Dr. 203. nbennementS'Bedingungcn: SCbonncmentä» Preis pränumerando: Z-ierteliährl. Z,M MI., lnonatl. 1.10 Ml, wöchentlich 23 Pfz. frei WS Haus. Einzelne Nummer ö Vfg. Sonntags- Nummer niit illustriertor Sonntags- Beilage.Die Neue Welt* 10 Pfa. Poft- Zlbonneinent: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post-Zeitunos- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich> Ungarn L,Z0 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl. Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schwehi. 30. Jahrg. Die Infertions-Gcbüljf beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Rauor 60 Psg.. für politische u>td gewerkschaftliche Bcrcins- und Vcrsaninilungs-Anzeigen 30 Psg. ..Kleine Änreigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. tzuläsfig 2 fettgedruckt- Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenaw zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Psg. Worte über 1k Buch- ätaben zählen für zwei Worte. Inseraie ür die nächsic btummer uiüsscii bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. CrfdKinl tägstch. Verlinev Volksblotk. Telegramm- Adresse: „ZsÄitj-iemsjiiitl Rcrlia". r w Zentralorgan der fozialdemokratifchen Parte» Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1383. Sonnabend, den 3. August 1313. Expedition: SM. 68» L.indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moril-Plnst, Nr. 1384. Die verflossene Nirtichafts- Konjunktur. III. Die Ursachen des letzten Aufschwungs. Welches sind die Quellen des letzten wirtschaftlicheu Auf- schwungs? Bekanntlich sahen die Regierung und die Hochschutz- zöllner in dem Aufschwung eine Rechtfertigung des letzten Zolltarifs. Das ist die reine Wildenlogik, ivic sie Cunow konstatiert hat l zwei aufeinanderfolgende Erscheinungen werden in ursächlichen Zusammenhang gebracht, obgleich sie in Wirk- lichkeit nichts miteinander gemein haben können. Im vor- liegenden Fall läßt sich vielmehr umgekehrt leicht beweisen, daß die letzten Handelsverträge die Entwicklung der Industrie gehemmt haben. Eine Neuauflebung der Industrie kann infolge dreierlei Ursachen erfolgen: entweder infolge Ausdehnung der inneren persönlichen Konsumtion, oder infolge technischer Umwälzungen, die eine verstärkte Nachfrage nach Produktions- Mitteln hervorrufen, oder aber infolge plötzlich auftretender auswärtiger Nachfrage. Daß in Deutschland eine stark ge- stiegene Nachfrage nach Konsumtionsmitteln den Anstoß zur verstärkten industriellen Tätigkeit gegeben hat, darf man wohl von vornherein bezweifeln; haben wir doch gesehen, daß der Reallohn in den letzten Jahren mindestens nicht gestiegen ist. In der Tat beweist auch die Statistik, daß der Verbrauch der Bevölkerung in sehr engen Grenzen geblieben, zum Teil sogar gesunken ist. So blieb an Brotfrucht für die einheimische Bevölkerung verfügbar: 1902/1906 216,6 Kilogramm pro Kopf. 1907/1908 bis 1911/1912 231,5 und 1912/1913 gar nur 227,7 Kilogramm. Der Verbrauch von Kartoffeln war 1902/1903 bis 1906/1907 gleich 606,5 Kilo pro Kopf, 190 381,2 Zusammen..... 616,5 555,2 Daraus erklärt sich leicht, warum auch der Viehbestand der- ringert wurde. Bekanntlich ist von 1907 bis 1912 die Zahl des Rindviehs um 2,3 Proz., die der Schweine um 1,2 Proz., die der Ziegen um 4.2 Proz. und die der Schafe gar um 25 Proz. gesunken. Ein weiterer Beweis dafür, daß selbst die Kapital- kraft der Masse der ländlichen Bevölkerung etwas gesunken, auf keinen Fall pber seit dem Inkrafttreten des neuen Tarifs gestiegen ist. Da wir ferner wissen, daß auch der Verbrauch von Baumivolle nur mäßig gestiegen ist, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß es nicht die gesteigerte innere persön- liche Konsumtion gewesen ist, die den Anstoß für die neue Aufschwungsperiode geliefert hat. Wenden wir uns aber den technischen Umwälzungen zu, so bemerken wir sofort, daß hier in der Tat in den letzten Jahren Erstaunliches geleistet ivorden ist. Ohne auf Details einzugehen, möchten wir bemerken, daß die Errungenschaften der Technik in der Hauptsache mit der Nutzbarmachung der elektrischen Kraft in. der<:tadt wie auf dem Lande zusammen- hängen. Einige wenige Zahlen werden genügen, um diesen Prozeß zu charakterisieren. Tie Zahl der öffentlichen Elektri- zirätsiverke, die Kraft an Dritte abgeben,� ist von 1907 bis 1911 von 1600 auf 2700, also um 68,7 Proz. gestiegen. Rechnet man auch die Privatwerke hinzu, so hat sich'jhre Ge- samtleistung von 1916 bis 1911 von 4.8 ans 10,1 Milliarden Kilowattstunden, also um mehr als auf das Doppelte erhöht. Die Produktion der Rheinisch-Westfälischen'Elektrizitätswerke 'st z. B. von 1907 bis 1911 von 185 auf 764 Millionen Kilowattstunden, die von den oberschlesischen Anlagen ver- brauchte Kraft ist von 90000 auf 207 300 Kilowatt qc- stiegen usw. In diesen Angaben tritt der Prozeß der sich dollziehenden Umwälzung der Produktionsmittel deutlich genug zutage. Er erklätt uns zur Genüge, warum der Eisenverbrauch so stark ansteigen konnte, von 115.05 Tonnen pro Kopf im Jahre 1908 auf 156.9 Tonnen im Jahre 1912. Ebenso ergibt sich daraus auch, warum die Preise der„Mineralien" viel be- deutender gestiegen sind, als die der Tertklstoffe. Der Ausbau des Netzes von Elektrizitätswerken und die Anwendung der elektrischen Kraft haben den Verbrauch von mineralischen Roh- stofien gewaltig erhöht und dadurch auch ihre Preise hinauf- geschraubt. In den technischen Errungenschaften marschiert Deutsch- Zand an der Spitze der Völker: daher auch seine erstaunlichen Erfolge auf dem Weltmarkte. So schreibt W. Matschoß in der Zeitschrift„Technik und Wirtschaft" über die technischen Errungenschaften in Deutschland: „Nirgends ist die Kraft- und Transportwirtsibast besser ous- gebildet als auf deutschen Werken. Die Gicht- und Kolsofengase werden in hohem Maße ausgenutzt; aus letzteren gewann Deutsch- land 1912 rund 500 000 Tonnen schwefelsauren Ammoniak gegen nur 380 000 Tonnen in England. Der neueste Fortschritt in der Reinigung der Gichtgase ist deutschen Ursprungs. Die GroßgaS- Maschine verdankt den Deutschen Otto und Lange ihre Aus- bildung. Was die Stahlwerke angeht, so ist das Thomasverfahren in Deutschland entwickelt, das Martinverfahren mit flüssigem Einsatz am meisten bei uns durchgebildet worden, wie auch die neuesten Verbesserungen am Martinofen aus Teutschland stammen. Der Eleltrostahlofen ist ein deutscher Erfolg: wir besitzen die meisten Oefen im Betrieb; in England steht die Entwickelung noch in den Anfängen. Der neueste Erfolg des Herault-Ofens, in dem jetzt Sauerstahl hergestellt werden kann, ist im Remscheider Stahl- Werl Hindenberg gezeitigt worden.... Hebezeuge von einer Mächtigkeit, wie sie die Welt noch nicht gesehen, sind deutschen Ursprungs, ja, England selbst hat die deutsche Ueberlegenheit hier anerkannt, wie deutsche Riesenlrane auf englischen Werften bezeugen.. Diese technischen Verbesserungen haben es Deutschland ermöglicht, in der Ausfuhr von Maschinen und elektrotechnischen Erzeugnissen selbst England und die Vereinigten Staaten zu überholen. Der Ausfuhrüberschuß in diesen Arttkeln betrug 1912 bei England 504 Millionen, bei den Vereinigten Staaten 783 und bei Deutschland 927 Millionen Mark. Damit berühren wir die letzte Quelle des verflossenen industriellen Aufschwunges: den Außenhandel. Die Teuerung hat die Kaufkraft der industriell zurückgebliebenen, agrarischen Produkte und Rohstoffe exportierenden Länder erhöht, ihnen die Möglichkeit gegeben, mehr europäische Waren zu kaufen. Andererseits veranlaßten gerade die gestiegenen Preise auf Lebensmittel und Rohstoffe den europäischen Kapitalisten nach Ländern zu gehen, wo die Grundrente noch niedrig ist, Ivo man billige Arbeitskräfte haben und die not- wendigen Rohstoffe mit geringeren Kosten gewinnen kann. So beginnt die Auswanderung des europäischen Kapitals nach den Kolonien(zu denen wirtschaftlich auch Südamerika gehört), wo es eine fieberhafte Tätigkeit beginnt. So erscheinen neue Absatzmärkte, die die industrielle Tätigkeit in Europa an- stacheln. Doch die mit diesen Vorgängen verbundene Boden- spekulation in den neuen Ländern verhinderte eine normale Entwickelung der Landwirtschaft. So erleben jetzt Kanada, Argentinien und andere Länder eine Agrarkrisis, die eine Folge der vorhergegangenen wilden Landspekulation ist. Auch der Kapitalvorrat Europas hat bald versiegt, so daß sich in den neuen Ländern sofort eine Kapitalkrisis herausgebildet hat, zu der sich ein zeitweiliger Preisfall von Kaffee, Gummi und anderer Produkte dieser Länder gesellt hat. Alles das hat die Kaufkraft der neuen Länder unterbunden und wird wohl bald zu einem Rückgang des Außenhandels der europäischen Länder führen. Die jetzige Wirtschaftskrisis wird deshalb auch wohl lange anhalten; denn der technische Umwälzungsprozeß ist noch nicht zu Ende. Die neuen Länder werden sich voraussichtlich bald aus den zeitweiligen Schwierigkeiten erholen. Allein, da der auswärtige Handel heute eine gewaltige Rolle im Wirtschafts- leben der europäischen Völker spielt, so sind in den nächsten Jahren sehr verschärfte Kämpfe um neue Absatzmärkte und damit auch neue internationale Reibungen zu erwarten. ührt doch Deutschland ein Drittel bis die Hälfte seiner isenerzeugnisse aus, und während die anderen Länder zum Teil in Krisenjahren mehr oder weniger gesicherte Märkte in ihren Kolonien besitzen, müssen die deutschen Kapitalisten immer neue Märkte aufsuchen. Der beste Markt iit allerdings die Erhöhung der Konsumtionskraft der Be- völkernng und die Vervollkommnung der Technik. Letztere ist aber mit großen Kosten verbunden. Koloniale Absatzmärkte sind dem Kapitalisten lieber. Daher rüstet das deutsche Kapital angesichts des bevorstehenden Kampfes um neue Absatzgebiete und wird vielleicht versuchen, die gestärkte mili- tärische Kraft auszunutzen. Der Friede zu Mareil in englischer Beleuchtung. London, 7. August.(Eig. Ber.)„Das Protokoll", so schreibt der bekannte Korrespondent Dr. Tillon im„Daily. Telegraph",„ist zweifellos ein Monument von überwundenen Schwierigkeiten, aber es wird nur einen kurzfristigen Frieden bringen, der in sich die Keime öines neuen Balkan- rrieges birgt." Diese Ansicht, die sich wohl jedem unbeteilig-' ten Beobachter der Balkanwirren aufgedrängt hat, wird von der ganzen englischen Presse geteilt. Man glaubt, daß die f Mächte den Friedensvertrag in seinen großen Zügen bestehen lassen werden, gibt sich aber in bezug aus die unmittelbare Zukunft der Balkanstaaten keiner Täuschung hin. Einige Blätter geben ihrer Freude darüber Ausdruck, daß das Mor- den auf dem Balkan jetzt aufhören wird. Doch der Weitsich- tigere Teil der englischen Presse zweifelt daran, daß der faule Frieden selbst dieses von ganz Europa ersehnte Ziel bringen � wird. Vor allen Dingen weist man auf die Schwierigkeit, die die Demobilisierung der Balkanheerc unter den gegebenen Ilmständen verursacht. Solange die Türken Thrazien und Teile Ostrumeliens besetzt halten, werden die Bulgaren nicht demobilisieren und die Gegner Bulgariens ebenfalls Gewehr bei Fuße stehen. Bei diesem Zustand der Dinge ist ein weiteres blutiges Ringen zwischen den Staaten oder der Bürgerkrieg die zunächst zu gewärtigende Gefahr. Tie„Wcstminster Gazette" faßt die Resultate des Buka rester Friedens wie folgt zusammen: Weder Griechenland noch Serbien wird sich der friedlichen Entwickelung der annektierten Landstriche hingeben rönnen. Das Geld und die Kräfte, die zum Wiederaufbau nach der furchtbaren Zerstörung der letzten/ paar Monate nötig wären, werden zu Rüstungen gegen Bulgarien verwendet werden. Rumänien kann sich zwar jetzt als der großmütige Sieger aufspielen und ist in der Tat der diplomatische Meister der Balkanhalbinsel. Aber weder Griechenland noch Serbien können mit Sicherheit auf die Unterstützung Rumäniens rechnen, wenn sie später von Bul- garicn angegriffen werden sollten. Rumänien hat entdeckt, wie man siegen kann, ohne in den Krieg zu ziehen, und es hat diese Kunst auch die anderen gelehrt. Das nächste Mal mag es diesem Staate passen, dasselbe Manöver auf Kosten Serbiens oder Griechenlands auszuführen. So birgt denn die Zukunft nichts als die beständige Furcht vor dem Kriege, Vorbereitungen zum Kriege und endlose Gelegenheiten für intrigierende und ehrgeizige Abenteurer. Tie liuksliberale Presse kann ihre Enttäuschung über den von unseren Genossen auf dem Balkan von Anfang an vorausgesagten Ausgang des„Befreiungskrieges" nicht vcr- bergen. Zu Anfang des.Krieges schwärmten die frommen englischen Linksliberalen für die unterdrückten Christen- brüder, die von dem grausamen Joche der unverbesserlichen Türken befreit werden müßten, bis ihnen der Kriegszug des Monats Juli die Augen öffnete und bewies, daß das Kreuz m bezug auf unmenschliche Barbarei den Vergleich mit dem Halbmond nicht zu scheuen braucht. Die„Daily News" schreibt heute:„Rumänien wird der größte der Staaten sein, was es auch wünschte; und die anderen Staaten, die die Opfer gebracht, von denen es profitiert, werden sich in ge- nügender Weise das Gleichgewicht halten, um die Aussicht auf eine beständige Rivalität und Unruhe zu gelvährleisten, und das wollen Rußland und O e st e r r e i ch. Dies ist kein Triumph des Friedens oder des Nationalitätenprinzips und dafür inuß die Torheit der früheren Verbündeten, die sich durch ihre bitteren Eifersüchteleien bis zum Kriege hinreißen ließen, die unglückliche Verantwortlichkeit tragen." Mit der Möglichkeit dieses Ausganges hatten die englischen Links- liberalen, die sich aus religiösen Gründen offen für die Er- oberungspolitik der Balkanfürsten aussprachen, nicht ge- rechnet. Die„Times" enthalten eine dringende Mahnung an die Türkei, der Forderung der Mächte nachzugeben, den Friedensvertrag von London anzuerkennen und sich hinter die Linie Enos-Midia zurückzuziehen. Die prompte Nach- giebigkeit würde der Türkei eine besser zu verteidigende Grenze und vielleicht auch noch andere Vorteile bringen. Zweifellos würden die Mächte den größten Druck auf die Türkei ausüben, um die Anerkennung der Bestiminungen des Londoner Vertrags zu erzwingen. Die„Westminfter Ga- zette" schreibt, daß die Mächte in bezug auf Thrazien eine Veranttvortlichkeit übernommen hätten, die sie nicht von sich wälzen könnten. Die Erneuerung des Krieges könne der Türkei nichts nützen, da sie Verwickelungen in Asien bringen könnte. Sie müsse jetzt ihre ganze Aufmerksamkeit auf ibrt asiatischen Provinzen konzentrieren. Die russisch-österreichischen Quertreibereien. Bukarest, 8. August.(Meldung der Agence Havas.) Die russische Regierung unternahm bei der rumänische» durch ihren Gesandten einen Schritt, um sie darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich die Möglichkeit vorbehalte, den Friedensvertrag- was Kawalla anbetrifft, einer Revision zu unterziehen. Es verlautet, daß ein gleicher Schritt kürzlich von Oesterreich. Ungar» unternommen wurde. Dieses Vorgehen hat die öffcnt- liche Meinung lebhaft erregt und die Presse übt scharfe Kritik daran. Au die Adreffe der SchwarMlben. Die direktionslose und wahnsinnige Balkanpolitik Oester- reichs, die bald gegen die Panslawisten tobt, bald wieder mit ihnen Arm in Arm geht, möchte den Bukarester Frieden, noch ehe er unterzeichnet ist, illusorisch machen. Schreibt doch das Blatt der Leichenschänder und klerikalen Kriegshetzer„Die R e i ch s p 0 st" fortwährend von einem„Vorfrieden" in Bukarest, um kundzugeben, daß für seine Hintermänner die Bukarester Abmachungen nicht bindend seien. Diesem frevel- haften Treiben gegenüber schreibt die„Wiener Arbeiter- z e i t u n g": „Das Wort von der Revision des Vertrages durch die Mächte, das prahlerisch das Wiener Kabinett gesprochen, wird hoffentlich verwehen und vergehen wie die vielen anderen stolzen Aussprüche der„Großmacht". Oder hatten unsere leitenden Politiker nicht genug an der langen Kette von Niederlagen, mit der sie— ungerufen und doch immer sich zudrängend— die Ereignisse des Balkan- krieges begleiteten? Mühte ihnen schmerzliche Erfahrung nicht endlich doch lehren, daß die„Revision" nur wieder als neue Blamage enden kann? Welches Verbrechen, durch Antasten des mühevollen Werkes den Frieden von neuem zu gefährden. Und weshalb auch? Was kümmert uns Jschtip, was gar Kavalla? Sind wir doch froh, daß uns Skutari nur den Ruin unserer Volkswirtschaft und das Elend zehntausender Familien gekostet hat. Es hätte noch schlimmer kommen können. Kein zweites Skutari! Nichts wünschen die Völker Oesterreich-Ungarns sehnlicher, als daß der Friede von Bukarest auch ihnen Frieden gebe und Ruhe von jener Art der Politik, wie sie der Ballplatz 10 Monate lang stümpernd und frevelnd betrieben." Wir erwarten von der deutschen Regierung, daß sie der schwarzgelben Revisionshetze gegenüber eine den „brillanten Sekundanten" abkühlende Reserve bewahre. Bulgarien wirbt um das Wohlwollen der Mächte. Sofia, 7. August.(Meldung der Agence Bulgare.) Tie Regierung hat gestern den Vertretern der Mächte eine Note übermittelt, in der sie zur Kenntnis bringt, daß sie ihren Vertretern in Bukarest die nötigen Instruktionen erteilt habe, die Friedenspräliminarien zu unterzeichnen, und, um einen neuen Beweis ihrer Friedensliebe zu geben, beschlossen habe, sofort nach Unterzeichnung des Friedensvertrages an die Ab- rüstung der Armee zu schreiten trotz der mehr als je drohenden Gefahr eines türkischen Einfalls in Südbulgarien. Dieser Entschluß der Regierung sei der tiefen Ueberzeugung ent sprungen, daß die Mächte, die die Vermittlerrolle zugunsten der Annahme der Grenzlinie Midia-Enos übernommen hätten und nicht ermangeln würden, die friedlichen Gesinnungen Bulgariens richtig zu würdigen, die Respektierung des unter ihrer Mitwirkung zustande gekoinmenen Londoner Vertrages durch die Türkei durchzusetzen wüßten und geneigt sein würden, zu allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu greifen, um einem Einfalle seitens der Türkei vorzubeugen, der Schrecken verbreiten und die vollständige Verwüstung des Landes zur Folge haben würde. Tie Regierung richte daher in dieser Angelegenheit einen dringenden Appell an die Mächte. Kein bulgarischer Fcldzug gegen die Türkei. Sofia, 8. August.(Meldung der Agence Bulgare.) Tie Nach- richten von einer Kriegserklärung Bulgariens an die Türkei und andere ähnliche Meldungen, die aus türkischer Quelle stammen, dezwecken nichts anderes, als den Anschein zu erwecken, als sei die Türkei von Bulgarien angegriffen oder provoziert worden und so den Einfall zu rechtfertigen, den die Türken in bulgarisches Ge- biet vorbereiten zu dem Zwecke, das Iviedereroberte Adrianopel auch weiterhin zu behaupten. Bulgarien ist weit davon entfernt, an eine militärische Aktion gegen die Türkei zu denken, sondern viel- mehr entschlossen, seine Truppen unmittelbar nach der linterzeich- nung des Friedens in Bukarest zurückzuziehen. Die Bukarester Verhandlungen. Bukarest, 7. August. Tie Friedenskonferenz hat heute nachmittag ihre zweite Sitzung abgehalten. Die gric- chischen und bulgarischen Bevollmächtigten gaben die schrift- lichc Erklärung ab, daß sie in betreff der Grenzfrage voll- kommen einig seien. Die gleiche Erklärung wurde von den serbischen und bulgarischen Bevollmächtigten abgegeben. Ter Vorsitzende gab bekannt, daß die nächste Sitzung morgen nach- mittag um 4 Uhr stattfinden werde, um die Fragen zweiter Ordnung zu regeln. Er sprach den Wunsch aus, daß dies die letzte Sitzung sein möchte oder doch die vorletzte. Mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten, die von feiten der Verbündeten gemacht werden, dürfte es zur Abfassung eines Anhanges zuin Friedensprotokoll nicht kommen, so daß alle nicht unmittelbar die Friedensbedingungen betreffenden Be- srimmungen im Sitzungsprotokoll verzeichnet werden. Hinsichtlich der Anerkennung der Gegenseitigkeit in Schul- und 51irchenfragen ist bisher zwischen den serbischen und bulgarischen Delogierten keine Verständigung erzielt worden. Tie bulgarischen Delegierten wünschen diese Frage auf der Grundlage der Gegenseitigkeit zu lösen, wie sie dies bereits mit den griechischen Delegierten getan haben, während die serbischen Delegierten den Grundsatz der Gegenseitigkeit nicht anerkeruten wollen. Tic Note de? Mächte an die Pforte. Konstantinopcl, 8. August.(Meldung des Wiener Ä. K. Tclegr�-Korr.-Bureaus.) Tie gestern von den Vertretern der Großmächte dem Gkoßwesir übermittelt« identische Verbalnote bat folgenden Wortlaut: Auf Weisung meiner Regierung bin ich beaustragt, mit größter Entschiedenheit der kaiserlichen Regierung die Achtung vor der Aufrechterhaltung der mit dem Londoner Bertrag aufgestellten Grundsätze, namentlich jener Bestimmung, die sich auf die Grenzlinie Enos— Midia bezieht, in Erinnerung zu bringen. Gleichzeitig bin ich ermächtigt, Eurer Hoheit zu erklären, daß die Mächte bei der Abgrenzung ge- neigt wären, die Bedingungen, die die kaiserliche Regierung als zur Sicherung dieser Grenze unerläßlich erachtet, in Erwägung zu ziehen.— Der Großwesir erwiderte, daß er die Note zur Kenntnis dcb Ministerrats bringen und rasche Antwort geben werde. Die Cholera. Belgrad, 8. August. Nach amtlichen Ausweisen ist die Cholera- epidemie nunmehr auch in den Militärspitälern in starkem Ab- nehmen begriffen. Insbesondere haben sich die Krankheitsfälle mit tödlichem Ausgang verringert. Zurzeit befinden sich in den Belgrader Reservespitälern nur 42 Cholerakranke. poUtifche GeberHcbt. Bereit zur Kolonialeroberung. Seit einiger Zeit tauchten in bürgerlichen Blättern allerlei Nachrichten über den Plan auf, dem Kriegsministerium einen ..wirtschaftlichen Beirat" zuzugesellen, der vornehmlich aus Leitern der Großbanken zusammengesetzt werden und die„finanzielle Kriegsbereitschaft" vorbereiten soll. Neber diesen Plan weiß die„Rhein-Neckar-Korresp." zu melden: .Seit der Marokkokrise beschäftigt man sich m mdustriellen. Dank- und auch in Regierungskreisen sehr eingehend mit der Frage, durch welche Maßnahmen im Falle einer Mobilmachung einer schweren Erschütterung unserer Volkswirtschaft vorgebeugt werden kann. Dabei handelt eS sich nicht bloß um die sogen,„finanzielle Kriegsbereitschaft", d. h. um die Bereitstellung der für die Krieg- sührung notwendigen Bargeldvorräte, sondern auch um d,e Ver- soraung der Zivilbevölkerung mit Nahrungsmitteln, um die Be- schassung von Arbeitsgelegenheit, um den Bezug der für die Pro- duktion unentbehrlichen Rohstoffe und Halbfabrikate und um die Bereüsiellung der zur Entrichtung der Löhne und Gehälter not- wendigen Zahlungsmittel. Das preußische Kriegsministerium hat infolgedessen die Linien-Kommandanturen angewiesen, die An< forderungen des wirtschaftlichen Verkehrslebens an die Eisen bahnen und Wafferstraßeir dauernd im Auge zu behalten, um auch für den Kriegsfall neben der Wahrung der militärischen Interessen den Bedürfnissen des öffentlichen Verkehrs Rechnung tragen zu können. Zu diesem Zwecke finden von Zeit zu Zeit Konferenzen der Linien-Äommandanturen mit hervorragenden Persönlichkeiten des praktischen Erwerbslebens statt. Doch kommen dafür nicht bloß die Leiter der Großbanken, sondern auch Vertreter der In dustrie, des Handels und der Londwirlswafl in Belrackt: von einem einleitigen Einfluß des Großkapitals kann daher keinesfalls die Rede sein. Ferner sei, so führt die betreffende Korrespondenz weiter aus, die Errichtung von Kriegslombardkassen ge� plant. Diese Kassen würden im Kriegsfalle gegen Ver- Pfändung von Wertpapieren und Waren— wahrscheinlich auch von Rohstoffen, Maschinen und Gebäuden— Darlehen gewähren und zu diesem Behufe zur Ausgabe von Darlehw kassenschcinen ermächtigt werden. Da diese Kassenscheine vom Reiche garantiert würden, wären sie als ein durch genügende Wertobjekte gedecktes Staatspapiergeld zu be trachten. Die Kassen wären daher ziveifellos in der Lage, der Industrie, dem Handel, der Landwirtschast, den Spar kassen und den Kreditgenossenschaften in ausreichendem Maße Zahlungsmittel zur Verfügung zu stellen. Ihre Verivaltung würde selbstverständlich der Kontrolle der Reichs- dank und damit der Oberaufsicht des Reichskanzlers unter- stellt sein. Wie weit die Meldungen der„Rhein-Neckar-Korresp." richtig sind, läßt sich nicht nachprüfen; sicher aber ist, daß mit aller Kraft die„Kriegsbereit- schaft" vorbereitet wird. Wie es scheint, möchten gemisse imperialistische Kreise gar bald die von den bürgerlichen Parteien des Reichstages bewilligten Heeresvcrstärkungen zur Gewinnung neuer Kolonien ausnutzen. Aber ganz abgesehen von diesem imperialistischen Drängen nach Erwerbung neuer Kolonialgebiete, ist die Schaffung eines solchen„finanziellen Beirats" oder richtiger„Finanz-General- stabs" auch insofern recht gefährlich, als sie den ohnehin schon übergroßen Einfluß der Großkapitalisten auf die Regierung noch beträchtlich verstärkt. Im Kriegsfalle könnte das Finanz- kapital diesen Einfluß gar leicht dazu ausnutzen, sich allerlei Vorteile zu sichern und den breiten Volksschichten neben dem Blutopfer obendrein auch noch alle wirtschaftlichen Lasten der Kriegführung aufzubürden. Den Panamisten ins Stammbuch. Den Hehlern und Beschönigern des Krupp-Panamas widmet die„Franks. Ztg." folgende kräftige Epistel: „Wenn man die Erörterungen der reaktionären Presse zum Krupp-Prozess'e liest, aus denen wir eine kleine Blüten- lese in den letzten Nummern mitgeteilt haben, wenn man hört, wie sie Sicgeshymnen anstimmt, weil der Prozeß„lein Panama" ergeben habe, dann greift man sich doch an den Kopf und fragt sich erschüttert: was müssen diese Blätter wohl alles erwartet, was müssen sie im deutschen Heere und in der dcut- schen Beamtenschaft für möglich gehalten haben, wenn sie sich jetzt so geberden! Der Prozeß hat Praktiken aufgedeckt, die nach den Worten des Anklagevertreters auf zehn Meter gegen den Wind nach Bestechung stanken. Zeugleutnants und Beamte des KriegSniinisteriumS. lauter Leute in verantwortungs- vollen Stellungen, denen wichtige Geheimnisse anvertraut waren, haben sich zum Verrat kaufen lassen, �sl es für sie eine Entlastung, daß sie für lächerlich geringen Lohn käuflich waren? Das einzige, was sie etwa zu ihrer Entschuldigung anführen können, ist, daß der Vertreter der Firma Krupp ihr Käufer loar, daß in ihrem Hirn diese Firma mit ihrem Nimbus von Gold und Macht und Patrio- tismus(trotz des berühmten Qsfertbriefes an Napoleon!) identisch war mit dem Staate. Aber gerade dieses Einzige, was die Schuld dieser Fünse mindert, zeigt er st recht das Skandalöse des ganzen Falles. Denn es bedeutet die schwerste Anklage gegen die Firma Krupp. Diese Firma ist durch ihre Geschäfte mit dem Staate und durch die mehr oder minder vollständige Monopolstellung, die ihr der allzu bequeme und allzu gläubige Staat bei diesen Geschäften eingeräumt hat, zu einem für deutsche Verhältnisse märchenhaften Reichtum gelangt— das hindert sie nicht, gegen diesen selben Staat durch ihren Berliner Bureauchef in der schmählichsten Weise, mit Be- stechung von Ossizieren und Beamten, spionieren zu lassen. G e- nügt das wirklich noch nicht? Uns genügts! Und dabei ist es noch nicht einmal alles. Denn auch das muß gegenüber den Vertuschungsmanövern der reaktionären Presse immer wieder klar und deutlich festgestellt werden: es ist nicht wahr, daß nun wirtlich alle Schäden aufgedeckt wären. Der tüchtige Herr Brandt hat noch mehr Jnformations- quellen gehabt, als die sii-ckttf Angeklagten des ersten Prozesses, Quellen vielleicht in noch höheren Posten von Heer und Per- waltung; Briese, die das beweisen, liegen vor, wie ja auch der Verbleib seiner Repräsentationsgelder nur zu einem Teile geklärt ist; nur die Namen zu nennen, hat Herr Brandt sich ge- weigert, und das G c r i ch t hat sie n i ch t e r m i t t e I t. Es bleibt also für die kommenden Prozesse und vor allem für die parlamcn- tarischc Nntersuchungskommission noch sehr viel zu klären. Aber schon dieser erste Prozeß hat di« Firma Krupp aufs schwerste kompro- mittiert, er hat zugleich den durch alte Tradition gestützten Glauben an die Unamastbarkeit des preußischen Beamtentums in Heer und Verwaltung übel erschüttert. Statt dessen hat die„Post" die Stirn, zu schreiben:„Die Panamisten sind nicht im deutschen Heer, nicht bei der Firma Krupp, sondern bei denen um L i e b k n e ch t zu suchen, denen sich mit vielem Eifer die ganze sozialdemokratische und freisinnig-demokratische Presse zugesellt hat." Und die „Rhcinisch-Westfälische Zeitung" entblödet sich nicht,„das gesamte deutsche Volk" zu einem„von Empörung flammenden Protest gegen den Abgeordneten Liebknecht aufzurufen! Nun, Herr Liebknecht ist wirklich nicht unser Mann. Aber wir stehen nicht an, zu er- klären, daß er sich in diesem Falle das größte Verdienst erworben hat. nicht nur dadurch, daß er dem Kriegsminister sein Material zuerst vertraulich übergeben und so die Feststellung der Schuldigen ermöglicht hat, sondern auch durch das Weitere, daß er, nach dem Abschluß der Untersuchung, durch seine Reichstagsrede die große Oeffentlichkeit mit diesen Dingen bekannt gemamt und dadurch einer Vertuschung vorgebeugt hat. Wer jetzt noch die Aufdeckungen des Krupp-Prozcsses als Lappalien hinzustellen wagt, der macht sich selbst zum Verteidiger der Korruption, die nur dadurch beseitigt werden kann, daß man all ihren Erscheinungen schonungslos nach- forscht und durch öffentliche Bloßstellung aller Beteiligten ein ab- schreckendes Exempel statuiert." Ei« Urteil über den Reichsverband gegen die Sozialdemokratie. Die„KönigSberger Hartungsche Zeitung" hatte in einem Artikel die Gründung deS gelben Technikerverbandes durck, den Reichs- verband beleuchtet, woraus ihr von ReichverbandSbeamten.Be- richtigungen" zugegangen waren, in denen bestritten wurde, daß der Reichsverband sick mit der Gründung deS„nationalen Techniker- Verbandes" beschäftigt habe. Jetzt schreibt die„Hartungsche Zeitung": .Zu den auch uns zugesandten Berichtigungen de» Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratie� nimmt �jetzt die.Deutsche Techniker-Zertung" Stellung.~ nimmt jetzt die_________ Dadurch wird der jesuitische Charakter dieser Elaborate in derartiger Nacktheit enthüllt, daß man von nun an in der Oeffentlichkeit jeder Behauptung des genannten Reichs» Verbandes mit allergrößtem Mißtrauen wird entgegentreten müssen.... Es widerstrebt uns, noch weiter die schmutzige Wäsche des„Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" zu waschen. Der Geist, der zurzeit in seiner Leitung wie in seiner Beamtenschaft �waltet, dürfte nach diesen Leistungen gerichtet sein. Wer die Sozialdemokratie ehrlich be» kämpfen will, darf nicht mit Mitteln der Ver» dächtigung, Täuschung und Verheimlichung arbeiten. So etwas ist niemals ein nationales oder patriotiilbeS, sondern unter allen Umständen ein verwerf» liches und unpatriotisches Beginnen." Die Sozialdemokratie hat schon vor Jahren, als der Fortschritt die Hilfe des Reichsverbandes schmunzelnd in Anspruch nahm, das Treiben des Rcichsverbandes an den Pranger gestellt. Damals bat die Fortschrittspresse nicht das mindeste an dem Vorgehen dieses Verbandes auszusetzen gehabt._ Krupp-Skandal und Zentrumspreffc. Im urer wieder mutz man sich darüber wundern, was die Zentrumspresse selbst in Großstädten ihren Lesern bieten darf. Der Krupp-Srandal bietet dafür neue Beispiele. Brachten es doch mehrere Zentrumszeitungen fertig, den Krupp-Prozeß völlig totzuschweigen, um bei ihren Schäflein keine Bedenken an der Gottähnlichkeit des preußischen Militarismus und seines Kononenlieferanten aufkommen zu lassen. Zu den Zentrums- blättern, oie mit keiner Zeile über die Verhandlungen des Krupp-Prozesses berichteten, gehört auch der„Kölner Lokal- Anzeiger", der in einer Auslage von S(>(HK> Exemplaren im Bachemschen Verlage zu Köln erscheint. Herrn Giesberts zuliebe, der in Essen ein recht wackliges Zenttumsmandat innehat, scheint die Zentrumspresse, soweit sie von Arbeitern gelesen wirf, der durch den Krupp-Prozeß ent» hüllten Korruption beide Augen zu schließen. Der ungeschickte„Kölner Lokal-Anzeigcr" bat die Schonung Krupps aber doch ettoas zu auffällig betrieben. Er bringt jetzt die Kritik der„Kölnischen Volkszeitung" an dem Prozesse, über den er gar nicht derichtet hat, lägt aber vorsichtig die Kritik fort, die die„Kölnische Volkszeitung" an dem Verhalten der Firma Krupp geübt hat. Sie hatte nämlich unter anderm- geschrieben: „Man wird nach dem ersten Teil des Prozesses sein Ge» samturteil bis zur Beendigung des zweiten Teiles zurückstellen müssen. Bis jetzt bleibt nur das Bewußtsein zurück, daß inner- balb der größten deutschen Firma Mittel und Wege benutzt wor- den sind gegen die Konkurrenz und gegen das Vaterland, die man niemals hätte suchen und wählen dürfen. Es ist ihrem Vertreter durch geschickte Ausnutzung persönlicher Bekanntschaften und Mißbrauch des durch Freundschaft errungenen Vertrauens gelungen, Beamte unserer obersten Behörden strafschuldig zu machen. Das ist das tiefbedauerlichc Ergebnis des ersten Teiles dieses Prozesses. Auch ber den besten Patrioten, und gerade bei diesen. laird ein Stück Vertrauen für die Firma Krupp verloren s e i n, bis die Firma in der Zukunft unzweifelhaft den Nachweis erbracht haben wird, daß sie mit derartigen Kon» lnrrenzmittcln nicht das geringste gemein haben will. Ein solcher Beweis liegt im Interesse der Firma und im Interesse unseres VaterlanceS." Diese Sätze unterschlägt der im gleichen Verlage er- scheinende„Kölner Lokal-Anzeiger". Tie bürgerlichen Kreise der Zentrumspartei dürfen also allenfalls einen Teil der Wahrheit erfahren. Die Zentruinsorbeiter aber müssen weiterhin in dem Glauben an die Reinheit der„patriotischen Firma" Krupp erhalten werden. Verleumdungen. Die sozialistenfeindliche Presse bringt auf Grund eines Leit» artilelS der„Walder Zsilung" die Lügenmär, das sozialdemokratische Wahlkomitee in Solingen habe sich zu der�.Unverschämthsil" ver- stiegen, bürge rlick e Wähler vor die Schranken eines Partei» gerichts zu fordern, weil diese bei der letzten Landtagswahl sich der Stimme enthalten haben. Unser Solinger Parteiorgan bemerkt zu dieser Lügenepistel: „Jeder, der nur einigermaßen mit dem Wesen der Sozialdemo» kratie vertraut ist, wer vor allen Dingen unser Programm kennt — dem Kuli von der„Walder Zeitung" ist das ja nicht zuzumuten—, der weiß, daß jeder, der sich zur Sozialdemo. kralle bekennt, ganz bestimmt aber alle, die eingeschriebene Mitglieder sind, auch die verdainmte Pflicht und Schuldigkeit haben, sich au samtlichen Wahlen zu beteiligen und ihre Stiinmeii im Sinne des sozialdemokratischen Parteiprogramms ab» zugeben haben. Wer das unterläßt, hat kein Anrecht sich Sozial- d-mokrat zu nennen, und wenn diesen Leuten nun Gelegenheit qe- geben wurde, sich zu erklären, so war dies im Jmeresse der Partei- bewegung notwendig. Die wirklichen Parteigenossen haben in dieser Sitzung ihre Grunde trank und frei dargelegt. Diejenigen aber, die nur Mitglieder waren, um durch ihre Miigliedschast Geschäfte zu machen haben eS vorgezogen, nicht zu erscheinen. Sie haben sich »? wofür sie schon lange gehalten wurden: als Ge- schafts-soziausten.'po hegen die Dinge in Wirklichkeit, und solange der Kuli von der„Walder Zeitung" für sein Gesasel von der„Ver- gewaltigung deS freien Burgertums" durch Nennung von Namen nickt den Beweis erbringt, bezeich,«, wir ihn als einen geme.n- gefährlichen Schwindler." -ütt böhmische Landtagswahlresorm. Prag. 7. August.(Eig. Ber.) Tie Regierung setzt m emem offtziojen Artikel des Wiener Fremdenblattes die Notwendigkeit der Erteilung des Landtagswahlrechts an dm Arbeiter auseinander. Das richtet sich gegen dm deutsch" bürgerlichen Wahlrechtsfeincie. Die deutschen, dl- nur zwei Fünftel der Bevölkerung Böhmens stellen, muss-n natürlich nn Landtag die Minderheit sein und sind es- trotz. dem bemänteln sie ihre Wahlrechtsfeindlichkeltintt der„Be- furchtung" der Majorisierung durch die Tschechen- Dm ent- icheidende Stellung der Großgrundbesitzer ist ihnen lieber, als eine noch so geringe Mitbestimmung»lib�ttt Volksg� nonen Arbeiter"! Und dabei sind von den Reichs- ratswählern Böhmen« volle 800 000 nicht landtagswahlberech- tigt! Tie Regierung will eine neue Kurm denen der Groß- grundbesitzer. Handelskammern. � gliedern, die Kurie der bisher nicht W�Iberechtigten mit 43 Mandaten zu den 262 der Besitzenden,-b die Regierung den Mut hoben wird, diese Kurm. dm sse doch nicht durchsetzen kann»II n s s r o n i e r e n, ist srnglich, 0I.NII sm furchtet dann die Reichsratsobstruktion der �eutjchburgerllchen. Aber ob diese Helden einen Reichsratswahlkampf unter der Barole wagen werden:„Heißt d 1 ch ietn— wahlrechtsfeindlich sein?_ Das ist noch fraglicher,.lifo, dm Wahlreform muß ParlameutSschluß. Paris, 8. August. Die parlamentarische Sitzungsperiode wurde heute geschloii'en.__ Die Seuatsabsnmmulig über das Dreijahrgesetz. Paris, 8. August. Das Gesetz über die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit wird heute im Amtsblatt ver- öffentlicht.— Nach den amtlich richttg gestellten Ziffern wurde das Gesetz mit 244 gegen 36 Stimmen angenommen, und 5war stimmten dafür 37 Mitglieder der republikanischen Linken, 51 Mitglieder der republikanischen Vereinigung, 1>9 Mitglieder der demokratischen Linken, 6 republikanische Wilde und 31 Äonservative. Dagegen stimmten 34 Mitglieder der demokra- tischen Linken, darunter die ehemaligen Minister Maurice Jaure und Pelletan und zwei unabhängige Sozialisten. Die ehemaligen Minister Combes und Sarrien sowie d'Estournelles de Konstant enthielten sich der Abstimmung. Cnglancl. Asquith und das Frauenwahlrecht. London, 8. August. ASquith empfing eine Abordnung des nationalen Verbandes von Vereinen für das Frauenstimmrecht. Dabei sagte er. er empfinge die Ver» einigung wegen des friedlichen und gesetzmäßigen Verhaltens, das sie in letzter Zeit gezeigt hätten und daS in starkem Gegensatz stände zu dem gesetzlosen und verbrecherischen Borgehen, das unglücklicher- weise anderSwo allgemein geworden sei. Die Regierung habe ihr Versprechen den Frauen gegenüber gehalten. Die ganze Frage sei eine derartige, daß sie das Volk entscheiden müsse, und dann, wenn sein Spruch günstig ausfalle, könne keine politische Kombination der Welt ihren Erfolg hindern; ihre entschiedensten Gegner würden die ersten sein, die sich der Entscheidung beugten. /Amerika. Bryaus Schiedsgerichtsaktion. Washington, 7. August. Der erste Vertrag, der die Friedenspläne des Staatssekretärs Bryan verwirklicht, ist heute zwischen den Vereinigten Staaten und San Salvador unterzeichnet worden. Thammany-Wirtschaft. Albauy(New Jork), 8. August. Die Kommission des New Dorker Stadtparlaments, die die Anklage gegen den Gouverneur Sulzer untersuchte, hat festgestellt, daß der Gouverneur viele Tausende von Dollar, die er für Wahlzwecke erhielt, nicht in die ordnungsmäßigen Listen der Wahlbeiträge eingetragen hat. Die Untersuchung wird wahrscheinlich zu einer öffentlichen Anklage gegen Sulzer führen. Hus der parte!. Eine sozialdemokratische Gemeindevertretung. Tag es im� junkerlichen Preußen mit seinem Dreiklassen- Wahlrecht für Staat und Gemeinde eine rein sozialdemo- k r a t i s ch e Gemeindevertretung geben könnte— und noch dazu in einer durchaus nicht von der Industrie überwucherten Gegend—, das wird manchem unglaublich erscheinen. Und doch gibt eS das! Es ist die Landgemeinde Neue Schleuse, die im Regierungs- dczirk Magdeburg im Kreise Jerichow l und II liegt. In diesem lErte steht dem Gemeindevorsteher und Schöffen ein Gemeinde- Parlament zur Seite, das neun Mitglieder zahlte schon seit ge- raumer Zeit hatten die Sozialdemokraten mit sechs Mandaten die Mehrheit in der Gemeindevertretung; seit einigen Tagen ge- hören ihr nur noch Sozialdemokraten an. Und das kam io: Im verflossenen Jahre wurde gegen den Gemeindevorsteher Sceger ein Disziplinarverfahren wegen Begünstigung der Sozialdemokratie eingeleitet. Infolgedessen legte Seeger und mit ihm der erste schösse sein Amt nieder. Da sich über die Neubesetzung der Stellen erne Verständigung zwischen den sechs sozialdemokratischen Ge- rneindevertretern und den drei von der ersten Abteilung gewählten bürgerlichen Vertretern nicht erzielen ließ, begannen die letzteren zu streiken und übten acht Monate lang ihr Mandat nicht aus. Auf die Tauer ging das natürlich nicht, und so waren sie schließlich gezwungen, ihre Mandate niederzulegen. Bei der Nemvahl, die vor einigen Tagen stattfand, stimmten von den wenigen Wählern der ersten Abteilung vier für die sozialdemokratischen Kandidaten und nur drei wählten bürgerlich, so daß nunmehr die Gemeindever- trelung ausschließlich aus Sozialdemokraten besteht. Wenn jetzt nicht der preußische Himmel einstürzt! Soziales. 25 viart Monatsgehalt für einen Stadtreisenden. Unter welchen erniedrigenden Bedingungen Handlungsgehilfen infolge deS herrschenden Ueberangebots Stellung annehmen, dafür lieferte eine Verhandlung Beweis, die vor der l. Kammer des Berliner Kaufmannsgericht stattfand. Der dort klageerhebende stadtreisende Max L. stand, bevor er die Stellung bei der be- klagten Firma Johann Adolf, die einen Metallwarenvertrieb unter- hält, annahm, vor der Gefahr der Stellungslosigkeit. Es wurden ihm bei der Firma sage und schreibe: fünfundzwanzig Mark Mo- natsgchalt geboten, wozu dann noch 10 M. Fahrgeldvergütung und Prozente vom Verkaufe treten sollten. Um nicht aus der Straße zu liegen, nahm er diese..glänzende" Slellung an. Seine Hoffnung, das jammervolle Gehalt wenigstens etwas durch den Verdienst' der Prozente wettzumachen, erwies sich als trügerisch. Trob arößter Bemühung vermochte er nicht viel zu verkaufen. Auch lieferte Beklagter mcht alle bestellten Waren, so daß er auch da mich, um«nen� TeU�der Provifion kam. Im ganzen wkommen, d�VdTum einen Probemonat'handelte."Der'StÄt. rn sende destreitet aber, daß ein Probeengagemcnt vereinbart war, und verlangt darum noch ein Monatsgehalt von 25,- M. Ter Vorsitzende, MaqistratSrat Techow, gibt lemer Verwunderung Aus- druck daß der Chef einer größeren Firma die mehrere Reisende beschäsliae wegen ein« solchen BagatellbetrageS es zum gencht- I i ch e n t r ag U) m m c n lasse SeM wenn es stch s, verhalte. Uno Beklagter behauptet. jD sei es doch recht hart,«mem auf Prol� Angestellten ausgerechnet am?age deS Ablaufs der Probe zu sagen, baß man auf weitere Dienste verzichte, �ohale Prinzl. pale werden dem Gehilfen mindestens vierzehn Tage vor Probe- ablauf zu verstehen geben, ob ste chn weiter behalten wollen oder Die Prozcßlaae war für den Kläger msofern ungimstig, als � Beklagte zum Schwur gekommen wäre. Dieser erklärte, er werde SO M-ablen. sonst leiste er den Eid. Das bracht- einen Cbe'fbeisitzcr w in Harnisch, daß er sich zu der Aeußerung verstiea Wcoen fünf M-rk wolle» Sie Ihre» G-tt ottrufen? 6Ä««, i$Utt ÄS S to"" J0M"" Huq Industrie und HäiideL Zwlscheudecksfahrpreise nach Kau ad-. ®Jes4yeÄUh,itb- tritt demnächst em- Er- infolge de« Vorgeh�z �r Emnad, naÄ Äanflba.wm auf allen kontinentalen Linien, fe„Ämlich den im Juli gemeinsam festaes-Nk-iTa� �opacificlime toll nanu g Ueberfohn von D0? U0 5. i s-lbst bestreitet jedoch derartige Un.«bleÄg� � Sie kootsIiZtsstfophe In Stvinemüncke. 13 Personen ertrunken. Nach weiteren Ermittelungen sollen bei der Verhängnis- vollen Bootskatastrophe 13 Personen ertrunken sein, wenigstens sind soviel als vermißt gemeldet worden. Unter den Ertrunkene» befinden sich 1. Kaufmann Georg Brahn aus Berlin; 2. dessen 20 jähriger Sohn; 3. Kauf- mann Julius Golde mann aus Berlin; 4. dessen Sohn Erwin; 5. Kaufmann Willi H a a ck aus Berlin; 6. Landgerichtsrat Johannes Franke aus Berlin; 7. dessen zwölf- jähriger Sohn Hans; 8. Schisser Bauer jun.; 9.� Goldschmied Albert P o r s e aus Spandau; 10. Frau Hedwig K a m p r a t h aus Altenburg. Die Namen der übrigen drei sind noch nicht festgestellt worden. Die Hebung des Bootes. Gegen 10 Uhr am Freitag vormittag gelang eS den hilfeleistenden Booten, das verunglückte Schiff durch Taucherlsilfe so weit zu heben, daß es mit Hilfe eines der Dampfer in den Fischereihafen ein- geschleppt werden konnte. Dort wurde sofort damit begonnen, das Boot auszuschöpfen und weiter zu heben. Es bestätigte sich, als das Boot so weit gehoben war, daß Einsicht ermöglicht wurde, die Meldung des Tauchers, daß keine Leichen mehr in dem Boote vorhanden sind. Weitere acht Leichen geborgen. Das Nachforschen nach den Leichen der Verunglückten ist gestern abend endlich von Erfolg gekrönt worden. Bis um 6 Uhr hatte ein Dampfer mit der Fangleine acht Leichen geborgen. Es sind dies der Kaufmann B r a h m, sein Sohn, der Sohn des Kaufmanns G o l d e m a n n, Kaufmann H a a ck, der Sohn des Landgerichtsrats Franke, Fischer Bauer jun., Frau Hedwig K a m p r a t h und diejiitere von den Schwestern H o l l a tz. Man weiß bis zur Stunde noch nicht, wieviel Personen eigentlich ihr Leben eingebüßt haben, da keiner der Insassen, auch der Bootsführer nicht, angeben kann, wieviel Personen sich genau im Boote befanden und da sich die Angehörigen der Verunglückten nur zum kleinsten Teile gemeldet haben. Die Untersuchung der Ursachen des Unglücks. Vom Lcmdrat v. Bötticher, der sich noch abends an den Strand begab, sind eingehende Untersuchungen über die Ur fachen des Bootsunfalles angestellt worden, die folgendes Resultat ergeben haben: Bauer sen., der seit Jahren während der Badesaison Boote vermietet und mit seinem Schiff Segelfahrten von längerer Dauer unternommen hat, besaß die behördliche Genehmigung, in seinem ungedeckten Boot„Friedrich Karl" 23 Personen zu befördern. Von der Badeverwaltung war ein Beamter angestellt, der die an der Seebrücke liegenden Fischer und Segelboote daraufhin zu kontrollieren hatte, daß bei Vergnügungsfahrten die Fischer nicht mehr Personen aup nahmen, als sie gemäß der Größe des Bootes fahren durften. Der Beamte war verpflichtet, etwaige Unregelmäßigkeiten sofort zur Kenntnis der Hafen- und Polizeibehörden zu bringen, die dann bei gegebenen Anlässen einschritten. Der Beamte hatte auch die Verpflichtung, des Segelns Unkundige bei schwerem Wetter vor Fahrten ohne Bootsmann zu warnen. Wie gewöhnlich hatte Bauer am Donnerstag vor seinem Platz ein Plakat angebracht, in dem er Personen zu einer Gesellschaftsfahrt einlud. In der Zeit von 2 bis 3'/» Uhr fanden sich e t w a 20 P e r s o n e n zusammen, die nach Rücksprache mit dem Fischer eine Kreuzfahrt zwischen Herings- dorf und Ahlbeck auf die Dauer von l1/» bis 2 Stunden machen wollten. Der Ueberwachungsbeamte stellte fest, daß der Fischer sein Boot nicht überlastete und legte deshalb der Abfahrt nichts in den Weg. Ueber den Hergang des Unglückes machte der Fischer folgende Angaben. Beim Wenden des Bootes habe eine B o e, wie dies häufig vorkommt, den„Friedrich Karl" gepackt und infolge des starken Winddruckes habe das Boot sich so weit ans die Seite gelegt, daß einige Spritzwellen über Bord schlugen. Das passiere namentlich bei bewegter See, die ge�en Abend herrschte, fast regelmäßig beim Umlegen und sei nicht im mindesten gefährlich gewesen. Er selbst habe die Situation vollständig beherrscht und nicht die mindeste Gefahr für seine Fahrgäste gesehen. Da jedoch namentlich die Damen bei Schräglage der Boote stets ängstlich zu sein pflegen, so habe er. als er die auf der tief liegenden Seite Sitzenden von den Bänken aufspringen sah, ihnen zugerufen:„Sitzen bleiben, es ist keine Gefahr." Durch das Beispiel der von plötzlicher Furcht Befallenen seien auch die bis dahin besonnenen Fahrgäste verleitet worden, sich zu erheben und durch das" allgemeine Durch einander sei das Gleichgewicht des„Friedrich Karl" so heftig gestört worden, daß er, da er sich im Augenblick des Wendens in einer kritischen Sitimtion be fand, vollständig überlegte und kentert Im nächsten Augenblick schlug das Boot voll Wasser und alle Insasse« stürzten ins Waffer. Bauer selbst klammerte sich an die Steuerspinne und vermochte zunächst wenig oder gar nichts für die Rettung der mit den Wellen Ringenden zu tun. Ein Teil der Passagiere, auch sein Sohn, sind unter die Segel geraten und ertranken, ohne sich befreien zu können. Der Bericht eiues Geretteten. Der Mitlel'chüler Blatt aus Kiakau, der, wie wir bereits an- gaben, irrtümlich als vermißl gemeldet, aber gerettet worden ist. war der einzige Teilnehmer der Fahrt, der bei der Katastrophe bei Besinnung blieb und eine zusammenhängende Schilderung über das Unglück geben kann. Er wurde gestern von der Badeverwaltung und der Behörde längere Zeit vernommen und gab folgendes an: „Ich fuhr mit dem Segelboot.Friedrich Karl" um Z'/« Uhr iu See. Ju dem Boot befanden sich die beiden Schiffer Bauer und 20 Badegäste, darunter vier Damen. Wir fuhren init zwei Segeln etwa*/| Stunden in der Richtung auf Ahlbeck zu und wendeten dann. Der Unfall passierte zwei Minuten nach dem Wenden des Schiffe«, al« der Wind die Segel noch nicht gefüllt hatte. DaS Boot legte sich erst auf eine Seite.�nahm Wasser über, kippte dann nach der anderen Seite um und schlug dann nach dieser Seite um. Wir mir schien, drang auck in der Mitte deS Bootes, wo das Schwert liegt, Wasser ein. Innerhalb vier Minuten sank der Kahn bis zur Wasserlinie. hielt sich aber, obwobl er gefüllt war, nach über Wasser. Wir all- stürzten ius Meer. Was dann weiter mit mir geschehen ist. weiß ich nicht mehr. Halb bewußtlos hörte ich noch furchtbare Schreie und Hilferufe, dann entschwand auch mir die Besinnung. Ale ich wieder zu mir kam, befand ich mich am Mast deS gekenterien Boote«, an dem sich bereits ein anderer Passagier fest- geklammert hatte. Es war dies der Kaufmann L e u ch t, der später ins Krankenhaus eingeliefert werden mutzte." Ein weiteres Opfer. Swinemünde, 8. August.(P. C.) Die gestrige Katastrophe hat ein weiteres Todesopfer gefordert. Heute nachmittag ist der Fischer Bauer sen.. der Besitzer des Unglücksbootes, der gestern gerettet werden konnte, an den Folgen eines Nervenchoks g e st o r b c n. letzte ISacbricbtcii. Die Formulieruna des Friedensvertrages. Bukarest, 8. August.(W. T. B.) Tie Friedenskonferenz hielt heute eine längere Sitzung ab. Der Vorsitzende M a j o•* r e s c o ließ die Briefe der österreichisch-ungarischen und der russischen Gesandtschaften vom 4. und 6. August zur Verlesung bringen, in denen sich diese das Recht vorbehalten, eine Revision des Vertrages von Bukarest zu verlangen. Tie beiden Noten gehen dem zwischen den Kriegführenden erzielten Uebereinkommen voraus. Der bulgarische Bevollmächtigte Rade ff erklärte, er habe durch seine Regierung von den Noten Kenntnis, aber die bulgart- scheu Delegierten würden den Vertrag auf jeden Fall unter- zeichnen. Der Vorsitzende nahm von dieser Erklärung�Nadesfs .Kenntnis und ließ sie dem Protokoll einfügen. Etekretar P i s s o s k i verlas hierauf den Frieden-svertragsenyvurf, wie er von der Kommission redigiert wurde. Der Artikel 1, �5� den Abschluß des Friedens zwischen den Vertragsmächten fest- stellt, wird angenommen. Artikel 2� betrifft den Frieden zwischen Rumänien und Bulgarien, bestimmt die neue Grenz- linie und gewährt einen Aufschub von zwei Jahren für die Schleifung der Forts von Rustschuk und Schumla und eine Frist von vierzehn Tagen für die Fetzsetzung der Grenzlinie. Im Falle einer Meinungsverschiedenheit soll das Schieds- gericht Belgiens, Hollands oder der Schweiz angerufen wer- den. Dieser Artikel wurde gleichfalls angenommen. Artikel 3 betrifft den Frieden zwischen Bulgarien und Serbien und wurde der morgigen Besprechung vorbehalten. Artikel 4 bezieht sich auf die griechisch-bulgarische Grenze und enthält die Klausel der Berzichtlcistung Bulgariens auf seinen Anspruch auf Kreta. Was die Frage einer Entschädi- gung anbelangt, schlug Griechenland vor, daß diese Frage von einer gemischten Kommission geprüft werde. Aber Bulgarien lehnte dies ab unter der Angabe, damit neuen Mißhelligkeiten auszuweichen. Bulgarien gibt den Forderungen Griechen- lands in der Frage der Schulen und Kirchen nach. Die ser- bischen Delegierten erklärten, die Frage der Schulen und Kirchen sei der serbischen Verfassung vorbehalten und könne nicht Gegenstand des Vertrages sein. Tie Sitzung wurde auf- gehoben mit der Erklärung des Vorsitzenden Masoresco, daß die morgige Sitzung der Frage der Demobilisierung und der Ratifikation der einzelnen Punkte des Friedensvertrages ge- widmet sein solle. Tie Unterzeichnung des Friedensvertrages soll am Montag stattfinden. Neue Schwierigkeiten beim Friedensschluß. Bukarest, 8. August.(Meldung des Wiener k. k. Telegr. Corr.-Bureaus.) In der heutigen Sitzung der � Friedenskon- ferenz kam es zu Auseinandersehunge» über die Schulsrage und die Kirchenfrage. Obwohl die Bulgaren erklärten, daß sie bereit seien, die liberalste Formel hierüber zu unter- zeichnen, lehnten die Serben kategorisch� jede Berställdrgung ab, ja sie weigerten sich sogar, in eine Diskussion über diese Frage einzutreten. Als hierauf die Bulgaren erklärten, daß hiermit der Gegenstand für die Konferenz erledigt sei, ver- langten die Griechen, daß im Friedeiisprotokoll eine>-?ondcr- abmachung mit Bulgaren über die Schul- und Kirchenfreiheit auf Grundlage der Gegenseitigkeit aufgenommen werde. Die Bulgaren schlugen hierauf vor, daß diese Frage, da sie nicht mehr alle Verbündeten, sondern Griechenland betreffe, nach dem Friedensschluß von Regierung zu Regierung behandelt werde. Hierauf erklärten die Griechen kategorisch, daß sie in diesem Falle die auf Vorschlag des Präsidenten Majorescu zu machende Erklärung nicht annehmen würden, wonach alle auf der Konferenz vertretenen Staaten wünschen, daß die Großmächte die Türkei zur Achtung gegenüber dem Londoner Vertrag zwingen. Die Bulgaren begnügten sich zu ant- Worten, daß die Mächte Mittel und Wege finden werden, die Türkei zum Rückzug auf die Linie Enos-Midia zu zwingen. Die Haltung der Serben, welche in der morgigen Sitzung auch die Erledigung der alten Grenzstreitigkeiten zwischen Serben und Bulgaren erzwingen wollen, erregt ebenso wie das Vorgehen der Griechen allgemeines Aufsehen, da man findet, daß die Grenzen einer allenfalls zulässigen Pression beträchtlich überschritten werden. Bon der Londoner Konferenz. London, 8. August.(5B. T. 50.) Wie das Reutersche Bureau erfährt, berieten die Botschafter heute neuerlich die Frage der Aegäischen Inseln und der Südgrenze von Alba- nien, ohne daß Beschlüsse gefaßt wurden; doch wurden be- trächtliche Fortschritte in diesen Fragen ge- macht. Die Botschafter erörterten ferner die am vergangenen Dienstag gemachten Vorschläge für das Programm der inter- nationalen Kommission, die die Südgrcnze Albaniens an Ort und Stelle festsetzen soll, und hörten die Bemerkungen Oesterreichs zu diesem Gegenstande. Die Frage wird den einzelnen Regierungen wegen der Einzelheiten von neuem überwiesen, die Konferenz wird sich dann am Montag mit den von den Regierungen gemachten Ab- änderungsvorschlägen beschäftigen. Wenn man am Montag nicht zu einem endgültigen Ergebnis gelangen sollte, wird eine neue Konserenz vor Donnerstag, das heißt, bevor die Konferenz in die Ferien geht, abgehalten werden. Wer machte den Vorbehalt in der Kavallafrage? Bukarest, 8. August.(Meldung des Wiener I. k. Telegr. Cortr- Bureaus.) Aus Aeußerungen der hiesigen öffentlichen Meinung geht hervor, daß die Ansicht verbreitet ist, die Anregung zu dem Vorbehalt der Bulgaren in der Kavallafrage sei von der österreichisch- ungarischen oder russischen Regierung ausgegangen. Diese Ansicht entspricht nicht den Tatsachen. Als bald nach Beginn der Verhandlungen der Friedenskonferenz erkennbar wurde, daß die Kavallafrage die am schwersten zu umschiffende Klippe sein werde, regte die rumänische Regierung selbst in der wohl- meinenden Absicht, die Verhandlungen nicht allzu schwierig zu ge. stalten, einen derartigen Vorbehalt an und unternahm dement. sprechende Schritte bei der österreichisch-ungarischen und der russischen Regierung. 1 Brotbüchse otiI, dekoriert SSpf. | schied. Farben, mit 1 angeweht 1 Futter... IPf. fiüWDtBilaille IUP Damen, mit angewebt Futter, mit langen oder ohne 1 Aermel, K 1 2 Grössen«2*«� pr 1 Trihot- Eerrenhose mit angewebtem Futter 1 KiDder-SwBater | e.nfarbl;.-, mit ge- |mustertem Kragen und Mansclietten SK pt. iMSiiMWGÜB chwarz od. meliert, gute Qualität 200 AK Gramm SroJ'Pt- l Piar üäoieu- lilrfiDiiifo�"8' Idurchbrochemleder- i Paar inaiztii� | ihr 1 iamenstrümpie, I Reine Wolle, leder- 1 farbig oder schwarz 95 pf. 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Er habe nichts verbrochen, sondern geschuftet im wahrsten Sinne des Wortes; trotzdem wurde er ent« lassen. Er hatte keine Ahnung von dieser Maßnahme; als er eines Morgens kam, ließ ihn der Portier nicht mehr in den Betrieb und er wurde auf der Straße abgefertigt. Die Versammlung nahm einstimmig eine Protestresolution gegen die Maßregelung des Angestellten an. Protest der Strastenbahner gegen Dienstverlängerung. Am Donnerstag tagte im.Schwarzen Adler' in Lichtenberg eine vom Transportarbeiterverband(Sektion Straßenbahner) für Bahnhos Lichtenberg einberufene und stark besuchte Versammlung. Der Referent Ortmann wies auf die vor wenigen Wochen er- folgte prunkvolle Einweihung des Straßenbahnhofs Lichtenberg hin. Für die Angestellten sei diese Neueinrichtung eine bedeutende Ver- schlechterung. Durch die Zusammenlegung der Bahnhöfe 18 und 21 mit Bahnhof 24(Lichtenberg) sei eine Mehrbelastung von durch- schnittlich zwei Stunden täglich eingetreten. Diese Mehrbelastung sei dadurch erfolgt, daß der Weg vom und zum Dienst eine bedeutende Zeitaufwendung bedinge. Ebenso sei es mit den Ablösungs- stellen, die ganz nach den äußersten Endstationen verlegt seien. Da die Augestellten vor Oktober ihre Wohnungen nicht verlegen könnten, hätte man erwarten sollen, daß die Direktion der«Großen Berliner' eine Regelung der Verhältnisse in der Gestalt vornähme, daß der Hin- und Rückweg zum Dienst in Anrechnung gebracht würde. Da dies aber nicht geschehen sei, müsse verlangt werden, daß der Dienst so geregelt werde, daß die Zeit des Hin- und Rückwegs mitgerechnet würde, so daß der Durchschnittsdienst für Führer neun und für Schaffner zehn Stunden nicht überschritten werde, wie eS die Direktionsverfügung besagt. Sollte diesem Wunsche nicht entsprochen werden, so müßten die Angestellten gezwungenermaßen zur Selbsthilfe greifen. Der gespendete Beifall bewies, daß der Referent im Sinne der Bediensteten gesprochen hatte, was auch durch die Diskussionsredner bestätigt wurde. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welche den Arbeiterausschuß beaustragt, im Sinne der vom Referenten vertretenen Forderung mit der Betriebsleitung zu verhandeln. Falls diese kein Enlgegenkommen zeigen sollte, wird die Organisations« leilung ermächtigt, die zur Beseitigung der Mängel geeigneten Schritte zu tun. Tarifforderuugeu der Etuiarbeiter. Vor einiger Zeit schon hatten die im Buchbinderverband organi- sierten Etuiarbeiter beschlossen, den Ende September ab- laufenden Tarifvertrag zu kündigen und zugleich eine Kommission eingesetzt mit dem Auftrage, einen neuen Vertrags- entwurf auszuarbeiten. Diese Kommission hatte ihren Auftrag erfüllt und für Donnerstag eine Versammlung nach den Armin- hallen einberufen, in der die Branchenangehörigen zu den Vor- schlägen Stellung nehmen sollten.— Würzburger begründete die einzelnen Forderungen, die dahin gehen: 1. Die wöchentliche Arbeitszeit ist von 62 auf 50 Stunden herabzusetzen. 2. Der Mindestlohn ist um S Pf. auf 63 Pf. pro Stunde zu erhöhen, Arbeiter im ersten Gehilfenjahr sind mit 52 Pf., Arbeite- rinnen, die neu in die Branche eintteten, mit 25 Pf. in den ersten sechs Monaten, mit 28 Pf. im siebenten bis neunten Monat ihrer Tätigkeit, dann mit 32 Pf., im zweiten Jahr mit 45 Pf. und weiterhin nicht unter 45 Pf. zu bezahlen. 3. Arbeiten außerhalb der Werkstatt— Montagearbeiten— sollen allgemein um 20 Pf. höher bezahlt werden. 4. Die Lehrlingsskala wurde dergestalt abgeändert, daß künftig auf 5 Gehilfen 1. auf 10 Gehilsen 2 und auf 20 Gehilfen 3 Lehr- linge höchstens kommen dürfen. 5. Der paritätische Arbeitsnachweis soll obligatorisch eingeführt werden. Die Vertragsdauer ist wiederum wie bisher auf 3 Jahre in Aussicht genommen. In der Diskussion trat deutlich hervor, daß die Wünsche der Arbeiter noch erheblich weitergehen, aber auf Anraten der Verbands- leitung fanden die Vorschläge schließlich einmütige Zustimmung der Versammlung. Achtung, Töpfer! Soeben geht uns aus Chemnitz die Nach- richt zu, daß die Kollegen gezwungen waren, wegen Tarifbruchs seitens der Unternehmer in den Abwehr streik zu treten. Die Unternehmer werden nunmehr versuchen, auf Umwegen von Berlin und Umgegend Arbeitskräste heranzuziehen. DieS muß auf alle Fälle verhindert werden. Kein Kollege darf daher Arbeit nach Chemnitz und auch nicht nach der dortigen Umgegend annehmen. Hoch die Solidarität! Filiale Groß-Berlin des Zentralverbandes der Töpfer Deutschlands. Differenzen auf dem Wcrtheimschen Neubau. Zu der Notiz, die wir unter dieser Ueberschrift am 1. d. MtS. veröffentlichten, schreibt uns die in der Notiz genannte Firma Otto Hetzer in Weimar, es sei nicht wahr, daß auf dem erwähnten Bau Parkettbodenmaterial zweiter Klasse verarbeitet werde, sie habe nur Material erster Klasse geliefert und lasse nur solches verlegen. Daß für das Verlegen des Parkettbodens auf dem Wertheim- schen Neubau nur 75 Pf. pro Quadratmeter bezahlt werden, bestätigt die Firma Otto Hetzer. ?uslanä. Der Textilarbeiterstreik in Katalonien. Die Erwartung, der Streik werde in kurzem durch einen Ver- gleich beendet werden, hat sich nicht erfüllt. Die vorliegenden tele- graphischen Meldungen besagen: Die Ausständigen haben fast einstimmig den Ausgleichsvorschlag des Ministers des Innern abgelehnt. Die allgemeine katatonische Arbeitervereinigung kündigte für den 8. August offiziell den Anfang des Generalstreiks an. Mehrere Syndikalisten, welche die Führer des Streiks sind, wurden am Donnerstag verhaftet. Der Belagerungszustand soll verhängt werden. Bis jetzt ist die Ordnung nirgends gestört worden. Die Polizei nahm 23 Streikende fest, die sich vereinigt hatten, um den Generalstteik vorzubereiten. Der Gouverneur befahl die Schließung des OrtsbundeS der Arbeitergesellschaften. Arbeiterinnen verschiedener Berufe fingen heute früh an, sich für den Streik zu erklären. Ihre Zahl nahm am Nachmittage zu. Die Streikenden gehen in kleinen Trupps umher und fordern die Arbeiter auf, sich dem Streik anzuschließen. Streikende zwangen ein Elektrizitätswerk zur Einstellung der Arbeit. Der Gouverneur ließ 18 Anarchisten festnehmen. Eine Abordnung von Arbeitern bat einige Persönlich- lichkeiten in der Stadt um Hilfe. Die Ordnung ist bi! jetzt aufrechterhalten ivorden. Soweit die telegraphischen Meldungen. Danach ist also die Ord- nung durch die Streikenden nicht gestört worden. Höchstens könnte man das von dem Eingreifen der Polizei erwarten. ver AerftardeUerltreiK. Verbandstag der Metallarbeiter. Berlin, 8. August. Im„Gewerkschaftshaus" traten heute vormittag die Tele- gierten zur außerordentlichen Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes zusammen, um zur Werftarbeiter- bewegung Stellung zu nehmen. Als Gäste wohnen der Tagung zahlreiche Vertreter ausländischer Organisationen, die an dem Internationalen Metallarbeiterlongreß teilgenommen haben, bei. Verbandsvorsitzender Schlicke- Stuttgart hieß die Teilnehmer herzlich willkommen. Er spricht die Erwartung aus, daß die De- legierten sich bei der Beratung von dem Gedanken leiten lassen, die Interessen des Verbandes in jeder Beziehung zu wahren. Bei der Konstituierung der Generalversammlung werden Cohen-Berlin und B r a nd e s- Magdeburg als Vorsitzende gewählt; Schlicke! hatte verzichtet. Zur Festsetzung der Tagesordnung wurde von einer Reihe Delegierter beantragt, als zweiten Punkt der Tagesordnung zu setzen: Abänderung des§ 38 Abs. 11 des Statuts, der bestimmt. daß bei Lohnbewegungen die Entscheidungen des Vorstandes bin- dend sind,„wird gegen den Beschluß des Vorstandes die Arbeit niedergelegt, so verzichten dadurch die Mitglieder auf jedwede Unterstützung". Seizjnger- Mannheim begründete den Antrag mit der Notlvendigkeit, eine Abänderung dieses Paragraphen vorzunehmen. Schlicke wendet sich aus formellen Gründen gegen den Antrag. Der Antrag wird mit 68 gegen 46 Stimmen abgelehnt. GewerKIcKaMicKes. Der Generalstreik in stlailancl. Rom, den 6. August.(Eig. Ber.) Seit dem 4. August haben die Syndikalisten wieder einen Generalstreik in Mailand proklamiert, der offiziell den Zweck ver- folgt, die Unternehmer der Werkstätten für Eiscnbahnmat-erial, in denen seit Mite Juni gestreikt wird, zum Nqchgebcn zu zwingen. Obwohl sich die Arbeiterkammer offiziell der Bewegung fernhält, umfaßt diese fast alle Schichten der Arbeiterschaft. Bis jetzt halten sich nur die Bäcker, Buchdrucker und das Personal der interprovin- ziellen Bahnen von dem Streik fern. Von den städtischen Tram- bahnen tun nur 25 Wagen Dienst. Es läßt sich nicht verkennen, daß die Mailänder Bewegung immer mehr einen anarchistischen Charakter annimmt. Die Streikenden werden von den Führern der Bewegung immer wieder aufgefordert, der Gewalt der Polizei Gewalt entgegenzustellen und die Bourgeoisie zu terrorisieren. Es ist auch bereits zu ernsten Konflikten gekonimen, so in S. Celso, wo die Streikenden emen Kutscher, der einen Wagen mit Eis führte, nötigen wollten, diesen zu verlassen. Die von einem Major kommandierten Truppen wurden mit Steinwürfen aufgenommen, wobei ein Karabiniere namens Grinfia, der durch emen Steinwurf verletzt worden war, einen Revolverschuß abgab. Durch den Schuß wurden zwei Demonstranten verletzt, anscheinend aber nicht schwer. Die Situation ist derartig, daß jede Stunde eine Wendung und die ernstesten Komplikationen bringen kann. In der öffentlichen Volksversammlung, die gestern im Parco Nuovo statt- fand, sprachen außer den Syndikalisten Z o c ch i und De A m b r i S auch der Anarchist Enrico Malaie st a, der, nach langem Exil aus London eben in sein Vaterland zurückgekehrt ist. Die Arbeiterkammer hat ein Manifest veröffentlicht, in dem sie ihre Mitglieder auffordert, sich in den Streik zu fügen. Durch diese Haltung will man Konflikten unter der Arbeiterschaft vorbeugen, die unvermeidbar wären, falls die der Arbeiterkammer angeschlossenen Arbeiter die Arbeit fortführten. Allerdings fehlte es nicht an solchen, die diese Taktik vertraten, aber man sah von ihrer Annahme mit Rückficht auf die große Gefahr neuen Bruderzwistes ab. Diese Haltung der Arbeiterkammer verhinderte übrigens nicht, daß die Syndikalisten sie in der gemeinsten Weife begeifern und beschimpfen. Der„Avanti" erklärt in seinem Leitartikel, der Bewegung mit lebhafter Sympathie gegenüberzustehen, obwohl er grundsätzlich von den syndikalistischen Methoden abwei/che. Mt Recht konstatiert das Blatt, daß die EntWickelung des Syndikalismus in Mailand eine Folge der ausschließlich reformfistischen Richtung des dortigen Sozialismus ist. In der Tat hat sich die Arbeiterschaft dem Syndikalismus zugewendet, als der Sozialismus gar zu flach und platt und prakttsch geworden war. * Die gegenwärtige Situation in Mailand beleuchtet dies Tele- a m m unseres Korrespondenten: Die Situatton ist andauernd ernst, die Zahl der Ausständigen wächst beständig. Vor den Fabrikeingängen sammeln sich die Streikenden. Kavallerieattacken werden gegen die Ausständigen geführt. Ben diesen find viele verwundet, aber auch von den angreifenden Soldaten find mehrere durch Steinwürfe verletzt- 200 Personen find verhaftet. Die Syndikalisten erwägen die Proklamierung des Genoralstreiks in ganz Italien. Die Arbeiter- kammer mißbilligt die syndikalistische Agitation, kann sie aber nicht hemmen. G i o l i t t i hat es abgelehnt, den Präfekteu zu einem Vermittelungsverfuch aufzufordern, da der Streik aus einer gewerkschaftlichen zu einer polittschen Bewegung geworden sei. Berlin und Smgegrnd. Maßregelung eines Fabrikangestellten. Einer Einladung des Verbandes der Bureauangestellten folgend, hatten sich am Donnerstag die Angestellten der Bergmann- Elektrizitätswerke versammelt. Wie der Referent Giebel ausführte, hat diese Firma einen Angestellten sofort entlassen, weil er anscheinend eine Kollegin gewarnt haben soll, ihre Rechte durch kleines Feuilleton. Die neuen Trinkwasseranlagen New Aorks stellen eine der be- deutendsten und interesiantesten Schöpfungen der Wafferbaukunst dar. Sie haben die riesenhafte Aufgabe, eine Bevölkerung von über 5 Millionen Menschen, die außerdem alljährlich um 140 000 Seelen zunimmt, mit Wasser zu versorgen. Die seitherige, 75 Kilometer von New Dort entfernte Anlage bei Kroton liefert täglich V/t Millionen Kubikmeter; dagegen wird die neue, in einer Ent- fernung von 144 Kilometern in den Katskillbergen gelegene Anlage 2'/« Millionen Kubikmeter pro Tag nach New Nor? bringen. Es steht demnach auS beiden Anlagen zusammen ein tägliches Quantum von 3�/« Millionen Kubikmeter Wasier zur Verfügung, das sind pro Einwohner 750 Liter, eine sehr reichliche Versorgung. Indes wird die neue Anlage nach völligem Ausbau allein 3,4 Millionen Kubik- meter liefern können. Das gesamte WaffergewinnungSgebiet nimmt eine Fläche von 2300'Quadratkilometer ein. Es besteht aus vier Bezirken, von denen zurzeit erst einer ausgebeutet wird. DaS ihm entströmende Waffer wird in einer riesigen Talsperre, deren Sperrmauer 1418 Meter lang und 58 Meier hoch ist. und die 585 Millionen Kubikmeter Wasser zu soffen vermag, angesammelt. Vergleichshalber sei erwähnt, daß die llrftalsperre in der Eifel 45 Millionen Kubikmeter faßt. In einer langen, durch zwei Reservoire unterbrochenen Leitung ktrömt nun das Wasser nach New Aork. Die dabei zu überwindenden Schwierigkeiten— Durchbohrung von Bergen, Unterführung unter Flüsien— waren enorm. Eine besonders bewunderungswürdige Leistung stellt die Unter- tunnelung des Hudsonflusies dar. Man mußte dabei bis zu über 300 Meter Tiefe vordringen, weil erst in dieser Tiefe Felsgrund, der nötig war. um den riesigen Druck des Wassers auszuhalten, zu erreichen war. Es wurde an jedem User ein senkrechter Schacht' von 4,3 Meter Durchmesser bis auf 335 Meter Tiefe gebohrt„nd dann die Enden der Schachte durch einen wagerechlen Tunnel verbunden. Eine Vorliellung von dem Druck, den die Wände des Tunnels aus- zuhalten haben, gibt vielleicht die Mtteilung. daß dieser Druck in dem Ouertunnel 44 Kilogramm pro Quadratzentimeter beträgt, während in den Lokomonvkeffeln die Wandungen nur einem Druck von 12 Kilogramm pro Ouadratzentimeter ausgesetzt sind. Geistliche als Schauspieler. Eine Studie, die Jarro in der „Nazione" über die alten Theater in Pistoja veröffentlicht, macht interessante Mitteilungen über die mimische Beteiligung der Mit- glieder des Klerus am Theaterleben. Mönche und Bischöfe bauten nicht nur Theater und waren an dem Ertrage des Bühnenbetriebes beteiligt, sondern nahmen auch keinen Anstand, die Geschäfts- führung persönlich in die Hand zu nehmen.' So war bei- spKlsweise der Kanonikus Balthasar Panchiatichi der Direttor de« Opern- Unternehmens, das einige Edelleute PistojaS ins Leben gerufen hatten. Daß die Geistlichen im übrigen auch zu den besten Besuchern deS Theaters zählten, erhellt auS der allgemeinen Gepflogenheit, ihnen ermäßigte Eintritts- preise zu bewilligen. In einem Bericht über das Theater von Pistoja schreibt ein Schriftsteller im Juli 1732:«Ich will Euch etwas verraten, das überall gewaltiges Aergernis erregen wird: in unserem Theaterorchester spielen zwei Priester mit. Der eine ist der Pfarrer von Brunetli, der den Kontrabaß streicht, und der andere ist der Pfarrer von Giaeomelli, der die Trompete bläst. Unter den Geigern befinden sich ferner ein Sohn des Maestro di Cappella und ein Abbs au« Tronei.' Und an einer anderen Stelle kommt er noch einmal auf die Angelegenheit mit den Worten zurück:„Das Orchester ist gut, es spielen in ihm auch zwei Patres aus Badia mit." Erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde den Geistlichen streng verboten, m Orchestern oder bei Tanzvergnügungen zu spielen und das Theater zu besuchen. Natürlich ließ sich den geistlichen Herren nicht jedes mimische Gelüste verbieten. Auf den Kanzeln fand es immer noch eine Freistatt, und überall findet seit hundert Jahren und länger das Wort des Goetheschen Faust schmunzelndes Verständnis:„Ja, wenn der Pfarrer ein Komödiant ist, wie das denn wohl zu Zeiten kommen mag'. Humor und Satire. Die Götzen. Herr Zufall und Frau Mode, Euch sing' ich diese Ode! Nur euch auf dieser Erde Gehorcht so Hirt als Herde; Als wahre Herrn der Welten Verwerft ihr und laßt gelten! Man soll Altäre zünden Und eure Allmacht künden, So wie's gebührt im Leben Den Göttern, die da geben! Und wenn die Kerzen brennen Dann sollen laut bekennen Und preisen die Beschenkten Euch, die es also lenkten! Soviel sei euch gelasien. Ich aber will euch Haffen. Heiß hassen bis zum Tode. Herr Zufall und Frau Mode! Hanns von Gumppenberg (in„Licht und Schatten"). Notizen. ,r.~ Theaterchronik. JmJosefKainz-Theater am ? Wannse« werden heute nachmittag erstmals die beiden Schaferspiele der Zopfzeit: Gellerts. Sylvia'und Goethes „Laune des Verliebten' aufgeführt. Am Sonntag(zu volkstümlichen Preisen) nachmittags 6 Uhr:„Iphigenie"; Wieder- holung der Schäferspiele nachmittags 3 Uhr.— Vorbereitet werden Hebbels„GygeS und fein Ring". Eberhard Königs«Gevatter Tod" und Schillers«Die Braut von Messina" mit vielhundertstimmigein Sprechchor.— Im Schiller-Theater Charlottenburg wird die neue Spielzeit am Donnerstag, den 14. August, mit Molnars Komödie«Der Leibgardist" eröffnet, die vorläufig täglich aufgeführt wird. � Graf Hülsen-Haeseler, der Generalintendant, begibt sich, gekräftigt von der Seeluft, mutig auf den Kriegspfad. Er hat der «Deutschen Montagszeitung" wegen eines Artikels den Staatsanwalt auf den Hals geschickt. � Nachtversammlung der Filmdarsteller. An« fang September soll in einer Nachtversammlung, die der Vorstand der Genossenschaft der Kinoschauspieler und der deutschen Bühnen- genossenschast einberufen wird, über die soziale Lage der Filmdar- fteller und über den Abschluß eines Kartells zwischen Bühnengenosscn« schaft und Kinodarstellern beraten werden. — Apparat zur Entdeckung von Metalladern. In Le Havre hat der italienische Ingenieur Ulivi an Bord der Jacht «Henriette" Versuche mit radiobalistischen Apparaten angestellt, mit denen er imstande sein will, auf dem Lande und unter Wasser, selbst auf große Entfernungen Metalladern zu entdecken, sogar deren Mächtig- keit und Art will er bestimmen können. Der Apparat bringt Explosiv- stoffe, die in den Metalladern lagern, zur Entzündung. Genaueres verlautet über die Erfindung noch nicht, lllivi soll bei seinen Ex- perimenten die Wirksamkeit der ultravioletten Strahlen verwenden. Einstweilen wird man die erstaunliche Nachricht mit dem Wunsch nach recht genauen Mitteilungen zu lesen haben. — Die Große Pariser Kun st geWerbeausstellung 1916. Der ftanzösische Ministerrat hat im Prinzip der Organisation der Großen KunstgewerbcauSstellung in Paris für das Jahr 1916 seine Zustimmung gegeben. — Eine Tropf st einhöhle entdeckt. Auf der linken Seite der oberen Donau zwischen Mühlheim und Neuron ist in der StephanShöhle eine neue Höhle mit einer außerordentlichen Fülle von Tropfsteingebilden entdecke worden, die schnell begehbar gemacht wurde. Die Stalagmiten haben eine Höhe von fünf bis sechs Meter. Von der Zensur verboten ivurde der von dem Theater Folies Caprice zur Uraufführung erworbene Schwank„Die Liebesgabe" von Otto Härting und Egon Strasburger. — Landhebung 0 de r Meersenkung? Der Geologe Wittich hat auf der südafrikanischen Insel Magdalena eine erhebliche Acuderung der Uferlinie des Meeres festgestellt. In 210 Meter Höhe fanden sich massenhafte Reste von Seetieren. Auch zeigten alle Höhen ebenso wie die schluchtcn» artigen Täler, Auswaschungen. BrandungSformen, Pilzselsen usw., die sich bis zum Meeresufer fortsetzen. Es steht noch nicht fest, ob sichs um eine Landhebung oder um einen Rückgang de» Stillen Ozeans handelt. Als einziger Tagesordnungspunkt bleibt nun: Die Lohnbewegung auf de» SeeschifsSwcrften. Referent ist Verbandsvorsitzender Schlicke, der zunächst eine Schilderung der früheren Vorgänge auf den Werften gab, denn wenn man die letzten Vorgänge auf den Werften richtig beurteilen wolle, könne man sie nicht losgelöst von den früheren Vorgängen betrachten. So lange wir eine Bewegung hatten, sagte Schlicke, waren die Werftarbeiter nicht nur im Kampfe mit den Unter- nehmern, sondern auch mit den Gesetzen unseres Verbandes selbst. Wir wissen ja, dah der Werftarbeiterverband uns Borwürfe machte, wir wollten ihn tot streiken. Die wilden Bewegungen haben ihn zugrunde gemacht. Diese führten später dazu, eine Zentral kommission einzusetzen. Die Zentraikommission hat aber eigentlich nie ihre Arbeiten richtig erledigen können, sie hatte nicht einmal einwandfreies Material für die Bewegungen. Die Rivalität unter den einzelnen Berufen besteht heute noch. Die einzelnen Berufe gehen oft getrennt vor,- es besteht eine Treiberei untereinander, keiner will der letzte sein. Daher kommt es, daß wir bei den Werftarbeitern fortgesetzt Bewegungen hatten. Die Vorstände mutzten darum beschlietzen, allen Streiks, die als wilde zu be- zeichnen sind, die Zustimmung zu versagen. Das ist in den letzten Jahren öfters geschehen. Bei den Bewegungen ist nicht immer taktisch klug vorgegangen worden. Der Kampf 1910 wurde von Anfang bis zu Ende in vollständigem Einvernehmen zwischen Vorstmrd und Kollegen durchgeführt. Trotzdem hat ein grotzer Unmut Platz gegriffen. 1912 verlangten die Werftarbeiter wieder eine Bewegung. Unser Vor st and mutzte die Zu- stimmung verweigern. Es kostete grotze Mühe, den Kollegen auf den Wersten klarzumachen, dah der Vorstand auch für andere Gruppen noch da ist und namentlich für die rückständigen Gebiete etwas erreichen mutz. Die Kollegen wollten dann für 1919 eine Bewegung, es sollte hierzu eine Werft- arbeiterkonferenz einberufen iverden. Die Vor- stände stimmten dem zu, behielten sich aber an- gesichts der drohenden B a u a r b e i t e r b e w e g u n g und der Bewegung in der Holzindustrie den Zeitpunkt vor. Die Konferenz fand dann statt. Man kam überein, abzuwarten, bis die Lage bei den Bauarbeitern geklärt sei. Als die Bauarbeiterbewegung erledigt war, kamen wir wiederum zu einer Konferenz. Wir wurden uns einig, eine Bewegung in diesem Jahre einzuleiten. Die Vorstände stellten Normen für die aufzustellenden Forderungen auf. Wir gingen mit unserer Normal- Vorlage ziemlich weit, sie war aber unseren Kollegen nicht weitgehend genug. Man meinte, man solle nur mal verhanoeln und sehen, was herauskomme. Wir waren der Ansicht, daß dort, wo die Löhne am geringsten sind, die Erhöhung am grötzten sein müsse. Da kam es schon zu Differenzen Man nahm nirgends unsere Mindestgrenze, sondern überall den höchsten Satz. Ich bin der Meinung, datz die Unternehmer uns viel ernster nehmen, wenn wir den Bogen nicht so straff spannen und dann nachher weit herunter müssen. Wir haben uns ja dann ge- einigt. Die Forderungen sollten örtlich, jeder Werft, e i n g e r e i ch t w e r d e n. Bei den Verhandlungen mit den Unternehmern erklärten diese, daß ihnen die Forderungen viel zu weit gingen; bei diesen Forderungen sei keine Möglichkeit, zu einer Verständigung zu kommen. Bei den späteren Verhandlungen wollten die Unternehmer eine Lohnerhöhung um 2 Pf. gewähren. Sie erklärten dazu, datz die Verhandlungen als gescheitert zu betrachten seien, wenn die Arbeiter diese Zugeständnisse nicht annehmen würden. Ein Teil der Kollegen fahte dies als Ultimatum auf, der Vorstand hatte mit derartigen Erklärungen andere Er- fahrungen gemacht. 1907 und 1910 erreichten wir trotz solcher Erklärungen noch weitere Zugeständnisse. Wir sagten uns Daher, datz es nun Zeit für die Zentralvorstände zum Eingreifen sei, diese sollten sich an die Werften weiioen mit dem Anerbieten zu Verhandlungen über eine zeitgemäße Regelung der ArbeitSverhält- niffe auf den Werften. Der Termin zur Antwort wurde aufden 17. Juli festgesetzt. Da sagte man, wie kommt der Vor st ano dazu, dies über die Köpfe der Strei» kenden hinweg zu machen. Das Statut gibt dem Vorstand die Berechtigung hierzu. Der Vor st and war nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, so zu handeln, wie er gehandelt hat.(Sehr richtig!) Er hat dabei sehr loyal gehandelt, er hat sich mit der Verhandlungskommission ver- ständigt uno er wollte auch die Kollegen durch die Konferenz be- nachrichtigen. Ich muß also mit aller Schärfe zurückweisen, daß der Vorstand zu feinem Borgehen nicht berechtigt gewesen sei. Der Vorstand hätte seine Pflicht verletzt, wenn er nicht so gehandelt hätte. Ich gehöre nicht zu den Scharfmachern, aber eine Bewegung von unten herauf zu machen, das bringe ich auch fertig, das ist keine grotze Kunst. sSehr richtig!) Aber haben wir deshalb 20 Jahre lang Organisationsarbeit geleistet, um zu einer Taktik zu gelangen, die wir uns vor 20 Jahren schon an den Schuhsohlen abgelaufen haben?(Sehr richtig!) Schlicke schilderte nun, wie einzelne Arbeitergruppen ohne berechtigte Veranlassung die Arbeit niederlegten. Es ist die Mei- nung vorhanden gewesen, es müsse unbedingt losgeschlagen werden; man wollte die Vorstände vor eine vollendete Situation stellen, in der es heißt:»Friß Bogel,«der stirb." Das ist nichts als eine Erpressertaktik gegen die Organisation. Ich kann eine Ausregung über momentane Matznahmen der' Unternehmer erklärlich finden, ich kann aber keine Erklärung dafür finden, daß, wenn eine Abteilung infolge der Erbitterung die Arbeit niederlegt, dann die sämtlichen Wersten wlgen. So war es in H a in b u r g und in Flensburg. In Stettin gingen die Nieter auch aus der Werkstatt, ehe die örtlichen Verhandlungen beendet waren. Dies waren nicht bloße Entgleisungen, sondern absichtliche Durch- brechungen der statutarischen Bestimmungen. Die Presse— auch der«Vorwärts"— brachte ein Telegramm des Wolffschen Bureaus, wonach die Unternehmer erklärt hätten, die Verhandlungen seien gegenstandslos. Diese Notiz soll da�u beigetragen haben, die Kollegen zu beunruhigen; diese glaub- ten, datz damit der Termin für die Antwort, der 17. Juli, ver- strichen sei. Da hätten es aber die Unternehmer immer in der Hand, durch eine Pressenotiz unsere Kollegen irre zu machen. Kein Kollege konnte aber darüber im Zweifel sein, daß, ehe wir losschlagen, wir noch eine Werstarbeitcrkonferenz abhalten. Die Entschuldigung mit der Notiz genügt also nicht. Es sind nicht nur die einfachsten Grundsätze der Taktik verletzt, sondern das Sta- tut mit Fützen getreten worden. Ich bedauere, datz ein Teil der Arbeiterpresse die Verhältnisse in unrichtiger Weise bin- gestellt und Stimmung gegen die gewerkschaftlichen Grundsätze gemacht bat.(Zuruf: Weil sie Massenknechte sind!) Gerade weil die Arbeiterpresse für die Masse da ist, hat sie eine um so größere Verantwortung und darf die Dinge nicht tendenziös hinstellen. ES ist gesagt worden. eS kamen nur Formal, en in Betracht. Nein! Wer dies sagt, versteht es nicht oder er redet wider besseres Wissen: Tie Arbeitsniederlegung ist ohne Abstimmung erfolgt. Man hat erst abgestimmt, als die Kollegen draußen waren. Zweifeln Sie da noch daran, datz Sie es hier mit der..Elite" der Arbeiterschaft ,u tun haben?! ES sind also keine Formalien, um Die es sich dreht, sondern Garantien der Rechtssicherheit des Verbandes. Darum mutzte der Vorstand darauf dringen, daß diese Garantien nicht verletzt werden. Es ist von Demokratie geredet worden. Aber gerade diese Kollegen traten die Demokratie zu Böden. Sie hatten das Gesamtinteresse des Verbandes und der gollcgen nicht im Auge. Wir müssen auch, wenn es zu Konflikten «ommt, den Gegnern die Verantwortung hierfür zu,chleben. Das iit unsere alte Taktik, von der abzulassen wir keine Veranlassung haben Wir haben 22 Jahre um die Anerkennung der Organisation gekämpft. 1910 waren alle Arbeiter erfreut, daß es uns ge- lunaen war. zu Verhandlungen �zu kommen. Damals hatten wir oie Macht, weil Vorstand und Mitglieder einig waren. Diesmal laben in dein Moment, in dem unser Brief bei den Unternehmern eintraf, die Mitglieder uns verlassen, Sie haben nun zu entscheiden. Nicht nur darüber., ob der Vorstand richtig gehandelt hat, sondern ob er dazu verp/l'ch- t e t war, so zu handeln. Diese Frage haben Sie zu beantworte«, unbekümmert um Stimmung, die man gemacht hat. Weni«. vre objektiv prüfen, müssen Sic den Kampf aufnchmeil gegen.diejenigen, die sich nicht an Ordnung, an die Vcrbaudsstatnte, unsere Vereinbarungen und Gepflogenheiten halten wollen. bin überzeugt, Sie werden das tun im Interesse unserer Organ,- sation.(Beifall.) Die Diskussion. In der Nachmittagssitzung wurde zunächst beschlossen, je einem Vertreter der beteiligten Orte das Wort zu geben. Als erster Redner sprach Dittmann- Hamburg: Mcoi kann uns nicht oafur verant- wortlich machen, was einzelne tun. Von den Kollegen, die länger der Organisation angehören, kann man sagen, daß sie der Elite der Arbeiterbewegung angehören. Es gibt zu denkeil, wenn man sieht, daß nach Hamburg ein Ort um den anderen in den streik getreten ist. Da mutz man nach oen Ursachen suchen. Schlicke hat nicht von der Erbitterung gesprochen, die seit Jahren bei den Werstarbeitern herrscht. Diese Erbitterung rikhrt daher, daß das. was früher herausgeholt wurde, von den lluternchmcrii nicht ein- gehalten worden ist. D a k a n n m a n das Vorgeben der Kollegen — wenn man es auch nicht billigt�- doch~ ie Akkordlöhne wurden herabgesetzt, die Arbeitszeit künstlich der- läiigert. Aus diesem Umstände heraus ist es erklärlich, wenn die Kollegen nun verlangten, zu ihrem Rechte zu kommen. Im �or- jähre war die Situation günstig; da wölkten die Vorstanoe nicht. (Zuruf: Sie konnten nicht!) In diesem Jahre ist die schönste Hoch- Konjunktur, da sollte nun in den Kampf gekveten werden. D l t t» mann schilderte nun die Verhandlungen aU> der Konferenz der Werftarbeiter, wo sie erklärt hätten, oatz sie ver Ueberzeugung wären, durch Verhandlungen werde u.ichts mehr erreicht. Als die Arbeiter aus dem Betrieb gegangen sind, war eS uns nicht möglich, sie wieder hinzubringen. Ich bestreite, daß wir die Borstände durch die Nieberlegnng der Arbeit zwingen wollten, den Streik zu bewilligen. Wir haben keine>Ver- anlassung, das zu beschönigen, was die Kollegen taten. Wir stOP selber der Meinung, datz es ein schwerer Fehler war; man mutz aber ihr Vorgehen nach all den Schikanen ourch die Unter- nehmer verstehen. Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden. Wir müssen damit rechnen, daß, wenn die Generalversammlung den Streik nicht billigt, die Organisation an der Wasserkante zcr- trüminert ist. Geben Sie dem Vorgehen der Kollegen Ihre Z u st i oi m u n g. Gewiß, der Vorstand hatte einen harten Stand. Darum verlangten wir die außerordentliche Generalver- sammlung. Die Vorstanoe hätten besser ihre Erklärung nicht erlassen, sie haben damit die Bewegung beeinträchtigt.(Sehr richtig?) Die Situation ist aber nicht so schlecht, wie es hingestellt wird. Wir haben ja damit zu rechnen, datz, wenn dre Be« wegung gutgeheißen wird, eine Aussperrung vorgenommen wird.(Sehr richtig!) Ja, diese Gefahr be- stand aber schon früher. Siedarfnichtder Grund sein, Die Bewegung nicht zu unterstützen. Sic können das Vorgehen der Werftarbeiter verurteilen, ich möchte Sie aber bitten, die Bewilligung zu geben, datz die Bewegung weiter geführt werden kann. Garbe- Kiel meinte, die Vorkommnisse in Hamburg zeigten. datz die Dortigen Verbältnisfe nicht gesunde wäre». Wenn mau. bedenke, oatz die Verhältnisse in den Werften sehr schlechte seien, könne man verstehen, datz die anderen Orte Hamburg gefolgt wären. Die Hamburger Kollegen hätten mit der Arbeitsniederlegung«ine Dummheit gemacht, aber eine noch grötzere Eselei sei die Erklärung der Bor stände.(Sehr richtig!) Wir müssen suchen, einen vernünftigen Ausweg zu suchen. Da der Vorstand eine General- Versammlung einberufen hat, um in dieser Frage eine Entschei- dung zu treffen, hätte der Borstand die Pflicht gehabt, die Kol- legen so lange über Wasser zu halten.(Sehr richtig!) Hunger- Stettin wendet sich gegen die Behauptung Schlickes, daß die Werftarbeiter nicht nur gegen die Bmenuhmer, sondern auch gegen ihre Gesetze kämpfen. Die Schwankungen auf den Wersten seien autzerordentlich groß, so datz die Organisations- arbeit autzerordentlich schwierig sei. Wenn die Forderungen der Werftarbeiter zu hoch gewesen wäre», dann hätten die Borstände sagen müssen, sie könnten diese nicht vertreten. Auch die Zentral- werstkommission hätte entschiedener auftreten müssen. Die Akkordverhältnisse seien auf den Werften erbärmlich, die Arbeiter bekämen oft erst nach fünf Wochen Akkordzettel. Diese Mißstände seien die Quelle der Erbitterung. Die Art, wie die Unter- nehmer bei den Verhandlungen vorgegangen seien, hätte»i gezeigt, datz sie nichts bewillige» und eS zum Kamps kommen lassen wollten. Tie vorzeitige Arbeitsniederlegung der Stettiner Nieter � hätten die Verhandlungen mit den Unternehmern nicht beeinträchtigt. Bei der allgemeinen Arbeitseinstellung in Stettin sei korrekt vor- gegangen worden, waS hätten sie anders nach zweimaliger Bei- Handlung tun müssen. Bezüglich Stettins müsse sich sie General- Versammlung von einer gewissen Rücksicht leiten lassen, die Dinge etwas anders beurteilen, als wie bei Hamburg. Für Bremer- Häven und Einswarden habe der Vorstand die Bewegung be» willigt, warum nicht auch für Stettin? Die Stettiner Kollegen hätten sich ebenso wie die Bremerhavener von Solidaritätsrück- sichten leiten lassen. Wenn man sich klar gewesen sei, datz bei den Verhandlungen nichts mehr heraus- komme, hätten die Vorstände die Mitglieder beim Streik nicht verlassen dürfen. Redner glaubt, datz die Vorstände von vornherein einen Kampf nicht woll- ten. Man könne den Kollegen jetzt nicht beibringen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Man müsse nun einen Weg suchen, aus dieser verzwickten Situation herauszukommen. Die Entscheidung sei sicherlich schwer. Die Hamburger hätten statutenwidrig gehandelt. Für einzelne Orte sei noch etwas her- auszuholen, wenn die Kollegen unterstützt würden. Redner bittet, über die Stettiner Bewegung besonders abzustimmen; er sei der Ueberzeugung, datz die Generalversammlung den Stettinern die Unterstützung nicht versagen könne. I ü ii g e r- Vegesack weist darauf hin, datz Schlicke die Zu- geständnisse der Unternehmer selbst als unakzeptabel erklärt habe. Schlicke habe in der Konferenz gesagt, er sei der Ueberzeugung, datz bei dem letzten Schritt, dos Schreiben der Vorstände an die Unter- nehmer, auf das bis zum 17. Juli geantwortet werden sollte, nichts herauskomme. Das müsse man beachten. Die Erklärung der Vor- stände habe nicht im Interesse der Bewegung»elcge». Wenn die Generalversammlung die Bewegung in Vegesack nicht bewillige, wäre die dortige Zahlstelle verloren. K c m p ke n s- Bremerbaven: Es kann konstatiert werden, datz die Haltung des Vorstandeseine versöhnliche war. Dasselbe trifft auf die Ausführungen der übrigen Redner zu. Wir müssen einen Wegfuchen, auf dem sich alle finden können. Es ist ein Fehler, daß min alle Ort« versuchen, für sich etwas herauszuschlagen.(Sehr richtig!) Schlicke sagte, die Forde- rungen seien zu hoch gewesen, er habe aber doch selbst auf die An- regung der Hamburger hin auf der Konferenz erklärt, gut. fordern wir anstatt 7 Pf. S Pf. Lohnerhöhung. Man verurteilt die Ham- burger Kollegen ganz allgemein. Aber wenn man bedenkt, wie sie behandelt wurden, so kann man wohl begreifen, datz sie so impulsiv vorgingen und einen taktischen Fehler begingen. Datz durch Ver- Handlungen von den Unternehmern nichts mehr zu erlangen ist, teht fest und deshalb hätte auch der Borstand anders verfahren ind die Genehmigung zur Bewegung geben sollen. Aufs e n t- 'chiedenste verurteile ich die Erklärung der Vor- tände, bor allem, datz darin gesagt ist, die Be- wegung sei bereits auf dem toten Punkt angelangt. Wenn das die Ueberzeugung des Vorstandes ist, dürste auch uns in Brcmerbaven die Genehmigung nicht gegeben werden Wenn jetzt z. B. die Hamburger in die Werften hineinwollen, wer� den die Unternehmer sagen, das geht nicht, entweder alle müssen wieder hinein, oder wir lassen auch die Hamburger nicht hinein. Wir aber haben doch die Bewilligung des Vorstandes. So geht es also nicht. Wir müssen einen Mittelweg finden, damit es weder Sieger noch Besiegte gibt. Die Generalversammlung mutz erklären, datz der Vorstand zunächst zwar korrekt gebandelt hat, aber im Verlauf der Bewegung hätte eine andere Taktik Platz greifen sollen. schlicke sagte, die Massen und die Führer haben sich leider ge- trennt. Jawohl, aber nicht nur an der Wasserkante, sondern auch '.im Binnenlande, das beweist der Umstand, datz manche Delegierte. dve sonst immer erscheinen, nicht gewählt sind. Dadurch, daß uns in Bremerhaven die Genehmigung zum Streiken gegeben ist, ist bewiesen» datz die Bewegung durchführbar ist; wird also die Gc- nekimlgu.ng auch den anderen erteilt, dann steht es durchaus noch nicht jest, daß wir nichts erreichen werden, sondern mit Erfolg werden toiV dann den Kampf durchführen.(Teilweiser Beifall.) Von F V U e r- Dresden und mehreren anderen Delegierten ist folgende R'esolution eingegangen: «Die Ge-ieralvcrsrmmlung erklärt nach Anhörung der zum Konflikt anläßlich der Werftarbeiterbewegung gemachten Dar» legungen: Der Vorstand war, entsprechend den im Statut unseres Verbandes enthaltenen Bestimmungen, als auch entsprechend der auf verschiedenen Generulversammlungen gefaßten Taktikmatz- nahmen verpflichtet, i>en auf den Schifsswerften in Hamburg, Flensburg, Stettin, Kiel, Vegesack und Bremen ausgebrochenen Streik die Anerkennung zu versagen." B r u h e r- Flensburg wandet sich gegen die Resolution; die Werftarbeiter würden dann Äas Vertrauen zur Organisation ver- lieren und ZOjährige Arbeit tväre umsonst geleistet. Man sollte den Streik jetzt noch nachträglich anerkennen und die Unterstützung nachträglich den Leuten auszahlen. Schömecker- Bremen sucht das Berhalten der Bremer Kol- legen zu rechtfertigen� schlicket Benehmen schien mir eine Recht- fertigung nach zwei Seiten zu sein, sowohl vor uns, als auch vor den Unternehmern. Bor uns wiud es ihm wohl glücken, wie die eingebrachte Resolution zeigt, die wir eigentlich nicht annehmen sollten. S ch n l z- Hamburg(Vertreter der Zentralwerftko mmission): Ich mutz zugeben, datz unsere Forderungen hoch ge- spannt waren;, aber ich meine, datz mit dem Schreiben, das ivns von den Unternehmern am 10. Juli, dem letzten VerhandlungS- tag«-, mitgegeben wurde, noch nicht alle Mittel erschöpft waren. Die Unternehmer hätten wohl noch weiter verhandelt und deshalb haben die Vorstände das Schreiben an die Unternehmer gerichtet, ob sie zu Verhandlungen über eine zeitgeinätze Regelung der Arbeitsverhältnisse auf den Werften bereit sind. Die Berhaitd- lungskommisf.ion erklärte sich mit diesem Vorgehen der Vorstände einverstanden. Bemängelt wurde, daß wir die Parteipreffe nicht unterrichtet hätten. Wir haben das stets getan, die Parteipreffe hat aber daneben noch falsche Mitteilungen aus WolffS Telegraphen- bureau ebenso gebracht wie die bürgerliche Presse.— Der Redner geht dann auf den Verlauf dar Arbeitseinstellung in Hamburg ein, den er im allgemeinen ebenso schildert, wie Schlicke es getan hat. Dadurch ist die Beweg rng auf einen Punkt gc- schoben, datz der Vorstand sie nicht weiter führen kann; das ist nur möglich. wenn die Mitglieder einig sind mit dem Vorstand.— Der Redner schildert dann die Borgänge in Vegesack. Bremerhaven und Einswarden. Bei eiijer so weit verzweigten Bewegung mutz Disziplin herrschen, sonst ist eine solche Bewegung gar. nichl durchzuführen. Das mutz Den Kollö�en klar gemacht werden. Was soll zetzt geschehen, ist die Frage. Dße>-ache ist so verfahren- datz mit einer Weiter- sührungHer Bewegung nichts zu erreichen ist; des-, halb sollten wir Schluß damit machen. Natürlich kann dann die Bewegung auch nicht in Bremerhaven allein weiter geführt werden. Damit schlieft die Diskusfion für heute. Ju einer persönlichen Bemerkung weist Schlicke zurück, datz er gesagt habe, die Forderungen der Werstarbeiter seien exorbitant hcch. Das sei eine Aeutzemmg der Unternehmer gewesen, die er berichtet habe. 0 7- Bu se. Bielefeld beantragt, damit volle Klarheit geschaffen. werde, solle morgen der Borstand in geschlossener S i tz u ng über oen Stand der Streikbewegung berichten. Dieser Antrag wird angenommen. Hierauf werden die Verhandlungen um 8 llhr abends auf morgen vertagt._ Zlerliimdsiag der Tsbakmbeiter. Heidelberg, 7. August. Während die StatutenberatungSkommisfion ihren Arbeiten oblag. wurden vom Plenum die besoldeten Anstellungen der Gauleiter in den Gauen II. III und V sanktioniert und die an den VerbandStag gerichteten Beschwerden einer Atizahl Mitglieder erledigt. Darauf referierte Redakteur Niendorf über: DaS HausarbeitSgeseß»nd dir Tabakindoßrie. Er legte dem Referat folgende Resolution zugrunde: «Der Verbandstag erklärt, datz das Hansarb-itsgesetz in der vom Reichstag und vom Bundesrat beschlossenen Mzrm den An- sprüchen, die an einen durchgreifenden Schutz der Hausarbeiter und der öffentlichen Gesundheit gestellt werden müflen, nicht genügt. Ter Verbandsrag erwartet, datz die KZ 3 und 1 des Haus« «heitSgeietzeS möglichst bald in Kraft treten. Der Verbandstag spricht sein Bedauern auS. datz bis jetzt noch keine F a ch a u s f ch ü s s e auf Grund des Gesetzes eingerichtet sind. Für die Tabalindustrie sind Fachausschüsse wegen der ver- schiedenartigen Entlohnung und aller besonderen Zustände in der .Hausarbeit gegenüber der Fabrikarbeit dringend nötig. Die Einrichtung von Fachausschüssen darf deshalb nicht länger ver» zögert werden. Im übrigen spricht der VerbandStag den Wunsch nach einem besonderen Gesetz auS betreffend die Hausarbeit in der Tabakindustrie." Der Referent ging davon auS, datz die Tabakindustrie zirka 40 000 Heimarbeiter beschäftigt. Da ist es natürlich, datz die Tabak- arbeiler ihr besonderes Augenmerk auf die Hausarbeit richten muffen._ Die Tabakarbeiter rangieren denn auch mit unter den ersten, die eine gesetzliche Regelung der Hausarbeit für sich in An- Much genommen haben. Sie trugen nicht unwesentlich dazu bei, datz jetzt endlich ein HauSarbeitSgesetz zustand« gekommen, obwohl sie prinzipiell auf den, Standpunkt stehen, ein generelles Verbot der Hausarbeit zu fordern. Der Referent bält auch heute noch em solches Verbot für durchführbar. Da e» aber brs sttzt nicht erreichbar wurde, patzt der Tabakarbeiterverband sich wenn nottg den jeweiligen Situationen an. indem er si» /uf das'» der Sozral- polttik jeweils Erreichbare beschränkt. Er dat ssch deshalb auch um die Einheitlichkeit nickt zu gefährden, auf dem letzten Hermarbeiter- fchutzkongretz der Forderung nach einem HauSarbeitSgesetz an» geichwssen....... dMt parlamentarischen Gang deS Zu- stondekommens dieses Geletz-s und«wg dann dazu über, die im Rahmen desselben durchlührbaren Forderungen der Resolutron zu � Di�Resolution wurde e r» st i m m i g augenommen. Serickts-TeiNlng. Gemein. Nnaerechterweife deS Diebstahls bezichtigt hatte der Höudler und Flrischermeisser Johannes Zahn xjne Kellnerin, weshalb er vom Landgericht Stettin am 0. Marz wegen falscher Anschuldigung zu 8 Monaten GesangniS verurteilt worden ist. Der Angeklagte war Angestellter einer Berliner Firma, kür die er als Viehhändler tätig war. Eines Tages hatte er von dieser Firma für einen grötzere» Biehkauf 4900 M. gesandt erhalten. In der Gastwirtschaft von J, in der er eingekehrt war, behauptete er plötzlich, die Kellnerin habe ihm daS Geld gestohlen. Er holte sogar einen Sehllchman» herbei 5 Chaimec-Str. Nr. und ließ den Name» der Kellnerin feststellen. Nach einiger Zeit aber fand seine Frau das ganze Geld i» Scheine« im Futter eines RockeS eingenäht vor. Als dies zu Ohren der Polizei kam, die sich noch immer mit dem Diebstahl beschäftigte, wurde die Angelegen- beit weiter untersucht. Das hatte die erwähnte Verurteilung des Angeklagten zur Folge. Im Untersuchungsgefängnis zu Wolliu. wo der Angeklagte wegen betrügerichen Bankerottes sah, gestand er ein, daß er die ganze Gelddiebstahlsgeschichte nur erfunden habe. In der Verhandlung suchte der edle Flelschermeister sich mit sinnloser Bezechtheit zu entschuldigen. Seine gegen die Verurtei- lung eingelegte Revision wurde am Donnerstag vom Reichsgericht verworfen. Der Wert der Kiuderaussagen vor Gericht wurde wieder einmal durch einen Fall illustriert, der unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Seelert die Ferienstrafkammer des Land» gerichtS III beschäftigte. Wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit war der Bäcker Karl Wegner angeklagt. Der Angeklagte besaß im Norden von Berlin in einer größeren Laubenkolonie eine Laube. Er hielt mit seinen Nachbarn stets gute Freundschaft, insbesondere mit einem Ehepaar K., welches eine drei- jährige Tochter besaß. Im Frühjahr d. I. ging diese Freundschaft in die Brüche, nachdem der Angeklagte die NachbarSfrau eines TageS mit einem anderen Manne in einer verfänglichen Situation über- rafcht hatte. Es kam zu einem allgemeinen Krach, der den i'nge» klagten veranlaßte, seine Laube zu verkaufen. Plötzlich trat die Frau K. mit der Behauptung hervor, W. habe sich vor zwei Jahren an ihrer damals dreijährigen Tochter unsittlich vergangen. Vor der Polizei vernommen, schilderte das jetzt fünfjährige Mädchen die Tat in allen ihren Einzelheiten, nachdem eS offenbar von der Mutter vorher befragt worden war, ob SS. nicht das und das mit ihr gemacht habe. Dieses suggestive Fragen führte dazu, daß das Kind, in der bekannten Sucht sich wichtig zu tun, schließlich in scheinbar glaubwürdiger Weis« seine Angaben machte. Der Ange- klagte, der inzwischen in Konstanz eine gute Stellung gefunden batt«, wurde aus dieser Herausgeriffen und aus Grunld eines Haft- befehls nach Berlin transportiert. Vor Gericht bestritt er mit aller Entschiedenheit, sich irgendwie an dem Kinde vergangen zu haben. Der Staatsanwalt hielt die Aussage des Kinde« für glaubwürdig und beantragte eine Ge- rängnisstrafe von 9 Monaten. Rechtsanwalt Dr. Harrp PincnS hielt die Freifprechnng des Angeklagten für unbedingt geboten, da eS sich hier offenbar um eine dem Kinde suggerierte Angabe handele und man keinesfalls der Ausjage eiueS fünfjährigen Kindes über einen angeblich zwei Jahre zurückliegenden Fall irgendwelchen Wert bermeffen könne. Das Gericht folgte diesen Ausführungen in vollem Maße und erkannte gegen den Angeklagten auf kostenlose Freisprechung SantionSschwindel. .Detektivinstitut des Westens" nannte der Kaufmann Karl Stietmann ein Unternehmen, welches angeblich zur Ausbildung von Detektiven, in Wirklichkeit aber zur Maskierung eines gemein- gefährlichen Kautionsschwindels gedient hatte. Wegen versuchten Betruges in acht und vollendeten Betrüge» in neun Fällen hatte gestern die 1. Ferien,'ttafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichisdirektors Jacvb gegen den schon mehrfach vorbe- srnaften Angeklagten Klietmann zu verhandeln.— Der Angeklagte ist offenbar ein vielseitiges Genie: er war nacheinander Rechts- anwaltsschreiber, Krankenpfleger, Hausdiener. Reisender. Rechts- konsulent, Hausverwalrer. um dann schließlich ein Detektiv- und Jnkaffobureau in Wilmersdorf aufzumachen. AIS dieses Unter» nehmen keinen Gewinn abwarf, nahm er, um seine Finanzen zu verbeffern, zu dem bald.nicht mehr ungewöhnlichen" Mittel des Kautionsschwindels seine Zuflucht. Er mietere größere Bureau- räume und erließ Inserate, in welchen er sich als Inhaber d«S „Detektivinstituts des Westens" zur Ausbildung von Detektiven und nebenbei zur Erledigung diskreter Angelegenheiten empfahl. Er iand auch wirklich wieder genügend Vertrauensselige, die sofort bereit waren, ihre gesamten Ersparnisse zu opfern in der Hoff. nung, sich später eine gute Existenz gründen zu können. So nahm der Angeklagte u. a. einem Heizer Egermann. der sich plötzlich von seiner Kohlenschaufel weg zum«Herlok Holmes berufen fühlte, ins- gesamt 2000 M. ab und machte ihn zum.Teilhaber". Der Ver. trauenSselig« ließ sich auch noch verleiten, den Mietskontrakt mit zu unterschreiben, so daß er später von dem Hauswirt für die nicht unbeträchtliche Miete in Anspruch genommen wurde. Als E. schließlich sah. daß er keine andere Beschäftigung erhielt, als auf ZeitungS- annoncen zu antworten, schöpfte er Verdacht und erstattete Anzeige. Jetzt stellte eS sich heraus, daß der erfinderische.Tetektivlehrer" auch mehreren anderen Personen Beträge von Lll bis 300 M. ab- genommen hatte. Wie der Borsitzende in der Urteilsbegründung zum Ausdruck brachte, sei das Gericht der Ansicht gewesen, daß der- artige Schmarotzerpflanzen, die nur auf dem Boden der Großstadt gedeihen, mit allen Mitteln ausgerottet werden müßten.� Das Urteil lautete deshalb dem Antrage des Stocttsantvalts gemäß auf 1 Jahr und 0 Manate Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust. Außer- dem wurde der Angeklagte safart verhastet. Wann endlich wird die Vertrauensseligkeit zu KautionZschwind- lern aufhören! Der rachedurstige Malermeister. Auf dringende» Ersuchen des Malermeisters Sckert in Bochum hatte vor drei Jahren ein Malergehilfe, der wegen eines Unfalls krank feierte, aushilfsweise einige Arbeiten verrichtet. Auf den Einwand des Gehilfen, daß er mit der Krankenkasse in Differenzen gerate, hatte der Meister die beschwichtigende Zusage gegeben, daß er das mit dem Äassenvorstand schon in Ordnung bringen werde. Bei der Maleraussperrung erinnerte sich der Meister, oaß er von einem Gehilfen, der jetzt der örtlichen Bewegung vorstand, damals aus der Rot geholfen worden war; dankbar, wie verschiedene Menschen einmal find, ging er hin und zeigte den Gehilfe« wegen Betrugs au. Die Strafkammer Bochum hatte sich in der Be- rufungsinstanz mit der Sache zu beschäftigen. Es wurde fest- gestellt, daß eS sich um einen Racheakt handele, und daß der Meister auf die Einwendungen des Gehilfen ausdrücklich erklärt habe, daß er die Sache mit dem Koffenvorstand in Ordnung bringen werde. Ein Schaden war der Kasse nicht entstanden, da das Krankengeld zurückerstattet war. Die Strafkammer bestätigte das Urteil des Schöffengerichts, das mit Rücksicht darauf, daß ein Racheakt vorliege, auf nur 3 M. Geldstrafe erkannt hatte. Recht zweifelhaft ist, wie wir aus Anlaß eines anderen Ur- teils früher darlegten, ob überhaupt in solchem Falle mit Recht da» Vorliegen eines Betruges angenommen ist. War der Ange- klagte erwerbsunfähig, fo hatte er Anspruch auf Krankengeld. Er verschaffte sich also unter keinen Umständen einen rechtswidrigen Vermögensvorteil. Arbeitete er dennoch, so konnte gegen ihn mit Ordnungsstrafe vorgegangen und von der Kasse auf Rückzahlung geklagt werden. Das Arbeiten kann nach keiner Richtung hin einen Betrug vollenden. Anders kann die Sachlage liegen, wenn Erwerbs. Unfähigkeit vorgetäuscht wurde. Von den möglichen strafrechtlichen Folgen abgesehen, kann einem erkrankten Arbeiter mit Rücksicht auf Beschleunigung der Heilung von nicht notwendiger Arbeit nur ab- geraten werden. Er schädigt durch solche sich und die Kaff«. Ausfällig ist, weshalb nicht der Malermeister wegen Ansttstung zum Betrug mitangeklagt wurde. Versammlungen» Zeutralverdand der Töpfer. Arn Donnerstag nahmen die Mi- glieder der Filiale Berlin den Bericht von der zehnten Generalver- sammlung in Leipzig entgegen. David führte aus, daß diese Tagung eigentlich eine Enttäuschung gebracht hat. Habe man vordem ge- hofft, in neuem Fahrwasser segeln zu können, so ist diese Hoffnung nicht eingetroffen. Der Gedanke eine» keramischen Zenttawerbandes habe sich leider noch nicht erfüllt. Die zu überwindenden Schwierig- ketten, namentlich mit dem Glasarbeiterverband, machten die Grün» dung vorläufig zunichte. Mt dem Porzellanarbeiterverband aber könnte schon in absehbarer Zeit etwas geschaffen werden. Einen entgegengesetzten Standpunkt vertrat Lehmann, der sich einem keramischen Verband gegenüber ablehnend verhält und der Ansicht ist, daß ein kleineres Uebel die Verschmelzung mit den Bauarbeitern sei. Im übrigen hätte noch kein Verband so negativen Erfolg gezeitigt wie der Leipziger. Ein Antrag, hierüber die Diskussion zu vertagen, bis die Pro» tokolle erscheinen, wurde angenommen. S e g a w e gab sodann den Geschäftsbericht für das zweite Quartal. Besonders betonte er. daß durch das jetzige tariflofe Ar- beilen in Berlin auch keine schlimmeren Verhältnisse eingerissen find, als vordem waren. Dem Verbände find aber nicht durch einen schlechten Tarisabschluß die Hände gebunden.— Der Mitgliederbestand ist den ungünstigen Verhältnissen entsprechend nicht sehr glänzend. Zurzeit beträgt er ISOS. Die Arbeitslosigkeit ist im Ber« hällnis zum vorigen Jahr noch größer geworden. Momentan sind S1>/z Proz. der Mitglieder ohne Beschäftigung. Der von Rapputan gegebene Kassenbericht zeigt eine Ge» samteinnahme von 10 607,71 M. und eine Ausgabe von MI 3,20 M. Das Vermögen der Berliner Filiale bettägt 13 721,40 M. Nach längerer Diskussion über den Bericht wurde ein Antrag, auS der heizungstechnischen Kommission auszutreten, angenommen, da sie das Erwartete nicht erfüllt Hab« und die Verbandsinügliedschaft in dieser auch mit größeren Geldkoste« verknüpft ist. Weiterhin beschloß man. aus finanziellen Gründen die Anstellung d«S dritten OrtSbeamten fallen zu lassen. Au« gleichen Ursachen wurde ein Antrag, den Bauverttauensmänoern für die Sitzung 1 M. Eni- schädigung zu geben, abgelehnt. In den Zenttalvorstand wurden darauf Lmz und Brückmann gewählt. Hu 9 aller Welt. Neu» aviatifche Leistungen. Der Etrich-Flieger Friedrich stieg am Freitag früh 4 Uhr 80 Minuten in Johannisthal mit Passagier zum Fluge nach Königsberg auf, das er auch nach einer 1% stünoigen Zwischenlandung in Sckneidemühl glücklich erreichte. Er hatte teilweise unter stürmischem und regnerischem Wetter zu leiden. Jedoch hat er die Absicht, seinen Flug am Freitag noch fortzusetzen, um womöglich Tilsit oder Memel zu erreichen. Die Strecke Johannisthal-Königsberg beträgt über 500 Kilometer. Bis Tilsit wären es 670 Kilometer.— Eine höchst bedeutsame Leistung hat der französische Flieger C a v e I i e r vollbracht, der seit dem 29. Juli täglich auf der Strecke Etampes-Gidy Rundflüge unternahm, um den Michelin-Pokal für dieses Jahr in seinen Besitz zu bringen. In neun aufeinanderfolgenden Tagen hat Cavelier eine Strecke von 7096 Kilometern zurückgelegt. Das sind pro Tag 788 Kilometer. Vermutlich wird diese Leistung kaum überboten werden, da es günstiger Witterung für eine Reihe von aufeinanderfolgenden Tagen bedarf, um ein solches Re» sultat erzielen zu können. Der für Cavelier in Aussicht stehende Preis beträgt 40 006 Franks. Zwanzig Jahre Zuchthaus wegen... Feigheit. Rom, den 6. August. Bor dem Kriegsgericht von B e n g a s i wurden am 2. d. M. drei Soldaten zu je 20 Jahren Zuchthaus ver- urteilt, weil sie sich bei einem Beduinenangriff feige gezeigt haben sollen. ES handelte sich darum, das Laftaiuoniobil eine» Mailänder Kaufmanns zu eskortieren. Bei der Fahrt wurde das Automobil von Beduinen überfallen, die zwei Soldaten und den Kaufmann töteten und einen Offizier schwer verletzten. Die Angeklagten ver- ließen darauf die Stätte des Konflikts, angeblich, um Hilfe zu rufen. Das Kriegsgericht hielt aber dafür, daß die Soldaten sich seige gezeigt hätten und verurteilte sie zu der angeführten bar- barischen Strafe.— Es gehört zu dem Widersinnigsten in dem an Widersinn so reichen Mllitärrecht, daß man Personen schwer bestraft, weil ihnen gewisse Eigenschaften fehlen, die sich aus- schließlich aus der Beschaffenheit ihres Nervensystems ableiten. Wenn ein Offizier in der Gefabr den Kopf verliert, so kann man sagen, er taugt nicht zun, Offizier und es hat vielleicht einen ge- wissen Sinn, ihn zu bestrafen, da er sich eben eine andere Laufbahn wählen konnte. Welchen Sinn hat es aber, furchtbare Strafen über Soldaten zu verhängen, weil sie kein kaltes Blut bewahren. wenn man die Leute ungefragt in die Uniform steckt und ihnen Leistungen abverlangt, denen sie nicht gewachsen sind? Tafelrundliches aus Rom. Rom, den 6. August.(Eig. Ber.) Ein deuffcher Re- ferendar ist soeben in Rom wegen Sittlichkeitsverbrechens zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Mann hatte sich in einem dem Publikum zugänglichen Lokal in einer Weise betätigt wie seinerzeit der alte Eulenburg. An sich ist ja der homosexuelle Verkehr in Italien nicht strafbar: die Straf- barkeit erwuchs hier aus der Oeffentlichkeit der Tat. Die Betet- ligten, zwei junge Telegraphenboten, wurden unber Anwendung der bedingten Verurteilung zu wenigen Tagen Gefängnis verurteilt. Bei dem Prozeß kam zur Sprache, daß die zahlreichen homosexuelle» Ausländer, die Rom mit ihrer Anwesenheit beehren, sich oft Tele- gramme schicken lassen in, der Absicht, dadurch die jungen Tele- graphenboten in ihre Wohnung zu locken. Durch seine Gesetz- gebung hat Italien das Utmlück. Degenerierte in großer Zahl an- zuziehen, was! besonder» für die halbwüchsigen Burschen der ar- bettenden Klaffen vielfach verhängnisvoll wird. Kleine Notizen. Bahnarbeiter im Tunnel, erfahre». Aus Hagen in West- falen wird vom Freitag gemeldet: Gestern abend fuhr ein Zug der Strecke HerdÄke-Löttrmabausen im Tunnel in eine Rotte ausländischer Arbeiter, von denen drei Mann tödlich verletzt wurden. Durch Absturz vom Schleppkahn ertrunken. Am Donnerstag- abend glitt der Schißfseigentümer Paul Meschke aus Charlotten- bürg auf dem Laufstege seines in der Elbe bei Magdeburg ankern- den Schleppkahnes aus, fiel ins Wasser und ertrank. Die Leiche wurde nach 2S Minuhen gelandet. Die Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Zugunglück in Frankreich. In Velonnes bei Nancy stteßei, am Donnerstag zwei Güterzüge zusammen. Die Maschinen und eine Anzahl Wagen wurden total zertrümmert. Die Zug- f ü h r e r und Heizer wurden sämtlich tödlich verletzt. Sie liegen alle im Sterben. Die übriigen Beamten erlitten leichtere Verletzungen. Pest in Bordeaux. Aus dem-Dampfer„Vdrsailles", der zwischen Casablanca und Bordeaux verkehrt, wurde, ein Pest- f all festgestellt. Es handelt sich um B,U bonrnpest. Der Dampfer wurde unter Quarantäne? gestellte Cholcrafälle in Rumänien. Auf der.rumänischen Botschaft wurde bekanntgegeben, daß in der U m g e b u n g von Bukare st fünf Cholerafäll'e vorgekommen seien, von denen einer tödlich verlief. Absturz eiueS Flieger». Aus Bictor-ia(Britisch Columbia) wird unter dem 8. August gemeldet: Der Flieger John Briant stürzte gestern mit seinem Flugzeug aus 130 Meter Höhe ab. Er war sofort tot. Erdbeben in Per«. Räch einer Meldung aus Lima zerstörte ein Erdbeben am letzten Mittwoch die Ortschaften C a r a v e l i und Ouiracha. Tausende von Personen sind ob» dach los. ES herrscht großes Elend. Spiel und Sport» Arbeiter-Schwimmklub.Neptun- Weiffens«(M. b. A..Sch..B.) Sonnta.,. den 10. August, nachmittags 4 Uhr, VeretnSschaulchwimmen lm Seebad Weihens«. Berliner Alle» AXl. Zur Aussühruaig gelangen: Reigen-, slafilten-, Damen- und Jugendschwimmen. Wasserhallspiel usw. Freunde und Gönner find hierzu sreumdiichst eingeladen. Ballipieltlnb Reinickendorf. Die I. Männermannschast spielte gegen DorwüNS-Friedrichshagen, dabei zetate efttere«in« bedeutende Ueberlegen- heil Do» Resultat von 10:1, Halbzeit 3:1. Am Bormtttag spielte die l. Jugendmannschajt gegen Neuköllner Sperber, auch hier gewann der Rcinickendoner Ball'pielllnb überlegen. Resultat l2:ch Halbzeit 8:0. Der Rieder, chöneweider Arbetter-Durnveretn.Frisch. ssrei� oetanstaltei am Sonnabend, den 9. d. M., eine Mondscheinsahtt mit Musik vom Restaurant Kvsshäuser nach dem Müggelsee und zurück. Absahrt pünttlich 9 Uhr, Fahrpreis 30 Pf. Nachdem Ball im Restaura nt Kysshauler. Gäste herzlich willkomme». Hierzu am Sonnabend Absckhtt eine« Dampfers der Reederei TiSmer, abends 9'/, Uhr, von der SchillstigSbrücke. Di« Freie Turne rlchaft Tempelhof-Mariendorf veranstaltet am Sonntag, den 10. August, ei» gnotzeS Schaulurnen auf dem Spielplatz in Tempelbo!. Roieftratze, hinter dem Birlenwüldchen. Da» Ä. StijrunqSscst de» Bereins sindel am Sonnobeud den IS. August, in LaarS GelellschaitS- hauS in Mattendorf. Chanss-efti. 305, unter Milwlrkung des Berliner llll- Ttto statt. Der Berein ersucht mn zahlreichen Besuch der Arbeiterschast. LxtrsbtlllKer Verkauf von Resten und Einzel- Paaren bestehend aus Schuhwaren aller Art für Domen and Herren utiframniiHRiunmi ijü min - 36-39 4?- Suiuimiwwimmiaoi'��u'uuiimiuiinuumiiiiiuHiHi Friedrich• Siratze Nr. 75 Könlst- Siratze Nr. 25—26 Oronlen- Siratze Nr. 161 Gr. Frankfurier Sir. US litdamer Stratze Nr. 2 luenlzlen- Stratze 19 a Wohlfeile Kinder-Stiefel in vielen Obcrlcdcrsortcn entrale: Berlin C, Jcrufalcmer Strohe 32-35, am Dönhoff-Platz ..,.._....U«l__ t. Kl. n___,__ Ct__ KI, IUI Hanni-Sir. 146 ScfaOnebg., Haupt-Str. 146 Neukölln, Berg-Strafje 25 z �Alkoh�lfpelo�Getränke Franz Abraham Hanb. Meaiina-u.RSmertrank-Kell. C.25 Barlela'r. 8», Fernsp. Kg8t.l3708 Erscheint 2 mal wöchentlich. Si-Si Bestes alkoholfreies Getränk. 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Witto Mqv Maakauerstr. 16 II lllC« fllaA Eck» Ia,I»ifl,I,tz. �Skrartteorflicftcr RedalteursAlfred WielrPP, Neukölln. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlo'g?V�rwS?t, Liuck-drllckcrei u. Verlag?anstolt Paul Singer u-EiL. Berlin SW. Nr. 203. 80. Jahrgang. 2. KtilM des Lawlirts" Knlim AIKsM Sonnabend, 9. Avgust 191. Partei- 5Zngelegenkeiten. An die Bildungsausschüsse und Organisationsleitungen von Groft-Berlin. Unsere Angaben im Abschnitt Gedächtnisfeiern auf Seite 73 des .Leitfadens für die Bildungsarbeit" ergänzen wir durch die Mit- teilung, daß am 27. Januar ISIt 100 Jahre seit dem Tode von Joh. Gottlieb Fichte verflossen sind. Wir empfehlen den Bildungsausschüssen, diese Gelegenheit zu benutzen, um Vorträge halten zu lassen, die die Hörer in das Wesen und die Bedeutung Fichtes und seiner Werke und die Stellung des Philo- sophen in der Geschichte seiner Zeit einführen. Außerdem machen wir nochmals bekannt, daß von jetzt ab das Sekretariat des Bildungsausschujses an jedem Sonnabend von 5 bis 8 Uhr abends geöffnet ist. Diese Einrichtung tritt am Sonnabend, den 9. August, zum ersten Male in Kraft. Der Bezirks-Bildungs- ausschuß Groß-Berlin. Sekretariat: Lindenstr. 2, Hof I. Zur Lokalliste. Im zweiten Kreis steht uns das Lokal Anhaltische Ressource, Möckernstr. 114 lJnhaber Karl Köhler) zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. In Staaken p. 0. U. feiert am Sonntag, den 10. August, der Männerturnverein sein Sommersest und am Sonntag, den 17. August, der gelbe Gewerkoerein der Automatenfabrik sein Stiftungsfest in HornemannS Gasthof. Da das Lokal für die organisierte Arbeiter» schast gesperrt ist, aber versucht wird, in Arbeiterkreisen Billetts um- zusetzen, ersuchen wir die angebotenen Billetts zurückzuweisen. Mit Beginn dieses Monats hat auch wiederum in den Landorten die Zeit der alljährlich üblichen Erntefeste eingesetzt. In der Hauptsache handelt es sich dabei um rein geschäftliche Unter- nehniungen der in den betreffenden Orten ansässigen Gastwirte, be- ziehungsweise Lokalbesitzer und sonstiger Geschäftsleute.� Da nun diese Feste auch von der Arbeiterschaft gern, und mitunter sehr stark besucht werden, richten wir an diese das dringende Ersuchen, stets an der Hand der Lokalliste genau zu prüfen, welche Lokale uns an den be- treffenden Orlen wr Verfügung stehen, um durch Beachtung der Liste unsere Genossen in den Landorlen in ihrem harten Lolalkampf wirksam zu unterstützen. In Hcinersdorf X.B. findet am Sonntag, den 10. und Montag, den 11. August das übliche Erntefest statt. Wir ersuchen, das Lokal von Götze, Kaiser-Wilhelm- und Ecke Blankenburger Straße streng zu meiden. Gleichzeitig wird in Mühlcnbcck am 10. August in vier Lokalen, die der organisierten Arbeirerschaft zu ihren Versammlungen verweigert werden, das übliche Erntefest abgehalten. Unsere zwei freien Lokale sind am Erntefest nicht beteiligt. Wir ersuchen auch hier, die in Frage kommenden Lokale streng zu meiden und sich nur nach der Lokalliste zu richten. Die Lokalkommission. Erster Wahlkreis. Zu dem morgen Sonntag stattfindenden Familienausflug nach Pichclswerder fahren die Züge vom Alexander- platz 8,2S und 9,09 Uhr, vom Bahnhof Friedrichstraße 8,31 und 9.13 Uhr bis Station PichelSbergc. Für Nachzügler Treffpunkt beim »Alten Freund". Vierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 10. August, findet in Menkes Volksgarren, Lichtenberg. Röderstr. 28/29, ein Kinderfest statt. Billetts im Vorverkauf 20 Pf., an der Kasse 25 Pf. Da das Programm ein vorzügliches ist, wird eine rege Beteiligung erwartet. Der Vorstand. Grünau. Mittwoch, den 13. August, abends 9 Uhr, in der Grünen Ecke: Mitgliederversammlung. Vortrag über:»Amerikanische Kulturvcrhältnisse." Bericht von der Generalversammlung von Groß- Berlin. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, die noch ausstehenden Bibliotheksbücher abzugeben. Rcinickciidorf-West. Heute findet das Sommerfcft deS�Wahl- Vereins im Lokal von Hartmanns Brauerei, Inhaber Beier,«scharn- »eberstraße 101, statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Bezirksleitung. Nicdcr-Tchönhausen-Nordcnd. Den Parteigenossen, die an der Agitationstour am Sonntag nach Mühlenbeck teilnehmen, zur Kenntnis, daß der Abmarsch um 12 Uhr von Bratvogel, Nordend, aus erfolgt. Tegel. Der Wahlverein für Tegel und Umgegend veranstaltet am Sonntag, den 10. August, sein Sommerfest. Mitwirkende: Sängergesellschaft Lewandowski-Berlin, Radfahrerverein„Solidarität" lAbl. Tegel), Turnerische Aufführungen. Tanz, sowie Verlosung guter Bücher. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 1 Zeitschriftenaufsätze in etwa 4000 Zeitschriften. Gegenwärtig � sind etwa 500000 Literaturnachweise vorhanden, so daß der Zweck des Repcrtoriums, über die in irgend einer Sache vor- handene Literatur Auskunft zu geben, umfangreich erfüllt werden kann. Weiter finden wir dann im Archiv außer einer Hand- bibliothek von etwa 2000 Bänden das Zeitungsmuseum unter- gebracht. Dieses besteht aus den in der Publikation „Deutsches Zeitungsarchiv" auszugsweise wiedcrgegebenen Originalartikeln, die einzeln auf haltbarem Karton aufgeklebt sind und in bestimmter Reihenfolge eingeheftet aufbewahrt werden. Zu dieser Ausschnittsammlung werden ausführliche Register bearbeitet; die Bearbeitung des Archivs selbst hat am 1. Januar dieses Jahres begonnen. Im ganzen werden jährlich etwa 10000 Aussätze gesammelt werden. Aus dieser kurzen Darstellung ersehen unsere Leser, daß das Archiv nicht nur für Gelehrte, Journalisten und Schriftsteller, sondern auch für Techniker, Handwerker und Arbeiter, die über die Literatur ihres Arbeitsgebietes, über Erfindungen usw. Auskunft haben wollen, von beträchtlichem Werte ist. Das Archiv mit seinen Lesezimmern ist wochentäg- lich von 9 bis 7 Uhr geöffnet; der Eingang ist Schaper- straße 25. Die Benutzung ist nicht unentgeltlich, aber doch ungemein billig; eine Lesekarte, die ein ganzes Jahr Geltung hat, kostet 50 Pf._ Typhus auf dem �crienspielplatz Blankenfelde. Ein Schularzt hatte vorgestern dem Stadtmedizinalrat gemeldet, daß ein Gemeindeschüler, der den Ferienspielplatz Blankenfelde I be- sucht hatte, unter typhusverdächtigen Erscheinungen erkrankt sei, und daß das hygienische Institut der Universität Berlin zur Feststellung, ob in der Tat Typhus vorliege, in Anspruch genommen sei. Es wurden sofort die nötigen Feststellungen vor- genommen und, nachdem Typhusverdacht durch die bakterio- logische Untersuchung bestätigt war, der Spielplatz gestern geschlossen. Die Desinfektion der Abortanlagen des Spielplatzes ist sofort an- geordnet, und die Rektoren derjenigen Schulen, deren Kinder diesem Spielplatz zugewiesen waren, haben Anweisung erhalten, in den nächsten drei Wochen von der Schulversäumnis jedes Kindes, das wegen Krankheit fehlt, unter Angabe der Krankheit der Schuldeputation Mitteilung zu machen. Ein Anhalt dafür, daß die Ansteckung auf dem Spielplatz selbst erfolgt ist, liegt nicht vor. Da die Ferienspiele heute ihr vorgeschriebenes Ende erreichen, erleiden die Kinder durch diesen vorzeitigen Schluß keinen nennenswerten Nachteil. Verlmer f�admckteti. Tie Einrichtungen des Archivs für Weltliteratur. Ein Institut, das gewiß auch unter unserer Leserschaft Beachtung finden wird, ist vor kurzem auf Wilmersdorser Gc- biet eröffnet worden. Es ist dies das»Deutsche Archiv für Weltliteratur", ein Unternehmen, das trotz des etwas volltönenden Namens ungefähr hält, was es verspricht. Dank dem Entgegenkommen der städtischen Behörden hat das Archiv in einer der Villen des Joachimsthalschen Parkes ein Unterkommen gefunden, und mit dieser Wirkungsstätte kann außer den Leitern auch das Publikum zufrieden sein. Im Erd- geschoß des von freundlichem Grün umgebenen Hauses sind vier Räume für öffentliche Zwecke bereitgehalten. In dem Lesezimmer liegen über 100 Berliner und auswärtige Zeitungen, unter ihnen selbstverständlich auch der„Vorwärts" aus. Tann enthält das Institut ein Lesezimmer für all- gemeine Revuen und"politische Schriften sowie für sozial- wissenschaftliche und philosophische Zeitschristen. Eine be- sondere Einrichtung sodann, die in dieser Art vielleicht kaum noch an einer anderen Stelle in Groß-Berlin anzutreffen sein wird, ist das Lesezimmer für technisch-gewerbliche Zeitschriften. Hier sind die sür Zwecke der technischen Auskunst gehaltenen Zeitschriften, etwa 600 an der Zahl, ausgelegt. Jede wird in einer besonderen Mappe bis zum Schluß des laufenden Jahr- gangs aufbewahrt: da dem Institut für das Binhen der Zeit- schriften leider die Mittel fehlen, will es nach Jahresschluß die kompletten Jahrgänge an Volksbibliotheken usw. weiter- geben. Dann ist im Erdgeschoß das Kartenrcpertoriuni der Weltliteratur in Schränken untergebracht. Das Repertorium ist durchweg nach Autoren eingeteilt und erstreckt sich zurzeit auf folgende Gebiete: 1. au? gesamten Sozialwissenschaften. Wirtschaftswissenschaften und die Politik seit dem Jahre 1905, 2. auf Technik. Industrie und Gewerbe seit dem Jahre 1908. 3. auf die gesanrten Rechtswissenschaften seit dem Jahre 1880. Die zahlreichen m einer Handbibliothek vorhandenen Quellen- werke ermöglichen auf diesen- Gebiete aber eine Aus- kunftserteilung. die sich zum Teil bis zum Jahre 1�20 zurückerstreckt. Von den Kartenschränken umfaßt jeder 144 00t) Karten; die Nach Weisungen erstrecken sich nicht nur auf die Bücher- und Broschürenliteratur sondern auch auf Parlaments- und Kongreßreden, sowie vor allem auf die Im Freibad Wannsec empfindlich bestohlen wurde, wie wir be- richtet, haben, vor acht Tagen ein Gastwirt auS Stuttgart von einem »Landsmann", der sich ihm und einem Kollegen aus seiner Heimat als Fremdenführer angeschlossen und sie dann zum Besuch des erwähnten Freibades eingeladen hatte. Die Kriminalpolizei er- mittelte gestern den Dieb, als er von einer Rundreise durch ganz Deutschland hierher zurückgekommen war und nahm ihn fest. Er entpuppte sich als ein Buchbinder Brückner, der angab, daß es ihm, weil er keine Stellung habe finden können, so schlecht ge- gangen sei, daß er sich auf irgend eine Weise habe Geld verschaffen müssen._ Neue Autobuslinien. Eine Korrespondenz schreibt: Außer der bereits gemeldeten Verlängerung der Krastomnibuslinie 11, Moabit— Hermannplay, bis zur Anzengruberstratze in Neukölln plant die Allgemeine Berliner OmnibuS-Gesellschaft auch die Einrichtung einer neuen Linie durch die Frankfurter Allee nach Lichtenberg. Diese wird am Alexanderplatz Anschluß an die Linie 19. Alexanderplatz— Moabit (Stephaiiplatz) erhalten, welche wegen des Umbaues der Schloßbrücke jahrelang unterbrochen war. Die Genehmigung für diese neue Omnibuslinie, die über 10 Kilometer lang sein wird, dürste demnächst erteilt werden. Es schweben ferner Verhandlungen wegen einer noch längeren Aurobuslinie von Charlotten- bürg, Dernburgplatz am Lietzensee, über den Wittenbergplatz nach der Potsdamer Brücke über das Schöneberger und Tempelhofer Ufer, das Hallesche Tor uiw. Diese Linie dürfte bis in die Nähe der Potsdamer Brücke wohl genehmigt, ein Ueberfchreiten dieses schon überlasteten Verkehrspunktes aber wohl versagt werden. Ueber die beiden Omnibuslinien, welche von Schöneberg und Wilmersdorf nach dem Stadtinneren geführt werden sollen, ist eine Entscheidung noch nicht getroffen worden; die genannten Gemeinden verhielten sich bisher ablehnend, weil der geplante Akkumulatorenbetrieb den Fahrpreis t20 Pf.) verteuert. Von den Zubringerlinien, welche die Hochbahngesellschaft einzurichten beabsichtigt, kommen zunächst zwei in Frage: beide sollen ihren Aus- gang vom Hermannplatz in Neukölln nehmen; die eine wird über das Hallesche Tor und den Leipziger Platz nach dem Stettiner Bahnhof, die andere über die Jnselbrückc und den Aleranderplatz nach den nördlichen Stadtteilen geleitet werden. Auch Neu- Tempelhof wünscht bekanntlich eine regere Omnibusverbindung mit der Sladt Berlin, da die Aulobuslinie 4 0 dem späteren Ber- kehrsbcdürfnisse nicht genügt. Es ist in Aussicht genomineu, die ersterwähnte Linie vom Halleschen Tor nach Neu-Tempelhof ab- zuzweigen._ Feuer in einer Weberei. In früher Morgenstunde brach gestern in der Wcinstr. 9 in der Weberei des Webermeisters Heinrich Tröber, die mir der Wohnung der Familie verbunden ist, ein gefährlicher Brand aus. Die Flammen ergriffen Webtische. Möbel, Betten, Teile der Schaldecke usw. und brachten den Webermeister in ernste Lebens- gefahr. Der 61 Jahre alte Mann wurde nur mit genauer Not noch vor Ankunft der Feuerwehr von beherzten Hausbewohnern aus der brennenden Wohnung ins Freie geholt und mußte ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Die Feuerwehr griff mit zwei Rohren ein und löschte den Brand innerhalb einer halben Stunde ab. Die Rauchentwickelung war so stark, daß auch ein Sauerstoffschutzhelm in Benutzung genommen werden mußte. Die Ursache des Feuers ist nicht ermittelt. Unpraktische Ttrayenbahnwagen. Unter dieser Spitzmarke wird der»Vossischen Zeitung" gc- schrieben:»Der Berliner Witz hat sich bereils an die zur Eiirführung bestimmten zweistöckigen Straßenbahnwagen gemacht und sie mit dem Namen„Elefantenwagen" belegt. Zur Erprobung der Wagen hatte die„Große Berliner" zwei Modellwagen gebaut, deren vor- läufige Einrichtung wir schon geschildert haben. Diese beiden Modellwagen erfahren jetzt einen Umbau. Die bisherigen waren zu hoch; von den sämtlichen Linien der»Großen Berliner" ist nämlich kaum eine einzige, die nicht eine oder mehrere Ueber- führungen der Stadt- und Ringbahn bezw. der Fernbahnen oder der Hock- und Untergrundbahn zu unterfahren hat. Die Straßen- grundflächen bei den fraglichen Ueberfiihrungen lieser zu legen, geht ebcilio wenig an wie die Ueberführnngen'höher zu legen. Wenn auch das letzicre möglich wäre, so wären die Kosten derart hohe, daß die angeblichen Vorleile dazu in keinem Berhältnisie ständen. Die Absicht, die zweistöckigen Wagen nur in der Leipziger Slraße ver- kehren zu lassen, würde au» sehr zweifelhafter Natur sein. An fast jeder zweiten Straßenkreuzung besteht ein polizeiliches Verkehrs- kommando, das den Verkehr zu regeln hat. Es würde also die Fahrt nicht schneller vonstatten gehen als bisher. Auch durch das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste bei den zweistöckigen Wagen würden nur noch größere Zeitverluste als bisher entstehen; eine Polizeiverordnung besagt nämlich, daß der Straßenbahnzug sich erst dann in Bewegung setzen darf, wenn die Fahrgäste ihre Plätze eingenommen haben. Sollte diese Verordnung streng durchgeführt werden, so wäre der Aufenthalt an den Haltestellen viel länger als jetzt. Außerdem müssen auf jedem Wagen zwei Schaffner tätig sein. Dies war bereits schon einmal, vor etwa 25 Jahren, bei der Linie 38 Gesundbrunnen— Kreuzberg der Fall, als die Linie über den Mühlendamm gelegt wurde. Der Volkswitz hatte auch hier sich die Gelegenheit nicht entgehen lasten, den auf dem Blumenbrett (Decksitz) tätigen Schaffner den Titel„Dcckoffizier zu geben. Dies Vergnügen mit den zwei Schaffnern auf dem Wagen dauerte nicht lange. Ebenso zweifelhaft wie die Bewährung der zweistöckigen ist die der geschlossenen Straßenbahnwagen, die seit kurzem auf einigen wenigen Linien verkehren. Diese Wagen, deren Plattformen bekanntlich vollkommen durch Glaswände geschlossen sind, hat der Bolkswitz mit dem Namen„Affenkasten" belegt. Im Sommer sind diese Wagen recht unpraktisch, es herrscht trotz der paar geöffneten Schiebefenster darin eine Atmosphäre, die jeder Beschreibung spottet, und die Idee mit den verschiedenen Aus- und Eingängen ist auch gerade keine glänzende. Hoffentlich findet die Große Berliner bald etwas Besseres: einen Wagen, der ebenso dem gesteigerten Verkehr (das heißt ihrem Geldbeutel) wie der Bequemlichkeit des Publikums dient."_ Selbstmord wegen Arbeitslosigkeit. Schon wieder wird uns berichtet, daß ein Arbeiter Hand an sich legte, weil er trotz aller Bemühungen keine Arbeit erhalten konnte. Der 35 Jahre alte Schriftsetzer Hermann Lö Mendorf, Hasenheide 47 wohnhaft, hatte den Tatsachen zuwider seine Frau in dem Glauben gelassen, daß er jetzt wieder Arbeit habe. Als die Frau gestern von einem Ausgang unerwartet früh nach Hause kam, traf sie ihren Mann dort an und erfuhr auf diese Weise, daß dieser noch arbeitslos sei. Sie machte ihm deshalb Vorwürfe, die den Mann so erregten, daß er sich bald darauf mit Leuchtgas vergiftete. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Die Schwieriglcit der Existenz und die maßlose Ausbeutung im Zeitungshanoel lennzeichnet so recht eine Zuschrift eines alten Zeitungshändlers. Es ist allgemein bekannt, daß von den Unter- nehmcrn namentlich junge Burschen für den Zeitungshandel verwendet werden, die infolge ihrer rascheren Bctvcglichkcit, durch ihr Auf- und Abspringen in Fährt befindlicher Straßenbahnwagen, das Publikum schnell mit Lektüre versehen. Daneben bilden natür- lich diese jungen Leute die erträglichsten Ausbeutungsobjekte. So handeln diese Jungens, wie aus der Zuschrift hervorgeht, jeden Montag und Freitag von morgens 6 Uhr bis abends 7 Uhr ohne Pausen. Mit zwei schweren Taschen belade» springen sie auf in Fahrt Befindliche Straßenbahirwagen und wieder ab, um ihre Lektüre feilzubieten. An anderen Tagen niachen die jungen Lentc wohl Mittags- aber keine Frühstückspausen. Sic bekommen bei einer Kaution von 5 M. einen Wochenlohn von 7,50 M. Belauft sich Montag» ihre Einnahme auf über 9 M., so erhalten sie sür zedc weitere Mark 10 Pf. Prozente, Freitags wird ihnen für jede weitere Mark, die die Einnahme von iL M. übersteigt, 10 Pf. extra gewährt. An den übrigen'Tagen bekommen die jungen Leute be- reits Prozente, wenn sich ihre Gesamtcinnahmc auf mehr als 6 M. beläuft. Und als besonderer Anreiz wird denjenigen Jungen, die die meisten Zeitungen umsetzen, die beste Verkehrsgegend zugeteilt. Gegenüber dieser raffinierten Methode wird es älteren Händlern natürlich schwer gemacht, ihre Existenz zu behaupten, zumal sich der Handel dieser Jungen nicht nur aus die estraßenbahn, sondern auch auf die«traße erstreckt. Von der Anwendung der gesetzlicheii Bestimmungen auf überlange Zeit beschäftigter jugendlicher Per- sonen, so wird in der Zuschrift behauptet, sei überhaupt nichts zu spüren. Gegenüber solchen Ausbeutungsmethoden ist es den Zei- tungsbändlern selbst ourch das bewährte Mittel der Organisation nicht möglich, sich zu behaupten. Eine Licbcstragödic.spielte sich gestern abend in der Krausnick- straße ab. In dem Hause Nr. 21 wohnt der Agent B. dem schon seit längerer Zeit die 37 Jahre alte Wirtschafterin O e tz m a n» den Haushalt besorgte. Das Paar stand lurz vor der Hochzeit und hatte schon alle Vorbereitungen getroffen. Die Mutter der Wirt- schasterin, die ihre Tochter seit 17 Jahren nicht mehr gesehen hatte, war eigens aus Amerika hierher gekommen. Sie ging mit dem Paare, das dein Anschein nach gut zu harmonieren schien, gestern in verschiedene Geschäfte und traf die letzten Vor- Bereitungen zur Trauung. Abends, als sie allein ausgegangen war, kam e§ aus gerüigsügigem Anlaß zwischen den beiden Brautleuten zu einem Streit, in dessen Verlauf der Mann seiner Braut erklärte, daß er sie nicht heirate. Dies nahm sich die Wirtschafterin so zu Herzen, daß sie vor seilten Augen zu einerjjlasche Lyiol griff»ud sie� leerte, ehe er es ihr verwehren konnte. Sie brach besinnungslos zusammen und wurde in sehr bedenklichem Zustande nach der Charitö gebracht. An ihrem Aufkommen lvird gezweifelt. Ein schwerer Unfall wird unS aus der Gasanstalt zu Tegel ge- meldet. Dort verunglückte gestern morgen gegen 7 Uhr der Feuer- polier Karl G ü n t h e r aus Tegel. Durch noch nicht aufgeklärte Ursawe wurde er zwischen dem Kontergewicht vom Kammerdcckel und der Führungsschiene der Hebehaken vom Auslaßwagen ein- geklemmt. Mit schweren inneren Verletzungen wurde er mittelst Krankenwagen dem Hedwigskrankenhause zugeführt. Grober Unfug. Durch einen Steinwurf verletzt wurde gestern abend in einem Stadtbahnzug ein Fahrgast zwischen den Stationen Bellevue und Lehrter Bahnhof. Als sich der Zug kurz vor 8 Uhr unweit des Lehrter Bthnhofes in der Höhe der Lüneburger Straße befand, flog plötzlich ein etwa faustdicker Stein durch das geschlossene Fenster in cinjilbteil 3. Klasse, in dem sich mehrere Fahrgäste befanden. Der Stein flog zum Glück so, daß er niemand traf, da- gegen wurde durch die umherfliegenden Glassplitter ein Mann, der sich aus der Heimfahrt von der Arbeit befand, so schwer an den Augen verletzt, daß er auf dem Lehrter Bahnhof aussteigen und die Charite aufsuchen mußte. Wer den Stein in das Abteil gc- warfen hat, weiß man noch nicht. Ohne Zweifel handelt es sich aber um einen Dummenjungenstreich, der jedoch nicht schwer genug bestrast werden kann, da ein solcher„Anschlag" auf einen daher- fahrenden Zug sehr leicht schlimmere Folgen haben kann. Ueber das Fraucnbad in der Mühlenstrafic werden wir von einer Leserin unseres Blattes um Veröffentlichung einer Reihe Mißstände ersucht, deren Beseitigung sowohl im Interesse der Badenden, wie auch der Stadt Berlin als Besitzerin der Anstalt liegen dürfte. Zu- nächst wird betont, daß die dort amtierende Bademeisterin an die Badegäste da» Verlangen stellt, sich auf der Treppe zum Bassin, gleichviel ob Kinder zusehen oder nicht, zu entkleiden. Die Bade- mäntel und Tücher müssen dann über das Geländer gehängt werden, eine Aufsicht darüber ist jedoch nicht vorhanden. Die Bade- Meisterin verbietet streng, daß sich jemand in den Zellen auszieht. Des weiteren wird darüber Klage geführt, daß rund um das Bassin keine Läufer liegen, das be- deutet eine Gefahr für die Badenden, hinzufallen und sich zu verletzen. Auch werde bereits um �48 Uhr gewischt, nach dieser Zeit dürfe niemand mehr mit dem nassen Anzug herum- laufen. Badegäste, die springen wollen, müssen daher erst das Bassin durchschwimmen, um zu den Sprungbrettern zu gelangen, sie dürfen nicht von der Treppe aus die Galerie entlanglaufen. Im allgemeinen bestehe die Auffassung, daß das den Badenden gegenüber zur Schau getragene Verhalten der Bademeisterin nur geeigsst#4 Badenden zu crBittem. Leserin Raum gegeben, Hilfe gedrungen wird. Wir haben den wesentlichsten Klagen der in der Erwartung, daß dadurch auf Ab- Vorort- Nacbricbten. Mariendorf. Ei« Unglücksfall ereignete sich vorgestern nachmittag auf der Chaussee Mariendorf— Lichtenrade. Gegen 2 Uhr ritt der Jockei Gustav Heiland, in Weißensee bei seinen Eltern wohnhafr, die Chaussee entlang. Durch ein vorbeirasendeS Auto scheute plötzlich das Pferd, Heiland wurde gegen einen Baum gedrückt und er erlitt dabei einen Schenkelbruch. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich wieder eimnal der Mangel der für den Transport Kranker erforderlichen Einrichtungen. Zwei Herren bemühten sich zwar sowohl in Marien- darf als auch in Lichtenrade ein Gefährt zu erlangen, jedoch ver- gebens. Der Verletzte wurde nach dem Restaurant Lindenhof in Lichtenrade gebracht. Bald traf ein in der Dorfstraße zu Marien- dorf wohnhafter Arzt ein, der dem Verunglückten die erste Hilfe an- gedeihen ließ und die Uebersührung desselben nach dem Kranken- Hause anordnete. Das war indessen erst möglich, als telepbonische Verbindung mit Berlin hergestellt und der Verband für erste Hilfe um die Entsendung eines Krankenwagens ersucht wurde. Ilm 7 Uhr konnte alsdann die Uebersührung erfolgen. Heinersdorf. Das übliche Erntefest findet am Sonntag, den 10.. und Montag, den 11. August, wieder im hiesigen Lrte statt. Selbstoerständlich rechnet man dabei auch stark auf die Beteiligung der Arbeilerschast. Nicht nur die Bewohner Heinersdorfs, sondern auch die der um- liegenden Orte sind herzlichst dazu eingeladen. ES wäre ja auch alles recht gut und schön, wenn nur die verdammten Noten nicht wieder da wären, die die Besucher des Festes darauf aufmerksam machten, daß der organisierten Arbeiterschaft in Heinersdorf kein Saal zur Abhaltung von Versammlungen zur Verfügung steht. Das einzige geeignete Lokal, das einem gewissen Herrn Goetz, Kaiser-Wilhelm-Straße 67 gehört, bat der» n- politische Kricgerverein mit Beschlag belegt, und dieser macht so unserem ehemaligen Porteigenossen das Leben recht schwer. Die Arbeiter, die den größten Teil der Besucher des Festes stellen, werden ersucht, unsere Genossen im Kamps um ein Versammlungslokal zu unterstützen. Das Verlehrslokal für die Arbeiterschaft ist bei Raddatz, TiniuSstr. 60. Reinickendorf. lieber Mangel an erster Hilfe hatte kürzlich ein Leser unseres Blattes in einer Zuschrift, die wi» in der Sonntagsnummer ver- öffentlichten, Klage geführt. Hierzu teilt uns die Freiwillige Sani- lätskolonne vom Roten Kreuz zu Reinickendorf mit. daß die Wache nur Sonntags von ihren Mitgliedern versehen werden kann, da die- selben auch ihrer Arbeil nachgehen müßten. Im übrigen erhalte aus der Wache jeder Hilfe, der solche suche. In unserer Notiz wurde den Mitgliedern der Freiwilligen SanitätSkolonne nicht der geringste Vorwurf gemacht, sondern es wurde als eine Pflicht der Gemeinde bezeichnet, für die ständige Unterhaltung einer Sanitälswache Sorge zu tragen._ Jugendveranstaltunge». Jugeudansschufi Treptow-Baumschuleuweg. Sonntag, 10. August, vormittags 9 Uhr, Besichtigung des Krematoriums in Baumschulenweg. Treffpunkt: Freitreppe zum Krematorium. Todes-Anzeigen J Deatseber Holzapbeiterverhanö. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler I�jckarä t(eilwaxea Neukölln, Hermannstraße 138, im Alter von 42 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. August, nachmittags 2'/, Uhr, von der Halle des NeuMner Gemeindeftied» Hofes am Mariendorser Weg auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/3 Die Ortsverwaltung. Am Diensiagvormittag verschied sanft und unerwartet meine innig geliebte Frau, unsere Schwester und Schwägerin, die Gastwirtin Elise Oergs geb. Grosse. DieS zeigen tiefbetrübt an der trauernde Gatte nebst Schwager. Die Beerdigung findet Sonn- tag, nachmittags 5V, Uhr, vom neuen Jalobi« Kirchhof in der Hermannstraße aus statt. 15A Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters sage ich den Kollegen des Zentralvcrbandes der Töpscr meinen besten Dank. 31A Witwe ITrsncKe. Vornehme Herren Kleidung fertig und nach Maß erhalten Sie in der modernen lUass- Schneiderei J. Kurzbers Gegründet 1898 mit ähnlich lautenden Firmen nicht zu verwechseln »uf Wunsch Wochenrat« Verband der Waler, Sachterer, Anstreicher usw. Bureau: Melchiorstraße 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Male Serlin. Arbeitsnachweis: Rückerstraße g. Fernsprecher: Amt Norden 6708. Hierdurch machen wir unsere Kollegen darauf aufmerksam, daß die Protokolle von der Generalversammlung in Halle erschienen und für 20 Pf. im Verbandsbureau zu haben find. Gleichzeitig ersuchen wir die Bezirksführer sowie Vertrauensleute, die Protokolle abzuholen. 138/1* Die Ortsverwaltansr- riohren5tr.37a. OrFrariKfurtensfr. 115. LodtBn&ntel sO'onnlerHrel« ][ liergsteigekontame| Sa0/o unter Preis! 3 Ausnahme-Preise für folgende Artikel; Alle Welten! Alle LSn gen I Zar Vorsaison! Flanschmaalel......... W. 18(reff bisM. CCD WollpIdaichniAnt. 10 J scbr.Cxar.>1. 65(reg. bis M. 1*20) Pelzmfiniel............ ÜI.I50(reff hisM.S40) SeldcnplDschn- dnfel..... UV. 36(reg. bis M. 85) Sealpi|l8rtam& itel(ocbt engl.) M. 8S(reff, bis M 175) Elegante Herbstmodelle sehr preiswert! W* Konllrmondcnklcldcr!"WC SonntaB 8— 10 Uhr geölfnet! Rosenthaler Strasse 36 X. Etage, Frankfurter Allee 104 £cke Friedenstrasse, flelnlcbendorler Str. 4 Weddingplatz. 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Zlngust, abends 7 Uhr: i Versammlung in Scbraubenbetrleben beschäftigten Arbeiter und Arbelterinnen in Graumanns Festsälen, Naunynstraste S7. Tagesordnung: 1. Jahresbericht der AgttationSkommisston. 2. Diskusfüm. S. Neuwahl der Agitationslommisfion und Wahl des Branchen. vettrcters. 4. BerbandSangelegenhetten. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Zahlreiches Erscheinen erwartet 123/11 Die OrtaTersraitnng. A : 1 Mark: ®« ® woehcntliche TelUahluns G 9 liefere elegante 0 ! Herren- 1 Hoden Sei Verdüiungs- . ttlrungen, Ippitit- ... nangsf, Terdorbssem Magen, Sodbrennen, Blähungen. Magendresten und -Sciivashe, Magsokrampr, Uscalkalt mit Er- örächan, überhaupt Magnnbendirardan, sind von nachweisl. erpradler Wirkung u. wohl. tuerrd wie Balsam aus den kranke» Magen. N°N-echt'�..�el!lco" Dem, in Drojerlen nicfit erhäiiiich. durch Otto Reichel, Berlii 4A Eisenbahnsti. 4 « -Tini'• Jod. Herrn, der sich eleg. u. b'.ll kleiden will, empfehle eleg. ilo- natsgardorobe in feinsten V erk- stätt. 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Z.)(Nachdruck verboten) 190*21 616 787 804 922 66 1409 46 702 43 2499 666 880 83 93 3 067 623 762 812 44 901 18 4382 461 869 6 010 88 196 340 519 599 6181 385 480 89 697 764 98 940 7109 82 292 407 3510 21 41 94 641 838 9302 S 566 657 1200) 702 10005 9 19 137 738(200) 932 11080 195 336 842 1 2020 60 ISO 92 230 60 314 418 531 44 67 632 708 929 97 1 3015 302 23 461(1000) 697 656 58(200) 714 817 74 1 4666 86 1 5231 648 610 81 837 1 6195 251 829 46 1 7081 94( 400) 148373 465 590 796 902 ISl'-O 361 83 601 751 19030 112 647 819 23 20137(200) 62 224 486 92 622 602 745 21137 234 706 (300) 893 2 3142 48 20 4 467 514(3000) 748 81 923 2 4201 472 653(300) 763 2 H 053 144 64 463 550 741 2 6 083 240 334 (200) 771 93 966 2 7146 465 602 80 822 41 28672 805(300) 29147 70(200) 213 312 13 488 501 970 3 9606 662(200) 912 31053(200) 261 435 662 666(200) 723 812 1200) 28 3 2 596 3 3005 401 601 643 3 4064 214 337 74 644 619 876 609 3 6 306 930 36 3 6 255 360 77 473 637 69 736 1200) 37242 405 549(400) 52 701 834 98 961 3 8060(200) 9-34 3 9023 116 61 81 651 716 78 835 971 78 4O180 202 366 69 412 568 732 41344 609 29 831 982 <2095 388 639 681 792 803 25 922 4 3101 90 236(200) 667 672 759 4 4825 4 5295 328 411 797 894 924 4 6169 396 650 647 4 7206 29 304 456 901 86 4 8540 47 635 732 902 4 9 031 143 47(40 000) 67 386 611 50316 181 393 400(500) 664 72 74 640 89 961 51U5 30 221 777 331 63 946(200) 52156 332 68 526 603 17 710 965 33 406 35 627 40 725 5 4063 115 297 422 62 633(200) 680 739 922' 29 5 5 046 99 166 291 631 705 6 79 863 92(200) 66075 292 328 39 5 7108 315 734 834 5 8050 197 200 324 651 918 5 9359 71 93 600 70. 00101 332<9(200) 654 707 40 61204 634 63 848(200) 909 62198 260 75 622 24 693 808943 77 6 3065 103 336 472 K.J 620 715 808 64183 213(200) 767 800 11 65178 235 77 401 93 682 677 85 782 6 0098 114 836 6 7125 64 345 91 411 634 45 66638 210 52 81 332 405 598 913 43 82 6 6003 35 90 (300) 227 59 334 807 7 0200 53 542 61 931 92 71513 27 7S037 44 205 440 880 7 3 001 114(300) 57 369 418 845 74203 424 23 798 750)» 50 232 397 654 711£6(200) 815 7 3604 750 570 016 73(200) 77.07 41 50 Ol 526 730 801 71 7 0001 64 64 161 731 35 79014 58 132 44 93 295 325 429 30058 311 40 617 762 843 86 906 30 43 81009 70 180 316 02309 686 83126(200) 88 375 452 65 679 8 4 077 424 36 616 814 69 902 SÖÜU 186 299 395 683 924 3 8 094 103 257 391 (200) 786(200; 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400 923 3. VreuMch-Suddeutsche (239. Königl. Prenss.) Klassenlattcrke 2. Klasse 1. Ziehungstag S. August 1913 Nachmittag |3(nf jede gezogene Nummer find zwei gleich Hobe Gewinne gefalle»,»nd zwar je einer ans die Lose gleicher Nuulu-.er in den beiden Abteilunge» I n. II. Nur die Gewinne über 96 M. sind in Klaniuiern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 57 109 81 377 406 508 36 627 856 80 91 946 1249 777 383 950 2138 406 566 612 701 54 925 0311 78 463 670 95 99(300) 894 961 4165 431 778 805 952 87 5059 673 831 974 0 083 100 210 67 70 303 40 62 65 535 716 34 39 976 7262 8051 191 201 77 608 81 853 99 9 011 105 30 317(400) 513 10196 346 601 769 844 72 937 75 11235 329 89 578(200) 925 1 2043 273 606 53 740 869 77 1 0081 520 772 969 14056 281 307 92 539 809 74 86 10126(200) 263 352489 1 0089122 29 470 6?4 743 70 1 7092 339 75 604 766 903 1L073 158 518 040 90 701 21 845 69 921(400) 19239 499 762 923 20056 101 613(3001 780 21178 97 444 615 39(300) 76 770 75 81 2 2309616 723 2 3000 103 9 683 668 839 902 2 4068 77 202 64 318 698 23 63 826 73 2 5153 1200) 344 78» 941 26159 370 486 648 600 789 2 7138(400) 306 47 431 523 716 75 88 2 0293 339 416 613 963(200) 2 9243 555 694 960 3 0045(600) 60 83 263 74 693 632 704 843 56 31057 190 234 498 920 69 1200) 3 2246 402 792 3 3 050 83 466 79 550 637 98 756 817( 6000) 981 3 4 352 57 612 719 916 3 5627 778 538 3 0219 61 462 84 89 874 91(400) 37176 246 327 32 54 477(200) 3 8 097 356 440 657 3 9246 89(200) 369 422 40040 109 65 311 13 511 950 41045 589 784 42157 233 432 37 4 3077 142 428 697 44173 285 320 603 607 15 84 996 45092 163 691 705 40060 366 508 64 634 813 946 47134 315 53 84 65» 899 902 4 0156 247 351 66 4)9 83 586 40196 £90(60 000) 903 14 5 0029 403 533 611 61036(200) 192 611 604 726 879 6 2022 337 546 631 5 3352 403(200) 13 63 731 46 936 84 5 40.93 172(400) 479 618 881 5 5 003 25 398 630 6 0557 618 792 814 0 7 051 91 620 885(200) 5 0479 626 80 693(200) 607 6 9235 317 551(2001 73 684 845 914 28(200) 60121 225 36 561 643(300) 846 61130 334 527 595 720 825 6 2174 76 233 964 03058 286 362 477 659 17(300) 657 770 96 957 6 4394 628 6 5 032 276 303 664 723 34 907 915 06058 214 506 606 58 96 835 67165 233 304 94 660 757 68137 264 359 453 624 974 6 9645 7 0040 458 650 625 803 91 71019 445 7 2069 415 679 73144 330 618(400) 61 83(400) 92 820 41 973 7 4028 52 346 622 70 75168 824 70040 517 615 841 9ül 24 77031 438 42 759 813(200) 43 7 8281 433 80 517 642 93 700 849 7 0165 372 81 427 43 664 773 00112 489 661 958 61 81017 179 230 66 598 907 41 8 2325 65 621 731 83 070 191 249 606 875 8 4000 62 189 210 623 94 815 40 95 8 5331 463 8 8010 119 39 463 90 524 0 7 089 401 23 514(200) 619 872 0 0183 430 625 655 902 0 9031 117 232 98 413 71 603 612 714 90169 250 312 442 766 91005 184 258 563 836 9 2108 94 97 763 880 9 3348 596 99 749(200) 67 74 847 64 965 94177 282 707 32 62 9 5 901 180 453 911 80131 210 341 405 65 506 658 8 7 317 490 735 8 0169 464 82(200) 697 S»3 88329 606 803 100023 68 357(20p) 504(200) 902 47 57 1 01179 336 408 32 717 911 102139 205 432 37 663 701(330) 91 103234 35 327 633 657 762 890 905 104377 472 673 960 92 105069 148 541 665 72 740 1 06161 247 61 457 86 91 601 795 872 107104 80 333 433 686 700 56 846 1 08145 439 644(200) 733 62 77 889 1 0 9059 133 225(200) 423 98 741 91 110388 409(200) 67 619 817 36 111038 112034 50 351 549 852 92 969 78 113074 240 403 761 62 865 114133 621 115158 307 516 71 92 116246 604 95 752 117247 367 571 859 110118 367 669 82 941 118238 332(3000) 633 734 951 120144 375 687 1 21300 1 503 995 1 22133 496 735 957 123149 227 400 729 82 85 1 24159 283 418 25 650 87 820(200) 125137 542 79 674 93 1 2 8056 120 419 31 599 645 93 1 2 7 006 (400) 407 661 86 732 1 20146 622 80 738 887 902 72.200) 129196 473 13 0032 142 78 640 709 947 68 1 31114 229 438 697 791 13 2384 433 79 573 747 961 13 3 026 100 372 666 1 3 4075 119 220 73(200) 548 619£40 135362£01 12 653 94(2C01 868 934 1 3(1095 476 677 793 1 3 7 007 122 82 242 415 77 669 747 83 1 3 0301 451 53 635 85 95 730 76 1 39(17 31 329 413 140120 63 227 60 644 703 45 1 41246 93 661 832 1 4 2043 125 517 812 47 14 3 273(300) 492 893 1 44153 239 438 512 14 5 311 99 812 1 4 0 045 653 83 89 649 846 924 47 1 47163 354(200) 400 643 763 886 1 4 8341 149190 425 714 57 853 15 0247 328 462 94(200) 572 703 20 1 51124 273 342 603 (300) 897 1 52116 19 645(200) 15 3042 118 400 739 646 67 15 4302 672 837 1 5 5 289 432 569 840 67 86 952 1 5 6023 76 357 72 470 653 62 837 606 1 57134 435 528 641 711 852 917 15 0025 463 500 5 685 900 1300) 21 1S9353 633 782 873 100117 356 407 628 783 856 161193 229 333 96 400 37 676 710 65 861 98 965 1 0 2076 228 455 1 0 5 001 18 102 320 (200) 70 673 621 34(300) 793 1 0 4825 902 65 1 0 5 011(200) 593 689 739 976 100183 209 408 972 1 67177 253 330 820 1000 9 232 763 1 6 9323 45 96 584 17 0216 435 504 838 940 1 71372 480 618 703 915 1 7 2008 133 628 741 44 72 831 98 1 7 3063 173 258 524 613(200) 868 939(300) 75 1 7 4067(200) 68 83 167 223 95 610 62 843 17 5073 129 74 611 847 922 1 7 0372 657 914 3 4 67 1 7 7 003 122 346 63 440 750 76 861 980 1 7 0014 259(200) 327 405 67? 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Jedes Wort TO Pfennig. Das(ctig'etiruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). S;ei!engesuche und Schlaisteilen-Anzeigen - Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit m edr als 15 Buciistaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGER für die nächste Nummer werden in den Annahtne- stelien für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Zch» Prozent Navatt Vorwärts- leimt._____________ (/inrdincyrefte. Fenster 1.55, 1,95, 2,45, 2,35, 2,50, 4,25, 5,50, 6,75 usw. E, Weilzciibrwgs Gardinen- und TePPichbauS, Große ,�1 frankfurter stragc 125, int Hauie der WWWWWWWDWWWWW Möbel- fabrik an der� Koppenflrahe.__ Teppiche mit Wedefehlorn 7,50, 9,50, 11,50, 15.50, 16,50, 19,50,22,50, 25,50, 29,50 usw. 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KeKks-KeilM kt„öorairts" fti Mm-Weßtii. s. August 1913. Vorort-)Nacbrichten, Charlottenburg. Mit dem Bau der Gemeinde-Doppelschule in der Oranienstrahe ist vor kurzem begonnen worden und heute können wir mitteilen dast in den nächsten Tagen der Bau deS L y z e u m S IV in der Sybelstr. 2/4 in Angriff genommen werden wird. Die Ausführung der Erd- und Maurerarbeiten beider Bauten ist der Aktiengesellschaft für Bauausführungen übertragen. Duch die Inangriffnahme städtischer Bauten dürfte der Arbeitsmarkt wesentlich entlastet werden. Neukölln. Durch Stichflammen schwer verletzt wurden gestern auf dem Wochenmarkt am Richardplatz zwei Kinder. Ein Händler wollte dort die Vorzüge eines von ihm vertriebenen Spiritusapparates dem Publikum zeigen. Durch Unachtsamkeil geriet der Spiritusbebälter in Brand und eine mächtige Stichflamme schoß in die umstehenden Personen hinein und traf die beiden Kinder. Der übrigen Per sonen bemächtigte sich eine große Panik. Die Verletzten wurden nach Anlegung von Notverbänden ins Krankenhaus gebracht. Ober-Scliöneweide. Zum bevorstehenden Parteitage nahm eine außerordentliche Mit- glicderversammlung des Wahlvereins Stellung. Genosse G r u n o w als Referent führte aus: Bon allen Fragen, die auf dem dies jährigen Parteitage zur Erörterung kommen werden, dürfte die Stellungnahme der Reichstagsfraklion zur Militärvorlage das größte Interesse beanspruchen. Wenn die Fraktion diesmal den Standpunkt verlassen habe, solchen Forderungen ein glattes Nein entgegenzustellen, so sei diese von einer schivachen Mehrheil der Fraktion diktierte Stellungnahme— so be� dauerlich sie sei— immerhin von dem Willen gelragen, das beste für die Arbeiterklaffe dabei herauszuholen. Die Fraktion hätte es ruhig auf eine Auflösung des Reichstages ankommen lassen sollen waren auch sonst Neuwahlen aus demselben Anlaß unserer Partei nicht günstig, so hätte hier daS Faktum der Drückebergerei vor den gewaltigen Kosten der Vorlage ein Moment in die Wahlagitation gebracht, dessen Wirksamkeit wir uns bei richtiger Würdigung ruhig anvertrauen konnten. Der Parteilag müsse sehr ernst abwägen, ob die weitere Befolgung dieser Taktik nicht geeignet sei, die Partei au eine Bahn zu führen, welche sie auf das Niveau des heutigen Liberalismus bringt. Wenn im übrigen die Meinung auftauche, die Fraktion der 110 Mann müßte im Reichstage in anderer Weise auftreten, so sei diese Ansicht nur allzu berechtigt; was früher der kleine» Zahl möglich gewesen sei, nämlich Anträge zu stellen, wie: Einführung des Achtstundentages. Schaffung einer Arbeitslosenversicherung usw. das müsse heut von der Fraktion verlangt werden. Der Ansicht, daß die Fraktion nicht mehr die früher geübte Obstrullion lreiben könne, sei entgegenzutreten. Mindestens sei sie verpflichtet, die Lex Aichbichler, die der Fraktion nach dieser Richtung Hindernisse in Weg lege, mit entsprechenden Gegenanträgen zu beseitigen. Der große Wahlsieg der Partei habe bewiesen, daß man sich keiner lleberschätzung des Parlamentarismus hingeben solle: der Kampf des Proletariats gegen seine Unterdrücker würde letzten Endes nicht im Parlament ausgefochten werden. Zu einer Belebung unserer AgilalionSarbeit müsse jedoch die Fraktion im Parlamenr ihr Bestes beitragen. Es sei auch ein ganz verkehrtes Beginnen, daß sich unsere Vertreter in Gemeinde- und Stadlparlamenten mit den Fragen der Arbeitslosenversicherung, der Einheitsschule usw. in ohmnächliger Weise abquälen, wenn ihnen nicht von höherer Warte die nötige Unterstützung komme. In der Maifeierfrage treffe der Nürnberger Beschluß sowohl als der neue Vorschlag nicht das Richtige; wolle man den üblen Folgen dieser Beschlüsse auS dem Wege geben, so bestimme man, daß jeder, der am 1. Mai keinen Verdienstverlust hat, seinen Obolus entrichte. Ueberhaupt habe diese Sache der Maifeierfrage leinen guten Dienst geleistet. Eine Aktion der Partei, welche so wenig Förderung finde, könne niemals zu rechter Wirksamkeit gedeihen, sie müsse früher oder später im Sande verlaufen. Wenn beim Vorstandsbericht aus dem Parteitag über die Stagnqrion in der Organisation debattiert werde, so möge man nicht außer acht lassen, daß auch eine �gew.sse Selbstverschuldung der Parteigenossen ihr gut Teil dazu beiträgt; es sei unter den Genossen leider Usus geworden, den kleinsten Fehlern des anderen nachzuspüren, um damit die best« Zeit auszufüllen; letzten Endes werde dadurch denjenigen, denen ein solches Beginnen widerstrebt, die Lust zur Mitarbeit geraubt. Wenn über den Rückgang der Abonnentenzahl de«„Vorwärts geklagt werde, so müsse gesagt werden, daß dessen ganze Schreibweise eben nicht den Bedürfnissen derer entspräche, welche ihn zu seiner jetzigen Entwicklung gebracht haben. Der Arbeiter wolle z. B. jetzt keine Leitartikel über ausländische Parteiverhällnisse oder sonstige Angelegenheiten, ihm seien die Fragen der ArbeitSlosigkett. der KnegSgreuel usw. wichtiger. Falsch wäre es, sich allein auf die Beschlüsse des Parteitages zu verlassen, sondern ein jeder müne tm Hinblick aus die großen Ideen unserer Sache sein Bestes zu deren Forderung einsetzen, dann würden manche Klagen überflüssig werden. In der Diskussion unterstrichen die Genossen Kaiser. Muth, Jakob sen und Ackermann wirk'am diese Ausführungen. Be- schlössen wurde, einen Antrag an de,, Parteitag zu stellen, wonach die Fraktion aufgefordert wird, für die nächste Tagung des Reichs- tags einen Anrrag auf Schaffung einer Reichsarbeitslosen- Versicherung einzubringen. Als Delegierter zum Parteitag wurde der Genosse Schwarz- burger in Vorschlag gebracht. Her»nsdorf-Waidman»sl«st. Mit der Beteiligung der Montags und Donnerstags veranstaltete» Jugendspicle können wir' zufrieden sein. Auch zu den Sonntags- ausflügen fand sich stets eine ansehnliche Zahl«piel- und Wander- lustiger ein. Am kommenden Sonntag soll als Abschluß ein Spiel- fest veranstaltet werden. Die Teilnehmer treffen sich um 2 Uhr in Waidmannslust im SchweizerhauS. in HermSdorf am Kaiserplatz; UM 2�/2 Uhr beginnen dann die Spiele aus unserem alten Spiel- Platz. Em Reigen, von 5waben und Madchen ausgeführt, sowie einige Weitspiele werden den Abschluß bilden. Im Schweizerhaus wird den Kindern Kaffee und Kuchen gratis gereicht, außerdem werden diejenigen Kinder, welche regelmüßig an den Veianstaliungen teilgenommen hoben, zur Erinnerung eine Jugendichrifl mit auf den Inders e�/ladem�®""n �®erQ"ftaItU"9 6e' Oranienburg. A«S der Stadtverordnetcnüuuna ordnung erklärte Sladtv.«Tfei« bfl6„ zeichneten Antrag betreff«.Waldstraßen�Änätlegenheit� auf der üraice°berei?s am�W' fei t'.on ben Anwohnern der Wald- wille hierauf mit. daß lhm"biz°heuNgen Taaes'von n�iem Alchen Antrag„ichl- bekannt fei.- Der Z n�-�ein ba bisher von der Sladt einen jährlichen Beitrag von 8� er ersucht den Magistrat, diese» auf 1«>0 W. zu Ä«' tum der Stadl auch die Ausgaben für İnken..rnd Armenpflege größer geworden seien. Nachdem fich Genoss, Kckuman�it war- ��so�er�"Fürsome��"'Annabme°�d� �dienst« dieses Vereins »n sozialer Furiorge für Annahme des MagjstratZantragS ausge- I sprachen hatte, gelangte derselbe einstimmig zur Annahme und zwar s mit rückwirkender Kraft vom 1. Juli er.— Vom 1. Oktober d. I. , lausen die alten Pachtvenräge mit den Pächtern des Meinand- ackers ab. Während die Parzellen IS— 22 zu Laubenpar- ! zellen abgetreten sind, gelangten die übrigen zur Ausichre>bung. In Betracht kommen 10 Pächter als Höchstbietende, welche zusammen S97 M. aufzubringen haben. Die Versammlung stimmte einem dabingehenden Magistratsantrage zu.— Mir dem Fubrunteriiehmer Brehme in Reinickendorf besteht bis zum Jahre 1S18 ein Packt- vertrag über den Weideabfindungsplan. Da der Pächter die Absicht hat, die Aufforstung des kahlen Berges bedeutend zu erweitern und den Boden landwirtschafllich besser auszubauen, ersucht er, den Per- trag um 12 Jahre zu verlängern. Den Pachtpreis will Pächter vom 1. Oktober dieses Jahres ab um 50 Mark erhöhen. Da die Aufwendungen des Pächters der Stadt zum Vorteil ge- reichen, beantragt der Magistrat, der Pachtverlängerung zu- zustimmen. Unsere Genossen erklärten sich zur Zustimmung nur unter der Bedingung bereit, wenn in dem Vertrage ausdrücklich vermerkt wird, daß die Stadt das Land jederzeit ohne Entschädigung zurückerhalten könne. Die durch die schweren Wagen des Pächters stark ruinierten Wege soll dieser selbst herstellen, weil ihm daS erforderliche Material am besten zur Verfügung steht.. Dem wurde zugestimmt.— Die Friedhoisordnung hat durch den Regierung«- Präsidenten einige Abänderungen erfahren. U. a. besagt der Z 29, daß zur Abhaltung von Leichenreden am Grabe durch andere Personen als den zuständigen Pfarrer die Genehmigung an berufener Stelle eingeholt werden muß. Wäh rend die Aenderungen in der Einzelabstimmung einmütig angenommen wurden, stimmten bei der Gesamlabstimmung drei unserer Genossen dagegen.— Unangenehme Folgen hat die erst vor kurzem in Betrieb genommene Klärstalion gezeitigt. Fortgesetzt führen die Anwohner der in der nächsten Nähe der Klärstation wohnenden Lehnitzstraße Be- schwerde über die pestartigen Gerüche, welche hier ausströmen. Schon die letzte Stadtverordnetensitzung hatte sich mit dieser An gelegenheit beichäfligt; von einigen Stadtverordneten wurde hierbei die Vermutung ausgesprochen, daß diese Gerüche zum Teil aus einer benachbarten Fabrik herrühren könnten. Mehrere leitende Personen dieser Fabrik, die auch gleichzeitig ihre Wohnungen auf dem Fabrilterrain haben, wenden sich ernstlich gegen solche Behaup hingen und führen in ihrer Beschwerde aus. daß eine vollständige Beseitigung der Gerüche nach fachkundigen Mitteilungen nicht möglich sei. Hierüber enspann sich eine längere Debatte, aus welcher bervorging, daß die Schuld an der verfehlten und unzuverlässigen Anlage einzig und allein den früheren Bürgermeister Beuthner trifft, weil dieser nach eigenem Ermessen gehandelt habe. Demgegenüber wurde fest gestellt,' daß das hier zur Anwendung gebrachte Klärverfahren sich anderweit sehr gut bewährt habe. Zum Schluß gibt Bürgermeister v. Loebell die Erklärung ab, daß die ausführende Gesellschaft keinerlei Garantie für vollständige Geruchlosigkeit übernommen habe. Um aber die Stadt nickt kelbst in üblen Geruch zu bringen, soll ein letzter Versuch mit verstärkter Wasserspülung gemacht werden, und wenn hierdurch keine Aenderung geschaffen wird, werden andere AbHilfsmittel in Anwendung kommen. Selbstverständlich auf Kosten der Steuerzahler. Nowawes, Drewitz. Am Sonntag, den 10. August, feiert im Lokal„Zur freien Aus- ficht" am Bahnhof Drewitz die Freie Turnerschaft NowoweS-Drewitz ihr diesjähriges Sommerfest unter Mitwirkung des Mandolinenklubs „Eipania". Da der Verein unter behördlichen Sckikanierungen er- heblich zu leiden hat— sind doch bis jetzt nicht weniger als drei Klagen geqen den Verein erhaben—, so rechnet derselbe auf zahl reichen Besuch der Arbeiterschaft beider Orte. Rudow. Ein BolkSfest findet am Sonntag, den 10. August, im hiesigen Ort statt. Die Arbeiterschaft wird ersucht, für regen Besuch deS- selben zu agitieren. Bei dieser Gelegenheit werden die Berliner Ausflügler sowie die auswärtigen Radfahrer darauf aufmerksam gemacht, daß unseren Genossen das Saallokal zum„Lindenpark", Inhaber Hermann Wedler, Bendastr. S2, zur Berfügling steht, dagegen ist das Lokal „JuliuS-Park" von Fritz Heintze für den Arbeiterverkehr gesperrt. Bernau. Das Gewerkschaftsfest findet morgen Sonntag, den 10. August. im Schützenhause statt. Die Teilnehmer versammeln fich zum Zuge durch die Stadt um 2 Uhr am Gewerlschaftshause, Chauffeestraße. Spandau.# Großfeuer brach gestern morgen um 8 Uhr in Staaken auf dem Friedrich Bartelschen Bauerngehöft in der Hauptstraße auS. Die Freiwillige Feuerwehr von Staaten konnte unmöglich das Feuer be» kämpfen, denn bei den reichen Erntevorräten griff dies mit großer Geschwindigkeit um sich. Der Gemeindevorsteher erbat daher Hilfe von der Spandauer Freiwilligen Feuerwehr, die bald darauf mit dem Automobillöschzug eintraf und dem Feuer mit mehreren Schlauchleitungen zu Leibe ging. An eine Rettung der Scheune, worin es zuerst brannte, war aber nicht mehr zu denken, denn dazu hatte das Feuer viel zu leichtentzündliche Nahrung. Es sprang auf das Nachbargehöft über, des Bauerngutsbesitzers Willi Ahl. und legte seine massive Scheune� in Asche. Nachher schlug das Feuer auf das Bartelsche Grundstück zurück, ergriff eine zweite Scheune mit ihren Vorräten und einen Stall und ver- nichtete alle darin geborgenen Vorräte. Da« Vieh da- gegen konnte in Sicherheit gebracht werden. Dank der vielen Löschmannschaften, die mit ihren Spritzen auS den umliegenden Dörfern herbeigeeilt kamen und in Gemeinschaft mit den Freiwilligen Webren von Spandau und Staaken arbeiteten, konnte ein Weiter- Umsichgreifen deS verheerenden Elements verhindert werden. Gegen 12 Uhr war die größte Gefahr vorüber, so daß einzelne Wehren ab- rücken konnten, eine Feuerwache hatte aber noch mehrere Stunden nachher auf der Brandstätte zu tun. Entstanden ist daS Feuer durch Kinder, die auf dem Hof mit Streichhölzern spielten. Der Schade ist zum größten Teil durch Versicherung gedeckt. Vor Eintritt in die TageS- einen von ihm mitunter- Zur Bekämpfung der Schundliteratur und zur Förderung des Vertriebes guter Uuterhaltuugslektüre hat das.Gewerkschaftshaus" folgende Einrichtungen getroffen: 1. Anerkannt gute Jugendschristen zum Preise von 10—30 Pf. lind in größerer Anzahl angeschafft worden und werden leihweise gegen Deponierung des Preises zur Verfügung gestellt. 2. Jedermann erhält in den nachstehend angeführten Ausgabe- tellen ohne Legitimation so viele Bücher wie er will. Er hat ent- weder den Wert der Bücher zu deponieren oder bereits früher entnommene Bücher zurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben. 3. Wer die Bücher behalten will, hat dazu das Recht, er hat dann bei Entnahme neuer Bücher wiederum den entsprechenden Be- trag zu deponieren. Zunächst find folgende Ausgabestellen eingerichtet: Autonftr. 24. zigarrengescbäst von Kriegsmann. Ausnahme des Sonnabends. Bo» 3— 6 Uhr. mit Blaukenfeldestr. I«. Verband der Schuhmacher. Bon 10—1 und i bis 7 Ubr mit Ausnahme' dcS Freitags und Soimabends. Bruiincnstr. 70. Arbciter-Jugendhcim. Von ö— 10 Uhr. Eltiabeihstr. 11. Verband der Fleischer. Von 10—1 Uhr und 5—7 Uhr. Engelnfer 15. Kewerlschaftshaus, Qucrqebäude, Erdgeschoß, Zimmer 10. Wochentags von 8—9'/, Uhr. Engeluser 15. Zigarrengeschäst vonHorsch. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Fehmarnstr.«. Tabakarbeitergenossenschast. Von 8—6 Uhr, mit Aus- nähme deS Sonnabends. Gartenstr. 101. Verband der Zwpserschmiede. Von 10—11 Uhr und 6-7 Uhr. Gr. Frankfurter Str. 12«. Arbeiter-Jugendheim. Von 6—10 Uhr. KopcrnikuSstr. 11. Tabakarbeitergenossenschast. Von 8— 6 Uhr, mit Ans- nähme des Sonnabends. Lippehner Str. 15. Zigarrengeschäst von Herjorth. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Manteuffelstr. 73. Zigarrengeschäst von Otto Busse. Von 8—6 Uhr mit Ausnahme des Sonnabends. Melchiorstr. 28. Verband der Maler. Von 9—1 Uhr. Pappelallee 15/17. Bureau der Freireligiösen Gemeinde. Sonntags 10—12 Uhr, wochentags außer Donnerstag von 12—5 Uhr. Petersburger Str. 5. Tabalarbeitergenossenschast. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Rostoiker Str. 40. Zigarrengeschäst von Berner. Von 8—6 Uhr. mit Ausnahme des Sonnabends. Rotherstr. I. Zigarrengeschäst von Holm Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Scharnweberstr. 1. Zigarrengeschäst von Rich. Wunscheck. Von 8— 6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Sebastianstr. 37/38. Verband der Schneider. Von 9—1 Uhr. Weinstr. 8, Part. Verband der Kürschner. Von 9—1 Uhr und 3—7 Uhr. Wörtherstr. 22. Zigarrengeschäst von Schirmer. Von 8—6 mit Aus- nähme des Sonnabends. Berein der Frauen und Mädchen der arbeitenden Klassen. Vor und nach jeder Bereinsversammlung. Vororte: Bernau. Zentralbibliothek bei R. Wünsche. Sonntags 5—7, Freitags 8 bis 10 Uhr. � Birkenwerder. Hauptstr. 90 II, bei Wilhelm Pieper. Wochentäglich zu jeder Zeit. Borsigwalde. Ausgabestelle: Freie Scholle Nr. 4, Max Zachau, Sonntags vormittags. Boxhagen-Ruinmelsburg. Mt-Boxhagen 56. Jugendheim, Von 7'/, bis 9 Uhr, mit Ausnahme des Dienstags. Britz. Wahiverein, Ausgabestelle Restaurant Zilz, Werderstr. 28. Sonn- abends von 8—10 Uhr. Brnchmühle. Landsberger Chaussee, Ecke Prlnz-Helnrichstraße, bei Fritz Gädicke. Dienstags und Freitags von 9 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Charlottenburg. Arbeiter-Jugendheim, Rosinenstr. 3. Dienstag, Donners- tag. Sonnabend und Sonntag von 7— 91/, Uhr. Erkner. Friedrichstr. 76 bei Degebrodt. Donnerstags 8— 10 Uhr. Friedrichsfelde. Prinzenallee 30, Turnhalle. Mittwochs und Sonn- abends 7'/,— 9'/, Uhr. Friedrichshagen. Drachholzstr. 2 p. Konsumverein. Wochentags mit Aus- nähme von Freilag und Sonnabend. Von 8—1, 3—8 Uhr. Glienicke a. Nordbahn. Hauptsir. 5, Zigarrengeschäst von Haberland. Täglich während der Geschästsstunden. HermSdorf. Berliner Str. 23a, Schuhwarenladen von August Schulze. Wochentäglich während der Geschästsstunden mit Ausnahme dcS Sonnabendnachmittags. Hersfelde. Hauptstr. 64b II bei Wilh. Hierchert. Sonntags 9—12 Uhr. Hohen-Reuendorf. Ruhwaldstr. 46 I, bei Karl Tiedt. Wochentäglich von 4-8 Uhr. Hohenschönhausen. Berliner Str. 119, bei Dr. Goldberg. Täglich von 7—9 Uhr. Kaulsdorf. Adolfftr. 11 II, bei RatschinSki. Montag, Donnerstag und Freitag von 6—8 Uhr. Klofterfrlde. Bei Kart Eichler. Täglich. Alt-Landsberg lsüd). Landsberger Chaussee bei Thomas Schmidt. Tag- lich bis 7 Ubr abends. Lichtenberg. Bürg erheim str. 94, Arbeiter-Jugendheim. Von 10—7 Uhr. Ltchterfelde. Bäkestr. 7, Arbeiterbücherei. Sonnabends 8—10 Uhr. Mahlsdorf. Bahnhosstr. 16, bei Thiele. Montag, Mittwoch und Freitag von 6— 8 Uhr. Mühlenbeck. Buch horster Straße bei Paul Bruckmann. Sonntags. Neukölln. Jlfestr. 1, Zigarrengeschäst von Mitzlaff. Von 8— 6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. , Weichselstr. 8, Arbeiter-Jugendheim. Mittwoch und Sonnabend von 6'/,— 10 Uhr. Qberschöneweide. Klarastr. 2, Jugendheim. Mittwoch und Sonnabend von 8— 9'/, Uhr. Pankow. Mühlenslraße 30,„Vorwärts"- Speditton. Von 10— 7 Uhr. , Brehmestr. 60. Zigarrengeschäst von Rößner. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. , Kaiser-Friedrichstr. 66, Aufg. I, Erdgeschoß links, Buchbinderei Otto Walter. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Reinickeudorf-Oft. Residenzstr. 66, Zigarrengeschäst von Neumann. Mon- tag u. Sonnabend bis 7 Uhr abends. , Residenzstr. 138, Zigarrengeschäst von Teske. Montag und Sonnabend bis 7 Uhr abends. „ Provinzstr. 56,„Vorwärts'-Spedition. Montag und Sonnabend bis 7 Uhr abends. „ Provinzstr. 74, Bibliothek des Wahlverems. Montag von 8— lO Uhr. Reinickendorf-West. Eichbornstr. 87. Zigarrengeschäst von Kiesel. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme deS Sonnabends. Röntgental. Barbiergeschäst Max Plehn. Täglich außer Sonnabend und Sonntag bis 8 Uhr. �,, Rosentbal-WilhelmSruh. Lindenallee 30, Jugendheim. Taglich 10—11 u. 8—10 Uhr. Rüdersdorf-Kalkberge. Redenstr. 14 bei Otto Fiebig. Täglich. Gr.-Tchönebeck. Ltebenwalde 65 bei Paul Laschin. Sonntag von 10— l2 Uhr. Schöneberg. EberSstr. 32, Zigarrengeschäst von Träger. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Schönerlinde. HauS 89a bei Otto Binder. Dienstag und Freitag von 4-8 Uhr. Schönwalde. Dorsstr. 18 bei Otto Stegemann. Wochentags von 7—9, Sonntags von 10—12 Uhr. Stralau. Krachlstr. 16 II, bei Rausch. Montag und Donnerstag von 3'/, bis 5 Uhr, Sonnabends von 5— 8 Uhr. Segel. S�lieperstr. 30, Jugendheim. Montag und Donnerstag von Sempelhof. Kaifer-Wilhelm-Str. 76, Arbeiter-Jugendheim. Wochentäglich 8-10, Sonntag 3-10 Uhr. Treptow. Graetzstr. 16, HutgeschSst von Fritze. Von 8—8 Uhr, mit Aus- nähme des Sonnabends. Waidmnnnslust. Kurhansstr. 42 I, bei Willi Schulz. Wochentags 3—7, Sonntag 10— 1 Uhr. Weitzensee. Straßburg- Str. 103, Zigarrengeschäst von Klawitte. Von 8— 6 Uhr mit Ausnahme des Sonnabends. Woltersdorf. Schleusenstr. 55. Zigarrengeschäst von Kroll. Täglich. Zerpenschleuse-Kienitz. Bahnhosstr. 49 bei Karl Grund. Sonntags von 10—12 Uhr. Weitere Ausgabestellen werden auf Wunsch errichtet. Singegangene DnicKlclmfren. I biblischer ,___ agdeburg. Dichtungen von C. Ehrenstein. 4L Seiten. d. Aufkk.) 1,50 M.. Letzte Saat. Monatsschrift zur Läuterung und Vertiefung Erkenntnis von Barnim Wilhelm!. 30 Ps. Verlag: Burg bei . Klage» eines Knaben.---- K Wolfs, Leipzig. Ausgewählte Gedichte von F. v. Sollet sBibl geb. 2,25 M. Neuer Frlf. Verlag, Frankfurt a. M. Technik und WirtschaftSwesen im Bäcker- und Konditor- gewerbe und in der Schokoladen-, Zuckerwaren, und Kakeslndustrie. Herausgegeben vom Zentralverband der Bäcker und Konditoren Deutsch- lands. Monatsschrift. Ouartal 50 Ps. Verlag: O. Altmann, Hamburg. Der Neue Welt-Kalender 1914. 38. Jahrgang. 40 Pf. Ham- burger Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Auer u. Co., Hamburg. Lichiftrahlen-Kalender für das Jahr 1944. 25 Heller. I. Brandt u. Co., Wien 6. Der Kunstwart. Augusthest. HalbmonatSschau für AusdruckSkulwr auf allen Ledcnsgebieten. Vierteljahrl. 4*50 M. H. D. 28. Callwcn, München., ®ic Uedeutunq der Koosumgeuossevschaste». Bortrnz don R. Wilbrandt. SV Pf. Vandenhocck u. Ruprecht, Göttingcn, Quadriga. Vierteljahresschrist sür Kultur und Freiheit, Heft 4, 3 M B, Vopeliu-Z. Jena, Zaltomortale. Aphorismen, Essais und Skizzen von P. Hatvani. 1,50 M,, geb, 2,50 M, H, Meister, Heidelberg, Ter Hauslehrer. Skr. 51. Wochcnschrist sür den geistigen Verkehr mit Kindern. Herausgegeben von B. Otto. Vierteljährl. 1,S0 M. Verlag Bcrlin-Lichterseldc, Holbcinstr. 21. Richard Wagner, sein Lebe« in Briefen. Herausgegeben von C. S. Benedict. 5 M., geb. 6,50 M. Breitkops u. Härtel. Leipzig. Kuust und Künstler. Heft 11. Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe. Vierteljährl. 6 M, B. Cassner, Berlin, Derfflinger- flrafcc 15. Kürschners Bücherschah. Nr. 904. Seemaunslebrn von H. Waldegcr. Nr. 905. Ter verschlossene Garten. Roman von I, Hoffncr. �cde Ruuimer 20 Ps. H. Hillger, Berlin W. 9. Tic Rasscnhngjcne in den Bereinigten Staaten von Nord- nmceika. Bon Geza v. Hofsmann. 4 M., geb. 5 M. I. F. Lehmann, München. Ter lustige Hans. Roman von Horst Bodcmer. 1 M. Kronen- Verlag, Berlin ZIV 68. Das Kajütenbuch. Von Eh. Scalsfield.— Maler Nolten. Bon E. Mörikc.— Anna Karenina. Von L. N. Tolstoi. 1. und 2. Bd.— Rot und Schwarz. Von Stendhal.(Bibliothek der Romane. Leinen 5 M,, Leder 5 M.) Insel-Verlag, Lcivzig. Beitrage zur Partcigeschichtc. I. Studien zur Borgeschichte der Zeiitrnmspartei. Bon Dr. L.«ergsträger. 5 M.— Tie voli- tischen Ideen des Karl Fallen. Von R. Pregizer. 3 M. I. G. B. Mohr, Tübingen. Tic neuen Steuer- und Stempclgeseüe, Wrhrbeitrag, Bcsit,. fteucr. Eine Einführung von Rechtsanw. Dr. Rieh. Kurt. 1 M. G. Heii- mann, Berlin\V 8. Gewerbe-»nd KausinannSgrricht. Nr. l l. Monalsschrist des Ver- bandes deutscher Gewerbe- und Kausmannsgerichte. Jährlich 4 M.(S. Reimer, Berlin W. 10. Rassenverbesserung. Malthusianismus und Ncumalthusianismus. Van M. G. Krämers. 6 M., geb. 4,20 M. H. Minden, Dresden und Leipzig. Die Bolkswirtschaft Ungarns lSlS. Von Bcla Katona. 160 T. Gebr. Legradp, Budapest. Tic Brannschwriger G.-N. C.-Monatsschrift. Augusthest. Verlag in Braunschwcig. Tie bunte Garbe. Deutsche Volkslieder mit Singweiien zur Laute 1,50 M. M. Morickc, München. v. S" Zur Sprache des alten Goethe. Ein Versuch über die Sprache des Einzelnen. Von E. Lcwy. Eassierer, Berlin W. 10. Brojch. 1,50 M. Marktpreise von Berlin am 7. August liilZ. nach Ermittelungen des königl. Polizeipräüdiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 00,00 biS 00,00, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00. Roggen, gute Sorte 16,55, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00(ab Bahn). Futter- gerste, gute Sorte 17,20—17,60, mittel 16,70—17,10, geringe 16,80—16,60. Haser, gute Sorte 17,70-19.10, mittel 16,60-17,60. Mais(mixed), gute Sorte 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,60—15,20. Richtstroh 0,00—0,00. Heu, alt 0,00, neu 0,00—0,00. M a r k l h a i I c n v r c i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Sveisebobnen. weihe 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartofisln(KIcinbdl.) 5,00— 12,00. 1 Kilograinm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2.40. Rindfleisch, Lauchsieisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,60—2,10. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,60— 2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,60—5,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,60—2,60. Aale 1.60—3,20. Zander 1,40— 3,60. Hechte 1,60—3,00. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 1,00—50,00. Wetterprognose sür Sonnabend, den g. August lSIS. Ziemlich kühl, uur mittags etwas wärmer, überwiegend bewbltt mft etwas Regen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Detterbureau. Wancritands-Nachrichten der Landcsanitalt für Gewässertunde. mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Jnslerburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krofsbn Frankiurt Warthe,«chrimm Landsberg Netze, Vordamm Eibe, Leitmeritz , Dresden , Barbv Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpcgcl. Witterungsübersicht vom 8. August ISIZ. Llattoneu S' amburg erlin Franst. a.D München Wien Hiinahmestellen für„Kleine Anzeigen" Berlin C. A. Habuiich, Ackerslr. 174. Vi'. G. Schmidt, Zdirchbachstr. 14. Q. R. Harkelbusck, Petersburger Platz 4. Gustav Bogel, Koppen- ftraßc 82. R. Wcngcls. Gr. Frankfurter Str. 120. >4». L. Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12. I. Renl. Banümitr. 42. X. W. Baumann. Rbeinsberger Str. 67. H. Fischer. Bastianstr. 6. Karl Mars, Greifcnhagener Str. 22. I. Hönisch, Müllerstr. 34». H. Bogel. Lortzingslr. 37. A. Tien, Jnvalidcnstr. 124. XW. Solomon Joseph. Salzwedelerftr. 8. S»W. H. Werner, Gneisenanstr 72. Taehn, Hagelberger Str. 27. tz». St. Fril«, Prinzenslr. 31. H. Lehmann. Kottbufer Damm 8. SO. Paul Bobin, Lausitzcr Platz 14/15. P. Horsch, Engelujer 15. Adlcrshof. Karl Schwarzlose, Bismarckstr. 50. Unnniseimleirvvex. H. Hornig, Maricmbalerstr. 13, l. Bnrsistvnlde. Paul Kienaft, Räuschftr. 10. Oiinrlnttenlinrs. Gustav Scharuberg, Sesenbeimer Str. 1. liriedrieiisiissen. Ernst Wertmann, Köpenicker Str. 18. Oriinn». Franz Klein, Friedrichstr. 10. «loiiannisth»!. Max Gouschur, Parkstr. 6, IEari»ii»r»t. Richard Küter, Rödelstr. 9, IL• Köpenick. Emil Wifller, Kietzerstr. 6, Laden. l-iciitenkers. Ltto Seikel, Bartenbergstr. 1. Xieder-Sciiöneneide. Wilh. Uuruh, Brückeustr. 10. Xnvnn e«. Wilhelm Jappe, Lutherstr. 2. Oiier-Sckönetveide. Alfred Bader, Wilhelmmenhosstr. 17, Lade». I'ank«»«-. Qtto Risiman«, Müblenstr. 30. Beinickentivrk. P. Gursch, Provinzstr. 56, Laden. Zlenköiin. M. Heinrich. Neckarjtr. 2. Conrad, Hermannstr. 50. C. Rohr, Siegsriedslr. 28/29. Bnnimeiiiknrx. A. Rosenkranz. Alt-Boxhagen 56. Seliönederzp.'Wilhelm Bäumler, Marttn-Luther-Str, 69 im Lade«. Spnndaa. Koppen, Breiteslr. 64. Stesiit-. H. Berusce. Alsenstr. 5. Xcrnpelhof. Joh. Krohn, Lorussiastr. 62. Treptnn'. Robert Gramenz, Kiesbolzstr. 412, Laden. �Veiiteu»ee. Fuhrmann, Sedanstr. 105. Schillert. Berstner Allee 253, 'Wiiinere.dork. Paul Schubert, Wilb-ümsaue 27. töiiüigz ki!illzi!ft!!l!legl>li!!l>i! WlimMen- ülelileiÄlikleii ieli weiss ganz besonders darauf hin, dass während dieser Veransialfung grosse Gelegenheits-Posten zu wirklichen Ausnahme-Preisen zum Verkauf kommen. Diese billigen Preise haben nur einige Tage Giltigkeit. itetoffe aschstoffe.. jetzt durchweg Meter 25 Pf. Wollmusselme jetzt durchweg Mtr. 60 PI. ■ Cf besteh, aus Popeline, mit Seide OlUSenStOrre U. FIMCU jetzt durchweg Mtr. Ff. Kostümstoffe"5® 1.65 Crepe de chine SÄSK'K 95 pt. Lipdener Köpersamt M°/-"° 1.75 1 Sortiment »underiHir. Seidenstoffe in Streifen und Schotten, vorzugliche Qualitäten............... 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N«W»!««>»»»«» Buehbamlluug Vorwärts, Berlin SW. 68 Ijindensttrasse 69 Klassenjustiz Von Erich Kuttner Preis broschiert 1 Mark In der Einleitung sagt der Verfasser:.Recht und Gerechtigkeit, so verwandt beide auch klingen, sind zwei Begriffe, die sich im heutigen Staate durchaus nicht miteinander decken". Und dieser Nachweis wird hier durch Gegenüberstellung einer Reihe von Gerichtsurteilen überzeugend geführt. Ursprung der Religion und des Gottesglaubens Von Heinrich Cunow Preis LeLneuband 1.50 Mark Aus dem Inhaltsverzeichnis geben wir wieder; Die neuere Religionsforschung.— Die Entstehung der Geister- und Göttervorstellungen.— Die Anfänge des Geisterkults.— Vom Geisterkult zum Totem- und Ahnenkult.— Weltschöpfung. — Himmel und Hölle.— Ahnenv.ergötteruug und Ahnenopfer.— Vom Ahnenkult zum Naturkult,— Weberreste, der Geister- und Ahnenverehrung in der altindischen Religion. 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