Kr. 199. HiwnnementS'Rediityunden: Stlomt«netü5-®rcl« pränumerando: Licrteliihrl. 830 fü!f, monofl. 1,10 wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntag». nummer mit illustrierter Sonntag-. Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg, Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich> Ungarn 230 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnement» nehmen am Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. Nurnänien, Schweden und die Schweiz. 80. Jahrg. Cridstlnt tZgstch. 5**>■ Verlinev VolkesblÄkt. Die Infertions* Gebühr steträgt für die scchsgespaltcne Kolonel- zeile oder deren Ziauni M Pfg., für politische und gewerkschastliche Bereins. und Persammlung-, Anzeigen 80 Plg. „Kleine �nreigen", das settgcdrnckle Wort 20 Pfg. izuläsfig Lfettgedruikte Worte), ledes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellen.»:. zeigen das erst- Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Luch. ä laben zählen für zwei Worte. Inserat- iir die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SspIlillltlnollfZt Berlin". Zcntralonyan der rozialdcmokrati fehen parte» Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 6g, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1083. Dienstag, den 5, Angnst 1913. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morttzplatz, Nr. 1084. kein fanatna? Das Wort unseres Genossen Liebknecht, daß der Krupp- skandal ein Panama bedeute, wurde am Montag in der Verhandlung des Krupp-Pcozesses wiederholt zitiert. Zuerst von dem Verhandlungsführer, der das Wort Liebknechts nach dem amtlichen Stenogramm genau feststellte. Dann wieder- holt von dem Anklagevertreter, Kriegsgerichtsrat Dr. Welt. Zuerst, um den Angeklagten die Schwere ihrer Vergehen vor- zuhalten: solche Angriffe hätten dem Kriegsministerium von der Reichstagstribüne herab ins Gesicht geschleudert werden können, ohne daß eine sofortige Entgegnung möglich gewesen sei. Tann zuleht, unl zu bemerken, daß die schwere Beschul- digung des Abgeordneten Liebknecht sich denn doch jetzt als unbegründet erwiesen habe. Sicherlich feien ja ober- faule Geschichten passiert— aber von einem Panama könne denn doch keine Rede sein. In trefflich berechneter Steige» rung kamen dann die Verteidiger. Ein Panama? Aber ganz und gar nicht. Nicht einmal ein Panamino. Gewiß, ein paar Fälle von militärischem Ungehorsam, ein paar un- bedachte Fälle von Indiskretionen, die besser unterblieben wären, auch schon im Interesse der verdienten Patrioten- firma Krupp. Aber ein Panama, ein Korruptionssumpf, ein übelriechender Skandal? Lächerlichl Bösartige Ueber- treibung Uebelgesinntcr, die eigentlich nicht wert sind, den Namen Deutsche zu tragen! Es fehlte nur noch, daß schleunigst Kriegervereine und all- teutsche Organisationen zu Vertraueuskundgebungen für die schnöde verlästerte Kanonenfirma aufgeboten würden! War es also wirklich kein Panama? Prüfen wir noch einmal die Situation. Da saßen sechs aktive Zeugoffiziere und ein ehemaliger Feuerwerker auf der Anklagebank, denen nicht nur nachge- wiesen war, daß sie Dienstgeheimnisse der wichtigsten und sekretesten Art an einen Geschäftsagenten der Firma 5brupp verraten hatten, sondern von denen auch die Mehrzahl über- führt war, für diese schmählichen Handlangerdienste Schmier- und Bestechungsgelder genommen zu haben. Sieben Mann also. Ein ganz nettes Häufchen Unglück! Und daß es nicht noch mehr waren, war nur dem Zufall zu danken. Denn daß auch noch andere Schuldige vorhanden sind, ließ ja der Anklagevertreter in seinem Plaidoyer selbst durchblicken. Tie anderen wurden nur nicht erwischt. Sechs aktive Militärpersonen, fast alles Offiziere, wenn auch nur Zeugoffiziere, als arme Sünder, ist, wie gesagt, fiir nicksi gerade unbescheidene Ansprüche doch schon ganz respek- tabel. Hinzu kommt, daß in dem einen Fall die Kette gar nicht abriß, daß jeder Amtsnachfolger eines Versetzten völlig in die Fußtapfen seines Vorgängers trat. Das ist für unsere Heeresverwaltung nichts weniger als eine Schmeichelei. Zumal wenn man berücksichtigt, daß sich die Angeklagten durchweg aus ,,a u serlesenem Ma- t e r i a l" rekrutierten, wie die militärischen Sachverständigen ausdrücklich zugaben! Auch sonst hatte die Heeresverwaltung gerade keine Ur- sache, auf auserlesenes Material dieser Art stolz zu sein. Daß die Angeklagten leugneten und sich krampfhaft reinzu- waschen suchten, kann man ihnen natürlich nicht verdenken. Aber daß die Brust dieser Zeugfeldwebel und Zeugleutnants geradezu Hochgefühle schwellten, toenn ein Mann mit gespicktem Portemonnaie sich dazu herabließ, sie mit Liebenswürdigkeiten und warmem Abendbrot zu traktieren, zeugt doch von einer inneren Hohl- heit und Armseligkeit dieser Leutchen, die höchst blamabel ist. Und was soll man vollends dazu sagen, daß einer von ihnen nach seiner eigenen Erzählung beinahe sein Parade- beinkleid beschmutzte, als er sich einen: ihm als streng geschil- derten General vorstellen mußte. Ein Leutnant war das! Ein Offizier, den der bloße Anblick des Gestrengen so in Per- wirrung setzte, daß ihm Hören und Sehen verging und er absolut nicht mehr wußte, was eigentlich bei dieser Antritts- Visite mit ihm vorgegangen war. In der Tat: sehr viel Staat läßt sich mit solchen Leuten nicht machen. Hoffen wir. daß das auserlesene Material sonst nicht allzusehr dieser Auslese gleicht! Und alles, was diese armen Schächer Ernstliches zu ihrer Verteidigung vorzubringen vermochten, konnte dem Kriegsministerium erst recht nicht lieblich in diie Ohren klingen. Ta hieß es. daß die Firma Krupp eine Ausnahme- stellung einnehme und daß man geglaubt habe, für sie gebe es schlechterdings keine militäriscljen Geheimnisse. Und so sehr man es anfangs bestritt: es erinnerte sich faktisch ein als Zeuge vernommener Sachverständiger, daß in der Tat ein Ministerialerlaß oder eine Kabinetts. 0 r d e r e x 1 st i e r e. die für die Firma Krupp in Anbetracht ihrer„Verdienste" oder ihrer„Bedeutung" eine besonders be- günstigte Stellung schuf. Seltsamerweise wurde freilich der Wortlaut dieser eigenartigen Order ebensowenig fest- gestellt, wie man es der Mühe wert hielt, festzustellen, ob, denn wirklich einmal ein Oberst Brandt als militärischer Sachverständiger erklärt hat:„Für die Firma Krupp gibt es keine militärischen Geheimnisse." Jedenfalls konnten sich die Angeklagten für ihre Misse- taten auf ibron� guten Glauben berufen, für ihr Teil— wenigsten� der~ � nach— ja auch nichts anderes getan zu haben gr? �'-wrdnete Stellen. Brandt bewies ja durch seine Erzählungen, daß er selbst in die geheimsten Dinge eingeweiht war. Das hatte die Firma doch wohl von den höheren Instanzen erfahren— warum sollten da die Subalternen die Kenntnisse des Herrn Brandt nicht ihrerseits bestätigen. Ueber dies Kapitel wäre ja noch sehr viel zu sagen. doch wollen wir für heute dieser Versuchung widerstehen, zumal wir gerade diesem Thema bereits in den letzten Tagen so manche Glosse gewidmet haben. Zudem: wem all das noch nicht genügen sollte, um den Tatbestand eines„Panama" zu erfüllen, der betrachte sich einmal die Hintermänner des Brandt, die hochmögenden Direktoren der Patriotenfirma. Es sind ganz illustre Persönlichkeiten, diese Direktoren: hohe ehe- malige Militärs, Juristen, Diplomaten usw. Be- vor sie von der Firma übernommen wurden, saßen sie häufig als Referenten und Dezernenten in den Mini- sterien. An Gehalt tauschen sie mit keinem Minister. Auch der Braudt bezog zwar das Gehalt eines Regi- mentskommandeurs. doch würde ihn kein Hauptmann(wir meinen einen veritabeln königlich preußischen Hauptmann, denn die Zeugoffiziere gelten ja nur als Halbzeug) trotz all seiner Tüchtigkeit und seines Wertes fiir die gefeierte Patriotenfirma als Gleichstehenden behandelt haben. Die Herren Eccius, Mouths, Rausenberg und Dreger dagegen Verkehren mit Generalen und Exzellenzen ganz wie niit ihresgleichen. Und diese Herren wußten um die Mission� des Brandt, kannten das mehr als Bedenkliche seines Treibens, begriffen, daß seine„Kornwalzer" zum guten Teil nur sträflichen Indiskretionen von Zeugoffizieren und Militärbeamtcn ihre Entstehung verdanken konnten und—„ließen d i e Sache laufe n". Mit ätzend bitterem Spott verhöhnte am Montag der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat v. Welt, die so treuherzig gespielte Ahnungslosigkeit der kleinen Sünder, die in der Lehrter Straße auf der Anklagebank schwitzten. Sie aßen sich auf Kosten des Brandt satt, lieferten dem Brandt dazwischen den Stoff zu seinem neuesten„Kornwalzer", stießen dann erneut auf Kosten Brandts mit den Gläsern an und sollten nicht gemerkt l)aben. daß sie dadurch gekauft! wurden? Auf zehn Meter gegen den Wind rieche das doch nach B e ste ch u n g! Nun, die patriotische Firma Krupp und ihre illustren Direktoren schickten den Brandt mit 3500 M. Schmiergeldern nach Berlin, ließen sich seine Kornwalzer schicken und ver- wendeten sie, ohne Brandt sofort anzufahren:„Unglücks- mensch, was machen Sie?" Doch mehr noch: die mit Gene- ralen und Exzellenzen befreundeten Herren Direktoren, zum Teil selbst ehemalige hohe Offiziere und Ministerialbeamte. belobigten den Brandt ob seines Eifers, erhöhten sein Gehalt von 5500 auf 7000 Mk., gaben ihm Weihnachts- gratifikationen von erst 1000, dann 2000 M.. steckten ihm obendrein jährlich noch 1000 M. in seinen Spartopf. Und in der Hauptsache doch deshalb, weil Brandt den Nach- richtendienst so famos in Schwung brachte, weil er Subalternoffiziere und Beamte zur Spionage verleitete, die selbst im mildesten Falle mit Gefängnis und D i e n st- entlassung zu bestrafen war! Da möchten wir denn doch frei nach Herrn Kriegs- gerichtsrat v. Welt fragen: Stinkt das nicht fünfzig Meter gegen den Wind nach Korruption? Daß ein Herr Ulrich als Verteidiger es fertig brachte. in solcher Situation und nach solchen Feststellungen noch einen Hymnus auf diese moralisch so keusche Firma Krupp anzustinimen, verrät eine Geschmacksverirrung, die man nur einem Allteutfchen zutrauen kann. Selbst einem Politiker und Verteidiger von dem Geschmack und den Gaben eines Herrn Ulrich freilich sollte man den unglückseligen Einfall nicht zutrauen, sich zur Beschönigung des Kruppskandals noch auf die Autorität Wilhelms II. und seine Rede zur Zentenar- feier der Kanonenfirma zu berufen! Zweifellos hat der am Dienstag zu Ende gehende Prozeß eben nur durch eine schmale Ritze Licht in das Geschäfts- gebaren der Firma Krupp und dessen Wirkung auf staatliche Organe fallen lassen. Auch Herr Kriegsgerichtsrat v. Welt wird beim Blick in diese Abgründe, in die ja erst das Moabiter Zivilgericht hinabtauchen soll, gestehen müssen:„doch unter mir lag es noch bergetief in purpurner Finsternis da." Aber schon das relativ Wenige, was der Prozeß ins iinerbittliche Licht des Tages gebracht hat, macht alle Schwindelausflüchte und Vertuschiingsversuche zuschanden. Nicht um Kleinigkeiten und Zufälligkeiten handelt es sich bei der aktiven und passiven Bestechungsaffäre, die am Dienstag in ihrem e r st e n. und zwar u n v e r h ä l t n i s- mäßig harmloseren Teile ihre Sühne finden soll, son- dern um ein Systeiii, um ein P a n a m a. Die Vertreter der Mächte in Konstantin opel treten an die Pforte mit der Mahnung heran, auf Adrianopel zu ver- zichten. Sie versprechen den Türken dafür„Kompensationen", Die Wortführer der Jungtürken erklären aber nach wie vor, daß sie sich nur mit Gewalt aus Adrianopel herauswerfen lassen. Eine freundschaftliche Mahnung an die türkische Adresse richtet auch das deutsche Regierungsblatt, die„ N 0 r d d. Allgem. Ztg.". Sic schreibt: „In der Frage der Zukunft A d r i a n ö p e l s ist eine schärfere Zuspitzung vermieden worden. Es kann begreif- lich erscheinen, daß die Stimmung im türkischen Heere und der Patriotismus des osmanischen Volkes zur Behauptung der vielumstrittenen Stadt drängen. Einsichtige türkische Staatsmänner entziehen sich aber nicht der Pflicht, genau zu prüfen, ob es dem bleibenden Interesse ihres Landes ent- spricht das Verhältnis der Pforte zu den Großmächten wie zu Bulgarien, von dem Besitz Adrianopels abhängig zu machen, oder ob das Bedürfnis der Türkei nack) einer strategisch vor» teilhafteren Grenze nicht durch Verhandlungen mit den Mächten, unter Rückkehr auf den Boden des Londoner Ver- träges, zu befriedigen wäre. Die dauernde Wiederbesetzung Adrianopels ivürde den Anlaß zu einem neuen Waffengang zwischen der Türkei und dem an seiner Zukunft nicht ver-, zweifelnden Bulgarien fortbestehen lassen. Sie würde ein Hindernis für die von beiden Regierungen gewünschte gute Nachbarsckiaft sein. Sie würde die Türkei zu unablässigen militärischen Anstrengungen in Thrazien und, fiir solche Zwecke, zum Verbrauch von Mitteln zwingen, die das Osma- nische Reich, mit mehr Nutzen fiir seine Ziikuuft, anderen Aufgaben zuwenden könnte. Dies ist die Ansicht aufrichtiger Freunde der Türkei, und sie deckt sich mit dem Urteil türki- scher Patrioten, die über die gegenwärtigen Umstände hinaus die innere Erstarkung ihres Vaterlandes ins Auge fassen." Die Montagsihung der Friedenskonferenz. Bukarest, 4. August. Die Konfcrenz hat auf den Borschlag des Borfitzcnden Majoresco den Waffenstillstand um drei Tage verlängert. Nachdem die Konferenz die Verlängerung des Waffensiillpandes beschlossen hatte, vertagte sie sich auf morgen nachmittag. Ter serbisch-bulgarische Grenzstreit. Belgrad, 3. August.(Meldung des Wiener K. K. Tel. Korresp.-Bureaus.) Tie von den bulgarischen Delegierten unterbreiteten Gegenvorschläge betreffend die zukünftige Grenzlinie, haben in Belgrad einen ungünstigen Eindruck hervorgerufen, weil man in diesem Verhalten Bulgariens eine Mißachtung der militärischen Erfolge der Verbündeten sowie das Bestreben erblickt, die Friedensverhandlungen zu ver- eiteln. Man erwartet, daß die griechischen Delegierten die bulgarischen Vorschläge in gebührender Form abweisen werden. Die Mächte und die Türkei. Konstantinopcl, 3. August. Die italienische Botschaft hat heute morgen die Instruktion für die crivartete Demarche be- züglich Adrianopels erhalten. Die Justruktion fiir die eng- lische Botschaft steht noch aus. Wahrscheinlich wird die De- marche morgen erfolgen. Es verlautet, daß die Mächte der Pforte den Rat erteilen tverden, Adrianopcl gegen Kompen- sationen zu räumen, die hauptsächlich in einer Grenzberichti- gung und der Erhöhung der Zölle auf 4 Prozent bestehen würden. Verlängerung lies NattenttliiltanÄes. Die B u k a r e st e r F r i e d c u s k 0 n f e r c n z hat sich in ihrer offiziellen Montagssitzung noch nicht mit den kritischen Grenzfragen beschäftigt. Diese bilden immer noch den Gegenstand der Sonderverhandlungen, in denen die Parteien zu einer Einigung zu kommen suchen. Immerhin hat die Konferenz beschlossen, den Waffenstillstand um drei Tage zu verlängern. Erklärung zu umstehender Karte. Serben und Griechen verlangen eine Grenzlinie, welche zunächst die Struma entlang geht bis zum Sarp-Flutz, einem kleinen Nebenfluß, der südlich von Petritsch in die Struma mündet. Von hier wird eine gerade Linie zur Kuppe 1314 des Tschengcl- Gebirges gezogen, worauf die Grenze dem Kamm dieses Gebirgs- zugcs in nordöstlicher Richtung über den Alibutusch hinweg derart folgt, daß sie die Wasserscheide zwischen Struma und Mesta inne- hält, lieber die Kuppen Schabran und Presek, wobei Lovtscha griechisch bleibt, wird der Stragatsch-Berg erreicht, von wo es über Kuppe 1300 und llbl) nach Kuppe 1152 geht, so daß Guschtereh und Bclotinci griechisch bleiben. Dann wendet sich die Grenze scharf : nach Norden quer über die Mesta längs der Kuppen Tschuka, Karatschowa, Schibkowa und Schadir Kaja immer auf der Wasser- scheide zwischen Mesta und Maritza zum Kajintschal und schließlich zum Daliboschla an der alten mazedonisch-thrazischen Grenze, die von jetzt ab auch die neue Grenzlinie bis zur Kuschlar-Kuppc bilden soll. Von hier wird in nordöstlicher Richtung über Kuppe 394 der Margusan-Berg und dann nach Süden umbiegend der Kamm des Memkowa-GebirgeS erreicht, dem die Grenzlinie bis Kuppe 959 folgt. Sie geht dann östlich längs des Kartal-Kannnes bis zum Aksu-Fluß, dem sie dann nach Süden bis zur Mündung in den Golf von Kara-Agatsch oder Lagos folgt, so daß Gümüldschina bulgarisch bleibt. Die Bulgaren schlagen demgegenüber vor. Tic neue Grenze nimmt am Pataritza-Bcrg an der alten serbisch-bulgarischcn Grenze ihren Anfang und geht in gerader Richtung nach Süden bis zur Kriva, deren Lauf bei Kavaklija so erreicht wird, daß dieser£rt bulgarisch bleibt Dann folgt die Grenze der Kriva bis Bakov, das serbisch wird, und geht in gerader Richtung südlich zuiN Azmak- Fluß. diesen entlang bis zur Einmündung in die Bregalnitza und längs dieser zum Wardar-FIuß. Egri-Palanka, Istip, Kotschana und Strumitza bleiben also bulgarisch. Vom Wardar führt die (Linie zur Klepa-Spitze, entlang dem Babuna-Plateau nach Süden über Popadija-Gebirge und Vorila-Gcbirfle zum Beli-Kamm und weiter länys des Kammes des Sclecka-Gebirges, so dah die'' Land- schuft Morichow bulgarisch bleibt. Monastir wird serbisch. An der Tschrika-Spitze biegt-die-Grenze nach Osten ab aus Kuppe. 2&25 iKajmaktschalan) zu und gelangt längs des Nischi-PlatcauS zur Dschena-Kuppe und dann wieder längs des Kodscha-Flusses zum Wardar der nördlich der Station Gümcndsche überschritten wird. Dann geht die Grenze südlich des Doiran-Sees zum Kisar-Tepe und dann östlich über Kuppe 490 und 076 zum Kruscha-Balkan und dessen Kamm entlang bis Kuppe SSV und weiter zur Struma hin- ab, deren Lauf die weitere Grenze bildet. Hierdurch würden Doiran, Seres, Demir-Hissar. Drama und Kawala bulgarisch bleiben. � Die Bulgaren wollen also tatsächlich nur Monastir und Salo- niki preisgeben, alles andere aber behalten. Das können sie natür- lich nicht verlangen und so ist wohl anzunehmen, daß man sich auf einer mittleren Linie einigen wird, nämlich auf der Struma- Grenze. Zu den Priedensverhandluiioen in Bükaresr. Änsfe entyJttrgagespnxfiene€&& and schraffterf: fnncfenBufgaren deenspruc/tf� �finden Ikridrrdefcngabrtkiie Snsnzd politirche Qcberlicbt. Die Fremdenlegion. In der Montagsnunimer des„Vorwärts" vom 14. Juli brachten wir einen Artikel gegen die Fremdenlegion. Wir wiesen darin auf die tieferen Ursachen hin, die dieser fran- zösischen Söldnertruppe immer und imnier wieder deutsches Menschenmaterial zuströmen lassen. Solange diese Ursachen bestehen, wird der Kainpf, der von bürgerlicher Seite gegen die Fremdenlegion mit reichlich viel nationalistischem Pha- risäismus geführt wird, erfolglos bleiben. Bestätigt wird jetzt ein Teil unserer damaligen Ausführungen durch ehe- malige Fremdenlegionäre, die im Laufe der verflossenen Woche in Köln einige Versammlungen abhielten, um die Wahrheit über die Fremdenlegionen zu verbreiten und vor dem Eintritt zu warnen. In der letzten Versammlung waren, wie man uns aus Köln schreibt, 19 ehemalige Legionäre an- wesend, von denen 6 das Wort ergriffen. Der älteste davon, ein Greis von 76 Jahrm, hat schon in den Jahren 1859/1870 in Algier gedient und auch sein Sohn befindet sich zurzeit in der Fremdenlegion. Ein anderer hat 12 Jahre in Siam, Tongking, Dahome, Madagaskar usw. als Legionär gekämpft. Die Erzählungen dieser Leute sind ganz überraschend. Alle stimmen darin überein, daß die Berichte über die Zustände in der Fremdenlegion, die man in deutschen Blättern liest, heillos übertrieben sind. Auch diejenigen der ehemaligen Le- gionäre, die das Soldatenleben in Afrika in düsteren Farben malten, erklärten, daß große Strapazen nur auf dm Kriegs- Märschen zu leisten seien. In den tbarnisonen selbst sei der Dienst wesentlich angenehmer als in Deutsch- l a n d. Die Leute niachen Anspruch darauf mit diesem Wer- gleich ernst genommen zu werdm, da sie fast durchweg 2 und 3 Jahre auch in Deutschland gedient haben. Der eigentliche Dienst in der Garnison dauere nur von 5 bis 8 Uhr morgens; von 19 bis 2 Uhr sei Siesta vorgeschrieben. Auch nach 2 Uhr sei nicht immer sofort wieder Dienst und von 5 bis 19 Uhr abends stehe auf jeden Fall jedem Soldaten der Spaziergang frei. Allerdings seien die Strapazen auf den Märschen furchtbar. Ein ehemaliger Legionär, der als deutscher Soldat mit in China war, sagte aber, diedeutschenKolonial- truppen würden mindestens ebenso sehr angespannt, und auch in Deutschland selbst stürben ja nicht selten Soldaten auf dem Marsche. Ihm habe es in der Legion sehr gut gefallen. Die Rede dieses Mannes, der erst vor wenigen Wocksen aus Afrika zurückgekehrt ist, erhält eine der- stärkte Beweiskraft dadurch, daß er in der Legion zum Ko- poral befördert worden ist. Alle Redner bekräftigten immer wieder, die Erzählungen in deutschen Zeitungen über das furchtbare Strafsystem in der Legion seien Märchen. Wer sich nichts zuschulden kommen lasse, werde nicht bestraft. Man müsse bedenken, welche Elemente dort zusammengewürfelt seien. Die allermeisten hätten etwas auf dem Kerbholz und deshalb sei strenge Disziplin unerläßlich. Die Leute, die. in die Heimat zurückgekehrt, so furchtbar über die barbarischen Strafen jammerten, vergäßen stets, zu sagen, weshalb sie eigentlich best rast worden seien. Solche Leute hatten meist die haarsträubendsten Dinge sich zuschulden kommen lassen. Die Vorgesetzten wagten gar nicht, so streng zu bestrafen, weil sie auf den Kriegszügen sonst ihres Lebens vor den eigenen Mannschaften nicht sicher seien. Tatsächlich befanden sich mehrere ehemalige Legionäre in der Versammlung, die mit Stolz gute Führungszeugnisse mit nur ganz geringfügigen Strafen über ihre Dienstzeit bei der Fremdenlegion vorzeigten. Mehrfach wurde unter leb- hafter Zustimmung erklärt, das deutsche Drill- und Strafsystem sei schlimmer. Als Beweis wurde unter anderem dieser Fall vorgeführt: Ein jetzt in Köln lebender einstiger Legionär schlug in einer Wirtschaft ohne jede Veranlassung einen Korporal der Legion ins Gesicht. Als die Wache anrückte, entriß der athletische Mann einem Soldaten das Bajonett und verprügelte Mannschaften und Vorgesetzte. Dafür erhielt er nur drei Jahre Festung, obwohl er schwer vorbestraft war. Die einstigen Legionäre äußerten, so glimpflich wäre er im gleichen Falle in Teutschland nicht davongekommen. Von den Ueöertreibungen in der deutschen Presse wurden verblüffende Beispiele angeführt. So wird in Nr. 28 der bekannten Zeitschrift„Nach Feierabend" behauptet. ein Deutscher Habertühr habe bei einem Gefechte in der Fremdenlegion jüngst beide Augen eingebüßt und dafür nur einen Orden erhalten. Ein gerade aus der Legion zurück- gekehrter Mann sagte, er habe mit Habertühr zusammen ge- dient und wisse, daß dieser insgesamt 759 Fr. Pension be- ziehe.(Zurufe: Was bekommen die deutschen Veteranen?) Die schlichten Schilderungen der alten Legionäre machten aus alle Zuhörer einen tiefen Eindruck. Alle Redner warn- ten trotz alledem auf daseindringlich st evor dem Eintritt in die Legion und zwar aus zwei Gründen: Das Heimweh treibt viele zur De- sertion und stürzt sie daher in schwereStra- sen— und es ist nichts in Afrika z u holen. Arm, w i e erging, kommtderLegionärzurück. Alle ehemaligen Legionäre ohne Ausnahme nahmen aber die französische Regierung gegen den Vorwurf in Schutz, daß sie mit unlauteren Mitteln junge Leute anwerbe. Auch bezahlte Werber gebe es nicht. Die Forderungen an die deutsche Regie- rung gipfelten in zwei Punkten: Abschaffung des preußischen Drillsystems, dasvieledeutsche Soldaten zur Verzweiflung treibe und Schaffung eines Freiwilligenkorps für die Kolonien. Dieses werde die abenteuerlustigen jungen Deutschen aufnehmen, die dann nicht mehr in die Fremdenlegion gehen würden.(Daß wir als Sozialdemokraten einen derartigen Vorschlag nicht gutheißen können, ergibt sich schon aus unserer Stellung zur Kolonialpolitik. Die Red. d.„Vorw.".) Die zahlreichen ehemaligen Fremdenlegionäre in Köln wollen die Aufklärungsarbeit über die Fremdenlegion unter ständiger Warnung vor dem Eintritt fortsetzen. Zu Auskünften ist Herr Eidneier, Karthäuserwall 23, bereit._ Neue Nustungen. Die„Tägliche Rundschau" erfahrt, daß die Bildung eines „fliegenden Geschwaders", da» jederzeit zur Verfügung steht, um gefährdete deutsche Interessen im Auslande zu schützen, jetzt endlich in Aussicht genommen worden ist". Zunächst soll das fliegende Geschwader nur aus dem umgebauten Kreuzer„Uork" und einigen lleinen Kreuzern bestehen: später soll ihm aber noch ein großer Kreuzer zugesügt werden, bis. dann im Jahre 1917 die acht großen Kreuzer der Hochseeflotte vollzählig sind. Mit dem fliegenden Geschwader will man dann überall, wo etwa» los ist, mit der gepanzerten Faust dazwischen fahren. Wenn übrigens die im Bau befindlichen Kreuzer zu dem fliegenden Ge« schwader geschlagen werden sollen, so werden Neuforderungen fiir die Marine die Folge sein._ Staatsangehörigkeit«nd Militärpflicht. Das Gesetz über die Staatsangehörigkeit regelt auch die Militär« Verhältnisse der im Ausland lebenden Deutschen. Unter bestimmten Umständen kann von jetzt ab ein Deutscher von der Ausübung der Militärpflicht entbunden werden. Militärpflichtige, die sich in einem außereuropäischen Lande eine feste Stellung als Kaufmann, Ge- werbetreibender usw. erworben haben, können nämlich nach Ablauf der Frist, für die sie angestellt find, frühestens jedoch nach Ablauf deS vierten Dienstpflichtjahre», auf ihr Ansuchen durch die Ersatz« behörde dritter Instanz dem Landsturm ersten Aufgebote» über- wiesen werden. Diese Vergünstigung darf jedoch den Militär« Pflichtigen nur gewährt werden, wenn bei Ableistung der aktiven Dienstpflicht, sei eS im Reichsgebiete, sei eS in einem Schutzgebiet, ihre Stellung oder ihr in dem außereuropäischen Lande angelegtes Vermögen gefährdet sein würde, auch kein Anhalt dafür vorliegt, daß die Voraussetzungen der Ueberweisung zum Landsturm zur Um- gehung der Dienstpflicht herbeigeführt wird.— Liese Erleichterung wird allerdings in der Regel nur Sprößlingen kapitalistischer Kreise zugute kommen. Religio« und Geschäft. MS in der Nachwahl im elsässischen Wahlkreise Schlettstadt ein Rundschreiben des Zentrumsvorsitzenden an die Gerstlichen bekannt wurde, wonach die Pfarrer sehr warm für den klerikalen Kau- didaten Pfarrer Haegy eintreten sollten, leugneten sämtliche Kleri- lalen diesen Zusammenhang von Religion und Politik. Jetzt kommt ein Brief an die Oeffentlichkeit, den ein katholischer Geistlicher einer liberalen Zeitung in Straßburg zur Verfügung stellte, der von dem Wahlmacher der Herren Wetterls und Konsorten stammt. Der Brief lautet: Huf dem Kriegsschauplätze. Genosse Hugo Schulz schreibt der Wiener„Arbeiter- z e i t u n g" aus dem Hauptquartier der zweiten serbischen Armee in P i r o t vom 24. Juli: „Meine Erwartung, das Schlimmste des Kriege? in aller- unmittelbarster Nähe mitansehen, ja gewissermaßen miterleben zu dürfen, ist bisher enttäuscht worden. Zunächst aus einem Grunde, dessen Bestehen ich nicht bedauern kann. Das Blutvergießen hat nämlich auf diesem Abschnitt de» Kriegsschauplatzes erheblich nach- gelassen und die derzeit stattfindenden Kämpfe gleichen nur noch dem leisen Regenschauer nach einem wilden Wolkenbruch. Die zweite serbische Armee, die im wesentlichen aus den beiden Divi- sionen, die Adrianopel erstürmen halsen, dann aus neugebildeten Formationen und auS etlichen Landsturmbrigaden besteht, hat mit einem sehr bedeutenden Teile ihrer Kraft wenige Kilometer ober- halb der Befestigungen von Pirot daS Tal der Nischawa mit seid- mäßigen und halbpermanenten Verteidigungsbauten dermaßen der- riegelt, daß die Bulgaren wenigstens doppelt so stark sein müßten, wenn sie ernstlich daran denken wollten, hier frontal durchzu- brechen..... Alle Leute, mit denen man spricht, haben seit Kuma- nowo Fürchterliches durchmachen müssen. Fragt man sie aber nach ihren persönlichen Erlebnissen und Eindrücken, so wissen sie nur Artillerieanekdoten zu erzählen. Die merkwürdigsten und fabel- haftcsten. Mir fiel daS schon in Belgrad auf, wo die Parteifreunde, die mich führten, auf der Straße einen uniformierten Genossen trafen, der eben mit einem Gefangenentransport von der Brcgal- nitza eingetroffen war. Er hatte alle Schrecknisse der scchsiägigen Schlacht bis zur Erstürmung von Kotschana miterlebt, wußte aber von nichts anderem zu erzählen als von der Cholera und von den grauenhaften Wirkungen der Artillerie. Fragt man aber die Aerzte, wie es darum steht, so sind sie allesamt sehr erstaunt über die geringe Zahl von Verwundungen durch Artilleriesprengstücke im Verhältnis der Wunden, die die klein- kalibrigen blauen Bohnen in die Leiber bohren. Bei der Zahl derer, die auf dem Schlachtfelde tödlich getroffen wurden, wird sich ja wohl das Verhältnis ein wenig zu„Gunsten" der Artillerie- aeschosse verschieben, aber dennoch ist kaum zu bezweifeln, daß auch in diesem wie in allen vorherigen Kriegen das Kleingewehr die Massenlieferungen in? Jenseits besorgt«, während die Kanonen mehr die Oualiiätsarbcit der Zerstörung und Tötung der- richteten.... Die Art, wie man heutzutage Kriegsberichterstatter, wenn man sie überhaupt an die Front läßt, in die Nähe der Feuerlinic bringt, ist sehr umständlich. Früher einmal, als man ihrer Tätigkeit noch nicht solches Mißtrauen entgegengebracht, ritten sie einfach auf das Schlachtfeld, suchten sich dort ein möglichst gesicherte? Plätzchen und sahen bequem zu, wie die Menschen einander abschlachteten. Heute arrangiert man in solchen Momenten, wo man sicher ist, daß nichts Besonders vorgehen wird, mit ihnen Ausflüge auf das Schlachtfeld. Man führt sie eine Strecke weit zu Wagen, läßt sie dann ein paar zahme Artilleriepferde besteigen, umgibt sie mit einem Stab von Offizieren, die dann in liebenswürdigster Weife die Ciceroni zu spielen haben. Es ist wie eine MuseumSbesichtigung, und ein bißchen Kanonendonner ist auch dabei. Ab und zu wird sogar ein Verwundeter vorbeigetragen. Gerade an dem Tag«, als ich in Pirot eintraf, wurde eine Gruppe von Berichterstattern in solcher Weise mit Schlachtfeldeindrücken abgespeist und bestand dabei sogar ein, wie die Herren nachträglich meinten,„pikantes" Abenteuer mit einer platzenden Granate. Ich hatte daS Pech, diesen AuSslug zu verpassen, und werde nun täglich vom Generalstabschef Obersten Ziwanowitfch auf eine künftige Gelegenheit vertröstet, momentan fei eS unmöglich. Ersten» wegen deS schlechten WetterS, da» aller- dingS alle Wege in tiefe Moräste verwandelt hat, dann aber auch aus anderen Gründen, die man nicht recht andeuten könne. Ge- meint waren offenbar die Truppenverschicbungen, die sich eben in- folge, der Einnahme von Belogradcik vollziehen, die aber auch in Pirot meiner Wahrnehmung nicht völlig entschlüpfen können. Gestern zog eine stattliche Anzahl von Gcschützbatterien vor- über. Die schivarzen stählernen Rohre samt den dunklen Rücklauf. lagern waren über und über mit Kot besprengt, desgleichen die grauen Protzen und MunitionSwagen, die Mannschaften und Pferde aber schienen sich förmlich im Morast gebadet zu haben. Da eS mir unmöglich ist, noch vier bis fünf Tage zu warten, so machte ich trotz deS regnerischen WetterS gestern einen schüchter- nen Versuch, auf Schleichwegen nach dem Kanonendonner zu mar- schieren, wurde aber schon recht bald gewahr, daß es ziemlich un- möglich sei, den Kordon von Landsturmmännern und Feldgen- darmen. der daS Kampffeld nach rückwärts absperrt, unbemerkt zu durchbrechen. Es ist bei einer Schlacht so wie bei einer Feuers- brunst in der Großstadt, wo der Brandplatz in weitem Umkreis gegen den Zutritt deS neugierigen Publikums abgesperrt wird. Ich begnügte mich schließlich heute, bei einigermaßen aufge- helltem Wetter in Begleitung de- Zensors Dr. Pelkowitsch den Berg Hissar-lo(»Schöne Aussicht") oberhalb der alten türkischen Festung zu besteigen, deren romantisches, verwittertes, wahrscheinlich von venetianischen Kriegsbaumeistern im sechzehnten Jahrhundert ge- fügtes Fach- und Winkelwerk eine Weile meine Aufmerksamkeit fesselte. Auf dem schmalkantigen Felsengipfel de? Hissar-lo gibt«s allerdings eine schöne Aussicht, aber ich hatte wenig Sinn für sie, meine Blicke spähten immer nur in die Richtung des TalauSgangeS. wo man zeitweilig ein weißes Wölkchen aufsteigen sah und dann erst einige Sekunden später ein dumpfes Geräusch hörte. Mit dem Feldstecher konnte ich den Verlauf der serbischen Positionen wohl erkennen, aber deutlich zu sehen waren nur die falschen Artillerie- stellungen, die listigen Blendwerke, die man aufgerichtet hatte, um den Gegner zu täuschen; zu unserer Rechten war stärkerer Kaimnen- donner zu hören, aber ein breiter Gebirgskamm entzog gerade dort die Borgänge, die sich nur wenige Kilometer entfernt abspielen mußten, unserer Sicht. Es handelte sich da offenbar um einen Versuch der Bulgaren, im südlichen Berggelande festen Fuß zu fassen und die rechte Flanke der zweiten serbi,chen Armee von ihrer Verbindung mit Egri Palanka loszutrennen. Es fing wieder zu regnen an und wir stiegen deshalb zu Tale. Ich hatte wahrhaftig nicht viel gesehen und nicht einmal so viel ge- hört wie in der vorausgehenden S acht wo eS allerdings recht schauerlich gekracht hatte. Zuerst ha te der H'mmel ,m Gewitter gezürnt und mit heftigen Donnerstagen da» Kanmengebrull zu übertäuben gesucht, aber die Ge,chutze behielten daS letzte Wort und begannen dann nach M i t t"nacht noch heftiger zu sprechen. Bald mengte sich auch das Rattern der Maichinengewehre in ,hr dumpfes. kurzes Gebell, bis dann schließlich um zwei Uhr nachts alles still Wurde. Die Bulgaren hatten am rechten Ufcr der Nischawa einen Nachtangriff unternommen und waren unter schweren Verlusten zurückgeschlagen worden. W'e fast.mmer m diesem F-ldzug, der der furchtbaren neuen Made deS Nachtangriffs fast gar keine Er- folge beschert hat. Man hat mst den Nachtkämpfen den Schrecknissen früherer Kriege bloß Tau, ende von neuen Schrecknissen Hinzuge- fügt, aber man erreichte damit nichts weiter als eine Multiplikation der Verluste, denn bei der Wachsamkeit de? Gegners, der seine Horchposten aufgestellt hat und das Vorgelände ununterbrochen mit Scheinwerfern beleuchtet, ist eS unmöglich, überraschend an ihn her« anzukommen. Unter dem sprühenden Feuerfächer der schon abends vorher sorgfältig eingestellten Maschinengewehre bricht dann der Angriff regelmäßig zusammen."... RapjzoltSweilek. 1. Mai 1013. Sehr geehrter Herr Pfarrerl Es hält von Tag zu Tag schwerer, sich Mehwein zu verschaffen, welcher durch seine Naturreinheit den liturgischen Anforde- rangen entspricht. Viele Geistliche haben deshalb, zum Schaden der ein- heimischen Produktion, ihre Zuflucht zu sremden Geschäftshäusern, hauptsächlich zu einem solchen in Algerien genommen. Ich glaube Ihnen aber volle und weitgehendste Garantie leisten zu können sür die Lieferung eines Weines, der ohne jeden verschlechternden Zusatz, ohne jede denaturierende Behandlung aus reinem Traubensaft gewonnen ist. Ich habe beim Bistum den Eid abgelegt, den bei mir bestellenden Geistlichen nur Wein zu liefern, der aus meinen eigenen, sehr ausgedehnten Weinbergen oder von Trauben gewonnen wird, die in meiner Gegenwart geenitet und gekeltert werden. Meine Gesinnungen als Präsident des Rappolts- Weiler Kreisvereins des e l s a h- 1 o t h r i n g i s ch e n gen- t r u in s find Ihnen bekannt. Ich habe für die Sache so b e- deutende Opfers!) gebracht, das; die Aufrichtigkeit meiner Gesinnungen wohl als erwiesen s!) betrachtet werden kann. Sie können deshalb versichert sein, dag meine Mefiweine absolut naturrein sind, und dag Sie dieselben mit gmem Gewissen verwenden können. Auf Ersuchen bin ich gern bereit, Ihnen mein Preisverzeichnis sowie Muster zu schicken. Mit dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung Constant T e m p ö*. Es wird den Zentrüinlern diesmal schwer fallen, die Verquickung von Religion und Gesckiäft, die der bischöflich vereidigte LLeinhä ndler und Präsident des Zentrums- kreisvereins betreibt, aus der Weit zu leugnen, ftiir sein offenes Bekenntnis, daß er sür seine so b e d e u t e n d e n Opfer für die Zentrumssache durch recht fleigigen Abkaus von.liturgischen' Weinen entschädigt werden will, für dieses Bekenntnis kann man dem Zentrumspräsidentcn nur dankbar sein. Das„sittliche" Münster. Als vor kurzem die sozialdemokratische Presse auf Grund von Mitteilungen der katholischen„Westfälischen Rundschau' nachwies, dag Genosse Dr. Liebknecht bei seinen Angaben über die Zu- stände in der Unviersitätsstadt Münster nicht nur nicht übertrieben hat, sondern daß seine Darstellung weit hinter der Wirklichkeit zurückblieb, da wagte die„Essener Bolkszeitung", und zwar als einziges Zentrumsblatt, den Wert der Zeugenschaft der„Wests. Rundschau" anzuzweifeln. Nun kommt da? offizielle Zen- trumsorgan Münsters, der„Westfälische Merkur", und bestätigt, wenn auch ein wenig gewunden, Liebknechts Angaben. Das Blatt schreibt: „Gewiss, es kann nicht geleugnet werden, dass seit Gründung einer Volluniversität sich bedenkliche Zeichen eines sittlichen Niederganges zeigen; man müßte blind sein, wenn man das abstreiten wollte. Es kann auch nicht geleugnet werden, dass viele Väter und Mütter in unbegreiflichem Leichtsinn und missverstandenem Interesse für ihre Töchter einen freien Verkehr dieser mit Studenten zu- lassen. Auch haben gutsituierte Münstersche Bürgersöhne sich beklagt, dass sie von dem Studenten, trotzdem er ohne Existenz ist, ohne Examen, ohne nachweislich ehrliche Ab- sichten, ausgestochen Ivürden. Es ist ja leider wahr, dass feit einigen Jahren sich die Zahl der sogenannten„Pärchen" aus der Promenade, im Schloßgarten usw. gemehrt haben. Es ist aber auch ebenso wahr, dass nicht allein Münsters Töchter das .Studentenfutter" stellen, dass vielmehr Münster seit einigenJahrenvonder.Demimonde" über- flutet wird. Solche Erscheinungen, wie sie in diesem Falle der Münsterschen weiblichen Jugend zur Last gelegt werden. dürften sich wohl in jeder Stadt unter gleichen Verhältnissen, von derselben Grösse oder Kleinheit wie Münster, beobachten lassen. Deswegen nun so tun, als ob es kaum eine Universitätsstadt gäbe, wo cS mit der Sittlichkeit der weiblichen Jugend so schlecht bestellt sei wie in Münster, kann man nur als Verleum- dung brandmarken." Es ist dem Genossen Liebknecht in seiner LandtagSrede gar nicht eingefallen, die weibliche Jugend Münsters schlechter hinzu- stellen, als jene anderer Städte ist; er hat sich nur dagegen ge- wendet, dass die Klerikalen stets pharisäerhaft auf die grossen(soll heissen: nichtkatholischen l) Universitätsstädte zeigen, wäh- rend sie allen Anlaß haben, bor der eigenen Türe zu fegen. Dass sie dazu Grund haben, gesteht der ultramontane„Weslf. Merkur" jetzt unumwunden zu. Er gibt die Fiktion, als ob die vom Zen- trumskleruS beherrschten Gebiete sich durch eine viel höhere Sitt- lichicit auszeichneten, völlig preis. Gegenüber den Auslassungen des„Westfäl. Merkurs" darf man fragen, ob die Zentrumsabgeord- neten Bell und � ch m e d d i n g auch jetzt noch Liebknechts Aeuhe» rungen als„beweislose Unterstellungen" und„bewciSlose. gehässige Angriffe" zu bezeichnen wagen. Moniftcnkongrest. Der Deutsche Monistenblind wird seine diesjährige General- Versammlung vom S.— 8. September in Düsseldorf abhalten. In den öffentlichen Vorträgen werden sprechen: Dr. Maurenbrecher- Mannheim über den Zusammenbruch der alten Weltanschauung; Stadtrat Dr. Penzig-Charlottenburg über Monismus und Jugend- bildung; Prof. Dr. Unold-München über die Bedeutung des Monismus sür Staat und Gesellschafr; Geheimrat Prof. Dr. Lstwald- Gross-Bothen über MoniSmuS und die Zukunft. Jedes Tierchen hat sein Pläsierchen. In der Montagsnummcr vom 28. Juli haben wir die An- Massung des hohen Kösener 8. C.(scniorenkonvents), in welchem die Studentenkorps auf deutschen Hochschulen zusaminengefaßt sind, einer Jhntik unterzogen. Der Artikel scheint die Mitglieder des Konvents arg verschnupft zu haben; denn die„Berl. Neuest. Nach- richten" veröffentlichen einen Leitartikel, in welchem die grossen Tugenden der Couleurstudenten gepriesen iiiid über den„Vorwärts" und seinen„Goit Demos" gewaltig geschimpft wird. Uns über bicfes Geschimpfe irgendwie aufzuregen, fällt uns nicht ein, da wir die aristokratischen Herrchen und ihre akademischen Manieren kennen. Um jedoch in der jetzigen Sommerschwüle unseren Lesern nicht den Genuß einiger heiteren Minuten zu entziehen, wollen wir wenigstens zwei niedliche Stellen aus dem Entrüstungsartikel mitteilen: .. w-irc natürlich vergebliche Liebesmüh', einem Blatt«. � macken � Kultur deS vollen Magens propagiert, klar Vertandunn"er Couleurstudent mit dem Namen seiner muü w en n �pt ist und wie s ch w e r e s> h n t r e u e n «I u&» e u n er a u f ei»"tnbi- keine Farben tu die ® ch u H a b c v e r f c n t e n m„£„Vorwärts" wird nie die Ätat mA ttt��urstudenten fas dreifarbige Band um Die-otiijt mttft Iii ein ferbiopr eA eine Idee bedeutet, einen Kompler 2" Tuchstrenen, B{j* aufzuopfern bereit ist unb�n®�fffcnT�te Alto hinein mit icmem ganzen Her,«».- rummess Mr'ÄA den EntrüstungS- ftubententum m Szene fetzt, ganz wo anders Ata s er'„Psian*- schule der Reaktion zu nennen belieb;l?>„."iTl de ewe Pflanzschule monarchischer Gesinnung TerÄta der Könias'- treue und der Vaterlandsliebe ist den t.', i bfc Turnerschatte�und wie die Verband« cH« heißen— oberstes unverbrüchliche» Gesetz. 'Grund genug, daß der„Vorwärts" ste haßt aus boller Seele. Und mehr noch, die gesunde Männlichkeit, die in jenen Verbänden gepflegt wird und die bereit ist, mit eigener Person für sich und ihre Ideen einzutreten, paßt nicht zu der weibischen Weinerlichkeit demokratischer Pazi- fizistenpredigten und die g u t e n M a n i e r e n, die die jungen Leute aus der Kinder st übe mitbringen, nicht zu dem Sauherdenton des berüchtigten Dresdener Jungbrunnens." Muh das ein Patentfatzke sein, dieser edle Artikelschreiber mit der„gesunden Männlichkeit" und den„guten Manieren" aus der Kinderstube! Uns scheint, er hätte noch in seiner Kinderstube bleiben sollen. Oekterreick. Tie Heeresvermehrung. Wien, 3. August.(Eig. Ber.) Die österreichisch-ungarische Armee soll v o n 18 a u f 22 A r m e ekorps zu je2 Jnfan- teriedivisionen mit den dazugehörigen Reiter-, Artillerie- und technischen Truppen gebracht und 5 Truppeninspektionen unterstellt werden. » Trotz einem allerhöchsten Erlaß und stürmischen Mann- schaftsdemonstrationen werden die in Bosnien mobili- sierten Reservisten nicht entlassen, sondern nur kurz beurlaubt._ Ter Druck des Absolutismus in Böhmen. Prag, 3. August.(Eig. Ber.) Der Landesverwaltungskommission ist vom Kaiser die Erhöhung der Landeszuschläge von bS auf KS Proz. auf alle direkten Steuern mit. Ausnahme der zu- schla-gsfreien Einkommensteuer und die Wiedererhebung der von 2 Kronen 70 Heller auf 4 Kronen pro Hektoliter erhöhten LandeSbierauflage gestattet worden. Daraufhin haben die Prager Hausherren bereits die Mieten um 10 Proz. erhöht und die Brauereien und Wirte erhöhen die Bierpreise um 4 Kronen pro Hektoliter, obgleich ja die Steuer nur einige Monate geruht hat und in dem seitherigen Bierpreis soweit einbegriffen war, als eS infolge der Protestbewegung der Arbeiterschaft bei ihrer Ein- führung möglich gewesen war. Jetzt glaubt man die Konsumenten um den ganzen Betrag schröpfen zu können. Indessen proklamiert die tschechoslawische Sozialdemokratie bereits- den Bierbohkott. Die Konfiskationspraxis wird auch wieder schärfer, sogar gegen die deutschnationale Schriftleiterpresse. Die Teutschbürgerlichen sind sich vorläufig noch ganz unein», ob sie über den„Staatsstreich" zetern oder über die„Einführung objektiver Verwaltung" sich freuen sollen. Das erster« würde Obstruktion im Reichsrat und Neu- Wahlen bedeuten und vor dem Kamps mit den 1911 betrogenen Arbeitern, die seitdem eine Mobilisierung, diverse neue Steuern und eine bis lOOproz. Verteuerung der k. k. Tabakprodukte erlebt haben, graut den Dcutschiiationalen. fraukreieb. Generalratswahlen. Paris, 4. August. Bon den 14S1 Generalratswahlen lagen bis um 3 Uhr morgens 1099 Ergebnisse vor. Danach wurden bisher gewählt: 14S Konservative und Liberale, 112 Progressisten, 722 Ra- dikale und radikale Sozialsten, 28 unifizierte Sozia- liste n. In 92 Kreisen haben Stichwahlen stattzufinden. Die Konservativen gewannen 8 Sitze und verloren 3S, die Progressisten gewannen 16 und verloren 27, die Radikalen gewännen 62 und ver- loren 26, die unifizierten Sozialisten gewannen 7 und verloren 4 Sitze. Im Departement Jura wurde der Finanzminister Dumont gewählt, im Departement Loire der Ko- lonialminister Morel und im Gard Oberst Marchand, in Arriege der frühere Minister Delcasse. Im Departement Herault kam es zu einigen Zwischenfällen. In St. Etienne d'AIbagnan wurde eine Wahlurne auf die Straße geworfen, so daß die Wahlzettel davon- flatterten, und in Meze im gleichen Departement wurde die Fest- stellung des Wahlresultates durch Manifestanten vereitelt. Velgien. Die Klerikalen gebe« nach. Brüssel, 2. August.(Eig. Ber.) Die Rechte hat nach einigem Zögern doch Vernunft angenommen: Die Kammer wird nach Erledigung des Budgets und der neuen Steuer- vorlagen in Ferien gehen und die Diskussion über das Schul- Projekt wird erst im Oktober beginnen. In der Donnerstagsitzung gab es noch die üblichen namentlichen Abstimmungen und einige Mitglieder der Rechten hatten sich sogar auf eine richtige Obstruklionsfitzung vor- bereitet und kamen schon für eine Nachtsitzung ausgerüstet in die Kammer.... Indes brachte die Sitzung im Gegenteil die erwähnte versöhnliche Wendung. Der Liberale Hymans verlangte Aufschub der Diskussion des Schul- Projekts für den 15. Oktober und machte im Zu- sainmenhang damit einige formelle Vorschläge, wie die Kammer ihre Tagesordnung— die Budgets und die neuen Stempel- vorlagen— erledigen könnte. In der Diskussion erklärte Vandervelde, daß die Linke einer ordnungsgemäßen Beratung iin Oktober keinen Widerstand und keine Obslruktionsabsichten entgegensetze. Herr Woeste sprach versöhnlich von einem„Mißverständnis" der Situation. Auch er wünsche eine Diskussion der Schulprojekte unter„würdigen" Bedingungen und spreche sich für die von Hymans gemachten Vorschläge aus. Schließlich drückte auch noch Herr v. Broqueville seine Zustimmung und seine Bc friedigung über das„Arrangement" aus und appellierte an „gewisse Mitglieder der Rechten, die vielleicht mit der Ver togung der Schuldebatte nicht einverstanden sind", dieses Opfer zu bringen. Die Scharfmacher der Reaktion erklärten in der Not noch im letzten Augenblick, daß das Schulgesetz nicht mehr Watten könne! Indes, die Vernunft hatte für diesmal gesiegt, die Scharf- macher sind unterlegen. Im Oktober wird es, wie der Präsident erklärte, eine„loyale und unbeschränkte Diskussion des Schulprojekts" geben. Dies und nichts anderes hatte die Opposition bcziveckt und die Verhinderung der Dnrchpcitschung st ihr Erfolg. Italien. Gegen die Praktiken ä ls Krupp. � Rom, 1. August.(Eig. Ber.) Angesichts der Tatsache, daß wiederholt bei der Vergebung von öffentlichen Lieferungen Beamte oder Offiziere als Vermittler zwischen dem Staat und den Submissionären tätig sind, hat der Ministerrat den Be- jchluß gefaßt, daß keine Regierungsbehörde geschäftliche An- gelegcnyeiten mit Beamten oder Offizieren verhandeln darf. Das Verbot gilt auch für die Pensionierten. Auf diesem Ge- biete herrscht in der Marineverwaltung seit Jahren ein unglaublicher Mißbrauch, gegen den schon durch eine ministerielle Verfügung angegangen wurde, die den aktiven Marineoffizieren verbot, Vertretungen sür industrielle Firmen zu übernehmen. Häufiger als aktive Offiziere pflegen aber die verbschiedeten oder zur Disposition gestellten von den großen Metall- � industriellen mit hohem Gehalt angeworben zu werben, selten ihrer Sachkenntnis, sondern meistens ihrer Verbindungen willen. die bei der Vergebung von Submissionen oft ausschlaggebend sind. Mit diesem Mißbrauch räumt nun der Beschluß des Ministerrats auf._ Die Bilanz der Kriegsopfer. giom, 31. Juli.(Eig. Ber.) Nach einer Zusammenstellung des„Avanti" belaufen sich die Verluste an Toten. Verwundeten und Kranken seit der Kriegserklärung auf 52 431 Mann bei einem Okkupationsheer, dessen Bestand auf etwas über 100 000 Mann erhalten wird. Die Zusammenstellung bezieht sich für die im Gefecht Gefallenen und Verwundeten auf einen Zeitraum von 12 Monaten, läßt also die letzten 10 Monate des Kleinkriege» ausser Rechnung; die Zahlen der krank in die Heimat Befördertest und der an Krankheit Verstorbenen bezieht sich dagegen auf die ganze Periode bis Mitte Juli, also auf 22 Monate. Es erkrankten in dieser Zeit und wurden krank in die Heimat befördert 43 921 Mann; an Krankheit starben 2853. Im Gefecht fielen 1432, ber. wundet wurden 4220 Mann. Diese Zahlen begreifen die Krankest nicht ein, die an Ort und Stelle in den Militärlazaretten verpflegt wurden, um dann wieder zur Front zurückzukehren. Da in Lydien über 1000 Lazarettbetten in Gebrauch sind, dürfte auch diese Zahl recht hoch sein.... Snglancl. Das Rüstungskapital als Korruptionsquelle. London, 3. August. Die englische Polizei beschäftigk zurzeit eine der K r u p p a f f ä r e gleichende Angelegen, heit. Gegen eine Reihe von Beamten des englischen Kriegs. Ministeriums wurde eine strenge Untersuchung eingeleitet, da sie stark verdächtig sind, Schmiergelder von Fabrikanten an- genommen zu haben. Es kommen etwa zehn Feldwebel und einige Zeugoffiziere in Betracht. Den Fabrikanten soll fast unter den gleichen Umständen, wie in der deutschen Angelegen- heit, geheim zu haltendes Material zugänglich gemacht worden sein, so daß sie danach ihre Angebote machen konnten. Es handelt sich nicht allein um Lieferungen für die Bewaffnung des Heeres, sondern auch um Lieferungen fijr die Offizierkasinos, also um Lebens- und Genußmittel. ,Z. Rußland. Die Landtagswahlen in Finnland. Hclsingfors, 4. August.(Privattelegramm des „V o r w ä r t s".) Tie Landtagswahlen fanden hier am 1. und 2. August unter lebhafter Beteiligung der arbeitenden Bevölkerung statt. Infolge der Koinpliziertheit der Stimmen- zählung wird das Resultat erst nach etwa einer Woche bekannt werden. Die sozialdemokratiM Partei hofft noch besser ab- geschnitten zu haben als bei den bisherigen Wahlen. Die Stinimung während des Wahlkampfes, wie auch an den Wahltagen selbst, berechtigt zu dieser Erivartung. Die bürgerlichen Führer und ihre Presse gestehen offen, daß der „Zug nach links" auch diesural nicht zum Stillstand gebracht werden konnte. In Helsingfors war der zweite Wahltag für die Arbeiter ein Feiertag, der am vorhergehenden Abend mit einer festlichen Agitationsversammlung unter freiem Himmel eingeleitet wurde. Hier wurden die Arbeitermassen nochmals daran erinnert, am folgenden Tage ihre Wahlpflicht zu erfüllen.' Die Parteiblätter erschienen am zweiten Wahl- tage nicht. Den Arbeitern und Redakteuren wurde das Wäh» leu durch Arbeitsruhe erleichtert. ?ZNen. Unruhen in Britisch-Jndien. Kalkutta, 4. August. In Cawnpur zogen Mohammedaner nach einer Massenversammlung mit schwarzen Fahnen in Pro. Zession zu einer Moschee, die die Behörden teilweise hatten abreißen lassen, weil die Straße verbreitert werden sollte, und begannen den eingerissenen Teil wieder zu errichten. Der Distriktspolizeirichter erschien mit einer Abteilung bewaffneter Polizeifoldaten, um die Menge zum Auseinandergehen zu veranlassen. Die Polizei wurde aber mit Steinen angegriffen und sah sich schließlich ge. nötigt, scharf zu schießen. Dreizehn Demonstranten wu'rden getötet und 30 verwundet. Ein Polizeibeamter wurde erschossen und etwa 40 Polizeibeamte verwundet. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Der Gouverneurleutnant hat sich in einem Extrazuge nach Cawnpur begeben, v Letzte Itacbricbten. Die Generalratswahlen in Frankreich. Paris, 4. August.(W. T. B.) Von den Generalratswahlen fehlten heute abend um 6 Uhr noch acht Ergebnisse, Bis dahin waren gewählt: 189 Konservative und Liberale, 136 Progressisten� M0 Mitglieder der republikanischen Linken, Radikale und sozia. listisch Radikale und 43 vereinigte Sozialisten. 44 Stichwahlen find erforderlich. Die Linke gewinnt etwa 50 Sitze.( Die Verluste der Griechen. �' Athen, 4. August. I-Iadenstr. 69, Tel.Mpl. 7203. Okruckbsndsxen, l.eldiilnden, Geradehaller, Irrigateure, Spritzen etc., SuMpcnsoricn, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt* Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., Lothringer Str. CO. Eigene Werkstatt. Lieferant für Krankenkass. Fachgem. Bedienung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- rieht, dag meine liebe, gute Frau und Mutter LllBabetd Löse geb. nichallB am Sonntag, den 3. August, früh 5 Uhr, nach schwerem Leiden sanjt entschlasen ist. Der trauernde Gatte nebst Kindern Hermann Böse, Kolonieslr. 8. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 6. August, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichen- Halle des Philippus-Apostel-Kirch- Hofes, Eingang Müllerstrasie, aus nach dem städtischen Friedhose, Seestraße, statt.__ 28A Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht: Am 2. August er. oerstarb der Möbeltransporteur Henmeli Paulke im Alter von 32 Jähren. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 5. August, nach- mittags 4 Uhr. von der Halle des Luther-Kirchhoses in Lankwitz aus statt. 47Ä latol-fruchl-Honlg vom Bienenhonig nicht zu unterscheiden. Poftdose zirka 9 Pfund 5 Mk. franko. Ohein. Fabrik..Apwna", Berlin 104 SW. 29. 267,2* H.PfaujaniiagisI ®ectiltt DiFeksenslraße 20 zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Polizeipräsidium.—Amt Est. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle Krankenkassen. Deutscher Kändlerverband Verwaltungsstelle Berlin. Mittwoch, den 6. August, abends 81/, Uhr, im Lokal von liaberland (früher Dräsel), Neue Friedrichstr. 35: 1754b Gcnefsil- VcrftunttiUmg. Tagesordnung: 1. Vorstandsbericht. 2. Verbandsangelegenbeiten. Mitgliedskarte legitimiert. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht Die Ortsverwaltung. Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter und -Arbeilerinnen Deutschlands Ortsrcrwaltung Berlin. Heute, Dienstag, den 3. Zlugust 1913, abends 1 im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15(Saat 1); Außerordentliche Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: 76,10 1. Die Stellung der Berliner Kollegen zum Arbeitsnachweis 2. Diskussion.— Das Erscheinen aller Mitglieder erwarten Der VorstaiKl und die Beschwerdckommisslon. Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale Berlin I. DonncrStag, den 7. August, abends S Ilhr, Prinzenallee 33: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1.»ldrechnung vom IL Ouartal. 2. Lohnbewegung. 3. Verbands« angelegenbeiten. eäsg- Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen sämtlicher Mitglieder. 134,9 Der Vorstand, Deutscher Holzarbeiter-Verband. ===== Verwaltung Berlin.===== Morgen, Mittwoch, den 9. August, abends 8'/, Uhr: Vertrauensmänner-Versammlung der Bezirke und Branchen. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmanns.— S. Bericht der Werkstatt-Bertrauens- leute.— 3. Berdandsangelegenhriten.— 4. Berschiedenes. OV Jede Werkstatt mug vertreten sein. Mitgliedsbuch und Ver- trauensmännerkarte legitimiert. rtDg - Bersanimlungslokale:- �ilckler. Vordosten: bei Merkman«, Große Frankfurter Straße 16. Venkttlln: im»Ideal-Kasino*» Weichselstr. 16. stlöbel- u. Studlpolierer, sowie stsagasinarbeiter. Dsten: bei Boeker, Wcbersir. 17. Südosten: im»Märkische» Hof-, Admiralstr. 18c. Vörden: bei Eiinthcr, Brunn enstr. 96. Vergolcler »Louisenstadt-Äastno*, Oranicnstr. 180. Tonnerstag, den 7. August: Laden- und Kontormöbclbrancbe (abends 8 Uhr) bei Hcrmel, Holzmarkslr. 21. Gintctzcr im Gewerkschaftshans, Saal 9. IftfUn- und Koffermacher in Hermels Bereinshans, Holzmarkstr. 21. Korbmacker bei Krause» MuZkauer Straße 20. Uftf- Die Bibliothek ist vom DonncrStag, den 7. August ab gcöfsnet. Die Ortsrcrwaltnng. Sei McHgrat- osrkrOamng j/to/iÄ fffolgs mit meinem berühmten reanlierbaren Re- drcssione-Apparat— System Haa»— liir Erwachsene und Kinder, lleiu Äpparai wurde ant dem 10. Aerzte-Komres.« in Lemberg mit l! m 1. Preis auseezeichnet nnd erhielt, der Internationalen 'lygiene Ansatellnna n Dresden 1911 die silberne Medalilo. Proaiiek1 nnd lachmänniacne Erläuterung kostenloi F.Menzel.se�neS'uwräa H.& p. Uder, lÄVI; Tabak-Großhandlnns, und Tal»aklabrik. Rauch-, Kaa-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhaft-este Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zlgnrren in allan Preislagen. LnntVnMarken TigSrSttSN" Ortsverwaltnng Berlin. Bureau: Berlin 0., Rosenthalerstr. 11/12, Restaurant Schilling. Anü Norden. 2438. ___ Achtung!== Dir empfehlen bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten Borständeu. Komitees und Saalinyabern unseren m* � c*. kostenlosen Arbeitsnachweis, Rosenthalerstr. Ik/1Ä. Geschäftszeit täglich von 10',,-1 Uhr mittags. .«wpcllen vom größten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Verfügung. Der Borstand. bkB. Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist für daS3. Ouarial gelb und muß mit dem Verbandsstempel Veilchen fein. Alle andere LegUimalion ist ungüUig und ist fojort anzuhalten. Leflin 5 77, Prinzenstrasse 46 und 47 Die Firma führt nur Bet: federn Daunen zu 55 Pf, X.—, 130, 1.50, zu 2.86, 3.50, 4 60, 5.—, 1 75, 1.90, 2—, 2.60, 3—, 6 60 bis 0— Mark 3.50 bis 6— Mark per Pfund. Fertige Betten bestehend aus Oberäett, Unterbett, 2 Kissen zu 12,—, X5.—, 20.—, 24.60, 28 50, 33.— 39—, 46.— 65.—, 63—, 77—, 09.— bis 120— Mark. Fertige BettinleSte Oberbetten: 3.60, 4.20, 4.80, 6.70, 6 60, 8.— Mark Unterbetten: 3.—. 3 50,4—, 4 75, 6—, 6 80 7 40 Mark Kissen: 00 Pf., 1.06, 1.20, 145, 1.85, 2 20 Mark und andere Bettartikel. Metall-Bettstellen zu besonderen Ausnahme-Preisen Melall- Bettslelle- mit Zugfeder- g Matratze, geraden Eck- g Verstrebungen. � schwarz lackiert � 190 X 80 cm n L weiss lackiert® 50 Pf. mehr. r mit Zugfeder- 2 Matratze, 25 mm � starken Pfosten,"J Messing- Ringen im Kopf- u. Fussteil •cbwarz lackiert I 80X190 cm I 167.5 60 X 100 cm 171° weiss lackiert 50 Pf. mehr. Mit Zugfeder- matratze.33 ram starken Pfosten, 3 Ringe, Querst. und Fussbunde im Kopf- und Fussteil von Mess., schwarz lackiert 190X90 cm 277 weiss lackiert 50 PI. mehr Ansonfameprelse:- Daunen-Steppdecken yoa türkisch- gemustertem, dauneudichtem Stoß, mit prima tederfreieu Daunen, in diversen Mustern................... 140 X 200 cm ▼on Seldenglanz Daunensatin mit prima kcderkreien Daunen, in diversen f ärben vorrätig, 16J X21U ora Ton la halbwo lenem rta�e federfreien Jaunen, in borao,• cm lila, gold.......• 17 m0 27 m. 36« Aul Garn. Bettwäsche üeberlaken u. Kissenbezüge 10% Ausnahme-Rabalt Die Aufarbeitung von Bettfedern und Betten wolle man möglichst schon Im WA* August"WS vornehmen lassen, well In der Saison die Abholung und Rücklieferung an demselben Tage oft nicht möglich Ist. ■ Ausnahmepreiso für Metallbettstelli-n, BetiwSsche und■ laun nd c7on nur gegen Vorzeigung des Inserats. H Veranlw. Ncdaki.: Alfred Wir'-v?. Neukölln. Inseratenteil per- Eh Eiodr't'>-r>>>i Irudu Vertag VorwarivBiiw' oc h- Ea Bcrl' V••m«;t Bfiincf ,• u UnierhaUungsbl «-«■»»»» 1. SeilHe i>es Lmärls" Kerlmr VilksdlM. Der Krupp-Prozeß vor dem Kriegsgericht. Die hcut'2°' vierte Sitzung wird vom Vorsitzenden Oberst Hausse mit einer lleinen Verspätung eröffnet. Sodann lätzt der Verhandlungsführer Kriegsgerichlsrat Dr. C o e r r e n s die noch zu vernehmenden Zeugen aufrufen. Frau Brandt ist nicht erschienen; für sie überreicht ihr Garte, der Zeuge Maximilian Brandl, das Attest eines Arztes, der seine Frau gestern untersucht hat.— Vcr- bandlungsführer: Also Ihre Frau kommt nicht?— Zeuge Brandt: Sie kann nur kommen unter besonderen Bedingungen.— Verhandlungssührer: Das ärztliche Attest stellt fest, daß Frau Brandt augenblicklich vernehmungsfähig ist und am Montag hier vernommen werden kann, aber eS empfiehlt als einziges geeignetes Transport- mittel ein geschlossenes Automobil, da Frau Brandt sick> beständig beobachtet fühlt und die Eisenbahn daher nicht benutzen will. Frau Brandt besteht auch auf ärztlicher Begleitung, da sie eine Wiederholung des Anfalles vom Freitag befürchtet.— Anklagevertreter Dr. Welt bittet, datz die Dame hier- her gebracht wird. Verhandlungssührer: Auch da-Z Gericht meint, datz sie zu erscheinen hat: der Kostenpunkt darf nicht maßgebend sein. Das Gericht beschliefft daher, das; die Zeugin erscheinen inus;. Der Verhandlungsführer ersucht den Zeugen Brandt, sofort zu ver- anlassen, datz seine Frau erscheint. Anklagevertreter Dr. Welt: Der Zeuge Puff hat an mich einen Brief geschrieben, in dem er sich dagegen verwahrt, datz gegen ihn ein Verfahren wegen Spionage schwebt. Es schwebt tatsächlich gegen den Zeugen Puff ein Vorverfahren unter vorliegender Sache Brandt und Genossen. Im übrigen ist mir natürlich nicht bekannt, datz gegen Puff noch ein Vorverfahren wegen Spionage schwebt. Verteidiger Rechtsanwalt B a r n a u gibt für den.Angeklagten Höge folgende Erklärung ab: Der Angeklagte Höge hat hier gegen meinen Willen verschiedentlich Behauptungen aufgestellt und Dinge zur Sprache gebracht, die später zur Sache gehören. Er hegt nun die Befürchtung, datz der Gerichtshof daraus den Schlutz ziehen könnte, er wolle jetzt feine Schuld leugnen. Das ist keineswegs seine Ab- ficht, Höge erklärt ausdrücklich, datz er das Material zu den fünf Kornwalzern, die ihn betreffen, geliefert hat, und datz er bei seinem Geständnis ausdrücklich verbleibe. Er gibt zu, gegen Dienst- befehle gehandelt zu haben. Er hat das Material im Ver- trauen auf die Angaben Brandts geliefert, der sich ihm gegenüber gewisfermatzen als die Firma Krupp aufgespielt dat. Höge hat da mals die Tragweite seiner Handlungen nicht übersehen. Verhandlungsführer Kriegsgerichlsrat Dr. Coerrcns ersucht den Anklagevertreter und die Verteidigungen, Beweisanträgc mög- lichst sofort zu stellen, damit das Ende des Prozesses dadurch nicht hinausgeschoben wird.— Verteidiger Rechtsanwalt Ulrich: Die Verteidigung hat dasselbe Interesse die Verhandlung mög lichst schnell zu beenden, aus sachlichen und auch aus be- rechtigten persönlichen Gründen. Hierauf wird der Inhalt der noch ausstehenden Kornwalzer durchgesprochen und festgestellt, wie weit die einzelnen Angeklagten an der Lieferung des Materials beteiligt sind.— Der Sach- derständige. Hauptmann E l l e r tz wird vom Verhandlungsführer gefragt:'Glauben Sie.datz der Kornwalzer Nr. 10 durch Mitteilungen aus der Artillerieprüfungskominission an Brandt übermittelt worden ist?— Zeuge: Das glaube ich nicht. Nach der Einleitung und mit Rücksicht darauf, datz er verschiedene Ungenauigkeiten enthält, nehme ich an, datz er von einer anderen Stelle stammt; sonst wären die Mttteilungen eingehender gewesen.— Verhandlungsführer: Der �Verräter" hat also nicht lange Zeit zur Einsichtnahme gehabt?— Sachverständiger: Nein. Der ttornwalzer macht den Eindruck, datz jemand ihn niedergeschrieben hat, der das Material nur flüchtig durchgesehen hatte und es dann nicht mehr auseinanderhalten konnte. Im grotzen ganzen hat er sich vielleicht bei seiner allgemeinen Sach- kenntnis ein Bild davon machen können.— Anklagevertreter Dr. Welt: Die den in diesem Kornwalzer behandelten Schlutz- bericht der Artillerieprüfungskommission zugrunde liegende Frage bezieht sich doch auf ein industrielles Duell Krupp-Ehrhardt. Dieses Duell stand, wenn ich richtig unterrichtet bin, für Krupp nicht besonders günstig.— Zeuge: In diesem Stadium nicht.— Anklage Vertreter: Also hatte Krupp erhebliches Interesse daarn, das ab schließende Urteil der Artillerie-PrüfungSkommission möglichst bald zu erfahren?— Zeuge: Ja.— Verteidiger Sarnau: Der Sach- verständige kommt also zu dem Schlutz, datz der Bericht von einem Herrn aus dem Kriegsministerium stammt. Ich möchte den �ach verständigen fragen, ob eS richtig ist, datz von der Artillerie� Prüfungskommission auch kein Durchschlag weitergegeben ist an das Artilleriekonstrukiionsbureau in Spandau?— Zeuge: Ja, die Möglichkeit, datz andere Personen sich mit dem Bericht beschäftigt haben, steht fest.— Der Sachverständige Major S ch o f vom Kriegsministerium ist gleichfalls der Ansicht, datz das Material der verschiedenen Äornwalzer aus dein Kriegsminlstenum stammt.�—Anklagevertreter: ES steht aber doch nicht fest, datz die in dem Kornwalzer enthaltenen Fehler von einem Spion aus dem Kriegsministerium herrühren müssen; es Ware doch möglich, datz der zerstreute und nervöse Brandt, dem der Bericht von Pfeiffer nur milndlich hinterbracht worden ist, beim Niederschreiben des Berichts die Fehler verursacht hat, wie das j� �uch bei anderen Kornwalzern zutage ge- treten ist.— Zeuge Sachverstandiger Schof: D i e s e S n ch c n find natürlich streng geheim, aber nicht so streng geheim, daß sie Krupp nicht auch auf legalem Wege hatte erfahre» könne».— Verhandlinigsführer: Auf dem Standpunkt steht das Gericht nach wie vor. datz die-j Kornwalzer, die streng geheimes Material enthalten, für die Firma Krupp nicht geheim waren. Also Sie kommen auch zu dem Ergebnis, datz viel dafür spricht, datz das Material zu diesem Kornwalzer von einem Herrn aus dem Kriegs- ministeriuin stammt?— Sachverstandiger: Ja. Die Verhandlung wendet sich nun dem Kornwalzer zu, der sich auf die beiden'EtatsauSzuge Nutzt, die der Angeklagte P f e i f f e r dem Zeugen Brandt ausgellefert habe» soll. Da die Sachverständigen erklaren, datz der Inhalt dieier� Etatsauszüge nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt sei. wird vorübergehend für die Berhandlunq über diesen Kornwalzer im Interesse der Landes- Verteidigung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Nach etwa einsttindiger Dauer wird die Oeffentlichkeit wieder hergestellt und Landrichter Dr. Wetzel, der die Voruntersuchung i®®« und gegen die Mitglieder deS Direktortums der Firma K-upp whrte als Zeuge vernommen. Er g'bt°n datz er emeS Tages den Austrag bekommen habe, nach Essen zu fahren, um dort dl-«ornwalzer zu finden, von denen der Abg. Dr. Lrebknecht dem Kr,egsm.n.ster Mitteilung gemacht hatte. Der Zeuge sagt hierzu aus: Al- ich„ach �ssen lam traf ich zunächst den Vorsteher des Kretsbureaus v° n D e.v i tz.' der über meinen Besuch sehr erstaunt war. Man dachte offenbar in Essen zunächst daran, datz es sich h.er wieder einmal un. eine Spionaacanaestaenheit handele. Ich sagte aber, weswegen ,ch«ach Esse„ äekommen war, und nun öffnete Herr v Dewitz ,e.nen.« e h e i m s ch 7�.7 und nahm alle Sachen heraus. Dann sprach'ch T.rektor E rci u s und verhandelte auch mrt ihm, und inzwischen hetz Herr» Demi» die Schriftstücke einfiegcln �meiner' R�t��den« r? �"'«Wchungsrichter Dr. M e tz n e r metner Vertretung den Brandt verhaftet, und nach meiner Rückkehr aus Essen begannen in Berlin die autzerordentlich zahlreichen Vernehmungen Brandts.— Verhandlungssührer: Ilm inich etwas drastisch auszudrücken: Ist Ihnen der U e b e r f a l l in Essen völlig gelungen? War die Firnra Krupp in keiner Weise orientiert— Zeuge: Ich hatte den Eindruck, datz meine Ankunft den Herren in Essen voll- kommen überraschend kam.— Verhandlungsführer: Glauben Sie, alles Material, das für die Untersuchung in Betracht kam, erhalten zu haben?— Zeuge: Jawohl. Ich habe den Herren in Essen gesagt, datz es sich um eine autzerordentlich schwere Beschuldigung handele und datz eine Voruntersuchung auch den Zweck habe, einem Manne, der unter einem sehr schweren Verdacht siehe, Gelegenheit zu seiner Rechtfertigung zu geben. Ich glaube, datz die Herren auS diesem Grunde alles Material ausgeliefert haben.— Verhandlungssührer: Und ist auch von den polizeilichen Beobachtungen nichts in die Oeffent- lichkcit gedrungen?— Zeuge: Nein. Nachdem der Erste Staatsanwalt den Antrag aus Eröffming der Vorunterslichung gestellt halle, habe ich mich mit der Kriminalpolizei in Ver- bindung gesetzt. Es wurde Haussuchung vorgenommen� bei Brandt in Rahnsdorf, bei Pfeiffer, bei Puff und an anderen Stellen. Die Durckisuchungen waren sehr genau, in Essen haben wir z. V. sogar das Schreibpult des Herrn Dewitz durchsucht. Ich hatte den Ein- druck, datz uns alles Material herausgegeben war. was für die Kornwalzer des Abgeordneten Dr. Liebknecht in Betracht kam.— Berhandluiigsführer: Sie meinen also, datz die Firma Krupp vorher nicht Wind bekommen hat, weil sie ja sonst zweifellos die Kornwalzer vernichtet hätte.— Zeuge; Ich hatte in der Tat den Eindruck, datz mein Kommen voll- kommen überraschte.— Verhandlungsführer: Wie steht es mit der Glaubwürdigkeit des Brandt? Zeuge: Ich hatte von Brandt den Eindruck gewoniien, datz er mir in umfassender Weise die Wahrheit gesagt hatte, er hatte wohl eingesehen, datz Ausreden nicht helfe», und so hielt er es für das beste, die Wahrheit zu sagen. Ich habe ihn in diesem Falle in höherem Matze zur Wahrheit ermahnt, weil ja das gesamte Material schon vorlag, und Brandt schien auch das einzusehen. Die Vernehmungen sind ohne jede Komplikation verlaufen. Jcki war daher erstaunt, als ich jetzt in der Zeitung las, datz Brandt an Gedächtnisschwache leiden soll. Die Sache niit der Gehirnerschütterung durch die Motorkurbel ist mir neu, ich war früher geradezu erstaunt über Brandls gutes Gedächtnis.— Verhandlungsführer: Sie haben ihn doch autzerordentlich häufig vernommen?— Zeuge: Ja, mindestens anderthalbdutzeudmal. Verhandlungsführer: lind bei den ganzen Vernehmungen hatten Sie die Ileberzeugung, datz Brandt immer derselbe blieb?— Zeuge: Ja, ein Mann, der dem vorliegenden Belastungsmaterial gegenüber die Wahrheit sagte: was er mir gab, war ein zusammenhängendes Ge ständnis, und ich hielt ihn für einen guten und wahrheitsliebenden Menschen, der zugab, gefehlt zu haben.— Verhandlungsführer: Haben Sie Anhalrspunkte dafür gewonnen, datz Brandt, um einen llnbelanntcn zu retten, einen Unschuldigen belastete? Zeuge: Er sagte immer, er sei der Hauptschuldige. Ich hatte nicht den Eindruck, datz er mit dem grotzen Unbekannten hinter dem Berge hielt. Wenn ich dafür Anhaltspunkte gehabt hätte, hätte ich auch da pflichtgemätz und rücksichtslos zu- gegriffen, ob es sich um Krupp oder um s o n st wen gehandelt hätte.— Berhandlungsführer: Brandt hat in der Voruntersuchung Pfeiffer schwer belastet; Pfeiffer bestreitet aber jede Schuld.— Zeuge: Dieser Widerspruch geht durch die ganze Voruntersuchung. Ich habe Brandt vorgehalten, was Pfeiffer sagte; ober Brandl ist bei seinen Angaben geblieben.— Verhandlungsführer: Brandt wird ja damals sehr gebrochen gewesen sein, denn er stürzte von der Höhe durch diese Bloh- siellung herab. Er glaubte, beinahe Vertreter von Krupp in Berlin, zu sein, und wurde verhaftet. Meinen Sie, datz er aus diesem Grunde mit seinem Gedächtnis nicht auf der Höhe war? — Zeuge: Ich kann mich nicht entsinnen, datz ich diesen Eindruck hatte.— Anklagevertreter KriegsgerichtSrat Dr. Welt: Aeutzerte er Ihnen gegenüber Selbstmordgedanken? Zeuge: Nein, jedenfalls war sein Verhalten so, datz ich nicht Veranlassung nahm, einen Psychiater zu Rate zu ziehen.— Natür- lich war er niedergedrückt, wie es jeder gebildete Mann aus solchen Kreisen ist, wenn ihn ein solcher Schlag trifft. Was an menschlichen Vergünstigungen möglich war, ist ihm gewährt worden.— Ver- handlungsfübrer: Wie oft hat Frau Brandt ihren Mann besucht?— Zeuge: Zweimal in der Woche.— Verhandlungssührer: Und wo landen die Unterredungen statt?— Zeuge: Fast immer in meiner Gegenwart und in meinem Zinimer.— Verhandlungssührer: Haben die Eheleute etivas sprechen können, das Sie nicht hörten?— Zeuge: Ich bin ja sonst autzerordentlich vorsichtig wegen Kollusions- gefahr: aber ich glaubte bei Brandt und seiner Frau gewisse persönliche Garantien zu haben. Was sollte hier auch verwischt werden? Das ganze Material lag ja vor.— Verhandlungsführer: Wie war es mit der Haftentlassung?— Zeuge: Es schwebte lange Zeit ein Streit darüber, ob das Zivilgericht oder das Militärgericht zuerst verhandeln solle. Als es entschieden war, datz das Kommandanturgericht zuerst sprechen sollte und für Brandt eine längere Haft in Frage kam,.wurde Brandt mit Zustimmung des Oberstaatsanwalts aus der Haft entlassen. Ich habe ihm natürlich gesagt, datz er seine Freiheil nicht zu unzu- lässigem Verkehr init anderen Beschuldigten benutzen dürfte. An Flucht habe ich nicht gedacht, denn ich glaubte nicht, datz Brandt das hübsche Einkommen von 13 000 2«. Bei Krupp in Gefahr bringen. würde.— Verhandlungsführer: Nun haben Sie wohl jetzt gelesen, datz mehrere Angeklagte bei Brandt gewesen sind?— Zeuge: Ich war autzerordentlich erstaunt, als ich las, datz zwei Herren bei Brandt gewesen waren.— Ver- Handlungsführer: Haben Sie Brandt nach seiner Haftentlassung auch noch vernommen?— Zeuge: Einmal.— Verhandlungssührer: Hat er Ihnen bei dieser Gelegenheit gesagt, datz er seine Aussagen irgendwie ändern mützte?— Zeuge: Nein.— Verhandlungssührer: Dann haben Sie also die Untersuchung in dem Bewutztsein abgeschlossen, datz Brandt Ihnen von A bis Z alles gestanden hat?— Zeuge: Jawohl.— Verteidiger W i r t H: Ist auch der Untersuchungsrichter vom Komniandanturge- richl als Zeuge geladen?— Anklagevertreter Dr. Welt: sauf sich zeigend» Hier ist er sHeiterkeit). Der Unteriuckmngsrichter Dr. Metzner bekundet als nächster Zeuge: Ich wutzte, als ich Brandt vernahm, noch nichts von den Einzelheiten der bisher aufgenommenen Protokolle. Brandt hat mir sehr zögernde Antworten gegeben, man mutzte ihn, wie man zu sagen pflegt, die Würmer aus der Nase ziehen. Er hat dann allmählich allerdings alles zugestanden; ohne datz ich die Protokolle gelesen habe, hat er mir sämtliche Angaben gemacht, »nr sämtliche Personen genannt, mit denen er in Verbindung ge- treten ist.- Verhandlungssührer: Insbesondere interessiert uns der Angeklagte Pfeiffer. Erinnern Sie sich, datz dies der einzige Herr aus dem Kriegsininisterium war, zu dein Brandt Beziehungen hatte? — Zeuge: Dessen entsinne ich mich nicht genau.— Verhandlungssührer: Hat Brandt aus sich s e l b st heraus von den «pezialauszügen aus dem Militäretat gesprochen?— Zeuge; Er hat mir alle» au» eigener Initiative gesagt! ich wutzte vorher gar nichts.— Verhandlungsführer: Wie ist es mit der Geldhergabe?— Zeuge: Ich erinnere mich, datz er sehr zurückhaltend in diesem Punkte war und datz er von kleinen Summen sprach; es handelt sich um 10 oder 20. dann um 100 M. und einmal um ei» größeres Darlehen.— Verhandlungssührer: Hatten Sie den Eindruck, datz Brandt ein Geständnis ab- legte?— Zeuge: Ja. Er sagte allerdings, als ich ihn fragte, ob er ein Geständnis machen wolle: Ich w e i tz nicht, ob ich mich schuldig gemacht habe.— Verhandlungsführer: Er war doch ganz geistcstlar?— Zeuge: Völlig geisteSklar. Er dachte sehr angestrengt nach und ich mutzte ihn wiederholt zureden, denn er wollte nicht mit der Sprache heraus.— Verhandlungsführer: Sic waren also der Meinung, der Mann redet die Wahrheit und ist sich völlig darüber klar, was er sagt?— Zeuge: Jawohl.— Der Verhandlungsführer verliest sodann mehrere Verfügungen über Amtsverschwiegen- heit und fährt fort: Es ist ia gerichtsbekannt, datz diese ganze Sache durch den Abgeordneten Liebknecht im Reichstag vorgetragen ist, und die Anklage steht auf dem Standpunli. datz durch das Bekannt- werden dieser Vorkoinmiiisse in der breiten Oeffentlichkeit der Heeres- Verwaltung ein ganz erheblicher Schaden hinsichtlich ihres Rufes er- wachsen ist. Der Verhandlungssührer verliest eine Stelle aus der Rede des Abgeordneten Dr. Liebknecht in der Reichstagssitzung vom 10. April 1913, worin Dr. Liebknecht sagt:„Ich habe, indem ich mein Material hier vorgebracht habe, meine Schuldigkeit getan, der Kriegsminister wird seine Schuldigkeit zu einem grotzen Teile noch zu tun haben. Es darf nichts verschleiert und vertuscht werden. ES handelt sich hier um ein Panama, schlimmer als ein Panama. Wir werden abivarten, ob die Regierung die nötige Energie findet, um der allmächtigen Firma Krupp gegenüber ge- nügend einzugreifen.�— Ich lege Wert darauf, datz hier festgestellt ist, datz in der Heeresverwaltung ein Panama herrsche. Herr Direktor Dr. Drcger, ich frage Sie: Haben Sie Brandt den Ans- trag gegeben, seinerzeit die Kornwalzer, vielleicht auch ein Notizbuch, in dem Notizen über Kornwalzer standen, zu vcruichtcn? Zeuge Dr. D r e g e r: Das war bei der Gelegenheit, als ich hörte, datz Abschristen zurückbehalten seien von Herrn von Metze». Da habe ich gesagt, daswäredoch» dumm von dem Brandt, daß er sich solches Material noch aufhebt; es wäre überhaupt schon ein Fehler,� datz Kopien von den Kornwalzern angefertigt seien.— Verhandlungssührer: Um welche Zeit dürfte das gewesen sein?— Zeuge Dr. Dreger: Das war Anfang September 1912, an dem Tage, wo mir mitgeteilt wurde, datz Herr von Metze» Kopien bekommen hätte.— Verhandlungsführer: Herr Brandt, ich frage Sie nochmals: Weshalb haben Sw diese An- Weisungen nicht ausgeführt, weshalb haben Sie das Material hinter sich behalten, bis es im Februar 1912 bei Ihnen in der Dachkammer gestmden wurde?— Zeuge Brandt: Ich habe es mit nach Hause genommen als mir Herr Direktor Dr. Dreger es gesagt hatte, ich wollte es vernichte», bin aber nicht dazu gekommen: ich kam abends spät nach Hause und auch Sonn- tags war ich sehr müde, und schlietzlich habe ich auch gar nicht mehr an die Sachen gedacht, sonst hätte ich sie in meinem eigenen Interesse vernichtet.— Der Verhandlungssührer richtet dann an den Sach- verständigen Hauptmann Ellertz die Frage, ob zur Artillerie- prüfungskommisfion besonders befähigte Leute genommen tvürden.— Sachverständiger Hauptmann E l-l e r tz: Es kommen nur als zuverlässig bekannte Unteroffiziere dort- hin.— Sachverständiger Hauptmann Grone mann bestätigt gleichfalls, datz auch für Zeug feld wcbel derselbe Grund- s a tz matzgebend sei.— Verhandlungsführer: Und datz ins Kriegs mi»ist eriunr nur gewandte Leute komme», ist ja bekannt, und datz Herr Pfeiffer ein intelligenter Mann ist, haben wir ja gehört. Anllagevertreter Dr. Welt: Es ist hier in der Verhandlung erwähnt worden, datz dem Zeugen Brandt nicht nur die An- geklagten, sondern auch noch andere unterirdische Ouellen zu- gänglich gewesen sein sollen. Es ist gesagt worden, datz das Material für die Kornwalzer nicht nur aus der Feldzeugincisterci oder aus dem Kriegsministerium zu stammen brauche, sondern datz das ganze Maserial auch die Institute in Spandau durchläuft, und datz auch dort die Firma Krupp die Preise der Konkurrenz hätte er- fahren können. Sachverständiger Hauptmann Grone mann: Die Institute in Spandau geben nicht alle Bestellungen bis zur Feldzeugmeisterei hinaus. Ueber die Hälfte der Bestellungen liegt im Kreise der Befugnisse der Institute selbst. Bei den Vergebungen, die an die Feldzeugmeisterei weitergegeben werden, handelt es sich um Bestellungen, die der Ge- nehmigung des Kriegsministeriums bezw. der Feldzeugmeisterei be- dürfen. Wenn nun aus einer anderen Quelle als der Feldzeug- meisterei, der Arttllerieprüfungslommission oder dem Kriegsministerium geschöpft worden wäre, so würde sich irgendein Kornwalzer auch auf solches Material beziehen, das nicht bis zu diesen drei Behörden ge- langt ist. Ein solcher Kornwalzer liegt aber nicht vor. Die Beziehungen des Brandt zu seinen ehemaligen Kameraden hätten ihm in Spandau nichts genutzt, denn die Beschaffung bei den Militärinstituten in Spandau zergliedert sich zu sehr. In Berlin geht alles durch die eine Stelle der Feldzeugmeisterei, und dort vererbt sich dieser Posten ge- wissermatzen als derart, datz der Inhaber den Posten seinem Nach- folger übergibt. In Spandau dagegen kommen fünf Institute in Frage, und die Mitteilungen liegen nicht bei Zeugfeldwebeln, sondern in der Hand von Vertvaltungsschreibern, die für Brandt nicht alö ehemalige Kameraden in Betracht kommen. Nur Material, was durch die Feldzeugmeisterei gegangen ist, findet sich in den Kornwalzetn wieder.— Anklagevertreter Dr. Welt: Dann liegt mir noch sehr viel an einem Schlutzgutachten über das Verhältnis der Heeresvertvaltung zur Firma Krupp. — Sachverständiger Oberstleutnant Jung aus dem Kriegs- mimsterium: Die als Sachverständige geladenen Offiziere haben zu den einzelnen Kornwalzern Stellung genommen, und ich möchte zur Gelamtbeleuchtung noch folgendes anführen: Die Kornwalzer sind zum größten Teil geheim im Interesse der Landesverteidigung. Dabei ist aber zu berücksichtigen, datz die Finna Krupp als �»eferantin eines überwiegenden Teiles unseres artilleristischen Materials, natürlich dieses Material kennt, sogar im weitestes Um- tange kennt. Daher ist der überwiegende Teil der Kornwalzer zwar im Interesse der Landesverteidigung streng geheini, aber nicht gegenüber der Firma Krupp. Datz die Heeresverwaltung keine Geheimnisse vor Krupp hat, ist eine grobe Entstellung. Vor Krupp hat die Heeresverwaltung in artilleri st i scher Beziehung fraglos wenige Geheimnisse, denn vor seinem eigenen Lieferanten kann man nichts geheim halten. Aber in beziig auf andere Geheimnisse wird Krupp nicht anders behandelt Wiesede andere Firma auch: es gibt eine Unsumme von Geheimnisse», von denen Krupp keine Ahnung hat. Aber auch die Ansicht, datz der Finna Krupp in a r t i l l e r i st i- scher Beziehung nichts geheim sei, ist u n z u t r e s f e n d. Auch der Firma Krupp ist das Staats- und Heeresütteressc die Vertrauens- grenze, bi» welchem Umfang Krupp in die Gehemmtste hiuemgezog» Wird. Alle Lcrsache stttd auch Krupp gegenukcr geheim, i»i tveit er an ihnen nicht beteiligt ist; toenn parallel Versuche gemacht werden, so ist es selbstverständlich dah der anwesende Ver- treter Krupps auch sieht, wie sich der VerstichSgegenstand der Kon- tnrrenzfirma bewährt. Solche Versuche werden sehr häufig neben- einander gemacht. Immerhin gibt es eine Reihe von Versuchen. die die Heeresverwaltung völlig selb st än big vornimmt. Im Interesse der Landesverteidigung war daher der g r ö fi t e Teil des Inhalts der Kornwalzer geheim, aber nicht der Firma Krupp gegenüber. Bei den meisten Korn- Walzern liegt das Schwergewicht auf kommerziellem und industriellem (siebict, denn der Firma Krupp lag daran, die Konkurrenzpreise zu eifahreu. Sie erhielt dadurch Nachrichten über Vergebungen, Aus- schreibungen, über den Ausfall von Versuchen usw.. und zwar hat die Firma auch Kenntnis von Dingen bekommen, die ihr vorher nicht bekannt waren. Dadurch, dag die Nachrichtengeber garnichl im einzelnen wußten, was der Konkurremz bekannt war und was nicht, sind fraglos eine Menge Nachrichten in die Kornwalzer hinein- geschneit, die der Firma Krupp ganz gleichgültig waren, darunter aber auch streng geheime Sachen auch Krupp gegenüber. Es sind wohlüberlegte G r>i n d e. die die Heeresverwaltung davon abhalten, die Preise der Konkurrenz m i t z u- teilen; alle Firmen betrachten die Angabe ihrer Preise der Heeres- Verwaltung gegenüber als Pertrauen ssache und haben uns in klarer und unzweideutiger Weise auf unsere Anfragen mitgeteilt, daß sie nicht damit einverstanden sein würden,' wenn etwa die Heersverwaltung die Preise auch Dritten mitteilen würde. Daß ein Interesse der Firmen vorliegt, die Preise der Konkurrenz kennen zu lernen, wird nicht zu leugnen sein. Also: der Verkehr der Heeresverwaltung mit der Firma Krupp ist ganz ebenso geartet wie mit anderen Firmen. Nun konnten aber )ie Angeklagten gar nicht wissen, inwieweit die .>irma eingeweiht war, und wen» sie es hätten übersehen können, so ist das für die Angeklagten ganz gleichgültig. Mit teilungen aus ihrem dienstlichen Verkehr am Dritte dursten sie nicht machen, das war ihnen streng verboten. Wenn sie das taten, so haben sie fich nach meiner Ansicht gegen Dienstesvor- schriften vergangen.— Verhandlungsf.: Haben Sie irgend. welche Wahrnehmungen nach der Richtung gemacht, daß auf Grund läge der Kornwalzer die Heeresverwaltung durch die Firma Krupp geschädigt worden ist?— Sachverständiger: Nein. Ich hätte diese Wahrnehmungen aber auch gar nicht machen können, das ist ganz ausgeschlossen. Wenn man rein theoretisch befragt wird, liegt die Möglichkeit vor, daß auf Grund der Mitteilung der Konkurrenzpreise durch die Kornwalzer die Firma Krupp mit ihren Preisen in die Höhe ging? so niuß ich sagen: I a. Ich habe aber oann dafür, fyzß es geschah, keine Beweise. Ebenso gut kann nan sagen, daß die Möglichkeit vorlag, daß Krupp auf Grund der Ritteiluug der Konkurrenzpreise mit seinen Preisen herunterging, ind dann hätte ja die Heeresverwaltung den Vorteil ge- mbt.— Verhandlungsführer: Die Gefahr, daß Krupp mit den Preisen n die Höhe ging, lag aber vor?— Sachverständiger: Die Gefahr wird 'egrenzl durch die Konkurrenz anderer Firmen; Krupp mußte sich ageir, daß er keine Austräge bekommt, wenn er zu teuer war. Es »uß übrigens betont werden, daß die weit überwiegende Menge inserer Ausschreibungen nicht an die Firma Krupp vergeben wird.— Perhandlungsführer: Ich halte die Begriffe Möglichkeit und Gefahr hierfür ziemlich gleichbedeutend. galten Sie eS für möglich oder liegt die Gefahr vor, daß mrch die Mitteilungen der Kornwalzer der Heeresverwaltung »sofern ein Schaden erwachsen konnte, als die Firma Krupp n der Lage war, die kleine Konkurrenz ganz totzumachen? Konnte Krupp die Preise diktieren?— Sach- verständiger: Das halte ich für ausgeschlossen. Eine große Zahl von Firmen sind unsere Lieferanten für die Mobilmachung, sie müssen vertraglich bestimmte wichtige Stücke(Geschosse, Pulver, Geschütze, Lafetten usiv.) in bestimmten Ilmfang liefern. Dafür, daß die Firmen diese Verpflichtungen auf sich genommen haben und sie sich zu diesem Zwecke im Frieden' dauernd einen ge- übten A r b e i t e r st a n d halten müflen, bekommen sie als Entgelt von den HeereSverwalt»ingen Liefe- rungen im Frieden übertragen. Manche Firmen können nicht übergangen werden, auch wenn sie eigentlich mit den Preisen etwa» in die Höhe gehen; dadurch rrguliert sich die Preisbildung und die Gefahr wird verringert, daß die Firma Krupp die Kon- kurrenz totmachen könnte. Aber auch Krupp bekommt manchmal Aufträge, genau wie andere Firmen, wenn er etwas teurer wird; eine völlige Ausschaltung dieser Firma ist ausgeschlossen.— Ver- mndlungSführer: Halten Sie es für möglich, daß infolge der Be- kanntgabe der Konkurrenzpreise durch die Kornwalzer eine Fabrik mit Schadenersatzansprüchen an die Heeresverwaltung herantreten könnte?— Sachverständiger: Um diese Frage zu beantworten, müßte ich er st nrit einem Justitiar des Justizniinisteriums sprechen.— VerhandlungSführec: Meinen Sie nicht, daß es möglich ist, daß die Firmen sagen: Wir haben die Preise nur der Heeresverwaltung ge- geben, und wenn Angestellte der Heeresverwaltung die Preise weitergeben, so entsteht uns dadurch«in Schaden.— Sach- verständiger: Darüber müßte das Gericht entscheiden.— Ver- Handlungsführer: Es handelt fich nur um theoretische Erörterungen, die Möglichkeit selbst liegt ja in weiter Fern«. Sachverständiger Major F r a h n e r t erklärt, daß er während seiner S�jährigen Tätigkeit als Referent im KriegSministerium den Besuch des Brandt nur ein einziges Mal erhalten habe. Ich habe allerdings, sagt er, mit Herrn Brandt häufig telephoniert, und da hat er mir immer in liebenswürdigster Weise Auskunft gegeben. Ich habe z. B. die Pflicht, mich zu überzeugen, daß die Liefer- fristen innegehalten werden.— Sachverständiger Major K o t h er» klärt, daß Brandt vielleicht zwei- bis dreimal bei ihm gewesen ist. Er war taktvoll und bescheiden und der Sachverständige hatte den Eindruck, daß Brandt dokumentieren wollte, er sei nur der Bureauchef. Die Sachverständigen, soweit sie vernommen find, werden ver- eidigt. Anklagevertreter Dr. Welt: Bezüglich der Vereidigung der übrigen Zeugen ist zu bemerken: Es schwebt eine Untersuchung gegen Brandt und Genossen beim Landgericht l. in der von den hier beteiligten in Untersuchung stehen Brandt. Puff, von Metzen, von Dewitz, Eccius und Dr. Dreger. Außer anderen Herren, deren Namennennung hier nichts zur Sache tut. Die Voruntersuchung ist erfolgt und inzwischen auch abgeschlossen. Anträge auf Eröff- nnng des Hauptverfahrens sind bisher nicht bestellt worden. Ich bin der Ansicht, daß die eben genannten Herren noch formell mindestens der Mittäterschaft verdachtig sind, und ich bin daher der Ansicht, daß diese Herren nicht vereidigt werden können. Rechts- anwalt Dr. Barnau schließt sich dieser Ansicht an. Ein Beschluß wird hierüber zunächst noch ausgesetzt. Darauf tritt eine halbstündige Mittagspause ein. Nach der Pause wird als letzte Zeugin ftfruu Braudt vernommen, die in Begleitung ihres ArzteS Dr. Wangemann direkt aus Rahnsdorf mit einem Automobil gekommen ist. Ter Verhandlungsführer richtet nur noch wenige Fragen an sie, die sich darauf beziehen, ob Bceinflussungsvcriuche fiattgesuiiden haben. Bcrhandlungsführer: Es sollen mehrere Angeklagte be, Ihnen gewesen sein.- Zeugin: Ganz im Anfange dieses Ver- fahrens war Titian bei uns. mein Mann war aber noch� in Hast. — Verhandlungsführer: Hat T,l,an Ihnen Austrage für �.breii Gatten gegeben.— Zeugin: Nein, wir haben un» gegen- fettig unser Herz ausgeschüttet und die schreckliche Situation de- leuchtet. Ich habe dann auch gefragt, wie Frau Titian diese Affäre wohl aufgenoinmen hat. Dann haben wir von der rigorosen Art gesprochen, wie bei uns die Haussuchung vorgenommen wurde. Aber von der Sache selbst haben wir weiter nichts gesprochen. — Verhandlungssührer: Hat Titian Sie nicht ersucht, Sie möchten Ihrem Mann nahelegen, daß er nicht sagen sollte, er hätte Titian Geld gegeben?— Zeugin: Nein.— Verhandlungssührer: Haben Sie vielleicht Ihrem Manne nahe gelegt, er möchte Tilian schonen? — Zeugin: Dazu hatte ich gar keineGelegenheit gehabt, denn ich habe meinen Mann niemals allein sprechen könneil.— Verhandlungssührer: Es ist nämlich auffällig, daß Ihr Mann früher angegeben hat: Jawohl, auch Tilian hat Geld von mir be- kommen.— Ist Frau Tilian bei Ihnen gelvcsen und hat Sie er- sucht, so etwas Ihrem Manne nahe zu legen?— Zeugin: Nein. — Verhandlungsführer: Auch brieflich ist nichts Tcrartiges ge- schehen?— Zeugin: Nein.— Verhandlungsführer: Weiter waren Schleuder und Hin st bei Ihnen.— Zeugin: Ja; wir waren darüber sehr betroffen. Sie sagten, sie hätten einen Ausflug ge- macht und wollten sich erkundigen, wie es mir geht.— Verhandlungsführer: Waren Sie dabei, als Ihr Man» mit den beiden Offizieren sprach?— Zeugin: Ja, auch mein Mann sagte, daß dieser Besuch ihm furchtbar unangenehm war. Er sagte dann noch, dieses Wiederschen sei schrecklich; aber die Herren wüßten doch. daß er nicht Schuld daran wäre. Wen» er es hindern lönntc, würde er Jahre seines Lebens dafür hergeben. Die beiden Herren sagten darauf, sie wollten sich auch gar nicht lange aufhalten. Schleuder sagte, es wäre besser gewesen, wenn sie nicht gekommen wären, aber Hinst meinte, der Besuch sei ja ganz harmlos. Sie wünschten, daß die Sache so schnell wie möglich erledigt würde.— Vcrhaiidlungsführer: War sonst noch irgend jemand bei Ihnen?— Zeugin: Nein:— Verhandlungsführer: Ist jemand anders, als die Angeklagten an Sie heran. getreten, um auf die Aussagen Ihres Mannes irgendwie einzu- wirken, sei es mündlich oder schriftlich?— Zeugin: Nein, einmal war ich bei Rechtsanwalt Barnau uud habe ihm gesagt, es wäre ganz gut, wenn ich über die Weihnachtsgeschenke an Pfeiffer ver- nommen würde; ich habe gesagt, ich könnte bekunden, daß das Geld nur für die Kinder bestimmt gewesen sei. Sonst ist Niemand an uns herangetreten.— Verhandlungsführer: Wie können Sie es sich erklären, daß Ihr Mann jetzt gar nichts mehr wissen will, wäh- rend er früher ganz genaue Angaben gemacht hat.— Zeugin: Darüber kann ich keine Auskunft geben. Damit ist die Vernehmung dieser Zeugin beendet. Sie wird vereidigt und sofort entlassen. Im übrigen bleiben die Zeugen Brandt, Puff, und die Direktoren Dreger, EcciuS und von Dewitz unvereidigt, weil sie der Mittäterschaft verdächtig sind. Darauf werden sämtliche Zeugen entlassen und die Beweis- aufnahm? endgültig geschlossen.— Zur Begründung der Anklage ergreift das Wort KriegSgerichtsrat Tr. Welt: Am 8. November vorigen Jahres schickte der Abg. Dr. Lieb» knecht dem Kriegsminister 1b Kornwalzer, die beweisen sollten, daß die Firma Krupp dauernd Militärpersonen durch Bestechung zur Pflichtverletzung habe veranlassen wollen. Dr. Liebknecht schloß daran die Mahnung, mit größter Vorsicht vorzugehen, weil bei den großen Mitteln der Firma Krupp eine Verschleierung zu befürchten sei. Der Kriegsminifter konnte unter diesen Umständen selbstverständlich nur mit größter Vorsicht an die Sache herangehen. Abgesehen davon, daß eine grobe Myfti- fikation bei den Kornwalzern vorliegen konnte, war für die Heeres- Verwaltung von Wichtigkeit, festzustellen, wo in ihren Stellen der Verräter saß. Daher wurde eine ganz ge- naue polizeiliche Ueberwachung des Bureauchef» Brandt, dessen Name im Briefe des Dr. Liebknecht genannt war. angeordnet, und et hat eine außerordentlich strenge Ueber- wachung des Brandt stattgefunden. Dies« Uebenvachung hatte sich Ende Januar so verdichtet, daß vom zuständigen Richter die Brief» sperre über da? Berliner Bureau der Firma Krupp verhängt wer- den konnte. Die nunmehr beschlagnahmten Briefe ließen keinen Zweifel darüber, daß hier eine ziemlich umfangreiche Nachrichten- Übermittelung stattgefunden hat. die nur auf Indiskretion beruhen konnte. Am ö. Februar fand im KriegSministerium eine Kon- ferenz aller StrafverfolgungS- und der höchsten Reichsbehörden statt, in der beschlossen wurde, gleichzeitig zuzuschlagen, weil nur bei einem gleichzeitigen Zuschlagen die Hoffnung gehegt werden konnte, daß die Sache nicht ausging wie das Hornberger Schießen. Am 7. Februar, vormittags 11 Uhr. wurden die sämtlichen beteiligten Militärpersonen verhaftet. Ferner fand gleichzeitig eine Durchsuchung der Räume der Firma Krupp in Essen und Berlin und eine Durch- suchung der in Frage koucmenden Räume der Militärverwaltung statt. In Koblenz, bei Schleuder, wurde der auffallende Brief der Wiczorek gefunden. Im übrigen erbrachte die Untersuchung den Beweis, daß von einer eigentlichen politischen Spionage im Sinne des§ 1 des Spionagegesetzes k a u m d i e Rede sein konnte, aber die Untersuchungen ergaben folgendes: Um 1000 herum war Krupp bei den Ausschreibungen erheblich inS Hintertreffen gekommen und man schob die Schuld daran dem damaligen Vertreter v. Schütz zu, der nicht der richtige Mann an der richtigen Stelle gewesen sein soll; er war weder Soldat, noch hatte er artilleristische Vorkenntnisse. Dem„unergiebigen" Schütz wurde also die Schuld in die Schuhe geschoben und Krupp beschloß, diesem Uebel abzuhelfen. Wie man gleich auf Brandt gekommen ist. ist nicht zweifelsfrei aufgeklärt worden. Brandt war aber durchaus der richtige Mann an der rich- tigen Stelle, er war früher selbst Zengfeldwebel gewesen und hatte an der Zentralstelle gearbeitet. Er hatte in Essen im Preisbureau(„Kriegsmaterial— Inland") Gutes geleistet, und so ergab sich, daß«r sich für Berlin eignete. Brandt kam im Sommer ISOb nach Berlin. Was für Direktiven ihm mitgegeben wurden, ist merkwürdigerweise nicht zu eruieren. Jedenfalls ist er nicht nach Berlin gekommen, um die Krähenfüße deS Herrn v. Schütz zu verschönern. Brandt bekam eine Repräseu« tationSzulage von seiner Firma bewilligt, und damit war das Verderben eingeleitet und der Stein ins Rollen gebracht. Wenn ein Mann wie Brandt mit 351X1 M. RepräsentationSzulage auf das untergeordnete Personal der Berliner Zentralbebörde l o s g e» lassen wird,— was dann herauskommt, haben wir g e- sehen. 'WaS sollte eigentlich Brandt? Von einer pol, t, scheu Spionage konnte nicht die Rede sein. Wir haben gehört, daß eS in der Heeresverwaltung im artilleriftisch-konstruktiven Sinne für die Firma Krupp eigentlich keine Geheimnisse gab; al« hauptsäch- lichste Lieferantin von artilleristischem Waffen- und MunitionS- niaterial mußte selbstverständlich die Heeresverwaltung die Chef- konstrukteure der Firma einweihen. Die Beweg. gründe für die Verhandlungen Brandt« liegen also auf cndustri- ellem und kommerziellem Gebiete; da» Ausfallen bei Bergebungen war es, was Krupp veranlaßt hatte, den Mann nach Berlin zu schicken. ES handelte sich um eine geschäftliche Nachrichtensamm- lung, die. wenn man genau zusieht, am besten unter den Begriff des unlauteren Wettbewerbs subsummiert wird. Wie weit die Direktoren der Firma Krupp sich strafbar gemacht haben. daS wird demnächst in Moabit zu erörtern sein und geht uns hier gar nichts an. Aber es geht uns an, wie Brandt seine Aufgabe gelöst hat. Er hat sie in einer geradezu tadellosen Weise gelöst. Sofort, nachdem er hier war, sprudelten die Nachrichten nur so, und Brandt hat sie auch gleich an die Stelle gebracht. Brandt hat sich an die r i ch t i g e n S t e l l e n gewandt, an die Feldzeugmeisterei, aber auch an das Krieg». Ministerium und an die A. P. K., denn da» sind die Stellen, wo militärische Geheimnisse, wenigsten» auf artilleristischem Gebiete, zu erfahren sind. Brandt hat in der Frldzeugmeisterei. an dieser für die Preisbildung so wichtigen Stelle,' imer Freunde gehabt, in der Zeit von 1906 bis zu seiner Verhas» tung ununterbrochen. Schon dieser Umstand muß stutzig machen. Es ist hier gewissermaßen eine erbliche Scelenfreundschaft zutage getreten. Sie erklärt sich aus der Mission Brandt», Preisbildungsfrage n zu klären. Brandt wollte die Konkurrenzpreise haben. Wie hat sich Brandt nun an Tilian herangemacht? Er sagt, er hätte ihm geschildert, wie die Firma durch mangelnde Nachrichte« ins Hintertreffen geraten sei und er hat ihn gebeten, ihm aus Kameradschaft diese Nachrichten zuzubringen. Das hat denn auch Tilian getan, und zwar zunächst aus Kameradschaft. Daß schon darin ein Vergehen Tilians lag, ist einleuchtend. Tili«...nd seine Nachfolger waren nicht berechtigt, aus ihrem Dienstbereich irgend etwas hinauszulassen. Das wissen ja die Herren des heutigen Gerichts ganz genau. Die betreffenden Verfügungen werden ja häufig mehr als zu viel vorgelesen. Das betrifft nicht nur ge- Heime Sachen, sondern auch nicht geheime Sachen. Auch die Preise der sogenannten beschränkten Vergebungen durften die Angeklagten nicht hinausgehen lassen; sie durften überhaupt nichts hinausgehen lassen. Tie sämtlichen Anklagten der Feld« zcugmeisterei haben sich also des Ungehorsams schuldig gemacht, wenn sie Nachrichten— und das oestreilen sie gar nickst— an Brandt hinausgegeben haben. Es liegt hier ein dienstlicher Verstoß vor. Nach der Beweisaufnahme bin ich nicht zweifelhaft, daß es sich weiter auch noch um Bestechung handelte und nicht nur um reine Freundschaftsdienste. Es ist richtig, daß Tilian zunächst aus Freundschaft gehandelt hat. Aber wie daS schwarze Notizbuch ergibt, hat er vom Herbst 1906 bis er von der Feldzeugmeisterei wegkam, in dem gleichen Umfang wie seine Nachfolger, Kornwalzermatcrial, namentlich Konkurrenz- preise acn Brandt geliefert. Ich will zugeben, daß er zunächst wohl aus Kameradschaft gehandelt hat; er ist wahrscheinlich sehr geehrt und geschmeichelt gewesen, daß der Bureauchcf der Weltfirma Krupp an ihn herantrat und eine Gefälligkeit von ihm verlangte. ES mag auch sein, daß Brandt in geschickter Weise daS Gewissen Tilians eingelullt hat, indem er ihm sagte, daß das. waS Tilian ihm gäbe, die Firma auch auf andere Weise erlangen könnte. Aber die Kameradschaft bietet für die dauernde Materiallieferung keine ausreichende Erklärung. Niemand wird fich d-ch auf d'e Tauer lediglich aus Kameradschaft der Gefahr der Bestrafung aussetzen. Es kommt hinzu, daß Tilian durch da» dauernde Liefern der Abschriften eine gewisse Mehrarbeit gehabt hat. Und eS ist nicht recht ersichtlich, daß er sich lediglich aus Kameradschaft dauernd dieser Arbeit unterzogen hat. ES muß da etwas anderes hinter stecken, und das sind die Repräsentationsgelder, die die Firma Krupp ihrem Vertreter Brandt zahlte. Die Bericht- erstattung erfolgte dann im Anfang meist in den Kneipen, wobei Brandt die Zeche bezahlte, später hat er dem Tilian allerdings auch Bargeld in die Hand gedrückt. Es müßte nun auffallen, daß ver- hältnismäßig geringe Beträge gezahlt worden sind. Aber wenn Brandt höhere Beträge bezahlt hätte, wenn er vielleicht 199 bis 299 M. an die Zeugfeldwebel gegeben hätte, dann wäre die Folg« gewesen: Die jungen Herren wären über die Stränge geschlagen und die Behörden wären aufmerksam geworden. Es lag deshalb durchaus im System von Brandt, daß er n i ch t viel Geld gab. Brandt selbst hat in der Hauptverhandlung bezüglich dieser Aussagen ja versagt. Er will sich an nicht» mehr erinnern. Ich halte die ersten Bezichtigungen Brandts, die er in der Borunter- suchung getan hat, für die richtigen. Er hat sie gegenüber dem Polizeirat Koch abgegeben und sie bei dem Untersuchungsrichter aufrecht erhalten. Auch vor mir hat der Zeuge Brandt ausdrücklich anerkannt, daß Tilian Geld genommen hat. Nun hat ja Brandt un» hier erklärt, er könne sich wegen einer schweren Gehirn- «rschütterung, die er Anfang September durch den Schlag einer Kurbel gegen den Kopf davongetragen habe, dessen nicht mehr ent- sinnen. Bon Gehirnerschütterung kann keine Rede sein. ES war nur ein Nervenchoc und der Arzt hat bezüglich einer Gedächtnisschwäche irgend eine Beobachtung nicht gemacht. Dagegen, daß Brandt gedächtnisschwach gewesen ist, spricht auch die Bekundung Dr. Dregers, daß er eine Woche im Bureau gefehlt hat nach dem Unfall und dann seinen Dienst wieder genau tn der bisherigen Weise verschen hat. Daß er etwa« nervös gewesen ist, erklärt sich aus der Art und Weise, wie Brandt seinerzeit die Nachrichten gesammelt hat. Er sah sozusagen auf einem Pulverfah und muhte immer damit rechnen, daß er eine? Tage» in die Höhe flog. Berücksichtigen Sie auch, daß Polizeirat Koch und der Unter- suckungsrichter Wetzel ausgesagt haben, die von irgend einer Ge- vächtnisschwäche nichts gemerkt haben; im Gegenteil, eS hat sich gezeigt, daß Brandt über ein sehr gutes Gedächtnis ver- fügt. Brandt ist in diesem Verfahren allerdings Zeuge, aber im Grunde genommen auch Angeklagter. Er weiß ganz genau, daß die Frage der Bestechung, die heute hier verhandelt wird, gewisser- maßen auch gegen ihn schon die Schuldfrage entscheidet. Sie werden danach die Gedächtnisschwäche Brandts richtig einschätzen. Ich bin der Ansicht, daß sein« bestimmten, klaren und deutlichen und durch das beschlagnahmte Material belegten Erklärungen, die er im Laufe der Untersuchung bis zu seiner Freilassung abgegeben hat. au»- reichen müssen und die Grundlage für unser heutige» Urteil geben müssen. Wir müssen deshalb auch annehmen, daß die erst« Angab« Brandts, Tilian habe auch Geld von ihm genommen, richtig ist. ES würde ja zur Ueberfübrung der Bestechung ausreichen, wenn wir annehmen, daß die Zechen von Brandt in erheblichem Umfang« bezahlt sind. Bezüglich der Tarlehen bin ich auch der Ansicht, daß e» sich hier um ' verkappte Geschenke handelt. Brandt sagt ja auch trotz oder gerade wegen seiner Ge- dächtnisschwäch«, er könne nicht mit Sicherheit sagen, ob sämtlich« Darlehen zurückgezahlt sind. Wa» sagt denn eigentlich der Angeklagte Tilian zu dieser An. gelegenhcit? Er ist ja im allgemeinen geständig, nur die Bestechung macbt ihm schwere Sorge und daS bestreitet er auch. Er sagt, er sei sechs- bis achtmal freigehalten worden und die Zechen seien gering gewesen. Nähmen wir achtmal 1,59 M. an, so ivären da» 12 M., die Brandt an baren Geldern für ihn aufgewandt hat. Da- gegen sagt der Angeklagte Tilian nun. er habe sich auch revanchiert. er habe für die Frau Brandt Blumenarrangements von S bis 19 M. geopfert und den Kindern Schokolade mitgenommen. Halt man das zusammen, so kommt man zu dem merkwürdigen Schluß, daß nicht Brandt den Tilian geschmiert umgekehrt nach seiner Rechnung, die lemacht hat. dieser arme Schlucker von el dem Bureauchef der Millionen. hat, sondern daß I er uns hier aufgemad Zeugfeldwebel d„>. M s i r m a Krupp noch etwas zukam m e n lassen hat. Und weshalb? Bloß damit dieser Bureauvorsteher vop Krupp die Gewogenheit hat, da» Material, das �.ilian ihm mit verbrecherischen Hände» brachte, anzunehmen. Da kann ich nur mit Goethe sagen: Ber- nunft wird Unsinn! Meine Herren, daß in Industrie und Handel geschmiert wird, wissen wir doch. Es 8'« ja fiter einen sogenannten Antischmiervere, n. dem große Behörden, namentlich die Eisenbahnbehörden, die viel mn Ausschreibungen zu tun haben, angehören und der bezweckt, dem Unfug des Schmiergelderwescn» entgegenzutreten. icheint mir hier wirklich ein Be d ü r f n i» für einen solche" �erein� vorzuliegen. Also es wird geschmiert, und in diesem Fall deutet alles mit Sicherheit darauf hin. 18 Meter gegen den Wind n-cht dieser Fall nach Bestechung. Sie sind Richter. die auf Grund freier BeweiSwürdigung urteilen sollen. Wenn Sie den ganzen Fall unparteiisch ansehen, müssen Sie sich sagen: Es kann hier nur geschmiert worden sein und es muh hier geschmiert worden sein. Ich bin weiter der Ansicht, daß hier auch ein Verstoh gegen das Spionagegefetz borliegt, und Mar gegen die§8 2 und 4, wo es heißt:„Wer bor sätzlich und rechtswidrig Schriften, Zeichnungen und andere Gegen stände, deren Geheimhaltung im Interesse der Landesverteidigung erforderlich ist, in den Besitz oder zur Kenntnis anderer gelangen läßt, wird mit Gefängnisstrafe bis zu fünf Jahren bestraft." Nun haben wir ja aus TilianS Zeit die Kornwalzer selbst nicht mehr da. Aber die ganzen Kornioalzer, die in jener Zeit geliefert sind geben doch ein übersichtliches Bild, namentlich für einen Mann der in der Sache Bescheid weih, ich will einmal sagen einem aus wältigen höheren Militär— ein Bild dafür, welche Kriegsmalo rialien augenblicklich die Heeresverwaltung bewegt, und insofern ioar die Gesamtheit der damals gelieferten Kornwalzer unter allen Umständen im Interesse der Landesverteidigung geheimzuhalten. Dabei ist es ganz gleichgültig, ob die Angeklagten der Meinung waren, es gäbe vor Krupp keine Geheimnisse. Sie mußten sich sagen, daß Brandt als Vertreter von Krupp wohl auch mit auswärtigen Militärattaches Verbindung hatte, und sie mußten damit rechnen, daß da unter Umständen eine Indiskretion vorkam. Daß in der Tat ein solcher Miß. brauch bei der Firma Krupp geschehen konnte, ergibt ja auch die Tatsache, daß gerade die Firma ihrer Stellung wegen sehr häufig den Angriffen von Spionen ausgesetzt ist und daß dort auch schon mehrfach Spionagefälle vorgekommen sind. Und daß so etwas vor, kommen kann, beweist ja gerade der Liebknechtsche Fall. denn daß die 15 Kornwalzer nicht im Einverständnis mit der Firma Krupp an den Abgeordneten Dr. Liebknecht gelangt sind, kann ich wohl unterstellen. Eine Verjährung der Straftaten kommt bei Titian nicht in Betracht. ES ist Tilian also zu bestrafen wegen Be stechung, Ungehorsam� und Vergehen gegen daS Spionagegesetz. Der Angeklagte Schleuder hat nun, nachdem ihn sein Vor. gänger Tilian mit Brandt zusammengebracht hatte, in derselben Weise weiter die Berichte geliefert wie Tilian. Schleuder hat sich allwöchentlich einmal mit Brandt getroffen und Brandt hat die gemeinschaftliche Zeche bezahlt. Auch Schleuder hat Geld bekommen, nicht allzuviel, aus wohlbegründeten Erwägungen Brandts heraus Aus dem Briefe der W i c z o r e k geht hervor, daß sich der Kneipen- verkehr zwischen beiden in größerem Umfange abgespielt hat. als der Angeklagte zugibt. Der Kausalzusammenhang zwischen Pflicht- Widrigkeit und hingegebenen Geschenken kann aar nicht zweifelhaft sein. UnMeifelhaft ist er auch deshalb, weil Brandt in der Vor- ermittelung gesagt hat: Ich gab dem Schleuder durchaus nicht immer Geld, sondern nur, wenn er mir besonders wichtige Nach- richten brachte oder erteilte Aufträge gut ausgeführt hatte. Auch H i n st hat dem Brandt in den Kneipen Bericht erstattet und»st dafür dauernd freigehalten worden. Hier waren die Zechen etwas teurer, weil Hinst gern gutaß und trank. Tic An- geklagten Schleuder und Hinst haben in der Hauptverhandlung gesagt, das Geld wären nur Auslageerstattungen gewesen. Was haben sie denn für Auslagen gehabt? Sie haben doch die Ab- schmften wahrscheinlich auf fiskalischem Papier gemacht und die weiteren Ausgaben für Autos usw. sind nicht recht ersichtlich. Vor allen-fingen sind sie mit dieser Angabe erst herausgekommen, nach- dem sie lange au s der Haft entlassen waren. Hinst hat dann wunschgemäß den Angeklagten Schmidt»nit Brandt bekannt gemacht. Er sagte ihm insbesondere, daß Brandt ihn später bei Krupp anbringen könnte. Bei S ch m i d t hat eS nun Brandt nicht mehr für nötig gehalten, ihn index Kneipe zu schmieren, sondern er ließ ihn als jungeu Mann bei sich antreten jeden M-ntagnachmtttag von 4 bi» 6 Uhr. Dort erschien dann Schmrdt mit der Hand an der Hosennaht und hat den Bericht er- stattet.(Heiterkeit.) Brandt ist mit diesem Angeklagten nicht mehr viel m die Kneipen gegangen; er hat ihm mehr bares Geld gegeben und gesagt, er solle sich dafür einen guten Tag machen. ES liegt auch hier auf der Hand, daß es sich um Bestechung sowie uin groben Ungehorsam und Verstoß gegen das Spionagegesetz handelt. .�ie Anklage stand zunächst auf dem Standpunkt, daß der erhebliche Nachteil dadurch hervorgerufen sei, daß infolg« der gelieferten Nachrichten die Firma Krupp in der Lage gewesen 'i'*.1,?r*' Ii)n d i« Höhe zu schrauben. Da« muß ich fallen lassen. Ez bat uns der Zeuge G r ü n w a l d an Hand einer Aufstellung den Beweis erbracht und beschworen, daß ein der- artiger Fall, daß die Preise infolge der Äornwalzer in die Höhe ge- setzt wären, niemals vorgekommen ist. und ich meine, wir müssen dies als richtig anerkcnnew Auch die sonstigen Ermittelungen haben ergeben, daß daS Kricgsministerium in keinem Falle hat nachweisen können, daß eine Heraussetzung der Preise auf Grund der Kornwalzer stattgefunden hat. Aber Herr von Dewitz hat selbst zugegeben, daß theoretisch wenigstens die Möglich- f k i t einer derartigen Heraufsetzuna bestanden hat, und in der Mög- Ilchfeit liegt auch die große Gefahr eines Nachteiles. Durch den sroben Angehorsam, den die Angeklagten begangen haben, ist die � auf das Entsetzlichst« bloßgestellt. Wir der �'büne de» Neichstag» ein Abgeordneter der Heeresverwaltung zugerufen hat, daß ein Panama schlimmster Sorte vorliege, und darin, daß die Heeresverwaltung auf Grund des Per- IjflltetiA vlnßcflaQtcn in ocr zum mindesten diesem Vorwurf ausgesetzt ist, liegt ein enormer Schaden Tie Heeresverwaltung ist d a d u r ch v o r d e r O e f f e n t l i ch. keit bloßgestellt zu einer Zeit, wo sie nicht in der Lag« war. in ausreichender Weise auf diese Angriffe zu antworten. Die An. geklagten brauchten gar nicht zu wissen, daß ein derartiger schwerer Schaden«intrat. Es genügt die Tatsache, daß der Nachteil eintreten konnte. Zudem wußten die Angeklagten, daß. wenn es heraus- käme, daß die �irma Krupp von untergeordneten Organen der Militärverwaltung dauernd auf dem laufenden gehalten wurde, ein großer Kladderadatsch entstehen würde. Sogar die einfache Frau aus dem«Volte, die Friseuse Wiczoret schreibt ja in dem Brief«, es würde noch einen W- l t s ka n da l geben. Also auch»n Bezug auf den erheb. lichcn Nachteil, den die-sache gebracht hat. sind die Angeklaaten als überführt anzusehen. Das ist um so schlimmer, als die Angc- legcnheit in eine Hceresvorlage hineingeworfen ist, in die größte EeereSvorlage, die wir bisher gehabt haben. Der Schade ist Gott sei ank wieder gut gemacht worden, dadurch, daß wir ievt öffentlich nachgewiesen haben, dast ein Panama nicht vorliegt. bezüglich des Angeklagten Schmidt möchte ich noch nachtragen. von ihm mindestens«in Kornwalzer vorgeiunoen worden ist, �".Snhalt dem Ausland gegenüber geheim zu halten war. sodaß auch h,«r der Spionagcparograph Anwendung smdet „n» Sum Angeklagten Drösc. ES ist gew'ß hu bedauern, daß worden allgemeinen Zusammenbruch hine.ngerissen Lnklaoe firf, � Tatsachen sind für ihn ,o belastend, daß c-ne Anklage sich nicht umgehen laßt. Er hat dem Brandt die �» vi ��crungszettelbucher vorgelegt, krankesKind und�İ" Brandts willfährig gezeigt; er Haitz ein SVtSÄ stenS in 4 Fällen stirb dem Brand die»ett-rk.�!- naracleat worden. Das ist unzulässig. Daher muß AnaÄorsam Bestraft werden. Da er Geld von Bvandt��nme» bat kommt auch Bestechung bei ihm in Frage, und alnfZ Laen Per- stoße» gegen dm§ 2 de, S p i o n a g« A"'". 7�» wegen d«� denn die Bestellzettel sind geheimes Material_ Är Angeklagte IHoge ist der einzige Angeklagte, der mit sauberen Fin- gern vor Ihnen steht. Er hat geständigermaßen aus reiner Freundschaft, obwohl er wußte, daß er es nicht durfte, auf Brandts Bitten ihm Abschriften aus Forderungszettelbüchern über- mittelt. Auch Brandt hat gesagt, daß Höge niemals etwas von ihm angenommen habe, nicht einmal ein Glas Bier. Bei Höge liegt also nur Ungehorsam und Verstoß gegen 8 2 des Spionagegesetzcs vor. Nicht so einfach liegen die Dinge bei dem Angeklagten Pfeiffer, der von Anfang bis zuletzt von dem guten Recht des Angeklagten, zu leugnen, Gebrauch gemacht hat. Er ist aber über- führt. Brandt als offizieller Nachrichtensammler der Firma Krupp wußte, was er an diesem Freund hatte, der im Kricgsministerium saß; daher hat sich Brandt shste- inatisch an Pfeiffer herangemacht. Der Verkehr wurde ein sehr reger und für Pfeiffer ein recht vorteilhafter, sie sind viel zusammen ausgegangen, haben Theater besucht und Brandt hat stets bezahlt. Nicht ein einziges Mal hat Pfeiffer auch nur den Versuch gemacht, sich zu revanchieren. Wenn ein so intimer Verkehr zwischen Pfeiffer und Brandt stattgefunden hat, so würde ich nichts dabei finden, wenn Brandt etwa Kontrolleur bei der Schlas- Wagengesellschaft oder Angestellter einer städti- schen Gasfabrik gewesen wäre. Aber Brandt war der offizielle Nachrichtensammler der Firma Krupp und Pfeiffer war Sekretär im Kriegsministerium. Es ist unverständlich, wie Pfeiffer, ein Mann mit einem gewissen Beamtendünkel, sich einen solchen Verkehr hat gefallen lassen, denn der Berkehr war auf Seiten Pseiffers ziemlich schmarotzerhaft. Pfeiffer ist von Brandt geschmiert worden, anders kann man es nicht nennen. Pfeiffers Schuld kann geradezu mit mathematischer Sicherheit bewiesen werden/ Seine Versuche, andere zu beschuldi gen, sind mißglückt. Er muß wegen Bestechung und wegen Verstoßes gegen§ 2 de? Spionagegesetzes bestraft werden. All« Angeklagten sind daher im Sinne der Anklage schuldig. Wie sollen sie nun be- straft werden? ES handelt sich um recht grobe Verstöße. Obwohl die Angeklagten dauernd über ihr« Pflicht zur Geheimhaltung be lehrt worden sind, machen sie sich wenig Gewissen daraus, in einem ganz erheblichen Umfang geheimes Material dauernd einem Dritten auszuliefern. Die sonst so viel gerühmte Beamten- und Soldaten- disziplin hat hier leider Schifsbruck, gelitten, das müssen wir zu unserem größten Bedauern eingestehen. Es ist gelungen, durch Schmieren Militärpersoncn dauernd ihren Pflichten abwendig zu machen. ES wird darauf hingewiesen, daß das Schmieren leider in der Industrie und dem Handel üblich ist. Wenn daS richtig sein sollte, dann sollte man durch scharfe Strafen dafür sorgen, daß diese Krankheit nicht auf den Beamtenkörper übergreift. Die bisherige sprichwörtliche Unbestechlichkeit des preußische» Beamtentums muß erhalten bleiben. Deshalb ist es nicht angängig, sich durch andere Erwägungen zu einer besonderen Milde verleiten zu lassen. hier muß es heißen: principiis obsta. Sa-�stvaS darf nicht vor kommen, derartige Sachen sind unerhört und sie können vom Stand- Punkt der strafenden Gerechtigkeit und der verletzten Disziplin gar nicht scharf genug verurteilt werden. Es kommt hinzu, daß die Leute, die die Straftaten begangen haben, sich über den Charakter ihres Vorgehens im Klaren sein mußten. Bei Tilian und Hinst kommt hinzu, daß sie ihre Nachfolger in dieselbe schiefe Lage gebracht haben, �sch bitte deSbalb zu bestrafen: Tilian mit S Monaten Gefängnis und Hinst gleichfalls mit S Monaten Gefängnis. Gegen beide bitte ich auf Dienstent- lassung zu erkennen. Das versteht sich wohl von selbst. Gegen Schleuder beantrage ich mit Rücksicht darauf, daß er sich nicht dazu hergegeben hat, seinen Nachfolger zu verleiten, 8 Monate Gefängnis und gleichfalls Dienstentlassung. Schmidt ist der Verführte, er ist der erste, der ein umfassendes Geständnis abgelegt hat. Gegen ihn beantrage ich 6 Monate Gefängnis und Degradation. Bei D r ö s e ist daran zu erinnern, daß er gewisser. maßen Unglück gehabt hat und in die ganze Sache hineingeraten ist, als er längst die militärische Lausbahn aufgegeben hat. Vom Standpunkt der militärischen Disziplin besteht daher kein besonderes Bedürfnis, ihn hart zu bestrafen. Auf der anderen Seite bitte ich zu berücksichtigen, daß e r gerade ganz geheime, VersuchSmatcrial ausgeliefert hat. Ich be- antrage gegen ihn 3 Monate Gefängnis. Der Angeklagte Höge ist der einzige, bei dem Bestechung nicht in Betracht kommt. Er hat aus verkannter Kameradschaftlichkeit gehandelt, er hat sich in der Voruntersuchung korrekt benommen und ich bedaure nur, daß er in der Hauptvcrhandlung in einer recht unangenehmen Weise aus der Rolle gefallen ist. Ich beantrage gegen ihn Monate Festungsstrafe. Ich beantrage gegen ihn nicht Dienst cntlassung und nicht Gefängnis, weil ich gerade diesen Angeklagten, der mit sauberen Fingern dasteht, vor den anderen Angeklagten herausheben möchte. Pfeiffer ist nach meiner Ueberzcugung die u n s v m p a th i sch st e Erscheinung auf der Anklagebank. Er ist sicher der i n t e l l i g e n t e st e Angeklagte. Er ist der jenigc, der daS Vertrauen, das die Zentralverwaltung in ihn setzte, in der entsetzlichsten und für die Heeresverwaltung bloß st eilend st en Weise gemitz brau cht hat. Gegen ihn beantrage ich 1 Jabr Gefängnis und Amtöverlust. Von einer Anrechnung der Untersuchungshaft bitte ich a b z u sehen. Die Angeklagten haben durch ihr törichte? Verhalten in der Hauptverhandlung sich diese Wohltat verscherzt. Sie haben ihre früheren Geständnisse in einer für Offiziere unpassenden und ungehörigen Weise hinterher verklausuliert und verdreht, namcnt- lich Schleuder und Hinst nehme ich cS sehr übel, daß sie ihren Besuch in Rahnsdorf znerst verschwiegen haben.— Nach dem Gesetz sind diejenigen Beträge, die die Angeklagten bei der Bestechung er- Balten haben, dem Staate als verfallen zu erklären. Ich setze diese Beträge wie folgt fest: Bei Tilian auf 300 M., bei Schleuder auf SSO M., bei Hinst auf 400 M.. bei Schmidt auf 80 M. und bei Pfeiffer auf 200 M. Ich glaub«, ich bin billig gewesen.(Heiterkeit.) Es folgen die Plaidoyers der Verteidiger. Zunächst spricht Rechtsanwalt Wirth für den Angeklagten Tilian: Gegenüber den IluSführungen de» Anklagevertreters werde ich das, Iva« er über das moralische Fiasko unserer Beamten- schaft gesagt hat, auf da, richtige Maß zurückführen. Der Anklagevertreter hat immer, um die Sckuld der Angeklagten zu beweisen, damn operiert, was in den Akten steht und was die Angeklagten früher einmal in der Voruntersuchung zugegeben haben. Wir haben aber jetzt Gott sei Tank den Grundsatz der mündlichen Verhandlung, und der Grundsatz„Luock non est >n sctio non est in muncko" gilt nicht mehr; heute kann>nan viel- mehr sagen: �nack est in actis, non est in mnndol Die Anklage auf Bestechung steht und fällt mit den Aussagen Brandts. Wenn da, wahr wäre, was der Anklagever- t r e t e r behauptet hat, dann könnte man mit Recht von einem Panama sprechen. Aber da, ist eben nicht richtig. Im Namen aller Verteidiger kann ich ruhig erklären, daß wir nichts verschwel- Ren und die BclveiSerhebung in keiner We'so erschüttern wollen. Aber für die Bestechung ist wirklich nichts erbracht. Denn eS mag ein äußerlicher Zusammenharig bestehen zwischen den Mittagessen und den Mitteilungen, aber eS besteht kein innerer Zusammenhang. Auch die dem Angeklagten Tilian von dem Zeugen Brandt gewährten Darlehen sind sämtlich zurückgezahlt, und die Forderung daß nun auch noch Tilian 300 M. bezahlen soll, verstehe ich gar nicht. Tann muß gefragt werden. Jb durch die Handlungen der Angeklagten erhebliche Nachteile ent- randen sind oder haben entstehen können. Durch die ZeugcnauS- agen der Zlngcstellten der Firma Krupp und durch daS Gutachten des KriegSministeriumS ist nachgewiesen, daß ein erheblicher Schaden nicht entstanden ist. Der Zlngeklagt« Tilian hat von vornherein zugegeben, wieweit er sich schuldig gemacht hat. Mehr ist ihm nicht bewiesen worden, und die Strafe muß daher bei weitem geringer sein. v m Dann spricht Verteidiger Rechtsanwalt Ullrich für die Ans geklagten Hinst und Dröse. Er bekämpft vor allem die Auffassung der Anklage, daß die Angeklagten sich landesverratertscher Verbrechen haben zuschulden kommen lassen. Wenn die An, geklagten geheime Mitteilungen weiter gegeben haben, so haben � keinen Fall das Gefühl des Landesverrats gehabt, denn die Mitteilungen gingen an die Firma Krupp, an deren patriotischer Haltung dem Ausland gegenüber wohl niemand zweifelt. Die Firma Krupp mag das Bestreben gehabt haben, die Konkurrenzpreise zu erfahren, aber der Gedanke deS Landesverrats lag ihr selbstverständlich ganz fern. Die Angeklagten mögen also zu den Kornwalzern Material geliefert haben, daS geheim war, das subjektive Empfinden dafür, daß es sich um Landesverrat handeln könne, war bei ihnen nicht vorhanden. Die Wertschätzung und die hohen Verdienste der Firma Krupp sind so bekannt, daß auch die Angeklagten nicht auf den Gedanken kommen konnten, daß hier eine Verwertung des Materials gegen- über dem Ausland in Frage kommen konnte. Von keiner Seite, auch von ihren schlimmsten Gegnern nicht, werden die Verdienste der Firma Krupp um unsere Wehrhaftigkeit geleugnet. Daß die Wertschätzung bis in die allerhöchsten Kreise geht, haben wir ja jetzt wieder bei der Zentenarfeier der Firma Krupp gesehen. Einer Firma, die als das vornehmste und erste Privatinstitut in Teutschland aufzufassen ist. die UNS Deutschen die Waffen schmiedet für unsere Landesverteidigung, kann man derartiges Material anvertrauen. Und was von der Firma gilt, das gilt auch von einem Vertreter dieser Firma. Daß die Firma außer dem bohcn idealen Wert, den sie für uns darstellt, al» in. dustrielles Unternehmen auch auf Gewinn rechnet. ,ft selbst- verständlich. Dafür hat sie auch an Arbeiterfursorge geradezu mustergültige Einrichtungen getroffen. wie sie sonst in der ganzen Welt nicht mehr anzutreffen sind. Ich will keinen Hymnus aus die Firma Krupp singen, aber daS, was ich sagte, ivar doch den Angeklagten bei ihren Handlungen gegen- wärtig. Nun gibt das KriegSministerium zu, daß es zwar auf artilleristischem Gebiete nur wenig Geheimnisse gegenüber Krupp gäbe, daß deshalb aber dieses.Material noch lange nicht dem Brandt ausgeliefert werden durfte. Nun, wir haben za hier gehört. welche gesunden Beförderungsgrundsätze bei Krupp galten. Dort trug jeder den Marschallstab in seinem Tornister. Jeder, der tüchtig war, konnte bis in die höchsten Stellen aufrücken. Auch Brandt war zum Nachfolger des Herrn v. Metzen ausersehen, dem wir ja den ganzen heutigen Prozeß ver- danken. Er war ein rühriger und fleißiger Beamter, er ist nur bei seiner aus vaterländischen Interessen geleisteten Arbeit falsche Wege gegangen. Auch von Bestechung kann keine Rede sein. Brandt hat es eben durch seine große Geschicklichkeit ver. standen, aus den jungen Leuten das herauszulocken, was er für seine Zwecke brauchte. Er hat mit ihnen g e s a ch s l m p e l t und sie haben ihm alles gesagt, ohne im Augenblick darüber klar zu sein. daß er etwas Unrechtes tat. Wenn der Anklagevertreter sagt, daß der Angeklagte Höge mit sauberen Fingern dasteht, so gilt daS in gleicher Weise für den Angeklagten Dröge. Auch Dröge hat lern Geld genommen. Tie Absicht, zu Krupp zu gehen, hatte er schon längst, bevor er Brandt kennen lernte. WaS Hinst anlangt, so ist er ein junger Mensch, der unter dem hypnotischen Einfluß deS älteren Brandt stand, und der doch nur die Handlungen fortsetzte, die seit Generationen auf der Feldzeugmeistcrei Gepflogenheit waren. ES wäre«ine zu große Harte, ihn mit Gefängnis zu be- strafen; man sollte auch bei ihm, wenn man ihn überhaupt ver- urteilt, eine Fcstungsstrafe festsetzen. Man darf ihn nicht als ehr- losen Menschen hinstellen; er hat gefehlt, er will auch büßen, aber er sollte nicht mit dem Verlust und Zusammenbruch seiner ganzen Existenz bestraft werden. Das wäre zu drakonisch. Hier werden die PlaidoyerS abgebrochen und ihre Fort- setzung wird auf Dienstag v'/z Uhr vertagt. Am Schluß der Sitzung verkündet der Verhandlungsführer, Kriegegerichtsrat Dr. Coerrens, noch als Beschlutz des Ge- richte, daß sämtlichen Prozeßbeteiligten über die Dinge, die in den geheimen Sitzungen zur Sprache gebracht worden sind, strengste Geheimhaltung zur Pflicht gemacht ist. Dss liiafienftreHtproblem. Mit der Frage des Massen st reikS beschäftigte sich auch eine Mitgliederversammlung deS Sozialdemokratischen Verein, Breslau. Das einleitende Referat hierzu hielt Genosse Darf von der„Volkswacht", der nach einem kurzen Rückblick auf die Beschlüsse des Mannheimer Parteitages, auf dem Partei und Gewerkschaften einstimmig zum Ausdruck brachten, daß bei Lösung großer politischer Fragen auch der Massenstreik in Anwendung zu bringen sei. etwa folgendes ausführte: Zur Führung des politischen Massenstreik» ist die preußische Arbeiterschaft schon jetzt fähig, dank ihrer yuten Organisationen. Ob es aber ratsam ist. schon letzt zu diesem Kampfesmittel zu greifen, ist eine andere Frag«, denn in einer so- genannten Notlage dazu befinden wir uns augenblicklich noch nicht. Unsere III Abgeordneten im Reichstage haben uns schon so manchen Vorteil gebracht und ihre Arbeit läßt noch auf manches Gute hoffen. Und trotz deS elenden Preußenwahlrechts haben wir die Zahl unserer Vertreter zum Landtage erhöhen können, die aller» ding, mit der Zahl der für uns abgegebenen Stimmen in keinem Verhältnis steht. Wir haben auch Erfolge erzielt, an die vor weni- gen Jahren noch kein Mensch glaubte. Wir stehen also keineswegs auf einem toten Standpunkt und haben deshalb auch die Frag« de» Massenstreiks nicht ausgerollt, wie unsere Gegner so gern be- haupten, um über eine augenblickliche Verlegenheit hinauSgu« kommen. Wenn Genosse Peus-Dessau der Meinung ist, daß die Regelung des BrotkonsumS der Berliner Arbeiter wichtiger ist, als die Debatte über den Massenstreik, so ist das nicht richtig. Die Lösung der Wahlrechtsfrage hat damit gar nichts zu tun. Wenn aber die Arbeiter in Massen den Konsumvereinen beitreten, und von dessen Spareinrichtungen Gebrauch mache» mit Rücksicht auf große Ereignisse, so ist das eine gute Vorbereitung zum Massenstreik, ganz gleich, ob er kommt oder nicht. Wir müssen nickt streiken, aber wir müssen dazu rüsten und bereit sein. Unsere Rüstungen zum Massenstreik können möglicherweise den Streik ganz überflüssig machen. Erfreulicherweise steht eS auch nicht so traurig um einen preußischen Massenstreik zur Erringung des Wahlrechts, wie es Genosse Edmund Fischer in den„Soz. Monatsheften" hinzustellen beliebt. Ob sich die Post- und Bahn. Beamten an einem Massenstreik beteiligen, davon hängt der Ausgang eines Streiks nicht ab. Viel notwendiger ist der Streik der Gruppen, die produzieren. Streiken diese, dann werden die Post- und Bahnbeamtcn sowieso zur Untätigkeit gezwungen. Aber der preußischen Regierung, dem Geschäftsführenden Ausschuß der Preußen beherrschenden Junker, kann auch noch ander? zu Leibe gegangen werden. Wenn z. B. bloß zwei Millionen preußischer Arbeiter einmal die Zahlung der Steuern verweigern, dann werden dadurch in erster Linie die Kreise mitbetroffen, die heute Preußen beherrschen.?lbcr auch um andere Mittel werden die Sozialdemokraten nicht verlegen sein, um der Regierung große Ungelegenheiten zu bereiten und ihr die Macht der!Arb«iterschaft fühlen zu lassen. Die Ausführung des Massenstreiks erfordert ge» waltige Anstrengungen. Mit einem bloßen Dcmonstrationsstreik ist es dabei nicht abgetan. Nur schwere wirtschaftliche Schäden können die Regierung zur Vernunft bringen. Wir müssen uns bei einem Massenstreik nur auf unsere eigene Kraft ver- lassen. Von Anfang an ist der Gedanke zu unterdrücken, daß e> Ret einem preußischen©encraffirct! Sieger und Besiegte geben kann. Wir dürfen uns bei einem Massenstreik auch niemals in die Defensive drängen lassen, sondern müssen stets in der Offensive bleiben. Machen wir uns deshalb mit der Waffe des Diassenstreiks, mit dem sich die Massen schon immer mehr befreunden, beizeiten vertraut und rechnen wir heute schon damit als eine Tatsache die eintreten kann. In der Diskussion betonte zunächst Genosse Bartsch, daß das Volk zum Massenstreik aufgerufen werden muß. Von selbst komme das Volk nicht dazu, das haben die Versammlungen gegen die ungeheure Militärvorlage bewiesen, die nicht gut besucht waren. Für das hohe Ziel des Massenstreiks mutz alles, selbst der Hunger eingesetzt werden. Buchdrucker Härtel findet es sehr begreiflich, wenn Gewerkschaftsführer sich vorsichtig zum Massenstreik äußern. Diese müßten auch schlechte Baumeister sein, wenn sie ohne weiteres einreißen lassen wollen, was sie in mühsamer?lrbeit aufgebaut haben.' Trotzdem können Zeiten kommen, wo sich auch die Gewerk- schaftsführer vor den Massenstreik als einer Volksbewegung zur Verteidigung von Volksrechten gestellt sehen. Vorläufig haben wir aber noch dafür zu sorgen, daß unsere heutigen Kampfmittel, das Koalitionsrecht und der Stimmzettel, von den Arbeitern besser als bisher in Anwendung gebracht werden. Genosse Günther hält es für verfrüht, für den Massenstreik heute schon, zu werben. Hm übrigen lege er dem Generalstreik mehr Bedeutung bei. Löb e: Massenstreiks können nicht gemacht werden, sie müssen ähnlich wie die Revolutionsbewegung von 1860 und 1848 aus dem Boden Wachsen.'Er kann aber auch kommen, wenn Gewaltmatzregeln gegen die Arbeiterschaft angewandt werden. Und deshalb müssen wir schon jetzt für den Massenstreit rüsten. Mit parla- wientarischen Mitteln und durch gewerkschaftliche Kämpfe wollen wir politische Fortschritte erzielen und die Lebenshaltung der Ar- beitertlasse erhöhen, wir wollen aber auch in den Massenstreik treten, wenn uns die anderen Waffen entzogen werden. Wenn dieser Augenblick gekommen, dann gibt es auch in der Frage des Massen- ktreiks keinen Gegensatz mehr zwischen Gewerkschaften und Partei, dann werden alle gemeinsam und entschlossen in den Kampf ziehen. Line liiaffendemonftration des internationalen Proletariats. Bregenz am Bodensee, 3. August.(Eig. Ber.) Die alle zwei bis drei Jahre wiederkehrende internationale Sozialistcnzusaminentunft am Bodensee fand heute im freundlich Seschmückten Bregeitz statt. Das unvergleichlich schöne Wetter atta Tausende von Arbeitern aus Teutschland, Oester- reich und der Schlveiz über das alte schwäbische Meer gelockt. Die Veranstaltung drückte der ganzen Gegend, in der sonst die elegante Welt des Kapitalismus paradiert, ihren Stempel auf. Ueberall wimmelte es von Anhängern des sozialistischen Gedankens. Beteiligten sich doch an dem imposanten Festzug rund 7M0 Personen mit 50 Fahnen und einer Anzahl Musikkapellen. Auf dem Riesenfestplatz der Seepromenade mochten sich über 10 000 Menschen eingefunden haben, um den zündenden Ansprachen der Vertreter der sozialdeniokratischen Arbeitersajaft Oesterreichs, Teutschlands wnd der Sehrveiz zu lauschen. Ein Jubel durchbrauste den weiten Platz, als der ergraute Nativnalrat Greulich- Zürich das Podium bestieg. Er krili- sierte den Patriotismus der Herrschenden, mit dem sich viel Un- kraut und Klassenherrschaft verbinde. Auf die furchtbare Klassen- jujtiz in Deutschland hinweisend, von der er sich durch die Lektüre im»Vorwärts" erst kürzlich wieder überzeugt habe, erklärte er unter stürmischem Beifall, daß die Demokratie doch etwas nütze sei, denn bei aller Ungerechtigkeit auch in der Schweiz seien solche Urteile dort doch nicht möglich. Greulich warnte vor den falschen Propheten, die die Politik für ein unsauberes Geschäft erklären und bekennt sich unter stürmischem Beifall zit dem Grundsatz der Veteranen des Sozialismus, daß die Vorbedingung jeder sozialen Befreiung die politische Befreiung sei. Nach Greulich hielt Genosse de Falko- Lugano eine zündende Ansprache in italienischer Sprache, in der er die internationale Solidarität der Arbeiterklasse feierte. Ihm folgte Landtagsabgeordneter Adolf H o f f m a n n-Berlin, der mit beißender Satire, von Heiterkeits- und Beifallsstürme» fort- während unterbrochen, das junkerliche und pfäffische Regiment in Preußen geißelte und den„Ochsenstarrkrampf" ironisierte, an dem ganz Europa leide. Diese große, schöne und imposante Demon- stration am Bodensee beweise, daß das Volk keine Feindseligkeiten, sondern nur den höchsten Wunsch kenne, in einen friedlichen kultu- rellen Wettbewerb zu einander zu treten, der nicht durch Grenzen, die die Unvernunft setze, zu stören sei. Ter Arbeiter müsse die Früchte seiner Arbeit genießen; wer nichb arbeiten wolle, der solle auch nicht essen.(Stürmischer Beifall.) Auf die Menschenschlächterei auf dem Balkan und diesen erbaulichen ,. Kreuzzug" hinweisend, er- klärte Hoffmann: Dem drohenden Weltkrieg gegenüber habe sich die Internationale als die Feuerwehr zu betrachten, die den Brand ver- hüte und ersticke und die Brandstifter zur Rechenschaft ziehe. Dieser Partie seiner Rede fügte Hoffmann einen ergreifenden Appell an die Mütter an, den antimilitaristischen Geist im Kinde schon an der Mutterbrust großzuziehen. Ueber Reaktion und Psaffentum hin- weg reichten sich die Arbeiter aller Länder brüderlich die Hände. Zum Schluß überbrachte Genosse Hoffmann die Grütze der deutschen Ge- sinnungsgenossen, die nicht versagen würden, wenn die Stunde der Befreiung schlage. Er schloß: Wir kennen nur ein Vaterland, das ist die Welt, nur eine Ration, die Menschheit, nur eine Religion, die lautet: Liebet eure Mitmenschen wie euch selbst.(Stürmischer Beifall.) Als letzter Redner überbrachte Reichsratsabgeordneter Dr. Renner- Wien die Grütze der österreichischen Parteivertretung. In beredten Worten schilderte er die furchtbaren wirtschaftlichen Folgen,, die der Balkankrieg für Oesterreich gezeitigit hat. Vielen. denen der Radetzky-Marsch die höchste Hymne gewesen, sei ein Licht ausgegangen. Am Rande des Weltkriegs habe man den ganzen Winter gestanden. Hinüber nach Basel zeigend, protestierte der Redner unter großem Beifall gegen den Vorwurf, daß die Sozial- demokratie in dieser Zeit einer„feigen Friedenswinselei" gehuldigt habe. Die österreichische Regierung habe das Baseler Friedens- manifest sofort konfisziert und den Teilnehmern des Kongresses mit Verhaftungen und Prozessen gedroht. Der Baseler Kongreß und der Wille des Proletariats, alles für den Frieden zu opfern, hätten mehr für den Frieden gewirkt als alle langweiligen Diplo- matenkonferenzen. Für das Proletariat gelte das Wort:„Wir wollen sein ein einig Volt von Brüdern".(Stürmischer Beifall.) Ergreifend schilderte der Redner den Wahnsinn des Krieges.„Wir wollen nicht töten, wollen nicht morden, wir wollen nicht zerstören", erklärte er,./darum nennt man uns die modernen Barbaren, aber die, die sich im Massenmord üben, das sind die echten Christen". (Stürm. Beifall.) Wir verstehen die Herrschenden und sie uns nicht mehr. Nichts soll herrschen als die schlichte, einfache Arbeit. die den Frieden schafft und das Paradies auf Erden. Wir werden nicht ruhen, bis wir die arbeitende Menschheit der ganzen Welt auf unserer Seite haben. Tann wollen wir die falschen Götter herabstoßen von ihrem Throne und die Göttin der Arbeit darauf � � Mit dieser von endlosem Beifall begleiteten Rede hatte der politische Teil der Veranstaltung sein Ende erreicht. Sie war ein Zeugnis ftir den brüderlichen Geist und die Geschlossenheit der internationalen sozialistischen Arbeiterschaft. Sie Korruption der russischen(Heeresverwaltung. In der„Tribüne Rpsse" beendet I. Bogatoff die Wieder aabe der Feststellungen aus den Prozessen gegen dte Intendantur Rearnten, die sich den ftüheren Mitteilungen würdig anschltetzen Am 2. September erschienen 23 Moskauer Offiziere und Be- amte, davon zwei Obersten, vor Gericht unter der Anklage, von Lieferanten große Summe gefordert und ihnen dafür ungesetzliche Dienste geleistet zu haben. Ihnen wurde unter anderem nachge- wiesen, daß sie nie empfangene Waren in das Eingangsbuch ein- getragen und darüber quittiert haben, daß sie ferner Bestände aus dem Magazin als an die Regimenter abgesandt eintrugen und dann als neue in Rechnung stellten, ohne daß sie ihren Ort gewechselt hatten. Der Vertreter der Anklage erklärte:„Man sandte eilte Decke für zwei Soldaten, Batterien mit 800 Schritt Tragweite an- statt Gebirgsgeschützen. Das ist der Weg, auf dem wir zu einem Scheinheere kommen." Tie Annahme der Trinkgelder ge- schah offen und ungeniert. Ter Oberst G i r s e erhielt seine Be- züge stets am Ersten des Monats. Blieb einer aus, so ließ er den Lieferanten rufen und verbat sich die UnPünktlichkeit. Einmal fehlten 3 M. Er reklamierte. Der Lieferant meinte, das sei doch nicht der Rede wert. Darauf der Oberst:„Die Rechnung mutz stimmen. Für 34 M. kann man mit einer Französin zu Abend speisen."— Oberst I o s i p o f f besuchte die Fabrikanten und ließ sich Vorschüsse geben. Er brauchte, wie ein Zeuge sagte, ungeheuer piel für Weiber.— Oberst Alexeeff erhielt'A Proz. vom Preise, außerdem Zuschläge für jedes 1000 Paar Schuhe.— Oberst Mctzkewitzsch machte sich in sechs Monaten ein Vermögen von 100 000 M.— Alle bis auf einen wurden verurteilt. Am 24. November 1911 verhandelte man gegen die Intendanten von Kiew, darunter auch zwei Obersten. Dort gab es Hufeisen, die sich bogen, Patronentaschen mit Löchern. Und von den Stiefeln berichtet ein Oberst, daß nach einem Marsche von 45 Kilometern in neuen Stieseln die Soldaten barfuß gingen. Ein Fabrikant erklärte, die Intendanten bildeten eine Bande. Man müsse jedem nach Rang und Stellung zahlen. Ein Offizier sagte aus, als er Geld zurückwies, sei er von den Kollegen Dummkopf genannt wor- den. Ein anderer erklärte, als ihm dasselbe Ansinnen gestellt wurde, er werde einen Bericht einreichen, worauf ein Kamerad drohte, ihn umzubringen. Als er Vorsitzender der Prüfungs- kommission wurde, sagte ihnt ein General:„Na, nun sind Sie er- nannt. Nun werden Sie Lieferanten haben." Dieser General, Topor-Kiabtschinsky, einer der obersten Intendanten, war auch in eine Untersuchung verwickelt, die jedoch niedergeschlagen wurde. Nicht minder schöne Bilder gewährte der Prozeß gegen die Intendanten von St. Petersburg, der am 0. Februar 1912 begann. Angeklagt waren unter anderem ein General, eine Reihe Obersten, ein Staatsrat. General Gerassi in off hatte in seinem Kabinett eine Büchse, in die jeder Lieferant zunächst 25 Rubel einlegte,„um Zeit zit sparen", sagte er. Aus den Zeugenaussagen ging hervor, daß alle Beamten gemeinsam das Erpressungsgeschäft betrieben. Aus der Anklagebank aber er- schienen die h ö ch st e n überhaupt nicht. Ein Zeuge sagte aus, seit der amtlichen Revision hätte die Mißwirtschaft nicbt aufgebört. Vielmehr feien seitdem die geforderten Summen übermäßig gewachsen. Ein anderer: Seit seiner Kindheit wisse er, daß die Beamten käuflich sind. Sollten die Chefs es nicht gewußt haben?— Ein dritter: Er habe den Präsidenten der Kom- Mission persönlich bezahlt.„Aber ich sehe ihn. nicht hier." Ebenso ein anderer:„Ich sehe nicht die, denen ich Geld gab, auf der An- klagebank." Und der Hauptmann bestätigte da?.„Ich weiß, daß im letzten Kriege die Soldaten dank den Intendanten leiden mußten. Aber ich erkläre: Die wahren Plünderer des Heeres find draußen, reiten spazieren und trinken Champagner. Den Gipfel stellt der Prozeß gegen die obersten Behörden, die Generalintendanten und das Technrsche Komitee, dar. Am 21. Februar 1912 saßen auf der Bank ein General, ein Staatsrat, mehrere Obersten usw. neben einer alten Kupplerin. Die obersten Leiter, drei Generale, traten als Zeugen auf, als sehr milde Leumundszeugen. Einer der Hauptlieferanten ägte aus, daß man die Intendanten teils monatlich, teils gelegent- lich bezahlte. Die Summen wurden natürlich auf die Preise ge- chlagen. Ter Zeuge Tüll erklärte, die Submissionen waren Komödie. Entweder waren die Lieferanten einig, oder sie wurden über die Preise ihrer Konkurrenten unterrichtet. Um welche Summen es sich bei den Bestechungen handelte, besagt die Mit- teilung dieses Zeugen, daß allein sein Haus in 20 Jahren 40 Millionen Mark bezahlt habe! Einer der Intendanten brachte„Damen" mit in die Restaurants und trank dort Kognak, die Flasche zu 200 M. Ein Zeuge berichtete, die Intendanten erledigten ihre Geschäfte mit den Lieferanten in dem„Salmt" der Witwe Sapienza, einem feineren Bordell, das sich nebenbei im Sause eines Großfürsten befand. Einer der Obersten wurde noch von dieser 60 Jahre alten ehrwürdigen Matrone aus- gehalten. Besonders zeichnete sich der Oberst Kislinsky aus. der sogar in diesen Kreisen als Weiberfreund hervorragte. Er brachte in kurzer Zeit mehrere Vermögen durch. Es kam vor. daß Lieferanten, um ihm zu gefallen, ihm ein hübsches Weib lieferten I— Ein Mitglied des Revisionsausschusses nannte sämt- liche Intendanten korrupt. Die Generäle Rostowsky aber und Schuwaeff, ein so hoher Herr, daß die Verteidiger auf- stehen mutzten, wenn sie mit ihm, für den ein Sessel aufgestellt war, reden wollten, gaben günstige Zeugnisse. Letzterer nannte den General Akimoff einen ehrlichen und u n t a d e l- haften Mann. Gewiß habe er als Depotintendant Lieferanten- trintgelder genommen.„Aber diese Einnahmen wurden als völlig gesetzlich betrachtet." Ueber denselben Schuwaeff berichtete ein Abgeordneter, daß er ihn vor einem Hause in Warschau, das einen Auftrag erhalten sollte, gewarnt habe. Trotzdem erhielt das unehrliche Haus die Lieferung. Andere Tatsachen beleuchten den K r i e g s r a t von St. Petersburg. Ein Lieferant rühmte sich in einem Briefe, alle Intendanten bestochen zu haben. Trotzdem dieser Brief dem Kriegsrat vorlag, tat dieser nichts gegen den Lieferanten, bewilligte ihm sogar einen Aufschub für eine Lieferung. Er bewilligte auch, entgegen dem Willen des Moskauer KrieSrats der Firnia Till eine Lieferung ohne Ausschreibung.— Ändere Mitteilungen zogen die obersten Chefs des Heeres in die Verhandlung. Ein Brief. der den K ri e gs in i n i st e r Herrschelman betraf, durfte nicht verlesen werden. Doch schlüpfte ein Satz durch, der Herrschelman und Akimoff das Hauptübel im Heere nannte.„Hiet� besteht völlige UnVerantwortlichkeit." Sämtliche Generalintendanten bis auf zwei wurden verurteilt. Ein reizendes Bild bot dann das Technische Komitee, ein Generäl, zwei Obersten und zwei Räte, denen die K o n t r o I l e der Intendanturen oblag. Diese erfolgte so: Wenn die Herren Geld brauchten, benachrichtigten sie eine örtliche Verwaltung, daß eine Revision bevorstehe. Kam dann der„Revisor", so schickte man ihm einige tausend Rubel an die Bahn. Die Revision war beendigt!„Alles in Ordnung!""Muster der Lieferanten behielten die Herren für sich, ließen sich Kleider davon machen und verkauften den Rest. Ter Vertreter eines Handelshauses sagte, Rat Did- kowsky vom Komitee habe in Kiew im wörtlichen Sinne geplündert. Als Rat Krukowsky die Annahmekommission in Lodz leitete, nahm er nichts. Aber seine Frau stand mit den Lieferanten in Geschäftsverbindung. Sie trieb einen lukrativen Viehhandel. Wenn sie ihrem Manne telegraphierte:„Habe.... Kühe gekauft", so bedeutete jede Kuh 1000 Rubel. So zahlte ein einziger Fabri kant der tüchtigen Frau in kurzer Zeit 120 000 M., ungerechnet die verschiedensten Kostbarkeiten. Krukowsky stand auch nach Aus- sage des Zeugen Till in dessen Diensten.— Andere Zeugen berichteten von einem Kartell der Lieferanten, das 10 Proz. der Preise ablieferte, von Schuhen mit Pappdcckelsohlcn usw. usw.— Günstig waren wieder nur zwei Aussagen, allerdings sehr ge- wichtige. Tie Generäle Rostowsky und Schuwaeff er- klärten sich auch hier mit den Gaunern solidarisch und gaben ihnen das beste Zeugnis. Was ihre Verurteilung freilich nicht hinderte. So sollte man also meinen, nun sei mit eisernem Besen da- zwischengefahren und von nun an alles in Ordnung! Die ver- schiedcnen Aussagen über die Fernhaltung der Hauptschuldigen, die Steigerung der Räubereien seit der großen Revision u. a. beweisen das Gegenteil. So erklären sich die Schlußfolgerungen Bogatoffs, wenn er sagt:„Das Material befindet sich in kläglichem Zustand. Lieferanten aller Art gaben offen zu, unbrauchbare Waren geliefert haben. Kommandeure drückten die ernsteste Be- sorgnis aus. Ankläger sprachen offen von einer Scheinarm cc» die die Intendanten an Stelle einer wirklichen gesetzt habe».... Weiter: Hunderte Zeugen erklärten einstimmig sämtliche In- tcndanten für korrupt. Wenn man bcdnekt, daß sie aus den Reihen der aktiven Offiziere kommen, was soll man da von diesen denken? Wieweit muß es mit ihrem Ehrgcsühr gekommen sein, wenn sie gleich nach ihrer Ernennung widerstandslos der Verlockung eines Goldstücks unterliegen?... So bliebe noch ein letztes Mittel: Alle Schuldigen vor Gericht zu stellen. Tic Regierung hatte auch zu Beginn ihrer Untersuchung erklärt,„nicht eher die Waffen niederzulegen, bis der letzte Schuldige getroffen sei." Aber welch elendes Schausvicl bot diese llntersuchung? Von den Angeklagten waren neben manchen Schuldigen die meisten nur Sündenböcke für andere. Tie wahren Schuldigen: die Schuwaeff, Poliakoff, Herrschelman, Sipjagin, die G r o ß f ü r st e n(kaiser- lichen Prinzen) waren gedeckt. Darf man sich danach wundern, daß Zeugen klagten, die Untersuchung habe der Unordnung kein Ende gemacht, vielmehr seien seitdem die Erpressungen und Durch» stechereien schlimmer geworden. Es galt, die gesamte In- tendanturverwaltung zu treffen. Die Revision aber traf nur einige Mitschuldige. Es galt, mit einem System aufzuräumen. Die Revision rührte nicht daran.„Heute wie bisher wird die russische Armee von ihren Führern be stöhlen." So sieht die Verwaltung des Heeres aus, das man gelegent- lich der Hecrcsvorlage als furchtbare Slawenmacht dem deutschen Volke vor Augen gestellt hat. Und so ist die herrschende Schicht des Staates beschaffen, mit dem unsere Staatslenker und Staats- erhaltenden in innigster Gemeinschaft und politischer Freundschaft leben. Diese Bande von Dieben, Mördern und Wüstlingen scheutz- lichstcr Sorte unterdrückt ein Riesenvolk und führt den furcht- barsten Kampf gegen die Vorkämpfer besserer Zustände— alle» unter dem Beifall und der mitschuldigen Teilnahme der stolzen Träger des preußisch-dcutschen Staatsgedankens! Briefkaften der Redaktion. P. M. 24. Ja, soweit Sie mehr als 28, S5 M. pro Woche oder 125 M. pro Monat verdienen.— H. R. X. 22. Unseres ErachtenS unzulässig, Sie können gegen den Pfändungsbeschlutz Beschwerde einlegen.— F. H., Neukölln. Sosern die Einziehung bei Ihrem Bruder nicht möglich war, hasteten Sie als Zweiischuldnerin. Sie haben gegen Ihren Bruder einen Erslattnngsanspruch. Dessen Lohn kann beschlagnahmt werden, sosern er 28,85 M. pro Woche oder 125 M. inonatlich übersteigt.— A. K. 13. Ja. — X. B. Z. 1911. 1. Etwa 25 M. Bestimmtes erfahren Sie durch Nachfrage bei der Polizeiverwaltung in Dresden. 2. Richtet sich nach de« Stande und den Einkommens, und VermögensverhälMissen. 3. An den Vormund. 4. Es kann ohne Zustimmung der Mutter eine dahingehende Vereinbarung getrosten werden. 5. Nein, die Stellungnahme des Vor- mnndschastsrichters ist masjgebend. 6. Ja,— B. G. 84. 1. Durch die Arbeitslosigkeit musi'/, des Jahreseinkommens verloren gegangen sein. Wir raten, sofern dies zutrifft, Ihren Antrag aus Erlaß der Steuer zu wiederholen. 2. Ja, so lange nicht Stundung gewährt ist.— A. St. 34 b. Kommen Sie mit dem Kaufvertrag in die Sprechstunde.— Xrebor, Rcgnal 30. Sie müssen sich weiteroerfichern und zwar innerhalb zwei Jahren mindestens 20 Marlen einer beliebigen Lohnklasse entwerten, vor Ablauf dieses Zeitraums auch die Karte umtauschen. 2. Innerhalb drei Monaten, von Rechtskraft des ScheidungSurteilS an gerechnet.— G. 100. 1. Beim Polizeirevier. 2. Die neue Karte trägt die fortlaufende Nummer. 3. Sofern Invalidität nicht niehr besteht, kann Ihnen die Rente entzogen werden. Den Begriff der Teilrente gibt es bei der Invalidenrente nicht. 4. Ja.— C. B. 82. Die Strasbarkeit ist durch die Zahlung der 10 M. nicht beseitigt. I. G. Z. 99. Fragen Sie beim Amtsoorsteher an. daS Gesetz be- stimmt darüber nichts.— O. Z. 98. Die Aschenreste müssen entweder in der Urnenhalle oder in einer anderen behördlich genehmigten Bestattung»- anlage beigesetzt werden. DaS Mitnehmen und Aufbewahren im Hause ist demnach unzulässig.—®. 36. 1. Es ist die Beschlagnahme des AuS- einandersetzungSguthabenS zulässig, sosern der Gläubiger mnerhalb der letzten 6 Monate eine Zwangsvollstreckung in das Vermögen des Genoffen sruchilos versucht hat. Nach Zustellung des Psändungs- und Ueber- weisungsbeschlusses kann der Gläubiger, sosern der Schuldtitel rechtSkrästig ist, auch die Mitgliedschaft auskündigen. 2. Ja, sosern die Eltern sich nicht ihres Eigentumsrechts entäußert haben. Die Tatsache, daß das Spar- kassenbuch aus den Namen des Kindes lautet, bedeutet eine solche Ent- äußerung noch nicht. 3. und 4. Schuldschein. Lohnbeschlagnahme ist wegen privatrechtlicher Forderungen, nachdem ein Schuldtitel vorliegt, zulässig, sosern der Schuldner mehr als 28,85 M. pro Woche oder 125 M. pro Monat verdient. ivt. 39. 1. Leider nicht, da nach§ 1259 R. B O. nur Kinder, nicht auch Kindeskinder An'vruch haben. 2. Ja.— 8.(9. Zt. Melden sie Ihr» Forderung als bevorrechtigte beim KonkurSgericht an.— 93.oUberus«mustker. Berlm, Stralsunder Straße 36 sGottl. Fautb) kann Ihnen dimlich sedl. � B. 46. An die Städtische Schuldeputatton, Belliii 0., Raihaus. R. L. 64. Nein. K gute Sorte 17 7�10,10 n,ittel 16.60-17.60.' S lntireb)/� OM ucruUÄ7fl� t0rte 14'60-15'2a � qq_ 5 20.._____ M a r k i h a l I enp reise. 100 Rilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Sbeiscbo�en, roeiBe 35,00-60,00. Linsen 35,00-60;00. Kartoffeln(Wcmposi) o,00 1..00 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule ..„- A�z.8o. Schweinefleisch 1,60-2,10. ,, j 1,60—2,40. Butter 2,20-3.00. 60 St»a«•" 0'j�-uw. i Kilogramm Karpfen 1,80-2,60. Aale 1.60-3,20. Zander 1.40-3.80. Hechle 1,60-3,00. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60-3,50. Bleie 0.80-1.60. 60 Stück Krebse 1,00—60,00. Vi ZWzMMÜ'MWÄal' SJlltt SedfiSi. Üie Äu Lvl?r in Antwerpen, Uniled Tobacco Co. Ltd. in London, T. C. Williams in Petersburg, Va., D. Dunlop in Petersburg, Ba,, British American Tobacco Company sJndia), Uniled Tobacco Company sSouth Africa), Maspero Frtzres in Kairo, Jamaica Tobacco Company in Jamaica. Peninsular To- bacco Company in Karachi, W. S, Mathews and Son in LouiSville, British Tobacco Company(Australiaj. Es kommen hinzu die Be- Ziehungen zu den amerikanischen Gesellschaften des Tabaktrusts, die aus begreiflichen Gründen verschwiegen werden, und zu all den Ge« sellschafte», die erst durch Angliederung an die Untergesellschaften mit der British American Tobacco Company in Verbindung stehen. Die American Tobacco Co. mußte zwar ihren Zweidriltel der ausgegebenen Stammaktien betragenden Anteil an der British American Tobacco Co. aufgeben, sie gab aber diese Stammaktien nicht etwa in den freien Handel, sondern verteilte sie an ihre Hauptaktionäre und leitenden Persönlichkeiten, so daß alle bisherigen Zusammen- hänge, auch ganz abgesehen davon, daß sie durch die Person.des „Chairman" James Buchanan Duke gesichert find, gewahrt blieben." Soziales. Niedriger Lohn. Die Portierfrau Bär klagte gestern vor dem Eewcrbegericht gegen die Inhaberin eine« Farben- und Tapetengeschäfts, Frau Rottstock, Walbstr. 50, auf eine Entschädigung für monatelang ge- leistete Arbeit. Früher hatte sie nur daZ Tapetengeschäft mitzuvcr- sehen. Als dann aber der junge Mann aus dem Farbcngeschäft— vermutlich der Kosten wegen— entlassen wurde, erhielt sie auch die Beaufsichtigung und Kundenbedienuug mit übertragen. Sie mutzte von morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr auf dem Posten sein. Als es ans Bezahlen ging, bot man ihr einen Mietcrlatz von 6 M. pro Monat, also täglich 20 Pf., an. Damit war sie begreiflicherweise nicht einverstanden. Als alles nichts nützte, klagte sie. Um aber nicht erst den langwierigen Weg durch die Berufungsinstanz antreten zu müssen, setzte sie aus An- raten des Gerichts ihre Forderung auf je 2 M. für 41 Wochen herab und erhielt denn auch durch Urteil den Betrag von 32 M. zugesprochen. �„ Die Klägerin hätte auf den Vergleich nicht cmgehen sollen Mangels bestimmter Vereinbarung stand rhr nach§ 61�-.loj. � des Bürgerlichen Gesetzbuches die-übl.che Vergu ung also zum mindesten der ortsübliche Tagelohn von 2.10 M. zu, afto mehr als das Sechsfache de? durch Vergleich Erreichten. Ferienausflüge. Tie von Partei und Gewerkschaften in B r a u n s ch w e i g ins Leben gerufene Kindcrschutzkommi„'on hat wahrend der letzten Sommcrfcricn den Beweis erbracht, dast sie bei cinigcrmaßcn gut durchgeführter Organisation aus dem ucviete der Ferienausflüge ein gut Stück nützlicher erzicherl;cher und wohltätiger Arbeit ssu leisten imstande ist. Die mit der Zeitung der Ferienausflüge be- trauten Genossen und Genonrnnen- zeitweise stellten sich bis 100 Personen als Helfer und Helfer, nnen in den Dienst dieser guten Sache— eröffneten ftpitotUige Sammlungen, an denen sich fast alle Arbeiter in den FamUen und Werkstätten beteiligten; auch bürgerliche Krene, namentlich Geschäftsleute, zeichneten erhebliche Beträge, so daß annähernd l-000 M. aufgebracht wurden. All- wöchentlich wurden zwei Ferienausflüge nach vier verschiedenen Lokalen in der Umgebung der Stadt gemacht, bei denen die Kinder Kaffee und Knchen erhielten. An jedem dieser Ausflüge waren 5000 Kinder beteiligt, die nach der Speisung mit Spielen aller Art beschäftigt wurden. Am letzten Mittwoch fand ein Ausflug der Kinder mittels Extrazuges nach dem idyllisch gelegenen Lichtenberg statt, an dem sich 1200 Kinder, 200 Erwachsene und eine 25 Mann starke Musikkapelle beteiligten. Die bürgerlichen Kreise waren über. die Wirkung dieser„sozialdemokratischen" Ferienausslüge erstaunt und verhehlten ihre Bewunderung nicht. Sogar Geistliche sprachen sich über diese Art der Kinderfürsorge anerkennend aus. Dem halte man das neue Braunschweigische Schulgesetz entgegen, das den Schulleitern die Berechtigung gibt, die Teilnahme der Kinder an Veranstaltungen„gewisser" Vereine zu verbieten. Nur die bürger- liche Presse schwieg diese Ferienausflüge tot. Hier haben die Braunschweiger Arbeiter den herrschenden Klassen gezeigt, das; man sich ganz unpolitisch um das Schicksal der Arbeiterjugend kümmern kann, die während der Ferien die Straßen bevölkert, während die Kinder der bessersituierten Schichten in die Sommerfrischen und Bäder fahren können. Die Ferienausflüge haben sich bewährt und im nächsten Jahre sollen sie weiter ausgebaut weiden. Die ge- sammelten Gelder reichten für den beabsichtigten Zweck voll- kommen aus._ Unzulässige Verfügung über Krankenkassenvcrmögen. Die Ortskrankenkasse zu Greifenstein im Ulmtal hat nach einer Nachricht des.Wetzlarer Anzeigers" eine schier unglaubliche gesetz- widrige Verfügung über ihren Reservefonds von Ist ststst M. erlassen. Die Kasse hört am 1. Januar 1914 infolge der Verschmel- zung der Krankenkassen rechts der Lahn zu einer einzigen auf zu existieren. Nach dem Gesetz(Z 47 des Krankenversicherungsgesetzes, *j§ 294 und 303 der Reichsversicherungsordnung) geht das Vermögen der Greifensteiner Kasse auf die neue Kasse über. Das paßt einigen Patrioten nicht. Weshalb sollten die aus Arbeitergroschen für die Krankenkasse zwangsweise gesparten Gelder Krankenkassenzwecken zugute kommen? Ist eS nicht viel netter, man wirft sich ein patriotisches Möntelchen um, gründet einen„patriotischen" Verein und„schenkt" dem das Vermögen der Krankenkasse? Gedacht— getan. ES wurde ein„Verein Kaiser Wilhelm II. Jubiläums- stiftung e. V." gegründet und diesem der Reservefonds der Greifen- steiner Ortskrankenkasse in Höhe von Ist ststst M.—„als Schenkung überwiesen". Dies Verfahren ist natürlich nichtig. Ob man gegen die famosen Schenker mit fremden Mitteln strafrechtlich vorzugehen hat, kann dahingestellt bleiben: es mag angenommen werden, daß den patr witschen Jubilaren das Bewußtsein von der Rechtswidrig-� keit ihrer nicht unschwer als Unterschlagung und Untreue zu charakterisierenden Handlung fehlte. Die Aufsichtsbehörde wird hier aber schleunigst einzugeifen haben. Außerdem steht der am 1. Ja- nuar 1914 inS Leben tretenden Kasse das Recht und die Pflicht zu, gegen die Herren Schenler und gegen die famose Jubiläumsstiftung auf Herausgabe der aus fremden Vermögen herausbugsierten Ist ststst Mark zu klagen. Internationale Lnsstellung in Lyon. Vom 1. Mai bis 1. November 1914 veranstaltet die Stadt Lyon eine große internationale Ausstellung. Internationale Ausstellun- gen sollten im Interesse von Handel und Industrie, Kunst und Wissenschaft alle möglichen Unterstützungen erhalten. Dem Kultur- fortschritt und der friedlichen Annäherung der Völker aneinander dienen sie. Um so überraschender ist es, daß der französischen Ausstellung gegenüber die deutschen Organisationen eine befremd- liche Zurückhaltung beobachten. Diese beklagt mit Recht der Bürgermeister von Lyon in folgendem an Genossen Bebel gerich- teten Schreiben: Lyon, den 5. Juli 1913. Hochverehrter Herr Abgeordneter! Die Stadt Lyon, die zu verwalten ich die Ehre habe, veran- staltet im Jahre 1914, vom 1. Mai bis zum 1. November, eine große internationale Ausstellung. Die Kaiserliche deutsche Regierung ist sowohl durch unsere Regierung als durch uns offiziell zur Teilnahme aufgefordert worden. Frankreich hat sich an den großen deutschen Ausstellun- gen, besonders an der in Dresden, beteiligt. Kredite für die Teilnahme an der Ausstellung in München find bereits bewilligt worden und werden demnächst für Leipzig bewilligt werden. Ich selbst habe verschiedentlich in Vorträgen und Veröffentlichungen versucht, die Bewunderung, die diese Ausstellungen in mir er- regt haben, zum Ausdruck zu bringen. Während nun die anderen Länder uns mit Entgegenkommen antworten, finden wir bei den deutschen Organisationen eine, wie es scheint, systematisch ablehnende Haltung. Von einzelnen Seiten ist uns bekannt geworden, daß der gegenwärtige Zustand der öffentlichen Meinung in Frankreich diese Stellungnahme verursache. Sie wissen, hochverehrter Herr Abgeordneter, daß' dieser Grund nicht zutreffend ist. Wenn Ihre Landsleute uns die Ehre erwiesen, 1914 in Lyon auszustellen, so würden sie mit größtem Entgegenkommen empfangen werden. Wenn Sie meiner Ansicht sind, daß eine Ausstellung ein ausgezeichnetes Mittel ist, um die Völker einander näherzubringen, so bitte ich Sie, hochverehrter Herr Abgeordneter, in Erinnerung an unser Zusammentreffen in Bern, dazu geneigtest beitragen zu wollen, daß das Vorurteil, welches Ihre Landsleute von uns fernhält, zerstreut werde. Alle öffentlichen, sozialen, industriellen und kaufmännischen Institutionen würden wir mit auftichtigem Ver- gnügen aufnehmen. Ich gestatte mir ein Programm in deutscher Sprache über unsere große friedliche Manifestation beizufügen. Ich bitte Sie, hochverehrter Herr Abgeordneter, die Ver- sicherung meiner Hochachtung entgegennehmen zu wollen. Der Bürgermeister von Lyon, Senator des Rhone-Departements. Hoffentlich trägt diese Veröffentlichung dazu bei, den chauvini- stischen Treibereien entgegenzuwirken, die eine Beteiligung der Deutschen an der Lyoner Ausstellung vereiteln möchten. Sericbts- Leitung. Jener nächtliche Revolverkampf, der sich in der Nacht zum 2. September v. I. zwischen mehreren Kriminalbeamten und einer unter dem Namen„Weddingkolonne" bekannten Einbrecherbande abgespielt hatte, hatte gestern vor der 1. Ferienstraflammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Land erichtsdirektors Schmidt ein Nachspiel. Aus der Untersuchungs aft wurde der zu der„Weddingkolonne" gehörige Felix Godorr vorgeführt, um sich wegen schweren Diebstahls, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und tätlicher Beleidigung zu verantworten. Neben Godorr gehörten zu der„Weddinakolonne" die als gefährliche Ein- bruecher bekannten tzupfeld, Binder, Gerlach, Tietzmann und Chudowitz, die später zu mehrjährigen Zuchthausstrafen ver- urteilt worden sind. Ende August v. I. wurde der Kriminalpolizei „verpfiffen"(verraten), daß die Weddingkolonne einen größeren Geldschrankeinbruch bei der Baufirma Kuhn in der Müllcrstr. 172a Plane. Es wurde festgestellt, daß die Einbrecher den von der Wirt- fchaftsgenossenschast Berliner Grundbesitzer angestellten Wächter Schubringk, dem insbesondere die Bewachung des Kuhnschen Grundstückes oblag, bestochen und ihm einen Teil der Beute zugesichert hatten, wenn er sie nicht bei der„Arbeit" stören würde. Schu bringt wurde später, wegen Beihilfe zu 9 Monaten Gefängnis ver urteilt. Nachdem die Kriminalpolizei ermittelt hatte, daß der Einbruch in der Nacht zum 2. September stattfinden sollte, besetzte der Kriminalkommissar Weiland mit acht Beamten das Grundstück. Gegen 11 Uhr erschienen auch die Einbrecher und machten sich so- fort an die Arbeit, die Geldschränke anzubohren. Als plötzlich die elektrischen Blendlaternen der Polizeibeamten aufleuchteten, er- griffen die Diebe die Flucht. Drei von ihnen wurden nach heftiger Gegenwehr überwältigt, die übrigen eröffneten auf die Beamten ein Schnellfeuer aus Browningpistolen und Revolvern. Die Be- amten schössen nun ebenfalls und trafen den Einbrecher Gerlach, der von zwei Kugeln getroffen umsank.— Nach den damaligen Angaben der Festgenommenen sollte auch der jetzige Angeklagt« Godorr an dem Einbruch beteiligt gewesen sein. Godorr blieb seit' dem spurlos verschwunden. Erst am 27. Januar d. I. fiel er durch einen Zufall der Polizei in die Hände. Er hatte in einem Cafe in der Elsasser Straße eine Prostituierte mißhandelt, die ihn feststellen ließ. Auf dem Transport zur Polizeiwache versetzte er plötzlich dem Schutzmann einen Stoß und lief davon. Auf da- Notsignal des Beamten wurde er von zwei anderen Schutzleutcr angehalten und nach heftiger Gegenwehr gefesselt. Auf der Polizeiwache gab er einen falschen- Namen an, da er alle Veran- lassung hatte, seinen richtigen Namen zu verschweigen. Als c: durch einen Beamten als Godorr erkannt wurde, versetzte er. diesem einen Stoß vor den Magen und sprang mit einem mächtigen Save durch die Scheiben der im ersten Stockwerk gelegenen Wachtstube auf den Hof hinunter. Dort blieb er mit einem schweren Schädel- bruch auf dem Steinpflaster liegen.— Zu der gestrigen Perhand- lung war vom Rechtsanwalt Dr. Karl Locwenthal für den Auge- klagten, der jede Teilnahme an dem Einbruch leugnete, ein um- fangreicher Alibibeweis angetreten worden, so daß sich die VerHand- lung vom frühen Morgen bis in die späten Nachmittagsstunden hin- zog. Das Urteil, welches erst gegen st Uhr abends gefällt wurde, lautete dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf 2 Jahre und 2 Monate Zuchthans unter Anrechnung von 2 Monaten der er- littenen Untersuchungshaft._ Ein vereiteltes Pistolenducll hat zu einem gerichtlichen Nachspiel geführt, welches gestern die 3. Ferienstraflammer des Landgerichts III beschäftigte. Wegen Herausforderung bzw. Annahme einer Forderung zum Zweikampf mit tödlichen Waffen war der 22jährige Student der Medizin Ernst Bochm und der praktische Arzt Dr. Kurt Michael Lipschütz an- geklagt. Am 8. April d. I. war es in einer Konditorei in Charlotten- bürg aus einer geringfügigen Ursache zwischen den beiden Ange' klagten zu einem Streit gekommen, in dessen Verlauf Boehm der Dr. L. ohrfeigte. Dieser schickte seinem Gegner eine Pistolenforderung unter schweren Bedingungen, Das Duell sollte am frühen Morgen des Ist. April im Grunewald zum AuStrag kommen. Wie behauptet wird, soll von Angehörigen der beiden Kontrahenten der Polizei vorher von dem beabsichtigten Ehrenhandel Mitteilung ge- macht worden sein. Als die beiden Gegner auf dem Kampfplatz erschienen, wurden sie von der Polizei in Empfang genommen.— Das Gericht erkannte aus je eine Woche Festungshaft, dem Antrage dcS Staatsanwalt gemäß. Arbeiter raucht Herbstoli! 5PB Limonadeflnip... 7 le 1Fl.0riglnal-Reichel-Extrakt f«r F � von w Irllichem Fruchtgeschmack und vollem edlen Aroma bereitet man sich selbst durch einlaches Aufkochen mit Zucker in Himbeer, Erdbecr, Kirsch, Zitronen, Brenadine, Orangen(Apfelsine) usw. Köstlich zu Nachspeisen und Limonaden, nahrhaft, gefund, erquickend, der Kinder liebstes Getränk. Unglaublich vorteilhaft und einzig schön. Rur nach einem Versuche hat man den richtigen Begriff. Vor Nachahmungen schützt die EchtheitSmarke Lichtherz. Vollständiges Rezeptbuch zur reellen Selbstbereitung feinster Liköre, Branntweine usw. gratis. Allsmiger Fabrikant Otto Reichel, Berlin SO. Eisenbahnflr. 4. Fernspr. Amt Mpl. 4751-�53. Niederlagen in den bekannten durch Schilder levnllichen Drogerien, wo nicht, wende man sich an die FabrU. DievZtag, den 5. August ISIS. Anlang Tl4 Udr. Pratcr. DaS Bummelmädchen. Anfang T/t Uhr. Reues Opern(Kroll). Tristan und Isolde. Anfang 8 Udr. In dm Dolomiten. Theater und Vergnügungen allein. Die Urania, o»--— � «chiller O. Der Troubadour. Weste». Sylvester Echaffer: Das starke Stück. Ein angebrochener Abend. Berliner. Filmzauber. Tbaiia. Pupvchen. Metropol. Die Zktno-Komgm. Herrnfeld. Endlich" Schonzeit-Jäger. Wintergarten. Spezialltaten. Steichshallen. Stettiner Sanger. tinfang 8'/, Udr. Komödienhaus. Hochherrfchastliche Wohnungen. Schauspielhaus. Das Windhund. Uen.�e?�.°u- L°w°°d- Xomdu�'Z?,' keusche 'tc. schlafe patent. «niana«>,. ns. T-«tscheö7M7SchD�ch� Ansang 9 Mdr «dmiralspalaft. EiSballett-- St. Moritz. K- 81trt« *.• Sternwarte, Jnvalidenftr. 67_c2 Theater de» Westens, j 8 Uhr: Sylvester Schäffer 1 | Vorher; Ein angebrochener Abend.— DaS starke Stück. Sachse-Oper Sehiller-Tbealer 0.1S: 8 Uhr: Der Troubadour. □□□ □□□ kkhr. Das Farmermädchrn. K�OilaOllS� ?'/. Uhr: IdObengrin. Gastspiel: Frieda Langendorff und Gertrud Sleinwoa. Mittwoch; Carmen. (Gastspiel: Ernmy Peattnn.t Berliner Theälef; s uhr: Filmzauber. lOSE=THEATEI Groze Franksurter Str. 182. Die Waise aus Lowood. Ansang S'l, Uhr. — Aus der Gartenbuhne: ch�tnne! 13� KSht los! ffivütL ißSie. Anfang 4 Uhr. Vorher Konzert. EinaNm Bunt. Teil VoiKt-Vbeatvi' «abstrafte 58. Dienstag, den 5. August 1913• Zum Benenz für den-.berregisieur Heinrich Bach Der Yersehweniler. Zauberposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Raimund. Bollftändtg neue Spezialitäten. Kassenögn. 10 Uhr. Ansang i'/, Uhr. Kletropol-Theater. Abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund ' und G. Okonlowski. Musik von Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. Reievslmilöa-Theater LOCISCHER GARTEN Täglich: Großes Militdr- Doppel-Konzerf. Eintritt 1 Hark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Berliner Praler-Thealer 7—9 Kastanien-Allee 7—9. Tttslich Das Bummelmädchen Gr.AuSstattungsp. in 4 Alt. v. M.Hehe Musik von Hirsch und Schleyer. Erftklass. Spezialitäten, Konzert. Ansang 4'/, Uhr. Eintritt 3S Ps. iblalirtstelle SebilUriieke am Schlcsischen Bahnhos. Tagxlivb IJerien-ExtralahrtenniitMusik ffoltersdorlerSchleiise ynilNeü-Belgolani SK V Sehmöekwitz*� Tttnl nackm.L N»� Unffk�ncon Wo ?*SiStTuT, A 1.---. zurück 60 Ps. JiliM- Jed7Die«Stag«.Freitag m. 29 Mann Mustk n. Neue Mühle. Dort jeden Mittwoch gr. Kinderfest. 1748b Ührnach Hf/Sl K]flffl21ISfir. Somit 30 Pf Brauerei Friedrichshain Am Königstor. Oek.: Ernst Lieblng. MT Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag: Kaffee-�rei-VorsteUung der STord deutschen und Apollo- Sänger >ei freiem Eutree. FreiiagS: Fret-Konzert. passa(ie-?anoplltaim Die Offenbarungen der Traummalerin Frau Assmann, d. Aufseh. d. wissonsoh. Kreise. AOA die Bchwebendo Jungfrau. Buddha die geheimnisvolle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! up HbbbbIark llente Dlcnstas: Elite- Tag* verbunden mit Großer Konfetti-Schlacht. Grandioses Monsterfeuerverk. Feenhafte Rarkbeleuohtung I MIUtttr-Konsert! Admiralspalast Hinz. Eispulast der\V elt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm ktthler Aufenthalt. Allabendlich Flirt In St. Moritz. Wiederauttr. der kleinen Charlotte. Bis 6 Uhr und von 10*/, Uhr halbe Kassenpreise. �Schweizer Garten> Am Priedrichshain 29/32. Täglich: Die verflixten Mädel. Operetten-BurlcSIe in 2 Akten und Sie neuen Attraktionen. Anfang: Sonntags 4 Uhr, Wochentags 8'/» Uhr. Volksgarten«Theater. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/25. Dienslag, den 6. August 1918: Muttersegen. Schauspiel mit Musik in fünf Allen. Dazu: Das erstkl. Spezialitäten-Progp. Anfang 4 Uhr. Donnerstag, den 7. August: lle. Gartenfest mit Italienischer Nacht, Illumination, Feuerwerk und Sommor- nachtsball. Elite-Vorstellung:„Ihre Familie" oder„Zwei vom Ballett", Volk-Zstiick in 3 Allen. 1 Neue Welt| A. Scholz. Hasonheide 108-1 14 Täglich: gr. Konzert».Vorstellung (vollständig neues Programm) Anf. 6 Uhr. Entree 85 Pt Im neuen Saal: Jeden Dienstag, Mittwoch! und Donnerstag Großer Ball. Voranzeige: Morg. Mittvr.: Großes Kinder-Erntelest Los nur SO Pfg.1 L Ziehung 7, August Gnesenep Pferde- otterle 1237 Gewinno I, Gesamtwerte*. M. 711000 dftranter 84 Pferd«, 3 EqnipAfen M, 50000 S�OO Silbergewinne Mzrkr 20000 flaaptgenlEB 1 Viererzug Hk.: 10000 Lose SU PI Hss 5 M. Porto und Liste 23 PI. exlr* durch das General- Deblt H.C.KrOfter BERLIN W 8, Friedrlchstr. 193a 8�* sowie alle durch Plakate fflBBf" kenntlichen Vorkaufaetell. •" Telegr.-Adr,; aGaldquelle"—1 Suchlianiiluns Vorwärts Lindenstr. 69(Laden) Änsiehtskarten vom Riesengebirge, Harz, Sächsische Schweiz, Dresden, Berlin in reiolier Auswahl. Stück 5 Pf. KON> LINON Rezept für billige u. bekömmliche Bowlen. Frische Früchte oder Kräuter werden mit gut gekühltem flbergoffen und die Bowle Ift fertig. Sie Ift erfrischend, wirkt anregend. aber nicht berauschend und verurfacht keinen Kopfschmerz. Soll die Bowle etwas füher und aromatischer fein, fo beftreue man Früchte oder Kräuter ruvörderff mit feinem Zucker(1 Teelöffel pro Flasche), schüttele Früchte etc. mit dem Zucker durch, fo da5 der Zucker um und um an Ihnen haftet(der Zucker extrahiert das Aroma), laffe V4 Stunde ziehen und glehe alsdann nach Belleben eventuell auch etwas Mofelweln zu. Die fo bereitete Bowle Ift ein herrliches, erfrischendes Getränk, In welchem das fpcziflfche Fruchtaroma voll zur Geltung kommt. Ift zu beziehen durch alle einschlägigen Geschäfte oderdurch �J&oceClt G. m. b. H., Bcrlin-Charlottenburg Z Charlottenburger Ufer 70/ Fcrntpr.: Amt Steinplatz 1904, 4SS1 UmversalFernglas isiz £in billiges aber gutes GlasI uiiiiii>iitrdinenreste. Fenster 1,55, 1,95, 15, 2,85, SAU, 4,25, 5,50, 6,75 usw. WcisjeitöergS Gardinen« und ppichbaus, Grosze Franfsurter- nße 125. im Haute der Möbel- brik an der ZSoppenstraHe._ Teppiche mft Webefehlern 7,50, iO, 11,50, 13,50, 16,50, 19,50,22,50, ,50, 29,50 usw. TepptchHauS Groye anfjurierstraße 125, im Hause der öbeisabrik.__. Restbesteinde. 1—3 Fenster Tuch- rtieren, Plüschportieren, Madras« liieren, neueiie Muster, Fenster ,5. 3,50, 3,95, 4,85, 5,75, 6,50, 7,50, >0,11,50, 14,50, 18,00 usw. Portieren. .uS, Grope Franisurterstrasze 125. Tnchdecfeu, Leinendecken, Plüsch- den 1,35, 1,65, 1�5, 2,45, 2,95, ..65, 4.25, 4.85, 5,50, 6,75, 8,50, 9,70 iS 45 Mark. Tteppdecken, Similiseide, vor« üime Aussührung 8,75, 4,85. 5,75, 50. 7.85, 9,50, 12,50, 14,50 usw. .roge Franksurterstratze 125, im Hause .t Mobeisabrik._ ÜorjrihtTflC eleganieHerrenanzüge .«b Saictotä au« feinsten Maystossen i— 10 Mari, Hosen 6—14 Mari. erianddaiiS Germania, Unter den Inden 21._____* Teppiche!(itblcrbnste) m allen «rößen, jasi sür dir Häljle des Wertes rvvichiager Brünn. Ha-f-icher liartt 4. Labnbos Börse.(Leier deS iZvrwärts' erkalten S Prozenl .ibatt.) Sonntag« geöftnct!» Waoderkarten und Lücher, Reise- ihrer, Kursbücher hält stets am aaer. Buchhandlung Vorwärts. in denstrabe 69.__ Gardine»! Steppdecken I Portieren i ijchdeckeni autzergewöbnlich billig I Zorwärtsleser 5 Prozent Rabatt etra! Gardinenhaus Brünn, Hacke. her Markt 4(Bahnhoj Börse). ronntags geöffnet. Pfandleihhaus Hermaunplah 6. .'pottbilligcr Bettenverwnj. Wasche- erkauf. Gardinenverkaus. Teppich- erkaus. Goldwarenlager, Riesen- uswahl Herrengarderobe. Sonntags- erkaus ebcnsalls._* Kcttcnstand 9,—. iraffe 70, im Keller. Brunnen» I200K' TePPich-Thomas.Oranicnslr. 126, icrkaust sarbsehlerhaste Teppiche spott- illig! Gardinen, Steppdecken, Tisch- ecken halben Preis. Vorwärtslesern . Prozent Ghtrarabatt._ 785S* Wringmaschinen und Wasch- uaschinen billig, auch aus Teilzahlung. Zcllmann, Gollnowstrahe 26. s296K' "Moderne«ünstlergardtne, spottbilliger Sommer-RäumungZ- erkauf I Riefenauswahl! Fensler. arnitnr 3,50, 4,50 bis 11,85. Shawl- ardinen. Fenster 1,95, 2,75 usw.; öardinenrefte allerbilligst; Vorzich. I-i i dineu 1.75. Woiss Teppichhaus, Trcsdencrslraffe 8(Kottbusertor). Abonnenten 10 Prozent Rabatt. Kinderwägen. Geschästsausgabe Klappwagen, Kinderbetten spottbillig. Kottbuserdamm 90._ t58 Ziukwaschfäffer, Zober, Sitz- wannen, Badewannen. Spezialsabril Reichenbergerstraffe 47. Leiern 5 Proz. Teppiche(Farbeniebier) enorm billig. Gardinen, Steppdecken direkt Fabrik. Mauerboff, Groffe Frant- iurter Straffe», parterre.„Vorwärt«'- leser zehn Prozent! 609K* Leihhau« MoriNplaN 58a! kauscn Sie spottbillig von Kavalieren wenig getragene sowie im Versatz ge- Weene Jackettanzüge, Rockanzüge, Paletots, gröfftcnteils aus Sesde gearbeitet 9—18 Mark. Gelegenbeits käuse m neuer Maffgarderobe, enorm billig. Riesenposten Kleider, Kostüme, Mäntel, auf Seide gearbeitet, früher b!S 150, jetzt 20-35 Mark. Extra- Angebot in Lombard gewesener Tep- piche, Gardinen, Portieren, Betten. Wäsche, Uhren und Goldwaren enorm billig nur Morrtzplatz 58» I. 194K Gestickte ErbstüllstoreS mit Volant 3,35. Echt Spachtelstores 7,25, Se zessionstüllstores 1,85. Teppichbau« Emil Lesövre, Oranienstraffe 158. Achtung i Holz-Firmenschild billig verläuslich, 3,50 lang, st, Meter breit. Pücklerstraffe 38 I, rechts._ fl9 Betten! Prachtvolle Betten, rosa rote Inletts 6,75 1 9,75 1 Brautbetten 12,75, 15,75, 18,75. Daunenbetten 19,75, 22,50. Prachtvolle Aussteuer- wasche. Teppiche. Portieren. Gar, dinen. Tischdecken. Stores. Tüll- decken. Steppdecken. Uhren. Ketten Schmucksachen. Paletots. Anzüge spottbillig I Pfandleihe Paul Krüger, Brunnenstraffe 47. 993K (lescliaftsverkällfe. Zigarrengeschäft krankheitshalber billig zu verlausen Birkenstraffe 58. Schanklokal billig verkäuflich. Auskunst Köpenickerstraffe 191, Zi- garrengeschäjt. f19 Möbel. Möbel aus bequeme An- und Ab- zahlung. Groffes Lager jeder Art. Möbel-Lechner! I. Geschäft: Brunnen- straffe?, 2. Geschäft: Müllerstraffe 174. Sonntags 8—10 geöffnet. 850K Kamerlings Möbelspeicher, Fehr- bellwerslraffe 17, 18, 21a, Verlaus um die Ecke, Kastanien-ZIAee 56, enorme Auswahl, Gelegenheitskäufe, Spottpreise, Name, Hausnummer be- achten. 1731b' Wer Möbel reell und dabei billig lausen will! Mein Spezialgeschäsi sür Ein« und Zweizimmer-Einrich, tungen bietet Ihnen Vorteile. Gc- schmackvolle Musterwohnungen, auch gute gebrauchte sowie zurückgesetzte Möbel, Bequeme Zahlwcise gestattet. KassapreiS Zinsvergütung, kleine Sin- zahlung. Bekannte Rüchsichtnahme bei Krankheit, Aussperrung usw. Tischlermeister Gabbert, Acker. straffe 54. �_ Möbel- Gelegenhcitskaushaus Brückcnstraße 6. Groffe Auswahl neuer gediegener Möbel zu Spott- preisen. 1132b' Möbelhandlung Mariannen- straffe 25, billige Preise. Teilzahlung gestattet..Vorwärts'leser 3 Prozent Rabatt.«SOK' Möbel obne Geld! Bei kleiner Anzabiung geben Wirtschaften und einzelne Stücke am Kredit unter äufferster Preisnottcrung, auch Waren aller Art. Ter ganze Osten kaust bei uns. Kretickmann u. Co., Koppen- straffe 4,(Schlefficher Babnboj.) Zentrale sür Arbcitermöbel licscrt Resormeinrlchtungen in gediegener Arbeit an Reelldenkende auch aus Teilzahlung und bittet Parieimitglie- der um Besuch der groffen Läger. Niedrige Anzahlung. Zinsvergütung. Gelegenheitskäuse in gebrauchlen Mö> beln. Verlaussstelle Schatz. Brunnen- straffe 160, Eingang Änllamcrstraffc. Moebel> Boebel, Oranien straffe(Moritzvlatz) 58, Fabrikgebäude, liefert als«vezialitäl: Ein- und Zweizimmer-Einrichtungen. Gröffte Auswahl. 9 Etagen in 2 Fabrik- gebäudcn. Billigste Preise. Ein Zimmer und Küche 230.-, 335,—, 407—, 475,—, 496,—, 537,—, 574�, 609,—, 651,— bis 1000,—. Zwei Zimmer und Küche 445, 536,—. 640.—, 690,—, 756,—, 895,—, 939— 1035—, 1105,— bis 2000,—. Sckilaszimmer 189,—, 262,—, echt Eiche 343,—, 371,—, 434,—, Wohnzimmer, modern 215,—, 268,—, 306,—, 341,—, Speisezimmer, echt Eiche, 341,—, 414,—, 475,—, 562,—, Herrenzimmer 334,—, 424,—, englische Betistelle mit Matratze 40,—, Trumeau, geschliffen 36,—, Plüschsoja 58,—, Umbau 50,—. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. Fnnj Jahre Garantie. Eventuell Zahlungserleichterungen. Geöftnet 8—8. Sonntag« 8— 10. Kein Laden. Verlaus im Fabrikgebäude. ILK' 'Möbel l Für Brautleute günstigst. Gclcgenbeil, fich Möbel anzuschaffen Mit kiemiter Anzabiung gebe ichon Stube und Küche. An jedem Slück deulliwcr Preis. Ucbervorteiiung daber ausgeschloffcn. Bei Krankbeits- fällen und Arbetlsiostgkeit anerkannt gröffte Rücksich!. Äöbetgeschäil M. Goldftaub, Zosjenersiraffe 38. Ecke Gneiienaustraffe. 290IK' 07 Borderzimmer! 34 Herrenzimmer, 83 Schlafzimmer In allen Holz- und Stilartcn verkaufe zu Fabrikpreisen an Private. Möbel- sabnkÄ.Hirschowiz.«kalitzerstraffe 25, Hochbahn Kottbusertor. Lagerung bis Herbst frei. 98 OK Vrantieuteu l Nuffbaumwirffchajt, bildschöne Stube, herrliche Küchen- cinrichtung, jeden annehmbaren Preis verkänslich. Bauer, Groffe Frank- sintcrslr. 85, 1 Treppe._ 1S6/8 Umbansofa, Nuffbaum, Kleider- schrank, Verliko, Trumeau, Auszieh- tisch zusammen verkäuflich. Frau Gollnick, Zilbrcchtstraffe 23 1. 746b Arbeitermöbel in groffer Auswahl. lüns Etagen. Haupsachlich Ein- und �wcizimmercinrichtungen.sowieEinzel- Möbel. Einsach, gediegen u. konkurrenz- los preiswert. Bequeme Teilzahlung mit geringer Anzahlung gern gestattet. Trotzdem streng reelle Kassaprege und Zinsvergütung. Kein Abzablungs- geschält. Keine Kassierer. Zahiungs- seist bei Streik, Krankheit usw. Enipschienswcrt ist frühzeitige Be- stellung. Ausbewahrung. Transport frei. Anzahlung ist erst bei Licierung erforderlich. Tischlermeister Rei-wslc, Badsiraffe 66/ zwei Minuten vom Bahnhoj Gesundbrunnen. 126/6 Metallbetten, zwei, modern, Kinderbett spottbillig verkäuflich Zossenerstraffe lO.Hutgeichäst. 125/3' Musikinstrumente. Krause-Pianos und Flügel, erst, klaisiges Fabrikat, auch gebrauchte, Kauf, Tausch, Miete, Teilzahlung. AnSbacherstraffe 1. Piantnos, Harmoniums. Flügel jeder Preislage, gebrauchte 120,00 an, Teilzablung. Schcrer, Cbauffee- strage 105. 534ft*. Bilder. Bilder. Sie kaufen Bilder nirgends billiger als direkt Fabrik bei Bilder- Bogdan, Weinmeistet straffe 2. 22483 Fahrräder. Nund-um-Berlin-Räder und Pneumatiks, anerkannt erstklassig, preis- wert und elegant. Ricscnauswahl, kulante Bedingungen. Zahiungnahme älterer Rüder. Neue Spezialrädcr, Jahresgarantie, mit Pneumatik 35,00. Phonographen-Katz. Nur Wcinmeister- straffe 2, Chausscestraffe 92. Groffe Franksurterstraffe 144. Neukölln, Hermannplatz 6, Bergstraffe 4._• Teilzahlungen. FabrradhauS Jn- oalidensfraffe 20. Wilhelmshavener- straffe 73(Eckhaus Turmllraffe). Votwärtsleier süns Prozent Rabatt. Fahrräder, Teilzablungen. gröffte Auswahl, billigste Prciie. Lothringer- straffe 40. Filialen: Steglitz, Schioff- straffe 116. WilmcrZdorj, UHIand- straffe 100. Charlottenburg, Kant- straffe 57. 1203K Fnhrradvcrtried.Groff- Berlin', reelle und billige Bezugsquelle, Re- paraturen gewissenhajt und schnell- stens Neue Schönhauserstraffe 9, Brun- nensirage 145, Badstraffe 9, Müller- straffe 13, Turmstraffe 25. Charlotten- bürg, Spandauerberg 29. Ersiklaisige Fahrräder. Monats- rare 10 Mark. Louis Barth, Brücken- straffe 10a, I. Etage. 9g2K' Brennaborrad, guterhalten, 25.00. Weberstr. 42, Quergebäude. 126/7* Herrenfahrrad- 25,00, Freilanfrad, Damenrad, Kraus, Andreasstraffe 54. Kauigesuctie. Platinabfälle. Gramm 5.50. AI! goid, Silber. Zabngebisje. Stanniol, Quecksilber iausl höchstzablend Biümei. Schmeizerei. Auguslstraffe 19 III. Zahngebiffe, Goidsachen. Silber- fachen, Piatinabjälle. sämtliche Metalle höchstzahlend. Schmeizerei Christionat, Kövenickerftraffe 20 a(gegenüber Mameuffelstraffe)._ 111/1' Ptartnabfälle. alte Goldsachen, Bruchgold, Silber, Gebiffe, alte Uhren, Kebrgold, Goldwatten, Quecksilber, Stanniol sowie iämtliche Gold-, Silber-, platinbalttgen Rückstände lauii Broh, Edelmetallschmelze. Berlin, Köpenickerstraffe 29. Telephon Moritz- Platz 3476. 580K« Zahngebiffe. Zahnbist, 25(komme abholen). Piatina 5,75. Allgold, Alt- silber. Goldschmied Bruckard, Mutack- straffe 22, nahe Roseiitdalcrstraffe. Goldschmelze kaust Silber, Piatin- absälle, Zahngebiffe, Quecksilber, Stanniol, alle Metalle, höchstzablend Witwe Marie Nieper. Nur Köpenicker- straffe 157._ 47951* Zahngebiffe, Gold, Silber.Tresscn, Piatina taust böchstzahlend Blumen- reich. Brunnenstraffe 3, Rosentbaier Tor. 693* Zahngebiffe. Zabn bis 1.30. Platin» absälle 5,75, Goidsachen, Silbersachen, Quecksilber, Stanniolpapier, Zinn 3,50, Kupser 1,24, alle.Metalle' höchstzablend. Edelmetall-Einkauis- burcau Weberstraffe 3t. 864K* Zahngebiffe, Platinabfälle. Gold eintaus, Silber, Quecksilber, Stanniol höchstzahlend Schmeizerei Müller, Teltowerstraffe 10. 1752b* �Kupfer, Messing, Zink, Zinn, Blei, Stanniol böchstzahlend. Willy Cobn. Brimnenstraffe 25. 1753b* lMerriciil. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort- geschrritene. einzeln oder im Zirkel. wird englischer Unterricht erteilt. Auch werden Uebcrsetzungcn an- gefertigt. G. Swienly- Liebknecht Cbarlottenburg. Sluttgarterplatz 9 Gartenbaus III. 44K* Ghauffcur-Au-bildung ersttlassig und stellungSstcher. Verschiedene 4-Zylinder-Systcmc. Honorar 100 Mk., auch Abendkurse. Kostenlose Empsch- lung. Groffe Reparaturwerkstatt. Köpenickerstraffe 1 l6. 731K* Schinkel akademie. Regierung«- baumeistcr Dr. Ariur Berner, In- Haber. Berlin, Ncanderstraffe 3. Maschinenbau. Elektrotechnik. Hochbau. Tiesbau. Heizung. Gassach. Wassetsach. Tagesturse. Abendkurse. Verschiedenes. Komme zurück, es ist zu Deinem Guten. H. F. Hd. 20. i63* Pateiitanniait Weisel, Gitichiner- stratze S4a. Patentanwalt Müller. Gitlchmer- straffe 81. 143SK* Kunftstopferei Groffe Frankiurter- straffe 67. 23993* PjanoS vermietet Pianohaus Krause, AnSbacherstraffe 1._* Waschanstalt Brcichte, Köpenick, Parisiusstraffe 18, liefert schneewciffc, im Freien getrocknete Wäsche. Vier Handtücher 0,10. Abholung Donners- lag. 17ö0b Rasenbleiche, Frau Shibasi Köpenick, Grünauer Straffe 45. wäscht schonendst sauber. Laken, Leibwäsche, vier HandiücherO.IO. Kein Vertauschen. Abholung ToimerstagS. 1743b Deine Ferien verbringe in Berken- brück bei Fürstenwaide, Spree, bei Ludwig Hosmann(früher Treptow). Herrlich am Mischwald und Wasser. Fernverkehr 55 Minuten. 1,10. Loh. »ende Sonntagstouren. ti3' Fahrräder. Nähmaschinen, Pianos. Möbel höchstbeleihend, Leihhaus. Schwedtcrilrab- lt. 253/10* Hund, Dabermann(krank-, ent- lauset:. Marie 20981. Kraus, Andreas- straffe 54. 126/9 Vernuetun�en. i Wohnungen. Charlottcnburg, Schillerstraßc8g, zwei Minuten vom Untergrundbahn. hos Bismarckstraffe, 2 groffe Stuben und Küche, Borderhaus, sofort zu ocr» mieten, 40 und 43 Mark. Jede Stube separaten Fwrcingang. f103* Qimmer. Gut möbliertes Zimmer vermietet sofort Auguststraffe öl, vorn III, Hahnisch.-f71* VrdeitsniÄrkt Stellenangebote. Gesangsdirigent für Donnerstags gesucht. Offerten an Restaurant Ernst Richter, Berlin- Lichterscide, Chausseestl äffe 104.'__ 1 747b Zuvrrtässige Leute zum Aus- tragen von Drucksachen bei guter Bezahlung in allen Teilen Grog- Berlins gesucht. Postlagerkarle 40, Hamburg 25e. 17516* Zirka 3« Maurergesellen nach Graudenz, Stunde 55 Pfennig, Reise« geld bei dauernder Beschäftigung oei> gniigt. Zu meiden Nowawcs, Wall- straffe 9._ 10003 Näherinueu. geschlossene Hosen. Billnat, Ueckermünderstraffc 15. P VöMMsüris-lZgueMLeiie per Garnilur von t,7v M. an. Musterlarte gratis.« Auch als Nebenverdienst passend.» j Wilh. Feuerbacher, Ooppingon h (VVittbg.), äantstr. 29. 1745b I Stukkateure und Gipser. Die Arbeiten des Subunternehmers Hofmann im Neubau Siemens n. Halste, Nonnendamm, sind gesperrt.>11/7 Deutscher Banarbcitcrverband. Sektion der Stukkateure. Aclitung! Holzariieilsr. Wegen Streik oder Lol.n- differenzen sind gesperr«: Bautischlerei tiodr.«»»ko, Nsedomstr. 31. Anaerltiiker.Pianpfprtefabrit, Markushof. Das Berliner ArbettSwilligen- vcrmittelungsburcau d. gelben »HandwerterfchutzverbaudeS*. Arbeitsnachweis d. Stellmacher- Innung und der Wagensabri- kanten, Kaiser-Franz-Grcnadier- Platz. Zuzug ist streng sernzuhaiten. l)ie Orisrerwallaaz verlin des Deutschen Holzarbciterverbande« Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Borwart» Buchoruckeret u. BerlagSanstalt Paul s>naer u. E0> Berlin SM St. 199. 30. Jahrgang. 3. Skilqr des.Awiirts" Derlim WlKÄM Diellstag, ö. August t9!3. Partei- Ungelegenkeiten. NiederschSucweide. Heute, Dienstag, den ö. August, nachmittags L Uhr, veranstaltet der Wahlvercin im Restaurant Waldhaus ein Kinderfest. Für Kinderbelustigungen aller Art ist hinreichend Sorge getragen. berliner JVacbncbten. Hurrapatriotische Fatzkereicn. Wir haben an dein Jugendwehrrummel und den„Feld- zügen" der„blauweißen Union", bei denen die Knallerei und das dreimalige Hurra auf S. M. allemal die Hauptsache ist, ja auch nicht genug. Man hat bisher ja immer nur soldati- schen Geist in die so leicht durch jede Spielerei zu begeisternden Jungen gepreßt. Wir sind doch auch im Besitz einer Marine. Da heißt es gleichfalls, frühzeitig„marinierten" Geist zu Pflegen. Fast ein Wunder, daß unsere Kriegsschwärmer nicht schon längst darauf kamen. 3hin. der Entdecker ist da. Ein »opferwilliger" Groß-Berliner Bürger, der Herr Kunst- und Dekorationsmaler Schmitt, hat eine„Deutsche Schul- schiff- Schüler- Vereinigung" gegründet. Einige Jahre beachtete trotz aller Propaganda in der Tages- presse und durch„Aufrufe", wimmelnd von schönklingenden patriotischen Phrasen und erlauchten Namen, kein Mensch diese harmlose Spielerei. Man baute auf den Sand der Emser Straße in Bcrlin-Wilmersdorf einen Kahn mit ein paar Masten und Kanonenattrappen und nun hampelte man lustig drauf los. Die Uniform war selbstverständlich die Hauptsache. Solange war die Sache harmlos. Es gibt nun eben mal Menschen, die es als förmliches Bedürfnis empfinden, sich von anderen anschnauzen zu lassen und dem Schnauzenden mit einem hochtönenden Titel und„z' B'fehl" dafür zu danken. Nun den Spaß konnte nian ihnen gönnen. Jetzt aber bekommt die Sache ein anderes Gesicht. Den „opferwilligen" Bürger hat die Sehnsucht nach der Knopfloch- dekoration und der allerhöchsten Anerkennung nicht schlafen lassen. Er hat deshalb nicht nur alle aktiven und inaktiven Seeoffiziere mit der Angelegenheit belästtgt, sondern setzt einen zweiten Kahn in Kwinemünde dem heimkehrenden Kaiser direkt vor die Nase. Der kann nun absolut um seinen opferwilligen Bürger nicht drumrum und wird das„Schulschiff zu Lande", für das der„L.-A." bereits ausgiebige Reklame macht, besichtigen. Da wird ja denn Herr Schmitt den langersehnten Orden bekommen. Es ist indessen Zeit, aufs energischste einmal den Unsinn einer solchen hirnverbrannten Erziehungsmethode festzulegen.— In dem„Aufruf" heißt es:„Die in unserer Jugend zweifellos vorhandene und von ihr betätigte Begeisterung fiir unsere Kriegsmarine in richtige Bahnen zu lenken und ihr einen ernsthaften Hintergrund zu geben, ist das Bestreben eines Mannes, der sich die schöne Aufgabe stellte, diese Begeisterung, die sich bis dahin nur in jugendlichen Spielen ausgedrückt hatte, durch fachverständige Ausbildung zu zielbewußter, arbeitsamer Tätig- keit hinüberzuleiten, ohne dabei der Jugend die Freude am eignen Tun'zn verkümmern." Lieber Herr Schmitt, sollten Sie wirklich nicht wissen, was diese„zweifellos vorhandene Begeisterung für unsere Kriegsmarine" ist? Das ist zunächst die kindliche Freude an allen bunten Lappen, als da sind Fahnen, Achselklappen und Mützen, das ist weiter der Reiz des Unbekannten und Neuen, (der, wie Sie ja aus eigener Erfahrung wissen, oft nur recht kurze Zeit vorhält), das ist der Reiz der phantastischen Vorstellung, etwas Großes zu tun(auf gut Deutsch: zu spielen), zur See zu fahren, Kanonen loszubollern. Das ist weiter der Reiz der Kletterei und Rumturnerei, der Reiz des Kommandicrens und der Nachäfferei, der dieselben Jungen zum Spielen verleitet. Das ist der Reiz des„stolzen Kahns" an sich, auf den die„anderen" nicht rauf dürfen. Das ist der Reiz der malerisch schönen(kriegsmäßig deshalb untauglichen, wie kürzlich nachgewiesen) danipfcnden Kriegsschiffe und das ist nicht zum kleinsten Teil der Niederschlag der von oben oktroyierten Irrlehre, daß unsere Zukunft auf dem Wasser liege. Das, Herr Schmitt, ist bei Lichte besehen die „zweifellos vorhandene" Begeisterung für unsere Kriegsmarine. Was aber dort getrieben wird, ist die schamloseste Propaganda für eine Parteiansicht, ist die Vergewaltigung kindlicher Geistes- freiheit. Daß man diese fast staatsgefährdende, weil Kriegslust säende Arbeit regierungsseitig und von allerhöchster Seite unterstützt, sozialdemokratische Aufklärungsarbeit aber mit allen Mitteln unterdrückt, das ist ein typisches Zeichen der Sorte Gerechtigkeit in unserem Staatswesen. An die Bildungsausschüsse und Organisations- leitungcn von Grost-Berlin. Wir machen bekannt, daß die im„Leitfaden fiir die Bildungsarbeit" im Abschnitt Theatervorstellungen auf S. 76 genannte Vorstellung im Lessing-Theatcr nicht am 15., sondern am 1. März stattfindet. Sodann ersuchen wir um baldige Einsendung der ausgefüllten Fragebogen. Ilm Irrtümern vorzubeugen, bemerken wir, daß nur die Veranstaltungen in den Fragebogen eingetragen werden dürfen, für die die Bildungsau-sschüsse und Organisations- leitungen die Ver Mittelung der Referenten, der Programme, Künstler usw. durch den Be- zirksbildungsausschutz wünschen. Veranstaltungen, die von den Organisationen ohne die Unterstützung des Bezirks- bildungsausschusses durchgeführt werden sollen, dürfen nicht mit verzeichnet werden. Die Gelegenheit benutzen wir. erneut um U e b e r- sendung aller das Bild ungs wesen betreffenden Drucksachen(Kursusantündigungen, Eintrittskarten, Programme, Jahresberichte usw.) in je orei Exemplaren an das Sekretariat des Bezirksbildungsausschusses zu bitten. Wir betonen, daß die Programme der S o rn m e r f e st e für uns von besonderem Interesse sind. Außerdem machen wir bekannt, daß von jetzt ab das Sekretariat an jedem Sonnabend von 5—8 Uhr abends ge- öffnet ist. Genossen, die irgendwelche Auskunft wünschen, mögen sich während dieser Zeit dort einfinden. Diese Ein- richtung tritt am S o n n a b e n d, den 9. A u g u st, zum ersten Male in Kraft. Der Bezirksbildungsausschuß. Sekretariat: Lindenstr. 2. Hof l- Die Schiffbrüchigen. Wir haben noch einmal eine Anzahl Eintrittskarten für die Vorstellungen am Freitag, den 8. August, Sonnabend, den 9. August, Montag, den IL August, im Deutschen Theater übernommen und bringen die Karten von Mittwoch früh ab an folgenden Stellen zum Verkauf: NW, Oldenburger Str. 10, Paersch, Restauration. N, Brnnncnstr. 145, Dieseler, Restauration. 0, Stralaucr Platz 1/2, Bureau des 4. Wahlkreises, von 9—1 und 4—7 llhr. SO, Engelufer 15, Horsch, Zigarrengeschäft. SW, Lindenstr. 2, vorn I, im Berliner Bureau von 9—1 und 4—7 Uhr. Die Karten kosten wieder 0,90 M., Galeriekarten 0.60 M. Der Bczirks-Bildungsausschuß Groß-Berlin. Tod des Flugschülers Brooks. Im Krankenhause zu Oberschöneweide ist gestern kurz nach S Uhr der Flugschüler Brooks gestorben, der Sonntagabend in Johannis- thal mit einer Jeannin-Stahltaube verunglückte. Er erlag einer schweren Leberverletzung. Brooks war 28 Jahre alt und verheiratet. Ueber den Unfall loird berichtet: Brooks, der von Stiploschek im Fliegen ausgebildet worden war und schon seit sechs Wochen Allein- flüge gemacht hatte, wollte gestern seine Pilotenprüfung ablegen. Während des Fluges drosselte er den lOO-LS-Argus-Motor so stark ab, daß die Maschine keine Fahrt bekam und stark hing. Schon bei einem der Prüfung vorhergegangenen Probe- fluge hatte er diesen Fehler gemacht und war auch ermahnt worden, den Motor voll lausen zu lassen. Infolge ihrer geringen Geschwindigkeit reagierte die Taube auch nicht genügend aus die Steuer, und so kam es, daß Brooks, als er über den Fooker-Schuppen hinweg ins Innere der Flugbahn ge- langen wollte, mit dem rechten Flügel den zirka acht Meter hohen Windmesser streifte, der am neuen Startplatz aufgestellt ist. Der hölzerne Turm fiel um. Die Taube stürzte ab, und der Benzin- tank wurde beint Aufschlagen auf den Boden leck. Da der Motor noch lief, entzündete sich das ausströmende Benzin an den Auspuff- flammen, und im Nu stand der ganze Apparat in hellen Flammen- ES gelang, Brooks aus seiner gefährlichen Lage zu befreien. Er konnte selbst nach dem Sanitätsraum gehen, von wo er nach Ober- schöncweide ins Krankenhaus gebracht wurde, wo die schwere innere Verletzung konstatiert wurde, die dem Leben des jungen Mannes ein Ziel setzte._ Tie preußische Staatspcnsion in Tegel dezogen hat am gestrigen Montag unser früherer verantwortlicher Redakteur Genosse Albert Wachs. Dort hat er nun zehn Wochen Zeit, um über die viel- gerühmte preußische Preßfreiheit nachdenken zu können. Eine Ge- fängnisstrafe von sechs Wochen erhielt Genosse Wachs bekanntlich wegen des„Affenkomödien"-Artikels, in dem eine Beleidigung des preußischen Abgeordnetenhauses, besonders auch wegen der Ausdrücke „Geldsackparlament" und.Junkerparlament", erblickt wurde. Bier Wochen erhielt Genosse Wachs aufgebrummt, weil er einen Pastor Lehmann in Königswalde beleidigt haben sollte, dem er in einem Artikel Beeinflussung eines von einem Ratsherren verführten vier- zehnjährigen Mädchens vorgeworfen hatte. Wir wollen hoffen, daß die unfreiwillige Muße dem Genossen Wachs keinen Schaden an Körper und Geist zufügt und er nach verbüßter Strafe in un- geschwächter Gesundheit wieder in die Freiheit zurückkehrt. Bom Berliner Wohnungsmarkt. Aus der letzten Zählung der leerstehenden Woh- n u n g e n in Berlin, deren Hauptergebnis wir vor einigen Monaten mitteilten und besprachen, veröffentlicht jetzt das Statistische Amt der Stadt das Ergebnis einer Gruppierung dieser Wohnungen nach der Zahl ihrer Zimmer. Die Zählung hatte Jahre hindurch regelmäßig Ansang Januar stattgefunden, diesmal aber wurde sie nicht auf den 1. Januar 1313 gelegt, sondern schon am 1. Dezember 1312 ausgeführt. Nachdem eine längere Periode andauernder Mehrung der leerstehenden Woh- nungen zu Anfang 1312 zum ersten Male durch eine Minderung unterbrochen worden war, haben im Lause des Jahres 1312 vom 1, Januar bis zum 1. Dezember die leerstehenden Wohnungen sich wieder gemehrt. Die Zählung vom 1. Dezember ergab 2S 303 leerstehende Wohnungen, davon waren� 24 338 nur Wohnungen, während zu den übrigen 1311 Wohnungen noch Gcwerberäumc ge- hörten. Bei der vorletzten Zählung dagegen wurden 24 348 leer- stehende Wohnungen ermittelt, wovon 22 376 nur Wohnungen waren und 1372 noch Gewerberäume hatten. Die leerstehenden Gewerbe- räume, zu denen keine Wohnungen gehörten— bei der letzten Zäh- lung 5973, bei der vorletzten 6347— scheiden aus dieser Be- trachtung aus. Die Z i m m e r z a h l, auf die es in ihr ankommt, wurde für die meisten der leerstehenden Wohnungen ermittelt, bei der letzten Zählung für 29 306 Wohnungen, bei der vorletzten für 24 336. Sondert man die Wohnungen aus, zu denen noch Gewerberäume gehörten, so zeigt die bei diesen Wohnungen festgestellte Minderung sich in fast allen Größenklassen. Wir können aber im folgenden von der Unterscheidung in„Wohnungen mit Gewerberäumen" und „Wohnungen ohne Gewerberäume" absehen, weil die letztere Gruppe von Wohnungen gegenüber der crsteren nicht zahlreich ist. Die leerstehenden Wohnungen überhaupt söhne Gewerberäume und mit solchen) habe» von Januar 1312 bis Dezember 1912 sich in allen Größenklassen gemehrt, und zwar diejenigen, die nur aus Küche bestanden, von 550 auf 613, die nur aus 1 Zimmer söhne Küche) bestehenden von 1764 auf 1987, die auS 1 Zimmer und Küche bestehenden von 10 581 auf 11274, zusammen die auS 1 Zimmer lohne oder mit Küche) bestehenden von 12 345 auf 13261, ferner die Wohnungen mit 2 Zimmern ohne Küche von 143 auf 151, mit 2 Zimmern und Küche von 6506 aus 7114, überhaupt mir 2 Zimmern sobne oder mit Küche) von 6654 ans 7265, weiter die Wohnungen mit 3 Zimmern von 2234 auf 2463, mit 4 Zimmern von 1041 auf 1103, mit 5 oder mehr Zimmern von 1512 auf 1601. An der Mehrung bei de» eiiHeluen Größenklassen fällt auf, daß bei den ganz kleinen Wohnungen mit nur 1 Zimmer die leeistehenden sich nicht so gemehrt haben wie bei denen mit 2 oder mit 3 Zimmern. Von der vorletzten zur letzten Zählung mehrten sich die lcerstcheuden Wohnungen in den einzelnen Größen- klaffen io: Küchen um 11 Proz., 1 Zimmer um 7 Proz., 2 Zimmer um 3 Proz.. 3 Zimmer um 10 Proz., 4 Zimmer um 6 Proz., 5 oder mehr Zimmer um 6 Proz. Die deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat an die größeren Bundesstaaten und Gemeinden folgendes Schreiben gerichtet: Der Arbeitsmarkt steht zurzeit unter dem Zeichen einer schweren Depression; die Lage ist bei weitem ungünstiger als in den Vorjahren, so daß nach Einstellung der Bauarbeiten im kommenden Winter eine Arbeitslosigkeit zu erwarten ist, wie sie an Umfang und Schärfe seit langen Jahren nicht vorhanden war. Bei den un- erwünschten Folgeerscheinungen, die ein solcher Notstand zeitigt, glauben wir die Aufmerksamkeit bereits jetzt auf diese bedenk- liche EntWickelung des Arbeitsmarktes lenken zu sollen. Bei früheren Krisen hat sich vielfach gezeigt, daß die Notstands- aktionen nach Vorberatungen, welche längere Zeit in Anspruch nahmen, erst eingeleitet wurden, nachdem die Depression ihren Höhepunkt erreicht hatte. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig die erforderlichen Schritte einzuleiten, damit gegebenenfalls genügend Arbeiten zur Milderung der Beschäftigungslosigkeit zur Verfügung stehen. Wir bitten daher, eine möglichst große Zahl geplanter Arbeiten und Austräge schon jetzt für den kommenden Winter bereit zu stellen, damit der bevorstehenden Arbeitslosigkeit in hinreichendem Umfange rechtzeitig begegnet werden kann. Auf Brandstiftung werden zwei Brände zurückgeführt, die gestern nacht kurz hinter- einander in der Langestr. 15 zum Ausbruch kamen. Zuerst ging der Dachftuhl des Hauses in Flammen auf. Das Feuer fand an dem Inhalt der Bodenverschläge und an dem Holz der Dachkonstruktion reichliche Nahrung und konnte erst nach längerem Wassergeben ge- löscht werden. Während die Feuerwehrmannschaften hier noch mit den AufräumungSarbeiten beschäftigt waren, wurde ein neues Feuer auf dem Grundstück gemeldet. Diesmal brannte im zweiten Ouergebäude ein Futterboden lichterloh. 11 Pferde gerieten in Gefahr und mußten von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden. Der Futterboden brannte fast vollständig nieder. Der Oberfeuerwehrmann Fischer erkrankte auf der Brandstelle an den Folgen starker Rauch- einatmung, er mußte nach seiner Wohnung entlasten werden. Von dem Brandstifter fehlt vorläufig noch jede Spur.— Am Grünen Weg 4 entstand in einer Wohnung im vierten Stock des Ouer- gebäudes Feuer. Die Flammen ergriffen mehrere Möbelstücke und versperrten dem Arbeiter Max Wannig den Ausweg. Er wurde von Feuerwehrmannschaften aus der brennenden Wohnung gerettet und mit erheblichen Brandwunden nach dem Krankenhause am Friedrichs- Hain geschafft. Der Feuerwehrmann Maxelewski erkrankte in- folge starker Raucheinatmung und mußte nach Hause entlasten werden. Die Bevölkerungszahl Berlins hat im Juni sich weiter ver- r i n g e r t. Ein Rückgang tritt ja alljährlich, Ivie zu Beginn des Frühjahres, so auch in den Sommermonaten ein. Diesmal aber ist er im Juni noch fühlbarer gewesen, als er es in früheren Jahren war. In 1912 nahm die Bevölkerungszahl im Juni nur um 1381 ab, in 1313 beläuft ihre Abnahme sich für Juni auf 3308. Am 1. Juli d. I. hatte Berlin nach dem Ergebnis der vom Berliner Stalistischen Amt ausgeführten Fortschreibung nur noch 2 072 634 Einwohner, um 5353 weniger als am 1. Juli vorigen Jahres. In 1313 hat der Bevölkerungsrückgang nun von März an ununterbrochen fortgedauert, und auch der April hat diesmal, gegen alle Regel, ihn nicht aufzuhalten vermocht. Für die vier Monate vom 1. März bis 1. Juli summiert sich die Bevöl- kerungsabnahme in diesem Jahre auf 26 588, während in demselben Zeitraum des vorigen Jahres die Bevölkerung sich im ganzen nur um 12 925 vernnndert hatte. Die Bevölkerungszahl sinkt, weil die Wegzüge von Berlin sehr viel zahlreicher als die Zuzüge nach hier sind. In der ersten Hälfte von 1913 ist das noch schärfer als in demselben Zeitraum von 1312 hervorgetreten. Der Zuwachs an Bc- völkerung, den früher Berlin aus Zuzugsüberschüssen hatte, kommt jetzt den Vororten zugute.____ An die Pilzsucher wenden sich anläßlich der kommenden Pilzsaison die Forst- und Polizeibehörden. Beim Sammeln von Pilzen ist es in forstwirt« schafllicher Hinsicht von größtem Vorteil, jeden einzelnen Pilz. namentlich wenn sich die betreffende Art nicht in größeren Massen zu zeigen pflegt, mit dem Messer kurz über dem Erdboden abzu- schneiden und die abgeschnittenen Stilenden mit Laub, Erde oder Moos zuzudecken. Dies hat den Zweck, die Luft abzuhalten und zu vermeiden, daß die Pilzfliege den Stock zerstört, denn aus den an die Pilzstümpse gelegten Fliegeneiern entwickeln sich Maden, welche den Pilz zerstören. Ferner kann man zur Erhaltung der eßbaren Schwämme tvesentlich dadurch beisteuern, daß' man aite, im Faulen begriffene Pilze mit Laub, Moos usw. zudeckt, daß man gesunde Exemplare mit der Erde herausnimmt und an einen anderen Ort pflanzt, wo es an Pilzen fehlt. Auch das Säubern der gesammelten Pilze von den sich unter deni Hutfleisch befindenden Laniellcn, Röhrchen usw. am Sammelorte selbst und das Umherstreuen dieses Abfalles auf deni Waldboden trägt viel zur Erhaltung und Ver- breitung der Schwämme bei. Wenn dies alles auch Sache der Forstvcrwaltung ist, so ist doch eine Mitarbeit der Pilzsucher nicht zu unterschätzen._ Die Geschenke zum Rcgierungsjubiläum sind seit einiger Zeit im Hohenzollernmuseum ausgestellt. Wie uns berichtet wird, sollen von der Polizei Maßnahmen getroffen gewesen sein, um Skandalszenen von der widerlichen Art, wie sie sich bei der Ausstellung der Hoch- zeits�eschenke„unseres PrinzcßchenS" im Kunstgewerbemuseum er- eigneten, zu vermeiden. Die Liebesmühe war aber vergebens, denn die erwarteten Besucher sind ausgeblieben. Bei der Ausstellung im Äunstgewerbemiiseum garantierte den Zuspruch des Publikums ja auch nur die liebe weibliche Neugier. Die Holden aus Berlin WW hätten etwas verloren, wenn sie nicht mit dabei waren. Bemerkt sei bei dieser Gelegenheit, daß auS Anlaß des Jubiläums auch sehr viele Kinder auf Antrieb spekulativer Eltern dem„lieben Herrn Kaiser" gratuliert und gleichzeitig um irgend etwas, das oft von der Bescheidenheit weit entfernt ist, gebeten haben. Diese Betteleien würden wohl nicht so zahlreich sein, wenn die Bittenden wüßten, daß in jedem Falle sehr eingehende Ermittelungen durch die Polizei angestellt werden. Eine Familie, die nicht politisch völlig stubenrein ist, hat auf Berücksichtigung nicht zu rechnen. In den letzten Tagen sind die Geldgeschenke an Kinder zur Verteilung ge- kommen. Sie betrugen im einzelnen 10 bis 12 M. Zu einem Zusammenstoß einer Droschke mit einem Straßenbahn- wagen kam es in der Nacht zum gestrigen Montag an der Ecke der Lüneburger und Turmstraße. Dort fuhr eine Pferdedroschke gegen den Hinlerperron des Straßenbahnwagens 2397 der Linie 6. Bei dem Anprall erlitt die auf dem Hinterperron des Bahnwagens stehende Frau Piper einen Rippenbruch; sie mußte nach dem Moabicr Krankenhause gebracht werden. An der Droschke wurden die Scher- bäume zerbrochen, an dem Motorwagen das Trittbrett beschädigt. Todessturz einer Russin aus dem Fenster. Gestern nacht stürzte sich die 25jäbrige Helene Likotschin aus Lodz in Rußland, die seit drei Tagen in einem Pensionat in der Lothringer Straße wohnte, aus dem im vierten Stock gelegenen Flurfenster in den Hof hinab und trug so schwere Verletzungen davon, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Nahrungssorgen und Krankheit sollen die Unglückliche in den Tod getrieben haben. Ans dem Tegeler See gelandet wurden vorgestern zwei noch un- bekannte Männer. Der eine ist ungefähr 45 Jahre alt, 1,67 Meter groß, untersetzt und kräftig, hat dunkelblondes, graumeliertes Haar, einen kleinen, knrzgeschnittenen rotblonden Schnurrbart und hellblaue Augen und trug einen grünrotkarierten Jocketlanzug, poröse Unter- Wäsche, einen Stehumlegekragen mit blauschwarzkarierter Krawatte und Strohhut. Die Leiche wurde nach der Halle in Tegel gebracht. Der andere unbekannte Tote ist ein Mann von ungefähr 60 Jahren. Er ist 1,55 Meter groß und untersetzt, hat graumeliertes Haar und Schnurrbart, blaugraue Augen und lückenhafte Zähne, er trug einen duukelgestreisten Jackettanzug, ein weißes Chemisett, einen schwarzen Schlips, ein weißes Oberhemd und blaugestreiftes Parchenthemd, schwarze Schnallenschuhe und grauwollene Strümpfe. Die Leiche wurde in der Halle zu Plötzensee untergebracht. Mit ihren fünf Kindern zu vergiften versuchte sich gestern vor- mittag die 30 Jahre alte Ehefrau Martha des Kaufmanns Sch. aus der Naunhnstr. 62. Hausbewohner bemerkten plötzlich einen starken Gas geruch. Die herbeigeholte Polizei drang in die Wohnung ein. wo sie die fsamilie bereits betäubt vorfand. Sämtliche Familienmitglieder erholten sich jedoch bald, fodast dieselben auster Lebensgefahr sind. Als Ursache für die Verzweiflungstat der Frau wird angegeben, daß der Ehemann die Familie in Nahrungssorgen gelassen hat. Im städtischen Familienobdach befanden sich am 1. August 139 Personen, und zwar 21 Familien mit zusammen 98 Köpfen (darunter 40 Kinder und 12 Säuglinge) und 93 Einzelpersonen. Der Gesamtbestand betrug am 1. Juli 8 Personen mehr. Das nächtliche Obdach wurde während des Juli von 72 407 Männern und 811 Frauen(im Juli 1912: von 51 947 Männern und 645 Frauen) besucht. Der Tag deö geringsten Besuches war der 14. Juli mit 2043 Personen(Juli 1912: 15. Juli mit 1487 Personen), der des stärksten Besuches der 4. Juli mit 2632 Personen(Juli 1912: 5. Juli mit 1958 Personen). Gebadet haben in den Brausebädern täglich durchschnittlich 673 Personen. Wannenbäder wurden während des ganzen Monats an 449 Männer und 502 Frauen verabreicht. Die Möbclmessc am Zoo, die von der Tischlerinnung zu Berlin veranstaltet wird, öffnet am 16. August ihre Pforten. Die Be- teiligung der Ausstellung ist diesmal eine noch größere als bei den letzten Veranstaltungen. Mit Hilfe der Herren Architekten Schnecken- berg und Purfürst, in deren Händen die tünstlerische Ausstattung liegt, wird sie auch in ihrer äußeren Form eine mustergültige Auf- machung aufweisen. Der Zweck der Aussteller ist, den, Publikum mustergültige Wohnungseinrichtungen vorzuführen und ihm Gelegen- heit zu geben, in einen direkten Verkehr mit den Tischlermeistern nnd Holzindustriellen zu treten. Mit der Messe wird gleichzeitig eine Ausstellung von Gesellenstücken verbunden sein, die den Be- suchern ein Urteil über den Stand der Ausbildung im Berliner Tischlerhandwerk zu geben imstande ist. Der Eintritt ist frei. Berliner Asiflvcrein für Obdachlose. Im Monat Juli nächtigten im Männerasyl 15 298 Perionen, wovon 7983 badeten, im Frauenasyl 2776 Personen, wovon 706 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer und für Frauen: Wiesenstr. 55—59. Vorort- JNacbncbtem Wilmersdorf-Halensee. Zwei Ersatzwahlen zur Stadtverordnetenversammlung, die dem- nächst in Wilmersdorf stattzufinden habe», sind für untere Partei- genossen von hoher Bedeutung. Bei der einen Wahl handelt es sich um das Mandat des im Herbst 1910 mit sozialdemokratischer Hilfe gewählten Demokraten Lazarus. Die Wahl wurde, zuletzt durch Erkenntnis des Oberverwallungsgerichts, für ungültig erklärt, und nunmehr muß iin 5. Bezirk Norden, der Herrn Lazarus bei der Neueinteilung der Bezirke im vorigen Jahre zugewiesen worden ist, eine Neuwahl erfolgen. Ob in dieser Gegend, dem sogenannten Brüsewitzviertel, mit Aussicht auf Erfolg gekämpft werden kann. muß sich zeigen; auf alle Fälle wird mit einem geeigneten Hausbesitzerkandidaten der Kampf gegen die Reaktion ge- wagt werden müssen. Wichtiger als dieser aber ist für uns der 7. Bezirk, in dem es sich darum handelt, das Mandat des nach Ham- bürg verzogenen Genossen Riedel zu behaupten. Unsere Gegner verteilen auch hier schon das Fell des Bären. Wenn erst alle Man- date von den Bürgerlichen zurückerobert sind, so schreibt das konser- vative Amtsblatt, dann wird die schwarz-weiß-rote Fahne stolzer als je auf dem Rathaus tvehen und Wilmersdorf einen Grund mehr haben, im Rate der Groß-Berliner Gemeinden eine bevorzugte Stellung einzunehmen, nicht nur als.reichste" Stadt, sondern auch, wie es im merkwürdigen Super- lativ heißt, als das„gereinigte" Stadtparlament. Die Art von„Unsauberkeit", die gegenwärtig der Wilmersdorser Stadtverordnetenversammlung noch anhaftet, ist nun recht beachtens- wert. Denn als das konservative Blatt am 22. Juli aus dem .Vorwärts" die Nachricht über den Fortzug unseres Genossen Riedel abdruckte, fügte er aus eigenem das Urteil hinzu, daß die Stadt- verordneteuversammlung in Riedel ein unermüdlich tätiges Glied, das besonders in sozialen Fragen recht oft positive Arbeit geleistet habe, verliere.„Nie die notwendige Höflichkeit vergessend," so hieß eS weiter in dem Nachruf, „immer freundlich, stets aufs eifrigste auf das Wohl und Ansehen der Stadt bedacht, war er bei allen seinen Kollegen als tapferer Streiter für seine Ideen geachtet." Mithm muß man annehmen, daß entweder Leute, die auf das Wohl und Ansehen der Sladt bedacht find, nach konservativer Anschauung einen Schmutzflecken in der Stadtverordnetenversammlung darstellen oder dag das Lob des Gegners in den konservativen Vereinen A n st o ß erregt hat und nun irgend eine Tölpelhaftigkeit geschehen mußte, um den Fehler, daß der Wahrheit die Ehre gegeben wurde, wieder gut zu machen. Was nun die Ersatzwahl im 7. Bezirk selbst betrifft, so dürfen wir uns nicht darüber im unklaren sein, daß die Behauptung des Mandats einen harten Kampf kosten wird. Bei den Wahlen im vorigen Herbst, wo die Hälfte der Mandate zur Stadtverordneten- Versammlung zu erneuern war. siegten die vereinigten bürger- lichen Parteien bekanntlich auf der ganzen Linie, und dieser Sieg ist, was einmal gesagt werden muß, den Gegnern durch eine geradezu strafwürdige Nachlässigkeit auf unserer Seit« leicht gemacht worden. Diese Scharte müssen wir auswetzen; auf alle Fälle muß die Wilmersdorfer Sozialdemokratie trachten, nicht nur ihren kleinen Besitz im Stadt- Parlament zu behaupten, sondern auch ihn zu vermehren. Dazu bedarf eS vor allem einer fleißigen Kleinarbeit, und diese kann gar nicht früh genug einsetzen. Tun die Partei- genossen zeitig ihre Pflicht, dann wird die Hoffnung der Gegner, dereinst ohne sozialdemokratische Kontrolle in der Stadtverordnetenversammlung wirtschaften zu können, elend zunichte werden. Neukölln. Durch die Decke gingen Einbrecher, die in der vergangenen Nacht dem Goldwarengeschäft von Helmut Schmidt in der Berg- straße 91 einen Besuch abstatteten. �Nachdem sich die Diebe mit Dietrichen Eingang in die Kellerräume des Hauses verschafft hatten, bohrten sie mit einem Zentrumsbohrer ein großes Loch in die Decke, so daß eine schmächtige Person in die Ladenräume des Juwelier? eindringen konnte. Jetzt machten sich die Einbrecher zuerst an den Geldschrank. Hier blieb ihre„schtvere Arbeit" jedoch erfolglos. Vielleicht war es auch inzwischen schon zu hell geworden. Jedenfalls kamen sie an die kostbaren Juwelen und wertvollen Uhren, die der Geschäftsmann in das Spind eingeschlossen hatte, nicht heran. Sie hielten sich dafür an den anderen Gold- und Silberwaren um so mehr schadlos. Sie rafften aus allen Behältern und Schränken ein ganzes Lager voll Sachen, meist vergoldete, ver- silberte und doublegoldene zusammen, im ganzen wohl für 5000 Mark, und verließen die Stätte ihres Wirkens mit der Beute auf demselben Wege, auf dem sie gekommen waren. Treptow-Baumschulenweg. Die Hundesperre ist für den Polizeibezirk Berlin-Treptow auf- gehoben worden. Doch müssen Hunde, welche aus den mit dem Maulkorbzwang belegten Gebieten für wenige Stunden am Tag nach Treptow eingeführt werden— also besonders durch Berliner Spazier- gänger— auch im hiesigen Orte den Maulkorb weiter tragen. ' daß in dieser Zeit eingezahlt wurden 1 625 137 M, davon wieder abgehoben 583 255 M. Sparbücher wurden ausgegeben 3890, zurück- gegeben 276, so daß Ende 1912 noch 3614 Sparer verblieben. Daß das.gesparte" Kapital nur zu einem geringen Prozent- satz von Leuten mit kleinerem Einkommen stammt, ergibt sich aus folgender Aufstellung: Es wurden eingezahlt(in einem Zeitraum von fünfviertel Jahren) bis zu 60 M. auf 1506 Bücher, von 61-150 M. auf 756 Bücher. 151-300 auf 540, 301-600 auf 455. 601—1500 auf 263, 1501 bis 3000 auf 50, 3001-10 000 auf 40 und über 10 000 M. auf 4 Bücher. In einer zweiten Uebersicht sind die Sparer nach 16 Berufsgruppen aufgeführt, woraus zu er- sehen ist, daß die Berufsgruppe„llnselbständige Kaufleute, Bank- beainte, Ingenieure, Techniker"(der sogen, neue Mittelstand) mit dem höchsten Prozentsatz von 19,4, die Gruppe„Mittlere Beamte, Volks- schullchrer" mit 16,7 Proz. der gesamten Sparer vertreten sind, während die Gruppen„Gelernte Arbeiter" 9,6 Proz.,„Ungelernte Arbeiter" nur 1,1 Proz. stellen. So interessant die beiden Tabellen sind, wüide doch erst ihre Vereinigung ein richtiges Bild des ganzen Sparwesens geben. Nicht die Höhe der Einzahlungen auf die einzelnen Bücher und die Verteilung der Buchinhaber auf die ver- schiedenen Berufsgruppen, sondern erst der Nachweis, wie sich die Buchwerte auf die Berufsgruppen verteilen, ist das Wissenswerte. Vielleicht werden die künftigen Berichte nach dieser Richtung er- wettert.— Daß daS mit einem aus der Gemeindekasse ge- zahlten Vorschuß von 10 000 M. gegründete Unternehmen schon im zweiten Jahre Gewinn bringen würde, erwartete wohl niemand, daß es aber bei einem Zinsüberschuß von 6555 M. mit einem Ver- lust von 22 887 M. abschließt, mag doch manchen überraschen. Er- klärlich wird die Tatsache durch einen Kursverlust von 12 437 M., der auf Jnhaberpapiere abgeschrieben werden mußte, in denen die Sparkasse 594 285 M. angelegt hat. Die Verwaltung bemerkt zu dem Abschluß, daß bei Beurteilung des Ergebnisses zu berücksichtigen sei, daß das Jahr 1912 für die Sparkassen im allgemeinen un- günstig war. Die allgemeine Teuerung aller Lebensbedürfnisse und die unsichere politische Lage hätten vielfach nicht nur Ein- schränkung der Einzahlungen bewirkt, sondern auch sehr er- heblicke Abhebungen verursacht. Unter Berücksichtigung dieser Ver- Hältnisse sei die Entwicklung unserer Sparkasse als durchaus günstig zu bezeichnen. Die abgeschriebenen Kursverluste würden bei der späteren Auslosung der Papiere wieder eingebracht, da nicht anzunehmen sei, daß die Sparkasse zu einem vorzeitigen Verkauf ge- zwungen sein sollte. lieber die Schulsparkassen wird berichtet, daß Ende 1912 ihr Guthaben 62 941,76 M. betrug. Die untersten Klassen find an die Schulsparkassen nicht angeschlossen. Von den in Frage kommenden 5416 Schülern sparen 3872 gleich 71,5 Proz. Auf jeden Sparer ent- fällt nach einer Sparzeit von 13 Monaten ein Guthaben von durch« chnittlich 16,25 M. Heimsparbüchsen wurden 100 Stück ausgegeben, aus denen 2741 M. eingezahlt wurden. Schöneberg. Die Gründung einer Fußballabteilung bezweckt eine Verl'amm- lung, welche der Arbeiterturnverein heute Dienstag, abends 9 Uhr, bei Obst, Martin-Luther-Straße, abhält. Allen Arbeitern, die nicht in den zum Jungdeutschlandbunde gehörenden Vereinen spielen wollen, wird Gelegenheit geboten, durch Eintritt in die Fußballabteilung sich ür die bevorstehende Spielsaison regelmäßige Spiele zu sichern. Die Leser des„Vorwärts" werden gebeten, speziell ihre jüngeren, noch zu bürgerlichen Bereinen gehörenden Mitarbeiter und Söhne auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. Weihensee. Eine Fontäne als Störenfried. Inmitten des Kreuzpfuhls hat die Gemeinde eine Fontäne einbauen lassen, die das Wasser in fünf trahlen 20 Meter hoch wirft und die als Zierde der ganzen Umgebung vieler öffentlicher Gebäude gelten kann. Diese Fontäne wird betrieben durch einen Elettromotor und eine Flügelpumpe, die im Kellergeschoß des Verwaltungsgebäudes untergebracht sind. In dem Verwaltungsgebäude wohnt nun im ersten Stock ein Mieter, Herr R., der infolge des surrenden Geräusches der Maschinen sich in seiner Ruhe beeinträchtigt fühlt, er hat daher durch seinen Hausarzt feststellen lassen, daß das Wohnen in den Räumen gesundheitsschädigend wirkt. Das konnten die Beauftragten der Gememde nicht recht einsehen, sie ließen daher die Reklamation unberücksichtigt; jetzt hat da» Gericht einen Einhaltsbefehl ergehen lassen. Eine Kommission hat sich nun persönlich davon überzeugt. daß dem Geräusch nicht eine gesundheitsschädigende Wirkung zu- gesprochen werden kann. ES soll daher gegen den Einhalts- befehl Berufung eingelegt werden; außerdem sollen der Kreisarzt sowie der Gemeindearzt noch den Tatbestand feststellen. Bis dahin muß die Bevölkerung auf den Betrieb der Fontäne verzichten. Es hatte sich bereits die Meinung verbreitet, als ob die Gemeinde durch das Nichtbetreiben der Fontäne Geld sparen will. Heinersdorf. Einen heftigen Kampf führen unsere Genossen für die Erringting eines Lokals zu Versammlungszwecken. Speziell richtet sich derselbe gegen den Gastwirt Goetz. Kaiser-Wilhelm-Str. 67. Der Inhaber wurde durch die Beeinfltissung des KriegervereinS zu der Berweige« rung seines SaaleS veranlaßt; jetzt sucht derselbe bereits durch allerlei Mittel den Ausfall, den er durch das Ausbleiben der organi- 'ierten Arbeiter erleidet, wieder wettzumachen. Mit besonderem Eifer für die Entfernung unserer Boykottposten sollen sich auch ein Herr Wernicke und dessen Ehefrau verwenden. Als Krön- zeuge für die sich etwa belästigt fühlenden Angesprochenen soll am Sonntag der noch schulpflichtige Sohn des Pastors Krättchell fungiert haben. Man scheute sich sogar nicht, einen erst kürzlich wegen Straßenraubes aus dem Gesängnis entlassenen jungen Burschen aus unsere Posten zu hetzen, um gegen diese gewalttätig vorzugehen. Trotz alledem werden sich unsere Genossen nicht abhalten lasieit, den Kampf für die Etringung des Lokals durchzttführen, bis sie ihr Ziel erreicht haben. Spandau. In der Oberhavel ertrunken ist am Sonntagabend 7 Uhr der 20 jährige Hausdiener Oskar Gotter aus der Neuendorfer Str. 76 in Spandau. G., der des Schwimmens unkundig war, begab sich anscheinend erhitzt ins Wasser, wo er, nur einige Meier vom Ufer entfernt, sofort lautlos in den Fluten verschwand. Trotzdem er kurze Zeit darauf aus dem Wasser geholt wurde und auch alsbald ein Arzt zur Stelle war, blieben die angestellten Wiederbclebungs- versuche ohne Erfolg._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Hohen- Schönhauscn. Heute DienStag, den 5. August, abends 7 Uhr, im Rathause, Hauptstr. 50. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemcindcangehörige i« be- rechtizt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Hub aller Alelt. Versammlungen. Zu dem Bericht über die Generalversammlung des Verbandes der Wahlvereinc, den wir in der Montagsnummer veröffentlichten, schreibt uns Genosse K l i n g l e r(im Bericht wird er irrtümlich L i n g n e r genannt), durch die sehr kurze Wiedergabe seiner Ausführungen werde der Anschein erweckt, als habe er sich zweck- nnd ziellos an der Redaktion und der Reichstagsfraktion reiben wollen, was ihm voll- ständig fernliegt. Er habe ein typisches Beispiel von Verhimmelung des Parlamentarismus durch den„Vorwärts" angeführt, um zu zeigen, daß durch solche Stellungnahme die Parteigenossen zu der Meinung kämen, die Fraktion tue alles, was im Interesse des Proletariats notwendig sei, eine Agitation für die Partei und den„Vor- wärts" erscheine vielen Parteigenossen deshalb überflüssig, und diese Stimmung in der Arbeiterschaft sei die Hauptursache des Still- standes und teilweisen Rückganges in der Partei, aber nicht die niedergehende Konjunktur, denn in den Krisenjahren 1908/09 sei ja kein Rückgang eingetreten. Schon wieder eine Grnbenkatastrophe. In der Caddergrube, 19 Kilometer von Glasgow entfernt, wütet seit Sonntag abend ein Grubenbrano. 23 Berg» leute sind eingeschlossen, und es wird befürchtet, daß alle verloren sind. Die Zugänge zu den Stollen sind abgeschnitten. Tie angestrengten Rettungsarbeiten sind bisher erfolglos geblieben. Die Rettungsmannschaften, die in die Cadder-Grube eingefahren waren, haben 20 Leichen gefunden. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich sehr schwierig. Der Brand dauert noch ungesdjwächt fort. Ein weiteres Grubenunglück wird aus Brünn berichtet: In dem Julienschacht ereignete sich Montagvormittag ein schweres Explosionsunglück durch schlagende Weiter. Drei Arbeiter, die mit dem Ausbau eines Stollens beschäftigt waren, wurden sofort getötet, vier erlitten schwere Verletzungen und drei weitere wurden leichter verletzt. Ein Mönch zu sieben Jahren Zuchthans verurteilt. Ein Mönch, Bruder S a l v a t o r e, ist am 31. Juli von der 13. Abteilung des Strafgerichts zu Neapel zu sieben Jahren Zucht- Haus und einem Jahre Polizeiaufsicht verurtettt worden, wegen Sittlichkeitsverbrechen, die eranzehn- und elf- jährigen Knaben begangen hat. Er pflegte diese mit Süßigkeiten in seine Wohnung zu locken. Gleichzeitig mit diesem Prozeß wurde gegen ein junges Mädchen verhandelt, das den Schweinemönch mit einem Rasiermesser verwundet hatte, weil er ihren kleinen Bruder seinen widernatürlichen Gelüsten geopfert hatte. DaS Mädchen erhielt die Minimalstrafe von 3>/z Monaten. Ein ähnlicher Fall wird aus Frankreich gemeldet: In oncourt-St. Etienne wurde der Abbs Laguisfe, dem unsittliche Handlungen gegen Katechismus» fchülerinnen in mindestens zehn Fällen zur Last gelegt werden, verhastet. Das wäre nicht besonders auffällig, da diese Borgänge häufig find. Aber kennzeichnend ist, daß derselbe Priester wegen desselben Vergehens schon einmal bestraft worden ist. Er war damals Priester in einer Gemeinde des Kantons Baqueville, wurde angeklagt und zu drei Monaten Gefängnis mit Straf- auffchub verurteilt. Trotzdem wurde er von der geistlichen Behörde nicht aus dem Amte entfernt, sondern nur versetzt, also auf eine neue Gemeinde losgelassen. Und da die„weltliche" Ber- urteilung seinem Priestercharakter nichts nimmt, kann das anmuttge Spiel auch serner weitergehen. Heißt es doch im Katechismus der Diözese Namur(1897):„Man muß die Priester als Stellvertreter Gottes als Diener der Kirche respektieren, selb st wenn sie einen schlechten Lebenswandel führen sollten". Steglitz. Unsere Gemeindesparkasse, die am 2. Oktober 1911 eröffnet wurde, hat kürzlich ihren Geschäftsbericht über die Zeit vom Oktober 1911 bi» 81. Dezember 1912 herausgegeben. Daraus tst zu ersehen,__________________ �Verantwortlicher Redakteur: Alfretz WielepP, Neukölln. Für Pen Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.«erlag: Vorwärt» Büchdruckeret n. Verlagsanstalt Paul Singer u. To., Berlin Kleine Notizen. Zwei Personen im Rhein ertrunken. Ein Kahn, der an einen Raddampfer auf dem Rhein anlegen wollte, kenterte. Der Steuer» mann und ein junges Mädchen ertranken. Opfer des Bergsports. Beim Edelweißsuchen stürzte im S ch m i e r n t a l der Rechnungspraktikant der JnnSbrucker Statt- halterei, Max Ritter v. Wörtz, tödlich ab. Seine Leiche wurde heute vormittag geborgen.— Gleichfalls beim Edelweißpflücken verunglückte im Padastertal tödlich ein junger Schuhmacher- gehilfe namens Volk.— Bei einer Tour vom Hinterbärenbad auf den Kopftörlgrad im Kaisergebirge find am Sonntag zwei Touristen abgestürzt. Die beiden Verunglückten, deren Identität nicht festgestellt ist, waren sofort tot. Eine aus Berg- führern bestehende Expedition ist zur Bergung der Leichen aufge» brachen. LicbcStragödie im Gebirge. Am Sonntag erschoß sich auf der Teufelskanzel im Kaisergebirge ein junges Paar. Der Mann, namens Wellberger, stammt aus Mannheim, seine Be» gleiterin, Marie Rohr, angeblich aus Dresden. Bon Apachen erschossen. Im Pariser Vorort Neuilly drangen in der Nacht zum Sonntag zwei Apachen durch das offene Fenster einer über einer Weinhandlung gelegenen Etagenwohnung. Sie glaubten, daß dies die Wohnung des Weinhändlers sei und hofften dort reiche Beute zu machen. Die Wohnung wurde jedoch von der Familie eines Vorarbeiters bewohnt. Dieser erwachte und wurde, als er sich den Einbrechern zur Wehr setzte, von den Burschen niedergeschossen. Darauf spangen die Dan- biten durch das Fenster und entkamen in der Dunkelheit. Der Ar- better hinterläßt eine Witwe mit drei unmündigen Kindern. Schweres Karusselunglück. Auf der Liborimesse in Pader» dorn lösten sich infolge des Bruches einer Schraube zwei in Aeroplanform gebaute Wagen von einem Karussel los und stürzten in die umstehende Zuschauermenge. Zwei Mäochen wurden tödlich, ein Knabe schwer und etwa zehn Personen leichter verletzt. Rätselhafter Leichenfund. Sonntag früh wurde im Haupt- güterbahnhofe zu F r a n k f u r t a. M. e i n T o t e r g e f u n d e n. dessen Kopf abgeschnitten---- 1 konnte bisher nicht ermittelt werden. war. Seine Identität WttterungSübersicht vom 4. August ISIS. Etatwnen swinemde. Hamburg «erlin Franks. a.M München Wien U flj r Ii ©Ä il 7«0 SB I 761.38S® 761 3© 762 D 76IÄO 759 NNW Qettci heiter SNebel Iwolkenl Iwolkenl 2bciter Z'Regen t*s ** t? MÜ CtatUmen Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Pari» «euer ** e* »I I* Ii olftg lollenl »wolkig 2 bebten 2 wolkciil 14 19 16 12 16 Wetterprognose für Dienstag, den S. August Kühler, veränderlich, viclsach wolkig, mit einzelnen Regenschauern und ziemlich starken nordwestlichen Winden. Setterbureau. eNakkerstands-?7n)+ bedeutet Wuchs.- Fall.--) llnterpegel.-») höchster Bast». stand 488 cm am 3. zwischen 12 und 2 Uhr nacht».