N-.2Y4. nbonntments-Bcdingungcn: WonnementS- Preis pränumerando: Licrteljährl. 3,30 ffit, monatl. 1,10 SRI., wöchenllich 28 Pfg. frei inä Haus. einzelne Rümmer b Pfg. Sonntags. nummer mil illustrierter Sonntags- Vellage.Die Reue Welt' 10 Pfg. Post. Wonnement: 1,10 Mark pro Monat. eingetragen in die Posl-Zeitunas. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2,80 Mark, für das übrige Ausland « Mark pro Monat. Postabonnrments nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, nänien, Schweden und die Schweiz. 30» Jahrg. Crfchelnt täglich. Verlinev VolksblÄkk. Die snIeftionz-Lebllhe beträgt für die sechsgcspaltene Kolonek. zcile oder deren Rauiil 00 Psg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versnnimlungs-Anzeigcn 30 Pfg, „Kleine Mnreigen", das settgedruckle Wort 20 Pfg. fzulässig 2 seltgedrullte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg, Etellengeslichc und Echlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 8 Pfg, Worte über 15 Puch- staben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Ndresset „Sozialilftnolirat Berlin", Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktton: 8 LI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS83. Sonntag, den 10. Angust 1913. Expedition: 8W. 68, I�indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Rr. 1384. Sei' europäische llnruheltifter. Aus Wien wird uns vom 8. August geschrieben: Der FriedeinBukarestist geschlossen, die Soldaten der Kriegsführenden werden entlassen und Europa könnte, nach bangen schweren Monaten aufatmend, zur friedlichen Arbeit zurückkehren. Wenn eben nicht Oesterreich-Un- ga r n wäre! Und wenn es dessen vernunftlosen, Irrlichtern nachjagenden Lenkern nicht eben beliebte, eine neue„Frage" zu konstruieren und die Ruhe Europas mit einer neuen Ver- stiegenheit zu stören! Die vernagelten Ballplatzherren können sich nicht entschließen, Ruhe zu halten; und. wie durch den ganzen Verlauf des Balkankrieges der eigentliche Herd der Kriegsgefahr immer das schwarzgelbe Wien war, so bewährt sich die österreichische Diplomatie wieder als der wahre Unruhestifter in Europa. Man kann wirklich die Frage nicht um- gehen, wie lange sich Europa die Wiener Narrenstrciche noch gefallen lassen wird, und ganz besonders wird man fragen müssen, wie lange man denn iii Berlin diese Politik der kindischen Einbildungen noch mitmachen wollen wird. Zeit wäre es, daß man dem Bundesgenossen von Berlin aus be- deuten würde, man habe es satt, immer von neuem mit schwarzgelben„Fragen" des Kalibers behelligt zu werden, wie sie in den Namen Prochaska, Durrazzo, Skutari, und wie all die Stationen österreichischer Unvernunft heißen mögen, in unvergänglicher Erinnerung geblieben sind. Der neueste Ballplatzschwindel heißt: Revision des Bukare st er Vertrages. Der Bukarester Friede, so erklären die Wiener Offiziösen mit dem ihnen eingeborenen Lärm, verletze die„Interessen" Oesterreichs und deshalb müsse Oesterreich auf seiner Prüfung und Revision bestehen. Worin soll nun diese„Verletzung österreichischer Interessen" be- stehen? Der Vertrag berührt nirgendwo die Grenzen oder die Nachbarschaft Oesterreichs: wie soll er also österreichische Interessen berühren? Die Verletzung will Graf Berchtold darin erblicken, daß Bulgarien mit dem Vertrag aus Zentral- Mazedonien hinausgedrängt und„gedemütigt" worden sei. Aber da der Krieg gegen Bulgarien entschieden hat, so ist es doch nur selbstverständlich, daß die Bulgaren die Zeche zahlen und die Demütigung, die ihm die Niederlage bereitet hat, wird keine Intervention von ihm nehmen. Die Welt wird eher meinen, daß Bulgarien, indem es unter die schwarzgelben Fittiche gerät, erst recht gedemütigt dasteht. Aber was geht es Oesterreich an, wenn Bulgarien an Beute weniger heim- bringt, als die überheblichen Herren in Sofia, deren Gier keine Grenzen zu kennen schien, zu raffen gedachten? Von einer Einschnürung oder Erdrosselung Bulgariens durch den Bukarester Frieden ist doch ernstlich keine Rede; Bulgarien bleibt noch immer nach Rumänien der größte Balkanstaat, größer als jeder andere, obwohl es der Bevölkerungszahl unter den Balkannaftonen der kleinste ist. Und ob es ein paar tausend Quadratmeter mehr hat oder nicht, kann dock) jeden Menschen Europas kalt lassen. Natürlich geht es den Schwarz- gelben auch nicht um Bulgarien; es geht ihnen um Ser- b i e n, dem sie weder den moralischen, noch den materiellen Erfolg gönnen, den es sich in zwei Kriegen erstritten hat und dem die schwarzgelbe Großmachtsucht, die heute keine andere ist als zu Metternichs Zeiten, nur daß sie das Objekt gewech- seit hat, den Herrn zeigen will. Von dem Aberwitz dieser Politik, die die Serben natürlich niit dem stärksten Unmut gegen die Großmacht erfüllen muß, nicht zu reden: wie kommt aber Europa dazu, von diesen schwarzgelben Schmerzen immer aufs neue beunruhigt zu werden? Und welche Argumente man da vernimmt! Allen Ernstes wird von den dreisten Ballplatzoffiziösen die For- derung nach Revision des Bukarester Vertrages mit dem na- t i 0 n a l e n Rechte begründet: die„bulgarischen Mazedonier" dürfen nicht„zerstückelt" werden. Das wagt ein Staat zu sagen, der von der Zerstückelung der Nationen lebt und min- bestens sechs Nationen um ihre nationale Einheit betrügt! Und wie könnte diese Revision, die sich Oesterreich-Ungarn in Gemeinschaft mit Rußland„vorbehalten" hat, wohl durch- gesetzt werden? Es wäre schon verwunderlich, wenn sich die anderen Mächte einer papiernen Vorstellung anschließen Würden; aber was soll geschehen wenn sowohl Serbien wie biet?nach dem�NaÜ-nolit� Trobdem'n-w/ Bul- Griechenland, wozu sie durchaus befugt sind, und worauf mit„„ien das Neboreinlomm-n auf Grundlage der tatsiichiichen Lage Bestimmtheit zu rechnen ist die.Forderung Europas ab-„„ in per Hoffnung, daß sich die Mächte für das Schicksal«u(- lehnen. Wünscht�, eiterreich vielleicht, leiner historischen Rolle gariens mit Rücksicht auf die von diesem gebrachten Opfer intcr- getreu, auf� dem Balkan den Gendarm zu sp'clen? Und w,e kss.crcn würden. P» l i t i s erklärte, Griechenland unterzeichne den dumm in Hinsicht aller möglichen Folgen diese Ballplatzpolltlk Bertrag in der U-berzcugung. dasi er auf einem gerechten Gleich- ist? Naturlich w,rd Rußland gegen Serbien keinen Finger gewicht gegründet sei und nicht auf der tatsächlichen Lage Sp°- rühren: ihm handelt es sich w nur darum, den Bulgaren laikowitsch führte aus, der Vertrag sei ein Werk der Gcrcch- Kavalla zu retten, wobei es aber über platonische Bemühungen tigkeit und des gerechten Gleichgewichts sicherlich nicht hinausgehen wird. Es wird also der ganze Ministerpräsident Majoreseu sagte, er glaube der Dol- Haß der Balkanvölker auf Oesterreich fallen, denn auch Ru- � metscher der einmütigen Gefühle der Konferenz zu sein, wenn er mamen wird die österreichische Einmischung, die doch auch ein hervorhebe, das? die abgegebenen Erklärungen den Wert des ab- Attentat auf fern Werk ist und die den Erfolg seiner geschlossenen Friedens, der die Grundlage des endgültigen sei, nicht Bemühungen zunlckite machen will, nur Mit dem größten Un- verringerten und abschwächten.— Sodann wurde die Sibung auf-! Balkanstaaten stinimen, den im Auftrag Berchtolds mit so großartigen Gebärden ber Graf Tisza verkündet hatte? Als Rußland den Schiedsrichter spielen wollte— übrigens mir, weil Serbien und Bulgarien dieses Schiedsrichteraint verein- bart hatten—, da berief sich Oesterreich auf die„tinautastbare Selbständigkeit" der Balkanstaaten. Nun sie wirklich selb- ständig gehandelt und den Frieden ganz allein zu Wege gS bracht haben, mischt sich Oesterreich hinein und erklärt, der Bukarester Friedensverttag sei höchstens„schätzbares Mate rial!" Jetzt jammern die Schwarzgelben über die Temüti gung Bulgariens: aber wer war es, der Bulgarien zu dem Beutekrieg gegen Serbien und Griechenland angestiftet hat. dessen Folgen nun die Bulgaren in allen Knochen spüren? Niemand anders als Oesterreich! Man braucht da nicht ein mal zu wissen, was hinter den Kulissen vorgegangen ist, od wohl davon schon mancherlei durchgesickert ist; schon der Rat Bulgarien solle sich r e ch t z �i t i g mit Rumänien aus gleichen, war der Rat, Bulgarien möge sich, von der rumüni- schen Gefahr befreit, auf Serbien werfen. Die Schwarzgelben die ja immer auf das falsche Roß setzen, hielten nämlich den bulgarischen Sieg über Serbien und Griechenland für tote Gewißheit und sahen das verhaßte Serbien im Geiste schon zerschmettert. Ob sie auch dann für die Bewahrung des „Gleichgewichts" interveniert hätten? Nun ist es anders gekommen, Bulgarien ist schon vor dem rumänischen Einmarsch an der Bregalnitza und an der ägäischen Küste besiegt worden und kann nun darüber bittere Erwägungen anstellen, wer ihm besseren Rat gab: Rußland, das es zu schicdlichen Verhandlungen anrief, oder Oesterreich das es zuni Kriege lockte. Tatsächlich hätte sich Bulgarien, wenn es die Verhandlungen mit Serbien und Griechenland nicht hochmütig abgelehnt hätte, all die Schicksalsschläge er- spart, die es jetzt als Folgen seiner Fehler tragen muß: den Einmarsch der Rumänen, den Vormarsch der Türken und den größten Teil der Verluste in Mazedonien und am Aegäischen Meer. Wenn sich also Oesterreich nun aufspielt, als habe es nur die Bewahrung des Gleichgewichts im Auge, so sprechen alle Tatsachen dagegen. In Wahrheit war seine Absicht darauf gerichtet, die Balkanvölker durcheinander zu Hetzen und Sev bien zu enfträften: der Versuch einer macchiavellistischen Po litik, der freilich böse geendet hat. Aber wie es schon im Wesen dieser Politik liegt, möchte man mit ihr fortfahren, um mit den neuen Dummheiten die alten zuzudecken. Doch ist die europäische Welt der Balkangreuel so müde, daß der Eifer des Ballplatzes, sie auf der Tagesordnung der Sorgen Europas zu erhalten, vergeblich sein wird. Der öfter reichische Unruhestifter wird weiteren Unfust nicht stiften kön nen, so gerne er es auch wolltd. Die letzte Sitzung der Friedenskonferenz. Bukarest, 9. August. Die Friedenskonferenz hielt heute vormittag ihre letzte Sitzung ab. Mistitfch verlas eine Er- klärung des Inhalts, daß Serbien sich das Recht vorbehalte» die Prüfung der Entschädigung dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten. Eine gleiche Erklärung gab B e n i z e l 0 S ab. Die Konferenz fuhr dann in der Beratung der Artikel des Friedcnsvcr- träges fort. Artikel 5, der die Demobilisierung betrifft, wurde angenommen. Artikel 6 handelt von der Räumung des bul- garischcn Gebietes durch die Heere. Die Räumung wird erst nach der bulgarischen Demobilisierung stattfinden. Der Artikel wurde angenommen; ebenso Artikel 7, der sich mit der Frage der Truppcntronsporte auf bulgarischem Gebiete befaßt, sowie A r- tikel 8 über die Kriegsgefangenen und Artikel 9 über die Ratifikation des Vertrages. Vor Beendigung der Debatte fragte Bcnizelos noch einmal die Bulgaren, ob sie nicht die Erklärung über die gegenseitige Frei- heit von Kirche und Schule annehmen wollten, die gestern in der Schwebe gelassen worden war. Radeff erklärte, rr könne die Frage nicht auf der Stelle entscheiden und bcdaure, daß sie nicht mit allen Balkanstaatcn zu einem Resultat geführt habe. Spa- laikowitsch erklärte, daß die Frage der alten Grenze Serbiens, die feit dem Berliner Kongreß eine Streitfrage gewesen sei, nunmehr geregelt sei. T 0 n t s ch e w verlas eine Erklärung, die besagt, daß Bulgarien gewünscht hätte, daß die Teilung«der G- behagen wahrnehmen. Tie hohle Prestigepolitik, als welche sich diese unfrucht- bare Einmischung vorweg kemlzeichnet, kann nur niit Miß- erfolg auf der ganzen Linie endigen. Das besonders Widerwärtige der Ballplatzpolitik liegt aber in ihrer Heuchelei. Wie soll diese Einmischung zu gehoben. Die Unterzeichnung des Fricdensvcr- träges findet morgen früh um 9 Uhr statt; daran schließt sich ein feierliches Tcdcum in der Kathedrale. Die Kirchen- und Schulfrage. Bukarest, 9. August. Mit Bezug auf die von Bulgarien dem Grundsatz von der„absoluten Unabhängigkeit" der gewünschte Kirchen- und Schulfreiheit iu den annektierten Gebieten auf Grundlage der Gegenseitigkeit hat der bulgarische Delegierte T 0 n t s ch e w in der gestttgen Sitzung der Fnedenskonfereuz folgende Erklärung abgegeben:_ In Anbetracht dessen, daß der Zweck des Krieges gegen die Türkei der lvar, der christlichen Bevölkerung Freiheiten für ihre nationale Entwicklung zu erringen, und iu Anbetracht dessen, daß dieser Zweck durch den zweiten Krieg nicht aus der Welt geschafft sein konnte, endlich in Anbetracht dessen, daß die befreiten christlichen Völker berufen sind, gemeinsam zu leben, schlagen die bulgarischen Delegierten vor, daß unter dem Titel der Gegenseitigkeit allen christlichen Völkern der neuen von Serbien, Griechenland und Montenegro annektierten Ge- biete Kirchen- und Schulfreiheit gewährt werde. Frankreich und die Revision des Friedensvertrages. Paris, 9. August. Eine offenbar offiziöse Note erklärt: Heute erfolgte zwischen Petersburg und Paris ein Gedanken- austausch bezüglich des gestern von dem russischen Gesandten im Hinblick auf die Revision des Bukarester Vertrages unter- nommenen Schrittes. Die ftanzösische Regierung, der vorher keine russischen Vorschläge vorgelegen hatten, hat erst gestern von dem Schtttte erfahren. Sie wird die daraus erwachsen- den Folgen prüfen von dem lebhaften Wunsch geleitet, den in Bukarest abgeschlossenen Verttag, welchen sie für gerecht und befriedigend hält, auch für Rußland annehmbar zu machen. Diplomatische Schaumschlägerci. Aus K 0 11 st a n t i n 0 p el wird uns geschrieben: Die Angst, die die feindselige Haltung Europas, d. h. der Groß- mächte, denn im Orient wird nur mit den Regierungen ge- rechnet, in< der Frage der Neubesetzung von A d r i a- 11 0 p e l durch die Türken hier ursprünglich verursacht hatte, hat sich nunmehr in sehr bedeutendem Maße gelegt. Selbst die furchtsameren Gemüter beginnen zu glauben, daß das Abenteuer zu einem mehr oder weniger glücklichem Ende wird geführt werden können, während die mehr radikal Gesinnten sich in recht unehrerbiettgen und anzüglichen Aeußerungen über dasselbe Eiuwpck ergehen. Soviel ist klar: wenn etwas geschehen sollte, so müßte es schon längst geschehen. Jeder Tag, der verstreicht, verstärkt die Stellung der Türken in Adrianopel und macht ihnen zu- gleich den freiwilligen Abzug unmöglich. Dock) was konnte denn geschehen? Eine Flottendemon- stration? Wir haben hier genug Kriegsschiffe gesehen! Uebcr zwanzig standen da noch vor wenigen Monaten, was will man denn noch mehr? Daß Europa viel schwimmendes Eisen hat, das wissen die Türken sehr gut. Eine Flotteiidemonstration konnte im Orient eine Bedeutung haben zu Friedenszeiten, weil sie den Krieg in Aussicht stellte und damit ein neues Aufrollen der„Orientfrage". Wer die Orientfrage ist längst aufgerollt, die bluttge Auseinanderreißung ist ini vollem Gange, es herrscht der Krieg— da kann die Kriegsdrohung nicht mehr erschrecken. Wollte man handeln, so mußte man gleich eingreifen und das können eben die Großmächte nicht. Es ist gut, daß dem so ist, denn vielleicht werden wir dadurch wenigstens vorläufig vor einem europäischen Kriege bewahrt. Aber„etwas" muß doch unternommen werden I Allem Anscheine nach geht man in diplomatischen Kreisen dem Wahne nach, daß man es seiner eigenen„Würde" schuldig sei, etwas zu unternehmen. Indessen hatte die Kollektivnote sich in eine gemeinsame Note verwandelt, die von den einzelnen Mächten präsentiert wurde. Mit anderen Worten: die Großmächte sind scheinbar einig in ihren Bestrebungen, können sich aber offensichtlich nicht zusammenschließen, sie halten sich gegenseitig die Wagschale, selbst wenn sie ein gemeinsames Ziel ver- folgen und diese ihre gemeinsame Unschlüssigkeit bedeutet ihre Eintracht. Was nun den materiellen Wert etwaiger„Kompen- sationen" für die Aufgabe in Adrianopel anbetrifft, so kann man schon jetzt sagen, daß man sich hier daraus nichts macht, und daß sie ihre Wirkungen vollkommen verfehlen werden. Die einzige hiesige Zeitting,— in französischer Sprache— die das Gerücht über„Kompensationen" ernst nahm, wurde von der übrigen Presse sofort zurückgewiesen. Es gibt in diesen Kompensationen tatsächlich nichts, wofür man sich be- geistern könnte. Die Abtretung einiger Inseln? Aber die Jnselfrage ist ja überhaupt noch nicht entschieden. Es handelt 'ich dabei nicht bloß um türkische, sondern zum Teil um euro- päische Interessen, die mit ihnen übereinstimmen,— mau glaubt deshalb hier, daß man nichts verlieren wird, wenn man mit der Entscheidung abwartet. Die Aenderung der Grenzlinie Midia-Enos? Aber diese Aenderung ist ja eben von der Türkei selbst durch den Marsch auf Adrianopel vor- genommen worden, und zwar in einer sehr gründlichen Weise. Was hier der Türkei als Kompensation geboten werden könnte, wäre für sie nicht mehr Gewinn, sondern Verlust. Schließlich die Erhöhung der Zölle? Von Rechts wegen hat Europa überhaupt nichts in die türkischen Zollfragcn hinein- zureden. Es ist ein Recht, das Europa sich unrechtmäßig an- maßt und das es zum Zwecke der politischen Pression ge- braucht. Klar ist, daß Europa dabei die Türkei mit ihrem eigenen Gelde bezahlen will. Denn eine Zollerhöhung in einem Lande, wo es fast gar keine Industrie gibt, bedeutet eine Preissteigerung. Nun ist aber die Konsumtion und i» folgedessen die Wareneinfuhr der Türkei auch so schon infolge des Krieges in starkem Rückgange. Eine ZollerhöhuNg in diesem Augenblick würde infolgedessen finanziell sehr wenig einbringen und nur eine Handelskrisis heraufbeschwören kön ncn, auf alle Fälle die Bevölkerung stark belasten. Die Cholera. Bukarest, V. August. Das rumänische Kriegsministerium teilt niit, daß nach amtlicher Mitteilung aus dem großen Hauptquartier unter den Truppen 38V Krankheitsfälle mit Choleraerscheinungen, 425 verdächtige Fälle und 133 Todesfälle an Cholera und anderen Krankheiten zu verzeichnen sind. rsgegelcker und Reisekosten der Schöffen und Geschworenen. DaS„Reichsgesetzblatt" von gestern enthält das Gesetz über die Entschädigung der Schöffen und Geschworenen. Es tritt mithin am 24. August in Kraft. Der„ReichSanzeiger" enthält die bundesrätliche Verordnung über die Höhe der Entschädigungen. Die drei Para- graphen dieser Verordnung lauten: s 1. Schöffen und Geschworene erhalten für jeden Tag der Dienst lcistung ein Tagegeld von v M. Als Tag der Dienstleistung gilt jeder Tag, an dem der Schöffe oder Geschworene mit Rücksicht auf sein Amt am SitzungZort anwesend sein muß. Schöffen und Geschworene erhalten mißerdem für jebeS durch die Dienstleistung notwendig gewordene Nachtquartier eine Zulage von 3 M. § 3- Schöffen und Geschworene, die außerhalb ihre? Wohnort? einen Weg von mehr als zwei Kilometer zurückzulegen haben, erhalten als Rciseentschädigung für jedes angefangene Kilometer des Hinwegs und des Rückwegs: 1. bei Wegen, die auf Eisenbahnen, Kleinbahnen oder Schiffen zurückgelegt werden können, 3 Ps,■ 9. bei Wegen, die nicht in dieser Art zurückgelegt werden können, 20 Pf. Soweit ausnahmsweise auS besonderen Gründen die Benutzung von Beförderungsmitteln, die höhere Auslagen erfordern� notwendig ist, sind die erforderlichen höheren Auslagen zu ersetzen. s 3. Die Reiseentschädigung wird auch für die Reisen gewährt, die der Schöffe oder Geschworene während der Tagung nach seinem Wohnort und zurück macht. Sie darf jedoch die Höhe der Bezüge nicht übersteigen, die der Schöffe oder Geschworene erhalten haben würde, wenn er am SitzungSorte hätte anwesend sein müssen. pditilcke Qeberlxcbt Aendernng des Militärstrafgesetzbuches. Die Regierung hat sich nun doch zu der vom Reichstag aus Anlast' der drakonischen Erfurter Urteile geforderten Milderung des Militärstrafgesetzbuches bequemt. Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet an der Spitze ihrer letzten Nummer: .Der vom Reichstag beschlosiene Gesetzentwurf, betreffend Aenderung de» Militärstrafgesetzbuchs, war in der Sitzung des Bundesrats vom 3. Juli 1S13 den zuständigen Ausschüssen überwiesen worden. Nachdem inzwischen sämtliche Bundes- regierungen ihre Zustimmung zu dem Gesetzentwurf erteilt haben, ist die Borlag« gestern von Seiner Majestät dem Kaiser vollzogen ..-.worden."" Der Wortlaut der Aenderung soll in der nächsten Nummer des Reichsgesetzblattcs erscheinen. / Vor dem Ehrengericht. Eine militärische Nachrichtenquelle meldet: »Den in dem Prozeß gegen Titian und Genossen bielgenannten früheren Krupp-Vertreter v. Metzen führt die neueste Rangliste(vom 3. Mai 1913) als Hauptmann der Reserve des 1. Ober-Elsässischen Feldartillerieregiments Nr. 16, unter der Kontrolle des LandwehrbezirkS VI, Berlin, auf. Sollten sich die- Behauptungen bewahrheiten, wonach Hauptmann der Reserve v. Metzen nicht einwandfrei in der Verwertung der Kornwalzer-Abschriften vorgegangen ist, sv dürften sich die militärischen Ehrengerichte bestimmt noch mit seinem Fall beschäftigen. Daß die nächste Rangliste der königlich preußilchen Armee die drei mit Gefängnis bestraften Zeugleutnants Titian, Schleuder und Hinst unter .Außerdem Abgang", also als freiwillig auS dem Heere auS- geschieden, verzeichnen wird, versteht sich auS der Urteils- bcgründung von selbst. Ueber das Schicksal als Portepeeträger des Zeugleutnants Höge, gegen deir auf 43 Tage Festungshaft erkannt wurde, werden seine Standesgenossen noch besonders zu entscheiden haben." ES war vorauszusehen, daß die.Patrioten" de» Herrn v. Metzen anfallen würden, um herauszufinden, ob der auf ihm lastende Ber. dacht, dem Genossen Liebknecht die Kruppschen„Kornwalzer" ge- liefert zu haben, gerechtfertigt ist. General v. Falkenhayns Debnt. Mit seiner Aufforderung an die Geschäftswelt, in ihren Bureaus pensionierte Offiziere anzustellen, hat sich der junge Nachfolger des Generals v. Heeringen eine böse Suppe eingebrockt, er hat die breite Schicht der Privatangestellten zu lebhaftem und nachdrücklichem Protest veranlaßt. Die Privatangestellten sehen sich in ihrer Existenz bedroht, wenn die Unternehmer den Wünschen des Kriegsministers Folge geben würden, für die Armee nicht mehr brauchbare Offiziere in Handels« und Gewerbebetrieben einzustellen. Auch die.Deutsche Jndustrie-Beamtcn-Zeitung" geht auf die Angelegenheit ein und iveist ganz mit Recht darauf hin, daß durch die Vermehrung des Heeres um mehr als 100 000 Mann die Zahl der Militäranwärter ohne weiteres gewaltig steigen wird. Das bedeutet für die einzelnen Angestelltenkategorien, bor allem für die Bureauangestellten, eine Verschlechterung des ArbeitSmarkteS. Die Gesamtlage der An« gestellten würde in geradezu gefährlicher Weise verschlechtert, wenn zu dem vermehrten Arbeitsangebot der Unterschicht nun durch ein- rückende fremde Elemente in die höheren Stellungen die Zahl der Vakanzen weiter beschränkt wird. Das Blatt fährt fort: „Gerade die älteren Angestellten, mit denen nun die Offiziere auf dem Stellenmarkt in Wettbewerb treten sollen, sehen sich ohne- dies schon in ihrem Fortkommen sehr beengt und würden dann später vielfach überhaupt nicht mehr unterkommen können. Die Handelskammern können deshalb im allgemeinen Volkswirtschaft« lichen Interesse unmöglich den Anregungen des KriegsministerS � folgen und die staatliche Fürsorge für die Offiziere muß sich eben nach denselben Grundsätzen vollziehen, nach denen die Alters- d-rsoraunq der Privatangestellten erfolgt. Dannt_ soll gesagt werden daß die Verabschiedung der Offiziere erst im Fall der Berufsunfähigkeit einzutreten hat und sie dann ihren Lebens- unterhalt aus den gewährten Ruhegeldern bestreiten. Die letztere Forderung entspricht der von den Sozialdemokraten seit Jahren im Reichstage vertretenen Anschauung, daß mit dem jc„t in der Armee üblichen Pensionierungssystem aufgeräumt werden muß. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß fünf oder sechs Haupt- leute pensioniert werden müssen, damit der siebente zum Major be fördert werden kann. Im Privatbetriebe ist eS auch nicht üblich, die Vorderleute etwa zu pensionieten, weil ein anderer besonders befähigter Angestellter zu einer höheren Stellung berufen wird. Was im Privat« betriebe Wahnwitz wäre, das kann im Armeebetriebe nicht Vernunft sein, und eS ist immerhin erfreulich, baß nunmehr auch weitere Kreise die Berechtigung der erwähnten sozialdemokratischen Forderungen einsehen. Was die jahrelange Arbeit der sozialdemokratischen Presse nicht erreichen konnte, daS hat mit einem Schlage der Kriegsminister mit seinem Erlaß erzielt: er hat weite Kreise der bürgerlichen An gestellten auf die große Gefahr aufmerksam gemacht, die in dem bisher üblichen Offiziers-Pensionierungssqstem begründet ist. Diesen Erfolg hätte sich der Kriegsminister allerdings wohl.kaum träumen lassen. Ter liebe Gott als Partcichef des Zentrums. Auch im Zentrum ist gar mancher nicht mit der Verabschiedung der Militärborlage zufrieden. Naive Anhänger der Zcntrumspartei meinen, daß die Frallion von der Regierung kirchenpolitische Zu- geständnisse hätte erpressen müssen, eheste zu der Millionenforderung ja sagte. Hat doch neulich in einer geschlossenen Windthorstbund- Versammlung zu Köln ein enttäuschter ZentrnmSmann eS fertig gebracht, die Reichstagsabgeordneten des Zentrums als.Wasch« läppen" zu bezeichnen. Deshalb hat eS Herr Oberlandesgerichts- rat Marx, Reichs- und LandStagSabgeordneter, unternomm, die kochende katholische Volksseele wieder in die richtige lauwarme Teniperatur zu versetzen. Laut Berichten der Zentrumspresse hat er sii seinem Wahlkreise Mülheim a. Rh. in einer Rede gesagt: Die Zentrumspartei verkennt nicht, daß diese Wünsche in vielen Herzen schlummern und daß der Gedanke, einmal mit der Faust auf den Tisch zu schlagen, viele bewegt. Bei der Wehrvorlage handelte es sich nicht um eine Gefühlssache, da stand das Wohl und Wehe dcS deutschen Volkes zur Sprache. Gefühlspolitik zu treiben, hörte da auf. Wir vom Zentrum mutzten uns fragen: Entweder ist die Wehrvorlage notwendig oder nicht. Wenn nicht, dann mußten wir sie ablehnen. War sie aber notwendig, dann mußten wir sie unter allen Umständen annehmen. Unsere Pflicht verlangt! dem Staate zu geben, was des Staate? ist. Wir im Zentrum sind eine staatstreue Partei. Wir haben viele Leiden ausgestanden und stehen sie noch heute aus. Um nur eine? zu nennen: unsere Besten hat man aus dem Lande getrieben. Aber dennoch erfüllen wir unsere Pflicht, nicht irgendeiner Regierung zuliebe, sondern weil Gott es uns s o vorgeschrieben hat, und unser Gewiffen es so verlangt. Sich einer an; der liebe Gott wollte die Annahme der Militär- Vorlage durch da» Zentrum. Demnach müßte der Herrgott seine Ueberzeugung in den letzten zwanzig Jahren stark gewandelt haben. Denn in den 70er und 80er Jahren hatte er doch dem Zentrum„borgeschrieben", jede Militärvorlage abzulehnen. Herr Abgeordneter Marx will also glauben machen, der liebe Gott habe sich mit dem Zentrum vom wilden Oppositionsmann und Reichs- feind zum friedlichen Mitarbeiter deS preußischen KriegSministerS, vom entschlossenen Antimilitaristcn zu einem begeisterten Freunde deS preußischen Kommiß entwickelt. Mit einem solchen GottcS- glauben mag Herr Marx vor dem Zentrumsvolke Eindruck machen; andere Leute aber werden meinen, eS sei doch etwas starker Tabak, von dem Herrgott vorauszusetzen, daß er so bereitwilligst alle Um- fälle des Zentrums mitmacht._' EtwaS mehr Telbsttritik. Auch die freisinnige Presse hat natürlich auf Grund deS Vor- standSberichtS der sozialdemokratischen Partei an den bevorstehenden Jenaer Parteitag allerlei tiefsinnige Betrachtungen über den Verfall der deutschen sozialdemokratischen Bewegung angestellt und sich über daS angeblich recht.geringe" Verhältnis der Organisierten zu der Masse der sozialdemokratischen ReichStagswählcr aufgehalten, obgleich zweifellos die Fortschrittliche Volkspartei zu den am schlechtesten organisierten Parteien gehört. Diesen Kritikern, die im eigenen Auge nicht die Balken zu sehen vermögen, tritt Dr. Friedrich Naumann in der»Hilfe" mit folgenden Ausführungen entgegen: .In der rechtsstehenden Presse begrüßt man diesen Bericht mit einigem Jubel, und auch in nationalliberalen, vereinzelt sogar linkSliberalcn Blättern kann man lesen, wie bereits auf einen Rück- gang der sozialdemokratischen Organisation geschlossen wird. Wir halten derartige Schlüsse für äußerst gewagt und übereilt. Es ist doch ganz klar, daß nach der gewaltigen Kraftanspannung vor und in dem letzten ReichstagSwahlkampfe eine vorübergehende Ermattung eintreten mußte. Sodann dürste, so etwa wie in der Landwirt- schaft das Gesetz vom abnehmenden Bodenertrage, auch in der Politik der Satz gellen, daß irgendwann die organisationSwilligen Gesinnungsgenossen von der Organisation von solchem Umfange erfaßt sind, daß der Agitationsaufwand für jedes weitere Mitglied immer größer werden muß. Der Schluß, ob bei der Sozialdemokratie bereits diese Rentabilitätsgrenze der agi- tatarischen Arbeit erreicht ist, läßt sich um so weniger ziehen, als ja die„Düngung des Bodens" nicht bloß von der eignen Partei- arbeit der Sozialdemokratie, sondern weit mehr noch von dem Sündenmaß der herrschenden Pareien abhängt. Wir meinen deS- halb, daß das Anwachsen der sozialdemokratischen Organisation von 970112 Mitgliedern im Jahre 1912 auf„nur" 932 860 im Jahre 1913 keineswegs Anlaß gibt hu billigem Spott oder gar vorzeitigen Hoffnungen. Umgekehrt I Die gewaltige Zahl von fast 1 Million Mitglieder und die ruhige Sicherheit, mit der man ein Abflauen des Wachstums feststellt, sollten unsere Freunde zu höheren Leistungen anspornen. Annähernd jeder viert« sozialdemokratische Wähler ist in der Partei organisiert. Wenn wir eine verhältnismäßig gleich. wertige Organisation unserer Fortschrittlichen Bolksvartei auf- weisen wollen, so müßten wir mindestens 300 000 zahlende Mit- glieder haben. Wie viele aber haben wir in Wirklichkeit? Die Tatsache, daß nicht einmal zuverlässige Ziffern darüber vorliegen, sagt genug. Also nicht über andere spotten, sondern selber ar- betten I"_ Landtagsstichwahl in Detmold. Beicher am Freitag vollzogenen Stichwahl zwischen dem Wild- konservativen Kreing und dem Fortschrittler Dr. Reumann-Hofer siegte ersterer mit 784 gegen 778 Stimmen. Die Fortschrittler haben somit ein von ihnen bisher behauptetes LandtagSmandat verloren. Der Ausgang dieser Wahl entbehrt nicht eine? aewissen tragikomischen Beigeschmacks. Dr. Neumann-Hofer hatte sich bei. den allgemeinen Wahlen nicht mehr in der dritten Klasie. sondern in der zweiten ausstellen lassen. Dort wollte er einen Konser- vativen zu Fall bringen: statt dessen fiel er selbst durch. Nun mußte der an seiner Stelle in der dritten Klasie gewählte Abgeordnete durch Niederlegung des Mandats Platz machen und Neumann-Hofer wurde gewählt. Die Wahlprüfungskommission des Landtags erklärte aber diese Wahl für ungültig, woraus Neumann-Hofer das Mandat niederlegte. In der nun_ zum drittenmal in diesem Kreise vor- genommenen Wahl fiel er jetzt durch und die Folge der fortschritt- lichen Mandatspolitik ist der Gewinn eines Mandats für die Kon- fervativen._ Offiziell dementiert. Das Wölfische Telegr. Bureau berichtigt: Durch einen großen Teil der Presse geht eine Meldung der .Braunschweigischen Landeszeitung", daß gegen daS gesamte Direktorium der Firma Krupp Anklage erhoben worden sei und daß diese Herren neben dem früheren Bureauchef der Firma Krupp in Berlin. Brandt, sich vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Berlin I in der ersten Septemberwoche zu verantworten haben werden. Demgegenüber erfahren wir. daß eine Anklage bisher überhaupt noch nicht erhoben ist, daß vielmehr die Akten der Staqlsonwaltschaft sich noch beim Kriegsgericht befinden und dem Untersuchungsrichter noch nicht zurückgestellt sind. Daher kann von einer Terminansetzung keine Rede sein. Die Meldung ist daher in allen Teilen falsch I Ein Soldateuquäler als„gute Stütze des Dienstes"! Wegen einer Reihe roher Mißhandlungen und Uebergriffe gegen« über wehrlosen Untergebenen stand der 24 Jahre alte Unter« offizier Posselt von der 6. Batterie des Artillerie-Regiment« Nr. 23 vor dem Dresdener Kriegsgericht. Der Angeklagte wird als ein„energischer und t u ch� i g e r Vorgesetzter" und„q ute Stütze des Dienstes geschildert". Beiden „Gemeinen" war er wegen seines brutalen Auftretens geradezu gefürchtet. In den Mannschaftsstuben wurden die Roheiten dieser Stütze oft besprochen, aber niemand wagte es, ihn zur Meldung zu bringen. Dadurch kam es, daß er seine erzieherische Tätigkeit längere Zeit ungehindert betreiben konnte, bis er eines Tages im Juni seiner Roheit die Krone aufsetzte und einer der am meisten gequälten Soldaten den Stein ins Rollen brachte. Beleidigende Ausdrücke wie Lausejunge, Rotzjunge, Schweinehund, Mi st junge usw. waren gang und gäbe, können aber im einzelnen nicht festgestellt werden. Einwandfrei nachgewiesen sind einige Fälle, in denen der Angeklagte einen Gefreiten in unflätiger und ordi- närer Weise beschimpft hat. Während des Exerzierens ging der„Erzieher" einmal mit blank gezogenem Säbel auf einen Soldaten loS und brüllte:.Hund ver- dammter, ich steche dich nieder oder rammle dich über'» Haufen!" Am meisten hatte der Fahrer Krahl unter den Quälereien zu leiden. Krahl war mehrmals im März und April, als eS noch kalt war, vom Angeklagten mit nach dem Kühl- räum genommen und dort mit dem Kopf unter die Wasserleitung gedrückt worden; er mußte dann daS eisige Wasser über den Kopf laufen lassen. Als Krahl im Stande beschäftigt war, wurde er mehrfach in schmerzhafter Weise mit den Fäusten in die Seite geschlagen und mit dem Knie ins Gesäß gestoßen, daß der Mißhandelte in die Streu fiel. Dazu sagte der Rohling noch:„Du gottverdammter Hund, mach daß Du raus kommst I" Ein andermal soll Krahl sein Pferd zu ängstlich geputzt haben, dafür bearbeitete ihn der Soldatenquäler mit beiden Fäusten— um„nachzuhelfen" I Eines Morgen? hatte der Angeklagte während des Stalldienstes geschlafen und'wurde deshalb vom Wachtmeister zur Rede gestellt. AuS Wut darüber stürzte er auf den Soldaten Krahl zu, schlug ihn 4— 6 mal mit den Fäusten in die Seite und versetzte ihm außerdem noch mehrere Stöße ins Gesäß. Diese Mißhandlung war dem Soldaten denn doch zu arg. Er faßte Mut zur Meldung. Der Angeklagte stellte in der Verhandlung alle» in Abrede. Die Beschuldigung fei eine.abgemachte und ausgeknobelfe Sache" und Krahl zur Meldung aufgehetzt worden. Für diese Be- hauptung ergab die Beweisaufnahme jedoch nicht den geringsten Anhalt.' Der Zeuge Krahl bekundet« im Gegenteil, die Sache nur gemeldet zu haben, weil ihm die Mißhand« lungen unerträglich waren und um endlich vor dem Rohling Ruhe zu haben. Das Gericht erkannte wegen Mißhandlung, vorschriftswidriger Behandlung und Beleidigung Untergebener in neun Fällen unter Annahme.minderschwerer Fälle auf-- vier Wochen mittleren Arrest 1 1 Italien. Das Blutbad von Roccagorga. Rom, den S. August.(Eig. Ber.) Langsam, wie die berühm» ten Mühlen Gotte», mahlt die Mühle der italienischen Justiz. Da- her kamen dir Angeklagten wegen der Unruhen von Roccagorga, die am 6. Januar d. I. stattfanden, erst am 8. d. M. vor daS Gericht von Frosinone. Angeklagt sind natürlich nicht die Kara- binieri und Soldaten, die auf die Menge geschossen haben und 6 Tote und 30 Verwundete auf dem Platze ließen: angeklagt sind die Landarbeiter, die nicht klug genug waren, sich durch eine Kugel allen Elends und aller Not entheben zu lassentz DaS Blutbad erfolgte während einer Demonstration gegen die Gemeinde- Verwaltung, und namentlich gegen den Gemeindearzt, der in ge- meinster Weife die Bevölkerung ausbeutete. Der Mann liefert selbst die Medizinalien, und zwar zu so ungeheuren Preisen, daß die Leute dieselben Arzneien für ein Drittel oder ein Viertel deS Preise» in der Apotheke eines benachbarten OrteS erhalten konnten. Außerdem warf die Bevölkerung dem Arzt völlige Vernachlässigung der mittellosen Kranken vor und forderte deshalb feine Entlassung. Unter mehr als 100 Verhafteten wurde gegen 46 die Eröffnung de» Hauptverfahrens wegen Beamtenbeleidigung und Gewalttat beschlossen. Von den 46 befinden sich 33 seit dem 3. Januar in Untersuchungshaft, haben also schon insgesamt über 17 Jahre Gefängnis abgesessen, ehe sie einen Richter fanden. Unter diesen Unglücklichen befinden sich 4 Minderjährige, unter ihnen ein 13jährigeS Mädchen und 8 Frauen. Als Zivilparteien treten 9 Karabinieri und Soldaten auf, die durch Steinwürfe verletzt worden sind und Verwundungen davontrugen, die in 7 bis 13 Tagen ausheilten. Durch diese Verletzungen ist ein großes Ver- brechen begangen worden: das Niederknallen der Demonstranten war durchaus recht und billig und darf natürlich kein Gericht de- schäftigen. In dem Prozeß wirken die sozialistischen Abgeordneten B e n t t n i und C a l d a und der republikanische Abgeordnete Co> mandini, sowie 8 andere Parteigenossen als Verteidiger. Der Prozeh wird über einen Monat dauern. MnKa. Tie Lage in Südafrika.. London, 8. August.(Eig. Ber.) Die Vorgange in Südafrika verdienen für die nächste Zeit die größte Aufmerffamkeitder mwr- nationalen Arbeiterbewegung. ES kann kelnem Lweisel unter« nehmet f i. m f daß die Entwickelung bevor- südafrikanischen WSlf'ftSS des Gewerkschaftsbundes und �er Eisenwhn- und Hasenangcstellten und ist bah der wirtschaftliche Frieden nicht eher her- gestellt werden wird, bis diese Forderungen bewilligt worden sind. 2.' Diese Massenversammlung verlangt die sofortige Auf- lösuno des Parlaments und allgemeine Wahlen. 3 �iese Massenversammlung bekräftigt deS Volke» unver- äußerliches Recht auf f*e'e ,ce0�c und verlangt die Abschaf- fuiia des Gesetze» 6 vom Jaljte 1894. Sie protestiert gegen das Niederschießen unschuldiger Burger durch das Militär während des letzten SireikS und fordert die Ruckberufung des Reichsmilitärs. �em Abgeordneten C r e ß well, der die zweite Resolution bearündcte, wurde ein begeisterter Empfang zuteil. Er forderte die Arbeiter auf, sich enger zusammenzuschließen und nur ihre eigenen Vertrauensleute ins Parlament zu wählen; sie könnten leicht die nutzlosen Parlamentarier davonjagen. Noch nie in der Geschichk� Südafrikas seien die Arbeiter de» Landes so aufgerüttelt worden wie jetzt..Ein anderer Redper bezeichnete hie Regierung als unfähig und unwissend und forderte sie auf, zu demissionieren. „Die Versammlung," so telegraphiert der Korrespondent des Lon- doner„Daily Telegraph",„war den Magnaten und der Regierung feindlich gesinnt, was zum Vorschein kam, so oft ihre Namen genannt wurden. Man täusche sich nicht über die Stimmung und die Absichten der Arbeiter. Sie sind wirklich im Ernst und von einem Gedanken beseelt, wenn die Zahl in dem Saale und die draußen in den Nebenversammlungen ein Kriterium ist, was in Anbetracht der spontanen Begeisterung nicht bezweifelt werden kann." Cbtna. Zunehmende Beruhigung. Schanghai, 8. August.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Besserung der Lage in Schanghai wird durch eine Veröffent- lichung des Komitees zur Unterstützung der Flüchtlinge veran- schaulicht, daß keine weiteren Beiträge erforderlich seien. Man beabsichtige, in ein paar Tagen das Lager abzubrechen, in dem bis vor einer Woche jede Nacht über 3l)lK) Flüchtlinge untergebracht wurden. Admiral Tseng hat die Bezirke von King-juen und Nantau ziemlich gesäubert. Morgen werden die Landstreitkräfte den Vormarsch nach King-juen und Wutschou antreten. Eine doppelte Bewegung der Kreuzer oberhalb und unterhalb der Forts wird sie unterstützen. Juanschikai als Sozialistentöter. Schanghai, 8. August. Juanschikai hat befohlen, die sozialistische Partei, die mit ausländischen Sozia- listen und Anarchisten Verbindungen unterhält, wegen der Anstiftung von Unruhen aufzulösen und auch i n d e n Provinzen zu unterdrücken. Hmmka. Verschärfung des Konflikts zwischen den Vereinigte» Staaten und Mexiko. London, g. August. Tie„Times" melden aus W a s h i n g- ton vom 8. d. Mts.: Hier herrscht große Sorge wegen Mexiko. Die öffentliche Stimmung ist derart, daß jede Beleidigung des amerikanischen Botschafters Lind eine ähnliche Wirkung haben kann, wie die Explosion der Maine und wahrscheinlich Krieg bedeuten würde. Eine Drohung Huertaö. London, 9. August. Nach einem Telegramm der„Times" aus Mexiko hat Präsident Huerta folgende Er- klärung abgegeben: Ich werde jedem Einmischungsversuche der Vereinigten Staaten in die Angelegenheiten Mexikos mit denWaffenentge gentreten. Ich beabsichtige, dre Anwesenheit Mr. Linds absolut zu ignorieren, bis er die amtliche Beglaubigung als Botschafter hat. Unter keinen Um- ständen wird er von den Behörden empfangen werden. Ich weigere mich, eine Vermittlung oder Einmischung der Ver- einigten Staaten anzunehmen. Die Würde der Republik ver- langt, daß wir keine Kompromisse mit den Revolutionären annehmen. Hus der Partei. Aus den Organisationen. Zum Parteitag in Jena nahm eine außerordentliche Generalversammlung oes Sozialdemokratischen Vereins in Königsberg i. Pr. Stellung. Der Referent, Genosse Gott- Schalk, sprach sein Bedauern darüber aus, daß der Parteivor- stand die Frage des Massenstreiks nicht als besonderen Punkt und mit besonderem Referenten auf die Tagesordnung gesetzt habe. Werde daS nicht noch nachträglich gemacht, so werde es durchzusetzen sein, daß die wichtige Frage beim Vorstandsbericht als besonderer Punkt eingehend erörtert werde. Die Frage deS Massenstreiks müsse eindringlich und befonverS planmäßig erörtert werden. Auch die Zeit der Straßendemonstrationen sei noch nicht vorüber, und eine solche Demonstration könnte unter Umstanden größere Lpfer fordern als ein Massenstreik, bei dem die Arbeiter zu Hause bleiben und der Polizei die Möglichkeit zum Eingreifen nehmen könnten. In absehbarer Zeit weroe es wohl nicht möglich sein, die Landarbeiter zu einem Massenstreit zu bewegen, aber bei einem industriellen Massenstreik würden die ganz großen Grundbesitzer auch empfindlich getroffen werden, da sie ihre Kapi- talien zum Teil in industriellen und Handelsunternehmungen an- gelegt hätten. Zur Förderung der Jugendbewegung fei e» notwendig, geeignete Personen anzustellen. Der Antrag, die painlsche Sonderorganisation aufzuheben, sei vor- Partettag zu behandeln Zu der Frage des TageS- arbcusberbicnstes am 1. Mai stellte Redner folgenden Antrag: l-strteitag wolle über die ihm vom Chemnitzer Partei- l"* Anträge 213 und 215, betreffend Abführung T-?oirl� o??? Mai, ebenso wie über alle anderen hier- zu gestellten Antrage Zur Tagesordnung übergehen, oa sie aus denielben Gründen zu verwerfen sind, die vom ,. weiter stellte Redner zur Bildung der A g r a r k o m m i s- f, o n den Antrag." Ter Part-itag wolle eine Kommission zum Studium der Agrarfrage e, n s e tz« n und sie ermächtioen auch besoldete Mitarbeiter zur Erledigung ihrer Aufgabe h-ranz� ziehen. Redner erklärte die Notwendigkeit der Wahl dieser Kommission durch den Parteitag, damit ihre Zusammensetzung die Gewähr da- für biete, daß ihre Arbeiten im Sinne der Mehrheit der Partei geschehen. In der Diskussion wurde vom Genossen W e s e I o w s k i bc- tont, oaß die Genossen in der P. P. S., der polnisch-sozialistischen Partei, sich zum Teil'wenig von dem radikalen Flügel der national- polnischen Partei unterschieden. Man hatte nie eine polnische Sonderorganisation gründen sollen, �hre jetzige Auflösung würo- aber Wasser auf die Mühle der nationalpolnl,chen Partei bedeuten. Genosse Krüger trat für Eingehen der polnischen in die deutsche Partei ein und bezeichnet die peuerdings bezuglich des Massen- streits entfachte Agitation als zum Teil unverantwortlich. Es sei «>ne systematische Erziehung der Massen zum Massenstreik not- wendig. Genosse M a r ck w a l d erklärte, von einer Massenstreik. agltation, die von Rechtsanwälten, Schriftstellern, Redakteuren � So'c' Ieine Wirkung zu erwarten. Erst wenn die Arbeiter Keit um �rten. jetzt treten wir in den Generalstreik, sei die selbst ein gekommen. Genosse Seemann me.nt- mebr nüfeen Ä« � verlorener Massenstreik wurde der Parte. «r» ww£"ne fortgesetzte Drohung damit. Lieber riskieren. sehen! daß'ihr- CfÄ"' Arbeiterschaft wurde dann führ unci des N7«"ng wüK-"der�Antra� bezüglich der Ab- WA'der �Sko�./» �ai' /b � e �-h n t der Antrag Gierten aunt SRkirtpifrtrr tr»» s. cngenoinnTen. o Rm Industrie und Bande!. Omnibus.— Straßenbahn.— Hochbahn. Wie die beteiligten Verwaltungen mitteilen, wird der Erwerb von je 4 Millionen Mark Omnibusaktien durch die Hochbahn und die Straßenbahn nicht zu einem Jntcressenkampf zwischen den beiden Käufern führen. Zwischen der Großen Berliner Straßen- bahn und der Hochbahngesellschaft ist vielmehr ein Einverständnis erzielt worden, nach welchem beide Gruppen ihren Besitz an Aktien der Allgemeinen Berliner OmnibuS-A.-G. nicht durch Zuläufe vermehren und für eine beiderseitige gleichmäßige Vertretung im Aufsichtsrat der genannten Gesellschaft ein- treten werden. Durch diese Verabredung wird zugleich die Kurs- t r e i b e r e i von Omnibusaktien aufhören, da eine weitere Nach- frage nach Omnibusaktien an der Börse nicht zu erwarten ist. Heute bereits gaben die Aktien um 3 Proz. nach.— Die für die Hochbahn-Gesellschaft bestimmten Omnibusaktien, die von der Deutschen Bank vom Fürstenkonzern angekauft wurden, werden übrigens nicht direkt in den Besitz der Hochbahn übergehen, sondern einer der Elektrounternehmungen der Deutschen Bank zugewiesen werden.* Die deutschen Aktiengesellschaften von 1997 bis 1912 Wenn man den Versicherungen der Unternehmer Glauben schenken wollte, so wäre die Lage aller Erwerbsunternehmungen derart schlecht, daß in der Tat jeder Versuch der Arbeiter zur Ver- besserung der Arbeitsbedingungen als Frevel angesehen werden müßte. Glücklicherweise besitzen wir objektivere Zeugnisse für den finanziellen Stand einer Industrie als die bloßen Aussagen der Unternehmer. Seit fünf Jahren veröffentlicht das Kaiserlich Statistische Amt Uebersichten über die Geschäftsergebnisse der beut- scheu Aktiengesellschaften auf Grund der im„ReichSanzeiger" ver- öffentlichten Bilanzen der Gesellschaften. Das neueste Heft gibt eine Tarstellung der letzten fünf Jahre, die gerade die Spanne zwischen den beiden Hochkonjunkturperioden 1887 und 1312 um- fassen. Nun bieten die Geschäftsabschlüsse und Bilanzen der Ge- sellschaften natürlich kein richtiges Bild von den finanziellen Er- gebnissen. Hier werden die Dividenden künstlich niedrig gehalten, um die Arbeiter und Konsumenten über die Rentabilität zu täuschen. Dort erhöht(verwässert) man zu dem gleichen Zwecke unnötigerweise daS Aktienkapital durch Ausgabe von Gratisaktien oder Aktien zu niedrigem Kurse. Hier wieder werden heimlich stille Reserven angesammelt, von denen nicht einmal die Aktionäre wissen. Um so günstiger wird man noch die Zahlen bewerten müssen, die vom Statistischen Amt berechnet worden sind, zumal die in Konkurs oder Liquidation befindlichen Unternehmungen in der Statistik nicht enthalten sind. UebrigenS darf die Zahl der pleitegegangenen Gesellschaften nicht überschätzt werden; sie betrug im Jahre 1312 nur 387 Gesellschaften mit 413 Millionen Mark Kapital gegen 4712 betriebsfähige Unternehmungen mit 14,88 M i l- l i a r d e n Mark Kapital. Für die Rentabilität eines Unternehmens kann der Jahresgewinn im Verhältnis zum Unternehmungskapital(d. h. Aktienkapital plus Reserven) einen Maßstab bieten. So betrug bei sämtlichen berücksichtigten 4712 Aktiengesellschaften die Renta- bilität im Jahre 1311/12 8,14 Prozent, gegen 8,03 Prozent im Vorjahre. Diese Durchschnittsziffer wurde von zahlreichen Ge- Werbegruppen übertroffen. Rur eine Gruppe(Land- und Forst- Wirtschaft) wies einen Verlust auf; und nur zwei andere Gruppen hatten eine geringere Rentabilität als 4 Prozent(Reinigungsge- werbe mit 2,36 Prozent; Musik-, Theater- und Schaustellungs gewerbe IPV Prozent). Alle übrigen Gruppen weisen eine höhere Rentabilität als 4 Prozent auf. Zum Teil war sie sogar beträcht- lich höher, z. B. in Prozent Chemische Industrie.......... 14,80 Versicherungsgewerbe.......... 12,67 Bergbau, Hüttenbetrieb und■ Metallindustrie (verbunden)........... 11,22 Bekleidungsgewerbe.......... 10,84 Industrie der forstwirtschaftlichen Nebenprodukte, Leuchtstoffe, Seifen, Oele, Fette.... 3,31 Bergbau, Hütten- und Salinenwesen.... 9,21 Industrie der Maschinen, Instrumente.... 9,04 Industrie der Nahrungs- und Genußmittel.. 3,00 Metallbearbeitung........... 8,70 Industrie der Holz- und Schnitzstoffe.... 8,67 In einzelnen Gewerbearten dieser Gruppen geht die Rentabilität noch über diese Ziffern hinaus. So erzielten Persinalirn. Die Leituna mnlks» zeitung" wurde nach dem Ausscheid-n"� m gemeinsamer Sitzung der dortigen Prefefn®*n0®cn s~awei/ l-itüng dem Genossen Hans Block übe7trag7n'' � Nicht weniger günstig ist das Bild der an die Aktionäre ge- zahlten Dividenden. Im letzt.n Jahre wurden durchschnitt- lich 8,39 Prozent ausgeschüttet, während daS Jahr 1307/8 den Aktionären nur 8,07 Prozent und das vergangene Jahr nur 8,03 Prozent gebracht hatte. Auch hier ist es wieder nur die Land- und Forstwirtschaft, die keine Dividenden, und das Reinigungs- gewerbe, sowie das Theatergewerbe, die weniger als 4 Prozent (nämlich 3,05 und 2,79 Prozent) Dividende ausschütteten. Von den Gewerbegruppen, die besonders gut abschnitten, nennen wir: Dividende Berstiberungsgewerbe........... 21,98 Chemische Industrie........... 15,48 Bergbau. Hüttenbetrieb, Metallindustrie(verbunden) 10.91 Leder- und Gummiindustrie......... 10,27 Bekleidungsgewerbe........... 10,06 Leuchtstoffe. Seifen, Fette, Oele....... 3,76 Bergbau, Hütten- und Salinenwesen...... 9,64 Baugewerbe.............. 9,41 Recht hohe Dividendenerträge lieferten innerhalb der Gewerbe- gruppen folgende Gewerbearten: Feuerversicherung........... 24,31 Earbenmaterialien........... 23,09 ebens- und Rentenversicherung...... 18,07 Transportversicherung.......... 16,68 Seiden«, Textilindustrie......... 14,11. Sprengstoffe und Zündwaren....... 13,60 Tief- und Wasserbau.......... 13,31 Tabakfabriken............ 13,10 Zuckerfabriken............ 12,91 Glasfabriken............. 12,02 In diesen durchschnittlichen Rentabilitäts- und Dividenden- Ziffern stecken auch die Verlustziffern von 700 Gesellschaften in Höhe von 101 Million Mark. Von den mit Verlust arbei- tenden Unternehmen entfallen 70 auf das Jmmobiliengewerbe, 50 auf die Maschinen- und 65 auf die Baumwollindustrie, Werfen wir noch einen Blick auf die allgemeine Entwicklung der Gesellschaften, so ergibt sich, daß ihre Zahl seit 1907 nur um 2,8 Prozent, dagegen die Aktienkapitalien um 15,9 Prozent und ihre Reserven gar um 32,4 Prozent stiegen— ein Zeichen der rasch fortschreitenden Konzentration. In einzelnen Ge- werben hat trotz Steigerung des Unternehmungskapitals eine Ab- nähme der Gesellschaften stattgefunden. So sank z. B. die Zahl der Banken seit 1907 von 439 auf 411 im Jahre 1912. Neben dem Eigenkapital saugen die Aktienunternehmungen in steigendem Maße noch weiteres Kapital in Form von Obligationen(Schulden) auf. Während diese Verbindlichkeiten im Jahre 1907 196 Prozent des Eigenkapitals betrugen, machten sie im Jahre 1912 bereits 215 Prozent aus. Von den 33 Milliarden Verbindlichkeiten entfielen auf die Kreditbanken 12)4 Milliarden, fast ebenso viel auf die Hypothekenbanken und 8% Milliarden stellten Versicherungsprämien dar. Die finanzielle Macht der Banken wird an diesen Zahlen noch deutlicher, wenn man sich daran erinnert, daß es überhaupt nur 411 Aktienbanken gibt, die wiederum von einem halben Dutzend Großbanken beherrscht werden. Kommunale Geheimgeschäste. Von der Vereinigung elektros technischer Spezialfabriken wird uns geschrieben: Die großen Elektrizitätskonzerne, die k bekanntlich auf daS Eifrigste bemüht sind, kommunale Elektrizitätswerke durch Kauf, Pachtung oder Gründung von sog. gemischt-wirtschafilichen Unter- nehmungen unter ihre Kontrolle zu bringen, machen fast auSnahms- los den Gemeindeverwaltungen, an die sie mit ihren Angeboten herantreten, deren strengste Geheimhaltung zur Bedingung, da sie jede öffentliche Kritik ihrer Pläne vermeiden wollen. Um die Ge- Heimhaltung nach Möglichkeit zu sichern, werden auch in den Fällen, wo die Angebote sich zu Vorlagen verdichten, die Vertragsentwürfe dem Stadtveroodnetenkollegium so lange wie möglich v o r e n t- halten. In Saarbrücken das mit der A. E. G. im Jahre 1912 eine Aktiengesellschaft gründete, wurden die Vertragsentwürfe den Stadtverordneten erst am Tage vor der Beschlutzfassung und zwar nur im AuSzuge mitgeteilt. In Rostock, das im Mai d. I. fein Elektrizitätswerk an die A. E. G. verpachtete, erhielten die Stadt- verordneten vor der Sitzung überhaupt keine Kenntnis von dem geplanten Pachtvertrag.' Lediglich durch ein mündliches Referat in der Sitzung wurde ihnen der Inhalt mitgeteilt. Daß bei dieser Methode von einer eingehenden sachgemäßen Beratung und Prüfung der Tragweite der Verträge im Stadtverordnetenkollegium keine Rede sein kann, liegt auf der Hand. Die Ausschaltung der öffentlichen Meinung und Kritik in der- artigen für das Gemeinwesen wichtigen Angelegenheiten hat noch nie gute Folgen gezeitigt. Die Gemeindeverwaltungen befinden sich bei geheimen Verhandlungen den Elektrizitätskonzernen gegen- über stets im Nachteil. Diese verfügen über jahrzehntelange Er- fahrungen in der Gründung von Elektrizitätsunternehmnngen. Sie kennen, da die Vertragsentwürfe von ihnen ausgearbeitet und vor- gelegt werden, im Voraus die wirtschaftliche und technische Trag- Ivette der einzelnen Bestimmungen genau. Die Gemcindeverwal- tungen verfügen hingegen über derartige Erfahrungen nicht. Daher muß die öffentliche Kritik in weitestem Umfange einsetzen. Sie forderte auch der Erste Bürgermeister von Eilcnburg Dr. Belian auf der diesjährigen Tagung des Reichsverbandes Deutscher Städte, indem er sagte:„Bei der Verhandlung mit EIcktrizitätsfirmen ist darauf Wert zu legen, daß zunächst die Verhandlungen in breitester Oeffentlichkeit geführt werden. Die Geheimhaltung wird von den Unternehmern nur verlangt, um Konkurrenz fernzuhalten." Vor allem ist es auch notwendig, die Gutachten der etwa zu- gezogenen Sachverständigen vor der Beschlußfassung über die Ver- tragsentwürse zu veröffentlichen, damit sie zur Beurteilung der Vorlagen in der Oeffentlichkeit benutzt werden können. Dabei wäre allerdings nicht außer Acht zu lassen, ob die Gutachter nach jeder Richtung hin unabhängig sind, insonderheit, von welcher Seite sU vorgeschlagen wurden.____ Jugendbewegung. Die bürgerliche Jugendbewegung als Landplage. Zahlreiche westdeutsche Zeitungen bringen aus St. Goar diese Notiz: In letzter Zeit mehren sich die Klagen, daß die sogenannten Schülerwandcruiigen ausarten. Namentlich aus der Umgebung werden Fälle bekannt, daß zum Abkochen Gemüse und Kar- toffcln einfach weggenommen werden, abgesehen von dem Flur- schaden, der durch das Aufschlagen der Lagerstätten verursacht wird. So hatten dieser Tage, wie jetzt bekannt wird, sieben Schüler beim Uebernachten einen ganzen Kornacker einer armen Witwe demoliert. Von den aufgestellten 54 Garben hatten sie ein Nachtlager bereitet. Die Körner fielen größtenteils heraus und werden verkommen. Auch hat das Obst unter den wan- dernden jungen Leuten sehr zu leiden, und das Wild Mird von ihnen verstört. Wir verzichten auf das pharisäische Getue, das die bürger. liche Presse anstimmt, wenn irgendwo junge Arbeiter ein paar Grashalme zertreten haben. Das einzige, waS wir tun, ist, daß wir der freien Jugend zurufen: Nehmt Euch an der bürger- lichen Jugend ein abschreckendes Beispiel. Ehrt die Natur und ihre Geschöpfe. Achtet den Fleiß des Bauern, der auch seines Lohnes wert ist und vernichtet ihm nicht die Früchte, die er mühevoll angebaut und gepflegt hat. �~ Hetzte Nachrichten« Dachstuhlbrand in Reinickendorf. Ein gewaltiger Dachstuhlbrand, der seinen Feuerschein weit- hin verbreitete und eine große Anzahl Schaulustiger anlockte, wütete gestern in den späten Abendstunden in Reinickendorf-Ost. Dort stand in der Residenzstratze, Ecke Letteallee, der Dachstuhl eines Wohnhauses in seiner ganzen Ausdehnung in Flammen. Der das HauS zierende Eckturm ist herabgestürzt. Außer der Reinickendorfer Feuerwehr waren auch aus Berlin einige Löschzüge an der Brandstelle tätig. Die Ursache deS Brandes ist noch nicht festgestellt. Man vermutet jedoch Brandstiftung, da daS Feuer an verschiedenen Stellen de» Dachstuhls zugleich durcbgebrochen fein M- � Ablehnende Antwort der Pforte? Konstantinopcl, 9. August.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.-Korr.-BAreaus.) Die Antwort der Pforte wird über- morgen während des diplomatischen Empfanges den Bot- schaftern mündlich durch den Großwesir mitgeteilt und sodann schriftlich übergeben werden. Es verlautet, oaß sie n e g a t i v sein und Gründe für diese Entscheidung der Pforte anführen werde._ Umfangreiche Spritschmuggeleien. Offrnburg, g. August.(W. T. B.) Bor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts hatten sich gestern die Inhaber der Firma Gebrüder Schwarz- Köln, die am Kehler Rheinhafen eine Nieder- läge besitzen, wegen Spritschmuggels zu verantworten. Der Staatsanwalt beantragte gegen die drei Angeklagten eine Geld- strafe von insgesamt einer Million Mark, außerdem gegen Wilhelm Schwarz ein Jahr drei Monate Gefängnis, gegen Joseph und Karl Schwarz je acht Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte wegen einfachen und erschwerten Schmuggels gegen jeden der Angeklagten auf eine Geldstrafe von 301 433 M. Die Angeklagten haben sofort Berufung eingelegt,, F A.Werlheim(® Leipziger Strasse König-Sir. 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Jahrgang. i KtilM des Jonörts" fnlintt KIKsM Zouutllg, 10. August 1913. GewcrkrchaftUcbce. Ceirorismus in Untemebmerhreircn. Von den Preßorganen, die den Interessen des Unter- nehmertums dienen, geht keine Nummer in die Welt, ohne daß nicht über angeblich von Arbeitern verübte terroristische Handlungen geklagt und nach gesetzlichen, sowie polizeilichen Maßnahmen zur Knebeluug des Koalitionsrechts der Arbeiter gerufen wird. Jeder noch so harmlose Fall, wo Arbeiter einen abseits der Organisation steheirden Berussgenosscn mit etwas kräftigen Worten zur Erfüllung seiner solidarischen Pflichten anzuhalten suchen, wird. von den Unternehinerorganen zu einem Falle von schlimmstem Terrorismus aufgebauscht. Was aber Unternehmer in derartigen Fällen an Gelvaltakren ihrer Kollegen verüben, wie sie denen, welche aus guten Gründen an der Bekämpfung der Arbciterbestrebungen nicht teilnehmeir wollen, das Leben schwer inachen, darüber schweigt des Sän- gers Höflichkeit. Nur hin und wieder werden durch Zufall solche Fälle von Unternehmerterrorismus bekannt. Jetzt hat nian den Chefredakteur einer Fachzeitschrift des Maler- gewerbes, der in Leipzig erscheinenden„Malerzeitung", der gleichzeitig muH ein großes Malergeschäst betreibt, weil er nicht mit aussperrte, gezwungen, seinen Posten, den er 21 Jahre inne hatte, niederzulegen. Der so Geniaßregelte erklärt darüber in dem erwähnten Organ sehr bezeichnend: „Als im Frühjahr von den Führern des Arbeitgeberverban- des zur Aussperrung aufgefordert wurde, nachdem der Schieds- spruch der Unparteiischen bereits gefallen war, warnte ich vor diesem Schritte unter gleichzeitigem Hinweis, daß, wenn er doch unternommen werden sollte, ich ihn nicht mitmachen würde. Ich begründete dies damit, daß eine Zulage in Anbetracht der in den letzten Jahren enorm gestiegenen Preise für den Lebens- unterhalt mehr wie je am Platze sei. Die übrigen Gründe und die hieraus folgenden Meinungsverschiedenheiten hielt ich und halte ich auch heute noch für wenig belangreich. Außerdem hielt ich den ganzen Aufbau des Arbeitgeberverbandes noch nicht für derart fest gefügt, daß er eine solche Kraftprobe mit Erfolg bestehen würde." Nachdem dann noch auseinandergesetzt ist, warum gegen- wärtig der Arbeitgeberverband kein einheitliches harmonisches Ganze sein konnte, heißt es weiter: »Zunächst ist durch den Mißerfolg nur unnötigerweise den Getreuen ein Vierteljahresverdienst zwecklos verloren gegangen. Dies voraussehend, sträubte ich mich gegen den Beschlutz, kiin- digte meine Mitgliedschaft und trat dem Bunde deutscher De- korationsmaler bei, dessen Prinzipien mir als Inhaber eines großen leistungsfähigen Geschäftes naturgemäß verständlicher waren. An was ich hierbei nicht dachte, war, daß ich damit den verschiedenen Konkurrcnzunternehmungen(der Presse des Arbeitgeberverbandes. D. Red.) der von mir seit 21 Jahren mit bekanntem Erfolg geleiteten„Maler-Zeitung" Gelegenheit gab. über den Verlag derselben herzufallen und diesen nach besten Kräften und Können, wo es nur möglich war, zu schädigen, in- dem man diesen für Entschließungen, die ich als Inhaber eines Malergeschäftes zur Wahrung meiner Interessen getroffen hatte, büßen lassen wollte. An solche Mache bin ich nicht gewöhnt; auch die Verleger waren überrascht. Um diese aber vor wei- teren Schädigungen zu schützen, bin ich nach freundschaftlichem llebereinkommen mit dem Verlag am 1. Juli cr. als Chef- redakteur von der„Maler-Zeitung" zurückgetreten." Der Verlag von Jüsscl u. Göttcl, Leipzig, fügt dieser Erklärung hinzu: „Die vorstehende Erklärung des Rücktritts unseres lang- jährigen geschätzten Mitarbeiters, des Herrn Richard Hesse, bringen wir mit großem Bedauern zur öffentlichen Kenntnis, weil wir mit ihm einen Beistand verlieren, auf den die„Maler- Zeitung" immer stolz war. Gewiß werden auch unsere Leser mit uns den Verlust einer mit so reichem Wissen und künst- lcrischem Empfinden begabten Kraft fühlen, die durch originelle Ideen und Entwürfe immer wieder Anregung zu künstlerischem Schaffen gegeben hat. Wir können es aber verstehen, daß es seinem geraden Charakter zuwiderläuft, sich wegen seiner persön- lichen Stellungnahme in der Aussperrungssache dauernd klein- lichcn Angriffen ausgesetzt und solche auf die„Maler-Zeitung" übertragen zu sehen." Diese Dokumente genügen jedenfalls, um zu zeigen, wie weit die Vcrfolgungswut der Scharfmacher im Unternehmer- lager geht. Und solche Leute erdreisten sich, fortgesetzt über angeblichen Terrorismns der Arbeiter zu schreien! Lerlin und Qmgegenck. Tarifbewegung der Gipsbaubrauche. In einer am Freitag abgehaltenen Versammlung empfahl Hanke eindringlich, in Anbetracht der jetzigen Situation, das An- gebot der Unternehmer anzunehmen. Diesem Angebot zufolge soll vom 2. August d. I. ab eine Zulage von 2 Pf. pro Stunde und eine zweite in gleicher Höhe am 1. Oktober 1914 eintreten. Den strittigen Punkt bildet die Bezahlung der Stunde am Sonnabend, die während der letzten Vertragsdauer voll vergütet wurde� Nunmehr wollen die Arbeitgeber nur noch wie früher eine halbe«stunde bezahlen. Die Situation hatte sich nun bedenklich zugespitzt, indem ein Teil der Branchenmitglieder gegen den �Willen der Verbandsleitung bereits die Arbeit niederlegte und die Sanktion dieses Streiks ver- langte, s i l b e r s ch m i dj; erklärte, daß der Hauptvorstand die Verantwortung für einen Streik angesichts der Wirtschaftslage und des Streitobjektes nicht übernehmen und einem Streik seine Zu- stimmung nicht geben könne. Diese Mitteilung löste starken Un- willen aus und es folgte eine Diskussion, die sich bis nach Mitter- nacht hinzog. Die Abstimmung über die Frage, ob das Angebot angenommen werden solle, wurde mittels Stimmzettel vorge- nommen. Der Vorschlag der Kommission wurde mit 329 gegen 134 Stimmen abgelehnt. Die weitere Abstimmung über die Fort- führung des Streiks ergab 279 Stimmen dafür und 191 dagegen, somit ist die Fortführung des Streiks abgelehnt, da die nach dem Verbandsstatut vorgeschriebene Dreiviertelmajorität nicht vorhanden war._ Cafeangestelltc. Das Cafe Hofbauer, Inhaber Franz Enold, Schönhauser Allee 157, sowie das Promenaden-Cafe, Inhaber Max Schröter, Schönhauser Allee 151, sind beide für organisierte Gc- Hilfen gesperrt. Die Herren Inhaber drücken sich fortgesetzt um die Anerkennung des Tarifes und der Organisation. Im Promenaden-Cafc arbeitet ein unverfälschter Hintzegardist, der„vor sich organisiert ist" und sich eifrig dabei bemüht, seine Kräfte an den Vertretern der Organisation zu messen, so daß weitere Verhandlungen dadurch gegenstandslos sind. Verband der Gastwirtsgehilsen. Deutkestes Reich. Streik im Heddernheimer Kupferwerk, Filiale Gustavsburg. Einmütig haben die mit eintägiger Kündigung Beschäftigten den Betrieb vcrlasftn. Die mit vierzehntägiger Kündigung folgen am nächsten Montag. Vergebens versuchte die Direktion auf die Arbeiter einzuwirken, die Kündigung zurückzunehmen. Alles Liebes- werben war vergebens. Auch die Drohung� daß die Arbeiter, die in den Werkswohnungen wohnen, diese verlassen müssen, erzielte nicht die erwünschte Wirkung. Die Arbeiter sind der traurigen Verhält- niste am Werke überdrüssig und lassen sich weder durch Verlockun- gen noch durch Drohungen davon abhalten, den nun einmal be- gonnenen Kampf um bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse durch- zuführen. Jahrelang hat die Direktion die vorgebrachten Wünsche mißachtet; jetzt verlangen die Arbeiter, daß endlich geordnete Zu. stände im Betriebe eingeführt werden. Himmel und Hölle werden in Bewegung gesetzt, um Streikbrecher zu finden; doch bis jetzt mit wenig Erfolg.— Die Tatsache, daß bei einer Gesamtbelegschaft von 159 Mann inanchen Monat über 199 Arbeiter anfangen und ebenso viele wieder aufhören, dürfte genügen, um die Arbeit in dem Betriebe nicht begehrenswert erscheinen zu lassen. Lasse sich daher kein Ar- bciter als Streikbrecher anwerben. Ter Streik der Stellmacher in Königsberg i. Pr. ist nach fünf- wöchentlicher Dauer beendet. Die Streikenden haben einen vollen Erfolg erzielt, eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit um eine Stunde svon 99 auf 59) und eine Erhöhuga der Löhne erreicht. Räch dem abgeschlossenen Tarif soll für dw erste lieber- stunde ein Aufschlag von 19 Pf., für die weiteren Uebcrstunden ein Aufschlag von 29 Pf. und für Sonntagsarbcit 39 Pf. bezahlt werden. Der Mindestlohn beträgt 46 Pf., Gesellen im ersten Jahre erhalten 36, im zweiten 41 Pf. Auf alle Löhne bis zu 46 Pf. ist sosort ein Zuschlag von 4 Pf. pro Stunde zu zahlen. Es war ein harter Kampf; er hat aber zum ersten Male Ordnung in die un- haltbaren Zustände der ostpreutzischen Stellmachcrgesellcn gebracht. ZZusUnd. Tic schweizerische Gewerkschaftsbewegung im Jahre 191Ä. Nach dem soeben vom Bundeskomitee in Bern veröffentlichten Jahresbericht hat sich die schweizerische Gewerkschaftsbewegung in 1912 recht gut weiter entwickelt, indem die dem Gewerkschaftsbund angeschlossenen 21 Verbände ihre Mitgliederzahl von 79119 in 1911 auf 86 313 erhöht haben, trotz der teilweise vorhandenen Wirtschafts- krise und des fast völligen Daniederliegcns des Baugewerbes nahezu in allen Teilen des Landes. Es sind denn auch unter den 6 Per- bänden, die Mitgliederverluste erlitten, die drei Verbände der Bau. arbeiter, Stein- und Tonarbeiter sowie der Maser und Gipser, die zusammen 1915 Mitglieder verloren haben. Das gleiche Schicksal erfuhren die Verbände der Leder- und Textil-, sowie Handels- und Transportarbeiter. Von den 15 Verbänden mit Mitgliederzuwachs steht der der llhrenarbciter mit 3318(insgesamt 14 518) an der Spitze; dann folgen die Metallarbeiter mit 1813~(15 238), die Ar- beiterunion schweizerischer Transportanstalten mit 1812(13 918», Lebens- und Genußmittelarbeiter mit 967(4815», Holzarbeiter tnit 854(7879) usw. Eine Besonderheit weist der llhrenarbciterverband auf mit seinen 1599 bis 2999 Mitgliedern, die auf französischem Gebiete arbeiten und für die cr an die Föderation Generale du Travail in Paris Beiträge abliefern muß. An dem Mitglieder- zuwachs partizipieren beide Geschlechter, indem die Zahl der männ- lichen Mitglieder von 71 271 in 1911 auf 77 826, die der weiblichen von 6848 auf 8487 gestiegen ist und letztere voraussichtlich bald das erste Zehntausend erreichen werden. Die meisten weiblichen Mit- glieder hat mit 4168 der Uhrenarbeiterverband; dann folgen die Verbände der Textilarbeiter mit 2223, der Lebens- und Genuß- mittelarbeiter mit 854, der Hilfsarbeiter im graphischen Gewerbe mit 333, der Buchbinder mit 328, der Schneider mit 226 usw. Außerhalb des Gewerkschaftsbundes stehen noch der romanische Typographenbund mit zirka 999 Mitgliedern, dessen baldiger An- schluß indes in Aussicht steht; der Verband der Heizer und Maschi- nisten mit 2599, mehrere Verbände der Eisenbahner lvon denen nur das Lokomotivpersonal und die Arbeiter mit 16 219 Mitgliedern dem Gewerkschaftsbund angehören) mit zusammen 19 599 und der Verband der Post-, Telegraphen- und Zollangestellten mit 6999 Mitgliedern. Von allen diesen Verbänden dürfte im Laufe der Zeit noch der eine und andere für den Gewerkschaftsbund gewonnen wer- den können. Die Lohnkämpfe sind der Zahl, aber nicht auch dem Um- fange nach gegenüber 1911 zurückgegangen. Es wird über 337 (1911: 369) Fälle mit 49 994(39 793) beteiligten Arbeitern berichtet. An 54 Streiks waren 4992 und an 14 Aussperrungen 1995 Per. sonen beteiligt. Für 12 629 Arbeiter in 1847 Betrieben wurden 141 Tarifverträge abgeschlossen. Alles in allem genommen war die schweizerische Gewerkschafts- bewegung im Jahre 1912 recht erfolgreich und die Versuche der Reaktion, den Züricher Generalstreik zur Bekämpfung der freien Gewerkschaftsbewegung zu sruktifizicren, sind erfolglos geblieben. Inwieweit der Züricher Generalstreik der Gewerkschaftsbewegung förderlich tvar, wird im vorliegenden Bericht nicht näher untersucht und demgemäß auch nicht festgestellt. Sicher ist indes, daß er die Solidarität und das soziale Machtbewußtsein der Arbeiter gefördert und gestärkt hat. kleines feuilleton. Ein schönes Wort. In der„Kölnischen V o l k s z e i t u n g haben wir eine sprachliche Mißbildung gefunden, die wir zunächst laufen ließen, weil wir annahmen, daß ihr auf dem Rundmarsch durch die Presse ohnehin der sprachliche Paß abverlangt würde. Da wir uns in dieser Ansicht aber gründlich getäuscht haben, mag die häßliche Form hier noch nachträglich angehalten werden. Die '„Kölnische Volkszeitung" also schreibt:„Das Zentrum wird sich niemals in einen Block hineinzwängen lassen, weder mit der Rechten noch mit der Linken. Als programmatische Mittelpartei. wie sie das Zentrum seit seiner Gründung war, ist es dazu nicht g c e> g e n, ch a f t e t." Die„Kölnische Voltszeitung" hat ganz recht: Man hat nun so lange das vortreffliche Wort geeignet gebraucht, daß endlich etwas Reue» geichaften werden muhte, sei es auch nur ein neues Brechmittel. �Wenn man von„Uraufführung" das Tätigkeitswort „uraufführen ableitet, tst nicht einzusehen, warum man nicht aus Eigenschaft„geetgenichaftet bilden sollte. Zusammen mit„Ein- akterist" und„Eheirrung, die an dieser Stelle bereits näher ge- kennzeichnet wurden, bilden die beiden neuen Worte sogar einen sehr schönen Strauß.'» Wir freuen uns ordentlich auf den Tag. da wir folgende Mel- dung in den Zeitungen lesen werden: In der Familie des be- kannten Einaktertsten.t. t)., dessen Stuck u, wenigen Wochen uraufgeführt werden sollte, hat sich eine bedauerliche Eheirrung zu- getragen. Die Art und-Weise, wie die hiesigen Zeitungen die Affäre breittreten, ist leider iiicht geeigcnschaftet, das Ansehen de- Presse zu erhöhen." Wenn die sprachlichen Neuschopfer nur konsequent arbeiten, werden sie die Sprache Lesftngs und Goethes schließlich doch noch klein kriegen. Die Entdeckung des Pockenerregcrs. Auf dem internationalen medizinischen Kongreß, der soeben m London tagte, wurde von einem wichtigen Ergebnis der mikroskopischen Forschung Mitteilung gemacht. Stabsarzt Dr. Fornet von der Kaiser-Wilhelms-AIademie Berlin hat ein Protozoon gefunden, das an der Grenze der mtkroftopifchen Sichtbarkeit steht und in Reinkultur typische I m p f p u st e I n hervorruft. Das Protozoon wurde in der Kuhlymphe und bei echten Menschenpocken festgestellt. vm, fclZiPV*0**°lS Revolutionäre. Vor kurzem sind(im Perlage von Emile Paris) Auszüge aus den bisher unveröffentlichten Papieren b**.PhiKty)e»Eaalite erschienen, die 1793 bei der Ver- b�aekom��""�» mit Beschlag belegt worden, dann in Privat- Nnv � l999 der Bibliothek des JnstltutS vermacht nt imh R.?ie Herausgeber, du Bosiq d e B e a u. nt und Bernos, haben bauvtfächlich die Bnefe aus- gewählt die die-Dreieck'-Beziehungen zwischen Philipp von Orleans, seiner Gattin Marie Adelaide und der Er- kgitirn,, tischen Gräfm�don�Gentts bchanÄn Indes Ifällt�auch auf ar ir v?» Node�bftngt Ms i7?uch6e chnle0106�"""6 bei. AuS di-str unterschreibt Louis Philipp 1742 i sV-n fein- Schwester: „Louis-Philippe, französischer Prinz in seiner Sünden Buße, Oberst des 14. Dragonerregiments, dein um vier Jahre weniger zwei Monate plus dreizehn Tage älterer Bruder und Jakobiner bis in die Fingerspitze n." lieber das Dekret, das die Bourbonen aus Frankreich verbannt, schreibt er seinem Bruder, ehemals Herzog von BeaujolaiS und derzeitigem Bürger Alphonfe Lsodpard(Adresse: „MaifondebEgalits", d. h. Palais Royal):„Jawohl, lieber Freund, es ist nun erlassen, das furchtbare Dekret. Sie find also alle geächtet. Aber gute Republikaner wie wir müssen sich ohne Murren fügen". Der künftige„König Birne" siegelte damals seine Briefe mit einem Petschaft, das einen BrutuSkopf zwischen zwei .Dolchen zeigte. Wäre man, trotz der charakteristischen Perfidie der OrloanS geneigt, an einen revolutionären Ueberfchwang der jungen nach den Grundsätzen der Aufklärung erzogenen Prinzen zu glauben, so scheint die Echtheit der revolutionären Gesinnung bei ihrem Er- zeuger ganz unglaubwürdig. Als Philipp von der revolutionären Kommune den Namen„Egalitv"(Gleichheit) erhalten hatte, bedankte er sich beim Prokurator Manuel und schrieb seinen„Paten": „Bürger, ich nehme init äußerster Erkenntlichkeit für mich und meine Kinder den Namen an, den die Pariser Kommune mir gegeben hat. Sie konnte keinen finden, der meinen Gefühlen und Anschauungen besser entspräche." Das Konventsmitglied S e r g e n t aber hatte ihn im Stadt- Haus beim Empfang des Namens die Achsel zucken sehen. Auf dem Heimweg sagte nun Scrgent scherzend zu Philipp: „Wie Ihnen daZ doch gut paßt— der Name einer Nymphe! Sie, ein Husarenoberst mit schwarzem Schnurrbart!". Philipp erwiderte: „Sie haben gehört, wie die Tribünen dem plumpen Manuel Beifall klatschten. Was konnte ich sagen oder tun?", Die Photographic von Augenblicksbcwcguiigen. Bon einem wichtigen Fortschritt der Röntgentechnik berichtet die„Nawrwissen- schastliche Wochenschrift". Danach ist es Dessauer in Frankfurt a. M. gelungen, die Röntgenaufnahmen nicht mehr wie bisher mit einer Summe von einzelnen Belichtungsschlägen, sondern mit einem einzigen, sogenannten Blitzschlag in etwa Vwo Sekunde zu machen. Dadurch konnte er die in periodischer Be- wegung befindlichen Organe des menschlichen Körpers, den Herz- schlag, die Atmung, das Schlucken usw., in einzelnen Phasen ihrer Tätigkeit aufnehmen und neue Diagnosen stellen. Dessauer hat sich ein Kinematogramm aufgenommen, das einen einzigen Herz- I ck> l a g des Menschen darstellt und auf dem deutlich die Bewegung des Herzens zu erkennen ist. Humor und Satire. Leipzig. In Leipzig auf dem Turnerfest Hat sich bei nächtlichen Gelagen Ein SotaniSmus zugetragen, Der wo sich kaum beschreiben läßt. In Gassen, die man nicht betritt, Befragte Turner Schmidt aus Neiße Ein Fräulein unerfahrnerweife Nach Nam' und Art und Appetit. Und weil sie gleich mit Schmidten ging, Sah sich auch Turner Schulz aus Zossen Zu etwa? Sehnlichem entschlossen, Indem ihn ja die Nacht utnfing. Am andern Morgen ging es los, Wobei die Sittlichkeit entbrannte, Daß selbst die kümmerlichste Tante Viel scharfe Flüssigkeit vergoß. Der Vater Jahr beim lieben Gott Besah das Ganze ohne Trübung Und fand die turnerische Uebung Sogar bei Schmidt und Schulzen flott. Peter Scher(„Die Aktion'). Notizen. — Theatcrchronik. Das Lessing-Theater eröffnet seine Spielzeit am 13. September mit Ibsens„Peer Gynt". Die Goetheschen Dramen„Stella" und„Satyros" schließen sich an,„Stella" hoffentlich in der Fassung der Sturm- und Drang- Periode, die den Herzenskonflikt des Dramas durch eine Doppelehe löst.— Das König l. Schauspielhaus bereitet für den Anfang der Spielzeit eine Aufführung beider Teile des Goetheschen ., F a u st' vor. Die Spielzeit beginnt mit S t r i n d b e r g s bis- her noch nirgends aufgeführtem„Schwanenweiß".„Peer Gynt' soll folgen. In der Oper soll unmittelbar nach Ablauf der Schutzfrist„ Parsifal" in Szene gehen. Reu verpflichtet wurde für dte Oper die Sängerin Krau Leffler-Burckhard.— Das Trianon- Theater eröffnet seine Spielzeit Sonnabend. den 16. August, mtt dem Lufftpiel„Untreu" bon R. Vracco und dem nach ftanzosischchn Muster verfaßten Einakter„Der ab- gerissene Glockenzug" von Otto Eisenschitz.- DaS Deuts che Opernhaus macht darauf aufmerksam, daß die Aus- gäbe der Abomiemcntbtlletts am 11. August beginnt. ~Z®' c Warn tafel der Mimen. Die neueste Nummer der Deutschen Buhnengeitossenschaft nennt nicht loeniger als 62 finanziell unzuverlässige Theaterdirektoren und außerdem 15 Dirck- toren, die bei Abschlüssen Vorsicht verdienen. Kunstchronik. In der Großen Berliner Kunst- ausstellung 1913 am Lehrter Bahnhof ist der 19. August ein sogenannter billiger Sonntag. Der Eintrittspreis beträgt von nachmittags 2 Uhr ab 25 Pf.- E d w a r d M u n ch s, des !�"�ed tschen Malers, graphisches Werk, wird in der Galerie Ernst Arnold in Dresden demnächst zum ersten Male in Deutschland in einer umfassenden Sonderausstellung gezeigt.— «egantini-Versteigerung. In St. Moritz werden Ende August hervorragende Gemälde SegantiniL versteigert. Sie stammen aus dem Besitz Albert GrubicyS, eines der besten Freunde des Meisters.' — Peter R o f e g g e r wird immer noch zum Siebzigsten beschenkt. Ein schwäbisches Zentrumsblatt warnt vor seinen Geistes- Erzeugnissen, weil er„ein Kind geblieben sei voll Unwissenheit und Unkenntnis über den katholischen Glauben". Gleichzeitig kommt aus Stockholm die Nachricht, er sei aussichtsreicher Kandidat für den diesjährigen Nobelpreis für Literatur, Ihm blühen also aus dem Zeitenschoße die schwarzen und die heiteren Lose. � D i e Banane nsekte. Die Annahme, daß die verbotene Frucht des Paradieses nichts anderes als die Banane gewesen sei, hat in England zur Gründung einer Religionssekte geführt, deren Anhänger den Genutz der schmackhaften Tropcnfrucht zu einem Kultus erhoben haben. Sie veranstalten„in gemessenen Zwischenräumen" Bankette, bei denen ausschließlich Bananen in verschiedenster Zu- bereitung auf den Tisch kommen. Es muß auch solche Käuze geben. Da sie aufs Leibliche sehen, wird vermutlich in den Monaten, wo die Bananen fehlen, die Religion suspendiert. Der Blerftarbeiterftreifi. Der Bcrbandstag der Metallarbeiter hat gestern nach lebhaften Debatten mit sehr großer Mehrheit einen Beschluß gefaßt, der von den streikenden Werft- arbeitern verlangt, daß sie den Kamps beenden, und der Borstand wird beauftragt, nach Wiederaufnahme der Arbeit erneute Verhandlungen nachzusuchen. Den Streikenden soll Nnterstütznng gezahlt werden. Ueber den Verlauf der Sitzung orientiert folgender Bericht: Berlin, den 9. August. In der heutigen geschlossenen Sitzung gab Schlicke ein Bild über den Stand der Streikbewegung und Prä- zisierte die Stellung des Vorstandes hierzu. Die sich anschliehende Debatte war lebhafter wie die gestrige. Ein Teil der Redner trat für Unterstützung der Werft- arbeiter ein— trotz Verurteilung der statutenwidrigen Arbeits- niederlegung. Es gebe kein Unternehmertum, das die Arbeiter so schikaniere wie die Werftbesitzer. Durch die Annahme einer Re- solution, welche die Unterstützung verweigere, würde man die Werftarbeiter den Werftgewaltigcn mit Haut und Haaren aus- liefern, sagte ein Redner unter Zustimmung. Der andere Teil der Redner— dem anscheinend die Mehrheit der Tagung zu- stimmte— stellte sich auf den Standpunkt des Vorstandes. Man könne den Streik nicht gutheißen, denn, was den Werftarbeitern recht sei, wäre den übrigen iMtgliedcrn billig und müßte auch diesen zugestanden werden. Die Werftarbeiter müßten aufgefor- dert werden, die. Arbeit wieder aufzunehmen. Ter zweite Vorsitzende des Vorstandes, Reichel- Stuttgart, wies darauf hin, daß ein falscher Beschluß(Sanktionierung der Bewegung) mehr oder weniger auch die übrigen Gewerkschaften berühre und beeinträchtige. Dieser würde seine üble Wirkung nicht nur auf Deutschland, sondern auch auf daö Ausland über- tragen. Den verschiedenen Ansichten der Delegierten wurde in einer Reihe Resolutionen, die im Laufe der Debatte eingebracht wurden, Ausdruck gegeben. Die von den Hamburger» und Delegierten aus den verschie- densten Teilen des Reiches zugunsten der Werftarbeiter eingebrachte Resolution erkannte an, daß die Arbeitsniederlegungen gegen das Statut verstoßen und der Vorstand nach dem Wortlaut des Statuts im Recht war. Die Generalversammlung solle aber in Berück- sichtigung der Sachlage beschließen,„den Streik auf den Seeschiffs- werften durchzuführen und die durch den Streit entstandenen, sowie die in Zukunft etwa noch entstehenden Ausgaben gemäß § 16 des Statuts auf die Hauptkasse zu übernehmen. Nachdem 12 Redner— 28 Delegierte waren noch eingezeichnet — mit unbeschränkter Redezeit zum Wort gekommen waren, wurde ein Schlußantrag mit 71 gegen 56 Stimmen angenommen. Im Schlußwort hob Schlicke nochmals alle die Gründe her- vor, vi« für die Stellung des Vorstandes maßgebend waren. Der Vorstand habe sich für verpflichtet gehalben, die Lokalkassen zu sperren. Die Lokalkass«n seien Mittel des Gcsamtverbandcs. Der Verstoß gegen das Statut und die gewerkschaftlichen Grundsähe könne nicht ruhig hingenommen werden. Die Generalversammlung müsse den Kollegen aufgeben, daß sie den gemachten Fehler dadurch wieder gut machen, indem sie die Arbeit wieder aufnehmen. Vor der Abstimmung über die vorliegenden Resolutionen ent- spann sich eine längere Geschäftsordnungsdebatte über die Frag«, ob für die Annahme einer Resolution die einfache oder Zweidrittelmehrheit notwendig ist. Einige Redner sehen in der Resolution der Hamburger, nachdem der statutenwidrige Streik genehmigt werden soll, eine Statutenänderung resp. Außerkraft. setzung deS Statuts, wofür eine Zweidrittelmehrheit nötig sei. Gegen eine starke Minderheit beschließt die Generalversamm» lung, daß dies« Resolution keine Außerkraftsetzung des Statuts bedeute. Die einfache Mehrheit genüge. Mehrere Resolutionen wurden. zurückgezogen, so daß nur noch die Hamburger und«ine ResolutionBuse- Bielefeld vor- liegen, die die Vorstands Meinung vertritt. Die Abstimmung war namentlich. Zunächst wurde über die Hamburger R«. solution abgestimmt. Diesewurdemit76gegen67Stim. meaabgelehnt. Die Resolution Bus« wurde hierauf mit 126 gegen 18 Stimmen angenommen. Sie hat folgenden Wortlaut: Die außerordentliche Generalversammlung des Deut- schen Metallarbeiterverbandes erklärt nach den Ausführun- gen des Vorstandes und der Kollegen aus den Werftorten, in denen die Arbeit ohne Genehmigung des Vorstandes niedergelegt worden ist, daß dieses Vorgehen nicht in Ein- klang zu bringen sei mit den Grundsätzen gewerkschaftlicher Taktik und Disziplin. Sie verurteilt das Vorgehen dieser Kollegen auf das Entschiedenste, da es nicht geeignet erscheint, die Stoßkraft deS Verbandes gegenüber dem einigen, geschlossenen Vor- gehen deS Unternehmertums in der Metallindustrie zu erhöhen. Aus diesm Grunde ist die Generalversammlung der Meinung, daß der Vorstand nicht anders handeln konnte, wie er gehandelt hat, sogar so zu handeln verpflichtet war. In richtiger Würdigung der ganzen Situation, in die der Verband durch das Vorgehen der Hamburger Kollegen gebracht worden ist, verlangt die Generalversammlung von de« Werftarbeitern, den Kamps zu beenden. Der Vorstand ijvird beauftragt, nach Aufnahme der Arbeit erneute Bcryandlungen nachzusuchen und den Be- teiligten vom Tage des Beginns des Streiks bis zur Wieder- aufnähme der Arbeit Streikunterstützung zu zahlen, sowie auch diejenigen Kollegen zu unterstützen, die nicht sofort wieder eingestellt werden. Gegen diese Resolution hatten gestimmt: die 4 Delegierten aus Leipzig, 7 Hamburger, 2 Stuttgarter und je ein Delegierter aus Elmshorn, Rüstringen und Heilbronn und 2 Berliner. Für die Hamburger gab Dahm die Erklärung ab, daß sie versuchen würden, den Kollegen plausibel zu machrn, daß sie sich de« veschlsissen füge» müssen. Wenn ihnen das nicht gelinge, .nützten sie die Verantwortung ablehnen. Vorsitzender Cohen erklärte darauf, es sei wohl selbstver- ständlich, daß alle Delegierten für den Beschlutz eintreten. �,. Damit waren die Arbeiten der Generalversammlung beendet. Cohen schloß sie mit der Aufforderung, den Beschluß zur Durch- ührung zu bringen und gemeinsam für die Stärkung der Organisation stn wirken.___ Derbandstag der Tabalmbeiw. Heidelberg, 8. August. Nachdem C. A r n h o l d-Hamburg ein beifällig aufgenommenes Referat über die„Volksfürsorgc" gehalten und in der Diskussion auf einige Fragen Auskunft gegeben, wurden etliche Aendcrun- gen am Wah Ire glem ent vorgenommen._ Beim Punkt Wahlen wurde der alte Vorstand einstimnug wiedergewählt; an Stelle des in die Verwaltung der..Volkssur- sorge" eingetretenen Kollegen Arnhold wurde der bisherige Gau- eiter Wenzel-Dresden als Vorstandssekretar gewählt; gleich. all? wurde der bisherige Ausschußvorfitzende weiter bestätigt. Darm erfiattet« Dahm s-Manuhem den . Bericht der Statutenbcratungskommission. Tie Kommission schlug vor: Die drei oberen Bcitragsklassen werden gänzlich gestrichen. Es verbleiben noch drei BeitragSklasscn von 3ö, 45 und 50 Pf. Daniit ist in der ersten und zweiten Klasse von einer Beitragserhöhung Abstand genommen, in der dritten Klasse sollen 6 Pf. Erhöhung eintreien. Mitglieder, die in der Regel bis 12 M. pro Woche verdienen, zahlen den Beitrag der ersten, die in der Regel 12— 18 M. pro Woche verdienen, den Beitrag der zweiten, die in der Regel über 18 M. verdienen, den Beitrag der dritten Klasse. Von den geleisteten Beiträgen verbleiben 6 Pf. der Lokalkasse. Tie Erwerbslosenunterstützung wird eingeführt. In dieselbe ist eingezogen die Kranken-, Arbeitslosen- und Fahr- geldunterstützung. Die Um zugsunter st ützung bleibt ge- sondert weiter bestehen. Außerdem gewährt der Verband Sterbe- g e l d an die Hinterbliebenen beim Ableben eines Mitgliedes. Tie Erwerbslosenunterstützung kann bezogen werden nach 52 w ö ch i g e r M i t g l i e d s ch a f t und beträgt dann in der ersten Klasse im Höchstsatz 14,59 M. Sie staffelt sich nach der weiteren Mitgliedsdauer und erreicht mit 312 Wochen den Höchstbetrag von 38,49 M. Die entsprechenden Sätze in der zweiten Klasse sind 21,69 und 57,69 M., in der dritten Klasse 28,89 und 76,89 M. Diese Unterstützungssummen kann ein Mitglied innerhalb einer 78wöchigen Unterstützungsperiode beziehen. � Die Erwerbslosenunterstützung wird bei A r b e i t s l o s i g- k e i t vom 7. Wochentage an gezahlt und beträgt je nach der Beitragstlasse 9,89, 1,29, 1,69 M. pro Tag. Mitglieder, die im un- mittelbaren Anschluß an eine Kranken-, Streik- oder Maßrege- lungsperiode keine Arbeit erhalten, erhalten die Arbeitslosenunter- stützung vom e r st e n Wochentage der Arbeitslosigkeit an gezahlt. Bei Krankheit gilt ebenfalls die Karenzzeit von 7 Wochen- lagen, doch betragen hier die täglichen Unterstützungssätze 49, 69, Die Wöchnerinnen gelten als kranke Mitglieder und erhalten nach einer 62wöchigen Beitragsleistung bis sechs Wochen, nach einer 194wöchigen Beitragsleistung bis acht Wochen Krankengeld, sofern sie so lange der Arbeit fernbleiben. Die U m z u g s u n t e r st ü tz u n g, die innerhalb dreier Jahre nur einmal gewährt werden kann, beträgt in der ersten Klasse im Höchstsatz« 24, in der zweiten 86, in der dritten 48 M. Zum Bezug« der Streikunter st ützung sluh man minde- stens 26 Wochen ununterbrochen Mitglied sein. Diese Unterstützung wird dann in der Höhe des in den letzten vier Wochen durchschnitt- lich erzielten Verdienstes gezahlt mit der Maßgabe, daß die Unter- stützung im Höchstfalle beträgt: in der ersten Klasse 1,59, in der zweiten 1,89, in der dritten 2,23 M. pro Tag. Außerdem erhalten Streikende oder Ausgesperrte für Kinder unter 14 Jahren einen Zuschuß von 75 Pf. pro Kind und Woche. Das neue Statut tritt mit dem 1. Oktober dieses Jahres in Kraft. Die Borschläge der Kommission wurden unverändert ange- nommen. Damit waren die Arbeiten deS Verbandstages erledigt. Die Kritik an der ßeichstagsfraktion. Im sozialdemokratischen Verein zu Rostock hielt der Abgeordnete des Kreises, Genosse Dr. Herz feld- Berlin, einen Vortrag, in dem er die Frage behandelte:»Soll die Sozial- demokratie Steuern für den Militarismus bewilligen?" Unter Verneinung dieser Frage verurteilte er die Zustimmung der Fraktion zu den Besttzsteuern; denn damit hätte die Sozialdemo- kratie dem Militarismus Konzesstonen gemacht. Redakteur Genosse Starosson wandte sich entschieden gegen diese Darstellung und verteidigte den Fraktionsbeschluß. Die Fraktion habe in jener Situation zu entscheiden gehabt, wer die Steuern tragen solle, und sie habe hierbei die Interessen des Proletariats wahrgenommen; sie habe gehandelt, wie die Parteitagsbeschlüsse bei den ähnlich ge- lagerten Abstimmungen über das Budget es zulassen. Starosson erinnerte auch an die Anträge zum Flottengesetz von 1898, an die Beschlüsse zum Erbschaftssteuergesetz usw.— Von einer Beschlußfassung sah die Versammlung ab. ** * Am Freitag nahm eine Parteiversammlung in Dresden- Neustadt, dem Wahlkreis, in dem für den verstorbenen Genossen August Kaden demnächst eine Nachwahl stattfindet, Stellung zum Parteitag. Genosse L e u t h o l d sprach sich in einem einleitenden Referat gegen die Mehrheit der Fraktion bei der Be- Handlung der Steucrsragen aus. In der Frage der Abführung des Maibeitrages wünscht er die Wiederherstellung des Nürnberger Beschlusses, da der Beschluß des Parteiausschusses keine befriedi- gende Losung der Frage bringe. Der Reichstagskandidat für den Kreis, Stadtverordneter B u ck, ist mit dem Verhalten der Fraktion in der ihr aufgenötigten Situation einverstanden.. Sie habe nicht gegen das Prinzip verstoßen. Wenn gesagt werde, daß die Besitz- steuer doch auch wieder auf die Massen abgewälzt würden, so be- streite er dies entschieden. Der größte Teil der von der Ver- mögenSstener Betroffenen könne nicht abwälzen, weil er nicht im wirtschaftlichen Produktionsprozeß stehe. Der so zaghaft betretene Weg der Besitzbesteuerung müsse weiter beschritten werden. Zu faßt. Tie Abstimmung über die umstrittene Frage wurde d«» Delegierten freigestellt. Doch erklärte der inzwischen gewählte Delegierte Leuthold, daß er in seiner Auffassung durch die AuS- führungen Rühles bestärkt worden sei und demgemäß abstimmen werde. Als Delegierte wurden gewählt die Genossen Franz Herrmann, Leuthold, Glauche und die Genossin Jentzsch. »* * In zwei gut besuchten Versammlungen beschäftigte sich am 22. Juli und am 8. August der zweite Hamburger Wahl» kreis mit der Tagesordnung des Jenaer Partei- t a g e s. Naturgemäß ballte sich die Debatte in der Hauptsache um die beiden Fragen zusammen, die diesesmal im Mittelpunkte des Interesses stehen werden: Die Haltung der Fraktion zu den Wehr- und Deckungsvorlagen und die Massen st reikfrage. Genosse S t e n g e l e als Referent kritisierte scharf die Taktik, die die Reichsiagsfraktion der neuesten Rüstungsvorlage gegenüber eingeschlagen habe. Nicht die Zustim» mung zum Wehrbcitrag und zur Teilvermögenssteuer wolle er der Fraktion zum Vorwurf machen, sondern den Mangel an Ent- schlossenheit, Zähigkeit und Nachdruck in der Bekämpfung der Wehr- Vorlage selbst. Hier liege der Kernpunkt der Frage. Bezüglich der DcckungSfrage ließen sich nämlich gute Gründe ebensowohl für als gegen die Haltung der Fraktion geltend machen. Durch diese sich oft in Einzelheiten verlierende Diskussion, in die Redner nicht eingreifen will, enistehe aber die Gefahr, daß die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Wehrvorlage zu sehr abgelenkt werde. Und gerade hier habe die Fraktion zweifellos einen sehr schweren Fehler begangen. Die schlictzliche Annahme der Wehrvorlage fwtte sie zwar nicht hindern können. Wenn sie aber alle die zahlreichen Mittel, die auch im Rahmen der jetzigen Geschäftsordnung möglich seien, wie eingehendste Begründung und Beratung aller zur Wehr» Vorlage zu stellenden Anträge, Verlangen nach namentlichen Ab- stimmungen, bis aufs äußerste ausgenutzt hätte, so wäre es ihr sicherlich doch möglich gewesen, durch diese planmäßige Ob» st r u t t i o n die Entscheidung wenigstens bis nach den Ferien zu verzögern und so vielen Tausenden junger Leute die Kaserne zu ersparen. Es gebe sehr zu denken, daß die dritte Lesung z. B. an einem einzigen Tage erledigt werden konnte und daß nur das Erfurter Schreckensurteil zufällig eine kleine Erregung gebracht habe. Durch den Verzicht auf die Obstruktion sei auch den französischen Genossen ihr Kamps erschwert worden. Trotzdem habe» diese es aber verstanden, das Geseü über die drei- jährige Dienstzeit derartig zu durchlöchern, daß selbst die Väter des Gesetzes keine Freude mehr daran haben. Und das sei ge- lungen gerade durch planmäßige Ausnützung aller parlamentarischen Mittel. Zur Frage des M a s s e n st r e i k s meinte der Redner, daß über die Notwendigkeit, dieses Kampsesmittel im gegebenen Moment anzuwenden, kein Zweifel in der Partei herrschen solle. Die Frage sei nur, ob das allgemeine, gleiche Wahlrecht zum preu» ßischen Landtag eines solchen opferreichen Kampfes wert sei. Ihm scheine der Lohn für ein solches Ringen zu klein. Das Junker- tum herrsche nicht nur durch den Landtag, sondern viel mehr noch durch seinen überragenden Einfluß in der� ganzen inneren Ver- waltung des Landes. Ein Massenstreik müsse sich gegen die ge- samte Reaktion richten und das sei der Anfang der Revolution. Von diesem Gesichtspunkte aus müsse man den Massenstreik dis. kuiieren, nicht aber, ob durch ihn eine stärkere sozialdemokratische Fraktion im Landtage erreicht werden könne. Genosse H o f f m a n n, der Vorsitzende deS Wahlkreises, er» klärte sich mit der Haltung der Fraktion einverstanden. Obstruktion sei nicht angängig gewesen. Da die Annahme der Wehrvorlage doch nicht zu hiirdern gewesen sei, so habe die Fraktion die Pflicht gehabt, die neuen Steuern nach Möglichkeit auf die Schultern der Besitzenden zu überwälzen. Dieser Pflicht sei die Fraktion, soweit sie konnte, nachgekommen. Die Massen im Lande würden es nicht verstanden haben, wenn diese Besiysteuern von der Sozialdemo- kratie abgelehnt worden wären. Es sei doch auch zu bedenken, daß diese Steueriakrik sicherlich eine erzieherische Wirkung aus- üben werde. Die besitzenden Klassen würden in ihrer Begeisterung für neue Rüstungen zweifellos merklich abgekühlt werden, wenn sie selbst die Kosten dafür aufbringen müssen. Die Genossen O st m a n n und M i ch e e l meinten demgegenüber, daß auch diese direkten Steuern auf Besitz und Einkommen von den herrschenden Klassen auf die Arbeiter abgewälzt würden. Genosse Umhaud sah sich in den Ansichten der Referenten, daß bei Anwendung deS Massenstreiks etwas mehr als ein besseres Wahlrecht erstrebt werden müsse, anarchistische Tendenzen. Beschlüsse zu den beiden Fragen wurden von der Versammlung nicht gefaßt. Angenommen wurde lediglich eine Resolution, in der die Nachlässigkeit der Fraktion bei der Abstimmung über die Proportionalwahl getadelt wird. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Saat und Ernte. Deutschlands Getreideexport. Wenn auch die Industrialisierung Deutschlands in den letzten 49 Jahren rapide Fortschritte gemacht hat, darf dabei doch nicht die Bedeutung übersehen werden, die die Landwirtschaft noch heute hat. wün'sch7n wäre, daß die Agrarftage �f� dem P�teita� b�ändelt�oh� �der politische Einfluß wird. Die Festlegung der sozialistischen Auffassung zur Agrarfrage und ihre Propagierung würde unser Vordringen auf dem platten Lande se�r begünstigen. Genosse Hahn tritt Buck entgegen. Es sei dies ein schwerer Verstoß gegen'das Prinzip, daß die Fraktion die Groschen für den Militarismus bewilligte. Wenn Buck sich große Vorteile von dem Weitergehen auf dem Besitzsteuerwege ver- spreche, so sei er auf dem Holzwege. Genosse König meinte, die letzten Jahresergcbnisse der Partei seien unbefriedigend und mit dem Umstände geschuldet, daß die Organisationsleitung nicht ge- nügend verbunden sei. Das würde sich besonders bei einem evtl. Massenstreik zeigen. Genosse Gradnauer legt den Standpunkt der Mehrheit der Fraktion in der Besitzsteuerfrage dar. Die Partei habe verlangt, die Regierung möge Besitzsteuern vorlegen und nachdem dies ge- schehen, werde verlangt, daß die Fraktion dagegen stimmen sollte. Die Fraktion konnte doch nicht das wieder ablehnen, was sie mit allen Kräften sclbsw mit geschaffen. Wir' hätten doch gar keine Veranlassung, das, was wir erreicht, selbst zu verkleinern. Der Parteitag in Jena werde mit überwältigender Mehrheit der Fraktion zustimmen, deshalb sei auch kein Grund vorhanden, sich gegen- seitig mit den schwersten Vorwürfen zu regalieren. Genosse Rühle tritt Gradnauer mit der Begründung der Haltung der Minderheit der Fraktion gegenüber. Nicht darauf komme es an. ob die Kommerzienräte Steuern zahlen, sondern darauf, daß eS sich um eine politische und nicht um eine finanzielle Frage handle. Ferner dürfe der Verwendungszweck nie cmS dem Auge gelassen werden. Wenn man die Besitzsteuern als einen Erfolg des Wahlausfalles von 1912 hinstelle, so sei dies schon aus dem Grunde falsch, weil die Regierung bei der vorletzten Militär- vorläge sich noch nicht bemüßigt fübltc, Besitzsteuern einzubringen. Das beweise, daß die Regierung sich gar nicht imponieren lasse durch unsere Erfolge, daß sie durch andere Umstände zu ihrer jetzigen Stellung gezwungen wurde. Daraus gehe hervor, daß es mit dem Parlamentarismus allein nicht getan sec, daß etwas Stärkeres dazu kommen müsse, um unsere Gegner und die Re- gierungen die Macht der Sozialdemokratie fühlen zu lassen. Der Mißerfolg in der Agitation und Organisation des letzten Jahres sei dem Schwinden des Vertrauens der Massen zur Leitung, der Dämpfung der Grundsätze geschuldet. Nachdem die Genossen Gradnauer und Rühle wieder- holt ihre Meinungen scharf gegeneinander verfochten, wobei sich Gradnauer aus Bebel, Kautskh und Heinrich Schulz berief, die ebenfalls die Zukunft der Partei nicht so schwarzseherisch betrach- tetcn, wie Rühle, und darauf verwiesen hatte, daß er oft in der Minderheit gewesen sei und sich damit abfinden mußte, wird die Versammlung nach 1 Uhr geschlossen. Beschlüsse wurden nicht ge- die Gesetzgebung und Verwaltung aufrechterhalten, deren agrarischer Charakter einigermaßen berechtigt sein mochte, als von der Gelamt« bevölkerung noch 42'/, Proz. wie im Jahre 1832 der Landwirt- schast angehörten. Seither ist zwar der Anteil der zur Landwirtschaft gehörigen Bevölkerung auf etwa 23'/, Proz. gesunken. Aber auch dieses Viertel der Gesamtbevölkerung wäre natürlich für das wirt« schaftliche Leben Deutschlands auch dann von großer Bedeutung wenn sein politischer Einfluß nicht künstlich erhöht würde. Die Konsumkraft der agrarischen Bevölkerung bildet einen wichtigen Hebel für die Tätigkeit von Handel und Industrie, und die jährlichen Schwankungen im Ausfall der Ernte wirken daher aus den Beschäftigungsgrad jener nicht-agrarischen Gewerbe zurück- Auch für den Fortbestand einer Hochkonjunktur bildet die Landwirtschaft einen zu beachtenden Faktor. Ebenso wichtig sind die Ernteergebiiisie mit der Wirkung auf die Preise für den Konsumenten. In Ländern mit agrarischem Hochschutzzoll erfährt diese Wirkung allerdings eine ungebührliche Vertiefung durch die goll-Grenzsperren. Die Dürre des Sommers 1911 z. V. hätte sich nicht auf so empfindliche Weise in den Gemüse- und Fleischpreisen der Jahre 1911 und 1912 geltend machen können, wenn Deutschland em Fre.handelsland wäre. Zurzeit ist aber leider der deutsche Konsument van da, Ernteau-fall der deutschen Landwirtschast m hohem Grade ab» �Die Aussichten der diesjährigen zum Teil schon begonnaa Ernte haben sich im laufenden Monat gegen d.e früheren Monate gebessert, wenn sie auch e.wa- schlechter°«.m vorjährigen August. Die'es Urteil wird von den statiitischen Aemiern deS Reiches und Preußens auf Grund von Berichten zahlreicher Landwirte aus allen Landesieilen abgegeben. D.e Tatsache, daß die Be- urteilung auf bloßen Schätzungen der Interessenten beruht, zwingt indessen zur Skepsis. Fast rege�mamg fallt d.e tatsächlich- Entwicke- lung günstiger aus als d,e Voraus, agen. Der einzelne Landwirt kann mir seine Felder beurteilen; er wird immer dazu neigen. ihren Stand weniger gut zu schildern, da seine Hoffnungen erklär- licbcrweise weiter gingen. Daß auch ein absichtliches Schwärzer- ma(en Interesse hoher Preise stattfindet, soll dabei gar nicht berücksichtigt werden, obgleich es bekannt ist. daß die agrarische Presse, voran die.Deutsche Tageszeitung", ständig zu pessimistischer Beurteilung animiert. Während der ErnteauSfall von Getreide in diesem Jahr««ach den Schätzungen i« Deutschland geringer sein wird, rechnet man mit Rekorderträgen der Welternte. Besonders Weizen, der Haupt- Handelsartikel, soll in Europa eine Steigerung gegen das Borjahr von 260 auf 262 Mill. Ouarters, in der ganzen Welt eine solche von 463 auf 476 Mill. Ouarters erfahren und damit die Ernte- mengen früherer Jahre weit hinter sich zurücklassen. Bekanntlich reicht die eigene Produktion Deutschlands an Ge- treibe bei weitem nicht auS, um den Bedarf zu decken. Jahr für Jahr müssen daher große Mengen eingeführt werden. In den Jahren 1911 und 1912 betrug der Import der wichtigsten Gelreids- arten in Millionen Doppelzentner: Weizen....... 22,97 Roggen....... 3,18 Hafer........ 6,66 Malzgerste...... 2,12 Andere Sorten..... 27,57 Diese Einfuhrmengen stellen aber nicht den absoluten Mehr- bedarf Deutschlands dar. Deutschland führt selbst beträchtliche Quantitäten ans Ausland ab. Diese Ausfuhr ist nicht etwa allein bedingt durch den natürlichen Austausch in den Grenzgebieten und durch den Handelsverkehr mit Ländern, die wenig oder auch nur weniger Getreide produzieren als Deutschland. Vielmehr gibt Deutschland Getreide an Staaten ab, die selbst als Hauptproduklions- länder für den Weltmarkt in Frage kommen. Was zunächst die ab- solute Höhe der Ausfuhr anbelangt, so zeigt die deutsche Handeln statistik ein außerordentliches Anschwellen des Exports seit Jnkraft treten des neuen Zolltarifs(im Jahre 1906). Von einer Erntezeit bis zur folgenden(August biS Juli) wurden exportiert(in Millionen Doppelzentnern): Roggen Weizen Haser 1905/06... 1,65 3,07 2,14 1906/07... 2,92 3.33 3,59 1907/08... 2,67 2,09 5,99 1908/09... 8,41 4,01 3,67 1909/10... 6,79 3,60 5,70 1910/11... 7,55 5,41 4,39 1911/12... 8,54 5,65 4,42 1912/13... 8,65 6,17 7,01 Wie man sieht, ist die Ausfuhr bei Roggen so groß, daß sie die Einfuhr weit übersteigt. Dieser ungesunde Znstand ist seit 1903/09 zu beobachten. Es betrug(in Millionen Doppelzentnern): Roggeneinfuhr Roggenausfuhr MehrauSfuhr 1908/09.. 2,356 8,408 6,052 1909/10.. 8,244 6,791 8,547 1910/11., 7,067 7,545 0,478 1911/12.. 3,767 8,535 4,768 1912/13.. 2,847 8,648 5,891 5,8 Millionen Doppelzentner Roggen gab Deutschland also mehr ab als es selbst verbrauchte. Bei der Ausfuhr erteilt das Reich bekanntlich einen Schein, der zur zollfreien Einfuhr von Getreide, Hülsenfrüchten, Kaffee und Petroleum verwendet werden kann. Da Deutschland insgesamt an Getreide, Hülsenfrüchten, Kaffee und Petroleum mehr ein« als ausführt, bedeuten die Einfuhr- scheine für den Exporteur bares Geld. Bei Roggen beträgt der Zoll 5 M. pro Doppelzentner. Die Mehraussuhr von Roggen in Höhe von 5,8 Millionen Doppelzentnern die ntdemnach zur Erstattung von Zollgebühren in Höhe von 29 Millionen Mark, die letzten Endes den Produzenten als Prämie in die Tasche geflossen sind. Diese AuSfkihrprämien haben dabei das Angenehme an sich, daß sie eine Unterbietung des Auslandes gestalten. Das Land mit hohen Getreidcpreisen exportiert nach dem Auslände, wo die Getreidepreise niedrig stehen— ein nur durch unser famoses Einfuhrscheinsystem möglicher Widersinn. Dagegen ist es Ländern mit niedrigen Preisen unmöglich, nach Deutschland zu exportieren. Zu diesen Ländern gc- hört z. B. Frankreich. Obgleich dessen Weizenproduktion mehr als doppelt so groß ist als die Deutschlands, führt Frankreich nicht einen einzigen Doppelzentner Weizen nach Deutschland aus, während umgekehrt Deutschland an Frankreich im Jahre 1911 rund 1 Million, im Jahre 1912 rund 600 000 Doppelzentner abgab. Im laufenden Jahr ist der Export von Weizen nach Frankreich so ge- stiegen, daß selbst die Kreuz-Zeitung„überrascht" und ein wenig ängstlich wird. Während von Januar bis Juni 1912 nur 292000 Doppelzentner Weizen nach Frankreich gingen, waren es in den ersten 6 Monaten dieses Jahres 1,186 Millionen Doppel- zentner, also bereits mehr als in den» ganzen Jahre 1911. In ähnlicher Weise stieg der Erport von Roggen von 34 000 auf 276 000 Doppelzentner, der von Hafer von 520 Doppelzentner auf 715 000 Doppelzentner. Die„Kreuz- Zeitung" fürchtet angesichts dieser Zahlen, daß„Frankreich seine Ver- Proviantierung für den Fall eines Krieges zum Teil aus Deutsch- land bewirke" und sie sieht in der Steigerung der Einsuhr aus Deutschland in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits die Tatsache einer solchen Berproviantierung. Ganz gleichgültig, ob diese Vermutung der„Kreuz-Zeitung" richtig ist— andere erklären mit mehr Recht die Importsteigerung durch geringere Ernteausfälle Frankreichs und seiner Kolonien in früheren Jahren—, der deutsche Konsument erblickt darin in erster Linie die Wir- kungcn des Einfuhrscheinsystems, Man betrachte nur folgende Preis- zusammcnstcllung; es wurden gezahlt(in Mark) pro 1000 Kilo- grainm Juni für Roggen 1913 1912 in Paris... 161,35 M. 188,53 M. in Berlin... 165.17„ 197.76„ Obgleich Deutschland zehnmal soviel Roggen produziert als Frankreich, standen die Roggenpreise in Paris im Juni 1912 um rund 9 M. niedriger als in Berlin, und im Juni d. I. immerhin noch um 4 M. Diese Zahlen zeigen, wie dringend cS ist, daß die Ausfuhrprämien beseitigt werden._ Soziales« Langwierige» Jnvalidenrentenvcrfahren. Der Schriftsetzer Franz B. erkrankte als gänzlich erwerbs. unfähig im November 1910. Da die Krankheit über 26 Wochen währte, stellte B. an die Landes-VersichcrungSanstalt Berlin den Antrag auf Gewährung der Invalidenrente. Dieser Antrag wurde durch Bescheid vom 19. Oktober 1911 abgewiesen, weil die bei B. bestehenden Leiden: geringe Fettleibigkeit, unvollkommen geheilter Kniescheibenbruch am linken Bein. Gelenkrheumatismus, Nerven- Ichwachc. Plattfußbeschwerden, noch nicht Invalidität bedingen. B. legte Berufung beim Schiedsgericht für Arbeiterverstchcrung Stadt- kre.s Berlin ein. Er machte geltend, daß er neben den von den Uerzten der Landes-Verficherungsanstalt.sestgeitellten Leiden noch an Kopsschmerzen Schwindelgefühl und Gliederzittern zu leiden fc*«- DaS Schiedsgericht holte von seinen: Vertrauensarzt S.-R. Dr. H'/'N. Gutachten-in. der bei B. nicht weniger denn 8 Le.den feststellte. s.-R. Dr. H erklärte:„Nach diesem Befunde ist B. nicht in der Lage. Arbeiten zu verrichten die länaeres Gehen oder Stehen erfordern." Trstz alldem kam aber der Gutachter zu dem Schluß, daß Jnvalidirat bei B. noch anzunehmen sei. Das Schieds. Sec.ch: wies daraufhin durch Entscheidung vom 22. Dezember 1911 die Berufung zurück. � Beim Ncichs-Bcrsicherungsamt wurde Revision gegen die Eni- scheidung eingelegt. Tie Revision hatte Erfolg. Am 22. November 1912 entschied das Relchs-Versicherungsamt. daß die Entscheidung der vorlnstanz auszuheben und die Sache'zur anderweiligen Ver- Handlung und Entscheidung an daS OberversicherungSaml zurückzu- weisen sei. AuS den Gründen: „Ta?� Schiedsgericht führt auS, daß der Kläger hauptsächlich nur im Sitzen zu arbeiten vermöge, mit einem Stützapparat ver- seben, würde er sogar im Stehen arbeiten und seinem Beruf als Schrislsetzer nachgehen können. In der Richtung aber, in welchem Umfange und mit welchem Erfolge er solche Schriftsetzerarbeiten stehend oder sitzend verrichten und welche sonstige Arbeiten er im Sitzen auszuführen in der Lage ist, hat das Schiedsgericht keine Feststellung getroffen, obwohl sie im vorliegenden Falle um so not- wendiger war, als die Verdienstgrenze des Klägers eine hohe ist. Die Feststellung, daß der Kläger mit den für ihn in Betracht kom- Menden Arbeiten noch den gesetzlichen Mindestlohn erzielen könnte, ist deshalb nicht einwandfrei getroffen. Mangels genügender Auf- klärung des Sachverhaltes mußte daher das angefochtene Urteil auf- gehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Ent- scheidung an das Kgl. Oberversicherungamt Groß-Gerlin zurückver- wiesen werden. In dem neuen Verfahren wird dieses zunächst die Verdienstgrenze des Klägers zu ermitteln und sodann festzustellen haben, welche Arbeiten der Kläger noch verrichten und ob er mit diesen Arbeiten die für ihn maßgebliche Verdienstgrenze zu erreichen in der Lage ist." Das Obcrvcrslchcruilgsamt zog zunächst Erkundigungen über den von B. vor seiner Erkrankung erzielten Verdienst ein und hörte nochmals den S.-R. Dr. H. Nunmehr kam dieser Gutachter zu dem Ergebnis, daß B. als invalide anzusehen sei. Das Oberversiche- rungsamt sprach dem B. vor kurzem die Invalidenrente ab 1. Januar 1912 zu. Eine LehrlingSklage. Der Vater des Lehrlings Heisch klagte gestern vor dem Ge- Werbegericht gegen die Firma Nösscmann u. Spicr, Eisenkonstruk- tion, aus Lösung des Lchrvcrhältnisics. Er gab an, die Ausbildung sei eine ungenügende gewesen, und folgert dies aus dem Umstände, daß nur vier— später gar nur eine— erwachsene Personen im Betriebe vorhanden waren, die die Lehrlinge unterweisen konnten. Außerdem seien wiederholt Mißhandlungen vorgekommen. Einen dieser Fälle schildert er ausführlich. In einem Neubau hatte die Firma eine Treppe aufzustellen. Der Bau kam jedoch unter Zwangsverwaltung. Nun hatte aber der Gehilfe bereits ein Stück festgemacht: wollte jetzt der Firmeninhaber sein Material retten, durfte nichts mit dem Bau fest verbunden sein. Der Lehrling er- hielt deshalb den Auftrag, das befestigte Stück wieder loszustemmen. Er wurde vom Wächter dabei betroffen und gestand diesem wahr- heitsgemäß den Zweck seiner Arbeit, worauf ihn der Wächter natür- lich fortwicS. Als der Firmeninhaber, Herr Spier, dies erfuhr, hat er den Jungen mit dem Stock geschlagen. Das Gepicht unter Vorsitz des Magistratsrats Tr. Wölbling verurteilte den Beklagten zur Lösung des Lchrvcrhältnisics mit der Begründung: Ter dem Lehrling erteilte Auftrag verstieß gegen die guten Sitten. Als der Lehrling dann dem Wächter offen sagte, was er zu tun beauftragt sei, wurde er deswegen sogar geschlagen. Ein Meister, der so verfährt» sei nicht berechtigt, Lehrlinge auszu- bilden!_ Gerichts-Zeitung. Ter Kampf einer Mutter um ihr Kind. Wer eine minderjährige Person durch List oder Gewalt ihren Eltern, ihrem Vormund oder ihrem Pfleger entzieht, wird nach Z 235 St.G.B. mit Gefängnis bestraft. Sind mildernde Um- stände vorhanden, so kann nach der Novelle vom 19. Juni 1912 auf Geldstrafe bis zu 3000 M. erkannt werden. Auf Grund dieser Bestimmung ist vom Landgericht I in Köln am 1. Februar die geschiedene Ehefrau S. zu einer Geldstrafe von 36 M. verurteilt worden, während der Mitangeklagte W. freigesprochen worden ist. Frau S. war seit 1398 verheiratet und wohnte 1902 mit ihrem Manne und ihrer damals 4jährigen Tochter Gertrud in Thorn. Hier verlieh der Mann Frau und Kind. Die Frau sah sich dann genötigt, das Kind zu einer Frau K. in Pflege zu geben und selbst eine Stellung als Dienstmädchen anzunehmen. Im Jahre 1903 hörte sie, daß ihr Mann plötzlich wieder in Thorn aufgetaucht sei und versucht habe, durch 2 Straßendirnen das Kind an sich zu locken, um eS ins Ausland zu verkaufen. Frau S., die sich damals in Berlin befand, fuhr deshalb nach Thorn, holte das Kind ab und brachte es dem Ehemann W., dem Mitangeklagten und dessen Ehefrau, wo das Kind von 1903 bis zum Juli 1912 verblieb. Während der Jahre 1902— 12 hatte sich der Ehemann S. nie um sein Kind gekümmert und nicht für dessen Unterhalt gesorgt; die Angeklagte hatte vielmehr ganz allein die Kosten für die Pflege und Erziehung des Kindes aufgebracht. Durch Urteil des Landgerichtes Köln vom 3. November 1910 wurde die Ehe der Angeklagten und ihres Mannes auf Antrag des letzteren geschieden und die Angeklagte als der allein schuldige Teil erklärt. In der Ehescheidungsklage war der Frau die Klage und das Urteil öffent- lich zugestellt worden, sie hat sich also an dem Verfahren über» Haupt nicht beteiligt. Sie wußte auch gar nicht, daß sie geschieden war! Seitdem das Scheidungsurteil rechtskräftig geworden war, stand dem S.» der sich bald darauf wieder verheiratet hat, nach dem Gesetz die Sorge für seine Tochter Gertrud zu. Er suchte Ende 1911, nachdem er erfahren hatte, daß sie bei den Eheleuten W. sich aufhalte, seine Tochter zunächst auf gütlichem Wege zu er- langen. Nachdem dann endlich die Angeklagte von dem Ehe- scheidungsurteil nach Eintritt der Rechtskraft und von dem Be- streben ihres früheren Ehemannes, die Tochter zu sich zu nehmen, gehört hatte, bat sie im Juni 1912 die Eheleute W. das Kind nicht herauszugeben, weil ihr Mann es früher unmenschlich ge- schlage» habe und auch jetzt noch damit umgehe, daS Kind ins AuSland zu verkaufen. Sie beantragte auch bei dem Bormund» schaftsgericht in Köln, ihr die Sorge für daö Kind zu übertragen, weil ihr früherer Ehemann arbeitsscheu sei, sich Jahre hindurch mit Frauenzimmern herumgetrieben und sein Kind im zartesten Alter unmenschlich gcmißhandelt habe. Das Gericht hat dann Ermittelungen angestellt und am 8. August 1912 den Antrag der Angeklagten abgewiesen, weil für die Wahrheit ihrer Angaben kein Beweis erbracht sei, vielmehr die Erkundigungen über ihren früheren Ehemann ein nicht ungünstiges Ergebnis gehabt hätten. Zu den Unbegreiflichkeiten, die wie ersichtlich dieser Fall bis dahin schon gezeitigt hatte, kam nun eine weitere. Das gericht- liche Schreiben nämlich, in welchem der Angeklagten von diesem Gerichtsbeschlüsse Mitteilung gemacht wurde, ist nur als gewöhn- licher Brief an die Angeklagte abgesandt worden und diese be- hauptet, es nicht erhalten zu haben. Erst am 9. Oktober 1912 st cs ihr dann förmlich zugestellt worden. Schon vorher hatte die Angeklagte daö Kind zu dem FriedhofSarbeiter£. in Plötzen- fce gebracht, damit es nicht bei den Eheleuten W. gefunden werde. Später brachte sie daS Kind zu der Ehefrau B., dann zu den Ehelauten Gl., auch dies tat sie, damit das Kind von ihrem ehe- maligen Mann und dem Gerichtsvollzieher nicht gefunden werde. Am 6. Oktober 1912 schickte die Frau Gl. daS Kind zu den Ehe- leuten W. zurück, von da brachte die Angeklagte das Kind wieder zu anderen Leuten. Ihr Mann hat seit Oktober 1912 nicht wieder versucht, das Kind zu erlangen. Die Angeklagte soll nun durch ihr Verhalten, wie es hier mitgeteilt ist, das Kind ihrem Mann durch List cntzvgcn haben. Sie hatte Vertagung der Ver- Handlung beantragt, damit sie das Ehescheidungsurteil anfechten könne, weil diese? nur erschlichen sei, denn ihr Mann habe genau gewußt, wo sie sich aufhalte und wider besseres Wissen die öffent» liche Zustellung der Klage sowohl als de» Urteil» veranlaßt. Diesem Vertagungsantrag ist aber deshalb nicht Folge gegeben worden, weil die Angeklagte, wie sie nicht bestreitet, im Juni 1912 Kenntnis von dem Scheidungsurteile hatte. Sie wußte auch, so heißt es in dem Strafurteile, daß dem Ehemann S. allein, die Sorge für seine Tochter zustand, wie insbesondere auch der Antrag der Angeklagten, dem Mann das Sorgerecht zu entziehen und es ihr zu übertragen, beweist. Wenn sie trotzdem das Kind dem Mann vorenthielt und ihm durch List entzog, so machte sie sich nach§ 235 strafbar. Die Angeklagte hat behauptet, daß ihr Ehe- mann das Kind im September 1904 schwer mißhandelt und ihm nach dem Leben getrachtet, auch die Absicht gehabt habe, es nach dem Ausland zu verkaufen. Diese Behauptung habe das Gericht als wahr unterstellt. Sie waren aber lediglich von Einfluß auf die Zubilligung mildernder Umstände. Berücksichtigt wurde hierfür noch der Umstand, daß der Ehemann sich tatsächlich von 1902 bis gegen Ende 1911 niemals um seine Frau und sein Kind gekümmert hat und daß allein die Angeklagte in aufopfernder Weife für das Kind gesorgt hat. Die Revision der Angeklagten wurde am Tonnerslag doni Rcichsanwalt für begründet erklärt. Der Antrag auf Vertagung sei allerdings mit Recht abgelehnt, da eine Berufung gegen das Scheidungsurteil nicht mehr möglich war. Aber die Aufhebung des Urteils müsse deshalb erfolgen, weil nicht geprüft sei, ob nicht ein Fall des Notstandes vorliege. Ein solcher Notstand ist.sogar nach früheren Entscheidungen des Reichsgerichts der Behörde gegenüber gegeben. Die Angeklagte habe unlviderlegt behauptet und das Landgericht habe die Wahrheit dieser Behauptung unterstellt, daß ihr Mann das Kind schwer mißhandelt habe und es habe nach dem Ausland verkaufen wollen. Die Angeklagte habe deshalb annehmen können, daß Gefahr für das Leben ihres Kindes vorliege. DaS schädigende Ereignis brauche nicht unmittelbar bevorzustehen. Man könne eine Mutter nicht ohne weiteres bestrafen, wenn sie in der Annahme, ihr Kind vor Schaden bewahren zu müffen, eS ihrem Manne entzieht. Das Reichsgericht hob daS Urteil auf und ver« wieS die Sache an das Landgericht zurück. Der Mutter hätten die Behörden beistehen sollen, statt sie zu verurteilen. Wen Formalismus und Weltfremdheit nicht in Banden hält, mutz erkennen, daß ein Vater, der bis zum 12. Lebens« jähre seines Kindes sich um dies nicht gekümmert hat, kein Er« ziehungsrecht oder gar eine Erziehungspflicht mit seinem Antrag auf Herausgabe des Kindes verfolgt, sondern den Mißbrauch eines formalen Rechts im Sinne hat. Die Mutter hatte völlig im Recht gehandelt, als sie die Herausgabe ablehnte, selbst wenn ein Not« stand nicht als vorliegend erachtet würde. Ein interessanter Acrztestrcit hat sich an die kürzlich gemeldete Verhaftung des Naturheilkundigen „Professor" Mistxlski geknüpft. Mistelski war wegen unberechtigter Führung des Professortitels vor dem Schöffengericht angeklagt ge« wesen und hatte durch Rechtsanwalt Bahn Atteste des Geheimrats f ürbringer, Geheimrats Leppmann u. a. beibringen lassen, in denen iistelski als hochgradig lungenleidend und nicht verhandlungsfähig bezeichnet wurde. Da im Gegensatz hierzu der GerichtSarzt Dr. Strauch begutachtete, daß die Aerzte anscheinend durch Simu» lation seitens des Mistelski, der geeignete Mittel zu sich genommen habe, getäuscht worden seien, erließ das Amtsgericht Haftbefehl, da M. auch noch eine schon vor drei Jahren wegen fahrlässiger Körper» Verletzung, begangen durch die kurpfuscherische Behandlung einer Kranken erkannte Gefängnisstrafe abzusitzen hatte. Nachdem sich M. an den Justizminister gewandt hatte, ist er jetzt plötzlich wieder entlassen worden. Es fragt sich nun, wer bei diesem Aerztestreit recht behält. Bis zur Erledigung dieser Streitfrage kann sich M. der goldenen Freiheit erfreuen. Leichtfertige Anklage. Aus einem recht eigenartigen Grunde siel eine Verhandlung der Vertagung anheim, mit welcher sich die 1. Ferienstrafkammer des Landgerichts II zu beschäftigen hatte. Wegen gewerbL- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei war der jetzt in Züllichau ansässige Hotelbesitzer Otto Galdcrt, dessen Ehefrau Pauline G., geb Schulz, und deren Sohn, der Friseur Otto G., angeklagt.— Der inzwischen zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilte Kutscher Gustav Radtke auS Neukölln war bei der Gastioirtsartikelftrma Katz u. Co. in Neukölln beschäftigt gewesen. Im Juli v. I. wurde durch einen Zufall entdeckt, daß sich R. als ein recht gefährlicher„stiller Teil« haber" der Firma betätigt hatte, indem er die ganzen Jahre hin» durch fortgesetzt alle möglichen Waren entwendet und damit einen scbwunghasten Handel bei einer Anzahl von Gastwirten in Neu« kölln trieb. Zu den Abnehmern der gestohlenen Waren sollen auch, wie die Anklage behauptet, die jetzigen Angeklagten Galdert gehört haben, die damals in Neukölln ein Restaurant betrieben. Bei einer Haussuchung in dem jetzt in Züllichau von ihnen betriebenen Hotel wurden große Körbe mit Sachen beschlagnahmt, die der' In- haber der Firma Katz u. Co., der Kaufmann Adler, als bei ibm gestohlen bezeichnete. Wie die Angeklagten schon damals be» haupteten, sei der weitanö größte Teil der beschlagnahmten Sachen ihr ehrlich erworbene? Eigentum gewesen.— In der gestrigen Ver« Handlung stellte sich die eigenartige Tatsache heraus, daß die Ange» klagten in dieser Sache weder von der Polizei noch vor Gericht jemals vernommen worden waren. Ferner war weder in der An- klage noch sonst irgendwie angegeben worden, welche Sachen eigent- lich als gestohlen in Ftage kämen. Von dem Verteidiger wurde darauf hingewiesen, daß dies doch um so sonderbarer anmute, da es sich für die bisher unbescholtenen Angeklagten um eine sehr schwere Anklage handele, auf die sie sich bisher noch niemals hätten äußern können. Das Gericht beschloß dem von der Verteidigung aestellteii Antrag gemäß, die Sache zu vertagen und den Ange- klagten eine Liste der angeblich gestohlenen Sachen zu übermitteln. Der bestohlene Verteidiger. Durch einen tragikomischen � Zwischenfall wurde gestern eine Verhandlung in dem Moabiter Kriminalgericht unterbrochen. Als der Rechtsanwalt Bahn, der in einer Einbrechersache als Verteidiger auftrai, gerade i»l Begriss war, die Unschuld des angeklagten Ein- brechers darzulegen, wurde ihm von einem Boten mitgeteilt, daß soeben seiner Privatwohüung von Einbrechern ein Besuch abge- stattet worden sei. Rechtsanwalt B. war direkt von seinem Sommer- Aufenthalt, ohne erst nach seiner Wohnung zu gehen, nach dem Krimi- nalgericht gefahren. Die sofort angestellte Untersuchung ergab, daß außer einer brillantenbesetzten goldenen Uhr zahlreiche wertvolle Kunstgegenstände aus der Wohnung entwendet worden waren. Die ganze Art der Ausführung des Einbruchs, bei dem die Diebe mehrere Türfüllungen durchschnitten hatten, läßt auf die Arbeit gewerbsmäßiger Einbrecher schließen. WttterungSüde�sicht vom S. August ISIS. öZ!- j if 750 S 758|®33 7599133 758 759 9138 Still Liw olkig I wölken! Swolkig Lwolkig gedeckt i? «s 13 14 14 11 13 Wetterprognose für Sonntag, de« IS. August ISIS. Sin wenig wärmer, zeitweise heiter, aber veränderlich mst etwa» Rege» und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner vetterbnrea«. Verlin 6. Kranienstr.(Vloritzplatz) M56 u»/»rt»I«??m. n 6rö5st«�usv»d1. SLt»x«Q w 2?'»dritc?sdKu6sv. 8r>s2:i»1ttLt: IL£»WOlZIUiIllor bilUitUlUllgCil* BUliette Preise. Ein Zimmer und Küche 230, 335, 407, 475, 496, 537, 574, 609, 651 bis 1000 M. Zwei Zimmer und Köche 445, 536, 640, 690, 769, 895, 933, 1035, 1105 bis 2000 M. 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Die Zahl ist inzwischen aus 16 au- gewachsen, da zu den Opfern noch drei weitere Vermißte hin- zukommen: Oberleutnant Schmidt von Schmidtseck vom zweiten Garde-Ulanen-Regiment- in Berlin, Oberkellner Schließner aus Berlin, der im Hotel„Splendid" in Swinemünde be- schäftigt war, und der Kaufmann Max Waschalewski aus Anklam. Die Bergung der Leichen. Im Laufe des gestrigen Nachmitttags sind im ganzen neun der Ertrunkenen geborgen worden, und zwar: der Kaufmann B r a h n und dessen Sohn, der Referendar Goldemann aus Berlin, der Kaufmann W i l l i H a a ck, der Sohn des Landgerichtsrats F r a n k e, Hans F., der Fischer Bauer jun., Frau Klam Prath, Fräulein Em my Hollatz aus Neustettin, Kaufmann Max Waschalewski aus Lassau bei Anklam. Es fehlen jetzt noch die Leichen des Kaufmanns Goldemann, des Goldschmiedes Porree aus Neukölln, eines Fräulein H o l l a tz und derFrau L e u ch t, deren Ehemann bekanntlich gerettet worden ist. Das Torpedoboot, das die Suche nach den Leichen aufgenommen hat, ist auch während der Nacht an der Unfallstelle verblieben und hat die Nachforschungen am heutigen Morgen fortgesetzt. Bis in die späten Vormittagsstunden sind jedoch weitere Leichen nicht gefunden worden. Das Befinden der geretteten sieben Personen hat sich so- weit gebessert, daß sie gestern sämtlich aus dem Krankenhause entlassen werden konnten. Die Meldung, daß der Fischer Bauer s e n., der Besitzer und Führer des verunglückten Segelbootes, gestern im Swinemünder Krankenhause gestorben sei, bestätigt sich nicht. Er befindet sich ebenso wie die übrigen Geretteten außer Gefahr. Trotzdem ist er noch nicht vernehmungsfähig und dürfte es wohl auch während der nächsten Tage nicht sein. Von seiner Aussage hängt jedoch sehr viel ab, da Bauer der einzige ist, der mit Bestimmtheit angeben kann, wieviel Personen an der verhängnisvollen E-egelPartie teilgenommen haben. Es steht aber fest, und wird Uns amtlich bestätigt, daß der„Fried- rich Karl" für Segelfahrten mit 28 Personen zugelassen war. Bisher weiß man nur, daß 22 Personen sich in dem Boote befunden haben und da leider noch mehrere Vermißte, so Oberleutnant v. Schmidtscck und der Kellner Schließner, der Polizei gemeldet worden sind, so ist es immer- hin nicht unmöglich, ja es hat leider Wahrscheinlichkeit für sich, daß noch mehrere andere, bisher nnbekannt gebliebene Passagiere den Tod in den Fluten des Meeres gefunden haben. Bauer wird, sobald es sein Gesundheitszustand er- laubt, von der Swinemünder Ortspolizei vernommen werden, da nur diese zuständig ist. Die Protestversammlnng der Badegäste. Am Freitagnachmittag fand im Hotel.Seestern" eine Protest- Versammlung der Swinemünder Badegäste statt, die von 300 bis 400 Personen besucht war. Es wurden zwei Anträge angenommen, von denen der eine die zuständigen Behörden auffordert, in Zukunft bessere Dkatznahmen für die Sicherheit de? badenden Publikums zu schaffen, während durch den anderen Antrag eine zehngliedrigeKommission zur weiterenBeratung der Angelegenheit gewählt wurde. In der stürmisch er- regten Debatte wurde insbesondere die unglaublich rohe Art gebrandmarkt, mit der die Bergung des Landgerichts- rates Franke bewerkstelligt worden ist. Mehrere Augenzeugen be- st ä t i g e n, daß man um den Körper eine Leine geschlungen hatte. Der Körper wurde dann, den Kopf nach unten, an den Strand ge- zogen. Bei der Bergung der Leiche stellten die Aerzte fest, datz das Herz noch funktionierte. Die Aerzte sollen aber die An- Wendung des Sauerstoffapparates abgelehnt haben, weil es ihrer Ansiait nach schon zu spät war. s? I) Leute, die zur Hilfeleistung herbeieilten, wurden angeblich schroff zurückgewiesen, weil sie keine Brückenkartcn hatten. Dichtung und Wahrheit. Man schreibt uns: Das„Berliner Tageblatt" berichtet von der Bootskatastrophe in Swinemünde: Stimmung:„Eben war der Kaiser in seinem Auto- mobil vornbergcfahren, die Fahnen wehten in der kaum b e>v e g t e n Luft, das Meer lag friedlich da, das ganze Bild war in das h e i t e r st e Licht getaucht. Da plötzlich..." Telegramm:„Die Katastrophe ereignete sich ungefähr 666 Meter vom Strande entfernt bei einem heftigen Sturm..." Kaum bewegte Luft— Sturm.— Darüber ist zu sagen: wir verbitten uns diesen Brei um Nachrichten. Wir wollen von der Presse wissen, was sich ereignet hat, weiter nichts. Weit rechts und weit links sind diese„Stimmungsbilder" immer mehr abgekommen— nur der breite Bütgerstand liebt es immer noch, sich seine Fakten in einem süßlichen Brei kochen zu lassen. Der wird ihm um den Mund geschmiert, und wenn er nicht mehr jappen kann, dann ist ihm wohl. Dazu matte Untersuchungen über Schuldfragen, die keinem wehe tun dürfen, sonst fliegt der Redakteur. Nur Salbader. Denn schon wird bekannt, daß auch hier— wie im vorigen Jahre in Binz— Personen, die retten wollten, das Betreten der Brücke verboten wurde, weil sie keine K a r t e hat�n. Man täte gut. in den nächsten Fällen solchen Individuen, die das Leben ihrer Mitmenschen durch ihre Dünkelhaftigkeit gefährden— der Körper eines Opfers mußte die ganze Brücke entlang durchs Wasser geschleift werden!— man täte gut. solchen Individuen den Standpunkt gründlichst und fühlbarst klar zu machen. Partei- �ngelegenkeiten Zur Lvkalliste. In Nowmvcs stehen uns nur die Lokale Bolk�aarten. Priester- stratze 31; Deutsche F-stsäle, Wtlhclnistrake, Ecke FricdrichsNatzc. und .Zur freien Aussicht", am Bahnhof Drewitz. Grotzbeeren-Str. 20S. zur Berfügung. Es wird gebeten, nur diese Lokale zu besuchen und alle übrigen Saallokale streng zu meiden. Die Lokalkommission.' Neukölln. Die Generalversammlung des WahlvcreinS findet am Montag, den 11. August, statt. Näheres siehe Inserat in der heutigen Nummer. Stcglitz-Friedenau. Wir machen bekannt, daß der für Sonntag, den 10. August, geplante Familienausflug ausfällt. Dafür findet am Sonntag, den 17. August, ein Tagesausflug nach dem Grunewald und den Havelufcrn statt. Die Teilnehmer treffen sich um 10 Uhr vormittags am Bahnhof Steglitz. Der Bildungsausschutz. Wilmersdorf. Die Genoffen treffen sich heute, am 10. August, mittags 1 Uhr, im Restaurant Seile, Brandenburgische Stratze, Ecke Mannheimerstratze, zum Familienousflug nach dem Botanischen Garten in Dahlem. Besichtigung desselben unter fachmännischer Führung. Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zutritt, doch werden für diese autzerhalb des Gartens Spiele veranstaltet. Nachdem Kaffee- kochen im Birkenwäldchen in Steglitz. Eintritt überall frei. Johannisthal. Sonntag, den 10. August 1S13, nachmittags 2 Uhr, vom Lindenhof gemeinsamer Abmarsch zum Volksfest nach Rudow. Dienstag, den 12. August, abends 8 Uhr, im Arbeiterheim: Mitgliederversammlung. Tagesordnung:„Der politische Massen« streik". Referent: Genosse Dr. Breitscheid. Adlershof. Die Wahlvereinsbibliothek wird am 11. August wieder eröffnet. Ausgabezeit Montags von 7�/, bis 9 Uhr. Die der Kinderbibliothek Montags von 5—7 Uhr im Jugendheim, Bismarck- stratze 11. Rcinickendorf-Wcst. Das Sommerfest des Wahlvereins findet heute, Sonntag, in Hartmanns Brauerei, Inhaber Beier, Scharn- weberstr. 101, statt. Die Genossen werden ersucht, für regen Besuch des Festes zu sorgen. NowaweS. Mittwoch, den 13. August, abends 8'/» Uhr, findet im Schmidtschen Lokal, Wilhelmstr. 41/43, die Versammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Der Parteitag und Parteitaktik. Referent Genosse Klütz-Neukölln. 2. Geschäftliches. 3. Bericht von der Verbandsversammlung Grotz-Berlin. 4. Wahl von Delegierten zur Kreisgeneralversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert.__, Berliner Naebnebten» Nachtfest auf dem Waffer. Die vielen kleinen Lust- und Wasserkurorte in der Um- gebung Berlins sehen einen Ehrgeiz darin, ihre großen Vor- bilder im sonnigen Süden, wo sich zusammenfindet, was von der Beute des Lebens zehrt, zu kopieren. Mit Groß-Berliner Gästen sind diese märkischen Seebäder im Juli und August vollgestopft. Man muß schon im April und Mai Vorsorgen, um an besonders idyllischen Punkten sich für die schöne Sommerzeit Quartier zu sichern, weil sebst bester sttuierte Kreise immer mehr zu der Erkenntnis kommen, daß man in der Mark neben beschaulicher Ruhe die prächtigsten Natur- genüsse haben kann. Sie wollen aber für ihr Geld auch ihr Vergnügen haben und veranstalten in Verbindung mit den wie die Pilze aus dem Boden geschossenen ländlichen Vev schönerungsvereincn nach südländischem Muster Sommernachts' feste, die auch uns interessieren dürfen, da sie der nächtigen Natur einen neuen Reiz abgewinnen. Längst ist der letzte Sonnenstrahl tief unter den Horizont getaucht. In dunklem Schweigen liegen die Schleier der Nacht über der silberglitzernden Flut, der Augusthimmel ist so klar und prächtig, daß das unendliche Sternenmeer unser Gefühl überwältigt. In ruhigen schwarzen Linien zeichnet sich der Tannenkranz vom Himmel ab. Hier und da ragt pittoresk ein spitzes Billentürmchen darüber hinaus. Jetzt wird es lebendig und licht auch an den Ufern und auf den Wassern. Ein bunter Schein flammt auf, wieder ein Glühwürmchen... noch eins... immer mehr. Lautlos huschen sie in allen Regenbogenfarben hin und her, werden zu Dutzenden und Hunderten, ordnen sich zu einer feurigen Seeschlange, die den magisch schillernden Leib langsam über die Wogen windet. Was noch vor wenigen Minuten nachl schwarz war, ist in Glut getaucht. Tausende von Lampions, die auf blumengeschmückten, mit kostümierten fröhlichen Menschen besetzten Gondeln leuchten, geben ein märchenhaftes Zauberbild. Ein Riesenschwan, elektrisch bläulichweitz er teuchtct, zieht gravitätisch seine Bahn, wirft mächtige Reflexe seines Fcenglanzes auf das Wasser. Raketen sausen zischend in die Lust, Leuchtkugeln sprühen ihre bunten Farben büschel herab, die Musik spielt liebliche Weisen... italienische Nacht auf dem Waldsee der Mark. Und wenn bengalisches Licht allüberall aufflackert, sich in dichtem Feuerkranze um den See über Täler und Höhen, über Häuser und Menschen legt, weidet sich das Auge am Ufer bewundernd an einem unvergleichlich schönen Zauberbild. Die Erdenkinder erschauern vor der Kunst, die die Nacht zum Tage macht. Und nur ein wehes Gefühl schleicht sich in die Freude über so viel Schön- heit. Warum können nur Auserwählte das herrliche Sommernachtsfcst mitgenießen? Da hinten in der Riesen- stadt, deren stickiger Dunstkreis nicht bis zum kühlenden See und über den duftigen Tannenwald dringt, sind Millionen geschäftiger Hände tätig, die keine Zeit haben, Feste der Sommernacht zu feiern. Dem Sklaven der Arbeit soll erst in schöneren Tagen die Natur geben, was sie für alle Menschen- kinder geschaffen hat._ Tie juristische Sprechstunde findet in der Zeit vom Mon- tag, den 11. August bis einschließlich Sonnabend, den Zg. August, nur von 7 bis 9 Uhr abends statt. Sanktus Bureaukratius. SauktuS Bureaukratius kann langsnm oder schnell arbeiten. Auf- iällig langsam ist die Arbeit dieses Heilige», wenn es sich um ein Borgehen zum Nutzen eines Arbeiters, recht schnell wenn es sich um eine Matzregel gegen einen Arbeiter handelt. Ein Arbeiter hatte folgende Erlebiiisse, die diese Doppelnatur versinnbildlichen. 1. Immer langsam voran. Die Landesversicherungs- anstalt Berlin hatte dem Arbeiter nach vielem Hin und Her ein Gebitz bewilligt. Wenn eS zerbrach, lietz es der Arbeiter auf eigene Kosten bei einem Zahnarzt reparieren. Dadurch spart er Zeit, denn schon am folgenden Tage erhielt er stets seine reparierte Kau- Maschine. Da er arbeitslos wurde, wendete er sich als abermals eine Reparatur erforderlich wurde, am 6. M a i an das Landesversicherungsamt. Dort wurde das Gesuch fein säuberlich ein- registriert und studiert. Dann wurde der Antragsteller am 28. Juni zum 1. Juli nach der Landesversicherungsanstalt zitiert. Alldorten wurde das Gebitz von zahnärztlicher Seite beaugenscheinigt und der Antragsteller entlasten. Am 5 Juli erhielt er— daS Gebitz? nein: eine neue Einladung zur Landesversichcrungsanstalt zum 10. Juli. Alldorten wurde Antragsteller um Vorlegung des Krankenbuches ersucht. Nachdem dies eingesehen, der Vorgang registriert und protokolliert, wurde der Antragsteller dahin beschieden, datz er demnächst Bescheid erhalten würde. Am 17. Juli erhielt er nun eine Einladung zum zahnärzt« lichcn Institut der Anstalt zum ö. A u g u st. Dort wurde er nun- mehr zum 22. August zwecks Zahnplombe zur Abteilung 2 be- ordert. Will Bureaukratius so lange warte», bis dem Arbeiter neue Zähne gewachsen sind, oder soll der Arbeiter erst magenkrank werden? Laufschritt, marsch, marsch! Derselbe Arbeiter be« trieb nach zwölfwöchentlicher Arbeitslosigkeit einen kleineren Stratzen« Handel mit Obst. Aber das Auge des Gesetzes wacht: Stratzen- Händler dürfen in bestimmten Stratzen nicht halten. Sonst regnet es Strafmandate. Am 27. Juni und 8. Juli wurde der Händler erwischt. Flugs gab's Strafmandate über je 2 und 5 Mark und bereits am 2S. Juli wurde wegen der Geldstrafen gepfändet. Man sieht also: Sanktus Bureaukratius kann, auch im Laufschritt vorgehen._ Schlechte Zeiten. Die Sparkasse der Stadt Berlin hat Astch in ihrem neuen Geschäftsjahr 1913/14, das am 1. April 1913 begann, noch keine Besserung des Ergebnisses gehabt. Das Ge« schästsjahr 1912/13, 1. April 1912 bis 31. März 1913, war so ungünstig, datz gegenüber den gesamten Einzahlungen in Höhe von 692/t Mil« lione» Mark die gesamten Rückzahlungen sich auf ziemlich 853/i Millionen Mark beliefen. In der ersten Hälfte, April bis September 1912, überschritten die Rückzahlungen mit etwa 38� Millionen noch nicht sehr beträchtlich die Einzahlungen, die für diesen Zeitraum noch zienilich 36>/z Millionen betrugen. Aber die zweite Geschäftsjahr« Hälfte, Oktober 1912 bis März 1913, brachte dann Rückzahlungen von fast 47 Millionen, denen Einzahlungen von nicht viel über 33 Millionen gegenüberstanden. Von den Monaten war der schlimmste der Februar: in ihm allein wurden annähernd 10ys Millionen abgehoben, während nur annähernd b1/« Millionen eingezahlt wurden. In dem neuen Geschäftsjahr hat nun das erste Quartal, April bis Juni 1913, wieder mit einer beträchtlichen Rückzahlungssumme abgeschlossen, die erheblich über die Summe der Einzahlungen hinausgeht. Es wurden in diesen drei Monaten eingezahlt etwas über 18 Millionen, aber zurückgezahlt etwa? über 19� Millionen, während im vorigen Jahre für dieselben drei Monate die Einzahlungen fast 183/4 Millionen, die Rückzahlungen etwas über 19 Millionen betrugen. Der Sturm auf die Sparkasse, den Berlin in den letzten Monaten gesehen hat, ist zum Teil auf die durch daS Treiben der„patriotischen" Kriegshetzer hervorgerufenen Kriegsfurcht zurückzuführen. Aber neben ihr, die nur vorübergehend wirkte, hat die sich entwickelnde Wirt« s ch a f t s k r i s e, die zunehmende Arbeitslosigkeit in Ver« bindung mit der andauernden Teuerung, auf den Betrieb der Berliner Sparkasse ungünstig eingewirkt. Wer soll Er- sparnisse zurücklegen, wenn alles ein Heidengeld kostet? Und wer kann seine in besseren Zeiten ersparten Not« groschen liegen lassen, sobald er Arbeit und Verdienst eingebützt hat? Aehnliche Erfahrungen, wie bei der Berliner Sparkaste, sind ja auch bei Sparkassen der Vorortgemeinden gemacht worden. Die Sparkasse in Steglitz hebt in ihrem neuesten Geschäftsbericht aus drücklich hervor, datz die Teuerung aller Lebensbedürfnisse neben der Unsicherheit der politischen Lage die Einzahlungen beeinträchtigt und andererseits zu zahlreichen Abhebungen genötigt hat. Im Widerspruch hiermit scheint zu stehen, datz einzelne Vorort« gemeinden doch auch von günstigen Ergebnissen ihrer Sparkasten zu berichten wissen. Aus Charlottenburg teilt der Magistrat mit, datz die Einzahlungen„einen erfreulichen Zugang erfahren" haben. In den ersten sieben Monaten don 1913 seien über zwölf Millionen Mark eingezahlt und etwa elf Millionen zurückgezahlt worden, so datz das Einzahlungsplus sich auf reichlich eine Million stellt. Als besonders günstig möchten wir auch das noch nicht ansehen, denn in normalen Zeiten bleibt sehr viel mehr als ein Zehntel der Einzahlungen drüber. Aber gegenüber Berlin kann man'S allerdings fast für einen„Erfolg" halten. Für die Mehrzahl der Sparer CharlottenburgS fallen wohl die den Er- werb beeinträchtigenden Umstände, die auf die Berliner Sparkasse so ungünstig einwirken, minder schwer ins Gewicht. Charlottenburg ist sehr viel weniger als Berlin eine Arbeiterstadt, so datz hier die Wirkungen einer Mehrung der Arbeitslosen minder stark her- vortreten werden. Im übrigen können bei diesen kleineren Spar« lassen mancherlei Zufälle mitsprechen, die unerwartet die Ergebnisse beeinflussen._ Eine Rouleauxfabrik in flammen. In der letzten Nacht kam in der Reichenberger Stratze 154 i» der Berliner Holzdraht-Rouleauxfabrik von E. Boeck ein gefähr» lichcr Brand zum Ausbruchs Als die Feuerwehr mit dem achten Löschzuge eintraf, schlugen die Flammen schon aus.allen Fenstern des ersten Stocks vom Fabrikgebäude und hüllten die ganze Front ein. Brandmeister Berg ließ daher sofort mit zwei Schlauchleitun» gen eingreifen; eine Leitung wurde über die Treppen geleitet und die zweite über eine Leiter.� In erster Linie galt es, ein Ueber«- springen des Feuers auf die übrigen Stockwerke zu verhüten. Durch kräftiges Wassergeben gelang es schließlich auch, die oberen Stock- werke zu schützen. Der grotze Fabrikraum im ersten Stockwerk brannte aber fast vollständig aus. Eine Unmenge Rohmaterialien und fertige Rouleaux sind vernichtet worden, doch tritt bei der Firma keine Betriebsstörung ein. Wodurch das Feuer entstanden ist, konnte nicht festgestellt werden. Erst nach zweistündiger Tätigkeit konnte die Feuerwehr wieder abrücken. Beschlagnahmt wurde vorgestern abend die Leiche eines 27 Jahre alten Arbeiters Adolf Jentsch, dessen Wohnung noch nicht feststeht. Der Mann fiel, als er durch die Elisabethstrabe ging, vor dem Hause Nr. 20 plötzlich um und schlug mit dem Kopf auf die Kante des Bürgersteiges auf. Hierbei zog er sich über dem linken Aug? eine starkblutende Verletzung zu. Er wurde dieserhalb nach der nächsten Hitfswache gebracht, doch konnte dort der Arztt nur noch seinen Tod feststellen. Der Mann war auf dem Transport an einem Schädelbruch gestorben. „Mein Haus und Garten" oder„Natioualdemokrat". Unter dem Titel:„Mein Haus und Garten", Monatsschrift für die Bewohner und Freunde der Gartenstädte, erscheint im Spreo- Verlag G. m. b. H., Berlin!l., Jnvalidenstr. 127, ein« illustriert« Monatsschrift zum jährlichen Bezugspreis von 8 M., da? Einzelheft kostet 25 Pf. Auf diese Monatsschrift wird auch in Arbeiterkreisen abonniert und der Verlag, von dem dieselbe herausgegeben wird, gibt sich er- hebliche Mühe, gerade in jene Kreise diese illustrierten Hefte einzu« führen. Vor uns liegt eine Quittung, die ein Abonnent nach Be« Zahlung deS Jahresabonnementspreise« von 3 M. erhalten hat; sie trägt den Stempel: Spreeverlag G. m.b.H. Unterschrieben ist die« selbe von einem Rudolf L,— der Name ist unleserlich— und von einem Emil Schellhaas. Berlin 0. 34, Straßmannstr. 43. Der Abonnent erhielt diese Monatsschrift für Mai und Juni. Im JuÜ blieb dieselbe plötzlich au», dafür wurde dem erstaunten Leser eine» schönen TageS eine Wochenschrist der„Nationaldemokrat" inS Haus geschickt. Beim Durchblättern der Zeitung gewahrte er plötzlich eine Beilage, deren Kopf den Titel der bezeichneten Monatsschrift trägt und außerdem die Worte„Juli-Nummer" enthält. Unser Abonnent wußte sich zunächst den- Zusammenhang der Sache nicht zu erklären, um so weniger, als er ja auf den„Nationaldemokraten gar nicht abonniert hatte und er auch unmöglich annehmen konnte, daß„Mein HauS und Garten" und.Nationaldemokrat" Kompen« sationsobjekte seien. Bald überzeugte sich der erstaunte Leser, daß beide Schriften in ein und demselben Verlage erscheinen. Es scheint demnach, als ob der Verlag die illustrierten Hefte als Köder benutzt, um den gewonnenen Abonnenten dafür später ein Blatt ins Hau? zu senden, das nur eine gewöhnliche Beilage Mit fachwissenschaftlichen Abhandlungen enthält. Jin übrigen scheint sich der.Nationaldemokrat" auch etwas in der Bekämpfung der Sozialdemokratie zu versuchen. Das sollen jedenfalls die Bewohner und Freunde der Gartenstädte noch als Beigabe erhalten. Wir könneir im Augenblick nicht nachprüfen, ob auch andere Abonnenten auf die illustrierte Monatsschrift solche Erfahrungen gemacht haben. Auf jeden Fall wird der hier in Frage kommende Leser dem Berlage begreiflich machen, daß er für die illustrierte Monatsschrift, nicht aber für den.Nationaldemokrat" den Jahresabonnementspreis gezahlt hat.'_ Unter Pockenverdacht wurden gestern nachmittag drei Personen in die Charits eingeliefert. Es handelt sich um den Ingenieur Paul §uchs aus der Neuen Bahnhofstr. 8S in Lichtenberg und um ein hepaar Neumann, bei denen Fuchs wohnte. Die drei Personen waren schon vor einigen Tagen erkrankt und befanden sich in der Behandlung des Hausarztes. Gestern zog der Hausarzt den zu-- ständigen Kreisarzt hinzu und dieser sprach den Verdacht aus, daß es sich um echte Pocken handle. Die Erkrankten wurden darauf zu« nächst nach dem Wcißenseer Krankenhaus und von dort nach der Charitö in Berlin gebracht. Bedeutende Preisermäßigungen für die Nachsaison läßt die Spree-Havel-Dampfschiffahrt-Gesellschaft„Stern" mit Montag, den ■11. August an Wochentagen eintreten. Die Fahrpreise für die billi. gen Sonderfahrten auf der Oberspree werden werktags vor. und nachmittags auf 40 Ps. herabgesetzt. Ferner berechtigen die in Kerlin, Treptow und Grünau für die Tourenfahrten Berlin— Loreletz-�-Grünau und Grünau— Rauchfangwerder gelösten einfachen Fahrscheine auch zur Rückfahrt von der betreffenden Zielstation. DaS neue Aquarium im Zoo ist nunmehr nahezu fertig. Die Becken und Käfige haben fast durchweg ihre Ausstaltung erhalten. Von allen Seiten, von Rovigno, Trieft, Neapel, Helgoland, Hamburg usw., den bisherigen Lagerstellen, kommen die künftigen Bewohner mit Schnellzügen in diesen Tagen nach Berlin, um sich den Berlinern vorzustellen. Abgesehen von dem künstlerisch vornehmen Treppen« haus, dürfte das große 5trokodilbecken im Mittelbau den Haupt« anziehungspunkt abgeben. Hier ist es gelungen, mit Hilfe von um« saftenden Felsenbauten und Palmen« und tropischem Pflanzenschmuck den täuschenden Eindruck eines UrwaldflüsieS zu erzielen. Tragische Szene am Haiisaplatz. Auf dem Hansaplatz spielte sich gestern mittag ein aufregender Vorgang ab. Als dort ein Straßen« bahnwagcn der Linie 4 vorüberfuhr, warf sich eine Frau aus die Schienen vor de» Straßenbahnwagen. Obgleich der Wagenführer sofort bremste, wurde die Frau doch noch so erheblich verletzt, daß sie nach dem Krankenhaus gebracht werden mußte. Es handelt sich um eine Blumenhändlerin Herzberg ans der Beusselstraße. Sie gab an, daß der Gerichtsvollzieher alle ihre Blumen gepfändet habe, so daß sie nicht wisse, auf welche Weise sie sich ihren Lebensunterhalt verschaffen solle._ „Offerten mit Rückporto" wünscht ein Mann, der im„L o k a l« A n z e i g e r" annonciert und Beschäftigung anbietet. Eine uns vorliegende Annonce lautete so: „Schlosser, Dreher, Tischler, Maler, Lackierer, Arbeiter für Revolverbänke und Transport sowie Arbeiterinnen für neue elektro« technische Fabrik Nähe Potsdam gesucht. Schriftliche Offerten mit Rückporto Bünnig, Potsdam, Teltower Str. 6." Ein schon seit längerer Zeit arbeitsloser Metallarbeiter, der das las, setzte sich hin, schrieb nach Potsdam an Bünnig und fügte 10 Pfennige für Rückporto bei. Er teilt uns mit, welchen Erfolg er gehabt hat. Seit Absendung seines Briefes sind bereit» ziemlich zwei Wochen vergangen, doch' einstweilen hat der Bewerber vergeblich auf Antwort gewartet. Selbst- verständlich muß bei Einforderung von Rückporto eine Antwort, und sell» auch eine ablehnende, gegeben werden. Aber jenem Arbeits« losen, der Beschäftigung von Bünnig zu erhalten hoffte, kommt die Wartefrist ein bißchen lang vor. Kennt einer unserer Leser den annoncierenden Bünnig, Potsdam, Teltower Str. 6? Für 4000 Marl Pelze gestohlen. Bei einem Einbruch in die Fell« une Rauchwarenhandlung von Oskar Turgel in der Kur« straß« S4/3S erbeuteten Diebe 80 Steiumarderfelle. 40 Bisamfelle und 80 Nerzfelle, die zusammen einen Wert von über viertausend Mark haben. Offenbar sind.die Diebe bei ihrer Arbeit gestört worden, denn sie ließen einen Koffer mit Astrachanfellen im Werte von 18 000 M. stehen. Ist»in Kurpark öffentlich? In der Nähe Berlins befinden sich Mehrere größere Gelände, welche die Bezeichnung„Kurpark' führen und zumeist in Privatbesitz sind. Sie liegen entweder döllig frei oder sino ganz oder teilweise eingezäunt, aber die Zu« gänge stehen offen und dienen stillschweigend dem allgemeinen Verkehr. Bei dieser Sachlage ist ans Anlaß von Spezialfällen die Frage entstanden, ob irgend jemand aus solchem Kurpark ver- wiesen werden kann. Zunächst muß daran festgehalten werden, daß die stillschweigende Oeffnung für den allgemeinen Verkehr stets nur auf jederzeitigen Widerruf gilt. Solange aber ein Widerruf nicht erfolgt ist, trägt die Anlage zweifellos öffentlich- rechtlichen Charakter. ES können also nicht Personen hinaus- gewiesen werden, die etwa durch ihre dem Privatbesitzer nicht an- gemessen erscheinende Kleidung Anstoß erregen. Vielmehr gehört 'zum Kriterium des SichlästigmachenS ein Betragen, das nach all- gemeinen Begriffen als ungehörig zu bezeichnen ist. Der Besitzer hat also nur das Recht, solche Personen vom Verweilen auf seinem Geläno« auszuschließen, die übermäßigen Lärm verursachen, die Anpflanzungen mutwillig beschädigen und ähnliche Ungehörigkeiten begehen. Im übrigen kann der Privatbesitzer für sein Besitztum alle möglichen Bestimmungen treffen. Er kann beispielsweise daS Betreten einzelner Teile verbieten, muß aber dann das Verbot durch Warnungstafeln deutlich erkennbar machen. So sehen wir in manchem Kurpark die Bestimmung, daß auf den Ruhebänken nur Kurgäste, das heißt zahlende Kurgäste, Platz nehmen dürfen. Nach demselben Rechtsgrundsatz hat beispielsweise die Berliner Parkdeputaiion in einigen Parkanlagen besondere Kinderbänke eingerichtet. Ebenso gilt als rechtswirksam, daß den Anweisungen von Aufsichtspersonal, das sich als solch:» legitimieren mutz oder durch Sustere' Zsichen legitimieti ist, auch auf Privatgclände nach- gekommen werden muß. Zu welchen Komplikationen die Frage führen kann, beweist die Tatsache,'daß kürzlich der ehemalig? Brunnenarzt eines Kurortes bei Berlin von dem Betrete» des Kurgeländes unter Androhung von Zwangsmaßregeln ausgeschlossen worden ist, weil er auf dem Privatbesitz Anordnungen traf, zu denen er nicht berechtigt war.__ Ein internes Sportmeeting findet heute nachmittag 3 Uhr auf dem früheren Tasmania- Sportplatz, Neuköll ir, Grenzallee, statt. Die Veranstalter, Turnverein„Fichte", 3. Männer- und 8. Lehrlingsabteilung, so- wie Turnverein W eiste st se e, find durch ihre sportlichen Leistungen be- reits bekannt geworden und ist daher sehr interessanterSport zu erwarten. Zum Austrag kommen: Olympische Stafette, 10 X 100 Meterlauf, Halbstunden- Paarlaufen, Tauziehen, Diskus- Spiele und vieles andere. Fahrverbindung: Linien 20, 22, 46, 6S. Eintritt 20 Pf. Aus dem Stichkanal gelandet wurde in Neukölln bor dem Grundstück Wiesenufer 2 die Leiche eines Mädchens von ungefähr 2S Jahren, dessen Persönlichkeit nicht festgestellt werden konnte. Die Tote hat dunkelblondes Haar und ein rundes Gesicht und trug einen schwarzgestreiften Rock, einen blau und rotgestreisten Unterrock, eine weiße Waschbluse und schwarze Strümpfe. Sonderbarerweise hatte die Unbekannte, deren Leiche nach dem Schauhause gebracht wurde, keine Schuhe an. Auf ein LöjährigeS Bestehen konnte die Spree-Havel-Dampf- schiffahrt-Gesellschaft„Stern" am 8. August zurückblicken. Die Flotte der Gesellschaft umfaßte bei der Gründung 32 Fahrzeuge und zählt heute 70 Dampfschiffe und Motorboote. Der AufsichtSrat und die Direktion hat anläßlich des Jubiläums beschlossen, allen ihren Angestellten eine dauernde besondere Vergünstigung zukommen zu lassen. Eigenartige Folgen hatte der Konkurrenzkampf zweier Sarg- Händler in Ober-Schöneweide. Gestern erschien in einem dortigen Bestattungsistitut ein Ehepaar, um einen Sarg für sein im Kranken- Haus verstorbenes Kind zu kaufen. Da sich jedoch keine Einigung über den Preis erzielen ließ, begaben sich die Eheleute in das'Ge- schüft eineS anderen Sarghändlers, wo sie dann das Gewünschte erhielten. Als sie sich nun mit dem Sarge ins Krankenhaus be- gaben, erfuhren sie zu ihrem Schreck, daß die Leiche bereits abgeholt sei. Zunächst wußte sich niemand dieses Verschwinden zu erklären, bis man sich auf den Friedhof begab, wo man bald den Sachverhalt erfuhr. Dem ersten Sarghändler war inzwischen das Nichtzustande- kommen des Geschäfts leid geworden und er hatte, ohne dazu befugt zu sein, die Leiche heimlich zur Beerdigung auf dem Gemeinde- friedhof abgeholt, um sie in der dortigen Leichenhalle aufzubahren. Trotzdem er mit Aufbietung aller Ueberredungskunst versuchte, den Kauf bei seinem Konkurrenten wieder rückgängig zu machen, mußte, nachdem sich schließlich noch die Polizei ins Mittel gelegt hatte, die Umsargung der Kindesleiche erfolgen, und der Sarghändler, der die unliebsame Verzögerung der Beerdigung herbeigeführt hatte, ohne das erhoffte Geschäft gemacht zu haben, wieder mit dem leeren Sarge nach Hause gehen. Auf der. Heimfahrt schwer verunglückt ist gestern abend die 47 Jahre alte Putzfedernarbeiterin Emma Reichert aus Kloster Zinna bei Jüterbog. Die Arbeiterin fuhr mit einem Straßenbahn- wagen der Linie 11 nach dem Görlitzer Bahnhof, um mit dem nächst« fälligen Zuge nach Hause zu fahren. Als sie gegen 8 llhr den Straßenbahnwagen verließ, übersah sie beim Ueberschreiten des Fahr- damms, daß von der anderen Seite auch eine Straßenbahn an- gefahren kam. Ehe der Wagenführer bremsen konnte, war sie unter die vordere Plattform geraten. Mit schweren inneren Verletzungen wurde sie nach Anlegung eines Notverbandes nach der Charitö ge- bracht. Ein gräßlicher Unglücksfall hat sich gestern abend auf dem Zen- tralviehhof zugetragen. Der Schlächtergeselle Wilhelm Dobrmeck aus der Zorndorfer Straße 20 war in der Hauptfleischhalle damit beschäftigt Fleisch zu zerkleinern. Er stand dabei vor einem Block und hantierte mit dem Beil. Als er zu einem wuchtigen Schlage ausholte, hatte er die linke Hand so unglücklich auf dem Block liegen, daß die scharfe Seite des Beiles den Knöchel traf und die Hand vollständig vom Arm trennte. Im nächsten Moment ließ D. das Beil fallen und rannte in seinem Schmerz wie ein Wahnsinniger zur Rettungswache auf dem Viehhofsgelände. Die abgeschlagene Hand ließ er auf dem Block liegen. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der Schwerverletzte nach dem Krankenhaus Am Friedrichshain gebracht. Wegen Kindesmordes verhastet wurde gestern die 3Sjährige Arbeiterin Helene B. aus'der" Euvnfttraße. Tie hatte einem Kinde das Leben gegeben, es aber nach der Geburt erdroffelt und die Leiche im Ofen verbrannt. Das Mädchen, dem im übrigen allgemein ein gutes Zeugnis-ausgestellt wird, scheint die.grousige.Tat in der Ver» zweiflung darüber verübt zu haben, daß sie von ihrem Geliebten, einem Kohlenhändler, treulos verlassen worden war. Ten von der Reise zurückgekehrten Hausfrauen bringt der Zentralverein für Arbeitsnachweis seine kostenlose Stellenvermitt- lung von AushilsSpersonal(Waschfrauen, Rein-machesrauen, Aus- Hilfsmädchen, Ausbesserinnen, Plätterinnen) in freundliche Er- innerung. Bestellungen erfolgen durch Postkarte(C. 64, Rücker Straße 9) oder telephonisch Amt Norden 3791— 97. DaS Bureau Rücke r Straß« 9 ist täglich von 7—1 Uhr geöffnet. Die Abteilung Alt-Mocrbit 38 ist geöfpnet von 3— 11 und 4— 7 Uhr(Amt Moabit 9434). Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird heute der Vor- trag„Ueber den Brenner nach Venedig" noch einmal wiederholt. Am Montag und Mittwoch wird Pros. Bzarne W. Smith au» Bergen, vielfachen Wünschen entsprechend, seinen mit außerordentlichem Bei- all aufgenommenen Vortrag„Streifzüge durch Norwegen" wieder. holen. Ter Zoologische Garten hat ein Paar Madeira-Ringeltauben al» interessante Geschenksendung von dem deutschen Konsul Gesche erhalten, die in der bekanntlich auch mit einer großen Reihe von Wildtaubenarten bevölkerten Fasanerie untergebracht sind, wo sie am oberen Ende bei den Tragopanen Hausen. Die schönen, statt- lichen Tiere erinnern sofort an unsere allbekannte große Ringel- taube, die jeder aufmerksame Spaziergänger Berlin» aus unserem Tiergarten und den anderen öffentlichen Parks zur Genüge kennt; zugleich fesseln sie aber doch wieder durch offensichtliche Unterschiede. anderen Farbenton, Fehlen des weißen Halsbandes ustv., und das gibt überhaupt der Vogelwelt Madeiras das interessante Gepräge, daß die Vögel dort alle zwar als nahe Verwandte unserer europäi- schen sich kennzeichnen, trotzdem aber ihre unzweideutige Eigenart besitzen. Vorort- Nackrickten. Gaswerkvereimgung Niederbarnim-Ost. Aus der Erkenntnis heraus, daß eS den kleinen Landgemeinden schwer möglich ist, die mit ihrer EntWickelung steigenden Ansprüche auf Gas- und Wasserversorgung aus eigener Kraft zu befriedigen, hat der Kreis Niederbarnim für die östlichen Landgemeinden die Er- richtung eines Wasserwerkes am Dämeritzsee übernommen und jetzt eine Anzahl von Landgemeinden zu einer Gaswerkvereinigung zu- sammengeführt. In Betracht kamen dafür zurzeit die'Gemeinden Rüdersdorf, Kalkberge, Tasdorf, Klein-Schönebeck und Woltersdorf. Die Gemeinden Rahnsdorf und Schöneiche mußten von der Ver- einigung ausgenommen werden, erstere, weil sie ihre Gasversorgung einem Privatunternehmer ausgeliefert hat, letztere, weil sie ihr Ga» von der Stadt Lichtenberg bezieht. Von den in Frage kommenden Gemeinden, die zurzeit rund 16 000 Einwohner zählen, besitzen Rüdersdorf und Klein-Schönebeck bereit? eigene Gaswerke, während die anderen Gemeinden bisher auf elektrische Be- leuchtung angewiesen waren. Da die Rentabilität dieser .beiden kommunalen Gaswerke zu' wünschen übrig liest, bei den anderen Gemeinden sich aber immer mehr da» Bedürfnis nach einer Gasversorgung fühlbar machte, schritt der Kreis zu der besten und wirtschaftlich vernünftigsten Lösung. Diese Gaswerkvereinigung Niederbarnim-Ost ist als eine G. m. b. H. gedacht, an welcher sich vorläufig der Kreis Niederbarnim und die obengenannten fünf Land- gemeinden beteiligen sollen. Das Stamnikapital ist auf 300 000 M. normiert, wozu der Kreis 100 000 M. und die fünf Landgemeinden je 40 000 M. Stammeinlage zu leisten haben. Die Gemeinden Rüdersdorf und Klein-Schönebeck bringen als Einlage ihre Gasanstalten ein, von deren Werten ihnen 40 000 M. auf die zu leistende Stamm- einlage in Anrechnung gebracht werden, während die anderen Gemeinden ihre Einlagen vom Kreise als Darlehen gegen 4 Proz. Zinsen und IV« Proz. Amortisation erhalten. Aus dem Reingewinn werdenden Gesellschaften vorweg 6'/l0 Proz. der Stammeinlagen nach Höhe ihrer Einlagen zugewiesen, so daß eine Verzinsung und Tilgung der Stammeinlagen sichergestellt erscheint. Der eventuell noch ver» bleibende Gewinn wird zu einem Drittel nach dem Verhältnis der Stammeinlagen und zu zwei Dritteln nach dem Verhältnis der Ein- nahmen aus dem GaSverkauf verteilt. Zunächst wird mit einer Gaserzeugung von zirka 460 000 Kubikmeter gerechnet. Hierzu soll das Gaswerk Rüdersdorf wegen setner günstigen Lage am Wasser verwendet und eventuell später zu einem modernen Zentral- gaswerk ausgebaut werden. Das Gaswerk der Gemeinde Klein- Schönebeck soll in Zukunft als Behälterstatton dienen und durch eine Hochdruck-Gasfernleitung von Rüdersdorf aus mit Gas versorgt werden. In Woltersdorf ist die Aufftellung eines Bezirks- reglers geplant. Die Uebergabe der beiden Gaswerke bezw. die Uebernahme ihres Betriebes soll bereits am 1. September erfolgen, woran sich dann umgehend die Verlegung des Rohrnetzes schließen wird. Wie bisher bekannt geworden, haben die Gemeinden Rüders- darf, Tasdorf, Kalkberge und Klein-Schönebeck bereits ihre Be- teiligung beschlossen, der Anschluß der Gemeinde Woltersdorf dürste nicht zweifelhaft sein. Fest steht schon jetzt, daß infolge des größeren Konsums sofort eine Ermäßigung des GaSpreiseS eintritt. Neukölln. Ein gewaltiger Dachstuhlbrand wütete gestern mittag in der Hobrechtstr. IS, Ecke Weserstraße. Als die Gefahr bemerkt wurde, schössen schon die hellen Flammen aus dem Dachstuhl des großen Eckhauses hervor. Das Feuer dehnte sich mit ungewöhnlicher Schnelligkeit aus und bedrohte anfangs auch die Nachbargebäude. Die Neuköllner Feuerwehr rückte in ganzer Stärke an und auch von der Berliner Feuerwehr erschien ein Löschzug auf der Brandstelle. In Tätigkeit trat aber nur die Neuköllner Wehr, die mit vier Rohren Wasser gab. Es dauerte über eine Stunde, ehe die Gefahr als beseitigt gelten konnte. Die vollständige Ablöschung und die Ausräumungsarbeiten zogen sich dann noch bis in die späten Nachmittagsstunden hin. Der Dachstuhl ist fast vollständig ein Raub der Flammen geworden. Der Brandplatz war von einer dichten Menschenmenge umlagert. Die Ursache des Feuers ist nicht ermittelt. Charlottenburg. Ein schwerer Automobilunfall hat sich vorgestern abend am Nonnendamm ereignet. Beim Spielen lief dort der neunjährige Karl Pernai, dessen Eltern in der Nehringstraße 2 wohnen, gegen eine herannahende Automobildroschke. Der Knabe wurde umge- rissen und überfahren und erlitt einen Bruch des linken Ober- schenkels, eine Kopfwunde und Quetschung der Arme. Der Vernn- glückte wurde von dem Chauffeur nach der Unfallstation in der Berliner Straße gefahren, wo ihm Notverbände angelegt wurden. Dann fand der Verletzte Aufnahme im Krankenhause Westend. Wilmersdorf. Am Sonntag, den 17. August, nachmittags 4 Uhr, veranstaltet die Freie Turnerschaft im„Stadtpark", Kaiserallee S1/S2. eine Matinee, deren Ertrag zur Anlegung eines Turnplatzes bestimmt ist. Da nur Vorverkauf stallfindet, wird die Arbeiterschaft gebeten, den Bedarf an Eintrittskarten(20 Pf.) nur bei den Mitgliedern und nachfolgenden Vorverkaufsstellen zu entnehmen: Ritsche, Restaurant, Gasteiner, Ecke Holsteinische Straße; Mattick, Restaurant, Hildegardstr. 14; Katzmann, Lauenburger, Ecke Berliner Straße. Weistensee. Eine- Sparer-Bersammlung hatte hie Weistepseer Bank-»um Freitag, einberufen, zwei weitere �Versammlungen am Montag und Dienstag sollen folgen, um allen Sparern Gelegeuheit zu geben, sich über'den Stand der Bank' zu vergewissern. Im ganzen kommen zirka 3000 Sparer in Frage. Der Saal der„Borussia-Br'aucrei" war drückend voll, darunter befanden sich viele ältere Frauen und Männer, die um ihre Spargroschen bangten. Das neugewählte Vorstandsmitglied Mewes schilderte den augenblicklichen Stand der Lank und er ermahnte die anwesenden Sparer, den kommenden Dingen in Ruhe entgegenzusehen. Bis jetzt haben 80 Proz. der Sparer unterschriftlich sich verpflichtet, von ihrem Guthaben auf längere Zeit nichts abzuheben, immerhin sind noch 600 000 M. sofort fällig, die der Bank entzogen werden, wenn nicht noch weitere Mit- glicder Verpflichtungen auf Nichtabholung eingehen. Ein großer Teil der Versammelten erklärte sich hierzu sofort bereit, andere wieder behielten sich eine Erklärung noch vor. Durch Hufschläge lebensgefährlich verletzt wurde der Bauer Brand aus Seefeld. B. hatte ein Fuder Heu nach Berlin zu bringen. Als er die Grenze zwischen Malchow und Weißensee passierte, verfing sich die Leine und der Bauer versuchte, während der Fahrt die Zügel in Ordnung zu bringen. Dadurch wurde eines der Pferde scheu und schlug mehrmals aus. B., der fast auf der Deichsel hinter den Pferden saß, konnte sich nicht zurücklehnen und wurde von den Hutschlägen getrosten und schrecklich zugerichtet. Beide Unterschenkel wurden ihm zerschmettert und außerdem erlitt er schwere Verletzungen an der Brust und im Gesicht. Ten Kutschern vorüberkommender Fuhrwerke gelang es, den Bedauerns- werten zu befrnen. Sie brachten ihn zunächst zu einem Arzt, der Notverbände anlegte. Dann wurde der Schwerverletzte in fast hoffnungslosem Zustande nach dem Auguste-Viktona-Krankenhause in Weißensee geschafft. Martendorf. . C-'n Straßenbahnunfan hat sich vorgestern nachmittag vor dem Hause Chaussee, traße 309 zugetragen. Dort versuchte die S3jährige Witwe Auguste Seewald unmittelbar vor einem nach Berlin fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 70 das Gleis zu über- -üi en'r �ivohl der Führer nach Kräften bremste, konnte er doch nicht mehr verhindern, daß die Frau umgestoßen wurde und unter den Vorderperron geriet. Die S. erlitt erhebliche Quetschungen am rechten Arm. Rücken und an der Brust und wurde, nachdem ihr ein in der Nähe wohnender Arzt die erste Hilfe hatte angedeihcn lassen, nach dem Mariendorfer Siechenhause gebracht. Fericnspicle. Da am heutigen Sonntag die Freie Turnerschast ihr Schauturnen abhält, ist der Äbschlußausflug der Fcncnspiele am Sonntag, den 17. d. M. festgesetzt. Näheres wird noch bekannt- gegeben. Herzfelde. Die Schulfraae scheint jetzt endgültig geregelt zu sein. Der Antrag um Ertettung der Genehmigung zur Umwandlung der hiesigen siebenstufigen Gemeindeschule'» eine sechsstuftge ist von der Regierung in Potsdam, wie im Hinblick au; die hohe Schüler- zahl nicht anders zu erwarten stand, auch diesmal wieder abschlägig beschicken worden. E» bleibt also bei dem Siebenstufensystem. Zu den Schullasten der Gemeinde soll aber ein höherer Zuschuß als bisher von der Regierung geleistet werden. Ein Autounfall ereignete sich auf der StrauSberg-Herzfelder Chaussee bei dem Strausberger Ostbahnhofe. Dort wurde eine aus Berlin stammende Frau, die in Strausberg auf Sommerfrische weilte, von einem Geschäftsauto der Rüdersdorfer Fahrradfirma überfahren und tödlich verletzt. Alt-Glienicke. In der letzten Gcmeindevcrtreterfitzung wurde zunächst bekannt gegeben, daß die erste Darlehnsrate von 60000 M. für den Schul- hausneubau geleistet und zinsbar angelegt worden ist. Di« Liefe- rung der Fenster zur neuen Schul« wurde dem Tischlermeister Franz Möwiu« übertragen. Die Vergebung der übrigen Tischlerarbeit soll erst nach teilweiser Lieferung der Fenster erfolgen. Der telephonische Nachtdienst soll gemeinsam mit den Gemeinden Adlershof und Rudow eingecichtet werden. Zu den 1800 M. betragenden Kosten hierfür werden die Orte im Verhältnis ihrer Einwohnerzahl herangezogen. Der Ortsteil Falkenberg gehört postalisch zu Grünau, kommt hierbei also nicht in Frage. Sodann wurde ein neuer Tarif für die Be» Nutzung der Gemeindefuhrwerkswage angenommen. Zum Etat 1912 wurden für Lehrervertretungskosten 847,50 M. nachbewilligt. Zwecks Beteiligung an der von der„Deutschen Gartenstadtgesellschaft' der- anstalteten Studienreise nach England wurden dem Gemeindevorsteher 800 M. bewilligt. Trebbin(Kreis Teltow). Stadtverordnetensitzung. In den Steuerausschuh wurden zu» nächst auf die Dauer von 6 Jahren von der Bürgerschaft die Herren Wilh. Jung, W. Fähnrich, Wirsing, Ferd. Zienicke und von der Ver- sammlung die Stadtvv. C. Binge, H. Jung, Gaulle und Leben ge- 'wählt. Die Anlegung einer Bordschicht an der bebauten Seite der Ahrensdorfer Straße wurde einstimmig genehmigt. Der Kreis Teltow übernimmt den Ausbau und die Pflasterung der 92 Meter langen Strecke, lehnte aber die Legung einer Bordschicht ab. Die entstehenden Kosten werden den Anliegern nach Mahgabe des Ortsstatuts berechnet. Zu dem am 15. August stattfindenden Kinder» fest wurden 100 M. bewilligt. Von dem über 11 000 M. betragenden Ueberschuh des Jahres 1912 wurden 6000 M. zur Pflasterung des Kreuzdammes in der Bahnhofstrahe bewilligt. Genosse Richter empfahl bei Ausführung von Arbeiten einen Plan anfertigen zu lassen, damit Ueberschreitungen des Voranschlages, wie sie letzt in der Kommandantenstrahe vorgekommen, nicht entstehen können. Zur Beschickung des Städtettaaes in Spandau wurden der Vorsteher Haase und Genosse Richter vorgeschlagen. Der Beigeordnete Standfutz verstieg sich indessen zu einer Rettungsaktion für den abwesenden Bürgermeister, der seiner Ansicht nach nur allein hierzu berechtigt sei. Der Vorsteher sowie der Stadtv. Binge und Genosse Richter wandten sich gegen diese Ausführungen. Die Be- schickung wurde mit 7 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Unsere vier Genossen hatten wie alljährlich die Abschaffung deS Bürgerrechts» gelbes von 18 M. beantragt und außerdem verlangt, die Stadtver» ordnetenwahl an einem Sonntag stattfinden zu lassen. Nach aus- führlichen Begründungen wurden die Anträge jedoch wiederum von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt. Der Freisinnsmann Drach- bolz gab unseren Genossen in allem recht, erklärte dann aber, wer Rechte haben wolle, müsse auch zahlen. Denn mit dem Moment, wo jeder Bürger die 18 M. bezahlt, habe er auch Anrecht auf die Bürgerheide. Wenn letztere verkauft würde, so gäbe es einen Millionenertrag. Die Genossen Richter und Heintze liehen diesen Herrn gehörig ablaufen, waS diesem allerdings nur ein stumpfes Lächeln abnötigte._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Slein-Tchönebcck-Fichtcua». Morgen, Montagabend 8 Uhr, in Horns Kurhaus. Aus der Tagesordnung steht u. a. der Schulbau und Antrag unserer Genossen betreffend Bildung eines kollegialischen Gemeindevorstandes. Tiefe Sitzungen find iffentlich. Jeder Semeindeangehlrige Iß de- rechtigt, ihnen als Zuhirer beizuwohnen. Btos aller Gleit« Preisausschreiben der National-Flngspeude für Fern- finge. Der VerwalwngSausschuh der National- Flugspende hat be. schlössen, für F e r n f l ü g e. die in der Zeit vom 15. September bis 31. Oktober 1913 als Tagesleistung— d. h. in der Zeit' von Mitlernacht bis zur Mitternacht des folgenden Tages— mit oder ohne Fluggast ausgeführt werden, Preise nach Maßgabe folgender Bestimmungen auszusetzen: Die Fernflüge müssen von Fliegern deutscher StaatSangehörig» keit auf Flugzeugen, die einschließlich ihre« MotorS in Deutschland hergestellt sind, ausgeführt werden; auch müssen die Flüge auf demselben Flugzeuge von demselben Piloten erfolgen. An dem Wettbewerbe können sich mit Genehmigung der HeereS- und Marineverwaltung Militärflieger beteiligen. Di«— gegebenenfalls auch nachträgliche— Genehmigung der zuständigen Stelle ist in jedem einzelnen Falle nachzuweisen. Es müssen als TageSlei st ung mindestens 1000Kilo- meter und davon mindestens 500 Kilometer in einer Richtung zu» rückgelegt werden. Der Flug kann außerhalb Deutschlands begonnen und beendet werden. Für die sech« weitesten Flüge werden ausgesetzt: 60 000 M. alS 1. Preis, 50 000 M. als 2. Preis, 40 000 M. als 8. Preis, 25 000 M. als 4. Preis, 15 000 M. als 5. Preis, 10 000 M. alS 6. Preis. Wird zurzeit der weiteste Fernflug von Paris nach CacereS mit einer Länge von 1600 Kilometer durch innerhalb diese» Weit« bewerbeS ausgeführte Fernflüge übertroffen, so wird für den weitesten Flug ein NationalflugpreiS von 100000 M. verliehen. Die übrigen Preise fallen in der angegebenen Reihen« folge den folgenden sechs weitesten Flügen zu. Zwischenlandungen sind freigestellt. Soweit die offizielle Meldung. Hoffentlich trägt der Ver- waltungsausschuß nun aber auch Sorge dafür, daß nicht wieder die Fabriken den Löwenanteil der Preise schlucken. Fünfzig Prozent der Preise sollte man wenigstens auf alle tälle den Fliegern sichern, die ihr alles einsetzen, ihr eben l_ Einschreiten gegen eine Engelmacherin. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde bei einer Königsberger Hebamme, die einer privaten Entbindungs- anstalt vorsteht, wegen Verdachtes der Engelmacherei eine Haussuchung vorgenommen. Da diese den Verdacht bestärkte, hat der Staatsanwalt die Ausgrabung der zuletzt gestorbenen vier Kinder zwecks Obduttion angeordnet. In den letzten drei Monaten sollen in der genannten Anstalt gegen fünfzehn Kinder gestorben sein._ Bekämpfung von Krebsleiden. Wie die»Frankfurter Zeitung' berichtet, hat sich in Frank- f u r t a. M. eine Kommission von Aerzten des städtischen Kranken- Hauses gebildet, die in Verbindung mit der städtischen Deputation und der gemeinnützigen Verwaltungsgesellfchaft(Gründung deS In« stituteS.Gemeinwohl') den Ankauf von Radium zur Krebsbehandlung in die Wege geleitet hat. Bis jetzt haben Frankfurter Bürger 180 000 M. zum Ankauf von Radium zur Ver- fügung gestellt. In L o n d o n ist ein Abschluß auf sofortige Liefe» rung von 200 Milligramm Radiumbromid zu sehr günstigen Be- dingungen erfolgt. Weitere 400 Milligramm sind von der nächsten Produktion deS Londoner Werkes fest angekauft worden. Damit hat Frankfurt einen Vorsprung vor anderen Städten errungen, weil die Produktion aller anderen Werke bereits auf Jahre hinaus ver- geben ist._ Unlauterer Wettbewerb. Aus Paris wird gemeldet: Einer Bande von Dieben, die sich ausschließlich aus Kammerdienern zusammensetzte und deren Zweck die Plünde> rung der während der Reisezeit leerstehenden berrichaftlichen Häuser und Schlösser in der Umgegend von Reims war, ist die Polizei von ReimS auf die Spur gekommen. Ihr Haupt war ein Kammer diener namens Jaquet, der in dem Schloß einer Aristokratenfamilie beschäftigt war. Luch die anderen Mitglieder der Bande waren teilweise in den Häusern angestellt, die sie beraubten. Jaquet selbst ist bereits verhaftet worden und hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die Verhaftung der übrigen Mitglieder der Bande steht bevor. Die Diebe haben für mehrere hunderttausend Franken Wertgegenstände und Kunstsachen erbeutet. Hier liegt unzweifelhaft den professionellen Spitzbuben gegen über von den Bönhasen der Kammerdienerzunft unlauterer Weit bewerb vor. Andererseits muß zugunsten der Kammerdiener angenommen werden, daß sie ihre Herren nur vom Ueberfluß zu befteien glaubten. Kleine Notizen. Anschlag gegen einen Eisenbahnzug. Stuttgart, 9. August. Amtlich wird bekannt gegeben, daß der Personenzug der württem- belgischen Nebenbahn Schordorf— Welzheim entgleiste, weil eine schwere Diele von ruchlosen Händen auf das Gleise gelegt worden war. Personen kamen nicht zu Schaden, der Materialschaden ist da- gegen erheblich. Großfeuer. Jn Denseld bei Straßburg ist in der ver- gangenen Nacht die Spinnerei von Bach u. Bloch, die zu den größten des Landes zählt, völlig niedergebrannt. Das Feuer, das gegen 11 Uhr ausbrach, griff so schnell um sich, daß nichts gelöscht werden konnte. Gegen 3 Uhr nachts waren die Fabrikanlagen bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die Spinnerei beschäftigt gegen sechshundert Arbeiter, die jetzt vorerst brotlos find. Der Schaden beläuft sich nach der»Bürgerzeitung' auf über eine Million Mark. Eisenbahnunglück in Belgien. Ein aus C h a r l e r o i auf dem Südbahnhof angekommenen Personenzug ist gegen einen P r e l l b o ck gefahren. Dreißig Reisende wurden ver« w u n d e t. Die Geistesgegenwart zweier Lokomotivführer hat in England eine schwere Eisenbahnkatastrophe verhindert. Bor der Station D e o b i l in der Grafschaft Somerset der Great Western Rail- wah Company sind am Freitagnachmittag zwei Feri«sonderzüge in- folge falscher Weichenstellung aufeinandergefahren. Im letzten Augen« blick gelang es jedoch, die Fahrtgrschwindigkeit der Züge zu mäßigen und eine große Katastrophe zu verhüten. Trotz alledem wurden zwei Personen getötet und sechs schwer verletzt. HilfSkasse der Graveure, Ziseleure und verw. Bcrnfsgenossen zu Berlin tagt jeden zweiten Moutag im Monat, abendS von 8—10 Uhr, im Restaurant Luisenuler 1._ Versammlungen— Veranstaltungen. Lichtenberg. Die Genossimie» veraustalten am Montag, den lt. August, einen AuSflug nach KaulSdors. Absahrt morgen» S'j, Uhr vom Bahnhos RummelSburg-Ost und 8 Minuten später von Lichtenberg- Fricdrichzjelde. Für Nachzügler Treffpunkt tm Wilden Eber, Gieseftr. 19. Nachmittags gemeinsames Kaffeelochen daselbst. BrUfharten der Redaktton. Die juristische Sprechstunde findet in der Zeit vom Montag, den 11. August, bis einschließlich Sonnabend, de« 30. August,»ur von 7—9 Uhr abendS statt. G. N. Schömberg. Ob die Berussgenoffemchaft die AbfinditiigSsmiliiu richtig berechnet hat, läßt sich au» ihrer Darstellung nicht enwehmcn. Darüber könnten wir nur dann Auskunst erteilen, wenn wir wissen, wie alt Sie sind, und wann der Unfall passiert ist.— Sä. 1. 1. Nein, da die Vor auSsetzung des StrasversahrenS rechtskrästige Scheidung der Ehe wegen des Ehebruchs ist. L. Läßt sich nicht sagen, da die Schimpsworte nicht angegeben sind.— A. Sch. 128. Besprechen Sie die Frage mit Ihrem Anwalt, der ja über hie Lage des Prozesses injormiert ist.»- P. M. 87. Ja.— 31. H. 90. 1. Soieru die Klage gegen Herrn E. begründet ist. werden Sie mitverurtellt.— O. I. S. C. Der BejährungSeinwand greift durch mit Ausnahme sür einen Zeitraum von 1 Jahr 9 Monaten.—«. A. 199. 1. Dagegen läßt sich nicht» wn, da ja offenbar zunächst nur die Vermutung besieht. 2. Falls Ihre Frau für schuldig erttärt wird, behaiten Sie daS Er- ziehungsrecht.— R. 1«. 1. t4tSsIge Kündigungssrtst. Die Kündigung kann an jedem Tage ausgesprochen werden. 2. Für die Dauer von 14 Tagen, soser' dieKrankheitnicht länger andauert.— F.D.84. Der Besuch ist statthast, strasba: keit würde nur dann vorliegen.wenn Sie einem IntimenVerkehrVorschub leisten — Glctwitz 199. 1. Zurzeit noch nicht. Erst dann, wenn noch ein vierter Bruder zur Ersiillimg seiner Militärpflicht eingezogen wird. 2. 1. 10. 8. 8. An den dortigen Magistrat.— PH.»4««. Bestimmte Zelt ist nicht vorgeschrieben. Sie müffen zunächst zur Abholung auffordern unter Sehung einer Frist. Verstreicht die Frist ersolgloS, so tonnen Sie Versteigerung durch einen Gerichtsvollzieher veranlassen.— Pav. 3l. 1. Ohne Einsichtnahme in daS Statut nicht zu beantworten.— E. K. 85. tunüchst nmß der Vollstreckungsbesehl beim Amtsgericht beantragt werden. lesen können Sie dem Gerichtsvollzieher zur Vollstreckung übergeben.— — F. lt. 28. Der Abzug war nur bei der ersten Lohnzahlung zulässig. Ist da» Geld bei der lchlen Lohnzahlung abgezogen, so können Sie Klage erheben, und zwar beim Anllsgericht, in dessen Bezirk die Hcrrschast wahni.. — Xrebor Regual 30. Ja.— 9t. K. 100. Am 1. Oktober im Lau,- des TageS.— K. L. 1711. Wiederholen Sie die Anfrage und geben Sie noch an, wann die Ehe geschloffen ist und wo der erste Ehewohnsitz war. — Zwei TLettende. Weiten entscheiden wir nicht.— E.<8. 17 u. P. P. Nicht bekannt._ »SSSSSSAz, g Unserem langjähr. Genossen 1| S Hermann Stier| zu seinem 70, Geburtstage ch gratulieren herzlich die Ge- A- nossinncn und Genossen deS-s' 147. Bezirks. 4. KretS.£ I Von der Reffe zurück: USOL Dr. Vollmann, Frauenarzt, Schlesische Str. 40«. | Todes-Anzeigen| Vertani il.CeinBlDilE-ii.Slaatsarli. Filiale GroU-Berlln. Unseren Mitgliedern zur Nach. richt, daß der Kollege Otto Manske welcher im Wasserwerk Teuselssee war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am �onntag. den 10. August, vor- mittags Ii Uhr, in Stettin statt. 3d'2 Die Ortsverwaltung. Eharlotlenburqer ijelssee beschästtgt Vkltal! der freien Gasl- umf Schankwirts Deuisehlands. Ortsverwaltung Neukölln. Am DtenStagvormIttag verstarb die Ehefrau unsere» Kollegen Emil GergS Elise Beb vroöe. Ehre ihrem Andenke» k Die Beerdigung findet heute Tonntag, nachmiilag» 5'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi-Kirchhoses, Hermannstraße, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Zentralverhanii der Steinarheiter Filiale Berlin. Am 9. August starb unser Kollege, der Sandjteinmetz KudoH Bortfeldt im 38. Lebensjahre an der Be- russkrankheit. Ehre seinem Andenkenk Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittag» 4 Uhr, von der Leichenhalle der Andrea». Gemeinde in Hohenschönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 171/14 Die Drt, Verwaltung. HeiWer Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) m PH'aliebeni die traurige Wnchriät, daß unser langjähriges Mitglied, die Kollegin Klara BernKard plötzlich gestorben Ist. Ehre ihrem Zlndenke»! Die Beerdigung findet Montag. den lt. August, nachm.>/,g Uhr aus dem städtischen FrUdWe In Friedrich»,-lde statt." Zahlreiche Betetltgung erwartet 24/10 Die Ortsderwaltung. Arbeiler- Radiahrer-Bnnd Ortsgruppe Berlin, Abt. IV. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unsere SportSgenossin, grau Unna rriedrlek am DienStag plötzlich verstorben ist. Ehre ihrem Slndenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 11. August, nach- mittags 4fl, Uhr, von der Halle des ZentralsrtedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 1791b Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die ttaurige Nachricht, daß meine liebe Frau und Mutter OiilUe Mohr geb. Jab nach kurzem, schwerem Leiden im Atter von 87 Jahren Donnerstag, 7. August, zur ewigen Ruhe ein- gegangen ist. 57A Die Beerdtaung findet Sonn« tag, den 10. August, nachmittags Zfl.Uhr, von der Halle des Neuen JakobtNrchhofe», Hermannstraß«, Neukölln, au» statt. Um herzliche Teilnahme bittet Albcs-t Hohr u. Tochter. DentseherHetaUarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin Todes-Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Gustav Jander Pettenkoserstraße 19 am 7. d. M. am Schlagansall gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 11. August, nach. mittag» 8 Uhr. von der Leichen- halle des städtischen Frtedhoss In ver Seestraße au» statt. Ferner starb unser Mtglled, der Gürtler Richard Neumann Mahlidors. Florastr. 84 am 8, d. MtS. an Blinddarm leiden. Die Beerdigung findet am Montag, den 11. August nachm. 31/. Uhr, von der Leichenhalle des ZcnIral-szriedboseS in Friedrichs. leide aus statt. Ferner starb der Gürtler unser Mitglied, Eerdinaad Kruppe am 8. d. M. an Kopsrose. Di« Beerdigung findet am Dienstag, den 12. August, nach. mittags» Uhr, von der Leichen. Halle des Städttschen FriedhoseS in Friedrichsseide aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 123/12 Die Ortsverwaltung. ................... Sozialdemokratischer Wahiverein I.d. U erl, Helcbstagswablkreis. Köpenicker Viertel. Bezirk 170. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gürtler Eerdiuand Kruppe Wrangelstr. 129, gestorben ist. Die Beerdigung findet am DienStag, den 12. August, nachm. 4 Uhr, von der Halle des Zen- ttal-Friedhofes in Frtedrtchsselde auS statt. Köpenloker Viertel. Bezirk 180. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin, Frau Euise Lamprecht Köpenicker Str. 190, gestorben ist. DI« Beerdigung findet am Montag, den 11. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des EmmauS-KtrchhoseS, Hermann- sttaße, auS statt. Stralauer Viertel. Bez. 327. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Ltauisiaus Mamut Gubener Str. 81, gestorben ist. Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr, von der Halle des Andreas> Kirchhose» in Wii- Helmsberg aus statt. Ehre ihrem Andenken! Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am Freitag, den 8. August, ver- schied nach kurzem, jchwercm Leiden unlere liebe Mutter, Großmutter und Schwiegermutter fsgli Mirma Fischer geb. Flelschmann im 73. Lebensjahre. 1792b Schöneberg, �-edanstraße. Die trauernden Hinterbliebenen: Otto Fischer, Eichwalde. Familie Hirsch, Berlin. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. August, nach- mittag» 4V, Uhr, von der Leichen- balle de» II. städtischen Friedhofes. Südost- Gelände(Blanke Hölle), auS statt. iTiaer BadStr.ZBprinz�Ailee _ Herren- und Knaben- |:lilsden, Berufskleidung. I Eleg. Paletots. Großes ISlofflager zur Anfertigung nach MaB. Aller- billigele streng teste Preise. Deulscher HolzarbelterFcrbaDiI. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Ztanislaus Mamut Gubener Str. 81, im Alter von 42 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnlag, den 10. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Piuslirchhoses in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/3 Die Ortsverwaltung. Otmstraßc 32-35 Querstraße a. d. Müllerstraße 113 EmMmer-Mohnung mit und ohne Warmwasserversorgung per sofort preiswert zu verm. Näheres im Vermictungsburcau, Otavistr. 35. ♦ MM Kleidung rertle am Lagert GebroiyozK-sUGu. MiDB�ügeKiO" (CutaiayiWBsteS'lg'jjM. Von der Reise zurück habe nach vollständiger Genesung meine Praxi» selbst wieder über- nommen. 14812 Max Witte Zahnkünstler Xluakauer Straße 10, Ecke Mant&uflelstraße. Mllo.' Rassischer Aagentabak, hervorragender Schnupftabak gegen Trockenheit der Nase u.{ Kopfschmerzen. Zu beziehen durch den Zigarrenhandel. Qeneralvertret. f. Deutschi.; S. Rund, Berlin, WullenweberstraBe 9. 10 Ulark monatliche TeUzahIung lleseit elegante terrengarderobe nach Maß, eigene» lofflag. Per Kasse Preisermäßigung. dl.TomporowsiItl, Schneiderinst., jetzt 8W 47, Trcibundstr. 47, an der Bellealliancestr.». Tempeihoier Feld. Vertteterbesuch jederzeit. M. 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Z.)(Nachdruck verboten) zog 24 39 es es« 718 924 113» 32 283 395 660 601 963 J049 60 312 346 631 72 690 831 JÖ66 326 93 536 42 672 796 •34 969(200) 4046(13 0�3) 200 64 453 661 895 6104 9 300) 18(200) 22 253 471 605 703 79«01? 41 161 239 357 417 19 95 809 91 62 335(200) 7067 146 243 68 360 409 6U 336 708 8185 630 744 9056 698 843 920 10197 277 600 11(20!) 614 40(200) 754(200) 804 909 11201 19 63 782 934 1 2092 152 271 401 018 41 60 831 94 960 18?41 82(20C) 738 98 937 14165 70 38 343 57 603 627 786 859 925 1 5141 63 294 616 707 72 96 936 95(100) 16271 84 379 661 17117 317 863 717 t«2S6 609 18017 780 2 0407 87 04 677 813 211« AI(20«) 661 911 22064 432 37 45 83 679 975 23106 477 989 2 4163 71 314 495 678 28203 613 949»«008 79 109 661 2 7050«0 116 364 640 86» 28727 2B131 47ß 1200) 667 WOÜ) 634 3O015 40 77 633 744 SKSa 114 293 407 676 32028 178 229 324 52(200) 62 82 480 869 837 45 903 28 8 8m 63 697 3 4433 90 948 3 8110 45 446 546 703 33013(SOfi) 218 385 446 607 8 7 068 171 214 326 448 624 3 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Preußisch Süddeutsche (SSS. KLnisl. Kreuß.) Klussenlotterie 2. Klaffe 2. Ziehungsiag 9. August 1913 Nachmittag Slns jede gezogene Nummer sind zwei gleich Hobe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Los« gleicher Nummer In de» beiden'Abieiluugcn I». II. Nur die Gewinne über LS M. sind in Klammern beigesügt. (Ohne Gewähr A. Ei.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 24 194 233 385 431 774 892 901 2 SS>053 102 456 919 2050 422 35 650 648 817 73 969 3219 680 644 657 968 4055 119 437 70 639 600(200) 754 63 844 5418 801 903 23 83 0128 384 534 48 644 7 294 659( 2001 950 88«088 382 429 40 76 834 943 9007 8(3 0» 69 181 92 686 785 10260 99 653 944 61 86»1003 63 98 12114(3001 238 944 HAZ40 531 802 957 1 4142 525 799 15116(2031 433(300) Kl62 93 504 787 910 1 7181 249(300) 3-0 94 18054 449 600 13 884 19122 53(400) 67 207 68 482 20167 651 704 803 21079 302 430 674 998 2 2687 794 290,6( 500) 365 462 665 610 34(200) 754 34177 297 372 (Zoo) 625 624 931 97 2 5068 69 170 302 15 34 64o 49 877 903 2B017 107 27(500) 239-»�4 271� 6,0 31 738 28032 124 474 643 63 78 737 815 2«l96 398 427 630 80166 69 31192 760 79 972 82)66 330 414 632 834 <0(500, 3 3241 57 68 581 704 972 3 4 432 627 811 941(200, 44 74 82 3 5457 951 36106 43 295 461 628 74 96) 83 3 7 033 96 306 612 789 874 924 8 8210 616 68 679 731 828 3 9104 63 483 533 43 687 715 40114 200 338 443 971 41006 216 399 732 33 814 908 24 70 421)48 360 741 835 83 4 3172 NO 661 876 921 44233 438 721 839 72 930 36 4BOOO 280 301 648 775 936 46101 695 983 4 7107 33 207 4-2(200, 509 48067 119 372 449 604 762 49291 415 531 40 713 866 968 BOU17 267 454 64 543 618 757 85 847 61040 626 77 692 52242«35 660 63 764 806 961 53177(400) 257 305(200) 47 65 604 54(65 126 65 88 668 924 5 5)59 380 473 91 826 962 Ö6011 138 45 258 486 6 7 410 615 8 8138 317 474 581 630 80 59006 319 «0342 93 419 617 720 804 65 61033«21 88 621 663 62213 318 615 6 3364™ 4M 708(200) 820 64)07 249(200) 616 756 864 66278 355 481 816 75 93 9Z4 66710 828 952 62 75 67063 180 312 16 26 468 683 997 8 9257 319 471 699 683 746 6 9 089 148 296 327 415 3« 663 636 68 794 70060 91 I» 247 75 334(1000) 617 966 71093 105 46 299 595(200) 678 963 92 7 2506 628 7 3044 146 292 427 723 890 992 7 4146 351 5£» 678 80 731 62 7 5108 53 2(» 67 784 76140 209(200) 81 406 67 629 610 743 800 923(300) 7/161 78�3(,Ä- MS 60 7 8050 624 733<200) 924(200) 83535 82 916 81019 81 385 426 643 891 8 2000 258 607 60 674 833 914 8- 007 31 188(900) 680 99 807 97 8 4390 699 802 35 949 8 5090 202 412 94 679 714 64 8 6' 93 113 229 629 8 7113 29 35 409 612 7dl 953 83«3099 129 86 99 261 307 485 641 751 916 16 32 92 89160 672 702 97 903 37 90028 138 348 74 401 35 660 837 570 84«1000 242 406 696 730 909 J®'30®) 82086 105 378 433 67 881 966 9Z140 66 682 781 828 906 94274 478 633 733 834 9 5301 41 72 80 9 7 061 149 356 73(300) 600 39 958 9 8136 224 44 47 93 616 9» 702 91(200) 931 9 8472 644 »OO05O 94 621 69 749 821 32 101095 209 318 649 80 647 797 671 IQaOlO 252 564 620 754 843 63 999 1 03151 663 884 957 194040 317 414 748 1 05151 364 477 691 713 886 100301 73 97 427(300) 31 48 637 67 803 18(3000) 969 (300) 197214 514 761 973, 0 8221 820(200) 49 80 1 0 9052 432 91 603 05 687 783 914 64 110022 35 291 96 609 757 94 813(230) 111283 411 112018 256 88 448 1200) 668 113142 238 376 401 661 635 42 799 803 818 70 114265 388 678 115360 857 11 5063 117166(200) 427 618 749 78 818 118576 774 826 119046 262 309 14 493 608 12 0053 376 400 84 611 96 720 964 1 21208 60 547 629 83 800(400) 25 955 1 22140 829 68 1 2 3093 248 657 763 99 12 4088 177 461 681 704 962 1 2 5 334 468 84£92 865 126301 73 640 602 9 47 1 2 7 641 ES 952 1 2 8307 692 722 861 129563 843 68 94 980 95 laiow 102(2001 233 496 643 713 35 1 31266 604 42 64J 903 132080 617 1 3 3051 65 306 97 527 134030 2=2 7g 476 668 135123 444 950 1 38123 410 44 91 850 1 38113 264 318 20 60 13 8 042 190 224 32 60 45« 14aiö3(20U) 366 814 1 41103 639 64 975 81 14 2058 392 403 68 526 664 714 48(200) 143023 133 81 330 Gl 793 904 144225 75 466 831 95 99 310 1 46140 393 472 741 58 140323 ,200) 814 965 147718 66 140 297 372 438 537 14 9037 225 487(300) 691 932 190133 97 243 52 356 662 53 802 33 1 51023 177 383 613 31 85 640 937 1 5*257(200) 372 686 701 6 905 13 1 5 3015 43 254 329 60 584 874 943(200)'5 4416 682 952 1b 5. 05 C5 733 160)05 19 933 69 90 1 6 7063 214 29 308 620 7o8 160027 61 So S VeVzL 466(200) 661 168251 96 97� 1«5?10 2� 612 6« 79 154236 6gg 109 ,43 7ßR.197 ST? 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Verlag Wilhelm Braumüller, Wien und Leipzig. Ladislaus v. Fenycs. Tagebuch eines Mannes vom roten Kreuz. Verlag von Karl Sigismund, Berlin. Dr. Adolf L. Bischer. An der serbischen Front. Kober C. F. Spittlers Nachfolger, Basel. * .Wir führen keinen Krieg für die Kinematographen und Jour- nalisten l" erklärte ein Beamter des serbischen Ministeriums des Aus- wältigen barsch einem Schwärm von eifrigen Kriegskorrespondcnten, die ihn wegen ihrer Zulassung zur Front bedrängten. Das war die Losung, nach der in dem Kriege von 1912/13 nicht nur die ver- bündeten Ballanstaaten handelten. ES lag wohlbedachte Methode darin, daß man den Krieg unter Ausschluß der europäischen Oeffent- lichkeit zu führen unternahm, weniger, weil man etwa fürchtete, strategische Geheimnisse vorzeitig von den ZeitungSmenschen au§- geplaudert zu sehen, als vielmehr, weil man die wilden Greueltaten dieses Kampfes bis aufs Messer hinter undurchsichtigem Vorhang verbergen wollte. So hielt man die Kriegskorrespondenten wie Gefangene weit vom Schuß, ganze Tagesmärsche hinter der Front, wo sie nie den unmittelbaren Eindruck eines Schlachtfeldes em- pfingen und im besten Fall in der Ferne so etwas wie Kanonen- donner hörten, und Colin Roß hat nicht Unrecht, wenn er meint: .Der Kriegsberichterstatter ist im Balkankrieg fast zu einer lächer- lichen Figur geworden."' Bei den Türken war eS nicht anders. Lshmead-Bartlett, der erprobte Kriegskorrespondent des »Daily Telegraph", weiß ein Lied davon zu singen, welche Schwierig- keilen die osmanische Heeresleitung den Berichterstattern in den Weg wälzte und ein Kapitel überschreibt er geradezu: Der Krieg gegen die Korrespondenten. Aber während man sich auch hier zu ver- hindern bemühte, daß die Korrespondenten zur Arniee kamen, kam die Armee zu den Korrespondenten, denn sie gerieten in die Wogen des in wilder Flucht zurückflutenden Heeres hinein und hatten hier nun reichlich Gelegenheit, die Beobachtungen zu machen, die man ihnen so gern vorenthalten hätte. Die beiden auf türkischer Seite befindlichen Korrespondenten, Ashmead-Bartlett und Colin Roß, wissen deshalb auch am ehesten Wesentliches zu erzählen. Der dritte Buchschreiber, der den Untergang des Halbmondes über den Blachfeldern Thraziens mit- erlebte, ist kein Zeitungsmann, sondern Hochwächter ist einer der nach der Türkei gesandten preußischen Militärinstruktoren, die durch die Kriegführung ihrer gelehrigen Schüler so schwer enttäuscht wurden. Nun schildert jeder der drei naturgemäß von einem ganz anderen Gesichtspunkt. Der Engländer liefert ein dickes, wohl- dokumentiertes Buch, in dem er sich nicht auf seine eigenen Erlebnisse beschränkt, sondern Wertvolles und Interessantes über Vergangenheit und Wesen der Türkei zu sagen weiß, Hochwächter gibt in dem knappen und kurzen Stil des Offiziers Berichte über seine Eindrücke in diesem Feldzug. und Colin Roß, feuilletonisttsches Vollblut, wirft impressionistische Augenblicksstimmungen über Gesehenes und Gehörtes aufs Papier. Aber von unwesentlichen Einzelheiten ab- gesehen, kommen alle drei zu fast gleichen Beobachtungen und Er. gebnissen, und derart ergänzt jede dieser Kriegsschilderungen höchst wirkungsvoll die beiden anderen. In der Türkei war niemand auf diesen Krieg gefaßt, auf jeden Fall hatte niemand für ihn gerüstet. So war die wichtige Heer» straße von Konstantinopel nach Adrianopel zum Teil in trostlosem Zustande, die Brücken halb vollendet oder wieder verfallen, die Be- fesiigungen. wo sich welche vorfanden, schnell aufgeworfene Erdhaufen ohne sortifikatorischen Wert. Dem entsprach ganz und gar die Be- schaffenheit der Feldarmee. Die Führer verfügten nur über eins: über hochmütige SiegeSgewißheit. Der Kriegsminister Nazim Pascha ermahnt« die Offiziere, ja ihre Paradeuniformen nicht zu vergessen, um den Einzug in Sofia möglichst glanzvoll zu ge- stalten! Die Mobilmachung beschränkte sich darauf, daß man die kleigasiotiichen Bauern mit der anatolischen Bahn nach Konstan- tinopel schaffte, sie dort in Khakiuniformen steckte, ihnen einen Schießprügel auf die Schulter packte und sie dann auf den Kriegs- schauplatz beförderte. Ashmead-Bartlett sah. wie diese Rebifs durch die Straßen von Konstyntinopel geführt wurden, stumpf und teilnahmslos wie Schlachtvieh. Colin Roß sah. wie sie vor den Bulgaren davonstoben. wie eine flüchtige Hammelherde. Die schwachen Bataillone, berichtet H o ch w ä ch t e r. bestanden nur zu einem Fünftel aus aktiven Truppen, zu zwei Fünfteln aus Rekruten und zu zwei Fünfteln aus Rebifs, die, von der Ausbildung ab- gesehen, unserer Landwehr entsprechen. Unter den Rebifs befanden sich alte Soldaten Abdul Hamids, die nie einen Schuß abgegeben hatten, da der Despot bekanntlich aus Furcht vor einer Militärrevolution seinen Regimentern stets die Patronen vorenthalten hatte. Die meisten hatten nie ein modernes Gewehr in der Hand gehabt. Erst aus der Fahrt nach dem Schlachtfeld wurde ihnen notdürftig der Gebrauch der Mauserflinte auseinandergesetzt. Die in der Schlacht in kurzer Zeit ihren ganzen Patronenvorrat verknallten, hätten die Sache noch am besten begriffen. Die anderen versuchten in der Auf- regung des Kampfes, wie sie es gewohnt waren, die Patronen vorne in den Lauf hineinzuschieben. Kaum einer aber wußte, wofür er seine Haut zu Markte tragen sollte. Ashmead-Bartlett teilt kine kennzeiibnende Geschichte mit. Als ein Offizier solche klein- osiatilcben Rebifs ermahnte sich tapfer für das osmanische Vater- land. für die gemeinsame Heimat zu schlagen, erhielt er die ganz erstaunte Antwort:.Hier ist nicht unsere Heimat; unsere Heimat ist Lnatolien!"' Bei allem war dieses Menschenmaterial nicht einmal schlecht: zah, gutwillig, m Strapazen ausdauernd, wurde es das Opfer einer h ��perei der Führung..Das glänzendste Material". S/lbKbewuk.�s."'U auf dem Altar de§ Stumpfsinns, des Selbstbewußt,»�S und der bahnebüchensten Unfähigkeit hmgeopfert £* an Unb �eneralstab versagten ganz und gar. Ohne Marschdeckung bewegte« sich die Truppen vorwärts. Vorposten- st-llungen wurden nicht bezöge«, die Schützengraben an der Tscha- told,chal.nie fand Ho chw achter zu seiner Verwunderung auf den Hohen angelegt. Das Sanitatswesen loa aon- in, aroen Aerzte gab es kaum. Feldlazarette überhaupt nicht. Vor allem aber ver- �gte die Intendantur m einer verbrecherische» Weise oder", meint Colin Roß..sie muß ,m Ernst der Ansicht gewesen sein. Sol- b�t«, mcht zu und die von Mannschaften und Ge- �tz-n mitgefuhrte Murntton reiche ewig. Die Intendantur. ider Train hat diesen Krieg letzten Endes ver- Floren", und Ashmead-Bartlett sagt ähnlich:„Mit einer Eisenbahnlinie im Rücken, fünfzig Kilometer von der Hauptstadt, verstand es die Leitung nicht, eine Brigade zu versorgen, geschweige vier Armeekorps, sondern überließ es mit orientalischer Gleichgültig- keit Allah, Mannah vom Himmel regnen und Wasier aus den Felsen sprudeln zu lassen." Das Durcheinander der Schlachtleitung selbst gar nicht in Rechnung gestellt, mußten diese nicht ausgebildeten, teilnahmslosen und halb verhungerten Soldaten ohne weiteres einem Angriff er- liegen, dessen nervenzerreitzcnde Art sie bisher gar nicht gekannt hatten. Colin Roß schildert das anschaulich: Unsichtbar ist der Tod geworden. Im Schützenfeuer liegt die Kqmpagnie, tief aus den Boden geduckt. Dort drüben der Feind. Der Feind? Der Geländestreiien gegenüber ist der Feind. Von jener Pappel dort bis zur Buschgruppe rechts, das ist der Feind, dorthin heißt eS feuern. Nichts ist zu sehen. Nicht einmal Pulver- dampf. Nur das Knattern der Gewehre dringt ans Ohr, das Knattern, daS an- und abschwillt, dessen unheimlicher Tonsich nicht definieren, sich mit nichts vergleichen läßt. Diesen Schrecken der modernen Schlacht waren die armen anatolischen Bauern nicht gewachsen. Sie lagen in ihren Schützen- grüben, den Kopf sorgfältig hinter der Deckung eingezogen, hielten nur das Gewehr über den Rand hinaus— daher die vielen Ver- letzungen an der linken Hand nnd dem linken Arm!— und feuerten ohne zu zielen, in die Luft hinein. Bis einer, von Furien der Angst gepeitscht aufsprang und zurückrannte und ein zweiter folgte und ein dritter... und ein ganzer Graben sich leerte in toller Flucht..- Das war die Panik, in die auch Truppenteile hineingerissen wurden, die noch keinen Schutz abgegeben hatten. Da half keine.preußische Disziplin" mehr, die zu Beginn des Feldzugs der deutsche Militär- instruttor bei einzelnen Kompagnien mit Wohlgefallen wahrnahm. Da half auch nicht das barbarische Regime der Fuchtel: Hoch- Wächter sah ohne Verwunderung, wie Mahmud Muklar Pascha einem höheren Artillerieoffizier die Reitpeitsche durchs Gesicht zog, und Colin Roß beobachtete, wo vor Schreck sinnlose Redifs einen Eisenbahnzug erstürmten, einen jungen Hauptmann in voller Tätig- keit:„Wo ein paar Soldaten nicht hören wollten, sprang er hinzu, und che die Ungehorsamen sich versahen, zeichnete seine schwere Hand ihnen eine rote Spur auf die Backe. Wie geprügelte Hunde duckten sie sich und schlichen zurück". Nach der Panik kam der Rückzug. Unabhängig von einander gelangen Ashmed-Bartlett und Colin Rotz zu dem Ein- druck: So muß es 1812 auf dem Rückzug der großen Armee aus Rußland gewesen sein!, als sie dieses wilde Durcheinander von ge sunden und verwundeten Soldaten an sich vorüberfluten lassen, alle Truppenverbände gelöst. Offiziere ohne Mannschaften, Mannschaften ohne Offiziere, zwei Reiter auf einem Pferd, Artillerie ohne E schütze und daneben die endlosen traurigen Kolonnen flüchtenden mohammedanischen Landvolks, eine neue Völkerwanderung, die sich aus Europa nach Asien zurückergießt. Und dann kam, furchtbarer als alle Schrecken des Kampfes, die Cholera... Es war nicht eine Armee nur, die hier zusammenbrach, sondern ein ganzer Staat, der Staat einer dünnen herrschenden Kaste, die ohne inneren Zusammenhang war mit den anderen Rassen, anderen Nationen, anderen Religionen angehörenden beherrschten Schichten. und H ochwächter braucht gar nicht erst der Auffassung ent« gegenzutreten, als sei„nur das falsche deutsche System an den Miß- erfolgen schuld gewesen", aber es stimmt doch, was damals der „Matin" schrieb:.Hätten die Türken gesiegt, so schriebe sich das deutsche Heer und Deutschlands Industrie, und zwar mit Recht, ein gut Teil an den türkischen Siegen als ihr Verdienst zu." Da bei den Heeren. der Verbündeten die rigorose Disziplin gegen die Kriegskorrespondenten voll in Geltung kam, find die drei Verfasser, die über ihre Erfahrungen bei den Bulgaren und Serben berichten, alle Angehörige des Sanilätswesens: Dr. B r e i t n e r ging als Arzt des österreichischen. Dr. Bischer als Arzt des Schweizer Roten Kreuzes mit und F s n y e s hatte sich als Sekretär dem ungarischen Roten Kreuz angeschlossen. Natürlich sind die Ein- drücke, die hinter der Front der operierenden Heere, in Spitälern und Lazaretten, gewonnen wurden, ganz anderer Art und in mancher Hmsichr weniger unmittelbar als die in der Feldschlacht oder im Strudel der Flucht erhaltenen; aber auch hier ergänzt in vielerlei Einzelheiten ein Buch das andere. Dr. Breitner freilich ist eine besondere Nummer. Er hat sich an Nietzsche übernommen und fühlt sich in krankhafter Ueberhebung als ausgewachsenen Höhenmenschen, der auf die breite Masse, auf die„Herde" verächtlich herabsieht. An- scheinend, um seinem Buch den Weg zu ebnen, leistet er sich eine grobe Beleidigung der Presse, indem er dummdreist schreibt:„Um es in der Literatur zu einem Erfolg zu bringen, braucht man Geld, Geld und noch einmal Geld... für den Maneger. für den Lektor, für den Verleger, für die Kritiker vom ersten bis zum letzten"(!!) Dr.�B r e i t n e r ist auch derselbe Arzt, der in der Leffentlichkeit die�änzliche Wertlosigkeit der freiwilligen Kranken- Pflegerinnen annagelte. Nun mag ganz zweifellos sehr viel daran sein, daß manikürte und das Nichtstun gewohnte Händchen sich in eurer grauenvollen Welt von Blut und Eiter nicht besonders nützlich zu machen verstehen, aber das Wesen des Anklägers entkräftet die Anklage doch einigermaßen, denn er ist mit Schopenhauer eins in der Geringschätzung der Frau überhaupt, schwärnrt für die MöbiuSsche „Entdeckung" vom„physiologischen Schwachsinn des Weibes" und hält die Möglichkeit, daß auch Aerztinnen praktizieren können, für eine»Blasphemie des Doktortitels." Daß Breitner Alldeutscher ist, die Slawen fressen möchte und für die Türken in einer kindlichen Art begeistert ist, trägt die letzten Farben auf sein Bild. Breitner und F ö n y e s bewegen sich in den ersten Tagen jungen bulgarischen Ruhmes in Thrazien, als Ferdinand mit der Nase noch im Zenith seines Ruhmes stand— lang, lang ist's her! Luch aus ihren Berichten wird der klaffende Unterschied, was Be- geisterung und Organisation angeht, zwischen den Türken und den Verbündeten offenbar. Ein Anatolier mit grauem Haar und Bart, dem eine Kugel beide Oberschenkel zerschmettert hatte, bedankte sich bei Breitner, fragte ihn aber dann: »Sage mir: gegen wen kämpfen wir eigentlich?", während Fvny es in einem kleinen thrazischen Nest bei bulgarischen Sol- baten kampierte, die seine elektrische Taschenlampe Iji« und her drehten und nachdenklich sagten:„Auch wir werden nun solche haben". In der bulgarischen Armee war in der Schlacht jede Unterabteilung telephonisch mit dem Generalkommando verbunden. Muktar Pascha aber mußte bei Lüle Burgas eine Front von dreiundvierzig Kilo- meter durch berittene Ordonnanzen leiten. Fvnyes fand bei den türkischen Schützengräben Patronen, die statt mit einem Stahlkegel mit rotgefärbten Holzspitzen versehen waren— mit Platzpatronen waren die Türken in den Krieg gezogen! und in der Tat kau- statierte Breitner an den bulgarische« verwundete» tum LSle Burgas, daß viele aus nächster Nähe durch Platzpatronen verletzt worden waren! Mit unverhohlenem Grimm betrachtete sich dieser Teutomane auch die imponierende Front der zweihundertzwanzig er- beuteten neuesten Kruppschen Rohrrücklaufgeschütze und sah un- gezählte Munitionspackungcn. Schrapnells und Granaten, alle mit der Fabrikmarke„Düsseldorf" versehen, im Kot liegen, ungeöffnet und unverschossen. Dabei hielt die Ruhmredigkeit der Türken bis zum letzten Augenblick vor. Zwar traf Dr. Bischer in Uesküb osmanische Offiziere, die traurig zugaben:„Wir haben unsere militärische Ehre verloren!", aber Schükri Pascha in Adrianopel veröffentlichte, als längst das Schicksal der thrazischen und der ma- zedonischen Armee entschieden war, einen Tagesbefehl des Inhalts: „Das türkische Heer unter Muktar Pascha hat Belgrad im Sturm genommen." Die serbischen Sanitätseinrichtungen waren am besten. Ihre Sanitälszüge, berichtet Breitner, waren musterhaft, ihr Personal glänzend geschult, ihre Aerzte voll Hingebung, aber, fügt Bischer hinzu, dieser Aerzte waren zu wenig und er zieht folgenden Ver- gleich mit der Schweiz: Einwohnerzahl Kriegsstärke Aerzte �all°MilitS?ärzte Schweiz: 3.72 Mill. 211000 Mann 2470 046 Serbien: 2,9„ 200 000, 310 260 Daher ein großer Mangel an Aerzten hinter der Front und die freudige Aufnahme der fremden Hilfe. In Bulgarien stand es er- heblich schlimmer. F e n y e S begegneten auf seinem Wege nach Kirllisse an einem Tage 673 Büffelwagen, in denen Verwundete fast eine Woche lang, ohne ausreichende Nahrung, selbst ohne Decke zum Schutz gegen die feuchte Kälte befördert wurden und zwar rund 1000 Mann ohne die Begleitung eines Sanitätssoldaten, geschweige eines Arztes I« Wie viele unterwegs elend zugrunde gingen und in welchem Zu- stände die übrigen im Spital ankamen, läßt sich leicht denken. Allenthalben herrschte auch, Breitner, Bischer und Fön y es berichten übereinstimmend darüber, eine in ihren Folgen furchtbare Ueberfüvung der Spitäler. Erschütternde Bilder vom Leiden und Sterben enthüllen sich an diesen Orten des Grauens, obwohl es sich um Menlche« mit zäheren Nerven handelte, als verweichlichte Westeuropäer sie haben— Bischer sah in Uesküb einen Arnauten. der noch zwei Stunden vor seinem Tode mit Behagen eine Zigarette rauchte. Aber wenn die Verwundeten, aus deren tagelang nicht er- neuerten Verbänden der Eiter sickerte, sich in den Gängen des Spi- tals drängten und auf dem Boden liegend wie liiere an der Tür scharrten, um endlich vorzukommen, endlich Hilfe zu finden, da packte auch den Abgehärtetsten das Entsetzen. F ö n y e s beschreibt einen Besuch der Königin von Bulgarien im Sofioter Spital. Sie absolviert in nicht ganz anderthalb Stunden mit den beiden Prin« zessinnen 16 Säle)„besucht" 300 Kranke und die beiden Prinzeßchcn verteilen an die Verwundeten Ansichtskarten mit ihrem Bild, unter das sie mit schönen, sin französischen Kloster erlernten Buchstaben ihre Namen geschrieben haben: Eudoxia und Nadejka. Am folgenden Tage wütet der Wundstarrkrampf im Spital: das Tctanus-Serum aber ist in der ganzen Stadt ausgegangen! Die Opfer leiden schrecklich.„Zu Beginn des Starrkrampfes lehnt sich in ihnen die Lebenskraft auf. Sie werfen sich wie die Schlangen, biegen die Gelenke, bis dann auch die Gliedmaßen steinhart werden, die Arme. Beine, die Bazillen des Tetanus schlängeln sich die Nervenfasern entlang durch den ganzen Organismus und machen ihn erstarren. Nur das Hirn bleibt unversehrt, der Kranke hört, sieht, gewahrt' alles und denkt, nur zu sprechen vermag er nicht."„Das mögen sich," sagte einer der deutschen Aerzte in dem Sofioter Spital,„die Herren Diplomaten anschauen, ehe sie den Krieg an- zetteln," und FönheS fügt hinzu: Schade, daß dieZaritzamit den Prinzessinnen an diesem Tage nicht im Spital war.»Rur mit den Chrysanthemen und Ansichtskarten hätte es eine kleine Schererei gegeben: der Starrkrampf würde ihre Uebernahme verweigert haben." Wie nicht anders zu erwarten, ist Brcitner Schwärmer für einen»frischen, fröhlichen Krieg". Aber er kommt auf ein Schlacht- seid einige Tage nach der Schlacht und findet Menschen- und Pferde- leichen von Rudeln wilder Hunde benagt, die schon wieder die Be- grabenen auszuscharren beginnen, und als dann noch die Cholera ihre grause Arbeit verrichtet, da seufzt selbst er:„Ein Tag grauen- hafter Eindrücke. Fast verstehe ich heute den zähen Traum der Menschheit vom Weltfrieden." Auch der kühle nüchterne Schweizer Bischer fühlt sich bedrückt, als die ersten Verwundeten eingeliefert werden:„ES kam unS als etwas Verrücktes, Naturwidriges vor, diese starken Leute so wahllos verletzt und zum Teil aus immer geschädigt zu sehen." Dieses Grauen bor de», Kriege ist ein Gefühl. daS auch bei Colin Roß, der wie Breitner den Krieg für unausrottbar hält, und bei Hochwächter, dem nicht weichherzigen Feldsoldaten, durchschlägt. Hochwächter erzählt von dem Siegeslauf der Cholera: Die Leute fallen zu Dutzenden. Zwei Soldaten lagen wie tot zwischen den Gleisen. Ich machte einen Arzt darauf aufmerk- sam, er schaute nur hin und ging weiter. Da fällt auch schon ein Dritter um. Kameraden laden sie endlich aus den Rücken und schleppen sie bis zu einem Güterwagen, da werden sie mit hinein- gelegt. Wann folgen ihnen denn die anderen? Verhungerte werden als Cholerakranke angesehen: man bestreut sie mit Chlor- kalk, obwohl man oft nicht untersucht hat, ob der Mann wirklich tot ist. Der Kalk brennt ihnen dann die hohlen Augen aus. Wer vom Leben genug haben will, der schaue sich daS Entsetzen draußen nur eine Minute an! Hochwächter gesteht, daß er über den e«tsetzlichen Eindrücken dieses Tages keinen Schlaf habe finden können. Lehnlich schildert Colin Roß: Da liegt der erste Tote am Wege. Am Wege verreckt wie ein Hund. DaS Gesicht ist verdeckt, aber über dem eingefallenen Leibe sind die Kleider weggerissen. Grauenhast schimmert die schmutzig-weißlich blaue Haut. Immer mehr liegen am Wege. Zwischen denen, die müde am Sttaßenrain hocken und kauern, liegen sie. Da liegt eine ganze Gruppe verzerrt und verkrümmt. Einer hat die Hand in den Mund des anderen verkrampft' Einer lebt»och, mitten im Tod, der rings um ihn aufgetürmt ist wie ein grausiger, unübersteigbarcr Wall. Dieser Anblick entlockt Herrn Colin Roß daS originelle Stoß- gebet:„Krieg, wenn es sein muß, aber nicht so grauenhaft, nicht so grauenhast!" Sehr begreiflich, aber auch sehr töricht I Denn Krieg und Cholera sind«ins, und den„humanen", den„zivilisierten", den feuilletonistischen Krieg gibt es nur auf dem Manöverfelde. Wer den Mut hat:„Es lebe der Krieg I" zu rufen, muß auch über sich gewinnen, zu rufe«:»Es lebe die Cholera!" Aber wer hat, nach de« hier aufgedeckten Schrecken und Scheußlichkeiten de« Balkankrieges,»och diese» traurige» Mut? Her»«»» BtuttC Mocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Köuigl. OPernhanS. Sonntag, 17. August: Tannhäuser. Montag: Bohsme.(Ansang Tl, Uhr.) KSnigl. Schauspielhaus. Sonntag, 17. August: D!e OuitzowZ. Montag- 1812.(Anfang 7-/, Uhr.) Neues Operutheatcr. Sonntag: Lohengrln.(Ansang Tj, Uhr.) Montag: Tristan und Isolde.(Ansang 7'/, Uhr.) Dienstag: Der fliegende Holländer. Mittwoch: Tannhäuser.(Anfang 8 Uhr.) Donnerstag: Lohen- grin.(Anfang 7'/. Uhr.) Freitag: Die Meistersinger von Nürnberg.(An- sang 7>/z Uhr.) Ab Sonnabend geschlossen. Deutsches Dheater. Sonntagnachmütag 1 Uhr: Die Schiffbrüchigen. Allabendlich bis Freitag: Die Schiffbrüchigen.(Anfang 3'/, Uhr.) Ab Sonnabend geschlossen. Berliner Theater. Allabendlich: Filmzauber.(Anfang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Allabendlich: Das Farmermäochen. (Anfang 8ll, Uhr.) ÄustsPialdauS. Allabendlich: So'n Windhund.(Ansang 8'/, Uhr.) Schiller-Dheater Charlottenburg. Ab Donnerstag: Der Leib- gardist.(Ansang 3 Uhr.) Schiller-Dheater v. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Abends: Der Troubadour. Montag: Don Juan. Dienstag: Uudme. Mittwoch: Fra Diavolo. Donnerstag: Figaros Hochzeit. Freitag: Die Hugenotten. Sonnabend: Der Freischütz. Sonntag: Die Hugenotten. (Ansang 8 Uhr.) Montag: Unbestimmt. Thalia-Dbeater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: CharleyS Tante. All- abendlich: Puppchen.(Anfang 8 Uhr.) Rose-Thea»cr. Im Garten: Achtung, es geht los.— Im Saale: Sonntag: Die Waise aus Lowood. Montag bis Mittwoch: Das Schloff am Meer. Ab Donnerstag: Vamphre der Groffstadt.(Ansang 8'/« Uhr.) Urania- Dfteater. Sonntag: lieber den Brenner nach Venedig. Montag: Prof. W. Smith: Streiszüge durch Norwegen. Dienstag: Der Groffglockner, Gastcin, Salzburg. Mittwoch: Streiszüge durch Norwegen. Tonnerstag: Der Groffglockner, Gastein, Salzburg. Freitag: Von der Zug- spitze zum Watzmann. Sonnabend: Der Groffglockner, Gastein, Salz- bürg. Sonntag: Von der Zugspitze zum Watzmann.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Unbestimmt. Triauon. Ab Sonnabend: Untreu. Der abgeriffene Glockenzug. (Ansang 8 Uhr.) Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Allwördens. Abends sowie Montag und Dienstag: Die Intrigantin. Mittwoch bis Sonnabend: Geächtet. Sonntag: Die Intrigantin. Montag: Geächtet. (Anfang 8'/. Uhr.) Komödienhaus. Allabendlich: Hochherrschastliche Wohnungen.(Au- sang Uhr.) Theater des Westens. Allabendlich: Das starke Stück.(Anfang 8 Uhr.) Gebr. Herruseld-Theater. Allabendlich: Endlich allem. Die Schon- zeit-JSger.(Ansang 8 Uhr.) Prater- Theater. Allabendlich: Das Bummclmädchen.(Ansang 7'/« Uhr.) Folies Caprice. Allabendlich: Di« keusche Towette. Schlafe patent. (Ansang 81/, Uhr.) � ivietropol- Theater. Allabendlich: Die Kino- Königin.(Ansang Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Adiniralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz.(Ansang S Uhr.) Reichshallcn- Theater. Allabendlich: Stettmer Sänger.(An- fang 8 Uhr. Sonntags 7'/, Uhr.) ÄfitilMlMliljll Wimm für iKD 6. öttliner WssGWiWms. Dienstag, den 12. August 1913, abends 8 Uhr: 4 MitgUeder-verjammlnngen in folgenden Lokalen: Prater-Theater, Kastanien-Allee 7/9.> Pharussäle, Miillerstr. 142(Parterre-Saal). Kastanienwäldchen(Juh. Walter), Badstr. 16. j Moabitcr Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Tagesordnung: 1. Der politische Massenstreik. 2. Diskussion. Referenten: Emil Eichhorn, Konrad Haenisch, Karl Liebknecht, Heinrich Ströbel. _ IWy~ Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. TWgl Der Vorntund. Deutscher Cransportarbeiter-torband Tel.: A. Moritzp. 4747 u. 2382 BeZirköVerWaltUHg 6roß=BerUn. Bureau: Engeluser 14/15 Delegierte zur örtlichen General-Bersammlung der Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Donnerstag, den 14. August 1913, abends 8'/, Uhr, in Kellers„Neue Philharmonie", «öpcnicker Str. 06197: Ordentl. Generalversammlung für das 2. Quartal 1913. Tagesordnung: t. Mitteilungen. 2. Geschäfts-, Kassen- und Arbeitsnachweisbericht. 3. Erledigung eingegangener Anträge. 4. Geschästtiches. Mitgliedsbuch und rote Legitimationskarte sind am Eingang zur Bersammlung zwecks Abstempelung vorzuzeigen. mmm—mm—mmm OhN« Buch U»d Karte keill Zutritt. 67/6_____ Die Bezlrkwleltuug WroB-Horlln. A. A.: August Werner. Verband der G astwirtsgehilfen Kerlin Ii. 31, 6r. Htimburger Str. 18/19. Bureau Amt Norde». 1474. Arbeitsnachweis: Amt Norden, 1813. Ortsverwaltung l für Kellner, Köche, Köchinnen, Knfettiers nsm. Ortsverwaltung II Abteilung für das HUsspcrsonal: Portiers, Hansdiener Zapfer Destillationsgehilftn usw. Ortsverwaltung III Abteilung für Kierabxiester. Zur Legitimation sind die Mitglieder des Verbandes mit einer Mitgliedskarte versehe», die für das laufende Quartal von weister Harbe mit braunem Aufdruck ist und am nächste» Zahlabend zur Ansicht ausliegt.— Wahlvercinsbücher gelten nicht als Ausweis für die Zugehörigkeit zur gewerkschaftlichen Organisation. Zur Beachtung diene, daff von Hirsch-Dunckcrschcr und chrisllicher Organisation ähnliche Legitimationskarten verausgabt werden; man lasse sich dadurch nicht täuschen. Im übrigen bitten wir die Parte!- und GewerkschaftSgenoffen, unseren Mitgliedskarten Beachtung zu schenken, da unser Vorgehen gegen den Kostzwang, an dessen Stelle eine Barentschadigung gefordert wird, all- seiliger Unterstützung bedarf. 32/3 Uer Vop»t»nd. Arbettslo ien- Nerjammwngen! Am Mittwoch, den 13. August, vormittags 41 Uhr, finden 7 AfKeiKIozeti-Versammlungen in nachstehenden Lokalen statt: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 4. Kellers Festsäle(Obiglo), Koppenstr. 29. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10. Sophiensäle, Sophienstr. 17/18. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Königshof, Bülowstr. 37. Neue Welt, Hasenheide 108/114, hinterer Saal. Tagesordnung: Pk AMsIchlm! rniii dm« UtWitii! Referenten: O. Becker. P. Dupont. Th. Glocke. O. Hanke. F. Kunze. F. Schneider. A. Werner. Dkr Avsslhuß der GewerkschastskommisSon Kerlins und Umgegend. 3(XZ/2' I. A.:.4Iwla Körsten. Verband der IKaler» Sackierer, Anstreicher UStD. Bureau: Melchiorstraße 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. TlUalc Serlin. Arbeitsnachweis: Rückerstraße g. Fernsprecher: Amt Norden 6708. Hierdurch machen wir unsere Kollegen darauf aufmerksam, daß die Protokolle von der Generalversammlung in Halle erschienen und für 20 Pf. im Verbandsbureau zu haben sind. Gleichzeitig ersuchen wir die Bezirksführer sowie Vertrauensleute, die Protokolle abzuholen. 133/1» IM« Ortsverwaltnng;. Sozialdemokraliseber Wahlverein Neukölln. Montag, den 14 Angust 1913, abends 8V2 Uhr, b« Bartsch, Hermarmstratze 49: General Uersammlnng. Tagesordnung: i. Der Parteitag in Jena. 2. Anträge. 3. Diskussion. Der diesjährige Parteitag wird von großer Bedeutung für die zukünftige Entwickelung der Partei sein, es ist deshalb notwendig, daß die organisierten Parteigenossen ihre Stellungnahme unzweideutig zum Ausdruck bringen. Gelegenheit dazu bietet diese Versammlung, und fordern wir alle Parteigeuosssuuen und Genossen auf, z« erscheinen. > Mitgliedsbuch legitimiert!- 237/19_ Per Vorstand« Deutscher Kürschner-VeTM. Filiale Berlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: 170.43. Weinstr. 8. Fernspr.: Köntgstabt 6789 Am Montag, den 11. August, abends Präzise 6»/- Uhr: Geffentliche Versammlung sämtlicher sklbställdiger UutztllMlicher mit ihren Arbeitern und Ardeittriunen in den Union-s�estsälen, Greifswalder Stt. 283. Tagesordnung: 199/2 1. Bericht über die ctiigclaufencn Unterschriften der Mützen- fabrikante». 2. Unsere weitere Stellungnahme. 3. Verschiedeues. Wir erwarten das Erscheinen sämttichcr in der Branche Beschäftigten, alle Werkstätten müssen vertreten sei«. Bereinigung selbständiger Kürschner«nd Mützenmacher. Die OrtSverwaltang. Filiale Berlin. Montag, den 11. August, abends 8'/, Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Oejfkntlilhe Nolksotchilimlung. Tagesordnung: BaHtiÄrlASr Hassenstreik oder O euer als tr ei k. Referent: Genosse Pülll SctlTCycr(Hamburg). - Freie Aussprache.- Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Einberufer. Im Auftrage der anarchistischen Gruppen Berlins: Emst Docker, Berün- Pankow, Wollantftraffe 126. U77b Im uoir Verwaltang Berlin. Schirmmacher. Montag, den 11. August 1913, abends lli7 Uhr, bei Knöring» An der Tttalauer Brücke 3: � Versammlung.= Verbandsbücher sind mitzubringen. Achtung, Rahmenvergolder! Dienstag, den 12. August, abends 8'/« Uhr: E-tn— o- Versammlung- aller Rahmenvergolder- Hilssarbeiter Groß-Kerlins im Getverkschaftshause, Saal 3. Tagesordnung: Stellungnahme zum Ablauf des Tarifvertrages für Rahmenvergolder. Donnerstag, den 14. August, abends 8>/z, Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Kombinierte Nersammiung der Ortslierivlillung and KonlroMommillioa. Tagesordnung: 1. tlnser Vertrag. 2. Distusston. Die Drt«'verrrnltnne. 87/4 Bo» der Reise zurück Hr. C. 8. Engel, Herz- und Biutkrankheiten, k.nknlt«trntlc S. Mediz..Diagnosi..Laboratorium V, König gr ätz er Sir. 22. 1483L iZur gesl. KennwiS, daff ich mein Lokal der Partei uird den Ge- werkschaften vor wie nach zur Ber< sügung stelle. 1788b Frau Ida Hoppe, Berit«, eccffe. U Sachse-Oper. Sehiller-ThealerO.!� 3 Uhr, ju ermäßigten Breiten: Der Freischütz. s Uhr: Der Troubadour OeatschesScbanspielhans 8»/« Uhr: Tos Aarmermiidchen. verlillerfdester. s uhr: Filmzauber. Theater«!es Westens. 8 Uhr: Sylvester Sohäflfer. Ein angebrochener Abend. Dazu: Das starte Stück._ KroSi-Opei!* ?'/- Uhr: liOheiig;i*iii. Gastspiel: Frieda Langandorff und Gertrud Steinweg. Montag: Tristan and Isolde. Uletropol-Theater. abends 8 Uhr: Die Kino- Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und Dfontorosfi, Musik von Jean Ollbert. In Szene gesetzt d. Dir. Rich. Schultz. ReieiisvaHen-Theater lim Sipr Berliner Prater-Thealer 7-9 Kastanieu-Allee 7—9. T&gllch: Das Bummelmädchen Gr.AuSstattungsp. w 4 Akt. o. M.Heye Musik von Hirsch und Schreher. Erttklass. Spezialitäten,«onzert. Ansang 4'/, Uhr. Emtriit 35 Ps- �a8§age-[*anoptiIlgm Die Offenbarungen der Traurnmaferin Frau Assniann, d. Aufseh. d. wissensoh. Kreise. AGA die schwebondo Jungfrau. Buddha die gcheirnnisvoUe Tafel. Alles ohne Extra-Entree! V oig t- Theater Badstraste 5S. Sonntag, den 10. August 1918: Der Verschwender. Zauberposse mit Gesang und Tanz in 5> Bildern von Zlaimund. Gänzlich neue Spezialitäten. Kassenoffn. 10 Uhr. Ansang 4 Uhr. Im Saale: Oroßer Ball. Boranzeigel DienZtag, d. 19. August: Benesiz sür den Ballettmeister Isgiiooi. \ARK Hente Sonntag: ig■ direktors Lehmann. Sämtliche Attraktionen OSE-THEATE 1 Große Frankfurt er Str. 132. Die Waise aus Lowool Ansang 8'lt Uhr. Auf der Gattenbühue: Achtung! Bs geht los! Große Posse. Aniang 4 Uhr. Borher Konzert. Einakter. Bunt. Teil. Voiksgsrisu- Tkssier. stodstr. 3 und Goiiarmsnnetr. L0,2ö. Sonntao. den 10. August 1913: JIifs Familie" oder„Zwei i fialleif Bollsstück mit Gesang in 3 Alien von Stinde u. Engels. Dazu: Das glänzende Spezialit.-Progr. Heute zum ersten Male: In» Reiche des Indra. Orientalisches Ballett. 1. Bild ein- iwdiert von Frl. Frida Lederar Anfang 4 Uhr. □ I Heute Sonntag, den 10. August 1913 :: Grosses Kinderfest: in Menfes Volksgarten, Lichtenberg, Röderstrasse 28-29 Preis- Kegelschieben Unterhaltungsspiele für Kinder mit Verteilung von Bonbons. Geleitet von Turnerinnen. ae/e« Kaffeekochen.. Konzert.. Spezialitäten a Tanz Jedes Kind erhält am Eingang einen Bon für Stocklateme und Karussel gratis Billett 25 Pf., Vorverk. 20 Pf.:t Kinder frei:: Eröffnung 2 Uhr [HE Sozlaldcmokratlfcher �fahlvcrcin für dm Tl. Berliner Relehstagswahlkrels 18.— 15. Abteilang «s» Sommer- Fest Heute Sonntag, 10. August, im Inselrestaurant Plötzensee(inh.: h. HeumotiBr) Mitwirkende: Hauskapelle, Moabiter Männerchor(M. d. D. A.-S.-B.), Freie Turner, „Berliner Rangen", Theater- und Sänger-Gesellschaft, Spezialitäten. In den Sälen To«7 Daran teilnehmende Herren von 4 ühr ab:* allin iahten 50 Pfennig nach. Anfang 8 Chr. Billett Im Torverkaaf 80, an der Kasse 85 Pf. Die Kaffeeknohe ist von 2 ühr an geöffnet Jedes End erhält zwei Bons, gültig für eine Stocklaterne und zur einmaligen Benutzung des Karussells oder der Schaukel. 229/8* Das Komitee. |„hin Mit I Die Kreis- Generalversammlung, welche sich mit der Tagesordnung ACOlUrili! des Parteitages beschäftigt, findet am 26. August in den Germania- __** Om__ WA__» Sälen statt. Der Vorstand. £ f FreilichWhne ini Tegeler SchloB-Paf k. uz „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los." Bollsschauspiel in 4 Alten von Kurt Delbrück. Spieltage: Sonntags, Dienstags u. Donnerstags von nachm. 6 Uhr ab. Preise der Plätze: Sperrsitz 3 M.. I. Platz 2 M.. IL Platz 1.60 M.. HL Platz 0.76 M., Stehplatz 0.30 M. Gegen Abgabe dieser Annonce Preisermäßigung und zwar t Sperrsitz 2.60 M.. I. Platz 1.50 M., II. Platz 1.00 M.. HL Platz 0.60 R. 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