Ztr. 213. Hbonnements-Bcdi ngu ngen: Abonnements- Preis l-räniimerando: Bierteljährl. SL0 Mb, monatl. 1,10 Mk, wSchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' lO Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl.ZeitunoZ. Preisliste. Unter Kreuzband iür Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Poftabonnemenis nehmen am Belgien, Dänemark, tolland, Italien, Luxemburg. Portugal. umänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jaksrg. Wijtint lZgllch. Verlinev Volksblskt. vie snkertlsnz-Sedllh? beträgt für die fechsgespaltenc Kolonel. zeile oder deren Raum«1 Pfg.. für holistsche und gewerlschastliche Vereins- Und Versnminlungs-Anzcigen SO Pfg. „Meine Än-eigen", das scttgcdrncklc Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste«ort 10 Pfg., jedes wettere Wort 5 Pfg. Worte über IZBuch. staben zählen für zwei Worte. Inserate sur die nächste Nummer münen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditron ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm> Adreffe, „SozlaldcmoHrat Berlin". Zcntratorgan der rozialdcmokratifcbcn Partei Deutfcblanda. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S8Z. Dienstag, den 19. August 1913. Expedition: 8ülle r-M e i n i n g e n. Von der Redaktion der Zeitschrift„Contre la guerrc" (gegen den Krieg) in Paris ist beim Parteivorstand folgende tele- graphische Kundgebung eingegangen: Dem gründlichen Hasser des militaristischen Massenmorde? und der kapitalistischen Massenausbeutung, unserem August Bebel, ewige Liebe und Achtung! Im Auftrage der Redaktion: Rappaport. Weitere BeilcidSkundgebungen sandten; die sozialistische Födc- rcrtion A l g e r, die sozialistischen Zjonisten in Paris, die so- zialdemokratische Partei in Genf, der sozialdemokratische Frauen- verein in Genf, die russische Arbeiterunion und die romanische Konföderation der Arbeiter in G« n f, die Arbeiter New Dorks, die sozialistische Zentralorganisation von Buenos Aires, der Genossenschaftskongreß in Kiew, die Arbeiter der eklundischen Fabrik in Petersburg, die Angestellten der Gesellschaft Pro- dongol in Petersburg, die Redaktion des gewalttätig unter- drückten Bauern- und Arbeiterblattes„Trudowoj goloS" in P e- tersburg, russiscke Arbeiter in R o st o w, eine Gruppe jüdi- scher Arbeiter in Bobruisk, Jndependent Labour Party, Brauch Marhlebone; Jndepcndant Labour Party, Brauch Chlapham; Friendly Society of Operative Masons, London; die Sozialisten von Lyon; die sozialistische Föderation in T o u- lonse; der Deutsche Arbeiterverein in Brüssel; der Verband sozialdemokratischer Frauen Finnlands, Helsingfors; die organisierten Genossen von Sao Paulo(Brasilien); das sozial- demokratische Arbeitcrsekretariat Wien; der Verband der tschecho- slawischen Schuhmacher Oesterreichs in Prag; die sozialistischen weiblichen Handelsangestcllten in Budapest; die sozialistische Föderation in Saloniki; das Zentralkomitee der sozialdemokra- tischen Partei und das Gewerkschaftskomitee in Sofia; die russi- scheu Sozialdemokraten in Sofia; eine Arbeitergruppe in T i f l i s; die Arbeiter in pharmazeutischen Betrieben in R o st o w; Petersburger Arbeiter; der Mctallarbeitervcrcin„Solidarität" in Moskau; die verbannten georgischen Sozialdenuzkraten in Rostow; politische Verbannte in Kein; 23 nach Sibirien ver- schickte Genossen in Tulun; der Sozialdemokratische Verein Stettin: die Kreisgencralvcrsammlnng des Wahlkreise? Luckenwalde-Zauch-Belzig-Jüterbog; die Genossen aus der Heilstätte Müllrose; die Genossen der Heilstätte AlbrechtshauS bei Stiege im Harz; der Deutsche Ar- beiter-Theaterbund in Potsdam. Beileidskundgebungen gingen noch ein von der sozialistischen Jugendorganisation Spaniens(Madrid), von der Sektion italic- nischer Sozialisten in Marseille, von der Frauengruppc der sozialistischen Partei in Paris, von den jüdischen Parteigenossen in S m o r g o n i und dem Lokalkomitee der sozialdemokratischen Partei in G I o r z o w(Galizien) sowie von der russisch-sozialdcmo- kratischen Arbeiterpartei in Riga. • �• Die wüi-ttembergifche Regierung und Bebels Cod. Von einem schwarzen Verdacht sucht sich der offizielle! „S t a a t s a n z e i g e r f ü r W ü r t t e m b e r g" zu reiuigen. In Scharfmacherblättern war ihm der schlverc Vorwurf ge- macht worden, er habe durch ein Extrablatt den Tod Bebels � verkündet, worin eine Aufmerksamkeit für den Revolutionär und eine arge Begriffsverwirrung in den obersten württem- bergischen Stellen' erblickt wurde. In den eigenen Spalten ich zu verteidigen, scheint dem Regierungsorgan nun doch zu läppisch zu sein, dagegen wird in einer, anderen Blättern zu- gestellten offiziösen Notiz versichert, daß die obersten württem- bergischen Stellen mit der Sache nichts zu tun haben, daß � der„Staatsanzeiger" auch kein Extrablatt ausgegeben habe. sondern auf einer au seinem Gebäude angebrachten Aus- Hängetafel das neueste Telegramm vom Tode Bebels re- gistriert habe. Die Redaktion des„Staatsanzeigers" wird also wohl unter Zubilligung mildernde? Umstände mit einem Verweis davon kommen. „(Ins feblt ein Hugult Bebel." Unter dieser Ueberschrift bringt die„Deutsche M o n t ag?, zettung" einen Leitartikel, dem wir das Folgende entnehmen: „Um diesen Toten im grauen Haar haben nicht nur die vier Millionen geweint, denen er die rote Fahne vorangetragen.... Selbst Richard Nordhausen, ein kleiner, aber strammer Antipode Bebels, griff in die Saiten und sang ihm im roten„Tag" eine Grabhymne.„Er war ein Kerl." Er war's... und darum folgt seiner Bahre der trauernde Neid von uns allen, die unter ihren politischen Führern keinen seines Riesenmaßes haben. Wo ist der, für den eines Bürgerlichen Herz so schlagen könnte, wie des Proletariers Seele für August Bebel brannte? Sie wären für ihn gestorben, die Männer mit der schwieligen Faust— wer möchte sich von uns für Herrn B a s s e r m a n n oder Herrn P a ch n i ck e ins Grab legen?...... Uns fehlen die Führer, die uns be» sitzen. Uns fehlt der August Bebel!...... Uns Bürgerlichen ist das politische Geschäft niemals eine Sache der N«ude. immer eine Sache des Ekels. Begreiflich, daß solches Handtverk keine Helden schafft, begreiflich, daß aus solchem Boden nicht Männer wachsen, denen die Herzen der Millionen zuschlagen. Uns blüht kein August Bebel!...... Laß dir'ö nachrufen in dein Züricher Grab, grauer Kämpfer: Du hast auch unsere Tränen. Um dich weinen auch die, denen du keine Fahne trugst. Gerade darum, weil du sie uns nicht trugst!" politiscbe debersicbt. Gemeinschaftliche Wucherpolitik. Der„Deutschen Tagesztg." ist eine große Freude widerfahren. Die hochschutzzöllnerische Bochumer Handelskammer hat sich in dem Heft S ihrer Mitteilungen nicht nur für die Aufrechterhaltung »unserer bewährten Schutzzollpolitik" ausgesprochen, sondern auch einen weiteren Ausbau dieser Politik empfohlen, und zwar auf der Grundlage eines„verständnisvollen" Zusammenwirkens der In- dustrie mit der Landwirtschaft. Wörtlich heißt es in den Mit- t eilungen:] »Der im Jahre 1912 gewählte Reichstag mit seiner starken freihändlerischen Linken bietet keine Gewähr für die Aufrecht- erhaltung unserer bewährten Schutzzollpolitik. Industrie und Landwirtschaft, die sich vor 3ä Jahren im Kampf um diese Schutz- zollpolitik zusammengefunden haben und seitdem ihre Träger ge- blieben sind, werden ihren ganzen Einfluß aufbieten müssen, der heimischen Arbeit den alten Schutz zu erhalten. Nur im gegen- s e i t i g e n E i n v e r st ä n d n i s und unter Zurückstellung vielleicht manches begründeten Wunsches wird dieses Ziel zu er- reichen sein. Das Verständnis für die Erhaltung einer leistungsfähigen� kaufkräftigen Land- Wirtschaft ist bei der Industrie vorhanden, wie auch die Ueberzeugung, daß schon allein die politische Lage Deutsch- lands inmitten Europas es unbedingt verlangt, daß wir in bezug auf die Versorgung mit den wichtigsten Lebensmitteln, Getreide wie Fleisch, vom Ausland im wesentlichen unabhängig bleiben oder, richtiger gesagt, werden müssen. Weil dem so ist, kann eine nur den Tageöinteresscn gerecht werdende Politik, die der Landwirtschaft die sichere Grundlage für sein« Viehhaltung nehmen will, keinen Beifall finden. Umgekehrt muß auch die Industrie bei der Landwirtschaft und ihren parlamentarischen Vertretern ein Verständnis- volles Eingehen auf die wesentlichen Bedürs- nisse der Industrie voraussetzen, mögen diese auf dem Gebiet der Handels- oder der Verkehrs- oder Gewerbcpolitik kiegcn. Darüber, ob es angebracht fein wird, die anzustrebenden neuen Handelsverträge durchweg auf der alten Grundlage der unbegrenzten Meistbegünstigung abzuschließen, bestehen innerhalb Industrie und Handel noch Zweifel. Jedenfalls hat die lange Jahrzehnte mit gutem Erfolg gehandhabte Meistbegünstigungs- klausel durch das Borgehen der Vereinigten Staaten von Amerika, das auf andere Länder bereits eingewirkt hat, für uns an Wert verloren." Das ist natürlich eine gar prächtig« Musik in den Ohren der Bündlersührer, und so schreibt die„Deutsche TagcSztg." hocherfreut: „Wir brauchen wohl nicht besonders hervorzuheben, daß diese Aus- sührungen fast durchaus in der Richtlinie dessen liegen, waS wir an dieser Stelle oft selbst dargelegt haben. Die Industrie kann sich darauf verlassen, daß sie bei den parlamentarischen Vertretern der Landwirtschast«in verständnisvolies Eingehen auf ihre wesentlichen Bedürfnisse finden wird." Verwandt« Seelen finden sich zu Wasser und zu Lande! Zur Kruppaffäre. DaS ,8 Uhr-Abendblatl"(„National-Ztg.") meldet, daß der von der Firma Krupp seiner Stellung enthobene Maximilian Brandt einen Nachfolger gefunden hat, und zwar in einem Major Stein- metz, der die Berliner Vertretung übernommen und bereits seinen Posten angetreten hat. Weiter schreibt die genannte Zeitung:»Wie es heißt, soll im KricgSministeriuni ein neuer Geheimerlaß verlautbart werden, in dem der Verkehr der Beamten mit An« gestellten von Firmen der Rüstungsindustrie eine Regelung nach be- stimmten Normen erfährt. Keinesfalls beabsichtigt man aber, so wird uns von zuständiger Stelle mitgeteilt, irgendeine Maßnahme zu er- greisen, ehe der zweite Prozeß gegen Tilian und Genossen sowie der Prozeß gegen Brandt verhandelt worden ist." Wer miffbraucht den Turnsport zu politischen Zwecken? Auf diese Frage gibt eine Debatte klare Auskunft, die auf dem Stuttgarter Rathaus geführt wurde! Nach einem Beschlutz der bürgerlichen Kollegien sollten bei dem im September stattfindenden altberühmten Cannstattcr Volksfest olympische Spiele aufgeführt werden. Zu diesem Zweck war die VolkSfestkommission der Kollegien an säintlichc Stuttgarter Sport- und Turnvereine herangetreten und alle hatten ihre Mitwirkung zugesagt mit Ausnahme der deutschen Turnerschaft und des Jungdeutschlandbundes, die nicht mit den Arbeiterturnern zusammen wirken wollten. Die Volksfest- kommission, der Mitglieder aller Parteien angehören, traf hierauf die weiteren Vorbereitungen nur mit den Vereinen, Re ihre Be- teiligung erklärt hatten. Das paßte indessen einigen national- liberalen Heißspornen nicht. Vermittels einer Interpellation griffen sie in die Geschäfte der Volksfestkommission ein und provozierten in der Plenarsitzung der bürgerlichen Kollegien eine überaus heftige Debatte, deren Ergebnis der mit knapper Majorität gefaßte Beschluß war, von der Aufführung der olympischen Spiele abzusehen, wenn nicht die deutsche Turnerschaft sich nicht noch zur Mitwirkung be- wegen liehe. Die Debatte bot unseren Gemeindevertretern reichlich Gelegen- heit, den bürgerlichen Vertretern zu Gemüte zu führen, wer in diesem Falle die Politik in eine rein sportliche Angelegenheit hinein- getragen hat. Bis in die jüngste Zeit hielten sich die deutschen Turn- vereine in Württemberg im allgemeinen von dem aggressiven Kampf gegen die freie Turnerschaft fern. Seit dem korporativen Anschluß der deutschen Turncrschaft an den Jungdcutschlandbund ist das jedoch anders geworden. Dieser neueste Vorgang in Stuttgart ist geeignet, den Arbeiter- turnern, die noch der deutschen Turnerschaft angehören, die Augen zu öffnen. Di« Arbeiterturner waren bereit, an einer großen Auf- führung zur Hebung eines Volksfestes oihne Rücksicht auf die De- teiligung andersgesinnter Vereine mitzuwirken. Die angeblich ,.n ich t p o l i t i s ch e n" deutschen Turner aber weigerten sich, die Arbeiterturner als gleichberechtigt anzuerkennen. Und die Stutt- garter Stadtväter stießen der pareipolitischen Gehässigkeit der treu- teutschen Turner zuliebe ihren eigenen Plan um..Das Volksfest ist kein Podium für sozialdemokratische Parteiturnvereine", sagt der nationalliberale„Merkur" aller gesunden Logik zum Hohn. Nicht vergessen darf aber werden, daß neben den nationalliberalen, den konservativen und den Zentrumsvertretern auch einige Volks- partciler sich dem Parteihatz der deutschen Turnerschaft unterwarfen. Amtliche Aufreizung zur Begehrlichkeit. Daß eine Regierung, und dazu noch die russische, die Arbeiter zur Begehrlichkeit, zu höheren Lohn forde- r u n g e n anreizt, dieser Fall steht wohl ziemlich einzig in der Welt da. lieber die wunderliche Angelegenbeit wird der„Voss. Zeitung" vom Montagabend aus St. Petersburg berichtet: „Dem Vernehmen nach hat das Ministerium des Innern die Gouverueure der G r e n z p r o V i n z e n angewieseu, die Arbeiter, die sich nach Deutschland begeben, um dort Arbeit zu suchen, darüber aufzutlären, daß das neue W e h r g c s e h für sie eine gute Konjunktur schafft, da es gegen IVO OOl) Mann der Landwirtschaft entziehen wird. Infolgedessen wünscht das Ministerium, daß den Bauern der Rat er- teilt wird. Loh»erhöhungzll Verlan gen. Es stützt sich dabei auf Berichte eines russischen Konsulats, das die An- regung zu der erwähnten Maßnahme gegeben hat." Die preußische Regierung läßt sich erfahrungsgemäß von Ruß- land sehr viel gefallen. Aber diese unerhörte Brüslierung, die sich gegen die geheiligten Interessen des preußischen Junkertums richtet, wird das Maß zum Ueberlaufen bringen; und selbst die Entschuldigung, daß Väterchen die Arbeiter im eigenen Lande zu Tausenden ins Gefängnis sperrt, wird das Berliner Auswärtige Amt nicht von ganz energischen Schritten zurückhalten. Anders könnte man erleben, daß die russische Regierung den nach Deutschland ziehenden Wanderarbeitern gar noch den Anschluß an den Land- arbeiterverband empfiehlt! Der Münchener Erzbischof und die Sozialdemokratie. Der bayerische Landtagsabgeordnete Genosse Profit- Ludwigs- Hafen hat sich daS Verdienst erworben, ein bedeutsames und ehren- volles Kapitel aus dem Leben deS jetzigen ErzbischofS von München, Dr. v.Bettiuger, darzustellen, llmer dem Titel: ,Dr. v. Bettinger und die Sozialdemokratie. Die Wahlkompromisse zwischen Zentrum und Sozialdemokratie in der Pfalz* hat Genosse Profit ein Bro- schürchen(40 Seilen, 25 Pf.) herausgegeben, das einen sehr wichtigen Beitrag zur allgemeinen deutschen Parteigeschichte darstellt. Ein volles Jahrzehnt hat in der Pfalz Rot und Schwarz gemeinschaftlich den Kampf gegen jene Kapilalistenherrschaft geführt, die sich .liberal" nannte. Und alle diese Bündnisse, die mit dem Ab- kommen zwischen„Altar und Äaisergräbern" begannen, wurden treulich gehalten: ja, es entwickelte sich sogar zwischen„Umsturz" und Klerus eine Art von Freundschaft, deren sachliche Unter- läge nicht etwa nur die Landtagswahlresorm war— denn eS gab auch zahlreiche Bündnisse bei den Gemeindewahlen und Verständigungen bei den ReichStagswahlen von 1907—, sondern die in gewissen gemeinsamen demokratischen Gesinnungen deS damaligen Zentrums wurzelte I Die treibende Krast dieses Jahr- zehnts schwarz-roter Kompromisse war nun niemand anders als der Stadtpfarrer von Speyer, Herr v. Bettinger, der jetzige Erzbischof von München, unter dessen Schutz auch Genosse Profit 190S jene denkwürdige Rundreise durch die katholischen Pfarrhöfe der Pfalz machte. Gerade in dieser Zeit, da das Zentrum in das Lager des preußischen Junkertums übergegangen ist und mit der politischen Ausnutzung religiöser Gefühle einen skandalösen Mißbrauch treibt, um seinen Abfall von jeder volkstümlichen Gesinnung zu verbergen, wird die Arbeit Profits in allen Zentrumswahlkreisen gute Dienste leisten, denn sie zeigt die Spitzen der katholischen Kirche als Bundes genossen der Sozialdemokratie. Vom KalKm Der bulgarische Protest gegen den türkischen Vorstosz. Sofia, 17. August.(Meldung der Agence Bulgare.) Die Regierung hat den Gesandtschaften der Großmächte eine Note überreicht, in der sie die Mächte davon in Kenntnis setzt, daß die türkischen Truppen unter dem Vorwande, die Bevölkerung in den von der griechischen Armee geräumten Gebieten schützen zu wollen, nach der Besetzung von Mustapha- Pascha. Dimotika und Sufili den Ort Kuschukavak, 16 Kilo- meter westlich von der Maritza, erreichten und auf Kirdjalü und Gümüldjina ziehen. Die Note macht darauf aufmerksam, die Tatsache, daß die Türken die erwähnten Ge- biete besetzten, noch bevor die bulgarischen Truppen wieder von ihnen Besitz genommen hätten, beweise klar, wie wenig der von der Pforte angeführte Grund den Tatsachen entspreche. Um vor den Großmächten die Wahrhaftigkeit ihrer Erklärungen und ihre vollkommene Aufrichtigkeit zu bezeugen sowie um neuen Anklagen vorzubeugen, schlägt die Regierung vor, daß die Wicderbesetzung der fraglichen Gebiete in Gegen- wart von Militärattaches stattfinde, welche solange dort bleiben könnten, wie sie es für nützlich hielten. Ta der Ber- trag von Bukarest Bulgarien zur Demobilisierung zwinge, würde es die höchste Ungerechtigkeit bedeuten, wenn den Türken erlaubt würde, ungestraft eine der Grundbestimmun- gen des Londoner Friedens zu übertreten und das Gebiet eines Staates zu verletzen, welcher soeben die Waffen nieder- gelegt habe. Tie Note schließt mit folgender Erklärung: Die bulgarische Regierung ist überzeugt, daß die Großmächte es sich angelegen sein lassen werden, mit den geeignetsten Mitteln das Verbleiben ottomanischcr Truppen diesseits der Linie Midia— Enos sowie ihren neuen Vormarsch zu verhindern, der die Gefahr von Zusammenstößen mit den bulgarischen Truppen in sich birgt, ernste Zwischenfälle herbeiführen kann und womöglich einen Zustand schafft, der an und für sich und durch die vielfachen ernsten Rückwirkungen das Werk der Ge- rechtigkeit und des Friedens, das die Mächte unternommen haben, noch schwieriger machen kann. Die Balkangrcucl. Pari?, 18. August. Ter Minister des Acußern Pichon hat den Brief des Abgeordneten G. B e r r y. der die französische Rc- gierung zum Protest gegen die durch die Bulgaren ver- übten Grausamkeitcn auffordert, durch einen Brief er- widert, in dem es heißt: Sobald die französische Regierung durch Berichte von Augenzeugen über die Proteste der griechischen Re- gierung Kenntnis von den Tatsachen erhielt, auf welche sie Bezug nehmen, hat sie nicht versäumt, den barbarischen Praktiken, welche keine Kriegsnotwendigkeit rechtfertigt, entgegenzutreten, und nicht aufgehört, die Aufmerksamkeit der bulgarischen Regierung darauf zu lenken, welche Verantwortung sie auf sich lüde, wenn sie die Greuel begünstige oder vorschütze, sie nicht zu kennen. Die Re- gierung hat dem Lcgationsrat Tu Halguet von der Gesandtschaft in Athen und dem Oberstleutnant Lepidi den Auftrag zu einer Untersuchung an Ort und Stelle über die von den Bulgaren an der wehrlosen Bevölkerung in Mazedonien verübten Greuel ge- geben. Der. Bericht ist mix noch nicht zugegangen� gber ich habe Grund zu fürchten, daß er die Klagen, mit denen die öffenk« liche Meinung befaßt worden ist, bestätigen wird. Ich behalte mir vor, zu prüfen, welche Folge den Ergebnissen dieser Unter- suchung zu geben ist, deren Veröffentlichung zweifellos den wirk- samsten Protest gegen die von Ihnen erwähnten Greueltaten bilden würde. Uebrigens hat die bulgarische Regierung ihrerseits zu wiederholten Malen Gewalttaten zur Anzeige gebracht, zu denen sich griechische und türkische Soldaten gegen die bulgarische Be- völkerung in den von ihnen besetzten Gebieten hinreißen ließen. Daraus geht leider hervor, daß im Laufe des letzten Krieges alle Kriegführenden, welchem Volk sie auch angehören, allzuoft die Gesetze der Menschlichkeit durch Grausamkeiten verletzt haben, welche weder den Wunsch nach dem Siege, noch die Ver- zweiflung der Niederlage rechtfertigen können. Kampf zwischen Griechen und bulgarischen Komitatschis. Saloniki, 18. August. Eine starke Bulgarenbande griff in der Umgebung von Melnik eine griechische Truppenabteilung an. Ter Führer dieser Abteilung und einige Soldaten fielen. Die Griechen nahmen sofort die Verfolgung auf und machten die Bulgaren zum größten Teil nieder. Oeltcmich. Die Klerikalen gegen Teutschland. Die Balkanpolitik des Wiener Auswärtigen Amtes, di« immer auf das falsche Pferd gewettet und mit ihren unablässigen Groß- sprechercien den Weltfrieden fort und fort, ohne etwas zu er- reichen, ausS Spiel gesetzt hat. ist eine Kette von Fehlern, Frivo- litäten und verdienten Blamagen. Man sollte dencken, daß die Herren, nachdem nun mit der ruhigen Haltung Rußlands auch di« letzte Hoffnung auf eine„Revision" des endlich errungenen Ballansnedens geschwunden ist, nun in sich gehen und über eine vernünftigere Haltung nachdenken würden. Für die dem Thron- folger am nächsten stehenden Klerikalen, die eigentlichen Träger der jahrelangen, bald gegen Italien, bald gegen die Türkpi, heute gegen Rußland, morgen gegen Rumänien und immer gegen Serbien gerichteten Kriegshetze, wäre das aber zu vernünftig. Da ß'e ihre ganze Tollhauspolitik immer unter der selbstverständlichen Voraus- setzung getrieben haben, nötigenfalls die Macht des Deutschen Reiches für ihre kirchlichen und persönlichen Strebereien einsehen zu können, richtet sich nun, ihr Zorn gegen dieses, das frech gcmug gewesen ist, in den letzten Monaten aus der unbedingten Heeresfolge Franz Ferdinands auszuscheiden und statt schwarzgelb- römischer deutsche und europäische Friedenspolitik zu treiben. So heißt«S in einem durch die klerikale Presse laufenden Artikel der PiuSvereinS- Korrespondenz,„daß sich Berlin während der ganzen schweren Krise der letzten 10 Monate von bu nd e S g« n ö ssi sch e r Treue und Hilfe auch nicht im geringsten leiten lie ß." Meich anfangs habe es die Zusage der Unterstützung verweigert, sei auch in der ganzen Folgezeit„vielfach im Wege gestanden, ist umS wiederholt in den Arm gefallen... Und jetzt fällt uns Teutschlland geradezu in den Rücken". Seine Haltung gegenüber einer Relvision des Buka- rester Friedens stehe mit den Pflichten eines freuen Bundesgenossen im grellsten Gegensatz. Die Worte von der Nibelungen- treue und dem Bundesgenossen in schimmernder Weht hätten sich als hohle Phrasen erwiesen.„Kleinlichster, von k r ä m«vi H aftem Konkurrenzneid beseelter Egoismus, wohl auch hohenzollernsche Familienpolitik in Athen habesi diese idealen Regungen der deutschen Politik gänzlich verdrängt." Natürlich muß der deutsche Idealismus darin bestehen, deukst�e Soldatenknochen für den finnlosen Ehrgeiz Franz Ferdinands aufS) Spiel zu setzen und den Weltfrieden diesem hohlen Größenwahn zu opfern. Die Folgen der Diktatur in Kroatien. Agram, 18. August. Als der Königliche Kom- missar Baron Skerlecz die Kathedrale verließ, wo aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers Franz Joseph ein Gottesdienst stattgefunden hatte, schoßeinStudentauf i h n. Skerlecz wurde verletzt.— Baron Skerlecz ist bei dem auf ihn verübten Anschlag am Oberarm leicht verletzt worden. Der Täter, der angeblich, um den Anschlag zu verüben, eigens aus Amerika gekommen war, ist verhastet worden. Marokko. Die Kämpfe der Spanier. Madrid, 18. August. Amtlich wird gemeldet, die Abteilung des Generals Sylvcstce hat Euesta Colorada besetzt. Sie wurde von zahlreich zusammengeströmten Eingeborenen heftig angegriffen, warf diese jedoch zurück. Auf spanischer Seite wurden ein Leutnant ge« tötet, ein Sergeant und ein spanischer Soldat sowie vier eingeborene Soldaten verwundet. Tetuan, 18. August. Auf ber Straße nach Ceuta ist heute eine Patrouille bei Ued Snir beschossm worden; drei Soldaten wurden gelötet, einer schwer verwundet. Die Aftsionäre sind nur der eine Teil der Leidtragenden, die dem Sarge der.�Gemeinnützigkeit" wehmütigen Herzens folgen; es sind nuw ,ti0ohll)abende Gläubiger, die von ihren Schuldnern um beträchtliche Summen erleichtert wurden. Der andere Teil ist das große Heer der wcmiger bemittelten Versicherten, die weinenden und leider vertraglich gebundenen Erben eines übel verfahrenen WirtschafiLbesiriebes„ mehr als 20 000 Arbeiter und Aeingewerbe- treibende, die sich von der wohlfeilen Illusion der„Gemeinnützig- keit" und den überschwenglichen Dividendanversprechungen verleiten ließen, ihre Spargroschen der Vereinöbank anzuvertrauen. Siechaben ein Stelle.der verheißenen Dividenden indirekt Schulden übernehmen müffen, ign denen sie noch jahrzehntelang zu tragen haben. Die derlockeuivn Gewinnversprechungen von 25 Proz. ber Prämienreservx bezw.£■% Proz.(steigend) werden den einst so hoffnungsfreudigan Versicherten noch lange, aber recht traurig in den Ohren klingvn. Gefthäftsprinzip der Vereinsbauk-war ein leichtfertiges Diskontieren der Prämien mit der„GemeinNwtzig- keit". Man rechwete sich von 100 000 M., dem zweiten Direktor, Pepplpr, eine solche von 7 5 000 Mark bewilligte. Der erste Direktor ist als Liquidator in Au ssicht genommen und erhält als solcher citne Vergütung von 1000 M. monatlich. Wird er nicht Liquidator, so erfhöht sich die Abfindu ngs» summe um 12 000 M. Tie heiden Herren Direktoren sind t>em- nach die einzigen, die aus dem Zusammenbruche für sich retteten, was zu retten war. Für die Versicherun(;sbedürftigen ergibt sich hieraus die Lehre, dem„nationalen:" Gerede keinerlei Verträgen zu schenken, sondern sich der VollsssürsoNge anzuschließen, deren vcrsicherungstechnischar Aufbau den versicherten volle Garaiptie bietet, daß die eingegangenen Verpflichtungen voll erfüllt weriven. Euq Industrie imd. Dandd. Konjunkturgewinne. Das Eisen- und Stahlwerk H o erf ch A.-G. in Dortmund, erzielte ina abgelaufene nGefchäftsjahr eichen Rohgewinn von 13,10 Millionen gegen 10,�51 Millionen Mark. Trotzdem die Abschreibungen von 3,1 auf 4,5 Millionen Mark erhöht werden und außerdem noch eim Spezialfonds für Werksunter- nehmungen angelegt wird, erhölhte sich der Reingewinn von 0,78 auf 8,00 Millionen Mark, von denen 4,ß Millionen Mark oder 24 Prozent(statt 22 Progent) als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet Warden. Bei dem Stahlwerk Hoesch ist also der Konjunkturgewinn so groß gewesen, daß es, trotz außer- prdentlicher Abschreibungen mit Rücksicht auf die kommende Krise, noch eine Dividendqnerhöhuug vprnehmen konnte. Die meisten großen Montanwerke(Rhein. Stahlwerke, Bochumer Verein, von der Zhpen, MaximilanLhiitte u. a.) hatten im Jchteresse der Ab- schreibungen von eüjer Dividendenerhöhung gachz Abstand ge- nommcn.— Recht interessant ist noch die Tatsache, daß der In- validen-, Waisen- und Witwenuntcrstützungt'ckasfe für die Arbeiter und der Albert-Hoesch-Stistung die gleichen Beträge, dem Fonds für Beamtcnpensionen sogar ein geringerer Betrag als im Vorjahre zugefiiihrt wurde. Dagegen wurde der D i v i- dendenergänzun,fsfonds um!»as Fünffache(von 0,2 auf 1 Million) erhöht. Die Gesellschaft denkt also nur an die Zukunft der Aktionäre. Die Arbeiter.wird man ohne Beden- ken in der kommenden Klrise auf die Straße setzen. Soziales. Zurückhaltung der Juvalidenkarte. Vor dem Tewerbegericht werden sehr häufig Fälle verhandelt, bei denen die Kläger auf Schadenersatz wegen Zurückbehaltimg der Juvalidenkarte klagen, leider aber mit ihrer Forderung größtienteilS abgewiesen werden müssen. Die Kläger stütze» sich dabei auf den § 1425 Abs. II, welcher lautet: Wer Karten dieser Vorschrift zuwider zurückbehält, ist dem Berechtigten für Nachteile daraus verantwortlich. Sie übersehen aber den folgenden Satz: Die OrtSpolizeibehörd« nimmt dieKarteab und händigt sie dem Berechtigten aus. DaS heißt, wenn der Berechtigte trotz seiner ausdrücklichen Ausi forderung vom Unternehmer die Karte nicht erhält, kann er nicht nur, sondern muß er die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen. denn er hat gegen sichselbst die Verpflichtung, alles zu tu«, was in seinen Kräften steht, um sich vor Schaden zu be« wahren. Unterläßt er daS, so ist er auch nicht mehr durch die oben angeführte Gcsetzesbcstimniiing gedeckt, und daS Gewerbegericht hat deshalb auch in seiner Praxis den Grundsatz aufgestellt, daß nur für eine Frist von drei Tagen Entschädigung zugebilligt werden kann. Anders liegt der Fall dann, wenn der Kläger nachweisen kann, daß ihm innerhalb der genannten Frist ein größerer Schaden etwa dadurch erwachsen ist, daß er eine Stellung nicht erhielt, weil ihm die Karte fehlte, dann, aber nur dann muß ihm der entstandene Schaden ersetzt werden. Hütet euch ver der„imtienalen" Phrase! Die Vcrcinsvcrsich.'rungsbank für Deutschland in Düsseldorf, eine jener Gesellschaften, die bei ihrer Agitation„die nationale Sache" uno„die Bekämpfung der Sozialdemokratie" geflissentlich in den Vordergrund stellen und durch Versprechung hoher Ver- sicherungssummen und Gewinnbeteiligung Versi-cherungsbeoürftig- einzusaugen suchen, hat bekanntlich Liquidation beschlossen. Dabei werden nach der„Deutschen Verstcherungspresse" 1 148 030 M, de» fpren gehen. Da» gengnpsx Blgtt bemerkt dazu; L,ctztc rtadmdvten* Ein bulgarisch-türkischer Krieg in Ausficht. Klxnstantinopel, 18. August.(Meldung bcs Wiener k. k. Korr.-Nureaus.) Es wird persichcrt, daß die Pforte in einer den Mäahtcn bereits durch die ottomanischcn Gesandten über- mittclten Vcrbaßnote ausführt, sie würde pieflxicht gezwungen sein, i c Maritza zu überschreiten, gcgcbetrenfalls sogar Bulgarien den Krieg erkläre u. Es heißt, der Worftlaut der Note wäre nicht für alle Mächte der gleiche. >' Bulgarien kricgsmüde. Rom, 18.' August.(W. T. B.) Der bukgarijsche Gesandte Nizow erklärt einem Vertreter der„Tribuna": Bujlgarien wird sich nicht von der' S.ürkci herausfordern lassen, weder zu Verhand- lungen, noch zu eißeha Kriege. Es betrachtet die Frage' von Adria- nopel als eine int.«rn,ationale Frage, deren Lösung de» Groß- mächten zukommt. Niz�ow glaubt, daß Europa energisch auf die Türkei einwirken wirdv Das Prestige Rußlands im Orient lege Europa diese Aktion auf, t�nd Rußland werde in Hebere linstimmung mit den übrigen Mächten handeln. Ein einfaches Mittel, die.Türkei zum Gehorsam gegen Suropa zu zwingen, sei die Blockierung der türkischen Häfen, namentlich der Häfen von Smyrna und Trajvzunt durch eine oder zwei euro- päische Flotten. Die Türken rechnettw mit der Müdigkeit Europas. Rizow meint jedoch, daß sie sich tämschep würdere, wenn sie die all- gemeine Geduld auf das äußerste erschöpften. Hinsichtlich des Ge« rüchtes, daß Dedeagaksch den Tücken von den Griechen auSge- liefert worden sei, erklärt Rizow, daß Rußland niemjalS zugeben würde, daß irgend jemand Bulgarien den Zutritt zun» Aegäifchen Meer verwehre. �______ V i Schwierigkeiten bei der Wiederaufnachme der Ardiiit anf den Bremer Werften., Bremen, 18. August.(W. T. B.) Die„Weserzeitimg" erfährt aus Geestemünde über die heute früh dort plötzlich wieder unter- brochene Wiederaufnahme der Arbeit, daß dabei Differenzen entstanden sind und deshalb voin Metallarbeiterverbcmd der weitere Zuzug seiner Mitglieder zum Arbeitsnachweis verhindert worden ist. Infolgedessen sind dort hqute noch kein» Leute zur Arbeit auf den Werften erschienen. Es Schweben aber zur Bei- legung der Differenzen Unterhandlungen zwischen den Werft» leitungen und dem Vorstand des Metallarbeiterverbande». Verheerender Tnifnn an der chincsischeit Südsee-Küste. London, 18. August.(W. T. B.) In Hongkong sind Nach- richten aus M a c a y über einen Taifun eingslaufen, der unge- hquren Schaden angerichtet hat. Große Teile des Deiches auf einem kürzlich erst dem Meere abgerungenen Lande in der Nähe deS Barraforts sind eingcdriwkt. Mehrere Häuser im Tarafeiro- Disürikt stürzten ein, wobei viele Bewohner getötet wurden. Zahl- reiche Dschunken sanken im Hafen von Macao. Die Flotille der Fischerdschunken im Hafen vion Macao wurde vollkommen zerstört. über 150 Personen sind ertrumken. Zwei Bergleute auf schreckliche Weise getütet. Rauxel(Rheinland), 18. August.(W. T. B.) Auf der Zeche „Erin" verunglückten heute zwei Bergleute beim Fördern von Eisenstangen. Sie übersahen, daß die Stangen über den Förder« korb hinausragten und prallten mit diesen zusammen. Dabei wurde dem einen der Kopf abgerissen, der andere wurde in den Sumpf geschleudert und später als zerschmetterte Leiche zutage gefördert, ßeffentliehe politisehe Versammlungen. Freitag, den ÄÄ. August, abends 8 Uhr: Grosse Volksversammlung in bct„Neuen Welt", Hasenheide 108-114. Genossin Klara Zetkin-Stuttgart spricht über das Thema: „Ge&en den Gebärstreik.44 Die Berliner Frauen sind zn dieser Versammlung besonders eingeladen. In Anbetracht des überaus wichtigen Themas erwartet zahlreichen Besuch Vechziill sozialdemokr. Wahlvereine Berlins u. Umg. Eugen Ernst, Lindenstr. 2. So;iiilMuti|i|(t Mhlmck des 6. Inlinn KkiihslGWchllims� Dienstag, den 19. August 1913, abends 8V2 Uhr: 22 Mitglieder- Uerj ammlungen .MKeleltttapMi'ejz. Den Mitgliedein die traurige Nachricht, dajj unser Genosse, der Hoteidicner kerlilllailö 8eIimiSt nach langem Leiden verstorben ist, -Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donncrstagnachmittag 3't,Uhrvon der Leichenhalle des Golgathakirch- hoses, Barsusstrahe, aus statt, Zahlreiche Beteiligung erwartet 204/7 Der Vorstand. in s/olg enden Lokalen: Büttners gfestsäle, Schwcdter- straße 23, Leiner Saal. 2<»li. Büttners Festsäle, Schioedter- . Al>l.» sträng 23, großer Saal. 3 1l,t ♦ Berolina.- Säle, Schönhauser . Avl.. Allxe 28, unterer Saal. 4 11,*« Berolin.a- Säle, Schöinhauser . AlN.. Allee 28, Mittel-Saal. 5. Al>t.: Gliesche, Kopenhagener Str. 74. �, 6. M«: Sühsmilch, Bomholmer Str. 6. 7. Abt.: Strack, Schönhauser Allee 134d. 8 1 1,4,« Swinemünder Gesellschaftshaus . Aul.« Swinemünder Str. 42. 9. Abt.: Johannes, Ackerstr. 123. 19. Abt.: Kramer, Hussitenstr. 40. N Il lit« Oranienburger Festsäle» U. Avl.. Chausseestr. 16. 13. Abt.: Artushof, Perlebcrger Str. 26. tQ Iht ♦ Moabiter Bürgersäle, Beufsel- 10. Alll.. strahe 9. Moabiter Gesellschaftshaus, 1A Klit ♦ Moavtrer t» H. AlU.. Wiclefstr. 24. 15. Abt.: 16. Abt.: 17. M: Patzenhofer straße 25. Funke, Triftstr. 63. Feibels Festsäle, Brauerei, Turm- Kolberger 22g/t2 straße 28. 18. Abt.: Franke, Badstr. 19. 19. Abt.: Schmidt, Prinzen-Allee 33. 39. Abt.: Ewald, Schulstr. 29. 31. Abt.: Pharus-Säle, Müllerstr. 142. 23. Abt.: Sachon, Müllerstr. 136. / Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Stelluugnahane zur Kreis-Generalversammlung am 26. August 1913 und den vorliegenden Anträgen zum Parteitag in Jena. a) Antrag des Bezirkes 745-»: Ter Wahlrechtskampf in Preusten und seine Taktik. b) Antrag des Bezirkes 743a, betreffend: Neueinteilung der Wahlkreise. o) Antrag des Bezirkes 783 betreffend: Ablieferung des Tagesverdienstes am 1. Mai. DGe' Mitgliedsbuch legitimiert."WW Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. �IsIiIemllltfälfccbei'Mvki'eln f. 18. Bert. Reictistags-WalilkFeis. Am Sonnabend, den IS, August, verstarb unser Genosse Oliv Schulz Müllerstr. 164. Bezirk 749a. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. August, nach- mittags i'j, Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhoses, Müller- stlahe, Ecke Seestrafie, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/13 Der Borstand. Verbanil der Falmkarteiter Deutschlands. Zahlstelle GroB-Berlin. Am 16. August verstarb unser Mitglied Otto Schulz. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. August, nach- mittags i'!t Uhr, von der Leichen- balle des städtischen ftricdhoscS, Seestrahe, Eingang Müllerstrahe, aus statt. 57/3 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Nach kurzem Leiden verstarb ani Sonntag unser Nater und Grohvater, der wohl noch allen älteren Genossen bclannte frühere «chankwirt GustaY Spiekermann im 75. Lebensjahre. Familie G. Spiekermann. Familie H. Weber. Beerdigung Mittwochnachmittag 3 Uhr von der Halle des Zentral- sricdhoss in s�riedrichsselde, l882b Sozialdemokratischer Wahlverein Berlin. Reichstagswahlkreis. Dienstag, den 10. August 1013, abends 8'/, Uhr, bet Boeker, Weberstraße 17: Mitglieder-Bersammlang des Frankfurter Viertels. Tagesordnung: 1. Bortrag deS Genossen lüiuil Eichhorn über! „Der politische Massenstreik". 2. Diskussion, - Mitgliedsbuch legitimiert. *__ Die Viertelsleitutig;. Danksagung. Hierdurch sage ich allen Kollegen für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannes, be- sonders den Sängern, meinen herz- lichsten Dank. 1834b krau Wwe. Marie Großheim. Von der Reise zurück 132/8 Hr. Ratkowski Lpez.-Arzts. Magen- u.Darmkranlheit. W Unserem bewährten Genossen iü Unserem bewährten Genossen l-onln littcttke y und seiner Gattin zur Silber- I Hochzeit nachträglich die herz- K lichsten Glückwünsche, m % Die Mitglieder des 1451. Bez. w 53 4. Wahlkreis. W © W Rheingockd-Sänger, Einijge«onn- abende srei, Alwin Rhein, Neukölln, Hobrechtstrope 8. 177Sb m» Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Mittwoch, den 20. Angust, abends S'/, Uhr: Mitglieder-Versammlung bei HVlIhc, Sebaftianftrafte SS. Tagesordnung: 1. Vorteile und Nachteile der Tarifverträge. S. TektionSangelegen- heiten, 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erschemen wird erwartet. . � Mitgliedsbuch legitimiert.»-• Sektion der Patentsteinwände. Mittwoch, den 20. August, abends 8'/, Uhr, üüü Versammlung'» bei Wllke, Sebastianitrafie 39, kleiner Saal. Tagesordnung: I. Das Verhalten der Arbeitgeber zu den gestellten Forde- rungen. 2. Beschluhsassung über die weiteren Maßnahmen. gigT* Zu dieser Versammlung ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder notwendig. Mitgliedsbuch legitimiert. 1 144/13**>er Vorntand. Reukölln. Am 16. August verstarb unser Parteigenosse Hermann Krone Sanderstr. 2, 1. Bezirk. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 20. August, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Alten Jakobi-Kirchhofcs, Neukölln, Berliner Str. 2, aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. IVsckfut. Am 12. August verstarb unser Parteigenosse, der Metallarbeiter Gusluv Paris Reuterstr. 85, 23. Bezirk. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung fand am 15, 8, in Ottcrslebcn bei Magdeburg statt, 238/1 Ter Vorstand. Danksagung. Sagen hierdurch allen Fieunden, Verwandten und Bclannten, sowie den Kolleginnen und Kollegen der Firma Gesellschaft für drahttose Tele- graphie, dem TranSportarbciterver- band und dem Wahloerein für die vielen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meines lieben Mannes und guten Vaters unseren tiescmpsundenen Dank, 66a Wwe. ninna� Rchländer und Sohn. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Biersahrer Karl Tiuiran am 15 d, M, im Alter von 46 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19, d, M„ nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Georgen- Friedhoses, Rölckestrahe, Ecke PistoriuSstrahe, Weihensee, aus statt. 67/11 Die Bezirksverwaltung, Deutseber Metallarbeiter-Verbaniii Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Adolf Bartels Huttenstr, 37, gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. August, nach- mittags 3'/z Uhr, von der Leichen- Halle des Luisen- Kirchhoscs in Westend, Fürstcnbrunncr Weg, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet, 124/1 Die Ortsverwaltung. = Verwaltung Berlin.= Donnerstag, den 21. August, abends 8 Uhr, im Gewcrkschaftshaus, Engelufer 13: General-Urrsammlung. Tagesordnung: 1, Bericht der Ortsverwaltung und Kassenbericht. 2, Ersatzwahlen zur Ortsverwaltung und der Angestellten, 3. Neuwahl eines Angestellten. 4. Anträge._ Kisten' und Koffermacher. Dienstag, den 10. August» abends 8 Uhr: Si'anchen-Vef kammlung in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21. Tagesordnung: 1.»Die EntWickelung der Gewerkschaften*. Rcserent: Kollege Hermann Jaeck. 2. Bericht der Branchenleitung. 8. Branchenangelegen- heilen. Die Kollegen werden ersucht, auch ihre Frauen mitzubringen. Achtung! Sinsetzer. Achtung: Dienstag, den 10. August, abends 8'/, Uhr: Si*anehen» Vei-tammkung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 13, Saal 3. Tagesordnung: 1. Wahl des Obmanns. 2. VerbandSangclegenheiten. 3. Verschiedene«. Sehirmnäherinnen. Mittwoch, den 20. August, abends 8 Uhr, bei Knörig. an der Stralauer Brücke 3: Mitglieder-Versammlung. — Mitgliedsbuch legitimiert.—— Die Ortsverwaltung. Verwaltungsstelle Berlin. C 54, Linienstr, 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Mittwoch, de« 2«. August 1013, abends 8 Uhr: Lraneben- Ve�sammlAing aller im Osten beschäftigten Maschinenarbeiter und-Arbeiterinnen im Lokal von Huth, Warschauer Straße 61. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2, Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Tonnerstag, den 21. August 1013, abends 8'/, Uhr: Mitglieder-Versammlung für Banmschulenweg im Lokal von Paul Boche. Baumschulenweg, Baumschulenstraße 67. Tagesordnung: 1, Stellungnahme zur Generalversammlung. 2, Bericht vom außerordentlichen Verbandstag in Berlin. gy- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreiches und pünNliches Erscheinen wird erwartet. Däunerstag, den 21. August 1013, abends 8-/, Uhr: Branchen» Versammlung der Schmiede, Kesselschmiede und Autogen- schweitzer in Boekers Festsälen, Weberstraße 17. Tagesordnung: 124/2 1, Die Verteilung des AkkordüberschusseS zwischen Schirrmeister und Heiser,-' Rcserent: Kollege E. Krise. 2. DiSlussion. 3- l„ti* Nachweis in der Mulackstrahe. 4, Branchenangelegenheiten u. Verschiedenes, Kollegen I In Anbelracht der reichhaltigen und wichtigen Tagesordnung erwarten wir einen guten Besuch der Versammlung, Auch die bei �imung«. meistern beschästigten Kollegen werden ersucht, recht zahlreich zu«scheinen. Die Ortsverwaltung. Lerantw. Redakteur: Ernst Meyer, Steglitz. Inseratenteil verant>v.:TS.Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Maul Singer»-Go.. Berlin 5W. Hierzu 3 Beilagen u. n erya u Dt. A3. 30. Jahrgang. t des.Mmäck" f nlinn Jlolteblatt. Dienstag. 19. August 1913. Der Kafftolikentag in Iiietz. (Telegraphischer Bericht.) Metz, 13. August. In der großen Festhandlung wurde heut«, am Montag, die Hauptfitzung mit einer Rede de» Oberlehrer» Cuny-Mon- «gny über das Thema: „Verteidigung der christlichen Schule" eröffnet. Der Redner betonte, die Gegner des Katholizismus richteten ihr« Stoßkraft gerade gegen die Schule, weil sie in der Schule das Bollwerk der katholischen Kirche sähen..Der Plan der Gegner,' meinte er,.ist ja klar, haben sie die Kinder in der Schule daran gewöhnt, ein Leben ohne Gott zu führen, dann werden diese später den unchristlichen und umstürzlerifchen Bestrebungen weniger Widerstand entgegenstellen; ist cS gelungen, in die Herzen unserer Jugend das Gift des religiösen Zweifelns und der Abneigung gegen den Priester oder gar des Kirchenbaffes zu träufeln, dann werden ein paar Jahre später unsere Gegner beim Ansturm gegen die Religion viele Helfershelfer mehr haben.(Lebhafte Zu- stimmung.) Daher das Eintreten der Sozialdemokratie für die Simultanschule. Wir verlangen die konfessionelle Schul«, die Erteilung des Religionsunterrichts im Namen der Kirche und die Beaufsichtigung deS Religions unterrichlS durch die von Christus dazu eingesetzte Instanz, das ist die K irche.(Lebhafter Beifall.) Auch in der Kirche ist eine christliche Erziehung nicht möglich ohne die Mitwirkung und ohne die Aufsicht der Kirche. tStürmischer Beifall.) Wir halten fest an der Forderung der konfessionellen Volksschule. kErneuter stür Mischer Beifall.) Nicht durch die llebermittelung geistiger Kennt niste wird es der Schule gelingen, die Kinder zu frommen Men fchen zu erziehen. Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse den Kampf gegen die Leidenschaften erleichtern? Sie können es nicht. Unsere Kinder mögen in der Schule noch soviel Kenntnisse sich angeignet haben, wenn sie nicht die Religion in sich aufgenommen haben, dann kann nichts Ordentliches au» ihnen werden.(Leb, hafte Zustimmung.) Wenn die Leidenschaften mit der ganzen Wucht auf unsere Jugend hereinbrechen, wenn der Ver führer naht, dann nützen alle Kenntnisse nicht», dann muß der Wille gestärkt sein.(Lebhafter Beifall.) Wir lebnen deshalb die S i m u lt an sch u l e ab weil in ihr Lehrer unterrichten, die sich an der modernen Deszen dentenztbeorie berauscht haben. Mau sagt, die Lehrer würden schon so taktvoll sein und die religiösen Gefühl«' der Kinder nicht ver- letzen. Wir wollen aber die Erziehung unserer Kinder nicht ab- hängig machen von dem Taktgefühl des Lehrers. Der religiös indifferente Staat kann den Religionsunterricht nicht erteilen, und wir wollen deshalb, daß nur katholische Lehrer unsere Kinder unterrichten und erziehen.(Stürmischer Beifall.) Mittags trat dir zweite geschlossene Persammlung zusammen. Auf ihr erstattete der Vorfitzende de» Zentralkomitees Graf Droste-Vischering den Bericht über die Tätigkeit de» Zntralkomitees im letzten Jahre. Er betonte unter dem großen Beifall der Versammlung, daß der Beschluß deS vorjährigen Katho- likntage» in Aachen auf Aufhebung des JefuitengefetzeS in zahllosen Versammlungen bekräftigt worden ist, in denen die Katholiken diese Forderung der Gerechtigkeit vertreten haben. In zahllosen Resolutionen kam die Stimmung des katholischen Volkes in dieser seiner Herzenssache zum lebendigen Ausdruck. Leider war uns bis heute noch kein Erfolg beschieden, und daher müssen wir auch in diesem Jahre auf» neue gegen dieses Ausnahmegesetz Stellung nehmen. Hierauf wurde in die Erledigung der vorliegenden Anträge eingetreten. Der erste Vintrag betraf die römische Frage. In diesem Antrage heißt es: „Die 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands bringt dem erhabenen Oberhaupt der heiligen Kirche, dem Hl. Vater Pius X. ihre ehrfurchtvollst« Huldigung Mnd da» Gelöbnis tiefster Treue und unverbrüchlichen GehorsamS�oar.... In Er» innerung an die Großtat des Edikts von Mailand, da» wir in diesem Jahre freudig feiern, fühlen wir aber um so tieferen Schmerz über die bedrängte Lage der heiligen Kirche in der Jetztzeit und protestieren gegen die Fortdauer der Beeinträchtigung der Freiheit ihres Ober- Hauptes. Deshalb fordert die 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands auf» neue, daß der Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche volle und wirkliche Freiheit in der Ausübung seines ober st en Hirtenamtes genieße, welche eine unerläßliche Vorbedingung für die Frei- heit und Unabhängigkeit der ganzen katholischen Kirche bildet.... Nach weiteren Begrüßungsausprachen hielt Dr. Altenrath- Charlottenburg einen Vortrag über Wohnungsfrage und Krankenversicherung. Der preußische Gesetzentwurf über das Wohnungswesen geht nur mit äußerster Zaghaftigkeit an die Frage heran. Die Bau- ordnungcn bedürfen einer gründlichen Reform, die mit einer grund- legenden Landesbauordnung beginnen und vor allem mit einer Revision der Bezirksbauordnungen zu Ende geführt werden müßten. Im Mittelpunkt der zu schaffenden Verwaltungsorganisation müßte ein Landeswohnungsamt stehen. Auf dem Gebiete des Kreditwesens können die Krankenkassen durch Beleihung gemeinnütziger Bau- Unternehmungen in die Wohnungsreform eingreifen. Das Gesetz muß den Inhalt der Wohnungsordnungen näher bezeichnen und allenfalls eine tachmäßige Wohnungsaufsicht verlangen. Die Organe der Krankenkassen könnten in den Wohnungskommissionen und durch Beteiligung an der Wohnungsaufsicht mitwirken. Der Leiter der kaufmännischen Krankenkasse in Berlin Albert K o h n spricht sich für die Gewährung von Teilhypotheken zu nor- malem Zinsfuß für gemeinnützige Bauten aus, nur dürfen die Krankenkassen nicht ihren ganzen Reservefonds in Hypotheken fest- legen. Die Mitwirkung von Arbeiterkontrolleuren bei der Wohnungs- aufsicht kann nach dem 1. Januar noch in erweitertem Maße statt- finden. Nachdem dann noch Landtagsabgeordneter Fräßdorf hierzu gesprochen hatte, wurde folgender Antrag einstimmig angenommen: Die Hauptversammlung lenkt erneut das Augen- merk der Krankenkassen auf die Wohnungsfrage. Auch heute schon können die Krankenkassen sich am Bau gesunder Wohnungen be- teiligen. Sie sollen die Kontrollbeamten anweisen, die Wohnungen der Kranken zu beobachten und über Mängel an den Vorstand zu berichten, damit die erforderlichen Schritte unternommen werden können. Auch sollen die Krankenkassen den Bau von Kleiw Wohnungen durch Hergabe von Kapitalien und durch Sammel Hypotheken fördern. Alsdann sprach der Zentralarbeitersekretär der Gcneralkommission der Gewerkschaften Deutschlands Rudolf W i s s e l I- Berlin über Neue Gegner der Sozialversicherung. Es ist an sich berechtigt, daß der Unternehmer zur Gesund- erhaltung der Arbeiter beiträgt. Viel wesentlicher aber verteuern die Rohstoffzölle und die Kartelle sowie die neuen Steuern die Unkosten der Arbeitgeber, da sollte es doch das Bestreben der Industriellen sein, dafür zu wirken, daß auch das Ausland die sozialen Lasten trage. Aber gerade die Wühlarbeit der deutschen Unternehmer gegen die Sozialversicherung ist ein Hemmschuh für die Einführung der Arbeiterversicherung in anderen Ländern, z. B. in Amerika. Unter der Maske eines Biedermannes sei ein Mann aufgetreten, der die Oeffentlichkeit wiederholt angeführt habe, Professor Ludwig Bernhard. Bernhard hat ein Buch über„Unerwünschte Folgen der Sozialpolitik" herausgegeben, ein Machwerk schlimmster Art, bar allen wissenschaftlichen Geistes, mit einem Brei zustimmender Bemerkungen, meist aus Aerztekreisen über- gössen und mit Zitaten einseitigster Art durchsetzt. Bern- hard wirft der deutschen Sozialpolitik vor, daß sie moral- zersetzend wirke, daß sie Rentensucht und Begehrlichkeit unter den Arbeitern gezeitigt habe. Wenn man hier einen Schluß auf unsere Studenten ziehen wollte, die durch Bernhard zur Er- forschung der Wahrheit angehalten werden sollen, dann müßte unser deutsches Volk, dem einmal von diesen Studenten Recht gesprochen und das von ihnen regiert werden soll, zu bedauern sein, ebenso aber auch die Studenten selbst, die in dieser Weise nicht zur Wahr- heitsfindung erzogen, sondern mit Spitzfindigkeit auf eine bestimmte Richtung hingelenkt werden. Bernhard hat natürlich den Beifall aller Scharfmacher gefunden. Dr. Beumer hat sein Buch gelobt und Kurt Aram sind im letzten„Tag" die Augen über- gegangen; die Bulgaren meint er, hätten die Balkan- siege nur errungen, weil sie keine Arbeiterversicherung haben. (Schallendes Gelächter.) Der Redner unternimmt dann in mehr als cinstündigen Ausführungen eine Widerlegung des Bernhardschen Buches.— Justizrat Meyer- Frankenthal verweist auf die Ver- sicherungsfeindlichkeit und die sozialpolitische Gegnerschaft des Generalsekretärs des Zentralverbandes Deutscher Industrieller Dr. Schweighoff, die dieser kürzlich in einem Rededuell mit dem Abg. Giesberts-Düsseldorf bekundet hat. Die Gegner der Sozialversiche- rung heben immer die ungeheuren Beträge, die für die Versicherung aufgebracht sind, hervor, aber sind denn die neun Milliarden in einen Ozean geworfen? Sie sind doch durcfi die verschiedensten Kanäle in das öffentliche Wirtschaftsleben zurückgeflossen. Die Ar- beiterschaft ist durch die Sozialversicherung zu einem kaufkräftigen Kunden der Großindustrie geworden. Daß wir dem Aus lande gegenüber nicht beweist doch die. Die Abnahme der Sterblichkeitsziffer dank der Sozialversicherung bedeutet eine großartige Menschenökonomie. Die Abnahme der Sterblichkeit ist vor allem in den sozialpolitisch vorgeschrittenen Gegenden vorhanden, dagegen die geringste Abnahme in den sozial« politisch rückständigen Landstrichen. Dieselben Leute, die immer auf sozialpolitischem Gebiete bremsen wollen, rufen nach Maßnahmen gegen den Geburtenrückgang. Sie bedenken aber nicht, daß der Geburtenrückgang ein viel größerer sein würde und daß die Rüstung Deutschlands heute gefährdet würde, wenn wir nicht vor 30 Jahren die Sozialversicherung bekommen hätten.(Zustimmung.) Die Simulation tritt deshalb als Massenerscheinung auf, weil es eben auch eine Massenversicherung gibt. Aber jeder, der die Dinge kennt, weiß, daß die Privatversicherung in der Richtung der Uebertreibnng auch ein Liedchen zu singen weiß. Die neueren Gegner der Sozialversicherung gehören den im Leipziger Verband organisierten Aerzten an. Diese Herren werden ja be streiten, Gegner der Sozialversicherung zu sein. Haben sich aber diese nicht von Anfang an gegen die Weiterentwickelung der Ver- sicherung gewehrt und haben sie nicht die Erhöhung der Verficherungs- grenzen und die Erweiterung des Kreises der Verficherungs- berechtigten bekämpft? Es ist ein ungeheuerer Wideripruckj, daß diejenigen, welche im Interesse der Volksgcsundheit die Sozial- Versicherung unterstützen müßten, entgegen allen Grundsätzen einer Sosialmedizin und einer wahren Hygiene rein aus Wirt- schaftlichen, egoistischen Interessen die Vorwärtsentwickelung der Sozialversicherung bekämpfen. Mögen diese Anfechtungen kommen aus den Kreisen der Scharfmacher oder der organisierten Aerzte, die Sozialversicherung ist und bleibt die größte und stärkste Säule der deutschen Volkswohlfabrt, und wir werden weiter arbeiten, daß diese Säule noch stärker wird. (Stürmischer Beifall.)— Siegmund Graes- Frankfurt a. M. be« tont, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Sozialversiche- rung sowohl auf feiten der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber ständig zunehme. Aerzte und Apotheker hätten in den Kranken- lassen feste Einnahmen und Stützen, und auch dem Staate und den Gemeinden nähmen die Arbeitgeber und Arbeit- nehmer viele Lasten ab. Es kommt oft genug vor, daß Arbeitgeber sich in den Vorstand wählen lassen, um endlich einmal gründlich aufzuräumen, aber nach einigen Monaten werden diese Herren still, und nachdem sie die Verhältnisse kennen gelernt und gesehen haben, welch ernste und praktische Tätigkeit in den Vor- ständen ausgeübt wird, arbeiten sie dann selbst mit. So lange die Aerzte gegen die Ortskrankenkassen allein vorgingen, hat die Re- gierung ruhig zugesehen, jetzt aber rührt sie sich, wo sie spürt, daß es ihr an den eigenen Leib geht, wo die Krankenkassen die Aerzte auch gegen die Betriebskassen der hohen Herrschaften mobil machen. Hierauf wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die Jahresversammlung des Hauptverbandes Deutscher OrtS- krankenkassen erkennt den großen Wert an, den die dentscho Arbeiter- Versicherung mit der Hebung der Volksgesundheit für das deutsche Wirtschaftsleben geleistet hat. Die auf dem Gebiete der Hygiene besonders von den Krankenkassen gegebenen neuen Anregungen und Maßnahmen für Haus und Werkstatt haben nicht nur die Versicherten, sandern vielfach auch deren Angehörige in den Kreis der Fürsorge gezogen. Sie haben die ganze hygienische Kultur des deutschen Volkes auf ein wesentlich höheres Niveau gebracht. Die einzelnen Zweige der Arbeiterversicherung sind heute zu Hauptstützen aller auf Hebung der Hygiene gerichteten Bestrebungen geworden. Die Arbeiter- Versicherung hat immer mehr zu der Erkenntnis geführt, daß die Heilung der zumeist durch das Wirtschaftsleben geschlagenen Wunden und die Vorbeugung dieser Schäden keine die Arbeiterschaft allein angehende Angelegenheit, sondern Aufgabe und Angelegenheit der Gesamtheit ist. Da die Entwickekung unseres Wirtschaftslebens immer höhere Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der einzelnen stellt und bielfach) ein Mißverhältnis zwischen den geistigen Bedürfnissen und ihren Be- friedigungsmöglichkeiten schafft, erscheint die Pflege der geistigen und körverlichen Gesundheit des Volkes als eine der wichtigsten Auf- gaben, für die die weitere EntWickelung der Arbeiterversicherung ein unabweisbares Erfordernis ist. Die Lasten der Arbeiterversicherung stellen sich als notwendige und reproduktiv seht lohnende Spesen unserer Volkswirtschaft dar. Die in neuerer Zeit hervorgetretenen Versuche, vereinzelte ungünstige Erscheinungen des Volkslebens der Arbeitcrversicherung zur Last zu legen und dieser selbst moralisch und hygienisch unerwünschte Folgen direkt anzudichten, die segensreichen Wirkungen der Sozialpolitik dadurch in Frage zu stellen, sind Uebertreibungen schlimmster Art und lediglich auf Voreingenommen- heit oder Mangel an Objektivität zurückzuführen: sie werden die Verwaltungen der Krankenkassen nicht abhalten, freudig ihre Mit- arbeit für den weiteren Ausbau der Arbeiterversicherung bereit- zustellen." Hierauf wurden die wetteren Verhandlungen auf morgen Dienstag früh 9 Uhr vertagt. Eingegangene vrucksckriften. Zur Kurzweil. Heitere Geschichten von O. I. Bierbaum. Geleitwort von F. Droov.(Hesses Volksbücherei Nr. 839/40). 40 Pf., in hübschem Pappband l M.— Bom köftlichen Humor. Bd. 5:„Wiener Humor". (Hesses Volksbücherei Nr. 843-846). 80 Pf., Lcinenband 1,20 M. Hesse u. Becker, Leipzig. 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Die Firma sieht es natürlich gern, wenn möglichst viel Gelbe als Beisitzer gewählt werden, denn von diesen kann sie ja erwarten, daß ihnen die Interessen der Firma mehr am Herzen liegen als die Interessen der Arbeiter. Merkwürdigerweise sind die Wahllokale so ausgesucht worden, dasi die Firma damit zufrieden sein kann. Als Wahllokale sind nämlich die Speisesäle der einzelnen Betriebe und andere Räume der Firma bestimmt, obgleich es andere Lokale am Nonnendamm genug gibt. Die Gelben haben im Betriebe sreieste Agitationsmöglichkeit, jeder Arbeitsplatz wird am Tage der Wahl mit Flugblättern und Stimmzetteln von diesen Unternchmersöldlingen belegt, während den freien Gewerkschaften jede Agitation für die Wahl im Betriebe untersagt wird. Die Gelben erhalten die Listen der Wahlberechtigten aus den einzelnen Betrieben von der Firma ausgehändigt. Den- jenigcn Wählern, welche in Spandau wohnen, aber in Siemens- Betrieben außerhalb des Spandauer Gebietes arbeiten, soll Urlaub für die Wahlzeit mit voller Bezahlung gegeben werden. Aus all diesen Maßnahmen ersieht man, welche Anstrengungen gemacht werden, um den Gelben möglichst viele Sitze beim Gcwerbegericht zu verschassen. Es ist nun Pflicht der Arbeiterschaft, einmütig für die Liste der freien Gewerkschaften Nr. 1 zu stimmen. Wahl- berechtigt ist jeder mindestens 25 Jahre alte Arbeiter, sofern er in Spandau wohnt oder in einem zu Spandau gehörenden Betriebe beschäftigt ist. Versäume niemand, sein Wahlrecht auszuüben. kerlin uncl Umgegend. Lohnerhöhung für Zigarettenarbeiter. Die Handarbeiier der Zigarettenfabrik Garbaty sRosenthal) traten in eine Lohnbewegung zugunsten einer Ivprozentigen Lohnzulage für sämtliche Sorten, für Rund und mit Mundstück. Stach mehrfachen längeren Verhandlungen bewilligte die Firma für die in Betracht kommenden Sorten eine Lobnzulage von 15 Pfennig pro Tausend Zigaretten. Von dieser Lohnerhöhung wurden ungefähr 250 Arbeiter betroffen. Achtung, GastwirtSgehilfen! Die Differenzen mit dem Betriebe .Gasthaus zur Schleuse" in Neue Mühle bei KönigS-Wusterhausen, Jnh. Wilh. Thormann, sind beigelegt. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin. Gaukonferenz der Tabakarbeiter. Für die Zahlstellen des alten Gaues Berlin deS Tabak- arbeilerverbandes fand am 17. August im Berliner Gewerkschafts- Hause eine Gaukonferenz statt. Vertreten waren 40 Zahlstellen durch 43 Delegierte, 4 Zahlstellen waren nicht vertreten. Vor Eintreten in die Tagesordnung gedachte man des Hin- scheidens unseres Genossen Bebel. K r o h n- Bremen besprach die Ergebnisse des Verbandstages. Er sagte, die Beschlüsse desselben seien von einschneidezider Be- deutung. Die Reduzierung der bestandenen sechs Beitragsklassen auf drei mußte eingeführt werden, um genügend Geld für den Kampf zu schaffen. Dadurch, daß wir Kämpfe führen können, werden wir vorwärtskommen und ganz andere Lohnaufbesserungen durchführen können, wie eS bisher der Fall war. Der Kampf aber ist es, der unS auch immer neue Mitglieder zuführt. Dann verbreitete sich Redner über die Lokalkassen. Da habe nun der Verbandstag be- schlössen, den Zahlstellen pro verkaufte Marke 6 Pf. zu überlassen. Das sei aber nicht in dem Sinne gedacht, die 6 Pf. als Etirschädi- gung für die Ortsverwaltung gelten zulassen, sondern den Zahlstellen solle dadurch Gelegenheit gegeben werden, eine Lokalkasse zu gründen oder dieselbe zu stärken, damit die Zahlstellen auch Gelder besitzen, über die sie im Interesse der Zahlstelle frei verfügen können. Porto und Schreibmaterial muß serner selbst getragen werden. Mit dem neuen Statut wird auch für die Tabakarbeiter eine neue Zeit beginnen— die Befürchtung, Mitglieder zu verlieren, werde nicht zutreffen. Mitglieder gehen bei solchen Gelegenheiten wohl immer verloren, aber durch Kämpfe werden wir neue und neue Mitglieder gewinnen. Nach einer regen Diskussion wurde nachstehende Resolution einstimmig angenommen: „Die'Llxlegierten der Berliner Gaukonferenz deS Deutschen Tabakarbeiterbe.'bandcs erklären sich mit den Beschlüssen des Heidelberger Verd�ndstages voll und ganz einverstanden und der- sprechen ist ihren Z-ty.'ftellen dahin zu wirken, daß unser Verband in Kürze zu einer wahre.'' Kampforganisation werde." Nun nahm Gauleiter?>entzschel zum zweiten Punkt: . U n s e r e A g i t a t i o n u n d. K ä m p f e" das Wort. Er führte aus: Nachden, auf dem HeidelVrger Vcrbaudstage die Grund- bedingunqen zur Schaffung einer ��p�sorganisation festgelegt sind, müssen wir uns an die Arbeit mäd�en. Wer kämpfen will muß agitieren. DieAgitation isteben die ständige Vorbereitung zum Kampfe. Die erste Arbeit die wir beginnen, ist, die Mitglieder von der Notwendigkeit der vorgenommenen ReorganiKft'vn zu überzeugen, damit sie dem Verband treu bleiben. Ein js.'es Mitglied muß Agitator des Verbandes sein. Auch müssen Ivir' �ns klar darüber werden, daß wir künftighin mit dem Kleinkrieg anhören müssen. Nachdem die Unternehmer sich organisieren, mutz auch»''"n unserer Seite ganz anders gekämpft werden. Die Tarisbewegung nicht nur eine Geschäfisreklame für den Fabrikanten sein, wir inüffe�? auch darauf achten, daß in den Filialbetrieben entsprechende Löhne göz�hkt werden. Man solle in den Kartellen seinen Einfluß ausüben, ünC die Konsumenten zum Kauf von Tarifware zu überzeugen. Auch über diesen Punkt gestaltete sich die Diskussion sehr lebhaft. Die meisten Redner erklärten sich mit den Ausführungen des Gau- leiters einverstanden. DeutTcKes Reich, Der Streik der Klempner in Kolbcrg ist mit vollem Erfolge nach ganz kurzer Dauer beendet. Es ist ein Tarif auf zwei Jahre ab- geschlossen, der die Regelung der Arbeitszeit, Mindestlöhne, Zuschläge für Ueberlandarbeit, Höherbezahlung der Ueberstunden, Schmutz- arbeit usw. vorsieht. Dieser Tarifabschluß ist der erste für Kolberg. Alle Klempnermeister haben den Tarif unterzeichnet. Die Lohnbewegung der Hornknopfarbeiter bei der Firma B, Jahr in Schmölln S.-A. ist beendet. Die Firma hat Zugeständnisse ge« macht, mit denen sich die Arbeiter zufrieden erklärten. Es wurde erreicht: Arbeitszeitverkürzung von 58'/z auf 57 Stunden: Erhöhung der Akkordlöhne um durchschnittlich 7 Proz. Die Wochenlöhne erhöhen sich für die Arbeiter um 1 M,, für Arbeiterinnen um 60 Pf. In diesem Jahre schon gemachte Zulagen sollen aber in Anrechnung kommen. Ueber weitere Verbesserungen soll im Juni nächsten Jahres verhandelt werden. Die jetzigen Vereinbarungen treten am 1. Sep- tember in Kraft. 7Iusl»nd. Durchschnittslöhne in Rusfland. Welche Hungerlöhne den russischen Arbeitern gezahlt werden, beweisen folgende Zahlen: die Metallarbeiter in Petersburg stehen mit 473 bis 523 Rubel<1 Rubel— 2,16 M.) jährlich an der Spitze der Arbeiter: in den übrigen Industriegebieten erhielten die Metall- arbeiter 1011 durchschnittlich 397 Rubel jährlich, alle anderen Arbeiter durchschnittlich 251 Rubel. Im Bergbau verdient der Arbeiter durch« schnittlich 260 Rubel jährlich. Der Durchschnittslohn der Metall- arbeiter war im Jahre 1012 33 Rubel monatlich. In den einzelnen Gouvernements sind die Löhne der Metallarbeiter wie folgt: Gouvernement Livlnud 431 Rubel, Archangelsk 423 Rubel, Kurland 360 Rubel, Estland 353 Rubel, Perma 270 Rubel, Pskow 234 Rubel, Nowgorod 215 Rubel, Witebsk 169 Rubel jährlich. Der Durchschnittslohn der Metallarbeiter war im Jahre 1912 33 Rubel monatlich. In den andere» Industrien sind die Löhne noch niedriger. In den Lederfabriken erhalten die Arbeiter durch- schnittlich 14 Rubel, Zuckerfabriken 9 Rubel, Baumwollfabriken 18 Rubel, Textilindustrie von 7 bis 20 Rubel monatlich. Infolge dieser Hungerlöhne ist auch die Lebenshaltung der russischen Arbeiter eine erbärmliche. Die chronische Unterernährung ist bei solchen geringen Einnahiwen gar nicht zu vermeiden. Der russische Fabrik-- arbeiter in den ländlächen Gegenden ernährt sich ausschließlich von Brot und Kwaß, Zwiebeln, dicker Grütze und Fett, und nur an Sonn- und Feiertagen nimmt er etwas Fleisch zu sich. Der städtisch« Fabrikarbeiter muß sich mit Brot, Wurst, Käse, Heringen und Gurken begnügen. Derbmidstug der Mogrliphen, StmdrMer und oemulldteu Keruft. Stuttgart, 16. August. Zum Punkt„ V o l k s f ü'r s o r g e" wird nach einem kurzen Referat ehre Resolution angenommen, die die Gründung der „Volksfürsorge" lebhaft begrüß: und ausspricht, daß der Verwaltungs« apparat des Verbandes dem Unternehmen in weitestgehendem Maße zur. Verfügung gestellt werden soll. Nach Entgegennahme des Berichts der Beschwerdekommissiem tritt man in die Statu tunberatung ein. Die Kommission beantragt., alle Anträge auf Erhöhung und Erweiterung der Unterstützlmgew abzulehnen. Nur bei der Streik- Unterstützung und Reiseunterftützuvg sollen geringfügige Aenderungen eintreten. Ebenso beantragt die Kommission die Ablehnung jeder Erhöhung oder Staffelung der Beiträge. Dieser Auffassung tritt die Generalversammlung bei. Eine längere Debatte entstehl über einen Antrag, bis zur nächsten Generalversammlung für Photo- � r a p h e n den weiblichen Beitrag(60 Pf. pro Woche) einzuführen. D'er Antrag wird jedoch mit 40 gegen 36 Stimmen ab- g-�-hnt. Gemaßregelte, streikende oder ausgesperrte Mitglieder, die zur Abreise gezwungen werben, erhalten künftig neben der Reise- auch Umzugs Unterstützung. Bei der Arbeitslosen- Unterstützung wird eine neue Staffel eingeführt: Mitglieder bis zu �0 Wochenbeiträgen erhalten 10 Wochen a 15 M. Die übrigen.Beschlüsse betreffen meist redaktionelle Aenderungen.— Eine Geh. Utsregulierung für die Verbandsbeamteu wird vor« genommen' Zvobei die von der Kommission vorgeschlagenen Sätze Annahme finde».'-" Es wird sodann beschlossen, zwei weitere Beamte anzustellen von bauen der eine zusammen mit Sillier besonders das Gebiet Lohn>.''�"rgung und Statistik bearbeiten soll. Der Posten soll auf der k.'-»wralversammlung besetzt iverden, der zweite Posten wird ausgeschriee'cn.„ Unter allgemein en Antragen gelangt ein Antrag zur Annahme, der die Großei"kaufsgesellschatt und die Konsumvereine ersucht, solche Firmen zu berücksichtigen, die die Gewerkschaften empfehlen. Die übrigen Anfüge sind nicht von allgemeiner Be. deutung. Wie bisher bleibt der Sitz des Verbandsvorstandes in Berlin, des Ausschusses in Dres. �n. der Preßkommisston m Leipzig. Die bisherigen Verbaudsfunktion werden wiedergewählt. Neu hinzu kommt für den Hauptvorsta.®' f" An"®ie na(� Generalversammlung findet in Mag devurg statt. Iugencibe�vee Konzertagenturen arbeiten fieberhaft, die Künstler sind außer Rand und Ordensband, sie lassen sich photograpbieren... rastlos. Es gilt, wohlan I Denn eS steigen in Berlin im Winter ungefähr 1800 Konzerte, und davon sind nur 150 gewinnbringend. Alle anderen kosten Geld. Aber warum werden sie dann ver« anstallet? Zunächst aus wirtschaftlicheu Gründen. Mit den paar armseligen Zeilen Berliner Kritik laufen die Sänger usw. in die Provinz, um dort zu unterrichten, um dort wiederum zu konzertieren. Und da man in der Provinz— speziell im Osten, der arm an Großstädten ist— abenteuerliche Vorstellungen von Berlin hat, so bildet man sich wirklich ein, diese große Stadt habe sich tatsächlich auch nur mit einem kleinsten, wichtigen Tefle um diesen Rummel gekümmert. Wer einmal gesehen hat, wie geängstigte Älavierlehrerinnen sich-das .Schwarzseidene" angezogen haben, um halb im Taumel ein Lied von Schubert zu grölen, während die Freuudiunen den Bericht- erstatter des„Täglichen Donnerwetter" an den Rockschößen in den Saal zogen— der weiß genug. Der Grund der Musikseuche sitzt tiefer. Das Kllnstlerproletariat verdankt seine Existenz der maßlosen Ueberschätzung der Musik. Der Bürger redet sich und anderen ein, es sei bereits ettvas, wenn jemand ein Klavierstück schön daherspiele, ein Lied zu singen ver- stände— mit Seele vulgo Schmalz. Es ist aber nichts. Einer der wenigen, die einmal gut und treffend nachwiesen, daß man sehr wohl ein Philister sein und gleichzeitig Bach und Beethoven schätzen könne, war O. H. Schmitz. Er wurde nicht gehört. Nach wie vor läuft der deutsche Bürgerstand jedem langhaarigen Klavier- Hauer nach, pflegen die alternden Töchter zum Entsetzen der Nachbarn den Gesang, heulend wie eine Lokomotive im Tunnel... aber die- selben Leute, die mit ergriffenen Gesichtern im Konzert sitzen, sind stumpf und dumpf allen anderen Fragen gegenüber, bei denen es gilt nachzudenken.- Nichts gegen die Musik. Aber es liegt in ihrem Wesen, da? sie zu nichts verpflichtet. Man kann versinken in das Meer der Töne,— und wenn man herauskommt, ist man wieder Erzellen, Schulmeister, alte Jungfer... je nachdem. Der Polittker, der Literat, der Philosoph.— sie alle müssen Farbe bekennen. Der Musiker wird geliefert und den« sich nichts dabei. Der Musiker denkt nicht, sondern macht Musik. Und diese maßlose Ueberschätzung einer Kunst, die soviel Dilettanten bertragt, hat ein Haufen Leute emporgewirbelt, die, zu allem andern unfähig, nur von ihrer Eitelkeit und den falschen Vorstellungen ihrer Mitmenschen leben. Die bürgerliche Presse hält sich für verpflichtet, die liebe Eitel- reit zu unterstützen... und um ein weniges wird Berlin wieder voll Musik win. Aber nicht voll Kultur. Denn das ist zweierlei. Ruf dem Berg.ine Schule... Die Bergschule auf dem Semmerrng hat Richard Dehme! ein Gedicht voll würzig- dainger Frische eingegeben, das in dem soeben erschienenen Jahr- buch der Schwarzwaldschen Schulanstalten zu Wien veröffentlicht wird und eine weite Verbreitung verdient. Es lautet: „Auf dem Berg eine Schule, was soll die da?" Euerm jungen Geist freie Aussicht bauen I— „Aber die Gipfel alle, rings, fern und nah, über denen die Wolken brauen: werden sie nicht unsre jungen Augen iminerfort ins Blaue verführen, unsre jungen Herzen aufrühren. bis wir zu nichts Klugem mehr taugen? Und die Sturzbäche vom Firnschnee ins Grüne, und die Tunnelstraßen durchs Wälderwogenland: ach, wird nicht unsre vogelkühne leichte Seele auf dieser Freiluftbllhne nichts als fliegen wollen aus Rand und Band?"— Ja, sie wird! Und»ach jedem wilden Fluge, wird sie zurückkehren schwer und still; bis sie dahinterkonimt, die kluge, daß die Freiheit gelernt sein will. Wird im Dunkel ihres Herzens erschrecken, wieviel Adern sie an die Tiefe knüpfen; wird ihre bellen Augen lüpfen, Maß in Höhen und Weiten entdecken. Wird dann eines Tages lobsingen: Höher, als je eine Wolke kreist, weiter, als alle Bäche springen. tiefer, als die Wurzeln der Urwälder dringen, bahnt sich Straßen der Menschengeist, denn sei» Ziel leuchtet sonnenhaft: Prüft eure KraftI Tropische Dämmerungöfarben. Die Dämmerung pflegt, je mehr man sich demAequator nähert, um so kürzer zu sein, aber es scheint Ausnahmen von dieser Regel zu geben. Dr. Hall, der vom Staat angestellte Gelehrte der Wetterwarte auf der Insel Jamaika, hat dort Beobachtungen über die tropische Dämmerung und ihre Farben gemacht, die namentlich für die Monate Januar bis April über« raschende Ergebnisse aufweisen. Wahrscheinlich sind sie auf diese Jahreszeit beschränkt, weil später im Sommer die Wasserdampf- mengen, denen die Farbenbrechung zugeschrieben wird, durch die Sonneukraft in zu große Höhe gehoben werden. Von einem Souneiiuntergang in Jamaika gibt Dr. Hall eine lebhafte Schilderung. Zehn Minuten vor dem Verschwinden der Sonne erschien am östlichen Horizont ein rosafarbenes Band, das gewöhnlich um den ganzen Horizont verfolgt werden konnte, aber im Osten am stärksten war. Darunter bildete sich ein dunkles Band von schwarzblauer Farbe. Fünf Minuten»ach Sonnenunter- gang schien von dem rosa Band ein schwaches Glühen gleicher Farbe schnell bis zum Zenith aufwärts zu wandern, während über der Stelle, wo die Sonne im Westen niedergegangen war, ein großer Fleck weißen Lichts auftauchte. Nach weiteren 5 Minuten nahm das dunkelblaue Band im Osten eine noch tiefere Farbe an und verbreitete sich allmählich nach dem Nord« und Süd- Punkt hin, während das Rosaglühen über den ganzen Himmel hinweg den weißen Fleck erreicht und ihn zu verdrängen begonnen hatte. Eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang ging das dunkle Band in Grau über und das rosafarbene war ganz verschwunden. Das Glühen dagegen war jetzt völlig nach Westen hinüber gegangen und dort am stärksten geworden. Fünf Minuten darauf halte es den westlichen Horizont erreicht, um unter ihn hinabzulauchen. 35—40 Minuten waren � Regenbogenfarben in paralleler Anordnung, unten rot und i.'ben violett, tm Westen sichtbar, und damit endete das Farbenspiel.>n? Stunde nach Sonnenuntergang wurde das Tierkreislicht 2 Grad über dem westlichen Horizont erkennbar. Eine Erklärung für diese großartige Farbenentwickel.'tt'll und lange Dauer der Dämmerung findet Dr. Hall auch in den.A'ptzen Slaubmassen, die in der Ebene um Kingston, die Hauptstadt Jama aufgewirbelt werden. Humor und Satire. Vom Tage. Die notwendigen Gelder für die Fortsetzung der Bauarbeiteir an der Lokalbahn nach Dingharting waren zurzeit nicht flüssig, auch machten die Interessenten Schwierigkeiten. Die Eisen- bahndirekrion verfügte deshalb bis auf weiteres die Einstellung der Arbeiten. Die Gemeinden, die sich in ihren Hoffnungen betrogen glaubten und schon das Schlimmste befürchteten, wandten sich an den Abgeordneteil Hivterhuber. Hinterhubcr begab sich ungesäumt ins Ministerium und wurde bei dem eiirschlägigen Sachrefereirten vor- stellig. Das Ministerium war einigermaßen in Verlegenheit, erliest aber endlich an die Direktion folgende Entschließung:„Die Arbeiten auf der Lokalbahn sind ungesäumt wieder aufzunehmen und in einer Weise weiterzuführen, daß es nicht den Anschein hat, als ivären sie eingestellt."_ s.Simplicissimus",) Notizen. — In? Theater am Nollendorfplatz ist das En«- semble des Metropolrheatcrs mit seiner„Kinokönigin" gastierend ein« gezogen— und Bcrlin-W mit ihm. Ist alles auch wieder nur der alte saule Zauber von gestern, er wirkt doch„ewig neu", weil es zahlungsfähige Schwärmer genug gibt, deren Kunstbedürfnis voll- aus durch den Genuß eines glitzernden Blösinns befriedigt wird, wie solchen nun ein für allemal das Trio Giam- pietro-Ballot-Thiclscher verkörpert. Einige Wochen später wird das alles ja wieder im alten, inzwischen frischauflackierten Kunsttempsl an der Bchrenstraße seinen Fortgang haben— mit dem Unterschiede nur, daß die Champagnerflaschen nicht mehr im Zuschauerräume knallen dürfen. o. Ie. — Theater chronik. Montis Operetten-Theater wird am 30. August mit Eyslers Operette„D er lachende Ehe- in a n u" wieder eröffnet. — Das Drama„Sonnenfinsternis" von Arno Holz soll im Hamburger Thnlia-Theater zur Ausführung gelangen. — Freie Hochschirl e. Der Dozent der Nationalökonomie, Dr. Louis Katzen st ein, weiteren Kreisen als Lehrer und Mitglied des Vorstandes der„Freien Hochschule" bekannt, ist 54 Jahre alt gestorben. — Großer Steinzeitfund. Der ErzPriester von San- domir, der sich mit archäologischen Forschungen beschäftigt, hat an der Grenze des Gouvernements Radomir und Kielce in der Nähe der Weichsel einen prähistorischen Friedhof aus der Steinzeit auf- gedeckt. ES handelt sich iini den größten Fund dieser Art im ganzen russischen Reiche. Steinbeile. Sieinhäinmcr, Geräte aus Knochen, Würfel aus Knochen, ein Stcingefäß mit steinernem Stößel befinden sich darunter. — Ein verlorengeglaubtes Gemälde von Mill et, eine„Empfängnis der Maria", wurde in Falconara Maristima wieder aufgesunden. Der dritte Napoleon schenkte e» seinerzeit dem Papste Pius für seinen Luxuseisenbahnzug. ttjre? Angesicht», die mühsam eingefangene Jugend Sonntag« zu Kriegsspiclen und Wanderungen hinauszuschleppen und zahlreiche Geistliche marschieren als Feldprediger mit. Andere Amtsbriider in Talar und Bäffchen erheben wieder gegen da§ sonntägliche Ans- Piegcn warnend die Hand, weil es schnurstracks in die Holle führe. So meint die protesrantische Generalsynode don Schles- wlg» Holstein, daß »die sportlichen Veranstaltungen an den Sonn- tagen nicht selten geeignet sind, eine Schädi- stung des kirchlichen Lebens herbeizuführen.� Sie ermahnt deshalb die kirchlichen Organe, mit allen Mitteln, selbst durch Anrufung der Polizeibehörde, dahin zu wirken, daß solche Hebungen und Veranstaltungen nicht während der Zeit des Gottesdienstes stattfinden. Ans diesem Grunde .muß vor allem vorgebeugt iverden, daß ein solches Heraus- schweifen am Sonntagvormiltag zur Regel wird, und zwar nicht nur im Interesse der Beteiligten, sondern auch im Interesse der ländlichen Gemeinden, deren Sonntagfrieden durch den Einmarsch solcher Trupps von jugendlichen Wanderen mit Gesang und Musik gefährdet wird". Für den Ausnahmefall, daß ein solcher Ausflug doch am Sonntagvormittag stattfinde, mahnt diese Kundgebung, dahin zu wirken, daß die jugendlichen Wanderer z�u gegebener Zeit irgendwo Rast machten und geschlossen den GotteHdienst besuchten. Die katholische Presse druckt diese Mahnung einer evangelischen Kirchenbehörde freudestrahlend ab und verlangt strenge Maßnahmen, damit jedem jungen Mann durch den zwangsmäßigcn Besuch der Kirche die Sonntagsfreude versalzen wird. Am liebsten wäre es den Herren natürlich, wenn die Jugend den ganzen Sonntag in der, Kwche hockte.' Hiis der Partei. Parteitag in Jena. Nur noch vier Wochen trennen uns von der Eröffnung des Parteitages in Jena und trotzdem sind die Anmeldungen seitens der Delegierten und Wgcordncteu kaum zum vierten Teil— denn wir rechnen mit einer noch stärkeren Beteiligung wie im Jahre 1911— eingegangen. Wir ersuchen also die Delegierten und Abgeordneten nochmals, da dem Partei- tagskomitee sämtliche. Hotels in Jena sowie gute Privatwohn nn ge-n in Genüge zur Per- f ü g u n g stehen, sich sämtlich und baldigst anmelden zu wollen, damit das Wohnrrngskomitce nicht in den letzten Tagen zu viel Arbeit bekommt und die" Genossen in der Wohnungsfrage voll befricdligt werden können. Bei der Anmeldung mögen die Genossen genau angeben, ob sie Hotelwohnung oder P r i v a t'w o h n u N g wünschen und in welcher Preislage. Dann wollen die Genossen bei der Anmeldung ihre genaue Adresse: Wohnort, Straße und Hausnummer angeben, damit Druck- fachen, die vom Parteitagskomitee"vorher abgesandt werden, ihrem Bestimmungsort korrekt überwiesen werden können. H- Das Parteitagskckmitee: Leber, Jena, Magdelstieg 3. Aus den OrganisativMen. In einer Parteiversammlung für D r e s d e n- A l t st a d t nahmen die zahlreich erschienenen Genossen Stellung zum Parteitag. Der das einleitende Reterat haltende Genosse Lützner verurteilte das Verhal-'/en der Mehrheit der Fraktion. Sie habe den vom P �ogramm und von den früheren Parteitagen vorgezeichneten Weg»erlassen. Wie aber auch der Parteitag entscheide, nachher wachten Besiegte und Sieger in der alten Weise zum Besieg der Partei weiter arbeiten. In der Frage des M a x j x x h x j � r a g e s sei dringend AU wünschen, daß endlich Ruhe eintrete, deshalb möge der Beichlutz des Partei �»isschusses willige Ohren finden. Wkit der Unwendung des M � s s � � sj x; x°)eien gegenwärtig keine großen Erfolge zu erzrcl� Es müßten günstigere Zeiten abgewartet und noch vtel Propag-'�daarbeit geleistet werden. . 3" wlgcnt m lebhaften Debatte vertritt Genosse Fang- h a n e l den StaM�M der FraktionSmehrheit. Wenn die Fraktion anders gehandelt, foie geschehen, dann hätte sie die Interessen des Volkes nicht gen�jg�d gewahrt und die Partei hätte dafür büßen müssen. Ei',l Massenstreik müsse die Zustimmung aller Arbeiter hab�n. Das sei aber heute nur der Fall, wenn Volksrcchte angetastet'bürden. Genosse Möller ineint, bei der Bekämpfung der Milit�xuoxlage habe die Fraktion nicht alles getan, was möglich war. st/nc Kainpspartei wie die Sozialdemokratie müsse lediglich des Kampfs wegen alles nur Denkbare tun, um ihrem schärfsten Gegner ent�genzutreten. So wie bei der Zollgeseygebuug mußte auch bei � er Militärvorlage Obstruktion getrieben werden. Wenn die Ge- .schäftsordnung hinderlich war, mußten die 110 versuchen, diese zu ändern. Die 81 Abgeordneten hätten damals mehr getan wie die IIb jetzt. Der Kampfesmut habe oben nachgelassen und dies !habe verderblich nach unten gewirkt. Der Massenstreik brauche wicht spontan zu kommen. Er müsse vielmehr, bis ins kleinste vor- Ibereitet wie in Belgien, für bestimmte Gelegenheiten von oben an- .geordnet werden. In der Stenersrage stehe er auf dem Standpunkt ider Minderheit der Fraktion. Die Besiystcuern konnten am besten :mit der Begründung abgelehnt werden, daß es der Fraktion nicht Mehr möglich sei, zuzustimmen, nachdem die Bestcurrung der Fürsten .wieder weggefallen ivar. Eine solche Haltung hätte das Boll gut verstanden. Genosse Hamann ist ebenfalls mit der Haltung der �.Fraktion nicht einverstanden. In der Maifeierfrage wünscht er die Wiederherstellung des Nürnberger Beschlusses, da der Vorschlag des ParteiauSschnsses keine Lösung bringe. Gc- nosse Güldner begrüßt die Anregung im Bericht des Vor- standes, nach der die Parteipreffe mehr propagandistisch wirken solle. Auch die.Dresdner Vollszoitnng" tue in dieser Beziehung nicht genug. Der grundsätzlicheu Aufklärung müsse mehr Raum gewidmet werden. In der Maifeier- und Stenersrage stimmt er dein Vor- rcdner zu. Genosse Reißig wünscht die Zustimmung und Unter- stützung der Dresdener Delegierten für den Antrag Keimling-Leipzig, der für die Jug-endbeiräte ein besonderes Organ verlangt, das diese praktisch und theoretisch schulen soll. Genosse G-r ad n au er legt eingehend seinen schon mehrfach vertretenen Standpunkt in der Steuersrage dar. Wenn gesagt worden sei, die Stagnation in der Mitglisderbewegung resultiere aus Maßnahmen der Fraktion und des Vorstandes in politischen Fragen, so sei dies ans dem Grunde falsch, weil die noch zu Gewinnenden, sich um derartige Maßnahmen nicht kümmern. Die Stagnation habe ganz natürliche Gründe: das Hochschäumcn bei der ReichSlagswaihl, dem die Reaktion gefolgt sei, die Anstellung vieler Parteiselretäve. deren intensiver Arbeit auf die Dauer nicht der gleiche Erfolg erwachsen sei. Neue Mittel würden neue Erfolge bringen. Ueber der Gewinnung neuer Mitglieder dürfe nicht vergessen werden, den großen Zustrom, den unS die Reichstag swahl gebracht habe, auch innerlich zu sestigen. Wenn der Haltung der.Dresdner Volks- zeitung* Schuld an der Mißstimmung beigemessen wurde,, so müsse dem gegenüber darauf verwiesen werden, daß die Organisationen in Dresden und Sachsen im Gegensatz zu Berlin und Nord- deutschland im Geschäftsbericht gut abgeschnitten hätten. Das- selbe sei von Süddeutschland zu sagen. Ein weiterer un- berechtigter Vorwurf werde bei Erörterung der Massenstreikfrage erhoben, indem gesagt werde, die Führer bremsten gegen den Massenstreik. Im Gegenteil, bei den Massen sei das nötige Ver- ständnis und die Liebe zur Sache nicht genügend vorhanden. Gerade in Sachsen war bei der Wahlrechtsfrage eine gewisse Unempfindlich- keit der Massen zu beobachten, trotzdem die Führer, darunter der Redner, darauf hingewiesen hätten, daß mehr geschehen müsse. Auch bei der Verfchlechtenmg deS Gemeindewahlrechts in einem Orte nach dem anderen rührten sich die Mafien nicht. Den Führern, die ganz gewiß die Bewegung vorwärts bringen wollen, könne also keine Schuld gegeben werden, wenn sie die Dinge, wie sie wirklich lägen, ins Auge faßten und sich nicht täuschen ließen. Der Mißmut über den Ausfall der preußischen Landtagswahlen dürfe nicht zu einem VerzlveiflungSschritt ftihren, denn mit einem Demonstrationsstreik könne die Macht der Junker nicht gebrochen werden. Nur ein Wochen oder Monate dauernder Zwängsstteik könne wirken, Um aber einen solchen mit Erfolg durchzuführen, müßten noch große Schwierigkeiten überwunden, wichtige Berufszwcige dafür gewonnen werden. Zum Verzagen sei aber trotzdem kein Grund. Andauernde Arbeit werde auch dieses Ziel naher bringen. Auch mit den bisherigen Mitteln, besonders der politischen Arbeit, sei die Partei ganz gut vorwärts gekommen. Das beweise der Erfolg der Reichstagsfraktion. Im Sinne des Besten, den wir in diesen Tagen verloren, würden wir nicht handeln, wenn wir die Zuversicht m die Macht der Bewegung, in die endliche Durchsetzung unserer Ziele, die ihn immer vorwärts getrieben, verlieren wollten, Genosse P a n n o s ch: Es habe den Anschein, als ob die Partei nichts Wichtigeres zu tun habe, als über die Fraktion zu diskutieren. Bei dieser Diskussion sei eine gewisse Verachtung des Parlamentarismus zutage getreten. Gleichzeitig werde aber die Anwendung des Massen- streikS zur Erringung des gleichen Wahlrechts für Preußen gefordert, DaS reime sich schlecht. Der Maffenstreik sei eine zweischneidige Waffe, die nur im äußersten Notfalle angewendet werden dürfe. Wichtiger als der Massenstreik sei das Arbeitslosenproblem. SOOOO Arbeitslose ständen gegenwärtig in Berlin im Massenstreik, und in anderen Großstädten sei es nicht besser. Nachdem noch ein Redner gegen die Fraktion, ein anderer dafür gesprochen, wurde die Versammlung geschlossen. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Als Delegierte zum Parteitag wurden Genosse Jung- nickel und Genossin Naumann gewählt. Zum„Falk Radek". Im September vorigen Jahres wurde in einer Bremer Partei- Versammlung dagegen Protest erhoben, daß der Bremer Partei- sekretör den aus der russisch-polnischen Partei ausgeschlossenen Genossen Radek ohne weiteres als Mitglied aufgenommen hatte. Die Folge dieses Protestes war die Niedersetzung einer Kommission, der die Aufgabe zugewiesen wurde, den„Fall Radek" zu untersuchen. Am Freitag voriger Woche ist nun von dieser Kommission in einer Bremer Parteiversammlung über das Ergebnis ihrer Untersuchungen Bericht erstattet worden. Da der „Fall Radek" auch den nächsten Parteitag beschäftigen wird, so dürste der Bericht der Bremer Kommission auch in weiteren Partei- kreisen Interesse finden. Radek wurde bekanntlich nach dem Urteil deS polnischen Parleigerichts folgendes zur Last gelegt: 1. Eni- Wendung eines Buches von Zembath und Verkauf desselben, 2. Entwendung von Büchern aus der Redaktion des„Naprzod" und Ver- kauf derselben, 3. Entwendung von 300 Rubel, die den Gewerk- schaften gehörten und die von Radek zur vorübergehenden Auf- bewahrung genommen und nicht an das Depot abgeführt wurden, 1. Verheimlichung(vor den Parteiinstanzen bei seiner Ausnahme in die Partei im Jahre 1905) von Tatsachen, die Gegestand der An- klage in den Punkten 1 und 2 gewesen sind, und anderer geringerer Delikte. Hinsichtlich des ersten Punktes der Anklage kam die Kommission auf Grund der völlig unzweifelhaften Tatsache, daß die erwähnte Beschuldigung schon einmal Gegenstand einer ehrengerichtlichen Per- Handlung gewesen war, einstinimig zu dem Schluß, daß dieser Punkt als res judioata(erledigte Sache) zu gelten habe. In bezug auf den zweiten Anklagepnnkt kam die Äommfision zu der Ansicht, daß die von den Verlegern den Redaktionen zugeschickten Bücher in der Regel Eigentum der Rezensenten werden. Ferner stellte die Kommission fest, daß Radek derzeit tatsächlich Redakteur einer polnischen Zeitung war. In An« betracht der auf Redaktionen üblichen Gepflogenheiten konnte die Kommission in Rädels Handlung ein ehrenrühriges Eigentums- vergehen nicht erblicken und beschloß daher einstimmig, die Frage: Ist das Verhalten Rädels bezüglich der Naprzod-Bücher eine Hand- lung, die. allein gesehen, zum Ausschluß aus der deutschen Partei berechtigen würde, ist mit nein zu beantworten. Der wichtigste Gegenstand der Anklage war die Beschuldigung, daß Radek während der Revolution Gewerkschastsgelder unterschlagen habe. Radek wies in der Bremer Parteiversaminlnng darauf hin, daß ihm von zwei polnischen Genossen— der eine Genosse ist der Gründer der polnischen Organisation— schriftlich bestätigt worden sei. daß nicht nur kein Beweis erbracht worden sei, daß er Geld unterschlagen habe, sondern daß auch nicht bewiesen worden sei, daß Geld fehle. Radek blieb bei der Behauptung, daß er nur einmal Gewerkschaftsgelder in Verwahrung gehabt habe und daß er dieses Geld an den Genossen Stanislaw ablieferte. Wie üblich, habe er eine Quittung darüber nicht bekommen. Die Bremer Kommission ist nach eingehender Prüfung dieser Sache nicht zu einem einstimmigen Votum gekommen. Die Mchr- heit beschloß, sie halte durch das in dem Gerichtsurteil mit- geteilte Belastungsmaterial den Beweis für diese Beschuldigung nicht für erbracht und könne aus diesem Grunde die Einleitung eines Aus- schlußverfahrens nicht vorschlagen. Die Minderheit der Kommission stimmte einer Resolution zu, in der sie erklärt, daß sie diese An- gelegenheit nicht für hinreichend geklärt ansieht, um auf Grund des ihr vorliegenden Materials ihrerseits eine Verurteilung für berechtigt zu erklären oder eine Entlastung von den Radek zur Last gelegten Delikten für gegeben zu erachten. Zum Punkt 1 der Anklage hatte die Minderheit der Kommission beantragt, das polnische Parteistatut übersetzen zu lassen, um einmal zu sehen, ob in diesem Statut ein Passus vorhanden ist, wonach jeder, der der polnischen Partei beitreten lvill, erst eine Beichte ab- legen muß, ob er schon einmal etwas gestohlen oder unterschlagen hat. Diesen Antrag hatte die Mehrheil der Kommission abgelehnt, weil sie der Meinung war, daß sie über die Beschuldigungen Rädels nach dem deutschen Parteistatut und nach der deutschen Parteimoral zu befinden habe. Da die in diesem Punkte angegebene Verheimlichung nach Ansicht der Mehrheit der Kommission nicht als Ausschlußgrund in Betrocht gezogen werden konnte, beschloß die Majorität, diesen Anklagepunkt für erledigt zu erachten. Schließ- lich erklärte die Mehrheit:„Die Kommffsion sieht sich in Anbetracht des Resultals ihrer Untersuchung nicht in der Lage, irgendwelche Anträge ans Grund der Verhältnisse und des OrganisalionSstatuts der deutschen Partei gegan Radek einbringen zu können." Außer dem angeführten Beschlüsse der Kommission zum zweiten Punkte der Anklage stimmte die Minderheit der Kommission in dieser Sache einem Antrage zu, wonach sie die Aneignung und den Berkauf der Raprzod-Bücher als eine unberechtigte Handlung bezeichnet, die zwar nicht den Ausschluß aus der Partei rechtfertige, sondern lediglich als charakteristisches Merkmal zur Beurteilung etwaiger anderer Handlungen zur Geltung kommen könne. Die Nkinorität faßte das Ergebnis ihrer Beratungen dahin zusammen, daß nach der ungenügenden Klärung der Sachlage durch die Bremer Kommission daS vorläufig zu Recht bestehende Urteil des polnischen Gerichts im wesentlichen auf einer unehrenhaften Handlung seine Grundlage finde..„ Nach den Berichten der Kommission nahm dw Bremer Partei- versanimlung— gegen etwa 20 Stimmen— einen Antrag an, wo- nach der Meinung Ausdruck gegeben wird, daß die Aufnahm« Radek» in die Parteiorganisation in Uebereinstimmung mit dem Statut und bisherigen Praxis der Partei erfolgt ist und Radek als voll- berechtigter Parteigenosse anerkannt wird. Berichtigung. Genofie Richard Mette r, Bezirks sekretär in Zwickau schreibt unS: „In dem in der Sonnabendnummer des„Vorwärts_ ent haltenen Bericht über die Parteiversammlung in Zwickau heißt es u. a.:„Meier schob einen Teil Schuld an dem Umfallen der Fraktion den Parteigenossen zu, welche in dieser Frage keinen be- stimmten Standpunkt eingenommen haben Das ist nicht richtig) Ich babe, wie auch da?„Sachs. Volks- blatt" berichtete, u. a. gesagt:„Die Schuld an dem Verhalten der Fraktion ist aber nicht allein derselben, sondern auch der Partei- presse zuzuschreiben, die in dieser Frage keinen bestimmten Stand- Punkt eingenommen hat. Auch das deutsch-französische Manifest hat dazu beigetragen." Wieder zwei russische Arbeiterblätter unterdrückt. Nachdem vor einigen Wochen die beiden russischen Arbeiterblätter„Lutsch" und „Prawda" polizeilich verboten wurden, sind nun auch die an ihre Stelle getretenen Blätter„Schiwaja Schisn" und�„Rabotschalja Prawda" vor Fällung eines Gerichtsurteils provisorisch inhibiert worden. Von IL Nummern des ersten Blattes blieben nur 4, und von 17 Rummern des zweiten nur 2 unverfolgt. Alle anderen wurden entweder konfisziert oder init Geldstrafen zu je 500 Rubel belegt. Gerichts-Rettung» Wechselfallenschwinbler. Durch die Tätigkeit eines freiwilligen Detektivs war die Ver- Haftung zweier Schwindler gelungen, gegen die gestern die 12. Ferienstrafkammer des Landgerichts I zu verhandeln hatte. Wegen gemeinschaftlichen Betruges waren der Mützenmacher Richard G i e s e ck e und der Kellner Paul Döring angeklagt.~ Eines Tages im Juni o. I. erschienen die beiden Angeklagten in dem Geschäft des Drogisten Köppen in der Kastanienallee. Giesecke kaufte eine Kleinigkeit für zehn Pfennige und gab ein Zehnmark- stück in Zahlung. Während Köppen mit dem Aufzählen des her- auszugebenden Wechselgeldes beschäftigt war, verlangte Döring in großer Hast eine kleine Büchse Vaseline. Kaum hatte K. den Rücken gekehrt, als Giesecke das Zehnmarkstück samt dem Wechselgeld einstrich. Köppcn hatte jedoch aufgepatzt und verlangte das Geldstück zurück, welches ihm mit vielen Entschuldi- gungen auch ausgehändigt wurde. Da K. in einem anderen Ge- schüft schon einmal auf einen sog. Wechselsallentrick hineingefallen war, beschloß er, den freiwilligen Detektiv zu spielen. Er ver- folgte die beiden Verdächtigen mit unermüdlicher Ausdauer unv bekam es fertig, vier Stunden lang hinter den beiden Schwindlern herzugehen. Er ging in jedes Geschäft, welches die beiden gerade verlassen hatten, hinein, rief oem Inhaber seinen Namen mit her Aufforderung, ihre Kasse nachzuzählen, zm um dann schleunigst wieder die Verfolgung aufzunehmen. Aus diese Weise gelang nicht nur die Festnahme der beiden Gauner, sondern es konnten auch gleichzeitig der Polizei die Namen der sämtlich als Geschädigte in Frage kommenden Personen mitgeteilt werden.-— Mit Rücksicht darauf, daß Giesecke schon mehrfach vorbestraft ist und bei ihm der Rückfallparagraph in Anwendung gebracht werden mutzte, er- kannte das Gericht gegen ihn auf 1 Jahr Gefängnis, Döring wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Versammlungen. Deutscher Bauarbeiterverband, Zweigverein Berlin. In der Generalversammlimg am Sonntag nahmen die Delegierten den Kassenbericht vom zweiten Quartal entgegen. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß für die Hauptkasse eine Einnahme von 92 989.30 M. erzielt worden ist, die mit Ausnahme von 6 M. aus dem Erlös ver« kaufter Marken resultiert. Die Ausgabe deckt sich mit der Einnahme: 1024,60 M. entfallen davon aus Unterstützung bei Bausperren und Motzregelungen; für Krankenunterstützung wurden verausgabt 15 469,65 M., für Sterbeunterstützung 3805 M., für Reise» Unterstützung 380 M., für Rechtsschutz 615,70 M. Aerztliche Gut- achten erforderten 50 M. Die Lokalkasie erhielt 18 635,30 M. Die Lokalkasse vereinnahmte inklusive Kaficnbestand vom vorigen Quartal 199 970.06 M. Verausgabt sind 22 130,74 M. An Kassen- bestand verblieben 177 849,32 M. Mitglieder waren am Schlüsse des Quartals 13 718 vorhanden, wovon 473 im Laufe des Quartals aufgenommen worden sind. Durch die Fluktuation der Mitglieder wird die unerfreuliche Tatsache bestätigt, daß die Bautätigkeit im Zweigvereinsgebiet äußerst daniederliegt. Uebersteigt doch der Ab- gang an Mitgliedern den Zugang um 959. Die Jugendabteilung des Vereins umfaßt 48 Mitglieder. Ihr wurden 250 M. zugewiesen. trn anderen Punkt der Tagesordnung beschäftigte man sich mit 'arifbewegung im Gipsbaugewerbc. Der Bor- sitzende Hanke gab eine Darstellung des Verlaufs derselben. Das Ergebnis der Verhandlungen, die unmittelbar mit den Unternehmern geführt worden sind, wurde von der Sektion abgelehnt und das Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts angerufen. Dieses fällte einen Schiedsspruch, der aber auch abgelehnt wurde. Der Verbands- vorstand hielt die Ablehnung in Anbetracht des Streitobjektes und der miserablen Lage im Baugewerbe, die einen fiegreichen Kampf keinesfalls voraussehen läßt, für verfehlt und verweigerte daher die Streikgenchmigung. Es wurden neue Verhandlungen eingeleitet und dieselben endeten mit dem Erfolg, daß eine nennenswerte Verbesserung des Schiedsspruches erzielt wurde. Ehe aber das Resultat bekannt gegeben werden konnte, kam es zu einem wilden Streik. Die Bewegung endete mit der Akzeptierung des Resultals der zuletzt geführten Verhandlungen. Während der Bewegung sind Vorwürfe hageldicht aus den Verbands« vorstand, auf die Zweigvereinsleitung und auf einige Personen ge- fallen. Die Versammlung solle beurteilen, wieweit hierzu Berechti- gung vorgelegen hat. An der Diskussion beteiligten sich vorwiegend Mitglieder der Gipsbaubranche. Ausnahmslos hielten fie� die Verweigerung der Streikgenehmigung für eine organisationSschädigende Maßnahme und machten dem Vorstande die bittersten Borwürfe. Der Kampf hätte geführt Iverden müssen, da es sich um die Abwehr einer Verschlechte- rung gehandelt habe. Aber auch der SektionS- und Zweigvereins» vorstand hat nicht richtig gehandelt: einmal sei die ganze Sache ver- zettelt und dann seien Versammlungsbeschlüffe nicht respektiert worden. Rektifiziere die Generalversammlung die Be- schlüsse des Vorstandes nicht, dann müsse damit ge« rechnet werden, daß die Organisation der Gipsbaugruppe zer- rissen und ein« neue Organisation derselben gegründet werde. Gegen die Gründung einer neuen Organisation sprachen außer einigen der GipSbaubranche nicht angehörenden Mtgliedcrn auch einige direkt Beteiligte. Auch sie veruneilten das Verhalten de? Vorstandes. hielten es aber für genügend, wenn man dem Vorstand durch Annahme einer Resolution die Wißbilligung kimdiun würde. Durch die Organisatienszersplitterung halten doch nur die Unternehmer den Vorteil.— Bon anderer Seite hielt man das Vorgehen des Vor- standes, gemessen an der Situation, für vollkommen berechtigt. Ein Kamps hätte sicher eine Niederlage gezeitigt und die Folgen derselben wären erheblicher gewesen als die Unstimmigkeiten, die heute unter den Kollegen Platz gegriffen haben. Resolutionen jeder Art erübrigen fich daher und man solle die Kollegen zur Zusammenhaliung der Kräfte ermahnen. � Schließlich nahm die Versammlung mit einer Zweidrittelmehrheit bei sehr zahlreicher Stimmenthaltung eine Resolution an, in der das Bedauern über das Verhalten des Hauptvorstandes ausgesprochen wird.________ WttterullgSübcrsicht vol» 48- August 1913._ LS ch S || B>= Bf Swinemde.!7S9iN tamburg 76t|NNS crlin 1 760 28 Franks. a.M"Oöeffi München 765;«® Wien 1762:23 Bettn 1 Regen z-Regen Ibcdcckl 1 bedeckt 2 bedeckt 2!wolkig et* ä" 16 15 17 15 13 16 «tatwaev Sl 0 s öaparanda Petersburg Seilly Abcrdeen Paris 4 55 769 D 762 O 76680 772 NW 767 NNO sjwolleiil hbedeckt Iwollig 3 heiter Zhaw bd ** ti* Ü 10 17 16 10 14 Wetterprognose für Dienstag, den 19. August 1913. Größtenteils trübe und regnerisch bei schwachen� westliche» Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Weit erb ur-au. 6t» ourauf WlCftll yz 1*******_ O"- 1-----—-------—■•---0__ ti_ CHX Redakteurs Attred Wicwp. NeuW«. Für des Zllstrcueiuea rngnW.l ZKSlocke.Bsrl'.n. Druck u.Verlas; PsrlyaÄ, PuSSriickSt-l U. MaagSÜnM« vitiaer lt.-Serlm s«, 8,213 30, w,,.., Z. Keilllge des Lllmilkls" Ketliner Uolksdllttt. mMAnmsm. Partei- Ungelegenkeiten. 4. Wahlkreis. Frankfurier Viertel. Heute Dienstagabend findet bei Boeker, Weberstr, 17, die Fortsetzung der letzten Viertels- Versammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Emil Eichhorn über:»Der politische Massenstreik." Zahlreichen Besuch er- wartet Die Viertelsleitung. Charlottenburg. Der Wahlverein hält heute abend 8'/z Uhr seine Generalversammlung im Volkshause, Rofinenstr. 3, ab. Tages- ordnung: 1. Vortrag:»Massenstreik und Parteitag". 2. Diskussion. 3. Bericht über die Wahlmänner, welche bei der Landtagswahl nicht gewählt haben. 4. Wahl eines Revisors, ö. Vereinsangelegenheiten. 6. Verschiedenes. Rudow. Am Donnerstag, den 21. August er., abends 8 Uhr, im Lokal von Wedler, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Be- richt von der Verbandsgeneralversammlung. 2. Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralversammlung. 3. Geschäftliches. 4. Vereinsangelegen- heiten und Verschiedenes. Tempelhof. Mittwoch, den 20. d. M., abends 8Vz Uhr, im »Wilhelms garten", Berliner Str. 9: Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: 1. Vortrag über:»Politischer Massenstreik". 2. Bericht- erstattung von der Generalversammlung von Groß-Berlin. 8. Wahl von drei Delegierten zur Kreis-Generalversammlung. 4. Anträge. 6. Verschiedenes. Pankow. Der vom BildungsauSschust veranstaltete englische Kursus ist abgeschlossen. Zur Weiterbildung in der englischen Sprache soll im Anschlug hieran Donnerstag, den 21. August, im Restaurant Schultheiß, Mühlenstr. 12, abends Vzg Uhr, ein Leseabend begründet werden. Alle früheren Teilnehmer von Pankow— Nieder- Schön- Hausen— Französisch-Buchholz sowie diejenigen Genossen, welche über englische Sprachkenntnisse verfügen, sind hierzu eingeladen. Teltow. Mittwoch, den 20. August, Mitgliederversammlung. Auf der Tagsordnung steht u. a.: Der Parteitag in Jena. Potsdam. Zahlabend findet Mittwochabend in allen Bezirkslokalen statt. Bcrlimr NacKncKten. Die juristische Sprechstunde findet bis einschließlich Sonnabend, den 30. August, nnr von 7 bis 9 Uhr abends statt.— Sonnabends Sprechstunde von k Uhr nachmittags._ Ein Frauenmord in Berlin 0. Im Hause Warschauer Straße 58 fand man gestern früh die unter Blumen gebettete Leiche der 38 Jahre alten geschiedenen Frau Hulda Eckelt, geb. Schmidt, in ihrer im Seitenflügel drei Treppen hoch belegenen Wohnung auf. Ein Schuß des Geliebten hatte dem Leben der Frau, die vor Jahren ihren Mann und zwei Kinder ver- lassen hatte, ein jäheS Ende bereitet. Der Mörder, ein 38 Jahre alter Monteur Paul K o s s a u, der von seiner in Wriezen a. O. wohnenden Frau gettennt lebt, irrt, wie man annimmt, in Berlin planlos umher, nachdem sein Vorhaben, auch seine Frau zu töten, mißglückt ist. Ucber die Bluttat wird folgendes berichtet: Seit längerer Zeit schon wohnte im Seitenflügel des Hauses Warschauer Str. 53 die geschiedene Frau Eckelt, von der die Nach- barn wußten, daß sie mit einem von seiner Frau getrennt lebenden Monteur Kossau ein Liebesverhältnis unterhielt, Dieses Ver- hältnis hatte in letzter Zeit eine so starke Trübung erfahren, daß Koflau sich eine andere Wohnung mietete und die Frau gegen ihren Geliebten bei der Polizei eine Anzeige wegen Diebstahls einreichte. Die Frau soll in der letzten Zeit einem anderen Manne ihre Gunst zugewandt haben und das war wohl die eigentliche Ursache des Zerwürfnisses. Gestern früh erhielt eine in demselben Hause wohnende Frau W., die mit der Eckelt Verkehr unterhielt, einen Brief von Kassau, in dem dieser von der Mordtat Kenntnis gab und in dem er neben anderen Mitteilungen auch die Ankündigung einer weiteren Mordtat folgen ließ. Er wollte, bevor er selbst seinem Leben ein Ziel setzte. auch noch daS seiner Frau in Wriezen a. O. vernichten. Die Frau W. begab sich mit dem Brief sofort zu dem zuständigen Polizeirevier, daS mehrere Beamte nach der Wohnung entsandte. In ihrem Bette, völlig entkleidet, lag, anscheinend friedlich schlummernd, die Frau Eckelt. DaS Bett war mit Blumen geschmückt und um den Kopf berum lagen die Bilder ihrer beiden Kinder, zwei Jungen im Alter von 12 und 13 Jahren darstellend, die bei ihrem Vater in Ober-Schöneweide erzogen werden, sowie daS Bild des Mörders. Der Kopf war mit einer Badekappe versehen und auf dieser befand sich eine Inschrift mit Bleistift, aus der hervorging, daß Eifersucht den Mann zu dem Morde ge- trieben hat. Frau E. soll, mit einem anderen Manne vor kurzem ein Freibad aufgesucht haben und hiervon hätte K., der an der Ge- liebten sehr hing und von ihr nicht lassen wollte, erfahren. Ein Stteit scheint der Bluttat nicht vorangegangen zu sein. Anscheinend ist die Frau im Schlaf getötet worden. Die Kugel war in den Nacken gedrungen und hatte den Tod wohl sofort herbeigeführt. Kossau hatte die Geliebte am Sonnabend besucht und in der Nacht zum Sonntag seinen Plan zur Ausführung gebracht. Am stühen Morgen hat er dann in großer Seelenruhe die Leiche auf- gebahrt, geschmückt und Aufzeichnungen über die Beweggründe zur Tat gemacht. An den Küchenwänden fand man mehrere Inschriften. Die Stubentür schloß er ab, verwahrte den Schlüflel an einer be- stimmten in dem Brief an die HauSgenossin näher bezeichneten Stelle und verließ dann die Wohnung, um seinen weiteren Mordplan aus« zuführen. Zu diesem Zweck fuhr er nach Wriezen a. O.. wo er am Sonn- tag nachmittag anlangte. Er suchte zunächst die Wohnung seiner Frau auf, die sich dort durch Arbeiten ernährt. Als er die Frau nicht antraf, begab er sich zu Rachbarn und teilte diesen mit, daß er eine endgültige Auseinandersetzung mit seiner Frau herbeiführen wolle, weil er erfahren habe, daß sie mit einem anderen Mann ver- lehre. Gleichzeitig erkundigte er sich nach einem Büchsenmacher. Die Nachbarn wollen gesehen haben, daß er unter dem Rock verborgen eine Schußwaffe getragen habe. Nach längerem vergeblichen Warten verließ er dann die Wohnung und fuhr nach Berlin zurück. In Wriezen ist die Polizei benachnchtigt und bewacht die Wohnung für den Fall, daß sich K. dort wieder einfinden sollte. Es ist aber anzu- nehmen, daß er von seinem� Pia» Abstand genonune» hat und hier umherirrt oder inzwischen Selbstmord begangen hat. Der Totschlag in Charlottenburg. Gestern vormittag wurde der Hauseigentümer Alexander Hielscher vom Horstweg 25. der, wie wir in der gestrigen Nummer berichteten, am Sonntag seinen Mieter Koza erschossen hat. nochmals eingehend vernomnien. Er behauptete, lediglich in der Notwehr gehandell zu haben. Sein Mieter Koza habe ihn angegriffen und an die Wand gedrückt. Erst dann habe«r seinen Revolver, den er allerdings be- retts in der Hand gehalten hatte, losgedrückt. Ein Teil der Zeugen 3 will gesehen haben, daß Hielscher von Koza angegriffen, an die Wand j gedrückt und gewürgt wurde, während ein anderer Teil bekundet, daß keinerlei Handgemenge zwischen den beiden Männern dem Totschlag vorangegangen sei. Vielmehr habe Hielscher losgeschossen, als Koza sich bückte, um die im Flur liegende Mattatze aufzuheben und auf den bor dem Hause stehenden Wagen zu tragen- Hielscher wurde gestern nachmittag dem Untersuchungsrichter zu- geführt. Von dem Ergebnis dieser Vernehmungen hängt eS ab, ob H. auf freien Fuß gesetzt werden wird. Hielscher war früher Ad- ministrator großer Güter, er wird allgemein als ein ruhiger und besonnener Mann geschildert. Auch der erschossene Bauarbeiter Koza erfreute sich eines guten Rufes. Von allen Seiten wird ihm das Zeugnis eines ruhigen und besonnenen Menschen ausgestellt. Be« sonders traurig ist die Lage der Frau Koza, die acht unmündige Kinder und ihre alte Mutter zu ernähren hat. Die Frau Koza wird gegen Hielscher Regreßansprüche erheben. Ein großes Hehlcrncst, das seitungefähr zwei Jahren mit Angestellten von großen Unternehmungen in Verbindung gestanden hat, ist gestern durch die Kriminalpolizei aufgehoben worden. Die Entdeckung dieses Treibens hat zur Verhaftung von sieben Personen geführt. Der Händler St. aus der Waldstraße und seine Frau standen mit einem Händler Fr. und dessen Geliebten, gemeinsam mit Angestellten großer Fabrikbetriebe in Verbindung und sie bezogen von diesen große Posten Metalle verschiedener Art. Die Nachforschungen nach dieser Richtung ergaben, daß ihnen ein Werkmeister regelmäßig ganze Wagen- ladungen von Metall aus dem Bettiebe, wo er angestellt war, zu- kommen ließ. Der Angestellte ging dabei so dreist vor, daß er von den Arbeitern einfach die Wagen laden und abwiegen ließ und sie dann zu St. oder Fr. dirigierte. Auf diese Weise bot er, soweit sich fest- stellen ließ, seit Weihnachten 1312 über 86 000 Zentner Metall ge- stöhlen und den Produktenhändlern geliefert. Zu den Kunden der Hehler gehörten auch mehrere Angestellte der A. E.-G. Sie lieferten den Produktenhändlern wertvolles Weißmetall. Obwohl hier eine strenge Kontrolle herkscht, gelang es ihnen nach und nach für un- gefähr 20 000 M. Metall herauszuschmuggeln. Bei der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft wurden im Laufe der Zeit Ver- bindungsschienen und Kupferdrähte gestohlen und an St. bezw. Fr. verkauft. Eine ganze Menge Diebesgut wurde noch, als die Polizei den Betrieben der beiden Produttenhändler einen Besuch abstattete, vorgefunden und beschlagnahmt. St. und seine Frau, die schon vorher gemerkt hatten, daß die Kriminalpolizei sich mit ihrem Handel beschäftigte, verschwanden, ehe diese noch zugreifen konnte, aus Berlin. Gestern ermittelte sie ihn mit seiner Frau in einem Lokal an der Ecke der Britzer und Kottbuser Straße und nahm ihn sowohl wie auch den Händler Fr. und seine Geliebte fest. Als Diebe wurden bisher der Werkmeister und zwei Angestellte der A. E.-G. ermittelt und verhaftet. Ein selten dreister Raubüberfall wurde gestern um die Mittags- zeit von 4 Männern auf ein junges Mädchen in der Prenzlauer Allee verübt. Dort betreibt in dem Hause Nr. 190 der Kaufmann Hart- mann ein Posamentiergeschäft. Als dessen 17 Jahre alte Tochter allein in dem Laden anwesend war, kam«in Mann herein und bat um 5 Pfennig. Das Mädchen schenkte ihm auch ein Geldstück. In demselben Augenblick trat ein zweiter Mann herein und fragt«, was die Wolle koste. Als sie darauf den Preis nannte, sagte der erste, dem sie die 5 Pfennig geschenkt hatte:„Du hast gar nichts �u verlangen." Es kam dann noch ein dritter Mann hinzu und letzt packten diese einige Sweater sowie andere Wollwaren in einen Karton. Das Mädchen versuchte um Hilfe zu rufen, sah aber davon ab, als ihr die drei Männer sagten, daß sie ihr den Mund zuhalten würden und sie auch schon zu diesem Zwecke faßten. Die Ein- geschüchterte wagte jetzt nicht, ein Wort zu sagen und sah in ihrer Angst ruhig zu, wie die Räuber die Waren in den Karton packten und damit den Laden verließen. Als sie gerade zur Tür heraus- getteten waren, kam ein vierter Mann herein, und fragte, was denn die drei Männer gewollt hätten. Das Mädchen erkannte den Fragesteller aber als einen Mann wieder, der, als die anderen ihre Beute zusammenpackten, vor der Tür gestanden hatte, und sagte zu ihm, daß er doch gesehen habe, was sie gemacht hätten. Ohne Zweifel hatte er Schmiere gestanden und war jetzt nur eingetreten, um ihnen den Rücken freizumachen. So entkamen alle unan- gefochten. � Leider erstattete die Ueberfallene erst gestern abend, nachdem sie ihren Angehörigen von dem Vorfall erzählt hatte, auf dessen Veranlassung Anzeige bei der Kriminalpolizei. Diese hat sofort alle Vorkehrungen getroffen, um der dreisten Räuber habhaft zu werden. Es dürfte dies wohl auch gelingen, weil daS Mädchen zwei der Männer ziemlich genau beschreiben kann. Danach ist der eine etwa 30 Jahre alt, mittelgroß und schlank, hat dunkelblondes Haar, einen kleinen dunklen Schnurrbart und ein rundes Gesicht von gelblicher Farbe und trug einen dunkelgrauen Anzug, eine gleichfarbige Sportmütze, schwarze Stiefel und einen rötlichen, langen Schlips. Besonders bemerkenswert ist, daß er auf d«m linken Unterarm, in der Nähe des Handgelenks daS Brustbild einer Frau und auf dem linken Mittelfinger einen Ring tätowiert hat. Der zweite Täter ist ungefähr 25 Jahre alt und etwa 1,60 bis 1,65 5Neter groß, hat hellblondes Haar, einen dunkelblonden, kräfti- gen Schnurrbart und ein rundes Gesicht von gesunder Farbe und war mit einem sehr dunklen Jackettanzug, einer Ballonmütze, gelben Stiefeln und einem schwarzen Schlips bekleidet. Auf die Ergreifung der Täter, die wahrscheinlich ihre Beute zu verkaufen versuchen werden, ist eine Belohnung von 300 M. ausgesetzt. Typhusverdächtigc Erkrankungen in der Kaserne des Telcgraphenbataillons. An den beiden letzten Tagen sind beim hiesigen Telegraphen- bataillon Nr. 1 mehrere typhusverdächtige Erkrankungen vorgekommen. Auf der Stube, auf der der Gefreite Hoffmann Stubenältester ist, erkrankten nacheinander fünf Soldaten unter Begleiterscheinungen, die den Verdacht aufkommen ließe», daß Typhus vorliegen könne. Auch Hoffmann selbst befindet sich unter den Erkrankten. Auf Grund der vom Bataillonsarzt vorgenommenen Untersuchung wurden die fünf Telegraphisten von dem Kasernement in Treptow nach dem Garnisonlazaretll in Tempelhof gebracht, wo sie streng abgeschlossen von den anderen Insassen behandelt werden. In dem Kasernement selbst wurden sofort alle notwendigen Maßregeln getroffen, um ein etwaiges Weilerumsichgreifen der epidemischen Krankheit zu ver- meiden. Die bakteriologische Untersuibung der Krankheitsstoffe der ins Lazarett eingelieferten Soldaten ist bisher nock nicht abgei-vlossen, so daß es noch nicht feststeht, ob eS sich wirklich um Typhus handelt._ Todcssprung aus dem Fenster. Der in dem Haute Wrangel- straße 127 im dritten Stock wovnende Messerscknnicd Karl Knappe sprang gestern morgen gegen 8>, Uhr aus dem Flurienster seiner Wohnung in den Hof hinab und erlitt io schwere Verletzungen, daß der Tod auf der Stelle eintrat. DaS Motiv deS SelostmordeS ist noch nicht bekannt._ Der Ueberfall auf den Steward Lehnig in einer Bedürfnisanstalt am Boddinplatz in Neukölln hat umfang- reiche polizeiliche Erhebungen zur Folge gehabt. Die Nachforschungen haben ergeben, daß die unerkannt entkommenen Räuber auch das Handgepäck LehnigS geholt haben, daS dieser bei der Gepäckabgabe auf dem Bahnhof aufgegeben hatte und dessen Gepäckschein fich unter den geraubten Briefschaften befand. Ein zweiter Ueberfall wurde, wie erst nachträglich bekannt wird, noch in der Nacht zum gestrigen Sonntag in Neukölln verübt. Der 20 Jahre alte Paul Skowroncki auS der Weserstr. 204 wurde, als er sich mit mehreren Freunden aus dem Nachhausewege befand, gegen 2 Uhr auf dem Hermannplatz von drei Männern und einer Frauens- Person angerempelt. Er ging darauf etwas vor ihnen. Als er sich umdrehte, um seinen Freunden, die mit den drei Männern in Stteit geraten waren, zu helfen, stürzte sich einer von ihnen auf ihn und versetzte ihm einen Messerstich in die rechte Schulter. Nachdem sie auch nochj einen seiner Freunde schwer verletzt hatten, liefen die Männer mit der Frauensperson davon und entkamen auch. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es sich um dieselben Personen handelte, die gegen 10 Uhr in der Bedürfnisanstalt auf dem Boddinplatz den 25 Jahre alten Diener und Steward.Paul Lehnig niederschlugen und beraubten. Casino-Theater. Auf dem Spielplan stehen gegenwärtig zwei dramatische Stückchen, die, jedes für sich, besonderes Interesse be- anspruchen. Zuerst wird die amüsante Plauderei„Der falsche Cousin" gegeben. Da sei denn verraten, daß deren Verfasser Jean Baptist v. Schweitzer kein anderer ist, als der ehemalige Prä- sident des„Allgemeinen deutschen Arbeitervereins" und Herausgeber des„Sozialdemokrat". Im zweiten Bande seiner Autobiographie „Aus meinem Leben" bat August Bebel die Penode Schweitzers in der proletarischen Arbeiterbewegung ebenso kritisch als ergiebig geschildert, und hinwiederum hat Franz Mehring uns mit einem Sammelbande sozialpolitischer Reden und Aufsätze Schweitzers be- kannt gemacht, Schweitzer hat aber auch durch eine Reihe von Lustspielen als Dramatiker nachhaltige Erfolge errungen. Sehr aktuell ist.DerAktien-Tenor oder Caruso auf Teilung", ein satirisches Lustspiel von Artur Lippsch itz. Mit drastischer Komik geht der Verfasser hier den Talentpäckstern zu Leibe. Beide Stücke werden munter ge- geben: dazu mit cmer schauspielerischen Gewandtheit, die für alle Mitwirkenden charakteristisch und ehrend ist. Zwischenein gibt es ein Variötätenprogramm voll ausgesuchtester Augen- und Ohrenweide. Arg enttäuscht wurde eine Hausfrau in der Kolbergerstraße durch eine Firma, die sich zur kostenlosen Anfertigung einer Semi- Emailleplatte erbot. Wie uns die Frau mitteilt, lam vor etwa 4 Wochen ein Reisender einer Berliner Kunstanstalt und Semi- Emaille-Werke in der Straßmannstraße zu ihr, der um die Ueberreichung einer Photographie zwecks Anfertigung einer Semi-Emailleplatte bat. Nach längerem Drängen überreichte die Frau dem Mann eine solche mit dem Ersuchen, dieselbe nicht zu beschädigen. Der Reisende versprach der Frau, die Pbotographie innerhalb 8 Tagen wieder zurückzubringen,' Als Bestätigung dafür, daß es kein leeres Ver- sprechen sei, überreichte der Reisende der Frau einen Zettel, worauf die Firma angegeben war. Es wird ausdrücklich betont, daß die Anfertigung von Semi-Emailleplatten für Broschen, Schlipsnadeln usw. zirka acht Tage dauert und die Eigentümerin die Photographie alsdann unversehrt zurück erhält. „Nicht nach acht Tagen, sondern nach drei Wochen," so behauptet die betreffende Frau,„kam ein Vertreter der Firma und überreichte mir sogleich die Emailleplatte, aber auch gleich hinterher die Ein« fassungen nebst Preisen. Ich hätte gern die kleine Platte gekauft, aber darauf ließ der Mann sich gar nicht ein, ihm lag nur daran, mir eine Ein- fassung aufzuschwatzen. Da indessen meine Nachbarin von einer Firma in der Kaiserstraße bereits einmal gründlich hineingelegt worden war und für 4,50 M. eine ganz schlechte Brosche erhalten hatte, die bereits nach ein paar Wochen ganz schwarz wurde, so ließ ich mich darauf nicht ein. Da? Sonderbarste aber war, daß, als ich meine Photo- graphie zurückforderte, der Reisende erst allerlei Einwendungen machte. Erst als ich dieselbe ernsthaft zurückerbat, händigte mir der Mann die Photographie ans. Jetzt gewahrte ich zu meinem Er» staunen, daß auf der Rückseite der Photographie die Firma groß und breit ihren Stempel aufgedrückt hatte und daß das Bild beschmutzt und zerrissen war. Als ich den Reisenden darauf aufmerksam macht» und meiner Empörung darüber Ausdruck gab, machte er schleunigst, daß er wegkam. Die Leserin teilt uns diese Erfahrungen mit, damit andere Frauen gegenüber solchen Anpreisungen und Ver- sprechungen die nötige Vorsicht üben. Aus der Trcptow-Sternwarte spricht Direktor Dr. F. S. Archen- hold am Mittwoch, den 20. August, abends b'/z Uhr, im Verein von Freunden der Treptow-Sternwarte über:„Astronomie mit dem Opernglas und der Handkamera" mit praktischen Uebungen ans der Plattform des Instituts. Die Hörer werden gebeten, ihre Opern- gläser mitzubringen.— Gäste sind willkommen. Mit dem großen Fernrohr wird vor dem Vortrag der Jupiter und nach dem Vortrag der Mond beobachtet. Vorort- �sackrickten. Lichtenberg. Lichtenberg erhält Rohrpost. Die Kritik, die unsere Genossen im Stadtparlament wiederholt an den mißlichen postalischen Zuständen unseres Orts geübt haben, scheint nicht ganz wirkungslos gewesen zu sein, denn die Postverwaltung ist jetzt dabei, eine Rohrpostverbindung mit Berlin herzustellen. In Zukunft wird also der Empfänger eines Rohrpost- briefeS keine 15 Pf. Strafporto mehr zu zahlen brauchen, der an ihn gerichtet wurde in der Meinung, daß ein Ort mit 150 000 Ein- wohnern postalisch wenigstens auf der preußisch-deutschen Durch- schnittShöhe stehe. Die Einheitlichkeit in der Bezeichnung der Postbestellbezirke aber wird noch immer vermißt und täglich entspringen daraus Ver- zögerungen und Schädigungen, die natürlich die Entwicklung des OrteS auf das schwerste hemmen. Schöneberg. Das Gerücht vou einem Morde war gestern nachmittag in Schömberg und Tempelhof verbreitet. Auf der Grenze der beiden Orte fanden Tcmpclhofer Bauarbeiter die Leiche eines etwa 45 Jahre alten Mannes, die eine Schußwunde in der rechten Schläfe auswies. Die Schöneberger Mordkommission begab sich an Ori und Stelle, konnte aber bald feststellen, daß man es mit einem Selbstmörder zu tun hatte, da sich unter der Leiche ein noch mit fünf Kugeln ge- ladener Revolver vorfand. Aus aufgefundenen Briefen wurde fest- gestellt, daß es sich um den Arbeiter G., Schöncbcrg, Golhenstraße, handle, der in den Tod gegangen war. W ittenau-Borfigwalde. Aus der Gemeindevertretung. In der am Donnerstag abge- haltenen, sehr langen Sitzung, der ersten nach den Ferien, wurde u. a. abermals über die Neuwahl eines Mitgliedes für die S ch u l- deputation verhandelt, da unserem Genossen T r a p p die B e- stätiaung der Behörde versagt worden ist.„Anhängern der Sozialdemokratie ist die Bestätigung zu versagen, da der vorge- schlagen? Herr nach Ausweis der Akten als Sozialdemokrat gewählt worden sei", heißt es in dem von Bürgermeister Witte vorgelrage- nen Schreiben, und letzterer hatte in seinem dazu erstatteten Bericht Trapp noch als besonders geeignet empfohlen wegen feines Eifers als Gemeindevertreter und als Vater semer schulpflichtigen Kinder, doch ohne Erfolg. Genosse Liebelt wandte sich gegen eine solche Behandlung und RechtloSmachung der sozialdemokratischen Gemeindevertreter. Sie hätten sich allerdings nicht dem Optimismus hingegeben, daß Trapp bestätigt werden würde, aber es berühre doch eigentümlich, wenn in dem betreffenden Schreiben jetzt eine„andere geeignetere Person" als Mitglied der Schuldcputation verlangt werde. Gerade unsere Parteigenossen bekundeten doch anerkannter- maßen überall das lebhafteste Interesse a« Schul- und MllmngS- toefcn, und doch sollten sie nach Ansicht der verfugenden Persönlich- reit.ungeeignet" sein. Redner empfahl deshalb, als Antwort seinen Fraktionskollegen abermals zu wählen, um gegen diese Be- einträchtigung des Sclbstbestimmungsrechts zu protestieren. Herr Erzichungsinspektor Pieper riet hiervon ab, auch Bürgermeister Witte, während Direktor Bloch für Trapps Wahl eintrat, da er nicht einsehe, wieso dieser ungeeignet wäre, die Selbstverwaltung müsse hochgehalten werden. Direktor Hähnisch meinte, daß man nun ja die Probe aufs Exempcl gemacht habe und die erwartete Nicht- bestätigung eingetreten sei; deshalb solle man nun nicht wie ein kleines Kind eigensinnig sein und auf sein Recht bei dieser Wahl durchaus bestehen. Dies Geseh könne man doch nicht umstoßen, und um praktische Arbeit zu erzielen, solle man mit der abermaligen Wahl nicht vergebliche Arbeit machen. Nochmals wandte sich Ge- nosse Liebelt eindringlich gegen diese schwache Argumentation; der Erlaß verstoße gegen die Gleichheit vor dem Gesetz, deshalb sollte sich die Gemeinde nicht alles gefallen lassen. Anderwärts bringe man unserem Vorgehen große Sympathien entgegen, und auch hier müsse den Bürgern mehr als bisher das Rückgrat gesteift werden. Weiche man zurück, brauche man sich nicht wundern, daß wir einen Fußtritt nach dem anderen bekämen. Nachdem der Bürgermeister noch auf einen ebensolchen Fall in früheren Jahren verwiesen, mit demselben negativen Erfolge, und daß kein böser Wille vorliege, einigte man sich auf Z e t t e l w a h l, bei der entgegen der früheren Einstimmigkeit zwei weiße Zettel, vier für Trapp und acht für Herrn A. Witte abgegeben wurden, der somit gewählt ist.— Nun folgten abermals längere Debatten, in denen sich die Interessen der verschiedenen Grundstücksspckulationsgesellschaften und der Groß- industrie gegenüberstanden. Letzterer kommt die erteilte Zustim- mung zu einem Lageplan für eine Parallelstraße an der Nordbahn auf Rosenthaler Gebiet sehr zu statten. Die Opposition dagegen fertigte Herr Witte treffend ab, indem er auf die Interessen ge- wisser Adjazenten verwies, die aber nicht die der Gemeinde seien. Für eine größere industrielle Niederlassung, der Wagenfabrik F. G. Dittmann, an der Lübarser Straße wird ebenfalls die Zu- stimmung erfordert. Bei dieser Erörterung betonte Herr Witte u. a., den Industriellen ein größeres Entgegenkommen zu bereiten, da bei Ablehnung diese ganze Ansiedelung in Frage gestellt würde; auch biete dies industrielle Unternehmen an dem vorgesehenen Platze der Gemeinde mehr Vorteile als etwa private Baulichkeiten. Hierbei legten sich nun besonders zwei Herren� von Bodengesell- schaffen, die Direktoren Hatzky und Bloch, ins Zeug, um vorgeblich für die Gemeinde von dem neuen Unternehmen am Orte recht viel herauszuschlagen, deren durchsichtige Ausführungen Herr Direktor Hähnisch von den Löweschen Waffenfabriken als„Vergraulen der Industrie" bezeichnete. Auch der Bürgermeister betonte, daß den Wittenauer und Borsigwalder Terraingesellschaften, deren Ver- treter sich so wehrten, lediglich im Interesse besserer Verwertung eigener Terrains, doch auch Vorteile gewährt wurden, die man nun andern nicht versagen könne. Nach heftigen Auseinandersetzungen wurde schließlich der Ansiedelung mit 12 gegen 2 Stimmen zugestimmt mit der Maßgabe, daß die Firma Dittmann beizutragen hat zu etwa später erforderlichen Lasten, die durch die Hergabe von bestimmt bemessenen Freiflächen, wie sie der Zweckverband von Groß-Berlin erfordert, cnfftehen könnten.— Für den Nachtfern- sprechdienst beim zuständigen Postamt Tegel wurden die auf Wittenau entfallenden anteiligen Kosten bewilligt; ebenso wurde dem Abschluß eines Vertrages mit der Landwirtschaftskammer be- treffend die Milchkontrolle am Orte zugestimmt(1 Pf. pro Kopf der Bevölkerung gleich 120 M. etwa pro Jahr).— Mit der Borsigwalder Terraingesellschaft(Vertreter Herr Hatzky) sind bekanntlich Differenzen in bezug auf Ouittungs- erteiluira bei Grundstücksverkäufcn entstanden; Wittenau soll 59 000 M., die der verstorbene Direktor H e m p e l in Gemeinschaft mit seinem Mitdirektor ordnungsmäßig quittiert hat, nochmals be- zahlen, da die Gesellschaft selbst diesen Betrag nicht erhalten haben will. Die Einzel? sowie Gesamtquittungen sind bei den Gemeinde- aktcn, wie Herr Witte sagte.— Unter Verschiedenes teilte der Bürgermeister noch einige Schreiben mit, die er an die Große Ber- liner Straßenbahn zum Zwecke besserer Straßenbahnverbindungen, namentlich der Weiterführung der Linie 97 von der Ofener Straße bis zum Wittcnauer Rathaus, gerichtet hatte, wobei die Gemeinde zu den Betriebskosten beizusteuern bereit sei, wie sie auch bereits für die Linie 28 10 0s>0 M. geleistet habe. Trotzdem habe er einen ablehnenden Bescheid erhalten, er gedenke aber mit Hilfe des Zweck- Verbandes bei der Großen Berliner Straßenbahn das Ziel zu er- reichen. Ferner hätten Besprechungen der beteiligten Gemeinde- körpcrschaften stattgefunden wegen Schaffung einer Straßenbahn von Berlin über Borsigwalde-Wittcnau nach Tegel, auch sei ein Verkehrsverband der nördlichen Vororte im Entstehen begriffen. Nieder-Schönetveide. Schwerer Automobilunfall. Gestern abend gegen 7 Uhr wurde vor dem Hause Berliner Str. 05 der 13jährige Schüler M e z e n t i n aus der Rudower Straße von einem im schnellen Tempo daher- kommenden Automobil überfahren. Der Junge erlitt schwere Ver- letzungen am Bauch und am Knie. Das Auto hielt sofort an und fuhr den Bewußtlosen nach dem Britzer Krciskrankcnhaus. Röntgental, Zepernick, Buch. I» der Mitgliederversammlung des Wahlvereins gedachte der Vorsitzende Genosse Buchholz vor Eintritt in die Tagesordnung zu- nächst in warmen Worten des verstorbenen Genossen August Bebel. Alsdann hielt Genosse Bruno Schneider-Bernau einen Vortrag über Volksfürsorge. Die Ausführungen des Referenten wurden mit Beifall aufgenommen. Den Bericht der Verbands- General- Versammlung gab Genosse P. Kube, den der Kreis-Generalversammlung Genosse Buchholz. Für Gründung einer Bezirksbibliothek bewilligte die Versammlung 30 M. Als Zahlabendleiter für den südlichen Bezirk wurde Genosse Telpo gewählt. Der Frauen-Leseabend soll jeden 4. Dienstag im Monat, und zwar im Lokal von August Lange stattfinden. Ferner wurde beschlossen, am 18. Oktober im Lokal von Marx einen Kunstabend zu veranstalten.' Der Eintrittspreis inklusive Tanz beträgt 50 Pf. Desgleichen soll am Totensonntag im selben Lokal ein Lichtbildervortrag von statten gehen. Nachdem noch auf den Vortragszyklus aufmerksam gemacht worden war, wurde die Versammlung mit dem Ersuchen an die Versammellen, an den Parteiarbeiten regen Anteil zu nehmen, geschlossen. Spandau. Ucicr die Bedeutung der Gcwcrbegerichtswahlcn für die Arbeiterschaft sprach Genosse Brückner am Freitagabend in einer öffentlichen Versammlung bei Köpenick. Redner wies am Schlüsse seines mit Beifall aufgenommenen Vortrages darauf hin, daß es diesmal zu einer Machtprobe zwischen den freien Gewerkschaften, den Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen und den Gelben von Siemens kommen werde. Jeder einzelne freidenkende Arbeiter, der verhindern wtL. daß die Obergelben Sitz und Stimme im Gewerbegericht er- haften, müsse am 25. August, dem Tage der Wahl, seine Stimme der Liste des Gewerkschaftskartells geben.— In der anschließenden lebhaften Diskussion führte Ganzer aus, daß die Direktion der Siemenswerke mit allen Mitteln versuche, für die Liste der Gelben Propaganda zu machen. Das sei der Firma vom Magistrat dadurch erleichtert worden, daß auf dem Nonnendamm am Vor- mittag auch in den Fabrikspeisefälen der Siemenswerke ge- wählt werde. Wenn die Direktion jedoch versuchen sollte, eine Beeinflussung vorzunehmen, so müsse entschieden dagegen protestiert werden. Strehlk« erwiderte: Die Firma Siemens habe diesmal zu einem großen Schlage auSgehobh um auf längere Zeit einen größereu Emfluß auf das Gewerbegericht zu bekommen. Da durch Verlegung der gesamten Verwaltung nach dem Nonnendamm für alle Klagen gegen die Firma Siemens das hiesige Gewerbegericht zuständig sei, so habe die Firma ein besonderes Interesse daran, daß das hiesige Gewerbegericht nicht auch wie das Berliner ein Urteil fälle, wonach die Lohnabzüge für die gelben Unterstützungsvereine gesetzlich unzulässig seien.— Aus dem von Ganzer erstatteten Tätig- keitsbericht des Gewerbegerichts für 1912 ist folgendes zu erwähnen: Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wieiepp, Neukölln. Für den Bon den Arbeitnehmern wurden 272, von den Arbeitgebern 2 Klagen eingereicht. Hiervon wurden durch Vergleich 118, durch Anerkenntnis 5 Klagen erledigt, Versäumnisurteile wurden 30, andere Endurteile 30 gefällt, unerledigt blieben 12 Klagen. Infolge von Klagezurück- nähme, Nichterscheinen der Parteien, wegen Unzuständigkeit des Gewerbegerichts usw. fanden 00 Klagen ihre Erledigung. Redner wies nach, wie wichtig das Gewerbegericht für die Arbeiterschaft ist. — Appoldt gab noch bekannt, daß die freien Gewerkschaften die Be- zcichnung Liste I, die Hirsch-Dunckerschen Liste II und die Gelben Liste III erhalten haben. Diesmal werde zum erstenmal bezirksweise gewählt. Wahlberechtigt sei jeder Arbeiter, der das 25. Lebens- jähr vollendet habe und hier beschäftigt sei oder hier wohne, sofern für seinen Beruf nicht ein Jnnungsschiedsgericht besteht. Diejenigen Arbeiter, die hier beschäftigt sind, wählen in ihrem Beschäftigungsbezirk, diejenigen, die auswärts be- schäftigt sind, in ihrem hiesigen Wohnbezirk. Legitimations- sormulare sind bei den Polizeirevieren und in der Gerichtsschreiberei des Gcwerbegerichtes, neues Polizeigcbäude 1, Obergeschoß Zimmer 205, sowie bei den Gewerkschaften zu haben. Mit welchem Hochdruck die Gelben arbeiten, sei daraus zu ersehe«, daß dieselben schon verschiedene Versammlungen abgehalten und 5000 Wahl- legitimationen vom Magistrat abgeholt hätten. Mit der Aufforde- rung, die größte Agitation für die Liste 1 zu entfalten, da es bei dem Proportionalwahlsystem auf jede Stimme ankomme, schloß Redner die Versammlung. Potsdam. Zu einer Fcricnsitzung traten die Stadtverordneten zusammen. Gegen die W ä h l e r l i st e n waren 10 Einsprüche eingegangen, die auf Antrag deS Stadtv. Krämer I in nichtöffentlicher Sitzung ver- handelt werden sollen, weil hierbei Familienverhältnisse einzelner Einsprucherhebcr erörtert werden müssen.— Die Wahl des zweiten Bürgermeisters brachte eine recht langatmige Debatte. Schließlich ging die Versammlung auf den vom Vorstands- tisch gestellten Antrag ein� die Angelegenheit von der alten Kom- Mission vorarbeiten zu lassen. Bekanntlich war seinerzeit bei der Abstimmung gelegentlich der Wahl des zweiten Bürgermeisters ein Irrtum unterlaufen, und der Minister wollte dieserha'lb die Bestäti- gung nicht befürworten, Dr. Over, der gewählt worden war, hatte darauf seine Erklärung zur Annahme der Wahl zurückgezogen, jedoch gleichzeitig erklärt, von neuem kandidieren zu wollen.— Zum Städtetag in Spandau sollen die Stadtverordneten Bolle, Krämer I und Noack entsandt werden. Spiel imä Sport. Schwimmer. Am Sonntag, den 17. August, hielt der Arbeiter-Schwimmvercin»Neu- kölln- in der Kortschcn Badeanstalt ein internes Schauschwimmen ab. Trotz der ungünstigen Witterung— es regnete fortwährend— waren wohl zirka 200 Besucher anwesend. Besonders interessierte das Springen sowie die „Mcistcrichast von Sorau' und der Knabenreigen. Viel belacht wurde das Hindernisschwimmen, wo die Schwimmerinnen und Schwimmer aus einen iw Wasser befindlichen Balken steigen mußten, um nach einer über demselben befindlichen Ziehleinc, an welcher sich, trotz der Fleischnot, richtige Würste sowie Blumen besandcu, greifen sollten. Dieses gelang einigen, während andere mit kuriosen Gliederverrenkungen wieder ins Wasser sielen. Alles in allem eine gute Sache, nur hätte der Regen fehlen können. Hu 9 aller Welt. Ein Trama im Eismeer. Von der Insel Nowaja Semlja kommt die Kunde von einer furchtbaren Tragödie; abgeschnitten von jeder Hilfe hat ein kleines Fischerdorf einen furchtbaren Kampf gegen den Hungertod geführt, der damit endete, daß die ganze Ansiedelung, gegen lOlXjFischer mit ihren Familien, ein grauenvolles Ende fand. Vor vier Jahren errichtete die Fischereigesellschaft von Arch- angel auf Nowaja Semlja ein Depot und bald blühte eine kleine Ansiedelung auf. In unregelmäßigen Zwischenräumen wurde die abgelegene kleine Siedclung von Fahrzeugen der Fischereigesellschaft aufgesucht, die dann die Bewohner mit den nötigen Vorräten an Nah- rungsmitteln versahen und die geräucherten Fische nach Rußland holten. Der letzte Winter aber war ganz besonders hart. Es war unmög- lich, neue Vorräte zu erlangen. Da das Meer zufror, entschwand auch die Aussicht, durch Fischfang Nahrungsmittel zu erlangen. Man vernahm in Rußland nichis mehr von der kleinen Kolonie; erst kürzlich, als eine wissenschaftliche Expedition die Insel besuchte, er- fuhr man von dem entsetzlichen Schicksal, dem die Kolonie verfallen war. Nicht ein lebendes Wesen war in dem Dorfe übrig geblieben. Leer und verlassen, von den Stürmen halb zerstört, fand man die Hütten; im Freien aber lagen die Skelette der Fischer, der Frauen und der Kinder, lagen dort, wo die Sterbenden kraftlos hingesunken waren, um das Ende zu erwarten. In einer Hütte fand man daS Tagebuch eines Fischers, das ein furchtbares Bild von den Leiden gab, denen die unglückliche Bevölkerung erlag. Unter den letzten Eintragungen liest man:.Unsere Vorräte sind zu Ende. Heute schien ein Schiff zu kommen, aber es war nur ein Traum- bild. Es ist furchtbar, unsere Kinder am Hunger dahinsterben zu sehen. Sie kommen, betteln um etwas Essen, aber wir haben nichts, nichts." Und später heißt es:„Die Kinder sind tot. Nun leben nur noch vier Fischer und zwei Frauen. Unsere Leiden sind unbeschreib« lich. Zwei Männer sind eben gestorben. Sie versuchten ihren Hunger zu stillen, indem sie das Fleisch ihrer toten Kameraden atzen." Die letzten Worte des Tagebuches lauten:.Ich, Genow bin der letzte Ueberlebcnde und wenn auch sehr schwach, schreibe ich doch noch diese Zeilen. Ich zittere und Hände und Augen versagen mir ihren Dienst..." Schweres Grubenunglück. Am Montag nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr ereignete sich in Herne auf der Zeche.Konstantin der Große" ein schweres Gruben- Unglück. In der Richtstrecke zu dem neuen Schacht 10 war man mit Sprengarbeiten beschäftigt. Als ein Schuß nicht los- gehen wollte, näherten sich ein Steiger und drei Bergleute der Stelle, um die Ursache des VersagenS festzustellen. In demselben Augenblick explodierte die Patrone und die vier Personen wurden durch umherfliegende Sprengstücke sehr schwer verletzt. Berg- mann Vesper aus Wanne erlitt lebensgefährliche Ver- wundungen am ganzen Körper und wurde dem Krankenhause in Herne zugeführt, wo er hoffnungslos daniederliegt. Die zwei anderen Bergleute haben ebenfalls sehr erhebliche Ver- letzungen erlitten. Der Steiger Dirkes aus Herne wurde am Kopf sehr schwer verwundet und fand Aumahme im»Bergmanns- heil" in Bochum._ Der Revolver. In der Nacht zum Montag geriet in G ö p p i n g e n der Rci- sende D o st e r aus Tischardt(Oberamt Nürtingen) mit dem Hilfs- Weichensteller B e ß, der die Bahnhofssperre versah, in einen Streit, weil Dosier ohne Fahrkarte die Sperre durchschreiten wollte. Im Verlaufe des Streites zog Doster einen Revolver und schoß Beß nieder. Beß war sofort tot. Er hinterläßt eine Witwe und fünf Kinder. Doster wurde von den Zeugen des Vorfalls derart verprügelt, daß er zunächst ins Kranken- haus geschafft werden mußte. Die Staatsanwaltschaft hat die Untersuchung eingeleitet. Hochwasser im Vogtlandc. Infolge unaufhörlichen Regens führen die Flüsse des Vogt- landes und des Erzgebirges Hochwasser. Die W o e l tz s ch hat bei Falkenstein weite Flächen überschwemmt. Die Mulde ist Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärt» bei Rauteukranz über ihre Ufer getreten und hat die an-, grenzenden Wiesen und Felder in einen großen See verwandelt. Die Staatsstraße Jägersgrün— Rautenkranz steht unter W'a s s e r. Die Himmelsziege als Manöverpferd. Der sogenannte weite Blick, der den Militärbehörden bei jeder Gelegenheit angedichtet wird, schien bei der Auswahl der Manöver- Pferde zum großen Herbstmanöver vorigen Jahres versagt zu haben. Dies ergab eine Verhandlung vor dem Schöffengericht zu Halle a. d. S a a l e gegen den wohlhabenden Agrarier Friedrich Schröder aus Brachstedt, der versucht haben sollte, den Militärfiskus zu be« trügen. Als im September v. I. in Halle die 7. Division einrückte, ersuchte die Intendantur die Landwirte der Gegend, für ein Garde- regiment Pferde zum Umspanndienst gegen reichliche Entschädigung zur Verfügung zu stellen. Auch Schröder stellte von seinen Pferden einen Gaul zur Verfügung, der aber etwas lahmte, steif ging und mit Rücksicht auf seine traurige Beschaffenheit von dem Amtsrichter in der Verhandlung als—.Himmelsziege"' bezeichnet wurde. Als das arme Vieh dann am 15. September in den.Manöver« kämpf" zog, brach es elend zusammen und mußte nach seiner als- baldigen Verendung dem Abdecker überwiesen werden. Schröder, der sicher ein ganz guter Patriot ist, benutzte nun die Gelegenheit, mit dem verendeten Gaul ein hübsches Geschäftchen zu machen. Er fnrderte von dem Fiskus 450 Mark Schadenersatz mit der Begründung, für diesen Preis habe er den Gaul.gekauft". Da aber das Vieh für den Abdecker gerade.noch als gut genug" bezeichnet worden war, dämmerte es schließlich bei dem Fiskus, der den Preis dann etwas als zu sehr gepfeffert fand. Man stellte durch das Landratsamt fest, daß der»gute Gaul" einige Wochen vor dem Manöver bei einem Gastwirt auf der Kegelbahn erstritten worden war. Zwischen Gänsen, Enten, Hühnern usw. hatte er stolz als Hauptgewinn gestanden und bei dem Genuß von Bockbier und Speckkuchen war ein Milchhändler der glückliche Sieger des„Hauptgewinnes" geworden. Schröder hatte den Gaul von dem Milchhändler für ganze 100 M. erworben undhofftenun— Bescheidenheit ist eine Zier unserer militärfreundlichen Agrarier— 350 M. daran „verdienen" zu können. Der Amtsanwalt war der Ueberzeugung, Schröder habe bei der Bereitstellung des Pferdes die stille Hoffnung gehabt, das Tier werde bei dem Vorspanndienst in das Jenseits be- fördert; er beantragte wegen Betruges eine Geldstrafe von 40 M. eventuell acht Tage Gefängnis. Das Gericht kam jedoch merk- würdigerweise zur Freisprechung des Mannes, da nicht nachzuweisen war(?), daß er bewußt einen zu hohen Preis für das Pferd gefordert habe._ Kleine Notizen. Dem Leben zurückgegeben. Vier Bergleute, die in der Zeche Hamburg bei Witten infolge des ZubruchgehenS der Strecke ein« geschlossen worden waren, sind am Sonnabend abends um 11 Uhr nach achtstündiger Aufräumungsarbeit von der Rettungsmannschaft unversehrt zu Tage gebracht worden. Schweres Antomobilunglück. Bei Leonberg erlitt am Sonntag ein mit vier Personen besetztes Automobil in voller Fahrt einen Radbruch, wodurch sich das Gefährt überschlug. Ein Insasse, der Ortsvorsteher B 2 h l e r aus Flacht, wurde bei dem Unfall g e« tötet, zwei Personen erlitten schwere Ver« letzungen, während der vierte Insasse mit dem Schrecken davonkam. Schreckenstat eines Geistesgestörten. In Cham im bayerischen Wald hat am Sonntagabend der Schmiedemeister Reisinger eine Frau und drei seiner Kinder erschlagen und das vierte Kind tödlich verletzt. Dann schnitt er sich die Pulsadern auf; auch er wurde tot ausgefunden. Er scheint in einem Fall von Geistesstörung gehandelt zu haben. Arbeiter-Abstineinen-Bund. Ortsgruppe Bcrlin-West. Morgen Mittwoch, abends 8>/, Uhr: Versammlung im Charlottenburger Volkshaus, Rosinenstr. 3. Vortrag des Genossen W. Nitschke über:„Hinter Gesängnis- mauern". Diskussion. Zahlreicher Besuch, auch von Gästen, erwünscht. Bmfkarun der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet bis einschließlich Sonn- abend» den 30. August, nur von 7 bis 9 Uhr abends statt.— Sonnabends Sprechstunde von M5 bis 6 Uhr nachmittags. Bam. O. 7. 1. Für sich und die Kinder zusammen etwa 12 M. pro Woche. 2. Nein. 3. Ausforderung mutz erfolgen. Nach fruchtlosem Verlauf müßte geklagt werden. Für die Kinder mutz ein Pfleger bestellt werden, der dann dieUntcrhalttmgsansprüchegcltendmachen kann.— A.H. 7K. 1. Sie find nicht zahlungspflichttg. 2. Sie bleiben auch nach erfolgter Scheidung sür die Anstaltskosten haftbar. Die Ehe>chcidung ist nur möglich, sofern die Geisteskrankheit mindestens 3 Jahre andauert und unheilbar ist.—(E. P. 79. 1. Sie find alimentationsvflichtig, jedoch brauchen Sie Ihrer Frau die Mimcnte nicht aushändigen. 2. Ja, beim Landgericht. 3. Nein. i. Ja, da Sie Ihre Frau, als sie sich damals mit Ihnen aus- söhnen wollte, ausnehmen mutzten.— A. 199. Ihre Frau kann die Klage ausgeben, mutz. aber eine schriftliche Vollmacht von Ihnen besitzen.— I. Sch., Wcistcnsee. 1. bis 4. Die Großeltern sind zur Herausgabe des Kindes verpflichtet, auch ohne daß der Vater das Pflegegeld zahlt. Sie können jedoch ihren Anspruch beim Amts« gericht einklagen. 5. Sofern Sie das Kind unterhalten haben, ja. — 31. P. 23. 1. Ja. 2. Durch die Reichsbank und deren Nebenstellen. —(5h. 29. 14. 1. und 3. Fragen Sic einen Arzt sür Hautlciden. 2. Man legt die befleckten Stellen so lange in Buttermilch, bis die Flecke verschwunden sind und wäscht dann in warmem Wasser nach.— E. 3. 1999. Nasses Auswischen vermeiden, Löcher und Ritzen verkitten und gutes Insektenpulver streuen.— Jod. 13. 1. und 3. Auskunft erteilt: Ch. Hcerling, Paris 100 Ru du Faubourg du Tcmplc. 2. Kommen Sie in unsere Buchhandlung, Lindenstr. 69.— F. K. 77. Wir empfehlen keine privaten Institute. Im Berliner Adreßbuch II. Teil finden Sie solche'verzeichnet.— Korntvulze. Koruwalzer ist das verabredete Stichwort sür Telegramme, unter dem die Geheimberichte an die Firma geliejert wurden.— Paul Lindncr. Ar- beitcr-Bildungsschulc Berlin, Grenadierstr. 37; Vorsitzender H. Lamms, Lichtenberg, Ritterzutftr. 25, I. Marktpreise von Berlin am 19. August 1913- nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. IM Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,00— 19,70, mittel 19,58—19,62, geringe 19,50— 19,54. Roggen, gute Sorte 10,19 bis 10,20, mittel 10,17 bis 10,18, germge 10,15 bis 10,10(ab Bahn). Futter- gerste, gute Sorte 10,80— 17,30, mittel 16,30— 16,70, geringe 15,80—16,20. Safer, gute Sorte 17,40— 1g,M, mittel 16,20—17,30. MaiS(mixed). gute orte 10,50— 16,70. Mais(rundet), gute Sorte 14,50— 14,90. Richtstroh 4,50. Heu, alt 7,00, neu 6,00—7,60. Warlthallenvreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Koche» 30,00— 50,00. Speisebohnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(KIcmhdl.) 5,00— 10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,00—2,10. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,00—2.40. Butter 2.20—3,00. 60 Stück Eier 3,60— 5,50. 1 Kilogramm Karpfen 1,40— 2,60. Aale 1,40-3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,60—3,00. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,50. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 1,00—60,00. WasierstandS-Rachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteclt vom Berliner Wetterburea» J)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegei._ druckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Ca, Berlin S9L