Kr. 1V0. Bbotiitemtnte'Bedlngiingtfi: Bfoonnnnüg- Preis pränumerando: viertelZSHrl. 3L0 Mk, nronald 1,10 Md. WSchentlich 28 Pfg. frei ins HauS, Sinzeine Nummer 6 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' Ig Pfg. Post- Wonnemenl: 1,10 Mark pro Monat. Singetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2chO Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat PoftabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Lurembirrg. Portugal. avmnmen. Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. crlcheiol lZgstch. Vevlinev Volksblcrtk. Sie fnfertlonS'GebOV betragt für die sechsgespaltene Kolonel- zcile oder deren Raum so Pfg.. für politische und gewerkschastliche Vereins- und Bersammlungs-Slnzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnreigen", das settgedrucktc Wort 20 Pfg.(zuläsfig 2 settgedruckte Worte), jede- weitere Wort 10 Pfg Stellengosuchc und Schlaffiellenan zeigen das erste Wort IN Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lSBuiti- ltaben zählen für zwei Worte. Jnserais für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der ezpedition abgegeben werden. Die Eztedstion iit bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SnizMemolirzl Berlin'1. Zentralorgan der foztaldemokrati fchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SCQ. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Sonntag, den 27* Juli 1913. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Der Krupp-Prozeß. Daß es sich um einen Prozeß ßegen die Firma Krupp handelt, mindestens handeln müßte, beweisen auch ein- gehende Mitteilungen, die das„Berliner Tageblatt" über den am 31. Juli beginnenden Prozeß gegen Titian und Genoffen macht. Der Form nach sitzen vor dem Kommandanturgericht die peben Zeugoffiziere auf der Anklagebank— in Wirklichkeit aber müßte der Prozeß geführt werden gegen die An- st ist er zu dem Verrat militärischer Geheimnisse, dessen sich die Angeklagten nach den Akten der Anklageschrift schuldig gemacht haben sollen. Ob der Prozeß den Verlauf nehmen>mrd, den er nach der Ueberzeugung aller nicht mit geistigen Scheuklappen durch die Welt laufenden Menschen nehmen müßte? Der Gang der Verhandlungen wird es lehren. Das nur mag sich auch das Gericht gesagt sein lassen, daß die Verhandlung dieses Prozesses von der Oeffentlichkeit mit äußer st er Auf- merksamkeit verfolgt wird und daß jede A b- sonderlichkeit Pflicht gemäß gebucht werden. Denn daß es im Augenblick für das Volk keine dring- Hchere und im nationalen Interesse gebotenere Aufgabe gibt, als bei der Entlarvung der Kruppskandale Helferdienste zu leisten, ist für jedermann ohne weiteres klar, der da aus der parlamentarischen Geschichte weiß, daß wiederholt auch der Reichstag und Reichstagskommissionen geharnischte Beschwerden erhoben haben wegen der ungeheuerlichen Ueber- teuerung des Deutschen Reiches bei den Kanonen- und Panzerplattenlieferungsgeschäften der Frrma Krupp. Wozu dann noch das nicht minder nationale Interesse käme, Deutschland wenigstens von den schlimmsten Erscheinungen großkapitalistischer Korruption zu befreien. Mit welch peinlicher Aufmerksamkeit die Oeffentlichkeit diesen Prozeß zu verfolgen hat, ergibt sich schon aus dem b e> fremdlichen Nachrichtenspiel darüber, ob die Ver Handlung der öffentlichen Kontrolle entzogen werden soll oder nicht. Zuerst war da gemeldet worden, daß die Verhandlungen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden würden, da durch eine öffentliche Verhandlung die Interessen der z.andesveiteidigung gefährdet seien. Vermutlich war diese Mitteilung einer halboffiziösen Korrespondenz weniger auf eine Indiskretion als auf die Absicht zurückzuführen, die Stimmung erst einmal zu sondieren. Als daraufhin der schärfste Einspruch gegen solch ungeheuerliche Geheimnis- kramerci erhoben wurde, erklärte das offiziöse Organ, die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", daß das Kriegs- �'-Ür-rC 1 i U m.. keineswegs eine Verhandlung hinter verschlossener Tür gewünscht habe. Nach ein paar Tagen wurde der Oeffentlichkeit dami die Mitteilung gemacht, daß zwar das Kommandanturgcricht völlig„unbeeinflußt" über Lesreutlichkeit oder Nichtöffentlichkeit entscheiden wurde. � daß aber sicherlich bei den 900 Einzelfällen die Oeffentlichkeit aus rein sachlichen, eben im Interesse der Landesverteidigung liegenden Gründen a u s g e- schlössen werden müsse, und daß logischerweise dann auch bel den Plädoyers und der U r t e i l s begründung Ausschluß der oeffentlichkeit zu gewärtigen sei. Wir haben, die Absurdität eines solch' ganz un- begreiflichen Verfahrens, wie es � offenbar plausibel gemacht werden sollte, sofort gründlichst nachgewiesen, und von a m t- l i ch e r Stelle hat man bisher offenbar auch noch keine plausiblere Aus re de zu finden vermocht. Wohl aber wird jetzt m der Presse gemeldet, daß die Er- klärung der offiziösen„Norddeutschen Allgem. Zeitung" eine geradezu unverf r 0 r e n e U n w ahrheit geivesen sei. Daß nämlich in Wirklichkeit die Akten den Ver- merk enthielten, da».Kriegsministerium wünsche die Verhandlungen nn Interesse der Landes- Verteidigung unter Ausschl uff d e r O e f fentlichkcit geführt zu sehen. Wenn schon die publizistische Vorgeschichte des Prozesses eine solche Fülle von Intrigen und Unwahrheiten aufzudecken vermag,— wessen wird man sich dann erst bei den V e r h a n d l u n g e. n s e l b st gewartigen müssen! Aus den Akten des Prozesses gibt das„Berliner Tage- dlatt" die folgenden Mitteilungen wieder: ..Am 17. Oktober vorigen Jahres übenmttelte der Reichstags, abgeordnete Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht dem damaligen Kriegsminister v. Heeringen die Abschriften �von l 7.K 0 r n. walzen", in denen wichtige geheime militärische Dinge ent- w°ren. Alz..Kornwalzen" wurden die®ehe. m b e- ' ß an n* fi16 der Berliner Filiale der �nna �ru pp an das ßauptbirrean nach Gfien aeschickt wurden, bezeichnet. Diese.Kornwalzen" waren mit Schreibmaschine hergestellt wurden nicht unterzeichnet und ainaen auch nicht mit der ge- wohnlichen Briefpost nach Essen, sondern sie wurden in einem be- !?nderen Umschlag an eine eingeweihte Stelle dirigiert.-Hie Per- sonl'chke.t die d.ese Berichte zuerst m die Hand bekam, war ein Herr v. D c w i tz. Er befob.;„l von Stempeln mit den Namen der D i r e k» 0 r e n und lest e aus icden Geheim- be-icht den Namen desjenigen� DweÄr � ür den der Inhalt nach seiner Meinung Interesse hatte Dann machten die Berichte Wurden schi'ieß'lich in einem Geheimschran- aufbewahrt. Alliahrlich einmal solllcn die vorlicaenden Be- richte vernichtet Wezpen. Auf diese Mtteilung des WMwöneüin Liebknecht hin beauftragte der Kriegsminister die politische Polizei mit den Ermittelungen. Polizcirat Koch, der der po- litischcn Polizei vorsteht, ließ das Haus Voßstraße 18, in dem sich das Berliner Bureau der Firma Krupp besindet, beobachten, und bald waren zwanzig verdächtige Personen er- mittelt. Unter ihnen befanden sich eine französische Sprachlehrerin und auch der Direktor eines Unter- nehmens des Fürst-Hohenlohe-Konzerns. Das Er- gcbnis der Ermittelungen wurde dem Kriegsminister unterbreitet, und es fand dann dort eine Beratung statt, an welcher der Vor- sitzende der Artillcrieprüsungskommission und der Feldzeugmeister teilnahmen. Es wurde beschlossen, die sieben am schwersten verdächtigen Personen zur gleichen Stunde fest zu- nehmen. Die sieben Personen, gegen die der Verdacht ein besonders schwerer war,.find folgende Militärbeamte: 1. Oberintendantursekretär A. Pfeiffer, Steglitz, Schild- hornstr. IS, kommandiert zum Kriegsministerium, 2. Zeugleutnant Höge, Charlottenburg, Spielhagcnstr. 13, zugeteilt der Artillerieprüfungskommission, 3. Feuerwerker D r 0 e f e, früher bei der Artillerieprüfungs- kommission, dann Angestellter der Firma Krupp,' 4, Zeugleutnant Adolf T i l i a n, Spandau, Pichelsdorfer Straße 118, seit 1998 bei der Munitionsfabrik in Spandau, ö. Zeugleutnant H i n st vom Artillerisdepot in Marienburg, ö. Zeugleutnant Hellmuth Schleuder vom Artillerie- depot in Koblenz, 7. Feuerwerker Jürgen Schmidt. Diese sieben Militärbeamte wurden am 7. Februar dieses Jahres vormittags 11 Uhr verhaftet. Um die gleiche Stunde beschlagnahmte der Untersuchungsrichter beim Landgericht l in Berlin, Landrichter Dr. Wetzet, im Geheimschrank der Firma Krupp nahezu tausend„Kornwalzen". An demselben Tage wurde auch der in der Berliner Filiale der Firma Krupp ange- stellte frühere Feuerwerksfeldwebel Max Brandt verhaftet, und es wurden bei ihm dreizehn Kisten mit Brief schaf- ten und Akten mit Beschlag belegt. Fast vier Monate dauerte die Untersuchung. Nachdem die Untersuchung beendet war, wurden zunächst die vier Zeugoffizicre und die beiden Feuerwerker aus der Haft entlassen. Einige Zeit daraus wurde auch der Obrintendantursekretär und dann zuletzt Brandt auf freien Fuß gesetzt. � Die Anklage, die die Auffchrift„Geheim"/ tragt und einen Umfang von 24 Seiten in Schreibmaschjn.enschrift hat, erging zu Anfang dieses Monats.' Die Akten enthalten einen Vermerk, der, dem Vernehmen nach, folgenden Wortlaut hat: ..Das Kriegsministerium wünscht» daß die Verhandlung im Interesse der Landesverteidigung unter Ausschluß der Oesfent- lichkeit geführt wird." Der Anklage liegen, soweit bekannt ist, folgende Tat- fachen zugrunde: Bis zum Jahre 1900 bestand für die Firma Krupp keinerlei Konkurrenz. Als sich auch die Firma Ehr- Hardt um Aufträge des Kriegsministeriums zu bemühen be- gann, wurde man in Essen nervös. Da der damalige Leiter der Berliner Filiale, der inzwischen verstorbene Direktor v. Schütz, krank war, setzte man ihm als Bureauvorsteher den in der Zentrale in Essen beschäftigten Herrn Brandt an die Seite. Brandts Versetzung erfolgte im Jahre 1906 auf-Direk- tionsbeschluß. Vor der Abreise nach Berlin befragte er den ihm unmittelbar vorgesetzten Direktor E c c i u s, was er in Berlin solle. Er erhielt eine Antwort, die mit seiner zukünftigen Beschäftigung nichts zu tun hatte. Erst in Berlin wurde er dahin aufgeklärt, daß seine Hauptaufgabe sein werde, den Ver- kehr mit den militärischen Unterbeamten, zu denen er ja aus seiner früheren Tätigkeit als Ober- feuerwerker und im Depot der Artillerieprüfungskommission die besten Beziehungen habe, zu pflegen und Nach- richten zu sammeln. Das Einkommen Brandts betrug zu Anfang seiner Ber- liner Tätigkeit 8000 M. und wuchs schließlich auf 7000 M. jährlich. Außerdem waren ihm vom Direktorium als„Reprä- sentationsgelder" zuerst 2000 M. und schließlich 3500 M. jährlich bewilligt worden. Die Untersuchung in der Angelegenheit ist auch auf einige Mitglieder des Direktoriums der Firma Krupp in Essen ausgedehnt worden. Stach den an den matzgebenden Stellen vorherrschenden Ansichten hält man es für wahrscheinlich, daß Mitglieder der Direktion der Firma Krupp, die auch in der am 31. d. M. beginnenden Verhandlung vor dem Kriegsgericht als Zeugen vernommen werden sollen, über den Ursprung der in den Geheimberichten mitgeteilten Tatsachen nicht im Zweifel sein konnten. Brandt soll von Essen aus direkte Aufträge erhalten haben, sich über dieses oder jenes zu informieren. Einmal soll sich Brandt bei einem Subdirektor, der zufällig in Berlin anwesend war, darüber bitter beklagt haben, er müsse so viel trinken und habe nichts von seinem Leben, und er wolle doch ein anständiger Mensch bleiben. Der Subdirektor habe ihm darauf erwidert:'..Tun Sie denn was Unanständiges? Wenn das Mindeste passiert, sind Sic für uns erledigt! Merken Sie sich das!" Auf den Bericht des Subdircktors hin soll dann beschloffen worden sein, Brandt von Berlin an eine andere Stelle zu versetzen. Diese Versetzung unterblieb jedoch. Brandt erhielt auch verschiedentlich Extragratifikationen. In der Verhandlung werden eine große Anzahl von O f f i- zieren aller Chargen, Mitglieder der Direk- tion der Firma Krupp, frühere Direktoren der Firma Krupp und eine große Reihe militärischer Sach- verständiger vernommen iverden. Die Sachverständigen, hohe Militärs, werden sich darüber zu äußern haben, ob die in den Geheimberichten mitgeteilten Tatsachen im Interesse der Landesverteidigung geheimzuhalten waren. Die Anklage ist wegen Vergehens gegen das Gesetz über den Ver- rat militärischer Geheimnisse, wehen Bc- stechung und wegen Ungehorsam? gegen mili- tärische Befehle erhoben worden." Für jedermann, der zu lesen versteht, ergibt sich aus diesen Mitteiluilgen. daß unsere Beurteilung der Angelegen- heit, daß nämlich die Firma Krupp die Agstifterin� der ganzen Landesverratsasfäre ist, durchaus ins Z e n t r u m trifft..' Denn ganz offenbar ist der ehemalige Oberfeuerwerker Brand doch nur deshalb zu eineni Geheimratsgehalt an die Stelle eines früheren höheren Beamten ge- setzt worden, um gegen eine so hohe Bezahlung seine che- maligen Beziehungen zu den Zeugoffizieren nach Möglichkeit auszunutzen. Es verrät schon einen erstaunlichcnGrad von Schamlosigkeit, wenn die ,.D e u t s ch e T a g e s- z e i t u n g" in ihrem Abendblatt vom Sonnabend meint, daß Brand bei einem Gehalt von 6000 bis 7000 M. und weiteren 2000 bis 3Z00 M. Repräsentationsgeldern ja wohl kaum bc- sonders wichtige und geheime Mitteilungen habe erkaufen können. Herr Brand hat ja auch noch Extragratifika- tion erhalten. Und außerdem ist es gerade der Trick un- seres kapitalistischen Ausbeutertums, just aus schlechtbezahltcn Lohnsklaven und kümmerlich besoldeten Beamten ein Höchst- maß von Nutzeffekt herauszuschlagen. Im übrigen ist uns die Auffassung des Agrarierorgans nur willkommen. Wenn der pp. Brand mit seinen kärglichen Bestechungsgeldern so wenig herauszuholen vermocht hat, wär es erst recht unsinnig und unverantwortlich, die Oeffentlichkeit auch nur bei einem Teile der Beweiserhebung aus zu- schließen! Sonderbar berührt es bei diesem Prozeß vor allen Dingen auch, daß die Militärverwaltung es eiliger ge- habt hat, die 7 Zeugoffiziere(die man auch sonder.- barerweise wieder, ohne irgendwelche Be- sürchtung für eine Verdunkelung des Tatbe- standeszuhegen.ausderHaftentlassenhat!) zur Verantwortung zu ziehen, bevor dem Brand, dem A n- st i f t e r s e l b st, auf Grund der doch beschlagnahmten so reichhaltigen Beweisdokumcntc seiner Bestcchungs- und landesverräterischen Versuchsaktionen der Prozeß gemacht wurde! Hätte nicht eine Verhandlung vor einem Zivil- gericht gerade auch den Militärbehörden und Militärgerichten viel tiefer greifende Anhaltspunkte geben können? Oder hat man gerade.eine Voruntersuchung dürch bürgerliche Gerichte vermeiden wollen? Hat man etwa die Feststellungen und damit niöglichst definitive Um- grenzungen des Untersnchungsgebicts dem Militärge- richt reservieren wollen?! Auch das sind Fragen, die durchaus in die Kruppaffäre hineinspiclen und die noch gründlichste Erörterung verdienen. Aber auch so wird die Oeffentlichkeit nichts verabsäumen, um eine Verdunkelung des wirklichcnTatbestandes zuverhüten!./ Rumänien der prledensfUfter. Aus Bukarest wird uns vom 23. Juli geschrieben: Nach den ersten Tagen einer künstlich angefachten Begeiste- rung, nach den„riesigen" Kriegsdcmonstrationen der Interessenten, an denen Kinder, Neugierige und Leute, die in ihrem ganzen Leben nicht daran dachten, eine Waffe zu tragen, teilnahmen, sind wir zu einer neuen Periode der Gleichgültigkeit übergegangen. — Die Erregung wird bloß von Zeit zu Zeit von den Zeitungen, die sich ohne Parteiunterschicd der Regierung verschrieben haben und deren Aktton unterstützen, aufgepeitscht. Die Presse fügt sich sogar, ohne Bewilligung der Zensur keine Nachrichten vom„Kriegsschauplatz" zu geben, obwohl ein Belagerungszustand nicht dekretiert wurde.— Die Nachrichten, die hier bekannt werden, sind ganz unbestimmt und erwecken kein Interesse mehr.— Die Mobilmachung hat das ökonomische Leben des Landes größtenteils aufgelöst. Viele beginnen zu fingen, ob die ganze Kraftentfaltung Rumäniens der Mühe wert war im Verhältnis zu dem angerichteten Schaden.— Das offiziöse Blatt der liberalen Partei„V i i t 0 r u l", sowie das Blatt des fiüheren Landwirtschaftsministcrs.Epoca", beides kriegerische Blätter, begnügen sich nicht mehr mit der mäßigen Forderung der sogenannten strategischen Linie Turtucaia— Do- brici— Balcic, sondern verlangen das ganze Viereck, einschließlicki der Städte Rustchonk. Vama, sowie auch den Distrikt Vidin» wo Rumänen in größerer Anzahl vorhanden seien. Wenn die Regierung sich von diesen gefährlichen Lockungen verführen läßt, und dem bekannten Sprichworte, daß„der Appettt während des Essens kommt" folgt, ist es schwer zu ersehen, wohln die hervorgerufenen Konflikte auf der Balkanhalbinsel führen werden. Rumänien trägt heute die MaSke des Friedensstifters und sein Gebaren wird als ein Verdienst von der ausländischen Presse und der öffentlichen Meinung gefeiert. Niemand aber hat sich gefragt, ob eine Oligarchie und besonders die rumänffche Ölig- archie fähig ist, eine uneigennützige Friedenspolitik zu treiben. Die ganze Aktion Rumäniens ist auf das Antreiben R u ß- lands inszeniert worden. Unsere sogenannten Politiker ver- langten, daß man schon am Anfange des Balkankneges diesen Schritt machen sollte. Damals hatte uns Rußland aber gehindert. Die Ereignisse waren damals auch für die rumänische Oligarchie eine Ueberraschung. Alle Vorbereitungen, Rüstungen und mili- tärischen Maßnahmen wurden erst seit dieser Zeit getroffen. Wir befinden uns heute in vollem Kriegszustande, obwohl die Bulgaren der rumänischen Armee noch keine Gelegenheit gaben, einen Waffenerfolg zu verzeichnen..Nirgends fanden wir Wider- stand.— - Unter b'ent Anscheine der FriedenZvermitklung dervarg aber > die rumänische Oligarchie die Absicht, das vergrößerte und sieg- reiche Bulgarien, das ganz Europa moralisch imponierte, zu de- mutigen. Sie konnte nicht dulden, daß auf der Balkanhalbinsel „ Bulgarien das schwerste Gewicht habe.— Diese EroberungS- und Friedenspolitik wird aber Rumänien teuer zu bezahlen haben. Bulgarien wird in Zukunft alles daran- setzen, gegen Rumänien zu agitieren und den von Rumänien jetzt.eroberten" Boden zurückzufordern.— Ohne Rot ist eine elsaß-lothrtngische Frage des Orients geschaffen worden. Den ungeheuren bisherigen Militärausgaben des neuen Kurses in Nu- mänieu werden andere folgen. Anstatt einer vernünftigen Po- litik, die als Zweck haben müßte, das Volk zu heben, seine mangel- hasten elementaren Schulkenntnisse aufzubessern, das allgemeine Wahlrecht einzuführen,— werden wir einen unaufhörlichen Millio- nentanz zur„Verteidigung der Nation" erleben. Die rumänische sozialdemokratische Partei hat seit Anfang des BalkankonfllktS einen unaufhörlichen Kampf gegen alle Kriegs- � Hetzereien der interessierten Parteien und deren Presse geführt.— An dem Tage der Dekretierung der Mobilmachung wurde in Tomsenden von Exemplaren ein Manifest verteilt, worin die Partei gegen den Krieg im allgemeinen und besonders gegen einen Krieg gegen Bulgarien heftig Protest erhebt. ES wurde ausführlich dar gelegt, in welche Gefahr die rumänische Oligarchie die Interessen deS BolkeS stürzt. An demselben Tag wurde auf Veranlassung der Partei die Arbeit in sämtlichen Fabriken der Hauptstadt als Zei chen deS Protestes eingestellt. Die einberufene Versammlung, die sich bestimmt zu einer riefigen Demonstration gestaltet hätte, wurde von der Polizei mit Gewalt aufgelöst. Anläßlich der Kriegserklärung, hat das Zentralblatt der Partei „Romtuia Muncitoare" nachstehende Erklärung des Exekutivkomitees erscheinen lassen: .Wir betrachten eS als unsere Pflicht, zu erklären, daß wir entsprechend unserer ganzen Tätigkeit als Sozialdemokraten, als Verteidiger der jetzigen sowie der zukünftigen Interessen der ' Arbeiterklasse, wie auch des gesamten rumänischen Volkes, jed- welche Gemeinschaft mit der Regierung und den Parteien, die ■ das Land in einen Krieg treiben, zurückweisen. Wir brand- ; marken die Haltung der regierenden, sowie auch der sogenannten unabhängigen Presse, die von Klassen-, Partei- oder gemeinen H-rnbelSinteressengetrieben, auf den Rassenhaß spekuliert und die Völker gegeneinander aufhetzt. In demselben Augenblick, wo die ganze rumänische Oligarchie ■ sich einmütig erhebt, um ihr enges Klasseninteresse, ihre an- greifend«, überfallende Politik durchzuführen, ist die rumänische ' Sozialdemokratie stolz, die Fahne der Brüderschaft, des Friedens und der Zivilisation zu erheben." Die Ereignisse haben unsere Partei fast völlig aufgelöst, da sämtliche Mitglieder unter die Waffen gerufen wurden. Hoffentlich werden wir in der nächsten Zukunft, wenn endlich wieder Frieden herrscht, durch eine energische Propaganda Nutzen ziehen und den Treibereien der rumänischen Oligarchie ein Ende beriten, Warm» Serbien und Griechenland keinen Waffenstillstand wollen. Mhea, 28. Juli.(Meldung der Agence d�lthönes.) Maß- gebende Kreise behauten, daß in Athen und Belgrad der Druck von russischer und österreichischer Seit« andauere. Sowohl Griechenland als auch Serbien hätten schon wiederholt, sobald der erste freundschaftliche Ver- ' tlungsversuch von feiten Rußlands erfolgte, erklärt, daß die Vermittlung dankbar annähmen, und gleichzeitig ihre Regierten ernannt, welche die Friedenspräliminarien er- Lrtern sollten. Griechenland und Serbien hätten sich keines- Wegs geweigert, es sei Bulgarien, das den Frieden zurück- weis«, nicht die Verbündeten. Denn während die Verbündeten vom Frieden sprächen, spreche Bulgarien vom Waffenstill- stanb. Waffenstillstand bedeute nicht Frieden. Wenn Bul- garten aufrichtig Frieden schließen wolle, warum weigere es sich dann, big aufgestellten Bedingimgen zu erörtern, warum wolle eS vor den Besprechungen einen Waffenstillstand? Warum weigere sich Bulgarien sogar, die Bedingungen der Verbündeten anzuhören. Man sage, durch den Vormarsch der Truppen der Verbündeten seien die Ordnung in Sofia und der Thron des Königs Ferdinand bedroht. Aber die Bulgaren könnten Thron und Orduung retten, wenn sie erklärten, daß st« die Bedingungen der Sieger annähmen. Folglich müßten sich die Mächte vielmehr an Sofia und nicht an Athen und Belgrad wenden. Sobald Sofia erkläre, daß es die Bedin» gungen der Verbündeten annehme, wie es schon die Bedin- gungen Rumäniens angenommen habe, werde der Waffen- stillstand abgeschlossen werden. Sonst sei nichts zu hoffen. Das friedfertige Bulgarien. Sofia, 26, Juli. Gegenüber den Mitteilungen, daß Serbien dl« Einstellung der Feindseligkeiten mit dem Hinweise verweigere, daß die bulgarischen Truppen letzthin serbische Ortschaften ange- griffen hätten, stellt die Agence Bulgare fest, daß die bulgarischen Truppen schon am 10. Juli in Befolgung eines durch politische Rücksichten bedingten Befehles sich aus dem serbischen Gebiet in die Gegend von Rapana, Kula und Bjelogrqhschik zurückgezogen und seither in diesen Gegenden keinen Angriff unternommen haben, während die Serben am 17. Juli in bulgarisches Gebiet eindrangen und Tschupreni und Tergovischte besetzten. Anderer- seit? erhielten die gegen Zaribrod und Pirot operierenden Truppen am 7. Juli Befehl, sich auf bulgarisches Gebiet zurückzuziehen. Als die Serben in der ersten Hälfte des Juli auf der Linie Vlasina— Pateritza tn bulgarisches Gebiet eindrangen, beschränkten sich die Bulgaren darauf, sie zurückzudrängen, was erst gestern vollständig gelang. Die von serbischer Seite aufgestellte Behauptung, daß die Bulgaren letzthin serbisches Gebiet angegriffen hätten, ist somit vollständig unbegründet. Sie ist erfunden, um die Verweigerung der Einstellung der Feindseligkeiten zu erklären, welche von allen außer Serbien und Griechenland herbeigesehnt wird. Die Tärfni appelliert an Europa. Konstanfinopel, 28. Juli. Ein offizielles Com- M UN i q u ä erinnert an die erste Erklärung Europas beim Beginn des Krieges der Türkei mit den Balkanstaaten, in welcher das Prinzip der allgemeinen Integrität der Türkei proklamiert worden sei. Man könne nicht glauben, daß Europa, das es ablehnte, in dem Konflikt zwischen den früheren Verbündeten zu intervenieren, die Türkei sollte zwingen wollen, zu vergessen, daß Thrazien muselmanisches Gebiet und Adnanopel seine ehemalige Hauptstadt sei. Die muselmanische Welt hätte es niemals begriffen, daß die Pforte inmitten aller Massakers ihre muselmanischcn Brüder in Thrazien nicht rettete. Die jetzigen Ereignisse hätten bereits eine zu große Rückwirkung auf die asiattsche Türkei ausgeübt, als daß man glauben könnte. Europa wolle die Kluft zwischen der musel- manischen und der christlichen Welt vergrößere Zu de« Fricdeusverhaudluugeu in Bukarest. Bukarest, 26. Juli. Die Bevollmächtigten Serbiens, Griechen lands und Montenegros haben heute ftüh Belgrad an Bord eines Dampfer? verlasse« und sich nach Bukarest degeben,'wo sie Montag ein treffen werden. Brnezirlos wurde persönlich eingeladen, hat jedoch den Tag seiner Ankunft noch nicht bestimmt. Bulgarien erklärte sich bereit, Bevollmächtigte zu ernennen. Zurückziehung der türfischen Truppen von bulgarischem Gebiet, Konstantinopel, 26. Juli. Auf die telegraphisch ausgesprochene Bitte des bulgarischen Ministers des Acußern Ghenadiew, den ttirfischen Truppen Befehl zum Mckzug zu geben, hat der Großwesir erwidert, daß nur einige Rekognos- zierungsabteilungen die alte türkisch-bulgarische Grenze über- schtttten hätten und auf Anordnung deS Generalissimus bereits wieder zurückgezogen worden seien. Die Griechen in Dedeagatsch. Athen, 26. Juli. Freitag früh ist Dedeagatsch von Landungsttuppen eines griechischen Geschwaders besetzt worden. Admiral Coundouttotts erklärte den in Dedeagatsch befindlichen Konsuln der Mächte, Dedeagatsch werde besetzt aus militärischen Gründen und um einen Schutz für die gnechische Bevölkerung Thraziens gegen die bulganschen Aus schreitungen zu schaffen. Sie Flcifchnot steigt. DaS zweite Vierteljahrsheft der Statistik des Deutsiben Reiche? bringt eine Ueberficht über die Ergebnisse der Fleischbeschau, aus welcher die Zahl der im Deutschen Reich in den letzten Jahren g« schlachteten Tiere ersichtlich ist. Diese Statistik erbringt aufs neue den Beweis für die ohnehin schon bekannte Tatsache, daß die Fleisch Versorgung des deutschen Volkes in den letzten Jahren rapide zurück- gegangen ist. Die nachstehende Tabelle gibt Auskunft über die Zahl der Schlachtungen, getrennt nach den einzelnen Vieharten. Besch a up flichtige S ch l a chtu ng en im Jahre Das hervorstechendste Moment in dieser Statistik ist die starke Zunahme der Pferde- und Hundeschlachtungen. Während im Jahre 1910 erst 149 998 Pferde für den menschlichen Genuß geschlachtet wurden, stieg die Zahl der.Schlachtpferde" im Jahre 1912 auf 178 961. Noch rapider ist die Steigerung der Zahl der geschlachteten Hunde, die nach einem vorübergehenden Rückgang im Jahre 1911, im Jahre 1912 auf 8132 gestiegen ist. Bei allen anderen Tierarten ist seit dem Jahre 1999 ein fast ununterbrochener Rückgang der Schlachtungen zu konstatieren. Im Vergleich zu dem Jahre 1911 zeigt nur die Zahl der geschlachteten Schafe eine kleine Steigerung, aber selbst bei dieser Tiergattung bleibt die Zahl der Schlachtungen noch erheblich hinter den Zahlen von 1999 und 1919 zurück. Dabei ist keinerlei Aussicht auf Besserung vorhanden. Das gleiche Heft der Reichsstatistik bringt auch die Ergebnisse der Schlacht- Vieh- und Fleischbeschau im ersten Vierteljahr 1913, aus welcher die folgende Tabelle zusammengestellt ist. Beschaupflichtige Schlachtungen im ersten Vietteljahre: Pferde und andere Einhufer.... Ochsen..... Bullen..... Kühe...... Jungrinder über 3 Monat alt... Kälber unter 3 Mo- nat alt.... Schweine.... Schafe..... Ziegen..... Hunde..... Diese Tabelle zeigt im wesentlichen die gleiche Tendenz, wie die vorige: im Jahre 1918 ist die Zahl der Schlachtungen weiter zurückgegangen. Abgesehen von den Bullen, die eine geringe Steigerung aufweisen, sind es wiederum nur die Pferde und Hunde, die in größeren Mengen zur Schlachtbank gebracht wurden. Da in der gleichen Zeit auch noch die Einfuhr von ausländischem Fleisch und Vieh zurückgegangen ist, kann die Preissteigerung gegenüber dem Vorjahre nicht wundernehmen. Rur die„Deutsche Tageszeiwng" scheint noch immer nicht begreisen zu wollen, daß die Teuerung zum großen Teil eine Folge des F l e i s ch- mangels ist. Berücksichtigt man, daß die Bevölkerung des Deutschen Reiches jährlich um etwa eine Million zunimmt, dann kann man sich erst ein Bild davon machen, wie sehr die Er- nährung des deutschen Volkes leidet. Der gennge Austrieb von Schlachtvieh, der die Fleischpreise zu schwindelhafter Höhe treibt, kommt aber unseren Agrariern vortrefflich zustatten. Um den Profit dieser habsüchtigen Kaste«icht' zu schmälern, ver- meidet es die Regierung sorgfältig, durch die Oeffnung der Grenzen für eine ausreichende Zufuhr von Fleischnahrung Sorge zu tragen. Für den Fleischhunger des Volkes hat die Regierung nur Hohn. War es doch der preußische Landwirtschaftsminister v. Schorlemer, der die Nahrhaftigkeit und den Wohlgeschmack deS Pferdefleisches rühmte. Vom Hundefleisch hat er in dem Zusammen- hang nicht gesprochen, aber jedenfalls ist er davon überzeugt, daß auch dieses Nahrungsmittel für das arbeitende Volk gut genug sei. Die starke Zunahme der Pferde- und Hundeschlachtungen wird er vermutlich als einen Beweis für die von ihm aufgestellte Behauptung in Anspruch nehmen. In Wirklichkeit ist aber die Statistik der Schlachtungen nur ein neuer Beleg für das skrupellose System rein agrattscher Förderung, mit dem in Preußen-Deutschland regiert wird. Wie sind nun die Aussichten für die Zukunft zu beurteilen? Wir wiesen schon vor kurzem darauf hin. daß seit einiger Zeit die Preise weiter steigen und zurzeit bereits höher sind als im Sommer de« Borjahres. Die neuesten Angaben der.Statistischen Korrespon- denz" üb« die Preise in d« ersten Hälfte de« Juli bestätigen das. �Man zahlt« dmchschntttlich str et» Kilo sin Psenmgech: Die Preissteigerung gegenüber dem Vorjahr bettägt also bei Kalbfleisch 5 Pfennige, für Hammelfleisch 13 Pfennige, für Schinken 25 Pfennige, für Speck 8 Pfennige, für Pferdefleisch 11 Pfennige. Die Ungeheuerlichkeit dieser nackten Zahlen wird umso klarer, wenn man sich erinnert, daß für den Juli vergangenen Jahres bereits, wenn auch widerwillig, von der Regierung und selbst den Konservativen, die Existenz eines Notstandes zugegeben wurde. Heute stehen wir vor noch schlimmeren Daten. Aber die Regierung rührt sich nicht zur Abhilfe. Dafür läßt sie durch Presse- notizen ihre Absicht kundgeben, den Wucherzolltaris von 1992 unverändert über das Jahr 1917 hinaus zu verlängern, und die Hochschutzzöllner plädieren sogar für eine mindestens 5 prozentige Erhöhung der Zölle. Um so dringender werden die breiten Masse« eine Revision des Zolltarifs im Sinne eines Abbaus der Zölle und für den Augenblick wenigstens die Beseitigung der Zölle auf die not- wendigen Nahrungsmittel Vieh und Fleisch fordern. politilcke deberßcbt. Wahlprotest. Gegen die Wahl des Genossen Ewald im Wahlkreise Jüter« bog-Luckenwalde haben die Freikonservativen Protest erhoben. Sie stützen ihren Protest in der Hauptsache daraus, daß die Insassen der Heilstätte Beelitz zur Wahl zugelassen worden sind. Die Verfügung des Regierungspräsidenten in Potsdam, daß diese Patienten in die Wählerliste aufzunehmen seien, wird als rechtsungültig bezeichnet, weil sie im Widerspruch mit der Recht- sprechung höchster Gerichte stehe. Weiter wird erklärt, daß der größte Teil der Patienten der Lungenheilstätte bei den Reichstags- wählen im Jahre 1912 tatsächlich das Wahlrecht in Berlin ausgeübt hat. Letztere Tatsache lasse erkennen, daß das Mandat des Herr» von Oertzen zu Unrecht vom Reichstag kassiert worden sei, den» es sei völlig unzulässig, den Heilstätte-Patienten ein doppelte« Wahlrecht zu gewähren. Der Wahlprotest wird den Freikonservattven nichts helfen. Das Mandat des Herrn v. Oertzen ist allerdings deshalb für uu- gültig erklärt worden, weil die Ortsbehörd« in Beelitz eS abgelehnt hatte, die wahlberechtigten Patienten der Heilstätte Beelitz in die Wählerliste aufzunehmen; aber ob ein Teil der Patienten dann schließlich in Berlin gewählt hat oder nicht, ist vollständig gleich- gültig. Man kann ein halbes Dutzend Wohnsitze haben und deS- halb auch in ebenso viele Wählerlisten eingetragen sein, aber daS Wahlrecht darf nur einmal und nur an einem Ort ausgeübt werden. Zur Zeit der Aufstellung der Wählerlisten wohnten dt« Patienten in Beelitz, mußten also, wenngleich sie auch in Berlin einen Wohnsitz hatten, in die Wählerliste aufgenommen werde«. Sie konnten sich dann entscheiden, ob sie entweder in Berlin oder in Beelitz zur Wahl gehen wollten. Ihnen das Wählrecht in Bee- litz zu nehmen, war gesetzwidrig. Diesen Standpunkt hat die Mehr- heit deS Reichstags vertreten, und deshalb wurde das Mandat des Herrn v. Oertzen als ungültig erklärt. Wenn nun der Wählprotest behauptet, daß die Aufnahm« der Beelitzer Patienten in die Wählerliste im Widerspruch stehe mit der Rechtsprechung höchster Gerichte, so ist auch dies« Beweisführung nicht schlüssig. Höher als die Gerichte steht daS Recht des Reichs- tags, die Legitimation seiner Mitglieder selbst zu prüfen. Daraus ergibt sich, daß der Reichstag in der Auslegung des Wahlrecht? völlig autonom ist, und daß ihm insbesondere ein Gerichtshof keinerlei Vorschriften zu machen hat. Wir wollen nur daran er- inner«» daß z. B. der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie seine Agitatoren, die et bei einer Nachwahl in einen Wahlkreis entsendet, direkt anweist, sich dort in die Wählerliste eintrage» zu lassen. Diese Leute haben auch noch stets das Wahlrecht au»- geübt, eben weil sie einen mehrfachen Wohnsitz gehabt haben. WaS man bei den Reichsverbändlern für zulässig erachtet, das soll den kranken Arbeitern verweigert werden. Diese Auffassung entspricht völlig konservativer Ansicht, wonach der Arbeiter unter allen Ilm» ständen ein Staatsbürger minderen Rechts sein müsse. Wenn die Konservativen keine anderen Gründe für die Wahlanfechtung haben, dann werden sie allerdings eine glatte Abweisung erleben müssen, Landwirtschaft und Landarbeiter. In der„Kölnischen Zeitung" macht ein konservativ« Landwitt aus Pommern Vorschläge zur Minderung der Leutenot. Jahraus jahrein zögen die besseren unter den Landarbeitern in die Stadt, und was einmal dort sei, kehre nach alter Erfahrung nicht wieder. Bis jetzt sei es den Landwitten gelungen, mit Hilfe ausländischer Arbeiter die größte Not einigermaßen abzuwenden — ein Hilfsmittel, das aus manchen Gründen zu verwerfen sei. Vielfach seien die Landwirte nicht tn der Lage, die heimischen Ar- heiter zu halten aus Mangel an Wohnungen:, t•/ Es gibt Gebiete, in denen gegenwärtig eine Arbeiter- n o t aus Mangeln an Arbeitern aar nicht zu spüren»st, wohl ab« aus Mangel an Wohnungen. Es ist nicht zu viel behauptet, daß in diesen Gegenden der junge Nachwuchs gezwungen ist. die ländliche Heimat zu ver. lassen, weil für ihn keine g e e i g n e t e W o h n u n g a u f d e m G u t e z u f i n d e n i st. Muß eS da nicht eigenartig berühren, daß die Landwirte die höheren Preise für die landwirtschaftlichen Produkte dazu benutzen, einander die Bodenpreise in die Höhe zu treiben, anstatt dr,n- gende Meliorationen vorzunehmen- wozu ,a doch. n erster Linie der Bau von-l r b e i t e r w o h n u n g en gehören sollte.... Dann allerdings mutz es sich der deutsche ich___ " Auf V« Artiktt des pommerschen Landwirts erhält die„Kol. nffche Zeitung" eine Erwiderung von der �okÄabteilung Köln des Landwirtschaftlichen Vereins �ff»r Rheinpreutzen, worin die An- gaben des pommerschen Grund�sitzerS bestritten werden. Dagegen kommt nun wieder die polnische Zeftung Mit einer Erwiderung. aus der besonders ein Satz von Bedeutung ist. Der pommersche Landwirt hatte auf die Gttahr hingewiesen, die aus�d« Beschafft- gung zahlreicher ausländischer Arbeiter sur die deutsche Landwirt- schaft im Falle eines Krieges entstehen können, worauf die„Köl- msche Zeitung' ergänzend bemerkt: Dazu kommt die wachsende Agitation unter den Landarbeitern, die von den Sozialdemokraten ausgeht, immer stärker lv»rd und ,n dem Maße zunehmen wird, als kein« Sckritte aus der Landwirftchaft(elbst heraus zugunsten der Ar- heiter geschehen.(Folgen Angaben über das Wachstum des Land- arbeiterverbandes). In demselben Maße aber, wie dieser sozialdemokratisch geleitete Verband »eigen wird, wird der Grundbesitz gezwungen werden, srchnri t der Verbesserung der Ar- peiterverhSltntlt«»» beschäftts««. Diesen ans. ziehenden Gefahren wollte der konservative Verfasser unserer Zu- schrift begegnen, indem er für eine schleunige Reform der Lohn-, Wohn- und Rechtsverhältnisse der Landarbeiter eintrat. Mit anderen Worten: Die Arbeiter selber erweisen fich durch ihre Organisation als der treibende Keil— wie den Industriellen so auch jetzt den Agrariern gegenüber. Die„Kölnische Zeitung' sieht die„Radikalisierung der Landarbeiter" als eine„Gefahr" für die Landwirtschaft an. Das ist sie gewih nicht, ebensowenig wie die Organisierung der Industriearbeiter ein Schaden für die In dustrie gewesen ist. Die Aufklärung und der Zusammenschluß der Landarbeiter wären höchstens eine Gefahr für die Selbst- und Herrschsucht der Agrarier, und wenn die eingeschränkt würde könnte das der Landwirtschast und der Allgemeinheit nur von Nutzen sein. Im übrigen aber möge die„Kölnische Zeitung" nicht glauben, durch Reformen und Reförmchcn dem Erwachen und der Sammlung der Landarbeiter Einhalt zu tun. Das hat die Sozial reform bei den Industriearbeitern nicht fertig gebracht und es wird auch in der Landwirtschast nicht geschehen. Titelschacher in Teutschland. Eine Anzahl rheinischer Großindustrieller erhielt vor kurzer Zeit von Berlin aus Zuschriften, in denen ihnen Hoflieferantentitel an- geboten wurden. Der Vermittler erklärte, daß er in der Lage sei, durch eine entsprechende finanzielle Entschädigung diesen Titel für die Geldgeber zu erwirken. Einige Großindustrielle haben dann das Material der Staatsanwalrschaft übergeben und erhielten nunmehr vom Oberstaatsanwalt in Köln die verblüffende Mitteilung, daß man gegen den Briefschreiber mit einer Anklage nicht vorgehen könne, da er hinreichende Beweise erbringen konnte! daß er tatsächlich in der Lage sei, solche Titel zu versämffsn. Der Tarif des unternehmenden ManneS bewegt sich zwischen 4000 und 20 000 M. Katholisches Turnen. Es wird schöner mit jedem Tag! Nun sollen auch die Bauch- Wellen, Kniebeugen usw. katholisch eingetrichtert werden. Heraus aus den— interkonfessionellen, neutralen Turnvereinen! Hinein in streng katholische Turnbünde, in denen man vor dem Ein schmuggeln evangelischer oder gar konfessionsloser Weit- und Hoch sprünge geschützt ist!— Auf der in Köln abgehaltenen Generalver sammlung der Präsides katholischer Gesellenvereine beschäftigte man fich auch mit dem Teufelswerk des konfessionslosen Turnens. Folgender Beschluß wurde angenommen: „Die Generalversammlung anerkennt den gesundheitlichen und sittlichen Wert der Leibesübungen, bedauert aber lebhaft die in den letzten Jahren insbesondere bei interkon- fessionellen Vereinigungen stark hervorgetretene Ueberschätzung derselben als Mittel zur Erziehung der heran- wachsenden Jugend und lehnt grundsätzlich die übertriebene Pflege deS Sports ab. Zur Pflege der Leibesübungen und zur systematischen Vorbereitung auf die Militärzeit empfiehlt die Generalversammlung die Gründung von Turnabteilungen in den Gesellenvereinen und wünscht den Zusammenschluß dieser Turn- abteilungen zu Bezirksverbänden, wenn möglich im Verein mit l den Turnabteilungen der anderen katholischen Standesvereine, lehnt aber den korporativen Anschluß der Turnabtei lungen an interkonfessionelle Verbände, die sich die Pflege der Leibesübungen zur ausschließlichen Aufgabe machen, grundsätzlich ab. Die Generalversammlung empfiehlt die Errichtung einer gemeinsamen Zentralstelle zur Pflege der Leibesübungen in den Gesellenvereinen, Jugendvereinen und den anderen katholischen Standesvereinen." Rätselhaft bleibt nur: Warum kommt kein Pfaffe auf den naheliegenden Gedanken, katholische Unternehmerverbände zu fordern sowie Vereine katholischer Rechtsanwälte, Großindustrieller, Bankiers, Bauunternehmer usw.? Warum duldet man, daß katho» tische Scharfmacher in trauter Gemeinschaft mit protestantischen, jüdischen, atheistischen Vertretern kapitalistischer Interessen sich gegen Arbeiter verbünden? Solcher JnterkonfessionaliSmus stört die GotteSmänner nicht, ihr heiliger Eifer dient nur der Er Haltung und Förderung der— Ausbeuterordnung! Ter landesgcfährliche Strohhut. Die chauvinistischen Gewalttaten des Sonderburger Landrats haben wieder einmal die Aufmerksamkeit d«r breiten deut- schen Oeffentlichkeit auf Nord-Schleswig gelenkt, wo eine kleine Schar von friedlichen und kulturliebenden dänischen Bauern von preußischer Junkerpolitik mißhandelt wird. Da es den hakafistischen Herrschaften aber unmöglich angenehm sein kann, in ihrer nackten Blöße vor dem deutschen Volk zu stehen, haben sie augenblicklich einen wahren Heißhunger auf Handlungen, durch die sich der dänische Fanatismus belegen ließe. Es ist bekannt, daß man im Zustand des Heißhungers wenig wählerisch ist und daraus mag es sich erklären, daß sie augenblick- lich nicht einmal ein Vorkommnis von geradezu himmelschreiender Gleichgültigkeit verschmähen. Um zu verhindern, daß der läppische Unfug in Form einer chauvinistischen Lüge durch die Presse marschiere und gleichzeitig um die Mittel aufzudecken, mit denen der„dänische Fanatismus" zustande gebracht wird, sei hier die an sich heitere Sache mit- geteilt. In dem nordfchleswigschen Dorfe Bedtstedt war ein R e s e r V i st auf Besuch, der mit seiner Familie der streng religi oicn„inneren Mission" angehört. Die„innere Mission" ist schon darum gegen jeden Nation«- lismus im schlechten Sinne des Wortes gefeit, weil sie das himm- tische Heil über das irdische stellt. In der Organisation der„inneren Mission" leben Deuffche und Danen zusammen und ein im ganzen Lande bekannter beut. scher Geistlicher ,,t ihr erkorener Führer , i---- 1. u- H*■'' f WAi-A setzen, als er in die ganz nahe gelegene Kirche ging. Es würde ja keinem Menschen auffallen, meinte die Mutter. Die Mutter kannte aber weder die berufsmäßigen Denun- zianten des nordschleswigschen HakatlSmuS noch die journalisti- schen Organe derselben noblen Gelstesrichtung: Ein hakatistisches Blättchen servierte die schreckliche Geichichte seinen Lesern und schrie sofort n a ch B e st r a f u n g des Mannes, der die preußische Uniform verhöhnt habe. Da so berechtigte Wun)che aber in Preußen selten unerfüllt bleiben,, erhielt der Reservist, für den eine politische Demonstration während des Gottesdienstes an einem für ihn heiligen Ort geradezu ein Frevel gewesen wäre, 14 Tage strengen A r t e st aufgebrummt. Und augenblicklich marschiert dieser Vorgang, der lediglich für schmutzige preußische Denunziantentum bezeichnend ist, als ein Beweis für den„dänischen Fanatismus" durch die Presse. Es n>iod gut sein, den elenden Schwindel aufzudecken bevor �.�onymen Korrespondenzen des Sakatismus ihn ,n ihrer wahr- ginnen Art für chauvinistische Zwecke auszuschlachten be- . a,c unerbittliche Militärjustiz. ,-3" der ungeheuerlichen Strafe von acht Jahren Ge- kkanh,?«™ � das Oberkriegsgericht des 4. Armeekorps zu Ma[chcBurg ben TCUudrgefangenen Karl A rends. Arends ist nn 31. �.rben-iahre und wurde vor fünf Jahren als unsicherer Kantonist eingezogen. Bi« dahin war er völl� unbestraft. Beim • r» das Blatt- in den �kilitärjahren hat er fich nicht weniger als 0g Disziplinar- und 7 acricht ick e Strafen zugezogen! Bor dem Oberkricgsgerickt bat».,-/ kick, weaen zahl- reicher(!) Fälle von tätlichen VorÄsedte Mder- Auistlokal anssührte. emem ihm entgegentretende» FeLiwebel eine Putzkiste ins Gesicht geworfen, einem Sergeanten hatte er mit einem Ziegelstein bedroht u. dgl. mehr. Der Widerstand wurde darin gefunden, daß er wiederholt Aeußerungeu wie:„Faßt mich nicht an, ich kann gewaltig schlecht werden!" oder:„Ich folge nicht mehr; ich will meine Freiheit haben!" den Vorgesetzten gegenüber getan hatte. Der Angeklagte gab die ihm zur Last gelegten Straftaten restlos zu, behauptete aber, geistig nicht normal zu sein; gegen Sergeanten z. B. befalle ihn stets ein Koller. DeS Geständnisses wegen verzichtete das Gericht auf die Vernehmung von Zeugen und hörte nur zwei ärztliche Sachverständige, die den bedauernswerten Menschen auf seinen Geisteszustand untersucht, aber nichts Anormales gefunden hatten. Der Anklagevertreter beantragte 10 Jahre Gefängnis und Eni- fernung aus dem Heere, während der Verteidiger der geringen Bildung deS Angeklagten wegen bat, nicht über das.Mindeststraf- maß hinauszugehen. Das Gericht erkannte, wie erwähnt, auf acht Jahre Gefängnis und Entfernung aus dem Heere. Ob nicht doch ein Kranker dem Gefängnis überantwortet ist? Wie man Soldatenmisthandlnngen ausrottet. Vor dem Kriegsgericht in Straßburg i. E. wurde am Freitag gegen den Hauptmann Derichs wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt verhandelt. Der Hauptmann hatte zwei Soldaten, die über den Zapfenstreich hinaus ausgeblieben waren, mit drei und fünf Tagen Haft bestraft und außerdem angeordnet, daß beide Soldaten jeden Abend mil Gewehr und feldmarschmäßig ausgerüstetem Tornister einen 20 Kilometer langen Marsch auszuführen hätten. Am zweiten Tage brach einer dieser beiden Soldaten gleich hinter den Toren der Stadt Straßburg ohnmächtig zusammen und mußte nach dem Lazarett gebracht werden. Wegen dieser Maßnahmen wurde der Hauptmann zu fünf Tagen Stubenarrest verurteilt.— Der Anklagevertreter hatte 43 Tage Gefängnis beantragt. Oefterrdd). Aus Kroatien. Der Bonus Zuwaj hat abgewirtschaftet. Zum Kgl. Kam- missar wurde der Graf Pejatschewitsch ernannt und in dem betr. Schreiben hofft der Kaiser-König auf baldige Wieder- Herstellung der norinalen Zustände, allerdings bei Aufrecht- erhaltung der staatsrechtlichen Gemeinschaft mit dem den Südslawen tief verhaßten Ungarn. Der böhmische Staatsstreich. In der Landeskasse des Königreichs Böhmen werden am 1. August noch IS lKXZ Kronen sein. Der Oberstlandmarschall (Landtagspräsident) Prinz Lobkowitz hat genug von der Dalleswirtschaft Und geht. Eine vielleicht nur aus Beamten bestehende Verwaltungskommission wird die Kuratel über das der Verfassung beraubte schöne und reiche Land ausüben. Vielleicht wird auch ein neues Landtagswahlrecht oktroyiert, das den Kurien der Großgrundbesitzer, Städte- bourgeois und Bauern eine Arbeiterkurie mit etwa 40 Mandaten(zu den jetzigen 262 der Besitzenden) hinzufügt So weit hat es der bürgerliche Nationalismus gebracht. Prag, 26. Juli. Die dem konservativen Großgrundbesitz angehörenden Mitglieder des Landesausschusses haben in der Landesausschußsitzung vom 23. Juli im Anschluß an die Er klärungen des Oberstlandmarschalls die Niederlegung ihrer Mandate erklärt mit der Bemerkung, daß diese Niederlegung gleichzeitig mit der Annahme der Demission des Oberstland- Marschalls in Wirksamkeit zu treten habe. Wien, 26. Juli. Die morgige.Wiener Zeitung" veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben an den Ministerpräsidenten Grafen Stuergkh, in dem der Kaiser in landeSväterlicher Fürsorge für das Königreich Böhmen, dessen autonome Verwaltung nunmehr zum völligen Stillstand gekommen ist, kraft seiner Regentenpflicht Anordnungen getroffen hat, welche die Fortführung dieser Ver waltung in die Hand von Persönlichkeiten seiner Wahk legen und durch Erschließung einzelner zur Deckung deS dringendsten Bedarfs bestimmten Einnahmequellen ermöglichen sollen. Das Amtsblatt veröffentlicht weiter ein kaiserliche» Patent, durch das die Auflösung des böhmischen Landtags ver- fügt und die Regierung damit betraut wftd, im geeigneten Zettl punkt Neuwahlen vorzunehmen. Ein weiteres kaiserliches Patent setzt eine aus Beamten bestehende LandeSverwal- tungSkommission ein, zu deren Präsident daS bisherige Mitglied deS böhmischen LandeSausschusseS und Vizepräsident des Reichsgerichts Graf Schönborn ernannt wird. In demselben Patent wird die Erl höhung gewisser LandeSsteuerzuschläge und die Einführung einer Bier aufläge als Hilfsmittel für die Fortführung deS Landeshaushaltes verfügt. Italien. Was der Militarismus verschlingt. Rom, 24. Juli.(Eig. Ber.) Die„Gazzetta Usficiale" beröffentl licht einen Ueberblick über die Situation des Schatzes am 30. Juni 1913. Es geht daraus hervor, daß die GesamtauWlben deS Ge- barungSjahreS 1912/13 8174 763 363 Lire betrugen, von denen mehr als dritte Teil, nämlich 1 083 164 332 Lire für Heer und Marine draufgegangen find, 260 Millionen mehr als im Borjahre. Ueber eine Milliarde Militärausgaben in einem Jahre I Und da wundert man sich, wenn für Arbeitcrverficherung und Urbarmachungen das Geld fehlt! Marokko. Vom Kampf zwischen Spaniern und Kabylen. Paris, 26. Juli. Nach einer Madrider Meldung wurde eine spanische Truppenabteilung bei Ceuta von Kabylen überfallen. Ein Offizier und fünf Mann wurden getötet und fünf Mann verwundet. Die Angreifer wurden schließlich in die Flucht geschlagen. Llntu. Eine Niederlage der südstaatlichen Revolutionäre. Schanghai, 26. Juli. Die Einnahme von Hsü-Chow-Fu durch die Norbtruppen wird amtlich bestätigt. Auf die Ergreifung deS Generals Huanghsing, sei er tot oder lebend, sollen 200 000 TaelS ausgesetzt worden sein. Die Besatzung der Wusungforts hat sich den Nordtruppen angeschlossen. Hanka«, 26. Juli. Nach Meldungen aus Kiukiang haben die Nordtruppen gestern allgemein den Vormarsch begonnen und die Aufständischen sich in Unordnung zurückgezogen. Die Nordtruppen überschritten den Fluß und besetzten die Elefanteninsel, von wo auS sie die Hutauforts zu beschießen begannen. Heute erbaten über tausend Ausländer, meist Frauen und Kinder, in Kuling Schiffe zu ihrem Schutz. Schutz der Fremden in Schanghai. Schanghai, 26. Juli.(W. T. B.) Mit Rücksicht auf die im Lande und in den Porstädten von Schanghai umherziehenden Streitkräfte der Aufrührer ist heute früh in einer Versammlung des Konsular- korps der städtischen Behörden beschlossen worden, Matrosen zu landen und eine Postenkxtte um die Fremdeaniederlassung einzu- richten. Auch an beiden Ende» dar Suchowbucht»nd an den Gren» S« � Sttederlaffnng ßnd Posten aufgestellt Wörde», die den Be- fehl erhalten haben, den Durchzug der Aufrührer zu hindern. In der Stadt ist eine Bekanntmachung veröffentlicht worden, die den Kriegführenden und allen sich aktiv an dem Aufruhr Beteiligendcu anzeigt, daß die Niederlassung für sie geschlossen ist. Em Induftnc und Handel. Zur Beurteilung der HandclSstatistik. Wie wenig man die An» gaben der offiziellen Statistiken über den Außenhandel als absolut zuverlässig betrachten darf, zeigt ein Vergleich der Zahlen über den deutsch- russischen Handelsverkehr in der russischen und deutschen Statistik. Die Differenzen sind umso interessanter, als die Erneuerung des Handelsvertrages zwischen den beiden Ländern be- reits lebhaft erörtert wird. Rußlands Ausfuhr nach Deutschland beträgt(in Millionen Mark): russische Statistik deutsche Statistik 1911 1079 1634 Mill. Mar! 1912 � 998__ 1528, — 81— 106 Mill. Marl Beide Angaben konstatieren eine Verminderung der russischen Aus« fuhr. In der deutschen Statistik erscheint aber die russische Aussuhr bedeutend höher. Noch größer fallen die Differenzen in den Zsngaben über Rußlands Einfuhr aus Deutschland aus: russische Stafistik deutsche Statistik 1911 1049 626 Mill. Marl 1912__ 1144_ 679, + 95+ 54 Mill. Mark twar konstatieren beide Statistiken eine Zunahme der ruMchen infuhr aus Deutschland, aber nach deutschen Angaben ist sie fast doppelt so groß als nach russischen. Vergleicht man nun noch Ein- fuhr und Ausfuhr mit einander, so ergibt sich folgendes überraschende Ergebnis: Nach der russischen Statistik ist die Einfuhr Rußlands größer als die Ausfuhr nach Deutschland(die russische Handelsbilanz wäre also passiv), nach der deutschen Statistik führt Rußland aber mehr nach Deutschland aus als es von dort einführt(Rußlands Bilanz wäre demnach aktiv). Solch erhebliche Unstimmigkeiten müßten durch zweckmäßige internationale Abmachungen über die Technik der Zollstatistik vermieden werden. .(Siehe auch erste Beilage.)! und Em der Partei* Ein sozialdemokratischer Landrat. der erfolgten Eingemeindung der Vororte Lechhausen .ochzoll zur Stadt Augsburg hat die Stadt Anrecht auf einen" weiteren Vertreter im Landrat für Schwaben und Neuburg erhalten. In der durch die beiden städtischen Kollegien vorge- nommenen Wahl wurde mit den Stimmen der Liberalen ein So» zialdemokrat, der Gewerkschaftssekretär Genosse Wern- thaler als sechster Vertreter in den Landrat gewählt, ebenso ist der gewählte Ersatzmann ein Sozialdemokrat. Mit der Wahl de§ Genosien Wernthaler zieht der erste Sozial« demokrat in den schwäbischen Landrat ein, eine Korporation, die über die Verwendung der Mittel des Regierungsbezirks Schwaben und Neuburg zu beschließen hat und deren Zusammensetzung au Rückständigkeit nicht mehr übertroffen werden kann. Die Landräft in Bayern entsprechen den Kreistagen in Preußen. Fortschritte im Süden Oesterreichs. Unsere italienischen Genosse» in der Küstenprovinz Görz-Gradiska konnten jetzt ihre Stimmenzahl bei den Landtagswahlen auf 3034 steigern, während sie 1909 erst 1236 erlangt hatten. Die sozialdemokratischen Wähler sind zu einem erheblichen Teil Bauern.___ Hetzte ffoebriebten. Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen. Belgrad, 26. Juli.(W. T. B.) Wie verlautet, werden nach einem neuerlich getroffenen Uebereinkommen die mili- tärischen Verhandlungen über den Waffenstillstand in Nisch parallel mit den Friedensverhandlungen in Bukarest ge- pflogen werden.__ Die Cholera in Saloniki. Trieft, 26. Juli.(W. T. B.) Amtlichen Berichten zufolge ist in Saloniki die Eholera ausgebrochen, daher werden alle Provenienzen aus den Häfen längs des Küstengebietes, welches sich vom Bosporus bis zum Golf von Saloniki und zwar bis zur alten griechischen Grenze erstreckt, gernäß den einschlägigen restriktiven Bestimmungen behandelt werden. Umfang der Cholera in Serbien. Belgrad, 26. Juli.(W. T. B.) Amtlichen Berichten zufolge wurden innerhalb deS Königreichs Serbien im ganzen bisher vierhundert Cholerafälle festgestellt, wovon 161 t ö d» lich verliefen. Unter den an Cholera erkrankten Personen be- finden sich 348 Soldaten, unter den an Cholera verstorbenen 133 Soldaten. In Belgrad wurden bisher insgesamt 118 Cholera- erkrankungen festgestellt, von denen 48 tödlich verliefen, davon sind 106 bezw. 42 Soldaten. Schweres Automobilunglück. Schweinfurt, 26. Juli.(W. T. B.) Ein Hamburger Automobil wurde heute auf der Straße Werneck-Schmackenwerth infolge Platzens des Pneumatics gegen einen Baum geschleudert und voll» ständig zertrümmert. Von den Insassen wurde der Redakteur Jo. Hann Bader aus Hamburg getötet, drei Hamburger Herren wurden schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Zugzusammenstoß. Thale(Harz), 26. Juli.(W. T. B.) Heute nachmittag um 4 Uhr fuhr der Eilzug 377 beim Rangieren mit derartiger Gewalt auf einen stehenden leeren Personenzug, daß sämtliche Eilzug- wagen beschädigt und der Packwagen kerzengrade'in die Höhe ge- drückt wurde. Ein Rangierer wurde schwer verletzt. Raubmord im Eisenbahnzuge. .r Darmstadt, 26. Juli.(SB. T. B.) In einem Abteil zweiter Klaffe des Personenzuges Frankfurt-Heidelberg wurde heute nach- mittag ein Mann tot und anscheinend beraubt auf» gefunden. Der Tote der ist der Kaufmann B r e ch n e r auS Darmstadt. Brechner war nachgewiesenermaßen gegen 12 Uhr mittags in Langen in den Zug nach Frankfurt gestiegen und dann von Frankfurt wieder zurückgekehrt._ Die Eisenbahnkatckstrophe in Dänemark. Kopenhagen» 26. Juli.(W. T. B.) Bei dem Eisenbahnunglück bei Esbjerg sind folgende Deutsche umS Leben gekommen, Richard Wellner aus Dresden, der Opernsänger Borrs aus Düsseldorf, Artur Wcllner auS Berlin. Unter den Toten befindet sich ferner ein Knabe mit Namen Oertheilncr und ein Knabe, dessen Taschen- tuch mit den Buchstaben R. F. gezeichnet ist. Bei dem letzteren ist es zweifelhaft, oi er ein Deutscher oder Engländer ist. Unter den Schwerverwundeten befinden sich folgende Deutsche: Frau Opern- sänger Borr« und Frau Elisabeth Wellner-Dresden; unter den Leichtverletzte» Frau Margarete Krause und ihr Sohn Arno Krausq�erliu, Wielandstraße tych Frau fc&t frjflhSBftffr. AWERTHEIM Ii LEIPZiGER STRASSE 1 KÖNIG-STRASSE Schriftliche Besiellangen sind an die Versand- Abteilung Berlin W.66 zu richten. ROSENTHALER STR. ORANIEN-STRASSE % / GROSSER VERKAUF % # Reise- u. Uebergangs-Hüte Weicher Loden-Gamin q cn Schwarze Lack- Kappe o mit Tuch-Bandeanx mit weichem Rand........... i'w Damen-Wäsche Taghemden mit sü�erei 1.80, 1.95 Loden-Mütze S/T: 7' 3.25 Filz-Velour-Kappe weich, mit q Lack-Schmetterling und Einfassung. 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UetHrall trhälllich, niemals losa, mfr in Original-Paketen. henkel& Co, Düsseldorf,««h r.bnv«,., a., nenKei 5 Dieicn- dOCla.» _______ i,-----J* fiti iinilTLJV.Uim:--------»>»»»»»»___■-■""J""»"■ • mfrtfe Wiklepp. AeuMs. Lnferajevted veran�v� ia.Gt» zuverlässiger, haltloser wird als je, wenn keine Seite über die andere das entschiedene Ucberaewicht erlangt. Sie kann eine völlige Zersplitterung des Liberalis m u s herbeiführen, sie kann aber auch zur Folge haben, daß inner. halb des Liberalismus die kapitalistischen, konservativen Elemente den intellektuellen, vorwärtsdrängenden Elementen energischer als bisher entgegentreten, diese überwinden und den Liberalis- muö noch konservativer gestalten, als er schon geworden war. Endlich ist es aber auch möglich, daß ein kluger Rattenfänger a la Bülow die wildgewordenen Jntellek- tuellen wieder einfängt und durch ein paar Zuckerbrötchen zähmt, so daß sie sich ebenso geduldig wie 1907 wieder an den Regierungs- karren spannen lassen. Alle diese Eventualitäten sind möglich und darum wäre nichts verkehrter, als wenn wir das Schicksal unserer Partei von dem des Liberalismus abhängig machen, mit ihm in eine engere G«. meinschaft treten oder um seinetwillen auch nur ein J.tüpfelchen unserer bisherigen Taktik auf. geben wollten. Man vergesse nicht, daß der Liberalismus trotz der fort schreitenden Zunahme der Angestellten in seinen Reihen immer noch sehr stark mit kapitalistischen Elementen durchsetzt bleibt. Vor allem aber vergesse man nicht, daß der„neue Mittelstand" eben deshalb, weil er ein Mittelstand ist und eine Mittelstellung zwischen zwei Klassen einnimmt, ebenso zwischen einerseits und anderseits hin und her schwankt, wie es der alte Mittelstand tat." Man sieht also, ich warnte damals vor den Illusionen jener Genossen, die aus der liberalen Abstimmung bei der Präsidenten- Wahl neue Argumente für einen Grotzblock der Linken zu gewinnen gedachten. Im weiteren Fortgang des Artikels aber wies ich auf die Notwendigkeit einer energischen sozialdemokratischen Propaganda unter den Angestellten hin. von denen ein immer größerer Teil in rein proletarische Existenzbedingungen versinke. Mein Artikel galt viel mehr den Angestellten als den Liberalen. Ich schloß mit folgenden Worten: „Neue Waffen Asoziale Reformen) oder(wenn er darin ver- sagt) neue Rekruten oder beides vermag uns der neue Reichstag zu dringen, �.rei grohe Gebiete der Rekrutierung haben wir uns zu erschließen. Gelingt es uns. die Zentrumsar- beiter aui kirchlichen�-Asel zu befreien, die ostelbischen wappnen. des n e u �„ h, Mehrheit des deutschen Bolkes gewonnen und unserer weiterer Vorniarsch wird unwiderstehlich. Die Liberalen haben jetzt die Wahl, mit uns im Kampfe gegen Zentrum und Konservative soziale und demokratische Re- formen durchzusetzen, die den Parteien der Rechten ihre letzten Arbeiterwähler nehmen, oder in d s e s e m K ampfe zu ver- sagen und dann um 10 raicherden besten Teil ihrer eigenen Kraft an uns zu verlieren. Ob so oder so. wir haben nur�zu gewinnen. wenn wir uns selbst treu bleiben. Das sind die Ausführungen, die Genossin Luxemburg jetzt als -trügerische Illusionen" über den Liberalismus bezeichnet. Ich halte diese Ausführungen heute noch für ebenso richtig, wie damals, °ls sie geschrieben wurden, habe kein Wort davon zurückzunehmen; la. ich glaube, daß ich kein Wort hinzuzufügen brauch«, um sie zu rechtfertigen. Sie sprechen wohl deutlich genug für sich selbst. ■„K6 Kennzeichnung der Art. in der Genossin Luxemburg meinen Gedankengang wiedergibt, kann ich getrost dem Urteil der 2e,er uberhzstzn.° ö' K. Kautskh. Das ffiaffenftreifcprobkin. In Nr. 41 und 42 der„Neuen Zeit" nimmt Genosse Karl KautSky ebenfalls Stellung zur Massenstreftfrage. Er knüpft l ün'cr der Spitzmarke Nachgedanken zu den nachdenklichen Betrachtungen" an bier erwähnten „nachdenklichen Betrachtungen" des Genoffen Merfeld und an die � di?meu� Waklr� S�won zur Wehrvorlag- s°wi- P B� unb Mrt in Nr. 41 u. a. auS: „ auch d« Klage«her die drohende Versumpfung der Partei so alt wie sie selbst. Seit vierzig Jahren hören wir sie immer wieder, und dabei marschieren wir rüstig voran. Da wird man etwas abgestumpft gegen diese Klage. Dafür schelten mich auch meine Freunde einen Optimisten. Mein Optimismus hat indes bisher immer recht behalten. Ich sehe keine Ursache, ihn abzulegen. Kein Zweifel, es ist im Parteileben augenblicklich ein gewisser Stillstand zu verzeichnen, der an manchem Ort sogar zu einem Rückgang der Abonncntenzahlen der Parteipresse und der Mit- gliederzahlen der Parteiorganisationen geführt hat. Das ist sicher nicht erfreulich, aber noch lange keine bedenkliche Erscheinung. Für einen Proletarier bedeutet es ein gewaltiges Opfer an Zeit und Geld, wenn er Mitglied einer Parteiorganisation ist. Diese Opfer entspringen reinem Idealismus, sie werden nicht wie bei den Gewerkschaften durch materielle Gegenleistungen aufge- wogen. Wir dürfen daher nie erwarten, daß unsere Parteimit- gliedschaften jemals die Stärke der Gewerkschaften erlangen. Noch auch, daß sie ihre Mitglieder ebenso festhalten wie diese. Bei dem Aufgeben der Parteimitgliedschaft droht einem kein materieller Verlust, ja nicht einmal ein ideeller ist unvermeidlich, denn man kann an den Zielen unserer Bewegung dasselbe Interesse nehmen, ob man in der Organisation steht oder nicht. Eine Verteuerung der Lebenshaltung, ein Sinken der Löhne, Wachsen der Arbeits- losigkeit wird daher in den Mitgliederzahlen der Parteiorgani- sationen weit stärkere Fluktuationen hervorrufen und weit eher eine Verminderung dieser Zahlen herbeiführen, als es bei den Gewerkschaften der Fall ist. In eine Periode dieser Art sind wir jetzt eingetreten. Die Teuerung dauert unvermindert an. und schon zeigen sich Anzeichen eines Konjunkturrückganges. Noch ist es nicht entschieden, ob er bald vorübergeht oder länger andauert. Jedenfalls nimmt er bis- her an Schärfe immer zu. In solchen Zeiten heißt es für den Proletarier mehr als je an allen Ecken und Enden sparen, und nur der stärkste Idealismus noch vermag ihn zu veranlassen, seine Mitgliedschafts- und Abonnementsbeiträge zu bezahlen, wenn es am Nötigen fehlt. Wem dieser starke Idealismus mangelt, der fällt ab, und daneben wächst noch in jenen Zeiten die Zahl, jener, die bei allem hingebenden Idealismus nicht mehr imstande sind, ihre Parteipflichten zu erfüllen. Das bedeutet keineswegs ein Sinken der Werbekraft unserer Ideen, sondern nur ein Sinken der Lebenshaltung der Bevölkerung in Krisenzeiten. Die daraus er- wachsende Erbitterung kann im Gegenteil die Werbekraft unserer Ideen gewaltig verstärken, was bei der ersten günstigeren Ge- staltung der Verhältnisse ein um so rascheres Wachstum der Mit- glieder- und Abonnentenzahlen hervorrufen muß. Aber ist nicht auch die Erbitterung der Massen, ihr revo- lutionärer Elan im Abflauen begriffen? Das scheint im Moment allerdings der Fall zu sein, und Meerfcld hat recht, wenn er diese Erscheinung als eine solche be- zeichnet, die Grund zum Nachdenken gibt. Doch auch da scheint er mir zu schwarz zu sehen. Man kann nicht in ununterbrochener Erregung begriffen sein. Wenigstens bei einem gesunden Organismus kommt das nicht vor. Nun sagt man freilich, die Massen hätten in der Gegenwart be- sonderen Grund, erregt zu sein und revolutionären Elan zu ent- wickeln, und wenn sie es nicht täten, sei nur die Partei daran schuld. Ist dem so, dann trifft aber die Schuld nicht bloß die deutsche Sozialdemokratie allein. Sie soll die Aufgabe gehabt haben, Massenaktionen gegen die Kriegsgefahr zu veranlassen. Aber wo blieben die Massenaktionen gegen die Kriegsgefahr in Frankreich, in Italien, in Oesterreich, in Ruhland? Freilich wird behauptet, den Wehrvorlagen gegenüber habe das französische Proletariat sich weit energischer zur Wehr gesetzt wie das deutsche. Aber wie kann man die augenblickliche Situation in Deutschland mit der in Frankreich vergleichen! WaS heute in Deutschland gefordert wird, die Ausdehnung der allgemeinen Wehrpflicht auf alle wehrhasten Männer, ist in Frankreich längst bis auf den letzten Mann durch- geführt, ohne daß sich dort die geringste Bewegung im Proletariat dagegen kundgab. Soll aber etwa die Besteuerung der Besitzenden die Massen zu stürmischen Protesten erregen? Was in Frankreich eine lebhafte Bewegung hervorrief, war nicht die ausgedehnte Anwendung der allgemeinen Wehrpflicht, sondern die Ausdehnung der Dienstpflicht des Einzelnen von zwei auf drei Jahre, von der schon die jetzt Dienenden betroffen werden. Das ist eine ganz andere Sache, und die mußte den energischsten Widerstand hervorrufen. Die verderbliche Seite der deutschen Wehr- Verlage liegt vor allem in ihren Rückwirkungen auf die auswärtige Politik, in der Verschärfung deS Gegensatzes zwischen Deutschland und Frankreich, sowie in der ökonomischen Schädigung, die auS der Lahmlegung so vieler Tausender von Arbeitskräften hervorgeht. Diese verderblichen Seiten liegen nicht für jedermann ohne weiteres klar zutage. Den Massen, die nicht unsere Presse lesen, nicht unsere Versammlungen besuchen, kommen sie nicht zum Bewußtsein. Aber auch für die Mehrheit unserer Leser und Versammlungsbesucher ind jene Schäden zunächst nicht direkt empfundene, sondern nur durch Nachdenken erkannte. Erst die Reichstagsverhandlungen konnten allmählich den Massen die Augen darüber öffnen. Ganz plötzlich die Führer daran schuld, die die Massen nicht gehörig vc- geistern. Jetzt ist aber noch ein neuer Sündenbock aufgetaucht: die Or- g a n i s a t i o n." .Genosse Kautskh geht jetzt auf die Id. Li. gezeichneten Artikel der„Leipziger Volkszeitung" ein, die wir unseren Lesern im Auszuge mitgeteilt haben. Er schreibt dazu u. a.: ..... Jene ganze Auffassung wird nur verständlich als Aus- fluß russischer Verhältnisse. Die Zustände in der Arbeiterbcwc- gung Rußlands erscheinen als das Ideal, das dem verfaulten Westen zu predigen ist. Tie russische Not wird zu internationaler Tugend. In Rußland ist die öffentliche Organisation des Proletariats fast völlig unterbunden. Die geheimen Organisationen sind not- wendigerweise klein. Sie sind die Führer der Massen, die unorganisiert bleiben müssen und die bei dem Fehlen politrscher Rechte fast keine andere BctätigungSweise kennen als den Streik. Das ist aber keineswegs ein Zustand, der dem russischen Pro- letariat ideal erscheint. Die Gewinnung des Koalitions-, des Versammlungs- und Vereinsrechtes erscheint ihm als die wichtigste Aufgabe. Das heißt, es strebt nach dem Rechte, ebenso große und starke Organisationen aufzubauen wie die westeuropäischen Brüder. ES sieht darin die beste Waffe, aus seiner unerträg- lichen Lage zu entrinnen.... ... unsere russischen Brüder sind durchaus keine Schwärmer für die unorganisierte Menge, und sie suchten die Errungenschaften der Revolution vor allem zur raschesten Gewinnung der angeblich so hemmenden Einflüsse starker zentralisierter Organisationen zu benutzen. � ra,, Andererseits sehen unsere belgischen Genossen m der Ruck- ständigkeit ihrer gewerkschaftlichen Organisationen auch keine Quelle der Stärke, und sie sind nach Kräften bestrebt, ihr ab- zuhelfen.... Wer bildet denn diese unorganisierte Masse? Sie setzt sich zusammen auf der einen Seite aus Elementen, die zu kraftlos, zu gedrückt, zu isoliert, zu verkommen sind, um sich mit ihren Brüdern dauernd zu gemeinsamem Kampfe zusammenzuschließen, und andererseits aus Elementen, die zu unwissend und gedanken- loS sind oder noch zu sehr befangen in bäuerlichen oder klein- bürgerlichen Vorurteilen, um den Nutzen der Organisation zu erkennen. Endlich aus gesinnungslosen Elementen, die auf Kosten ihrer Brüder ihren Vorteil suchen. Jeder Versuch, eine dieser Schichten höher zu heben und aktionsfähig zu machen, muß Hand in Hand mit dem Versuch gehen, ihnen die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Organisation und den Mut zur Organisatwn beizubringen. Und alle jene Elemente, bei denen jeder derartige Versuch bisher gescheitert ist. die sollen die sicherste Grundlage. die energischste Streitmacht für unsere Kämpfe abgeben, den„be- geisterten Heerbann", der„nie versagt", wenn nicht die„orgam- sierte Partei" versagt! Doch wozu Eulen nach Athen tragen und deutschen Prole- tariern beweisen, daß die Organisation ihre unentbehrliche, ihre beste und schärfste Waffe ist. Natürlich sichert der Besitz der Wafte noch nicht den Sieg; dieser erfordert auch die nötige Kraft, In- telligenz und Geschicklichkeit zu ihrer Führung. Die Kraft hängt in erster Linie von den ökonomischen Bedingungen ab. Sie wächst in Zeiten der Prosperität und sinkt in Zeiten der De- Pression. Tie Intelligenz und Geschicklichkeit der organisierten Massen hängt dagegen vor allem von unserer AufklärungStätig- keit ab. Niemand wird behaupten wollen, daß unsere Partei sie vernachlässigt. Endlich aber, gerade weil die Organisation so wichtig und unenthehrlich ist, weil die unorganisierte Masse unberechenbar. nur auf die unorganisierte unter allen Umständen zu zählen ist, ist es eine unserer dringendsten Aufgaben, stets dafür zu sorgen, daß die Organisation nicht bloß wächst, sondern auch aufs zweck- mäßigste gestaltet ist. Mit dem Wachstum der Organisation müssen auch ihre Formen wechseln, soll das Gewicht unserer Rüstung nicht zu schwer werden. Das darf uns indes nicht hindern, am Wachstum unserer Organisation unermüdlich zu arbeiten. Sie kann nre zu groß und zu stark sein. Kein Zweifel, mit dem Wachstum unserer Organisation wächst nicht bloß ihre Kraft, sondern auch ihre Vorsicht. Gegen Abenteuer und Handstreiche verhält sie sich immer ahlchnender, es bedarf immer gewaltigerer Anstöße, sie zu Aktionen zu ver- anlassen. Sind diese Aktionen einmal im Gange, dann werden aber auch ihre Konsequenzen immer umfassender. Für Abenteuer und Quertreibereien wird die wachsende Organisation ein wach- sendes Hemmnis. Aber dieser Nachteil ist zu ertragen." -_(Fortsetzung folgt.) Mrtichaftllcher Nochenbericht. Ter Stabeisenverband gescheitert.— Die Exportpolitik des Stahlwerksverbandes. In der vergangenen Woche sind die zu Düsseldorf gepflogenen ...- Verhandlungen zur Bildung eines Stählwerksverbandes endgültig anders die Ausdehnung der Dienstzeit von zwei Jahren auf drei. Angestellt worden. Gleich nachdem der Etahlwerksverdand Ende DaS spürt jeder Betroffene sofort in eindringlichster Weise am eigenen Leibe, und mit ihm seine Familie und seine Freunde. Eine solche Last urplötzlich den Proletariern auf die Schultern gewälzt, muß ihre wildeste Empörung wachrufen. Wenn heute in Deutsch- land die Regierung verfügte, daß alle Soldaten, die jetzt im zweiten Jahre dienen, statt im Herbst entlassen zu werden noch ein drittes Jahr in der Kaserne sich schurigeln lassen sollten, würde auch in Teutschland eine sehr energische Protestaktion die Folge sein, wohl weniger als in Frankreich in den Kasernen selbst, dagegen mehr außerhalb der Kasernen in der Zivilbevölkerung. Und diese letztere Bewegung wäre vielleicht noch energischer als die jetzige in Frank- reich. Denn was dort in die Augen fiel und was an deutschen Ver- Hältnissen gemessen einen revolutionären Anstrich hatte, das tvaren die Auflehnungen einiger Hunderter heißblütiger Männer in Uni- erm. Eine Massenbewegung der Zivilbevölkerung, von einer Wucht, die allein bewirken konnte, daß jene Auflehnungen bessere Resultate erzielten als die Verurteilungen der„Rädelsführer" und die Opferung einer Reihe von Existenzen: daß sie eine politische Wir- kung hervorbrachten— eine solche Massenbewegung blieb völlig aus. Es ist also nicht richtig, daß die deutsche Sozialdemokratie augenblicklich viel weniger Kampfeslust und Elan entwickelt als ihre Bruderparteien. Richtig ist, daß die Haltung der Massen in Deutschland wie anderswo unsere..Massenaktionäre" zurzeit enttäuscht. Aber�daS ist ihnen schon einigemal passiert und wird ihnen noch öfter passieren. Natürlich suchen sie die Schuld nicht bei sich selbst, bei ihrer mangelhaften Vertrautheit mit dem Fühlen und den LebenSbedin- gungcn des Proletariats. Anstatt als gute Marxisten zuerst die heutige ökonomische Situation zu untersuchen, erklären sie frisch- weg, wie immer die ökonomischen und politisck>en Bedingungen sein mögen, die Massen seien stets bereit, auf die Straße zu gehen, stets bereit zu streiken, und wo das ausnahmsweise nicht der Fall, sei die Schuld bei einzelnen Personen oder gar hei einzelnen Worten zu suchen, so zum Beispiel in der Tatsache, daß ich mir heraus- nahm, die Taktik, die unsere Partei schon ein halbes Jahrhundert lang verfolgt,„Ermattungsstrategie" zu nennen. Daraus konnte offenbar nichts anderes folgen als Ermattung in den eigenen Reihen. Die Massenaktionäre drehen sich da in einem sonderbaren »reise. � Auf der einen Seite sagen sie, die Massen seien unfehlbar, re versagten nie und drängten stets die unwilligen Führer vor. vwrts— unh wenn dann die Massen doch versagen, dann find April v. I. verlängert worden war, ohne die S�Zrodukte(darunter auch Stabeisen) in die Kontingentierung hineinzubegiehen, begannen vorläufige Besprechungen zwecks Gründung eines Stabeisenvcr» bandeS. Wer erst als im Winter d. I. die Zeichen der beginnenden Konjunkturabschwächung deutlicher wurden, kam es zu eigentlichen Verhandlungen, die jetzt nach sechswöchentlicher Dauer als erfolglos aufgegeben worden sind. Schon die Geschichte der Stabeisen-Konventionen zeigt, daß der Syndizierung dieses Produkts besondere Schwierigkeiten ent- gegenstehen. Während im alten Stcchlwerksverband(vor 1912) die.�.-Produkte(Halbzeug, Eisenbahnmaterial, Formeisen) shn» diziert waren, blieb Stabeisen gleich den übrigen L-Produkten nur kontingentiert. Für jene setzte der Verband auch die Preise fest und vermittelte den Verkauf durch eine gemeinsame Verkaufs- stell«; bei diesen stand ihm nur die Festlegung der Gesamtproduktion und ihre Verteilung an die einzelnen Werke zu. Bis zum Jahre 1911 wurde diese Stabeisen-Kontingentierung des Stählwerksverbandes durch ein« besondere Stabeisenkonvention ergänzt, die auch die Befugnis der Preisfesffetzung ausübte. Der Verkauf geschah dagegen auch hier nicht durch eine Verkaufsstelle, sondern blieb den einzelnen Werken überlassen. Mit dem StahlwerkSver- band in der alten Form fiel auch die Stabeisenkonvention. Die einzelnen Werke suchten sich nun für die Beibehaltung der Shndi- zierung von �-Produkten durch forcierte Produktion der L-Pro- dukte(Stabeisen, Waizdraht, Bleche, Gußstücke) zu entschädigen. Schon früher hatte die Erzeugung von L-Produkten innerhalb deS Stählwerksverbandes erhebliche Steigerungen erfahren. Die Be- teiligungsziffer für Stabeisen z. B. stieg von 1,89 Millionen Ton, nen im Jahre 1904 auf 3,48 Millionen Tonnen im Jahre 1911. Damit umfaßte Stabeisen mehr als die Hälfte der Gesamibetei» ligung von L-Produkten. I« mehr durch eine straffe Syndizierung der.�-Produkte den Werken Beschränkung auferlegt wurde, um so mehr suchten sie das durch Erzeugung von L-Produkten aus» zugleichen. Hätten nun die Werke einer Kontingentierung von Stab, eisen zugestimmt, so wären wahrscheinlich von jetzt an die übrigen L-Produkt« ein solches Sicherheitsventil für die Werk« geworden. Jede Einschränkung in Stabeisen würde sofort eine Ver, ondjning von Produktion und Adsatz in Walzdraht, Blechen, Röh- rcn usw. nach sich ziehen. Ans diesen Erwägungen heraus hat denn auch Thyssen seine Bedenken gegen ein Stabeiscnshndikat ohne gleichzeitige Bindung der anderen L-Produkie(Bleche, Röhren) begründet. Uon die Gefahren auszuschalten, die in der hier angedeuteten Möglichkeit liegen, forderten die Werke von vornherein möglichst hohe Beteiligungsquoten für Stabeisen. Während bei Auflösung des Stahlwcrksverbandes die Gesamtbctciligung in Stabeisen 3,43 Millionen Tonnen betrug, meldeten die Werke zu Beginn der jetzigen Verhandlungen mehr als 5 Millionen Tonnen an. Bei einer solch hohen Bemessung der Quoten hat natürlich ein Syndikat, das doch die Produktion begrenzen soll, für die Werke Überhaupt keinen Sinn. In Erwartung einer Auflösung des Stahl- werksocvbandes haben dazu in den letzten Jahren die großen Hüt- tcnwerke bedeutende Betriebserweiterungen und Neuanlagcn in Angriff genommen, für die sie jetzt, ohne daß diese Anlagen bereits betriebsfähig wären, Quoten in Höhe der vollen Leistungsfähig- leiten forderten. An diesen Mchrforderungen von Thyssen, Phönix, Gelsenkirchen, Burbach-Düdelingen u. a. ist dann auch die ganze Syndizjerung in erster Linie gescheitert. Thyssen u. Co. verlangten allein für ihr neues Werk in Hagendingcn eine Mehrquote von SSO 000 Tonnen, obgleich ihre Gc samtqyote im alten Verband nur 377 000 Tonnen betrug; und die Phönix A.-G. forderte für ihre Neuanlagen eine Beteiligung von 180 000 zu der alten Quote von 256 000 Tonnen. Diese Forderungen wurden mit entsprechenden Forderungen der übrigen Werke beantwortet. So ist der Verband an der Quoten frage gescheitert. Reben diesen Schwierigkeiten haben auch Differenzen über die Organisation des Verbandes eine Nolle gespielt. Einzelne Werke sprachen sich für ein Syndikat aus, das den Inlands- und Aus- landsabsatz regele, während andere nur für einen Verband mit in ländischcm Geltungsbereich eintraten. Auch die Frage, ob die Händlerorgantsation selbst in die Hand zu nehmen sei, und die Gestaltung der Preise sind bei den Verhandlungen schon in Er- örterung gezogen worden. Die Konsumenten können mit dem Ausgang dieser Vcr- Handlungen nur zufrieden sein. Sic bleiben dadurch vor Monopol- Wucherpreisen bewahrt. Der Stahlwcrksvcrband schraubt schon jetzt die Eiscnpreise genug in die Höhe, was natürlich auch in denen für Stabcisen in Erscheinung tritt. Die Nachricht von dem endgültigen Scheitern des Verbandes hat sofort einen erneuten Rückgang der Stabeisenprcise nach sich gezogen. Behauptet man doch sogar, daß die Verhandlungen nur so lange Zeit ausgedehnt worden sind, um die Preise, die seit dem Winter eine entschiedene Tendenz nach unten zeigen, noch für eine Weile zu halten. Eine Stabeisen- Verbandsbildung wäre um so mehr in den Preisen zur Geltung gekommen, als man mit dem Plane umging. Exportvcrgütungcn einzuführen, die durch eine Abgabe vom Jnlandabsatz aufgebracht werden sollten. Genau so wie bei den jetzt bestehenden Syndikaten hätte also auch hier das Inland höhere Preise zahlen müssen als das Ausland. Und die Differenz hätten die deutschen Konsumenten aus eigener Tasche zugunsten der ausländischen Verbraucher tragen müssen! Offenbar sehen die Hüttenwerke und die bürgerliche Presse, die das Scheitern des Verbandes bedauern, auch in diesen �Plänen eine„Stärkung der nationalen Volkswirtschaft". Zur Exportpolitik unserer großen Monopolvcrbände bietet der soeben erschienene Jahresbericht des Deutschen Stahlwerksverbandes für 1912/13 interessantes Material. Die Ausfuhr eines Syndikats wird bekanntlich in Jahren der Kon- junkturabschwächung vergrößert, um den im Inland entstehenden Rückgang des Verbrauchs auszugleichen. In Zeiten der Hochkon- junktur dagegen ist die Nachfrage im Inland so stark, daß das Syndikat die Ausfuhr einschränkt. Da im Inland die höheren Preise gezahlt werden müssen, nutzt also das Syndikat die Konjunktur stets zu Ungunsten der inländischen Konsumenten aus. Besonders deutlich prägt sich das bei Halbzeug, dem Rohmaterial für Stahlwaren, aus. Es betrug: Der Export in Prozent des Versande? 1904 1903 1907 1908 1910 1911 1912 Halbzeug.. 28,14 18, 4Z 18,46 36,27 36,92 39,69 38,14 Eisenb.-Mat... 25,68 32,94 31,42 28,26 44,08 37,19 33,97 Formeisen... 22,93 25,66 26,58 22,47 26,64 26,61 27,93 Der Export in 1000 Tonnen Halbzeug I 499 329 269 514 672 722 709 Etsenb.-Mat... 394 670 744 559 836 804 816 Formeisen... 386 493 426 316 454 517 597 Nach den Hochkonjunkturjahrcn 1906/07 steigt die Ausfuhr Lon Halbzeug bis 1911 auf mehr als das Doppelte, sowohl der absoluten Größe nach als in Prozent des Gcsamtversandcs. Von 1911 auf 1912 tritt indessen nur ein unerheblicher Rückgang des Exports ein. Das Syndikat hat sich offenbar in seiner ganzen Politik auf eine Forcierung des Exports auf Kosten des Inlandes eingerichtet. Zum Teil illustrieren diese Zahlen auch eine ökonomische Wandlung in der inländischen Eisen- industrie. Die großen Werke, die neben der Rohstahlpro- duktion auch die Weiterverarbeitung betreiben, sind seit der letzten Hochkonsunkturperiode zahlreicher geworden. Statt Halbzeug an die weiterverarbeitende Industrie abzusetzen, geschieht die Ver- arlleitung(zu Blechen, Röhren usw.) jetzt im eigenen Betriebe. Das nicht in eigenen Werken verbrauchte Halbzeug wird an das Ausland abgegeben. Um so mehr hat der Stahlwerksverband es allerdings in der Hand, den inländischen Verbrauchern von Halbzeug die Preise zu diktieren. Das zeigt sich auch darin, daß im vcr- gangeyen Jahre vom Stahlwerksverband zuerst die Preise für Halbzeug erhöht wurden, und zwar um 5 M. pro Tonne am O.Julj 1912, während zur gleichen Zeit die Formeisenpreise nur eine Erhöhung bon 2,60 M. erfuhren, der allerdings ab 1. Ja- nuar 1913 ein weiterer Aufschlag von 2,60 M. folgte. Die planmäßige Steigerung des Versandes nach dem Aus- lande finrd durch ein weiteres bestätigt. Während der Versand von Halbzeug im Jahre 1906/07 nur 96 Proz. der Gesamtbcteili- gung betrug, erreichte er im Jahre 1912/13 rund 130 Proz. Der Jnlandsabsatz sank in dieser Zeit(1906—1913) um etwa 20 Proz., während der Export sich um 116 Proz. erhöht hat. Selbst wenn wir berücksichtigen, daß der JnlandSversand geringer wird, weil die größten Werke immer mehr selbst zur Weiterverarbeitung incki Herstellung von Fertigfabrikate» übergehen, deutet diese Steigerung des Versandes nach dem Ausland auf eine systematische Exportpolitik, die das Inland mit hohen Preisen belastet, um mit Schleuderpreisen die Konkurrenzfähigkeit im Auslande aufrecht- zuerhalten und auszudehnen. Freußlfche Azhlitatiitik. Ein statistisch interessierter Parteigenosse schreibt uns: Gestatten Sie auch einem Statistiker einige unpolitische und ) für den Politiker nicht gleichgültige Anregungen für die ge- «te Wahlstatistik zu machen. So schmachvoll die öffentliche mmabgabe unter dem Gesichtspunkte ist, daß der sozial stärkere einer Bevormundung des Besitzlosen auch auf politischem Ge- te kommen kann, so interessant ist vom Standpunkt des Sta- tistikers diese dem Politiker besonders anrüchige Bestimmung des oktroyierten preußischen Wahlrechts. Alle Wahlstatistiken, auch die ja langsam zu höherer Vervollkommnung gelangende Statistik der deutschen Reichstagswahlen wie die eigenartige neue Statistik der österreichischen Reichsratswahlen, die den Beruf zum ersten Male für einen großen Wahlkörper kombiniert mit der Tatsache der Stimmabgabe, lassen das wichtigste doch ungesagt, weil es un- erforschbar ist, nämlich die Beziehung der Gesellschastsstruktur mit der Zusammensetzung der Parteien. Alle diese Statistiken beant- ivorten nicht die Frage, wer sind denn eigentlich die Leute, die kon- servativ, die nationalliberal, die sozialdemokratisch stimmen, wer sind diese Leute der Großstadt, in der Kleinstadt und aus dem flachen Lande, wer sind diese Leute im Osten und Westen, im Ge- biete des gefestigten Großgrundbesitzes und in den Bergwerks- revicren, dort wo die Heimarbeit vorherrscht und dort wo die Schlote der Riesensabriken den Charakter des Landes kennzeichnen. Ueber all das haben wir— sagen wir es nur ganz offen— doch nur Vermutungen, vielleicht sehr begründete, sehr ernsthaft erwogene, aber wir wissen darüber nichts. Wir konnten darüber nichts wissen, denn die Statistiken der Reichstagswahlen bieten uns ja gar keine Möglichkeit zu ähnlichen Feststellungen. Diese Wahl ist geheim, wir Statistiker vermögen also nur den Beruf zu kombinieren mit der Tatsache der Stimm- abgäbe oder mit der Zugehörigkeit zur einzigen Partei, für die sie sich feststellen läßt, zu der Partei der NichtWähler. Aber auch diese Berechnungen sind leider noch immer nicht für die Wahlen zum Deutschen Reichstage vom reichsstatistischen Amte festgestellt, wohl aber für die Hauptwahlen vom Jahre 1903 wie für die Stich- Wahlen vom 25. Juni 1903, auch für die Hauptwahl vom 12. Ja- nuar 1912 wie für die engere Wahl vom 25. Januar 1912 für den sechsten Wahlkreis des Arnsberger Regierungsbezirkes vom Statistischen Amte der Stadt Dortmund. Außerdem wurden für die letzten österreichischen Neichsratswahlen die Beziehung von Beruf und Stimmabgabe statistisch bearbeitet und in einem vor wenigen Monaten erschienenen umfangreichen Bande von der österreichischen statistischen Zentralkommission veröffentlicht. Preußen könnte mit seinem„elendesten aller Wahlsysteme", so merkwürdig das ist, in der Wahlstatistik aller Welt voran sein, wenn es die sich nun ergebende Möglichkeit, hoffentlich die letzte sich für die Staistik ergebende Möglichkeit ausnutzen wollte, um die Abgabe der Stimme für die einzelnen Parteien zu kombinieren mit den Berufen der Abstimmenden, wobei sich weitere Beziehungen schaffen ließen mit Größenklassen der bewohnten Orte wie mit der wirtschaftlichen Struktur der Wahlkreise. Bloß auf diese Möglich- leiten will ich hinweisen und alle anderen theoretisch möglichen und praktisch nicht unmöglichen, aber zu kostspieligen, zu zeit- raubenden und nicht in hohem Matze bedeutsamey Beziehungen gar nicht zur Erörterung stellen. Wollen die amtlichen Statistiker und das Ministerium noch mehr aus der Wahlstatistik herausholen, so wird niemand dagegen etwas einwenden. Nun wird man mit dem„schuldigen Mißtrauen", daS jeder Minister und sonstige Beamte, jeder bürgerliche Politiker und Jour- nalist gegen Anregungen in diesem Blatte haben muß, sagen, daß nur die Sozialdemokratie und nur das Streben nach Erweiterung des Wahlrechtes von dieser Statistik einen Vorteil haben dürfte. Aber eine kurze Ueberlegung wird selbst die schroffsten Gegner des Wahlrechts mit Einschluß der hochmögenden Minister zu einer anderen Ausfassung unseres Vorschlages führen. Auch sie wissen ja über diese Voraussetzungen jeder neuen Stellungnahme zum Wahlrechte, zu seiner Reform, zur offenen und zur geheimen Stimmabgabe bei aller angeborenen Gescheitheit ebensowenig wiel wir. Niemand— Herr Dallwitz ebensowenig wie ein Sozial- demokrat— weiß, wer die Leute sind, die sich der Wahl enthalten, welchen Berufen sie angehören, sie wissen nicht, ob sich nicht viele 1 ihrer eigenen Klassengenossen durch die offene Stimmabgabe be- engt fühlen und deswegen nicht stimmen. Sie wissen nicht, ob das, was sie vom Terrorismus der Arbeiter schreiben, richtig ist, auch nicht, wie weit es richtig sein könnte, auf wieviele Personen es wirken dürfte. Sic wissen das ebensowenig, wie wir es wissen, die wir das Terrorismusgeschrei für ein blödsinniges Verleyenheits- gcstammel halten. Die Regierung weiß nicht, wie viele Arbeiter und wie viele Nichtarbeitcr sozialdemokratisch wählten, jede Partei möchte gerne wissen, wie viele Arbeiter sozialdemokratisch stimmen und wie viele Arbeiter ihren und welchen anderen Parteien ihre Stimme abgegeben haben. Wie begründet müssen auch wir die Neugier der freikonservativen Partei, aber auch aller anderen Parteien halten, wer denn für diese Parteien gestimmt hat, welchen Schichten die Anhänger dieser Parteien angehören, wie sie sich ihrer beruflichen Gruppierung nach unterscheiden. Wer möchte nicht wissen, wie sich die Freikonservativen einerseits von den Deutschkonscrvativen, anderseits von den imtionalliberalen Wähler« in den Gebieten gleicher wirtschaftlicher Struktur nach Berus und Stellung im Berufe unterscheiden. Wer wählt in der Großstadt, wer in der Mittelstadt, wer auf dem Lande nationalliberal? Erst die von uns vorgeschlagene Statistik vermag diese und zahlreiche andere Fragen zu beantworten, die sich von selbst�ausdrängcn, wenn man der Frage der Kombination von Beruf und Stimmabgabc nähertreten will. Wir glauben, daß alle Parteien und selbst eine hohe Regierung in gleicher Weise an einer derartigen �Statistik interessiert sein müssen, weil sie ganz bedeutsame Resultate jedem verheißt, welche Stellung er auch in den preußischen Wahlrechtsfragen einnimmt. Zum ersten Male könnte eine Grundlage geschaffen werden sür ein Gebiet der politischen Statistik, das uns heute noch vollständig fremd ist, das mehr als jedes andere Gebiet gesellschaftlicher Massenerscheinungen ein Feld öder Konjekturalstatistik ist. Die preußische Statistik, die einst mit Recht den Ruf genossen hat, neue Bahnen eröffnet zu haben und die die Statistik aller Länder zu neuen Methoden und zur Inangriffnahme neuer Ar- beitsgebiete angeregt hat, vermöchte sich zu ihrem alten leider sehr verblaßten Ruhmestitel wieder einen neuen zu schaffen, wenn sie die Statistik der letzten preußischen Landtagswahlcn zu einer be- deutsamen Statistik der Parteizugehörigkeit der einzelnen Berufs- gruppcn der männlichen Bevölkerung Preußens machen wollte. Bei Inangriffnahme jeder größeren statistischen Untersuchung, deren Ergebnisse der Ausgangspunkt gesetzgeberischer Arbeit werden soll, befürchtet der praktische Politiker, daß Zeit vertrödelt, die Ge- setzesarbeit möglichst weit verschoben werden soll. Da aber bei der Fülle statistischer Kräfte in Deutschland und bei dem Nicht- vorliegen großer Erhebungen die preußische Wahlstatistik auch nach diesen Vorschlägen in verhältnismäßig kurzer Zeit ausgearbeitet werden könnte, so sollte jeder für eine erschöpfende Statistik ein- treten, ebenso der, der das elendeste aller Wahlsysteme stützen will wie der, dem es Ehrensache ist, daß endlich auch Preußen statt eines Wahlrechts, das nur eine Schcinvertretung schaffen kann, die Mög- leichkcit erhält, sich eine Volksvertretung zu geben, 34. Interuntilillaler Kergarbeitkrkongreß. Fünfter Tag. Karlsbad, 26. Juli 1913. Der Tagespräsident S m i l I i c- England wird bei der Ueber- nähme des Borsitzes von den Engländern durch rhythmisches Klopsen auf die Tische begrüßt.— Die Redezeit wird aus fünf Minuten beschränkt. In der Diskussion über die Berstaatlichung der Bergwerke spricht Abg. Ci n g r- Oesterreich: Von den 134 000 Freischürsen in Oesterreich besitzt der Staat 8% Proz., aber nur auf Braunkohle und Erze(das Salz ist in Oesterreich Monopol!). Die Steinkohlen. werke hat der Staat 1870 verkauft. Kohlenmangel und Kohlen- teuerung regen überall in unserem Land öen Ruf nach der Gruben- Verstaatlichung an. Die Kohlenproduktion stieg 1900— 1910 um 17 Proz.. die Kohleneinfuhr um 88 Proz. Trotz der Konkurrenz der obcrschlcsischcn Kohle im Ostrauer Revier unterbinden die mahrisch-lchlesischen Zechen die Erweiterung der Kohlenförderung. so daß die Regierung Beck eine umfassende Reform als notwendig erklärte im Interesse der Gesamtheit und der Bekämpfung des Raubbaues. Die Gemeinde Wien forderte auch die Verstaatlichung, aber es wird sich erst zeigen müssen, wie sich die in Wien herrschen». den Christlich-sozialen dazu im Parlament stellen werden. Der unter dem Vorsitz des Abgeordneten Dr. Ellenbogen(Soz.)� stehend« Volkswirtschaftliche Ausschuß hat ein Gefetz ausgearbeitet, dessen wichtigste Bestimmung die ist, daß das Recht der Aufsuchung undl Gewinnung der Kohle nur dem Staat zustehen soll. Die Sozial» dcmokraten fordern, daß der Staat wieder in den Besitz der chmr entgangenen Ennischürfe kommt, haben doch die Geologen in dein! bergmännisch kaum in Angriff genommenen galizischen Kohlen» gebiet einen Vorrat von 25 Milliarden Tonnen festgestellt. Wir fordern auch eine Verkürzung der von dem Regiernngsentwurf den Privatschursrcchtsbesitzeim zur Geltendmachung noch nicht auS» geübter Rechte eingeräumten Fristen. Ter Staat muß in die Lage versetzt werden, die Prsispolitik für Kohle entscheid«md zu beein» slussen.(Engländer und Franzosen widersprechen einer weiteren Ueberschreitung der Redezeit, der Redner verläßt unwillig�die Tribüne.(Der Präsident bedauert dies sehr, aber sonst könne dem Kongreß heute nicht zu Ende kommen.) Der Kongreß beschließt nach kurzer Debatte, an der Füns»- minuterv-Redezeit festzuhalten. G e r m a i n�- Frankreich stimmt der Resolution mit einemi Vorbehalt zu. Soll die„Verstaatlichung im Interesse der Gesamt- kseit" auch den Kapitalisten, sollen ihre Erträgnisse dem Wettrüsten! zugute kommen? Der Staat ist ein noch schlechterer Arbeitgeber wie der private. Nicht Verstaatlichung, sondern Vergesellschaftung der Gruben, des Landes und der Eisenbahnen im Interesse der Arbeiter— so verstehen wir unsere Forderung.(Beifall.) L o m b a r d- Belgien: Die Bcvstaatlichung hat überall eint, anderes Gesicht. In Belgien zahlen die Bergwcrksbesitzcr fast nichts für die Konzession und verkaufen sie nach Belieben in Teilen weiter. Wir hoffen, den Staat bewegen zu können, den Bergbau im Henne- gau selbst zu betreiben. Die Verstaatlichung kann durch ein« Arbeitcrmehrheit im Parlament oder durch internationalen Streik durchgeführt werden. Die Resolution auf Verstaatlichung der Bergwerke. Bahnen und deS Landes wird einstimmig angenommen. Die Vertreter der polnischen Bcrufsvereinigung erklären vorher durch I a k o b o w i c z, sich der Abstimmung wegen der Verfolgung der preußischen Polen durch den«taat zu enthalten. Präsident S in i l l i e teilt mit, daß die mit viel neuem Material ausgestattete Rede Cingrs ganz ins Protokoll kommt, (Zlllgeineine Zustimmung.)— Namens des Internationalen Ko» miiees, das während dos gestrigen Ausflugs tagte, berichtet Präsi»> dent Smillic, daß die internationalen Ueberweisungskarten auf zwei Jahre in der jetzigen Form weiterbestehen sollen(nämlich so» fortigc Bezugsberechttguiig überwiesener Mitglieder für Streik». Unterstützung).— Der Kongreß stimmt diesem Vorschlag zu. Die llebcrweisungskarte wird erst nach einjähriger Mitgliedschaft ausgestellt. Die belgische Resolution auf jährlich 14 Tage Ferieit unter Fortzahlung des Lohnes wird nach kurzer Begründung durch Camb erlin und Befürwortung durch G ö d d e r tz, Deutschland, angenommen, der aber darauf binweist, daß zunächst die Anerken- nung der Organisation und Tarifverträge durchgesetzt werden müßten. Bezahlte Ferien würden den.Krankenkassen ungeheure Gelder sparen. Heute bekommen nur die Bauchrutscher Ferien und noch was sür welche!! Die Steigcvung der Erkrankungs- ziffern, ihr Sinke« nach der Erholung während eines estreiks, ist das beste Argument für die Forderung nach Ferien.— Weiter. tritt auch B e x a n t- Frankreich sür Feriengewährunq ein. Die Bergarbeiter hatten Karlsbad nötiger, wie die Reichen, die hier ihre Zeit totschlagen. Wo sozialdemokratische Gemeindcvertreter sind, erhalten die Gemeinoearbeiter Ferien. Auch in dieser Frag« kann uns nur unsere Organisation und Disziplin helfen.— La ke«. England schließt sich den Befürwortern der Bergarbeiterserie» unter Hinweis auf di« große gesundheitliche und familiäre Be- deutung von Ferien an. Worüber Man gestern noch lächelte, da� ist schon öfter morgen zur Tat geworden.— Die Annahme der Resolution wurde bereits mitgeteilt.(Oesterreich i�id Amerika verzichteten aufs Wort, da sie sachlich vollkommen mit den Vorrednern einverstanden sind.) Dem wegen Krankheit abwesenden Schatzmeister Abg. A b ras h a in- England wird die Sympathie des Kongresses übermittelt, ebenso dem zum erstenmal vom Kongreß ferngebliebenen Gründer des Devl'yfhirevcrbandes, H a s l e m. Sachse- Bochum gedenkt der langjährigen Kongreßteilnehmer Meyer und Schröder, der jetzt gelähmten unschuldigen Märtyrer des Essener Meineids« Prozesses. Der Kongreß wünscht beiden Kameraden möglichste Genesung.(Großer Beifall.) In das Internationale Komitee werden gewählt: Ashton als Sekretär, Abraham als Kassierer. Ueber den französischen Sekretär entwickelt sich infolge tzec Spaltung miter'den Franzosen eine längere Debatte, Hu e- Essen schlägt schließlich vor. daß diese Frage vom Internationalen Komitee entschieden werden soll. Dies wird beschlossen und es werden als internationale Sekretäre gewählt: A sh t o n- Englano. H ue- Teutschland, Jarolim- Oesterreich. ElfcrS- Holland. Green- Amerika, zu Somiteemitgliedern M a r o i l l e- Belgien. Abg. Ha r v ey und � m i l l i c- England, Sachse, Witt. Schmidt. I o kob ow i cz- Teutschland. Eberl, Cingr» Oesterreich; White, Hays, M o ye r- Amerika; Canot. Calouevaert- Belgien; B a r t h u e l, C a m e n d i n. Q u e n- t i n- Frankreich. Rückblick und Wünschen für den weiteren Fortschritt der Organisation glückliche Heimreife der Delegierten. Auf Wiedersehen in zwei Jahren.(Großer Beifall.) Die Delegierten bringen Hochrufe auf die internationale Ben- bruderung der Bergarbcitce aus Hus Industrie und f>andel. ~cr Konjunkturscgen für die Aktionäre hält auch nach an. wo die Arbeiter schon unter dem Arbeits-Rück» ftang zu leiden beginnen' So stellt' der Betriebsübcrschuß der Harpener Bergbau A.. G. für das zweite Quartal einen neuen Rekord dar. Die Gesellschaft erzielte 7.386 Millionen Rkark Ucberschuß gegen 7,009 Millionen im ersten Quartal d. I. und 6.263 Millionen im-weiten Quartal des Vorfahre-. Für die letzten vier Quartale v°« 1912/4913 stelltsich der Ueberfchuß auf 26,724 Millionen aegcn 18.362 Millionen im Betriebsfahr 1911/1912. Die Aktionäre können daher m,t einer Erhöhung der Dividende von neun aus mind-st-nS elf rechnen. Aebnli»- N-kord,iffern weist oer Jahresabfchluß des Bochum er i n-' für Bergbau und Gußstahlfabrikation auf. Hier ist der Rohgewinn von 6,790 auf 8,900 �Millionen, also um mehr als r> Millionen gestiegen,-trotz beträchtlich erhöhter Abschreibungen wächst der Reingewinn von 4.9 auf 6 Millionen. Da können es die Aktionäre fchon verschmerzen, daß hiervon eine halbe Million Mark für den Wehrbeitrag zurückgestellt wird. Sic werden trotzdem, wie im Vorfahre, 14 Prozent Divi. dcnde erhalten.- Kampf in der Tchallplattenindustric. Seit mehreren Jahren sucht die Deutsche Gramms» vholi-A.-G. Berlin-Hannover, eine Tochtergesellschaft einer enalischen Firma, die Konkurrenz aufttrebendcr deutscher Fabriken niederzuhalfen. Durch besondere Qualität ihrer Erzengnisse. -,: � Q i r» t* 1 1 Nt n rti t lim/»*! if-rwifö CO n. v- 4�» fii � n r uni billuze Preise ist ihr das auch zum Teil gelungen. Die deut- schen Firmen suchten der Uebcrmacht der Grammophon-A.-G. durch Zusammenschluß entgegenzuarbeiten. Tie Grammophon-A.-G antwortete, abgesehen von jetzt gütlich beigelegten Patentprgzessen mit ihrer Hauptgegnerin, durch Preisermäßigungen. Während eine Schallplatte vor wenigen Jahren noch 3 Mark kostete, kauft man sie heute für 2 Mark, nachdem die Grammopbon-A.-G. eine billige Platte„Zonophon gelb" zu diesem geringeren Preise heraus� gebracht hatte.� Jetzt kündigt die gleiche Gesellschaft eine neue billigere Platte an. Sie teilt in einem Zirkular ihren Händlern und Grossisten mit, daß sie am 1. September d. I. eine neue Zonophon- Platte auf den Markt bringe, deren Detailpreis aus 1,2S Mark inklusive Lizenzmarken festgesetzt wurde. Den Grossisten wird diese Platte zu G2'A Pf. ab Fabrik Hannover in Lriginal- Packung, ö. h. 25 Platten der einzelnen Kombinationen, in Kartons geliefert, während der Preis für den Händler auf 78 Pf. bestimmt worden ist. In dieser Maßnahme erblickt der tschutzvcrband der Sprechmaschincn-Jndustrie c. V. in Berlin sdem u. a. die Beka- Rekord-Akt.-Ges., die Favorite-Rekord Akt.-Ges., Carl Lindström Nkt.-Ges., Dr. Grünbaum u. Thomas Akt.-Ges., sämtlich in Berlin, die Kalliope-Musikwerke Mt.-Ges. in Dippoldiswalde, die Poly- Phon-Musikwerke Akt.-Ges. in Wahren bei Leipzig angehören) eine Bedrohung der Existenz der gesamten deutschen Sprcchmaschinen- Industrie. Die den? Schutzverband der Sprechmaschinen-Jndustrie e. V. airgehörigen Fabriken haben als Gegenmaßrcgel einstimmig beschlossen, keinem Händler und keinem Grossisten, der die neue Schallplatte„Zonophon lila" führe, irgendeine Ware zu liefern. Sb der Boykott der Händler, die die neue Platte führen wollen, noch durch eigene Preisermäßigungen von den deutschen Firmen wirksamer gemacht werden wird, ist zurzeit noch nicht bekannt. Es wird in diesem Zusammenhange interessieren, daß die Hauptkonkurrcntin der Grammophon-A.-G., die Karl Lind- st r ö m A.-G., ebenfalls einem internationalen Konzern angehört und Niederlassungen in England, in der Schweiz und in Spanien unterhält. Die Ausfuhr von Sprcchmaschincn-Plattcn und Walzen ist bereits recht bedeutend. In den ersten 6 Monaten d. I. wurden solche Waren im Werte von fast 4% Millionen ausgeführt. Mehr als ein Drittel davon gingen nach England. Berliner Biehmarkt. Einen außergewöhnlichen kleinen Auf. srieb von Rindern, wie er seit vielen Jahren nicht beobachtet wurde�wies der gestrige Berliner Biehmarkt auf. Er betrug nur L388 Stück, während er sich an normalen Märkten auf ungefähr 4A10 Stück beläuft. Zu diesem Ergebnis mag, wie die„Allge meine Fleischer-Zeitung" bemerkt, außer der noch immer bestehen- den großen B i e h k na p p he i t auch die zwischen den Fleischer- nicistern und Viehhändlern obwaltende Meinungsverschiedenheit wegen des Füttcrns des auf dem Berliner Viehmarkt zum Ver- kauf gelangenden Viehs beigetragen haben. Die Sanierung des Hobrnlobe-Konzcrns, die zu einer Divi- dendenermätzigung bes den Schiffahrtsgesellschaften des Konzerns zwang, drückt jetzt auch die Dividende der Hohenlohe-Werke A.-G. in Oberschlesien«Kohlen- und Zinkgruben) herab. Die Gesellschaft wird nach erheblichen Rückstellungen acht statt elf Prozent Divi dende ausschütten. Soziales. Mißhandlung des Lohnbefchlagnahmegesetzes. Zwei in jüngster Zeit in Hamburg und in Berlin gefällte Eni- schet düngen der Gewerbegerichte lassen erkennen, daß diese Ge- Werbegerichte einer seit etwa 7 Jahren sich breit machenden falschen Auslegung des Lohnbeschlagnahmegesetzes sich angeschlossen haben. Das Lohnbcschlagnahmegesetz sagt klar und unzweideutig: solange im Jahre der verdiente Lohn 1500 M. iwch nicht beträgt, ist jede Pfändung, Beschlagnahme oder Einbehaltung des Lohnes(ab- gesehen von Steuer- und Alimentcnforderungen) unzulässig. Die ertoähnten Entscheidungen stellen sich aber auf folgenden Stand- Punkt: eine Pfändung des Lohnes ist zulässig, wenn pro Tag mehr als 4,1 l M., pro Monat mehr als 125 M. verdient ist. Es wird durch diese falsche Auslegung dem Arbeiter die vor länger als 40 Jahren gemachte Errungenschaft völlig entwunden, nach der sein Lohn unpfändbar sein soll.' Tie Frage ist so wichtig für die Arbeiterklasse, daß ein näheres Eingehen auf sie erforderlich scheint. Das am 1. August 1863 in Kraft getretene Lohnbeschlagnahmc- gesetz vom 21. Juni 1869 anerkannte, daß es eine„durchaus un- erträgliche Lage für Arbeiter und Arbeitgeber" ist, wenn der Ar- bcitslohn,„ohne Rücksicht darauf, wie der Arbeiter existieren solle", mit Beschlag belegt oder gepfändet wird. Es verbot deshalb für das Deutsche Reich die Beschlagnahme des Lohnes. Als für Deutschland eine gemeinsame Zivilprozeßordnung geschaffen wurde, wurde auch die Pfändung des Arbeits- oder Dienstlohnes verboten(Z 749 der Zivilprozeßordnung vom 30. Januar 1877). Ausnahme ließ das Gesetz(abgesehen von der Regelung des Gehalts und der Dienst- bezüge der öftcntlichen Beamten) nur für drei Fälle zu. Es sollte das Lohnbcschlagnahmegesetz nümltch nach§ 4 keine Anwendung ftnden: „l. auf das Gehalt und die Dienstbezüge der öffentlichen Beamten; 2. auf die Beitreibung der direkten persönlicheil Staats- steuern und jiommunalabgabcn, sofern diese Steuern und Ab- gaben nicht seit länger als 3 Monaten fällig geworden sind; 3. auf die auf gesetzlicher Vorschrift beruhenden Alimenta- tionsansprüche der FamlUenglieder; 4. auf das Gehalt und die Dienstbezüge der im Privatdicnstc dauernd angestellten Personen, soweit der Gesamtbetrag die Summe von 400 Talern(seit 1879 geändert in 1500 M.) jähr- lich übersteigt. Als dauernd in diesem Sinne gilt das Dienstverhältnis, wenn dasselbe gesetzlich, Vertrags- oder gewohnheitsmäßig mindestens auf ein Jahr bestimmt oder bei unbestimmter Dauer für die Auflösung eine Kündigungsfrist von mindestens 3 Monaten ein- zuhalten ist.". Zwei Unbilligketten suchte die Novelle zu dic>cm Gesetz(Reichs- gesetz vom 29. März 1897 und Artikel 3 des Emführungsgesetzcs zur Zivilprozeßordnungsnovelle vom 17. Dlai 1898) zu beseitigen. Es dehnte die Zulässigkeit von Beschlagnahmen und Pfändungen «nich auf die Alimentationsansprüche der geschiedenen Ehefrau und der außerehelichen Kinder aus und beseitigte den durch den Wort- laut des Z 4 Ziffer 4 des Gesetze? herbeigeführten Mißstand, daß auch bei tatsächlcch jahrelang dauernden Dienstvertragen Gehälter von 6000. 10 000 M. überhaupt nicht pfändbar waren, falls eine kürzere Vertragsdauer als 1 Jahr und eine kürzere Kundigungs- frist als 3 Monate vereinbart war. Die Beseftigung der tatsäch- lichen Unpfändbarkeit der hohen Gehälter wurde durch folgende neue, jetzt gültige Fassung des§ 4 Nr. 4 erreicht: „Z 4 des gegenwärtigen Gesetzes findet keine Anwendung: 4.'nsowelt der Gesamtbetrag der Vergütung(88 1. 3) die Summe von 1500 M für das Iahe übersteigt." �«est Fassung führte herbei, daß fortan bei allen Lohnver- trogen eine Beschlagnahme und Pfändung nur verboten ist. solange der Jahresbetrag des Lohnes 1500 M. nicht überstiegen hat. Die Pfändung über 1500 M ist darunter verboten. Ter Wor laut des Ge.etzes besagt dies klar, nicht minder die Entstehungsgeschichte. Zum Uccherfluß erklären noch die Mtwe. durch die Neuerung„ist einerseits die Grenze, über welche hinaus die Pfändung gestattet ist, in dem Gesetz selbst auf 1500 M. fest- gesetzt, andererseits die Pfändung mit dieser Beschränkung auch bei anderen als dauernd angestellten Personen zugelassen worden. Wie koinmen Gerichte dazu, entgegen diesem klaren Tatbestand das Gesetz so zu interpretieren, als ob in ihm stände: Tic Pfändung ist zulässig, insoweit der Tagesbetrag 4,11 M. oder der Monats- bctrag 125 M. übersteigt? Durch eine eigenartige Deduktion aus den Worten„für das Jahr". Sic sagen: Früher stand da„jähr- lich", jetzt„für das Jahr".„Das Jahr ist also nicht das Kalender- oder Vertragsjahr, sondern die Zeiteinheit cincS Jahres vom Tage der Zustellung des Pfändungsbeschlusses an gerechnet." Die Worte „für das Jahr" drücken keine Zeitdauer, sondern nur das„Zeitmaß aus, nach dem Einkünfte in der Regel berechnet werden." Punktum. Uebrigens fei das auch für den Arbeiter vorteilhafter, da ja sonst z. B. bei einem M-onatsverdienst von 150 M. nach Verdienst von 1500 M., also nach Ablauf von 10 Monaten, der Verdienst für die noch laufenden 2 Monate voll pfändbar wäre. Eine willkürlichere, falschere Interpretation ist kaum deykbar. Sie ist auch wiederholt, so am 17. Februar 1903 vom LbcrlandeSgericht Stettin als völlig hinfällig abgelehnt. In neuerer Zeit hat das sächsische Oberlandes- geeicht im Februar 1912(vergleiche„Soziale Praxis" vom 29. Fe- bruar 1912, S. 639) gleichfalls diese Art der Deduktion für falsch erklärt und das Gesetz zutreffend dahin interpretiert: solange die Gesamtsumme des im Jahre verdienten Lohnes 1500 M. noch nicht erreicht hat, ist Pfändung oder Beschlagnahme unzulässig; zulässig ist lediglich die Pfändung des 1500 M. Jahrcsverdienst übersteigen- den Betrages. Erwähnung mag finden, daß die Ausdrnckswcisc „für das Jahr" sich auch in§ 749 Absatz 2 der Zivilprozeßordnung vorfand und daß keinem Gericht und keinem Kommentar es bei- gefallen ist, diese Worte anders als das Wort„jährlich" auszulegen. Tie falsche Interpretation ist zuerst durch den Kommentar von Meyer zum Lohnbeschlagnahmcgesctz aufgekommen, der in souvc räncr Verachtung der Entstehungsgeschichte und des Zwecks des Gesetzes sowie seiner Motive die Wortklauberei, die wir oben wiedergaben, für richtig hält. Dem Obcrlandcsgericht Düsseldorf im rheinischen Industriegebiet gebührt der wenig beneidenswerte Ruhm, zuerst(am 24. Januar 1907) diesem Mißverständnis des Lohnbeschlagnahmegesctzes gcZfolgt zu sein. Ihm reihte sich dann am 3. Mai 1907 das Oberlandesgcricht Märicnwerdcr an. Diese falsche Auslegung des Lohnbeschlagnahmegesctzes raubt der Arbeiterklasse Rechte, auf die sie fast 40 Jahre unbestritten An- spruch hatte. Einem solchen Mißbrauch der Auslcgungskünstclri sollten die Gcwerbegcrichte mit Entschiedenheit entgegentreten. Es ist dies um so mehr erforderlich, als auch das im Bürgerlichen Gesetzbuch errungene Verbot einer Zurückbehaltung des Lohns, so weit dieser unpfändbar wird, durch die Mißhandlung des Lohn- bcschlagnahmegcsctzcS erheblich an Wert verliert. Militär, Studenten und Bolksfchülcr! Die nun betannt werdenden amtlichen Nachweisungen über die Aufwendungen für die Volksschulen stellen erneut deren Behandlung als Stiefkinder heraus. Die Aufwendungen dafür sind noch sehr gering, sie stehen in einein schreienden Gegensatz zu den Lasten für das höhere Schulwesen und vor allem zu den schweren Opfern, die der Militarismus dem Volke auferlegt. Sieht man von dem Ausfall ab, der unserer Volkswirtschaft durch das Brachliegen einer gewaltig großen Summe von Arbeitskraft entsteht, so belaufen sich die Aus- gaben für den Militarismus jetzt auf rund 3000 Millionen Mark Dem stehen an laufenden Ausgaben für das Volksschulwesen in Preußen im Jahre 1911 rund 421 Millionen Mark gegenüber. Auch im Verhältnis zu den Universitäten sind die Volksschulen kümmerlich bedacht. Die Zahl der Volksschulkinder war 240 mal so groß als die der Studenten, aber die Aufwendungen waren nur 21 mal so groß. Die Kultur unserer Zeit kann kaum schöner beleuchtet werden als wenn wir die in Betracht kommenden Ziffern hier zu einem Bilde vereinigen. Es schaut so aus: Gesamtausgabe für das Militär jEtat 1912) 2 886 13o 100 M. Fried enspräsenz(Etat 1912)...... 720 669 Mann Aufwendungen für die Volksschule in Preußen im Jahre 1911......... 420 898 000 M. Zahl der Volksschulkinder....... 6 572 072 Kosten der Universitäten in Preußen(191 l) 19 469 720 M. Zahl der Studenten......... 27 341 Demnach betrug die Ausgabe für einen Soldaten........ 4 004.- M. Studenten........ 712,—, Volksschüler....... 64,50„ Die neue Militärvorlage steigert die Kosten noch ganz erheblich, Da braucht man sich nicht zu wundern, daß für Kulturaufgaben, vor allem für die Voltsschule, kein Geld vorhanden ist. Die amtlichen Zahlen enthüllen noch intimere Reize preußischer Kultur. Die Aufwendungen für Schulen werden nur zum Teile aus Staatsmitteln bestritten. Von den Volksschullasten haben den Löwenanteil die Kommunen zu tragen, von den Kosten für die Universitäten entfallen auf den Staatssäckel etwa Dreiviertel. Daraus ergibt sich, daß aus Staatsmitteln ungefähr aufgebracht werden für einen Studenten... 518,80 M. „„ Vollsschüler... 19,20„ Man sieht, die Leistungen des Staates für das Stiefkind Volks- schule sind gering. Um so größer aber ist die Anmaßung der Staats- behörden bei der Reglementierung der Volksschule. Trotz dem so genannten Selbsiverwaliungsrecht und obwohl die Gemeinden den Löwenanteil der Lasten für die staatliche Einrichtung der Zwangs- schulen aufbringen müssen, nimmt sich die preußische Staatsmacht heraus, vorzuschreiben, daß Staatsbürger mit ihr nicht genehmer poltiischcr Ueberzeugung nicht in den Schulkommissionen tätig sein dürfen und Arbeitcr-Turnvereine von der Benutzung der Turnhallen ausgeschlossen bleiben müssen. In Preußen muß alles seine richtiggehende Ordnung haben. Es würde etwa? fehlen, ließe die Volksschule den Einschlag agrarischer Bevorzugung vermissen. Keine Sorge, er findet sich auch hier, dazu ziemlich scharf ausgeprägt. Die Zahl der Volksschttlkinder auf dem Lande ist mal so groß als wie die in der Stadt, aber für die Schule auf dem Lande entfällt aus Staatsmitteln 4 mal so viel als auf die städtischen Schulen I Ohne diese besondere liebevolle Fürsorge des Staates würden allerdings manche Schulen auf dem Lande noch hinter besseren Schweineställen zurückbleiben. Den Reaktionären ist die Volksschule ein Greuel. Wenigstens insoweit, als sie den Kindern mehr vermittelt als Autorttäts- glauhen. UnteriänigkeitSgefühl und dogmatische, auf die Anerziehung von Bescheidenheit und Gehorsam eingestellte Religion. Das erklärt zur Genüge die stiefmütterliche Behandlung der Volksschule in Preußen. Unwissenheit und Ergebenheit— so heißt die beste Grund- läge reaktionärer Herrschaft. Sie der großen Masse zu erhalten, ist Preußens oberster Grundsatz! (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Tie Kontrolle der Wanderarbeiter. Damit die Agrarier die ausländischen Arbeiter besser in die Gewalt bekommen könne», wurden durch.Erlaß des preußischen Ministers des Innern vom 21. Dezember 1907 die Legitimationen der ausländischen Arbeiter für Preußen geregelt. Danach müssen alle aus Rußland, Oesterreich-Ungarn oder arideren Ländern kommende Arbeiter mit Jnlandsausweispapieren versehen werden. Die Ausstellung der Legitimationspapiere ist der deutschen � Ar- bciterzentrale in Berlin, früher deutsche Feldarbeiter-Zentralstelle und ihren 44 Legitimierungsämtern übertragen. Die Legitimationskarte wird von dem Grenzamte bei Ueber- schreiten der Grenze auf Grund der ausländischen oder artdercr Papiere in deutscher Sprache ausgestellt und von der für das Grenzamt der Arbeiterzentrale zuständigen Ortspolizeibchörde be- glaubigt. Die Arbeiterzcntralc führt ein Kartenblattrcgister über die legitimierten Leute, stellt die Legitimationskarte auf einen be- stimmten Arbeitgeber, in roter Farbe für Polen, in gelber für- biuthenen und in weißer für Leute ändcrer Nationalität aus. Doch können die fremden Arbeiter auch nach Ankunft an ihrer Arbeits�. stelle eine Lcgitimationskarte erhalten. In diesem Falle wendet man sich an die Ortspolizei der Arbeitsstätte. Die Polizei ver- anlaßt die Ausstellung der Lcgitimationskarte durch ein Amt der- Feldarbeiter-Zentralstelle. Für die Legitimation an der Grenze. wird eine Gebühr von 2 M., für die an der Arbeitsstelle eine solche von 6 M. erhoben. Der Feldarbciterzcntrale fließen durch diese mit den Staatsvcrträgcn unvereinbare, einen Vertragsbruch dar- stellende Einrichtung jährlich gegen 2 Millionen Mark Liebes-- gaben zu.» Im letzten Geschäftsjahre, das bom 1. Oktober 1011 bis 30. September 1912 lief, hat die Arbeiterzentrale 729 575 Ausländer (gegen 696 025 des Vorjahres) legitimiert, davon 386 850(gegen 375 083) an der Grenze und 342 725(gegen 320 942 des Vorjahres) an der Arbeitsstelle. Ans Rußland kamen 281813 Polen und nur 148 Ruthenen, 17 937 Deutsche, 3682 Littaucr und 5252 Angehörige anderer Völker, aus Oesterreich 75 851(von Jabr zu Jahr weniger) Polen, 77 911 Ruthenen. 54 553 Deutsche, 26854 Tschechen und 27 784 Angehörige anderer Völker, aus Ungarn 23 025, au? Italien 52 177, aus den Niederlandcn�und Belgien zusammen 65 613 Per- sonen, der Rest aus anderen Staaten, �darunter 9458 aus den drei skandinavischen Königreichen. Die Sachscugängerei der Polen, Ruthenen und Deutschen aus Oesterreich ist gegen das Vorjahr zurückgegangen, hingegen ist der Zuzug der Polen aus Rußland, der Jtaticner, der Niederländer und Belgier seit 1908/09 in stetem und starkem Wachsen begriffen. Die Einrichtung erscheint den Agariern aber noch nicht als ein Ideal, da durch sie ja auch die Industrie mit Arbeitern versorgt wird, wodurch wieder die Löhne zur Steigerung neigen. Im Jahra 1909/10 entfielen auf die Industrie 268 132 oder 41,7 Proz. dep legitimierten Personen, im letzten Geschäftsjahre bereits 332 211 oder 45,5 Proz. gegen 397 364 oder 54,5 Proz. in der Landwirtschaft. Die Industrie hatte im vergangenen Jahre über 42 000 Polen, über 37 000 Ruthenen, drei Siebentel der raisstschen Deutschen, fast alle österreichischen Deutschen lnämlich 5l 906>, fast alle Tschechen (25 784), so gut wie alle Italiener(52145), etwa fünf Sechstel (nämlich 55 310) der Belgier, und Niederländer beschäftigt. Hin- gegen bevorzugt die Landwirtschaft die billigeren polnischen Arbeits- kräfte. Von den in ihr beschäftigten Leuten waren 315 638 Polen und 41 033 Ruthenen/ 12 881 Deutsche aus Rußland und Oester- reich, 6818 Ungarn und 10 381 Niederländer Ussd Belgier. Durch das von der Zentrale geführte Register werden bei Er- Mittelungen nach flüchtigen Ausländern die Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften unterstützt, die Ausländer durch den Karten- zwang an freier Bewegung gehindert. Und das ist der Zweck der Einrichtung. . 6encbts- Zeitimg* „Wurschtmaxe" als Störenfried. Der als Berliner Original allgemein unter dem Nennet# „Wurschtmaxe" bekannte Wursthändler Heinrich Müller hatte gestern vor den Moabiter Strasrichtern eine Gastrolle zu geben. Wegen Störung eines Gottesdienstes hatte die 4. Ferienstrafkammer de? Landgerichts I unter Vorsitz des LandgcrichtsdirektorS Menz gegen M. zu verhandeln.— Der Angeklagte betreibt feit 26 Jahren das Gewerbe eines Wursthändlers und zwar hält er sich ständig in der Nähe der Weidendammerbrücke in der Friedrichstraße aus, wo er mit einem mächtigen Wurstkessel bepackt und mit weißer Schürze. Zylinderhut und Monoclc bekleidet den Ruf:„Warm sind fe noch!" ertönen läßt. Wie„Wurschtmaxe" gestern zaghaft dem Vorsitzenden erzählte, trinke er„leider". Tics komme daher, weil er häufig von feinen Stammkunden eingeladen werde und er überall, wo er hinkomme, mit dem Ruf:„Wurfchmaxe trinkt eins mit" chcgrüßt werde. Die Folge war, daß er sich bei seinem anstrengenden nächt- lichen Dienst langsam dem edlen„Süss" ergeben habe. Daß dies mitunter wenig harmlose Formen annehmen kann, zeigte ein Vorfall, der sich am 20. April, einem Sonntage, zugetragen hatte. In der Nacht vom Sonnavcnd zum Sonntage hatte der Angeklagte etwas stark dem Alkohol in allen möglichen Variationen zugesprochen. Als er am Morgen stark bezecht nach Hanse kam. bekam er plötzlich, eine Folge des sog.„grauen Elends", den Ein- fall, das Grab seiner ersten Frau auszusuchan. Er stülpte sich den Zylinder wieder auf den Kopf und wanderte(os. Seine Absicht scheiterte jedoch daran, daß er, als es an der ersten Kneipe, an der er vorbeikam, so schön nach Alkohol roch, erst schnell einen kleinen „Leichenwagen mit Troddeln"(Schnapsmischung) genehmigte. Da nebenan noch mehrere Kneipen waren, wiederholte sich hier der gleiche Vorgang. Nachmittags um 6 Uhr befand er sich dann glücklich in einem derartig„betäubten" Zustande, daß er in die Golgatbatirchc hineingeriet, in der gerade der Nachmittagsgottes- -dienst begonnen hatte. Er ließ sich hier aus einer Bank nieder, winkte-dem Geistlichen mit seinem Zylinder und später mit einem Taschentuch zu, so-daß er schticßlich mit vereinten Kräften von dem Küster und dem Kirchendiener hinausbefördert werden-mußte. Der Staatsanwalt beantragte 3 Tage Gefängnis. Das Gericht kam jedoch auf Grund der Aussagen der Zeugen zu der Ansicht, daß sich der Angeklagte tatsächlich in einem Zustande sinnloser Trunkenheit befunden habe und kam gemäß Z 51 zu einer Frei- sprcchung. 1. 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Juli 1913, abends 8 Uhr: Sechs Wertels-Uersammwitgen 1. Görlitzer Viertel Ijci Graumauu, Naunynstr. 27. Referent: Genosse Sttekoer. Ä. Köpenicker Viertel in Süd-Ost, Waldemarstr. 75. Referent: Genosse Siegle. 3* Frankfurter Viertel bei Boeker, Weberstr. 17. Referent: Genosse Unsnee. m folgenden Lokalen: 4. Stralauer Viertel in den Comenius-Sälen, Memeler Str. 67 Referent: Genosse Saiisea. 5* Petersburger Viertel in der Löwenbrauerei, Frankfurter Allee 53. Referent: Genosse �Vleloeli. 6. Landsberger Viertel im Elysium, Landsberger Allee 40. Referent: Genosse Zlelle. Tagesordnung: I. Anträge«nd Vorschläge der Delegierten zum Parteitag. 2. Bestätigung der Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung. - Mitgliedsbuch legitimiert.- 215/20* Der Vorstand. Verband d. Ifjausarzt-Vercinc Zentrale Organisation für Bolksgefundheitspflege. Unsere Mtglieder ersuchen wir höflichst, die ausgegebenen �i-ngedoge» reck Die eingehende Beantwortung ist dringend notwendig und soll eine wlBeenschaf bilden» um für unsere zirka t genau auszufüllen. 'Hove Grundlage 79 000 Uerbandsangehörigen Verbesserungen einführen zu können._____ Schon jetzt gewähren wir für den geringen Beitrag tion zirka 25 I*fg. Pro Woche unseren Mitglieder« Familien, ob mit vielen oder wenigen Kindern, freien Hansarzt, freie Medizin, Diphtherie-Serum, Atteste, Verbandstoffe, Monatszeitung und viele andere VorteUe. Aerztlicher Rat steht den Frauen und Kindern zu jeder Zeit, unbegrenzt der Zahl und Dauer der Krankheiten und ohne Formalitäten, wie Krankmeldung o. dgl. zur Verfügung. Nähere Auskunft erteilen: für»oabit: P. Hübe, Beusselstr. 60. » Charlottenburg: G. Leupold. Krummestr. 7. » Norden: O. Wölke, Brunnenstr. 84. » Osten: K. Röbel, Kopernikusstr. 9. » iNildelmsrud: M.-Rretke, Keplerftr. 26. r Reinickendorf: Riedel, Granatenftr. 37. » Mariendorf u. Urng.: M Herbst, Schwerinftr. 75. Tegel- Borsigwalde: A. Becker, Brunowstr. 16. 587/16* für Neukölln; A. Kuhnert, Stuttgarter Str. 54. „ Nied-Schönhausen: E. Mellrich, Kaiser-Wilhelm- Straße 49. „ Wilrnersd.-Friedenau: R.Becker, WilhelmsauelZZ „ Westen: M. Erdmann, Katzlerstr. 13. , Süden: M. Thurm, Dieffenbachstr. 18. , Spandau: G. Rnhnbe, Weißenburger Str. 31. Förstenwalde: R. Flicke, Holzstr. 3. Zentral-Voriiueuder: O. Jacob, Berlin NW., Emdener Str. 45. Tel.: Mb. 1134. Kchk ilcnliilln. Sonntag, den 3. Aug.: Ausflug nach der SöuigSheide, mit Musik. Gemeinsamer Abmarfch: 1 Uhr, Kopsstraße, Ew- gang d. Spielplatzes. Bei sehr ungünstigem Wetter: Kinder« spiele und gemütliches Beisammensei» bei Bartsch. fest bei Bartsch. Karten bei den Kassenboten. 287/17 Residenz-Festsäle Alexanderplatz— Landsberger Str. 31 Empfehle meine renovierten Räume(50— 1000 Personen fassend) den Qewerksohaftevereinen zur Abhaltung von Versammlungen, eowie Pestliohieiten jeder Art einer gütigen Beachtung. 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Di- Generalversammlung fmM am 21.««�1913, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 4, statt. Branchen»Versammlungen Sargtischler. Mittwoch» de» 30. Juli 1913, abends 8'/, Uhr, im Lokal von?. htidiallseck, Petersburger Str. 84. Bodenleser. Mittwoch, 30. Juli, abends 8 Uhr, im„Gewerkschaftshaus", Engelufer 15, Saal 3. Tagesordnung: 1. Bau Wortboim. 2. Branchenangelegenheit. 3. Verschiedenes. Donnerstag, den 31. Juli 1913, abends 8'/, Uhr, im „Rosenthaler Host", Rosenthaler Str. 11/12: Außnordkiitliche Lranchco-Nttsoiomloiig der Stelhnaelier n. Treppengeländer- Arbeiter Tagesordnung: 1. Die ArbeitSvermittelsng in unseren Branchen. 2. Verbands« und Branchen- 3logelegenheiten. 86/10 Die Ortsverwaltung. Uer il Dttmltuugsstette Kerliu. C 54, Fmienstr. 83—85. Telephon: Ami Sorbett 185, 1239, 1987, 9714. Die für Rummelsburg«. Stralau zum Montag» den 28. Juli, anberaumte Bezirksversammlnng DM- findet nicht statt!"TRI Dienstag, den 29. Jnli 1913, abends«'/, Uhr: Versammlung sämtlicher iv den Sargbetrieben beschäftigten Klempner in den Andreas-Festsälen, Andreasstraße 21. Tagesordnung: 1. Sind unsere Lohn-»nd Arbeitsbedingungen verbeffer««gS. bedürftig? Referent: Kollege Devigneux. 2. DiStuision. 3. Beschluß. saffung über die weiteren Maßnahmen. Die Kollegen von den Firmen Klee.«rie»eise«, Koch». EariuS. Potlitzer». Tchwavach und Findeife» find hiermit ganz besonders ein- geladen.— Zahlreichem Besuch steht entgegen 122/17 Die Ortsverwaltnng. III W»IIMU Verwaltung Berlin. Montag, den 28. Juli, abends 8 Uhr, im Gewerkschafts- Hause, Saal 1: Geueral-Nersammlung. Tagesordnung: .Die BoltSsürsorge*. Referent: Kolleoe C«wi» sion.- 3. Bericht d-S Vorstandes und der Re�re» � N�'M�der arbettSIoU�d gen.)— Wahl von jtott cchn t u&rern._ r««■. 1. Vortrag über.. bach.— 2. Diskussion. übir daS 2. Ouariai. s ausgesteuerten Kollegen. schiedeneS. Mitgliedsbuch legitimiert. 20/8 Oer Vorstand. Arbeiter-WsnlleFbuiid _„Die Naturfreunde". Billige GeseUschaftsfahHen nach dem Spreevald am 10. August und 7. September 101� w__~____». he« Oberibre> 1/9 Waldes............. des Kirchganges der Wendinnen. Kahnsahrt über Fh- Schütz enhauS und WosschosSka nach Lübbenau. Teilnehmerkarte«.7Z M.(einichi fahrt 3. Klasse, Mittaaessen uud Kahnsahrt.) AuSsührliche Programme und Tcilnehmcrlatten sind zu habm bei ««>»0, Boyenstr. 19; Horsch, Engeluser 15, und G- Zepmeisel, Neukölln, �"�Zchluß der KartenauSgade zwei Tage vor dem StaUfinden der betr. Fahrt. Einladung zur konstituieren de» Geml-Vesssmiflliin!) der RohSoff- und Zpargkuosseu- schast der Schuhmacher Neuköllns und Umgegend. Eingetragene Genossenschaft mit be» schränkter Hastpflicht. A« Montag, den 4. August, abends 81/, Uhr, bei Gtttlg, Erkstr. 8 in Neukölln. Tagesordnung: 1. Wahl deS Vorstandes. 2. Wahl des Aussichtsrates. 3. Genehmigung des Statuts. 4. Verschiedenes. Nur Mitglieder haben Zutritt gegen Vorzeigung der gedruckten Quittung. Andere müssen sich vor dem Eingang des Lokals ausnehmen lassen. Der Beitritt kostet 1 Mark Einschreibe- gelb.__ 106/5 Die interimistische Verwaltung. Conrsd Holland. Gemeinsame Orts-Krankenkasse für Mariendor! und Dmgepd. Dienstag, de« 5. August XiU3, nachmittags 61/, Uhr, im Lokal .Schwarzer Adler", Berlin- Marieudorf, Chauffeestr. 43: - Allgemeine 1 Mitgliederversammlutig Tagesordnung: Vortrag über die Wirlungen des § 1513 d. ReichSversicherungSordnung. Der Wichtigkeit der Tages- Ordnung entsprechend ist recht zahlreiche Beteiligung der Mit» glieder sehr erwünscht. Nach Schluß der Versammlung: Anlierordentllche GeneralYersammhing sämtlicher Delegierten. Tagesordnung: Beratung und Beschlutzsaffung über die neue Dienstordnung der An« gestellten.{§ 351 R.-B.-O.) Nachdem: ÜMlMesZWIlllllllg>!?? Ifertrelck der Kassemnitglieder. Tagesordnung: Ersatzwahl eines Vertreters zum Vorstand für da» ausgeschiedene Vor» standSmitglied Herrn Ernst Seile. Als Legttimalion gilt die den Herren Vertretern besonders zugehende Ein- laduna. Um pünktliches Erscheinen wird höflichst gebeten. 274/6 B erlin-Mariendors,27.Sulil91Z. Oer Vorstand. sog. heip, l Marek, Schrisssührer. Vorfitzender. / URv. M. 6s— i Petersiia$en imiiiiiiimiiimmiiiiimiiigEiiiiiii S e*. 7 Min. T.Bahah. Fredersdorf,* ■ Kostenfreie Auskunft b. o. Ver-» ■ treter Pnhle i. n. Verksnfs- S ■ puTillon». Bahnh. Fredersdorf.■ ■ N losch alhe A Mische p Berlin, Nene KSnlgslr. 1«* K»,.. Fspr.-Amt: Känigst. 6376. »»WWW 10 Ktarb monatliche leihahlung liefert elegante äerrengatberobe nach Maß, eigenes «iofflag. Per Kaste Preisermäßigung. Schn-idermst. iffl, 47> Dreibnndstr. 47, an der Bellcalliancestr. u. Tempelhoser F-id. Vcrtteterbesuch jederzett. Z? keinsardige g Teppiche fraise, creme, blau, rot, ganz dickes,»myrna- artlges Gewebe, von den echten Inderteppichen kaum zu unterscheiden. Große ca. 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Volksztg.", — 3lr. 640— beschäftigt sich mit dem Kampf auf den Werf- ten, in einer Art, die ganz unverkennbar von der Absicht be- stimmt ist, den Arbeitern Kuüppcl zwischen die Beine zu werfen, den Werftkapitalisten denselben Dienst zu leisten, durch den man das helle Entzücken der Kohlenkapitalisten hervorrief. Das Verhalten des Blattes für„Wahrheit und Recht" ist typisch für die Praxis pfäffischer Verleumdung. Hier der giftige Erguß. Nachdem auf das statutwidrige Verhalten der Mitgliedschaft hingewiesen worden ist, heißt es wärt- lich weiter: ..... Da entsteht die Frage, wie es nur möglich sein kann, daß disziplinierte Arbeiter gegen den Willen ihrer Leitungen in einen Ausstand treten. Es bleibt nur eine zweifache Erklärung: entweder sind die Arbeiter davon überzeugt, daß die Leitung nur zum Scheine und vorläufig die Anerkennung des Streiks versagt öder aber den sozialdemokratischen Organisationsvorständen find die Zügel aus den Händen gerissen worden, sie werden die Geister nicht mehr los, die sie einmal gerufen haben. Wahrscheinlicher ist das letztere, denn die matzlose Agitation der letzten Zeit für den Massenstreik, die Aufmunterung, die die Arbeiter in einem großen Teil der sozialdemokratischen Presse finden, sind geeignet, die Arbeiter blind zu machen und sie zu einer Kraftprobe mit den Leitungen zu veranlassen. Die Leipziger Volkszeitung hat bereits für die Arbeiter gegen die Organijiationsvorstände Stellung genommen und hält diesen ihre Verpflichtung vor, selbst die Fahne aufzunehmen und sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Wo 40 000 bis 50 ÖOO organisierte Arbeiter in Frage kämen, da dürften die Paragraphen nicht zu ehernen Fesseln werden. Doch auch der erste Fall entbehrt nicht aller Wahrschein- lichkeit. Die Organisationsleitungen haben den Streik lange vorbereitet und geschürt, fanden dann aber wider Erwarten bei den Werstbesitzern Entgegenkommen, so daß sie nicht ohne weiteres die Verhandlungen abbrechen und iwn Streik proklamieren konnten. Die Arbeiter ließen sich jedoch nicht länger vertrösten; sie griffen zum. Streikmittel, um all ihre Forderungen durck�usetzen. Die Vorstände, selbst wenn sie mit der Tatsache der Streiks einver- standen sind, was bei der Disziplin der sozialdemokratischen Organisationen nicht von vornherein von der Hand zu weisen ist, mußten sich dann aber, um den Anschein zu wahren, die Hände in Unschuld waschen, um vielleicht später bei günstiger Gelegenheit den Streik anzuerkennen und Streikgelder auszu- zahlen. Wie dem auch sei, die Tätsache läßt sich nicht wegleugnen, daß hier wieder mit Feuer gespielt worden ist. Durch die Nicht- anerkcnnung des Streiks von seiten der Vorstände wird von matzgebender Stelle zugegeben, daß der Streik ungerechtfertigt ist. Um so schwerer ist darum die Verantwortung, die auf jene fällt, die die Arbeiter in den Streik hineingehetzt haben." Mehr Bosheit und Tücke, als hier sich offenbart, kann wohl kaum sonst noch in so wenigen Zeilm aufgeboten wer- den. Entweder die Leitungen bestehen aus Komödianten und Betrügern, die der Welt etwas vorschauipielern, oder aber, sind das nicht, dann um so schlimmer,' dann wollten sie frei- willige Zugeständnisse verhindern, sie wollen nur den<Äreik, uni ihre Gelüste zu befriedigen� Kurzum: sie sind bewußte Schädiger der Arbeiterinteressen. Auf jeden Fall, mag es so sein oder so: die Gewerkschaftsleiter sind nichtsnutzige Kerle. Also verkünden mit frommem Augenaufschlag die Apostel christlicher Sitte. Die Verdächtigungen kommen zu sehr aus den Niederim- gen böser Absicht, tragen zu offenkundig den Stempel der bewußten Wahrheitswidrigkeit an der Stirn, als daß man 6 �llegen zu polemisieren hätte. Wir begnügen uns damit, das Denkmal pfäffischer Nichtsnutzigkeit hier niedriger zu hängen. Verlin unA Umgegend. ., J1']!. Arbeiter der Metallwarenfabrik F. F. A. Schulze in der Fehrbelliner Straße klagen über schwere Mißstände in dem Be- triebe. Bei der Firma führt ein neuer Betriebsleiter namens 5 ichon bei anderen Firmen, z. B. bei der A. E.-G. und bei Auer unliebsam hervorgetan hatte, em sehr forsches Re- giment. Bewnders den VerHänden, die Kampfescharakter zeigen, ist der Herr nich. grun, um so zärtlicher liebt er die gelben Schma- rotzervereine. Die Kalkulation in den Akkordpreisen ist derartig niedrig gefaßt, daß die Leute beim besten Willen nicht zu ihrem Gelde kommen können. Die Arbeiter hatten immer 50 Pf. Min- deststundenlohn, die Akkorde waren immer so gestellt, daß der Ab- schlagslohn, der 70 Pf. beträgt, bestimmt erreicht wurde. Durch die neu- Kalkulation wird nun kaum»ach der Mindestlohn von 50 Pf. erreicht, während sonst selbst bei schlechtem Akkord 70 Pf. verdient Iverden konnten. Aber auch noch andere Vorkommnisse erregten bei den Arbeitern gerechten Unwillen. Ein Arbeiter, der 7 Jahre im Betriebe ist, wollte 3 Wochen Urlaub haben— auf seine Kosten—, weil wenig zu tun war. Daraufhin wurde seine Eni- lyssung verfügt, dann aber wieder zurückgenommen. Urlaub gibt es erst nach zehnjähriger Beschäftigung eine Woche(weibliche Ar- beiter nach 6 Jahren eine Woche). Es erhält jeder für die Zeit 30 Mk. ohne Lohn. Ein Arbeiter, der 12 Jahre dort im Lager arbeitete, wurde, nachdem das Lager aufgelöst war, mit Klosett- reinigen, Treppenfegen usw. beschäftigt. Ein Meister erhielt nach 41jähriger Tätigkeit die Kündigung und man munkelt, daß noch andere Meister dasselbe Los trifft. Die Arbeiterinnen klagen über schlechte Behandlung. Alles in allem lassen die Verhältnisse in diesem Betriebe sehr zu wünschen übrig, und besonders die Ent- lohnung ist nicht so, wie man es von einer Firma verlangen könnte, die vom Staate große Lieferungen bezieht. Herr Schulze hat sich zwar bereit erklärt, Akkordpreise, die zu niedrig seien, zu erhöhen, es sollten die Arbeiter mit diesbezüglichen Forderungen nur an ihn herantreten. Jetzt aber werden die Akkordsätze noch reduziert, und einem alten Arbeiter wurde gesagt, wenn er für 40 Pf. Stundenlohn arbeiten wolle, so sei es gut, anderenfalls müsse er sich andere Arbeit suchen. Diese und noch andere Mißstände haben eine derartige Er- regung in die Arbeiterschaft der Firma hineingetragen, daß diese darüber die Kluft vergessen hat, die leider die Arbeiter noch in ver- schiedenen Formen organisiert sein läßt. War es doch möglich, für den Betrieb eine Versammlung abzuhalten, die gemeinsam vom Metallarbeiterverband und vom Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein einberufen war. Vom Metallarbeiterverband sprach W. Sie- ring, vom Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein Joseph. Auch ein Vertreter des Transportarbciterverbandes nahm für die Hilss- arbeiter das Wort. Die vollzählig besuchte Betriebsversammlung betonte am Schlüsse einer einstimmig angenommenen Resolution: „Die Versammlung erwartet bestimmt eine Aenderung und wird sich eine Verschlechterung unter keinen Verhältnissen gefallen lassen." In der Versammlung wurde gerade von Hirsch-Dunckerscher Seite betont: Wenn die Arbeiter noch nicht schärfer vorgegangen seien, so nur deshalb, weil sie immer noch einen Rest Vertrauen zu ihreni Arbeitgeber hätten. Jetzt aber, wo der neue Leiter re- giert, könne es leicht anders kommen. Es sei aber auch anzu- nehmen, daß der Firmeninhaber nicht alles weiß, sonst könnte in einem so rationell betriebenen Werke das Werkzeug nicht in einem Zustande sein, wie es zurzeit der Fall ist. Die Tabak- und Zigarettenfabrik L. Winiski lHerbstoii- W i g n c t t i), Schönhauser Allee 8, ist wegen Nichtanerkennung des Tarifs für Zigaretten- und Zigarettenhülsen-Maschincnführer gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Berband Ortsverwaltung Berlin. Deudfcdes Reich. Zur Werftarbeiterbewegung. Die Arbeiter des technischen Betriebes des Bremer Lloyd in Bremerhaven haben am Freitag zu her Frage über die Arheits- einstcllung Stellung genommen. Eine Abstimmung darüber er- gab 1049 sjir und 455 gegen die Arbeitseinstellung. Die nach den Verbandsstatuten erforderliche Mehrheit ist also nicht erreicht. Die Arbeit wird demnach im Llohdbctriebe nicht eingestellt, die Be- triebsleitung hat den Arheitern bestimmte Zusagen gemacht, darauf ist die Zustimmung erfolgt. In Einswarden wurde am Freitag ebenfalls der Streik be- schloffen, die Arbeiter der Werft von Frerich u. Co. in Einswarden hcktten sich durch ihre örtliche Verbandsleitung ebenso wie die der anderen Werften an der Unterweser in Bremerhaven uvd Geeste- münde bei Tecklenburg, Seebeck und Rickmers und des Bremer Vulkans in Vegesack mit den Betriebsleitungen in Verbindung gesetzt, um über ihre von ihnen eingereichten Forderungen eine Verständigung herbeizuführen. Die Unternehmer zeigten zum Teil Geneigtheit für eine friedliche Verständigung, konnten aber, wie versichert wurde, noch keine bindende Zusage machen. Sie werden von den anderen Wersten zu dieser Haltung gezwungen; sie dürfen sich also mit ihren Arbeitern nicht verständigen, weil es der Unternehmerverband nicht will. Nachdem die Verständi- gungsversuche gescheitert sind, haben die Arbeiter auch dort die Arbeit eingestellt. Zunächst am Montag, den 2l. Juli in Vege- sack, am Freitag, den 25. Juli, in Bremerhaven und Geestemünde, und am Freitag abend ist nun auch die Entscheidung in EinSwar- den gefallen. Am Sonnabend morgen, 26. Juli, haben die Ar- beiter das Werkzeug abgeliefert, sämtliche Arbeiter der Werst haben die Arbeit eingestellt. Die Arbeiter von Frerich u. Co. in Osterholz werden nun ebenfalls zu der Frage Stellung nehmen. Wie die Sache dort auslaufen wird, muß abgewartet werden. Die Arbeitseinstellungen auf den genannten Werften au der Unter- weser sind in ordnungsmäßiger Weise erfolgt und stehen im Em- klang mit den Verbandssatzungen. Die Auszahlung der Streikunterstützung in Hennvurg ist am Sonnabend, den 26. Juli, in allen beteiligten Verbänden ohne Störung erfolgt. 800 Delegierte und Vertrauensmänner der Holz- arbeiter nahmen am Freitag, den 25. Juli, eine Entschließung an, die den Streikenden die Sympathie der Holzarbeiter ausdrückt, von dem Vorstand eine Aenderung ssines bisherigen Standpunktes er- wartet und die Unterstützung aus lokalen Mitteln beschließt. Die Erhebung eines ExtrabeitragS wurde gegen eine große Minorität abgelehnt. Eine außerordentliche Generalversammlung der Fabrik- arbeiter in Hamburg erklärte, daß der Streik statutarisch nicht berechtigt ist. Da die beteiligten Fabrikarbeiter aber in den Kampf hineingezogen wurden, und in Anbetracht der ernsthaften Situation und der musterhaften Solidarität, könne die Generalversammlung das Verhalten des Vorstandes nicht billigen. Den streikend« Kol» legen werde die vollste Sympathie ausgesprochen und ihre Unter- stützung aus lokalen Mitteln beschlossen. Die Unternehmer im Malergewerbe geben sich die erdenklichste Mühe, offen darzulegen, daß sie nur durch die Macht der Ver- hältnissc und durch deij Druck der Arbeiterorganisation gezwungen, die letzten Schiedssprüche angenommen und den von ihnen ent- fachten Kampf aufgehoben haben. Wäre ihnen nicht der Verband der Maler im Wege gewesen, sie hätten ihre vorgefaßte Absicht, jede Lohnerhöhung abzuwehren, durchgesetzt. Nun es anders gekommen ist, üben sie Repressalien und offene Obstruktion. So verHardt der Gau Rheinland-Westfalen noch heute im Tarif- b r u ch und lehnt die Anerkennung des Reichstarifvertrages nach wie vor ab. Dabei bedient er sich weiter des TerroriSmuS mit Hilfe der Zwangsinnungen und der Farbenlieferanten. Der Unter- nehmerverband aber sieht dem Abfall seines GauverbaudeS rat- los zu. Im übrigen Deutschland erschwert det Unternehmerverband die örtlichen Verhandlungen durch die Weigerung, die Ziffer 4 des letzten Schiedsspruches zu erfüllen, wonach dort, wo während des Kampfes für die Gehilfen günstigere Einzeltarife in größerer Zahl abgeschlossen wurden, diese allgemein durchgeführt werden sollen. Außerdem verweigert er die allgemeine Durchfüh- rung der Lohnerhöhungen. Die örtlichen Verhandlungen leiden unter diesem Widerstand der Unternehmer, wenn sich auch die beteiligten Arbeiter vielfach durch eigenes Vorgehen ihr Recht verschafft haben. Sollen die bestehenden Schwierigkeiten abgestellt werden, wäre eine Sitzung des Haupttarifamtes dringend not- wendig; der Verband der Maler hat darum schon wiederholt ersucht. Während die Unparteiischen sich diesen Anträgen der Gehilfen- organisation durchaus anschlössen und alleS aufboten, um eine Verhandlung zustande zu bringen, suchte der Unternehmerverband dieses Vorgehen mit allen Mftteln zu durchkreuzen. Er muß an- nehmen, daß sein tarifwidriges Treiben vor dem Tarifamt ent- hüllt und seine Mitglieder, wenn sie zur Erfüllung ihrer Pflichten formell gezwungen würden, eine neue Enttäuschung erleben wür- den. Das aber würde das Ansehen und die Mitgliederzahl des so gern nach außen renommierenden Unternehmerverbandes schwer beeinträchtigen. Trotz des Widerstandes der Unternehmer erreichte eS der Vorstand des Verbandes der Maler dennoch, daß für den 2 2. Juli eine Sitzung des Hau�ttarifamtes festgesetzt und die beteiligten Personen dazu eingeladen wurden. Doch die Sitzung wurde hintertrieben. Als die verschiedensten Ausflüchte nichts nützte», depeschierte der Vorsitzende des Unter. iiehmevvcrbandes einfach den Unparteiischen, daß er und seine Leute nicht erscheinen würden und setzte es auf diese unerhörte Weise durch, daß der Termin in letzter Stunde abgesagt wurde. Wie schlimm muß es um die Sache der Scharfmacher stehen, wenn sie in dieser Weise kneifen.— Natürlich ist aufgeschoben nicht etwa aufgehoben. Es wird den Herren nichts geschenkt werden und die Folgen der von ihnen betriebenen Diskreditierung des Tarif- gedankens werden die Untcrnehmerverbändler noch zeitig genug zu spüren bekommen. Wohl rechnen die Unternehmer mit der jetzt nicht gerade günstigen Konjunktur. Doch die Zeiten ändern sich wieder und dann kann der Spieß auch einmal um- gedreht werden. Die Beschlüsse der letzten Generalversammlung des Maler- Verbandes auf Stärkung des Kampffonds und den inneren Ausbau der Organisation durch Einführung der Arbeitslosenunterstützung werden der Gehilfenorganisation und den organisierten Maler- gehilfen so zum Vorteil gereichen, daß sie in kurzer Zeit kräftiger Zweierlei Hn liebten» Dem Alltag Abgelauschtes. I. Auf dem Neumarkt zu Gotha steht ein prächtiger Brunnen. Seine Wasser platichern Tag und Nacht, seit Jahrhunderten schon. Am Rand dieses Brunnens sitzen an schönen Tagen zwei alte Korbmacher mit ihrem Handwerkszeug und die Hausfrauen bringen ihnen allerlei zum Flicken: am-gedlente Henkelkörbe, altersschwache Großvatersessel, auch hseund da �'"en dickbauchigen Papierkorb.— Wortkarg und verwittert snw die beiden Alten. Sie kommen aus e.nem Walddorf, drer Stunden Wegs, und stehen vor Tau und Tag aus, um Weidenruten zu schneiden, die sie Mit hierherschleppen. Als Wegzehrung, �eiper. Mittag-, und Abend- orot nehmen sie e.nen kl-men Lmb B° m>t d�� Stück Kuh- käse oder Blustwurst. Der Berdlenst»st karg er betragt durch- schnittlich ungefähr 1.50 M.»m Tag und bildet die Haupteinnahme- quelle emer Familie von sieben?®c,.0�en'h. a>,. � Zur Millagszeit war's, als ich über den �umarkt ging. Vom Turn, der Marqaretenkirche schlugs Zwost. Die Korbflicker machten Rast, lehnten d.e Körbe an den Brunnenrand und zogen ,hr hartes Brot, das Messer und ein Stück Kase aus der Tasche, um ihr Mittagmahl zu halten. An der eisernen Kette am Brunnen hing der blecherne Becher und lud zum kühlen Trunk em. Zwei elegante Damen rauschlen vorüber. ..Wie gut es diese Leute haben." plapperte die eme. den ganzen Sh9 l* ln der frische.. Luft und sehen tue schone alte Kirche und d,e Lindenväume"— ..IrWrs," Nttk jäm•*.-x» n. Täglich führt mein Weg mich durch« Heutal. Und täglich sehe ich aus dem Dach einer breiten, plumven Scheuer den Pfau. Lang- sam gravitätisch stolz,-rt er über de, schmalen First. Der feine Kopf auf dem stahlblauen Hals sieht gleichaültia über die gurrenden Tauben, über die gackernden Hühner hinweg— Manchmal, wenn der helle Mond wie eine silberne Sichel am klaren Nachthimmel steht stößt der Pfau einen seltsam schrillen, klagenden Schre, auS: III—, oh, klllooh-- An jenem Abend schrie er unablässig. Es war, als der be- rauschende Duft der Linden ihn ganz toll gemacht hätte. Seine dunkle Silhouette hob sich klar vom dämmerigen Nachthimmel ab. Stahl- blau leuchtete das köstliche Gefieder. Aus allen Gärten strömte der schwere Duft der Linden herauf zu dem fremdländischen Vogel, der so schön aussah wie ein Märchen.— „IS das ekelhafte Vieh schon wieder auf dein Scheuerdach I" schimpfte ein dicker Hausbesitzer, den sein abendlicher Spaziergang vorbeiführte,.so'n Gegröhle! Wen» ich die Nachbarschaft wär— der Polizei tät ich's anzeigen I"--- m. Samstagnachmittag. Ich gehe über! Feld heimwärts. Ueberall duftet? nach Heu und späten Rosen.— Die kleinen Gehöfte auf dem Weg nach Remstädt sehen blank und freundlich auS. Der Regen hat sie tüchtig gewaschen. Nun sonnen sie sich wohlig im wärmen- den Licht.—_, Durch die süße Stille schrillt ein scharfer Schrei.— Tie Schulzin hat ein Huhn bei den Flügeln gepackt, um es zu schlachten.— Eines Messers Schneide glüht auf im Strahle der sinkenden Sonne. Ihr kleines Mädchen steht abieits. hält die Schürze vors Gesicht und weint bitterlich: ist's doch sein Lieblingshuhn, das die Mutter jetzt schlachtet, sein Gackerli. Das Brüderlein aber hopst lustig auf seinen nackten, staubigen Füßen hin und her, klatscht jauchzend in die Hände und schreit überS ��Morchen gibtS Hiehnerbraten!"-- B. S. Die feuerwchr-Husttellung in Leipzig. Die Feuerwehr-Ausstellung. die in stiller emsiger Arbeit auf dem großen Leipziger Meßplatz geschaffen wurde, ist nun eröffnet. Stattliche Bauten und weite Zelte umringen einen gewaltigen Halb- kreis und ein Gang durch diesen groß angelegten Komplex von Bauten gewährt dem Beschauer elnen imponierenden Uebcrblick über die gesamte Entwicklung der Feuerwehr und über die stolzen Fortschritte des Löschwesens. Die Anschaulichkeit soll dabei noch durch praktische Vorführungen gesteigert werden. Zwischen Lor- bcerhainen, Fahnen und Kiosken harrt bereits das große Feuer- wchrstadion, das der Schauplatz arbeitsvoller Brandvcrsuche sein wird. Und während vom Musikpavillon Richard Wagners..Hymne an die Luzerner Feuerwehr" herabtönt, steigt iu uns das_L'icb 60m»braven Mann" auf, der sich für alle stündlich und täglich opfert, oft aus reiner Menschenliebe, als„Freiwilliger", Leben und Familienglück im Dienst der Allgemeinheit gegen das gefräßige Element fetzt. Die Landesverbände haben ihre Reliquien zur wissenschaftlichen Schau zusammengetragen. Vor allem der„Braunschweigische Lan- desseuerwehrverband" belebte um ein altes Bauernhaus, das schwer behängt ist mit alten Utensilien der ersten Selbsthilfe gegen das tückische Element, die Idylle einstiger primitiver Feuerwehr neu. Aus den wahllos herumliegenden ausgedienten Helmen mit verbeultem Messing und roten Stutzen, den gekrümmten Feuer- hörnern und verschabten Ledereimern, den ungelenken Laternen und Pechfackeln steigen phantastische Bilder auf. So liegen hier die Marksteine der Feuevwchrverganqenheit. Zwanzig, von Wurmlöchern durchzogene„Sprützenwagen", mit Sprüchlein, von zitternden Händen mit Dankgebeten bekritzelt, auS braunschweigischen Gefilden, Cassler Umgegend und Leipziger Nach- bardörfern. Verdiente Wasserfässer und Röhrkästen, Sturmglocken, Signalhörner und das alte Telephon, das dröhnende Sprachrohr, das 170O Meter weit rief. Aber seit diesen Stürmen des mord- brennerischen 16. Jahrhunderts änderten sich die Tage. Die frei- willigen Feuerwehren und ratsibefohlenen Jnnungswehren lösten Kommunalgarde, stehende Wachen und Turnerfeuer« ehren und seit 1865 Berufsfeucrwehren der Großstadt ob. 1346 kam die Dampf. spritze zum Siege, gegen die zuerst ein frommes Gemüt zu Felde zog:„Feuer sind Ruten des Himmels! Mit was soll der liobe Gott denn sonst die Menschen strafen?" Und ein Aufgeklärter lachte:„Mit Dummheit"... Nicht mehr brauchten Maurer und Zimmerleute mit der Brandhacke die Nachbarwändc dhzutragen; denn man überholte nunmehr die Eile des Feuers. Die Leupold- sche Handfeuerspritze mit Saug- und Druckpumpe(1720) trieb den Wasserstrahl 30 Meter hoch, die großen Feuerschlangenspritzen, die sich im Wasserdruck schlangenähnlich wandten, bedienten— 35 Mann.— Die Dampfspritze aber war stets kriegsbereit, erreichte jede Höhe und brauchte iast keine Mannschaft.... So verzichtete der Staat auf die hilfsbereite Freischar und warb die Berufs- feuenvchr, der der Großstädter sein Schcrflein beisteuert, um ihr als„Mädchen für alles" alle Notrettungen zuzumuten, von der Bcr- folgung des Spitzbuben über die Dächer, dem Fangen des ver» flogcncn Kanarienhahns bis zum Heben des gestürzten Pferdes. Aber mit der Verminderung der Mannschaften und der staat- lich-militärischcn Regie zog die Technik im Siegeszug ein. Die Löschzüge, Geräte und Ausrüstungen wurden von der Technik der Fcucrwehrromantik entfremdet, maschinell uniformiert. Da stehen ganze Löschzüge im Autobetrieb, Spritzen-, Mannschajts- und Leiter, Bttb kamjfffZylger bastenen Serben öf5 fe. Dafür bürgt die Verständnisvolle Aufnahme, die die tiefeinschneidenden Beschlüsse bei der übergrohen Anzahl der Malergehilfen finden, lind die noch indifferent oder schmollend beiseite stehen, werden durch das ar beiterfeindliche und anmaßende Vorgehen der Unternehmerver bändler während und nach dem letzten Kampfe im Malergewerbe dem Verbände der Maler sicher bald beitreten. Finanzieller Znsammenbruch der national-polnischen Gewerkschaften. Im Frühjahr leiteten bekanntlich die polnischen Gewerkschaften in Oberschlesien unter den Bergarbeitern eine Lohnbewegung ein, ohne vorher eine andere Gewerkschaftsrichtung zu verständigen. Diese Beilegung erreichte in dem oberschlesischen Bergarbeiterstreik, an welchem sich rund 7S 000 Bergarbeiter beteiligten, ihren Höhepunkt. Dieser Kamps wurde von den polnischen Gewerk- schasten begonnen, ohne daß sie über Mittel zur Unterstützung der Streikenden auch nur für eine Woche verfügten, in der Hoffnung, daß er durch Entgegenkommen der Gruben besitzer in 4— 5 Tagen zu Ende sein würde. Doch diese Kalkula tion ging fehl. Die Grubenbesitzer gaben, was vernünftige Men schen den polnischen Führern voraussagten, in 4— 5 Tagen nicht nach. Die Arbeiter blieben standhaft und wurden nicht zu Streik- blechern. In der Hoffnung, daß der Streik in welligen Tagen erledigt sein würde, wurden den Arbeitern die größten Ver- sprechungen gemacht. Es wurde gesagt: alle Arbeiter müßten sich der polnischen Berufsvereinigung anschließen, dann erhielten sie Unterstützung. Aus Frankreich, Amerika, England usw. kämen zur Unterstützung Millionen. In einer offiziellen Erklärung des Vor- standes hieß es sogar, daß sich die Chinesen(!) an der Sammlung für die Streikenden beteiligen würden, um sie aus der Knecht- schast zu befreien. Das waren große Worte, denen ein Zusammenbruch folgte, wie er in der Geschichte der Arbeiterkämpfe einzig dastehen dürfte. Fluchtartig verließen die Führer, die aus Westfalen. Posen ins Streikrevier gekommen waren, den Schauplgtz ihrer„Siege". Die Arbeiter aber verlangten, daß Unterstützung gezahlt würde. Um überhaupt noch Mitglieder zu halten, mußte die Berufsvereinigung mit der Kriegskasse schon herausrücken. Trotzdem sind die Ar- beiter aber zu Tausenden ausgetreten. Nun werden sie mit folgen- dem Anschreiben dedacht: den........ 4913, P. V- Wie dem Herrn bekannt ist, wurde den neu eingetretenen Mitgliedern der Polnischen Berufsvereinigung während des Streiks die Unterstützung nur leihweise gezahlt. Diese Unter- stützung brauchen diejenigen, welche Mitglieder der Polnischen Berufsvereinigung geblieben sind und ihre Beiträge weiter- zahlen, nicht zurückzugeben. Wie uns aber unser Vertrauens- mann mitteilt, zahlt der Herr die Beiträge nicht weiter und deshalb fordern wir den Herrn auf, den geliehenen Betrag der Unterstützung zurückzuzahlen, widrigenfalls wir gezwungen sind, andere Schritte zu unternehmen. Wir machen auch auf die Unterschrift des Herrn beim Empfang der Unterstützung auf- merksmn." Das Geld heraus, oder— wir klagen! Das ist der Grundwn deS Briefes. Selbstverständlich kommt niemand dieser Aufforde- rung mach. Aber warum die Berufsvereinigung solche Aufforde- rungen versendet, wird erst dann recht ersichtlich, wenn man das Finanzgebaren näher kennt. Im Juni hielten die polnischen Gewerkschaften in Berlin ihren Kongreß ab. Dort wurde das Vermögen der gesamten polnisch-nationalen Gewerkschaften auf 894 728 M. angegeben. In einem soeben ausgegebenen Flugblatt wird nun behauptet, daß die Berufsvereinigung im Streik über eine Million Mark Unterstützung ausgezahlt habe. Demnach haben diese Gewerkschaften jetzt über 199 999 M. Schulden. Das be- deutet für sie einen finanziellen Zusammenbruch. Der Streik bei der Firma Bosch beendet. Wie das Wolffsche Bureau aus Stuttgart meldet, wurde in einer Versammlung der streikenden Arbeiter der Firma Robert Bosch mit allen gegen zwei Stimmen beschlossen, die Arbeit bei der Firma geschlossen wieder aufzunehmen, und zwar zu den Bedin- gungen, die zwischen dem Verband der Metallindustriellen und dem Deutschen Metallarbeiterverband vereinbart worden sind. vle proletarische Zugenäbetvegiing. I. Ihre Arbeit. Die eben erschienenen Berichte der Jugendausschüsse lassen er- kennen, daß die Bewegung der jungen Arbeiterschaft einen weiteren erfreulichen Aufstieg genommen, und daß in den neun Monaten der Berichtszeit eine immense Arbeit zum Schutze und zur Bildung der heranwachsenden Arbeitergeneration geleistet worden ist. wagen der AutofaVriken Benz, Adler, Daimler. Da zeigen selbst- tätige Feuermelder die technische Entwicklung der Morseapparate bis zu unseren telephonischen Meldestellen und Selbsterwärmern, die bei Atmosphärenerhitzung ihrer Aufstellungsräume automatisch Kontakt einstellen und der kilometerweit entfernten Hauptwache Kriegserklärung melden. Da beweisen statistische Erhebungen den Sieg des Feuerschutzes über plötzliche große Brände in wenigen Minuten mittels unserer Technik in Wehr, Ausrüstung und Or- ganisation. Sanitätsräume zeigen den„Berufsschutz", Sauerstoff- zuführung zu im Rauchqualm arbeitenden Helden und sofortige Selbsthilfen durch Waffertuben. Pläne erläutern die unterirdischen Kabelleitungen für Feuermeldung, Photos zeigen die Vorgänge geschlagener Schlachten, die dem gefräßigen Elemente Fabriken und Wolkenkratzer wieder entrissen, kartographische Darstellungen geigen, mit roten Punkten wie Sternenfirmamente übersät, die 1999 Brandstätten des Jahres in der Großstadt. Uniformen, glän- gend und praktisch zugleich, Kopfmasken, die in den Rauch tauchen lassen... Brandkarten, Wagenmodelle, Wachtbauten... Man fühlt sich so sicher in die-sem Arsenal des Krieges der Elemente, man hält die Feuerversicherungspoliee für unnötige Ausgabe und vergißt ganz, daß erst jetzt wieder in Newyork der Fabrikbau ab- brannte, mit 44 verkohlten Leichen armer Arbeiterinnen. P. K. Der„literarische Film". In der dänischen Zeitung„Politiken" findet sich folgende Notiz, die eine prächtige Illustration zu der Sicherheit ist, die den Dichtern bei der Verfilmung ihrer Werke angeblich geboten wird. „Gerhart Hauptmanns Film„Atlantis" wird der größte Film sein, der je bei Ole Olsen(d. i. der Direktor der„Nordiske Film- compagnie") aufgenommen wurde. Das erste Filmmanuskript, das von Deutschland kam und von Gerhart Hauptmann selbst durch. gesehen war, hat sich als unbrauchbar erwiesen, wird aber jetzt von Hr. Garde bearheitet." Hr. Garde, der Dramaturg der„Nordischen", ist aber eben jener„Bearbeiter", der die von uns seinerzeit gemeldete Ver- schandelung des L i e schen Romans„Die Tochter des Komman- deurs" besorgt hat. Und dem fällt jetzt Hauptmanns Werk in die Hände! Es gibt doch noch eine Nemesis! Wie entsteht das Sclterswasser? Das natürliche Selterswasser das die Hitze des Sommers einigermaßen erträglich macht, hat eine Entstehungsweise, die reich an interessanten chemischen Vorgängen ist. Um das Austreten der Kohlensäure im Selterswasser zu erklären, kann man annehmen, daß sich unterirdisch Kohlensäure angesammelt hat, sei es infolge vulkanischen Ursprungs, sei es durch Zufuhr aus den obersten Schichten der Erde, deren Vegetationshülle reichlichst Kohlensäure aufweist. Ost geht aber auch die Bildung dieses Stoffes in anderer Weise vor sich. Sickert Wasser der atmosphar,- schen Niederschläge m Tiefen, wo sich Cchtoefeleise» in Kallstem ein» Die ziffernmäßige Stärke der freien Jugeftdfie- w e g u n g wird durch den Abonnenten st and der„Ar beiter-Jugend" ausgedrückt. Er hat sich von 89 986 auf 89 499 gehoben. Der Fortschritt entspricht dem des vorhergehenden Jahres, Gegenwärtig mustert die„Arbeiter-Jugend" 96 999 Abonnenten. Jugendausschüsse bestehen in 666(674)*) Orten. 499 haben über ihre Tätigkeit berichtet. Jugendheime existieren in 291(298) Orten. 196(179) Heime haben nur einen Raum, 61(48) zwei, 21(16) drei, 17(9) vier, 1(3) fünf, 2(9) sechs und 2(9) sieben Räume. 186 Heime stellen Vereinszimmer von Wirtschaften dar, die gegen eine enl sprechende Entschädigung für die Zusammenkünfte der Jugendlichen gemietet und für diese Zeit dem Verfügungsrecht des Wirtes ent- zogen werden. Häufig benutzen die Jugendlichen einen besonderen Eingang, um nicht den Weg durch den Schankraum zu nehmen. DerGenutzalkoholischerGetränkeunddesTahaks ist in allen Jugendheimen nicht erlaubt. Einer ge- sundheitsmäßigen Pflege des leiblichen Wohls wird in vielen Heimen durch Verabfolgung von alkoholfteien Getränken und von Gebäck zum Selbstkostenpreise entsprochen. Auch auf eine schlichte, g e- schmackvolle Ausstattung der Heime, auch der in den Wirtschaften, wird Sorgfalt verwendet. Die jährliche Miete beträgt in 177(167) Orten 46 919,60(49 227,69) M. In 13 Fällen haben die Gewerkschaftshäuser Räume unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Berlin zahlt 7379(4229) M., Leipzig 3999(2999) M., Kiel 2799 M., Dresden 2809(789) M.. Köln 2969 M., Lichtenberg 1369 (624) M.. Düsseldorf 1299 M., Elberfeld 1139(969) M.. Chemnitz 1199 M., Hannover 1999(1999) M. und Mannheim 1999(1999) M. Mehrere Heime können 9 Orte aufweisen. Dresden hat 7 (2 mit je einem Raum, 3 mit je zwei Räumen und 2 mit je drei Räumen), Halle hat 6(mit je einem Raum), Berlin 3(2 mit je sieben und 1 mit sechs Räumen), Leipzig 3(je einen Raum) und 22 gemietete Lokale in Wirtschaften. Suhl 3(je einen Raum), Köln 2(1 mit vier und 1 mit zwei Räumen), Elberfeld 2(ebenfalls 1 mit vier und 1 mit zwei Räumen), Kiel 2(1 mit fünf und 1 mit drei Räumen). In 171(143) Heimen sind Büchereien vorhanden, die 36 681(31 862) Bände umfassen. In allen Heimen liegen Zeit- schriften und Gesellschaftsspiele zur Belehrung und Unterhaltung aus. Die Benutzung der Heime steht überall den Jugendlichen frei. Die meisten(124) der Heime sind nur an einem Tage der Woche geöffnet, 66 an zwei, 26 an drei, 6 an vier, 3 an fünf, 13 an sechs und 27 an allen Tagen der Woche. Die weibliche Jugend war in 73 Heimen nicht vertreten, in 6 stellte sie zwei Drittel, in 17 die Hälfte, in 48 ein Drittel und in den übrigen weniger als ein Drittel der Besucher. Die Ausgaben für die Jugendheime betrugen 68 699,94 M. Bildungsveranstaltungen wurden getroffen: Art der Veranstaltungen Einzelvorträge... im Vorjahr... Künstlerische Veran- staltungen u. Feste im Vorjahr... Wissenschaftliche Führungen... im Vorjahr... Wanderungen... im Vorjahr... Außerdem fanden 296(193) Vortragsreihen und Kurse statt. An den Kursen, die von den örtlichen Bildungsausschüssen abgehalten wurden, durften sich die Jugendlichen fast überall unentgeltlich be- teiligen. Eigene Jugendbibliotheken gibt es außer den in den Jugendheimen in 76(69) Orten, die 18 999(8891) Bände auf- weisen. Demnach verfügt unsere Jugendbewegung über insgesamt 2 7 4(2 1 2) I u g e n d b i b l i o t h e k e n mit 64 771(49 793) Bändgn. Die Pflege des wirtschaftlichen Jugendschutzes wird überall in Gemeinschaft mit den Arbeitersekretariaten und Ge- werkschaften betrieben. In 49(39) Orten sind besondere Jugend- schutzkommissionen eingesetzt worden. *) Die Ziffern in Klammern stammen aus dem Bericht des Vorjahres. Sie geben die Arbeit in e i n e m I a h r e an, während die diesjährigen Ziffern die Tätigkeit inneunMonaten wider- spiegeln. geschlossen vorfindet, so oxydiert der im Wasser enthaltene Sauerstoff das Schwefeleisen nicht nur zu einem leichtlöslichen Eisensulsat, sondern auch zu schwefliger Säure. Diese wirkt sofort auf Kalkstein und in prickelnden Bläschen reichert sich das Wasser mit Kohlensäure an. Ist das Wasser einmal auf irgendeine Weise mit Kohlensäure gesättigt, so löst eS all die kohlensauren Steine, die es berieselt, stark auf und mit doppelkohlensauren Salzen beladen dringt es endlich durch irgend eine Spalte an die Erdoberfläche. Kälte, da? beste Haarwuchswittel.„Die Polarländer sind da« Dorado der Kahlköpfe!" Darin gipfeln die Beobachtungen, � die der bekannte Polarforscher Ernest Shackleton auf seiner Südpolarexpedition gemacht hat. Er stellte fest, daß einige Teilnehmer, die bei der Ausreise nur einen äußerst spärlichen Haarwuchs besaßen, schon kurze Zeit, nachdem sie in den Polarregionen weilten, sich eines prächtigen Haarschopfes erfreuen konnten. Dabei war das neue Haar von einer Beschaffenheit, die das Entzücken jedes Haar- künstlers erregt haben würde: dicht, kräftig, glänzend. Uebrigens�soll die Beobachtung, daß dieKälte das beste Haarwuchsmittel ist, schon früher gemacht worden sein. So ist es bekannt, daß Leute, die in Kühlräumen arbeiten oder sich dort längere Zeit aufhalten, nie an Kahlköpfigkeit leiden, sondern den prächtigsten Haarwuchs besitzen. Auch die Tierwelt der Polarregion rühmt sich ja des dichtesten und schönsten HaarpelzeS, was den Schluß zulassen dürste, daß die Tem- peratur dieser Gegenden dem Haarwuchs sehr zuträglich ist. Sobald aber Polartiere in Gegenden mit wärmerem Klima gebracht werden, wird ihr Haar lichter. Warum sollten nun diese Temperaturunter- schiede nicht in gleichem Maße auch den Haarwuchs des Menschen beeinflussen? Man kann also die Beobachtung Shackleton? als wahr unterstellen, und darum ergehe an alle Kahlköpfe oder solche, die es zu werden drohen, der Rat:„Auf in die Polarregion I' Notizen. — Renntiere in Deutschland. Der erste Versuch, das Renntier in Deutschland zu einem Haus- und Nutztier zu machen, ist auf der Insel Nöm. Kreis Tondern. ausgeführt worden. In Jüt- land, wo ähnliche Verhältnisse bestehen, weiden schon 399 Renntiere, im Herbst bringt ein Schiff weitere 299 Glück. Die großen Heide- strecken Deutschlands würden, wenn die Renntierzucht sich bei uns einbürgern läßt, wesentlich wertvoller werden und zur Fleisch, und Milchversorgung beitragen können. — Berichtigung. In dem kleinen Feuilleton: Vom Export d e u r s ch e r M u s i k i n st r u m e n t e in Nr. 186 ist infolge eines Versehens des Einsenders ein Fehler unterlaufen. An Streich. instrumenten und deren Teilen wurden im ersten Vierteljahr 1913 nur 781 Doppelzentner im Werte von 1,936 Millonen Mark exportiert. Diese Instrumente stehen also keineswegs an der Spitze,' sondern kommen erst hinter den Klavieren, Sprechmaschinen, Harmonikas. I Die Ausgaben der JugenbauSf'chüsfe betrugen in 398(246) Orten 186 747.13(129 732,41) M. 182 Orte haben spe- zialisierte Angaben gemacht. Danach wurden ausgegeben: für die Bildungsarbeit 97 633,16 M.(hierbei ist aber zu berücksichtigen, daß in vielen Orten die Vorträge nicht honoriert werden), für Veranstaltungen der Körperpflege 6811,69 M. und für die Agitation 13 999,97 M. Zur tatkräftigen Unterstützung der Agitations- und Bildungs- arbeit in den einzelnen Orten sind die Bezirksleitungen gebildet worden, deren 39(26) vorhanden sind. Für die Ausbildung von Funktionären wurden 19 Konferenzen und Kurse veranstaltet. Die Bezirksleitungen vermittelten 438(252) Vorträge, hielten 198 (196) Sitzungen und 44(22) Konferenzen ab, ferner gaben 6 Leitun- gen 8 verschiedene Flugblätter heraus, die in 131 299(77 299) Exem- plaren verbreitet wurden. Die Ausgaben der Bezirks- l e i t u n g e n erreichten die Höhe von 29 969,73(6912,13) M. Den Funktionären mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, be- fleißigte sich auch die Zentral st eile für die arbeitende Jugend Deutschlands. Ihr schriftlicher Verkehr zeitigte 4246(4932) Postausgänae. Durch Herausgabe von Agitations- Material wurde die Werbearbeit im besonderen zu fördern ge- sucht. Vier neue Flugblätter wurden herausgebracht. Ein Flug- hlatt dient der Propaganda für die„Arheiter-Jugend", ein anderes wendet sich gegen den Bund.Jungdeutschland", den Kriegerverein der Jungen, das dritte richtet sich speziell an die junge Arbeiterin und das vierte:„Die wahren und die falschen Freunde der arbeiten- den Jugend" klärt die Jugendlichen über die wahren Zwecke der staatlich organisierten gegnerischen Jugendbewegung auf. Die vier Flugblätter wurden in 414 999 Exemplaren verlangt. Dazu kommen 277 999 Exemplare, die von sechs älteren Flugblättern noch verteilt wurden, so daß insgesamt 691 999(4 66 999 Flugblätter abgegeben wurden. Außerdem gelangten von der Agitations- broschüre„Gehörst Du zu uns?" 23 675 Exemplare und von der „Arbeiter-Jugend" 32 999 Probenummern zur Ver- teilung. Der Jugendalmanach„Jungvolk", der vor Weihnachten zum ersten Male erschien, hat eine gute Aufnahme gefunden. 27129 Exemplare wurden abgesetzt.„Jungvolk" soll in jedem Jahre als eine Weihnachtsgabe an die Jugend in neuer Auflage erscheinen. Das unverantwortliche Treiben der Kriegshetzer, das, begünstigt durch die neuere Entwicklung der bürgerlichen Jugendbewegung, auch schon die Jugend der Arbeiterschaft sich zum Opfer erkoren hat, veranlaßte die Zentralstelle, von der Schrift: LamSzus, Das Menschenschlachthaus, eine billige(aber ungekürzte) Aus- gäbe zum Preise von 39 Pf. herauszugeben, um diese fesselnde, teil- weise dramatisch wirkende Darstellung des mit allem technischen Raffinement ausgeführten modernen Krieges in die Massen der Arbeiter, junge wie alte, zu bringen.(Die gewöhnliche Ausgabe kostet 1 M.) Die Schriften, die in den früheren Jahren erschienen sind, wurden viel verlangt, allein das Jugendliederbuch in 22 223 Exem- plaren. Eine besondere Aufmerksamkeit ist der Ausbildung von Funktionären geschenkt worden. Der schriftlichen Belehrung. die durch das nach Bedarf herausgegebene Rundschreiben und die selbständigen Schriften erfolgt, find aus diesem Gebiete sehr enge Grenzen gezogen. Die Zentralstelle ist darum zur Schaffung einer neuen Einrichtung geschritten: Im Oktober fand zum ersten Male ein Ausbildungskursus für Jugend. l e i t e r statt. Er dauerte eine Woche, 32 Funktionäre aus ver. schiedenen Bezirken Deutschlands nahmen teil. Der Unterricht, der täglich durchschnittlich acht Stunden währte, umfaßt«: Pädago- gisches, Rechtsbelehrung und Agitation, Agitation unter der Weib- lichen Jugend, BildungSarbeit, Jugendheim, Wanderungen, Spiele im Freien, Jugendschutz, wissenschaftliche Führungen, Bibliotheks- Wesen, Gesundheitspflege, gewerkschaftliche Jugendbewegung, bür- gerliche Jugendbewegung. An jeden Vortrag schloß sich eine kurze Aussprache an. Die Vorträge wurden nach Möglichkeit durch Vor- führung praktischer Beispiele wirkungsvoll unterstützt. So wurden die Teilnehmer in ein Museum und in eine Erziehungsanstalt ge» führt, um ihnen die Art und Weise wissenschaftlicher Führungen zu demonstrieren. Die Einrichtung eines Jugendheims und die Organisation des inneren Betriebes wurde den Kursusteilnehmern ebenfalls an Musterbeispielen gezeigt. Ferner wurde ihnen die Organisation und Leitung von Wanderungen und die Veranstaltung von Spielen im Freien auf die praktische Art erläutert, indem die Lehrer mit den Schülern eine gemeinsame Wanderung unter- nahmen und Spiele im Freien arrangierten. Und schließlich fand im Anschluß an den Vortrag über das Arrangement künstlerischer Veranstaltungen eine Jugendfeier statt. Am Schlüsse des Unter- richts wurde Schülern und Lehrern Gelegenheit zu einer allge- meinen Aussprache über den Kursus gegeben. Sämtliche Schüler betonten, daß der Kursus sehr wertvoll sei. Der allgemeine Wunsch nach öfterer Wiederholung wurde schon im Mai dieses Jahres er- füllt. Und im September findet der dritte Kursus statt. Die Ausgaben der Zentralstelle belaufen sich auf 13 929.34 (8612,29) M. Für Prozesse wurden 896,97(3619) M. ausgegeben. der Kursus erforderte 4623,49 M., an Bezirksleitungen wurden Zuschüsse in Höhe von 2999(2690) M. geleistet. Unpolitische Jugendvereine bestehen in 114(192) Orten. Sie zählen 18 967(17 757) Mitglieder, und zwar 13199 (13 643) mannliche und 3495(3032) weibliche Jugendliche unter 18 Jahren und 1628(1182) Erwachsene In vielen Orten sind die von der Behörde zertrümmerten Vereine von Jugendlichen neu. gegründet worden. Die Zähigkeit, mit der die Jugendlichen, aller rigorosen Verfolgungen zum Trotz, an ihren Vereinen hangen, ist gewiß bewundernswert So repräsentiert sich hie Bewegung deS jungen Proletariats als ein starker gutgepflegter Zweig der modernen Urbeiterbewegung, dessen Früchte bald heranreifen werden. Lnefkatten der Redahtion. Dt- t-*«Hiht* Ltnde»st?atze 69, vorn vier Treppe« - vo»** bis 7M, Uhr abends, Sonnabends. d-n 4U.(.J«— L« w» den Britflaftra deltimmtcn«airaa, ist-in Buchk.°d? q-hl'-ls M-rti-i-d-» bktjnssg.n.«riefltche Aatwon � �...n- Ad°nn-m-«m.ng m, '-rd.n tra-e.« d»-».echftnnd-„ot. A. R 220 Wied-r?ol-a Sie Jbre Anfrage und geben Sie noch an. as ppJtvFi- trÄ SfeftaraB W-m oiMnnPher strift Sie die Arbeit auf Kosten des Vermieters machen lassen werden Sosern di- Frisl-rsolglos verstreicht, können Sie dies auch tun Eiste Kürzung von der Miete sst jedoch ebensalls nicht zulässig. S» müssen dann aus Erttattung der Kosten klagen. An den jetzt lausenden Vertraa sind Sie gebunden. Ob sie weiterhin gebunden sind, hängt da- von ab ob ein Vertrag bereits gemacht ist oder niSt. was aus Ihrem �ebreibm nicht hervorgeht.—<5. F. 150. 1. Der Bertrag ist zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll zu erklären und wird wirksam durch Eintragung in das(«illerrechlsregister, die unmittelbar nach Einreichung «folot.»ei der Verhandlung müssen sie sowohl wie auch Ihre Frau zu- aewen sein. Die. Kosten richten sich nach der Höhe des Objekts. 2. Nein. S ttn dem MlmentationZvrozcs können Sie sich auf da» Zeugnis der Kwdesmutter berufen. Die Alimente betrage« für»erlw 80—88 SR, monatlich. — iiannr�rkiirHjg� Theater und Vergnügungen VentsekesSollsnspIelli»»» k Uhr: Ter gute Ruf. Saehse-Gper Sehiller-TlieaterO.IS: 8 Uhr zu ermäßigten Preisen: Zar und Zimmermann 8 Uhr: Stella maris. Kroll-Oper 8 Uhr: Carmen. lGastspiel: Thäa Oorrfe.) Montag: Bajazzo und Ca- valleria rnwricana. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. TbeateramMendorfplatz 8 1 Mann mit der grün. Maske. | Im Kino-Varietäteil erst- 9 klassige Varieionummern C u. d. neuest.(ZaumonisUmS n OSE-THEATEI 1 Große Frankiurler Str. 132. IsgeKucli t\m YerlOFenei], Ansang S'j, Uhr. Stuf der Gartenbiihne: ! FZ« xelit lo»! Große Posse. Ansang 4 Uhr. AketreiioI-7l>ester. llbend! 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operelte m 3 Akten von Jul. Freund und G. Okonkowski. Musik von �oan«Ilkei-t. In Szene gesetzt v. Mr. Rich. Schultz. �assage-panopMum l>er persische Angenfaklr in seinen fanat Derwisch- Martern (hebt n. a. mit den Augen schwere Gewichte). 3 Schwestern Liliput, die kleinst. Schwest der Welt. WU" Alle» lebend!'VG Ohne Extrn-Entrec! Berliner Praler-Theater 7—9 Kaftauien-Allee 7—9. Montag, 29. Juli: Zum 75. Mal-: Das Bummelmädchen Gr.AuZstattungZp. in 4 Akt. V.M.Heye Musik von Hirsch und Schreher. Erftklaff. Spezialitäten. Konzert. Ansang 4-/, Uhr. Eintritt 3S Ps. Msgksiglzzl. Ein Arena Angenehm frühler Aufenthalt. Uente 8 Vorstellnngcn nachm. und abends Das sensationelle Eis-BaUett Flui in St. Morilz. Beg. d. Nachm.-Vorat.(z. halb Preis.) um 41/, U., Schluß 7 D Beginn der Abend-Vorst um 9 Uhr. Einlaß ab T'/stThr. Wiederauftr. der kleinen Charlotte. Ab lO*/, Uhr halbe Preise. — Erstklassige Küobe.— Wein- n. Bier-Abteil. 10CISCHER GARTEN Hente Sonntag: Eintritt§0 Pf. 1 Kinder unt. 10 Jahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: Großes Militär-Konzert (3 Kapellen). Tägllch: Militär-Doppel-Konzert. „CINES" Nollendorf- Theater] Nollendorf platz 4. Einziges Theater Deutschlands 1 mit TerschiebbarA.m Dach.| Max und die Liebe. Der übermütigste Schwank, der j je zur Vorführung gelangte. Peter Episode aus dem Cowboy-Leben| und das übrige ▼ttlllg nene Programm. Vorstellung 6'/« und 9 Uhr. Sämtl. Plätze sind numeriert. Volksgarfen- Theater. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/26. Sonntag, den 27. Juli 1913: Unsere Don Juans. Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Akten von L. Treptow. Dazu: Erstklassiges Spezialitäten- Programm. Ansang 4 Uhr. ReieiKiiaiien-Theater Letzte Sonntagssoiree d. berühmt. dresdener Vielem- Sänger. 4 Anfang 7't, Uhr. Freitag, 1.8.: Wiederbeginn der Soireen der Stoltiner Sänger. Neue WeBt Morgen Montag, den 28. Juli 1913, abends 8'/, Uhr: Volks Sinfonie Konzert den filQthner-Oreheslers Dirigent: Guido v. Fachs. Karten k 30 Pf. in den bekannten Vorverkauf ss tollen und abends an der Kasse. Voigt- Theater Badstraste 58. Sonntag, den 27. Juli 1913: Die schöne Melusine. Volksstück mit Gesang u. Tanz v. Bach. Sollst. neueTPczialit. I.Ranges. Kasienöffn. 10 Uhr. Ansang 4 Uhr. Voranzeige. Dienst., 5. Aug.: Benefiz Heinr. Bach: Der Verschwender. ssieiiüböfg U Rcl 0iioEf j-Festsäle und Garten »cs.Otto Ernert, SW.,Kreuzbergst 48 f Jeden Sonntag: GroBe Spezialitäten- und Theater-Vorst. Entr. ISPs. Jeden Mittwoch: Residenz. Tanger. Jeden Freitag: Faul Manihots lusl.Sänger. Passest, u. Vorzugs!, gültig. Stets neues Programm I Einige Sonnabende und � einige �omtuuenue«uu Totensonntag an Vereine zu vergeben. Sonntag, den 31. August: Beginn der Spielzeit 1913—1914. Die ersten Vorstellungen sind: Im Deutschen Opernhaus in Cbarlottcnbnrg: Komisohe Oper von Nikolai: Die lustigen Weiber von Windsor. 4. Abteilung und II. Abteilung(a). 12. Nachmittagsabteilung im Ufeuen Tolkstheater 3 Ihr: Fritz Stavenhagens niederdeutsches Drama: Mudder Mews. Montag, den 1. September, abends S'/i Uhr, 16.(gemischte) Abteilung im Reuen Tolkstheater: Mudder Mews. Sonntag, den 7. September(3 Uhr) t. nnd 2a Abteilung im Schiller Theater Gharlottenburg: Anzengruber: Der Pfarrer von Kirchfeld. 9. Abteilung im Hcrrnfeld-Theater: Arno Holz und Johannes Schlaf: Familie Selicke. Drama in 3 Aufzügen. In Szene gesetzt von Fritz Witte-Wild. Sonntag, den 14. September(3 Uhr); 6. Abteilung und 16. gemischte Abteilung(e und d) im Thalia-Theater: Henrik Ibsen: Die Wildente. Schauspiel in B Akten. In Szene gesetzt von Fritz Witte- Wild. Die Mitglieder werden ersucht, ihre Mitglieds- Zahlstelle abzugeben mit der Erklärung, i'■ Gemischten oder Abendkarten in ihrer ob sie einer Nachrnitta. abteilung angehören wo. und können nach Zahlung des nächsten Beitrage� von Ma neue Mitgll (in der blsherlffen gleichzeitig wc I.IO die nehmen. edskarte Ihr das Spleljahr 1913/14 Zahlstelle) in Empfang X pST* Alle etwaigen Umschreibungen in eine andere Zahlstelle müssen spätestens bis Ende Juli bewirkt sein. . X Zahlstellenverändernngen: Zahlstalle 2JJ, bisher Augustin, befindet sich jetzt im Restaurant Krautz, Kochstr. 39. Zahlstelle 60, bisher Schäfer, befindet sich jetzt im Konfitürengeschäft G. Möller, Motzstr. 73. Nen! Zahlsteile KL: Neukölln, Hagedorn, Zigarrenladen, Mareschstr. 15. 244/13 Ten! Zahlstelle 65: Lichtenberg, Artur Stein, Zigarrenladen, Frankfurter Chaussee 46. Der Toratand. L V.; 6. Winkler. Berliner Kindl-Branerei-Ansseliank Hennannstr. 214/18 Neukölln Ferospr.: NeakOllo 79. _ Oekonom: Robert Bergner. � Taguch GroBes Gartenkonzert Anfang: Wochentags 7 Uhr, Sonntag nachmittags 4 Uhr. Entree: Wochentags 15 Pf., Sonntags 20 Pf. Kaffeeküche ist täglich geöffnet,'/, Liter 80 Pf,*/, Liter 40 Pf. Salaonkarte pro Person 1 M. Schwarzer Adler, Lichtenberg Frankfurter Chaussee 5. am Ringbahnhof Frankfurter Allee._ TUgllch das erstklassige Spezialitäten-Programm Mittwoch, den 30. Juli: Benefiz für Kar! Braun Deutschlands besten Verwandlungsschauspieler. Schönhauser Allee 148 Kastanien-Allee 97/99. Konzert und erste klassige Spezialitäten Kassenöffn. vorm. 10, Ansang 3'/, Uhr. Alhambra Wallner-Theater-Ttraste 15. xx Großer Ball. Großes Orchester. Ansang Sonntags 5 Uhr. A. SSamcitat. Kempfs Kegleiiieim, Am Treptower Park 19. Jeden Mittwoch: kouzert u. Xanz. Jeden Sonntag: Spezialttäteu u. Tanz. Neurenovierier Saal snr Ver- eine und Gewerkschasien. Erstklassige Kegelbahn bestens empfohlen.* IARK Hente Sonntag: unter Leitung des Musikdirektors Lehmann. Sämtliche Attraktionen n Elysium, XV». TUgllch: Konzert, Spezialitäten, Ball, Ansang 3 Uhr. Entree 10 Pf. Bereine! Sonnabende, sowie Wochentage ist Saal und Karten mit Spezia- liläten gratis zu vergeben. EBrauoroi Friedrichshain t Königstor. Del.: Ernst Idebing. BW Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag; f| I Kaffee-frei-Vorstellung der IXorddeutschen und Apollo- Sftnger bei freiem Entree. Freitags: Frei-Konzert. Neu« Welt Arnold Scholz. Hasenheide 108/114. Heute Sonntag, den 27. Juli 1913: Anfang 4 Uhr. Im Riesenfestsaal: Großer Ball. AnBerdem täglich: Bienen- Anssteilnng."W Entree 25 Pf. Schweizer-Garten Am Friedrichshain 29/32. Am Friedrichth Täglich Theater«IUI Spezialitäten. I Am Friedrichthaln 29/32. Mr. Wissingten mit seinen fttnf dressierten Banbtlcren. Anfang Sonntags 4 Uhr, Wochentags 61/, Uhr. Siegels Festsäle Gr. 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Sozialdemokratischer Wahlvereio 1 d.§ Jerl. Reichstagswahlkreis, Bezirk 443. Jim 24. Juli verstarb unser Genosse, der Kellner- Otto 8cklgxenkokk Georgen kirchstr. S2. Ehre feinem Andenken! Die BerrdigPig findet am Montag, 28. Juli, nachm. S Uhr, von der Halle des Bartholomäus- Kirchhofes, Falkenbergcr Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 222/17 Vor Vorst»»«!. Vorhand der Gastwirtsgehiifen. Am 24. Juli verstarb unser langjähriges Mitglied, der Kellner Otto Schlagenhoff. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 28. Juli, nach- mittags'L5 Uhr, von der Halle. des Bartholomäus- Kirchhofes, Weißensee, Falkenberger Srraßc, aus statt. Um rege Beteiligung Ersucht 31/20 Ortsverwaltung Berlin l Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Silberar-beiter � Max Konschek Heidelberger Str. 35, am 24. Juli an Nervenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, dey 27. Juli, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Gemeinde- Friedhofes in Neukölln, Mariendorser Weg, aus statt. . Rege Beteiligung erwartet K?2/1S Die Ortsverwaltung. Deutscher Transgortarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Den Mtgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lager- arbciter Hugo Nickel am 26. Juli imAlter von 59 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Dix Beerdigung findet am Dienstag, den 29. Juli, nachmittags 4 IM,, oqfl der Leichenhalle deS Pauls-Kirchhoses, Plotzensee, aus statt. 66/20 Oie Bezirksverwaltunq, yerbandderS8ttlern.PorteIeulller Ortittiertvaltung Berlin. Am 20. Juli verstarb unser Kollege 157/10 Ulbert kuäolpk (Werkstatt F. Pitter) >m Alter von 23 Jahren. Ehre seinem Ilndenkeu! Tie Beerdigung findet am Montag, den 28. Juli, nach- mittags Vz5 Uhr, von der Halle des neuen Luisenkirchhoses, Reu- kölln, Hcrmannstraße, aus statt. Der Borstand. Danksagung. Für die innige Teilnahme bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Sohnes, Bruders, Schwagers und OnlclS Richard Lutze sagen wir allen Teilnehmern sowie dem Gesannv-rein unfern liesgcsnhlten Dank. Im 9!anien der Hinterbliebenen W. I,nt*e nebst Frau, Glaser meister. DrhrSimmai Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzeustr. 41, moÄ&z 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. In der Nacht zum Mittwoch, den 23. Juli, verstarb auf einer Geschäftsreise in Bern unser Üeber Kollege und Abteilungsvorsteher der Stereotypie Herr Hermann Thormeyer im 48. Lebensjahre. Sein offener und wahrer Charakter sichern ihm ein| treues Gedenken. Das Personal der Buchdruckerei„Deutsche Tageszeitung". Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29. Juli, nachm.] 5 Uhr, auf dem Gethsemane-Kirchhof in Nordend statt. Mo Berliner BüMer ni wWr. Am 23. Juli verstarb plötzlich auf einer Geschäftsreise| | in Bern unser lieber Kollege, der Stereotypiefabtor Hermann Thormeyer. Als ehemaliges Gauvo-fstandsmit�lied war er stets bemüht, in organisatorischer und kollegialer Beziehung 1 für die Interessen der Gesamtheit zu wirken, und verlieren | wir in dem Dahingeschiedenen einen treuen Mitarbeiter, Freund und Berater. Der eanvorstand. Volkahana, Rosiueustr. 3, abend« 8'/, Uhr. Zl tiller, Berliner Strafte«4, abends Verein«!»»»», Zchönebera, Haupt, ir. 5, abends 81/, Uhr. Verwaitungssteile Berlin. G 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Dienstag, den ÄS. Jnli 1913: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin i« folgenden Lokalen: Norden! Bd»ru«»aie, Müllerstr. 142, abends 8'/, Uhr. Norden!?/buhrOS Fc"tstt,c' Strafte 33. abends Norden! Frankes Festaftlc, Badstr. 19, abends 81/, Uhr. MOablt! Prachtsttle Nordwest, Wiclefstr. 34, abends 8'/, Uhr. ttiarlottellbiirg! Itanal* Restaurant rCÖCl. 6 Uhr. Vesten und Schoneberg! OSteD! Boekers FestsHle, Weberstrafte 17, abends 81/, Uhr. Lichtenberg! ÄB�u�KnrkoW8k� Stralau-Rummelsburg: Ä*Ävae' 3' Weißensee! Peukert,»ctlin« Allee 351, abends 51/. Uhr. Südenbezirke* Mohe,!|st®ufen"sale' Äuttbut« Damm 76, Neukölln* Festsaie, Hermannstr. 48/49, abends SteglltZ! Albrechtshof, i'Ubrechtstr. 1a, abends 8'/, Uhr. Köpenick u. Friedriehshagen! abends 81/, Uhr. Oberscböneweide, Niederschöneweide, Johannisthal■■ IlntN• Prochonskl, RathauSftr. 13(gegenüber lllal u. umg.. der PostL abends 8-/, Uhr. enanif an• Restaurant Dannenberg, Pichelsdorser Str. 5, dpctUUdlt. abends 8-/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: SteDungnahme zum außerordeMcheu zierbandstag. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwarfst. Die Drtsverwaltnng. A«»a« Inhaber: VS'llheln» Ruhe Or esdetier Kasino ää!6- von 300 bis«00 Personen noch einige Sosnabeude in der Wintersaison frei. Scluneitznei's Nährsalz- Kaffee KALOBION Kein BCllüenkafTee, sondern infolge richtigen Nährsalzgehaltes der gesündeste und billigste KAFFEE-ERSAT Z» Ein Segen für die deutsche Hausfrau! Schmeckt wie Bohnenkaffee! 45 Pf. das Pfund. —— Überall käuflich!—= I>ie reellsten nnd billigsten Möbel nnd Polsterwaren erhält man zu Kassapreisen in der seit 35 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. Schulz, Reichenberger Straße 5. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehnjähriger Garantie.(5 Proz. Kassaskonto.) Ev. auf Ratenzahlung. Graumanns Festsäle um Garten Xaunynstraßc 27 Sühne mit elektrischer farbiger Beleuchtung. Sonnabende und Sonntage im August noch zu vergeben. Sonnabend, der 13. September, frei- geworden. 13302� Vi.«rnniuann, Naunyuftr. 27. Erfrischend! Durststillend! Limonaden Köstliche, erfrischende mit wundervollem Fruchtaroma kosten nnv i Df pro Glas bei schwachem Zusatz einiger UUr 1 Ii, Tropfen iroa'i« Original-Extrakt zu einem Glas Wasser mit etwas Zucker. 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Juli 1913. Die öäblerliiten zur Stadtverordnetenwabl liegen nur noch bis Mittwoch, den ZV. Juli, zur Einsicht- nähme aus, und zwar an den Wochentagen von 3 Uhr nach- mittags bis 8 Uhr abends, am heutigen Tonntag von 1V Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags in den Turn- hallen der folgenden Gemeindeschulen: Hagelberaer Str. 34. Wahlbezirke 1—8: für die Stadt- bezirie 1-780, 118. 120 und 210-217, Waldemarstr. 77, Wahlbezirke 9—14: für die Stadtbezirke 79-117, 119 und 121-144, Strausbcrger Str. 9, Wahlbezirke 15—25: für die Stadt- bezirke 145-201, Oderberger Str. 57, Wahlbezirke 26—35: für die Stadtbezirke 202—209, 218— 254 E, 258-267, 276-278 und 321, Raveusstr. 12, Wahlbezirke 36— 48: für die Stadtbezirke 255—257, 268—275, 279—3200, 322— 326 V. Jeder steuerzahlende Einwohner sollte sich überzeugen, ob sein Name in der Lifte aufgefühtt ist. Partei-?ZngelegenKeiten. Iierter Wahlkreis. Die Genosiinnen der 33. Wteilung ver» anstalten am Montag, den 28. Juli, einen Familienausflug nach Restaurant Pserdebucht, Station Sadowa. Treffpunkt 814 Uhr früh, Bahnhos Rummelsburg, Bahnsteig E. Gäste willkommen. Für Nachzügler Restaurant Sadowa. 5. Wahlkreis, 1b Abt. iBhf. Weistenfeej. Der nächste Kinder« auIflug findet statt am 31. Juli. Die Kinder fahren mit dem Kremser nacb Schulzendorf. Abfahrt pünktlich 3>/z Uhr Naugarder Straße, Ecke Carmen-Sylva-Straße. Kinder, welche daran teilnehmen wollen, müssen sich bis Dienstag melden sfiehe Plakate) und zahlen pro Kind 20 Pf., wofür sie außer Erfrischungen Kaffee und Kuchen bekommen.- Der Abteilungsleiter. Schöncberg. Die Wahlvereinsversammlung findet am Dienstag, den 2S. Juli, abends 8 Uhr, in den Neuen Rat- Haussälen, Meiningerstr. 8, statt. Tagesordnung lautet: Der Jenaer Parteitag. Anträge. Vorschläge zur Delegation. VereinSange- legenheiten und Wahl der Delegierten für Groß-Bcrlin und der Kreis-Generalverfammlung. Verschiedenes. Eichwalde. Mittwoch, den 30. Juli, abends 8K Uhr, bei Witte Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Der bevorstehend« Parteitag und evtl. Anträge dazu. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Reinickendorf-West. Am DienStag, den 29. d. M., abends 8� Uhr, findet im Lokal von Wohlfart, Eichbornstr. 18, eine Außer- ordentliche Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vor» trag des Genossen Dr. I. Moses über politischen Massenstreik. 2. Antrag« zum Parteitag. Fraucn-Leseabend. Der am Montag, den 28. Juli, fällige Lescabend fällt wegen der außerordentlichen Mitgliederver- sammlung auS. Lichtenberg. Dienstag, den 29. Juli, abends ZV, Uhr. außer- ordentliche Generalversammlung deS Wahlverein» im «Schwarzen Adler(Arnhold), Franks. Chaussee. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Parteitag. 2. Stellungnahme zur Verbands- bzw. Kreisgeneralversammlung. 3. Verschiedenes.— Mitglieds- buch legitimiert. Steglitz. DienStag, den 29. d. M. Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Schellhase, Ahornstr. lös. Anfang pünktlich >*9 uhr. Tagesordnung: 1. Kassenberichte. 2. Wahlen zum Vor« itönö. 3.®i< Aufgaben des Parteitags. Referent Genosse H. Strö. * m• T�chilcn zur Kreis- und Verbands-Generalversammlung. -bcricht der UntersuchungS-Kommission über das Nichtwählen einiger Parteigenossen bei der LanvtagSwahl. «. Mittwoch, den 30. Juli, findet im Lokal von H. Schulz, Muhlenstr. 21, die Mitgliederversammlung de» Wahl- Beiordnung:«Die Deckung der letzten Heere»- Vorlage. Referent: ReichstagSabgeordneter Genosse Paul Göhr«. . N'"'- � Dienstag, den 29. Juli er., abends 814 Uhr, im Restaurant»Zum Kurfürsten", Berlinerstr. 102, a u tz e r o r- i A �"cralversammlung. Tagesordnung: w PAw rtO Adalbertstr. 41, sind Anleitungen, sowie zahlreiche Karten und Führer, ferner viele illustrierte Werke und Zeilschriften über Naturwissenschast, Länderkunde, BolkSIunde, Geschichte. Volkswirt- schast usw. vorhanden, die in den?lbendstuuden von SVa— Ö1/« und Sonntags vormittag von 9—1 Uhr vollkommen unentgeltlich ausgeliehen werden. Im Berliner Prater-Theatcr, Kastanien-Allee 7—9. gelangt am Montag, den 23. Juli, die Ausstattungsposse„Bummelmädchen" von Max Heye, Musik von Hugo Hirsch und Harry Schreyer, zum 7S. Male zur Aufführung. Gefunden wurde in der Königgrätzcr Straße, Ecke Hedemannstraße ein Portemonnaie, enthaltend außer Geld einen Trauring, gezeichnet L. K. Abzuholen bei Eichbaum, Schöneberg, EberSstr. 29s,. Strassenfperrung. Die Alexanderstraße ist von der Kleinen Alexanderstraße bis Prenzlauer Straße wegen Pflasterungsarbeiten vom 28. d. M. bis auf weiteres für Fuhrwerke und Lastwagen gesperrt. Die Münzstroße ist von der Kaiser-Wilhelm-Straße bis zur Kl.. Alexanderstraße ebenfalls wegen PstasterungSarbeiten vom LS- dt-M. bis auf weiteres gesperrt. Per Kraft- mid Artistcn-Klub„Teutonia 94", Weißcnsee, ersucht uns unterBezugnahme auf unsere Notiz unter Spiel und Sport am Sonnabend um Aufnahme folgender Berichtigung: 1. Die Veranstaltung findet statt vom Kraft» und Arlisten-Ä�ub„Teutonia 94", Weißensee, Mitglied des 1. Athleten- und Artistenverbandes Berlins und Umgegend, gegr. 1896, sowie des Freien Bundes Deutscher Athleienverbände, Sitz Berlin. 2. Wir gehören keiner Korporation an, welche am Deutschen Stadion in Berlin beteiligt ist. 3. Mit dem Jungdeutschlandbund stehen wir oder haben wir hiS dato in keiner Verbindung gestanden, auch beabsichtigen wir für fernere Zeiten nichts Derartiges. 4. Für etwaige Unfälle leistet der Arbeiter- Samariterbund' seine Dienste, da der 1. Athleten- und Artisten- verband Berlin? und Umgegend, gegr. 1896(wo wir Mitglied sind). selbst Mitglied ist.. Wer ist der Tote? Aus dem Spandauer Schiffahrtskanal ge» landet wurde bei Plötzensee die Leiche eines unbekannten, etwa 25 Jahre alten Mannes. Der Tote ist ungefähr ist 1,75 Meter groß und kräftig, hat ein runde? Gesicht und dunkelblondes, hochgekämmtes Haar und trug eine dunkelgestreifte Hose, ein blaues Jackett, eine schwarze Weste und schwarze Gummizugstiefel. In der Tasche hatte er eine Schlüsseluhr, die die Nummer, 299 925 trägt, mit einer wertlosen Kette. Die Leiche wurde nach der Halle des GemeindefriedhofeS in Plvtzensee gebracht. Vorort-Mcbncdten. Charlottenburg. Hochbaudeputation und Arbeitslosigkeit. - In der am Freitag abgehaltenen Sitzung der Hochbaudepu- tation kam es, anläßlich der Vergebung der Erd- und Maurer- arbeiten für den Neubau der Gemeindedoppelschulc in der Oranien- straße zu einer Erörterung der Arbeitslosigkeit im Baugewerbe und der damit im Zusammenhang stehenden Berufe. Ter Vcr- treter unserer Fraktion erinnerte hierbei an die Wünsche der hiesigen Handwerksmeister, mehr als bisher bei der Vergebung von städtischen Arbeiten berücksichtigt zu werden und bemerkte, daß auch die ortsansässigen Arbeiter und Gesellen wünschen von solchen Arbeiten zu profitieren, um i» ihrer Existenz und Steuer- kraft nicht geschwächt zu werden. Es sei daher angebracht, bei der anormalen Lage, des ArbeitSmarktcS den Submittenten, die den Zuschlag erhalten, die Verpflichtung aufzuerlegen, soweit als tunlich ihren Bedarf an Arbeitskräften aus den Reihen der in der Stadt wohnenden Arbeiter zu decken. Vom Magistrat wurde erwidert, daß eine solche Verpflichtung den Unternehmern schon seit Jahren durch„Allgemeine Bestim- mungen für die Ausführung von Bauten usw." auferlegt sei. ES heißt darin: »Es wird den Unternehmern anheimgegeben, ihre Arbeits- fräste durch den hiesigen Arbeitsnachweis zu beziehen. Der Unter- nehmer ist verpflichtet, auf der Arbeitsstelle möglichst solche Ar- beiter, Gesellen und Poliere zu beschäftigen, welche in Charlotten- bürg wohnen.— Dem Unternehmer ist auf der Arbeitsstelle die Beschäftigung von ungelernten Arbeitern, welche Ausländer find, Untersagt, er verfällt in jedem einzelnen Falle der Zuwiderhand- luvg iv eine Strafe von 5 M. für jeden Arbeiter." Würde auch yiemalK verlangt, daß Unternehmer ihre alten Arbeiter entlassen sollen, so werde ab« bat Neucinstellungen durch Einsichtnahme in die Listen eingehend Kontrolle geführt über den Wohnsitz der -Arbeiter, um so die Durchführung der Bestimmungen zu sichern. Herr Stadtrat Samt« hält es, in Anbetracht der Konsequenzen, die die Verwirklichung des Wunsches unserer Genossen nach sich ziehen fönnte, für bedenklich darauf einzugehen, sprach aber unter all- gemeiner Zustimmung der Deputation den Wunsch aus, alle Bauprojekte schleunigst zur Reife zu bringen, um schnellstens mit den Bauten beginnen zu können. Es wäre dadurch möglich, die Arbeitslosigkeit zu mildern. Er verwies dabei auf D a n z i g, ' wo die private Bautätigkeit' vollständig daniederliege, aber sehr viel städtische und fiskalische Bauten in An- griff genommen worden seien. Des weiteren teilt er mit, daß schließlich in diesem Jahre noch mit der Herstellung des Volksparks in der Jungfernheide begonnen werden wird und so dadurch für einige Hundert Arbeiter Brot geschaffen werde.— Einen Beweis sechst von der tieftraurigen Lage des Bau- Marktes gab daS Resultat der Ausschreibung der obengenannten 'Arbeiten. ES waren 29 Angebote eingegangen, die zwischen 84 244,50 und 188 538,00 Mk. schwanken. Ter Mindestbictende erhielt den Zuschlag nicht, da er teils Einheitspreise eingesetzt hatte, welche, weyn er regelrechte Löhne zahl« wollte, keinen Verdienst für ihn abwerfen können, oder aber ihn Veranlassung geben könnten, diesekben weit unter das normale Matz zu drücken. Sollten und dürfen die Arbeiter Charlottrnhurgs auch nicht ' jchlisßych die Stadt mit einer Umwchrung der- i, e-- sehen wird, um andere Arbeiter nicht einzulassen, so ist aber Wohl zu verstehen, daß sie auf städtische Arbeiten Anspruch erheben, Sie haben es auf Grund der Verhandlungen in der Hand, darauf zu achten, daß ihren Wünschen in der jetzigen Zeit Rechnung getragen wird. Schöneberg. Ein Sommerfcst veranstaltet der Schöneberger Arbeiter-Turn- verein heute Sonntag in sämtlichen Räumen der„Neuen Rarhaus- säle". Eintritt 25 Pf., Kinder ftei. Anfang 4 Uhr. Die Kaffee- küche ist ab 3 Uhr geöffnet. Um regen Besuch wird gebeten. Wilmersdorf. Die Freie Turncrschaft Wilmersdorf unternimmt am kommenden Dienstag, den 29. d. M., eine Schülcrturnfahrt nach dem Grüne- wald. Abmarsch vormittags 9 Uhr von der Apotheke in der Wilhelms- aue. Den Schülern ist Essen und Trinken für den ganzen Tag, 16 Pf. Fahrgeld und Legitimation mitzugeben. Erwachsenen ist gern gestaltet, an der Partie teilzunehmen. Rückkehr um etwa 7 Uhr. Die Arbeitereltern werden ersucht, ihre Kinder recht zahlreich an der Partie teilnehmen zu lassen. Am 10. Aqgust wird eine Familienpartie nach dem neuen Botanischen Garten in Dahlem veranstaltet, dortselbst Besichtigung unter sachmännischer Leitung. Nachdem Familienkasseekochcn im Birkenwäldchen in Steglitz. Kinder unter zehn Jahren haben zum Botanischen Garten keinen Zutritt und werden für diese so lange «picle veranstaltet. Der Zqtritt ist gänzlich frei und sollte sich kein Genosse diese Sehenswürdigkeit entgehen lassen. Abmorsch mittags 1 Uhr vom Restaurant Selke, Brandenburgische Str. 69. Britz. Erklärung. DaS in Britz verbreitete Gerücht: Ter Genosse Karl Schmidt, Neukölln, Juliusstr. 39 wohnhaft, habe in Wernige- rode Strcikbruch geübt, entbehrt, wie nach eingehender Prüfung fest- gestellt wurde, jeder Begründung. Die Schiedskommission de? Wahlvereins Britz. I. A.: Alfred Schröder. Lichterfelve. Der Arbeitcr-Radfahrerbund„Solidarität", Ortsgruppe Lichte» felde. feiert heute im Etablissement„Birkenwäldchen", Schützenstraße, ein Sommerfest, verbunden mit sportlichen Aufführungen und Auftreten de» Berliner Humor-Ouartetts. Der Arbeiter-Turnvercin„Froh und Frei" feiert heute sein fünfzehnjähriges StiftungSsest. Nachmittags Schauturnen auf dem Festplatz, Ziethen-Straße, Lankwitz. Abends Ball bei E. Richter, Chausseestr. 104. Nachmittags 1'/? Uhr gemeinsamer Festzug vom„Birken- Wäldchen". Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet Dienstag. den 29. Juli, abends 8'/z Uhr, bei Erpel, Berliner Str. 129 statt. Die Genossinnen veranstalten heule nachmittag 3 Uhr bei Erpel ein Kaffeekochen, verbunden mit Kinderspielen unter Aufsicht der Genossinnen. Lankwitz. Der Bildungsausschuß veranstaltet am Sonntag, den 27. Juli, eiuen. FamiltenauSflug nach Lichtenrade, Daselbst Kaffeekoche», Spiele für Jung und Alt. Treffpunkt bei Schulz, Mühlenstraße, t/z2 Uhr, Abmarsch 2 Uhr. Nachzügler treffen sich im Gartenrestaurant Bahnhof Lichtenrade. Mariendorf. Ter nächste Fericnausstug nach Treptow findet am Dienstag, den 29. d. M. statt. Treffpunkt um 12 Uhr am Rathaus, Abfahrt vom Ringbahnhof Tempelhof bis Baumschulenweg. Fahrgeld 20 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Vesper und Abendbrot ist den Kindern mitzugeben. Gespielt wird jetzt Sonntag vormittags von�9— 12 Uhr auf dem Spielplatz und Freitags von 4— 7 Uhr an den Schatzelbergen. SitzungStage von Stadt- und tSerneindevertretungen. Lüdors-Waidma» uslust. Montag, den 28. Juli, abends 71/, Uhr, rnt Gemeindebureau, Kurhausstraße. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist de- rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. �iigendbewegimg. Die Krniitnissc eines Wcltblattes. Die„Kölnische Zeitung"(Nr. 845) widmet den, Kampfe um die Jugend öinen Leitartikel. Sie ermahnt die Unternehmer, [ich noch mehr der gelben Jugendpflege anzunehmen. Sie begründet diese Forderung unter anderem wie folgt: Es läßt sich schließlich kaum bestreiten, daß der Arbeitgeber da§ lebhafteste Interesse daran haben muß. daß der gewerbliche Nachwuchs gesund an Körper und Geist in» Wirtschaftsleben ein- tritt! denn von der willigen und starken Mithilfe der Arbeiter hängt der Forlschritt unserer Industrie ebenso ab, wie von der Umsicht der Fabrikleiter und der Tüchtigkeit der Angestellten. Sehr schön und sehr richtig gesagt. Wenn da» rheinische Unter« nehmerblatt aber wirklich so um die Gesamtheit der Arbeiicrjugend besorgt ist, möge es doch vor allem gegen die gröbsten Auswüchse der Jugendaus'beulung angeben. Wichtiger als gelbe Jugendvereine wäre beispielsweise die Abschaffung der Nachtarbeit für 14 bis 16jährige Kinder in der Schwerindustrie und die Beschränkung der ArbeilSzeit für Jugendliche auf sechs Stunde». Bei solchen Forderungen hört es aber plötzlich mit dem guten Herzen für die Arbeiterjugend auf. Die„Kölnische Zeitung" gesteht übrigen? zu, daß die linier- nehmer die gelbe Jugendpflege au» Furcht vor der sozialistischen Jugendbewegung betreiben. Um die Fabrikanten zu noch größerem Eifer anzuspornen, sucht das Blatt seinen kapitalistischen Lesern einen Schrecken vor dem Anwachsen der freien Jugendbewegung einzu- lösten. Lustig ist, wie das geschieht: Ohne daß der sogenannte Jugendlichenparagraph des Reichs- vereinSgesctze» dagegen etwas ausrichten kann, geht die sozialistische Jugendorganisation ihre Wege mit Hilfe von Mittelsgliedern. Der Verband junger Arbeiter und Arfleitcrinncn DemschlandS, Sitz Mannheim, die Vereinigung der Freien Jugendorganisationen Deutschlands, Sitz Berlin, die Zentralstelle für die arbeitende Jugend, verlin, umfassen mit den Verbindung« mit Partei- und Gewerkschaftsorganisafionen der Sozialdemokraten und mir Hilfe ihrer Zeitungen„Die junge Garde",„Die arbeitende Jugend" und die„Arbeiterjugend" alle die auf die Radikalisierung gerichteten Absichten im ganzen Reich. An diesem Satze ist nur richtig, daß in Berlin eine Zentralstelle inr die arbeitende Jugend besteht. Dagegen haben sich die übrigen genannten Verbände schon imJahre 1909 aufgelöstund auch die Zeitungen„Die junge Garde" und„Die arbeitende Jugend" haben seit 4'/z Jährest ihr Erscheinen e rn g e st° l l t. Wie mutz eS um daS Wissen über die Arbeiterjugendbewcgung bei den Herren au-sehen, die sich herausnehmen, über diese Bewegung Lejtartikel zu verbrechen. Versammlungen» Ter Zcntwlverband der Böttcher, Weinküfer und Hilfsarbeiter beschäftigte sich in seiner Ouartalsversammlung mit dem Kassen- bericht und mit dem Borgrhen der Walzbierbrauerei Groterjan. Ten Kassenbericht erstattete der Geschäftsführer. Die Einnahme der Zcntralkasse betrug 4621,90 M.. die Ausgabe 3990,19 M.. darunter an arbeitslose Kollegen 1183 M., an Kranke 1841 M.. an die Hauptkasse 631,71 M. Tie Einnahme der Lokalkasse betrug 4997,34 M., die Ausgabe 1912,79 M., bleibt ein Bestand von 2184,55 Mark. Mitgliederbestand 627, gleich 97 Proz. aller organisierbarcw Kollegen. Bon dem Vorgehen der Malzbicrbraucrei Groterjan. Prinzcnallce 79/80, wurde berichtet, daß dieselbe nach dem Abschluß de» Tarifvertrages an Stelle der Böttcher ungelernte, minder» bezahlte Arbeiter zur Dcdionung dcS Pcchkesscl» und de» Spritz» npparat» anstellte. Ten Böttchern wurde das Ansinnen gestellt, die Arbeiter anzulernen. Tic» lehnte der in Frage kommende Böttcher ab, worauf seine sofortige Entlassung wegen ArbcitSver» Weigerung erfolgte. Nach mehrmaliger Verhandlung durch den Verband mußte der zu Unrecht entlassene Böttcher wieder eingestellt werden. Daraufhin klagte die Brauerei beim Einigungsamt dcS GewerbcgerichtS. Ein Schiedsspruch wurde nicht gefällt; den Par-> teien wurde empfohlen, sich zu einigen. Der Brauerei wurde zu» gestimmt, daß sie berechtigt ist, in dringenden Fällen mit Hilfs» arbeitcrn zu pichen. Tamifhin zog die Brauerei Groterjan oiq Klage zurück. Noch am selben Tage wurde abermals der eine Bött- cher sofort entlassen und dem zweiten Böttcher wurde wegen Ar, beitsmangcl gekündigt. Von der Versammlung wurde festgestellt, daß Arbeitsmangel nicht in Frage kommen kctnn, weil an stelle der Böttcher minderbczahhtc Arbeiter al» Lohndrücker heschäftigt werden. Früher wurden bei drei Faßwagen 3 bis 4 Böttcher beschäftigt. jetzt, wo acht Faßwagen gehen, soll nur ein Böttcher be- schäftlgt werden. Infolge der Untenritwis der ungelernten Ar- beiter hat sich beim Pichen schon ein Unglücksfall ereignet, der böse Folgen Hohen konnte. Die Versammlung war sich darüber klar, daß c» sich nur um eine Lohndrückerei handele. Tiiis aller Weit. Abermalige Alpcnübcrquerung im Flugzeug. Basel, 26. Juli. Der Flieger B i d e r, der heute früh in Mailand den Rückflug über die Alpen nach der Schweiz an- getreten hatte, passierte 6'/, Uhr Passo di Conaria, 2542 Meter hoch, im Gotthardmassiv, überflog um 7 Uhr Luzern und traf nach einer Zwischenlandung in Listal um 8 Uhr 15 Minuten in Basel ein. Folgen der ungarischen.Hochtvafscrkatastrophen. Nach dem Rückgänge tze» Hochtvassers kommen besonders im Komitat S ä k e l y zahlreiche Erdrutsche vor. In der Ortschaft Lövcte sind allein 120, in anderen Orten vier bis 30 Häuser e i n g c st ü r ztz. Auf den Feldern machen sich überall große Erdsenkungen bemerkbar, so daß ein Teil der Ernte zerstört ist. Schweres Erdbeben auf Jamaika. Jamaila, 26. Juli. Ein großer Teil Jamaikas wurde gestern von einem Erdbeben heimgesucht, da» an Heftigkeit dem letzten großen Erdbebenunglück vom 14. Januar 1907 glich, wenn auch der Schaden diesmal bedeutend geringer ist. Eine Hundertjährige vor Gericht. Wegen BettclnS wurde dieser Tage ein uraltes Mütterchen in Mailand aufgegriffen, da» angab, keinen Unterstand und keine Verwandten zu haben. Dem Polizeibeamten erklärte sie, sie wäre 106 Jahre alt, wisse eS aber nicht ganz genau. Ihre Söhne wären alle gestorben, nachdem sie über 70 Jahre alt waren. Der Polizei» beamte ließ der Greisin ein Mittagessen bringen und traf dann die Anordnungen für ihre Unterbringung in einem Hospiz. Wenn sie nicht glücklicherweife verhaftet worden wäre, würde sich die Hundert» jährige weiter ohne Obdach mit Betteln durchgebracht haben: eine herrliche Gesellschaftsordnung!_ Ein Generalstreik wegen der Berfetzung eines... Priesters. In welch merkivürdigen Anachronismen sich die Wirklichkeit ge- fällt, sieht man au» einem Generalstreik, der am 22. d. M. in dem Dörfchen F a n g a n o in der Lombardei proklamiert worden ist. Dort hat der Erzbischof den Priestet N o i a versetzt, weil der Manu zu liberal ist und sich nicht zur Wahlagitation für den klerikalen Kandidaten hergeben will. Die Bevölkerung hat ober den Priester gern und will ihn nicht fortlassen, deshalb har sie den Generalstreik proklamiert. Nicht genug damit haben die Einwohner de» recht industriellen Orte» sich entschlossen, den neuen Priester zu boykot- tieren, falls man ihr wirklich den alten nimmt. Ten, den sie haben, wollen sie nicht weglassen, sind aber bereit, jedem neuen den Einzug in den Ort zn verwehren. Wozu nicht alles ein Generalstreik zu ge» brauchen ist l_ Ein von der Anklage der Simonie freigesprochener Priester. Wir haben seinerzeit von der Verurteilung eine» MonseigneurS Cantelmo wegen Unterschlagung berichte:. Dieser sollte von einein anderen Geistlichen,»nem Priester Mosciaro, 6000 Lire er« halten und sich verpflichtet haben, für diese Summe dem Zahlenden den Titel eine? Monseigncur zu verschaffen. I» erster Instanz wurde Cantelmo zu 2 Monaten Gefängnis und 500 Lire Buße vor- urteilt. Im Appell ist nun dieser Tage Freisprechung wegen man- gelnden Schuldbeweises erfolgt. Eiscnbahnkatastrophc in Tänemark. Wie un» ein Telegramm aus Kopenhagen meldet, ist am .Sonnabend nachmittag dcrExpreßzug Kopenhage n— E s b j e r g bei Bramminge entgleist. Die erste Lokomotive stürzte um, die zweite entgleiste; sämtliche Wagen mit Aus» nähme des letzten sind umgestürzt. Bis jetzt sind 1 6 T o t e und eine Anzahl Schwerverwundetcr festgestellt worden. Unter den Toten befinden sich der sozialdemo- kratischc Abgeordnete Sabros und Frau ProfessorPauli aus Kopenhagen. Man befürchtet, daß unter den Trümmern noch weitere Tote sich befinden. Der Lokomotivführer und der Heizer konnten sich durch Abspringen von der Lokomotive retten. Die Verwundeten wurden nach Esbjerg übergeführt, die Toten nach Bramminge gebracht. Kleine Notizen. Ucbcrfall durch eine Räuberbande. In Ludwigshafen drangen am Sonnabendvormittog drei Individuen in den Kassen- räum der Badischen Anilin- u n d S o d a f a b r i k ein, be- drohten zwei ihnen entgegentretende Beamte mit einem Revolver und verletzten den einen durch einen Schuß in den Arm. Dann raubten sie einen größeren Betrag und flüchteten damit. Bei der Verfolgung der Räuber wurde einer ergrissen, doch er e r s ch o ß s i ck s.o 9 l e i ch. Ein Berliner«n der Sächfifchcn«chwciz verunglückt. AuS Schandau wird gemeldet: In der Nähe von Rauschcnstein stürzte bei einer Kletterpartie der 20 Jahre alte Mechaniker Willi Gefekus au? Berlin, der mit mehreren jungen Leuten in Schmilka weilte, ab und verletzte sick so schwer, daß er auf dem Transport nach dem Krankenhause in Schmilka starb. Seine Leiche wurde nach Schandau ��Ueberfnhren und getötet. Am Freitag wurde auf der Bahnstrecke Stolp— Lest"? der Babnwärter Pelke vom WärterhauS 164 vom Materialienzug 164 überfahren und sofort getötet.— Gleichfalls am Freitag wurde die 3>/z Jahre alte Tochter des Arbeiters Lippitz auS Stolp vom durchgehenden Fuhrwerk des Viehhändlers WoSe überfahren nnb schwer verletzt. Nutzer inneren Verletzungen hatte das Kind noch einen Beinbruch erlitten. Der Zustand des Kindes ist hoffnungslos. Die Cholcra in Ungarn. In Temes- Sziget, wo bereits vier tödlich verlaufene Cholerafälle vorgekommen sind, haben drei neue stattgefunden. Trotz der strengen Absperrung ist in einem benach- barten Dorfe eine Person unter choleraverdächtigen Erscheinungen erkrankt. fraueti-Lcfcabcndc. Tritter Wahlkreis. Tie Lefeabende fallen im Monat Juli und August aus. Tritter KreiS. Mittwoch, den 30. Juli, findet in Ludwigs Viktoria- garten in Treptow, Am Treptower Park, Kasseekochcn sür Frauen und Kiiiderbelusligungcn statt. Ansang 2 Uhr. Bohnsdorf. Der Lcseabcnd fällt aus. Dafür findet am Donnerstag, den 31. Juli, abends 8'/, Uhr, in der Villa Kahl eine F r a u e n- V e r- s a m m I u n a statt. Vortrag des Genossen Barth über„Brot genug sür alle hat K/�äfrdc." Briu-Buckow» Mittwoch, den 30. Juli, abends 0-9 Uhr, bei Becker, Chausseestr. 07. Vortrag des Genossen Gchrlc. Charlottcnburg. Der Lcseabend sür Juli fällt aus. Im August findet ein gemeinsamer Lescabend im Volkshaus statt. Friedenau. Der Lescabend sällt aus. � Johannisthal. Dienstag, den 29. Juli, im Zlrbeitcrheim, Friedrich- Lber-Schöncwcidc. Montag, den 28. Juli, im Vercinshaus, Rat- hausstratze� _ Rernickendorf-Lst. Montag, den 28. Juli, abends 8 Uhr, bei Sadau, Residenzstr. 121. Dortrag des Genossen U u g e r über„Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung." Treptow-Baumschulenweg. Der Leseabend sällt aus. Dafür findet Besichtigung des Krematoriums aus dem neuen Friedhofe an der Kiesholz- ftraße am Dienstag, den 29. Juli, nachmittags von 5— 6 Uhr statt. Tresspunkt 5 Uhr am Krematorium. Weistensee. Der Leseabend sällt aus. Dafür Dampserpartie der Frauen und Kinder. Absahrt 8.30 vormittags, Jannowitzbrücke, Restaurant Belvedere. Preis sür Hin- und NücksahA 70 Ps., sür Kinder von 5 bis 12 Jahren die Hälste, Kinder unter 5 Jahren frei. Alocden-Spielplan cler Kenliner �keate?. Neues Operntheatcr. Sonntag: Carmen. Montag: Der Bgjazzo. Cs-vallsria rusticana. Dienstag: Mignon.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Lohengrin.(Ansang 7'/z Uhr.) Donnerstag: Tannhäuser. Freitag: Die Meistersinger von Duruberg.(Ans.?>/. Uhr.) Sonnabend: Der fliegende Holländer. Sonntag: Mignon.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Lohengrin. (Ansang 7-/- Uhr.) v.> s Deutsches Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Die Schiff- brüchigen.� Allabendlich: Die Schisibrüchigen.(Ansang 8'/, Uhr.) Berliner Theater. Allabendlich: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus, sonntag: Der gute Ruf. Montag: Der Dieb. Dienstag: Der gute Rus. Mittwoch: Der Dieb. Donnerstag: Der gute Ruf. Freilag bis Montag: Unbestimmt. Lnstipielhaus. Allabendlich: Der lustige Kakadu.(Anfang 8'/, Uhr.) Freitag bis Montag: Unbestimmt. Schiller-Theater O.«onntagnachmittag 3 Uhr: Zar und Zimmer- mann. Abends: Stella maris. Montag: Martha. Dienstag: Don Juan. Mittwoch: Monna Vanna. Donnerst)«: Der Freischütz. Freitag: Monna Vanna. Sonnabend: Der Freischütz. Sonntag: Monna Vanna. Montag: Figaros Hochzeit.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- Wilhelmsiädt. Schauspielhaus. Allabendlich: Das Farmermädchen.(Ansang 8'/< Uhr.) Thalia-Thcater. Sonntagnachmittag 3'l2 Uhr: Charleys Tante. Allabendlich: Puppchen.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Tbeatec. Im Garten: Allabendlich: Achtung, es geht los.— Im Saale: Sonntag bis Freitag: Das Tagebuch einer Verlorenen. Sonn- bcnd bis Montag: Die Waise von Lgwood.(Ansang 8l/4 Uhr.) Theater am Nollendorfplatz. Allabendlich: Der Mann mit der grünen Maske.(Ansang S'/a Uhr.) Urania. Theater. Sonntag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Montag: Die Jns-I Rügen. Dienstag: Durch Dänemark und Südschwedcn. Mittwoch: Die Insel Rügen. Donnerstag: Durch Dänemark und Süd-- schweben. Freitag: Die Insel Rügen. Sonnabend: Durch Dänemark und Südschwedcn. Sonntag; In den Dolomiten. Montag: Pros. W. Smith: Streiszüge durch Norwegen.(Anfang 8 Uhr.) Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Die Allwördens. All- abendlich: Geächtet.(Anfang 8'lt Uhr.) Komödienhaus. Allabendlich: Hochherrschastüche Wohnungen.(An- sang 8'/. Uhr.) Prater- Theater. Allabendlich: Das Bummclmädchcn.(Ansang 7-/. Uhr.) Falles Caprice. Allabendlich: Ein Pechvogel. Die Krampssache. (Ansang 8'/. Uhr.) Metropol- Theater. Allabendlich: Die Kino- Königin.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Admiralspalast. Eisballelt: Flirt in St. �Moritz.(Ansang 9 Uhr.) Reichsbolle»- Theater. Allal 1. August 7'/- Uhr.) Theater. Allabendlich: Dresdener Sänger. Vom KrnfKasten der Rcdaktiosi. Schulz 42. Nain.— W. Z. 150. Tegel. Der Möbelliefcrant ist für den Fall, daß Sie mit 2 Raten ganz oder teilweise im Rückstände bleiben, berechtigt, aus Zahlung cvcntu ell aus Herausgabc zu klagen. Eine Aendc- rung des Vertrages ist nur mit Zustimmung des Möbelhändlers möglich. — I. R. 84. Versuchen Sic es mit der Berufung, die beim Vorsitzenden der Leranlagungskommission einzureichen ist. Zur Beurteilung der Frage. ob diese Aussicht aus Erfolg hat, reichen Ihre Angaben nicht aus.—(S.Iii. 1. Kranthcitcn deS Ohres. 2. Wenn die Krankheit in demselben Matze bestehen bleibt, ist eine Einstellung für die Zukunft ausgeschlossen. Es handelt sich um ein Leiden, welches die Einstellung ausjchlietzt. — Cr. 100. Von dem Wochcnlohn könnten etwa 2 M. beschlagnahmt werden. Eine Verpflichtung zur Angabe Ihrer Arbeitsstelle haben Sic nicht. Marktpreise von Berlin am 2». Juli 1013, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,64 bis 20,70, mittel 20,52—20,58, geringe 20.40—20,46. Roggen, gute Sorte 17,48—17,50, mittel 17,44—17,46, geringe 17,40—17,42(ab Bahn). Futter« gerstc, gute Sorte 17,10— 17,60, mittel 16,60—17,00, geringe 16,10—16,50. Haser, gute Sorte 17,70—19,10, mittel 16,60—17,60. Mais(mixed), gute Sorte 00,00— 00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,60— 15,20. Richtstroh: 0,00. Heu, alt 0,00, neu 5,80— 7,20. Markthallenpreije. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— cß.OO. Speisebobnen. weitze 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 7,00—14,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule' 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,00— 5,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,80—8,60. Aale 1,60—3,90: Zander 1,40—3,60, Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 1,00—45,00. Witterungsübersicht vom 2G. Juli 1913. fclaionen Swinemde. 76591 Hamburg 7655112 Berlin 764N Franks. a.M 761 ND München s764 SB Wien j762!NNW 2bedeckt wolkenl 2 bedeckt 1 bedeckt 2woltenl 2 wolkig Stettonen is teE JC O l* »g® Haparandä 764,9191® Petersburg! 762 NNO Scilly i765:D Werde«, 770, NNW Paris s 764 NNO «Leu« wolkig bedeckt halb bd. bedeckt abcdeckt ** ti l*k\ 10 J 18 � 16 i, 17 Wetterprognose für Sonntag, de» Zt. Juli 1913. Vielfach heiter, am Tage ziemlich warm bei mätzigen nordöftjjjtzpg Winden) Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner W e t t e r b u r e a u. WafferstandS- der Landesanstalt sür Gewässeriunde, Wasserstand M e m e I, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg -Rachrichten mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau f Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Sprcmberg') , Deeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier „mj i aW seit 25. 7. cro 87 4 —16 81 186 360 596 348 362 205 152 117 seit 34.7. crn'jä» -v! 0 0 +1 +21 +5 +16 +13 +22 +62 +4 +30 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. .Isuenteien-5tss;>be 20 (König-Sfrassc 54 Leipziger Strasse 65 Oranien-Strasse 47a | M ü 1 1 e r- S fr a s s e 3 a Oranien-Sfrasse 54 Moabit. Turmstr. 50 Friedenau. Rhcinst. 1 4 tekö&BQBbja Ermäßigung RESTBESTÄNDE NOCH PI ALS BEDEUT: ERflÄßlStl �üavftrS. KD«v%tm WterK Jedes Wort 10 Pfennig. 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