Mr. 193. nbonnenMntS'Bedingungtn: BSmtn«neiü4- Preis pränumerando! .«ierteljährl. SM MI, monatl. 1,10 MI, wöchentlich 2S Pfg, frei WS Haus, Einzelne Nurrun er s Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- � Beilage.Die Neue SBcU* 10 Pfg, Post. Wonnement: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-Zewings- PrerSIrste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn TM Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PoslabonnemewS nehmen am Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Nutnänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Die Infertiens-Geböbr bekägt für die sechSgespaltene Kolonel- gelle oder deren Saum 00 Psg, für politische und gewerkschaslliche Berei«S- und VersammlungS. Anzeigen SO Psg. „Kleine Mnieigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstcllenan zeigen das erste Wort 10 Psg, jedes wettere Wort ö Pfg. Worte über 16 Buch- Itaben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Crichrtot täglich. Verlinev VolksblÄK. Zcntralorgan der fozialdcmokrati fehen Partei Deutfchlands. Telegramm-«dressei .�ozialätnioknt Rcma". Redaktion: 8W. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Expedition: 8Äl. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981« Cin Königreich unter Sequester. Aus Wien wird uns vom 26. Juli geschrieben: Die österreichische Politik, die an Kuriositäten ja nicht vrm war, ist nun um die größte bereichert worden: das glor- reiche Königreich Böhmen ist unter Sequester gesetzt worden. Tie Landesverwaltung hat Bankrott gemacht, wird beseitigt, und an ihre Stelle tritt, wie es bei Kaufleuten, die nicht zahlen können, der Fall ist, eine Zwangsverwaltung: das ist im Grunde der Inhalt der wundersanien Anordnungen, mit deneii�die böhmische Landcsverfassung aufgehoben worden ist. An Stelle der gewählten Landesverwaltung tritt eine aus staatlichen Beamten ernannte Landesverwaltungskommission — aber man könnte sie schon richtiger Landeskonkurskom- Mission nennen. Ter böhmische Krach ist fertig, und die Schande schreit zum Himmel. Wie es zu diesem Zusammenbruch gekommen, ist cin Kapitel aus. dem schier unerschöpflichen Buche des öfter- reichischen nationalen Jammers. Tic Länder haben in Oesler- reich eine gewisse, wenn auch bescheidene und infolge der wirt- schaftlichen Entwickelung iminer mehr zusammenschmelzende Selbstverwaltung. Neben dem staatlickfen gibt es auch einen Rcchtskreis der Länder, und versehen wird die Gesetzgebung und Verwaltung der Länder von den Landtagen und dein von ihnen aus ihrer Mitte bestellten Landesausschuß. Nun war der böhmische Landtag immer ein sehr krankes Gebilde. In den Zeiten der staatsrechtlichen Kämpfe, als der Kampf zwischen dem Staat und den Ländern, dem Zentralparlament (Reichsrat) und den Landtagen noch nicht ausgekämpft, stand der böhmische Landtag an der Spitze der Opposition gegen das Reich und ging an den maßlosen' Ansprüchen der Tschechen zugrunde. Ueberhaupt spielten die Länder in den Anfängen der Verfassung eine ungleich bedeutsamere Rolle als jetzt, wo sie aus das Niveau harntloser Lokalverwaltungs- körper herabgesunken sind: damals hatten sie. die sich die Oualitär der„Historisch-Politischen Individualitäten" zu- sprachen, das Primat"inne. Und der Rcichsrät war nur eine Abordnung von ihnen,.woraus ja der groteske Name hervor- gegangen ist, den Oesterreich offiziell trägt: die im Reichs- rate vertretenen Königreiche und Länder. Insbesondere hatte der böhmische Landtag einmal große Rosinen im Kopf: bildete er sich doch nicht weniger� ein, als daß die„Krone Böhmens" ein ganz selbständiger Staat werden und zu den übrigen Habsburgischen Ländern in dasselbe Verhältnis treten könnte, das sich zu ihnen Ungarn errungen hat. Diese romantischen Hoffnungen, dem Traunie von einem besonderen ».böhiuischen Staatsrecht", hat die wirtschaftliche Entfaltung mit ihrer Gewalt der Zusammenfassung freilich längst den Garaus gemacht. Aber über den Landtag ist dann die nationale Krankheit gekommen. Der böhmische Landtag ist der Vcrtretungskörper für Deutsche und Tschechen, für zwei .Nationen alfo, die einander ohne Unterlaß befehden, und von deren Hader die ganze moderne Zeit Oesterreichs beherrscht j JL c'n£!Cr �to, daß es mit der Vertiefung des natio- nalen Empfindens zu einem Konflikt gekommen ist, der das monche Gcjuge des Landtages gesprengt hat. Der Wider- spruch zwilllien diesen alten und überlebten Formen und dem unaufhaltsam� Drang der Nationen nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit hat den böhiuischen Landtag vernichtet. �n dem Landtage srnd die Deutschen, obwohl sie das Wahlsystem eher begünstigt, eine Miniorität. und da die Majorität des Landtages kraft des nationalen Verhältnisses eine endgültige ist, muß sie von den Deutschen als eine Art Fremdherrschaft empfunden werden. Daß diese Herrsckfaft dennoch solange ertragen wurde und der Landtag nicht schon längst zugrunde gegangen ist, hat seinen Grund darin, daß auch die Tschechen, obwohl sie nn Lande fast die Zwcidrittel- Mehrheit bilden, im Landtage die Mehrheit nicht haben: zwischen Deutsche» und Tschechen stehen nämlich, angeblich als ausgleichendes, in Wirklichkeit aber gebietendes Element, die Großgrundbesitzer: die nationale Unterdrückung wird also einigermaßen verhüllt. Trotzdem haben sich die Deutscheil (fegen diese unnatürlichen Verhältnisse schon lange vor diesein Krach aufgelehnt. Früher mit der logenannten Abstinenz, das heißt sie sind ganze Jahre den Verhandlungen des Land- tages ferngeblieben: aber inzwischen ist ja die fiirchtbare Waffe der Minoritäten entdeckt worden: die � b st r u k t i 0 n, und die hat den Angriff der Minorität unwiderstehlich ge- macht. Tatsächlich war der Landtag, der nun aufgelöst worden ist und nicht sobald wieder gewählt werden wird, vom seiner Geburt an gelähmt und arbeitsunfähig: hat er öLÄ.'" Öen fiinf Sechren seines Bestandes nicht einmal zur Konstituierung gebracht! Ausgebrochen ist die deutsche Ob- Ä""n Jcchre 1908 wegen einer ganz kindischen Ouerelle. weil einer der Beamten die im Landtage das d/utsche? Statik ber genannte» Aktuare, nicht aus dem deutschen Status geenommen worden ist: aber die Ob- bau. der infÄ �"'.„besonnener Streich war wurde bald der ernste und zielbewußte Kampf der Deutschen um autonomes Recht innerhalb des Landtages. Was die De"tsche,l in Böhmen verlangen, ist durchaus berechtigt und verständlich, ste heilchen eine 5)rnQ.nistel'Uv(l änÄflC§' vc � Deutschen vor Nullizifierung -'�"teilung des Landtages m nnSw selbständige Verfügung jn Fragen nationalen Eharakters eingeräumt wird. Was man den Teutschbürgerlichen zum Vorwurf machen kann, ist weder ihre Forderung noch ihr Kampf, vielmehr nur, daß sie bei den nationalen Forderungen den sozialen Kern nicht an- erkennen wollen, ja, ihn mit Bewußtsein preisgeben, was sich faßlick) in ihrem bornierten und gehässigen Widerstande gegen die Forderung nach einer Wahlrefom für den Landtag zeigt: und dann auch die Mattherzigkeit und Inkonsequenz ihres Kampfes, der sich immer mehr auf das bloße Verneinen bc- schränkt hat. Es hat nun über die deutschen Forderungen eine lange Ausgleicherei angehoben, aber herausgekommen ist trotz der ans Lacherliche grenzenden Umständlichkeit der Ver- Handlungen gar nichts. Während dieser fiinf Jahre ist die Verwaltung von dem alten Landesausschusse, dem vom vorigen Landtag gewählten, geführt worden: aber dieses Verwalten war natürlich nur eines von der Hand in den Mund. Verschärft hat sich-nämlich die politische Krise durch den Mangel an finanziellen Mittelir: das Land, das trotz seines Reichtums sick) seit jeher in übler Lage befand— weil nämlich der Staat alles aufsaugt—, bat in diesen fünf Jahren nur von Darlehen gelebt, die ihm von tschechisch. patriotischen Banken unterderhand— eine Anleihe konnte ja mangels der»Zustimmung des Landtages nicht aufge. nommen werden— und natürlich zu immer härteren Be- dingungen vorgestreckt worden sind. Aber nun war es so weit gekommen, daß der Landesausschuß vor dem Nichts stand, daß man am l. oder 1a. Aiigust nicht einmal die Be- amten hätte zahlen können. Tie Regierung hat nun die Bude zugesperrt, den Landtag aufgelöst, den Landesausschuß zur Seite geschoben, und die Verwaltung des Landes einer „Kommission" von acht Statthaltereibeamtcn iibertragen. Damit die Kommission aus den finanziellen Schwulitäten halbwegs herauskomme, wurde ihr eine zehnprozentige Er- höhung der Landesumlagen und die Erhebung einer Landes- Umlage auf die staatliche Biersteuer von vier Kronen für das Hektoliter bewilligt, was zusamincn einer Steuererhöhung von etwa 18 Millionen Kronen entspricht. Selbst die Regie- rung gibt zu. daß sich diese Anordnungen„neben der Ver- fassung"' vollziehen: tatsächlich ist es ein� kompletter Staats- streich, was da gewagt' wurde. Die böhmische Landesver- fassung liegt in Scherben, und das größte und bedeutsamste Kronland Oesterreichs ist unter Sequester gestellt! So schaut die Großmacht, die jetzt in Europa so viel Spektakel macht, bei Tageslicht aus! Der böhmische Zusammenbruch, der von den vielen Zu- sammenbrüchen in Oesterreich-Ungarn— man denke nur an Kroatien!— nur der grellste, ist in WdwHeit ein Exempel der Wirrnisse, in die dieser Staat imcker tiefer gerät und die ihn wie Schlinggewächse in den Sumpf ziehen, darin alles Leben versickert. Dabei ist dieser Staatsstreich, der nur niederreißt und nicht aufbaut, eine echt österreichische Halb- heit und Feigheit. Denn was not tut, ist ein völliger Neu- bau, eine grundlegende Ordnung der nationalen Verhältnisse in Böhmen auf der einen und die mutige Demokratisierung des Landtages auf der anderen Seite, die die Vertretung des Landes dem nationalistischen Chauvinismus entwindet und in dem Willen der breiten Volksmassen verankert. Mit einem Wort: eine unerschrockene und weithin wirkende Tat tut not, die alle Vorurteile über Bord wirft und ebenso dem zwingen- den Bedürfnisse der Nationen wie den zwingenden Bedürf- nissen des Volkes gerecht wird. Aber kann von den Jämmer- lingen, die in Oesterreich das Ruder führen, diese Tal er- wartet werden? ?uw Krupp-Frozeß. Zu der Kriegsgerichtsverhandlung über die Krupp- affäre, die am Donnerstag beginnen wird, schreibt die „Franks. Volksstimme": „Man ist gegen das Treiben der Kruppgcscllschaft mit einer in Deutschland und Preußen bisher unerhörten Nachsicht vorge- gangen. Es handelt sich um den Verrat militärischer Geheimnisse, die das Schiboleth der herrlichen deutschen„Staatsordnung" sind! Schon im Oktober vorigen Jahres bringt Genosse Liebknecht dem Kriegsminister die geschriebenen Beweisstücke jenes Verrates ins Saus, was noch gar nicht genügend beachtet wird. Es waren siebzehn Geheimberichte, die mindestens seit 1S0S von einem Kruppschen Agenten in Berlin regelmäßig nach Essen an die Firma gesandt wurden und so„schwer wogen", daß man sie beim Trans- port als„Kornwalzcn" deklarierte— einesteils aus Schamhaftig- kcit, anderenteils zur mehr größeren Sicherheit! Nun sollte man meinen, der schneidige Verteidiger der Landessichcrheit und des militärischen Interesses hätte sofort feste in'Otts Wespennest gegriffen, das ihm da aufgedeckt wurde. Weit gefehlt! Er beauftragt lediglich die politische Polizei mit„Ermittelungen". Unp diese„Ermittelungen" dauern durch den Oktober, den November,- den Dezember und den Januar, also länger als ein Vierteljahr. In dieser Zeit kann die Kruppfirma das Schlimmste läng st beseitigt haben und nur das Harmlosere übriggelassen haben. Endlich, am 7. Fe- bruar d. I., werden sieben Militärbcamte und der Kruppsche Agent gleichzeitig verhaftet, sowiejetzt er st der Geheim. schrank der Kanonenlieferantin in Berlin untersucht. Noch jetzt findet der Untersuchungsrichter nahezu tausend„Kornwalzen", wahrscheinlich aber die minder belastenden. Und dann kommt da? Aergste: statt daß mm wenigstens rückwärts gegangen und in Essen bei der Hauptfirma gründlich gesucht und ausgekehrt wird, vielleicht auch bei ihren Vertretungen im Aus- lande, wohin sie das Gravierendste längst verschleppt haben kann, wird in eine nicht weniger als vier Monate dauernde Vorunter- suchung eingetreten, bei der man sich mit dem so spät erst ergrif- fenen Material begnügt, und am Ende dieser Voruntersuchung, nämlich Ende Mai, werden alle Verhafteten entlassen, die seitdem ungehindert untereinander und mit der Kruppfirma verkehren dürfen. Wo ist so etwas bei einem Landesverratsprozetz in Deutschland bisher erhört worden? Jn strengster Haft haben immer noch selbst die charm- losesten Spione, gegen die Anklagematerial vorlag, bis zum Tage ihrer Aburteilung sitzen müssen. Tie Leute aber, die mit Krupp- schem Gold in Berührung kamen, scheinen durch diese Berührung zu Ausnahmemenschcn geworden zu sein. Gehört das zur neu- deutschen Reichsherrlichkcit im Jubiläumsjahre? Noch aufreizender womöglich wirkt die sachliche Behandlung der schmutzigen Angelegenheit. Prozessiert werden sollen ein paar mittlere Beamte der beiden bei einer verbotenen Umarmung er- tappten Seiten, der Heeresverwaltung und der Kruppsirma. Aber die eigentlichen Sünder sitzen viel höher. Der Kruppagent ist mit dem ausdrücklichen Auftrag, Landesverrätern zu treiben und Bc- stechungsgeldcr(„Extragratifikationcn") dabei zu verwenden, vom Kruppdirektorium in Essen nach Berlin geschickt und danach bezahlt und behandelt worden. Moralinsaure Anwandlungen, die ihn zeit- weise befielen, wurden von Essen aus mit brutalen Entlassungs- vrohungen niedergeschlagen. Seit mindestens sieben Jahren ar- beitct die Kruppfirma geschäftlich mittels Landesverrats. Sie mutz ganze Archive landcsvcrräterischer Mitteilungen im Jn- oder Aus- lande besitzen. Und gegen diese vom Profit ge- fürsteten Herren ist anscheinend bisher nichts Ernstliches unternommen worden. Es heißt zwar, die Untersuchung sei„auch auf einige Mitglieder des Direktoriums der Firma Krupp in Essen ausgedehnt worden". Es heißt aber uuch,„Mitglieder der Direktion der Firma Krupp und frühere Direktoren" sollen in der Verhandlung vom Donnerstag gegen die Opfer der Militärlicfcrantenmoral„vernommen" werden, offenbar als Zeugen und Sachverständige. Sind das dieselben, auf die die Untersuchung„ausgedehnt" wurde? Oder sind es andere? And wie können Angestellte einer so stark verdächtigten Firma überhaupt auf den Zeugen- oder Sachverständigenstand ge- langen? Wie kommt es, daß nicht nach der Ouelle der ganzen Affäre, nach dem Krupp direktorium zuerst gefaßt und dieser Augiasstall gereinigt wurde, ehe man da? Unglaubliche wagte, die kleinen Sünder abzuschlachten und dabei den großen Gelegenheit zu geben, als„Zeugen" oder„Sachverständige" ihr Interesse wahrzunehmen? Der Skandal dieses Verfahrens ist so himmelschreiend, �iß alle Worte zu seiner Kennzeichnung blaß und verbraucht erscheinen. Man versteht, weshalb die verzweifeltsten Versuche gemacht wurden, die Verhandlung am Donnerstag mit dem dichtesten Schleier der NichtÖffentlichkeit zu umgeben. Vor dem Berliner Militärgericht entscheidet sich das Schicksal des Deutschen Reiches und der deutschen Justiz." Hebet den Verhandtungsplan berichtet eine Korrespondenz: Der nicht, nur im ganzen Deutschen Reiche, sondern auch im Auslande mit großer Spannung erwartete Prozeß in der Krupp- affäre wird morgen, Donnerstag, früh um 9 Uhr, vor dem Kriegs- gcricht der Königlichen Kommandantur in der Lehrter Straße bc- ginnen seit Bestehen der deutschen Militärgerichtsbarkeit dürfte es bisher wohl keinen kriegsgerichtlichen Prozeß gegeben haben, der so ungewöhnliches Aufsehen verursachte als die Verhandlung gegen „Titian und Genossen". Bei dem bedeutenden Umfang, den die Verhandlungen annehmen werden, sind drei Sitzungstage vorge- sehen. Es sind nicht allein eine große Anzahl von Zeugen, meist Offiziere, geladen, sondern auch zahlreiche militärische Sachver- ständige werden ihre Gutachten erstatten. Dazu kommen die Ver- uehmungen de« Angeklagten, die Plädoyers usw., so daß eS nicht einmal ausgeschlossen erscheint, ob der Prozeß noch in dieser Woche sein Ende erreichen wird. Die Anklage richtet sich gegen folgende Personen: Zeugleutnant Adolf T i hi a n bei der Munitionsfabrik in Spandau, Zeugleutnant Hinst vom Artilleriedepot in Magdeburg. Oberintcndantursekretär Pfeiffer vom KriegSmini st c-< r i u m, Zeugleuwant Höge von der Artillerieprüfungs- k 0 m m i s s i 0 n, Zeugleutnant H e l m u t h Schleuder vom Artilleriedepot in Koblenz, Feuerwerker Jürgen Schmidt und Feuerwerker Dröse bei der Firma Krupp. Für die Bciveisaufnahme sind nicht weniger als 39 Zeugen geladen. Eine Reihe von ihnen muß die Fahrt von Essen nach Berlin antreten; es sind dies Angestellte der Firma Krupp. Ferner befinden sich unter den Zeugen eine Anzahl von Offizieren. Außerdem sind zwöl° Sachverständige zugegen, und zwar nur nkili- tärische. Es kommen dabei höhere Offiziere von der Oberfeucr- Werkerschule, vom Kriegsministerium usw. in Betracht. Vertreter des Kriegsministeriums werden der Verhandlung als Zuhörer beiwohnen. Auch der Staatsanwaltschaftsrat Töpfer, der stellvertretende Untersuchungsrichter in der Kruppaffäre, die sich später vor dem Moabiter Kriminalgericht abspielen wird, wird aq- wesend sein. Im übrigen wird die„Oeffentlichkeit" lediglich aus der Presse bestehen. Der Zuhörerraum ist sehr beschränkt, so daß nur zwanzig Vertretern der Presse Zutrittskarten ausgehändigt werden konnten. Zahlreiche Ersuchen mußten abgewiesen werden. Ein welch großes Interesse der Prozeß auch im Ausland hervor- ruft, zeigt d:r Umstand, daß viele ausländische Korrespondenten um Zustellung von Zuhörerkarten ersucht haben. Aber nur cin kleiner Teil der Wünsche konnte berücksichtigt werden. Es wird schon schwer halten, die Inhaber von Einlaßkarten in dem Zu- hörcrraum unterzubringen. Man hatte anfangs geplant, die Sitzungen im großen SchwurgerichtSsaal in Moabit stattfinden zu lassen, ließ aber später wieder davon ab..(Warum denn? Änm. d. Red.) Der Ungewißheit entgegen! Aus Konstantinopel wird uns geschrieben: Durch eine Marschleistung � der türkischen Armee ist das Os- manische Neich wieder in den Besitz von Aorianopel gelangt, das es durch Waffengewalt nicht hatte halten können. Jetzt bekommt man eine Gänsehaut, wenn man den aggressiven Ton der englischen Staatsmänner und die provozierende Haltung der englischen Presse wahrnimmt. Man glaubt hier zwar nicht, daß Adrianopel der Türkei wieder genommen werden könnte und man ist durchaus nicht willens, es zu verlassen, aber man fürchtet die„Kompen- sationen", die dem Reich an anderer Stelle entrissen werden könnten,— man fürchtet, daß die Großmächte zu einer Aufteilung der asiatischen Türkei schreiten könnten. Der Einmarsch in Adrianopel war vor allem durch Er- wägungen der inneren Politik diktiert. Ueber die Kon- scquenzcn, die daraus in der auswärtigen Politik entstehen könnten, wollte man gar nicht erst nachdenken! Die Wiedererlangung von Adrianopel mußte die Autorität der herrschenden jungtürkischen Gruppe, die sich ja nur noch durch den brutalsten Terror am Staatsrudcr halten konnte, ungemein stärken, die Armee konsoli- dieren, deren Geist heben und ihre Aufmerksamkeit von der in- nercn Politik ablenken. Da durfte und konnte man auch nicht zögern, denn sonst wäre eine neue Offiziersrevolte heraufbc- schwört worden. Die moralische Rückwirkung der Wiederbesetzung von Adria- liopcl uyd der Wiedererlangung des alten Terrains an anderen Orten ist zwar in Konstantinopel selbst nicht besonders groß, dürfte aber um so stärker in der Provinz sich geltend machen. Die musel- manische Bevölkerung beginnt sich wieder zu fühlen. Sie war verängstigt durch den unglücklichen Verlauf des Krieges und trat immer mehr gegenüber der christlichen zurück. Jetzt erhebt sie das Haupt. und will Revanche nehmen. So kam es zu den Zusammen- stößen in R o d o st o. Man muß leider befürchten, daß solche Vor- gange sich auch an anderen Orten wiederholen könnten. In Rodosto wurden die Armenier von der musel- manischen Bevölkerung massakriert. Nach anfänglichen halben Ab- leugnungen mußte die Regierung selbst zugeben, daß in Rodosto 18 Armenier getötet wurden und daß die muselmanische Bevölkerung„aufgehetzt" wurde. Nach der Enguete, die der ar- menische Patriarch veranstaltet hatte, waren es die türkischen Truppen selber, die nach der Besetzung des Ortes die Plünderung begonnen hatten, der muselmanische Pöbel setzte- dann den Pogrom fort, ging aus der Stadt auf das Land, wo er sich mit den musel« manischen Banden zur Plünderung der armenischen Dörfer ver- einigte. Sie sollen auf dem Lande furchtbar gewütet haben. Die armenischen Zeitungen weisen das durch Augenzeugen nach. Wes- halb denn auch zwei hiesige armenische Zeitungen, der„Osakamars" und der„Bysandrau", von der Regierung suspendiert wurden. Dieser Pogrom kommt der türkischen Regierung gewiß sehr ungelegen. Er wird auf die armenische Bevölkerung Ostanatoliens, die schon von Anfang des Krieges an sich in großer Aufregung befindet, da sie von den kuroischen Rebellen bedrängt wird und den Ausbruch eines allgemeinen Massakers befürchtet, eine unheil- volle Rückwirkung haben. Und das kommt in einem Augenblick, wo man mehr denn je die russischen Annektierun-gs» gelüste zu spüren bekommt! Ein Armenier, der soeben die ganze südlich: Küste deS Schwarzen Meeres bereiste und Ostanatolien aufsuchte, erzählt mir, daß die armenische Bevölkerung, man kann sagen von Tag zu Tag, die russische Annektion erwarte. An der Küste bestehe hxr, türkische Staat nur noch dem Namen nach. Türkisches Geld werde gar nicht mehr angenommen. Im Handelsverkehr und selbst auf den fremden Postämtern gelten nur noch russische Münzen. Daneben steigen, wie immer die wirtschaftlichen und finan- ziellen Sorgen des Rechts. Man hat nun eine Armee von 150 000 Mann nach Adrianopel geschafft, aber wie soll sie verproviantiert werden? Man ging durch ein zweimal verwüstetes Land. Alles Vieh ist abgeschlachtet, all�s Korn verbraucht, die Dörfer verbrannt, die Bauern verjagt. N'.. 3 ist mehr da, und selbst die Beamten, die man zur Uebernahmc der Eisenbahnlinie geschickt hat, müssen sich den gesamten Lebensbedarf von Konstantinopel kommen lassen. Um den dringendsten finanziellen Forderungen abzuhelfen, hat man schleunigst den Vertrag mit den Pächtern des Tabak- Monopols erneuert, die sich verpflichtet haben, 114 Millionen türkisch: Pfund als Vorschuß zu bezahlen. Ein Tropfen auf einen heißen Stein! Rumänien schützt Bulgarien gegen Serbien. Bukarest, 29. Juli.(Meldung der Agence Roumaine.) Tie bulgarische Regierung hat Rumänien ersucht, W i d i n zu besetzen, um die Bevölkerung gegenüber even- tuellen Racheakten der serbischen Truppen zu schützen. Infolge diese? Ersuchens fand zwischen den Ministerpräsidenten Majorescu und Pasch'tsch eine Besprechung statt. Die diesbezüglichen Ber- Handlungen dauern fort. Vor den Bukarester Verhandlungen. Bukarest, 29. Juli.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.- Korrsp.-Bureaus.) Der griechische Ministerpräsident Benizelos erklärte in einem Interview: Vor dem zweiten Kriege wäre K a v a l l a den Bulgaren zugefallen. Wie können wir aber jetzt nach dem für uns siegreichen Kriege auf die ganz griechische Stadt verzichten?— Zn allen poli- tischen Kreisen wird mit Befriedigung festgestellt, daß alle Vertreter der Friedenskonferenz absolute Vollmacht haben, so daß man hofft, ohne allzugroße Schwierigkeiten und in nicht allzu langer Zeit mit den Bukarester Verhandlungen zu Ende zu kommen. ,v' poUtifebe dcberHcbt. Erzberger und Ballin. Auf die Mitteilung de? Generaldirektors Thode von der eutschen Reederei, die schöne Geschichte, daß Herr Ballin dem iherischen Ministerpräfidenten angeboten hätte, den Reichskanzler zu ärzen, falls Freiherr v. Hertling dem Auswanderergeschäst der hönix-Transportgesellschast Schwierigkeiten in den Weg lege, rmme von Herrn Matthias Erzberger, dem großen Geisteslicht i? Zentrums, hat dieser endlich eine Art Antwort abzugeben ge- cht. Da dem ultramontanen„Bayer. Kurier" die Sache räucherig »rkam, fragte er bei Herrn Erzberger an, ob die Thodesche Be- Huldigung richtig sei, und der große Diplomat Erzberger tele- nphierte:„Können erklären, Abgeordneter Erzberger lehnt es inzipiell ab, sich über Privatgespräche, deren Veröffentlichung,— - sei richtig oder falsch— ohne seine Zustimmung erfolgte, in der effentlichkeit zu äußern.".,., Nicht ja, nicht nein! Herr Erzberger entdeckt vielmehr schnell, iß er auch Prinzipien hat— und daß diese sogen. Prinzipien ihm, r sgnst über alle? in der Welt schwatzt, Schweigen gebieten. Ab- ugnen konnte Herr Erzberger nicht, denn wahrscheinlich wissen tßer Herrn Thode noch gar manche andere Personen von seinem affeellatsch; bejahen konnte er die Frage auch nicht, denn er, der ohnehin in manchen Kreisen seiner Partei kaum noch ernst genommen wird, hätte sich dadurch noch mehr bloßgestellt, so besinnt er sich in seiner Verlegenheit auf seine strengen Prinzipien und hüllt sich, so schwer es ihm wird, in tiefes Schweigen. Daß er dadurch so manchen Blättern, die aus gewissen pekuniären Gründen mit der Hamburg-Amerika-Linie sympathisieren, einen recht großen Gefallen erweist, scheint Herrn Erzberger nicht im geringsten zu kümmern,— und doch sind diese bereits dabei, Herrn Ballin nicht nur als genialen Kaufmann, sondern auch als eine Persönlichkeit zu feiern, die in tugendhaftester Reinheit strahlt. So liegt die Sache denn doch nicht. Wenn wir die Erzählung von dem Ballinschen An- gebot an den bayerischen Ministerpräsidenten für ein Märchen halten, so deshalb, weil wir Herrn Ballin für zu klug halten, in dieser Form gegen die Phönix-Transportgesellschast und den hinter dieser stehenden Fürstenkonzern vorzugehen; aber deshalb bleibt doch richtig, daß zwischen der Hamburg-Amerika-Linie und der Phönix-Transportgesellschaft, die den Auswandererstrom aus dem Osten Europas über Bayern nach Rotterdam zu leiten sucht, ein wilder Konkurrenzkampf geführt wird, in dem, wie so manche in die Oeffentlichkeit dringenden Mitteilungen zeigen, auf beiden Seiten nicht immer mit einwandfreien Waffen gefochten wird. Nur keine Heuchelei! Man kann das Erzbergersche Intrigenspiel verdammen und verspotten; aber zu schönen Lobliedern auf den Hapag und die Sittenreinheit seines Leiters liegt kein Anlaß vor. Auch in dieser Hinficht gilt der Vers vom Rabbi und dem Mönch. Quertreibereien der„Berliner" gegen de« Metzer Katholikentag. Unter diesem Titel brachte die.Saarpost", das Organ der christ- lichen Gewerkvereinler an der Saar, am Sonnabend, den 20. Juli nachfolgendes Zirkular, herausgegeben von dem bekannten Dechanten Hansen in Illingen. Die„Saarpost" bemerkt dazu, daß ihr der bekannte Zufall dieses Schreiben auf den Redaktionstisch geweht habe. Das Zirkular hat folgenden Wortlaut: Hochw. Herr Präses! Aus besonderen Gründen, die Ew. Hochw. be- kannt sein dürften, müssen die Vereine unseres Bezirks Saar von eineroffiziellenBeteiligung an dem Arbeiterfestzug der diesjährigen Katho- likenversammlung absehen. Sollte Ihr Verein bereits angemeldet sein, so dürfte es sich empfehlen, noch jetzt die Anmeldung rückgängig zu machen. Mit Verbandsgruß Hansen. Die„Saarpost' fügt hinzu: Diese Aufforderung klingt so unge- heuerlich, daß sie Zweifel an ihre Richtigkeit gehabt habe, ihr aber auf eingezogene Erkundigungen die Richtigkeit bestätigt worden sei. Am Montag, den 28. Juli brachte nun die.Saarpost" den Wort- laut eines zweiten Rundschreibens, das der tapfere Streiter für die Berliner Fachabteilungen, Herr Dechant Hansen, am 25. Juli an seine Amtsbrüder versandt hat. Dieses Rundschreiben zeigt Herrn Hansen und damit die Fachabteilung als Sieger. ES lautet: Hochw. Herr Präses! Jch freue michJhnen mitteilen zu können, daß Metz— nach anfänglichem Ablehnen— jetzt neue Verhandlungen eröffnet und unsere Anträge angenommen hat. Dementsprechend wird unseren Vereinen ein eigene« Lokal zur Verfügung ge- stellt und die Nominierung der Redner der Verbandsleitung überlassen. Auch hat man sich bereit erklärt, einen Antrag des Diözesan- Präses Herrn Kanonikus Stein über Arbeiter- frage und Enzyklika Singulari Quadam der Generalversammlung vorzulegen. ES ist nunmehr erwünscht, daß sich Ihr Verein an dem Fest- zuge in Metz beteiligt. Ich bitte Sie, das Geeignete in dieser Hinsicht veranlassen zu wollen. Mit VerbandSgruß I Hansen, Dechant. Die beiden Rundschreiben beweisen, daß sich vorher erbitterte Fehden zwischen Köln-München-Gladbacher Richtung und den Ber- linern abgespielt haben müssen. Bekannt ist, daß in der Metzer Diözese von der Geistlichkeit im allgemeinen die Kölner Richtung bevorzugt wird. Wie die„Saarpost" mittteilt, lehnte daher das Metzer Lokalkomitee ab, den Berliner Fachabteilern eigene Lokale und Redner zu bewilligen. Auch versuchte man, wie es scheint, der Aufrollung der katholischen„Arbeiterfragen" aus dem Wege zu gehen, Unter dieser Arbeiterfrage verstehen die Christlichen beider Seiten, sowohl Berliner wie Kölner Richtung, ihre Streitigkeiten darüber, wer das Recht habe, für sich die Zustimmung und den Segen von Rom in Anspruch zu nehmen. Auf die Weigerung des Lokalkomitees, in Metz hat sich anscheinend Herr Hansen, statt sich zu beruhigem an den Bischof K o r u m nach Trier gewandt. Die Berliner, deren Freund Korum ist, trugen den Sieg davon, Metz mußte nach- geben und eigene Lokale für die Berliner be- willigen. Die Berliner werden ihren Erfolg bei dem Vor- posiengefecht in Trier auf dem KampfeSboden in Metz auszunutzen verstehen, und wenn die.Saarpost" schreibt, daß die Berliner Redner nicht über die Gewerkschaften sprechen dürften, so wird wohl der Wunsch der Vater des Gedankens sein. DieKöln-M.-Gladbacher wissen ebenso gut, wie die Berliner, daß man in Rom die söge- nannten„interkonfessionellen" Gewerkschaften nur mit Widerwillen duldet und ein Halleluja anstimmen würde, wenn sie ohne Aussehen verschwänden.__ Das sächsische Ministerium im Dienste der Scharfmacher. Das sächsische Ministerium des Innern hat die sächsischen Ge- Werbekammern veranlaßt, ihm zu berichten: 1. ob innerhalb der Tarifgemeinschaft der deutschen Buch- drucker erhebliche Gefahr dafür vorliegt, daß die Gehilfenschast durch die Handhabung der tariflichen Einrichtungen in die sozial- demokratischen Verbände gedrängt wird, und 2. ob die Buchdruckereiumernehmer in schwierige Lage ge- raten, wenn sie nicht ausschließlich sozialdemokratisch organisierte Gehilfen beschäftigen wollten. Die Gewerbekammer zu Dresden hat dem Ministerium die ge- wünschte Antwort gegeben. Wie diese geartet war. geht aus der Abwehrerklärung des Tarifamts der deutschen Buchdrucker hervor, in der es heißt: .1. Die Gehilfenmitglieder der Tariforaane werden aus den Reihen der tariftrcuen Gehilfen durch Urabstimmung unter den tariftreuen Gehilfen gewählt. Wer die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt, gilt als gewählt. Da mehr als 93 Prozent der Gehilfen dem Verbände der deutschen Buchdrucker angehören, so ist es begreiflich, daß auch die Gewählten Mitglieder dieser Organisation sind. Daß(wie die Dresdener Gewerbekammer behauptet hatte) die Mitglieder des Gutenbergbundes unter dieser gehilscnseitigen Besetzung der Tariforgane leiden, entspricht nicht den Tatsachen. Wir müssen eine solche Behauptung, für die keinerlei Unterlagen beigebracht sind, insbesondere namens der Prinzipalsmitglieder der Tarifinstanzen auf das bestimmteste zurückweisen.,..«.... 2. Daß für die Rechtsprechung in unseren Schiedsgenchten nach dem Bericht der Gewerbekammer nicht gewerbliche, sondern politische Gesichtspunkte maßgebend sind(wie die Dresdener Ge- werbetammer gleichfalls behauptet hatte), ist eine Beschuldigung, die nicht nur für die Gehilfenmitglieder, sondern auch für die Prinzipalsmitgliedep und den juristischen unparteiischen Vor- sitzenden des Tarifamts den Vorwurf der Rechtsbeugung enthält und ebenfalls jeglicher Grundlage entbehrt. 3. Es ist ein Irrtum, daß(wie die Dresdener Gewerbe- kammer drittens behauptet hatte) durch eine Tarifbestimmung der gehilfenseitigen Besetzung des Dresdener Schiedsgerichts Ein- halt getan worden sei. Die in Betracht kommende Tarifbestim- mung, nämlich, daß aus derselben Druckerei nicht mehr als je ein Mitglied in das Schiedsgericht gewählt werden darf, verdankt ihre Entstehung lediglich dem Bestreben, einen möglichst innigen Kontakt zwischen den Schiedsgerichten und dem Buchdruckgewerbe herzustellen und einer einseitigen, auf einen einzelnen Betrieb zugeschnittenen fachtechnischen Beurteilung von Streitfragen vorzubeugen. Im übrigen gilt diese Bestimmung nicht nur für die gehilfenseitige, sondern auch für die prinzipalsseitige Besetzung der Schiedsgerichte. Politische Gesichtspunkte sind bei Schaffung dieser Bestimmung weder erwähnt worden, noch waren sie jemals maßgebend dafür. Auf Organisationsvertreter ist diese Tarif- bestimmung überhaupt nicht anwendbar." Auch die Antwort, die die Gewerbekammer dem Ministerium des Innern auf die Frage 2 gegeben hat und nach der die Buchdruckerei- besitzer in schwierige Lage geraten würden, wenn sie nicht ausschlietz- lich Verbandsgehilfen beschäftigen würden, wird als falsch und gänzlich beweislos bezeichnet, und diese Abwehr wird sachlich über- zeugend begründet. Ebenso ist es natürlich dem Tarifamt leicht, die Behauptung zu entkräften, daß sich aus dem Tarifvertrags- Verhältnisse nachteilige Folgen für die Prinzipale oder das Gewerbe ergeben hätten. Trotz dieser Erklärung des Tarifamts wird das Schreiben, das die Dresdener Gewerbekammer an das sächsische Ministerium gesandt hat, gelegentlich noch seine Rolle spielen in dem Aktenmaterial der Scharfmacher gegen die organisierte Arbeiterschaft. Tie parlamentarische Untersuchungskommission. Die vom Reichstag verlangte parlamentarische Kommission, deren Aufgabe es sein soll, den gesamten Komplex der Militärlieferungen einmal eingehend zu prüfen, wird Mitte Oktober zusammentreten. Die Kommission wird vom Reichskanzler zusammengesetzt, der sich dem Wunsche des Reichstags gemäß an die Vorschläge halten soll, die ihm von den einzelnen Fraktionen gemacht werden. Vom Zentrum sind die Abgg. Erzberger und Speck berufen worden. Auch die Sozialdemokratie wird durch zwei Fraktionsmitglieder in der Kommission vertreten sein, allerdings steht momentan noch nicht fest, wer eingeladen wird, nachdem der Reichskanzler versucht hat, sich die sozialdemokratischen Mitglieder nach eigenem Gutdünken auszu- wählen. Die sozialdemokratische Fraktion wird darauf bestehen, daß jene Mitglieder einberufen werden, die sie den maßgebenden Stellen bezeichnet hat._ Starke Töne. Die Zentrumspresse streitet die Existenz einer Klassenjustiz hart« näckig ab. Gerät ein Arbeiter, zumal wenn er Sozialdemokrat ist, in die zerfleischenden Messer unserer Juristerei, so hat der Zentrums- mann dafür nur ein behagliches Schmunzeln. Anders, wenn er meint, daß irgendwo dem Katholizismus unrecht geschehen sei. Da flammt die Entrüstung turmhoch auf. Man sehe sich nur die Nr. 610 der„Kölnischen Volkszeitung" an. Sie untersucht die Ursachen de? Priestermangels in der Diözese Strahburg und kommt zu diesem Ergebnis: Endlich ist die allgemeine Stimmung im ganzen staatlichen und zivilen Leben der Geistlichen ungünstig. Das ist unter der Geistlichkeit und dem Volk so bekannt, daß der Geistliche auf staatlichen Schutz so gut wie nicht mehr zählen kann. Wenn ein Geistlicher eine Klage einreicht, wird er e n t- weder sofort abgewiesen oder wenn es zu VerHand- lungen kommt vor einem Gericht, kann er 99mal auf 100 sicher sein, daß er den kürzern zieht. Diesen Eindruck, hat der KleruS und das katholffche Volk. In der„Kolonialen Zeitung"(Nr. 855) antwortet darauf ein Jurist erregt: Also Rechtsbeugung in der allerverwerf- lich st en Form! Wie kommt die„Kölnische Volkszeitung' dazu, diese ungeheuerliche Behauptung der„Elsässer Zeitung" aufzunehmen und weiterzuverbreiten? Welche Be weise Hai sie für diese Be- hauptung? Werden die vielen dem Richlerstand angehörigen Leser der Zeitung diese Verunglimpfung ihrer reichsländischen Kollegen und damit des ganzen Standes ruhig Hinnehmen? Oder glaubt die„Kölnische Volkszeitung", daß sie jetzt, gerade zu Beginn der Gerichtsserien, wo die Hälfte der Richter m Urlaub ist, dem deutschen Richtertum diesen Schlag ungestraft versetzen könne? Hoffentlich wird sie sich darin getäuscht sehen. Hätte der Vorwurf der Rechtsbeugung in einem sozialdemokrati- schen Blatte gestanden, würde man den Redakteur trotz der Gerichts« ferien haben finden können. Ohne einige Monate StaatSpensron würde der sozialdemokratische Preßsünder nicht davonkommen. Tie Teuerung. Dem„Verl. Tageblatt" wird gemeldet: Der Magistrat in Nürnberg beschloß, angefichtS der Steigerung der Viehpreise die Staats- und Reichs- regierung um Zollcrmäßigung auf Vieh zu bitte». Was gedenkt die Regierung auf diese Eingabe zu ant- Worten? Erledigtes Reichstagsmandat. In Achern(Baden) ist heute der Reichstagsabgeordnete Prälat Franz Xaver Lender gestorben, das älteste Mitglied des Reichstags. denn seit 1871 gehört er der Zentrumsfraktion des Reichstages an. Geboren am 20. November 1330 zu Konstanz, wurde er 1853 zum Priester geweiht und kam 1872 nach Saß- bach. wo er die bekannte Lehranstalt gründete. Im Jahre 1309 trat er als Abgeordneter in die badische Kammer und wurde 1871 Mitglied des Deutschen Reichstags, dem er seit seiner Gründung bis zu diesen Tagen angehörte. Im Jahre 1884 erfolgte seine Ernennung zum Geistlichen Rate und 1901 wurde ihm die Würde eines Prälaten verliehen. Er war auch Ehrendoktor der theologischen Fakultät der Universitär Freiburg. Der Wahlkreis Rastatt- Baden,.den der Verstorbene msher nn Reichstag vertrat, steht also vor emer Ersatzwahl. Ber der letzten Wahl würden abgegeben 15 830 Zentrumssnmmen, 5-17 sozialdemokratische und 4200 nationalliberale Stimmen. Noch eine Nachwahl zum württembergischen Landtag. Der mr.rHemberaifdic Landtagsabgeordnete Wilhelm Sluaf VeX er ber fodschr.ttlichen Volkspartei für das Ober- ami«/rrtOrnm«t am Montag im Alter von 01 Jahren gestorben. amt Gerabronn, st am � Auait ni.rfi hem krerses- Die Ersatzwahl zum Landt vorzunehmen ist, wird voraussichtlich zu einem ebenso heftigen Kamvi führen wie die im Bezirk Rottweil. die durch deck kürzlich neZrUcn Tod des bisherigen Zentrumsabgeordneten Maier not. wenhirt wird. In Gerabronn wird der Bund der Landwirte alle befiel in Beweg mig setzen, um die Volkspartei zu verdrängen, die bei der letzten Wahl mit Unterstützung der 400 sozialdemokratischen Stimmen 3014 Stimmen cmfbrachte gegen 2071 des bündlerischen Kandidaten. Das Mandat für Rottweil suchen die Nationalliberalen dem Zentrum abzunehmen; als Kandidat stellen sie wieder den Oberst a. D. B l a u l auf, der aus die Unterstützung der Volts- Partei rechnet, die ihm schon bei den allgemeinen Wahlen im letzten Winter gewährt wurde. Auch die Sozialdemokratie jpricht in Rott- weil ein ernstes Wort mit. Bei diesen beiden Ersatzwahlen muh sich zeigen, ob die württembergische Wählerschaft aus der re- aktionären Politik des neuen Landtages bereits gelernt hat, oder ob die klerikal-konservative Welle längeren Bestand haben wird. franhrdcb. Annahme des Budgets durch den Senat. Paris, 29. Juli. Der Senat hat heute das Gesamtbudget angenommen. Gleichfalls angenommen wurde mit 223 gegen 68 Stimmen ein Resolutionsentwurf, der den Entschluß be- kräftigt, in der nächsten Session einen Gesetzentwurf zu be- raten, der eine allgemeine progressive Ein- kommen st euer einführt. ßelgtoi. Gegen die Dnrchpeitschuug des Schulprojetts. Brüffel, 28. Juli. CEig.©er.) Die Debatte am vergangenen Mittwoch brachte keine formelle Entscheidung über die Regelung der Tagesordnung, aber die Erklärung des Ministerpräsidenten auf die Anfrage des Liberalen HhmanS brachte gleichwohl eine genügende Aufklärung über die Absichten der Klerikalen in Sachen des SchulprojeklS. Danach ist es der Wunsch der Rechten, das Schulgesetz noch in dieser Session zu votieren. Herr v. Broquebille erklärte die Eile damit, daß sonst die Lehrer auf ihre Gehaltserhöhung zu lange warten müssen. Niemand würde natürlich die Klerikalen hindern, ihre plötzliche Lehrerfürsorge in der Weise zu betätigen, daß sie die Lehrergehaltsftage vvn dem Schul- Projekt trennen und sofort erledigen. Aber darauf wollen die Herren natürlich nicht eingehen.— In der Debatte erklärten dann die Ver- treter der Opposition, daß die Linke jeden Versuch, das Schulprojekt durchzupeitschen, mit allen Mitteln, die ihr die Geschäfts- ordnung bietet, zurückschlagen wird. Die letzte Parlamentswoche brachte einen kleinen Vorgeschmack davon, wessen sich die Rechte zu versehen hätte, wenn sie bei ihrer Absicht verharrte. Die Rechte hatte in einer Parteiberatnng einen Beschluß gefaßt, daß ihre Mitglieder bei allen Sitzungen an- wesend zu sein haben. Das war bereits die Gegenorder auf die Erklärungen und Obstruktionsdrohungen der Linken, In der Donnerstagsitzung wurde bereits die Probe auf den Fleiß und die Tüchtigkeit der Rechten gemacht. Bei der Diskussion über das Budget für den Ackerbau stellte HuhSmanS den Antrag auf Auszählung des Hauses. Der Ackerbauminister sprach dagegen, aber der Anttag auf namentlichen Aufruf war»geschäftSordnungs» gemäß* und der Präsident mußte mit saurer Miene seines Amtes walten. Er tat es mit pflichtgemäßer parteigenössischer Langsamkeit, aber eS konnten doch nur 81 Klerikale aufgetrieben werden. Von der Linken blieben nur die zehn, die den Anttag auf namentlichen Aufruf gestellt, auf ihren Plätzen.— Die Sitzung, die um 2 Uhr begonnen hatte, mußte um 2 Uhr 40 Minuten aufgehoben werden. In der Freitagssitzung ging gleichfalls wider das Gespenst der Obstruktion um. Der Präsident beklagte sich über die Länge der Reden und drohte mit dem Schluß der Diskussion. Huysman rief .Wir akzeptieren den Kampf!* Zum Schluß gab eS wieder eine namentliche Abstimmung auf Verlangen der Linken. DaZ waren die ersten Scharmützel. Portugal. Politische Krise. Von einem portugiesischen Genossen wird uns geschrieben: Von neuem ist Portugal das Feld anarchistischer Attentate und Verschwörungen. Infolge des Wirrwarrs des Balkankrieges ist ihr Widerhall vermindert. Doch nie war die portugiesische Republik dem Abgrund so nahe wie jetzt.��� Tie Republik ist erst vor drei Jahren aufgerichtet worden und schon sind fünf Ministerien ans Ruder gekommen. Keines von ihnen hat jedoch irgend etwas Entscheidendes für das Land getan. Die Politiker, die die Geschäfte der Republik führen, sind Streber, die die kostbare Zeit zu Festzwecken oder zur Verfolgung der Arbeiterschaft und der Monarchisten vertrödeln. Das gegenwärtige„radikale* Ministerium Alfonso Costa hat die Verfolgungen der Proletarier noch verschärft. Die Syndikate (Gewerkschaften) sind von der Polizei geschlossen worden und die Arbeiterpresse wurde entweder mit Strafen schikaniert oder unter- drückt. In dieesm Augenblick liegen 110 Arbeiter in den Zucht-> Häusern der Republik, ohne ein anderes Verbrechen begangen zu haben, als zu streiken oder für den Streik zu agitieren. Daß unter solchen Umständen unter einer zum Teil verelendeten und politisch ungeschulten Arbeiterschaft anarchistische Anschauungen Wurzel fassen können, ist nur zu begreiflich. Das Blut der portugiesischen Arbeiter ist auf Befehl der Regie- rung geflossen und der Ministerpräsident glaubt sich damit recht- fertigen zu können, daß er im Parlament auf die Arbeiter schimpft; dagegen erheben die bürgerlichen Abgeordneten ihre Stimme nicht. Obgleich die Bourgeoisie den Arbeitern die Republik verdankt. mißhandelt sie das portugiesische Proletariat, wie es die Monarchie nie getan hat. Die Arbeiter wollen trotzdem keine Rückkehr zur Monarchie, die einen Ruckschritt bedeuten würde. Das neue Gesetz über den Grundbesitz hat die Baugewerbe vollständig zum Stocken gebracht, da die portugiesischen Kapitalisten keine höheren Steuern bezahlen wollen. Die Industrie liegt still wegen des Mangels an Kapital und die Masse der Arbeitslosen nimmt immer zu. Wie nach der Revolution von 1848 in Frankreich, sind auch jetzt in Portugal nationale Werkstätten gegründet worden, um die Arbeitslosen zu beschäftigen. Aber da die Kassen der Regierung leer sind, können die Arbeitslosen nur drei Tage in der Woche Arbeit finden. Infolge der Teuerung können die Arbeiter mit einen: so geringen Einkommen nicht existieren. Die Erhöhung der Steuern hat eine Erhöhung der Mietzinse herbeigeführt, die für das Volk unerträglich ist. Zu diesem Elend und Wirrwarr kommt noch, daß die Monar» chisten, die noch im Lande stark sind, die Regierung fortwährend mit einer Konterrevolution bedrohen. Ta die republikanische Regierung durch ihre Unklugheit und Verfolgungen e» mit allen Klassen ver- dorben hat. kann der Gefahr, daß die Monarchie m Portugal wieder erruhtet wird, nur damit begegnet werden, daß die Republik wenig. stens einige politische und wirtschaftliche Reformen durchführt. r u£ tbem bie Republik besteht, haben keine Gemeindcwahlen stattgefunden. � Daher sind die Gemeinden seit drei Jahren unter der Diktatur der Regierung. Tie Diskussion im Parlament über da» Gemeindewahlrecht wird immer verschoben, weil die ver- können nifd�U Fl-Hrer sich über die Beute nicht einigen ZM'L ÄÄ 5 ÄÄVK SSÄÄ ÄÄ»»«VSfiSÄ. w-« durch die Unftuchtbarkeit des portugiesischen Parlamentarismus ausgelöst, aber für die Regierung bleibt nur eine Rettung, nämlich, daß sie einen neuen Weg, den Weg fruchtbarer Reformen, einschlägt. mcindewahlrecht ausgeschlossen würde. Die Soiiialiiten hoben un- SWÄ?«ÄS».i.. Die Attentate, die sich täglich er?!»».» r �•..r». Eine Aufsehen erregende Verhaftung. Lissabon, 29. Juli. In Alcobaca ist ein gewisser Americo Oliveira verhastet worden, weil er die Be- hauptung aufgestellt hatte, die jüngst in Lissabon vorge- kommenen Bombenastentate seien auf Veranlassung von Alfonso Costa und anderen Demokraten erfolgt. Oliveira hat bei Gründung der Republik eine heworragende Rolle gespielt. Cfnna. Der Kampf zwischen Süd und Nord. Peking, 23. Juli. Die Insurgenten haben die Expedition nach Norden aufgegeben, aber Truppen abgeschickt, um Aangtschu zu bedrohen. Inzwischen konzentrieren sich die Regierungstruppen auf Nanking. Schanghai, 28. Juli. Heute abend 9 Uhr begann das Vom- bardement gegen die Rebellen. Man nimmt an, daß morgen Wusung beschossen wird. Eine chinesische Niederlage in der Mongolei. Urga, 2S. Juli. Die Mongolen haben Batchalga und Darchanula zurückerobert. Sie erbeuteten ein Geschütz, 200 Ge- wehre, 300 Zelte und große Vorräte. Die Chinesen verloren gegen 500 Tote und Verwundete, die sie auf den Schanzen zurückließen. Die Mongolen hatten nur fünf Tote und zehn Verwundete. .Amerika. Mexiko und die Vereinigten Staaten. New Jork, 29. Juli. Aus der Stadt Mexiko wird gemeldet: Huerta hat den Forderungen der Vereinigten Staaten zugestimmt und versprochen, die geforderten Maß- nahmen zur Verhaftung der für die Angriffe gegen fremde Untertanen verantwortlichen Personen zu ergreifen. Vernichtung eines Kanonenbootes durch einen Flieger. New Jork, 29. Juli. Nach einer aus Nogales in Arizona eingetroffenen Depesche der Aufständischen hat der Flieger Masson über dem Hafen Guaymas eine Bombe hinabgeworfen, die auf das mexikanische Kanonenboot „Tampicö" fiel und es zerstörte. Hus der Partei. Aus den Organisationen. Der mecklenburgische Parteitag nahm in der fort- gesetzten Beratung den Antrag auf Beitragserhöhung mit großer Mehrheit an. Genosse S t a ro s s o n- Rosrock referierte über die mecklenburgische Verfassungsfrage. Abgeordneter Dr. Herz- feld» Berlin hielt einen Vortrag über den Jenaer Parteitag. Redner wandte sich gegen die Haltung der Fraktion in der Steuer- frage. Ihm trat Genosse Starosson entgegen, der den Fraktions- Beschluß verteidigte. Letzterer hielt noch ein Referat über die Bil- dungSarbeit der Partei. Auf der Generalversammlung des Wahlvereins für den Kreis Guben-Lübben wurde berichtet, daß die Bewegung äugen- blicklich stagniert. Die Organisation zählt im Wahlkreise an 21 Orten 1öS0 Mitglieder. Tie vorwiegend ländliche Bevölkerung ist weit leichter der politischen als der gewerkschaftlichen Organi- sation zuzuführen. Bei der LandtagSwahl kam die politisch« Kampfstellung der Behörden gegen di« Sozialdemokratie scharf zum Ausdruck. In einem Orte hielt es der Gemeindevorsteher gar nicht erst der Mühe wert, die Wahl auszuschreiben. Auf eine Beschwerde antwortete der Landrat nach der Wahl, er könne jetzt nichts mehr veranlassen, da ja die Wahl stattgefunden habe. Auch die Lokal» abtreiberei steht im Kreis« jetzt wieder in Blüte. Ten Wirten wurden von der Behörde teilweise wirtschaftliche Nachteile ange- droht, wenn sie ihre Lokale der Partei zur Verfügung stellen wollten, oder eS wurden ihnen umgekehrt wirtschaftliche Vorteile verheißen, wenn sie uns ihre Lokal« entzögen. Zur Haltung der Fraktion in der Deckungsfrage für die neuen Rüstungen kam zum Ausdruck, daß die Fraktion so, wie geschehen, handeln mutzte. Auch die Frage des M a s s e n st r e i k s wurde gestreift. Der Kandidat des Kreises, Genosse K o tz k e- Berlin, wendete sich zu Anfang seiner Ausführungen gegen die Propaganda des Massenstreiks. Sie gehe jetzt in der Hauptsache von Genossen aus, die nicht mehr im praktischen Leben stünden. Organisation und Agitation sei die Hauptsache. Doch sollte der Parteitag, den diese Frage zweifellos beschäftigen werde, hierzu in positiver Richtung irgendwelche Be- schlüsse fassen, dann— so schloß Kotzke— gelte es für die organi- sierte Arbeiterschaft, den Weisungen der obersten Instanz der Partei in strenger Disziplin Folge zu leisten. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins für den ReichStagSwahlkreiS Bielefeld-Wiedenbrück be- schäftigte sich am Sonntag, den 27. Juli, in Bielefeld neben anderem mit dem Parteitag in Jena. Genosse S c v e r i n g hielt das Re- ferat. Aus seinen Ausführungen sei folgendes wiedergegeben: Die Sttllungnahme unserer Fraktion zu den Steuergesetzen habe An- fechtung erfahren. Da sei daran zu erinnern, daß die Fraktion schon in ähnlicher Lage war. Sie habe schon 1906 dem Erbslbafts- steuergesetz zugestimmt und auch 190S ihre Bereitwilligkeit erklärt, in dritter Lesung dem Ausbau des Erbschaftssteuergesetzes zuzu- stimmen. Die Fraktion der 110 hätte zudem eine größere Ver- antwortung als früher die kleinere Fraktion. Sie mußte zeigen, daß ihr Einfluß auf die deutsche Politik gewachsen war. Das sei ihr gelungen. Schon die Deckungsv o r l a g e n seien eine Rücksicht- nähme auf die sozialdemokratische Fraktion gewesen: die Re- gierung schlug keine indirekten Steuern vor. Die An- Wendung schärferer Opposition im Reichstage sei unmöglich bei der seit den Tagen der Zolltarifkämpfe im Jahre 1902 geltenden, durch die Lex Aichbichler geschaffenen Geschäftsordnung. Durch die Be- willigung der Besitzsteuern und die Verhütung neuer Volkssteuern habe untere Fraktion die Reaktion kaltgesetzt. Das bewiesen die Klagen der reaktionären Presse über den sozialistischen Einschlag der Steuergesetze. Mit der Frage des politischen Massen- streiks werde sich am besten ein preußischer Parteitag beschäftigen, der nächstes Jahr abgehalten wird. Es sei falsch, wenn jetzt schon in unseren Reihen Versuche gemacht würden, die Undurchführbarkeit des politischen Massenstreiks nachweisen zu wollen. An das Referat schloß sich eine ausgiebige Diskussion, in der namentlich der politische Massenstreik erörtert wurde. Auf Antrag des Genossen Schreck sanden folgende R e s c l u t i o- nen einstimmige Annahme: Zur Haltung der Fraktion in der DeckungS- ksage:„Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Ver- «ins für den Wahlkreis Bielefeld-Wiedenbrück erklärt sich ausdrück- ttch mit dem Verhalten der sozialdemokratischen Fraktion des Reichstages bei Erledigung der Wehr- und Teckungsvorlagen ein- verstanden. Insbesondere begrüßt sie die tatkräftige positive Politik ver sozialdemokratischen Fraktion, die es verhinderte, daß auch dies- '}}a[ wieder die Kosten des wahnwitzigen Wettrüstens den breiten Vol tsni�assen auferlegt wurden.— Sie erblickt in der Heranziehung der Besitzenden durch direttc Wehrsteuern auch eines jener Mittel, durch welch« die Militarisierung Teutschland» mit verhindert wer- den kann.* 2. Zum Wahlrechtskampf:„Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins jür den Wahlkreis Bielefeld- Wiedenbrück hält die Einberusung eines außerordentlichen preußischen Parteitages zur Erörterung der Frage der Eroberung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für ge- boten.— Bei der Entscheidung über den Zeitpunkt der Tagung empfiehlt es sich, etwaige Kunogebungen der Regierung oder die Einberufung des Landtages zu berücksichtigen." Als Delegierte nach Jena wurden die Genossen Hoffmann und Schreck gewählt. Einige Anträge des Vorstandes auf Sta. tutenänderung wurden einer neungliederigen Kommission über- wiesen, die das gesamte Vereinsstatut einer Revision unterziehen soll._ Die Angelegenheit Osol und Janso«. Das ausländische Komitee der Sozialdemol---tie Lett- la n d s sendet uns in der bekannten Angelegenheit der Genossen Osol und I a n s o n eine längere Erklärung, in der sie den Nachweis er- bringt, daß die genannten Genossen einer Verleumdungskampagne der lettischen reaktionären und liberalen Presse zum Opfer fielen. Der Ursprung der verleumderische» Gerüchte geht auf das reaktionäre lettische Blatt„Rigas Awise* zurück, dessen Redakteur Plaude schon seit 1908 als Provokateur und Spitzel tätig ist. Zum Schluß führt das ausländische Komitee folgende Erklärung an, die es durch daS I. S. B. au alle sozialistischen Parteien versandt hat:.In letzter Zeit sind auf Grund der ZeitungSmache � lettischer reaktionärer Blätter in der gesamten internationalen Presse Gerüchte verbreitet worden, wonach Genojje Osol, ehemaliger Abgeordneter der zweiten Duma, und Genosse Braun-Janson, Redakteur des lettischen Zentral- organs.Zihna* im Dienst der russischen Geheimpolizei gestanden hätten. Im Auftrage des Zentralkomitees der Sozialdemokratie Lettlands erklären wir hiermit kategorisch, daß an diesen Ge- rächten kein Wort wahr ist, und daß die Genossen Osol und Braun-Janson nach wie vor das volle Vertrauen der Sozial- demokratie Lettlands genießen. Die erwähnten Insinuationen weisen wir auf das entschiedenste als eine elende Verleumdung der lettischen Reaktion gegen die Sozialdemokratie Lettlands zurück.* poUseUieKe», ßcricbtlichcs ufw. Preßprozetz. Der Redakteur des„P i r n a c r Volks- z ei t u ng", Josef Tietz, ist wegen Beleidigung des Bürger- meisters von Lauenstem zu 2 o 0 M. Geldstrafe verurteilt. Letzte ftachricbten. Landtagscrsatzwahl in Detmold. Detmold, 29. Juli.(Privattelegramm des„Vor- wärt s".) Bei der heutigen Landtagsersatzwahl, die infolge der Mandatsniederlegung des liberalen Reichstagsabgeordneten Neu- mann-Hofer notwendig geworden war, erhielten Becker(Soz.) 355, Neumann-Hofer(Lib.) 596 und Kreiling(wildkonf.) 563 Stimmen. 1400 Wanderarbeiter waren abwesend, konnten also ihr Wahlrecht nicht ausüben. Es hat nun Stichwahl zwischen dem Liberalen und dem Konservativen stattzufinden. Der Deutsche Landtagsverband und die Aufhebung ddr böhmischen Landesverfassung. Prag, 29. Juli.(W. T. B.) Die heutige Vorstandssitzung des ehemaligen deutschen Landtagsverbandes stellte in eingehender Be- ratung eine Erklärung fest, die besagt, daß die Beseitigung der tschechischen Landesausschüsse als ei» Erfolg der deutschen Politik anzusehen sei. Mit der Zusammensetzung der kaiserlichen Ver- waltungskommission, heißt es weiter, können sich die Deutschen keinesfalls einverstanden erklären, weil die Zusammensetzung einß Benachteiligung der Deutschen darstellt. Die Regierung wird für etwaige deutschfeindliche Matznahmen der Kommission von den Deutschen verantwortlich gemacht, waS sich auch, wie einmütig festgestellt wurde in der Wiener Reichs- ratspolitik auszudrücken hat. In nächster Zeit wird ferner durch Wahlen eine Körperschaft von dreihundert Vertrauens- männern eingesetzt. Bezüglich des Ausgleichs wurde festgestellt, daß die deutschen Abgeordneten sich an den bisherigen Abmachungen mit den Tschechen nicht gebunden erachten. Für die Neuanknüpfung von Verhandlungen wird erklärt, daß ein Junktim zwischen der Gesetzgebung des böhmischen Landtags und der Reichsratsgesetz- gebung wie bisher auf Wunsch der Tschechen nicht mehr aner- kannt werde und auch nicht zulässig sei.— Diese Erklärung ist wichtig, weil sie die neuen Ausgleichsverhandlungen auf eine ganz neue Basis stellt. � � Generalstreik und Rassenkamps in Südafrika. London, den 29. Juli.(P r i v a t t c l e g r a m m d e s„V o.r- wärt S".) Beunruhigende Nachrichten laufen aus Johannesburg ein. Der Gewerkschaftsbund droht, den Generalstreik zu erklären, weil weder Regierung noch die Grubenbesitzer die Forderungen der Arbeiter bewilligen wollen. Diese Drohung hat bei den Kapitalisten einen panischen Schrecken erzeugt. Wenn man ihren Blättern glauben wollte, so will die Unionregierung innerhalb 48 Stunden einen entscheidenden Schlag gegen die Gewerkschaften führen. Viel- leicht handelt es sich um die Verhaftung der Gewerkschaftsführer. Die südafrikanische Regierung hat Buren aus den rückständigsten Landesteilen auf die englischen Bergarbeiter gehetzt und schon sind eine Anzahl dieser Hinterwäldler in den Vorstädten Johannesburgs mit ihren Wagen angekommen. Diese Mobilmachung des Rassen» Hasses von der dem internationalen Grubenkapital gefügigen Regie- rung wird damit gerechtfertigt, daß man dann das Militär nicht verwenden brauche. Weshalb die bewaffnete Macht notwendig sein soll, ist nicht klar. Für die Arbeiter handelt es sich nnr um fried- liche Arbeitseinstellung, die ohne Ruhestörung vor sich gehen kann, wenn die Regierung nur will. Die Kapitalistenblätter schreiben, als stünde Südafrika vor einer Revolution. Das ist aber nur ein plumper Versuch, ein geplantes ruchloses Verbrechen von vornherein zu rechtfertigen. Wie die„Dailh-Citizen" aus Johannesburg meldet. ersuchen die Arbeiter Südafrikas ihre Klassengenossen der ganzen Welt um Hilfe und Beistand. Weitere Nachrichten liegen heute abend aus Südafrika nicht vor. Ein ominöses Schweigens Ein griechischer Erfolg. Athen, 29. Juli.(W. T. B.) Die Griechen besetzten gestern. ohne Widerstand zu finden, Guemueldjina. Die Bulgaren ließe»' tzrei Belagerungsgeschütze in Stich. Selbstmord nvs Liebcsgram. Königsberg, 29. Juli.(W. T. B.) Der 26 Jahre alte Bäckergeselle Friedrich Subeit, der gestern von Berlin hier zugereist ist, bal sich heute abend auf seinem Zimmer, Viehmarkt 14, mit einem Revolver erschossen. Er hat einen Brief hinterlassen, indem cr Liebeskummer als Motiv angibt. Ein Berliner in der Sommerfrische verunglückt. Rönne(Bornholm), 29. Juli.(W. T. B.) Der Student Donnenwe aus Berlin ist heute beim Bodehotel SandkaaS in Allinge ertrunken. Vier andere Badegäste konnten nur mit größter Mühe im letzten Augenblick gerettet werden. Das Unglück ereignete sich infolge der starken Strömung. Die Leiche des Ertrunkenen konnte bisher noch nicht geborgen werden, Sozialdemokratischer Watilverein I. d. Uerl. ReichstagswaWkreis. Köpenicker Viertel. Bezirk 145 II. Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unser Genosse, der Schneider Wilkelm Wesenigk gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Donnerstag,»an 31. Juli, naiy- mittags>/,5 Uhr, von der Halle des Zentrulsrildhoss in Friedrichs- seldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Dvi» Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein LdlBerLReichstags-Wahlkreis. Am 25. d. M. verstarb unser Genosse, der Maurer Ernst Jahn Reinickendorfer Str. 93. Bez. 797. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des neuen Nazareth-Kirchhoses, Reinickendorf« West, Kögelstrafie, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/2 Der Vorhand. Zentralverband der Zivilmnsiker Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Am 26. Juli starb nach langem Leiden unser langjähriger Kollege Lkristisl? Nenmaiin im 74. Lebensjahre. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 30. Juli, mittags 12�/, Uhr, von der Cbarits, Ein- gang Mexander-User, statt. Um rege Beteiligung ersucht 50/7 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser innig geliebter Sohn und guter Bruder Willi lkseais bei einer Bergbesteigung tödlich verunglückt ist. Um stilles Beileid bitten die tiestraucrnden 66a Eltern und Eeschmister. Deutscher Bauarbeiterverband. Zwcljfverein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maurer Ernst Jahn (Bezirk Wedding) am 25. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute, Mit twoch, den 30. Juli, nach- mitt ags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Nazareth-Kirchhoses in Reinickendors-West, Berliner Str., aus statt. 144/1 Um rege Beteiligung ersucht ller Vorstand. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bau- arbeitet krtetlricli Kulick (Bezirk N. I) am 26. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 5'/, Uhr, in Nordend, Gethsemane- Kirch- hos. statt. Um rege Beteiligung ersucht 143/20 Der Vorstand. Uandlungs- Zentralverband der gehilien. Bezirk Erost-Verlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege �rtur Wessner am Sonntag nach längerer Krank- heit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donlierstagnachmiitag 5 Uhr von der Halle des städtischen Fried- Hofes in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 288/5 Oie Ortsverwaltung. Zentralverband der Maschinisten u. Heizer sowie Beruisg. Deutschi. Geschäftsstelle Groß- Berlin. Bezirk Gesundbrunnen. Am Montag, den 28. Juli, verstarb unser Mitglied, Kollege knhert Eben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 31. Juli, nach- mittags 5>/z Uhr, von der Leichen- Halle des Pauls- Kirchhofes, Plötzensee, Seestraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Oie Geschältsstellenverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für zahlreiche Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben unvergeßlichen Mannes, Bru- ders, Schwagers und OnkelS Mami Heublein sage ich allen Freunden und Be- kaiinten, sowie dem Gastwirtsverein, Arbeiter- Gesangverein, Taubenklub Hohenzollern, der Freiwilligen Feuer- wehr von Mariendors und Umgegend meinen herzlichsten Dank. 1696b Frau Vrleda Henbleln. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unser lieber Sohn ttsns siebter im Alter von 10 Jahren nach kurzem Leiden sanst entschlafen ist. 1697b Die Einäscherung findet am Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium in der Gericht- stratze statt. Oie trauermlen Hinterbliebenen. Familie Hugo Richter, Cnlmstr. 29. Kranzspenden verbeten! Wet-Cotm 1. Geschäft: Gr. Frankfurter Str. 58 2. 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Die Verfechter der russischen Methode selbst erklären, daß es sich im eine„frisch-fröhliche Parole zu Massenaktionen", um die„Erziehung der Sozialdemokratie zur politischen Offensive" handelt. Daran ist soviel richtig, baß der Massenstreik heute diskutiert wird als Mittel nicht der Abwehr, sondern der Offensive, als Mittel, eine Position, das freie Wahlrecht in Preußen, zu erobern, die wir noch nicht haben. Für die Offensive einer Klasse, die schon etwas zu verlieren hat, wird aber die Anschauung zur Torheit, es komme nur auf den Kampf an, nicht auf Sieg oder Niederlage. Ehe er zur Offensive übergeht, überlegt jeder kluge Kämpfer die Aussichten des Kampfes. Er beginnt ihn nur dann,.wenn er es für möglich hält, den Sieg zu erringen. Das gilt für jede Parteileitung wie für jede Getverkschafts- Leitung, es gilt aber auch für die Massen selbst überall dort, wo sie schon über einige Kriegserfahrung verfügen. Der Massenstreik hängt von den Massen ab, nicht von den Führern. Nur aus dem Drängen der Massen kann er erstehen, nicht aus der Parole von oben. Und wenn die Massen in Deutsch- land bisher noch nicht zum sofortigen Massenstreik drängen, so rührt das nicht zum wenigsten daher, weil die Massen die äugen- blicklichen Aussichten der Offensive auf diesem Gebiet gering schätzen. Anders urteilen freilich die Vertreter der russischen Methode. Sie schieben die Schuld an der augenblicklichen Zurückhaltung der Massen auf die Partei, und zwar in letzter Linie ihre Führer. Sie meinen, hätten wir ISIO statt an die Vorbereitung der Reichs- tagswahlen zu gehen, eine Taktik verfolgt, die zum Massenstreik führte, dann— ja was wäre dann geworden? Dann, meint man wohl, ständen wir jetzt mitten in der Revolution drin. Statt dessen haben wir„nur" 110 Mandate und ili Millionen Stimmen erlangt, und damit macht man noch keine Revolution. Daher soll die Partcwerdrossenheit rühren. Eine ernsthafte Widerlegung erheischt wohl diese Behauptung wicht. Wo zeigte sich 1910 der große Drang nach dem Massen- streik? Wäre er wirklich vorhanden gewesen, wie hätte es gelingen können, ihn zu ersticken.�und zwar ohne die geringste Anstrengung zu ersticken? Für den Vorschlag, die Massendemonstrationen zum Massenstreik zu steigern, erhob sich 1910 nirgends in Teutschland auch nur eine einzige Organisation. Der Vorschlag siel platt zu Boden. Seine Durchführung wäre eben damals unmöglich, der Versuch seiner Durchführung ein Schlag ins Wasser gewesen, der wns nicht die Revolution, sondern eine heillose Blamage, wenn nicht Schlimmeres gebracht hätte. Wo die Massen wirklich nach dem Massenstreik verlangen, das beißt nach seiner sofortigen Durchführung, nicht bloß nach feiner Propagierung, da nützt alles Bremsen der Führer nichts, das hat uns jüngst Belgien aufs deutlichste gezeigt. Und weit weniger als die Massen von den Führern werden diese von den Massen bcein- slutzt. Kühne, tatkräftige Massen erzeugen auch kühne Führer, während der tatenlustigste Führer in seinem Eifer erschlafft, wenn «v nur apathische Massen hinter sich fühlt. In der Regel drängen proletarische Massen vorwärts, sind sie .radikal", aber vorübergehend können sie auch gelegentlich etwas slau werden, ennveder durch die Ungunst der ökonomischen Verhält- »isse oder durch Ermüdung infolge großer Kämpfe. In solchen Situationen kann es aber nichts Verkehrteres geben, als die Massen durch alle möglichen Reizmittel und frischfröhlichen Parolen künstlich stimulieren zu wollen. Man begegnet nicht bet Bersammlungsmüdigkeit dadurch, daß man die Zahl der Ver- sammlungen vermehrt. Und die wachsende Zahl der Arbeitslosen macht man nicht kampflustiger dadurch, daß man sie zu Massen- hafter Arbeitseinstellung aufruft. Nicht solche Stimulanzien, son- der» die Klassengegensätze, die Bedingungen des Klassenkampfes sind es, die immer wieder dafür sorgen, daß die Flauheit der Massen keine dauernde Erscheinung wird und immer wieder er- neutem Tatendrang weicht. Nicht solchen Tatendrang zu erwecken, sondern ibn zu leiten ist die� Aufgabe der Partei. Sie hat ihn zu lenken auf Ziele und Kampfmethodcn, die dem Proletariat Erfolge bringen und es dadurch, durch Siege, nicht durch Niederlagen, zu neuen Taten sähig machen und begeistern. Neben den Aussichten des Kampfes ist es vor allem die 'Größe des K a m p f p r c i s e S, die für die' Energie und den Tatendrang des Proletariats in seinen Kämpfen bestimmend wird. lind hier liegt wieder ein gewaltiger Unterschied vop zwischen belgischen wie russischen Zuständen auf der einen Seite und den preußischen auf der anderen. Wir haben schon gesehen, worum es sich 1905 in Rußland handelte! um nichts Geringeres als um die Gewinnung der primitivsten Existenzbedingungen, ohne die ein Vorwärtsschreiten der Lohnarbeiterschaft fast ganz ausgeschlossen ist: nicht nur um das Wahlrecht, sondern auch um Koalitions-, Vereins-, Versammlungs- und Preßfreiheit. Als der Zarismus unter den Schlägen der Japaner zusammenbrach, mußten die russischen Proletarier sich erheben und gleich zu ihrer schärfsten Waffe, dem Massenstreik, greisen. Sie hatten wirklich nichts zu verlieren als ihre Ketten und eine Welt zu gewinnen. Anders wieder lag die Sache in Belgien. Das belgische Par- kamen! ist eine entscheidende Macht im Staate. Wer das Parlament und die Massen beherrscht, verfügt dort über den Staat. In den Massen herrscht bereits die belgische Sozialdemokratie, an der Er- oberung des Parlaments aber hindert sie ein tückisches Wahl- recht. Schon glaubten die kämpfenden Proletarier be, den letzten Wahlen den Sieg nahe, die Regierung gestürzt, deren Majorität in der Kammer eine winzige war, und damit den Weg zum gleichen Wahlrecht und zur Eroberung des Parlaments gesichert. Da sahen sie sich in ihren Erwartungen betrogen, und nun brach ihr Un- will« machtvoll los und entlud sich in ihrem prächtigen politischen Streik. In P r e u ß e n liegen die Dinge weder so wie in Belgien noch wie in Rußland. Trotz alleb Reaktion besitzt doch die Arbeiterklasse in Preußen noch zahlreiche Gelegenheiten, sich zu organisieren und zu betätigen. Jbr politisches und gewerkschaftliches Leben hängt nicht ausschließlich an der Gewinnung des gleichen Wahlrechts zum Landtag. Auf der andern Seite erwartete man von den letzten preußischen Wahlen nicht wie von den belgischen, sie würden den Siurz der Regierung und eine Mehrheit für das gleiche Wahlrecht bringen. Eine Enttäuschung, die die Massen aufs tiefste erbitterte. konnle bei uns der Wahlausgang nicht bringen. Und die Position. v'e nn preußischen Landtag zu eroberw ist. scheint ihnen vielfach lo wichtig wie den Proletariermassen Belgiens die in der belgiichen Kammer. Nicht der Landtag, sondern der Reichstag ist .-�"tichland die höchste gesetzgebende Versammlung. Dreißig Jahre lang hat dies dem deutschen Proletariat ein �eld zur Be- tätigung gegeben, das seine Kräfte fast ganz in Anspruch nahm. Jetzt sind w,r so weit erstarkt, daß er uns nicht genügt, daß wir auch dm preußischen Landtag erobern wollen und müssen. Aber die proletarischen Massen betrachten das noch nicht so sehr als eine Lebensfrage w,c in Belgien die Eroberung der Kammer. Das entspricht vollkommen den tatsächlichen Verschiedenheiten zwischen den Bcsugnissen und der Macht diese? beiden Vcrlretungs- körpcr. Dabei sehen wir aber das sonderbare Schauspiel, daß gerade uniere energischsten Massenstreikfreunde am eifrigsten dahin wirken, den Massen den Kampfpreis zu verekeln, zu dessen Ge- wtnnung sie chre Exchenz m die Schanze schlag«» sollen, Bei den bisherigen Wahlrechtskämpfen des Proletariats in den verschiedenen Ländern sündigte man in der Regel dadurch, daß man die Bedeutung des Kampfpreises übertrieb, alles das, was das allgemeine und gleiche Wahlrecht leisten werde, in den glühend- sten Farben schilderte. So falsch das war, so war es doch begreiflich und verzeihlich. Unsere Massenstreikler nach russischem Muster befolgen aber die entgegengesetzte Methode: sie setzen den Wert des Parlamentes für das Proletariat über Gebühr herab. Sie sprechen in der ver- ächtlichsten Weise von den Parlamenten, die immer mehr versagen, an deren Stelle Massenaktionen zu treten hätten. Indes auch für jene Proletarier, die den Parlamentarismus richtiger einschätzen, erscheint, wie die Haltung der Massen zeigt, die Beherrschung des preußischen Landtags noch lange nicht so sehr als Lebensfrage wie den belgischen Arbeitern die Beherrschung ihres Parlaments. Im preußischen Wahlrechtskampf sind also die Bedingungen eines Massenstreiks ganz andere, als sie es in Rußland und Belgien gewesen. Die Arbeiterklasse ist eine andere, die politischen und öko- nomischen Bedingungen, unter denen sie lebt und wirkt, sind andere; der Kampfpreis ist ein anderer. Wir dürfen daher die belgischen und russischen Erfahrungen nicht einfach als fertige Schablonen auf den preußischen Wahlrechtsiampf übertragen. Sollte aber deshalb der Massenstreik in Deutschland überhaupt unmöglich sein? Tatsächlich ist er die schärfste Waffe, über die das Proletariat verfügt. Versagt er, so hat es keine schärfere mehr, sich einer Gewalttat zu widersetzen. Sollte der Massenstreik für Deutsch- land überholt sein, weil solche Gewalttat gegen das Proletariat nicht mehr zu erwarten wäre? Aber an der fortschreitenden Zuspitzung der Klassengegensätze dürsen wir doch nicht mehr zweifeln. Das heißt nichts anderes, als daß wir immer größeren Kämpfen ent- gegengehen, in denen unsere Gegner immer schärfere Waffen gegen uns gebrauchen und uns dadurch zwingen, auch auf schärfere Mittel der Abwehr bedacht zu sein. Darum schon müssen wir uns mit der Idee des Massenstreiks vertraut machen. Bei den jetzigen gespannten Verhältnissen kann über Nacht eine Situation eintreten, die uns zwingt, zu unseren schärfsten Waffen zu greifen. Aber freilich, das bloße Bedürfnis nach einer schärfen Waffe bewirkt noch nicht, daß sie auch wirklich scharf und schnei- dend ist._ Die proletarische Jugendbewegung. Ii. Ihre Bekämpfung. Der Wert der geleisteten Arbeit läßt sich in seiner ganzen Größe erst ermessen, wenn die Schwierigkeiten, mjt denen unsere Jugendpfleger zu kämpfen haben, in Anrechnung gebracht werden. Die Bekämpfung durch Behörden. Die sogenannten Ordnungsorgane des Klassenstaates sehen ihre vornehmste Aufgabe in der Zerstörung der von den Anhängern der proletarischen Jugendbewegung mühsam geschaffenen Ein- richtungen. Die Verfolgungswut der behördlichen Zerstörer richtet sich ausnahmslos gegen alle, auch die harmlosesten Veranstaltungen. Wir wollen uns darauf beschränken, die verschiedenen Me- t Hoden der Bekämpfung in letzter Zeit vorzuführen. Gegen die Jugendlichen, die sich der selbstverständlichen Pflicht unterziehen, für ihre Bewegung propagandistisch tätig zu s«in, wird eine hitzige Jagd unternommen, wobei auch der Polizeihund mit- unter eine Rolle spielt. Fortbildungsschullehrer und Vertreter bürgerlicher Jugendvereine, von denen die jungen Arbeiter erst die propagandistische Tätigkeit gelernt haben, leisten der Polizei Tenunziantendienste. Das alte, einfache Verfahren, die Veranstaltungen für alle Zukunft dadurch zu verhindern, indem daß der Jugendaus- schuß zu einem politischen Verein gestempelt wird, findet immer noch Nacheiferer, obwohl dies Verfahren so ungesetzlich wie zwecklos ist. Denn wenn auch der Jugendausschuß für politisch erklärt wird, so hören doch mit ihnen die Veranstal- tungen nicht auf. Das betrifft sogar die Behörde in Essen, die im Kampfe gegen die Jugendbewegung sich zwar sehr aus- gezeichnet, aber�wenig Lorbeeren gecrntet hat. Sie erklärte mit salomonischer Weisheit den Vertrauensmann der arbeitenden In- gend als eine Fortsetzung des früheren politischen Jugcndvereins. Somit sei auch seine Tätigkeit ungesetzlich. Das Gericht verur- teilte ihn zu einer Geldstrafe von 100 M. Natürlich entbehrt dies Urteil jeder gesetzlichen Grundlage. Ein Narr, wer im Kampfe gegen die freie Jugendbewegung nach rechtlickien Gründen sucht. Wurden doch die Verbote zahlreicher Versammlun- gen damit begründet, daß die Themata politisch seien. Einmal lautete das Thema„Tie Wahren und die falschen Freunde der arbeitenden Jugend", ein andermal„Der Kampf um die Arbeiter- jugend". Ein Vortrag, der selbst nach dem Urteil der Richter(in Mühlhausen i. Th.) an sich unpolitisch wax, wurd: von denselben Richtern lediglich deshalb zu einem politischen gestenrpclt, weil er in eine Warnung vor der bürgerlichen Jugendbewegung ausge- klungen war. Weil also die bürgerliche Jugendbewegung, die vom Staate gefördert wird, politisch ist. darf sie zwar ungehindert weiter bestehen, aber wer die Jugendlichen vor dem Beitritt in diese ungesetzliche Organisation warnt, wird bestraft! Der§ 17 des Reichsvcreinsgesetzes, der dem behördlichen Vernichtungskrieg gegen unsere Jugendbewegung den Schein des Rechts verleihen muß, während er für unsere Gegner einfach nicht existiert, verbietet Jugendlichen nur die Teilnahme an po- litischen Vereinen und Versammlungen. An allen geselligen Ver- anstaltungen, von wem immer sie auch ausgehen mögen, dürfen Jugendliche teilnehmen. Doch die Polizeiorgane wußten sich zu helfen, um auch unsere geselligen Jugendvcranstal- tungen zu hindern. Feste und Konzerte dichteten sie zu Versammlungen, freilich politischen, um. Nun konnte der berüch- tigte K 17 in Anwendung gebracht werden. Auf einem Konzert in Oberhausen erschien ein Polizeibeamter,„um die Ver- sammlung zu überwachen". Nach einigem Widerspruch der Ver- anstalter löste er Konzert und„Versammlung" auf, obwohl aus dem gedruckten Programm klar hervorging, daß es sich um eine rein künstlerische Veranstaltung handelte, nicht einmal eine Fest- rede war vorgesehen. Eine Thcateraufführung(Wil- Helm Tcll), die der Jugcndbund in Hamburg im Freien gab, wurde ebenfalls zu einer öffentlichen Versammlung gestempelt. Es bedurfte erst des Anrufens der Gerichte, um diesen Unfug der Polizeibehörde abzustellen. Auch auf Ausflügen stellten sich Polizeibeamte zur Ueber- wachung ein. Jugendliche Fahnenträger erhielten Strafmandate wegen groben Unfugs. Natürlich ist es noch keinem Gendarmen eingefallen, die Bannerträger des Jungdeutschlandbundcs zu ver- haften. Ein AuSflug�des Hamburger Jugcndbundes, an dem sich 1700 Jugendliche beteiligten, wurde zu einem öffentlichen Aufzug gestempelt und der Veranstalter mit einer Geldstrafe von 30 M. bedacht. Die mit Bumbum und Tschintrara zum Kriegsspiele ausziehenden Jungdcutschen stellen selbstverständlich niemals einen Aufzug dar. In der Verfolgung unserer Jugendbewegung haben die Bc- Hörden in Gladbeck den im vorhergehenden Jahr aufgestellten achtuugsgebietendcn Rekord inzwischen noch zu erhöhen gewußt: 8 Haussuchungen, über 100 Vernehmungen Jugendlicher vor der Polizei, 31 Vernehmungen Jugendlicher vor dem Untersuchungs- richter, 2 Vernehmungen Erwachsener vor dem Untersuchungs- richter. Eine schöne Leistung für einen Ort in neun Monaten? Indessen, dieser ewige und noch dazu erfolglose Kleinkrieg gegen unsere Jugendbewegung bchagt den meisten behördlichen Organen längst nicht mehr. Sie wollen ganze Arbeit machen. Von der Fortbildungsschule, dem Rückgrat der bürgcr- lichen Jugendbewegung, aus soll die proletarische Jugendbewegung mit einem Schlage zertrümmert werden. In Sachsen, An- halt und Bayern ist den Fortbildungsschülern die Teilnahme an Vereinen und Veranstaltungen„aller Art" nur mit ausdrück- licher Genehiniguug des Schulvorstandes gestattet. Die Erlaub- nis kann aus verschiedenen Gründen verweigert werden, deren Aufzählung wir uns deshalb sparen können, weil sie immer ver- weigert werden wird, wenn Veranstaltungen der freien Jugend- bewegung in Frage kommen. In Bayreuth ist den Fort- bildungsschülern sogar der Besuch des Jugendheims und eines Stenographiekursus verboten worden. Es sind bereits viele Ju- gcndliche wegen Uebertrctungen derartiger Bestimmungen in den Schulordnungen mit Karzer bestraft worden. Im schwarzen Bayern maßen sich die Behörden an, den Fortbildungsschülern sogar das Lesen zu verbieten. Der Kultusminister Bayerns hat schon im Jahre 1910 einen Erlaß herausgebracht, in dem es heißt: „Besonders haben Bezirksamt und Schulbehörden auf die Halbmonatsschrift„Arbeiter-Jugend" volles Augenmerk zu richten. Sollten Schüler der Aufforderung, dieselbe nicht zu lesen, nicht nachkommen, so hat die Schulbehörde die Pflicht, eventuell mit Strafe einzuschreiten." Auf die Denunziation eines katholischen Priesters hin wurden in Mittertcich Fortbildungsschüler an einem Sonntage zwei Stunden eingesperrt, weil sie sich als Leser der„Arbeiter-Jugend" ausgegeben hatten. Selbst vor den Pforten der Jugendheime macht der Zerstörungskrieg der Behörden nicht halt. Daß in unseren Jugendheimen eine politische Tätigkeit entfaltet wird, dafür läßt sich nirgends auch nur der Schimmer eines Betveises erbringen. So mutzten die baupolizeilichen Verordnungen, um die sich die Veranstaltungen der bürgerlichen Jugendheime den Teufel scheren, herhalten, um unsere Heime, die von bürgerlich sachverständigen Kritikern als mustergültig bezeichnet wurden, zu vernichten. Die Folge dieses skandalösen Beginnens war eine Ver- größerung der Heime.' Die Behörde hatte wohl nicht damit ge- rechnet, daß die erheblichen Mehrkosten der Erweiterung von der Arbeiterschaft würden getragen werden. Wie so oft, so hat sie sich auch hierin gründlich geirrt. Der Kampf mit der Baupolizei- ordnung gegen unsere Jugendheime wird in Berlin von der po- litischen Abteilung des Polizeipräsidiums geführt! Jedem einzelnen der jugendlichen Anhänger unserer Bewegung wurd: die Lust zur Teilnahme mit Peitschen und Skorpionen gründlich auszutreiben gesucht. Indessen Polizeistrafen, Karzer, wirtschaftliche Schädigung, alle Unbill, die ihnen wegen der Zu- geHörigkeit zur proletarischen Jugendbewegung ungerechte Macht- Haber bereiten, ertragen die jungen Proletarier mit dem selbst- verständlichen Opfermute eines Märtyrers, der durch die ihnen zugefügten Qualen in seiner als gerecht erkannten Sache nur mehr befestigt wird. Hm Induftne und RandeL Die Last der Subvention. In den Differenzen zwischen Hamburg-Amerika-Linie und Lloyd nimmt nun«die Hapag in einer Kundgebung das Wort, in der besonders die Ausführungen über staatliche Subventionen von Wert sind. Es heißt da: Was nun die in die öffentliche Diskussion geworfene Frage der Reichspostdampfer-Subvention betrifft, so ver- harrt die Hamburg-Amerika-Linie auf dem Standpunkt, daß solche Postdampfersubventionen, wo es sich nicht um ganz lukrative Ver- bindungen zwischen Mutterland und den Kolonien handelt, der freien Entwickclung des Verkehrs nachteilig sind. Der Verein Hamburger Reeder hat sich in seinem letzten Jahresbericht auch erneut in diesem Sinne ausgesprochen, und der Leiter der Deut- schen Ost-Afrika-Linie, Herr Eduard Woermann, der vorläufig selbst noch unter der Last eines Zuschusses aus den Taschen der Steuerzahler leidet, hat als stellver- tretender Vorsitzender des Vereins Hamburger Reeder diesen B:- richt gutheißen.(Dem Manne soll natürlich die Last schleunigst genommen werden! Die Red.) Die Hamburg-Amerika-Linie hat es deshalb auch abgelehnt, in Verhandlungen über einen Mitbe- werb um den im nächsten Jahre ablaufenden Reichspostdampfer- Kontrakt für Ostasien und Australien einzutreten. Eine Folge dieser Differenzen ist die Aufhebung eine? Der- träges, wonach im ostasiätischen Verkehr die Hapag nur den Frachtcndienst und der Lloyd nur die Rcichspostdampfer-Linie bc- trieb. Vom 1. Oktober 1914 ab wird nun die Hapag sich auch am Passageverkehr nach Ostindien beteiligen und der Lloyd dadurch freie Hand für daö Frachtgeschäft erhalten. Des Pudels Kern. Wir äußerten schon gestern unsere Zweifel, daß die Absicht des Bergsiskus in Oberschlesien, die Preise für Hausbrandkohlen nicht zu erhöhen, ernst gemeint sei. Jetzt erfährt die„BreSl. Ztg.", der Fiskus sei so stark besetzt, daß er für die nächsten Monate neue Aufträge für Hausbrandkohlc nicht annehmen könne. Da hat der Fiskus es allerdings nicht nötig, schon jetzt eine Erhöhung der Preise zu proklamieren, wenn er doch für längere Zeit durch die alten Aufträge zum bisherigen Preise gebunden ist. Für die neuen Aufträge, die in späterer Zeit erledigt werden, wird er dann die Preiserhöhung schleunigst nachholen. Die Waffcnindustric hat Hochkonjunktur. Während in allen Industrien die Konjunkturabschtvächung sich lähmend bemerkbar macht, arbeitet die Waffenindustrie auf Grund der Aufträge aus der neuen Heeresvorlage mit Hochdruck. So berichtet eine Korr:- spondenz der„Franks. Ztg." über die Lage der westdeutschen Klein- eisenindustrie:„Der dauernde Rückgang in den Aufträgen uno Preisen am Eisenmarkt überhaupt beginnt auch die Verhältnisse am Kleineisenmarkt allmählich schärfer zu beeinflussen. Mit Aus- nähme von Fabriken, die Kr-j eg S a rt i! e l(Waffen. Munitum usw.) herstellen, haben fast alle Werke Nur für kurze Zeit Auf träge vorliegen. Die Preise sind gedrückt. Das Exportgeschäft, eine Hauptstütze des Kleineisengswerbes, liegt arg darnieder, seit- dem die unsicheren politischen Verhältnisse überall die Geschäfts lust lähmen. Dazu bleibt das Geld weiter sehr teuer und die Bautätigkeit will nicht recht vorwärts kommen, so daß die Zurück� Haltung deS Handels und des Konsums von Tag zu Tag zu- nimmt. Daher wird auch jedes an den Markt kommende Objekt scharf umstritten, so daß Preisunterbietungen an der Tagesord nung sind.... Die Solinger W a f f e n i n d u st r i e ist da gegen aus den bekannten Ursachen ausserordentlichgut be� schäftigt; es wird dort vielfach tn Tag- und Nachtschicht gearbeitet. In der Werkzeugindustrie be- ginnen die� Aufträge zurückzugehen; im Zusammenhang damit bröckeln auch die Preise ab." Reichspetroleummonopol und Donauweg Wie Münchener Blätter melden, hat sich zur Förderung der Einfuhr von Petroleum und Bodenerzeugnissen deS Balkans und zur Belebung der deutschen industriellen Ausfuhr in Regensburg eine unter deutscher Kontrolle stehende Schiffahrtsgesellschast mit vier Millionen Mark Kapital gebildet, welche unter dem Namen „Bayrischer Lloyd, Schiffahrtsgesellschast m. b. H.' mit dem Sitz in RegenSburg ins Leben gerufen wurde. Dem Unter nehmen gehören neben verschiedenen Petroleumgesellschasten sDeutsche Petroleum- Aktiengesellschaft, Europäische Petroleum� Union, Steana Romana Petroleumgesellschaft m. b. H. Regens' bürg. Bayrische Petroleum- Gesellschaft München) die Stadt RegenSburg, die Bayrische BereinSbank, die Deutsche Bank, die Maschinenfabrik Augsburg- Nürnberg und die Firma Gebrüder Röchling an. Der bayrische Staat ist im Aufsichtsrat vertreten.— Die neue Gesellschaft rechnet offenbar mit der Verwirklichung des Reichspetroleummonopols. Zurzeit wird durch die Uebermacht des amerikanischen Petroleumtrusts in Deutschland eine Petroleumeinfuhr vom Balkan auf dem Donauwege gehindert. Aber früher bestand eine solche Verfrachtung auf der Donau und seit langem bemüht sich ein bayrischer Petroleum-Großhändler in RegenSburg, diesen Weg wieder steizumachen und die staatlichen und städtischen Behörden dafür zu interessieren. Würde daS Petroleummonopol Gesetz, so würde die Einfuhr vom Balkan her eine Steigerung erfahren und in Voraussicht dieser Entwicklung hat wohl jetzt der Bayerische Lloyd die Unterstützung der weiteren Interessenten gefunden._ Eine überraschende Wendung scheint der Preiskampf in der Schallplattenindustrie zu nehmen. Während die L i n d st r ö m A.« G. sich in der vergangenen Woche mit den übrigen deutschen Firmen gegen das Vorgehen der Grammophon A.» G. wandte(die eine neue billige Platte zu 1,20 M. gegen den bisherigen niedrigsten Preis von 2 M. einführen will), scheint sie jetzt mit der Gramms- phon A.-G. gemeinschaftlich vorgehen zu wollen. Wahr- scheinlich ist diese neue Wendung nicht eine freiwillige, sondern durch die Androhung der Entziehung von ihr überlassenen Patentlizenzen erzwungen. Sobald die beiden größten Schallplattenkonzerne ge- meinschaftlich vorgehen, find sie wohl der Beherrschung des gesamten deutschen Marktes sicher.__ Sozialce. Aus dem Gewerbegericht. Was heißt„tägliche Kündigung"? Ein Arbeiter klagte gestern vor dem Äewerbegericht gegen die Firma von Chevalieri auf Zahlung für einen Tag Lohn. Diesen glaubte er wegen Nichteinhaltung der Kündigungsfrist beanspruchen zu dürfen, weil bei seinem Engagement tägliche Kündigung verein- bart war. Der Kläger meinte, darunter sei eine Kündigungsfrist von einem Tage zu verstehen. Das Gericht kam jedoch zu einer Klageabweisung. Begründend führte der Vorsitzende, Magiftratsrat v. Schultz, aus: Der Ausdruck„tägliche Kündigung" werde zwar sehr häufig gebraucht, wenn er auch als juristisch einwandfrei nicht bezeichnet werden könne. Bei der Frage, was darunter zu verstehen sei, müsse auf den allgemeinen Sprachgebrauch Rückficht genommen werden. Danach sei eine solche Vereinbarung als KündigungSaus- fchluß anzusehen. » Kinostreitigkeiten vor dem Gewerbegericht. Die Zuständigkeit des Gewcrbegerichts in Streitigkeiten, die zwischen Kinodarstellern und den Filmateliers.schweben, war gestern «ilcgenstand eingehender Erörterungen vor der Kammer 8 unter Vorsitz des Magistratsrats Schulz. Die beklagte Firma, Berliner Filmatelier, bestritt die Zuständig. keit unter Hinweis auf die künstlerische Qualität der Kinodarsteller und auf die Höhe de» Einkommen? dieser Kräfte, die 2000 M. pro Jahr bedeutend übersteig«. Der Kläger, der die Hauptrolle für einen Film spielen sollte. ist der Meinung, daß die Kinodarsteller«ine künstlerische Tätigkeit etwa in dem Sinne des Theaters nicht ausüben, die Tättgkeit sei weit überwiegend eine mechanische. Außerdem komme in Betracht, daß die Engagements stets nur auf Tage erfolgen. Das Gericht erklärte sich für zuständig, weil der Kinodarsteller oer ganzen Art seiner Tätigkeit nach zu den Gowerbegehilfen zu rechnen und die Einkommensgrenze nur in bestimmten Fällen ge- zogen sei, die hier jedoch nicht vorlägen. Der Klage selbst lag folgender Sachverhalt zugrunde. Der Kläger war als Hauptdarsteller für einen Film engagiert. 30 M. sollte er pro Tag Gage erhalten. Am Montag, den 14. d. M.. sollte mit den auf sechs Tage �berechneten Aufnahmen begonnen werden. Daraus wurde jedoch aus verschiedenen Gründen nichts. Erst ward der Termin um acht Tage und dann auf unbestimmte Zeit ver- schoben. Nun fordert der Kläger, weil er erst acht Tage hingehalten und dann auf unbestimmte Zeit vertröstet wurde, für zwölf Tage gleich 360 M. Entschädigung. Der Vertreter der Beklagten meinte, es sei üblich, daß sich die Darsteller, wenn an einem Tage aus einer Aufnahme nichts werde, geduldeten, eventuell auch wiederholt an- fragen— natürlich, weil eben auf dem Gebiet ein riesiges Ueber- angebot herrscht—- und daß ja dem Kläger der Film«och offen stünde. DaS Gericht sprach dem Kläger durch Urteil für die sechs Tage, für die ihm das Engagement zugesichert war, Lohn i« Höhe von 180 M. zu._ Ein Reichs-NahrungSamt. Es ist Wohl nicht zu wenig gesagt, daß Nahrung und Wohnung die wichtigsten Erfordernisse für das Wohlbefinden der Menschen sind. Auf keinem Gebiete wäre daher die Fürsorge der Gemein- schaftsorganisation, des Staates, dringender als gerade auf diesen beiden Gebieten. Wohnungsämter gibt es, aber nicht vom Reiche aus sondern nur von einigen Gemeinden, deren Verwaltungen ein- gesehen haben, daß sie dazu verpflichtet sind, sich um die Wohnungen zu bekümmern und den schlimmsten Uebelständen durch tätiges Ein- greifen obzuhelfew Nahrungsämtcr aber, die sich damit beschäftigen. die über die Ernährung notwendigsten Erfordernisse fostzustellen und dauernd unter wissenschaftlicher Kontrolle zu halten, gibt es nirgends. Wie wichtig sie gerade wären, ergibt sich aus der all- täglichen Beobachtung. Da fit es denn wichtig, wenn un, er hertor- ragendster Hygieniker und Ernährungsphyswloge, Professor Max Rubner, seine Stimme erhebt und der Oeffentlichkeit das Ge- wissen schärft. Soeben erscheint von ihm im Verlage der Aka. demischen Verlagsgesellschaft tn Leipzig ein neues Buch über „Wandlungen in der B-llscrnährung". in dessen Einleitung er sich über diesen Mangel in der schärfsten Weise äußert. Er sagt darüber �' „Unsere Ziele ließen sich nur erreichen, wenn die Staaten eine besondere amtliche Stelle, ein NahrungSamt» errichteten, um alle Seiten der vielseitigen Probleme dauernd und gründlich zu er- örtern. Ich habe an anderer Stelle die ungemein vielseitigen Aufgaben, die ein solches Amt zu lösen hätte, hervorgehoben Bis jetzt scheint dieser Ruf völlig ungehört bleiben zu sollen. Nicht der geringste Anhaltspunkt ist vorhanden, daß man die nationale De- deutung einer solchen Bearbeitung eines wichtigen Zweiges unseres Volkslebens auch nur im entferntesten zu würdigen verstände. Auch in den United States Departement of Agriculture sehe ich den Anfang einer solchen Einrichtung; hier wird auch versucht, die Ergebnisse der Ernährungswissenschaft ins praktische Leben überzuführen, eine nationale Erziehung heranzubilden. Die rauhe Wirklichkeit macht aber ihre Rechte geltend, indem sie die Unter- -assungen mit allem Nachdruck zur Empfindung bringt. In den Tagen der Not, wenn die Lebensmittelpreise steigen und eine ttefe Erregung weite Kreise der Bevölkerung ergreift, steht man ratlos den Fragen der Bolksernährung gegenüber, unfähig zu deuten, was die Notwendigkeit fordert und was Luxus sei, und«hne Macht, de» Ereignissen für die Zukunft vorzubeugen oder sie zu verhindern. ES ist in Hohem Maße unverständlich, daß man mit Bezug auf die Fragen der Volksernährung immer wieder in den alten Fehler ver- fällt, zu warten, bis durch das zufällige Ereignis einer Teuerung der allgemein« Unwille erregt worden ist, um dann, überrascht durch das Ereignis, gezwungen zu sein. Palliativmittel anzuwenden, die nur für eine kurze Zeit eine schwache Abhilfe schaffen können. All dieses erinnert uns an ähnliches Verhalten gegenüber den Epidemien. ES hat eine Zeit gegeben, in der man sich auch von den Volksseuchen überraschen ließ und in Hast und Sorge die Ab- wehrmaßregeln rüstete, als es zu spät war. Schon Peter Frank hatte einstmals gesagt, nur wenn Seuchen kommen, werde nach der Polizei gerufen:„Man verwendet dann in einer Woche mehr Geld, als nötig fit. um dem Uebel durch kluge Ordnung vor- znbeugen. Es ist beinahe mit den Gesundheitsanstalten alsdann wie mit den Feuerspritzen beschaffen, die mann, wenn ein Dorf brennt, erst flicken und herrichten lassen muß. Das Feuer erlischt von selbst, ehe sie kommen, aber das Dorf liegt in Asche." Ist eS nicht auch genau so mit den Ernährungsproblemen? Statt einer vernünftigen vorbedachten und dauernden Fürsorge haben wir Zeiten, in denen man sich nicht im geringsten um diese Fragen kümmert, und Zeiten, in denen überhastete Matzregeln getroffen werden, um einen Uebelstand, den man lange vorher hätte ahnen können, zu beseittgem Es fehlt eben an jeder Organisation, die das öffentliche Ernährungswesen dauernd unter Aufsicht erhält." Und an anderer Stelle sagt Rubner zur Erläuterung unserer neunmalweisen RegierungSbureaukratie: „Ich habe einen Mann in hervorragender Stellung einmal sagen hören, man werde solchen Untersuchungen über die mensch- liche Ernährung niemals auch nur die geringste Förderung zuteil werden lassen, weil das eine völlig nutzlose Wissenschaft wäre. Im großen und ganzen hat der Mann recht behalten, insofern tatsächlich solche Forschungen bei uns niemals die Unterstützung gefunden haben, die sie hätten finden sollen." Es ist für den Kampf um besser« öffentliche Fürsorge zu be- grüßen, wenn unser erster Fachmann so kräfttae Worte gegen den Unverstand und das mangelnde Verantwortlichkeitsgefühl der Re- gierung findet._ Die Abfindung von Unfallrenten durch einmalige Kapital- abfindung. Die Kapitalabfindung für kleine Renten ist in der Reichsver- ficherungSordnung beibehalten worden. Die in Frage kommenden Bestimmungen find in den§§ 616— 618 enthalten. § 616, welcher lautet:„Beträgt die Rente eines Verletzten ein Fünftel der Vollrente oder weniger, so kann ihn die Berufs- genossenschaft mit seiner Zustimmung nach Anhören des Ver- sicherungsamtes mit einem dem Werte seiner Jahresrente ent- sprechenden Kapital abfinden," regelt die Frage im Allgemeinen, 8 61? handelt von der Abfindung berechtigter Ausländer, die ihren Aufenthalt im Jnlande aufgeben und§ 618 endlich besagt, daß "ir die Abfindung mit einem entsprechenden Kapital der Bundesrat e Berechnung des Kapitalwertes regele. Eine solche Bestimmung hat der Bundesrat auch am 21. Dezember 1912 erlassen. Während nach dem alten Recht Renten bis zum Betrag von 16 Proz. der Vollrente abgefunden werden konnten, ist die Ab- findung nach dem neuen Recht bis �um Betrage von einem Fünf- tel der Vollrente, also 20 Proz., zulässig. Diese Hinaufsetzung der Grenze für die Zulässigkeit der Abfindung ist, wie in der Be- gründung zur Reichsversicherungsordnung ausgeführt wird, ge- schehen, um den Geschäftsgang der Berufsgenoffenschaften zu er- leichtern. Ferner ist man den Berufsgenossenschastcn dadurch noch entgegengekommen, daß sie jetzt ihrerseits den Verletzten zur Ab- findung„anregen" können, während früher der Verletzte zunächst einen förmlichen Antrag auf Abfindung stellen mußte. Diese Anregung wird von einigen Berufsgenossenschaften in einer Art und Weise betrieben, daß alle Ursache zu großer Vorsicht vorliegt. Das Gesetz enthält einige Bestimmungen gegen einseitige Kapitalisierung der Rente. So kann eine Abfindung nur dann ge- schehen, wenn der Verletzte seine Zustimmung dazu gibt und wenn das Versicherungsamt zuvor gehört ist. Sind diese beiden Be- dingungen erfüllt, so hat die Berussgenossenschast einen Bescheid zu erteilen. Gegen diesen Bescheid ist Berufung an das Oberver- sicherungSamt binnen einer Frist von einem Monat zulässig. Das Oberversicherungsamt kann den Bescheid nur bestätigen oder ab- lehnen, darf also weder eine Erhöhung noch eine Herabsetzung der im Bescheid festgesetzten Abfindungssumme vornebmen. Diese Borschriften sind gegeben, um eine Schädigung der Ver- letzten zu hindern. Doch bei einzelnen Berufsgenossenschaften scheint kein Ding unmöglich zu sein. Jedenfalls nur um ihre„Geschäfts- fiihrung zu vereinfachen", schicken zurzeit Berufsgenossenschaften den Verletzten Schreiben ins Haus, um zur Abfindung der Rente anzuregen. Daß dabei nicht immer ganz gesetzlich verfahren wird, möge folgender Brief der Sektion V der Nordwestlichen Eisen- und Stahlberufsgenosscnschaft in Büdelsdorf bei Rendsburg beweisen: „Wir beabsichttgen, eine erneute Prüfung Ihrer Unfallsache vorzunehmen, da im allgemeinen für den gänzlichen Verlust eines Auges nur höchstens bis 25 Proz. gewährt werden. Sie erhalten aber noch immer 30 Proz. Vorher machen wir Sie je- doch darauf aufmerksam, daß Ihre Sache unserem Vorstande zur Beschlußfassung über Abfindung vorgelegt werden könnte, falls Sie einen Antrag auf einmalige Kapitalzahlung stellen würden." Ein solcher Antrag ist nach dem Gesetz unzulässig, weil der Verletzte 30 Proz. Rente bezieht. Erst wenn durch rechtskräftigen Bescheid diese Rente auf 20 Proz. oder darunter herabgesetzt ist, kann der Antrag gestellt werden. Die trotzdem erfolgte Anregung ist wohl dem Wunsch die Rente herabzudrücken, zu verdanken. Ist der Verletzte 10 Proz. Rente los, dann hat die Berufsgenossenschaft ein gutes Geschäft gemacht. Im vorliegenden Fall ist die An- regung der Berufsgenossenschaft umso bedenklicher, als vor nicht allzulanger Zeit ein Versuch der Berufsgenossenschaft, die 30pro- zentige Rente herabzusetzen, vom Reichsversicherungsamt zurück- gewiesen wurde. �. In andern Briefen der Berussgenossenschast wird ebenfalls den Verletzten die Kapitalabfindung empfohlen und gleichzeitig mit- geteilt, daß der Vorstand bereit sei, der Abfindung näher zu treten, wenn der Verletzte sein Einverständnis zur Herabsetzung seiner bis- herigen Rente um 5 Proz., 10 Proz. usw. gebe. Es kann gar nicht dringend genug empfohlen werden, der- artige Anregungen der Berufsgenossenschaft energisch zurückzu- weisen. Ist ein Verletzter erst abgefunden, dann hat er alle An- spräche aus diesem Unfall an die Berufsgenossenschaft verloren, auch dann, wenn eine nachträgliche Verschlimmerung seines Leidens eingetreten ist. Das meist geringfügige Abfindungskapital reicht zur Gründung einer anderen wirtschaftlichen Existenz nicht aus und so ist der Verletzte der größten Not preisgegeben. Zur Folge ein« Abfindung sei noch folgende» bemerkt: Ist ein Unfallverletzt« abgefunden, so sind damit seine Hinter. bliebenen nicht etwa auch abgefunden. Deren Anspruch ist ein ganz selbständiger. Also: wenn ein Mann, der vor Jahren eine Ab- findungSsumme erhalten hat, nunmehr an den Folgen des früher erlittenen Unfalles stirbt, so hätten seine Hinterbliebenen trotz d« Abfindung Anspruch auf Hinterbliebenenrente. Hinterbliebenenrenten können nie abgefunden werden. Witwen» die sich wieder verheiraten, erhalten 60 Proz. des Jahresverdienstes ihres verstorbenen Ehemannes. Diese Abfindung ist von keinem Antrag abhängig, sondern auf Grund des Gesetzes ohne weiteres vorzunehmen. Ausländer, die ihren Aufenthalt im Jnlande aufgeben, können» gleichviel wie hoch die von ihnen bezogene Rente ist, auch gegen ihren Willen auf Antrag der Berufsgenossenschaft abgefunden werden. Wenn ein Verletzter für mehrere Unfälle mehrere Renten zu gleicher Zeit bezieht, so können diese Renten, auch wenn sie zu- sammen einen höheren Betrag als 20 Proz. darstellen, abgefunden werden. Wir empfehlen dringend, die Frage, ob eine Abfindung am Platze sei, sehr genau zu überlegen uno gegebenenfalls am besten im Arbeitersekretariat Auskunft über die Angelegenheit einzuholen. Gerichts- Leitung. Eine KindeSunt«schiebungSafiSre beschäftigte gestern unter Borsitz des Landesdirektors Delkeskamy die 2. Ferienstrafiammer des Landgerichts I. Wegen Vergehens gegen den§ 169, 1 St.G.B.(Kindesunterschiebung) waren die Frau Ella Eiebilski, geb. Schiller, und die Frau Anna Gahrmann, geb. Jurkatis, angeklagt. Die Angeklagte Eiebilski lebt seit längerer Zeit von ibreux Manne getrennt Trotzdem diese Trennung schon über ein Jahr gedauert hatte, sah sie Mutterfreuden entgegen, die ihr nicht gerade gelegen kamen. Als sie der Mitangeklagten Gahrmann, die ver« heiratet ist und seit langem vergeblich auf Familienzuwachs wartet, hiervon Mitteilung machte, kamen beide schließlich überein, eine kleine Unterschiebunasafiäre a la Kwilecka zu inszenieren. Nach- dem die Frau G. ihr Aeutzeres entsprechend verändert hatte, er- zählte sie allen Nachbarn, daß demnächst sich endlich ihr sehnlichster Wunsch erfüllen werde. Als dann der Tag herangekommen war, gab sich die Frau C. dem Arzt und der Hebamme als Frau Gahr- mann aus. Der ganze Plan wäre beinahe daran gescheitert, daß statt des erwarteten einen Sprößlings Zwillinge eintrafen und der falschen Frau Ciebilski dieser doppelte Familienzuwachs doch etwas zu viel war. Ein Kind starb jedoch. Die Kinder wurden als von der Frau Gahrmann geboren in das Standesamtsregister einge- tragen. Durch eine Nachbarin, die Verdacht geschöpft batte, kam die Kindesunterschiebung zur Kenntnis der Behörde. Die Folge war das jetzige Strafverfahren gegen beide Frauen.— Das Urteil lautete gegen Frau Ciebilski auf 2 Wochen und gegen Frau Gahr- mann auf Z Tage Gefängnis. Es kann der Frömmste nicht in Frieden lebe«, wenn eS dem bösen Rachbar nicht gefallt. Ob nun gerade der Besitz« P. in M. bei Lissa i. P. zu den! Frömmsten gehört, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls scheint der Wirt Joseph Jedryczka jener„böse Nachbar" zu sein, der seinen Nächsten, nämlich den Besitzer P., nicht gern in Frieden leben lassen wollte. Zwischen beiden, deren Grundstücke nebeneinander liegen, bestand schon seit langer Zeit eine Fehde. Deshalb hielt sich I. eineS Tages für gemüßigt, seinem Nachbar P. einen Streich zu spielen, der ihm aber teuer zu stehen kommen sollte. Er warf nämlich am Abend deS 19. Juni zwei krepierte und schon der Ver- wesung nahe Gänse in den Brunnen seines Nachbarn, wo diese am Morgen deS 20. Juni von Frau P. gefunden wurden. Da die toten Gänseleiber bezüglich ihrer Beschaffenheit nicht mehr ganz einwandsfrei waren, wurde durch sie das Wasser des Brunnens derartig verpestet, daß eS nicht mehr genießbar war. Wegen dieses schikanösen Streiches erstattete P. gegen seinen bösen Nachbarn Strafanzeige, die schließlich zur Folge hatte, daß das Landgericht Lissa i. P. am 28. März d. I. den I. wegen Sachbeschädigung zu 3 Monaten Gefängnis verurteilte. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt. Das Reichsgericht erkannte am Montag auf Verwerfung des Rechtsmittels. llnappetttlichrs aus einer Wurstküche. DaS Landgericht III in Berlin hat am 28. Februar den Schlächtermeister Reinhold Grißler wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte seit einigen Jahren bis zum 1. Dezember 1912 in Charlottenburg eine Wohnung inne, welche aus Stube, Küche und Kammer bestand. In diesen Räumen stellte er aus gekauftem Fleisch und Zutaten Grützwürste her und verkaufte sie auf dem Wochenmarkt in Charlottcnburg. Den Vertrieb der Wurst besorgte er selbst, indem er in 1—2 Mulden die angewärmten Würste zum Preise von 25 Pf. für 4 Stück feil hielt. Schon im Jahre 1911 liefen bei der Polizei Beschwerden über den Betrieb des Angeklag- ten ein, namentlich wegen des unglaublichen Schmutzes, der in den von dem Angeklagten benutzten Räumen� herrschen sollte. Nach- dem eine polizeiliche Besichtigung dieser Räume stattgefunden hatte, und dem Angeklagten die Ausführung des Gewerbes in d« Woh- nung verboten worden war, leistete der Angeklagte diesem Verbote nicht Folge, es wurden ihm seine Maschinen usw. weggenommen und es wurde eine Geldstrafe von 10 M. über ihn v«hängt. Gegen die polizeiliche Verfügung erhob der Angeklagte Widerspruch. E» fand ein Berwaltungöstreitverfahren statt, in welchem der Bezirks- auSschuß und schließlich das Oberverwaltungsgericht zu Ungunsten des Angeklagten entschieden. Am 7. Oktober 1912 stand der An- geklagte wieder mit den von ihm hergestellten Wurstwaren auf dem Wochenmarkte in Charlottenburg. Eine Frau kam zu ihm und wollte am folgenden Tage Wurst auS der Wohnung des Angeklagten abholen. Der sich ihr hier bietende Anblick von Dreck veranlaßt-! die Frau, von dem Ankauf d« Wurst Abstand zu nehmen und von ihren Beobachtungen der Polizei Mitteilung zu machen. Am 21. Oktober 1912 begab sich eine Kommission in die Wohnung des Angeklagten und stellte fest, daß Küche, Stube und Kammer von' Schmutz starrten. Die Wohnung war offenbar seit Monaten nicht! gesäubert, ebenso, die Geräte und Gefäße. Dicke Schmntzschichtc«! und eine feste Kruste von Wurstmasse fanden sich an der Wurst-, swpfmafchine vor. Auch die auf dem Tische liegenden Messer waren schmutzig. Ferner fand die Kommission Fle.schstucke vor, welch-! einen pestartigen Geruch verbreiteten. Das Fleisch war schon voll-! ständig in Fäulnis übergegangen. Auf den Borhalt der Kommission, erkannte der Angeklagte an, daß das Fleisch vollständig verdorben- sei. Ein am Fenster bangendes ebenfalls völlig verdmbenes Stuck, Schweinefleisch wollte der Angeklagte vor der Vernichtung retten» um es, wie er sagte, für sich selbst zu verwenden. D»e Kommission- erklärte, ein solcher Schmutz sei ihr noch niemals begegnet. Anfang November 1912 kaufte auf dem Wochenmarkte eine Frau bei ihm, dem Angeklagten, vier Würste. Als ihr Mann nach Hause kam und die Würste anschnitt, verbreiteten diese einen solchen Gestank» daß er sie sämtlich ins Feuer warft Das..andgericht hat für fest- gestellt erachiet, daß die von dem Angeklagten hergestellte und ver- kaufte Wurst die menschliche Gesundheit zu schädigen geeignet war. Selbst wenn er nur gutes Flei ich benutzt hatte, so müsse angenom- wen werden, daß die LRurst mit Rücksicht auf den ungeheueren Schmutz und die seit Monaten unterlassene Reinigung der Geräte Stoffe in sich aufgenommen hat, welche d,e Fäulnis erregen und die Wurst gesundheitsgefahrlich machen mußten. Der Genutz solch« Wurst kann zu Magenstorungen fuhren und selbst die Gesundheit eines Menschen m Gefahr bringen. Daß der Angeklagte sich der gesundheitsschädlichen Clgcnfchast seiner Wurst bewußt gewesen ist, bat das Gericht ausdrucklich festgestellt. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt. Er behauptete, er betreibe di« Wurstmacherei seit 15 Jahren und et sei auf Mävßten von da Polizei noch niemals angehalten worden. Das Reichsgericht a» kannte an Montag auf Berwerstm« da Räch«. 3 �Älkoholfrol�öotpanke Franz Abraham Hamb. Mes8in«-n.R6mertrank- Kell. c 2 j Barielalr. 8», Fernap. Kgst.13708 n; Bestes alkoholfreies Si «rXI Getränk. Uli . Berlin 0,RudolfitT.4. Arbelte i-Bekleldunoj Eamburger Laden, Chart., WalUt. 69 c Auto-Fahrschulen D Qälll/'O �r* Frankfurterstr. 44 OCII1A.U Eintr.tagl., Teilz.gest. { Bfiokerelew, Kowdltop.� Blottner's Großbäckerei Geschäfte in Barlin, Chariottenbnro, SehSnebero, Wilmersdorf. Aihrecht, E., Fruchtstr. 29. Asmui, WUh., CectannäBdentT. 11. Friedr. Bon, Land«». Allee IIS Faul Berxer, kllrdaekatr. 29 E. Biedermann, Grypliiasstr. 18. Faul Delly, Markusrtraße 15. Albert Denkewl£, Jabkaaklitr. 14 Dollwa, Ferdinand TorelUtr. 4 ßrot-Fatirik„Vorwärts" ���jTOÄnnJDllrich�Kögenick� Franz Fanlwattw, Mairteaffelitr.67. Friedr.Flemmlng,BoiiiagtDer»lr.27. E. Freyer, BhuMDitr. 72. EL Harkuitr Georg Gens, Memelerstr. 20 Gumnior, R. Posenerstr. 16. Göring, Hugo Greifswalderst. 226 M. Grnschfca, KSnigabergeratSS OikarüaDke's Brotliädtenü 7A QeschAlt« tn tllen Stadtteilen Berlina und in Rixdorf. Gegründet 1808. H op p e'ü Imi chf.Kram&iek, Ad&lbertat. 6 6 Max Knlffert, Landab. Allee 29. Paul KdbemlÄ,Wilh. Stolz estr. 35 Ernst Köster, Frankf. Allee 197. Felix Kynast, Dänenstr. 6. Ladenthin.O.wV Emil LIeske, Grüner We* IIS. Ew. Liesegand, Danrlgerstr. 42 Carl Liadenberg. Ljchentmr. 4. August Mante, Ebertystr. 67. Hermann Markau, Rigaeretr. 107 E. Mertlns, Reichenbergerst. 168. Mühlatetf, Spandan, Blsmutkiti. 5. Fritz Mölle, OrMestr. i. Alfred Müller, Brnnnenstr. 87. Roman Nowak, Wienerstr. 8. Friedrich Gate, Madaistr. 10. Paul Otto, Paniigeratr. 21 Herrn. Prooll, Nonnendamm. Friedrich Probst, Andreasstr. 81 Bäckerei„Nordstern" Inh.: Oust. Möller Filialen i. verschied. Stadtteilen Erscheint 2 mal srSchentlich. � B»nd�gsi>??ummluss.� R. Rauke, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köpenickerstr. 70. Lange, A. E., Brunnenstr. 167. Liepe, Schöneberg, Grunew&Idstr.SO. Meyer,P.,NkIIn.,RerIiner8tr.49— 50 J. Ch. Pollmann, Lotbringerstr. 60. Reiche, A. Beleucht.-Benenst.) Büttner, A., Danzigentr. 96. ( DrogenuTFarben J Reinh. Assmus, Gerichtstr. 10. 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Carl Henne, indnasstr. 55, Keinigaag UäT frhnnn Landsberger AUeel49 nldA dUiUlliS reell und billig. Otto Büttner, Neakoila.KiagbakutJi. Nklla., BobenzollernpI.il Backow a. Kud. Kraakeakaai. BCfrrhnr Nklla..Bohenzoilernpl. 11 . riSUlcl Backawa.Kuil.Knak' Ma tote MÄn«. 170 HanIsdi,WeileBseePrenzlsaerProB.191 Hiekel, Fr., Gr. Hambiirgerst. 37 Gast. Nohert, Potsdamerstr.llöa H. Petermeler, Strelitzerstr. 8. Poter-Scbley, Wilh.,ZoMMentT.ll. c Beruleklelduno !) Keiner, Otto, GericbtstraSo 86. RotorLaden,SchdDeh.,H*a,titt.l08 f�lepbräuereieiTBIerir� Ranfft BeicliGDliefgerstr.176 nHililt Adniiralslr. 38 0.193 OttoReetwIsch, SünonDaebatr.l. F. Rialeben, Samariteratr. 11. Arthnr Roemer, Kollb. vaam 101 Walter Rohr, Anklameratr. 26. Max Sander, Dunkers tr. 22. Otto Schmidt, Adalbertatr. 27. Helnr. Schobert Boxh.Chaaa«. 8/6 Sikorakl.Teltniee.EeinenlarfentMl' R. Schade,? aliaa-St.S FU. O u.NO Paul Sorge, Proakaneratr. 21 Rieh. Schenk MÄ z». P. Schinauer, Anklameratr. 16. Gustav Scböftsch, Dolzigerstr. 31 Paul Schulz, Hufelandstr. S Paul SchOrer, Tilsiterstr. 12. H. Spiilm&nn, Grüner Weg 115. P. Sygusdi, Schönh. Allee 150 GusUr Tsapltz, Prinzen-Allee 61. Carl Tennert, Schlesischestr. 19. F. Tledemann, Boxk-B., Kantstr 47. Turban Filulenlenuemn sudt- Joaef Ullrich, Manteoffelatr. 108. Volksbrot, Lfi. ID. LIl. Otto Wagnlts, M&Ueratr. 28 Ludwig Vier, BüfeUtr. 37. Fritz Wahl, Koppenetr. 46 K. Waltor jr„ LSweatr. 18 | Choriner8tr.86 I FU.Ackerstr.l Clemens Weise, Jablonskistr. 1 WilhelmaS�. Otto Wlnkler, Kannynstr. 72. E. Wollt, Grüner Weg 75. Züblko, Glatzeratr.7, Gürteist.!2a � Bsdasnstslten J Arkona-Bad, Anklamer-Str. 34. Bali fllt-Moalilt 104 Ä.,nKeak w»_-D Landsbergerstr. 107 Gollnowatr. 41. Weberstr. 40 b Amt Kgst 894. Canitz-Bad, MÜnzstraße 2. [entral-Baj Anz«"'"��. 26. I Neukölln, Mflnebenerstr. 61 Bad Frankfurt. Gr.Frkft.Str. 136. Lieferant aimtl. Krankenkassen E ad Friedrithahaln, Lsn di h AI! ee 1 5 3 Bad Hufeland, Hufelandstr. 45. Kalser-Frledrlcha-Bad.Cbtrl«.Bb. TpnainTär- \~. s\ v Xfls�aAl X■-., r früher MOnsel, Waiutr. 7nffi Kational'Bad, Brunnenstr 9 Bad Ostend Passage- Bad ß�bu.». Reform-Bad, Wiener Str. 66. Qiloeäsa-Bad■■■ m 911691a Scblesische Str. 21. TTlKtor»ln-ttazl 1 Kottbuser Damm 76 1 Friedrich Wilhelmsbad ChauMeati.*7. w. Akt-Brauer.PotBdam.Kjg.Nicderl. Berlin SW, Tempclhofer Ufer. 15 Br&adeBbnrg&.H.,Wilhelmadorferit.llO Bpez. Potsd. Stangenbier BergbraDereiWeiBeDiee!!<.%» Bribi KöolgM feinste Qualitätsbiere. I Branerei Tivoli Fruchtstr. 87 Ncissbier- CaramelbiBP Brauerei E. WUlnet Pankow. Q roter jans MllzMer, Seböab.-lIUe 13«. IM, 5063- C. Habels Brauerei hell— Habelbrfiu— dunkel. Hempel, E� Mülleretr. 188 d. Unser Goldbier lat nicht nur ein Erfrischangsgetriak, sondern auch ein Gesundhcltabier ersten Range«. Berliner Onions-Brauerei, Berlins. O 40 Filialen • in Berlin und Vororten August Holtz tXiL F. HAGEN 22 Werkaufaatellen 22 1 ir 4$ eigene Detsilgeschäfte I rwim. 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Der Untcrnehmerverband der Papier- und Zellstoff- fabrikantcn hat seinen Mitgliedern eine Anzahl vertraulicher Ratschläge für das Verhalten bei Streiks und Aussperrungen zugesandt. Der„Proletarier", das Organ des Verbandes der Fabrikarbeiter, ist in der Lage, diese Ratschläge nebst anderen Vertraulichkeiten aus dein Unternehmerverband einer weiteren Ocffentlichkcit unterbreiten zu können. Die veröffentlichten Ratschläge sind ein so wertvoller Beitrag zur Beleuchtung der Grundsätze und der Taktik der Untcrnehmerverbände, daß wir sie hier wiedergeben wollen. 1. Allgemeine Regeln: a) Nimm in allen Arbeiterfragen Fühlung mit der Fach- und Lokalorganisation des Arbeiigebervcrbandes. Beide Verbände muffen sich gegenseitig in die Hand arbeiten, um drohende Slreiks im Keime zu ersticken. b) Prüfe jede Forderung deiner Arbeiter daraufhin, wie weit du sie nach Lage deines Geschäfts und ohne deine Berufsgenoffen zu schädigen, bewilligen kannst. Hast du eine Forderung einmal abgeschlagen, so beharre auf deinem Standpunkt. Die nachträgliche Bewilligung von Forderungen erregt bei deinen Arbeitern den Eindruck der Schwäche und ruft neue Forderungen hervor. es Versuche in deiner Fabrik einen vaterländischen Werkverein zu gründen oder deine Arbeiter wenigstens teilweise einem natio- nalen Arbeiterverbande anzuschließen. Diese Verbände wollen den Ausstand vermeiden und wollen dir in Streikfällen eine wertvolle Stütze sein. 2. Fja II des Ersuchens der sozialdemokratischen, Hirsch�Dunckerschen oder christlichen Arbeiter- Vereinigungen um denEintritt inVerhandlungen mit dem Gewerk schaftSsekretär. a) Lehne, soweit du vermagst, Verhandlungen mit der Arbeiter- gewerkschast oder ihren Führern ab. bj Berufe dich darauf, daß die Vereinigung nicht befugt ist, deine gesamte Arbeiterschaft zu vertreten. Verhandle, soweit du kannst, nur mit der eigenen Arbeiter- schuft I 3. Fall des Ersuchens um Abschluß eines Tarifvertrages. Vermeide den Abschluß eines Tarifvertrages, denn er wird dir keinen Frieden innerhalb deines Betriebes bringen. Die Ge- werkschasten, die die Tarifverträge selbst als Kampsverträge be- zeichnet haben, werden nach Ablauf der geltenden Verträge neue Forderungen stellen, und du mußt den Frieden eines oder mehrerer Jahre mir neuen Opfern bezahlen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß Ausstände gerade in den- jenigen Fabriken auszubrechen pflegen, die mit den Arbeitern Tarifverträge abgeschloffen haben. 4. Fall deS Ausbruchs eines Streiks. a) Sollte ein Streik ausbrechen, so mache sofort derGeschäsls- stelle des Arbeitgeberverbandes Deutscher Papier- und Zellstoff- fabrikanten und'womöglich auch der Hauptstelle Deutscher Arbeil- geberverbände Mitteilung unter genauer Darlegung der Ursachen des Streiks und unter Beifügung einer alphabetisch geordneten Liste nebst Geburtsorten und Geburtsdaten der streikenden Arbeiter. Mache auch deinem lokalen Arbeitgeberverbande sogleich Mit- teilung. b> Teile der Geschäftsstelle sofort mit, welche übernommenen Lieferungen durch den Ausbruch des Streiks unmöglich werden und für welche Stoffe du eventuell der Aushilfe durch andere Mitglieder des Arbeilgeberverbandes bedarfst. cj Benachrichtige, wenn es dir zweckmäßig erscheint, deine Kundschaft von drohenden Schwierigkeiten oder Ausfall der Lieferungen. cl> Benachrichtige die Geschäftsstelle, ob du die Besorgung von Arbeitswilligen wünschest und cvent. in welcher Anzahl. w Erwäge, ob du durch eine völlige Stillegung des Betriebes die Beendigung des Streiks eher durchsetzen wirst und ziehe event. den Rat der Geschättsführung bezw. des Borstandes ein. k> Teile der Geschäftsführung mit, wieweit nach deiner Ansicht die Aussperrung von Arbeitern in benachbarten Fabriken zur Be- cndigung deines Streiks beitragen würde. Von einer Besprechung der einzelnen Anweisungen können wir Abstand nehmen, ihr Zweck und ihre Motive liegen durch- weg klar zutage. Immerhin sei auf den Ratschlag unter 1 o) besonders aufmerksam gemacht. Er bildet einen neuen Beleg für die alte Tatsache, daß die Gelben von den Unter- n e h m e r n bewußt und planmäßig als Streikbrecherschutz- garde gegen die Gewerkschaften gegründet und gefördert werden. Diese Tatsache tritt in den vertraulichen Anweisungen der Papierfabrikantcn offen hervor. Das wird gewisse Leute natürlich nicht hindern, die Gelben auch fernerhin als ein „Produkt des sozialdemokratischen Gcwerkschaftsterrors" hin- zustellen._ Berlin und Umgegend. Von der Verwaltung des Deutschen Holzarbeiterverbandes wird uns geschrieben: In der Arbeitslosenversammlung der Holzarbeiter am Dienstag voriger Woche sind nach dem Bericht deS„Vorwärts" Vorwürfe gegen die Verwaltung erhoben, die bei näherer Beleuchtung der tat- sächlichen Verhältnisse von den Rednern selbst nicht aufrechl erhalten werden dürften. Was die Haltung der Verwaltung gegenüber der Einbekufung der Versammlung anlangt, so kann bei keinem organisierten Arbeiter ein Zweifel darüber bestehen, daß Aktionen der Organisation nur von der von der Organisation bestimmten Leitung ausgehen sollen. Hierzu gehört auch die Einberufung vöti Versammlungen. Es würde der DesorganisationTür und Tor geöffnet werden, wenn es anders wäre. Glaubten die Mitglieder, die den Antrag auf Einberufung einer Arbeitslosenversammlung gestellt hallen, daß die einstweilige ab- lehnende Haltung der Berwaliung falsch sei, so stand es ihnen frei, sich an die Generalversammlung zu wenden. In der General- Versammlung hat jeder Antragsteller das Recht, seinen Antrag per- sönlich zu begründen. Gelegenheit hierzu bot sich den Antrag- stellern, denn während der Monate Mai und Juni haben drei Generalversammlungen stattgefunden. Der Vorwurf gegen die Ver- waltung, daß sie nichts getan habe, um die Not der Arbeitslosen zu lindern und die Arbeitslosigkeit zu inildern, ist ungerechtfertigt. In bezug aus die Gewährung der Unterstützung kann die Verwaltung nur im Rahmen des Verbands- und Orts- statuts handeln. Ein in der Generalversammlung im Mai gestellter Antrag auf Zahlung einer außerordentlichen Unterstützung wurde der Verwaltung zur Erledigung überwiesen. In Ausführung dieses Be- schlusses hat die Verwaltung im Juni und auch im Juli eine ein- malige Unterstützung an Ausgesteuerte gezahlt, obgleich die Ausgaben im zweiten Quartal infolge der anwachsenden laufenden Arbeits- losenunterftützung die Einnahmen um rund UV 1X10 M. übersteigen. Für Arbeitslosenunterstützung allein wurde im zweiten Luarlal 243 392 M. an laufenden und 15 009 M. an Ausgesteuerte ausgezahlt. Ferner wurden noch zirka 6000 M. an Mitglieder bewilligt, die sich in größerer Not befanden. Mehr zu tun war die Verwaltung nicht in der Lage. Die Arbeitslosigkeit in Berlin zu- verringern ist nur möglich, wenn der Zuzug von Berlin abgehalten werden könnte und die ledigen Mitglieder in Berlin sich verpflichtet fühlten, so weit es ihnen möglich ist, abzureisen. Der Versuch der Verwaltung, arbeitslose Mitglieder in anderen Städten in Arbeit zu bringen, ist nicht erfolgreich gewesen, da fast durchweg alle in Betracht kommenden Städte selbst mehr oder weniger unter Arbeitslosigkeit leiden und frei werdende Stellen in erster Linie durch Mitglieder am Ort besetzt werden. lieber den Arbeitsnachweis ist in der Versammlung stark ge- klagt worden. Diese Klagen haben mit besonderer Genugtuung die„Fachzeitung", Organ der Unternehmer in der Holzindustrie, sowohl als auch die„Volkszeitung" in gefälliger Breite gebracht. Beide Blätter gehen konform in der Bekämpfung des paritätischen Nachweises der Holzarbeiter, wie die Vertragsbewegung gezeigt hat. Es würde wohl von hoher Befriedigung für die Herrschaften beider Blätter sein, wenn auch aus verschiedenen Gründen, wenn der Arbeitsnachweis der Holzarbeiter zur Bedeutungslosigkeit herab- sinken würde. Dort aus dem Bestreben heraus, die Arbeits- bedingungen mit Hilfe williger Arbeiter einseitig festsetzen zu können und hier die Sehnsucht ikach den früheren Jnserateneinnahmen aus den Arbeitsinarktannoncen. Die Seelengemeinschaft beider Blätter sollte die Mitglieder des Holzarbciterverbandes doch veranlassen, ihre Beschwerden an der zuständigen Stelle der Organisation zu melden. Alle Visher zur Kenntnis der Verwaltung gelangten Beschwerden über den Nachweis sind von dieser geprüft und, wo es möglich war, die gerügten Mißstände beseitigt. Daß nach einem Redner der Nachweis die große Arbeitslosigkeit verschulde, kann wohl nicht ernst gemeint sein. Wenn die 4—5000 arbeitslosen Holzarbeiter statt nach dem Nachweis zu gehen bei den Unternehniern um Arbeit nachftagen würden, wäre auch noch nicht eine Arbeitsstelle mehr vorhanden, wohl aber würden die Arbeitsverhältnisse stark unter einem solchen Zustande leiden. Die Arbeitslosigkeit, und das dürfte jeder aufgeklärte Arbeiter wissen, wurzelt in Ursachen, die in der heutigen privatkapitalistischen Produktionsweise begründet sind und endgültig auch mit dieser nur beseitigt werden. Bei etwas gutem Willen, die Verhältnisse objektiv zu betrachten und zu beurteilen, würden Vorwürfe, wie sie in der Versammlung gefallen sind, nicht erhoben werden. Der Verband wird nach wie vor bemüht sein, nach Kräften den Kollegen in der Arbeitslosigkeit beizustehen. Ob weitere Arbeitslosenversammlungen für sämtliche Berufe oder nur für die Holzarbeiter abgehallen werden, wird sich erst in den nächsten Tagen entscheiden._ Tie Tarifbewcgung in der Gipsbaubranche. Die Arbeiter der Gipsbaubranche(organisiert im Deutschen Bauarbeiterverband) hatten seinerzeit ihren bis zum 31. März d. I. laufenden Tarifvertrag gekündigt und zum Zwecke des Abschlusses eines neuen Vertrages mit den Unternehmern verhandelt. Es wurde vereinbart, daß der alte Vertrag noch so lange gelten soll, bis entweder ein neuer zustande gekommen ist oder die Verhand- langen endgültig gescheitert sind. Die inzwischen geführten VerHand- lungen ffihrten zu keinem Ergebnis, da die Unternehmer sich zu nennenswerten Verbesserungen nicht verstanden. Die Arbeiter haben dann das Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts angerufen. Auch da kam es nicht zu einer Verständigung. Deshalb fällte das Einigungsamt am 19. Juli einen Schiedsspruch. Dieser bestimmt, daß der alte Vertrag mir einigen Aenderungen bis zum 31. März 1916 verlängert werden soll. Die Aenderungen sind folgende: Die bisherigen Stundenlöhne werden am 1. August 1913 um 2 Pf. und am 1. Oktober 1914 wieder um 2 Pf. erhöht. Die Bestimmung des alten Vertrages, wonach am Sonnabend eine Stunde früher Feier- abend gemacht, diese Stunde aber bezahlt wird, soll dahin geändert werden, daß nur noch eine halbe Stunde vergütet wird. Am Montag nahm eine Versammlung der Arbeiter der GipS- brauche zu dem Schiedsspruch Stellung. Nachdem der Branchen- leiter Hähne das Ergebnis der Verhandlungen vorgetragen hatte, entspann sich eine lebhafte Diskussion, die sich lediglich um die l!e- stimmung über die Sonnabend-Fcierabendstunde drehte. SämtMc Redner bezeichneten den Spruch-des EinigungsumteS, �so- weit er den Arbeitern die Bezahlung der halben Stünde entzieht, als unannehmbar. Die Bezahlung der vollen Stunde sei ein er- wordenes, durch Vertrag festgelegtes Recht. Die Beschneidung dieses Rechts bedeute eine Verschlechterung der bisherigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Jede Verschlechterung müsse grundsätzlich ab- gewehrt werden. Einige Redner traten dafür ein, daß inan den kleines fcuülcton. Die Psychologie des Fliegers. Einige Zeit nach der Rückkehr don dem glänzenden Rundsluge durch Europa hat Brindejonc einein Mitarbeiter der-„Annales" eine längere Unterredung gewährt, in deren Verlauf er sich ausführlich über die Seeleiwcrfassung des Fliegers geäußert hat.„Kann man beim Fliegen überhaupt denken?"—„Gewiß," lautete Brindejoncs Antwort,„nur muß man sich vergegenwärtigen, daß der Flieger in seiner Flugniaschine etwas völlig anderes empfindet als der Mensch auf der Erde. Die Schnellig- kcit des Fluges läßt die Erde ganz anders erscheinen, als man ge- wohnt ist. Unaufhörlich gelangt man mit größter Schnelligkeit aus einem atmosphärischen Zustand in den anderen. Alle 50 Kilo- meter etwa trifft man aus eine Wolke, und das heißt für den Flieger durchschnittlich alle 20 Minuten. Unaufhörlich gelangt man so aus einem Regenschauer in den anderen, und dann bestchl die Welt nicht mehr aus wechselnden Landschaften mit Bäumen. Flüssen, Städten und Kirchtürmen, sondern aus Wolkenabgrüudcn, aus Hagelschauern, aus sonnenibeschienenen Flächen, neuen Regen- schauern und neue» Wolkenlichtungen voller Sonnenschein. Es gibt ober in der Luft noch mehr Tinge, die auf die Sinne des Fliegers einstürmen und seine Gedankengänge beeinflussen, als die„Luft- kandschaft", wenn man so sagen will. Vor sich, um sich hat man das Unbekannte, überall lauert der Unfall, jede Sekunde kann der Motor stillstehen, kann ein Spanndraht reißen: kurz, der Tod in mancherlei Gestalt lauert auf dem Wege." Der Journalist fragte hierauf, ob Brindejonc beim Fluge, de- sonders bei außcrgeivöhnlichcn Flügen, das� Gefühl habe, eine Heldentat auszuführen und den Titel eines Helden wirklich zu verdienen...Ein Held?" entgegnete Brindejonc,„ein Held bin ich Vicht. Der ist ein Held, der die Gefahr kennt und ihr trotzt. Ich weiß aber, daß mir bpne Gefahr droht. Wenn ich in meinem Flug- zeug fliege, fühle ich mich vollkommen sicher. Ich weiß, daß ich den Mechanismus vollkommen beherrsche, und meiner selbst bin ich ebenso sicher." „Aber es sind dych so viele Flieger tödlich verunglückt," meinte der Journalist...denken Sie nicht an diese, an die vielen tödlichen Unfälle?" Auch diese Frage verneinte Brindejonc.„Wenn ein -rlieger tödlich abstürzt, so erkundige ich mich nach den Ursachen des Untalls. und dadurch habe ich es soweit gebracht, bei fast allen Un- fallen die genauen Gründe zu wissen. Ich werß, aus was für Um- standen Unfälle werden können, und weiß, wie ick in jeder Lage kalt- bcutig zu handeln habe. Mir ist eines Tages mitten im �Ing etwas cm Motor geplatzi. Das hätte meinen Tod bedeutet, wenn ich den Kops verloren hatte. Ich war schon in Flammen eingehüllt und Trümmer flogen um mich herum. Ich tat aber nur. was ich tun mutzte: ich stellte den Bhnzinzufluß ab und entging so der Feuers- � tm Gleitfluge aur Erde nieder. Das grohc Geheimnis des Micgens ,jt nicht die Heldenhaftigkeit. der Hcrois- mus sondern unmer kaltes Bln. m,d einen klaren Kops behalten." Brindezonc erzählte dann weiter, er sei früher durchaus nicht kalt- blutig gerocien. ,ondcr» habe eher zum nervösen Tnp gehör!, allein das fliegen oabc ihn kaltblütig handeln gelehrt Tasür sübrtc er noch ein Beispiel a» indem er von Bleriots erstem Kanalslug ausging. Den ersten Kanalftug Bleriots bezeichnet Brindejonc der Tat als Heldentat eben wc,l es der erste Kanalflug war und Bleriot ins Unbekannte hineinflog. Brindejonc hat nun einen viel größeren Uebeqeeflug ausgesuhrt, indem er von Et. Peters- bürg nach Stockholm flog und eine Strecke von rund 400 Kilometern über der Ostsee zurücklegte. Das Lob der Kniehose. Der neueste Feldzug der Nacktschnüffler, der diesmal gegen die Harmlose kurze Wichs(die oberbayerische Kniehose) gerichtet ist, Hai eine energische Abwehr gefunden. In den„Münchener Neuesten Nachrichten" kommt eine Reihe von Künstlern und Alpenfreunden zu Wort, die alle für die kleidsame, praktische und gesunde Tracht eintreten. So schreibt der Maler Eduard Grützner: „Es wäre sehr zu bcdaucr», wenn die malerische und praktische Gebirgsirackir verloren gehen sollte, bloß weil ein Teil der Geistlich- keil— gottlob nicht der größere— den Anblick nackter männlicher Knie nicht mehr vertragen will. Warum die gebirglerische Kniehose so plötzlich verderblich auf die Sittlichkeit wirken und abgeschafft und dafür eine lange abscheuliche Hose getragen werden soll, ist mir ganz unbegreiflich. Aber es gibt Menschen, die beim Anblick auch nur eines an sich gänzlich Harmlosen nackten Teilchens am Menschen schon Sünde wittern. WaS sür ein häßliches Innere schaut durch solche Augen? Pfui Teufel I Wer hätte nicht schon seine helle Freude gehabt— ob Städter oder von, Lande— beim Anblick eines kerngesunden Burschen in Gcbirgslracht,� mit seinen wettcrgebräunten starken Knien? Man denke sich denselben flotten Menschen in langen, unpraktischen Hosen) denn sie gewähren nicht die Bewegungsfreiheit der Kniehose." Von hygiemsch-sittlichen, Gesichtspunkten aus betrachtet Georg H i r t h, der sich launig einen königl. bayerischen Kniehösler a. D nennt, die ncucite Anstößigkeit: „Die„kniefreie Hose" ist ein ebenso vernünftiges und sittliches Kleidungsstück wie der hals- und handfrcie Rock. Wäre das Nackte verwerflich, so müßte man ja die Neugeborenen umbringen, dann müßte man in den Kirchen die vielen nackten Engel und sonstigen Ebenbilder Gottes fchleunigfi mit Frack und Bratcnweste bekleiden. Ohne gerode die vorn nnd hinten tiefgehende Dekolletage der Damen auf Hof- und anderen Bällen als hygienische Musterleistung zu empfehlen, muß ich sagen: Je mehr der Mensch von seiner Haut linbekleidet lassen kann, desto besser ist es für die Gesundheit. Bei unseren klimatischen Verhältnissen wird dies in der Regel nicht allzuviel sein können, aber außer Gesicht, Hals und Händen sollleii wir zeitweilig auch noch Arme, Brust, Füße und Knie so viel als möglich dem Lichte und der Luft aus- setzen, wodurch indirekt der ganze Körper abgehärtet wird. Die „sittlichen Bedenken" gegen das freie Knie halte ich für eine Aus- geburl verschrobener Lebenskunst. Mit der Sittlichkeit hat das alles nichts zu tun, die ist ein göttliches Attribut unserer Menschenwürde." Aus dem Freihcitssommcr 1813. Im Sommer 1813 gab der Berliner Buchdrucker Litfoß ein Volksblatt heraus, das bestimmt war. den tiefgesunkenen patriotischen Mut der„gemeinen Volksklasse" ä'l heben, durch eine dem„gemeinen Mann" angepaßte Art der Darstellung. Als am 10. August der ehemalige napoleonische General'Moreau in Berlin erschien, wurde er, der in russische Dienste übergetreten war, in jenem Volksblatt als Befreier Deutschlands gepriesen. und der nahe Sturz Napoleons durch ihn in Aussicht gestellt. Darauf erging eine grimmige Kabinettsorder König Friedrich Wilhelms III. an den Berliner Potizeipräsidentc» Le Eoq. der zugleich Zentor war: „Ich begreife nicht, wie man ein solches Blatt von seilen der Zensur- bchorden dulden kann. Nicht genug, daß die Ueberschrift... auf- falllg ist, enthält das 18. Stück dieses Blattes nichts als Unwahr» Helten, schiefes Urteil und leere Deklamationen... Die Fortsetzung dieses Blattes muß, und zwar ohne Anführung von Gründen, so- gleich verboten werden". Zugleich wurde dem armen Le Coq Seiner Majestät Höchstes Mißfalle» ausgesprochen. Eine staatliche Panzcrplattcnfabrik— in Amerika. Auf Grund eingehender Erwägungen und Berechnungen tritt der amerikanische Marineminister Daniels jetzt an die Bundesregierung der Ver- einigten Staaten mit einem Projekte heran, dessen Ausführung den Staat von der Privatindustrie in Panzerplatten unabhängig machen soll. Man ist der Ansicht, daß die Abhängigkeit von der privaten Panzerplattenindustrie nicht nnr� ein dem Gemeinwesen schädliches Monopol schaffe und allerlei Mißstände züchte: der Marineminister weist zahlenmäßig daraus hin, daß die Monopolstellung der Panzer- plattenindustrie zu einer Uebcrtenerung des Staates führe und daß die Regierung gewaltige Ersparnisse machen würde, wenn sie sich enischlösie. ihren Bedarf an Panzerplatten in eigener Regie herzustellen. Die Kosten der Errichtung einer Panzerplattenfabril, die 10 000 Tons im Jahre fertig- stellen könnte, wird nach den bereits fertig ausgearbeiteten Plänen des MariiieiiiinisterinmS eine einmalige Ausgabe von 35 Millionen Mark erfordern. Dann aber wird die amerikanische Staatskasse im besten Falle nur noch 1256 M. für die Tonne Panzerplatten aus- geben müssen, während sie jetzt der Privatindustrie 1816 M. bezahlen muß. Man würde an der Tonne nicht weniger als 560 M. sparen, also nahezu 30 Proz. des jetzt dem Privatmonopol gezahlten Preises. Selbst bei einer Verzinsung des Anlagekapitals mit 4 Proz. würde die Staatskasse bei einem Bedarf von nur 10 000 Tonnen im Jahre jährlich weit über 4 Millionen Mark spare» nnd sich zugleich vor der Gefahr künftiger Ueberleuerung sichern. Notizen. — Neue Dramen. Herbert Eulenberg hat einen aktuell satirischen Einalter in Neimen„Der Krieg" vollendet, der die Kriegsfurchl humoristisch beleuchtet. Theaterchronik. Im Theater des Westens eröffnet am 1. August Sylvester S ch ä f f e r ein Gastspiel. Zwei Einakter gehen seinem Auftreten voraus.— Die Operette„Das F a r m e r m ä d ch e n" übersiedelt für den Monat August in das Deutsche Schauspielhaus. — P o m M u m ps. In der Pariser Akademie der Medizin teilte der Direktor des Pastcur-Fnstitnts, Professor Roux, mit, daß es den Doktoren Nicole nnd Conseil gelungen �sei, Mumps(Ohr- speichcldrüseii-Entzündung) auf Affen zu übertragen. Man könne hosten, daß man nunmehr bald imstande sein werde, Reinkulturen von den die Krankheit erzeugenden Mikroben herzustellen und diesen Krankheitserreger genau zu studieren> — Stiftungen für die— Reichen. Eine schwerreiche Pariser Dame, Frau Andre, hat dem„Institut"(der Vereinigung der gelehrten Akademien) ihr Palais am Boulevard Haußmann, das reiche Kunstsammlungen enthält, sowie ihr Schloß in Chaalis ver- macht, ferner 10 Millionen Frank, die zur Instandhaltung dieses Nachlasses verwendet werden sollen. Zum Schloß gehört ein alter Park und ausgedehnte Waldgründe mit einigen„historischen Stätten", so eine Hülle Rousieaus u. a. Zu ihrer Besichtigung werden viel- leicht ein paar Dutzend Fremde alle Jahre hinausfahren. Und dazu werden Millionen brachgelegt. Aber das ist so das„Mäzenateiilnin" der Bourgeois. Da müssen tuberkulöse und blutarme Proletarier in dumpfen Löchern hausen und frühem Siechtum und Tod verfallen, weil eine„großherzige" Dame lieber durch ein»Müsse Andrs" in die Reisehandbücher eingehen will. Streik proklamieren müsse, um bessere Bedingungen zu erzielen als sie durch den'Schiedsspruch geboten werden.— Demgegenüber meinte der Branchenleiter Hähne, so schwerwiegend sei die Ver» schlechterung doch wohl nicht, datz es sich lohne, nur deswegen zu streiken. Schließlich wurde der Schiedsspruch in geheimer Abstimmung mit 182 gegen 17 Stimmen abgelehnt.— Damit ist auch— wie Hähne bemerkte— der alte Vertrag außer Kraft gesetzt, da ja jetzt die ganze Vertragsbewegung ergebnislos beendet ist. Sollten die Unternehmer nun mit irgendwelchen Verschlechterungen vorgehen, Reverse zur Unterschrift vorlegen oder dergleichen, so ist das dem Bureau sofort zu melden. Nach nochmaliger kurzer Aussprache beschloß die Versammlung, daß dem E'.nigungsamt die Ablehnung des Schiedsspruchs bekannl zu geben ist mit dem Bemerken, die Arbeiter seien bereit, ein neues Vertragsverhällnis mit den Unternehmern einzugehen auf der Grund- läge des alten Vertrages mit entsprechenden Lohnaufbesserungen. Der Arbeitsnachweis des Friseurgehilfenverbandcs und das Bureau der Ortsverwaltung befinden sich nach wie vor Linien- st r a tz e 73(T e l e p h o n N o r d e n SZIS). Die im„Vorwärts" mitgeteilte Verlegung des Verbandsbureaus, dessen Adresse mit der vorstehenden meist verwechselt wird, hat Mißverständnisse hervor- gerufen, woraus sich für die Arbeitsvermittelung manche Unzuträg« Üchkeit ergab. Wir ersuchen insbesondere die tariftreuen Prinzipale, diesen Hinweis zu beachten. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Vororte. Deirtlcbes Reich. Die Arbeitslosigkeit in Nürnberg und deren Linderung. In Nürnberg hat die Arbeitslosigkeit einen verhängnisvollen Umfang angenommen. Das Baugewerbe stockt wie kaum jemals. Trotz des Hochsommers ist die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter enorm. Von den Organisierten allein feiern über tausend. Im Nahrungsmittelgewerbe ist die Arbeitslosigkeit nie so groß gewesen als in diesem Jahre, insbesondere bei den Brauern und Gastwirts- gehilfen. In der Metallindustrie herrscht, abgesehen von einigen Sparten ein derart schlechter Geschäftsgang wie seit langem nicht mehr. Allenthalben finden Arbeitszeilverkürzungen und Entlassungen statt. Der Riesenbetrieb der Siemens-Schuckertwcrke macht davon keine Ausnahme. Die Fahrradindustrie, die einstens zu den blühendsten Industrien Nürnbergs zählte, liegt total danieder. Eines der bedeutendsten Werke tritt in Liquidation. Der Balkankrieg schädigt einen Teil der Nürnberger Metallindustrie ungeheuer, hauptsächlich die Blattmetallindustrie und die Feingoldschlägerei. Bei den in Nürnberg stark vertretenen graphischen Gewerben herrschen geradezu trostlose Zustände. Bei den Lithographen spricht man von einer Flucht aus dem Berufe. In manchen Berufen ist die Arbeitslosigkeit doppelt so groß als im Vorjahre. Die Opfer, die die Organisationen für ihre arbeitslosen Mitglieder bringen müssen, haben eine Höhe erreicht, wie nie zuvor. Mit Rücksicht auf die ungeheure Not, die bei den Arbeitslosen und deren Familien herrscht, wirkt es wie ein Tropfen auf einen heißen Stein, wenn kürzlich der Magistrat der Stadt Nürnberg 770 000 M. zur Ausführung städtischer Bauten zur Verfügung stellte, zumal nur ein geringer Teil dieser Summe den Arbeilern als Lohn zufließt. Es zeigt sich da die nackte Herzlosigkeit und reaktionäre Gesinnung der bürgerlichen Rathausmehrheit, wenn sie angesichts dieser Verhängnis- vollen Arbeitslosigkeit und des Massenelends, das dieser Zustand be- deutet, immer noch nichts von einer zweckmäßigen Arbeitslosenver- sicherung wissen will. Auslsmcl. Die Wagenarveiter von Brüssel und Antwerpen befinden sich seit dem 2. Mai im Streik. Es handelt sich um die Verteidigung des Koalitionsrechtes. Die Unternehmer versuchen, in Deutschland und besonders in Berlin Arbeiter zu finden. Die Wageriarbeitcr werden daher gewarnt, in den beiden genannten Städten Arbeit an- igsnehmen. Jedenfalls wende man sich vorher an die Organisation: ilnion Centrale des ouvriers de la Voiture de Belgique, Brüssel, Maison du Peuple._ Die Lage im südafrikanischen Randgebiet. In Südaftika erscheint ein neuer Streik unabwendbar. Die Forderungen der Arbeiter find folgende: Achtstündige Arbeitszeit, gleicher Lohn, keine Sonntagsarbeit, zehn Tage jährlich Ferien. freier Nachmittag an den Sonnabenden und schließlich Sicherstellung ihrer Stellung gegenüber Veränderungen in der Direktion der Minen. Die Minenbefitzer haben folgendes zugesagt: Finanziellen und moralischen Beistand in höherem Maße, Krankrnkassen und Wohl- tätigkeitSanstalten, 8l/z stündige tägliche Arbeitszeit, Anerkennung der Arbeiterverbände, sofern sie keine politischen Ziele haben, zehn Tage jährliche Ferien. Den Arbeitern sind diese Zu- geständnlsie zu unbestimmt und sie haben beschlossen, neuerlich in den Streik zu treten, woran in eingeweihten Kreisen nicht mehr ge- zweifelt wird. Wie aus Pretoria gemeldet wird, hat man dort be- reits mit der Absenkung von 200 000 eingeborenen Minenarbeiter begonnen, die im Falle eines Streiks eine schreckliche Gefahr bedeuten würden. Sie werden in ihre Heimat ge- sandt und sollen nach Beendigung des Steeiks wieder heran- gezogen werden. Auch die bekannte Diamantenfirma Wernher, Beit und Comp, hat bereits mit dem Abtransport ihrer zahlreichen eingeborenen Arbeiter begonnen. Welche Bedeutung der Streik hat, erhellt daraus, daß im vergangenen Jahr nach den jetzt vor- liegenden Aufstellungen für 38 800 000 Pfd. Sterl. Gold geborgen wurde, von denen je acht Millionen Pfund an die Aktionäre und die Arbeiter der Gesellschaften gingen. Diamanten wurden für acht Millionen Pfund Sterling geborgen. "Zugeuäbewegimg. Jungdeutschlandbund und katholische Jugendbewegung. Wir gaben vor kurzem das Abkommen bekannt, das zwischen dem Jungdeutschlandbund und den katholischen Jugendorganisationen getroffen worden ist. Der mit diesem Abkommen verfolgte Zweck, alle bürgerlichen Jugendvereine zusammenzuschließen, ist doch nicht so glatt erreicht worden. Die streng katholische Richtung steht dem Jungdeutschlandbund nach wie vor mit Mißtrauen gegenüber, und eine Zusammenkunft der katholischen Jugendvereine der Breslauer Diözese hat diese Richtlinien angenommen: 1. Falls eine katholische Jugendbewegung eines Bezirks den korporativen Anschluß an Jungdeutschland vollzieht, soll dies nur mit vorherigem Wissen und in Vereinbarung mit dem Bezirkspräses geschehen. 2. In den Bezirken, die bereits eigene Sportverbände besitzen und in diesen für die körperliche Ertüchtigung mit eigenen Kräften sorgen, wird ein Zusammenwirken mit dem Jungdeutschlandbund auf sportlichem Gebiete nur von Fall zu Fall seitens der Bezirks- leitung in Erwägung zu ziehen sein. 3. In den Bezirken, in welchen der sportliche Ausbau noch nicht durchgeführt ist, soll z u n ä ch st ü b e r a l l d a h i n g e w i r k t lv erden, daß die katholischen Jugendvereine die Pflege der sportlichen Betätigung ihrer Mit- glieder selbst übern eh nien und ausbauen. Sollte sich dabei die Notwendigkeit einer Unterstützung durch Jungdeutsch- land herausstellen, so können militärische Helfer der örtlichen Jung- deuischlandbünde für den Sportbelrieb im Rahmen des katholischen Jugendvereins in Anspruch genommen werden. Vorausgesetzt wird dabei selbstverständlich, daß die militärischen Helfer die Selbst- ständigkeit der katholischen Jugendorganisation achten und nicht zugunsten der Jungdeutschlandver- e i n i g n n g e n im katholischen Jugendverein agitieren. 4. Gemeinsame sportliche Veranstaltungen(Spiele. Wände- rungen usw.) können nur durch vorherige gemeinschaftliche Ver- ständigung zwischen den Leitungen beider Organisationen eingeleitet werden. Die Beteiligung an solchen einzelnen, gemeinschaftlichen Veranstaltungen hängt immer nur von dem Ermessen der in Betracht kommenden katholischen Jugendorganisation, nicht aber von den Weisungen des Jungdeutschlandbundes ab." Diese unfreundlichen Richtlinien beweisen, daß es mit dem ein- mütigen Anschluß der katholischen Jugendvereine an den Jung- deutschlandbund noch gute Wege hat. Versammlungen. Verband der Brauerei- und Mühlcnarbeitcr. In der am Sonntag abgehaltenen Generalversammlung der Ortsverwaltung Berlin hielt Reichstagsabgeordneter Bauer einen Vortrag über das gewerkschaftlich-genossenschaftliche Versicherungsunternehmen „Volksfürsorge".— Hierauf erstattete der Vorsitzende H o d a p p den Geschäftsbericht für das zweite Quartal. Er besprach den Verlauf und die Ergebniffe der im Laufe des Vierteljahres stattgehabten Lohnbewegungen. In einer Anzahl von Brauereien kam es zum Abschluß von Tarifverträgen, die den Beschäftigten Lohnerhöhungen und Verkürzung der Arbeitszeit brachten.— Ter paritätische Ar- beitsnachweis ist nach langen Verhandlungen eingerichtet und am 1. Juli eröffnet worden. Diese Einrichtung werde sich als eine recht nützliche erweisen.— Ein Streitfall um die Frage, ob Bierfahrer der Angestelltenversicherung unterliegen, ist in der Genossenschafts- brauerei in Friedrichshagen aufgetaucht. Der Rentenausschutz ver- langt, daß die Bierfahrer der Genossenschaftsbrauerei, soweit sie nicht S000 M. Jahreseinkommen haben, zur Angestelltenversicherung herangezogen werden. Die Bierfahrer wollen diese Streitfrage im Instanzenwege zum Austrag bringen. Sie sind der Meinung, daß sie nach der Reichsversicherungsordnung, aber nicht nach dem An- gestelltenversicherungsgesctz versicherungspflichtig sind. Der Redner ging weiter auf die Bewegung der Mühlenarbeiter ein. Dieselbe wurde am 5. Mai eingeleitet. Mit der Viktoriamühle, der Schüttmühle und der Bertheimmühle sind tarifliche Verein- barungen getroffen. Bei der Salomonmühle ist die Bewegung noch nicht beendet, da sich der Inhaber dieser Mühle beharrlich weigert, einen Tarif mit der Arbeiterorganisation abzuschließen. Die Ar- beiter werden nicht eher ruhen, als bis auch dieser Unternehmer den Tarif der Mühlenarbeiter anerkannt hat.— Hinsichtlich der Mitgliederbewegung konstatierte der Redner, daß die Mitgliederzahl im Laufe des Quartals 5000 überschritten hat. Sie beläuft sich auf 4988 männliche und 35 weibliche Mitglieder, die sämtlich regel- mäßige Beitragszahler sind.— Im zweiten Quartal wurden an Krankenunterstützung 8486 M., an Arbeitslosenunterstützung 5648 Mark und in anderen Unterstützungszweigen 2145 M. gezahlt. DaS Vermögen der Lokalkasse beläuft sich auf 61 486 M. Auf Antrag der Ortsverwaltung beschloß die Versammlung, daß die Arbeitslosen zum Zweck der Unterstützung nicht mehr täg- lich, sondern nur jeden zweiten Tag zur Kontrolle erscheinen brauchen. Der Zentralverband der Bildhauer hielt am Montag seine Quartalsversammlung ab. Die Hauptkasse zahlte im letzten Quartal an 15 Mitglieder 385 M. und die Lokalkaffe an 4 Mitglieder 58 M. Arbeitslosenunterstützung. Ferner erhielten 20 durchreisende Mit- glieder 29 M. Unterstützung. Am 1. Juli sind die Räume der Orts- Verwaltung im Gewerkschaftshause verlegt worden. Neuanschaffun- gen in Höhe von 363,75 M. sind erfolgt. Die Einnahmen der Zentralkasse betrugen 9936,54 M., denen eine Ausgabe von 9533,65 M. gegenübersteht. Verbleibt ein Bestand von 402,89 M. Die Lokalkasse hatte einen Bestand von 18 305,13 M. Ihre Einnahmen betrugen 4255,85 M., die Ausgaben 3800,87 M., so daß «in Bestand von 19 060,11 M. verbleibt. Eine längere Debatte löste ein Antrag der Ortsverwältung aus, der eine Notstandsunter- stützung. befürwortete. Zuletzt beschloß die Versammlung, allen Mit- gliedern, die in diesem Jahre 13 Wochen arbeitslos und bereiis aus- gesteuert sind, am 1. August 30 M. Extraunterstützung auszuzahlen. Zcntralvcrband der Maschinisten und Heizer. Die Geschäfts- stelle Groß-Berlin hielt am Sonntag im Köpenicker Gesellschafts- haus ihre halbjährliche Generalversammlung ab. Die gut besuchte Versammlung nahm den Bericht der Verwaltung entgegen. Dem- selben ist zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl um 220 gestiegen ist, so daß sie jetzt 2778 beträgt. Ueber Lohnbewegungen berichtete Galle. Es wurden deren 14 geführt, wovon 4 mit Tarif- abschlug, 8 mit Vereinbarungen, 1 mit Streik zugunsten der Ar- beiter sowie 1 ohne Erfolg endeten. Differenzen fanden in 25 Be- trieben statt, jedoch wurden auch diese in 23 Fällen zur Zufrieden- heit der Beteiligten beendet. Die Hauskassierung der Beiträge hat sich sehr gut bewährt; jedoch haben alle Funktionäre hierbei ihre Schuldigkeit tun müssen. Der Erfolg war, daß die Fluktuation ge- ringer geworden äst und die Finanzen stiegen. Die Einnahmen betrugen 46 160,40 M., die Ausgaben 43 394,01 M. An die Zen- tralkasse wurden abgeführt 34 092,95 M. An Unterstützungen wur- den gezahlt für Arbeitslose 5978,48 M� für Kranke 7610,04 M.,-ür Sterbegeld 1960 M., für Streiks 457,15 M., für Maßregelung. 313 M. und für Rechtsschutz 259,59 M. In der Diskussion wurde die Zu- sriedenheit über den Stand der Organisation und ihre Leistungen zum Ausdruck gebracht. Wegen der zur Debatte stehenden Anträge wurde beschloffen, eine außerordentliche Generalversammlung in Berlin einzuberufen._ Marktpreise von Berlin am Z8. Juli 1913. naw EianiNiuunxen des tönigl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,64 bis 20,70, mittel 20,52— 20,58, geringe 20.40— 20,46 Roggen, gute Sorte 00,00—00,00, mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00— 00,00(ab Bahn). Futtcr- gersic, gute Sorte 17,20— 17,60, mittel 16,70—17,10, geringe 16,20—16,60. tafer, gute Sorte 17,70— 19,10, mittel 16,60—17,60. Mais(mixed). gute orte 00,00— 00,00. Mais irunder), gute Sorte 14,60— 15,20. Rrchtstrvh 0,00. Heu, alt 0,00, neu 0,00. Martthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Sveisebobnen, Meitze 35.00—60,00. Linien 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinbdl.) 6,00— 12,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70-2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1.50-2,10. Kalbfleisch 1.40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2.40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,60— 5,40. 1 Kilogramm Karpien 1,80— 2,60. Aale 1,60—3,20. Zander 1.40—3,60. Hechte 1.60—2,80, Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebie 1,00—48,00. WitterungSüberslcht vom 29. Juli 1913. Iii Stationen§Ä| S ef!| � Setter Swinemde. 7S4W Hamburg 1759WNW Berlin'758;» Franks. a.M 1 763S ' l762S© A LUiUl. U.2 München Wien 1759® »s tf* -ill i? M*) molkig 4;bedcckl 4bedeckt lhciter Iheiter 3. halb bd. 19 �-l- � M GtaNonen B~ Sl Eeaei 'Iii es i-s Ii B, i aparanda 758» etersburg 7Ö4-DSD Scilla Aberdcen Paris 764ONO 766:N» 764.NRO 2 halb bd. 1 Dunst t heiter 2 bedeckt 2bedeckt u-» U AÜS 15 13 16 14 16 Wetterprognose für Mittwoch, den 30. Juli 1913. Ziemlich Nhl. vielfach heiter, jedoch sehr unbeständig mit einzelneu Regenschauern und starken nordwestlichen Winden. Berliner Wette rbureau. Waiierftauds-Nachrichten der Landesanflalt für Gewäffertunde. mitgeteilt vom Bertinei»ellervureau »äff erstand M-m-l, Tilsit P r e g e l, Jnflerburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krosjen Frankiutt Warthe, Schrimm Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz Dresden Barby Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandaus Ratbenpw') Spree, Svrembergfl , Beestow Weser, Münden . Minden Rhein, Maximiliansau » Kaub . Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel. Trier am 28. 7. om 90 8 —16 68 82 154 247 624 382 393 130 148 III seit 27.7. cm1) +4 +3 0 +8 0 —10 —8 +1 +9 +9 +2 —2 — 1 + bedeutet Wuchs.— Fall.— Unterbegel. Gallensteine. Leidende verlangen sofort Prospekte über ein neue», hervorragendes Heil- rnHM von 208/2» OaHena-Tcrtrleb, Barmen, Mühlenweg 5. Los nur 50 Pfg. L Ziehung 7. August Gnesener Pferde- ottene »Inn» I. Cetamtwerte*. M. 70000 darunter 84 Pferde, 8 Bgatpagea&• 60000 8G00 Silbergewinne Mark: 20000 Bsoptgewlan IViereicng Mk.t 10000 MPiÄrs«. Porto and Liste 25 Pf. extra durch das General- Dcblt H.C.Kr(teer BERLIN W 8, Friedrichstr. 193a 90" sowie atie durch Plakate BSV kenotUchen Verkaufsstell. — Telegr.-Adr.;.Goldquelle"— � KevMjwortlicher Redakteur: macsit jedes Wasser weich wie Regenwasser. Waschungen mit Lyso- form desinfizieren sicher und beseitigen jeden üblen Geruch. Echt nur in Originalfl. von 65 Pf, an. Die Entwöhnung der Kinder im Sommer ist schwieriger als in anderer Jahreszeit, weil durch den Uebergang zur Kuhmilch dann unter Einwirkung der Hitze sehr oft Magen- und Darmstörungen verursacht werden. Man gibt die Kuhmilch deshalb am besten zuerst mit einer dünnen Suppe von rKufeke" vermischt, wodurch sie leichter verdaulich gemacht und ihr Isährwert erhöht wird. Durch die Ernährung mit„Kufeke" erzielt man eine feregelte Yerdauung, den besten Schutz gegen die sogenannten ommererkrankungen.__ Alfreh Wielepp, Neukölln. Für den Jnjeratenteil verantw.: Th. Glocke. Zähne v. 2 M., Plomben v. 1,— an, möglichst■dunergl. Betaandl. Patentgebiß ohne platte IHoderne Skahnkunst. Äenkiilln, Bergstr. 156. Tel. j i» I. 9034. Von der Reife zurück 1123/5 itlilcher Arzt Nervenarzt. Dr. Stulz, Garfoai Qualität mmmmmmmjmmmm/mmm Bertin. Druck u. Verlag. Vorwart» gzuchdruckerei u. VectagSanjtaU Paut«inger it. Berlm! jm9s 3. Keilllge des Jormirto" Kerlintr NoldsdlM.»ww Die Mählerlißkit im SlflMofrorbnttfnnmljl liegk«\m noch heute von 3 Uhr bis 8 Uhr abends aus. Versichere sich»jeder Wähler seines Wahlrechts! Partei- 5Zngelegendeiten. Bezirk Schimeichc uud Umgegend. Morgen Donnerstag: Fa» m i l i e ii a u s s l u g nach WolterSdorfer Schleuse sCass Bellevue). Treffpunkt vormittags 10 Uhr Bahnhof Rahnsdorf, Straßenbahn. Lerlmer Nachrichten* Sonnenuntergang. Ter Tag neigte sich zu Ende. Ueber dem weiten Töcher- meer lag ein grauer Tunstschleier. Der Gluthauch des �om- mers hüllte die Straßen der Stadt ein, Menschen und Tiere lechzten ermattet nach Kühle und schlichen schläfrig ihres Weges. Tie Wagen der Stadtbahn glühten, stickig schwer war die Luft in den engen Abteilen. Fenster und Luft. klappen standen weit offen, doch nichts von einem erfrischen- den Hauch war zu verspüren. Am Zoologischen Garten wurde die Tür meines Abteils aufgerissen und eine dicke, resolute Tanie, hoch in den Drei- ßigern, mit Kneifer und Hängekinn, krabbelte schwerfällig die Stufen hinauf. „Nicht zweiter Klasse!" rief sie keuchend hinaus, als sie oben angelangt war.„Ne, man ja nich zweiter Klasse, da er- stickt man ja bei die Hitze." Sie ließ sich erschöpft auf die Bank sinken und entnahm ihrem Poinpadur ein Tafchentuch, mit dem sie ihr feistes, scktweißglänzendes Gesicht abtrocknete. Bei jeder Bewegung, die sie ausführte, nickte die riesige Pyraniide, die ihre kunst- volle Haarfrisur krönte. Inzwischen hatte ihr Gefolge eben- falls im Wagen Platz genommen. Ein kleiner, sehr korpu- lenter Herr, mit blinkender Glatze und Kupfernase— der Gatte der schwitzenden Dame—. dann ein kleiner, etwa sechs- jähriger Knabe, mit rundem hübschen Gesichtchcn und klugen sanften Augen, und zuletzt noch ein gleich langes und dürres Ehepaar, dessen männlicher Teil einen graumelierten Spitz. bart trug, und hell gekleidet war, während die Frau ein blaues Kostüm und weiße Handschuhe anhatte. Die Männer setzten sich zusammen und die Frauen ebenso. Das Kind kniete auf der Bank und blickte unverwandt in den Großstadtabend hinaus. Das Gespräch der Männer drehte sich um Börse und Rennbahn, die Frauen sprachen von der Hochzeit und den Kleidern der Prinzessin Louise. Alle vier waren ganz bei der Sache.— Das Kind sah staunend in den Himinelsbrand. — Im Westen, dicht über den Däckiern,' hing der Sonnenball im grauen Dunstkreis, groß und blutigrot— ein ewigschönes Wunder. Und sein Feuer ließ die Kuppeln und Spitzen der Kirchen erglühen und ließ in den Scheiben der Wohnun- gen züngelnde Flammen aufzucken. „Mama!" Der Junge hatte sich umgedreht.�sein staunendes Auge der Mutter zugewendet.„Mama, die Sonne!" ruft der kleine Mnnd jetzt lauter. An dem Ohr der Mutter gleitet die Stimme des Kindes ungehört ab. Die Damen sind jetzt bei den Schuhen der Prinzessin, alles andere in der Welt existiert nicht für sie. „Papa!" Der Knabe wendet sich zum Vater. Die Sonne sinkt tiefer, noch röter, noch blutiger, noch wunderbarer leuchtet ihr Feuerschein. „Papa!" Papa unterbricht die Unterhaltung auf einen Augenblick. Er hatte gerade auf„Favorit" geschimpft, auf den er todsicher gerechnet hatte und durch dessen Versagen er nunmehr soviel schöne Goldstücke losgeworden war. „Papa!" „Was ist denn los?" Ziemlich unwirsch klingt die Frage. Das Kind zuckt verschüchtert zusammen. „Die Sonne. Papa!" „Ach. was. mit Deiner Sonne, stör uns nicht fort- während, alberner Bengel!" „Ja eben!" Jetzt ist auch Mama ausinerksam ge- worden.„Was hat er denn fortwährend? Setz Dir mal ruhig hin und sei artig und laß das Geknautsche sein.— Ja, und ich stand ganz vorn, Frau Spenzke, denken Sie bloß, ich Hab s geschafft, aber ich mußte auch fünf Stunden stehen, und blaue Flecken hatte ich auch, und den Rock hatten sie mir abgetreten, aber ich hab's doch geschafft und konnte alles sehen."— Sie war schon wieder bei der Prinzenhochzeit und ihre Augen glänzten. Das Hängekinn erzitterte vor innerer Ge- nugtuung und Befriedigung.-- Die Sonne ist verschwunden im Dunstschleier, hinter den Häusern versank sie, ruhig und majestätisch. Nur ein langer Feuerschweif blieb am Himmel zurück, der dunkler und dunkler ward, dieweil die Dämmerung auf weichen Sohlen durch die Straßen schlich. Das Kind blickte zum Horizont hinüber, bis der Zug in die düstere Halle der nächsten Station einfuhr. Mit Maulkorb— aber ohne Lewe. Die Freude vieler Hundebesitzer, mit dem SO. bezw. 31. Juli von den lästigen Spernnaßregeln besteit zu werden, war verstüht. Eine erneute Verfügung besogt, daß der Maulkorbzwang bestehen bleibt, aber der Leinenzwong ausgehoben ist. Man mag ein Hunde- steund oder Hundefeind sein, ein Grund für die Fortdauer der Maß. nähme erscheint nicht ersichtlich. Soweit eS sich um die neue, vom Berliner Polizeipräsidenten erlasiene Bekanntmachung handelt, so deckt dieselbe sich mit der stüheren. Der maßgebende§ 1 lautet: Bi» aus weiteres dürfen Hunde vom 31. Juli d. I. ab im Landes. polizeibezirk Berlin(Berlin. Charlottenburg. Berlin-Schöneberg, Berlin-WilmerSdorf, Neukölln, Berlin-Lichtenberg und Berlin-Stralau) sowie in den Gemeindebezirken Berlin- Weißensee, Berlin-Reinicken- darf, Berlin-FriedrichZfelde und Berlin-Pankow des Kreises Nieder- barnim nur mit einem sicheren Maulkorb versehen und unter gewisienhafter Ueberwachung frei umherlausen. Der§ 2 bezieht sich auf die Ausfuhr von Hunden aus dem Sperrbezirk: er hat den gleichen Wortlaut wie die frühere Bekannt- machung und zwar wie folgt: § 2. Die Ausfuhr von Hunden aus dem Sperrbezirke ist nur mit ortspolizeilicher Genehmigung nach vorheriger tierärztlicher Untersuchung der Tiere gestattet. Als Ausfuhr im Sinne dieser Vorschriften gilt nicht die v o r ü b e r g e h e n d e Entfernung von Hunden aus dem gefährdeten Bezirk bei Spaziergängen, Ausflügen und ähnlichen Gelegenheiten. Eine solche Entfernung ist ohne ortspolizeiliche Genehmigung und ohne tierärztliche Unter- suchung. aber nur unter der Bedingung gestattet, daß die Hunde auch außerhalb des gefährdeten Bezirks mit einem sicheren Maul- korb versehen sein und unter Aufsicht gehalten werden müssen. Der Potsdamer Regierungspräsident erläßt eine gleiche Bekannt- machung, welche sich auf die von der Bekanntmachnng des Berliner Polizeipräsidenten nicht berührten Orte im Kreise Niederbarnim, Teltow und Spandau bezieht. Die Anordnung dürfte bei den Jntereffenten große Eni- täuschung, bei den Maulkorbhändlern desto größere Freude auslösen- Tie Berschandelung der Löcknitz wird offenbar sifftematisch zum Gerdverdienen durch de« Fiskus betrieben. Wie bürger- liche Blätter melden, ist die Gemeinde Erkner seitens der Re- gierung angeregt worden, einen Generalbebauungsplan für die Bebauung der Löcknitzufer zwischen Erkner und Fang- schleuse, also im schönsten Teile der Löcknitz, aufzustellen. Die Gemeindevertretung wird für geneigt gehalten, auf dieses neue Projekt einzugehen, weil sie dabei erhebliche Umsatz- steuern einsacken könnte. Ob der Zweckvcrband stark genug sein wird, solcher Naturverhunzung ein energisches Halt. zu gebieten, muß abgewartet werden. In der letzten Sonntags- nummer des„Anzeiger für Erkner" wird das Projekt des Bebauungsplans bestätigt, aber als ein„dringend not- wendiges, eminent wichtiges Eigenprojekt der Gemeinde Erkner" hingestellt. Dem„wilden" Bauen soll Einhalt ge- boten werden durch Festlegung ausgleichender Baufluchtliniest. Dagegen wäre gewiß nichts einzwenden, wenn nicht in der- selben anscheinend amtlich inspirierten Auslassung die Absicht durchsickerte, daß„die auf das eigene gefällige Aussehen ihres Ortskörpers bedachte Gemeindeverwaltung den längs der Löcknitz vom fürsorglichen Staate vorgesehenen, fünf Meter breiten Schutzstreifen zu einer Uferpromenade auszubauen verstehen werde". Na also! Die Löcknitzufer werden Villen- mäßig bebaut, zwischen Pillen und Löcknitz wird eine Kunst- straße angelegt, und dann ist es mit dem bisherigen natur- echten Landschastsreiz endgültig vorbei. Das neue Projekt zeigt wenigstens das wahre Gesicht des Fiskus. Wir haben ja von Anfang an, als die Geschäftshuberei mit den Märkischen Sandwerken bekannt wurde, betont. daß das dicke Ende noch nachkommen werde. Es war dem Forstfiskus nicht lediglich um die dreitzigtausend Mark Jahrespacht, welche die Sandwerke für Kiesbaggerei am Möllensee bezahlen, zu tun, sondern um eine weit höhere Einnahme, zu der jetzt mit Hilfe der Gemeinde Erkner ein neuer Vorstoß unternommen wird. Vor einigen Tagen fand eine Bereifung der Löcknitz durch vier hohe Potsdamer Re- gierungsbeamte statt. Die Herren erklärten, daß sie sich der öffentlichen Ansicht einer Berschandelung des Landschafts- bildes durch die Löcknitzregulierung nicht anzuschließen ver- möchten. Eine andere Meinung der Regicrungsvertretcr hat wohl auch niemand erwartet. Laubenkolonien und Gemeinden. In Breslau tagt ein Deutslber Schreberkongreß, der sich mit der Bedeutung der Kleingärten beschäftigte. Der Regierungsrat Biele- feld-Lübeck hielt einen Vortrag über:„Volkswirtschaftliche Bedeutung und Ziele der Kleingarten- Bewegung und die Gemeinden". Die Schrebergärten fördern Gesund- heit, Gemeinsinn, Familiensinn, Ordnung und Schönheitssinn und die Gemeinden wie Staat müssen mehr Verständnis für die Kleingärten zeigen. Die Gemeinden müssen Land zur Anlegung von Gärten nicht an Generalpächter, sondern an die Interessenten selbst abgeben. Auch dürfe eine Stadt dabei nicht spekulieren, sondern zu mäßigem Preis verpachten. Der Staat Hamburg vermietet Gelände für einen bis zu drei Pfennige pro Quadratmeter. Auch sollten Staat und Gemeinden den Jntereffenten Kapital zur Anlegung von Gärten gegen Amortisation und mäßige Verzinsung leihen. Jede Stadt muß das große und wichtige, eigene Interesse haben, gesunde, erwerbsfähige Einwohner zu haben, und darum günstig gelegene Kleingärten für die Bürger ohne Gastwirtschaftsbetrieb reichlich schaffen. In der dem Vortrag folgenden lebhaften Aus- spräche wurde zum Beispiel mitgeteilt, daß die Eisenbahn- direktion Breslau an ihre Angestellten Land für Klein- gärten abgebe für einen Pfennig pro Quadratmeter. Die Stadt Neustadt O.-Schl. habe bereits 103 Schrebergärten an Arbeiter und Handwerker vermietet und zwar in Größe von je 200 Quadratmeter gegen fünf Mark I a h r e s m i e t e. Auf Antrag des Generalsekretärs der deutschen Naturheilvereine, Redakteur Schirmet st er- Berlin, nahm der Kongreß einstimmig eine Resolution an, an zuständigen Stellen vorstellig zu werden, daß die an manchen Orten behördlich erlassenen Verbote des Schlafens und Feuerns in den Gärten und der SonntagSarbeit aufgehoben würden, da solche Maß- nahmen die segensreiche Wirkung der Kleingärten sehr stark beein- trächtigen. Bemerkenswerter ist, bat die Stadt Berlin großen Grundbesitz hat und auch zu staubenzwecken verpachtet. Leider kommt sie dabei den Pächtern nicht im geringsten entgegen, sie verpachtet an General- Pächter und betätigt dabei einen unerhörten Fiskalismus. Die Be- deutung der Laubenkolonien für die Stadt Berlin besteht nur im materiellen Effekt, irgendeine soziale Erkenntnis geht der Stadt bezw. der Grundeigentumsdeputation der Stadt Berlin vollkommen ab. ES dürfte an der Zeit sein, diese Rückständigkeit einmal in der Stadtverordnetenversammlung vor aller Oeffentlichkeit kritisch zu be- handeln._ Kottbus und Cottbus im Straheuname«. Berlin hat eine Kottbuser Straße, ein Kottbuser Ufer und einen Kottbuser Damm. Der Kottbuser Damm gehört allerdings nur mit der Westseite zu Berlin. Seine Ostseite liegt schon„jenseits der Grenze' und ist Gebiet von Neukölln. In Neukölln aber schreibt man ihn amtlich nicht Kottbuser Damm, sondern Cotlbuser Damm. Wenn man den Straßenzug von der Brücke des Landwehr- kanals an durchwandert, kann man ein sehr anschauliches Bild von diesem Berlin-Neuköllner Rechtschreibungsstreit haben. Wer nicht weiß, daß er hier aus der Grenze zwischen zwei Städten dahinspaziert, merkt's an den Straßenschildern. Zur Rechten auf Berliner Gebiet präsentiert sich ihm das„fort- geschrittene" K, zur Linken auf Neuköllner Gebiet liest er das„zurück- gebliebene* C. Kottbus mit K zu schreiben, gilt m neuerer Zeit als daS Richtigere. Doch Rixdorf, das jetzige Neukölln, hat sich nicht entschließen wollen, dem Berliner Muster zu folgen. Die Rixdorfer hielten an ihrer eigenen Orthographie hartnäckig fest und ließen sich aus ihrem Cottbuser Damm daS C nicht heraus« korrigieren. Wegen dieser„Zurückgebliebenheit" sind die Bewohner der Rix- dorser Seite des Cottbuser Dammes lange genug verspottet worden. Jetzt aber ist Aussicht, daß der Cottbuser Damm endlich zu einer einheitlichen Schreibung seines Straßennamens kommt. In Cottbus selber hat man den Wunsch, daß der Name dieser Stadt überall in der Welt richtig geschrieben werde. Kürzlich hat der Magistrat von Cottbus den Magistrat von Berlin darauf aufmerksam ge- macht, daß Cottbus amtlichnicht mit K, sondern mit C geschrieben wird. Daraufhin hat der Berliner Magistrat durch eine„an sämtliche städtischen Verwaltungsstellen" gerichtete Verfügung ersucht,„dies für die Zukunft zu beachten". Hiernach werden die Bureaubeamten unserer Stadt fortan höllisch aufzupassen haben, daß kein„Kottbus" mehr ihrer Feder entschlüpft. Eine Folge jener Verfügung ist aber auch die, daß die Stadt Berlin an ihrem bisher mit K geschriebenen Kottbuser Damm sowie in ihrer Kottbuser Straße und an ihrem Kottbuser Ufer bei Erneuerung der Straßen- schilder das K. durch C. ersetzen muß. Die Neuköllner, die sich ihr C haben nicht nehmen lassen, können sich jetzt inS Fäustchen lachen. Sie, die„Zurückgebliebenen", haben schließlich recht behalten. Eine Weile wird's ja wohl noch dauern, bis am Cottbuser Damm auch auf der Berliner Seite das letzte dem Cottbuser Magistrat Schmerzen machende K von den Straßenschildern verschwinden wird. Die Schilder werden selbst bei Aenderungen der Schreibung immer nur allmählich er- neuert, wie man das schon bei mancher anderen Straße— z. B. auch bei der Cöpenicker Straße, der früheren Köpenicker Straße— beobachtet hat. Hoffentlich wird aber in nicht zu ferner Zeit am rechts wie links mit C geschriebenen Cottbnser Damm endlich Friede herrschen zwischen Berlin und Neukölln. Weil er keinen Schein hatte. Wie brutal die Gesetze des preußischen JunkerstaateS wirken und mit welcher Rücksichtslosigkeit sie gegenüber den Aermsten der Armen angewandt werden, beweist folgender Fall: Ein seit mehr als einem Menschenalter in Berlin wohnhafter Arbeiter ist durch Krankheit und Arbeitslosigkeit in wirtschaftliche Bedrängnis geraten. Um sich ehrlich durchzuschlagen, versucht er es mit dem Handel von Etiefelschnüren. Die seit neuerer Zeit den Ruf besonderer Schneidigkeit genießende Pankower Polizei entdeckt, daß der Mann keinen Hausiergewerbeschein für Pankow hat und �immt ihm seine Stiefelschnüre— etwa 34 Dutzend—, für die er seine letzten Mittel aufgewendet hat, ab und behält sie ein zur Sicher- stellung der Steuer und der Strafe, die dieser Arme zu er- warten hat. Das„Recht" hierzu hat die Pankower Polizei auf Grund des preußischen Gesetzes vom 30. Mai 1820. Betteln soll der Mann nicht, sonst wird er bestraft, das Handeln ist ihm nicht gestattet, weil er keinen Schein hat. Was soll so esir anner Mensch tun? Er muß ja stehlen; und zwar so lange, bis er gefaßt wird. Dann wird er prozessiert und verurteilt, und zwar von Rechts wegen I Es ist doch herrlich in unserem Junkerstaat Preußen!_ Ein russischer Auswanderer in den Tiergarten verschleppt und beraubt. Seiner ganzen Barschaft in Höhe von 750 Rubeln wurde ein von Rußland in Berlin eingetroffener russischer Auswanderer be- raubt. Der 27 jährige Schuhmacher Gradowitz war mit. seinem Hab und Gut nach Deutschland gefahren, weil er hier ein befferes Fortkommen zu haben glaubte. Am Bahnhof Friedrichstraße angekommen, wurde er von einem jungen Menschen angesprochen, der sich seiner annahm. Er nannte sich Hermann Leipzig und überredete den Russen dazu, das Gepäck am Bahnhof zu lassen und mit ihm gemeinsam durch die Stadt zu gehen. Man wolle eine gute Arbeitsstelle suchen. Ahnungslos ließ sich der Fremde auch durch den jungen Menschen durch die Straßen führen. Man landete schließlich im Tiergarten. In der Nähe des Zoologischen Gartens fiel der Begleiter plötzlich hinterrücks über den Auswanderer her, versetzte ihm einen heftigen Faustschlag gegen den Kopf und raubte ihm den Geldbeutel mit 750 Rubel. Der Täter ergriff sodann die Flucht und entkam in der Richtung nach Charlottenburg zu. Seine Kopfbedeckung, einen schwarzen, steifen Hut, hat er bei dem Ueberfall am Tatort zurück- gelaffen. ES handelt sich um einen kaum zwanzigjährigen Burschen. Kauttons- und Kreditschwindler. Nach umfangreichen KautionS- und Kreditschwindeleien flüchtig geworden ist der 28 Jahre alte Reisende Gustav Adolf von Wedell aus der Waffertorstraße 30. Wedell, der dort länger« Zeit ein möbliertes Zimmer bewohnte, war früher Reisender für Gold- und Silberwarenfabriken sowie Uhrengroßhandlungen. Zuletzt hatte er die Vertretung für ein großes HauS in Frankfurt a. M. Er verlor diese jedoch am 1. Januar d. Js. und hatte seitdem keine Stellung mehr. Nun wandte er sich an die verschiedenen Firmen, für die er früher als Reisender tätig war, und ließ sich Waren auf Kommission geben, die er durch eigene Angestellte vertreiben ließ. Diese suchte er durch Zeitungsanzeigen, in denen er darauf hinwies, daß die Leute, weil ihnen wertvolle Goldsacheu und Uhren an- vertraut würden, entsprechende Kautionen zu stelle» hätten. Es meldeten sich auch eine ganze Reihe Männer, denen er Bürg- schaften in Höhe von 500 bis 1500 M. abnahm. Er übergab ihnen dann einen Koffer mit allerhand Schmucksachen, die er von den Großhandlungen auf Kredit bezogen hatte, aber nur einen Wert von höchstens 100 bis 200 M. im ganzen repräsentierten, und schickte sie dann auf die Reise. Wieviel solcher Reisender er angestellt hat, weiß man noch nicht genau. Es waren deren aber jedenfalls acht bis zehn. Zuerst bezahlte er ihnen auch das vereinbarte Gehalt, blieb damit aber jetzt im Rückstände. Die Leute, die auf ihren Reisen keine Geschäfte machten und jetzt sahen, mit wem sie es zu tun hatten, verlangten ihre Bürgschaften nun zurück, v. Wedell wußte sie jedoch von Tag zu Tag zu vertrösten. Einem An- gestellten, dem er 1500 M. abgenommen hatte, zahlte er auch, um einer Anzeige zu entgehen, 500 M. wieder zurück.' Es war dies ein junger Mann, der kurz vor der Heirat stand, und sich, um eine feste Position zu erlangen, von seiner Braut 1000 M. und von seinem zukünftigen Schwiegervater weftere 500 M. geliehen hatte, um die verlangte Bürg- schast stellen z« können. Ebenso hatten sich die«»eisten anderen das Geld selbst geborgt. Bor einigen Tagen verschwand der Schwindler plötzlich. Gegen seine Gewohnheit stand er frühmorgens auf und be auftragte seine Wirtin, für ihn Kaffee zu kochen. Diese Zeit benutzte er dazu, heimlich mit seinen Gepäckstücken, die er vorher schon zurecht gemacht hatte, zu verschwinden. Als jetzt die Betrogenen, die immer noch glaubten, ihr Geld zurückzuerhalten, von seiner Flucht hörten, er- statteten sie Anzeige bei der Kriminalpolizei, die jetzt auf den Flüchtigen fahndet. Außer diesen Kautionsschwindeleien hat dieser auch Kreditbetrügereien begangen, da er die ihm von den Groß- lkmdlungen anvertrauten Waren verkauft und das Geld in seine Tasche gesteckt hat. Auf diese Weise hat er Frankfurter, Straß- burger, Bochumer und Berliner Firmen um mehrere Tausend Mark geschädigt. Der verfolgte, der ein sehr flottes Leben führte und eine ganze Reihe Liebschaften hatte, ist 1,73 Meter groß und schlank, hat schwarzes Haar und ebensolchen Schnurr- und Spitzbart und geht stets elegant gekleidet._ Ein Mordgerücht war gestern vormittag im Norden und Nord- osten der Stadt verbreitet. Ihm liegt ein nächtlicher Ueberfall zu- gründe, über den folgende Einzelheiten berichtet werden: Eine 33 Jahre alte Else Schmidt, die im zweiten Stock des Vorderhauses Kochhannstraße 13 wohnt, ging wie gewöhnlich auch in der Nacht zu Dienstag aus, um auf der Straße Bekanntschaften zu machen. Gegen zwei Uhr nachts sprach ein junger Mann sie an der Ecke der Petersburger und Kochhannstraße an und begleitete sie mit ihrer Einwilligung nach ihrer Wohnung. Dort kaum angekommen, schlug er sie mit einem Hammer nieder und verletzte sie nicht un- erheblich am Kopfe. AIS er sie blutüberströmt zu Boden fallen sah und sie nun laut um Hilfe rief, entfloh er und entkam. Die Ueberfallene begab sich, während auf ihre Hilferufe Hausbewohner dazukamen, nach dem Krankenhaus am Friedrichshain, wo sie jetzt noch liegt. Sie ist erheblich, aber nicht gefährlich verletzt. Der Uebeltäter, den die Ueberfallene vorher in jener Gegend niemals gesehen hat, ist ein junger Mann von etwa 22 bis 24 Jahren. Er ist untersetzt und hat einen dunklen Teint, auffallend aufgeworfene Lippen, einen kleinen, englisch gestutzten, dunklen Schnurrbart und weiße Zähne und trug einen schwarzen, steifen Hut, einen blauweitzgestreiften Serviteur mit gleichem Kragen und einen dunklen Jackettanzug. Weil er den Hut auf hatte, so kann die Haarfarbe nicht bestimmt angegeben werden. Den Hammer hat der fliehende Täter in der Wohnung zurückgelaffen. Es ist nach der vorläufigen Untersuchung ein alter Hammer. Das Präsidium hat 833 M. Belohnung auf die Ermittelung des Täters ausgesetzt. Der Hammer, der früher ohne Zweifel in einer Schlofferei, zu- letzt aber längere Zeit in der Häuslichkeit gebraucht worden ist, wiegt 153 Gramm. Er trägt die Inschrift nHuteuA-Framcmt, Tout 4 kor fondu". Der Stiel ist aus einem Besenstiel oder dergleichen zurechtgeschnitten worden. Damit er in den Hammer hineinpaßt, ist er an einer Seite beschnitten und dann mit zwei Schrauben anstatt eines Keiles befestigt worden. Der Stiel weist auch mehrere Brand- flecke auf. Er ist 27 Zentimeter lang. Der Eisenteil des Hammers ist auch wiederholt als Unterlage benutzt worden. Es zeigen sich darauf viele Meißelhiebe. Wie uns noch mitgeteilt wird, hat der Täter bei der Flucht versucht, die verschlossene Haustür zu öffnen, indem er wahrschein- lich mit einem sogenanten Stechbeutel ein Stück aus der Haustür sägte, um den Riegel zurückschieben zu können. Dies ist ihm aber nicht gelungen und so hat er sich ohne Zweifel versteckt gehalten, bis ein Hausbewohner sie öffnete. Vielleicht ist er auch der Verletzten, als diese das Haus verlieh und sich nach dem Krankenhaus begab, heimlich und ungesehen gefolgt. Nach dieser Feststellung mutz auch damit gerechnet werden, datz der Täter, da er im Besitz des Hammers und des Stechwerkzeuges war, ein Einbrecher gewesen ist. Großfeuer in den Norddeutschen Eiswerken. Grohfeuer kam gestern abend gegen 9 Uhr in den Nord- deutschen Eiswerken am- Nordufer in Plötzensee vermutlich durch Brandstiftung zum Ausbruch. Die Flammen fanden reißend Nahrung und in kurzer Zeit stand der Riesenspeicher neben dem dortigen Schützenhaus vollständig in Flammen. Die Oualment- Wickelung war so enorm, datz binnen wenigen Minuten die ganze Gegend in dichten Rauch eingehüllt war. Dicke Rauchschwaden wälzten sich über Charlottenburg und Moabit hinweg, so daß dort die tollsten Gerüchte verbreitet waren. So wurde u. a. erzählt, das Kaufhaus des Westens stehe in Flammen. Wieder andere be. richteten, die Petroleumtanks brennen und noch andere riefen: die Scheringsche chemische Fabrik in der Jungfernheide sei vom Feuer vernichtet, bis sich dann herausstellte, datz die Norddeutschen Eiswerke vom Feuer betroffen seien. Die Charlottenburger Wehr rückte nach allen diesen genannten Stellen aus und die Berliner Wehr nach dem Nordufer. Als Brandmeister Steiner mit dem 13. Zug dort eintraf, war nicht mehr viel zu machen. Die Eiswerke bildeten ein riesiges Flammenmeer. Die Kutscher hatten die Pferde nur mit Mühe retten können. Von der Hauptwache in der Lindenstratze wurde die neue Automobil-Motorspritze nach Plötzensee entsandt. Als diese dort ankam, war die gesamte Charlottenburger Wehr unter Leitung des Branddirektors Bahrdt schon tätig. Mit mehr als 23 Schlauchleitungen wurde unausgesetzt Wasser gegeben. Da das Haus aus Holz mit Holzmull, Torfmull usw. erbaut ist, so war natürlich wenig zu löschen. Die Feuerwehr mutzte sich auf den Schutz der umliegenden Gebäude und die Ablöschung der brennen- den Speicher, in denen noch Tausende von Zentner Eis lagerten, beschränken. Der Schaden ist natürlich groß, er soll zum größten Teil durch Versicherung gedeckt sein. Bei der Ablöschung erlitten einige Feuerwehrmänner anscheinend leichte Verletzungen. Eine un- geheure Menschenmenge belagerte die nach Plötzensee führenden Straßen, die schließlich von der Polizei abgesperrt werden mutz- tcn. Das Gedränge war um 13 Uhr lebensgefährlich. Einen tödlichen Ausgang hat ein Straßenunfall genommen, der einer Handelsfrau vor etwa 14 Tagen auf dem Hackeschen Markt zustieß. Die 63 Jahre alte Witwe Minna Schubach aus der Sene- selderstraße 14 ernährte sich, indem sie mit einer Kiepe auf dem Rücken mit Schuhwaren handeln ging. Als sie in der Nähe des Nosenthaler Tores neue Waren eingekauft und mit der schweren Traqlast am dem Rücken über den Hackeschen Markt ging, übersah sie eine Kraftdroschke, die sie erfaßte, umstieß und schwer verletzte. Mit demselben Automobil wurde sie nach der Kzl. Klinik gebracht, wo sie gestern an den Folgen des Unfalles verstarb. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Verhaftet wurde gestern ein Arbeiter G. aus der Wattstraße, weil er in der Wuhlheide ständig Attacken auf wehrlose Frauen und Mädchen verübte und sie zu vergewaltigen versuchte. Von seinem eigenen Fuhrwerk überfahren und fthwcr verletzt wurde gestern nachmittag der Kutscher Hermann Schulz der bei der Firma H. Heimann, Frankfurter Allee 83, beschäftigt rst. Schulz sollte auf dem Zentralviehhofe eine i3 Zentner schwere Ladung Heu abladen und ging zu Fuß neben dem schweren Gefährt einher Dabei glitt er mfolge der Nässe deS BodenS aus und gerret unter die Räder. Diese gingen über seine Berne Jhmtveg und zermalmten sie. In bedenklichem Zustande wurde Schulz nach dem ---'''isha1--- Ein schwerer Straßenbahnunfall hat sich gestern nachmittag an der Ecke der Bülow- und Ziethenstraße ereignet. Dort wollte der achtjährige Walter ReHehn, der mit anderen Kindern auf der Straße spielte, unmittelbar vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 61 über das Gleis laufen. Der Knabe wurde jedoch um gestoßen und geriet mit beiden Beinen unter den Schutzrahmen. Mittelst mitgeführter Winden wurde der Waggon angehoben und der Kleine innerhalb drei Minuten aus seiner entsetzlichen Lage be freit. In besinnungslosem Zustande wurde der Verunglückte nach dem nahen Elisabeth-Krankenhause in der Lützowpraße gebracht, wo eine Gehirnerschütterung, Hautabschürfungen am Rücken und im Gesicht und auch innere Verletzungen festgestellt wurden. Der Zu stand des Kindes ist sehr bedenklich. Deutscher Ardeiter-Sängcrbund, Gau Berlin. Beim Sängerfest in Weitzensee am 27. Juli wurden gefunden: 1 Spazierstock, 2 Damengürtel, 1 Pompadour, 1 Hutnadel. Als verloren wurden gemeldet: 1 Stahlpincenez, 1 goldenes Medaillon mit Bild, 1 Damen- Portemonnaie, Inhalt zirka 15 M. und Rabattkarte von Lenz u Jachmonn, 1 braune Zigarrentasche, 1 silbernes Reisenarmband. Sämtliche Gegenstände sind abzuholen resp. abzugeben bei Julius Steffen, lTO 18, Langenbeckstr. 5, Ouergebäude 1 Treppe, abends von 6— 7'/, Uhr. Vorort- Nachricbtcm Parteitag und Massenstreik lautete der Gegenstand, über den Genosse K l ü tz« Neukölln in der am Montag abgehaltenen Versammlung des Wahlvereins ilmersdorf einen Vortrag hielt. Der Redner bekannte sich mit Entschiedenheit als ein Gegner des von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion bei Beratung der Heeresvorlage geübten Ver fahrens. Die Fraktion habe ihre Pflicht versäumt, als sie bei dieser Sache keine Obstruktion getrieben habe; desgleichen sei ihr und auch dem Parteivorstand zum Vorwurf zu machen, daß sie keine Massen- aktionen, keine Protestversammlungen einberufen hätten. Schon aus diesem Grunde müßten die Parteigenossen in den Wahlvereinen daraus acht� geben, datz zum Parteitag nur solche Delegierte ge- wählt würden, die den ernsten Willen hätten, mit der Fraktion abzurechnen. Aber auch, soweit die Haltung der Fraktion zur Deckungsfrage in Betracht komme, sei eine entschiedene Kritik noch weit mehr am Platz als seiner- zeit der badischen Budgetbewilligung gegenüber. Die Bewilligung der Wehrsteuer wie der Befitzsteuer sei einfach nicht zu entschuldigen, die Einführung dieser Steuern wäre geeignet, die arbeitende Be- völkerung zu täuschen. Die ParteitagSdelegicrten dürften die Fraktion Nicht zum zweiten Male auf das falsche Gleise geraten lassen. Leider wäre die Fraktion, da die Radikalen nicht in der Mehrheit waren, von der parlamentarischen Krankheit angesteckt worden, die ja nicht nur im Reichstage, sondern auch unter den sozialdemokratischen Ver- tretern in den Gemeindekörperschaften wuchere. Der Redner wandte sich mit Nachdruck gegen jene Gewerkschaftsleiter, die für Abschaffung der Maifeier sind, und betonte dann, datz die Parteigenossen sich auf baldige Anwendung des Massenstreiks den arbeiterfeindlichen An- schlügen gegenüber einzurichten hätten: wenn Arbeitersragen in Betracht kämen, wenn, wie bei der Strafprozeßnovelle, das Koalitionsrecht in Frage stände, seien alle bürgerlichen Parteien bereit, die Arbeiterschaft zu verraten. Der Massenstreik werde mehr- fach angewendet werden müssen, auch ginge es dabei nicht glatt ab. Leider zeige sich im Gegensatz zu früher vielfach in der Haltung der in Betracht kommenden Parteigenossen, daß sie Furcht vor dem Gefängnis hätten. Unter diesen Umständen könnten die Parteitags- delegierten gar nicht entschieden genug in Jena den revolutionären Geist wachrufen. In der Diskussion.über diesen zum Teil durch Zwischenrufe unterbrochenen, von der großen Mehrzahl der Anwesenden aber bei- fällig aufgenommenen Vortrag erklärte Genosse Schröder, daß er sich zum Wort gemeldet habe, damit nicht nach außen hin der An- schein erweckt werde, als ob Aeußerungen wie die des Genossen Kluß widerspruchslos ins Land gehen könnten. Wenn irgendwo, dann habe die Rcichstagsftaktion in der Deckungsfrage die Interessen der Arbeiterschaft wahrgenommen: sie verdiene die Anerkennung und nicht den Tadel der Parteigenossen. Was nun die vom Referenten vermißten Massenaktionen betreffe, so hätte auch ohne Fraktion und Parteivorstand nichts im Wege gestanden, Protestkundgebungen ins Werk zu setzen. Aber so bedauerlich dies erscheinen möge, es hätte dafür anscheinend im Lande der Räsonnanz- boden gefehlt. Aehnlich liege es beim Massenstreik. Nicht, daß dieses Mittel zu verwerfen sei. Im Gegenteil, in der Politik seien alle Wege gangbar, sie müssen nur zum Ziele führen. Aber eine Bedingung sei doch wohl beim Massenstreik unerläßlich, nämlich, daß auch Massen an ihm teilnähmen, und daran sei in der deutschen Gegenwart noch zu zweifeln. Wenn nun gesagt werde, was denn in der Wahlrechtsfrage geschehen solle,'so müsse bekannt werden, daß die sozialdemokratische Arbeiterschaft allein zu schwach sei. um heute das Ziel zu erreichen: die Angst der Regierung und der Konser« vativen vor einem Paktieren der Liberalen mit uns zeige aber vielleicht, wo der Feind zu packen sei. - Di« Genossen H i l b i g und Fengler pflichteten dem Refe- renten bei; der von Hilbig geäußerten Anschauung, daß die Ver- sammlung am 13. Juni, in der Reichstagsabgeordneter Frank über den Massenstreik sprach, zum guten Teil aus bürgerlichen Zuhörern bestanden und auch keine Befugnis zur Erörterung deS Gegenstandes gehabt habe, trat der Vorsitzende Genosse Ewald Fabian mit Entschiedenheit entgegen. Genosse Dr. Breitscheid bedauerte, daß kein Mitglied der ReichStagsfraklion zugegen sei, um über die Beweggründe, die die Fraktion bei der Behandlung der einzelnen Fragen geleitet habe, Auskunst zu geben. Das Wort des Referenten von der parlamen- tarischen Krankheit sollte aber besser nicht wiederholt werden; diese Krankheit habe schon manchen gepackt, der bis zu der Stunde, wo er selber Volksvertreter geworden sei, Gegner des Parlamentarismus gewesen wäre. Andererseil« müsse man gegen Anschauungen, wie Edmund Fischer sie in den.Sozialistischen Monatsheften� vertreten habe, entschieden Widerspruch erheben. Man könne darüber streiten, ob die Fraktion in allen Stücken richtig gehandelt habe, doch dürfe nicht vergessen werden, daß die arbeitende Bevölkerung, wie ja auch unser Programm darlege, den direkten Steuern gegenüber den in- direkten den Vorzug zu geben habe. Luch Schröder sei ja kein grundsätzlicher Gegner des Massenstreiks, nur sage er.ja— aber". während die Parole.ja— also" lauten müsie. Auf alle Fälle sei es notwendig, das Massenstreikproblem zG erörtern. Nachdem noch Genosse Exner auf die.-Notwendigkeit hin- gewiesen hatte, daß gerade die" Arbeiter sich zur Massenstreikfrage äußerten, trat Genosse Kluß in seinem Schlußwort vor allem den Schröderschen Ausführungen entgegen. Es sei die Aufgabe der Partei, revolutionären Zündstoff in die Massen zu werfen. Man spreche von der größeren Verantwortung der auf 113 Mann an- gewachsenen sozialdemokratischen ReichStagsfraktion: aber nickt vor- sichtiger als früher solle man jetzt im Parlament auftreten, sondern rücksichtsloser und den Gegnern unterschiedslos immer größere Schwierigkeiten bereiten. Bevor die Versammlung in den Hauptgegenstand der Tages- ordnung eingetreten war, erledigte sie einige Wahlen. Für die Ver- bandsversammlung am 3. August wurden Beyer, Becker und H a u b o l d, für die Kreisgeneralversammlung am 24. August Goddäus, Hilbig und Schröder als Delegierte gewählt Da Genosse OSkar Riedel, dem der zweite Vorsitzende. Genosse Fabian, beifällig aufgenommene Worte der Anerkennung widmete nach Hamburg verzogen ist, so war das Amt des ersten Vorsitzenden neu zu besetzen. Die Wahl fiel auf Fabian. Das Ami des zweiten Vorsitzenden übertrug die Versammlung dem Genossen Hilbig Nachdem Vortrag und Diskussion zu Ende geführt waren, halte die Versammlung der Kreisgeneralversammlung einen Kandidaten für die Wahl zum Parteitag vorzuschlagen. Es wurden die Namen Hilbig und Schröder genannt. Die Wahl fiel auf Hilbig. nach- dem Schröder gebeten hatte, von seiner Delegation abzusehen. Es sei bei ihm ausgeschlossen, daß er in der Weise, wie der Referent es unter dem Beifall der Versammlungsmehrheit angeregt habe, auf dem Parteitag wirke. In den Bildungsausschutz wurde Fabian an Stelle von Riedel gewählt; endlich beschloß die Versammlung, daß den Genossen Drechsler, Gebauer und K ö p p i n g eine Rüge zu erteilen ist, weil sie bei der Landtagswahl ihre Stimme nicht abgegeben haben. Neukölln. Die Versammlung der Jugcndsektio» findet heute Mittwoch abend bei Bartsch, Hermannstr. 49, statt mit der Tagesordnung:.Die Gewinnung der Jugend vom 18. bis 23. Jahre". Die Genossen wollen für regen Besuch dieser Veranstaltung wirken; auch ältere Genossen und Genossinnen sind willkommen. Wilmersdorf. Die freie Turnerschaft Wilmersdorf hat den zu Dienstag fest« gesetzten Ausflug des schlechten Wetters wegen verschoben; sie unter- nimmt am Donnerstag, den 31. d. M, die Schülerturnfahrt nach dem Grunewald. Abmarsch vormittags 9 Uhr von der Apotheke in der Wilhelmsaue. Den Schülern ist Essen und Trinken für den ganzen Tag, 13 Pf. Fahrgeld und Legitimation mitzugeben. Er« wachsenen ist gern gestattet, an der Partie teilzunehmen. Rückkehr um etwa 7 Uhr. Die Arbeitereltern werden ersucht, ihre Kinder recht zahlreich an der Partie teilnehmen zu lassen. Lichterfelde. Kinderfest. Sonntag, den 3. August: Großes Kinderfest im Restaurant Wahrendorf, Bäkestr. 7. Eintritt: Erwachsene 23, Kinder 13 Pf. Alles Nähere durch Plakate und Anschlagsäulen. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. NowaweS. Mittwoch, nachmittags 3 Uhr. PeterShage». Donnerstag, den 31. Juli, abends 6 Uhr, im Lokal von F. Brescke. Diese Gifcungen sind Sfs-ntlich. Jeder Gemeindeangchörige ist be- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Hus aller Sielt. Durchgebrannte Staatsstütze. In der königstreuen Gesellschaft von Gottesberg in Schlesien erregt es peinliche Magenbeschwerden, daß der sich in ihren Kreisen des besten Ansehens erfreuende Polizeikommissar Krafft unter Hinterlassung einer bedeutenden Schulden« last plötzlich verschwunden ist. Fast alle Gewerbe» treibenden der Stadt gehören zu den Reingelegten. Kurz vor der Flucht ließ er sich noch einen Gehaltsvorschuß von 333 M. geben, der ihm anstandslos ausgezahlt wurde, obwohl gegen ihn Beschwerden wegen dienstlicher Nachlässig- leiten vorlagen. Bis jetzt beläuft sich die Schuldenlast auf über 5 33 3 M., und noch immer melden sich Leidtragende aus den Kreisen der Gewerbetreibenden. Die Ehefrau des Verdufteten hat sich schon acht Tage vorher zu Verwandten begeben. Dieses Muster einer Staatsstütze entwickelte in der Bekämpfung der orga» nisierten Arbeiterschaft ebenso viel Talent wie zum Schuldenmachen. Der Katzenjammer der Patentpatrioten von Gottes» berg ist natürlich sehr groß!_ Anatomie schwach! Man schreibt uns aus Brüssel: An einer Müllablagerungs« tätte in Laeken bei Brüssel wurde kürzlich ein anscheinend unheim» sicher Fund gemacht. Arbeiter entdeckten bei der Bergung des Un» ratS Gliedmaßen in stark verwestem Zustande. Die Polizei wurde verständigt, Gerichtsärzte erschienen an Ort und Stelle, und schon prach man von einem Sittlichkeitsverbrechen.... Die beiden Ge« richtsärzte hatten erklärt, daß die gefundenen„Gegenstände" offenbar die Arme und Beine eines 15jährigen Knaben oder Mädchens seien. Da meldet sich ein Arbeiter, der die Sache in eine wesentlich andere Beleuchtung rückt. Der Mann erklärte nämlich, die angeblichen Gliedmaßen deS 15jährigen Mädchens oder Knaben von einem Tieraus st opfer erhalten zu haben. Dieser hatte sie einem toten Bären aus dem Zoologischen Garten in Ant« w e r p e n amputiert, der ihm zum Ausstopfen übergeben worden war. Gegen ein Trinkgeld hatte der Arbeiter versprochen, die ver- Westen Knochen zu„bergen". Die Geschichte ist gewiß heiter, wenigstens in ihrem Ausgange. Nur die armen Gerichtsärzte tun einem leid. Es ist doch unter allen Irrtümern, die der irrenden Wissenschaft passiert sind, dieser der allerdrolligste. Bärentatzen für Mädchen« oder Knabenbeine zu halten I Indes wollen wir den beiden Herren doch einigermaßen ihre Entschuldigung gelten lassen, wonach die Knochen bereits in einem- außerordentlich vorgeschrittenen Stadium der Verwesung waren und sie ihr Gutachten in einem ziemlich dunklen Räume und in a l l e r E i l e abgegeben hatten. Immerhin Vorsicht, ihr Herren Gerichtsärzte! Laßt euch keinen solchen Bären wieder auf« binden!_ Kleine Notizen. Von der Lokomotive zermalmt. Der Bahnbeamte Kampa aus Laband wurde auf der Strecke G l e i w i tz» B r e s l a u von der Lokomotive eines Schnellzuges erfaßt und in Stücke gerissen. Erderschüttcrung in Jütland. Am Dienstag früh S'/- Uhr wurde in ganz Jütland eine Erderschütterung wahr« genommen, die zwei Sekunden dauerte. Schade» wurde nirgends angerichtet. Die Richtung der Bewegung ging von Süden nach Norden. Ein wahnfinnig gewordener Schutzmann feuerte in London auf seine Kameraden und Passanten eine Anzahl Schüsse aus seinem Dienst. revolver ab. Drei Personen wurden s-bwer verletzt. Da es bi« jetzt noch nicht gelungen ist. deS gersteskranlen Attentäters habhaft zu werden, ist eine Razzia nach>hm veranstaltet worden. 83 mit Revolvern bewaffnete Polizisten patrouillieren das Stadt» viertel ab. in das sich der Kranke geflüchtet hat. Brillanten im Werte eincr Biertelmillion geraubt. AuS Nizza wird gemeldet: In der vergangenen Nacht drangen Diebe m emen an ein Juweliergeschäft grenzenden Spitzenladen, durchbrachen die Mauer und raubten au« einem eisernen Schrank Schmuchachen im Werte von 253 333 Frank. ,,.... Tribüncneinsturz in Galvestoll lTexas). Unmittelbar bn Beginn eines Automobilrennens sturzle d,e große Tribüne em. auf der sich 5333 Personen befanden. Mehrere Personen erlitten Verletzungen. Bisher glaubt man, datz memand um? Leben 3 E?n'schweres Automobilunglück ereignete sich Dienstag vormittag in der Umgebung d°S SeebadeorteS PariS-Plage. Das Automobil des Pa�ftr Großindustriellen Henrr de Gorre ft.hr in voller Fahrt gegen einen Gemüsewagen. Das Automobil wurde in den Straßen- graben geschleudert. Herr de Gorre ist lebensgefährlich verletzt worden. Seine Gattin war iviort tot. Der Chauffeur blieb un« verletzt.--- fraueti-Lcfcabende. ÄÄA™, � Juli, abend, 8 Ubr. Genospu Riedel- NeuköllW� rejeriert über bei Joch. „Echul« Zllt.Glie«i»e. Aöpcnickcr Straße. resormcn". Versammlungen- Veranstaltungen. vohnSdorf. Am Donnerstag, den 31. Juli 1813, abend» 8'/, Ubr. findet w der Villa Kahl emeFrauenversammlung statt. Tagesordnung: Vortrag deS Genossen Barth über.Brot für alle hat die Erde/ �LeranftÄrftscher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für d«u Inseratenteil verantw.:TH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: ParwärU"BÜchtiruckerei u. Verlagsansialt Paul Singer u. Ca, Berlin