Ur. 209. BbonnemcntS'Bedingungcn: »BotmementS> Preis pränumerando! Vierteljährl. 3,30 9Rf, tnonali. 1,10 Mk, wöchentlich� 28 Sjifg.- frei ins HauS. Sinzeine Nummer? Pfg, Sonntags- nununer mit illustrierter Sonntags- Vellage„Die Reue Weit" 10 Pfg. Post- Wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Singetragen in die Post-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband sür TelUichland und Oesterreich, Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Postabonnements nehmen«n: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Jr'U Crtdjelnt tZgttch. Vevlinev VolkSblLltt. Tentralorgan der rozialdcmokratirchen Partei Deutfchlarsds. Ok TnfertlonS'GebOfir beträgt für die scchsgespaltcnc Kolonel. zeile oder deren Raum«0 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und LcrsmnmlungS-Anzcigcn 30 Pfg, „Klelne Anrelgen", das settgednukte Worl 20 Pfg,> zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort lO Pfg, Stellengesuche und Schlafftellcnan zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort ö Pfg, Worte über 15 Buch- Stäben zählen für zwei Worte, Inserate ür die nächste Nummer niüsscn bis » Uhr nachniittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SoilaliKinokrat Berlin", Redaktion: 8Rl. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moriffplatz, Nr. 1S8Z. Expedition: 8Rl. 68, �indenstxasse 69. Fernsprecher: Amt Moriffplatz, Nr. 1984. Kebels Persönlichkeit. Als Bebels Memoiren erschienen, verblüfften sie die bürgerliche Oeffentlichkeit durch ihre Objektivität der nüch- ternen Sachdarstellung. Man hatte von einem so tenipera- mentvollen Politiker wie Bebel auch temperaiilentvolle Person- liche Bekenntnisse erwartet. Man hatte geglaubt, daß in einem Politisch so vulkanischen Geiste auch inancherlei Erup- tivkräfte vorhanden gewesen sein müßten, deren pstichologische Analyse ästhetische Sensationen befriedigt hätte. Als man aber so gar nicht auf seine Rechnung kam. als alle intimeren «seelenbeichten ausblieben, da war man rasch fertig mit dem Urteil: Bebel ist zwar ein bedeutender Politiker, ein leiden- jchaftlicher Parlamentarier gewesen, aber keine interessante Persönlichkeit. Und auch in den Nachrufen, die die bürger- liche Presse Bebel gewidmet hat, begegnet man immer wieder .der Lesart, daß Bebel zwar groß gewesen sei als politischer Soldat, als Kämpfer in Reih und Glied, vielleicht auch als Parteistratege und Taktiker, daß aber sein inneres Seelen- leben so durchsichtig klar und frei von Konflikten geblieben sei, daß die psychische Ausbeute dieser Persönlichkeit höchst gering angeschlagen werden müsse. Diese Beurteilung Bebels geht zum guten Teil von ganz falschen Voraussetzungen aus. Gewiß ist Bebel eine glückliche Natur gewesen, deren Entwickelung sich in gerader Linie voll zog, in dessen Wesen widerstrebende Tricbkräste nicht mit zev störender Elementargewalt aufeinander prallten. Aber die Annahme, daß Bebel seelische Konflikte deshalb völlig erspart geblieben wären, ist denn doch allzu kindlich. Denn ein Mann, der sich aus bürgerlicher Auffassung heraus unter schwersten Hemmnissen zu einer ganz anders gearteten Weltanschauung entwickelte, und der diese neue Weltanschauung mit einer Totalität und geistigen Universalität zu ver treten wußte wie Bebel, muß dock) so unendlich viel in sich verarbeitet haben, daß man ihn wirklich nicht als eine primitiv veranlagte Natur ansprechen darf. Das Eigenartige der Persönlichkeit Bebels liegt vielmehr darin, daß er sich in seinen Memoiren nicht kokett vor den Spiegel stellte und der lieben Oeffentlichkeit über all die Phasen seiner inneren Entwickelung Rechenschaft ablegte, sondern daß er sich als den gab, der er eben durch unermüdliche Selbstarbeit und geistige Selbstzucht geworden war. Mcmoirenschrciber gewöhnlichen Schlages pflegen solche Bescheidenheit nicht zu üben. Ihnen kommt es ineistens darauf an, ihre„komplizierte" Persönlich- keit selbstbewußt in den Vordergrund zu stellen und ihren individuellen Entwickelungsgang als ettvas ganz Besonderes und eigen Geartetes dem Publikum zu präsentieren. Bebel hingegen war viel zu sehr Sozialist, viel zu sehr An- Hänger derjenigen Weltanschauung, die den Menschheitsfort- schritt aus der Gesa in t summe der Einzelschicksalc her- leitet, als daß er es nun sür besonders angemessen gehalten hätte, mit seinen eigenen inneren Erlebnissen der Oesfcntlich- keit gegenüber zu paradieren. Daß Bebel, der nur mit kümmerlicher Volksschulbildung ausgestattete Proletarier von kleinstem Herkommen, unter keineswegs günstigen Lebensumständen zum überragenden Politiker emporstieg, und der sich, wie das selbst bürgerliche Preßstimmen zugeben, auch durchaus.im Besitz der zeit- genössischen Bildung fühlen konnte, sich selbst niemals für ein Phänomen hielt und sein geistiges und politisches Empor- wachsen auf eine Reihe besonderer Umstände zurückführte, zeugt nicht nur von der liebenswürdigen Bescheidenheit, die wir an Bebel schätzen, sondern gerade auch von der eminent praktischen Nutzanwendung, die Bebel aus den Erkenntnissen der von ihm vertretenen Weltanschauung zog. Sprach er's doch in seineu Memoiren deutlich genug aus, daß er seine Stellung keineswegs den eigenen ungewöhnlichen Geistcsgabcn und besonderer Tüchtigkeit zuschreibe, sondern eben nur den Verhältnissen, die ihm die Erringung einer solchen Führer- stcllung ermöglicht hätten. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß Bebel seine persönlichen Eigenschaften nicht genug gekannt oder gar in er- heuchelter Bescheidenheit sein Selbstbewußtsein hinter einer demagogischen Maske zu verbergen gesucht hätte. Was er wert war, wußte Bebel ganz genau. Auch er hielt es mit dem gesunden Gocthewort, daß nur„Lumpe" bescheiden sind. Er wußte, welch unermüdlicher Arbeit, twlch eiserner Energie er seine Selbstentwickelung zu danken hatte. Aber Bebel, der Mann aus dem Volke, der die Psychologie des Volkes nur zu genau kennen gelernt hatte, wußte auch sehr gut, welch un- erschöpfliche intellektuelle Kräfte im Volke schlummern, und daß die geistigen und moralischen Kräfte zahlloser Mitstreiter in dem Walzwerk der kapitalistischen Tretmühle um die nackte Existenz zermürbt und zermahlen iverdcn. Bebels Auffassung von der ausschlaggebenden Rolle der ökonomischen Umstände deckten sich da nicht nur mit den Lehren der großen Meister des Sozialismus, sondern auch mit den feinen Psychologischen Beobachtungen, die längst von manchen Koryphäen des Bürgertums gemacht worden waren. Beispielsweise auch mit jenem Worte des genialen englischen Dichters Shelley, daß mancher Shakespeare, mancher Milton im Kittel eines Straßenkehrers durchs Leben gewandelt sein möge. Es ist daher kein Widerspruch, daß Bebel, der Fcuerkopf, der Mann mit dem lodernsten Temperament, als Person hinter der von ihm vertretenen Sache so völlig zurücktritt, daß sich auch in seinen Lebenserinnerungen so wenig Spuren per- sönlicher Erlebnisse vorfinden. Bebel fühlte sich eben nicht als psychischer Analytiker, als Dichter, als Verherrlicher seiner eigenen Persönichkeit, sondern als Vorkämpfer des Pro- letariats, als Vertreter der sozialistischen Weltanschauung. Gerade weil Bebel mit so leidenschaftlicher Glut an der von ihm vertretenen Sache hing, weil er sich als Verfechter des menschheitsbefreienden Kampfes des modernen Proletariates, der Menschheit selbst fühlte, gingen seine persönlichen Erleb- nisse so restlos in der von ihm geschilderten Geschichte der sozialistischen Arbeiterbewegung in Deutschland unter. Was er über seine eigene Tätigkeit erzählte, will er in den meisten Fällen absichtlich als nichts anderes betrachtet wissen, als einen Beitrag zur Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Daß Bebel auch eine Fülle persönliche)' und persönlichster Erinnerungen in sich trug, ist all denen bekannt, die Gelegen- heit hatten, ihn einmal im engeren Kreise über seine Partei- erlehnisse sprechen zu hören. Es war geradezu erstaunlich, mit welch minutiöser Genauigkeit Bebel die Erinnerung an die zahllosen Einzelfälle seines so reich bewegten Parteilebens bewahrte. Stundenlang konnte er bei solchen Gelegenheiten über all die großen und kleinen Ersahrungen in der liebens? würdigsten"Weise plaudern. Jeder kleine Einzelfall, nament- lich aus den ersten Jahrzehnten seiner Tätigkeit, hatte sich unverwüstlich in sein Gedächtnis eingegraben. An alle Taten, alle lokalen Ereignisse, alle politischen Vorkommnisse er- innerte er sich mit bewundernswerter Treue. Auch all der kleinen Kuriosa, die in dem großen Kampf hineingespielt hatten, entsann er sich besonders genau. Bei solchen Er- Zählungen leuchtete das kindliche Gemüt des ini politischen Kampfe so ehernen Recken herzgewinnend auf. Man sah hier, daß der als„Fanatiker" und„Togmatiker" verschrieene Po- litiker auch ein fein st er Lebcnsbcobachter gewesen war, dem kein menschlicher Zug, kein Idyll, keine kleinste Episode entgangen war. Man konnte sich hier wohl sagen, daß derselbe Bebel, den die Verhältnisse zuin großzügigen Politiker gemacht hatten, unter anders gearteten Lebens- umständen zum feinsinnigen Poeten, zum Schildcrer intimster Menschlichkeiten geschaffen gewesen wäre. Ter Kampf der Zeit, das unerbittliche Muß des histori- schien Geschehens hat aus dem zartgliedrigen, empfindsamen Proletariersprößling einen harten politischen Kämpen gc- schmiedet. Dennoch verkümmerte der hochflicgende Jdealis- inus des geborenen Idealisten nicht in den klirrenden Tages- kämpfen der Politik. Gerade das macht Bebel zu einer so ragenden Figur in der politischen Arena, daß er sich nicht gleich anderen bekannten Politikern— etwa einem Eugen Richter— verlor im parlamentarischen Kleinkampf, in den Ranklinen der politischen Hintertreppe, sondern daß seinem ganzen politischen Wirken der Zug der Prophetie aufgeprägt war. Das gewaltige Temperament Bebels, der große Zug seiner Persönlichkeit offenbarte sich nicht in persönlichen Abenteuern und persönlichen Wirrsalen— in die sich sogar ein Ferdinand Lassalle in einer Zeit politischer Stagnation verstricken ließ—, sondern in jener umfassenden Durchdrin- gung der politischen und gesellschaftlichen Kämpfe, denen er Leben und Streben geweiht hatte. Die bürgerliche Presse hat dem unbestechlichen Ehrenmann Bebel und dem glänzenden parlamentarischen Redner die ihm gebührende Anerkennung nicht versagen können. Seine literarische Tätigkeit dagegen ist merklich zu kurz ge- kommen. Das ist kein Wunder, denn gerade dem publizisti- scheu Vertreter der sozialistischen Weltanschauung steht ja unser Biirgertuni am verständnislosesten gegenüber. Gerade aber in den S ch r i f t e n Bebels offenbart sich die Bedeutung seiner Persönlichkeit und seines autodidaktisch errungenen Wissens am eindringlichsten. Was man auch gegen das Haupt- werk Bebels vom Standpunkte der SpezialWissenschaft aus einzuwenden vermag: es wird nicht geleugnet iverden können, daß Bebel hier in imponierender Weise den Versuch gemacht hat, die sozialistische Weltauffassung, wie sie die Theoretiker formuliert, gemeinverständlich zu popularisieren und dem lechzenden Befrciungssehnen des Volkes Wege und Ziele in das Zukunftsland der Menschheitsentwickelung zu weisen. „Tie Frau und der Sozialismus", betitelt sich sein Buch� aber es gibt keine Frage des Sozialismus, deren Veranschaulichung und Lösung nicht in diesem Hauptwerk Bebels versucht wäre. Und sicherlich gibt es in der sozialistischen Literatur keine chrift, welche die sozialistische Gesellschaftskritik so umfassend darzulegen unternommen hätte, wie Bebels Buch. Mit Recht gilt dieses Werk noch als eine der Hauptwerbeschristen des modernen Sozialismus. Aber auch sonst hat Bebel mancherlei gesckrieben, was von den> lebhaskc» Erkenntnisdrang des„Soldatenkindes" zeugt. Seine Skizze» über die arabisch-mohammedanischc Kul- tnrperiode und den deutschen Bauernkrieg beweise», daß Bebel gründlichere historische Studien getrieben Hat, als so mancher bürgerliche Politiker. Daß daneben Bebel auch Zeit fand, um sich in aktuelle Tagesfragen unserer fozia- listischcn Politik zu vertiefen, beweist neben manchem anderen eine Schrift über die Mißstände im Bäckereigewerbe, die den erste» und wuchtigsten Anstoß z)li» Eingreifen der staatlichen Sozialhygiene für die Bäckcreiarbeiter gegeben hat. Nicht nur der aus dein Proletarierstande hervorgegan- gene Volksman», der packende Volksredner Bebel hat sich die leidenschaftliche Anhänglichkeit des Volkes errungen, sondern gerade der sozialistische Prophet Bebel, der Ver- künder des Z u k u n f t s st a a t e s, der„Utopist". Nicht die noch so verdienstliche Werkeltätigkeit fiir den nächsten Tag, nicht das Streben nach Erringung politischer Tagesvorteile ist es, was das Gemüt der breiten Volksschichten im Tiefste» zu packe» vermag, sondern gerade der großeZug s 0 z i a- I i st i s ch e r Politik, gerade das Dränge» nach der Ver- wirklichung des sozialistischen Zukunfts- st a a t e s. Das deutsche und das internationale Proletariat hat in Bebel unendlich viel verloren. Es verlor in ihm die persönliche Verkörperung seiner höchsten Ideale. Aber u n e r s e tz- l i ch würde der Verlust Bebels erst dann werden, wenn der sozialistischen Arbeiterbewegung in ihrem politischen Kampfe nicht mehr die Leitsterne leuchten würden, die für Bebels Tätigkeit stets die Richtlinie gaben! *» ♦ Die Keftattunggfeier. Bcbkls Lcichc ist Donnerstag nachmittag 2 Uhr in Zürich eingetroffen und im großen Saale des Volkshauses aufgebahrt worden. Tie Einäscherung findet Sonntag nachmittag um 2 Uhr statt. Im Laufe des Tonncrstagoormittags trafen in Passug noch ganze Berge von Kondolcnztelegrammcn ei». Eine der ersten Beileidsbezeugungen war diejenige der„H u m a» i t c" in Paris. Tie Arbeiterschaft von Chur, die erst gestern abend durch Aufgebot von Mann zu Mann vom Tode Bebels benachrichtigt war, gab Donnerstag vormittag 11 Uhr in stattlicher Zahl dem Toten das lebte Geleit von der Fricdhofskapclle bis zum Bahnhos. Sechs umflorte Banner wurden dem Leichenzuge vorangctragen. Die Arbeiterpartei des Kantons Graubllnden, die sozialdemo- kratische Partei der Stadt Ehur und die Fraktion des Stadtrates von Chur hatten große Kränze mit Widmungen niedergelegt. Auf dem Bahnhofe widmete Genosse P. Keller, kantonaler Arbeiter- sekrctär, dem toten Kämpfer und Führer einige herzliche Abschieds- Worte. Auf dem Bahnhofe in Zürich hatten sich zahlreiche Gc- »offen um ihre Banner geschart, nm die sterblichen Ucberrcste deS großen ftämpcit nach dem Boltshaufe zu begleiten. Tortfelbst sollen sie bis Sonntag mittag aufgebahrt bleiben. Ter Trauerzug durch die Hauptstraßen der Stadt war ergreifend. Entblößten Hauptes bildete eine große Volksmenge Spalier. * Ter Ansschnß der Berliner Gewerkschastskoinmissiotl hat beschlossen, eine Deputation von drei Mitgliedern zu Bebels Leichenfeier nach Zürich zu senden. Wie wir hören, werden nahezu alle Mitglieder der sozial- demokratischen Rcichstagsfraktion, soweit sie nicht durch Krankheit oder sonstige zwingende Gründe gehindert sind, zur Einäscherung Bebels nach Zürich reisen. * Delegationen, die an der Bcisetzungsfeier teilnehmen wollen, müssen sich aninelden iin d „Bolksrccht" Zürich, Stauffachcrstr. Kl>, Arbcitskammer Zimmer 3.' Torthin sind auch alle Bestellungen und sonstigen Wünsche zu richten. Bebels Testament. Zürich, den 14. August 1913. sPrivattele- g r a m m d�c s„Vorwärts Bebel hat in einem ans- sührliche» Testanicnt seinen lebten Willen kundgetan. Eine summarische Zusammenfassung mit den hauptsächlichsten Bc- stimmnngen fand sich bei den Handakten des Verstorbenen iti Passngg vor. Bebel wünscht darin unter allen Umständen an der Seite seiner Gattin, also in Zürich, bestattet zu werden und zwar durch ein Krematorium. Im übrigen enthält das Testament— zum Testamentsvollstrecker hat der Testator seinen Freund, Bankier U l l mann aus Frankfurt a. M. destellt— zahlreiche lebtwillige Verfügungen Vermögensrecht- lichcr Natur. Die deutsche sozialdemokratische Partei ist d a b.e i mit einem ganz namhaften Betrage bedacht; auch ist ihr von einem bestimmt in nächster Nähe liegenden Zeitpunkte an das ausschlieft- liche Verlagsrecht der säintlichen schrift- st c l l c r i s ch c» Werke übertragen worden. Bebel hat bis in die lebten Tage vor feiner Abreise nach Passug an der Durchsicht des von ihm und Bernstein gemein- sam demnächst im Buchhandel zur Ausgabe gelangenden Briefwechsel Marx- Engels gearbeitet; dabei mnfttc er auf Vollendung des dritten Bandes seiner Lebens- geschichtc verzichten, die nun wohl kaum ihren Abschlnft finden dürfte. Bebel weilte seit dem 7. Juli d. I. in der Schweiz. Während dieser Zeit hatte er zweimal äußerst kritische Anfälle von Herzbeklemmungen erlitten, auch hatten nch wiederholt erste Anzeichen beginnender Wassersucht, sowie Anschwellen der Füße und dergleichen eingestellt, die eine schlimme Wendung befürchten ließen. Bebel selbst war sich des Ernstes seines Zustandes wohl bewußt, wenngleich er voller Zuversicht seiner Genesung entgegenzusehen wähnte. �-~V'' Die Internationale zum Code Bebels, Dem Parteivorstand sind aus dem Auslande folgende Bcileidskundgebungen zugegangen: London. Die British Socialist Party empfing mit tiefstem Bedauern die Nachricht vom Hinscheiden August Bebels und spricht der deutschen sozialdemokratischen Partei ihre innigste Teilnahme aus. I n k p i n, Sekretär. Brüssel. Die Brüsseler Föderation der sozialistischen Arbeiter- Partei Belgiens nimmt an dem Schmerz teil, in den durch den Tod Bebels das internationale Proletariat verfetzt wurde. P lad et, Sekretär. Brüssel. Die sozialistische Arbeiterpartei Belgiens ist aufs tiefste bewegt durch das Hinscheiden des Genossen Bebel und sendet der Familie des großen Toten und der sozialdemokratischen Partei Deutschlands den Ausdruck der brüderlichsten und herzlichsten Teil- nähme. Vanders missen, Sekretär. Brüssel. Die ganze Internationale trauert um den schmerz- lichen Verlust Bebels, der größten organisatiorischen Kraft der internationalen Sozialdemokratie. Vandervelde, Anseele, Bertrand, Huysmans. London. Aufrichtiges Beileid zum Tode Bebels sendet Kommuni st ischer Arbeiter-Bildungsverein L o n d on. Amsterdam. Die niederländische sozialdemokratische Arbeiter« Partei nimmt mit ganzem Herzen teil an der Trauer der deutschen Arbeiterklasse über den Tod ihres größten und geliebtesten Vor- kämpserS. Auch in den Herzen der niederländischen Arbeiter hat Bebel ein dauerndes Denkmal sich gestiftet durch sein Leben voll Selbstaufopferung im Kampf für die proletarische Emanzipation. Parteivorstand der Niederländischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. V l i e g e n, Vorfitzender. M a t t h y s e n, Sekretär. Zürich. Die Landesorganisation der internationalen Arbeiter- vereine in der Schweiz spricht ihr innigstes Beileid zu dem schweren Verlust aus, den die deutsche Partei und die ganze Internationale durch den Tod des Genossen Bebel erlitten. Wir verlieren in ihm einen treuen.Gönner und Förderer unserer Organisation. Der Landesausschuß: Franz Kugler, Präsident. Fritz Platten, Sekretär. Wien. Aufs tiefste erschüttert traf uns die Nachricht vom Plötz- lichen Tode Bebels. Wir, die wir alle in Oesterreich ihn so geliebt und verehrt haben, senden der deutschen Bruderpartei herzlichen Trauergrutz. Wir fühlen mit Euch den unersetzlichen Verlust, den Ihr, den wir, den die gesamte Sozialdemokratie des Erdballes durch den Tod des teuren ManneS, der uns Muster und Vorbild aller proletarischen Tugenden war, erlitten haben. Nie wird sein Name vergessen werden, ewig wird er fortleben in den Herzen der Arbeiter, deren Befreiungskämpfe sein ganzes Leben und Wirken gewidmet war. Für die deutsche Sozialdemokratie Oesterreichs: VictorAdler. FerdinandSkaret. Wien. Mit großem Schmerze vernehmen wir die Trauerkunde vom Tode Eures bewährten treuen Kampfgenossen und Führers August Bebel und sprechen Euch unser innigstes Beileid zu dem un- crsetzlichen Verlust, der Euch betroffen hat, aus. Der LandeSparteivorstand der deutschen Sozialdemokratie in Niederö st erreich. j i Prag. Erschüttert durch den Tod August Bebels, des Führers der deutschen Sozialdemokratie und Altmeisters der internationalen Sozialdemokratie, spricht ihr tiefempfundenes Beileid aus. Parteivertrctung der tschechoslawischen sozialdemokratischen Arbeiter-Partei: Bruha. Nemec. Soukup. Prag. Trauern mit Euch um August Bebel, den unvergetz- lichen Vorkämpfer des� Sozialismus und der klassenbewußten Ar- bcitcr aller Nationen. Tfchechoslawische Gewerkschaftskommission Prag. T a y e r l e, Sekretär. Innsbruck. Tieferschüttert durch die Nachricht von dem Tode unseres großen Vorkämpfers Bebel entbieten wir der deutschen Bruderpartei unser innigstes Beileid zu dem unersetzlichen Verlust. LandeSparteivertretung Tirol. Bozen. Erschüttert von der Trauerbotschaft spricht die heute in einer Volksversammlung vereinigte Arbeiterschaft Bozens tiefstes Beileid aus. Lagger, Vorsitzender. Klagenfurt. Tieferschüttert von dem Ableben des großen Füh- rerS und proletarischen GeisteShelden August Bebel übermittelt das tiefste Beileid Parteivorstand Kärnten?: G r o e g e r. Mailand. Tieferschüttert von dem unersetzlichen Verlust der deutschen und der internationalen Sozialdemokratie beweinen wir mit Ihnen den Tod des glorreichen Vorkämpfers des revolutionären Proletariats, Italienischer Parteivorstand: L a z z a r i. Amsterdam. Wo sich nur Proletarier befinden, trauern sie mit Ihnen um den Tod des Waffenschmiedes des internationalen Proletariats, des alten Kämpfers August Bebel. Im Namen der sozialdemokratischen Partei Hollands: Der IPavteivorftand. W y n k o o p, Vorsitzender; C e t o n, Schriftführer. Berlin. Der deutschen Sozialdemokratie zum Ableben ihres bewährten Führers unser herzliches Beileid. Die sozialdemokratisch denkenden hellenischen Arbeiter in Deutschland. Brünn. Die Nachricht von dem Tode des hervorragendsten Haupt«? der Internationale hat uns tief erschüttert. Ungeheuer ist dieser Verlust ftir die Sozialdemokratie aller Länder und Na- tionen. Bebel war auch unser hochgeachteter Lehrer und Führer, auch das klassenbewußte internationale tschechische Proletariat wird die Nachricht von seinem Ableben mit tiefer Trauer erfüllen. Wir fühlen mit Euch, daß der Verlust dieses großen Mannes und Kämpfers für Euch, für uns alle ein schwerer Schicksalsschlag ist. Namens unserer ganzen Partei sprechen wir Euch unser tief- gefühltes Beileid auS; für die Gedanken des teueren Toten werden wir nach Kräften weiter wirken. Für die Parteiexekutive der tschechischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Oesterreichs: Burian, Merta. Brünn. Tief erschüttert durch die Nachricht von dem Tode unseres besten Vorkämpfers und Lehrers sprechen wir unser tiefstes Beileid aus. Im Sinne des verstorbenen und unvergeßlichen Genoffen Bebel werden wir das Proletariat weiter belehren und für sein« Befreiung kämpfen. Für die Gewerkschaftskommission Brünn. Jura. Tcplip. Schönau. Zu dem schmerzlichen Verlust Eures Alt- meistexs Achel Drücken Air unsere innigste Teilnahme aus, Das 'organisierte Proletariat Deutschlands hat seinen besten Mann, die Internationale einen ihrer Begründer und Vorkämpfer verloren. Wir alle sind durch den Verlust Bebels ärmer geworden. Landesorganisation der deutschen Sozialdemokratie Böhmens: C e r m a k. Rom. Die sozialistische Partei Italiens sendet�anläßlich des Ablebens des Genossen Bebel im Namen des italienischen Prole tariats der sozialdemokratischen Partei Deutschlands das Gefühl ihrer tiefsten Teilnahme. Für die Parteileitung. Lazzari, Sekretär. Rom. Anläßlich des Verlustes Ihres großen Toten, des Ge nossen Bebel, des tapferen Kämpfers für die sozialistischen Ideale in dem Kampfe des internationalen Proletariats bringt die sozia� listisch-reformistische Partei Italiens ihr tiefstes Mitgefühl zum Ausdruck. Die Parteileitung des Partita Soziali st i Riformita Jtaliano. London. Die britische Arbeiterpartei betrauert auf das tiefste den Verlust, den die internationale Arbeiterbewegung durch den Tod Bebels erlitten hat, und wird zu seiner Einäscherung einen Repräsentanten entsenden. Ramsay Macdonald, parlamentarischer Vorsitzender; Arthur Hendersen, Sekretär. London. Wir vereinigen uns mit unseren deutschen Kameraden in der Trauer um Bebels Tod und bedauern den schweren Verlust, den das internationale sozialistische Proletariat erlitten hat. Justice-Staff- London. Paris. Eines der edelsten Herzen hat aufgehört zu schlagen; aber das Wirken Bebels wird unvergänglich bleiben. I a u r e s. Stockholm. In tiefster Verehrung und im unvergeßlichen An- denken August Bebels sendet die Sozialdemokratie Schwedens den deutschen Genossen ihre herzliche Teilnahme in Landestrauer des arbeitenden Volkes. Für die schwedische Partei: B r a n t i n g. Kopenhagen. Bei der Nachricht von dem Ableben August Bebels drücke ich namens der dänischen Sozialdemokratie unser herzliches Beileid aus. Bebels Tod bedeutet nicht allein einen Verlust für Euch, sondern auch einen schmerzlichen Verlust für die gesamte internationale Sozialdemokratie und für Millionen Arbeiter. Ueber die ganze Welt wird es tönen: Ehre seinem Andenken! ein Wort, welches auch in den Herzen aller Sozialdemokraten Däne- marks ernsten Widerhall findet. S t a u n i n g. Budapest. Von tiefster Trauer bewegt, vernahmen wir die Nachricht vom Tode August Bebels, und mit Euch beklagen wir den Verlust dieses teuren, tatenreichen Lebens. Wir werden das An- denken dieses großen Agitators und Vorkämpfer?, diesem Stolze der internationalen Sozialdemokratie, durch eifrigste Arbeit in seinem Sinne bewahren für alle Zeiten. Parteileitung der ungarländischen Sozialdemokratie. Buching er, Parteisekretär. Budapest. Die Vertreter der ungarländischen Gewerkschaften senden ihr innigstes Beileid anläßlich des großen Verlustes der deutschen und internationalen Sozialdcmo- kratie. Belgrad. Tief berührt von der Nachricht, daß das Herz des großen Bebel nicht mehr schlägt, der der Stolz des internationalen Proletariats und der serbischen Arbeiter war, eilt die serbische sozialdemokratische Partei, ihrem unermeßlich großen Beileid für diesen Verlust der deutschen Partei und der Internationale Aus- druck zu geben. Möge das Andenken an den glorreichen Kämpfer für das Werk des Sozialismus ewig sein. Für die serbische Sozialdemokratie: Dragischa Laptschewitsch. Genf. Das Auslandskomitee des Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes ist tief erschüttert vom Tode unseres unvergeßlichen Bebel und sendet innigstes Beileid. New Aork. Mit dem Proletariat der ganzen Welt stehen wir trauernd an der Bahre des einzigen Bebel. „New Uorker Volkszeitung". Paris. Die sozialistische Seine-Föderation ist schmerzlich bewegt durch den Tod Bebels und sendet Ihnen aus Sympathie ihre brüderliche Teilnahme. Ter Sekretär B e u ch a r d. London. Ich betrauere auf das tiefste den Verlust unseres treuen Freundes und Kameraden August Bebel. Keir-Hardi e, Vorsitzender der Jndcpendent Labour Party. Krakau. Tief erschüttert von dem schweren Verlust für die proletarische Internationale teilen wir die große Trauer der deutschen Arbeiter. August Bebel, der unerschrockene Vorkämpfer der Sozialdemokratie, der heißgeliebte Führer des revolutionären Proletariats, wird im Herzen aller klassenbewußten Proletarier unsterblich bleiben. Das Warschauer und Lodzer Komitee der Sozialdemokratie Russisch-Polens und Litauens HelsingforS. Mit der sozialistischen Internationale be- klagen wir den Verlust der deutschen Sozialdemokratie, den Tod August Bebels, eines Mannes, der heldengleich für das Prole- tariat sein Leben lang gekämpft hat. Er ist uns unvergeßlich für immer, sein Vorbild leuchte uns stets voran. Parteivorstand der finnischen Sozialdemokratie. Die sozialistische Partei Portugals sendet die Versicherung der innigsten Teilnahme bei dem Tode Bebels. Für den Zentralrat: Cesar Nogeira. Ferner: Vom Organisationskomitee der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands, vom sozialdemokratischen Verein„Bor- wärts" in Stockholm, von den Parteigenossen in der Heilstätte Albertsberg(Vogtland) und den Genossen der Bolkshcilstätte Grabowsee. Der bekannte russische Dichter Maxim Gorki sandte aus Verona das folgende Beileidstelegramm: „Bin tiefbetrübt, daß der alte Adler-Prophet der universellen Wahrheit verschieden ist. Möge der Gram über den großen Verlust an die gigantische Arbeit August Bebels erinnern und sein Helden- name Mut in die Seelen derer, die für den Sieg der Vernunft kämpfen, fließen lassen." Maxim Gorki. Prag. Tief berührt, stehen wir am offenen Sarge Eueres un- vergeßlichen Führers und alten Genossen August Bebel, des hoch- geschätzten Menschen, Sozialisten und Charakters. Das Andenken an den großen Toten bleibt ewig lebendig in den Herzen der tschechoslawischen klassenbewußten Arbeiterschaft, sowie in den Herzen der Proletarier aller Länder. T a y e r l e, Obmann. Covacz Heynez, Sekretär. Bukarest. Von der schrecklichen Nachricht, daß der ewig junge Bebel nicht mehr da ist, niedergeschlagen, ohne noch imstande zu sein, von dem großen Verlust uns Rechenschaft zu geben, beweinen lyix im bitteren SZmxrz Pas Wlehen des großen Mannes, der die deutsche Arbeiterklasse verkörperte und der gesamten Arbeiter- Internationale gehörte. Dobrogeanu. Cherea. TrotzkoS. Reggio Emilia. Die sozialistischen Arbeiter von Reggio Emilia nehmen teil an Eurem Schmerz beim Tode Eures großen Führers, des Lehrmeisters der proletarischen Welt. Prampollini. Bellelli. St. Denis. Die sozialistische Föderation von Zentral-Frank- reich drückt ihr tiefstes Beileid beim Tode Bebels aus und nimmt teil an der Trauer der deutschen Sozialdemokratie. Tourtoulon, Sekretär. Madrid. Die Redaktionder„VidaSozialista" nimmt teil an der Trauer des internationalen Proletariats beim Tode Bebels. Madrid. Im Namen der spanischen Sozialisten bezeugt der nationale Ausschuß der Sozialdemokratie Deutschlands seinen tiefsten Schmerz beim Tode des großen Lehrmeisters, des uner- müdlichen Kämpfers Bebels. Der internationale Sozialismus trauert um ihn. Jglesias. Ungeheuer groß ist die Zahl der sonst noch von sozialdemo- kratischen Organisationen, von Gewerkschaften und einzelnen Gruppen der Genossen bezeugten Beileidskundgebungen, die aus dem In- und Auslande eingegangen sind. So drückten ihr Beileid aus der deutsche sozialdemo- kratische Leseklub in Paris, der Arbeiterverein und das Parteiblatt in M a l m ö, das Landeskomitee der deutsch- sprachigen Sozialdemokratie in Ungarn, der„Neder- landschen Schildersgezellenbond", die deutsch-sozial- demokratische Landespartei Mährens, das Zentralbureau der ausländischen Gruppen der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei Rußlands, die russischen Sozialdemokraten in D a v o s, die jüdische Arbeiterzeitung in Petersburg, die russischen Sozialisten in Montpelliers, die südslawischeSozial- demokratie Oe st erreich», das slowakische sozialdemo- kratische Landeskomitee Ungarns in P r e ß b u r g, der Arbeiter- bund in Kopenhagen, die Landesvertretung der sozialdemo- kratischen Partei Steiermarks, die Landesgewerkschaftskom- Mission Steiermarks und die Redaktion des„Arbeiter- Wille" in Graz, der Gewerkschaftskommission O e st e r r e i ch s, der Vorstand des Verbandes der chemischen Industrie Oesterreichs, der Vorstand des ungarischen Malerverbandes, die Redaktion der„V o l k s st i m m e" in B u d a p e st, die deutsche Sprachgruppe der sozialistischen Partei in New-Dork, die deutschen Soziali st en New- D o r k s, der internationale Arbeiterverein in Bern, die West- böhmische Sozialdemokratie und die Redaktion des„Volkswille" in Karlsbad, der Reichsverein der Zeitungsbeamten O e st e r r e i ch s, die Wiener tschechischen Zentrali st en und der„D e l n i ck y D e n n i k", die tschechische Eisenbahner- Organisation in Z i s k o v, die freie Vereinigung s o z i a l i st i- scher Studenten in Wien, die„Revue Socialiste" in Paris, die tschechisch-sozialistische Organisation in Brünn, die Kreisorganisation in Bodenbach(Böhmen), der„R o r d- böhmische V o l k s b o t e", die Bezirksorganisation Juden- burg-Knittelfeld(Steiermark), die Reichsratsabgeordneten Glocke! und Hillebrand in Bozen, Adolf Geck und Familie in Offenbach, der Vorstand des deutschen Bergarbeiterverbandes in Bochum, der Hauptvor- stand des Brauerei- und Mühlenarbeiter ver- bandes in Berlin, der Wahl verein Limburg (Lahn), die �Organisation des Wahlkreises Göppingen, Gmünd, Schorndorf, Welzheim, die Parteigenossen in der Lungenheilstätte Beelitz, die Parteigenossen im irchowkrankenhause in Berlin, die Parteigenossen in der H e i l st ä t t e Augustusbad bei Radeberg, Reichsrats- abgeordneter Pick in Pilsen. Aus Saarbrücken ging folgendes Beileidstelegramm ein: „Zum Heimgänge Ihres teueren Entschlafenen, dessen unVergleich- liches Talent und Edelmut im Kampfe für die Rechte der enterbten Menschheit sich ein Denkstein für die Ewigkeit gesetzt hat, über- nehmen Sie das herzlichste Beileid eines glühenden Verehrers und Fabrikanten aus Saarbrücken." *• * Bebel und die Oeltermcbcr. Ein österreichischer Genosse schreibt uns: Er hatte alte Beziehungen zum deutschen Nachbarland. In seinen Erinnerungen erzählt:r, wie er schon als Geselle auf der Wanderschaft in Salzburg war und wie ihn dort der Katholische Gesellenverein interessierte. Freilich gewonnen haben sie ihn nicht dafür, trotzdem sie sich alle Mühe gaben. Als selbständiger Unter- nehmer kam er auch mehrmals über die Grenze und als er ein- mal in den achtziger Jahren, zur Zeit der großen Sozialistcnhatz, in Reichenberg war, folgten ihm während seines ganzen Aufenthalts unentwegt zwei wackere Polizisten. In Wien hat er öfter, wenn auch mit jahrzehntelangen Pausen gesprochen. 19(11 kam er zum Parteitag, der in dem westlichen Bezirk Fünfhaus (in Wien ist der Westen proletarisch), beim Wimberger abgehalten wurde. Ach, wie waren wir jungen Burschen von damals, die wir vor der Eröffnung schon da waren, gespannt, endlich ihn zu sehen, von dem wir alles gelesen hatten, dessen Schicksale wir als Geschichte kannten und der nun unter uns erscheinen, unter uns sprechen sollte, wie er schon vor fast 40 Jahren in den Ver- sammlungen der sächsischen Arbeiter gesprochen hatte... Und da war er auch schon, schlicht, einfach, natürlich kam er daher mit unserem„Doktor"— anders darf ein österreichischer Parteige- nosse, der auch nur ein bisse! zu den inneren Zirkeln gehören will, unseren Viktor Adler nicht nennen— mit dem er so intim befreundet war. Da stand er nun und wehrte sich, als ihm der Parteisekretär Skaret den Ueberrock abnehmen wollte... Am Abend war große Volksversammlung im Parteitagssaal. „Referent: Genosse August Bebel, Mitglied des Deutschen Reichs. tags." Da zeigten die Wiener Genossen, was bei ihnen Be- geisterung sein kann. Die ganze Versammlung war ein Sturm des Jubels, des Beifalls, des Enthusiasmus für das, was der Redner als Ziel bewußter EntWickelung darstellte und für ihn, der uns alle ihm näher gebracht hat. Und am Schluß— seine gemütliche, anspruchslose, herzliche Art hatte längst allen scheuen Respekt in gut wienerische Herzlichkeit aufgelöst— na, das war schon nicht mehr schön, wie die Tausende vorbeidefilierten und er jedem unter das Bebelbild noch den Namen schreiben mußte. Seitdem hat er drüben nicht mehr öffentlich gesprochen, wenn er auch noch nachher in Wien gewesen sein mag. Vor etwa einem Jahr erschien er im Abgeordnetenhaus, von unseren Freunden in die Loge auf der l. Galerie geleitet. Kaum erfuhr der Präsident Dr. Sylvester— ein deutschnationaler Salzburger Rechtsanwalt— wer im Hause sei, als er sofort den berühmten Gast zu sich in den Präfidialsalon bitten ließ und sich eine Ehre daraus machte, Bebel das Haus zu zeigen. Die österreichischen Genossen wissen, daß er ihre Kämpfe und Sorgen mit warmem Herzen verfolgte und sich ihrer Erfolge freute als der Jüngeren und SHwächeren. ihrer Art als jelbft lebhafter und lustiger Rheinländer. Wer wenn auch nur eine geringe Zahl, die leitenden Männer der Partei, das genau wissen — heute abend wird es überall in dem weiten Reich, von Boden- bach bis Trieft und von Vorarlberg bis nach Ostgalizien die Ar- beiter zueinander treiben, in ihre Lokale, in denen oft genug das Bild des srun Dahingegangenen seit Jahren und Jahrzehnten hängt, und isne auf der ganzen Erde, wo es Arbeiter gibl und wo sie Zeitungen haben und wo sie erwacht sind, wird tausend- fältig dieser einfache schlichte Name erklingen, der nicht mehr einen Mann dort in Deutschland, sondern längst die kämviende, strebende Arbeiterschaft die Internationale bedeutet. Die lieugeitaltiuig der Dinge auf dem ISallsan. Keine Sonderaktion Rußlands gegen die Türkei. Petersburg, 14. August. Wie der„Rjetsch" aus Regierung-- kreisen erfährt, wird Rußland keine Schritte zur Vertreibung der Türken aus Adrianopel unternehmen, wenn es kein europäisches Mandat dazu erhält; es wird nicht isoliert vorgehen, damit inter- nationale Verwickelungen vermieden werden. Unverbesserliche schwarzgelbe Quertreiber. Budapest, 14. August. Hinsichtlich der Frage, welche Haltung Oesterreich-Ungarn gegenüber einem eventuellen Wechsel der russischen Politik in der Revisionsfrage einnehmen werde, meldet der„ P e st e r Lloyd" aus Wien: Eine Ueberraschung konnte nicht bereitet werden, da in Wien stets ein gewisses Mißtrauen herrschte, ob sich die Bulgarenliebe Rußlands nachhaltig genug erweisen werde. Von einem Zu- sammenwirken Rußlands und Oesterreich-Ungarns für Bul- garten kann natürlich nicht mehr gesprochen werden, sobald sich die Wandlung der russischen Politik bewahrheiten sollte. Unverändert bleibt jedoch das Interesse Oesterreich-Ungarns an einer Ordnung des Balkans von halbwegs genügender Verläßlichkeit. Infolgedessen wird die M o n- archie alles aufbieten, um eine allzu weit- gehende Demütigung Bulgariens nach Mög- lichkeit hintanzuhalten. Dcutsch-offiziöse Dementis. Köln, 14. August. Die»Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Die Mitteilung des Bukareftsr Korrespondenten des .Tempö", Rens Paux, über einen Brief des Kaisers an König Konstantin, worin der Kaiser erklärt haben soll: »Ich kämpfe für Eure Rechte wie ein Tiger", hat selbstverständlich keine Unterlagen. Nach unseren Erkundigungen ist ein solcher Brief nicht geschrieben worden. Dasselbe gilt von einem angeblichen Handschreiben des Kaisers an den Kaiser Franz Joseph, worin nach einer Berliner Meldung der„Rußkoje slowo" der Kaiser seinen Einfluß geltend zu machen suche, daß eine Besserung der Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien durch eine entsprechende Aenderung der Berchtoldschen Politik ermöglicht würde. Auch in diesem Falle hat man es mit einer grundlosen Erfindung zu tun. Im Vorbeigehen mag noch festgestellt iverden, daß eine von der deutschen Veröffentlichung abweichende Fassung des Telegramms des Königs Carol von Rumänien an den Kaiser, die in Wien aufgetaucht, ist. sich al? unhaltbar erweist. Die in deutscher Sprache abgefaßte Drahtung des König Carol lautet wört« lich so, wie sie durch das Wolffsche Bureau ausgegeben und in der »Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" und im.Reichsanzeiger" ab- gedruckt worden ist. poliriscbe deberfickt. Die Anklage gegen das Direktorium der Ffirma Krupp. Vor kurzem brachte die„Braunschweig. Landesztg." die Mit- teilung, daß gegen das gesamte Direktorium der Firma Krupp wegen der bekannten Bestechungen Anklage erhoben sei und wahrscheinlich die Gerichtsverhandlungen in der ersten Woche des Oktober beginnen würden. Das offiziöse Wolffsche Telegraphen- Bureau bestritt, Ivie wir berichteten, die Richtigkeit dieser Angaben. Demgegenüber hält die„Braunschweig. LandeSztg." ihre Mitteilung in allen Teilen auf- recht. DaS Blatt erklärt: „Die Nachricht, die das gesamte Direktorium von Krupp schwer getroffen hat, da sich alle Herren vor Gericht zu verantworten haben werden, kann amtlich nicht dementiert werdeu. Die Untersuchung gegen die beschuldigten Herren ist l ä n g st abgeschlossen, und nur der Militärprozeß hat die Festsetzung des Verhandlungstermins bisher verzögert. Daß das Militär- gericht die Akten des Strafprozesses gegen Krupp aus prozessualen Gründen zu der Verhandlung gegen die Feuerwerker usw. heran- gezogen hat. ist ein so selbstverständlicher Vorgang, daß ihn Wolff gar nicht einmal als etwas Besonderes hervorzuheben brauchte. Aber die Hervorhebung schien nötig, um das Interesse von der Tatsache abzulenken: 1. daß der Antrag auf Eröffnung des Hauptverfahrens gegen sämtliche Mitglieder des Direktoriums Krupp von der Staatsanwaltschaft� beschlossen ist. Auf den Antrag der Staatsanwaltschaft ist ein Beschluß der Eröffnungskammer lediglich wegen Einforderung der Akten durch das Militär- gericht noch nicht gefaßt worden. Dieses wird aber in nur kurzer Zeit, sofort nach Rückgabe der Akten von dem Militär- gericht, erfolgen; 2. daß in dem Verfahren fünf Sachverständige und 23 Zeugen einvernommen worden sind, und 3. daß mit der Verhandlung in der ersten Woche des Oktober bestimmt zurechnen ist. Das Wolffsche Dementi geht um den Kern der ganzen Sache herum. Die Anklageerhebung ergeht juristisch von der Staats- anwaltschaft nah Abschluß der Voruntersuchung. Die Vorunter- suchung ist längst abgeschlossen und der Beschluß der Staats- anwaltschaft auf Anklageerhebung gegen sämtliche Mitglieder des Kruppschen Direktoriums längst vor Abgabe der Akten an das Kriegsgericht festgelegt. Led'i glich der Beschluß der Er- öffnungsrammer a vi Eröffnung des Hauptver- fahrens fleht aus beft mitgeteilten Gründen noch aus, an ihm ist jedoch nach dem Ergebnis der Voruntersuchung absolut nicht zu zweifeln, er ist in diesem Falle reine Form- fache." Berufung des Gerichtsherrn im Krupp-Prozest. Nachdem fast sämtliche Angeklagten im Prozeß Tilian und Genossen gegen das Urteil des Kriegsgerichts der Königlichen Kam- mandatur Berufung eingelegt haben, hat nun auch der Gerichts- Herr von seinem Rocht der Berufung Gebrauch gemacht. Er ist mit sem Urteil gegen die Zeugleutnants Tilian, Schleuder und Hinst sowie gegen den Oberintendantursckretär Pfeiffer und den Feuerwerker Schmidt nicht«inverstanden und hat in diesen Fällen Berufung beim Oberkriegsgcrichtsrat des Gouvernements eingelegt. Die Berufung bezieht sich aber nicht auf die Angeklagten Höge und Droese. Kleinbürgerliche Scharfmacher. Auf dem 15. Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag haben in diesen Tagen die kleinbürgerlichen Gewerbetreibenden wieder einmal ihrer Wut über das wahrlich nicht ansgedehnte Koalitionsrecht der Arbeiter Luft gemacht. Eine von der Handwerkskammer Hannover eingebrachte Resolution verlangt gesetz- liche Maßnahmen gegen„Mißbrauch des Koalitionsrechts, Tarif- Vertragsbruch, Koalitionszwang, Einschüchterung Arbeitswilliger, Streikpostenstehen, Boykott und sonstigen Terrorismus". Es wird .ferner ein Einschreiten gegen„die Arbeiter aufhetzende Bekannt- machungen in der Presse und in Versammlungen" verlangt, weiter soll den Handwerkerinnungen gestattet sein, Arbeitsvereinbarungen nur durch Vermittelung der Gesellenausschüsse abzuschließen, endlich soll auch gegen solche Boykotte vorgegangen werden, die mit politischen oder kommunalen Wahlen zusammenhängen. Der Referent W i e nb e ck- Hannover gab in der Begründungs der Sehnsucht der Handwerker nach einer neuen Zucht- Hausvorlage Ausdruck und polemisierte scharf gegen die Schwächlichkeit der Regierung und des Ministers Delbrück. Der konservative Reichstags- und Landtagsabgeordnete Malkewitz unterstrich natürlich diese Hetze und setzte Regierung und Reichstag auf die Anklagebank:»Wenn die Regierung nicht bald Maßnahmen ergreift, wäre sie es ja selbst, die zersetzenden Bestrebungen folgen würde"! Die Wut der durch die großkapitalistische EntWickelung in eine prekäre Lage gedrängten Handwerker gegen die Arbeiter ist ja sehr verständlich. Aber gefährlicher als die Bestrebungen der Arbeiter nach besseren Arbeitsbedingungen ist dem Handwerk der kapitalistische Fabrikbetrieb. Gegen diesen gefährlicheren Gegner wenden die biederen Handwerker aber nicht die Hälfte der Entrüstung auf. Vielmehr suchen sie durch eine schlaue Begriffsverschiebung zwischen Handwerk und Fabrik Großbetriebe den gesetzlichen Bestimmungen für das Handwerk zu uuterwerfen, um dadurch vor allem die hohen Beträge solcher Betriebe für ihre Berussvertrctungen(Innungen) zu gewinnen. Der Generalsekretär des KammertageS machte dazu die interessante Mitteilung, daß die Regierungen diesen Bestrebungen nachgegeben und den— widersinnigen— Begriff des„Großbetriebes im Hand- werk" anerkannt haben. Natürlich warb man auf der Tagung bei der in der Frage des Koalitiousrechtes so arg befehdeten Regierung um Berücksichtigung bei Lieferungsvergebungen usw. Am vernünf- tigsten von allen auf der Tagung der handwerkerlichen Reakttonäre war noch die Mahnung des bekannten Obermeisters Rahardt an die Regierung anläßlich des Krupp-Prozesses: „Aber die Vorgänge bei dem Krupp-Prozeß sind, wenn auch nicht durchgängig maßgebend, so doch ein typisches Beispiel und unsere ausschreibenden Behörden sollten im eigenen Interesse aus dem Krupp-Prozeß die Lehre ziehen, einmal nachzuprüfen, ob überall die Ausgaben der Leute, welche öffentliche Ar- Seiten zu vergeben haben, imEinklang stehen mit ihrem wirklichen Einkommen. Ich spreche das hier deshalb aus, weil ich es als bedauernswert betrachte, daß derartige Klagen immer durch den Mund sozialdemokratischer Abgeordneter zur Kenntnis der Behörden gelangen. Unsere Behörden sollten durch uns selbst und nicht von sozialdemokratischer Seite über Ucbel- stände aus unseren Reihen unterrichtet werden. Das ist ein Um- stand, der ernste Beachtung bei unseren maßgebenden Behörden finden sollte." Vielleicht findet die mit dem schnellen Ergebnis des Prozesses Tilian und Genossen zufriedene Regierung diese Stimme beachtens« wert genug, um eine gründliche Untersuchung und Reinigung vor- zunehmen. Vom Wahlkampf in Ragnit-Pillkallen. Im Reichstagswahlkreise Ragnit-Pillkallen, wo bereits am 23. August die Reichstagsersatzwahl stattfindet, ist der Wahlkampf aufs heftigste entbrannt. Die Nationalliberalen versuchen ihren Kandidaten, Kommerzienrat B e n tz k i- Graudenz, in die Stichwahl zu bringen. Sie sind mit einem großen Aufgebot von Agitatoren im Wahlkreise tätig, und auch die Fortschrittler haben ihnen HilfS- kräfte gestellt. Ihr Kandidat Ventzki ist als Scharfmacher und schroffer Arbeiterfeind bekannt. Hat er doch seinerzeit organisierte Arbeiter seines Betriebes auf die Straße gesetzt und ihnen das Koalitions- recht zu rauben versucht. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen in seinem Betriebe als schlechte bekannt. Er ist im Wahlkreise als unentwegter Schutzzölln er aufgetreten und hat erklärt, er würde den Bestrebungen in der nationalliberalen Partei, die Schutz- zölle herabzusetzen, ganz entschieden entgegentreten. Die Konservativen, die einen ihrer agrarischen Landtagsab- geordneten als Kandidaten aufgestellt haben, arbeiten auch mit einem Heer bezahlter Agitatoren. Sie treiben den Nationalliberalen und unserer Partei die Säle ab und versuchen, wie gewöhnlich, einen un- geheuren Druck auf die Wähler auszuüben. So wird der fortschritt- lichen„Harburgschen Zeitung" von einem Parteifreunde aus dem Wahlkreise geschrieben: »In Kraupischkcn haben die gut liberal gesinnten Kaufleute fast restlos den konservativen Wahl- aufruf unterzeichnet, um dem Boykott der Konservativen nach der voraussichtlichen Wahlniederlage zu entgehen. Alle nationalliberalen Vertrauensmänner erklären plötzlich, nicht mehr in der Lage zu sein, offen für den Liberalen einzutreten, wenn sie sich wirtschaftlich nicht vollständig ruinieren wollen. Einem Brückcnschrankenwärter, der in einer konser- vativen Versammlung aus seiner liberalen Gesinnung kein Hehl gemacht hatte, wurde vom konservativen Bezirksführer und Ver- iammlungsleitcr bedeutet, daß er binnen 14 Tagen nicht mehr im Amt sein werde. Einem Maler, der dasselbe Verbrechen begangen hatte, wurde gedroht, daß er keine königlichen und Schulbauten mehr bekommen solle. Die Konservativen haben in solchen Fällen ein Vertrauen zu den preußischen Behörden, wie die Franzosen 1870/71 zu ihren Mitraillcusen... Für unsere Partei kandidiert Landtagsabgeordneter Genosse H o f e r und der Wahlkreis wird intensiv bearbeitet. Es werden in Ortschaften Versammlungen abgehalten, in die wir bisher noch nicht gekommen sind. Die Nachfrage nach sozialdemokratischen Stimmzetteln und Flugblättern ist groß. Zahlreiche Wähler machen weite Wege, um die sozialdemokratischen Redner zu höre». Daß die Konser- vativen und Behörden uns große Schwierigkeiten machen, braucht nicht besonders betont zu werden. Dieser Tage wurde eine unserer£5yhlversammlmigen ungesetzlich aufgelöst. Die Ver- 'ammlungslokale werden systematisch abgetrieben, doch es ist der Partei möglich, diese Machenschaften zu durchkreuzen. Während wir an der politischen Haliung der Gegner, an ihrem Programm Kritik üben, zanken sich die Gegner, ob der nationalliberale Kandidat mehr Industrieller oder mehr Landwirt ist, ob er dem Hansabund an- gehört, ob von seinen Erfindungen er oder die Landwirte den größeren Nutzen haben, ob seine Maschinen oder andere den Vorzug verdienen, und ob sein Vater kleinerHandwerker oder Landwirt war. Diese Fragen sind besonders für die Kon- servativen überaus wichtige._ Reichstagsersatzwahl in Achern-Bühl. Die Ersatzwahl im achten badischen Landtagswahlkreise Achern. Bühl für den kürzlich verstorbenen Prälaten Dr. Lcnder ist, wie aus Karlsruhe gemeldet wird, auf Dienstag, den 7. Oktober d. I. fest- gesetzt worden. Sechs Wochen Mittelarrest für 422 Fälle vorschriftswidriger Behandlung. Mit den Worten„Gemeiner Verbrecher",»Zucht- Häusler",„dreckiges Schwein",„roter Hund" und noch anderen Namen aus dem militärischen Schimpfwörterlexikon, die wir nicht wiedergeben können, titulierte der Unter- osfizie: Luther vom 155. Infanterieregiment in Ost;-wo fortgesetzt die ihm unterstellten Soldaten. In einem Falle verübte sogar ein Soldat seiner Korporalschaft Selbst- m o r d. Ein direkter Zusammenhang des Selbstmorde» mit der Behandlung durch Luther konnte diesem aber nicht nachgewiesen werden, wohl aber wurden ihm nicht weniger als 422 Fälle vor- schriftswidriger Behandlung, darunter allein 300 im Dienst, nach- gewiesen. Trotzdem kam das Oberkriegsgericht Posen zu dem milden Urteil von sechs Wochen Mittelarrest. frankmdb. Neue Gärung unter den Winzer«. Paris, 14. August. Die Aufregung unter den Winzern des Aube-Departements, deren Weine nicht zur Fabrikation von Champagner zugelassen sind, ist wieder im Wachsen begriffen, weil das Parlament auseinandergegangen ist, ohne ihren Wünschen Rechnung zu tragen. In der Gemeinde Baroville nahmen die Winzer eine Tagesordnung an, in der sie erklären, daß sie sich als außerhalb der bürgerlichen und wirtschaftlichen Gesellschaft stehend und aller ihrer politischen Rechte beraubt betrachten und den Ge- meinderat zur Niederlegung seines Amtes sowie alle Gemeinden des Departements zur Nachahmung dieses Beispiels auffordern. Der Gcmeinderat von Baroville hat dieser Aufforderung entsprochen, Hmerika. Die Affäre Sulzer. Alban»(New Jork), 13. August. Der Gerichtshof, der die gegen den Gouverneur Sulzer erhobene Anklage unter-. suchen soll, ist für den 18. September einberufen worden. Vize- gouverneur Glynn hat erklärt, er werde sich in keinen physischen Kampf mit Sulzer einlassen, um ihn zu zwingen, das Kapitol zu räumen; auch werde er hierzu keine militärische Aktion unter- nehmen. Diese Erklärung erfolgte angesichts der Meldungen, Glynn werde Sulzer gegenüber Gewalt anwenden, und daß Sulzer die Staatsmiliz um Schutz angehen könnte. Sulzer ist entschlossen, die Versuche, ihn vom Amte zu suspendieren, zu bekämpfen, bis das Untersuchungsvcrfahren gegen ihn beendet ist. Er wird sich wahrscheinlich weigern, vor Gericht zu erscheinen, mit der Be- gründung, die Legislatur habe kein Recht gehabt, eine Anklage gegen ihn in außerordentlicher Session zu erheben. Alban»(New Jork), 14. August. Infolge der Weigerung des Gouverneurs Sulzer, sein Amt niederzulegen, herrscht in den staatlichen Departements der grüße Wirrwarr. Vizegouverneur Glynn hat die Funktionen des Gouverneur? in einem Zimmer des Kapitols übernommen, während sich Sulzer in seinem eigenen Wartezimmer eingeschlossen hat. Ein Teil der Leiter der staat» lichen Departements hält zu Sulzer, der andere zu Glynn. Das Staatssiegel befindet sich im Bureau des staatlichen Sekretärs Ray. Es wird gemeldet, Ray werde das Siegel Glynn ausliefern. DaS Siegel wird streng bewacht. letzte ffachricbten. Das Ende des Hamburger Werftarbeiterstreiks. Hamburg, 14. August.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) In drei überfüllten Versammlungen nahmen am Donnerstag nachmittag die Hamburger Werftarbeiter Stellung zu dem Beschlutz der Generalversammlung in Berlin. Die Leiter be- richteten über die Tagung und erklärten, daß den Werftarbeitern« so schwer es ihnen auch werden möge, nichts anderes übrig bliebe, als sich dem Beschluß dieser obersten Instanz zu fügen. Wenn daS nicht geschehe, so sei der Bestand der Organisation gefährdet Und die Werftarbeiter seien dann wehrlos dem Unternehmertum preis» gegeben. Die Geldmittel seien fast ganz erschöpft. Es habe sich leider jetzt nicht um einen Kampf gegen das Unternehmerkapital gehandelt, sondern die Arbeiter seien in einen schweren Konflikt mit ihrem eigenen Zentralvorstande geraten. Nicht richtig sei aber, wenn behauptet werde, daß die Beamten oder die Vorstände allein etwa die Schuld an dem Ausgange des Kampfes treffe, vielmehr haben sich die gesamten Mitglieder gegen die Werftarbeiter ge» wandt. Mit scharfen Worten polemisierten die Redner gegen die Art und Weise, wie Schlicke in Berlin die Werftarbeiter als Elite- truppe lächerlich gemacht habe. Die Werftarbeiter müssen beweisen, daß sie tatsächlich eine Elitetruppe seien, indem sie wieder an die Arbeit gehen. Werde nun die Einigkeit der Organisation erhalten, so kommt um so eher die Zeit, in der die Werftarbeiter einen neuen Kampf, diesmal mit Erfolg, wagen können. Maßregelungen sollten jedoch nicht stattfinden. Von der Hamburger Ortsleitung sprachen die beiden Bevollmächtigten K ä r i s und Koch. Sie schilderten kurz den Verlaus der Unterhandlungen und der Generalversamm- lung. Sie forderten ebenfalls mit dringenden Worten auf, ge�i schlössen wieder in die Betriebe hinein zu gehen. Die Debatte war sehr stürmisch, besonders wurde es bedauert, daß die Arbeiter jetzt durch den Arbeitsnachweis gehen müssen. Schließlich wurde in allen drei Versammlungen folgende Resolution angenommen: „Die heute am 14. August tagende Versammlung der streikenden Werftarbeiter bedauert eS, daß sie durch den Spruch der Generalversammlung gezwungen werden, die Arbeit be« dingungslos wieder aufzunehmen. Die Bersammeltyn weisen die gehässigen Angriffe des Kollegen Schlicke mit Entrüstung zurück und geloben, auch in Zukunft fttr die Organisation zu wirken, wie sie es bisher getan haben." Am Freitag wird die Arbeit wieder aufgenommen, � Die chinesischen Rebellen aus der Flucht. Hankau, 14. August.(W.T. B.) Wie aus Kiangst gemeldet wird, haben die Führer der Aufständischen sämtlich die Flucht er- griffen. Eine aus Nanchang abgesandte Deputation hat die Nord« truppen eingeladen, in Nanchang einzuziehen, um die Bevölkerung zu beruhigen. In einigen Kreisen glaubt man, daß dieö möglicher- weise eine List der Aufständischen ist, da ein Teil von ihnen noch dem Vorrücken der Regierungstruppen Widerstand leifwt. Die Revolution in Venezuela.__ Willemstadt(Guracao), 14. August.(W. T. B.) Berichten aus Maracaibo zufolge herrscht vollkommene Ruhe in Venezuela, die Verbindungen sind wiederhergestellt. General Toms Castro, einer der Führer der Aufständischen, ist mit einer Anzahl Anhänger als Kriegsgefangener in Porto Caballo eingetroffen, man vermutet, daß der frühere Präsident Castro sich an Bord eines Schiffes außer- halb Maracaibos befindet. Die verhafteten Seeleute in Bergen wieder freigelassen. Berge», 14. August.(W. T. B.) Nach einer Mitteilung vom deutschen Konsulat ist die gerichtliche Verfolgung gegen die sieben Deutschen eingestellt.� welche im Verdacht standen, durch Herab- wälzen von großen Steinen den Tod eine? jungen Mädchen? in Aurland-Sognefjord verursacht zu haben. Die Deutschen sind frei- gelassen worden. S) AAVerlheim(i M T a<* o Kf CA*««&in Bahnhof KJl Ä Ä__ XI—_ 1__ � J_______ �fv•** t\ flft Leipziger Sirasse König-Sir. aS.SL Roscnthalcr Strasse Oranien-Strasse Freitag und Sonnabend, soweit Vorhanden.* Artikel Werden nicht zugesandt, Wurstwaren "Fieiscli �FiscHe Zur Bowle. inkl. Flasche ■/, Fl. hei 10 Fl. Pfund 1.25 pid. 1*55 *Rotwurst... 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Kieler Flundern____ Pfand 40 pf. Ahlbecker Flundern Pfand 45 pl Aale Pfd. 1.00, 1.50, Bund 38 PL Lachsstör........ Pfand 65 pt Matjes-Hcringest.10, 15, 20 pl Sardellen..... Pfand 65, 85 pl Kochbutter....... Pfand 1.05 Tischbutter....... Pfand 1.12 Tafelbutter Pfd. 1.18, 60 pl Tafelschmalz...... Pfand 72 pl Marmelade leicht gefärbt pfd.33pt Brie-Käse........ prund 75 pl Echter Emmenthaier.ptd. 1.05 Bayerisch. Schweizerkäse. Pfd. 88 pt. Obermosclcr..... 65 pf 63 pl Wormcidinger... 73 pl 73 pl 1 91 1 Wellensteiner 85 pl 83 pl 1 91 1 Obcrbiliiger 95 pl 92 pl 1 909 Eitelsbacher 1.10 1.05 1 91 2 Edenkobencr 70 pl 65 pt. 1912 Dürkheimer 75 pf.70 pt 1 91 1 Wcinheimer 85 pl 82 pl Apfelwein inkl. Flasche PI. bei 10 Fl. Borsdorf. Apfelwein 30 PL 29 PL Feia.Borsdorf.Apfeiwein 36 pr.35 pl Roter Tischwein Natarwein inkl. Flasche Fl, hei 10 Fl. 1 909 Saint Mathieu 65 pl 63 pl 1909SainteBarbcra75 pl 73 pl 1 909 Almando... 80 pl 78 pl Bordeaux-Wein inkl. Flasche'/, Fl. hei 10 Fl. 1909l.es Bcssanncs90pL 88 pl 1 909 Crfi du Marin 1.05 1.02 1905DignacLandureaul.l5 1.10 1907 Parempuyre 1.35 1.30 Südwein inkl. Flasche hei 10 Fl. Tarragona____ 82 pl 80 pl Fein. alt. Tarragona 1.00 97 pl Douro- Portwein...1.20 1.15 Alt. Douro Portwein 1.85 1.80 Fruchtsäfte inu. ruKh« garant. rein, mit Raffinade eingekocht Himbeersaft v.F! 85 pl, eit™ 1.10 Kirsch- u. Johannisbeersafl y, fl 85 pl Kirschsaft extra. Anaoassaft v.fl 1.20 Zitronensaft.Fi. 85 pl.«itra 1�0 Hbcater. Freitag. 15. August 1913. Aniang VI, Uhr. Prater. Das Bummelmädchen. Anfang lll, Uhr. Neues Opern(Kroll). Die Meister» singer von Nürnberg. Anfang 8 Uhr. Urania. Von der Zugspitze zum Watzmann. Schiller O. Die Hugenotten. Charlotteuburg. Der Leihgardist. Westen. Silvester Schäffer. Das starke Stück. Ein angebrochener Abend. Berliner. Filmzauber. Thalia. Pupvchen. Metropol» Die Kino-Königw. Herrnfeld. Endlich allein. Die Schonzeit-Jäger. Wintergarten. Spezialitäten. Neichöh allen. Stettiner Sänger. Anfang 8';4 Uhr. Komödieuhaus. Hochherrschaftliche Wohnungen. Deutsches TchausPielhanS. Das Farmermädchen. Lustspielhaus. Soht Windhund. tlioie. Vampyre der Großstadt. Luiien. Geächtet. Folies Capriee. Die keusche Toinette. Schlafe patent. Kasino. Der Aftientenor. Anfang 8'/, Uhr. Deutsches. Die Schissbrüchigen. Ansang 9 Ilhr. Admiralspalast. Eisballet!: Flirt w St. Moritz. '.' Sternwarte, Jnvalidenstr. S7—C2. Sachse-Oper SeUller-TheaterO.XT« 8 Uhr: Die Hugenotten. Sehiller-Thealer ChaCen Der Leibgardist. Komödie in 3 Ausz. v. Franz Molnär. Ansang S Uhr. Ende 10 Uhr. Morgen und folgende Tage: _ Per lielbgartUst._ s Residenz-Theater»; WledcrcröfTnangi Sonnabend, d. 16. Anfenst Bie Frau Präsidentin. (Madame la Presidente.) Schwank in 3 Akt. v. M. Hennequin und P. Veber. BerlinerThealer. s uhr: Filmzauber. Kr�ll-Opei* Heute: Schluß der Saison. ?'/- Uhr: Die MeistersiBjcr m NUralieri. Theater des Westens. 8 Uhr. Vorletzte Woche l Sylvester SchUfter. Vorher: Das starke Stück. Gin angebrochener Abend. OSE=THEATE 1 (BroBt Ftanffurtci Str. 132. Äampnre der Groststadt. iBiederlente.) Linsang S'j, Uhr. Auf der Gnrtenbübne: Ilehern großen Teich. Lebensbild in 4 Akt. Anfang t1/, Uhr. Vorher Konzert. Einakter. B mit Teil. Iffietropol-Theater. Abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. Okonkowski. Musik von denn Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. V«iKt- THSiUer Badftratze 38. Tlißlich:-730 Der Versehwender. Zauberposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Raimund. Gänzlich neue Spezialitäten. Kassenöfsn. 10 Uhr. Ansang 4'/, Uhr. Voranzeige! Dienstag, d. 19. August: Benefiz für den Ballettmeister Taglionl. Pa88age-?aiiofltiitum Die Offenbarungen der Traummalerin Frau Assmann, d. Aufseh. d. wissensch. Kreise. AGA die schwebende Jungfrau. Buddha die geheimnisvolle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! LOGISCHER CARTEN Täglich: Großes Militär- HI Doppel-Konzert. Eintritt 1 Jlark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte Casino£ Theater Wiedereröffnung: Zonnabend, den 16. Angust. „Der Aktien-Tenor oder Caruso aut Teilung". Borvcrk. tägl. 11— 2 an d. Theaterkasse. Admiralspalast Einz. Eispalast der W elt mit prunkvollen Eisfaalletten. Angenehm klihler Aufenthalt. Allabendiich Flirt in St. Moritz. Wiederauftr. der kleinen Charlotte. Beginn d. Vorstellung'Iß Uhr. Bis 6 Uhr und von 10'/. Uhr halbe Kassenpreise. i Neue Welt t 'A.Scholz. Kasenhelde 108-114' TäsjUch: Gr. Konzert n. Vorst. (vollständig neues Programm) Auf. 5 Uhr. Entree 25 Pf. Jed. Dienst, Mittw., Donnerst. u. Sonntag: GroBer Kall. VolksgaHen- Theater. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/25. Freitag, den 15. August 1913: „Ihre Familie" oder„Zwei I.Ballett" Volks stück in 3 Akten. Heute: Letztes Austreten der beliebten Balletlmcisteriii Frl. Frida Lederer. Mittwoch, den 20. August: Bcnefizvorst. f. L. Gebhardt-Hoffmann. Anfang 4 Uhr. Reicbsballen-Tliealer er Sänger (Meysol, Britton, Schräder etc.) Neu engagiert; Komiker Rnselll. Anfang 8 Ehr. DentschesSchaasplelhans S1/. Uhr; DaS Farmermädchen. Wer hat meine Nummer? Wettsuchen 3 Preise 3 Riesen- Brillant- nnd Front- Feuerwerk im UNA ARK Berliner Prater-Thealer 7—9 Kastanien-Allee 7—9. Heute: Benefiz-Vorstellung. In Leid und Freud. Posse mit Gesang und Tanz in 3 Alten von Hugo Schulz. Musik v.«. Kersten. Erstklafi. Spezialitäten, Konzert. Anfang VI, Uhr. Eintritt 30 Ps. Alhambra Wallncr-Dheater-Strafie 15. Großer Ball. Grotzes Orchester. Anfang Sonntags 5 Uhr. A. Zamcitat. Jeden Sonntag: Im Brauerei Friedrichshain_ Am Königstor. Oek.: Ernst liiebing.■ Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag;-MG Kaffee-frei-Vorstellung der Norddeutschen und Apollo- Sänger hei freiem Entrce._ Freitags: Frei-Konzert.[ uiiu jt. v euer._______________ ii� teerento. lstedalt.; Alfreh Wielepp, Neuköllil, Lnftrajentetl verantw.: Ud. Glocke, Bertiu. Druck«.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. öerlagsanjtaU Maul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu. 3 Beilagen«.RiUetj/altuna*!» »m so»»» l. StilMt kö„iloriiiiirts" Sttlintt Jliilblilfitt.>->»»»�»» Die Gegner über IKebel. Kreuz-Zeitung. Seine politische Arbeit für die Sozialdemokratie ivar ihm eben eine Herzenssache, von der er nicht vorzeitig lassen mochte. Darin bekundet sich seine Wesensart: Er war ein ehrlicher Schwär- m e r. Wenn den Politiker vor allem der nüchterne Blick aus- zeichnet, so war Bebel nichts weniger als ein Politiker. Grotz war er als Agitator, als Redner. In ihm war ein starkes Tem- perament lebendig und dieses verlieh ihm in Verbindung mit einer lebhaften Einbildungskraft eine Bercdtsamkeit, die die Massen fortriß. Tarauf und auf den Umstand, daß er mit der sozialdemokratischen Bewegung groß geworden war, beruhte seine Stellung als Parteiführer. Sein weiter politischer � Blick, seine überlegene Intelligenz, hätten sie ihm nicht verschafft. Er war durchaus Stimmungsmensch, ein Sanguiniker, durch und durch subjektiv.... Sein Mangel an realem politischem Sinn trat am schärfsten in seinem Glauben an den sozialdemokratischen Zukunftsstaat zu-" tage. Das Bild, das er von ihm in seinem Buch„Die Frau" entwirft, steht an Phantasterei den sozialistischen Staatsromanen früherer Zeiten in nichts nach. Bekannt ist ja auch, wie er den Eintritt des„Kladderadatsches" immer wieder für eine nahe Zu- kunft verkündete, ohne sich im geringsten dadurch beirren zu lassen, daß die Lebenskraft der bürgerlichen Gesellschaft sich jedesmal stärker erwies, als ihr ausgesprochener„Todfeind" angenommen hatte. Dieser Mangel an Urteilsfähigkeit spielte auch dem Par- lamentarier Bebel manchen Streich... In der Partei galt er als der Führer der radikalen Richtung, wenngleich auch er z. B. anfangs der neunziger Jahre nach links hatte kämpfen müssen und in letzter Zeit Heißsporne vom Schlage Zubeils ihn noch schärfer und radikaler wünschten. Gegen seine Gegner kannte er keine Schonung, und nicht zuletzt sein Tem- perament war es, das den Verlauf des Dresdener Parteitages, des„Jungbrunnens" der Partei, veranlaßte. Dennoch war er das unumstrittene Haupt der Partei, und es gab Zeiten, in denen man mit einem Zerfall derselben nach seinem Tode rechnete. Tie letzten Jahre seiner geringeren oder größeren Jnaktivität haben bereits gezeigt, daß er, wie das seinem ganzen Wesen nach erklärlich ist, eine so hohe Bedeutung für die Partei nicht besitzt. Zudem wüßte man heute ja auch nicht, wo denn eigentlich eine Spaltung ein- treten sollte, da sich doch Revisionisten für den politischen Massen- streik ins Zeug legen und Radikale die Steuerbewilligung für die Wehrvorlage verteidigen. So dürfte der Tod Bebels politisch be- langlos bleiben. Deutsche Tageszeitung. Man mag Bebel beurteilen, wie man will, die Anerkennung wird man ihm nicht versagen können, daß er unermüdlich ge- arbeitet hat, an sich, für die Seinen und für seine Partei. Was er gelernt hat, das hat er sich fast ausschließlich durch eigene Kraft angeeignet. Darin lag eine gewisse Stärke, aber auch eine Schwäche. Nicht alles, was er sich geistig aneignete, vermochte er auch zu verdauen. Das beweist am besten sein Buch über die Frau, das mehr als fünfzig Auflagen erlebt hat. Das Werk bekundet gewaltige Arbeit; es ist aber wissenschaftlich wertlos, ganz abgesehen von dem Fanatismus, mit dem es geschrieben ist, weil Bebel nicht fähig war, das Material zu durchdringen und durch- zuarbeiten. Seine eigentliche Bedeutung liegt nicht auf dem Gebiete der Wissenschaft und des Schrifttums, sondern auf dem der Politik. Auch hier hat er sich fast alles selbst erarbeitet. Auch hier ist er als Drechslergesellc, dann als Handwerksmann, schließlich als an- erkannter Parteiführer immer seine eigenen Wege gegangen. Sein Wesen trug das Gepräge der Ei�enpersönlichkeit; er ließ sich nicht leicht und nicht auf die Dauer ins Schlepptau nehmen. Obwohl er bis zu einem gewissen Grade dem radikalen Flügel seiner Par- tei angehörte, hat er sich doch immer bemüht, über den Gegensätzen zu bleiben. Seiner Persönlichkeit, seiner Vergangenheit ist es zu danken, daß die Partei bisher einig geblieben und nach mensch- licher Voraussicht auch vorläufig einig bleiben wird. Eine liebens- würdige Persönlichkeit war er nicht; er konnte gegen seine besten Freunde scharf und bissig werden. Das hat mancher empfunden. Andererseits war er jeder Schmeichelei, jeder Persönlichkeitsver- götterung abhold. Es ist bekannt, daß er Versuche, sich anzu- schmeicheln, oft mit hahnebüchener Grobheit zurückwies. Bebel war der geborene Volksredner. Er beherrschte die Sprache und die Gedanken, wenn diese auch manchmal im Feuer der fanatischen Leidenschaft mit ihm durchgingen. Sein Tempe- rament riß ihn noch im Greisenalter oft fort, bisweilen zu Ent- gleisungen, die nicht unbedenklich für ihn waren. Als Redner kommt ihm aber keiner seiner noch lebenden Parteigenossen gleich oder auch nur nahe. Was uns, die wir immer die schärfsten und unerbittlichsten Gegner Bebels waren, mit dem Menschen versöhnte, war neben der subjektiven Ehrlichkeit seines Wesens sein Familien- sinn. Der Verfasser des Buches über die Frau, das fast in jeder Zeile die Emanzipation des Weibes predigt, führte ein inniges, deutsches Familienleben. Den Tod seiner Frau und manches Leid, das über seine einzige Tochter hereinbrach, hat der alte Kämpfer nicht überwinden können. Wenn er auf diese Dinge zu sprechen kam, da lag fast weiche Wehmut über seinem Wesen. i�n seinem letzten, vom„Vorwärts" veröffentlichten Briefe findet stch der bezeichnende Satz:„Wie gut ist's, daß ich die Meinen bei mir habe." Solche rein menschlichen Züge wirken immer der- söhnend, besonders am Sterbebette. Es mag wohl manchem scheinen, als hätten wir den revo- lutionären Vorkämpfer und Führer etwas idealisiert. Das ist nicht der Fall. Bebels Politik werden wir bekämpfen mit der denkbar größten Schärfe und Entschiedenheit. Was aber an dem nun entschlafenen Gegner anzuerkennen war, das glauben wir nicht verschweigen zu sollen. Berliner Neueste Nachrichten. Zu Bebels unermüdlicher Arbeitskraft gesellte sich ein glühendes Temperament, das er sich bis ins hohe Alter hinein bewahrte und das nur durch die zunehmende Kränklichkeit all- mählich zurückgedrängt wurde. Und dieses Temperament war das Bestimmende in seinem Wesen. Andere überragten ihn weit an Bildung und Kenntnissen, keiner an wildem Fanatis- m u s. Denn ein Fanatiker war er bis zu seinem Tode. Blitz- artig tauchte in seinen Reden ab und an ein Gedanke, ein Aus- spruch auf, der darauf hinzudeuten schien, daß auch auf ihn die Gewalt des neuen deutschen Staatsgedankens nicht ohne Einfluß geblieben sei. Aber nur auf Sekunden. Er hatte nicht gelernt, nach rechts oder links zu sehen, starren Sinnes, erfüllt von der einen, alles beherrschenden Idee von der sieghaften Wacht des klassenkämpferischen, staatsumstürzenden Proletariats, schritt er seinen Weg und war so in dieser Zeit, wo unserem politischen Leben die Kompromißnaturen ihren Stempel aufdrücken, eine wirkliche Persönlichkeit. Auch eine sympathische? Wir müssen die Frage der- n e i n e n. Er war uns mehr als der politische Gegner, er war uns der Mann, der mit unversöhnlichem Haß den Gedanken des preußisch-deutschen Nationalstaates bekämpfte, der maßlos schmähte, was unsere Großväter heißen Herzens in ihrer Jugend ersehnt und unsere Väter auf blutigen Schlachtfeldern ehrenvoll errungen hatten. Ein Feind alles dessen, was wahrhaft deutsch war. Unsere Achtung werden wir ihm nicht versagen. Denn das schied ihn von vielen, vielen anderen, die mit ihm an der Spitze der proletarischen Bewegung standen: Ihm war der Sozialismus kein Geschäft, kein Tummelplatz ehrgeizigen Strebertums, sondern ein Idol, dem er mit glühendem Fanatis- mus, aus innerster Ueberzeugung heraus zustrebte. Wahllos griff er die Waffen auf, die sich ihm im Kampfe darboten, er wog und prüfte niemals, das innerlich lohende Temperament ging mit ihm durch, und die Ehre des Gegners galt ihm nichts, wenn er dem verhaßten Feind Wunden schlagen konnte. Der Politiker Bebel darf bei uns auf keine Sympathien rechnen, der M e n s ch Bebel blieb rein. Er ging durch den jahrzehntelangen erbitterten Kampf mit reiner Weste, er hielt seine Finger sauber vom Schmutze, den andere nicht immer zu meiden wußten, und keine politische Gegnerschaft darf so blind sein, daß sie ihm an der Bahre diese Achtung verweigerte. Post. August Bebel war ein seil inade man, der es verstanden hat, trotz unzureichender Schulbildung sich mit der gesamten Bildung seiner Zeit bekannt und vertraut zu machen. In dem Bewußt- sein: Wissen ist Macht! hat der Feldwebelssohn und spätere Drechslergeselle mit eiserner Willenskraft sich alles angeeignet, was zu einem Parteiführer unserer Zeit notwendig stst. Wir stellen ihn in dieser Beziehung auch weit über die leeren Phrasendrescher, aus Kenen mindestens zu 90 Proz. die Fraktion der III besteht, deren ganze Fähigkeit darauf hinausläuft, Behauptungen, Ansichten und Schlagworte, die andere aufgebracht haben, wiederzukäuen, denen es aber entweder an Verstand oder an Arbeitskraft fehlt, sich mit den tiefsten Problemen des Sozialismus gründlich bekannt zu machen und auseinanderzusetzen. August Bebels volkswirtschaftliche und politische Kenntnisse liegen tiefer, und er war wohl imstande, es in dieser Beziehung mit den meisteen bürgerlichen Reichstagsabge- ordneten aufzunehmen. Zustatten kam ihm hierbei sein praktischer Blick für manches Faule und Unhaltbare in den bestehenden Ber- Hältnissen. Leider wandte er diesen praktischen Sinn nicht an, um die Theorien der Sozialdemokratie nachzuprüfen, sonst würde er wohl zu ganz anderen Ergebnissen gekommen sein. Wir geben auch gerne zu, daß er mit einer Leidenschaftlichkeit für das von ihm als richtig Erkannte eingetreten ist, die Achtung erheischt, daß er als Redner und Organisator Außerordentliches ge- leistet und in seinen besten Jahren sein eigenes Wohl seiner Sache geopfert hat. Auch als Redner war er nicht unwirksam. Jedych ist in dieser Beziehung außerordentlich übertrieben worden. Seine Reden wirkten nicht durch tiefes Wissen und geistvolle Wendungen, durch schöne Wortbildungen oder glänzenden Vortrag, sie wirkten nur durch die Leidenschaftlichkeit, mit der sie vorgebracht wurden, durch den Zorn, die Wut, den Haß, der ans ihnen sprach und der in seinen jüngeren Jahren wohl echt gewesen sein mag. Dagegen war er nicht in der Lage, mit einem Eugen Richter oder Fürsten Bülow sich zu messen. Als Entwickler der sozialdemokratischen Lehre, als DenkerundFor scher hat Bebel nur höchst Mittelmäßiges geleistet. Man muß anerkennen, daß die Halbgötter, die jetzt gierig den erledigten Thron umlauern, ihn in der Beziehung oft geschlagen haben. Was er veröffentlicht hat, waren entweder Hetz- schriften, denen aber auch das hinreißende Pathos durchaus abging, oder Erläuterungen der sozialdemokratischen Lehre so dilettantischer Art, daß sie sich kaum einige Zeit auf dem literarischen Markt be- haupten konnten. Was diesem deutschen Parteiführer aber für immer das Brandmal eines Schädigers seines Vaterlandes aufdrücken wird, das ist der Umstand, daß er seine verhältnismäßig hohen Gaben, seine bedeutende Willens- und Arbeitskraft nur dazu benutzt hat, sein eigenes Volk und Vaterland anzugreifen, zu ver- spotten, zu verlästern und zu beleidigen. Germania. Vielfach wird mit Recht darauf hingewiesen, daß eS Bebel als Autodidakten an jener geistigen Durchbildung fehlte, ohne die nie- wand eine führende Rolle im gesamten politischen Leben ausfüllen kann. Bebel wollte aber nicht nur Führer der Arbeitermassen sein. Das war er aber in erster Linie, weshalb er gerade von der Masse der sozialdemokratischen Arbeiter— denen nach sozialdemokratischen Grundsätzen ein Personenkultus in Verbindung mit der Unter- würfigkeit gegenüber einer Autorität verboten sein sollte— fast als ein Abgott verehrt wurde. Bebel wollte auch in der Politik eine große Rolle spielen, zumal in der auswärtigen Politik, wie seine Etatsreden zeigten. Aber dazu reichten seine Fähigkeiten nicht aus. Für die Schwäche seiner politischen Voraussicht zeugt schon die ver- unglückte Prophezeiung von dem„großen Kladderadatsch" mit dem darauf folgenden„Zukunftsstaat", den er für das Ende des 19. Jahrhunderts— etwa um das Jahr 1898— mit Bestimmtheit angekündigt hatte. Die Blamage, die er sich dadurch zugezogen hat, konnte sein Ansehen bei seinen sozialdemokratischen Anhängern freilich nicht erschüttern. Auch seine Wandlungen in grundsätz- lichen und taktischen Parteifragen nicht. Wir haben gestern bereits auf die Widersprüche hingewiesen, die sich in dem p o l i- t i s ch d n Leben Bebels zahlreich vorfinden, und auch in seiner religiösen Stellung. So hat er vor etwa 20 Jahren in einer Zuschrift an den Leipziger Generalanzeiger mit warmer Dankbar- keit von der freundlichen Aufnahme und der weitgehenden Duldsam- keit erzählt, die er, der Protestant, auf der Wanderschaft in süd- deutschen katholischen Gesellenvereinen gefunden habe. Er hat diese dankbare Gesinnung unseres Wissens nie verleugnet, aber sich durch dieselbe auch nicht abhalten lassen, das Christentum, auf dessen Boden und aus dessen Geist diese Vereine erwuchsen, in oer un- würdigsten Weise zu verlästern. Und als radikaler S o z i ad- demokrat hat er Wandlungen durchgemacht, die ihn schließ- lich als R e v i s i o n i st e n erscheinen ließen. Tägliche Rundschau. Ein großes Tagewerk, dessen Runen in die Tafeln der Geschichte eingezeichnet sind, ist abgeschlossen. Der„Todfeind der bürger- lichen Gesellschaft", als den Bebel sich selbst gern bezeichnete, ist dahingegangen, nachdem er im Laufe eines mühereichen, eifervollen, von einem Gedanken geleiteten Lobens eine Millionenpartei auf die Beine gestellt und sich selbst zu ihrem unbestrittenen Herrscher gemacht hatte. Im Vorworte seiner Lebenserinnerungen meint Bebel, er sei durch die Gunst der Verhältnisse in eine einflußreiche Stellung gelangt. Das mag bis hu einem, gewissen Grade richtig sein, und sicher hat Bebel, der in seiner Jugend sein Ideal in zwölf- jähriger Militärzeit mit Zivildienstversorgung sah, sich meist mehr von den Verhältnissen und den genial erspürten Volksströmungen treiben lassen, als daß er sich vermaß, sie zu lenken oder ihnen die Bahnen zu einem weitgeschauten Ziele vorzuzeichnen; aber er hat an dieses Ziel geglaubt und sich ihm geopfert. Und in diesem Glauben, in dieser restlosen Hingabe an eine Sache lag die Stärke seiner Persönlichkeit und das Geheimnis seines Erfolges. Die Arbeitermassen trauten ihm, der immer mehr Soldat als Führer war und der auch in seinen Fehlern ein Stück ihrer Wesensart ver- körperte. So herrschsüchtig er für seine Partei war, persönliche Streberei lag ihm ferne. Er wirkte als echtes deutsches Volkskind für die Sache, um der Sache willen und verzehrte sich im Dienste dieser Sache. Das muß auch der Gegner anerkennen, der in Bebels Lebenswerk eine ungeheure Verwüstung des deutschen Volkslebens sieht und in ihm selbst einen der verhängnisvollsten Feinde, die nicht nur der bürgerlichen Gesellschaft, sondern dem Deutschen Reiche er- standen. August Bebel war ein reich begabter Mann, aber nicht eigentlich ein führender Kopf mit neuen schaffenden Ideen; er wirkte durchweg mit Gedanken aus zivcitcr Hand, und selbst in seiner Parteiführung war er meist von anderen abhängig. Er wurde an politischem Blick von Vollmar, an taktischem Geschick von Auer weit übertrofsen; aber er verstand sich auf die Massen, als deren Glied er sich stets fühlte, und er war ein glänzender, schlagfertiger Rodner, der in seinen besten Zeiten auch seine Gegner zu fesseln wußte. Man braucht nicht an den Tod Bebels allzuweitgehende Hoffnungen auf einen Verfall der sozialdemokratischen Partei zu knüpfen und wird doch mit Sicherheit sagen können, daß die Krisis innerhalb der sozial- demokratischen Partei sich außerordentlich verschärft hat und daß die Führerkämpfe noch lebhaftere Formen annehmen werden als bisher. Der Ehrgeiz der vielen Geschäftspolitiker, die heute in der Sozial- demokratie das Feld beherrschen, wird sich regen, und die unglaublich dürftigen Herren Nurgenossen, von denen zum Entsetzen der Jntelli- gcnz in der Partei die letzten Wahlen eine große Anzahl in den Reichstag geschwemmt haben, werden nicht wissen, wem sie künftig Order parieren sollen. Der Tod Bebels setzt, wenn auch nicht in den nächsten Wochen, so doch in absehbarer Zeit die Einheit und Ge- schlossenheit der sozialdemokratischen Partei auf die vielleicht ge- fährlichste Probe, die sie bisher zu bestehen hatte— ein Zeichen für die Bedeutung des Mannes, der heute gestorben. Kölnische Zeitung: Im Schatten des Kölner Domes, in einer der Kasematten der Festung Deutz, ist als Sohn eines preußischen Unteroffiziers am 22. Februar des Jahres 1840 der Mann geboren, der zum ver- götterten Liebling seiner Partei werden sollte. Er durfte sich an märchenhaften Partcierfolgen berauschen, und er mutzte erleben, daß wachsende äußere Größe einer Partei nicht immer zum Segen ausschlägt. Zum Volkstribun, der die Einbildungskraft der Massen entflammte und den zögernden Willen zur Tat spornte, stempelte ihn ebenso die Leidenschaftlichkeit seines Temperaments wie die zähe Zwcrggeduld, die sich mit allen Schwierigkeiten ab- fand. Wenn man in früheren Zeiten dem Redner Bebel lauschte, so bewunderte man zunächst die Nervenkraft und Leistungsfähigkeit, mit der er Stunde um Stunde sprach, ohne an Kraft und Modu- lation der Stimme zu verlieren... Und dann prasselte es nieder wie Ungewitter auf das verkommene Bürgertum und auf die Heeresleitung, die in Soldatenmißhandlungen schwelge. Wer kaltes Blut bewahrte, der konnte, wenn der Sturm vorübergerauscht war, leicht den Eindruck einer tiefen UnWahrhaftigkeit und Unehr- lichkeit mit nach Hause nehmen. Was auch die grüne Praxis des Lebens sagten mochle, Bebel blieb dabei, das Bürgertum, das doch tatsächlich durch Unternehmungsgeist und technische Intelligenz die Lebensbedingungen aller Klassen gehoben hat, bestehe aus Tage- dicben, Schlemmern, Spielern und Heuchlern, die Arbeiterschaft dagegen wandle auf der reinen und kühlen Höhe einer schaffens- freudigen und bedürfnislosen Philosophie... Diese Methode, alle tatsächlichen Verhältnisse in ein Streckbett zu stecken und darin bis zur Unkenntlichkeit zu verändern, gehört zur Charakteristik Bebels als Politiker; aber mit diesen Mitteln allein wäre Bebel nie der Partci-Herrgott geworden, der er bis zu seinem Tode ge- Wesen ist, hätte er nicht immer und immer wieder die Massen so in Fesseln geschlagen, in jede gewollte Begeisterung getrieben, wie es ihm stets gelang. Eine subjektive Ehrlichkeit war es, eine Ehrlichkeit freilich, die heute vergessen hat, worauf sie gestern ge- schworen hatte, war es, die dem Redner die Leiter zu jedem Erfolge ansetzte. Das Volk empfand, da sprach einer von ihnen, da gab jemand in beredten Worten Ausdruck, was sie im geheimen auch dachten; nur ging dieser Sprecher mit einer unerhörten Kühnheit für sie ins Zeug, wollte für sie Erfolge erringen, an die sie kaum zu glauben wagten, sagte ihren politischen Gegnern Wahrheiten, die man zwar nicht auf ihre Berechtigung prüfen konnte, die dem Volke aber doch eingingen wie Honig... Hamburger Korrespondent:- Bebel ist eine sehr starke Persönlichkeit gewesen. Ohne be- deutende Schulbildung genossen zu haben, besaß er schon in ver- hältnismäßig jungen Jahren einen erstaunlichen Ueberblick über die politischen Erscheinungen seiner Zeit und die Erkenntnis, daß die Verbreitung der Volksbildung der Demokratisierung der Massen vorangehen müsse. Nie ermüdende Arbeitskrast ließ den Leipziger Drechslermeister von der Mitte der 60er Jahre an in Wort und Schrift umfassende Agitation betreiben. Ihn genial zu nennen wäre kaum richtig. Lassalle hat viel Heller gestrahlt als Bebel. Aber er war nur ein Meteor. Bebels Licht war nicht so glänzend, aber es hat der Sozialdemokratie durch reichlich vier Jahrzehnte gleichmäßig und hell geleuchtet. Eiserne Willenskraft hatte ihm allmählich die geistige Herrschaft über den großen Bereich ökono- Mischer Fragen verschafft. Auch von ihm gilt, daß Einseitigkeit zur Größe vcrhilst. Bebels Tod bedeutet für die Sozialdemokratie einen schweren Verlust. Wir denken dabei weniger an die Bedeutung, die er bis zuletzt als letzte Instanz der streitenden Richtungen hatte, obgleich das auf den Parteitagen mehr als einmal zur Beseitigung ernster Gefahren in Betracht kam. Die Größe des Verlustes liegt in dem historischen Nimbus, der ihn von Jahr zu Jahr wachsend umgeben hat. Seine Anhänger haben ihm immer die vielen politischen Fehler, zu denen ihn das Hinstarren auf das Endziel verführte, sie haben ihm auch die maßlosen Extravaganzen vom Dresdener Parteitag vergeben. Die Träger des Revisionismus mögen aufatmen, da der Hüter der starren Dogmen ins Grab sinkt; sie werden aber den Verlust des Oberhauptes nicht minder herb empfinden als die Unentwegten, die an Bebel ihren Rückhalt fanden, wenn die Evo- lutionisten über die Revolutionisten zu siegen drohten. Dieser Kampf wird jetzt einen Augenblick stille stehen. An Bebels Grab wird sich alles, was Sozialdemokrat heißt, zusammenfinden und in tiefer Ergriffenheit dem schon bei Lebzeiten Vergötterten zum letzten Male huldigen. Frankfurter Zeitung: Der kleine Unteroffizierssohn, der nie eine hohe Schule besucht hat und dessen Autodidaktentum auch in späteren Jahren noch in mancherlei Kleinigkeiten zum Vorschein kam, stieg als der Führer dieser Partei nach und nach zu europäischer Berühmtheit empor, und seine Tätigkeit hinterläßt in der Parteientwickelung des neuen Reiches tiefe Spuren. Es ist von eigenartigem Interesse, den Ur- fachen und Bedingungen dieses außerordentlichen Aufstiegs nach- zugehen. Auf die Grenzen seiner Begabung ist oft hingewiesen worden. Bebel war gewiß als Denker kein selbständiger und bedeutender Kopf; in Fragen der Theorie war er der willige und unkritische Schüler seiner großen Meister und außerdem ihr weithin wirken- der Popularisator; sein Feld war die politische Praxis. Auch für sie verfügte er nicht über die geistige Ueberlegenheit und Freiheit, die den Politiker ersten Ranges ausmacht; er war nur Partei- mann, und innrhalb der Partei fehlte es ihm nicht selten an Weitblick und Voraussicht. Und doch ist dieser Mann, den man oft einen schlechten Politiker nennen mutzte, ein großer Partei- führer gewesen. Er war ein gewaltiger Aufrütteler der Massen, der in die träge Bewegungslosigkeit des früheren deutschen Prolc- tariats so viel Erregung hineingetragen hat wie keiner sonst, der in Millionen deutscher Arbesterseelen die scheinbare Identität dessen, was sie dumpf erstredtett, und dessen, was sein Marxismus iStrett brachte, zur leuchtenden Gewißheit werden ließ, der ihrer Ver- zweiflung Mut einflößte und ihrer Sehnsucht ein tröstliches Zu- kunftsland ausmalte. Wenn Bebels prachtvoll klingende Stimme durch einen Saal ging, dann lauschten alle mit gespannten Mienen und standen unter der Suggestion dieses mächtigen Temperaments, dem nie der Atem ausging. Seine Beredtsamkeit war oft eintönig; es fehlte ihr an der Würze eines witzigen oder humorvollen Esprits, jn der sein feierliches Pathos zwischen den Höhepunkten der Rede Erholung gefunden hätte; aber in all dieser stimmungsmäßigen Monotonie war sein Wort bei nicht blasierten Hörern doch fast nie langweilig: er hielt die Genossen in feinem Bann bis zur letzten Silbe. Es war die immer spürbare Wärme eines starken Empsin- dcns, die sich auf alle Hörer übertrug und die es in der Wirkung vollkommen nebensächlich machte, daß seiner Rede die künstlerische Form und wohl auch die tiefe Lebensauffassung mangelte. Hier sprach ein mitreißender Agitator, ein Demagoge vielleicht, aber wenn er demagogisch wurde, so stand doch auch die Demagogie dieses Mannes im Dienste eines großen sachlichen und idealistischen Zieles. Freisinnige Zeitung: Der Verstorbene war ein Mann von hervorragenden Geistes- gaben, und ein zwar fanatischer, aber durchaus von der Wahr- heit seiner Ideen überzeugter Charakter. Sein ganzes unge- heures Wissen hat er sich durch S e lb st st u d i u m angeeignet. Unter anderem beherrschte er auch vollkommen die französische Sprache, deren Erlernung er sich während einer längeren Ge- fängnishaft angelegen sein ließ. Bebel war Mitglied des Vor- standes der sozialdemokratischen Partei. Er war jahrelang der anerkannte Führer, der stets bei großen Aktionen im Reichstage das Wort nahm, insbesondere bei der ersten Lesung des Etats, wo er vom sozialdemokratischen Standpunkt aus die gesammte innere und äußere Politik einer längeren Betrachtung zu unterziehen pflegte. Bei seiner glänzenden Rednergabe hörte man ihm gern zu, wenn man auch seine Ansichten nicht billigte. Abg. Bebel war in der Partei der Vertreter des starren Radikalismus. Er hat sich selbst einmal als einen Tod- feind der bürgerlichen Gesellschaft bezeichnet und tvollte nichts von Kompromissen mit der Bourgeoisie wissen. Nicht Evolution, sondern Revolution war seine Losung. Als die Revisionisten nach und nach in der Partei aufkamen, mußte Bebel den ganzen Einfluß seiner Persönlichkeit aufbieten, um auf den Parteitagen den Revisionismus niederzuhalten. Es gelang ihm dies noch z. B. in Dresden, wenn auch mit schwerer Mühe. So lange die imponierende Persönlichkeit Bebels in der Partei eine Rolle spielte, hatte der Revisionismus öffentlich nichts zu hoffen. Aber er wirkte trotz seiner Niederknüttelung auf dem Parteitag im stillen weiter, und Abgeordneter Bebel mußte als körperlich gebrochener Mann, der sich mit Rücksicht auf seine Ge- sundheit die größte Schonung aufzuerlegen hatte, mit ansehen, wie der Revisionismus immer weitere Kreise der Partei ergriff. Der Hauptvertreter der radikalsten Richtung in der deutschen Sozialdemokratie ist nicht mehr am Leben. Leute, wie Kautskh, Mehring, Rosa Luxemburg, Klara Zetkin oder Lensch und Kon- sorten unter den Jüngeren werden kaum imstande sein, als würdige Nachfolger Bebels in der Vertretung des Radikalismus aufzutreten und als solche einen weitreichenden Einfluß zu üben. Berliner Tageblatt: Mit ihm ist der letzte jenes Geschlechts von Politikern dahin- gegangen, die groß geworden waren im Kampfe für oder wider Bismarck. Aber er war nicht nur einer von vielen eines Ge- schlechts, er war ein Typus für sich. Er war der vollkom- menste Typus des Arbeiterführers, wie er nur zu jener Zeit und nur in Deutschland werden konnte. Jn Deutschland, wo der Staat für die Tüchtigen keine Verwendung hat, wenn sie nicht auf konservative Gesinnung abgestempelt sind—. oder beizeiten den Beweis erbracht haben für ihre Wandlungsfähigkeit im konservativen Sinne. Bebel als Politiker war sozusagen ge- schichtslos. Das war seine Stärke gegenüber den Massen, seine Schwäche gegenüber dem Staat, als einem lebendig aus der Ge- schichte herausgewachsenen Organismus. Die geistigen Nährväter der deutsche Arbeiterbewegung, Marx, Engels, Lassalle, sie kamen von oben, aus der Kulturschicht von Besitz und Bildung. Deutsch- landS akademische Weisheit— der Stolz des„Volkes der Dichter und Denker", solange es sonst nichts hatte, um darauf stolz zu sein— hatte sie getränkt. Ein inneres Verhältnis hatten sie zu denen, die sie kraft der ihnen innewohnenden Geistesmacht sam- mein und emporheben wollten, nicht. Bebel aber kam von unten, aus der geschichtslosen Masse selbst, die am Besitz gar keinen und an der Bildung nur einen kümmerlichen Anteil hatte. Aber das bißchen Volksschulbildung, worüber die Masse nicht hinauskam, es genügte für Bebel, das Wissen der Zeit an sich zu reißen, so- weit es ihm zugänglich war. Mit der Zähigkeit dessen, der sich selbst gebildet hat, hielt er den errungenen Besitz fest, bildete sich auf Grund der rasch und, wie es nicht anders sein konnte, oberflächlich erworbenen Kenntnisse seine Ideale und— glaubte an sie! Wo August Bebel in seinem Staat im Staate auch einen „inneren Feind" zu bekämpfen bekam: den Revisionismus. Der Märtyrer des Sozialistengesetzes bezeigte nicht übel Lust, ihn genau nach den Rezepten seinens toten Todfeindes Bismarck zu bekämpfen, nämlich durch Hunger und Hinauswurf. Bis er dann noch rechtzeitig erkannte, daß rings um ihn eine neue Zeit heran- gewachsen sei, und in dieser Zeit eine neue Macht, die er mit Gewalt so wenig werde breche können, wie Bismarck den Sozialis- mus der siebziger Jahre gewalttätig hatte ausrotten können. Diese Macht waren die freien Gewerkschaften. In den Gewerkschaften war man, unter der harten Schule einer werdenden Wirklichkeit, von den geschichtslosen Idealen des Glaubensfanatikers Bebel abgekommen. Die Männer, die einen Millionenbesitz zu verwalten hatten, mit Kohlenmagnaten und Reedereikönigen um Macht und Einfluß rangen, die Weltkonjunktur beobachteten und die Lebensbedingungen der deutschen Wirtschaft bis in ihre Wurzeln verfolgten— die konnten sich nicht bei den Zukunftsidealen aufhalten, die der junge Drechslermeister Bebel sich in seinen Mußestunden erträumt hatte. Diese Schüler der industriellen Wirklichkeit von heute mußten das heiße, drängende Leben mitleben, wenn sie überhaupt etwas bedeuten und schaffen wollten. Mit der Verdammung alles Gegenwärtigen und der Vertröstung auf eine herrliche Zukunft in unbestimmter Ferne konnten die Führer der Gewerkschaften nichts anfangen, darum traten s i e mit ihrer ganzen Macht und ihrem Einfluß hinter die Revisionisten. Und nichts beweist Bebels Beruf zum Politiker und Massenführer glänzender, als daß er in diesem entscheidenden Augenblick den schwersten Fehler seines toten Gegners Bismarck nicht nachmachte. Er, den man so oft einen Parteipapst ge- schölten hatte, setzte keinen Kampf gegen den„inneren Feind" in Szene, der ihm in seinem Parteistaate herangewachsen war, son- dern einigte sich mit ihm und gab der neuen Zeit den Weg frei. Wenn die Partei heute über den Tod ihres erfolgreichsten und einflußreichsten Führers leichter hinwegkommt, als das vor sechs, sieben Jahren wabrscheinlich gewesen wäre, so ist sie dafür in erster Linie ihm selbst Dank schuldig. Vossische Zeitung: In ihm verliert die deutsche Volksvertretung ihr ältestes Mit- glied. Schon 1867 wurde er für Glauchau-Meerane in den kon- stituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt, und dem Deutschen Reichstag hat er, soweit er nicht durch Gefängnisstrafen — im ganzen 57 Monate— an der Ausübung eines Mandats ver- hindert war, bis zum Tode ununterbrochen angehört. Bebel war unser Gegner:„Ich will der Todfeind sein der bür- perlichen Gesellschaft", so rief er vor zehn Jahren auf dem Parteitag 'n Dresden aus, und er knüpfte daran die Versicherung, daß er be- strebt sein werde, die bürgerliche Gesellschaft zu vernichten. Wer auch diesem Todfeind« muß billig zugestanden Verden, daß er«in ehrlicher Charakter war. Auf demselben Parteitag in Dresden hat er als das Geheimnis seines Erfolges bei den Massen angegeben, daß diese an ihn glaubten als an einen„ehrlichen Mann". Bebel war kein Theoretiker wie Marx, Engels oder auch wie Liebknecht, von Kautskh zu schweigen. Er war ein Draufgänger auch in weißen Haaren noch, der die Massen durch sein Temperament fortriß, auch dann, wenn er aus taktischen Gründen, wie in der Frage des Massenstreiks oder der Beteiligung an den preußischen Landtagsivahlen, seine Ansichten von Grund aus änderte und heute verteidigte, was er noch vor einem Jahr in Grund und Boden ver- dämmt hatte. Oft genug hat er durch sein Auftreten als Diktator auch innerhalb seiner Partei scharfen Widerspruch hervorgerufen. Bebel war der ausgesprochene Vertreter der revolutionären Taktik, der die Menge zu fesseln wußte durch die Vertröstung auf einen großen Kladderadatsch. Berliner Volkszeitung: Bebel war eine ausgeprägte Persönlichkeit, ein Mann, auf den das deutsche Volk ebenso stolz sein kann wie auf viele andere seiner großen Söhne. Sein Name ist mit der Entwickelung des Deutschen Reichs auf das innigste verknüpft; einer späteren Zeit wird es vorbehalten sein, den Wert und die Bedeutung des Mannes, dessen Bild heute, von der Parteien Gunst und Haß verzerrt, in der Geschichte der Zeit schwankt, ohne Eifer und Zorn, objektiv zu würdigen. Die deutschen Arbeiter, die mit unbegrenzter Liebe und Verehrung zu diesem Führer aufsahen und ihm mit unbedingtem Vertrauen folgten, trauern nicht allein um ihn: das ganze deutsche Volk darf an dieser Trauer teilnehmen, denn alles, was Bebel in seinem langen, kampfreichen Leben getan und was er gelitten hat, geschah aus Liebe zu dem Volke, geschah in dem brennenden- Wunsche, ihm zu helfen und sein Los zu verbessern. Und es geschah aus der felsenfesten Ucberzeugung heraus, daß der von ihm einge- schlagene Weg der beste ssei und zum Ziele führen müsse. Man kann anderer Meinung sein; aber man hat die Pflicht, die Ueberzeugung des Gegners zu ehren und den tapferen Mann, der sie vertritt, zu achten. Dieser Achtung ist Bebel bei seinen politischen Gegnern und Feinden, abgesehen von einigen traurigen Klopsfechtern, die in der persönlichen Verunglimpfung besondere Tapferkeit erblickten, stets teilhastig gewovden, und sie wird ihm über das Grab hinaus bewahrt bleiben. Ein ganzer Mmn. ein treuer Sohn seines Volkes ist dahingeschieden; sein Andenken bleibt in Ehren! Vag Zuslanä über L-ebel. Italien. Rom, 14. August.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Die Trauerkunde vom Ableben Bebels wurde in den italienischen Parteikreisen mit tiefster Erschütte- vung aufgenommen. Der., A v a n t i" widmete seine ganze heutige Nummer dem verstorbenen Kämvfer. Die bürgerlichen Blätter Roms mit Ausnahme der kleri- kalen widmen Bebel ehrende Nachrufe au leitender Stelle. Sie gedenken mit Hochachtung seiner politischen und sozialen Sendung und seiner hingebenden Treue für seine Sache. England. London, 14. August 1913.(Privattelegramm des„Vorwärts.) Der Tod August Bebels wird von der gesamten englischen Presse tief beklagt, die in warmen Nachrufen der Persönlichkeit und Bedeutung des Verstorbenen gedenkt. Auch die grimmigsten Feinde des Sozialismus wissen die hohen Charaktereigenschaften Bebels und seine Ver- dienste um das Proletariat zu würdigen.„Daily Tele- gr aph" schreibt:„Mit seinem Tode endet eine der Wunder- barsten Laufbahnen des modernen Deutschlands und ver- schwindet einer der bemerkenswertesten Männer unseres Zeit- alters." Die„Times" charakterisieren ihn mit folgenden Worten:„Bebel war ein größerer Parteiführer als Lassalle, Marx oder Liebknecht. Er war ein vollendeter Parlamen- tarier und Organisator, ein mutiger Kämpfer und geschickter Taktiker, ein großer General im parlamentarischen Kriege. Sein Leben war ein eifriges unermüdliches Arbeiten, ein klares Konzentrieren auf bestimmte Ziele, eine lange mit un- trüglicher Geschicklichkeit geleitete Propaganda." Dasselbe Blatt schreibt in einem Leitartikel, daß Bebel wohl ein Feind der Monarchie, nicht aber ein Feind des jetzigen Inhabers des deutschen Thrones gewesen, von dein er einst gesagt habe, daß er jeder Zoll ein Mann sei. Das Batt meint weiter, daß der deutsche Kaiser in seinem Herzen die Huldigung erwidere, die ihm von seinem großen Gegner und Untertan erwiesen worden. Das Arbeiterblatt„Daily Citizen" schreibt:„Den Eindruck, den der große Redner der deutschen Sozialdemo- kratie auf die vorwärts- und aufwärtsstrebende Volksbewe- gung nicht nur seines eigenen Vaterlandes, sondern überall gelassen, ist tief und wird wahrscheinlich andauern." Und das andere Arbeiterblatt„Daily Herald" sagt:„Bebel, der große deutsche Sozialistenführer hat so lange und so kühn gegen die mächtigsten Autokraten und Gewalten gekämpft, daß er seinen Zeitgenossen als eine der überragenden heroischen Gestalten Europas erscheint." Die liberale Presse feiert den Verstorbenen namentlich als einen der großen Vorkämpfer gehen den'Imperialismus, Militarismus und Chauvinismus, der gegen den deutsch-fran- zösischen Krieg und. gegen die Annexion Elsaß-Lotbringens protestierte.„Daily News" sagt von ihm:„Es war Bebels ununterbrochener und glänzender Kampf gegen Bis- marck, den er stets von der hohen Warte des Prinzips und mit der geraden Einfachheit eines reinen Glaubens und un- erschütterlichen Mutes führte, der der Sozialdemokratie in Deutschland ihr Prestige gab." Die Organisationen zum(Parteitag in fena. Der Sozialdemokratische Verein für den 13. sächsischen ReichstagSwahlkreis(Leipzig- Land) nahm am 12. August Stellung zum Parteitag in Jena. Geyer referierte. Beim Borstandsbericht werde der Stillstand in der Mitgliederzunahme sowie der Rückgang der Abonnentenziffer besondere Beachtung finden. Die Partei brauche sich jedoch über diese nicht neue und nur vor- übergebende Erscheinung keine Sorge zu machen. Stehe sie weiterhin fest aus ihrem Programm, werde auch bald ein weiterer Aufstieg zu verzeichnen sein. Im Zusammenhang damit werde auch das Massen st reikproblem aufgerollt werden. Es sei nötig, diese Frage in der Partei eingehender zu diskutieren. Geschehe dies in sachlicher Weise, so sei der Gewinn für die Bewegung groß, denn die Massen müßten mit der Frage vertraut werden. Eine wichtige Rolle werde die Arbeitslosenfürsorge spielen, zu der angesichts der hereinbrechenden Krise die Partei Stellung nehmen müsse. Wir verlangen eine staatliche Arbeitslosenunterstützung. Das Reich aber habe diese Frage an die Bundesstaaten abgeschoben und diese wieder an die Gemeinden. Die Sozialdemokratie habe demgegenüber be- tont, daß alle drei Faktoren in Betracht kommen; das Reich als Träger der Unterstützung, Staat und Gemeinde zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit. Bei der Behandlung der Maifeier sei zu erhoffen, daß der Chemnitzer Beschluß bestehen bleibe. Der Nürn- berger Beschluß habe viele Mißhelligkeiten gebracht und sei keine Stütze für die Maifeier gewesen. Der wichtigste Punkt des Parteitages, die Steurrfrage, sei erfteulicherweis« in der Partei sachlich diskutiert worden. Geher entwickelte im wesentlichen seine schon in der Leipziger Parteiversammlung vom 23. Juli(siehe „Vorwärts" vom 29. Juli) dargelegte Auffassung und brachte zum Schluß seiner Ausführungen folgende Resolution ein: Die Versammlung billigt aus programmatischen Gründen die Abstimmung der Reichstagsfraklion für die Steuervorlagen, die zur Deckung der Militärvorlage dienen, nicht; sie erwartet daher vom Parteitag eine dem Parteiprogramm entsprechende klare und entschiedene Anweisung für die Stellung der Reichstagsfraktion bei künftigen Steuervorlagen. Jn der Aussprache betonte Keimling die Notwendigkeit, die A r b e i t s l o s e n f r a g e als besonderen Punft der Tages- ordnung zu behandeln sowie ein Organ zu schaffen für die Theorie und Praxis der Jugendbewegung. Er stellte entsprechende Anträge. Zur Haltung der Frattion in der Wehr- und Steuervorlage habe die Redaktion der„L. B." die Auf- fassung vertreten, daß die Fraktion gegenüber dem größeren Uebel der indirekten Steuern dem kleineren Uebel der Besitzsteuern zu- stimmen mußte; den Wehrbeitrag anzunehmen, lag kein Grund vor. Die Partei sei stets bemüht gewesen, die Schultern der Besitzlosen zu entlasten. Von einem Handeln gegen das Parteiprogramm könne keine Rede sein. Er ist der Meinung, daß der Parteitag die Hal- tung der Fraktion billigen wird. Wie merkwürdig übrigens in dieser Frage die Auffassungen auseinander gingen, zeige die Auslassung der auf dem linken Flügel der Partei stehenden.Bremer Bürgerzeitung", in der gesagt werde: .Es fällt uns natürlich nicht im Traum ein, allen den in vielen Kämpfen erprobten Genossen, den Geyer, Grenz usw. vor- zuwerfen, sie seien Anarchisten. Aber ihre Auffassung des Ver- hältnisses zwischen der Steuerpolitik und dem Mijitarismus krankt eben an dem Unvermögen, neben einer Tendenz die zweite, für uns wichtigere, weil durch uns beeinflußbare, zu erfassen. Mit einem Worte, ihre Auffassung ist undialektisch."(Geher ruft: Das hat Rädel geschrieben I) Ich führe das Blatt nur an, um zu zeigen, daß man die Parteigenossen, die die Fraktionsmehrheit verteidigen, nicht als opportunistisch oder revisionistisch bezeichnen kann. Grenz bestritt, daß die Fraktion schon mehrfach so gehandelt habe wie bei der jetzigen Militärvorlage; es stimme auch nicht, daß rechts und links alles vertauscht sei. Er bitte die Resolution Geyer anzunehmen, damit die Genossen ausdrücken, ob sie mit der Haltung der Redaktion der.Volkszeitung" einverstanden seien oder nicht. Müller(Redakteur) bemerkt, 1S09 habe die.Volkszeitung" eine andere Stellung eingenommen als heute. Wenn Keimling sage, eS stehe nichts im Programm, daß nur dann direkte Steuern be- willigt werden dürfen,'wenn indirekte aufgehoben würden, so stehe auch nichts darin, daß wir gegenüber dem Militarismus das kleinere Uebel wählen müssen. Keimling betont, daß es ihm im Traume nicht einfalle, wegen der Besitzsteuern eine neue Aera in der deutschen Politik zu erwarten. Die Regierung werde sicher neue indirekte Steuern vom Reichstag fordern und auch bekommen. Aber damit sei nicht gesagt, daß wir in diesem Falle dafür sorgen müßten, die besitzlosen Massen vor indirekten Steuern zu verschonen. Jn seinem Schlußwort behauptet dann Geher, daß Henke als leitender Redakteur der„Bremer Bürgerzeitung" durchaus anderer Auffassung sei als wie sie in den Artikeln der„Bremer Bürgerztg.", die von Rädel geschrieben wären, zum Ausdruck komme. Henke stehe völlig auf dem Boden der Fraktionsminderheit. Bei der Abstimmung wurde die Resolution gegen 6 Stimmen(bei etwa 400 Versammlungsbesuchern) angenommen. Ebenso zwei Anträge Keimling, die Arbeitslosenfrage als besonderen Punkt der Tagesordnung zu behandeln und für die Jugendbeiräte ein Organ zur theoretischen und praktischen Schulung zu schaffen. Angenommen wurde ferner ein Antrag der Genossin Höhlersdorf, der„Gleichheit" eine Modenzeitung anzugliedern, um dadurch den bürgerlichen Schundblättern auf diesem Gebiete entgegenzuwirken. Abgelehnt wurde ein Antrag Wunderlich, den Nürnberger Parteitagsbeschlutz, Sonderorgansationen betreffend, aufzuheben._ Uerbandstag der Lithographen, Steindrucker und vemandten Kernst. Stuttgart, den 13. August. Tie Debatte über den Geschäftsbericht wird fortgesetzt. Ter Verbandsvorsitzende Sillier geht auf die vorgebrachten Beschwerden ein. Trotz des Rechts auf schärfste Kritik, könne man doch nicht dulden, daß von verantwortlichen Verbandsinstanzen zur Nichtein- Haltung von Abmachungen mit dem Schutzverband aufgefordert werde. Sonst habe man kein Recht, die vielfachen Ueberschreitun- gen des Schutzverbandes zu kritisieren. Es falle dem Hauptvorstand nicht ein, die Meinungsfreiheit zu unterbinden.— T ü r r- München fordert einschneidende Veränderungen in der Organi- sation des Hauptvorstandcs, damit die zutage getretenen Miß- stände beseitigt würden. In gleicher Schärfe äußert er sich gegen die Redaktion der„Graphischen Presse", die während der Beivegung nicht völlig auf der Höhe gestanden habe.— Haß- Berlin stimmt der Kritik gegen den Hauptvorstand zu, dessen Vorsitzender sich die Arbeit über den Kopf habe wachsen lassen, ohne rechtzeitig weitere Kräfte zuzuziehen. Dagegen weist der Redner die Vorwürfe gegen die Redaktion der„Graphischen Presse" mit großem Nachdruck zu- rück, denn die Presse habe gegen früher auf allen Gebieten entschieden gewonnen. Jn diesem Rahmen verläuft die Debatte weiter. Schließlich wird eine Resolution B r a t k e- Hannover angenommen, in welcher verlangt wird, daß für die einzelnen Sparten bestimmte Mitarbeiter anzustellen sind, die im Ein- Verständnis mit der Redaktion ihre Sparten selb- ständig zu bearbeiten haben.— Von Herbst- Leipzig wird fol- gende Resolution gestellt: „Um den Ausbau und die Weiterentwickelung der „Graphischen Rundschau" zu ermöglichen, gibt die Generalver- sammlung der technischen Zentrale den Auftrag, einen Arbeits- plan auszuarbeiten und gemeinsam mit dem Hauptvorstand alles weitere zu tun. Beiden Körperschaften wird es überlassen, gegebenenfalls das bisherige Obligatorium der«Graphischen Rundschau" aufzuheben." Der Vorsitzende Sillier bemerkt in seinem Schlußwort, daß der Hauptvorstand nicht empfehle, die freiwillige Unterstützung von 1911 nachträglich in einen Pflichtbeitrag umzuwandeln. Da- gegen sei er der Meinung, daß in künftigen Fällen nur der Pflicht- beitrag in Frage kommen könne. Tie Mangelhaftigkeit des Be- richts gebe er zu, man müsse aber die Ueberlastung berücksichtigen. Jedenfalls müsse man zugeben, daß das, was möglich war, ge- schehen sei. Eine Kritik aber, wie sie beispielsweise Dürr geübt, brauche sich der Vorstand nicht bieten zu lassen, er weise sie ent- schieden zurück. Er sei der Meinung, daß zwei neue Kollegen in den Hauptvorstand zur Entlastung zu wählen seien, ebenso sei eine weitere Schreibkraft nötig. Zum Schluß hob er noch hervor, daß keine Gewerkschastsorganisation nach eben unbefriedigendem Ausgang einer großen Bewegung so wenig Mitglieder verloren habe wie der Verband der Lithographen. Redakteur B a r t h e l macht gegen die Resolution Bratke in ihrer neuen Fassung keine Einwendung, hält sie aber für über- flüssig.— Schnetter- Hannover wendet sich in einem scharfen Schlußwort gegen die Aufhebung seines Postens, obwohl man gegen die Führung des technischen Teils nur Lob ausgesprochen habe. Die Aufhebung würde wohl nicht erfolgen, wenn er sich dem Vor- stand gegenüber wie Wachs hätte kneten lassen. In der Abstimmung wird die Resolution Bratke mit großer Mehrheit angenommen. Ebenso findet der Antrag H e r b st- Leipzig Zustimmung. Man nimmt nun den nächsten Punkt, Statutenberatung in Behandlung, worüber Lange- Berlin das einleitende Referat hält. Eine Erhöhung he» Wochenbeitrags fei unmöglich mch da- mit fielen auch alle Anträge, die auf eine Erweiterung oder Er- höhung der Unterstützungen abzielen.— Ueber diesen Punkt setzt eine allgemeine Debatte über die 130 hierzu vorliegenden Anträge ein. Es wird u. a. gewünscht, daß eine zweite Beitragsstufe ge- schaffen werden soll, um vor allem die Photographen besser für den Verband gewinnen zu können. Es wird geltend gemacht, daß dies ohne grundlegende Aenderungen des Unterstützungs- Wesens in dem Sinne geschehen könne, indem man zwei Beitrags- Woche für eine rechne. Lange vom Hauptvorstand erhebt dagegen schwere Bedenken kassentechnischer Natur. Einen bestimmten Beruf des Gewerbes könne man nicht herausgreifen, und bei der Ausdehnung auf alle Sparten habe die Regelung schlimme Konsequenzen. Von den Vertretern der kleinen Sparten wird ein statutarisches Recht auf eine Vertretung auf der Generalversammlung gefordert.— Die Debatte wird durch einen Schlußantrag beendet. Die sämtlichen Anträge werden einer Statutenberatungskom- Mission von sieben Mitgliedern überwiesen. Hierauf tritt Ver- tagung auf Donnerstag ein. An diesem Tage soll der Punkt: ..Unsere Lohnbewegung" behandelt werden. Tie Tagung hierüber ist nicht öffentlich. Hu9 der parteu Gemeindeschöffe, Sozialdemokrat und Landtagswahl. Von einem unglaublichen Vorgehen des Landrats zu Wies baden gegen den Genossen August Lieb ig in Bierstadt, Kreis Wiesbaden, berichtet die Frankfurter„Volksstimme". Genosse Liebig gehört seit 1910 dem Gemeinderat in Bierstadt an. Er hat bei seiner Verpflichtung den sogen.„Staatsdicncreid" geleistet. Damit hat er nach Meinung des Landrats sich in'seiner politischen Be- tätigung für die Sozialdemokratie gebunden. Der Landrat hat dem Genossen Liebig, per bei der Landtagswahl als Wahlmann unserer Partei aufgestellt war, folgenden schönen Brief geschrieben: Der Königl. Landrat Wiesbaden, 5. Aüguist 1913. des Landkreises Wiesbaden. Lessingstr. 16. Wie mir amtlich mitgeteilt ist, sind Sie bei der diesjährige Wahl zum Hause der Abgeordneten von der sozialdemokratischen Partei als Wahlmann aufgestellt und gewählt worden. Außerdem haben Sie selbst die von der genannten Partei aufgestellten Wahl männer gewählt. Hierdurch herben Sie den vor mir am 30. August 1910 abge legten Diensteid als Schöffe nicht gehalten. Dies muß um so mehr gerügt werden, als Sie in der Verhandlung vom 30. August 1910 vor Ihrer Vereidigung von mir auf die Bedeutung und Heiligkeit des Eides und insbesondere auch auf die Verpflichtun gen, die Sie durch Ableistung des Staatsdienercides auf sich nehmen, hingewiesen sind und sich ausdrücklichst bereit erklärt haben, die durch den Eid übernommenen Verpflichtungen zu er füllen. Da es ausgeschlossen ist. daß Sie als Beamter sich öffentlich durch ihre Handlungen zu einer Partei bekennen, die arundsätz- lich die Grundlagen der bestehenden Staats- und Rechtsvrdnung bekämpft, ersuche ich Sie, mir innerhalb längstens einer Woche anzuzeigen, ob Sie bereit sind, Ihr Amt als Schöffe der G meinoe Bierstadt freiwillig niederzulegen. An den Gemeindeschöffen Der Königliche Landrat Herrn Aug. Liebig v. Heimburg. in Bierstadt. Genosse Liebig wird natürlich dem Landrat nicht den Gefallen tun, sein Amt als Gemeindeschöffe niederzulegen, da er ja nicht dem Landrvt zu Liebe gewählt worden ist, sondern im Interesse der Bürger von Bierstadt. Er hat dies auch dem Landrat mitgeteilt und erklart, daß er niemand Rechenschaft schuldig sei, wie er bei der Landtagswahl gestimmt habe. Den Vorwurf des Erdbruchs hat er entschieden zurückgewiesen, weil er die Beobachtung der Verfassung geschworen habe, deren vornehmster Grundsatz die Gleichheit aller Bürger ausspreche. Man darf gespannt sein, was der Herr v. Heimburg jetzt tun wird. Es wird ihm nichts übrig bleiben, als zurückzuhufen, denn ein Disziplinarverfahren auf Amtsentsetzung kann wohl nicht gut ein geleitet werden. Aus der italienischen Partei. Rom, 11. August.(Eig. Ber.) Dieser Tage hatte die römische Unione Socialiste die Genugtuung, den österreichischen Genossen Dr. Ellenbogen im Lokal des Vereins.Andrea Costa" als Gast bei sich zu sehen. Dr. Ellenbogen, der auf einer Reise durch Italien sich eine Woche in Rom aufgehalten hat, wurde von dem Sekretär der Sektion, dem Genossen DÄmato, willkommen geheißen, worauf die Genossen Bella und Campanozzi auf die heutige internationale Spannung und auf die Notwendigkeit hinwiesen, den italienischen Jrredentismus und die ihm innewohnenden Gefahren eines öfter- reichisch-italienischen Konfliktes systematisch zu bekämpfen. Von leb- haftem Beifall begrüßt, nahm dann Genosse Ellenbogen das Wort und hob den Ernst der internationalen Lage und die aus ihr erwachsende Verpflichtung der sozialistischen Partei hervor, die proletarische Solidarität gegenüber den auf internationale Konflikte dringenden Interessenten des Militarismus und des Klerikalismus zum Ausdruck zu bringen. Die seit langem geplante und jetzt endlich ihrer Verwirklichung entgegengehende östcrreichisch-italienische Zusammenkunft werde einen wichtigen Schritt auf dem Wege des proletarischen Internationalismus bezeichnen.— Der Abend verging in gemütlicher Feststimmung._ Parteilitcratur. Karl Marx und sein Lebenswerk. Vortrag, gehalten von Klara Zetkin anläßlich feines 30. Todestages an fünf Orten des Niederrheins. Mit einem Anhange: Literatur über Marx und von Marx. Verlag: Molkenbuhr u. Co., E I b e r- selb. Preis 25 Pf._ polizeiliches, ßerichtliches ulw. Auch eine Auslegung des ReichövereinSgesetzes. Der 16 jährige Formerlehrling Wilhelm Lorenz von Bruck- dorf bei Halle, wurde, weil er am Sonntag, den t. Mai, im Hofe seines Vaters mit Parteigenossen das bekannte Arbeiterlied„Empor zum Licht" gesungen hatte, wegen Uebertretung des ReichSvereinsgesetzes bestraft. Er sollte als Jugendlicher an einer politischen Versammlung teilgenommen haben. Am Nachmittage des Tages sprach dort der Reichstagsabgeordnete Genosse K u n e r t über die Wehrvorlage. Daran nahm der junge Mensch nicht teil.. Er hatte aber in das vorher ge- s u n g e n e Lied mit eingestimnit und dann vor dem Beginn der Versammlung schleunigst den Hof verlassen. Der zu- ständige Amtsvorsteher schickte ihm ein Strafmandat über 3 M. und das Hallesche Schöffengericht wies den dagegen erhobenen Einspruch zurück mit der Begründung, nach der Rechtsprechung des Reichs- gerichts beginne eine Versammlung mi'l dem Zu- lammentritt der Teilnehmer.— Die Strafkammer Halle, bsi der nunmehr das Urteil angefochten wurde, erklärte auch daS Schöffengerichtsurteil für durchaus zutreffend und sah den G c- sang als einen Teil der Versa nrmlung an. Jugendbewegung. Schweizer Jugendtag in Basel. Die sozialdemokratischen Jugendorganisationen ber Schweiz haben am 9. und 10. August in Basel getagt. Der Kongreß wurde durch eine Konferenz der Sektions« Vorsitzenden eröffnet, die mit 36 Delegierten aus der deutschen und französischen Schweiz beschickt war. Die Konferenz beschloß einstimmig die Errichtung eines Jugend» selretariates und nahm ferner mit allen gegen eine Stimme die Thesen an, die das Verhältnis zwischen Jugendorgani» sation und Parter regeln sollen. Die Thesen sichernder Jugendorganisation die vollkommen st e Selbständigkeit zu. Der Vertreter der sozialdemokratischen Partei der Schweiz, der dem Zentralvorstand der Jugendorganisation zu- gelassen ist, besitzt nur beratende Stimme. Die schweize- rischen sozialdeinokratischen Jugendorganisationen zählen zurzeit in der deutschen und französischen Schweiz 36 selbständige Orts- gruppen mit insgesamt 1250 Mitgliedern. Das Verbandsorgan, die .Freie Jugend", wird in einer Auflage von 4000 Exemplaren her- gestellt. Es enthält seit Monatsfrist auch regelmäßige Beiträge in f r a n- z ö s i s ch e r Sprache. Der alte Zentralvorstand wurde wiedergewählt. Sonntag früh hatten sich die Basler Jugendgenossen mit ihrer roten Fahne auf dem Bahnsteig des Hauptbahnhofs eingefunden, um die Gäste, die aus der gesamten Schweiz, aus dem angrenzenden Elsaß und aus Baden angesagt waren, zu empfangen. Sie kamen zu Hunderten an und führten meist ihre Fahnen mit. Nach einer Besichtigung der Stadt und ihres historischen Münsters wurde das Mittagessen in den Räumen des alkoholfreien Restaurants im Johanniterheim eingenommen. Um 2 Uhr mittags ordneten sich die Jugendgenossinnen und Jugendgeuossen zu einem Demonstrationszuge durch die Stadt. Genosse Münzen- b e r g hielt noch eine Ansprache und dann nahm ein heiteres Jugendtreibcn auf dem Festplatz seinen Anfang. Einige Stunden später wurde im großen Saal des Greifenbräu zu Horburg die Festversammlung eröffnet, die gegen 1000 Teilnehmer zählte. Genosse Pfeiffer, der Vorsitzende der Basler Jugendorganisation. hielt die Willkonimansprache, Genosse D u f f n e r/zprozentigen überzugehen und dainit das lange innegehaltene Zinsprinzip der Städte zu durchbrechen. Charlottenburg muß der Reichsverstcherungsanstalt 4'/, Proz. und außerdem noch Vs Proz. Provision zahlen. Mehrfach haben die Städte ihre Anleihe- ansprüche nicht in dem gewünschten Maße verwirklichen können. So ist die zweite Hälfte der Hamburger 30-Millionen-Anleihe zurück- gehalten worden, ebenso hat man die Karlsruher 7-Millionen- Anleihe zurückgestellt und die Stadt Posen konnte eben« falls keine Liebhaber für ihre Anleihe finden. Immerhin machen die Anleihen, die während des Balkankrieges von den Städten begeben wurden, insgesamt einen großen Posten aus. Es sei nur an die Dresdener 75-Millionen-Anleihe, die Anleihe der Stadt Frankfurt am Main in Höhe von 15 Millionen, die Straßburger Anleihe von 15 Millionen und die Düsseldorfer Anleihe in Höhe von 7'/„ Millionen Mark erinnert. Ob in absehbarer Zeit ein merkbarer Aufschwung am Stadtanleihemarkte zu erwarten ist, bleibt noch sehr fraglich. Denn außer dem Druck, den die umfang- reichen Stadtanleihesummen selbst ausüben, sind auch noch weiter- hin die für Renten mißlichen Wirtschaftsverhältnisse in Rechnung zu stellen, welche kaum eine besondere Vorliebe des Publikums für diese früher so beliebten Papiere zulassen werden. Soziales. Die Belämpfung der Geschlechtskrankheiten. Aus London wird uns geschrieben: Die Diskussion über das Thema:. Die Syphilis als StaatSgefahr und die Frage der Staats- kontrolle", mit der sich am 9. August der Internationale medizinische Kongreß zu London befaßte, hat hier die größte Aufmerksamkeit er- regt. Als erster Referent fungierte Professor Dr. A. B l a s ch k o- Berlin, der zur Gründung nationaler Gesellschaften zur Ver- Hinderung der venerischen Krankheiten aufforderte, wie eine schon in Deutschland besteht. Nach seiner Ansicht hat sich die Regelung der Prostitution in allen Ländern als untauglich erwiesen, die Geschlechts- krankheiten zu vermindern, hauptsächlich weil die gefährlichsten In- dividuen sich der Kontrolle entziehen. Er sprach gegen die offizielle Brandmarkung von Personen als Prostituierte und gegen die gegen die Prostituierten gerichteten Ausnahmebestimmungen, wie Re« gistricrung, Polizeikontrolle und Untersuchung. Er befürwortete rein sanitäre Vorsichtsmaßregeln, deren Ausführung nicht die Polizei, sondern ein Gesundheitsamt zu überwachen hätte. Die Mehrheit der Patienten werde sich freiwillig der Behandlung unterziehen; ein Zwang sollte nur bei sehr jungen Personen, den geistig Schwachen und den Entarteten ausgeübt werden, die man zur Zwangserziehung, loa dies möglich, und zur Zwangsbchandlung, wo dies notwendig, isolieren sollte. Professor Gauchcr-Paris wies auf die schreckliche Gefahr hin, die ein einziger an der Syphilis leidender Mensch im akuten Stadium für alle Bewohner desselben Hauses ist. Viele ziehen sich jährlich die Krankheit zu, indem sie aus einer infizierten Tasse trinken, mit infizierten Gabeln oder Löffeln essen oder von infizierten Personen geküßt werden. Er behauptete, daß die Sterblichkeit von dieser Krankheit nur der von der Lungenschwindsucht und dem Alkohol ver- ursachten nahestehe. Professor Pontoppidan-Kopenhagen gab eine Schilderung der Maßregeln, die zurzeit in Dänemark erprobt werden. In Däne- mark wird die Anmeldung der venerischen Krankheiten snicht Polizei- liche Anmeldung) durch Patienten und Aerzte in jeder Weise er- mutigt. Es besteht eine weitgehende und freie Behandlung für Mittellose. Der Arzt bekleidet noch eine Vertrauensstellung und ist nicht ein Polizist in Verkleidung. Alle Maßregeln ohne Zwang haben sich als erfolgreich erwiesen; aber die Methode ist kostspielig. Dr. Douglas White-London erkälte, daß bei weitem die größte Anzahl der syphilitischen Ansteckungen auf heimliche Prostituierte zwischen 18 und 25 Jahren zurückzuführen sei. Er berechnete, daß jährlich etwa 500 000 neue Ansteckungen in Großbritannien vorkommen, von denen ein Viertel syphilitische Ansteckungen sind. Er verlangte eine bessere Aufklärung des Publikums und der medizinischen Studenten und die Ausrottung der Kurpfuscherei. Herr Ernest Lane, Seniorchirurg am Londoner Lock-Hospital, konstatierte, daß die Syphilis heute eine viel mildere Krankheit sei als früher, was er hauptsächlich auf die große Verbesserung der öffentlichen Hygiene zurückführte. Von dem Dr. DuboiS Havenith-Brüssel wurde erklärt, daß die Regierungen, die sich vor den Worten Syphilis und Prostitution fürchteten, nur durch die Presse zum Verständnis ihrer nationalen Verantwortlichkeit gebracht werden könnten.(Leider fürchten sich nicht allein die Regierungen, sondern auch viele Preßorgane, namentlich in dem prüden England, vor diesen Worten. Bringt es doch heute ein Londoner Organ, das seine Abnehmer nach Millionen zählt, fertig, das Thema in einem Leitartikel zu behandeln, ohne ein einziges Mal die Worte Syphilis oder venerische Krankheiten zu erwähnen!) Dr. Leredde-Paris befaßte sich ausschließlich mit den mannig- faltigen Erscheinungsformen der Syphilis und zeigte, wie diese Krankheit die Augen, Ohren, das Herz, die Blut- gefäße angreift. Sie sei vielleicht die wichtigste Ursache bei Totgeburten und der Kindersterblichkeit. Dr. Woods Hutchinson« New Dork bestand auf die Notwendigkeit irgendeiner Form der An- Meldung. Er führte aus: Ehrlich hat uns Salvarsnn gegeben, das das Blut wenigstens eine Zeitlang innerhalb 48 Stunden von der ansteckenden Materie reinigt. Wir sind also in der Lage, den Patienten für andere unschädlich zu machen. Deshalb muß auf schnelle Anmeldung bestanden werden. In New Dork braucht nur Alter, Geschlecht und Stand(ob ledig oder verheiratet) gemeldet werden und die Patienten sind nur durch eine Nummer, nicht dem Namen nach bekannt. Im Laboratorium des Gesundheitsamtes nehmen die Aerzte täglich 150 Untersuchuungen vor. Eine Unter- fuchung in Chicago hat kürzlich die wichtige Tatsache ans Licht ge- bracht, daß 35 bis 75 Proz. der Prostituierten in den Bordellen der Stadt bestimmt schwachsinnig find. Wenn die schwachsinnigen Mädchen im frühen Alter abgesondert und erzogen werden könnten, würde man den Bordellen zwei Drittel der Zufuhr abschneiden. Es wurden schließlich zwei Resolutionen angenommen, die zweite einstimmig, die erste mit einigem Widerspruch. Sie lauten im Zu- fammenhang: „Da der Internationale medizinische Kongreß sich der Ver- heerungen bewußt ist, die von der Syphilis an der Gesundheit der Allgemeinheit angerichtet werden, und die Unzulänglichkeit der be- stehenden Maßregeln zur Verhütung ihrer Verbreitung bedauert, fordert er die Regierungen aller hier vertreteneu Länder auf: 1. ein System vertraulicher Anmeldung der Krankheit bei einer Gesundheits- behörde einzuführen, wo eine derartige Anmeldung noch nicht be- steht; 2. systematische Vorkehrungen zur Diagnose und Behandlung aller Fälle von Syphilis zu treffen, für die sonst nichts vor» gesehen ist."_ Kinoschauspieler-Sorgen. Der Schauspieler Groß und die Schauspielerin Merviola klagten gestern vor dem Gewerbegericht auf Auszahlung von Honorar für zwei Reisetage. Die beklagte V i t a s c o p G. m. b. H. bestritt die Rechtmäßigkeit der Forderung und wollte lediglich freie Fahrt II. Klasse und Diäten zugestehen. Sie machte außerdem geltend, daß die Reise zum Teil unnötig gewesen wäre. Der Kläger war zu 20, die Klägerin zu 50 M. Tageshonorar für einen Film engagiert. Ein Teil der Aufnahmen sollte in Hamburg vorgenommen werden, das erwies sich nach Ansicht des Regisseurs als unmöglich, weshalb er eine Fahrt nach Helgoland anordnete. Hierzu soll er nach Mei- nung der Beklagten nicht befugt gewesen sein. ES sei im übrigen auch nirgends Brauch, das Honorar für Reisetage zu zahlen. Um hierüber Klarheit zu schaffen, war in einem früheren Termin beschlossen worden, bei drei Firmen und bei der Genoffen- schaft der Kinodarsteller Auskunft einzuholen. Zwei dieser Auskünste teilten die Auffassung der Beklagten; eine Firma aber sagt, daß das Honorar gezahlt werde, und die erwähnte Genossenschaft begründet eingehend ihren Standpunkt, der sich init dem der Kläger deckt, in- dem sie darauf hinweist, daß es wohl nirgends im gewerblichen Leben üblich sei, einem Angestellten für im Auftrage des Geschäfts unternommene Reisen Lohn oder Gehakt zu kürzen und lediglich Fahrgeld und Spesen zu zahlen. Das Gericht unter Vorsitz des Magistratsrat Dr. Gerth brachte dieselbe Auffassung dadurch zum Ausdruck, daß sie die beklagte Firma zur Zahlung des Honorars für die Reisetage verurteilte. Klus aller Melt. St. Bureaukratius. Ein nettes Stückchen aus dem Reiche St. BureaukraftuS liefert nachstehende Zahlungsaufforderung, die dem verantwortlichen Redatteur unseres Straßburger Parteiorgans zugegangen ist. Die ZahlungS» aufforderung lautet: Sie schulden zufolge Beschlusses des Amtsgerichts zu Marli rch vom 2.7. 13 wegen Kostenfestsetzungsbeschluß in Sachen V. L. in St. Kreuz die untenstehenden Beftäge, welche Sie binnen 3 Tagen hierher einzahlen wollen. Betrag erichtskostent a) Gebühr........ Hiervon schulden Sie'/so• b) Auslagen....... Gerichtsvollziehergebühren. Zeugengebühren..... Postgebühren...... Schreibgebühren..... Hiervon schulden Sie Voo. M. Pf. M 20 4 Pf. 1 Pf. Zusammen..... S Pf. Straßburg, 11. Aug. 1913. Kaiserl. Verkehrssteueramt. Eine Zahlungsaufforderung von 5Pf.I Und dazu werden soviel Arbeit, so viel Papier und Botengänge verwendet. Da sage noch einer, unsere Behörden arbeiten nicht genau. Man stelle sich nur einmal vor, wie die ganze Burcaukratenmaschinerie ins Stocken geraten würde, wenn sich zum Schluß noch heransstellen würde, die 5 Pf. wären zu viel bezahlt. Da hätten schließlich zehn Beamte einige Wochen Arbeit um festzustellen, wo die 5 Pf. herkommen. Es geht eben nichts über solchen BureaukratiSmus, selbst dann nicht, wenn er den Steuerzahlern ein schönes Stück Geld lostet. Kleine Notizen. Grubenmifülle. Auf dem Johannaschacht in Bobrek(Ober- schlcsicn) entzündete sich vorzeitig ein Sprengschuß. Der Bergmann Kuballik wurde getötet, mehrere andere Bergleute wurden lebensgefährlich verletzt.— Auf der Zeche Ludwig in Essen- Rellinghausen ist beim Abteufen eines neuen Schachtes gestern abend ein durch die Bohrarbeiten bloßgelegter, bei früheren Sprengarbeiten nicht losgegangener Sprengschuß e x p I o« diert. Durch umherfliegende Gesteinsmassen ist ein Berg» mann getötet, ein anderer schwer und drei weitere leicht verletzt worden. Eine Falschmünzerbande verhaftet. Wie aus Graudenz gemeldet wird, ist in der letzten Nacht in Strelno ein Falschmünzernest ausgehoben worden. Die Falschmünzer haben seit längerer Zeit falsche Zweimarkstücke hergestellt und in Umlauf gebracht. Die Verbrecher wurden verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis in Grandenz eingeliefert. Eine Familientragödie. In Luxingen im Kanton Glarus hat sich der 33 Jahre alte Naturarzt Rothardt, nachdem er feine Frau und seine beiden Kinder vergiftet hatte, ebenfalls ver» giftet. Rothardt, der in der Umgegend von Berlin praktizierte, hat die Tat aus Nahrungssorgen und wegen mißlicher Familienverhältnisse begangen. In den Alpen verirrt. Drei junge Mitglieder des Genfer Alpen« klubs unternahmen einen Aufstieg auf den Montblanc. Vom Schnee geblendet verloren sie den Weg und konnten die Alpenhütte nicht mehr erreichen. Sie mußten infolgedessen die Nacht im Freien zu» bringen. Einer der jungen Leute, namens W a ck e r l i n, gebürtig aus Schaffhausen, 19 Jahre alt, starb in der Nacht infolge der großen Kälte. Schreckenstat eines geisteskranken Arztes. In C i n e i n n a t i wurde ein Arzt während einer Operation plötzlich irrsinnig. Er begann Gesicht und Hals des Patienten zu zer« schneiden. Eine Krankenpflegerin eilte zur Hilfe herbei und nach einem furchtbaren Kampfe gelang es, den Arzt zu entwaffnen. Der Patient war in der Zwischenzeit infolge deS großen Blut- Verlustes verstorben. Seifentliehe politische Versammlungen. Sonntag, den 17. August 1913 mittags 12 Uhr: GedächtnisfBior Sonntag, den 17. August, nackimittags 4 Uhr, in Kellers»Neue Philharmonie«. Köpenicker Str. 96/97 (Ecke Jnselstrafte): GeffentL Sehifferoersatninlung Tagesordnung: 196/20 1.»Religion. Schule und Kirche und ihre Bedeutung für die Schiffer«. Referent: Schriftsteller tiinll Cnger. 2. Freie Diskussion. Ter Einberufer: llivkaeö«erbst, Berlin X. 58, Lettestr. 7. iiii- unseren August Bebel. Die Parteigenossen versammeln sich in folgenden Lokalen: Berlin. Happoldts Brauerei, Hasenheide 52/53. Viktoria-Brauerei, Lützowstraße 111/112. Haberlands Festsäle, Neue Friedrichstraße 35. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11. Germania-Prachtsäle, Chausseestraße 110. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24. Konzert- und Festsäle, Koppenstraße 29. Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16/23. Musikersäle, Kaiser-Wilhelm-Str. 18 m. Neukölln. Neue Welt, Hasenheide, großer Saal. Charlottenburg. Volkshaus, Rosinenstraße 3. Schöneberg. Neue Rathaussäle, Meininger Str. 8. Lichtenberg. Schwarzer Adler, Frankf. Chaussee 5. Pankow. Zum Kurfürsten, Berliner Straße 102. Weißensee. Lokal wird Sonntag bekannt gegeben. Spandau. Brauerei Pichelsdorf. Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Nach einem Gemälde von Tronnier-Hannover MiB in M Sorben onzgeWst Preis 1 Mark Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69. Kranken- und Zterbekasse der im allgem. Verkehrs- niesen beschäftigt, perslinell und verw. Bcrufsgenoffen „Eiuti-aclit"(S. a.(9). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der in der autzerordenllichen General- Versammlung am 23. Juni 1913 be« schlossene neue tScschästsvlan unserer Kasse von der Swssichtsbehörde ge- nehmigt ist und mit dem 1. September 1913 in Krast tritt. Die neue Satzung ist in unserem Dureau.Mulack- straße 19, in Empfang zu nehmen. 1828b Der Borstand. I.A.: Subr. MMungVonvartz Lindenstr. 69(Laden) insichtskarten vom Riesengebirge, Harz, Sächsische Schweiz, Dresden, Berlin in reicher Auswahl. Stück 5 Pf. mit Brut vernichtet radikal Rademachera Goldgelst, Tautende v. Anerkennungen, fi. a(150 u. 1.00 M. In Apotheken und Drogerien. Man weise Nachahmungen zurück u. achte genau auf d. Namen: Goldgeist! Würzburger Hühnerangenmittel von I>r. H. CTnger.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Pf. Anweisung frei. Ohne Zweisel die bequemste u.niirksamsteHilfe. Der Schmerz ist in SMin. fort. DaS Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicylsäure u. indischen Hansextratt) Unger in Würzburg. Berlin(20 Pf.): Satomon■ Apotheke, Charlottenstraszc 54.— Greif- Apotheke, Barnimstr. 33.— Wo nicht, zu haben: Reseu-Apetheke. 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Auf Grund des Organisationsstatuts beruft der Partei- borstand den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 14. September, abends 6 Uhr, nach dem Volkshaufc in Jena ein. Die Eröffnung und die Konstituierung des Parteitages werden am 14.. September stattfinden. Die Festsetzung der Geschäfts- und der Tagesordnung und die Wahl der Mandats- Prüfungskommission sollen am Montag, den 15. Sep- tembcr, zu Beginn der Sitzung vorgenommen werden. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Geschäftsbericht des Parteivorstandes. a) Allgemeines. Referent: Genosse Scheidcmann. b) Kassenbericht. Referent: Genosse Braun. 2. Bericht der Kontrollkommission. 3. Bericht der Reichstagsfraktion. Referent: Genosse H. Schulz. 4. Maifeier. Referent: Genosse E b c r t. 5. Steuerfrage. Referenten; Genossen Wurm und Dr. S ü d e k u m. 6. Anträge. 7. Wahl des Parteivorstandes, der Kontroll- kommission und des Ortes, an dem der Partei- tag 1914 stattfinden soll. Parteigenossen! Bewirkt die Vorarbeiten für den Partei- tag rechtzeitig. Wo mehrere Delegierte zu wählen sind, soll nach§ 7 des Organisationsstatuts unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein. Die Vorstände der Wahlkreisorganisationen werden dringend ersucht, dem Parteivorstande die Namen der ge- wählten Delegierten unter genauer Adressenangabe alsbald mitzuteilen, damit ihnen die Vorlagen und sonstigen Mit- teilungen zugehen können. Außerdem müssen sich die Dele- gierten beim Lokalkomitee melden. Die Adresse des Lokal- komitees lautet: H. Leber, Jena, Magdelstieg 3. Die Mandatsformulare werden vom 13. August ab durch das Parteibureau versandt. Mit sozialdemokratischen Grüßen Der Parteivorstand. Ihsbt acht sul die Rrankenkaiien- wählen! In dem Aufruf der Generalkommission„Habt acht auf die Krankenkassenwahlcn", veröffentlicht in Nr. 207 unserer Zeitung, ist gescrgt worden, daß Ausländer nicht Wahl- berechtigt seien. Das fit ein Irrtum. Soweit Ausländer Mitglieder der Krankenkassen sind oder Krankenkassenmitgliedcr vom 1. Januar 1914 ab sein würden, sind sie nach§ 333 R.-V.-O. wahlberechtigt. Sie können nur nicht nach §§ 12 und 47 in die Organe der Versicherungsträger und in die Versicherungsbehörden gewählt werden. Die Generalkommission. C. Legten. kleines Feuilleton. Spruch für Bebel Sein Herz hat ausgeschlagen? Niemals, du enges Wort! Es schlägt in allen Tagen Laut in den Massen fort. Fr. D. Ruhe. Wissen wir noch, was das ist, Ruhe? Kennen wir über- Haupt noch den Zustand, in dem sich der Kleinstädter wohl am Abend befinden mag: die Häuser und die Sträucher erdunkeln, die Kinder lärmen im Walde, und das hört man nur aus der Ferne/ die alten Leute rauchen schweigend ihre Stummclpseifen... Wenn man so etwas einem Großstädter erzählt, so zuckt der gewöhnlich die Achseln und-sagt: Lassen Sie mich mir dem sentimentalen Zeug in Frieden! — So weit sind wir. Nun, wir erstreben wirklich nicht das bürgerliche Ideal der Ruhe, die von nichts weiß, von nichts wissen will, den Frieden des Mannes, der eben seine Ruhe haben will. Wir müssen kämpfen, wir wollen kämpfen, den ganzen Tag. die ganze Woche, das ganze Jahr... Aber die Ehrlichen unter uns gestehen doch ein, daß sie sich nach Ruhe sehnen. Einmal keinen Gegner hören, keinen sehen, den zu bekämpfen Klugheit und Existenz erfordern... einmal ganz losgelöst von allem Hader und Lärm sich treiben lassen... Das haben wir vergessen. Aber Ruhe ist Geld. Ruhe gebiert das Geld, und wenn man sich für das Geld nichts Vernünftiges kaufen kann—: Ruhe kaun man sich kaufen, Abgeschiedenheit und Stille, aus der das Beste un- serer Besten gekommen ist. Wir möchten uns auf uns selbst besinnen und können eS nicht. Wir möchten einmal aufatmen und können es nicht. Die Fabrik lätzt es nicht zu. Die Aktiengesellschaft läßt es nicht zu. Damit wir es aber einmal können werden,— damit unsere Kinder, unsere Enkel es einmal können werden,— auch darum müssen wir kämpfen, und den lauten Tag überstehen, der das Feine, das Stille unterdrückt, unterdrücken mutz. Und nur schwachsinnige (schwach-sinnige) Kaffern des Geistes widerstreben hier, ziehen sich zurück in die gemachte Einsamkeit und lassen die Welt treiben wie sie will. Wir nicht. Wir kämpfen.— Die Greuelproduktion der Kinoindustrie. Das schreckliche Eisen- bahnunglück bei B r a m m i n g e(Jütland), bei dem so viele Menschen unter erschütternden Nebenumständen ums Leben kamen, hat die widerwärtigen Seiten der Kinoindustrie in abstotzender Weise offenbar werden lassen. Wieder einmal, schreibt die Kopenhagener„National- t i d e n d e*, geben unternehmende Filmphotographen Stoff zu ernsthaften Gevnnken, und zwar ist der vorliegende Fall besonders bösartig und unziemlich. In einer dänischen Provinzzeitung wird eine Filmaufnahme geschildert, die am Tage nach der Katastrophe bei Bramminge an der Unglücksstelle selber stattgefunden hat. Am Nachmittag gegen 6 Uhr erschienen ein paar Photographen im Automobil und veranlatzten für einen Tagelohn von 4l) Kronen Männer und Frauen aus der Stadt Bramminge, Verwundete und GexverklckaMickes. ClnternchmerteiTonsmus. Es gibt immer noch Unternehnier genug, welche der Mittelalter- lichen Auffassung huldigen, der Arbeiter habe für den Unternehmer nicht nur seine Arbelrskrast Herzugeven, sondern ihm anch seine Willensfreiheit zum Opfer zu bringen. Nicht nur innerhalb des Be- triebes wollen die Unternehmer dieses Schlages als unumschränkte Herren wal-.en, sondern sie nehmen sich auch heraus,„ihren" Ar- beitern Vorschriften darüber zu machen, was sie in ihrer freien Zeit zu tun haben oder was sie nicht tun dürfen, weil es dem„Herrn" nicht gefällt. Ein bezeichnendes Beispiel dieser Ärt teilt der„Fach- genösse", das Organ des Glasarbeiterverbandes, mit. Der genannte Verband veranstaltete in Weitzwasser(O.-L.) eine Versammlung, zu der auch die Arbeiter der„Vereinigten Lausitzer Glaswerke" eingeladen waren. In der Versammlung sollten keines- Wegs umstürzlerische Ideen, nicht einmal gewerkschaftliche Angelegen- heiten erörtert werden. Man wollte die Arbeiter nur über ihre Rechte als Krankenkassenmitglieder aufklären, weil in Weitzwasser eine Anzahl von Betriebskrankenkassen zugelassen worden sind. Doch auch eine solche Aufklärung war gegen den Willen der hochmögenden Be- triebsleitung. Unter Androhung der Entlassung verbot sie den Arbeitern den Besuch der Versammlung durch diesen Ukas: Aufruf! Der sozialdemokratische Glasarbeiterverband Deutschlands hat zu heute abend in das Lokal des. Herrn Linke eine Versammlung einberufen wegen des neuen in Kraft tretenden Krankenversiche- rungsgcsetzes. Da wir aber wissen, datz unsere Gegner darauf bedacht sind, das gegenseitige Vertrauen zwischen der Arbeiterschaft und uns zu stören, ersuchen wir die Arbeiter, der Versammlung fernzubleiben, da sonst ein Weiterarbeiten bei uns ausge- schloffen ist. Ist das nicht der unverschämteste Terrorismus? Aber darüber entrüsten sich die Leute nicht, die über angeblich von Arbeitern aus- geübten Terrorismus nicht laut genug schreien können. Kerlin und Qm gegen d. Die Arbeitslosigkeit in Berlin. In unserem gestrigen Artikel, der das obige Thema behandelte, haben wir, wie uns aus dem Bureau der Gewerkschaftskommission mitgeteilt wird, die Zahl der von ihr ermittelten arbeitslosen Mit- glieder der freien Gewerkschaften zu niedrig angegeben. Es sind nicht 16—17 000, sondern rund 24 000 Arbeitslose in den freien Gewerkschaften vorhanden. Da die der Gewerkschaftskommission angeschlossenen Organisationen über 50 Prozent aller in Berlin be- schäftigten Arbeiter umfassen, so kommt man zu der Annahme, datz — wie wir gestern schon sagten— Berlin gegenwärtig etwa 50 060 Arbeitslose hat. Deutfekes Reich. Die Wiederaufnahme der Arbeit auf den Kieler Werften. Die Direktion der Kruppschen Werften hat dem Arbeiterausschutz mitgeteilt, datz laut Beschlutz des Unternehmerverbandes der Werften bis zum Sonnabend jeden Tag 200 Mann eingestellt werden sollen. Diese Maßnahme sei deshalb getroffen worden, weil man nicht wisse, ob auch die Wiederaufnahme der Arbeit in anderen Orten er- folgen werde. Wenn jetzt eine größere Zahl von Arbeitern eingestellt iverde und die Wiederaufnahme der Arbeit erfolge nicht in allen Orten, müsse man dann nachher um so mehr Arbeiter wieder entlassen. Am Sonnabend werden die Unternehmer zusammenkommen, um event. über die Wiedereinstellung anders zu beschließen. Sämtliche Vertrauensleute der hiesigen Wersten haben Donners- tagmorgen beschlossen, den Streikenden nochmals zu empfehlen, datz die Arbeiter, die laut Bekanntmachung der Werften die Arbeit aus- Krankeitpfleger zu spielen. Vier Personen wurden hingelegt als Verwundete, ein anderer stellte den Arzt mit aufgekrempelten Ober- Hemdsärmeln und einem Kneifer dar. Seine Hände und Arme waren— um möglichst echt zu wirken— mit einem Saft bestrichen, der Menschenblut vorstellen sollte. Krankenpflegerinnen eilten bald hierhin, bald dorthin, verabreichten den letzten Labetrunk und trugen Watte und in den roten Saft getauchtes Verbandzeug. Man sah eine der Krankenpflegerinnen sich über einen der Verwundeten beugen und ihm zurufen:„Sie müssen sich vor Schmerzen winden, ich sah, wie es gestern zuging I" Diele Probe mag genügen, um zu illustrieren, was die Film- photographen und ihre Helfer sich erlaubten. Es waren, als die Aufnahme stattfand, genau 24 Stunden seit dem Unglück verflossen. Vor 24 Stunden taten die Unglücklichen, gebettet auf dem freien Felde bei Bramminge, ihren letzten Atemzug oder wurden sterbend und verwundet in die Hospitäler transportiert. Wir wissen, welchen Eindruck die Nachricht von der Katastrophe auf die ganze Bevölkerung machte, und wir sagen kaum zu viel, wenn wir'meinen, datz seit einer Reihe von Jahren keine Begebenheit hier bei uns ein so starkes Mitgefühl im ganzen Lande hervorgerufen hat, wie gerade diese. Und dann der große Kummer, der die Ueberlebenden traf! Wir, die noch die Spuren der Katastrophe sahen, waren tief ergriffen und uns ist die Roheit unfatzlich, die diese Filmdarsteller bewiesen haben. Und noch ein anderes Bild aus dieser Greuelsphäre kapitalistischer Sensationskultur. In A a r h u s(Dänemark) ist ein schweres Unglück passiert, von dem in der Presse merkwürdig wenig gesprochen wird. Eine junge Schauspielerin, Fräulein Gerda Rinn aus Christiania, spielte vor dem Aufnahmeapparat in einer Szene, die mit einer gewaltigen Explosion endet. Zu diesem Zwecke hatte man eine grötzere Anzahl Magnesium- bomben herbeigeschafft, und im geeigneten Moment wurde das Magnesium angezündet. Als sich der hierdurch entstandene dichte Rauch verzog, sah man mit Schrecken, datz Fräulein Rinn in hellen Flammen stand. Man stürzte mit Decken und Tüchern auf sie, es gelang auch, das Feuer zu ersticken, die junge Schau- spielerin Halle aber so schwere Brandwunden erlitten, daß sie im Krankenhause, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, nach wenigen Stunden starb. DaS Entsetzliche an derartigen Unglücksfällen ist, datz sie nicht nur traurig, sondern auch geradezu hätzlich sind. Warum mutzte die junge Schauspielerin denn eigentlich ihr Leben einbüßen? Damit sich ein kapitalistisches Konsortium mit nervenzerstörenden Schunddramen den Beutel füllen kann. Der widerwärtigste Schacher zerstör! hier gleichzeitig ein junges Menschenleben und die geistige Gesundheit des Volkes. Für dieses doppelte Verbrechen aber gibt es keine Strafe und keinen Richter. Nur die Hunde protestierten! Ueber einen charakteristischen Vorgang, der sich bei den Ostjaken Jahr für Jahr abspielt, berichtet man einer Petersburger Zeitung aus Jschim im Gouvernement Tobolsk. Der Schauplatz ist das Dorf Wetzjegonsk, wo der Dampfer nur einmal, die Post höchstens dreimal jährlich eintrifft. In der Morgenfrühe legt der Dampfer bei Wetzjegonsk an. Am steilen Ufer erblickt man glimmende Scheiterhaufen und die Gestalten von Menschen. Das Erscheinen des Dampfers bedeutet für sie eine nehmen können, diese auch aufnehmen sollen. Die streikenden Werst- arbeiter haben sich in einer Versammlung diesem Beschlüsse an- geschlossen._ Tie Werftarbritcr in Bremen haben in einer Versammlung, die am DonnerStagvormittag statt- fand, beschlossen, die Arbeit aufzunehmen. Die Ortsverwaltung wurde von der Versammlung beauftragt, mit den Betriebsleitungen über die Arbeitsaufnahme Rücksprache zu nehmen. Am Freitag und Sonnabend wollen die Streikenden mit der Wiederaufnahme der Arbeit beginnen._ Die Aussperrung in den Brenuaborwerkcn. Die„Arbeitgeber- Zeitung" macht den verfehlten Versuib. die Aussperrung zu einer Machtprobe der Arbeiter umzudichten. Schon im vorigen Jahre— sagt das genannte Organ— hätten die Arbeiter eine Machtprobe gemacht und mit der gegenwärtigen Bewegung sei es nicht anders. Hierzu wird uns geschrieben: Tie„Arbeitgeber-Zeilung" schreibt:„Die Arbeiterschaft hat nun von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch gemacht und den Tarifvertrag am 27. Juni gekündigt, gleichzeitig wurden der Firma Vor- schläge zu einem neuen Vertrage unterbreitet." Die letzte Behaup- tung stimmt nicht. Vorschläge zu einem neuen Tarifvertrage sind der Firma auf ihr besonderes Verlangen unterbreitet worden. Weiter soll nach Angabe der„Arbeitgeber-Zeitung" die Firma Gebr. Reichstein Gegenvorschläge gemacht haben, die den be- stehenden Arbeitsverhältnissen besser Rechnung tragen. Die weit- gehenden Angebote wurden aber von den Arbeitern abgelehnt. Diese Darstellung ist unwahr. Die Gegenvorschläge der Firma enthielten wesentliche Verschlechterungen gegenüber dem alten Tarif. Die Arbeiter konnten demnach weitgehende Angebote der Firma nicht ablehnen, weil solche gar nicht gemacht waren. Wenn die„Arbeitgeber-Zeilung" weiter behauptet, die Firma habe durch die Aussperrung die Arbeiter nicht vor eine Alternative ge- stellt, sie habe ihr Möglichstes getan, um das äußerste zu vermeiden, und sei bis zur letzten Siunde zu Verhandlungen bereit gewesen, so wollen wir denigegenüber feststellen: Die Firma hat die Arbeiter vor die Frage gestellt, den alten Vertrag bedingungslos anzuerkennen. Die Firma hat zu wiederholten Malen erklärt, datz bis zum I.August die Verhandlungen beendet sein müssen, nach dem 1. August wird nicht weiter verhandelt, sie würde den Betrieb schließen. Die Firma hat weiter erklärt, wenn der Betrieb geschlossen ist. ist in den nächsten 14 Tagen an Verhandlungen nicht zu denken, wenn die Arbeiter erst 14 Tage drautzen sind, wird es schon mit den Ver- Handlungen besser gehen. Klempnerstrcik in Kolberg. Die Kolberger Klempnergeselleu stehen seit einiger Zeil in Ver« Handlung mit den Meistern wegen Anerkennung eines Tarifvertrages. Eine Verständigung konnte bisher nicht erzielt werden, da die Meister sich den Forderungen der Arbeiter gegenüber ablehnend verhalten. Die Gesellen sind jetzt der weiteren Unterhandlungen müde, da sie einsehen, datz auf gütlichem Wege nichts zu erreichen ist. Sie haben deshalb am Montag die Arbeit niedergelegt und erwarten, datz der Zuzug von Klempnern nach Kolberg ferngehalten wird. Achtung! Tapctendrucker und Hilfsarbeiter. Die Arbeiter der Tapetenfabrik Afflerbach, Inhaber G. Brockmann in Barmen, stehen seit Montag in Kündigung. Die Firma hat jede Verhandlung über die von den Arbeitern eingereichten Forderungen abgelehnt. Zuzug von Tapetendruckern und Hilfsarbeitern ist streng fernzuhalten I Busland. Arbeiterverhältnisse in der amerikanischen Hochofen- industrie. Nach einem offiziellen Bericht waren in der Hochofenindustrie der Vereinigten Staaten im Durchschnitt des Jahres 1903 33 429 Arbeiter beschäftigt. Deren Durchschnittslohn betrug 12,31 Dollar pro Woche. Dieser Lohn genügt nicht einmal für die allerbeschei- densten Verhältnisse. Die einheimischen Arbeiter, die bei solchem Verdienste verhungern müßten, sind daher auch schon längst fast Sensation; sie beginnen plötzlich sich zu regen, laufen hin und her, stoßen schrille Rufe aus und stürzen mit Gejohle auf den Dampfer zu. Der Schenkwirt des Dampfers freut sich:„Donnerwetter, wie viele I" sagt er, indem er sich vergnügt die Hände reibt.„He I Wasjka I" ruft er dem Schenkjungen zu,„rasch die Schlüssel zum Schrank I" Am Eingang und auf der Treppe zum Schenklisch des Dampfers entsteht ein fürchterliches Gedränge. Die Leute stoßen sich und stürzen von der Treppe herab. Schon vorher, am Fallreep, sind mehrere Leute ins Wasser gefallen und nur mühsam wieder empor geklommen. Schweißgebadet stehen der Schenkwirt und sein Laufjunge da. Beide finden kaum Zeit, den vom Ufer herbei- geströmten Ostjaken Schnaps zu reichen und das Geld einzukassieren. Die Ostjaken sparen weder Geld noch Sachen und bringen alles herbei und geben für den Schnaps alles her, was irgend Wert hat. Der Schenkwirt weist nichts zurück. Ein Ostjake brachte ihm letzthin einen mit Eichbornfell gefütterten Pelz mit Zobelkragen, der min« bestens 60 Rubel wert war, und gab ihn für ein Viertel Wedro Branntwein hin. Gegen 7 Uhr abends war das ganze Ufer voll von betrunkenen Ostjaken, die aus ihren Dörfern nach Wessjegonsk zum Jahrmarkt mit Rauch- und anderen Waren zusammengeströmt waren. Es betranken sich nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen und die Kinder. Halbnackt mit zerzausten Haaren irrten sie auf dem sandigen Ufer umher, grölten unzusammenhängende Gesänge in ihrer Sprache und überschütteten einander mit Schimpfreden, wobei es zu Schlägereien kam. Unter ihnen bewegten sich„wie Hechte im Karpfenteich" russische Händler, die alles aufkauften, was noch nicht vertrunken war. Die ganz kleinen Kinder, die noch nicht fest auf den Beinen standen, wurden den Hunden an den Booten zur Obhut überlassen; sie wurden ebenso wie die Hunde mit Stricken an Pflöcke gebunden, damit sie nicht an den Uferrand gelangen und ins Wasser fallen konnten. Und nur die Hunde protestierten empört über diese wüste Orgie durch andauerndes Geheul.., Nur die Hunde protestierten! Notizen. — Theaterchronik. NeueFreieVolksbühne. DaS auf Anregung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge- schlechtskrankheiten unter Leitung von Direktor Ernst Michaelis ver- anstaltete Ensemblegastspiel„Die Schiffbrüchigen" findet in der Zeit vom 16. bis 30. August seine Fortsetzung im Neuen Volks- .Theater, Köpenicker Straße 68. Spielleitung und Besetzung bleibt die gleiche wie im Deutschen Theater.— Das Schiller- Theater bringt Ende August als erste Neueinstudierung Roseggers vieraktiges Volksstück„Am Tage des Gerichts". — Paris h a t keinen Platz, für Denkmäler mehr! Paris befindet sich in einer großen Verlegenheit. An den nächsten Tagen sollte der Magistrat über nicht weniger als acht neue Denk- mäler abstimmen, und noch sind nicht einmal alle beschlossenen und ausgeführten untergebracht! Der„Gaulois" ftagt in Heller Ver- zweiflung, wo man mit allen diesen Werken hinsoll. Paris sei mit Statuen bereits übervölkert; sie seien bald ein bedenkliches Verkehrs- Hindernis geworden. Wilhelm Busch hat einmal einen Vorschlag zur Güte gemacht, gelegentlich der Fllrstendenkmalsseuche. Er meinte, man könnte die Denkmäler hinten aushöhlen und Pissoirs daraus machen. Auch Paris wird eine Menge Denkmäler haben, für die dieser Vorschlag des großen deutschen Humoristen als das erlösende Wort gelten könnte. bollständig von anspruchsloseren Einwanderern verdrängt worden. 82,6 Proz. aller Hochofenarbeiter arbeiteten länger wie 72 Stunden pro Woche, doch gab es in dieser Industrie keine Arbeiter, welche eine wöchentliche Arbeitszeit von 54 Stunden oder weniger hatten. Trotzdem in den letzten zehn Jahren die Zahl der Beschäftigten zurückging, ist die Produktion infolge verbesserter Arbeitsmethoden und größerer Antreibereien um 77.5 Proz. gestiegen I In den großen Werken der Roheisen� industrie beträgt die Produktion pro Kops der Beschäftigten 1123 Tonnen im Jahre gegen 265 Tonnen im Jahre 188g! Dabei find die Löhne im großen und ganzen dieselben geblieben, weil es bisher nicht gelang, diese Arbeiter dauernd zu orgauisieren. Die Unternehmer sorgen obendrein dafür, daß möglichst viele Ratio »alitäten in ein und demselben Betriebe vorhanden sind, damit die Arbeiter nicht miteinander bekannt, geschweige denn einig werden können. Das erklärt, warum die vom Gewerkschaftsbunde jetzt eifrig betriebene Agitation in der gesamten Metallindustrie in nicht weniger wie 20 verschiedenen Sprachen betrieben werden muß. Hafenarveiterstreik. Arbeit eingestellt. In Riga haben 2800 Hafenarbeiter die Serlcbts- Leitung. Wagendiebstähle. „Im Interesse der Sicherheit des Verkehrs auf den Straßen müssen derartige Fuhrwerksdiebe, die als„Hyänen der Straße" be- zeichnet werden können, mit aller Schärfe des Gesetzes angefaßt werden," so begründete der Vorsitzende der vierten Ferienstrafkammer des Landgerichts I das Urteil gegen den Arbeiter Karl Marx, der sich wegen Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle zu verantworten i hatte. Wegen gewerbsmäßiger Hehlerei war ferner der Althmidler | Wilhelm Schwanz angeklagt.— Der schon mehrfach vorbestrafte Angeklagte Marx hat, wie die Ermittelungen der Kriminalpolizei ergaben, in Gemeinschaft mit dem inzwischen flüchtig gewordenen Kutscher Max Mendt auf offener Straße mehrere Fuhrwerke mit ihrem Inhalt gestohlen. Die Diebe fuhren mit den gestohlenen Fuhrwerken nach einem unbenutzten Lagerplatz in der Prenzlauer Allee, luden hier die Waren ab und ließen das Fuhrwerk dann in einer entlegenen Gegend stehen. In einem Falle fielen ihnen Messingstangen und Blöcke im Werte von 1800 Mark in die Hände. Als Hehler wurde der Mitangeklagte Schwanz er- millelt, der Eigentümer eines G r u n d st ü ck s in der Soldinerstraße ist. Dieser hatte das gestohlene Messing angekauft und am nächsten Tage mit zirka 300 M. Gewinn weilerverkauft. Der Staatsanwalt beantragte gegen Marx 2 Jahre Zuchthaus und gegen Schwanz wegen gewerbsmäßiger Hehlerei Iftz Jahre Zuchthaus. Für Schwanz wurde von dem R.-A. Dr. Schwindt und Dr. Fürle geltend gemacht, daß bei dem bisher unbescholtenen Manne, der offenbar nur der Versuchung erlegen sei, nur einfache Hehlerei vorliege. Das Gericht nahm dies auch an und bewahrte den Angeklagten Schwanz so vor dem Zuchthause. Das Urteil gegen ihn lautete auf l�/z Jahre Gefängnis. Bezüglich des Marx ging das Gericht unter anfangs erwähnter Begründung weit über den Antrag hinaus und erkannte auf 3 Jahre und 6 Monate Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Ungültigkeit einer Polizeiverordnung. Für B a h r e n f e l d hat der Amtsvorsteher am 4. März 1912 eine Polizeiverordnung erlassen, die den Grundeigentümer, der sein Grundstück nicht an die Kanalisation anschließt, mit Strafe bedroht. Ein Konsul Gayen, der sein Grundstück nicht angeschlossen hatte, wurde wegen Uebertretung der Polizeiverordnung angeklagt. Das Kammergericht als letzte Instanz sprach den Angeklagten wegen formeller Ungültigkeit der Polizeiverordnung frei, indem es ausführte: Die Verordnung sei in einer sogenannten Anlage des „Pinneberger Kreisblattes" veröffentlicht worden, ohne das im amt« lichen Teile des Kreisblattes auf diese Veröffentlichung hingewiesen worden sei. Eine solche Verkündigung der Polizeiverordnung könne nicht als ausreichend erachtet werden. Nach den Nor- schriften des Regierungspräsidenten, die in Gemäßheit der Vor» schriften des Landesverwaltungsgesetzes ergangen sei, müßten Polizei- Verordnungen im Kreisblatt verkündet werden.„Anlagen" und „Beilagen" seien nicht ohne weiteres Teile des amtlichen Kreis- blattes. Ein Zusammenhang mit dem Hauptblatt werde nur her- gestellt, wenn das Hauptblatt einen besonderen Hinweis enthalte, daß die„Anlage" oder das„Beiblatt" eine amtliche Be- kanntmachung enthalte. Da hier das Hauptblatt einen solchen Hin- weis nicht enthalten habe, so könne die Verordnung nicht als„im Kreisblatt veröffentlicht" angesehen werden und es fehle somit os einer formell rechtsgültigen Rechtsnorm. Die Verordnung sei des- halb wegen formeller Ungültigkeit nicht anwendbar. Eingegangene Druckrdmften. Von der„Neuen Zeit" ist soeben baS 46. Hest des 31. Jahrgang« erschienen. Aus dem Inhalt des HesteS heben wir hervor: Miliz und flehendes Heer. Von Fr. Mehring. Hl.— Verstaatlichung und Berstadt- lichung. Von Hans Marckwald.— Die perfische Eisenbahnsrage. Ein Kapitel zur Erdrosselung Persiens. Bon Erwin Barth.(Schluß)— Zur Bekämpfung der Reaktion. Bon A. Kolb. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich emmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werde». Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Doktor Fcrenczy. Roman von Auguste Hauschner(Kürschners Bücherschatz. 906). 20 Pf. H. Hillger, Berlin W. 9. Todes-Anzeigen KWVW Todes=Anzeige. Heute entschlief sanft unser lieber Vater und Großvater August Bebel im 74. Lebensjahre. Kremation und Beisetzung erfolgen in Zürich. Zürich, den 13. August 1913. Frieda Simon-Bebel Werner Simon Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Wickler Hermann lZrnKlieim am 13. d. M. an Herzschlag gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1k. August, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Luisen- Kirchhoses in Neukölln, Hermannstraßc, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. �tachrui. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Paul Liesespedk am 8. d. M. an Gehirnhaut. entzündung gestorben ist. Ehre ihrem Andenken: 123/18 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahivereln LliBerl. Reictistagswahikreis. Frankfurter Viertel. Bez. 256. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Kellner Albert Decker Grüner Weg 119 gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 16. August, nach- mittag 4>/, Uhr, von der Leichen. balle des Markus. Kirchhoses in WUhelmsberg aus statt. Küpenloker Viertel. Bez. 182 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Artur Rehländer Falckensteinstraße 43 gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 16. August, nachm. 4 Uhr, von der Halle des Zcn- wal-Friedhoses in Friedrichsselde aus statt. Ehre ihrem Andenken: Um rege Beteiligung ersucht 216/10 Der Vorstand. Verband der Gastwirlsgehilien. Ortsverwaltung Berlin. Am 13. August verstarb unser Mitglied, der Kollege Albert Decker. Ehre seinm Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 16. d. M., nachmittags 4'/, Uhr, von der Kapelle des Friedhofes der St. MarkuS-Ge- meinde in Wilhelmsberg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 3-7» De» Vorstand. Von der Reise zurück ISlöL Dr. Zadek, Tel. Moritzpl. 3630. Dresdener Str. 1 09. Sozialdemokratischer Wahl?erelü (.dlBerLReichstags-Wahlkreis. Am 12. d. MtS. verstarb unser Genosse, der Arbeiter Otts Dorn Soldiner Str. 32. Bezirk 821a. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 15. August, nach- mittags i'lt Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes, Muller- straße, Ecke Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/11 Der Borstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Gro6-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Eisen- industriearbeiter Artur Rehläoder am 12. d. M. imAltervon39 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 16. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Zentraljricdhoses in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 67/8 Die Bezirksverwaltung. Allgem. Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler and deren Berulsgenossen =(E. H. 86, Hamburg).------- Berwattungsstelle Berlin A. TU ach ruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Karl Hostel am 11. August plötzlich Verstorben ist. Die Beerdigung hat bereits am 14. August in Friedrichsselde statt- gesunden. Ehre feinem Andenken: Die OrtsVerwaltnng. Dir Hiederharnim, Bezirk Schöneiche und Umgegend. Am 12. d. M. verschied unser Mitglied, der jrühcre Restaurateur pneäl-icd Henscdel im Alter von 68 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heutenach« mittag 6 Uhr von der Wohnung in Klein-Schönebeck, WolterSdorser Straße, aus statt. 240,20 Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Deutscher Duchhinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unsere Kollegin AU. CiroUuo� nach kurzem Krankenlager ge- starben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 15. August, nachm. 4'/, Uhr, aus dem Heilig-Kreuz- Kirchhos in Mariendorj statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 24/14 Die Ortsverwaltung. ScIinmi'Aeiidok't. Am Dienstag, den 12. August, verstarb plötzlich am Herzschlag unser Mitglied, Genosse (iustav Teichmann im Alter von 38 Jahren. D! Beerdigung findet heute Freiiag, den 15. August, abends 6 Uhr, von der Leichenhalle des hiesigen Gemeinde-FriedhojeS aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Den Parreigenosse» im sechsten Kreise empfehle mein 1755b* ZipTOgeseliäst. Qoais Hahn, Hoohstädter Str. 10. Rosa Luxemburg. Broschiert 30 Pf. Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69. 1s Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 17. August, vormittags 10 Uhr, bei Frlta Wllkc, Sebastianstrasze 39: Versammlung der Dachdecker u. Hilfsarbeiter. 51/7 Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 2. Quartal 1913. 2. Verbandsangelegenheiten. Der Verstand. ScfymöcMz, Klald-Tdyll HSlt sich den werten Vereinen, Gewerlschasten und Schulen bei Ausflügen bestens empfohlen.* Tel: Zeuthen 81. Jnh.: EfflSt NOUCk* Arbeiter, Handwerker, jeder praktisch arbeitende Mann Jeder der sür seine Arbeit, für seinen Beruf, besonders vorteilhast geeignete Kleidung nötig hat, kaust diese bei der bekannten Firma Mcitshlddung ♦ Berufskleidung. Hauptgeschäst: Atexanderstr. 18. Zweiggeschäste: Rosenthaler Str. 53— Landsberger Allee 148— Kcukölln: Bergstr. vv. Reelle billige Preise, erprobte solide Qualitäten, guter Sitz, richtige Machart, beste Verarbeitung, gröftte Auswahl. Verwaltung Berlin. Modell- und fabriktikbler. Montag, den 18. August, pünktlich 8 Uhr: Branchen- Vcrf am tu tun g im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/1S. Tagesordnung: 1. Ist das Umschauverbot für die Maschinenfabriken auf. zuHeben? 2. Verbands- und Branchenangelegenheite«. Die Delegierten zur Generalversammlung müssen zu dieser Versammlung erscheinen. Die Bibliothek ist wieder eröffnet, es wird um rege Benutzung ersucht.»le Ortaverwaltnng. Branche der Möbelpolierer. Sonnabend, den ÄS. August 1913: Großes Sommervergnügen bei Boeker, Weberstr. 17 bestehend aus Konzertz Theater� Spezialitliten«nd Kall. Eröffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Billetts inkl. Danz 50 Pf. find in den mit Plakaten belegten Zahlstellen sowie bei Max Knoll, Norweger Str. 4; Eugen Hoffman», Wrangelftr. 114; Paul-thimm. Tilfiter Str. 79, zu haben. 87/10 Das Komitee. Keomtwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neulölln- Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Derltn. Druck».Verlag: Borwärt» Utmaltungsstellt Kerliu. C 54, Limenstr. 88—85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Montag, den 18, August 1913: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Oerwaltungsftelle Berlin in folgenden Lokalen: Norden'. PharnssWe, Müllerstr. 142, abends 8'/. Uhr. Norden' 0bil?;,OB �«»tsuie. Schwedter Straffe 23, abend» Norden: Frankes Fe«tsäle, Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. Moabit: Prachtsaie Wordwest, Wielefstr. 24, abends 8'/, Uhr. Cbarlottenburg: Volk«haa«, Rofine»str. 3, abends 8'/. Uhr. kNoanl- Restaurant Müller, Berliner Straffe 84, abends IcUCl. 6 Uhr. Westen und SchönelierB: 08(60 I Comcniussille, Memeler Str. 67, abends 8>/, Uhr. I iablnnlsaiin» Kestanrant Knrbowskl, Pfarrstraffe 74» Liemeooera, abend» 8-/, uhr. Stralau-Rummelsburg:«®ÄVBe'§att?tftra&e 3' Veißensee: Penkert, Berliner Allee 251, abends 5'/. Uhr. e>«-liM,I,fi»i»>I,a» Gewerkschaftshan», Engelufer 15, buoenoezirKe. Saal 4, abends 8-/. Uhr. NeilltOHn' Bart*clia �««tshle, Hermaunstr. 48/49, abends Clafflil>r• Schellhases Festsale, Ahorn straffe 15a, abends dlcjJlllZ. s1/, Uhr.... Köpenick o. Friedriehsbagen: K°p�ck,«ah»ho��45'. abends 8>/, Uhr....., Oberscbönew eide, Niedersehoneweide, Johannls- fkni„ Umir. WUhelmlnenhol, Wilhelminenhofstrafte. loai u. Ving., abends 8>/, Uhr. efnanckn»-«estanrant Dannenberg, PichelSdorfer Str. 5, dMUUall. abends 8-/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: i. Stellunguahme zur ordentliche» Geuerulversammluug. 2. Kerichl vom»ußerordeutlichen Verboudstug. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pünttliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 12�17 Die Ortsverwnltnn*. H.& P. Uder, l'u'ÄT. Tabak-GroOhandlnng und Tabaklabrik. Rauch-, Kau-, SchnnpUabake. Zigarren, Zigaretten."W« Vorteilhaftaste Bezugsquelle für Wi oder Verkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren In allen Preislagen, Ztnaretten" Buchdruckerei u. Berwgöanjtalt Paul Singer Ue Co., Lerliv LA» Ht. 209. 30. Jahrgang. 3. Stitat Ks Jimötts" Sftlintr WsM Freitilg, 15. August 1918. partei- Hngclegenbeiteii. Genossen Groß-Berlins! Am Sonntag, den 17. August, mittags 12 Uhr, finden in 16 Sälen Groß-Berlins Gedächtnisfeiern für unseren August Bebel statt. Das Nähere ist aus dem Inserat in der heutigen Nummer ersichtlich. Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Groß-Berlins. Lichtenrade. Am Sonnabend, den 16. August, abends 8>/z Uhr, gemeinsamer Zahlabend im Wirtshaus Lichtenrade, am Bahnhof. Cablow. Am Sonnabend, den 16. August, abends 8>/z Uhr: Wichtiger Zahlabend des Wahlvereins im Lokal Käbe. Staaken. Der Zahlabend findet Sonnabend, den 16. August, abends b'/z Uhr, bei Gnädigs statt- Bruchmühle-Eggersdorf. Am Sonnabend, den 16. d. Mts., abends 8 Uhr, findet der gemeinsame Zahlabend in Bruchmühle bei Kutzner statt. Dabendorf und Umgegend. Sonnabend, den 16. August: Mit gliederversammlung des Wahlvereins im Lokal von Fr. Wiese. Aw fang 3>/z Uhr. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Berliner JVacbricbten. Bebel im alten Berlin. Nach dem Tode unseres greisen Führers dürfte es für unsere Leser vielleicht von Interesse sein, zn hören, welche Eindrücke die Zustände des ehemaligen Berlins auf den damals 10 jährigen Bebel machten. Im II. Rand seiner Memoiren schreibt er darüber folgendes: Ich hatte gegen' Schluß der Session meine Frau nach Berlin kommen lassen, um ihr die Stadt zu zeigen. Das damalig-- Berlin kann sich mit dem heutigen in nichts vergleichen. Die schmucklosen Fassaden an den langen geraden Straßen ließen es langweilig und eintönig erscheinen. Die Häuser standen gleichmäßig neben einander wie ein Regiment Soldaten, saber ohne aw regende Farbe. Der Verkehr war im Vergleich zu heute gering. Ab und zu humpelte ein Omnibus mit zwei müden Gäulen über das Pflaster. Droschken sah man selten, deren Benutzung war dem Berliner jener Zeit zu teuer. Das einzige moderne Verkehrsmittel war die Pferdebahn, die vom Kupfergraben nach Charlottenburg führte. Mit den hygienischen Zuständen war es übel bestellt. Eine Kanalisation war noch nicht vorhanden. In den Rinnsteinen, die längs der Bürgersteige hinliefen,.sammelten sich die Abwässer der Häuser und ver- breiteten an warmen Tagen mephitische Gerüche. Bedürfnis- anstalten auf den Straßen oder Plätzen gab es nicht. Fremde und namentlich Frauen gerieten in Verzweiflung, bedurften sie einer solchen. In den Häusern selbst waren diese Eiw richtungen meist unglaublich primitiv. Eines Abends besuchte ich mit meiner Frau das Königliche Schauspielhaus. Ich war entsetzt, als ich in einem Zwischenakt in den Raum trat, der für die Befriedigung kleiner Bedürfnisse der Männer bestimmt war. Mitten in dem Raum stand ein Riesenbottich, längs den Wänden standen einige xots de chambre, von denen man den benutzten höchst eigenhändig in den großen Kommunebottich zu entleeren hatte. Es war recht gemütlich und ganz demo- kratisch. Berlin als Großstadt ist wirklich erst nach dem Jahre 1870 aus dem Zustand der Barbarei in den der-Zivi- lisation getreten.__ Das Museum der Insekten. Wie stolz ist der Junge, wenn er mit Bienenfleiß auf herrlichen Wanderfahrten Schmetterlinge und Insekten ge- samnselt, in Reih' und Glied im Glaskasten wohl hundert und mehr auf Korkplättchen und langen, feinen Nadeln unter- gebracht hat! Wie winzig klein ist aber diese mühsam er- langte Ausbeute im Vergleich zu der ungeheuren Zahl der verschiedenartigen Insekten, welche unseren Erdball bevölkern! Man würde den Reichtum an Jnsektenarten nicht für möglich halten, könnte man nicht in dem seit einigen Monaten er- öffneten cntomologischen Museum in Dahlem,.übrigens dem ersten gelungenen Versuch eines villenartigen Gebäudes für solchen Zweck, mit eigenen Augen betrachten, was die Erde an kriechendem, schleichendem und fliegendem„Kruppzeug" gebiert. Der Katcklog des Museums, das heißt ein metcr- hoher Stoß von Druckheftcn, weist nicht weniger als bereits rund Hundertfünfzigtausend Nummern auf. Soll man dabei mehr die Natur bewundern, welche in ihrer erstaunlichen Vielgestaltigkeit, in schier unerschöpflicher Laune so viele lebende Wesen in immer neuen Formen hervorbringt, oder muß man den Hut ziehen vor der Riesen- arbeit, die es vermocht hat, diese enorme Sammlung dem Wissensdurst der Menschenkinder zu lvidmen? Noch vor ein paar Jahrzehnten Waffen die bedeutendsten Käfer- und Schmetterlingssammlungen stark verstreut, meist in Privat- besitz und nicht annähernd vollständig. Eine der besten Sammlungen war das Lebenswerk des vor drei Jahren ver- storbenen Berliner Professors Kraatz. Von dieser Sammlung befindet sich ein stattlicher Teil noch heute im Märkischen Museum und zwar in der Abteilung für heimische Naturkunde. Ein anderer, weit größerer Teil wurde abgezweigt und hat nun nach mancherlei Irrfahrten und unter fortgesetzter Bereiche- rung in dem Dahlemer Museum eine bleibende Stätte gefunden. Das der Stadt Berlin vermachte erhebliche Vermögen des Professors Kraatz und verschiedene andere Stiftungen sowie ein eigens eingesetztes Kuratorium des Berliner Magistrats haben das großartige Werk, das in der Hauptsache für wissenschaftliche Studien bestimmt ist, schnell gefördert. Es ist eine sehcnslvertc, geheimnisvolle Klein- welt, die sich da auftut. In Holzkästen, Schränken und Glasvitrincn sind die vielen Tausende Käfer und Schmetterlinge untergebracht, deren phantastische Formen und un- beschreibliche Farbenschönheit der Laie nicht ahnt. Und noch immer treffen von eifrigen Sammlern, die alle Erden- Winkel durchstöbern, neue unbekannte Arten ein, die der rast- lose Menschengeist der Natur abfordert. An die arbeitende Jugend Grost-Berlins! Der diesjährige Massenausflug der Berliner Arbeiterjugend findet am Sonntag, den 17. August 1913, nach dem„Müggelschlößchen" am Müggelsee statt. Er soll zu einer in den Werkstätten, unter Freunden und Freundinnen, für diese Ver anstaltung agitieren! Auch der letzte Jugendliche mutz an diesem Tage herangeholt werden' Die Jungdeutschlandbündler, Pfadfinder und wie sie alle heihen mögen, können sich nicht genug tun in Kriegsspielereien, in Klimbim und übertriebener Sportfexcrei. Demgegenüber gilt es zu zeigen. von welch idealem, brüderlichem Geiste die arbeitende Jugend beseelt ist. Darum sei die Losung: Auf zum Massenausflug der arbeitenden Jugend Grotz-B erlins! Es lebe die freie Jugendbewegung! Hoch die Solidarität! In Berlin erfolgt der Abmarsch früh 7 Uhr von folgenden Treffe punilen: Gesundbrunnen: Vinetaplatz und Humboldthain(Normaluhren)— Bad> straße Ecke Schwedter Straße— Exerzierstraße(Normaluhr)— Prinzenallee Ecke Christianiastratzc.— Fahrgeld 50 Pfennig. Schönhauser Vorstadt: Bahnhos Schönhauser Allee.— Fahrgeld 50 Ps. Nordost: Arnswalder Platz— Danziger Straße Ecke Greifswalder Straße— Danziger Straße Ecke Wcißenburger Straße.— Fahrgeld 40 Pfennig. Aioabit; Stromstraße Ecke Turmstraße-(Denkmal im llemcn Tiergarten) — Fahrgeld 55 Pfennig. Südost: Schlesischcs Tor— Görlitzer Bahnhof.— Fahrgeld 20 Pfennig. (Normaluhr)— Moritzplatz— Lindenstraße - Dönhossplatz(Stein-Denkmal).— Fahrgeld Süden: Hohenstaufenplatz (Jcrusalcmer Kirche)- 30 Pfennig. Osten: Samariterstraße Ecke Frankfurter Allee— Weidenweg Ecke Zorn- dorser Straße— ComeniuSplatz— Küstriner Platz— Strausberger Platz— Goßlerstraße(Sportplatz)— Landsberger Ecke Höchste Straße. — Fahrgeld 30 Pfennig. Wedding: Malplaquetstraßc Ecke Nazarethkirchstraß»— Seestraße Ecke Müllerstraße. Fahrgeld 40 Pf. Wcdding: Nettelbeckplatz(Normaluhr)— Sparrplatz Ecke Sprengclstraße. Fahrgeld 40 Pf. Rosenthalcr Vorstadt: Pappelplatz Ecke Ackerstraße— Gartenplatz Ecke Ackevstraße(Litfaßsäule)— Arkonaplatz Ecke Fürstenberger Straße- Teutoburger Platz Ecke Templiner Straße. Fahrgeld 40 Pf. Westen-Südwesien: Bclle-Alliancc-Straße Ecke Dorckstraße(Sfl« Uhr morgens)— Bahnhos Großgörfchenstraße. Fahrgeld 40 Ps. Der Abmarsch erfolgt pünktlich 7 Uhr morgens. Proviant und Lieder Bücher sind mitzubringen. An der Veranstaltung� beteiligen sich der Arbciter-söngerbund und die gesamten Arbeiter- Sportvereine Berlins. Auch die Arbcitcrelter» und alle Freunde der Jugend sind herzlich eingeladen. Den Weisungen der Ordner ist unbedingt Folge zu leisten. Auf zum Massenausflug! Die neue städtische Ttrastenbahn Behrenstraste— Kreuzberg wird, wie nunmehr feststeht, am Sonnabend, den 23. d. Mts., dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Sie führt von der Behren-, Ecke Charlottenstratze, durch die Markgrafen-, Zimmer-, Wilhelm-, Hedemann- und Königgrätzer Straße nach der Groß- beeren- und Kreuzbergstratze. An den Tagen, an welchen eine Be- leuchtung des Wasserfalles stattfindet, werden die Wagen dieser Linie wohl vor der Hagelberger Strotze halten müssen. Am Donnerstag, den 21. d. Mrs., soll die landespolizeiliche Abnahme der neuen Linie stattfinden und am folgenden Tage das Personal „eingefahren" werden. Als direkte Verbindung zwischen Kreuzberg und Anhalter Bahnhof wird die neue Linie von den An- wohnern des Viktoriaparks mit Freude begrüßt. Man war dort bisher auf den„Sechseromnibus" angewiesen, der nur alle zehn Minuten verkehrt. Nach Inbetriebnahme der geplanten Straßenbahn von Neu-Tempelhof durch die Möckern st ratze dürfte wohl diese den Hauptverkehr nach dem Askanischen Platz an sich ziehen. Der Wagenpark für die städtische Straßenbahn Behrenstratze— Kreuz berg steht im Stratzenbahnhof an der Kniprodestratze schon bereit. Der neue städtische Stratzenbahnhof in der Urbanstratze soll am nächsten Montag in Betrieb genommen werden. Wasscrspcrre! Die Wasserwerke der Stadt Berlin halten fest an dem sehr bedenklichen Brauch, die Zahlungsunfähigkeit eines Haus- besitzerS an seinen Mietern zu rächen und ihnen die Wasser- leitung abzuschneiden, weil der Wirt da? Wassergeld schuldig geblieben ist. Eine solche Wassersperre wurde in der vorigen Woche auch über die Bewohner des Hauses Littauer Str. 19 verhängt, dessen Besitzer in Geldvertegenheit geraten war und das Wassergeld von Januar ab noch schuldete. Volle sieben Tage hindurch waren die Mieter genötigt, ihr Wasser teils von einem Brunnen des Hinteren Hofes. teils von einem auf der Straße stehenden öffentlichen Brunnen heranzuschleppen, was namentlich für Geschäftsleute keine geringe Unbequemlichkeit ist. Die um Hilfe gebetene Polizei schickte einen Kreisarzt, der aber konnte auch weiter nichts tun als achselzuckend erklären, er habe höchstens das Wasser der Brunneu daraufhin zu prüfen, ob es einwandfrei sei. Schließlich brachten die Meter aus eigener Tasche das vom Wirt geschuldete Wassergeld zusammen, zahlten es im Betrage von 178 M. für die sechs Monate Januar bis Juni bei der Kasse der Wasserwerke ein und erlebten dann endlich am Nachmittag des 14. August die Freude, daß ihnen die Wasserleitung wieder ihr Wasser hergab. Um die weitere Wasserzuführung zu sichern, mutzte ein Mieter eine Kaution von 250 Mark stellen, an der die Wasserwerke sich schadlos halten wollen, wenn die Zahlung wieder mal aus bleiben sollte. Wir halten es für einen u n e r t r ä g li ch e n Z u- st a n d, daß die Wasserwerke der Stadt wie ein privates Geschäftsunter nehmen auf ihrem„Reckt" bestehen, bei Zahlungsversäumnis die Wasserlieferung einzustellen und die Mieter eines solchen Hauses in ärgste Verlegenheit zu bringen. Ein internationaler Hochstapler» der in seinen Schwindeleien und bei seinen Diebstählen außer- gewöhnlich vielseitig war, wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Der Hotclpatrouille der Berliner Kriminalpolizei fiel nach längeren Beobachlungen ein Mann auf, der sich in verschiedenen besseren Cafös und nächtlichen Vergnügungslokalen durch große Geld- ausgaben hervortat. Der Verdächtigte wurde festgenommen und nach dem Polizeipräsidium gebracht. Von dem zuständigen Dezernenten wurde er hier sofort als ein internationaler Hochstabler erkannt, der im Juni d. I. von der Londoner Polizeibehörde signalisiert worden war. Der Verhaftete nannte sich Louis Gambetta alias Berger und wollte im Jahre 1888 in Montreal in Kanada geboren sein. Diese Angabe lietz er aber bald fallen und sagte, daß er einer Emi» grantenfamilie entstamme und aus London gebürtig sei. Bei dem Gauner, der ein äußerst gewandtes Auftreten hat und neben deutsch auch die englische und französische Sprache vollständig beherrscht, fand man zur größten Ueberrasckung eine Anzahl Pfandscheine über hier in größeren Hotels gestohlene Gegenstände. Der Dieb war hier mit großer Geschicklichkeit vorgegangen, hatte die wert- vollen Schmucksachen aus den Zimmern gestohlen und sie gleich zu Geld gemacht. Dem Erkennungsdienst vorgeführt, entpuppte sich Gambetta alias Berger als ein am 22. August 1338 in Burgstädt bei Chemnitz geborener Kurt Kunze, der wegen der verschiedensten Straftaten bereits hier und in vielen anderen Städten mit den Strafbehörden in Konflikt gekommen war. Wegen schwerer Urkundenfälschung wurde er noch aus Leipzig und Dresden gesucht. In Berlin hatte er sich in einem Geschäft, wo er für ganz kurze Zeit Stellung genommen hat, durch allerhand Schwindeleien sowie Fälschung der Lohnbücher große Summen an- geeignet und war dann flüchtig geworden. In Köln wurde er bei einem v-Zug-Diebstahl abgefaßt. Nach seiner Entlassung im Mai dieses Jahres wandte er sich nach London. Der Internationale ♦.««7---- ff—"-ÜO-'I-7"------- OO- I I-----—- O— v)"*?-' Ä-'VV M14.C.VJ.HCCVMCCCV imposanten Knndgebung der Jugend werden. Da heißt es, überall, I Schwindler, der wegen Hoteldiebstählen und schweren Urkunden- fälschungen u. a. noch aus Kreuznach, Lüttich, Paris und London unter dem Namen Gambetta-Berger steckbrieflich verfolgt wird, hatte sich zuletzt auf einen ganz neuartigen Betrug verlegt. Durch Zeitungs- inserale suchte er junge Franzosen und Engländer als Volontäre für Bureauarbeiten. Wenn diese bei ihm vorsprachen, so erkundigte er sich nach ihren Eltern und deren Adresse. Diese benutzte er dann so- fort, um den Leuten zu depeschieren, daß ihr Sohn verunglückt sei, und forderte sie gleichzeitig auf, Geld für sein Unterkommenzu senden. Dies holte er dann in einem Hotel ab. Der Autoomnibus in den Berliner Vororten. Der Omnibus dringt mit Hilfe des mechanischen Betriebes, wie berichtet, immer weiter in die Berliner Vororte. So wird zu einer durchgehenden Verbindung vom Ringbahnhos Neukölln bis Pankow, wie angekündigt, am 16. August die Automobillinie 4 ausgestaltet. Eine zweite neue Automobilverbindung erhält Neukölln an demselben Tage dadurch, daß die Allgemeine Omnibus-Gesellschast ihre Auto- linie 11 vom Hermannplatz durch die Kaiser-Friedrich-Straße bis zur Anzengruberstraße verlängert. Zu den jetzigen Teilstrecken zu 19 Pfennig kommen zwei neue, Alte Jakobstraße— Weichselstraße und Moritzplatz— Anzengruberstraße. Die Wagen verkehren von der Anzengruberstraße Werktags von 5.27 früh bis 11.59 nachts, Sonn- tags bis 12.39. Von Moabit gehen sie Werktags von 6.23 bis 12.46, Sonntags bis 1.26. Sie folge» sich in Abständen von fünf bis sechs Minuten, So wird eine durchgehende Verbindung von Moabit, Unter den Linden, durch die Friedrich- und Leipziger Straße, über den Moritzplatz und das Kottbuser Tor und beinahe durch ganz Neukölln hergestellt.____ Es gibt Tote, deren Namen sich in den Listen für die Ver- anlagung zur Kirchensteuer besonders lange behaupten. Oft schon haben wir Mitteilung gemacht, daß der geschäftsführende Ausschuß der Stadtsynode Veranlagungen und Zahlungsaufforderungen zur Kirchensteuer ergehen läßt für Personen, die längst das Zeitliche ge- segnet haben. Wieder liegt eine Veranlagung zur Kirchensteuer vor uns für eine Frau Anders, die bereits im Jahre 1898, also vor 16 Jahren, gestorben ist. Lange Jahre hat der Ehemann eine Veranlagung für seine verstorbene Ehefrau nicht erhalten, bis endlich im vergangenen Jahre der geschäftsführende Ausschuß der Berliner Stadtshnode ihm eine Zahlungsaufforderung zusandte, für seine Frau den Kirchen- steuerbetrag zu entrichten. A. berichtigte im vorigen Jahre den dem Ausschuß unterlaufenen Irrtum. Trotzdem ist er auch in diesem Jahre von der Veranlagung zur Kirchensteuer für die Verstorbene nicht verschont geblieben. A. muß nun abermals Einspruch gegen diese Veranlagung erheben. Es scheint, als ob Tote in den Kirchen- listen immer wieder auferstehen. Selbsthilfe eines Hausverwalters. Im Hause Swinemünder Straße 3, das den Mädler- schen Erben gehört, hatte ein Mieter S. infolge von Arbeitslosigkeit die Miete für Juli nicht zahlen können. Herr F. Mädler kündigte ihm zum 31. Juli, aber die Familie räumte am 1. August nicht die Wohnung, die nicht sogleich von diesem Tage ab weitervermietet wurde. Herr S. meinte, einstweilen noch in dem bis- herigen Quartier bleiben zu dürfen, weil er eine andere Wohnung noch nicht habe mieten können. Um ihn loszuwerden, griff am 2. August der Hausverwalter, ein Oberpostschaffncr Heinrich, zu einem von Hausbesitzern oder ihren Verwaltern öfters angewandten Mittel. In Abwesenheit der Familie S. verschaffte er am Vormittag sich Zutritt zu der Wohnung, indem er die Schulter gegen die verschlossene Flurlür stemmte, bis die im Pfosten steckende, den Schloßriegel haltende Kramme herausflog und die Tür ans» sprang. Dann wurde die Flurtür ausgehoben, des« gleichen die F e n st e r f l ü g e l der Küche und der Stube, sowie die Tür zwischen Stube und Küche— und nun konnten die Bewohner, zu denen zwei Kinder von sieben und vier Jahren gehörten, mal probieren, wie lange sie es in dem unbehaglich gewordenen„Heim" noch aushalten würden. Als die Familie am Nachmittag heimkam, fand sie zu ihrer Verwunderung und Bestürzung die offene Wohnung unbehütet, so daß Spitzbuben sie bequem hätten ausräumen können. Es fehlte auch Gerät und Geschirr, eine Abwaschwanne, Teller, Tassen, ein Tisch, eine Lampe, bald aber stellte sich heraus, daß der Verwalter diese Wirtschasts- stücke, wohl als Pfand für die noch geschuldete Miete, in Ver- Wahrung genommen hatte. Der Hauswirt, an den S. sich wandte, riet ihm, den Verwalter zu bitten, daß er die Flurtür wieder- einsetzen möchte, aber S. lehnte ab, den Gang zum Verwalter zu tun. Wegen der Kinder, die in der zugigen Wohnung nicht hätten bleiben können, begab nachher die Mutter sich zu der Frau des Hauswirts, und diese ließ dann durch einen Boten dem Ver- Walter sagen, daß er die Tür einsetze» solle. Es war schon recht spät am Abend, als endlich die Flurtür zurückgebracht und ein- gesetzt wurde, doch die Stubentür samt den Fensterflügeln behielt Herr Heinrich weiter in Verwahrung. Den gehofften Erfolg hatte die Selbsthilfe des Hausverwalters nicht, vielmehr blieb die Familie in der Wohnung, und sie hat in ihr bisher zwei Wochen lang Tag und Nacht bei offenen Fenstern ausgeharrt, obwohl die kühle, oft regnerische Witterung den Aufenthalt zu einem sehr ungemütlichen machte. Inzwischen hat der Hauswirt die Räumungs« klage eingereicht, S. aber hat gegen den Verwalter, den er des Haus- friedensbruches beschuldigt, Strafanzeige erstattet. Ein Straßenbahnunfall ereignete sich gestern vor dem Hause Leipziger Str. 57. Dort verließ ein Fräulem Luise StrieweSki den Anhängewagen eines Zuges der Linie 87, kam zu Fall und zog sich Quetschungen an beiden Oberschenkeln zu. Die Verletzte erhielt auf der nahen Unfallstation die erste Hilfe und wurde dann in ihre Wohnung gebracht. Ein Autoexpreßverkchr Hamburg— Berlin ist dieser Tage von einer Hamburger Firma eingerichtet worden. Diese Neuerung will die Mängel beseitigen, die trotz des Eilgiiterverkehrs bei der Eisen- bahn herrschen sollen. Das gewaltige Güterauto vorläßt Mittwochs und Sonnabends nachmittags Hamburg und bestellt Donnerstags und Montags vormittags die mitgenommene Fracht. Nachmittags fährt das Auto mit neuer Fracht nach Hamburg zurück. Da die Neuerung sehr stark in Anspruch genommen wird, so ist geplant, unter Einstellung eines zweiten Autos die Fahrten täglich durchzu- führen. In dem gestern veröffentlichten Brief an den Vorstand des Berliner Krippenvereins ist die Zahl der Säuglinge und Kinder, die der Verein im letzten Jahre gewartet hat, irrtümlich auß 169 an- gegeben. In Wirklichkeit beträgt die Zahl der Gewarteten 1969. Auf der Trcptow-Sternwarte finden folgende kinematographische Vorführungen mit erklärenden Vorträgen statt: Am Sonnabend, den 16. August, abends 7 Uhr:„Christoph ColumbuS"; abends 9 Uhr: Aus fernen Landen". Am Sonntag, den 17. August, nachmittags 5 Uhr:„Interessante Bilder aus Italien"; abends 7 Uhr:„Aus fernen Landen". Am Montag, den 18. August, abends 7 Uhr: „Christoph Columbus". Mit dem großen Fernrohr wird am Sonn- abend der Jupiter und an den folgenden Tagen von 9 Uhr abends ab der Mond beobachtet. Zeugen, welche gesehen haben, wie am 11. August, vormittags Vzll Uhr, in Friedenau, Südwest-Korso, Ecke Mainzer Straße, einer Person das rechte Bein überfahren wurde, werden gebeten, ihre Adresse bei C. Mascherek, Berlin, Triftstr. 43, vorn 4 Treppen, ab- zugeben. I Vorort- JVadmchtem Neukölln. Eine Familienpartie«ach Pferdebucht bei Köpenick findet am Sonntag, den 17. d. M. statt. Abfahrt vom Bahnhof Neukölln bor- mittags 11 Uhr bis Karlshorst. Daselbst finden Spiele statt. Fahr preis mit Kaffeekochen für Kinder 30 Pf. Für Nachzügler von 1 Uhr ab in Pferd, bucht. Um zahlreiche Teilnahme, besonders von Kindern, wird ersucht. Charlottendurg. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich am Mittwochabend in der Hardenbergstrabe. Der 43jährige Steindrucker Max Pommert, Goethestr. 63 wohnhaft, verließ während der Fahrt einen Straßew bahnwagen. In diesem Augenblick kam ein Drofchkenautomobil heran, dessen Führer sein Gefährt nicht mehr zum Stehen bringen koWte. P. geriet unter die Räder des Autos, die ihm über den Unterleib hinweggingen. Der Verunglückte wurde in die Unfall- station und von da in das Krankenhaus Westend geschafft. Durch Leuchtgas vergiftet wurde die in der Neuen Kantstraße im Dienst befindliche Ida Br. Das Mädchen wurde gestern morgen in der Küche ihrer Herrschaft besinnungslos vorgefunden. Ein herbei gerufener Arzt ordnete sofort die Ueberführung in das Westender Krankenhaus an. Allem Anschein nach liegt ein Versehen vor, denn in der Küche, in der das Dienstmädchen schlief, fand man einen Hahn am Gasherd offen vor. Die„Oeffentliche Schreibstube Charlottenburg" nimmt Aufträge in Ndressenschreiben, Vervielfältigen, Maschinenschreiben usw. direkt sTelephonanruf Amt Wilhelm 4715) und durch ihren Vertreter ent- gegen. Geschäftszeit von 8— S Uhr Berliner Str. 137. Lichtenberg. Der Arbeiterjugend Lichtenbergs bietet der Schwimmberein „Vorwärts* Berlin 1897 durch Vorzeigung der Abonnementskarte auf die„Arbeiterjugend" Gelegenheit, unentgeltlich das Schwimmen in Fritz Drakes Badeanstalt, Hauptstr. 6, zu erlernen. Alle die jenigen, die das Schwimmen noch erlernen wollen, haben sich bis 15. September beim Abteilungsleiter E. Wasello in der Badeanstalt von 6—8 Uhr werktäglich zu melden. Britz. Umfangreiche Gcländcaufschlüssc stehen, so lesen wir in der „Voss. Zeitung", in Britz und Buckow bevor. Das den Wredefchen Erben in Britz gehörige Rittergut soll demnächst der Bebauung er- schlössen und parzelliert werden, sobald der Ausbau der ehemaligen Kreischaussee von Britz nach Buckow erfolgt ist. Auch die südliche Nudower Strohe vom Buschkrug in Britz bis zur Buckower Grenze wird zu einer Prachtstraße ausgebaut. Die Wredefchen Erben haben das zum Ausbau der Straße erforderliche Gelände unentgeltlich ab getreten. Ebenso ist in Buckow der Aufschluß des 90 Morgen großen Pfarrackers in Aussicht genommen. Für den Aufschluß dieser beiden Gelände wird die neue Straßenbahnlinie Britz— Buckow— Nudow, die über Neukölln mit dem Berliner Straßenbahnnetz in Verbindung steht und am 1. Oktober d. I. eröffnet wird, von Bedeutung sein. Grünau. AuS der Gemeindevertretung. Der Entwurf gegen die Ver- unstaltung von Gebietsteilen Grünaus wurde mit einigen Aende- rungen angenommen. In Betracht kommt der Ortsteil südlick, der Wilhelmstraße und das Dahmeufer. Zur Erweiterung der Anlagen auf dem Kirchplatz soll demnächst ein Lokaltermin stattfinden. Der Bebauungsplan für den alten OrtSteil wurde einer gründlichen Durchberatung unterzogen, danach werden einige Straßen verbreitert und neue Straßen projektiert. Da bereits wieder ein neues Projekt zum Turnhallenbau zur Beratung steht, dürfte die Bauausführung erst im nächsten Jahre stattfinden. In der gut besuchten Mitgliederversammlung des Wahlvereins hielt Genosse Müller einen recht interessanten und mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über„Amerikanische Kulturverhältnisse". Der Bericht von der Verbandsgeneralversammlung wurde ohne wesentliche Debatte entgegengenommen. Angenommen wurde eine vom Genossen Fechner eingebrachte Resolution, worin die Gemeinde- Vertretung ersucht wird, im Hinblick auf die im Anzüge befindliche Krise beizeiten zu einer etwa eintretenden Arbeitslosigkeit Grünauer Arbeiter Stellung zu nehmen. Ferner bei allen von der Gemeinde zu vergebenden Arbeiten zunächst einheimische Arbeiter zu berück- fichtigen und Aufträge nur an solche Unternehmer zu»ergeben, welche die mit den Arbeiterorganisationen abgeschlossenen Tarife an- erkennen. Der Genoffe Restaurateur Otto Herzog hat seinen AuS- tritt auS dem Wahlverein mitgeteilt. Klein-Schönebeck— Fichtenau. Die Volksschule beschäftigte wieder einmal die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung. Wie der Gemeindevorsteher berichtete, hat sich die Regierung ohne Begründung gegen die Errichtung einer Zentralschule ausgesprochen, die Aufsichtsbehörde verlangt dem- zufolge den sofortigen Ausbau des Fichtenauer Schulhauses. Genosse Tobias drückte sein Befremden gegen diese Haltung der Regierung aus; in absehbarer Zeit sei dadurch der Gemeinde die Möglichkeit genommen, eine siebenklasstge Volksschule zu errichten. Ein Antrag unseres Genossen, diese Angelegenheit nochmals an die Schul- lommission zurückzuweisen, damit diese die Gründe fest- stelle, welche die Regierung zu ihrer bedauerlichen Haltung veranlaßt haben, wurde abgelehnt und dann der Ausbau der Fichtenauer Schule mit sechs gegen fünf Stimmen beschloffen. Von einer Protestaktion versprachen sich die bürgerlichen Vertreter keinen Erfolg. Eine längere Debatte rief der Antrag unserer Genossen betreffend die Bildung eines kollegialischen Ge- meindevorstandes hervor. Nach eingehender Begründung durch Ge- nassen Tobias beschloß die Gemeindevertretung, den Antrag und Ortsstatutentwurf einer fünfgliedrigen Kommission zur näheren Be- ratung zu überweisen. Die Fesffetzung der Höhe der Anlieger- beitrage zur Kostendeckung für die Bürgersteigbefestigung in der Hauptstraße mußte auf Verfügung der Aussichtsbehörde nochmals vorgenommen werden, weil seinerzeit trotz des Protestes unserer Genossen der als Interessent in Frage kommende Hausbesitzer und Gemeindevertreter Kleczewski an der Beratung und Abstimmung teilgenommen hatte. Die Neuab- stimmung ergab daö alte Resultat. Am Schluß der Sitzung rügte der Gemeindevertreter Kleczewski die allgemein als Mißstand empfundene mangelhafte Straßenbeleuchtung, die sich besonders an den Sonntagen mit großem Ausflüglerverkehr unangenehm be- merkbar mache. Aufklärung darüber schuf der anwesende Gas- meister, der auf die Frage des Gemeindevorstehers, es habe wohl etwas nicht funktioniert, erst bejahend und auf Ersuchen um Mit- teilung des Grundes unter allgemeiner Heiterkeit antwortete: „Wegen des Voll mondes hat es nicht funktioniert!" Unseres Erachtens ist aber nicht der unsichtbare Vollmond, sondern eine übertriebene und unangebrachte Sparsamkeit schuld an der Be- keuchtungsmisere. Schmargendorf. Aus der Organisation. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins ehrten die Anwesenden zunächst das Andenken des Genossen Bebel sowie des am Orte verstorbenen Genossen Teich- mann. Der Vortrag des Genossen A y s ch e über„Christentum und Sozialismus" wurde mit Beifall aufgenommen. Alsdann wurde mitgeteilt, daß die Bibliothek sich jetzt im Restaurant.Waldkater" befindet; dieselbe ist geöffnet jeden Sonnabend nach dem 1. und 15. eines jeden Monats. Als Delegierte zur Kreis-Generalversammlung wurden die Genossen Schreckling und Reck gewählt. Zum Schluß ersuchte der Vorsitzende, sich an der Beerdigung des Genossen Teich- mann zu beteiligen, dieselbe findet heute, Freitagabend 6 Uhr statt Treffpunkt Va6 Uhr abends bei Goetsch, Warnemünder Straße. Spandau. Den Parteigenossen zur Kenntnisnahme, daß in der letzten Generalversammlung als erster Vorsitzender der Genosse Willi I a h n k e, Weißenburger Str. 16a, II, und als erster Kassierer der Genosse Friedrich Abraham, Gartenstr. 10, parterre, gewählt worden sind. Der Kassierer ist jeden Montag- und Donnerstagabend von 6—3 Uhr in seiner Wohnung zu sprechen. Alle Zuschriften und Geldsendungen wolle man nur an diese richten. Mit den am 25. August stattfindenden Gewerbcgerichtswahlcn wird sich eine heute Freitag, abends 8Vz Uhr, stattfindende öffentliche Versammlung bei Köpenick, Pichelsdorfer Str. 39, beschäftigen. Da die Wahlen von großer Bedeutung für die Arbeiterschaft sind, wird vollzähiiges und pünktliches Erscheinen erwartet. Staaken. Die Freie Turnerschaft Staaken feiert am Sonntag, den 17. August, in Gnädigs Lokal in Staaken ihr 7. Stiftungsfest. Da der Verein infolge der behördlichen Maßnahmen um seine Existenz schwer zu kämpfen hat, wird die Arbeiterschaft gebeten, denselben nach Möglichkeit zu unterstützen._ Zossen. Am Sonntag, den 17. d. M., veranstaltet die Freie Turnerschaft Zossen ihr diesjähriges Stiftungsfest im Restaurant„Flora". Die organisierten Arbeiter werden ersucht, sich recht zahlreich am Aus- marsch vom Lokal Scherler zu beteiligen. Abmarsch pünktlich 3 Uhr._ Spiel und Sport Radfahrer. Ardeiter-Radfahrerbund„Solidarität"(Ortsgruppe Berlin) Touren zum Sonntag, den 17. August. Sämtliche Abteilungen 1 Uhr Friedrichshagen(Müggelschlößchen). Start an den bekannten Stellen. Das Sitzungslokal der 3. Abteilung befindet sich jetzt Berlin Südost, Waldemarstr. 75. 11. Abteilung am 20. August, 9 Uhr, Schöneiche(Mann). Start: Gr. Hamburgerstr. 18. Bezirk II. Ilm 17. August findet eine Unterbezirkstour statt. Start: Schmargendorf, Warnemünder Ew. 14/15, vorm. 10 Uhr. Proviant ist mit- zubringen. Die Ortsgruppen Schmargendors. Charlottenburg, Wilmersdorf, Schöneberg, Mariendors, Treptow, Neukölln bitten wir, am Start zu er- scheinen.— Die Ortsgruppen Steglitz, Teltow, Lichtenrade, Buckow, Rudow, Groß-Ziethen schließen sich in Zehlendorf an. Treffpunkt: 10 Uhr vorm. bei Mick, Karlstr. 12. Gemeinsame Abfahrt von Zehlendors llff, Uhr über Klein-Machnow, Gütergotz nach Drewitz. In Drewitz schließen sich die Orts- aruppcn Drewitz, NowaweS, Wannsee, Schenkendors, Sputendors und Groß- beeren an. Gemeinsame Zlbsahrt von Drewitz 2 Ubr über Rudow, Ahrens- dors, Großbeeren, Diedersdorf zurück Großbeeren, Marienselhe, Mariendorf. Endziel Mariendorf bei Buhrow, Chausseestr. 27. Die Bezirksleitung. Neukölln. Unterbezirkstour. Start 3 Uhr, Knescbeckstr. 48/49. Wilmersdorf. Unterbezirkstour. Start 9 Uhr, Wilhelmsaue ain Denkmal. Treptow. Unterbezirkstour. Start 8 Uhr in Treptow bei Kimmel. Charlottenburg. Unterbezirkstour. Start 8 Uhr. Lichtenberg. Touristenverein„Die Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 17. August: I. Tiesensee— Leuenbcrg— Tiesensee. Ab- ährt nach Tiesensee, Wriezener Bahnhos 5»"(Sonntagssahrkarte).— II. Rheinsberg— Gr. Stcchlinsce—Neuglobsow— Fürstenberg. Absahrt nach Rheinsberg, Stettiner Bhs., Sonnabendabend 10".— III. Fahrt zur internationalen Baufachausstellung in Leipzig. Absahrt Sonnabendabend, An- Halter Bhf. 7"(O-Zug).— IV. Sächsische Schweiz(4 Tage). Absahrt nach Dresden, Sonnabendnachmittag 2».— V. Harztour(10 Tage). Abfahrt nach Roßla, Sonntag früh 4" vom Alexanderplatz(4. Klasse). Gäste stets willkommen. Arbeiter- Wandervercin Berlin. Anläßlich der Kedächtnisseiern, welche am kommenden Sonntag für unseren Genossen Bebel stattfinden, fällt die vorgesehene Vereinstour Rüdnitz— Wandlitz aus. Gleichzeitig werden diejenigen Tourensührer, die Privattouren vor- esehen hatten, gebeten, ihren Teilnehmern mitzuteilen, daß auch diese louren aussallen. O b c r s p r e e w a l d s a h r t. Die für kommenden Sonntag, den 17. August, vorgesehene Spreewaldsahrt Lübbenau— Lehde—Leipe— Polenz- Bänke— Der prächtige Erlenwald— Forsthaus Eiche— Kanow-Mühle— Wot- osska— Lübbenau findet statt. Wir sind aber bereit, den Abnehmern unserer Teilnehmerkarten den vollen Preis von 5,75 M. zurückzuerstatten, edoch nur bis heute, Freitagabend, in unserer Zahl- teile, Georg Weihnacht, Grünstr.-21. Turner. Am Sonntag, den 17. August, veranstalten folgende A b« teil» n gen des Turnvereins Fichte Ausflüge: 2. Männerabt.: RiegentunisaHrt nach Erkner. Eintreffen der Riegen 1'/, Uhr im Neuen Schützenhaus bei Benoit. 3. Männerabt.: Birkenwerder— Bernau. Treffpunkt 6'/, Uhr Stettiner Vorortbhs., Absahrt 6.45 Uhr. 9. Mänuerabt.: Melchow—Nonnenfließ— Spechthausen— Schwärzesee— Samithsee— Melchow. Abfahrt 6 Uhr 6 Min. Bhf. Gesundbrunnen. 11. Männerabt.: Bernau— Mechesee— Bogensee—Liepnitzsee— Bernau. Abfahrt 6 Uhr 40 Min. Stettiner Vorortbhs. Kochgeschirr mitbringen. Die schon propagierte Familienpartte der 16. LehlingSabteilung wird wegen des MassenausslugeS der Arbeiterjugend bis auf weiteres uet' choben! Freie Turnerschaft Retnickendorf. Am Sonntag, den 17. August, Wettspiele in Velten. Gespielt wird: Faustdall, Fußball, 10X100 Meter Stafette und WeitsPringen aus dem Stand. Absahrt vom Bhf. Eichborn- straße 12.89 Uhr. Lichtenberg. Am kommenden Sonnabend, den 16. d. M., abends 8 Uhr, veranstaltet die Freie Turnerschast Rummelsburg in den Gesamt- räumen des Casä Bellevuc, Hauptstr. 2, ihr 13. Stiftungsfest unter Mitwirlung der Sängergesellschast Fidele Sänger. Da der Turnverein an ämtlichen Partai- und Gewerkschastssest en teilnimmt, wird um regen Besuch eitenS der Arbeiterschaft gebeten. Eintrittspreis 20 Pf. Oberschöneweide. Sonnabend: Nachttour nach Schmöckwitz. Start: 8 Uhr bei Schiffler, Siemensstr. 28. Friedrichshagen. Der dem Arbeiter-Turnerbund angeschlossene Verein für Bewegungsspiele 1909, Friedrichshaaen, feiert am Sonnabend, den 16. August, in Conrads Festsälcn, Friedrichftr. 137, sein 4. Stistunassesl. Die Vereine und Sporlssreunde werden um recht rege Beteiligung gebeten. Schöneberg. Ein Schauturnen veranstaltet der Arbeiter- Turnverein am kommenden Sonntag aus dem städtischen Spielplatz an der Rubensstraße(Friedenauer Ortsteil). Programm: 3— 4 Uhr leicht- athletische Wettkämpse, nachdem Freiübungen, Riegenturnen, Wettspiele, Stafetteiüäuse. Zutritt frei. Abends 8 Uhr: Gemütliches Beisammensein im lleinen Saal des„Schwarzen Adler". Freie Turnerschaft Eharlottenbnrg. Am 16. und 17. August, tzeier des 10 jährigen StistungssesteS. Sonnabend 8'/, Uhr: Festkommers m Volkshaus, Rosinenstr. 3, unter Mitwirkung des Berliner Humor- quartetts und des Neuen Toukünsllerorchesters von Hollsclder. Sonntag von 3—5 Uhr: Schauturnen in der Kunstgewerbe-Handwerkcrschule, Wilmersdorser Str. 166/67, daran anschließend Ball im Volkshaus. Tempelhof-Marieudorf. Fichte, 11. Abt. Lankwitz.(Sport- liche Wettkämpse). Anläßlich des am 10. August stattgesundenen Schauturnens der„Freien Turnerschast Tempelhof- Martendorf" fanden zwi/chen obengenannten Bereinen auf dem ehemaligen„Vorwärts- Sport- Platz" in Mariendors folgende Wettkämpse statt: Stafettenlaus bmal 100 m, Mannichaststugelstoßeii� und Fußball- Wettspiel Tempelhof-Mariendorf. Richte IL— In den Stasettenläusen siegte Fichte, 11. Abt., überlegen, vom Start ab führend mit 35 m Vorsprung. Das Mannschajtskugelswßen wurde von Mariendors mit 18 cm weiter vor Fichte 11 gewonnen. Bei dem zum Schluß ausgewogenen Fußballweitspiel zeigte Fichte 11 eine große Ueber- legenheit und so führten diese bei Halbzeit mit 4: 0 Toren. Nach Halbzeit wachte sich das von Fichte 11 vorgelegte schnelle Tempo bei den Marien- dorfern sehr nachteilig bemerkbar, sie konnten jedoch mit viel Glück noch ein -ror sür fich buchen, dein Fichte noch zwei entgegensetzte und das Spiel somit 6: 1 endete. Dem Spiel wie den Wettkämpsen wohnten einige Hundert Zuschauer bet.— Resultate: Stafettenlaus 5mal 100 m: Fichte 11 1,06 Min. Mariendors 35 m zurück.— Mannschastskugelstoßcn 5 Manu: Mariendors 38,48 m.— Fußball: Fichte 11. Abt. 6:1(4:0). Schwimmer. Der Schwimmverein Vorwärts Berlin 1897, veranstaltet am Sonntag, den 17. August, nachmittags 3 Uhr, sein diesjähriges großes Vereins-Sommerschwimmsest im Etablissement Cafs Bellevue(Inhaber G. Tempel) in Lichtenberg(früher Rummelsburg), Hauptsw. 2. Der Arbeiter- schasl Berlins und Umgegend soll durch die verschiedensten Konkurrenzen, wie Herren-, Damen- und Jugendschwimmen, Grup penspringen, Wasserball- spiele, Reigen und Ztettungsvorsührungen gezeigt werden, daß der Schwimmsport ein idealer und schöner Sport ist. Eintrittspreis nur 20 Pf. Fahrverbindungen: 3 Minuten vom Stadtbahnbof Stralau-Rummelsburg und die Straßenbahnlinien 26. 76, 77, 78 und 92. Arbeiter-Tchwimmveretn„Berlin"(Mitglied des Arbeiter« Schwimincrbundes). Am kommenden Sonntag finden folgende Schwimm- touren statt: Abt. I: Nach Freibad Oberspree. Treffpunkt 8 Uhr am Schlesischen Bahnhos(Untergrunddahn). Abt. II: Ort und Treffpunkt wird in der Uebungsstunde bekanntgegeben. Abt. III: Nach Baumwerder. Treffpunkt 8 Uhr am Bahnhos Beussclstraße. Abt. IV: Nach Baumwerdcr. Treffpunkt 8 Uhr am Oranienburger Tor. Abt. V: Jugcndausflug. Für die Jugendmitglieder sollen sämtliche Veranstaltungen wegen des Massenausfluges aus. Der Berliner Schwimmverein„Welle" hielt am vergangenen Sonntag sein diesjähriges Prüsungs-Tauerschwimmen im Langen See über die Strecke von ca. 3000 Meter ab. Von den durchs Ziel Gegangenen seien erwähnt: 1. Cohn 59.27 Min., 2. Wiesner 60.55 Win., 3. Allhaus 66.45 Min., 4. Wcigand 73.35 Min., 5. Knapp 74.15 Min. Zu erwähnen ist ferner, daß drei Damen daran teilnahmen und glatt durchs Ziel gingen. 1. Frl. Thiele 75.30 Min., 2. Frau Altenkirch 80.40 Min., 3. Frl. Schröter 120.17 Mn. Die Mitglieder der Rettungswache im Freibad Friedrichshagen treffen sich am kommenden Sonntag um 7'/, Uhr im Freibad. Arbeiter- Schwimmvcrein„Neukölln". Am Sonntag, den 17. d. M., veranstaltet der Arbeiter-Schwimmverein„Neukölln" in der Bade- anstalt von Joh. Hirt, Köllnische Allee 12—13, ein internes Schwimmfest. Zur Vorführung gelangen unter anderem Reigenschwimmen, Kunst- schwimmen, Kunsttauchcn, Wasserballspiel und Hindernisschwimmcn. Der Eintrittspreis beträgt 20 Pf. Außerdem bitten wir die Badebcsucher, zu beachten, daß an diesem Sonntag die Anstalt um 2 Uhr nachmittags sür Badende geschlossen wird. Fahrverbindung Stadtbahn Südring und Straßenbahn Nr. 46 und 22 Endstation. Arbeiter-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Be r l i n, 1. Abt. Montag, 18. August, Oranienslraße 103, Restaurant Augustin. Berlin, 2. Abt. Montag, 18. August, im Swinemünder Gesellschafts- Haus, Swinemünder Straße 42. Berlin, 5. Abt. Freitag, den 15. August, Neukölln, Jdealkafino, Wcichfelstr. 8. B e r l i n, 7. Abt. Mittwoch, den 20. August, Charlottenburg, Rosinen- straße 3, Volkshaus. Eröffnungslehrabend der neuen Abteilung. Gäste und Interessenten willkommen. Mariendors. Montag, 18. Slugust, Chausseestr. 27 bei Büro. Ober-Schöneweide. Montag, 18. August, Restaurant Schulz, Siemensstr. 12. Spandau. Mittwoch, 20. August, Pichelsdorfer Straße 5, bei Danne- berg. NowaweS. Montag, 18. August, Restaurant Schmidt, Friedrich- straße. Ecke Wilhelmstraße. N o w a w e s, Abt. Potsdam. Mttwoch, 20. August, Restaurant Glaser, Kaiser-Wilhelm-Straße. Veranstaltungen. Alt- Glienicke. Das�Kaffeekochen der Genossinnen kann besonderer Umständehalber nicht am Sonntag, den 17. August, sondern erst am Sonn- tag, den 24. August, stattfinden. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr bei Dürre, Köpenick« Straße._ Jugendveranstaltunge». Pankow-Niederschönhausen. Die Arbeiterjugend beteiligt sich am Sonntag, den 17. d. M., am Groß-Berliner Massenausflug nach dem Müggelschlößchen am Müggelsee. Treffpunkt'j,7 Uhr morgens Ecke Kaiser- Friedrich, und Berliner Straße. Fahrgeld 50 Pf. Liederbücher und Proviant für den ganzen Tag sind mitzubringen. MasscnbeteUigung aller jugendlichen Freunde und Freundinnen, sowie der Arbciterellern ist erwünscht. Jugendansschuff Treptow> Baumschulcnweg. Sonntag, den 17. August, Massenausflug nach dem Müggelschlößchen(Friedrichshagcn). Treffpunkt für Treptow 7 Uhr Elsen-, Ecke Kiesholzstraße; für Baumschulen- weg 8 Uhr Ernst-, Ecke Baumschulenstraße. Proviant und Liederbücher nicht vergessen I Kein Jugendlicher darf schien! Marktpreise von Berlin am 13. August 1i>13- nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,80, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00. Roggen, gute«orte 16,44 bis 16,45, mittel 16,42—16,43. geringe 16,40—16,41(ab Bahn). Futter- erste, gute Sorte 17,10—17,50, mittel 16.60—17,00, geringe 16,20—16,50. jaser, gute Sorte 17,60—19,00, mittel 16,50—17,50. Mais(mixed), gute -orte 16,50—16,70. Mais(runder), gute«orte 14,50—15,00. Richtstroh 4,80—5,00. Heu, alt 0,00, neu 5,80—7,40. Martthallenpreise. 100 Kiiogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50.00. Speisebobnen, weiße 35,00-60,00.. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00— 10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schwcmeflcisch 1,60—2,10. Kalbfleisch 1.40-2,40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Butter 2,20-3,00. 60 Stück Eier 3,60—5,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,60—2,60. Aale 1,40— 3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,60—3,20. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 1,00—45,00. WitternngSüberstcht vom 14. August 1913. Ctafionen Ii Swinemde. tamburg erlin raiist. a.M llünchcn Wien Ü 759 SW 759 760 761 763 761NNW «W -W :W si Wetter 3 bedeckt 3bedeckt Abedeckt 2Dunst 4bcdeckt 2!bedeckt cS- rill Et» vi« Ctatchnen l! =, Ii N" Haparanda Petersburg Scillh Aberdeen Paris 765 758 767 « st £■2 Bf NO ONO NW 763 WNW 763 WNW = Vetter 4 wolkenl 1 bedeckt 4 Nebel 2bedeckt 2oedeckt ** K* Ü 18 14 16 12 16 Wetterprognose für Freitag, den 13. August 1913. Kühl, vorwiegend trübe mit wiederholten Regensällen und ziemlich frischen westlichen Wind«:, dazwischen zeitweise aufklarend. Berliner W etterburea«. Wasterftands-Nachrichten der Land-Sansialt für Gewiff-rkunde, mitgeteM vom Berliner W-tzterbureau Wafferstand M e m e I. Tilsit P r e g e l, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor Krossen , Fransturt a r t h«, Schrimm „ Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz „ Dresden , Barby „ Magdeburg am 13.8. cm 208 9 438 281 200 36 —15 —46 44 —166 52 54 seit 12. 8. orn') +1 ±j +4 "7-3 +4 0 -4 +2 +1 —4 —2 Wafferstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau�) , Rathenow') Spree. Spremberg») Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, Marimiliaus-ul , Kaub . Köln Neckar, Hetlbronn Main, Hanau Mosel, Trier am IS. 8. om 69 —4 —16 64 78 114 192 486 255 241 62 116 41 seit 12.8. am') -i-s 0 0 +4 —2 —12 —3 —8 —6 — 1 +6 1+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Nnterpeget. KeMtvwrtlicher Repakteur: Alfred Wiciepp, Neukölln. Für Pen Inseratenteil vercmtw.: Th. Glocke. Berlin. Druck«.«erlag: Vorwärt»»vuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin!