Ar. 195» Hbennements-Ikdlngungen: JlEonnementä- Preis pränumerando: Bi-rteyährl. SLV MI, monatl. l.10 ME, wöchentlich 2S Pfg. frei in» Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«. nummrr mit illustrierter Sonntags. Vellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeirungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,60 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Poftabonncments nehmen am Belgien. Dänemark. nd. Italien. Luxemburg. Portugal. -nien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. CrftMnt«glich. �* Vevlinev Volktsblakk. Die TnfertlonS'GebQ�r beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zc; oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Lersnmmlungs-Anzeigen L0 Pig. „Aleine lSnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), iedes weitere Wort lv P>g. Stellengesuche und Schlnfsiellenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 1° Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SniaMdnokriit Btriin". Zentralorgan der Ibzialdemokrati Tchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 801. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplass, Nr. 198». KumZnien. Äer„ehrliche" Makler. Bukarest, im Juli 1913. Fragt nian nach den Ursachen des rumänischen Ein- greisens in den Balkankonflikt, so erscheint das dürftige Man- telchen der„Gleichgewichtstheorie" zu durchsichtig, um die Blöße des erbärmlichen Wechselbalges von Habgier, Neid und Größenlvahn, der an der Wiege des Raubzuges unserer Öli- garchie stand, zu verdecken.— Denn nichts rechtfertigt den Schritt Rumäniens gegen Bulgarien. Unser Land befand sich feit seiner Befreiung von der türkischen Herrschaft im Jahre 1877 bis heute in den besten freundnachbarlichen Beziehungen zu Bulgarien. Das von Rumänien beanspruchte Gebiet ist rein bulgarisch und die paar Hundert Ruinänen. die in diesem Grenzgebiet wohnen und keinerlei Unterdrückungen seitens der Bulgaren unterworfen waren, genügen auch nicht, um eine kriegerische Aktion zu rechtfertigen.— Um aber den Wert des Motives einer strategischen Grenzregulierung, daß näm- lich die Festlegung einer— natürlichen Grenze gegen Bulgarien für Rumänien angeblich eine Lebensfrage bedeute, richtig zu schätzen, genügt es festzustellen, daß Ruinänien diese „natürliche" Grenze bis zur Linie Turtukasa— Dobritsch— Baltschik längst überschritten l)at und auch gar nicht gewillt ist, dieses jenseits der„natürlichen" Grenze liegende Gebiet zu räumen. Die schlaue Diplomatie Rumäniens ist offenbar bestrebt, schon jetzt den Vorwand für einen späteren„Grenz- regulierungs"konflikt zu schaffen! Man kann von einer gewissen feindlichen Gesinnung un- seres Volkes gegen Rußland sprechen, das uns im Jahre 187s. zum Tank für die militärische Hilfe gegen die Türken, das fruchtbare Bessarabien inft 2 Millionen Einwohnern stahl. auch von einer Feindschaft gegen die österreichisch-ungarische B�onarchie wegen der Unterdrü�ung der in Siebenbürgen lebenden 3 Millionen Rumänen durch die Magyaren. Wer aber mit den runiänischen Verhältnissen einigermaßen vertraut ist, weiß, daß das rumänische Volk nichts weniger als bul- garenfeindlich ist. Es ist daher ein Rätsel, wie die Bulgaren über Nacht zum Erbfeind der Rumänen geworden sind. Jeden- falls hat es die rumänische Regierung dekretiert und durch das Sprachrohr der ausländischen bürgerlichen Presse ganz Europa glaubhaft zu machen versucht. Ties ist aber eiste starke Vergewaltigung der Tatsachen, der aufs energischste entgegengetreten werden muß. _ Was die ausländische Presse seit der Mobilmachung Ru- maniens in langen Spalten über eine Begeisterung des r u m ä n i s ch e n Volkes zu berichten wußte, beruht ent- weder auf mangelhafter Jstforniierung oder es ist als bewußte Irreführung der öffentlichen Meinung Europas zu bezeichnen. Es wurden von diesen Zeitungen und insbesondere vom„Ber- Imer Tageblatt" wahre Potemkinsche Dörfer über die psycho- logische Verfassung des rumänischen Bauern und Wunder- niärchcn über sein Kriegsdelirium erzählt, ja der Bukarestcr Kriegskorrespondent des„B. T." hat seinen gläubigen Lesern sogar im vollen Ernst berichtet, daß die Kriegsbegeisterung des nuniänischen Volkes keine Stimmungsmache, sondern sehr echt sei und versichert, daß jeder rumänische Bauer ein selbst- und zielbewußter Politiker sei, der weiß, was er will! Und in einer der jüngsten Abendausgaben derselben Zeitung tischt uns der rumänische Abgeordnete des österreichisch-ungarischen Reichsrats, Herr C h r i st c v i c i, in einem Leitartikel wahre Hintertreppengeschichten über die Ursachen des angeblichen Hasses des rumänischen Volkes gegen die Bulgaren ans. Aber wer weiß denn nicht, daß Rumänien das klassische Land des Analphabetismus ist, daß dank der„Fürsorge" seiner Regierungen mehr als 89 Proz. der Landbevölkerung weder lesen noch schreiben kann, daß ferner der rumänische Bauer das ausgebeutetste. unterdrückteste und� unwissendste Wesen der Welt, ja in allen Hinsichten noch ein wahrer Höriger ist, der dank einem elenden, indirekten Dreiklassenwahlrecht vom politischen Leben seines Landes ganz aus- geschlossen ist! Schreibt doch einer der besten Kenner der rumänischen Agrarfrage, Herr Vasile Kogalni- ccanu, in einem bemerkenswerten Aufsatz, der vor zwei Jahren in dem vom Prof. W. Sombar-t herausgegebenen „Archiv für Sozialwissenschaft und Politik" veröffentlicht wurde, folgendes:„Die Unwissenheit der Bauern spiegelt sich in ihrem Nationalbewußtsein und in ihrer Vorstellung vom Vatcrlande wieder, von dem der rumänische Bauer nur einen sehr vagen Begriff hat: er gebraucht das Wort Vaterland nicht: sein geistiger Horizont ragt nicht über den Dorfkirch- türm hinaus. Was politische Ideen anbelangt, so existieren diese Begriffe für den Bauern überhaupt nicht. Haben doch die Regierungen schon in genügendem Maße dafür Sorge ge- tragen, um das Eindringen solcher Begriffe auf dem platten Lande zu verhüten." Was aber die oberflächlichen Wahrnehmungen der frem- den Kriegskorvespondenten für eine echte Kriegsbegeisterung gegen die Bulgaren halten, ist nichts als der j a h r h n n- dertelang aufgespeicherte stumme, dumpfe Haß dieses unterjochten und beleidigten Volkes gegen seine Unter- drücker, die besitzcndeii Klassen, dem diese letzteren in dem Kampfe gegen Bulgarien cin ablenkendes Ziel gesetzt haben. Der Bulgare soll der Blitzableiter für das Volksgewitter sein, das in unserem Lande alle zehn Jahre periodisch wiederkehrt und eigentlich der rumänischen Oligarchie gilt. In der Seele des rumänischen Bauern regt sich der dunkle Haß gegen seine Unterdrücker, der periodisch mit gewaltiger Urkraft explo- diert, sich aber keine Ziele setzt und deshalb abgelenkt und mißbraucht werden kann. Der rumänische Bauer läßt sich in seinem stumpfen Fatalismus wie in seiner stupiden Ver- trauensseligkeit heute ebenso willenlos gegen die Bulgaren lenken, wie er sich gestern gegen die jüdische Bevölkerung hetzen ließ, und wie er sich morgen vielleicht gegen Russen oder Oesterreicher führen lassen wird. Und wenn von der rumänischen Regierung durch die aus- ländischen Zeitungen die Gutmütigkeit und die G a st- freundlichkeit des rumänischen Bauern gegen die Greueltaten der bulgarischen Soldaten ausgespielt wird, so sei demgegenüber zwar zugegeben, daß die Gutmütigkeit und Gastfreundlichkcit unseres Bauern in Fricdenszeiten tatsächlich ans Grenzenlose reicht, es sei aber gleichzeitig auch hervor- gehoben, daß, wenn die Kriegsfurie einmal entfesselt ist, sein Haß sich in ebensolchen grenzenlosen Grausamkeiten Luft machen wird, und daß aus dem harmlosen rumänischen Bauer, durch die Aufstachelung seiner schlummernden Roheits- instinktc durch einen Krieg eine wahre Bestie wird. Eine kleine Kostprobe davon hat uns der rumänische Bauer anläßlich der Agrarunruhen bereits geliefert und man kann bei dieser Gelegenheit nur über den Zynismus der rumänischen Oligarchie staunen, die jetzt denselben Bauern wegen seiner Tugenden in den Himmel hebt, den sie vor kaum sechs Jahren eine rohe Bestie schalt, die auf derselben Stufe wie die Neger Afrikas stehe, und der gegenüber nur die Sprache der Ka- nonen geführt werden könne. Tatsächlich liaben unsere Herr- schenden damals nicht weniger als 1 l 999 Bauern mit Frauen und Kindern durch Kanonen und Maschinengewehre zu- sanlinenschicßen lassen. Das Gesagte genügt, um zu sehen, wie es um die große patriotische Begeisterung für den Krieg gegen Bulgarien be- stellt war. Und tatsächlich bekunden auch schon sogar verein- zelte offizielle Stimmen ein Nachlassen dieser Begeisterung. Eine sehr umfangreiche Mobilisierung entzieht der Land- Wirtschaft, dem Handel und dem Gewerbe alle männlichen Arbeitskräfte: alle wirtschaftliche Tätigkeit ist lahmgelegt, die gesamten Landarbeiten werden nur von Kindern. Frauen und Greisen verrichtet, die einem„patriotischen" Erlaß der Regie- rung zufolge, gezwungen sind, auch die notwendigen Ar- bciten auf den Grundstücken der durch die Mobilisierung ihrer Arbeitskräfte beraubten Großgrundbesitzer und Großpächter unentgeltlich zu verrichten.— Welch unerschöpfliche Quelle von Willkür sich für die rumänische Bureaukratie und welches Maß von neuem Elend sich für die zurückgebliebene ländliche Bevölkerung aus dieser Verfügung ergib� ist nur verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß in normalen Zeiten die Bauern zur Erfüllung ihrer überaus drückenden Arbeitsverpflichtungen auf den großen Latifundien durch den rohen Gendarm und mit der Peitsche actriebcn werden. In- dessen die Zensur sorgt dafür, daß nichts über dieses Elend in die Oeffentlichkeit dringt, so daß nach den offiziellen Berichten die größte Zufriedenheit in dem Lande herrscht. � Noch einige Worte über die Lage der Juden Nu- m ä n i e n s. Bekanntlich sind die rumänischen Juden keine rumänischen Staatsbürger, sie gelten nach den Bestimmungen der Landesgesctze und noch mehr durch die Praxis der Verwal- tnngsbehörden als„ F r e m d e, die k e i n e m f r e m d e n Staate angehören". Somit sind die einheimischen Juden Rumäniens vollständig recht- und schutzlos, gänzlich vogclfrci, haben weder aktives noch passives Wahlrecht, keinen Zutritt zu den öffentlichen Aemtcrn, kein Wohn- und Grund- crwerbsrecht aus dem Lande, keinen Zutritt zur Advokatur. Sie sind in der Schule, in der Armee, im Handel, in Industrie und Gelverbe als Arbeitgeber oder Arbeiter durch eine uner- schöpfliche Fülle schikanöser gesetzlicher Maßregeln auf Schritt und Tritt beschränkt und bedrängt, und können jederzeit nach Willkür als„lästige Ausländer" aus ihrem Heiniatlandc aus- gewiesen werden. Obwohl die Pflicht zum Militärdienst nach staatsrcchtlichep Begriffen untrennbar mit den staatsbürger- lichcn Rechten verbunden- ist, und obwohl Rumänien durch den Berliner Vertrag von 1878 verpflichtet wurde, die rumä- nischen Juden zu naturalisieren, so haben es bisher die ru- mänischen Regierungen verstanden, ihren Verpflichtungen systematisch auszuweichen. So kann man den Angstschrei der bulgarischen Juden verstehen, als sie von einer Abtretung Silistrias an Rumänien hörten, denn das bedeutete für sie die Herabsetzung von vollwertigen Staatsbürgern zu minder- wertigen, rechtlosen, geächteten Kreaturen. Die Regelung der Rechtslage der Juden ist keine innere Angelegenheit Rumäniens, vielmehr ist sie eine Völker- rechtliche Frage und wurde auch durch die Signatar- mächte des Berliner Vertrages von 1878 als eine solche be- handelt. Heute, wo nicht nur das bedrängte Bulgarien, son- dern auch die übrigen Balkanländer und besonders auch Ru- mänien. das sich zur Unterstiitzung seiner Ansprüche auf den erwähnten Berliner Vertrag beruft, Europas Mitwirkung anrufen, ist es ein zwingendes Gebot der Gerechtigkeit, daß Rumänien gegen die Anerkennung der Annektierung des in sa billiger und bequemer Weise„eroberten" bulgarischen Ge- bwtes gehalten wird, nicht nur den in dem annektierten Ge- Expedition: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. biete wohnenden Juden, sondern auch den einheimischen, und zwar nicht nur den jetzt mobilisierten, sondern allen r u- m ä 11 i s ch e 11 Juden ohne Ausnahme die volle Gleichberechtigung mit ihren christlichen Vaterlandsgenossen zu verleihen. Nur so wird endlich einem niittelalterlichen Zustand ein Ende gemacht werden, der eine europäische Schande bildet. Jede andere Art der Lösung der Judenfrage in Ru- mänien in dem angedeuteten Sinne wird bis auf weiteres an folgenden zwei Faktoren scheitern: erstens an den hartnäckigen Antiseniitismus der rumänischen Oligarchie, die nie aus freien Stücken diesen Schritt machen wird, sodann aber an der würdelosen Haltung der maßgebenden jüdischen Kreise ihrem bittersten Feinde gegenüber. Der crstere ist genügend be- kannt, was aber der letztere an hnndstreuer, knechtischer Gesinnung und an byzantinischer Begeisterung für den jetzigen Krieg zur Schau gebracht hat, überbietet noch den blinden Chauvinismus und den wilden Rassenhaß der tollwütigsten echtrumänischen Bulgarenfresser. Was aber die jüdische Be- völkerung nach Beendigung des„Feldzugs" von der Regie- rung zu erwarten hat, zeigt nns am besten folgende Aenße- rung des Finanzministers M a r g b i l 0 m a n, der jüngst in einer Senalssitzung interpelliert, ob die Regierung in An- crkennung der patriotischen Haltung der Juden entschlossen sei, dieselben en nrnsK« zu naturalisieren, antwortete:„An- gesichts der Tatsache, daß bis jetzt auch schon zahlreiche Einzel Naturalisierungen von Juden vorgenommen wurden, erachtet es die Regierung für nicht notwendig, eine verbindliche Zusage in dieser Frage abzu- geben!" Ter einzige reale Erfolg, den die rumänische Regierung aus ihrem abenteuerlichen Raubzuge erzielt hat, ist, daß sie die paar Kilometer bulgarischen Landes um den teuren Preis der Freundschaft des bulgarischen Volkes erschlichen hat. Wenn wir bis jetzt keinen Feind an der südlichen Grenze hatten, so hat ihn uns nunmehr unsere Regierung geschenkt. Bei dey großen schmerzlichen Opfern an Menschen und Land und bei der Demütigung, die Bulgarien infolge dieses zweiten Krieges zu verzeichnen haben wird, wird es den Verlust des an Ru- mänien abgetretenen Landstriches wohl nie verschmerzen können. Dieser„eroberte" Landfetzen wird für unsere Be- ziehungen zu Bulgarien dieselben Folgen haben wie Elsaß- Lothringen für die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Tie Bulgaren werden den Revanche- gedanken aus ihren Herzen nie ausreißen können. Die früheren freien bulgarischen Bauern werden nunmehr die eiserne Faust des rumänischen Gendaynien und der rumä- nischen Bureäukraten zu fühlen bekommen. Der rumänische Bauer wird zu seinem Elend heimkehren, seinen Sicgerrock abwerfen und seinen allräglichen harten Frondienst auf den Landgütern der runiänischen Bojaren, Diplomaten und Mili tärkommandanten— denen auch das von ihm besetzte bul- garische Gebiet nunmehr angehört— wieder aufnehmen. Er wird Gelegenheit haben, hinter seinem Pflug seinen Sieges- rausch schnell auszuträumen, indem er sich den Kopf darüber zerbricht, was er demnächst wieder verkaufen wll, um die neuen Steuern für die Deckung der Kriegskosten und der neuen Rüstungen zu bezahlen, die zur Sicherung des„erober- ten" Gebietes notwendig sind. Die rumänische Oligarchie niag sich mit dem Erfolg ihrer schlauen Diplomatie brüsten, die„ruhmreiche" Armeeleitung kann auf den papierenen Lor- beeren ihres glänzenden Operettensieges ausruhen, denn einzig und allein der Chauvinismus, der Fremdenhaß, der militaristische Jmperialismüs und die politische Reaktion werden aus diesem Kriegsrummcl gestärkt hervorgehen. Sie ßukarelter Friedenskonferenz. Die Waffenstillstandsbedingungen. Athen, 31. Juli. Wie das Ministerium deS Aeußern mit- teilt, haben die militärischen Delegierten in Bukarest für die Ein- stellinig der Feindseligkeiten einstimmig Bedingungen beschloffen, in denen es heißt: Die Demarkationslinie, die durch weiße Fahnen gekennzeichnet wird, wird in gleicher Entfernung von den am 81. Juli mittags von den gegenseitigen Borposten besetzten Linien festgelegt. Der Waffenstillstand beginnt am 31. Juli mittags 12 Uhr und dauert fünf Tage. Die Kriegführenden werden sich die ge- troffenen Bestimmungen gegenseitig mitteilen, damit auf allen Fronten die Feindseligkeiten gleichzeitig aufhöre». Die Hauptquartiere werden dringend benachrichtigt werden, um die notwendigen Befehle erteile» zu können. , Besprechungen. Bukarest, 31. Juli. Gestern abend fanden zwischen dem bulgarischen Delegierten Tonische w und dem g r i c- ch i f ch e n Ministerpräsidenten Vcnizelos einerseits und Tontschew und dem serbischen Ministerpräsidenten P a s ch i t s ch andererseits Unterredungen statt. In den der Konferenz vorangegangenen Beratungen schlugen die Bulgaren vor, daß rumänische Offiziere die Einhaltung der Bedingungen für die Waffenruhe überwachen sollten, was jedoch nicht an- genommen wurde. Bei den Besprechungen gaben alle Teile gegenseitig die Versicherung ab, daß sie möglichste Versöhnlich- keit walten lassen wollten. In einer langen Besprechung zwischen Tontschew und Vcnizelos kam die Frage der Zu- Weisung Kavallas zur Sprache. Von rumänischer Seite ist man bemüht, die Verständigung unter den Kriegführenden möglichst zu fördern. Deshalb wurden die Sitzungen auf den Nachmittag verlegt, damit die Delegierten genügend Zeit zu Sonderverhandlungen haben. Die Serben vor Widdin. Belgrad, 31. Juli.(Meldung des Pressebureaus.) Die serbischen Einschließungslinien haben sich der Festung W i d�d i n bis auf 2 Kilometer genähert. Die Serben haben Novo Selo, ganz dicht bei Widdin eingenommen. Dicht an der alten Grenze im Angesichte von Blassina versuchten die Bulgaren in einer letzten Anstrengung drei Stürme au dem rechten Mügel. Der Feind wurde zurückgewiesen und erlitt beträchtliche Verluste. Die bulgarische Armee ist voll- ständig erschöpft durch die letzten Anstrengungen und steht vor der völligen Auflösung. Enver Bei in Adrianopel. Konstantinopel, 31. Juli. Enver Bei telegraphiert aus Adrianopel, er würde sich weigern, mit seinen Truppen wieder aus Adrianopel abzuziehen, selbst wenn dadurch das Kabinett gestürzt werden sollte.«Auch der Minister des Innern, Talaat, erklärte, die Türkei werde nicht aus Adrianopel weichen. England und die Türkei. London, 31. Juli. Unterhaus. Ronald Macneill fragte Staatssekretär G r e y, ob mit Rücksicht auf den Zusammen- bruch des Balkanbundes, die Verletzung des Bündnisvertrages und der eingegangenen Verpflichtungen von feiten Serbiens und Griechenlands, die von den Bulgaren verübten Grausamkeiten und die bewaffnete Intervention Rumäniens irgendeine Bestimmung des Völkerrechts bestünde, um die Türkei zu verhindern, den Londoner Vertrag aufzukündigen und Schritte zu ergreifen, um ihre Herrschaft über Adrianopel und Thrazien wiederherzustellen. Grey erwiderte, es sei ihm keine Bestimmung des Völkerrechts bekannt, welche anwendbar wäre. Die Frage erschiene ihm eine Frage der Ethik, der politischen Tunlichkeit und des Eigcninter- efleS zu sein. Macneill fragte weiter, ob außer dem unerwarteten Erfolg der bulgarischen und serbischen Waffen irgendein Grund bei Ausbruch des Krieges bestanden habe, die Erklärungen der Mächte bei Ausbruch des Krieges umzustoßen, und ob im Hinblick auf den Mißerfolg der Verbündeten bei Behauptung ihrer Er- oberungen auf türkischem Gebiet Grey die Versicherung geben Ivolle, daß die britische Regierung es ablehnen werde, sich einer Zwangspolitik gegen die Türken anzuschließen, die den Zweck habe, die Türken an einer Wiedererlangung des Verlorenen zu hindern. Grey antwortete: Die beste allgemeine Antwort ist die, daß die Mächte es nicht für wünschenswert halten, unter Anwendung von Zwangsmaßregeln zu intervenieren, um ihre ursprünglichen Anschauungen zu behaupten. Aber ich muß diese Erklärung er- ganzen, indem ich sage, daß die Mächte bezüglich der Aegäischen Inseln und Albaniens fortfahren, auf ihrer Entscheidung zu be- harren und daß sie im Falle Albaniens unter Anwendung von Zwangsmaßregeln interveniert haben, um ihrer Entscheidung Achtung zu verschaffen. Es darf darum nicht angenommen werden, daß sie überhaupt keine Aktion in irgend- einem Falle unternehmen werden. Zwar läuft kaum ein Fall einem anderen genau parallel, doch kann ich kein Unternehmen als wünschenswert bezeichnen, das eine Trennung der britischen Re- gierung von den übrigen Mächten zur Folge haben könnte, auch unter Unlständen, die bisher noch nicht eingetreten sind und nicht .vorausgesehen werden können. Walter Guinneß fragte, ob mit Rückficht auf die Tat- „fache, daß die Mächte den ehemaligen Verbündeten gestattet haben, einen bloßen Eroberungskrieg zu führen, irgendein Grund vorhanden sei, sich der Wiederbesetzung Thraziens mit Rücksicht auf das Nationalitätsprinzip zu widersetzen, das Grey ehedem unter- stützt habe. Grey erwiderte: Diese Fragen scheinen auf die Annahme gestützt, daß die Aktion der Mächte durch Vernunft und Völker- recht geregelt wird. Tie Haltung der Mächte ist, was jede einzelne Macht anlangt, durch die Rücksichten beeinflußt, die ihr eigenes Interesse erfordert, und was die Gesamtheit der Mächte anlangt, durch den gemeinsamen Wunsch, den Frieden Europas zu be- wahren. Ich glaube, ihre Aktion wird weiter von diesen beiden Interessen geregelt werden. voo der sozialdemokratischen Partei- Organisation in Schweden. Ter Bericht des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei Schwedens für das Jahr 1912 ist nunmehr erschienen. Ter Bericht zeugt von einer eifrigen Tätigkeit der Partei, die in organisatori- scher Beziehung ihre Mitgliederzahl von 57 721 auf 61 898 er- höhen konnte. Die Beitragslcistung der Mitglieder ist allerdings außerordentlich minimal, denn der Kassenbericht ver- zeichnet eine Beitragseinnahme von nur 39 592 Kronen. Es ent- fällt also auf das einzelne Parteimitglied, wenn wir einen Jahresdurchschnitt von 59 099 Mitgliedern in Ansatz bringen, eine Bei- tragsleistung von sage und schreibe 69 Oere oder 65 Pf. pro Jahr und Mitglied. Diese geringfügige Beitragslcistung hängt mit dem Organisationssystem der Partei zusammen, die nicht aus persön- lichen Mitgliedern besteht, sondern aus ihr angeschlossenen Ver- einen, die für ihre Mitgliederzahl eine gewisse Beitragsleistung übernehmen. Etwa'U der als Parteimitglieder Gebuchten sind in Wirklichkeit Gewerkschaftsmitglieder, deren Gewerkschaftsorgani- sationen in corpore der Partei angeschlossen sind. Das einzelne Mitglied ist also mit der Partei wenig oder gar nicht verwachsen, ein politisches Organisationsleben, das alleine eine größere Opfer- Willigkeit und eine sozialdemokratische Erziehung der Parteimit- glieder bewirken könnte, kann nicht entstehen. Dazu bedarf es der persönlichen Mitgliedschaft, der selbständig aufgebauten Organi- sation. Eine dem Bericht beigegebene Tabelle über die zahlenmäßige Parteientwickelung gibt auch in anderer Beziehung ein recht lehr- reiches Material zur Beurteilung der Wirkungen dieses Organi- sationssystems. In den 1899er Jahren galt der Grundsatz, daß die Gewerkschaften der Partei angehören sollten und die beiderseitige Mitgliederzahl Ivar ungefähr die gleiche. Als von 1896 ab die Ge- werkschaften erstarkten, trat das gleiche bei der Partei ein. Von 1897 zu 1898 stieg die gewerkschaftliche Mitgliederzahl von 31 444 auf 47 121. Die Mitgliederzahl der Partei stieg von 27 136 im Jahre 1897 auf 39 476 im Jahre 1898 und sie hielt sich nun einige Jahre ungefähr auf der gleichen Höhe, wie die der zentralisierten Gewerkschaften. In den Gewerkschaften selbst entstand aber bald eine Opposition gegen den„Zwangsanschluß", der auch formell be- eitigt wurde. Von da an stieg die Mitgliederzahl der Partei nicht o schnell wie die der Gewerkschaften. Im Jahre 1997 hatten die Gewerkschaften ihren Höchststand mit 217 873 Mitgliedern erreicht; die Partei zählte 1Z3 388 Mitglieder. Die wirtschaftliche Krise von 1998 und noch mehr die Wirkungen des Generalstreiks von 1999 lichtete die Reihen der Gewerkschaften ungemein und auch die Partei verspürte die Wirkungen. 1919 war ihre Mitgliederzahl auf 55 248 gesunken. Die Zahlen zeigen, daß die Verkoppelung von Gewerkschafts- und Parteiorganisation, so bequem sie scheinbar 'ein mag, auch sür die Partei ihre Schattenseiten hat. Je mehr die einzelnen Gewerkschaften mit der Idee der organisatorischen Ge- meinschaft brechen, je eher wird sich auch die Partei gezwungen 'ehen, zum selbständigen Organisationssystem überzugehen. Die Auflage der sozialdemokratischen Presse ist seit 1998 un- unterbrochen gefallen. Sie betrug im genannten Jabrc 174 999, 1911: 169 999 und 1912: 153 999� Ausgezeichnet sind die Wahlerfolge der Partei. Im Jahre 1897 entsandte sie den ersten Vertreter in die Zweite Kammer und noch unter dem alten Wahlrecht konnte 1919 das 35. Mandat er- obert werden. Nach der Wahlrechtsreform erzielte die Partei 64 Mandate. In der Ersten Kammer sitzen jetzt 13 sozialdcmokra- tische Senatoren, gegen 2 unter dem alten Wahlrecht 1911. Das Igt bereits den steigenden kommunalen Einfluß der Partei, denn e Erste Kammer geht aus den Wahlen der Gemeindekörper- schaften hervor. Unsere Partei steigerte die Zahl ihrer kommunalen Vertreter folgendermaßen(von 1911 zu 1912): Stadtverordnete von 229 auf 339, Mitglieder der Verwaltungen von Landflecken von 119 auf 122, Gemeindevertreter von 334 auf 376 und Vorsteher in son- 'tigen kommunalen Institutionen von 1754 auf 1919. Diese Ziffern sind jedoch nicht erschöpft, weil vollständige Angaben nicht zu er- langen waren. stuf dem Kriegsichaupiata. Unser Wiener Bruderblatt, die»Arbeiterzeitung", hat den Genossen Hugo Schulz, den bekannten Verfasser des im Vor- wärts-Verlage erschienenen Werkes„Blut und Eisen", auf den serbischen Kriegsschauplatz entsendet, weil es der Meinung ist, daß cS für die Betrachtung und Kritik des modernen Militarismus wichtig ist, die Operationen einer Armee, zumal einer, deren Or- ganisation der Miliz sehr nahe kommt, unmittelbar zu beobachten. Es ist dem Genossen Schulz gelungen, bis zum Hauptquartier der zweiten serbischen Armee bei P i r« t vorzudringen. Seinem ersten Briefe, datiert vom 22. Juli, entnehmen wir folgendes: »Nach mancherlei überaus pcinvollen Irrfahrten in voll- gepfropften Militärzügen, die mich zunächst nach Kumanowo und UeSküb brachten, bin ich nun hierher an die Front der zweiten Armee gelangt. Die auffegende Nähe der Kriegsercignisse, die nun meine Aufmerksamkeit bannen, bestimmt mich, den Bericht über das bisher Gcschaute zu vertagen, obgleich die Bilder, die sich da ent- rollen, nicht minder eindrucksvoll sind als das, was innerhalb des unmittelbaren Wirkungskreises der Geschütze fichtbar wird. Wenige Kilometer von hier modern Jünglings- und Männerleichen, aber der Anblick der Tausende �jjraubärte des letzten Aufgebotes, die die Berdanka schulternd die Bahnstrecken bewachen, der Massen, die in allen Orten zusammenströmen, in Freilagern nächtigen und des Rufes harren, der sie an die Grenze befiehlt, ist auch nicht wenig aufrüttelnd.... Zwar wahrt auch hier die serbische Sozialdemo- tratie, wie es ihr Wesen heischt, dieser Massensuggestion gegenüber ihre kritische Klarheit, aber sie darf es. ohne beschimpft, ohne ver- leumdet, ohne mißverstanden zu werden; denn ein kämpfendes Volk ist eben doch etwas anderes als eine kaltberechnende Kriegs- kamarilla, und selbst dem aufs höchste entflammten Kriegssührer isi die Friedenssehnsucht eng benachbart.„Man muß doch den ewigen Frieden wünschen", sagte mir Hauptmann Sindjelitsch aus Nisch. der noch vor wenigen Wochen Leutnant gewesen war und vor Skutari eine Waffentat vollbracht hat,� die ihm bei uns das Theresienkreuz einbringen müßte.... Das serbische Volk hätte wohl auch genug an diesem Stahlbad, wenn es in seiner Masse nicht überzeugt wäre, daß ihm dieser neue Krieg aufgenötigt worden ist und daß es ihn zu führen hat-zur Verteidigung seiner Existenz. Die unselige bulgarische Politik hat es zuwege gebracht, in ganz Serbien die Meinung zu wecken, daß der Kampf gegen die Bulgaren in höherem Maße ein Volkskrieg sei. als es der Kampf gegen die Türken gewesen. Diese waren das '"viekt einer historischen Abrechnung, aber nicht einer ur,prung- Uchen. in das individuelle Gefühl übergreifenden Erbitterung, wie cs die Bulgaren nun sind. Daß sie es gewesen, die den Wieden brachen, ist zuverlässig bekundet; trotz aller Meugnun�i. Tazu kommt noch, daß sich ihre Trupp«» au xuiigcn Punkten des Kriegsschauplatzes ganz unglaubliche, aber leider auch erwiesene Greuel- taten zuschulden kommen ließen, die den Haß zur lodernden Flamme schürten. Wahrscheinlich hat man den kriegsmüden buk- garischen Soldaten, die ohnedies von härterer Gemütsart und oben- drein seit Adrianopel gewohnt sind, im Feindesland von der Strippe gelassen zu werden, einzureden verstanden, daß die Gegner an der Erneuerung des Krieges Schuld tragen und daher schonungslos be- handelt werden müssen.... Die Fahrt von Nisch nach Pirot würde sich in Friedenszeiten recht gut lohnen, denn die wildromantische Gebirgslandschaft bietet des Schönen und Fesselnden außerordentlich viel.... Seltsam- Bahnwächter bilden dem Zuge Spalier. Fast jede Minute fällt der Blick auf«in Strohgelt, in dessen Nähe vier oder fünf Männer mit verwitte-lcn Gesichtern und grauen Bartstopveln kauern. In ihrer m»k-ctsch zerschlissenen mazedonischen Tracht, der mächtigen Pudel- mutze auf dem Haupte und der Patronenpallisade um den roten Gürtel, machen sie einen recht bärbeißigen Eindruck, der durch die alten Berdangewehre mit dem Stichbajonett, die vor dem Zelte lehnen, noch erhöht wird. Die Bewaffnung ist übrigens nicht ein- heitlich; man sieht auch Gewehre anderer alter Systeme, wie Henrv- Martini, Werndl und Mauser-Krnka. Auch Vorderlader fehlen nicht ganz. Einer von diesen alten Kriegern, die man für Heiducken halten möchte, die aber in Wirklichkeit die AuZgedinger der Volks- miliz sind und das vierte Aufgebot darstellen, steht aufrecht mit umgehängter Torba und geschultertem Gewehr, um, scharf in die Runde spähend, Auslug zu halten.... Ich habe nirgends ein vernachlässigtes Stück Ackergrund ge- sehen, denn die Frauen haben überall doppelte Arbeit geleistet. Ihre Leistungen im Kampfe wider das Verderben, das der Krieg über das Land verhängen konnte, find nicht geringer zu achten als die Taten ihrer Männer vor dem Feinde. Ohne ihr wundenheilendes, weibliches Heldentum. daZ in übermenschlicher Krastentfaltung bis an die Grenzen des Möglichen ging, hätte da? arme Land wohl verbluten und verschrumpfen müssen. Es soll übrigens die Leistung der bulgarischen Frauen der ihrer serbischen Schwestern ganz ebenbürtig sein.... Um zwei Uhr nachmittag fährt der Zug in Pirot ein und etliche hundert Neuassentierte traben alsbald, von Unteroffizieren begleitet, dem Städtchen zu, um sich durch den Empfang von Gewehren und Patronentaschen in Soldaten zu verwandeln. Abends sah ich sie schon mit geschulterten Gewehren in Doppelreihen durch die Straßen marschieren, und es ging ganz fennos. Hätte man sie auch in Uni- formen gesteckt, so wären sie dem militärisch geschulten Auge kaum aufgefallen. Sie hatten die schwierige Kunst des Doppelreihen- bildens und Abfallens im Handumdrehen erlernt, ohne Millionen- nial„herstellen" zu müssen. Schießen aber können sie ohnedies, weil das auf dem Balkan ein jeder kann, und weil es sich überdies am leichtesten erlernt, wenn kein sogenannter Jnstruklor daneben steht, der partout verlangt, daß die Hand den Kolbenhals fest um- saßt, selbst wenn dann der Zeigefinger absolut das Züngel nicht erreichen kann, und der dann sünfhundertmal..Setzt abl" komman- Zwei wichtige Maßnahmen wurden im Berichtsjahre im Interesse des Bildungswesens ergriffen. In einer Konferenz der Parteileitung mit der Leitung der gewerkschaftlichen Landesorganisation und verschiedenen anderen Organisationen wurde ein„Reichsverband der Arbeiter für Bibliotheks- und Vor» lesungstätigkcit" errichtet, der dem Bildungsbedürftrts der Arbeiter- massen dienen soll. Diese Einrichtung entspricht zweifellos einem vorhandenen Bedürfnis. Inwieweit es möglich sein wird, dieses Bedürfnis zu beffiedigen, läßt sich jetzt noch nicht sagen. Eine zweite Einrichtung, die dem gleichen Zwecke dienen soll, wurde mit der Reorganisation des Parteiverlages getroffen. Die alte, ziemlich ver- nachlassigte Verlagstätigkeit des Parteivorstandes wurde durch die Errichtung einer Verlagsgesellschaft„Tiden" ersetzt, an deren Spitze ein Verlagsches gestellt wurde. Turck eine Schenkung des Grün- ders der neuen Arbeiterbank. Olof Aschberg, wurde die Partei- leitung in Stand gesetzt, die Uebersetzung von Marx'„Kapital" in die Wege zu leiten; R. Sandler ist mit dieser schwierigen Auf» gäbe betraut worden. Tie Monatsschrift der Partei,„Tiden", erforderte erhebliche Zuschüsse, da ihre Auflage erst 2399 beträgt, wovon zudem oft ein erheblicher Teil remittiert wurde. Gegen die Lebensmittelteuerung gab die Parteileitung ein Manifest heraus, und in zahlreichen Versammlungen forderten die Arbeitermassen Maßnahmen von Staat und Gemeinden zur Linde- rung der Not. Auch im Reichstage wirkten unsere Genossen in gleicher Richtung. Ein größerer Erfolg ist dieser Tätigkeit noch nicht beschieden gewesen, aber die Partei wird nicht nachlassen, gegen die Lebensmittelteuerung anzukämpfen. Im ganzen kann gesagt werden, daß im Berichtsjahre eine intensive innere Arbeit der Parteiinstanzen geleistet wurde. polWcbe Qeberlicbt. Politisierung der Schule. „Deutsche Heimat und Schule" betitelt sich eine illustrierte Zeit- schrist, die»für alle katholischen Lehrer, Lehrerinnen und Schul- ffeundc Deutschlands" erscheint. In dem 6. Heft(Juni 1913) dieser Zeitschrift findet sich ein Artikel von I. Bensch(Posen), betitelt: »Bemerkungen zur Lcsebuchffage mit besonderer Berücksichtigung zweisprachiger Verhältnisse". Darin weist der Verfasser hin auf eine Frage, die bisher in den katholischen Lesebüchern noch viel zu wenig beachtet sei, die Frage nämlich, wie das Kind in den sozialen Verband der Kirche eingegliedert wer- den könne. Wie der Verfasser das versteht, ergibt sich anS folgenden Sätzen: „Das Lesebuch muß der Gegenwart gerecht werden, muß also auch der sozialen Tätigkeit des Staates, der Kirche, der Gemeinde überall Rechnung tragen. Soziale und damit verwandte Gesetz- gebung. Gesellen- und Jünglingsvereine(Vater Kolping), Jungfrauen vereine und katholische Bahnhofsmission, überhaupt Jugendpflege« der ver- schiedensten Gestalt, christliche Gewerkschaften, Armen- und Krankenpflege müssen auch durch das Lesebuch demJnteresscderJugend nahegebrachtwerden. Das muß für ein Lesebuch für zweisprachige Schulen um so mehr gefordert werden, als sich dadurch zugleich das Bewußtsein der internationalen deutschen Einheit befestigt." Man versteht das Bestreben des Klerikalismus, die Schule in seine Gewalt zu bekommen. Die Organisationen, in deren Ver- ständnis die Schuljugend nach obiger Anweisung eingeweiht werden sollen, sind halb kirchlicher, halb politistber Art. Zu der Konfessio- nalisrerung der Schule soll also auch die Politisierung im Zentrums- sinne treten. Das eröffnet herrliche Aussichten auf die Zukunft unserer Schule! Die im Sinne der Berliner- Richtung geleiteten»PetruS- Blätter" wenden stch gegen die Vorschläge des Posen« Zentrum?- Pädagogen.»Also bereits den Schulkindern"— so schreibt das ge- nannte Blatt—»müssen die vom Papst nur sehr bedingt geduldeten christlichen Gewerkschaften mundgerecht gemacht werden. Man weiß faktisch nicht, ob man angesichts einer solchen monströsen Theorie, die schon die katholische Schuljugend für bedenkliche Lehren und Irrtümer einnehmen soll, mehr an die unglaubliche Unkenntnis oder völlige Verblendung des Artikelschreibers denken soll." diert, bis dem Schützen die Galle überläuft und ihn veranlaßt, ein kleinkalibriges Loch in die Lust zu schießen. Pirot ist ein armseliges Städtchen, das sich noch ganz den türkischen Habitus erhalten hat, der übrigen? auch durch eine alte, verwitterte Moschee scharf markiert wird. Wenn nicht die vielen Soldaten herumwimmeltcn, würde nichts das Leben des Alltags beeinträchtigen. An den Krieg ist die Bevölkerung, seitdem sie des Siege? der serbischen Armee sicher ist, völlig angepaßt. Die Er- wachsenen weben daheim ihre Teppiche, und die Kinder tollen soldatenspielend durch die Straßen. Täglich hört man aus der Ferne durch einige Stunden ein verdächtig summendes Geräusch, aber die Leute blicken kaum auf zu den Balkanbergen, die den Tal- ausgang decken und niit Geschützen gespickt sind. Nur wenn es auch in der Nacht zu dröhnen beginnt, sind alle auf den Beinen und blicken hinauf zu den Forts, wo es zeitweilig blutigrot aufblitzt. An das Grausige gewöhnt, genießen sie das Schauspiel wie ein Feuerwerk. Nachmittag marschierten einige Bataillone des ersten Aufgebotes unter Hornruf und Trommelschlag durch die Stadt. Sie haben bereits eine weite Strecke hinter sich gebracht und sehen so auS wie unsere Truppen, wenn sie erhitzt und verstaubt vom Manöver ein- rücken. Entsetzlich zu denken, daß von diesen prächtigen Menschen manch ein« in einigen Stunden schon bleich und blutig den Rasen decken kann. Es sind Männer bis zu 32 Jalwen. kräftige stramme Leute mit blonden Haaren und sonnverbrannten Zügen. Hj« und da ein dunkelbrauner Zigeuner darunt«. Die Khakiuniformen sind ein wenig vom langen Kriegsleben hergenommen, aber sonst möchte man glauben, daß es sich um einen ftiedlichen Uebungsmarsch handelt. Und zwar— wenn die Khakiuniformen nicht wären— um einen österreichischen. Dieselben Doppelreihenkolonnen, derselbe Gewehrgriff bei der Ehrenbezeigung. d«selbe Streckschritt bei der Defilierung. Aber ein gewaltiger Unterschied ist doch: die Leute machen es zwar genau so wie bei unZ und haben überdies auf dem Schlachtfeld sogar das Verhalten der preusii,chen Garde bei Saint Privat überboten, aber die meisten von ihnen haben bloß sechs Monate gedient, viele nur zwei; auch die meisten Unter- offiziere und die Reserveoffiziere sind nur halbjährige„Diener" gewesen und überdies machen sich die..Porut)chn,ks". wenn sie nicht gerade mit gezogenem Säbel an der Spitze schreiten, mit den Mann- schaften gemein. Das ist keine Armee, m,t der man Parade machen kann, das ist eine Spät am Nachmittag wurden zwe, bulgarische Gefangene ern- gebracht- ein junger M-nschm.t stumpfem Gesicht und ein schwarz- bärtiger qroßer Mann m,t scharsgeichnittenem Profil. Beide sahen blast und stumpf aus und antworteten recht sckmchtern auf die Fragen die ihnen der Feldgendarm vorlegte. Es sind nicht die ersten bulgarischen Gefangenen, die ich gewahrte; schon in Belgrad hatte ich qanze Kolonnen vorbeiführen sehen. Es ivar aber das erstemal. dast ich einen unmittelbaren Eindruck gewann, wie solchen Männern lumute sein mag. die sich rings vom Feinde umgeben sehen und innerlich fürchten mögen, daß man UebleS mit ihnen vorhat.,, Vielleicht gibt es da einen Ausweg: Man überträgt die Eni- scheidung über den Streitfall dem Papst, und der stellt das weitere den deutschen Bischöfen anHeim, die dann bestimmen können, ob in den Schulen ihrer Diözese die Kinder nach Berliner oder nach M.-Gladbacher Art„in den sozialen Verband der Kirche einzu- gliedern" sind, d. h. ob sie sich für die katholischen Fachabteilungen oder die christlichen Gewerkschaften zu begeistern haben. Tie Vertagung der Berufungsverhandlung gegen das Erfurter Kriegsgerichtsurteil. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" berichtet, die Vertagung der Bsrufungsverhandlung gegen das bekannte Erfurter Kriegsgerichtsurteil sei auf Anweisung des Kriegs- Ministeriums erfolgt. Das Kriegsministerium habe er- neut um Ueberiendung der Akten nach Berlin gebeten. Man halte es an zuständigen Stellen für möglich, daß die neue Aburteilung in der Strafsache See und Genossen bereits nach den neuen Richtlinien, die in der Militärstrafprozeßnovelle ge- zogen werden sollen, vor sich gehen dürfte. Es sei daher an- zunehmen, daß vor dem Spätherbst auf die Verhandlung dieser Strafsache vor dem Kasseler Oberkriegsgericht nicht zu rechnen sei. Handwerker und Nationalliberale. Die Geheimrnte und Professoren in der nationalliberalen Fraktion des Abgeordnetenhauses scheinen Wert darauf zu legen, streng unter sich zu bleiben und alle„Elemente" fernzuhalten, die nach körperlicher Arbeit riechen. Auf dem Rheinischen Handwerker« tag wurde nämlich im Jahresbericht laut„Köln. Volkszgt"(Nr. 6ö1) mitgeteilt: Unterm 6. Januar dieses Jahres wandten wir uns an die Geschäslssrelle der nationalliberalen Partei für die Rheinprovinz mit einem entsprechenden Schreiben, in deni wir besonders auf die guten Aussichten einer nationallibcralcn Kandidatur im Wahlkreise Dinslaken— Mülheim a. Ruhr hinwiesen. Der Provinzialvorstand der Nalionalliberalen Partei stellte in seiner Sitzung vom 15. Februar fest, daß er unserm Antrage durchaus wohlwollend gegenüberstehe. Leider hatte dieser Beschlust keine durchschlagende Bedeutung, da der Provinzialvor- stand der Nationalliberalen Partei— gemäst Schreiben der Ge- schästsstclle vom 19. März— bei der Ausstellung der Kandi- daturen einen direkten Einflnst auf die Wahlkreiskomitees nicht ausüben kann, weil diese Angelegenheit auf Grund der Organisationsbestimmungen Sache der einzelnen Wahlkreise sei. In Dinslaren-Mülheim a. d. Ruhr war bereits der Geheim« rat Mathies- Berlin aufgestclll worden, der auch später gewählt wurde. Die Geichästsstelle sandte uns ein Verzeichnis derjenigen rheinischen Landiagswahlkreise, die mit nationalliberalen Kan- didalen noch nicht besetzt waren; sie bezeichnete darunter als aus- sichtsreich lediglich das dritte Mandat in Saarbrücken-St. Wendel. Wir führten daraus mit allem Nachdruck direkte Verhandlungen mit dem Obmann der dortigen Organisation, jedoch ohne Erfolg. Letzlerer, Herr Professor Dr. Herweg in Saarbrücken. wurde schlietzlich selbst als Kandidat aufgestellt und gewählt. Die guten Rationalliberalen hatten also in der ganzen Rhein- Provinz für die Handwerker kein Mandat. Das Zentrum war schlauer. Es gab den Handwerkern gleich mehrere Sitze und konnte so in seiner Agitation mit der Maske der Handwerkerfreundlichkeit prunken. Bei solchen Schnitzern wundern sich die Nationalliberalen, wenn ste im Rheinland rapid bergab rutschen. Konnten sie sich doch in den Wichligen Wahlkreisen Köln-Stadt und Köln-Land nicht ein- mal mehr an der Landtagswahl beteiligen. Tie Nöte der Landarbeiter. In den jüngsten Tagen war in der bürgerlichen Presse wieder einmal viel von den„Nöten der Landarbeiterschaft" die Rede. Die„Deutsche Tageszeitung" lieh in ihrer Mittwochnummer sogar einen Leitartikel los, worin sie die in der„Kölnischen Zeitung" von einem pommerschen Landwirt erhobenen Beschuldigungen, die Agrarier richrtcn in der jetzigen guten Zeit keinen Finger, um die schlechten Lohn- und Wohnungsverhältnisse der Landarbeiter auf- zu bessern, als unrichtig zurückzuweisen versucht. Von einer Widerlegung kann dabei keine Rede sein; die in der„Kölni- schen Zeitung" und im Anschluß daran auch in der„Westfälisch- Lippischen Volkszeitung" vom Abgeordneten Behrens vor- gebrachten Tatsachen lassen sich eben nicht aus der Welt schaffen. Herr Behren« hatte u. a. besonders darauf Hingelviesen, daß selbst königliche Behörden in Preußen Sielfach zum Aergernis der inländischen Landarbeiter verfahren. Im Haag wurde z. B. von ansässigen Forstarbeitern beklagt,„daß sie mit minderbezahlten Kulturarbeiten beschäftigt wurden, während auswärtige Arbeiter zu den Wegebauarbeiten herangezogen wurden, die dabei Löhne von 5 bis 7 M. verdienen, während sie bei den Kulturarbeiten 2.70 M. bis 3 M. erreichen." Es sei zuzugeben, daß diese wohl- berechtigten Beschwerden kaum durch Gesetz und Behörden all- gemein befriedigend beseitigt werden könnten. Hier komme es auf das Takt» und Gercchtigkeitsempfinden der Arbeitgeber an. Bei diesen wiege aber in der Regel das rein geschäftlich-wirt- schaftliche Eigeninteresse vor. Diese Dinge kann, wie gesagt, die„Deutsche Tageszeitung" nicht bestreiten; sie ist aber bei ihrer Antwort in der angenehmen Lage, der„Kölnischen Zeitung" die ebenso schlechten Lohn- und Arbeitsverhältnisse der ausländischen Arbeiter in der Industrie entgegenhalten zu können. Im übrigen aber mögen zur Jllustric- rung der agrarischen Arbeiterfürsorge folgende Tatsachen dienen: Von einer Äonservensalwik in W ü I f e l bei Hannover werden in der jetzigen Erntezeit Arbeiter in beliebiger Anzahl an die Agrarier zum Erbsenpflücken usw. leih weife abgegeben. Jüngst hatte sie auch einem Landwirt in Giften im HildeSheimschen 170 Arbeiter(Russen. Galizier. Polen) überlassen. Die Leute fuhren zunächst jeden Morgen mit der Bahn zur Arbeitsstelle und abends wieder zurück. Damit schien dem Agrarier aber wohl zu viel Zeit verloren zu gehen, und so richtete er ans seinem Gutshofe in einer Scheune ein Massenquartier für die Leute ein. Von worgens 5 Uhr bis abends ö Uhr dauerte die Arbeit auf dem Felde, und nachts lag in der Scheune auf primitivem Stroh. läger— Betten gab es nicht— alles durcheinander(eine Trennung nach Geschlechtern war nicht durchgeführt). Ein anderes Bild: Nach einer Meldung des„Hannoderschen Courier«" wurden dieser Tage in Sarstedt bei Hildesheim auf der Domäne Ruthe vier ausländische Landarbeiter i�urch d r c i ffi e n d«j j; jn e n fe st genommen, weil sie angeblich versucht hatten. ihreMitarbeiterzumNiederlegen der Arbeit zu veranlassen Wie das genannte Blatt weiter mitteilt, sollen die„Aufwiegler" über die russische Gr-nze abgeschoben werden. «o sehen die Dinge in der Wirklichkeit aus. Es muh schon schlimm sein, wenn selbst die anspruckslosen und zufriedenen ans- ländischen Landarbeiter rebellisch werden. Tie parlamentaiische Untersuchungskommission. fortschrittliche Blätter mitteilen, sind in die Kommission zur UntttMchung der Militarlielerungen auch die«bgg. Müller-Meiningen und Lteschmg berufen worden. Die konservativen werden durch die Abgg. Graf Westarp und v. Putlitz vertreten sein. Diese Vorschlafe sind von den Fraktionen ausgegangen und von der Regierung selbst- verständlich akzeptiert worden. Vielleicht entschließt man sich doch endli-b, die Art der Zusammensetzung dieser wichtigen Kommission der Oeffentlichkeit mitzuteilen.__ Offizierausbildung im Eiltempo. Der große Bedarf an Ossizieren, der durch die Militärvorlage veranlaßt ist. hat die Heeresverwaltung bestimmt, ganz außer- ordentliche Maßnahmen zu treffen, die schon mehr einer Ueber- stürzung gleichen. Die beiden neuen Kriegsschulen in Bromberg und in Ersurt kommen für die Ausbildung von Offizieren noch nicht in Betracht, denn sie sind erst im Bau. Dafür hat man bei den anderen Kriegsschulen schleunigst noch einige Hörsäle eingerichtet, der Kadettenanstalt in Groß-Lickterfelde hat man zwei KriegSschul- klasien angegliedert. In den Offizierspressen wird gleichfalls eine fieberhafte Tätigkeit enifaltet und außerdem hat man Offiziere des Beurlaubtenstandes als aktive Offiziere eingestellt. Die nötige An- zahl Offiziere wird man im Herbst beisammen haben, ob aber diese Ausbildung im Galopp auch wirklich brauchbares Material liefert, das ist eine andere Frage. Weitere Forderungen der Militaristen. Von geschätzter parlamentarischer Seite wird der„Kölnischen Volkszeitung" geschrieben: „Die.Trierische Landeszeituna" bringt unterm 15. Juli von ihrem mililärischen Mitarbeiter einen Leitartikel„Zum Ausbau strategischer Eisenbahnen", in welchem der Ausbau von nicht weniger als fünf Eisenbahnlinien als Zufuhrlinien für den Anfmarsch des Heeres gegen Frankreich, sodann noch weitere Bauten ohne Rücksicht auf den Kostenpunkt gefordert werden. Trier ist dem militärischen Mit- arbeiter der Zentralpunkt seiner strategischen Erörlerungen. Die fünf Zufuhrlinien, die er behandelt, führen alle nach Trier. Er verlangt eine direkte Schnellbahn von Trier nach Aachen, eine kürzere und schnellere Verbindung von Trier nach Bonn, den Ausbau der rechtsseitigen Moseltalbahn von Trier nach Koblenz, eine direkte kürzere Per- bindung von Trier nach Frankfurt und eine direkte Strecke Trier- Mannheim. „Wir würden", schreibt dazu die„Kölnische VolkSzeitung",„keinen Anlaß haben, gegen diese lokalpatriotischen Wünsche uns zu wenden, wenn diese nicht durch ihre strategische Motivierung eine neue schwere Forderung an den Reichssäckel darstellten, und wenn uns nicht der Verfasser des Artikels in der„Trierschen Landes- zeitung" im Laufe des Jahres bei der öffentlichen Erörterung der Wehrvorlage mit offenbar aus dem K r i e g s m i nist e r i u m stammendem Material begegnet wäre." Oeltcmicb. Neue Hecresvrrstärkung. Wien, 30. Juli.(Eig. B?r.) Natürlich„wegen der südöstlichen Vorgänge" soll abermals eine bedeutende Erhöhung des Mannschastsstandes stattfinden. Ter Kompagniestand soll auf 120—130 Mann gebracht werden, an den Grenzen gegen Rußland und dem Balkan auf nach mehr. Es sollen beim Heer 30 000. bei der aktiven Landwehr in Oesterreich und Ungarn 10 000 Mann mehr eingestellt werden. Das Re- krutcnkontingent würde dann 1917 265 000 Köpfe betragen, was 0,49 Proz. der ungarischen, 0,56 Proz. der österreichischen Bevölkerung bedeuten würde. Außerdem sollen je 4 Div'.- sionen eine Abteilung schwere Artillerie erhalten. ßolland. Die Liberalen verzichte» auf die Kabinettsbildung. Haag, 31. Juli. Eine Versammlung von Deputierten und Mitgliedern aller liberalen Parteien erörterte die Hal- hing, die man gegenüber der M i n i st e r k r i s e einnehmen solle, nachdem sich die Sozialisten geweigert haben, die Portefe u 1 1 1 es anzunehmen. Die Versammlung bedauerte einstimmig diese Ablehnung, da ein aus Libe- ralen und Sozialisten zusammengesetztes Kabinett in der .Kammer eine genügende Majorität besessen hätte, um das allgemeine Wahlrecht zur Annahme zu bringen. Die Ver- sammlung entschied, daß die von den Sozialisten gestellten Bedingungen für die Unterstützung eines liberalen Kabinetts nicht die Möglichkeit der Ausführung des Programmes ge- währleisten. Infolgedessen erklärte sich die Ver- sammlung gegen die Bildung eines Kabi- netts der vereinigten Liberalen. Afrika. Blutige Kämpfe in Tripolis. Benghasl, 31. Juli. Infolge der Feindseligkeiten und Raube- reien der Stämme der Abedla griff General d'Alessandro am 28. Juli Zauia el Gaffa und S»di Ahmeda an, bemächtigte sich dieser Plätze, verfolgte die Rebellen über 10 Kilometer weit und fügte ihnen große Verluste zu. Die Italiener hatten 8 Tote, darunter 2 Weiße, und 2 2 Verwundete, darunter 2 Offiziere. Auf dem Kampfplätze fand man 217TotedesFeindes. Unter ihnen befand sich auch der Hauptanführer der Abedla. Die Italiener zerstörten das Lager und die Vorräte der Rebellen. Zahlreiche Ge- wehre und etwa 2000 Stück Vieh fielen in die Hände der Italiener. Zauia el Gaffa wurde zerstört. J3iis der parteü Kritik an der ReichStagSfraktion. In der„Leipziger V o l k S z e i t u n g" hat Genossin Rosa Luxemburg unter der Spitzmarke:„Die Reichstags- fraktion und die Militärvorlage", sechs Artikel veröffentlicht, in denen sie vor allem die Haltung der Fraktion zur Deckungsfrage und den Steuervorlagen kritisiert. Sie kommt zu folgenden Schlußfolgerungen: „Unsere Fraktion hat sich unseres Erachtens im ganzen Ver- lauf des Kampfes viel zu sehr von dem Verhalten der Konser- vativen impressionieren lassen, sich zu sehr danach gerichtet, was jene tun und sagen, als wenn zur sozialdemokratischen Politik irgendwie die Richtschnur genügte, Antipode des Konservatismus zu sein. Unfern Genossen waren sicherlich die larmoyanten Ver- sicherungen der Oertel und Konsorten zu Kopfe gestiegen, wir seien „die Herren der Situation". Aus den Fraktionskreisen konnte man auch in der Parteipresse wörtlich die geschmacklosen Bestäti- gungen lesen, daß solche Aeußerungen uns außerordentlich„wohl täten". Auf eine so massive Demagogie von Leuten hereinzufallen, deren politische Kunst es seit jeher ist,„zu klagen ohne zu leiden", und die nur auf die Liberalen und auf die Regierung eine wohl- berechnete Pression ausüben wollten, hatten wir sicher keinen An- laß. In Wirklichkeit war auch hier die Perspektive unserer Ab- geordneten stark getrübt, denn die„isolierten" Konservativen sahen ihre reaktionären Interessen— in den Grenzen der gegebenen Situation, nach der Annahme der Wehrvorlage durch sie selbst— von dem Zentrum und den Nationalliberalen treu wahrgenommen und geschützt. Wir hingegen, die wir tatsächlich durch den Verrat der Nationalliberalen isoliert waren und gar keine Ursache hatten, uns dieser Lage zu schämen, ja, jeden Anlaß hatten, sie ganz offen vor dem Lande zu zeigen, wir triumpbierten über die„Niederlage" der Konservativen und feierten das Werk der reaktionären Kuh- Händler als unseren Sieg. Nimmt man alles in allem, so scheint es uns. daß diese Taktik hinausgezogen ist, um Arm in Arm mit den Liberalen den schwarzbltipen Block zu zerschmettern und„eine grundliche Finanzreform" zu machen, sich dann aber mit der be- scheiden en Rolle begnügt«, Pen Wechselbalg de» klerikal-national- liberalen Kompromisses als einen ersten Anfang der Verwirb. lichung des sozialdemokratischen Programms heraushauen zu dur- fen. nichts als eine Prob- jenes Opportunismus ist, der nach Schäden gräbt und froh ist, wenn er Regenwürmcr findet." Aus den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein Elberfeld-Barmen hatte am 1. Juli 1313 einen Mitgliederbestand von 0970, darunter 1000 Frauen. 150 Mitglieder, die bei der LandtagSwahl nicht ge- wählt hatten, erhielten eine Rüge. Ueber den Parteitag in Jena referierte Parteisekretär K o h n e n, der die Haltung der sozialdemokratischen R e i ch s t a gs f r a k tro n zu den Deckungsvorlagen als im Interesse der Ar- beiterschaft gelegen, bezeichnete. Denselben Stand- punkt vertrat der Vorsitzende, während zwei weitere Redner gegen- teiliger Ansicht waren. Ein Beschluß wurde in dieser Sache nicht gefaßt. Beschlossen wurde, an den Parteitag in Jena folgenden Abändermigsantrag zum ß 27 Abs. 2 des Statuts zu richten: An Stelle„Unterläßt es der Angeschuldigte usw." zu setzen: „Unterläßt es eine Partei, innerhalb einer vom Parteivorstand zu bestimmenden Frist, die mindestens vier Wochen betragen muß, Schiedsrichter zu ernennen, so ernennt der Parteivorstcmd für diese Partei die Beisitzer." Zur Maifeicrfrage wurde dem Parteitag folgender Antrag zur Annahme empfohlen: „Alle Parteigenossen, denen es möglich ist, am 1. Mai durch ArbeitSruhe zu feiern, und die keinen Lohnausfall erleiden, habe» den Tagesverdienst an den Maifeierfonds abzuliefern," Jugendbewegung. Arbeiter-Jngend. Die soeben erschienene Nr. 10 des fünften Jahrgangs hat n. a. folgenden Inhalt: Das Endziel der Sozialdemokratie.— Verfassung und Verwaltung in Bayern, Württemberg und Sachs«.(Zur Ein- führung in die Bürgerkunde).— Der Schulstreik. Eine Jugend- erinnerung von Herbert Wendt.— Die freie Jugendbewegung am Niederrhein.— Ein Dynamomaschinchen für Handbetrieb. Von Kurt Sellin.(Mit Abbild.).— Chemische Wanderungen durch die Natur I.— Aus der Jugendbewegung. Die Gegner an der Arbeit. Vom Kriegsschauplatz usw. Beilage: Der Geranieiwweig. Erzählung von Ilse Frapau. — Die Welt Homers, Von Frrtz Elsner.— Der Waldweg. Von Jürgen Brand.— Unsere Hütten. Von Robert Mbert-Zürich.(Mit Abbildungen.)— Aufstieg.— Müller u. Co. Von Fritz Müller.— Bücher für die Jugend.— Au? der Geschichte von Hollo- Nu au. Von Otto Koenig.— Proletarierkinder. Gedicht von Alfons Petzold, J*ctzU Nachrichten. Ein Fall für unsere Chauvinisten. Paris, 31. Juli.(W. T. B.) Nach einer Blättermeldung aus Nancy trafen dort gestern nachmittag auf dem R Hern- Marne- Kanal zwei Vergnügungsjachten ein, deren eine,„Meteor", dem Berliner Kaufmann Merten, die andere,„Ajax", einem Lütticher Kaufmann gehört. Jede der Jachten hatte, dem Brauche ent« sprechend, ihre Nationalflagge gehißt. Der Anblick der deutschen Flagge rief bei den Hafenarbeitern große Erregung hervor(1), und einer von ihnen ritz, als sich Merten in der Stadt befand, die deutsche Flagge herunter und tvarf die Flaggenstange in den Kanal. Das Flaggentuch nahm er mit. Bald darauf wurde der Hafen- arbeiter I. Schengen als UeHeltäter ermittelt. Er legte sofort ein volles Geständnis ab und erzählte, er habe die Flagge im Hofe seines Hauses verbrannt. Das Zuchtpolizeigericht verurteilte ihn zu 10 Tagen Gefängnis. Nach einer weiteren Meldung soll Schengen die Tat im Rausche vollbracht haben, ohne daß er wußte, um welche Flagge es sich handelte. Abermalige Erfolge der Griechen. Athen, 3t. Juli.(W. T. B.) Amtlich weichen neuerlich zw« vollständige Siege der Griechen gemeldet. Als die Bulgaren die Angriffe bei Djumaja wieder aufnehmen wollten, wurden sie zurückgeschlagen, bevor sie Zeit hatten, Verstärkungen heran- zuziehen. Sie erlitten eine katastrophale Niederlage. NichtSdesto- weniger fuhren sie fort, die griechischen Flanken anzugreifen. Sie erschienen sehr verstärkt vor dem linken griechischen Flügel im Norden von Pehtschewo und suchten nach Süden gegen die Täler der Bregalnitze und Zelavitza vorzudringen. Die Griechen wurden gezwungen, sich zurückzuziehen und eine Verteidigungsstellung auf den Höhen im Nordwesten von Pehtschewo einzunehmen. Die Bul- garen unternahmen drei Tage lang erfolglose Angriffe, wurden jedoch unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Zwei griechische Divisionen griffen die Bulgaren in der Flanke an und eroberten nach erbittertem Kampfe die Höhen von Hassan Pascha und LeSca und vertrieben den Feind von allen Höhen. Die Bulgaren wollten bei Pehtschewo die griechische rechte Flanke angreifen, wurden jedoch zurückgeworfen. Eine andere bulgarische Abteilung, die aus sechs Bataillonen und acht Kanonen bestand, kam von Tatar Pazardzik her und griff ein griechisches Bataillon bei Mahomia an. Das griechische Bataillon mußte sich vor den bedeutenden feind- lichen Streitkräften gegen Preverihami zurückzuziehen, jedoch kam ihr die rechte griechische Division zu Hilfe und schlug den Feind voll- ständig. Die Berluste der Bulgaren sind bedeutend. Das Wiederaufflackern der Revolution in Venezuela. New Bork, 31. Juli.(W. T. B.) In Willem st ad auf Curacao sind Telegramme aus Coro in Venezuela eingegangen, die die bereits gemeldete Empörung der dortige« Garnison be- stätigen. Die Rebellen sind ans Ruder gelangt und üben die Funktionen der Regierung aus. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Bewegung von Anhängern Castros geschürt wird, der einen auf der Höhe von Curacao liegenden Dampfer zur Verfügung haben soll. Von dem Schiffe sind noch keine Nachrichten hierher gelangt, es ist auch nicht gesehen worden. Eine Anzahl von Briefen liegt für Castro auf dem Postamte m Willemstad. Ein neuer deutscher Höheurekord. Gelsenkirchen, 31. Juli.(P. C.) Einen neuen deutschen Höhen- rekord stellte heute auf dem Flugplatz Essen-Notthausen bei herrlich» stem Wetter der Flieger Linnkogcl auf. Er erhob sich mit seiner Rumplertaube bis zu einer Höhe von 4200 Metern, womit er den bisherigen deutschen Rekord um ca. 1000 Meter schlug. Explosion in der Deutzer Gasmotoreufabrik. Köln, 31. Juli.(W. T. B.) In der Versuchsabteilung der Gasmotoreufabrik Deutz ist heute vormittag eine Explosion erfolgt. Ein Ingenieur ist den erlittenen Verletzungen bereits erlegen. Ein Arbniter ist schwer verletzt.___ Einsturz eines Kirchenueubaues. Hagen(Westfalen), 31. Juli.(SS. T. B.) In D o l a r bei Fredehurg stürzte beim Neubau einer katholischen Kirche ein Ge- wölbebogen ein. Vier Arbeiter stürzten ab, zwei von ihnen blieben sofort tot, die beiden anderen wurden schwer verletzt. A. Wertheim ß f Leipziger Strasse König-Str. Roscnthalcr Strasse Oranien-Strasse% Freitag und Sonnabend, soweit Vorbanden.* Artikel Werden nicht zugesandt, Wurstwaren *Rotwurst..... m. 55, 85 pf. * Jagdwurst....... prund 1.10 Handleberwurst...pf»nd 1.00 *Tecwurst........ pf�d 1.30 Bauernmettwurst... Pfand 1.25 Zervelat- u. Salamiwurst Ffd.1.35 Rollschinken l.50 Landschinken A.»".p!t 1-35, 1.45 Mausschinkcn 1-35 Schinkenspeck l.20 Speck ma�enrd 95, fett«.90 pf. Heines Halberstädter Würstchen Dose 4 oder 6 Paar 85 Pf., 8 Paar 1.70 Regensbnrger Würstchen 85 pl Jägersalat, Fleischsalat,) v°-» Schweinskopf, Delikatessülze J 55 pi. 'Obst u. Gemüse Weintrauben....... p». 24 pt Weintrauben....... Kist« 1.15 Augustiner-Acpfcl... ptd. 10 pl Birnen Pfd. 10, Tafelbirnen 14 pt Alexander Aepfel____ pid. 13 pf. Strudel Aepfel...... Pfd 15 n Coscie- Birnen...... Pfd. 25 pf. Canarische Bananen. pm. 24 Tomaten kfd 9, Gurken sul4, 8, 15 pt. Radieschen..... 7BundlOpf. Grüne Bohnen... s p/und 20 pr. Schoten........ pfundl2pf. Kohlrabi..... Mandel 3, 10 Pf. Weiss- u.Wirsingkohl �3, 5, 8 Rotkohl.... Kopf 4, 8, 12 pt. Spinat„Snd 20, Salat K84p!e 10 n Mohrrüben Pfund 6, 5 Bund 18 rt |"Frisches Fleisch Pa. Ochsenfleisch Schweinefleisch | Schmorfleisch... Pfund 1.00 Schinken........ Pkund 90 pr 1 W Filet im Ganzen, unausgeschält. Pfund 1.10 Kotelettes........ Pfand 1,10 W | Roastbeef Pfund 1.00, geschält 1.50 Kamm u. Schuft.. Pfund 1.00 V | Brust pfd. 90, F ehlrippe 95 pf Rückenfett 70, LiesenVZpf.| 1 Pökelzunge...... Pfund 1.30 Kasseler Rippespeer pfd 90 pf. bis 1.05 g Kalbfleisch Hammelfleisch | Gebrannter Kaffee Ü Misch, i Ii ni VL 1.25 1.45 1.55 1.65 Misch. V VI VH ""1.75 1.90 2.10 Kaffee- nndleegebäckqo Dose ca. 1 Pfund Inhalt JüPl. VI.. Holländ. Mischung. 1 AC KaReS Dose ca. 1 Pld Inh. I VO Südwein | Keule u. Rücken iraf1aunazd 1.00 1 Kotelettes........ Pfund 1.40 1 Brust............. Pfund 85 pf. ü Brustspitze....... Pfund 1.00 Keule im Ganzen....... Pfund 85 Pf. Rücken im Ganzen..... Pfund 75 Pf. W Dicke Rippe.... Pfund 80 pf i Kotelettes....... 2 stück 25pf 1 in KI. Flaiche ■/, Fl. bei ton. 1 Kamm u. Bug. Phmd 80, 90p f. Dünnung....... Pfund 70 pf W |'Fische'Wild u. Geflüg'el | Kabeljau ohneKoPf'i-8anz-FiÄ 11 pf. 1 Seelachs ohneKoPf'i-8anz-Fis1ffhu®d 9pk | Schellfische..... Pfund 12 pf 1 Brat-Schollen. Pfund 12, 18 pf Rehwild Keaxle 5 Mk. RUcKe« H Mk. Blatt 1>70 an| Hirsch u. Wildschwein| Keule 1.10 RUcKen 85 Pf. Blatt 75 Pf. W | Rotzungen....... Pfund 10 pf Junge Gänse. pf.58,68,75pf.= 1....... pf,ind �Pf Gänserümpfe st. 3.00 bis 4.60 1 I ff e.zttn�f n Ptuna Junge Enten sK,. 1.40 w. 3.40| 1 Steinbutten...... Pfund 75 pf.'i«„,..,- I f sf ellncks fma Fisch«, pfd. 55 pr. Junge Huhner 45 pf bi. 1.40 m |Leb.Aalepfd58, 80, 95pf., 1.10, 1.25 Brathuhner s.ück 1.40 bis 2.60| 1 heb. Schleie...... pm- 1.15 Suppenhühner 1.40 bis 2.60| i heb. Krebse Mandel 25pf.bis4.00 Masthühner. stück 2.75. 3.00 W üiillllil!ililllllillllllllll!ll!lllilllllllllllllHlllllllillllllllllllIllllilll)lllllllllllllllllllllllltlll!llllllllllllllllilllllllllilllillllllillllllllllllilllllllllllllUlllllllllillllllllllllllllllllllilillllliH Tarragona...... 82 Pf. 80 pf. Fein. alt. 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August 1913: Konzert und Vorstellung. � ollständig neues Programm(die größten Schlager der Saison). Anf. 5 Uhr. Entree 25 Pf. Jeden Sonntag. DlMistzg, Mittwoch und Donnerstag: Bnil. Far Ben Znoal» der Inierai« Nberuimntt die ReBaktion dem Pubtikum gegenüber keinerlei Verantwoetunq. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Lnseratenteil verantw.: rh.Giocke.Berl'U.Trucku.Veriall:EorwärtSiöuchdr.u.vas soll die Oeffentlichkeit(die nach � der schönen Rede des Anklage- Vertreters em R c ch t darauf hat. zu erfahren, was denn eigentlich los 1 st•) erfahren? Offenbar nur den In- halt von etwa einem D u tz e n d dieser Kornwalzer, von denen zudem etliche nur forgfältig retouchiert und kastriert verlesen ivordcn find, zu unterrichtende, fieberisch ge- spannte Oeffentlichkeit erfahrt also nur das Belangloseste der Harmlosigkeiten— alles and'-re wird hinter verschlossenen Türen verhandelt! Da stellt fich der Laicnverstand unter Oeffentlichkeit denn doch etlvas ganz anderes vor! Freilich, man erklärt: all diese»vichtigen und inter- effantcn, überhaupt erst einen tieferen Einblick in das Be- stechungsgetriebe gewährenden Erörterungen gefährdeten die Staatssicherheit oder das milltardienstliche Interesse. Du lieber Gott: diese Begriffe laffen sich sehr kautschukartig kommentieren! Kein Mensch weiß, ob die Auffassung des Gerichts und der Sachverständigen sich objektiv rechtfertigen ließe. Alles ist da in das Ermessen der �»stanzen gestellt. Man kann gutgläubig sein, aber auch ebenso skeptisch. Die Volksmchrhcit aber ivird zweifellos zur Skepsis neigen. Und wer wollte ihr das angesichts der Vorgeschichte des verde" kni��'sse� und früherer Erfahrungen— Prozeß Bilse!— So steht jedenfalls das Eine fest, daß von einer wirk- !ei?kann� der Verhandlung gar keineRede sein kann! Beacktllcke?' un�� öffentlich Verhandelte noch genug des Beachtlichen und Nachdenklichen jedenfalls können die Krupp o ffiz.ose» ��� �cobtl wo sie sonst Zu stnden fem mögen- schon etzt einpacken. Denn daß der Verführer Brandt»ur ein un erä?ordnctes Orga.. der Daß man ihn, den ehemaligen Feuertverker, auf einen so »vichtigen und so glänzend bezahlten Posten gestellt hat— er selbst rühmte sich nach den Aussagen der Angeklagten eines Gehaltes, das höher sei als das eines Regimentskommandeurs— kann seinen Grund nur darin gehabt haben, daß man just diesen Feuerwerker, diesen Exkameraden der auszuhorchenden Z e u g o f f i z i e r c für den gegebenen Mann hielt. Gerade weil die nach(offiziellem) Rang und Vorbild»lng höher zu»vertenden Beamten in gleicher Mission der Kanonenfirma, die mit Unwillen ihr Monopol bedroht»vähnte, nicht das Erlvartete zu leisten ver- mochten, griff nian zu dem gewandten Subalternen, der alle Schleichwege kannte und raffiniert ausnutzte. Seine und seines Nachfolgers Geheimberichte aber dienten den Herren D i r e k- t o r e n der Firma Krupp als schätzenswertes Material, um die Profite der Kanonendynastie zu schirmen und den Staat (und das Volk!) zu übervorteilen! Dabei galt aber der ehemalige Feuerwerker Brandt den Bestochenen als gar großes Tier. Er war der be- »vunderte Elefant der Kegelabende der Feuerwerker, der Mann, der es zu etwas gebracht hatte, das Vorbild aller streb- samen Kameraden! Seine Karriere nachzumachen war der Traum all der kleinen Zeugleutnants, denen Hein großes Portemonnaie, seine scheinbar allmächtige Position iinponierte. Brandt war die Firma Krupp selbst— und die Firma Krupp, na, die»var ja quasi der Staat in Person, die war inforinierter über die intimsten Interna der Landes- Verteidigung als das Kriegsministerium selber! Für die Angeklagten»vor Brandt eine Respektsperson, ein Mann, dessen Freundschaft als Auszeichnung, als Ehre galt. Er wußte ja alles noch besser als sie selbst, hielt ihnen die erstaunlichsten Vorträge, renoinniierte mit seinen did höher hinaufreichenden Beziehungen. Wenn er die Gewissen skrupel bei ihren Verrätereien damit beschwichtigte, daß ja ihre Vorgesetzten iin Grunde gar nichts gegen ihre In diskretionen hätte»«, daß er ihrer ja auch nur zur Kon trolle und zur Stärkung seiner persönlichen Stellung bedürfe, so glaubten sie ihm das aufs Wort. Er»var ja so brillant unterrichtet, er lvußte ja mehr als mancher Offizier! Offenbar haben die von Brandt Umgarnten ihre wert- vollen Dienstgeheiinnisse für ein Butterbrot verraten. Für »vahre Trinkgelder pumpte sie der Krupp-Agent aus. Er spielte zu täusckfend den allmächtigen Mann, den Vertrauens- mann der Firma Krupp und ansehnlichster Behörden. Und die Zeugoffiziere glonhten ihm,»veil ja alles für die Wahrheit dieser Renommistereien sprach. Der Nimbus der Mo n o P o l f i r m a, die sogar das und er wüst- liche„allerhöchste" Vertrauen genoß— konnte einer der Angeklagten doch an jene Jubiläumsrede Wilhelnis II. erinnern— umkleidete auch ihren Berliner Vertreter»nit einer Gloriole. Für Krupp gab es eben kein Geheimnis! Daraus erklärt sich denn auch ein nmhrhaft grotesker Widerspruch, eine tolle Tragikoniödie. Die Herren O f f i- ziere ahnten kaum,»velch verivegencs. verhängnisvolles, lai:desverräterisck»es und volksschädliches Spiel sie durch ihre Helfersdienste für die Kanonenfirma spielten. Eine arm- selige Proletarierin dagegen, eine kümmerlich sich durchschlagende Friseuse, die Geliebte ei»»es der Angeklagten, er- klärte schon im Jahre 1912 in eii»em Briefe, daß der Verrat der Dienstgeheiinnisse ein„ W e l t s k a n d a l" sei, daß die kleinen Firmen durch die Kruppsche Spionage unerhört be- nachteiligt»vürden, usw. uslv. Was diese halbe A nalpha- b e t i u vbe g r i s s,»var den Zeugoffizieren zu hoch! Sie verrieten skrupellos die wichtigsten Dienstgeheim- nisse an eine Konkurrenzfirn»«, sie nahnicn ohne GZwissens- bisse Bestechungsgclder. Und ihre Entschuldigung? Die Firma Krupp wisse bei ihren innigen Beziehungen zum Kriegsministeriuin ja ohnehin alles, und Geld nehme ja alles, was n»it der Firnia Krupp in B-:- rührung koininc! Z»veifellos sind die sieben Angeklagten nicht das Opfer von Geldgier, Genußsucht und Stellenjägerei geworden, son- der»» das Opfer des S y st e m s, des Systems, über das schon s oviel enthüllt worden ist und zu dessen Entlarvung gerade dieser Prozeß die glänzend st e Gelegenheit böte. Man müßte sich nur nicht darauf beschränken, lediglich den Verfehlungen dieser untergeordneten Opfer auf allen Kreuz- und Ouerpfaden nachzuspüren, sondern auch all den Spuren eifrig und kombinatorisch nachzugehen, dl: sich»nit den plump-deutlichen Fährten der auf der Anklage- bank sitzenden armen Schäck»er kreuzen! Vielleicht, wahrscheinlich sogar hätte die O e f f e n t- l i ch k e i t hierzu wertvollste Fingerzeige geben können,»venn »nan sie nicht gerade von der Kenntnis des Details aus- geschlossen hätte, die erst ein deutliches Bild der ganzen Affäre zu geben vermögen! Ob man dem Staatswohl im»vahrhaftigereu Sinne nicht mehr gedient haben würde,»venn män den Ausschluß der Oeffentlichkeit nur auf wenige, absolut unvermeidbare Fälle beschränkt hätte? Ob man damit nicht auch dem Ansehen der Behörden selbst inehr gedient hätte? Es ist nicht unsere Sache, die Interessen dieser Behörden zu wahren. Gleichivohl möchten»vir noch einmal in elfter Stunde ernstlich zu erwägen geben, ob der bislang ein- geschlagene Weg»virklich als der richtige, dem Staatsintercsse und dem Volkswohl förderlichste erachtet werden kann! Denn das dürften zur Stunde schon selbst b ü r g e r- liche Preßäußcrungen beweisen, daß die Oeffentlichkeit von dem zurzeit geübten Verfahren keineswegs erbaut istl SäSts SfiP u-bN-«-- i st »rn--adiw-ltm Ämb? mqllLm In dem kleinen Sitzungssaal de» MilitärgerichtSgebaudeS in der Lehrter Straße begann Donnerstag früh vor dem Kom- mandanturgerickt der Residenz Berlin als dem zuständigen Gericht siir Militärbeamte dar Prozeß in der vielerörter'.en Kruppaffäre gegen„Titian und Genossen". Angeklagt sind der Ober- mtendantursekrctär Pfeiffer aus Steglitz, d« Zeugleutnant Höge aus Charlottenburg, der Feuerwerker D r ö s e, � früher bei der Artillerieprüfungskommission, später Angestellter der Firma Krupp, der Zeugleutnant Adolf T i l i a n von der Spandauer Munitions- fabrik, der Zeugleutnant Hinst vom Marienburger Artillerie» depot, der Zeugleutnant Helmut Schleuder und der Feuer- werker Jürgen Schmidt. Die Anklage ist erhoben worden wegen etwa'900 Fälle des Vergehens gegen das Gesetz über den Verrar militärischer Geheimnisse, der Bestechung und des Ungehorsams gegen militärische Befehle. Der Gerichtshof setzt sich zusammen aus dem Verhandlungsführer, Kriegsgerichtsrat Dr. CoerrenS, dem juristischen Beisitzer Kriegsgerichtsrat Dr. B e r e n s p r u n g und den militärischer Beisitzern Oberst Hausse, Major Wagner uns Hauptmann von Langendorf f. Die Anklage vertritt Kriegs- gerichtsrat Dr. Welt, die Verteidigung der Angeklagten führen die RechtSanlvälte Ulrich, Dr. Sarnau, Dr. Thurm und G r a s s o. Zu der Verhandlung, für die drei Tage in Aussicht ge- nommen sind, sind bisher etwa dreißig Zeugen geladen worden, dar- unter eine Reihe von Offizieren und jetzige und frühere Angestellte der Firma Krupp. Weiter»vobuen der Verhandlung zwölf m i l i- tärrsche Sachverständige bei, ebenso Vertreter des Kriegsmini st eriums. Die Anklage behauptet, daß die Angeklagten dem Leiter der Kruppschen Filiale in Berlin, dein früheren Feuerwerksfeldwebel Max Brandt, für diesen wertvolle Jnformatio»<�n über Neu- anschaf jungen gegeben und bei Submissionsaüsschreibe» dem Brandt die. Preise der Konkurrenzfirmen mitgeteilt haben, wofür ihnen von Brandt Gefälligkeiten durch Einladungen in Restaurants und Theater erwiesen und auch Gelddarlehen und Geldgeschenke gewährt worden sein sollen. Die Angeklagten waren im Februar, ebenso wie Brandt, beim Beginn der Voruntersuchung in Hakt genommen worden, aus der sie jedoch inzwischen sämtlich entlasten sind. Der erste Angeklagte ist der Zeugleutnant Adolf Tili an von der Munitionsfabrik in Spandau. Er ist 1870 in Berlin geboren, evangelisch und verheirate». Sein Vater war Polizeisekretär. Er hat die Unteroffizierschule in Potsdam besucht, wurde 1901 Zeugfeld- tvebel und 1903 Zeugleutnam. Sein militärisches Führuugsattcst lautet: Zeugleutnant Tilian hat sich gut geführt und zu Klagen keinen Anlaß gegeben: seine»virtschaftlichen Verhältniste waren ge- ordnet.— Der zweite Angeklagte ist Zeugleutnant Helmut Schleuder vom Artilleriedepot in Koblenz. Er ist im Jahre 1878 im Kreise ArnSwalde geboren. Sein Vater war Viehhändler. Er hat das Einjährigenzeugnis, trat 1897 bei der Feldarlillerie ein, wurde 1891 Zeugfeldivebel in Küstrin und ist seit 1910 Zeugleutnant. Nach seinem Führungszeugnis ist er ein fleißiger und strebsamer Zeugoffizier, er hat sich bis jetzt vorzüglich geführt.— Der dritte Angeklagte Emil Hi ust ist 1882 tn Novsant bei Metz geboren. Sein Vater ist kaiserlicher Regierungsrat. Er trat mit den, Einjährigenzeugnis bei der Feldartillerie ein. wurde 1900 Zeugfeldwebel, 1912 Zeugleutnant. Nach seinem Führungs- zeugnis hat er sich bis jetzt sehr gut geführt und zu Klagen keinen Anlaß gegeben.— Der Angeklagte Feuerwerker Jürgens S ck m i d l vom Artilleriedepot der Feldzeugmeisterei ist 1886 in Wolgast als Sohn eines Handelsmannes geboren. Er»var Unter- offizier und wurde 1911 Feuerwerker. Seine Führung ivird dienst- lich und moralisch als vorzüglich bezeichnet.— Der Angeklagte Richard D r ö s e ist der einzige Angeklagte, der in Zivil erscheint, da er jetzt Beamter der Firma Krupp in Essen ist. Er wurde 1870 im Kreise Wollin geboren: sein Vater war Landwirt. Er ist ver- heiratet und wohnt in Esten. Er trat»nit der Berechtigung zum Einjährigendienst 1894 beim Militär ein und lvurde 1899 Zeug- feldwebel. 1907 schied er aus dem aktiven Miliiärdienst aus, um zur Finna Krupp überzugehen. Das Führungs- attest lautet ebenfalls sehr gut.— Der Angeklagte Zeugleutnant Artur Höge ist der Sohn eines Schuhfabrikanteu. Er ist»nit dem Einjährigenzeugnis bei der Artillerie eingetreten, wurde 1900 Zeugseldwebel und 1907 Zeugleutnant. Er ist einmal mit einem einfachen Verweis bestraf» worden. Sein inili- tärisches Zeugnis lautet dahin, daß er sicher und gewandt, sowohl im militärischen Dienst als im Umgang war, daß er ei» fleißiger und strebsamer Zcugosfizier von außerordentlich s-barfer Auffastungs- gäbe ist.— Der letzte Angeklagte, Oberintendantursekretär Pfeiffer, «st 1866 im Kreise Osterode geboren und Vater von vier Kindern. Er wurde 1891 Feuerwerker, 1893 Oberfeuerwerker und dann in das Kriegsministerium berufen. Von da ist er im Februar 1913 ab- berufen worden. Nach seinem Zeugnis war er ein genauer, gewissen- haster Beamter, seine Leistungen ivaren vorzüglich. Hieraus bringt Kriegsgerichtsrat Welt die Anklage ein. Sie wirst den Angeklagten Tilian, Schleuder, Hinst und Schmidt vor, daß sie für Handlungen, die eine Verletzung der Dienstpflicht enthielten, Geschenke angenommen bezw. fich Vorteile haben versprechen lassen, ferner, daß sie sich Ungehorsam gegen dienstliche Befehle haben zu schuldet« kommen lassen, wodurch erhebliche dienstliche Nachteile entstanden seien. Sie sollen als Beamte, die zur Geheimhaltung dienstlicher Angelegenheiten verpflichtet waren, der Privatindustrie und zwar dem Bureauchef der Berliner Vertretung der Firma Krupp Mitteilungen teils schriftlich, teils mündlich über Bestellungen der Heeresverwaltung und Preisangebote und über den Ausfall von Versuchen usw. gemacht haben und dafür von dein Bureauvorsteher Brandt in Gastwirtschaften und Theatern freigehalten worden sein, sie sollen auch Geldgeschenke angenonimen und sich Anstellungen bei der Firma Krupp habe» ver- sprechen lassen. Den Angeklagten D r ö s e und Höge wird gleich- falls zur Last gelegt, daß sie sich ungehorsam gegen den Befehl zur Geheiinhaltung dienstlicher Angelegenheiten gezeigt haben, Drösc soll sich auch eine Anstellung bei der Finna Krupp haben ver- sprechen lassen, die inzwischen auch erfolgt ist. Dem Augellagteu Pfeiffer schließlich wird zur Last gelegt, daß er dem Bureauches Brandt Mitteilungen über dienstliche Angelegenheiten gemacht hat, er soll ihm zwei spezialisierte Etatsauszüge geliefert haben, wofür er mit seiner Familie in Restaurants und Theatern sreigehalteu wurde und zu Weihnachten mehrere Male Geldgeschenke in Höhe von 100 M. bekommen haben. Sämtlichen Angeklagten wird zur Last gelegt, daß sie durch diese Handlungen vorsätzliih und rechtswidrig Schriften, deren Geheimhaltung im Jnteressc der Landesverteidigung lag, sich verschafft und einem Dritten mitgeteilt haben. Verhandlungsführer KriegSgerickitSrat Dr. CoerrenS: Sind An- träge auf Ausschluß der Oeffentlichkeit zu stellen?— Anklagevertreter KriegSgerichtsrat Dr. Welt: Meine Herren Richter! Der Sack- verhalt, der der Anklage zugrunde liegt, hat die deutsche und die ausländische Oeffentlichkeit in hohem Maße erregt, die Oeffentlichkeit hat infolgedessen einen Anspruch darauf, durch eine öffentliche Verhandlung zu erfahren, waS eigentlich los ist. Die Heeresverwaltung hat das dringendste Interesse daran, daß e? f e n t I i ä» verhandelt wird. Der Fall hat zu schweren Angriffen gegen die Heeresverwaltung Veranlassung gegeben: von der Tcibün- des Reichstages ist ihr das Wort Panama entgegengeschleudert worden; die Heeresverwaltung ivar dabei in einer«nangenehmen Situation, da sie»nit Rücksicht auf die schwebenden Zivil- und »nilitärischen Versahreit nicht darauf antworten konnte. Ich bin also unbedingt dafür, daß öffentlich verhandelt wird, eine Ausnahme darf nur in sofern gemacht werden, als das Jntcrcsic der Landes- Verteidigung dies erfordert. Also unter Umständen wird dies notwendig werden bei der Erörterung einiger„Korn- walzen", bei denen es sich um artilleristische In- strultioneu handelt. Im übrigen bitte ich, grundsätzlich in weitestem Maße� öffentlich zu verhandeln und die Oeffcm- lichkeit nur im einzelnen Fall auszuschließen, wenn eS unbedingt notwendig ist.— Verteidiger Recht-Zanwolt Ulrich: Vom Standpunkt der Verteidigung schließe ich mich diesen Ausführungen durchaus an, ich bitte gleichfalls darum, öffentlich zu verhandeln, damit die un- glaublichen Ucbertreibungen, unter denen auch die Angeklagten in der entsetzlichsten Weise haben leiden müssen, auf das Minimum zurück' geführt werden, das an der Sache dran ist. Nach kurzer Beratung verkündet der Verhandlungsführer folgem den Beschluß des Gerichts: Das Gericht beschließt öffentlich zu ver- handeln und behält sich eine Abänderung dieses Beschlusses im Lauf der Hauptverhandlung vor.— Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Dr. Welt: Falls die Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden sollte, bitte ich den Staatsanwaltschaftsrat Toepffer, dem Bearbeiter des Zivil- Verfahrens gegen Brandt, und den Geheimen Regierungsrat Dr. Schulz, vortragenden Rat im Reichsamt des Innern, der im Auftrage des Staatssekretärs des Reichsamts des Innern, des Vor sitzenden der Rnstungsprüsuiigskommission der Verhandlung hier bei ivohnt, zulassen zu wollen. VerhandlungSsührer Kriegsgerichtsrat Dr. CoerrenS gibt den Richtern eine kurze Darstellung der Grundlage der Anklage: Die Firma Krupp besaß bis etwa 1900 in der Lieferung artilleristischen Materials für das Landheer eine gewisse Monopolstellung. Um diese Zeit geriet diese Stellung ins Wanken, es machte sich ein wirksamer Wettbewerb geltend, insbesondere seitens der Rheinischen Metallwarenfabrik. Bei der Direktion der Firma Krupp in Esten führte man dies darauf zurück, daß der Vertreter der Firma in Berlin, ein Herr v. Schütz, seiner Stellung nicht gewachsen sei, und beschloß, ihm in der Person des Maximilian Brandt eine Hilfskraft zur Seite zu st e l l e n. Brandt war Vorsteher eines Bureaus bei Krupp in Esten und wurde 19l>6 nach Berlin entsandt, um Herrn v. Schütz zu unter« stützen. Welche Instruktionen Brandt von seiner Firma erhalten hat, wird die heulige Verhandlung ergeben. Brandt hat jeden- falls seine Aufgabe dahin aufgefaßt, daß er so viel wie möglich siib Nachrichten verschafft und nach Essen geschickt hat. Er soll sich zu diesem Zweck mit den Beamten der in Frage kommenden Behörden in Verbindung gesetzt haben, um für seine Firma Wichtiges zu erfahren. Brandt war früher selbst Zeugfeldwedcl und als solcher in der Artillcricprüfungskommission tätig gewesen. Auch sämtliche Angeklagten waren Zeugfeldwebel oder Feuerwerker, also Kameraden von Brandt. An sie hat sich Brandt herangemacht und, wie es scheint, mit Erfolg von ihnen Nachrichten erfahren. Dies die Grundlage der Anklage. Die Angeklagten gehören drei militärischen Behörden an, und zwar der Feldzcugmeiftrrei, der Artillrrieprüfungstommisfion oder dem Kriegsministerinm. ES sind dies die drei Behörden, die bei der Lieferung artilleristischen Kriegs- Materials in Frage kommen. ES beginnt nun die Vernehmung der Angeklagten. Der erste Angeklagte Tilian hatte das Referat für das Beschaffungswesen von der Privatindustrie in der Feldzeugmeisterei. Im Mai oder Juni IVOS hat er gelegentlich eines Ausfluges nach der Oberspree den Vertreter von Krupp, Brandt, kennen gelernt.— Verhandlungsführer: Brandt soll immer auf den Kcgelabenden der Feuerwerker erschiene» sein. Angekl.: Auch da ist er dann gewesen. Er trat dann an mich heran und äußerte gelegentlich, daß er viel Wert darauf lege, rechtzeitig über die für die Firma Krupp in Aussicht ge- »ommenen Aufträge unterrichtet zu sein. Die Firma könne viel Geld sparen, wenn sie sich frühzeitig einrichten könne und frühzeitig von den Austrägen Kenntnis habe, da sie die Aufträge sonst erst, wenn sie über die verschiedenen Aemter gingen, spät be- käme. Nachdem ich Brandt kennen gelernt habe, habe ich ihm bereitwilligst dieseMitteilungen gemacht.— VerhandlungS- führer: Hat er Sie denn nur ersucht, Ihnen die Mitteilungen über die Zuschläge für die Firma Krupp zu machen oder lag ihm nicht auch daran, die Konkurrcuzpreise zu erfahren?— Angeklagter: Die Sache liegt fünf bis sechs Jahre zurück. Soweit ich mich erinnere, handelt es sich da nur um Geschoß- lieferungen und da sind die Forderungen der Firmen fast alle dieselben. Es handelte sich nur um wenige Differenzen im Preise. Da diese Firmen alle Mobilmachungsverträge unterzeichnen müssen, so werden die Aufträge nicht nach dem Mindestpreis erteilt, sonderu zu einem allgemeinen Preise, weil eben auch Rücksicht darauf ge- nommen werden muß, den Arbeiterbestand aufrecht zu erhalten.— VerhandlungSsührer: Sie sollen nun aber auch die P r e i s e an- gegeben haben, die die Konkurrenzfirmen gefordert haben.— Angekl.: DaS weiß ich nicht.— VerhandlungSsührer: Das wird Brandt aber doch wohl das w i ch t i g st e gewesen sein. An dem anderen konnte ihm auch kaum etwas liegen.— Angekl.: Ich habe nur immer den Durchschnittspreis mitgeteilt, zu dem die Lieferungen vergeben worden sind. Es ist möglich, daß ich bin und wieder auch einmal einen Konkurrenzpreis gen an n: habe, aber in größerem Umfang und dauernd ist daS nicht geschehen.— Verhandlungsführer: Sie haben aber in der Untersucvung gesagt: Zugeben will ich, daß ich Brandt mündlich und schriftlich die Konkurrenzpreise mitgeteilt habe.— Angekl.: Da kann es sich immer nur um Geschoßlieferungen gehandelt haben, bei denen nur ein Durchschnittspreis in Frage kam.— Verhandlungsführer: Krupp hat aber kein Interesse daran, zu wissen, zu welchem Preise der Zuschlag erteilt ist, sondern was die anderen verlangt haben. Namentlich wird er doch ein Interesse daran haben, zu erfahren, was die Konkurrenz verlangt hat, bei solchen Lieferungen, bei denen er ausgefallen ist. Wie sind Sie überhaupt dazu ge- kommen, Brandt diese Mitteilungen zu machen?— Angekl.: Ich war mit Brandt eng befreundet. Er war ein ehemaliger Kamerad, und da die j?irma Krupp in Z�rage kam, hatte ich keine Bedenken gehabt.— Verhandlungsführer: Sie haben früher angegeben, daß Sie hofften, bei einem eventuellen Uebertrilt in die Privatindustrie von Brandt bei der Firma Krupp empfohlen zu werden.— Angekl.: Ich habe immer die OsfizierSkarriere in erster Reihe verfolgen wollen, allerdings habe ich gelegentlich auch daran gedacht, daß ich vielleicht zu Krupp kommen könnte. Aber wenn ich das hätte wirklich wollen, hätte ich gar nicht so lange warten brauchen.— VerhandlungSsührer: Die Anklage nimmt an, daß daS treibende Motiv für Sie gewesen ist, daß Sie von Brandt in Lokalen steigehalten worden sind und daß Sie ' auch bares Geld und Darlehen bekommen haben.— Angekl.: Wir haben uns gelegentlich in Lokalen, im Fürstenhof, im Ratskeller, im Rheingold getroffen und ein Glas Bier getrunken und auch bescheiden etwas gegessen. Brandt hat als der ältere und weil er mich eingeladen hatte, meist bezahlt. Ich habe aber mindestens auch bis zur Hälfte der Fälle bezahlt, und teilweise auch, obwohl er eS ablehnt«. Da Brandt so gastfrei war und ich bei ihm in der Familie verkehrte, fühlte ick mich verpflichtet, mich zu revanchieren und seiner Frau Blumen mitzubringen. Ich habe auch Blumenkörbe von 8—10 M. ge- schickt. Auch den Kindern brachte ich kleine Geschenke mit und glaubte damit alles quilt zu machen.— Verhandlungsführer: Sie haben angegeben, daß Sie 8- bis 10 mal von Brandt einge- laden sind. Kann es nicht mehr sein?— Angeil.: Nein.— VerhandlungSsührer: War nun aber nicht dieses Freihalten in den Lokalen ein Acquivaleirt für die Mitteilungen, die sie über die Preise der Konkurrenz machte»?— Angekl.: Brandt hat nie Andeutungen gemacht, uud ich habe auch nie den Gedanken gehabt, daß es dafür sein sollte.— VerhandlungSsührer: Sie sollen aber sehr gut ge- lebt haben und es soll nicht bloß bei einem Glas Bier sein Be- wenden gehabt haben. Sie sollen gegenüber dem Zeugen Friedrich öfter renommiert haben von Sektgelagen und ähnlichem. Die Anklage nimmt an. daß'Sie sehr gut gelebt haben, und zwar auf Kosten von Brandt.- Angekl.: Wir haben nur Bl-r getrunken. Gelegentlich sind wir auch einmal in den Winzerstuben llewesen, um uns zu amüsieren. ES kann sein, daß einmal bei einer Geburtstags- frier ein größeres Gelage gewesen ist, da» ich wohl dem Zeugen ) Friedrich gegenüber eitvaS ausgeschmückt habe.— Verhauhlungs- führer; Die Anklage nimmt aber auch an, daß Sie von Brandt auch Gelddeschenke bekommen haben.— Angekl.: Das bestreite ich ganz entschieden. Ich habe von Brandt wohl einmal kleine B e- träge von 20 bis 30 Mark geborgt und stets am Ersten zurückgezahlt.— Verhandlungsführer: Standen nicht diese Sektgelage und Pumpereicn im Zusammenhang mit den Mitteilungen an Brandt?— Angekl.: Nein. Wenn ich von Brandt Geldgeschenks bekommen hätte, hätte ich nicht nötig gehabt, kleine Beträge zu borgen. Zeuge Friedrich wird bestätigen, daß wir unS gegenseitig vor dem Ersten mit kleinen Beträgen ausgeholfen haben. — Verhandlungsfllhrcr: Brandt hat ohne weiteres zu gegeben, daß er von Ihnen die Mitteilungen von Kon kurrenzpreisen verlangt hat und daß Sie ihm das ohne weiteres zugesagt haben. Sie hätten ihm diese Mitteilungen auch teils auS dem Kopfe und bei größeren Lieferungen auf Zetteln gemacht.— Angekl.: Daß ich ihm sofort diese Mit teilungen gemacht hätte, ehe ich ihn kannte, bestreite ich. Ich gebe zu, daß ich ihm auf Zetteln bei größeren Lieferungen die Preise mitgeteilt habe.— VerhandlungSsührer: Brandt hat auch angegeben, daß Sie sich meistens im Ratskeller getroffen hätten und daß Sie zuerst unentgeltlich Mitteilungen gemacht hätten; er als Empfänger der Nachrichten habe die Zeche natürlich bezahlt. Später will er Ihnen auch Geld in die Hand gedrückt haben, Beträge von K, 10 und 20 M., allerdings hätten Sie das niemals gefordert.— Angekl.: Es kann sich dabei nur um Darlehen gehandelt haben.— Verhandlungsführer: Ins- gesamt will Brandt Ihnen auf diese Weise 200 M. gegeben haben.— Angekl.: Das ist auSgeschloflen.— VerhandlungS- führer: Auch nach 1908, nach Ihrem Ausscheiden auS der Zeug« feldmeisterei, sollen Sie mit Brandt noch in Verbindung gestanden haben, Sie sind auch am 2. Februar 1913 beobachtet worden, als Sie in Zivil in das Bureau von Krupp in der Voßstraße gingen.— Angekl.: Am 2. Februar? Da bin ich ja um 11 Uhr SS Mm. mit Frau und Kind nach Harzburg gefahren.— Verhandlungsführer: Das wird ja dann noch aufgeklärt werden. Die Anklage nimmt auch nicht an, daß Sie nach 1908 Mitteilungen an Krupp gemacht haben.— Anklagevertreter Dr. Welt: Der Angeklagte war seit 1908 bei der Munitionsfabrik in Spandau, die mit Jnfanteriegeschoffen zu tun hatte, wofürKrupp nicht in Frage kommt. — VerhandlungSsührer: Wie find Sie überhaupt dazu gekommen, Mitteilungen an Brandt zu machen?— Angekl.: Ich habe es ledig- lich aus freundschastlichen und kameradschaftlichen Beziehungen ge- tan.— VerhandlungSsührer: Haben Sie denn nicht das Bewußtsein gehabt, nicht korrekt zu handeln?— Angekl.: Nein.— VerhandlungSsührer: Sie haben bei Ihrer Anstellung 1901 ein Protokoll unter« schrieben, in dem Sie sich verpflichten, alles, was Sie d i e n st l i ch erfahren, geheim zu halten. Sie erklären darin auch, daß Sie sich als Zeugfeldwebel und Zeugleutnant aus Grund Ihre« Soldateneides zur Amtsverschwiegenheit verpflichtet fühlen, namentlich auch in bezug auf alle die Behörde angehenden An« gelegenheiten. Es heißt auch in dem Protokoll, daß Sie sich als Zeug- feldwebel und Zeugleutnant auch nach Ihrem Ausscheiden aus dem Dienst zur Geheimhaltung aller im Militärdienst gewonnenen Kennt- nisse verpflichtet fühlen. Danach durften Sie also überhaupt nichts verraten von dem, was bei der Behörde vorgeht. In einer weiteren Verfügung wird auch vor den Agenten der Prioatindustrie ge- warnt, die von einer Behörde zur anderen herum lausen und horchen, eS wird gesogt, diese Agenten stellten dann an die einzelnen Beamten Fragen und suchten auS deren Beantwortung dann ihre weiteren Schlüsse zu ziehen, und eS wird in der Verfügung daher allen Offizieren und Beamten die größte Vorficht gegenüber den Vertretern der Pr»vatind»strie anempfohlen, insbesondere aber Vorsicht gegenüber ehemalige» Kameraden und ehemaligen Offizieren, es wird gesagt, am besten sei es, offen zu sagen, ich kann keine Antwort geben. ES ist Ihnen also danach die Geheimhaltung strikte anbefohlen worden. Dies«. Verfügung, die 1901 erlaffcn ist, stützt sich auf eine frühere Ver- fügung vom Jahre 1897, in welcher die Inspektion davor warnt, den Vertretern von Firmen Auskünfte zu geben, insbesondere in Fällen, in denen die Entscheidung noch aussteht, solle man die größte Zurückhaltung gegenüber den Vertretern der Privatindustrie üben.— Angekl.: Diese Verfügung ist lange vor meiner Anstellung erlaffen.— Verhandlungsführer: Es ist aber auch im Jahre 190S, also zu einer Zeit, in der Sie schon mit Brandt in Verkehr gestanden, erneut Anlaß genommen worden, die an- befohlene Vorsicht gegenüber den Vertretern von Privatfirmen in bezug auf Auskunftserteilung erneut ins Gedächtnis zu rufen.— Angekl.: Dann wundere ich mich, daß die Vertreter der Jirmen das Kriegsministerimn überlaufen, und daß man sie überhaupt hineinläßt.— Verhandlungsführer: Das können S i e doch nicht ent- scheiden. Diese Vertreter können Besprechungen mit Mitgliedern der Feldzeugmeisterei haben und Sie können am wenig st en unterscheiden, was nötig ist und was nicht. DaS ist doch etwas ganz anderes als diese Auskunftserteilung über Hintertreppen.— Angekl.: Ich habe aber gesehen, daß die Vertreter der Firmen Ausschreibungen erhallen haben.— VerhandlungSsührer: Wissen Sie das genau?—«ngekl.: Nein, es ist das nur mein Gefühl gewesen.— VerhandlungSsührer: Bei Ihren Fällen handelt eS sich durchweg um fre, händige Be- schaffung von Materialien durch die Feldzeugmeisterei. und da ist es verboten. Mitteilungen zu machen. Ich frage Sie also nochmals. haben Sie kein Bedenken gehabt, daß Sie aus falschem Wege waren, als Sie Brandt heim- lich Mitteilungen zuschickten?— Angekl.: Nein, lc&'' nie den Gedanken gehabt.— VerhandlungSsührer: Auch nicht alS Sie sich heimlich mit Brandt trafen?— Angekl.: Wir haben uns nicht heimlich getroffen, sondern in offenen Lokalen.— Vcrhand- lungSführer: Hat Brandt Sie denn jemals öffentlich be, der Be- hörde aufgesucht?— Angekl.: Nein, dazu hatte er wohl keine Zeit und deshalb trafen wir uns des Abends in«mem Lokal.— VerhandlungSsührer: Ei« sollen den Brandt stets auf dem Laufen- den gehalten und ihm windestens SS« Berichte gegeben haben.— Angekl.:' Ich möchte entschieden bestreiten, daß mein Ver- kehr einen derartigen Umfang angenommen hat. Es hat sich immer nur um gelegentliche Mitteilungen gehandelt. VerhandlungS- führer: Brandt pflegte daS Material zu verarbeiten. Diese Berichte sandte er nach Effen und gab ihnen die Bezeich- nung„K o r n w a lz e r". Dort in Essen sind die Berichte aufgenommen worden und zwar von einem Hern» v. Dewitz, dem Handelsbevollwächtigten der ??irma Krupp. Im ganzen sind in Essen über 700 Kornwalzer � beschlagnahmt worden. Diese Berichte wurden nicht lange Zeit aufbewahrt, denn die ä l t e st e n, die beschlagnahmt worden sind, stammen auS dem Jahre 1910. Aus den Jahren vorher haben wir die Tatsache, daß Kornwalzer nach Effen gegangen sind, nur aus einem Notizbuch feststellen können, das bei Brandt beschlag- nahmt worden ist. Dieses Notizbuch beginnt mit dem Herbst 1903, also mit der Zeit, wo Brandt den Dienst bei der Berliner Filiale antrat. Das Notizbuch enthält auf 19 Seiten die Aufzeichnungen über alles Material, das der Angeklagte Tilian dem Brandt ge- liefert haben soll. Dieser Verkehr muß sehr ausgedehnt gewesen sein, denn es datieren z. B. Berichte vom LI. 9. 1903, 22. 9. 1906, 26. 9. 06,, und vom 29. 9. 06. Im Oktober sängt es wieder so an: 2. 10., 3. 10, 10. 10., 12. 10., 18. 10., 19. 10. usw., daraus geht hervor, daß der Angeklagte Tilian dem Brandt eine ganze Menge Material gegeben haben muß.— Angekl.: Ich kann nicht glauben, daß eS so viel Material gewesen ist. Es stand mir ja so viel Material gar nicht zur Verfügung.— Verhandlung»- führer: Brandt wollte eben alles wissen, was nach seiner Mei- nung für die Firma Krupp von Nutzen sein konnte. Er hat ganz zweifellos auch vieles berichtet, nur um zu berichten, und er hat auch belanglose Sachen nach Essen geschickt, die die Firma längst kannte.— Angekl.: Ich möchte bezweifeln, daß Brandt das in seinem Notizbuch aufgeführte Material ausschließlich von mir hat.— Verhandlungsführcr: Das hat Brandt aber sofort vor der Polizei ausgesagt. Er hat gesagt, Sie wären der- jenige gewesen, der ihm das Material gegeben hätte; er hätte leine andere unterirdische Quelle gehabt.— Angekl.: 1906fianb die Umbcwaffnung der �yeldartillerie in �frage. Wenn ich mich damals mit Brandt oft getroffen habe, so darf das nicht auf diese Sachen zurückgeführt werden, sondern ich hatte eben damals dienstlich mit ihm viel zu tun.— Verhandlungsführer: Sie sollten dem Brandt auch Ihren Nachfolger Schleuder zugeführt haben.— Angekl.; Ich habe dem Brandt Schleuder als meinen Nachfolger vorgestellt, und zwar nicht auf der Behörde, sondern auf einem Kegelabend. Selbswerständ-- lich sagte ich ihm, daß es sich um den Bureauchef der Firma Krupp handele, und daß Brandt über Zuschlagserteilungen und andere Dinge möglichst unterrichtet zu werden wünsche, weil die Firma Krupp sonst die kurzen Lieferfristen nicht einhalten könne.— Berhandlungssührer: Schleuder stellt die Sache anders dar. Ein- mal soll es im Rheingold gewesen sein, und da sollen Sie dem Schleuder gesagt haben, er möge sich Brandt gegenüber wohlwollend verhalten.— Angekl.: Aber damit habe ich dem Schleuder nicht etwas Unrechtes zumuten wollen.— Verhandlungsführer: Schleuder aber hat sofort nichts anderes getan, als was sie auch getan haben. Schleuder hat schließlich gegen diese Tätigkeit erheb- liche Bedenken gehabt. Er hat sich z. B. geweigert, seinen Nachfolger Hinst dem Brandt zuzuführen.— VerhandlungS führer: Unter den Sachen, die Sie dem Brandt mitgeteilt haben, dürsten sich auch solche befinden, deren Geheimhaltung im Interesse der Landesverteidigung erforderlich war. Wenn das Ausland diese Mitteilungen alle erfahren hätte, über die Bestellung von so und soviel Granaten usw., dann hätte das Ausland daraus Nutzen ziehen können und unsere Landesverteidigung wäre gefährdet worden. Haben Sie sich nicht diese Sache überlegt, haben Sie nicht daran gedacht, daß Brandt mit seinen Mitteilungen auch Unfug treiben konnte?— Angekl.: Ich habe niemals ein derartiges Gefühl gehabt. Wenn es nicht Krupp gewesen wäre, wäre es mir überhaupt nicht in den Sinn gekommen, so etwa? zu tun, weil ich immer daS Gefühl hatte daß Krupp und der Staat Hand in Hand arbeiten, daß es da überhaupt keine geheimen Dinge gibt. Ich kenne Sachen aus meinen dienstlichen Verfügungen, aus denen ich diese Ansicht schöpfe. Ich habe niemals das Gefühl gehabt, daß der Staat hätte Schaden leiden können. VerhandlungSsührer: Aber Sie wußten doch, daß Krupp vorteile von diesen Mitteilungen hatte und daß er die Konkurrenz ausschalten wollt«. Habene Beschaffung sei. Ich konnte ihm alles nur bestätigen. Manchmal hatte ich noch gar keine Ahnung von einem Geschütz, und da konnte e r mir schon erzählen, wie cS beschaffen sein solle. Aber er ist ja der Vertreter der Firma, und da ist es natürlich, daß er von ihr genau auf dem laufenden über die Konstruktion der Geschütze gehalten wurde, namentlich in der Zeit, als Herr von Schütz krank war, und er ihn allein vertrat.— Verhandlungsführer: Für diese Informationen hat die Firma Krupp andere Vertreter; die Mit teilungen konnten nur aus dem Kriegsministerium stammen.— Angekl.: Er war vielfach informiert über Sachen, die er st später an die Feldzeugmeisterei kamen. — Verhandlungsführer: Er hatte auch noch andere Quellen.— Angekl.: Ich hatte den Eindruck, daß er die Informationen von seiner Firma habe.— Verhandlungsführer: Aber nicht über die Preise und über die Verteilung.— Angekl.: Darüber sagte er mir, daß die Firmen unter sich einen Ring bildeten, daß die Rin� firmen übereinander genau unterrichtet seien, und daß er die Mitteilungen von mir nur noch zur Kontrolle brauche.— Verhandlungsführer: Herr Brandt scheint Sie da aufs Glatteis geführt zu haben; es ist wohl nicht wahrscheinlich, daß die Rhei- nische Metallwarenfabrik und die Firma Krupp ein Preiskartell gehabt haben.— Verteidiger Rechtsanwalt G r a s so: Bitte fest- zustellen, daß eS in dem zuletzt verlesenen„Kornwalzer" nicht heißt, der Freund, sondern die Freunde, seien beurlaubt.— Der Angeklagte Zeugleutnant Höge erhebt sich und bittet ums Wort, worauf er erklärt: Ich sehe dort einen Herrn, der dauernd im Zu- Hörerraum zeichnet, der Herr, mit dem jüdischen Aus- se h e n d o r t. Er stört dauernd die Verhandlung durch Zeichnen und hat schon mehrere Skizzen fertiggestellt.— Der Borsitzende ersucht darauf den Betreffenden, das Zeichnen zu unterlassen, da die Angeklagten sich dadurch gestört fühlen. Die Verhandlung wendet sich dann der Vernehmung des An geklagten Feldzeugleutnant H i n st zu. Er bekundet ebenso wie die beiden anderen Angeklagten, daß er den Brandt für eine hohe Persönlichkeit gehalten habe, der viel Geld habe, und den er auf dessen Wunsch belanglose Sachen mitgeteilt habe; es habe sich um Sachen gehandelt, die Brandt unbedingt erfahren hätte, wenn er sich nach Spandau bemüht hätte. Nur um dem Brandt diese Mühe abzunehmen, habe er ihm direkt Mitteilungen gemacht.— Ver- Handlungsführer: Hatten Sie nicht das Gefühl, daß Sie das nicht tun durften?— Angekl.: Nein, ich hatte die Empfindung, daß es ja dieanderen Firmen ebenso machten wie Krupp. — Ankläger KriegsgerichtSrat Dr. Welt: Wollen Sie behaupten, daß auch andere Firmen sich durch Zeugfeldwebel Nachrichten ver schaffen i— Angekl.: Das will ich nicht behaupten, aber die Firmen erfahren alles, was sie erfahren wollen. -■ Verhandlungsführer: Sie sind immer, wenn Sie zu Brandt gingen, in Zivilkleidung gegangen?— Angekl.: Die Frage, weshalb wir in Berlin Zivilkleidung tragen, brauchen wir hier wohl nicht zu erörtern.— Verhandlungsfiihrer: Darum dreht eS sich auch gar nicht, aber Sie haben dem Angeklagten Schmidt nahegelegt, wenn er zu Brandt ging, immer in Zivil zn gehen.— Angekl.: ES wäre aufgefallen, wenn wir alle in Uniform zu Brandt go gangen wären.— Verhandlungsführer: Hat Brandt für Sie in den Restaurants bezahlt?— Angekl.: Jawohl, besonders in der ersten Zeit; er wußte es immer so einzurichten, daß irgendeine Familicnfcstlichkcit an dem Tage bei ihm war, und dann bezahlte er.— Verhandlungsführer: Brandt hat angegeben, es wäre Ihnen höllisch unangenehm gewesen, aber Sie hätten schließlich doch Geld genommen, und zwar 10. IS und 20 Mark-Raten, insgesamt etiva 200 M. und außerdem eine. Weihnachtsgratifikation von 75 M.— Angekl.: DaS mit der Weihnachtsgratifikation stimmt nicht. Im übrige» habe ich Geld bekommen, aber daran habe ich nichts ge- runden, denn alle, die mit Krnpp in Verbindung stehe», bekommen Geld. Ich habe mich erst nach langem Zögern breitschlagen lassen, mir von Brandt meine Auslagen erstatten zu lassen.— Verhandlung-� führet: Früher haben Sie nach wiederholtem Vorhalten zugegeben, daß Sie von Brandt bar Geld, und zwar nicht als Geschenk, aber als Tarlehen bekommen ljaben.— Angekl.: Das habe ich zugegeben, nachdem der Kriegsgerichtsrat Welt mir sagte, ich würde dann aus der Haft entlassen werden.— Ankläger Kriegsgerichtsrat Dr. Welt: Will der Angeklagte behaupten, daß ich von ihm ein Gc- ständnis erpreßt habe?— Angekl.: Nein; ich habe aber damals viel zugegeben, nur um au? der Haft herauszukommen.— Kriegs gerichtSrat Dr. Welt: Das Protokoll ist mehrfach vorgelesen wor den, bevor es der Angeklagte unterschrieb.— Angekl.: Ich war da- mals in großer Aufregung und habe bei der Verlesung nicht darauf geachtet, was ,ch unterschrieb.— KriegsgerichtSrat Dr. Welt: Ich bade doch einen Offizier damals vor mir gehabt. Will dieser Offizier behaupten, er habe nicht gewußt. waS in dem Protokoll stand?— Angekl. schweigt.— Verhandlungsführer: Wofür haben Sie denn das Geld von Brandt bekommen?— Angekl.: Als AuZ- lagen für meinen Verkehr in der Familie Brandt. Ich mußte häufig AutoS benutzen; � � Geld spielte bei Brandt k,ar keine Rolle. — Vcrhandlungsführer: Haben Sie nicht daran gedacht, daß die Landesverteidigung durch Ihre Handlungen gefährdet würde?— Angekl.: Das hielt ich bei Krupp für ausgeschlossen. Wenn ich Bedenken hatte, so wurden sie von Brandt zerstreut, denn Brandt sagte, Krupp wisse mehr als die Heeresverwaltung. — VerhandlungS führet: Ich will ja glauben, daß Brandt ein sehr gewiegter Vertreter der Firma Krupp gewesen ist.— Vert. Rechtsanwalt Ulrich: Ist dem Angeklagten nicht ein Erlaß der Feld- zcugmeisterei bekannt geworden, gerade den Vertretern der Firma Krupp besonders entgegenzukommen?— Angekl.: Es kam in der Tat eine Verfügung, in der die Beamten und Offiziere darauf hin- gewiesen wurden, der Firma Krupp möglichst schnell Auskünfte zu geben.— VerhandlungS führer: Sollten Sic der Firma Krupp auch derartige Auskünfte geben?— Angekl.: Nein.— VerhandlungS- führet: Eine amtliche Auskunft hat ergeben, daß bei der Feld- zeugmeisterei von einer derartige� Verfügung nichts bekannt ist. — Vert. Ulrich: Hat Brandt dem Angeklagten gegenüber nicht geradezu behauptet, die Vorgesetzten wüßte», daß die Feld- zeugwebel ihm Auskunft geben?— Angekl.: So ist es.— Ver- handlungssührcr: Also hat Brandt Sie eingelullt. Weshalb hoben Sie niemals Ihren Vorgesetzten gefragt?— Angekl.: Meine Vor- gesetzten hätten dann sofort Stellung gegen mich genommen.— Ankläger KriegsgerichtSrat Dr. Welt: Das ist für mich ein wert- volles Zugeständnis.— Vert. Ulrich: Mir hat der Angeklagte gesagt, die Firma Ktupp habe auf Grund von Verträgen für gewisse Mono- pollieferungen das Recht, Seneralauskünfte zu verlangen.— Ver- Handlungsführer: Diese Dinge erörtern wir wohl lieber in ge- heim er Sitzung.— Ankläger Dr. Welt: Die Frage, daß die siirma Krupp für gewisse ihr patentierte Geschütze ein Monopol hat, �ann ruhig öffentlich verhandelt werden.— Sachverständiger Major sfrahnert: In den 760 Kornwalzen, die bei Krupp beschlag- "ahmt sind, befinden sich auch Angaben über Konkurrenzpreise für Sachen, für die Krupp kein Monopol hat. Ungekl. H j n st: Ich will noch bemerken, daß das Kriegsministe- ruu" die Anweisung gegeben hat, der Firma bei gewissen Aus- schreibungen von den Miicdestpveifen sofort Kenntnis zu geben. Die Mindestpreise hätte Krupp also unter allen Umständen erfahren.—> Ankläger KriegsgerichtSrat Dr. Welt: Gewiß, aber nicht die Firma, die die Mindestpreise abgegeben hat!— Angekl.: Auch das hätte die Firma erfahren.— Verhandlungsfühver: Sie haben dem Brandt besonders viel Material gegeben, denn nicht weniger als llöO Korn- walzer sind auf Ihre Information zurückzuführen.— Angekl.: Wenn Brandt mich gefragt hat, habe ich ihm etwas gesagt. Wenn ich ihm drei Worte sagte, machte er gleich einen Bericht von vier Seiten. Es gelangen auch hier eine Anzahl von Kornwalzern zur Ver- lesung, zu denen der Angeklagte Hinft das Material gegeben hat. In dem einen Kornwalzer wird mitgeteilt, daß einer Firma, die die Lieferungsfrist nicht innegehalten hat, die Verzugsstrafe von 30 000 Mark vom Kriegsministerium wohl erlassen würde. Angekl.: Diese Mitteilung ist ja ganz belanglos.— Ankläger Dr. Welt: Das ist sie d u r ch a u s n i ch t. Sie ist sehr wertvoll für die FirmaKrupp, denn sie kann bei künftigen Aufträgen kürzere Lieferungsfristen anbieten, in der Hoffnung, daß sie nachher, wenn sie die Lieferungsfrist nicht einhalten kann, die Konventio- nalstrafe ja doch nicht zu bezahlen brau cht.— Wester gelangt ein Kornwalzer zur Verlesung, der Angaben enthält auf eine Verfügung des Kriegsministeriums. Es ftnd jedoch aus dieser Verfügung nur die Angaben in dem Kornwalzer verwertet worden, die sich auf Konkurrenzpreise beziehen, während der Inhalt der Verfügung, der sich auf die Landesverteidigung und geheime Dinge bezieht, nicht weiter gegeben worden ist.— Ankläger Dr. Welt: Daraus ist zu folgern, daß es der Firma Krupp nur darauf angekommen ist, die Preise der Konkurrenz er- fahren und nicht darauf, geheime Fragen der Landesverteidigung zu erfahren.— Angekl.: Hinst: Ich habe immer angenommen, daß es für Krupp keine Geheimnisse gibt, Ich glaubte, Krupp könne man alles sagen, zumal ja in der Feldzeugmeisterei die Verfügung erlassen worden war, daß die Firma Krupp besonders zu behandeln sei.— Ankläger Dr. Welt: Dieser Punkt ist mir so wichtig, daß ich feststellen lassen möchte, um was für eine Verfügung es sich hier handelt.(Kriegsgerichts- rat Dr. Welt läßt sofort telephonische Erkundigungen bei der Feld- zeugmeisterei in Spandau einholen, ob 1900 eine solche Verfügung ergangen ist.)— Verhandl ungsführer: Sie sollen auch zu ihrem Nachfolger gesagt haben, sich mit Krupp gut zu stellen.— Angekl. Hinst: Ich werde ihm gesagt haben, er würde von dem Verkehr mit Brandt Vorteile haben, aber mehr nicht. Der Angeklagte Feuerwerker Schmidt gibt an, daß er bei seinem Antritt in der Feldzeugmeisterei noch einige Tage mit seinem Vorgänger, dem Leutnant Hinst zusammen war. Eine? Abends habe Hinst ihm den Vorschlag gemacht, mit ihm zusammenzukommen, damit er ihn(den Angekl.) über den späteren Dienst informieren könne. Wir haben uns dann im Rheingold getroffen, und dort sagte mir Hinst; daß noch ein früherer Kamerad hinzukommen würde. Dieser kam auch. Es war Herr Brandt. Wir haben zusammen ge- gessen und getrunken und Herr Hinst machte mir Andeutungen, daß Brandt mir Gefälligkeiten erweisen könnte. Vor seiner Abreise wurde Leutnant Hinst bei einer ZusammenIHnft im Ratskeller deutlicher. Er stellte mir die Sache aber als harmlos hin und ich hatte daher gegen Brandt, der auf mich einen guten Eindruck machte, keine Bedenken. Einige Tage später bekam ich von Brandt einen Brief, in dem er mich auffordete, mit ihm an der Jannowitzbrücke zusammenzutreffen. Ich bin auch hingegangen und damals schon polizeilich beobachtet worden.— Verhandlungsführer: Sie waren m Zivil dort?— Angekl.: Ja.— Verhandlungssührer: Hat eö Ihnen Brandt nahegelegt?— Angekl.: AIS ich das erstemal mit Hinst ausging und Uniform trug, sagte mir Hinst. es sei besser, in Zivil zu gehen. Ich habe nichts daran gefunden und eS getan.— Verhandlungsführer: Sie haben nun Brandt Auskunft gegeben.— Angekl.: Ja.— Verhandlungsführer: Haben Sie anfangs keine Bedenken gehabt?— Angekl.: Nein, ich wußte zuerst gar nichts vom Dienst und konnte nicht unterscheiden, was geheim ist und was nicht. Mein Vorgänger hatte mir auch die Sache als ganz harm- los und Brandt als vertrauenswürdig hingestellt. Erst später patzte mir die Sache nicht mehr und ich suchte von Brandt loszukommen. — Verhandlungsführer: Sie hatten Bedenken?— Angekl.: Nein, Bedenken gerade nicht, aber mir paßte der Umgang nicht und daher beantragte ich zur Oberfeuerwerkerschule versetzt zu werden.— Verhandlungsführer: Sie haben aber Brandt alles gesagt, was er wissen wollte.— Angekl.: Ja, allerdings einige Sachen habe ich ihm nicht gesagt, weil sie nach meiner Ansicht sich nicht für ihn eigneten.— Verhandlungsführer: Weshalb eigneten sie sich nicht.— Angekl.: Weil sie geheim waren.— Verhandlungsführer: Aber die Konkur- renzpreise haben Sie ihm mitgeteilt. Wir haben eine Anzahl von Berichten von Brandt, die auf Grund Ihrer Angaben angefertigt sind.— Angekl.: Ja.— Vcrhandlungsführer: Bei Ihnen sind auch Zettel gesunden worden, die Angaben der Preise und Mindest- forderungen für Linsenscheiben usw. enthalten. �?un ist bei Krupp auch ein Kornwalzcr beschlagnahmt worden, der genau mit diesen Angaben übereinstimmt.— Der Angeklagte gibt zu, daß diese Mit- teilungen von ihm stammen.— Vcrhandlungsführer: Sie sollen bei Brandt jede Woche einmal im Bureau gewesen sein. — Angekl.: Jede Woche wohl' nicht.— Verhandlungssührer: Auf Grund der polizeilichen Auskünfte sind Sie außer um Weihnachten jede Woche einmal, einige Male sogar zweimal, dort gewesen.— Angekl.: Das kann stimmen.— Verhandlungsführer: Sie haben doch auch Geld angenommen.— Angekl.: Im ganzen 80 M.— Verhandlungssührer: In welcher Form?— Angekl.: ES wurde mir zu Weihnachten im Kuvert SO M. überreicht und dann bekam ich noch 10 M. und 20 M. Brandt sagte mir, da sollte ich mir einen guten Abend machen. Ich habe aber nicht angenommen, daß eS ein Entgeld für die Mit- teilungen sein sollte. � Verhandlungsführer: Wofür denn anders? — Angekl.: Ich hatte schon bei der ersten Bekanntschaft mit Brandt gesagt, daß ich gern Nebenbeschäftigung haben wollte. Da ich sebr kränklich aussah, sagte mir Brandt, als ich wieder darauf zurück- kam. ich sollte mich nur schonen, und er gab mir das Geld. Ich habe nicht gewußt, daß Brandt die Berichte nach Essen geben sollte. — Verhandlungsführer: WaS sollte er denn damit machen?— An- gekl.: Er wollte nur eine Kontrolle haben.— Verhandlungsführer: Brandt war doch eine Zivilperson, mit der die Militärbehörde nichts zu tun hatte. Haben Sie nicht auch einmal durchblicken lassen, daß Sie bei Krupp ankommen möchten? Da soll Brandt gesagt haben, es wäre eine Kleinigkeit für ihn.— Angekl: Ich habe mich nicht mit der Absicht getragen, allerdings wurde gelegentlich auch einmal davon gesprochen.— Verhandlungsführer: Sie haben bei der Vorvernehmung gesagt: Mehr als das Freihalten und die Geldgeschenke war für mich" mein späteres Fortkommen maßgebend, für meine Willfährigkeit gegenüber Brandt.— Angekl.: Das habe ich wohl nur in der ersten Aufregung gesagt. GS werden dann mehrere Kornwalzer verlesen, soweit die Sachverständigen keine Bedenken dagegen haben. Bei dem einen Kornwalzer Nr. 45 vom Anfang d. I., der mit M. Draeger unterzeichnet ist, stellt der Verhandlungsführer fest, daß dieses der neue Generalvertreter von Krupp ist. der bei Ueber- n a h m e des Büros alle Korn walzer von Brandt haben wollte, um festzustellen, was vertraulich sei und was nicht. Während früher die Kornwalzer nur am Kopf die Bemerkung lrugen: Betrifft die und die Geschütze usw., heißt es jetzt:„Streng geheim". Der Angeklagte erklärt dann noch: Ich habe nicht, wie eS in der Presse heißt, Brandt vor der Verdingung die Preise verraten. Zum großen Teil handelte eS sich bloß um be- chränkte Vcedingungen. Sachverständiger Hauptmann Grone- mann erklärt, daß von den 500 Verdingungsangeboten in der in Frage kommenden Zeit nur 81 beschränkte Verdingungen waren. Der Sachverständige soll bis morgen Auskunft geben, ob es sich bei den etwa 10 Kornwalzern, für die dieser Angeklagte in Frage kommt, um beschränkte oder um freihändige Verdingungen bau- delte. Der Angeklagte gibt dann noch zu, daß er auch das Pro- tokoll unterschrieben habe, das ihm Verschwiegenheit anbefohl. Er erklärt, daß er jetzt einsehe, nicht korrekt gehandelt zu haben. «,'Mgr vann in der Vernchmun� der Angeklagten ein neuer Abschnitt. Bisher handelte es sich um Feldzeugmetsterei, bei der die Beschaffung von Munitionen und Feldgerätcn in Frage kamen Die weiteren Angeklagten gehören der Artillcrie-Prüfungskommis- sion an, die mit der Prüfung von Material zu tun hatten. Der Angeklagte Droese, der jetzt Beamter bei der Firma Krupp in Essen ist, war Zeugfeldwebel der Artillerieprüfungskommission. An einem Kegelabend lernte er Brandt kennen. Er hatte aber schon vorher ein Gesuch an Krupp gerichtet gehabt, ivegen einer An stellung, da seine 12 Jahre im Oktober herum waren. Es war ihm geantwortet, daß er vorgemerkt sei und sich im April nochmals melden solle. Brandt habe dann im Auftrage der Firma Krupp bei seinem Hauptmann über seine Leistungen Erkundigungen ein- gezogen. Er habe darauf Brandt gebeten, über ihn günstig zu berichten.— Verhandlungsführer: Da soll Brandt aber seine Be- dingungen gestellt haben. Er soll gesagt haben, daß er das tun wolle, daß Sie ihm aber aus den Bestellbüchern und den For- VerungSzettelbüchern Mitteilungen machen müßten.— Angeklagter: Mit den Forderungszetteln habe ich nichts zu tun, nur mit den Bestellbüchern.— Verhandlungsführer: Sic sollen die Bücher oft mit in Ihre Wohnung genommen haben.— Angeklagter: Jawohl.— Verhandlungsführer: Dort ist dann Brandt erschienen, hat fie darchstöbert und sich einige Notizen gemacht Angeklagter: Ich hatte auch dienstlich mit Brandt zu tun wegen der Vergleichung der Rechnungen über die Zurücknahme des alten Materials. Dabei hat Brandt dann in meiner Wohnung das Be- stellte durchgesehen und sich auch andere Notizen gemacht.— Verhandlungsführer: Das soll aber mehrfach geschehen sein.— Angeklagter: Ich habe familiär mit Brandt verkehrt,— Verhandlungsführer: Brandt ist zu Ihnen gekommen und hat sich aus den Büchern herausgenommen, was ihm paßte.— An- geklagter: Ich gebe das zu, aber ich habe die Bücher nicht zu diesem Zweck nach Hause genommen. Ich war kränklich und sollte mich auf ärztliche Anordnung schonen und habe daher zu Hause gearbeitet. Verhandlungsführer: Sie geben zu, daß Sie Brandt die Bücher übergeben haben. Brandt hat selbst ausgesagt, ich ging hin, um die Bücher einzusehen, das hat Droese gewußt, ich habe fie nicht zufällig durchgesehen, sondern habe mir meine Auszüge sorgfältig, manchmal 20 Mi inuten lang in G e- genwart Droeses gemacht.— Angeklagter: Ich leugne ja nicht, daß ich Brandt die Bücher zur Verfügung gestellt habe. Damals war die Firma Krupp die einzige, die für das Material in Frage kam. und das Material der anderen Firma war--- Ein militärischer Sachverständiger: Ich muß bitten, diese Dinge nicht öffentlich zu erörtern. Der Vorsitzende richtet darauf an die Pressevertreter daS Ersuchen, einen von dem Angeklagten gebrauchten Ausdruck nicht zu verwerten.— Es wird dann auch darauf hingewiesen», daß verschiedene dieser Dinge bezüglich der ArtillerieprüfungSkommission tn geheimer Sitzung erörtert werden wird.— Verhandlungsführer: Nach Ihrem Aussödeiden infolge von Krankheit hörten die Berichte Brandts auf; es Hab für Brandt keine Beziehung mehr mit der Artillerieprüfungskommission. Erst 190S nahm er wieder Fühlung mit einem Unteroffizier der Artillerieprüfungskommission. Bei allen diesen Angaben handelte es sich nicht, wie ich feststellen will, um Preise, sondern um geheime Versuche, und aus den Bestellbüchern konnten Schlüsse gezogen werden über die Landesverteidigung, und diese Bü- cher haben Sie einer fremden Person ausgelie- fcrt. Darum dreht es sich.— Angeklagter: In den Bestellbüchern selbst ist nichts über die Versuche angegeben, sondern nur über die Anforderung von Materialien. Die Angaben des Zweckes sind nur in den Forderungszetteln vorhanden.— Verteidiger Rechtsanwalt Ulrich: Ich bitte festzustellen, daß der Angeklagte Droese keinerlei materielle Vorteile gehabt hat.— Angeklagter: Nein.— Vcrhand- r lungsführer: Brandt sagt, Sic hätten sich an ihn herangemacht, da �.Sie ihn, wie alle anderen für eine hohe Persönlichkeit gehalten "hätten, Sie hätten gehofft, durch seine Vermittlung zu Krupp zu kommen.— Der Angeklagte bestreitet das. � Der nächste Angeklagte Zeugleutnant Höge von der Artillerie- Prüfungskommission lernte Brandt 1906 kennen, ebenfalls bei einem K e g e l a b e n d. Er hat dann mit ihm sehr freundschaftlich der- kehrt, da sie zusammen musizierten. Er kam später zum Artillerie- depot nach Spandau, und 1912 als Offizier wieder zur Artillerie- Prüfungskommission. Er sagt, Brandt habe früher niemals an ihn das Ansinnen gestellt, die Mitteilungen zu machen; erst 1912 klagte er ihm, daß er viel Aerger habe, da der Vertreter der Firma, Herr von Metzen, Differenzen mit der Firma habe und wohl bald gehen werde; er selbst habe eine Zwittcrstellung, denn er wisse nicht, ob er Vertreter sei und was die Firma über Neuerungen erfahren wolle; eigentlich sei das Aufgabe des Herrn von Metzen, aber dieser kümmere sich nicht darum, so müsse er es machen. Später klagte mir Brandt, fährt der Angeklagte fort, wiederum, daß Herr von Metzen nichts tue und die Firma von ihm neue Mit- teilungen über Versuche aus dem Gebiete des Artilleriewesens haben wollte. Er machte mir dabei Mitteilungen, die mich erstaunen Heften, wie vorzüglich orientiert er war, besser vielleicht, als mancher Ar- tillerieoffizier in der Truppe. Er sagte mir, daß er hoffe, die lei- tende Stellung in der Berliner Vertretung der Firma zu bekom- men, und daß ihm daher viel daran liege, wenn er Informationen durch mich erhalten könnte.— Verhandlungsführer: Haben Sie nie daran gedacht, daß Sie diese dienstlichen Angelegenheiten keinem Dritten erzählen durften? Sie haben doch seinerzeit gleichfalls eidlich durch Unterschrift sich verpflichtet, daß«ie die Geheimhaltung strengstens beobachten wollten.— Angekl.: Daran habe ich nicht mehr gedacht.— Ankläger Kriegsgerichtsrat Dr. Welt: Will' der Angeklagte behaupten, daß er das nicht gewußt habe?— Angekl.: Es waren 13 Jahre her, seitdem ich das Protokoll unter- schrieben hatte. Damals war ich ein junger Mensch, der diese Dinge noch nicht mit dem richtigen Verständnis beurteilen konnte. Ich war mir deshalb nicht bewußt, geheime Dinge auszuplaudern. — Verhandlungsführer: Ist Ihnen das nicht in die Erinnerung zurückgerufen worden, als Sie Leutnant wurden?— Angekl.: Nein. Verhandlungsführer: Sie mutzten es aber doch auch wissen ohne ausdrückliche Bekanntgabe. Angekl.: Was ich dem Brandt gesagt habe, waren keine Geheimnisse.— Verhandlungsführer: Die Such- verständigen sind anderer Meinung, und Sie haben sich hier eben ein Urteil angemaßt, für das Sie nicht zuständig sind. — Angekl.: Der Brandt war bereits über alles orientiert; er wußte Bescheid und hat auch von anderen Firmen sich Auskünfte ein- geholt.— Verhandlungsführer: Wenn er vollständig orientiert war, »rauchte Brandt Ihnen doch nicht nachzulaufen,«ie haben z. B. in einem Kornwalzer dem Brandt über ein Versuchsgeschütz, das in der Rheinischen Metallwarenfabrik hergestellt worden ist, ganz detaillierte Angaben gemacht. Soll Brandt das auch alles gewußt haben?— Angekl.: Er wollte diese Mitteilungen nur haben, um zu erfahren, worin sich dieses Geschütz der Rheinischen Metall- Warenfabrik von den Kruppschen Geschützen unterscheidet.— An- kläger Kriegsgerichtsrat Dr. Welt: Selbstverständlich war das gerade für ihn wertvoll.— Verhandlungsführer: Wenn das Ausland diese Einzelheiten erfahren hätte, dann hätte es dieses Geschütz nachmachen können. Auch Sie wollen also die Mitteilungen nicht gegeben haben, um dafür Geld zu be- kommen, sondern nur aus reiner Kameradschaft.— Angekl.: So ist es. Ich habe nicht den geringsten Vorteil von den Mitteilungen gehabt.— Verteidiger Barnau: Ist es richtig, daß die Tatsache auf den Angeklagten vor allem eingewirkt hat, daß es sich um die Firma Krupp handelte, die in so enger Beziehung zu dem Kriegsministerium steht, und daß er in dem Brandt einen höheren Angestellten der Firma Krupp sah?— Angekl.: So ist es. Wenn ein Vertreter der Firma Müller oder Schulz zu mir gekommen wäre, hätte ich nichts gesagt. Die Firma Krupp aber nimmt eine besondere Stellung ein. Sie hat gewissermaßen eine Vertrauensstellung, und die An erkennung, die ihr selbst von allerhöchster Seite zuteil geworden ist, haben wir ja bei der Jahrhundertseier gesehen. Ich habe geglaubt, daß es einem Vertreter dieser Firma gegen- über nichts Geheimes zu verbergen gibt. Brandt nahm bei der Firma Krupp in Berlin eine Direktorsstellung ein, alle Eingaben, auch mit dem geheimsten Inhalt, gingen durch seine Hände. Das wußte ich, und deshalb ist mir nie der Gedanke gekommen, daß ich hier etwas verrate. Ich toar der Meinung, daß Brandt über die geheimsten Sachen, die sich auf die Mobilmachung beziehen, unterrichtet war.— Verteidiger Barnau: Hat Brandt dem Auge- klagten nicht mitgeteilt, daß er auch mit höheren Offizieren kon- ferierte und von ihnen Mitteilungen bekam?— Angekl.: Das ist richtig.— Verteidiger Barnau: War dem Angeklagten bekannt, daß Brandt über zwei Jahre hindurch die Firma Krupp in Berlin selbständig vertreten hat?— Angekl.: Ja.— Verteidiger Barnau: Der Angeklagte hat in Brandt nicht einen unteren Beamten der Firma Krupp gesehen, sondern einen Beamten, der ungefähr einem Direktor gleichgestellt war. Auch in Essen soll Brandt eine erste Stellung eingenommen haben. Hierauf tritt eine halbstündige Mittagspause ein. Nach der Pause wird als letzter Angeklagter der Oberinten- dantursekretär Pfeiffer vernommen. Er war bei der Fuß- artillerieabteilung des Kriegsministeriums als Jntendanturbcamter beschäftigt. Diese Abteilung befaßt sich mit der Friedens- und Kricgsausrüstung und der Mobilisation der Fußartillerie. Er ist 1899/91 zusammen mit Brandt auf der Oberfeuerwerkerschule ge- Wesen, und als er wieder nach Berlin zurückkam, hat er Brandt 1999 oder 1997 im Verein ehemaliger Feuerwerker wieder getroffen und den Verkehr von neuem aufgenommen. Er erzählt sehr breit die Einzelheiten der EntWickelung dieses Verkehrs. Es kam zu Einladungen zu Mittag- und gemeinsamen Abendessen und Theater- besuchen mit den Familien, wobei Brandt meistens bezahlt hat. Der Verhandlungsführer hält dem Angeklagten vor, ob ihm diese Art des Verkehrs mit dem alten Schulkameraden nicht anstößig er- schienen sei.— Angekl.: Durchaus nicht.— Verhandlungsführer: Glaubten Sie denn, daß Brandt daS alles aus seiner Tasche be- zahlen konnte.— Angekl.: Gewiß.— In seiner weiteren Ver- nehmung gibt der Angeklagte Pfeiffer zu, daß er von Brandt ein- mal 199 M. bekommen hat. Er will dafür aber keine Gegenleistung gewährt haben, sondern diese 199 M. hätten eine WeihnachtS- geschenk für seine(Pfeiffers) Kinder dargestellt. Brandt hätte ihm gesagt, er, Pfeiffer, müsse doch seinen Kindern zu Weihnachten etwas zukommen lassen.— Verhandlungsführer: Früher haben Sic nichts davon gesagt, daß dies ein Weihnachtsgeschenk für Ihre Kin. der gewesen ist.— Angekl.: Ich kann nur wiederholen: Brandt hat mir mehrfach gesagt, die Firma Krupp habe mit diesen Ge- schenken nicht das geringste zu tun. Die Firma Krupp erwarte von ihm auch nicht, daß er sich auf diese Weise Material beschaffe. DaS Schild der Firma Krupp müsse blank bleiben. Er habe wiederholt erklärt, das Geld stamme aus seinen, Brandts, eigenen Mitteln._— V crhandlungsführer: Sie haben dann auch in den nächsten vier Jahren jedesmal zu Weihnachten von Brandt bekommen; auch noch zu einer Zeit, als der Verkehr mit Brandt gar nicht mehr so intim war.— Angekl.: Er bat mich, immer zu Weihnachten etwas für�die Kinder zu nehmen.— Verhandlungsführer: Dann hatten Sie also gewissermaßen ein Ge- wohnheitsrrcht erworben auf ein Weihnachtsgeschenk von Brandt? (Heiterkeit.) Haben Sie dem Brandt von Dingen Mitteilung ge- macht, die im Interesse der Landesverteidigung geheimzuhalten waren?— Angekl.: Ich hoffe, daß der Verlauf dieser Verhandlung ergeben wird, daß ich so etwas niemals an Brandt gegeben habe. Ich weiß, was ich als Beamter zu verschweigen habe.— Verhandlungsführer: Sie sollen über ein ausgezeichnetes Gedächtnis verfügen. Nun sollen Sie einmal im Kriegsministerium flüchtig in einen Bericht haben einsehen können und Sie sollen dann aus dem Gedächtnis dem Brandt vom Inhalt dieses Berichtes Mitteilung gemacht haben.— Angekl.: Das ist nicht wahr.— Verhandlungsführer: Der Kornwalzer, den Brandt darüber nach Essen geschickt hat, enthält nämlich eine Reihe von llngenauigkeiten und die Sachverständigen halten es für sicher, daß jemand, der das Material nur flüchtig gesehen hat, in mündlichen Mitteilungen sich diese Ungenauigkeiten hat zuschul- den kommen lassen.— Angekl.: Das ist nicht zutreffend. Ich hätte den Bericht nur am 1. Juli im Kriegsministerium einsehen können und der Kornwalzer datiert auch vom 1. Juli. Brandt hätte also die Sache sofort nach Essen weiter geben müssen.— Verhandlungsführer: Wenn er sie für wichtig hielt, war das natürlich.— Angekl.: Ties Material stammt nicht von mir. Verhandlungsführer: Sie als Jntendantursekretär hatten doch jederzeit Zutritt zum Zimmer des Referenten und konnten in diese Akten Einsicht nehmen.— Angekl.: Es ist ausgeschlossen, daß ich für die Verhökerung dieser Berichte in Frage komme.— Verhandlungsführer: Sie sollen ferner dem Brandt zwei Etatsauszüge geliefert haben. Darüber sind in dem Kornwalzer ziemlich genaue Angaben enthalten.— Angekl.: Das bestreite ich.— Verhandlungsführer: Brandt ytt bei seiner ersten Vernehmung, als dieser Korn- Walzer noch gar nicht gefunden war, sofort gesagt: Außerdem hat mir Pfeiffer zwei Etatsauszüge geliefert.— Angekl.: Diese Aus- sage gehört zu den vielen Unbcgreiflichkeitcn dieses ProzeffeS. Ich habe immer gebeten, diesem Manne gegenüber- g e st e l l t zu werden, um die Sache zu klären. Das ist mir a b- gelehnt worden. Ich hoffe, daß die Klärung jetzt erfolgt.— Verhandlungsführer: An demselben Tag, von dem der Kvrnwalzer über die beiden Etatsauszüge datiert, nämlich am 13. Dezember 1919, ist noch ein anderer Kornwalzer abgegangen. Sie scheinen also an diesem Tage mit Brandt zusammengetroffen zu sein und ihm verschiedenes Material gegeben zu haben.— Angekl.: Ich wiederhole, daß Brandt von mir nichts erfahren hat.— Verhand- lungsführcr: Ja, es ist vorgekommen, daß drei Kornwalzer das Datum desselben Tages getragen haben und Brandt hat sofort ge- sagt: Das Material rührt von Pfeiffer her. Was sagen Sie dazu? Angekl.: Es ist eine Gemeinheit, Herr KriegSgerichtsrat, von dem Mann, mich in dieser Weise zu be- schuldigen.— Verhandlungssührer: lieber verschiedene Kornwalzer, die von Ihnen stammen sollen, werden wir noch nichtöffentlich ver- handeln müssen.— Verteidiger Dr. Barnau: Zur Charakteri- sicrung der Glaubwürdigkeit des Brandt stelle ich fest, daß er Pfeiffer in drei Fällen beschuldigt hat. in denen Pfeiffer nach den bisherigen Feststellungen als Täter nicht in Frage kommen kann. Ter widerspruchsvolle Brandt darf auch nicht als sakrosankt angeschen werden.— Verhandlungsführer: Es handelt sich hier um ein Material von fast 899 Kornwalzern.— Verteidiger: Gewiß. aber wenn sich Brandt in drei erheblichen Punkten irrt, dann kann man nicht sagen, daß der Angeklagte immer unrecht haben mutz.— Verhandlungsführer: Brandt hat immer erklärt, daß er im Kriegs- Ministerium nur von Pfeiffer bedient worden ist. Diese Dinge können_, nur aus dem Kr»egsministerium herrühren. — Verteidiger: Es braucht doch aber nicht wahr zu fein, daß Brandt nur von Pfeiffer im Kriegsministerium bedient worden ist. Wie gab sich Brandt dem Angeklagten gegenüber aus?— Angekl.: Er naiiiitc sich Assistent bei Krupp und sagte, er nähme eine sehr selbständige Stellung ein.— Verhandluiigsführer: Wie waren Ihre Vcrmögensvcrhältnisse?— Angekl.: Mein Einkommen betrug im Jahre 1998 3699 M. Ich wäre damit auch ausgekommen. wenn ick nicht in der Familie viel mit Krankheit zu kämpfen gehabt hätte. Wenn ich mit Brandt in einem solchen Verkehr gestanden hätte, wie die Anklage behauptet, dann wäre nichts einfacher ge- Wesen, als daß ich ihm gesagt hätte: Brandt, hier ist Material, was gibst Tu mir dafür?— Verteidiger: Pfeiffer hat sogar Tarlehen ausnehmen müssen, und zwar in der Zeit der dicksten Freundschast mit Brandt. Wenn Pfeiffer das auf dem Kerbholz hätte, was die Anklage behauptet, hätte er sich nicht anderwärts Geld gepumpt und sich mit dem spärlichen Mittagessen von 1,ö9 M. begnügt, sondern hätte sich von Brandt größere Geldsummen verschafft. Weiter gelangt zur Verlesung ein ausführliches Expose, das der Angeklagte Pfeiffer aus der Untersuchungshaft heraus an das Ge- richt geschickt hat und in dem er nach seinen Angaben eine ein- gehende wahrheitsgemäße Tarstellung seines Verkehrs mit Brandt gibt. Das Expose bat im wesentlichen denselben Inhalt wie die heutigen Aussagen des Angeklagten, auch in ihm bestreitet er, daß er für seine Mitteilungenen an Brandt eine Geldentschädigung von Brandt bekommen hat.— Anklagevertreter Kriegsgerichisrat Dr. Welt: Der Angeklagte Hinst hat am Vormittag behauptet, daß vom Direktor des Feuerwerkslaboratorium ein Erlaß ergangen sei, wonach den Beamten zur Pflicht gemacht sei, die Firma Krupp besonders entgegenkommend zu behandeln. Hauptmann Gronemann wird das Ergebnis der sofort angestellten Er- Mittelungen mitteilen.— Hauptmann Gronemann: Von einem solchen Erlaß oder einer solchen Verfügung ist in Spandau absolut nichts bekannt.— Verhandlungsführer: Angeklagter Hinst, wollen Sie Ihre Behauptungen aufrecht erhalten?— Angekl. Hinst: Jawohl, in der Gcheimverhandlung werde ich noch näher darauf eingehen.— Damit ist die Vernehmung der Angeklagten beendet und die Verhandlung wendet sich nunmehm dem Inhalt der einzelnen Kornwalzer zu.— Verhandlungssührer: Jetzt kommen wir also zu den Dingen, die nach Ansicht der Sach- verständigen geheim zu halten sind.— Anklagevertreter Kriegs- gerichtsrat Dr.' Welt beantragt Ansschluft der Oeffentlichkeit. Nach kurzer Beratung verkündet der Verhandlungsleiter folgenden Beschluß des Gerichts: Die Oeffentlichkeit wird während der Dauer der weiteren Vernehmung der Angeklagten wegen Gefährdung der Staatssicherheit und militärdien st licher Interessen ausgeschlossen.— ES wird dem Regierungsrat Schulz aus dem Reichsamt des Innern und dem Staatsanwalt- schaftsrat Töpfer gestattet, auch diesem Teil der Verhandlungen bei- zuwohnen.— Die Verhandlungen werden Freitag früh 9 Uhr fortgesetzt. Sie ifoit alz Spitzclinltituk. Nachdem der sozialdemokratische Abgeordnete M u r a n o w anläßlich der Budgetdebatte in der Duma das Spitzelwesen im ruffischen Post- und Telegraphenressort, die berüchtigten„schwarzen Kabinette" usw. zur Sprache gebracht hatte, vergeht kaum eine Woche, wo nicht neue Enthüllungen über die Spitzelwirtschast aus den russischen Postämtern gemacht werden. So veröffentlichte kürzlich ein anonymer Autor in dem Moskauer Blatte„Utro Rossii" eine Anzahl von Artikeln, die den dokumentarischen Beweis er» bringen, daß das Briefgeheimnis auf den russischen Postämtern auf Befehl der Regierung in schamlosester Weise verletzt wird. Briefe irgendwie verdächtiger Personen werden geöffnet und die Abschriften dieser Briefe an das Polizeidepartement eingesandt. Unter der Leitung der berüchtigten„Ochrana" dient die russische Post als Werkzeug zur Bespitzelung und Verfolgung der Bevöl-' kerung. Der Direktor des Post- und Telegraphenressorts, Sewastjanow, leugnet zwar, daß die Post irgendwie an diesen Praktiken beteiligt ist, er gibt aber doch zu, daß man sich wegen aller dieser Dinge an das Polizeidepartcment wenden müsse, ein Beweis, daß die Tätigkeit dieses Ressorts fiir den Generalpost- direktor keinem Zweifel unterliegt. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß eine allgemeine Demoralisation der russischen Postbeamten eine notwendige Folgeerscheinung des ganzen Systems ist, das auch auf anderen Gebieten seine Früchte trägt. So ist in den letzten Tagen recht viel die Rede über ein neu entdecktes Panama auf dem Postamt in Kiew, wo einige der höchsten Be- amten die Börsentelegramme für ihre Spekulationen an der Börse benutzten und ihre durch Verletzung des Dienstgeheimnisses er- langten Kenntnisse meistbietend verkauften. Neuerdings kommen nun auch Klagen über die russische Spitzelwirtschast auf den Post» ämtern des fernen Ostens. Das japanische Blatt„�.apan Ebronicle klagt darüber, daß die russische Zensur sich selbst auf die Briese und Postsendungen erstreckt, die über Sibirien nach Japan gesandt werden. Das Blatt führt eine Reihe von Beispielen an, wo Briefe nicht nur geöffnet, sondern auch einzelner Teile beraubt wurden. Zeitungen und Zeitschriften, die die russischen Spitzelhände passic- ren, gelangen verstümmelt an die Adressaten. Die englische und die japanische Post hat bereits mehrfach bei der russischen Re- gierung Beschwerde erhoben, bisher aber ohne Resultat. Die ge» nannte Zeitung verlangt von den diplomatischen Vertretern Japans und Englands einen energischen Protest gegen die Verletzung der grundlegenden Prinzipien des internationalen Rechts, um endlich der Frechheit der russischen Zensur ein Ende zu setzen. Man vergleiche mit dieser mannhaften Sprache des japanischen Blattes folgende Kundgebung der„Deutschen Tages- z e i t u n g" über einen ähnlichen Gegenstand. Unter der viel» versprechenden Ueberschrift:„Eine verständige Maßnahme Ruß» lands" veröffentlichte das Bündlerblatt am 25. Juli folgende post- amtliche Mitteilung: „Von der Beförderung nach Rußland sind solche Postsen» düngen ausgeschlossen, welche Aufforderungen an russische Ein- wohner zur Ausloanderung aus ihrem Heimatland enthalten, oder welche irgendwie der Auswanderung Vorschub leisten oder sie erletchtern. Postsendungen, bei denen die Vermutung(!) be- steht, daß sie Schriftstücke dieser Art enthalten, werden nach den in Rußland geltenden Gesetzen der Zollbehörde Zur Oeffnung und Prufuna ooraeleat Eraibt sich dabei das VorhandcnwiN v e r bo tene rSchrfftstücke�so werben solche. Postsendungen von den russischen Postanstalten nach dem Aufgabeort zurück- gesandt." Es lieat aus d-.,- Hand, daß die angeführte Verfügung der russischen Postbehörde den Zweck verfolgt, der systematischen Ver- letzung des Briefaeheimnisses ein legales Mantelchen umzuhängen, und den Spitzeln aus den russischen Postamtem. die Möglichkeit zu geben, auch in den aus Deutschland e'"treffenden Briefschaften herumzustöbern. Das.. st"det � �.eutjche Tages- zeit un g", ist eine„verständige Maßnahme. Eingegangene Drucfcrcbiiften. Von der.Reuen Zeit- i»'o«v«R da« 44. Heft des 31. Jahrgang» ertck-iencn Aus dem Inhalt fceij«esteS heben wir hervor: Jungdeutsch- lard oder Jungvolk? Bon Heinrich schlitz.— Skizzen zur tchwcdischen Parte aetchichte der lebten Lahre. Von Hannes Sköld. Stockholm.(Schluß.) — Die altgricchische Äewegunn auf Chpern. Von Dem. Her. D-rnewestiS. _ cvr Massenstreik und die b'ychologie der Massen. Von Joseph Hartlcib. — Sil KantskyS Rachgcdankcn zu den nachdenkuchflen Betrachtungen. Bon Jalob Trabingcr(Ämlaninc;. Literarische Riliidschali.— Zeitschriflen- .Reue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen, Poftamialien und Kolporteure zum Preise von 3,23 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal Ii>onni-rt werden. Das emzclne Seit kostet 23 Pf. ' Kerankwor:Itcher Redakteur: Alfrrh Wielrpp, Neukölln. Für den Jnjeral-nteil verantw.: Th-Glicke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Vuctzvruckere,«. LrrlagSanftatt Vaut Smger ilEo, Berit« it. 195. Z. Beilage des„ Frettas, 1. Avgaß IN?. 6ep?erkfcl)aftlickes. Qthwarze Berieb terftattung. In diesen Togen sind zlvei Konflikte zwischen Arbeitern und Unternehmern beigelegt worden. In beiden Fällen kann- ten die Arbeiter ihre Forderung nicht voll und gonz durch- setzen. Sie verzichteten auf die Fortsetzung des Kompfes unter Annahme der von den Unternehmern angebotenen Zu- geständnisse. In einem Falle handelt es sich um einen Kampf zwischen katholischen Textilarbeitern gegen meist katholische Fabrikanten in Bocholt in Westfalen. Ter andere Streitfall belraf Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Metall- arbeiterverbande und dem Unternehmer Bosch in Stuttgart. Dieser ist von seinem Herrenstandpunkt schließlich weiter zurückgetreten als die frommen Tertilkönige in Bocholt. Um uun aber bei den Christen den Glauben an die Vorzüglichkeit her christlichen Organisation zu stärken, gleichzeitig dem Me- tallarbeiterverbande und dem Streikrecht überhaupt eins aus- zuwischen, berichtet die„Köln. Volkszeitung" über den Fall in Stuttgart unter„Deutsches Reich" und bemerkt dazu: ,„Das bedeutet eine Niederlage des Metallarbeiterverbandes, der anfänglich Bosch seine Bedingungen diktieren wollte. Ihre Bedingungen haben die Arbeiter nicht durchgesetzt. Das ist das Ende eines fast zweimonatigen Arbeitskampfes mit dem großen Lohnausfall.' Ganz anders erscheint den Lesern der„Köln. Volksztg." die Niederlage der Christen, der Triumph der christlichen Unternehmer in Bocholt. Die erklärende Darstellung des schwarzen Blattes verwandelt die Niederlage der Arbeiter in einen sozusagen Dreiviertelsieg. Unter„Aus Westdeutsch- land" berichtet es: „Wiederaufnahme der Arbeit. Bocholt, 28. Juli 1913. Die heutige Versammlung der Arbeiterausschüsse der Textilarbeiter beschloß einstimmig die Wiederaufnahme der Arbeit, nachdem die Fabrikantenvereinigung die Erklärung abgegeben hat, die früheren Zugeständnisse ausrecht zu erhalten. Diese betreffen Grundlohn, einheitliche Entlohnung, Bezahlung für Warten auf Material, wöchentliche Lohnzahlung oder feste Abschlagssummen des verdienten Lohnes, Bezahlung von Ueberstunden mit 10 Pf. cxtra� und allgemeine zehnstündige Arbeitszeit. Betreffend die Lohnfrage wurde das frühere Zugeständnis aufrecht erhalten, welches lautet: Nach Wiederaufnahme der Arbeit wird die Fabri- kantenvereinigung die Löhne in der Weise regeln, daß sich die- jenigen Lohnsätze, die zu niedrig sind, nach Rücksprache mit den Arbeiterausschüssen bezw. den Arbeitern der einzelnen Betriebe erhöhen. Die Arbeit wird voraussichtlich am Dienstag wieder aufgenommen werden.' Merkwürdig, daß die ultramontane Brille die Dinge nur so sehen läßt, wie es den Zwecken der Zersplitterungsstrategen am zweckdienlichsten erscheint. Die christlichen Arbeiter strei- ken, die Unternehmer antworten mit einer Aussperrung. Hhre nichtssagenden sogenannten Zugeständnisse weisen die Arbeiter als durchaus unannehmbar zurück. Schließlich kapitulieren sie doch bedingungslos und die schwarze Presse lügt die Geschichte zu einem fast vollständigen Siege der Ar- beiter um. In Stuttgart kehrt der Unternehmer den Protzigen heraus, er verlangt bedingungslose Anerkennung seiner An- ordnungen, von Perhandlungen will er nichts wissen. Schließ- lich bequemt er sich doch dazu: eine Einigung kommt zustande, die zweifellos weit von dem entfernt bleibt, was die Arbeiter verlangten. Aber die„Köln. Volksztg." wendet diese Sache zu einer vollständigen Niederlage der Arbeiter und verschwen- det Krokodilstränen wegen des Lohnausfalles. Daß die Christen in Bocholt für die Zeit des Streiks und der Aus- sperrung Lohn erhalten haben, ist noch nicht bekannt gewor- den. Unterschlägt das ultramontane Blatt für—„Wahrheit und Recht" solche Bekundung christlicher Harmonie in Bocholt etwa der Qeffentlichkeit? Vielleicht nieldet sie auch noch nach- träglich, daß die Christen in Bocholt von den Christen in Bocholt im Vergleich mit den Metallarbeitern in Stuttgart trotz des„glorreichen Sieges" doch noch sammervoll entlohnt werden. Dies Musterbeispiel christlicher Berichterstattung läßt ahnen, wie es mit der Wahrheitsliebe der Christen bestellt ist, wenn es darauf ankomnit, den gehaßten freien GeWerk- schaften etwas am Zeuge zu flicken. Manche der von den Christen aufgetischten Terrorismusgeschichten bedürften der Verwendung von mindestens zwei ultramontaner Brillen, so schwarz, so verlogen sind sie._ Berlin und Clmgegend. Die Rohrleger und Helfer im Deutschen Metallarbriterver- band nahmen am Mittwoch den Tätigkeitsbericht ihres bisherigen Branchenlciters Hein entgegen. Der Redner verwies darauf, daß die Tarifbewegung die Arbeiten der Agitationskommission be- herrschte. Wenn der Verband auch nicht direkt an der Bewegung beteiligt war, so habe er doch die Takiik befolgt, die Angehörigen des Berufs wieder zur gemeinsamen Vertretung ihrer Interessen zusammenzubringen, was ja auch gelungen sei, obgleich der Allgemeine sWiesenthalsche) Verband das sehr erschwert habe. Die Tarifbewegung sei nun in der Hauptsache beendet bis auf einige Punkte, die noch durch die Schlichtungskommission erledigt werden müßten. In materieller Hinsicht habe der Tarif die Wünsche der Kollegen allerdings nicht befriedigt, aber es sei doch eine erfreuliche Folge der Bewegung, daß sich die Berliner Kol- legen nicht mehr untereinander bekämpfen, sondern in Berufs- fragen zusammengehen. S i e r i n g, der über die Aufgaben unter dem jetzigen Tarif referierte, bemerkte unter anderem: In der Schlichtungskommission beständen Differenzen zwischen den Vertretern der Arbeiter und den Vertretern der Unternehmer. Es handele sich um die Geschäfts- ordnungen der Schlichtungskommission und des Arbeitsnachweises. Die Unternehmer wollten da einige Verschlechterungen durchsetzen, die Wiesenthal seinerzeit vorgeschlagen habe. Die Arbeitervertreter würden sich aber keinerlei Verschlechterungen gefallen lassen.— Die jetzt bestehende Einigkeit unter den Rohrlegern und Helfern bürge dafür, daß man dem Tarif bei allen Unternehmern Aner- kennung verschaffen werde. Die Firmen, welche sich weigern, den Tarif anzuerkennen, würden durch Arbeitsniederlegung dazu ge- zwungen werden.— Es gelte jetzt, die Kollegen, welche sich durch den Organisationsstreit vom Deutschen Metallarbeiterverbande ab- gewandt haben, zu versöhnen. Um das zu erleichtern, werde die Verbandsleitung, wenn auf der anderen Seite Neigung zum Ueber- tritt sei, veranlaßt werden, günstige Uebertrittsbedingungen zu genehmigen. Die Versammlung nahm die Neuwahl der Agitationskom- Mission vor. Der bisherige Branchenleiter Hein verzichtete auf eine Wiederwahl. An seiner Stelle wurde Friedrich mit dem Amt des Branchenleiters betraut. Achtung, Rohrleger und Helfer l Die Firma Knapp st ein in Bochum, bei der sich die Kollegen im Streik befinden, führt Arbeiten auf dem Bau Steglitz, Sedanstr. 13/14, aus, die ebenfalls als Streikarbeit anzusehen sind. Die in Frage kommenden Kollegen haben deshalb die Arbeit eingestellt, und bitten wir, irgendwelche Arbeit bei dieser Firnia und auf diesem Bau nicht anzunehmen. Die Firma gilt als gesperrt! Deutscher Metallarbeitcvverband. VevwaltungSstelle Berlin. Differenzen ans dem Wertheimschen Neubau. Die im Deutschen Holzarbeiterverbande organisierten Boden- leger hielten am Mittwoch eine Branchenversammlung ab. Bei der Ausführung des Wertheimschen Baues am Moritzplatz sind Differenzen ausgebrochen. Das Legen des Parkettbodens ist an eine Firma Hetzer in Weimar vergeben. Der Generalvertreter der Firma Hetzer, W. u. F. W a r n e b o l d, hat diese Arbeiten wiederum an Zwischenmeister verteilt. Diese haben nun einen Legelohn von 75 Pf. für den Quadratmeter den Arbeitern gezahlt, obgleich der übliche Lohn für diese Arbeit 1,10 M. pro Quadrat- meter beträgt. Die Herren Warnebold haben allerdings vor einiger Zeit mitgeteilt, daß die beiden Hetzerschen Zwischenmcister 1,15 M. erhalten. Damit ist jedoch den Parkettlegern nicht ge- dient. Diese erhalten vielmehr sogar für den großen Posten 30 Millimeter starken Boden nur den genannten niedrigen Preis. Jetzt kommt aber noch erschwerend dazu, daß die Leger zweitklassige Ware verlegen müssen, während erstklassige geliefert werden soll. Um diesen Materialmangel zu verdecken, muß viel mehr sortiert werden als sonst nötig wäre und auch damit ist natürlich das bessere Holz nicht zu ersetzen. Als einen weiteren Mißstand empfinden es die Parkettleger der genannten Firma, daß sie am Sonnabend erst aus dem Südosten Berlins bis nach der Wohnung des einen Zwischenmeisters in Charlottenburg sich begeben müssen, um ihren wohlverdienten Lohn in Empfang zu nehmen. Dort zieht sich dann die Lohnzahlung noch bis ViS oder 8 Uhr abends hin. Die Verhandlungen mit dem Generalvertreter haben bisher zu keinem Ergebnis geführt, auch das Anrufen des Chefs des Warenhauses Wertheim brachte bisher keine Besserung. Die Ver- sammlung nahm in schärfster Weise Stellung zu den Zuständen auf dem Wertheimschen Bau und verurteilte es entschiede«, daß Berufskollegen dort das Legen des Parkettboden? zu dem oben- genannten Preise vorgenommen haben und noch vornehmen. Es wurde ein Antrag angenommen, wonach entscheidende Schritte getan werden sollen, um diesem unhaltbaren Zustand» schleunigst ein Ende zu machen. veutTebea Reich. Zum Werftarbeiterstreik. Die. Maschinisten und Heizer von Hamburg-Altosna hielten am Mittwochabend eine außerordentliche Generalversamm. lung ab, die zum Werftarbeiterstreik Stellung nahm. Nach leb- hafter, ausgedehnter Debatte, in der das Verhalten des Vorstandes teils scharf kritisiert, teils entschuldigend erklärt wurde, wurde be- schlössen, daß in den nächsten vier Wochen acht Marken zu 25 Pf. abgenommen werden sollen, um lokale Mittel für die Streikenden zu beschaffen. Es handelt sich um Baumarken für das GeWerk- schaftskartell, die nur beschleunigt abgeführt werden sollen. Die jüngeren Werftarbeiter reisen mehr und mehr zum Teil in die Heimat, zum Teil nach andere» Orten ab. « Die Arbeiter der Lübecker Maschineubaugeffekl» s ch a f t haben ihre Lohnbewegung in einer Betriebsversammlung am Mittwoch zum erfolgreichen Abschluß gebracht. Diese Firma gehörte bisher zu der Verbindung der Werften und hat auch deren Aussperrungen bisher mitgemacht. Jetzt gehört die Firma angeb- lich nicht mehr der Unternehmergruppe der Werften an; die Verhandlungen bei der jetzigen Lohnbewegung haben deshalb ge- sondert stattgefunden. Die Betriebsleitung hat folgende Zuge- ständnisse gemacht: Die im Jahre 1910 vereinbarten Einstellungs- löhne werden ab 1. August d. I. um 4 Pf. höher gesetzt. Der Stundenlohn aller Arbeiter wird ab 1. August d. I. um 2 Pf. er- höht. Die Akkordsätze sollen in entsprechender Weise geregelt wer- den, so daß angemessene Ueberschüsse erzielt werden. Ferner ist vereinbart, daß bei einer späteren Regelung der Lohn- und Ar- beitsverhältnisse auf den Werften weitere Zugeständnisse gemacht werden sollen. Die Zugeständnisse wurden von der Versammlung mit großer Mehrheit angenommen. Vertagung des Lohnkampfes der städtische» Hafenarbeiter in Stettin. Als Autwort auf die Beschlüsse der städtischen Hafenarbeiter hat der Magistrat in einer Sitzung vom 30. Juli beschlossen: „1. Der Magistrat wird in der Stadtverordnetenversamm« lung dafür eintreten, daß den Wünschen der Arbeiter in folgen- den Punkten entgegengekommen wird: a) Der Tagelohn der nichtständigen Arbeiter für den neun, stündigen Arbeitstag wird auf 3.60 M. erhöht; b) Der Ileberstündenlohn wird auf 120 Proz. des Stunden- lohncs erhöht. 2. Der Magistrat ist auch bereit, an Stelle eines solchen Entgegenkommens eine ihm in den Kosten gleichkommende Lohn- erhöhung allgemeiner Art zu befürworten, falls diese in höherem Maße den Wünschen der Arbeiter entspricht. 3. Der Magistrat wird dafür eintreten, daß die zu be- willigenden Aufbesserungen in ihrer Wirkung auf den 1. August zurückbezogen werden. 4. Ueber die Zugeständnisse hinauszugehen, siebt sich der Magistrat gegenwärtig vor Anhörung der im September einzu- berufenden gemischten Kommission nicht in der Lage.' Am Abend des gleichen Tages nahmen die Arbeiter zu diesem Angebot Stellung. Verbandsleitung und Vertrauensleute emp- kleines femUeton. Das Kino als Erzieher. In Oderfurt(einem kleinen Städtchen in Oesterreichifch- Schlesien) wurde vor einiger Zeit ein siebzehn- jähriges Kindermädchen und das ihr anveilraute einjährig- Kind mit «eywunden an den Lippen und geknebrlt ausgefunden. Es erzählte eine lange Geschichte von einem Kampfe mit vermummten Männern, die da» Kind rauben wollten, verwickelte sich aber in allerlei Widersprüche. Die Untersuchung ergab dann, daß das Attentat und die heldenmütige Verteidigung des Kindes Er findung waren, um die erfolgte Kündigung rückgängig zu machen, und die Szene mit den vermummten Räubern eine ganz genaue Wiedergabe einer Szene aus dem Kino- drama„DaS Kind der Rache' war, das in derselben Woche in einem Kino OderfurtS gefpielr wurde. Ein Schlosserlehrjunge, der dieses Schauerdrama gesehen halte, empfahl dem Mädchen die Inszenierung emer ähnltchcn Szene. Man sieht: das Kino ersetzt den Schund- roman in Wesen und Wirkung. Aber schon bei der Entstehung der Kmodramen wird letzt der Sensation wegen zu den bedenklichsten Mitteln gearitfen. So hat eme Kopenhagener Filmgesellschaft neulich ihre Darsteller in die Kirche des dänischen Landstädtchens D r a a b y eingeichmuggelt, den Kirchendiener fortgelockt und in- zwischen in der.echten Kirche' eine für ein Kinodrama nötige kirchliche Eheschließung gefilmt. Der Streich wird ihr aber übel bekommen- Der Bischof jenes Bezirkes tst um die Konfiskation jenes Filmes und Bestrafung der HausfriedenSstorer emgekommen. Ob die Kirche ein besonders geheiligter Boden ist oder nicht, ist ja gleichgültig, es handelt sich hier um die verwerflichen Mittel einer verwerflichen Sensationsindustrie.■ v*. Di« schädlichen Wirkungen des Krnos zergen sich auch m politisch- Alltureller Beziehung. In Norwegen, dem Lande, das stolz darauf tst, keinerlei Zensur zu besitzen, weiß mmr sich nicht anders gegen die Kinopest zu helfen, als daß man für sie die Zensur einführt. Auch unsere Parier befürwortet sie, totenn auch mit schwerem Herzen. Aber man kann gegen das Kino nicht ohne Zensur auskommen und so versucht man �r jeden bureaukratischen Charakter zu nehmen Die w'chllg, ten Bestimmungen dieses Gesetzes sind, daß der Zensurrat daü i�r Qrt i e d e r G c m e i n d e ernannt wird und dos«-ckt Jabre nach Inkrafttreten des Gefetzes— da« Recht hoben soll, das Kino zu kommunalisieren und bestehende private K,nos gegen eine gesetzliche bestimmte Entschädigung zu über- nehmen. Kindern untern 16 A fi llfit abends der voraussichtlich in der kommenden Saison�ank�R' fvf m ßaupU Mager werden wird. Der bei>. Än Wbetnen Bühnenroutiniers geschulte. mit'AÄu�. Witz. Morali- täten und Technik geschickt jonglierende Amerikaner Knoblauch hat ' mit diesem Faun dem Kater Hiddigeigei Scheffels, dem Affen Hauffs und anderen vorübergehend die menschliche Menagerie be- suchenden vierbeinigen Moralsatirikern einen würdigen Nachfolger gegeben. Die Idee, wie der auS dem Brunnen springende Wald- schratt dem verkrachten Lord die besten und sichersten Renntips gibt, wenn der ihn dafür in die vornehme englische Gesellschaft einführt, ist witzig und wird mit fast Shawschen Humor, der seinen isitz in cet Galle hat, durchgeführt. Nur daß des rüpelhaften Kultur- betrachters Reflexionen auf die Tauer ermüden, da ihr Witz weniger aus sozialer Erkenntnis, als aus aphoristischer Spitzfindigkeit ge- nährt wird. Ganz famose Aktschlüsse machen zum Teil diesen Mangel wieder weit. Man darf also dieser amerikanischen Groteske einen«icgeszug auch in Deutschland prophezeien, wo die Lackkultur- Gesellschaft sich mit der gleichen unverbesserlichen Gelassenheit im Spiegel zu betrachten gewölmt ist wie in England und Amerika. Die Darstellung mit Erich Ziegel als Faun war vortrefflich, m. Die Kirche gegen die Geuter Ausstellung. Große Ueberraschung ruft ein gemeinsamer Hirtenbrief des Kardinal Erzbischofs Mercier von Mechcln und Winer� fünf belgischen Suffraganbischöfe hervor, durch den das Interdikt über einen großen Teil der Genter Weltausstellung verhängt wird. Der Hirtenbrief, der in allen belgischen Kirchen verlesen wurde, verbietet den Katholiken den Besuch der Kmematheater, Musie Halls und sonstigen Be- lustigungsanstalten, die im AusftellungSgebäude untergebracht sind, ferner der Gemäldeausstellung, der Abteilung für Skulptur und Schöne Künste und schließlich der französischen Sektion wegen der darin untergebrachten� Ausstellung für weibliche Toilette, welche die neuesten Modescböpfuiigen der großen Pariser Kleiderfirmen enthält. Wie verlautet, sollen einerseits die halb und ganz nackten Fraucnfiguren m der Abteilung für Schöne Künste und die dekolletierten Kleider in der französischen Toilettenausstellung das bischöfliche Interdikt hervorgerufen haben. Ueber die Maß- nähme des sonst sehr toleranten Kardinals Mercier ist man um so mehr erstaunt, als die mit dem Interdikt belegten Abteilungen der Genter Weltausstellung nach allgemeinem und unparteiischem Urteil nichts anderes enthalten, als was in allen Gemäldeausstellungen, staatlichen Museen und selbst auf kirchlichen Gemälden in den Käthe- dralcn, aus Bällen und Empfängen bei d'en„streng gläubigen' belgischen Ministern zu sehen ist. Der Kampf um den Baderock. Die Stadt Chicago ist sehr stolz darauf, manche in anderen Staaten der Union herrschende freie Sitten unterdrückt zu haben; nun aber muß sie erleben, daß eine Tochter der Stadt sich energisch gegen die Bevormundung der Stadt- Väter und der Polizeigewaltigen auflehnt. Ein regelrechter Kampf um das Badekostüm der Frauen von Chicago ist entbrannt. Die Stadiväier haben schon vor Jahren ein Gesetz erlassen, das die Badetracht der Frauen genau reguliert: wer immer in den Fluten des Michigausees sich tummeln will, darf sich nicht mit einem ge- wöhnlichen Badekostüm begnügen. Die Chicagoerin muß, wenn sie sich den Wogen anvertraut, ihre Schönheit verhüllt haben mit Hilfe von 1. einer Badebluse. 2. einer türkischen Badehose, 3. einem kurzen Badcrock, ja noch nicht genug damit, sie soll 4. noch Bade- strumpfe tragen. Und streng wacht die Polizei darüber, daß dieser Kostümzwang beim Baden auch wirklich eingehalten wird. Aber die Damen von Chicago empören sich gegen diese Zumutung; eine be- kannte Aerztin, Frau Dr. Rosalie Ladova, hat sich zur Vor- kämpserin der Frauenrechte im Wasser aufgeworfen. Vorschriftö- mäßig bekleidet ging sie in die Fluten, aber ein paar Meter vom Strande nestelte sie das vorgeschriebene Baderöckchen los, legte es unter einen Stein und schwamm zufrieden hinaus in den See. Aber die gestrengen Badewärter walteten ihres Amtes, abgewandten Blickes bemannten sie� schleunigst ein Boot und ruderten hinaus in den See, um die kühne Scknvimmerin aufzufordern, sofort ihren Baderock anzulegen. Frau Ladova verlachte zwar die Schergen und hielt ihnen einen Vortrag über die Freiheit der Frau im Wasser, aber schließlich kam doch die Zeit, da sie daran denke» mußte, zum Strande zurückzuschwimmen. Ehe sie das Wasser ver- ließ, legte sie zwar tächelnd den vorschriftsmäßigen Baderock wieder an, aber inzivischen waren Sckmtzleute alarmiert und sofort schleppte man die Schuldige vor den Richter. Und die Rickiter kannten lein Erbarmen. Uinsonst erklärte ihnen die Angeklagte, daß man in Röcken nicht schwimmen könne, daß ihr Badegewand ollen Ansprüchen des Anstandes genüge, daß die Männer viel weniger trügen: es tat nichts, die Sünderin wurde verdammt. Gegen Kaution wurde sie entlasse», aber sie hat bereits Berufung eingelegt und will das Problem des Baderockes vor die Schranken des obersten Gerichtshofes bringen. Notizen. -- Auf der näch st jährigen Großen Berliner Kunstausstellung sollen nur Kunstwerke zur Ausstellung ge- langen, die vom 1. Oktober 1913 ab in Groß-Berlin nicht öffentlich ausgestellt waren. �Hauptmann im Film. Die Nordische Filmkompagnie ersucht uns festzustellen, daß der Entwurf zur Filmbearbeitung von Hauptmanns Roman.Atlantis', weder gänzlich umgearbeitet, noch wesentlich verändert wurde. Es soll sich nur um einige auS prakti- 'chen und technischen Gründen gebotene Veränderungen gedreht haben. — Französischer Witz. In der Sommmerfrische. Die Gattin:.Huh, ist das kalt!' Der Mann:.Schimpf nur nicht chon wieder. Wenn wir's so im Dezember haben, findest Du's recht angenehm.'— Auch ein Mittel. Er:„Alle kriegen das Kreuz der Ehrenlegion, bloß ich nicht. Was soll ich denn da machen?' Sie t„Ja, dann hättest Du 1313 geboren werden müssen, da wärest Dtt als Hundertjähriger dekoriert worden.'— Der T r o st der Witwe. Witwe vor dem Grabe des Manne? t„Run weiß ich end- lich, Ivo er' seine Nächte verbringt I'— Macht der Gewohn- he it. Droschkenkutscher im Laden:„Ich möchte ein Paar Hand- schuhe.' Der Verkäufer:.Welche Nummer haben Sie, mein Herr?' Kutscher:.1428 Der Preistarif. Der Automobilist:„Was ver- langeit Sie für die Reparaltir meines Autos?'„Was ist denn daran kaput?' Automobilist:.Ja. das weiß ich nicht.'.Dann lostet es 82 Frank." � Das Fußbad.„Was, Du wäschst Dir die Füße?'.Was soll ich denn machen? Meine Frau will dies Jahr durchaus ins Hochgebirge.' fallen die Annahme, jedocki energischeres Eintreten für die übrigen Forderungen beim Zusammentreten der städtischen Körperschaft. Hierauf entspann sich in der Versammlung eine äußerst lebhafte Debatte. Nach längeren Auseinandersetzungen wurde aber doch in geheimer Abstimmung die eventuelle Durchführung des Streiks bis Anfang September vertagt. Ist von diesem vorläufigen Aus- gang der Bewegung ein Teil der städtischen Hafenarbeiter nicht zufriedengestellt, so war doch diese Regelung für die Jetztzeit im Interesse aller Beteiligten geboten. Lohnbewegung der Badeort-Kcllner. Die in Heringsdorf unter den denkbar ungünstigsten Arbeits bedingungen arbeitenden recht zahlreichen Hotel, und Restaurant angestellten beschlossen, eine öffentliche Versammlung abzuhalten, um zu den Arbeitsbedingungen Stellung zu nehmen. Da die Arbeitsbedingungen in«„Strand kafino" besonoers schlecht waren, hatte man diesen Betrieb— er steht in Regie des Magistrats und ist an den Pächter Helm vergeben— besonders ins Auge gefaßt. Sämtliche Borarbeiten waren bereits erledigt, als der Inhaber des Lokals, in welchem die Versammlung stattfinden sollte, durch den Amtsvorsteher den Bescheid erhielt, daß die Versammlung auf Anordnung der OrtSbehörde nicht stattfinden dürfe! Angegeben wurde als Grund die Polizeistunde. Die Versamm- lung finde nachts statt, und solange gebe es keine Polizeistunde. Die persönliche Rücksprache des Verbandsbeamten mit dem Amts- Vorsteher hatte keinen Erfolg. Der Amtsvorsteher, ein Herr Schreiber, blieb hartnäckig auf seinem Standpunkt: .Ich bin klug und weise, mich betrügt man nicht; ich bin Heringsdorfs größtes Licht." Die Versammlung wäre nicht zustande gekommen und evtl. wie angedroht von Gendarmen geräumt worden, wenn man sich nicht schleunigst telegraphisch beschwerdeführend an den Landrat gewandt hätte. Von diesem lief dann nach drei Stunden folgendes lakonische Telegramm cm den Einberufer ein: .Amtsvorsteher ist bereit Versammlung zu gestatten Landrat." Also gnädigst.gestatten" wollte nun auf einmal der Herr Amtsvorsteher. Die Versammlung war infolge der unfreiwilligen Agitation durch die Behörde gut besucht und nahm mit Erheiterung von den Bemühungen des Bürgermeisters um die Kellner Kennt- niS. ES wird von Eingeweihten behauptet, daß einige Gastwirte den Herrn zu seinem ungesetzlichen Tun veranlaßt hätten. Die Furcht vor einem Kellnerstreik soll dabei die Jnspiratorin gewesen sein. Ueberflüssigerweisc hat man den OrtSgendarmen noch die Nachtruhe genommen und sie in der Nähe des Versammlungs- lokals postiert. Der Versammlungswirt behauptet, er bekäme trotzdem in den nächsten Tagen ein Strafmandat. Die 10. Generalversammlung der Gutenbergbündler. In diesen Tagen fand in Essen die 1v. Generalversammlung des Gutenber�bundes statt, jener Zwergorganisation im Buchdruck- gowerbe, die sich schließlich nicht anders mehr am Leben zu erhalten vermochte als durch den im Jahre 1906 vollzogenen Anschluß an den Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften. Den VerHand- lungen gingen am Sonntag geräuschvolle Präliminarien voraus. die im umgekehrten Verhältnis zur Bedeutung des Bundes standen. Generalissimus Stegerwald sprach am Nachmittag in einer nach dem katholischen Gesellenhaus einberufenen Propagandaver- sammlung über die Stellung der christlichen Gewerkschaften in der Arbeiterbewegung und in der deutschen Volkswirtschaft. Damit die konfessionelle Parität gewahrt bleibe, durste Franz Behrens am Abend bei der Begrüßungsfeier die Festrede halten. Den Ver- Handlungen wohnten außer den eben genannten Herren die Abge- ordneten Kuckhoff und Imbusch bei, außerdem als Vertreter des Verbandes der katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands Dr. Müller-M.-Gladbach, den zu begrüßen dem Bundesvorsitzenden Thränert„ganz besondere Freude" machte. Nach dem Geschäftsbericht betrug sie Mitgliederzahl 1910: 5074, 1911: 3102, 19i2: 3296. Eine sehr bescheidene Zahl. Aber iie Bundesleitun� ist auch damit schon zufrieden. Tröstete der Vorsitzende doch sich und die Generalversammlung damit, daß die Zunahme prozentual höher sei als beim Verbände. Er unterließ nur hinzuzufügen, daß der Buchdruckerverband bereits über 90 Prc«. aller organisationsfähigen Buchdrucker umfaßt und daß der verbleibende Rest abzüglich der im Gutenbergbund organisierten Gehilfen«in so winziger ist, daß die aus ihm erwirkten Neuauf- nahmen gegenüber der großen Zahl der bereits im Verband befind- lichen Gehilfen naturgemäß eine verhältnismäßig immer kleinere werden m»i>. Im übrigen ergingen die Referenten wie die Diskussionsredner sich in mehr oder minder heftigen Angriffen auf den Buchdrucker- verband. Dessen sozialdemokratische Tendenzen schon von den siebziger Jahren her, nicht der Streik von 1891 hätte zur Gründung des Bundes im Jahre 1893 geführt. Leider habe man in Rücksicht auf die Elemente, die ihrer politischen Ueber- zeugung und Weltanschauung nach gornicht in den Bund gehörten, zu lange gewartet, den Bund inS offene gewerkschaftliche Fahrwasser zu leiten. Die nicht in den Bund ge- hörenden Elemente hätten dagegen protestiert, weil sie dem Ver- bände keine Konkurrenz schaffen wollten.(!) Ebenso wurde be- dauert, daß der Bund nicht schon früher dem christlichen Gefamtver- band beigetreten sei. Erst seit diesem Anschluß sei es möglich ge- wesen, den Kampf gegen den sozialdemokratischen Verband und gegen das Ta r i f a m t, das nach der Pfeife des Verbandes tanze, erfolgreich anzukämpfen. Dem Tarifamt wurden ganz besonders schwere Vorwürfe gemacht. Namentlich Herr Stegerwald zog wiederholt tzegen den„Klüngel" im Tarifamt zu Felde. Tie DiSlussion über den Gewerkschaftsbericht wie über die Agitation in der nächsten Zeit und eine Reihe anderer innerer Ver- bandSangelegenheiten wurden in eine geschlossene Sitzung ver- legt. Nach einer Bemerkung des Bundesvorsitzenden in seinem Ge- schäftSbericht sollte da auch beraten werden, wie es möglich sei, .zu retten, was noch zu retten ist",' d.h. wie man d i e Kollegen, die noch christlichnational gesinnt, aus dem Buchdruckerverband herausholen, und wie man Andererseits die Jugend für sich gewinnen könne. Die übergroße Mehrbeit der Verbandsmitglieder, die der Verband mit Hilfe der Prinzipale mittels de» ArbeitSmonopolver- trags mühelos gewonnen, seien leider zu dem geworden, was sie nach den Wünschen deS sozialdemokratischen Verbandes hätten wer- den sollen, und deshalb als verloren zu betrachten Die Prinzipale und der Buchdruckerverband werden einiger- maßen verwundert sein über das Lob, das ihnen die Gutenberg- bündler ob ihrer systematischen und erfolgreichen Agitation zu- gunsten— der sozialdemokratischen Partei(I) ausgestellt haben. Der Tabakarbeiterverband im Jahre 1912. Es gibt wenige Organisationen, die mit so ungeheuren Schwierigkeiten zu kämpfen haben wie der Tabakarbeiterverband. Da ist zunächst die eigenartige Produktionsweise, die eS den Unternehmern erlaubt, mit ihren Betrieben leicht den Ort zu wechseln, so daß die Tabakindustrie in ihren alten Produklionsgebieten rapide abnimmt und sich mit Vorliebe in den entlegensten Dörfern fest- setzt. Es haben Unternehmer bis zu 40 und 50 Fitial- betriebe. Ferner spielt die sehr starke Vermehrung der Frauenarbeit, die ausgedehnte Heimarbeit und nicht zuletzt die furchtbar drückende Steuergesetzgebung eine bedeutende Rolle. Während allgemein seit ein paar Jahren eine günstige� Geschäftskonjunktur herrscht, liegt die Zigarrenindustrie völlig danieder und Not und Entbehrung bei den Tabakarbeitern sind größer als sie es- unter dem ersten Eindruck der Wertsteuer, die bekanntlich 1909 geschaffen wurde, waren. Man lann sich also einen Begriff davon machen, was es heißt, unter solchen Umständen gewerkschaftliche Erfolge zu erzielen. Das Jahr 1912 ist in der Entwickelung deS Tabakarbeiter- vtrbandeS nicht bedeutungslos. Auf der im Mai in Hamburg statt- aesimdenen Generalversammlung wurde die Verschmelzung mit dem Sortiererverband vollzogen. Den letzten Anstoß dazu hat zweifellos die große westfälische Aussperrung gegeben. ES traien 2686 Mitglieder des Sortiererverbandes über. Trotzdem ist die Mitgliederzunahme im allgemeinen als ungünstig zu bezeichnen, denn sie berrug einschließ- lich der Uebergetretenen nur 1762, so daß eigentlich eine Abnahme zu verzeichuen ist. Bei der großen Arbeitslosigkeit und dem umfang reichen Aussetzen ist das kein Wunder, mußten doch taufende Tabak- arbeiter mit einer Verdicnsteinscbränkung. oft um die Hälfte ihres kärglichen Lohnes, sich behelfen. Der Verband zählte am 31. De zember 1912 in 483 Zahlstellen 37 21 1 Mitglieder, darunter 18 053 weibliche. Die Zahl der weiblichen Mitglieder ist an sich zwar recht stattlich, müßte aber, da etwa 2la der Beschäftigten Frauen find, bedeutend größer sein. Der Sorliererverband brachte der Kasse des Tabakarbeiterver- bandeS 18 242 M. zu, die Generaltommiisson anläßlich der west- iälifchen AuSfperrnng noch 356 505 M. Einschließlich eines Be- standes vom Vorjahre in Höbe von 280 716 Ml. war die Gesamt- einnähme 1 529 685 M. Die Mehreinnahme an Beiträgen betrug gegen das Vorjahr 64 638 M. Die Ausgaben betrugen insgesamt i 422 992 Ml., so daß am Jahresschluß ein Bestand von 106 693 M. verblieb. Ausgegeben wurden u. a. für Gemaßregeltenunlerstützung 199 427 M., für Streiks und Lohnbewegungen 379 731 M., für StreilS in anderen Gewerkschaften 8000 M., für Arbeitsloienunter- stützung 166 373 M., für Krankenunterstützung 241311 M. Die Ausgaben für Arbeitslosen- und Krankenunlerstützung haben sich im letzten Jahre ganz bedeutend gesteigert, was auf die ungünstigen Erwerbsverhältnisse in der Tabalindustrie zurückzuführen ist. Obgleich der Verband mit so außerordentlich ungünstigen Berufs- verbältnissen zu kämpfen hat, hat er im Jahre 1912 doch noch an- sehnliche Erfolge auf dem Gebiete des Lohnkampfes errungen. Zu- nächst spielte noch der große Kampf deS westfälischen, Bremer und Hamburger Lohngebietes in das Geschäftsjahr hinein. Nach Be- endigung dieses Kampfes galt es, nicht nur im Kampfgebiet, sondern überall vorwärtszudrängen. So hatte der Verband dann auch nicht weniger als 245 Bewegungen zur Verbesserung der Lohn- und Arbeits« bedingungen zu bestehen, die sich auf 1396 Betriebe mit 33 545 be« teiligten Arbeitern(davon 16 033 weibliche) erstreckten. Mit vollem Erfolge konnten davon 96 Bewegungen in 682 Betrieben mit 12 365 beteiligten Arbeitern beendet werden, mit teilweisem Erfolg 130 Bewegungen in 69l Betrieben mit 20 531 Arbeitern; einen Mißerfolg halten 19 Bewegungen in 23 Betrieben mit 649 be- teiligten Arbeitern. Bon den 245 Bewegungen waren Angriffs- bewegnngen ohne Streik 189, mit Streik 29, Abwehrbewegungen ohne Streik 10, mit Streik 8, während 9 Aussperrungen zu verzeichnen waren. Es gelang dem Verband, in 59 Fällen für 197 Be- triebe mit 1722 Arbeitern neue Tarifverträge abzuschließen, so daß am Schluffe des Berichtsjahres 270 Tarifverträge für 1054 Beiriebe mit 6195 Arbeitern bestanden. Durch diese Kämple erhielten 21096 Arbeiter eine Erhöhung ihres Wochen lohne« im Gesamtbetrage von 15 091 M.. außerdem wurden für 821 Arbeiter die wöchentliche Arbeitszeit um zusammen 1604 Stunden verkürzt. Die ungünstige Lag« in der Zigarreninvustrie hat sich im Jahre 1913 noch verschlimmert; die Anforderungen an den Verband für Arbeitslosenunlersiütziing sind weiter erheblich gestiegen, so daß das in Homburg ini Mai 1912 beschlossene Statut— soll nicht der Kampfcharakler des Verbandes leiden.— nicht gehalten werden kann. Demnächst findet ein VerbandStog statt, der über gründliche Ver- änderungen entscheiden soll. Für die Tabakarbeiler und ihre Organisation kommen erst jetzt die unheilvollen Folgen der Wert« steuer voll zum Ausdruck; sich dagegen zu webren, ist schon mit Rücksicht auf die so wie so trostlose Lage der Tabakarbeiler dringend nötig._ £Iu9 Industrie und Kandel. Berliner Arbeitsmarkt im Auni. Eine Besserung auf dem Berliner Arbeitsmarkte blieb nach der Berliner Arbeitsnachweisstatistik" auch im Juni auS. Das voll- ständige Daniederliegen der Privatbautätigkeit in Groß-Berlin be- einträchtigt auch die verwandten Gewerbe m der Eisen», Metall- und Holzindustrie,' be: denen Arbeitslose nach Tausenden gezahlt werden. Der Fortzug von Bauarbeitern hält an, trotzdem ist daS Angebot von Arbeitskräften in den Arbeitsnachweisen sehr groß. Bei den Männern kamen auf 100 offene Stellen 176 ArbeilSgesuche gegen 156 in der gleichen Zeit deS Vorjahres und 175 im Vormonat. Bei den Arbeiterinnen stehen 100 offenen Stellen 136 Arbeitsgesuche gegenüber, während im Parallelmonat deS Vorjahres sich Nachfrage und Angebot fast ausglichen. Die zurückgehenden Einnahmen der Landesversicherungsanstalt aus dem Verkauf von Markenbeiträgen und die sinkenden Mitgliederzahlen der Krankenkassen liefern eben- alls einen Beweis für die ungünstige Lage des Berliner Arbeits- markteS. Damit im Zusammenhang stehen die Mehreingänge an Jnvalidenrentenanträge und die größere Inanspruchnahme der Krankenkassen. Ueber einige wichtige Industriezweige ist im ein» zelnen zu berichten: In allen Branchen der Eisen- und Metall- Industrie herrschte wenig Nachfrage. Besonders schlecht ist die Lage bei den Rohrlegern und Helfern. Die' Kupferschmiede hatten fal- lende Tendenz. Der Metallarbeiterverband zählte am Schlüsse deS Monats 3651 Arbeitslose. Nur nach Schmieden war die Nachfrage lebhaft. Schlecht war die Beschäftigungsgelegenheit in der Textil- industrie bei den Webern, Posamentierern, Kurblern, Wäschern und Plättern; mittelmäßig bei den Dekateuren, gut dagegen bei den Wirkern und Strickern. Andauernd sehr schlechte Konjunktur be- steht in der Holzindustrie; am Schlüsse des Monat» wurden 4613 Arbeitslose gezählt. Das Baugewerbe erholte sich nicht. eS besteht auch keine Aussicht auf Besserung. Ein großer Teil der Maurer, Zimmerer, Ofensetzer usw. sucht Beschädigung in der P-.-winz oder muß zu anderen Berufen übergehen. Auch in der GipS- und Zement- blanche ist Besserung nicht eingetreten. Trotz der beendigten Lohn- differenzen im Malergewerbe war die Nachfrage sehr gering. Bei den Ofensetzern waren am Schlüsse deS Monats noch 543 Arbeits- lose. Die Lage im Handelsgewerbe mutz auch als ungünstig be- zeichnet werden. Das Angebot mit höherem Gehalt ist sehr reich- lich, dagegen war die Nachfrage für weibliches Personal mit niedri- gem Gehalt besser. Erheblich zurückgegangen war auch die Nach- frage nach HandelS-Hilfsarbeitern. Flaue wird auch auS dem Ver- kehrsgewerbe gemeldet. Nach dem Bericht deS ZeptralarbeitSnachweises hält die un< günstige Lage auf dem Berliner Arbeitsmarkt weiter an. Die er- neuten KriegSunruhep und die allgemeine Spannung der politischen Lage wirkten störend auf die Entwickelung und den Export der In- dustri«. Im Vergleich zum Vorjahre war die Beschäftigung». gelegenheit um zirka 15 bis 20 Prozent gesunken. Der Andrang zu den Arbeitsnachweisen steigert sich immer weiter. Die Beschaffung van Eisenerzen wird für die deutsche Eisen. industrie imfter schwieriger. Die in Deutschland gefundenen Eisenerze reichen bei weitem nicht aus, um den inländischen Be- darf der rapide gewachsenen Eisenindustrie zu decken. Deutschland ist daher in stetig wachsendem Maße auf die Einfuhr angewiesen. Allein im verflossenen Halbjahr wurden 68,4 Millionen Doppel. zentner im Werte von 113,6 Millionen Mark eingeführt. Haupt- lieferanten sind Schweden, Frankreich. Spanien, Rußland, Algerien, Norwegen. Luxemburg, das ebenfalls große Eisen- erzfelder besitzt, erscheint dabei in der Statistik nicht, da eS be- kaimtlich zollpolitisch zu Deutschland gehört. Aber gerade die luremburgischcn Blinette(Eisenerz)-Felder sind für die West- deutsche Eisenindustrie von großer Bedeutung. In diesen Tagen nun bat die Regierung die letzten Minettefelder vergeben. Es handelt sich um 582 Hektar, für die an folgende vier Gesellschaften Ausbeute-Konzessionen auf 50 Jahre erteilt werden: 1. Die Telsenkirckener Bergwerks.Akt.-Ges., Abteilung Aachen« Huttenberein Esch, zu Esch an der Alzette. erhält zusammen 39 Hektar gegen eine Rente von 2725 Fr. pro Hektar und pro Jahr; 2. dem Hochofen- und Stahlwerk Stein fort werden zu- sammen 125 Hektar zum Preise von 2100 Fr. pro Jahr und Hektar zugewiesen. Die Gesellschaft verpflichtet sich, ihr bestehendes Hüttenwerk bedeutend zu vergrößern oder an einer anderen Stelle innerhalb des Großherzogtums eine neue Anlage mit einer jähr- lichen Produktion v>n 180 000— 210 000 Tonnen Roheisen zu er- richten; 3. die Konzession der belgischen Gesellschaft O u g r e e- M cr r i h a y e. Abteilung Rodingen, begreift 94 Hektar zu 2125 Frank pro Hektar und pro Jahr; 4. der Vertrag mit der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-Akt.» Ges., Abteilung Differdingen. erstreckt sich auf 324 Hektar zu einer Rente von 2025 Fr. pro Hektar und pro Jahr. Die 582 Hektar Wersen dem luxemburgischen Staat eine jähr» liche Rente von 1 224 625 Frank während 50 Jahren ab, im Durch? schnitt pro Hektar 2104,16 Frank. Außerdem legt der Staat den Hüttengesellschaften im Interesse der luxemburgischen Landwirt» schaft die Verpflichtung auf, während 50 Jahren pro konzedierten Hektar Eisenerzland 17 Tonnen gemahlene Thomasschlacken be- stimmter Qualität zu relativ niedrigem Preise zu liefern. Die.Vossische Zeitung", der wir diese Angaben entnehmen. macht zugleich interessante Mitteilungen über die gewaltige Preissteigerung für Eisenerze in den letzten Jahren. Im Jahre 1909 wurde pro Hektar eine 60jährige Rente von 750 Frank geboten, die Anfang 1911 auf 900 Frank, Ende 1911 auf 1000 Frank lAngebot der vereinigten luxemburgischen Hüttengesellschaften), j» März 1912 auf 1200 Frank(Angebot Aug. Thyssen), im Juli 1912 auf 1250 Frank((Uebergebot der luxemburgischen Hüttengesell. schaften) und Anfang Februar 1913 auf durchschnittlich 1950 Frank (Uebergebot der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten- Aktien-Gesellschaft. Abteilung Differdingen) stieg. Noch in dem- selben Monate erfolgte seitens des Hochofen- und Stahlwerks Steinfort ein weiteres Uebergebot auf verschiedene Teile der zu vergebenden Konzessionen: Anfang April folgte die Gesellschaft Ougree-Marihahe, Abteilung Rodingen, auf demselben Wege. Da- neben behält sich der luxemburgische Staat noch anoere Nebenvor- teile vor, darunter billige Lieferung von elektrischer Kraft und vo» zugsweise Anstellung von luxemburgischen Staatsangehörigen, da nur ausländische Gesellschaften in FraUi stehen. DaS Anwachsen des Elcktrokapitals. Seit dem letzten Hoch- konjunkturjahre 1907 wurden für Neugründungen und Kapitals- erhöhungcn von den Altiengesellschaften und den Gesellschaften m. b. H. der Elekttoindustrie nahezu 300 Millionen Mark angefordert. DaS stark« Anwachsen de« angeforderten Kapitals erklärt sich zum Teil auS der Einrichtung von Ueberlandzenttalen und au« der finanziellen Unterstützung von Kommunen, die neue Elektrizitätswerke anlegen wollen, feiten« der Unternehmungen der Elektroindustrie. In den einzelnen Jahren ist die Unternehmungslust auch in diesem Gewerbe stark abhängig von der Lage am Geldmarkt. ES wurden nämlich in den Jahren 1907 bis 1912 und im ersten Halbjahre 1918 für Neuinvestierungen aufgewendet: 1907...... 89,03 Millionen Mark 1908...... 39,16 1909...... 27.60 1910...... 59,38 1911...... 40,39 1912...... 75.76,. 1913(erste Hälfte). 10.82 Besonders groß ist der Sapitalauiwand in den Jahren leichterer Geldmarktverhältniffe. Der größere Teil der Neuanlogen fällt dabei auf Kapitalserhöhungen bestehender Gesellschaften, nicht auf Neugründungen,«in Zeichen für die Kapitals- und Betriebs« lonzentration in der Eleltroindustrie. Umer den Neu- gründungen herrschen die Gesellschaften m b. H. den Altiengesellschaften vor. Im Jahre 1911 wurden 88 Gesellschaften m. b. H. gegen nur 3 Aktiengesellschaften gegründet. Trotzdem betrug da» Gründungskapital bei den S«ltiengesellschasten 12.3 Millionen gegen nnr 7.4 Millionen der 88 Gesellschaften m. b. H. Noch deutlicher prägt sich die» Verhältnis bei den Kapitalserhöhungen auS. Im Jahre 1911 erhöhten 9 Sktiengesellschasten ihr Kapital insgesamt um 17,7 Millionen, 29 Gesellschaften m. b. H. aber nur um 2.99 Millionen. Such da« belegt die rasche Konzentration in der Elekttoindustrie. wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die Gesellschaften m. b. H. und die kleineren Sttiengesellschaften sehr häufig von den großen Firmen gegründet, finanziert und kontrolliert werden. Für ein ReichSfilmmonopol tritt Sleg..Rat Dr. Frielinghau» ein. Man dürfe die Gelegenheit zu einer Sisetzlichen Regelung der Materie jetzt, da die KonzessionSnovelle dem Reichstag zugehen soll, nicht versäumen. Eine Aktiengesellschaft der Ftlmindu str.e w.rd in ähnlicher Weise, wie sie für da- Petroleummonopol geplant ,st. vor. cieickilanen �a« Reich kann sich einen Teil der Aktien sichern oder in anderer Wette am' Gewinn beteiligt werden. Bon dieser Gesell- s�ft soll jeder ßilm. der in Deutschland aufgeführt wird, entliehen oder oekauft werden, während«S dem Unternehmen uberlassen bleiben soll ob ti die Films kaufen oder selbst herstellen will. Neben dieser Aktiengesellschaft sollen andere Verleihinstitute nicht mehr bestehen; angekaufte FilmS dürfen nur im eigenen Betrieb benutzt werden._ Soziales« Maßnahmen zur Linderung der Arbeitslosigkeit. Jn ider letzten Stadtverordnetenversammlung zu Frankfurt a. M. brachte die sozialdemokratische Fraktion eine Jnterpellarion ein, welche Vorbereitungen der Magistrat getroffen habe, um den Folgen der Arbeitslofigkeit, die schon eingetreten sei und nach allen Anzeichen noch eine große Steigerung erfahren werde, zu begegnen. Genosse Graf betont« in hu Begründung, die Arbeitslosigkeit sei eben in Frankfurt viel stärker-lS in früheren Jahre« um dieselbe Zeit. Die Mitgliederzahl der Krankenkasse sei seit Anfang Mai um S- bis 4000 zurückgegangen, während[u sonst in diesen Zeiten steige. Die Stadt müßte sofort Vorkehrungen treffen, um Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Auch müßte die Stadt die Einführung einer Arbeitslosenversicherung in» Auge fassen, denn bis der Staat die Arbeitslosenversicherung einführe, werde e» Bürgermeister Luppe erwiderte, der Magistrat habe � der Frage der Arbeitslosigkeit und w,e fi« beschäftigt. Ziach den Feststellungen der ArbettSvennittlungsfielle sei die Arbeitslosigkeit in Frankfurt ja no$ nicht fo stark tme bei- spielSweis« in Bayern. Der Magistrat werde sich schl-mngit schlüssig machen, welch« 9�««�tlmäfcten �ttwnhT,?-f* nommen werden könnten. Die regewaßigen R-tstandSarb.tte» seien bereit, vorbereitet. D-m angench� wenn die Gewerkschaften S�l-n über die Arbeitslosigkeit ihrer Mitglieder mitteilen würden, �urde nuht gefaßt. ES ist wohl anzunehmen, daß der Magistrat der Stadtveroroneten« Versammlung bald entsprechende Borlagen unterbreiten wird Und Berlin??- Die Fleischermeister. «Sie wenig die Fleischermeister sich ihrer sozialen Pflichten immer bewußt sind, wird ihnen, wenn auch vorsichtig, in ihren eiaenen Organen hie und da vor Augen gehalten. Vor uns liegt ,"»i der neueste Bericht der czleischerei-BerufSgenosienschaft für 1912.' Dieser beklagt, daß immer noch so viele Meister sich sträuben, ibr"Personal zu Unfallversicherung anzumelden. Jede» Jahr die» selbe Klage. Mit Hilfe der BeHorden habe man im Vorjahr i» dxr Rheinprovinz, Bayern, Oldenburg, m Westfalen»pv.-n. 268ä Betriebe, darunter 350 Kraftbetriebe, festgestellt, deren In Haber bisher sich von der Versicherung gedrückt hatten. Gellagt wird ferner, daß viele Meister erst auf weiteres Trängen der Be- Hörden sich dann endlich gemeldet hätten—»erst nach wiederholter Aufforderung und Belehrung". Immer die alte Ausrede, daß man nichts gewußt habe. Recht bezeichnend ist auch folgende Stelle des Berichts: „Auch die Richtigkeit der Lohnangaben läßt noch viel zu wü» schen übrig, besonders häufig sind die Lohnangaben für im Be- triebe tät� Verwandte, wie Söhne, Töchter, Geschwister, Eltern, unrichtig. Es zeigt sich dies recht deutlich bei Unfälleu solcher Angehörigen War auch in dem Umlagelohnnachweis gesagt worden, der nunmehr Verletzte beziehe außer Kost, Wohnung, Kleidung keinen Lohn oder nur ein angegebenes geringes Taschengeld, so enthält nicht selten die für die EntschädigungSberechnuna eingezogene Lohnangabe hohe Löhne und eine außerordentlich hohe Be- Wertung der Sachbezüge. Es kommen da Unterschiede in den An» gaben um 1000 M. und mehr für ein Jahr vor. Ist in einem solchem Falle die zur Unfallsache gemachte Lohnangabe richtig, so hat sich das Mitglied einer Beitragshinterzihhung zum Nachteil der anderen Mitglieder schuldig gemacht und sind die Bezüge zur Unfallsache so hoch angegeben, so liegt eine Begehrlichkeit auf Kosten anderer vor, die ebensowenig entschuldigt werden kann." Das sind bittere Worte. Dabei ist die Unfallziffer im Fleischcrberufe gar nicht gering. Versichert waren laut Bericht 67 281 Betriebe mit 128 302 Versicherte— mehr 3215 Betriebe mit 4171 Versicherte gegen 1911.— Gemeldet wurden 4711 Unfälle 4837 im Jahre 1911. Der Bericht führt eingangs aus, daß die Maschinen im Berufe große Gefahren bringen: „Die gefährlichsten Maschinen sind die Fleischwölfe und die Kutter. Sie müssen so sein, daß der daran Arbeitende mit den Händen nicht an die Schnecken und Messer gelangen kann. ES läßt sich dies bei den Wölfen durch Verlängerung oder Verengung des Halses und des Einlaufes, bei den Kuttern durch Verkleinerung der Füllöffnung und sichere Bedeckung der Messer unschwer er reichen." Weiter führt der Bericht aus: „Bei verschiedenen Unternehmern lag eine außerordentlich grobe Fahrlässigkeit vor, weil sie, trotz besonderer Aufforderung und entgegen ihrer Mitteilung hierher, die erforderlichen Schutz- Vorrichtungen nicht hatten anbringen lassen, was sich infolge des Unfalls nachträglich herausstellte. Recht bedauerlich ist es auch, daß vielen BetriebSunternehmera die Einsicht dafür fehlt, wie ge- fährlich es ist, jugendliche Personen unter 1k Jahren an gefähr- lichen Maschinen zu beschäftigen; hiervor kann nicht scharf genug gewarnt werden. Aber geradezu unverantwortlich ist eS, wenn sogar Schulk'nder an Maschinen mit Kraftbetrieb verwendet«er- den, wie es in letzter Zeit vorgekommen ist. Durch daS Kinder- fchutzgrsetz ist jede Beschäftigung eines schulpflichtigen KindeS in einer Werkstätte, in der elementare Kraft verwendet wird, verboten, also vielmehr noch eine Beschäftigung an den Maschinen selbst. In nicht weniger als 33 Fällen sind dem Verbote zuwider jugendliche Personen unter 10 Jahren an gefährlichen Maschinen beschäftigt worden. Unter diesen Personen befinden sich solche unter 12 Jahren zwei, von 12 biS 14 Jahren sechs und von 14 blS 10 Jahren 25."___ Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Von der sozialdemokratischen Gemeindemehrheit in Gera ist eine erweiterte Sonntagsruhe siir daS Handclsgcwerbe beschlossen und nun auch ministeriell bestätigt worden. Nach dem Gesetz dür- fen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe an Sonn- und Feiertagen nicht beschäftigt werden. Als Ausnahmen werden zugelassen: a) die Beschäftigung von Handelsangestellten aller Art im Großhandel, der Industrie, der Bank-, Spedition?- und Agentur- der Baugeschüste usw. an acht Sonn- und Feiertagen im Jahre; b) in den offenen Verkaufsstellen de? Kleinhandel» an sechs Sonn- und Feiertagen und an den letzten drei Sonntagen vor Weih- nachten. Bei a) ist über die acht Sonntage eine Liste zu führen und an sichtbarer Stelle aufzuhängen, bei b) werden die betreffen- den Tage nach Gehör der Gewerbetreibenden durch den Stadtrat festgesetzt. Auch für den Geschäftsbetrieb der Fleischer, Bäcker und Konditoren ist eine Einschränkung der Verkaufszeit auf einige Tagesstunden festgelegt worden. Gerichts-Leitung. Wegen Vergehens gegen das Personenstanbsgesey hatte gestern die 2. Ferienstrafkammer des Landgerichts II gegen den Rabb'ner Dr. Petruchowöti zu verhandeln. Der Angeklagte wurde beschuldigt, in zwei Fällen, ohne daß eine standesamtliche Trauung voraufgegangen war, die religiösen Trauungszeremonien vorgenommen zu haben und sich dadurch gegen den ß 07 des Ge» setzes, betreffend den Personenstand und die Eheschließungen vom 6. Februar 1875 vergangen zu haben. Wie der Beschuldigte zugestand, hatte er im Jahre 1910, als er noch Privatbeamler an der Tier» gartensynagogengemeinde war, einen Russen Dr. Rappaport mit erner Brasilianerin und einen russischen Kaufmann Trotzki hier getraut, ohne daß m beiden Fällen die Paare vorher standesamtlich getraut worden waren. Wie der Angeklagte vor Gericht erklärte, iel er nach seiner bebten Ueber�eugung korrekt vorgegangen. Er sei damals von einem Standesbeamten zu dem anderen geschickt worden, habe sich alle möglichen Auskünfte von der russischen Bot. schaft usw. eingeholt, durch die er zu der Annahme gelangen konnte, daß er nicht gegen die Gesetze verstoße. Bestärkt sei er hierin noch dadurch, daß der Rabbiner Dr. Hildesheimer eine Trauung, die er erst abgelehnt habe, vollzogen habe.— Tatsächlich ist Dr. Hilde». heimer, wie seinerzeit mitgeteilt, ebenfalls zu einer Geldstrafe ver- urteilt worden. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß Dr. P. in einer entschuldbaren unrichtigen Auffassung der Gesetze gegen diese Irrtum schütze aber nicht vor Strafe. Mit verstoßen habe, ein.... Rücksicht darauf, daß der Fall außerordentlich milde liege, er- kannte/ das Gericht auf 20 M. Geldstrafc. Kapitalistische Gesetzesverächter. Düringen, das Land der Spielwarenindustrie, ist zugleich auch daS klassiiche Land der Kinderausbeutung. Der Fremde der in den waldumrauschten Tälern dieses herrlichen Fleckchens Erde für mnige Wochen Ruhe sucht, um se,ne Nerven für den Kampf ums Dasein zu stählen, ahnt oft nicht, welch unbeschr�bliches Elend die kleinen an den Bergabhängen gelagerten Jndustr,eorte Thürin. gens bergen. Der Thüringer hängt mit allen Fasern seines Herzens an seinem schönen Heimatlande und vielleicht ist es mit diese etwas sentimentale Eigenschaft des thüringischen Arbeiters, der es dem Kapitalisten ermöglicht, seiner Profitgier ungehemmt Lüael schießen zu lassen. Kinder und schulentlassene Knaben und Mädchen werden von den Unternehmern mit Vorliebe be- iqaftigt. und zwar trotz des KinderschutzgesetzeS und der Arbeite. hinaut �i��ungen gar oft weit über da» gesetzliche Maß hatte sich der P-rzellanwarenfabrikant Julius k-mmer lu�"".°us Groß-Breitenbach vor der Erfurter Straf. fa�rft beschäktw?''��' er Schulkinder in seiner Puppen. a i�i � hatte und eine jugendliche Arbeiterin noch nach Schöffenaericht'in'«T"«-triebe Arbeiten verrichten ließ Das �.lpofsengeriait in Gehren hatte ihn frciaesproche«. Der Staat». fÄÄ fch�TuS. geltend machen, daß er nichts davon �.����b �der w seinem Betrieb- arbeiteten. Ein Arbeit babe, daß Kmder in der Putzarbeiten beauftragt war, hat d?» Pnk t/ be- zahlt, der sich für die ctwl fünf' Z��n �Kind� � Aussagen einiger Zeugen, auf 7 bis 8 M. belief. Wenn Herr Harras einmal einen Gang durch den Betrieb unternahm, dann versteckten sich die Kinder hinter den Schränken. Wer ihnen diese Instruktionen erteilt hatte, kam leider in der Verhandlung nicht zur Sprache. Die Firma hat auch wiederholt ein großes Jnter- esse bekundet, daß ihr diese billigen jugendlichen Arbeitskräste er- halten bleiben möchten. Herr Harras junior wurde bei den Müttern einiger Schulkinder, die nach der Entlassung aus der Nach- mittagsschule im Betriebe arbeiteten, vorstellig, und äußerte den Wunsch, daß die Eltern ihre Kinder doch nach der Konfirmation in seiner Fabrik in Arbeit treten lassen möchten. Eine Arbeiterin im Alter von 18 Jahren hatte wiederholt noch nach 3 Uhr abends Arbeit verrichten müssen. Der Staatsanwalt beantragte 00 M. Geldstrafe. Der Einwand des Angeklagten, er habe keine Kenntnis von diesen Vorgängen in seinem Betriebe gehabt, wurde zurück- gewiesen. Er habe vielmehr die Verpflichtung, wenn er selbst an der Beaufsichtigung seines Betriebes verhindert sei, Beauftragte nach dem Rechten sehen zu lassen. Im Anschluß hieran sei noch bemerkt, daß erst vor einigen Tagen dasselbe Gericht den Buchdruckcreibcsitzer Ott» Becker aus Gehren zu 100 M. Geldstrafe verurteilt hat, weil er Lehrlinge und Arbeiterinnen im Alter von 14 bis 10 Jahren weit über die zu- lässige Arbeitszeit bis spät in Nacht hinein für fidj_ arbeiten ließ und ferner den.Kindern anstatt der gesetzlichen stündigen Früh- stückS- und Vesperpaüse nur M Stunde gewährte. Sogar einen freien Sonntag gönnte er den Kindern nicht. So pfeifen die Unter- nehmer auf Gesetz und Humanität. Ens aller Melt. Vom Wahnsinn der bürgerlichen Gesellschaft. Die„Leipziger Neuesten Nachrichten" brachten folgenden Artikel: „Der Luxus der Hundetoiletten, der sich auf der Pariser Hundeausstellung wieder in voller Pracht entfaltete, gibt der mon- dänen Frau viel Kopfzerbrechen auf, denn ein schicke? Aussehen des sie begleitenden Lieblings gehört zu der vollkommenen Silhouette ibrer Erscheinung. Leder allein tut es jetzt nicht mehr bei Hals- band und Leine, wie JacqueS Lussignh in einer Plauderei des „Figaro" verrät, sondern der Ziseleur, der Goldschmi«d und der Juwelier müssen an der kostbaren Verschönerung dieser Dinge arbeiten. Alle Zusammenstellungen sind erlaubt, wenn sie har- manisch sind und zu der Individualität des Trägers passen. Ihre Bulldogge ist dunkelgefleckt? Dann nehmen Sie rotes Leder und vergoldetes Silber. Ist sie weitzgefleckt, so mutz sie weißes Leder mit einer Verzierung von Türkisen tragen. Aber niemals verwende man ein Halsband aus Haaren. DaS ist höchst unmodern. Für all die kleinen Schoßhündchen, den King-Charles, den Bologneser, den Peking- und Japanhund kommt nur ein schmales, aus sehr feinen Maschen gearbeitetes, silbernes Halsband in Betracht, mit einem winzigen Vorlegeschloß versehen und mit feiner Ziselierung verziert. Elegant, aber für den Hundedandy schwierig zu tragen, ist ein Halsband von einfachen! Lackleder- Eine entzückende Zu- sammenstellung für einen niedlichen Affenpinscher ist ein Brustriemen, der bei einem schwarzen Tier aus weißem, mit Opalen verzierten Leder sein muß. Windspiele schreiten in hellen, mit Borten garnierten Schabracken einher. Für das Automobil besteht die Toilette des Modehundes üuS englischen Stoffen und Pelz. Weite Mäntel, weich« Plaids, alles von einfacher ruhiger Farbe, bilden die Reisetoilette. Die Seitentasche mit dem früher beliebten, nun als läppisch empfundenen Taschentuch ist verpönt. Am Meeres- strande präsentieren sich die kahl geschorenen Hunde in anliegenden Trikots, doch haben sie auch wasserdichte Kleidung mit, damit sie sich nicht ettkälten. Die letzte Neuheit de? guten HundetonS aber besteht in dem Gebrauch von Schuhen, die für größere Ausflüge fest und widerstandsfähig gearbeitet sind, in der Stadt aber sehr fein und niedlich sein müssen; ja, diese eleganten Hunde tragen sogar Ueber- schuhe aus Samt, um die heikle Farbe ihrer Seidenschuhe zu schonen. Zum Schuh gehört unbedingt das„Armband" oder besser Schuhband. Extravagante Damen sollen sogar versucht haben, das Armband noch mit einer niedlichen kleinen Uhr auszustatten. — O selig, o selig, ein Hund noch zu sein." Diese»:„O selig, o selig, ein Hund noch zu sein!" ist, so bemerkt dazu unser Leipziger Bruderorgan, offenbar vou den Limanjüng- lingen hinzugefügt worden. So ein Hundeleben erscheint ihnen sogar als ein glückverheißendes, erstrebenswertes Dasein. _ DaS Treiben dieser weiblichen Modenarren aber, die sich ab- auälen, für ihre Hunde immer neuen kostbareren Schmuck und neue kostbarere� Kleidung zu ersinnen, indes Millionen von Menschen da? Notdürftigste zum Leben entbehren, beweist, wie weit der Ber- wesungSprozeß der oberen Gesellschaftsschichten fortgeschritten ist. Agrarische Leutefürsorge. ES gibt immer noch erbärmlickie Menschen, die behaupten, in Ostelbien gäbe es keine soziale Anständigkeit. Diese Sorte gottloser Lästerer mag das folgende Inserat aus der„Deutschen Tageszeitung" genau durchlesen: Für die Leutcstube! Kaffee-Ersatz„Nixe", 40 Pfennig pro Pfund, Cafötin, der näbrlrästige gesunde Ersatz für Kaffee, 50 Pfennig pro Pfund mit 10 Proz. Rabatt. Kräftlger Kaffee- geschmack und Geruch, auS 1 Pfund bereitet man SS is 40 Liter Kaffeel— In Tausenden von Gutsbesitzer- Haushaltungen ständig verwendetl Glänzend begutachlet! Nährmittelgesellschaft. Wenn man auS einem Pfund„Kaffeebohnen" 40 Liter Kaffee kocht, und e» wird für da« Pfund 1.50 M. gezahlt, dann kostet da« �.iier Kaffee etwa 8 Pf. Auf die Tasse Kaffee kommen dann etwa � e Leutestube ist das aber zu vornehm. Die Haupttache ist da kräftiger Kaffeegeschmack und Geruch! Deswegen kauft man„Nixe oder.Cafetin" und hat dann für noch nicht einen Pfennig immer gleich einen ganzen Liter„für die Leutestube" I Und dieses Zeug soll in Tausenden von Gutsbefitzerhaushaltungen ständig verwendet werden I Wer zweifelt jetzt noch daran, daß auf dem Lande nieinal» em Arbeiter an der großstädtischen LuxuSseuche, zum Bei- sprel an Kopeui Vergiftung, zugrunde gegangen ist? Und wer wagt jetzt noch daran zu zweitel», daß„Nixe" ein Beweis für die geradezu mütterlich« Liebe der Agrarier für ihre Leutestube ist? Wer eS noch wagt, wird verurteilt.„Nixe" zu trinken sein Leben lang. Furchtbare Hitze in Nordamerika. Ueber die westlichen und die Zentralstaaten Nordamerika» ist in den letzten Tagen nach Osten hin eine Hitzwelle gezogen, die eine unerträglich hohe Temperatur mit sich brachte. In Chicago kamen allein 20 Todesfälle an Hitzschlag vor, in Cleveland 12. in N e w- y o r k vier. Am Miriwoch zeigte daS Thermometer in New-Dork 34 G r a d i m S ch a t t e n a n. Die Leuie halten e« des Nachts in den Wohnungen nicht mehr au« und ziehen e« vor. im Freien zu nächtigen. Bon der Polizei ist das Schlafen in den öffent- lichen Parks gestattet worden.__ Kleine Notizen. Eine„gemütliche" Hochzeitsfeier. Auf einer Hochzeit in Büdenholz(Westfalen) wurde in der Nacht zum Donnerstag in- tolge von Streitigkeiten ein Bursche ins Herz geschossen. Er war sofort tot. Ein anderer wurde lebensgefährlich verletzt. Die zwei Täter wurden verhaltet. Brandlatastrophe bei eine« Rodrennen. Während eines Motor- radrennens in C i n c i n a t i stieß einer der Mitfahrenden namens Johnson an den Träger einer elektrischen Lampe. Der Benzin- behaltrr seines Fahrzeugs explodierte. Johnson selb st und eine zweite Person verbrannten. Sechs Personen wurden tödlich und elf schwer verletzt. . Bneffearte« der Rcdaktton. «DU lutHWUe errtantnabi findet Lindenftros« 69, o»r» vi« Stedden — s-deftuvi—,«ochentägUch»-» 4% bis 7H u»r abend», e-nnavead», von 4�»l» 6 U«, abend» statt. Jedtt für den vrteflastra besttn-mU»»»sra»e ist ein Buchstade»nd ein- Zahl als Merl, eichen dctjuftlgen. vrtefitche«»tttntt >»ird»ich« erirtlt. Anfrasen, denen lrine Abnauementdauttt»»» detgesügt ist, ,rrd-a nicht beantioortet. EUtge Frage» trage inaa in der Sdrechstunde vor. W. W. 33. 1. Sosern Betrug nachweisbar, find Sie zur Weiter- zahlung nicht verpflichtet, tonnen auch den bereits gezahlten Betrag zurück- erstattet verlangen. Ihre Angaben reichen aber zum Nachweis eines Be- trüge« nicht au«. 2. Nach dem bisherigen Sachverhalt unzulässig.- 21!. 46. Fordern Sie den Eigentümer aus unter Setzung einer Frist, sür Räumung des Korridor« Sorge zu tragen. Geschieht das nicht, so können Sie Klage erheben. 2. Dagegen läßt sich nichts tun. Die Korridortür dürfen Sie ohne Zustimmung der Nachbarin nicht ofien lassen.■— O. 66. Da« Geld mutz unter diejenigen, die sich durch Zahlung von einer Mark betelligt haben, verteilt werden.— D. 10. Die Schuldscheine find rechts« gültig Für den Fall der Einreichung bei Gericht wäre eine Stnirpelftrasr zu befürchten.—?. IVO. Der Abzug ist begründet, sosern Sie unver- heiratet sind.— Neukölln 99. Nein.— H. F. IVO. 1. Ja. 2. Eine Lösung ist nur mit Zustimmung de« Lehrhcrrn möglich. S. Ihr Mann hat kein Bestimmungsrecht, aber auch keine Verpflichtung zur Beschaffung der Kleidung.— W. Pf. Nur dann, wenn ein berechtigte» Interesse nach. gewiesen wird.— M. C..36. 1. Ja. 2. An de» Kaiser.— M. R. 14. Die Rücknahme lann nicht erzwungen werden. Sie persönlich find zahlungs« pflichtig, Ihr Mann jedoch nicht.— J. O. Ol G. Ja, und zwar die volle Miete, sofern mit dem Vermieter nicht eine anderweltc Vereinbarung zustande lommt.— A. St. 220. Unseres Erachtens ja.—» St. H. 275. 1. Es ist Ablegung der Mcisterprüsung erforderlich. 2. New. — G. 911. Steglitz. Ihre Mutter kann nicht gezwungen werden, zu Ihnen zu ziehen. Trotz Weigerung behält sie den Unterstützungsanspruch Ihnen gegenüber, auch lann die Gemeinde Erstattung der Armenunter- stützung verlangen.— P. K. 1. Wir raten, die Mahngebühr zu zahle«, es genügt, wenn der Mahnzettel auSgeseitigt war.—®.( GSßESES«««SSPSsAZ� -M Unserer lieben Kollegin Ä I Frau A tt 1 1 v? die herz»% m lichfteii Glückwünsche zu m V ihrer ZVjähr. Arbei>stätigkcit> E Die Botenfrauen f. % der Spedition Baumann. Ar' «»sssZSKK ty Dem Restauratcur 9331 Ä | Karfl Plonies| <0 Warschauer Str. 17 ilf � zu seinem 50. Geburtstage| W die beste« Glückwünsche. Ä Die Stammgäste, ji aJP | Todes-Anzeigen| Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Ten Mitgliedern zur Nachricht, dag der Kollege Paul Luitig Fürstenberger Straße 5(Bezirk 2) verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet beute, Freitag, den l. August, nachmittags 5'/, Uhr, von d.er Leichenhalle des ZivnS-KirchhoseS in Nordend aus statt. 73/13 Um rege Beteiligung ersucht Die Qrtsverwaltnng. Verband derSatlleruMefenillerj Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Am 28. Juli verstarb unser Kollege 157/11 l!u8ts? Brehm (Geschirrbranche). Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Freitag, den 1.'August, nach mittags'l,i Uhr, auf dem Kirch. Hot der Golgatha-Gemeindc, Bar susstraße, statt. Am 29. Juli verstarb unser Kollege frm Czerner (Werkstatt Wiedcrmann). Ehre srinem Andenken: Die Beerdigung findet. am Sonnabend, den 2. Zlugust, nach» mittags i'l, Uhr. von der Leiche«,- Halle des Friedhofes in Buch aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borftand. für Scbiineberg. Bezirk 5. Am 29. Juli verstarb unser Mitglied, der Dreher Nlax Heidi. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2.'August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle bes Steglitzer Gemeinde- Friedhoss, Bergstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 25/18 Der Borstand. Verwaltunpstlelie Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher man Heidi Schöncberg, Hauptstraße 114, am 29. Juli an Gehirnhautentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Steglitzer Gemeinde- Friedhofes in Steglitz aus statt. Rege Beteiligung erwartet Dauksaguttg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. Vitve&. Jahn 2831 nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Kenia Bahr sage ich allen Freunden, Bekannten und Verwandten meinen herzlichsten Dank. 6631 Albert Bahr. Reichenberger Str. 97. TiseMer-Verem zu Berlin. = e. H. Sonnabend, den£. August, abends S'/j Uhr, im Gewerkschaftsbause (Reslauraut), Engeluser 15: Zahlabend. Verband d.Geineinde-u.Staatsarb. Filiale Ciroll-Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Friedrieh Will, welcher im Gaswerk Schmargen- dorf beschäftigt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren, Die Bestattung findet am Sonnabend, den 2. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- hallt des Friedhofes in Schmargen- darf aus statt. 35/1 Bie Ortsverwaltung. Deutscher Dolzarbeiteiferhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachsicht, daß unser Kollege, der Tischler Budali Zebel Blüchcrstraße 53 im Alter von 65 Jahren ge- starben ist, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, denl. August, nachmittags 3 Uhr, aus dem Heiiig-Kreuz-Kirch- hos in Mariendors statt. Um rege Beteiligung Ersucht 86/13 Die Ortsverwaltung. Sonntag, den 10. August, veranstaltet der Verein eine Dampferpartie mit Mufik nach Müggelheim. Belustigungen aller Art.— Gast- karten a 1,25 M.(Kinder sind frei) stehen zur Verfügung. 288/7 Ber Vorstand. Die Eltern des jungen Deutschen auei Essen werden um schleunige Mitteilung ihrer'Adresse zwecks Ucbermittelung einer dringcnd-n Nachricht gebeten. Schreiben unter„K. L. 1213". Poste restnnte, Bureau 118, Paris. Dr.Simmel Spezial-Arzt' für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10— 2. 8— 7. Sonntags 10— 12. Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Karsbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts liindenstr. 60. Xonsumpossensebaft Berlin und Knigegend. E. G. m. b. H. Zentrale Lichtenberg, Rittergutstr. 16/26. Unseren Mitgliedern, Freunden und Gönnern zur gefälligen Kenntnisnahme, daß wir heute unsere 115. Verkaufsstelle in Charlottenburg, Pestalozzistr. 55 und unsere 116. Verkaufsstelle Berlin N., Ramlerstr. 11 eröffnen. Dienstag, den 5. August, verlegen wir unsere 4. Verkaufsstelle von Willdenowstr. 30 nach Willdenowstr. 4. 106/8 Der Vorstand. ScbmöMtz, Aald-WI hält sich den werten Vereinen, Gewerlschasten und Schulen bei 3lusfiügen bestens empsohlen.• Jnh.- Ernst Noack. Tel.: Zeuthen 31. mit Bnit vernichtet radikal Rademachers Goldgeist, ges. gesch. Nr. 75 198. Geruch- u. farblos. Reinigt die Kopthaut v. Schuppen, beförd.d. Haarwuchs, verhüt, Zuzug von Parasiten.— Wichtig für Schulkinder. Tausende v. Anerkennungen. P 1. k 0.50 u. 1.00 SL in Apotheken und Drogerien. Man weise Nachahmungen zurück u. achte genau auf d. Namen; Goldgeist! Offeriere in nur frischer, schöner Ware! Nur ein Preis!-MsZ Fette, junge Ganfc 75 PI. 7—12 Psd. schwer. Nur allererste L.ualität! Gäilseriimpfe, halbe Gänse. Fette Suppenhühner, jungeBrathühner r. Wegner, Berlin SO. 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August, Wanderung der Jugend- settio« nach dem herrlichen Dubrowforst. Abfahrt I: Sonnabend- abend 7.40(Borortbahnsteig). Fahrgeld und Uebernachten 1,70 M. Abfahrt II: Sonntag früh 8.45(Fernbahnsteig), Fahrgeld 1,45 M. RetriöUi. Die Bibliothek des Wahlvereins ist vom 1. August an wieder geöffnet. Der Katalog der Bibliothek erscheint Anfang September. Die Bibliothekskommission. HerwSdorf-Waidmannslust. Sonntag, den 3. August, TageS- auSflug nach der bei Hohen-Schöpping gelegenen alten Stolper Ziegelei. Badegelegenheit. Treffpunkt für Hcrmsdorf: Kaifcrplatz, für Waidmannsluft: am Bahnhof, pünktlich um 8 Uhr. Nee»«. Die Zentralbibliothek ist vom 2. August bis 8. Sep- tember geschloffen. Die noch ausgeliehenen Bücher müssen bis Sonnabend, den 2. August, zurückgegeben werden. berliner JVadmcbten* Der gestrichene Strich! Am 18. Mai 1913, also am 5. Pfingstfeiertag Berliner Kalenderstils, nachmittags gegen 4 Uhr, fiel mir plötzlich ein, daß ich versäumt hatte, meinem Vetter zum zehnten Hochzeits- tag zu— gratulieren. Dieses Versehen konnte nur mit einem Telegramm abgewaschen werden. Ich kramte in meiner Schreibmapp?, und es stellte sich heraus, daß ich wieder mal auf dem dafür zuständigen Postamt keine Depeschen-Blankette auf Vorrat annektiert hatte. Ich nahm ein gewöhnliches Briefblatt(22:14) und schrieb quer: Silberstein Wilhelmstr. 8 Krojanke Für 50 Pfennig Glückwünsche sendet Georg Dann rief ich Maxe, den sehr natürlüfeii Sohn unserer Portierfrau, 10 Jahre alt, Schüler der fünften Volksschul- klasse, Flachskopf— beileibe nicht etwa Flachkopf, lieber Setzer—. Im Gegenteil I Mit Spreewasser getauft! Es entspann sich dieses Zwiegespräch: Maxe! Weißt Du, was'ne Depesche ist? Aber richtig! Na also! Da— trag' mal die'rum auf die Post. Hier hast Du fünf Jroschen. So viel kost' se, un' da noch'n Jroschen— den behältst Du für den Weech. Verstanden? Jawoll! Danke ooch scheen! Maxe verstaute zunächst den Botenlohn in irgendeinem Loche seines Gewandes.(Er behauptet, das wäre eine Tasche!) Dann nahm er die halbe Mark in die rechte, das Telegramm in die linke Hand und schob ab. Maxell! Als der Bengel eben die Türe schkießen wollte, rief ich ihn zurück. Zum Glücke war mir noch Angefallen, daß ja laut Musterformular unter die— Bestimmungsanstalt ein dicker Strich von 7� Zentimeter Länge gehört. Als loyaler Bürger beschloß ich sofort, die Linie meiner Subordination unter den Staatswillen zu ziehen und dem Beamten vom Dienst die Ar- beit abzunehmen, deren er sich doch unterziehen mußte, wenn ich nicht strichelte. Ich malte also, so daß es nun sauber und vorschriftsmäßig dastand: Krojanke Und jetzt konnte mein Glückwunsch den Weg alles Drahtes gehen! Ich hatte ein gutes Werk vollbracht! Die hochwohllöbliche Behörde war in der Lage, mit Hilfe meines Tintenbalkens auf den ersten Blick festzustellen, daß mein Telegramm nach Krojanke bestimmt war und nicht etwa nach„Silberstein", nack)„50 Pfennig", nach„Glückwünsche" oder sonstwohin.— Zwanzig Minuten nach Marens Verabschiedung: . Bum-bumm! Herein! An der Stubentüre stand Maxe und grinste übers ganze Gesicht. Nein, das ist zu wenig gesagt. Er grinste mit dem ganzen Körper. Nanu, Junge, was ist denn los? Also wat der Postfritze is. der wollte mit Jewalt noch cenen Sechser for die Depesche ha'm. Wieso denn, Maxe? Na, wissen Se, von wejen den Strich! Was?!? Weil Se doch den Strich unter Krajunke gesetzt ha'm! Ja— aber, Maxe! Das is doch Quatsch! Tet Hab' ick'n w ooch jesacht! Aber der Postfritze meente zu mir: Wenn der Strich uff die Depeschen-Dinger ruffjedruckt is, denn is et een Strich, und denn kost's nischt. Aber wenn der Strich man bloß mit Tinte oder mit's Blei ruffjemacht wird, denn is det een Wort, un denn kost's'n Sechser! Tssss! Jawoll! Na, Maxe, dann hast Du wohl n Sechser für mich ausgelegt? I, wo wer' ick denn?! Na, was denn sonst? Wissen Se. ick habe den Postfritzen lesagt: denn soll er den ollen deemlichen Strich man wieder wechradieren oder ausstreichen! So! Na. und?.,.. . jinge woll, hat er jesagt. aber det ieht rnch. Von weien dre Vorschriften. Un ick ioll man noch n Sechser hin- lezen. Sieh mal an! ... �bod ick jesacht. det dhu ick nich von mein Jeld. Un ick Hab iberhaupt keen Jeld nich mehr bei mir. Hab ick zesagt. Bravo, Maxe! Na. denn soll ick noch eenen Sechser holen sehn, sagt er. Nee sag ick, det wird der Herr, wo mir jeschickt hat, nich machen. Ter is secher Schreiber oder sowat. Bravo, Maxe, Bravo? Mii eenmal jeht den Fritze-'n Licht usf. Weeßt de. sagt er, icke(als wie der Postfritze, wissen S-0— icke derf an die Depesche nischt ändern. Aber Tu, als wie ickc. kailnst et ja machen! Paß mal nft sagt er. Jeh'mal da an den Tisch 'ran un nehme ne Feder. Un denn streichst De den Strich durch, sagt er, un janz unten schreibstc hin: Een' Strich g> strichen— un denn Dein' Namen! Hahahaha! Det Hab ick dciin ooch jeniacht, un denn wa't jut! Famos, Maxe, famos! Sage'mal, Junge, hier hast Du 'n Blatt Vapier, Tinte, Feder— schreib mir doch'mal auf, wie Tu das geschrieben hast. Aber ganz genau wie auf der Post. Maxe! Jawoll! Machen wir! Ucks er schrieb: Een schtrich, jestrichen. Max Flu- nsch. Ich war sehr zufrieden. Nachdem ich Maxen zur Auer- kennung für tapferes Verhalten vor dem postalischen Feinde und zugleich als Bezahlung für das Autogramm noch einen Nickel verehrt hatte, der schleunigst zu dem ersten Groschen ins Loch wanderte, verabschiedete ich ihn. Am 6. Juli las ich in der Zeitung, daß der Ueberschuß der Reichspost- und Telegraphen-Verwaltung um 5 892 000 Mark hinter dem Voranschlage zurückgeblieben ist. Daran sind die 5 Pfennige mit schuld, die dem heldenmütigen Maxe durchaus nicht abzuknöpfen waren! Maxens Schulferien fingen gut an: Ich habe ihm drei Windbeutel mit Schlagsahne gespendet. Den Magen hat er sich nicht verdorben, und seine Erwartungen sind nicht hinter dem Voranschlage zurückgeblieben!— öll2 Millionen Mark Schullastenansprüchc der Vororte liegen Berlin. Die Berliner Finanzverwaltung hat jetzt, wie wir hören, eine Uebersicht über die Forderungen zusammengestellt, die von den Großberliner Vorortgemeinden gegen Berlin auf Zahlung von Schullasten erhoben worden sind und die sich auf den§ 53 des Kommunalabgabengesetzes stützen. Danach beträgt die Gesamtsumme aller bisher angemeldeten Forderungen der Vororte nicht weniger als 6 560 697 M. Hiervon entfällt der Löwenanteil auf die Stadt Neukölln, die für die Jahre 1897—1912 insgesamt 3 189 000 M. Zuschuß von Berlin fordert. Bis zur höchsten Instanz, dem ObervcrwaltungS- gericht, ist davon nur die Forderung für das Jahr 1897 durchgeführt worden. Neukölln verlangle 80 000 M., Berlin wurde verurteilt, 40 000 M. zu zahlen. Die übrigen Forderungen schweben zum Teil vor dem Bezirksausschuß, zum Teil hat sie das Ober- verwaliungSgerichl(am 1. April d. I.) zu näherer Prüfung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Für mehrere Jahre wurde der Anspruch Neuköllns vom Bezirksausschuß zurückgewiesen.— Die zweithöchste Forderung bat Lichtenberg für die Jahre 1901—12 erhoben in Höhe von 1 133 282 M. Für das erste Jahr wurde der Anspruch Lichtenbergs zurückgewiesen. Für die übrigen Jahre schwebt das Verwaltungsstreitverfahren noch. An dritter Stelle steht Weißensee, das für die Jahre 1897—1907 Forderungen in Gesamt- höhe von 633 180 M. angemeldet hat. Nur sür das erste Jahr ist Berlin vom Oberverwaltungsgericht verurteilt worden. 26 020 M, zu zahlen: für die übrigen Jahre wurde Weißensee dank der sorgsamen .Gegenrechnung" der Stadt Berlin mit seinen Ansprüchen abgewiesen. Dann folgt die ehemalige Landgemeinde Boxhagen-RummelSburg mit 417 394 M. Hier wurde Berlin für das erste Jahr von den Schullasten freigestellt; infolge der geschickten Gegenrechnuug Berlins zog dann Boxhagen die weiteren Forderungen zurück. Reinickendorf ver- langt allein für das Jahr 1912 84418 M. Britz will sich für die Jahre 1900—09 niit 68 520 M. begnügen. Hiervon hat Berlin nur für das erste Jahr 1420,51 M. gezahlt. Die übrigen Ansprüche hat Britz dann nicht weiter verfolgt. Von den kleineren Gemeinden hat erst jüngst Französisch-Buchholz vom Bezirksausschuß 1300 M. zugesprochen erhalten. Das war allerdings, wie hervor- gehoben sei, nur im Beschlußverfahren: das Verwaltungsstreit- verfahren schließt sich jetzt erst an. Aehnlich liegt es bei den kleinen Gemeinden, deren Ansprüche zum Teil zurückgewiesen worden sind. Die Berliner Finanzverwaltung hat jeden Fall eines Schul- lindes, dessen Vater in dem betreffenden Vorort wohnt, aber in einer Berliner Fabrik arbeitet, genau nachgeprüft und ist dabei oft zu überraschenden Ergebnissen gekommen. So hat das Berliner Finanzbureau erst dieser Tage festgestellt, daß in der Stadt Lichten- berg, die für das Jahr 1911 dem Berliner Magistrat 1815 Kinder .in Rechnung stellte", zahlreiche Arbeiter beschäftigt sind, die in Berlin wohnen und von denen hier 2610 Kinder, also weit mehr als Lichtenberg seinerseits in Rechnung stellt, die Berliner Schulen be- suchen. Der Schullastenstreit zeigt von neuem die schlimmen Folgen der heutigen kommunalen Zersplitterung Groß-Berlins. Eine Flucht aus dem Kinderkrankenhause. Wieder hat in einem Krankenhause der Stadt Berlin der Mangel an Pflegepersonal und die daraus sich ergebende Unzulänglichkeit der Beaufsichtigung einem kranken Kinde einen Fluchtversuch ermöglicht. Eine im„Vorwärts veröffentlichte Mitteilung über einen Fall dieser Art, der im Krankenhause am Friedrichshain vorgekommen war, führte damals zu einer Vermehrung des Nachtwachpersonals dieser Anstalt. Dieselbe Wirkung erwarten wir jetzt von der öffentlichen Besprechung eines neuen Falles, der aus dem Kinderkranken- Hause an der Reinickendorfer Straße bekannt wird. Eigentlich sollte aus solchen Fluchtversuchen kranker Kinder längst die Lehre gezogen worden sein, daß überall in den mit Kindern be- legten Sälen sich eine weitgehende Vermehrung des Personals empfiehlt, die eine ausreichende Beaufsichtigung sichert. Es scheint aber, daß es immer wieder erst einer Wiederholung dieser skandalösen Vorkommnisse bedarf, bis in den einzelnen nach einander davon betroffenen Anstalten die Gefahr recht erkannt wird. Auch im Kinderkrankenhaus ist der Fluchtversuch bei Nacht unter- nommen worden, wo das diensttuende Personal verringert war und die Nachtschwester» die große Zahl der ihnen zur Beaufsichtigung zu- gewiesenen Kinder schwer überschauen konnten. In der Abteilung für ansteckende Krankheilen lag seit etwa zwei Wochen ein zehn- jähriger Knabe B., der mit Schorlach eingeliefert worden war und im Krankenhaus auch an Diphtheritis erkrankt sein soll. Eines Tages nach 11 llhr. als die Nachtschwester in einen andere» Raum gegongen war, stand er aus seinem Bett auf, zog die Hose eines anderen kranken Knaben an und sprang durch das offene Fenster des im Erdgeschoß liegenden Saales aus einer Höhe von etwa2Meterinden Aorten hinab. Er erhpb sich unverletzt vom Rasen, lief nach dem Tor der das Anstaltsgrundstück gegen die Straße abgrenzenden Mauer, kletterte über die Eisenstangen der Gittortür und gelangte ohne Sturz, glücklich ins Freie. Er war aber bereits bemerkt worden, und eine mit dem Portier nacheilende Schwester erwischte aus der «traße den Ausreißer, der im Laufen mehrmals hingefallen. Als er zurückgebracht wurde, brach die diensttuende Nachtschwester vor Aufregung in Tränen ans. Wir nehmen an. daß die Schuld an dem Fluchtversuch des kranken Kindes nicht sie trifft, die in jener Nacht mehrere Räume mit zusammen 45 Kindern gleichzeitig zu beaufsichtige« hatte. Daß die Verantwortung auf diejenigen fällt, die eine derartige Ueber- bürdung des Personals bisher geduldet haben, scheint man an leitender Stelle nicht einzusehen. Den Eltern ist wenigstens im D ir e l t i o n s b u r e a u, als sie sich beschwerten, der sonderbare Bescheid gegeben worden, die Sache erlläre sich aus der schlechten Erziehung des Jungen, seine Flucht sei geradezu eine Lümmelhaftigkeit. Dieser Versuch, die Schuld von der Anstalt abzuwälzen und sie in beleidigenden Worte» den Eltern und ihrem Jungen aufzubürden, ist dem: doch ein starkes Stück und grobe Nngehorigkeit. Der Herr, mit dem fie ver- handelten, soll sich überhaupt sehr aufgeregt und die Eltern angeschrien haben. Er war ihnen als Direktor Pro f. Baginskh de- zeichnet worden, aber die von seinem Benehmen gegebene Schilde- rung entspricht so wenig dem sonstigen Auftreten dieses Mannes, daß wir eine Personenverwechselung vermuten müssen. Die Eltern erklärten dem mit ihnen verhandelnden Herrn, daß sie ihr Kind keine Stunde mehr in einer Anstalt wissen möchten, in der es solchen Ge- fahren für Gesundheit und Leben ausgesetzt sei. Er wehrte sich leb« hast gegen ihre Forderung, das noch nicht genesene Kind sofort zu entlassen, aber sie beharrten dabei und setzten ihren Willen durch. Unseres Erachtens kann hiermit die Angelegenheit nicht erledigt sein. Daß im Direktionsbureau der Fluchtversuch eines kranken Kindes nicht aus Unzulänglichkeit der Beaufsichtigung im Krankenhaus, sondern kühn aus Mängeln der Erziehung in der Familie erklärt worden ist, läßt darauf schließen, daß an leitender Stelle die rechte Einsicht in die Ursachen dieses Vorkomm- niffes fehlt. Wir erwarten, daß die Krankenhausdeputation eingreift und schleunigst das Nötige tut, um eine Wiederholung solcher Flucht- versuche zu verhüten._ Aus Grabowsee, der Heilstätte vom Roten Kreuz, wird uns ge- schrieben: Den hiesigen Patienten war bisher gestattet, zwischen den Mahlzeiten zu kurzen Spaziergängen den Anstaltsraum zu verlassen. Hiervon wurde recht rege Gebrauch gemacht und der Großschiffahrts- kanal Berlin-Stettin sowie die etwa 20 Minuten entfernt liegende Malzer Schleuse besichliat. Vor ein paar Wochen wurde nun der Park des Sonntags geschlossen. Die Anstaltsleitung behauptet, es würde Sonntags in den umliegenden Kneipen zuviel gezecht und die Kur dadurch illusorisch gemacht. Auch sollen in der Umgegend durch die Paiienlen Waldbrände entstanden sein. Von all diesen Vor- kommnifien ist den älteren Patienten nicht das geringste bekannt. Es liegt nach unserer Ansicht auch hier wie bei den Laubenkolonien vom Roten Kreuz eine Verfrommungsmonie zugrunde. Denn am ersten Sonntag nach der Schließung ging die Schwester von einem Patienten zum andern und frug, wer zur Kirche gehe. Wo die Frage bejaht wurde, erfolgte die Antwort:.Dann brauchen Sie nicht zum Duschen." Man hofft anscheinend die in der Anstalt be- findliche Kirche mehr zu stillen, denn es gibt leider eine große Zahl, die einer erfrischenden Dusche den Kirchgang vorziehen. Haussuchungen bei Berliner Rechtsanwälten. Seit einiger Zeit schweben gegen eine Reihe von Rechtsanwälten in Charlottenburg und Schöneberg Untersuchungen, in denen den Anwälte» zum Vorwurf gemacht wird, Examenskandidaten zum Referendar- und Assessorexamen gegen Entgelt die schriftlichen Arbeiten angefertigt oder ihnen bei der Anfertigung Hilfe geleistet zu haben. Die Anwälte sollen sich für die Anfertigung der Arbeilen in einzelnen Fällen außerordentlich hohe Honorare haben zahlen lassen. Gestern find auf Veranlassung der OberstaatsanwaltschasH die die Untersuchung führt, von der Charlottenburger und der Schöneberger Kriminalpolizei bei den beschuldigten RechkS- anwälten Haussuchungen vorgenommen worden, die zum Teil schwer belastendes Material zutage gefördert haben. Es handelt sich fast ausschließlich um junge Rechtsanwälte, die sich zum Teil auS dieser Tätigkeit ernährt haben sollen. Die Untersuchung ist auch gegen die Kandidaten, die sich die Arbeiten baben anfertigen lassen, eingeleitet worden. Zur Kenntnis der Behörden soll die Affäre dadurch ge- langt sein, daß ein Herr, der sich damit befaßte, den Kandidaten Anwälte nachzuweisen, die sich zur Anfertigung der Arbeiten ver- standen, gegen einen Anwalt Klage auf Zahlung der ihm versprochenen Provision anstrengen mußte._ Der Radclverschlucker. Ein.Schlosser" Bruno Müller ist gestern wieder der Kriminal- Polizei in die Hände gefallen, nachdem es ihm vor 14 Tagen ge- lungen war, aus dem Gefängnis zu Liegnitz, wo er eine mehrjährige Strafe zu verbüßen hatte, entsprungen war. Eine.Spezialität" des Ein- und Ausbrechers, der schon mehrmals mit Zuchthaus bestraft ifl, ist es, gleich nach seiner Festnahme eine Nadel, allerdings eine Sicherheitsnadel, zu verschlucken. Damit erreicht er. daß er nicht in das Untersuchungsgefängnis abgeführt, sondern als Polizeigesangener in ein Krankenhaus gebracht wird. Nicht weniger als siebenmal gelang es dem Müller, sowohl außerhalb wie auch in Berlin, auS diesen zu entkommen. Zuletzt entwich er mehreremale hintereinander aus der Charits. Nachdem er sich länger als ein Jahr lang der Freiheit erfreut hatte, fiel er dann vor einem Pierteljahr der hiesigen Kriminalpolizei wieder in die Hänbe. Es ergab sich hierbei, daß er sich zuletzt nur noch unter dem Namen Otto Mewes umhergetrieben, Einbrüche ausgeführt und auch Strafen verbüßt hatte. Er hatte diesen weniger.belasteten' Namen angenommen, um bei der Aburteilung gnädiger wegzukommen. Die Papiere auf diesen Namen hatte er dem Eigentümer gestohlen. Nach dieser für ihn unangenehmen Entdeckung verschluckte er, ehe man ihn hindern konnte, wieder eine Nadel. Weil man aber seine Absicht kannte, führte man ihn doch»ach dem Untersuchungsgefängnis und ließ ihn im Lazarett behandeln. Später mußte er jedoch zur weiteren Be- Handlung noch der Charitö gebracht werden, wo es ihm, nachdem er eine schwere Operation durchgemacht hatte, wieder gelang, zu ent- kommen. Endlich gelang es nun der Polizei zu Liegnitz, wo er auch scbon einmal entflohen war, ihn zu fassen. Er wurde dort zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.— Vor vierzehn Tagen gelang eS ihm nun, in seiner Zelle eine Giilerstange zu entfernen und durch die Oeffnung zu ent- schlüpien. Weil man damit rechnete, daß der.Nadelschlucker' sich nach Berlin begeben habe, forschten Beamte, die ihn von früher her noch genau kennen, überall nach. Gestern gelang ihnen die Fest- nähme. Aus dem Polizeipräsidium wurde seine ganze Kleidung und auch sein Körper gründlich daraufhin untersucht, ob er wieder eine Nadel bei sich babe und dann erst in die Isolierzelle gebracht. Eine Nadel wurde nickt gesunden. Gleich nach der Einlieferuog klagte der gefährliche Bursche jedoch wieder über heftige Schmerzen und sagte gleichzeitig, daß er in der Zelle eine Nadel verschluckt habe. Wo er diese abor verborgen gshnbt haben soll«?, ist ein Rätsel. Eine vor- läufige ärztlicke Untersuchung ergab nicht mit Bestimmtheit, ob er tatsächlich die Nadel verschluckt hat oder nicht. Wegen Falschmünzerei wurden gestern zwei Brüder Gebhard verhaftet, die falsche Fünfmarkftücke angefertigt und in den Handel gebracht hatten. Auf der Fahrt nach Berlin tödlich verunglückt ist dieser Tage der 58jährige Sckiffseigner Timm aus Zehdenick. T., der sich auf der Fahrt mich Berlin befand, passierte Dienstag früh um 7 Uhr die Ragöser schleuse am Fiuowkanal. Nachdem die Zille durchgeschleust war, versuchte T., durch Staken das Fahrzeug etwas schneller vor- tvärts M Bringen,©aßet glitt der alte Mann plötzlich aus und stürmte über Bord. Er fiel auf de» Uferrand und schlug mit großer Wucht mit dem Kopf auf einen großen Stein. Der Schiffer erlitt einen Schädelbruch und verstarb, ehe noch ein hinzugerufener Arzt zur Stelle war. Ein schwerer Straßenbahnunfall hat sich gestern nachmittag im Osten Berlins zugetragen. Gegen 1/ß Uhr versuchte an der Ecke der Boxhagener und Warschauer Straße der M jährige Postschaffner Richard Lenz kurz vor einem in der Richtung nach Rummels« bürg fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 26 das Gleis zu überschreiten. Obwohl der Führer des Wagens nach Kräften bremste, wurde L. doch umgestoßen und geriet mit beiden Beinen unter den Schutzrahmen. Durch Anheben des Waggons wurde der Verunglückte in drei Minuten befreit und nach der Unfallstation in der Warschauer Straße gebracht, wo bei dem Postschaffner Bruch beider Unterschenkel festgestellt wurde. Nachdem dem Verunglückren Notverbände an- gelegt worden waren, wurde er nach dem Krankenhaus Friedrichs- Hain gebracht. Verloren. Am Sonnabend, den 26., abends gegen 9 Uhr, ist auf dem Wege Neander-, Ecke Köpenickerstraße und Schlesischer Bahn- hos, ein dem Turnverein„Fichte" gehöriger Faustball verloren ge- gangen. Es wird gebeten, Mitteilungen an Adolf Stancke, LW 29, Mittenwalderstr. 12, gelangen zu lassen. Vorort- JNacbrichteih Schöneberg. Mit dem Jenaer Parteitag befaßte sich letzten Dienstag die Ver« sammlung des Wahlvereins. Der Vorsitzende, Genosse K ü t e r, ging in längeren Ausführungen auf die Tagesordnung des Partei- lages ein. Er vermißt besonders die früher fast ständig behandelte, bei den jetzigen Strömungen notwendigere Frage der Parleitaktil als Beratungsgegenstand. Auch die preußische Wablrechtsftage müßte die Tagesordnung des deutschen Parteitages aufweisen, obgleich sie mehr Angelegenheit der preußischen Organisation sei. Beim Bericht der Reichstagsfraktion werde im Hinblickaufdie Deckungsfrage ein heftiger gegensätzlicher Meinungsaustausch zu erwarten sein. Nach Erörterung der übrigen Punkte wurden folgende Anträge zur Debatte gestellt: Aus die Tagesordnung des Jenaer Parteitages sind zu setzen:„Das Massen- streikproblem",„Die Agrarfrage",„Die Geburteneinschränkung als politisches Kampfmittel", weiter wurde noch die Aushebung des Be- schlusses betr. Ausschluß der Mitglieder des„Allgemeinen deutschen Metallarbeiterverbandes" beantragt. Genosse Hoffmann bedauerte, daß die Taktik der Partei nicht Berhandlungsgegenstand bilde und verurteilte die Haltung der Fraktion bei der Deckungsvorlage.— Genosse T h i e l i ck e erhob den Borwurf, daß die Beratung der Deckungsfrage nicht der der Militärvorlage vorangegangen ist. Als die wichtigste Angelegenheit beim VorstandSberichr(der zeitiaer zu veröffentlichen wäre) sei der Rückgang der Organisationen und die geringe Beteiligung der Mitglieder am Parteileben zu bezeichnen. Das Massenstreikproblem und somit daS Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft müsse erörtert werden. Aus der Masse heraus jedoch sei die neuerliche Bewegung nicht gekommen; diese hat ein mehr nüchternes Urteil darüber. Die Frage des Geburtenrückganges werde besser in den Organisationen besprochen. Die Aufhebung de? Nürnberger Beschlüffes bekämpft Redner und geht auf die Glündungsgeschichle des Wiesenthalschen Verbandes ein. Auch Genoffe Schäfer hält neben dem Fraktionsbericht und der Steuer- frage das Massenstreikproblem für die Gegenstände, wo die Kritik ansetzen werde. Der Ruf nach dem politischen Streik erscholl nicht allgemein, sondern mehr von hober Warte. Nicht künstliches Auf- flammen, sondern die ökonomische EntWickelung würde den Gedanken des MaffenstreikS nähren. Mehr private Sacke sei die Frage des Geburtenrückganges. Im Gegensatz hierzu vertreten die Genossinnen Worin und Wickert diesen Antrag, der dann auch von der Ber- sammlung angenommen wurde. Auch für die Behandlung de? Masten- ftreikproblemö entscheidet sich die Versammlung, während die übrigen Anträge Ablehnung fanden.— Als Kandidaten für die Parteitags- delegation wurden Genossin Lazer und Genosse Thielicke vorgeschlagen. Zur Verbandsgeneralversammlung am 8. August wurden die Vertreter der letzten Versammlung wieder delegiert. Die am 24. August staltfindende Kreisgeneralversammlung sollen die Genoffen Knüth, Neubert, Thielicke, Mendt und Frau Worm besuchen. Strala«. Der Gesangverein BorwärtS-Frohfinn hält sein diesjähriges Waldfest am Sonntag, den 8. August, in Karlshorst im Eichenwald nahe der Rennbahn, gegenüber vom Krankenhaus, ab. Da der Verein bei jeder. Veranstaltung des Wahlvereins zur Verschönerung beiträgt, werden die Genosten ersucht, sich auch dort zu beteiligen. Weihensee. Dir Errichtimg einer Gemcindeanstalt für zweite Hypotheken war der einzige Punkt der Tagesordnung der letzten Gemeinde- vertreterfitzung. Wie der Bürgermeister als Vortragender und Be- gründer des vorliegenden OrtsftatutS sagte, ist man in den ein- zelnen Kreisen der Regierung und deS Ministeriums zu der Einsicht gekommen, die Hauseigentümer aus den Sorgen der Beschaffung der zweiten Hypotheken zu befreien. Deshalb haben bereit« einige Gemeinden solche Anstalten errichtet, andere find dabei. Das vor- liegende Ortsstatut schließt sich einem bereits genehmigten Ortsstatut an, jede Aenderung der einzelnen Bestimmungen würde die Ge- nehmigung erschweren und auf längere Zeit hinausschieben. Die Debatte war denn auch eine sehr lebhafte, einzelne Herren betrach- teten daS ganze OrtSstatut als unannehmbar, weil einzelne Para- graphen gar nicht durchführbar find, so sollen z. B. die ersten Hypo- theken unkündbar und amortifierbar sein. Solche Hypotheken gibt es gar nicht zu beschaffen. Es ist zu erwägen, ob man nicht auch zugleich eine Anstalt für erste Hypotheken er- richtet, dann hätte daS Ganze einen Sinn. Drei Stunden debattierte man, geändert wurde aber nicht ein einzige» Wort. Für die Errichtung dieser Gemeindeanstalt wurde weiter beschlossen, eine B Millionen-Anleihe aufzunehmen, die je nach Bedarf abgehoben werden. Auch wurde zugleich«in Vorstand gewählt, diesem gehört von unserer Fraktion der Genosse Frentz an. Die Wahl des Herrn Töpfermeister« Jung paßte den Mitgliedern der alten Fraktion nicht, »oeil diese nicht mehr wissen, ob Herr Jung ihnen noch ganz oder bloß halb angehört. Herr Teichert hegte ferner die Befüchtung, daß wenn die Fraktionen nicht paritätisch vertreten seien, von dem Bor- stand nach Gunst entschieden werden wird. Als Beweis zog er seine Grundsteuerveranlagung heran, was natürlich den anwesenden Steuerausschußmitgliedern wiederum Veranlassung gab, sich hier- gegen zu verwahren.. Die Lorlage kommt lediglich den HauS- und Grundbesitzern zugute und nicht der Allgemeinheit. Vorlagen, die wirklich einem grösteren Teile der Bevölkerung zugute kommen würden, schweben noch in der Luft und werden anscheinend mit Absicht zurückgehalten, daS ist die Lrbeitslosenverficherung. Treptotv-Baumschukenweg. Die Gemeindevertreterfitzung vom 29. Juli erfreute sich zwar keiner besonders guten Beteiligung, aber um so größerer Einmütig- keit in den Beschlüssen, was naturgemäß ein seltenes Ereignis ist. Die meisten Tagesordnungspunkte waren aber auch rein formaler Natur: Vennietungen, Reparaturkosten, Anschluß� der Gemeindeschule Bouchöstraße an die zentrale Heizungsanlage usw. Von den Er- Weiterungsplänen zum neuen Friedhof, die nach dem Vorschlage des Gemeindebauamts genehmigt wurden, dürfte interessieren, daß die Wasserversorgung durch Saugbrunnen nunmehr auf den ganzen Friedhof ausgedehnt werden soll. Für Notfälle wird auch der An- schluß an die Wasserleitung erweitert. Dann sollen auf dem Friedhof Bänke und einige neue WasserbassinS aufgestellt werden. Die hintere Einfriedigung wird bis auf 36 Meter an die Kanner Chaussee vorgerückt und auf dem dadurch gewonnenen Terrain der ursprünglich für später vorgesehene Urnenhain schon jetzt angelegt. Diese Neuerungen erfordern 12 500 M. Auf eine Anfrage aus der Vertretung wurde mitgeteilt, daß der der Gemeinde gehörige Platz auf den Rehbergen hinter dem Friedhofe vorläufig in seinem jetzigen Zustande als Buddelplatz für die Kinder bleiben soll, dagegen ist als Spielwiese der Platz vor der Jmmeschen Gärtnerei, links von der Kiefbolzstraße, freigegeben. Schließlich fand noch der Bebauungsplan für das Neukölln-Treptower Grenzgebiet die erforder- liche Zustimmung der Gemeindevertretung. Das ftagliche Terrain erstreckt sich zwischen der Verbindungsbahn Neu kölln— Baumschulenweg, dem Heidekampsweg und der ehe maligen Kanner Chaussee, die jetzt in Neukölln„Köllnische Allee", in Treptow„ForsthauS-Allee" heißt. Die Grenze zwischen den beiden Gemeinden bildet der HeidekampSgraben. Auf Neuköllner Gebiet be- findet sich das ganze Land im Eigentum der Stadt. Diese will darauf ein besseres Wohnviertel schaffen, indem sie eine großzügige Bebauung durchführt. Im Zuge der Kaiser-Friedrich-Straße soll eine 49 Meter breite Straße vom künftigen Bahnhof„Köllnische Heide" nach Baumschulenweg führen und dort in einer Breite von 24 Meiern ihren Ausgang in einer Biegung nach der Kreuzung der Baum- schulensttaße und der Forsthaus-Allee finden. Neben vielen kleineren Freiflächen ist dicht hinter dem Bahnhof Köllnische Heide ein großer Park mir Planschwiese und gedeckten Wandelhallen vor- gesehen. Für die anscheinend recht fromme Neuköllner Bevölkerung ist der Platz für eine Kirche vorgesehen, außerdem auf dem Gebiet beider Gemeinden Raum für je eine Schule. In Baumschulenweg ist diese für die Nebenstraßen der Forsthausallee projektiert. Nach. dem sich nunmehr beide Gemeiuden über den Bebauungsplan ge- einigt haben, ist wohl hoffentlich auch die Erschließung dieses riesigen Geländes in absehbarer Zeit zu erwarten. Friedrichshagen. In der letzten Gemeindevertreterfitzung wurden zunächst 284 M. zur Herstellung der drei Tennisplätze nachbewilligt, deren Her- stellungskosten auf 2700 M. veranschlagt waren. Von dem Wohl- tätigkeitskonzert des gemischten Chors„Konkordia" wurde dem Fonds für die Ferienkolonien der Ueberschuß in Höhe von 271,80 M. überwiesen. Ein Antrag des Gemeindevorstandes, den Kirckplatz zu asphaltieren, da durch die Asphaltierung der Kirchstraße eine Um« Pflasterung des Kirchplatzes notwendig wäre, wurde vom Gemeinde- vorstände zurückgezogen, weil die Kirchengemeinde jegliche Beihilfe zu den Kosten verweigert. Der Kirchplatz wird somit nur um- gepflastert. Unter Mitteilungen gab der Bürgermeister bekannt, daß am 16. August die Wanderversammlung deS Vereins der Vororte hier stattfindet._ Jugendveranstaltunge». Neukölln. Sonntag, den 3. August: Havelwanderung mit Baderaft. Absahrt Bahnhos Neukölln 6.58 Uhr bis Grunewald. Fahrgeld inkl. zwei- mal ll ebersetzen 75 Pf. Jeden Mittwoch und Sonnabend von 7biSS'/, Ubr finden aus dem städtischen Spiel- und Sportplatz an der Gehgerftraße unsere Spiele statt. Arbeiterjugend Wilmersdorf und Umgegend. Sonntag, den 3. August, findet ein AuSslug nach Picheiswerder, Restaurant. Zum alten Freund" statt. Die Teilnehmer treffen sich um 7 Ubr morgens bei Seile, Brandenburaische Str. 69. Für Nach- zügler Treffpuntt mittags in PichelSwerder. Liederbücher und Proviant mitbringen._ Spiel und Sport Schwimmer. Unter polizeilicher Urberwachung fand am Freitag, den 26. Juli, in Reinickendorf eine öffentliche Schwimmerversammlung vom Arbeiter-Schwimmerverein Berlin statt mit der Tagesordnung: Die gesundheitlichen Vorteile des Badens und SchwimmenS. Schwimmgenosie Lücke wies in seinem einleitenden Referat darauf hin, daß in der preußischen Freiheit zwei Gendarmen notwendig find, um eine Aussprache von Arbeitern über den Schwimmsport zu überwachen. Während man den bürgerlichen Vereinen Stadions baut, mit Millionen fubventtoniert und sie in jeder Hinficht verhätschelt, sucht man die Arbeiter-Sportvereine durch Stellung unter Polizeiaufsicht dos zweierlei Recht klarzumachen. So ist man höheren Orts nach Kräften bemüht, unsere Agitation zu unterstützen zwecks Gewinnung neuer Mtglieder. Redner betonte, daß die Arbeiter; welche sich in dumpfen Fabriken und Werkstätten abrackern, unter gesundheitswidrigen Verhältnissen um ihren Lebensunterhalt ringen müßten, alle Ursache hätten, einem Sportverein, der zur Kräftigung und Erholung des Körpers diene, beizutreten. Da sei es besonders das Baden und Schwimmen, was von ärztlichen Autoritäten �ur Stählung. Abhärtung und Gesunderhaltung des gesamten Organismus empfohlen werde. In der Diskussion wurde über das zweierlei Recht in dem Staate der vollendetsten Rechtsgarantien Klage geführt. Statt daß Staat und Behörden das gesundheitliche Sckwimmen förderten, bestrafe man Badende, die sich der kühlen Wasserflut an nicht genehmigter Stelle anvertrauen. Statt dort Schilder zu errichten, wo das Baden mit Lebensgefahr verbunden ist, spekuliere die Staatsgewalt eiftig, wo sie die im Wasser Er- holung Suchenden mit eiuem Strafmandat beglücken kann. Die Versammlung schloß mit einem kräftigen Appell an die Anwesenden, dem Arbeiter-Schwimmverein, der dem Arbeiter-Schwimmerbund angeschlossen ist, beizutreten. « Der Ttrausberger Tchwimmklub„Welle- hielt am vergangenen Sonntag bei herrlichem Wetter sei» erste» Schwimmsest im SlrauSsee unter Mitwirkung des Schwimmvereins.Vorwärts», Berlin 1897, statt. Die Berliner waren mit zirka 140 Schwimmern, Schwimmerinnen und Gästen herbeigeeilt, um den jungen Verein nach Möglichkeit zu unter- stützen. Die Partie durch da» Annatal und daraus da» Schwimmsest waren so gut gelungen, daß man bald zu der lleberzeugung kam. im nächsten Jahre, wenn es gilt, die StrauSberger nochmals zu unterstützen, daß der „Vorwärts" es nicht versäumen wird, dies mit noch stärkeren Arme» zu tun. Die Konkurrenzen, die viel unter dem surchtbaren Sturm zu leiden hatten, zeitigten folgende Resultate: Schwimmktub„Welle". 1. Jugendbrust- schwimmen. 50 Meter. P. Gericke, 58'/, Sek. 2. Handüberhandschwimmen. 60 Meter. 81. Fürst. 55'/, Sek. 3. Juniorbruslschwimmcn. 50 Meter. R. Dinger, 59'/, Sek. 4. Jugendbrustschwimmen. 50 Meter. O. Fürst, 53'/, Sek. 5. Damcnbrustichwimmcn. 50 Meter. Wollenberg, 1 Min. 13'/, Sek. 6. Alle L�errenschwimmen. 50 Meter. W. Wolf, 1 Min. 6'/, Set. Im Wasserballspiel siegte die Mannschaft mit Kappe gegen ohne Kappe mit 2:1. AuS den ,Vorwärts"-Konkurrenzen entnehmen wir folgende Resultate: 1. Wasierballspiel. Bärwaldstraßc gegen Oderberger Straße mit 1:0. 2. Jugendrückenschwimmcn. 100 Meter. M. Klemck, 1 Min. 39 Sek. 8. Jugendseitcschwimmenl 50 Meter. E. Jahr, 50 Sek. 4. Damen- schwimmen. 50 Meter. Th. Kraft, 1 Min. 1 Sek. 5. Jugendhandubcr- bandschwimmen. 100 Meter. O. Knapp, 1 Min. 30 Sek. 6. Hauptbrust. schwimmen. 100 Meter. K. Jahns, 1 Min. 37 Sek. 7. Kurz- Strecke. 50 Meter. A. Rex, 38 Sek. 8. Äürspringen. W. Metzner, 14'/, Punkte. 9. Seniorschwimmen. 300 Meter. A. Rex, 4 Min. 58 Set. 10. Trost- schwimmen. A. Kutzer vom„Vorwärts" mit 50 Sek. Slußerdem wurde «in Reigen vom„Vorwärts" auSgesührt, welcher beim Publikum guten An- klang fand. Radfahrer. zlrbeiter-Rodfahrerbund„ZolidorKSt"(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 3. August. 1. Abt.: 5 Uhr Neurupvin. 1 Uhr PichelSwerder(Alter Freund). Start: Bülowstr. 58.— 2. Abt.: 5 und 9 Uhr Wcrlsee(Seeblick), Badctour. Start: Fontancpromenade 18. — 3 Abt.: 6 Uhr KörbiSlrug(Badetour). 1 Uhr Bohnsdorf(Billa Kahl). Start: Lausitzer Platz 12.— 4. Mt: Am 2.. IL Uhr Nachttour nach Wend. Buchholz; am 3., 12 Uhr Zwiebusch. Statt: Küstttner Platz.— 5. Abt.: 6 Ubr Tour wird am Start bekannt gegeben. 1 Uhr Steglitz(Birten- Wäldchen). Start: EIhsium.— 6. Abt. 8 und 12 Uhr Gorinsee(Bade- tour) Statt: Oderberger Straße 28.— 7. Abt.; 6 Uhr Senzig(Badctour.(Raiemann). 1 Uhr Müggelheim(Gr. Krampe). Statt: Schulst., 29, — 8 Abt,: Früh 1 Ubr Sprecwaid(Lübbenau). 1 Uhr Neu-Tabendors (Sceschloß). Start: Rostocker Sir, 28,— 9. Abt,: 8 und!>/, Uhr Hirsch. garten(Tabbett), Statt: Schillmgstraße 22,— 10, Abt,: 8 llhr Wachow. 1 Uhr PichelSwerder(Alter Freund). Statt: in Liebenwalde und lart: Brandenburger Tor. Große Franlsurter Str. 30. Bezirk 21. Am 3. August: Sommersest Hennickendorf bei Herzselde.. �, Neukölln. Am 3., 8 Uhr Senzig. Start: Hohenzollernplatz mittag 1 Uhr Sadowa. Nach- Am 3., früh 6 Uhr Voigts Krampen» Start: Türrschmidt-, Ecke Lessing» Uhr E h a r l o t t e n b u r g. Arn 3., früh 5 Uhr Rundtour nach Spandau— Gr.-Glienicke— Potsdam und zurück. 1 Uhr Tegelort(Badetour). Wilmersdorf. Am 3., früh 6 Uhr Crosfinsce(Badetour). Lichtenberg. Am 3., früh 5 Uhr Wilder Mann. 12'/, Uhr Hennickendorf. Start: Psarrstr. 74. Stralau-Rummclsburg. bürg und Hennickendorf(Wachtclburg). straße. Pankow. Am S., früh 6 Uhr Matz— Grabowsee(Neubert). 12'/, Birkcnwerder Paradiesgarten). Treptow-Baumfchulenweg. Am 3., früh 5 Uhr Sakrow— Gladow— Potsdam. Start: Treptow bei Kimmel. W e i ß e n s e e. Am 3., früh 7 Uhr Schöneichc(Mann). Start: Ber« liner Allee 251. Reinickendorf. Am 3. August, Sammelstatt: 8»/, Uhr bei Anders, Hauptstraße. Oder-Schöneweide. Sonntag, den 3. August: Pflichttour nach Hennickendorf— Wachtelburg. Start 12 Uhr. Zu allen Touren und Veranstalwngcn: Gäste willkommen. Arbeiter-Radfahrerverein Groft-Berli». Am 3. August, früh 3 Uhr nach Oderberg— Freienwalde; um 4 Ubr nach Freienwalde: um 1 Uhr mittags nach Biesdors-Nord. Starts am Mariannenplark. Anschluß- start: Bahnhos Wcißensee und Niederbarnimstr. 14. Turner. Frei� Durnerschaft Wittenau. Sonnabend, den 2. August: Nachtpattie nach Rüdersdorf(Kalkberge). Treffpunkt 9 Uhr, Bahnhos Wittenau. Gäste herzlich willkommen. Der Turiivcrei«„Frot, und Frei". Lichterfelde, seiette am Sonntag, den 27. Juli, sein in allen Testen gut vettauseues 15. Slistungssesi. Vormittags fand ein Dreilamps(Kugelstoßen, 50 Meter-Laus. Wcilhoch» sprung) statt. Bester wurde von den Männern mit 63 Punkten Bcrgau-Lankwitz. Zweiter mit 57 Punkten Reez-Lichtcr- s e I d e. Bon den Frauen T n r n s ch w. G i e s e mit 34 Punkten. Ein Fußballspiel Luckcnwalder Britannia— Lichterselde endete mit dem>sicge von Lichterselde 9:1.— Die Resultate der Wettspiele vom Nachmittag sind: Faustball: Friedenau— Lichterselde I 121:122. Wilmersdorf— Lichterselde I 87: 87. Steglitz— Lichterselde II 72: 67. Lankwitz- Lichterselde II 72:57. Tellow I— Lichterselde III 55: 46. Barlaus: Lankwitz— Lichterselde 34: 22. Die Nordabteilunge« deS Turnvereins„Fichte" oeranstalten am Sonntag, den 3. August, 2'/, Uhr, aus dem.Fichte"-Sportplatz in Reinickcn- dors, Tbuncrstraße am Schüsersec, Mannschaslskämpse in Springe», Kugelstoßen, Stasettenlaus und Tauziehen. Faustball, Barlauf und Raffballwett» spiele vervollständigen das Programm. Märkische Spictvereintgung. Bezirk Groff-Berlin. Am kommen- den Sonntag stehen sich Reinickendorfer Ballspielllub und „VorwärtS'-FriedrichShagen im Reisespiel für die 1. Klasse gegenüber, in Wcißensee, Rcnnbahnftr. 40. Nachmittags 5 Uhr. Arbeiter-Durnerbund, 4. Bezirk. Sonnlag. den 3. August: Spiel- und Sportfest in Luckenwalde. Programm: Leichtalhlctischc Wetilämpsc im Ltcinstoßen, Stabspringen, Weitspringcn, Schleuderballwcitwerfen und Hindernislausen für Männer, Turnerinnen und Jugendliche. Wettspiele aller Art sowie Stascltenläuse. Ansang morgens 7 Uhr. Die Grotz-Berliiier Vereine fahren Sonnabend um 5 oder 7 Uhr vom Anhalter Bahnhof oder Groß-Lichterselde. Wanderer. Arbeiter- Wanderbund„Die Natursreuiidr». Sonntag, den 3. August: 1. Angermünde— Wolletzsee— Glambecker Mühle— Fh. Bärendille— Joachimsthal(Nachttour). Abfahrt Sonnabend, abends 9.15 Uhr, Stettin er Fcrnbahnhos.— II. Bernau— Liepnitziee— Hellsee— Rüdnitz. Ab« fahrt Stettiner Vorottbahnbos 6.04 Uhr vormittags.— III. Schwante— Beetz er See— Erüneberg. Abfabtt Stetliner Fcrnbabnhos 6.46 Uhr"or* mittags.— IV. Potsdam— Caputh— Lienewitzsee— Michcndors. Abfahrt Bahnhof Friedttchstraße 6.17 Uhr vormittags.— V. Tegel— Dampsersahrt nach Rieder-Neuendoss— Fb. Blockbrücke— Hennigsdorf. Treffpuntt: Tegel (Endstation der Straßenbahn), 2 Uhr nachmittags. Gäste willkommen. Ardeiter- Touristeiiverein„Die Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. I. Sonntag, den 3. August: Oberspreewaldsahtt. Vetschau— Naun- dors— Burg— ForslhauS Eiche— Kanomühte— Lübbenau. Absabrt nach Vetschau am Sonnabend, abends 7.15 Görlitzer Bahnhos. Uebernachten in Naundorf beim Gastwitt Krüger.— II. Fürstenberg— Stecklinsee—Mrstcn- berg. Abfahrt nach Fürstcnberg vom Stettiner Bahnhos 5.36. Gäste stets willkommen. Arbeiter- Wanderverein Berlin. Sonntag, den 3. August: Wanderfahtt zum Kloster Chvttn und dem Noturschutzparkgebiei Plagcsciin. Absahrt 5.59 Stettilier Hauptbahnhos bis Chortnchen. Sonnlagskarte töicn. Besichtigung der Kloslmuine— Klostersee— Plagescnn— Forst HauS Liepe— Cborinchen. Gäste willkommen. Tetlnedmerkatten a 5.75 M. zu unseret am 17. August stattfindenden Oberspreewaldsahtt(Bahnsahtt 3. Irlasse und Kuhnsahrt, keine Fußwanderung) sind in unseren Zahlstellen Fritz Wählisch, Skalitzer Str. 22 und Georg Weihnacht, Grünstr. 21, zu haben. * Ardeiter-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin. 4. Abt. Donnerstag, den 7. August, Lichtenberg, Schorn- weberstr. 60, bei Pickenhagen. Berlin, 5. Abt. Neukölln, Freitag, den 1. August, Wcichselstr. 8, Jbealkasino. N o w a w c«. Montag, 4. August, Wilhelm-, Ecke Friedrichstraße. bei Schmidt. Abt. Potsdam: Mittwoch. 6. August, Kaiser-Wilhelm-Straße � S�pand««. Mittwoch. 6. August, Pichelsdorser Straße 5. bei Dannc- �Martendorf. Montag. 4. August, Thauffeestr. 27, Restaurant 5Ur© chöneweide. Montag. 4. August, Siemensstraße 12 bei Schulz. Marktpreise von Berlin am 30. Juli 1913. nach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,72 bis 20,80, mittel 20,56— 20,64, geringe 20,40— 20,48 Roggen, gute Sorte gg yg— 00,00. mittel 00.00—00.00, geringe 00.00-00.00(ab Bahn). Futter. aevfte, gute Sötte 17,20— 17,60, mittel 16,70— 17,10, geringe 16,20— 16,60. Hafer, gute Sorte 17,70— 19,10, mittel 16,60— 17,60. Mais(mixcd), gute Sötte 00,00-00,00. MaiS(runder), gute Sötte 14,70—15,30. Richtftroh 4 9g— 5,00. Heu, alt 0,00, neu 6,00—7,60. Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Koche» 30,00—50,00. Sveisebobnen, weiße 35,00—60.00. Linsen 35,00-60,00. Kattoffeln(KIeinhdI.>�5,00— 12,00._ 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule WitterungSüdersicht vom 31. Juli 1S13. Stattonev X s f|E h c a il ef Bettet Swincmde. 763 NO Hamburg 764 O Berlin 763N Franks. a.M 762 NO München �' Wien 760NO 760 N 2 wolkenl LiDunst Liwolkenl 1 wolkenl 4 wolkenl 2 wolkenl ä H Hi «wtionc» -I 15 Sf L Saparanda 759;® ctersburg 76l|D®D Scillq Abcrdeen PattS 761 NO 786 SSO 75siSSW Bettet ** «:•* ti Sbedeckt Icheiter Lwolkig Ldedeckt Ichalb bd. 16 16 16 13 18 j i uv/|vv|_ iDtuicni i_ g,— ffir deu 1. Äugust 1913. Äuttrtrfifi i/ s etwas wärmer bei ziemlich lebhaften A.M' füd. der Landesanstalt für WafferftandS-Rackrichteu ea-mälleriunde, mitgcielit vom Berliner Wetterburean Wasserstand M e m e l, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Tborn Oder, Ratibor Krassen Frankturt «"'»•■SSS, if.'.vÄsr ' Dresden " Bardo Magdeburg Wasserstand Saale, Havel. Spandau') . Rathenow') Spree, Spremberg') » BeeSkow Weser, Münden . Mmden Rhein, Maximiliansau , Kaub . Köln Neckar, Heilbromi Main. Hanau Mosel, Trier «llfre». Wittum. Neulllltt. Fui de» Üniei(Ue;u?U weanitt.; Th. Glocke, Berlw. 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