Hr.»07. Bbonnemcnts-Bcdlngungen: BJontiemmtS• PretS pränumerando: «ierteljährl. S£0 Md. monatL U0 Md. wöchenllich 28 Pfg. frei inZ HauS. Sinzeine Nummer k Pfg. SonnlagZ, nummer mit illustrierter Sonntags. Beitage.Die Neue Welt» tv Pfg. Post. Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS- Breislisie. Unter Kreuzband für Temi-bland und Oeslerreich. Ungarn 2L0 Mari, für da- übrige AuLIand t Marl pro Monat. PostabonncmcMS Nehmen am Belgien, Dänemark, ta-lland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweben und die Schweiz. 30. Jahrg. DK Tnlerfloni'GfWUff betrügt für die sechdgespaltene Kolones- geile oder deren Raum 60 Pfg., für Crfdielnt tJsndi. Verlinev VolkcsblÄkk. „ W. fettgedruckte Wort 20 Pfg. tzulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weüere Wort 10 Pfg. Stellengefuche und Echlafstellenan zeigen daS erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Worts Pfg. Worte über IbBuch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ul bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm< Adresse: „SoziallUmolirat Rtrlln". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlanda. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplay, Nr. 1983. Mittwoch, den 13. August 1913. Expedition: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Miiitäriiiktatul' im Keichzlanlie. Von einem Lothringer wird uns geschrieben: O nein I Die Männlein der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" brauchen nicht rasselnd ihre Dementierspritze in Be- wegung zu setzen. Es handelt sich hier nicht um die Ent- hüllung eines finsteren Staatsstreichplanes, der die elsaß.. lothringische Verfassung„in Scherben schlagen" und die beiden Gaue mit Bajonetten regieren will, sondern um eine Militär- diktatur, die zwar nicht auf dem Papier, aber in den Tat- fachen längst existiert und der die bürgerliche Bevölkerung Elsaß-Lothringens schutzlos preisgegeben zu sein scheint. Was vor wenigen Tagen eine Kriegsgerichtsverhandlung in M e tz von dieser brutalen Militärdiktatur aus Tageslicht gebracht hat, stellt wirklich vieles schon Dagewesene bei weitem in den Schatten. Ein friedlicher Kaufmann, nicht einmal ein Eingeborener, sondern ein Rheinländer, noch dazu Unter offizier der Landwehr, gerät eines Tages ohne sein V'cr schulden in einer engen Straße von Metz zwischen zwei an einander vorbeimarschierende Militärabteilungen, die zum Teil wegen Platzmangels auf dem Fahrdamm den Bürgersteig über schwemmen. Während er sich aus dem Gedränge heraus- winden will, erhält er mit einem Kommißstiefel einen so kräftigen Fußtritt ins Gesäß, daß er zusammenknickt. Dieser Rheinländer scheint nun doch nicht die rechte Ehrfurcht vor dem Wesen des preußisch-deutschen Militärstaats besessen zu haben, denn statt sich bescheiden mit den erhaltenen Püffen und Knüffen nach Hause zu trollen, wendet er sich, als ihn ein Soldat mit dem Zuruf:„Verfluchter Schänzel, mach Dich weg!* abermals mit einem Tritt weiter befördert, an den die Abteilung führenden Unteroffizier mit den Worten:„Herr Sergeant. Ihr Flügelmann hat mich getreten, ich bitte, seinen Namen festzustellen!" Aber da kommt der Zivilist schön an. „Du Wackes", brüllt der Sergeant,„mach, daß Du weg- kommst, sonst schlage ich Dir ins Genick!" und schon haut er dem Verdutzten eine Ohrfeige runter. Zwei Offiziere, die nun angegangen werden, nehmen für das Militär Partei und empfehlen dem Sergeanten, den Kaufmann zu arretieren, falls er die Truppe weiter„belästigen" sollte. So weit die Straßen- szene. Mit vieler Mühe wußte es der Mißhandelte zu erreichen, daß ein Verfahren eingeleitet wurde und hatte jetzt die„Genugtuung", den tretenden Musketier zu acht, den schlagenden Sergeanten zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt zu sehen. Er kann sich aber Glück wünschen, mit Tritten, Schlägen und Beleidigungen billig davongekommen zu sein, denn er mußte von einem der als Zeugen ver- nommenen Soldaten hören, daß der Hauptmann sie wegen Mangel an Schneid angeranzt hatte: sie hätten das Seiten- gewehr ziehen und den Zivilisten niederstechen sollen!! I Dies der Tatbestand, der mit seinem ganzen Drum und Dran an die Zeit vor Jena und Auerstädt erinnert, als kein Bürger vor dem brutalen Uebermut eines rohen Offizierkorps und einer ebenso rohen Soldateska seines Lebens sicher war, und als eine Kabinettsorder des alten Fritz den Offizieren ausdrücklich das Prügeln der Bürger verbieten mußte, weil es doch gar zu sehr überhand nahm. Aber es wäre falsch, in diesem vor dem Metzer Kriegsgericht abgehandelten Roheits- akt lediglich das Vergehen von ein paar Rüpeln zu sehen. für die weiter niemand verantwortlich ist. Sicher ist der verurteilte Musketier ein roher Patron und der ver- urteilte Sergeant ähnelt in seinem ganzen Verkehrston und in der Milde seiner Sitten auffallend jenen Zuhältern, die Herr v. Hecringen in einem Atemzug mit den Sozialdemokraten nennt, und vor deren Berührung er das Heer durch das Wirtshausvcrbot schützen will. Aber so wenig die Zcugleutnants und Feuerwerker im Krupp-Prozeß. so wenig sind dieser Sergeant und Musketier mit ihren Handlungen als Einzelwesen zu betrachten, sondern samt und sonders sind sie slranune Vertreter eines mehr als strammen Systems/ Wenn die Herren von der Regierung bei den Debatten über die Militärvorlage erstaunt und mit einem höhnischen Unter- ton in der Stimme gefragt haben, was denn eigentlich Militarismus sei, hier haben sie eine waschechte Probe von Militarismus. Daß ein Bürger, der in eine marschierende Militärkolonne hineingerät, mit Fußtritten begrüßt wird, daß der Führer der Abteilung, statt einzuschreiten, mit Schimpf- Worten und Ohrfeigen die Mißhandlung seiner Untergebenen verschärft, daß hinzukommende Offiziere unbesehen den Mißhandelten der Verhaftung für wert erachten, daß ein Haupt- mann erbost ist, weil die Soldaten nicht sofort mit Seiten- aewehrstichen den Eindringling zerfetzt haben, daß das Kriegsgericht lächerlich geringck Strafen° auswirst, kurz: daß auf den verschiedenen Stufen der militärischen Hierarchie die Mißachtung gegen den, der„nur" ein Zivilist,„nur" ein Bürger ist, mehr oder minder deutlich zum Ausdruck kommt, das ist Militarismus! Das ist ein Ausfluß jenes Systems, das wir bis aufs Messer bekämpfen. Dieser Fall hat aber noch eine ganz besondere Note. Die Schimpftitulaturen, � die Sergeant und Musketier dem Kaufmann an den Kopf geworfen haben,„Schänzel" und „Wackes", sind Worte aus dem reichen Sprachschatz der preußi- Wucht des preußischen Kommißstiefels und die Kraft der deutschen Faust zu Gemüte zu führen, erschien als eine Patriotische Pflicht. Auch das aber ist der Ausfluß eines Systems, das die Soldateska just im Reichsland in einen schroffen Gegensatz zum Bürgertum stellt und jeden Sanitäts- gefreiten sich als Herren im eroberten Lande fühlen läßt. Gerade die letzten Monate sind an Beispielen dieses Systems überreich gewesen, das einer Militärdiktatur so ähnlich sieht wie ein faules Ei dem andern. In Straßburg läßt der Kommandierende auf belebten öffentlichen Plätzen, obwohl die Straße selbst nach Herrn v. I a g 0 w dem Verkehr und nicht artilleristischen Uebungen dient, Batterien in Parade an sich vorüberziehen und trabt mit seinen Ulanen besonders gern durch enge Gassen, so daß sich die Bürger ängstlich an die Häuserwände drücken müssen. Derselbe General v. Deimling untersagt, als ihn eine Preßkritik unangenehm berührt, seinem Korps, die„Straß- burger Neue Zeitung" zu halten. In Mülhausen i. E. boy- kottieren die Offiziere ein Hotel, weil dort die Musik einmal die Marseillaise gespielt hat. In Metz verbietet die Militär- Verwaltung auf der Pulverinsel, einem Park, der eigentlich der Stadt gehört, den Besuchern aus dem Bürgertum jede Unterhaltung in französischer Sprache. In derselben Stadt springt, wie dieser Tage noch die Blätter zu berichten wußten, ein Leutnantchen in einem Cafs aus, als eine Sängerin ein französisches Lied singt, und kräht:„Hier sind wir in Deutsch- land, hier darf nur deutsch gesungen werden!" Und so mit Grazie weiter bis ins Unendliche! Diese liebliche Art, durch Militär zu„germanisieren", gefällt natürlich gewissen alldeutschen Blättern über die Maßen wohl. So brachte es die„Straßburger Post" einmal im Ernst fertig— es klingt allerdings wie ein„Simplicissimus"-Witz—, zu schreiben, die Errichtung einer Unterofstzierschule sei das beste Mittel, die Forderung:„Elsaß-Lothringen den Elsaß- Lothringern!" zu erfüllen. Die Unteroffizierschule ist längst errichtet, und seit zweiundvierzig Jahren wird das Land nun schon von Unteroffizieren, aktiven und inaktiven, regiert, aber die undankbaren Elsässer und Lothringer sehen den Segen der„germanisierenden" Militärdiktatur nicht ein und werden durch Experimente k la Deimling nur störrischer. Auch der Vorfall, den die Metzer 5kriegsgerichtsverhandlung enthüllt hat, ist nicht dazu angetan, die„gute Gesinnung" der Einheimischen zu fördern. Vor allem aber wird der neue Herr Kriegsminister dem Reichstag im nächsten Winter darüber Aufklärung zu geben haben, was er zu tun gedenkt, um brutale Uebergriffe des Militärs gegen das Bürgertum von der Art des Metzer Vorfalls zu vermeiden und insbesondere, was mit dem an die Seitengewehre appellierenden schneidigen Hauptmann geschehen ist, denn im allgemeinen entspricht es wohl nicht den Rechtsbegriffen des 20. Jahrhunderts, daß, wer zufällig in eine Truppenabteilung hineingerät, zusammen- gestochen wird, selbst wenn es sich„nur" um einen Zivilisten oder gar„nur" um einen„Schänzel" oder„Wackes" handelt! Sie neue ISsllianiltuatlon. Grcy über die Balkanlage. London, 12. August. Heute nachmittag sprach Sir Edward Greh im Unterhaus über die Lage am Balkan und teilte mit, daß die Botschaftcrvereinigung sich vertagt habe. Sie sei zu dem Schlüsse gekommen, daß sie ein Stadium erreicht habe, in welchem eine Pause gerechtfertigt sei, und werde wieder zusammentreten, sobald es notwendig sei, und wenn es der einstimmige Wunsch der beteiligten Regierungen wäre. Die Vertagung der Botschaftervereinigung gebe keinen Grund für ir- gendwelche ungünstigen Schlüsse auf die Beziehungen der Groß- mächte zueinander. Grey sagte: Wir haben das Stadium erreicht, in welchem das europäische Konzert so fest begründet ist, daß die bloße Tatsache der Vertagung der Botschaftervcreinigung keinen Zweifel an der Gesundheit und an dem Wohlbefinden des Kon- zertes erregen wird. Grey erinnerte an Ursprung und Ziel der Botschaftervereinigung und sagte: Ihre Hauptaufgabe war die, unter den Mächten eine Verständigung über die albanische Fr a g e und über die Inseln im Aegäischen Meere zu erzielen. Tie Verständigung über beide Fragen ist erreicht. Was Albanien angeht, so wird eine internationale Kontrollkom- Mission eingesetzt, deren Hauptaufgabe es ist, den autonomen Staat mit einem Fürsten an der Spitze zu errichten, der von den Mächten gewählt werden wird. Im weiteren Verlaufe der Sitzung fragte Barrckn erstens, ob die Türkei den Mächten kürzlich freiwillig Vorschläge betreffs der Verwaltungsreform in Armenien gemacht habe; zweitens, ob England zu diesen Vorschlägen Stellung genommen habe; drittens. von Einflußsphären im türkischen Reiche zum Gegenstand haben. Was dieAegäischenJnseln betrifft, so hat England durch seine Stellung am Mittelmeer ein besonderes Interesse daran, daß keine der Inseln von einer der Großmächte in Anspruch ge- nommen oder behalten wird. Hierüber haben wir eine Verständi- gung erzielt. Das Schicksal aller dieser Inseln, einschließlich derer, die augenblicklich von Italien okkupiert sind, interessiert alle Großmächte und wird schließlich von ihnen entschieden. Keine der Großmächte wird eine der Inseln für sich be- halten. Die Frage, was geschehen würde, fing an kritisch zu werden, als die Türkei die Ausführung der Bestimmungen des Vertrages von Lausanne auf unbestimmte Zeit hinauszögerte, und die italienische Okkupation daher unbestimmte Zeit fortdauerte. Italien ließ uns keinen Augenblick in Zweifel, daß es beabsichtige, seinen Teil an dem Vertrag zu erfüllen, wenn die Türkei den ihren erfüllt habe. Wir haben alles Vertrauen in den guten Glauben Italiens, und wissen, daß es die Türkei drängt, ihren Teil des Vertrages zu erfüllen, daher braucht uns die Frage des unbestimmten Aufschubs gegenwärtig nicht zu beschäftigen. Was die gegenwärtige Lage betrifft, so bestehen zwei sehr ernste schwierige Fragen, nämlich die E n t s ch e i- dung über Thrazien und Mazedonien. Was Thrazien betrifft, so hat sich die türkische Regierung über den Frieden von London hinweggesetzt, der unter den Auspizien der Mächte geschlossen wurde, und hat Thrazien und Adria- nopel besetzt. Was Thrazien und Adrianopel betrifft, so er- hoben die Mächte Vorstellungen in Konstantinopel, daß die Linie Enos— Midia im großen und ganzen respektiert werden müsse. Dabei hatten sie jedoch jeden Punkt zu berücksichtigen, den die Pforte als unerläßlich für die Verteidigung der Grenze erachtet. Eine gute Grenze kann auf der Grundlage des Friedens von London geschaffen werden, aber der Besitz Thraziens und Adria- nopels würde nach begründeter Auffassung im Frieden nur die Finanzen der Türkei noch mehr belasten und im Fall eines Krieges für sie eine dauernde Schwäche bedeuten. Die Linie EnoS— Midia wäre vielleicht nie zustande gekommen, wen man nicht gewußt hätte, daß eine oder mehrere Großmächte interveniert haben würden, wenn im Kriege zwischen der Türkei und den Verbündeten die Frage Konstantinopels und der Meerenge aufgeworfen worden wäre. Dann wäre die türkische Grenze vielleicht nicht so vorteilhaft ausgefallen, als es jetzt der Fall ist. Wenn es direkt oder indirekt den Großmächten zu danken ist, daß der Londoner Friede an der Linie Enos— Midia Halt machte, so sind die Mächte berechtigt, ihre Wünsche in Konstantinopel bekanntzugeben und Rat zu er- teilen, wenn es sich darum handelt, die türkische Grenze festzusetzen. Die britische Politik der Türkei gegenüber besteht darin, die tür- kische Herrschaft und ihre Unverletzlichkeit in ihrem asiatischen Gc- biete und dem Gebiet jenseits der Linie Enos— Midia zu befestigen und zu sichern. Diese Politik hängt aber von dem guten Willen der übrigen europäischen Mächte ab, England allein kann diese Politik nicht erfolgreich durchführen; denn viele andere Mächte haben auch ein Interesse an der asiatischen Türkei. Was geschehen kann, muß auf Grund allgemeiner Zustimmung geschehen. Der gute Wille der Mächte kann aber nichts erreichen, wenn die Türkei ihren Rat betreffs Adrianopels und Thraziens nicht befolgt. In diesem Falle wäre jene Politik gesichert. Früher oder später, sei eS durch finanzielle Not oder durch die bewaffnete Intervention einer oder mehrerer Mächte deren Rat verschmäht wurde, würde Unheil über die Türkei hereinbrechen, vor dem wir sie nicht schützen könnten. Was den Frieden vonBukarest betrifft, so glauben wir, wenn überhaupt eine Einmischung der Mächte stattfinden sollte, es nur ein Minimum von Einmischung sein würde. Der Frieden sollte als rechtskräftig be- trachtet werden, abgesehen von etwaigen Modifikationen in besonderen Punkten, die bestimmte Mächte zu machen wünschen, deren Interessen stärker in Frage kämen als unsere eigenen. Nie- , mand bestreitet das Recht irgendeiner Großmacht, Punkte hervor- zuheben, die nach ihrer Ueberzeugung modifiziert, d. h. einer Er- i örterung unterzogen werden müßten.?lber man muß sich vcrgegen- wärtigen, daß, wenn eine Macht die Revision eines Punktes vor- schlüge, möglicherweise andere Mächte die Revision anderer Pu.nl!? vorschlagen würden. Es wäre zwecklos, Modifikationen vorzu- schlagen, wenn die betreffende Macht nicht bereit wäre, ihren Willen durch Anwendung von Gewalt durchzusetzen. Wir sind bereit, allen Entscheidungen zuzustimmen, die die Zustimmung der Großmächte findet. Wir selb st beabsichtigen nicht, Modifikatio- ncn vorzuschlagen. Man ist hier der Meinung, �'ß die Mächte eine gewisse Zeit brauchen werden, um sowohl, was Thrazien als auch was Mazedonien betrifft, die bestehende Lage zu prüfen, die durch die türkische Wiederbcsetzung von Advianopel und den Frieden von Bukarest entstanden ist, bevor sie sich endgültig ent- allgemeine Reform der asiatischen Türkei gediehen sind, und ob als Grundlage dieser Verhandlungen vereinbart worden ist, daß sie nicht die Errichtung von Einflußsphären zum Gegenstand haben, sondern der Türkei die gemeinsame Beihilfe aller Mächte sichern werden, um ihre asiatischen Besitzungen zu schützen und eine gute Regierung einzurichten. Grey antwortete auf die erste Frage bejahend, was die zweite und die dritte Frage betreffe, so sei die � Lage die, daß die Vertreter der sechs Großmächte in Konstantinopel scheu Eroberer, die nur auf Eingeborene in Elsaß-Lothringen in eine Erörterung der Grundzüge für die Reform eingetreten sind, angewendet werden. Daß sie hier fielen, zeigt, wie sehr sich aber er könne in einem so ftühen Stadium der Beratung noch der tretende Musketier und der ohrfeigende Sergeant der keine Mitteilung über die Art des Entwurfes machen. Er könne germanisatorischen Rolle ihres Tuns bewußt waren. Sie nur sagen, daß da» Ziel aller Mächte genau in den letzten Worten hielten den Zivilisten für einen Eingeborenen, und dem die der Anftage beschrieben ist, daß sie nämlich nicht die Errichtung wieweit die Verhandlungen unter die j Ä* zu unternehmen wünschen. Wir sollten im Interesse des allgemeinen Friedens auch weiterhin so eng wie möglich mit den anderen Mächten zusammenarbeiten. Sir Edward Grey schloß: Ich glaube, sowohl die Türkei wie die Balkanverbündeten dürfen nicht darauf rechnen, daß. wenn auch die Mächte sich während der letzten Monate einer gewaltsamen Jntor- vention enthalten haben, unter allen Umständen keine Großmacht intervenieren werde, wenn sie entsprechend provoziert ist. Noch eine Abschüttclung der österreichischen Rcvisionsheyer. Köln, 12. August. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Nach Budapest sollen aus Berlin Mel- düngen gelangt sein, wonach in Berliner amtlichen Kreisen der Widerstand gegen eine Redisionspolitik gewissermaßen zurück- getreten sei, dieser Ausdruck ist irreführend. Deutschland kämpft in der Frage der Uederprüfung nicht gegen andere Mächte, nimmt aber nicht an europäischen Versuchen zur Abänderung des Bukarester Vertrages teil und verhindert dadurch ein europäisches Vorgehen gegen das mühevoll zustande gebrachte Friedenswerk. Deutschland beteiligt sich nur an solchen Er- örterungen der Mächte, die der Absicht dienen, dem Vertrage die Zustimmung Europas zu sichern. Eine Gegnerschaft gegen Bulgarien ist nicht im Spiele, aber wie die Dinge jetzt liegen, lassen sich die bulgarischen Wünsche ohne neue Gefährdung des Friedens nicht verwirklichen. Auch Fraukreich gegeu eine Revision des Bukarester Friedens. Paris, 12. August. Die„Agcnce Havas" veröffentlicht folgende Note: Der Augenblick scheint uns gekommen zu sein, die widersprechenden Nachrichten über die Haltung der Re- gierungen Frankreichs und Rußlands in" der Kawalla- Angelegenheit klarzustellen. Keine von beiden hat jemals von der anderen ein Opfer ihres Standpunktes verlangt und beide haben einander regelmäßig ihre Ansichten mit- geteilt. Rußland wußte, daß Frankreich dafür war, Kawalla, eine griechische Stadt, au Griechenland zu geben, und in Frankreich war der Wunsch Rußlands nicht unbekannt, diesen Hafen am Aegäischen Meere Bulgarien zu sichern. Die beiden Regierungen wußten, daß keine von ihnen ihrer Meinung eine solche Wicyiigkeit beimäße, daß sie von ihrem Verbündeten ein Opfer seiner Neigung hätte fordern müssen, da die Tendenzen der allgemeinen Politik der Mächte und die Tatsachen sie beide dahin führen mußten, sich auf eine der beiden Lösungen zu einigen. Da die Frage der Revision heute negativ ent» schieden i st, ist es nicht mehr an der Zeit, auf die An- gelegenheit einzugehen. Sicher ist, daß die Beziehungen zwischen den beiden Ländern niemals herzlicher waren, als in diesem Augenblick. Beurlaubung österreichischer Reservisten. Wie», 12. August. Wie die„Militärische Rundschau" mitteilt, finden in den allernächsten Tagen in größerem Um- fange Beurlaubungen von einberufenen Reservisten im Bereiche von Bosnien, Herzegowina und Dalmatien statt. Zu einer Entlassung der schwergeprüften Reservisten kann sich die schwarzgelbe Kriegskamarilla immer noch nicht ent- schließen. Bulgarische Klagen über türkische Greueltaten. Sofia, 11. August. lMeldung der Agence Bulgare.) Wie das Hauptquartier erfährt, befestigen die Türken Kirki- l i s s a. Die türkischen Soldaten nehmen die Ernte weg, die sie nach Tirnovadjik fortführen. Die Einwohner der Dörfer Klazowo, Siknihor und Kamila flüchteten in die Wälder. Ihr Vieh wurde geraubt. Die Dörfer Velika, Modassura, Mass«, Pirgopoli, Urgari und Dama wurden von türkischen Truppen umzingelt. Die Sol- baten begehen allerlei Gewalttaten. Griechen dienen den Türken als Spione. Gestern abend wurde ein bulgarischer Posten bei Kuhunoflaular im Bezirk Harmanly von einer türkischen Abteilung von 20 Reitern und 200 Infanteristen angegriffen, die etwa 00 Leute aus jenem Gebiet gefangen nahmen und nach Papsköj brachten. �toUtifcde Geb er Hebt. Ist es schon aus? Man schreibt uns: Da bisher nichts davon zu hören war, daß die Militärbehörde infolge des KornwalzerprozesseS weitere Recherchen unternimmt, möchten wir nochmals folgende Stellen aus der gerichtlichen Ver- nehmung Brandts wiedergeben. Sie lauten: „Der Verhandlungsführer überreicht dem Zeugen Brandt das bei ihm beschlagnahmte Notizbuch, in dem sich auf den Seiten 1 bis lg das Verzeichnis der Kornwalzer befindet, zu denen nach der Ansicht der Anklage der Angeklagte Titian das Material ge- Bw franzöiifciK Voritoß gegen Berlin. Der Waffenstillstand, der am i. Juni 1813 in Poifchwitz ab- geschlossen worden war, lief ab, wie ihn sich beide Teile gedacht hatten: unter steten Rüstungen der Verbündeten wie Napoleons und ohne daß die Besprechungen zu Prag über das Wesen einer leeren Posse hinausgekommen wären. Noch während des Prager Kongresses hatte ein lebhaftes Ge- schacher zwischen Preußen und Rußland auf der einen und Oester- reich auf der anderen Seite zum Ziele geführt: der Habsburgerstaat trat dem Bündnis gegen Napoleon bei, erhielt aber dafür die An- wärtschaft auf das Königreich Italien und Jllyrien, der König von Sardinien sollte sein Erbe zurückbekommen, Mittelitalien samt Genua unter die Erzherzöge der österreichischen Betternschaft aufgeteilt werden, Sizilien wieder an die Bourbonen fallen. So wurden, ehe noch die Revolution in Gestalt Napoleons niedergeworfen war, die Völker wieder ganz nach den überlebten Grundsätzen des achtzehnten Jahrhunderts verkauft und verschachert. Am 10. August verkündeten Signalfeuer von den Kuppen des Riesengebirges, daß die Zeit der Waffenruhe vorüber sei und daß sich die Heere von drei Mächten von den Hilfstruppen der kleineren Staaten abgesehen, auf N a p e l e o n stürzen würden. Bald begannen denn auch die kriegerischen Operationen. Die Verbündeten verfügten über insgesamt 492000 Mann, die aber in drei verschiedene Hcerkörper eingeteilt wurden. Das Hauptheer, meist Oesterreicher, aber auch Preußen und Russen umfassend, stand unter Schwarzenberg, der sich in seinem Hauptquartier mit den drei Potentaten von Rußland, Preußen und Oesterreich herum- zuärgern hatte, in Böhmen, um Wien gegen einen Angriff der Franzosen zu sichern. Die schlesische Armee, die sich aus zwei russischen HeereSabteilungen und einer preußischen unter D o r ck zu- sammensetzte, stand, wiewohl die junkerlichen Gamaschenknöpfe in Friedrich Wilhelms III. Umgebung dem heftig widerstrebt hatten, unter der Führung BlücherS, dessen Stabschef Gneisenau von D o r ck in der unerquicklichsten Weise angefeindet wurde— dem ultrakonservativen Manne von Tauroggen war Blücher nur ein»roher Husar" und Gneisenau ein„phan- tastisches Kraftgenie" und nichts als Gift und Galle Pflegte er zu speien gegen die.Heerverderber", wie er die Reformer in Bausch und Bogen nannte. Die Nordarmee endlich stand m den Marken und an der Niederelbe und wie" als Kern zwei preußische Heer- Haufen unter den Generalen B ü l o w und Tauenzien aus, außerdem fand sich hier ein russisches und ein schwedisches Korps nebst kleineren HcerSsplittern anderer Staaten vor. Befehligt wurde die Nordarmee von dem schwedischen Kronprinzen Bernadotte, der sehr zu Unrecht in den Ruf eines allerersten militärischen Genies geraten war. »Es ging," kennzeichnet der Junker v. d. M a r w i tz die all- liefert hat. Zeuge: Zu diesen Kornwalzern habe ich auch von anderer Seite Material bekommen." Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Dr. Welt:„Der Zeuge möchte uns doch die andere Serie nennen, von der er noch Material bekommen ha t." Ze u g e:„Das möchte ich nicht tun, ich will die Sache nicht noch größer machen." Anklagever- t r e t e r:„Ich will den Zeugen ja nicht pressen, aber ich will ganz allgemein, ohne Namen zu nennen, wissen, ob auch Vertreter an- derer Firme» mit Militärpersonen in unterirdischer Fühlung ge- standen haben." Zeuge:„Ich könnte diese Frage beantworten, ich möchte es a b e r n i ch t t u n. Ich möchte den Skandal nicht noch größer machen. Ich würde es unter keinen Umständen tun. Ich weiß, daß auch die Vertreter anderer Firmen tadellos infor- miert waren. Krupp war es früher nicht und deshalb war Krupp ins Hintertreffen gekommen." Nun griff der Verhandlungs- führer ein und sagte:„Wir kommen auf diesem Gebiete mit dem Zeugen ja nicht weiter/' Darauf wurde das sehr brenz- liche Thema verlassen und das Gericht wandte sich an- deren Dingen zu. Der Torhang ist also gerade in dem Moment gefallen, in dem die Geschichte für die Oeffentlichkeit besonders interessant geworden wäre. Gesetzlich ist dieses Verfahren zweifellos richtig gewesen, denn für die Entscheidung der Frage, ob die Angeklagten schuldig waren, war es belanglos, ob auch andere Militärpersonen Dienstgeheimnisse verraten haben, aber der Vorhang kann nicht für immer herabgelassen sein. E r m u ß wieder ausgezogen und die Szene weitergeführt werden. Das ist um so notwendiger, als auch die Aussagen des Dlrektors Mouth, früher bei Krupp, die Angaben Brandts u'n t e r st ü tz t e. Mouth erklärte die Sendling Brandts nach Berlin damit, daß kleinere Firmen öfter schneller liefern konnten als Krupp. Diese Tatsache habe man sich in Essen nur so erklären können, daß die anderen Firmen über Aufträge, die das Kriegsministerium bergeben wollte, früher unterrichtet waren als Krupp. Es kann also nicht zweifelhaft sein, daß die Aussagen Brandts nach einer neuen gründlichen Untersuchung geradezu schreien. Wird Brandt unter Eid um die Namen der Militärpersonen ge- fragt, die mit den Vertretern anderer Firmen in unterirdischer Fühlung standen, könnte er die Aussage nicht verweigern, weil er sich s e l b st mit ihr nicht belasten würde. Und juristisch wäre die Bewerkstelligung einer Untersuchung vielleicht doch möglich. Um z. B. Beamte zu eruieren, die einer Zeitung eine der Re- gierung unbequeme Mitteilung zukommen ließen, hat man schon öfter ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Es wäre nicht verständlich, wenn gerade jetzt kein Mittel zur Auf- hellung des Dunkels, das noch immer über Brandts Aussagen liegt, gefunden würde. Statt daß man über die Sozialdemokratie schimpft und triumphierend ruft: Kein Panama!, schaffe man lieber bollkourmene Klarheit. Unterirdische Minen gegen die„Volksfürsorge". Die Ueberzeugung von dem„Stillstände" oder„Rückgänge" der Sozialdemokratie scheint bei unseren patriotischen Gegnern noch nicht allzu fest Wurzel geschlagen haben, sonst würde man gegenüber der verdächtigen.Volksfürsorge" nicht solche Purzelbäume schlagen, als es jetzt wieder in Schlesien geschieht. Der„Volkswacht" ist ein Zirkular des Reichstreuen Bergarbeitersekretariats sür Niederschlesien auf den Tisch geflattert, das an die Arbeitgeber der Provinz gerichtet ist und diese auffordert, der„öffentlich-rechtlichen" Konkurrenz der „Volksfürsorge" daS Interesse ihrer Arbeiter zuzuwenden. In dem Zirkular heißt es unter anderem: .Oberwaldenburg, den 7. August 1913. Sehr geehrter Herr! Die von den sozialdemokratischen Konsumvereinen und Gewerffchaiten neu gegründete„VoliSsüriorge" stellt für unser gesamtes politisches Leben, noch mehr aber für unser Wirlschaftsleben, eine neue ernste Gefahr dar. Aus diesem Grunde haben Behörden, maßgebende und ein- flußreiche Personen aus allen politischen Parteien und allen sozialen Ständen sich ernstlich mit der Frage beschäftigt: Wie können wir dieser Gefahr begegnen? Ist es möglich, die große Zahl derjenigen Arbeiter, welche zur Zeit noch nichr von der Sozialdemokralie infiziert sind, vor dem Swicksal zu bewahren, durch die Betätigung eines an sich sehr gesunden Sparsinnes mit der Sozialdemo- gemeine Stimmung,„ein ganz sonderbarer Geist vor ihm her Ungeachtet er niemals Heldentaten verrichtet hatte, so traute jeder- mann in der Mark sie ihm doch zu, und keinem fiel ein, daß, wenn er anführe, noch irgendeine Gefahr sein könne." Napoleon verfügte über rund SO 000 Mann weniger als die Verbündeten und zählte auch weniger Geschütz und Reiterei, aber er hatte den Vorzug der einheitlichen Heeresleitung für sich und glaubte auch im Besitz der Elblinie mit mehreren Festungen so sicher zu sein, daß er den Rat einiger Schwarzseher, sich bis zur Saale oder gar bis zum Rhein zurückzuziehen und dort, mit nahen Hilfs- quellen im Rücken, die Entscheidungsschlacht abzuwarten, unmutig in den Wind schlug. Während man im Hauptquartier der Verbündeten den Plan ausgeheckt hatte, daß jeder der drei Heerkörper, von Napoleon angegriffen, sich so lange zurückziehen solle, bis die beiden anderen Armeen heran seien und den Feind in der Flanke und vom Rücken her packen könnten, beschloß Napoleon, zunächst das schlesische Heer unter Blücher über den Haufen zu rennen, dann starke Truppenmassen durch die Lausitzer Defileen nach Böhmen hineinzuwerfen und die Verbündeten vor sich her nach Wien zu treiben. Aber als er Blücher auf den Leib rückte, wich der schlaue Husar zurück, um die Franzosen hinler sich herzulocken und so Schwarzenberg Gelegenheit zu einem günstigen Angriff auf Dresden zu geben, das Napoleon als den wichtigen Angelpunkt seiner Operationen betrachtete. Zur rechten Jeit roch der Franzosen- kaiser den Braten, ließ Macdonald mit rund 60 000 Mann im Angesicht von Blücher zurück und strebte selbst mit der alten und der jungen Garde nach Dresden, um dem Schlag der Verbündeten zuvorzukommen. Während es ihm wirklich bei Dresden gelang, über das Heer Schwarzenbergs am 26. August einen blutigen und unbestrittenen Sieg davonzutragen, war Macdonald zur selben Zeit an der Katzbach von Blücher auf das ungünstigste Kampfgelände gelockr worden und hatte eine unheilvolle Niederlage davongetragen. Nicht besser war es den drei Armeekorps gegangen, die unter Oudinot, Rehnier und Bertrand zugleich mit Napoleons Ausbruch gegen die schlesische Armee in der Richtung nach Berlin abmarschiert waren. Von Norden sollte D a v o u t aus Hamburg diesen Streitkräften zu Hilfe kommen, von Magdeburg aus General G i r a r d mir 9000 Mann der Bernadotteschen Armee in die Flanke fallen. Den Zweck dieser Bewegung sah Napoleon darin, die preußische Hauptstadl in seine Hand zu bc- kommen, die Stadt, wenn sie Widerstand leisten sollte, durch das Feuer von fünfzig Haubitzen einzuäschern, vor allem aber mit der Landwehr— der„mauvaisa infanterie", dem„schlechten Fußvolk", wie er sie nichtachtend nannte— und dem„wahnsinnigen Janhagel" aufzuräumen und die Feuerbrände der Vollserhebung in ganz Nord« deutschland auszutreten. Nach dieser Arbeit hatte er den Rücken frei und konnte mit doppelter Aussicht auf Erfolg den Stier der Haupt- armee im Operationsradius von Dresden bei den Hörnern packen.— kratie in Beziehungen zu kommen, die sie schwer oder gar nicht wieder lösen können? Ist es möglich, eine Versicherung zu empfehlen, welche den Versicherten gegen die angeblichen oder wirklich vorhandenen Schäden der bisherigen Volksversicherung schützt?" Es wird dann von. den Bemühungen um anders Versicherungen gesprochen und gesagt: „Nach mühseligen Verhandlungen ist eS gelungen, nicht mn: einen, sondern(leider) mehrere Wege zu bahnen." Von diesen„leider mehreren" Wegen wird dann die„öffent- lich-rechtliche" Volksverficherung für Schlesien empfohlen und um ihr die Mitglieder zuzutreiben, bebauplet ein beigelegtes Flugblatt folgendes über die„sozialdemokratische" Volksfürsorge: „Wo bleibt das Geld, welches die rote Volks- fürsorge dem Versicherten weniger auszahlt, wie die Ver- sicherung der nationalen Volksversicherung? In sozial- demokratischen Blättern war zu lesen, daß'46 000 Beamte a n g e st e l l t werden sollten(!). Daß diese Beamten natürlich nickt von sozialdemokratischen Redensarten und Phrasen leben, beweist die Talsache, daß für den Posten eines Generalagenten ein Betrag von 30 000 M. aus- gesetzt worden ist. Wie die sozialdemokratische Partei Gehälter von 30 000 M mit ihrem Parteiprinzip vereinbart. das zu enträrseln wird nur Sozialdemokralen möglich sein." Im Speziellen wird dann noch die Behauptung aufgestellt. daß die„Volksfürsorge" einen großen Teil ihrer Gelder, etwa 33 Va P r o z.. dazu verwendet, um politische Demagogen zu besolden". Man sieht, die Reichstreuen schrecken vor den erbärmlichsten Lügen nicht zurück, um die flüchtenden Scharen ihrer Anhänger an sich zu fesseln. Vielleicht sieht sich die„Volksfürsorge" die Verbreiter dieses Pamphlets einmal etwas genauer an und klopft ihnen gehörig auf die Finger._ Angefochtene preußische Landtagswahleu. In 17 Wahlkreisen ist gegen die neugewählten Abgeordneten Protest eingelegt. Die Wablproteste richten sich geejen 22 Abgeordnete, von denen S den Konservativen, S den Freikonservativen, 7 den Nationalliberalen, 2 der Fortschrittlichen Botkspartei, 1 dem Zentrum und je 1 der wirtschaftlichen Vereinigung und den Christlich- sozialen angehören. Außerdem sind von den Abteilungen der Wahlprüfungskommission noch die Wahlen von 11 Abgeordneten zur Prüfung überwiesen worden. ES handelt sich dabei um 4 Fortsckrittler, 2 Konservative, 2 Freikonservative, 1 Nationalliberalen und 2 Zentrumsabgeordnete. Ei« Reichövcrbändler. Bor der Düsseldorfer Strafkammer hatte sich am Sonnabend ein Kassiererin aus Gelsenkirchen wegen Untreue zu verantworten. Das Mädchen war in einem Düsseldorfer Geschäft angestellt und hat diesem etwa 3700 M. unterscklagen. Sie ist von der Natur etwas stiefmütterlich behandelt, möchte aber trotzdem gern Ehefrau werden. Dieses Sehnen wurde von dem verheirateten Schriftsteller Paul Karl Dickmann aus Essen, der für die ReichSverbandskorrespondenz schrieb, in der gemeinsten Weise ausgenützt. Dickmann schwindelte dem Mädchen vor, er werde sich scheiden lassen, um es dann zu heiraten. Im Vertrauen darauf gab ihm das Mädchen sein Spar- gnlhaben in Höhe von 1300 M. und als Dickmann dann immer wieder Geld verlangt, vergriff sick die Angeklagte schließlich an der Geschäftskasse. Dickmann halte sich— ohne daß das Mädchen zu- nächst dahuiter kam— von diesem aushalten lassen. Vor Gericht gab er an. er habe zeitweilig feste Stellung gehabt und„nebenbei viele Sachen für den Reichsverband gegen bis Sozialdemokratie geschrieben und diese Sachen zur bezahlt" erhalten.— Das Gericht verurteilte die Kassiererin zu sechs Monaten und den Reichsverbändler Dickmann wegen Hehlerei zu einem Jahr Gefängnis. Eigene Schuld und fremdes Mißtrauen. Es läßt sich wohl nicht bestreiten, daß der deutsche Kaiser eine große persönliche Vorliebe für Norwegen hat und in Norwegen eine gewisse Popularität genießt. Seine ewig wiederholten Nord- landsreisen und der Umstand, daß er so leicht nichts unter- nehmen kann, ohne daß die Presse von Hunderten von beflissenen Schmocks in Bewegung gesetzt wird, haben für die landschaftlichen Schönheiten Norwegens eine starke Reklame gemacht. Was die historische Kritik auch sonst an Wilhelm II. wird auszusetzen finden, Aber das Unternehmen mißlang auf der ganzen Linie. Bernadotte allerdings war ein blasser Zauderer, der sich vor« genommen hatte, den Krieg gegen Napoleon„mit Methode und Langsamkeit zu führen" und der jetzt drauf und dran war, Berlin kampflos in die Hände de« herannahenden Feindes fallen zu lassen. Aber B ü l o w wußte den Schwachmütigen umzustimmen und B ü l o w war es auch, der sich am 23. August mit Ungestüm auf R e y n i e r S Korps warf, das bis Großbeercn, kerne drei Meilen von Berlin entfernt, gekommen war, und. während die beiden anderen französischen Korps noch fern waren, einen großen Erfolg davontrug. Deutsche kämpften hier, wie so oft in den Feldzügen dieser Zeitspanne, gegen Deutsche, denn R e h n i e r s Korps bestand zum großen Teil aus Sachsen, die sich tapfer schlugen. B ü l o w erbeutete 26 Geschütze, nahm 1700 Mann gesangen und zwang O u d i n o t s Streitkräfte, in Verwirrung bis Wittenberg zurück- zuweichen. Als D a v o u t die Unglücksbotschast von Großbeeren vernahm, machte er schleunigst kehrt. Auch G i r a r d suchte sich zurückzuziehen, stieß aber am 27. August bei Hagelberg auf den preußischen General H i r s ch f e l d, der ihm eine vernichtende Nieder- läge beibrachte— kaum 1700 von den 9000 kamen nach Magdeburg zurück. So war Berlin vor einer Besetzung durch die Franzosen ge- rettet, die dort, sowohl um Rache zu nehmen, wie um Schrecken einzuflößen, sicher furchtbar gehaust hätten. Ihre Rettung verdankte die Hauptstadt einzig und allein, von Bülows kühner Entschluß- kraft zu schweigen, der Tapferkeit der von den Junkern so miß- achreten märkischen Landwehren. Den Löwenanteil an dem Tage von Großbeeren durfte wie an der Katzbach die Landwehr für sich beanspruchen und bei Hagelberg hatte ausschließlich Landwehr da» Gefecht geschlagen. Der Instinkt für das Notwendigste nach einer gewonnenen Schlacht saß diesen geringschätzig behandelten Milizen so im Blut, daß die Gräfin Sophie Schwerin sehr anschaulich von Großbeeren berichten konnte,„wie die Landwehr sich der Freude des Sieges so ganz überließen, daß sie von keinem Einhalten und Umkehren hören wollten und zu glauben schienen, ein fliehender Feind müsse bis anS Ende der Welt verfolgt werden." Aber nicht den eigentlichen Sieger» wurde der verdiente Lorbeer. Wenn Bernadotte, statt mit Gewehr bei Fuß bei Seite stehen zu bleiben, zur rechten Zeil in die Schlacht von Großbeeren ein» gegriffen hätte, wäre von O u d i n o t S ganzer Armee nicht Mann noch MauS entkommen. Aber der schwedische Kronprinz sah so wenig sein Verschulden ein, daß er vielmehr in ruhmredigen Bulletins sich das Verdienst an dem Siege zuschrieb. So neigte sich der Berliner Magistrat auf einem HuldigungSgange in das Lager der Siegeb donkbar und demütig vor dem Schweden und sah an B 2 l o w gleichgültig vorbei. Die Landwehr gar, die Retterin der Hauptstadt, begegnete unmittelbar nach dem Feldzug wieder dem schnarrenden Hohn und Spott der durch die Straßen Berlins klirren- den Gardejunierl daß er den Touristenverkehr nach Norwegen gehoben hat, wird eine der Herrschertaten sein, die ihm auch der blasse Neid lassen muh. Nichtsdestoweniger fangen in Norwegen auch ruhige Zeitungen an, unangenehm berührt zu werden, weil die deutschen Kriegsschiffe massenweise die Häfen ihres Landes aufsuchen. Man hat das Gefühl, dah einem Deutschland zu nahe auf den Leib rück: und diese Nähe Deutschlands wird mit Unbehagen empfunden. Wie ,A ft e n p o st e n* wissen will, sollen sogar neue Bestimmungen erlassen werden, noch denen eine einzelne fremde Macht nur eine bestimmte Anzahl von Kriegsschiffen in die nor« wegischen Häfen entsenden darf, und man verschweigt durchaus nicht. dah die deutschen Kriegsschiffe als die Urheber dieser neuen Be- ftimmungen anzusehen sind. Um beruhigend zu wirken, hat darum der offiziöse Draht einen längeren Artikel in die Welt gesandt, der aber selbstverständlich an dem Kern der ganzen Frage vorbeiredet. Im wesentlichen erklärt er die norwegische Zeitungsverstimmung mit der angeblichen Tat- fache, daß in einem recht bedeutenden Teil der norwegischen Presse englisches Kapital stecken soll. Wir wissen nicht, ob diese Behauptung richtig ist, wir kennen aber die Schleichwege des internationalen Kapitals viel zu gut, als dah wir sie von vornherein für unmöglich halten sollten. Die Abneigung aber, die daS norwegische Volk bei einer allzu intimen deutschen Annäherung empfindet, hat mit dem englischen Kapital nichts zu tun und wird in gleichem Mahe in Dänemark und anderen kleinen Ländern empfunden. Wenn die freien Germanen des Nordens auf die englische Weltmacht mit Nuhe blicken, während es ihnen bei dem blohen Gedanken einer deutschen Umarmung eiskalt über den Rücken läuft. müssen wir unseren Dank für diese schmeichelhaften Talsachen beim preuhi scheu Feudalismus abstatten. Die Art und Weise, wie wir die fremden Nationalitäten mißhandeln, die in unseren Grenzen wohnen, läht unseren Staat überall in der Welt als einen Zuchthausstaat erscheinen, vor dem alle freien Völker sich be- kreuzigen. Im Besonderen aber haben die Norweger allen Grund zu einem gelinden Schauder, wenn sie ihre Blicke nach Nordschleswig richten- Die Norweger und die Dänen haben bekanntlich die Kultursprache gemeinsam. Was in Nordschleswig in der niederträchtigsten und brutalsten Weise mißhandelt wird, ist die Sprache Ibsens und Björnsons und die Sprache der norwegischen Kultur überhaupt. Man mutz den freien Norwegern schon eine Gänsehaut zugute halten, wenu sie sehen, wie in NordschleSwig unschuldige Menschen administrativ gefoltert und aus dem Lande gejagt werden, nur weil sie die Sprache der nor» wegischen Kultur reden. Man muh das um so eher, als das feudale Regiment ja auch in unserer inneren Politik die denk» bar häßlichsten Erscheinungen zeitigt. In Norwegen ist der Präsident des obersten Gerichtshofes des Landes ein erklärter Sozialdemokrat. in Deutschland werden die sozialdemokratischen Massen mit den brutalsten Mitteln verfolgt und bei jeder Gelegenheit gehetzt und getreten. Der Anblick einer so widerwärtigen Gewaltherrschaft aber kann bei freien Völkern selbstverständlich nur einen Schauder hervorrufen. Die feudalen Junker fressen unser nationales Ansehen, wie sie das Mark unseres Volkes fressen, um ihre Herrschast zu behaupten. So lange Deutschland ein feudal-absolutistisches Gt» m e i n w e s e n ist, wird es nach außen hin nicht ohne Grund als ein Sklavenstaat scheinen, vor dessen Annäherung man unwillkürlich zurückbebt. Und daran werden keine offiziösen Beschwichtigungstelegramme etwas zu ändern vermögen. ssolge« der hohen Zölle. Wie wir kürzlich schon berichten konnten, sind von der Straf- kammer in Offenburg einige Kaufleute aus Köln, die in Kehl bei Strahburg eine Spritniederlage besitzen, zu hohen Geldstrafen ver- urteilt worden. Wie wir nachträglich erfahren, wurde unter der Deklaration von Steinkohlenteer in Wagen, die mit besonderen Jnnenräumen versehen waren, Sprit in größeren Quantitäten aus der Schweiz nach Deutschland geschmuggelt. Der Zoll für IVO Kilo Sprit beträgt L7S M. Bei diesem ungeheueren Zollsatz ist es natürlich ganz unmöglich, Spiritus aus der Schweiz einzuführen. Daher die Versuchung zum Schmuggel, bei dem eine einzige Ladung etwa 4000 M. Reingewinn bringt. Krieg im Frieden. Auf dem Truppenübungsplatz Sennelager bei Paderborn in Westfalen scheint es leltsam zuzugehen. Bor einigen Wochen hoben wir nach den Meldungen bürgerlicher Lokalblätter von bösen Folgen außergewöhnlicher Marschleistungen berichtet und unsere Verwunderung darüber ausgedrückt, daß die Militärbehörden sich in vollständiges Schweigen hüllten, obwohl zwei Mann dabei zu Tode gekommen und eine Anzahl Leute krank geworden sein sollten. Erst nach ungefähr 14 Tagen verbreitete daS Bureau Hirsch eine lahme Berichtigung von„zuständiger Seite�, in der aber der Tod eines Reservisten zugegeben war. Am 8. August brachte darauf das»Wests. Volksblatt*— ein Zentrumsorgan— folgende Mitteilung: Sennelager, 7. August. Ein Soldat des Dragonerregiments Nr. 5 Hofgeismar brachte sich gestern mit seinem Karabiner lebenS- gefährliche Verletzungen bei. Wie verlautet, handelt es sich um einen Selbstmordversuch aus»Liebesgram*.— Bei der am Mittwoch abgehaltenen Besichtigung der sechs Ka« vallerieregimenter, die zurzeit in der Senne zusammen- gezogen sind, soll es, wie wir in letzter Stunde erfahren, z u schweren Unglücksfällen gekommen sein. Wie es heißt, sind sieben Kürassiere des Deutzer Re- giments schwer verletzt worden, von denen einer bereits gestorben sein soll. Ww geben die Nachricht wieder, wie wir sie hören; eine Bestätigung bleibt ab- zuwarten. Seitdem die militärfromme Zeitung diese doch gewiß nicht all- tägliche Nachricht in die Well setzte— wenn auch bezeichnenderweise in kleinem, unauffälliaem Druck— sind drei bis vier Tage der- gangen, aber keine Militärbehörde nreldet sich. Weder eine Bestäii- gung, noch ein Widerruf dringt aus dem geheimnisvollen militä- tischen Dunkel der westfäliichen Sandbüchle. Immerhin— wäre die Mitteilung falsch, so wartete gewiß das Zentrumsorgan nickt mehr auf eine„Bestätigung*, und danach läßt sich annehmen, daß, wenn nicht alles, so mindestens ein großer Teil dessen, was mit- geteilt worden ist, stimmt. Und dann wäre allerdings wieder ein krasses Beispiel dafür gegeben, in welcher unverantworilichen Weise bei den militärischen Uebungen mit den Mannichaflen umgesprungen wird._ Oelterrticb. Eine schwierige Rechtsfrage. Prag, 11. August.(Erg. Bei.) Die L k. LandeSverwaltungS- kommission für Böhmen, die nach der Regierung»neben der Ver- fassung* steht, konnte ihre Tätigkeit nur aufnehmen, indem sie den vom La. dtag gewählten Landesausschüssen ihre Funktionen nahm. Nach der Landesverfassung behalten die Landesausschüsse bei Land- lagsauflösung ihre Mandate bis zur neuen Session. Die jetzt ab- gesägten Landesausschüsse waren allerdings schon von dem vor- vorigen Landtag ISO» gewählt, da der letzte infolge der deutschen Obstruktion nicht einmal zu dieser Wahl kam. Nun klagen die tschechische« Ex-LandeSauSschüff« bei dem Spezialgericht für Verfassungsbeschwerden, dem k. k. Reichsgericht, wegen Verletzung ihrer verfassungsmäßigen Rechte durch ihre Be- seitigung. Gibt ihnen das Reichsgericht etwa recht, so müßte die LandeSverwaltungskommiision abtreten oder die Regierung müßte statt»neben*, ganz offenkundig über die Ver- fassung treten.— Das Reichsgericht wird vom Kaiser aus den vom Parlament vorgeschlagenen Juristen gebildet, das jüngst er- nannte Mitglied ist der Wiener demokratische Sozialpolitiker Abg. Dr. O f n e r. Hfnfca. Eine englische Schlappe in Somaliland. London, 12. August. Nach offiziellen Depeschen betreffend eine Niederlage in Somaliland griffen 1000 Derwische ein Kamelreiterkorps am 9. August zwischen Berbers und Dowai an und schnitten ihm den Rückzug ab. Das Maschinengewehr funktionierte nicht. Am 10. August langten Verstärkungen an. Es gelang dem Kamelreiterkorps nach Burac zu kommen. Wegen Mangels an Munition verfolgten die Derwische nicht. Die Kamel- reiter werden Burac räumen, da ein neuer Angriff in Aussicht steht; ihre Verluste betragen einen englischen Offizier tot, einen verwundet, einige fünfzig Mann tot und verwundet. Die Ver» luste der Derwische sollen bedeutend sein. Htnmha. Tie Thammanny-Wirtschaft. Alban»(New Uork). 12. August. Die Legislatur des Staates New Jork hat den Bericht ihrer Kommission gutgeheißen, in dem Gouverneur Sulzer beschuldigt wird, Wahlgelder für seinen persönlichen Gebrauch verwendet zu haben. Die Legislatur nahm darauf mit 64 gegen 30 Stimmen den Antrag des Abgeordneten Levh an, eine Resolution auf Erhebung der Anklage gegen Sulzer zur Beratung zu stellen. Castros Putsch gescheitert. Washington, 12. August. Der amerikanische Konsul in Caracas meldet, daß der Versuch Castros, eine Revolution in Venezuela hervorzurufen, fehlgeschlagen ist. Der Konsul bestätigt, daß General Torres und seine Offiziere, die sich an die Spitze der Revolution im östlichen Teil des Landes gestellt hatten, gefangen. genommen worden sind. Hua der Partei. Totenliste der Partei. In Achern starb im Alter von 71 Jahren unser Parteigenosse Franz Peter. Seit Jahren war er mit einem schweren Gicht- leiden bebaftet, gegen welches Peter ösiers in Baden-Baden Linderung suckle. Franz Peter verwaltete mit Sorgfalt den Fonds für die Unterhaltung der Grabstätte der Rastatter Standrechlsopfer. Im politischen Leben trat er wenig hervor, da ihm die Rednergabe fehlte. Als Sohn eines alten Demokraten, der im Jahre 1849 in Baden für Deutschlands Einheit und Freiheit kämpfte, blieb der jsmtge Peter der alten Demokratie treu und erkannte, wie Amand Gögg, in der Sozialdemokratie die richtige Vertreterin des Volkes. Ein stets auf- merksamer Besucher unserer Parteitage war Franz Peter auch immer bereit, für die Sozialdemokratie materielle Opfer zu bringen. Seine Einäscherung fand am Dienstag in Baden-Baden statt. Der Bczirksparteitag für das östliche Westfalen uud die lippischm Fürstentümer fand am Sonntag in Bielefeld statt� 129 Delegierte aus den 9 Kreisen des Bezirks und 16 Porteifurmionäre waren anwesend, außerdem für den Parteivorstand Genosse Braun. Dieser hob in seiner Begrüßungsansprache die zwei wichtigsten Fragen, die die Partei zurzeit beschäftigen: ob die Reichstagsfraktion ihre Pflicht getan habe und die Diskussion des politischen Massenstreiks hervor. Die Kosten der Wehr- Vorlage seien vom Volte abgewehrt; diesen Erfolg sollten wir uns nicht verkümmern lassen. Zur Verzagtheit liege keine Veranlassung vor. Em gewisser Sullstand sei nach ReichstagSwahlen fast stets eingetreten. Unsere Entwickelung bewegte sich immer in Wellenlinien aufwärts. Viele Genossen hätten eben ihre Hoffnungen zu hoch geschroubt. Der Massenstreik sei das wichtigste und wuchtigste Kampfmittel. Wollten wir es anwenden, dann dürften wir unsere Erfolge nicht verkleinern und einzelne Führer nicht verletzen. Nur durch eigene Kraft können wir siegen, deshalb müssen wir unablässig am Bau der Organisation arbeiten und die Massen mit dem richtigen Geist erfüllen. Dann werden wir die unS bevorstehenden Kämpfe auch siegreich bestehen. Aus dem Geschäftsbericht der Bezirksleitung ist folgendes her- vorzuheben: Die Mitgliederzahl stieg von 12 176 am 60. Juni 1912 auf 12 897(darunter 1191 weibliche) am 31. März 1913. Das ist eine Zunahme um 721 oder um fast 6 Proz. Die Einnahmen betrugen inklusive des KassenbestandcS von 8006,10 M. 37 788 M., die Ausgaben 34 496.02 M., mithin betrug das Kassen- vermögen der Kreise am 31. März 3292,98 M. Die Bezirkskasse vereinnahmte 8379,61 M. und verausgabte 6128,29 M., sodaß ihr ein Bestand von 2211 32 M. verblieb. An den Parteivorstand wurden 6946,03 M. abgeführt; der Bezirk erhielt als Zuschuß oon diesem 4960 M.— 1586 Versammlungen fanden statt, davon waren 190 Volksversammlungen. 280 336 Flugblätter und Broschüren wurden verbreitet. Die Zahl der»V o l k s w a ch t*- Abonnenten ging um 190 zurück. Die»Arbeiter-Jugend* zählt 900 Ädoimenten. Die Zahl der Orte mit sozialdemokratischen Ge- m eind e Vertretern ist von 60 auf 64 gestiegen, die Zahl der Vertreter von 167 auf 172. Im lippischen und schaumburg-lippischen Landiage sitzt je ein sozialdemokratischer Abgeordneter. Das Bildungswesen wurde weiter gepflegt. Es fanden in drei Orten an je vier Abenden ein naturwissenschaftlicher Kursus, außerdem in 14 Orten solche Einzelvorträge und in zivei Orten an je vier Abenden ein literarischer Kursus und 22 solcher Einzelvorträge statt; außerdem 2l Theatervorstellungen mit Max Drehers Drama „Winterschlaf* und zwei Konzert- und Liederabende. Außer Referaten über die Presse und Bildung S arbeit nabin der Bezirksparteilag ein Reierat über„Die politische Situation und den Parteitag in Jena" entgegen. Ge- nosse Severin g. der Referent, erblickt in den Deckungsvorlagen der Regierung eine deutliche Anerkennung unserer Macht. Das Wort: Keinen Mann und keinen Groschen stehe nichi un Programm; es sei ein Schlag- worl. Es wirke deshalb nicht erhebend, wenn Abgeordnete, wie die Genossen Emmel, Rühle. Kunert, Stadthagen, Geher sich gegen die Fraknon wenden, die selbst noch vor kurzem dem Manifest sozia« listischer Parlamentarier Frankreichs und Deutschlands, das sich gegen jede Heeresvermehrung wandte und zum mindesten die Kosten dafür� den Besitzenden aufzuerlegen verlangte, zustimmten, lind Genosse Geyer verlangle als Referent über die Reichs- finanzreform aui dem Nürnberger Parteitage selbst»Die Ab- schaffung aller indirekten Steiiern, Zölle und sonstigen politischen Maß- nahmen, welche die Interessen der Allgemeinheit einer bevorzugten Minderheit opfern*. Bei dieser Kritik müsse inan sich doch fragen: Was könnte mit diesem Aufwand von Kraft Positives für die Partei geleistet werden? Wir müßten auf dem Wirlschaftsmarkt. in der Frage der Arbeitslosenversicherung die Führung behalten. Ebenso ist die Gestaltung der Handelsverträge für uns auch als Produzenten wichtig. � Tie Massenstreikdebatte sollte nicht in dem Tone der Rosa Luxemburg und anderer gepflogen werden, sondern man müsse den Massen zeigen, daß nur durch das Zusammengehen der Partei. Gewerkschaft und Genossenschaft der Kampf um unsere Ziele sieg- reich sein kann. Redner empfahl folgende Resolutionen zur Annahme: »Der BezirkSparteitag für baZ östliche Westfake« und Me lippischen Fürstentümer erklärt sich ausdrücklich mit dem Verhalte« der sozialdemokratischen Fraktion des Reichstages bei Erledigung der Wehr» und DeckungSvorlagen einverstanden. Insbesondere begrüßt er die tatkräftige, positive Politik der sozialdemokratische« Fraktion, die es verhinderte, daß auch diesmal wieder die Kosten des wahnwitzigen Wettrüstens den breiten Volksmassen auferlegt wurden. Sie erblickt in der Heranziehung der Besitzenden� durch direkte Wehrsteuern auch eines jener Mittel, durch die die Militari- sierung Deutschlands mit verhindert werden kann.* »Der Bezirksparteitag hält die Einberufung eine» außer» ordentlichen preußischen Parteitages- zur Erörterung der Frage der Eroberung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl- rechts für geboten. Bei der Entscheidung über den Zeitpunkt der Tagung empfiehlt es sich, etwaige Kundgebungen der Regierung oder die Einberufung des Landtages zu berücksichtigen.' Die Annahme erfolgte einstimmig. Zum Schlüsse hielt Abg. Genosse Hirsch einen Bortrag über »Kommunalpolitik und Sozialdemokratie*, in dem er die Aufgaben unserer Genossen in Gemeindevertretung« durch zahlreiche Beispiele erörterte. Der Parteitag beschloß im Anschluß an das Referat folgende Resolution: »Im Hinblick auf die durch die nahende Wirtschaftskrise ein» tretende Arbeitslosigkeit empfiehlt der Bezirksparteitag den sozial» demokratischen Gemeindebertretern in den Orten des östlichen West» falen und der lippischen Fürstentümer, die Gemeindeverwaltung« zu Vorkehrung« geg« die Schäden der Arbeitslosigkett zu ver» anlassen. Als geeignete Maßnahmen hierfür kommen in Bettacht: 1. Einführung einer kommunalen Arbeitslosenversicherung nnd bis zur Durchführung dieser Einrichtung Gewährung von Zu- schüssen an die Arbeitervereinigungen, die ihr« arbeitslosen Mitgliedern Unterstützung zahlen. 2. Sofortige Inangriffnahme notwendiger kommunaler Arbeit«, 3. Vorbereitung von NolstandSarbeilen. 4. Bezug von Lebensmitteln durch die Gemeinden und Abgabe zum Selbstkostenpreis an die minderbemittelten Schicht« der Bevölkerung. Der Parteitag erachtet, daß die sozialdemokratisch« Gemeinde- Vertreter durch die schnellste Vorbereitung von Anträg« die Int- ttative zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ergreifen.* Damit waren die Arbeit« des Bezirkspartettages erledigt. AuS der nordamerikanisch« Partei. New Jork, 27. Juli.(Eig. Ber.) Der vor 6 Jahr« in? Leben gerufene„Sozialistische Unterstützungsverein* trägt sich mit der Ab» ficht, ein Gut zu kaufen und dasselbe als Altersheim für bedürftige Parteiveteran« einzurichten. Ursprünglich gegründet, um Genossen, welche durch das deutsche Schandgesetz zur Auswanderung gezwungen wurden, vor der grimmigsten Not und dem mit der öffentlichen Armenunterstützung verbundenen Makel zu bewahren, dehnte der Sozialistische Unterstützungsverein seine Fürsorge nach und nach auf andere bedürftige Parteimitglieder aus. Der Verein zählt gegenwärtig etwa 1200 Mitglieder, meisten« deutsche Genoff«, aber zum Teil auch Leute, welche der Parteiorganisation nicht angehören. Der Monatsbeittag ist auf 6 CenlS<20 Pfennig) festgesetzt. Um die Einnahmen zu erhöh«, werden von Zeit zu Zeit Vergnügungen veranstaltet, die sich durchgehends eineS guten Besuches erfreuen und Ueberschüsse ergeben. Soziales» Die Hiuterbliebenenversicherung. Mit jedem Rechnungsabschluß ttitt klarer zutage, wie sehr die Versicherten in Deutschland durch die Hinteüliebenenversiche- rung der neuen Reichsversicherungsordnung geleimt wurden. Geradezu aufreizend sind die Ziffern der LandesversicherungS- anstalt Schlesiens für oen Monat Mai des laufenden Jahres. Da» nach wurden für die Hinterbliebenen der ganzen Provinz auSge- zahlt an Witwenrente 3016 M., an Waisenrente 22 306 M., au Witwengeld 6443 M., an Witw«krankenrente 18 M., an Waisen- auSsteuer 104 M.; alles in allem 32 386 M. Ueberträgt man diese kolossale Leistung auf alle zwölf Monate des JahreS, so ergibt sich eine Gesamtausgabe von kaum 4 000 000 M. Demgegenüber muß aber hervorgehoben werden, daß den Hinterbliebenen die Beiträge Verstorbener, die im Jahre 1911 noch 882 000 M. betrugen, nicht mehr zurückgezahlt wurden. Und zum Schluß muß berücksichtigt werden, daß der Etat der Landesversicherungsanstalt mit einer Steigerung infolge der Erhöhung der Beiträge rechnet, die 8 Mil- lionen Mark ausmacht, nämlich 23 Million« RIark statt bish:r 16 Millionen. Was haben also die Arbeiter in Schlesi« von der neuen Hinterbliebenenversicherung? Sie zahlen mehr 8 000 000 M. Sie erhalten weniger 882 000 M. Sie erhalten mehr rund 400 000 M. Fast 9 Millionen Mark Verlust und keine halbe Million Ge- winn! DaS mehrgezahlte Geld sammelt sich in d« Kassen der Versicherungsgesellschaften an und befriedigt daS Anleihebedürfnis der Agrarier, der Industriellen und des Staates. Aus d« Taschen der Arbeiter genommen dient es den Interessen seiner Gegner, (Siehe auch 1. Beilage.) Hetzte Nachrichten* Androhung von Repressivmaßregeln iu Böhmen. Prag, 12. August.(W. T. B.) Eine amtliche Mitteilung erklärt die Blätternachrichten für durchaus falsch, die berichten von angeblichen Erlassen betreffend strenger Weisungen hinsichtlich der Handhabung von Preßpolizei, des Vereins- und VersammlungS- rechtes sowie über äußerst rigorose Maßnahmen zur Aufrechterhal- tung der Ruhe und Ordnung eventuell durch Waff«gewalt. Die Statthalterei gab mit Rücksicht darauf, daß die Einsetzung der Landesverwaltungskommission die Oeffentlichkeit lebhast beschästi» giin werde, tatsächlich einen einzigen Erlaß heraus, der vollkommen gesetzmäßig den Gesichtspunkt in den Vordergrund stellt, daß der staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Erörterung bezüglich der Lan- desverwaltungskommission in keiner Weise in den Weg getreten werde, daß jedoch völlig gesetzwidrige Ausschreitungen mit den ent- sprechenden gesetzlich vorgesehenen Borbeugungs- und Repressiv- maßregeln zu behandeln sein werden. Die Mitteilung stellt fest, daß die zahlreichen bisherigen Kundgebungen bezüglich der Kam- Mission erfreulicherweise zu keinerlei besonderem Einschreitm Anlaß geben. Sie wollen keine Bulgaren werde». Athen, 12. August.(Meldung der Agence d'AtheneS.) Die Ab» Wanderung der Griechen und Muselmanen auS Thrazien ist all- gemein. Die Leute wollen keinesfalls wieder Bulgaren werden; sie fürchten für ihr Leben und ihr Vermögen. Die griechische Regie- rung ist sehr in Sorge, denn sie muß dieser Bevölkerung, die aus- gedehnte Besitzungen und wertvolle Häuser im Stich gelassen hat, die erste Hilfe leisten. Die zuerst angekommenen Flüchtlinge wünschten nach Kawalla gebracht zu werden. Grehs Politik findet in England Billigung. London, 12. August.(W. T. B.) Unterhaus. Bonar Law brachte zum Ausdruck, daß Grehs Politik allgemeine Billigung finde und wünschte dem Staatssekretär Glück zum Erfolg sein« Anstrengungen zur Vermeidung eines europäisch« Krieges. W «v W (ii f « »KAAAAS Qsfcreai©enoffen Jallaa Wlscheropp und Fraa Glückwünsche Hochzeit. Genossinnen u. Genosien der Gruppe 26, Weitzensee. die herzlichsten zur silbernen Hi Die Genossinnen Todes-Anzeigen ZlülsIlleliiiZlll'stlzcwVMemii !.i!. i.öerl.kMlsgzvMi'elz. fesnkturtse Viertel. Lee. 257. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Gastwirt Xsf! Llilling Holzmarlstr. 61 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 14. August, nach- mittag 4 Uhr, von der Leichen- halle deS Markus< Kirchhofes in Wilhelmsbera aus statt. Um reg« Beteiligung ersucht Der Vorstand. SozialriemokratisElier Wablvereiii Heuköiiii Km 10. August verstarb unser Parteigenosse fritz Pfundt Musiker. Weisestr. 61, 2t. Bezirk. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 13. August, nach. mittags 2 Uhr, von der Leichen. balle deS Gemeinde. Friedhoses, Neukölln, Mariendorser Weg, aus statt. Der Vorstand. Zentralveriiaflil der Mmusiker Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Allen Mitgliedern hierdurch die traurige Nachricht, daß unser Kollege Fritz Pfundt am 9. August nach langem schweren Leiden im 43. Lebensjahre ver- schieden ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 13. August, nach. mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle deS Neuköllner Gemeinde- FriedhoseS, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege BeteMgung ersucht SO/8 Der Vorstand. Deutscher Hetallarbelter-yeM Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mttglied, der Schlosser Friedrieh Kilian gestorben ist. Ehre seine« Andenke«! Dt« Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. August, nach. mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle des Gemeindefriedhoss in Schöneberg, Blanke Hölle, aus statt. Rege BeteMgung erwartet 123/16_ Die Ortsverwaltung. Deutscher Bauarbeiterverband. Zwelgrereln Berlin. Am 9. August starb unser Mt- glied, der Maurer Hemncd Kölber (Bezirk Wedding.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 'Mittwoch, den 13. August, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Nazareth> Friedhoses in Retnickendors- West, Kögelstrasse, aus statt. 144/12 Um rege Beteiligung ersucht Ber Forstand. Deutscher Holzarheiterverband. Zahlstelle Berti». Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kollege, der Tischler �Vildelm 8diud( Kl. Andrcasstr. 19, im Alter von 42 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am DonnerSlag, den 14. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Gcorgen-KirchhoseS, Landsberger Allee, auS statt. 87/3 Die Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- n, Sterhekasse der deutschen Wagenbauer. (V. a. 6.) Berlin 8. Am Sonnabend, den 9. d. Mts., verstarb unser langjähriges Mit- glied, der Schlosser Max HofTmeister Gottschedstr. 39. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Zenlral-Friedhoses in Friedrichs. selbe auS statt. 258/16 Die OrtSverwaltnng. Danksagnng. ISS Für die Beweise herzlicher Teil« nähme bei der Beerdigung meiner lieben Frau EJisv Gergs sage ich allen Freunden und Bc- kannten, insbesondere dem Männer chor.Fichte« Georginia", dem Ver band der Freien ärchank- und Gast. Wirte Neukölln, der Direktion der Brauerei Riebeck und dem Lotterie. llub.Gewinnt immer" meinen besten Dunk._ Emil Gergs. Danksagung. Allen Verwandten und Bekannten, insbesondere den werten Kolleginnen und Kolleginnen der Firma Mix u. Genest für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter sagen wir unseren herzlichsten Dank. SIA ßBbert Mohr und Tochter. TodeS-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dass unsere liebe Mutter, Krohmulter und Schwiegermutter ftniiie Berger geb. Scholz im 76. Lebensjahre nach langen, schweren Leiden am Montag, den 11. August, verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen Karl Berper nebst Fraa. Familie follbreeht Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 14. August, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des neuen Nazarethkirchhofes in Reinickendors aus statt._ 78A Orts- Krankenkasse für den Gemeindcbezirk Berlin- Stralau. Der V. Nachtrag zum Stai ut tritt mtt dem 26. August d. I. in Kraft. 1824b Berlin-Stralau, 10. August 1913. Der Vorsitzende: Joh. Gebert. : r"--rV.ri.,•.r.' Mohrenstn5fä Kolonna dcrv Qr/ranKfurteritrllS Trauer- Magazin Kleioer.HGtessfc. w Äußerste Preise"«r Tarbige Konfektion in größtem Maßatabo zu bll ligsten -Preisen— Westmann Verband d.BuEh-n.StelndrüEkcrei- Hiilsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. = Ortsverwaltung Berlin.= Am 9. d. M. verstarb unser Mitglied Lüde Rettig im Aller von 21 Jahren an der Proletarierkrankhell. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 13. August, nachmittags'/«ß Uhr, aus dem Heilig- Kreuz-Zkirchhos in Mariendors llatt. 28/6 Oie Ortsverwaltung. Mllo.1 Bassischer Augentebak, hervorragender Schnupftabak gegen Trockenheit der Nase u. Kopfschmerzen. Zu beziehen doroh den ZigaxrenhaiJeL Generalvertrofc l DeUtsÄl.• S. Rand, Berlin, WullenweberstraBe 9. d Haben Sie Slott' uh fungt davon Anzog od. Pzietot nach At asSt schick, daaerh. Zataicn von 25 Mark an. Moritz Labandt Neue Promenade 8. iL(Stadih. Bors.; tot| üen| ry zarack: Dr> p. Davidsohn, Oranienstraße 51. Arzt für Wasser-, Licht- und Köntgenbehandlung. 1761b* ]>ie reellsten und billigsten Möbel nd Polsterwaren erhält man zu Kassapreisen in der seit 36 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A.. Schulz, Reichenborger StraBe 5. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehnjähriger Garantie.(5 Proz. Kassaskonto.) Ev. auf Ratenzahlung. Verwaltung: Uerlln. Mung! Bodenleger. Achtung'. Freitag, den 1a. August 1913, abends k'/z Uhr: Mitglieder-Versammlung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 5. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Lage in unserer Branche.— 2. Branchen- angelegenheiten.— 3. Verschiedenes. 87/7 IMe Ortsverwaltung. Verband der Maler. Sacklerer, Jlnstr eicher Bureau: Melchiorstraße 28, pari. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. TlUale Berlin. U8W. Arbeitsnachweis: Rückerstraße S. Fernsprecher: Amt Norden 6708. Donnerstag, den i4. Hugust tpia, abends 8'/z Dbr: Mlieäer-Verzsmmlunu im Geiiverksckaftsbsus, Cngewker tö. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung in Halle. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Nur Mitgliedsbuch legitimiert.> Die Versammlung wird pünktlich eröffnet.— Zahlreichen Besuch erwartet 136/2* Oie O rtsverwnltnng- 'Cbeater. Mittwoch, den 13. August 1913. Anfang VI, Uhr. Prater. Das Bummelmädchen. Aniano 8 Uhr. Urania. Streiszüge durch Nor. wegen. Neues Opern(«roll). Tann. Häuser. Schiller O. Fra Diavolo. Westen. Sylvester Schäffcr. Das starke Stück. Ein angebrochener Abend. Verliuer. Fiimzauber. riialia. Puppchen, Metropol. Die Kino-Königin. Herrnfeld. Endlich allem. Die Schonzeit-Jäger. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshalleu. Steuiner Sänger. ttniang 8>/, llbr. Koniödieuhaus. Hochherrschaslliche Wobnungen. Deutsches TchaulvielhauS. Das Farmermüdchen. Lustipieltiaus. So'n Windhund. Roie. Das Schloss am Meer. Luise». Geächtet. Folies Eaprice. Die keusche Toinctte. Schlafe Patent. Kasino. Der Äktientenor. Aniang 8'/, llbr. Deutsches. Die Schissbrüchigen. Aniang 9 llbr. Tkentsr des Westens. 8 Uhr. Vorletzte Woche! Silvester Schäfter. Vorher; DaS starke Stück. Ein angebrochener Abend. Oentsches8chauspIcIlmus 61li Uhr: Das Faruiermädchcu. sldmtralsvalaft. St. Moritz. Eisballett: Flirt in Sternwarte, Jnvalidenftr. 57— 62. Sachse-Oper Sehiller-Theaier O.sS' 8 Uhr: Fra Diavolo. Sctiiiler-Tlieaier Chabrü?r" DonnerSlag, den 14. August 1913: Eröffnung der Spielzeit. ver i�etoxardist. Komödie in 3 Aufz. v. Franz Molnär. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Freitag und folgende Tage: _ Per Licibgar dlst. OSE=THEATEI Grosse Srantfurtei str 132. Das SchloS am Meer. Hl Ansang 8'lt Uhr. Auf der Garrevbübne: Hebern groLen Teich. Lebensbild in 4 Alt. Aniang 4'/« Uhr. Vorher Konzert. Einakter. Bunt. Teil. HZ lOSESCHER SARTEW Täglich: Großes Militar- Doppel-Konzert, Eintritt I Hark. von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälft« Uletropol-Tbeater. abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jnl. Freund und G. Okonkowski Musik von denn Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. ?A88Sge-pAll0flljj!UM vie Okkenbarunxen der Iraummalerin I�rSU �88M3NN, cl. Aufseh. d, wissensoh. Kreise. AGA die schwebende Jungfrau. Buddha die geheimnisvoUe Tafel. Alles ohne Extra-Entree! Voigt- Theater Vadstraiie 58. Heute: Elitetag. Der Verschwender. Zaubcrposse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Raimund. Gänzlich neue Spezialitäten. Kassenöffn. 10 Uhr. Ansang 4»/, Uhr. Boranzeige! Dienstag, d. 19. August: Benefiz für den Ballettmeister Isgiwal. 1 Nene Welt 1 B A.Scholz. Hasenheide 1C8-1 14| BerlinerThealer. s uhr: Filmzauber. CasinosTheater Wiedereröffnung: Sonnabend, den ID. Angnst. „Der Aktien-Tenor oder Caruso auf Teilung". Vorverk. lägl 11— 2 an d. Theaterkasse. KroH-Oiivi* 8 llbr: Tannhänser. (Gastspiel: Marcella Roeeeler.) Donnerstag: liOhengriii. Reichsballen-Theater Anfang 8 Chr. Berliner Praier-Theater 7—9 Kastanien-Allee 7—9. Täglich: Das Bummelmädchen Gr.Ausstaltungsp. in 4 Akt. v.M.Hehe Musif von Hirsch und Schreyer. Erstklass. Spezialitäten, Konzert. Ansang 4st, Uhr. Eintritt 3ö Ps. —— Berliner lumor-fluortott M W. Wllti ty s�OderbergerStrAfi A.Scholz. Hasenheide 1C8-1 14 Mittwoch, den 13. August Großes Erntedankfest verbunden mit Ernte-Umzug, Puppentheater, Bonbonregen und Verlesung. 1. Hauptgewinn für Knaben und Mädchen Je 1 goldene Ehr. Anfang 4 Uhr. Entree 15 Ps. Vcranz. I Morgen Donnerst.: EIlte-Tag mit groBem Brillant-Feuerwerk. Volksgarten- Theater. Badstr. 8 und Bellermannstr. 29/26. Mittwoch, den 13. August 1913: (2. Sondervorslellung) »stoilile. ein edles Frauentierz u. die grossartigen Spezialitäten. Freitag, den 15. August: Letztes Austreten der Ballettmeisteri» Frl. Frida tederer. Mittwoch, den 20. August: Benefizvorst, f l.. Bebhardt-Hottmann. Anfang 4 Uhr. Admiralspalast Einz. Eispalast der Welt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt Allabendlich Flirt In 8t. Korltz. Wiederauftr. der kleinen Charlotte. Bis 6 Uhr und von lO*/, Uhr halbe Kassenpreise. Brauerei Am Königstor. Jeden Dienstag Friedrichshain Oek.: Ernst Eleblng und Oonnerstagnachmittag: SfOf Jeden Dienstag- una uonnersiagnacnmiuag: Kaffee-Trei-Vorstellung der Xorddentschen und Apollo- Sttnger der STorddentschen freiem Entree. Apollo• SUnger Freitags: Frei-Konzert. �_ am Schlesisohen Bahnhof. TägU�billiqste Dampfer-Extrafahrle» für WU" 20 Pf.—„ nach f Woltersdorfer Schleuse. Abf. srüh 9 u. 11 Uhr, nachm. 2'/« Uhr. Wochenl.\ Neue Mühle, früh 10 Uhr. hin u. zurück 40 Ps., Kind. d. Hälfte. 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August 19(3. GewcrhrcbaftUcbea. Eine Kennzeichnung der Gelben. Der Hauptausschub nationaler Arbeitervereine, in dem sich alles dereinigt, was von Vertretung der Arbeiterinteressen nichts wissen will, hielt kürzlich mit vielem Tamtam und Tara eine Tagung in Hamburg ab. Dort gab Herr N u p p, der Schriftführer des Bundes deutscher Werkvcreine, die Mitgliederzahl dieser Vereinigung von Gelben auf IIb SOO an, die sich auf 207 Vereine verteilen. In den letzten zwei Jahren soll sich nach Herrn Rupp die Zahl der Gelben verdoppelt haben. Die gröbte Mitgliederzahl, nämlich 77 000, habe die Metallindustrie, während der Bergbau mit 20 000, die chemische Industrie mit 6000, die Gummi- und die Textilindustrie mit je 3000 Mitgliedern vertreten sei. Herr Rupp verwies natürlich mit Stolz auf diese Zahlen und er erwartet für die Zukunft ein weiteres Wachstum der gelben Bewegung. Was diese Hoffnung anbetrifft, so werden natürlich die klaffen- bewußten Arbeiter bestrebt sein, sie zu schänden zu machen. Aber auch auf die großen Zablen stolz zu sein, haben die Macher der gelben Bewegung keine Ursache. ES ist ja hinlänglich bekannt, daß die allermeisten Mitglieder nur der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe den gelben Vereinen beitreten. In vielen Großbetrieben der Metallindustrie, auch wohl in anderen Betrieben, ist es ja so, daß niemand Arbeit erhält oder in Arbeit bleibt, wenn er nicht dem gelben Werkverein beitritt. Auf diese Art kann man wohl zu an- sehnlichen Mitgliederzahlen kommen, aber für den Wert und die Be- deutung der Vereine sprechen sie durchaus nicht. Würde nicht der wirtschaftliche Zwang, der von Unternehmern und Obergelbcn aus- geübte schärfste Terrorismus die in den Betrieben beschäftigten Arbeiter in die gelben Werkvereine zwingen, dann würde die gelbe Sumpfpflanze nur in wenigen Exemplaren im verlorenen Winkel blühen. Auf eine nennenswerte Zahl freiwilliger Mitglieder können die gelben Werkvereine nicht rechnen. Wer möchte auch wohl Gemeinschaft haben mit den gelben Verrätern der Arbeiterinteresien. Jeder Arbeiter, der aus Ehre hält und die Pflicht der Solidarität kennt, geht den Gelben aus dem Wege. Von ihnen rücken selbst diejenigen Arbeiterorganisationen ab, die nicht gerade als entschiedene Verfechter von Arbeiterinteressen angesehen werden können. Selbst bis in die Reihen der katholischen und evangelischen Arbeitervereine geht der Widerwille gegen die Gelben. Ueber dies Thema stimmte Herr Rupp auf der Ham- burger Tagung folgendes Klagelied an: .Das Verhältnis zu den übrigen Organisationen gestaltet sich mit der zunehmenden Bedeutung der wirtsckiaftsfriedlichen Arbeiter- bcwegung immer ungünstiger. Wohl am gehässigsten wird unsere Sache und ihre Führer von den sogenannten christlichen Gewerkschaften bekämpft. Auch das Verhälmis zu den konfessio- nellen Arbeitervereinen hat sich wesentlich verschlechtert. Daß die katholischen Arbeitervereine, deren eine Gruppe in den Berliner Fachabteilungen ihre eigene gewerkschaftliche Organisation hat, während die andere Gruppe in engsten Beziehungen zn den christ- lichen Gewerkschaften steht, nichts von unserer Bewegung wissen wollen, ist erklärlich. Weniger verständlich ist, daß die Leitung des Gesamtverbandes evangelischer Arbeitervereine Deutschlands die von katholischer Seite hinausgeworfenen christlichen Gewerk- schaften mit offenen Armen aufgenommen hat und die Gefahr nicht erkennt, die den evangelischen Arbeitervereinen durch eine einseitige gewerkschaftliche Festlegung erwächst. Er- mutigt durch dieses Gcwährenlaffen streben die christlichen Gewerkschaften in zahlreichen evangelischen Arbeitervereinen setzt an, unsere Mitglieder wegen ihrer wirtschafts- friedlichen Gesinnung und Organisation s- Zugehörigkeit ausschließen zu lassen. Es wird damit derselbe Druck auf die Mitglieder auszuüben gesucht, der in katholischen Arbeitervereinen seit Jahr und Tag gang und gäbe ist." Dies Bekenntnis eines gelben Führers ist eine treffende Kenn- Zeichnung seiner eigenen Bewegung. Weder schwarze noch blaue Organisationen wollen Gemeinschaft mit den Gelben haben. Ge- tragen von der Gunst des Unternehmertums, gemieden und geächtet von jedem ehrenwerten Arbeiter, so stehen die Gelben da, bis sie einmal wieder von drr Bildfläche verschwunden sein werden. Serlin und dmgegend. Lohnbewegung der Mützenmacher. Die im Deutschen Kürschnerverband organisierten Mützenarbeiter und Arbeiterinnen haben gemeinsam mit den in diesem Berufs tätigen Zwischenmeistern Forderungen an die Arbeitgeber gestellt. In einer am 4. d. M. abgehaltenen Versammlung wurde schon in einer Reso- lution auf das ablehnende Verhalten der Fabrikanten hingewiesen und ein bereits früher gefaßter Beschluß in Erinnerung gebracht. wonach keine neuen Muster für die Firmen zu liefern sind, es sei denn, dieselben entschlöffen sich, bis zum 10. August die Forderungen des eingereichten Minimaltarifs durch Unterschrift anzuerkennen. Am Montag fand wiederum eine öffentliche Versammlung aller Mützenarbeiter und Arbeiterinnen und der Zwischenmeister statt, in der das Resultat der neuerlichen Verhandlungen mit Fabrikanten bekanntgegeben wurde. Die letzteren haben demnach zugeben müssen, daß die Lage der Zwischenmeister und Arbeiter iehr ungünstig sei, sie erklärten sich aber außerstande, auf ihre Kosten eine Besserung herbeizuführen. Immerhin ist es gelungen, acht Fabrikanten zur Unterschrift zu veranlassen. Gerade die größten Arbeitgeber haben sich aber geweigert, den Tarif zu unterschreiben. Im Verlaufe der Versammlung lief noch ein Schreiben von dem Verein der Berliner Mützenfabrikantdn ein, in dem diese sich bereit erklären, ihren Meistern eine Lohnerhöhung zu gewähren, daß sie aber aus technischen Gründen nicht in der Lage seien, einem Minimaltarif zuzustimmen. Sie häkten daher beschlossen, daß jeder Fabrikant sich mit seinen Meistern selbst über die Aufbesserung der Löhne einigen möge. Nach längerer Diskussion, die den starken Unmut der Anwesenden scharf zum Ausdruck brachte, wurde eine Resolution angenommen, die besagt, daß die Meister auf Grund des Schreibens mit den Fabrikanten nochmals in Verhandlungen treten werden, doch sollen die Verhandlungen unter der Kontrolle des Verbandsvorstandes stattfinden, der auch in einer öffentlichen Versammlung später Bericht erstalten wird._ Achtung, Friscurgehilfen! Wegen Tarifbruch für Verbands- Mitglieder gesperrt: Köhler, Rügener Str. 16; Wolf, Manteuffel- straße 68: Rybiki. Waldstr. 24. Aufgelöst ist das Tarifverhältnis bei Billerbreck, Putbuser Str. 37. Bewilligt haben: Mittelstedt, Manteuffelstr. 60: Thiede, Stargarder Str. 13. Als Ausweis der Bewilligung dient nur die.graue" Kontrollkarte. Der Streik bei Arndt. Bergmannstr. 104, dauert fort. Der Betrieb ist für Mit- glieder gesperrt. Verband der Friseurgehilfen. Transportarbeiterstreik in Eberswalde. Die Speditions- und Kohlenarbeiter befinden sich im Ausstand. Die Firmen versuchen aus Berlin Streikbrecher heranzuziehen, ebenso aus Stettin und Hamburg. Es wird gebeten, jeden Zuzug nach Eberswalde fernzuhalten. Die Streikleitung. veutkcbes Reich. Der Werftarbeiterstreik in Hambnrg. Auf der gestern in Hamburg abgehaltenen Delegiertenversamm- lung der beteiligten Verbände herrschte die Auffassung vor, daß die Werftarbeiter nach der Entscheidung des Verbandstages der Metall- arbeiter bereit seien, die Arbeit wieder aufzunehmen, doch müsse die Arbeit allgemein wieder aufgenommen werden. Den Unternehmern dürfe nicht gestattet werden, die Streikenden durch den Unternehmer- Nachweis sortieren zu lassen._ lieber eine angebliche Streikkrawallszene in Hamburg-Altona geht durch die bürgerliche Presse eine Mitteilung, daß in der Nacht zum Sonntag, also vom 0. zum 10. August, in der.großen Frei- heit" in Altona Arbeitswillige von streikenden Nietern und Werft- arbeitern belästigt worden seien. Die einschreitenden Polizei- beamten sollen dann auch angegriffen worden sein, so daß schließlich ein größeres Polizeiaufgebot erforderlich gewesen sei, um den an Landfriedensbruch grenzenden Aufruhr mit blanker Waffe aus- einander zu treiben. Sieben Haupträdelsführer seien verhaftet worden. Der ganze Hergang hat, wie durch Augenzeugen festgestellt worden ist. mit den Streikenden oder Arbeitswilligen gar nichts zu tun. Es handelt sich um einen Straßentumult, wie er leider in jener Gegend nicht ganz selten vorkommt. Zwei betrunkene jüngere Leute sind aus einer der dortigen Gastwirtschaften gekommen, sind auf der Straße umhergetaumelt, bis ein Polizeibeamtev einen nach der Wache sistieren wollte. Das ist dem Beamten allein nicht möglich gewesen, er hat durch seine Signalpfeife sich Hilfe herbeirufen müssen. Bis die Sistierung nach ddr Wache möglich wurde, hatte sich, was in jener Gegend ebenfalls leicht erklärlich ist, eine größere Menschenansammlung zusammengefunden, die auch den Transport nach der Wache begleitet hat. Der ganze Menschenauflauf sowie die Verhaftungen haben mit dem Streik gar nichts zu tun. Es lag kein Streit zwischen Streikenden und Arbeitswilligen vor. Züusland. Der Generalstreik in Italien. Wenn die vorliegenden Meldungen des Telegraphischen Kor- respondenzbureaus zutreffen, scheint der von der syndikalistischen Richtung proklamierte Generalstreik nicht ausgeführt worden zu sein. Eine Meldung vom 12. August sagt: Der Generalstreik der von Montag nachmittag 4 Uhr für ganz Italien allgemein sein sollte, hat bis jetzt in dem geschäftlichen Leben Roms nur wenig Störungen verursacht. Die Straßen bieten den gewöhnlichen Anblick, die Läden sind geöffnet, AutoS und Droschken verkehren wie alle Tage. Auch die Zeitungen sind Diens- tag morgen noch erschienen, doch verlautet, daß sich Setzer und Drucker im Laufe des Tages der Bewegung anschließen werden. In Mailand, wo der Generalstreik bereits seit 8 Tagen proklamiert ist, ist die Zahl der Arbeitswilligen am Montag sogar noch gestiegen. Dagegen ist der Ausstand in Pisa vollkommen durchgeführt. Alle Fabriken und die Mehrzahl der Läden sind geschlossen. Der Verkehr auf den Straßen ruht vollständig. In verschiedenen anderen Städten Italiens ist der Ausstand allgemein. * Ein spät abends eingetroffenes Telegramm unseres Korrcspon- denten sagt: In Rom streiken die Typographen, Maurer und Erdarbeiter sowie die Straßenbahner. Zeitungen erscheinen nicht. Der Streik in Mailand verläuft ohne Zwischenfälle. In Pisa, Florenz und Bologna wird gestreikt, in Turin nicht, gemäß dem KonföderationS« beschluß._ Deutscher Bauarbeiterfchutzhongreß. Leipzig, den 12. August 1913. In der heutigen Sitzung hielt Professor Dr. Sommerfeld- Berlin einen Lichtbildervortrag über die Berufskrankheiten im Baugewerbe. Seine Ausführungen führten ihn zu dem Schluß, zu vertan- gen, daß Berufskrankheiten den Betriebsunfällen gleichgestellt und ebenso wie die Unfälle angezeigt und entschädigt werden müßten. Der§ 547 der Reichsversicherungsordnung berechtige den Bundes- rat, eine derartige Verfügung zu erlassen. Wir Aerzte und Sozial- Politiker werden uns bemühen, den ins Rollen gebrachten Stein auch im Rollen zu erhalten. Vor allen Dingen aber ist es not- wendig, unter die Arbeitermassen Aufklärung über die Berufs- krankheiten zu tragen, woran sich auch die Lehrer der Fortbildungs- schulen mit großem Erfolg beteiligen können.(Lebhafter Beifall.) In der anschließenden Diskussion besprach Streine- Ham- bürg vom Malerverband insbesondere die Wirkungen der Blei- färben. Er erklärte, daß die Eigenart des Malerberufes die wirk» same Bekämpfung der Bleikrankheit sehr erschwere. 15 bis 25 Proz. sämtlicher Erkrankungen im Malergewerbc sind auf das Konto des Bleiweißes zu setzen, und wenn man noch die Folgekrankheiten hinzuzählt, so kommt noch ein viel größerer Prozentsatz heraus. Alle Reinlichkeit der Arbeiter kann das nicht verhindern. Räch unserer Meinung sind die Bleifarben aber entbehrlich. In Frank- reich hat man sie ja auch schon verboten. Jedoch die deutsche Reichs- regierung erklärt, daß man dies nicht tun könne, da man auf die Interessen der Bleiweitzindustrie Rücksicht nehmen müsse. Bei anderen Gelegenheiten hat man oft genug betont, daß keine In- dustrie ein Recht darauf habe zu bestehen, wenn sie mit anderen allgemein wichtigen Interessen in Konflikt gerate.(Sehr wahr!) Staudinger- Leipzig(Steinarbciterverband) fordert eben- falls die Durchführung des§ 547 der Reichsversicherungsordnung und wendet sich gegen die Erledigung einer Eingabe seines Ver- kleines feuiUeton. Zwei Briefe von Karl Marx. In der Handschrifteiisammliing Varnhagens von Enie, die in der Berliner königh Bibliothek auf- bewahrt wird, hat Dr. Gustav Mayer, der den märzliche» Früh- zeiten der demokratischen Bewegung in Deutschland nachforscht, zwei bisher unbekannt gebliebene Briefe gefunden, die Karl Marx an Ferdinand Lassalle sandte. Sie sind am 28. Juli und 8. November 1855 von England aus geschrieben, der erste aus einem ländlichen Orte, der andere aus Manchester. Für die Geschichte des Jahrzehnts der nachmärzlichcn Reaktion sind sie nicht von Belang, sie bezeichnen aber die gute freundliche Stimmung, die Marx damals für Lassalle hegte, und berühren einiges ans dem persönlichen Er- leben und dem alten Freundeskreise von Karl Marx. Der erste Brief ist nach Paris gerichtet, wohin Lassalle im Sommer 1855— zu welchem Zweck, ist nicht bekannt— gereist war. Er erbat von Marx die Adressen von Pariser Gesinnungsgenossen. Marx, erfreut ihn so nahe zu wissen, regt einen Abstecher nach London an; Lassalle seinerseits in Paris aufzusuchen, war ihm unmöglich gemacht. Immer noch galt die Ausweisung, die im Sommer 1849 von der französischen Regierung über ihn verhängt worden war, bald nachdem er von Köln— nach der Vernichtung der.Neuen Rheinischen Zeitung"— in Paris, wo ein neues revolu- tionäres Ereignis sich vorzubereiten schien, seine Zelte aufgeschlagen hatte. Nun schreibt er an Lassalle: .Wären nur die Tore Frankreichs nicht hermetisch geschlossen, so wurde ick Dich in Paris uberraschen." Marx litt damals schwer unter dem Tode seines einzigen Knaben. Auch dies Ereignis berührt der Brief: .Baco sagt, daß wirklich bedeutende Menschen so viel Relationen zur Natur und der Welt haben, so viel Gegenstände des Interesses, daß sie jeden Verlust leicht verschmerzen. Ich gehöre nicht zu diesen bedeutenden Menschen. Der Tod meines Kindes hat mir Herz und Hirn tief erschüttert, und ich� fühle den Verlust noch so frisch wie am ersten Tag. Meine arme Frau ist auch völlig äovnbrolcsn(zu- sammengcbrochen)." Zum Schluß ein Gruß an den alten Freund und Gefährten der Panier Zeit, an Heinrich Heine, den Märtyrer der Matratzen- gruft:.Siehst Du Heine wieder, so grüße ihn von mir." Lajsalle hat den Dichter damals besucht. Den zweiten Brief veranlaßt eine Bitte Lassalles um ein fran- zösischeS Werk über die Mysterien der Börse. Mit einem Wort aus dem Don Juan rät Marx, keine Zeit mit dem Buch zu verschwenden. ES sei nichts daraus zu entnehmen,«weder Facts, noch Theorie, nicht einmal unlethaltende Anekdoten.....Laß ihn laufen, holde Donna! Er ist deines Zorns nicht wert." Der Brief gibt auch Nachricht von einem aus dem Nedaktions- stabe der„Neuen Rheinischen Zeitung", von Georg Weerth, mit dem auch Lassalle gut befreundet war. Weerth war Kaufmann und reiste sür ein großes englisches Handelshaus. Dem Kreise um Marx und Engels gehörte er schon seit der Mitte der vierziger Jahre an. An den Zeitschriften des Pormärz, die von Marx und Engels mit Beiträgen unterstützt wurden, arbeitete auch er mit. Der beut» schen Arbeiterschaft ist er bis heute herauf als erster Dichter einer sozialistisch gerichteten Lyrik bekannt geblieben. Das Feuilleton der „Neuen Rheinischen Zeitung" wurde seiner schlagfertig-ausgelasienen satirischen Kampflust anvertraut und trug ihm drei Monate Kölner ArresthauS ein. Er machte sich dann als Handelspionier auf weite Reisen, über die er sich leider nur in Briefen ausgelassen hat: zu weiterem kam seine Feder nicht, denn schon im Sommer 1856 raffte das gelbe Fieber den Sechsunddreißigsährigen in Havanna hin. Von seiner vorletzten und größten Reise kehrte er 1855 nach England zurück. Davon macht nun Marx dem Freunde Lassalle Mitteilung: „Weerth ist jetzt, nach einer längeren Reise über den Continent (er kehrte Ende Juli von Westindien zurück) wieder in Manchester. In 8 Tagen wird er hier aufs Neue nach d. Tropen absegeln. Es ist sehr interessant, ihm zuzuhören. Er hat viel gesehen, erlebt u. beobachtet. Großen Teil von Süd«, West- und Mittelamerika durch- reist. Zu Pferd die Pampas durchritten. Den Chimborasso er- stiegen. Nicht minder in Californien sich aufgehalten. Wenn er jetzt �eine Feuilletons schreibt, spricht er sie dafür u. da hat der Zu- Hörer noch den Vorzug der lebendigen Aktion. der�Mimik und des schalkhaften Lachens. Uebrigens schwärmt er sehr für das Leben in Westindien u. ist keineswegs auf den Menschenkehricht u. da« Wetter des hiesigen nordischen Chinas gut zu sprechen. Und inäovck, es ist hier schlimm, sehr schlimm." Daß die beiden Marx-Briefe, die G. Mayer in der„Frankfurter Zeitung" veröffentlicht hat, sich in den Händen Varnhagens befanden, erklärt sich aus den freundschaftlichen Beziehungen, die Lassalle zu diesem Manne der tausend Verbindungen unterhielt. Heinrich Heine harte das Band zwischen beiden, dem Ergrauten und dem Jüng ling, schon in vormärzlichen Tagen geknüpft, durch einen Brief, in dem er seine ftühgewonnene Ueberzeuguitg, Lassalle sei zu Be- deutendem berufen, mit gläubiger Begeisterung bekundete. Manneken-Pis und die frommen Zürcher. Aus Brüssel teilte der„Vorwärts" vor einigen Tagen mit, daß dem berühmten bronzenen Knäblein, das auf die natürlichste Weise ber Welt Wasser in einem kleinen Bogen in ein Bassin sprudeln läßt, vom Bolkswitz arg mit« gespielt worden sei, und zwar auf Kosten des sittlich entrüsteten Erz- bischofs. Dazu wird uns aus Zürich folgendes mitgeteilt: Uns ist es hier weit schlimmer ergangen. Wir haben an der Weinbergstraße eine Brunnenanlage mit einer entzückenden Nach- bildung des Original-Manneken-Pis, die denkbar liebenswürdiger Weise die Vorübergehenden ergötzte. Aber nur kurze Zeit. Dann entdeckten eine Anzahl Augenverdreher, daß dieses anmulige Knäblein im höchsten Grade unsittlich sei und sie bombardierten den armen Stadt- rat mit wütenben Petitionen. Aber der Stadtrat regte sich nicht. Da halfen die Frommen mitDrohungennach: Selbsthilfe wurde angekündigt und Rache bei den kommenden Wahlen. Das ist bekanntlich in der Demokratie stets die ultima ratio und tat auch hier ihre Wirkung. Der Stadtrat gab nach und am anderen Tage kam ei» Spengler- meister mit Lötkolben und Stichflamme, verstopfte dem armen Knäblein die wichtigste Oeffnung und vernietete sie barbarisch mit Blei und Zink. Seit der Zeit haben wir nur noch den Brunnen, der aber kein Brunnen mehr ist. Denn ein Brunnen, in dem kein Wasser läuft, ist doch kein Brunnen, nicht wahr? Und alle Vorüber- gehenden gucken nmr mitleidig zu dem bedauernswerten Knäblein hinauf, den rohe Sittenfatzkerei zwingt, das Wasser bei sich zu be- halten, bis ein schweres Blasenleiden ihm dereinst ein trauriges Ende bereiten wird. Aber das ist nicht daS einzige Mal, daß sich die Sittenfestigkeit unserer spießbürgerlichen Demokraten manifestiert: Im vorigen Jahre schenkte ein Stadtbaumeister der Stadt zu ihren fast 400 Brunnen einen weiteren, der ungefähr 50 000 Fr. kostete und eine vornehme Zierde des Bürkliplatzes bildet. Auf einem Riesensockel sieht man einen„Muni"(Stier) in schäumender Kraft sich aufbäumen und nach vorwärts stürmen. Ein muskulöser Mann jedoch fällt ihm in die Zügel und mildert des Muni Tatendrang. Das Ganze wirkt imposant und soll angeblich die vorwärts stürmende Kraft Zürichs illustrieren, die von einer weisen Stadtregierung in den nötigen Grenzen gehalten wird. Was aber taten die Sittenstrengen? Sie kamen mit einem Topf voll Mennige und strichen dem Stier die Attribute seiner Männlichkeit rot an, verschandelten also das ganze Denkmal. Wochenlang dauerte es, bis der Künstler sein Werk wieder repariert hatte. Kaum aber war daS fertig, folgte ein neuer Schurkenstreich. Man verstümmelte nächtlichcrweise auch den Mann nach der Art der Haremswächter, so daß das Kunstwerk nunmehr zertrümmert fft. Jetzt erst lassen die Sittenfatzken das Kunstwerk unangetastet. Ein widerliches Gesindel! Auch an diesen Schuftigkeiten trägt, wie überall, wo Aehnllches geschah, die fromme Tagespresse die Schuld: sie hetzte so lange, bis sie ihren Willen hatte und heuchelt nun tapfer Schuldlosigkeit und Harmlosigkeit. Man weiß nicht, was man mehr bemitleiden soll: diese Preßtrabanten oder ihre Werkzeuge... Die Erkennbarkeit der optischen Eisenbahnsignale. Ein reiches Material seiner kritischen Studien über die Sichtbarkeit der Farben der Eisenbahnsignale, die von so großer Bedeutung für die Sicher- heit der Fahrenden ist, hat ein Dr. GinestouS zu einem Buche ver- eint. Lokomotivführer und Zugpersonal behaupten, daß Rot sowohl als Gelb, die wichtigen Farben für das Haltesignal, schlecht gewählt seien, weil sie die geringste Leucht- und Wahrnehmungsfähigkeit zeigen. Aus zahlreichen Versuchen erhellt indessen, daß beide Farben durch einen schwarzen Hintergrund erheblich an Sichtbarkeit ge- Winnen. Gincstous redet deshalb auch den Widersachern zum Trotz der Beibehaltung der heute im Fahrdienst üblichen Signalfarben energisch das Wort. Eine Aenderung des Reglements empfiehlt er nur in dem Sinne, daß den beiden beanstandeten Farben ein Hinter- grund gegeben wird, von dem sie sich schärfer abheben. Für das Rot kommt zum Zwecke der Erhöhung der Sichtbarkeit ein schwarzer, für das Gelbe aber ein hellgrauer Hintergrund der Signalscheibe in Frage. Die optischen Signalapparate sollen weiter in dem Grade höher angebracht werden, in dem die Höhe der Lokomotiven gewachsen ist. Ebenso ist es notwendig, die Beleuchtung und zu- gleich die Größenverhältnisse deS Signals zu verstärken. Zigeunerische Spruchweisheit. Echter Volksmund, in die Form kurzer Sätze gegossen und schlagend witzig, sind die Sprüche, die P Schmidl unter Zigeunern gesammelt hat und in der«Frankfurter Zeitung" veröffentlicht: Wenn deine Frau mit dir zankt, hat sie etwas auf dem Gewissen.— Der Weg zur Kirche steht nicht auf der Landkarte.— Wenn Gott sich die Pfeife stopft, macht drr Teufel Landes durch den Ministerialdirektor Dr. Caspar dom Reichsamt des Innern, der mit Berufung auf das Werk des Wiener ArzteS Dr. Base über die gesundheitlichen Verhältnisse der Steinmetze erklärt habe, daß die Sterblichkeit an Tuberkulose bei den Stein- arbeitern nicht größer sei als bei den übrigen Arbeitern. Wer das Buch gelesen hat, muß sich darüber wundern, daß Dr. Caspar eine derartige Antwort gibt.(Sehr richsig!) Während die durch- schnittliche Sterblichkeit m Deutschland 17 bis 13 pro Tausend be- trägt, ist der Durchschnitt der Sterblichkeit im niederschlesischen Sandsteingebiet 81 pro Tausend. sHört! hört!) Die Ausstellung der Generalkommisfion der Gewerkschaften Deutschlands auf der Leipziger Baufachausstellung liefert zahlreiche Beweise für die Richtigkeit unserer Klagen.(Zustimmung.) Wölcker-Berlin(Bildhauer): Uns ist eS gelungen, unsere Arbeitsbedingungen wesentlich zu verbessern und infolgedessen haben sich auch die Gesundheitsverhältnisse bei uns gehoben. Wir haben im allgemeinen den Siebenstundentag durchgesetzt(hört! hörtl) und bedauern, daß die Reichsregierung bei ihren Vorschriften für unser Gewerbe diesen in Wirklichkeit erreichten Siebenstundentag immer noch als nicht vorhanden betrachtet. Professor Dr. Sommerfeld erklärt in seinem Schlußwort, daß nach von ihm angestellten Versuchen, die Bleifarben im Innen- anstrich durch Zinkfarben vollständig ersetzt werden können und auch im Außenanstrich nahezu entbehrlich sind. Damit ist diese Diskussion geschlossen und es wird die DiS- k u ss io n zu Punkt 2 fortgesetzt. Mehrere Redner trugen aus ihren Erfahrungen lebens- und gesundheitsgefährliche Miß- stände im Baubetriebe vor.— Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten wird die vorliegende Resolution einstimmig angenommen. Die weiter dazu vorliegenden Anträge werden zum Teil durch die Resolution als erledigt erklärt, zum Teil den Gewerkschaftsvorständen und der sozialpolitischen Abteilung der Generalkommission zur weiteren Veranlassung überwiesen.— Neber den letzten Punkt der Tagesordnung: Die beabsichtigte Regelung des Submissionswesens durch Reichsgesetz referiert Silberschmidt Er begründet folgende Reso- lution:! „Um die Uebelstände im SubmisfionSwesen zu beseitigen, hält der Dritte Bauarbeitevschutzkongveß die Einführung des Regiebetriebes bei Ausführung der öffentlichen Arbeiten für dringend geboten Staat, Reich und Gemeinden sind die größten Arbeitgeber in unserem Wirtschaftsleben, die ein nach Millionen zählendes Heer von Arbeitern und Angestellten beschäf- ligen. Aus der staatsbürgerlichen Stellung der Beschäftigten ist der Rechtsanspruch und das Verlangen hinreichend begründet, daß die wirtschaftliche Stellung gegenüber dem Privatbetrieb mustergültig und in der Durchführung deS Arbeiterschutzes und der sozialen Fürsorge vorbildlich ist und zur Nocheiferung anregt. Bis zur Einführung der Regiearbeit ist eine Neuregelung des Submissionswesens zu fordern. Bei Vergebung öffentlicher Arbeiten und Lieferungen muß der Unternehmer zur Erfüllung bestimmter Bedingungen gegenüber den Arbeitern und Angestellten verpflichtet werden. Als solche kommen in Betracht: 1. Den Arbeitern und Angestellten ist da» Koalitionsrecht in vollem Umfange zu gewähren. 2. Di« Durchführung und Einhaltung der zwischen den Unternehmer- und Arbeiterorganisationen vereinbarten oder tariflich festgesetzten Lohn, und Arbeitsbedingungen oder, soweit solche nicht bestehen, die gewerblichen Löhn«, Arbeitszeiten und sonstigen Arbeitsbedingungen. 3. Di« bestehenden Arbeiterschutzbestimmungen aller Art durchzuführen. 4. Lehrlinge in unverhältniSmäßiger Zahl bei Ausführung der Arbeiten einschließlich der Herstellung der Lieserungen nicht zu beschäftigen. 5. Bei Neueinstellung von Arbeitern die von den Kommunen oder von Unternehmer- und Arbeiterorganisationen gemeinschast- lich errichteten paritätischen Arbeitsnachweise zu benutzen. 6. In erster Linie ortsangesessen« und ferner inländische Ar- beiter zu beschäftigen, bevor Ausländer eingestellt werden. 7. Arbeiten und Lieferungen dürfen nicht an Zwischenunter- nehmer vergeben werden. 8. Der Zuschlag darf demjenigen nicht erteilt werden, der wiederholt gegen dirBestimmungen desUnfall-, Kranken-, Jnva- Tiden- und Angestelltenversicherungsgesetzes verstoßen hat. 9. Dem Unternehmer ist eine Vervflichtung zur angemessenen Sicherheitsstellung aufzuerlegen, aus der die bauleitende Behörde im Bedarfsfalle berechtigt ist, die rückständigen Löhne und Ge- eine Erfindung.— Der beste Schlaf ist vor Mitternacht. Also wache, wenn die Leute gut schlafen.— Der Schmerz hört auf, wenn du nicht auf ihn hörst.— Weisheit kommt so pünktlich, wie dem Ge- hängten die Begnadigung.— Wenn du morgen zu essen hast, ist heute ein schöner Tag.— Gut stehen ist schwerer als gut klettern. — Wer langsam aus dem Bett steigt, ist rasch in den Kleidern.— Verschenke dein Haus nicht eher, als bis du einen Sarg hast.— Wer die Leute dumm machen kann, ist ein kluger Mann. Ein vorgeschichtliches Grab ist in der Nähe der schottischen Stadt ForreS entdeckt und von Profefior Reid aus Aberdeen mitersucht worden. Die darin gefundenen Reste find die eines Mannes von kurzschädligem Typus, der wahrscheinlich ein Vertreter der vor- kelttschen Bewohner Großbritanniens gewesen ist. Unter dieser Vor- auSsetzung würde daS Alter des Grabes auf 2—3009 Jahre zu schätzen sein. Auffällig ist die geringe Größe deS Skeletts, die auf nur ISO oder ISO Zentimeter angegeben wird. Leider erwiesen sich die Knochen als weniger gut erhalten, als es bei ihrer ersten Auf- deckung erschien. Der Boden des Grabes war mit kleinen Steinen belegt, sonst aber konnte kein Gegenstand aufgestinden werden, der eine genanere Bestimmung deS Alters ermöglicht hätte. Die Knochen- bildung verrät übrigens, daß diese Urbewohner Schottlands in einer nach vorn geneigten Haltung zu sitzen pflegten und daß die Füße überhaupt unbefchützt blieben. Der Fundort dieser Knochcnreste, die nach Aberdeen geschafft worden find, liegt in Rordschottland nahe der Meeresbucht Findhornbay. Notizen. — Theaterchronik. Das Deutsche Künstler« t b e a t e r(Theater der Sozietät) eröffnet seine Vorstellungen am 81. August mit der Aufführung von f ckMers.Wilhelm Tell�. Serhart Hauptmann leitet die Inszenierung. — Die Fremdenlegion auf der Bühne. Der Kenner der französischen Fremdenlegion. Erwin Rosen, hat seine Wiffenschaft zu einem vieraktigen Drama.Cafard" verwertet. — Gründung von Slkoholsorschungsinfiituten. Die englische Temperenzlerliga hielt bei Gelegenheit deS Londoner internationalen AerztekongresteS eine Versammlung ab. an der sich viele Aerzte und Forscher beteiligten. Im Anschluß daran wurde ein deutscher Arbeitsausschuß zur Gründung von AUoholforschungS« tnstituten gebildet. — Maxim Gorkt ist nach der.Neuen freien Preffe� in Mailand schwer erkrantt. — Ein Mesothorium-Trust ist von den Hauptprodu- zenten dieses wichttgen Heilmittels gebildet worden. Jede Hoff- nung, daß der neue Kapitalistenbund den ungeheuerlich empor- geschnellten Preis feines Produkts— 200 M. pro Milligramm— herunterdrücken werde, ist natürlich eitel. Die Zwischenhändler, die minderwertige Ware für schweres Geld liefern, sollen abgetan werden. Man will das Geschäft ganz allein machen. — Ueber die Heilung von Geisteskranken durch Madiumbestrahlung haben die französischen Aerzte Marchand, Dominici und Cheron auf dem Internationalen Aerztelongretz zu London Mitteilung gemacht. Die Versuche haben in der bekannten Irrenanstalt Eharenton bei Paris stattgefunden, die von Dr. Marchand geleitet ist. von 20 GeifieSlranken, die behandelt wurden, sollen 14 m sehr kurzer Zeit geheilt wordeu sei». hälter urrd die Beiträge für die Arbeiterversicherung direkt an die Geschädigten zu zahlen. 10. Der Unternehmer ist verpflichtet, der Behörde auf Ber langen jederzeit in die mit den Arbeiterorganisationen gejchlosse- nen Tarifverträge und anderen Vereinbarungen Einficht zu ge- statten und über deren Erfüllung unter Vorlegung der Lohnlisten und sonstigen Unterlagen Aufschluß zu erteilen. Unternehmer, die bei früheren Aufträgen diesen Verbindlich- ketten nicht in vertragsmäßiger Weise nachgekommen sind, und solche, die die Erfüllung der Bedingungen nicht anerkennen wollen, sind von der Bewerbung auszuschließen. Den Unternehmern, die die übernommenen Verpflichtungen ganz oder teilweise nicht er- füllen, rst die übertragene Arbeit oder Lieferung zu entziehen. Di« Behörde hat vor Erteilung deS Zuschlages für die Ausführung der Arbeit oder der Herstellung der Lieferung die am Orte oder für den Bezirk vorhandenen Vertreter der Arbeiterverbände dar- über zu vernehmen, ob und welche Gewähr der für die Vergebung der Arbeit in Frage kommende Unternehmer bietet, daß die unter 1 bis 10 genannten Bedingungen erfüllt werden." Zur Begründung dieser Resolution wurde vom Referenten auS- geführt: Solange die Arbeiter nicht den Lohn für ihre Arbeit er- halten, solange nicht für das Interesse der Gesamtheit, sondern für den Profit produziert wird, solange werden auch die Arbeiter bei den Submissionen mit ihren Forderungen nicht berücksichtigt wer- den; erst wenn dies« Zustände beseitigt sind, wird«S besser werden. Wir fordern die Ersetzung der Submisfionsarbeiten durch Regie- arbeiten, aber eine Vorbedingung ist natürlich, daß den Staats- arbeitern ihre staatsbürgerlichen Rechte gesichert werden.(Stür- mischer Beifall.) Mr sehen in der Post und Eisenbahn großartige Organisationen, aber wir sehen hier zugleich die bureaukratische Antreiberei und verschiedene Mißstände. ES ist klar, daß auch für staatliche Regiebetriebe erst die Erfahrungen gesammelt werden müssen, ebenso wie sie die Gemeinden für ihre großartigen Unter- nehmungen sammeln mußten. Also einzelne Mißstände beweisen nichts gegen das Prinzip. Der Redner erwähnt dann, daß in Offenbach a. M., der einzigen deutschen Stadt mit einer sozialdemo- kratischen Mehrheit, die Mindestforderungen seiner Resolution be- reits erfüllt seien und daß auch in Karlsruhe das Koalitionsrecht der Arbeiter bei Submissionsunternehmern gesichert sei. Dagegen sehen wir in Mülhausen im Elsaß den furchtbaren Zusammenstoß zwischen den Arbeitern und der bewaffneten Macht infolg« der Mißstände im Submissionswesen in dieser preußischen Provinz. Unsere Forderungen über die Submissionen sind ein erheblicher Teil des Bauarbeiterschutzes. Mr müssen mit all unserer Kraft für ihre Durchführung eintreten. Die Resolution wurde darauf ein st immig ange- n o m m e n und die vorliegenden Anträge auch hier teils für er. ledigt erklärt, teils der sozialpolitischen Abteilung der General» kommission überwiesen. In seinem Schlußwort warf der Borsitzende Päplow einen Rückblick auf die Arbeiten des Kongresses und fügte hinzu: Der Bedeutung des Bauarbeiterfchutzes wird die Oeffentlichkeit sich nicht verschließen können. Wir haben diesmal die Behörden nicht einge- laden. Wir haben da? früher getan, aber sie hatten keine Zeit, die Klagen der Bauarbeiter anzuhören. Nun, wer sich darüber in- formieren will, der findet reiches Material. Hinter unseren Forderungen muß unsere organisierte Macht st eh e n. Aber das bitte ich nicht so aufzufassen, als ob nun gleich überall, wo etwas nicht in der Ordnung ist, die Arbeit niedergelegt werden sollte. Erst müssen wir unsere Forderungen von Mann zu Mann weitergeben, müssen die gesamte Arbeiterschaft mit dem Be- wußtsein von ihrer Notwendigkeit erfüllen. Wenn dann ein an- deres Mittel nicht verfängt, werden wir der Gesellschaft unsere Macht zeigen müssen.(Stürmischer Beifall.) Ich will bei Ihnen keine Hoffnungen erwecken, aber wir müssen nach wie vor alles tun, um die Macht zu erreichen und sie mit Disziplin zu gebrauchen. (Lebhafte Zustimmung.) Arbeiten wir also in diesem Sinne weiter, trachten wir, die organisierte Macht zu erwerben. In diesem Sinne schließe ich mit dem Ruf: Die Organisationen der deutschen Bau- arbeiter und der deutsckie Bauarbeiterschutz, fie leben hoch? Die Neuwahleu w den Ausschuffen und Vorstanden der Krankenkassen in" sollen nach einem jetzt veröffentlichten Ministerialerlaß vom 22. Juli 1913 schleuncgft vorgenommen werden. Nach einer fru- Heren Ministerialverordnung sollten die Wahlen zu den Ausschüssen und Vorständen der neuerrichteten allgemeinen Ortskrankenkassen bis Anfang November vonstatten gehen. Diese preußische Mi- nisterialverordnung ist aber durch eine Verordnung des Bundes» rats vom 11. Juli 1913 umgestoßen worden. Nach dieser Bundes- ratSverordnung sollen die Wahlen für die neuerrichteten allge- meinen Ortskrankenkassen bis zum 1. Oktober 1913 be- endet sein. Infolge dieser Bundesratsverordnung hat der preußische Handelsminister nunmehr bestimmt, daß die Wahlen zu den übrigen Krankenkassen, die zugelassenen besonderen OrtSkranken- kassen, die Betriebs- und Jnnungs-Krankenkassen, ebenfalls so zeitig vorzunehmen sind, daß die Kassenorgane vom 1. Januar 1914 ab den neuen Vorschriften entsprechend zusammengesetzt find. Während die Wahlen bei den neuerrichteten allgemeinen Ort»- krankenkassen von den Versicherungsämtern vorzubereiten find, haben bei den bestehenbleibenden Kassen deren Vorstände d,es- Arbeit zu leisten. Zum Teil sind die Wahlen für die neuerrichteten Kassen schon ausgeschrieben worden. Hierbei ist eS wichtig, die Vorschriften über die Aufstellung der Wählerlisten zu beachten. Die Wählerlisten bei den neuerrichteten Sassen � sind nach den Mitgliederlisten der Kassen aufzustellen, die in die neue Kasse auf- gehen. Da außerdem die neu in die Versicherung Eintretenden wahlberechtigt find, müssen auch sie Jti die Wählerliste aufgenommen werden. Sie werden durch öffentliche Bekanntmachung des Verficherungsamtes aufgefordert, sich zur Eintragung in die Wählerliste zu melden. Wahlberechtigte, die nicht in die Wähler- liste aufgenommen sind, sind zur Wahl zuzulassen, wenn sie in einer alle Mitglieder des Wahlausschusses überzeugenden Weise ihre Wahlberechtigung nachweisen. Die Anberaumung der Wahl muß so zeitig erfolgen, daß den Beteiligten genügend Zeit bleibt, sich über die zu wählenden Personen schlüssig zu machen und ord- nungSmäßige Vorschlagslisten einzureichen. Die Beteiligung an diesen Wable» ist nach dem neuen Wahl- recht z« den Krankenkassen von größter Wichtigkeit. Denn bei der nunmehr anzuwendenden Berhältniswahl kommt e» bekanntlich auf jede Stimme an. Mit der bisher vielfach zu beobachtenden Gleichgültigkeit gegenüber de» Krankenkassenwahlru muß eS des- halb vorbei sein. An der oben erwähnten Bundesratsverordnung ist noch be- merkenswert, daß sie, wie schon einmal, die Verordnungen des preußischen Ministeriums durchkreuzt. Während die preußischen Verordnungen immerhin einige Rücksicht auf die Praxis nehmen, kümmert sich der Bundesrat mit seinen im Reichsamt deS Innern ausgearbeiteten Verordnungen überhaupt nicht um die Bedürf- nisse der Krankenkassen. In diesem Falle ist er sogar vor einem Eingriff in die Selbswerwaltungsrechte der Kassen nicht zurückge- schreckt. Entgegen den Bestimmungen der ÄeichsversicherungS- ordnung gibt der Bundesrat den Versicherungsämtern ttzen Auftrag, die Geschäfte der neuerrichteten allgemeinen Ortskranken- kassen(Abschluß der Verträge mit Angestellten, Aerzten, Apotheken usw.) wahrzunehmen, wenn die Kassenorgane am 1. Oktober 1913 noch nicht gewählt find. Der Bundesrat könnte diesen Verstoß gegen das Gesetz nur damit rechtfertigen, daß ihm Artikel 100 deS Einführungsgesetzes die Blankovollmacht erteilt, noch andere als die vom Reichstage beschlossenen Uebergangsbestimmungen zu er- lassen. Allerdings sind die Kassenorgane berechtigt, die vom Ver- sicherungsamt abgeschlossenen Vertrüge wieder zu kündigen. Um so mehr wird es daher notwendig sein, für eine geeignete und sachverständige Vertretung der Versicherten in den Kassenorganen zu sorge». Hm Induftm und Handel. Sinkender Fleischverbrauch. In dem gleichen Tempo wie die Fleischpreise steigen, geht der Fleischkonsum zurück. ES ist von ärztlichen Autoritäten einwand» frei festgestellt worden, daß die Versorgung Deutschlands mit Fleisch selbst in normalen Zeiten den an eine ausreichende Ernährung deS Volkes zu stellenden Anforderungen nicht genügt. Dies gilt erst recht bei den gegenwärtigen Teuerungsverhälwissen. Die ohnehin schon unzureichende Fleischversorgung ist im laufenden Jahre noch weiter zurückgegangen. Aus der Fleischbeschau- und Außenhandels« statistik berechnet sich der Fleischverbrauch im zweiten Quartal 1912 und ISIS pro Kopf der Bevölkerung auf Kilogramm: Zweites Quartal 1912 1913 Rindfleisch..... 3,56 3,40 Kalbfleisch..... 0,54 0,70 Schweinefleisch.... 5,83 5,03 Hammelfleisch.... 0,19 0,15 Ziegenfleisch.... 0,03 0,04 Insgesamt 10,14 9,32 Der gesamte Fleischverbrauch belief fich im zweiten Quartal 1913 auf 624 033 Tonnen gegen 646 381 Tonnen im Borjahre. Die Ber- sorgung mit im Jmlande geschlachtetem Fleisch ist von 634 674 Tonnen auf 613 177 Tonnen zurückgegangen. Die Einfuhr(ab- züglich des Exports) sank von 12 207 Tonnen auf 10 906 Tonnen. Daß die Einschränkung de» Fleischkonsums in erster Linie die weniger bemittelten Volksschichten trifft, bedarf keiner besonderen Erwähnung.'_ Die Konjunktur i« der Eisenindustrie hat in der letzten Zeit er- heblich nachgelassen, wie auch auS den Ziffern der Außenhandels- statistik hervorgeht. SS betrug im Monat Juni(in Doppel- zentnern): Einfuhr Ausfuhr 1912 ISIS 1912 ISIS Roheisen..... 161 590 148 460 867 990 694 130 Rohblöcke..... 13 600 8 270 603 170 418 120 Träger, eiserne... 6 560 770 444 100 435 490 Schienen und Schwellen 3 700 210 420 370 384 580 Einfuhr und Ausfuhr find also im vergangenen Monat er- heblich niedriger gewesen als im Juli des Vorjahres.. Der Rück- gang des in- und ausländischen Verbrauches, der in dem Sinken der Eisen preise schon lange in Erscheinung tritt, wird durch diese Zahlen bestätigt. Der Abbau de» FürstenkonzernS. Ueber die Ursache der Schwierigkeiten deS FürstenkonzernS erfährt man jetzt, daß der Konzern seine dringenden Geldbedüsniffe durch Lombardierung(Ver- Pfändung) von Wertpapieren beftiedigt hatte, in der letzteren Zeit aber nicht imstande war, die Lombards einzulösen. Um fich auS der verfahrenen Lage zu retten, übertrug der Konzern die Ordnung seiner Angelegenheiten der D e u t s ch e n B a n k, die insgesamt für etwa 50 Millionen Mark Lombards auszulosen halle. Der größere Teil der besseren Werte ist jetzt von der Deutschen Bank verlauft worden. Für vier Millionen Mark Omnibusaklien übernahm die Hochbahngesellschast. Der böhmische Braunkohlenindustrielle und-Großhändler Petschek erwarb für drei bis vier Millionen Mark Niederlausttzer Kohlen-Aktien und für zehn Millionen Mark Hohenlohe-Aktien, Die Akiien der weiteren weniger rentablen Unternehmungen des Fürsten- konzerns werden ebenfalls abgestoßen werden, falls die Deutsche Bank nicht den bequemeren und für fie rentableren Weg des Kon- kurses dieser Unternehmungen wählt. Die Aktionäre würden allerdings dabei leer ausgehen. Soziales* Ein erregter Borsitzender. In der gestrigen Sitzung deS JnnungsschiedSgerichtS kam eS zu recht erregten Szenen. Ein Kläger hatte von seinem Arbeitgeber die Aufforderung er- halten, zwecks endgülttger Abrechnung zu ihm zu kommen. Er glaubte triftige Gründe zu haben, das nicht zu wn. In der Verhandlung spielte dieser Umstand eine Rolle. Der Kläger meinte auf eine Frage des Vorsitzenden nicht einfach mit.Ja" antworten zu sollen, sondern wollte zugleich auch seine Handlung begründen. Dies ließ aber der Vorsitzende nicht zu. Der Kläger fühlte fich da- durch offenbar in der Wahrnehmung seiner Rechte beeinträchtigt, sprach weiter und wurde etwas erregt, als ihm Ruhe geboten ward. Jetzt verlor der Vorsitzende Hagemann die Selbst- beherrschung. Er verbat fich in hochgradiger Erregung.solch frechen Ton" und was dergleichen.liebenswürdige" Redensarten mehr waren. Als dann die Parteien das Sitzungszimmer verlassen hatten, damit das Gericht berate, drang die Stimme des offenbar stark er- regten Vorsitzenden durch alle Türen. ES fand im Beratungszimmer — soviel hörte man aus den durch die Türen deS BeratungS- zimmerS hindurch schallenden Worten deS Vorsitzenden—, eine AuS- einandersetzung gegen die geschilderte Art des Vorgehens des Vorsitzenden statt.' Schließlich kam ein Arbeiterbeisitzer Breit- köpf heraus. Er hatte ausscheiden müffen, weil ein Arbeitgeber- beisitzer fehlte. Menschlich begreiflich ist, daß ein Vorfitzender manchmal nur ein .Ja" oder»Nein" auf eine Frage hören will. Aber auS guten Gründen räumt kein Gesetz dem Vorsitzenden daS Recht auf Er- füllung solchen Wunsches ein. ES würde ja sonst die Aufklärung de« Tatbestandes und die Eruierung der Wahrheit erheblich gehindert werden. Wir sagten.menschlich begreiflich" sei solch Wunsch eines Vorsitzenden, und er kommt recht häufig zum Ausdruck, Er entspringt dem Wunsch, eine Verhandlung abzukürzen und allein die Susfüllung eines Schemas zu verlangen, das der Vorsitzende nach dem ihm bi« dahin Bekannten zur Entscheidung für ausreichend hält, vor solchem mehr oder minder ans Voreingenommenheit beruhenden Schema sollte fich jeder Vorsitzende hüten. Auch bei ordentlichen Gerichten wird oft dagegen gefehlt. In Erinnerung ist uns, wie der sehr joviale Landgerichtsdirektor Buttmann einmal einen Sachverständigen anfuhr, der die ihm gestellte Frag« nicht mit .ja" oder.nein", sondern mit längeren Darlegungen beantwortete. Der Sachverständige erwiderte:.Aber, Herr Direktor, ich bin doch kein Angeklagter oder gar schon Verurteilt-r. ich bin ja nur Sach- verständiger". Der Direktor sah einen Moment den Sach- verständigen ganz perplex an, dann erklärte er lachend:.Sie haben ganz recht;.ich bin hier der Angeklagte, von mir selbst wider Willen angeklagt, jetzt mit Bewußtsein von mir verurteilt. Nehmen Sie nicht übel, was mir im falschen Eifer rausplatzte." Damit war die Sache zur Zufriedenheit aller erledigt. Solch« Menschlichkeiten können jedem Richter zustoßen. Wa» ih« aber nicht zustoßen darf, daS find beleidigende We»« düngen gegen die Partei, die lediglich ihre Rechte wahr- nehmen will. Da sollte der Richter, auch der JunungSschiedS- gerichtsrichter, an die Mahnung WaltherS von der Bogelweide denken:»stöz..n rigel für die tür, 16 lein boefe wort bm Stoß den Riegel bor die Tür, Lag' lein böfe« Wort Herste. Kreis alS Uafallfolge. Ein überaus interesianieS Obergutachten(erstattet von Profestor Dr. Thiem) wird in Nr. 7 der.Amtlichen Nachrichten des Reichs- versicherungSamts' veröffentlicht. Mitte März 1909 flog einem Ar beiter Joachim K. ein Stück von der Kreissäge abgeschleudertes Hol, gegen die rechte Bauchseite. K. empfand heftigen Schmerz, fastte mit beiden Händen nach der getroffenen Stelle, arbeitete aber trotz großer Schmerzen bis zu Ostern 1999(11. April). Nun wurde der Unfall angemeldet. Der Verletzte wurde von Aerzten und in der Greifswalder Universitätsklinik untersucht und behandelt. Etwa am 26. Juli wird der Gallenblasenkrebs festgestellt. Am 16. August 1999 starb der Unfallverletzte. Festgestellt wurde in der Beweisaufnahme, daß der Harn des Verletzten im März 1999 rötlich-braun ge« färbt war. Der Anspruch der Witwe auf vnfallrente wurde bon der BerufSgenostenschaft und dem Schiedsgericht abgelehnt, weil nach dem Gutachten der Tod Folge des Gallenblasenkrebses war, dieser aber unabhängig vom Unfall sich entwickelt habe. DaS Reichsversicherungsamt forderte von Profestor Thiem ein Lbergutackten ein. Dies veröffentlichte Gutachten, besten Studium Arbeitersekretären sehr zu empfehlen ist, kommt aus Grund ungemein sorgfältiger Darlegungen zu folgender Annahme als der wahrschein- lichsten für die Todesursache: Der Verstorbene habe Gallensteine gehabt. Durch den Schlag sei eine Entzündung der Gallenblase und der Gallenwege eingetreten. Diese habe den KrebZ verursacht. DaS Reichsversicherungsamt nahm auf Grund dieses Ober- gutachtenS für überwiegend wahrscheinlich an, daß der Schlag des abgeschleuderten Holzes den Gallenblasenkrebs zur Entstehung ge- bracht und mithin von ursächlicher Bedeutung für den Tod geworden ist. Es sprach der Witwe die Rente zu. Der Fall zeigt wieder, wie zutreffend unsere oft wiederholte Mahuung ist, die Beweismittel für auch scheinbar unerhebliche Un- fälle sich durch Unfallanzeige zu sichern. Jugendbewegung. Dir feindliche« Brüder. Trotz des GeaenseitigkeitSvertrageS ist das Verhältnis zwischen den katholischen Jugendvereinen und dem Jungdeutschlandbund kein allzu herrliches. Das beweisen außer der bekannten Bres- lauer Resolution auch noch andere Tatsachen. So schreibt zum Beispiel eben jetzt wieder die M.-Gladbacher.Wacht": »Den Jungdeutschlandbund nach Kräften blamiert haben einige Diskussionsredner seiner Hauptversammlung(Ber- lin. 9. Mm 1913), allen voran der Polizeipräsident von Magdeburg, der nichts weniger verlangte als die Unter- st ü tz u n g der Stellenvermittlungen der Arbeitgeberverbände und der gelben Gewerkschaften durch den Bund. Auch sonst wurden die gelben Gewerkschaften bei der Tagung empfohlen. Wenn das die Meinung ist, daß man mit Hilfe von einiger Kriegsspielerei„so nebenbei" die arbeitende Jugend auf Gnade und Ungnade den Unternehmern ausliefern will, dann mag man nur darauf verzichten, noch einen frei empfindenden Jungen für Jungdeutschland zu werben." Man darf natürlich nicht annehmen, daß Bedenken gegen die .gelben" Gewerkschaften diese an sich erfteulich« Stellungnahme M den Jungdeutfchlandbund hervorgerufen haben. Die christ- en Gewerkschaften sind längst viel zu sehr selbst inS„gelbe" hhrwasser geraten, als daß sie ein Recht hätten,.frei empfindende Jungen" für sich zu reklamieren. Eine der vorstehenden gleich folgende Notiz läßt denn auch mit wünschenswerter Deutlichkeit den Zweck der Uebung erkennen. Es heißt da: .99 643 Schulknaben und 33 229 Mädchen gehören der beut- fchen Turnerschaft an. Es bestehen dort 1996 Knaben- und 479 Mädchenabteilungen.— Sorgt, daß eure schulpflichtigen Brüder und Schwestern nicht mit Hilfe solcher Abteilungen der k a- tholischen Jugendbewegung vorweg genommen werden." Also nur die Angst um den Bestand der katholischen Jugend- dereine ist die Veranlaffung des freundnachbarlichen Fußtrittes gegen den Jungdeutschlandbund. 6ericbt9- Zeitimcf* ZentrnmSterrorismuS vor Gericht. In dem oberpfälzischen Städtchen Berching lebte 1910/11 der als fleißiger und ruhiger Mann bekannte Schlosser Hohmeier unbehelligt, bis er anfing sich polifisch zu betäfigen und für die Sozialdemokratie zu wirken, namentlich durch Verbreitung unserer Presse. Das Städtchen ist noch voll- ständig Schwarz. Eine andere Meinung lassen die Zentrums- Sirößen nicht aufkommen, deshalb wurde gegen Hohmeier eine ebhaste Hetze entfaltet. Sie führte dazu, daß er aus seiner Wohnung vertrieben wurde und auch kein anderes Unter» kommen mehr finden konnte, so daß er sich gezwungen sah, auch seine Stellung aufzugeben und fortzuziehen. Es gelang ihm, in Neumarkt i. d. Oberpfalz gleich wieder eine neue Stellung als Reisender einer Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen zu finden. Aber die schwarze Gesellschaft von Berching verfolgte ihn auch hierher. Kaum hatte er seine Tätigkeit begonnen, so erschien im ultramontanen„Neumarkter Tagblatt" folgende Notiz auS Derching: .Allen gutgesinnten firchentreuen Katholiken, insbesondere den Obmännern der christlichen Bauernvereine wird auf diesem Wege zu wiffen getan, daß sich seit einigen Tagen in der Neumarkter Gegend und weiterem UmlreiS ein Mann herumtreibt, der bei einer Neumarkter Firma als Maschinenreisender in Stellung steht. Derselbe ist ein ausgesprochener Sozialdemokrat, welcher es als seine Lebensaufgabe betrachtet, durch Verbreitung von kirchen- feindlichen Schundblättern in katholischen Gegenden das Glaubensfundament zu untergraben. Wenigstens hat dieser Hasser katholischen Lebens und besonders katholischer Geistlichkeit dieses Treiben seit längerer Zeit in Berching zu betätigen sich bemüht. und durch unflätige Beschimpfungen der Berchinger Bürgerschaft in den Fastnachlszeitungen sich allgemeinen wohlverdienten Haß zugezogen und in Berching sich wohl für immer unmöglichen Aufenthalt zugesichert. Vor diesem gefährlichen Treiben und namentlich vor deffen gehässigen religionsfeindlichen Blättern sei jede christliche Familie nachdrücklichst gewarnt." Die Wirkung dieses Ergusses war die, daß H. sofort wieder brotlos wurde. Er konnte bei den aufgehetzten Bauern keine einzige Bestellung mehr aufnehmen. Deshalb verklagte er den Z e n t r u m s r e d a k t e u r Springer auf Entschädigung wegen Brotlosmachung. Das Amtsgericht Neumarkt verurteilte Sp. zur Zahlung von 300 M. Das Landgericht Amb erg hat jetzt dieses Urteil bestätigt. Trotzdem wird es Zentrumsleute und Konservative geben, die behaupten, sie seien tolerant, aber— die Sozialdemo- traten übten Terrorismus._ Unaufgeklärt? Eine etwas dunkle MißhandluagSaffLre, bei der Aussage gegen Aussage stand, beschäftigte gestern das Schöffengericht Bcrlin-Schöneberg. Wegen Körperverletzung und Beleidigung war die Gattin eines OberingrnieurS, Frau Berta Malchow auS Schönc- berg, angeklagt. Der in der Goltzstraße in Schönederg wohnhafte Schneider- meister Soll» Grün hatte an den Ehemann der Angeklagten schon anfangs dieses Jahres einen Anzug und andere Sachen geliefert, die sofort bezahlt wurden. Die Ablieferung eines bald darauf bestellten Anzuges verzögerte sich, wie Grün behauptete, dadurch, daß er den Oberingenieur M., der viel unterwegs ist. nicht an- traf. Endlich am Pfingstsonnabend habe er Gelegenheit gehabt, den bestellten Anzug abzuliefern. Da es zu feinem Geschäftsprinzip gehört, bei Anzügen, zu denen ihm bon den Bestellern der Stoff selbst geliefert wird, sofortige Zahlung des Schneioerlohnes zu verlangen, habe er am Telephon mitgeteilt, daß er die quittierte Rechnung gleich mitbringen werde. Wie er annehme, habe sich M. hierüber geärgert. Denn wie er in der M.'schen Wohnung er- schienen sei, sei er mit Schimpfworten empfangen worden. Wie G. vor Gericht unter Eid aussagte, habe die Frau M., während ihr Mann im Nebenzimmer die Beinkleider anprobierte, zu ihm ge- äußert:„Solches Judenpack müßte man gleich hinausschmeißen!" Als er gegen diese Beschimpfung protestierte, habe ihm die Frau M. mit der Faust zwei Schläge versetzt. Er habe sofort einen heftigen Schmerz und Sausen im Kopf verspürt, ferner sei ihm plötzlich übel geworden, so daß ihn Herr M. die Treppen hinunter und in einem Automobil nach einem in seinem Hause gelegenen Restaurant gebracht habe. Was dann geschehen sei, wisse er nicht mehr.— Wie die Verhandlung ergab, wurde Grün sofort nach der Unfallstation gebracht, wo der als Sachverständiger vernom- mene Arzt einen Schlaganfall mit einer rechtsseitigen Lähmung konstatierte. Wie der Sachverständige weiter bekundete, habe er festgestellt, daß G. im Gesicht Schwellungen und Rötungen gehabt habe, die nach seiner Ueberzeugung mir von Schlägen herrühren lonnten. Der als Zeuge vernommene Ehemann der Angeklagten, der ebenfalls vereidigt wurde, gab eine dem eidlichen Zeugnis des Grün diametral gegenüberstehende Aussage ab. Er bekundete, daß nicht geschimpft worden sei, ferner sei es völlig ausgeschlossen, daß seine Frau den Zeugen geschlagen habe, er hätte dies unbe- dingt sehen oder hören müssen. Er habe damals den Eindruck ge» habt, als wenn G. simuliere, außerdem habe ihm der Gastwirt Vehster, zu dem er G. gebracht habe, erklärt, daß G. schon öfter derartige Anfälle gehabt habe. Im direkten Gegensatz zu dieser letzteren Angabe des Ehemannes M. stand wieder die Aussage deS Gastwirts V., der bekundete, daß er im Gegenteil zu M. geäußert habe, er kenne den G. feit 19 Jahren als kerngesunden Menschen und habe noch nie derartige Zustände beobachtet. Das Gericht kam mangels genügender Aufklärung zu einer Freisprechung der Angeklagten. ES erkannte an, daß der Zeuge Grün einen sehr glaubwürdigen Einoruck gemacht habe und daß sein Zeugnis durch das Gutachten des Sachverständigen in manchen Punkten unterstützt werde. Demgegenüber stehe die eidliche AuS- sage des Ehemannes, und außerdem erscheine eS nicht glaub- würdig, daß ein Mann sich von einer Frau schlagen lasse, ohne etwas dagegen zu tun. Hinzu komme noch, daß G- weder dem Gastwirt, noch seiner Frau, noch dem Arzt auf der Unfallstation etwas von einer Mißhandlung erzählt habe. Der Sachverhalt er- scheine oeshalb nicht so aufgeklärt, um daraufhin zu der Verur- teilung einer den guten Gesellschaftskreisen angehörenden unbe- scholtenen und völlig einwandsfreien Dame zu kommen. LustbarkeitSvrrbot. Durch Polizeiverordnung ist Jugendlichen unter 16 Jahren der Besuch öffentlicher Lustbarkeiten verboten. In NowaweS waren einige Jugendliche bei dem am 1. Mai stattgefundenen Tanz im Saale anwesend. Der WahlvereinSvorsttzende Krvhnberg wurde als Veranstalter der Feier mit einem Strafmandat von 3 M. bedacht. Das Schöffengericht in Potsdam verwarf den hiergegen eingelegten Einspruch und erhöhte die Strafe auf 6 M. Der Ein- wand der Rechtsungültigkeit der Polizeiverordnung wegen Unver- einbarkeit mit dem ReichSvereinSgesetz wurde für hinfällig er» achtet. Das Kammergericht habe in demselben Sinne bereits ent- schieden. Der Verurteilte beabsichtigt, Berufung einzulegen. KinderauSsage« vor Gericht. Welche bedenkliche Folgen ein Urteil haben kann, daS sich auf die unsicheren Aussagen eines Kindes stützt, zeigte eine Verhandlung, die am Montag vor der Berufungs st rafkammer in Erfurt stattfand. Auf das Zeugnis eines 13 Jahre alten Mädchens, das in dem Materialwarenladen ihres Vaters in Mühlhausen i. Th. die Kunden mit bediente, wurde eine Frau vom Schöffengericht zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt, weil sie im Verdacht stand, sich von dem Mädchen Waren habe.schenken" zu lassen. Der Material- warenhändler hatte nämlich längere Zeit hindurch die Beobachtung gemacht, daß der Materialumsatz und der vereinnahmte Betrag in argem Mißverhältnis standen. Vor der BerufungS st raf- k a m m e r wurde nun von dem Verteidiger der Angeklagten der Nachweis geführt, daß die 13jährige Belastungszeugin schon recht oft die Unwahrheit gesagt hatte, und der Vater mußte zugeben, daß daS Mädchen in letzter Zeit oft die Schule wegen Un« Wohlseins versäumt habe. DaS war offenbar, daß sich die jugend- liche Zeugin in der Periode der Geschlechtsreife befindet, die nicht ohne Einfluß auf die Geistestätigkeit des Mädchens ist, deffen AuS- sagen vor Gericht außerdem diesmal sehr unsicher waren. Das Gericht erkannte unter diesen Umständen auf Freisprechung der Angeklagten. Die erste Verurteilung hat für die Angeklagte eine schlimme Wirkung gehabt, indem sie in hochgradige Nervosität versetzt wurde, die wiederholt vor Gericht zu Szenen gegen die Be- lastungSzeugm führte, die sicherlich unbewußt ihre schweren Be- schuldigungen erhoben hat. Außerdem ist der Vater der An- geklagten aus Gram über die Schande der Verurteilung seiner bis dahin unbescholtenen Tochter g e st o r b e n. Der Fall mahnt wieder die Gerichte zur Vorsicht, auf die Aussagen von Kindern hin Per- urteilungen auszusprechen. Richter sollten sich stets vor Augen halten, daß insbesondere Aussagen gegenüber, die in der PubertätS« zeit gemacht werden, große Vorficht am Platze ist. Der Kampf einer Mutter um ihr Kind. Unser ReichsgerichlSberichterstatter teilt uns mit, baß er in dem Bericht, der unter dieser Spitzmarke in der Sonntagsnummer ent- hallen war, versehentlich als das verurteilende Gericht da» Kölner Landgericht bezeichnet hatte. In erster Instanz verurteilt hatte das Landgericht Berlin L_ Bmfkarten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet bis einschließlich Sonn- abend, den 39. August, nur von 7 bis 9 Uhr abends statt.— Sonn- abends Sprechstunde von Ytb bis 6 Uhr nachmittags. M. B. 19. Ihre Nichte hat Anspruch aus Zahlung deS Gehalts bis zur Dauer von sechs Wochen, vom Beginn der Krankheit an gerechnet. Die Klage kann auch noch nach der Entlassung auS der Heilanstalt erhoben werden.— E. D. 39. Der überlebende Ehegatte erbt die Halste, die andere Hälfte die Eltern resp. Geschwister deS Verstorbenen. Die HauS- hallungSgegenständr behält der Ehegatte. Ein Testament muß entweder zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll erklärt werden oder von einem der Ehegalten eigenhändig geschrieben und mit OrtSbezcichnung, Datum und Unterschrist versehen sein. Im letzteren Falle mutz der andere Ehegatte den ebensallS eigenhändig geschriebenen mit Ortsbezeichnung, Datum und Unterschrift versehenen Zusatz machen, datz das Testament auch als das scinige gilt. Kommen Sie eventuell in die Sprechstunde. — Ff. 10. 1. Gesellschast zur Belämpsung der Geschlechtslrankheilen. Sekretär: Pros. Dr. A. Blaschto, Berlin. Wilhelmltr. 48. S. Dr. I. Moses, Berlin, Wiclesstr. 4L.— M. G. 3126. Fragen Sie an bei der Ver- emigung der Wohltäligkeitsbestrebungcn, Abteilung Jugendlürsorge, Chor. lottenburg, Berliner Str. 137. Briefkasten der Expedition. E. 0. 13. Die Deutsche Bierbrauerei hat seit dem 15. März keine Bekanntmachung wegen des Preisausschreibens im Inseratenteil unsere S BiatteS verössentlicht._ Marktpreise von Berlin am 11. August 1913, nach Ermittelungen deS tönigl. Polizeipräsidiums. 199 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20, LS bis 20,30, mittel 20,18— 20,22, geringe 20,10— 20,14 Roggen, gute Sorte 16,54-16,55, mittel 16,52—16.53, gering- 16.59-16,51(ab Bahn). Futter. gersle, gute Sorte 17,20—17,60, mittel 16,70—17,10, geringe 16,30—16,60. Haser, gute Sorte 17,70—19,10, mittel 16,60—17,60. Mais(mired), gute Sorte 16,50—16,70. Mais(runder), gute Sorte 14,50—15,10."Richtstroh 0,00. Heu. alt 0.00. neu 0,00. Markthalle ii preise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,09—50,00. Svcisebobnen. weitze 35.09—60,00. Linien 35,00—60.00. Kartoffeln(Klewhdl.) 5,00— 11,00. 1 Kilogramm Rindfletsch, von der Keule 1,70—2.40. Rindfleisch, Bauchfleilch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,60—2.10. Kalbfleisch 1.49—2,40. Hammelfleisch 1,60—2.40. Butter 2,20—3.00. 60 Stück Eier 3,60—5.40. 1 Kilogramm Kardien 1.60—2,60. Aale 1.60-3,20. Zander 1.40-3,60. Hechle 1.60-3,00. Barsche 1.00—2,40. Schleie 1,60—3,50. Bleie. 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 1,00—45.00. «SttterungSüberstchr vom 12. August 1913. Station en Swinemde. tamburg erlin Franks. a.M München Wien I« "C 760 760 WSW 761S 763,ND 763jS®D 764,NNO Beim »B 5« M« tavaranda cterSburg Scilly Aberdeen Paris 767 758 SW NO 767 N 766M« 7621 Still bedeckt bedeckt bedeckt Dunst Dunst heiler Wetterprognose kür Mittwoch, de« 13. August Ein wenig kühler, vielsach wolkig mit etwas Regen und lichen Winden. Berliner Wette «tatlonen & IS if Bettes 15 17 15 10 16 2 bedeckt . wolkig 3 halb bd. 3 heiler heiler 1913. mäßigen West- r b u r e a u. <*.* ti & c)Chu]ihau5 Oroßten c)fll6 Tau'pnUien-Strassf 20 Oranlen-Sirasse 34 König-Sl'össc 54 Moabit. Turrnslr.-50 Leipziger Strasse 65 friedenau, Rheinsl. 14 Ownicn- Strasse 47a Neukölli;. bergslr. 7/0 Mulicr-Strasse Jündct- Schul-Sliefel Unübertroffene Leisfungslähigkeil. \JcSn 25 5iä franz Abraham Hwnb. Mesaint-u.RCmertrank-Keil. C.Si Dartelatr. 8«, Fcrnsp. Kgst.lS708 Erscheint 2 mal wöchentlich. Si-Si c Bestes alkoholfreies Getränk. Berlin O�RudolfstrA. Arbelter-BekBeldung HamburgerLadcn, CharJ..WaIlit.69 ( Auto-Fahrechulen Oonlrp Gr. Frankfurterstr. 44 Oullrvu Eintr.tägl., Teilz.gest, f Bgckereten, KondltopT Biotiner's GroSbäckepci Geschäfte 1b Berlin, ChepflottenbupOfl Sohönebopg, Wilmersdorf. Albrecfat, E., Fruchtstr. 29. Asmus, Willig Ueckormündftntr. 11. Wllh. Bagge, Wiclefstr. 55/6. Friedr. Barz, Landso. Allee 146 Willy Bär, Stromstr. 48. Paul Berger, Mirbachstr. 29 K. Biedermann, Gry phiusstr. 18. Ewald Bnchler, Weserstr. 47. Ernst Buller, Brüsselerstr. 43. Alb. Vachwitz, Kamerunerstr. 16. Paul Delly, Markusstraße 15. Albert Deckewit), Jibloukiitr. 14 Doliwa, Ferdinand Torellstr. 4 Otto Donath, Stolpischestr. 22. Ißrot-Fabrik„Vorwärts" Hermann Ullrich, Köpenick. Frans Faulwetter, Manlealfelitr.67. Friedr.Flemming, Boxhagener>(r.27. Paul Freitag, Stuttgarterstr. 13. E. Freyer,Bluincn8tr. TZ.E.Marknsitr. Georg Genz, Memelerstr. 20 F. George, WilhelrashaTenerstr. 23. B. Gierszewski,\Valdenserstr.9. Fritz Glauner, Chausseestr. 80. Gumnior, H. Foaenerstr. 16. GÖring, Hugo Greifs wilderst. 2A M. Gruschka, Königsbergerst. 85 i'i Brotälckerei 75 Geschäft® In allen Stadtteilen Borlina und in Rixdorf. Gregflindet 1808. Hcppe,8Nnchf.Kraniarek,AdaIb#rt«t.66 Max Jacob, Fflügerstr. 70-1. Georg Kappe, Wilbelmsbarfioerstr. S. A. Kclb, Rostockcrstr. 31. F. Kiesewetter, Scfcivclbeinerstr. 16. Max Kniffert, Landsb. Allee 29. 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ViKlor*ia- Ii ad- Kottbuser Damm 75 FpledpichWilhelmsba Chausseestr. 87. | BezMgsquelleii'�epaEeiciinBS«| Untenstehende Geschäfte empfehlen sich bei Einkäufen n Photogr. Atellep« � Bandagen, �ummlw,"� R. Rauke, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köpenickerstr. 70. Lange, A. E., Brunnenstr. 167. Liepe, Schöneberg, Grnnevaldstr.SO. Meyer,P.,NklIn.,Berlinerstr.49— 50 J. Ch. Pollmanna Lothrmgerslr. 60. PpfphA A Beydelstraße 15. I\CiLliCf H. Lief. allerKassen � BeSeycbf.'Gegeif t. J Buttner, A., Danzigorstr. 96. c Opogen u. Farbsn Reinh. Assmus, Gerichtstr. 10. Gustav Bersug, Weidenweg 80. EmdsM o Drogerie Sudrow, Ebertystr. 28. Prinz HaHdjeriestr.2Nkl.G. Wolff. Krehl's Drogerle, Fennstr. 51. Klabn,H.,Mllii.Kaiier-Fri«drichi>t236 l30i8ligtk-Dnig.,He™�«.i«. KröningaAdler-Drogerie.Ramleritr.?. P.Lehrke.KottbuscrDammS 1-82, Parfüm AI kr. Marsch, Culmstr. 37. Carl Müßig, Grüner Weg 68. Rathans-Drpgeric.yklln. Oonanstr. 24 ßefiriaöiislr.57 Frinzenstr. 103 Alfped Koffmann Fr. 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ÄuoEstEiensrl AngSäeSe, 9. Hans Böhm, Weidenweg 31. A. Bentele, Thaerstr. 21. E. Zawadskl, Danzigerstr. 6 Paul Zwarg, Landsberg. Allee 136. L. Zimmermann, Kottb. Damm 94 c Kaarnrtlkel Hob. Kortmann, SckonTsideratr.>8. H.Nlzdorf,fniikfiirterü!.197lS�0B3- Paul Zaitrow, Stromstr, 33. Zühlke, Glatzoretr.7, Gürteist. 22e Badeanstalten J Arkona-Bad, Anklamer-Str. 84. M fllt-WitlflU�nÄ. VSeB/f-) Lanüibergerslr. 107 Gollnowstr. 41. Börgerhad TÄrt. SÜ Canitz-Bad, MQnzstraße 2. [entral-Bail AnJSSÄ. IWenerBail Mo�hÄr.oi Bad Frankfurt, Gr.Frkft.Str. 136. Lieferant sämtl. Krankenkassen BadFrledridi8hain,LaDd8b.AIIeel53 Original Ldilanien Baf früher Munsel, Wallstr. 70/71 ßBissbiip-[BrameibiBP Brauerei E. Willner Pankow. Orofcpjans Kalzbier, ächöBk.-Aiiee 130, t. in, 5033. Fordern Sie W esetiberö ClBarrenhandlunnen � iP.Hoefer, Kottbuser-Damm 79 j IRUterst. 77. Adiniralst.3, Drefidenerat.l6.| Klein. Wilh. Krakow, Fr. NW. Wiclefstr. 47. J. Nothmann, NW 87 Turmstr. 59. 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M767L Her6d,H.,F.lsiJserfl 97(K08«nl»lJ,l«h) Körber, 0.,Msriea(lorf.Chau»eeilr.306 W. Kyrath. 0. 112, Voigts lr. 8, L H. Ltndeke, Warschauerstr. 80. M. Kasenkc, Birkcnstr. 22. KaH Sommer, Fraallorlcr Allee 104. Witta Uqv Muskauorstr, 16 II lllC, ülUA fieks Kiatealltls;.-. ijZerantwortlichtr Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. BerlagSanstalt V.ml Singer u. Co., Berlins� Nr. 207 30. Johrgaug. 2. KeilM Ks Jniiiärts" Inlnn WllisblÄ Mittwoch, 13. Avgnjt 1913. ?sbt acht auf die Kraokenkaiknwahlen! es wird auch die Meinung vertreten, daß die Mitgliederliste einer ausgestalteten allgemeinen OrtSkrankenkasie zum Aus- weis der Wahlberechtigung dient, daß aber die Mitglieder von Krankenkassen, die geschlossen werden, sich auch in die Wählerlisten eintragen lassen müssen. Wo diese letzte Auf- sassung bei den Behörden besteht, wende man sich sofort an die höhere Verwaltungsbehörde mit dem Ersuchen, eine Aenderung eintreten zu lassen. Entweder müssen sick? alle krankenversicherungspflichtigen Personen in die Wählerliste eintragen lassen, oder aber, wo für die bisher schon ver- sicherten Personen die Zugehörigkeit zu einer Krankenkasse für die Wahlberechtigung entscheidend ist, da muß es f ü r alle gelten. Tie kommenden Krankenkasseuwahlcu dürfen nicht ge ringcr geachtet werden, als irgendeine pvlitisdje Wahl. Tas ureigenste Interesse jedes einzelnen, der sozialen Fortschritt will, soll ihn veranlassen, für die Kandidatenliste der freien gewerkschaftlichen Arbeiterschaft die Stimme abzu geben. Tie Generalkommission der Gewerkschaften Teutschlands. C. Legren. Am 1. Januar 1914 treten die neuen Vorschriften der Reichsversicherungsordnung über die Krankenversicherung in Kraft. Tie Versicherung ist erheblich ausgedehnt. Ihr sind neu unterstellt die Arbeitnehmer männlichen und weiblichen Geschlechts in der Laichwirtschaft, die Dienstboten, die un ständig Beschäftigten, die im Wandergewerbe und die im Hausgewerbe Tätigen. Für Personen, deren Versicherungs Pflicht bisher von einem Einkommen bis zu 2000 M. abhängig war, ist die Versicherungspflicht erstreckt bis auf ein Etn kommen von 2500 M. Für die Versicherung stich die Träger, die Krankenkassen, zum Teil auf wesentlich andere Grundlagen gestellt als bis her. Ein großer Teil der bisherigen Krankenkassen geht ein, es verschwindet auch die Gemeindekrankenversicherung. Tie Reichsversicherungsordnung kennt nur Ortskrankenkassen, Landkrankenkasscn, Betriebskrankenkassen und Jnnungs Krankenkassen. Bestehende Ortskrankenkassen können zu allgemeinen Ortskrankenkassen ausgebaut olrer als besondere Ortskranken kassen zugelassen werden. Sonst sind allgemeine Ortskranken kasser� neu zu errichten. Das hat noch in diesem Jahre zu geschehen, damit am 1. Januar die Vorschriften der Reichsversichcrungsordnung erfüllt werden können. Es wird im wesentlichen auch schon in den einzelnen Bezirken darüber Klarheit bestehen, wie es mit der Organisation der Krankenkassen wird. Es gilt jedoch in den nächsten Wochen und Monaten, die Wahl für den Ausschuß dieser Krankenkassen und dann für den Vorstand vorzunehmen. In den Landkrankenkassen haben die Versicherten leider keinen Einfluß auf die Zusammen- fetzung des Ausschusses und Vorstandes. Hier wählt die Be- Hörde die Vertreter. Tas trifft namentlich die neu der Ver- sicherung unterstellten Personen, die dort, wo eine Land- krankenkasse errichtet wird, dieser angehören müssen. Wo eine Landkrankenkasse nicht errichtet ist, ist ihre Versicherungs- Pflicht bei den anderen Krankenkassen begründet. Und hier, bei den Ortskrankenkassen, bei den Betriebs- und bei den Jnnungskrankenkassen, wählen die Mitglieder den Ausschuß. Für die Ortskrankenkassen hat der Bundesrat Vor- schriften erlassen, nach denen auch die neu der Versicherung unterstellten Personen an den Wahlen zum Ausschuß teil- nehmen. Der Bundesrat hat bestimmt, daß bei neu errichte- ten ollgemeinen Ortskrankenkassen das zuständige Versiche- rungsamt Wählerlisten aufzustellen und dann die Wahl- berechtigten durch öffentliche Bekanntniachung aufzufordern hat. sich zur Eintragung in diese Wählerlisten zu melden. Eine besondere Benachrichtigung der einzelnen Wähler findet nicht statt. Diese Anordnungen sollen auch für die durch die Reichsversicherung neu in die Krankenversicherung einge- zogenen Mitglieder ausgestalteter allgemeiner Ortskranken- kassen und für die Arbeitgeber dieser Mitglieder gelten. Es kann jedoch die oberste Verwaltungsbehörde Abweichungen anordnen oder zulassen. Sie kann auch insbesondere bestim- wen, wie weit Wahlberechtigte, die nicht in die Wählerliste eingetragen sind, gleichwohl bei gehörigem Ausweis über ihre Wahlberechtigung zur Wahl zuzulassen sind, und wie dieser Ausweis erbracht werden kann. Es erwächst nun allen der Krankenkassenversicherung unterliegenden Personen die dringende Pflicht und Aufgabe, sich an diesen in nächster Zeit stattfindenden Wahlen zu be- teiligcn und dazu sich in die Wählerlisten eintragen zu lassen. Wahlberechtigt ist jede der Versicherung unterstehende Person, sofern sie über 21 Jahre alt und nicht Ausländer ist. Tas Geschlecht spielt keine Rolle. Es muß namentlich den Frauen dringend ans Herz gelegt werden ihren ganzen Einfluß bei den Wahlen geltend zu machen. Ob die Kasse eine Schwangerenunterstützung, Hebammendienste für die weiblichen Versicherungspflichtigen und Wochenhilfe an versicherungsfrcie Ehefrauen und anderes mehr gewährt, hängt ganz von dem sozialen Verständnis der gewählten Vertreter ab. da es sich bei diesen Leistungen nicht um die den Kassen obliegenden Pflichtleistungen handelt. � Ob Manu oder Frau also, ganz gleichgültig, sie alle müssen sich an den Wahlen beteillgeu, und möglichst dafür sorgen, daß freigewrrkschaftlich organisierte Arbeiter und Ar- beiterinncu in den Ausschuß entsandt werden. Das ist nicht nur notwendig, um Leute in den Ausschuß zu bekommen, die Verständnis für den weiteren Ausbau der Krankenversichc- rung haben und die nach Möglichkeit dafür sorgen, daß die nach der Reichsversicherungsordnung zulässigen freiwilligen Leistungen der Krankenkassen auch durchgeführt werden, son- dern es ist auch noch aus folgendem notwendig: Die Vor- standsmitglieder aller Krankenkassen wählen späterhin die Beisitzer beim Oberversicherungsamt und die letzteren endlich wieder die Beisitzer beim Reichsversicherungsamt bezw. Lan- desversichrrungsamt. Tic Wahlen finden nach den Grundsätzen der Verhältnis- Wahl statt. Das muß ein Grund mehr sein für die frei- getverkichaftlich organisierten Arbeiter, alles daran zu setzen. Leute ihres Vertrauens in den Ausschuß der Krankenkasse zu bekommen. Sicher werden alle jene, die vorgeben, auch die Interessen der Arbeiter zu vertreten, in Wirklichkeit aber noch immer versagt haben, wenn es gilt, ernstlich die Interessen der Versicherten im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen wahrzunehmen, sich an den Wahlen beteiligen. Wer will, daß sozialer Geist in den Krankenkassen und in den rcchtsprechenden Behörden herrscht, der muß die Wahl der freigcwerkschaftlich organisierten Arbeiter unterstützen. Den Gewerkschaftskartcllen ober erwächst die Pflicht, die Wahlen vorzubereiten. Sie haben insbesondere den der Krankenkassenversicherung vom l. Januar 1914 ab unter- stehenden Personen durch örtliche Veröffentlichungen kundzu- tun, ob und wo sie sich in die Wählerlisten eintragen lassen müssen. Tie vorhin erwähnten Bestimmungen des Bundesrats haben schon Anlaß zu den verschiedensten Auslegungen g«. geben. Es macht sich bei einzelnen Behörden die Meinung geltend, daß sich auch die jetzt schon der Versicherung unter- stehenden Personen, also die bisherigen Mitglieder der Kran-■"v;,'"V" kenkasfen. neu in die Wählerlisten eintragen lassen müssen mktelbar zuzulm cn. die nch durch Annahme dlrekter«teuern ver- s*j£Sr*!* Äl'ÄTn s Wahwerechtigimg anerkannt, wenn st« in den Mitglieder-, setz«n. Der Kampf hätte mit mehr Entschievenheit und Nachdruck listen Ihrer bisherigen Krankenkasse verzeichnet find, �a, I geführt werden sollen� Wenn man die Massen aufrütteln wollte, Hamburg in und der Parteitag. Tie Leitung des dritten Hamburger Wahlkreise der mit rund 44 500 Mitgliedern die st ä r k st e s o z i a l d e m o iratischc Wahlkreisorganisation aufzuweisen hat, hatte zum Freitag fünf Distriktsversammlungen ein berufen, in denen die Genossen Stellung zum Jenaer Parteitag nahmen. Referenten waren Hense, Winnig, Grosse L u t h und Dr. Laufenberg. Wehrvorlage und Massen st reik waren die beiden Fragen, mit oenen die Refe renten wie die Diskussionsredner sich in der Hauptsache beschä tigtcn. Hense, der in B a r m b e ck sprach, erklärte, daß in der Bekämpfung der Heeresvorlage die Fraktion be� deutend mehr hätre tun müssen. Ueber die Haltung ver Fraktion zu den neuen Steuern vagegen könne nicht ohne weiteres ein absprechendes Urteil gefällt werden. Es sei jedenfalls sehr fraglich, ob wir besser gefahren wären, wenn wir die DeckungSvor� läge abgelehnt hätten. Vielleicht fei es im Volke nicht verstanden ivordcn, wenn wir diese direkten Steuern nicht angenommen hätten. Die Massen st reikfrage sei in letzter Zeit wieoer holt o.'-'geworfen worden, aber so viele Artikel, so viele ver� schiedene Meinungen. Es sei zweifelhaft, ob wir der Sache Lienen, wenn wir alles auf eine Karte setzen. Auf alle Fälle be- dürfe die Frage aber noch einer gründlichen Klärung. In der Debatte erklärten sich mehrere Genossen gegen die AuSfüh. rungen Hcnscs, den Massenstreik betreffend. Es müsse etivas ge schehen, um den Kampf des Proletariats gegen Preußenwahlrecht und Verkümmerung des KoalitionSrechrs vorwärts zu treiben. Eine andere Auffassung als Genosse Hense bekundete Hamm-Borgfe!oe Genosse Winnig. Sowohl in der Z kämpfung der Heeresvorlage, als auch in ihrer Taktik zur Deckungsvorlage sei die Fraktion auf einer Höhe ge' wcsen, wie selten zuvor. Was die Genossen Noske und Ledebour grundsätzlich über die Heeresvorlage vorgetragen hätten, könnte man in einem Katechismus zusammenfassen. Die Annahme der Wehrvorlage sei nicht zu verhindern gewesen. Aber ein gewaltiger Erfolg sei es, daß die Kvsten dafür auf sie Schultern der Be- sitzenden abgewälzt werden konnten. Mit diesem Resultat könnten wir den Gegnern in der Agitation öffentlich gegenübertreten. DaS Problem der Massenaktion müsse in Erwägung xv- zogen werden, sobald die Genossen die Absicht haben, die Junker zu stürzen. Mit Petitionen könne der preußisech Wahlrechts' kämpf nicht weitergeführt werden; auch der D e m o n st ra t i o n S' st r e i k müsse zur Anwendung kommen. Natürlich müsse er vor bereitet werden. In der Diskussion sprach Genosse Petersen gegen die Taktik der Fraktion bei der Wehr- und Deckungsvorlage Genosse G r o e g e r meinte, ein Massenstreik habe nur dann Aus- licht auf Erfolg, wenn das gesamte TranSportgewerbe, einschließlich der Eisenbahn, lahmgelegt werden könne. Genosse Grosse, der in Eppcndorf-Winterhud referierte, verteidigte ebenfalls die ReichstagSfraktion. Die Frak tion sei mit Erfolg bemüht gewesen, den bürgerlichen Fraktionen die Möglichkeit zu nehmen, die Lasten für die neuen Rüstungen auf die Schultern der breiten Masse abzuwälzen, In bezug auf den Massenstreik hätten wir' zwei Richtungen in der Partei zu verzeichnen. Die eine Richtung sei für den spontanen Massenstreik bei jeder Gelegenheit. Hieraus folge dann der allgemeine Generalstreik, was letzten Endes oer Revolution gleichkäme. In diesem Sinne könnten aber nur Leute reden, die von Verantwortlichkeitsgesühl keine Spur hätten. Äautskh habe recht, wenn er sage, daß Rosa Luxemburg alles aus russischen Verhältnissen heraus betrachte. In der Diskussion traten die Genossen Bauer, Schilling und Wucherpfennit für die Propagierung des Massenstreiks ein. Genosse S t a h meinte, daß die Fraktion in der Wehr- und Deckungsvorlage sich mehr an die Massen hätte wenden müssen. In Eimsbüttel sprach Genosse Luth. Wenn mich unsere Fraktion bei der ersten Lesung der Vorlage etwas mehr Obstruktion hätte bereiten können, so hat sie dieses bei der zweiten Lesung nachgeholt. Um indirekte Steuern für das Volk zu ver- hindern, konnte unsere Fraktion taktisch nicht anders handeln. Selbst unsere Radikalen geben der Fraktion recht. Die Massen st reikfrage� wird ebenfalls jetzt wieder diskutiert. Mit dem politischen Massenstreik haben sich scbon drei Internationale Kon gresse sowie der Gewerkschaftskongreß in Köln beschäftigt. Redner verweist aus den Ausgang mehrerer Massenstreiks im Auslände, welche mit wenig Erfolg endeten. Ein Massenstreik lasse sich nicht künstlich machen, die Organisationen seien der Maßstab als Waffe des Streiks. Die Genossen R ü h I und S i jk e r t verurteilten in der T e b a t t e die Taktik der Fraktion. Sickert erklärte sich nur mit der Annahme der Deckungsvorlage einverstanden. Bartels ver- teidigte das Vorgehen der Genossen im Reichstage, ebenso Per n c r. Man dürfe unfern Gegnern kein Material geben, das gegen unö verwertet werden könne. Um den Massen mehr An regung zum politischen Denken zu geben, stellt P e r n e r folgen- den Alttrag: .Der Parteitag wolle beschließen, die ReichstagSfraktion auf- zufordern, im Reichstag einen Antrag auf Einführung der direkten Gesetzgebung durch das Volk vermittelst des Vorschlags- und BerwerfungSrechtS einzubringen. Gleich» zeilig ist jn, ganzen Reiche-eine lebhafte und intensive Propa- gando für diese Programmforderung einzuleiten." Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Genosse Dr. Laufenberg führte in Harvestehude aus, daß die Fraktion in der Steuerfrage ein« Schwen» k u n g vollzogen habe. Bisher habe der Verwendungszweck eine ausfchlaagebends Rolle gespielt, habe es geheißen, diesem System keinen Mann und keinen Groschen. Die Tatsache sei nicht aus der Welt zu schaffen, daß die Mittel der HedreSvorlage bewilligt worden seien. Die FraktionSinchrheit betonte, daß die bisherigen Richtlinien nicht mehr genügten; indirekte Steuern auch nur so war der Ausgangspunkt dazu eine aufrüttelnde Taktik der Fraktion. Man hätte sehr wohl die Gelegenheit zur Agitation für die direkte Gesetzgebung durch das Volk oder ein Referendum nach Schweizer Muster benutzen können, und die Be- völterung hätte sich gewiß hinter Massenpetitionen zwecks nacd- drücklicher Auflegung wirklicher Besitzstcuern gestellt. Aber alle diese Ausstellungen sagen nichts über die Frage, wie die Fraktion sich verhalten solle, wenn die Entscheidung zwischen direkten und indirekten Steuern in Situationen, �ähnlich der gegenwärtigen. getroffen werden soll. Und solche Situationen können bei ber Möglichkeit einer dreifachen Mehrheitsbildung im Reichstage wiederkehren. Man kann unter Berufung auf das Programm die Ablehnung der Deckung mit guten Gründen rechtfertigen. Aber man kann mit nicht minder guten Gründen därtun, daß eine sozialdemokratische Fraktion schlechterdings nicht die Verantwortung für neue und höhere indirekte Steuern übernehmen kann. Es wirb auch hier eines klaren Votums des Parteitages bedürfe». DaS Gefühl, daß die parlamentarische Situation eine sehr unbehagliche, auch für die Zukunft, ist nicht der letzte Anlaß, wenn sich spontan aus der Masse der Ruf nach dem p ol i t i s ch e n M a s f e n st r e i k erhoben habe. Es sei sehr wohl möglich, daß eine Niederlage in solchem Kampfe die Arbeiterschaft weit zurückwerfe. Das Unter» nehmcrtum werde sich mit Klauen und Zähnen wehren, die Wehr- Pflichtigen werde man einberufen und zur Arbeit kommandieren, den Belagerungszustand rücksichtslos handhaben, man werde sich nicht auf die Dauer von Tagen, sondern von Wochen einrichten müssen. Der preußische Wahlrechtskampf werde umschlagen in einen Kampf zwischen Reichstag und Bundesrat um die Vorherr- schaft. Daß die Arbeiterschaft im kommenden Herbst durch einen Generalstreik die Macht im Reiche erobert und den Bundesrat niederzwingt, ist eine Utopie. Es handelt sich jetzt darum, die Bedingungen eines offensiven Massen st reiks zu unter- suchen. Als ein genereller, alle Berufe und Arbeiter umfassenoer Streik ist er zurzeit nicht möglich. Trotzdem vermag der politische Streik allein die Einheit der gesamten Arbeiter- klaffe zu bewirken und damit die Vorbedingung des Sieges zu schaffen. Im lokalen Rahmen.ist auch heute der politische Streik schon anwendbar. Seine Steigerung zum Generalstreik muß oie Arbeiterschaft durch den Gebrauch lernen. Die Diskussion war eine sehr lebhaste und ausgedehnte. B u r m e st: r ist mit der Haltung der Fraktion nicht einverstanden. DaS Proletariat sei letzten Endes doch der Leidtragende bei allen Steuern. Hör» mann uno Wegner bekämpfen die Ansicht des Referenten, die Massenstreikfrage betreffend. Tellkamp hält den Massen- streik für wünschenswert, aber vorläufig sei er undurchführbar. Genosse S t u b b e führte im Distrikt RotenburgSort aus, daß die Massen auf die eventuelle Anwendung des Massen- st r e i k s vorbereitet werden müßten. Der persönliche Kampfes- mut, der seit den achtziger und neunziger Jahren ersichtlich zurück- gegangen sei, müsse wieder lebendig werden; dann erst werde die Masse, die auf gewerkschaftlichem Gebiete wegen 3 bis 5 Pf. Lohn- zulage langwierige Kämpfe führt, auch für ihre politischen Rechte im entscheidenden Augenblick den erforderlichen Kampfesmut be- zeugen.— Die Taktik der Fraktion war insofern ein« ver- kehrte, als sie die Vorlage nicht bei der ersten Lesung schon mit ge- nügender Schärfe bekämpft und AbänderungSanträge gestellt hätte. Die Besitzenben seien wohl in der Lage, die direkten Steuern aus die breiten Massen abzuwälzen. Zu begrüßen sei es, daß die Agrarfrage wieder erörtert werden solle. In der Diskussion meint E l v e r s, daß ein Massenstreik di« Organisationen auf Jahre zurückwerfen müsse. In Uhlenhorst sprach Genosse Brauer sich für die Fraktion auS. ES sei richtig gewesen, die d i r e! t e n Steuern anzunehmen. Der Massenstreik als schärfste und letzte Waffe könne und werde einmal angewandt werden. Zuvor aber müßten die Verkehrsarbeiter organisiert sein. Jn der Diskussion sprachen einige Genossen gegen Brauer. Genosse Kalnbach, der in Eilbeck referierte, verteidigte ebenfalls die Taktik der Fraktion bei der Deckungsvorlage. Der Massenstreik sei ein zweischneidiges Schwert. Er könne wohl die herrschende Klasse in eine unangenehme Lage bringen, andererseits könnten aber beim Mißlingen die Organisationen auf Jahre zurück. geworfen werden. Ob das Preuhenwahlrecht solche Opfer wert sei. erscheine ihm zweifelhaft. Jn der Diskussion erklärten sich die Genossen Stall, L e v y und Möller gleichfalls mit der Haltung der Fraktion einverstanden, während Thälmann dagegen spricht. der Kreisgeneralversammlung des dritten Wahlkreises, in der nach diesen Versammlungen am Sonntag endgültig zum Parteitag Stellung genommen wurde, wurde der von uns oben erwähnte Antrag Perner in E i m s b ü t t e l, die d i r e k t e Gesetzgebung durch das Volk betreffend, einstimmig angenommen. Zur Maifeier wurde beschlossen, daß alle Ge- nassen und Genossinnen, die am 1. Mai ohne Lohnausfall feiern, den Tagelohn abzuführen habem Derballdstag der Fithographeu, Zteindrucker und oemandten Serufe. Stuttgart, 11. August. Der heutige Tag ist den Konferenzen der einzelnen Branchen des graphischen Gewerbes gewidmet. Die stärkste der drei Kon- fercnzen ist die Steindruckerkonferenz, die sich 1. mit dem Bericht der Zentralkommission, 2. mit der technischen Entwickeluna im Steindruckgewerbe, 3. mit der Prämien- rage und 4. mit den hygienischen Verhältnissen im Steindruck- gewerbe zu beschäftigen hat. Zum Punkt 1 liegt eine R e s o l u- tion vor, in der festgestellt wird, daß durch die Zoll, und Handels- Politik das ausländische Absatzgebiet stark zuungunsten des Gewerbes beeinflußt wurde und die Rückeroberung der verloren gegangenen Älbsatzgebiete infolge der erstarkten Eigenproduktion der Auslands- staaten aussichtslos erscheine, daß auch im Jnlandsabsatzgebiet unter dem Einfluß der politischen Berbältnissc ein« außerordentliche Ein- chränkung erfolgt sei und infolge all dieser Tatsachen heute schon die Zahl der überflussigen Arbeitskräfte im Steindruck einen solchen hohen Grad erreicht habe, daß selbst tüchtige Kräfte mit monate- langer Arbeitslosigkeit zu rechnen hätten. Die Resolution fordert daher: Durchführung der Abmachungen mit dem Schutzverband mit allen Mitteln, weitere Herabsetzung der LehrlingSzahl bei VerHand- lungen und beim Abschluß von Tarifen. Betonung der sehr be- chränkten Erwerbsmöglichkeit bei der Ausbildung von Lehrlingen n keramischen Betrieben und in den Blechdruckereien und der Tat- ächc, daß der Ucbergang vom Papierdruck zum Blech, und kera- mischen Druck viel leichter ist als umgekehrt. Schließlich wird i» der Resolution der Hauptvorstand aufgefordert, durch intensive Auf- klärung l�cr Einstellung von Lehrlingen in diesen Sparten entgegen- >uwirken ünd bei Abschluß von Tarifen sowie Abmachungen mit den Unternehmern für diese Forderungen einzutreten. Jn der D i» k u s s i o n wurden die sanitären Mißstände be» nthrt, es wird die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte in der Auf. techersi kritisiert, die Mobilmachung der Presse gegen die Lehrlings. züchterei und eine eingehende, regelmäßige ArbeitSlosenstatistik ge- 'ordert. Die oben im Auszug wiedergegebene Resolution zu Punkt 1 wurde angenommen. 'Angenommen wird eine weiter« Resolution, in welcher der Hauptvorstand aufgefordert wird, in den einzelnen Sparten des Ge. Werkes vierteljährlich« Erhebungen über den Stand der Ar- beitslosigkeit zu pflegen und das Material den Ritalied» f Paffen zuzustellen. Die Konferenz nimmt sodann zur Frage der technischen EntWickelung im S t e i n d r u ck g c w-e rlj e Stellung. Hierzu liegt ein Leitfaden für Forderungen an den Rotations- Maschinen vor, der im wesentlichen enthält: 40 M. Minamallohn; für die Kollegen, die an diesen Maschinen angelernt werden, gilt der bisherige Lohn als Minimallohn, sofern er nicht weniger als l4k M. beträgt; Abschaffung von. Uebcrstundenarbeit, Ablehnung be- mmmter Tagesleistungen und jeglicher Prämienarbeit, Gewähruirg von Ferien, Ablehnung von Kontrakten und längeren Kündigungs- fristen, die über die im Januar 1912 festgelegten Bedingungen hinausgehen.— In der A b st i m m u n g werden alle Punkt« des Leitfadens angenommen. Es folgt ein Referat von Haß- Berlin über die Prämienfrage. Der Referent schlägt eine Resolution vor, in der das Prämien. system als eines der raffiniertesten Mittel zur Aus- deutung der menschlichen Arbeitskraft erklärt wird, das die selbstsüchtigen Eigenschaften der Arbeiter entfesselt, zwischen Handpressendruckern und Maschinenmeistern künstliche Gegensätze schaffe, weshalb von den Verbandsinstanzen erwartet wird, bei jeder sich bietenden Gelegenheit für die Beseitigung dieses Shstems zu wirken. In Orten mit hoher Auflagenzahl und niedrigen Löhnen soll die Aufbesserung der Lohnvcrhältnisse energisch angestrebt Norden.— �Dis Resolution fand Annahme: Zum Schluß beschäftigte sich die Konferenz mit den hygienischen Verhältnissen im Steindruckgewcrbe. Es wurde eine Reso- lution angenommen, die von der Zentralkommischon eine syste- matische Durcharbeitung der Krankenscheine verlangt, um ein ge- naues Bild über die Gesundheitsverhältnisse der Kollegen fest- zustellen; verlangt wird ferner eine statistische Umfrage über die sanitären Zustände in den Druckereien. Die Lithographenkonferenz debattierte vor allem die Frage, ob der besondere Redakteurposten für das Fachblatt„Der Lithograph" aufrechterhalten werden soll oder nicht. Gegen die vom Hauptvorstand und von der Zentral- kammission beantragte Aufhebung erhebt sich in der Konferenz von einer Reihe von Rednern entschiedener Widerspruch. Man ent- Sbeidet sich dahin, diese Frage der Generalversammlung zur Ent- fcheidung zu überlassen.— Es findet sodann eine Resolution Annahme, die überall da die Bildung besonderer Litho- graphenscktionen empfiehlt, wo Ö0 Lithographen vorhanden sind. Es gelangt ferner eine Resolution zur Annahme, die im Hinblick auf die technische Entwickelung die Ausbildung der Arbeits. kräsie für ungenügend erklärt. Die Resolution empfiehl: Errich- tung von Fachschulen, Ausbau der Fortbildungsschulen durch Fochklassen ufw. Tie Schaffung einer zentralen Sammelstelle für Druckerzeugnisse wird unterstützt. Tie Chemigraphenkonferenz nahm den Bericht aus den Mitgliedschafren über die Aufnahme des neuabgeschlossenen Tarifs entgegen. Dabei entstand eine lebhafte Debatte über die Einbeziehung der Ticfdrucker in den Tarif der Chemigraphen. Tie Vertreter der Tiefdrucker erheben dagegen Protest, da diese Frage die anderen Beruksgruppen ebenso inter- essiere wie die Chemigraphen. Diese machen geltend, daß ohne die Einbeziehung der Tarifabschluß im höchsten Grade gefährdet ge- Wesen sei. Ein Scheitern habe man aber unter keinen Umständen verantworten können, da ohne. Tarif die Organisationsmöglichkeil gdjemmt werde. Es wird beschlossen, der Generalversammlung die Wahl einer Kommission zu empfehlen, der Vertreter der Filialen angehören sollen, in denen das Tiefdruckgewerbe eine Rolle spielt. Die Kommission soll die Aufgabe haben, die Differenzen befriedi- gend zu schlichten. Schließlich beschäftigte man sich noch mit der An» stellung eines Chemigraphen im Hauptvorstand, die der Generalvcr- sammlung empfohlen werden soll. Zpe/isl-�fxt kür fjaut» unü fjamleiüen, PriBzenstr. 41, 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Wald- u. Landparzellen BÜSer solche billig erwerben will. besichlige zuerst bai neu et' schlosseiie Gelände der B-Kalollietiell-Vöbei'llz direkt an der Heerstraße und am Bahnh.Dallgow-Döberitz, l2Min. Fahrz. v. Spandau, vorzügl.Lage, � guter Boden. 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Druck u.«erlag: VorvSrt» Vvchdrmkerel u. Verlagsanstalt Ka»! S'Nger it. vkUi» SM Hr. 207. 30. Jahrgang. 3. LkillP Ks.Fmiick" Snlim WsM MMoch. iZ. August 1913. Heute Mwoch: �ahlabenä in LroK-verlin. Partei- �ZngelegenKeiten» Dritter Wahlkreis(7. Abteilung). Der gemeinsame Zahlabend findet heute bei Gensch, Dresdener Str. 107/108, statt. Bortrag des Genossen Dr. S. Rosenfeld über:„Lassalle und der Preußische Landtag". Charlottcnburg. Die 5. Gruppe hält heute Mittwoch einen ge- meinsamen Zahlabend im. VolkshauS" ab. Bortrag aus Schiller. Schönebcrg. jDieParteigenossinen und Genossen veranstalten am Sonntag, den 17. A u g u st, nachmittags 3 Uhr, einen Familienausflug nach Schmargendorf, Restaurant„Z u ni Waldkater", Inhaber H. Goetsch, Warnemünderstr. Il-Iö. Daselbst gemütliches Kaffeekochen. Steglitz. Heute finden nur Abteilungsversammlungen statt. Für die 1. Abt. bei Schellhase, Ahornstr. IS; für die 2. Abt. bei Heizmann. Florastr. 4: für die 3. Abt. im Albrechtshof: für die 4. Abt. bei Dahl, Südende, Lichterfelder Str. 21. Die Genossen PeterS, Dr. E. Meyer, Delmes und Daniel Stücklen werden referieren. Erkner. Heute Mittwoch, den 13. August, abends 8t/g Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Paul Grund, Friedrich« straße 21. Zeuthen-Miersdorf. Die Mitgliederversammlung findet heute Mittwoch, den 13. August, bei Oldenburg in Zeuthen statt. Es ist eine wichtige Tagesordnung zu erledigen. Alt-Glienickc. Heute Mittwoch: Zahlabend. 1. Bezirk bei Henschel, Grünauer Straße. 2. Bezirk bei Joch, Köpenicker Straße. Der Zahlabend für den Ortsteil Falkenberg findet am Sonnabend, den 16. d. M., bei Schäfer, Schirnerstraße, statt. � Hohen-Schönhausen. Heute Mittwoch, den 13. August: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht von der Frauenkonferenz, Bericht von der Verbands- und Kreis-General« versainmlung. 3. Anträge. 4. Bezirksangelegenheiten. 5. Verschiedeltes, Anfragen an die Gemeindeverlreter. Bohnsdorf bei Grünau. Heute Mittwoch, 8'/» Uhr abends: Mit- gliederversammlung des Wahlvereins irr der„Villa Kahl"(Inhaber Bakofzer). 1. Vortrag des Gen. Groger über:„Unser Kampf in Preußen"(Massenstreik). 2. Diskussion. 3. Bericht von der Ver- bands-Generalversammlung. 4. Wahl der Delegierten zur Kreis- Generalversammlung. 5. Bereinsangelegenheiten. 6. Verschiedenes. Biesdorf. Heute abend pünktlich>/z9 Uhr Zahlabend mit Vor- trag im Restaurant Haak, Marzahner Straße. Röntgcntal, Zepernick, Buch. Der Zahlabend am Donnerstag für Röntgental. Zepernick und der am Freitag für Buch fällt dies- mal aus. Dafür findet am Sonnabend, den 16. August 1913, abends S'/g Uhr, bei Laiige, Siemensstr. 10(Röntgental), eine Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung. 2. Bericht von der Kreisgeneral- Versammlung. 3. Parteiangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Französisch-Buchholz. Der Zahlabend findet diesmal wieder ge- meinschastlich bei Kähne, Berliner Str. 39, statt. Karow. Der Zahlabcnd findet am Donnerstag, den 14. August, abends O'/z Uhr, bei Peschlow, Luisenstr. 4, statt. Am selben Tage in Blankenburg bei Jäger(Kolonie). fkrlUier Nachrichten. Die Fruchtbarkeit der Kalkberge. Wer jemals in Kallberge-Rüdersdorf war, hat gewiß bedauert, daß ein so herrliches Panorama beeinträchtigt wird durch den Staub der Zementfabriken, der sich schon in weiter Entfernung ankündigt. Auf der Tasdorfer Seite sind die Rüdersdorfer Häuser, alle Wege, Felder, Bäume wie mit Mehl überzogen. Trotzdem ist die Vegetation außerordentlich üppig, was auf die eigenartige Beschaffenheit des Rüdersdorfer Kalksteins zurückgeführt werden muß. Um die jetzige Zeit zeigt sich dem Besucher«in auffallender Reichtum an Obst auf den dortigen Obstbäumen, die zum Teil hohen Alters sind. Während weil über die Mark hinaus und selbst in der Obststadt Werder über eine halb verlorene Obsternte geklagt wird, kann die Ernte in de» Kalkbergen kaum besser stehen. In fast jedem Jahre blüht dieser Erfolg, weil das tiefliegende Gelände starken Windschutz bat durch das vorgelagerte Kalkgebirge und weil der Kaltstaub viel Ungeziefer, das sonst dem Obst nicht abhold ist, vernichtet oder fern hält. Viele Bäume sind so ertragreich, daß die dicht beladenen Zweige gestützt werden müssen, dazu sind Birnen, Äcpfcl und Pflaumen von erlesener Güte, aber auch der Wein gedeiht hier prächtig. An Lauben und Spalieren, über dem Eingang zahlreicher Bergmannshäuscr sieht man eine Fülle reifender Trauben hängen. Ebenso gut steht eS mit dem Korn und anderen Fcldfriichten. Auch Blumen treiben so vortrefflich, daß beispielsweise Georginen stellen- weise eine Höhe bis zu drei Metern erreicht haben. Auf dem Kalkgebirge hat man vor mehreren Jahren Enzian und Edelweiß angepflanzt. Der Versuch ist durchaus gelungen. Sogar Rosen findet man zwischen dem Kalkgestein. Sollte es nicht möglich sein, aus Kalk- berge-Rüdersdorf, deffen Bergabhänge brach liegen, ein zweites Werder zu machen? Ein Bankbetrug um»«000 M. Hinein überaus raffinierten Schioindelmanöver, bei dem zweifei- loS Angestellte die Hand im Spiel gehabt haben, ist die SÄ: e s d n e r Bank zum Opfer gefallen, lieber den Betrugsfall wird folgendes berichtet: Auf der Hauptdepositenkaffe der Dresdner Bank in der Franzöfischen Straße erschien gestern mittag ein Mann, der sich als Beauftragter der Bankfirma B. Heymann u. Co. ausgab und sich auch durch eine Kontrollmarke legitimierte. Er übergab dem Kassierer eine Effektenrechnung, die über den Verkauf von Aktien der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Höhe von 30 000 M. an die Dresdner Lank lautete. Da die Rechnung alle Zeichen und Unterschriften trug, zahlte der Kassierer die Summe anstandslos aus. Später ergab sich bei der Buchung, daß es mit dem Ankauf dieser Papiere nicht seine Richtigkeit hatte. Eine genauere Untersuchung der Rechnung ergab auch, daß alle Unter- schriften und Kontrollzeichen gefälscht waren. Weiter wurde durch Nachfragen sofort feftaestellt, daß eine Bankfirma des angegebenen Namens nicht in Berlin existiert. Die Bank benachrichtigte»ach dieser Entdeckung sofort die Kriminalpolizei, die Ermittelungen an- stellte. Diese baben ganz zweifellos ergeben, daß bei dem raffiniert angelegten Schwindel ein Angestellter des Bankhauses dabei seine Hand im Spiel gehabt haben muß. Es ist sonst nicht erklärlich, wie der Schwindler, der das Geld erhob, in den Besitz der Kontrollmarke kommen konnte. Er muß auch mit dem Geschäftsgang der Dresdner Bank sehr genau Bescheid gewußt haben. Die Unterschriften, wie auch die Stempel, durch die der Verkauf der Papiere an der Börse bestätigt wurde, find tadellos nachgemacht. Die Dresdner Bank hat eine Belohnung von 1000 M. aus- gesetzt für Personen aus dem Publikum, die zweckdienliche Angaben zur Entdeckung des oder der Fälscher und Betrüger machen können- Ein Teil der Belohnung soll auch den Personen zukommen, die über die Herkunft der Ouittungsformulare und der Stempel Auskunft zu geben vermögen._ Tie Stadt Berlin und die Radiumfrage. Der Berliner Magistrat teilt mit: Durch die Presse ist die Nach richt verbreitet worden, daß demnächst auch für die Krankenhäuser der Stadt Berlin die Radiumbehandlung des Krebses zur Einführung gelangen und in der Stadtverordnetenversammlung die Beschaffung von Radium für die städtischen Krankenhäuser angeregt werden würde. Dazu sei bemerkt, daß die städtische Krankenhausdeputation bereits Anfang Juli den grundsätzlichen Beschluß gefaßt hat, für die Beschaffung der nötigen Quantitäten Radium oder Mesothorium für die städtischen Krankenanstalten Sorge zu tragen. Die Direktoren der städtischen Krankenhäuser sind beauftragt worden. Vorschläge über die beste Art der Beschaffung von Radium oder Mesothorium zu machen. Die Krankenhausdeputation wird demnächst dem Magistrat bestimmte Vorschläge über die Beschaffung von Radium oder Meso- thocium unterbreiten. Im übrigen sei darauf hingewiesen, daß die Radiumtheraphie noch keineswegs im einzelnen derartig ausgearbeitet ist, daß die Frage als geklärt bezeichnet werden könnte. Vor einer Ueberstürzung ist daher zu warnen, sie würde der Sache mehr schaden als nützen. Autobus Pankow-Neukölln. Die Allgemeine Omnibus-Gesellschaft richtet am 16. August eine Automobilverbindung nach Pankow ein. Sie kommt dadurch zu- stände, daß die Linie 4 von der Ecke der Chaussee- und Liesenstraße durch die Chaussee- und Müllerstraße, über den Weddingplatz, die Reinickendorfer Straße, den Nettelbeckplatz, die Pankstraße, Prinzen- allee, Wollank- und Breite Straße bis zur Ecke der Berliner Straße durchgeführt wird. Es entsteht so eine durchgehende Verbindung vom Ringbahnhof Neukölln bis Pankow. Die Wagen verkehren werk- tags von Neukölln von 4.54 früh bis 12.32 nachts, von Pankow von 4.57 bis 12.39. Sonntags von Neukölln bis 1.22, von Pankow bis 1.39, in Abständen von 4—7 Minuten. Ein grohcr Juwelendiebstahl ist in der Güntzelstraße 64 zu Wilmersdorf verübt worden. Aus der Wohnung der Frau Anna Deters wurden dort Juwelen im Gesamt- wert von 50 000 M. gestohlen. Unter den erbeuleten Gegenständen befindcl sich eine Perlenkette mit 99 Perlen im Werte von 10 000 M., eine Nadel mit großen Brillanten, Rubinen und Perlen im Werte von 5000 M., ein Armband mit Brillanten und Perlen(Greemuster) im Wert van 6000 M., ein Brillantanhänger im Werte von 2000 M. und eine Reihe Ringe und Armbänder. Für die Wiederherbeischaffung der gestohlenen Gegenstände oder eines Teiles von ihnen hat die Direktion der VersicherungS- akliengesellschafl„Niederländischer Lloyd" eine Belohnung von 5000 M. ausgesetzt. Ueber den Vorfall werden folgende Einzelheiten ge- meldet: Am vergangenen Freitagvormittag gegen 11'/« Uhr bemerkte der Wirt des Hauses Güntzelstr. 64 an der Tür der Hintertreppe zu der im dritten Stockwerk belegenen Wohnung der Privaliere Deters einen Lappen, der init einem Reißnagel festgeheftet war. Weil ihm dies verdächtig vorkam, hob er ihn an und entdeckte jetzt, daß an dieser Stelle ein handgroßes Loch ans der Türfüllung gestemmt worden war. Da ihm auch ein scharfer Brand- geruch entgegenströmte, öffnete er die nicht verschlossene Tür. Als er niit anderen Hausbewohnern eintrat, bot sich ihnen ein wüstes Bild. Alle Schränke und Behälter waren erbrochen, ihr Inhalt zum Teil im Zimmer umhergeloorscn und mit Spiritus und Petroleum durch tränkt. In cincr Ecke brannten die Fenstervorhänge lichterloh. Sie löschten das Feuer, ehe es einen größeren Umfang angenommen hatte und benachricknigtcn die Polizei. Diese fand mich noch mehrere Flaschen, die den Brennstoff enthalten hatten. Die Wohnungsinhaberin, eine Witwe, war mit ihrem Mädchen zwei Stunden vorher nach Pankow gegangen, um dort der erkrankten Mutter der Privatiere in der Wohnung zu helfen. Als sie abends gegen 5'/z Uhr zurückkehrten stellten sie fest, daß die Einbrecher für 50 000 M. Sachen gestohlen hatten. Neben den Schmuckgcgenständen hatten die Diebe alle Silbersachen und außerdem auch noch aus einer Truhe, die während des Sommers in dieser liegenden Pelze gestohlen. Von den Ein- brechcrn bat im Hause niemand ctlvas gesehen. Sie hatten, nach dem sie sich vergeblich bemüht hatten, die Tür aufzukanteln, das Loch am Schloß hcrauSgestemmt und dann durch dieses von innen den Riegel zurückgeschoben._ Nachtrag zum Fcrnsprcchverzcichnis. Zu dem Verzeichnis der Teilnehmer an den Fernsprechnetzen in Berlin und Umgegend hat die kaiserl. Oberpostdirektion einen Nachtrag hergestellt, der dem nächst zur Verteilung gelangt. Nach dem Stande vom 9. Juli verzeichnet das Heft auf 52 Seiten etwas über 6000 neue Anschlüsse, die seit der Ausgabe des letzten Verzeichnisses vom April hinzu gekommen find. Für den Monat ist eine neue Auflage des ganzen Verzeichnisses beabsichtigt. Sie wird Mitte November ausgegeben. Anträge auf Acndcrung oder Vervollständigung der Eintragungen sind möglichst frühzeitig, spätestens bis zum 8. Oktober schriftlich und frankiert an das zuständige Fernsprechamt zu richten. Polizei und Straßenvahi». Der Berliner Polizeipräsident erläßt folgende Verordnung, die eine Aendermig des bisherigen 8 1 der Klembahnordnung darstellt: Beschädigungen der Straßenbahn oder der ihr zugehörigen Anlagen sowie der Fahrzeuge nebst Zubehör sind verboten. Es ist verboten, unbefugt Signale zu gebe», tue AuZweichvorrichtungen zu verstellen oder zu versperren, die auf den Fahrzeugen befindlichen, dem Betriebe oder der Unfallverhütung dienenden Einrichtungen zu betätigen, Straßenbahnwagen zu ver- schieben, die freie Fahrt der Straßenbahn durch Aufstelleu von Fahr- zeugen oder Vieh oder durch Niederlegen von Gegenständen auf oder neben der Fahrbahn zu behindern sowie andere Handlungen vorzunehmen, die den Betrieb stören. Diese Polizeiverordnung tritt sofort in Kraft. Besinnungslos aufgesiiitdcn wurde vorgestern abend in dem Hause Luisenstr. 30 die 16 Jahre alte Tochter Mathilde des dort wohnenden Zeituugshändlers Franke. Mau fand das Mädchen mit einer schweren Kopfverletzung auf dem Treppenpodest liegen. Da niemand Zeuge deS Unglücksfalles gewesen ist, wird angenommen, daß das Mädchen auf der Treppe einen Fehltritt gemacht hat, da- durch mehrere Stufen hinuntcrgefallen ist und sich beim Aufschlagen auf die Stiegen die schwere Verletzung zugezogen hat. Die Ver- unglückte wurde nach der nahegelegenen Charit« gebracht, wo ein schwerer Schädelbruch festgestellt wurde. Vorschrift für den Obsthandcl. Das Polizeipräsidium macht be- kannt: Die Vorschriften des§ 8 der Polizeivcrordnung, betreffend den gewerblicheil und Handelsverkehr»rir NahrungS- und Genuß- Mitteln, vom 12. Februar 1913 finden auch auf den Handel mit frischem Obst Anwendung, soweit dieses seiner Beschaffenheit nach leicht Verunreinigungen aufnehmen kann. Dazu gehören Erdbeere». Kirschen, Himbeeren, Pflaumen, Weintrauben, Aprikosen, Aepsel, Birnen usw., die somit nur in unbeschriebenem und reinem Papier, das anderen Zwecken noch nicht gedient hat, verwogen und verpackt werden dürfen. Nicht fällt ddfstgen unter diese Vorschrift Obst, bei dem vor dem Genuß erst die Schale entfernt werden muß. wie Bananen, Apfelsinen, Nüsse usw., oder Gemüse, das erst nach Reinigung und anderer Bearbeitung verzehrt wird, da hier von einer Verunreinigung, gegen die das Publikum geschützt werden soll, nicht die Rede sein kann. Mit dem Umbau deS Bahnhofs Friedrichstraße dürste noch in diesem Herbst begonnen werden. Der von Grund aus umgebaute Bahnhof ist dreigleisig angeordnet: zu den jetzigen Stadt- und Fern- (Vorort)gleisen kommt noch ein drittes Gleispaar, auf welchem die Fernzüge, deren Abfertigung längere Zeit in Anspruch nimmt, halten werden, so daß die Vorortzüge neben diesem UeberholungS- gleis jederzeit freie Bahn finden. Der neue Bahnhof wird danach drei Bahnsteige erhalten, und nach Norden zu verbreitert werden. Dies geschieht durch Ueberbauung des schmalen Verbindungsweges, der bisher von der Friedrichstraße nach dem ReichstagSufer führte. An seiner Stelle wird auf dem vom Eisenbahnfiskus erworbenen Gelände der ehemaligen Pepiniere eine 21 Meter breite Zufahrtstraße entstehen, welche den gesamten Abfahrverkehr der Fernzüge auf- nehmen soll. An der Südseite, Georgenstraße, wird sich der Ankunfts- verkehr abspielen. Für den Stadtverkehr wird eine Reihe von Zu- und Abgängen geschaffen werden, welche es ermöglichen, daß die Reisenden sowohl vom Schiffbauerdamm wie vom Reichstagsufer und von der Friedrichstraße her zum Bahnsteig gelangen können; als besondere Erleichterung des letzterwähnten Zu- und Abganges ist hervorzuheben, daß der Stadtbahnsteig über die Friedrichstraße Hinweg sich erstrecken wird, so daß man ihn von Osten her er- erreichen bezw. verlaffen kann, ohne den Fahrdamm der Friedrich- straße überschreiten zu müffen. An diesem Zugange wird deshalb auch ein Fahrkartenschalter angeordnet werden. Diese Neuerung kommt den Fahrgästen der städtischen Nord-Südbahn ebenfalls zu- gute, denn sie werden an der Ecke der Friedrichstratze und Georgensträße einen bequemen Uebergang auf die Stadtbahn finden. Bei Gelegenheit der Verbreiterung des Bahn- hofeZ sollen auch die alten Viadukte und Bögen abgebrochen und erneuert werden; an ihre Stelle tritt eine hohe, luftige Eisen- betonkonstruktion. Die umfangreiche Bahnhofsanlage soll durch drei Einzelhallen überdacht werden. Die Hauptschwierigkeit der ganzen Aufgabe besteht darin, daß die Bauarbeiten während des vollen Be- triebes ausgeführt werden müssen. Zunächst wird der dritte Bahn- steig an der neuen Zufahrtsstraße angelegt, sodann einer der älteren Bahnsteige außer Betrieb gesetzt und erneuert werdem Unter diesen erschwerenden Bedingungen muß auch die Sprccbrücke verbreitert und dreigleisig ausgebaut werden, ebenio die anschließenden Brücken über das Reichstagsilfer und den Schisfbauerdamm. AuS der Spree gelandet wurde am 10. August nachmittags gegen 4s/4 Uhr vor dem Hause Schiffbauerdamm 30 die Leiche eines un- bekannten, anscheinend dem Arbeiterstande angehörenden etwa 18 bis 25 Jahre alten Mannes. Die Leiche befindet sich im Schauhausc. Beschreibung: Größe 1,65 Meter, Gestalt schlank, Haar dunkelblond, Gesicht länglich, Augen braun, Lippen aufgeworfen. Bekleidung: dunkelblauer Jackettanzug, Hose auf beiden Knien schwarz gestopft, schwarze Strümpfe, schwarze Schnürschuhe, weißes Vorhemd und Kragen, schwarzgraugestreiste Krawatte. In den Taschen befand sich eine alte silberne Uhr mit Nickelkelte, ein kleines leeres Portemonnaie und ein Messer. Nachricht erbittet die Kriminalpolizei, Zimmer 349 zu den Akten 1302 IV 55 13. Auch nimmt jedes Polizeirevier Nachricht entgegen. Sondervorstellung auf der Treptow-Sternwarte. Die Direktion der Treptow-Sterirwarte hat für Donnerstag, den 14. August, nach- mittags 6 Uhr, einen 5kino-Sondervorlrag angesetzt, zu dem jeder Erwachsene das Recht hat, ein Kind frei einzuführen. DaS Thema lautet:„Christoph C o l u in b u S.". Vorort- Nachrichten« Neukölln. Zilm Parteitag in Jena. nahm eine Generalversammlung des Wfihlvereins Stellung. Ge« nosse Scholz führte in seinem einleitenden Referat aus: Einen Hauptpunkt der Verhandlungen des diesjährigen Partcitages�iverde bei dem Bericht der R e i ch s t a g s f r a k t i o u deren S t c l- lungnah me zur Militär- u u d De ckungsvorlagc bilden. Er bestreite, daß man der Fraktion mit Recht den Vorwurf machen köuuc, sie habe nicht getan, Ivas in ihren Kräften stand, um die ungehtPerliche Mehrbelastung des Volkes zu verhindern. Wenn die Meinung aber bestand, hatten das die Organisationen in Protest- aklionen zum Ausdruck bringen und dadurch die Fraktion unter- stützen müssen. Davon sei aber nichts zu bemerken gewesen. Daß die Fraktion jedoch durch die sofortige Zulassung der-zweiten Lesung die Annahme den Vorlage noch bis s?nli ermöglichte,- müsse auch er tadeln. In der Deckuugsfragc seien es nicht die Massen, die' opponieren, sondern Mitglieder der Fraktion, die mit ihrer Ansicht in der Minderheit geblieben ivarcn. Daß die Militärvorlage von der bürgerlichen Mehrheit angenommen lmirde, war keinen Augenblick zweifelhaft, folglich blieb nur zu entscheiden, wem die Kosten aufzubürden seien. Schon im parlamentarischen Bericht von 1898, und später wiederholt, sei gesagt worden, daß wir bestrebt sein müßten, den Reichen die Lasten ailfztibürden, ivenii frh bisher keiner der Opponenten dagegen ivandte, seien sie Mitscknildige, die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung billige aber die Haltung der Fraktion, und auch er halte diese Taktik für richtig, denn sonst hätten ivir sicher indirekte Steuern auf Margarine, Kaffcesurrogatc, Zündwaren usw. bckonnneu. Der oft geäußerte Wunsch, die Maifeier abzuschaffen, sei im Hinblick aus das Hindrängen zu Massenaktionen ein Unding.. Der Beitrag zum Maifonds müsse von allen gefordert werden, die am 1. Mai nicht arbeiten und dennoch ihren Tagesverdienst haben. (Zustimmung.) Ter Punkt Massen st reik und Wahlrechtsfrage müsse aus die Tagesordnung des Parteitages gesetzt werden. Die Frage des Massenstreiks zur Erringung des allgemeinen Wahlrechts in Preußen sei eine Angelegenheit des deutschen Parteitags, weil alle Reaktion im Reiche in Preußen ihren Ursprung habe. Er sei auch der Meinung, daß diese Verhandlungen des Parteitags viel zur Belebung der Parteivewegung boiiragen werde. In der Diskussio n begründete zunächst Genossin L i e t s ch einen Antrag, der im ersten Teil fordert, die„Gleichheit" möge in Zukunft derart redigiert werden, daß der Inhalt dem Ver- ständiiis der Neueintrctenden mehr angepaßt sei, und im ztvcitcil Teil die Schaffung einer Modezeitung wünscht. Genosse Klüß teilt die Ansicht des Referenten betreffs der Maifeier und ist auch für den Massenstreit, wenn die Zeit ge- kommen ist. Das Mittel sei jedoch nicht zur Erringung des allge- meinen Wahlrechts anzuwenden, der Angriff auf das Koalitions- recht durch die geplante Aenderung des Strafgesetzbuches werde viel- leicht viel eher zu seiner Anwendung zwingen. Zur Haltung der Fraktion in der Militär- und Deckungsvorlage, bringt Redner eine Resolution mit folgendem Wortlaut ein:•.v „Der Parteitag spricht sein Bedauern darüber aus/ daß die Reichstagsfraktion, anläßlich der Beratung der Militärvorlagc 1913, welche dem Proletariat die ungeheuerlichsten Opfer auf- erlegt, nicht alle Mittel angewendet hat, die geeignet waren, dem Zustandekommen der Vorlage Schwierigkeiten zu bereiten. Weiter �ibt der Parteitag der Erwartung Ausdruck, daß die Reichstags- sraktion fernerhin nach dem Grundsatz handele: Diesem Militär- system keinen Mann und keinen Groschen/ Das Verhalten der Fraktion sei nicht dazu angetan gewesen, zu Massenaktionen zu begeistern. Konnte die Annahme der Vor- lagen nicht verhindert werden, dann mußten ihr Schwierigekiten in den Weg gelegt werden.(Lebhafte Zwischenrufe: Welche? welche?) Zum Beispiel indem die Fraktion darauf bestand, die Deckungs- frage zuerst zu verhandeln. Die Beweise des Referenten, daß unsere Stellung zur Deckungsfrage stets die gleiche geblieben sei, seien irrig. Der Fraktionsantrag von JSW sei nicht ernst gemeint gewesen.(Lebhafter Widerspruch.) Er stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, diesem System keinen Mann und keinen Groschen. (Beifall.) Genoste Barth ist mit der Art, wie der Massenstreik pro- pagiert wird, nicht einverstanden. Die Franksche Taktik sei dilettan- tenhaft und zur Erringung des Wahlrechts tauge das Mittel nicht, weil es die Junker nicht treffe. Von vornherein sei darauf abzu- zielen, daß aus dem ersten Massenstreik der zweite als Steigerung herauswächst und nur dann dürfe in diesen Kampf eingetreten wer- den, wenn der Erfolg wahrscheinlich sei. Genosse P S tz o l o meint, wenn es die Fraktion hätte auf eine Reichstagsauslösung wegen der Deckungsfrage ankommen lassen, hätte sie uns einen Bärendienst erwiesen, denn dann wäre jetzt der Raub des Koalitionsrechts durch das Strafgesetz perfekt. Wollten wir der Fraktion vorwerfen, sie habe nicht genug getan, dann stellten wir ihr ein unverdientes Armutszeugnis aus. Er habe die Ueberzeugung, daß alle Resolutionen, die ihr Bedauern über die Haltung der Fraktion aussprechen, genau so unter den Tisch fallen werden, wie in der Dämpfungsfrage. Es sei nichts als Literaten- streit. Genosse Günther begründete in längeren Ausführungen nachstehenden Antrag: .Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand für die über lSjährigen jungen Arbeiter und Arbeiterinnen Verbindungen zu schaffen, die einen Zusammenhang zwischen Jugendbewegung und Parteiorganisation darstellen und in denen mit Hilfe der älteren Parteigenossen dem jungen Nachwuchs die Gelegenheit gegeben wird, sich Aufklärung und Wissen anzueignen, um einmal gut- geschulte Mitkämpfer im wirtschaftlichen wie politischen Kampf des Proletariats zu werden/ Genosse Preis sieht die Maifeier als Vorstufe des Massen- ftreiks an, hält aber die Massen noch nicht reif für die Anwendung des letzteren, bezweifelt auch, ob die Genossen Liebknecht. Luxem- bürg usw. die Verantwortung für eine derartige Aktion über- nehmen möchten, denn die Gewerkschaften würden mit einem Schlag vernichtet seien.(Teilweiser Widerspruch.) Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten wurden die An- träge betreffend„Gleichheit" und..Modezeitung" mit tS8 zu 161 Stimmen abgelehnt. Die Resolution Klüß wurde gleichfalls ab- gelehnt; ein Antrag auf Einführung einer ReichsarbeitSlosenver- sicherung aber angenommen. Zum Delegierten soll Genosse Scholz vorgeschlagen werden. In einer früheren Generalversammlung waren gegen den Ge- nassen Fritz Carl Vorwürfe erhoben worden, die zur Einsetzung einer Untersuchungskommission geführt hatten. Die Kommission hat festgestellt, daß den Genossen Carl kein Vorwurf treffen könne, aber auch dem Urheber der Vorwürfe müsse zugestanden werden, daß ihm durch eine Verkettung von Umständen Gerüchte zu Ohren kamen, die er für richtig halten konnte, die er jetzt als unhaltbar erkennt und zurückgenommen hat. Die Versammlung fand Uhr ihr Ende._ Schöneberg. Dir Wählerliste für die im Herbst stattfindenden Stadtverord- uetenwahlen liegt in der Zeit vom IS. bis einschließlich 30. August d. IS. a« den Wochentagen von vormittags S Uhr bis nachmittags 2 Uhr und an den Sonntagen von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 1 Uhr im neuen Rathaus, Freiherr-vom-Stein-Straße 1. Zimmer 38. zur Einsicht öffentlich aus.— Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerliste find während der Auslegung bei dem Magistrat zu erheben. Die Einsicht in die Wählerliste ist unbedingt erforderlich; wer in die Liste nicht eingetragen ist, hat kein Wahlrecht. In den Be« zirken 1, 2, 6, 6, 8 und 10 liegen auch in den Bezirkslokalen die Wählerlisten aus. Die Gesamtsumme aller Steuern, die der AbteilungSbildung zugrunde liegt, beträgt 7 S31 442,06 M. Zur 1. Abteilung gehören diejenigen Wähler, die mindestens einen Steuerbetrag von 1321.20 M. zahlen. Die 2. Abteilung beginnt mit dem Steuerbetrage von 1319,10 M. und schließt ab mit einem solchen von 237 M., während die 3. Abteilung mit dem Steuerbetrage von 236 M. beginnt. Steglitz« Ein schwerer Straßenbahuunfall hat sich am Montagabend an der Ecke der Schloß- und Feldstraße zugetragen. Dort geriet ein Herr Otto Pilz, als er den Fahrdamm überqueren wollte, gegen den Vorderperron eines Straßenbahnwagens der Linie E und wurde umgestoßen. Er schlug mit solcher Wucht aus das Pflaster auf. daß er besinnungslos liegen blieb. Der Verunglückte wurde nach der nächsten Unfallstalion gebracht, wo man feststellte, daß er eine Ge- htrnerschütterung sowie eine Wunde über dem rechten Auge davon- getragen hatte. P. fand im Kreiskrankenhause.Groß-Lichterfelde Ausnahme. f Verschüttet wurden gestern nachmittag die beiden 4 und 11 Jahre alten Knaben der in der Mariendorfer Str. 3 wohnhaften Eheleute Müller. Die beiden Kinder waren in den rauhen Bergen beim Spiel beschästtgt, als plötzlich eine Wand des Erdreichs einstürzte und die Knaben unter fich begrub. Während eS gelang, den jüngsten der Knaben z* retten, konnte der älteste nur noch als Leiche hervorgeholt werde». Friedenau. Sin schwerer Straßenbahuuufall hat sich gestern vornnttag an der Ecke der Kaiser-Allee und des Südwest-Korso ereignet. Dort ver- suchte der Kaufmann E r n st R e i m a n n auf den Motorwaggon eine« vorübersahrenden SttahenbahnzugeS der Linie 69 zu springen. R. glitt jedoch ab, kam zu Fall und geriet unter den Borderperron de« Beiwagen«. Der Kaufmann erlitt eine Gehirnerschütterung und Verletzungen am linken Bein. Der Verunglückte fand im Schöne- berger städttschen Krankenhause Aufnahme. Trevtow-Baums chulenwcg. Da« historische Erntefest des OrtsteilS Baumschulenweg soll diesmal nicht ganz ohne Geburtswehen zur Welt kommen. Während «S sonst regelmäßig am letzten Feriensonntag stattfand, war sein Schicksal di««mal noch wenige Tage vorher ungewiß. Schließlich haben flch die Hüter der alten lieben OrtSgewohnheiten doch noch zur Abhaltung de« Erntefeste« entschlossen, doch dabei den Zeilpunkt um eine Woche hinausgeschoben, so daß eS nunmehr am Sountag, den 17. A-tgust, in Szene gehen kann. Die meisten Laubenkolonien, die ja allein noch was zu ernten haben, hielten ihr besonderes Fest bereit» am letzten Sonntag ab. Beim allgemeinen Erntefest deS Ortslcsis liegt der Glanzpunkt im Zuge der Erntewagen mit dem Rachwuch« durch das schon etwa« städtisch anmutende »Dorf", an dem fich immer über b0 vollbesetzte Vehikel der ver- schiedensten Gattung betefligten. Die Zahl der teilnehmenden Kinder ließ seither immer erkennen, daß wenigstens auf diesem Gebiete der „Ertrag" noch ein guter ist. Dagegen erstreckt sich die sonstige „Ernte" heute fast nur noch aus die fleißige Arbeit der vielen Laubenkolonisten. Bis zum vorigen Jahr hatte der Ortsteil an der Ecke der Neuen Krug-Allee und der Baumschulenstraße alljährlich »och ein wogendes Aehrenfeld. Jetzt hat diese» Dorfidyll einer Laubenkolonie des Roten Kreuzes weichen müssen. Die Großstadt streckt eben ihre Arme immer weiter auf die Bororte aus, und mit der Zeit wird auch jener fröhliche Abschluß der ländlichen Sommer- arbeit auch hier der unaufhaltsamen EntWickelung ganz weichen müssen. Schon heute verkörpern die Reste des ehemaligen Festes der eingebrachten Ernte hier nur noch eine Erinnerung an ver gangene Tage. Dienstherr gegen Dienstmädchen. Herr Fritz Müßig. Forste Hausallee 4, sühlt das Bedürfnis, auf unsere in Nr. 201 veröffentlichte Darstellung seines Streites mit seinem Dienstmädchen Fräulein Jahn sich zu äußern. Fräulem I. hatte, wie wir mitteilten, gegen Herrn M. und seine Gattin Strafanzeige eingereicht mit der Beschuldigung, daß Herr M. fich der Freiheilsberaubung, der Beleidigung und der Körperverletzung und Frau M. sich der Beleidigung schuldig gemacht habe. Herrn M. genügt es nickt, daß die Staatsanwaltschatl, auf die Darstellung des Beschuldigten sich stützend, keine Freiheitsberaubung angenommen und wegen der übrigen Vorkommnisse die Antrag- stellerin auf Privatklage verwiesen hat. Er will auch vor den Lesern des„Vorwärts" gerechtfertigt dastehen. Von Interesse ist nur, was er zu dem Vorwurf sagt, daß er das Mädchen geohrfeigt habe. Frl. I. sei, versichert er, aus ihn„losgegangen", so daß er sie habe„zurückstoßen" müssen, aber es sei„unrichtig, daß sie hierbei irgendwelche Beschädigung davongetragen habe". Das wollen wir gern glauben, daß die ihr von einem Arzt bescheinigten Beschädigungen — eine Schwellung beider Backen, eine auf Druck äußerst schmerzhaste Anschwellung der Knochenhaut des Jochbeins, eine starke Blutllberfüllung der Wangensckleimheit, am Trommelfell des reckten Ohres eine trichterförmige Eintreibung— nicht bei dem„Zurück- stoßen" entstanden sind. Herr Müßig übersendet uns das ihm auf seinen Wunsch ausgefertigte Attest eines anderen Arztes, durch den er Frl. I. hat untersuchen lassen. Dieser Arzt bekundet, daß er bei der„genauen Spiegeluntersuchung beider Ohren"„weder in den äußeren Gehörgängen noch an den Trommelfellen eine Spur einer Verletzung oder Blut" gefunden habe. Auf seinen Wunsch habe Frl. I. fich dann noch von einem Ohrenspezialisten untersuchen lassen sollen, sie habe das aber abgelehnt. Von den Schwellungen ini Gesicht und am Kopfe steht in diesem Attest kein Wort, wohl deshalb nicht, weil Herr M. nur über die Ohrenuntersuchung ein Attest haben wollte. Daß Frl. I. nachher nicht noch zu einem dritten Arzt gehen wollte, kann man verstehen. Sie selber hatte ja bereits von dem eisten Arzt ein Attest, da« ihr genügte. Wlll Herr Mützig es nicht für besser halten, die Diskussion über seine Affäre zu schließen? Wir tun das hiermit. Wannsee. Aus der Gcmeindevertretersibung. Vor Eintritt in die Tages- ordnung gedachte der Gemeindevorsteher in ehrenden Worten des verstorbenen Gemeindevertreters Geh. Baurats Kyllmann, der bis zum letzten Augenblick für die Gemeinde gearbeitet habe; einer Straße im oberen OrtSteil hat man seinen Namen gegeben. Be- willigt wurden dann zirka 6000 M. für die Herstellung eines Schniuckplatzes sowie eines Fußweges vor der neuen Kirche. Der Rcichsverband für olympische Spiele bat um eine Unterstützung. Bewilligt wurden ihm bis auf Widerruf jährlich SO M., wofür die Gemeinde den„ehrenden" Titel einer Förderin erhält. Für Jung- deutfchland hat sich die Gemeinde gleichfalls schon sehr angestrengt, überhaupt scheint für solche Zwecke Geld keine Rolle zu spielen. Für die Bodelschwinghschen Kolonien wurden 100 M. bewilligt. Der Uebernahme der Florastraße wurde unter einigen kleinen Bedingungen zugestimmt. Ober-Schöueweide. Gemeindevertretersitzung. Die landeSvolizeiliche Genehmigung zur Umwandlung des Kanalisationsverfahrens aus dem jetzigen Kohlebreiklärverfahren in das Rieselsystem, das dem der Gemeinde Lichtenberg angeschlossen wird, ist erfolgt; mit den er- forderlichen Arbeiten wie Umbau der Kläranlage in eine Pump- station und Druckrohrverlegung wird alsbald begonnen werden, so daß der neue Betrieb am 1. April 1914 aufgenommen werden kann. Als Material für das Druckrohr hat man fich nach langem Streit im Anschluß an ein erneutes Sachverständigengul- achten für Schmiedseisen entschieden. Der der Gemeinde gehörende Stättevlatz an der Laufener Straße wird an den bis- herigen Pächter für 2000 M. auf ein Jahr wieder verpachtet, nachdem infolge der mangelnden Bautätigkeit ein Pachtnachlaß von 1000 M. als billig erachtet wurde. Dem vorliegenden Berttag mit dem Forstfiskus, betteffend Auflassung des im neueingemeindeten Ortsteil NobelShof gelegenen Straßenlandes, stimmte die Ver- tretung zu. Ein Antrag auf Herstellung eines provisorischen Ver- bindungsweges mit diesem Ortsteil fand im Hinblick auf die er- folgte Neubefestigung der Rummelsburger Straße keine Unterstützung. In der Angelegenheit des mit der Gesellschaft Berliner Ost- bahnen abgeschlossenen VerttageS, betteffend den zweigleisigen Ausbau ihrer Straßenbahn, ist vom Zweckverband Groß-Berlin das Ersuchen an die Gemeinde gestellt worden, alle aus diesem Vertrage entstehenden Verpflichtungen zu übernehmen, wonach dann die Genehmigung durch den Zweckverband erfolgen könne. Da be- kanntlich dieser Vertrag am 31. März 1912 in einer Sonntags- sitzung am letzten Tage vor dem Inkrafttreten des Zweckverbandes geschlossen wurde, war die Verttetung der Anficht, daß hier der Zweckverband ausschalte; eine gewählte Kommission soll jedoch bei dem Verbandsdirektor dieserhalb vorstellig werden. Eine Borlage wegen Haftpflichtversicherung der Gemeinde fand Annahme mit der Maßgabe, daß in der Frage der die Schule betreffenden Haftpflicht- angelegenheiten eine besondere Versicherung vorbereitet werden soll. Zum Brandenburgischen Städietag wurden außer dem Bürgermeister die Vertreter N o a ck und Muth delegiert. Wegen der Scharlach- und Diphtherieepidrmie ist für die Volks- schulen, das Realgymnasium und daS Lyzeum der Schulanfang bis aus weiteres hinausgeschoben worden, da noch fortgesetzt Fälle dieser Erkrankungen vorkommen. Besonder? hart ist die Familie eines Ein- wohners getroffen worden, dem drei Kinder infolge dieser Epidemie durch den Tod enttissen wurden. Kalkberge- Rüdersdorf. Ein Opfer seines Berufs ist der Arbeiter Fritz Kasche auS Kalkberge geworden. K. war in der Thyssenschen Ziegelei beschäftigt. Er hatte auf einer mehrere Meter hohen Brücke zu tun und stürzte während der Arbeit infolge FehltretenS in die Tiefe. Mit dem Kopf schlug der Verunglückte so wuchtig auf den Erdboden auf, daß ein schwerer Schädelbruch eintrat, der fast sofortigen Tod zur Folge hatte. Weihensee. Roch ei» Abttünniger. Der Gemeindevertreter Feckner läßt öffentlich mitteilen, daß er ebenfalls der alten Fraktion Valet sagt. Ihm paßt der Beschluß nicht, fich an der nächsten Gemeindevertreter- wähl nicht zu beteiligen. Er wird jetzt al«„Wilder" sein Mandat ausüben. Ueber seinen Entschluß will er demnächst genauere Auskunft gaben. Hohen. Neuendorf. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst verlas der Vorsteher ein Schreiben vom Ortsausschuß des Jugend bundes, worin um rege Unterstützung und Förderung der Ziele dieses Bundes, die ebenfalls in dem Schreiben näher bezeichnet waren, ersucht wurde. Die Besprechung hierüber endete damtt, daß 30 M. laufende Unterstützung jährlich bewilligt wurden. Der Vertreter Handle sowie unser Genosse stimmten dagegen. Die Vertretung beschäftigte sich dann mit der Vergebung der Wassermesserlieferungen. Der Vor- schlag der Kommission, der auch unser Vertreter angehört, ging dahin, die Firma Meinecke, die ein Rachangebot gemacht hatte, nicht zu berücksichtigen und den Auftrag der Firma Siemens u. Halske zu erteilen. Vier weitere Firmen hatte die Kommission von vorn- herein ausgeschieden. Die Vertretung trat diesem Vorschlage jedoch nicht bei. Vielmehr wurde der sonderbare Antrag des Vertreters Kupper, der sehr viel für die Firma Meinecke redete,„die Sub- Mission aufzuheben und direkt mit den Firmen Siemens und Meinecke zu verhandeln", angenommen. Genosse Hoffmann wandte sich energisch gegen diesen Antrag, konnte jedoch die Annahme des- selben nicht verhindern, da mit ihm nur die übrigen Kommissions- Mitglieder mit Ausnahme des Antragstellers gegen den Antrag stimmten. Der Betrag für die 270 in Frage kommenden Messer beläuft sich auf 7000 bis 8000 M. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Borsigwaldc-Wtttenau. Donnerstag, 14. August, nachmittags 5 Uhr, im Ralhausc. Weistensee. Freitag, den 15. August, abends 6 Uhr, im SitzungS- saale des Rathauses, Albertinenstr. 6. Diese Sitzungen find ösfcntlich. Jeder Gemeindcangehörige i> be- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Hub aller Welt. JVIärcbencrzäblmn. Märchenerzählerin— früher, als die Welt sich noch nicht so schnell drehte, war es die Großmutter, auch noch lange, lange Zeit, nachdem der Spinnrocken verschwunden war. Wenn es dämmerte, setzten sich die Kleinen zu Füßen der Großmutter, schauten ihr er- wartungsvoll in das gütige Geficht und sie begann dann zu er- zählen: von den drei Männlein im Walde und der Hexe und dem Knusperhäuschen und von dem tapferen Schneiderlein und vom Aschenputtel, und die Kleinen machten ganz große Augen, und wenn die Geschichte recht gruselig wurde, dann kuschelten sie sich in die Rockfalten der Großmutter und sie strich ihnen beruhigend über den blonden oder braunen Scheitel. Die Großmütter von heute in den Kreisen, die sich zur„Ge- sellschaft" rechnen, verstehen mehr vom Kurszettel als vom Volks- märchen, und gar den Enkeln Märchen zu erzählen, haben sie gar keine Zeit. Die Großmütter von heute, elegant frisiert und ge- schnürt, mit sechzig Jahren noch die Frau von dreißig vortäuschend, müssen in Gesellschaften und ins Theater und müssen flirten und auch einmal den neuen Tango-Tanz ausprobieren.... sie find alles, was eine müssige Frau sein kann, nur keine Märchenerzähle- rinnen. Da setzt sich auch hier ein ökonomisches Gesetz durch, daß ein Gegenstand, der durch die Wandlung der Verhältnisse nicht mehr im Haus zum eigenen Gebrauch angefertigt wird, als Ware auf dem Markt auftritt. Früher braute sich jeder seinen Haustrunk selber» heute haben wir Hunderte von Großbrauereien A.-G. Früher er- zählte die Großmutter die Märchen, heute— darüber gibt folgende Anzeige aus der Tageszeitung einer preußischen Großstadt Aufschluß: Märchencrzählerin. Um den Herrschaft, ihre Kinder für einige Stunden des Tages sorglos zu entziehen, er- zähle ich diesen in deren Hause Märchen. Es werd. mehrere befreundete Kinder, je abwechselnd in deren Hause, für diese Stunde zusammengebr. Eine von allen Kindern kaum zu erwartende Stunde, bezweckt auch gleichzeitig eine Erholung ihrer Angehörigen. Preis per Std. 1 M. Abonn. Hill. Off. u. S. 315 Exp. Aber selbst wenn diese erste berufsmäßige Märchenerzählerin ein besseres Deutsch spricht als sie schreibt, wird sie, fürchten wir, nicht auf ihre Kosten kommen, denn nicht nur die Großmütter, auch die Kinder haben sich gewandelt: stürmisch verlangen sie, statt sich über Hansel und Grete! etwas vorerzählen zu lassen, in den Kien- topp, wo als neuester Sensationsfilm für die Jugend Rotkäppchen gegeben wird(mit einem echten Wolf aus Hagenbecks Tierpark in Stellingen!)...._ Festnahme einer Diebesbande. In Hamburg wurden ein Fensterputzer W o ck e n f u ß und zwei Jrrenwärter festgenommen, die durch Bandendiebstahl in Hamburg und Berlin in mehr als 50 Einbruchsfällen, außer- dem auch in Wien Waren im Werte von mehreren Hunderttausend Mark erbeutet haben; in Hamburg und in Wandsbeck wurden ihre Warenlager, die sie in eigen« ge- mieteten Räumen untergebracht hatten, beschlagnahmt; man ver« mutet, daß noch weitere existieren. Wockenfutz, der erst im Oktober 1912 eine siebenjährige Zuchthausstrafe beendigt hatte, hat auch viel« fach Postbriefkästen beraubt und die dabei erbeuteten Geschäfts- bliese zu Betrügereien aller Art benutzt. Ein Duell zwischen Bater und Sohn. In dem französischen Dorfe B u s si ö r e im Departement Creuse beschloß der Pächter Blanchart und sein Sohn Jean, die beide in da« gleiche Mädchen verliebt waren, ihren Streit durch einen Z w e i k a m p s zu entscheiden. Einzige Zeugin dieses Duells war die umworbene Geliebte. Nachdem zuerst jeder drei Revolverschüsse abgegeben hatte, gingen dle Kämpfer mit dem Messer aufeinander los. Jean tötete seinen Bater durch einen Stich in die Brust. Der Mörder wurde per« haftet._ In de« französischen Alpen verirrt. Drei deutsche Studenten, die an der Universität Grenoble Vor» lesungen hören, find am 8. d. Mt«. zu einer Bergtour nach der Casque du Neron aufgebrochen. Diese Gegend gilt als sehr ge» fährlich und unzugänglich und die Touristen werden vor dem Be» steigen der Gegend gewarnr. Bergbewohner hörten aus den Bergen verzweifelte Hilferufe, die jedenfalls von den Studenten herrührten, und versuchten nach der Stelle zu gelangen. Ihr Be- mühen blieb jedoch ergebnislos. Nun ist am Montagmorgen gegen 3 Uhr eine Gruppe Alpinisten nach dem Unglücksort abgegangen. um, falls dies noch möglich ist. den Deutschen Hilfe zu bringen. Bis jetzt aber sind sie noch nicht zurück. Kleine Notizen. Schweres Bootsunglück in Trieft. Ein mit fünf Personen be» setzte» Boot, das von der Küste ins offene Meer fuhr, kenterte auS noch unbekannter Ursache. Drei von den Jnsaffen konnten gerettet werden, eine Dame ist ertrunken, der fünfte Insasse, eine junge Wiener Kontoristin, wurde von einem Haifisch in die Tiefe gezogen, Aus der beste» der Welte«. Bittere Not hat in Curla bei Amiens eine Frau FrancoiS zu einer unseligen Tat gettieben. Sie erhängte zwei ihrer unehelichen Kinder im Alter von zwei und drei Jahren und nabm sick daraus selbst dos Leben. Soldaten als Einbrecher. In Verdun brachen am Sonntag« nachmittag der Sergeant D u p u y und der Soldat Renouard vom 19. Jägerbataillon bei einem Juwelier ein und stahlen eine Menge Schmucksachen. Als sie flüchten wollten, versperrt««in Infanterist vom 164. Regiment ihnen den Weg und veranlaßt« ihre Verhaftung durch die Polizei. Jugendveranstaltuuge». Frauz.-Buchholz.-Die Arbeiterwgend spielt jeden Mittwoch abend« g Uhr und Sonntags na.»mittags von 3—6 Uhr. Treffpunkt: Hauptfttah«, Ecke Parksttaße. Wir bitten die'Eltern, ihre �..........---------------------------------------------- Veranstaltungen hinzuweisen._ Permttwortttcher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für de» Jniercuentell verantw.: Th. Glocke, Berlln. Druck n.«erlag: Lorwätt» Buchdrucker«». Verlagsanstalt Paul Singer».«a, Berl« Kind« Der