( 5 Pfennig) MoNtttSSlMSMlte 5 Mennig) Nr. 191. HbonMmentS'Bedlngansen: WonnementS> Brei« pränumerando: Vicrteliährl. 3,si Mk, monaU. 1,10 SRI., wSchentlich 28 Psg, frei WS Hau-, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» Eingetragen in die Post. Zeitung-. Vrcisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonncmews nehmen an: Belgien. Dänsmarl, Holland. Italien. Luxemburg. PorNigal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. Crfchtlnt täglich. 30. Jahrg. Die Tnlertions'GebQlsr beträgt für die sechSgefpaltene Kolonel» zcile oder deren Raum M Pfg., für politische und aewerlschaftlichc PereinS- und BerfainmInungS-Sinzeigen LO Pfg. „Kleine Hnieigen", das iettgedruclte Wort 20 Pfg. lzulässig 2 settgcdnickte Worte), jedes wtitere Wort 10 Pfg. Stellengeiuchc und Schlafstellenon- zeigen daS erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- Naben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die ErpedMon ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sszialiltindkrat Rerlla". Zentralorgan der rozialdemokrati leben Partei Deutfcblands. Redaktion: 833. 68» Llndcnftraßc 69. Kernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. llStiZ. Montag, den£8. Juli 1918. Bxpedltlon: 833. 68» Llndcnftraßc 69. Kernsprecher: Amt Moritzvlatz, Nr. 1981. Patriotenopfcr und Opferpatrioten. Es herrschte im Frühjahr dieses Jahres im Zusammen- hang mit der Jubiläumsbegeisterung für 1813 und der Wehr- Vorlage wirklich so etwas wie Opferstimmung in den Herr- schendeu Klassen Deutschlands— solange sie nämlich über- zeugt waren, daß andere die Opfer zu tragen hätten. Wenn in festlicher Kriegervereinsrundc der Patriotismus und der Alkohol die Blicke trübte und dann der Herr Vorsitzende der- sicherte:„Auch wir werden uns der hehren Losung unserer hehren Vorfahren würdig erweisen:„Gold gab ich für Eisen!", dann blieb kein Auge trocken, allerdings auch keine Kehle. Und wenn der Präsident des konservativen Vereins für Stallupönen betonte:„Auch wir wären bereit, wie einst die Frauen und Jungfrauen in Preußens schwerer Zeit, unser Haar auf dem Altar des Vaterlandes niederzulegen!", dann nickte zustimmend jeder Glatzkopf am Tische. Opfer- begeisterung! Aber diese Opferbegeisterung zerstob wie die Spreu vor dem Winde, als es ernst wurde. Es blieb nicht bei dem Mundspiben im patriotischen Verein, sondern vor dein ge- öffneten Geldschrank muß gepfiffen werden. Der Wehrbei- trag kam und wandelte sich aus einem schreckensvollen Alb in eine schreckensvolle Wirklichkeit, und wie Gott die Welt im Nu aus dem Nichts, so schuf der Reichstag die Vermögens- zuwachssteuer. Seitdem herrscht Heulen und Zähneklappern in den Kreisen, die sich durch„Fleiß und Sparsamkeit" ein Vermögen von über IM 000 M. zusammengescharrt haben. Die 256 Zensiten in Preußen, von denen jeder mehr als zehn Millionen Mark sein eigen nennt— Frucht von„F l e i ß und Sparsamkeit"!— und die nun insgesamt nicht weniger als 81 Millionen Mark opfern sollen, stehen mit einem Auswandererbureau in permanenter Verbindung. Im Korps der Bonner Borussen tobt helle Empörung, weil drei hervorragenden Mitgliedern dieser feudalen Verbindung von den Vätern eine Erhöhung des Monatswechsels um 1000 M. rundweg abgeschlagen worden ist— wegen des Wehrbei- träges! Auf dem Kurfürstcndamm flüstern sich die Backfische von Berlin WW. ins Ohr, daß„man" dieses Jahr nur nach Norderney gehen könne und nicht nach Trouville— wegen der Vermögenszuwachssteuer I Frau Bankier Mayer weiß den Freundinnen entrüstet zu berichten, daß sie das neue Automobil doch nicht bekomme— wegen des Wehrbeitrages! Und inzwischen blüht und gedeiht die Breslauer Jahr- bundcrtausstellung mit den Erinnerungen an die Opfer- gaben von 1813. Aber es scheint doch ein Geschlecht ver- schiedenen Schlages zu sein, das von 1813 und das von 1913. Ter Grad der„patriotischen" Opferfreudigkeit bei dem einen wie bei dein anderen läßt sich so recht bemessen, wenn man aus zeitgenoynchen Dokumenten die Opfergaben und die Opferstimmung von 1813 neben die von 1913 rückt. Dann ergibt sich folgendes liebliche Bild: 1813. l. Alles! alles, was ich habe! : diese ganze kleine Gabe, är' die Zeit jetzt nicht so schwer, wne! gerne gab ich mehr! Mit ein paar goldenen Ohr- igen nebst anderem Ring, lem silberen Teesieb und den kernen Enden von einem mr Strickscheiden. 2. Tas Vaterland ist in Ge- 'ahr! Welch über alles herz- krschütternder Gedanke, der ge- v-tz jedem biedern Menschen ion Prcnßens Bewohnern an- �euern wird zu dem erhabenen Zwecke, zu den jetzt erforderlichen ja sehr großen Ausgaben des »aats nach Verhältnis seines Vermögens oder Einkommens lufs tätigste und schleunigste mitzuwirken. Zu diesem Ende sinde ich mich durch den Drang meines Gefühls veranlaßt, die öälfte meines jährlichen Gehalts and zwei goldene Trauringe als kin kleines Opfer dem Altar des Vaterlandes darzubringen. 1913. t. Wir halten eine Steigerung 1 nz��itragsstaffel über höchstens ? Pri des effektiv veranlag- ien Vermögens und über even- tuell ergänzungsweise heranzu- ziehende 4 Prozent des Jahres- einkommens aus gewinnbrin- gender Beschäftigung für unzu- lässig und konfiskatorisch. Zentralverband deutscher Industrieller. 2. Wir müssen den schärfsten Widerspruch erheben dagegen, daß der von der Regierung vor- geschlagene Wehrbeitrag von � Prozent des Vermögens durch die Budgetkommission bis zur dreifachen Höhe gestaffelt worden ist. Eine Verteuerung der indu- striellen Kapitalien bis zur Höhe von l'A Prozent mußte zu Stö- rungen und Erschütterungen zahlreicher Unternehmungen führen. Bund der Industriellen. 3. Vertrauen! eine lange gol- Jene Halskette, 5% Lot schwer. 4. Gott segne unfern König und seine mutvollen Krieger! v. Alvensleben, geb. v. Frehberg, zwei goldene Halsketten und ein Paar goldene Armbänder, alles zusammen 7Vi» Lot schwer. 5. Bei Einsendung eines Trau- ringes: Du bist mir wert seit fünfund- zwanzig Jahren Und solltest mich bis in mein Grab begleiten— Doch geh, ich weihe dich den Jünglingsscharen, Die für des Vaterlandes Freiheit streiten; Verwandle dich, 0 Ring, jetzt in ein Schwert, Dir bleibet auch als Stahl dein heil'ger Wert. 3. Was die Budgetkommisfion vorschlägt, ist nichts mehr und nichts weniger als der erste Schritt zur Konfiskation der mittleren und großen Vermögen der Bürger. Duisburger Handels- k a m m e r. 4. Gott segne unfern König und seine mutvollen Krieger! Die Konservativen lehnen die Vermögenszuwachssteuer ab. 5. Tas schlimmste liegt auf einem anderen Gebiet, liegt in der Preisgabe direkter Steuern an ein Parlament, das, wie der Deutsche Reichstag, schon jetzt unter der Herrschaft der Masse steht. Wenn die Besitzlosen, mögen es arbeitende Proletarier sein oder die sogenannte In- tclligenz, in einem Parlament des allgemeinen Wahlrechts über das Portemonnaie der Besitzen- den souverän zu verfügen haben, und wenn eine schwache Regie- rung dem milde zuschaut— dann sind wir schon mitten drin im sozialistischen Zukunftsstaat. Gehcimrat W i t t i n g im„Tag". Auch der wildeste Lobrediler unserer Patrioten wird zu- geben müssen, daß ihn aus den Dokumenten von 1813 doch der Hauch eines anderen Geistes anweht als aus den Kund- gedungen von 1913. Dort bis in junkerliche Kreise hinein das Gefühl einer schlichten Hingabe an das Vaterland und der Drang, das Letzte, was man besitzt an Geld und Geldes- wert, freudig zu opfern— hier der knirschende Grimm, daß die Reichen überhaupt in die Tasche greifen müssen, und die zitternde Angst um das„Portemonnaie der Be- sitzenden", das zu schützen der Regierung einziger Beruf wäre! Die Zeiten wandeln sich eben und die Klassen mit ihnen! Aber welche Schimpfkanonen niögen die Besitzenden erst gegen die Regierung richten, wenn sie unter sich sind! Auf den hinterpommerschen und uckermärkischen Klitschen werden die Junker beim Rotspon gegen den„Genossen" Bcthmann Hollweg grimme Flüche ausstoßen, der sich mit den if"f Roten verbündet, um die Besitzenden auszuplündern! Und in den heiligen Hallen der Börse werden alte Matadoren des Kurszettels, die sonst Stein und Bein auf die Offenbarungen des„Berliner Tageblattes" schwören, sich der rebellischen Anschauung zuneigen, das Ganze sei um konservativ zli werden! Zumal das grauenhafte Sckjreckgespenst, das der Kanzler zur Begründung der Hunderttausend-Mann-Vorlage und des Milliardenopfers an die Wand gemalt hat, die viel- berühmte slawische Gefahr, zerschossen, zerhauen und zerfetzt dort unten liegt, wo die Wellen der Bregalnitza von Bruderblut gerötet sind und Serben und Bulgaren sich gegen- seitig die Hälse abschneiden.. Wer heute noch von einem Wachsluin der slawischen Gefahr durch den Balkankrieg zu reden wägte und mit dem Balkankrieg eine deutsche Wehr- Vorlage begründen wollte, als ein in unholdem Wahne Rasender würde der auf den Weg nach Dalldorf verwiesen. Aber geschehen ist geschehen! So suchen denn all die Opferpatrioten von 1913 wieder hereinzubekommen, was ihnen das Dcckungsgcsetz nimmt, und darüber hinaus. Die Junker lassen sich für die Rcmonten— sechs neue Kavallerie- regimenter!— teure Preise zahlen, die 136 099 Mann, um die das Heer vermehrt wird, müssen eingekleidet, beschuht, be- Waffnet werden, neue Kasernen schießen aus dem Boden, da sprudeln die Profite auch für die industriellen Kapitalisten, und außerdem sind 4999 neue Offiziersstellen von den Söhnen des Junkertums und der Bourgeoisie zu besetzen. Das ist auch kein Pappenstiel. In einer fast naiven Weise fordert ein„älterer Offizier" die Leser der„Kölnischen Volkszeifimg" auf, die Gelegenheit ja nicht ungenutzt vorübergehen zu lassen: Die gewaltige Heeresvermehrung mit ihren 4900 Offizier- stellen mehr fordert, bei der Ueberfüllung aller Berufe und zu- mal bei den so sehr ungünstigen Aussichten für die Studenten der Hochschulwissenschaften, geradezu dazu auf, geeignete junge Männer der Armee zuzuführen. Warum sollen die- je n igen, welche die Kosten mittragen müssen, nicht auch sich fragen, ob sie nicht auch an dem Segen teilnehmen können, der da„von oben" kommt? Bl» Laufbahn ist billig, sie bringt den jungen Rann in eine besonders geachtete Stellung, durch Diensteifer und Fleiß kann er es zu etwas Besonderem bringen. Die Pensionsverhältnisse sind günstig. Nur die Massen gehen leer aus. Weit über hundert- tausend Proletarier mehr als bislang hängen sich den Tornister um, in dem sie nicht den Marschallstab, sondern den Sandsack beim Nachexerzieren tragen— das ist das Ganze. Aber es war ja schon immer so: vnm delirnnt reUes, plectuntur A.eMvi! Wenn die herrschenden K la s se n rasen, haben's die Völker aus- zubaden!_ Ein Ihundstags-Intriguenlplel. Auch die Zeit der sauren Gurke gebiert manchmal niedliche Sen- sationen. Jüngst erhielt der„Vorwärts", wie auch andere Blätter, eine kuriose Eilbrief-Zuschrift, in der ein Herr Friedrich I. Maicr, Leiter der„Phönix-Transport-Gesellschaft Marktredwitz", zurzeit wohnhaft im Hotel Miramare zu Genua, ernsthaft versicherte, einem höchst schmählichen Handel zwischen deni Generaldirektor der Ham- burg-Amerika-Linie, dem Herrn Ballin, und dem jetzigen klerikalen bayerischen Ministerpräsidenten Freiherrn v. Hertling auf die Spur gekommen zu sein. Herr Ballin als Busenfreund des Kaisers sollte dem bayerischen Ministerpräsidenten seine Unterstützung zum Sturz des Reichskanzlers und zur Abschaffung des Jesuitenpara- graphen angeboten haben, falls Freiherr v. Hertling der Beförde- rung bayerischer Auswanderer durch die Phönix-Transportgesell- schaft Schwierigkeiten in den Weg legen würde. Um diesen ver- ruchten Plan zu hintertreiben, habe deshalb Herr Friedrich I. Maier sich veranlaßt gefühlt, folgendes Telegramm an den Reichs- kanzler zu richten: „Exzellenz unterbreite ich die Mitteilung, daß Ballin bayerischem Ministerium angeboten hat, in Jesuiicnfrage da- durch behilflich zu sein, daß Ballin für den Sturz von Euer Exzellenz sorgt, wenn bayerisches Ministerium der Phönix-Transport-Gesellschaft in Rotterdam und Marktredwitz bezüglich Benützung bayerischer Auswanderer-Kontrollstation Schwierigkeiten macht und Ballin Benützung bayerischer Sta- tionen überträgt. Bayerisches Ministerium hat Ansinnen Ballins zurückgewiesen und Phönix Benützung Marktredwitz ichertragen. Ich gestatte mir. Euer Exzellenz diese Mitteilung zu unterbrei- ten, weil wir uns gegen Ballins Uebergriffe aufs äußerste zu wehren entschlossen sind; ich stehe Euer Exzellenz in dieser Sache jederzeit zur Verfügung und hoffe Dienstag, den fünfzehnten Juli, Westminsterhotcl Berlin zu sein; im übrigen wissen darum F ü r st F ü r st e n b e r g. Exzellenz Hertling, Exzellenz Soden, Domprobst P i ch l e r, Geheimrat Paasch e, Erz- b e r g e r und andere. Euer Exzellenz ergebenster Friedrich I. Maier, Phönix-TranSport-Gescllschaft Marktrcdwitz zurzeit Hotel Miramarc, Genua." Obwohl bekannt ist, daß vor kurzem Herr Ballin in München mit dem bayerischen Ministerpräsidenten eine Unterredung gehabt hat, legten wir die Zuschrift lachend beiseite. Wir sind weder Freunde des Herrn Ballin und des von seiner Linie betriebenen Auswandercrgeschäfts noch Verehrer des Freiherrn von Hertling. Der eine ist ein diplomatisch geriebener Geschäftsmann, der sich aus dem FF. auf das Profitmachen versteht; der andere ein politi- scher Diplomat, der es an Schlauheit mit den gewandtesten im Dienst der römischen Kurie geschulten Jüngern des heiligen Loyc>i< aufnimmt. Gerade deshalb aber dünkte uns die Geschichte höchst zweifelhaft. Entweder hat sich, so folgerten wir, Herr Maier, der; wie schon sein Telegramm beweist, in politischen Dingen nicht gerade an übermäßiger Intelligenz leidet, hereinlegen lassen, oder aber es steckt hinter der Mache eine Jntrigue— wahrscheinlich um Herrn Ballin bei S. M. zu diskreditieren, woran ja die Konkurren- ten des Herrn Ballin manches Interesse haben; hat doch die Phönix-Transportgesellschaft, soweit bekannt, recht gute Beziehun- gen zum sogenannten Fürstenkonzcrn. Die Zuschrift wanderte also in den Papierkorb. Weniger vor- sichtig waren einige andere Blätter. Teils nahmen sie die„Ent- hüllungen" ernst, teils druckten sie das kuriose Telegramm des Herrn Maier ab, indem sie vorsichtig hinzufügten, die Sache würde sich wohl bald als„Ente", als„Hundstagsgcschichte" oder»fauler Klatsch" herausstellen. Wie zu erwarten war, folgte alsbald durch Herrn Ballin das übliche Dementi, daß an der ganzen Mär nichts Wahres sei. Und selbst die Exzellenz v. Hertling nahm den Fall Maier-Ballin-Hert- ling so tragisch, daß sie in der„Bayerischen Staatsztg." verkünden ließ, die Erzählung des Herrn Maier sei völlig„aus der Luft gegriffen". So schien die schöne Geschichte erledigt, als plötzlich die„Mün- chener Ztg." verkündete, der Generaldirektor Thode von der Deut- scheu Reederei hätte sich bereit erklärt, jederzeit unter Eid zu be- zeugen, daß ihm die Aeutzerungen Herrn v. Hcrtlings über das angebliche Anerbieten Ballins vom Reichstagsabgcord- netcn Erzbcrgcr erzählt worden seien. •/ Dadur'H erhält dle ganze Geschichte ein anderes Gesicht. Herr Friedrich I. Maier verschwindet, und aus der Versenkung taucht empor als Einbläser und Drahtzieher Herr Matthias Erzschelm, das große Geistestalglicht von Buticnhausen, der wohlfrisierte und pomadisierte Spezial-Jntriguenspinner des Zentrums, von dem sfrei nach Heine) der Vers gilt: Erst war er ein kleiner Pfaffe, Später ward er zum Gaskogner; Beides gründlich zu vereinen, Wurd er Zentrums-Volisvcrtreter. Doch wie hoch man immerhin die Fähigkeiten des Herrn Erz� bcrgers auf dem Gebiete der höheren politischen Aufschneiderei ver anschlagen mag, so würde man ihm doch Unrecht tun, wenn man seine Geschichte von dem Ballinschen Angebot allein auf den in seinem frommen Gemüt gärenden Drang zur Erfindung sensatio- ncller Histörchen zurückführen wollte; viel näher liegt die An- nähme, daß man in gewissen Zentrumskreisen die Mär erfunden und kolportiert hat, um Herrn Ballin beim Kaiser ein Bein zu stellen. Es sollte höchst wahrscheinlich dem letzteren gelegentlich zu Ohren gebracht werden, daß Herr Ballin seine Gunst ausnutze, um sich in politische Regierungsange- legenheiten zu mischen und für sich und seine Ge sellschaft daraus Kapital zu schlagen. Durch die Naivität des Herrn Maier, der sich, sobald er die Geschichte ver- nahm, sofort an die Oeffcntlichkeit wandte, ist aber die Jntrigue vorschnell geplatzt. Neu sind ja derartige Jntrigucn keineswegs. Auch Eaprivi ist bekanntlich dadurch gestürzt worden, daß Wilhelm II., als er auf einem Gute derer von Eulenburg weilte, von hinten herum die Mär zugetragen erhielt, Caprivi hätte einen Artikel der„Köln. Zeitung" inspiriert, in welchem in selbstgefälliger Weise der Triumph geschildert wurde, den der damalige Reichskanzler beim Kaiser mit seiner Auffassung der„Ilmsturzgefahr" über den preußi- schen Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg davon getragen hatte. Bisher schweigt die Zentrumspresse verlegen über die Mittel- lung des Generaldirektors Thode, daß Herr Erzberger die Geschichte vom Ballinschen Kuhhandel erzählt hat, und auch Herr Erzberger selbst scheint keine Neigung zu verspüren, dem Herrn Thode Ge- legenheit zu geben, an Gerichtsstätte seine Anschuldigung gegen den heiligen Schutzpatron der schwäbischen Eiernudeln eidlich zu »rhärten. Sie Mächte wieder einmal einig. Nach Pariser Meldungen sollen die Mächte in ihrer Stellung- nähme zu den Balkanwirren wieder einmal„einig" sein. Die Schritte Oesterreich-Ungarns und Italiens in Athen und Belgrad zur Einstellung der Feindseligkeiten sollen auch den anderen Mächten Veranlassung gegeben haben, die gleichen Vor- stellungen zu erheben. Die Mächte gingen vollständig konform. Sie alle hätten sich für die Anbahnung der Friedensverhandlungen verwendet. Wenn auch Oesterreich eine besonders starke Pression in Athen und Belgrad versucht habe, so hätten sich doch auch alle anderen Großmächte auf folgende Punkte geeinigt: 1. Das Drängen, so rasch wie möglich den Frieden zu schließen. 2. Das Gleichgewicht aus dem Balkan zu erhalten bzw. wieder . herzustellen. 3. Eine allzu große Schwächung Bulgarien? zu verhüten. In Bukarest sollten die Friedensverhandlungen stattfinden, und in Nisch werde eine militärische Kommission über den Waffen- stillstand beraten. Keine Macht, auch nicht Rußland, dürfte an eine militärische Aktion denken, da durch eine solche Aktion zu ernste Probleme berührt werden könnten. Zu Rußlands Stellung wird auch aus Rom gemeldet, daß die russische Schwarze-Meer-Flotte nach offiziellen Ver- sicherungen Rußlands keine isolierte Demon st ratio» vor Konstantinopel zu unternehmen gedenke. Auch hege Rußland keineswegs die Absicht, in Armenien einzufallen. Sollte etwa«ine Aktion gegen die Türkei notwendig werden, um sie zum Verlassen Adrianopels zu zwingen, so halte die russische Re- gierung an der Auffassung fest, daß diese Aktion von allen Mächten einmütig beschlossen und durchgeführt werden müsse. Rumänien seinerseits soll erklärt haben, daß es ein ihm etwa von den Mächten angetragenes Mandat, die Türken aus Adrianopel herauszubringen, schwerlich an- nehmen werde. Man nehme vielmehr an, daß nach dem Zu- standekommen einer Verständigung zwischen Bulgarien und seinen anderen Gegnern Bulgarien selbst in der Lage sein werde, die Türken gegebenenfalls wieder zurückzudrängen. Gegen eine Rück gäbe Adrianopels an die Türkei hege Rußland ernste Bedenken, doch sei es bereit, der Pforte bei neuen Friedens Verhandlungen nicht unbedeutende Gebietsteile über die Linie Midia-Enos hinaus zuzugestehen. Wir wollen hoffen, daß in der Tat die diversen Regierungen vernünftig genug sind, die Gestaltung der Dinge aus dem Balkan nicht künstlich zu beeinflussen, sondern von dem Kräfteverhältnis der in Frage kommenden Gegner selbst abhängig zu machen. Tanthi von der griechischen Armee besetzt. Athen, 27. Juli. Gestern nachmittag um 3 Uhr haben die Griechen chanthi besetzt. In Athen treffen über die Besetzung Lanthis nur spärliche Meldungen ein. Die Bulgaren sollen vor ihrem Abzug 70 Männer und Weiber in Tanthi ermordet und 20 angesehene Griechen fortgeführt haben. Ueber deren Schicksal ist bis jetzt nichts bekannt geworden, man nimmt aber an, daß sie wie in früheren Fällen von den Bulgaren ermordet worden sind. Angebliche bulgarische Greueltaten. Ein furchtbares Blutbad, wie es selbst in der Geschichte des Balkankrieges einzig dasteht, sollen die Bulgaren noch einer Mel. dung des„New Jork Herald" vor ihrem Rückzug aus der Stadt Tanthi, die jetzt von griechischen Truppen besetzt ist, ange- richtet haben. 20 000 chrichische Christen, zahlreiche Mohamme- daner und Juden sollen von den Bulgaren hingemordet worden sein; auch 70 Europäer, in der Mehrzahl Engländer und Amcri- kaner, sollen bei dem Gemetzel ums Leben gekommen sein. Der griechische Metropolit und eine Anzahl angesehener gric- chischer Bürger wurden von den Bulgaren als Gefangene mitge- schleppt. Man hegt ernste Besorgnisse für ihr Leben. Die türkische Beute in Adrianopel. Konstantinopel, 27. Juli. Der Minister de? Innern Talaat, der sich nach Adrianopcl begeben hatte, ist gestern nachmittag hierher zurückgekehrt. Der bulgarische General der Reserve Popow, der bei dem Einzug« d«r Türken in Adrianopel gefangen genommen worden war, ist hierher gebracht worden. Die von den Türken in Adrianopcl gemachte Beute besteht aus hundertfünfzig Ka- n o n e n, wovon 75 früher der Türkei gehörten, und fünfzig. tausend Gewehren samt einer großen Menge Mu- n i t i o n. Bulgarien bittet Griechenland um Waffenruhe. Athen, 27. Juli. Die Regierung Bulgariens hat von der Griechenlands einen ablehnenden Bescheid auf das Ersuchen um Einstellung der Feindseligkeiten erhalten. Gestern ist nunmehr bei der griechischen Regierung«ine bulgarische Anfrage eingelaufen, daß die Feindseligkeiten für drei Tag« eingestellt werden möchten. Der König hat die Anfrage an die Generale weitergegeben mit der Anfrage, ob sie dem temporären Waffenstillstand im Interesse der Armee beistimmen könnten. Die Friedeusverhandlungen. Die Verbündeten bezeichneten in ihrer Antwort auf die Me- diation Rumänien? als äußerste Konzession ihrerseits die Abhaltung einer gleichzeitigen Konferenz in Nisch und in Bukarest, die erstere für eine Waffenruhe, die letztere für den Präliminarfrieden. Ru- mänien forderte daraufhin die Verbündeten auf, diese Vorschläge den bulgarischen Unterhändlern in Bukarest selbst zu unterbreiten, und lud gleichzeitig die Premierminister der Balkanstaaten ein, nach Bukarest zu kommen. Die montenegrinischen und serbischen Unterhändler werden sich demgemäß nach Bukarest begeben. politifcbe Oeberfkbt Tie Reichseinnahmen gehen zurück. Die Haupteinnahme des Reiches, die Einnahme- aus Z ö l l e n, ist im Monat Juni d. I. erheblich zurückgegangen. Tie Zölle brachten nur 48,29 Millionen Mark gegen 84,2 Mit- lionen Mark im Juni 1912, also fast 6 Millionen Mark lveniger als vor einem Jahre. Seit Beginn des Etatsjahres kamen aus den Zöllen 151,99 Millionen Mark gegen 161,74 Millionen Mark im ersten Vierteljahr 1912 ein, d. h. an- nähernd 19 Millionen Mark weniger. Dieser Ausfall, den die Zölle gebracht haben, drückt auf das Gesamtergebnis der Reichseinnahmen aus Zöllen, Steuern und Gebühren derart, daß für das Vierteljahr von April bis Juni im Verhältnis zum Etatsanschlag eine Mindereinnahme von fast 29 Millionen Mark festzustellen ist. Neben den Zöllen haben im Juni d. I. geringere Ein« nahmen als vor einem Jahre erbracht die Tabaksteuer, die Salzsteuer, die Ejsigsäurcverbrauchs- st e u e r, die S ch a u m w e i n st e u e r, die B r a u st e u e r, der K a u f st e m p e l, der G r u u d st ü ck s ü b e r t r a» gungsstempel, die Personenfahrkarten st euer u. a. m. Erhöht hat sich gegen den Juni 1912 besonders die Einnahme aus der Zigaretten st euer, der Zucker« st euer, der Branntweinverbrauchsabgabe und aus der E r b s ch a f t s st e u e r. Die R e i ch s p o st v e r w a l t u n g hat im ersten Ouar- tal des laufenden Rechnungsjahres 188,48 Millwnen Mark gegen 179,97 Millionen Mark im ersten Quartal des vorigen Etatsjahres eingenommen. Tie Einnahme hat sich mithin um 9,41 Millionen Mark erhöht. Im Etat 1913 ist jedoch gegenüber dem Etat 1912 ein Mehr von fast 51 Millionen Mark veranschlagt worden, so daß die bisherige Einnahme dem Etatsanschlag nicht gerecht wird. Die Reichseisenbahnver waltung hat ebenfalls im ersten Vierteljahr dieses Etatsjabres gule Einnabmen gebracht, indem bei ihr 39,19 gegen 36,94 Millionen Mark, d. h. 3,96 Millionen Mark mehr als 1912 einkamen. Das übertrifft den auf ein Vierteljahr entfallenden Etatsanteil, der 38,4 Millionen Mark beträgt, nicht unerheblich. Kanzlerblattpolitik. Die„Nordb. Allgem. Ztg.", das Kanzlerblatt, veröffentlicht in jeder SonntagSnnmmer sogenannte„Rückblicke", in denen die wichtigsten politischen Ereignisse der abgelaufenen Woche einer kriti- schen Besprechung unterzogen werden. Solche„Rückblicke", Wochcnrevuen" oder„Wochenübersichten" bringen ja auch manche andere Blätter; aber die„Rückblicke" des Kanzlerblattes erfreuen sich in der journalistischen Welt einer ganz besonderen Beliebtheit, denn die«Nordd. Allgem. Ztg." hat sich die hehre Aufgabe gestellt, dem Lcsepublikum zu beweisen, daß der bekannte Bismarckschc Aus- spruch:„Fähige und anständige Menschen schreiben nicht für mich!" auch für die Offiziösen des fünften Kanzlers gilt. Es ist ein gar seltsames politisches Kauderwelsch, das gewöhnlich die„Nordd. All- gem. Ztg." in ihren„Rüblicken" bietet: aufgeputzte Plattheiten, die um so komischer wirken, als sie in einem von höchster Selbstgefällig- keit zeugenden gespreizten Stil vorgetragen werden. Besonders künden die Aeußerungcn des Kanzlerblattes über Meimmgs- Verschiedenheiten innerhalb der Sozialdemokratie über Radikalis- mus und Revisionismus usw. fast stets von einer ganz außer- gewöhnlichen Einfalt im Geiste. Auch in ihrer Nummer 175 svom Sonntag, den 27. d. M.) leistet sich das Blatt wieder allerlei höchstkomische Verwechselungen. ES erzählt, daß in der Massq-streiksrage„Neue Zeit" und„Soziali« stische Monatshefte" sich zusammengefunden hätten, daß die Genossen R. Perner und W. Steigerwald in den„Sozialistischen Monatsheften" sich gegen den Massenstreik ausgesprochen hätten, während andererseits„der Radikale Edmund Fischer" in der„Neuen Zeit" den„Putschismus" abgetan hätten usw. Doch wir wollen unseren Lesern diese Früchte politischer Selbstvcrständ« lichkeit in natura genichen lassen; wörtlich erzählt das Kanzlerblatt: „Allein das Wort„Massenstreik" klingt nachgerade auch den „Genossen" selbst etwas unlieb; es erinnert in gewisser Beziehung an große Seuchen, die absichtlich hereinzuführen, nun und Mocdenfilm. ... Ticweil des Menschen Fiimcht Lachen ist. Rabelais. Das JVIalTenrtrdhgift. Ja, da haben wir die Bescherung I Die Drachensaat des Massen- streikgedanken? trägt schon ihre Früchte. Und zloar da, wo man e? am wenigsten erwartet hätte. Freilich, die deutschen Arbeiter, denen mit echtdeutscher Wissen- schaftlichkeit und Gründlichkeit das Massenstreikproblem in Wort und Schrift nach allen Seiten vordemonstriert wird, wollen nicht von heute auf morgen alle Räder still stehen lassen. Und gerade jetzt würde doch das Spiel der„gekreuzten Arme" manchen Leuten viel Spaß machen. Das find die Gemütsmenschen, die in den locker in der Scheide sitzenden SchutzmannSplempen die höchste Garantie für daS Staatswohl und die Sraatsflcherheit sehen, die in dem Losknallen des Dienstbrownings die lobenswerte Erfüllung einer gottgewollten Amtspflicht erblicken. Es sind die Leute, die dieser Tage mit Befriedigung beim Generalappell ein Heer von 2 823 000 in Kriegervereinen organisierter gedankenloser Hurra- schreier mustern konnten. Die Leute, die da meinen. daß die uniformierten Bauernjungen. die ihre Beine über einen Kürassier« oder Dragonergaul hängen oder die Rohr- rücklaufgeschütze und Maschinengewehre dedienen, auf alles losreiten und lospumpern, waS ihnen als Marsch- und Zielrichtung angegeben wird. Die Leute, die das System, das jedem Lokomotivheizer, Postillion oder Straßenbahnschaffner das Bewußtsein ein- paukt, ein Stellvertreter Gottes zu sein, für das beste Schutzmittel gegen die Unterbindung des Verkehrs durch die Maffenstreilfnrie halten. All diesen Biedermännern wäre ein sofortiger toller Sprung in den Massenstreik ganz erwünscht. Aber wie gesagt, die deutschen Arbeiter tun den Herrschaften den Gefallen nicht. Sie warten den Zeitpunkt ab, der ihnen paßt. Und wenn sie vielleicht etwas reichlich mit Theorie gefüttert werden, so werden sie wohl daraus lernen, daß, wenn dem Druck von oben der Gegendruck von unten antworten soll, weit mehr Massen ent« zündet und erleuchtet werden müssen als die Tausende, die bis jetzt in Versammlungen für Resolutionen entflammt wurden. Und schließlich werden sie sich auch darauf eiurichten, daß in dem Lande der Jagows, der Oldenburg und Bissing, der Kraetke und BreUen- bach mit der Theorie der„gekreuzten Arme" allein nichts auszu- richten sein wird. Doch halt, wo gerate ich hin! Ich sehe schon die gnmmtgen ftHKen des Herrn Chefredakteurs des Montagsblattes, Und ich höre ihn knurren:„Der Kerl ist wohl verrückt geworden, daS soll ein Beitrag unter der Rubrik„Dieweil des Menschen Fürrecht Lachen ist" sein!" Also schlagen wir an unsere sündige und vom Gift der Massen- streiktheorie infizierte Brust und kommen wir auf besagten lustigen Hammel zurück. Im Lande der Makkaroni, der Polenta und des Asti spumante hat das Massenstreikgift schon gewirkt. Aber auch da Wieoer nicht bei den Roten sondern in einem Milieu, in dem der Streik eigentlich als ein Teufelswerk in Acht und Bann getan ist. Aber auch bei den Jtalianos fing eS mit der Theorie an. Haben sich da die italienischen Genoffen vor einigen Wochen eifrig um die Frage gestritten, ob auf Polizeibrutalitäten nicht sofort mit dem Generalstreik geantwortet werden solle. Und ob dabei den hauenden und schießenden Karabinieri nicht eins auf den Dreispitz und auf den rotbordierten Frack gegeben werden müsse. Die Bazillen dieser theoretischen Auseinandersetzungen sind trotz Bronzetor und hoher Mauern bis in die geheiligten Räume des Vatikans in Rom geflogen und haben dort daS größte Unheil an- gerichtet. Der arme Gefangene im Vatikan, den sich so manches schwarze deutsche Schäflein als einen vom Hunger ausgemergelten Greis auf einem Strohlager in enger Kerkerzelle vorstellt, hat nämlich noch so etwas wie eine Armee. Die Kerkerzelle ist beiläufig ein stattlicher Palast mit mehr als 1000 Zimmern, mit Nebengebäuden und Pracht- vollen Gärten. Dafür genügt nicht allein der Schutz des Himmels, dazu braucht man auch Leute in Wehr und Waffen. Freilich von der einfügen.Schlüsselarmee", die den Kirchenstaat des Heiligen VaterS schützen und seine nur zu zahlreichen unglücklichen Gefangenen be- wachen mußte, die wie heute die Fremdenlegion cms Söldnern aus aller Herren Ländern bestand und sich für den Statthalter Gottes auf Erden totschießen lassen mußte, ist seit Anno 1370 nicht mehr viel geblieben. Und der Gefahr des Totgeschossenwerdens ist die moderne päpstliche Armee auch enthoben. Wer sie erfüllt einen anderen militärischen Zweck, für den besonders die Vertreter des preußischen Gardeprinzips vollstes Verständnis haben. Sie hat nämlich zu paradieren und zu repräsentieren. Und das ist nach den überzeugenden Darlegungen deZ Herrn v. Heeringen im Reichstag ein eminent wichtiger militärischer Lebenszweck. Die heutige päpstliche Armee umfaßt vier Waffengattungen. Da ist erstens die Nobelgarde, die nur aus Offizieren besteht und sich aus dem schwärzesten römischen Adel rekrutiert. Sie hat mit ihren Prunkenden Uniformen den Ehrendienst in ui.mittelbarer Nähe des Heiligen VaterS. Die Heiligkeit hat aber nicht sonderlich auf diese Nobili abgefärbt. Me böse Welt sagt ihnen ein sehr unheiliges Leben nach, besonders in Punlto y. Gebot und Z 175. Nach dieser aristokratischen Truppe kommt das Bourgeoiskorps, die Palastgarde. Sie rekrutiert sich bei feierlichen Gelegenheiten aus devoten Spießern Roms, die mit dem Vatikan Geschäfte machen. Den Sicherheitsdienst im Reich- de? Nachfolgers dessen, der nicht wußte, wo er sein Haupt niederlegen sollte, versehen als dritte Truppe die päpstlichen Gen- darmen. Und als vierte Truppe kommt hinzu die Schweizergorde. Und diese gottverlaffenen„Cheibe" sind es, denen das Massen- streikgift in die Knochen gefahren ist. und die dem Herzen deö Heiligen Vaters solchen Schmerz bereiten. Zur stillen Freude der deutschen liberalen Presse, die in mehr Spalten, als es überhaupt Schweizergardisten gibt, das welterschütiernde Ereignis kreittritt. Man denke aber auch. Seit Jahren hat diese Schweizergarde in ihren schwarzweißgelben Pluderhosen und LandSlnechtswämsen,— von Raphael wurde diese Uniform entworfen, verkündet die liberale Presse ehrfurchtserschauernd— mit ihren Sturmhauben(Modell Michelangelo. Siehe liberale Presse) und Hellebarden in den Gängen und Gemächern des Vatikans Wache gehalten, bei Prozessionen paradiert und in ihrer Freizeit in den Osterien des Vattkanvtertels gezecht. Gute Verpflegung und 50 Lire(40 M.) Monatsgehalt haben die„Cheibe" gehabt, und jetzt werfen sie nuf einmal dem.�erltgcn Vater die Brocken hin und kreuzen die Arme. Und das alles, weil ihnen ihr neuer Oberst R-pond aus Luzern zumutete, sie sollten aus Paradegardisi-n ganz gewohn.iche Kommiß- soldaten werden, sollten eine«klige Kakiunisorm anziehen und mit einem modernen Schießprügel schießen und exerzieren lernen. DaS ging den biedern Schweizern über die Sturmhaube. Sre kündigten einfach den Gehorsam, ließen Dtenst Dienst sein und streikten nach Zu �olch�ttschrecklichen und unvorhergesehenen Folgen kann also die Massenstreikhetze iühr-u- Schuld an dem verwerfltchen Tun der päpstlichen Schwe'Zer tragt aber auch dte von den Roten so gehätschelte Milizrdec.� Der Oberst Repond war nämlich in seiner Heimat Milizoberst,»m Haup.bcrufe aber ausgerechnet Journalist Na so ein ZelwngSsntze und Milizerich kann doch den KerlS keine Disziplin beibringen. Der Heilige Vater wäre besser beraten aewesen, wenn er sich für seine«chwetzergarde einen Leutnant vom Berliner Gardekorps Verjchrteben hätte. ES gibt doch auch aläubiae Katholiken unter den Herren im belitzten OffizierSrock. Der bätte den verdammten Schweizern schon die Flötentöne bei« gebracht und ihnen Hellebardengriffe auS der Zeit Georg von FrundSberg? genau so eingepautt, wie seinen KerlS aus Hinter« pommern den sriderizianischen Präsentiergriff. So aber muß der heilige Mann auf dem Stuhl Petri erleben, wie der Modernismus selbst in die vatikanischen Kasernen einzieht und alle Bande frommer Scheu löst. Ja, ja, die Welt wird schlechter mit jedem Tag! nimmer berdienstlich fem würde. Das Gefühl, dem damit spielenden Despercrdohun das Geschäft erschweren zu sollen, be- herrschte gleichzeitig und sogleich Parteigenossen von sehr verschiedenen Sonderbestrebungen, und auf diese Weise erlebt man das Schauspiel, daß die„Neue Zeit" und die„Sozia- listischen Monatshefte" sich hierbei einmal zu- iammenfinden. Letztgenannten Organ läht zunächst den Hamburger„Genossen" Perner ein Verditt gegen die ge- samte Wahlrechtsbewegung in Preußen abgeben. Sie sei im Grunde unwichtig für die Sozialdemokratie, lenke diese nur von den wirklich erreichbaren Zielen ab. Heroische Mittel wie der Massenstreik wären also unstatthaft. Noch schärfer äußert sich der «olmger W. Steigerwald über den Vorschlag, den er überlegen als die Gehirnfrucht unerfahrener Schreibtischmenschen abtut.... Faßte der Gewerkschaftler hier die inneren Schwierigkeiten ins Auge, so nahm der Radikale Edmund Fischer in der„Neuen Zeit" Anlaß, die Stärke des positiven Wider- standes hervorzuheben, auf den man bei Staat und Gesellschaft stoßen werde. Fischers Artikel spricht dabei ein Wahrheiten aus, die bei einem sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten— er vertritt den Wahlkreis Zittau— nicht alle Tage aufs Tapet kommen." Nachsichtige Leser werden vielleicht sagen:„Nun die„Nordd. Allgem. Ztg." hat einfach die„Neue Zeit" mit den„Sozalistischen Monatsheften" verwechselt, aber das trifft keineswegs zu. Ihr gilt tatsächlich Edmund Fischer, dessen Ansichten über den Massenstreik sie eine halbe Spalte lang behandelt, als ein gar gewaltiger Radi- kaler, der, wenn er auch nicht zu„der kleinen Gruppe um Rosa Luxemburg" gehört, doch eigentlich so ein kleiner Genosse Lensch en miniature ist. So malen sich im Kopf der politischen Sachverständigen des Kanzlerblattes die Zustände in der deutschen Sozialdemokratie. O, Oxenstiernal Der Antrag auf Aufhebung des Jesuitcngefetzes den der Reichstag im Frühjahr dieses Jahres angenommen hat, liegt, wie die„Tägliche Rundschau" erfährt, den zuständigen Aus- schüssen des Bundesrats zur Beschlußfassung vor. Der Bundesrat wird noch in diesem Jahre zu dem neuen Aufhebungsantrage Stellung nehmen. Wie verlautet, wird die bayerische Regierung ihren Antrag auf Aufhebung des Jesuitenparagraphen im Bundes- rat wiederholen. Die„Wrderung des Deutschtums" in der Praxis. Ter„Niederschlesische Anzeiger" in Glogau beschwert sich bitter- lich, weil„trotz einer starken Gegenströmung" der Magistrat der Stadt, für die Aufforstung von Oedland in den städtischen Forsten galizische Arbeitskräfte angeworben hat und die deutsche Wald- arbeiterbevölkerung zur Abwanderung zwingt, da ihr die Grund- lagen ihrer Existenz systematisch entzogen werden.— Die gleiche Erscheinung kann man in Schlesien nicht nur bei privaten, son- dern regelmäßig auch bei öffentlichen Arbeiten beobachten. In Breslau befinden sich zurzeit Tausende von Arbeitslosen, trotzdem werden bei den Strombauten, die in der Nähe ausgeführt werden, ausländische Arbeiter beschäftigt.— Von Zeit zu Zeit beklagen sich dann die Patrioten über das Vordringen der slaivischen Gefahr! Regelung des Luftverkehrs. Heute hat im Auswärtigen Amte zwischen dem Staatssekretär von Jagow und dem französischen Botschafter Cambon ein Noten- austausch über die Regelung des Luftverkehrs zwischen Deutsch- land und Frankreich stattgefunden. Eine Maffendemonstration der Suffragetten. In Lo n d o n veranstalteten am Samstag die Suffra- gelten eine Massendemonstration. Tie aus allen Teilen des Landes herbeigeeilten Frauenrechtlerinnen versammelten sich an vier Punkten Londons und zogen mit zahllosen Bannern und Musikkorps nach dem Hydepark, wo von zwanzig Tri- biinen Reden für das Frauenwahlrecht gehalten wurden. Die Zahl der Teilnehmerinnen soll gegen 100 000 betragen haben. Zusammenstöße haben sich nicht ereignet. Ter Bürgerkrieg in China. Hongkong, 27. Juli. Die Soldaten der Nordarmee haben auf allen Punkten Erfolge errungen und dringen ständig vor; sie haben bereits den Jangtsekiang überschritten. Von Koling her sind, da auf der Elefanteninsel Kämpfe stattfanden, fremde Truppen zum Schutze der Fremden gelandet worden. Der Kommandant der Nordarmeetruppcn in Wusunsuku ist von meuternden Soldaten abgesetzt worden. Sie wählten einen neuen Kommandanten, der ihnen versprach, daß er sie den Rebellen zuführen werde. In Kanton sind japanische Dampfer eingetroffen mit Waffen und ."T1''?" Rebellen. Es bestätigt sich, daß etwa 50 japa- uische Offiziere im Heere der Rebellen kämpfen. >iiis 6roß-ßerlüi. (rin hartnäckiger„Simulant". ManSe Arbeitgeber lassen ihre Angestellten bei Krankheit-- Meldungen°bserv.eren. Nur zu leicht regt bei einem mißtrauischen Chef sich der Verdacht,, daz die Krankheit simuliert sei. Auch die Firma BrunoMadler ,n Berlin. Köpenicker Straße 64. er- hob gegen einen ihrer Angestellten diesen Vorwurf und bestrafte den„Simulanten" mit sofortiger Entlassung. Dieser blieb aber dabei, daß er krank sei, und er— behielt schließlich recht. Ein Maschinenzeichner Paul Hartmann, der seit Anfang April 1913 bei Bruno Mädler gegen ein Monatsgehalt von 90 M. beschäftigt war, erkrankte am 3. Juli. Ein seit längerer Zeit be- stehendes Magenleiden machte ihm so heftige Beschwerden, daß er zu Hause bleiben und sich ins Bett legen mußte. Auf seinen Wunsch schrieb seine Mutter das der Firma und bat, ihn als cnt- schuldigt anzusehen..Am 8. Juli ging er wieder ins Geschäft, ob- wohl er sich noch krank fühlte. Beim Chef entschuldigte er sich mündlich nochmals mit kurzen Worten, doch scheint diesen die Form der Entschuldigung verstimmt zu Haben. Man ließ Hartmann an diesem Tage �Hig km Geschäft arbeiten. Als er aber nach Hause kam. fand er folgendes Schreiben vor: Berlin SO., den 8. Juli 1913 Köpenicker Straße 64 Herrn Paul Hartmann, Berltn-Baumschulenweg, Heidelampstraße 33. -t. Sie seit dem 3. d Mts»w' rechtlichen Grund meinem �-blieben sind. rnttasK Sil hlermit ftfort. - Tag M s!- fUt 2 �ge Tätigkeit in d.esem ��Versicherungsbeitrag'!! M.-,25 2) Krankenkasienbeitrag für 1 Woche»—,50 3) �noalidenversicheruug kne—.29—.05 mit........... � 5.05 mit............*0,05 karte«? 2 mit V» Postanweisung' Ihre OuittUNgS- r„ beklebt.. Ihre Versicherungskarte Nr. 1 s Krankenkassenbuch sende Ich I— oeuevt. der RelchsversrcherunaS und das Ihnen einliegend, Hochachtend! gez. Bruno Mädler. „Ohne rechtlichen Grund" sollte er dem Geschäft fern- geblieben sein! Ja, war denn ein Magenleiden kein ausreichender Anlaß, sich als krank zu betrachten und zu Hause zu bleiben? Hartmann hatte in den Tagen, an denen er zu Hause blieb, nicht ständig gelegen. Aber das gab doch keinem Menschen das Recht, ihn für einen Simulanten zu halten. Er setzte sich hin und schrieb jetzt seinem Arbeitgeber einen Brief, dessen Inhalt aus der darauf erfolgten Antwort zu ersehen ist. Hartmann erhob Einspruch gegen die sofortige Entlassung und fügte hinzu, daß er im übrigen die Stelle aufgeben werde, wenn man ihm nicht mehr Gehalt zahlen wolle. Er erhielt diese Antwort: „Berlin SO., den 10. Juli 1913. Köpenicker Straße 64. Herrn Paul Hartmann, Berlin-Baumschulenweg, Heidekampstraße 33. Auf Ihren Einschreibebrief, datiert vom 8. d. Mts., welcher heute bei mir eingegangen ist, erwidere ich, daß Ihre sofortige Entlassung durchaus begründet ist, da Sie ohne rechtlichen Grund meinem Geschäft ferngeblieben sind. ck Wie ich habe feststellen lassen, sind Sie nicht krank gewesen und haben Sie mir auch mit Ihrem ersten Schreiben vom 8. d. Mts. mitgeteilt, daß Sie Ihre Stelle aufgeben, wenn Sie keine Gehaltserhöhung erhalten. Weitere Zuschriften bleiben unbeantwortet, da ich mit Ihnen nichts mehr zu tun habe, wovon Sie Notiz nehmen wollen. Hochachtend gez. Bruno Mädler." Der Vorwurf, ohne rechtlichen Grund dem Geschäft fern- geblieben zu sein, wurde hier wiederholt. Zu seiner Begründung wurde jetzt gesagt, die Firma habe„feststellen lassen", daß Hartmann nicht krank gewesen sei. Wer das„festgestellt" hatte und wie er es„festgestellt" zu haben meinte, darüber stand kein Wort in dem Brief. Tie brüske Abweisung in dem Schlußsatz des Briefes mußte den Kranken, der durch den Vorwurf der Simulation ohnedies schwer gekränkt war, noch mehr verletzen. Auf seinen Wunsch machte der Vater noch einen Versuch, eine Einigung mit der Firma herbeizuführen. Er schrieb: .Baumschulenweg, den 15. Juli 1913. Herrn Bruno Mädler, Berlin. Mein schwerkrank daniederliegender Sohn beauftragt mich, noch einmal wegen seiner unrechtmäßigen Entlassung mit Ihnen zu unterhandeln. Mein Sohn ist gewillt, sich mit Ihnen zu einigen. Ich erwarte darum Ihre geft. Rückäußerung. Sollten Sie jedoch bis zum 21. d. Mt§. nicht geantwortet haben, so werde ich die Angelegenheit durch da? Gewerbegericht regeln lassen Achtungsvoll gez. Karl Hartmann." Sine Antwort kam nicht. Bruno Mädler hatte ja im letzten Brief erklärt, daß er mit Paul Hartmann nichts mehr zu tun habe. Hartmann fand aber auch keine Gelegenheit mehr, seine Sache dem Gewerbegericht zur Entscheidung vorzulegen. Am 8. Juli war er von Bruno Mädler sofort entlassen worden, weil er„ohne rechtlichen Grund" dem Geschäft ferngeblieben sei. Knapp zwei Wochen später mußte der Vater dem Herrn Bruno Mädler folgende Mitteilung machen: „Banmschulenweg, den 21. Juli 1913. Herrn Bruno Mädler, Berlin. Werter Herr! Sie werden trotz Ihrer Stellungnahme in Ihren beiden Schreiben vom 8. und 10. Juli noch soviü Interesse für diese Sache haben, zu erfahren, daß der Paul Hart- m a u n, der„o h n e r e ch t l i ch e n Grund" der Beschäftigung bei Ihnen für einige Tage fernblieb, am Sonnabend, den 19. Juli, im Krankenhaus Bethanien verstorben ist. Als so schwer vom Schicksal getroffenen Vater hätte es meinen Schmerz wenig- stenS um etwas gelindert, wenn Sie nur geantwortet hätten. Der Tod hat einen Strich durch meine mit Schreiben vom 15. Juli geäußerte Absicht gemocht, mögen Sie vor einem nur ähnlichen Schicksalsschlag bewahrt bleiben. Verzeihen werden Sie aber als Mensch dem Toten, auch dann, wenn er, der meiner Ansicht nach schon seit einem Jahre, wo er in ähnlicher Weise erkrankte, den Keim zur Krankheit mir sich herumtrug, in irgend einer Weise in seiner krankhaften Veranlagung Sie gekränkt haben sollte. Uns als Eltern war Paul Hartmann der beste Sohn, wie ich wünsche, daß es anderen Eltern auch beschieden sein möge. Mit Hochachtung gez. Karl Hartmann." Er hatte„recht behalten", der arme Paul Hartmannl Der Tod, der seinen Eltern den Sohn entriß, hatte ihm„recht geben" müssen I Nun war er doch wohl gereinigt von dem ent- ehrenden Vorwurf der„Simulation"!? Was tat jetzt Herr Bruno Mädler? Schrieb er dem schmerzgebeugten Vater und der völlig gebrochenen Mutter, daß er tief bedauere, dem kranken Sohn durch den Vorwurf der Simulation die letzten LebenStage verbittert zu haben? Ach nein! Noch heute, am 28. Juli, wartet der Vater vergeblich auf eine Aeußerung von Bruno Mädler, vergeblich auf ein Wort der Entschuldigung und des Trostes. Mit Paul Hartmann hat er ja„nichts mehr zu tun", der Herr Bruno Mädler. Er hat ja„feststellen lassen", daß Paul Hartmann„nicht krank" gewesen ist. Ein hartnäckiger Simulant", dieser Paul Hartmann, der schließlich recht behielt, indem er sich in den Tod hinein- „simulierte"! Die Polizei im Kampfe gegen die Arbeiterjugend. In Niederschönhausen war zu Sonntag eine Per- sammlung für Jugendliche einberufen worden. An der Kirche von Pankow hatten Jugendliche, die diese Versammlung be suchen wollten, sich getroffen. Als sie sich gemeinsam auf den Weg nach Niederschönhausen machten, entfaltete in der Schlotzstraße ein Jugendlicher eine rote Fahne mit der Inschrift„Freie Jugend- bewegung Pankow-Niederschönhausen". Das war für zwei Poli- zrsien, die ihnen entgegenkamen, das Signal zum Einschreiten. Ob- wohl die dahinwandernden Jugendlichen ruhig weitergingen, drohten die Polizisten Waffengebrauch an. Einer der beiden hielt den Fahnenträger fest, nahm ihm die Fahne ab, notierte die Personalien und ließ ihn dann wieder frei. Sodann wurden per Telephon sämtliche verfügbaren Polizeimannschaften nach dem Versammlungslokal(bei R e t t i g, Dlankenburger Str.) beordert, wie wenn Pankow und Riederschönhausen vom Umsturz bedroht wären. Als dort vor etwa 150 Jugendlichen der Referent, Genosse Pieck-Steglitz, über die Entstehung der proletarischen Jugendbewegung zu sprechen begonnen hatte und im wei- teren Verlaufe seiner Ausführungen das Wort„Revolution" gebrauchte, stutzte der überwachende Beamte. Wenn einer von„Re- Volution" redet, muß etwas Staatsgefähriiches dabei sein, sagte er sich wohl. Er erhob sich und erklärte zunächst, daß alle Personen im Alter von unter 18 Jahren den Saal zu verlassen hätten. Pieck mahnte, sich in Ruhe zu entfernen. Als er den Beamten fragte, ob nicht doch die Versammlung mit den Jugendlichen fort- gesetzt werden dürfe, lehnte er ab. Er ließ jetzt noch vier Beamte hereinkommen, und diese„räumten" den Saal. Ihr Eifer war sehr unnötig, da die Versamurlungsieilnehmer ohnedies be» reits gingen.(Sie brachten dann den Rachmittag auf einem Spiel» platz in fröhlichem Spiel zu. Schweres Automobilunglück. Eine verhängnisvolle Spazierfahrt, die mit eineni schweren Unfall endete, machten in der Nacht zum Sonntag zwei Chauffeure mit zwei ihnen bekannten Mädchen. Der 28 Jahre alte Chauffeur Mathäus Straeten aus der Prinzenstr. 13 war längere Zeit in einer Metallwarenfabrik als Wagenführer beschäftigt. Am vergangenen Freitag meldete er sich in einer Fa- brik in der Friedrichstrahe, dessen Inhaber einen Chauffeur für seinen Privatwagen suchte. Er erhielt den Auftrag, mit dem bis- herigen Chauffeur, an dessen Stelle er treten sollte, eine Probe- fahrt zu machen. Zu dieser Fahrt, die am Sonnabendmittag be- gann, lud Straeten die 22 Jahre alte Putzmacherin Frida Strauch aus der Wilhelm-Stolze-Straße ein, während der andere Chauffeur ebenfalls eine Freundin mitbrachte. Die Fahrt ging kreuz und quer durch Berlin und verschiedene Vororte und hatte als Haltestellen verschiedene Schanklokale. Der alte Chauffeur feierte Abschied, der neue seinen Antritt. Die Probefahrt dehnte sich bis in den späten Abend hinein aus, und in gehobener Stim- mung fuhren die vier kurz vor 10 Uhr nach Treptow hinaus. In der Neuen Krugallee, an dem alten Kirchhof, etwa 200 Meter von dem Eichbuschweg entfernt, begegnete ihnen ein Wagen des Schlächtermeisters Eugen Czeyka aus der Langhansstr. 19 zu Weißensee. Straeten fuhr ihn mit seinem Automobil so heftig von der Seite an, daß der Wagen umgeworfen wurde. Der Schlächtermeister und seine Frau flogen in den Graben hinein, ohne sich zum Glück nennenswerte Verletzungen zuzuziehen. Da das Automobil unbeschädigt blieb, fuhr Straeten weiter, aber so» gleich darauf stieß es mit einem zweiten Wagen zusammen. Dies- mal ging es für den Wagenführer und seine Begleiterin nicht so glimpflich ab. Das Automobil fuhr in voller Fahrt gegen den Wagen der Firma Magdalena Hofmann aus der Palisadenstr. 84. Der Schere des Wagens ging über die Karossie hinweg, zer» trümmerte die Schutzvorrichtung, traf Fräulein Strauch am Oberschenkel, zerfleischte ihn vollständig und b r a ch ihr außer- dem noch zweimal den Knochen. Sie blieb besinnungslos liegen, während Straeten vom Wagen geschleudert wurde und schwere innere und äußere Verletzungen davontrug. Herr und Frau Hof- mann, die das Unglück kommen sahen, hatten sich an ihrem Wagen festgehalten und erlitten keinerlei Verletzungen. Das Pferd des Kaufmanns wurde bei dem Zusammenstoß schrecklich zugerichtet, der Kopf wurde völlig zerfleischt und der Leib aufgerissen. Ein Gendarm, der gleich hinzukam, tötete das Tier durch einen Schuß in den Kopf. Der Beamte und die Fuhrwerksbesitzer alarmierten sofort die Feuerwehr und die Samariter des Roten Kreuzes. Die Insassen des Automobils, der alte Chauffeur und seine Freundin, die völlig unverletzt davongekommen waren, ergriffen die Flucht. Tie Samariter und die Feuerwehr nahmen sich der Schwerverletzten, die beide die Besinnung verloren hatten, an und brachten sie nach dem Krankenhause in Britz. Der �Chauffeur konnte später kurz vernommen werden. Er gab keine nähere Aus- kunft, bestritt nur entschieden, daß der alte Chauffeur im Wagen; gesessen habe._ Eine ganze Familie an Pilzvergiftung erkrankt. Zur Vorsicht beim Pilzesuchen mahnt wieder eine Massen- erkrankung, die aus der P r o v i n z st r a tz e gemeldet wird. Der dort wohnhafte Buchhalter Schulz hatte mit Frau und Kindern einen Ausflug»ach der nördlichen Umgebung Berlins unter» nommen, wobei auch tüchtig Pilze, hauptsächlich Pfefferlinge und Steinpilze, gesucht wurden. Daheim wurden die Pilze zubereitet und beim Abendessen verzehrt. Aber schon kurze Zeit darauf traten bei allen Personen Vergiftungserscheinungen auf. Ein hinzugerufener Arzt stellte Vergiftung fest, doch liegt eine Lebens-, gefahr bisher nicht vor._ Beim Baden ertrunken. Im Müggelsee badeten am Sonntag in der Nähe der Rettungsstation Müggelhort vier junge Schlächtergesellen, die alle des Schwimmens unkundig waren. Einer von ihnen wagte sich zu weit hinaus und ging plötzlich unter, ohne daß die anderen ihm Hilfe bringen konnten. Von der Rettungsstation kamen Helfer herbei, doch konnte der Untergegangene seinem nassen Grabe nicht mehr entrissen werden. Eist nach langen Bemühungen wurde nicht durch die Mannschaften der Rettungsstation, sondern durch einen Taucher aus dem Publikum die Leiche geborgen. Letzte Nacbrlebtcn. Serbiens Friedensbedingungen. Belgrad, 27. Juli. Wie die„Politika" meldet, wirö Serbien nach der Versicherung maßgebender Kreise bei den Friedensverhandlungen folgende Forderungen stellen� Ueberlassung aller von der serbischen Armee zum zweiten; Male eroberten Gebiete, Regulierung der alten serbisch» bulgarischen Grenze, da diese wiederholt zu Zwistigkeiten! Anlaß gegeben hat, Zahlung einer Kriegsentschädigung. In Nisch würden die militärischen Verhandlungen über eine Demarkationslinie und über eine Einstellung der Feind- seligkeiten geführt werden. Der Tag. an dem die Verhand« lungen beginnen sollten, sei indessen noch nicht bekannt. Neuer griechischer Sieg? Paris, 27. Juli.(Meldung der Preß-Zentrale.) Die grie- chischc Gesandtschaft gibt einen neuen Sieg der Griechen bei Si» m i t l i bekannt, das nur 25 Kilometer von der bulgarischen Grenze entfernt an der Struma liegt. Die Bulgaren befinden sich auf der Flucht und werden von griechischer Kavallerie verfolgt. Von ihren vier Haubitzen fielen drei sowie zahlreich«? Kriegs- Material in die Hände der Sieger. Der Engpaß von KreSna ist erstürmt worden. Die griechische Armee rückt in der Richtung von Djumaja vor._ Besetzung von Tanthi. Athen, 27. Juli. Amtlich wird gemeldet, daß die bulgarisch« Kavallerie in Stärke von 500 Mann Xan thi geräumt und daß auch die bulgarischen Behörden die Stadt verlassen haben. Die achte griechische Division besetzte die Stadt und setzte die von den Bulgaren gemachten Gefangenen, die diese in Ketten gelegt hatten, in Freiheit. Die Beerdigung der Opfer. Gelsenkirchen, 27. Juli. Von der Zechenverwaltung des Schachtes„Carolus Magnus" aus fand heute nachmittag das Leichenbegängnis der 13 Verunglückten statt. Unter den Anwesen- den waren auch Regierungspräsident Dr. von Sandt und Landrat Freiherr von Wrede-Meschede, welche Kränze an den Särgen niederlegten. Außerdem waren zahlreiche Bürgermeister aus der Umgegend und eine tausendköpfige Menge erschienen. Nach er- greifenden Trauerreden des evangelischen und des katholischen Pfarrers wurden die Särge auf 13 Leichenwagen den verschiedenen Beerdigungsorten zugeführt._ Ter Mord im Eiscnbnhnzug. Darmstadt, 27. Juli. Tie Staatsanwaltschaft erläßt in der An- gdegenheit des vorgestern im Zuge Frankfurt-Darmstadt ermordet aufgefundenen Kaufmanns Brechner ein Ausschreiben, in dem fest- gestellt wird, daß der Kaufmann durch einen Schutz in den Hinter- köpf aus einet kleinkalibrigen Repetierpistole getötet worden ist. Anscheinend ist der Mord auf der Strecke Sprendlingen-Darmstadt begangen worden. Tbeaten Montag, den 28. Jllli 1913. Anfang VI, Uhr. Prater. Das Bummelmädchen. Anlang 3 Ubr. Urania. Die Insel Rügen. Neues Opern(Kroll). Bajazzo. Oavalleria. rnstioana. Deutsches Schauspielhaus. Der Dieb. Schiller O. Martha. Berliner. Filmzauber. Thalia. Puppchen. Metropol. Die Kino-KSteegsn. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallcu. Dresdener Viktoria- Sänger. Anfang S'/t Ubr. Komödienhauö. Hochherrschastliche Wohnungen. Friedr.> Willi. Schauspielhaus. Das Farmcrmüdchcn. LustsPielhauS. Der luftige Kakadu. Rose. Tagebuch einer Verlorenen. Luisen. Geächtet. FolieS Kaprice. Ein Pechvogel. Die Krampssache. Ansang 3'/, Ubr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Theater am NoUcndorfPtah. Der Mann mit der grünen Maslc. Anfang 9 Ubr. Admiralspalast. Eisballet!: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte, Jnvalidensir. 57— 62. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zwelgvereln Berlin. Sektion der Olps- und Zemcntbrnnctae. Gipsbaubranche, Rabitzputzer, Spanner und Träger! Montag, den 28. J«li ISIS, abends 8 Uhr: ZllßttlirdtiitlilijkMtglicdtrotrsaiilmliiiis in Haverlands Festsälcn, Neue Friedrichstr. 3ö. 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Es hat dei� Anschein, als ob der �toiiitl vor Jrchrtaiisenden sich wirk- lich den Pfatz als Vortreffli.chster im X.ande e�ämpft hatte, und daß die Eiitwi�elung ihn dann überholte. �ederchalls galt er dein Volksbewußt. sein, illcht als der Erste in allem fs/Utcn, sondern eher als eine Art Gott, der keine Kritik vertrug und öurch Majestcilsbeleidigungsgesetze tie schützt werden mußte. Man maß ihn nicht mit menschlichem Maß, baute ihn auf in übernaturlickien Timensionen aus allem ausrangier- ten Flitterstaat der Menschen, zu etwas taugen durste er in keiner Weisel und er war der einzige im Staate, den man nichts Nützliches schaffen ließ. Wenn es ihm in den Fingern kribbelte, gab man ihm einen Hauren �lrden zum Spielen: und weiui er nicht hätte die Krone tragen müssen, so hätte er gar keinen Kopf zu haben brauchen. r � Mit seltsamer Ironie hatten die Menschen in der Gestalt des Königs alles das gesammelt, was sie im Leben am heftigsten bekämpften: den Müßiggang, das unfruchtbare Blendwerk und das Vorrecht der Ge- burt— und es zum Schibboleth des ganzen Volkes erhoben. Insofern er- innert der König an gewisse Götzen- bilder. die von noch älteren Bar- barenvölkern aus purem Golde er- richtet wurden, mit aller menschlichen Schwäche behaftet�— und die dann in erbittertem Schmähkultus ver- höhnt wurden. Der König aber wurde nicht verhöhnt— im Gegenteil. Das beste von allem wurde für seinen Tisch bestimmt. Schoß ein Mann einen besonders seiften Hasen oder wuchs in seinem Garten eine ungewöhnlich schmackhafte Frucht, so hieß. es: der König soll sie haben! In allen Kirchen des Landes wurde für ihn gebetet: und brachte eine Frau sieben� arbeitstüchtige Söhne zur Welt, so wurden sie sofort dem Gotte des leeren Zeremoniells geweiht. In- mitten der eifrig vorwärtsstrebenden Menschheit, die sich ihren Weg bahnte mit aufrechtem Rücken und harter Arbeitsfaust, stand der blendende Thron und mahnte die Leute, den Rücken zu krümmen und aufwärts Zu kriechen. Hoch über all dem ehrlichen Fleiß des Tages saß der König als ein strahlendes Symbol dessen, was da weder spinnt noch naht und doch wie Salomon in seiner Herrlichkeit ist. � Es fehlte ja nicht an Leuten, die das Verderbliche in diesem Mißverhältnis sahen: aber sie gingen um die Dinge herum.„Laßt ihn nur sitzen," sagten die Klugen im Lande, „bei ihm sind die ungesunden Phantasien der Leute in einer Hand gesammelt... das ist das billigste! Und er ist unsere einzige Ermnerung an die Knechtschaft früherer Zeiten. Je mehr er absticht, desto Kräftiger markiert er, wie weit wir selbst gelangt sind."— So hüllten sie sich in Worte ein: und die, die den Feuerwagen des Fortschritts fuhren, mußten große Kurven machen— um nur um den Thron herumzu- kommen.. Eine humanere Zeit hatte sich wohl aus Gold ein Bild geformt und es dort oben hingesetzt: aber die Menschen waren damals recht phantasielos und mußten sich an die Wirklich- keit anklammern. Selbst die� Puppen sollten die Augen be- wegen und sagen können:„Ta!"� Tort saß also der Konig aus seinem Thron. Sprechen durfte er nicht recht, um nicht zu viel Menschenverstand zu verraten: darum gähnte er im stillen und langweilte sich— denn er war doch auch ein Mensch. Hier und da war die Erziehung stärker als der Mensch.„Ware ich doch nur tot und begraben!" sagte er dann ganz kläglich.„Oder hätte ich zur Zeit meines Ururgroßvaters gelebt! Da durfte man sich wenigstens betrinken." � � �. v„Pst!" flüsterte der Zeremonienmeister.„Mawstat dürfen nicht denken. Majestät sind hellig! Manchmal war etwas Ungewöhnliches zu merken, dann König von seinem Gipfel herab.-.5,- --Was tun die da unten jetzt?" fragte er.„Was ist das für ein Lärm?" „Das Volk trainiert sich... es übt sich im Schritt für den großen Marsch" erwiderte der Zeromomenmeister. „Aber Majestät dürfen nich� den Hals vorstrecken.— Schön sitzen! � ,. �'mhm der König sich zusammen, legte die Hände auf die Thronlehne und ,aß schön Und die Jahre „(5mg einst ein mann im Syrcrland, führt ein Kamel am Ralfterband." So kündet uns die Versiegende, nach der das Trampeltier am Ende stlild wurde und ganz rabiat, So daß der mann vor Schrecken kroch rief in ein altes Brunnenlocb. Es gibt auch beut noch manch' Kamel mit kleinem Rim und matter Seel', Das zerr'n sich läßt am Ralfterbande lind zwar nicht nur im Syrerlande. Gin folcb' Kamel bist, ITlicbcl, du! Duläßtdiihvon dcnGreibem zwacken lind dich mit Lasten hoch bepacken. Kaum nahmst du auf die letzte Last, Zeigt man dir neue schon voll Rast. lind Panzcrkähn' und Artillerie Sollftdunocbfcbleppen.dummesVieb! ITIacb's doch wie's syrische Kamel! Gib denen, die dir machen beiß, 'nen derben Fußtritt in den Steiß! der er zeigie, und' sah, daß der Schatten des Thrones auf den Licht. weg fiel und sich grau über das ganze Land legte. Da lächelte er. „Ich bin also doch mit dabei—- aus meine Art!" sagte er.„Sieh. wie da unten alles seinen Glanz ver- liert!" „Das ist die unüberwindliche Stärke des Throns." entgegnete der Zeremonienmeister.——„Schön sitzen. Majestät!" Und der König saß schön.. Aber eines Tages regte sich wre. der etwas Menschliches in ihm: „Was tut mein Volk?" fragte er niedergeschlagen.„Denkt es an mich?" „Das Volk denkt nicht, Majestät. Das Volk arbeitet. Hört!" Der König lauschte und vernahm das endlose Geräusch von Fußtritten und schnurrenden Rädern und fleißi- gen Händen. Und es klang vor seinen Ohren, als sei selbst der kleinste Laut auf der Wanderung von ihm fort. „Ist denn von mir gar nichts in all dem Lärm?" fragte er.„Dreht sich nicht ein einziges kleines Rad für mich?" Der Zeremonienmeister schut- telte der. topf. „Ich bin überhaupt nicht mit dabei? Gibt es da unten denn nicht wenigstens einen, der mich verflucht?" Krankhaft hing der König an den Lippen des anderen. „Das Volk wagt nicht zu ver. fluchen," war die Antwort.„Die Majestät ist heilig.— Schön sitzen!" Aber der König gähnte so. daß der letzte Rest von Seele aus seinem Munde entfloh und in den Raum hinauseilte— um den großen Troß der Menschheit einzuholen. Er selbst blieb sitzen. Und da saß er viele, viele Jahre, taub und blind für all das Leben, das ver- rann: der einzige Laut, den er auf- zufangen vermochte, war der Lob- gesang der drei höchsten Rangklassen. Nichts hinderte ihn, noch länger schön zu sitzen, und wenn es bis zum � jüngsten Tage hätte sein sollen. Er ersaß sich den göttlichen Glorien- schein, der dem Tode und der ab- soluten Dummheit eigen ist: er er- saß sich das große Nätselhaste. In all seiner Gottverlassenheit ragte er imponierend im Hintergrunde auf ... der Gott des leeren Zere- moniells! Und da hätte er wohl heute noch gesessen, wenn der Nachtrab der Menschheit nicht mitten im vorigen Jahrhundert gegen den Thron ge- schlagen hätte, so daß er zusammen- stürzte. Jetzt fällt es uns ia schwer, uns vorzustellen, daß dieser König über- Haupt einmal existiert und verehrt worden ist: das Ganze erscheint uns als Fabel._ „Was ~ verginge». Gmcs Dagcs erwachte der König und lauschte. Ich höre einen wunderlichen Gesang." sagte er. sind da- iur Klange m der Luft?"• �-Das ist das Licht, das durch die Menschen tönt," er- widerte der..ercmonicnmcistcr.„Einer von denen da unten hat eine Methode erfunden, Kranke mit Hilfe de« Sonnen- lichts zu heilen. „Ah— durch die Sonne der Gnade!" rief der König lebhaft. „Nein, durch die profane Sonne, Majestät." „Und der Glanz des Thrones?" fragte der König ängstlich. „Der scheint den Leuten immer noch grell in die Augen, Majestät! Alle, die auf der Lichtseite leben, sonnen sich nach wie vor darin." „Sind das Viele?" Ter Zeremoniennleister sah barsch aus;„Schön, Ma- jcstät... schön sitzen!" Und der Könjg saß schön, und die Kunde davon ver- breitete sich über die ganze Erde. Die Menschen kamen von Osten und von Westen und aus dem Lande hinler den drei Flüssen, um es zu sehen. Aber der König wußte recht gut, wie großartig er sitzen konnte: und zuweilen wußte er es so gut, daß es beinahe sein Tod wurde. Eines Tages hielt er Ausschau in die Ferne und sah unzählige Menschen an der Arbeit. Sie waren im Begriff, eine breite, helle Allee anzulegen— die gerade auf ihn zuführte. „Was ist das?" fragte er ängstlich. „Ter Pöbel hat selber ans Dasein Hand angelegt," ant- wartete der Zeremonienmeister mit einem Achselzucken.„Er ist im Begriff, einen sogenannten Lichtiveg durch die Welt zu legen. Auf diesem Wege soll selbst der in Armut Ge- borene bis zum Gipfel des Thrones wandern dürfen, wenn er nur die rechten Fähigkeiten hat." „Ruf die Cimbern und Teutonen!" rief der König er- schrocken. „Existieren nicht. Majestät!" „Tann die Sachsen, Slawen, Wenden! Wir müssen den Frechen Einhalt gebieten." .„Existieren auch nicht. Majestät!" „Tann laß mein Volk kommen, in tiefer Untertanenliebc!" Ter Zerciiionienmeister zuckte mit den Achseln. „So umgürte mich denn mit Gottes Gnade, potzblitz!.. damit ich selber die Vermessenen verjagen kann!" Ter Zeremonienmeistcr lächelte:„Majestät belieben zu scherzen." Ter König starrte ihn an, und ein Kälteschauder lief seinen Rücken hinab:„Ist das denn alles Lüge?" „Ter Schatten ist wahr!" erwiderte der Zeremonien- Meister und wies hinab. Der König folgte der Richtung, nach Oie Scbilä�acde. Ihrer zwei stehen sie da vorm Ministerium, kerzengerade, steif, wie ein paar Stöcke, das Gewehr auf der Schulter, Fuß bei Fuß. und das Gesicht kerzengerade vorwärts gerichtet, stumm und unbeweglich; krampfhaft erzwungene Starrheit in den Mienen, die kein noch s» leises Lächeln, keine menschliche Seelenregung verraten dürfen! Kranipfhaft steif gehalten Arm und Hand, die das schwere Gewicht des Kolbens zu tragen haben! So stehen sie bei Sturm und Wetter, in Sonnenbrand und Regen, unausgesetzt, unbeschäftigt— stundenlang— lebende Holzpuppen! Nur ab und zu in ungleichen Zwischenräumen bewegen sich diese Mensch-Ma- schinen. Aber es ist stets dieselbe plötzliche Bewegung, die sie gleichzeitig, automatisch wie ein Spielzeug, ohne einen Ton zu wechseln, ohne eine Miene zu verziehen, ausüben, wie gezogen von unsichtbaren Drähten. Präsentiert das Gewehr! Eins! Zwei! Ein Ruck! Die zweite Hand faßt den Kolben an. Ein neuer Ruck! Und in kerzengerader Richtung— mathematisch genau— strecken die beiden Figuren ihre Last vor sich in die Luft, ein paar Sekunden lang. Drei, vier! Nochmals ein Ruck, und wieder einer. Und von neuem stehen sie leblos da! Vor ihren Augen, ihren Ohren, ihren Füßen spielt sich das Leben und Treiben der Großstadt ab; unaufhörlich gehen vor ihnen die Menschen auf und nieder, lachen, plaudern, hasten ihrer Arbeits- stätte zu, gehen und fahren ihrem Vergnügen nach. Unaufbörlich kommen und gehen Fahrzeuge aller Art nach rechts und nach links, den Lärm und Wirrwarr vermehreno. Unaufhörlich wechselt oas bunte Bild. Szenen aller Art spielen sich da ab, heitere und trübe. Alles hören und sehen sie. die beiden. Und sie stehen un- beweglich; kein fachen befreit ihre Lust, kein Zucken verrät ihren Schreck. Mögen vor ihren Augen Pferde stürzen, Wagen zu- sammenstoßen, Menschen unter die Räder kommen, sie stehen und rühren sich nicht— bis die Ablösung kommt. Und doch fühlen und denken sie nicht anders wie wir? Haben Nerven wie wir, empfinden die Witterungseinflüsse wie wir! Ist ihr Tun nicht fast ein übermenschliches? Und doch: was keiner je täte ohne größte Not, sie tun es, weil sie m ü s s e n. Was haben sie verbrochen, die Armen, daß man sie also schwer bestraft?— Nichts! Es soll durchaus keine Strafe sein; sie sind lediglich— Soldaten!— Und. waS ist ihre erhabene Aufgabe? Welche hehre Pflicht erheischt es, daß Maschinen werden a�s Menschen?— Ihre Aufgabe? Ihr Amt? Nichts von Bedeutung! Sie bewachen das Haus, vor dem sie stehen!— Und sein Bewohner, der Herr Minister?— Befindet sich zurzeit auf Reise«. Der hohe Köfener 8. C Die drei an der Universität Freiburg bestehenden, dem Kästner <3. C.(Seniorenkonvent) angegliederten Korps sind von dem akademischen Senat für zwei Semester aufgehoben worden. Warum? Irgendeine studentische Bagatelle, die die Oeffent- lichkeit wenig oder gar nicht interessiert. O nein! Eine Sache, die die Oeffentlichkeit brennend interessiert, da sie ein scharfes Schlaglicht auf die Gesinnung in gewissen feudalen Studentenkreisen wirft, und diese Studentenkreise für unser ganzes politisches Leben von nicht zu unterschätzender Be- deutung sind. Was man sich aus den etwas dürftigen Berichten der Freiburger Universitätsbehörde zusammenreimen kann, ist folgendes: ein Privatdozent, der dem Lehrkörper der Universität angehört, hatte es wegen irgend eines �Vergehens" mit den drei Korps verschüttet. Vielleicht hatte er einen Senior eines Korps nicht tief genug gegrüßt, vielleicht hatte er sich über den Mensurunfug despektierlich geäußert, vielleicht sonst etwas. Kurz und gut: die drei Korps beschlossen, den Privatdozenten abzuurteilen und zu diesem Ende vor ihre Gerichtsbarkeit zu laden! Der Inkriminierte erhielt ein Schreiben, unterzeichnet„Der S. C. zu Freiburg, das z. Z. präsidierende Korps Suevia", in dem er energisch aufgefordert wurde, dann und dann vor einem aus Korpsstudenten bestehenden Gericht zu erscheinen— wenn nicht, so werde das als ein Eingeständnis seines Vergehens betrachtet und der Verruf über ihn verhängt werden. Verruf— das ist die Form der akademischen Ehrlosmachung. Wer von einer studentischen Korporation in den Verruf gesteckt wird, der ist für alle Kreise, denen die mittelalterlichen Ehrbegriffe dieser Korpo- ration maßgebend sind, bürgerlich tot, er hat die Satisfaktions- fähigkeit verloren und kein Couleurhund nimmt mehr ein Stück Brot von ihn: an. So greift denn eine Verrufserklärung sogar in das nicht akademische Leben über. Es sind Fälle bekannt, in denen ein Reserve- offiziersaspirant von de» Militärbehörden deshalb nicht zur Wahl gestellt wurde, weil er mit dem Verruf irgend eines buntbemützten studentischen Rauf- und Saufklubs bemakelt war. Diese Verrufsandrohung des Freiburger Korps nicht gegen einen anderen Studenten, sondern gegen ein Mitglied der Universitätslehrerschaft, ging nun den akademischen" Be- Hörden doch wider den Strich, und sie verhängten über die Schuldigen die oben genannte, lächerlich milde Strafe. Eine lächerlich milde Strafe, wenn man in Rücksicht zieht, daß die aufgehobenen Korps sofort unter anderem Namen ihren Betrieb wieder� aufnehmen und viel- leicht heute schon, der akademischen Justiz spottend, in andern Farben stolz durch Freiburgs Gassen wandeln; eine zehnfach lächerliche Strafe, wenn man sich vor Augen hält, was wohl Arbeitern im gleichen Falle widerfahren wäre. Arbeiter, die etwa einen Werkmeister oder gar einen Unter- nehmer vor ihr Femgericht laden und ihm androhen, daß er im Falle des Nichterscheinens als ehrlos betrachtet würde— wie spektakelte da die reaktionäre Presse über unerhörten Terrorismus, wie ginge ein Schrei nach Ausnahmegesetzen durch alle Scharfmacherkreise, wie schritten mit gesträubtem Schnurrbart Schutzmann und Staatsanwalt ein! Aber Korps- studenten? Ja, Bauer, das ist etwas anderes I Korpsstudenten dürfen die Ordnung der Dinge auf den Kopf stellen und es sich herausnehmen, wie es der groteske, 1871 als Kommunard erschossene Revolutionszigeuner Raoul Rigault sich einst erträumte, als Schüler über die Lehrer zu Gericht sitzen zu wollen. Aber an dieser für den gesunden Menschenverstand schier unfaßbaren Anmaßung und Ueberhebung ist schlechterdings nichts Ueberraschendes, wenn man den Geist kennt, in dem die Korps leben und weben, und wenn nian ihre Bedeutung als Pflanzschule der Reaktion richtig erkennt. In dem„hohen" Kästner S. C. sind alle Korps auf deutschen Hochschulen zusammengefaßt, die nur einen winzigen Bruchteil der Studentenschaft ausniachen, sich aber mit exklusivenl Dünkel als die Blüte der akademischen Jugend betrachten und mit Das Protokoll. Ter weite, weiße Fernsprechsaal zeigte gähnende Leere. Nur die wenigen, die der Frühdienst aus den Federn gejagt, pendelten zwischen den Schränken her und hin. Das graue Oberlicht des Glasdachs gab einen verdrossenen Schein auf die— trotz der Eile des Frühaufstehens— wohlfrisierten Mädchenköpfe, die der schwarze Bügel des Hörers umspannte. Der Aufsichtsbcamte schaltete die Lampen aus. Zischend er- loschen die weißen Kugeln. Lene Krell sah zu dem rotglimmenden Kohlenstückchen inmitten des GlaseS auf. So ganz lautlos, in langsam ersterbender Glut würde auch sie ihr Leben enden! „Bei Ihnen glüht's, Krellchen." rief die stöpselprüfende Nach- barin vom Nebenschrank. Erschreckt lief Lene zur„brennenden" Stelle. Ihre„Männer" waren an sehr pünktliche Bedienung gewöhnt. Hatte man doch Lene Krell, der Musterbeamtin, die höchsten und allerhöchsten Anschlüsse anvertraut. ES war Lenes Stolz, daß sie nie ein„Protokoll" gehabt. Nie hatte ein Teilnehmer oder ein Vorgesetzter-Grund gefunden, sich über sie zu beschweren. Ein seltener Fall in den Annalen des Fernsprechamtes. Die Blonde am Nebentisch stöpselte gemütlich ein paar schab- hafte Schnüre um und näherte sich der Kleinen mit den glatten, braunen Scheiteln. „Na, Krellchen, nun haben Sie's ja geschafft. Morgen— An- stellungl" Leises Seufzen war im Ton der heiter sein sollenden Worte. „Unberufen!" machte die Krell mit ernstem Gesicht.„Manch- mal geht das mit dem Kuckuck zu." „Na, wenn Sie die ganzen neun Jahre„ohne" runtergerutscht sind, wird's ja auch heut' nichts geben." Die Andere setzte wieder ihre feierliche Miene auf, die auf die Lachmuskeln der Blonden'erschütternd wirkte. „Ich weiß nicht, was da zu lachen ist," sagte Lene gekränkt. „Ich habe meine kranke Schwester zu ernähren. Es wäre sehr schlimm, wenn man mich nicht anstellte." „Aber, Krcllchen, S i c brauchen doch keine Angst zu haben. Denken Sie mal, wie ich mit meinen vielen Protokollen in der Tinte sitze. Mich stellen sie noch nach zwölf Jahren nicht an. So'n Pech, wie ich--" Sie rannte an ihren Schrank, er glühte bedrohlich.„Hier Amt—"„Die Aufsicht—" tönte es ihr grollend entgegen. „Da haben wir's:— Ich sage ja, so'n Pech, wie ich immer Habel'' souveräner Verachtung auf die Burschenschaften, Landsmann- schaften und Turnerschaften herabblicken, ganz zu schweigen von dem Gehudel der nichtkorporierten Studenten, der„Wilden". Wer sich irgend durch Herkunft und väterlichen Geldbeutel dazu berufen fühlt,„springt" in ein S. C.-Korps„ein", denn hier genießt er Vorrechte, wie sie sonst längst im bürgerlichen Rechtsstaat abgestorben sind. Ein Korpsstudent darf alles, ein Korpsstudent kann alles, einem Korpsstudenten steht alles. Und wenn sie Polizisten mit Knüppeln halb zu- schänden schlagen und wenn sie ganze Eisenbahnzüge demolieren, bei den Herren vom„hohen" S. C. wird das alles mit geringen Geldstrafen abgemacht. Denn, was die Hauptsache ist, sie haben die vorschriftsmäßige Gesinnung, und wegen dieser Gesinnung stellen die Korps den Nachwuchs der Mandarinenkaste dar, die uns regiert. In seinem bekannten Buche über„Die Reaktion in der inneren Verwaltung Preußens" schildert der frühere Bürger- meister S ch ü ck i n g recht anschaulich die Vorstellungen, die schon dem Korpsfuchs in Fleisch und Blut übergehen, nämlich, „daß ein anständiger Mensch konservativ ist, daß der Sozial- denrokrat eine neue Verbrecherspezies sei, daß der Freisinn eine Art rhetorische Belustigung des Kleinbürgers darstelle, vor allem aber, daß ein gebildeter Mensch die heilige Verpflich- tung habe, streng monarchisch zu denken und den monarchischen, konservativen Gedanken überall auch gegen sogenannte liberale Ideale zu stützen". Auch den Bildungsgang dieser Korps- burschen schildert Schücking mit Sachverständnis: Sie sind st olz darauf, selten Kollegs gehört zu haben, die altenKorpsstudenten undReserve- offiziere, die uns regieren. Sie hatten alle Staats- recht und BerwaltungSrecht belegt, aber sie ließen vielfach in der Wohnung des Dozenten an« und abtestieren. Für so liberale Sachen, wie eine Verfassungsurkunde, hatten sie nie Interesse. Wie die Verfassung zustande kam in Preußen, das zu wissen, hat kein Interesse. Viel wichtiger ist es, auswendig gelernt zu haben, welche Korps im„blauen Kreis" sind. Dabei hört man doch etwas von Gentlemans! So halten sich unsere Ka- meralstudenten ängstlich frei von allem staatS- und v er w a It u n g S r e ch t li ch en Wissen bis zum Referendarexamen. Für dieses schafft man sich die bei Rcclam erschienene Verfassungsurkunde an und sieht mal hinein. Man sieht aber sofort, daß diese Gesetze doch nicht durchgeführt sind. Freiheit d e r W i s s e n s ch a ft, des religiösen Be- kenntnisseS, Versammlungsfreiheit.„Blöd- sinn," sagt sich der adlige Student, der Regierungsreferendar werden will,„inderPraxisgibteS das doch nicht." So wächst in den Korps das grüne Holz heran, aus dem dann die Landräte, die Regierungspräsidenten, die Minister geschnitzt werden, und sie alle haben von der Zeit her, da der „hohe" Kösener S. C. ihre politische Erziehung besorgte, die „tadellose Gesinnung", das will sagen: asiatische Despoten- anschauung, daß die Welt nur ihretwegen, nur der herrschenden Sippe wegen da sei und daß sich das Volk der Untertanen wie von altersher unter die Peitsche zu ducken habe. Im Grunde genommen ist das eine anarchistische, gesetzes- verächterische Anschauung, und in der Tat sind diese alten Korpsstudenten in der Verwaltung nur zu leicht geneigt, wie sie in ihrer Sünden Maienblüte Laternen« und Fenster- scheiden ungestraft zerschlagen haben. Recht und Gesetz in Scherben zu schlagen und, wie sie— stehe Freiburg!— Universitätslehrer mit dem Verruf belegt haben, ganze große Volksklassen wie das Proletariat als ehr- und rechtlose Herde zu behandeln. Und da ein Korpsstudent auf hohem Verwaltungsposten stets die Leiter herabreicht, auf der seine Korpsbrüder nach- klimmen können, so wird dieser reaktionäre Unfug nicht eher aufhören, als bis die Macht der ganzen herrschenden Sippe gebrochen ist. Daß das eines Tages gründlich geschehen sein wird, dafür bürgt die unermüdliche Kampfesarbeit der Sozial- demokratie I Während die Blonde„mit dem Pech" ihren Krakeeler auf den Aufsichtsapparat legte, prüfte Lene Krell sorgfältig ihre Schnüre. Nur heute nicht entgleisen! Die feste Anstellung mit der damit verbundenen Pensionsberechtigung war der Leitstern gewesen, der sie die immerhin schwere Dienstzeit willig ertragen ließ. Ein einziges Protokoll vor Toresschluß konnte die Sache um- werfen. Dann wurde die Anstellung— nach Ermessen der Bor- gesetzten— vielleicht um Jahre hinausgeschoben. Lene Krell fühlte, daß sie das nicht ertragen würde. Abge- sehen von der Schande-- das größere Gehalt und der längere Urlaub, den �ie nehmen wollte, taten ihr dringend not. „Also unterschreiben Sie mal daSI" sagte der Aufsichtsbeamte zu Lenes blonder Nachbarin. In der Krell regte sich leicht pharisäischer Hochmut.«Gott sei Dank, daß ich nicht so bin, wie die." „Und ich habe doch keine Schuld," trumpfte die kunstvoll Fri- sierte auf, als der Beamte mit dem ominösen, gelben Bogen ver- schwunden war.„Unsereins wird bloß nich jeglaubt. Vier Mi- nuten will er jewartet haben, der olle Beschwerdeführer." Sie verstummte. Der Korridor tat seine Schleusen auf und herein strömte die Achtuhrgarde. Lauter ausgeschlasene, meist blühfrische Gesichter, die nun lächelnd und behaglich, als ginge es zum Tanz, zwischen den Frühdienstlern Platz nahmen. Geduldig„schirrten" sie sich ein, legten sich an die Kette, fügten die Elektrizität ihrer jungen Leiber in den großen Strom ein, der — von Hebeln und Schrauben bewacht— wie ein starker, gebändig. ter Zaubrer von Ohr zu Ohr seine Pflicht tat. Die blauen Uniformblusen in Reih und Glied verschmolzen scheinbar zu einem Ricsenkörper, der seine vielen Arme in unbe- greiflich närrischer Weise auf dem schwarzen Klinkensystem herum- flitzen, Löcher zustöpseln, Schnüre wie ein Spinncnnetz übereinander breiten und im Nu das gleichsam spielend Begonnene wieder zer- stören ließ. Das monotone„Hier Amt—" aus vielen Mädchenkehlen ver- einigte sich zu einem ohrenbetäubenden Surren.— Die Schlacht begann. Unaufhörlich rasselten die Schnüre, leuchteten und er- loschen die Flämmchen unter den winzigen Glashülsen. Lene Krells Schrank funktionierte heute besonders lebhaft. Die rot und blau gekennzeichneten Dienststellen hatten heute ihren Tag — irgendeine vorzubereitende historische Feier. Mit Feuereifer arbeitete Lene. Sie artikulierte scharf beim Sprechen, war völlig Korrektheit, mit ruhiger Eleganz bewegten sich die schlanken, kleinen Finger. Der Direktor, auf seiner Morgcnvistte, blieb eine Weile hinter ihr stehen. Er fand keinen Anlaß, irgendwie tadelnd einzugreifen. Ein Heiner Waffenstillstand. Die größte Hitze deS Gefechts schien vorüber. Lene ließ sich erschöpft in den Stuhl zurückfallen. Da glühte es neben einer dick unterstrichenen Nummer. Wie von Hüe bürgerlichen 6ben nichtig! Nach katholischem Rechte find die Ehen unlösbar. Ehen können � unter keinen Umständen getrennt, eine zweite Ehe niemals ein» ! gegangen werden. Gleichwohl ist nichts leichter, als eine katholische Ehe lirchlich zu beseitigen, auch wenn sie katholisch-kirchlich eingesegnet war. Man braucht nur ein paar Verfehlungen zu be» gehen, die den anderen Teil nach bürgerlichem Rechte zur Ehe- scheidungsklage ermächtigen und die Scheidung auch herbeifübren, und der Schuldige ist aller Lasten und Verpflichtungen frei, er kann auch wieder heiraten; denn er ist— niemals verheiratet gewesenl Da? System eines Irrsinnigen, meint ihr— nein! Vielmehr die klerikal gültige Entscheidung der päpstlichen Rota, des höchsten Weltreichsgerichts der katholischen Christenheit. Im Jahre 1894 heiratete Graf Boni de Castellane eine ameri« kanische Milliardärin, Miß Anna Gould. Die Braut trat vor der Eheschließung zur katholischen Kirche über. Die Ehe dauerte elf Jahre und erzielte drei Söhne. Da aber der Graf die Gattin betrog, ließ sie sich scheiden. Der Gatte wurde für den schuldigen Teil er« klärt, die Frau heiratete bald einen andern. Nach katholischem Recht bestand natürlich die bürgerlich geschiedene Ehe fort. Der Graf durste in alle Ewigkeit nicht darauf rechnen, unter katholisch-kirchlichem Segen eine andere zu freien. Nun begab es sich aber, daß er eine zweite amerikanische Millionärin mit seiner Hand und Huld beglücken wollte. Keine Macht der Welt, so schien eS. würde die Kirche veranlasien können, in diese zweite Ehe zu willigen. DnS päpstliche Gericht aber überwand alle Schwierigkeiten spielend. Es erllärte die Ehe für nichtig aus— Verschulden der betrogenen Frau. Kein Scharfsinn würde ausreichen, um den Gehirnweg zu ermitteln, auf dem dies Wunder geistlicher Rechts« gelehrtheit zustande kam. Und doch ging alles ganz einfach zu. Die katholische Ehe, so führte die Rota eben in einem Urteil aus, das alle Leipziger Reichsrichter vor Neid bersten lassen wird, beruht auf dem Vorsatz der Unlöslichkeit der Ehe. Nun bat Miß Gould, vor und nach der Eheschließung, nachweislich wiederholt ge- äußert, sie würde sich scheiden lassen, wenn der Gatte ihr untreu würde. Also hatte Miß Gould nicht bloß nicht den Willen, eine un« lösliche Verbindung mit dem Grafen einzugehen, sondern sogar das Gegenteil erklärt. Da aber wesentliche Eigenschaften der Ehe nach kirchlicher Lehre die Unauflöslichkeit und die Einpaarigkeit sind und dort, wo eins dieser Momente ausdrücklich ausgeschlossen wird, eine Ehe im wahren Sinne des Wortes nach kirchlichem Recht nicht zustande kommen kann, mußte das oberstgerichtliche Urteil zu der Entscheidung kommen, daß die Ehe des Grafen mit Anna Gould von Anfang an keine Ehe war.... Der Graf kann also seine Millionärin heiraten, da glücklicher« weise seine Eheftau den gottlosen Vorsatz in die Ehe mitgebracht hatte, sich nicht betrügen zu lassen. Durch diesen Vorsatz der un» bedingten Einpaarigkeit wurde die Ehe— nichtig! Hokuspokus— Lourdes ist nichts dagegen. Da nun alle bürgerlichen Ehen auf dem ausgesprochenen oder stillschweigenden Vorsatz beruhen, daß sie im Falle der Verletzung des bürgerlichen Rechts zu trennen seien, sind somit alle bürger» lichen Ehen nichtig, und bei Bedarf wird auch die Nichtigkeit im Handumdrehen ausgesprochen man sage nicht die allein seligmachende Kirche sei unduldsam—> vorausgesetzt, daß man die— Gerichts» kosten zahlen oder wenigstens versprechen kann, wie vermutlich Graf Castellane._ Die'Capferften der Tapferen» In unserm in G e f f l e(Mittelfchweden) erscheinenden Partei- blatte wurde kürzlich angezeigt, daß die im 37. Lebensjahre stehende Arbeitersgattin Augusta Eriksson in Skutskär der Lun» gentuberkulose erlegen sei. Am nächsten Tage lenkte der Redakteur dieses Blattes die Aufmerksamkeit auf diese unscheinbare Anzeige. Sie schließt ein alltägliches Proletarierschicksal ab, das aber einen heldenmütigen Kampf bedeutet, der von einer der unzähligen Tapfersten der Tapferen, die unbekannt und ungeehrt ins Grab sinken, geführt wurde. Augusta Eriksson war die Frau eines Arbeiters in den Skutskärer Zellulosefabriken. Trotz des kärglichen Verdienstes und der Tarantel gestochen, ritz Lene den Hebel auf. Diese geheiligte Nummer! Sollte sie die Aufficht rufen? Aber warten lassen-- das ging nicht. „Hier Amt—?"„Hier ist Ihre Hoheit, die Herzogin von Germinhagen selb st ," tönte eine vor Zorn sich überschlagende Stimme zurück.„Ich habe soeben mit Kneckerode gesprochen, und bin mitten im Gespräch getrennt worden. Wie kommt das?" „Ich verbinde mit dem Fernamt," sagte Lene, sich gegen ihr Zittern mit der ganzen Würde ihres guten Gewiffens wappnend. „Ich werde rufen—." Sie schloß den Hebel, nahm den Kontroll-Stöpsel und suchte eine freie Leitung nach dem Fern-Meldeamt. Droben im Saal leuchtete es bei der dicken Kläre auf, die öfters mit„Krellchcn" «inen kleinen Speech per Leitung abhielt.„Krcllchen, find Sie's?" „Krellchen" hörte die Frage nicht. Es regnete gerade wieder Flämmchen an ihrem Platze. Stumm und fix bugsierte sie de» herzoglichen Stöpsel in das MeldeamtSIoch. So kam es, daß die zornige Hoheit die Frage der dicken Klär« auffing. „Nein," erwiderte sie, noch aufgebrachter, als vorhin.„Hier ist Ihre Hoheit, die Herzogin von Germinhagen, selbst. Ich habe mit Kneckerode gesprochen, und bin mitten im Gesprach getrennt worden. Wie kommt doS?" „'Neu Augenblick." jagte die dicke Kläre phlegmatisch. Sie besaß im hohen Grade die Fähigkeit, sich von nicht« imponieren zu lassen. Sie stöpselte gemächlich die mit der Hoheit belastete Quassel. strippe um und hielt Ausschau nach der Aufsicht. Fräulein Herli, die Aufsichtsdame, genehmigt« gerade hinter den Kulissen einen heißen Schluck Kaffee, und war also im Mo- ment unsichtbar. Kläre kannte die Gewohnheiten ihrer— im übrigen sehr netten— Vorgesetzten. Mit der ihr eigenen, durch nichts zu erschütternden Grazie setzte sie ihre zwei Zentner Le- bendgowickt in Bewegi'.ng, Fräulein Herli zu suchen. Die hoheitlich umgestöpselte strippe blieb trauernd neben noch anderen Gestöpselten zurück. � „Diese Kläre ist stets aus der Wanderichaft." schimpfte die sich selbst überlassene Kameradin der dicken.„Immer muß man ihre Männer mitbesorgen." Wütend strich si«»ber die von einem kräftigen, schwarzen Flaum bedeckte Oberlippe. Dan»»Jr ein: Di« Umgestöpselten hatten gewiß alle ein Gespräch angemeldet und warteten nun noch„bloß so—!" Die Beschnurrbnrtctc� oFsnctc einen Hebel nach dem andern, kontrollierte, brachte die schnüre in die normale Loge zurück. Bei dem hoheitlichen«töpsel hatte die Schwarze Kontrollgeräusch. Da wartete also einer. � „Hängen Se an, Sie werden angerufen!" rief sie mit ihrer tiefen Baßstimme in das Mikrophon. Die Herzogin vernahm die? Donnerwort. Erschreckt hängt« sie den im Weitsprung von Grete Kusig, Köpenicks 3,90 Meter go sprungen. Die 10 Pfund-Kugel stieß Frida Look, Adlershof, 6,50 Meter weit. Im 50 Meter-Lauf legte Frida Klimaschewsky, New iölln I, die Strecke in 8!>fc Sekunden zurück. Im Stafettenlauf der Turner über 500 Meter in der Gasse siegte V. f. B., Friedrichshagen. Zeit: 66M> Sekunden. Die 300 Meter-Stafette für Turnerinnen gewann Köpenick mit id'U Sekunden. Bei den H o ch s p r i n g m u st er r i e g en siegte die Riege des Köpenicker Vereins mit einer Durchschnittsleistung von 1,70 Meter bei 6 Turnern. Neukölln erzielte einen Durchschnitt von 1,64 Meter. Faustball, Turner: Oberschöneweide— Adlershof 75: 72, Neukölln— Köpenick 74: 70, Rummelsburg— Neukölln 64; 56, Köpenick— Fürstenwalde 63:44, Nioderschöneweide— Treptow 52:44, Friedrichshagen— Niederschöireweide 51; 43. Ff au st 6a II, Turnerinnen: Neukölln— Rummelsburg 43:25. Tambourin: Köpenick— Adlershof 138— 91. Im Raffballspiel siegte Adlershof mit 4 gegen Köpenick mit 3. Am Sonntag fanden auf dem Turnplatz in Reinickendorf zwischen der 7. und 12. Männerabteilung deS Turnvereins.Fichte" folgende Wettspiele statt: Faustbäll: 1. Mannschaft, 7. Abt. gegen 12. Abt. 122:110 2.„ 7... 12.» 92: 82 Barlauf: 7. Abteilung 41, 12. Abteilung 29. Vom Jugcudturnen. Tie Berichte sür die vor kurzem swttgesundene KreiSjugcndiunijahrt der Arbeiter turnoereine der Mark Brandenburg liegen nun vor. Die Kesamtbeteiligung betrug die ansehnliche Zahl von 1656 Jugendturnern gegenüber 1540 im vorigen Jahre. Arn leicht- alhletischc» Wetttamps in Kugelstoßen, Weitsprung und 100 Meter-Laus nahmen 1-198 Jugendliche teil. Erster wurde in der Oberstufe(16�13 Jahre) Paul Hammerling, Arbeiterturnverein Schöneberg, mit 55 Punkten: zweiter Ochmann. Bernau mit 53'/. Punkten: dritter Thiede-Köpenick mit 5t'/, Punkten. In der Unterstufe(14—16 Jahre) wurde erster Zieumann- Forst mit 57 Punkten, zweiter Zensc-Bcrlin(14. Abt.) mit 54'/, Punkten und dritter Pfarr.Schöncbcrg mit 54 Punkten. Die beste 1000 Mcter-Stasctte lies„Fichte'-Lcrlin(4. Abt.) in 140 Sekunden, die beste 500 Meter-Stasette Luckenwalde in 63'/, Sekunden. Bei den Faustballspielen erzielten das beste Resultat die Mannschasten WilmcrSdors-Luckcnwaldc mit 101: 108 Punkten. Außerdem sanden»och Wettspiele statt in Barlaus, Fußball und Rassball. Nadfahren. Rabrennen im Sportpark Treptow. Sonntag. 2 7. Juli. „Die Hundert" betitelte sich das Hauptrennen des Tages, in- dem 100 Kilometer, die in zwei Läufen von 25 und 75 Kilometer zu fahren waren, von dem Franzosen Miguel und den drei Ber- linern Demke.Janke und S t e l l b r i n k bestritten wurden.— Stcllbrink ging als Halbinvalide ins Rennen, da er neulich in Zürich schwer gestürzt und noch nicht voll auf dem Posten war.— Ter Franzose Miguel belegte in beiden Läufen den ersten Platz und blieb überlegener Sieger vor den Deutschen, die weit zurück endeten.— Einige Fliegerrennen vervollständigten das Programm. Fichball. Berliner Fußballklub„Liberias", erste Jungmannschast, gegen Reinickendorfer Ballsp'.elklub, erste Jungmannschaft. Resultat 3: 1. Reinickendorfer Ballspielklub spielte vor Halbzeit nur mit 12 Mann.__ Bus aller(üelt. Ein �roschmäusekrieg wird seit einigen Monaten auf dem Breslauer Hauptbahnhof zwischen mehreren Missionsgesellschastcn ausgekämpft. Neben den Patentierten kirchentreuen evangelischen und katholischen Missionen hat sich dort, seit ein paar Jahren eine ebenfalls frömmelnde, aber doch unabhängige Nachtmission ausgetan. Seitdem fahren die taatskirchenmissionen auf die neue Konkurrenz los wie der Teufel Arbeiter-Schwimmvereine in Berlin. In Beilin gibt es eine Anzahl Arbeiterschwimmvereine, die sich die Pflege des Schwimmsports zur Aufgabe gemacht haben. Ter Schwimmsport bereinigt in' sich Reinigung, Abhärtung und Muskel- Übung. Es sind seit längerer Zeit Bestrebungen im Gange, die Arbeiter-Schwimmvercine in Berlin unter einen Hut zu bringen. Zwar besteht schon eine Zentralisation für die Arbeiterschwimmer, der Arbciter-Schwimmerbund, aber in Berlin gehen die Arbeiter- schwimmvereine ihre eigenen Wege. Es haben bereits früher verschiedene Schwimmvercinc dem Bunde angehört, sie sind ihm aber wieder untreu geworden. Und darunter befinden sich Vereine mit recht erbeblicher Mitgliederzahl, wie„Vorwärts",„Welle", „Nord",„Freiheit",„Südost". Es bestehen in einigen dieser Vereine___ Verantwortlicher" Redakteur: PauT JohnT" Berlin. Für den�nferatenteil vercmuo.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. vertag iVouoäru»üchdruckerei u, Verlag-anjtaU Paul Singer».Sa, Verl« S% auf eine arme Seele. Polizei und Gerichte werden gegen sie in Be. wegung gesetzt, und neuerdings hat man dem Leiter des„Schwarzen Kreuzes"— so heißt die moderne Nachtmission— den Aufenthalt aus dem ganzen Bahnhof unter Hinweis auf den Hausfriedensbruch» Paragraphen verboten! Der Mann löste sich, als er wieder dort zu tun hatte, eine Fahrkarte und eine Bahnsteigkarte. Bald hatte ihn aber eine christliche Missionsschwefter entdeckt, und sie denunzierte ihn. Als er der Aufforderung der Beamten, den Bahnhof zu ver» lassen, nicht nachkam, erhielt er ein Strafmandat über 15 M. wegen Hausfriedensbruchs. Aus die eingelegte Beschwerde hin erkannte das Schöffengericht auf Freisprechung, weil dem im Befitze einer Fahrkarte befindlichen Missionar mindestens das subjektive Bewußt. sein einer strafbaren Handlung gefehlt habe. Auf die christliche Nächstenliebe der zur Rettung hilfloser Menschen bestimmten Missio- neu wirst der Prozeß kein günstiges Licht. Verhaftung einer Schwindierbande. Die Brüsseler Polizei hat in der Nacht zum Sonntag 6 Mitglieder einer intcrnationals Schwindlcrbandc verhaftet, von denen bereits zwei vor einigen Tagen festgenommen worden find. Die Bande be. faßte sich mit der Ausgabe falscher Obligationen einiger großer Pariser Gesellschaften. Diese Obligationen wurden hauptjächlich an der Brüsseler Börse zum Preise von je 800 Fr. untcrgcbAicht. In Brüssel sind nicht weniger als 800 solcher falschen Obligationen be- schlagnahmt worden. Man glaubt, daß auch ebensoviel noch an anderen Börsen untergebracht worden sind, so daß die Fälscher einen Gewinn von 1 280 000 Fr. gehabt haben. Tie Maffia. Eine Vcrbrecherbandc, die in Beziehungen zu der berüchtigten Maffia zu stehen scheint, versetzt gegenwärtig die Bevölkerung der kleinen kalabrischen Stadt Pcllaro durch ihre Uniaten in Furcht und Schrecken. Bereits vor einiger Zeit wurde eine aus acht Köpfen be- stehende Familie von der Bande ermordet, ohne daß es gelang, die Täter zu ermitteln. Gestern wurde am hellen Tage eine Bombe gegen das Haus des Bürgermeisters geschleudert, die den größten Teil des Hauses zum Einsturz brachte. Nur wie durch ein Wunder kam die zwölfköpfige Familie des Bürgermeisters mit dem Leben davon. Nur drei Personen erlitten durch herabfallende Balken leichte Verletzungen. Ter Bürgermeistor bat sich den Zorn der Mafsioten dadurch zugezogen, daßcrverschiedcneErprcssungsvcrsuche der Maffia mit der polizeilichen Verfolgung verschiedener verdäch. tiger Personen beaniwortet hat. Von den Urhebern des Bomben» attentats fehlt jede Spur. Kleine Notizen. Vootsnnglück. Auf der Lahn zwischen Marburg und Wehrda schlug ein Boot um, in dem sich ein Schüler einer höheren Lehr- anstalt und zwei junge Damen befanden. Der Schüler konnte sich selbst und eine der beiden Tamen retten. Die andere Dame, die aus Bochum stammt und zu Besuch in Marburg weilte, ertrank. Autoinobilunfall. Am Sonnabend abend überschlug sich in der Nähe von Jerka im Kreise Kosten(Posen i an einer abschüssigen Stelle anscheinend infolge zu starken Biemsens ein Automobil, in dem sich die Gattin des Rittergutsbesitzers Potworoivsky aus Gola und ihre Tochter, sowie ein iihausscur befanden. Frau Potwo- rowsky war auf der Stelle tot, ihre Tochter, die am Steuer saß, er- litt schwere Verletzungen. Der Chaufscur konnte sich im Augenblick des Unglücks aus einen Baum schwingen und blieb unverletzt. Zugzusamiiicnitötze. Auf der in Köln-Nippes in der Nähe der trecke Köln— Ncuß auf einem Taiiime gelegenen Bvdentransport» bahn der Firma Grün u. Bilsinger-Mannheim stießen gestern vor» mittag zwischen 6 und 7 Uhr bei dichtem Nebel zwei Züge zu» sammen, wodurch eine Lokomotive der Förderbahn gegen einen im nebenliegcnden Staatsbahngcleise in lapgsamer Fahrt begriffenen Güterzug fiel. Zwei Wagen des Güterzuges entgleisten und 'perrten die beiden Hauptgleise. Die Züge der Strecke Köln— Neuß wurden umgelenkt und erlitten nur geringe Verspätung. Im übri- gen wurde der Betrieb nicht gestört. Ein Heizer der Firma Grün u. Bilfinger wurde an beiden Beinen erheblich gequetscht. Ucber Bord gespült. Zwei Offiziere des russischen Untcrsce» bootes„Peskar", der Kommandeur Kapitän zweiten Ranges Wurm und Leutnant Mezinoff, wurden auf See in der Nähe des Ostsee» Hafens Windau von einer überschlagenden Welle über Bord gespült. Beide ertranken. Vös«zltung88tö!lg Böslin. G 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Dienstag, de» 29. Jnli 1»1B: Bezirks- verlammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: lOrdöüI Piiamssllle, Müllerstr. 14«, abend» 8'/, Uhr. NOrÖeil* Potnitle, Schwedt«» Straße 23, abend« forden: Frankes Feststtle, Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. dOtlki! I Frnchtattle Xordwest, Wiclefstr. 24, abends 8'/, Uhr. �kArlOkellkUrOI volkdhaus, Rosinenftr. 3, abends 8'/, Uhr. Tggpj- Uestanrant Müller, Berliner Strafie 84, abends Kesten"und Schönelierg: Jsten' Bockers FcstsUIc, Weberftratze 17, abends 8'/, Uhr. Iphfpllhpptl* Kestanrant Kurkowskl, Pfarrftratze 74. Liuuenuerg. a6enöä � Ui)V. Stralau-Rummelslnirg; SSfÄ™' Weißensee! Pcnkcrt, Berliner«Ucc 251. abends 5'/, Uhr. Süden bewirke*»»uen«tanr«a«»le. Kottbuser Da«« 7«, Neukölln: . abends 8'/, Uhr. ItartüchK Fe»t«aic, Hermannttr. 48/49, abends 8'/, Uhr. SteOlitZ' Albrcchtnhof, Albrechtstr. la, abend» 8-/, Uhr. Köpenick u. Friedriebsltagen: OberschönVweiile, Hiederschöneweitle, Johannis- > ,, Umn* Pr