Nr. 197. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl 3,30 m, monatl. 1,10 ML, wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Summer 5 Pfg. Sonntags. rummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Sumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts dod. sid 30. Jahrg Die Infertions- Gebühr beträgt e te fech@ getpaltens Rapsel geile oder beren Stauma 00 Big. Für bolitische und geperfchaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 80 Bfg ,, Kleine Hnzeigen", das fettgebrudte 28ort 20 fg.( auläffig 2 fettgebrudte Borte), jedes weitere Boct 10 fg. Stellengefuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 fg, jebes meitere Wort 5 Bfg. Borte fiber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate r die nächste Summer men bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. mystiflegado médic ioqui pilnu is telegramm- bceffe Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblaff. Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983. Krupp- Myſterien. Kleine Zwischenfälle. Sonntag, den 3. August 1913. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 1984. ichreibungen handelte sich's, als man Herrn Brandt nach dazu. Man brauchte ja nur die Herren Direktoren einmal Berlin schickte! eingehend zu inquirieren, was ihnen denn alles bekannt war und woher ihre Wissenschaft stammte. Die Direktoren fonnten nicht im mindesten im Zweifel darüber sein, daß der Heeresverwaltung gerade an der Ge- Noch ist die Beweiserhebung ja nicht geschlossen, noch heimhaltung dieser Dinge lag. Sie mußten wissen, daß bietet sich jede Möglichkeit der Erforschung dieses Rätsels, auf legalem Wege diese diskreten Dinge nicht zu er- dessen Lösung der Oeffentlichkeit sonst bedauerlicherweise berfahren waren, daß es dazu einer unterirdischen" borgen bleiben würde! but Verbindung des Brandt mit Organen der Heeresverwaltung Die„ patriotische" Firma Krupp. 196 209 bedurfte. Und trotzdem trugen sie keine Bedenken, Brandt Einer der Verteidiger stellte es am Sonnabend so dar, sed mit solcher Mission nach Berlin zu schicken! 11 118 Bei Beginn der Verhandlung am Sonnabend kam es zu etlichen kleinen Zwischenfällen. Die bürgerliche Preise wird diese bescheidenen Sensationchen vermutlich in den Mittelpunkt ihrer sachlich ohnehin äußerst dürftigen Glossen rücken, mit denen sie bisher den Prozeß begleitet hat. In Daß Brandt seine Informationen auch nur auf als ob all die unterirdischen" Ermittelungen des Herrn Wirklichkeit handelt es sich bei diesen Zwischenfällen nur um illegalem Wege, durch Benutzung von Hintertüren er- Brandt( für die zweifellos auch die Firma Krupp berantBelanglosigkeiten, die für den Kern des Prozesses, für die langen konnte, gaben die Herren denn auch zu. Herr v. Eccius wortlich ist), namentlich die Feststellungen der Kon Frage nämlich, inwieweit die Firma Krupp selbst in die freilich machte für sich geltend, daß er ja nur als Justiz Furrenspreise, im Grunde ja nur einem hochpatriotischen Affäre Brandt und das ganze geschäftliche Spionagesystem beamter und im Auswärtigen Amte tätig gewesen sei und von Zweck gedient hätten. Denn wenn die Firma Krupp etwa berwidelt ist, völlig gleichgültig sind. den Details des militärischen Dienstes nur eine höchst ober- ihre Lieferungspreise herabgesezt habe, sobald ihr Nachricht Zunächst überraschten drei der Angeklagten, die Zeug- flächliche Vorstellung gehabt habe. Immerhin ist es doch davon geworden sei, daß auch die Konkurrenzfirmen billiger Leutnants Tilian, Schleuder und Hinst, durch das Geständnis, höchst auffällig, daß ein ehemaliger höherer Staatsbeamter, liefern, so sei das doch auch dem Reiche zugute gekommen. daß sie tatsächlich dem Ehepaar Brandt in Rahnsdorf Beja, gerade ein Justiz beamter a. D., nichts Anstößiges Eine schnurrige Auffassung! juche gemacht haben. Daß sie diese Besuchè als äußerst harm- darin erblickte, daß die Firma Krupp gegen glänzende Be- Denn in Wirklichkeit handelt es sich dabei nicht um ein Los hinstellten und sich auf entschiedenste dagegen ver- zahlung einen Beamten nach Berlin schickte, damit er dort Interesse des Reichs, sondern nur um ein Interesse der wahrten, etwa eine Beeinflussung des Herrn Brandt direkt unterirdische Beziehungen zu militärischen Firma Krupp. Wenn die Konkurrenz der Firma Krupp oder indirekt versucht haben zu wollen, ist selbstverständlich. Organen anfnüpfe! ointian schneller liefert als Krupp, so wird eben sie, die Konkurrenz, Die Vernehinung der Zeugin Brandt wird ja ergeben, welchen Noch sonderbarer war es, daß auch ein Beamter wie Herr zu den Lieferungen herangezogen. Dem Reiche erwachsen Charakter diese Besuche getragen haben. Dreger, der doch früher sogar im Kriegsministerium daraus keinerlei Nachteile, wohl aber der Firma Krupp, die Referent und Dezernent gewesen war, nicht schärfiten dann um Lieferungen kommt. 10 Widerspruch gegen die ihm bekannte Tätigkeit des Brandt Wird sie aber durch Schaden klug und geht sie dann ebenerhob. Denn, das bekannte er ia offen, er wußte, daß falls mit den Preisen herab, so tut sie nur das, wozu sie durch manche Kornwalzer des Brandt nicht auf legalem Wege zu die Konkurrenz gezwungen wird. Sie reduziert dann ihre beschaffen waren. Aber er beruhigte sich damit, daß Brandt Preise nicht aus Batriotismus, sondern nur, um sich künftige vielleicht wenigstens nichts direkt„ Strafbares" unternehmen Lieferungen zu sichern! werde. Eine Weitherzigkeit der Auffassung, die von einem ehemaligen Beamten des Kriegsministeriums höchlichst in Erstaunen feßen muß! Am Sonnabend war diese wichtige Zeugin freilich nicht erschienen. Man konnte ja ohne besondere Prophetengabe vorauszusehen, daß sich ihre Vernehmung nicht so leicht bewerkstelligen lassen würde. In der Tat konnte sie auch ein ärztliches Attest vorlegen, daß sie von einem Nervenchof befallen worden sei, der sie zum mindesten für den Sonnabend unfähig mache, vor Gericht zu erscheinen; wohl aber dürfte ihr Zustand sich bis zum Montag gebessert haben. Nun kann aber die Firma Krupp durch ihre unterirdischen" Verbindungen auch erfahren, daß die Konkurrenz hin Bemerkenswert war bei dieser Episode die Erklärung und wieder höhere Preise stellt. Dann liegt für sie zum Des Anklagevertreters, daß durch das Geständnis der drei AnAuch Direktor Mouths gestand zu, daß er nicht im mindesten die Versuchung nahe, ihre billigeren Preise geflagten die Zeugenvernehmung der erkrankten Frau Brandt Zweifel darüber gewesen sei, daß manche der Brandtschen fünftig herautzuseßen und dadurch den Staat zu feineswegs überflüssig geworden sei, da nicht nur von Kornwalzer offenbar auf Indiskretionen von Militär- fchädigen. In der Praxis soll das nach der Aussage der der Anklagebant aus Beeinflussungsversuche dem beamten beruhten. Ja, dieser Herr hat sich nach seinen eigenen Krupp- 3eugen nicht vorgekommen sein. Der AnklageBengen Brandt gegenüber unternommen worden seien. Wor- Worten bei der Leftüre der Stornwalzer öfters an, den vertreter erklärte allerdings, daß ihm schon die theoretische ats wohl gefolgert werden darf, daß noch andere Per- Ropfgefaßt" und gefragt, woher Brandt denn in aller Möglichkeit genüge. Sie genügt uns nicht minder! fonen, die zurzeit nicht die Anklagebank zieren, ein böses Welt das haben könne! Oder soll es nun etwa Patriotismus sein, daß die Firma Gewissen haben! Und trotzdem wurde dem Brandt nicht einmal dann das Krupp zu erfahren sucht, wiederum auf illegalem, Erwähnt wenigstens sei, daß es bei dieser Gelegen- Handwerk vom Direktorium gelegt, als der Firma Krupp be- unterirdischem Wege, durch Auszüge aus den noch unheit auch zu einer Karambolage zwischen mehreren Ange- reits im Oktober des vorigen Jahres die Mitteilung ge- veröffentlichten Etats oder sonst wie, daß demnächst Lieferunflagten und ihren Verteidigern fam. Einer der Angeklag- worden war, daß Herr v. Mezen gerade wegen der Brandt- gen bevorstehen? Sie wird in diesem Falle eine kürzere ten behauptete, er sei nur durch Abwinken seines Verteidigers schen Kornwalzen gegen die Firma Krupp vor- Lieferungsfrist als die schwächere Konkurrenz offerieren und beranlagt worden, mit seinem Geständnis, bei Brandt ge- gehen wollte. Selbst da noch hat man Herrn Brandt weiter fomit ihre meist ohnehin übermächtige Stellung noch bewesen zu sein, zurückzuhalten. Ein anderer erklärte, daß er seinen„ kameradschaftlichen Verkehr" mit den Zeugoffizieren festigen können! Das liegt aber keineswegs im Interesse seinen Besuch bei Brandt bereits seinem Verteidiger mit weiter pflegen lassen, und Herr Dreger hat sich nur darauf des Staates. geteilt und deshalb von diesem eine Aufforderung zur Ge- beschränkt, einige ihm allzu kizlige Kornwalzer zurückzu- Wie man also auch das eigentümliche Geschäftsgebaren ständnisablegung erwartet habe. Beide Verteidiger, die behalten. Beide Verteidiger, die behalten. Er hat zwar Herrn Brandt verschiedene Male der Firma Krupp und ihres Beamten Brandt, dessen Tätigkeit Herren Grasso und Ulrich, bestritten energisch die„ väterlich" ins Gewissen geredet, doch ja nichts Unerlaubtes den leitenden Persönlichkeiten der Firma durchaus beRichtigkeit dieser Darstellungen. zu treiben, sich aber doch allzugerne mit der Versicherung des Brandt begnügt, daß er sich keiner strafbaren Handlung schuldig mache. Die Kruppdirektoren als Zeugen. Viel wichtiger und interessanter als diese kleinen Zwischenspiele waren die Aussagen der Kruppdirektoren, die am Sonnabend darüber vernommen wurden, mit welcher Mission denn Brandt eigentlich nach Berlin geschickt worden fei, und ob denn nicht auch die Direktoren Kenntnis von dem sträflichen Treiben ihres Beamten gehabt hätten. Streng geheim- uur für Subalterne?! fannt war, betrachten mag stets schauen nicht etwa patriotische oder Staatsinteressen heraus, sondern einzig das fommerzielle Interesse der Kanonen- und Banzerplattenfirma, deren jährliche Riesengewinne ihren Besitzern offenbar noch nicht hoch genug zu sein scheinen! Die Bukareiter Friedenskonferenz. Ebenso originell, und wir müssen schon sagen, befremdend, waren die Erklärungen, die von sämtlichen Herren Direktoren für ihren guten Glauben abgegeben wurden, daß die Handlungsweise des Brandt etwas so Schlimmes ja gar nicht Die Zeugen, von denen einige selbst in das vor dem sein könnte. Denn alles, auch das scheinbar Geheimste, Friedlich schiedlich haben die Verhandlungen in Bukarest Zivilgericht zu verhandelnde Verfahren verwickelt sind, wuß- was die Brandtschen Kornwalzer enthalten hätten, mit Austen zwar auf manche konkreten Fragen leider keine ebenso nahme etwa die Konkurrenzpreise, sei ihnen doeh I ängst eingesetzt, und die Einigung auf einen, wenn auch zunächst fonfreten Antworten zu geben, aber ihre Erklärungen waren bekannt gewesen. Selbst auf konstruktivem Ge- nur furzen Waffenstillstand, hat sicherlich überall einen guten doch in vieler Hinsicht höchst beachtenswert. So erklärte biete seien ihnen die Brandtschen Mitteilungen geradezu als Eindruck gemacht. Jetzt kommen aber die Schwierigkeiten, näm Direktor Eccius, daß Herr v. Schüß die Firma sehr appalien vorgekommen! lich die Festlegung der neuen Grenzen. Die Regelung dieser unergiebig" mit Auskünften geschäftlicher Natur bedient habe Für unseren Laienverstand sind diese Erklärungen wirf kritischen Fragen wird sicher längere Zeit in Anspruch nehmen, und daß deshalb Brandt zu seiner Assistenz nach Berlin lich unfaßbar. Da strengt die Heeresverwaltung einen hoch- denn hierbei machen auch die Großmächte hinter den entsendet worden sei. Die Konkurrenzfirmen seien beffer von notpeinlichen Prozeß an gegen ein paar Subalterne, weil sie Kulissen ihren Einfluß geltend, je nachdem russische, östermancherlei Dingen unterrichtet gewesen. als die Firma sich beim Glase Bier von Brandt aushorchen ließen oder ihm reichische oder andere Interessen dabei in Frage kommen. Die Krupp, und aus diesem Grund habe man Brandt für die schließlich auf Beschwaben gar Auszüge aus Geheimakten geeignete Person zur Beschaffung von Nachrichten gehalten. machten. Nach der Anklage soll es sich dabei um Verrat Regelung der neuen bulgarisch- rumänischen Grenze wird verInsbesondere habe es sich um die Kenntnis der Ston- wichtiger konstruktiver Geheimnisse, um die bältnismäßig furze Zeit in Anspruch nehmen. Bulgarien furrenzpreise gehandelt. Andere Firmen seien auf Gefährdung des Staats, ja der Landes- wird sich zähneknirschend den rumänischen Ansprüchen fügen, diesem Gebiete früher beffer informiert gewesen als Krupp. interessen gehandelt haben. Und die Herren Direktoren um Rumänien vorläufig gegen seine beiden anderen Gegner So sei bei verschiedenen Parlamentsdebatten im Jahre 1903 und Generalvertreter der Firma Krupp behaupten nun, daß auf der Seite zu haben. Die bulgarischen Militärs und und 1905 Abgeordneten Zahlenmaterial in die Hand gespielt sie all die so ängstlich und peinlich gehüteten Geheimnisse der Staatsmänner werden aber schon jetzt den Augenblick herbei. worden, das offenbar von der Konkurrenzfirma geftamint Militärverwaltung ja längst, längst- und natürlich nur sehnen, wo sie das ihnen abgepreßte Gebiet wieder erobern und eine intime Kenntnis der Preise der Firma Krupp ver- auf I egalem" Wege erfahren hätten! fönnen. Man darf sich nicht durch die augenblickliche FreundIst das nicht ein unglaublicher Widerspruch. Wenn es Daß sich diese Informationen, die man von Brandt er- für die Vertreter der Firma Arupp, die aus boben schaft zwischen den beiden Staaten täuschen lassen. Die not. martete, nicht nur auf Ermittelungen von Konkurrenz- Offiziers- und Diplomatenfreisen flammen, so gedrungenen Konzeffionen Bulgariens tragen schon den Keim preifen bezogen, sondern auch auf andere von der Seeres ein Kinderspiel ist, hinter all die Gebeimnisse der ou neuen Konflikten in sich. berwaltung ebenso geheim gehaltene Dinge, verriet dann Heeresverwaltung zu fommen, und wenn das alles ganz in Große Schwierigkeiten wird die Festlegung der Grenzen Er eremplifizierte nämlich auf der Ordnung sein soll, warum streckt man da die armen in Mazedonien ergeben. Denn hier werden Serben und Fälle, wo die Konkurrenz fürzere Lieferfristen habe Teufel von Zeugoffizieren auf die Folterbant, weil sie Griechen mit dem Rechte des Siegers Gebiete fordern, die urofferieren können, als die Firma Krupp, weil sie schon Monate formell illegal, aber der Sache nach scheinbar doch gar nicht sprünglich Biele des bulgarischen Machthungers waren. Die bor dem offiziellen Ausschreiben von den zu erwartenden rechtswidrig nur dasselbe getan haben, wozu sich bulgarischen Nationalisten werden sich auch hier zu einem Aufträgen Kenntnis erlangt habe. Denn nur, wenn ihr andere Militärkreise durchaus berechtigt glaubten.! Verzicht nur mit dem Hintergedanken an eine spätere Revanche fchon beizeiten vor der offiziellen Bekanntgabe des Aus- Entweder müßten dann doch die angeklagten fieben fchreibens die zu erwartenden Aufträge befannt geweſen Zeugoffiziere mit einem bloßen Rüffel baboomen, her herbeilaffen. Besonders umstritten wird von Griechen und davonkommen, oder feien und sie sich darauf habe vorbereiten fönnen, jei ihr eine aber man müßte eine ebenso peinliche Untersuchung an Bulgaren der Besitz der Hafenstadt Kawala, deren Golf die ſtrengen, um in Erfahrung zu bringen, was von militärischen Insel Thasos vorgelagert ist. Wie es heißt, unterstützt hier raten habe. Direktor Muths. fürzere Lieferungsfrist möglich gewesen. Also um die als Geheimnis der Heeresverwaltung Geheimnissen von den höheren Instanzen der Armee an Rußland die Ansprüche Bulgariens. Auch die Verteilung der betrachteten tonkurrenzpreise und die ebenso die höheren Beamten der Firma Krupp mitgeteilt worden zahlreichen Inseln in Aegäischen Meere, die Griechenland für geheim zu haltenden Absichten erst später erfolgender Aus- lift. Sicherlich böten die Kornwalzer eine Handhabe sich verlangt, wird noch manches Kopfzerbrechen machen, da! fiter auch England und andere Großniächte ein Wort mit- reden wollen. So werden die Bukarester Verhandlungen tn der nächsten Woche durchaus nicht so glatt verlaufen, sie werden aber auch nach ihrem Abschluß nicht die Gewähr geben, daß den schwergeprüften Bc�kanvölkern aus lange Zeit der Frieden gesichert sei. Die imperialistischen Bestrebungen der Groß- mächte auf der einen, die nationalistischen und dynastischen Strömungen aus der anderen Seite lassen auch nach einer Umarbeitung der Balkankarte eine Menge Konfliktsstosf übrig. Der Türkei gegenüber tun jetzt die Großmächte so, als ob sie etwas tun wollten. Ihre Botschafter in Kon- stantinopel sollen der Pforte Borstellungen wegen der Wieder- besetzung Thraziens machen. Das wird den Desperadopolitikern vom Schlage eines Enver Bei natürlich gewaltig imponieren. Die Grenzfrage.! Bukarest, 2. August. Heute vormittag fand eine der- trauliche Besprechung der militärischen Sachverständigen der Rumänen und der Bulgaren über die Grenz- l i n i e statt. Die Besprechung blieb ergebnislos, eine neue Besprechung wird heute abend nach der Vollkonferenz stattfinden. Die bulgarischen Bevollmächtigten konferierten heute vormittag mit den anderen Kriegführenden über die bulgarischen Gegenvorschläge. Vertagung der Konferenz bis Montag. Bukarest, 2. August. Die Konferenz trat heute nach- mittag um 4 Uhr zusammen. Der Vorsitzende Majoresso schlug vor, die nächste Sitzung am Montag abzuhalten. Er hoffe, daß der morgige Tag frei bleibe und dazu verwendet werde, eine Lösung vorzubereiten, welche die besorgten Völker von der Weisheit der Konferenz erwarteten. Er hoffe ferner, am Montag bereits bestimmte Lösungen verzeichnen zu können, die schnell zum Frieden führen könnten. Darauf wurde die Sitzung aufgehoben. Eine VerlängerungdesWaffen still st andes wird nur dann vereinbart werden, wenn die Arbeiten der Konferenz bis Dienstag gute Fortschritte machen. Schwarz-gelbe Beklemmungen. Wien, 2. August. Wie die„Wiener Allgemeine Zeitung" erfährt, wird in hiesigen diplomatischen Kreisen gegenüber den Forderungen der griechischen und serbischen Delegierten auf der Bukarester Konferenz darauf hin- gewiesen, daß man unmöglich annehmen könne, es sei Serbien und Griechenland mit solchen Ansprüchen ernst, deren U n- erfüllbarkeit auch in Belgrad und Athen unmöglich verkannt werden könne. Die Unmäßigkeit der serbischen und griechischen Forderungen rücke den Gedanken näher, wie be- rechtigt der seither auch von anderer Seite akzeptierte Stand- Punkt gewesen, den Oesterreich-Ungarn von Anfang an geltend gemacht, daß die Gebietsverteilung auf dem Balkan nicht ohne Zustimmung der Großmächte erfolgen dürfe. Man müsse hoffen, daß die Serben und die Griechen, wenn sie schon bei Präsentierung der Forderungen den gutgemeinten rumä- nischen Ratschlägen kein Gehör geschenkt, dies wenigstens im Verlaufe der Konferenz tun würden und den Großmächten die gewiß nicht gewünschte Mühe eines umfangreichen Revisionswerkes ersparen würden. Eine Verletzung des Waffenstillstandes. Sofia, 2. August.(Meldung der Agence Bulgare.) Der Kam- mandeur der an der serbischen Grenze operierenden bulgarischen Truppen entsandte am Nachmittag des 31. Juli einen Parlamentär, um die serbischen Vorposten von dem Eintritt des Waffenstill- standes zu verständigen. Der serbische Oberst erklärte, die Feind- feligkeiten nicht einstellen zu können, da er die nötigen Befehle nicht erhalten habe. Gleichzeitig rückte ein serbisches Regiment gegen Prossenik und Ugrenovkamik vor. Trotz des Waffenstill- standes haben die Serben um 1 Uhr 40 Minuten nachmittags das Feuer fortgesetzt, das 40 Minuten lang andauerte. Die Mächte gegen die Pforte. Koustantinopel, 1. August. Einige Botschafter erhielten von ihren Regierungen die Weisung, einen Schritt bei der Pforte zu unternehmen und sie aufzufordern, den L o n- doner Vertrag zu respektieren. Wenn die übrigen Botschafter bis heute abend die gleiche Instruktion haben werden, wird die Demarche morgen erfolgen. politifcbe deberlickt. Klerikale Eintracht. Die Quertreibereien der sogengpnteu.Berliner Richtung" gegen die christlichen Gewerkschaften und die Führer der.Kölner" oder „München-Gladbacher" Richtung innerhalb der Zentrumspartei haben eine derartigesAusdehnung angenommen, daß die„Kölii.IVolksztg." ernst- Haft zu fürchten scheint, es könne auf dem Metzer Katholikentag zu wüsten Streitigkeiten zwischen den feindlichen frommen Brüdern kommen. Indem sie auf das Frohlocken liberaler Blätter über den Streit im ZentrumZlager hinweist, fordert sie deshalb die Katholiken auf, dafür Sorge zu tragen, vaß nicht die Metzer Taguagfzum.Tummelplatz für die Sondermeinungen oder zum AuStrag von Streitfragen" wird. „Es ist nicht daStzerste Mal", schreibt das bachemiitsche Blatt, „daß man solche Hoffnungen sauk heftige innere Streitigkeiten) an die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands geknüpft hat, und sie sind noch immer zuschanden geworden. Daß diesmal infolge der Aktion der„Berliner" und„Integralen" die Gefahr größer scheint, wollen wir nicht bestreiten. Aber die Gefahr wird um fo geringer, je deutlicher, um nicht zu sagen, je dreister sie sich schon vorher anmeldet. Die liberalen Blätter, die vielleicht denken, sie können durch Fkaumacherei den Erfolg des Katholikentages beeinträchtigen, werden hoffentlich erkeimen, daß sie auf diese Weise den deutschen Katholiken und ihrer Generalversamm- luttg, weit entfernt sie zu entschädigen, sogar einen großen, wenn auch ungewollten Dienst geleistet haben. Denn je greifbarer den deutschen Katholiken die Möglichkeit vor Augen gestellt wird, daß es in Metz zu ärgerlichen Auftritten oder gar zu dem von den Gegnern erhofften„Krach" kommen könne, desto tester und unbeugsamer wird ihr Entschluß werden, es unter leinen Umständen dahin lommen zu lassen und jeden Versuch, Disteln unter den Weizen zu säen, schon im Keime zu ersticken."__ Aus dem Zentrumslagcr. Ter ultramontane„Aachener Volks freund" hat sich gegen die Meldung, daß er in den Besitz einer Gesellschaft übergehe, die auf dem Boden der Richtung Oppersdorfs siehe, ent- schieden verwahrt; ferner bestreitet er, daß der Antibachemit Kaplan Schapen in seine Redaktion eintrete. Der bisherige Chefredakteur Max Röder sei nicht deshalb gegangen, weil er die angebliche Richtungsänderung nicht mitmachen wolle,„sondern aus anderen Gründen"; Röders Nachfolger werde nicht wie dieser von der„durch ihre Gehässigkeiten gegen die Katholiken im all- gemeinen und das Zentrum im besonderen" bekannten„Rheinisch- Westfälischen Zeitung" gelobt werden. Tiefe Erklärung wurde von der zentrnmlichen„Essener Volkszeitung" abgedruckt, und im Anschluß daran erhob das Blatt gegen den Chefredakteur Röder den ungeheuerlichen Vorwurf, daß die in der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" erschienenen Indiskretionen aus den geheimen Sitzungen der Organisation der Zentrums- presse, des Augustinusvereins, von Röder, dem Chefredakteur eines Zentrumsblattes, stamm- ten.— In der Nr. 906 der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" vom 31. Juli erläßt Herr Röder eine Erklärung, worin er eS als „unerhörte Verdächtigung" bezeichnet, daß ihm„ohne den Schatten eines Beweises der Vorwurf eines ehrenwörtlichen Vertrauens- bruchs gemacht wird." Er werde dem Chefredakteur der„Essener Volkszeitung", Hankamer, Gelegenheit bieten, an Gerichts- stelle zu reden." Auch der Kampf der ultramontanen„Deutschen Reichs- ze i t u n g" in Bonn gegen die dortige Leitung der Zentrumspartei nimmt immer schärfere Formen an. In der Nr. 444 der„Reichs- zeitung" vom 31. Juli erhebt deren Geschäftsführer Tinner gegen die Parteileitung den ausdrücklichen Vorwurf der Erpressung im Sinne des§ LS3 des Strafgesetzbuches: Man habe den Besitzer der„Reichszeitung", Herrn Hauptmann, vor der letzten Landtagswahl zwingen wollen, das Blatt zu einem viel zu geringen Preise an die örtliche Partei zu verkaufen; andern- falls werde fein Bruder, Professor Hauptmann, nicht mehr in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt! Früher schon hatte der Geschäftsführer behauptet, die offizielle Parteileitung habe das Blatt deshalb in die Gewalt bekommen wollen, weil es gegen politische Gegner zu anständig schreibe und in dem Kampf OpperSdorfs-Bachem neutral bleibe. Auch diese Dinge sollen nächstens das Gericht beschäftigen. Die Entwicklung zur Dreadnoughtflotte. In den letzten Tagen des Monat Juli hat sich, wie uns aus Kiel gemeldet wird, im Kieler KriegShafen ganz in der Stille ein Ereignis abgespielt, das mit blendendem Licht den Wahnwitz un- screr Rüstung zu Wasser beleuchtet. Das Linienschiff„Braune schweig" hat außer Dienst gestellt werden müssen. Es scheidet aus der Hochseeflotte aus und wird in die Reserveflotte geschoben. Mit„Braunschweig" scheidet das älteste Linienschiff aus der Hochseeflotte. Das Wort alt hat hier aber keinen Sinn mehr. DaS Linienschiff„Braunschweig" hat nämlich erst neun Dienstjahre hinter sich; es lief Ende 1902 vom Stapel und wurde im Sep- tember 1904 in Dienst gestellt. Nach einer Dienstzeit von neun Jahren fast so gut wie zum alten Eisen geworfen, denn das be» deutet die Einstellung in die Reserveflotte. Das Schiff wird jetzt in dem Kirchhof der Werft— so hat der Arbeiterwitz den Werft» Hafen genannt, in dem die außer Dienst gestellten Schiffe liegen — von der kurzen Hochseeherrlichkeit träumen, zusammen mit manchem anderen Schiff, das ebenso wie die„Braunschweig" vor gar nicht langer Zeit noch als Zierde der deutschen Flotte galt. Und das deutsche Volk kann sich nur beglückwünschen, wenn diese vergangene Flottenherrlichkeit nie aus dem stillen Werftfriedhof herausgeholt würde, denn das würde Krieg bedeuten. Stab und Besatzung von der„Braunschweig" gehen auf das neu in Dienst tretende Turbinen-Linienschiff„König Albert" über. Mit„König Albert" tritt der zwölfte Dreadnought in die deutsche Flotte ein. Tos vor neun Jahren in Dienst gestellte Linienschiff „Braunschweig" hatte eine Wasserverdrängung von 13 200 Tonnen. Deplacement und Kosten eines Linienschiffs haben sich seit der In- dienststellung der„Braunschweig" beinahe verdoppelt, und die ar- tilleristische Ausrüstung ist an Zahl und Kaliberstärke bedeutend gewachsen. Wahrlich, unsere Panzerplatten» und Kanonenaktio- näre können zufrieden sein, für reichlichen Tividendensegen sorgt nicht nur die Vermehrung, sondern auch besonders die Verdickung der Flotte. Agrarische Begehrlichkeit. Die„Deutsche Tageszeitung" bestreitet in einer Auseinander- sctzung mit fortschrittlichen Blättern, daß der Bund der Landwirte für den neuen Zolltarif extreme Forderungen aufgestellt habe. DaS Blatt dcS Herrn Dr. Oertel versichert, daß ihm derartige Forde» rungen nicht bekannt feien. So zu lesen auf der ersten Seite der Morgenausgabe der„Deutschen Tageszeitung" vom Sonnabend, den 2. August 1913! Wendet man das Blatt um, so findet man auf der zweiten Seite die Forderungen der deutschen Gärtner zu dem neuen Zolltarif. Was die Meiner hier verlangen, kann an Unverfrorenheit nicht leicht mehr übcrtroffen werden. Zunächst wünschen sie, daß der Kartoffelzoll, der jetzt in der Zeit vom 15. Fe» bruar bis 31. Juli 2,50 M. pro Doppelzentner beträgt, auf 6 M. erhöht werden soll. Die Tarifnummer 33, die Gemüse betrifft, soll nach den Wünschen der Gärtner in nicht weniger als 12 Unter» abtcilungen zerlegt werden. Für Küchcngewächse besteht ein Zoll von 2,50 M. bis 4 M. Die Gärtner wünschen, daß der Zoll auf alle Kohlarten auf 20 M. erhöht werden soll. Schwarzwurzeln sind gegenwärtig frei, es soll ein Zoll festgesetzt werden von 30 M. Der Zoll auf Erbsen soll erhöht werden von 10 M. auf 2g M.. der Zoll auf Gurken von 4 Mk. auf 20 Mk., der Zoll auf Salat von 4 Mk. auf 30 M. Gewächse zu Bindereien sind gegenwärtig �frei; hier wird ein Zollsatz verlangt von 200 M. Ter Zoll auf Samen be» trägt 4 M.. nach den Wünschen der Gemüse-Agrarier soll er auf 10 M. erhöht werden. Diese Zollsätze würden eine ganz erhebliche Verteuerung des zur Volksernährung unbedingt notwendigen Gemüses bedeuten. Die„Deutsche Tageszeitung wird natürlich behaupten, daß die Gärtner nicht der Bund der Landwirte seien. Das ist zweifellos richtig, aber der Bund der Landwirte ist es gewesen, der seit Jahren den Gärtnern nahelegt, daß sie hohe Zölle verlangen müßten, und die unverschämten Forderungen, die h'er aufgestellt werden, sind das Prodult der Bearbeitung durch die Bündler. Dieser Auftakt für die künftigen Forderungen zum Zolltarif läßt erkennen, wessen man sich von den Agrariern zu versehen hat, und es wird eine un- abwcisbare Notwendigkeit sein, rechtzeitig in die Abwehr dieser neuen Angriffe auf den Geldbeutel der Massen einzutreten. Ter Erfurter Reservistenprozeh in der Berufungs- instanz. Ueber die Ursachen der Vertagung des Termins, der auf den 1. August vor dem Oberkriegsgericht in Kassel angesetzt war, wird mitgeteilt, daß eS sich um einen Antrag der Verteidiger handelt. Die Verteidiger wollen neues Beweismaterial beibringen und außer- dem-ine Anzahl Sachverständiger� vernehmen lassen. Der neu« Termin soll erst im November stattsinden.— Man rechnet damit, daß bis dahin der Bundesrat seine Zustimmung zu dem vom Reichstag angenommenen Notgesetz gegeben haben wird. Gegen diese Hinausschiebung läßt sich sicherlich nichts ein» ivenden; die Folge ist nur leider, daß auch die Untersuchungshast SS" Knuzzag. Das durchgeschwitzte Wollhemd des Turners— des nationalen Turners wohlverstanden— ist zum Panier geworden. Hinter ihm sammelt sich alles, was noch deutsch-völkisch denkt und vaterlän- disch empfindet, alle? was sich noch Ideale bewahrt hat: die natio- nalen Turner selbst, deutsche Handlungsgehilfen, die Leipziger Gastwirtemming, unterschiedliche antisemitische Gruppen, die sich eigen? zu dem Zweck vorübergehend vertragen, und siehe da auch ein freisinniger Bezirksverein, der beweisen will, dag er noch Sinn für die heiligsten Güter besitzt. Wirklich ein recht stattlicher Zug. der dem Banner folgt! An der Spitze aber reiten in Heroldstracht die Vertreter der guten Presse: der„Leipziger Neuesten Nachrichten", des.Leip» ziger Tageblattes", der„Täglichen Rundschau", der„Post", der „Deutschen Tageszeitung" und wie sie alle heißen mögen. Gott sei Dank gibt es ja noch Zeitungen, die für daß Deutsch- tum etwa? übrig haben und für die große Sache Opfer bringen. Ohne diese Wackeren hätte das ganze Unternehmen gar nicht zu- stände kommen können, Sie haben da« Turnerhemd erst an die ©tange gebunden, und sie blasen mit vollen Backen inS Horn, um die allgemeine Aufmerksamkeit auf die ihnen folgende Schar und ihre hohe Mission zu lenken. Selbstlos, denn es wird ihnen dafür kein anderer Lohn als das beseeligende Bewußtsein, eine nationale Pflicht zu erfüllen. Höchstens, daß sie noch aus einen Erfolg der Abonnementsaufforderungen rechnen können, die sie vom Pferd herab unter die Menge werfen. Ach so, wir sagten noch gar nicht, wer denn eigentlich der Feind ist. Oho,-S ist ein gar gefährlicher, gar bösartiger Feind voller List und Tücke: das„Berliner Tageblatt" des Herrn Rudolf Mosse. Jahrzehntelang hat el die heiligsten Güter der Nation mit frevler Hand angetastet. Zähneknirschend hat man die Schmach erduldet. Die Stunde hat man herbeigesehnt, wo das Volk aufstehen würde, um Rache zu nehmen. Sie kam, als einer der Mosscschen Mannen— Pinkus hieß er, und der Name sagt genug— seinen Spott vom Turnerhemd übte und snobistisch behauptete, daß es aus Wolle sei und nach Schweiß röche. TaS stieß dem Faß den Boden aus. Man besann stch darauf, daß das Jahr, in dem wir leben, zu besonderem Heldenmut und zu besonderer Opferfreudigkeit mahnt, und man griff zu den Waffen, um unter dem wallenden Wollhemd der Väter würdig das Joch der Fremdherrschaft abzuschütteln. Der Sturm ist losgebrochen, und er verkündet sich, wie das in Teutschland so zu geschehen pflegt, in einer Unzahl von R e- s o l u t i o n e n. Da ist fast kein nationales Vercinchcn, das nicht seine Entschließung faßt, dag nicht mit flammender Empörung, mit tiefem Schmerz, mit lebhaftem Befremden oder mit irgend einem ähnlich gearteten Empfinden von dem, was geschehen ist, Kenntnis nimmt. Es gibt Organisationen, die leben geradezu von den periodisch wiederkehrenden allgemeinen Entrüstungen. Sie tauchen immer nur auf, wenn man zu irgend einer Schmach Stellung nehmen muß. Machen sie in Literatur, so melden sie sich, so oft ein Dichter ge- rächt werden muß; machen sie in Patriotismus, so fehlen sie nie- mal?, wenn der Zorn des Himmels auf einen Schänder nationaler Heiligtümer heruntergerufen wird. Sie ncbmen Kenntnis von der Untat. Wohl gemerkt, das heißt nicht, daß sie eine mehr als unklare Vorstellung von dem schrecklichen Geschehnis besitzen. Das ist nur so die übliche Einleitung. Die Hauptsache bleibt die Em- pörung, denn die wird veröffentlicht, und die staunende Mit- weit erfährt, daß man lebt, und daß man auf dem Posten ist. Vorbedingung ist allerdings die Mitwirkung der Presse. Aber die nationale Presse kennt ihre Aufgabe. Sie bucht gewissenhaft jede Erregung der Volksseele. Sie nimmt Notiz von jedem Be- schluß. Sie windet jeder patriotischen Heldentat ihren Kranz, und wenn ein halbes Dutzend deutscher Männer einen PinkuS der- droschen haben, so läuft ihr Ruhm durch alle Spalten. Und mit besonderer Freude ist die Presse bei der Sache, wenn es gegen das„Berliner Tageblatt" geht. Welche Sünden hat dieses Organ nicht auf dem Kerbholzl Vor 33(in Buchstaben: achtund- dreißig) Jahren hat es schon einmal, wie die„Kreuzzeitung" jetzt feststellt, ein Berliner Missionsfest lächerlich zu machen gesucht, und seitdem hat es so manch- Proben von seinen angeblich dcstruk- tiven Tendenzen gegeben. So hat es z. B. gesagt, die Franzosen seien keine Erbfeinde. ES hat angedeutet, daß es sich st-i den Alldeutschen um menschliche Mißbildungen handle, bei denen in- folge einer abnormalen Entwickelung des Mauls kein ausreichender Raum für die Entwickelung des Gehirn? übrig geblieben sei. Es hat für die Sozialdemokratie das gespreizte„Wohlwollen" eine? zwar unendlich überlegenen aber doch nicht ganz verständnislosen Geistes an den Tag gelegt. ES hat daS Turnerhemd beleidigt. und— das tst das schlimmste— eS hat eine Menge In» ferate und rund eine viertel Million Abonnen» t e u. Wenn da die nationale Presse nicht wie ein Mann auf dem Plan erscheinen soll, dann weiß man nicht, worauf sie noch wartet. Zwar pflegt Rudolf Mosse ganze Ballen seines wertvollen Pa. piers bei Furstenempfängen. Regierungsjubiläen u. dgl. zum Opfer zu bringen. Zwar hat er sich drängen und schubsen lassen wie jeder andere bürgerliche Zeilenschinder, um seinen Abonnenten den HochzeitSunterrock einer königlichen Prinzessin genau beschreiben zu können. Er hat auch genau so gut wie der Schmock eines Kreis» tntelligenzblattcs. der aus Versehen auf ein Honoratioren-Hühner» äuge getreten ist. seine Entschuldiaung gestammelt, als die Woll» hemdlet eine drohende Haltung gegen ihn einnahmen. Aber er ist und bleibt eine„nationale Gefahr", denn-Berliner Tage» luatt hat doch viel mehr Abonnenten als&ie? b e o);c[ me5j das Blatt der Gebildeten aller Stande. Viel mehr auch als der Reichsbote" Und deshalb ist es auch durchaus n.cht s° bedenklich, wenn der Reichsbote" � über d-n nachtltchen Be. tätiann� V»T n.ivzigS nicht mehr zweifelhaften Gassen � �*Ur"CU Tageblatt" feststellt, viele Turner N/"°ufregt'°lS wenn da«„Tag� � �.gen � W�wwche. lind auwdem ha�de?, Reichsbote" seine gute Gesinnung noch aus- driirffirfi t s rtl? man anfing, ihm auf seinen frommen ? SÄ„"Ä8"'S" Ä ipate geschimpft und iivav unter Berufung aus seinen Herrn und Meister Jcsum Christum, d-r die starken Worte ebenfalls ge» liebt habe. Die Unfallstatistik des KantonS Genf enthält auch Lohnangaben, wonach von 82 Verletzten 33 einen Tagesverdienst von 2 bis S Fr., 19 von über S bis 6 Fr., 18 von über 6 bis 7 Fr., 9 von über 7 bis 8 Fr. und nur 3 von über 8 bis 10 Fr. hatten, die Mehrzahl von 52 also nur bis zu 6 Fr., für Genfer Verhältnisse ganz ungenügende Löhne.> Bemerkenswert ist das allmähliche Verschwinden der Lohn- kautioncn, der Buhe» und auch der Kündigungsfristen auS den Fabrikordnungen, während der Sonnabend als Zahltag noch immer stark verbreitet ist.. Immer seltener wi�d auch in neuen oder revi- stierten Arbeitsordnungen eine mehr als zehnstündige tägliche Ar- beitszcit, die die Arbeiter auch nicht durch zeitweise Ncberstunden- arbeit verlängern wollen. Im jianton Solothurn beklagten sich Unternehmer über diesen Widerwillen der Arbeiter gegen Ueberzeit- arbeit, während andere Industrielle im gleichen Kanton der Ansicht sind,„daß die Mehrleistung bei Ueberzeitarbeit. insbesondere wenn ein Zuschlag zum Arbeitslohn bezahlt werden muß, in keinem Ver- IMtnis zum Aufwand steht. Aufmerksame Beobachter bestätigen die bekannte Erscheinung, daß bei angestrengter Tätigkeit die zehn- stündige Arbeitszeit die Grenze bildet, nach deren Ucbcrschreitung die Leistungen mehr oder weniger rasch»u sinken beginnen, inS- besondere bei Arbeiterinnen. Somit liegt die Unterlassung jeder Ueberzeitarbeit im Interesse aller, auch der Unternehmer selbst und erscheint die gesetzliche Einführung des Zehnstundentages an Stelle des Elfstundentages im Fabrikgesetz als eine überreife Sache. Im Kanton Baselland bemüht sich die Regierung, der Ueber- stundenwirtschaft durch Verzögerung oder direkte Ablehnung wieder- Holter bezüglicher Gesuche von gleichen Geschäften entgegenzuwirken. Im Kanton Zug wollte die Justiz sich um die Verurteilung einer Spinnercifirma wegen gesetzwidriger Arbeitszeitverlängerung herumdrücken, indem sie sich als„inkompetent" erklärte. Die Regie- rung ließ aber den richterlichen Humbug nicht gelten, sondern ver- langte die Anwendung des Gesetzes. Auch die Regierung des Km- tons Aargau sieht sich zu der Rüge veranlaßt,„daß die Gerichte bei der Ahndung dieser Gesetzesübertretungen vielfach zu große Nach. ficht walten lassen." Wenn es sich um die Verurteilung von fehl- baren Arbeitern handelte, hat noch nie ein schweizerisches Gericht gestreikt, auch hatten Regierungen noch nie Anlaß, über zu milde Strafen gegen Arbeiter zu klagen. Also auch in der Demokratie eine ganz unverhüllte Klassenjustiz.> Was die Durchführung der Arbciterschutzgesetze in ber Schweiz im ganzen anbetrifft, so geben sich manche Kantonsrcgierungen und kantonale Gewerbeinspektoren ehrliche Mühe, den Arbeitern die Vorteile dieses Schutzes zu sichern, und im Vergleich zu ftüheren Jahren ist es damit gewiß auch wesentlich besser geworden. Aber es bleibt in dieser Beziehung immer noch viel zu wünschen übrig und unerläßlich wird immer bleiben die Mitwirkung der Arbeiter selbst, die schon vor Jahren der verstorbene Fabrikinspcktor Dr. Schuler als die besten Fabrikinspektoren bezeichnete, da sie ja an der Quelle sind und unter vorhandenen Mißständen selbst leiden müssen. Und darum sollten auch Arbeiter als Beamte zur Fabrik- inspektion zugezogen und so eine alte Forderung auch der schweizeri- scheu Arbeiterklasse erfüllt werden. Letzte rtacbricfrtcti« Die bulgarischen Gegenforderungen. Bukarest, 2. August.( W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Friedenskonferenz stellten die bulgarischen Delegierten gegenüber den Forderungen der Serben und Griechen folgende Gegenforde» rungen auf: 1. Die neue Grenze beginnt an der alten serbisch-bulgarischen Grenze und geht zwischen Kumanowo und Egri Palanka nach Süden, zwischen Veles und Jstip über den Wardar bis Murichovo bei Monastir, sodann über Geugli und westlich von Serres über die Struma und endet am Golfe von Orfano. ES bleiben daher auf bulgarischem Gebiet Egri Palanka, Kratowo, Katschana. Jstip und Radovischte, Strumitza, Dotranow, Serres, Demir Hissar und Kawalla. Die Griechen haben in den Be- sprechungcn mit den Bulgaren die Grenze von Main nach dem Golfe von Lagos zurückgezogen.— 2. Da die Entscheidung über die Inseln von der Botschafterkonferenz in London den Großmächten vorbehalten ist, kann Bulgarien nach dieser Richtung keine Verpflichtung übernehmen.—I 3. Bulgarien kann die Berech- tigung der Forderung der Verbündeten nach einer Entschädi- gung der Einwohner nicht anerkennen und über diesen Gegenstand auch nicht in Verhandlungen eintreten.— 4. Bulgarien willigt ein, daß die Streitigkeiten betreffend die alte serbisch-bulgarische Grenze einer internationalen Militärkommisston anvertraut werden, die von den Großmächten zu ernennen ist.— 5. Bulgarien nimmt den Grundsatz an, dem- zufolge sich die Kriegführenden unter Wahrung der Gegenseitigkeit verpflichten, auf ihrem Gebiete den Nationalitäten volle Schul- und Kirchenfreiheit zu gewähren. Die Ncvolutinäre in Venezuela. Caracas, 2. August.(W. T. B.) Gerüchten zufolge wurden die Regierungsbeamten in Coro von den Anhängern Castro? über- rumpelt und getötet oder festgenommen. In einer Proklamation, datiert vom 27. J-uli, erklärt Castro, der Krieg sei unvermeidlich. Caracas, 2. August.(W. T. B.) Die Mobilisierung der Regierungsruppen ist beendet. Die ersten Truppen gehen nach Coro ab. Forderungen der deutschen Kliniker. Leipzig, 2. August.(P. C.) Die in Leipzig versammelten Kliniker sämtlicher deutschen Universitäten beschlossen eine Neurege» lung des medizinischen Studiums. Sie fordern in Anbetracht der Ueberfüllung der Universitäten vier vorklinische und sechs n a ch k l i n i s ch e S e m e st e r. In der Frage des Ausländerwesen» an den deutschen Hochschulen will man eine mildere Stellung zu den Auslandsdeutschen einnehmen. Endlich wurde noch die Grün- dung eine? Verbandszeitschrift beschlossen. Schweres Grubenunglück in 9torda,ncrika. Pottsville(Pennsylvania), 2. August. Auf einer Kohlenzech« ereignete sich heute eine Explosion. Fünfzig Person«« wurden getötet. 57 Apotheker Kumbier's Berliner Stahlbrunnen seit 28 Jahren von bewährter Heilkraft bei wie fie uns täglich einlaufen, sämtlich streng wahrheitsgemäß. Originale tönnen eingesehen werden. Garantiert unschädlich. 66 Blutarmut, Bleichsucht, Nervenleiden, Magen-, Darm-, Leber-, Gallenstein-, Nieren- und Blasenleiden, Rheumatismus, Gicht, Ischias, Lungenfatarrh, Atembeschwerden, Herzleiden, Leiden der Wechseljahre, Epilepsie, Epilepsie, Schlagader- Verfalfung, Zuderfrankheit d Bequeme Hauskur ohne Diät. Aerztlich empfohlen. Ich ersuche hierdurch, die leeren Flaschen abholen zu laffen, Bitte hiermit. die 30 leeren Flasden abholen zu laffen, da Einige Erfolg- Bestätigungen, gleichzeitig bemerke ich, daß mit die Aur sehr gute Dienſte nach Anordnung des Arztes die Яur beenbet ift. Mein gegen mein Rheumatismus getan hat, so daß ich mich ent- Gelenkrheumatismus hat sich so gebessert, daß ich wenig fchloffen habe, dieselbe jedes Jahr zu wiederholen. Ich gestatte mehr davon spüre, was ich wohl erst dem Stahlbrunnen ver Ihnen, meinen Rurerfolg in Jhren Anzeigen zu veröffentlichen. dante, denn troß der Krankenhausbehandlung, der verordneten Berlin, 16. März 1913. Lohtannin- und Glühlichtbäder, elektrischer Bestrahlung und Emil Umnuss, Pasteurstr. 39, IV. Einreibungen der verschiedensten Art wollten Schmerzen und Steifigkeit der Gelente nicht weichen, teilweise war sogar Berzeihen Sie, daß ich Sie solange auf mein Schreiben wieder starte Geschwulst vorhanden, besonders im Anie, daß warten ließ. Ich wollte fehen, ob sich Rückfälle einstellen mir das Gehen schwer fiel und ich schon dachte, wieder arbeitswürden, was bis jezt noch nicht der Fall ist, wofür ich herzlich unfähig zu werden. Nach Gebrauch von 60 Flaschen habe ich dante. Ich litt an so hartnäckiger Verstopfung, hatte oft richtige Besserung verspürt und jezt fühle ich mich wirklich 4-5 Tage keinen Stuhl, dazu Kopfschmerzen und wohl. Die Gelentigkeit hat sich wieder eingestellt; der Appetit Rückenschmerzen. Ferner litt ich an Verdauungs- war vorher nicht der beste, jetzt aber schmedt alles ausgestörungen und an Schlaflosigkeit. Schon nach Verbrauch zeichnet und auch an Rörpergewicht habe ich zugenommen. Seinerzeit war bei meiner Arbeitsunfähigkeit die 30 Flaschen Ihres ,, Berliner Stahlbrunnens" verDiagnose auf Gelenkrheumatismus und im späteren Verspürte ich Besserung, nun hat mich der Gebrauch von 60 Flaschen lauf auf Neuralgie gestellt worden, so daß also beides vorwieder hergestellt, Essen und Trinken schmeckt und schlafen iann ich auch sehr gut. Sch werde jede Gelegenheit wahrnehmen, handen gewesen ist. Ihren Brunnen zu empfehlen. Maria Gothan. Ich bestätige Ihnen hiermit, daß schon nach Gebrauch von 15 Flaschen Ihres Berliner Stahlbrunnen ich Besserung ver spürte. Meine Magen- und Kreuzschmerzen waren nicht mehr so schlimm, Essen und Trinken schmeckt wieder, daher tann ich jedem Leidenden nur Ihren Berliner Stahlbrunnen mit gutem Gewissen empfehlen. Berlin, 20. Juli 1913, Grüner Weg 46/ III. gez. Anna Grzschok. Sch teile Shnen zu meiner Freude mit, daß mir 3hr Stahlbrunnen gut geholfen hat. Ich kann jegt mit jedem um bie Wette laufen. Ich werde die Kur jedes Jahr wiederholen. Berlin 18. Juli 1913, Taborstraße 6. gez. Marie Werk. Ich teile Ihnen ergebenft mit, daß mir Ihr Berliner Stahlbrunnen bei meinem nervösen Magenleiden, Brustund Rückenschmerzen sehr gute Dienste getan hat, so daß ich ihn jedem empfehlen kann. Ich selbst werde die Kur im Herbst wiederholen. Ich gestatte Ihnen, von meinem Schreiben Gebrauch zu machen. Berlin, 15. Juli 1913. Hufelandstraße 46. gez. Frau C. Müller. Meine Mutter und ich bezogen vor einigen Wochen 60 Fl. von Ihrem Stahlbrunnen. Meine Mutter gegen Gicht. Don Tostlin, 7. Februar 1913. Mit Freuden teile ich Ihnen mit, daß ich durch Ihren Berliner Stahlbrunnen" von meinem Herz- und Magenleiden derartig hergestellt bin, daß ich seit einigen Wochen meinem Dienst wieder vorstehen kann. Ich war sehr matt, hatte keinen Appetit und schwitzte bei der geringsten Anstrengung. Nachdem ich ungefähr 10 Flaschen getrunken hatte, machte sich auch der übelriechende Nachtschweiss nicht mehr bemerkbar. Vor mehreren Jahren hatte ich Ihren Brunnen Lindow( Mark), 30, Januar 1913. Charlottenbura, 4. Dezember 1912. Potsdamer Etr. 44. Ferdinand Gleichmar Indem ich Sie bitte, die leeren Flaschen abholen zu laffen, fann ich Ihnen mitteilen, daß Ihr Berliner Stahlbrunnen meine Magen- und Kreuzschmerzen gänzlich geheilt hat, und spreche ich Ihnen dafür meinen besten Dank aus. Berlin, 15. Oktober 1912, Korförer Str. 22. Frau Anna Roek, Nachdem ich 60 Flaschen von Ihrem Berliner Stahlbrunnen getrunken habe, teile ich Ihnen hierdurch mit, daß er mir sehr Er ist ihr, wie immer( sie hatte schon einmal 60 Flaschen vor schon mit Erfolg angewandt und kann ihn jedermann empfehlen. gut bekommen ist. Ich war so steit in den Gliedern, 2 Jahren getrunken) sehr gut bekommen. Da ihr Reißen sich schon bedeutend bessert, will sie noch weitere 30 Flaschen trinten, und bitte ich um Lieferung von 30 Flaschen und Abholung der 60 leeren Flaschen. Nachdem meine Mutter diese zu liefernden 30 Flaschen getrunken hat, werde ich Sie erfuchen, das gleiche Quantum für mich zu liefern, da ich mich nach den ersten 30 Flaschen schon bedeutend wohler, frischer und kräftiger fühle. Ich war vorher stets matt und schläfrig infolge grosser Blutarmut, und hoffe, diesem Uebel nun allmählich ganz abzuhelfen. Ich werde Ihren Brunnen nur immer empfehlen. Ich stelle Ihnen anheim, von diesen Angaben Gebrauch zu machen. Berlin, 15. Juli 1913. Wilhelm- Stolze- Straße 17. gez. Jänicke. Lemke. hauptsächlich in den Füssen, daß es mir eine Qual war, Gendarmeriewachimstr. wenn ich Treppen steigen oder überhaupt gehen sollte; die Strümpfe anziehen mußte mein Mann mir. Auf einen Stuhl Bin sehr zufrieden mit der Brunnentur, mein Allge- steigen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Dank Ihrem Stahlmeinbefinden hat sich eno m gebessert, was bei meinem brunnen ist mir wieder so leicht und gelentig in den Füßen, Rörperzustand und Lähmung viel jagen will. Auch den daß ich gar nicht müde werde. Ich werde Ihren Stahlbrunnen daher auch jedem weiterempfehlen. krankhaften Fettansatz habe viel verloren. Neukölln, 22. Januar 1913, Berlin, 16. Oktober 1912, Hochftr. 32 d, II. Reuterstraße 84, Frau Martha Altmann. Ich litt an großer Blutarmut und fonnte nicht schlafen, auch hatte ich heftige Magenschmerzen und konnte fast tein Essen mehr vertragen. Nachdem ich 120 Flaschen von Threm, Berliner Stahlbrunnen getrunken habe, habe ich wieder Blut bekommen, der Schlaf hat sich wieder eingestellt und die Bei unserem jest zehnjährigen Töchterchen, das bis zu Magenbeschwerden find beffer geworden. Ich bin 61 Jahre alt. Meine Tochter trant 60 Flaschen, Berliner Stahlbrunnen" ihrem neunten Lebensjahre stets gesund gewesen war, traten im November 1912 plöglich heftiges Nervenreissen und gegen rheumatische Rückenschmerzen. Schon bei der Veitstanz auf. Allmählich wurde das Kind so blutarm8. Flasche machte sich der Erfolg bemerkbar und besserte sich täglich zusehends. Jezt tann sie sich wieder flint bewegen. und bleichsüchtig und nachher auch so herzleidend, Meine Tochter wird die Kur im Frühjahr wiederholen. Wir daß es schneeweiße Lippen betam, das Blut unter den sind Ihnen sehr dankbar und werden Ihren Berliner Stahl Nägeln auch weiß aussah und die Gesichtsfarbe fahl und brunnen" mit gutem Gewissen weiter empfehlen. gelb wurde. Die Aerzte konnten dem Kind wegen der be- Berlin, 5. Januar 1913. Fr. E. Zepernick. brohlichen Herzschwäche teinerlei wirksame Heilmittel mehr Gogtowskyftr. 24, IV. eingeben und nahmen uns jede Hoffnung auf Erhaltung seines Lebens. Unser Töchterchen magerte vollständig ab und wurde immer kraftloser. Von Weihnachten an ließen wir das Rind in ein Krankenhaus aufnehmen, nahmen es aber im Februar ds. Js. wieder heraus, weil wir auch dort leider feinen Fortschritt zum Besseren tonstatieren konnten. " Auf Ihre gütige Anfrage teile ich Ihnen mit, daß ich Ihnen nicht nur die Erlaubnis gebe, sondern ich möchte Sie sogar bitten, meinen guten Erfolg mit Ihrem Berliner Stahlbrunnen zu veröffentlichen. Ich danke Gott, daß ich durch Zufall Ihr Inserat in der Berliner Allgemeinen Zeitung" vom 18. Auguft gelesen habe, bin ich doch durch die Kur so gut geholfen worden. Ich werde Ihren Brunnen überall empfehlen. Berlin, 16. Januar 1913. Frau E Zepernik. Gozłowstystraße 24 IV. Im Februar ds. Js. entschloß ich mich darauf im Ein verständnisse mit dem behandelnden Ärzte, das Kind Apotheker Kumbiers Berliner Stahlbrunnen trinken zu lassen, mit dem ich persönlich vor etwa drei Jahren so gute Erfahrungen gemacht hatte. Die Kleine trant- Flasche Ihr Berliner Stahlbrunnen ist mir ein sehr lieber Haus täglich, ihr Zustand wurde von nun an zusehends besser, sie bekam wieder Appetit, verdaute die genossenen Speisen freund geworden, welchen ich nicht mehr entbehren tann. Bei besser als bisher, Fingernägel, Lippen, Wangen, überhaupt träger Verdauung, Nierenbeschwerden, Leberleiden der ganze Körper bekamen wieder ihre frühere frische Farbe. und besonders Gallensteinen hat er mir die unschägbarsten Unser Rind fühlt sich heute, nachdem es etwa 60 Flaschen Erleichterungen verschafft. Eine solche Rur ist mir immer aus getrunten hat, körperlich derartig wohl und kräftig, gezeichnet bekommen, zumal dieselbe nicht die geringsten Bedaß es wieder fröhlich und munter spielt, und gegen die schwerden verursacht und ohne jede Berufsstörung ausgeführt Zeit seiner Krankheit gar nicht wieder zu erkennen ist. Wir werden kann. Ich hatte stets einige Flaschen auf Lager, um schreiben den wunderbaren Erfolg nur der Kur mit immer auf obige Leiden gerüstet zu sein. Von meiner AeußeIhrem segensreichen Brunnen zu, den das Kind deshalb auf rung wollen Gie, bitte, durch Beröffentlichung Gebrauch machen Wunsch des Arztes weiter trinken kann. Der behandelnde zu Nuz und Gegen der leidenden Menschheit. Arzt des Kindes und der Schularzt haben bei der letzten Untersuchung irgend welche tranthaften Erscheinungen, ins besondere irgend einen Herzfehler, nicht mehr feststellen können, unser Kind ist wieder ganz gesund. Wir teilen Ihnen diefen glücklichen Erfolg voller Freude mit und wir gestatten Ihnen aus Dankbarkeit sehr gern, von dieser Erfolgbestätigung jeden Ihnen gutscheinenden Gebrauch zu machen. Berlin, 26. Juni 1913. Frobenstraße 30. gez. Otto Worch, Berwalter. bei NierenWronke, Prov. Posen, 18. Oktober 1912. Eccius, Pfarrer. Teile Ihnen gerne mit, daß ich den Berliner Stahlbrunnen allgemeiner Körperwegen Appetitlosigkeit und Frau Marie Sohulz. Ich bezog von Ihnen 4 Riften à 30 Fl. Berliner Stahlbrunnen. Heute sandte ich die leeren Fl. zurück und bitte mir den Restbetrag nach Abrechnung der Fracht gütigst einzusenden. Ich habe Ihren Stahlbrunnen weiterempfohlen, und wenn Sie von hier noch nicht Aufträge erhalten haben, werden Ihnen solche wohl bald zugehen. Nachstehendes Schrei ben können Sie veröffentlichen, denn sehr viele Patienten wiffen von Ihrem Brunnen nichts. Ich habe gelegentlich von einem Pfarrer Ihre Adresse erfahren. Hohensalza, 20. Geptbr. 1912, W. Drews, Inspektor. Kirchhofstraße 4. Jch litt seit 30 Jahren an chronischem Magen- und Diokdarmkatarrh verbunden mit hartnäckiger Stuhlverstopfung, Blutandrang nach dem Ropfe, heftigen Kreuzschmerzen und allgemeiner Körperschwäche. Jah fonnte zulegt die Stelle eines Landwirtschaftsinspektors nicht mehr ausfüllen und begab mich 13 Wochen nach Posen zu einem Spezialarzt. Habe Karlsbader. Kissinger und Marienbader Brunnen getrunken, aber dieselben wirkten bei der hartnäckigen Verstopfung nicht genügend. Ihr Stahlbrunnen hat alle anderen Brunnen übertroffen, er hat mir außerordentliche Dienste getan und ich kann ihn ähnlich Leidenden nur empfehlen. Ich hatte mir das Leiden durch ein kaltes Glas Bier zugezogen. W. Drews, Hohensalza, 20. Septbr. 1912, Rirchhofstraße 4. Wirtschaftsinspektor. Ihr Berliner Stahlbrunnen hat meiner Frau bei ihrer Basedowschen Krankheit wunderbare Dienste geleistet. als einziges Mittel galt die Entfernung einiger Herzdrüsen. Ihr Stahlbrunnen aber hat meine Frau wieder auf die Beine gebracht, und ich habe ihn schon sehr viel weiter empfohlen. Berlin, 26. August 1912, Prenzlauer Str. 27. Carl Jürschke. Ich teile Shren hierdurch mit, daß ich dank Ihrem Berliner Stahlbrunnen von meinem Blasenleiden jowie Kopfsohmerzen gänzlich befreit bin. Berlin, 28. August 1912. Schererstraße 5, II. Frau Hulda Schneege, Rann Ihnen mitteilen, daß Ihr Berliner Stahlbrunnen meiner Schwiegermutter von einem Nieren- und Blasenschwäche geirunken habe, und hat mir derselbe stets gute Zeiben geholfen hat. Außerdem hat sie guten Appetit und Dienste getan. Lengte, 27. August 1912. Frau E. Gaude. gesundes Allgemein befinden banach bekommen. Berlin, 18. August 1912. Antwerpener Str. 6. R. Resohke. Meine Frau war trant an Herzbeutel- Wassersucht. Alle Medikamente waren vergebens, so daß an ihr Aufkommen Mit Freuden bestätigen wir gern hiermit, daß uns der nicht mehr zu denken war. Da wurde mir Ihr Stahlbrunnen Thr Stahlbrunnen hat sich bei meinem langjährigen GelenkBerliner Stahlbrunnen bei unseren Leiden empfohlen. Nach Gebrauch der vierten Flasche stellte sich schon rheumatismus sowie Blutarmut sehr gut bewährt. Um einer Gallensteinen und chronischen Darmschwellungen Befferung ein und nach Gebrauch der Rifte war meine Frau Wiederkehr meines Leidens vorzubeugen, bin ich entschloſſen, jedes vorzügliche Dienste geleistet hat. Wir können dem Herrn wieder gesund hergestellt, so daß fie ihre häusliche Arbeit Jahr im Frühling und Herbst eine Trinktur zu wiederholen. Apotheter Rumbier nicht genug dafür danken. Wir können wieder machen kann, wofür ich Ihnen noch nachträglich meinen inur jederzeit beftens empfehlen. Berlin, 26. Mai 1913. Antonstraße 6, Hof 2 Treppen. Frau Czernefski. Fran Klatte. besten Dant ausspreche. Brieskow, 10. August 1912. Aufseher Friedrloh Brunnert. Berlin, 6. Mai 1912, Georgenkirchstr. 1a. H. Glösenkamp. Drucksachen mit weiteren Hellerfolgen kostenlos. Analyse: Natriumchlorid 1.202, Natriumsulfat 20.920, Kaliumsulfat 0.172, Magnesiumsulfat 1.160, Mangansulfat 0.14, Eisenkarbonat 2.197 in 10 000 Teilen. Wir liefern für Groß- Berlin frei Haus und nehmen die leeren Flaschen zurück. Für Stadtinneres erfolgt tägliche Zustellung, für Stadtäußeres zweimalige Buſtellung à 15 Flaschen( Pfand 1,50), für Vororte Bustellung von 30 Flaschen zusammen( Pfand 3.00), für Provinz oder Ausland Bahntiste à 30 Flaschen( Pfand 5.00) frei zur Bahn. Der Kur- Preis ist vorauszuzahlen und kosten 30 Flaschen 10.- Mark, 60 Flaschen 17., 90 Flaschen 24.-, 120 Flaschen 30.-, Nachbestellungen vor Ablauf von 10 Wochen find 2.- Mark billiger. ,, Berliner Stahlbrunnen"( Apotheker Kumbier's Erben) G. m. b. H., Berlin NW, Marienstrasse 30. Fabrik gegründet 1885. Fernsprech- Anschlüsse: Amt Norden 5631 und 4832. Berantw, Rebatt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: E. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Gerlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen. t. m. mwaro i gfilapc des„Bannätb" Kerlim WlidlM- Der Krupp-Prozeß vor dem Kriegsgericht. Mit militärischer Pünktlichkeit eröffnet 9� Uhr der Vorsitzende Oberst H a u f f e wiederum die heutige Verhandlung. Der Ver- Handlungsführer Kriegsgerichtsrat Dr. Coerrens gibt sodann fönende Erklärung ab: Ich habe gestern noch die stille Hoffnung gehabt, dasi wir noch heute mit diesem Pro z eh z u Ende kommen könnten. Diese stille Hoffnung ist mir aber über Nacht zuschanden geworden. Ich sehe keine Aussicht dafür. Aber ich möchte doch alles daran setzen, daß wir wenigstens mit der Beweisaufnahme heute zu Ende kommen, und ich richte an die Herren Verteidiger die Bitte, mich in diesem Bestreben nach Möglichkeit zu unterstützen. Aus diesem Grunoe möchte ich auch vor Eintritt in die weitere Beweisaufnahme, lediglich, um die Verhandlungen abzukürzen, an die Angeklagten eine Frage richten. Gestern hat bereits der Angeklagte Hinst in anerkennenswerter Weise abweichend von seinem vorher eingenommenen Standpunkt zugegeben, daß er zu einer Anzahl von Kornwalzern das Material geliefert hat. Ich richte auch an die übrigen Angeklagten die Frage, ob sie nicht zugeben wollen, dah sie die Konkurrenzpreise der aus freier Ver. aebung flammenden Angebote dem Zeugen Brandt mitgeteilt haben. Tie Angeklagten Titian und Schleuder erklären, dah sie das nie bestritten halten. Der Angeklagte Schmidt gibt dies nur insofern zu, als es sich um beschränkte Vergebungen gehandelt hat. Die übrigen Angeklagten Dröse, Höge und Pfeiffer kommen für diese Fälle nicht in Betracht. An den Angeklagten Dröse richtet der Verhandlungsführer die Frage: Sie haben neulich schon angegeben, daß Sie bereits mit Krupp in Verbindung getreten waren, ehe Sie mit Brandt Fühlung genommen hatten und b e- vor Sie diesem Einblick in die Bestellbücher gewährt und ihm Material geliefert haben. Haben Sie Beweismaterial dafür, dah Sie— ich stelle diese Frage in Ihrem eigenen Interesse— sich an die Firma Krupp wegen einer Anstellung gewandt hatten, ehe Ihre 12 Jahre herum waren, also schon im August 1906?— An. geklagter Dröse: Hauptniann Muths wird bekunden können, daß Major Lehn sich an ihn um Auskunfterteilung über mich gewandt hat.— Verhandlungsführec: Haben Sie vielleicht Briefe an die Eirma oder Briefe der Firma Krupp an Sie?— Angekl. Dröse: 2wohl. die habe ich.— Verhandlungsführer: Haben Sie die hier? — Zeuge: Mein Verteidiger muh sie haben.— Verteidiger Rechts- anwalt Dr. Ulrich: Ick habe ein Schreiben der Firma Krupp an den Angeklagten in Händen gehabt. Ich weih aber nicht, ob ich es hier habe. Der Verteidiger sucht seine Akten nach und über. reicht dem Vorsitzenden dieses Schreiben. Gleichzeitig erklärt Dr Ulrich, daß er bei dieser Gelegenheit für den Angeklagten Dröse eine Erklärung abgeben müsse. Der Zeuge Brandt habe aus seinen kDrösess Worten niemals, wie es nach dem gestrigen Bericht scheinen könnte, heraushören können, dah Dröse sich im Talles befunden habe. Es lieg>- hier eine Verwechselung mit einem anderen An- geklagten vo.'.(Mit Sch!- Ä»'ÄS- auf f°l»- von oenen sie Benackteiliaung thres Mannes ,n *!?s51?en ihren Mann schwebende n B e r f ah r e n St&S Verhandlungsführer: Nl?"sind d» Anaeklagten in Rahns- ......! J■ Gefahr vor. ,..... zu unserem her ilntersuchungshaft entlassen war. Das war uns sehr unangenehm. Wir haben uns aber nicht an der Tür verabschiedet, sondern sind hineingegangen. Ich habe von Anfang an gesagt, daß wir über die Angelegenheit selbst in einer beeinflussenden Weise nicht sprechen dürfen. Frau Brandt sagte auch, es sei ja möglich, daß ihr Mann wieder in Haft gc- nommen würde, wenn ein Zusammentreffen mit uns herauskäme, wir haben infolgedessen absichtlich vermieden, über die Angelegenheit zu sprechen, und sind bald darauf auch wieder weg gegangen.— Verhandlungsführer: Sie sagen, Sie hatten mit Brandt nicht in beeinflussender Weise gesprochen. Sie haben aber doch jedenfalls das Thema berührt?— Angekl. Schleuder: Jawohl, aber wir haben nur allgemein darüber gesprochen, wann etwa die Verhandlung sein würde. Wir haben nicht beeinflußt. — Verhandlungsführer: Ich wundere mich darüber, daß Sie, nach- dem Sie gestern erklärt haben, Sie hätten streng vermieden, mit der Zeugin Wiczorek zusammenzutresfen, um auch nur den S ch c i n zu vermeiden, zu dem Hauptzeugen in die Wohnung gegangen sind. — Angekl. Schleuder: Ich wußte nicht, daß Brandt zu Hause war. — Verhandlungsführer: Aber die Frau!— Anklagevertreter: Ich bitte, die Angaben des Angeklagten zu protokol- lieren.— Verhandlungsführer: Es ist in der Tat auffällig: Der Angeklagte bittet das Gericht, der Zeugin Wiczorek seine Adresse nicht mitzuteilen, um nur ja mit ihr nicht zusammen zu kommen. Trotzdem hat er jetzt mit der Zeugin gesprochen, und nun kommt es heraus, daß er auch bei Brandt gewesen ist!— Anklage- Vertreter: Gestern wurde hier im Brustton der Ucberzeugung die Erklärung abgegeben, daß keine Beeinflussung stattgefunden hätte. Tic einfachste Pflicht des Anstände«, namentlich wenn man in einer Offiziersuniform steckt, hätte geboten, daß der Angeklagte gesagt hätte: Ich bin bei Brandt gewesen und habe dort wider mein Er- warten den Zeugen Brandt getrqfsen.— Angekl. Schleuder: Es ist gestern mir die Frage gestellt worden, ob von irgendeiner dritten Seite auf die Zeugin Brandt ein Einslutz ausgeübt worden ist. Das ist durch mich nicht geschehen.— Verteidiger des Angeklagten Schleuder Rechtsanwalt Grosso: Ich hatte von dem Besuch meines Klienten bei Brandt Kenntnis und habe infolgedessen gestern für Schleuder die stolze Erklärung nicht abgegeben.— Angekl. Hinst: Es ist richtig, was Schleuder gesagt hat. Er hatte Bedenken gegen den Besuch. Ich habe über die Sache mit meinem Verteidiger Ulrich in derselben Weise gesprochen, wie Frau Brandt mit Dr. Löwenstein. Ich wollte diese Sache gestern schon sagen und gab infolgedessen meinem Verteidiger einen Wink. — Verteidiger Ulrich: Ich muß meinem Klienten wider- sprechen. Als die Frage gestern zur Verhandlung stand, ob je wand an Brandt herangetreten ist. habe ich meinem Klienten gc fragt, ob ste bei Brandt gewesen wären, und da haben sie mir beide mit nein geantwortet.— Angekl. Hinst: Da frage ich meinen Verteidiger, ob ich mit ihm über diesen Besuch nicht schon früher gesprochen habe.— Verteidiger Ulrich: Das ist mir absolut nicht erinnerlich.— Verhandlungsführer: Für solche Fälle bedarf es gar nicht des Rates eines Verteidigers. Diese Angelegenheit ist so geartet, daß die Angeklagten sich gestern sagen mußten: Hier darfst Du nicht schweigen, hier mutzt Du reden!— Angekl. Hinst: Mir ist nicht bewußt, daß ich Brandt beeinflußt haben soll. Ich wüßte auch gar nicht, weshalb ich das tun sollte, denn ich habe ja alles gestanden.— Anklagevertreter: Dann muh ich doch eine Erklärung abgeben. Meine Herren Richterl Damit ist der Fall der Vernehmung der Zeugin Brandt nicht erledigt. Ich be Haupte erneut und unterstreiche eS doppelt: ES sind nicht nur von der militärischen Anklagebank Beeinflussungen ausgegangen. — Verhandlungsführer: Auf eine Vernehmung der Frau Brandt ist ja auch noch nicht verzichtet! wir können am Montag über diesen Punkt noch einmal in die Beweisaufnahme eintreten.— Verteidb gcr Dr. Ulrich: Dagegen muh ich Verwahrung einlegen. Beein flussungen sind von der militärischen Anklagebank überhaupt nicht ausgegangen.— Anklagevertreter Dr. Welt: Ich behaupte daS.— Verteidiger Dr. 50 am au: NamenS der von mir verteidig ten Angeklagten Höge und Pfeiffer muß ich nun auch eine Er klärung abgeben: Frau Brandt kam eines Tages zu mir und bot mir ihr Zeugnis an. Ich habe im Anschluß daran meine Klien ten ausdrücklich gefragt, ob sie sich jemals mit Brandt oder mit Frau Brandt in Verbindung gesetzt hätten. Als sie das vernein- ten, habe ich sie ausdrücklich darauf hingewiesen, daß sie dies unter keinen Umständen tun dürften. Beide Angeklagten haben mir er- neut versichert, daß das niemals der Fall sein würde. AuS dem Verhalten des Angeklagten Pfeiffer, der in so entschiedener Weise cgen den Zeugen Brandt aufgetreten ist, geht wohl auch hervor, aß er solche Beeinflussungsvcrsuche nicht unternommen hat.— Angekl. Tilian: Da hier fortgesetzt von Besuchen bei Frau Brandt die Rede ist, muß ich mitteilen, daß ich etwa 14 Tage oder 3 Wochen nach meiner Haftentlassung in Rahnsdorf gewesen bin. Es be stand doch ein reger Verkehr zwischen meiner Familie und der Familie 50randts und was lag da näher, als daß ich mich einmal in Rahnsdorf erkundigte, wie es Brandt und der Frau Brandt ging. Ich wußte damals aber noch gar nicht, weswegen ich angc- klagt werden würde.— Verhandlungsführer: Gestern ist hier ausdrücklich gefragt worden, ob einer der Angeklagten mit Brandt direkt, mündlich oder durch Mittelspersonen in Verbindung getreten sei. Wenn Sie bei Frau Brandt gewesen sind, so hätte ich eigentlich er- wartet, daß Sie sich gestern gemeldet hatten.— Angekl. Tilian: Ich hatte die Frage gestern so verstanden, ob einer der Angeklagten nach der Haftentlassung des Brandt bei Brandt gewesen ist. Ich war vorher da.— Verhandlungsführer: Wenn Sie Ihr Gewissen ganz erleichtern wollten, mußten Sie gestern sagen: Ich war da, aber ich habe keinerlei Beeinflussungsversuche unternommen.— An- ekl. Tilian: Es ging gestern so schnell bei der Vernehmung der Frau Brandt und ich war in dem Moment so verwirrt, so daß ich mich nicht melden konnte.— Verteidiger R.-A. W i r t h: Ich habe es auch so verstanden, als ob die Frage sich nur auf die Zeit n a ch der Haftentlassung bezog.— Verhandlungsführer: Ich habe meiner Frag« keinerlei zeitliche Beschränkung gegeben. Ich habe auch aus- drücklich gefragt, ob einer der Angeklagten sich mit Brandt durch Mittelspersonen in Verbindung gesetzt hat.— Anilagevortreter Dr. Welt: Ich halte die Sache nunmehr für erledigt und für ge- nügend aufgeklärt und will nur noch wissen, wann der Besuch der Angeklagten Schleuder und Hinst bei Brandt stattgefunden hat.— Angekl. Hinst: Am Sonntag nach der Haftentlassung des Brandt. — Verhandlungsführer: Die Haftentlassung Brandts erfolgte am Dienstag, den 17. Juni 1913.— Verteidiger W i r t h: Tilian war im März bei Frau Brandt. Der Verhandlungsführer läßt nunmehr den Zeugen Brandt wieder hereinrufen und richtet an denselben die Frage, ob Ange- klagte nach seiner Haftentlassung sich mit ihm in Verbindung ge- 'etzt haben.— Zeuge. Brandt: Es sind zwei Herren bei m i r g e w e s e n. Ich habe ihnen deswegen aber schwere Borwürfe gemacht, weil ich befürchten mußte, wieder in Haft genommen zu werden.— Verhandlungsführer: Sind die Angeklagten durch Wissen Sie, daß noch andere Personen an Ihre Frau herangc� treten sind?— Zeuge: Nein.— Unter Zustimmung aller Prozeß» beteiligten wird aus eine Vernehmung des Rechtsanwalts Dr. Löwenstein als Zeuge Verzicht geleistet. Auf die Vernehmung einer Reihe von Zeugen darüber, wie die Kornwalzer im Berliner Bureau der Firma Krupp aufgefunden worden sind, wird gleich- falls verzichtet.— Es wird dann Polizeirat Koch nochmals ver- nommen. Er hat sich inzwischen informiert über die Differenzen hinsichtlich der Berichte der polizeilichen Beobachtungen des Angc- klagten Tilian mit dessen Angaben. Er bekundet, daß es sich um keine Inkorrektheit der Beobachtungen, sondern lediglich um einen Fehler der Abschrift handelt. Das Datum der Beobachtung Tilians müsse lauten: 2. 12. 12 und nicht 2. 2. 12. ES sei da nur beim Abschreiben eine 1 ausgelassen.— Der Angeklagte Tilian gibt die Möglichkeit zu, am 2. Dezember bei Brandt gewesen zu sein.— Verhandlungsführer: Es ist also gegen die Zuverlässigkeit der polizeilichen Meldungen nichts einzuwenden. Weiter war noch aufzuklären, in welcher Weise die Berichte von den Beamten erstattet worden sind.— Zeu�e Koch: ES liegen mir die Berichte hier alle vor. Es ist fast täglich ein Bericht er- stattet worden, nur wenn ein Sonntag dazwischen lag, sind zwei Tage in einem Bericht zusammengefaßt worden.— Auf Befragen gibt der Zeuge noch an, in welcher Form die Berichte zustande kamen. So lautet einer dieser Berichte: Ilm 7 Uhr kam ein etwa 38jähriger Herr ins Bureau von Brandt, blieb dort bis 8 Uhr und begab sich mit Brandt in ein Restaurant. Brandt verabschiedete sich dann und fuhr mit der Straßenbahn fort. Der Herr fuhr nach Spandau, begrüßte unterwegs einen Offizier und ging dann in ein bestimmtes Haus in Spandau. Dieses Haus wurde am nächsten Morgen beobachtet. Es kam derselbe Mann in der Uni- form eines Zeugleutnants heraus, und begab sich nach der Munitionsfabrik. Er wurde als der Zeuglcutnant Tilian festge- stellt.— Der Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Dr. Welt über» reicht ein Telegramm des Untersuchungsrichters in der Strafsache gegen Brandt und die Direktoren von Krupp, Landgerichtsrat Dr. Wetzel, der aus dem Riesengebirge mitteilt, daß er heute nicht mehr eintreffen könnne, aber um Nachricht bitte, falls seine Vernehmung noch am Montag notwendig sei.— Verhandlungsführer: Ich möchte doch, nachdem gestern die Erörterungen stattgefunden haben, die Vernehmung des Herrn Landgerichtsrats Wetzel darüber für notwendig erachten, � ob das Gedächtnis des Herrn Brandt so gelitten hat.—'.J. Es wird dann übergegangen zur Vernehmung der Angestellten der Firma Krupp. Als erster wird Direktor Ctto Eccius aufgerufen. Da der Zeuge leidend ist, bietet ihm der Verhand- lnngsführer einen Stuhl an. Ter Verhandlungsführer bemerkt ihm gegenüber, daß gegen ihn ja wohl ein Verfahren beim Land- gericht I schwebe, und er verweist ihn darauf, daß er, soweit er als Ä n g e s ch u l d i g t e r in Frage komme, die Auskunft auf Fragen verweigern könne. Er fügt hinzu, daß auch möglicher- weise seine Vereidigung in Betracht kommen könne. Der Zeuge macht darauf folgende Angaben. Im Frühjahr 1897 bin ich bei der Firma Krupp in Essen eingetreten.— Verhandlungs- ""rer; Also Sie waren bis 1906 schon lange Zeit mit Brandt zusammen bei der Firma in Essen? Brandt war doch bis zu seiner Versetzung nach Berlin 50ureauvorsteher der Ab- teilung für Preisbildung?— Zeuge: Meine Tätigkeit erstreckte sich seit meinem Eintritt in die Firma ausschließlich auf das ausländische Kriegsmaterial. Infolgedessen hatte ich mit dem Bureau, in dem Herr Brandt arbeitete, keinerlei De- Ziehungen. Inzwischen war ich Mitglied des Direk- toriumS geworden.— Verhandlungsführer: Sind Sie als Direktor befragt worden, als Brandt nach Berlin versetzt wurde? — Zeuge: Ich entsinne mich nicht, glaube es aber auch nicht, es lag bei meiner Tätigkeit keine Veranlassung dazu vor. Es ist da» Sache des betreffenden Dezernenten. Dieser wird möglicherweise mit demjenigen Kollegen des Direktoriums, dem die Personalver- änderungen unterstellt sind, gesprochen haben.— Verhandlungsführer: Sie sollen damals eine scherzhafte Aeußerung zu Brandt getan haben und ihn gefragt haben: Was wollen Sie in Berlin? Das klingt so, als ob Sie sich nicht klar waren über seine Stellung hier.— Zeuge: Ich habe in den Zeitungen eine Andeutung darüber gelesen. Ich kann nur sagen, daß ich mich nicht erinnere, Herrn Brandt gesehen zu haben. Es ist aber möglich, daß er es für seine Pflicht erachtete, sich auch bei mir abzumelden. Und wenn ich nach den Zeitungen die Bemerkung zu ihm gemacht habe: Sie wollen wohl die unleserlichen Krähenfüße des Herrn v. Schütz verbeffern? so möchte ich(Zeuge lächelt) dazu bemerken, daß derartige kleine schnoddrige Bemerkungen mir bisweilen passieren.— Verhand- lungSführer: Aber um den Wirkungskreis des Brandt haben Sie sich damals nicht gekümmert?— Zeuge: Nein, da es mich nichts angeht.— Verhandlungsführer: Damals war der Nach- richtendezernent Direktor B u d d e. Sie haben wohl dessen Dezernat übernommen?— Zeuge: 1007 befand ich mich gerade auf Urlaub, als Herr Budde wegen Krankheit sich entschloh, zurückzutreten. Das Direktorium beschloh damals, einen Teil seines Dezernates mir zu ubertragen. Die Verhandlungen fanden aber in meiner Abwesenheit statt. Es handelte sich um die inländische Preis- bildung. Es war schon immer eine Erschwerung meines Dienstes gewesen, daß mir nur die Preisbildung für ausländische» Krieg?- Material, aber nicht die inländische unterstellt war. Das hatte daran gelegen, daß Herrn Budde die Artilleriewerkstätten unter- S;. J1??*-6"* �arum entschloß man sich jetzt, mir das inländische Preisbildungsbureau zu unterstellen. Ich bin aber a u S s ch l i e tz. lich mit dem ausländischen Kriegsmaterial beschäftigt ge- Wesen und, da das Bereich dieser Tätigkeit sehr groß ist, konnte ich mich nicht allzuviel um die neue Abteilung kümmern. Der bisherige erste Assistent des Herrn Direktor Budde fuhr auch fort, unter meinem Dezernat das inländische Kriegsmaterial zu bearbeiten. Ich selbst habe nur eingegriffen, wenn ich eS für notwendig hielt, so etwa, wenn eS sich um grund- legende Verhandlungen mit dem Kriegsminister handelte, über Einzelheiten von Konstruktionen und Bedingungen und über Neu- lieferung von Material für daS ReichSmarineamt. ES ist aber schwer, auf diese Sache einzugehen. ohne geheim zu behandelnde Dinge zu berühren. Der Umfang meiner Tätigkeit auf dem Gebiete deS ausländischen Kriegsmaterials nötigte mich, einen großen Teil des Jahres im Auslände zu fein. Ich habe festgestellt, daß ich beispielsweise im Jahre 1906 das ganze Jahr hindurch nur 6 Sonntage in Essen ge- Wesen bin. Ich bin durchschnittlich die Hälfte bis zwei Drittel des Jahres auf Geschäftsreisen gewesen. Infolgedessen habe ich an den Einzelheiten des deutschen Geschäfts kaum Anteil nehmen können, da ja auch die Natur dieses Geschäftes eine ganz andere ist als die de» ausländischen. Es handelt sich nur selten um so wichtige Dinge, soweit mein Dezernat in Betracht kommt, daß mein Eingreifen notwendig ist.— Verhandlungsführer: Wir wollen nun zu den K-rnwalzern übergehen.— Zeuge: Anfang 1908 ist mir da» Bureau für inländisches Kriegsmaterial unterstellt worden. Brandt war schon 1906 nach Berlin versetzt worden,— yerhantz» tuRöJfüSmr Kurt find Jhn«rt such Kornwalz«« zu G«- ficht g«komm«n f— Zeuge: Gelegentlich hat mir Herr M u t h» und nach seinem Ausscheiden Herr v. Dewitz derartige Berichte vorgelegt.— Verhandlungsführer: Was wußten Sie von der Herkunft dieser Kornwalzer? Wußten Sie, daß sie von Brartdt stammten?— Zeuge: Das wußte ich.— Verhandlungs. führer: Ist«S nicht auffällig, daß Sie in Berlin einen Vertreter haben, und daß Herr Brandt selbständig die Berichte«inschickte?— Zeuge: Herr b. Schütz und nach ihm Herr v. Metzen pflegten mit ihrer Unterschrift zu berichten. Es handelte sich bei ihnen um Unterhaltungen mit bestimmten Stellen und Persönlichkeiten. Die Kornwalzer gaben sich dagegen als Nach richten, die erlangt waren, die aber nicht Gespräche des Vertreter» der Firma mit einem Referenten de? Ministeriums oder einem anderen höheren Ver- waltunaSbeamten darstellten.— Verhandlungsführer: Aber was Brandt gewissermaßen unterirdisch erfuhr, berichtete er ohne Unterschrift. War das vielleicht eine Vor- sichtsmaßregel?.— Zeuge: Das kann ich nicht sagen. Die Einrich- tnng bestand bereits undsie war von keiner Seite be- anstandet. Ich hatte auch dazu keinen Anlaß. Ich wußte nur, daß die Berichte von Brandt stammten. Wenn Herr Brandt Dinge erfahren hatte, so konnte das nicht gut in die Form eines Berichts gebracht werden, wie es seitens der Herren v. Schütz und v. Metzen geschehen war, in denen es hieß: Ich habe heute mit dem und dem gesprochen und das und das erfahren.— Verhandlungssührer: Die Firma unterhielt doch nur ein Bureau in Berlin. Infolgedessen wäre es doch naheliegend gewesen, daß auch nur ein Bericht erstattet worden wäre,� in dem man die Unterscheidung machen konnte zwischen offiziellen und inoffiziellen Meldungen.— Zeuge: Ich kann nichts weiter darüber sagen. Jedenfalls haben wir eine große Zahl von Bureauvorstehern, die alle Meldungen machen, so daß sich das Wohl nicht in dieser Form machen ließ.— Verhandlungsführer: Sind Ihnen die Kornwalzer nicht nach der Richtung a u f g e- fallen, daß die Berichte Brandts intimere, geheimere Dinge behandelten?— Zeuge: Einen U e b e r b l i ck über die Kornwalzer während eines ganzen Jahres habe ich nicht gehabt. So, wie Sie die Frage präzisieren, Herr Kriegsgerichtsrat. ob die Berichte des Herrn Brandt geheimere Dinge behandelten, kann ich sie nicht als zutreffend anerkennen. In den Berichten des Vertreters wurden � oft viel geheimere Dinge behandelt und zum Teil auch dieselben Dinge. Es ist aber schwer, hierüber näheres mitzuteilen.— Verhandlungsführer: Um nur einen Punkt herauszugreifen: Hat Herr v. Schütz und Herr v. Metzen auch über Konkurrenzpreise berichtet?— Zeuge: Da muß ich sagen: Herr v. Schütz war für die Firma sehr uner- giebig, er war Vorsitzender der Vereinigung für gewerblichen Rechtsschutz und seine Tätigkeit galt mehr diesen Dingen als den geschäftlichen Interessen der Firma Krupp. Das ist so weit gegangen, daß, wie mir Herr Kern, der vor Brandt der einzige Beamte bei Herrn v. Schütz war, sagte, daß Herr v. Schütz es nicht für wert gehalten hat, zu den öffentlichen Submissions- terminen nach Spandau zu gehen oder einen Vertreter zu schicken. — Verhandlungssührer: Das ist dann Wohl auch der Grund ge- Wesen, weshalb ihm Brandt zur Seite gestellt wurde.— Zeuge: Darüber kann ich mich nicht äußern. Aber ich möchte das eine sagen: Im Jahre 19l)S fand im Plenum des Reichstags eine viertägige Verhandlung statt, in der ein Abgeordneter für die Rheinische Metallwarenfabrik Beschwerde führte, daß die Firma Krupp einseitig bevorzugt wurde, und es wurden dann auch von verschiedenen Abgeordneten Aeuße- rungen teils für, teils g�gen die beiden Firmen laut. Damals wurde auch erörtert, daß die Kruppschen Preise höher seien als die der Rheinischen Metallwaren- sabrik. Da mir vorher bekannt gewesen war, daß diese Dinge zur Sprache kommen würden, hatte ich mich nach Berlin begeben und wohnte den Verhandlungen bei. In diesen Verhandlungen war nun die Tendenz hervorgetreten, der Firma Krupp aus ihren ursprünglichen Preisforderungen ein Verbrechen anzurechnen. Es hatte sich ergeben, daß, wie auch schon die Verhandlungen in der Ge- schäftsordnungskommission des Reichstags von k903 gezeigt hatten, andere Firmen über die Preise der Konkurrenz genau unterrichtet waren, so daß sie daraus ein Vorwurfsmaterial gegen die Firma Krupp konstruierten. Ich habe daher nach meiner Rückkehr nach Essen darauf aufmerksam gemacht, daß diese Angriffe sich w i e d e r- holen könnten. Ich kann mir nun denken, daß der Mangel an Nachrichten von seilen des Herrn v. Schütz zu der Entsendung des Herrn Brandt im Jahre 1909 Veranlassung gegeben hat. Aber an diesen Verhandlungen bin ich nicht beteiligt gewesen.— Verhandlungsführer: Ist Ihnen bekannt, daß die Kornwalzer sich fast aus- schließlich auf dem Gebiet der Konkurrenzpreise bewegen?— Zeuge: Jawohl. Die Kornwalzer, die i ch gesehen habe, behandelten sogar nur Konkurrenzpreise. Gewiß, die Firma Krupp hatte ein geschäftliches Interesse daran, die Mindestpreise zu erfahren.— Verhandlungsführer: Hatte sie nicht auch ein Interesse daran, zu erfahren, was die anderen Firmen verlangt hatten?— Zeuge: Es mag ja bei einer Revision der Kalkulationen von Interesse gewesen sein, nachzuprüfen, nach welcher Richtung man sich verhauen hatte, wenn eine große Differenz in den Preisen vor- handen war.— Verhandlungsführer: Konkurrenz ist doch Kampf, und ich glaube, daß gerade im Jahre 1906 ein sehr starker Kampf der Firmen miteinander bestanden hat.— Zeuge: Die Konkurrenz war schon lang vorher vorhanden und der Eintritt der Rheinischen Metall- Warenfabrik hat die Verhältnisse nicht beeinflußt; es gab schon immer Firmen, die Geschosse und andere Materialien lieferten.— Verhandlungsführer: Aber die Firma Ehrhardt konstruiert doch?— Zeuge: Darauf bezogen sich aber die Kornwalzer nicht, sondern es handelt sich um die Vergebung von Lieferungen für Geschosse, Materialien usw.— Verhandlungsführer: Nein, auch um Versuche. Also Sie haben an den Berichten Brandts nichts gesunden?— Zeuge: Nein. Ich habe sie auch nur flüchtig durchgesehen, aber ich möchte hinzufügen, daß ich schon beim Untersuchungsrichter kein Hehl daraus gemacht habe, daß ich ledig- lich den Eindruck hatte, daß solche Berichte auf einer Indiskretion beruhen.— Verhandlungssührer: Haben Sie nicht gelegentlich den Eindruck gehabt, daß das Material der Kornwalzer auf Jndis- kretionen beruht und haben Sie nicht Veranlassung genommen der Sache auf den Grund zu gehen?— Zeuge: Dazu lag kein Anlaß vor.— Verhandlungsführer: Hier enthalt ein Korn- malzer z. B. die mittlere Höhe der Konkurrenzpreise.— Zeuge: Ich glaube nicht, daß dieser Kornwalzer mir zemals zu Gesicht gekommen ist.— Verhandlungsführer: Haben Sre sich n> ch t g e. sagt, daß das Material zu den Kornwalzern � durch Hintertüren erworben sein kann?— Zeuge: DaS habe ich n i e m a l s ge- dacht— Verhandlungsführer: Meinen Sie, daß alles auf le- galem Wege erworben sein muß? Sind Ihnen memals Be- denken aufgestiegen? Kenn e n S i e ü der ha upt den V e r. kehr bei den milrtarischen BeHorden?— Zeuge. Nein, in dieser Beziehung bm ich aussergrdentlich ununterrichteh ich weiß bei den ausländischen Staaten besser Be- scheid als bei uns. Ich weiß nicht, wie sich der Ge,chaftsgang bei uns im einzelneil abwickelt.— Verhandlungssührer: Aber es wer Ihnen doch bekannt, daß Brandt früher Zeugfeldwebel war und daß er mit seinen Kameraden verkehrte, und daß die Feld- webel und Unteroffiziere untere Organe sind, die zu solchen Mit- txilungen nach außen nicht berechtigt sind-= Zeuge;............ Darüber habe ich Vicht nachgedacht. — Verhandlung? führ«: Haben Sie denn geglaubt, daß Brandt sich mit Offizieren oder mit den Dezernenten des Kriegsministeriums in den Schänken trifft und von ihnen das Material bekommt?— Zeuge: Das dachte ich natürlich nicht. — Verhandlungsführer: Es besteht von der Heeresverwaltung der gute Grundsatz, nichts nach außen zu geben und wenn etwas ge- geben wird, es nur durch die dafür zuständigen Instanzen zu geben.— Zeuge: Auch dieser Grundsatz ist mir nicht bekannt. Da mein Vorgänger gegen diesen Geschäftsgang keine Be- denken hatte, habe ich ihn f o r tg e s e tz t. Ich selbst war früher Justizbeamter und Beamter im Auswärtigen Amt; von diesen Behörden weiß ich, daß man Auskunft von mittleren Beamten bekommt und zivar berechtigterwcise. Bei dem Gericht bekommt man z. B. auch schon vor der offiziellen Mitteilung bei der Gerichtsschreiberei Auskunft, toann ungefähr der Termin zu erwarten ist.— Verhandlungs führer: Aber diese Parallele kann man doch wirklich nicht z'ehen.— Zeuge: Es gibt ja auch andere Vergleiche, z. B. erfahren die kaufmännischen Vertreter bei der Eisenbahnverwaltung von mittleren Beamten, ob demnächst eine Ausschreibung auf Lokomotiven zu erwarten ist.— Verhandlungsführer: Ob dies zu Recht geschieht, ist eine andere Frage. Man muß sich doch auf den Standpunkt stellen, daß in der Be- amtenschaft der Grundsatz zu gelten hat, daß nur der zuständige und unverantwortliche Beamte Auskunft erteilen darf. Es kommt hinzu, w i e man sich Mitteilungen verschafft. Brandt hat seine Kameraden nicht auf dem Bureau unter den Augen der Vorgesetzten befragt, sondern sich mit ihnen in Schänken getroffen.— Zeuge: Ich habe natürlich angenommen, daß Brandt auf das Bureau gegangen ist. Wir haben uns immer gesagt, wenn wir Material bekamen, daß Brandt ja ständig nach Spandau unterwegs sein müsse, weil er uns alle Submissions« termine mitteilte und weil er meldete, ob die Niederschlagung einer Versäumnisstrafe schon perfekt geworden wäre. Ich betone, baß ich solche Auskünfte für erlaubt und einwandsfrei halte und daß die Einholung solcher Informationen keine Beeinflussung von Beamten bedeutet.— Verhandlungsführer: Wir können das Thema verlassen, Sie sollen sich ja hier nicht verantworten. Ist Ihnen bekannt geworden, daß die Firma Krupp auf Grund des Inhalts von Kornwalzern Ihre Preise jemals zum Nachteil der Heeresverwaltung geändert hat?— Zeuge: Ich habe mich darüber bei ineinen Beamten informiert und kann sagen, daß kein solcher Fall eingetreten ist. Ich möchte hinzufügen, daß ich eine solche Benutzung der Kornwalzer meinerseits entschieden gemißöilligt und verhindert haben würde, soweit mir die Mög- lichkeit dazu gegeben war.— Verhandlungsführer: Dazu hätlea Sie sich also nicht hergegeben?— Zeuge: Nein. Unsere Preisfestsetzung findet in keinem Falle statt auf Grund von un- erlaubten Nachrichten über Konkurrenzpreise, sondern immer nur auf Grund der Kalk.ulation unserer Selbstkosten und des für ein industrielles Unternehmen nchwendigen Gewinns. Die Nach- richten über Konkurrenzpreise hatten also nur in dem Sinne für uns einen Wert, daß wir eine Kontrolle darüber hatten, o b uns nicht bei der Kalkulation unserer Selbst- kosten Fehler unterlaufen waren. Der frühere Kriegs- minister v. Einem hat im Reichstag anerkannt, daß die Firma Krupp dauernd ihre Geschosse und ähnliches Material im Preise laufe wd herabgesetzt hat, ohne daß sie dafür eine Kon- kurrenz hatte. Das beruht eben darauf, daß man allmählich lernte, in der laufenden Fabrikation das Material in einer Weise herzustellen, die die H e r st e l l u n g s- kosten verringerte. In dem Sinne sind die durch die Kornwalzer erlangten Kenntnisse lediglich zur Kontrolle benutzt worden. Es darf also nicht gesagt werden, daß, wenn Krupp 19 M. forderte und ein anderer 20 M. und Krupp erfuhr das, Krupp dann seine Preise etwa um 19 M. erhöhte. Alle Dinge, die uns in den Kornwalzern mitgeteilt wurden, spielen für unsere Firma verhältnismäßig eine ganz geringe Rolle. Die Lieferung des Materials, auf das sich die Kornwalzer be- ziehen, beläuft sich im Jahre auf wenige 199 999 M., das rlt für uns sehr wenig, eä ist der geringe Bruchteil eines Prozents des Gesamtumsatzes.— Verhandlungssührer: Lohnte sich denn dann überhaupt bei einem so geringen Umsatz die Unterhaltung des Brandt in Berlin? Zeuge: Brandt war ja nicht nur dazu da, die Kornwalzer zu machen. Er war Chef des Bureaus der Berliner Vertretung. Er hatte den gesamten Schriftenverkehr unter sich. Er mußte über alles infor- miert sein, damit unser Berliner Bureau in allen Fällen Rede und Antwort geben konnte. Brandt hatte die verantwortliche Kon- trolle unseres gesamten Aktenmaterials.— Verhandlungsführer: Also hatte Brandt Kenntnis zu nebmen von dem gesamten Schriftwechsel zwischen der Berliner Vertretung und dem Stamm- haus in Essen?— Zeuge: Das war seine Pflicht. Er war als Chef der Vertretung in Berlin verantwortlich dafür, daß das Aktenmaterial vollständig und an der richtigen Stelle war. Verhandlungsführer: Brandt hat gestern gesagt, er habe auch die Briefe öffnen und zur Kenntnis nehmen müssen.— Zeuge: Es ist eine Gepflogenheit unserer Firma, daß Bureauchefs vom Range des Brandt diese Arbeit verrichten müssen. Das geschieht in Essen ebenso.— Verhandlungssührer: Gingen auch die Mitteilungen der Firma an das Kricgsministerium durch die Berliner Vertretung? — Zeuge: In früberen Jahren nicht. Später haben wir darum gebeten, um eine Verzögerung zu vermeiden, denn wir mußten dann immer erst Abschriften dieser Schriftstücke an unser Berliner Bureau schicken.— Verhandlungssührer: Es ist also richtig, daß es für Brandt keine Geheimnisse gab?— Zeug«: Ja, alles, was den Verkehr unserer Firma mit der preußischen Heeresverwaltung be- betrifft, alle geheimen Schriftstücke gingen durch seine Hände, alles war ihm zugänglich und mußte ihm zugänglich sein, damit er seine Pflicht tun konnte. Ebenso hatte er Kenntnis von den Unterredungen des Herrn von Metze» mit den Dezernenten der Militärbehörde. Herr Brandt verfügte also über eine sehr große Zahl sehr geheimer und wichtiger Dinge, er hat diese Dinge auch getreu der übernommenen Pflichten zur Geheimhaltung für sich behalten. Er hatte viel wichtigere und viel geheimere Dinge zu hüten, als die, die in den Kornwalzern wiedergegeben sind. Herr Brandt hat in sehr vielen Fällen Herrn von Metzen im Bureau vertreten. Herr von Metzen war auch Vertreter ßür Belgien, weil er dort von früher her eingearbeitet war. Infolgedessen fuhr er häufig nach Belgien, und wäbrend dieser Zeit erledigte Brandt die Ge- schäste des Herrn von Metzen.— Verhandlungssührer: Was machte Herr Dr. Draeger in Berlin?— Zeuge: Herr Draeger stand außerhalb dieser Organisation. Ich kenne seinen Ge- schästskreis nicht genau. Er ist ein früherer Kollege von mir, nicht mein Untergebener, und hatte, als er ausschied, von Herrn von Bohlen-Halbach den Auftrag bekommen, in Berlin seinen Wohnsitz zu nehmen und die Firma beim Per- kehr mit ihm bekannten Persönlichkeiten zu un- t e r st ü tz e n. Er stand also außerhalb unseres Beamtenkörpers und übernahm dann später nach dem Ausscheiden dcS Herrn von Metzen dessen Arbeit. Die 3599 M. Funktionszulage an Herrn Brandt sind nichts Außergewöhnliches in Anbetracht der verant- Wortungsreichen und selbständigen Stellung, die Brandt inne hatte. Es ist eine Gepflogenheit unserer Firma, Beamten, die von Essen nach Kiel oder Magdeburg versetzt werden, solche Funktionszulagen zu gewähren.— Verhandlungssührer: Was sollte Brandt mit den 3590 M. machen? Sollten das Schmiergelder sein? Sollte er sich unlauterer Weise Nachrichten sammeln? Zeuge Daran habe ich nie gedacht. Aber natürlich sollte er mit diesem Geld die Auslagen für seinen geselligen Verkehr bestreiten. Verteidiger Ulrich: Ist es richtig, daß'sowohl die ausländischen (vi? hie preußischen Peböchxn ii? Gepflogenheit haben, tzix billig- sten Angebote mitzuteilen und dann einen Preis festzusetzen unL zu sagen: Wenn du dafür lieferst, dann will ich dir die Lieferung übertragen?— Zeuge: Im Auslande ist das sehr häufig der Fall. Bei den preußischen Behörden besteht in neuerer Zeit in ver- stärktem Maße die Uebung, bei gewissen Kategorien von Vergebun- gen der Firma Krupp und auch anderen Firmen, die nicht mindest- fordernde gewesen sind, gewisse Quanten der zu vergebenden Ge« samtlieferungen zum Mindestpreis anzubieten; teilweise besteht hier für die Heeresverwaltung eine vertragliche Verpflichtung.— Verhandlungsführer: Wohl mit Rücksicht darauf, weil die Firma Krupp für Versuche besonders große Auslagen hat, für die man sie mit einer Beteiligung an den Lieserungen teilweise zu ent- schädigen sucht?— Zeuge: Bei Einführung des neuen Feldmaterials haben Verhandlungen gvschwebt, die daraus abzielten, der Heeres- Verwaltung volle Freiheit auch für die Teile der Konstruktionen zu geben, die bei Krupp patentiert sind. Wir stellten nur die Be- dingung, daß uns zwei Drittel aller zur Ausschreibung ge- langenden Teile übertragen werden müßten. Das ist dann auch geschehen, ebenso bei anderen Lieferungen, wo keine bestimmte vertragliche Verpflichtung bestand. Es ist immer die Uebung, daß der Firma, bevor der Zuschlag erfolgt, ein bestimmter Teil zum Mindestpreise angeboten wird.— Verteidiger Ulrich: Hat der Zeuge jemals daran gezweifelt, daß auch die Konkurrenz der Firma Krupp sich auf dieselbe Art Nachrichten und Material verschafft?— Zeuge: Die Konkurrenz von Krupp läßt sich in ähnlicher Weise bedienen; das hat sich ja gerade 1993 bei den ReichStagsverhandlnngen ergeben. Ich weiß nicht, in welcher Weise sich dse anderen Firmen das Material beschafft und ob sie es etwa ebenso machen wie Brandt.— Verhandlungssührer: Bei den beschränkten Berdingungen kann man ja die Preise ohne wei- teres erfahren.— Zeuge: Bei den Reichstagsvcrhandlungen han- delte es sich nicht um Dinge, die mit beschränkter Verdingung zu- sammenhingen.— Verteidiger Ulrich: Daß die Konkurrenz das- selbe Material besitzt wie Krupp, ist also dem Zeugen niemals zweifelhaft gewesen?— Zeuge: Nein.— Anklagevertreter: In einem Schriftsatz des Justizrats Dr. von Gordon, des Verteidigers des Zeugen, wird behauptet, daß die Kenntnisse der Firma Ehrhardt von Militärpersonen herrühren mühten. Hat die Firma Krupp für die Behauptung, für diesen Anwurf eine Unterlage? Ist es nicht möglich, daß auch eine g e- schäftliche Spionage bei der Firma Krupp s e l b st statt- gefunden hat?— Anklagevertreter: Warum nicht? Wird nicht bei Krupp politisch und gewerkschaftlich spioniert?— Zeuge: Was soll ich darunter verstehen?— Anklagevertreter: Um militärische Geheimnisse, die im Interesse der Landesverteidigung geheim gehalten werden müssen, zu erfahren, braucht man sich nur mit Militärpersonen in Verbindung zu setzen; man kann auch bei Krupp spionieren, in dessen Schränken außerordentlich viel ge- Heimes Material liegt.— Zeuge: Natürlich, es haben ja a u ch schon Landesverratsprozesse stattgefunden, in denen sich ergeben hat, daß Zeichnerlehrlinge z. B. von Agenten einer fremden Macht angegangen wurden. Eine solche Spionage findet statt. Ich habe aber k ei neu Grund, anzunehmen, daß die Konkurrenzfirmen sich in d i e s e r Weise ihre Knntnis über unsere Preisstellung verschaffen. Ich weise darauf hin. daß im Reichstag, als die ersten Angriffe gegen Krupp wegen seiner Preise erfolgten, mit- Zahlen gearbeitet wurde, die direkt nicht zw erfahren waren. In der Bugetkommission des Reichstags hat der Kriegsminister eine Erklärung nicht abgegeben, aber er hat dann im Plenum des Reichstages sofort erklärt, daß er es ablehnen müsse, sich zu diesem ihm mitgeteilten Material zu äußern, das aus Zetteln einzelnen Abgeordneten in die Hände gesteckt sei; seine. Rede fing damals etwa mit den Worten an:„Beim Sächsischen Etat tauchten plötzlich Zahlen auf, die den betreffenden Abgeord» neten nur von dem Agenten einer bestimmten Firma zugesteckt sein konnten.— Anklagevertreter: Ja nur von dem Agenten einer anderen Firma, also nicht von Militärbeamten? Ich wiederhole die Frage: Womit wird in dem Gordonschen Schriftsatz die Be- hauptung gestützt, daß Ehrhardts Nachrichten aus Militärkreisen stammen müssen? Die Firma Krupp muß doch mit der Mög- lichkeit rechnen, daß diese Nachrichten auch auf eine politische Spionage bei ihr selbst zurückzuführen sind.— Zeuge: Die Möglichkeit ist natürlich nicht ausgeschlossen.— An- klagevertreter: Dann gibt es also nur die Behauptung, daß Ehr- Hardt derartige Nachrichten aus Militärkreisen bekommen habe, keine Grundlage?— Zeuge: New.— Verteidiger Ulrich: War Brandt eventuell als Nachsulger des Herrn v. Metzen in Aussicht genommen?— Zeuge: Da? kann möglich sein.—> Anklagevertreter Dr. Welt: Glauben Sie, daß Brandt, wenn er Berliner Vertreter geworden wäre, als früherer Zeugfeldwebel ohne weiteres Zutritt bei den Referenten deS Kriegsministeriums gefunden hätte, in derselben Weise wie ehemalige Offiziere?— Zeug«: Brandt hat sehr oft Zutritt gefunden und er hat auch über eine Reihe von Besuchen Bericht erstattet.— Verteidiger Dr. Ulrich: Gilt nicht für die Firma Krupp das napoleonische Wort, daß jeder Beamte seinen Marschallstab im Tornister trägt? — Verhandlungsführer: Sind in der Verwaltung von Krupp auch höhere Posten mit Personen besetzt, die aus dem Unteroffizier. stände stammen?— Zeuge: Ich danke für diese Anregung. Wir haben bei der Firma Krupp durchcnL nicht den Grvndsatz, die An- stcllung nach Examina zu regeln und danach, was die Eltern ge- wesen sind, sondern wir haben lediglich den Grundsatz, danach zu sehen, was jemand kann. Es sind eine ganze Anzahl von aus dem Feuerwerker stände hervorgegangenen Personen in leitende Stellungen gekommen. Sogar kurz vor meinem Ein- tritt der Leiter der Artillerieabteilung, ein Mann aus dem Feuer- Werkerstande. Im Bereiche der Berechnungs- und KonftruktionS- bureaus sind nicht bloß die Abteilungschefs, sondern auch die Gruppenführer, die ein wesentlich höheres Gehalt haben, als Brandt es hatte, aus dem Unteroffiziersstande hervorgegangen. Darauf wird Direktor Dr. Treger vernommen. Ex hat die Stellung eines Generalvertreters in Berlin inne und ist dem Direktorium direkt unterstellt. Er war stliyer aktiver Offizier und im Kriegsministerium Referent und Dezernent für Feuerwaffen. Im Jahre 1893 ist er zu Krupp ge- kommen, zunächst als Assistent, und später ist er Direktor geworden. Bis 1919 war er in Essen. Mit Brandt batte er direkt nichts zu tun. Er hat allerdings auch die geheimen Berichte gesehen.— Verhandlungssührer: Ist es Ihnen nicht aufgefallen, daß es sich um Konkurrenzpreise handelte?— Zeuge: Das schlug nicht in mein Ressort. Ich habe nur mit den Konstruktionen zu tun ge. habt und darüber habe ich nichts gesehen. Der Zeuge er. klärt, daß er auf diesem Gebiete auch nichts erfahren konnte. Er sei viel bei den Behörden selbst gewesen und sei wegen der Ver- suche direkt mit den Herren in Verbindung getreten.«llcS. was er wissen wollte, sei ihm mit dem größten Entgegenkomme» stet« mitgeteilt worden.— Verhandlungssührer: Boten nicht aber auch die Kornwalzer manches Jwe reif ante für Sie?— Zeuge: Nein, daß ich nicht wüßte. Mir sind ia von dem Uiitersuchungs- richter Kornwalzer vorgelegt worden, und da muß ich sagen, daß alles, was ich da sah. für m.ch Lappalien waren.— Verhandlung« führer: Aber es mußte doch für S,e von Interesse sein, etwas über die Konkurrenzversuche zu erfahren.— Zeuge: Gewiß, aber das erfährt man. durchaus auf legalem Wege, vielfach laufen die Versuche der verschiedenen Firmen parallel, und wer nicht die Augen verschließt, kann einfach alles sehen. Tann beruhen auch viele unserer Informationen auf den Be r i ch t e n der Konstrukteure und Monteure, die offene Augen haben und auf den Schießplätzen natürlich sehen, welche Versuche von anderen Firmen angestellt werden und die dann mit Schaden- freude berichten, wenn die Versuche der Konkurrenz versagen. Ranöbmal ist ek ja auch umgekehrt.— Verhandlungsführer: Da» bnn doch Rur der Fall sein, wenn auf den Schießplätzen' gleich- geitig von mehreren Firmen Versuche angestellt werden, aber doch mcht bei Versuchen, wo nur eine Firma in Frage komml. Zeuge: Tie Bedingungen sind dann meist dieselben. man erfährt auch das. Was uns interessierte, war, ob die Schüsse versagen oder nicht. Die Konkurrenzpreise gingen uns im Konstruktionsburcau nichts an. Die Kornwalzer bcbandelten wir auch meist bei den Lieferungen kleinerer Sachen, die für die Firma im allgemeinen Neben- fachen waren. In Offizierskreisen hieß es allgemein, die Firma Krupp habe für die kleinen Lieferungen kein Interesse und stelle für sie hohe Preise; daraus machte man dann Rückschlüsse auch auf die großen Lieferungen, und wir waren zu Unrecht als teuer der- schrieen. Wir im inneren Betriebe aber waren überzeugt, daß die Firma mir mit geringem Verdienst arbeitete.— Verbandlungs- führer: Die Firma Krupp hatte bis 190(1 eine Monopolstellung auf Artilleristisches Material. Dann ist wohl aber die Firma der Konkurrenz gegenüber öfter ausgefallen, weil sie zu teuer war, und da ist man darauf gekommen, Brandt nach Berlin zu senden.— Zeuge: Ein besonderer Anlaß dafür war, daß wir i n s Hintertreffen gekommen waren bei einer großen Bestellung auf Kanonenrohre, die einer Konkurrenzfirma übertragen war. Wir hatten bisher auf diesem Gebiet eine Monopolstellung, und wir waren nicht einmal von der Absicht einer Bestellung unter- richtet gewesen. Das war es auch, was Herrn von Schütz zum Vorwurf gemacht wurde und Anlaß gab, ihm Brandt zur Seite zu stellen. Bei kleinen Sachen haben wir diese Erfahrung sehr häufig machen müssen, und man war daher der Ucbcrzcugung, daß Herr von Schütz seinem Reffort nicht gewachsen war. Er war auch sehr zurückhaltend bei seinen Besuchen. Bis 1900 war Krupp die einzige Firma in Rohren; vor vielen Jahrzehnten hatte einmal eine Firma einen Versuch damit gemacht, war aber abgefallen.— Verhandlungssührcr: Ist Ihnen nicht aufgefallen, daß die Kornwalzer nicht auf legalem Wege erlangt sein konnten?— Zeuge: Ich hatte wohl die Ueberzeugung, daß sie nicht auf legalem Wege erlangt seien; selbstverständlich dachte ich aber nicht, daß bei ihrer Erlangung etwas Strafbares vorge- kommen sei.— Verhandlungsführer: Sie sind ja selbst früher Lffi- zier gewesen und waren bei einer Zentralbehörde, und da mußten Sie doch wissen, daß derartige Mitteilungen nicht erlaubt sind?— Zeuge: E s kommt darauf an, was es ist und von wem es kommt. Ich wußte, daß über Versuche nichts mitgeteilt werden dürfe, und daß das strafbar sei. Dagegen habe ich an der Uebermittelung der Preise nichts gefunden. Auf die feinen Unterschiede der bedingten und freihändigen Vergebung, die man heute macht, haben wir kaum Wert gelegt.— Verhandlungsführer: Die Verwaltung legt aber sehr großen Wert darauf, damit nicht die Kleinen an die Wand gedrückt werden und eine Bc- einflussung der Preise stattfindet.— Zeuge: Die Vergebung sollte überhaupt im Interesse des Staates eine beschränkte sein, damit die Firmen sich korrigieren können. Ein Prinzip, weshalb das bald so bald so gehandhabt wird, ist nicht einzusehen; es ist vorge- kommen,, daß ein Gegenstand von einer Werkstätte freihändig, von der anderen beschränkt ausgegeben wurde, oder auch, daß ein Gegen- stand von ein und derselben Werkstätte bald freihändig, bald be- schränkt ausgegeben wurde.— Verhandlungsführer: Sind Ihnen auch Kornwalzer zu Gesicht gekommen, die auch vertrauliches Material enthielten?— Zeuge: Jawohl.— Verhandlungsführer: Im Direktorium sind die Kornwalzer ja wohl zur Sprache gekom- mcn.— Zeuge: Ja, am 25. Oktober.— Vcrhandlungsführer: Ist dabei nicht in Aussicht genommen worden, daß die Tätigkeit Brandts aufhören sollte?— Zeuge: Am 25. Oktober wußten wir bereits, daß Herr von Metze» gedroht hatte, und daß er Kornwalzer hinter sich hatte. Es war aber auch schon vorher davon gesprochen worden, als Brandt uns mitteilte, daß Herr von Metzen sich Kopien gemacht habe und Kornwalzer zurückhalte. Sympathisch war uns allen das nicht. Außer all dem anderen Ballast, den die Kornwalzer ent- hielten, erschien uns wünschenswert und notwendig der Vergleich der Preise im Interesse der Firma und des Staates.— Verhandlungsführer: Das Interesse der Firma konnte doch nur ein finan- zielles sein.— Zeuge: Nein, es lag uns daran, zu vcr- a leichen; denn es ist ja bekannt, daß die zweite Kalku- lation immer anders ausfällt. Es bestand auch die Absicht» Brandt abzuberufen. aber das Kalkulationsbureau glaubte, nicht ohne die Kornwalzer auskommen zu können, und das Direktorium konnte sich über meine Vorschläge und die Vorschläge von Herrn Eccius über die Neubesetzung nicht einig werden, daher wurde die Entscheidung immer wieder hinaus- geschoben. Ich habe Brandt die Instruktionen gegeben, bei seinem Vorgehen die Grundsätze eines rechtschaffenen Kaufmanns aufrecht zu erhalten, und er hat mir versichert, daß er k e i n e B e st e ch u n g verübt und keinen Bestechungsversuch je unternommen habe. Ich habe dann bestimmt, daß kein Kornwalzer hinausgehen durfte, ohne daß ich ihn gesehen und unterschrieben hatte, es sind auch mehrere Kornwalzer nicht abgesendet, und d r c i. die ich z u r ü ck e r h a I t e n hatte, sind bei mir beschlagnahmt worden. Ebenso sind in der Wohnung von Brandt verschiedene Entwürfe gefunden worden. Ich hatte Brimdt verboten, sich Abschriften machen zu lassen von amtlichen Sachen, er sollte überhaupt nur das melden, was er mündlich erfahren hatte, und auch da noch sollte es sich um keine Geheimnisse handeln. Wenn mir nach dieser Richtung in den Korn- Walzern etwas zur Beanstandung Anlaß gab, so habe ich sie.nicht unterschrieben mit einer Ausnahme.— Der Verhandlungsführer verweist darauf, daß die Kornwalzer den Vermerk„streng vertrau- lich" trugen.— Zeuge Direktor Dr. D reg er: Das ist nichts Be- lastendes für die Sache. DaS soll eigentlich alle? sein. Fast unser gesamter Verkehr mit t«n Militärbehörden geht als streng ver- traulich.— Verhandlungsfuhrer: Haben Sie Brandt nicht einmal ins Gebet genommen und über seine Quellen ausgefragt?— Zeuge: Natürlich. Ich habe das dreimal getan. Z�s erstemal war es anläßlich einer Gehaltserhöhung für einen Beamten, die'ch erw.rkt hatte, und da hielt mir Band- einen Vortrag über se-ne Stellung und sagte, daß er eigentlich peküniär hmeingksallen sei. Wenn er auch ein höheres Gehalt habe, so seien seine Ausgaben doch großere. Der Verkehr mir den Kameraden nähme ,hm mel Zei weg. Er habe kein Fa- milienleben und sei jeden Sonntag besetzt Er hat mir spater auf Ehre und Gewissen versichert, daß öwischen'hm und seinen Käme- raden nicht das geringste Strafbare vorkomme. Bei der zweiten Unterredung hatte ich mir inzwischen daS Strafgesetzbuch angesehen und ich habe ihn auf die schwere Straf« für Bestechung hingewiesen. Da hat er mir tränenden Auges versichert. « Rebe von einer Bestechung s-in könne. Das war am aedrobt v"«anz erschAtert von Heran v°n M-tz-n kam, der aeoroyt hatte, die Kornwal�er au benutzen. Ich erinnerte ihn daran, daß er doch gQr{cjncn j[nlafi habe, so bestürzt zu sein, da er mir ,a ,mme7 ÄrRA«. ihm und seinen Vertretung zu kümmern. Da � �•„n Revers unter. IS. ÖSfSSrt ÄgL» Ä Cf' m Unteroffiziere nicht befugt seien, Auskünfte zu geben?.— Zeuge: So ist daS doch wohl nicht. Ich weiß aus meiner Zeit, daß die Geheimen Rechnungs- räte mit Absicht Auskünfte erteilen.— Vorhand- lungsführer: Heute sind die Bestimmungen aber sehr viel strenger.— Zeuge: Brandt sagte mir, daß bei der Feldzoug- mcisterei, die für ihn ja hauptsächlich in Frage kam, spezielle Verbote nicht vorhanden sind.— Verhandlungssührcr: Aber die allgemeinen Verbote genügen doch auch schon. Es ist doch auf- fallend, daß Brandt als Untergebener des Herrn von Metzen direkt seine Kornwalzcr nach Essen schickte.— Zeuge: Soviel ich weiß, hat Herr von Schütz, soviel ich weiß, auch nicht unterschrieben. Es stets vorlegen lassen, nur hat er sie nicht unterschrieben,— Ver- handlungssührer: Das ist doch auffallend.— Zeuge: Deshalb habe ich ja auch die Aenderung eintreten lassen. Aber schon vor ihm hat Herr von Schütze, soviel ich weiß, auch nicht unterschrieben. Es war das früher nicht üblich.— Verhandlungsführer: Tie Herren wollten wohl nicht die Verantwortung übernehmen? Zeuge: Brandt war aus dem Posten, denn er hatte eine Vertrauens- stellung, und er rechtfertigte das Vertrauen, sowohl was die Firma anlangt, als auch gegenüber der Landesverteidigung. In jeder Be- ziehung ist der Mann so intakt, daß man daran gar nicht rühren kann. Brandt ist iin ganzen gerechnet zwei Jahre absolut selb- ständig gewesen. Er war in dieser Zeit in alles eingeweiht, er hat sogar die Auszüge des geheimen Briefwechsels, der zur Jnfor- mation der Direktoren untereinander diente, kennen gelernt. Brandt hat auch von dem ganzen Verkehr mit den Behörden ge- wüßt, der früher mündlich und telephonisch ein sehr rcgcr war. Jetzt hat das ja natürlich geschnappt.— Verhandlungsführer: Wäre Brandt, wenn das nicht passiert wäre, ev. als Vertreter des Herrn von Metzen, weenn auch vielleicht in beschränktem Maße in Frage gekommen?— Zeuge: Es ist davon gesprochen worden und ich zweifle nicht daran, daß Brandt das betrieb und damit rechnete. Er ist aus dem Obcrfcuerwerkerstand hervorgegangen und wußte, daß die Firma Krupp ihr ganzes Renommee den Oberfeuerwerkern verdankt. Mein Vorgänger ist ein Oberfeuerwerker gewesen und wurde Di- reltor der Firma. Wir verlangen kein Abiturientcnexamen. Nun ist Brandt hier lange Zeit selbständig gewesen und hat den Beweis der Befähigung erbracht, daß er die Stellung auszufüllen vermag, ebenso und vielleicht besser als Herr von Metzen, Ich habe auch einmal in Essen gesagt, das ist nicht der schlechteste Vertreter.— Verteidiger R.-A. Ulrich: Wenn das Kalkulationsbureau die Korn- Umlzer für notwendig hielt, so geschah das vielleicht aus dem Grunde, um die Möglichkeit zu haben, die Preise nach un- t�cn zu revidieren, sowohl im Interesse der Firma wie dem des Staates.— Zeuge: Das Gegenteil wäre gegen die Prinzipien der Firma.— Anklagevertreter Dr. Welt: War Brandt ein tüchtiger und zuverlässiger Beamter, der auch über ein gutes Gedächtnis und eine schocllc Auffassungsgabe verfügte?— Zeuge: Er war ein übermäßig flrißiger Beamter.— Anklagevertreter Dr. Welt: W a r s e i n G c d ä ch t n i s n i ch t geradezu vorzüglich?— Zeuge: Jetzt höre ich aus dieser Frage einen Unterton heraus. �Heiterkeit.) Taraus möchte ich nicht inih einem vollen Ja antworten, ich will ihn nicht be- lasten; der Mann ist in der Tat schwer verwundet ge- wcsen, er fehlte einige Tage im Bureau und kam dann mit einer schweren Verwundung am Kopse wieder. Er war so nervös, daß ich ihn wieder nach Hause schickte.— Verhandlungsführer: Wie lange dauerte dieser nervöse Zustand?— Zeuge: Nicht lange.— Verhandlungsführer: Und dann war alles wieder in Ordnung?— Zeuge: Ja, aber nervös war Brandt immer.— Anklage- Vertreter Dr. Welt: Ist er nicht auch ein bißchen weich?— Zeuge: Wie Wachs. Dr, Welt: Man kommt am besten mit ihm aus, wenn man ihn liebenswürdig behandelt.— Verhandlungsführer: Stammt die Nervosität vielleicht daher, daß Herr von Metzen ihm gesagt hatte, er hätte Material gegen K'rupp?— Zeuge: Nein, die Nervosität ist schon älter.— Verteidiger R.-A. Barnau: Sollte nicht Brandt die niedrigeren Preise der Konkurrenz nach Essen melden, damit der dort tätige starrköpfige Direktor Budde veranlaßt werden sollte, mit den Kruppschen Preisen gleichfalls herunterzugehen, so daß also das Wirken Brandts« durchaus im Interesse der.Heeresver- waltung lag?— Zeuge Direktor Eccius: Darauf kann ich ant- Worten und ich kann bestätigen, daß Direktor Budde mit einem starren Eigensinn an seinen einmal festgesetzten Preisen festhielt; dadurch war uns der Konkurrenzkampf sehr erschwert.— Verhandlungsführer: Soll diese Tatsache also maßgebend dafür gewesen sein, daß Brandt nach Berlin geschickt wurde?— Zeuge Direktor Eccius: Das ist sehr wahrscheinlich.— Anklagevertreter Dr. Welt: War der verstorbene Herr von Schütz ein Ehrenmann?— Zeuge Direktor Dreger: Das Ideal eines Ehrenmannes. Anklagevertreter Dr. Welt: Brandt hat die Sache so dargestellt, und damit auf diesen toten Ehrenmann die Sache abzuschieben ver- sucht; daß Schütz ihn in stundenlangen Unterredungen zu seinen Handlungen brcitgeschlagen hätte. Halten Sie es für möglich, daß Herr von Schütz in dieser Weise Brandt instruiert hat?— Zeuge Direktor Dreger: In dieser Weise klingt es mir nicht glaub- lich.— Dr. Welt: Wie klingt es Ihnen glaublich?— Direktor Dreger: D a s i st s ch w e r z u s a g e n.— Dr. Welt: Meinen Sie. daß Herr von Schütz seine Hand dazu gegeben hätte, einen ihm unterstellten Beamten auch nur den Schimmer einer Zumutung zu stellen, daß er etwas Unrechtes tut, etwas, das nach Be- stcchung schmeckt?— Direktor Dreger: Das glaube ich nicht. Bert. Rechtsanwalt Ulrich: Irgendeinen Vorwurf gegen Herrn von Schütz hat Brandt nicht ausgesprochen.— Vert. R.-A. Barnau: Brandt hat direkt gesagt, daß Herr von Schütz ihm nichts Uncrlaub- tes zugemutet habe.— Anklagevertreter Dr. Welt: Es mußte'dem Herrn von Schütz doch bekannt sein, daß man derartige Konkurrenz- preise und andere auf legalem Wege nicht erreichen kann. Nunmehr wird der praktische Arzt Dr. Wangemann aus Fried- richshagen als Zeuge und Sachverständiger vernommen. Er be- kündet, daß die Verletzung Brandts am Kopfe durch eine drei Pfund schwere Kurbel hervorgerufen und sehr schnell geheilt worden sei. Zuerst habe der Sachverständige an eine leichte Gehirn- erschütterung geglaubt, er sei aber schließlich zu der Ueber- zeugung gekommen, daß es sich nur um einen Nervenchok handle. Daß davon eine Gedächtnisstörung zurückgeblieben sein könne, halte er für möglich. Ueber Frau Brandt sagt der Sachverstän- dige aus, daß man sie gestern abend zu ihm gebracht und daß sie sich in emem sehr schlechter Zustand befunden habe; sie habe Schreikrämpfe gehabt und werde ein bis zwei Tage nicht berhandlungSfähig sein; am Montag aber werde sie sicher aussagen können. Der nächste Zeuge ist Direktor Mouths, der von 1893 biS 1911 bei der Firma Krupp tätig war. Er äußert sich über die Beweggründe für die Entsendung Brandts nach Berlin wie folgt: Wir mußten uns sagen, daß, wenn die gewaltige Firma Krupp in einer gewissen Zeit Lieferungen nicht herstellen konnte, dagegen die viel kleinere Konkurrenz es fertig brachte, die Kon- kurrenz besser unterrichtet sein mußte als wir. Dafür machten wir Herrn von Schütz verantwortlich. Die Preise spielten damals eine sekundäre Rolle; die Hauptsache war für uns, daß wir dieLieferfrist�inhaltenkonnten. Brandt war ein tüchtiger und zuverlässiger Beamter, der sehr beliebt war, er war aber nicht eine energische Persönlichkeit. Als er nach Berlin kam, wurde die Berichterstattung nach Essen besser. Die Kornwalzer kamen in einem besonderen Umschlag und wurden an die Direktoren verteilt, die für sie Jnter- esse hatten. Sie wurden eine Zeitlang aufbewahrt und dann mit Vielem anderen Zeug zusammen vernichtet,— Verhandlungsführer: Ist Jhnets am Inhalt der KornSalzer nichkS sufgefallenf- Sie enthielten teilweise Sachen, die ebenso gut in gewöhnlichen Briefen hätten mitgeteilt werden können; dann enthielten sie Nachrichten, die von privater Seite stammen mußten, und schließlich Nachrichten, die' offenbar auf Indiskretionen beruhten.— Verhandlungsführer: Sie haben früher einmal gesagk, ein Teil der Berichte war so abgefaßt, daß Sie sich in Essen an de» Kopf gefastt und sich gefragt hätten, wo denn der Vertreter das her habe. Zeuge: Jawohl, wir in Essen tappten darüber vollkommen im Dunklen.— Verhandlungsführer: Ist denn an matzgebender Stell« niemals über den Inhalt der Kornwalzer gesprochen worden?— Zeuge: Nein, der unmittelbare Vorgesetzte, Direktor Budde, war verschlossen, aber auch er hat wohl das Gefühl gehabt, daß Indiskretionen in Frage kamen, und liest die Sache laufen. Verhandlungsführer: Sie sollen den Brandt einmal gewarnt haben'- — Zeuge: Ich hatte das Gefühl,- daß dem Brandt und möglicher» weise eine Person, die indiskret war, Unannehmlichkeiten erwarten könnten. Ich habe ihn daher gefragt, ob er etwa unrechte Wege gehe, und da hat er geantwortet, er bewege sich stets an der Grenze des Erlaubten. Verhandlungsführer: Diese Grenze ist sehr flüssig. Die Anklage nimmt weiter an, daß Dröse durch Vermittelung Brandts bei Krupp angekommen ist und daß Dröse als Gegenleistung dem. Brandt Einsicht in bestimmte Bücher gewährt hat.— Zeilge: Dröse ist engagiert worden auf das vorzügliche Zeugnis seines Vor» gesetzten, des Hauptmanns Lehn, hin, das besser war als die Aus- kunft Brandts.— Verteidiger Graffo: Was sollte Brandt nun eigentlich in Berlin?— Wenn diejleinen Firmen kürzere Lieferfristen setzen konnten als die große Firma Krupp, so mußte die Konkurrenz über beabsichtigte Bestellungen Bescheid wissen und wir nicht.— Anklagevertreter: Ter Zeuge muß doch wissen, daß man über derartige beabsichtigte Lieferungen auf legalem Wege in den Ministerien überhaupt nichts erfahren kann. Wenn es auf legalem Wege zu erfahren wäre, dann würde doch die gut angeschriebene Firma Krupp i n erster Linie derartige Auskünfte bekommen.— Zeuge: Selbstverständ- lich.— Anklagevertreter: Dann hätten Sic aber ebenso gut Ihren o s f i z i e I l e n Vertreter ins Kriegsministerium schicken können. — Zeuge: Jawohl. Aber da.erfährt man nicht alles; man kann doch nicht jede Woche zum Dcpartementsdirektor gehen und fragen, ob Aufträge zu erwarten seien.— Anklagevertreter: Sie wissen doch, daß früher Verfügungen bestanden haben, wonach die Firma Krupp zu allen Ausschreibungen herangezogen werden soll, Ver- fügungen, aus welchen doch ein gewisses Wohlwollen gegenüber der verdienten Firma Krupp spricht. Wenn derartige Auskünfte zu- lässig sind, dann können Sie doch ebenso gut die Vordertreppe be- nutzen.— Zeuge: Selbstverständlich haben wir das auch getan.— Anklagevertreter Dr. Welt: Weshalb ist denn dann aber Brandt nach Berlin geschickt worden?— Zeuge: Eben wegen der Zunahme der Bureauarbeiten und dann, um zu berichten. Was nützt mir ein Berliner Vertreter, der nichts berichtet!— Verhandlungsführer: Schütz war Ihnen also nicht rührig genug?~ Zeuge: So ist es. — Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Barnau: Ist es richtig, daß der Zeuge dem Brandt einmal zur Mitarbeit an einem Aufsatz im Brockhausschen Konversationslexikon aufgefordert und dafür 20 M. bezahlt hat? Brandt hat ja dann die Arbeit an Pfeiffer weiter» gegeben und dem Pfeiffer dafür 20 M. bezahlt.— Zeuge: Den Auf» trag habe ich Brandt erteilt, dafür auch bezablt.— Verhandlungs» führer: Auf diese 20 M. legt wohl die Anklage kein Gewicht?— Verteidiger Dr. Barnau: Das weiß ich nicht, worauf die Anklage bei Pfeiffer überhaupt Gewicht legt, denn bei Pfeiffer handelt sich immer nur um ein Minus.— Verbandlungsführer: Die 500 M. zu Weihnachten sind doch kein Minus! Hierauf tritt eine halbstündige Mittagspause ein. Nach der Pause wurde der Vorsteher des Pressebureaus den Firma Krupp in Essen, v. Dewib, vernommen. Er gibt an, daß alle Berichte von Brandt im besonderen Kuvert eingingen und durch seine Hände gingen. Ueber die Gründe, weshalb Brandt nach Berlin geschickt worden ist, kann er nichrs angeben. Bei den Korn» Walzern habe es sich immer nur um kleine Lieferungen gehandelt, nicht um große Gegenstände, und es war aus den Mitteilungen nie zu ersehen, daß es sich irgendwie um Kriegsgehcimnisse han- deltc. Er habe alles nachgeprüft, um festzustellen, ob jemals die Firma auf Grund der ihr durch die Kornwalzer bekannt gewordenen Konkurrenzpreise ihre Preise erhöht habe. Er müsse erklären, daß dies in keinem einzigen Falle geschehen sei. Es seien allerdings Differenzen von 25 bis 100 Proz. zwischen den Kruppschen Preisen und denen anderer Firmen vorhanden gewesen.— Verhandlungsführer: Welchen Zweck hatten denn nun die Kornwalzer?— Zeuge: Es kam uns darauf an, n a ch z u p r ü f e n, ob wir uns in der Kal. kulation versehen hatten. Wenn wir sähen, daß unsere Kalkulation zu hoch war, sind wir natürlich mit dem Preis her» untergegangen, es ist aber auch vorgekommen, daß wir zu- folgs der Nachprüfung die Preise erhöhen mutzten, und es sind mir auch Fälle bekannt, wo wir über den uns bekannt gewordenen Preisen der Konkurrenz hinausgegangen sind, obwolst wir mit der Gefahr rechnen mußten, daß wir bei der nächsten Vergebung aus- fallen würden, was ja auch zuweilen geschehen ist.— Verhandlungs- führer: Ist Ihnen ein Fall bekannt, daß die Firma Krupp aus den Kornwalzern materielle Vorteile gezogen hat?— Zeuge: Nein, ein solcher Fall ist mir-nicht bekannt.— Anklagevertreter Dr. Welt: Unter einem Kornwalzer steht eine Bleistiftnotiz von Ihrer Hand: „Wenn diese Nachricht früher gekommen wäre, hätten wir die 10 Pf.(pro Stück) retten können, wahrscheinlich wäre das aber auch nicht möglich gewesen." Diese Notiz läßt doch die Vermutung zu, daß die Firma, wenn der Korn- walzer früher eingelaufen wäre, mit dem Preise nicht herunter» gegangen wäre. Es spricht doch ein gewisses Bedauern daraus.— Zeuge(nach längerem Besinnen): Theoretisch mag das sein, aber prak» tisch trifft es nicht zu.— Anklagevcrtr. Dr. Welt: Das genügt mir aber.— Verteidiger Rechtsanwalt Ulrich: Bei seiner Vernehmung hat der Zeuge früher verschiedene Methoden angegeben, wie die Firma Krupp die Preise der Konkurrenz ganz offiziell erfahren konnte. Es wird hier immer so dargestellt, als ob das nur auf unterirdischem Wege geschehen konnte.— Zeuge: Gewiß, darin habe ich mich ausführlich verbreitet.— Als nächster Zeuge wird der Bureauvorsteher Grün» Wald, der Nachfolger Brandts als Bureauvorsteher in Essen der- nommen. Auch er erklärt, es sind niemals Preise auf. Grund der Kornwalzer erhöht worden. Wenn die Preise der Konkurrenz abwichen, habe man stets eine Nach- Prüfung vorgenommen.— Verhandlungsführer: Und wenn man sah, daß billiger geliefert wurde als von der Konkurrenz, gingen dann die Preise pi die Höbe.— Zeuge: Nein, wenn die Nachprüfung ergab, daß die Kalkulation in Ordnung war.— Verhandlungsführer: Sie nehmen also auf Ihren Eid und können mit gutem Gewissen beschwören, daß die Firma Krupp auf Grund der Kornwalzer keine materiellen Vorteile gehabt hat, — Zeuge: Jawohl, das kann ich beschwören. Zeuge Direktor Nausenberger, von der Verteidigung geladen, soll darüber Auskunst geben, ov Brandt auch mit höheren Beamten in Verbindung gestanden und von ihnen Mitteilung bekommen hat.— Zeuge Nausen- bergcr: Soviel ich weiß, ist Brandt verschiedene Male als Vertreter des Herrn v. Metze» im K r i e g s m i n i st e r i u m empfangen worden. Er hat dort verschiedene Nachrichten bekommen, genau so wie Herr v. Metzen selbst, und er hat darüber an uns be- richtet,-— Verhandlungsführer: Das find aber ganz ander« - Berichte gewesen als die Kornwalzer. Zeuge: Ja. Die expedierenden Sekretär des Abteilungschefs. Angell. Bfeiffer: Beuge Beugfeldwebel Angermann foll barüber vernommen Kornwalzer enthielten aber in vielen Fällen gar kein geheimes Ich bitte den Zeugen zu fragen, ob Brandt hin und wieder die werden, daß die Forderungszettelbücher in der Artillerie- Prüfungs. Material. Das meiste wußten wir, denn Frage an ihn gerichtet hat, ob ein Schriftstück beim Kriegs- fommission jedermann zugänglich waren. Er bestätigt das. Ver ministerium eingegangen sei. Beuge: Nein. Angell. Pfeiffer: Handlungsführer: Was heißt das jedermann". Beuge: Jedem Da möchte ich den Beugen darauf hinweisen, daß er eines Tages berechtigten Beugfeldwebel. Verhandlungsführer: Auch jedem zu mir sagte: Ihren Freund Brandt habe ich neulich schön ab- Gefreiten? Beuge: Ja. geführt; als er von mir etwas Näheres wissen wollte, habe ich Zeuge Zeughauptmann Ebeling hält es für unzulässig, webel das wir erfahren ja alles, was wir erfahren wollen. Verhandlungsführer: Dann haben Sie also die Tätigkeit des Herrn Brandt gar nicht für so wichtig gehalten. Zeuge: Für absolut unwichtig. Vieles, was er uns berichtet hat, hatten wir ihn stehen lassen. Der Zeuge erinnert sich einer solchen Aeußerung daß, wie es der Angeklagte Dröse getan hat, ein Beugfelb direkt von der Artillerie- Prüfungskommission erfahren. Vert. nicht. Dr. Ulrich: Es ist wohl Tatsache, daß sehr viel Material, das Zeuge Geheimer Rechnungsrat Kraemer: Auf dem Schießin den Kornwalgern enthalten war, auf legalem Wege beschafft plab Elsenborn hatte eine Geschützrohrerplosion stattgefunden. Bestellbuch mit nach Hause nimmt. " werden konnte. Zeuge: Jawohl. Sachverst. Major Köthe: Kurz nach dem Unglück kam Pfeiffer zu mir und erkundigte sich Glaubt der Zeuge, daß die Referenten im Kriegsministerium mit nach dem Vorfall, den er sehr betrübend fand. Er wollte wiſſen, arbeiten. Mein damaliger Vorgesetzter, Major Lehn, wird das beAngeklagter Dröse: Ich war damals frank und wollte zu Hause Brandt ebenso verhandelt hätten wie etwa mit dem Zeugen? ob es sich um ein Kanonen- oder Haubizenrohr handele, und als ich stätigen.( Major Lehn wird zu Montag geladen.) Zeuge: Natürlich nicht. Dazu fehlten ja Brandt allein schon die ihm gesagt hatte, daß es ein Haubizenrohr war, wollte er wissen, ling: Jedes Buch soll bei uns als geheim behandelt werden und die Zeuge Ebe Kenntnisse eines ausgebildeten Konstrukteurs. Antlagevertreter daß er im Auftrage feines Referenten handele. Ich sagte ihm Dr. Welt: Ich möchte von dem Zeugen v. Dewik oder Grünwald welche Gründe er für ein so reges Interesse habe, erwiderte er, Bestellbücher sollen gleichfalls auf das strengste geheim bleiben. tvissen, ob es richtig ist, daß das Preisbureau Striegsmaterial In- aß er im Auftrage seines Referenten handele. Ich sagte ihm Verhandlungsführer: Glauben Sie, daß ein Außenstehender sich land" gegen die Abberufung Brandts von Berlin sich gesträubt hat, darauf, dann solle er sich bei meinem Referenten über das weitere aus dem Bestellbuch ein Bild machen könnte von dem Stande der weil die Nachrichten Brandts für das Preisbureau vorläufig un- erkundigen. Ich tat das mit Rücksicht darauf, da mein Abteilungs- ein solches Buch in die Hände eines artilleristisch vorgebildeten Geschützversuche. Zeuge: Jawohl. Verhandlungsführer: Wenn entbehrlich waren. Zeuge v. Dewig: Das Preisbureau wird das nicht getan haben, höchstens habe ich gesagt, daß wir auf diese Herrn einer anderen Nation gelangt wäre, fönnte sich dieser dann wohl ein Bild machen von dem Stande der Versuche und könnte Berichte Wert legen. Denn es ist ja natürlich, daß jeder Kaufmann gern wissen möchte, wenn wichtige Vergebungen kommen. Brandt daraus für die sollte übrigens nicht abberufen werden, sondern nur die Sendung ber Kornwalzer sollte eingestellt werden. chef strenge Geheimhaltung anbefohlen hatte, bis die Sache aufgeklärt sei. An sich habe ich der Sache teine Bedeutung beigemessen. Als aber in diesem Jahre diese Affäre hier bekannt wurde, konnte man sich auch sagen, daß Zeuge Major Wurzbacher, jezt in Straßburg, war früher Pfeiffer auch andere Abfichten gehabt haben könne; denn es tamen in der A. P. K. tätig und soll darüber Auskunft geben, ob es dem ja für die Rohrlieferungen verschiedene Firmen in Betracht. Angeklagten Pfeiffer möglich gewesen ist, in seiner, des Beugen, Verhandlungsführer: Herr Pfeiffer, hatten Sie Auftrag von Ihrem Abwesenheit auf dem Zimmer von geheimen Schriftstücken Kenntnis Referenten, sich zu erkundigen? Anget!. Pfeiffer: Nein. zu nehmen. Der Beuge hält das nicht für ausgeschlossen, sondern Verhandlungsführer: Weshalb haben Sie das denn gesagt? hält es für möglich, daß Beamte in einer kurzen Abwesenheit, Angell.: So ganz habe ich das nicht mehr in Erinnerung, Herr während der das Zimmer nicht verschlossen war, sich im Zimmer Kriegsgerichtsrat; ich glaube aber, daß ich die ganze Frage wohl aufgehalten haben.- Anklagevertreter Dr. Welt: Und wenn etwas scherzhaft behandelt habe. An sich war die Sache doch Sie nun wirklich in das Zimmer gekommen wären und gesehen nicht geheim, sondern sollte nur wegen des Unfalls noch nicht behätten, daß ein expedierender Beamter in Ihren Sachen herum- fannt werden. Ich bitte den Beugen zu fragen, ob es nicht ganz blätterte, hätten Sie darin etwas Verdächtiges gefunden? Der harmlos ist, wenn ein ehemaliger Feldartillerist sich nach einem Beuge berneint dies und schildert den Angeklagten Pfeiffer weiter Geschüßunglück erkundigt..- Zeuge: An sich ist nichts Auffälliges als einen außerordentlich gewandten Arbeiter mit schneller Auffaffungsgabe. Der Angeklagte Pfeiffer behauptet, daß auf dem Tisch immer ganze Stöße von Aften gelegen hätten, so daß es mindestens sehr schwierig gewesen sei, sich das passende Schriftstück herauszusuchen. daran. Zeuge Erfinder Puff ist ein langjähriger Freund des Ange. flagten Pfeiffer und des Zeugen Brandt. Er bekundet, daß er verschiedene Patente unter anderem auch an Krupp verkauft hat. Die Frage des Anklagevertreters, ob gegen ihn ein Verfahren wegen Spionage 1 RerSicherheit des Staates Schaden entstehen? Beuge Ebeling: Jawohl. Angeklagter Dröse: Ueber die Verfuche steht in dem Bestellbuch gar nichts, sondern es steht nur barin, daß ein Gegenstand bestellt wird.- Zeuge Ebeling: In dem Buche steht, daß das und das gebraucht wird. Aus diesen Bestellungen kann sich ein artilleristisch vorgebildeter Herr leicht Rückschlüsse bilden. Verteidiger Rechtsanwalt Ulrich: Aber gegenüber der Firma Krupp, die die Lieferungen ja schließlich auszuführen hätte, konnte doch von Geheimnissen nicht die Rede sein, sondern nur gegenüber Vertretern der Konkurrenz der Firma Krupp, und denen wird doch Dröse das Material nicht geliefert haben. handlungsführer: Es handelt sich hier nicht nur um Geheimnisse gegenüber der Konkurrenz von Krupp, sondern um Ge heimnisse gegenüber dem Auslande. Zeuge Ebeling: Jeder Bestellzettel bezieht sich auf einen Versuch, und jeder Versuch soll geheim bleiben. Die Meldezettel sind absichtlich nicht als geheim bezeichnet, damit ein Nichtbeteiligter es nicht merken soll, daß sie geheim sind. Sachverständiger Hauptmann Ellerk: Natürlich wußte die Firma Krupp, was an Bestellungen ihres Materials borlag, aber was von anderen Firmen vorlag, war ihr ein Geschwebt, verneint der Zeuge. Anklagevertreter Dr. Welt: Tat- Bestellbücher und die Forderungszettel nicht als geheim bezeichnet heimnis. Angeklagter Hoge: Ich bitte, festzustellen, daß die sächlich schwebt aber ein solches Verfahren. Zeuge: Ich bin nie- worden sind. -Verhandlungsführer: Hauptmann Ebeling: Das ist richtig. Es geschah mals darüber vernommen worden. Es ist zwar verschiedentlich aus ganz bestimmten Gründen, denn die Geheimhaltung hätte sich egen meiner langjährigen Tätigkeit auch im Ausland der Vers bei den Rechnungen nicht durchführen lassen, und man gebrauchte ich habe mich mit einer Beschwerde an das Ministerium des Innern warum die Decbezeichnungen nicht als geheim bezeichnet waren. dacht ausgesprochen worden, ich würde zu Spionagezwecken benutzt; die Deckbezeichnung. Angeklagter Hoge: Dann möchte ich fragen, gewandt, und die eingeleitete Untersuchung hat nichts ergeben. Der Verhandlungsführer: Was stellen Sie da für Fragen, das ist 3euge erzählt weiter, daß er Pfeiffer, den er jahrzehntelang nicht doch gar nicht Ihre Sache, das hat das Gericht zu beurteilen, nicht gesehen hatte, einmal bei Brandt traf und dann noch zwei oder drei Sie! Verteidiger Ulrich: Ich möchte fragen: Wenn die Bücher mal bei Brandt gesprochen hat.- Verhandlungsführer: War Ihnen so geheime Dinge enthielten, weshalb lagen sie dann zu jedermanns bekannt, daß Brandt sich an Beugfeldwebel heranmachte, um etwas Einsicht frei herum?- Sachverständiger Hauptmann Ebeling: Die bon ihnen zu erfahren? Beuge: Das habe ich angenommen und lagen gar nicht herum, sie waren immer unter Aufsicht des Zeugich habe Brandt auch mehrfach gewarnt; er sagte mir aber, ich ber- feldwebels vom Dienst und konnten natürlich von jedem Berech stünde das nicht, er tue nichts Unrechtes. Schließlich bekundet der tigten eingesehen werden. Angeklagter Dröse: Es tamen aber Beuge noch, er sei einmal mit Pfeiffer und Brandt zusammen aus auch Nichtberechtigte ins Zimmer. Verhandlungsführer: Wer dem Theater gekommen, diese hätten sich über Versuche mit einer denn? Angeklagter Dröse: Brandt und Herr von Schüß. neuen Haubize unterhalten; er habe sich nicht daran beteiligen Verhandlungsführer: Und Sie wollen behaupten, daß diese beiden wollen, es sei ihm zu langweilig erschienen und er habe sie allein Herren die Bücher eingesehen haben? Angeklagter Dröse: Nein. Angeklagten Pfeiffer überhaupt für berechtigt, mit Brandt über buch des Zeugen Brandt vorgelegt, damit sie feststellen, welches fachsimpeln lassen. Anklagevertreter Dr. Welt: Sielten Sie den Es wird dann den Sachverständigen noch einmal das Notiz Angeklagter Pfeiffer: solche schwebenden Versuche zu sprechen? Die Sach Ich habe ja, als Brandt mit mir darüber sprechen wollte, mir das Material der Kornwalzer als geheim zu bezeichnen ist. verständigen erklären einen Teil des Materials nicht für geheim, dagegen bezeichnen sie einen anderen Teil als sehr wertvoll und wichtig, weil daraus hervorgehe, welches artilleristische Material die Heeresverwaltung in dem Augenblick in Bewegung gehabt hat. Zum Schluß der Sißung wird mit dem Sachverständigen durch. besprochen, wie weit die einzelnen Angeklagten an den Kornwalzern beteiligt sind. Dieser Teil der Verhandlungen ist Zeuge Rechnungsrat Beder von der Registratur A5 des Kriegsministeriums hatte in der Registratur den Bericht unter sich und hat ihn nicht aus der Hand gegeben. Verhandlungsführer: Sie sind mit Herrn Brandt bekannt. Zeuge: Ja, ich habe ihn durch Herrn Pfeiffer kennen gelernt. Haben Sie mit Brandt über den Bericht vielleicht gesprochen? Zeuge: Das ist mir nicht erinnerlich, ich halte es aber für ausgeschlossen. Hätte er mich aber danach gefragt, dann würde ich ihm den Tag des Eingangs des Berichts mitgeteilt haben, denn dazu war ich berechtigt. Verhandlungsführer: Sie wissen wohl, daß der Angeklagte Pfeiffer gegen Sie die Anschuldigung erhoben hat, daß Sie Kenntnis von dem Bericht an Brandt gegeben haben. Zeuge: Herr Pfeiffer konstruiert seine Anschuldigung daraus, daß ich mit Brandt bekannt sei, und daß Brandt mir eine Gefälligkeit erwiesen habe, indem er mir bei der Unterbringung eines Schloffers bei Krupp behilflich gewesen ist. Ich erblicke aber in der Unterbringung eines Schloffers feinen Vorteil für mich. Ich kannte Herrn Brandt nur ganz oberflächlich und hatte mich wegen dieser Unterbringung an Pfeiffer gewendet. Verhandlungsführer: Wie tamen Sie dazu? Zeuge: Ich wußte, daß frühere Angehörige des Standes des Herrn Pfeiffer bei Krupp waren, und ba fragte ich ihn, ob er mir nicht behilflich sein könnte. Er sagte mir, daß er den Berliner Vertreter von Krupp fenne und machte mich mit Herrn Brandt bekannt. Nachher habe ich auch dienstlich manchmal mit Brandt zu tun gehabt. Verhandlungsführer: Ist Brandt niemals an Sie herangetreten, daß Sie ihm dienstliche Mitteilungen machen sollen? Zeuge: Nein, er hat mir auch nicht die leisesten Zeuge Geh. Rechnungsrat Toggenbrod ist auf Antrag des Andeutungen gemacht. Verhandlungsführer: Haben Sie An- Angeklagten Pfeiffer geladen worden, er soll befunden, daß viele haltspunkte dafür, daß Pfeiffer sich Kenntnis von dem Bericht ver- Felbzeugwebel Einsicht in den Etat der Feldzeugmeisterei nahmen, schafft hat? Beuge: Nein. Angefl. Pfeiffer: In der Vor- der einer dicken Bibel gleichkomme, und daß sie sich aus ihm Nountersuchung hat der Zeuge die Aussage gemacht: Dort hat tizen machten. Der Zeuge erklärt, daß er davon nichts wisse. Pfeiffer Gelegenheit gehabt, den Bericht einzusehen, und er hat Angeklagter Pfeiffer: Dann haben Sie mir etwas borgeflunkert. auch genügend Verständnis dafür".- Verhandlungsführer: Halten Verhandlungsführer( sehr erregt): Solche Redewendungen einem jo Sie es für möglich, daß Pfeiffer den Bericht einsehen konnte? alten Herrn gegenüber sind unpassend; Sie sind gewandt genug, sich Zeuge: Die Möglichkeit lag für jeden vor. Verhandlungsführer: anders auszudrücken. Angeklagter Pfeiffer: Ich bitte um EntAber für Pfeiffer in höherem Maße? Zeuge: Ja, für ihn als schuldigung. Die Geburt eines fräftigen Mädchens Von der Reise zurückgekehrt zeigen an 14492 Willy Friedlaender". Frau Regina Dr. Glück, Pankstr. 89. geb. Kraus. Ludwig Zempelburg Dina Zempelburg. geb. Rubin, Vermählte. Charlottenburg, August 1913. Unserem treuen Genossen Albert Fuhrmann nebst Gemahlin zu ihrer Silberhochzeit gratulieren +43 die Genossen des 725. Bezirks 6. Kreis. Dr. Salingré von der Reise zurück. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz 10-2.5-7. Sonntags 10-12. B Todes- Anzeigen BЯ BΣ Am 1. August verschied nach langem, schwerem Leiden unser früherer Chef, der Kohlengroßhändler Adolf Bernhard Koch. Seine edle Herzensgüte, sein gerechter Charakter und seine Liebe zu seinen Angestellten wird uns den teuren Entschlafenen unvergeßlich machen. Die Arbeiter der Kohlengroßhandlung Hans A. B. Koch. Die Beerdigung findet am Montag, den 4. August, nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des St. Georgenkirchhofes, Landsberger Allee 21/28, aus statt. Sozialdemokratischer Wahlverein für Mariendorf. Am 1. August verschieb im 41. Lebensjahre unser langjährige Genoffe Eduard Schulze Bergstr. 35, an den Folgen eines bor Jahresfrist erfolgten Unglüds. falles im Krankenhause. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 4. August, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle in Friedenstraße aus statt. der 202/15 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. 1728b Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. ( Bezirk Mariendorf.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Hilfs: arbeiter Eduard Schulze am am 1. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 4. August, nach mittags 6 Uhr, auf dem Mariendorfer Kirchhof, Friedenstr., statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. verbeten. Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis Todesanzeige! Am 1. d. M. verstarb unser Genosse, der Kohlenhändler Albert Masch ( Dunderstr. 72, Bezirk 546). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 1, Uhr, bom Trauerhause aus nach dem Gethsemane- Kirchhof in Nordend statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Am 30. Juli verstarb nach langer schwerer Krankheit unser Parteigenoffe Peter Fachbach Allerstr. 17( 21. Bezirk). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 3. Augnst, nach mittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. 237/18 Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Albert Zuncke Rottbuser Ufer 9, im Alter bon 58 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, d. 3. August, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des neuen Jatobi Kirchhofes in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. 86/16 Die Ortsverwaltung. W Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, Emil Mohr am 1. August d. Js. nach kurzer Krankheit im Alter von 71 Jahren verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 4. August, nach mittags 4 Uhr, von der Halle des neuen Michael- Kirchhofes in Neukölln, Mariendorfer Weg, aus statt. NB. Das Singen am Grabe ift nicht erlaubt. Um rege Beteiligung ersucht Die örtliche Verwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des Hinscheidens unferes unvergeßlichen Sohnes sagen hiermit ihren beften Dant +47 Familie Richter. Tanksagung.[ 17275 Für die herzliche Teilnahme und die vielen Kranzipenden bei der Be erdigung meiner lieben Frau, unserer, guten Mutter und Schwiegermutter fagen wir allen Freunden und Be fannten unsern herzlichsten Dant. Paul Neumann nebst Angehörigen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzipenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Baters fagen wir allen unsern herzlichsten Dant. Bitme Naeni Wesenigk Erich Wesenigk.[ 17435 Technische Kurse Berlin: Neanderstraße 3 und Rathenower Str. 3. Hochbau, Tiefbau, Maschinenbau, Elektrotechnik. Kgl. Regier. Baumeister a. D. Dr. Werner. Prospette frei. wiederum nicht öffentlich. Die weitere Verhandlung wird dann auf Montag 9% Uhr bormittags bertagt. Mohrenstr.37 Kolonnaden. Gr. Frankfurterstr. 115 TrauerMagazin Kleider Hüte etc. Außerste Preise Farbige Konfektion in größtem Maßstabe zu billigsten -PreisenWestmann Moabiter Gesellschaftshaus Durch Wiclefstraße 24. 14512 Vereinsauflösung einige SonnSchwarze Kleidung Fertig am Lager: 70,60, Gebrock- Anzüge 30, 40, 36. 60,50, Smoking Anzüge 80,7040 M. Cutaway u. Weste 65,50,33M. 18, Beinkleider 115 8. 1210 Fertige schwarze Kleidung für Knaben und Jünglinge in größter Auswahl Feine Maß- Anfertigung in ca. 10 Stunden :: Baer Sohn Kleider- Werke Berlin. Gegr. 1891. Chausseestraße 29-30. 11. Brückenstraße 11, Gr. Frankfurter Str. 20. Schöneberg, Hauptstr. 10. Urbeiter- GefundheitsBibliother abende, auch Sonntag, au bergeben. 37 verschiedene Hefte à 20Pf. Anton Gieshoit. Arbeiter raucht Herbstoli! Berantwortlicher Redakteur: Alfrey Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Zh. Glode, Berlin. Drudu. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW Nr. 197. 30. Iahrgaug. 2, KnlM Ks Jorniätto" ßttlinct ßnllistilatl Sonntag, 3. Angnst 1913. Gcwcrkfcbaftlicbeö. Berlin und Umgegend. Die Tabak- und Zigarcttensabrik L. Winiski(Herbstoli-Wignetti). Schönhauser Allee 8. hat den Tarif für die Zigaretten- und tigarettenhülsen-Maschinenführer unterschriftlich anerkannt. Die perre über den Betrieb ist hiermit aufgehoben� Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. veirtkebes Reich. Ter Streik der Hafenarbeiter in Emden dauert jetzt bereits 11 Wochen, ohne daß ein Ende abzusehen wäre. Die Simation im Kampfe hat sich im allgemeinen wenig geändert. Die Unlernehmer haben es anscheinend auf die Zertrümmerung der Organisation abgesehen. Als Retter in der Not sind ihnen die Christlichen zur Seite gesprungen. Beide, Unternehmer und Christliche. machen die verzweifeltsten Anstrengungen, um Arbeitswillige heran» zuholen. Ein ganzer Stab christlicher Agitatoren lungert am Orte herum, um jede Gelegenheit zu erspähen, Streikbrecher anzuwerben. Der Erfolg scheinr jedoch nicht sonderlich zu sein. Die Christlichen behaupten. daß bereits 700 Mann im Hasen arbeiten, und die Unternehmer behaupten, die Arbeit geht glatt von statten. Im Widerspruch mit diesen Renommistereien stehen allerdings die nackten Tatsachen. Ein großer Teil der Dampfer wird nach wie vor nach Delfzyl und Rotterdam gesandt, um dort gelöscht zu werden. Auch in Emden selbst geht die Arbeit nicht vorwärts. In den letzten Tagen hatte sich der Sekretär des Hafenbetriebsvereins wiederum mit den Streikbrecherlieferanten in Verbindung gesetzt, um Arbeitswillige heranzuschaffen. Es wurden in Essen zirka 120 Mann angeworben und zwar.für Erdarbeiten nach Gronau". Aber anstatt nach Gronau ging d»e Reise nach Emden. Zum Empfang aus dem Bahnhofe hatten sich eingefunden: die Polizei, die Unternehmer und— die christlichen Arbeitersekretäre. Vom Bahnhof gings mit Motorboot zum Außenhafen. Die Arbeitswilligen erklärten jetzt aber, daß sie doch für Gronau und nicht für Emden, und für Erdarbeit, nicht aber für Hafenarbeit angenommen seien. Also sie streikten, und weil sie unter Borspiegelung falscher Tatsachen angenommen waren, ver» langten sie sofortige Rückbeförderung. Wohl oder übel mußte der Agent die Rückfahrt bezahlen und die Leute dampften wieder ab. Trotz all dieser Machinationen steht der Streik äußerst günstig ES ist nach wie vor Pflicht aller Arbeiter, Solidarität zu üben und sich nicht nach Emden locken zu lassen. Der Landarbeiterverband im Jahr« ISIS. Wie sehr die Organisation der Landarbeiter die Aufmerksam- keit der Gegner erregt, geht daraus hervor, daß die Gegner schon über einen Rückgang der Organisation frohlockten, weil die Zahl der Ortsgruppen mit Abschluß de» JahreS 1S12 eine Verringerung gegenüber dem Vorjahre aufwies. Wie aus dem Bericht des Vor- srandes hervorgeht, hat sich zwar die Anzahl der Ortsgruppen ver- ringert, weil viele, die weniger als 10 Mitglieder zählten, auf- gelöst und diese Mitglieder den Gauleitern als einzelne Mitglieder überwiesen wurden. Di« Zahl der Mitglieder selbst aber ist von IS 606 auf 18 147 gestiegen. Auf die einzelnen Gaugebiete verteilt sich die Mitgliederzahl am Schlüsse des Jahres 1012 wie folgt: Provinz Brandenburg 1432, Mecklenburg und Pommern 344S,. Provinz Sachsen, Königreich Sachsen und Thüringische Staaten 4080, Bayern recht? des Rheines L34S, Württemberg und Südwestdeutschland 2322, SchleSwig-Holstein, Hannover und Oldenburg 3037, Provinz Schlesien 640, Ostpreußen und nördliche? Westpreutzen 740, Provinz Posen und südliches Westpreußen 116. Wie die Or- ganisationsleitung bekundet, hatte sie allerdings damit bestimmt ge- rechnet, am Schlüsse de? Jahres 1012 die Zahl von 20 000 Mit- gliedern zu überschreiten. Die Hauptsache ist die, daß die wenigen Gauleiter sich nicht so der Gewinnung neuer Mitglieder widmen konnten, wie das notlvendig war. Die Gauleiter hatten auch er- hebliche Arbeit mit Lohnbewegungen. Dazu kommt noch, daß im Jahre der Reichstagswahlen die Agrarier einzelner Gegenden, besonders die in Mecklenburg, eine matzlose Hetze gegen den Ver- band einsetzten, wodurch einzelne ängstliche Mitglieder wankel- mutig wurden und aus dem Verbände austraten; die meisten haben jedoch bereit? den Weg zum Verband wiedergefunden. Nicht allein die Mitgliederzunahme beweist den Fortschritt der Organisation, sondern auch die Gegenüberstellung der vereinnahm. ten Beiträge im Jahre 1912 zu denen 1911. Während 1911 an Monatsbeiträgen rund 60 900 M. eingenommen wurden, betrug diese Einnahme im Jahre 1912 über 81 000 M. Die Gesamtein- nahmen der Organisation betrugen 84 468 M., die Ausgaben 80 793 M. Unter den Ausgaben steht die für Agitation an erster Stelle, es wurden über LI 000 M. in Anspruch genommen. Für Krankenunterstützung wurden 11 673 M., für Maßregelungsunter- stützung und Sterbegeld 3174 M., für Lohnbewegungen 1350 M. für Rechtsschutz 3880 M. verausgabt. Von den Gesamteinnahmen aus Eintrittgeldern und Beiträgen wurden nicht weniger als 38 Prozent den Mitgliedern wiederum in Form von Unterstützung, Lieferung der Zeitung usw. zurückgezahlt. Im Jahre 1912 wurhen an verschiedenen Orten Lohnbewegungen durchgeführt, bei denen erhebliche Arbeitsverbesserungen für die Landarbeiter erzielt wur, den. Durchschnittlich wurden Lohnerhöhungen von 2 M. pro Woche, in einzelnen Fällen bis zu 4 M. erreicht. Das wichtigste Gebiet der Verbandstätigkeit ist, wie schon der hohe Ausgabeposten erweist, der Rechtsschutz. Hierbei lernen die Agrarier den Wert der Landarbeiterorganisation am besten kennen, natülich in einer für sie unangenehmen Weise. Wie der Rechts- schütz bei den Agrariern wirkt, schiloerte einmal recht drastisch ein Mitglied, das bei einem mecklenburgischen Agrarier in Stellung war und sich an den Verband um Hilfe wenden mußt«, weil es seinen Lohn nicht richtig erhalten hatte. Das Mitglied schrieb wörtlich: „Das hättet Ihr sehen sollen, wie der Erbpächter den Brief erhalten hatte. Auf dem Hofe ist er Galopp geritten und nahm bald die Hausecken mit, um mich zu suchen. Als er mich ge- funden hatte, schrie er mich mit rotem Kopf an:„Wie kannst Du mir von Deinem roten'Verband einen solchen Brief schreiben lassen? Nun zahle ich erst recht nicht?." Ich ließ ihn schimpfen und toben und sagte nur, der Verband wird es schon machen. Schließlich ging der Erbpächter mit wütendem Geschimpfe los. Aber am anderen Morgen, als er ausgeschlafen hatte, bekam ich meinen Lohn ausbezahlt. Er sagte dabei nur, er habe sichs über- legt." Ueber 1090 Nechtsschutzfälle hatte der Verband im Jahre 1912 zu verzeichnen. Wo zur Klage geschritten werden mußte, konnten 50 Prozent der Fälle mit Erfolg für die Landarbeiter beendet werden. AuS alledem ist ersichtlich, daß der Landarbeiterverband allen Gegnern zum Trotz als Gewerkschaftsorganisation rüstig in Reih und Glied mit den anderen gewerkschaftlichen Organisationen marschiert und gleich ihnen für eine wirtschaftliche Hebung der Arbeiteicklasse mit Erfolg wirst. Achtung, Fabrikarbeiter! Die Firma Georg Bonkel, Ofen- und Wandpiattenfabrik in Lauf o. P., hat am 81. Juli sämtliche bei der Firma beichäitigte Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen ausgesperrt. Zuzug nach dort ist streng fernzuhalten. HusUnd. Tarifabschlust im Wiener Photographengewerbe. Vor zwei Jahren hatte die Genossenschaft der Wiener Photo- graphen-Prinzipale beschlossen, mit dem Gehilfenousschuß der Genossenschast einen Tarifvertrag zu entwerfen und diesen wiederum der Genossenschastsveriammlung zur Beschlußfassung vorzulegen. Der Gehilfenausschuß hat natürlich in der Orgonisatioii der Gehilseyschaft. dem Reichsverein der photographischen Mitarbeiter Oesterreichs in Wien seine wirtschaftliche Stütze. Als nun in der Eenossenschafts- Versammlung am 3. März d. I. die Gcnossenschaftsleitung den Tarif- Vertrag vorlegte, wurde durch eine Anzahl Arbeitgeber gegen den- selben Front gemacht und derselbe unter allen möglichen Vorwänden abgelehnt. Von ganzen 78 anwesenden Prinzipalen stimmten 53 gegen den Tarifabschluß und 2g dastir. Damit war der Tarifvertrag, der zunächst keine bedeutenden Verbesserungen der Löhne gebracht hätte, sondern nur eine Regelung der Arbeitsverhältnisse und der mißlichen BerufSlage herbeiführen sollte, zwischen Gehilfenausschuß und Genossenschaft gescheitert. Ge- nossenschaftSverireter Wenzel Weiß, der den Tarif befürwortete, legte infolge der Differenzen dann fein Amt nieder. Nun natürlich trat der Gehilfenausschuß im EmviUneHmen mit der Gehilfenorganisation in eine Agitation zum Abschluß von Einzel- tarifen und sind bis jetzt Tarife mit 83 Firmen, die annähernd 200 Gehilfen beschästigen, abgeschloffen. Da unter diesen Firmen die größten und leistungsfähigsten Wiens sind, ist dem Tarifgedanken im Photographengewerbe Oester- reich? der Weg geebnet. Bleibt auch im Wiener Photographengewerbe noch vieles zu wünschen übrig, so ist der Anfang gemacht, die Scharfmacher sind durch die Rührigkeit der Gehilfenschaft und durch die Einsicht eines großen Teiles der Unternehmer unterlegen. Ter Textilarbeiterstreik in Katalonien. Von Tag zu Tag nimmt her Ausstand einen größeren Umfang an. Die Zahl der Streikenden wird bereits auf 33 000 angegeben. Der spansiche Ministerrat hat sich mit der Angelegenheit beschäftigt. In welcher Weise, darüber sagen die vorliegenden Meldungen nichts. Es heißt, die Regierung sei der Ansicht, daß es sich mehr um eine politische als um eine wirtschaftliche Bewegung handle. Französische Syndikalisten wurden aus Barcelona ausgewiesen. Das siegreiche Ende des Seemannsstreiks in Italien. Der Streik des Personals der subventionierten Schiffahrtslinien im toskanischen Archipel hat nach 23 tägiger Dauer ein siegreiches Ende genommen. Die Streikenden erzielen eine Lohnerhöhung um 20 Proz., Vermehrung der Ausgaben für die Verpflegung um 13 Proz., den achtstündigen Normalarbeitstag vtjd 12 Tage Ferien jährlich mit vollem Gehalt. Die Offiziere, die mit den Mannschaften solidarisch waren, haben eine erhebliche Gehaltverbesserung durch- gesetzt. Em Induftne uitd RancteL Kapitalexport. Bei der herrschenden Geldknappheit und den teuereren Einsätzen des letzten Jahres hätte man erwarten können, daß die Neuanlagen in Wertpapieren eine Einschränkung erfahren würden. Härte man doch von allen Seiten, daß die Be- schaffung von Kapital größeren Schwierigkeiten begegne. Prüft man aber nun auf Grund des Effektenstempels die Summe der Neuanlagen nach, so ergibt sich die überraschende Tatsache, daß im ersten Halbjahr 1913 fast ebensoviel Kapital zur Verfügung gestellt wurde wie in der gleichen Zeit des.Vorjahres und mehr als in den Jahren 1910 und 1911, die weit billigere Geldsätze hatten. Nach einer Berechnung der„Franks. Ztg." wurden ini ersten Halbjahr 1913 für fast 21l3 Milliarden Mark neue Effekten geschaffen bezw. nach Deutschland importiert. Fragt man weiter nach, wem diese ungeheuren Kapitalien diesmal in erster Linie zugute gekommen sind, so ergibt sich die interessante Tatsache, daß sie vornehmlich ins Ausland geflossen sind. Während diejenigen Summen, die inländischen Unter- nehmungen und öffentlichen Verbänden zuflössen, einen Rück- gang erfuhren, überließen deutsche Kapitalisten aus- ländischen Staaten und Bahnen 452 Millionen Mark gegen nur 125 Millionen der ersten Hälfte des Vor- jahres. Zugunsten des Auslandes hat also das Inland auf die Befriedigung seiner Kapitalsbedürfnisse verzichten müssen. Während die heimische Industrie sich Beschränkungen auferlegen mußte, floß deutsches Kapital in reichlicherem Maße als sonst dem Auslande zu. Von der Gesamtsumme der Neuanlagen (abzüglich der deutschen Bankanleihen) entfielen auf aus- ländische Werte diesmal 36 Pro z. gegen 10 Proz. im Vorjahre. Fast eine halbe Milliarde ging ins Ausland zu einer Zeit, wo die deutsche Volkswirtschaft unter Geldknapp- ljeit und Gcldtcuerung litt. Wie bereits erwähnt, wurden die ins Ausland gegangenen Beträge in erster Linie Banken und Bahnunternehmungen zur Verfügung gestellt. So erhielten Rumänien 60 Millionen Mark, Ungarn ebenfalls 60 Miß., Oesterreich 120 Millionen, China 122,7 Millionen. Ferner beteiligten sich deutsche Kapitalisten an der Anleihe von Mexiko, des Staates Sao Paolo, an zahlreichen amerikanischen Bahnen usw. Die imperialistische Interessensphäre Deutsch- lands hat also gerade zu der Zeit kriegerischer Verwickelungen eine erhebliche Erweiterung erfahren. Zechengewinne. Das zweite Quartal 1913 hat den Zechen- barouen und-Aktionären von neuem Niesengewinne gebracht, die weit über die des Borjahres und zum Teil noch über die des ersten Quartals dieses Jahres hinausgehen. Diese Gewinnsteigerung wurde verursacht durch die vom Kohlensyndikat beschlossene Preiserhöhung, die am 1. April in Kraft trat, und durch Mehrförderung Der Kohlenabsatz des Syndikats stieg vom ersten zum zweiten Quartal von 25 300 Millionen auf 23 697 Millionen Tonnen sgegen 23,03 kleines feuületon „Der Bater ißt so gern Brötchen." Ich sehe mir die Auslagen etneS Kondltorladcns an. Neben mir stehen vier ärmlich gekleidete Arbetterkinder, die sich die NäSchen an dem Schaufenster platt drücken ""d™a"fl.enrflIl �ie kostbaren Sacken verzehren. .Guck Marie, lagt das achtjährige Mädchen,.Erdbeertorte mit Schlaglahne. ?ie kosten tun?" antwortet Marie. .Die tostet vill Teld, erklärt wichtig da» kleine vierjährige Schwarzlopfchen,»au und hier H,mbeer mit'lagsahne. DaS ist noch viel feiner." .Wie schmeckt eigentlich Schlagsahne?' mischt sich der Junge in die Unterhaltung.. .Oi. du. fein. Wie Zucker, Butter und Milch' .Wenn Vatter g'sund is. muß er mich'lagsahne kaufen." meint die Kleinste wieder., .Ha. du bist dumm, mck di�en Worten versucht die älteste Schwester sie von der Auslage� fortzuziehen..Vata is froh, wenn er was richtige« zum Esten hat. .IS'lagsahne kein richtiges zum Ellen.. Sie ist wie aus allen Himmeln gerissen. „Nein, das-ist bloß waS für reiche Leute zum Naschen, für solche, die wo Geld haben tun." .Gelogen." schreit der Junge.„Schusters Anna hat vorige Woche och welche gegeß'.' »Ach du, das liederliche Mensch hat das Geld der Mutter weg- genommen ufld vernascht..." „Wenn man Teld tielt, smekl'lagsahne auch gut?" fragt die Kleine. .Das darf man nicht, das ist Sünde, da verhaut dich da Batta." . Pause. Alle vier stehen noch immer vor dem Fenster, das sie wie ein Magnet festhält. Mir geben die sehnsüchtigen Blicke zu Herzen, ich� trete näher Je f.e d" kleinen schwarzen Schlagsahnensteundin 2o Pfennig. «»(mmueu. Leise« viermal danke. Ich gehe zurück an einen Buchladen und beobachte die Gruppe, die sofort m eine lebhafte Unterhaltung eintritt.<< Das einzelne kann ich nicht verstehen, ich höre nur deutlich, daß die Jüngste. lagsabne- will und die Aelteste ängstlich abratet. End- ltch scheint man einig; da« g�ße Mädchen geht m den Laden. Neugierig, was man gewählt hat, trete ich näher, als die Kleine wieder aus dem Laden kommt, trägt sie acht Brölchen im Ann.... .Aber Kind," sage ich„Ihr wolltet doch Kucken haben?" m 1* f51rot und verlegen,.Vatta ißt so gen, ftcue!°"'"a L°kaufl. Er ist krank und wird sich Für'l' Pfennig hatte sie der Jüngsten„Knollen" gekaust, so war auch diese zufrieden. Arbeiterkinder, welch prächlige Seelen habt ihr unter euren geflickten Kleidern... � Sylvester Schaff« hat sein diesjähriges Berliner Gastspiel im geschmackvoll renovierten Theater des Westens eröffnet. Man ist im Hinblick auf das Programm leicht geneigt, von einem Zirkus in kleinen Maßen zu sprechen— so reich gegliedert ist es. und so erstaunlich ist die Summe artistischer Glanzleistungen, die hier von einem Mensche» geboten werden. Es mag Artisten geben, die eS in dieser oder jener„Spezialität" Sylvester Sckäffer gleich tun. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, wäre der„Training" alles und was außerdem in die Augen fiele, nicht« weiter als—„Bluff Mit so billigem Urteil würde man aber Schäffer keinesfalls gerecht werden. Gewiß, auch er trainiert tagtäglich und sogar bitter ernst» hast; denn jegliche Meisterschaft, die einmal errungen wurde, will immer wieder neu erobert werden. Aber was SchässerS Produktionen vielleicht von ähnlichen seiner meisten BerusSgenosien vorteilhast unterscheidet, sind doch rein künstlerische Merkmale. Und sie bilden das An- ziehende, das von dieser liebenswürdigen Persönlichkeit aus- strahlt, der alles eitle Prahlen fremd geblieben zu sei» scheint. Ob nun Schäffer wie im Fluge mit dem Blitzpinsel des Landschafts» malerS hantiert oder virtuos auf der Geige spielt; ob er Taschenspielerstiicke zum besten gibt, als japanischer Jongleur arbeitet oder al« Meisterschütze mit tödlicher Sicherheit ins Schwarze trifft, ob er.hohe Schule" reitet, mit dressierten Hunden seltsame Pro- duktionen vollführt oder endlich als„«Uas" herkulische Körperkräfte beweist:— in allem bleibt er Kunstlermensch. Und das macht sein Austreten stets werlvoll. Der Zuschauer geht von ihm beschenkt nach Hause. � Vorher wurden von einem kleinen Schauspielerensemble zwei bereits bekannle Theoterstückchen.Ein angebrochener Abend" und.DaS st aide Stück" mit pikanter Handlung ge- geben. Außer Otto Treptow, der sich beide Male wieder als routinierter Darsteller in Erinnerung brachte, ist nichts Bemerkens- wertes wahrzunehmen. s. K. Wie man mit Kleist umgeht. Vor ein paar Tagen, so schreibt ein Einsender dem„Künstwarl", erwarb ich für 30 Pf. ein Kullur- dokument. Es ist ein Hcstchcii in schneeweißem Einband; aus diesem ist das zierliche Bild einer Rokokodame in rosa Gewand; hinter ihr ein kreisrunder Landschaftsausschnitt, hinter dem wiederum seitwärts — ein Storch neckisch hervorblickt. Hernmgelegt ist eine Binde mit zwei Fragezeichen:.Wer ist der Bater?"' Außerdem steht auf dem Deckel noch:.Die Marquise v. O.... Erzählung von Heinrich von Kleist." Auf der Rückseite kündigt der Verleger.in gleicher Ausstattung und Preislage" zwei Sammlungen jüdischer Anekdoten, eine von Mikosch» und eine von Osfiziersanekdoten an... Vor einiger Zeit hat ein ganz Gescheiter in der Sonntags- beilage der.Bossischen Zeitung".nachgewiesen", daß die.Marquise von O.. von Kleist parodistisch gemeint sei. Nachdem sie nun auch noch zum spannenden Kolportageartikel geworden ist, weiß ich nicht, was ihr noch begegnen sollte, und frage mich nur, ob es für die Meisterwerke unserer großen Dichter gegen rohe Ueberfälle und mednge Ausbeutung keinen Schutz geben sollte. Die Ueberhandnahme der Zahnfäule. In den letzten Jahr- zehnten ist eine erschreckende Zunahme der Zahnfäulnis bei unserer Jugend festgestellt worden. 97 Proz. aller Kinder leiden mehr oder minder an hohlen, kranken Zähnen. Noch vor wenigen Jahrzehnten gehört« ein Hohlwerden der Zähne schon im Milchgebiß zu den Seltenheiten, heute ist es umgekehrt eine Seltenheit, wenn ein Milch- gebiß keine kranken Zähne aufweist. Bis vor wenigen Jahrzehn- ten erfreute sich wenigstens die Landbevölkerung noch guter Gebisse, heute ist die ländliche Jugend in vielen Gegenden Deutschlands fast in dem gleichen Grad von der Zahnfäulnis heimgesucht, wie die der Städte. SZie Bedeutung dieser Erscheinung bleibt nicht auf das Ge- biß beschrankt, vielmehr leidet die weitere Entwickelung und die Kraft de» Körpers durch die mangelnde Kautätigkeit. Nach Dr. Kunert-Breslau soll auch das frühe Hohlwcrden der Zähne das Anzeichen für eine im ganzen nicht genügend kernige Ausbildung de? GesamtkörpcrZ sein. Die letzte Ursache der zunehmenden Zahn- fäule beruht nach dem gtiirchen Autor auf unserer heutigen Art der Ernährung, die arm an Nährsalzen, vor allem arm an Kalk- und Eisensalzen ist. Wir genießen die meisten Nahrungsmittel heute in verfeinertem, verkünsteltem Zustande, nicht so. wie die Natur sie uns bietet. Wir essen nur feine Graupen, feinen Gries,' ge- schälten Rei«, vor allem aber nur noch Weißbrot und Weizengcbäck, statt wie unsere Borfahren grobe Graupen, vor allem ein gutes Schwarzbrot aus dem ganzen Getreidekorn zu genießen. Auch die oft falsche Art der NahrmrgSzubereitung fUcberbruhen von Ge- müsen, Kochen von vorher geschälten Kartoffeln), der zunehmende Genuß von weichem, kalkarmen Leitungswasser sind für den Mangel an Nährsalzen verantwortlich zu machen. Ist die Asche einer Schwägerin ei» LuxuSgcgenstand? DaS ist die seltsame Frage, über die sich die Herren Zollbeamten von Philadelphia zurzeit de» Kops zerbrechen. Denn vor einiger Zeit traf beim Zollamt eine Kiste ein, die an den Kapitän Mayer, Kommandanteil des deutschen Dampfers„Köln" gerichtet war und in der sich»ach der Aussage des Adressaten eine Urne befand, die die Aschenreste der Schwägerin des KapitänS Mayer birgt. Die Schwägerin war in Deutschland gestorben, die in Amerika lebenden Angehörigen hatten die Absicht, der Asche der Toten in einem amerikanischen Friedhof die letzte Ruhestätte zu bereiten. Aber das war, wie sich jetzt zeigt, leichter aedacht als getan. Die amerikanischen Zollbeamten, die in der Kunst der Zollschwierigkeiten Meister sind, waren zuerst rat- los. Dann aber erklarten fie entschlossen!.Wir können diesen Gegenstand nicht zollfrei ins Land lassen, denn er befindet sich nicht auf der Liste der Gegenstände, die Zollfreiheit ge- nießen." Schön, aber wie soll man die Asche verzollen? Und nun bcoannen die Beamten mit Eifer die sehr untfangreichen Tarif- beslimmungen zu durchstöbern. Unter welche Kategorie von Waren sollte man die Asche einer toten Schwägerin einrangieren? Ein chemisches Prodult? Irdische Ueberreste? Ein Düngemittel? Oder ein Kunstwerk und somit ein LuxuSgegenstaud? Der Kapitän behauptet. die Asche seiner Schwägerin sei ein LuxuSgcgenstand. sie sei ihm kostbar und man möge sie endlich verzollen. Aber Kunstwerke Millionen Tonnen im zweiten Quartal des Vorjahres). Nach der .Franks. Zeitung" betrugen die Ueberschüsse im zweiten Quartal bei den Werken Hibernia. � � i> Harpen...... Friedrich der Große. König Wilhelm... Mühlh. Bergwerksverein Königin Elisabeth.. Trappe......, Trier I und lH... Daraufhin konnten die Ausbeuten der GeWerke erheblich erhöht werden (z. B. bei Friedrich der Große von 400 auf S00 M.) und die Aktien gesellschaften rechnen mit größeren Dividenden. Nur von einer Er höhung der Arbeiterlöhne hört man nichts. Im Gegenteil, die beginnende Krise bekommen sie bereits durch Fördereinschränkungen zu genießen._ Sozialed. Zeit zum Aufsuchen von Arbeitsgelegenheit. Bei der Firma Pathe Freies sollte eine neue Arbeitsord- nung eingeführt werden, in der u. a. an Stelle der bisher üblichen 14tägigen Kündigungsfrist Kündigungsausschluß treten sollte. Darob herrschte große Aufregung beim Personal. Ein„Erlaß" der Direktion sorgte für„Ruhe". Wer nicht binnen zwei Tagen sein Einverständnis mit den neuen Bestimmikngen erklärt habe, habe sich als gekündigt zu betrachten. Der Photograph Fenies gab keine solche Erklärung ab und sah das Arbeitsverhältnis als ge- kündigt an. Er meinte jedoch nunmehr, ein Anrecht auf täglich zwei Stunden Urlaub zu haben, um sich anderweit nach Arbeit bemühen zu können. Zur Anfertigung einer Probearbeit benötigte er ein- mal auch einen vollen Tag und erbat von der Direktion entsprechend Urlaub. Dieser wurde ihm jedoch nicht gewährt. Trotzdem blieb er der Arbeit fern und ward nun sofort entlassen. Gestern klagte er vor dem Gewerbegericht auf Lohnentschädigung für 14 Tage. Er wurde mit dem Klageanspruch abgewiesen. Magistratsrat Schultz begründete das Urteil wie folgt: Es sei eine leider weit verbreitete irrige Rechtsaufsassung, daß ein Arbeiter in gekündigter Stellung Anspruch auf täglich zwei Stunden Urlaub habe.§ 629 des Bürgerlichen Gesetzbuches sage lediglich, daß auf Verlangen eine angemessene Ze,t zum Aufsuchen eines anderen Dienstverhältnisses zu gewähren se,. Tue das der Arbeitgeber nicht, könne er auf Schadenersatz verklagt werden. Eigenmächtig der Arbeit fern zu bleiben, sei aber ein unzulässiger Akt der Selbsthilfe, und deshalb der Klageanspruch abzuweisen. Die Begründung entspricht dem Gesetz. Wird Urlaub ver- weigert, so kann nur auf Erteilung von Urlaub geklagt, Urlaub ober nicht einseitig genommen werden. Eine Entschädigungsklage hätte dann Aussicht auf Erfolg, wenn Urlaub abgelehnt war. Eigenmächtiges Fernbleiben zerstört das Recht auf Schadenersatz, es sei denn, daß der außerordentlich schwierige Beweis gelingt, daß die eigenmächtig genommene Urlaubszeit eine angemessene war. Recht auf Beschäftigung. Ter Gasschleiser Hiller klagte gestern vor dem Gewerbegericht gegen die Aachener Spiegelmanufaltur, Hnh. Hellenthal, aus Lohn- cntschädigung für die Zeit, die er zu wenig beschäftigt wurde. Dem Kläger war mit 14tägiger Frist gekündigt worden. In der Woche darauf wurde die Arbeitszeit um täglich zwei Stunden verkürzt. Er forderte vergeblich vom Meister volle Beschäftigung. In der folgenden Woche wurde gar nur noch bis Mittag gearbeitet. Der Kläger wiederholte seine Forderung, voll beschäftigt zu werden. Wiederum erfolglos. Nunmehr klagte er. |.. Der Vertreter der Firma führt« aus: Die verkürzte Arbeits- ' zeit werde im Interesse der Arbeiter eingeführt, um nicht sogleich eine größere Anzahl aus das Pflaster zu werfen. Wenn der An- spruch des Klägers anerkannt wem, sehe er sich veranlaßt, nicht allein Kündigungsausschluß zu vereinbaren, sondern auch den bisher "gewährten achttägigen Urlaub den Arbeitern wieder zu entziehen! Die Forderung könne aber dem Kläger nicht zugesprochen werden, weil er eine Arbeitsordnung als bindend anerkannt habe, in der es heißt: die regelmäßige Arbeitszeit ist.. wenn nicht andere Abmachungen getroffen werden. Das Gericht unter Vorsitz des Magistratsrats Schultz entschied: Dem Kläger sind 21,60 M. zuzusprechen. Eine reguläre Arbeitszeit sei abgemacht. Während dieser Zeit habe der Kläger zur Verfügung gestanden und könne dafür seinen Lohn verlangen. Die ange- zogenc Bestimmung der Arbeitsordnung gibt dem Arbeitgeber nicht das Recht, derartige Verkürzungen vorzunehmen, die so große Schwankungen im Verdienst hervorrufen. Das Urteil entspricht durchaus dem Gesetz. Eigenartig berührt der Versuch des Firmenvertreters, durch seine Drohung eine andere Entscheidung herbeizuführen. werden nach ihrem Werte verzollt. Was soll nun geschehen? In ihrer Ratlosigkeit haben die sonst so findigen amerikanischen Zöllner den Fall nach Washington berichtet, die Bundesregierung möge ent- scheiden: dieweil die Asche der Schwägerin noch immer im Zollamt von Philadelphia lagert..._ Notizen. — I m Joseph-Kainz-Theater am Kleinen Wannsee werden am Sonntag und Mitllvoch als Volksvorstellungen nachmittags 3 Uhr die.Hans-Sachs-Spiele" und abend! 6 Uhr„Schnee- wiitchen" gegeben. Montag und Donnerstag, nachmittag-! 5'/3 Uhr, „Sappho". Dienstag„Iphigenie", Freitag„Des Meeres und der Liebe Wellen". — Der staatsgefährliche Henryk Sienkiewicz. In Schrimm hielt die Polizei in einer polnischen Buchhandlung eine Haussuchung ab und beschlagnahmte sämtliche Exemplare der Werke von Sienkiewicz. Einige Tage zuvor hatte die Polizei in Bromberg in gleicher Weise den Staat gerettet. Falls die beiden polnischen Buchhändler den gerichtlichen Beschwerdeweg betreten sollten, würde natürlich die Konfiskation vom Gericht rückgängig gemacht werden, denn die Werke von Sienkiewicz enthalten nicht das geringste, wogegen eine preußische Behörde einschreiten könnte. — Nansens neueste Expedition. Im Lanfe der nächsten Tage wird Nansen Christiania verlassen, um zu der norwegisch-sioirischen Handelsexpedition nach dem Jenisseifluße zu stoßen. In Tromsö wird er an Bord des Expeditionsschiffes gehen. lieber die Dauer der Expedition läßt sich nichts Bestimmtes sagen, da sie von den Eisverhältnissen abhängt. — Die Verdi-Feier in Rom. Der römische Magistrat will der Stadtgemeinde Rom bei den bevorstehenden Verdi-Feiern eine weitgehende Beteiligung sichern. Rom_ wird sich nicht mit der feierlichen Einweihung der schönen Verdi-Büste von Monteverde be- gnügen, die im November ihren Ehrenplatz auf dem Kapital ein- nehmen wird. Die Gemeinde hat die Gründung eines großen Verdi-Chors in Aussicht genommen, der sich der Pflege klassi scher italienischer Mufik widmen soll. Und um diesem Chor einen ständigen Zufluß gesangskundiger Teilnehmer zu sichern, wird die Stadtgemeinde Rom eine große G e s a n g s s ch u I e stiften, deren Ziel es ist, unter städtischer Subventionierung kostenlos Gesangs Unterricht zu erteilen und begabte Talente auszubilden. — Die Radium schätze des Schwarzwaldes. Im Granitgestein sind in bekannten Mengenverhältnissen Uranerze ent- halten, die das Ausgangsprodukt für die Radiumgewinnung bilden. Wenn man daher die Granitmenge eines Gebirge� kennt, kann man auch seinen Gehalt an radioaktiver Substanz beurteilen So hat neuerdings Prof. Engler-Karlsruhe den Radiumgehalt des Schwarz- waldeS geschätzt und ermittelt, daß ca. 20 000 Kt logramm Radium verborgen liegen! Leider aber fit der grozte Teil so unzugänglich, daß es für absehbare Zelt als ausgeschlossen gilt, diese kostbaren Schätze zu heben. Das Kuustproletariat auf den Bretter«. Wer nicht gerade zu den Sternen am Theaterhimmel gehört, ist im allgemeinen auf ein sehr bescheidenes Leben angewiesen, ein Leben, das gar oft mit dem Glanz und der Herrlichkeit auf den Brettern, die die Welt bedeuten— sollen, aufreizend kontrastiert. Es sind auch seit Jahrcn Bestrebungen im Gange, um den schlimmsten Mißständen im Theaterwesen, namentlich in der Entlohnung und der Sicherstellung der Gagen, engere Grenzen zu ziehen. Das Theater als kapitalistischer Geschäftsbetrieb wird allerdings ebenso wenig zu idealen Verhältnissen gelangen, als jedes andere aus die Erzielung von Profit eingestellte Unternehmen. Aber wenn selbst nur das durch Reformen erlangt werden soll, was in einem modernen Fabrik- betrieb, wo die Arbeiterorganisation bei der Festsetzung der Arbeits- bedinguiigcn ein Wörtchen mitspricht, schon als selbstverständlich gilt, dann machen die Bühnenangehörigen, wenigstens ein großer Teil von ihnen, schon einen tüchtigen Schritt vorwärts auf der sozialen Bahn. Wie jammervoll es vielfach mir der Entlohnung aussieht, das enthüllen statistische Erhebungen, die 2112 Bühnenangehörige umfassen und in einem Buche von Dr. Charlotte Engel- Reimers gut beleuchtet worden sind. Von den statistisch Erfaßten hatten ein: Saisoneinkommen Personen 56 von unter 394 376 348 220 121 93 122 98 III 55 45 22 13 14 8 16 über 400 bis 750. 1000. 1250„ 1500„ 1750, 2000. 2250. 3000„ 4000. 5000, 6000„ 7000„ 8000„ 9000, Monatseinkommen Demnach hatten von der Gesamtzahl 1730 gleich 82 Proz. ein Einkommen von 2500 M. und darunter, 1394 gleich 66 Proz. blieben sogar in den Grenzen bis 1500 M. Mt einem Monatseinkommen bis 200 M. mußten sich 1137 Personen, 5 4 Proz. aller Auskunft- gebenden, begnügen. Wie zu diesen Zahlen bemerkt wird, bezahlt man selbst an großen Theatenr für die Inhaber zweiter Fächer im Schauspiel nicht über 2000 M. Chorsänger mit täglicher Dienstzeit von 8—9 Stunden erlangen selbst an den„besten Theatern" im günstigsten Falle nur 1800 M. Ausgebildete Chortänzerinnen bringen es auf 1000 bis 1500 M.; für jedes Auftreten wird eine Extrabergütung von 1 bis M. bezahlt. An den kleinen und mittleren Theatern sind die Bezüge erheblich niedriger. Springen doch oft— bei täglichem Auf- treten— sage und schreibe 50 M. in einem Monat heraus. Dabei sind bedeutende berufliche Ausgaben erforderlich: Garderobe, Reisen, Strafen, Vermittelungsgebühren und was sonst noch drum und dran hängt. Den Mimen Pflicht die Nachwelt keine Kränze— daher dürfen sie als Zeitgenossen den Schmachtriemen sehr stramm anziehen. Zicgeleiarbciterelcnd. Vergeblich bemühen sich seit einigen Jahren unsere Organisati- onen auch die Ziegeleiarbeiter in größerer Zahl zu gewinnen. Viele der beschäftigten Arbeiter dieser Branche kümmern sich nicht um ihre Zukunft und ist williges Material der Unternehmer. Deshalb ist es doppelt interessant, aus Unternehmermunde selbst über die Lage der Ziegeleiarbeiter etwas zu hören, die auch erklärt, weshalb diese armen Arbeiter so schwer organisationsfähig sind. Vor uns liegt der Bericht der Ziegeleiberufsgenossenschaft pro 1912. Er besagt, daß in Deutschland im verflossenen Jahre 251387 Ziegeleiarbciter gegen 267 999 im Jahre 1911 beschäftigt waren. Die Zahl der Versicherten ist also um zirka 17 000 zurück- gegangen. Dieser Rückgang ist umso bemerkenswerter, nachdem man das Jahr 1912 als ein Jahr der Hochkonjunktur bezeichnet hatte. Auch die Zahl der vcrsiÄcrtcn Beiriebe ist von 10 767 auf 10 674 zurückgegangen. Tie Kleinbetriebe verschwinden immer mehr, nachdem die Maschine mehr in Anwendung kommt. Der Bericht klagt bitter über das Verhalten vieler Unternehmer, die im Berichtsjahre 14 684 M. an Beiträgen nicht gezahlt haben, so daß diese Summe als verloren eingetragen werden mußte. Der Be- richt zeigt, daß die Ziegeleibesitzer alles getan haben, was in ihren Kräften stand die Beiträge hereinzubringen. Es heißt darüber: „Leider mutzten wiederholt Anträge auf Verhaftung von Unter-� nehmern gestellt werden, um diese zur Klarlegung ihrer Vermögens-' Verhältnisse zu zwingen." In der„Nachtzeit" mußten laut Bericht sogar die Leute verhaftet werden, weil sie tagsüber nicht„anzu- treffen" waren. Viele Konkurse mutzten beantragt werden, um so eher zu den Beiträgen zu kommen. Kommt schon eine mächtige, juristisch beratene Berussgenossenschast unt_ fast 15 000 M. Beiträgen im Jahre, wie hoch mag wohl die Summe sein, die arme Ziegeleiarbeiter au sauer verdienten Arbeitslohn verloren haben? Der Durchschnittslohn eines versicherten Ziegeleiarbeiters stellte sich nach dem Bericht auf 823 M. pro Jahr. Gemeldet wurden 6726 Unfälle gegen 6799 im Vorjahre. Die höchste Unfallziffer hatte wieder der Montag mit 1192, die niedrigste der Sonnabend mit 1006. In 141 oder 9,28 Proz. der Fälle war der Tod die Unsallfolge, ein Zeichen für die fortschreitende Gefährlich- keit dieser Betriebsart. Von den Getöteten waren 4 unter 16 Jahren. Der Bericht sticht insofern wohltuend von anderen Berichten ab, als er bei der Statistik der Unfälle zugibt, daß die Mehrzahl derselben nicht durch die Schuld der Arbeiter entstanden ist. Auf „Ungeschicklichkeit" bucht man nur 194 Fälle, wahrend 959 Falle auf die„Gefährlichkeit des Betriebes" zurückgeführt werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Berufsgenossenschaften dursten die technischen Aussichtsbeamten ihre Erfahrungen veröffentlichen. Und das ist sehr richtig, zudem sie einen tiefen Einblick in die Verhält- nisse der Arbeiterschaft gewähren. Die Beamten berichten z. B. „Mit den Versicherten kamen die Aussichtsbeamten mehrfach in Berührung, insbesondere, wenn diese über den Hergang eines Unfalls Auskunft geben sollten. Bei den Vernehmungen versuchten die Verletzten stets, die eigene Schuld in Abrede zu stellen, da sie wohl der Meinung waren, ihnen würde die Rcntc entzogen, sobald ihnen ein Verstoß gegen bestehende Vorschriften nachgewiesen wer- den könnte. Wenn also Zeugen bei einem Unfall nicht zugegen ge- Wesen sind, ist es immer schwierig, den wahren Sachverhalt fest- zustellen. Beschwerden von Versicherten wurden bei den Revisionen nur wenige entgegengenommen. Sie erstreckten sich ohne Aus- nähme auf vermeintlich zu niedrige Renten und fanden ihre Cr- lcdigung dadurch, daß die Beschwerdesteller auf den vorgeschriebe- iie» kostenlosen Rechtsweg hingewiesen wurden. Ohne Namens- nennung liefen � im Genössenschaftsbureau wiederum zahlreiche Beschwerden von Arbeitern über angebliche Mißstände in den Be- trieben ein. Da sich jedoch herausgestellt hat, daß derartige Be- schlverden meistens unbegründet sind und von entlassenen Arbeitern herrühren, hat der Genossenschastsvorstand angeordnet, daß sie in Zukunft in der Regel nicht mehr beachtet werden sollen." Dabei müssen aber die Aussichtsbeamten selbst zugeben, daß 9140 Schutzvorrichtungen in den 1894 besichtigten Betrieben fehlten, auf jeden Betrieb„rund 7 fehlende Schutzvorrichtungen" kamen In größeren Betrieben sei es besser als in kleineren„und be- sonders solchen, die an einen Akkordmeister vergeben sind". In manchen Fällen sührte der Meister den Schlüssel zum Sprengstofss magazin, obschon nur der Unternehmer die Erlaubnis hatte. Jtt einem Falle hatte sogar 50 Kilogramm Donarit„im Kesselhaus hinter dem Dampfkessel" sich aufgefunden. Nur„schwere Strafen" wirkten auf Jahre hinaus und führt man einen Fall als Beispiel an, in welchem ein Ziegeleibesitzer und ein Ziegelmeister wegen fahrlässiger Tötung zu—„je 3 Tagen Gefängnis verurteilt wur- den, weil ein Arbeiter ihrer Tongrube infolge vorschriftswidrigen Abbaues verschüttet worden war". Diese„schwere Strafe" von 3 Tagen habe aber so gewirkt, daß jetzt Ordnung im Betriebe ist, die Schutzvorrichtungen sogar in italienischer Sprache ausgehängt sind und alle Arbeiter schriftlich erklärten, daß sie nur vorschrists- mäßig arbeiten. Verschiedene Unternehmer im Fürstentum Lippe wollten absolut nicht einsehen, daß das„Unterhöhlen von Ton- wänden gefährlich sei". „Eine Erklärung für diese gerade im Fürstentum Lippe mehr- fach angetroffene Anschauung ist wohl darin zu suchen, daß diese Unternehmer, die in ihrer Jugend vielfach auf Ziegeleien mit gearbeitet haben, sich ganz auf den Standpunkt der Versicherten stellen, deren Widerwille gegen Schutzvorkehrungen nichts Unge- wöhnliches ist. Um sie jedoch zur Befolgung der Unfallverhütungs- Vorschriften anzuhalten, hat der Genossenschastsvorstand sie zunächst mit einer geringen Strafe belegt. Ueber das Verhalten der Versicherten gegenüber der Unfall- Verhütung ist in diesen Berichten schon immer geklagt worden. Eine allgemeine Besserung ist bisher nicht eingetreten, und sie wird auch nicht zu erwarten sein, solange ungelernte, ständig wechselnde, oft ausländische und auf ciuer niedrigen Bildungsstufe stehende Ar» beiter in Ziegeleien beschäftigt werden. Ueberall da, wo ein stün- digcr Arbeiterstamm womöglich das ganze Jahr hindurch Beschäfti- gung findet, gewöhnen sich die Arbeiter mehr an die Benutzung von Schutzvorrichtungen." „Zum Teil trägt auch der häufige Arbeiterwechscl in Ziegeleien zur Bcrmchrung der Unfälle bei. Die neu eintretenden Arbeiter haben oft vorher nie ein Walzwerk gesehen und verunglücken an diesem, bevor sie sich der Gefahren bewußt werden. Dies ist häufig bei den kleinen Strangpressen mit Walzwerken in Brusthöhe der Fall, an denen sich immer wieder schwere Handverletzungen infolge unerlaubten Eingreisens mit den Händen ereignen. Wer die Ge- fahren eines Walzwerks kennt, wird sicher nicht mit den Händen zwischen die lausenden Walzen greifen. In manchen Fällen geben auch nur mangelhafte Schutzvor- richtungen den Anlaß zum Unfall. Es sei hier nur auf die zahl- reichen Unfälle an Zahnrädern und Transmissionen hingewiesen. Daß Unfälle aus Alkoholmißbrauch zurückzuführen waren, ist im Berichtsjahre nicht bekannt geworden, wenngleich zugegeben werden muß, daß hin und wieder, besonders an Montagen, ange- trunkene Arbeiter in den Betrieben angetroffen worden sind." Wie es in den Ziegeleibetrieben noch aussieht, dafür einige Proben aus dem Berichte selbst:� � „Ueber andere bei den Revisionen häufig beobachtete Mängel berichte» die Aussichtsbeamten mehrfach, daß die Wohn- und Schlafräume der Arbeiter recht mangelhaft waren. In Lippe wurde ein Arbeiterschlafraum angetroffen, in welchem der festgetretene Schmutz etwa 3 Zentimeter dick auf dem Mauersteinfußbodcn lag. Unter den Bettstellen wuchs zum Teil bereits MooS. An der Unter- elbe waren die Nnterkunftsräume für die Arbeiter vielfach Mangel- Haft. Es fehlten vor allem geeignete Behälter zum Aufbewahren der Eßwaren. In einer neuen Lippescheu Ziegelei war der aus wenigen Brettern zusammengenagelte Abort mitten im Trocken- schuppen in unmittelbarer Nähe der Arbeitsplätze angelegt worden. Jugendliche und weibliche Arbeiter wurden wiederum mehrfach an gefahrbringenden Maschinen und auch beim Abbau des Roh- Materials angetroffen. Ein 15jährigcr Junge mußte eine Lokomo- bilo heizen und bedienen, weil fei» Bater, der sonst den Posten ver- sah, erkrankt war. In den Kreisen Katiowitz und Tarnowitz wurden Mädchen zum Einschaufeln des Tones in den Kollergang verwendet und in Braunschweig wurden zwei 14jährige Arbeits- burschen beim Unterhöhlen einer 4 Meter hohen Sandwand be- troffen. Zahlreich werden Jugendliche immer noch an den 8le- volverpressen der Falzziegelfabriken beschäftigt, was in der außer- ordentlich hohe» Anzahl schwerer Handverletzungen im Berichts» jähre wiederum zutage tritt. Da es gegen diese Unfälle leider keine durchaus sicheren Schutzvorrichtungen gibt, wäre ein Verbot, jugendliche Arbeiter als Aufleger an Revolverpressen zu beschäf- tigen, dringend erforderlich. Im Entwurf der neuen Unfallver- hütungsvorschriften ist diese? Verbot vorgesehen." Kmklutten der Redafetion. E. St. 12. An das Königl. Polizeipräsidium, Berlin, Abteilung für Feuerwehr. Lindenstr. 41. Mindestmaß 1,65 Meter, nicht aber 26 Jahre, gute Zivil., Militär, und polizeiliche FührungSatteste. vorzüglich- Gesundheit. Baubandwerker, Metall-, Holz- oder Lederarbeiter oder Fahrer vom Sattel und Bock, werden bevorzugt.— Genosse 121. Fragen Sie an beim Bund für Mutterschutz. Berlin-WilmerSdors. Sigmaringenstr. 25.— I. H. 8. Die sicherste AuMunst erhalten Sie durch die Zentralkommisfion der Kranken- lassen, Berlin, Alexanderstr. 39140. Vor ähnlichen Kassen haben wir wieder- holt gewarnt.— I. R. 15. Hätten Sie vor EinWitt angefragt. Nein. — E. G. SO» äl. Z. 49 und P. I. 8. Zenwalslelle sür Auswanderer, Berlin, Karlsbad S/10.— tt. Schi. 1883. Beide Worte haben die gleiche Bedeutung.— B. 00. Fragen Sie bei der Erholungsstätte selbst an.— — W. W. 0. Vielleicht kann Ihnen der Arbeiter-Schwimmcrbund, Berlin-Tegel, Schlicpersw. R> Fall._•) Unterpegel. Moebel- Boebel Von der Reise zurück Dr. Wunsch, Schönhauser Allee 83. Allen Kollegen und Genossen zur Nachricht, haß ich das Lokal " Zur Morgen- Sonne" Engelnfer 1, übernommen habe. Hochachtungsvoll Max Hedmann. 1726b Sachse- Oper. Wallner Schiller- Theater 0. beater. 3 Uhr, zu ermäßigten Breijen: Martha. 8 Uhr: Monna Vanna. Deutsches Schauspielhaus 8 Uhr: Das Farmermädchen. Theater des Westens. 8 Uhr: Sylvester Schäffer. Ein angebrochener Abend. Das starke Stück. Sommerpreise! Kroll- Oper 8 Uhr: Mignon. Montag: Lohengrin. Voigt- Theater Badstraße 38. Sonntag, den 3. August 1913: Bum legten Male: Die schöne Melusine. Vollst. neue erstkl. Spezialitäten. Kaffenöffn. 10 Uhr. Anfang 4 Uhr. Boranzeige. Dienst., 5. 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Verband der freien Gast- u. Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Berlín. Dienstag, den 5. August, im Café Bellevue", ( Inh. Gustav Tempel), Stralau- Rummelsburg: Gr. Sommerfest verbunden mit Konzert, Gesang und Theatervorstellung Anfang 4 Uhr. Anfang 4 Uhr. Programme 50 Pfennig. Offene Kasse findet nicht statt. Die Kaffeeküche ist den geehrten Damen von 2 bis 7 Uhr geöffnet. Regen Besuch erwartet 32/2 992 1 Die Verwaltung. Berliner Kindl- Brauerei- Ausschank Hermannstr. 214/18 Neukölln Fernspr.: Neukölln 79. ** Oekonom: Robert Bergner. Morgen Montag: Großes Kinder- Feft verbunden mit Verlosung und allerhand KinderbelustiHauptgewinne: 1 Remontoiruhr mit Kette und Kaffeeküche von 3 Uhr an geöffnet, gungen. 1 Riesen- Kugelgelenkpuppe. Liter 80 Pf., 1 Liter 40 Pf. Anfang 4 Uhr. Entree 15 Pf. Lose und Stocklaterne gratis. Voranzeige: Freitag, den 8. Angust: Großes Schlachtenkonzert. Schwarzer Adler, Lichtenberg Frankfurter Chaussee 5, am Ringbahnhof Frankfurter Allee. 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Berliner Prater- Theater 7-9 Kastanien- Allee 7-9. Täglich: Das Bummelmädchen Gr. Ausstattungsp. in 4 Att. v. M. Hehe Musik von Hirsch und Schreyer. Erstklass. Spezialitäten, Konzert. Anfang 4, Uhr. Eintritt 35 Pf Jubiläums- Kunstausstellung 1913 Landes- Ausstellungs- Gebäude Schloß Weißensee Inh. E. Niemann. Heute Sonntag: Großes Elite- Konzert, ausgef. v. Radetzki- Orchester, Dir. Wilh. V. Leeb aus Wien. Außerdem: Großes Land- und Wasser- Feuerwerk. Zum Schluß: Die Beschießung von Adrianopel. Ferner: Gratis- Verlosung von 6 Goldd.- Damen- u. Herren- Rem.- Uhren( Schweizer Werk, 3 Kapseln), 1 gr. Freischwinger, 3 eleganten Operngläsern sowie vielen anderen Wertgegenständen. Im Bal- champêtre: Elite- Ball. H Anfang 4, Uhr. Neue Welt Arnold Scholz. Entree 20 Pf. Hasenheide 108/114. Heute Sonntag, den 3. August 1913: Großes Doppelkonzert und Vorstellung. Vollständig neues Programm. Anfang 4 Uhr. 8 Uhr: Filmzauber. ZOO LOGISCHER GARTEN Heute am 1. 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Wiederholt find deshalb Serien nicht immer auf die Güte der Löschvorrichtungen ankommen, in Höhe von je einer Million ohne Anzeigen hergestellt sondern fast noch mehr auf einen geeigneten Führer, der vom worden. Auch bei den Heftchen mit Anzeigen wird ein Teil Ober- Schöneweide. Am Dienstag, den 5. August, abends 8%, Uhr. Fach etwas versteht und seine Leute richtig dirigiert. Frei- der Herstellungskosten von der Reichspost getragen. Mazfindet im Lofale von Prochowski, Rathausstr. 10, eine Mitgliederlich gibt es auch noch freiwillige Feuerwehrkorps, die ganz gebend ist eben die große Bequemlichkeit der Einrichtung für bersammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Stel auf dem Niveau der Kriegervereine stehen und bei allen das Publikum. Für die Herstellung der Heffchen mußte die Tungnahme zum Parteitag. Referent: Genosse Grunow. patriotischen Gelegenheiten, wo es den Durst nach Freibier Reichsdruckerei eine befondere Abteilung einrichten. Die Adlershof. Die Wiedereröffnung der Bibliothek findet nicht am zu löschen gilt, mit die Ersten an der Sprize find, aber in Marken werden, natürlich in großen Bogen, auf einer beMontag, den 4. August, sondern Montag, den 11. August, statt. Feuersgefahr fich nach dem schönen Grundsatz betätigen: sonders dafür gebauten Rotationsmaschine, neuerdings zum Borfigwalde- Wittenau. Heute Sonntag, den 3. Auguſt, findet Heiliger Florian, verschon' mein Haus..., zünd' andere an! Teil zweifarbig, auf einem Blatt gedruckt. Die Blätter in Waidmannslust im Schweizerhaus" das diesjährige Sommerbergnügen des Wahlvereins Bezirk Borsigwalde- Wittenau statt. müssen in einzelne Teile geschnitten, das Papier und der Briz- Buckow. Am Mittwoch, den 6. August, abends 81 Uhr, Umschlag dazwischen gelegt, die Heftchen müssen geheftet, Mitgliederversammlung in Beders Gesellschaftshaus, Chausseestraße. 53 000 m. weniger als im Monat Juni 1912 find im ausgebunden und verpackt werden usw. Zur Erleichterung Tagesordnung: Anträge zur Kreisgeneralversammlung und Stellung- Juni d. J. von der Landesversicherungsanstalt Berlin an der Abrechnung werden je zehn Heftchen zu einem Bund verMarkenbeiträgen vereinnahmt worden. Daraus ergibt sich einigt. Wegen des Wertes müssen all diese Arbeiten unter zweifellos, daß die Geschäftslage in Berlin sich bedeutend genauer Kontrolle ausgeführt werden. verschlechtert haben muß. Statt 1 252 193 M., wie im Juni 1912 wurden 1913 nur 1 199 215 m. vereinnahmt. nahme zum Barteitag. Treptow- Baumschulenweg. Am Dienstag, den 5. August, abends 8 Uhr, im Lokal des Genossen F. Kubat, Restaurant zum Bartschloß, Am Treptower Part 66: Außerordentliche Generalversamm Lung. Tagesordnung: Der Jenaer Parteitag und der politische Zeichen der Krise. Cottbus, Kottbus, Kottbuß. Massenstreit. Anträge zum Parteitag. Vorschläge zur Delegierten er Verkehr auf der neuen Nordstrecke der Hochbahn. wärts" vom 30. Juli über Rottbus und Cottbus in Straßenwahl. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Reinickendorf- Oft. Die Bibliothet des Wahlvereins ist vom 4. August ab wieder an jedem Montag, abends von 7 bis 9 Uhr, geöffnet. Rege Benutzung empfiehlt Die Bezirksleitung. Berliner Nachrichten. Feuer auf dem Lande. Bei Die Wir erhalten folgende Buschrift: In der Notiz des Bor namen" wurde angeführt, daß, während Neukölln seinen Cottbuser Wie sehr die neue den Norden der Reichshauptstadt er- Damm mit C schreibe, Berlin dazu und auch für seine Cottbuser schließende Hochbahnstrecke dem Bedürfnis des weltstädtischen Ver- Straße und sein Cottbuser User bis jetzt das benutzt. fehrs entsprochen hat, zeigt die starke Inanspruchnahme der neuen Prüfung der verwendeten Straßenschilder ergibt sich ein Stationen durch das Publikum. Am 1. Juli wurde bekanntlich die sonderbares Bild. Schon früher war mir einmal aufgefallen, daß Ergänzungsstrecke vom Spittelmarkt bis zum Alexanderplaß er die Straßenschilder am Cottbuser Ufer nicht in gleicher RechtIch nahm mir nun die Mühe, diese öffnet, wozu vom Sonntag, den 27. Juli ab die Strecke vom Aler- schreibung angefertigt sind. Schilder jetzt einmal genau zu prüfen. Hier das Ergebnis. anderplatz bis Nordring kam. Es hat sich nun aus dem Hinzutritt Meine Forschung begann von der Hobrechtbride aus. der insgesamt sieben neuen Bahnhöfe im Monat Juli eine Ver- Straßenschilder an der Grünauer Straße stehen bereits im Widermehrung der Fahrgäste um 570 000 gegen den Juli 1912 ergeben spruch mit der angeblich bisher amtlichen Berliner Schreibweise und Eine Reihe glühend heißer Tage, wie sie uns befchieden und eine Mehreinnahme des letzten Juli gegen den vorjährigen zwar gleich in doppeltem. Das auf der öftlichen Straßenede lautet waren, erhöhen die Feuersgefahr auf dem platten Lande. von etwa 85 000 M. Die Zahl der Fahrgäste betrug nämlich im Rottbusser Ufer"( also mit st und Doppel- f), das auf der westlichen Auch aus der näheren Umgebung Berlins sind eine größere Juli 1912 4 106 000 und im Juli 1913 4 675 000; die Gesamtein-" Cottbuser Ufer" mit und einfachem. An der Lauſizer und Anzahl von Bränden gemeldet worden, die wohl in der Mehr- nahme aus dem Personenverkehr betrug in den beiden forrefpon- der Manteuffelstraße wiederholt sich das. Das Schild an der zahl auf Selbstentzündung und auf unvorsichtigkeiten durch dierenden Monaten rund 526 000 und 611 000 22. Am stärksten Mariannenstraße, an der Cottbuser Brücke, am Ende oder Anfang Ausflügler zurückgeführt werden müssen. Angesichts der in wurde bis jetzt von den neuen Haltestellen die Station Alexander- des Cottbuser Ufers zeigt wieder„ Cottbuser Ufer" reite es diesen Tagen erfolgten Eröffnung der Feuerwehrausstellung plak benust; es folgten die Bahnhöfe Nordring und Danziger mich, auch gleich noch die Schilder des Cottbuser Damm Die Berliner Seite gefällt sich aber in folgender Schreibzwar auch auf dem Lande in der Mart heute überall Feuer- Frühverkehrs, der bis 84 Uhr morgens die Zurücklegung von acht spielerei: an der Brücke vor dem Warenhaus Jandorf Stottbuser" wehrorganisationen beſtehen, aber vieles davon selbst in Teilstreden für 10 Pf. ermöglicht, von den Bewohnern der nörd-( mit und einem i), an der Boechstraße Kottbusser"( Sund nächster Nähe Berlins noch sehr in den Anfängen steckt. Wenn lichen Stadtteile besonders rege in Anspruch genommen wird. Doppel- f), jedoch nur in der Richtung nach der Brücke; nach der in einem Dorfe an der Berliner Weichbildgrenze, das keine entgegengesetzten Richtung Cottbuser"( C und einem 1), am HohenBerufsfeuerwehr besißt, Feuer ausbricht, so ist die Berliner staufenplatz wieder Rottbuser"( mit& und einem s) und an der Das Hauptpoftamt SW 68 in der Lindenstraße wird jetzt durch Feuerwehr, sobald sie alamiert wird, gelegentlich schon früher einen Anbau auf dem militärfistalijchen Grundſtüd in der Feil net Urbanstraße Kottbuffer"( mit& t und Doppel- f). an der Brandstätte gewesen als die Dorffprize. Die einzelnen traße nach erfolgtem Abbruch der ehemaligen Stallungen des tägt, daß alle nach öftlicher Richtung zeigenden Schilder( wenn auch) FeilnerWährend das Cottbuser Ufer wenigstens noch die Regel erkennen Feuerwehrbestimmungen nehmen sich auf dem Papier sehr 2. Gardedragoner Regiments erheblich bergrößert. Das auf derselben Straßenseite; an der Uferseite selbst sind keine an schön aus, aber sie verjagen häufig in der Praxis. Schon ehe Bostamt 68 ist erst vor einigen Jahren auf dem Grundstück des gebracht) mit und einem f, die nach westlicher Richtung mit K Alarm geblasen wird, vergeht viel kostbare Zeit. Infolge- ehemaligen unter dem Namen Vater Philipp" bekannten und Doppel- s geschrieben sind, offenbart der Cottbuser Damm das dessen brennen ländliche Gebäude meist bis auf die Grund- Arrestlokals der Berliner Garnison an der Ritterstraße erbaut regelloseste und bunteste Durcheinander, wie man es sich in den mayern nieder, und den Freiwilligen", die sich aus Ortsein. worden. Von dem alten Schinkelschen Backsteinbau steht jetzt nur drei Schreibarten lustiger taum vorstellen tann. Man meint, es wohnern zusammensetzen," fällt trotz der schönen Uniform mit noch ein Flügel an der Ede der Feilner- und Lindenstraße. Er habe hier ein schalthafter Spaßvogel dem Berliner Magistrat auf thren gewöhnlich recht simplen Löschapparaten in der Haupt- dient der Inspektion der Militärstrafanstalten und anderen Berber Nafe herumgetanzt. fache die Aufgabe zu, aufzuräumen und andere Gebäude zu angeblich Weffel bei der Errichtung des Verwaltungsgebäudes der Straßenschilder der Cottbuser Straße in Berlin nicht das in Berlin waltungen als Dienstgebäude. Dieser alte Schinkelsche Bau, der Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß auch die Schüßen. Namentlich in der Erntezeit sind die von den Landesversicherungsanftals Berlin als Vorbild gedient haben soll, bisher noch amtliche K, sondern das Neuköllner C tragen. Pferdebefizern abwechselnd zu stellenden Sprißenpferde und dürfte auch bald verschwinden und einem stillosen, unruhig wirkenden auch die Löschmannschaften draußen auf dem Felde, können und häßlichen Bau Platz machen. Bei dem Erweiterungsbau für ftreit ebenfalls mitbeteiligt sind, fann nicht wunternehmen. Daß die öffentlichen Verkehrsinstitute an dem Rechtschreibungt also nicht schnell genug zusammengebracht werden. Wenn das Bostamt wird bei den Ausschachtungsarbeiten der sogenannte führen z. B. die Sechier- Omnibusse und die Autobusse das K und endlich die Dorfsprize schlagfertig ist, gibt es kaum mehr Boden" nicht mehr in der üblichen Weise mit Fuhrwerken heraus- Doppel-, die Große Berliner Straßenbahn schreibt und einfaches etwas zu retten. Ueberhaupt diese Sprizen! Solche vorsint- geholt, sondern mittels Elektrizität. Die Pferdeschindereien haben, die Hochbahn wiederum& und Doppel- i Kottbusser Tor". OD flutlichen Monstra, wie sie in Leipzig ausgestellt sind, damit ihr Ende erreicht. Bemerkenswert ist noch, daß das un ba jede Verwaltung für ihren Teil wenigstens tonsequent ist, wie existieren auf dem Lande noch massenhaft. Ehe das Ding zu erbaut worden ist. Dieses Haus befindet sich im Privatbesig. Der lich ähnliche Sachen vorkommen werden wie beim Berliner Magistrat mittelbar angrenzende Gebäude Feilnerstraße i ebenfalls von Schinkel man es von Neukölln lobenswert sagen kann, oder ob da gelegent arbeiten anfängt, kann eine Stunde verstreichen. Herrscht plan, dort eine Straße durchzulegen, ist gescheitert. am Cottbuser Ufer und Cottbuser Damm, weiß ich nicht, denn ich dann noch Wassermangel, so zerschellt alle papierne Silfs- Plan, dort eine Straße durchzulegen, ist gescheitert. bereitschaft. Eine Gefahr bedeuten auch die noch recht vielen 14 Millionen Briefmarkenheftchen. Das Markenheft ist babe mir bei den genannten drei Instituten nur die Außenschilder Strohdächer in der Mark, die man selbst unweit von Berlin eine der zweckmäßigsten der zahlreichen neuen Einrichtungen angesehen, die mir bei meiner Wanderung gelegentlich zu Gesicht antrifft. Für die Umwandlung in massive Bedachung ge- der Reichspost. Es führt sich offenbar immer mehr ein, Im lamen." währt die Landfeuersozietät zwar Geldprämien, die aber so ganzen sind bis jetzt davon 14 Millionen Stück gedruckt. gering sind, daß sie wenig locken. Die von derselben Seite Nach Abzug des Vorrates bei den 15 000 Bostanstalten mögen Am Freitag standen vor dem Amtsgericht in Pankow wieder gezahlten niedrigen Prämien für Löschhilfe in benachbarten etwa 12 Millionen Stück abgesezt sein. Bei einem Werte von Termine gegen Zaubenfolonisten in Blankenburg an, die gegen StrafOrtschaften sind auch fein allzu großes Reizmittel. Auf dem 24 Millionen Mark sind dies nicht weniger als 360 Millionen mandate des Amtsvorstehers von Französisch- Buchholz wegen unLande kann jeder zur Löschhilfe gezwungen werden; wer sich einzelne Wertzeichen, ein recht beträchtlicher Teil des ge- berechtigter Anlegung von Feuerstätten Einspruch erhoben hatten. weigert, Wasser zu pumpen oder heranzutragen, kann be- famten Absages an Briefmarken. Im Jahre werden jest Das Gericht sprach die Laubenkolonisten acht an der Zahl frei straft werden. Es sei aber nicht verkannt, daß auch viele etwa 4 bis 5 Millionen Briefmarkenheftchen gebraucht. Es aus denselben Gründen, wie bereits vor acht Tagen in einem Falle freiwillige Feuerwehren auf dem Lande ehrgeizig sind und ist nicht immer möglich, die nötige Zahl von Anzeigen für geschehen ist, indem es Verjährung annahm. Berlin- Hamburg- Helgoland. Vom Lehrter Hauptbahnhof entführt der Sonderzug in knapp fünfstündiger Fahrt die Teilnehmer durch reiche Kiefern-, Eichenund Buchenwaldungen nach der alten Hafenstadt Hamburg. Am Ausgang der Riesenhalle des Hauptbahnhofs werden die Ankommenden zunächst von bestimmten Personen nach ihrem Hotel geführt, das ihnen als Logis empfohlen ist. Da die Hamburger Bolizeibehörde eine anfänglich für denselben Nachmittag geplante Wagenausfahrt durch Hamburg nicht genehmigt hat, wird den Anfömmlingen ein Besuch des Ohlsdorfer Friedhofes empfohlen, der durch seine prachtvollen gärtnerischen Anlagen eine Sehenswürdigfeit darstellt. Am nächsten Morgen geht, es, noch ehe sich unseren Freunden die Eigenart des vielgestaltigen Hamburger Lebens erwegung. Freigesprochene Laubenkolonisten. " Go -Nur noch kurze Zeit und die Silvana" passiert Curhaben. Ein Samariter ruft plötzlich mit lauter Stimme: Meine Herrschaften, in einer Stunde beginnt die Seekrankheit; wer noch keine Neben dem kulturellen Streben, die Lebenslage der Arbeiter Watte in den Ohren hat, stopfe fich solche sofort hinein. Alles Klasse zu heben, äußert sich in den Arbeiterorganisationen immer rennt zu dem Wohltäter, läßt sich Watt: geben und verstopft sich mehr der Drang, den Mitgliedern und sei es auch nur auf die Ohren. Da die vorherrschende Ruhe der See das Ausbrechen furze Zeit einen Einblick in die Schönheit und Mannigfaltig der Seekrankheit nicht befürchten läßt, so brauchten die vier an keit des Weltlebens zu gewähren. Und es liegt zweifellos ein Bord befindlichen Samariter zum Glück nicht anders in Wirksam erhebender, die Sache der Arbeiterklasse fördernder Sinn in diesem feit zu treten. In ruhiger Fahrt läßt das Schiff zur linken Seite Streben. Wer ständig in der Tretmühle der Arbeit steht, nie Curhaven mit seiner hohen Kugelbate liegen. Wir gelangen ins über die Grenzen seines täglichen Wirkungskreises hinauszublicken weit: Meer. Ein altes Väterchen aus der Hauptstadt des SchwabenGelegenheit findet, dem bleiben oft die bedeutsamsten Gebiete landes meint, es sei doch ein evhabener Anblick, das Auge über unseres reichen Kulturlebens verschlossen. Von dem Grundge- schließen soll, nach Helgoland. das Meer schweifen zu lassen und das Spiel der Wellen zu be banten ausgehend, daß es im Interesse der Arbeiterbewegung liegt, Gefühle froher und reicher Erwartungen beherrschen die Teil- obachten. Der alte Freund hat recht. Wer nie das Rauschen der auch Arbeiter einmal ein Stüd in die Welt zu führen, hatte die nehmerschaft. An der St. Pauli- Landungsbrüde liegt der Salon- Meereswellen gehört, nie gesehen hat, wie der Sturm dieselben Verisaltungsstelle Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes dampfer" Silvana" zur Aufnahme bereit. Hier treffen die Teil- bald zu weißen Kämmen kräuselt, bald Talsenkungen und Wasserbom 27. bis 30. Juli eine Sonderfahrt Hamburg- Helgoland bernehmer mit Organisationsgenossen aus Stuttgart zusammen, die berge bildet, der ist um eines der herrlichsten Naturschauspiele anstaltet. Drei Wochen vorher war dieser bereits eine gleiche Fahrt nach voraufgegangener Verständigung mit ihren Berliner Freunden gekommen. Trotz der auf Deck herrschenden Kälte halten die Teilvorangegangen. Für die Arrangeure dieser Sonderfahrt erwuchsen die Fahrt gemeinsam antreten. Im Nu ist der für 900 Personen nehmer, die sich nur in geringer Zahl mit warmer Kleidung vererhebliche Schwierigkeiten. Zunächst galt es ein Programm zu bestimmte Dampfer besetzt. Punft 7 Uhr läßt der Kapitän das sehen hatten, wacker aus, nur um sich den Genuß, ben ihnen die ſammenzustellen, das den Mitgliedern die Gewähr bot, für mög- Signal zur Abfahrt ertönen; langsam seßt sich das Schiff in Be- See bietet, nicht entgehen zu lassen. Bald taucht in weiter Ferne lichst geringe Opfer vieles zu sehen. Denn nicht nur um eine Am rechten Ufer liegt Altona, ihm folgen hinterein- der rote Felsen, das Ziel unserer Fahrt, aus dem Wasser hervor. Erholungsreise kann es sich bei einer dreitätigen Fahrt von Berlin ander Nienstedten, der berühmte herrliche Ausflugsort Blankenese, Noch eine Stunde und Helgoland, die sagenumwobene Insel, liegt über Hamburg- Helgoland und wieder zurück handeln, sondern Wittenbergen, Wedel- Schulau. nur darum, daß die Teilnehmer mannigfaltige Eindrüde anderer zeigt sich uns der Elbſtrom. Das Ufergelände zu beiden Seiten Jmmer majestätischer und breiter in ihrer Schönheit vor uns. and Kaum hat der Dampfer gehalten, so nähern sich auch schon ihnen völlig fremder Verhältnisse erhalten. Und diesen Zwed fann nur noch mit dem Fernglase erkenntlich gemacht werden. in schneller Reihenfolge die Helgoländer Boote, um die Ausschif haben die Veranstalter dieser Fahrt unter großer Mühewaltung Vor Brunsbüttel befindet sich die Einfahrt zum Kaiser- Wilhelm- fung und Ueberführung der Gäfte zu besorgen. Vor uns stehen Kanal, jene Wasserstraße, die die Nord- mit der Ostsee verbindet. in breiten Kähnen kräftige Männer mit sturmburchwetterten Der Preis für die Teilnahme an der Fahrt betrug pro Per Sinter Otterndorf bietet sich plößlich den Teilnehmern ein inter- Zügen, voll Mut und Entschlossenheit, die mit fühnem Griff die fon 30 M. Dafür wurde Bahnfahrt nach Hamburg und zurüd effantes Schauspiel. Das größte Schiff der Welt, der„ Imperator", Antömmlinge in die Boote befördern. In 15 bis 20 Minuten ist 3. Klaffe, für drei Tage Logis inkl. Frühstück in den bestrenom hebt sich mit seinen drei Riesenschornsteinen aus dem Gewässer das Werk des Uebersezens erledigt. Es ist zwei Uhr; nach dreimierten Samburger Hotels, die Besichtigung der interessantesten empor. Noch ist die Entfernung zwischen dem Passagierdampfer stündigem Aufenthalt soll die Rückreise erfolgen und so bleibt den Einrichtungen Hamburgs und die Fahrt nach Helgoland gewährt." Silvana" und dem Ozeantoloß eine zu große, um das gewaltige Teilnehmern nur eine furze Zeit, um Land und Leute dieser zirka Wohl wußte die Organisationsleitung, daß es selbst bei so niedrig Bauwerk der modernen Schiffstechnit in seiner ganzen Erhaben- 2300 Einwohner zählenden Insel kennen zu lernen. Wir betreten bemessener Summe und ſei es auch auf dem Wege der wöchent- heit würdigen zu können, doch die Größenverhältnisse der vor die 370 Fuß ins Meer hinausreichende Landungsbrüde, um uns lichen Spareinlage möglich sein werde, die Mittel für diese Reise aufzubringen, doch kennen, daß es sich um einen Schiffstyp von außerordentlichen zu begeben. nur einem geringen Teil der Mitglieder dem Imperator" liegenden Dampfer zu jenem Koloß lassen er fie rechnete damit, daß für spätere Beranstaltungen ähnlicher Art Dimensionen handelt. 妆 eine zweite bequemere Verbindung mittels Fahrstuhl zwischen in den Arbeiterkreisen das Interesse immer mehr gewedt werde. Ein Mann, der auf dem Imperator" mit dem Buben einer dem Unter- und Oberland zur Verfügung steht. Auf dem Felsen Zudem wird die Frage der Gewährung von Arbeiterferien Fensterscheibe beschäftigt ist, schwenkt, als er die Reisegesellschaft angelangt gewahren wir aus einer Höhe von 40 bis 50 Meter durch das wachsende Interesse an der Teilnahme solcher Beran- bemerkt, mit ausgeftredtem Arm freisförmig seinen Buzlappen, einen freien Ausblick über das Meer. Wie sputen uns, den oberen ftaltungen immer brennender. Die Soloschreiber der agrarischen er erscheint auf diesem Schiff wie eine kleine Puppe. Ein anderer Teil der Insel zu umgehen, dessen Umfang sich auf zirka 3000 und der tapitalistischen Presse mögen in dem heißen Verlangen ist auf der zu einem Schornstein führenden Leiter beschäftigt. Man Meter beläuft. Im Osten der Insel, zirka 1½ Kilometer entfernt, ber Arbeiterklasse, alljährlich auf kurze Zeit einmal auszuspannen würde den tätigen Menschen für einen dunklen Fleck auf der liegt die langgestreckte Düne, die durch weit in die See hinausaus der täglichen Fron, ein Symptom für die Begehrlichkeit der hellen Farbe des Schornsteins halten, wenn seine Bewegungen nicht gebauie Buhnen geschützt ist. Sie ist gewissermaßen der LebensArbeiter erbliden. Doch seitdem die Arbeiterklasse sich bewußt ge das Vorhandensein eines lebenden Wesens vermuten ließen. Einen Tag nerv des Seebadeortes, denn auf ihr befindet sich der steinfreic, worden, daß fie der alle Stultur erzeugende Fattor ist, hat sie auf- später wäre die Reisegesellschaft um den Genuß gekommen, dieſes feste, nur allmählich abfallende Badestrand. Im Gegensatz au gehört, solchen Einwänden noch eine ernste Bedeutung beizumessen. Schiff in Augenschein zu nehmen, denn es nahm gerade Kohlen der weißen Düne steht der rote Fels mit seiner grünen Decke. auf, um am nächsten Tage die Reise über den Ozean anzutreten. So lautet es denn auch unter dem Wappen Helgolands: " zunächst nach der das Unter- und Oberland verbindenden Treppe Wir steigen etwa 180 Stufen empor, obwohl uns A Ein Notschrei der Jungbierfahrer! von Jungbierfahrern wird uns geschrieben: Um existenzfähig zu bleiben, waren wir gezwungen, das von den Jungbierbrauereien gelieferte, ftar! gesüßte Braunbier(mit Saecharin) dem Publikum zu'empfehlen. Stachdem dann aber die Aufsichtsbehörde dazu überging, den Zusatz von Saccharin als un- gesetzlich zu bezeichnen und die Fahrer mit hohen Strafen zu be- legen, begann für diese eine wahre Leidenszeit. Ohne den üblichen Zusatz ist das Bier nicht so schmackhaft, weshalb es zu verstehen ist. daß trotz des Verbotes weiter gesiW wurde. Allerdings wurde dies nicht von allen Kutschern geübt. Dadurch, daß nun eine An- zahl Fahrer Bitterbier, die anderen aber immer noch Sützbier ver- kaufen, spielten sich Vorkommnisse ab, die als höchst unangenehn, be> zeichnet werden müssen. Um diese Zustände zu beseitigen, wenden wir uns an die Ar beiterkundschaft mit der Bitte, in Zukunft kein Bier mit Saccharin� zusatz mehr zu kaufen, sondern ein stärker eingebrautes Braunbier zu verlangen. Die Brauereien haben durch ein Flugblatt an die Kundschaft bereits ihre Zustimmung zu dieser Maßnahme gegeben. Bedauerlicherweise muß jedoch festgestellt werden, daß leider ein Teil der Unternehmer ihr Versprechen bis jetzt nicht ein-- gelöst hat. Aus diesem Grunde bitten wir alle Arbeiterfrauen, Bier mit Saccharinzusatz zurückzuweisen, um dadurch den gesetzlichen Be- stimmungen zu entsprechen und die Vierfahrcr zu unterstützen. Zu einem verhängnisvollen Zusammenstoß zwischen einem Geschäftswagen und einem Straßenbahnwagen kam es am gestrigen Sonnabend nachmittag gegen �4 Uhr in der Gertraudtenstraße. Die Pferde eines Geschäftswagens der Firma I. E. Degner, Ger- traudtenstraße 13/14, hatten, während der Kutscher in den Ver- kaufSräumen der Firma weilte, bor einem vorübersausenden Auto- mobil gescheut und rasten die Gertraudtenstraße in der Richtung nach dem Spittelmarkt entlang. An der Gertraudtenbrücke wurde der Wagen mit großer Gewalt gegen den Hinterperron eines nach Neukölln fahrenden Straßenbahnwagens der Linie 48 geschleudert. Infolge des wuchtigen Anpralles wurden zwei auf dem Perron stehende Schüler zu Boden geworfen und verletzt: der 12jährige Max JablonSki aus der Gertraudtenstraße 16 erlitt eine klaffende Kopfwunde und eine Gehirnerschütterung, der gleichaltrige Fritz Klose aus der Kronprinzenstraße 34 in Lichtenberg eine Verletzung am Oberkiefer. Beide Verunglückte erhielten auf der Unfallstation am Spittelmarkt Notverbände. Während K. nach der Wohnung gebracht werden konnte, muhte I. nach dem Krankenhause Friedrichs- Hain geschafft werden. An dem Bahnwagen wurden die Perron- stützen zerbrochen, der andere Wagen wurde erheblich beschädigt. Die scheu gewordenen Tiere konnten nach dem Zusammenstoß an- gehalten werden. Der beraubte Kassenbote. Das Opfer einer internationalen Gesellschaft von Taschen- dieben scheint tatsächlich der Kafsenbote Ristow der Firma Fisch- bein u. Mendel in der Lindenstraße geworden zu sein, der, wie wir mitteilten, um 22 060 M. bestohlen wurde. Die weiteren Ermittc- lungen der Kriminalpolizei haben ergeben, daß Zweifel an der Darstellung des Kassenboten doch wohl ausgeschlossen sind. Man muß annehmen, daß er das Opfer von Taschendieben ge- worden ist. Wahrscheinlich haben diese Diebe oder einer von ihnen daS Publikum auf der Deutschen Bank beobachtet und dabei währ- genommen, daß dieser Bote eine große Summe abhob und in seine Brieftasche steckte. Der Beobachter sah dann auch wohl, daß der Bote die gefüllte Brieftasche in die Innentasche seines Lüsterjackeits schob. Ohne diese Wahrnehmung hätten sie sicher bei diesem ein- fachen und unscheinbaren Manne eine so große Summe nicht ver- mutet. Zu der Fahrt von der Deutschen Bank in der Mauerstraßc nach der Reichsbank in der Jägerstrahc benutzte der Bote einen Anhängewagen der Straßenbahnlinie 66, auf dessen Hintere Platt- form er sich stellte. Unmittelbar nach ihm stiegen noch drei oder vier Männer auf den Hinterperron desselben Wagen. Durch ihr Einsteigen entstand ein großes Gedränge, das ohne Zweifel künst- lich von ihnen hervorgerufen und während dessen der Bote bestohlen wurde. Einer der Diebe, die in den Fahrgästen vermutet werden, hat sich dann wohl an Ristow herangemacht, ihm unter das Jackett gefaßt und mit einem scharfen Instrument von innen das Jackett an der Tasche, etwas über dem unteren Ansatz, aufgeschnitten. Der Riß ist lang genug, um die Brieftasche, wenn sie nur etwas gebogen wurde, herauszunehmen. ES liegt nun viel daran, daß Leute, die vorgestern zwischen 11?L und 12 Uhr denselben Wagen der Linie 66 benutzt und verdächtige Personen wahrgenommen haben, sich im Zimmer 16 des Polizeipräsidiums melden. Auf die Wiederherbei- schaffung des Geldes hak die geschädigke Firma eine Belohnung von 3000 M. ausgesetzt. ES sei noch darauf hingewiesen, daß sich in der Brieftasche außer dem Gelde, 22 Tausendmarkschcinen, noch eine Quittung über 6500 M., die von der Deutschen Bank für Rechnung der Bergisch-Märkischcn Bank ausgestellt ist, sowie ein Notizbuch und zwei Achtellose der Preutzisch-Süddeutschcn Klassen» lotterie mit den Nummern 145 463 und 70 373 befanden. Ristow, ein völlig zuverlässiger Mann, versieht das Amt als Kassenbote jetzt schon insgesamt 36 Jahre, davon, wie wir berichteten, allein 15 bei der Firma Fischbein u. Mendel. Im Pötzer Vordersee ertrunken ist, wie wir bereits gestern meldeten, am Donnerstag der im Ge- nesungsheim Groß-Besten zur Erholung weilende Kaufmann Windstedt, Winterfeldtstraße zu Schöneberg wohnhaft. Von einem Augenzeugen des Vorfalles erhalten wir eine Schilderung, die er- kennen läßt, daß es an dem See, der von vielen Berliner Sommer- gästen und Ausflüglern als Freibad benutzt wird, an den nötigen Rettungsmitteln für Ertrinkende mangelt. Windtstedt versank gegen M2 Uhr vor den Augen eines etwa einen Meter entfernt Badenden in einer Untiefe, der ihm jedoch keine Hilfe leisten konnte, weil keine Rettungsgegenstände zur Hand waren. Der be- nachrichtigte Gemeindevorsteher von Pätz erschien nach etwa einer Stunde an der Unglücksstelle und erklärte, daß der See der Hof- kammerkasse unterstellt sei, im übrigen sei die Oberförsterei Königs-Wusterhausen die zuständige Stelle. Nach einer weiteren Stunde erschien auch der Förster, der in Gemeinschaft mit dem Gemeindevorsteher vergeblich die Bergungsarbeit der Leiche vor- nahm. Wie der Augenzeuge weiter mitteilt, waren seine Be- mühungen, telephonischen Anschluß an die Leitung des Genesungs- Heims zu erlangen, vergebens, weil die zuständige Poststation ihr Bureau von 12— 35-4 Uhr geschlossen hält. Unter allen Umständen sollten Vorkehrungen getroffen werden, die eine schnellere Rettung Ertrinkender gewährleisten. Ein energischcr Lehrhcrr scheint der Bäckermeister Alfred Tacke zusein, der im Hause Oranienstr aß e 110/111 seine Bäckerei betreibt. Kürzlich gab er auf offener Straße den Bewohnern der Nachbarhäuser und den Passanten eine Gelegenheit, ihn in seiner Lchrhcrrnrolle gegenüber einem seiner Lehrlinge zu beobachten. Am frühen Morgen hörte man aus seinem Laden ein lärmendes Schellen, dann stürmte plötzlich ein kleiner, noch junger Lehrling aus der Tür heraus auf die Straße, gefolgt von dem Meister, der schimpfend ihm »achlief. In der Mitte des Dammes erwischte Meisler Tacke den Kleinen, und indem er mit kräftigem Griff ihn im Genick packte, transportierte er ihn in stürmischem Tempo zurück in das HauS. Personen, die Zeugen dieses Austrittes waren, drückten in erregten Worten ihren Unwillen aus. Was mag der Lehrling begangen haben, daß er seinen Lehrherrn in so heftigen Zorn versetzte und schließlich auf die Straße floh. Man sagt uns übrigens, daß dem Meister Tacke schon Lehrlinge ganz weggelaufen seien. Ein schwerer Straßcnbahniiufall hat sich am Freitagnachmittag gegen i/zö Uhr in der Königgrätzer Straße ereignet. In der Nähe des Potsdamer Bahnhofs versuchte der Kutscher des� Bierwagens Nr. 25 der Habel-Brauerei zwischen einem hallenden Straßenbahn- wagen der Linie 1 und einem anderen Fuhrwerk hindurchzufahren. Dabei stieß der Brauerwagen gegen die rechte Seitenwand des Bahnwagcns und riß den Kaufmann Kurt Schröder, der im Begriff war, den Motorwagen zu besteigen, um. Sch. geriet unter den Bierwagen und wurde überfahren. Er erlitt schwere Quetschungen an beiden Unterschenkeln und mußte, nachdem ihm aus der nächsten Unfallstation Notverbände angelegt worden waren, nach dem Rudolf- Virchow-Krankenhause geschafft werden. Tie Arbciter-Baugcnosscnschaft„Paradies" zu Berlin hielt am 23. Juli im Gewerkschaftshausc ihre 11. ordentliche General- Versammlung ab. Das verflossene Geschäftsjahr war ein günstiges und arbeitsreiches. Nachdem im vorigen Jahre zwei große Eck- Häuser, in Bohnsdorf bei Grünau, mit 45 Wohnungen fertiggestellt worden waren, ging es in diesem Jahre an den Bau der lang ersehnten Einfamilienhäuser. Die Bautätigkeit ist in vollem Gange. Es werden 65 Wohnungen, eingeteilt in sechs Gruppen, hergestellt werlden. Die Lage sämtlicher Häuser ist in der Front nach Osten gerichtet, so daß jede Wohnung vor- und nachmittags von der Sonn? durchflutet wird. Der Abstand von einer Gruppe zur an- deren beträgt 23 Meter. Dazwischen liegen die Gärten, 100 Qua- dratmeter zu jeder Wohnung. Die Vorarbeiten zu diesen Bauten waren sehr langwierig und für die Genossenschaft mit Sorgen verbunden. Hatten doch einige Bauern Protest gegen die weitere Ansiedelung eingelegt, mit der Begründung, daß ihre Felder durch größeren Zuzug von Kindern Schaden erleiden. Nachdem dieses Hindernis beseitigt war, forderte die Gemeinde 20 000 M?. und ein etwa.2� Morgen großes Schulgrundstück möglichst umsonst. Bor dem Kreisausschuß kam dann eine Einigung zustande dahin« gehend, daß die Genossenschaft der Gemeinde ein 3 Morgen großes Grundstück für Schul- und Spielzwecke kostenlos überläßt. Dafür soll die Genossenschaft jetzt und auch bei späteren Ansiedelungen von weiteren Barzahlungen verschont bleiben. Tie Kosten des Einsamilienhausprojektes betragen 400 000 Mk. Die Genossenschast schließt das Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 15 000 Mk. ab. Die ganze Siedelung wird durch eigenes Wasserwerk gespeist. Die Abwässer werden durch eigene biologische Kläranlagen beseitigt. Straße, Be- und Entwässerung haben einen Wert von rund 50 000 Mk. Etwa 80 Morgen Land steht der Genossenschaft zu Bebauungszwccken noch zur Verfügung. DaS Vertrauen der Mitglieder zur Genossenschaft drückt sich aus durch Einzahlungen auf Geschäftsanteile, Pflichtspareinlagen, Sparfonds und Darlehen in Höhe von 194 552,76 Mk. Die Reserven, Hilfs« reserven und Rücklagen betragen 61 335 Mk. Mit 30 870 Mk. steht ein Erneuerungs- und Wohlfahrtskonto zu Buch. Die Genossen- schaft hat bis jetzt Häuser im Werte von 475 000 Mk. errichtet. Dazu kommen 400 000 M. für die im Bau befindlichen Häuser. An der Finanzierung haben sich außer den Mitgliedern einige Ge- werkschasten, Krankenkassen, sowie eine andere bekannte Arbeiter- korporation in dankenswerter Weise beteiligt. Für die liebe Ju- gend hat die Genossenschaft einen 3 Morgen großen Spielplatz ein- gerichtet und mit Spielgeräten beschickt. In der Diskussion sprach sich die Generalversammlung befriedigend über die stete Fortent- Wickelung der Genossenschaft aus und war mit dem Vorschlage der Verwaltung einverstanden, in Zukunft die Geschäftsanteile zu er- höhen. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. Der Ge- nossenschaft gehörten am Schluß des Geschäftsjahres 616 Genossen an; eine kleine Zahl gegenüber der großen Masse der in stickiger Großstadtluft lebender Arbeiter. Ei» Bote hat auf dem Wege vom Kurfürstendamm zur Pots- damer Straße eine kleine Rolle mit einer farbigen Lithographie (Bild aus den Freiheitskriegen) verloren, für deren Ersatz er auf- kommen müßte. Der Finder wird gebelen, das für ihn wertlose Blatt bei Kluge u. Morgenstern, Johanniterstr. 9, abzugeben. Vorort- I�admcbten« Neukölln. Aus dem Magistrat. An dem vom 18. bis 20. September 1913 in Leipzig stattfindenden Verbandstage deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichte soll der Vorsitzende des Gewerbe- und Kauf- mannsgerichtS sowie je ein Arbeitgeber- und ein Arbeilnehmerbeffitzer des Gewerbe- und des Kaufmannsgerichts teilnehmen.— Für Zwecke der ersten Säuglingsfürsorgestelle sollen die Parterreräumlichkeilen, bestehend aus 2 Läden, 2 Stuben und 2 Küchen des HauieS Stein» metzstr. 97 vom 1. Oktober 1913 ab zur Verfügung gestellt werden. — Der Magistrat erklärt sich mit dem Einbau einer Motorpumpe zur Speisung des Reuterbrunnens� einverstanden und genehmigt, daß die erforderlichen Mittel in dem Stadthaushaltsvoranschlag für 1914 in Höhe von 2000 M. bereitgestellt werden.— Der Aufhöhung des Jndustriegeländes am Oberhafen und des Geländes im Gleisdreieck durch Ausspülen von sandigen Massen aus dem Schiffahrtskanal wird zugestimmt.— Dem Entwurf für den einstweiligen Ausbau der Hafenzufahrtsicaße zwischen Grenzallee und Verlängerte Lahn- straße wird zugestimmt. Mit dem Bau soll sofort begonnen werden. — Der Entwurf für die Spülleitung zwischen Ober- und Unterhafen wird genehmigt. Reinickendorf. Ueber völligen Mangel an erster Hilfe in der hiesigen Gemeinde wird von einem Leier unseres Blattes Klage geführt. Am Freilag, den 1. August, vormittags 11 Uhr, verunglückte ein Arbeiter der Firma Argus, indem derselbe sich einen Finger der rechten Hand erheblich verletzte. Der Verunglückte ging in Begleitung eine» Arbeitskollegen nach dem in der Hauptstraße, in der Nähe des Rat- Hauses gelegenen Lokal für erste Hilfe, sie fanden dasselbe jedoch verschlossen. Hierauf begaben sich beide nach dem Rathauie, dort wurde ihnen gesagt, daß für erste Hilfe nur Sonntags geöffnet sei und zwar zu dem Zweck, Personen, welche auf dem nahegelegenen Sportplatz verunglückten, Hilfe angedeihen zu lassen. Im Kranken- Hause, wohin sich der Verletzte begab, wurde auf Bitten ein Arzt gerufen, der den Hilfesuchenden verband. Die Schilderung entbehrt insofern nicht eines besonderen Jnter- esse», als nach der Auskunft, die dem Hilfesuchenden auf dem Rat- hause gegeben wurde, die Hilfswache wohl einer Handvoll Sportleuten zur Verfügung steht, nickt aber den Hunderten hauptsächlich in der Eiienbranche beschäftigten Arbeitern. Es scheint, als ob die Gemeinde Reinickendorf wohl für andere weit weniger nötige Ein- richttmgcn Mittel übrig hat, als für die ständige Unterhaltung einer Sanitätswache. Lchöneverg. Sein Mandat niedergelegt hat infolge Verzuges nach Ehar- lottenburg der Schönebcrger Stadtverordnete Dr. Heinrich Rohe. Grün ist das Land, Rot ist die Kant, Weiß ist der Sand, DaS sind die Farben von Helgoland. Das erste Gebäude, das in der Nähe der Nordspitze, recht? vom Wege unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt, ist die Nebel- signalstation. Sie hat den Zweck, bei Nebel den vorbeipassieren- den Schiffen die Anwesenheit Helgolands durch Knallraketen zu signalisieren. An der linken Seite bemerken wir unter dem Namen„Sonnenuntergang" einen der Helgoländer Tanzsalons. In der Nähe desselben liegt das Armenhaus,«der lange Jammer" genannt. Zu den HauptsehenSwürdigleiten des Oberlandes ge- hört der neue Leuchtturm. Der alt« Leuchtturm wird jetzt nur noch als Signalstation für passierende Schiffe und zur Messung der Windstärke benutzt. In Eile streben wir weiter dem Unterland zu. um hier die Hauptsehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen. Wir be- sichtigen das KonversationShaus, die Bindsadenallee mit ihren prächtig entwickelten Ulmen, die Leihbibliothek und das Theater. Am Schluß de? Rundganges drängt eS uns noch einen Einblick in das neue Aouarium zu tun. An der Nordseite des Gebäudes ist der Goethesche Spruch vermerkt, der die Eigenart des helgo- ländischen Erwerbslebens sowie die tiefe Liebe des Helgoländers zu dem ihm umgebenden Meere charakterisiert: Alles ist aus dem Wasser entsprungen, AlleS wird durch das Wasser erhalten, Ozean, gönne uns dein ewiges Walten? Die Zeit unseres Aufenthalts verstreicht, noch ehe wir uns ein- gehend über all das Wissenswerte der Insel orientieren sowie die Eigenarten der Bewohner aus persönlicher Anschauung studieren können. Wir gehen am KurhauS vorbei, in dem eine Kapelle allen Kurgästen die Langeweile vertreibt, dicwcil 700 bildungshungrigc Menschen sich knapp Zeit lassen können, aus einigen Karten ihrer Angehörigen zu gedenken, geschweige in Ruhe die nötige Nahrung einzunehmen. � Das Signal des Dampfers ertönt, und schon stehen die Fahr- böte bereit, um uns hinüberzubefördern. Wieder ergreifen kernige Männer unsere Hände, wir springen mit sicherem Satz ins Boot. Die kurze Zeit der Ueberfahrt benutzen wir, um wnen kräftigen Männern ins Antlitz zu schauen. Wir finden, daß das, was vor Jahren ein Vortragender im wissenschaftlichen Theater der „Urania" in seinem Vortrage über„Helgoland im Wech,el der Zeit" von den Charaktereigenschaften des Helgolanders ,agte. der Wahrheit entspricht. Tiefer Friede liegt w den Zügen �e, er �e- bräunten Gestalten und d,eier Friede sowie die Seelenruhe scheint sich nur dann in tollkühne Auftegung zu verwandeln, wenn Men- schenleben in Gefahr sind und wenn eS gilt, d'ese aus den Fluten des Meere» zu retten.=5 ES ist 5,30 Uhr. Unser Schiff tritt die Heimreise an, die sich in 6s4stündigcr Fahrt glücklich vollzieht.— Die verbleibenden anderhalb Tage find dazu berechnet, die Hamburger Sehenswürdigkeiten zu beaugenscheinigen� Zunächst wird eine Besichtigung des Hagenbeckschen Tierparks in Stellingen vor- genommen. Das Bemerkenswerteste an diesem Park ist, daß dem Besucher verschiedene Tiergattungen in ihren Lebensgcwohnheiten an hohen Felsanlagen, die durch Gräben von dem Publikum ge- trennt sind, gezeigt werden. Damit die Teilnehmer von den bedeutendsten Anlagen und Ge- bäuden Hamburgs ein zusammenhängendes und lückenloses Ge- mälde erhalten sollten, hatte die Leitung der Fahrt mit der Firma Bangert ein Abkommen für eine Rundfahrt mittels Gesellschafts- wagen getroffen. An diese schloß sich eine Rundfahrt aus der Alfter vom Jungfcrnstieg nach Uhlenhorst. Das größte Interesse erweckte bei den Teilnehmern die von der gleichen Firma ausgeführte Hafenrundfahrt am letzten Tage. In den Hamburger Hafenanlagen gewahrt der Fremde ge- wissermaßen den Pulsschlag des gewaltigen überseeischen Weltver. kehrs. Die kapitalistische Entwickelung zeigt sich hier in cbrer Ion. zentrierten Form. Und was Marx und Engels bereits vor über sechs Jahrzehnten im„Kommunistischen Manifest" zum Ausdruck bringen, nämlich, daß die Bourgeoisie durch ihre Ervlottatcon des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmo- politisch gestaltet hat, tritt in diesen Hafenanlagen sinnensallig in die Erscheinung. Wir ziehen an den zahlreichen W�enspecchcrn vorüber, die für viele Millionen Waren aufnehmen. Wir erblicken die Passagierhallen der Hamburg-Amerika-Linie, dahinter die großen Gasometer der Hamburger Gaswerke. Die Flotte der Deutsch- Ostafrika- und der Woermann-Linie nach Westafrika liegt dem Petcrsen-Quai gegenüber. Im Segelschiffhafen bietet sich unS ein interessantes Bild. Eine Vicrmasterbark liegt vor Anker, deren abgebrochene Masten erkennen lassen, daß das Schiff einen schweren Sturm durchgemacht hat. Die Bremer Hansa-Linie mit ihren zahl- reichen Seedampfern in der Hambnrg-Ostindienfahrt rnmmt fast die aanzc linke Seite des Segelschiffhafens, den Aslakai, ein. Die Kaffceladungen. welche die Schiffe der Hamburg-�udamerikanischen Dampfschiffahrtsgesellschaft von Brasilien bringen, werden im Hansa-Hascn gelöscht. Der Petroleumhafen nimmt nur Schiffe mit feuergefährlicher Ladung auf. Eiserne Tore verschließen bei aus. brechendem Feuer die Einfahrt. Die Inseln Grasbrook und Stein- wärder sind mit Schiffswerften besetzt. Wir fahren an den be- deutendsten derselben, der Reiherstieg-Schiffswerft, Blohm u. Boß mit 6000 Arbeitern und der Filiale des Stettiner Vulkan vorbei. Por den Werften erblicken wir die Schwimmdock? mit den Ozean- riefen in ihrer gigantischen Größe. Die streitenden Werstarbeiter haben die Riesenbetriebe lahmgelegt, und diese Ruhe erhebt unseren Geist, als die Musikkapelle unseres Dampfers die Marseillaise er- tönen läßt. Von all den bedeutenden Eindrücken, die dieses Hafen- leben auf den Teilnehmer hinterläßt, wird die Besichtigung eines Ozeanriesen unvergeßlich bleiben. Und kaum hat die Reiiegesell- schaft das Schiff verlassen, so führt sie der Dampfer vorbei an einem im Bau begriffenen neuen Ozeankoloß„Vaterland", der an Größe und Raffinement den„Imperator" noch übertreffen soll. Was das bedeutet, erhellt am besten daraus, wenn man bedenkt, daß der letztere eine Länge von 276 Metern, eine Breite von 30 Metern und eine Tiefe von 19 Metern aufweist. Seine Höhe vom Wasserspiegel bis zur Schornsteinobcrkante beträgt 47� Meter. Neben einer Besatzung von 1100 Personen bietet dieser Gigant Raum für 4100 Passagiere. Und dabei verfügt dieses Schiff über Treibhäuser und Blumenläden, über eine Turnhalle für erste und zweite Kajüte und über eine Schwimmhalle von 20 Meter Länae und 12� Meter Breite. Wir werden in dem Augenblick, als wir von unserem Dampfer die im Rohbau bereits vollendete eiserne Schiffswand mit ihren Millionen Nieten betrachten, starr vor Bewunderung; unser Fassungsvermögen erlischfi Unsere Schilderung ist zu Ende. Am Schluß betrachten wir noch ein Wunderwerk der Jngenieurkunst, den für das Verkehrs- leben Hamburgs bedeutsamen Elbtunnel, dessen Herstellung nicht weniger als 10?4 Millionen Mark gekostet hat. Wir schicken uns an. den Weg nach dem Hamburger Gewerk- schaftshaus anzutreten, um die kurze Zeit bis zur Abfahrt des Zuges noch in geselliger Weise mit unseren Reisegefährten zu ver- bringen. Worte der Anerkennung und des herzlichen Tanke? wer- den den Veranstaltern gespendet für den Dienst, den dieselben für das Zustandekommen der Fahrt geleistet, und diese wieder rich- ten an die gesamten Teilnehmer den iwlngenden Appell, die auf der Reise gewonnenen mannigfaltigen Eindrucke im Interesse der Organisation und ihrer noch unter erbärmlicheren Verhältnissen lebenden Klassengenossen zu verwenden. Geschloffen geht es dann nach dem naheliegenden Hauptbahnhof, von �0 der bereitstehende Sonderzug kurz nach„Mitternacht die Teilnehmer in die Reichs- Hauptstadt wieder zurückbringt Das Berliner und Stuttgarter Beispiel hat in der Organisation deS Metallarbeiterverbandes bereits Schule gemacht. Wie uns von der Firma Bangert, deren Inhaber sich den Teilnehmern selbst in der liebevollsten Wei; e zur Verfügung stellte, mitgeteilt wird, sind zu gleichen Informationsreisen schon andere Städte gemeldet. So kommen allein von Chemnitz im August 1300 Personen; andere Städte, wie Nürnberg und Remscheid, haben bereits solche Fahrten. veranstaltet. Wir nehmen von diesen Mitteilungen um so lieber Notiz, als auch wir überzeugt sind, daß durch derartige Arbeiter- fahrten da? Organisationsleben außerordentlich befruchtet wird. Lichtenberg. Wer sich also vor Schaden schüßen will, beachte diese bureaukratischen In dem Bericht der Generalversammlung heißt es:" Borge- Bestimmungen und verlange für diese Strede am Schalter ausdrüdschlagen zum Parteitag werden Genoffe Jaffte und Genoffin lich ein Billett über Lehrter Bahnhof. Schulze." Das ist ein Irrtum des Berichterstatters. Vorgeschlagen ist nur Genoffe Jaffle. Friedrichshagen. Der Bezirk Nonnendamm veranstaltet am Sonnabend, den 9. August, eine Mondscheinfahrt nach Potsdam. Der Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt beträgt 75 Pf., Kinder unter 14 Jahren sind frei. Die Abfahrt erfolgt pünktlich um 8 Uhr vom Lindenufer in Spandau. Der Frauen- Leseabend fällt am Montag, den 4. August, aus. Billetts find bei den Mitgliedern zu haben. Da die alljährlich Dafür findet am selben Tage ein Ausflug der Frauen mit ihren stattfindenden Dampferpartien der Nonnendammer Genossen immer Kindern nach dem Müggelschlößchen statt. Daselbst Kaffeekochen, fehr gemütlich sind, so ist auch diesmal auf guten Zuspruch zu Spielen im Walde, sonstige Beluftigungen. Gäste willkommen. rechnen. Treffpunkt um 3 Uhr an der Fähre. Um rege Beteiligung ersucht die Vertreterin der Frauen. Lübars- Waidmannsluft. Aus der Gemeindevertretung. In dem Prozeß der Gemeinde gegen die Kirchengemeinde wegen Herausgabe des Schullandes ist zugunsten der ersteren entschieden worden. Zur Aufnahme eines weiteren Darlehns( 3. Rate) zur Deckung Ber Kosten der Kanalisationsanlage, hatte sich der Gemeindevorsteher mit der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte" in Ver bindung gesetzt. Dieselbe hat sich bereit erklärt, ein Darlehn in Höhe von 200 000 M., unfündbar bis 31. März 1929, zahlbar bis zum 1. Januar 1914 und verzinslich mit 43% Proz., der Gemeinde mit 8000 M. Damno zu gewähren. Das Kapital soll mit 2 Proz. amortisiert werden. Dan tam eine Umfrage der Gemeinde Tegel wegen Einführung des Nachtfernsprechdienstes" zur Verhandlung. Die Post will bei Einführung desselben in dem Fernsprechbezirk Tegel, Hermsdorf, Frohnau, Glienice, Lübars und Wittenau eine jährliche Gin nahme von 1900 M., bei einem Nachtgespräch von 20 Pf., garantiert haben. Wird durch diese Sprechgebühr die beanspruchte Summe nicht erreicht, so sollen die fünf Gemeinden prozentual ihrer Teilnehmerzahl den Rest decken und hierfür eine Garantiesumme übernehmen, die für Lübars zirka 200 m. beträgt. Diese Garantie soll übernommen werden, wenn ein öffentliches Interesse vorliegt. Dieses hält die Gemeindevertretung aber erst dann für vorliegend, sobald eine öffentliche Fernsprechstelle im Orte für jeden Einwohner des Nachts zur Verfügung steht. Es soll deshalb bei der Postbehörde angefragt werden. von einer Mark werden. welche bewilligt wird. Das volkstümliche Schauturnen des hiesigen Arbeiter- Turnbereins, welches megen Witterungsverhältnisse am 20. Juli aus fallen mußte, findet heute Sonntag, den 3. August, nachmittags pünktlich 4 Uhr, auf unserem Sportplatz in der Falkenberger Straße 150, Lotal Mithke, statt. Lichterfelde. Sigungstage von Stadt und Gemeindevertretungen. fage bon Reinickendorf Oft. Montag, den 4. August, abends 5 Uhr, im Rathaus, Hauptstraße 38/40( großer Sigungssaal.) Diefe Sigungen find öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist be rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. St Gerichts- Zeitung. abs? Umfangreiche Briefunterschlagungen hatte sich der fühere Postaushelfer Oskar Wagner zuschulden tommen lassen, gegen den gestern die 6. Ferienstrafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Goebel eine Anklage wegen Diebstahls, Unterschlagung im Amte und Urkundenvernichtung zu verhandeln hatte. Folgenschwere jungdeutsche Schießerei. Aus aller Welt. Ein Denunziantenstück. otrol In einer der letzten Nummern unseres dänischen Parteiorgans Sozialdemokraten" findet sich ein Artikel, welcher das schurken hafte Benehmen eines in Kopenhagen ansässigen Deutschen charatterisiert." Socialdemokraten" schreibt darin: Vor einigen Jahren desertierte ein Gärtner Otto Braun vom 85. Brandenburgischen Regiment und floh nach Dänemark. Er suchte und fand auch Arbeit und lebte ein glückliches Familienleben mit seiner Frau und zwei Kindern. Am 3. Juli wurde dieses Jdyll jedoch durch das Eingreifen der Polizei zerstört. Otto Braun wurde nämlich auf Ansuchen der preußischen Behörde verhaftet und als Deserteur ar Deutschland ausgeliefert. Es war uns allen ganz undenkbar, wieso die Behörde von dem Hiersein Brauns Kenntnis erhalten hat, bis ein Brief, den Braun an seine Frau schickte, das Nätsel löste. Der Brief lautete: Bei meinem ersten Verhör hier beim 6. Divisionsgericht wurde mir folgender Brief vorgelegt( er ist nicht naturgetreu, aber der Inhalt paßt): Jch, Paul Kirschner, der durch mehrere Jahre hier in Kopenhagen einen Bigarrenhandel betrieben habe, habe unter meinen Kunden auch einen gewissen Otto Braun. Es ist das derselbe, der vor zirka zwei Jahren bom 35. Brandenburgischen Regiment desertiert ist. Ich bitte Sie, so schnell wie möglich denselben zu ver haften, da er in der nächsten Zeit nach Amerika zu reisen gedenkt. Seinen Säbel hat er nach Schweden verkauft. Paul Kirschner, Bigarrenhändler, Kopenhagen, Landemärket 58. Dieser Brief spricht für sich selbst. Eine gemeinere Handlung wie diese kann man sich kaum denken. Wir wendeten uns an Frau Braun, um näheres über den Grund der Feindschaft zwischen Braun und Kirschner zu erfahren, und Frau Braun erzählte:„ Gs war keinerlei Feindschaft zwischen den beiden, im Gegenteil, fie waren gute Freunde. Mein Mann faufte seinen Tabat und seine Bigarren bei Kirschner. Gerade weil mein Mann glaubte, er sei sein Freund, hat er ihm anvertraut, daß er vom deutschen militär desertiert ist und daß wir bald nach Amerika reisen wollten. Ginige Tage, nachdem Kirschner das erfahren hatte, wurde mein Mann verhaftet und nach Deutschland geschickt. Er war schon breiviertel Jahre im Dienste und hatte noch zwei Jahre zu dienen als er flüchtete. Ich hoffe, daß sie ihn wieder laufen lassen, wenn er den Reit seiner Dienstzeit abgebient hat. Ich muß eben sehen, wie ich mich durchschlage, bis er wieder frei fommt." Armes Weib! Sie ahnt nicht, welche barbarische Strafe ihren Mann erwartet für das Bergehen, daß er begangen. Das deutsche Militärgesek betrachtet es als das schwerste Verbrechen, das über haupt begangen werden kann. Als wir uns beim Dänischen Tabatarbeiterverband erkundigten, wurde uns gesagt, daß Kirschner vor kurzem Mitglied des Verban des wurde und während eines achtwöchentlichen Streits eine Unterstüßung von 8,05 Kronen pro Woche erhielt. In der letzten Streit woche ließ er sich 8 Kronen Reisegeld nach Berlin ausbezahlen. Das Gelb stedte er ein, reiste aber nicht. Da wir wegen dieses Betruges mit ihm sprechen wollten, schickten wir ihm die Aufforderung, zu uns zu kommen, was er jedoch auch nicht tat. Soweit der Leiter des Tabatarbeiterverbandes. Von einem Manne, der solch widerliche Handlungen begehen tann, müßte sich jeder ehrliche Mensch mit Berachtung abwenden." Diesem Urteil unseres dänischen Bruderblattes schließen wir uns an. Es gibt nichts Widerlicheres, als einen Menschen, der in der heuchlerischen Maske eines Freundes auftritt, um sein Opfer dann falten Blutes ans Messer zu liefern. Falls dieser Baul Kirschner wieder nach Deutschland zurückkehren sollte, weiß man wenigstens auch hier, mit wem man zu tun hat. Der Angeklagte, der jetzt als Speisenzuträger in einem Schöneberger Restaurant beschäftigt ist, wurde im Jahre 1911 von der Postbehörde als Aushelfer angestellt und verpflichtet und wurde dem Postamte 7 in der Dorotheenstraße zugeteilt. Zu seinen Obliegenheiten gehörte u. a. das Leeren der Briefkästen. Im Frühjahr d. J. liefen bei der Postbehörde fast täglich Beschwerden ein, daß Briefe nicht angekommen feien. Die Folge war, daß auf dem Postamte eine scharfe Kontrolle vorgenommen und sämtliche Beamte beobachtet wurden. Troßdem gelang es längere Zeit nicht, die Ursache dieses geheimnisvollen Verschwindens der Briefschaften zu entdecken, bis sich schließlich der Verdacht auf den jebigen Angeklagten lenkte. Eine Haussuchung in seiner Wohnung führte Die Lieferung der eisernen Dachbinder für die zu errichtende zur Entdeckung eines ganzen Warenlagers und zeigte gleichzeitig, Maschinenhalle auf dem Pumpstationsgrundstück, wurde der Firma was alles in Briefen versandt wird. Neben Meßinstrumenten, Brettschneider u. Krüger, Bantow, für 2588,50 M. übertragen. Unter Schokolade, 23 fünftlichen Zähnen und einer Unmenge anderer drei Submittenten war sie die billigste. Die Eisenbahnverwaltung Sachen wurden eine große Anzahl zerrissener Theaterbilletts auf hat festgestellt, daß das Straßenentwässerungsrohr an der Eisen- gefunden. Vor Gericht war der Angeklagte geständig. Der bahnüberführung der Dianastraße, einige Meter fiskalischen Boden Staatsanwalt beantragte 6 Monate Gefängnis. Das Gericht ging berührt, sie beansprucht hierfür eine jährliche Anerkennungsgebühr über diesen Antrag mit der Begründung hinaus, daß durch derartige Eine Verlängerung der Parallelstraße und Verbindung der Unterschlagungen seitens eines Bostbeamten große Störungen und auch unter Umständen empfindliche Schäden in Handel und Verkehr selben mit der Gemeinde Wittenau soll nunmehr vorgenommen entstehen fönnen. Das Urteil lautete auf 9 Monate Gefängnis, außerdem wurde der Angeklagte sofort verhaftet. Eine Vorlage fordert die Einrohrung des Grenzgrabens und die Anschüttung der Straße längs des Bahnkörpers. Der Vertrag mit dem Eisenbahnfiskus zweds Ankauf des Geländes hierzu, welcher noch nicht abgeschlossen ist, soll erst später vorgelegt werden. Am 2. September v. J. veranstaltete der Lehrer Emil Hiensch Genosse Kestin erklärte mit Genugtuung, daß nun endlich dem in Gräfenhainichen mit 250 Schülern der Umgebung von GräfenVerkehr mit dieser Vorlage Rechnung getragen wird; bemerkte hainichen ein sogenanntes Schülermanöver. Es handelte sich um aber betreffs des später vorzulegenden Vertrages, daß derselbe nicht eine offizielle Veranstaltung, an der leider sämtliche Schüler teiletwa so aussehen dürfe, wie der seinerzeit mit bem gistus wegen zunehmen verpflichtet waren. Auch der Sohn Friz des BarbierAntauf des Geländes der Parallelstraße abgeschlossene. Einem der= artig verklausulierten Vertrag würde er trotzdem seine Zustimmung herrn Ferer nahm an dem Manöver teil. Der Lehrer H., der mit versagen. Nachdem der Gemeindevorsteher die Hoffnung ausges der Leitung der Veranstaltung beauftragt war, hat den Schülern sprochen hatte, daß sich diese Angelegenheit zur Zufriedenheit der erlaubt, Knallpiftolen mitzubringen. Dem Schüler Matthei geGemeinde regeln lassen wird, wurde der Vorlage zugestimmt. stattete er fogar, eine richtige Pistole mit einem Piston zum Aufsehen des Zündhütchens mitzubringen. Matthei lud seine SchußWeißensee. waffe, machte damit Unfug und Schießversuche, wobei er die Waffe scherzhaft nach dem Gesicht des Kleinen Ferer richtete. F. verbat sich den Unfug und schlug schließlich, als M. seine Schießversuche wiederholte, nach der Waffe. Dabei kam die Pistole zum Entladen. Durch die Explosion des Zündhütchens wurde dem F. ein etwa 4 Millimeter großes Stüd Kupfer in das linke Auge getrieben. Der Junge kam in die Universitätsklinik nach Halle a. S., wo sich nach längerer Krankheit und Operation herausstellte, daß das linke Auge völlig erblindet ist und eventuell auch das rechte Auge unter Folgenschwere Beluftigung deutscher Seeleute. Aus Bergen Umständen in Mitleidenschaft gezogen werden könne. wird berichtet: Am Mittwoch ereignete sich ein schweres Unglück Der Vater des bei dieser neudeutschen Jugendspielerei ganz auf einem Gehöft bei Gudvangen. Das deutsche Touristenschiff Aus der Gemeindevertretung. In der letzten Sigung wurde oder teilweise ums Augenlicht gekommenen Jungen machte nun" Großer Kurfürst" lag auf einem Fiord por Anker. Einige Mann die in Einnahme auf 198 806,90 M., in Ausgabe auf 176 627,34 M. gegen den Lehrer H. im Klagewege Ansprüche auf Schadenersas. seiner Besabung, die Landurlaub erhalten hatten, machten eine Schulhaus neubau hat einen Kostenaufwand von 112 557,59 Es wurde beantragt, dem Vater des Knaben ein Schmerzensgeld Partie auf das Fjord und sollen bei dieser Gelegenheit Steine Mart verursacht. Hiervon sind 110 000 M. durch Aufnahme eines von mindestens 1500 M. und dem Knaben vom 15. Lebensjahre ein Mädchen, das unweit des Hofes im Heu arbeitete, erhaben herabrollen lassen. Durch einen derselben wurde Darlehens gedeckt worden. Die restlichen 2557,59 M. haben zur ab eine jährliche Rente von 300 M. zu zahlen. schlagen. Die Deutschen wurden arretiert, gegen Abend aber Anschaffung von Lehr- und Lernmitteln usw. für die Schule Ver- Das Landgericht Halle a. S. wollte in dem Verhalten des wegen mangelnder Beweise wieder freigelassen. Auf Befehl des wendung gefunden. Unter Genehmigung dieser Etatsüberschreitung Lehrers eine fahrlässige Verlegung seiner Aufsichtspflicht nicht er- Amtmanns wurden sie jedoch heute nacht unmittelbar vor der Abe wurde Entlastung erteilt. Für Pflasterung bezw. Ausbesserung blicken und wies die auf§§ 832 und 839 des Bürgerlichen Gesez- fahrt des Großen Kurfürsten" von hier wieder verhaftet der Möllen-, Garten- und Lindenstraße find 28 205,39 M. beraus- buches gestützte Klage des Vaters des Verletzten ab. Das OberEin deutscher Erpresser in England verhaftet. Seit einigen gabt worden. Das Elektrizitätswert schließt mit einer Ginnahme von 121 589,84 M. und mit einer Ausgabe von 117 277,14 landesgericht Naumburg hat jetzt dies Urteil aufgehoben und den Tagen erhielt Lord Rothschild Drohbriefe, worin er aufgefordert Mart ab. Der Reingewinn des Werkes beträgt 2 626,72 m. Lehrer zum Schadenersaz verurteilt. In dem Gestatten der Mit- wurde, 600 000 Mart zu hinterlegen, andernfalls würde er ermordet werden. Die benachrichtigte Polizei verhaftete darauf Nach Genehmigung des Abschlusses wurde beantragt, die elektrische führung einer Pistole wurde eine grobe Verlegung der Aufsichts- hin in einem Restaurant der Coventry- Street einen jungen DeutEnergie für Licht- und Kraftzwede zu verbilligen. Diesbezügliche pflicht des Lehrers mit Recht erblickt. schen, der sich Heinrich Krenenstath nannte und welcher Anregungen sind bekanntlich schon des öfteren gemacht worden, in dem Verdachte steht, die Drohbriefe geschrieben zu haben. haben allerdings noch keine Verbilligung des Stromes herbeizuArenenstath setzte seiner Verhaftung berzweifelten Widerstand ent führen vermocht. Die Angelegenheit wurde auch diesmal noch nicht Die Folgen einer falschen Kinderaussage. gegen. Er bestritt dann, der Verfasser der Briefe zu sein, wird sich erledigt, sondern bis zur nächsten Sigung vertagt. An Entschädigungsansprüche an den Staat in Höhe von 100 000 m. aber jetzt vor dem Gerichtshof in Bowstreet zu verantworten haben. Fremdenschulgeld sollen nicht, wie vorher beschlossen worden sind von dem Drogisten Greve in Neubrandenburg gestellt worden, Eine Dynamitegplosion. In einem Steinbruch bei Krakau war, 38 M., sondern nur 32 M. erhoben werden. schluß des Vertrages mit dem Kreise wegen des An= Mit dem Ab- über deſſen Freisprechung im Wiederaufnahmeverfahren wir fürz- erprobierte eine Quantität Dynamit, wobei ein Arbeiter in Stüde schlusses an das Kreiswasserwert wurde die hierfür in Neustrelik zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren verurteilt wurden leicht verlegt. lich berichtet hatten. Greve war bekanntlich von der Straffammer geriffen wurde, ein zweiter verlor das Augenlicht, mehrere andere eingesezte Kommission beauftragt. Brandkatastrophe in einem ruffischen Kurorte. Am Freitag worden, und zwar auf Grund des alleinigen Zeugnisses der damals brach in dem von Petersburgern viel besuchten Sommerfurort dreizehnjährigen Tochter eines Oekonomierats. Das Mädchen, Kudalla, das dicht an der finnländischen Grenze gelegen ist, ein Maffenstreikein politisches Kampfmittel- war das Thema welches jetzt Krantenschwester ist, wurde später von Gewissensbiffen Feuer aus. Da es dort, wie in allen russischen Badeorten, keine einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am hiesigen Orte. geplagt und legte mehreren Personen gegenüber das Geständnis Feuerwehr gibt, nahm der Brand schnell an Umfang zu. Bis Der Referent und mit wenigen lugnahmen auch die Distuffions ab, daß sie seinerzeit den Angeklagten falsch bezichtigt habe. Wie zum Eintreffen der aus Petersburg entsandten Feuerwehr waren rebner glaubten trotz aller Sie die einem Waffenstreit entgegenständen, daß er für die Arbeiterklasse erfolgreich verlaufen die Ermittelungen ergaben, hatte sich der Sachverhalt folgender bereits viele Bandhäuser und 20 Läben abgebrannt. Ein Mann den erlittenen Brandwunden, würde. Leider Iteß der Besuch dieser Versammlung viel zu wün- maßen abgespielt: Von den Eltern des Mädchens waren verschen übrig, was mit Rücksicht auf dieſes jetzt so aktuelle Thema schiedene Veränderungen beobachtet worden, welche sie veranlaßten, rauen tamen in den Flammen um. Schwere Unwetter in Oberitalien. Am Donnerstag und nur zu bedauern ist. 29/010 einen Arzt zuzuziehen. Dieser stellte auch fest, daß an dem Mädchen Freitag hauste in verschiedenen oberitalienischen Gegenden ein ein Sittlichkeitsvergehen vorgenommen worden war. Wie sich jetzt schwerer Sturm, der zeitweilig von schwerem Hagelschlag und herausgestellt hat, tamen als Urheber mehrere gleichaltrige Knaben Gewitter begleitet war und immensen Schaden anrichtete. In Ferienausflug am Dienstag, den 5. August, nach Blanke in Frage. Aus Scham, eingestehen zu müssen, daß sie sich zu diesen Apulien sind die Weinberge und Olivengärten vernichtet. Der Bandlungen freiwillig hergegeben hatte, behauptete das Stein Fahrgeld. Rege Beteiligung der Eltern erwartet Das Komitee. bann, bon dem Drogisten G. verführt zu sein. Das Gericht wurde die elektrische Lichtleitung vollständig zerstört. In ber Um Kinderfest. Zu dem heute stattfindenden Kinderfest, Bäfeste. 7, ladet nochmals ganz ergebenst Ost und West ein Das Komitee. Herzfelde. Rosenthal. Mariendorf. Spandau. sprach den G., der tatsächlich 2 Jahre unschuldig im Zuchthause Die meistbietend versteigerte Freilichtbühne auf Bichelswerder ist geseffen hatte, die Entschädigungsansprüche zu. Infolge der Bucht jest fang- und flanglos vollständig von der Bildfläche verschwunden. haushaft ist G. nach dem Gutachten ber Aerate völlig erwerbsDie bei der Versteigerung der Baulichkeiten erzielte Summe dürfte unfähig geworden, da er sich in dem Zuchthause neben einem jedoch nicht ausreichen, um die hinterbliebenen Leidtragenden voll- Nervenleiben ein Lungenleiben zugezogen hat. Unter Berechnung ständig abfinden zu können. Die zahlreichen Ausflügler, die den eines Jahresverdienstes von 3000 bis 4000 m. verlangt G. jetzt Bichelwerder besuchen, tönnen sich jetzt wieder ungestört der schönen eine einmalige Entschädigung von 100 000 m. bzw. die Binjen Nur zwei Sommer hindurch konnte sich das Naturtheater, das von Anfang an mit vefuniären Sorgen zu fämpfen dieses Kapitals in Form einer jährlichen Rente. Eine Entscheidung hatte, halten, da die große Masse der Arbeiterschaft diesem patrioti- über diesen Antrag ist noch nicht ergangen. Landschaft erfreuen. schen Rummel fernblieb. Eine Kindesunterschiebung. erlag Kleine Notizen. amei gegend von Rimini und an der ganzen abriatischen Küste ist der Schaben gleichfalls sehr bebeutend. Ginige Barten find bei dem Sturme untergegangen. Ueber den Umfang der Verluste an Menschenleben ist noch nichts bekannt. Eine verhängnisvolle Verwechselung. Wie der„ Oberschlesische Wanderer" aus My slowi meldet, verwechselte in dem benachbarten Orte Pogonia der Arbeiter Sigmund die Spiritus. mit der Schnapsflasche. Er starb bald darauf unter furchtbaren Qualen. Frauen- Leleabende. Wilmersdorf. Im Monat August findet kein Leseabend statt, sondern ein Ausflug, der noch bekannt gegeben wird. Zehlendorf. Freitag, den 8. August, 8, Uhr, bei B. Milleh, Potsdamer Str. 25. Bortrag über Kinderkrankheiten. Die verschiedenen Fahrpreise auf der Strecke Spandau- Bahnhof Börse führen zu ständigen Differenzen zwischen dem Publikum und In Nr. 193 teilten wir mit, daß Frau Anna Gormann, geb. den Bahnsteigbeamten. Gine Fahrkarte 3. Klasse von Bahnhof Jurkatis. wegen Kindesunterschiebung zu drei Tagen Gefängnis Börse- Spandau Hauptbahnhof über Lehrter Bahnhof kostet 20 Bf., berurteilt ist. Wir werden ersucht, mitzuteilen, daß Frau Luise über Charlottenburg 30 Pf. Wer nun aus untenntnis mit dem Gohrmann, geb. Nemit, Ehefrau des Restaurateurs Gohrmann, findenden Mannschaftskämpfe der Nordabteilungen auf deren Sportplak in Ein Propaganda- Fußballwettspiel findet anläßlich der heute statt 20 Pf.- Billett von Bahnhof Börse über Lehrter Bahnhof bis Spandau- Liebigstr. 41, mit der Verurteilten nicht identisch ist. Wiewohl Reinidendorf, Thuner Straße, am Schäferfee statt. Damit die uns noch fernWest fährt, muß hier 20 Pf. blechen, da diese Strede auch über schon die Verschiedenheit der Vornamen ein solches Mißberständnis stehenden Mitglieber der bürgerlichen Sportvereine fich von der Spielstärke Behrter Bahnhof 80 Pf. toftet. Von Spanbau- West- Friedrichstraße nicht auffommen lassen sollte, tommen wir diesem Wunsche hiermit unserer Mannschaften überzeugen jollen, ist hiermit jedermann herzlichst einloftet es über Lehrter Bahnhof 20 Pf. über Charlottenburg 30 Pf. nach. geladen. Anfang 2%, Uhr. Eintritt frét Montagna) Dienstag Mittwoch Billige Angebote Damen- Konfektion, Schuhwaren, Handschuhe, Reise- Artikel, Schürzen ca. 10000 Serie I aus Waschvoile in moderner Machart, 190 290 Stück Waschblusen anz enorm unter anderem: Serie II aus gutem Waschvoile und anderen modernen Stoffen in hübscher Ausführung 390 475 175 Serie III nur moderne Rüschenform 375 4.90 in aparter Aufmachung Soweit Vorrat Damen- Konfektion Fassons. Backfisch- Konfektion Free Waschkostüme aparte jugendliche 875 1575 2500 Posten Grosse Mäntel aus guten Popelinstoffen, nur lange 1250 1850 2450 Grosse Posten Form.. Posten Grosse Waschkostüme leinenartige Stoffe 975 1375 2500 Stickereikleider. 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Sonntag von 8-10 Uhr geöffnet. Berantwortlicher Redakteur: Alfrey Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.; Zh. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW Sr. 197. 30. Jahrgang. 4. KrillP ks Joraiärtü" Kniim WksM Sonntag, 3. Augnst 1913. MrtichsMcher Nochendericht. Schiffahrtskämpfe. Tampfersnbventionen. Herr Albert Ballin. der Generaldirektor der Hamburg- Amerikanischen Paketfahrt-Gesellschaft, versteht sich ganz ausgezeich- net darauf, für seine Linie Reklame zu machen und um die Sym- pathien derer zu werben, die ihm irgendwie nützlich sein können. Diejenigen, die an die von Erzberger in die Welt gesetzte Schwindel- Nachricht glaubten, daß Ballin dem bayerischen Ministerpräsidenten Hertling seine Hilfe zum Fall de? Jesuitengesetzes versprochen habe, verkennen Herrn Ballin vollkommen. Schon das Objekt wäre Herrn Ballin gar nicht wert, sich in die Kosten einer möglichen Kompromittierung zu stürzen. Die dem Fürstenkonzern angehörige Phönix-Gesellschaft, deren Konkurrenz Ballin durch sein angebliches Angebot an Hertling beseitigen- wollte, ist für Ballin völlig gefahrlos, da der Fürstenkonzern äußerst sanierungsbedürftig ist und sich infolgedessen in die Hand der Deutschen Bank hat be- geben müssen. Vielleicht beabsichtigte ein dem Hofe nicht fern- stehender Kreis(der Hauptfinanzier des Fürstenkonzerns ist Fürst Egon von Fürstenberg, der Freund des Kaisers) Ballin, der sich ebenfalls der Gunst des Kaisers erfreut, in der Oesfentlichkeit zu kompromittieren, um ihn damit auch bei dem Kaiser anzuschwärzen. Klagen gewisse Kreise doch schon recht lange und deutlich darüber, daß fremdrassige Leute— Ballin ist Jude— das Ohr das Kaisers hätten. Wie plump Erzberger die Sache in Szene gesetzt hatte, ergibt sich deutlich aus einem Vergleich mit den Mitteln, die Ballin äugen- blicklich anwendet, um seinen Konkurrenzkampf gegen den Nor d- deutschen Lloyd siegreich zu Ende zu führen. Die beiden größten deutschen Schiffahrtsgescllschaften sind nämlich seit einiger Zeit einander in die Haare geraten, weil die Hapag eine Ver- größerung ihrer Beteiligungsquoten am nordatlantischcn Pool (Schiffahrtskonvention) auf Kosten des Lloyd fordert. Ballin hat es für gut befunden, den Streit in die Presse zu tragen und in äußerst geschickter Weise wirbt er dabei um die Sympathien der weiteren Oesfentlichkeit. Er, der Begründer des Pools, zweifelt plötzlich daran, daß solche Konventionen überhaupt von Wert wären und leugnet, daß das Wohl Deutschlands irgendwie an die Existenz des Pools gebunden sei— nur, weil er weiß, daß in wei�pn Kreisen eine grundsätzliche Abneigung gegen alle Monopolbestrebungen besteht. Er erklärt sich weiter plötzlich gegen alle staatlichen Subventionen von Dampfschiffahrtsgesellschaften, obgleich er bis vor S Jahren noch selbst solche Unterstützungen bezogen hat. Umsonst macht Ballin solche Zugeständnisse natürlich nicht; denn auch er weiß wohl, daß man sich auf diese Urteile immer wieder in Konsumentenkreiscn berufen wird. Die Ziele, die Herr Ballin verfolgt, müssen also wohl der Opfer wert sein. Ter Konkurrenzkampf zwischen beiden Gesellschaften, der seit ihrer Begründung besteht, hat in den letzten Jahren eine Zu- spitzung erfahren. Ursprünglich war der Lloyd die überlegenere Gesellschaft. Ende der 80er Jahre, ehe der Pool geschlossen wurde, bestand die Flotte des Lloyd aus 74 Seedampfern bei einem Aktien- kapital von 30 Millionen Mark, während die Hapag nur über einen Schiffspark von 37 Seedampfern bei einem Aktienkapital von 22,5 Millionen Mark verfügte. Inzwischen haben sich aber die Größenvrrhältnisse beider Gesellschaften bedeutend geändert. Im Jahre 1312 besah die Hapag bei einem Aktienkapital von 150 Mill. Mark bereits 192 Seedampfer(davon 22 im Bau), während der Lloyd zu gleicher Zeit bei einem Aktienkapital von 125 Millionen Mark nur über 149 Seedampfer(15 im Bau) verfügte. Diese Ueberflügelung des Lloyd durch die Hapag hat wesentlich in den letzten Jahren stattgefunden. Zwar besaß bereits 1891 die Flotte der Hapag 185 000 Tonnen Bruttoraumgehalt gegen 196 300 Tonnen der Lloyd-Flotte. Aber erst von 1908, dem Kriscnjahr, an läßt die Hapag den Lloyd weit hinter sich. Im Jahre 1912 verfügte die Hapag über 1,307 Millionen Tonnen Bruttogehalt gegen nur 0,889 Millionen Tonnen des Lloyd. In diesem Jahre hat nun die Hapag noch das erste Schiff der Jmperatoren-Klasse(Typ mit 50 000 Tonnen) eingestellt und zwei weitere Fahrzeuge dieser Klasse sollen folgen. Auf diese bereit? eingetretene und weiter zu erwartende Entwickclung im Größenverhältnis beider Gesell- schaften gründet Ballin den Anspruch, daß der Lloyd auf einen Teil der Quote im Pool zugunsten der Hapag verzichten soll. Der nordatlantische S ch i f fa h r t s p o o l ist Anfang der 90er Jahre gegründet worden. Nach mannigfachen Kämpfen mit Außenseitern gelang es ihm, alle großen festländischen, eng- lischen und kanadischen Schiffahrtsgesellschaften im Herbst 1911 zu- sammenzuschließen. Zurzeit gehören ihm an: Hapag. Lloyd, Allan. Linie, Auctor-Lime, Cunard-Linie, Holland-Amerika-Linie, Red Star-Linie, White Star-Linie, American-Linie, Dominion-Linie, Russisch-Asiatische Linie und bis vor kurzem auch die Eanadian- Pacific-Linie. Der Pool regelt den Verkehr von Europa nach Nordamreika, und zwar sowohl den Anteil der einzelnen Linien am Gesamtverkehr als auch die Preisfrage. Der Poolvertrag war auf fünf Jahre bis 1216 abgeschlossen worden, aber dadurch, daß man der Canada Pacific eine Sonderstellung eingeräumt hatte, kam der Pool schon in diesem Winter in Gefahr. Zur Hebung des Auswandererverkehrs nach Canada, wo die Canada-Gesellschast eine Pacificbahn und große' noch zu erschließende Län- dereien besitzt, verlangte die Canada-Linie eine größere Quote am englischen Zwischendecksverkehr und eigene Schiffe für den Verkehr Antwerpen— Canada. Als der Pool diese Forderungen ablehnte, trat die Canada-Linie aus und errichtete einen eigenen Verkehr Trieft— Canada, durch den die Austra- Americana(eine vom Lloyd und der Hapag gegründete Tochter- gesellschaft) schwer bedroht wurde. Ter Pool antwortete mit Preis- Herabsetzungen, bis dieser Ratenkampf vor kurzem durch vorläufige Abmachungen zwischen Pool und Canada-Linie beendet wurde. Eine Folge dieser Differenzen war aber ein Beschluß der Pool- Mitglieder, den Pool nur bis Ende 1913 zu verlängern. So hat denn die Hapag die Möglichkeit schon jetzt mit höheren Quoten- forderungen hervorzutreten. Da den deutschen Gesellschaften zusam- men eine bestimmte Gesamtquote im Pool zugewiesen ist, vermag die Hapag diesen Anteil nur durch Kürzung der Lloyd-Beteiligung durchzusetzen. Während bisher sich die Anteile des Lloyd am Zwischendecksverkehr zu denen der Hapag wie 57 zu 43 verhielten, beansprucht die Hapag jetzt einen Anteil von 47, wodurch der des Lloyd auf 53 verkürzt und eine ungefähre Gleichstellung beider Gesellschaften erzielt würde. In eine Beibehaltung des vor 22 Jahren festgelegten Quotenverhältnisses will sich die Hapag keinesfalls mehr fügen, selbst auf die Gefahr eines Poolbruches hin. Gegen diese Forderungen und ihre Begründung macht nun der Lloyd geltend, daß auch er in der langen Zeit seit der Poolgründung und gerade in den letzten Jahren starke Erweiterungen seiner Flotte vorgenommen habe, ohne deshalb jedesmal eine höhere Quote zu fordern. Das Wesen des Pools bestehe gerade darin, feste Quoten für lange Zeit zu schaffen. Erst wenn sich zeigen werde, daß die Hapag dauernd ihre Quoten überschreiten werde, könne eine solche Revision diskutiert werden. Der Lloyd verweist ferner darauf, daß die Hapag Kompensationen im Frachtgeschäft erhalten habe und der Personenverkehr der Hapag an den des Lloyd nicht heranreiche. In der Tat war der Totalverkehr nach New Aork bei dem Lloyd größer als bei der Hapag. Im Jahre 1912 z. B. beförderte die Hapag nur 120 700 Personen gegen 132 530 des Lloyd. Im Zwischen- deckverkehr allerdings hat die Hapag in den letzten Jahren mehr- fach den Lloyd überholt gehabt. Natürlich unternimmt die Hapag gerade jetzt den Versuch, eine Mehrquote zu erzwingen, weil ihr der Moment dazu geeignet er- scheint, wobei es ihr nicht so sehr auf die Quote im Pool als auf die Expansion ihres Geschäfts an sich ankommt. Daher auch die Zweifel des Herrn Ballin: „Man darf überhaupt über die Frage ,ob solche Poolverträgc die richtige Form der Betriebsvereinbarungen darstellen, sehr zweierlei Meinung sein Jedenfalls gehört doch der nordatlantische Z w i s ch e n d e ck s p o o l nicht zu den Imponderabilien der deutschen Nation." Herrn Ballin ist eben heute der Pool im Wege, falls ihm nicht die Mehrquote zugebilligt wird. Die Differenzen infolge des Austritts der Canada-Linie erleichtern der Hapag die Lösung vom Pool. Die Hapag glaubt zudem, einem eventuellen Ratenkampf der poollosen Zeit ruhig entgegensehen zu können. Im vergange- nen Betriebsjahr hat die Hapag einen besonderen Kampfreserve- fonds von 7 Millionen Mark eingestellt; auch sonst ist sie gut gerüstet. Als im Jahre 1908 die Krise auch die Schiffahrtsgesell- schaften erfaßte, mußten Hapag und Lloyd auf eine Dividende ver- zichten. Aber während der Lloyd diese Zeit schwer überwandt, konnte die Hapag schon in den nächsten Jahren trotz hoher Divi- denden(1910: 8 Proz.) große Abschreibungen vornehmen und Re- serven aufsammeln. Der Lloyd verfügt heute nur über 28,1 Milli- onen Reserven, die Hapag dagegen über 51 Millionen. Die Hapag kann auf Grund dieser Machtstellung dem Llovd nicht nur mit der Auflösung des Pools drohen, sie vermag auch noch andere PressionSmittel anzuwenden. Durch die in den nächsten Jahren zu erwartende Eröffnung deS Panamakanals ergibt sich schon heute für die großen Schiffahrtsgescllschaften die Not- wendigkeit, sich auf die damit verbundenen wahrscheinlichen Ver- kehrsänderungen einzurichten. Ostasien wird bekanntlich durch den Kanal Europa wesentlich näher gerückt werden. Zurzeit nun hat die Hapag keinen Passagicrverkehr nach Ostasien. Bis vor neun Jahren unterhielt sie zusammen mit dem Lloyd unter Zu- hilfenahme staatlicher Subventionen eine Schiffsverbindung dorthin. Um aber die mit der Inanspruchnahme der Subvention verbundenen Beschränkungen loszuwerden, überließ sie dem Lloyd das Ostasien- passagiergeschäft gänzlich. Jetzt hat die Hapag wieder die Neigung, in den Ostasienverkehr einzudringen. Vom I.Oktober 1914 ab, so droht die Hapag, wird ein eigener Passagierverkehr nach Ostasien von ihr auf. genommen werden. Und da sie wohl keine Aussicht oder Neigung hat, die staatliche Subvention zu erhalten, spricht sich Ballin euer- gisch gegen Subventionen überhaupt aus. Gibt die Regierung dem Druck der öffentlichen Meinung nach, die von vornherein solchen Subventionen skeptisch gegenübersteht, so glaubt die Hapag den Konkurrenzkampf dieser Linie mit dem Lloyd ruhig aufnehmen zu können. Die Hapag schreibt daher: „Was nun die Frage der Rcichspostdampfer-Sub- vention betrifft, so verharrt die Hamburg-Amerika-Linie auf dem Standpunkt, daß solche Postdampfer-Subventioncn, wo es sich nicht um ganz unlukrative Verbindungen zwischen dem Mutterland und den Kolonien handelt, der freien Entwickelung des Verkehrs nachteilig sind. Der Verein Hamburger Reeder hat sich in seinem letzten Jahresbericht auch erneut in diesem Sinne ausgesprochen und der vortreffliche Leiter der Deutschen Ost-Afrika-Linie, Herr Eduard Woermann, welcher vor- läufig selbst noch unter der Last eines Zuschusses aus den Taschen der Steuerzahler leidet, hat als stellvertreten- der Vorsitzender des Vereins Hamburger Reeder diesen Bericht gutgeheißen. Die Hamburg-Amerika-Linie hat es deshalb auch abgelehnt, in Verhandlungen über einen Mitbewerb um den im nächsten Jahre ablaufenden Reichspostdampfer-Kontrakt für Ostasien und Australien einzutreten." Hoffentlich entschließt sich die Regierung, diesem Standpunkt Rechnung zu tragen und von der weiteren Vergebung von Subven- tionen abzusehen, denn es liegt natürlich nur im Interesse deS Reiches, wenn vermeidbare Ausgaben gestrichen werden. Zurzeit erhalten noch vier Gesellschaften staatliche Subventionen: der Lloyd für die Fahrten Bremerhaven— Indien und Ostasien, die Deutsch-Ostafrika-Linie für die Fahrten Hamburg— Süd- und Ostafrika, die Jaluit-Gesellschaft für die Linie Hamburg— Südsee— Indien, die Woermann-Gesellschaft für die Fahrt Kapstadt— Südwestafrika. Der Lloyd erhält insgesamt 5,59 Millionen Mark jähr- lich, die Deutsch-Ostafrika-Linie 1,35 Millionen, die Jaluit-Gesell- schaft 120 000 M., die Woermann-Linie 10 500 M. Nun ist es wohl von Herrn Ballin übertrieben, wenn er von einer„Last" spricht, unter der Herr Woermann seufze. Aber da die Subventionierten selbst auf die Unterstützung verzichten, wird das Reich um so eher von einem Zuschuß absehen können. Mocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Neues Overntheater. Sonntag: Mignon. Montag: Lohen grin. (Ansang Th Uhr.) Dienstag: Tristan und Isolde.(Ans. l1/, Uhr.) Mitt- woch: Carmen. Donnerstag: Tannhäuser. Freitag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 71/, Uhr.) Sonnabend: Der fliegende Holländer. Sonntag: Lohengrin.(Ansang 7>/, Uhr.) Montag: Tristan und Isolde. ���Tentschcs� �Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Die Schiff- brüchigen. Allabendlich: Die Schiffbrüchigen.(Ansang 8'/, Uhr.) Berliner Tbeater. Allabendlich: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Allabendlich: Das Farmermädchen. (Ansang 8'/. Uhr.) LuftsPielhanS. Sonntag: Der lustige Kakadu. Montag bis Montag: So'n Windbund.(Ansang 8'lt Uhr.) Schiller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Martha. Abends: Monna Vanna. Montag: Der Freischütz. Dienstag: Der Troubadour. Mittwoch: Undinc. Donnerstag: Figaros Hochzeit. Freitag: Monna Vanna. Sonnabend: Figaros Hochzeit. Sonntag: Der Troubadour. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Thalin-Thearer. Sonntagnackmittag 8'/, Uhr: CharlehS Tante. All- abendlich: Puppchen.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Thcarer. Im Garten: Achtung, es geht loS.— Im Saale: Sonntag bis Sonntag: Die Waise von Lowood. Montag: DaS Schloß am Meer.(Ansang 8st, Uhr.) Urania> Theater. Sonntag: In den Dolomiten. Montag: Pros. W. Smith: Streiszüge durch Norwegen. Dienstag: In den Dolomiten. Mittwoch: Streiszüge durch Norwegen. Donnerstag: In den Dolomiten. Freitag: Streiszüge durch Norwegen. Sonnabend: In den Dolomiten. Sonntag: lieber den Brenner nach Venedig. Montag: Von der Zug» spitze zum Watzmann.(Ansang 8 Uhr.) Luise»- Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Die Allwördens. Sonnlag bis Mittwoch: Geächtet. Donnerstag: Die Altwördcns. Freitag und Sonnabend: Geächtet. Sonntag und Montag: Die Intrigantin. (Slnfang S'si Uhr.) KomödienhauS. Allabendlich: Hochherrschastliche Wohnungen.(Au- fang 8'/, Uhr.) Theater deS Westens. Allabendlich: DaS starke Stück.(Ansang 8 Uhr.) Gebr. Hcrrnfeld- Theater. Allabendlich: Endlich allein. Die Schon. zeit-Jäger.(Ansang 8 Uhr.) Prater- Theater. Allabendlich: Das Bummclmädchen.(tzlnsang 7',. Uhr.) Folies Gaprice. Allabendlich: Ein Pechvogel. Die Krampssache. (Ansang 8>/. Uhr.) ivtctropot. Theater. Allabendlich: Die Kino. Königi�(Ansang Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Adiniralspalast. Eisballelt: Flirt in St. Moritz.(Ansang S Uhr.) Reichshallen- Theater. Allabendlich: Etettiner Sänger.(An- sang 8 Uhr, Sonntags 7'/, Uhr.) Marktpreise von Berlin am I. August 1013, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,53 bis 20,60, mittel 20,48—20,52, geringe 20,40—20,44. Roggen, gute Sorte 16,78-13.80. mittel 16,74-16,76, geringe 16.70-16.72(ab Bahn). Futter. gerste, gute Sorte 17,20-17,60, mittel 16,70—17,10, geringe 16,30—13,60. taser, gute Sorte 17,70—13,10, mittel 16,60— 17,60. Mais(mixed), gute orte 00,00—00,00. Mai«-runder), gute Sötte 14,60—15,20. Richtstroh 4,60. Heu, alt 0,00, neu 6,00—7,20. Märtthailenpreise. 100 Ktlogr. Er-bsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Speisebohnen, weiße 35.00—60,00. Linien 35,00—60,00. Kartoffeln(Klewbdl.) 5,00— 12,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2.40. Rindfieilch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,60—2,10. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Butter 2,20—8,00. 60 Stück Eier 8,60—5,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,80—2,60. Aale 1,60—8,20. Zander 1,40—8,60. Hechle 1,60—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,50. Bleie 0.80—1.60. 60 Stück Krebse 1,00—60,00. CEORfi A.JASMATZI A;G, DRESDEN GRÖSSTE DEUTSCHE v. J Gl QA RETTEN FABRIK Bekanntmachung. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Verband d. Hausarzt- Vereine Beries Krankenkasse der Zweigverein Berlin. Sektion der Stukkateure. Montag, den 4. August 1913, abends 8 Uhr pünktlich, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 1: Versammlung Tagesordnung: 1. Der Einfluß der Banken auf die Industrie. Referent: Kollege Wengels. 2. Was geschieht mit den Kollegen, die Ueberstunden und Doppelschichten arbeiten. 3. Verschiedenes. 144/3 Jeder Kollege hat in seinem Interesse zu erscheinen! Die Sektionsleitung. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Zentrale Organisation für Volksgesundheitspflege. Unsere Mitglieder ersuchen wir höflichſt, die ausgegebenen Fragebogen recht genau auszufüllen. Die eingehende Beantwortung ist dringend notwendig und soll eine wissenschaftliche Grundlage bilden, um für unsere zirka 70 000 Verbandsangehörigen Verbesserungen einführen zu können. Stadtgemeinde Berlin. Einladung zur außerordentlichen General- Versammlung der Schon jetzt gewähren wir für den geringen Beitrag von zirka 25 Pig. bro Boche unseren Mitglieder Betriebs- Krankenkaffe der Familien, ob mit vielen oder wenigen Kindern, freien Hausarzt, freie Mediziu, Diphtherie- Serum, Atteste, Verbandstoffe, Monatszeitung und viele andere Vorteile. Aerztlicher Rat steht den Frauen und Kindern zu jeder Zeit, unbegrenzt der Zahl und Dauer der Krankheiten und ohne Formalitäten, wie Kranfmeldung o. dgl. zur Verfügung. Nähere Auskunft erteilen: für Moabit: P. Hübl, Beusselstr. 60. " " " 144/ 2* " Sektion der Gips- und Zementbranche. Montag, den 4. August, abends 6 Uhr, gleich nach Feierabend, bei Frit Wilke, Sebastianstr. 39: Außerord. Versammlung der Gipsbranche. Tagesordnung: Stellungnahme zur neuen Situation. Mit kollegialem Gruß Die Sektionsleitung. Oeffentliche Versammlung der Puker Berlins und der Vororte. Mittwoch, den 6. August, abends 6½, Uhr, in Haverlands Festsälen", Nene Friedrichstraße 35. Tagesordnung: 1. Die Situation im Baugewerbe unter spezieller Berücksichtigung der Lage unseres Berufes." Referent: Kollege August Dähne. 2. Diskussion. Das Erscheinen aller Kollegen erwartet 144/4 Der Einberufer. J. 2.: F. Lemme. Verband der Sattler und Portefeuiller. Ortsverwaltung Berlin. Branchen- Versammlungen Geschirr- Branche: Donnerstag, den 7. Auguft, abends 8%, Uhr, im Treibriemenbranche: Sonnabend, den 9. Auguſt, abends 8%, Uhr, in Königsgraben. Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Schulz' Prachtsälen, Münzstr. 17, Eingang Portefeuilles- und Reiseartikelbranche: Mittwoch, den 6. Auguſt, bei Graumann, Naunynstraße 27. abends 52 Uhr, Charlottenburg: G. Leupold, Krummeftr. 7. Norden: O. Wölke, Brunnenſtr. 84. Wedding: H. Münchow, Lüderikstr. 3. Pankow: Th. Geßner, Nordbahnstr. 3. Weißensee: P. Berger, Naugarder Str. 44. " Osten: K. Robel. Stopernikusstr. 9. " " " " " " Wilhelmsruh: M. Kretke, Keplerstr. 26. Hermsdorf und Waidmannslust: P. Schulze, Schulzendorfer Str. 71. Reinickendorf: Riedel, Granatenstr. 37. Reinickendorf- West: F. Köhn, Waldstr. 63. Wittenau: W. Lehmann, Charlottenburger Straße 43. Mariendorf u. Umg.: M Herbst, Schwerinstr. 75. Tempelhof: R. Pechal, Friedrich- Wilhelm- Sir. 7. 287/18 für Südende, Lankwitz: G. Thiele, Südende, Lichterfelder Str. 35. " " " " " " " " Gr. Lichterfelde: W. Wagner, Mariannenstr. 31. Marienfelde: K. Kalinowski, Berliner Str. 116. Tegel- Borsigwalde: A. Becker, Brunomstr. 16. Neukölln: A. Kuhn ert, Stuttgarter Str. 54. Britz: A. Tiepke, Bürgerstr. 29. Treptow: Kupyai, Eljenstr. 83. Baumschulenweg: E. Mann, Baumschulenstr. 86. Nied.- Schönhausen: E. Hellrich, Kaiser- Wilhelm. Straße 49. Wilmersd.- Friedenau: R. Becker, Wilhelmsaue 133 Steglitz: A. Damm, Zimmermannstr. 18. Westen: M. Erdmann, Kazlerstr. 13. " " " " Süden: M. Thurm, Dieffenbachstr. 18. " " Spandau G. Ruhnke, Weißenburger Str. 21. Fürstenwalde: R. Flicke, Holzstr. 3. Zentral- Vorsitzender: G. Jacob, Berlin NW., Emdener Str. 45. Tel.: Mb. 1184. Sonntag, den 17. Auguft: Kinderfest in Stadtgemeinde Berlin am Dienstag, den 12. August 1913, im abends 6 Uhr, Gewerkschaftshause, Berlin, Engelufer 15, Saal 1. Tagesordnung: 1. Neufestsegung der Krankenordnung nach den Bestimmungen der Reichs. versicherungsordnung. 2. Aufnahme des versicherungspflich tigen Personals der Berliner elettrischen Straßenbahnen- Aktien gesellschaft in die Betriebs- Kranten fasse der Stadtgemeinde Berlin. 3. Angliederung der Betriebs- Kranten kasse der städtischen Parkverwaltung an die Betriebs- Krankenkasse der Stadtgemeinde Berlin. 4. Die Krankenkontrolle durch die Kontrolleure der Betriebe. 5. Verschiedenes. Berlin, den 21. Juli 1913. Der Vorstand. v. Schulz. Bezirk Süden. Rabes etsälen, Fichteſtr. 29. Eintritt 10 Pf. 274/8 Verband der Bureauangestellten Deutschlands Ortsgruppe Groß- Berlin. Geöffnet von 9-5 Uhr. Bureau: Kaiser- Wilhelm- Straße 20. Fernsprecher: Amt Königstadt 6170.- Postschedfonto: 12 720. August Battloch. Stellennachweis geöffnet von 10-1 Uhr. Versammlung am Kassenangestellte. Mittwoch, den 6. August, abends 8 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12. Tagesordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen mit dem Vor stand der Allgemeinen Ortstraintasse in Berlin wegen Uebernahme der Angestellten der nicht zugelassenen Kassen. 2. Diskussion. 3. Bericht der Branchenleitung. 4. Die Musterdienstordnung der nationalen Kaffenangestellten. Städtische Angestellte. Versammlung am Mittwoch, den 6. August, abends 82 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße11/ 12. Tagesordnung: 1. Die Verschmelzung mit dem Zentralverband der Handlungsgehilfen". Referent: Stollege& reter. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Fabrikangestellte. Betriebsversammlung der Angestellten der A. E. G., Brunnenstraße, am Dienstag, den 5. August, abends 6 Uhr, bei Döhling, Brunnenstr. 79. Das Erscheinen aller Werkstatt und Lagerschreiber, Regiſtratoren usw. ist notwendig. Vertrauensmännerversammlung am Donnerstag, den 7. August, abends 7 Uhr, im Lokal von Döhling, Brunnenstr. 79. Das Erscheinen sämtlicher Vertrauensleute ist unbedingt erforderlich. Sollte jemand anderweitig verhindert sein, ist unbedingt Ersatz zu stellen. Militär- Branche: Bach, ben 6. August, abends 6 Uhr, in den Versicherungsangestellte. Versammlung am Donnerstag, Prachtsälen Alt- Berlin, Blumenstr. 10. Linoleumleger u. Teppichnäher: Mittwoch, den 6. Auguſt, abends bei Weihnacht, Grünstr. 21. 82 Uhr, Wagen- Branche: Mittwoch, den 6. Auguft, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Eisenmöbel- u. Lederstuhlpolsterer: Donnerstag, den 7. Auguſt, abends 81, Uhr, im Graphischen Vereinshause, Alexandrinenſtr. 44. Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwarten 157/12 Die Branchenleitungen. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin. den 7. August, abends 8 Uhr. im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11/12, Tagesordnung: 1. Die Verschmelzung mit dem Zentralverband der Handlungsgehilfen. 2. Voltsfürsorge. 3. Die Differenzen in der Lichtenberger Zentrale der" Victoria" und ihre Regelung. 4. Verschiedenes. Bauhandwerker Krankenkasse für Berlin und Umgegend. ( Eingeschriebene Hilfskaffe Nr. 118.) Sonntag, den 31. August, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Fritz Wilke, Sebastianstr. 39: Außerordentliche Die Bezirks- und Branchen- Vertrauens- General- Versammlung. D männer- Versammlungen finden nur nach Bedarf statt. Siche Dienstags- Inserat. Dienstag, den 5. August 1913, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 3: Versammlung aller in Rahmenvergoldereien beschäftigten Rahmenvergolder und Hilfsarbeiter. Tagesordnung: Stellungnahme zum Ablauf des Tarifvertrages der Nahmenvergolder Groß- Berlins. Bezirk Ober- Schöneweide. Dienstag, den 5. August 1913, abends 812 Uhr, bei Warnecke, Wilhelminenhofstraße 18: Mitglieder- Verfammlung Tagesordnung: Verbands- und Bezirksangelegenheiten. Schirmmacher. 12 Montag, den 11. August 1913, abends 17 Uhr, bei Knörig, An der Stralaner Brüde 3: Mitglieder- Verfammlung 86/15 Verbandsbücher sind mitzubringen. Die Ortsverwaltung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über die vom Borstand und Ausschuß ausgearbeiteten Sagungen als Zuschußkasse. 38/ 5* 2. Diskussion und Beschlußfassung. Mitgliedsbuch legitimiert. Bollzähliges und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. J. A.: H. Metzke. Gardinenhaus Bernhard Schwartz Erstkl. Bezugsquelle für Gardinen Portieren Teppiche Gr. Posten unter Breis! Berlin, Wallstr, 13, Spindlershof. Möbel Wer Möbel kaufen will, versäume nicht, unsere Ausstellung komplett eingerichteter Musterwohnungen zu besichtigen. Unsere beliebten Ein- und Zweizimmer- Einrichtungen zu M. 214, 280, 321, 432, 516 2c. 2c. werden infolge der gediegenen und modernen Ausführung sowie wegen der niedrigen Preise auch Ihnen gefallen. Unser ständiges Lager von ca. 300 Einrichtungen bietet eine Auswahl von überraschender Großartigkeit. Wir geben weitgehendste Garantien für gute und zuverlässige Bedienung. 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