Puppchen. Metropol. Die Kino-Köntgin. Ansang 8'/. llbr. KomSdieuhaus. Hochherrfchastliche Wohnungen. Zrirdr.. Wilb. ScbauspielhauS. Da» Farmermädchen. �uftsPielhauS. Der luftige Kakadu. Ii ose. Tagebuch einer Verlorenen. Luise». Geächtet. Ansang S1!, Mr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Dheater am Nollendorfplah. Der Mann mit der grünen MaSke. Anfang S llbr. ZldmiralSPalast. Eisballctt: Flirt in St. Morih. *»* Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—82. D en tsc h e a S chaa» p ielhaas _ 8 Uhr: Der Dieb. Lsekse-vper 5ediljer-7de»ler 8 Uhr: Uraufführung: Honna Vanna. Souutagnachmittag 3 Uhr zu er« mätztgten Preisen: Zara. Zimmermann. Eintritt 1 Hark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Volksgarten- Theater. Badstr. 8 und Beliermannstr. 20/25. Täglich: Konzert, Theater und Spezialitätenvorstrlluug. Unsere Don Juans. Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Akten. Dazu: Erstklassiges Spezialitäten« Programm. Ansang 4 Uhr. V oigt- Tiieater Badftraste 58. Sonntag, den 27, Juli 1913: Die schäine Melusine. VolkZstück mit Gesang u. Tanz v. Bach. Vollst, neue Spezialit. 1. Range». Kassenäffn. 10 Uhr. Ansang 4 Uhr. Voranzeige. Dienst., 5. Aug.: Benefiz Heinr. Bach: Der Verschwender. ICroll-Oper VI, Uhr: Lohengrin. Gastspiel: Frieda Langendorff und Gertrud Steinweg. Sonntag: Carmen. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. Theater atn Kollendorfplatz i I Mann mit der grün. Maske. A\ I 1 j Im Kino-Varietäteil erst« U 1! 2lla!sige Varieienummern II st u.d.neuest.Taumontsilms O � OSE=THEATE Große Frankfurt«i Str. 132. Tsgeliuch einer Verlorenen. Ansang S'lt Uhr. Auf der Gartenbühne: AelitnnK! Es geht los! Große Posse. Aniang 4'/, Uhr. Melropol-Thealer. Abend» 8 Uhr: Die Kino-Königin. peretle in 3 Alten von Jul. Freund und G. OkonkowSki. Mtlfik von Jean Oilhert. n Szene gesetzt v. Dir. Nich. Schultz. '�ssssge-�sooptjllum V« persische Aiigenfakir in seinen fanat Derwisch- Martern (hebt n. a. mit den Augen schwere Gewichte), S Schwestern Llliput, die kleinst. Schwest. der Welt. Alles lebend! Ohme Extra-Entrec! Heute Sonnabend: Elite-Tag mit Sehönheits-Murreitz 3 Preise! 3 Riesen-Brillant- u. Frontfeuerwerk Feenhafte Parkbeleuchtung! Mllltttr- Konzert des Garde-Fußartillerie-IlejG:., Spandau, Dir. Kgl. Obermusik- meister Joly. Berliner Prater-Theafer 7—9 Kaftanien.Allee 7— v. Xfiellch: Das Bummelmädchen Gr. Aus stattungsp. w 4 Akt. o. W. Heye Musik von Hirsch und Schreyer. Erstklafs. Spezialitäten, Konzert. Ansang 4'l, Uhr. Gintritt 35 Pf. Admlralspalast Einz. Elspalaat der W clt mit prunkvollen Eisballotten. Angenehm kühler Aufenthalt Allabendlich Flirt in St. Moritz. Bis 6 Uhr und von IG/. Uhr halbe Kassenpreise. Velten. GewerHfchaftsMt! Karussell-Gesueh für das am Z. und 4. Angust aus dem Kcmcindesestplatz ftattsindende Gewerkschaftsfest. Besuch zirka 3000 Personen.— Auch Schaubudenbesitzer. welche gewillt sind, an genannten Tagen auszubauen, können sich melde» bei Rud. SchUnbcrj; in Velten, Friedrichftr. 20 I. 288/1 Das Gewerkschaftskartcll. I. A.: Knd. Schonberg, Velten, Friedrichftr. 20. Reiebshallen-Theater Gastspiel der berühmten Dresdener Victoria- M' Sänger. Anfang 8 Uhr. Freitag, 1.8.: Wiederbeginn der Soireen der Steltiner Sänger. IoHdiw Charlottenbnrg• 84«aiser.Friedrich.Straffe 34 Heute und morgell: 3ir.'" GroBer Ball. Alhambra Wallner-Theater-Straste 15. ££ Großer Bali. Großes Orchester. Anfang Sonntags 5 Uhr. A. iZameltat. Brauerei Friedrichshain Am Königstor. Oe!.: kirnst lliileblng. UM- leden vienstag- und Oonnerstagnaohmittag: Kaffee-frei'Vorstellung der Xorddeutscken und Apollo• Säuger bei freiem Euiree. FreiiagS: Frci-Kouzert. köstjerei flahnt& Hertzer JSÄ 3�* Billige Extrafahrien i. Ab Berlin Waisenbrüeke: Achtung! 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GcwerkfchaftUcbcö» Eine dendung in der �Hcrftarbeiterbcwegung? Aus Stuttgart erhalten wir folgendes Privattcle- gram in: Stuttgart» 25. Juli. Ein: austcrordcntlichc Gcncralvcrsamm- lung des Deutschen Mctallarbcitervcrbandes zur Besprechung des Wcrftarbcitcrstreiks beruft der Borstand zum 8. und 9. August naäi Berlin ins Gewerkschaftshans ein. Tie Delegiertenwahlcn finden im ganzen Berbandsgcbict am Sonntag, den 3. August, vormittags tö bis nachmittags 4 Uhr statt. In der Zeit vom 27. bis 31. Juli werden überall da, wo es wegen der Kürze der Zeit angängig ist, Mitgliederversammlungen zur?lufstellung der Kandidaten und Borbereitung der Wahlen abgehalten. Man wird mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Angelegenheit aus starke Bc- tciligung rechnen können. Turch die Einberufung des Verbandstages der Metall- drbciter wird Klarheit in die jetzt verworrene Situation gebracht werden. Bekanntlich beschlossen die örtlichen Or- ganisationcn entgegen der Weisung der Zentralvorsrändc fast überall Unterstützung der Streikenden. Der Werftarbeiter- verband beschlon für seine Mitglieder unter dem Zwange der Situation ebenso. Mehrere Mitgliedschaften des Metall- arbeiterverbandes forderten nun die Einberufung eines außerordentlichen Vcrbandstages. Ter Hmiptvorstand ist zu demselben Beschluß gekommen, weil dieser in der Tat die einzige Möglichkeit bietet, den gordischen Knoten zu zer- hauen. Es wird sich bei dem außerordentlichen Verbandstage kaum darum handeln können, zu untersuchen, wer in dem streit um die Zirage der Disziplin recht oder unrecht hat. Tie Zentralvorstände haben ihren Standpunkt nach dieser Richtung hin in einer öffentlichen Erklärung unumwunden ausgesprochen. Tie Werftarbeiter haben ihrerseits auch gar nicht geleugnet, daß die Hauptvorstände formal iin Rechte seien. Lediglich die Stettincr Mitgliedschaft sagt, daß— abgesehen von der Bewegung der Nieter— in Stettin die Arbeitseinstellung ordnungsmäßig erst dann erfolgt sei, als alle friedlichen Mittel den dortigen Unternehmern gegenüber erschöpft waren. Aber alle diese Fragen zu untersuchen und ihnen prinzipiell näherzutreten, wird Aufgabe einer späteren Zukunft sein und es kann dies in Ruhe und ohne Leidenschaft nur erfolgen, wenn der Brand, der slugfeuerartig um sich griff, erloschen ist. Die nächste Aufgabe muß sein, dem Unternehmertum gegeniibcr, das durch seine Maßregelungen und die Ein- stellung von Streikbrechern vor Ausbruch des eigentlichen Kampfes die ungestüme Arbeitsniederlegung provozierte, eine geschlossene Kampfes front herzu- stellen! Möge diese Aufgabe dem außerordentlichen Verbands- tage der Metallarbeiter gelingen! Ueber die gegenwärtige Situation wird folgendes mit- �** * Apchöcm die Berwaltungsstellc Hamburg des Deutschen Metall- arbeiterverbandes beschlossen hat, am Sonnabend, den 26. Juli, die erste Streikunterstützung auszuzahlen, haben sich die übrigen Ver- waltungSstcllen ebenfalls mit der Frage der Unterstützung beschäf- tigt oder werden es doch in allernächster Zeit tun. Die Mehrzahl der Verwaltungsstellen, so die der Holzarbeiter, Transportarbeiter und Fabrikarbeiter u. a., zahlen ebenfalls bereits am Sonnabend die erste Unterstützung aus lokalen Mitteln. Die meisten Ver- waltungsstelle» haben auch, wie die Metallarbeiter, einen Extra- bcitrag beschlossen. Tic Ncihcrstieg-Schissswerft sucht Leute anzuwerben und sie zu veranlassen, einen Revers zu unterschreiben, daß sie in den nächsten drei Jahren keinem Verbände beitreten dürfen. Der Untcrnehmer-Arbeitsnachtveis, der bisher seine Pforten geschlossen hatte, versucht jetzt ebenfalls Streikbrecher zu vermitteln. Von einer Besetzung der Werften kann jedoch keine Rede sein; es kann sich nur um kleinere dringende Reparaturen handeln, die man mit Hilfe von Technikern, Meistern und Lehrlingen fertigstellen wird. In Kiel sind rund 6400 Werftarbeiter ausständig. Auf die einzelnen Verbände entfallen dann: Metallarbeiterverband 4200, Holzarbeiterverband 230, Schiffszimmererverband 150, Zimmerer- verband 70, Malerverband 102, Transportarbeitcrverband 500, Fabrikarbeitcrverband 450, Verband der Kupferschmiede 85, Ver- band der Heizer und Maschinisten 130, Bauarbeiterverband 225. 120 Ausständige gehören anderen verschiedenen Gewerkschaften an. Hirsch-Dunckerschc sind rund 500 beteiligt. Von der örtlichen Or- ganisationsleitung sind Schritte unternommen worden, mit den Leitungen der in Frage kommenden Betriebe örtlich: Verhand- lungen herbeizuführen; zu einem Resultat haben diese Versuche noch nicht geführt. Zum Streik auf den Wcs erwerften berichtet die„Weser- Zeitung": Die Mitglieder des Holzarbciterverbandes, di: sich bisher vom Streik ausgeschloffen hatten, ließen ihren Standpunkt fallen. Die nahezu 700 Holzarbeiter der Werft-Aktiengesellschaft Weser haben ihre Kündigung eingereicht und werden Sonnabend- abend di: Arbeit niederlegen. Auf den Atlaswcrken, wo etwa 220 Holzarbeiter beschäftigt sind, werden dieselben auch in den Ausstand treten. Zur Lage in Bremerhavcn-Gecstemünde meldet dasselbe Blatt: Die Verträge der Arbeiter sehen keine Kündigung vor, und deshalb werden diese nach Ablieferung des Handwerks- zcuges die Werften von Jöh. C. T:cklenborg, A.°G., G. See- deck, A.-G., und R i ck m e r s Reismühlen, Reederei und Schiffs- bau-Akticngescllschaft, verlassen. Die Arbeiter des technischen Bc- tricbcs des Norddeutschen Lloyd in Bremerhaven haben den Streik bislang abgelehnt, sie werden aber in einer neuen Versammlung sich noch einmal mit der Sache befassen. Die Gesamtzahl der Streikenden in den Hafenorten beträgt annähernd 6000 Mann. Verlin uncl Qnigegcnck. Achtung, Dachdecker Berlins und der Umgegend! In der„Volks- Zeitung" � erscheint seit einigen Tagen eine große Annonce, in der nach Düsseldorf zirka 150 bis 200 tüchtige Dachdecker und Bau- klempner gesucht werden. In Düsseldorf sind die Dachdecker seit dem 10. Juli im Aus- stand. Lasse sich deshalb niemand verleiten, nach Düsseldorf zu fahren, um dort als Arbeitswilliger tätig zu sein. Zentralverband der Dachdecker. Verwaltungsstelle Berlin. DeutlcKes Reich. Zur Aussperrung in der Bocholter Textilindustrie. In einer äußerst stark besuchten öffentlichen Versammlung, zu der auch die Bürgerschaft und besonders die Fabrikanten eingeladen waren, kritisierten am Donnerstag der Vorsitzende des christlichen Texlilarbeitervcrbandes Abg. Schiffer und der christliche Bc- zirksleiter das Verhalten der Fabrikantenvereinigung in schärfsten Ausdrücken. Schiffer sagte u. a,, das Mißtrauen der Arbeiter, über das die Fabrikanten sich beklagten, habe. sich. nur. als. gar zu be-- rcchtigi herausgestellt. Das Versahren der Fabrikanten schreie zum H i m m c l. In dem Augenblick, wo die Arbeiterschaft sich mit eincrLohnaufbesserung einverstanden erklärt, die weit hinter ihrer Forde- rung zurückblieb, hätten die Fabrikanten die bereits vorher zugesagten Nebcnsorderungen wieder zurückgezogen. Das beweise, daß die Fabrikanten nicht nur die Lohnforderung bekämpfen, fondern daß ihr Kampf der Arbeiterorganisation selbst gelte. Man wolle die Arbeiter auf die Knie zwingen und gehe zu diesem Zwecke sogar über die Gesetze hinweg. Der Kampf müsse nunmehr durch- gehalten werden. Die unverheirateten Arbeiter und Arbeiterinnen sollten Bocholt verlassen, da der Kampf lange dauern könne. Die Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Nachdem der Vorsitzende noch versichert, daß die Arbeiter nur einen ehren- vollen Frieden akzeptieren würden, schloß er die Versammlung, ohne eine Diskussion zugelassen zu haben.— Fürchtete man sich vor einer Entgegnung der Fabrikanten, oder vor den anwesenden katholischen Geistlichen? Beendete Aussperrung der Perleumacher im Fichtel- gcbirge. Nach zwölfwöchiger Dauer konnte der Kampf mit kleinem Erfolg für die Arbeiter Beendet werden. Alle Verhandlungen, die bisher sowohl vom Glasarbeitervcrband wie auch von Vertretern der Regierung angebahnt wurden, scheiterten an der Hartnäckigkeit ein- zelner Scharfmacher unter den Unternehmern. Ein nochmaliger- Versuch des Gauleiters aus Fürth hatte den Erfolg, daß die Perlen- sabrikanten sich zu Unterhandlungen bereit erklärten. Es gelang dann, folgende Vereinbarungen zustande zu bringen: Die Aus- fperrung wird in den drei Hermann-Hütten aufgehoben. Sämtliche Arbeiter kommen sofort wieder an ihre Arbeitsplätze und erhalten eine sofortige Lohnerhöhung von 5 Prozent, eine weitere fünf- prozentige Lohnerhöhung erfolgt ab 1. Mai 1914. Diesen Vereinbarungen hat sich die Firma Jos. Traßl aüS Ober- warmenstcinach nicht angeschlossen, so daß bei dieser Firma der Kampf weitergeführt Ivird. Mit den anderen Unternehmern ist ver- einbart worden, daß alle freien Plätze mit den Ausgesperrten besetzt toerdcn müssen._ Soziales» Sind Arbeiter Bürger 4. Klasse? Unfallvcrlctztc, die zur ärztlichen Untersuchung außerhalb ihres Wohnortes fahren müssen, sollen nur noch Anspruch auf Ersatz der Eisenbahnfahrten 4. Klasse haben. So hat das Reichs versich er ungsamt unter seinem jetzigen Prä- sidcntcn im Gegensatz zir Entscheidungen desselben Amtes aus dem Jahre 1891, 1899 und 1897 entschieden! In dem uils vorliegenden Falle hatte ein durch einen Unfall verletzter Arbeiter niit Recht das Fahrgeld 3. Klasse liquidiert. Er war aber mit seinem Anspruch von der Nordwestlichen Eisen- und Stahlbcrufsgenossenschaft abge- wiesen worden. Es wurde ihm nur das Fahrgeld 4. Klasse erstattet. Eine an das Reichsversicherungsamt eingereichte Beschwerde ist von diesem abgewiesen worden. Das Amt hat sich der von der Berufsgenossenschaft gegebenen Be- gründung angeschlossen. Es heißt in dem Bescheid: ...„daß Sie nach Ihren Einkommensverhältnissen und Ihrer gesell- schaftlichen Stellung auf Ihren Reisen für eigene Rechnung Kregel- mäßig wohl die 4. Wagenklasse benutzen und daher bei den von Berufsgenossenschaft angeordneten Reisen einen Anspruch aus Ler- glltung des Fahrgeldes für die 3. Wagenklasse nicht haben"; „das Reichsversicherungsamt hat leinen Anlaß, der Auffassung der Berufsgenossenschasl entgegenzutreten, es sieht deshalb Ihre Beschwerde als erledigt an". Damit wären also die verletzten Arbeiter ihrer»ge- sellschaftlichen Stellung nach" in die 4. Wagenklassc ab- geschoben. Nach den Mustersatzungcn für. Lcrufsgenosscn- schastcn, die vom selben Reichsversicherungsamt erlassen worden sind, haben die Vertreter der Unternehmer Anspruch auf Erstattung des Fahrgeldes 2. Klaff e. Vor'dem Gesetz sind alle Bürger gleich. Anders denkt das Reichsversicherungsamt. Nach ihm soll der schon bestehende Klassenunterschied noch krasser hervortreten, der Arbeiter, und nun gar erst der Verletzte, soll gar nicht mehr auf den Ge- danken"kommen, daß ihm noch so was als Gleichberechtigung eigen wäre. Die„gesellschaftliche Stellung" soll das Recht bestimmen; der verletzte Arbeiter sei nur ein Mensch 4. Klas�, und damit basta. Die neue Praxis des Reichsversicherungsamts soll seit 1911 bestehen. Sie zeigt ein völliges Verkennen der Wirt- schaftlichen Stellung der Arbeiterklasse. Ohne diese wäre die Unternehmerklasse mitsamt dem Reichsversicherungsamt nichts. Das Reichsversicherungsamt ivird, wie ja auch seine anti- soziale Rechtsprechung zeigt, nach der seit einem Jahrhundert überlebten Auffassung von vier Ständen beherrscht, als deren niedrigsten es den„Arbeitcrstand" erachtet, alldieweil die Arbeiterklasse die übrigen Mitglieder der Gesellschaft erhält. Sonderbare Wertschätzung der Arbeit. Gleims Feuilleton. Fünfzigjährigen gehören durckaus zu denen, die der deutschen Literatur ein kraftvolles Leben in der blühenden Gegenwart wünschen. Wir erkennen unbedingt cm, daß verdienstvolle Dichter einen be- rcchtigten Anipruch auf Absatz ihrer Bücherhaben und daß man diesen Abiatz mit oCcii anständigen Mitteln erstreben soll. Wir hassen die elende Ichwindsüchtige Ansicht, die den Dichter ans die Nachwelt verweist und ihm am liebsten einen wohlgezielten Schlag ans den Schädel gäbe, wenn er es wagt, in der Gegenwart den Kopf zu erheben. Wir Haffen diese schwindsüchtige Ansicht um so stärker, als sie leider cm überaus trauriges deutsches Erbteil ist. Wir üeIniljLU untei* bieicit timständen mit Freuden den Ilm- stand, daß man neuerdings angefangen hat. den fünfzigjährigen Ge- burtstag von Dichtern zu selern, die verdienstvoll sind, oder wenigstens dafür gehalten werden.. � Selbsiverständlich meinen wir nicht, daß damit nun das Unrecht aus der Welt geschafft wäre, das dem schweigenden Verdienst, um mit Hamlet zu reden, nur allzu oft angetan wird. Es liegt ja im Gegenteil in der Natur der«ache, daß zum fünfzigjährigen Ge- burtslage immer die gefeiert weujni, die auch bereits vorher ge- feiert wurden. Die Tragik des Verkanntielns, die tief mit dem Weseu des künstlerischen Berms zufammenhangt, wird auf diese Weise aber keineswegs aus der Welt ge'chaift. � Immerhin aber lomi es gescheaen, dag an emcm lolchen fünfzig- jährigen Geburtstage ein Dichter'Nv volle �ulit der Oepenttichkeit rückt, der zwar anerkaiiiit war. vom lauten �.arm des Tages aber übertäubt wurde. Und um dieses Urieil-- will.n scheint uns der «°ue Brauch dankenswert zu sein, ohne dall wir ihn zu überschätzen L-»eigt sind... Soll der Brauch aber nicht von vornherein entweiht und c„t- tct werden, iräre es mit wenn sich die geschnfllichen Bertretcr wertet werden, wäre es gut, wenn sich die geschäftlichen Vertreicr den Fünfzigjährigen eine gewisse, vomehme Refervs auferlegen wollten. Laiii man in diesen Tagen alle Mutcl einer gar nicht schlich, enien Rellame spielen könnte die neue Sitte leicht einen nn- airgenehmen Beigeschmack bekommen. Die unabhängige Presse zum mmdesten loTIt«».....•*~„f hn« ncidiauhrfi«» i sla- �kMchmack bekommen. Die tum mmde.ien ivllte darauf ücriirfctr- iftr Urteil aus das geichaiiliche KL-- f-- SSSS. ti. msW«U*«ife-ta «n uLfifiliminJ« ii �delose Reklame zu durchkreuzen und dafür ein uiiabha.igiacs Urteil aus eigenen Mitteln zu bieten. r. ,■ Mikroskop der Bewegung. In der Medizinischen Klinik berichtet u. Eontamin über neue wissenschaftliche Verwendungs- Möglichkeiten des kinematograpH�cHen Kl�Mr kennen, s-hr-ibt er. schon den Film, der die Zirkulation de- Blutes in der Schwimm- haut eines Frosches darstellt, wir kennen die Trypanosomen(Blut- pai.rsltei.s und i.z.e Pyagochtose(Kamvf mit den sie in sich aus- „ehmenben w-.ßen Blutkörperchen),-b-7,s7'die Bew-gung-n einer rvL-ir, a."" kmematographische Bilder, die im wesent- lichcn mcht- andere» waren als die Wiedergabe dessen, was man bei der mikroslo�ischen Uncersuchung sieht. Sic waren zwar für den Unterricht von großer Bedeutung, vermehrten aber nicht die Kenntnisse des wissenschaftlichen Forschers. Wie aber Comandon sehr richtig gesagt hat, harrt der Kinematographie noch eine andere Aufgabe. Sie muß das Mikroskop der Bewegung sein. Man kann dank ihrer den Ablauf einer Bewegung verlangsam oder ver- schnellcrn. Eomandon hat uns nunmehr die ganze Eniwickelung eines See-Jgeleies und die cmbryologische EntWickelung eines Spulwurmcies gezeigt. In wenigen Minuten sieht man alle Phasen bis zur Teilung der Larve, die man in ihrer Hülle sich bewegen sieht. Die Figuren der Zellteilung und besonders die Bewegungen, die im Eytoplasma stattfinden, sind für den, der solche Dar- stellungen zuin ersten Male sieht, von überraschendem Eindrucke. Nachdem Levaditi einige Versuche des Chirurgen Carrel nachge- macht hatte, hat auch Comandon sie uns im Film zur Darstellung gebracht. Tie Bewegung konservierter Herzstückchen, ebenso die Flucht der Stcrnzellcn aus diesen Stücken heraus und die Rückkehr der Zellen zu ihrem Ausgangspunkt erscheinen mit um so größerer Deutlichreit, je schneller der Film sich abwickelt. Schließlich hat Comandon mit Piony die Entwickelung der Schimmelpilze vorge- führt. Das Hin und Wieder des Protoplasmas, das so außer- ordentlich rhythmisch vor sich geht, macht den Eindruck von regel- mäßigen Herzschlägen. Nachdem man die Ausbreitung des Schimmelpilzes in einem Netze sich hat vollziehen sehen, sieht man seine Zerstörung durch den Einfluß des Lichtes und der Wärme. Diese verschiedenen Films zeigen den Ablauf in einer Schnelligkeit, die 60 bis 220mal größer ist als die der Wirklichkeit. Soll man bei Mahlzeiteir trinken? Es ist eine alte Streitfrage, ob man bei Mahlzeiten Flüssigkeiten zu sicki nchmen oder ob man sich jedes Getränks enthalten soll—-�eine Streitfrage, bei der die Gegner auf jeder Seite in gleicher Stärke stehen. Besonders spielt ja die Flüssigkeitszufuhr bei Diätkuren eine große Rolle. Bei Eni- fettnng-Iureii ist es unbedingte Vorschrift, daß während der Mahl- zeit keine Flüssigkeiten, wie Snpve, Wasser oder geistige Getränke eingenommen werden dürfen. Aber auch bei normalen Menschen wird oft die Enthaltung vom Trinken während der Mahlzeit damit begründet, daß der Magensaft hierdurch verdünnt werde und die Verdauung infolgedessen darunter leidet. Aber dieser Schluß ist irrtümlich. Besonders bringt dafür, wie die„Umschau" mitteilt, eine neue Untersuchung von Olaf Bergeim und P. B.Hawk einen interessanten Beweis bei. Sie zeigten nämlich, daß die Vcrdauungskraft des nornialcn menschlichen Speichels steigt, wenn er mit Wasser oder Kochsalzlösung verdünnt wird. Diese neuen Untersuchungen lassen sich sehr gut mit der durch Erfahrung gewonnenen Regel in Einklang bringen. Man braucht nur zu berücksichtigen, daß der Speichel besonders für die Verdauung der Kohlehydrate, also des Mehles und der Backwarc, in Betracht kommt, woraus hervorgeht, daß in diesem Falle der Flüssigkeitsgcmiß während der Mahlzeit den Fett- ansah begünstigen, da sa bekanntlich Kohlehydrate fett machen. Die neuen Untersuchungen von Bergeim und Hawk sprechen somit beim gesunden Menschen für eine mäßige Flüssigkeitszufuhr während der Mahlzeit. Interessant ist übrigens auch die Beobachtung, daß hartes Wasser die Verdauung durch den Speichel mehr begünstigt als weich- gemachtes. Humor und Satire. Die unsittlichen Kniehosen. Eine Verfügung des erzdlschöflichen Ordi- narials München wendet sich gegen die unsüt- lichen Kniehosen. Fahnen von Knichöslcrn ist in Zukunft die kirchliche Weihe zu ver- weigern, auch wenn diese Fahne religiöse Bilder trägt. Ebenso darf für solche Feiern keine heilige Messe mehr gelesen werden. Endlich ist sie eingeschritten nnsere hohe Geistlichkeit, uni die Sittlichkeit zu retten, Ach es war die höchste Zeit. Kurze Hosen sind unsittlich Wie die ausgeschnittnen Blusen, Die dem keuschen Jüngling zeige» zuviel von der Jungfrau Busen. Denn die nackten Knie werden den Gedanken stets erwecken, was denn alles außerdem noch in den Hosen drin mag stecken. Darum Heil dem weisen Spruche. Fort mit allen bloßen Knieen! Lange Hosen sei'n dem Säugling schon im Mutterleib verliehen. Karlen Notizen. -- Im Joseph-Kai nz-Theater am Neinen Wannsee sind infolge des wolkenbruchartigen Regens die Proben für„Sappho" vereitelt worden, die Premiere ist auf den 2. August verschoben. Sonnabend, den 26. und Montag, den 28. Juli, nachmittags 5'/, Uhr, wird„Iphigenie" wiederholt. Sonntag ist für Volksvorstellungen bestimmt: nachmittags 3 Uhr Hans Sachs-Spiele, abends 6 Uhr Schneewittchen". Der Freitag gehört von 3 Uhr ab den Kindern. — Das Konzert hinter dem Vorhang. Die schon öfter vorgeschlagene Methode, ein Konzert hinter einem Vorhang statt- finden zu lasten, wird auf dem Salzburger Musikfeste er- probt werden. Da kein versenkbares Podium vorhanden ist, wird Mozarts Requiem vom Gesangskörper und Chor hinter einem Vor- hang aufgeführt werden. Man erhofft davon eine vertiefte Wirkung. Ein Preis für eine sittenreine Oper. Ein merkwürdiges Preisausschreiben hat der amerikanische Musikklub er- lassen, um ein Gegengewicht gegen die vielfach krassen und nach amerikanischem Empfinden schlüpfrigen Stoffe der meisten modernen Opern zu gewinnen. Der Klub hat beschlossen, einen Preis von 10 000 Dollar, also von mehr als 40 000 M. zu stiften, und zwar für eine Oper, deren Handlung es vermeidet, in Sphären hinabzu- steigen, die als„peinlich" oder„anstößig" empfunden werden können. Resttvh«..„ Testern stand vor dem Gewerbegcricht als Beklagte die Ban» rischlerei Gebr. Raabe, Usedomstr. 31, bekannt durch den zu Ostern bei ihr ausgebrochcnen Streik, der-heute noch nicht beendet ist und in dessen Verlauf es am Abend des 1. April zu dem bekannten Auftritt mit einem arbeitswilligen Nevolverhcldcn kam. Ein infolge des Streiks aus dem Betriebe der Beklagten ge- schiedncr Einscher sah sich gezwungen, auf Auszahlung von 449,72 Mark Rcstlohn zu klagen. Dieser Betrag war zu dieser Höhe an- gewachsen, weil es sich um verschiedene Bauten handelte und eine endgültige Abrechnung immer erst später erfolgte. Die Firma bestritt bis auf einen Betrag von 59,72 M. die Rechtmäßigkeit der Forderung, mußte jedoch schließlich I54�l> M. anerkennen. Wegen der übrigen strittigen Punkte war eine volle Klärung nicht zu schaffe». Die Parteien einigten sich auf den anerkannten Betrag. Die Firma, die den Kläger fast ständig allein hat arbeiten lassen, sandte oftmals schlecht gearbeitetes Material, so daß Nach- arbeit erforderlich war. Die Firma gestand zu, in dem Kläger einen überaus tüchtigen und zuverlässigen Arbeiter gehabt zu haben. Trohdem machte sie bei verschiedenen Forderungen des Klägers geltend, er habe keinen Auftrag gehabt. Die treibende Kraft bei dieser Art Einwendung scheint der Betriebsleiter Haase zu sei». �___ Heimarbeit in der Konservenindustrie. Zu einem bedeutsamen Jndastriezweig hat sich die im Herzog- tum Braunschweig domizilierende Konservenindustrie ausgewachsen. Nach den Aufzeichnungen der Gewerbeinspektion bestanden im Jahre 1912 im Herzogtum 53 Betriebe mit annähernd 58 beschäftigten Personen. Davon waren 510 Arbeiter männlichen und 497S Personen weiblichen Geschlechts. Die hohe Zahl der weiblichen Personen wird durch die Saisonarbeit in der Konservenindustrie bedingt. Die Unternehmer können oft genug nicht genügend weibliche Arbeits- kräfte bekommen, um die Vorarbeiten zur Konservierung der vielen Arten von Gemüsen und Früchten vornehmen lassen zu können. Da wird dann den Arbeiterinnen ein Teil Arbeit nach Hause mitgegeben, die dann unter den denkbar schlechtesten hygienischen Verhältnissen in den Behausungen der Bevölkerung bewältigt wird. Die Gewerbe- inspektion sagt, daß in 13 Fällen Zuwiderhandlungen gegen die Gewerbeordnung festgestellt wurden, von denen merkwürdigerweise nur einige Fälle zur Bestrafung kamen. Daß die Heimarbeit in der Konservenindustrie ein besonders unappetitliches und streng zu beauf- sichtigendeS Aushilfsmittel für bequeme Unternehmer ist, sagt der Bericht der Gewerbeinspektion mit folgenden Worten: »Auf Grund des Heimarbeitsgesetzes sind im Kreise Helmstedt einige Wohnungen von Heimarbeiterinnen für die Konservenindustrie besucht worden. Die dabei gefundenen Verhältnisse waren wenig erfreuliche. Die Bohnen waren gewöhnlich unmittelbar auf den Fußboden ausgeschüttet, auf welchen sich neben den Bohnen (grüne Schnittbohnen) auch kleine Kinder aufhielten. In einem Falle wurden in der Wohnstube drei Kinder von 9, 7 und 2 Jahren allein angetroffen; während die beiden älteren Kinder auf dem Boden hockten und Bohnen abzogen, saß das kleinste daneben und kaute an einer Bohne. Die Mutter arbeitete nach An- gäbe der Kinder tagsüber in der Konservenfabrik. Die Eltern wurden auf die Vorschriften des Kinderschutzgesetzes hingewiesen. Eine wirkliche Besserung dieser Verhältnisse wird sich aber nur durch Schaffung besserer Existenzmittel, vor allem durch Zahlung höherer Löhne, welche in der dortigen Gegend noch einen ziemlichen Tieffiand aufweisen, herbeiführen lassen." Wenn sich die Gewerbeinspektion schon zu einem solchen Urteil über die vielfach anzutreffende unsaubere Heimarbeit in der Nahrungsmittelindustrie aufrafft, so kann man daraus ermessen, wie schlimm eS in der Konservenindustrie mit der Hygiene in der Heim- arbeit und mit den Lohnverhältnissen bestellt ist. Die Herren Gesetz- geber können daraus ersehen, was sie angerichtet haben, als sie sich weigerten, das gänzliche Verbot der Heimarbeit in der Nahrungs- mittelindustrie auszusprechen. Aber selbst in Stadt-Braunschweiqer Fabriken wurden ekelhafte Zustände bei der Verarbeitung von Erbsen aufgedeckt. Es wurde ermittelt, daß während der Erbsenkampagne ein Drittel der be- schäftigten Arbeiterinnen an schweren, eitrigen Finger- entzündungenerkrankt waren. Eine weitere Untersuchung ergab, daß die gekochten(100 aber mit den Händen noch nicht berührten Erbsen völlig keimfrei waren. Dagegen zeigten die Erbsen, die von den erkrankten Arbeiterinnen in die Blechdosen getan waren, dieselben Eitererreger, wie sie sich in den Fingergeschwüren der Arbeiter gezeigt hatten. Diese Fingererkrankungen wurden in mehreren Fabriken festgestellt und die Fabrikanten veranlaßt, gute Waschgelegenheiten mit fließendem Wasser anzuschaffen. Ferner sollen sie für häufigeren Wechsel der Handtücher Sorge tragen und zum Einfüllen in die Dosen sollen nicht die Hände, sondern Holz- oder Emaillegeräte benutzt werden.— Diese höchst notwendigen Anordnungen der Gewerbeinspektion sind aber in den wenigsten Fällen befolgt worden. Da« kostet ja Geld und das Bestreben der Unternehmer geht nur dahin, möglichst schnell mit der Kampagne fertig zu werden und möglichst viel Konserven auf den Markt zu werfen. Die geschilderten Zustände, die eine große Gefahr für die Konsumemen in sich schließen, sollten endlich durch zwingende gesetz- liche Borschristen unmöglich gemacht werden. Die Betriebe und die beschäftigten Arbeiterinnen müßten ärztlich kontrolliert und jede Be« fchäftigung einer mit einer bösen Krankheit behafteten Person ver« boten werden._ Witterungsüberncht vom 25. Juli 1913. iswmernde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien 7K3.NNO 7S5MNO 7SZN 7S3NO 762 9}© 757 NNW Ichalb 6b 2chalb bd 3 bedeckt Scheiter Lbedeckt 3.wolkig -»Ii S? 6-25 Stationen I 5 Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris 4 wölken!! l halb bd.! bchalb bd.!. 16 Vbedeckr> 11 2Molkenl! 16 Wetterprognose für Sonnabend, de» 25. Juli 1913. Vielfach heiler, am Tage ziemlich warm bei mäßigen nordöstlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. 765 NW 76! NW 761 OSO 770,3}' 761310 «Seit er -zi e* 4* h 14 19 Wasserstands-Nacbrichten der LandeZanftalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau ')-s- bedeutet Wuchs,— Fall.—') llnterpegel. rEESEEG«» Unserem lieben Schwimm-'tl brudcr 16416« Hermann Loest V zum sünszigsten Geburtstage® S» Än krMgeS'.G«t Rast k«" W Schwimmklub„Walroß". x- \' Todes-Anzeigen SozialdefflokraöseherWahlvEPEin 1. 1 yerLREichslaDswaklkreis. Stralauer Viertel.(Bezirk 3221.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schlosser l&iliieBm E�i3z Warschauer Straße 69, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 28. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Zen- tral-FriedhoseS in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstund, i DEutscberHElallarbElteMonili Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser WäBiieiiti milx Warschauer Skr. 69, am 23. Juli, an Gehirnschlag gestorben ist. Ehrr seinem Zludenke»! Die Beerdigung findet am i Montag, den 28. Juli, nach-, mittags 5 Uhr, von der Halle des Zcntral-Friedhoses in Friedrichs- sclde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/14 Die Ortsvorweltunp, I.d.6.BErl.RBichstags-WahlkrEls. Am 23. d. M. verstarb unser Genosse, der Schlosser IMttlg SiemenSsir. 11. Bez. 706. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Johanncs-Mrchhoses in Plötzen- see aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Äorstaud. unser Sluclirak. Am 20. Juli verstarb Genosse, der Chauffeur Max Albe Kopenhagener Str. 7. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sand bereits am Donnerstag ans dem stiidt. Friedhof in Fricdrichssclde statt. 228/20 vor Vorstund. vElltzew wii�lülai'kEitEi'-VEk'daiid. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- führer Karl Badlke am 23. Juli im Alter von61 Jahren verstorben ist, Ehre seinem Andenken! _ Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. Juii, nach- mittags 3'/� Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhoses, Secstraße, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur I Nachricht, daß unser Kollege, der | Hausdiener Georg Miers j am 23. Juli im Alter von 21 Jahren j verstorben Ist Ehre seine« Andenke«! Die Äcerbigulig findet am ! Sonnabend, den 26. Juli, nach- i mittags ill, Uhr, von der Leichen- halle des EmmauS- KirchhoseS, | Hermanstraßc, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschkcnsührcr Kar! Hobler am 23. Juli imMer von 66 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. Juli, nach- mittags ist, Uhr, von der Leichen- halle des Weißenseer Gemeinde. Friedhoses, Rölckestraße, aus statt. 66/19 Die Bezirksverwallung. Statt jeder besonderen Mitteilung. Am Donnerstag srüh 1'/« Uhr entschliej sonst nach kurzem abcr schwcrcm, mit groger Geduld er- tragcncm Leiden mein innigst ge« ücblcr Mann, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel, der srüherc Trainer und Fahrer, jetzige Gast- wirt Maim Heublein im 46. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen I Frida Hcnblelu geb. iülke. Die Beerdigung findet aml Sonntag, den 27. Juli, nach. mittags 2st, Uhr, von der Leichen- ballv de? Gemeinde- Friedhoses I Mariendorf, Friedenstraße, aus statt. 121/6 1 Ikanlzsusnns. Für die«nfenn lieben Sohn. Brudcr und Schwager 4t Iber t �rbülor bei seiner Uebcrsührung nach dem Bahnbos bewiesene Teil- nähme, sowie die Kranzspenden, sagen wir hiermit allen herzlichen Dank, vi« Uauernden Hinterbliebenen Farn. Schäfer, Oberpeißen b. Bernburg. UnterstützungsvereiQ sämtlicher Berule(Bezirk 11). Am 23. Juli verstarb unser Mitglied Frani Wunderlich. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet Sonntag, den 27. Juli, nachmittags S Uhr, aus dem neuen Kirchhof in Kauls- dorf statt. Um rege BctejIIglmg ersucht 287/20 vor Vorstand. Achtnnc' Ntv eröffnet! Monats- Gärderoben> Geschäft. »vnatsanziige von 7.oO Mark an. ScMnbirgÄÄg.-1,� Vornehme Herren gC8@idung fertig und nach Maß trh alten Sit in der modernen Olass- Schneiderei J. Kurzbers Cvegründct 1898 mit ähnlich lautenden Firmen nicht an verwechseln Jtuf Wunsch Wochenrate Rosenttaaler Strasse 36 1. lätage, Frankfurter Alice 104 Ecke Ifriedengtrasne, Reinichendorfer Str. 4 VYeddiagplst». Verband der Maler, Lackierer etc. Filiale Berlin. Unfern Kollege« zur Nachricht, daß der Kollege kritz Makuth am 20. Juli verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, den 26. Juli, nach- mittags 3 Uhr, aus dem Bartholo- mäuS-Kirchhof(Weißensee) vom Krankenhaus Am Friedrichsham aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 139/19 Der Vorstand. h nehmt. Am 19. Juli verstarb an'den Folgen einer Wurstvergiftung unser lieber Freund und Kollege, der Schmied Ulbert Lcdüker. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen unserer besten Kollegen und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Di« organisierten Kollegen der Firma N. A. G. Die lieber(Ühnmg des Verstorbenen erfolgte am 22. Juli nach seiner Heimat Obcrpeißen bei Bernburg. 1630b tosidenz-Festsäle Alexanderplatz— Landsberger Str. 31 Empfehle meine renovierten Räume(50— 1000 Personen fassend) den Geworkschaftsvereinen zur Abhaltung von Versammlungen, sowie Festlichkeiten jeder Art einer gütigen Beachtung. 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Groß war bisher immer wieder die Zahl derjenigen Gemeindewähler, die in- folge von Versehen bei Aufstellung der Wählerliste entweder über' Haupt nicht in die Liste aufgenommen worden waren oder in ihr mit unzutreffeuden Personalienangaben verzeichnet standen. Wer nicht in der Wählerliste steht, darf nicht mitwählen, und da hilft dann am Wahltage dem durch diesen Bescheid überraschten Wähler �kein noch so heftiger Protest mehr. Aber auch bei Fehlern in den 'Personalienangaben kann eS einem Wähler sehr leicht passieren, daß «r von der Wahl zurückgewiesen wird. In Berlin wurde vor den letzten Stadtverordnetenwahlen, die im Herbst 1911 stattfanden, die Wählerliste von etwa 78 000 Personen kontrolliert. Es gingen über 3699 Einsprüche ein, von 'denen dann eine recht erhebliche Zahl als begründet anerkannt werden mutzte. In ziemlich 499 Fällen hatte das Wahlbureau des Magistrats irrige Personalienangaben zu korrigieren, für ziemlich 699 Personen ergab sich, daß ihre Forderung einer Aufnahme in die Wählerliste berechtigt war und ihr stattgegeben werden mußte. Die Möglichkeit, daß ein tatsächlich Wablberechtigter versehentlich aus der Gemeindewählerliste weg- gelassen wird, ist nicht gering. Sehr oft führt die unzutreffende ■ Annahme, daß man es mit einem.Schlafburschen" zu run habe, �zur Streichung aus der Gemeindewählerliste. Wer aber t nicht bloß die Schlafstelle gemietet hat, sondern jeder« zeit auch das Zimmer benutzen darf, ist nicht.Schlafbursche", fondern.Chambregarnist" und hat daher das Gemeindewahlrecht. Luch das Versehen ist recht häufig, daß irrtümlich angenommen wird, es fehle noch die Staatsangehörigkeit zu Preußen oder der mindestens einjährige Wohnsitz in der Gemeinde, die ja zur Auf nähme in die Gemeindewählerliste erforderlich sind. Werden solche Versehen rechtzeitig noch durch die Listenkontrolle festgestellt, so muß nachträgliche Aufnahme erfolgen. Manchmal ergibt sich auch, daß vermeintliche Steuerschuldner inzwischen ihre Schuld noch bezahlt haben und daher gleichfalls nachträglich in die Liste ausgenommen werden müssen. Nach den Erfahrungen der früheren Jahre kann man nicht dringend genug empfehlen, daß jeder die Gemeindewähler l i st e kontrolliert. Sie liegt an den von uns in Nr. 178 bekanntgegebenen Stellen aus, aber nur noch bis einschließ« lich 39. Juli, an den Wochentagen von nachmittags 3 Uhr bis 8 Uhr abends, am Sonntag von vormittags 19 Uhr bis 4 Uhr nach- mittags. Einsprüche können dort sofort angebracht werden. Nach dem 39. Juli werden keine Einsprüche mehr entgegengenommen. Partei- �lngelegenkeiten. Zweiter Kreis, Süden. Sonntag, 27. Juli, findet ein Familien« auSflug nach Grünau— Eichwalde statt. Treffpunkt Görlitzer Bahnhof früh 7Vz Uhr. 2. Kreis. Ein Kinderfest veranstaltet der Wahlverein heute— Sou n a b c n d— nachmittags B'/j Uhr, in Rißles Festsälen, Denne« Witzstraße 13, unter Leitung von Schöneberger Turnern. Märchen« «rzählunge» mit Lichtbildern dürften die Jugend besonders erfreuen. Vierter Wahlkreis. Die Mitglieder der Kinderschutzkommission veranstalten am Montag, den 28. Juli, ein Kaffeekochen. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr im Cafö Bellevue, Rummelsburg. Wilmersdorf- Halcnsee. Am Moutag, den 28. d. M., abends Uhr, findet die Mirgliederversammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Parteitag und Massen« streik. Referent: Genosse Joachim Klüß-Ncukölln. 2. Ersatz« Wohldes e r st e n Vorsitzenden. 3. Wahl der Delegierten für Kreis- und Verbandsgeneralversammlung. 4. Vereinsangelegen« heiten. Bezirk Mahlsdorf. Am Dienstag, den 29. Juli, im Lokal von Linke, Grunowslraße: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über.Volksfüriorge". Referent: Genosse Hanel. 2. Bericht vom letzlen Quartal. 3. Verschiedenes.— Gäste willkommen. Hermsdorf, Waidmannslust. Am Sonntag, den 27. Juli, findet ein Nachmittagsausflug statt. Treffpunkt pünktlich 1 Uhr: für Herms« darf Kaiserplatz, für Waidmannslust Schweizerhaus. Nöntgental, Zepernick, Buch. Sonntag, den 27. Juli, nach« mittags 5 Uhr: Frauenversammlung im Lokal des Herrn August Lange, Röntgental, Siemensstr. 9. Genossin Martha Arendsee, Lichtenberg, spricht über:„Bildung eines Frauenleseabends". Nach- dem Vortrag, gemütliches Beisammensein mit den Bernauer Ge- nossinnen. Zahlreiches Erscheinen aller Frauen und Mädchen oben- genaynter Ortschaften erwartet Die Bezirksleitung. Spandau. Morgen, Sonntag, früh 7 Uhr, findet für Spandau «nd Tiefwerder eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Die Ge- nassen werden ersucht, sich pünktlich in ihren Bezirkslokalen ein- zufinden. berliner I�admcdteu. Das Arbeitsloscngespenst. Immer näher kommt das Gespenst der Arbeitslosigkeit, ja es ist schon da!' Die Zahl der Arbeitslosen in Berlin ist augenblicklich eine solche, wie kaum je. Schon die Elendsparade, die all- täglich vor den Zeitungsfilialen, wo die Arbeitsangebote aus- gegebeil werden, auftritt, zeigt, daß die Scharen derer, die ohne Besckfästigung sind, von Tag zu Tag zunimmt. Man muß diese Aermsten sehen, wie sie in fliegender Hast das Jnseratenblatt überfliegen uitd dann wie ein gehetztes Wild davonjagen. Alte und Junge, Frauen und Männer, zu Hun- derten stehen sie, von Schutzleuten flankiert, alltäglich und hoffen und hoffen— ach, wie oft vergeblich! Noch schärfer tritt die Arbeitslosigkeit aber dort hervor, wo die freien Arbeitsstellen planmäßig vergeben werden: auf den Arbeitsnachweisen. Tort zeigt sich die Tragik des Men- fären, der sein einziges Gut. seine Arbeitskraft, zu Markte trägt und keine Käufer findet, der gesunde Hände und Mus- kein, der Kenntnisse und Fertigkeiten anbietet, die ihm nie- mand abnehmen will. Und dieses Bild in einer steten Wiederkehr, aufreizend und erschütternd, jeden Tag. jede Woche, immer, immer, eine stumme, lebendige Anklage von furchtbarer Wucht— wahrhaftig, die blasierten Dichter und zartnervigen Aesthetiker des Bürgertums, die sich immer mehr der Gottsucherei oder der Phantasterei ergeben, hier könnten sie das Leben packen, das zuckende, ringende, blutende Leben, könnten das Schicksal, den Verzweiflungskampf einer ganzen Klaffe erfafsen und modeln und formen, könnten Werke schaffen, die Ewigkeitswert trügen! Aber so. ach nein— der Schweißgeruch der Arbeit, der dumpfige Odem der Armut— nichts für uns! In langen Zügen schieben und drängen sich morgens die Arbeitsuchenden vor den Nachweisstellen. Groß ist der An- drang vor dem paritätischen Nachweis in der Gormannstraße 13. Den unerfreulichsten Zuspruch hat das Vcrmitte- lungsbureau der Holzarbeiter aufzuweisen. Die Holz- industrie hat geradezu furchtbare Nöte durchzumachen in diesem Jahre. 5lX)0 registrierte Angehörige dieses Berufes feiern unfreiwillig, lOOOft arbeitsfreudige Hände müssen untätig verharren, ganz abgesehen von jenen, die„wild" um- hergehen und von der Statistik nicht erfaßt werden. Ein Arbeitsvermittler erklärte uns. daß eine solche Ar- beitslosigkeit seit Bestehen des paritätischen Nachweises noch nicht zu verzeichnen war. In der schlimmsten Zeit, zu Weih- nachten, waren in sonstigen Jahren höchstens bis zu 4000 eingeschrieben. Selbst in der schweren Krise von 1908 be- trug die Höchstzahl nur 3500. In diesem Jahre waren zu Weihnachten auch ungefähr 4000 Arbeitslose vorhanden. In allen Jahren ging nach Weihnachten die Zalzl herunter bis auf 1500. In diesem Jahre hat die Schar der Arbeitslosen steigend zugenommen. Im April waren es bereits 4000, im Mai gar 4600. jetzt sind es 4700, wozu noch 300 kommen, die ihren eigenen Nachweis im Verbandsgebäude in der Runge- straße haben. Es sitzen Leute inr Nachweis, die schon zehn Wochen warten. Die Möbeltischler, die sonst in 3 Wochen Arbeit fanden, müssen jetzt 8 bis 12 Wochen sitzenbleiben. Noch schlimmer steht es mit den Bautischlern. Diese harren 12 bis 16 Wochen dem Segen der Arbeit entgegen, manche auch noch länger. Und bei ihnen— das ist das traurigste an der Sache— wiederholt sich diese Arbeitslosigkeit und Wartezeit zwei-, dreimal im Jahre! Die Arbeiten auf den Bauten müssen nämlich in 6 Wochen fertig sein und damit hat für die Bautischler die Herrlichkeit auch ein Ende— der Kreislauf beginnt von neuem. Und was die Lage noch ver- fchlechtert, ist der Uinstand, daß höchstens die Hälfte aller Arbeiten in Berlin hergestellt werden, das andere wird aus der Provinz geliefert. Sind doch selbst die Tischlerarbeiten für das Schö neberger Rathaus zumeist außerhalb. in Mecklenburg, hergestellt worden. Die Holzindustrie leidet ganz besonders unter einem starken Zuzug von Arbeitskräften aus den Provinzen, die alle, sobald sie einmal hier angelangt sind, nicht mehr ab- reisen wollen. Für diese ist es außerordentlich schwer, hier Arbeit zu finden, da in den besseren Geschäften nur leistungsfähige, eingearbeitete Leute eingestellt werden. Sie kommen dann allenfalls in„Bruchbuden" unter, wo sie zu den miserabelsten Löhnen arbeiten müssen. So wächst das Elend zur Ricsengröße an. Selbst die besten Kräfte, Künstler in ihrem Fach, finden keine Arbeit. der Nachweis ist nicht imstande, Stellen zu verinitteln. Neben dieser großen Schar Arbeitsloser sind noch etwa 1000 kranke Mitglieder des Holzarbeiterverbandes vor- handen. Der Deutsche Holzarbeiterverband zahlt schon seit langer Zeit wöchentlich 18 000 bis 20 000 M. Arbeitslosen- Unterstützung aus. Im zweiten Quartal dieses Jahres sind die gesamten Einnahmen verbraucht und 112 000 M. Gut- haben von der Bank abgehoben worden. Diese Zahlen geben zu denken! Sie reden eine erschüt- ternde Sprache. Welche Unsumme von Not und Elend ver- birgt sich dahinter. Der Fundus an guten Eigenschaften in der deutschen und speziell in der Berliner Arbeiterschaft muß ein sehr starker sein, sonst müßte angesichts solcher Zu- stände die Kriminalität erschreckende Formen annehmen. Jedenfalls hat die Arbeitslosigkeit in Berlin eine Stufe erreicht, wo ein Halt gemacht werden muß— so oder so! Dieses Elend wächst zu einer sozialen Gefahr aus. In der bürgerlichen Welt lebt und genießt man von dem Segen, den Tausende von fleißigen Händen in guten Zeiten zutage gefördert. Jetzt, da die Geschäftslage niederliegt, darben die Erzeuger des Reichtums im größten Elend. Als vor einiger Zeit ein bekannte Klavierfabrikant Bankrott machte, schrieben bürgerliche Blätter, er habe sehr einfach gelebt und für seine Privatbedürfnisse nur 45 600 M. im Jahre verbraucht. Wenn solche Lebeusansprüche„bescheiden" genannt werden, sollte man meinen, daß auch dem Arbeiter eine auskömmliche Exi- stenz zu sichern wäre und Mittel und Wege geschaffen würden, um ihn vor Wochen- und monatelanger Arbeitslosigkeit zu schützen. Es ist dringend notwendig, daß Staat und Kommune genötigt werden, diesem grausigen Zustande abzuhelfen. Der Schrei der hungernden Massen wird nicht eher verstummen, bis Abhilfe geschaffen ist!___ Auf der neuen Nntergrunddahnstreckc Alexanderplatz-Nordring ist der Probebetrieb in vollem Gange. Die vom Westen kommenden Züge fahren über die Slation Alexanderplatz hinaus, halten unter- wegs fahrplanmäßig und setzen auf dem Ausziehgleis an der Carmen- Sylva-Straße um. Alle fünf Miuuten trifft hier ein Zug ein, der dann auf der Abfahrtseite des Bahnhofes abgefertigt und am Alexanderplatz wieder in den regelreckten Betrieb zurückkehrt. Eine Fahrt über die neue Strecke ist recht interessant. Nachdem der Zug sich im schnellen Tempo durch das ehemalige Scheunenviertel gewunden und die gelbgeschmückte Haltestelle„Schönhauser Tor" Verlaffen hat, wendet er sich in einer 8-Kurve zur Schönhauser Allee und steigt unter dieser rasch zum„Senefclder Platz" empor. Dieser mit seiner blauen Kennsarbe reckt vornehm ivirkende Bahnhof liegt in der Horizontale. Hinter ihm steigt die Strecke wieder und bald sehen wir vor uns ein hellerleuchtetes Viereck, das Ende des Tunnels an der Franseckistraßc, von dem die Rampe zur Hochbahn emporsteigt. In wenigen Minuten befinden wir uns wieder in der goldenen Freiheit auf luftiger Bahn. Die Fahrt vom Spittelmarkt dauert 12 Minuten, vom Alexanderplatz bis Nordring 7 Minuten. Für den Frühverkehr (bis 8 Uhr vormittags) dürfte die neue Strecke von Bedeutung werden. Die Fahrt über acht Stationen(Nordring— Hausvoigtei« platz oder Danziger Straße— Friedrichstraße koster nur 19 Pf. Sonntag früh 5 Uhr 7 Minuten wird der erste Hochbahnzug vom Nordring abgehen und damit eine langersehnte Schnellverbindung zwischen Innenstadt und Norden verwirklicht werden. Irrfahrten eines staatsretterischen Rechtsanwalts. Mitte vorigen Jahres schüttelte der bekannte antisemitische Rechtsanwalt Paul Bredereck den deutschen Staub von den Pan« toffeln. Jahrelang hatte Bredereck in den höchsten Tönen gegen die vaterlandslose Sozialdemokratie gewettert und sich alS treueste Staatsstütze in empfehlende Erinnerung gebracht. Das brachte auch geschäftlichen Gewinn. Mancher vertraute ihm die Führung seiner Prozesse an und in Mündelsachen hatte Bredereck großes Vertrauen. Aber der Mann hatte feine Passionen, die viel Geld ver- schlangen, so daß er sich auch an den ihm anvertrauten Geldern vergriff und selbst nicht zurückschreckte, von der für Ergreifung des Kassen- defraudanten Haase ausgesetzter Belohnung sich Geld anzueignen. Bredereck, dem nun der Boden.unter den Füßen zu heiß geworden war, machte sich unter Hinterlassung erheblicher Schulden so schnell wie möglich aus dem Staube, um dem Arme der von ihm so sehr gerühmten deutschen Gerechtigkeit zu entgehen. Er entfloh aus dem geliebten deutschen Vaterlande und zog dos Ausland vor. Bredereck hat schon manche Irrfahrt ge- macht, ohne den Boden zu finden, der ihm sicher dünkt. Im Oktober vorigen Jahres logierte im Hotel Albion in Sao Paulo in Brasilien ein Mann namens P. Bilgram, der sich als Korrespondent der„Täglichen Rundschau" ausgab. Bilgram muß aber bei dieser Tätigkeit— ob wirklichen oder eingebildeten sei dahingestellt— keine Seide gesponnen haben und so mußte er sich eines schönen Tages entschließen, Sachen zu verkaufen, um zu Geld zu kommen. Bei diesem Verkauf kam Bilgram aber böse in die Zwickmühle. Es wurde nämlich im Ueberzieher der ganze Name des Verkäufers entdeckt: Paul Bredereck. Um sich der Festnahme zu entziehen, drückte sich der Korrespondent der»Täg- lichen Rundschau" schleunigst. Bald daraus tauchte Bredereck in Coediva(Parana) auf, wo er in Gemeinschaft mit einem anderen Deutschen einen— Blunrenladen eröffnete. Rechtsanwalt Bredereck als Blumenhändler! Zu was es doch so ein judenfresserischer Rechtsanwalt noch bringen kann! Ob er in seiner Eigenschaft als Blumenhändler und bei seiner Scheu vor den roten Sozialdemokraten und vor der roten Farbe rote Rosen verkauft hat, konnten wir leider nicht erfahren. Aber auch als Blumenhändler konnte Bredereck keine Karriere machen. Weil die Polizei ihm auch hier auf der Spur war, ver- duftete er sehr schnell und wandte sich nach einem anderen Ländchen, wo er glaubt, unter allen Umständen vor den Häschern sicher zu sein. Ein wenig beneidenswertes Los, was diese ehemalige Staats- stütze, die königstreu bis auf die Knochen war, sich erwählt hat! Ein Fall voll schwarzen Pocken in Berlin. In der königlichen Charits ist gestern ein Fall von schwarzen Pocken festgestellt worden. ES handelt sich um eine b4jährige Wäscherin Wilhelmine Friedmann aus der Reichenberger Str. 74. Frau F. war vor einigen Tagen plötzlich erkrankt, nahm aber erst am Donnerstag Hilfe in Anspruch. Auf Veranlassung des be- handelnden Arztes wurde die Patientin mittels Krankenwagens nach der königlichen Charits gebracht. Eine genaue Umersuchung des Aerztekollegiums bestätigte hier den Verdacht des be- handelnden Arztes; es lvurd'e festgestellt, daß die Wäscherin an den schwarzen Pocken erkrankt war. Es wurden sofort umfangreiche Vorsichtsmaßregeln getroffen, um der Gefahr der Ver- breitnng der gefährlichen Seuche vorzubeugen. Die Kranken des Pavillons, in dem die F. zunächst Unterkunft gefunden hafte, wurden sofort geimpft und auch die Mieter des Hauses Reichenberger Stt. 74. mit denen Frau Friedmann in Berührung gekommen war, mußten sich der Schutzimpfung unterziehen. Das gleiche geschah mit den Transportenren; diese wurden zur Beobachtung in der Charits zurückbehalten.— Zu Befürchtungen liegt keine Veranlassung vor. Es sind alle erdenklichen sanitären Maßnahmen getroffen worden, um jede Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Der Zustand der F-hat sich bereits etwas gebessert._ Beraubung durch einen als Frau verkleidete« Mann. Eine überraschende Aufklärung fand eine Raubaffäre, die sich auf dem Gesundbrunnen abgespielt hat. Der Kupferschmied Willy L. in der Ramlerstraße lernte Donnerstagabend beim Spazierengehen in der Badstraße eine elegant gekleidete Frauensperson kennen. Er besuchte mehrere Bierlokale mit ihr und in vorgerückter Nachtstunde suchten die beiden den Brunnenplatz auf. Hier wurde die hübsche Begleiterin des L. überaus zärtlich. Sie beteuerte ihm ihre Liebe und fiel dem Geliebten stürmisch um den Hals. Als L. nach einiger Zeit sich wieder von der Bank erheben wollte, machte er eine un- angenehme Entdeckung, sein Portemonnaie, das 83 M. enthalten hatte, war spurlos verschwunden. Niemand anders konnte es geraubt haben als die holde Begleiterin, die noch wenige Minuten vorher die Liebesbeteuerungen ausgestoßen hatte. L. rief einen Schutzmann herbei, und bei einer Leibesvisitafton sollte es eine eigenarttge Ueber- raschung geben. Die„Geliebte" des L. war keine Frauensperson. sondern ein junger Mann, der 24 Jahre alte„Gelegenheitsarbeiter" Paul Peters aus der Bernauer Straße. Auch das vermißte Porte- monnaie des L. fand man bei P. vor. Der Dieb gab zu, daß er sich absichtlich mit Frauenkleidern versehen habe, um auf diese Weise der Unzucht nachzugehen. Der junge Mensch war bei dem Um- Wandlungsakt vom Mann zur Frau so raffiniert zu Werke gegangen, daß ihm niemand angesehen hätte, daß sich unter der Frauenkleidung eine Mannsperson verbarg. Er hatte„in jeder Beziehung" dafür gesorgt, daß man ihn für eine Frau hielt. Zweifellos hat B. seine als Frau verkleideten nächtlichen Streifzüge zu dem Zweck aus- geführt, um dabei auf Raub auszugehen. Er wurde ins Polizei- Präsidium eingeliefert. Schreckensfahrt in einer Trauerkutsche. Große Aufregung verursachte am Donnerstag ein durchgehendes Trauergefährt in der Müllerstraße. Eine nnt vier Personen besetzte Trauerkutsche befand sich auf der Fahrt nach dem Begräbnisplatz in Reinickendorf. An der Kreuzung der Ofener Straße brach plötzlich die Wagendeichsel, so daß die Pferde scheuten und durchgingen. In wilder Karriere rasten die Tiere den Damm entlang. Die Straßen- Passanten flüchteten entsetzt auf die Bürgersteige. Schließlich fuhren die Tiere gegen einen Baum, der wie ein Strohhalm geknickt wurde und umbrach. In der Scharnweberstraße streß der Wage« gegen ein Arbeitsfuhrwerl, und erst jetzt konnte das Gespann zum Hatten ge- bracht werden. Von den Insassen, deren sich eine Panik bemächtigt hatte, wurden zwei Damen in bewußtlosem Zustand aus dem Wagen herausgehoben; sie hatten einen Nervenchok erlitten, während die anderen Beteiligten mit dem Schrecken davon kamen. Der große Juwelendiebstahl, der in einer Grunewald-Villa während einer Festlichkeit ausgeführt worden ist, ist allem Anschein nach von einer weiblichen Person ausgeführt worden. Um 7 Uhr abends betrat eine Frauensperson in der Tracht eines Dienst« mädchenS die Villa und verließ sie bereits nach zehn Minuten. Sie trug eine schwarze Handtasche, ist von mittelgroßer, kräftiger Figur, dunkelblond, mit blassem schmalen Gesicht und war bekleidet mit dunklem Rock, heller Bluse und weißer Tändelschürze. Sie trat äußerst sicher auf und schien mit den örtlichen Verhältnissen vertraut zu sein. Die Annahme, es könnte ein ftüheres Dienst« niädchcn des Billenbejitzers zu fein, scheint aber entgegen der ur- sprünglichen Annahme nicht zuzutreffen. Die Zeugen, die das Mädchen gesehe» habe«, nah»«» a«. es sei eme neue Bedienstete des Hause». Die Diebin entfernte sich mit ihrer Beute nach dem Bahnhof Wald zu. Eine Priigelszene vor dem Gewerbegericht. Während einer Ber Handlung kam es vor dem Gewerbegericht in Leipzig zu einer Prügelszene. Der Geschäftsführer eines Cafes, der von einem Kellner verklagt worden war, versetzte dem Kläger plötzlich einen Schlag ins Gesicht, entriß ihm den Spazrerstock und schlug plötzlich auf den Kopf des Kellners los. Der Gerichtsdiener schritt erst nach wiederholter Aufforderung ein und erstattete Strafanzeige. Opfer deS BerkehrS. Die 45 jährige, Petersburger Straße 85 wohnende Haushälterin Margarete Munkel lief Donnerstag nach« mittag in der Holzmarktswaße unachlsamerweise gegen einen rad- fahrenden Monteur, kam zu Fall und blieb besinnungslos liegen. Ein Schutzmann brachte die Verunglückte nach der Rettungswache 13 und dann nach der Charitö. Dort ist die Frau im Laufe des Abends gestorben.— Am Donnerstagabend wurde die 73 Jahre alte Witwe Auguste Dietze vor ihrer Wohnung Potsdamer Str. 134a von einem Straßenbahnwagen der Linie B umgestoßen und eine Strecke mit« geschleift. Auf der Rettungswache stellte der Arzt einen Bruch des linken Fnßknöchelgelcnks und Verrenkungen der linken Schulter fest, die die Aufnahme ins Elisabeth-Krankenhaus erforderlich machten.— Nach Mitternacht fuhr der Kraftwagen I A 6405, in dem der Ober- leutnant a. D. W. Kraatzer aus Schöneberg und der Ingenieur F. Hanel aus Schlachtensee saßen, übermäßig schnell über den Königsplatz und rannte beim Einbiegen in die Fricdcnsallee gegen einen Bauin. Hanel wurde auS dem Wagen geschlendert und erlitt einen doppelten Bruch deS linken Unterschenkels. Er fand Aufnahme in der Charits. Beim Sommcrfcst deS 4. Wahlkreises in Mcntes VolkSgarten ist eine kleine goldene Damenuhr ohne Kette mit Monogramm F. S. verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, dieselbe im Bureau des' Wahlvereins, Stralauer Platz 1/2, oder bei W. Schulz, Pettenkoferstr. 11, Laden abzugeben. Ueber Vorort- l�admcbten. „Möglichkeiten und Grenzen des Parlamentarismus" Genosse Konrad Haenisch in der außerordent- Generalversammlung des Wahlvereins Reinicken« referiert? lichen dorf»Ost. Redner führte etwa folgendes aus: Die Arbeiterbewegung be- finde sich zurzeit in Groß-Berlin wie in vielen anderen Gegenden Deutschlands im Zustande einer gewissen Stagnation. Partei und Gewerkschaften könnten ihre Mitgliederzahlen nicht erhöhen, der Abonnentenstand einer Reihe von Parteiblättern und auch des„Vor- wärts* sei bedauerlicherweise zurückgegangen. Wenn eine lebenS- kräftige und kampfesgewohnte Bewegung in eine derartige Stockung gerate, sei es geboten, den Ursachen nachzuspüren. Stillstand be- deute hier mehr als anderswo Rückgang. Zur Erklärung dieser Stimmung'deS Mißmuts weist Redner zunächst auf die Vorgänge im Reichstage hin, die eine tiefe Ent- täuschung in weiten Arbeiterkreisen hervorgerufen hätten: noch nie- malS sei einem Parlament eine so ungeheuerliche Militärvorlage unterbreitet worden und noch niemals lei eine Militärvorlage so ohne jede ernste Schwierigkeit Gesetz geworden wie in diesem Reichs- tage der 110 Sozialdemokraten. Sodann habe der Ausfall der preußischen Landtagswahlen weite Parteikreise mit Mißmut erfüllt. Aber aus dieser Stimmung des Pessimismus, die für eine revolutionäre Bewegung geradezu ein schleichendes Gift bedeute, müsse die Partei unter allen Umständen herauskommen. Man habe vielfach das, was auf rein parlamentarischem' Boden für die Arbeiterklasse erreicht werden könne, gewaltig überschätzt und verfalle nunmehr, da sich diese überschwenglichen Hoffnungen nicht verwirk- lichen konnten, in das andere Extrem einer nicht weniger verkehrten Verzagtheit. Deshalb müsse man sich einmal klar darüber werden, was der Parlamentarismus.überhaupt leisten kann und welche Grenzen ihm in der bürgerlichen Gesellschaft ein für allemal ge« steckt seien. Redner untersucht nun eingehend, wie außerordentlich viel die Arbeiterbewegung der Beteiligung an de» Wahlen und der Be- tätigung im Parlament besonders in Deutschland zu verdanken hat und wie Jahrzehnte hindurch der Parlamentarismus geradezu unfer vornehmstes Kampfmittel war. Besonders groß war seine Wirksam- keit in der Aufrüttelung der indifferenten Massen. Aber ebensowenig wie die Gewerkschaften und die Konsumgenossenschaften trotz aller ihrer unbestreitbaren hohen Bedeutung in der Lage seien, den Rahmen der kapitalistischen Wirtschaftsweise zu sprengen, ebenso- wenig vermöge das auch der Parlamentarismus. Gegenüber so ge- waltigen, aus dem tiefsten Wesen deS Kapitalismus heraus ge- borenen Erscheinungen, wie sie der Imperialismus und die inter- nationale Teuerung bedeuten, versage der bürgerliche Parlamen- tarismuS vollständig. Er könne nicht über seinen eigenen Schatten springen. Und jetzt sei die Arbeiterbewegung so er- stärkt, daß sie in der Lage sei, ihre alten Kampfmittel nicht etwa zu ersetzen, wohl aber zu ergänzen durch neue Methoden deS Klassen- kämpfe«. In der Offensive, in die wir jetzt eingetreten sind, im Kampf um neue Machtpositionen, reicht der Parlamentarismus f ü r sich allein nicht mehr auS. Redner erörtert nun im einzelnen die außerparlamentarischen Kampfmittel, besonders die Straßendemonstrationen und den Massen- streit. Auch den Straßendemonstrationen und ihrer Wirksamkeit,_ so bedeutend sie ist, sind gewisse Grenzen gesetzt. Das hat sich 1S10 deutlich gezeigt. Schließlich gewöhnen sich die Machthaber auch daran, wie sie sich längst an unsere Protestversammlungen und Protestresolutionen gewöhnt haben. So werden die Demonstrationen schließlich gipfeln müssen im M a s s e n st r e it, der ober nur dann ein erfolgreiches Kampfmittel sein kann, wenn er mit un- widerstehlicher Gewalt aus den Massen des Proletariats selbst hervorbricht. Ein Massenstreik, in den die Arbeiter erst mühselig hinein- getrieben werden müssen, ist von vornherein verloren. Im übrigen dürfen wir uns nicht darüber täuschen, daß, wenn es in Deut,ch- land einmal zum Massenstreik kommt, wrr, im Gegensatz zu den Kämpfen in Belgien und auch in Rußland, die ganze bürgerliche Welt als eine geschlossene und zum Aeußersten entschlossene Masse gegen uns haben werden. Deshalb dürfe man mit dem Gedanken von dem Massenstreik nicht spielen und ihn sich nicht als eine beliebig hervorzu- holende und beliebig wieder fortzustellende Waffe vorstellen. W a n n der Massenstreik kommt, das hängt nicht nur von uns, sondern noch mehr von der allgemeinen politischen Entwickelung ab. Möglich, daß äußere Ereignisse, die Kämpfe um die neuen Handelsverträge und die Gestaltung der Dinge in Preußen in ihrem Zusammen- wirken früher als wir alle heute denken-ine Situation herbeiführen, aus der der Massenstreik allgewaltig hervorwächst. Sorgen wir schon heute dafür, daß dann auch> o l ch e Arbeiterschichten bereit sind, in den Kampf zu treten, ohne die ein siegreicher Massen- streik ganz undenkbar ist und auf die wir heute für solchen Kampf noch nicht mit Sicherheit zählen können, wie die Massen der Berg- leute, der Landarbeiter, der Verkehrsarbeiter, der Buchdrucker. Machen wir die Massen vertraut mit dem Gedanken an die komnienden Kämpfe— das ist alles, was wir im Augenblick tun können. Bereit sein, ist alles! � In der Diskussion betonten eine Anzahl Genossen ihren PessimiS- muS in bezug auf das Gelingen eines Massenstreiks, andere aber auch ihre Siegeszuversicht und die Notwendigkeit einer baldigen Inszenierung eines Massenstreiks. Genosse Andreas erstattete sodann den Bericht de? BildungS- auSschusseS, der in der letzten Generalversammlung der vorgerückien Keit wegen zurückgestellt werden mußte. Er ging eingehend auf die vorgebrachten Beschwerden ein und wies nach, daß dem BildungS- ausschuß Vorwürfe nicht gemacht werden können. In der Debatte betonten alle Redner die Notwendigkeit, die Bildungsbestrebungen der Partei mehr als bisher zu unterstützen. Es«folgte nunmehr die Wahl von 11 Genossen m den BildungSausschuß und die Be- stätigung von drei neugewählten BezirkSsührern. Charlottenburg. Die Generalversammlung des WahlvereinS nahm am Dienstag einen Vortrag des Genossen Zempelburg über:„BildungS- bestrebungen in der Jugendbewegung"' entgegen. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referates und gipfelte in der Annahme folgenden Antrages zum Parteitag:„Der Parteitag hält die Ge- winnung der Jugend von 18—21 Jahren für eine dringende Not- wendigkeit. Zu diesem Zweck sind an allen Orten sozialistische Jugeiidorganisationen zu gründen, die zur Aufgabe haben, die Jugend in diesem Alter mit de» Ideen der Sozialdemokratie vertraut zu machen." Als Delegierte zur Kreisgeneralvcrsammlung wurden gewählt die Genossin Knobbe und die Genossen Schiller. Stier, Bade, Seifert, Böhla und Casper. Hierauf gab Genosse Seifert den Kassenbericht vom letzten Vierteljahr: Einnahmen 2639,44 M., Aus« gaben 2209,62 M. Es blieb ein Ortsbestand von 479,82 M. Ein Antrag des Gastwirts Bcrthold um Aufnahme in den Wahlverein wurde zurückgewiesen, weil sein Verhalten, auch bei der letzten Landtagswahl, die Aufnahme nicht recktfertige. Das Mitglied Köppen ist wegen seines Verhaltens bei derselben Wahl gestrichen. Der Genosse Heinrich Schulz erklärt seinen Austritt aus dem Wahl- verein. Schluß 11'/� Uhr. Weihensee. Eine Mitgliederversammlung des WahlvereinS tagte am DienStag ii? der Bergbrauerei. Genosse Ströbel referierte über das Thenia Partei und Gewerkschaft", wobei er auch die jetzt aktuelle Massen- streikfrage behandelte. Die Debatte bewegte sich in zustimmendem Sinne. Genosse Gründlec streifte hierauf kurz die provisorische Tagesordnung des Parteitages in Jena und brachte eine vom Bor- stand ausgearbeitete Resolution zur Maifondsfrage zur Verlesung, in der der Parteiausschußvorschlag verworfen und gefordert wird, die ursprüngliche Forni des Nürnberger Beschlusses wiederherzustellen. Der Antrag wurde gegen 2 Stimmen angenommen. Als Parteitags- delegierten wurde Genosse Andree einstimmig vorgeschlagen. Hierauf beschäftigte man sich mit einer Anzahl Parteigenossen, die bei der verflossenen Landtagswahl ihr Wahlrecht nicht ausgeübt hatten. Eine Anzahl erhielt eine ernste Verwarnung, gegen 5 Parteigenossen mußte ein Ausschlußantrag beim Krcisvors'tand anhängig gemacht werden. Zum Schluß wurde auf den Fußballklub 1900 aufmerlsam gemacht, der auf dem Sportplatz in der Lichtenberger Straße spielt und der dem Jungdeutschlandbund an- gehört. Arbeiter sollten nicht zu den regelmäßigen Besuchern des Sportplatzes gehören. Kirchcnsteiier-Erhöhullg in Sicht! Die hiesige evangelische Kirchen- gemeinde kann ihren Etat nicht mehr im Gleichgewicht halten und muß mit den Einnahmen sehr haushälterisch sein. Ihre Steuern läßt die Kirche der Einfachheit und Billigkeit wegen von der Ge- nleinde einziehen, diese hat bisher dafür'vier Prozent des Steuer- solls erhalten und verlangt nunmehr von diesem Jahre ob sechs Prozent. Diese sechs Prozent Abgabe bezw. die zwei Pro- zent Erhöhung kann die Kirchenkasse nicht ertragen, denn das veranschlagte Einnabmesoll bleibt in jedem Jahre immer mehr zurück, in den letztvergangenen Jahren sind Ausfälle von 3000 bis 7000 Mark zu verzeichnen. Die Gemeinde will aber von ihren 6 Proz. Entschädigung nicht abgehen und eS ist nicht rnisgesiblosseii. daß deshalb die Kirchensteuer eine Erhöhung erfährt. Die katholische Kirchengemeinde hat für die Erhebung ihrer Steuern bisher stets 5 Proz. an die Gemeinde entrichtet, also 1 Proz. mehr als die evangelische, hat aber wegen der Erhöhung aus eben- falls 6 Proz. keinen Einspruch eingelegt. Da das Einziehen der Kirchensteuern durch die Gcmeindekasse immer noch trotz der Er« höhung der Abgabe eine vorteilhafte Sache für die Kirche ist, wird sie sich in das Unvermeidliche fügen müssen, aber die Kosten werden die Kirchensteuerpflichtigen zu tragen haben und zwar in Gestalt einer Erhöhung der Kirchensteuer, und da man einmal bei der Er- höhung angelangt ist, werden� die mehr geforderten 2 Proz. nicht ausreißen, zumal ständige Ausfälle zu verzeichnen sind, die sich in jedem Jahre nach den bisher gemachten Erfahrungen steigern. Wer sich also gegen solche Maßnahmen schützen will, muß wissen, waS er zu tun hat. Spandau. Die schweren Beschuldigungen gegen hiesige Stadtverordnete, die der wegen Veruntreuung verurteilte Jngenicnr Speck in einer Gerichts- Verhandlung vor dem Berliner Landgerichl III erhoben hatte, haben hier begreifliches Aufsehen erregt. SP., der längere Zeit die Generalver« tretung der Asphaltwerke Eniil Köllner-Leipzig für Berlin innehatte, die mehrere Arbeiten für die Stadt Spandau ausfühiten, hatte bekanntlich behauptet, daß er mehrere hiesige Stadtverordnete und Beamte mit Champagner und auserlesenen Soupers traktiert habe, um sie für Aufträge'an seine Firma günstig zu stimmen. Unsere Stadtverordnetenfraklion wird in der nächsten Stadtverordnetenver- sammlung eine Interpellation einbringen, die dahin geht, daß gegen Ingenieur Speck Strafantrag wegen Beleidigung gestellt wird, um ihn zur Namennennung der betreffenden Stadtverordneten zu zwingen. Außerdem ist von mehreren Stadtverordneten an den Stadt- verordnelenvorsteher folgender Antrag eingereicht worden: � „Durch die Presse ist in dem Prozeß gegen den Ingenieur Speck die Nachricht verbreitet worden, daß Spandnucr Stadt- verordnel- und Beamte bei Ausführung städtischer Arbeiten Zu- Wendungen erhalten baden. Zur Unlersuchung dieler Anklagen beantragen die unterzeichneten Stadrverordneten beim Magistrat die Einsetzung einer gemischten Kommission."(Folgen Unterschristen.) Es ist dringend erforderlich, daß Licht in diese mysteriöse An- gelegenheit gebracht und erforderlichenfalls mit eisernem Besen Auskehr gehalten wird. Im Noten Adler— Pächter Leichter— der für organisierte Arbeiter gesperrt ist. findet beule abend ein Rosenfest statt, zu welche», auch in Arbeiterkreisen BillettS zu vertreiben versucht werden. Es ist streng darauf zu achten, daß organisierte Arbeiter dem Feste fern- bleiben. Wer uns sonst zu Versammlungen nicht haben will, der muß auch die Arbeiter missen, wenn eS gilt, bei Vergnügungen Ge- schäfte zu machen.______ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindeverttetnngen. Treptow. Sonnabend, den 26. Juli, abends V Uhr, im Rathause. Diese Sitzungen sind ösicnllich. Jeder Ecmeinvcangchörige iß be- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Vemntwv::. icher Rebokteur: Alfred Wieiep», Neukölln. Für den Hus aller Welt. Leichenbergung auf Zeche Karolns Magnus. AuS Aachen wird vom Freitag gemeldet: Den RettungZ- arbeiten ist es endlich gelungen, die über zehn Meter hohen Erd- massen, die über den verunglückten 14 Bergleuten der Zeche KaroluS Magnus bei Urbach lagern, soweit abzubauen, daß heute in srüher Morgenstunde eine Leiche geborgen werden konnte. Man hofft, die Leichen der übrigen im Laufe deS heutigen TageS bergen zu können. Nach weiteren Meldungen wurde noch eine zweite Leiche zutage geschafft. Beide bisher aufgefundenen Leichen wiesen schwere Ber- letzungen auf.___ Neue große Ueberlandflüge. Auch für die deutsche Fliegerei scheint jetzt das Eis ge- brachen zu sein. Jedenfalls haben die deutschen Flieger in den letzten Tagen— seit Leutnant Jolys Rekordflug Köln- Königsberg— mehr geleistet, als seither in Jahr und Tag. Nachdem I o l y am Donnerstag niit Passagier von Danzig nach Johannisthal(440 Kilometer) geflogen war, hat er am Freitag die Strecke von Johannisthal nach Köln (500 Kilometer) zurückgelegt. Binnen vier Tagen hat er also eine Strecke von weit über 2000 Kilometer durchflogen.— Aber auch Hirth hat wieder einmal eine Probe seines Schadenersa�llicht'dcs'OouSwirtS liegt miseeei Erachtnis nur B. — �~wrua)™0. i- h.m fraglichen Grundstück war. AndernsallS dann vor. wenn die Dame Mieters w dem sraMchen war. Andernsalls V»Z S« JA™' Tai Urteil wird einen Monat nach Zustellung rechlskrästig.— A. N'•>(> l D« Wwt h°- SM wenn Sie Zt-in-n° Vertrag mach."' o«tr 81/82 und Ehrenbergstr. 24.— vier rre»»en — Fatzr stuhl—, wochentSglich von SP, US Uhr»ienh«,«»»uadenh», h-n 4"4»>» 6 Uhr abend« statt. Icder für den Vrirflafien»cftimmten«afr-ae ist rw«nchstade mtd etne Zahl all Merkzeildra druaf 8tn- Briefliche Antwort 1. u. 2. Nein.- M. in Nr 183 erteilte Auskunft ist zutreffend{§ 247 RcichSftrafaei'enbuckt— Bennewitz. Tegeler Str. 1. u. 2. Nein.- W. m« in imUEU 3�« Darstellung erkennen laßt, liegen Scheidungsgründe leider nM v?r Soweit solche vorhanden waren, find sie anscheinend verjährt ES ist daher allerdings sur den Fall, daß Sie sich trennen und da« Kind milncbmen,»u besürchte«, datz eine Klage Ihres Ehemannes aus HeraÄaabe de« MndeS Ersolg haben wurde-(lhl. 53. Einwilligung der lfinu ist nicht erforderlich.~ie Kinder find durch die Verheiratung ehelich&b«n Sie»�»ch-n nur betm G-�deSam. die Be. nchtigung des PcnonenstandS«aistcrS � ff. lo. ir.189. 30. Jahrg. KMs-SkilUt des„MmärK" für N«ri>m-KßK 26. Juli IM. 24. Juteruntiliuliltr Kergurbttterkongreß. Vierter Tag. Karlsbad. 24. Juli 1913. Die Beratung über Kollektivverträge und Mimmallohn wird fortgesetzt. Cad ot. Frankreich schildert die Kniff- der Unternehmer, die den Minimallohngedanken der neuen Arbeitsverträge illusorisch machen; deshalb fordert ein sozialistischer Antrag in der Kammer den individuellen Minimallohn, durch Kommissionen festgesetzt und durch Geldstrafen geschützt. Die nordfranzösischcn Kontrakte sichern dem seit 39 Jahren beschäftigten und 55 Jahre alten Bergarbeiter eine Altersrente, die eingeklagt werden kann. Es haben die Ge- richte entschieden, daß ein solcher Arbeiter, wenn er kurz vor dem 55. Jahre entlassen wird, auch bezugsberechtigt ist, daß die Dienst- zeit bei nicht mehr bestehenden Gesellschaften einbezogen wird und daß eine Aufrechnung von Alters- und Unfallrenten gegcnein- ander nicht stattfinden darf.(Beifall.) E l fe r s- Holland: Wir haben dasselbe schwankende Lohn- shstem, je nach der Konjunktur, wie in Deutschland. Nur auf der StaatSgrube besteht ein Normallohn für diejenigen Arbeiter, die das Gedinge nicht annehmen. Auf den Privatgruben erhalten sie in diesem Falle nur zwei Drittel des Durchschnittslohns wie in �Deutschland. Minimallöhnc für die StaatSgrube lehnt die Re- gierung damit ab, daß sie dann nicht rentieren würde. Indessen �produziert dort jeder Arbeiter pro Tag 699 Mark! Ein Mindest- lohn von 3 fl.— 5 M. würde die Staatsgrube noch gut rentieren lassen.(Beifall.) Sta n l e y- Großbritannien: Bei uns besteht seit langen Jahren das System der Regelung der Löhne durch fünf paritätische Einigungsämter, wovon dem füe Mittelengland zwei Fünftel aller britischen Bergarbeiter unterstehen. 1915 laufen die Tarife ab und da wollen wir all« Cinigungsämter verschmelzen. Nur auf unsere Organisationstreue sind unsere Erfolge zurückzuführen. Beim Riesenstreik von 1912 gewannen wir allen Befürchtungen zum Trotz 199 999 neue Mitglieder. Ende 1913 wird es kaum noch einen Untertagarbeiter geben, der nicht der großen briti Bergarbeiterföderation angehört!(Stürmischer Beifall.)' ohne Aufbietung aller Kräfte für die Organisation gibt es keine Erfolge, seien Sie dessen eingedenk!(Großer Beifall.)— Zur Minimallohnforderung erklärt Stanley, daß die Industrie, die ihren Arbeitern nicht einen auskömmlichen Lohn zahlen kann, wert ist zugrundezugehen. Wie hat die Entwicklung der Technik die Industrie bereichert. Das Nationaleinkommen in England betrug 1911 2999 Millionen Pfund Sterling— genug, genug, um allen ein erträgliches Leben zu sichern. Aber 89 Proz. der Bevölkerung erhalten 49 Proz. dieses Einkommens und die anderen 29 Proz. nehmen 69 Proz. des Nationaleinkommen.(Hört! hört!) Der Fehler liegt nicht in der Produktion, sondern in der Verteilung! (Stürmischer Beifall.) Unser Streik um den Mindestlohn war der selbstloseste, er galt den Interessen der Schwachen. WaS sind die Lohnerhöhungen gegen die Ricsenprofite der Kohlenwerksbesitzer! Mein letztes Wort ist wie mein erstes: Um den Minoestlohn, um irgendeine Verbesserung zu erreichen, gilt für die Bergarbeiter: Organisiert, organisiert, bis der letzte Mann in der Gewerkschaft ist!(Donnernder Beifall, besonders der Deutschen und Oesterreicher.) Die Resolutionen zugunsten der Kollektivverträge und des Mindestlohns werden unter lebhaftem Applaus einstimmig angenommen. Berstaatlichung des Grund und Bodens, der Bergwerke und der Eisenbahnen. Abg. B r a c e- Großbritannien begründet folgende Resolution: „Dieser Kongreß ist der Ansicht, daß die Gesamtheit des Grund und Bodens, der Bergwerke und der Eisenbahnen im Interesse der Allgemeinheit der verschiedenen Länder v e r sta a t- licht werden sollte. Die Verstaatlichung der Bergwerke allein wäre bei weiterem Privatbesitz an Land und Bahnen ungeheuer schwierig. Das Land ist die Grundlage aller Industrie. Wenn es den Arbeitern in den kontinentalen Staatsbcrgwerken nicht besser geht als in den Privat- gruben, so deshalb, weil eben nicht großzügig verstaatlicht wurde. Wir wollen die zu enteignenden Privatbesttzer entschädigen durch Staatspapiere in Höhe des Ertrags der letzen 5 Jahre, bei kleinen Gruben durch Bargeld auf Grund eines Kohlenpreises von 12 M. die Tonne. Die Staatskohlenwerksscheine sollen mit 3 Proz. per« C CJ u CJ CS :0 1- U C « 4-» (0 a IM Warenhaus Wilhelm Stein Berlin N, Chausseestraße 70/71. Kente Schluß unserer 38? fennig Tage Preiswerte Sonder-Angebote in Kurzwaren, Damen-Konfektion, Seifen und Lebensmitteln. Neu für Berlin! Eröfimiiig: Sonnabend, den 20. 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Deutschlands Grotzloge, Hamburg 30, Eppcndorscr Weg 265. Sozialdemokratische Geineindepolitik. Heft 14. Kommunale Knnstpslegc. Von Hugo Hillig. Preis 50 Ps. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Paul«ingcr, G. in. b. H., Berlin f3W 68. Tie Unfallgefahren in der Papierverarbeitungsindustric. Em Beitrag zu ihrer Darstellung von der Zahlstelle Berlin. 54 Seiten. Verlag von R. Würzbcrger, Berlin, Engcluscr 15 II. Sammlung Göschen. Geschichte des deutschen Romans. Vom Dr. Hellmuth Mielke. Preis geb. 90 Ps. G. I. Göschensche Verlagsbuch» Handlung, Berlin W. 35. Seht, wie die Zukunft euch grüßt. Für die schulentlassene Jugend herausgegeben von dem Arbeiterverein Kindersreunde Niederösterreichs. Preis 1 M. Volksbuchhandlung Jgnaz Brand u. Co.. Wien VI/1. Wegen Hochverrats im Zuchthaus. Von Rudolf Ocstreich. Preis 50 Pk. Verlag der„Tribüne", Berlin L1V. Stach zehn Jahren. Von Jgnaz Auer. Material und Glossen zur Geschichte des Sozialistengesepcs. Mit einer Beilage: Abschicdsnummcr des „Sozialdemokrat" vom 27. September 1890. Preis geb. 3 M. Fränkische Verlagsanstalt und Buchdruckeret G. m. b. H. zu Nürnberg. Kürschners Bücherschatz. Band 903. Preis 20 Pf. Verlag von Herin. Hillger, Berlin W. 9. Verwaltungsarchiv. Zeitschrift für die Versäumung von Prozeß- Handlungen der Parteien im Vcrwaltungsstreitverfahrcn nach dem Geselle vom 30. Juli l.bjK3. Erörtert vom Senalspräsidenlcn am Obcrverwaltungsgcricht Dr. M. Schulzenstcin. sonderabdruck des VcrwÄ» tungsarckuvs. Verlag von Karl Heymann. Berlin 3. Rudolf Kobert, Der Kwaß Ein unschädliches billiges Volksgelränk. 2. Auflage. Preis 1,25 M. Verlagsbuchhandlung Tausch u. Grosse, Halle a/s.__ i. Baer Herren- und Knaben- fr Mol Grünstrafle 10. ff.Fleisch-.Wuratw. Grünstraße 12. �Verantwortlicher Redakteur:'Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag �Vorwärts)vuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin