( 5 Pfennig) Montltgsausgabe( 5 Pfennig J Ur. 805. Abonnements-Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Vierteljäh rl. 3LS m., monatl. 1,10 Mk„ wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags, nuinmer mit illuslrierter Sonmags- Beilage„Die Neue Welt- 10 Pfg, Post- Slbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. VostabonncmeMs nehmen am Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, krlcheinl täglich. 30. Jahrg. Die Tnlertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» geile oder deren Raum 00 Pfg,, für politische und gewerlschaftliche Vereins, und Verfammlnungs-Anzeigen SO Pfg, „Kleine Hnietgen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wtitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlafsiellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sopjiiläemolilät Rellin". Zentralorgan der rozialdeniohrat» feben Partei Deutfchlands. Rcdahtion: öQren' sondern auch die sämtlichen ßS h 5 Ä,0n'�nen.baB treffende Wort der F l o r a �-"�reuzzeitungs-.Redakteurs Frei- Herrn v. Hämmerst e.n, galt:„H�chler seid Ihr doch 1 Denn es handelt sich hier nicht darum, der Schundlite- ratur das Wasser abzugraben oder wirklich einer höheren Sittlichkeit die Bahn zu brechen, sondern um die Befriedigung trüber reaktionärer Instinkte. Alles, was die großen Ver- herrlicher des Weibes durch Stift und Pinsel— und wir halten es mit HeinrichHeine: Des Weibes Leib ist ein Gedicht, Das Gott der Herr geschrieben Ins große Stammbuch der Natur, Als ihn der Geist getrieben.— Was sie von Rubens bis Rops je geschaffen haben, soll künftig als„unsittlich" nicht mehr im Schaufenster von Kunsthandlungen erscheinen dürfen, und schon heute machen ja die unterschiedlichen mit der Zensur beauftragten Behörden vor den besten Namen und den gewaltigsten Kunstwerken nicht Halt! Freilich wird man der verlogenen Moralfexerei des Gesetzes wie immer ein sozialpolitisches Mäntelchen über- hängen und behaupten, es gehe um den Schutz der heran- wachsenden Jugend vor der Verführung, der sie durch den Anblick„unsittlicher" Bilder ausgesetzt sei. Wenn man so will, lauert diese Art von Verführung überall. Oder wer hat es nicht selber miterlebt, wie die Dreizehn- und Vierzehn- jährigen in einer langweiligen Konfirmandenstunde in der Bibel auf Entdeckungsreisen ausgehen und einander dann kichernd die saftigsten Stellen zeigen? Aber Bücher und Bilder verführen nicht, sondern die sozialen Verhältnisse verderben die Jugend. Die blassen, ftühreifen, unheimlich wissenden Kindergesichter, die man in den schmutzigen Großstadtvierteln trifft, haben ihre Kenntnis von allerhand Lastern wahrhaftig nicht vor den Bilderaus- lagen der Kunsthandlungen erworben, sondern in den Mietskasernen, in denen das Elend in vielerlei Gestalt zusammen- gepfercht ist, in denen ganze Familien mit großen und kleinen Kindern in einer Stube wohnen, in denen ein Bett oft die verschiedenartigsten Schlafkameraden aufnimmt und in denen auf einem Flur die unverhüllte Prostitution neben der arbet- tenden Armut haust. Hier legt Hand mit an, ihr Augenverdreher, wenn euch wirklich die Sittlichkeit des deutschen Volkes am Herzen liegt! Macht der Kinderausbeutung ein Ende, schafft eine Arbeits- losenversicherung, sorgt für ein ausreichendes WohnuNgsgesetz, unterstützt die für bessere Lebensverhältnisse kämpfende Ar- beiterklasse, und ihr habt soviel gegen die Verführung der- Jugend getan, als überhaupt getan werden kann, aber laßt, ihr ehrenwerten Herren, die unreinen Finger von Kunst werken, die dem Reinen rein und nur euch schweinisch er scheinen! Laßt die Finger davon auch im Interesse von Eures gleichen! Denn wenn auf den Bildern in den Schaufenstern jede erlockende weibliche Rundung streng verpönt ist, sollen dann die lüsternen Sittlichkeitsfexe von der pechschwarzen Kouleur wirklich nur auf die immerhin seltenen Astlöcher in Tamenbädern angewiesen sein? alle!" Der Friedensvertrag unterzeichnet. Nach einer Meldung der Slgence Ronmaine wurde am Sonntag vormittag W/o Uhr in der Schlußsitzung der Friedenskonferenz der Friedensvertrag unterzeichnet. Damit wäre zwischen den kriegführenden„Verbündeten" der Frieden wiederhergestellt. Zwar scheinen noch einige Revisionsabsichben in Petersburg und Wien zu bestehen, indessen läßt sich doch hoffen, daß es zu keinerlei Intervention der Mächte kommt. In Berlin und Frankreich wenigstens scheint man keine Lust zu haben, den Krakeel noch weiter zu treiben. Für Berlin läßt ein Tclcgrammwcchsel darauf schließen, der zwischen dem König von Rumänien und Wilhelm II. in den letzten Tagen stattgefunden hat. Das erste aus Bukarest vom 7. August datierte Telegramm spricht Wilhelm ll. den Dank dafür aus. daß der Friedensabschluß dank der Haltung der deutschen Diplomatie ein„definitiver" bleibe. Der deutsche Kaiser hinwiederum beteuert seine„große Genugtuung", daß er„zu dem jetzt Erreichten" habe„bei- tragen" können. In einem Antworttelegramm vom 8. August spricht der König von Rumänien seinerseits die Hoffnung aus, daß nunmehr dem Lande eine„längere Periode der Ruhe beschieden" sein möge. Fürs erste scheint die ErschöHfung der Balkan- st a a t e n der wertvollste Bürge für diese Hoffnung des ru- mänifchen Königs zu sein. Und Sache des Volkes in den europäischen Großstaaten wird es vor allem sein, ihren Regierungen eindringlichst klar zu machen, daß sie sich jede Einmischung in die Balkankonflikte ernstlichst verbitten! Nach dem Morden die Siegesseste. Nach der Sicherung des Friedens beeilen sich die Herren Son- veräne, ihre so furchtbar zur Ader gelassenen Völker durch groß- mäulige Redensarten die entsetzlichen Opfer vergessen zu machen. Besonders großes leistet darin der König Konstantin von Griechenland. In dem von ihm an Heer und Flotte gerich- teten Tagesbefehl heißt es:» „Ihr seid die Erbauer des neuen Griechenland, das durch Euer Blut, Eure Mühen, Kämpfe und Entbehrungen groß geworden ist. Aber Euer Mut und Eure Standhaftigkeit haben unser Vaterland nicht nur groß, sondern auch geehrt, geachtet und ruhmreich vor aller Welt gemacht. Ich beklage tief, daß viele Waffengefährten meine Worte nicht hören, aber ihr Blut wurde nicht unnütz vergossen, ihr A n- denken wird unvergänglich sein. Euch Lebenden drücke ich meine Bewunderung und meinen Stolz aus, an der Spitze einer solchen Armee und einer solchen Flotte zu stehen. Ten Teilnehmern an beiden Kriegen sollen Denk m ü n z e n verliehen werden, aber darüber hinaus bin ich gewiß, daß im Herzen jedes einzelnen das Gefühl lebt, er habe Griechen- l a n d groß gemacht. Doch unser Werk ist nicht voll- endet. Griechenland muß stark, sehr stark werden.' Ich werde ohne Unterlaß auf dieses Ziel hinarbci- t e n. Die von Euch unter den Fahnen bleiben, werden mir dabei ebenso treu wie auf dem Schlachtfelde helfen, und Ihr, die Ihr voll Stolz und Triumph an den häuslichen Herd zurückkehrt, be- wahret und gebt weiter den unverrückbaren Entschluß, Griechen- land militärisch sehr stark zu machen zur Achtung für seine Freunde und zur Furcht für seine Fein toe." Was aus den hungernden Hinterbliebenen und den Krüppeln werden soll, wird nicht erwähnt. Von den Denkmünzen wer- den sie nicht satt werden. Dafür sind aber dem durch die Opfer an Gut und Blut er- schöpften Volke neue Riesenopfer an Steuern zugedacht. Griechenland soll militärisch„stark, sehr stark" gemacht werden. Das wird natürlich Unsummen verschlingen. Diese Riesen- summen werden aber im sonnigen Hellas so wenig von den B c- sitzenden aufgebracht werden, wie bei uns in Teutschland! Tie Türkei will Adianopel halten! Aus P a r is wird gemeldet: Der türkische Botschafter in Paris, � R i f a a t Pascha hat gestern dem Minister des Auswärtigen, P schon, einen Besuch»abgestattet. Risaat Pascha gab im Namen seiner Regierung die Erklärung ab, daß die Pforte unter keinen Umständen daran denke, auf Adrianopel zu ver- zichten. Eine Räumung der Stadt wird auch dann nickt er- folgen, wenn der Türkei weitgehend st eterritoriale oder wirtschaftliche Zugeständnisse gemacht werden. Nach einer anderen Meldung soll die Türkei sogar erklärt haben, daß sie es um Adrianopel willen auf einen neuen Krieg ankommen lassen werde. Drohende Revolution in Bulgarien? Wien, 10. August. Der bekannte seinerzeitige Kriegskorrespon- dcnt der Wiener„R e i ch s p o st", Wagner, bespricht an leitender Stelle in der„Reichspost" die derzeitige Situation in Bulgarien und behauptet, daß Bulgarien am Vorabende eines i n n c- r e n U m st u r z e s sich befinde. Es sei als einzig sicher anzu- sehen, daß die zurückkehrende Armee mit ihren Offizieren, die zehn Monate mit ihrem Blute fün die nationale Befreiung ihrer Brüder in Mazedonien und Thrazien eingestanden haben, u n- nachsichtliche Rechenschaft von den Verrätern der Ideale des bulgarischen Volkes fordern werden. ver Aortlaut des Friedensvertrages. Bukarest, 10. August.(Meldung der Agence Roumaine.) Der Friedensvertrag hat folgenden Wortlaut: Friedensvertrag zwischen dem König von Bulgarien einerseits, den Königen von Griechenland, Montenegro, Ru- mänien und Serbien andererseits. Beseelt von dem Wunsche, dem gegenwärtig zwischen den betreffenden Ländern bestehenden Kriegszustande ein Ende zu machen, und in dem Wunsche nach Ordnung und von dem Willen durchdrungen, den Friedn zwischen ihren so lange heimgesuchten Völkern herzustellen, haben die genannten Mächte beschlossen, einen endgültigen Friedensvertrag zu schließen, und zu diesem Behufe folgende Bevollmächtigte er- nannt.(Folgt Liste der Friedensbevollmächtigten.) Nachdem das Einvernehmen hergestellt war, wurde beschlossen: Art. 1: Zwischen dem König der Bulgaren und den übrigen Herrschern sowie ihren Erben und Nachfolgern wird Friede und Freundschaft herrschen. Art. 2: Die gemäß Annex V zum Protokoll berichtigte Grenze zwischen Rumänien und Bulgarien wird von der Donau oberhalb von Turtukhai ausgehen und am Schwarzen Meer südlich von Ekrcne endigen. Es ist ausdrücklich abgemacht, daß Bulgarien i.i längstens zwei Jahren die bestehenden Befestigungen von Ruft- schul, Schumis und in einer Zone von 20 Kilometern um Baltschi k herum schleifen wird. Eine gemischte Kommission wird binnen 14 Tagen an Ort und Stelle die neue Grenzlinie festsetzen und die Verteilung der durch die neue Grenze geteilten Güter und Besitz- tümer vornehmen. Im Falle von Meinungsverschiedenheiten wird ein Schiedsspruch in letzter Instanz entscheiden- Art. 8; Die gemäß Annex IX im Protokoll festgesetzte Grenze zwischen Serbien und Bulgarien wird vom Patarica-Berge an der alten Grenze ausgehen, der alten türkisch-bulgarischen Grenze und der Wasserscheide zwischen dem Wardar und der Struma folgen mit Ausnahme des oberen Strumitza-Tales, das bei Serbien bleiben wird, und wird beim Belesch-Gebirge endigen, wo sie sich an die bulgarisch-griechische Grenze anschließen wird. Eine gemischte Kommission wird binnen 14 Tagen die neue Grenzlinie festsetzen und die Verteilung der durch die neue Grenze geteilten Güter und Besitztümer unter Vorbehalt eines Schiedsspruchs vornehmen. Art. 4: Die Fragen, die sich auf die alte serbisch-bulgarische Grenze beziehen, werden gemäß den zwischen den vertragschließen- den Parteien entsprechend dem Annexionsprotokoll zustandegekomme- nen Vereinbarungen geregelt werden. Art. 6: Die gemäß Annex V zum Protokoll festgesetzte Grenze zwischen Griechenland und Bulgarien wird von der neuen serbisch- bulgarischen Grenze ausgehen, auf dem Kamme des Belesch-Ge- birges verlaufen und an der Mündung des Mestaflusses in das Aegäische Meer endigen. Eine gemischte Kommission und Schieds- spruch sind wie im vorhergehenden Artikel festgesetzt. Es ist aus- drücklich abgemacht, daß Bulgarien bereit? jetzt auf jeden Anspruch auf die Insel Kreta Verzicht leistet. Art. 6: Die Hauptquartiere der einzelnen Armeen werden von der Unterzeichnung des Vertrages verständigt werden. Die bul� garische Regierung verpflichtet sich, bereits vom nächsten Tage an abzurüsten. Tie Truppen, die in der Okkupationszone einer krieg- führenden Armee garnisoniert sind, werden auf einen anderen Punkt des alten bulgarischen Gebietes dirigiert werden und erst nach Räumung der Okkupationszone in ihre gewöhnlichen Garni- sonen zurückkehren können., Art. 7: Die Räumung des bulgarischen Gebiete? wird sofort nach der Demobilisierung der bulgarischen Armee beginnen und in längstens 14 Tagen beendigt sein. Art. 8: Während der Okkupation bulgarischer Gebiete behalten die Armeen das Recht zu Requisitionen gegen Barzahlung. Sie werden die Eisenbahnen zum Transport von Truppen und Lebens- Mitteln frei benutzen können, ohne eine Entschädigung zu gewähren. Die Kranken und Verwundeten werden unter dem Schutze der ge- nannten Armeen stehen.> Art. S: Sämtliche Kriegsgefangenen werden sobald als möglich gegenseitig zurückgegeben werden. Die Regierungen werden ein- ander eine Aufstellung der unmittelbaren Ausgaben für die Ver- pflegung und den Unterhalt der Kriegsgefangenen überreichen. Art. 10: Ter gegenwärtige Vertrag wird binnen 14 Tagen, oder, wenn möglich, noch früher ratifiziert und der Austausch der Rati- fikationen in Bukarest vorgenommen werden. Zur Beglaubigung des Vorstebenden haben die be- treffenden Bevollmächtigten ihre Unterschrift und Siegel bei- gesetzt. Gegeben zu Bukarest, den 10. August 1913. « Tesavouierung der österreichischen Balkanpolitik durch Wilhelm II. Wie telegraphifch gemeldet wird, hat Wilhelm II. dem König von Griechenland die Würde eines Generalfeldmar- schall» der preußischen Armee verliehen. In Wiener politi- fchen Kreisen hat diese Ernennung außerordentliches Aufsehen erregt und überaus peinlich gewirkt. Man erblickt dort in dieser Ernennung eine vollständige Dcsavouie« r u n g der Politik des österreichischen Ministers des Aeußeren, der durch die Anregung einer Konferenz zur Revision des Bukarester Vertrages Kawala für Bulgarien retten möchte. Seit Bestehen des Dreibundes dürste es das erstemal sein, daß die österreichische äußere Politik in einer derartig ostentativen Weise vom deutschen Kaiser desavouiert worden ist. politische deberfickt. Tie Aenderung des Militärstrafgesetzbuches. Die Sozialdemokratie hat in ihrem Kampf gegen den Militarismus einen weiteren Erfolg zu verzeichnen. Als am 28. Juni bekannt wurde, daß am Tage vorher in Erfurt einige Reserve- und Landwehr», änner, die sich nach einer Kontrollversammlung im Rausch in einer Kneipe geprügelt hatten, vom Kriegsgericht wegen Aufruhrs zu insgesamt IKJahre Zuchthaus verurteilt worden seien, benutzten die Redner der sozialdemokratischen Partei in der Militär-> Mockenfilm. ... Tieweil de» Menschen Fürrecht Lachen ist. Rabelais. Sin Krupp H-B-C. Die Artillerie braucht viel Kanonen; Für Krupp muß das Geschäft sich lohnen. Für Geld bedient er die �.rmee DeS Vaterlands und ändere. Herr Brandt behorchte die Bekannten, Die ihm die neusten Tipps benannten. Bestechung lag ihm völlig fern, Er half nur Kameraden gern. Mit Leuten, die Champagner zechen, Kann man oft ungenieret sprechen. Charakter findet man beim Mann, Der sich im Suff beherrschen kann. Die Birektoren Krupps erklären, Daß Brandts Berichte harmlos wären. Vom Biensteid denkt man oft gering, Der Bröfe in Brandts Falle ging. In Esten ist man stets beflissen, Von Ehrhardt möglichst viel zu wissen. Erkundungsdienst wird da« genannt, Wofür besoldet wurde Brandt. Der Eeuerwerker kennt Kanonen, Und Mörser aller Konstruktionen. Bei Ereibier wird man informiert, Wenn etwas Neue« offeriert. Sehr kompliziert sind die Granaten, Auch da läßt manche« sich verraten. Geschütze sind stet« intressant, Für einen Fachmann, wie Herrn Brandt. debatte des Reichstages dieses Bluturteil, um energisch die Härte des Militärstrasgesetzes zu kritisieren und ein« Milde- rung verschiedener Strafbestimmungen zu verlangen. Die Folge dieses Vorgehens war, daß am 39. Juni ein Kompro- mißantrag im Reichstag zur Annahme gelangte, der folgen- den Wortlaut hatte: „Als Z 110a des Militärstrafgesetzbuches wird folgende Vor- schrift eingefügt: Z 110a. Liegt in den Fällen der§§ 100, 106, 107, 110 ein minder schwerer Fall vor und ist die Tat nicht im Felde begangen, so kann die Strafe in den Fällen der ZZ 100, Absatz 1, und 106 bis auf sechs Monate, in den Fällen der ZZ 100, Absatz 2, 107 und 110 bis auf ein Jahr Gefängnis ermäßigt werden." Im Absatz 2 des§ 109 wird das Wort„zwei" durch „einem" ersetzt." Der Antrag wurde am 3. Juli in der Sitzung des Bundesrats den zuständigen Ausschüssen überwiesen, und, nachdem inzwischen sämtliche Bundesregierungen ihre Zu- stimmung zu der Gesetzesänderung erklärt haben, ist, wie wir bereits gestern meldeten, jetzt die Vorlage vom Kaiser vollzogen worden. Die Aenderungen genügen in keiner Weise unseren An- sprüchen. Das Militärstrafgesetzbuch bedarf einer allgemeinen und sehr gründlichen Reform, und wir vermögen in der Milderung einiger Strafbestimmungen nur den aller- bescheidensten Anfang dieser sehr dringenden Reform zu sehen: immerhin erfahren einige der grausamsten Härten des Militärstrafgesetzbuches durch die Gesetzesänderung eine wesentliche Abschwächung. In der Hauptsache besteht die Aenderung im Folgenden: Bisher lautete der§ 100 des Militärstrasgesetzbuches: „Wer mehrere Personen des Soldatenstandes auffordert oder anreizt, gemeinschaftlich entweder dem Vorgesetzten den Gehör- sam zu verweigern oder sich ihm zu widersetzen, oder eine Tätlich- keit gegen denselben zu begehen, wird ohne Rücksicht darauf, ob ein Erfolg eingetreten ist, wegen Aufwiegelung mit Gefängnis nicht unter fünf Jahren� bestraft. Ist durch die Handlung ein erheblicher Nachteil für den Dienst verursacht worden, so tritt Gefängnis nicht unter zehn Jahren ein; im Felde kann auf lebenslängliches Gefängnis er- kannt werden. Nach dem neuen Gesetz kann unter diesem Strafmaß be- trächtlich heruntergegangen werden, und zwar in milden Fällen bis herab zu sechs Monaten Gefängnis. Ferne? kann auch, wenn eine Zusammenrottung, gemeinsame Ge- horsamsverweigerung, gemeinsame Widersetzung oder Tät- lichkeit gegen einen Vorgesetzten, sowie militärischer Aufruhr stattgefunden hat, bei der Straffestsetzung bis auf 6 Monate Gefängnis heruntergegangen werden, während bisher das Mindeststrafmaß in allen diesen Fällen 5 Jahre Gefängnis betrug. Außerdem wird das Mindeststrafmaß folgender Para- graphen ermäßigt: § 107. Die Rädelsführer und Anstifter eines militärischen Aufruhrs sowie diejenigen Aufrührer, welche eine Gewalttätigkeit gegen den Vorgesetzten begehen, werden mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren oder mit lebenslänglichem Zuchthaus, und wenn der Aufruhr im Felde begangen wird, mit dem Tode bestraft. Z 109, Abs. 2. Ist in einem solchen Falle die Rückkehr zur Ordnung von allen an dem Aufruhr Beteiligten erfolgt, so ist gegen Anstifter und Rädelsführer auf Gefängnis oder Festungs- Haft von zwcj bis zu fünf Jahren zu erkennen. § 110. Dem Anstifter eines militärischen Aufruhrs gleich zu bestrafen ist derjenige an dem Aufruhr Beteiligte, welcher 1. persönlich von dem Vorgesetzten zum Gehorsam aufgefordert, diesen durch Wort und Tat ausdrücklich verweigert; 2. durch Mißbrauch militärischer Signale oder durch Aufruhr- zeichen den Aufuhr befördert, oder 3. unter den Aufrührern den höchsten Tienstrang einnimmt. Danach konnte für Vergehen des§ 107 und 110 bisher nicht unter 5 Jahre Zuchthaus, für Vergehen des§ 109� Abs. 2, nicht unter 2 Jahre Gefängnis oder Festungshaft erkannt werden. Durch das neue Gesetz wird das Mindest- maß der Strafe für alle solche Vergehen auf 1 Jahr G e- f ä n g n i s ermäßigt. Ter konservativen Presse ist diese relativ schnelle Er- ledigung der vom Reichstag gestellten Forderung etwas un- angenehm. Zwar haben die Konservativen im Reichstag aus Rücksicht auf ihre Wähler, mit zwei Ausnahmen, selbst für die Aenderung gestimmt: aber man hat im stillen darauf ge- rechnet, daß der Bundesrat Schwierigkeiten machen werde. Baubitzen gibt's im deutschen Beere. Teil« leichte und auch teils noch schwere. An Beergerät und Material, Verdient die Firma allemal. Die Konkurrenten spionieren, Was«Ingenieure konstruieren. Herr Brandt erhielt die Instruktion, Zu sorgen für Information. Bananen haben ein Baliber, Von Brandt bekam der Brupp Bassiber. Bornwalzer gehen manchmal schief, DaS BriegSgericht ist objektiv. Gar schwer sind die Eaffeiienschwänze Der Eanner schuf beliebte Tänze. Kornwalzer aber tanzt man nicht. Die schreibt man im Geheimbericht. Binister Heeringen mit Fleiß Lobt Krupps Boral um jeden Preis. Hast Du ein neu Bodell erdacht, Daß man's nicht maust, gib nur recht Acht. Alachrichten kannst Du leicht erwischen DeS XachtS spät an den Kneipentischen. Verachtung zollt stets die Alation, Wer andern dienet als Spion. Herr Oertel hat verdient'nen Orden, Weil Kruppscher Anwalt er geworden. Viel Ordnung herrscht im Hcerbetrieb, Ost hängt man nur den kleinen Dieb. Die Eanzerplatte bringt Erofite, Erozente nimmt Christ und Semite. Der Eatriot schreit gern Hurra, Bei uns gibt es kein Eanama. Der Offizier mit stolzem Mute Schimpft auf des Reiches Quasselbude. Das Ende deren«Quengelei Wünscht auch Herr Oldenburg herbei. Besonders aber geht es den konservativen Machern gegen den Strich, daß die ganze Aenderung auf das Auftreten der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zurückzuführen ist. Die„Deutsche Tageszeitung" vermag es sich denn auch nicht zu verkneifen, ihrer Meldung folgenden Schwanz anzuhängen: „Auch unsere Freunde im Reichstage haben mit zwei Aus- nahmen für den Entwurf gestimmt. Sie sind also damit einverstanden, daß er möglichst schnell Gesetz geworden ist. Gleich. wohl macht solche Gefetzgebungsarbeit einen peinlichen Eindruck. Wenn die Aenderung des Militärstrasgesetzbuches so dringend notwendig war, so hätten die Verbündeten Regierungen nicht er st auf die sozialdemokratische Anregung warten dürfe n." Der Vorwurf sieht höchst komisch aus. Wenn die Konservativen doch so völlig mit der Gesetzesänderung ein- verstanden sind, weshalb haben sie dann nicht längst ihren Einfluß auf die Regierung und die Militärverwaltung dazu benutzt, eine Aenderung der betreffenden Strasbestimmungen anzuregen?_ Tas preustifchc Wahlrechtsideal der Zentrumspartei. Das Zentrum hat die Forderung der Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen längst fallen lassen. Jemehr der hohe Klerus, der kathblische Adel und das wohlbegüterte Bauerntum in der Zentrumspartei die Herrschaft erlangt haben, desto mehr sind in dieser Partei die demokratischen Wahlrechtsforderungen in den Hintergrund gedrängt worden. Zwar platonisch erklärt sich noch hin und wieder ein Zen» trumsblalt für die Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Stimmrechts in Preußen: aber meist folgt sofort die Behauptung, daß in Anbetracht' der politischen Lage an die Durchsetzung einer solchen Forderung in Preußen ernstlich nicht zu denken sei und deshalb diese Forderung ganz wesentlich reduziert werden müsse. So wurden dann nach einigen Redensarten die Wörter„g l e i ch" und„d i- r e k t". oft auch noch das Wort„gehet m" aus deni kleri- kalen Wahlrechrsprogramm gestrichen, und was schließlich als karger Rest übrig bleibt, das ist nichts anderes— als die bescheidene Forderung einer Abstufung der Treiklassenein- teilung, die dem bessergestellten Teil des klei- neren Mittelstandes einen größeren Ein- fluß auf das preußische Abgeordnetenhaus sichert. Gewöhnlich wird zu diesem Zweck verlangt, daß das sogenannte plutokratische Uebergewichi der Reichen be- schränkt wird, das heißt der wohlhabende Mittelstand mit in die erste Wählerklasse hineingeschoben und die zweite Klasse ganz dem kleineren Mittelstand ausgeliefert wird— für die Zentrumspartei eine politisch recht profitable Sache, denn unter den Großindustriellen, Großkausleuten und Finanziers hat das Zentrum selbst in den überwiegend katholischen Ge- genden nur wenig Anhänger, während es die Mittelstands- schichten fast völlig beherrscht. Es läuft daher die empfohlene Wahlreförm in ihrer Wirkung auf eine recht ansehnliche Ver- stärkung der Zentruinsstellung hinaus. Recht deutlich kommt dieses streben, die geforderte Wahl- rechtsreform lediglich zu einer Verbesserung der Zentrums- stellung zu benutzen, wieder in einem„Die Preußische Wahlrechtsreform" überschriebenen Artikel der ultra- montanen„Köln. Volksztg." zum Ausdruck. Es heißt dort zum Schluß in bezng auf das preußische Wahlrechtsprogramm der Zentrumspartei: „Das Zentrum hat von der Wahlreform keinen Parteivor- teil zu erlvarten. Es ist seiner Mandate unter jedem Wahlrecht sicher. Es kann daher auch unbefangener an die Frage heran- treten. Tie Konservativen wollen das Wahlrecht beibehalten, weil es ihnen günstig ist, die Nationalliberalen eS ändern, weil sie sich benachteiligt glauben. Eine Abstufung des Wahlrechts, die ihnen Vorteile bringt, wollen beide Parteien. Füt die Gerechtigkeit eines Wahlrechts ist eS aber belanglos, welche Partei Vorteil davon hat. Tas nämliche Dreiklassenwahlrecht, das heute den Konservativen eine starke Stellung sichert, bracht« früher schon liberale Mehrheiten. Aus diesem Grunde ist eS nicht verbesserungsbedürftig, sondern einzig deshalb, weil es die Meinung des Volkes nicht durchdringen läßt, zu p l u t o k r a- tisch geworden ist. Eine Reform des Wahlrechts muß daher in erster Linie eine Abschwächung seiner Pluto- kratischen Wirkung zum Ziel haben. Tie indirekte Wahl ist gewiß umständlich und sehr unbeliebt, ihre Beseitigung daher wünschenswert, aber für denjenigen, dessen Wahlrecht so abgestuft ist, daß er keinen Einfluß auf den Wahlausfall mehr hat, ist es gleichgültig, ob erdirektoder indirekt ES gibt am Bohrrücklaufgeschütze Gar manches, was zu wissen nütze. Bicktaufsay heißt das Instrument, DaS liefern möcht' der Konkurrent. Der Staatsanwalt kann nicht verhehlen Verachtung vor den Schreiberseelen. Herr Schleuder wußte schon als Kind, Daß sehr verliebt sich zeigt der Stint. In Treue hält S. M. zu Kruppen, Der liefert Material den Truppen. Beim Kegeln machte Brandt sich an Den ahnungslosen TUian. Herr Ullrich tut die Sozi hassen; Viel Ulnheil bringt da? Schmierenlassen. Ein llrteil fällte das Gericht; Die Urheber bestraft man nicht. Verdienen mußt Du mit Verstände Recht viel am teuren Vaterlande. Dann bist Du wahrhaft national. DaS Volk kommt hinter den Skandal. Frau UViczorek war'ne Frisöse. Sie war aus ihren Helmut böse. Der Weltikandal kam mit der Zeit, Herr Dr. Welt plädiert mit Schneid. Xanthippe keift gleich der Hyäne, Der Xylograph kopieret Pläne. X-Strahlen hätte man gebraucht. Als man in diesen Sumpf getaucht. Herr Krupp läßt seine Vachten bauen, Die man kann bei Regatten schauen. Der Vankee ist ein schlauer Mann. Doch auch bei uns man smart sein kann. Der Eünder muß gut funktionieren. Auch Kavaliere kann man schmieren. Dem Äleugleutnant ist man nicht hold, Zum Rheingold reicht nicht aus fein Sold. Bmet seine Stimme abgeben darf. Die Art der Ab» stufung des Wahlrechts ist also das Wichtig st e. Es ist wohl kaum zu hoffen, dag das Dreiklassenwahlrecht gleich vollständig beseitigt und etwa durch ein Mehrstimmenrecht er- setzt wird" Wenn sich das erreichen liege, wären alle Schwierig- keiten, die sich der direkten Wahl entgegenstellen, mit einem Schlage beseitigt. Ist diese Lösung aber unmöglich, so kann es sich nur darum handeln, die p l u t o I r a t i s ch e Wirkung des Dreiklassenwahlrechts abzu- schwächen. Das Schicksal des Kulturträgerparagraphen hat bewiesen, daß es kaum möglich ist, im Rahmen des Treiklassen- Wahlrechts andere Gesichtspunkte als die Steuerleistung zur Geltung zu bringen. Um so notwendiger ist es, zu verhindern, daß einzelne Steuerzahler eine ganze Klasse beherrschen. Das kann geschehen, indem man die Steuern nur bis zu einer gewissen Höhe(3 000 M. Gesamt» steuern sollte man nicht überschreiten) an- rechnet oder die Wähler nach festem Verhältnis auf die Klassen verteilt." Deutlich ist hier ausgedrückt, daß es sich für das Zentrum nur um eine Wahlreform handelt, die den Einfluß der gut- situierten Mittelstandskreise aus das Wahlresultat verstärkt. Wenn das Kölner Zentrumsblatt von oben herab meint, daß es für die„Gerechtigkeit eines Wahlrechts" belanglos sei, welche Partei Vorteil davon habe, so ist das nichts als ein Ausfluß jener verlogenen klerikalen Argumentation, die selbst den eigensüchtigsten Beweggründen ein ethisches Mäntelchen umzuhängen weiß._ Das kaiserliche Jubiläums-Füllhorn. Lssiziös wird gemeldet:„Ter Allerhöchste Erlaß vom 16. Juni dieses Jahres, betreffend Erlaß und Milderung von Strafen aus Anlaß des Regierungsjubiläums, ist nunmehr im wesentlichen zur Durchführung gelangt. Er hat zu einer sehr großen Zahl von Allerhöchsten Gnadencrweisen geführt; ihre Zahl beläuft sich auf ungefähr 24 000." Tie Ministerfrage in Holland. Zwolli, 1l). August.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Ter gestern und heute in Zwolli abgehaltene außerordentliche Parteitag der Sozialdemokraten Hollands verwarf nach IV' tägiger Diskussion trotz energischer Verteidigungsrede Troelstras mit 372 gegen 320 Stimmen die von der Mehrheit der Parteikonferenz vorgeschlagene Resolution, welche den Eintritt von Sozialdemokraten in das bürgerliche Ministerium befürwortet. Dagegen wurde eine von der Minderheit amen- dierte Resolution des dritten Amsterdamer Wahlkreises an- genommen, die sich gegen die Teilnahme von Mitgliedern der sozialistischen Partei an der Regierung ausspricht, aber jeder Regierung, die für das allgemeine Wahlrecht und die Ge- Währung von Staatspensionen eintritt, die Unterstützung der sozialdemokratischen Kammerfraktion zusagt. LandtagStvahlen in Finnland. Helsingfors, 10. August. Das nunmehr festgestellte Wahl- rcsultat ergibt folgenden Bestand des neuen Landtages: SO Sozial- dcmokraten, 38 Altfinnen, LS Jungfinnen, 25 Schweden, 28 Agrarier. Im Vergleich mit den Wahlen 1911 gewannen die Sozialisten vier neue Sitze, die Jungfinnen einen, die Agrarier zwei, die Altfinnen verloren fünf, die Schweden einen, die Christlichen Arbeiter einen Sitz; letztere find infolgedessen ganz aus dem Landtag verdrängt. Sei' politische IflasscnUrcili. stand auf der Tagesordnung der gestern abgehaltenen Generalber» sammlung des Kreiswahlvereins für Niederbarnim. Die Referentin Rosa Luxemburg vertrat in allen wesentlichen Punkten die Anschauungen, die sie am 22. Juli im 4. Berliner Wahlkreise vor- getragen hatte. In Uebereinstimmung mit dem Kreisvorstand be- antragte die Referentin die nachstehende Resolution: „Ter Parteitag begrüßt das wiedererwachte Interesse weiter Parteikreise für die Frage des Massenstreiks als ein Zeichen der Kampsesstimmung der Massen und ihres richtigen Gefühls für die Tatsache, daß die Sozialdemokratie auf die Dauer mit den parlamenlarischen Mitteln allein nicht auskommen kann. Ter Ma?;enstrei! kann jedoch nicht auf Kommando von Partei- und Gewerkschaftsinstanzen künstlich herbeigeführt werden. Er kann sich nur aus der Verschärfung der wirtschaftlichen und politischen Situation ergeben, als Steigerung einer bereits im Fluß befindlichen Massenaktion. Eine solche Situation ist in Deutschland in naher Zukunft unvermeidlich. Die Versumpfung der preußischen Wahlrechts. fache, die Verstöße des Imperialismus mit der ständigen Kriegs- aefahr, der Stillstand der Sozialreform, die immer dringendere Notwendigkeit, das Koalitionsrecht zu verteidigen und es für den Landproletaricr und die Arbeiter und Angestellten der Staats- betriebe zu erobern, endlich das völlige Versagen der bürgerlichen Parteien machen das kräftige Eingreifen der arbeitenden Massen zur gebieterischen Pflicht, soll die Reaktion nicht auf der ganzen Linie triumphieren. Als Antwort auf die Uebergriffe der Reaktion, wie als erste Voraussetzung erfolgreicher Massenaktionen ist gegenwärtig eine offensive, entschlossenere Taktik der Partei auf allen Gebieten unbedingt erforderlich, so auch im Reichstag und namentlich im preußischen Wahlrechtskampf. Nur eine solche scharfe revolutionäre Taktik, die den Schwerpunkt des Kampfes bewußt in die Aktion der Massen verlegt und die vor keiner Konsequenz zurückschreckt, ist geeignet, in den Reihen der Organisierten die Kampfesenergie und den Idealismus wachzuhalten, sowie die Unorganisierten in wichtigen Augenblicken mitzureißen und für die gewerkschaftliche und politische Organisation dauernd zu gewinnen." Diese Resolution fand nach einer längeren regen Debatte ein- stimmige Annahme. In der Diskussion über den Massenstreik war auch ein Artikel der„Metallarbeiter-Zeitung" erwähnt worden, der sich in sehr ab- sprechender Weise über die gegenwärtigen in Parteikreisen gefühlten Erörterungen der Massenstreikfrage äußert. Im Anschluß hieran wurde auch der Werftarbeiterstrcik berührt. Das gab den Anstoß zu einer Resolution, die Genosse S ch w a r z b u r g e r- Oberfchöneweide beantragte. Sie lautet: »Die Generalversammlung bedauert, daß der außerordent- llche VerbandStag der Metallarbeiter den Hamburger Antrag, welcher die Anerkennung des Werftarbeitorstreiks forderte, ab- gelehnt hat.— Diese Ablehnung birgt die Gefahr in sich, daß die gelben Werkvereine, welche immerwährend bekämpft werden, zu einer noch größeren Gefahr für die freigewerkschaftliche Ar- beiterbewegung werden können und damit in der Arbeiterschaft eme Stimmung erzeugt wird, die der Propagierung der Massen. aküon den Weg versperrt." Der Vorsitzende Lehmann warnte vor der Annahme dieser Resolution.vie bei Ver- Hinderung des skandalösen Vorhabens, Kirchenmusik in der„Neuen Welt" aufzuführen, diesem Nevolutionsexerzierplatz der roten Rotte. Mögen die„Freien Volksbühnen" und andere Unzuchtstätten sogenannter Kunst davon faseln, daß die Massen am besten durch künstlerische Erziehung gegen das Film-Gift immunisiert werde» könnten. Die Kunst dem Volks— läHerlich l Ueberhaupt Kunst, polizeilich nicht genehmigter Begriff! Kunst sollte egalweg nur von Offizieren a. D. wie Major Lauff exekutiert werden dürfen— denn Zivilkunst endet doch fast stets in Gosse. Volk ist durch Polizei zu schützen, durch Ueberwachung und Zensur. Am besten, Kino wird überhaupt verstaatlicht und dem Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie ausgeliefert. Dann ist auch Zeit für Jagow-Filme gekommen.__ Hriftokratifcbe CKohltätighdt. In Paris hat sich vor einigen Tagen eine Burleske ab- gespielt, bei der das soziale Elend den>stoff zur Belustigung des Mobs abgeben mußte. Die Polizei war wieder einmal, wie bei der Erstürmung des„Forts Chavrol", aufgeboten worden, um ein Haus auszuräuchern. Nicht antisemitische Hans- Würste oder Banditen aber galt es aus dem Hause zu ver- treiben, sondern obdachlose, kinderreiche Proletarierfamilien, denen der Zufall eine Unterkunft in einem— Palais be- schert hatte. Die Geschichte hatte sich so zugetragen: Im elegantesten Teile von Paris hatte die schwerreiche Gräfin La Rochefoucould ein Palais gemietet gehabt. Da sie jedoch mit dem Besitzer des Palais in Zwisttgkeiten geraten war, räumte sie das Ge- bäude, obwohl ihr dasselbe nach ihrem Kontrakt noch 1'/, Jahre zur Verfügung stand. Die hochgeborene Dame sann nun auf einen Streich, um sich an dem PalaiSbesitzer zu rächen. Sie wendete sich an einen Monsieur Cochon, den„Schutzengel aller boykottierten kinderreichen Familien", der ihr schleunigst acht obdachlose Familien mit 35 Kindern nachwies. In Frankreich jammert die Bourgeoisie ja auch sehr über den Geburten- rückgang und der Staat setzt sogar Prämien für kinderreiche Familien aus, allein die Herren Hausbesitzer boykottieren dort wie ja auch anderwärts die Familien, die sich das„Vater- ländische" Verdienst erwerben, für eine stattlichere Nachkommen- schaff zu sorgen. Die acht kinderreichen Proletarierfamilien lvurden nun von der Frau Gräfin in dem ehedem von ihr bewohnten Palais einquartiert. Die elegante Nachbarschaft geriet darob in nicht teringe Aufregung und der Besitzer des so schnöde entweihten wbäudes schäumte. Er wandte sich sofort an Gerichte und Polizei, die ihm denn auch den Gefallen taten, eine Aus- Weisungsorder zu erlassen und die zur eventuellen gewalt- samen Exekution erforderlichen Polizeimannschaften zur Ver- fügung zu stellen. Die acht auf so seltsame Weise zu einem noblen Heim gekommenen Familien aber verschlossen Tür und Fenster und boten der Polizei Trotz. Vor dem Palais aber sammelten sich Gaffer und verübten einen Höllenspektakel. Der reine Jahrmarkt. Daß ntan dabei auch ein paar hundert Franks für die armen Teufel sammelte, vermochte der tollen Komödie nicht das Abstoßende zu nehmen, daß es in der Kolonie wohnen, bei Mr. Letellier, dem Direktor der Glas- Hütte. Und das kostet 50 Francs den Monat. Wäsche und Aus- besserungcn selbstverständlich nicht mitgerechnet. Alles in allem können Sie dann noch auf etwa 15 Francs rechnen, die Ihnen dann direkt mit der Post zugeschickt werden." Was für eine Enttäuschung? Trotzdem hatten Meli« und Nenesse in Anbetracht ihrer bedrängten Lage annehmen müssen. Immerhin würde das orei schöne HundertsouSstücke für das Schwein machen, und der Junge kostete nichts. Ach, wenn man nicht so in der Klemme gesteckt hätte! Aber dieser schmalbrüstige Nestor machte seinen Eltern keine Freude. Schon nach fünf Monaten kam er zurück, mit„ange. griffener Brust" und schlimmen Augen. „Sonst was. meü Söhnchen! Sieh zu, wie du dich damit ab- find'st: aber du gehst Widder hin! Mir Hann' hie' kee' Brot fer dich, verstehste?" Natürlich, verstand er.— Nestor wußte, daß er gerade bei Melie auf keinerlei Mitleid zu rechnen hatte. Nenesse aber, ein gutmütiger Phlegmatiker, der eine volle Stunde brauchte, um sein Mittagbrot hinunterzuschlingen, ließ sie machen, was sie wollte. Sie verstand so was besser als er. Vor ihren menschenfresserischen, vom Husten zerrissenen Wutan« fällen aber duckte er ängstlich den Rücken. Im Stillen sagte' er sich freilich, daß man nicht gerade so be» sonderS viel Vorteil davon hätte, den Jungen sich in der Höllen- Hitze der GlaSöfen abrackern zu lassen. Im Schlafsaal der Kolonie, der über Mr. LetellierS Hühner» stall gelegen war, waren sie an die vierzig Lehrlinge, noch Jungen. zusammengefercht wie die Schafe. Gewisse Strauchdiebe unter ihnen dachten an nichts andaeS als einem Streiche zu spielen. Sie stahlen einem die Strümps« uno schlitzten einem die Schuhe auf. Auch Nestor war zurückgekommen, seiner schönen gelben Velours. jacke verlustig, die an die 6 Francs gekostet hatte. » „Vorwärts!" schrie mit ihrer groben Stimme. Mit der einen Hand hatte sie ihren Regenschirm gepackt, mit der an- deren ihren Korb. Und von der Tür her wandte sie ihr littgelbes Gesicht mit den spitzen Backenknockzen und seinen erloschenen Augen h'nter den bl.noen Brillengläsern zu Nestor zurück. Junge warf seinen weiß und blau karierten Leinwand- sack über o.e Schulter, in dem ein Viertel Pökelfleisch. Schalotten und zwei Dreipfundbrote staken. 1 «D« Abschied erfolgte ohne weitere Sentimentalitäten. Doch seine gab* � aIä der Junge ihm die « � m�ie fi<5 stramm. Zum Teufel, man war doch em Mann! 1 Gritte und Lucienne ließen nicht ab, den Bruder an der Jacke zu zupfen, mit einer Art von kindlicher Eulenspiegelei, die selbst ein Abschied noch belustigt. Tie ganz herzlose Laurcnce aber hatte es noch nicht mal der Mühe wert gehalten, sich Unbequemlichkeiten zu machen, um dem Bruder Adieu zu sagen. Sie hatte es vorgezogen, eine Radtour nach RiomS zu machen. Eine Chile, die Laurence! In Paris angestellt, Rue de Castiglione, bei einem ledigen Gerichtsvollzieher. Es war unglaublich. waS sie da für Freiheit genoß. Sie wurde, hieß eS. bei diesem Manne wie die Tochter vom Hause gehalten, immer nach der neuesten Mode gekleidet, gepudert, parfümiert, die Haare blond gefärbt. Sie war wirklich der Stolz der Familie! Melie. dürr und steif, marschierte vorauf. Tie Blicke oes Jungen schweiften über die Landschaft. Sie war schon ganz grün. Da? Getreide brach durch die feit- braunen Erdschollen. Aus dem fröhlich krissligen Junglaub der Bäume leuchteten lustig die roten Dächer hervor. ES tat so gut, sich nach der letzten rauhen Witterung an der Sonne zu freuen. Der Boden war noch weich von den letzten Regenschauern. Ein leichter Wind wehte, der noch ein wenig an den überstandenen Winter erinnerte. Nestor rauchte mit eingezogenen Backen eine Souszigarre an. Er tastete nach oer Westentasche, wo er in Zeitungspapier einge- wickelt den Fahrschein hatte, ein VierzigsouSstück und einige kleine Münze. Sie kehrten nirgends ein, außer im Cafe de Paris, einem mörtelbeworfenen, getünchten Haus beim Bahnhoff dessen Wirt BouScart war. Melie bestellte für Nestor einen Schuß säuerliche- Bier. Für sie selbst aber mußte es ein Glas Branntwein sein. „Vom besten, und ein großes Glas, bitte!" Von fern pfiff der Zug. Weiße Rauchwolken stiegen in der lichtdunstigen Ferne über dem Wald auf. „'s is Zeit!" sagte Melie. Sie Inerte ihr GlaS mit einem Zuge, bezahlte und brach eilig auf. Nestor rannte hinter ihr her, die rechte Schulter niedergedrückt von dem schweren Sack. Sie stürzten in die Wartehalle hinein. Auf einer Bank las ein Priester friedlich das„Echo de Paris". den Rücken gegen ein Plakat von Aix.les-BainS gelehnt. Zwei Handlungsreisende unterhielten sich, die Musterkoffer neben sich auf dem Fußboden, den Hut im Nacken, leise und animiert. Der Zug tief ein. Ohne Kuß trennten sich Mutter und Sohn. Sie band ihm noch auf die Seele, Gott zu ehren, jeden sonn- tag in die erste Messe zu gehen und auf seine Sachen zu achten. »Laß dich nich' von Toogenischten verführen, laß dich nich' mit den Mächens ein, trink keen' Schnick und sei hübsch art'g zu Herr Letellier!" schrie Melie, die Hand wie ein Schallrohr vorm Mund und die rasselnden Waggons entlang rennend, während das blasse Gesicht Nestors am Knpeefenster erschien, das er herunterzulassen sich anschickte. Er machte ein bejahendes Zeichen und verschlvand dann in seinem Kupce. „Warum Hot mer denn Kinner uffgezoge, Madam' Zebu," sagte Melie im Kontor oer Schankwirtschaft. wo sie, ehe sie sick auf den Heimweg nach BruysreS machte, eingetreten war, um noch einen Rachenputzer zu genehmigen. „Ja, warum, wenn nich', daß sie eem eenes Tags oo' waS einbringen?" Uebersetzung von Johannes Schlaf. föetitopp und Politik. Tie lang erhoffte, lang erwartete, lang ersehnte Vermählung zwischen Kientopp und Politik ist endlich gefeiert worden. In Frankreich nämlich. Tort hat in der Umgegend von Paris ein ge- witzter Kandidat zum Generalrat die Wahlpropaganda mit dem Film betrieben. Ein großer Saal in jeder Gemeinde des Wahl- kreises wird als Kientopp hergerichtet, die Wähler sind eingeladen nnd sitzen erwartungsvoll vor der Leinwand, recken die Hälft.... rrrr.... eS fängt an zu flimmern. Erstes Bild: Der Kandidat spricht zu einer Arbeiterversamm- lung.(Auf den Mienen der Zuschauer: Ah, welch volksfreund- licher Herr!)... rrr... Zweites Bild: Der Kandidat plaudert freundlich mit dem Präfekten deS Departements und steigt mit ihm in ein Auto. sDie Zuschauer: Ah. welch einflußreicher Herr!) ... rr. r... Trittes Bild: Der Kandidat hilft einem armen, alten Mütterchen Brennholz auf einen Esel zu packen. sSchuch- ttrner Beifall im Zuschauerraum.)... rrr... Viertes Bild, das unter dem Titel angekündigt wird: Herr er. weift da- Geld der Korruption zurück: Der Kandidat, im Vordergrund stehend, lehnt mit verächtlicher Miene ganze Beutel voll Gold ab, die ihm ange- boten werden. sDle Zuschauer toben vor Begeisterung.) Wie wir hören, haben sich unsere bürgerlichen Parteien ent- schlössen, schon bei den nächsten Wahlen den Kientopp ebenfalls in den Dienst ihrer guten Sache zu stellen. Da werden wir unter anderem zu sehen bekommen: Herrn Oertel, wie er im Kreise einiger geistig schwerfälliger, aber notleidender Leser der„Deutschen Tageszeitung" das bei den durch die Besitzstcucr schwer geprüften ostelbischen Agrariern übliche Mittagsmahl einnimmt: trockene Salzkartoffeln, indes ein Hering an der Decke baumelt.... Herrn Arendt, wie er sich ein' reines Hemd anzieht.... Herrn Kaempf, wie er den Reichskanzler wegen Beleidigung der So- zialdemokratie zur Ordnung ruft.... und Herrn Erzderger� wie er keine Rede hält! im Grunde das soziale Elend war, auf dessen Kosten man sich karnevalistisch amüsierte. Am andern Tage aber rückten in aller Frühe 15 Polizei- agenten an, die das„Fort" nach kurzem scheinwiderstand erstürmten und das feudale Viertel von der Pest der Armut säuberten. In theatralischer Pose nahm sich zu guterletzt noch die seltsame Menschenfreundin, die Gräfin La Rochefoucould, „ihrer Armen" an, die sie nach ihrem Landgut überführen zu wollen erklärte. Es wäre vernünftiger und würdiger gewesen, wenn sie ihren Hang zum Wohltun schon früher entdeckt und in minder possenhafter Weise betätigt hätte! Jokf Kainz- Theater am kleinen Alannlee. Tchäferspiele: Sylvia, von Geliert. Tie Laune des Verliebten, von Goethe. Die Renaissancezeit mit ihrem üppigen Aufblühen der Wissen- schasten und Künste weckte die Erinnerung an das Schönheitsleben von Alt-Griechenland. Die Phantasie erging sich in Träumen von einem fernen„Arkadien" und das Hirtendrama entstand. Boccaccio war sein Anreger; Tasso und Guarini schufen es. Von Italien wanderte die Schäferdichtung'nach Spanien und Frankreich, schließe lich auch nach Deutschland, wo Opitz der erste ist, der sie nachahmt. Schnell schießt diese modische Poesie ins Kraut. Die Rokokkozeit gibt ihr den besten Boden. Ohne Schäfer und Schäferinnen ist kein Gedicht, kein Ballett, kein Singspiel, keine Oper mehr denkbar. Von den hösischen Bühnen pflanzt sich die Spielerei fort auf die Pro- vrnztheater. Alles schwärmt in seligem Entzücken für den bunt- bebänderten Hirtenstab, das geputzte Lämmlein, das kurzröckige Schäserinnenkostüm. Die ausgelassene Erotik der Zeit hat für ihre Sinnlichkeit ein Gewand gefunden, das ihrem galanten Spiel alle Möglichkeiten und Freiheiten läßt. Im bürgerlichen Deutschland hatte das Schäferspiel gute Tage, als der Dichtung nur zweierlei erlaubt war, entweder die moralisierende Belehrung oder das leichte, tändelnde, scherzende Unterhaltungsspiel. Auch Christian Fürchtegott Geliert, der tapfere Fabel- und fromme Kirchen- liederdichter, brachte jener Literaturmode sein scherflein. Zwei Schäferspiele hat er, dem wir auch das erste„rührende Lustspiel", die„Betschwester", verdanken, vor mehr als� anderthalb Jahrhun- derten herausgebracht:„Das Band" und„Sylvia". In glatt- gesetzten, aber doch steif hinstelzenden Alexandrinerversen bewegen sich die Spiele. Im einen Falle bringt die Schäferliebeständelei eine Handlung zustande durch das Mißverstehen eines Blumen- bandes, in„Sylvia" durch die Herzenssprödigkeit der Schäferin. Aber die Slbäserinnen Gellerts sind nur Begriffe für ihres Er- zeugers lehrhafte Moralanschauung. Dramatisches Talent besaß Gellert nicht, wenn er im Ausgang seines Spiels einen dritten Schäfer(Montan) in den Dialog hineinspringen läßt, so geschieht das nach Art einer mathematischen, nicht dichterischen Logik. Gellert schrieb diese Stückchen als Dreißiger, immerhin als in seiner Art fertiger Poet. Goethe zählte achtzehn Jahre, als er„Die Laune des Verliebte n" dichtete. Wohl hat er sein Schäferspielchen in manchen Zügen— das Bandmotiv!— an Gellerts„Band" an- gelehnt, und aus„Sylvia" hat er einige Gedanken entlehnt. Aber wie ganz anders offenbart er sich! Er packt das eigene Erleben an; denn hinter seinem Spielchen wirkt die Liebe zu Kätchen Schönkopf in Leipzig, die der bis über die Ohren verschossene Student durch Eifersucht und böse Launen entsetzlich gequält hat. Man spürt sofort, daß die Vorgänge nicht konstruiert sind, und spürt den heißen Pulsschlag des jungen Blutes. Auch Goethe, damals noch abhängig von den Zwangsregeln, die der Poesie aufgehalst waren, bediente sich des französischen Alexandrinerverses. Doch wie.ganz anders klingt es bei ihm, und wie dramatisch weiß er den Dralog durch Eingreifen aller Beteiligten zu gestalten! Tie Auffuhrung beider so verwandter und doch so ganz ver- schieden gearteter Schäferspielchen war also nach mehreren Seiten hin interessant. Leider fehlte es an der erforderlichen preziösen Tarstellung. Das ziemlich zahlreiche Publikum nahm die Auf- führung aber mit einmütigem Beifall hin. Tora v. Warberg, Erna K a b i s ch, Gust. Gerd. F r i ck e, Wilhelm E h m e r und Kurl K a m i n s k i teilen sich, jeder im Umfang seiner Rolle, in den Erfolg. e. lc. Spiel und Sport Sport und Sportfexerei. Unter einem gesunden Sport verstehen wir eine Stählung und Kräftigung unseres gesamten Körpers durch geordnete Pflege und Uebung im Wasser und in der Luft, im Wald und im Felde, auf den Bergen und in der Ebene, eine Befreiung von Leib und Seele aus der Enge, in die der moderne Mensch und besonders der nioderne Lohnarbeiter durch die Erwerbs- tätigkeit und durch die Großstadt für den größten Teil seines Lebens eingesperrt ist. Wir fördern diese Betätigung im Interesse der Gesundheit und weil in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist wohnt. In bürgerlichen Vereinen artet aber der Sport zur S p o r t f e x e r e i aus. die nicht zur Gesundheit, sondern zur E n ta r t u n g führt. Tie Mit- glieder werden nur zu Sportmenschen erzogen, die nichts an- deres mehr kennen als Sport, Sport und Sport. Ter Jüng- deutschlandbund, der diesen Sportfanatismus fördert, nennt das körperliche Ertüchtigung. Wohin das führt, hat vor einiger Zeit ein Amtsgerichtsrat Landsberg im„Zentralblatt für Vormundschaftswesen, Jugendgerichte und Fürsorge- erziehung" dargelegt. Unter der Ueberschrift„Sport und Ver- Wahrlosung" schreibt Herr Landsberg folgendes: „Wir Bormundschaftsrichter sitzen gleichsam als pulskontrol- lierende Aerzte bei der Arbeit'der von Staat und Vereinen geförderten Jugendfürsorge. Leider aber kommen manchmal so stürmische Bewegungen des Blutes vor. daß der Puls uns Fiebqr anzuzeigen scheint. Hierzu zähle ich die über- triebene Sport sucht. Die Freude am Sport, an der söge- nannten harmonischen Ausbildung des Körpers, zeitigt häufig Er- scheinungen, die nicht erfreulich sind, die auf einen Fehler, eine böse Einseitigkeit hinweisen. Ter Arzt, besonders der Militärarzt bei der Aushebung, konstatiert mit Schrecken zahlreiche durck übertriebenenSportverursachte Herzleiden und sonstige Fehler, die dienstuntauglich machen. Vor mein Forum als Vormund'chaftsrichter werden nicht mehr selten Jünglinge ge- brach!, denen der Sport die Arbeitslust ertötet oder beschränkt bat und alle Hoffnungen der Eltern zuschanden werden läßt. Da kommt ein Lehrling, den sein Meister entlassen will, weil er die Arbeit um des Fußballspiels willen vernachlässigt. Da kommt ein sorgenvoller Bater eines Gymnasiasten und klagt, daß fein vordem so fleißiger Sohn sitzen bleiben werde, nicht mehr lerne, dem Vater ungehorsam sei, weil ihn die Angelegenheit des Wurf- bollklubs und des Tennisvereins gänzlich gefangen halten. Auch bei Ausfall des Spiels sitze der Junge untätig daheim und schmachte hinaus/nicht nach Wald und Natur, sondern nach spiel und einer körperlichen Ausbildung, die ihn nirgends fördere, auch nicht gesund gemacht habe. Ei» Pfleger beklagt sich, verbündet mit einer not- leidenden Mutter, über deren arbeitssähigen und einst viel ver- dienenden Sohn, einen spezialstatenschmied; er arbeite kaum mehr, werde überall nach kurzer Zeit entlassen,-vagegen stnd der Präfes des S chw i m m v c r e i n s, der Führer ....... e, der Kassierer des jgfadfindergrupp der Athleten. b u nd c s von dem gleichen Jungen sehr entzückt. Sie denken nicht an die bürgerliche Führung, sondern nur an seine spart liche Tüchtigkeit und seinen Eiser im Vereinsdienste. Das sind A n f ä n g e. Die weitere EntWickelung führt oft, recht oft zu gänzlicher Entartung, Arbeitsscheu, Abzug auf die Landstraße, kurz zu alledem, was man durch Pflege dieser Spiele und Vereine gerade hat vermeiden wollen. Kurz, hier liegen die Gefahren, aus denen ich vorläufig noch keinen Ausweg sehe. Vielleicht ist der Ausweg der, daß mau wieder mehr die geistige Kultur betont, die uns mit dem Aufblühen de! Humanismus seinxrzeit überkommen ist und die einst zur Blüte edelster Gedanken und Taten zur Zeit Goethes, Schillers und Körners gesührt hat. Mag sein, daß wir eine Zeitlang allzu ein! seitig die Körperkultur vernachlässigt haben. Das ist aber keines Wegs ein Grund, nunmehr in das entgegengesetzte Extrem zu ver fallen. Körperkultur darf nur eine Kultur der Körpergesundheit sein, und zwar der G e s u n d h e i t im Dienste der Geistcskultur: das ist das Ziel, das andere nur Mittel. Bedenken wir doch immer wieder, daß der einzige wirkliche Wert unserer Gesittung, das einzige übertierische Glück des Menschen aus dem Geistesleben quillt und quellen kann. Heilig die Kraft des Körpers, der ein hoher Geist ent springt! Nichts, gar nichts nutzt die Kraft des Körpers, die nur dem Tier dient, den Geist und die Geistesgemeinschaft der Edelen aller Zeiten verachtend. Tiste Art Sport, die der Amtsgerichtsrat kritisiert, wird gerade von den Jungdeutschlandbündlern gefördert. Und i'chon aus diesem Grunde allein sollte jeder Arbeiter dem Jungdeutfchlandbund fernbleiben. Sportliche Wettkämpfe Fichte 3— Weißensee. Das große Sportmeeting des 1. Kreises vom Arbeiter-Turner bund, das am 24. August vor sich gehen wird, hält die Sportler bereits in ständiger Bewegung. Vor dieser großen Heerschau, zu der sich über 300 Sportler mit 500—000 Konkurrenzen gemeldet haben, und die zum erstenmal ein umfassendes Bild des leicht- athletischen Arbeitersports geben wird, müssen alle Kräfte aus- probiert werden, und deshalb werden als Einleitung und Vor! Prüfung jetzt vielfach interne Wettkämpfe abgehalten. Beim gestrigen Sportfest auf dem Tasmania-Sportplatz in Neu- kölln standen sich erstklassige Kräfte von Fichte 3 und Weißensee gegenüber. Fichte 3 konnte bereits beim spielfest des Turnverein Fichte sämtliche Laufkonkurrenzen für sich entscheiden, und auch Weißensee hat sich wiederholt als ernsthafter Gegner erwiesen Sportler und Publikum sahen daher mit großer Spannung diesem Wettstreit entgegen, der als Vorprüfung für das große Sport Meeting eine besondere Bedeutung hatte. Tie gestrige Veranstaltung zeigte in allen Laufkonkurrenzen die volle Ueberlegenheit von Fichte 3, Weißensee kam nie erttsthaft in Betracht. Ernste Endkämpfe gab es daher nur in der 4x400- Meter-Staiette und beim Halbstundenlaufen, wo mehrere Man»! schaften von Fichte in Konkurrenz standen. Dagegen hatte Weißen- see gute Ersolge im Diskus, Kugelstoßen und Speerwerfen(Lehr lingch. Faustball, Raffball und Barlauf brachten beiden Vereinen abwechselnd Erfolge. Das Halbstundenpaarlaufen brachte scharfe Konkurrenz zwischen mehreren Männer- und Lehrlingsmannschaften von Fichte. Die Lehrlinge führten fast die ganze Strecke, zum Schluß gelang es jedoch der Männermannschaft 2(Gebr. Kuhring) mit drei Metern Vorsprung den Sieg an sich zu reißen. Von der siegenden Mannschaft wurden 8003 Meter zurückgelegt. Beim Fuß- ballwettspiel war der Sieg der Weißenseer lGroß-Berliner Meister) vorauszusehen, doch bedrängte Fichte auch des öfteren das Weißen- seer Tor. Bei Halbzeit stand das Spiel 2: 1. Nach Halbzeit drängte Fichte oft an das Weißenseer Tor, konnte jedoch nur noch einmal einsenden, die Weißenseer jedoch zweimal, so daß daS Spiel und damit das ganze Fest mit 4:2 für Weißensee bei einbrechen- der Dunkelheit um M9 Uhr sein Ende fand. Anwesend waren trotz des zweifelhaften Wetters etwa 500 Personen. Resultate: a) Stafettenlauf. Männer: 2. Mannsch. Fichte 3 in Ö.l&Vio, Weitzensee 2.25 Min. b) dto. l. Mannsch. Fichte 3 in 2.13, Weißensee 2.14'/,» Min. c) dto. Lehrlinge: Fichte 3 in 2.15«/,°. Weitzensee 2.23 Min. ä) Speerwurf. Männer: 1. Preuß-Fichte 3 36,70 Meter; Lehrlinge: 1. Rosenthal-Weitzensee 28,15 Meter, e) Diskus. Männer: 1. Langmeier-Weitzensee 28,15 Meter; Lehrlinge: Wunderlich-Weitzensee 20,43 Meter. f) Stafettenlauf. Frauen, 8x60 Meter: 6. Fr.-Abt. in 1.21 Min. g) dto. Männer, 4x400 Meter: Fichte 3, 1. Mannsch. in 4.7V ,0 Min. h) Olymp-Stafette. Jugendliche, 1600 Meter: 1. Fichte 3 in 4.22-/,° Min. i) M a n n s ch a f t L- K u g e l- stoßen. Männer: 1. Weißensee 78,40 Meter; Lehrlinge: Weißen- see 73,20 Meter; Frauen: 1. Fichte 5 45,46 Meter. H) Faustball. Männer: Weißensee-Fichte 3 66: 54 Punkte. I) Barlauf. Frauen: Fichte 5-Weißensee 25: 22 Punkte, m) Paarlaufen. r,) Raffball. 1: 0 für Weißensee. o) Fußball. 4: 2 für Weißensee. Die 11. Männerabteilung des Turnvereins„Fichte" ver- anstaltet zur Feier des 1 2 j ä h r i g e n B e st e h e n s am 15. August eine Zusammenkunft der jetzigen und ehemaligen Freunde und Mit- glieder. Besonders wird das Erscheinen der Gründer gewünscht. Die Teilnehmer treffen sich bis?t10 Uhr in der Turnhalle, Berg- mannstratze 28/28. Die Feier findet im„Blüchervereinshaus", Blücherstratze, statt._ Märkische Spielvereinigung, Bezirk Groß-Berlin. Das Reisespiel für die 1. Klasse zwischen Reinickendorfer Ballspielklub und ,.V o�r w ä r t s"- F r i e d r i ch s h a g e n endete mit dem überlegenen Siege des erstgenannten Vereins: 10: 1. Für den kommenden Spielbetrieb haben rund 7 0 Vereine 12 0 Mannschaften gemeldet. Noch fernstehende Vereine, die geneigt sind, sich anzuschließen, müssen dies bis zum 15. August nachsuchen bei Schmidt, Berlin, Grünthaler Straße 3. . Fußballresultate. Der B e r l i n e r Fußballklub„Adler" spielte mit seiner Mannschaft gegen den Reinickendorfer„Vorwärts", Mannschaft. Bei Halbzeit stand das Spiel 5: 1, zum Schluß 2 zugunsten des„Adler". Die 2. Mannschaft des„A d l e r" spielte gegen„A s k a n i a", Mannschaft,'und gewann nach scharfem Spiel mit 4:2. Beide Mannschaften zeigten in ihrer neuen Ausstellung hervorragendes Können.. �_ Im Spiel des I o h a n n i z th a l e r B a l l s p r e l k l u b s, 2. Männermannschaft, gegen„Fichte", Abteilung 10, 1. Männer- mannschaft, gewann Johannisthal mit,4:I: Halbzeit 3:0. Das picl war flott und ruhig.__ Radrennen in Treptow. Sonntag, 10. August. Die Hauptnummer des Programms betitelte sich:„D i e S t u n d e"; ein Dauerrennen mit der Besetzung von Stellbrink, Huybrechts, Ebert und A. Schulze. Das Rennen wurde eine sichere Beute für Stell- b r i n k, der keinen ebenbürtigen Gegner hatte. Am besten hielt sich noch Ebert, während Huybrechts weit zurück landete und Schulze das Rennen aufgab. Drei weitere Rennen über 10 und 20 Kilo 1. Stellbrink: 64,700 Kilometer. 2. Ebert: 63,190 Kilometer. 3. Huybrechts: 59,040 Kilometer. 4. Schulze: aufgegeben.— Klasse L: 10- K i l o m e t e r- R e n n e n. I.A.Schulze. 2. Erx- leben. 3. Jenske. 4. Riesner.— 20-Kilometer-Rennen. 1. Riesner. 2. A. Schulze. 3. Jenske. 4. Elxleben. Ostprcußischcr Runbflug. Königsberg i. Pr., 10. August. Um 5 Uhr morgens begann der Start. Von den Offiziersfliegern nahmen daran teil: Leutnant Mahncke auf L. V. G. Doppeldecker. Leutnant Geyer auf Aviatik-Pfeil-Toppeldecker, Leutnant Pretzel auf Albatros-Taube, Oberleutnant Hantelmann auf Rumplertaube, Leutnant von Eckenbrecher auf Jeannin-Taube. Von den Zivil- fliegern beteiligten sich: Alfred Friedrich auf Tietrichtaube, Su- welack auf Kondor-Eindecker, Stiploscheck auf Jeannin-Taube, Kühne auf Albatroßeindecker, Caspar auf Gothataubc. Für samt- liche Flieger war die Mitnahme eines Fluggastes vorgeschrieben. Zunächst flogen die Offiziere zum Zuverlässigkeitsfluge nach Allenstein(150 Kilometers ab. Bis um 9 Uhr vormittags waren alle bis auf Leunant Mahncke und Oberleutnant Hantelmann auf dem Allcnsteiner Flugfelde nach etwa zweistündigem Fluge an- gekommen. Die Zivilflieger starteten nach Jnsterburg(85 Kilo- meter). Bis um 7 Uhr früh trafen alle bis auf Kühne und Caspar nach etwa fünfviertelstündigem Fluge am Ziel ein. /Zus aller Tlelt. Sin polizeifkandal in paris. Paris, 1U. August.(P. G.) Ein Polizeiskandal, der weite Kreise zu ziehen scheint, ist hier entdeckt worden. Ein Polizeiwachtmeister und sechst Unterbeamte wurden vergangene Nacht plötzlich verhaftet. Tie Beamten waren zu einer förmlichen Bande zusammengetan, die ihre Dienstgewalt zu Erpressungen gegen die Bewohner ihres Polizei- reviers mißbrauchten. Gegen Bezahlung ließen sie anständige Leute, die ihren Auftraggebern aus irgendwelchen Grün- den unbeuem waren, als Zuhälter verhaften. Vor Gericht sagten sie dann auf ihren Diensteid gegen diese Leute aus, die auch daraufhin zu schweren Strafen verurteilt wurden. Der söhn eines bekannten Politikers wurde auf Anstiften eines persönlichen Feindes gegen Zahlung einer hohen Summe an die Beamten von diesen verhaftet und aus ihr Zeugnis hin wegen anarchistischer Umtriebe zu einer längeren Gefängnisstrafe verurleilt. obgleich angesehene Leute unter Eid seine Schuldlosigkeit bekundet hatten. Eine einträgliche Einnahmequelle schufen sich die Beamten dadurch, daß sie aus den geringfügigsten Anlässen über Geschäftsleute und zah- lungsfähige Privatpersonen ihres Bezirks aus eigener Macht- Vollkommenheit Strafmandate verhängten, um sie gegen ein gutes Trinkgeld zurückzuziehen. Die Untersuchung fördert noch weitere Fälle von Amtsmißbrauch zutage, auch sollen noch andere Beamte in die Affäre mit verwickelt sein. Der Sportredakteur als Kunstkritiker. In der Sportzeitschrift„Der Rekord" ist jemand auf den lusti- gen Einfall gekommen, zu ftagen, wie wohl ein Sportredakteur eine musikalische Aufführung rezensieren würde. Der kritische Be- richt würde danach etwa so ausfallen:„Die Geiger stellten sich an der Innenseite, dicht bei den Lampen auf. Der Schiedsrichter, der mit einem kleinen Taktstock ausgerüstet war, fungierte gleich- zeitig als Starter. Unmittelbar vor dem Start stellte er sich auf einer Kiste auf, vor der ein Pult stand. Durch Winken mit seinem Stock hielt er die Konkurrenten in Ordnung. Dann schickte er sie nach der Melodie„Ländliche Hochzeit" von Goldmark Op. 26, auf die Reise. Sie sprangen ziemlich gleichmäßig ab, einer der Geiger lag etwas in der Führung. Der Mann mit dem Sachshorn ver- üchte, sie zurückzurufen, aber sie gingen in windender Fahrt da- von. Der Kontrabaß führte das Hintertreffen. Nach dem ersten Viertel des Kurses brach die kleine schwarze Flöte weg, aber die Geigen an der Innenseite hielten sich gut zueinander und legten eine mörderische Pace vor. Bei der halben Strecke zeigte die Posaune Zeichen von Ermüdung. Eine kleine, kurzschwänzige Flöte kämpfte charf mit dem Waldhorn, fiel aber bald ausgepumpt zurück. Das dicke, alte Bombardon schien während des ganzen Rennens in Nöten zu sein und roarte fürchterlich. Es hielt sich aber tapfer bis zum Schluß. Alle kamen in guter Ordnung am Zielpfosten vorbei, der Richter schien aber keine Entscheidung fällen zu können. Er machte einen müden Eindruck. Die Teilnehmer gingen dann hin- aus, um sich für das Beethoven-Handikap vorzubereiten. Es war eine ganz hübsche Leistung, aber sehr anstrengend für die Konkurrenten. Alle Wetten sind ungünstig." Todessturz zweier Piloten. In Brück(in der Mark) find am Sonntag früh zwei Flieger, der Pilot R ö ß l e r und sein Flugschüler Stephan tätlich ab- gestürzt, lieber die Ursachen mird gemeldet:! Der Unfall ereignete sich gegen H9 Uhr morgens. Rötzler wollte auf einem Gradeflugzeug mit dem Schüler der Natmnal- lugspende Stephan, der aus Gera stammt, von den Flugzeug- werken in Borck nach Brück bei Berlin eine Vergnügungsfahrl unternehmen. Ueber Brück suchte er eine LandungSstelle. In zirka 500 Meter Höhe machte er eine Kurve, setzte zum Gleitflug an und bellte den Motor ab. Der Gleitflug fiel aber äußerst steil aus und der Apparat stieß mit dem linken Flügel und dem Propeller so stark auf den Erdboden aus, daß das Flugzeug völlig zertrümmert wurde. Rötzler und sein Passagier aber hatten keine Gelegenheit ergreifen können, sich durch Abspringen in Sicherheit zu bringen. Beide Flieger waren sofort tot. Rößler hat in letzter Zeit recht gewagte Flüge ausgeführt und ist auch von Grade gewarnt worden, vorsichtig zu Werke zu gehen. Vermutlich hat er, da bei seiner Ankunft in Brück viele Leute zu- 'ammenströmten, besonderes zeigen wollen. Er muß enttveder zu pät abgefangen haben oder in eine Luftströmung geraten sein, die er nicht vorher bemerkt hat. Ingenieur Grade selbst teilt über de» Unfall folgendes mit: Ein Bruch des Apparates in der Luft ist vollständig ausgeschlossen, da die Spanndrähte und das Steuer voll- tändig gut waren, wie dies sich auch bei der Untersuchung des Apparates herausstellte.— Rößler war am 19. Oktober 1889 in Hainewalde bei Zittau in Sachsen als Sohn eines Landwirtes ge- boren. Früher war er selbst in der Landwirtschart tätig. Erst päter wendete er sick. dem Flugsporte zu und war zunächst bei den Harlanwerken angestellt. Tann versuchte er eine Stellung als Klugzeuglehrer oder Flugführer zu erhalien. soch waren seine Bemühungen fruchtlos. Erst seit.urzcr Zeil ist er bei den Gtade- werken engagiert._ Drei Arbeiterinnen bei einer Tynamitexplofion getötet. Marseille, 19. August. �(P.(E.) Ein schwerer� Unglücksfall er- et Kurz Martin de Grau. Mräntwörtlicher Redakteur: Ernst Meyer, Steglitz. Für den Jnjeralenlelt verantw.: Tb. Gwcke. Berlin. Druck u. Verlag. Vorwär» eianete sich gestern in der Dhnamitfabrik Saint Kur-' nacheinander erfolgten in dem Raum-, in dem Dynamit- vatronen bergestellt werden, zwei Exploston-n. Zwe: ArScitcrinne», die mit dem Füllen dxr Hülsen beschäftigt waren, sowie eine dritte. die die serugen Patronen verpackte, wurden getötet. Ein Vor- arbeiter. der ihnen zu Hilfe kommen wollte, erlitt bei der zweiten Explosion schwere Verwundungen und mußte, lebenSgesahrlich ver- lest, ins Krankenhaus geschafft werden.___ Buchöruckerei u. Lerlagsansralt Paul Singer u. Co„ Berlin