Nr. 196. BbonnementS'Bedingungen: ESoraiemmlä• Preis pränumerando! Lierteljährl. 8L0 MI, monatl. I,l0 MI, wöchentlich 2S Pfg. frei inS HauZ. Emzelnc Nummer ö Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post- Wonnement: l,10 Mar! pro Monat. Singetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Marl, für daS übrige Ausland 4 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen am Belgisn. Dänemarf, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Siumänien, Schweden und die Schweiz. kilcheint lZglich. 30. Jahrg. v-' Verlinev Volksblskt. Die Infertions-Gebüljr Beträgt für die sechSgespallene Kolonel. zeile oder deren Raum 60 Pfg, für politische und gewerlschaslliche Vereins- und VersannnlungS-Anzeigcn SO Pfg. „Kleine Hnreigen", das scttgedruilie Wort 20 Pfg. szulässtg 2 fettgedruckie Worte), jedes weitere Wort>0 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort lO Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lSBuch. i laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müsse» bis > Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SozUliteniolirat Berlin". Zcntratorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfcblands. Redaktion: 8 AI. 68, Lindenstrasac 69. Fernsprecher: Amt Moristpla», Nr. 1983. Sonnabend, den Ä. Augnst 1913. Expedition: 8 AI. 68, Lindenstraese 69. Fernsprecher: Amt Moritzplast, Rr. 1981. Kanägloilen zm Krupp-Prozeß. Ter„Vertreter des Vertreters". Hllute debütierte im Prozeß, der bis �3 Ubr nachmittags wiederum öffentlich verhandelt wurde— soweit man in der Schwitzbude in der Lehrter Straße von Oeffentlichkeit reden kann—, das Wundertier: der Zeuge Brandt. Wer eine weltgewandte, faszinierende Persönlichkeit erwartet liatte, war einigermaßen enttäuscht. Daß von diesem Manne die große Suggestion ausgegangen sein kann, ist ausgeschlossen. Es gibt Hotclportiers, die so aussehen, wie sich naive Gemüter Ge- Heimräte und Minister vorstellen: ganz Würde, Feierlichkeit, Dlstinktion. Dieser Mann verleugnet in nichts den ehemaligen Zeugfeldwebel. Nicht die bestechende Persönlichkeit, nicht die berückenden Umgangsformen wirkten hier das Wunder, son- dern der Nimbus der Firma, als deren Verkörperung Herr Brandt auftrat.. Dainit soll der inneren Tüchtigkeit, will heißen der Geschäftstüchtigkeit und den technischen Fähigkeiten des Brandt natürlich kein Stäubchen geraubt locrden. Wie er erzählte, lxit er seine Fachkenntnisse unermüdlich durch eifrigstes Stu dium zu erweitern verstanden. Für ihn gab es kein Konstruk- tionsgeheimnis, kein Geschäftsgeheimnis der allmächtigen Millionenfirma. Restlos weihte man ihn in die letzten In timitäten des Betriebes ein, hoffend, daß Brandt dies Vertrauen durch Erkundung fremder Geschäftsgeheimnisse lohnen werde. Und Brandt hat diese Erivartungen ja auch restlos erfüllt. Jenseits des Atlantischen Ozeans, wo nicht Rang, Titel, Bildungsdiplome und andere Belanglosigkeiten, sondern In- telligenz und Geschäftstüchtigkeit auch dem Manne aus kleinen und kleinsten Verhältnissen unbegrenzte Möglichkeiten des Aufstiegs eröffnen, hätte es Brandt vielleicht zu einem In- duslriekapitäne großen Stils gebracht, zum Dirigenten und Organisator. In der großen preußischen Kruppkaserne machte er zwar auch rasch Karriere, aber er blieb doch � wenigstens rer Form nach— Subalterner und Werkzeug in der Hand anderer, die sich selbst nicht' die aristokratischen Finger schmutzig machen wollten. Im Jahre 1898 ging Brandt, bis dahin simpler Zeug- feldwebel bei der Artillerie-Prüfungskommission mit vielleicht 2009 M. Einkommen, zur Kanonenfirma. Hier wurde er bald Bureauchef einer wichtigen Abteilung, der die Hütung der wichtigen Konstruktionsgeheimnisse der Firma und des Staates oblag. 1998— also 8 Jahre nach Abgang vom knickrigen Kommiß— hatte er bereits 3209 M. Einkommen. In demlelben Jahre kam er als„Assistent" des Herrn V. Schütz, des Leiters des Berliner Bureaus der Firma Krupp nach Berlin. Hier erhielt er 3590 M. Gehalt, dazu 1999 M Weihnachtsgratifikation und..Funktionszulagen", die sich jährlich in die Tausende beliefen. 1909 bereits bekam er 6390 M. Gehalt. 2909 M. Weihnachtsgratifikation und 3399 Mark feste„Funktionszulagen". Außerdem wurde ihm dann noch eine Jahreszulage von 1990 M. zugesichert, die ihm allerdings erst nach 19 Jahren ausgezahlt werden sollte. Herr Brandt für seine Leistungen zuletzt über 13 909 M. lährlich— der ehemalige Zeugfeldwebel, der vor einem mutzend Jahren noch nicht den sechsten Teil dieses Einkomniens hatte! -~ wußten angeblich seine Vorgesetzten selbst nicht! Herr Direktor Budde meinte, wohl deshalb, da- mit er die Krähenfüße des Herrn v. Schütz, der eine miserable Handichrist schrieb. Verbestern könne. Komisch wie unprak- tisch selbst Weltfirmen sein können! Die Krupp-Direktoren wußten nicht einmal, daß die Anschaffung einer Schreib- machine entschieden billiger gewesen wäre. Oder wußten die Herren Direktoren doch besser, was ihnen der Brandt wert war? Sie bezogen ja seit 1906 seine' Korn- Walzer". Sein direkter Vorgesetzter, Herr v. Schütz, brachte ihn ja selbst auf die Fährte der Spionage, indem er ihm nahe- legte, die Konkurrenzpreise in Erfahrung zu bringen Daß die nur durch gröblichsten Vertrauensbrnch der Zeug- osfiziere zu erlangen waren, mußte ihm doch klar sein. Und bie„Kornwalzer", die den Krupp-Direktoren seit vielen Jahren bekannt waren, enthielten ja noch viel mehr, nämlich auch Konstruktionsgeheimnisse der Militärverwaltung und an- derer Firmen, für deren Verrat die drakonischsten Para- grapben des Militärstrafgesetzbuchcs in Betracht kamen! sollte man etwa dafür dem ehemaligen Zeugfeldwebel w rund 10 909 M. Gehalt gezahlt und 3399 M.„Funktions- zulagen gegeben haben? - Zf" behüte! So was kann doch nur ein ruchloser Sozi C"«?! doch Herr v. Schütz seinem Brandt streng per- 2• r�renhafte Mittel in Anwendung zu bringen, da " Ä blank bleiben" müsse. � ..' Quo wirklich gespannt darauf, wie sich das suchen wird f � rätselhaften Dinge zu erklären der- Glicht zur Sache gehörig? ferÄ Qlj°b das Kriegsgericht vorsichts- halber den obigen kitzlichen Problemen im weitesten Bogen aus Weg Zu gehen gedenke. Es gibt ja in Moabit auch noch Zivilrichter. Mögen sich die doch den Kaps zerbrechen! Nach unierer ja freilich ganz unmaßgeblichen Laienansicht wäre es gerade die Hauptaiifgabe der militärgerichtlichen Untersuchung, nicht nur die Handlanger bei den Straftaten zu ermitteln, sondern auch die Anstifter. Als aber am Frei- tag einer der Verteidiger der Angeklagten die schon längst nach solcher Formillierung schreiende Anfrage stellte, ob denn der Zeuge Brandt nicht der Ansicht sei, daß doch auch den Direktoren der Firma Krupp bekanilt sein müsse, daß seine Auskünfte nur durch den„kameradsdjaftlichen Verkehr" mit den zum Schweigen verpfliditeten aktiven Militärpersonen zu erlangen gewesen sein könnten, winkte der Verhandlungs- leiter sofort energisch ab. Solche Feststellungen zu machen sei Sache des Z i v i l g e r i ch t s. das ja auch gegen Brandt zu verhandeln habe. Formal mag das ja richtig sein. Ob es aber auch der Sache dient? Ob man nicht gerade durch zeugen cid- liche Vernehmung der Herren Direktoren sowie der Herren v. Schiitz, Draeger, nanientlich aber auch des Herren v. M e tz e n, allerlei interessante Anhaltspunkte für ein Einschreiten gegen weitere Militärpersonen er- halten könnte? Daß aus Herrn Brandt, der ja nicht eidlich vernom- men wird, und der— von allen sonstigen recht naheliegenden Rücksichten abgesehen— auch deshalb nicht auszusagen braucht, weil er ja eventuell sich selbst schwerer belasten tönnte, nichts herauszuholen ist, ist klar. Er will es— Gemütsmensch, der er ja ist— des Skandals genug sein lassen. Für die Militärbehörde aber, die einen Augiasstall auszu- schwemmen hat, kann gar nicht genug des Skandals aufgedeckt werden. Und zwar nin der Staatssicherheit und des mili- tärdienstlichen Interesses willen! Der Fall Pfeiffer. Der Jntendantursekretär Pfeiffer ist der ranghöchste der Angeklagten. Er bezieht 3139 M. Geholt und stand un- mittelbar vor der Beförderung. Es soll gleich Brandt ein überaus tüchtiger und auf seine Fortbildung bedachter Be- amter gewesen sein. Kein Wunder, daß ihm da sein Pech besonders nahe geht und er seine verhaltene Erregung nur mühsam zu.ineistern vermag. Er bestreitet— im Gegensatz zu allen anderen Auge- klagten— jegliches Verschulden. Er will ein schnödes Opfer seines ehemaligen Jugendfreundes und Treugescllen Brandt geworden sein. Nie soll ihm, auch im angeregtesten Fach- gespräch mit seinem Intimus Brandt nicht, ein Dienstgeheim- nis unbedacht über die Lippen geschlüpft sein. Brandt da- gegen, obwohl er am Freitag all seine früheren höchst präzisen Geständnisse wieder zurücknahm, bezeichnet Pfeiffer als die einzig mögliche Quelle kompromittierender„Kornwalzer". Pfeiffer warf Brandt deshalb„Gemeinheit" und„Perfidie" vor. Er könne sich die unbegreifliche Treulosigkeit seines Busenfreundes nur so erklären, daß Brandt ihn opfern wolle, um seine Firma oder— andere, noch unbekannte Schuldige zu schonen. Aehnliche Andeutungen— wenn auch nur höchst vor- sichtig— haben auch die anderen Angeklagten gemacht. Brandt, so sagten sie einmütig aus, habe ja bereits alles Wesentliche gewußt und ihrer Mitteilungen nur zur Bestäti- gung bedurft. Vielleicht hat Brandt also auch noch andere O u e l l en gehabt. Auch will er ja so inancherlei von seinen Vorgesetzten, den Herren v. Schütz und anderen, erfahren ljaben. Woher hatten denn aber d i e ihre Wissenschaft? Sollte nicht einmal in d e r Richtung ein energischer Ermitte- lungsversuch einzuleiten sein? Apropos: Wenn wir recht gehört haben— über den Punkt ging man ja so rasch hinweg, daß ein Irrtum nicht ausge- schlössen ist—, bezog Herr v. M e tz e n, der„Vorgesetzte" Brandts, sogar 15 990 M. Repräsentationszulage. Wozu hatte denn der Herr so viel Geld nötig? Wenn man einmal in die Geschäftsgeheimnisse der Firma Krupp hineinleuchtet, sollte man auck) alle Winkel durchleuchten! Zeugniszwang gegen die Zeugin Brandt. In wohlgerundeten Perioden und mit großer Zungen- geläufigkeit beantwortete die Gattin des Zeugen Brandt alle Fragen, auf die ein besonderes Gewicht nicht zu legen ioar. Als der Vertreter der Anklage sie jedoch darüber inquirierte, ob nicht etwa von den Angeklagten direkt oder indirekt, münd- lich oder schriftlich ihrem Manne gegenüber der Versuch einer Zeugenbeeinflussung gemacht worden sei, verweigerte sie die Aussage. Ihr Rechtsbeistand habe ihr gesagt, daß sie solche Fragen nicht zu beantworten brauche. Auch nachdem ihr der Gerichtshof klargemacht hatte, daß sie kein Recht zur Zeugnis- Verweigerung habe, da ja hier nicht ihr Mann unter Anklage stehe und ihre Aussage also keine Belastung ihres Mannes sein könne, konnte sie sich nicht zu einer Auskunft verstehen. So wurde ihr denn schließlich Bedenkzeit bis zum anderen Morgen gewährt. Ihre Aussage dürfte unter Umständen recht interessant sein. Uebrigens möchten wir es für angebracht halten, wenn die Fragen an Frau Brandt nicht so gefaßt werden, ob die Angeklagten oder irgend sonst jemand in deren Jnter- esse eine Beeinflussung des Zeugen Brandt versucht haben, > andern ob Frau Brandt auch sonst Kenntnis von irgend- welchem Versuch irgendeiner anderen Seite erlangt hat, auf die Zeugenaussage ihres Mannes irgendwie einzuwirken. » ,., Auch die Freitagsverhandlung endete wieder niit Aus- schluß der Oeffentlichkeit. Sie Mareiter prkdensMrnnz. Die zweite Sitzung. Bukarest, 31. Juli. Tie zweite Sitzung der Friedenskonferenz fand heute nachmittag um 4 Uhr statt. Vorher hatten die rumänischen Delegierten in einer vertraulichen Konferenz endgültig die Punkte an der Grenze, deren Abänderung von Rumänien verlangt wird, topogra- phisch festgelegt. In der Plenarsitzung stimmte die Konferenz dem Protokoll der vorhergehenden Sitzung, das von allen De- legierten unterzeichnet wurde, zu. Ministerpräsident Ma- j 0 r e s c u machte den Vorschlag, daß die Mitglieder der Kon- ferenz sich in einer den strittigen Punkten entsprechenden Gruppierung gegenseitig in besonderen Sitzungen Vorschläge machen sollten, derart, daß die hauptsächlichsten Fragen be- reits erörtert und geklärt vor die Konferenz zurückkämen. Die Führer der Missionen stimmten diesem Vorschlage zu. Tie neue bulgarisch-rumiinische Grenze. Bukarest, 1. August. In der gestrigen Konferenz zwischen den rumänischen und den bulgarischen Delegierten wurden Einzel- heilen erörtert,, insbesondere in bczug auf die Feststellung vcr neuen Grenze Turtukai-Dobritfch-Baltschik, die über die genannten Orte durchschnittlich 10 Kilometer vorgeschoben werden soll. Die neue Grenze wird beim Tal des Tekederr bei Turtukai beginnen und im Tal des Ekrene bei Baltschik enden. Sodann wurde die Frage der Aromuncn in freundschaftlicher Weise erörtert. Die Ansprüche Montenegros. London, 31. Juli.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Bei der Sitzung der Bvtschafter-Vereinigung am Donners- tag der vorigen Woche hatten die Botschafter von der Erklä- rung des montenegrinischen Bevollmächtigten Woinowitsch Kenntnis genommen, daß sämtliäje montenegrinischen Trup- Pen Albanien geräunit hätten. Die Botschafter waren dahin übereingekommen, an die Regierungen der Großmächte die Bitte zu richten, daß sie ihre Montenegro wiederholt ge- gebenen Zusicherungen, in eine internationale An- leihe an Montenegro zu lvilligen, bestätigeil und Montenegro bei den Entwässerungsarbeiten am Skutari-See unterstiitzen möchten. Man glaubt, daß die Anleihe sick) auf dreißig Millionen Francs belaufen wird, die zu gleichen Teilen unter die seckjs Mächte verteilt werden. Monte- negro hat die Mächte daran erinnert, daß es als Grenz- berichtigung die von dem Stamm der�Elementi bewohnte Enklave mit Vraka am rechten Ufer des Skutari-Sees wünscht und außerdem das rechte User der Bojana. Montenegrinische Kreise versichern, Montenegro werde diese Grenzberichtigungs- Ansprüche bei den Friedensverhandlungen in Bukarest in be- stimmtester Form vertreten. Die letzten Kämpfe vor dem Waffenstillstände. Belgrad, 1. August. Das serbische Preßburcau meldet: Ter Waffenstillstand hat den Kampf auf der ganzen Front von Widin an der Donau bis Zarcwo Selo an der Bregalnitza unterbrochen. Vor Widin haben die serbischen Truppen in der Nacht vom 30. zum 3l. Juli die belagerte Stadt bombardiert. Der Kampf hat gestern von früh bis mittag bis zu dem Augenblick fort- gedauert, da der Kommandeur der serbischen Timok-Truppen Parla- mentäre nach Widin sandte, um den Bulgaren mitzuteilen, daß der Wasfenstillstand am Mittag beginne. Ferner haben die Bul- garen zwei vergebliche Angriffe versucht, auf der Linie Pirot— Deschtschani— Kladenatz und bei Wlassina. Die Anstrengungen der Bulgaren, auch nur ein wenig vorzurücken, waren vergeblich, obwohl sie verzweifelt kämpften. Bei Egri Palanka, wo sie ihre sämtlichen Streitkräfte ins Treffen führten, gelang es den Bulgaren für einen Augenblick, mit ihren vordersten Linien vorwärtszukommen, doch ließ das heftige Feuer der serbischen Artillerie die letzten bulgari- scheu Versuche scheitern. Die Bulgaren haben die serbischen Stellungen bei Grlen dreimal angegriffen, sind jedoch jedesmal mit ungeheuren Verlusten zurückgeschlagen worden. Die Cholera im rumänischen Heere. Bukarest, 1. August. Bis gestern abend sind sieben Cholerafälle in der rumänischen Armee festgestellt worden. Der türkische Thronfolger in Kirkkilisse. , Konstantinopel, 1. August. Ter türkische Thronfolger ist in Kirkkilisse eingetroffen und feierlich empfangen worden. Das türkische Problem. AuS Konstantinopel wird uns geschrieben: Selten sind der Nationalismus und der religiöse Fanatismus so blutig ad absurdum geführt worden, wie in diesem Kriege. Dieser neue Krcuzzug endete damit, daß in den von der türkischeu Armee aufs neue besetzten Gebieten die Türken als Christen- befreier aufgenommen werden. Die Geistlichkeit bezeugt das! Die christliche Geistlichkeit und neben der auch der jüdische Groß« rabbiner von Adrianopel! In einem Schriftstück, das sie im Namen der Bevölkerung an den Großwefir gerichtet haben, erklären sie, sie seien.glücklich", wieder unter die Herrschaft der türkische» Regierung zu gelangen.„Heute sagen wir dem Allmächtigen mit Tränen in den Augen Dank für unsere Rettung und dafür, daß er Ihnen erlaubt hat, uns und unser Gebiet den Händen des Feindes zu entreißen". Wenn man liest, was das erwähnte Dokument über die bulgarische Wirtschaft in Adrianopel berichtet, so wird man allerdings diesen Jubelausbruch nicht ganz unbegreiflich finden. Danach wurden don den Bulgaren vor ihrem Rückzug aus Adrianopel.48 griechische Einwohner mit gebundenen Händen in die Maritza geworfen". Einige Griechen sollen von den Bulgaren lebendig verbrannt worden sein. Dies alles wird bestätigt: für die muselmanische Gemeinde vom Mufti Achmed Nun, für die griechische Gemeinde vom Metropoliten Polikarios, für die armenische— von der armenischen Nationalverlretung, für die jüdische— vom Großrabbiner Chaim Bechar. Vor mir liegt eine Liste der Getöteten und Ver- wundeten während deS jüngsten Massakers in Malpera in der Umgegend von R o d o st o. Die Liste ist von der Kommission aufgestellt worden, die das armenische Patriarchat an Ort und Stelle hingesandt hatte. Zwölf Tote, zehn Verwundete— alle nach Namen, Profession und Alter angeführt neben Angabe der näheren Momente des Ueberfalls. Außerdem gibt es noch mehrere Ver- mißte. So nahmen die Türken ihre Revanche. Als Vergeltung hat jetzt die türkische Regierung einige Muselmanen zum Tode und zur Zwangsarbeit verurteilt. Das soll den übrigen Armeniern den Aufenthalt in der Türkei angenehmer machen! Ob türkisch oder bulgarisch, im Interesse der Bevölkerung läßt sich nur Ä; i» e Forderung aufstellen: Aenderung deS Regimes hier wie dort! Bahn frei der Demokratie! Abschaffung der Pfaffen Herrschaft, die sich auf den Fanatismus, der Banditenherrschaft, die sich auf den Nationalismus stützt? � Da meldet sich nun ungerufen der russische Chauvinismus und empfiehlt als Heilmittel für die Wirren des BalkanS d i e Schwächung der Türkei. Adrianopel— erklärt die russische Presse— müsse der Türkei genommen werden, weil fie sonst zu stark werde. Aber wenn die Türkei wieder erstarkt, so ist das doch in hervor- ragendem Maße russische Arbeit— Arbeit der zarischen Diplomatie, die den Krieg gegen Bulgarien zielbewußt vorbereitete. Die Sache wurde fteilich ein bißchen anders, als man eewartete,— aber das ist eben das Unglück der Diplomatie, daß selbst, wenn sie Erfolg hat, die Dinge doch ein bißchen anders werden. Skizzieren wir kurz den Weg der Diplomatie in den letzten Jahren. Als die Türkei durch die Revolution zu neuem Leben zu er- wachen schien, machte sich- die zarische Diplomatie daran, ihr Hinder- nisse in den Weg zu legen. Sie verhinderte eine Anleihe in Paris. um die Türkei finanziell zu schwächen. Als das Geld dennoch durch Vermittelung eines deutschen Konsortiums beschafft wurde, schuf die zarische Diplomatie die Potsdamer Uebcreinkunft, die eine neue, für die Türkei ungünstige Orientierung der deutschen Diplomatie bedeutete. Das diplomatische Ziel wurde erreicht: die Türkei wurde geschwächt und ihrer politischen Stützen beraubt. Bulgarien organisierte die Bandenbewegung in Mazedonien, Oester- reich unterminierte Albanien. Aber es wurde am Ende doch ein bißchen anders, indem die Schwäche der Türkei Italien zur Okkupation Tripolitaniens reizte. Aus der Okkupation entstand ein langwieriger Krieg. Darauf war man nicht gefaßt. Doch schließlich wurde das Ziel der italieni- scheu Diplomatie erreicht. Jndeffen wurde aber der Balkankrieg entfesselt. Dem Balkanlrieg ging der Balkanbund voraus, an dem die russische Diplomatie mitarbeitete. Der Erfolg war über- wältigend, doch führte er gerade deshalb zu einer außerordentlichen Erstarkung Bulgariens.' Jetzt arbeitet die zarische Diplomatie daran, Bulgarien zu schwächen. DaS gelang nur durch den neuen Balkankrieg. Aber Bulgarien wurde total zerschmettert— wiederum ein bißchen anders als man erwartete. Jetzt will die zarische Diplomatie die Sache dadurch bester machen, daß sie auf der anderen Seite die Türkei schwächt. Auch dieses Spiel wird zu dem gleichen unvorhergesehenen Ergebnis führen. Das dauert aber schon viel zulange und die Situation wird für Europa selbst immer kritischer! Das beste ist, man laste die Dinge wie sie sind, und mache Schluß! „In der Presse wird neuerdings darauf verwiesen, daß ein Beamter des Ministeriums des Aeußeren, der mit Minister Frei- Herrn v. Hertling im März in Berlin weilte, um die vielbesprochene Affäre Phönix-Ballin wisse und über sie dem Abgeord- neten Erzberger Informationen gegeben habe. Demgegenüber sind wir zu der Erklärung ermächtigt, daß der betreffende Beamte, Legationsrat v. Stockhammern, den Direktor der Hamburg— Bmerika-Linie Ballin nicht kennt und daß er weiter mit dem Abgeordneten Erzberger nur jene Worte gewechselt hat, die bei der Vorstellung unter Fremden üblich und her- gebracht sind." Ob Herr Erzberger den Vorwurf, die Geschichte von dem Ballin scheu Angebot frei erfunden zu haben, auf sich sitzen lassen wird. Das militärische Submisfionswesen. Die vom Reichstag verabschiedete Militärvorlage enthält viele Millionen Mark für die erforderlichen Neubauten. Die Art, wie diese Arbeiten vergeben werden, findet nun aber anscheinend nicht die Billigung der Baubeflissenen an den einzelnen Orten. Statt daß die Militärbauverwaltung die Arbeiten einfach in Submission aus schreibt und sie dann zu einem mittleren Preise vergibt, arbeitet sie mit dem System der beschränkten Submission. Eine kleine Anzahl Firmen werden ausgewählt und aufgefordert, ihre Kostenanschläge einzu reichen. Die Ringbildung unter den Submittenten wird dadurch geradezu gefördert, denn es kann den Jnterestenten nicht schwer fallen, festzustellen, welche Firmen zur Submission eingeladen wurden. In einer Zuschrift an das„Berliner Tageblatt' wird über dieses System lebhaft Klage geführt und diese Klagen scheinen um so bracht- licher, als auch auf folgenden Umstand hingewiesen wird: „Daß bei Aufstellung der Unternehmcrliste Beziehungen und sonstige gute Eigenschaften eine große Rolle spielen, braucht nicht erst gesagt zu werden. Wie schwer ist es z. B. schon, über den Registrator an den Regierungsbaumeister heranzukommen! Um sich das leichter zu gestalten, haben einige große Firmen, die bis- her auch noch nicht für die Militärbehörde gearbeitet haben, Regierungsbaumeister als Vertreter eingestellt; eine Groß-Ber- liner Firma leistete sich sogar einen ehemaligen„Garnisons- b a u m e i st e r". Speziell bei Arbeiten, wo militärisch« Geheim- nisse nicht in Frage kommen, müssen wir fordern, daß weiten Kreisen Gelegenheit geboten werde, sich daran zu beteiligen. Dies kann aber nur durch öffentliche Submission geschehen. Auch nur dann kann die Militärbehörde auf preiswerte Angebote rechnen; denn zu leicht können sich die Firmen bei beschränkter Submission über die Preise einigen." Man sollte meinen, das, was der Krupp-Proxeß schon jetzt ge- zeitigt hat, sollte den Militärbehörden Anlaß geben, von dem seit- herigen System der Vergebung von Arbeiten abzugehen und den freien Wettbewerb zuzulassen. Mit Recht ist es im Reichstag schon wiederholt kritisiert worden, daß höhere Marineoffiziere sich pen- sionieren lassen und dann bei privaten Werften hochbezahlte Stellen annehmen. Diese Herren werden von der Privatindustrie nicht etwa deshalb übernommen, weil man bei ihnen größere Sachkunde vor- aussetzt, sondern nur der Verbindungen wegen, die sie haben. Wenn z. B. der Herr Regierungsbaumeister oder der Herr Garnisons- baumeister a. D. bei einer militärischen Baubehörde vorspricht, dann ist das natürlich etivas ganz anderes, als wenn ein einfacher Bau- meister kommt, der so ganz ohne Beziehungen ist oder vielleicht gar politisch nicht einwandfrei erscheint. Ich hege jedoch die bestimmte Erwartung, daß solche Fälle nicht mehr vorkommen loerden, da ich sonst gegen die Ansiedler, die ihre nationale Pflicht vergessen, mit allen mir zur Verfügung stehenden Maßregeln vorgehen werde. (Unterschrift unleserlich.) An den Ansiedler Herrn..... in...... Hofft man etwa durch diesen Terror den imDreck stecken gebliebenen Karreu der preußischen AnstedlungSpolitik wieder flott zu machen. Die schönen Millionen preußischer Steuerzahler sind nun einmal ohne Erfolg verpulvert und können selbst durch solche ZwangSmaßregeln nicht wieder herbeigeschafft werden. Im Gegenteil, die Nationalitäten- gegensätze werden durch den von Amts wegen betriebenen Boykott bloß weiter verschärft._ Landtagsabgeordneter Wenke und Z�rhr. v. Wangenheim. Im Laudtagswahlkampf soll der fortschrittliche Abg. Menke in einer Wählerversammlung in S t o n s d o r f im Riesengebirge von dem Bundeshäuptling Wangenheim behauptet haben, daß er ebenfalls zu den Steuermoglern gehöre, v. Wangenheim strengte gegen Wenke Privatklage au, die am Donnerstag vor dem Hirsch- berger Schöffengericht zum Austrag kam. Herr Wenke bezog sich zu seiner Werteidigung auf die vom Amtsgericht in Jever fest- gestellte Tatsache, daß der Führer des Bundes der Land- wirte, Freiherr von Wangenheim, mehrere Jahre hindurch keine Einkommen st euer gezahlt habe, trotzdem der feudale Herr Eigentümer eines mehrere Tausend Morgen großen Rittergutes ist. Die Tat- fache konnte auch in diesemProzeßHerr v. Wangen- heim nicht bestreiten. Wohl aber wehrte sich der Baron da« gegen, daß man ihm bewußte Steuerhinterziehung vorwarf. Die Verhandlung war sehr kurz. Das Gericht nahm aus den wenigen Zeugenaussagen an. daß Wenke in der Tat dem Freiherrn bewußte Steuerhinterziehung habe vorwerfen wollen. Der Angeklagte bestritt das, er wollte nur auf die unanfechtbare Feststellung des Jever Amtsgerichts hingewiesen haben, ohne daraus irgendwelche konkreten Schlüffe gezogen zu haben. Das Gericht verurteilte den fteisinnigen Abgeordneten wegen Beleidigung zu 300 M. Geldstrafe. Der Fall wird noch vor die Berufungsinstanz kommen. politifcke(leberNckt. Wieder ein Dementi in der Sache Ballin-Hertling. Die„Bayerische StaatSzeitung" veröffentlicht folgende Et- klärung: Wen« Ansiedler nicht nach der nationalen Pfeife tanzen. Die in Bromberg erscheinende„Gazeta OstrowSka' veröffent- licht folgendes Kulturdokument, aus dem auS leicht begreiflichen Gründen Name und Wohnort des Betreffenden weggelaffen find. Posen, am... Juli 1S13. Der Präsident der Königl. Ansiedelungs-Kommisfion für Westpreußen und Posen. ES ist zu meiner Kenntnis gekommen, daß Ansiedler aus ..... mit polnischen Kaufleuten in..... in Geschäftsverbindungen stehen. Der deutsche Kaufmann in...... wo überwiegend Polen wohnen, hat schwer um seine Existenz zu kämpfen, und es ist Pflicht eines jeden Deutschen, ihn hierbei nach Möglichkeit zu unterstützen. Um so bedauerlicher ist eS, daß gerade Ansiedler, die zur Stärkung des Deutschtums angesetzt(!) sind und staatliche Wohltaten empfangen haben, ihre nationale Pflicht bisher vernachlässigt haben. Die Oeffentlichkeit der Militärgerichtsverhandlunge« wird mit jedem Tage ein immer luftigeres Phantom. Schloß man zuerst bei den Verhandlungen wegen Mißhandlungen die Oeffentlich- keit nur dann auS, wenn es sich um Offiziere handelte, so wird dieselbe Praxis jetzt auch bei niederen Vorgesetzten geübt. In Breslau hatte sich am Mittwoch der Unteroffizier S t e i n i ck e wegen vorschriftswidriger Behandlung und Beleidigung von Unter- gebencn zu verantworten. Obwohl die Verhandlung drei Stunden dauerte, wurde die Oeffentlichkeit nicht einen Augenblick her- gestellt, sogar die gesamte Urteilsbegründung erfolgte hinter verschloffenen Türen— wegen Gefährdung militärdienstlicher Jntereffen und der Sittlichkeit! So erfuhr man nur das Strafmaß— drei Wochen Mittelarrest. Nicht viel bester ging eS in der Verhandlung gegen den Gefreiten Scholaut her, der wegen Mißhandlung in zwei Fällen, wegen vor- schriftswidriger Behandlung von Untergebenen n 2 2 F ä l l e n(I) und wegen Beleidigung von Untergebenen zu zwei Monaten Gefängnis verurteill wurde. Unter anderem hatte er den Grenadier Malich 20 mal hinlegen lasten, ihn dann mit dem Knie hinuntergedrückt und die Schmeichelei hinzugefügt:„Ich laste Dich so lange hinlegen, bis Du krepierst!" Als diese Mitteilungen gemacht waren, wurde für den übrigen Teil der Urteilsbegründung die Oeffentlichkeit wieder ausgeschlossen! Das Zentrum rühmt fich seiner papiernen Resolutionen bei der Beratung der letzten Heeresvorlage. Hätte es wirklich Volksinteressen im Auge gehabt, dann durste eS fich nicht mit Resolutionen be- gnügen, sondern mußte mit den Sozialdemokraten gegen diese Auf- Hebung der Oeffentlichkeit durch die Mlitärgerichte bindende Beschlüsse fassen._ franfcrdeb. Das Dreijahrgesetz im Senat. Paris, 1. August. Im Senat bekämpfte Destournelles de Constant die Gesetzvorlage über die dreijährige Dienstzeit. die die Kriegsgefahr verschärfe anstatt sie zu beseitigen. Er habe Vertrauen zu den Geschicken Frankreichs, das er aus tiefster Seele Lternickel. Der Mörder war barmherziger als der Staat! Ein feiger, ge- meiner, hinterlistiger Mörder war er zwar, der seine Opfer von hinten, im Dunkeln ansprang wie ein Raubtier, aber er war immer noch barmherziger als der Staat. Denn Sternickel ließ seine Opfer wenigstens keine lange Todesfurcht ausstehen. Er ging mit Umsicht an die Arbeit, schwang das Beil oder warf die Schlinge, und ehe der Betroffeue wußte, was, wieso und wie, war er schon hinüber. Der Staat aber ließ am 16. März Sternickel und seine Kom- plizen deS Todes schuldig sprechen und erst am 30. Juli das Urteil ausführen. Hundertsiebenundzwanzig Tage gingen vorüber, die schlimmer waren als ebensoviele Jahre Zuchthaus, hundertsiebenund- zwanzig Tage, an deren jedem hundertmal im Korridor läppende Schritte den alten Mörder samt den jungen Gesellen, die er ins dunkle Verderben hineingerissen, in dein Gedanken zusammenfahren ließ: Jetzt, jetzt kommt man. dir'S für morgen früh anzukündigen! Und hundertmal am Tage war eS nichts, und es kam ein neuer Tag mit denselben Schritten auf dem Korridor und demselben Zusammen- fahren und derselben Angst— wie gründlich haben auch die beiden Begnadigten alle Schrecken der Todesstrafe auszukosten bekommen! Aus dem Kopf aber, den man unter einer widerlichen Zeremonie mit einem Schlächterbeil von: Rumpf getrennt hat, nehmen sie jetzt das Gehirn heraus, die hochgelahrten Herren Professoren, legen es auf eine saubere Glasplatte und fahren mit Pinzetten in den Nerven und Fasern umher, um so vielleicht hinter das psychologische Rätsel dieses Verlorenen zu kommen, der Tauben hegte und Menschen würgte. Vergebliches Beginnen! Sie mögen wohl hier und da in dem Gehirn ein Knötchen finden oder eine Ausbuchtung, die in dein Schädelinhalt eines Kanzleirals nicht vorkommt und weise dozieren, daß hier!»er Sitz von S ter nickels verbrecherischen Jnststckten sei, aber wie wenig erklärt man damit, warum dieser Müllersknecht immer wieder wie ein Wolf in die Hürde der Satten und Sorglosen ein- gebrochen ist. Ein geborener Verbrecher! sagen die Kriminal- anthropologen. Gewiß, zugegeben, aber wo wurzeln die Ursachen, die im Mutterleib schon diesem Menschen den Beruf einprägten, zu morden? Mag die Gesellschaft sich an ihm selber wenig versündigt haben, so hat sie doch an seinen Eltern, seinen Großeltern oder an irgend einem Ahnen gefrevelt und bei dem Enkel brachen jetzt die bösen Instinkte, die fie jenem eingeflößt, vererbt durch die Kette deS Bluts. wieder fürchterlich durch. „Das Milieu ist Miterzeuger deS Endogenen, des Ange- borenen!" sagt mit Recht der stühere Dresdener Staatsanwalt Wulfsen in seiner.Psychologie des Verbrechens". Und m der Teckt Ahr. dt« ihr den entscheidenden Auflutz der wirtschaftlichen Verhältnisse auf das Verbrechen leugnet und euch mit dem Schlag- wort von dem geborenen Verbrecher beHeist, schaut euch auf dem düsteren Stammbaum derer um, für die ihr das Richtbeil bereit haltet, und ihr werdet entdecken, wie aus dem sozialen Milieu der Vorfahren die Entartung der Nachgeborenen entspringt! Nicht durch das Hirn deS einzelnen Mörders, sondern durch die Gesellschaftsordnung sollten darum die Herren Professoren den Querschnitt machen, um das Wesen des Verbrechens zu enträtseln. Um Sternickel selbst handelt es sich gar nicht. Sternickel ist nur das Werkzeug einer blind und unerbittlich daherschreitenden Gesetzmäßigkeit, denn die Statistik zeigt, daß mit schauerlicher Genauigkeit auf einem Gebiet von so und soviel Ouadratmeilen mit der und der Einwohnerziffer Jahr für Jahr so und soviel? Dieb- stähle vorfallen, so und soviel? Körperverletzungen und so und soviele Morde. Es ist eine feststehende Zahl, die nur geringen Schwan- kungen unterliegt, Schwankungen, die wieder ihre Gesetzmäßigkeit haben. Selbst die amtliche Kriminalstatistik gibt den ge- walligen Einfluß der Lebensmittelpreise auf die VerbrechenSziffer zu. Steigen die Brotpreise, dann— so züchtet die agrarische Zollpolitik das Verbrechen!— schnellt auch die Kurve der Eigen- tumSvergehen in die Höhe. Sinken die Preise, so bleiben Tausende mehr als vorher in Reih und Glied der bürgerlichen Ordnung. Weiß man eS nun vorher, daß im nächsten Jahre so und sovielen Mitmenschen durch die Zustände unserer Gesellschaftsordnung die Mordwaffe in die Hand gedrückt wird und daß kein kleiner Katechismus dawider hilft und kein Strafgesetzbuch, dann muß man dem Staat auch den Beruf aberkennen, zu richten über die armen Schächer, die nur Opfer der von ihm geschützten Gesell- schaftsordnung sind.„Der Verbrecher," sagte einst schon Bettine v o n A r n i m,„ist deS Staates eigenstes Verbrechen," und mit jedem Menschen, den er aufs Schafott schickt, richtet der Staat sich selbst. Die Todesstrafe vollends erscheint in diesem Lichte als die sinn- loseste aller Barbareien und als die barbarischste aller Sinnlosig. leiten. Selbst wer kein Schwärmer für Block und Beil ist. mag in dem Falle S t e r n i ck e l s leicht sich der Meinung zuneigen, daß ein Kopf, in dem so scheußliche Triebe ungehemmt aufschössen, nirgends schlechter am Platz war als zwischen den Schultern seines Trägers. aber gerade in einem solchen Falle gilt es. unsere grundsätzliche Verwerfung der Todesstrafe doppelt zu unter- streichen. Die Todesstrafe entspricht der feudalen Rechts- auffastung, denn diese sieht in dem Menschen nur das Privateigentun, des Potentaten, mit dem er schalten und walten durfte wie mit den Exemplaren einer Schafherde. Am besten kam diese Auffassung i» de« mittelalterliche» Brauch zum Ausdruck, der- einen zum Tode Verurteilten durch seine Begnadigung zum Leib- eigenen des begnadigenden Fürsten werden ließ. Die Verfechter de» feudalen Staatswesens, die ostelbischen Junker, sind deshalb allezeit mit Fanatismus für die Tätigkeit des Henkers eingetreten. Bis- m a r ck wollte, als bei der Beratung deS Strafgesetzbuche» 1370 der Reichstag des Norddeutschen Bundes die Todesstrafe gestrichen hatte eher das ganze Gesetz scheitern lasten, als auf den Scharfrichter ver- zichten, und mit pfäffiichem Zynismus nannte die„Kreuz- z e i t u n g' damals die Beseitigung der Todesstrafe eine„Snt- göttlichung der staatlichen Rechtsordnung". So haben auch jetzt die Gemütsmenschen der„Deutschen Tageszeitung" fast Zähren der Wehmut vergasten, weil am Mittwoch in Frankfurt a. O. statt dreier Köpfe nur einer gefallen ist. Im Gegensatz zum Junkertum war die bürgerliche Klaffe nie besonders für die Todesstrafe eingenommen, denn der Kapitalismus schwärmt für eine Strafe, die in Profit umzumünzen ist. und so entstanden fast' gleichzeilig mit den modernen Fabriken die modernen Mastengefängniste: in beiden muyten die Insassen für andere hart und schwer arbeiten. Aus den Reihen der bürgerlichen Aufklärung des achtzehnten Jahrhunderts erklangen auch die schärfsten Proteste gegen �e strafen an �eib und Leben, und niemand hat treffender« Worte gegen ihren ver- brecherischen Wahnwitz gefunden als R o b e s p i e r e der dann fre,- lich aus polnischen Gründen dazu üb-rg-ng. daS ,n Frankreich üppig wuchernde feudale Gestrüpp mit der Guillorme wegzuraperen. Auch in dem deutschen RevolutionSjahr 1848 wurde Sturm gelaufen gegen die Todesstrafe, aber auch m �-��5�� �'� �ultur. forderung ist, je mehr ihr revolutionärer Spiritus verflog, die deutsche Bourgeoisie immer lascher geworden, und ab und zu tauchen bei einer Rundiraae sogar Intellektuelle, Kunstler und Dichter auf, die in dieser mittelalterlichen Barbarei eine erlesene Blüte unserer Kultur sehen..-.-... Die sozialistisch gesinnte ckrbelterklafic dagegen bekämpft auS prinzipiellen? aus echten unb au« pr°ktt,chen Gründen die Todes- strafe auf das erbstterfte. Als 1871 die Kommune aus dem Pariser Rarhaus die rote Fahne hißte, war eme ihrer ersten Handlungen. daß sie die Guillotine feierlich auf öffentlichem Platze verbrennen ließ. Denn die Kultur der zum Siege zu verhelfen Aufgabe des So-ialismus ist, war von Anfang an tief durchdrungen von der Eckenntnis. daß-s aus Erden nichl-z Wertvolleres gibt als cm Menschenleben. Mit jenem Englander sagen wir:„Der schlechteste Gebrauch, de» man von einem Menschen machen kann, ist, ihn aufzuhänge»." Oder ihn. wie in Deutschland, zu köpfen. Und das gilt letzte« Endes auch für eine« liefe, aber er wünsche nicht, daß man Frankreich nach dem kaiser lichen Teutschland forme. Maujan kam bei einer Prüfung der Vorlage nach ihrer technischen Seite zu dem Ergebnis, daß allein die dreijährige Dienstzeit Frankreich befähigen würde, einen An griff auszuhalten. Der Sozialist Flaissieres sagte, das Ge- setz sei eine Aufforderung zum Stillstand in dem Fortschritt der Menschheit. Doumer als Berichterstatter erwiderte: Der Fort- schritt der Menschheit ist nicht mit dem Verfall Frankreichs der Hunden. Ournae sagte: Wir wollen keine neue Invasion er- leben. sBeifall.) C h a p p u i s rief: Frankreich sind zwei Pro- vinzen amputiert worden. Das ist genug.(Lebhafter Beifall.) Flaissieres verteidigte darauf die zweijährige DienstzeitW Im weiteren Verlauf der Sitzung des Senats erklärte General M e r r i e r, der Senat müsse das Gesetz über die dreijährige Diensi zeit so wie es sei annehmen, denn es drohe unmittelbare Gefahr. ».Beifall auf der Rechten.) Kriegsminister E t i e n n e rechtfertigte darauf die Einstellung der Zwanzigjährigen. Er sagte: die Heber- gangszeit ist schwierig, aber in gleicher Weise für Deutschland. Wir werden im nächsten April drei kriegsbereite Jahresklassen haben, und das Land wird dadurch die nötige Sicherheit besitzen. Die Kasernenbauten im Osten sind bereits vorgeschritten. Der Kriegsminister entwickelte dann die Gründe, aus denen die Re� gierung von dem Lande diese beträchtliche Anstrengung gefordert habe, der jede Idee einer Reaktion oder Herausforderung fern liege. Die Regierung habe schnell vorgehen müssen, habe aber ge- handelt, so gut eS'ihr möglich gewesen. Das Parlament müsse also nachsichtig sein gegen Irrtümer oder Lücken, welche das Gesetz etwa enthielte, denn Frankreich wolle den Frieden nur, wenn seine Ehre und Würde dabei gewahrt blieben.(Beifall.) Der Minister schloß mir einem Appell an den Patriotismus des Senats, der das Inkrafttreten des Gesetzes nicht verzögern solle. Bringen Sie kein Unglück über das Land, rief der Minister, indem Sie Aen- derungen an dem Gesetz vornehmen.(Lebhafter Beifall.) Paris, 1. August. Senator d'E stournelleS de C o n st a n i sagte in seiner bereits gemeldeten Rede über das Dreijahrgesetz unter anderem noch folgendes: Man darf von uns unter dem Hinweis auf eine übertriebene Gefahr keine überflüssigen Opfer verlangen. Deutschland hat seine Stärke, es hat aber auch seine Schwäche. Es hat das Vertrauen der Welt verloren. Wenn es den vielbesprochenen plötzlichen Angriff unternehmen würde, dann würde es die Sympathien der Welt nicht für sich haben. Nach dem Kriege würde in Deutschland eine Revolution ausbrechen. Diese Gefahr besteht bei uns nicht, wo die Revolution durchgeführt ist. DaS Schiedsgerichtswesen hat im letzten Jahre sichtliche Fort- schritte gemacht. Ich sehe jene deutsche Regierung nicht, welche wie bei einem Würfelspiel die Zukunft Teutschlands wagen würde. (Zwischenruf: Die deutsche Regierung ist friedlicher als das deutsche Volk!) Vom äußeren Gesichtspunkt aus mutz daS Erwachen der slawischen Welt, müssen die Balkanereignisse Deutschland zu denken geben. Wäre es klug von Deutschland, seine besten Kräfte gegen Frankreich zu verbrauchen und sich nachher gegen Rußland zu wenden? Deutschland wird auch keine endlose sinan- zielle und soziale Krise entfesseln wollen. Deutschland ist isolier- ter als wir, es ist mehr bedroht als bedrohlich.(Royalist Le Breton ruft ironisch dazwischen: Also rüsten wir ab!) d'Estournelle» de Constant fortfahrend: Die Lage Deutschlands in den letzten Monaten ist nicht mehr stärker geworden, eS hat seine MannschaftSbestände vermehrt, aber daS ist eine unvermeidliche Folge der Zunahme seiner Geburtenziffer. Unsere Lage war 19l)S Deutschland gegenüber weniger stark als heute. Das Dreijahr- gesetz ist kein Hilfsmittel. Man wird das Land mit Lasten er- drücken und es dem Auslände preisgeben. Man ruft den fremden Angriff geradezu herbei. Nicht allein die Arme, sondern auch die Gehirne werden uns fehlen. Das Dreijahrgesetz ist ein tödlicher Schlag für Frankreich und für die Zivi- lisation. Zwingen Sie Frankreich nicht, an dem kaiserlichen Deutschland ein Beispiel zu nehmen.(Beifall.) Italien. Hinter den Äulisseu einer Ministerkrise. Rom. den 30. Juli.(Eig. Ber.) Der Rücktritt des Ma- rineministers Cattolica, der ziemlich unvermutet wäh- rend des letzten Ministerrats bekanntgegeben wurde, scheint das Ergebnis von Wühlereien des Trusts der Stahl- und Eisenfrrmen zu sein. Diesen war der Minister ein Dorn im Auge, weil er sich gegen eine Beschleunigung im Bau der neuen Vanzerschjffe ausgesprochen hatte. Das Eisenkapital hat natürlich Interesse daran, daß die Schiffsbauten möglichst schnell ausgeführt werden, weil dann der Löwenanteil der Prlvatlndustrie zukoinmt, während bei langsamem Bau die Staatswerften den größten Teil der Arbeit selbst leisten können. Angeblich war die Stellung des Ministers schon seit längerer Zeit erschiittert, nachdem nämlich der Senat mit nur 2 Stimmen Mehrheit den Gesetzentwurf über das Avancement angenommen hatte Damals fiel es schon auf. daß die offi ziöse„Tribuna sehr heftig ge�n den Marineministcr Stellung nahm, was bei einem offiziösen Blatte zum mindesten merkwürdig ist. � Diese Haltung findet ihre Erklärung in der notorischen Abhängigkeit der„Tribuna" voni Eisenkapital. Giolitti scheint zu Anfang den Minister Cattolica gehalten zu haben, weil es ihm klug schien, am Vorabend der Wahlen nicht mit einem uferlosen Flottenprogramm herauszurücken- schließlich hat er ihn aber doch den Metallindustriellen preis- gegeben. Sein Nachfolger, der Konteradmiral M i l I o. genießt die Sympathien der Nationalisten. Er war der„Held" der Fahrt nach den Dardanellen, hat eine gute Karriere ge- macht und ist mit 48 Jahren der jüngste Konteradmiral der italienischen Marine. Man muß nun abwarten, ob Millo sich den phantastisch scheinenden und doch, ach, so gut berechneten Plänen der Metallindustriellen anpassen wird. China- Die Kämpfe um Schanghai. 1. August. Tie Pause in den Kämpfen hält ro- �"�ungen wegen der Wusungsorls rm Gange sind.. Ä-Rnft b0n Schanghai sind die Truppen der Rebellen ÄlknmiTTT zusammengeschmolzen. Das internationale Astern eine beträchtlich geringere Zahl von Flüchtlingen zu versorgen. KmeinKa. ~te Revolution in Venemcla m i**£toÄ' L �.Ust.»mtlX Dw- chen aus Caracas meliien. daß die aufständischen Tiup� an zwei Plätzen von den Reglerungstruppen zu rückgeworf�i wurden Aus Cara- cas �stnd den Aufstandlichen keine Soldaten entgeaengeschick: Staatstruppen für stark genug halt. Ein Telegramm aus Willtzrstad meldet daß dort aus Kä; to«du»« Ö0n der �anbung Castros in Coro eingelaufen ist. 8o2iales. Kautionsverfall. Der Kutscher Zachow klagte gestern vor dem Gewerbegericht gegen das Transportkontor der vereinigten Spediteure des Anhalter Bahnhofs auf Auszahlung seiner Kaution in Höhe von 31,50 M. Di« beklagte Firma behauptet, berechtigt zu sein, die Kaution einzube- halten, weil dem Kläger ein Kolli im Werte von 1133 M. gestohlen worden sei. Der Sachverhalt stellt sich nach den Angaben de! Klägers— von der Beklagten unwidersprochen— so dar: Der Kläger und ein erwachsener Begleiter waren beauftragt, verschiedene Kolli an verschiedene Empfänger zu befördern. Während nun der Kläger damit beschäftigt war, ein Stück an die entsprechende Adresse abzuliefern, ist�der andere inzwischen weitergefahren und hat an einer anderen Stelle das dorthin bestimmte Gut abgeladen. Als nun der Kläger anlangte, wurde das Fehlen eines Lederballens im ange- aebenen Wert bemerkt. Die Firma verlangt, daß auch der Kläger mit seiner Kaution für den Schaden mit hafte, denn er babe einen Bertrag unterschrieben, in dem der Passus enthalten ist: Bei Diebstahl haften beide, der Kutscher und der Begleiter. Das Gericht— Kammer 7 unter Borsitz des Magistratsassessors Dr. Berthold— wies die Klage mit folgender Begründung ab: In der vom Kläger unterschriebenen Dienstordnung stehe, daß bei Dieb- stahl Rollkutscher und Begleiter gemeinsam haften. Dieser Vertrag verstoße nicht gegen die guten Sitten, weil er einen Schutz de! Unter- nehmers gegen etwaige Schwindeleien der Angestellten darstellt. Das Urteil beruht auf einem bedauerlichen Fehlschluß und widerspricht dem allgemeinen Rechtsgefühl. Das Gericht hat an- genommen, die in Betracht kommende Vertragsklausel widerspreche nicht den guten Sitten, weil sie einen Schutz des Unternehmers gegen Unreellität der Angestellten darstelle. Zunächst ist schlechterdings nicht ersichtlich, wie eine Unterschrift, die dahin geht, daß die Führer für ohne ihr Verschulden abhanden gekommenes Gut haften, ein Schutz dagegen sein soll, daß sie ein Abhandenkommen verschulden. Aber abgesehen hiervon: der grundsätzliche Standpunkt, der in dem Urteil liegt und der dahin geht:„ein Vertrag verstößt dann nicht gegen die guten Sitten, wenn er im Interesse eines Vertrag- schließenden liegt", ist grundfalsch. Alle Verträge, gerade auch solche, die gegen die guten Sitten verstoßen, liegen stets im Interesse min- desiens eines Vertragschließenden. Gegen die guten Sitten verstößt ein Rechtsgeschäft dann, wenn es dem herrschenden Rechtsbewußtsein sowie dem Anstandsgefühl billig und gerecht Denkender wider- spricht. Auf dem gewerberechtlichen Gebiet verstößt eine Verein- barung gegen die guten Sitten, wenn der wirtschaftlich Stärkere die Lage des wirtschaftlich Schwächeren durch sie ausbeutet. Dieser Fall liegt hier vor. Den durch einen Diebstahl dem Geschäft zugefügten Schaden hat dieses zu tragen. ES ist durchaus unbillig, das Risiko auf einen an dem Diebstahl völlig Schulvlosen abzuwälzen. Das ist eine Ausbeutung deS Zwanges des Angestellten, zwecks Selbst- erhaltung einen Vertrag abschließen zu müssen. Eine ganze Reihe Landgerichte haben deshalb mit Recht ähnliche Verträge als mit den guten Sitten unvereinbar erklärt. Im vorliegenden Fall tritt hinzu, daß der Kläger nachweisbar an dem Verlust unschuldig war. Die Firma hätte dafür Sorge tragen müssen, daß der Wagen stet! be- aufsichtigt wurde. ES ist bedauerlich, daß daS Berliner Gewerbe- gericht einen so irrigen Standpunkt einnehmen konnte. Kampf gegen Arbeiterschutz. Eine Bundesratsverordnung vom 13. Dezember 1308 ver- pflichtet die Hütten- und Walzwerkbesitzer zur Führung von Ver- zeichnissen über die in den bezeichneten Betrieben geleisteten Ueber- stunden. Diese Vorschrift erfreut sich der allergrößten Unbeliebt- Heit bei den Stahlkönigen. Sie befleißigen sich auch der möglichst größten Mißachtung des Registerzwanges. Berichten doch die sicher sehr vorsichtigen Gewerbeinspektoren, daß oft ein Drittel, ja die Hälfte der geleisteten Ueberstunden nicht eingetragen würden. Selbst zu direkten Fälschungen der Listen reizt der Haß gegen da? Eindringen von Licht in das Dunkel der großindustriellen Menschenvernichtung. Und die sonst so strenge Dame Justitia, besonders streng, wenn es sich um streikende, für Arbeiterschutz kämpfende Arbeiter handelt, beurteilt die Uebertretungen von Ar- beiterschntzbestimmungen sehr, sehr milde. Ein Unternehmer, der Fälschung von Ueberstundenverzeichnissen angeklagt, wurde freigesprochen, weil die— amtlichen Listen weder private noch öffent- liche Urkunden seien. Die Unternehmer versuchen auch die er- wähnte Bundesratsverordnung zu durchlöchern, indem sie ihr eine willkürliche Auslegung geben, sie als nur die eigentlichen Hütten- und Walzwerksbetriebe, nicht die zugehörigen Nebenbetriebe treffend ansprechen und anwenden. Mit dieser Frage hatte sich im vergangenen Jahre daS Schöffengericht in Königshütte zu be- fassen. Ein Hüttendirektor war der Uebertretung der Bundesrats- Verordnung angeklagt, weil er für die ihm unterstellte Kokerei, der elektrischen Zentrale, den Gleis-, Lokomotiv- und Verladebetrieb, der Magazinverwaltung und der Zerreitzanstalt, kein Ueberstunden- Verzeichnis eingerichtet und geführt hatte. TaS Schöffengericht erkannte auf Freisprechung. DaS Urteil erlangte auch Rechtskraft. Um eine grundsätzliche Entscheidung herbeizuführen, nahm der Gewerbeinspektor die Sache wieder auf, und zwar auf dem Wege deS Strafprozesses. Zu der Verhandlung vor der zweiten Straffammer in Benthe» am 5. Juli waren Oberregierungs- und Gewerberat Simon aus Düsseldorf und Gewerbeinspektor Eckey aus Königshütte von der Gewerbeinspektion als Sachverständige geladen, in gleicher Eigen- schaft vom Beklagten der Hüttendirektor Amende au«.Hubertus» Hütte und Oberingenieur Sellen. Das Gericht bejahte nach längerer Beratung die Schuldfrage insofern, als es die Kokerei, die elektrische Zentrale, den Gleis- und Lokomotivbetrieb als Nebenbetrieb betrachtete, die unter den § 2 Absatz 2 der Bundesratsverordnung vom 19. Dezember 1308 fallen. Bezüglich des Verladebetriebes, des Materialienmagazins und der Zerreißanstalt wurde die Schuldfrage verneint. Da es bei dem Rechtsstreit nur auf die grundsätzliche Entscheidung ankam, setzte das Gericht nur eine Geldstrafe von 5 M. fest. Die Entscheidung ist zu bedauern. Sie öffnet bekannten Schie- bungen Tür und Tor. Die Unternehmer können, wie es im Hau- delsgewerbe auch geschieht, Arbeiter von einem Betrieb in den an- deren bugsieren, um dann ungehindert Ueberstunden leisten zu lassen. Der reiche Verschwender wird unter Kuratel gestellt, damit er sein Gut nicht vergeude, gegen die skrupellose Ausbeutung der Arbeitskraft, gegen ihre Vergeudung aus Unwissenheit und Not, gibt es fast gar kein Schutzmittel. Das ist kapitalistische Kultur. Ein agrarischer Borftotz. Mit wunderlichen, unlogischen Kapriolen begleitet der„Reichs- anzeiger" Feststellungen über die„Verschiebung der landwirtschaft- lichen und.ulchilandwirlschaftlichcn Bevölkerung" im Deutschen Reich. Er hat ein echt agrarisches Ei ausgebrütet oder ausbrüten lassen. Teutschland eniwickelt sich immer mehr zum Industriestaat. Dadurch erst wurde Teutschland ein moderner Grohjtaat, ein Mitspieler im Völkerkonzert: dadurch erst wurde das Reich befähigt, die eigene Be- völkerung zu ernähren, sah sich nicht mehr genötigt, alljährlich viele tausende Deutsche in das Ausland zu jagen, weil sich für sie unter der unbegrenzten Feudalherrschaft keine Erwerbsgelegenheit fand, ia. erst der entfesselte Kapitalismus ermöglicbte das Auswachsen zum Militärstaat. Das alles befriedigt die Junker nicht: sie wollen mehr Liebesgaben schlucken, noch mehr Privilegien genießen. Dar- aus laufen nämlich alle Rcdercicn des„Deutschen Reichsanzcigers und Äönigl. Pr. StaatsanzcigerS" hinaus. Zunächst werden die auf dem Lande Geborenen, aber in den Städten als Erwerbstätige Ermittelten einfach als der landwirtschaftlichen Bevölkerung ent- stammend angesprochen. Dann heißt es weiter:„Diese Zahlen be»! weisen aufs Beste, wie sehr unsere ganze städtische EntWickelung der letzten Jahre auf den Zuzug immer neuen Menschenmaterials vom platten Lande angewiesen ist, und wie wichtig es auch für die Städte und die in ihm vorhandenen Gewerbe ist, daß die Quelle dieses Zuzuges in ungeschwächter Leistungsfähigkeit erhalten bleibt." Das klingt sehr loyal, sehr städtefreundlich, sehr uneigennützig. Aber der Pferdefuß schaut schließlich doch sehr deutlich heraus. Unmittel- bar darauf liest man schon: „Die nachstehenden Zahlen mögen im einzelnen noch weiter veranschaulichen, wie groß die unserm gesamten Volkstum drohende Gefahr bei dem bisher betriebenen Raubbau an der ländlichen Volks- kraft ist und wie unbedingt notwendig die Erhaltung und Wieder» vermehrnng der ländlichen Bevölkerung für die körperliche und moralische Gesundhaltung unseres Volkstums ist." Dann folgt die Angabe der Abnahme der landwirtschaftlichen Bevölkerung von 13 225 455 im Jahre 1882 auf 17 681 176 im Jahre 1907 und die gleichzeitige Zunahme der nichtlandwirtschaftlichen Be- völkerung von 25 936 658 auf 44 039 353. Aus dieser EntWickelung wird nicht etwa der Schluß gezogen, daß endlich mit der stiefmüttcr- lichen Behandlung der gewerblichen Bevölkerung und deS ländlichen Proletariats gebrochen werden müsse, die Bevorzugung einer Hand- voll Großgrundbesitzer aufzuhören habe, im Gegenteil: Die Liebes- gabenpolitik zu fördern ist der Nebung Zweck. Wenn es daraus ankäme, den Zug in die Stadt abzuschwächen, dann hätte man nur nötig, den Landarbeitern menschenwürdige, den heutigen Verhältnissen entsprechende Existenzbedingungen zu ge- währen, die Gesindesklaverei aufzuheben, den Landsklaven zum freien Staatsbürger zu machen. Aber daran denkt man nicht. Es gilt, den Städten und der gewerblichen EntWickelung Schwierig. keiten zu bereiten. Seiner Städtefeindlichkeit gibt der Verfasser in folgendem Erguß Ausdruck: „Die Zusammenballung so großer Menschenmassen in den menschenverbrauchenden Großstädten ist um so bedenklicher, als nun ein absolut und verhältnismäßig immer kleiner werdender Anteil von ländlicher Bevölkerung die Blutaufsrischung für die immer zahl- reicher werdende Grotzstadtbevölkerung liefern soll, so daß schon jetzt nicht nur der entbehrliche Ueberschuß vom Platten Lande abgegeben wird, sondern ein gut Teil des alten Bestandes mit angegrrffen ist." Die Unterstellungen, als ob der Zuzug der Großstädte sich aus. schließlich vom flachen Lande rekrutiere, �die Großstädte besonder» gesundheitsgesährlich seien, eine größere Sterblichkeit bei den Säug- lingen aufweisen, die Militärtauglichkeit verminderten und dergl. mehr, können keinen Anspruch auf Beweiskraft erheben, sie sollen auch nur der agrarischen Förderung dienen, in welche die.tief» gründige" Untersuchung also auSklingt: „Mehr Menschen auf da? Land zu bringen, ist als- für die Cef Haltung der militärischen Machtstellung deS Reichs,?Tr die Zukunft unseres Bolkstums und die Sicherung unserer blühenden B-lks« Wirtschaft eine der wichtigste» Forderungen." Man weiß schon, wie die agrarischen Forderungen lauten: Er- schwerung der Freizügigkeit durch Erhöhung der Eisenbahntarise. Verbot der Abwanderung Jugendlicher und deren Beschäftigung rn der Industrie. Hätte man mit der letzteren Forderung Glück, dann wären die Agrarier fein heraus; nicht nur könnte kein junger Mensch mehr den ostelbischen Gefilden den Rücken kehren, wenn ein böses Geschick ihn hier als Proletarier hat zur Welt kommen lassen. viele Stadtkinder müßten nach der Entlassung aus der Volksschule erst etliche Jahre aufs Land, um hier mit ihrer jungen Arbeitskraft den Agrariern dienstbar zu sein. Unter solchen Umständen wäre auf eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse auf dem Lande sicher nicht zu rechnen. Von der zwingenden Notwendigkeit zu Verbesse- rungen durch gesetzliche, arbeiter- und industriefeindliche Maßnahmen befreit zu werden, ist agrarisches Sinnen und Trachten, wie es nun im„Reichs, und StatSanzeiger" fernen greifbaren deutlichen Niederschlag gefunden hat.__ letzte Nachrichten« Grenzvorschläge der verbündeten Balkanstaate». Bukarest, 1. August.(Meldung des Wiener St K. Telegr� Korr-BureauS.) Auf der heutigen Konferenz der bulgarischen Dele- gation und aller Delegationen der Verbündeten wurde im Namen der Verbündeten ein Schriftstück verlesen, daS folgende Forderungen der Verbündeten enthält: erstens verlangen die Verbünde- ten als Grenze den Lauf der Struma, beginnend an der alten bulgarisch-türkischen Grenze, bi» zum Garbdere, von dort auf Kuppe 1314 desTschengelgebirgs, dann derWafferscheide folgend bis Tragarz, von dort nördlich und nordöstlich zu Kuppe 1152, dann über Mesta nach Kuka, dann über Sipkova und DaliboSka zur Wasserscheide bis Kuppe 2152 bei KuSlar, von dort mit der Richtung auf Oschagdada über Morgaszan, Mekova, Tokadschida bis Kord- schala, absteigend sodann gegen Süden über Kaplaktepe und Galiereiepc, endend am Aegäischen Meer drei Kilometer östlich von Makri. Zweitens: Bulgarien entsagt aller An- sprüche auf alle Inseln im Aegäischen Meer. Drittens: Entschädigung der Einwohner und der bereit» früher vorgebrachten Streitftagen betreffend die serbisch-bulgarischen Grenzfragen. Vierten»: Garantie für die Aufrechterhaltung der Freiheit in Schule und Kirche der griechischen Gemeinden Thraziens._ Die Forderunge« an Bulgarien. Bukarest, 1. August.(Meldung des K. K. Telegr.-Korr.- Bureaus.) Zu den Forderungen Rumäniens gehört auch die Schleifung der Befestigungen von Rustschuk und Schumla und An» erkennung einer Zone des bulgarischen Gebiets, die nicht befestigt werden darf. Es besteht die Erwartung, daß die bulgarischen Delegierten auf der heutigen Konferenz auf sämtliche Forderungen Rumäniens endgültige Antwort geben werden. Es ist sicher, daß die bulgarischen Delegierten die rumänischen Forderungen be- treffend"die neue Grenze und die Aromunen vollinhaltlich an- nehmen. Was die Schleifung der Festungen Rustschuk und Schumla betrifft, so heben die bulgarischen Delegierten hervor, daß die beiden Orte wertlose alte Befestigungen seien. Die Forderungen der Verbündeten an Bulgarien, auf welche die bulgarischen Delegierten wahrscheinlich morgen antworten wer- den, werden in unbeteiligten Kreisen als außerordentlich über» trieben angesehen, man hält es aber für selbstverständlich, daß die Verbündeten hiermit nicht ihr letztes Wort gesprochen haben und findet, daß der Bulgarien bewilligte Zugang zum Meer bloß ein theoretischer sei, da alle Gebiete, die wirtschaftlichen Wert besähen« nicht in hohen Gebirgen gelegen seien. Neun Wäscherinnen ertrunken. Genf, 1. August.(P. C.) In der städtischen Waschanstalt ort der Brücke über der Rhone ereignete sich heute ein schwerer Unfall. Tie Wäscherinnen spülten die Wäsche von Pontonbooten aus im offenen Fluß. Ter Boden eines dieser Boote ist wahrscheinlich morsch gewesen. Die Bohlen brachen heute Vormittag plötzlich durch und elf Frauen versanken in den Fluten. Ob- wohl Hilfe sofort zur Stelle war, konnten nur zwei Frauen mit großer Mühe gerettet werden. Neun Frauen sind er, trunken, vier Leichen konnten bis nachmittags geborgen werden, Ein Eisenbahubcamter als Räuber. Dortmund, 1. August.(W. T. B.) In vergangener Nacht wurde im Eilzuge Hannover— Dortmund einer Dame eine Hand- tasche mit hundert Mark Inhalt geraubt. Ein in einem anderen Abteil allein schlafender Herr erwachte, als der Mann ihn zu be- rauben versuchte. Der Täter ist ein Eisenbahnbeam, t e r« der in dem Eilzuge beschäftigt war und in Hannover wohnt, Verwaltungsstelle Berlin. C 54, Linienstr, 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Sonntag, den 3. August 1913, von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags finden die Wahlen von 21 gelegietten zum außerordentlichen Verbandstag in Berlin in folgenden Lokalen statt: JUeiiHWLlns Restaurani,«. Scliwetllers Restaurant, Ackerst,..»«». OblglOS Festsäle, Schwedter Str. Z3i»5. Gllescbes Restaurant, Kopenhagener Str. 74. Swinemünder Gesellseliaftshaus, Voigts Theater, ßodstr.os. Frankes Festsäle,»adstr. i». Nebels Restaurant, Maxstr.iab. Funkes Festsäle, Trwtstr.«». Kronen-Brauerei, Ait-M«»bit 47 4». Patzenhofer Brauerei, Tarn.str.s526. Wiemers Festsäle,»m«wstr. ss. SÜd-OSt, Waldemarstr. 75. Fröblicbs Restaurant, Mnskancr str. i. Nitscbkes Restaurant, Reichenhergcr str. ss. Eiekes Restaurant, sch«nieinstr. s. Sehünemanns Restaurant, Aite jakohstr. 144. Späths Restaurant, Georgcnkirchstr.«5. Heekers Restaurant, samartterstr. n. Comenius-Säle, Memeler Str. 67. BOeker, Weberstr. 17. ROtt, Straßiuannstr. 20. Neukölln, BartSCb, Hermannstr. 49. „ Zibell, Elbestr. 8. 1060, Harzer Str. 88. RÜCkhelm, Bergstr. 97, ,, Kokegel, Kenterstr. 68. w Schöneberg, Yereinshaus, Haapt.tr. 5. Baumsehulenweg, Boches Restaurant,*%T*afe7.a' " Tempelhof, Wilhelmsgarten, Beniner str.». Charlottenburg, Volksbaus, Ko.inen.tr. s. Köpenick-Friedricbshagen, Lehmann, Köpenick, llahnhof.tr. 44. Stralau-Rummelsburg, Blume, AUBoxhagen 56. Lichtenberg, Kurkowsky, piarmr. 74. Steglitz, Albrechtshof, Aibrecht.tr. 1-.. Ober-Sehöneweide, Warnieke, �".�rase"!�®'' AdlerShOf, ReStel, Frleden.tr. 14. Wildau, Kordaneck, wndauer Hot. Weißensee, Peukert, Beniner Anee»51. Tegel, Heinicke, Brunowstr. 33. Reinickendorf, Glende, A�gnn�f ictoffä l'ue'c. Spandau, Mudetzky, Bi.marckstr. s. Pankow, Rozyeki, Krcaz.tr. sa. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Wilhelm Slerlng, Linienstr. 83/85. H »» Montag, de» 4. August 1913, abends 8 Uhr: = Große Versammlung qller in Schraubeufabriken btschästiglk» Automaten- eiurichter und eiunchter an EinMänken im Gewerkschaftshaus. Engeluser 15, Saal 3. Tagesordnung: 1. Bericht über den ausgesührten Austrag der letzten Bersamnüung.— 2. Diskussion.— 3. Verbandsangelegenheiten. Montag, de» 4. August 1913, abends S'/z Uhr: == Versammlung sämtlicher Kollegen und Kolleginnen der Möbelschlotzbranche im Lokal von Brinkmann(früher MerkowSkt), AndreaSstr. 26. Tagesordnung: I. Vortrag deS Kollegen FriN Carl.— 2. Diskussion.— 3. Branchen- Angelegenheiten und Verschiedenes. Montag, den 4. August 1913, abends 8'/, Uhr: Versammlung der Former und Gietzereiarbeiter in den Borusfia-Sälen, Ackerstr. 6/7. Die Tagesordnung wird in der Berfammlung bekanntgegeben. ----- Mitgliedsbuch legitimiert.- Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet jgg/g_ Ple Ortwverwaltang. imiais-GarMe! 4—500 getragene Anzüge für Herren: Smoking. Frack- und Gehrock- Anzüge(auch zu ver- leihen). Sommerüberzicher sowie Kavalieren getragene, fast neue Sachen(a.Seide),s.jed.Figur pass. in gröStorlue�sd! z.unübertrofs. dilliZen preisen. lTr.,dcshalbbilliger loicimLaden. llk8elilk!ö!ei'dzW.,w7«"-',°z. Asdkitkrmijböl! Di°»lusterwohnung GewerkschastsHause ist KV8vI»1«88ei»Z Es können die Möbel aber an jedem Wochentage bis? Uhr abends in der Fabrik � 20 ZeughofKraße 20= besichtigt werden. 10792 Buehbaudlutig Vorwärts Lindenstr. 69(Laden) Ansichtskarten vom Riesengebirge, Harz, Sächsische Schweiz, Dresden, Bertin in reicher Auswahl. Stück 5 PI. M Greift zu! Jed. Herrn, der sich ele-;. u. bill. kleiden will, empfehle eleg. ilo- natsgarderolae in feinsten Werkstatt. Berlins gearb,, von Herr- schaften.Doktoren.Kavalieren nur kurze Zeit gebr.(für jed. Fig. pass.) Monats-iackett-Anzuge 8.10, 14, 18M. Monats-Rock-Anzüga 10,12, 16, 20 dt. Monats-Paletots 8)'0, 14, 18 M. Monats-Herren-Hosen 2.50. 5,00 M. Ulster, sehr billig.* Große Abteilung neuer Garderobe MnlrilllDP Gr. Frankfurter Str. 98 IilUlMBuCr,(Nähe Strausberger PI.) Bitte genau auf No. 98 zu achten! Theater und Vergnügungen Sonnabend, den 2. August 1913. Ansang 5 Udr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Ansang 7'/, Übt. Prater. Das Bummelmädchen. Anfang 8 Uhr. NeueS Opern(Kroll). Der fliegende Holländer. Urania. Durch Dänemark und Südschwedcn. Deutsches Schauspielhaus. DaS Farmermädchen. Westen. Der kleine König. DaS starke Stück. Schiller v. Der Freischütz. Berliner. Filmzauber. Tbalia. Pupvchen. Metropol. Die Kino-Königin. Wintergarte». Spezialitäten. Reichshallcn. Stettiner Sänger. Anfang 8(i, Uhr. Komödieuhaus. Hochhcrrschastliche Wohnungen. LuftsPielbauS. Der lustige Kakadu. Roie. Die Waise von Lowood. Luisen. Geächtet. Folies Caprice. Ein Pechvogel. Die Krampffachc. ?Iniang 8'/, Nbr. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Theater am Nollendorfvlah. Der Plann mit der grünen MaSke. Aniang 9 Uhr. AdmiralSvalast. EiSballett: Flirt in St. Moritz. » �« Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Saehse-Opev Schiller-Theater O.lbem«: 8 Uhr: Der Freischätz. DcatschesSchauspielhaa« S'f, Uhr: Das Farmerniädchen. Kroll-Oper 8 Uhr: Der fliegende Holländer. (Gastspiel: Eiiiinj- Destlnn.) Sonntag: Mignon._ Berliner Theater. 8 uhr: Filmzauber. Theater des Westens. 8 Uhr: Sylvester. Schäffrr. Ei» angebrochener Abend. Das starke Stück. Sommerpreise!' 8oTial baeg- Xene 3IU mit Rundfahrt bis zum Ukleisee aus der idylllich schonen Lanke. Abs. gff, Uhr. Hin u. zm. 80 Ps.. bis Reue Mühle 50 Pf. Kinder 40 u. 25 Ps. —"""'S Kalkberge«WSTS??4 Mr.klrk Abfahrt 10 Uhr. Hin und zurück l'itglleb nach IxLUL illUnie Wachenl. 50 Pf., Sonntags 1 M. N e u e M üh I e "ihSiX rÄiÄ.een Mtersl ScMiu Jeden Mittwoch nach IVeadenacbloB- /ieorenhal1? «rttnaa-Krampenbnrg...... V 55'!. t Jeden Mittwoch nach TeiipitZ hin T zurück �M. Achtung! Sonntag, den 10. -- u. 31. August u Achtung! 7, Septemb. nach (XD Abfahrt 7'/. Uhr, bin und zurück 2 M. Y oig t- Theater Vadstrnsie 58. Morgen Sonntag, den 3. August 1913: Zum vorletzten Male: Ble«cbSae Zlelaniae. Vollst, neue ersttl. Svezialitäten. Kassenöstn. 10 Uhr. Ansang 4 Uhr. Voranzeige. Dienst., 5. Aug.: Benefiz Heinr. Bach: Der Verschwender. LOGISCHER GA1RTEN firoBes i Militär-Doppel- Konzert. Heute;Gr.Festbeleuchtg. Eintritt 1 Mark, von 6 Uhr ab 50 Pf. 1 Kinder unt. 10 Jahren die Hälfte. Täglich: Militär-Doppel-Konzert. Admiralspalast Elnz. Elapalast der Welt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt. Allabendlich Flirt in St. Boritz. Wiederauftr. der kleinen Charlotte. Bis 6 Uhr und von lO3/, Uhr halbe Kassenpreise. Berliner Praler-Thealer 7—9 Kastanien-Allee 7—9. __ Täglich: Das Bummelmadchen Gr. Ausstattungsp. in 4 Akt. v. M.Hehe Musik von Hirsch und Schreyer. Vrftklass. Spezialitäten. Konzert. Ansang i'l, Uhr. Eintritt 35 Bs- Bon Cate Alsen(Schles. Brücke) Abfahrt je Stunde später w Bcrlln Weidendammer Brücke: � Neu! Jeden. �urti' die herrlichen Hllvelse�i. Donnerstag Abf. 8'/, U. vm. Hin u.zur. IM. II. Ab Berlin Ab MeukBlln, WiUenbracblirDcke: sriÄÄpS".Äa.„ Mtersl Mleise 1 w« %ÄaÜS3R£5SSSiNeue Mühle(A» «ÄÄörÄUair-frr. zemsdorfsw Hin und zurück 55 Pf., ZernSdois 80 Ps., Kinder 25 und 40 Pi. Jeden Montag und Donnerstag nach XU.s.HelSOiUNd ktz. Ahlbeck 4 rledrlchahag.'LU llc S � Jed. Dienstag u. Freitag nach Wenden- �NtraelllLlM Kchlolt- Cirünaa- IVnldldvll Jeden Mittwoch nach senden- l�rgMUeNVUl'? «chloL-«rtinan B.» S «chloL- Grilnaa—- Ab Cafü Alsen(Schlesische Brücke) Abfahrt ca.. Dampfer sind an Bercine usw. billig zu vergeben. Abfahrt l'/var ich zu schlapp. Wenn ich heule lesen würde, ick bättc einen Mord begangen, ich wüßte nicht, ivic ich dazu gekommen wäre.— Verteidiger Dr. Barnau beantragt, den praktischen Arzt Dr. Wangeinann aus Fricdrichshagen als Zeugen und sachverständigen zu laden, der den Zeugen Brandt bei der Gehirnersä-ütternng behandelt hat. Der Beschluß wird ausgesetzt.— Anklagevertreter Kriegsgcrichtsral Dr. Welt: Ter Zeuge möge uns doch die andere Teite nennen, von der er noch Material ' bekommen hat.— Zeuge: Das möchte ich nicht tun, ich will die Sache nicht noch gröfter machen. Ich möchte keinen Menschen belasten.— Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Dr. Welt: Tann wollen wir uns wenigstens darauf einigen, daß das meiste Malcrial von Tilian stammt?— Zeuge: Ja.— Verteidiger Wirth: Ist es vorgekommen, daß der Zeuge Bc- richte weggeschickt hat, nur inu seinen Fleiß zu zeigen?— Zeuge: Ja, das mackt jeder Vertreter so.— Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Tr, Welt: Ich will den Zeugen ja nicht pressen, aber ich will ganz allgemein, ohne Name» zu nennen, wissen, ob auch Vertreter- anderer Firmen mit Militärpersonen in unterirdischer Fühlung gestanden haben?— Zeuge: Ich kö»ntc diese Frage beantworten, ich möchte es aber nicht tun. Ich möchte den Skandal nicht noch größer machen. Ich würde es unter keinen Umständen tun. Ich weiß, daß auch die Vertreter anderer Firmen tadellos informiert: lvaren. Krupp war es früher nicht, und deshalb war Krupp ins Hintertreffen gekommen.— Vertyandlungsftihrcr: W i r kommen. ans diese in Gebiete mit dem Zeugen ja nicht: weiter.— Es wird dann mit dem Angeklagten Tröse und dem Zeugen Brandt eingehend der Unterschied zwischen den Forderungszettcln und den Bestellbüchern durchgesprochen.— Bcrhandlungssührer: War für Drösc die Aussicht, daß sie(zu Brandt) ihn bei der Firma anbringen könnten, der Anlaß, Ihnen Einblick in oas Bestellbuch und die Forderungszetlel zu geben.— Zeuge Brandt: Drösc wußte, daß ich keinen Einfluß hatte.— Verhaudlungs führer: Vielleicht haben Sie. ihm das aber so gesagt.— Zeuge: Das konnte ich gar nicht wissen. Das bätte nur durch Herrn von Schütz ge- schehen können.— Berhanolungssührer: Nun also.— Zeuge: Herr von Schütz hätte sich niemals dazu hergegeben.— Verband- lunos führer: Sie können das aber wohl jedenfalls gesagt haben? — Zeuge: Nein.— Vcrljandlniigsfiihrcr: Sie haben in Ihrer früheren Aussage aber ausdrücklich angegeben, daß Drösc einmal Ihre Vermittclung haben wollte iiiid daß Sic als Bedingung da- für stellten, daß er Ihnen Einblick in die Bestellbücher gäbe. Sie haben auch selbst angegeben: es ist unwahr, daß ich zu Drösc ge- gangen bin, um mit ihm zu musizieren, das hätte ich in meiner Wohnung viel besser machen können; der Zweck meiner Besuche war, daß er mir Cinbliet in die Bestellbücher gab. Sic haben auch Jhinziigcsetzt. daß Sic das nickt slücktig getan hätten, sondern daß Sie sich hingesetzt und die Bücher 29 bis 39 Minuten lang durchgesehen und sich Auszüge gemacht hätten, und daß Tröse dabei und damit einverstanden ivar.— Zeuge: Als ich diese Aussage machte, war ich gerade verhaftet und in einer solchen Aufregung und Verwirrung, daß ick gar nicht klar bei Verstand war.— Verhandlungsführcr: Sie haben aber noch nack Wochen diese Aussage wiederholt, wollen Sic auch behaupten, daß Sic da anormal waren?— Zeuge: Ich habe das nur ausgesagt, um aus der Untersuchungshaft herauszukommen, die mir immer drückender wurde.— Anklagevertreter Kriegsgericht srat Dr. Welt: Ich habe mit der Untersuchung gegen den Zeugen nichts zu tun gehabt, und daher auch über die Dauer der Untcrsuchungsl)ast keine Bestim- mung zu treffen gehabt. Weshalb hat er mir denn da auch salsck- Angabe gemacht?— Verhandlungsführcr: Sollen etiva auch die detaillierten Angaben über die 29 bis 39 Minuten vom Unter- suchungsrichter erfunden worden sein?— Zeuge- will ick nicht beljaupien.- Vcrwndlungssührer: Sic leiten also beule .„cht ausrecht, daß für Tro,c die Aussickt aus EmpfeMung bei Krupp maßgebeno war?- Zeuge: Nein, davon kann keine Rede sein, denn hatte keinen Emfluß aus eine Anstellung uno das wußte er.- Verhandln, igssuhrcr: Sic sind dock, aber nach Aus. kunst über Dro,c gefragt worden, und das ist doch auch eine Empfehlung.- Zeuge: Ich habe ih,»per nicht empfohlen, fondern ich backe sogar aus seine Schwäche» aufmerk, am gemacht. Wenn ich ihn hätte an- br'ngen'vollen, statte ,ch ,h„ ganz anders empfohlen.- Ter Angeklagte-- co,c beruft sich erneut daraus, daß er in jener Zeit an� clner katarrhallschen �clbsuchtsentzündurni gelitten habe, und oan er sich nach ärztlichem Attest habe schonen müssen; er habe daher, um oie Arbeiten zu erledigen, die Bestellbücher mit nach Hau,e genommen.- Anklagevertreter Dr. Welt: Es wird von Sir01*r bestritten, daß das Buch in der Wohnung des Angeklagten Drose gelegen hat.— Verteidiger Rechtsanwalt Ulrich: Berccht.gterwc.w gelegen hat!- Anklagevertreter Dr, Welt: Ganz richtig aber nur für ihn berechtigtertveise.- Verteidiger Rechtsan. walt Ulrich: Ich bitte durch Befragen des Zeugen Brandt ftstzn. stellen, ob der Angeklagte Tröse in seiner Wohnung dienstlich mit .hm d.e Sichtung vorgenommen hat, un. festzustellen. �s a„ altem Material an Äbrechnnn<» sn Irinnen mar.■„ingeil.— roje. Wenn neue Bestellungen gemacht.vnroen. se"urde von den Rech. nungen das zurückgclicsertc alte Material abgerechnet.~as war von der Firma«ri.hh herneffen worden, und ich mußte mit Herrn Bra.idt ,neh?chck. a'.ck um'"ich ö» erkundigen, ob die meist sehr hohen Rechmtnaen anacwiesen feien, die, c Sachen durch. eetp. Ich war bereckiich. hier ganz Su handclm Bo. Meier Durchsicht bat dann Brandt auch Einsicht ,n das Bestell. buck bekommen nickt aber in das Forderungszetteibnch.- Vcr. handlungsführcr' Er Haf aber auch c'n.ge Fordernngszettel ge. sehen. Hatten Sic dem, überhaupt Auftrag, den Vertreter von Krupp aufzusuchen�— Angckl. Drosc. Rein. Berhandlungs- fustrer: Was veranlaßtc � oder ivas sonst?_ Anklagevertret�w ,tt..ü.at. Lg handelt sich da um ganz einfache Fragen, die sich erledigen ließen, ohne daß Brandt oas Buck vor�l'gt wurde. � ��rstandige Zeug- Hauptmann Ebeling �stat�tlws. �andtglbtan. daß er zwei- bis dreimal � Bcst�.nch eing�, hen habe. Ex er. klärt nock- wird mir doch niemand übelnehmen, wenn ich als Verttetcr der Firma ein derartiges Buch liegen sehe, � dast ich es nur auch ansehe. — Anklagevertreter Dr. Welt: Aus den Bestellbüchern konnte Brandt ersehe», daß die betreffenden Versuch« im Gange waren.— Sach. verständiger Zeughautmann Ebeling: Brandt kannte die Unter- schiede zwischen dem izorderungszettelbuch und Bestellbuch aus seiner Dienstzeit ganz genau. Er muß auch wissen, daß der B«- arbcitcr dieses Buch sorgfältig unter Verschluß zu legen hat und nicht berechtigt ist, es offen auslicgen zu lassen. Oder gar einem anderen Einsicht zu gewahren. Er mußte wissen, daß hierüber strenge Dienstvorschriften bestehen.— Berhandlungsführer: Zeuge Brandt, kennen sie den Unterschied zwischen Forderungszettel»«nb Bestellbuch?— Zeuge: Wenn mir das borgelegt wird, werde ick, es wissen, aber es ist 20 Iahrc her.— Verhandlungsführcr: In den Bestellbüchern war alles enthalten, was in den Fordcrungszcttcln stand, mit Ausnahme der Versuche. Aber ein Mann von der Intel- ligenz und den Fachkenntnissen Brandts konnte auch aus den Be- ttellbüchern sicherlich seine Schlüsse ziehen. Diese Frage wollen wir später den Sachverständigen zur Beurteilung vorlegen.— Verhand- iungsführct: Sic haben srühcr gesagt,<-ie hätten nur Geld gc- geben, wenn Trocsc eine besonders gute interessante Sache brachte oder wenn er einen Austrag besonders gut aussührtc.— Zeuge: Wenn ich aus der Unterredung heraushörte, daß er Talles hatte, dann habe ich ihm Geld gegeben.— Angckl. Droesc: Eine derartige Aeutzcrung, datz ich im Talles wäre, habe ich niemals getan.— Zeuge: Ich habe es ja auch nur herausgehört.— Der Zeuge Brandt schildert dann weiter, wie er mit dem Angeklagten Hinst bekannt geworden ist. Der Angeklagte Hinst hat gestern cnt- schieden bestritten, von Brandt eine Weihiiachtsgratisikation in Höbe von 75 M. erhalten zu haben. Ter Zeuge Brandt führt auch diese Aussage in der Voruntersuchung aus seinen seelischen Zusammen- bruch zurück.— Beisitzer Hauptmann von Langendorff: Für den Zeugen Brandt waren doch diese Freundschaften nur Geschäfts- freundschaftcil. Nimmt der Zeuge nun an, daß die Auge- klagten ihm die Mitteilungen aus idaeler Freundschaft gemacht babcn, oder daß Sic sich davon Vorteile versprochen haben?— Zeuge: Sic haben es bestimmt aus idealer Freundschaft getan.— Hauptmann von Langendorff: Das ist doch aber sehr eigenartig. Der eine handelt aus Geschästsrücksichten und der andere aus ideellen Motiven.— Zeuge: Wenn jemand von mir etwas verlangt hätte, dann hätte ich ihm die Freundschaft sofort gc- kündigt.— Dem Angeklagten Höge gegenüber soll sich der Zeuge Brandt als künftiger Vertreter der Firma Krupp vorgestellt und ibm gesagt haben, er müsse ihm möglichst viel mitteilen, denn er, der cZuge, wolle etwas Besonderes für Krupp leisten.— Zeuge Brandt: Damit habe ich dem Höge durchaus nichts vorgeredet, denn es ist ja Tatsache, daß ich Berliner Vertreter werde» sollte. Darüber hat mit dem Direktorium in Essen ein Schriftwechsel stattgefunden.— Ängetl. Höge: Ich habe nicht nur mit dem Zeugen Brandt als einen Vertreter der Firma Krupp verhandelt, sondern es sind mir auch Vertreter von Behörden und Privatbetrieben geschickt worden, mit denen ich verhandelt habe so mit einem Vertreter vom Haupttelcgraphcnamt, und zwar wegen einer großen Fernsprech- anlagc.— Verhandlungsführcr: Herr Leutnant, Sie müßten doch wirklich einsehen, daß ein großer Unterschied zwischen der Anlage eines Telephons und den Versuchen mit einem Geschütz ist. Sie babcn übrigens gestern gesagt, daß Ihnen der Befehl zur Amts vcrschwiegcnheU seit 13 Jahren nicht wieder zu Ohren gekommen sei, und daß Sic deshalb, als Brandt an Sic herantrat, an diese Verpflichtungen nicht gedacht haben. Nun liegt vor mir ein von Ihnen unters ch_r iebcnes Protokoll vom 10. Juni 1912, in dem Sic s i ch erneut zur Geheimhaltung verpflichten, und zwar haben Sic diese Verpflichtung mit einem Handschlag bekräftigt. Was sagen Sic dazu?— Angekl. Höge: Das ist mir heute nicht mehr in Erinnerung. Ich war da- mals sehr bestürzt, weil mir mein General als ein sehr strenger und schroffer Herr bekannt war. Als ich von ihm durch Handschlag verpflichtet wurde, war ich sehr betroffen.— Verhandlungsführcr: Sie wollen also als Offizier beute nichts mehr wissen, was Sic ihrem General in die Hand versprochen haben?— Angckl. Höge: I ch habe ja gar nichts versprochen, der Herr Gene ral hat gesprochen. Tic Offiziere werden»reist mit Handschlag von ibrem General begrüßt, und ich hachtc daher, dies wäre eine Begrüßung gewesen.— Verhandlungsführcr: Ist Ihnen denn nicht das Protokoll vorgelesen worden?— Angckl. Höge: Viel- leicht. Ich habe aber den Inhalt nicht in mich aufgenommen. Uebrigens hat sich nachher nicht bestätigt, daß mein General ein strenger Herr war.— Verhandlungsführcr: Was geht es denn uns hier a», was Sic sich über Ihren Herrn General gedacht haben! Sic haben durch Unterschrift das Protokoll anerkannt, haben sich zur Dienstverschwiegenheit verpflichtet, und daher ist Ihre gestrige Behauptung,«ie hätten von dieser Verpflichtung seit 13 Jahren nichts mehr gehört, widerlegt. Hierauf tritt eine halbstündige Mittagspause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung richtet der Berhand lungsführcr Äricgsgerichtsrat Dr. Eocrrcns an den Verteidiger Dr. Ulrich die Frage: Es ist gestern behauptet worden, daß eine allerhöchste Verfügung bestehe, nach welcher die Vertreter der Firma Krupp bevorzugt werden sollen. Ich frage, ob diese Behauptung oufrechterhalten wird?— Verteidiger Dr. Ulrich: Es soll nur hier behauptet werden, daß eine Verfügung von allerhöchster Stelle aus dem Jahre>895 oder 1897 vorhanden sei, in der die Bevorzugung der Firma Krupp für bestimmte Teile der zu vergebenden Geschütz- auftrüge ausgesprochen wird und daß der Rest unter den anderen Firmen einschließlich der Firma Krupp zu verteilen ist. Es handelt sich also vier gewissermaßen um ein Prinzipium für die Firma Krupp. Wenn diese Verfügung inzwischen geändert oder aufgehoben sein sollte, so wird das für Hinst und die anderen Angeklagten, die davon Kenntnis hatten, immerhin eine gewisse Entschuldigung sein, weil daraus hervorgeht, daß der Firma Krupp infolge ihrer Bcrdienste im Interesse der Landesverteidigung eine besondere Vor- zugsstcllung eingeräumt wird.— Verhandlungsführcr: Mit Rück- ficht darauf, daß die gestrige Behauptung der Angeklagten durch die Presse gegangen ist, möchte ich hier hervorheben, daß ich nach diesen Erklärungen annehme, daß die Behauptung nicht mehr«urrecht- erhalten wird, es bestehe eine Verfügung, nach welcher die Firma Krupp eine Vorzugsstellung in bczug auf die Behandlung ihrer Vertreter im KriegSministerium und bei den Behörden einnehme. — Tie Behauptung wird nicht ausrcchterhalten.— Sachverständiger Major Frahnert hat alle Verfügungen im Geheimen Brief- kabinett in Spandau durchgesehen und keinerlei Verfügung über eine Bevorzugung der Firma Krupp bei der Vergebung von Liefe- rungen gefunden. In der Zeit der Umbewaffnung der Feld- artillerie sei eine Verfügung ergangen, daß bei Vergebung von Feldartilleriematerial die Vergebungen zuvor sämtlich dem Kriegs- minister vorzulegen seien, von einer Bevorzugung der Firma Krupp aber stehe nichts darin. Der Sachverständige teilt weiter mit daß Verfügungen über die Amtsverschwiegenheit alljährlich den Feld- wedeln und Uuterbeamten zur Unterschrist vorgelegt worden sind; er habe ein Heft in Händen, in dem der Angeklagte Hinst etwa 20mal die Kenntnis dieser Verfügungen bestätigt.— Der Verhandlungsführcr verliest diese Verfügungen, in denen betont wird, daß die Slmtsvcrschwiegcnheit sich nicht bloß erstrecke auf Schriftstücke, die als geheim bezeichnet feien, sondern daß auch»linistericllc Erlasse und Verfügungen, sowie sämtliche Aktenstücke für dienttUchc Zwecke bestimmt und streng geheim zu halten seien.- Auch andere Abscbmten als für rem dienstliche Zwecke seien streng nnlcrsagl. Verhandlungsführer: Die Angeklagten, die der Feldzeugmelsteret angehörten, mutzten also Kenntnis von diesen Versügungen baben, es kann demnach von niemandem mehr der Einwand gemacht werden, daß «r nicht die Bestimmungen über die strenge Amtsverschwiegenheit gekannt habe- Tie Angeklagten geben das z».-|�>er,mnd.ger Hauptmann Gronewald hat ebenfalls in Spandau Nachsor,chungen nach den Erlassen angestellt. Ein Erlaß, der beginnt:„Seine Ma,«- ftat befehlen, daß i„ Ansehung der Berdienstc der F'rma Krupp u,n. sei Nicht vorhanden. � Im Jahre 1891 und 1897 smen zwe. Erlasse ergangen, von denen der letztere ans den erstcrcn Bezug rnnnu. on dem Erlag von 1891 wird bestimmt, daß die Firma Krupp zu allen Ausschreibungen heranzuziehen und daß über das Ergebnis cm,»l.cß ich der Mindestforderungen nicht früher Mitteilung z» machen ist cbe nicht dem KriegS- minister Bericht erstattet ist. Weiter heigt.z j,, der Verfügung, daß Schncllfcucrtaiioncn, die Eigentum der Firma Gruson sind, von dieser zu bcz.cbcn sind. Die Verfügung vom 13 Oktober 1897 n.mmt. Anlaß, auf den ersten Erlaß b..,�we."en und chbt weiter an. dag über Ausschrc.vuugen(für Beschaffung von einzeln ausgc- sührtem Material für Geschützlieferungen), falls die Firma Krupp gleich- oder mindestf ordernde Angebote macht, vorher dem Kriegsmini st er zu berichten ist. Für den Fall, daß die Firma Krupp sich unter den gleich- oder mindestsordernden Firmen befindet, ist die Firma Krupp zu cineiii Angebot erneutauf- zuforderu—«achverstäudigcr Oberstleutnant Jung: Die Be- hauptung, die hier aufgestellt ist. daß die Firma Krupp irgendeine Vorzugsstellung cinnimmt und die auch in der Presse sehr häufig auftritt, muß ich ganz entschieden zurückweisen. Ich bin seit 1897 im Kriegsministerium und habe seit dieser Zeit mit Ausschreibungen und Vergebungen sehr viel zu tun. Es ist nickt gelungen, eine Ber- sügung beizubringen, in der bestimmt wäre, daß die Firma Krupp bevorzugt werden solle. Die Verfügungen, die hier vorgelesen wer- den, besagen, daß die Firma Krupp zu den Ausschreibungen heran- zuziehen sei. Mit der Vergebung selbst hat das nichts zu tun. Ich kann also aus das allerbestimmteste erklären, daß irgendeine Bevor- zugung der Firma Krupp bei Lieferungen und Ausschreibungen nicht existiert. Bestände eine solche Verfügung, so müßte ich sie bei meiner langjährigen Tätigkeit im Ancgsminislcrium kennen. Die Vertreter der Firma Krupp werden im Kriegsministerium zu- vorkommend behandelt, genau so wie die Vertreter jeder anderen Firma. Um die Behauptung, daß die Vertreter der Firma Krupp im Kriegsministerium bevorzugt werden, zu entkräften, würde�cs zweckmäßig sein, wenn bei der Vernehmung der expedierenden Sc- krctärc diese Herren sich darüber äußerten. Es bandelt sich da um Herren, die zum Teil 20 und mehr Jahre im Kriegsministerium sind und zun, Teil schon das Jahr 1891 im Äriegsminlstcrinm er- lebt haben. Die müssen also über die Verbältnissc Bescheid wissen. Zeuge Major a. D. Wollcnhaupt war früher der Vor- gesetzte einer Reihe der Angeklagten und meint, daß sie nicht befugt waren, den Vertretern privater Firmen Auskünfte zu erteilen.— Vcrhandlungsführer: Bestand eine Verfügung, daß die Firma Krupp bei den Vergebungen eine bevorzugte Stellung haben sollte?— Zeuge: Es existiert aus dem Jahre 1891 eine Vcr- sügung, wonach die Firma Krupp bei allen staatlichen Vergebungen siir Geschützrohre mit berangczogen werden solle. Diese Verfügung ist inzwischen wieder aufgehoben worden. Sie stammt aus einer Zeit, wo Krupp noch ein vollkommenes Monopol hatte. — Vcrhanülungssührer: cind Ihnen sonst Erlasse bekannt, ans denen auf ein besonderes Vorrecht der Firma Krupp bei Aus- schrcibungcn geschlossen werden könnte?— Zeuge: Nein.— An- geklagter Tiliau: Es muß aber nock eine solche Vcr- sügung existieren, wonach der Firma Krupp wegen ihrer hervorragenden artilleristischen Verdien st e eine Bevorzugung eingeräumt werden sollte.— Zeuge: Es kann sich nur darum handeln, daß die Firma Krupp, wenn sie alle Verpflichtungen übernahm, auch Aufträge bekommen sollte.— Anklagevertreter Kricgsgerichtsrat Dr. Welt: Aber doch zum Mindestpreise.— Militärischer Sachverständiger Hauptmann Gronemann: Selbstverständlich soll die Firma Krupp berücksichtigt werden, wenn sie zu gleichen oder billigeren Preisen zu liefern sich bereit erklärt, als ander« Firmen. In allen Einzeliänen hat sich übrigens das K r i e g s m i n i st c r i u m die Entscheidung vorbehalten.— Anklagevertreter:(seit ivann ist diese Verfügung von 1891 ausgehoben?— Zeuge: Seit etwa vier bis fünf Jahren.— BcrhandlungSführer: Es besteht dann also keine Vorrechts st cllung mehr, sondern die Firma Krupp hat nur das Recht an allen Vergebungen mit teil zu nehmen.— Verteidiger Wirt: Es fragt sich nur, ob nicht doch noch eine andere Berkügung bestellt, wonach die Firma Ktupp im Hinblick auf ihre artilleristischen Verdienste mit einem gewissen Prozentsatz bei allen Vergebungen berücksichtigt werden muß.— Zeuge Major Wollen Haupt: Eine solche kriegsminijtcrielle Verfügung hat früher tatsächlich existiert. Anklagevertreter: Dann bitte ich den Zeitpunkt, zu dem dies« Vcr- fiigung erlassen und ausgehoben worden ist. genau fest'zusicllcn. Zeuge Sekretär Friedrich(aus dem Rcichsverjichernngsamt) ist ein Freund des Angeklagten Titian und schildert diesen als einen aufrechten und rechtschaffenen Kameraden. Titian hat ihm teil iveise von Brandt erzählt und gesagt, daß es in der Wohnung Brandls hoch vergehe, daß Sekt, Rotspon und Wein gar keine Rolle spielten.— Zeuge Bureaudiätar Rahn-Steglitz ist mit dem Angeklagten Hinst befreundet und erklärt, daß Hinst ibm von seinem Verkehr mit Brandt niemals etwas gesagt habe.— Anklagevertreter: Es mußte doch auffallen, daß Hinst seinem besten Freund von dem Verkehr mit Brandt kein Wort gesagt hat. Die nächste Zeugin ist die frühere Geliebte des Angetlagtcn Schleuder, die Witwe Auguste W i c z o r e k. Sie wird vom Vcr Handlungsführer dringend crmahnt, die Wahrbeit zu sagen und weder den Angeklagten wegen der früheren Liebe zu schonen, noch ihn etwa wegen angeblicher Dissercnzcn zu belasten.— Zeugin Wiczorek: Ich babe den Angeklagten Schleuder 1907 kennen gelernt. Ter Verkehr hat etwa drei Jahre gedauert,— Vcrhandlungsführer: Es scheinen da aber Differenzen in der Liebe entstanden zu sein, Sic sollen eifersüchtig gewesen sein,— Zeugin: Ja.— Verhandlungsfübrer: ES soll zu«Szenen gekommen sein, weil es Ihnen nickt paßte, daß der Angeklagte abends länger ausblieb Zeugin: Er ging immer zu Herrn Brandt.— Verhandlungsführer: Auf Herrn Brandt brauchten Sic aber dock? nicht eifersüchtig zu se>h-— l Heiterkeit.) Sie glaubten wohl, daß er mit Brandt viel kneipe und zu jüngeren Mädchen gehe.— Zeugin: Ich glaubte ihm zuerst nicht, daß er zu Brandt gehe, dann aber zeigte er mir ein zweimal ein Zehn- oder Zwanzigmarkstück, das er in der Westentasche trug, und sagte mir: Das ist von Brandt.— Ver handlungsiuhrer: Hat er Ihnen nicht auch einmal gesagt, daß er dafür dem Brandt dienstliche(Geheimnisse verraten müsse. Zeugin: Er sagte, er müsse dem Brandt etwas dafür l e i st e n. Was, weiß ich nicht, ich glaube, er sagte, er müsse auf dem Bureau etwas für ihn abschreiben.— Vcrhand- lungsführcr: Die Mitteilungen Schlcuders haben Sic in einem Brief verwertet, der gestern hier verlesen worden ist.— Zeugin: Ja. ich habe diesen Brief nach Koblenz geschrieben.— Verhandlungs- führer: Sie drohen ,n dem Brief damit, daß es ein Wcltskandal werden würde, wenn Sic auspackten.— Zeugin: Ja, aber Schleuder antwortete, ich könnte es ruhig tun. er sei sich keiner Schuld bewußt. denn er habe kein Geld angenommen.— Vcrhandlungsführer: Schleuder soll Ihnen auch gesagt haben, er habe ein Weihnachtsgeschenk von Brandt bekommen.— Zeugin: Er gab mir am Heiligen Abend 50 M. und ich kaufte mir dafür eine goldene Ubr. Ob er die 50 M. von Brandt bekommen battc, weiß ich nicht mehr.— Angekl. Schleuder: Ich möchte die Zeugin fragen, ob die Unter- stützungen, die ich ihr zukommen ließ, nach der Bekanntschaft mit Brandt etwa höher wurde, als sie früher waren.— Zeugin: Nein. — Verteidiger Grasso: Hat die Zeugin den gestern verlesenen Brief sich nicht auf dem Bureau der Vereinigung der Rechtsfreunde dik- ticrcn lassen und dafür 3 M, bezahlt?— Zeugin: Nein. Ich bin zur Vereinigung der Rechtsfrelinde gegangen, weil ein Kamerad des Schleuder mir mit der Kriminalpolizei drohte. Angekl. Schleuder: Diese Angabe ist aus der Luft gegriffen. Weder ich noch ein Kamerad haben mit der Kriminalpolizei gedroht. Verteidiger Ulrich: Vielleicht hat Schleuder dsn Erpreffcrbricf der Zeugin damit beantwortet, daß er sagte, wenn sie noch einmal so schreibe, würde er es sofort der Polizei anzeigen.— Angekl. Schleuder: Die Aussage der Zeugin ist ein Gemisch von Wahrheit und Dichtung.— Anklagevertreter: Ist irgend jemand jetzt an Sie herangetreten unter Bezugnahme auf Ihre Aussage?— Zeugin: -ich habe Schleuder iliitcrwcgs getroffen.— Anklagevertreter: Was hat er zu Ihnen gesagt?— Zeugin: Er hat gesagt, das Geld wäre doch nur für Auslage» gewesen. Wenn er 10 M. bekommen hätte, wäre es höchstens für Fahrgeld gewesen.— Anklagevertreter: Hat er Ihnen gesagt, Sic sollten Ihre Aussage so einrichten?— Zeugin: Nein, er sagte, er könne mir darüber nichts mitteilen.— Anklagevertreter: Jedenfalls aber hat er in das Gespräch hinein- gebracht, daß die 10 M. Fahrgeld seien,— Zeugin: Jawohl.— Angckl. Schleuder: Das war ganz anders. Die Zeugin hak mich auf- gesucht, ich habe keinen Anschluß gesucht; sie ist weinend zu mir gekommen und hat mich gefragt, was sie aussagen solle. Darauf habe ich gesagt, ich dürfe mit ihr darüber nicht sprechen, weil ich sie nicht beeinflussen dürfe. Ich habe sie aber ermahnt, die Wahrheit zu sagen und keinen Meineid zu leisten, denn sie hatte mir gesagt, daß ihre Schwester mit ihr darüber gesprochen hätte, mich zu ent- lasten und den Brandt zu belasten.— Die Zeugin bestätigt diese Angaben und wird daraus vereidigt und entlassen. Nachdem Jntendantursekretär Klause l als Beamter der Darlehnskasse der Militärinstitute Auskunst über die dem Angc- klagten Pfeiffer gewährten Darlehen gegeben hat und die Angaben: der Verteidigung bestätigt hat, wird die Vernehmung des Zeugen. Brandt fortgesetzt. Er äußert sich über seinen Verkehr mit Pfeiffer» Dieser war ein alter Schulkamerad von ihm, den er 1907 in Berlin: wieder getroffen habe. Er habe dann häusig mit ihm sich über. artilleristische Sachen unterhalten, und es sei möglich, daß er aus diesen Gesprächen auch manches für seine Berichte benutzt habe.—; Vcrhandlungsführer: Sie sind ausfällig viel zusammen gewesen und haben jede Woche einmal zusammen gespeist, Sic haben Pfeiffer und seine Frau ins Theater eingeladen und alle die Kosten dafür getragen. Sic hatten zweifellos ein besonderes Interesse daran, ihn aufzusuchen, denn Sie wußten doch, wo er war.— Zeuge: Gewiß. im Kriegsministerium.— Verhandlungsführer: Sie: haben auch weitere Zuwendungen gemacht, auch bares Geld gegeben.. — Zeuge: Das ist die Schuld meiner Frau. Ich wollte zu Weih- nachten seinen Kindern etwas schenken; da redete sie mir zu, ihnr lieber das Geld zu geben. Ick gab ihm 73 M. und ein anderes Jahr 100 M. zu Weihnachten. Das habe ick nur aus Gutmütigkeit getan. Wir waren sehr intime Freunde, und da wollte ich ihm eine kleine Aufmerksamkeit erweisen.— Verhandlungsführcr: Das ist aber etwas recht viel: «10 M. für Kinder zum Weihnachtsgeschenk. Sic haben doch viele Bekannte; haben Sie da auch für die Kinder so erhebliche Geschenke gemacht?— Zeuge: Ich habe vielfach Geschenke gemacht, auch Gegengeschenke bekommen.— Ver« handlungssührer: Ansang Juli ist von Ihnen ein sehr wichtiger Kornwalzer abgeschickt worden. Damals hatte Ihre Firma ein großes Interesse, Mitteilung über die Versuche uiit einem bestimmten Geschun zu erfahren. Da hat Ihnen zweifellos Pfeiffer Mit- tcilungcn gemacht.— Zeuge: Ich habe so viele Einzelheiten er- fahren, daß ich mich jedes Falles nicht eriiincrc.— Verhandlungs- führer: Das ist aber keine kleine Sache gewesen, wie ein gc- wöhnlicher Kornwalzer. Dieser kann in der Hauptsache nur auf Mitteilungen aus dem Kriegsministerium beruhen. Sic haben früher angegebc». daß Ihnen dazu mündliche Unterlagen gegeben worden sind.— Zeuge: Jawohl, das habe ich gesagt, aber beschwören kann ich es nicht.— Vcrhandlungsführer: Sic haben früher immer betont, daß Pfeiffer der einzige Be- kannte im Kriegsministerium war oder haben Sic noch andere Vcr- bindungcn gehabt?— Zeuge: Im Kriegsministerium wnr ich utfer. — Verhaiidluiigssührer: Bei wem waren Sie denn da: Zeuge: Ich habe die'Referenten ausgesucht.— Verhandlungsführcr: Nun von diesen werden Sic doch nicht behaupten wollen, daß etwas bekommen haben?— Zeuge: Nein. Ich gebe ja zu, daß mir Pfeiffer mülidlichc Angaben gcmachi hat, aber ob dieser Korn- awlzcr auf seinen Mitteilungen beruht, kann ich nickt tagen. Verhaiidluiigssührer: Sic haben fnibcr selbst aiigcgcben: Alle zwei bis drei Wochen trafen wir uns am verabredeten Ort und er»iackte mir Mitteilungen ans der Artillericabtciluiig und aus anderen Ab- tcilungcn. So erfuhr ich von ihm von den Ansichten des Kriegs-» »iiiiijtcrs in der Haubitzcn-Aiigclcgenhcit, ilisbcsondcrc über Per- suchshaubitzcn. Pfeiffer erzählte mir, daß im KriegsMiNlstcrillM das E h r h a r d t s ck e Geschütz vorgezogen werde. tfCtiict lieferte et mir den Etatsauszng und im �ahre darauf wieder. Zeuge: Ich kann das nickt beschwören. Es sind so viel Sachen, über die ich Auskunft geben kann.—- Verhandlungsführcr: Diese-lackrichten müssen aber aus dem Ministerium stammen. Aus Icgaletn-� Wege können sie nicht erlangt sein. Ich frage Sic noch eilima., ob Sic damals im Kriegsministerium j »och eine andere Verbindung gehabt babcn.— Zeuge: Nein. Ich gebe die Möglichkeit zu. daß, sie auf Erzählungen Pscissers beruhen.— Anklagevertreter Kriegs- gerichtsrat Dr. Welt: Ter Zeuge hat auch aligcgcbcii, daß, Pfeiffer ibm niemals etwas Schriftliches gegeben habe. Nur der Etatsanszügcii hätte er die Zahlen natürlich nicht auswendig be- halten köniien, da hätte sie ihm Pfeiffer auf einen kleinen Zettel aufgeschriebc» und mitgebracht. Das sind doch so prägnante Tat- fachen, daß der Zeuge sick dessen eriiiiierii muß.— Verhaiidluiigssührer: Trotz Ihres angeblich so schlechten Gedächtnisses inüsscli Sic doch das wissen.— Zeuge: Ick kann das nicht mit Best:mmth.-it sagen. Ich nehme ja an, daß ick es von ihm habe, aber ich mag doch»iemaiid belasten, wenn ich es nicht positiv feststellen kann.— Verhandlungsführcr: Dann wundere ich mich aber, daß Sie Ihre Stellung so ausfüllen konnten. Sic werden ja doch gerade als besonders befähigter Beamter von allen weiten bezeichnet und alle Leute bewundern Ihr Wissen und vor allen Dingen Ihr fabelhaftes G c d ä ch t n i§.— Zeuge: Jawohl. Aber mein Gedächtnis hat sehr gelitten seit dem Unfall.— Vcr- handlungssührer: Nun, auch nach diesem„Unsall" haben Sie noch ein scbr gutes Gedächtnis bewiesen, denn Sic haben an einem Tage nicht weniger als vier Kornwalzer angefertigt. Verteidiger Sarnau: Ist es richtig, daß die 100 Mark Wcihnacht�e,chcnk ein Geschenk für Pfeiffers Kinder waren?— Zeuge: Jawohl.— Verhaiidluiigssührer: Wie konnten Sic es wagen, einem Herrn in der Stellung Pfeiffers Fahrgelo anzubieten? Anderen Freunden haben Sic dock auch uichts geschenkt!— Anklagevertreter: Frübcr haben Sic nichts von den Kindern erlvähnt, sondern gesagt, dies solle gar kein Geschenk, sondern ein Entgelt sein für die Zeit, die Pfeiffer Ihnen gewidmet hat,— Verteidiger Sarnau: Ist dem Zeugen bekaniit, daß auch die Vertreter anderer Firmen sich bemüht haben, auf diese Weise Informationen bei den Militärbe- Hörden zu bekommen?— Zeuge: Darauf möchte ich die Aussage ver- weigern.— Verteidiger Sarnau: Das ist mir eine sehr wichtige Erklärung.— Angekl. Pfeiffer: Mit den lauen Einschrän- kungen des Zeugen Brandt ist mir nicht gedient. Es ist auSgc- schlössen und ich belmipie es ihm ins Gesicht, daß Brandt von mir jemals Material bekommen hat, insbesondere zu dem Korn- walzcr G. C.. der mir zum Verhängnis gelvorden ist. Ter Zeuge mag sick an die Brust schlagen nno mit sich zu Rate gehen.— Verhandlungsführcr: Die Fragen sind längst beantwortet. Der Zeuge hat gesagt, daß er im Kriegsministerium nur Sie als Quelle gehabt hat.— Zeuge Brandt: Ich glaube nicht, daß ich das Ma- tcrial von einem anderen als Pfeiffer bekommen habe.— Angckl. Pfeiffer: Der Zeuge ist sehr unvorsichtig in seinen An- gaben und handelt aus einer gewissen Perfidie heraus. Verhaudliingsführer: Ans welchem Grunde soll der Zeuge, mit dem Sie so lauge befreundet waren, gegen Sic perfide sein? Im November und Dezember 1912 und im Januar 1913 trafen Sie ich noch häufig und nun soll er ans einmal im Februar dazu übergegangen sein, Sie unschuldig zu belasten.— Angckl. Pfeiffer: Ich habe mir diese Frage auch schon oft vorgelegt, komme aber niemals zu einer richtigen Antivort. Vielleicht will der Zeuge, der sick verloren gibt, mich mit herabziehen.— Ve» handlungssührer: Dann wäre Brandt dock aber eine hhperper» Verse Natur. Nur weil er ins Unglück gestürzt ist, soll er seinen besten Freund mit ins Unglück ziehen!— Angckl. Pfeiffer: Vielleicht kommt auch noch in Betracht, daß er sich der j�irma Krupp gegenüber eine Terkung verschaffen Wils. — Verhandlungsführcr(zum Zeugen Brandt): Haben Sie jemals wissentlich falsch gegen Pfeiffer ausgesagt?— Zeuge: Nein, es tut mir aber in der Seele leid, daß Pfeiffer durch meine Angaben ins Unglück gekommen in. Das macht mir auch furchtbare Ge- wiffcnsbiffc.— Damit ist die Vernehmung des Zeugen Brandt, die mehrere Stunden in Anspruch nahm, beendet. r AIS nächste Zeugin wird Frau Wilhelms Brandt dernonunew die sich zunächst eingehend über den kameradschaftlichen Verkehr in ihrem Hause äußert: von Scktgclagcn könne keine Rede sein, die Freunde ihres Mannes seien immer bürgerlich einfach de- wirket worden.— Anklagevertreter Kriegsgcrichtsrat Tr. Welt: Ist Ihnen aufgefallen oder bekannt geworden, daß nach der Haft- entlaffung Ihres Mannes irgendwelche Leute an ihn herangetreten sind, damit er seine früheren, die Angeklagten sehr belastenden Aus- sagen nach einer Richtung modifizieren möchte.— Zeugin: Tarauf verweigere ich die Antwort.— Anklagevertreter: Weshalb?- Zeugin: Weil ich mit meinem Mann verwandt bin.— Anklagevertreter: Das Gericht kann die Aussage erzwingen?— Zeugin: Mein Rechtsbcistand hat gesagt, daß ich darauf nicht z» antworten brauchte. — Verhandlungsführer: Sie haben gar kein Recht, die Aussage zu verweigern.— Zeugin: Ich will mich erst genau informieren.— Verhandlungsführer: Worüber?— Zeugin: Ich will mir Direktiven geben lassen.— Anklagevertreter: In bezug auf die Wahrheit gibt es keine Direktive.— Verhandlungsführcr: Ein gesetzlicher Grund, die Aussage zu verweigern, liegt nicht vor.— Zeugin: Ich kann aber nicht aussagen.— Ver handlungsftihrer: Dann wird das Gericht Sie in Strafe nehmen, das Gericht kann Sie zwingen.— Zeugin: Das gute Recht muß mir zur Seite stehen, mich mit meinem Rechtsbeistand Dr. Löwen- stein zu besprechen.— Anklagevertreter: Ich halte eine derartige Besprechung für absolut unzulässig. An diesenc Prozeß sind nicht nur die Leute interessiert, die hier auf der Anklagebank sitzen. Ich will die auffallende Gedächtnisschwäche des sonst so beschlagenen Brandt aufklären. Die Verteidigung sucht sie zu beweisen mit dem dem Schlag der Motorkurbel. Ich will beweisen, daß auch noch andere Gründe dafür in Frage kommen, daß Brandt auf einmal so auf- fällig gedächtnisschwach geworden ist.— Zeugin: In der Unter- suchungshaft war mein Mann immer schwach im Gedächtnis.— Verhandlungsführer: Rein, dort hat er ganz genaue Angaben ge- macht; heute, wo er ein freier Mann ist, will ihm sein Gedächtnis verlassen haben. Ich wiederhole die Frage: Ist Ihnen bekannt geworden, daß von irgendeiner Seite an Ihren Mann das Ersuchen gerichtet worden ist, seine Aussagen zu ändern?— Zeugin: Eine verneinende Antwort kann ich nicht auf meinen Eid nehmen. »— Verhandlundgsführer: Also wäre es nicht die Wahrheit. Von meinem Standpunkt aus möchte ich der Zeugin Gelegenheit geben, sich ihre Aussage genau zu überlegen. Die Zeugin will offenbar die Unwahrheit nicht sagen, und ich ivill es nicht zum Konflikt kommen lassen.— Anklagevertreter: Tann erhebe ich da- gegen keinen Widerspruch mehr.— Die Verhandlung wird hierauf bis Sonnabend früh vertagt. Für die?lngeklagten geben ihre Ver- teidiger die Erklärung ab, daß von anderer Seite nichts unter- iwmmen worden ist, um den Zeugen Brandt zu einer Aenderung seiner Aussagen zu veranlassen.— Am Schlüsse des heutigen Sitzungstages wurden wiederinn in nicht öffentlicher Verhandlung der Inhalt einzelner Äornwalzer erörtert. Am Sonnabend früh 9 Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt. tzecntsim Sacht» KcichstagsmaDdat. Unter dieser Ucberschrift brachte die nationalliberale„Dort- tn u n d e r Zeitung" in ihrer Nummer 86 vom 27. Juli 1913 vinen Artikel über den schlesischen Meineidsprozeß, den die schwarz- gelbe Presse weidlich auch gegen mich ausgeschlachtet hat. Von der Berliner„Kreuzzeitung" und„Post" bis herab zur„Essener Volks- zeitung", dem„Werkverein" und dem Lebiusschen„National- dcmokrat" sind die Anwürfe, welche der gelbe„Feierabend" und das frcikonservative„Neue Tageblatt" in Waldenburg gegen mich schleuderten, weiter verbreitet und mit eigenen Bemerkungen aus- geschmückt worden. Tie„Dortmunder Zeitung" tut noch ein Ucbriges und bringt die Rede mit zur Sprache, die ich im vorigen Jahre im Reichstage gehalten habe, als die Wahl des Bochumer „Zechenkandidaten" Heckmann im Reichstage zur Beratung stand. Diese meine Rede, in der ich mit Recht das am Tage vor der Stichwahl in Bochum verbreitete berüchtigte Kothaufen-Flugblatt der Liberalen gehörig brandmarkte, nennt die„Dortmunder Zei- tung" eine Komödie. Dann schreibt sie wie die anderen genannten Zeitungen von einem gefälschten Flugblatt, das acht Tage vor der Hauptwahl 1912 in meinem Kreise lgcgcn die dortigen freikonser- vativen Wahlmacher) verbreitet worden sei. Material, das ein ehemaliger Fürst von Pleßscher Oberbeamter seinerzeit den Sozial- demokraten geliefert, habe man in gröblichster Weise gefälscht und in Gestalt eine?„Offenen Briefes" in einem Flugblatt zusammen- gestellt,„das den Anschein erweckte, als sei es von dem aus seiner Stellung entlassenen Fürstlich Pleßschen Oberbeamten G a l l a s ch verfaßt worden." Dann schreibt die„Dortmunder Zeitung" weiter, daß in dem Flugblatt in der parteiischsten Weise gegen den Fürsten von Pleß und dessen Generaldirektor Regierungsrat Keindorf immer angeblich durch den entlassenen Beamten— der Verwaltung der fürstlichen Gruben verwerflichste Agitation und weitgehender Terrorismus zum Vorwurf gemacht". Dann behauptet das Blatt noch, durch die Zeugenaussagen vor dem Schweidnitzer Schwur- Gericht sei festgestellt worden, daß das Ganze„eine grobe sozial- demokratische Fälschung war, und ich hätte gewußt, daß das Flug- blatt, dem ich allein meine nochmalige Wahl in Waldenburg ver- dankte,„gefälscht war". Ja, der Justizrat Mammroth, der Verteidiger der wegen Meineids Angeklagten habe die Aeuße- rung getan, daß Sachse sich an der Fälschung des Flugblattes direkt beteiligt habe." Diesen ungeheuerlichen Darstellungen gegenüber will ich beute nur folgendes richtigstellen— ein gerichtliches Vorgehen behalte ich mir vor—: Es ist völlig unwahr, daß der rühmlichst bekannte Justizrat Mammroth aus Breslau gesagt hat, ich habe mich„an der Fälschung des Flugblattes direkt beteiligt". Es ist ferner im- wahr, daß das Flugblatt, der sogenannte„Offene Brief", gefälscht ist. Das„Waldenburger Tageblatt", das Leiborgan Keindorfs und die„Post" in ihrer Nummer 334 schreiben,„es liegt eine bestimmte Aeußerung eines der Verteidiger in jenem Meineidsprozeß, des Justizrat Mammroth(Breslau) vor, wonach der Reichstagsabge- ordnete Sachse sich an der Arbeit(gemeint ist die„Fälschung" Osterroths) beteiligt habe". Hingegen die„Essener Volkszeitung" schreibt in ihrer Nummer 194, daß der Arbeitersekretär Osterroth, „der Verfasser des gefälschten, aber sehr wirksamen Wahlflugblattes ist...und der sozialdemokratische Vertreter des Waldenburger Kreises. Abgeordneter Sachse, hat— wie selbst der Verteidiger „Genosse" Cohn(Abgeordneter für Nordhausen) zugeben muhte— davon Kenntnis gehabt". So kolossal widersprechen sich diese mich so herunterreißenden Berichte der genannten gegnerischen Zeitun- gen. Die eine berichtet unwahr, der?lbgeordnete Genosse Cohn sei der Verteidiger gewesen, der gesagt habe, ich habe von der Fälschung Kenntnis gehabt. Tie anderen schrieben, ich habe mich an der Fälschung„beteiligt" und die„Dortmunder Zeitung" schießt den Vogel ab und nennt den Justizrat Mammroth, der gesagt habe,„daß Sachse sich an der Fälschung des Flug- blattes direkt be teiligt habe". Aus dieser Widerspruchs- vollen, teils völlig unrichtigen Darstellung dieser Blätter, kann der aufmerksame und gewissenhafte Leser schon erkennen, was an der ganzen Sache ist. Demgegenüber stelle ich fest, daß ich schon des- halb au einer Fälschung, nicht beteiligt war, weil überhaupt eine Fälschung gar nicht vorliegt. Den Stoff zu jenem Flugblatt hat tatsächlich der erwähnt eOber- beamt'e Gallasch geliefert. Und was das wichtigste ist, der Inhalt des Flugblattes, der Kern der Sache, entspricht der Wahrheit. Das beweist schon, daß Gallasch nicht nach Z 186 des Strafgesetzbuches angeklagt war, sondern nur nach§ 18S, also wegen formaler Beleidigung. Warum hat man voriges Jahr Gallasch, den Verfasser der schweren Llnschuldigungen nicht wegen diesen, sondern nur wegen einiger scharfer, formale Beleidigungen enthaltenden Stellen unter Anklage gestellt? Doch nur deshalb nicht, weil die Anklagen Gallaschs gegen die fürst- liche Grubcnverwaltung auf Wahrheit beruhen. Es ist demnach wahr, daß Amtsrichter, Amtsanwältc und Privatpersonen große unverzinsliche Darlehen von der Pleßschen Verwaltung erhielten, die schließlich gelöscht, also nicht zurückgezahlt wurden. Es ist also ferner wahr, daß Generaldirektor Keindorf Scheinkäufe seiner Be- amten eintragen ließ nur zu dem Zwecke, daß die Beamten in den Gemeinden als Vertreter gewählt und so die fürstliche Verwaltung die Mehrheit im Gemeinderat erhielt. Es ist demnach ferner wahr, daß Lehrer und katholische Geistliche von der fürstlichen Verwaltung herabgesetzt und schwer beleidigt, ja teils terrorisiert wurden, wenn nicht nach der Pfeife der Keindorf und Genossen getanzt wurde. Diese und andere kompromittierenden Tatsachen hat Gallasch ge- liefert und an die Oeffentlichkeit gebracht. Gallasch wollte diese Anklagen in»userer dortigen Parteizeitung, der„Bergwacht", als Artikel unter seiner Namensnennung verösfentlichen. TckS Wahl- komitee hat aber dann auf Vorschlag Osterroths in meinem Bei- 'ein beschlossen, daß man dieses wichtige Material lieber in ein Wahlflugblatt umarbeiten und früh genug verbreiten solle, damit die Angegriffenen noch vor der Wahl antworten könnten. Oster- rot hatte uns ausdrücklich versichert, daß Gallasch damit einver- landen sei, und Gallasch als Zeuge hat das auch in dem jetzigen Meineidsprozeß auf Befragen Osterroths zugegeben. Kann man da von einer Fälschung reden, wenn das wichtige Material statt in Zeitungsartikeln, wie Gallasch da? erst wollte, dann im Ein- Verständnis mit diesem in einem Flugblatte an die Oeffentlichkeit gebracht wird? Nein, das kann kein vernünftiger Mensch als eine Fälschung erklären. Bei dem Umredigieren der Artikel in ein Flugblatt ist meines Wissens nur das Tatsachenmaterial verwendet worden, das in dem Gallasch-Artikel stand. Nur einige Rede- Wendungen, die nach 8 l8ö des Str.-G.-B. formal beleidigenden Inhalt hatten, sind, wie nunmehr feststeht, nicht von Gallasch, son- dern von dem Redakteur des Flugblattes beim Umschreiben hinein- gebracht Wörden. Diese Stellen kann ich augenblicklich nicht wört- lich angeben, weil mir die Gerichtsakten nicht vorliegen. In jener Sitzung des Wahikomitees habe ich unter anderem mit beantragt, daß solche scharfe Stellen gestrichen wurden. Leider sind sie nicht alle herausgekommen. Also von einer Fälschung kann auch dabei nicht gesprochen werden, denn es ist das meines Wissens nur eine 'chärfere Kennzeichnung der Tatsachen gewesen, die G a l l a s ch 'elbst in seinen Artikeln mitgeteilt hatte. G a l l a s ch wohnt nicht mehr in Waldenburg(Schlesien), sondern bei Riesa in Sachsen. Die Fassung des Flugblattes konnte ihm nach jener Sitzung per- onlich nicht mehr unterbreitet werden, weil es schleunigst gedruckt und verbreitet werden mußte, damit die Gegner nicht von einer Ueberrumpelung sprechen konnten. Wäre noch Zeit genug ge- Wesen, hätte man sich mit Gallasch auch über den genauen Wort- laut der paar nicht von ihm stammenden, das Gebaren der Gegner kennzeichnenden scharfen Sätze verständigt. Aber, wie gesagt, eine Fälschung kann man die paar scharfen Ausdrücke auch nicht nennen, weil damit an den tatsächlichen Angaben Gallaschs nichts geändert wurde. Da also kein gefälschtes Flugblatt vorliegt, habe ich auch nicht nötig, mein Mandat niederzulegen, wie einige dieser genannten Zeitungen verlangen. Uebrigens ist die Behauptung der Zeitungen nicht richtig, daß ich nur diesem Flugblatte meine Wiederwahl zu verdanken hätte. Selbst bei der Hottentottenwahl 1967 bin ich im ersten Wahlgang noch mit 456 Stimmen Mehr- heit gewählt worden. Bei der Wahl 1912 hat meine Partei fast in allen Kreisen gewaltigen Stimmenzuwachs erhalten, mithin hätten wir ohne Zweifel auch in meinem Wahlkreise Waldenburg ohne dieses Flugblatt auch eine noch stärkere Mehrheit im ersten Wahlgange erreicht als 1967. Es ist auch nicht richtig, daß die „Bergwacht", unser Parteiblatt, geschrieben habe, daß dies Flug- blatt uns den Sieg gebracht habe. Die„Bergwacht" hat nur ge- schrieben, daß das fragliche Flugblatt„mik dazu beigetragen habe, daß die sozialdemokratischen Stimmen um nahezu 2666 in die Höhe geschnellt worden sind". Ohne das sehr wirksame Flugblatt wären unsere Stimmen vielleicht nur lö66 Stimmen hinaufgegangen, dann hätten wir aber immer noch 1366 Stimmen mehr gehabt, als die gegnerischen Kandidaten bei der Hauptwahl hatten. Selbst wenn es zur Stichwahl gekommen wäre, so hätten die Leute, die im ersten Wahlgang für den Liberalen(der 5915 Stimmen erhielt) stimmten, nicht alle den Freikonservativen(er erhielt bei der Haupt- wähl 7144 Stimmen) bei der Stichwahl gewählt. Selbst die bei der Hauptwahl abgegebenen 2826 Zentrumsstimmen wären den freikonservativen Zechenkandidaten bei der Stichwahl nicht alle zu- gefallen. Mit den 17 682 Stimmen, welche ich erhielt, hatte ich doch einen zu großen Vorsprung. Ja, selbst wenn ich seit 1967 gar keinen Stinimcnzuwachs, also wieder 15 835 Stimmen, erhalten hätte, wäre ich bei einer eventuellen Stichwahl doch noch gewählt worden, weil uns die freisinnigen Stimmen größtenteils zugefallen wären. Alos mit der Mandatsniederlegung wird es nichts. Wer diese verlangt, macht sich nur lächerlich. Einige von den genannten Zeitungen behaupten noch, wir hätten uns noch einen weiteren Schwindel zuschulden kommen lassen, indem ich den Bergleuten in den Versammlungen überall als„alter Praktikus" vorgestellt worden sei, trotzdem ich gar kein gelernter Bergmann sei. Auch diese Mär ist unwahr. Sie ist auch nicht neu. Der frühere gelbe Sekretär E r m e r t ist schon vor der Wahl 1967 und nachher noch lange damit krebsen gegangen, daß ich nicht Bergmann gewesen sei. Schon damals ist das von uns in der Oeffent- lichkeit wahrheitsgemäß richtig gestellt worden, daß ich wohl kurze Zeit in der Grube gearbeitet, dann elf Jahre in der Königin Marienhütte be- s ch ä f t i g t war, wo ich heute noch als Knappschaftsmitglied freiwillige Beiträge zahle. Wir hatten damals in Sachsen einen Berg- und Hüttenarbeiterverband. Dort wurde ich 1892 als Vor- sitzender gewählt. Sllso auch dieser Vorwurf fällt zusammen wie ein Kartenhaus, weil er unwahr ist. Bochum. H. Sachse, Mitglied des Reichstages. VrnfKasten der Kedahdoii. Tie lurlfttsche epreqstunde findet Lindenftrafte es, v»r»»Icr reedden — Fahrftuhl—, wochcntäglich von bis 7� UZr abend«, Konaabend«, da««i/z bis 6 Übe abend S statt. Jeder fiir den«riestaften bestimmten Anfraze ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beij-sSgea. Briefliche Antwort wird»ich» erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsqnittnng deigesstg» ist, «erden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage mau in der Sprechstunde bor. A. S. Ihre Braut muß eine Bescheinigung des BormundschastsgerichtS erwirken darüber, daß sie ihrer ZluSeinandersepungSpfticht genügt hat. So- weit ihre Ersparnisse in Frage kommen, braucht sse davon nach Ihrer Dar- stellung nichts anzugeben. Außer der erwähnten Bescheinigung muß die Frau noch die SIerbeurkunde des verstorbenen Ehemannes beschaffen. Soweit Sie in Frage kommen, reichen die genannten Papiere auS.— P. M. 27. Wiederholen Sie Ihre Anfrage und geben Sie noch an, wie- viel Zinsen aus dem Vermögen bezogen werden, serner wann die Bcr» anlagung zur Staatscinkommensteuer zugestellt ist.— L. T. 666. Nein — Ida ö. 1. Ja. Es muß aber Zeugenbeweis erbracht werden, da in einem derartigen Prozesse das Zugeständnis allein in der Regel nicht au«- reicht. 2. Das ist möglich, die KindesmuUer würde alS Zeugin vernommen werden können.— E. is). 166. 1. Rur dann, wemi der Eigentümer durch schristliche Erklärung Sie von den Vertragspflichten entbindet. 2. Ja. soscri, Sic bczw. Ihre Frau dem Verbot nicht nachkommen. Der Vermieter könnte alsdann auch schon früher Räumung fordern. 3. Nein.— E. K. 12. l. Ja, sofern sich die Angestellten bezw. Arbeiter darauf einlassen. 3. und 4. Gegenüber dem Akzeptanten drei Jahre; aus dem ursprünglichen Schuld- Verhältnis kann auch noch später geklagt werden.— P. M. 87. Das ist nicht unmöglich, aber imwahffchcinlich.— Ü. 166. 1. Die Gultentagschen Handausgaben des B. G.-B. und der Gewerbeordnung sowie die Hochsche ReichsversilberungSordnuiig dürsten für Ihre Zwecke genügen. Sic erhalten die Werke durch Vcrmittelung der Buchhandlung Vorwärts. 2. Der Aus- tritt erfolgt in derselben Weise wie bei einem Inländer, bei dem Amts- gericht, in dessen Bezirk der B-trcssendc seinen Wohnsitz hat. Die Naturali- iation ist nicht ausgeschlossen. Der Antrag ist, sofern die betreffenden dort ihren Wohnfitz haben, bei dem Regierungspräsidenten zu Potsdam einzureichen. Eingegangene Driickfdrnften. Ringel, Rangel, Rosen. 156 Singcspiele. Gesammelt von F. Jöde. Karl. 2 M.— Ter deutschen Jugend Sportbuch. Bearbeitet von Dr. H. O. Simon. Geb. 3 3)1. B. G. Teubner, Leipzig. Ter Gesetzentwurf über da» Erbrecht des Staates. Von Dr. I. Hermes(Finanzw. Zeiffchr. Hcst 4.) 1 M.— Tie finanzielle Stellung der europäischen Großmächte. Von Dr. O. Schwarz. üanzw. Zeitschr. Hcst B.) F. Eule. Stuttgart. Rings durch Täuemark. Eine neuntägige Tour. B6 Ps.— Tie Kunst billig zn reifen. Anleitung sür Touristen. 50 Ps. St. F. Köhler, Leipzig. Universal-Bibliothek. 5B7ö. Polterabend. 5. Bd. Von G. R. Kruie — 5577. Erzählungen aus dem russischen Voltsleben. Von S. GuSjew- Orenburgsky.— 5578—86. Fürst Pulows Reden. Herausgegeben von W. v. Maffow.— 5571—72. Tie chemische Verwandtschaft. Von Dr. M. Epcter.— 5573. Gespräche mit Graf Leo Tolstoi. Von R. Gusfew und L. Spiro.— 5574. Rutomobilgeschichteu. Von Corday.— 5575. Ter kalte Schlag. Humoreske von T. v. Toni.— Einzelnummer geb. 20 Pf. PH. Rellam, Leipzig. Der Tabaktrust und seine Gefahren für Teutschland. Bon R. Gocrrig. 38 S. F. E. Boden, DreSdcn-A. Deutsche Rundschau für Geographie. Hest 11. Herausgegeben von Bros. H. Hassinger. Jährlich 12 Hefte a 1,15 M. A. Hartleben, Wien. Zeit im Bild. Nr. 31. Jllustr. Wochenschrist. Chefred. H. MichalSli. 56 Ps. Neue Deutsche VerlagSgesellschast, Berlin W 57. .Meine Ehe mit Luise von Toseana.« Bon Enrico Toselli. 3 M.. geb. 4,50 M. P. Schmidt, Basel. Tie Lieder von Gott und dem Tod. Von K. Röttger. 2,56 M., geb. 3,50 M. Charon-Verlag, Groß-Lichtei selbe. Franz Bcrgg. Ein Proietarierlebcn. Bearbeitet und herausgegeben von R. Walter. 3,50 M., geb. 4,50 M. Neuer Franlsurter Verlag, Frank- surt a. M. Lxtrabilliöer Verkauf von Resten und Einzel-Paaren bestehend«us fast nur großen und klein en* Nnnuncrn verschic- dernter Arten von Schuhwaren für Domen., Herren und Kinder Zentrale: Berlin C, Jerufalemer Stratjc 32-35, am Dönhoff-Platz Potsdamer Strafe Nr. 2 Tauentzien- Strafe 19 a Tauentzlen- Strafe 7 b Friedrich- Stratze Nr. 75 Kflnlg-Stratze Nr. 25—26 Rotenihaler Z trotze Nr. 5 Oranlen- Strotze Nr. 161 Gr. Frankfurter Shr. 123 CbaoMce-Str. Nr. 114-115 Sdifoebg., Haupt-Sir, 146 Neukölln, Berg-Stra$e25 Charly WUmendorier»tr.«5 �verantwortlich« ÖUiäfteut: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Jnieratsnteil oermttw.t Ttz. Blicke, Berlin. Druck».«erlag:«orwart, vuchdruckerei u. VerlagSanftalt vaul Singer b.) «.« 2. IrilMf Ks Jorairls"{ictliiitt UxllisblÄ ©cwerkrchaftUcbca. Berlin und Qnizegrnd. Zum Werftarbeiterstreik. Eine am Donnerstag abgehaltene auizerordcutliche Generalver- fammlung der Berliner Mitgliedschaft des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes nahm Stellung zum bevorstehenden außerordentlichen Verbandstage, der sich mit dem Werftarbeiterstreik zu befasten hat.— Cohen gab eine kurze Darstellung der Vorgeschichte des Streiks und führte dann aus: So wie die Angelegenheit jetzt stehe, könne es gar nichts anderes geben, als daß die Entscheidung in die Hand eines außerordentlichen VerbandStageS gelegt werde. Wenn es sich nur um die UnterstützungSftage handeln würde, dann wäre die Sach« läge nicht so schwierig. In erster Linie müsie es sich darum handeln, daß ein Beschluß gefaßt werde, der sowohl den Interessen der streikenden Kollegen als auch dem Ansehen der Organisation diene. Nicht die Frage, wer die gegenwärtige Situation verschuldet hat, dürfe in den Vorder- grund gestellt worden, sondern vielmehr die Frage, wie wir anS dieser Situation herauskommen. Der Verbandstag werde eine Reihe interner Angelegenheiten und taktischer Maßnahmen zu erörtern haben, die man während de? Kampfes nicht in breiter Oeffentlichkeit besprechen könne. Der VerbandStag würde deshalb gut tun, als geschlossene Sitzung zu tagen. Die DiSkussionSreder vertraten im wesentlichen folgenden Stand- Punkt: Der große Unwille, welcher aus der gegenwärtigen Situation der Werstarbeiter in den Reihen der Kollegen entstanden sei, be- weise, daß das Statut den Bedürfnisien der Kollegen nicht ent- spreche und deshalb geändert werden müsie. Nach der am IS. Juli von den Unternehmern abgegebenen Erklärung, daß sie keine weiteren Zugeständnisie machen, hätten die beteiligten Kollegen zur Ent- scheidung über die Frage, ob sie streiken wollen, zusammenberufen werden müsien. In diesem Sinne müsse das Statut geändert werden, dann würde der Verband nicht wieder in eine solche Situasion kommen. Die Erklärung, welche die VerbandSvorstände nach dem Ausbruch des Streiks abgaben, sei zu verurteilen, be- sonders deshalb, weil darin gesagt werde, der Kampf sei auf dem toten Punkt angekommen. Die Verantwortung für den Ausbruch des Streiks hätten die Unternehmer, denn sie hätten ja durch Maßregelungen oder Lohnabzüge den Waffen- stillstand gebrochen.(Lebhafte Zustimmung.) Nach Schuldigen in den Reihen der Kollegen brauche man nach diesem Vorgehen der Unternehmer nicht zu suchen. Wenn man befürchte, die Arbeiter- organisation werde wegen des Verhaltens der Werftarbeiter nicht als vertragsfähig angesehen werden, so könne man mit viel größerem Recht sagen, die Unternehmer seien nicht vertragSsähig, weil sie den Waffenstillstand gebrochen haben. Nach alledem könne der Verbands- tag gar nicht ander«, als den Streikenden die vollste Unterstützung zuerkennen. Im Laufe der Debatte wurden zwei Resoluttonen eingebracht, welche den VerbandStag zur Unterstützung und Sanktionierung des Streiks auffordern. Hierzu bemerkte Tohen: Es sei überflüssig, eine Sympathie- resolution anzunehmen, denn es sei selbstverständlich, daß jeder Kollege und jeder organisierte Arbeiter mit vollem Herzen auf feiten der Streikenden stehe und ihnen den besten Erfolg wünsche. Aber durch Sympathieerklärungen werde an der Sache nichts geändert. Es könne sich nur darum handeln, daß nach Anhörung der Kollegen aus den Werstorten die Angelegenheit eingehend geprüft und eine Entscheidung getroffen werde, die den Interessen der Kollegen und der Organisation gerecht werde. Schließlich wurde die eine der vorliegenden Resolutionen an- genommen. Sie erkennt an, daß die Verbandsvorstände zwar das kleines feuiUeton. SHaulcKtes und Erlebtes. Wir standen vor dem gewaltigsten Wasserfall Norwegens. Die Wasser tobten und füllten die Luft mit gewaltigem Brausen und Schüttern. Wir standen alle in Ehrfurcht vor dieser ungeheuren verschwenderkrast einer genialen Natur. Neben mir stand ein junger KommiS aus Berlin. Er staunte wi>e hingerissen mit großen Augen in dieses donnernd« Schauspiel. Ich freute mich über die offenbar starke Empfänglichkeit des jungen Manne» für große Nawreindrülke. Da öffnete er den Mund und rief in den gischtenden Wassersall hinein: »-Ha, immer feste uff de West«! II" »» * Im Spersesalon eine» MittelmeerdampferS saß mir gegen- über ein Herr au» Bayern, der von allen Gängen, die der Steward ihm reichte. gewaltiM Portionen nahm. Nie ließ er, obwohl er oft schon nach drer Gangen bis obenhin satt sein mußte, eine Schüssel vorübergehen. ES wurde ihm aber rmmer schwerer. Er hatte sich allmählich durchgegessen, wie man zu sagen � pflegt. Aber dennoch nahm er nach wie vor groß« Portionen, mtt denen er sich ehrlich abquälte. Einmal gab's alS dritten Gang ein Ragout. Der Herr aus Bayern sah die Schussel zweifelnd an, seufzte, gab sich dann aber einen Ruck und häufte seinen Teller voll. .Sie haben wohl keinen rechten Appetit heute?" fragte ich ihn freundlich.. �. .Ja. schaua'S," sagte er..der Geiz, st ein verfluchte» Laster! Ich bin eigentlich satt, und außerdem mag ich kein Ragout, und ich möchte ganz gern nix nehmen �— aber dann kommt der verfluchte ®eiz und mau nimmt doch!" .»* * Im Atlantischen Ozean hatten wir einen» kräftigen Sturm zu beliehen. Man hatte Seekrankheit und Angst und in den Unter« Haltungen spielten Rettungsboot und Rettungsgurtel die Hauptrolle. Später war wieder Sonne und glatte See, und alle Gesichter waren hell und froh. Nur Herr Schultz« auS Bautzen lief noch mit verstörtem Gesicht über das Promenadendeck und stöhnte i, ÄmS""""®' � , � Herr� Schultz« anS Bautzen noch Um, statt Ctm JC K. fcÄÄ'Ä SM � eine reiche Kenntnis der Vogelwelt auz-eüb'n-?, vi- W mde- rung-n vieler Vögel in"""«eßliche � Jetncrn Werte.Die Vogelwarte Helgoland" von 0000, 5000, 8000, formale Recht auf ihrer Seite haben, daß aber unter Würdigung der gesamten Situation den Streikenden die vollste Sympathie er« klärt und Unterstützung gewährt werde. Ferner fordert die Re- solution eine Statutenänderung oder, fall» eine solche nicht möglich sein sollte, einen Beschluß, wonach in gewissen Fällen die beteiligten Arbeiter das Recht haben sollen, den Streik zu beschließen. Die Versammlung stellte hierauf eine Kandidatenliste für die am Sonntag stattfindende Delcgiertenwahl zum Verbandstage auf. ch In einem Bericht über den Werftarbeiterstreik, den wir am Dienstag veröffentlichten, wurde gesagt, mehrere Techniker und Be- amte im Kalkulationsbureau der Vulkanwerft in Hamburg hätten sich freiwillig zu Streikbrecherarbeiten hergegeben. Hierzu teilt uns der Bund der lechnisch-industriellen Beamten mit, er habe festgestellt, daß acht Herren aus dem KalkulationS- bureau der Vulkanwerft Streikarbeit geleistet haben, aber es befinde sich kein Organisierter unter ihnen. An die Mitglieder des Bundes sei zum Teil auch die Anforderung, Streikarbeit zu verrichten, gestellt worden, sie hätten das Ansinnen aber entschieden zurück- gewiesen._ Achtung, Metallarbeiter! Den Kollegen zur Nachricht, daß für daS Ensemble-Gastspiel.Dje Schiffbrüchigen" für das Deutsche Theater in der Schumannstraße noch ein Teil Eintritts- karten zum Einheitspreis von SO Pf. inklusive Garderobe im Lokale von Schurzmann, JaSmunder Straße 8, zu haben sind. Die Vorstellungen finden an folgenden Tagen statt: Sonnabend, den 2. August 1313, nachmittags 5 Uhr, Sonntag, den 3. August 1313, abends 8'/, Uhr, Mittwoch, den S. August 1313, abends 8>/z Uhr, Donnerstag, den 7. August 1313, abends 8'/z Uhr. ES wird ersucht, sofort mit der Entnahme der Eintrittskarten zu beginnen. Die OrtSverwaltung. veutkekes keirtt. Aussperrung in den„Brennabor-Werken" in Brandenburg a. H. Die Firma Gebr. Reichstein hat durch einen Fabrikanschlag am 30. Juli ihren Arbeitern bekannt gegeben, daß sie den Betrieb am Sonnabend, den 2. August, schließen wird. Schon zum dritten Male in wenigen Jahren sperrt die Firma ihre Arbeiter aus. Im Jahre 1300 verfügte die Firma die Schließung des Betriebes, weil die Lohnarbeiter Forderungen gestellt hatten, im vorigen Jahre sperrte die Firma aus, weil eine Ab- teilung infolge Verschlechterungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen die Arbeit eingestellt hatte, in diesem Jahre soll die Aussperrung erfolgen, weil die Arbeiter daS anläßlich der vorjäh- rigen Aussperrung mit der Firma getroffene Tarifabkommen recht- zeitig gekündigt haben und bisher eine Einigung über den Abschluß eineS neuen Vertrages nicht erzielt wurde. Die Firma lehnte in den Verhandlungen wiederholt alle Vorschläge der Arbeiter ab. Die Arbeiter nahmen am 22. Juli zu der Antwort der Firma Stellung und erklärten in einer einstimmig angenommenen Resolution, daß sie den Abschluß eines neuen Vertrages im Interesse beider Teile liegend bettachten, jedoch bedauern müßten, einem von der Firma aufgestellten Tarif ihre Zustimmung nicht geben zu können. Die Verhandlungskommission wurde beauftragt, nochmals Verhand- lungen bei der Firma nachzusuchen, dir dann auch stattfanden, doch hat sich die Firma zu keinerlei Zugeständnissen bewegen lassen. Nur einige Verschlechterungen, die die Firma noch einführen wollte, wurden zurückgenonmien. Am 80. Juli wurde den Arbeitern dann die Aussperrung durch Fabrikanschlag bekanntgegeben. Damit hat die Firma die Verhandlungen abgebrochen und dir AuS« sperruug von zirka 2000 Personen verfügt, die nicht gewillt sind, einem Bertrag ihre Zustimmung zu geben, der von der Firma diktiert ist. Vor einigen Jahren noch wollte die ja 10 000 Meter und noch darüber. Zu diesen Zahlen ist er durch eine reine Schätzung gekommen. In Ergänzung früher gemachter Beobachtungen und Mitteilungen über die Höhe des Vogelfluges weist nun, wie die„Naturwissenschaftliche Wochenschrift" berichtet, v. Lucanus erneut auf aeronautische Experimente und deren Ergeb- nisse hin, die die UnWahrscheinlichkeit der Gätkeschen Theorie dar- tun. Außer Sicht der Erde, über den Wolken sind mit Ausnahme einer Taube niemals Vögel angetroffen worden, so daß die unterste Wolkenschicht eine Grenze für die Höhe des Vogelzuges zu bilden scheint. Bei starkem Gegenwind gehen ferner die Zugvögel tiefer zur Erde herab, um die hier herrschende geringere Windstärke zu ihrem Vorteil auszunutzen. Die Temperaturabnahme und Luft- druckvcrminderuno in der Höhe der Atmosphäre sprechen weiter gegen bedeutende Flughöhen. Bei einer Temperatur von— 20 Grad Celsius herrscht in 6000 Meter Höhe ein Luftdruck von nur einer halben Atmosphäre, in 7000 Meter Höhe bei—33 Grad Celsius ein Luftdruck von 238 Millimeter. Gegen die Luftdruckabnahme sind aber die Vögel nach den Experimenten des französischen Forschers Berts außerordentlich empfindlich, bedeutend mehr als z. B. Sauge- tierc. Als zwingendstes Beweismittel gegen die Gätkesche Theorie führt LucanuS noch folgende aeronautische Beobachtung an: Er befestigt an einem aussteigenden Fesselballon in Flugstellung aus- gestopfte Vögel, nämlich einen Mäusebussard, einen Sperber, eine Saatkrähe und einen Lämmergeier, und beobachtete das allmähliche Unsichtbarwerden der Tiere mit steigender Höhe. DaS Flugbild war noch deutlich erkennbar beim Sperber in 250 Meter, bei der Saat- krähe in 800 Meter, dem Bussard in 600 Meter, dem Lämmergeier in 300 Meter Höhe. Als Punkt noch gut sichtbar war der.Sperber bei 660 Meter, die Krähe bei 800 Meter Höhe. Die SichtbarkeitS- grenze, d. h. die Höhe, in der die Objekte dem Auge des auf der Erde stehenden Beobachters entschwanden, lag für den Sperber bei 860 Meter, die Saatkrähe bei 1000 Meter, während Gätke 3000 Meter und 6000 Meter geschätzt hat. Der größte Kran der Welt. Ein gewaltiger neuer Riesenkran hat in Hamburg auf den Werften von Blohm u. Voß Aufstel- lung gefunden; er kann für sich den Ruhm beanspruchen, der größte Kran der Welt zu sein. Die erste Aufgabe, die dieses gigantischen Meisterwerkes moderner Technik harrt, ist, wie die„Bauwelt" be- richtet, die Fertigstellung des 66 000 Tonnen großen Schwester- schiffes des„Imperator". Der Riesenkran, der weithin sichtbar das Hafenbild beherrscht, ist als Hammerwippkran gebaut und besitzt eine Tragfähigkeit von nicht weniger als 250 000 Kilogramm. Der mächtige Ausleger ist 66 Meter lang, sein vorderer Arm kann hoch- geklappt werden, um bei weiter wachsenden Höhenabmessungen der Schiffe auch in Zukunft noch allen Ansprüchen zu genügen.� Ist der -luSleger hochgeklappt, so ragt seine Spitze nicht weniger als 100 Meter über den Wasserspiegel empor. DaS Riesenwerk wird durch Elektrizität bettieben und verfügt über zwei voneinander ganz unabhängige Hebezeuge; daS eine von ihnen, eine sog.„Katze", kann ihre Last von 260 000 Kilogramm in 34!� Meter und 110 000 Kilogramm in 53 Meter Entfernung von der Kranmitte tragen. Oben auf dem Ausleger steht dann noch ein fahrbarer Drehkran von 20 000 Kilogramm Tragkraft. Mit ihm kann ein Arbeitsfeld von 147 Meter Durchmesser oder fast 17 000 Quadratmeter Fläche besirichen werden. Der Gedanke, daß dieses majestätische Eisen- gerüst durch nur zwG Mann in Bewegung gesetzt und geleitet werden kann, hat fast etwas Phantastisches, aber in der Tat genügt ein ein- facher Hebeldruck, um die Riesenkräfte des ganzen Hebewerkes zu entfesseln. Der Steuermann des großen Kranes hat seinen Platz Firma von einem Vertrag nichts wissen, heute sperrt die Firma aus, um einen Berttag zu erreichen. Die Arbeiter der Firma haben am Donnerstag in einer überaus stark besuchten Versammlung zu der Aussperrungsandrohung der Firma Stellung genommen. Mit 1440 gegen 343 Stimmen be- schlössen sie, dem von der Firma vorgelegten Tarifvertrag die Zu- stimmung zu versagen. Die Aussperrung wird, wenn die Firma nicht noch in letzter Minute einlenkt, am 2. August perfekt. ES wird ersucht, den Zuzug von Metallarbeitern, Holzarbeitern. Sattlern Malern und Lackierern nach Brandenburg fernzuhalten. Der Streik auf den Stettiner Werften. Eine stark besuchte Versammlung der Stettiner Holzarbeiter, in der in heftiger Diskussion das Verhalten derZentralvorstände entschieden verurteilte, nahm einstimmig eine Resolution an, in der bedauert wird, daß eS auf einigen Werften zur Arbeitseinstellung gekommen ist, bevor alle Mittel der friedlichen Verhandlung erschöpft waren. Den Stcttiner Werstarbeitern könne aber kein Vorwurf gemacht werden, da die dortigen Werftbesitzer nicht das geringste Entgegenkommen zeigten, vielmehr die Verhandlungen absichtlich verschleppten. Insbesondere sei den streikenden Mitgliedern des Holz- arbeiterverbandes kein Vorwurf zu machen, da sie nach Lage der Verhältnisse sich dem Streik anschließen mußten. Der Zentral- vorstand wird deshalb aufgefordert, den Streik nachträglich anzu« erkennen. Ferner wurde beschlossen, vorläufig die Streikunterstützung auS der Lokalkasse zu zahlen. Zur gleichen Zeit tagte eine ebenfalls gutbesuchte Generalver- sammlung der Stettiner Zahlstelle des Fabrikarbeiter« Verbandes, in der ebenfalls die Verweigerung der Unter- stützung durch die Zentralvorstände scharf kritisiert wurde. Die Ver« sammlung erklärte sich einstimmig mit den Stettiner Werftarbeitern solidarisch und beschloß, den ausständigen Mitgliedern des Verbandes vom ersten Streiktage an Unterstützung aus der Lokalkasse zu be- willigen— Am Sonnabend werden die ersten Unterstützungen auS- gezahlt._ Eine Aussperrung der Etuisarbeiter in Hanau wird am 2. August perfekt werden, da die Fabrikanten selbst die Bemühungen des Hanauer Oberbürgermeisters, eine nochmalige Ver- Handlung stattfinden zu lassen, kurzerhand abgelehnt und auch dem Vorsitzenden des Buchbinderverbandes, der in gleicher Weise bemüht war, die nämliche Antwort erteilt haben. Frivoler ist wohl laum jemals eine Aussperrung vom Zaune gebrochen worden als diese. DaS ist hauptsächlich auf die unheilvolle Tätigkeit berufsfremder Elemente zurückzuführen, die auf der Generalversammlung des Ver« bandeS der Etuisfabrikanten im Juni das große Wort führten und zur Aussperrung hetzten. Es handelt sich jetzt nicht bloß um den Kampf um günstigere Lohnbedingungen in Hanau, sondern um die Wahrung des Koalitionsrechtes, das die Hanauer Fabrikanten unter dem Einfluß der Herren Tänzler und Nasse und ihres Zentral- Vorstandes faktisch illusorisch machen wollen. Darum, EtuiSarbeiter aller Orten, haltet den Zuzug nach Hanau fern. Streik in der Bamberger Möbelindustrie. In einigen kapitalistischen Zeitungen wird die vollständig nuS der Luft gegriffene Behauptung verbreitet, daß der Streik in dör' Bamberger Möbelindustrie(Gustav Geist) zuungunsten der Arbeiter beendet sei, und daß keiner von den Ausständigen mehr in Arbeit genommen wird. Das Gegenteil ist der Fall. Erstens dauert der Streik unverändert fort, zweitens ist es bisher keinem der Streikenden eingefallen, darum nachzusuchen, ob sie wieder eingestellt werden oder nicht. Herr Gerst wird recht bald einsehen, wie er von den christlichen Strcikbrecheragenten eingeseift wurde. Deutscher Holzarbeiter-Verband(Zahlstelle Bamberg). in einem kleinen Steuerhause, das unter dem Lastarme des Aus- legers angebracht ist. Bon hier aus reguliert er alle Bewegungen der mächtigen Konstruktion, und in der Dunkelheit unterstützen ihn dabei die Scheinwerfer, die neben dem Führerstande angebracht sind und die jeweilige Arbeitsstelle taghell erleuchten. Notizen. — Der ewige Jude oder der Wundcrmann ist iu den Spalten des„Berliner Tageblatt" erschienen. DaS Blatt hat ja seine Befähigung für solchen Humbug längst erwiesen— zuletzt durch seine famose Enquete über den Aberglauben. Also der Wundermann ist in Kissingen von Felix Holländer entdeckt worden. Er ist ein Ausbund eines deutsch-jüdisch-amerikanischen Magiers, der seine Stammesbrüder, die zu klug sind, an irgend etwas anderes denn an— Schwindel zu glauben, auf die ulkigste Weise hereinlegt. An diesem Jndividium, das seine Gaben von Swedenborg auf dem Umwege über den Reb Kifa Eiga(Haste Worte?) geerbt haben will, ist nichts Rätselhaftes. Aber sogenannte aufgeklärte Menschen, Frei- geister des„Berliner Tageblatt", die durch solche VarietSnummern der Gedankenleserei zur Revision ihrer Weltanschauung angeregt werden, sind sie nichr typische Dekadenzerscheinungen? Trotz aller Bildung Ehrenbürger der dunkelsten Erdstriche? — Professor A l b e r t E i n st e i n, Dozent für mathema- tjsche Physik an der eidgenössischen technischen Hochschule in Zürich erhielt einen Ruf an die Berliner Universität. Einstein ist der Begründer des auch im UnterHaltungSblatt öfters behandelten Relativitätsprinzips, das unsere Vorstellungen von der Zeit und damit die ganze theoretische Physik umgestaltet. — Zum Rektor der Universität Berlin für das Studienjahr 1313/14 wurde der Physiker Professor Planck gewählt. — Kunstchronik. Die EinlieferungSfrist für die Jury- freie Kunstschau 1313 ist infolge des Umzuges der Vereinigung Bildender Künstler in das KunstausstellungShauS am Kurfürsten- dämm 208/S bi« zum 10. August verlängert worden. — Die amerikanische Weitaus st ellung. Das New Dorker Blatt„Evening News" erklärt, daß auch Deutschland zu einer Beteiligung zur Weltausstellung abgesagt habe; trotzdem glaubt Bryan, daß sowohl Deutschland als auch England ihren Entschluß noch ändern werden. — Eine rechnende und schreibende Uhr ist zum Messen deS Gas«, Elektrizitäts- und Wasserverbrauchs konstruiert worden. Die patentierte Erfindung schreibt monatlich selbständig die Rechnungen auS. �— Das unfreiwillige Entlassung« gesuch. Ganz plötzlich hat der russische Staat die wertvollen Dienste des Herrn Wereteimikow, Gouverneurs von Kostroma, verloren. Der Herr Gouverneur bettachtete sein Amt als Sinekure, tyrannisierte alle Welt; seine Sorglosigleit ging soweit, daß er nicht einmal die Doku- mente las, die er mit seiner Unterschrift versah. Da« ging recht gut, bis plötzlich der Ministerpräsident Kokowzew vom Gouverneur von Kostroma ein Schreiben erhielt, das folgendermaßen begann:.End- lich bin ich zu der Erkenntnis gekommen, daß ich in jeder Weife un> fähig bin, die Pflichten eines Gouverneurs auch nur notdürftig zu erfüllen". Und im weiteren Verlaufe zählte das Schriftstück alle groben Fahrläjstgkeilen und Irrtümer auf, die der Gouverneur be- gangen haue. Ein Sekretär hatte dem Herrn Gouverneur diesen Slreich gespielt und seiner Gewohnheit getreu hatte der All« gewaltige unterschrieben. Er wurde nach Petersburg berufen, sein unfreiwilliges Abschiedsgesuch wurde bewill'gt.... Die Aussperrung der Textilarbeiter in Bocholt beendet. Endlich ist es den Führern der Christlichen in Bocholt gelungen, den' unter ganz eigenartigen Verhältnissen inszenierten Kampf zu beenden. Wochenlang haben die Angestellten des Textilarbeiter- Verbandes auf alle mögliche Art nnd Weise versucht, durch VerHand- lungen die Aussperrung aus der Welt zu schaffen. Durch das schlappe Verhallen der Führer wurden die Fabrikanten in ihrer Vereinigung inimer protziger und zogen zuletzt die winzigen Zu geständnisso zurück, wenn nicht innerhalb 36 Stunden die Arbeit wieder aufgenommen würde. Als nun in den letzten Tagen die Fabrikanten mit der Aus sperrung im übrigen Münsterland drohten, da kam ein ganzer Stab christlicher Angestellter nach Bocholt, um die weitere Aussperrung zu hintertreiben. Sie bequemten sich nunmehr, die schon vor einigen Wochen gemachten minimalen Zugeständnisse anzunehmen. Die Christlichen hatten bei Beginn der Lohnbewegung 15 Prozent Lohnerhöhung in allen Betrieben für sämtliche Arbeiter gefordert. Schon während der Verhandlung, noch ehe es zu Differenzen kam, reduzierten sie eigenmächtig, ohne vorher die Arbeiter zu fragen, die Forderung auf 5 Prozent. Während der Aussperrung gingen diese Arbeiterführer auf sage und schreibe 3 Prozent herunter. Der Vorschlag der Fabrikanten, dem die christlichen Führer sich unter- warfen, lautet: „Nach Wiederaufnahme der Arbeit wird die Fabrikanten- Vereinigung die Löhne in der Weise regeln, daß sie diejenigen Lohnsätze, die zu niedrig sind, nach Rücksprache mit den Arbeiter- ausschüssen bezw. den Arbeitern der einzelnen Betriebe erhöht. Erfolgt bis zun, 15. Oktober keine Verständigung zwischen den Arbeiterausschüssen bezw. den Arbeitern der einzelnen Betriebe und den Firmen, so soll die Fabrikantenvereinigung die Eni- scheidung rreffen." Eine direkte Lohnerhöhung wurde also nicht zugestanden. Wer die Arbeitsverhältnisse in den Webereien kennt, wird zugeben, daß bei den Akkordlöhnen und bei der Verfchiedenartigkeit der fabrizierten Ware für die Arbeiter nichts Gutes herauskommt. Nannte doch der Vorsitzende des christlichen Textilarbeiterverbandes noch vor einigen Tagen in einer öffentlichen Versammlung in Bocholt' dieses Zu- geständnis eine fast bedeutungslose Konzession in der Lohnfrage. Und der Gauleiter Otte vom christlichen Verband sagte in einer Sitzung der Arbeiterausschüsse: Er könne auf solche Versprechungen nicht eingehen, da er schon früher bei den Fabrikanten im Münster- land sin Coesfeld) schlechte Erfahrungen gemacht habe. Das wird aber die christlichen Angestellten jetzt nicht abhalten, nunmehr wieder von einem großen Sieg der Arbeiter und der christlichen Gewerkschaftsbewegung zu faseln. Ausland. Bon der französische« Gewerkschaftsbewegung. Paris, im Juli. sEig. Ber.) Die heiße politische Schlacht der letzten Wochen hatte uns bisher keinen Raum für die ausführlichere Würdigung der G e w e r k- s ch a fts k o n fe re n z gelassen, die hier vom 13. bis 15. Juli ge- tagt hat. Es ist aber unmöglich, unachtsam an einer Versammlung vorüberzugehen, deren Beschlüsse die Organisationsform der franzö- fischen Arbeiterschaft wesentlich verändern und deren Debatten erne merkwürdige Wandlung innerhalb des Syndikalismus und eine Ab- kehr von der Auffassung zeigen, die in der Gewerkschaftsorganisation einen allgemeinen, für alle Zwecke des Proletariats ausreichenden Revolutionsmechanismus sah. Diese Wendung ist von großer prin- zipieller, aber auch von unmittelbarer taktischer Bedeutung, weil sie gerade in den Augenblick fällt, wo eine reaktionäre Regierung versucht, der Vollstrecker des in der Bourgeoisie gegen die kämpfende Arbeiterklasse angesammelten Hasses zu sein, und das Schicksal der gewerkschastlichen Organisationen nicht zum wenigsten von der Ge- schicklichkeit abhängt, womit sie den Gewalt- und Prvbokations- Politikern der herrschenden Klasse das Spiel verderben. ....Die wichtigste organisatorische Leistung der Konferenz war dielz. Klärung ich der Organisation der Getverkschaftsunionen und ihres Verhältnisses zur Konföderation und den Berufsverbänden. Bisher kestslnd die Konföderation aus den zlvei Sektionen der Arbeits- b ö r s e n und der nationalen B e r u f s v» r b ä n d e. Es ist kein Geheimnis, daß es zwischen den beiden an Reibungen nicht gefehlt hat. Die Arbeitsbörsen(lokalen Gewerkschaftskartelle) waren die Hauptsitze des anarchistelnden Syndikalismus, wogegen sich in den Verbänden namentlich der großen Gewerbe die Notwendigkeit sachlicher, Abenteuer vermeidender Organisationsarbeit immer mehr durchsetzte. Die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, die die Wirkung der bitteren Enttäuschungen war, die das alte Vertrauen auf die energischen Minoritäten mit ihrem„Elan" erfahren hatte, kam der Entwickelung der Verbände sehr zn gute und diese haben innerhalb der Konföderation eine Machtstellung erlangt, die sich auf den letzten Kongressen und in der allgemeinen Konföderationstaktik immer mehr kundgab. In den letzten Jahren haben sich nun neben oder genauer über den lokalen Arbeitsbörsen regionale Verbände entwickelt. Besonders ist hier der Gewerkschaftsverband desSeine- Departements zu nennen, der wiederholt— so in der Aktion gegen den Krieg und die dreijährige Dienstzeit— die die speziellen Berufsinteresfen übersteigenden allgemeinen Be- strebungen der Arbeiterschaft organisiert hat. Diese regio- nale Organisation erwies sich als sehr zweckentsprechend und machte gute Fortschritte. Die Pariser Konferenz hat ihr jetzt ihren festen, bedeutenden Platz innerhalb der C. G. T. angewiesen. Die departementalen Verbände sind an die Konförderation ange- gliedert. Ihnen liegt es ob, die Existenz der lokalen Kartelle zu sichern, ohne deren Autonomie zu beeinträchtigen. Zwischen den Departementsunionen und den Berufsverbänden werden enge Be- Ziehungen hergestellt— mittels der Ausgabe von Jndustriekarten und monatlicher Berichte—, die die Sicherheit gewähren, daß alle lokalen Gewerkschaften sowohl dem Kartell wie ihren Berufsverbänden an- geschlossen sind tznd ihre Verpflichtungen erfüllen. Jin Verlauf der Verhandlungen über diesen Gegenstand kam auch die Frage der Einwanderung ausländischer Arbeiter zur Sprache, die infolge der durch das neue Militär- gesetz geschaffenen Lücke in der Zukunft zu erhöhter Bedeutung kommen wird. Auf Antrag des Metallarbeiterverbandes wurde eine Resolution angenommen, die die Ausländer auf die Willkür der französischen Verwaltungsbehörden aufmerksam macht, die sich selbst dort, wo die Gegenseitigkeit international festgesetzt ist, wie bei der Unfallversicherung, zum Schaden der Ausländer kundgibt. Die Arbeiter der anderen Länder werden gemahnt. dem Ruf des Liberalismus, den Frankreich genießt, nicht zu trauen, — Die Resolution wird der internationalen Konferenz der Gewerk- schaftszentralen vorgelegt werden. Die Ausländerfrage kam weiter noch einmal, bei der Diskussion der R e i s e u n t e r st ü tz u n g, zur Sprache. Die Frage soll gleich- falls der internationalen Konferenz unterbreitet werden. Die Gegensätze zwischen den Syndikalisten anarchistischer Tendenz und den reinen Gewerkschaftlern traten bor allem in der Diskussion über die Taktik gegenüber der Regierungspolitik zutage. Tie vom Konföderationssekretär I o u h a u x vorgelegte Resolution, die den Antimilitarismus der Arbeiterklasse verkündigte, aber gegen den behaupteten Zusammenhang zwischen der C. G. T. und den Kasernen- demonstrationen Verwahrung einlegte, wurde von einigen Delegierten zu lau gefunden. Es wurde auch der Generalstreik beantragt, und zwar sowohl für den Fall der(seither bekanntlich von der Regierung preisgegebenen) Zurückhaltung der Drittjährigen, wie der Luslöfung der C. G. T. und der Einschränkung der Gewerkschafts- freiheit. Gegen eine solche Festlegung der Taktik, die im Augenblick Wasser auf die Mühle der Reaktionäre gewesen wäre, trat insbesondere Me rrh eim, der Sekretär des Metallarbeiterverbandes, mit größter Schärfe auf. Er erklärte, daß in der C. G. T. die„soziale Aktion" die berufliche verfälscht habe. Die Konfäderation habe nur zu oft ,hre Kräfte in einem gegen die Regierungen konzentnerten Kampf aus- gezehrt, zum Profit des Unternehmertums. Es wäre traurig wenn der C. G. T. gegen, die Auflösung kein anderes Mittel zu Gebote stünde, als der Generalstreik. Besser sei, wenn sie stch ewfach sofort wieder konstituiere. Er leugne nicht die große Aufgabe der C. G. T. in der allgemeinen sozialen Bewegung, aber die Gewerkschaften müßten auf der Hut sein, sich nicht von unverantwortlichen Leuten nach Gutdünken sortreißen zu lassen. Als der bekannte anarchistische Bergarbeiter Broutchoux darauf bestehen wollle, daß eiwas für den Tag der Soldatenentlassung beschlossen werde, unterbrach ihn Jouhaux kurzweg mit den Worten:„Mein alter Broutchoux, ich will Dir nicht antworten"— und die Versammlung verstand. Die Konferenz hat in der Bourgeoispresse verschiedene Kritik er- fahren. Die biederen Lohgerber der großkapitalistischen Scharfmacher- organe sehen ihre Felle fortschwimmen und murmeln höhnisch über die„Einschüchterung" der Gewerkschaftsführer. Radikale Zeitungen wieder haben so getan, als ob die Konferenz den Sieg jener Sorte von „Reformismus" ankündige, die im Verzicht auf die Idee des Klassen- kampfs und im Glauben an das Wohlwollen der bürgerlichen De- mokratie besteht. Das Urteil der einen ist so töricht, wie das der anderen unredlich. Wenn die französischen Gewerkschaften sich von der anarchistischen Demagogie freimachen, so sicher nicht darum, um sich der bürgerlich-demokratischen zu verschreiben. Sie wollen pro- l e t a r i s ch e Interessen auf wirtschaftlichem Gebiet verfechten, mit fortdauernder, auf das große Ziel der ganzen Befreiung ge- richteter revolutionärer Energie. Wenn sie durch diese Klärung ihrer Taktik die Phantasten und Intriganten enttäuschen sollten, die darauf spekuliert haben, aus der französischen Arbeitskonsöderation eine neue Jura-Föderation zur Sprengung der zweiten Internationale zu machen, so wird sie um so freudiger das sozialistische Weltproletariat begrüßen, das für die den Rahmen der gewerkschaftlichen Aufgaben überschreitende, aber doch sür die gesellschaftliche Umgestaltung un- abweisbare„soziale Aktion", wie Merrheim sagt, besondere Kampf- und Organisationsformen geschaffen hat. Die französische Gewerk- schastskor.ferenz hat auch für die Befestigung des internationalen Einvernehmens des Proletariats vortreffliche Arbeit geleistet. Neuer Metallarbeiterstreik in Mailand. Die von den Syndikalisten geführten Mailänder Metallarbeiter haben schon wieder einen Sympathiestreik in der gesamten Metall- indusirie proklamiert, um dadurch die Lage der seit Mitte Juni streikenden Arbeiter der Fabriken sür Eisenmaterial zu verbessern. Von 46 666 Metallarbeitern Mailands nehmen bis jetzt 35 666 an der Bewegung teil. Die Regierung hat die Garnison der Stadt be- deutend verstärkt._ Der katalanische Textilarbeiterausstand. Der Ausstand der Textilarbeiter hat an Bedeutung zugenommen. Jetzt liegen 156 Fabriken still und 15 666 Arbeiter streiken, darunter 14 666 Frauen. Andere Meldungen sprechen sogar von 18—26 666 Streikenden. Kein Generalstreik in den Randminen. Die Vertreter der Arbeiterföderation haben folgende Eni- schließung angenommen und öffentlich bekanntgemacht: Die Ver- einigung der Delegierten nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der Hallung der Regierung gegenüber den Arbeilern in Südafrika. Die Arbeiter weigern sich, die ihnen gemachten Vorschläge anzunehmen. Sie rechnen auf die politische Organisation und erklären, daß vor- läufig kein allgemeiner Ausstand proklamiert werden wird.— Diese Entschließung und deren Bekanntmachung ist mit 66 gegen 13 Stimmen angenommen worden. Die Delegierten der Minen- arbeiter stimmten für die Tagesordnung. ?ugenäbev?egung. Arbeiterjugend und Arbeitgeber. In dem Wettlauf um die Gunst der Jugend sollen nun auch die A rb e i tg e b e r nicht zurückbleiben. Aus tiefer Not schreit ein Nürnberger Doktor philt namens Zabnbrrecher zu ihnen um gnädiges Gehör. Trotz aller Anfeindungen, Beschimpfungen- und Verleumdungen, so meint der gelehrte Jugendfreund, ist- es not- wendig, daß„die Arbeitgeber und Arbeitgeberverbände in Rücksicht auf die große Bedeutung der Jugendpflege und im Interesse des Staates eingreifen und mitarbeiten an dem gemeinsamen Ziel, das jegliche Jugendpflege in bürgerlichen Organisationen hat und haben muß: die Erziehung der Jugend zu körperlich gesunden und kräftigen Staatsbürgern; aber auch die Erziehung zu intelligenten, freudig am Staate festhaltenden, national gesinnten Bürgern. lind nun zerbricht sich der Dr. Zahnbrecher den Kopf darüber, wie die Arbeitgeber dieses Ziel erreichen könnten. Man höre: Bei den Fabrikgebäuden sind Spielplätze einzurichten, in der Fabrik sollen Hallen zum Spielen und zur Erholung während der Pausen vor- hanocn sein, Turngeräte sind anzuschaffen. Wanderungen zu or- ganisieren und finanziell zu unterstützen. Mustk.nflrumente. Zupf- geigen. Mandolinen, Trommeln und Pfeizen stno den Jugendlichen m liefern. Für den Winter sollen die Jugendlichen in besonderen Heimen durch Spiele sich unterhalten und durch geeignete Lektüre sich fortbilden können. Die Leitung solcher Veranstaltungen liegt am besten in den Händen der Fortbildungsschullehrer; aber auch Werkmeister. Betriebsingenieure und andere Angestellte sollen ihre Zeit dieser wichtigen Aufgabe opfern. Auf diese Weise soll den Gewerkschaften entgegengearbeitet und ein Ab- wehrmittel gegen die Forderungen der Arbeiter geschaffen werden. Das alles empfiehlt Zahnbrecher in einer soeben erschienenen kleinen Schrift„Jugendpflege in Ar- beitgeberkreise n", einem Sonderdruck aus der„Deut. s ch e n A r b e i t g e b e r- Z e i t u n g". Nicht ein Wort findet der Dr. Zahnbrecher in seiner Schrift zugunsten eines wirklichen Jugendschutzes; nicht eine Silbe über die Einschränkung der wahnsinnigen Ausbeutung, der Verkürzung der Arbeitszeit, der Schaffung genügender Schutzeinrichtungen, der Beseitigung der schikanösen vereinsrechtlichen Bestimmungen. Mögen sich die Jugendlichen die Knochen zerbrechen, mögen sie den Schmachtriemen von Tag zu Tag enger schnüren: was kümmert das die Arbeitgeber! Mit Trommeln und Pfeifen will man sie bsmhif� proletarische Jugendbewegung wird aber auch mit diesem neuen Feldzugsplan ihrer Gegner fertig werden. Hm Induftrle und Ftendel. Syndikate und Industrie. In einem Bericht über die Lage der deutschen Metallindustrie kommt die„Nheinisch-Westfälische Zeitung" auf die Bedeutung der Syndikate für die Entwickelung der syndizierten Indusirie zu sprechen. Sie weist dabei besonders auf den. Nutzen der Syndikate für die nichtsyndizierten Werke hin, die, ohne'dem Syndikat anzuge- hören und an die einschränkenden Bestimmungen gebunden zu sein, an den Syndikatspreisen teilhaben können. Es heißt da: Die Preise waren teilweise zufriedenstellend. Ties ist in erster Linie auf die für gewisse Erzeugnisse bestehenden Verbände zurück- jmnibreii. Auch ließen sich im Berichtsjahre neue Zusammen-ichlusse und der Ausbau bereits bestehender ermöglichen. Andererseits machten sich jedoch auch die Schattenseiten der Syndi- z i e r u n a sehr bemerkbar. Angeregt durch dl« arbeitsvcrteilende sowie preisregulierende und preisaufbessernde Tätigkeit der Ver- bände wenden" sich Werte aus verwandten Industrien die selbst der Wohltaien der Konzentration infolge widerstreitender Interessen nicht teilhaftig sind, der Fabrikation der syndizierten Artikel zu und gehen mit Unterbietungen vor, was naturgemäß den Markt lebhaft beunruhigt, mag der Konsum auch noch so groß sein. Besonders störend wirkt solches Vorgehen zuzeiten eines wachenden Kupfer- Marktes oder beim Nachlassen des Bedarfs. Hinzu kommt ferner das Entstehen neuer Werke, die unter dem Schutze der Verbände jrej zu arbeiten gedenken odex die Freiheit möglichst ieu«, d. h. gegen eine hohe Beteiligungsquote verkaufen wollen. Eigentümlicherweise ist in dem Zuzug neuer Werke immer noch kein Stillstand ein» getreten, obwohl die vorhandenen den Bedarf mit Leichtigkeit decken können. Die Existenz der Verbände ist auf diese Weise stets be» droht. Ter Syndikaisgedante oder richtiger die jetzig« Erschei» nungsform der Syndikate der Metallindustrie hat nach Ansicht der Handelskammer infolge dieser Verhältnisse viel an Sympathie ein» gebüßt, und es herrscht daher auch innerhalb der bestehenden Ver» bände keine eigentliche Zufriedenheit. Es sind nicht wenige Werke, die völlige Bewegungsfreiheit vorziehen möchten, um nicht den Wir- kungen unterworfen zu sein, welche die Einbrüche in das Verbands. gebiet hervorrufen, und um andererseits nicht zur Stärkung der Position der neuen Werke beizutragen. Wenn gleichwohl der Zu» sammenhang noch besteht und, wie im Berichtsjahre, noch er» weitert werden konnte/ so sind dafür verschiedene Rücksichten be» stimmend, aber man ist sich doch klar darüber, daß es sich um nichts anderes handelt als um einen Notbehelf, der in Ermangelung eines Beyer«! noch geduldet wird und der nicht von Bestand sein kann. Dies wird durch nichts nachdrücklicher bewiesen als durch die Tat» ;ache, daß die Verbände immer nur auf die Dauer von Monaten geschloyen oder verlängert werden. Zur Steuerung der Mängel und Schwächen könnte nur ein« Fortentwickelung der Verbände, eine großzügige Institution dienen, etwa ein Zentral» Metall. Verband, der auch eine rationelle Arbeitsteilung vermittelte, wie solche auf anderen Gebieten und in anderen In» dustrien schon besteht. Ein Interessenausgleich erscheint indessen so schwierig und die Vielgestaltigkeit der Verhältnisse so hinderlich, daß eine derartig umfassende Gründung wohl immer ein frommer Wunsch bleiben dürfte."_ Uebcr die Entwickelung der Reichsbank von ihrer Gründung im Jahre 1876 bis 1916 ist eine Darstellung erschienen, der einige Tatsachen entnommen werden mögen. Die Reichsbank ist bekannt- lich gegründet, worden, als in der großen Wirtschaftskrisis des Jahres 1873 die Mängel des zersplitterten, mit geringen Mitteln ausgestatteten einzelstaatlichen Bankbetriebes sich zu deutlich ge» zeigt hatten— es waren vielfach durch und durch solide Firmen zusammengebrochen, nur weil sie keine genügenden Barmittel gegen Wechsel beschaffen konnten. Die Reichsbank erhielt von vornherein das Recht, gegen Wechsel oder Lombard ungedeckte Noten, d. h. nicht durch bares Geld gedeckte Noten, herauszugeben. Es betrugen: Lombard 51.4 51.8 62,5 96,9 94.3 73.6 91.8 Die Deckung der Noten durch den Barvorrat hat also etwa 76 bis 95 Proz. betragen und war am ungünstigsten im Jahrfünft 1966/16 mit kaum 76 Proz., am günstigsten im Jahrfünft des all- gemeinen Geldüberflusses in Europa, 1891/95, mit über 95 Proz. Die Bardeckung ist im Durchschnitt bei der Reichsbank günstiger als bei der Bank von Frankreich; nur die Bank von England hat einen überwiegend voll gedeckten Notenumlauf..Wichtig ist, daß der Notenumlauf erheblich stärker zugenommen hat als die Bevölkerung; die letztere hat sich von 1876/86 zu 1966/16 um etwa % vermehrt, der Notenumlauf ist um das 2}4fache gestiegen, der Wechselumlaus um das 2�1 fache, der Bestand an„fremden Gel» dern", Giroguthaben von Privaten und Staatskassen um das 31� fache. Das G-r u n d k a p i t a-l der Reichsbank betrug ursprüng» lich 126 Millionen Mark und wurde 1899 auf 186 Millionen Mark erhöht. Die Tatsache der Geschäftszunahme wird beleuchtet durch das-Anwachsen des Bcamtenstandes von 1694 Personen im Jahre 1876 bis auf 3495 im Jahre 1916; die Verwaltungskosteu sind von 5,4 auf 21,8 Millionen Mark gestiegen. Der Reingewinn ist außerordentlichen Schwankungen unterworfen: das ungünstigste Jahr, 1879, hat nur 6,9 Millionen Mark Reingewinn ergeben, das günstigste, 1966, dagegen 52,3 Millionen Mark; für 1969 und 1916 ist der Reingewinn wieder auf 23,1 bezw. 27,7 Millionen Mark ge» funken. Nicht uninteressant ist, daß beim Notenumlauf die 166- Markscheine bei weitem überwiegen, und zwar sind eS ständig etwa% bis% vom Gesamtbetrage des Notenumlaufes gewesen. während auf die 1666-Markscheine bis 1965 bis% entfiel, seit 1966 jedoch nur noch 18—19 Proz., wofür die„kleineren" Noten, die 56- und 26-Markscheine eine stärkere Verbreitung gefunden haben in einer Vcrhältniszahl von je 6— 8 Proz.(absolut 1967/19 je 132 bis 156 Millionen Mark). In anderen Ländern ist die Ver- breitung kleiner Noten größer; in Rußland z. B. besteht nahezu die Hälfte des etwa 3 Milliarden Mark betragenden Notenumlaufes aus kleinen Noten. Sericbts- Leitung. Kreditschwindeleien. Die umfangreichen Kreditschwindeleien einer sogenannte» schwarzen Bande lagen einer Verhandlung zugrunde, welche gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Echwartze die 8. Ferien» strafkammer des Landgerichts l beschäftigte. Wegen Betruges im strafschärfenden Rückfalle war der Kauf. mann Rudolf Frank aus Charlottenburg angeklagt.— Der Ange» klagte, welcher wegen Diebstahls und Betruges mit insgesamt über drei- Jahren Gefängnis vorbestraft ist, hatte in einem Cafe die Brüder Georg und Leonidas London kennen gelernt, die insofern zu ihm gut paßten, als sie ebenfalls schon wegen Betruges und Unterschlagung vorbestraft sind. Wie die Anklage behauptet, soll dieses Trifolium den Plan gefaßt haben, einen Kreditschwindel im großen nach Art einer sogenannten schwarzen Bande zu inszenieren. Auf Veranlassung des Frank, der selbst stets im Hintergrunde blieb, gründeten die Gebrüder London im Jahre 1968 einen Zigarren- und Zigarettenvertrieb in Form einer offenen Handels- gesellschaft. Um der Sache einen besseren Anstrich zu geben, wurden die in der Lindenstraße 3 gelegenen Geschäftsräume mit wertvollen Möbeln, Klubsesseln usw. ausstaffiert, die natürlich„auf Pump gekauft worden waren und bei der ersten besten Gelegenheit weiter verpfändet wurden. Um sich gute Auskünfte zu sichern, gaben die Gebrüder London, die übrigens später wegen dieser Betrugereien zu 6 bziv. 7 Monaten Gefängnis verurteilt wurden, an mehrere Berliner Auskunfteien selbst eine Darstellung ihrer Vermögens- Verhältnisse, in der sie u. a. angaben, daß sie m absehbarer Zeit eine Erbschaft von 36 666 M. antreten wurden. Um über die eventuell geforderten Referenzen zu verfugen,, oll sich wie die An» klage behauptet, der Angeklagte Frank Briefbogen haben drucken lassen, welche die pompose� Ausichrlft trugen: Rudolf Frank. Generalvertretung der Mc. CUllan»«rfümety Lmtd. St. Loui« U. S. A. Engros, Import, Export. Nach diesen Vorbereitungen ging dann der eigentliche Schwindel los Die Gebr. London be- stellten Waren auf Kredit gaben als Referenz den Angeklagten Frank auf, dessen Auskünfte dann natürlich glänzend lauteten. Auf diese Weise beschafften sich die ganzlich vermögenslosen drei Leute in ganz kurzer Zeit. Zerren und andere Waren im Werte von mehreren tausend Mark, die sofort anderweitig zu Gelde gemacht In der gestrigen Verhandlung bestritt der Angeklagte, sich irgenowie strafbar gemacht zu haben und behauptete, daß er an dem Geschäft der Gebr. London völlig unbeteiligt sei.— DaS Gericht erkannte auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis, 5 Jahre Ehrverlust unter Anrechnung von 3 Monaten der erlittenen Untersuchung-- hast. Der„Unbekannte". Eine unangenehme Ueberraschung wurde dem Mtfchhandler Gersing zuteil, als er Anfang Juni d. Js. von einem«sonntags- ausslug heimkehrte. Als er seinen in der Ackerstratze gelegenen Laden betrat, fand er sämtliche Türen offenstehend. Nichts Gutes ahnend, ging er in die Wohnung hinein, in der ein wüstes Chaos herrschte. Der Inhalt sämtlicher Schränke war herausgerissen worden und lag verstreut auf dem Fußboden. Die bekannte Ange- wohnheit vieler Leute, ihren Wertpapieren und Sparkassenbüchern zwischen der Wäsche ein besonderes sicheres Versteck zu geben, chatte den Dieb veranlaßt, die Wäsche zu durchwühlen, wo er ein Spar- kassenbuch fand. Ter Bcstohlene setzte sofort die städtische Sparkasse von dem bei ihm verübten Einbruch unter gleichzeitiger Angabe der Nummer des Buches in Kenntnis. Am nächsten Morgen erschien auch eine Frau auf der Sparkasse und wollte mit dem gestohlenen Buch Geld abheben. Als sie festgehalten wurde, versuchte plötzlich ein Mann so schnell wie möglich zu verschwinden. Er wurde fest- genommen und entpuppte sich auf der Polizeiwache als der vielfach vorbestrafte jetzige Angeklagte Paul Schmoll, gegen den gestern die 6. Ferienstraskammer des Landgerichts I eine Anklage wegen schweren Diebstahls im strafschärfenden Nllckfallc zu verhandeln hatte. Vor Gericht tischte er das alte Märchen von dem„Unbc- kannten" auf, jdvn dem er das zum Verräter gewordene Sparkassen. buch auf der Straße gekauft haben wollte. Das Gericht erkannte mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte erst kurz vorher aus dem Zuchthause entlassen worden war. auf 2 Jahr Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizei- aufsicht. Konfirmandcnfeirrn vor Gericht. In der Amtshauptmannschaft Meißen hatten die Schulinspck- tionen und die Stadträte durch eine Verordnung bei Geldstrafe bis zu 60 M. oder entsprechender Haftstrafe den aus der Schule ent- lassenen, im fortbildungsschulpflichtigen Alter stehenden Kindern verboten, an Konfirmandcnfciern teilzunehmen, die nicht von Geist- lichen oder Lehrern ausgingen. Außerdem waren Polizeistrafen angedroht. Infolge dieser Verordnung war von Konfirmanden- feiern abgesehen worden, aber das Gewerkschaftskartcll Meißen hielt an deren Stelle Elternabende ab. Wegen des Besuchs dieser Eltern- abende erhielten nun hinige Teilnehmer Strafverfügungen auf Grund des§ 5 Absatz 6 des sächsischen Volksschulgesetzes vom 26. April 1873 in Höhe von 5 M. Sie beantragten gerichtliche Ent- scheidung und nun mußte sich das Schöffengericht Meißen mit der aussichtslosen Sache beschäftigen. Es sprach denn auch einige der Angeklagten frei und hob bei den anderen die Strafverfiigungen auf. Es hielt die Strafverfügung für unwirksam, und zwar gerade auf Grund der von den Inspektionen angezogenen Bestimmung des Volksschulgesctzcs. Es handle sich um schulentlassene Kinder, die der Schulzucht nicht mehr unterstehen. Außerdem stehe das Recht, solche Verordnungen zu erlassen, nur den Schulbchörden zu, nicht aber den Inspektionen.— So war der ganze Erlaß gegen die Kon- firmandenfeiern ein Schläg ins Wasser. Die Freisprechung wäre unserer Ansicht nach auch deshalb ge- rechtfertigt, weil der amtshauptmannschaftlich« Erlaß mit den Vor- schriften des Reichsvereinsgcsetzes unvereinbar ist. Wegen eines Grogs ins Zuchthaus. Der Gastwirt Friedrich Schultz in Brunsbüttel-Koog ist dort- selbst Inhaber einer Herberge, in der besonders Auswanderer ver- kehren und auf ihrer Durchreise übernachten. Sch. darf diesen nur alkoholfreie Getränke verabfolgen; die Konzession zum Ausschank alkoholischer Getränke Jhat er nicht. Wegen Verabreichung eines Grogs erhielt er einen Strafbefehl. Er beantragte gegen die Straf- Verfügung gerichtliche Entscheidung. Zu der Verhandlung war auch der Gast als Zeuge geladen, dem Sch. den Grog verabreicht haben sollt«. Um nun den Strafbescheid von sich abzuwenden und zu be- weisen, daß er alkoholische Getränke nicht zum Ausschank gebracht habe, bat rr den betreffenden Zeugen, vor Gericht auszusagen, er habe zwar Grog bei ihm getrunken, jedoch nicht gegen Bezahlung. Der Zeuge aber kam diesem Ansinnen nicht nack, sondern jagte, als er vor Gericht vernommen wurde, der Wahrheit gemäß, daß er den Grog von Sch. auf Bestellung und gegen Bezahlung erhalten hatte. Es kam auch heraus, daß der Angeklagte den Zeugen zu be- stimmen versucht hatte, vor Gericht etwas Unwahres zu sogen. Dies hatte für Sch. ein Strafverfahren wegen Unternehmens der Ver- leitung zum Meineid zur Folge. Die Strafkammer beim Amts- gericht Itzehoe hat den Angeklagten am 26. März wegen dieses Ver- brechend zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt. Das Reichsgericht verwarf am Donnerstag die Revision als unbegründet. 73iis aller Melt. Lebenslänglich im Zuchthaus. Des Raubmörders S t e r n i ck e l schuldbeladenes Haupt ist gefallen. Seine beiden jugendlichen Komplicen sind zu lebenslänglichem Zuchthaus„begnadigt" worden. Ter biedere Bürger, dem schon der Name Sternickel ein gelindes Gruseln erweckt, hat die Unschädlichmachung dieses Schwerverbrechers mit Befriedigung vernommen und preist die salomonische Weisheit des Landesherrn, der zwei blutjunge Menschen durch seinen Gnadenakt vor dem Henkertod bewahrte. Ja es gibt sogar noch Leute, die sich unter dem Zuchthaus eine Art Erholungsheim vorstellen und eher eine Ausdeh- nung als Einschränkung der Todesstrafe begrüßen würden. Kersten und Schliewenz werden ihre„lebenslängliche" Zucht- hausstrafe alsbald antreten. Wie lange wird sie dauern? Was bedeutet es überhaupt, einen Menschen lebenslänglich ins Zuchtl)aus zu schicken? Tas kann nur der beurteilen, der sich selbst einmal ein Zuchthaus von innen angesehen und vielleicht aus dem Munde des Anstaltsleiters oder aus den Akten der Sträflinge den nötigen Komnicntar zu dem. was er sah, emp- fangen hat. Wie lange vermag der normale Mensch die Z u ch t h a u s- strafe körperlich auszuhallen? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Der bürgerliche Beruf des Sträf- lings, sein Bildungsgrad, sein Gemütsleben und vor allem seine sexuelle Veranlagung spielen hierbei eine große Rolle. Denn das sexuelle Moment bedeutet eine der größten Härten der Zuchthausstrafe. Der Hunger des Sträflings wird mit karger Kost gestillt, auf sein sexuelles Triebleben— das bei den meisten Verbrechern vor ihrer Be- strafung eine Hauptrolle gespielt hat— wird im Zuchthause keine Rücksicht genommen. Tie Folgen sind geradezu fürchter- lich. Bei den Frauen sind schwere Hysterie und Geistes- krankhcit bei längerer Strafdauer fast unausbleiblich. Das gleiche gilt von den M ä n n e r n, bei denen sich häufig noch Rückenmarksschwindsucht oder dergleichen als Folge sexueller Verirrungen einstellt. Eine Zeitlang bildet die Arbeit— und sei sie auch noch so monoton— eine Ablenkung. Das dauert aber nicht lange. Bald zeigen sich auch die körperlichen Nach- teile des Zuchthauslebens. Die fahle Gesichtsfarbe, das Nach- lassen der Körperkräfte, das Schwinden aller Energie und geistigen Regsamkeit sind die ersten Stadien des Verfalls— die Auflösung des Körvers durch schleichende Krankheiten wie Schwindsucht, Gehirn- erweichung und dergleichen bildet den Beschluß eines Zucht- Hauslebens. Was ist also die lebenslängliche Zuchthausstrafe anders als eine verlangsamte Hinrichtung? „Lebenslänglich" bedeutet nur in seltenen Fällen„bis zum Ende eines Lebens von normaler Dauer". Besonders die Sträflinge, die in jungen Jahren und in der Blüte ihrer Manneskraft auf Lebenszeit interniert werden, welken gwe bald dahin. Verbrecher, die mit zirka SO Jahren— womöglich nach mehreren kürzeren Vorstrafen— für den Rest ihres Le- bens in das Zuchthaus kommen, haben weit inebr Aussicht, eiix biblisches Alter zu erreichen als die jüngeren Verurteilten. Wer konimt lebenslänglich ins Zucht« h a u S? In den meisten Fällen handelt es sich um Mörder, die zum Tode verurteilt, aber vom Landesherrn begnadigt worden sind. Gerichtliche Verurteilungen zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe sind in der Praxis außerordentlich selten, obwohl das Reichs-Strafgesctzbuch diese Strafe für 1 7 ver- schiedene Delikte androht. Hierher gehören vor allem Hochverrat, Landesverrat im Kriege, Spionage, ferner Brand- stiftung, Herbeiführung einer Ueberschwemmung und � Beibringung von Gift, falls hierdurch der Tod eines Menschen herbeigeführt wird. Tas gleiche gilt von der Brunnenvergif- tung, Schiffs- und Eisenbahngefährdung. Auch auf Raub unter Martern und Totschlag bei Einbrüchen steht lebenslängliche Zuchthausstrafe. Erwähnt sei noch, daß auch das Nahrungsmittelgesetz(Z 13) und das Sprengstoffgesetz dieses Strafmaß zulassen. Das Sprengstoffgesetz droht bekanntlich in§ E5 auch die Todesstrafe an. Kleine Notizen. Zur Naubmordaffäre Brechner. Der Raubmörder des Kauf- mannes Brechner in Darmstadt ist bis jetzt noch nicht ergriffen. ES erfolgte zwar in Berlin eine Verhaftung, die aber entgegen den Meldungen von anderer Seite mit der Mordaffäre nicht das ge, ringste zu tun hat. Abermalige Erdbeben. Tonnerstag abend 3 Uhr 2 Minuten begannen die Apparate in Laib ach die Aufzeichnungen eines Nahbebens. Die zweiten Vorläufer setzten 9 Uhr 2 Minuten 18 Sekunden ein. Das Ende der Aufzeichnungen war um 9 Uhr 12 Minuten. Die Herdentfernung beträgt 169 Kilometer. Zwei Pioniere bei einer Uebung ertrunken. Bei einer Brücken- schlagübung schlug Donnerstag mittag in der starken Strömung des hochgehenden Rheins ein mit zehn Mann besetzter Ponton um. Zwei Pioniere des IS. Bataillons S k r a d e ans Kottbus und Paul Schimank aus Friedeberg fanden den Tod in den hellen. Ein dritter Pionier erlitt einen Beinbruch. Eine Unter, suchung ist eingeleitet. Eine Familie an Pilzvergiftung schwer erkrankt. Nach dem Genuß von Pilzen erkrankte in Neu-Lutzheim die Familie des Maurermeisters Kern. ZweiKinderim Altervon2und 6 Jahren sind bereits gestorben. Der Mann liegt lebensgefährlich danieder, die Frau und ein Kind befinden sich auf dem Wege der Besserung. Beim Baden ertrunken. Der vierzig Jahre alte Kaufmann Windstädt, der in Groß-Besten im Genesungsheim der OrtS- krankenkasse von Friedenau, Tempelhof und Wilmersdorf von einem neurasthenischen Leiden Erholung suchte, ist Donnerstag- nachmittag beim Baden im vorderen Pätzer See anscheinend infolge Herzschlages ertrunken. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Die Hitze in Amerika. Die Hitze hat auch am Donnerstag noch nicht nachgelassen; das Thermometer zeigte wieder über30Grad. Die Zahl der Hitzschläge nimmt außerordentlich äu._ In Chicago allein sind wieder 2 9 Personen Hitzschlägen zum Opfer gefallen. Eisenbahnunglück in Amerika. Donnerstag vormittag ist ein Güterzug der Grandtrunk-Eisenbahn auf der Hochebene von Ontario in eine auf dem Gleis befindliche Viehherde gefahren und entgleist. Fünf Passagiere wurden getötet. Sechs Personen vom" Blitz erschlagen. Im Departement Allier, namentlich im Arrondisseinent Lapallise, gingen am Freitag- vormittag schwere Gewitter nieder, die bedeutenden Schaden an- richteten. Bei dem Flecken Mayet-La-Montagne wurden eine vom Felde nach Hause eilende Bäuerin und ihrm fünf Kinder vom Blitz erschlagen. >tvmvvoristch« Re&jtwr: Wielc», Neukölln. 2üi fcciP Lnjer-tenttil Mnmla.; Th. Glocke. Lerllu. Druck u. Lcrlagi LyrwärtH Luchdruckerei u. VerlagSanftalt«stikSmatr».So, Berlin SäT Ganz hervorragend preiswert:\_ ätm Piilio A. jandorf&0 Wurstwaren Cerrelat- oder Salamiwurst.... mnd t,40 ThQringer Knoblauchwurst pfd.1.40 Teewurst..................... Jagdwurst................... w«nd 1,10 Landleber- od. Rotwurst nd 95 p& Sülzwurst...........-....... Kund 70?'■ Zwiebel- od. 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Dutzend Himbeersaft. 25, 35 pi Flaacbe 50 PI. 2 Puddingpulver 28 pt Vanillen-Zucker 3 pn=k 20 pi 1 Verkaufssteile für Abonnementsmarken der Brossen Berliner Strassenbahn und der Allgemeinen Berliner Bmnibus-Aktien-Besellscliaft Verkäufe. Zeh« Prozent Rabatt Vorwärts« lesern._____ Wardinenreste, Fenster 1,55, 1,95, 2,45, 2,85, 3�0, 4,25, 5,50, 6,75 uf». E, SBeißcnBetgä Gardinen- und Teppichhaus, Große Franffurter- ftraße 125, im Haule der Möbel- fabrik an der Koppenstraße,_ Teppiche mit Wcbefehlern 7,50, gLO, 11.50, 13.50, 16,50, 19,50, 22,50, 25,50, 29,50 usw. TeppichhauS Große Franfsurterstraße 125, im Hause der Möbelsabrik.__ Restbeftände, 1—3 Fenster Tuch- Portieren, Plüschportieren, Madras- Portieren, neueste Muster, Fenster 2,85, 3,50, 3,95, 4,85, 5,75, 6,50. 7,50, 9,50,11,50, 14,50,18,00 usw. Portieren- hau». Große Franfsurterstraße 125. Tnchdecke«, Leinendeckcn, Plüsch- decken 1L5, 1,65, 1,95, 2,45, 2,95, 3,65, 4�5. 4,85, 5,50, 6,75, 8,50, 9,70 bis 45 Mark. 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Es sind schon wiederHoll in solchen Fällen günstipe Enlscheidunxen erzielt.— 2 Streitende. 1. Ein Teil gehört postalisch zu Berlin. Welcher Teil in Frage kommt, crieben Sie aus dem Adresibuch. 2. Nein.— 21. F. 305. Die vertragliche Bestimmung ist maßgebend.— D. 2. 100. Nein.— W. 15. Nach Ihrer Darstellung hat die Berusung an das Ober- vcrsichernngsaml Aussicht aus Ersolg. Wir raten, sich mit dem Arbeits- sekrctariat in Braunschweig, Schloßstraßc 2, in Verbindung zu setzen.— W. B. 1�0». Die Beleidigungsklage müßte gegen den Angestellten er- bobcn iverden. Eine Verurteilung desselben ist zu erwarten, sosern die Aeutzerung bewiesen werden kann.— C. T. 86. Sie lünnen beim Amts- gcrichl die Anberaumung eines Termins beantragen. Fm Termin müssen Sie durch eine mit schristlichcr Vollmacht versehene Person vertreten sein. 2. Nach Erlangung eines Urteils können Sie Psändung und Versteigerung veranlassen.— A. B. 100. Sie können Klage erheben oder den Erlaß eines Zahlungsbefehls beantragen.— A. P. 164. 1. Die Scheidungsklage erscheint durchführbar, wenn Sie Ihre Behauptungen beweisen können. 2. Für den Fall, daß Ihr Mann allein für schuldig oder für mit- schuldig erklärt tvird, behalten Sie daS Erziehungsrecht. 3. Nein.— M. 100. Wenn Ihre Mutter durch Zeugen nachweisen kann, daß sie die Sachen in die Ehe eingebracht hat, so genügt das.— SÖ. 8. 38. Unverständlich.— BS. IB. Rcgenthi». Mindestens 200 Beitragswochen.— A. R. 45. Nein. Sic haben jedoch jür den Fall der Invalidität An- spruch au! Witwenrente. Sind Kinder im Alter unter 15 Jahren vorhanden, lo können Sic den Antrag aus Waisenrente stellen.— K. Sy. 30. Es ist beides zurzeit leider nicht zulässig. Ab 1. Januar kommenden Jahres tritt auch für Sie die Versicherungspflicht in Kraft. Todes-Anzeigen � DEDtseherMetJülarbeiWerbani Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleifer Ulbert Lommerkelä gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. August, nach- mittags 5'/< Uhr, von der Leichen- Halle des Kirchhojes in der Freien- walder Straße aus statt. Ferner starb der Schlosser unser Mitglied, Franz Gregersdorf am 31. v. M. an Blutsturz. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. August, nach- mittags 4 Ubr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Kirchhofcs in Trebbin aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Bauanschläger August Friemann Willibald- Alexis- Straße 10, am 30. v. M. an Altersschwäche. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. August, nachm. 3li, Uhr, von der Leichenhalle des Matthias. Kirchhofes in Marien- höhe aus statt. >oIgatha-Kirchhos in der Barsus- straße statt. 229.4 Hol- Vonnt»»«!. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- fc'r Beerdigung meiner „unserer guten Mutter &,« ÄärSiS'S »iW! s»«.."".n,.™ Paul Noack nebst Angehörigen. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten VatcrS Hermann Thormeyer sagen wir allen Freunden und Kol- legen, besonders auch der Direktion und den Mitarbeitern der Buchdruckcrei der»Deutschen Tageszeitung", sowie dem Vorstand des Vereins der Bcr- lincr Buchdrucker und Schristgießer, dem Vorstand des Berliner Faktoren- Vereins, dem Vorstand des Vereins der Stereotypenre, den Sängern der .Typographia" und den Kollegen der Firma E. S. Mittler u. Sohn und der»Vorwärts"-Druckerei unseren herzlichsten Dank. .Ann» Thormeyep nebst Kindern. yornehme Herren Kleidung fertig und nach Maß erhalten Sie in der modernen Mass- Schneiderei J. Kurzbers begründet 1S98 mit ähnlich lautenden Firmen nicht xn verwechseln Auf Wunsch Wochenrat» Rosenthaler Strasse 36 1. Etage, Frankfurter Allee 104 Ecke Friedenstrasso, Reinickendorfer Str. 4 Weddingplatz. 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Di« Gewählten nehmen an der daraus folgenden Generalversammlung teil. AnBcpopdenllkche General-Versammlung der Vertreter der Arbeitgeber und Kassenmitglicdcr am Montag, den 11. August 1913, abends 8'/« Uhr. im oben genannten Lokal. Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls. 2. Beratung und Beschlußsassung über die vom Obcrvcrsichcrungsamt Groß-Berlin vorgeschlagenen Acndc- rungen der neuen Kassensatzungen, und zwar die HZ 1, 4, t>, 8, 11, 14, 15, 20. 21. 24, 25. 2S, 29, 34, 37, 40, 44, 45. 48,. 58. ÜG, 82, 91, 93, 98, sowie der Wahlordnung der tzfj 4 und 23, sowie Neubildung des§ 27. Gültig sür die allgemeine Orts- Krankenkasse ab 1. Januar 1914. 3. Nochmalige Beratung und Be- schlußsassung über die Tagesordnung der Generalversammlung vom 25. April 1913. Aus Grund einer Verfügung des Verfichcrungsamtes Berlin-Wilmersdors, veranlagt durch eine Beschwerde. 1. Verlesung des Protokollsder letzten Generalversammlung. 2. Ersatzwahl sür das ausgeschiedene Vorstandsmitglied Herrn Hans Hecnemann, Arbeitgeber, sür die Amtspcriode bis eventuell 30. Juni 1914. Desgleichen sür das ausgcjdiicdcnc Vorstands- Mitglied Herrn Kurt T u ck e r- mann, Arbeitnehmer, sür die Amtspcriode bis eventuell 30. Juni 1914. 3. Abnahme der Jahrcsrechnung sür 1912. 4. Antrag ans Statutenänderung K30 betresss Erhöhung der Kasscnbei- träge von i'l, auf 4'/, Proz. 5. Vorbesprechung über Neugestaltung der Satzungen nad) den Vor- schristen der Rcichsversicherungs- ordnung. 6. Verschiedenes. Beschwerden und Anfragen, zu welchen Einsichtnahme in Alten er- forderlich find, könne» zur Besprechung nur zugelassen werden, wenn dieselben mindestens drei Tage vorher schrist- lich beim Vorstand eingereicht sind. — Nur Delegierte dürfen an der Generalversammlung teilnehmen. Berlin-Wilmersdors. den 1. August 1913. 274/9 Der Vorstand. L ü b s e n, Hertel, Vorsitzender. Schrijtsührer. 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D /— WondloiPen |tVef.Wria8*btr.53. BüllierTertiif" Meuael, I. Gerichtatr. 39 RllUger Verkauf, II. MflllerBtr. 158 Schmidt. Fonisstr. 3 Zahn-Atelier ) Dflby, IL, Sestbila, Btrgit. 48S-Ln 79 M,Oorodlskl, BlmNitkr.Bniiaut.86 O.HlUerffeliiieiit«nU0111T.N Körber, O., ßarieidorf CbsaiMti lt. I c t W. Kyrath. O. 112, Voigts tr. 8, L H. Llndeke, Warscbaueratr. 80. BL Rasenke, Birkenatr. 22. Karl Sommer, FraiUiriar Hie« 104 Witte, Max?— uers�,'! ■ Beta Vutulf«;,!,. Für fcen Bnletatentcil berantu.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.«erlag:»ottoäitf' Bud&btutfetei u.«erlagSanstalt Paul Singer u.Co.. Berlin SW. »■*»»» Kcsirks KtiI«Sk Ks Lmw" ßr ZSiim- ?. August 1913. Partei- 5ZngelegenKeiten. Zur Lokalliste. Die Differenzen mit dem Lokal Albrechtshof, Steglitz, find beigelegt. Das Lokal steht nunmehr zu allen Veranstaltungen un- emgelrlich zur Verfügung. t!lm Sonnlag, den 3. August, findet in Bohnsdorf wie alljährlich das Erntefest der Baugenossenschast.Paradies" auf dein grotzen Festplatz der Genossenschaft an der Dahmestrafce statt. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Lokale von Mar Schulz und Wilh. Wiert für die organifierten Arbeiter streng zu meiden sind, da uns dieselben zur Versammlung beharrlich verweigert werden. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, dafi die Lokale von Riedel und Domschke in Neue Mühle und Niederlehme sDorfaue) das Lokal von Paul Schmidt noch wie vor gesperrt sind, Weiter weisen wir darauf hin, daß die Lokale N e u-H e r i n g S- d o r f bei Cöpenick und in S ch ö n e b e r g das Gesellschaftshaus des Westens nach wie vor gesperrt sind. XL. Alle Einsendungen für den Kreis Nieder-Barnim in Lokal- angelegenheiten bitten wir an Genauen Ernst Werkmann, Friedrichs- Hagen. Köpenicker Strotze 18, zu senden. __ Die Lokalkommission. Wahlvcrcin Dabendorf und llmgegeud. Am Sonntag, den 3. August, feiert der Wahlverein vo» Dabendorf und Umgegend sein 3, Stiftungsfest im Lokal„Deulscher Kaiser"(Inhaber Wich- mann) in Dabendorf bestehend in Konzert. Rinderspielen, Kegeln, Schietzen, Theater und Ball. Anfang 3 Uhr, Zernsdorf. Am Sonntag, den 3. August, findet in Kablow auf dem Grundstück des Genossen Hermann Laschin eine öffentliche Versammlung statt. Referent ist Genosse K Iii h- Reukölln. Flug- blattverbreitung zu dieser Versammlung findet Sonntag früh von den bekannten Stellen aus statt. Der Vorstand. öerlmer Nacbncbten. «Tie sozialistische Liedertafel?!etv Aorks in Berlin." Die Generallommission der Gewerkschaften sendet uns folgende Zuschrift:.Unter obiger Rubrik bringt der.Vorwärts" in seiner heutigen Nummer einen Bericht über einen Kommers im Gewerk- schastshause zu Ehren der New Uorker Gäste. Nach dem Bericht soll ein Genosse Jablinowski auf die vor zwei Jahren hier stattgefundene Versammlung, in der GomperS sprach, Bezug genommen und unter anderem erklärt haben: .In Amerika sei die Bewegung durchaus nicht so einmütig, wie GomperS eS vor zwei Jahren hier dargestellt hat. Er, Redner. könne auch heute noch nicht begreifen, warum ihm damals daS Wort»licht erteilt worden sei, obgleich er es verlangt habe." Diese Behauptung des Genossen Jablinowski ist vollständig aus der Lust gegriffen. In jener Versammlung hatte Jablinowski am Preffetisch Platz genommen, und zwar ganz zufällig zwischen den beiden Redakreuren des.Correspondenzblattes". Jablinowski stellte sich vor Beginn der Versammlung dem einen dieser Genossen als Vertreter der.New Dorker Volkszeitung" vor und erkundigte sich, ob eS Diskussion geben würde. Auf die Antwort, datz wohl kaum jemand in» Saale eine Debatle über amerikanische Verhältnisse zu führen»vünsche, erklärte JablinolvSki, in a n in ü f s c GomperS entgegentreten. Daraufhin lvurde Genosse Legien auf die Anwesenheit eines Vertreters der.New Dorker Bolkszeitung" auf- merlsam gemacht und er ordnete sofort an, datz nach dem Vortrage von Goinpers eine Diskussion eröffnet werden sollte, die auch stattfand. Wer sich aber nicht zum Wort meldete, war der Genosse Jablinowski. Er lietz sich vielinehr von GomperS als Kronzeuge über die ameri- konischen Einwanderungsbestimmungen anrufen und bestätigte durch Kopfnicken und Zuruf GomperS Ausführungen gegenüber einem Diskussionsredner. Das Verhalten des Genossen Jablinowski, der so tapfer focht und entkam, gab damals Anlatz zu munterer Glossic- rung bereits am Pressetisch. Eine Personenverwcchselung ist ausgeschlossen, da Jablinowski unserem Genoffen seine Visitenkarte überreichte. Berlin, den 31. Juli 1913. Generalkommission der Gewerkschaften _ Deutschlands. Zur Verkehrskalamität in Tempelhof wird uns von dort geschrieben:, »Seit Jahren führen die Einwohner von Tempelhof und Mariendorf heftige Kälnpfe wegen besserer Fahrgelegenheiten mit der. Großen Berliner". Wiederholt sind in den Gemeindevertretungen die heftigsten Debatten gepflogen worden und der verstorbene Bürgermeister Mussehl beschwerte sich in dieser Sache oft bitter über die ungerechte Behandlung Tempelhofs durch das Polizeipräsidium. Nur winzige Zugeständnisse sind iin Lause der Zeit abgerungen worden und auch diese nur teilweise gegen Preisgabe verbriefter Rechte. Alle Beschwerden und Eingaben scheitern nicht nur an der Knauserigkeit der„Großen Berliner", sondern auch bei dem Polizeipräsidenten. Jetzt ist dieses Rätsej gelöst. Auf eine Be- schwerde des Mariendorfer Haus- und Grundbesitzervereins über die vollständige Unzulänglichkeit des Verkehrs bei der.Großen Berliner", die natürlich abfiel, fetzte der Verein seine Hoffnung auf den Polizei- Präsidenten, der aber antwortete: .Auf die Beschwerde voin 13. April 1913 erwidere ich»»ach ein- gehender Prüfung ergebenst, datz von den von hier aus vor- genommenen Zählungen im allgemeinen ausreichende Be- forderungsgelegenhett auf den nach Berlin-Mariendorf und Südende verkehrenden Siratzenbahnlinien geboten wird. Dak bei besonderen Veranstaltungen in Mariendorf trotz Heranziehuna ,ablreiwc Unlerstützungswngen nicht innerhalb we.,iger Minmen alle Fabr- luftigen befördert werden können, ist selbsw-rständi� u n d kann mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen I teress� von der Gesellschaft auch n, cht gefordert werden Auch die Zählungen, welche der Herr Amtsvorsteher in Berlin- Mariendorf veranlaßt hat, führen zu keinem abweichenden Ergebnis. .3- V.: Haaselau. Somit ist vorläufig jede Aussicht auf eine Verbesserung der Fahrgelegenheit auch nach anderen Teilen Berlins abgeschnitten und auch eine weitere Beschwerde beim Mnister durste sich als erfolglos erweisen. Die EntWickelung dieser Orte wird aber durch diesen Be- scheid gehemmt, und T-mpelhof wird darunter am meisten zu leiden haben. Was nutzt den Tempelhofern eine Bahn, d,e»n Zukunft zwar durch Ras-nstreifen fährt, aber voll besetzt ist? Nach- dem durch den ablehnenden Bescheid die Direktton in Verhalien obendrein gestärkt loorden ttt. da f,„„L v beide Gemeinden nur eme Lo,ung £. k;„??.„ mißlichen Verhältnissen herauszukommen: » a h r g e l e g e nh e xt\n eigener Regiel Bedauerlicherwelle b°b-n �°burg°r.ch.n G-�indevertreier.,och bis in die jüngste Zeit m-Großen Berliner" zu erreichen- Lertrage gutgeheißen, die der.Großen Berliner" über ein Menichen- atter hinam- die F�gekegenheit.auf Schienen" als Monopol zu- Pcherten. Darum, celbsthilfe durch Omnibus und Aulo!" zLohlfahrtseinrichtungen fnr die Angestellten in Berliner (Yrostvetrieben. von Angestellten wird uns geschrieben: Die Berliner Jllustr. Aeitung" bringt ein Bild, das darstellt, wie Damen m.d Zerren ae- «ittlich m Korbsesseln beim Glase Bier..nd der Zeitungen einem sehr netten von Warenhäusern eingerichteten Dachgarten sitzen. Zur Vervollständigung stehl noch darunter:.Aufgenommen bei R. M. Maaßen". Die Firma Maatzen hat es verstanden, verschiedentlich mit diesem Dachgarten Reklame zu machen, aber bislang wohl aus Bescheidenheit verschwiegen, wie teuer sie den Angestellten den Dach- garten berechnet. Bisher bekam jede Angestellte bei der Firma Maaßen im Sommer einen Reisezuschuß von 30 M. Dieser Reise« zuschuß ist nun, da ja der Dachgarten eine Reise ersetzt, in diesem Jahr allen Angestellteii entzogen worden, auch denen im Geschäfts- hauS in der Oranienstratze, die doch von dem auf dem Hause in der Leipziger Straße liegenden Dachgarten nichts haben, selbst wenn sie in den knappen Pausen überhaupt hinaufgehen könnten. Es ist also ein ganz gutes Geschäft für R. M. Maaßen, einen Dachgarten ein- zurichten. Erstens spart man die Reiseunterstützung und zweitens kann man noch Reklame machen; alles auf Kosten der An- gestellten. Tas Auge des Gesetzes wacht! Auf dem Gelände der früheren Wasserwerke an, Stralauer Tor erheben sich neben einer Gemeinde- Doppelschule die Fabrikgebäude der Auergesellschaft. Als vor einigen Jahren die Auergesellschaft ihren Betrieb nach der Rotherstraße verlegte, genügte ein Gebäude. Infolge der rapiden Entwickelung dieses Betriebes mußten neue Ge- bäude errichtet werden. Auch diese erwiesen sich bald als zu klein, so daß die Gesellschaft neue Grundstücke zu erwerben genötigt war. Mit der Bebauung eines dieser Grundstücke an der Rothcr-, Ehren- berg- und Rudolsstraße ist jetzt begonnen, die Ausschachtungsarbeiten sind in vollem Gange. Zur Aushebung des Bodens bedient man sich auch zweier Maschinen, Eine derselben wurde an einem Sonntage aufgestellt. Laute Hammerschläge und Rufe lockten eine Reihe Neugieriger heran, während andere Leute, gläubige Christen, nach der nahen Zwingli- kirche ginge», um die Predigt»Du sollst den Feiertag heiligen" an- zuhören. Das weithin hörbare Geräusch lockte auch einen Schutz- mann, mit einem Revolver umgürtet, herbei. Die Zuschauer glaubten, er würde die Arbeit verbieten. Das tat er aber nicht. Während in der Zwinglikirche ftomme Weisen ertönten, lauschte der Schutzmann den Tönen der Hammerjchläge und schaute der Arbeit zu. Er be- obachtete scharf, daß bei dem Aufbau der Maschine kein Unfall passierte. Was auch gar nicht möglich war, weil ein Schutzmann .Schutz" gewährte. Von den Zuschauern wurde die Frage aufgeworfen, ob wohl ein Laubenkolonist oder gar ein Flugblattverbreiter während der Kirch- zeit unbehelligt geblieben wäre? Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte ein Schutzmann die Frevler festgestellt und ein Strafmandat iväre sicher gewesen. Da aber die Arbeit für eine große Firma verrichtet wurde, wacht daS Auge des Schutzmann« über die Sonntags- arbeit. Wenn man auf seine Sachen nicht achtet. Einen schlnerzhaften Verlust erlitt hier eine Dame aus Hannover auf der Durchreise. Als sie an der Siegessäule einen Kraftwagen verließ, vergaß sie ihre Handtasche, die mit Inhalt einen Wert von 6000 M. hat. In der ans Schlangenleder gefertigten und mit grauer Seide gefütterten Tasche befanden sich zwei Portemonnaies. Ein braunes Klappportenionnaie emhielt einen Tausend- und einen Ein- Hundertmarkschein. DaS zweite, ein blaues Portemonnaie mit Perlen- fassung, enthielt nur 30 M. baares Geld, außerdem aber eine kleine goldene Handtasche, einen Brillantschmuck, bestehend auS zwei goldenen Ohrgehängen mit Brillanten, zwei Brillantringen, einer Platinkette mit Brillanlgehänge, einem Kollier»nit Brillanren, zwei Armbändern mit Brillanten, einem goldenen Kettenarmband und einer langen, filbervergoldeten Kette mit goldenem Bleistift und einem Miniatur- revolver. Sodann enthielt die Tasche noch einen Reisepaß auf den Namen der Bestohlenen sowie niehrere GepäckaufbewahrnngSscheine und eine Fahrkarte 3. Klaffe auS Hannover. Aufhebung der Huude-»nd Katzcnsperrc in Potsdam. Mit dem gestrigen Tage ist die Hunde- und Katzensperre über P o t S d a m aufgehoben worden. Die Hunde dürfen jetzt wieder ohne Maulkorb und Leine frei umherlaufen. Auch die Katzen erfreuen sich wieder der unumschränkten Freiheit. Um 22 000 M. beraubt wurde gestern ein Kaffenbote der Deutschen Bank, der daS Geld bei der Deutschen Bank einzahlen sollte. Auf dem Wege nach der Deutschen Bank in der Behrenstraßc begleitete ihn nach Vorschrift des Geschäfts ein zweiter Bote. Als beide zusammen daS Geld er- hoben hatten, steckte es Ristow, so heißt der Kaffenbote, in seine Briefi tasche und diese in die innere Rocktasche, Weil ihm nur Tausendmark scheine ausgezahlt worden waren, mußte er noch nach der Reichs- bank, um für die großen Scheine kleinere und hartes Geld zu erhalten. Weil sie außerdem noch bei der Darmstädter Bank zu tun halten, teilten sich beide in die Arbeit. Während Ristow mit einein Straßenbahnwagen, auf dessen Hintere Plattform er sich stellte, nach der ReichSbank in der Jägerstraße fuhr, machte sich sein Begleiter auf den Weg nach der Darmstädter Bank, um dort den Auftrag zu erledige». Als nun Ristow bei der Reichsbank ankam, bemerkte er nach seiner Angabe zu seinein größten Entsetzen, datz die Rocktasche aufgeschnitten war und die Brieftasche mit dem Geld fehlte. Wo ihm diese aber gestohlen worden ist, kann er gar nicht sagen, da er vorher nicht daS geringste gemerkt hatte. ES wird jedoch angenommen, datz ans der Stratzenbahn sich ein Fledderer, der ihn vorher auf der Bank beobachtet hatte, an ihn herangemacht und die Tasche durch Ausschneiden des Jacketts gestohlen hat. Er machte seinem Geschäft sofort von seinem Verlust Meldung, das daraufhin gleich bei der Kriminalpolizei Anzeige erstattete. Deren Untersuchung der Angelegenheit ist noch nicht abgeschlossen und kann nach den bis' herige» Feststellungen»och nicht gesagt werden, ob dem Boten das Geld tatsächlich geraubt worden ist. Nach Ansicht seiner Arbeitgeber ist dies ohne Zweifel der Fall. Sie trauen ihrem Angestellten einen fingierten Diebstahl und die Unterschlagung nicht zu. Ristow, der unverheiratet ist und im Anfang der fünfziger Jahre steht, ist schon länger als 15 Jahre bei der Firma tätig und bat sich während dieser Zeit nie etwas zuschulden kommen lassen. Er genießt deren vollstes Vertrauen. Sehr oft hat er früher schon bedeutend höhere Beträge erhoben und stets ordentlich abgeliefert, auch wiederholt, ohne datz er von einem anderen Boten begleitet wurde. Wenn ihm»da? Geld tatsächlich gestohlen worden ist, so muß der Spitzbube außergewöhnlich geschickt und dreist vorgegangen fein. Bis jetzt fehlt von- einem Täter»och jede Spur. ®'1,t �were Bluttat verübte gestern der 48 Fahre alte Gastwirt & gegen die ebenso alle Gastwirtin Marie Molden- Madaistr. 33. Kaulniann wohnte mit der Moldenbauer, Weiche rie Gastwirtschaft betreibt, zusammen. Es kam wiederholt zu un- angenehmen Auftritten, welche die Frau zu dem Entschluß führte, Raulmann zu Verlasien. Das reizte den K. dermaßen, daß er gestern ein Rnchenmesser nahm und versuchte, derFrau die Kehle zu durchschneiden. D» Bedrohte schrie um Hilfe und setzte sich auch kräftig zur Wehr, so daß eSihninur gelang, ihr einige Schnittwunden am Halse beizubrmgen. T"-.Frau konnte schließlich d,e Flucht ergreifen, brach aber schon im Hausflur besinnungslos zusammen. In der Zwischenzeit brachte sich auch Kaulmann einen tiefen Schnitt am Halse bei. Ein Schutzmann, der herbeigerufen worden war, brachte beide mit einer Droschke nach der Hilsswache in der Koppenstratze, von Ivo die Frau nach dem Krankenhaus am Friedrichshain, der Mann als Polizeiqefangener nach der Eharits gebracht wurde. Die Verletzungen der beiden sind schwer, jedoch nicht lebensgefährlich. An Gasvergiftung gestorben ist in der Nacht zum Donnerstag die 26 Jahre alte Portierfrau Julianne Neiimiillcr aus der Belle- Alliance- Straße 10«. Die Frau hatte seit drei Wochen die Portier- löge in dem Restaurant„Bierglocke". Weil sie allein stand, schlief sie auch in dem Räume. Gestern vormittag fand der Küchenchef nun den von innen verschlossenen Raum mit GaS gefüllt und Frau Neumüller tot im Bette liegen. Samariter der Feuerwehr stellten Wiederbelebungsversuche an. die jedoch erfolglos blieben. Ob Selbst- mord oder Unglücksfall vorliegt, kann nicht gesagt werden. Der Hahn der Gaslampe stand zwar auf, doch kann die Verstorbene ihn auch versehentlich geöffnet haben. Geldschrankknacker statteten in der Nacht zum Freitag dem Hof- büchsenmacher Barella in der Französischen Straße 26/26 einen Be- such ab. Sie müssen in Erfahrung gebracht haben, daß sich der Geschäftsinhaber gestern nachmittag zur Jagd begeben hat. wo er jetzt noch weilt. Mit einem Nachschlüssel drangen sie in den Laden ein, von dem sie in das Privatkontor gelangten. Hier erbrachen sie nach Art gewerbsmäßiger Knacker das Geldspind und stahlen daraus eine Kassette init 600 Mark bares Geld. Die Summe besteht nur aus hartem Gelde, darunter eine Rolle Zweimarkstücke. Sodann stahlen sie noch etwa 66 automatische Pistolen im Werte von zu- sammen 2000 Mark sowie mehrere wertvolle Gläser. Mit der Beute entkamen sie unbemerkt. Ter Verein zur Unterstütiung des Mütterhort und Erholung?- heim(früher MutterschutzhauS) Pankow, Hartwigstr. 39, hat sich die Aufgabe gestellt, Müttern, ob verheiratet oder nicht, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und von einer Stelle aus ihnen alles zu bieten, was ihre Lage erleichtern kann. Er bemüht sich, die An- sprüche der Mutter'an den Vater ihres Kindes zu regeln, führt die Verhandlungen mit den Behörden, sorgt auf Wunsch für Unterkunft des Kindes in sorglich geprüfte Pflegestellen und gewährt ganz Unbemittelten eine oder zwei Freistellen, Die ruhige Lage inmitten eines mehrere Morgen großen Gartens, die Abgeschlossenheit dcS großen geräumigen Hauses von der Verkchrsstraße, die Liegehalle gibt den Erholungsbedürftigen zu jeder Zeit die Möglichkeit, sich im Freien aufzuhalten. Das Heim ist besonders geeignet auch Müttern mit ihren Kindern aufzunehmen im Falle einer Ehescheidung oder bei vorübergehender längerer Abwesenheit des Mannes, die ihrer Familie hen Schutz eines Heimes zugänglich machen wollen. Es enthält für diesen Zweck nebeneinander liegende Zimmer, die ge- trennt vom Mütterheim find. DaS Heim hat drei Klassen: 1. Klasse täglich ö M., 2. Klaffe 3 M., die 3. Klasse 1 M. mit Verpflichtung zur Hausarbeit. Die Pension ist im voraus zu zahlen. Sprech- stunden täglich außer Sonntag von 9— 12 Uhr vormittags, Dienstag und Freitag außerdem von 7-�9 Uhr abends. Vermißt wird seit dem 25. Juli, morgens TM Uhr, der Kauf- mannslehrling Emil MarkuS bei der Firma E. Lazarus, Spandauer Brücke, Ecke Dirksenstraß«, beschäftigt. Bekleidet war derselbe bei seinem Fortgange mit einem weißen Hemd, gezeichnet Nr. 2, Trikot- Unterhose, schwarzen Strümpfen und roten Gummistrumpfbändern, schwarzen Schnürstiefeln, schwarzem steifen Hut mit Seidenfutter, dunkelbraunem Anzug, Ehemisett und 5?ragen und dunkler Krawatte. Um Nachricht bittet die Mutter, Frau Markus, Fehrbelliner Straße 30, Hof parterre.__ Vorort- JVaebridbtem Charlottenburg. Inangriffnahme von Bauprojekten und Erwerbsmöglichkett. In der Nummer vom 27. Juli konnten wir kundtun, datz in der städtischen Hochbaudeputation der Wunsch an die Bauverwaltung gerichtet worden ist, die Bauprojckrc, die sich in Arbeit befinden, baldigst zur Reife zu bringen, um durch darauffolgende Jnangriff- nähme der Bauten erhöhte Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Welche Aussichten sich durch Verwirklichung dieses Gedankens für die Bauarbeiterschaft sowie für das gesamte Baugewerbe er» öffnen, möge nachstehende Zusammenstellung offenbaren. Im Etat für 1913 sind u. a. eingesetzt, 1 053 093 M. für Kanaki- sationsarbeitcn; 15 000 M. für die Errichtung einer Bedürfnis- und Abortanstalt auf dem Parkgelände am Lietzensee; 1000 000 M. für Erweiterung des Kraftwerks und 130 000 M. für Neupflasterung des Spandauer Bergs. Durchgearbeitete Projekte hierüber haben der Stadtverordnetenversammlung noch nicht vorgelegen. Von dieser genehmigt sind bauliche Erweiterungen am Zwischenpump- werk am Salzufcr. Ferner der Bau eines neuen RieslerS am Wasserwerk Jungfernhcide. Die Bausumme dafür ist auf 150 000 Mark veranschlagt. Zugestimmt ist weiter den Vorlagen betr. den Bau des Bahnhofs Witzlcben und den Bau einer Brücke im Zuge der Neuen Kantstratze und damit zusammenhängenden Regulie- rungs- und Kanalisationsarbeiten im Baugelände und im Gelände des alten Exerzierplatzes. Tie Brücke soll bis spätestens 1915 fertig- gestellt sein, lind da der Bahnhof, die Brücke und die Regulierung des Stratzenzugcs zur Verlängerung der Neuen Kantstratze bis Reichsknzalerplatz ein zusammenhängendes Unternehmen bildet, das gleichzeitig fertiggestellt und dem Betrieb übergeben werden müßte, sollte man erwarten, daß hier die Arbeiten mit Volldampf auf- genominen würden. ES ist nicht so: mit Ausnahme der Kanali- satiousarbciten i» der Rognitzstratze und der vor sich gehenden Bodenbewegung auf dem westlichen Gelände deutet noch nichts dar- auf hin, daß hier große vcrkehrstechnische Umwälzungen vor sich gehen sollen. Für den Bau eines Krankenpavillons II. Klasse auf Westend sind 601 000 M. und für einen Erweiterungsbau des Bürgerhauses, der für das Waisenhaus bestimmt ist, 300 000 M. an Baukosten aus- geworfen. Letzteres soll bis 1. Oktober 1914 vollendet sein. 950 000 Mark sind für den Neubau der Sophie-Charlotten-Schule mit Frauenschule bereitgestellt. Dieselbe soll erstehen auf dem früher Oppenheimschcn Grundstück in der Scharrenstraße. Das darauf befindliche„Palais Oppenheim" soll für Schulzwecke umgebaut werden. Bis zum Oktober 1914 soll ein Schulgebäude für da? Lyzeum IV nebst Studicnanftalt auf dem Grundstück Sybel- stratze 2/4 errichtet fei». Auch dafür find die Baukosten in Höhe von 1 196 000 M. bewilligl. Ein weiteres großzügiges Projekt, das den Erweiterungsbau der Volksbadeanstalt in der Krumme Stratze betrifft und für dessen Verwirklichung 2 617 000 M. in Anschlag gebracht sind, hat auch schon die Zustimmung der städtischen Körper- schaften gesunde». Ihm stehen M icts- und Pachtverträge entgegen, welche cä unmöglich machen, bor dem 1. Januar 1914 mit der Arbeit beginnen zu können. Bemerkt hierbei sei, datz geplant wird, noch eine Badeanstalt in der Nähe des Elektrizitätswerkes zu erbauen. Hierzu sind allerdings erst 3000 M. für Bohrversuche bewilligt. Entsprechend den Bestimmungen der PulSfchen Erbschaft ist eine Altcrsvcrsorgungsanftalt für arbeitsunfähige Personen zu errichten. Der bestimmungsgemäße Termin ist längst überschritten und die Aussicht besteht, datz bald mit dem Bau derselben begonnen werden wird. Tie Pläne und der Kostenanschlag, der mit einer Bau» summe von 725 000 M. abschließt, baben ebenfalls schon Zustimmung gefunden. Das Gaswerk ll soll eine Cyan-Waschaiilagc erhalten. Die Größe derselben ist für eine Erzeugung von 70 Millionen Kubikmeter Gas in einem Jahre bemessen. Da die Fertigstellung der Anlage bedeutende wirtschaftliche Vorteile für die Stadt nach sich zieht, wäre es schon daher dringend geboten, mit dem Bau zu beginnen. Die Kosten dafür sind auf 180 000 M. errechnet. Von weittragender Bedeutung für die Belebung des Arbeits Marktes ist der genehmigte Ausbau eines Teils des Nonnendamms und der Straße 45 und in der Umgebung die Anlage verschiedener Straßen und Plätze. Es wird dadurch nicht nur unmittelbare Arbeitsgelegenheit geschaffen, sondern der ganze Stadtteil er- schlössen, was wiederum eine umfangreiche Entwickelung der Bau- ttäigkcit nach sich ziehen würde. Eine Schnellbahn, die vom Wilhclmsplatz nach dem neuen Stadtteil geplant ist, dürfte wcsent- lich dazu beitragen. Da es sich bei vorgenannten Projekten um solche handelt, die bereits genehmigt sind.-müßte es die Bauverwaltung möglich machen, die Pläne schleunigst zur Reife zu bringen, um mit den Bauten beginnen zu können, um die bereitgestellten Summen ihren Zwecken dienstbar zu machen, und letzten Endes dadurch die Er- werbsmöglichkciten für Arbeiter, Handwerksmeister und Unter- nehmer zu erhöhen. Bisher sind leider nur winzige Bruchteile dieser Arbeiten in Angriff genommen. Grammophonbesibcr seid gewarnt! Gestützt auf Beschwerden über Belästigungen durch Grammophone, Phonographen und ähn- !iche Musikinstrumente, ersucht der Polizeipräsident die Besitzer der- artiger Musikinstrumente, ihre Mujikapparatc in der der Ruhe ge- widmeten Zeit, insbesondere nach 10 Uhr abends, nicht mehr oder nur bei geschlossenen Fenstern spielen zu lassen. Widrigenfalls Strafen und sonstige Nachteile wegen Erregung ruhcstörcndcn Lärms nach§ 800, 11 des Rcichsstrafgcsctzbuches örntreten könnten. Steglitz. lieber den Parteitag verhandelte die letzte Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins. Genosse T t r ö b e l legte in längeren Dar- legungen seine Ansicht über die die Partei bewegenden Fragen dar. In der Diskussion sprachen Hönisch, Stücklen, Dr. Meier und Drahn. Als Delegierter zum Parteitag wird Genosse Pieck der Kreisvcr- sammlung in Vorschlag gebracht. In den Vorstand ivird Genosse Nothnagel zum 2. Schriftführer und Genosse Leu als Beisitzer gewählt. Zur Kreis- Generalversammlung wurden die Genossen Zachow, Nothnagel, Alfermann und Paul Müller; zur Berbands-General- Versammlung Drahn, Blechschmidt, Stahl und Zachow delegiert. Ein Antrag der ersten Abteilung, die Delegiertenwahlcn betreffend, wurde angenommen. Den Bericht der Untersuchungskommission über das Nichtwählen verschiedener Parteigenossen gab Genosse Hüscr. 31 Genossen haben ihr Wahlrecht nicht ausgeübt, 2 davon haben Gegner gewählt, einige Genossen wurden entschuldigt, 2 haben ihren Austritt erklärt. Es wurde beschlossen, der Mehrzahl eine Rüge zu erteilen und nur -gegen 2 das Ausschlußverfahren einzuleiten. Weihensee. Mandatsniederlegung zweier Gemeiudevertretcr. Gegen die letzten Wahlen der ersten Abteilung war von Anhängern der allen Fraktion Protest eingelegt; der Kreisausschuß trat diesem Proteste bei, das Verfahren schwebt nunmehr beim Bezirksausschuß und sollte in kurzer Zeit die Entscheidung fallen. Die betroffenen Herren Delbrück und Knorr warteten diese Entscheidung nicht erst ab, sondern legten jetzt ihr bisher ausgeübtes Mandat freiwillig nieder. Der dritte Mandant, Herr Kohler, hat seinen Posten schon vor längerer Zeit niedergelegt, so daß in der ersten Abteilung demnächst Neuwahlen stattfinden werden, wo die drei Genannten wieder kandidieren werden. Bemerkenswert ist hierbei noch, daß die Mitglieder der allen Fraktion unter sich nicht einig sind, so erklärten öffentlich die Herren Jung und Liesen ihren Uebertritt zur fortschrittlichen Fraktion, so daß die alte Fraktion nur noch sechs Angehörige hat, die aber nur lose zusammenhallen, denn Fraktionssitzungen und gemeinsame Stellung- nähme zu den einzelnen Vorlagen finden nicht mehr statt. Lichterfelde. Aus dem Wahlvercin. Die am Dienstag stattgeMndene Mit- gliederversammlung wählte zur Lerbandsgeneralversammlung nach Berlin die Genossen Frach und Weißel, zur Kreisgeneralversaminluna am 24. August werden die Genossen Wienike, Weber und Träger delegiert. Die LandtagSwahl hatte eine Einnahme von 339,00 M. und eine Ausgabe von 011,78 M., somit ein Defizit von 271,88 M.— Die Gemeindewahl ergab eine Einnahme von 108,70 M. und eine Ausgabe von 348,75 M., somit ein Defizit voir 240,05 M. Das letzte Quartal hatte eine Einnahme von 355,31 M. und eine Ausgabe inklusive der zwei Drittel an den Kreis von 300,01 M. Auf- genommen wurden 2 männliche Mitglieder. Wegen Nichtbetriligung an der Landtagswahl wurden die Genossen TiniuS, Rchasch, Albert Lehmann und Robatzek ausgeschlossen. Da der Bildungsausschuß aufgelöst ist, wird beschlossen, den bisherigen Extrabeitrag von 5 Pf. für den Jugendausschuß weiterzuzahlen. Nowawes. Gcinciiidcvertrctersibung. Die Polizeiverordnung vom 10. Februar 1900, betreffend die Anlegung von Retiraden, wurde ausgehoben, weil dieselbe durch eine regierungsseitig crlasseue Baupolizei- Verordnung überflüssig geworden ist.— Der Armenhausordnung wurde ein Zusatz zugefügt, wonach der ArmenhanSvorsteher verpflichtet ist, über Zu-' oder Abzüge im Armenhaus dem Einwohnermeldeamt sowie über dort vorkommende Slerbefälle oder Geburten sofort dem Standesamt Mitteilung zu machen. Notwendig wurde der Zusatz dadurch, daß der Armenhausvorsteher von einem kürzlich im Armenhause vorgekommenen Sterbefall dem Standesamt keine Meldung erstattet hatte, obgleich er auf diese Pflicht ausdrücklich aufmerisam gemacht worden war.— Die Ausdehnung der Fortbildungsschulpflichr auf die ungelernten Arbeiter vom 1. April 1914 ab wurde, nachdem der Bürgermeister die Ver- sicherung abgegebeir hatte, daß das finanzielle Opfer nicht erheblich sei und auch wegen des benötigten Raumes keine Schwierigkeiten be- ständen, im Prinzip beschlossen. Gerechnet wirdmit einer Schülerzabl von 100, die etwa fünf Klassen besetzen würden. Von den zu deckenden Ilnlosten in Höhe von jährlich 1055 M. würden auf die Gemeinde 351,07 M.('/z), auf den Staat dagegen 703,33 M.(2/3) entfallen. Sollten jedoch nur etwa 80 Schüler Aufnahme finden, so würden sich die Unkosten auf 006 M. reduzieren, von denen die Gc- meinde 222 M.. der Staat 444 M. zu decken hätte.— Die Beschlußfassung über den Steuererlaß einer Friedhofsordnung, einer Friedhofsgebührenordnung sowie einer Anweisung für die Friedhofs- aufsehcr wurde für die nächste Sitzung zurückgestellt. Bon dcw Bau der Flußbadcanstalt am Havclufer, der bereits Anfang Juli in Angriff genommen werden sollte, um sie noch in der diesjährigen Badesaison zur Benutzung freigeben zu können, ist bis heule noch nichts zu merken. Sollte etwa dem Eisenbahnfiskus die Ueberlasiung des in Betracht kommenden Ufergeländes an den Ortsausschuß für nationale Jugendpflege leid geworden sein? Jugendveranstaltunge». Tempelhof-Mariendorf. Die arbeitende Jugend veranstaltet am Sonntag, den 3. August eine B a d e v a et i�c nach W a« n s e c. 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