Ur. 215. Hbonncmcnts-Bedingungcn: WonnementS- Preis pränumerando: Lierteljährl. Ml, monatd 1,l0 XRt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Emzelne Nummer b Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.Zcitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2L0 Mark, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Vostabonncmenls nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. I»chrg. cklcheint täglich. Verlinev Die Tnfertlons-Gcbüljr beträgt für die sechsgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 00 Pfg. „Kleine Z4nr-i--en", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. szulässig 2settgedrucktc Worte), jedes iveitere Wort 10 Pfg Stellengesuche und Schlasstellenaiu zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- ! laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Erpediüoii abgegeben werden. Die Expedition iji bis 7 Uhr abends gcösfnct, Telegramm- Adresse: „Sozlaldcinolirat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokrati fchen Parte» Deutfchlands. Redaktion: 6QL 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384. (Politische Sumpfpflanzen. New Jork, 10. August 1913. Die Legislatur New Dorks beschloß vor einigen Tagen mit 64 gegen 30 Summen die Erhebung der Anklage gegen Sulzer, den Gouverneur des Staate» New Jork, und zwar wegen Unterschlagung von Wahl- geldern. Der Gerichtshof, der die Anklage zu unter- suchen hat, soll am 18. September einberufen werden. Doch ist es fraglich, ob sich Sulzer dem Gerichtshof stellen wird, da er Nichteinhaltung parlamentarischer Formalien vorschützt. Ebensowenig denkt Sulzer daran, von seinem Posten zurückzutreten; vielmehr will er nicht eher vom Kapital weichen, bis das Untersuchung»- Verfahren gegen ihn beendet ist. Ueber Sulzer und seine Gegner und die beispiel- lose Korruption in Legislatur und Verwaltung des Staates New Jork informiert der nachstehende?lrtikel. Der Kampf zwischen William Sulzer, dem Gouverneur") und Charles F. Murphy, dem eigentlichen Beherrscher des Staates New Aork, neigt sich seinem Ende zu. Wenn die Legislatur(einzelstaatliches Parlament) morgen abermals zusammentritt, wird voraussichtlich das Äbsetzungsverfahren(das erste in der Geschichte des Staates New Aork) gegen den Gouverneur Sulzer eröffnet. Der Vernichtungskrieg zwischen Sulzer und Murphy, dem waltenden Gebieter der demo- kratischen Rauborganisation Tammany Hall, wird nicht mit ritterlichen Waffen geführt. Ein stinkender Morast wird in seinen Tiefen aufgewühlt. Einer müht sich, den anderen in den Sumpf zu stoßen, damit er elendiglich umkomme. Tammany Hall trägt sein schlammbesudeltes Kleid mit Behagen weiter; es hat sich noch nie in ein anderes Gewand gehüllt. In seinem Lebenselemente geht es nicht unter, während Sulzer tiefer und tiefer einsinkt und nur noch mit knapper Not den Kopf über die Oberfläche des Morastes hält. Ueber zivei Jahrzehnte hindurch„vertrat" Sulzer als Vertrauensmann Tammanys, zunächst in der Legislatur, später im Kongreß(Bundes- Parlament) das Volk.�um schließlich als Gouverneur an die Spitze des größten Staates der Union gestellt zu werden. Die Korruption Tammanys war auch ihm Lebensbedürfnis; vor zehn Jahren, nach der Wahl des Demokraten McClellan zum Mayor(Oberbürgermeister) von New Jork bekannte sich Sulzer in einer vielbemerkten Rede ganz offen zu dem Grundsatz:„Do ills viotor the spoils!"(Dem Sieger die Beute). Damals ivar Sulzer mit Croker, wie später mit dessen Nachfolger Charles F. Murphy ein Herz und eine Seele. Darin trat seit April dieses Jahres eine Wandlung ein. Und nun wird Sulzcr wahrscheinlich mit Schimpf und Schande seine» Amtes entsetzt, vielleicht auch vom Strafrichter ins Zuchthaus geschickt. Das vorhandene Beweisniaterial rechtfertigt es, daß die Assembly(zweite Kammer der Legislatur) Anklage erhebt und daß der im vor- liegenden Falle aus dem Senat(erste Kammer der Legislatur) und den Richtern des Appellhofes bestehende Staatsgerichtshof den Gouverneur schuldig findet und ihn absetzt. Nach den Feststellungen de» von den beiden Häusern der Legislatur bestellten, nach seinem Vorsitzenden, dem Senator Frawley benannten parlamentarischen Untersuchungs- Aus- schusses hat sich Sulzer unzweifelhaft des Meineides, der Veruntreuung und einer niederträchtigen Heuchelei schuldig gemacht. Er, der geistige Vater des eomipt practices law(Gesetz gegen unlautere Handlungen, nach dessen Bestimmungen die bei den Wahlen aufgestellten Kandidaten persönlich zur För- dcrung ihrer Kandidatur nur eine gewisse, für jedes Amt fest- gesetzte Summe Geldes ausgeben dürfen und gleich den Wahl- ausschüssen über ihre Ausgaben unter Eid Rechnung ab- zulegen haben), machte nach der am 5. November letzten Jahres vorgenommenen Wahl, aus welcher er als Gouverneur hervorging, wissentlich falsche Angaben. Er verschwieg einen Teil der Beiträge zu seinem Wahlfonds und machte sich damit des Meineids wie des Vergehens gegen das eomipt. practices law schuldig; er verwendete aber auch größere Sumnien, wenigstens 10 000 Dollar(42 500 M.), die von den Gebern für seinen Wahlfonds bestimmt waren, für seine persönlichen Zwecke, indem er sie zur Deckung seiner aus Börsenspekulationen erwachsenen Schulden und zur Anzahlung auf neue Aktienspekulationen verwendete. Damit sind nach dem Strafrecht des Staates New Dork alle Kriterien des Betrugs und des Großdiebstahls(der im Gegensatz zum Klein- diebstahl ein Verbrechen ist) erfüllt. Die von Charles F. Murphy beherrschte Rauborganisation Tammany Hall, nach deren Pfeife die Mehrheit der beiden Häuser der Legislatur tanzt, vollbringt demnach durch die Unschädlichmachung«ulzers eine sittliche Tat— für den Un- eingeweihten. In Wirklichkeit sind die Motive der demokra- tischen„Maschine" auch ini vorliegenden Fall die denkbar niedrigsten. Sie sind einander würdig: Sulzer und Tain- many Hall. 1 Gouverneure heißen hierzulande die Präsidenten der Einzel- ßaateu. Am 1. Jannar 1913 trat Sulzer sein Amt als Gouverneur an. Bis Mitte März ging alles glatt. Da kam es zwischen Sulzer und Murphy über die Verteilung des Raubes zu Differenzen. Murphy ist der Boß(diktatorischer Führer) nicht nur der als Tammany Hall bekannten und berüchtigten demo- kratischen Organisation der Stadt New Aork, sondern auch der von Tammany am Gängelbande geführten demokratischen Staatsorganisation. Die Stellung des Bosses beruht auf dessen Fähigkeit, seine Gefolgsleute auf Kosten der Steuer- zahler zu belohnen. Kann er nicht über den Raub dis- panieren, so ist es mit seiner Herrlichkeit vorbei. Nun gibt es im Norden des Staates New Jork der- schiedene demokratische Lokal- und Bezirksorganisationen, die sich mitunter den Diktaten Murphys nicht fügen. Auch zu ihnen suchte Sulzer gute Beziehungen zu erhalten, weil er nächstes Jahr abermals zum Gouverneur und 1916 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden wollte. Ohne die Unterstützung der sogenannten unabhängigen Demo- kraten konnte er dieses Ziel nicht erreichen, das er sich gesteckt hatte, wie seine Frau in einer gesprächigen Stunde offen zu- gab, wie man aber ohnehin schon allgemein wußte. Verschiedene hochbezahlte Acmter wollte Sulzer mit Demokraten besetzen, welche sich nicht in allen Dingen von Murphy gängeln lassen. Aber auf einen Wink des Tammany- Bosses versagte der Senat den Ernannten die verfassungs- mästig notwendige Bestätigung. Dadurch erhielt das gute Verhältnis zwischen Sulzer und Tammany Mitte März den ersten Stoß. Zum offenen Bruch kam es über die Ernennung eines Landstraßenkommissärs. Dieser Beamte hat u. a. den Bau staatlicher Landstraßen zu vergeben. 87 Millionen Dollar(nahezu 370 Millionen Mark) sind für diesen Zweck bewilligt. Sowohl unter des republikanisch-rcformerischen Gouver- neurs Hughes„hochanständig ehrlicher" Verwaltung als auch unter dem offen-korrupten Nachfolger Dix bezahlte der Staat pro Ouadratyard(nicht ganz ein Quadratmeter) Makada- misierung durchschnittlich 3 Dollar(12,75 M.), während die Arbeit nach dem Urteile der beamteten Techniker wie privater Sachverständiger mit 27 Cents(1,14 M.) recht gut bezahlt wäre. Zum Landstraßenkommissär wollte Murphy seinen Schwager Gaffney ernannt wissen, während Sulzer, einmal im Amte, sich die Fähigkeit zutraute, im Verein mit„seinen Leuten" die Staatskasse mit der gleichen Virtuosität zu plündern wie Murphy und Gaffney. Von den 87 Millionen Dollar konnten nahezu 80 Millionen Dollar(260 Millionen Mark) in dem kurzen Zeitraum von vier Jahren den Weg in die Taschen einiger G r a f t e r finden. Und diese Taschen sollten nicht diejenigen Murphys und derer um ihn sein. In heiliger Empörung erglühte jeder gute Tammanyit. Gegen Sulzer wurde Sturm gelaufen. Einen größeren Anhang naiver Wähler um sich zu scharen, befürwortete der Gouverneur etliche Scheinreformcn, darunter eine des Wahlgesetzes, welche von der Legislatur prompt verworfen wurde. Sulzer verlegte den Kriegsschau- Platz von dem Parlament in die Volksversammlungen. Er suchte die Volksseele zum Kochen zu bringen, durch die Massen einen unwiderstehlichen Druck auf Tammany Hall ausüben zu lassen, um die Legislatur auf dem Gebiet der Wahlreform zum Nachgeben zu zwingen und unter der Wirkung seines„Sieges" die Bestätigung der von ihm er- nannten Beamten, insbesondere„seines" Landstraßcnkommissärs durchzusetzen. Daneben ließ er die anfangs nur als Reklame gedachte Untersuchung über die auf das Schuldkonto von Tammanhitcn entfallenden amtlichen Gaunereien etwas ernst- hafter führen. Er drohte einflußreichen demokratischen „Maschincn"-Politikern mit Bloßstellung und politischer Hin richtung. Da holte Tammany zu einem vernichtenden Gegenschlag aus. Ebenso gut wie Sulzer um alle schmutzigen Streiche Tammanys wußte, war auch Tammany über alle dunklen Punkte in der Vergangenheit Sulzers unterrichtet. Hatten sie doch seit Ausgang der achtziger Jahre des letzten Jahr- Hunderts gegenseitig keine Geheimnisse voreinander gehabt! Zuerst wurde eine alte Meincidsgeschichte aus dem Jahre 1885 auf das Tapet gebracht; dann erfuhr das Publikum von einer Liebschaft Sulzers, die eigentlich keinen Dritten etwas anging.- Als Sulzer noch immer nicht einlenkte, fuhr Tam- many grobes Geschütz auf und wies bei der Untersuchung durch die Frawleykommission nach, daß Sulzer im November 1912 bei der Abrechnung über seine Wahlausgabcn Meineid verübte und Wahlfondsbeiträge unterschlug. Damit ist Sulzers politische Lausbahn abgeschlossen, es sei denn, daß er bis zu dem morgen abend stattfindenden Zusammentritt der Legislatur zu Kreuz kriecht und wieder ein artiges Tanimany-Kind wird. In diesem Falle würde die demokratische Mehrheit der Legislatur den Mantel liebenden Vergessens über des Gouverneurs„Schönheitsfehler" decken, so daß Sulzer die Rolle des Volkstribunen weiter mimen könnte. Schlimmer kompromittiert wie William Barnes jun., der republikanische„Murphy" des Staates New Jork, der dutzendfach Bordelle und ähnliche saubere Geschäfte betreibt, ist Sulzcr auch nicht. Und Barnes wurde durch die Bloß- stellung an seinem politischen Einfluß nicht geschädigt. Ein Sittenbild aus dem kapitalistisch-polittschcn Leben der Ver- einigten Staaten! Prosperitat der Kapitalisten und CebensHaltung der Arbeiter. London, 18. August 1913.(Eig. Ber.) Die Veröffentlichung des englischen Handelsamtes über Löhne, Lebensmittelpreise und Mieten im Jahre 1912 haben bei den biirger- lichen Politikern Englands große Beklemmung ausgelöst. Hier wird ziffernmäßig und amtlich nachgewiesen, daß in einer Prospcriiäts- Periode, wie sie der englische Kapitalismus zuvor noch nie gesehen, die Lebenshaltung der arbeitenden Massen stark gesunken ist, die Kosten der Lebenshaltung um dreimal so viel gestiegen sind als die Löhne. In einer Zeit, in der die Liberalen in übcrschweng-- lichen Ausdrücken versichern,, daß es der Nation nie besser gegangen sei. und zum Beweise dieser Behauptung die imposanten Ziffern des Einfuhr- und Ausfuhrhandels anführen, deren Steigen zum großen Teile eben auf die allgemeine Preissteigerung zurückzuführen ist, die den Arbeiter so drückt, hat sich das Volk einschränken müssen. Die Tatsache ist nicht aus der Welt zu leugnen, mag man auch hundert Gründe finden, um sie zu erklären. Und was wir� gc- schehen, wenn die Prosperitätsperiode zu Ende kommt? fragt man sich bange. In Deuffchland hat die schlechte Konjunktur schon ein- gesetzt. Wird sie in England lange auf sich warten lassen? Seit der Veröffentlichung des genannten statistischen Werkes ist die Frage der anhaltenden und stetig zunehmenden Teuerung in aller Leute Munde, und niemand wagt es, einen WendepuNtt in dieser Entwickelung vorauszusagen. Die bürgerlichen Politiker stehen der Erscheinung erschrocken und ratlos gegenüber. S«,nkt Cobden hat versagt. Sein Hauptprophet versucht die Erklärung,� daß in erster Linie die allgemeine Hebung der Lebenshaltung namentlich der ungelernten Arbeiter der Welt für die Preis- steigerung verantwortlich sei, die sich in den letzten 8 Jahren wiederum so empfindlich bemerkbar gemacht habe. Aber wie kommt es dann, daß gerade in England, wo sich die ungelernten Arbeiter in den letzten Jahren am energischsten gerührt haben, von einer allgemeinen Hebung der Lebenshaltung dieser Arbeiterschicht nicht die Rede sein kann? Vorsichtigere Liberale geben den Arbeitern den billigen Trost, daß es ihnen schließlich doch nicht schlechter geht als im Jahre 1884, als die Reallöhne die Stufe des Jahres flglL erreichten, um 12 Jahre später beständig zu sinken. Aber auch auf die Schutzzöllner machen die Ziffern einen peinlichen Eindruck. Beweisen sie doch, daß in manchen schutzzöllnerischen Ländern die Lebensmittelpreise um doppelt und dreimal so viel gestiegen sind wie in England. Mit einer gewissen Befriedigung nehmen sie jedoch gewahr, daß die Preise auch unter einem freihändlerischcn System steigen können. Sic argumentieren daher: In bezug auf die Preissteigerung macht es nichts aus, ob wir unter dem Schutz- zoll oder dem Freihandel leben. Und sie berufen sich namentlich auf Frankreich, wo aus leicht erklärlichen Gründen die Zunahme der Lebensmittelpreise in den letzten 8 Jahren nicht größer war als in Großbritannien. Man hat diesen Behauptungen entgegen- gesetzt: Nach diesem Argument zur Einführung des Schutzzolls könnte man auch einem Manne, der im Ncgcn steht, einen Eimer Wasser über den Kopf gießen unter dem Vorwandc, daß es ihm ja doch nicht schaden könne. Neben diesen parteipolitisch gefärbten Erklärungs- und Alls- legungsvcrsuchcn fehlt es jedoch auch nicht an sachlichen Erörte- rungen, in denen die Goldproduktion und die gesteigerte Nachfrage, die kapitalistische Raubwirtschaft mit den Naturschätzen, die die Produktionskosten der Rohmaterialien erhöht hat, und die Preis- Politik der Trusts und Kartelle als Ursachen der Preissteigerung bezeichnet werden. In Arbeiterkreisen Englands ist man geneigt, die letzte Ursache als das wichtigste Moment hinzustellen. Die Kapitalisten erwidern den Arbeitern, daß es die durch die Sozial- gesctzgebung verursachten Ausgaben seien, die sie zwängen, ibrc Preise heraufzusetzen. Doch sind diese sozialen Lasten wohl mehr ein willkommener Verwand, um den Konsumenten das Fell über die Ohren zu ziehen, als eine Erklärung der wirtschaftlichen Er- scheinung, die die Geister so rege beschäftigt. Als Beispiel möge folgendes angeführt werden. Zurzeit haben die Kohlenpreise in London einen Sprung nach oben gemacht. Die Sommerprcise sind durchschnittlich um 1—2�- Schilling höher als im vorigen Jahre. Das soll darauf zurückzuführen sein, daß die staatliche Kranken- und Invalidenversicherung die Produktion so schwer belaste. Man kann sich leicht ausrechnen, wie hoch ungefähr die Belastung der englischen Kohlenindustrie durch dieses Gesetz ist, nach dem der Arbeitgeber wöchentlich für jeden Arbeiter einen Betrag von 4 Pence bezahlt. Auf jeden über- oder unterirdisch beschäftigten Arbeiter in der britischen Kohlenindustrie kommt eine wöchentliche Produftion von ungefähr 5 Tonnen; die Produktionskosten könnten also pro Tonne um den Bruchteil eines Pennys gestiegen sein. Allerdings werden auch die Verbesserungen, die in den Gruben gemäß dem neuen Bergwerksgesetz gemacht werden müssen, als Gründe der Preissteigerung angeführt. Aber alle diese Mehrkosten der Pro- duktion kommen bei weitem nicht der gemachten Preiserhöhung von 12 bis 30 Pence pro Tonne gleich. Ein ähnliches Manöver unter- nahmen die Bergwcrksbesitzer, als im vorigen Jahr der Mindest- lohn eingeführt wurde. Die Produktionskosten wurden dadurch um etwa 3 Pence die Tonne vermehrt; aber die Konsumenten der Kohle' hatten für den Brennstoff pro Tonne das Fünf- bis Sechsfache dieser Summe zu bezahlen. Und der gedankenlose Teil des Publikums machte die Arbeiter für die Preissteigerung verantwortlich. poUtifche Geberficht Ter zweite Krupp Prozeft. Wie nunmehr bestimmt verlautet, ist das Untersuchungs- Verfahren in der Krupp-Angelegenheit gegen Brandt und Genossen und eine große Anzahl Direktoren der s�irma Krupp in Essen, auch auf den früheren Generaldirektor Land- rat a. D. Rötger, Vorsitzender des Zentralverbandes deutscher Industrieller, ausgedehnt. Die Anklage ist noch nicht er- hoben. Die Verhandlung vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Berlin I dürfte vor November nicht stattfinden. Gegen die„Kölner Korrespondenz". Die hyperkatholische„Kölner Korrespondenz" hatte das Kirmes- treiben auf den Katholikentagen gekennzeichnet und von„Alkohol- bcgeisterung" und verbummelten.Katholikennächten" gesprochen. Das hat die Veranstalter der Mctzcr Kirmes arg verschnupft. Das amtliche Festblatt der 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands bringt deshalb in seiner gestrigen Nummer eine scharfe Polemik gegen die„Kölner Korrespondenz". Sein Artikel ist über schrieben:»Ein Wort zur„Kölner Korrespondenz"— sie richtet sich selbst". In dem Artikel heißt es: „Das gröbste, was wohl je eine katholische Zeitung ge schrieben, leistet in ihrer Nummer vom 15. August die von Dr. Karl Kaufmann in Frankfurt a. M. herausgegebene so genannte„Kölner Korrespondenz". Diese Nummer bringt eine Beschimpfung der deutschen Katholikentage, wie sie frecher und empörender kaum gedacht werden kann. So wagt einer die deutschen Katholikentage zu beschimpfen, die seit Anbeginn als Sprachrohr des„integralen Katholizismus" in Deutschland auftreten. Man mochte fast glauben, daß die Sätze der„Kölner Korrespondenz" unter dem Einfluß des Alkohols geschrieben seien. Dieser Artikel zeigt, wohin der wilde Fanatismus führt, welcher in gewissen Ouertreiberblätteen sich austobt. Diese Polemik wird lehrreich sein für viele, welche bisher direkt oder indirekt diesen Quertreibereien Unterstützung haben angedeihcn lassen, weil sie glaubten, damit dem Katholizismus einen Dienst zu erweisen. ES hat erst solcher Ausgeburt des Fanatismus bedurft, um minder Einsichtigen die Augen zu öffnen und sie einen Blick tun zu lassen in die Seelen von Verlretern eines Katholizismus, vor dem„alles rettet und flüchtet", dessen Betätigung nur den ein- gefleischtesten Gegner alles Katholischen eine teuflische Freude bereitet."_ Zur Charakteristik der Moral klerikaler Blätter. , Am S. August(in Nr. 183) veröffentlichte der sich gleicher maßen durch Frömmigkeit wie Verlogenheit auszeichnende klerikale „Aachener Volksfreund" einen angeblich dem belgischen Blatte„Gazette de Liege" entnommenen Artikel, wonach kürzlich der„sozialistische Abgeordnete von Augree in Belgien", Giltay, eine Rede gehalten und darin unter anderem gesagt haben soll: „Meine Herren! Das Geschmeiß muß aus dem Lande verjagt werden! Die ist die Parole der Freidenker. Ich füge mutig hinzu: Verfolgen wir die Klosterfrauen!... Ich habe gesehen, wie das Geschmeiß der Klosterfrauen sich mit der Milde eines Engels über den Kranken beugte, über die Ver» mündeten; wie es die Wunden verband mit einer so feinen Zartheit, wie es die Unglücklichen tröstete mit Worten so voller Güte, daß alle, die dies Geschmeiß bei der Arbeit gesehen haben, mit einer lächerlichen Ehrerbietung für dasselbe erfüllt wurden. Mitbürger, können wir es länger duldsn, daß dies Geschmeiß sich opfert, um die Elenden des Volkes zu trösten und so die Nichtigkei und die Heucheleien unserer sozialistischen Behauptungen in ein lebendiges Licht stellt? Vertreiben wir das Geschmeiß! Es ist für uns eine drohende Gefahr!.... Das Volk wird versagen, wenn wir nicht Ordnung schaffen. Auf der einen Seite sieht es die Kloster- frauen, die es liebt und deren Taten es kennt, während es auf unserer Seite nur übertünchte Gräber sieht, welche unsere Ver« tommenheit bedecken. Vertreiben wir die Klosterfrauen, stellen wir an ihren Platz die weltlichen Wärterinnen, die ihre Kranken ruhig sterben lassen, die sich retten, wenn eine Epidemie ausbricht, während die Klosterfrauen auf ihrem Posten bleiben." Nachdem der„Volksfreund" diese„Rede" abgedruckt hat, be- kennt er schaudernd, daß er sie wegen ihrer Rohheit nicht in ihrer {anzen Länge wiedergeben könne; er fügte dann aus eigenem inzu: „Man sieht aus dieser Rede den Haß des echten Sozialisten gegen die Einrichtungen der katholischen Kirche und das B e- g reden der Sozialdemokraten, alles zu be- seitigen, was das Elend der Unglücklichen lindern kann. Sie weiß ganz genau, daß da, wo den Unglücklichen geholfen wird, die Unzufriedenheit flicht. Wo aber keine Unzufriedenheit ist, da ist auch kein Boden für die Sozial- demokratic. Genau so ist es auch bei uns in Teutschland, wo die Sozialdemokratie die soziale Gesetzgebung zu verhindern gesucht hat und noch immer zu verhindern bestrebt ist." Unseren Aachener Genossen kam die Rede dieses„belgischen Abgeordneten" Giltay von Augree von vornherein sehr spanisch vor. Sie sandten ihm den Artikel mit einem Begleitschreiben ein. baten aber gleichzeitig die belgische Postbehörde, falls ein solcher Ab- geordneter nicht existiere, den Brief der Redaktion des„Peuple" zu übergeben. Die Vermutung, daß eine gemeine Fälschung vorliege, erwies sich als richtig. Ter Abgeordnete Giltay existiert nicht, die Rede ist nie gehalten worden; sie ist ein Phantasieprodult des klerikalen Lütticher Preßorgans, loie aus folgendem Schreiben des Internationalen sozialistischen Bureaus hervorgeht: „Llmmdre des ReprSsentants. Bruxelles, 13. August 1913. 'A Lieber Genosse! Ich erhielt vom„Peuple" das von Ihnen an den Abgeordneten Giltay gesandte, von der Post laut Ver- merk auf der Adresse an die Redaktion des„Peuple" über- mittelte Zentrumsblatt,„Der Volksfreund", Nr. 183. Ich habe das Blatt meinen Kollegen im Abgeordnetenhause gezeigt und Ivir haben alle vergeblich einen Abgeordneten Giltay in der Kammer und im Abgeordnetenhause gesucht. Abgeordneter Giltay ist eine mystische Persönlichkeit, die die Klerikalen sich gemacht haben. Was die Rede be- trifft, welche die„Gazette de Liege" veröffentlicht hat oder haben soll, so ist sie, wenn erschienen, von dem Blatte frech er- f u n d e n. Sie wurde einem gewissen Giltay in den Mund gelegt. Dieser Giltay, eine uns gänzlich unbekannte, der Partei nicht angehörige Person, die kein Recht hat, irgendwie im Namen der Partei Erklärungen abzugeben, war ein Gemeindeangestellter von Augree, der mit seiner Frau in Uneinigkeit lebte und vom Korrektionshofe wegen Mißhandlung seiner Frau zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Der Artikel des Zentrumsblattcs ist also nur Schwindel. � Mit Parteigrutz! gez. Camille Hu Ys maus, Sekretär." Ter ehrsame„Aachener Volksfreund" hat sich also wieder mal eine Lügenmär geleistet. Das ist begreiflich, denn dieses Blatt gehört zu den eifrigsten Vertretern der reinen klerikalen Ethik Kölnischer Couleur. �—-■•( Wucherprofite wollen sie, nicht mästigen Gewinn. Wie wenig eS den Agrariern darum zu tun ist, durch die Schutz- zölle den landwirtschaftlichen Betrieb mäßig lohnend zu ge- stalten, wie sie stets behaupten, sondern daß sie mit Hilfe der Zölle Wucherprofite erzielen wollen, zeigt wieder einmal folgender Vorgang: In der„Chemnitzer Allgemeinen Zeitung" hatte jüngst Dr. Paul Straumer drei Artikel veröffentlicht, worin er den stärkeren Anbau von Flachs empfahl. Fast hundert Millionen Mark würden alljährlich für Flachs an das Ausland gezahlt. Der ausländische Flachsbau gehe zurück und erhöhe seine Preise. Der einheimische aber wolle nicht vorwärts kommen, obwohl sich Boden und Klima in vielen Gegenden Deutschlands dafür eigneten. Die Landwirtschaft müsse sich überzeugen, daß der Flachsbau lohnend sei. Diese Artikel Dr. StraumerS gaben der„Deutschen Tageszeitung Veranlassung, für einen„ausreichenden" Schutzzoll auf Flachs einzutreten. Nur wenn diese„Lücke im Zolltarif" ausgefüllt werde, könne man erwarten, daß die deutsche Landwirtschaft sich in höherem Maße als bisher dem Flachsbau zuwende. Das agrarische Blatt fordert also schon Zollschutz für Flachs. ohne daß es sich vergewissert hätte, ob nicht unter den jetzigen Verhältnissen der Flachsanbau lohnend ist. AuS den Artikeln Dr. StraumerS geht das aber mit ziemlicher Sicherheit hervor. Die Forderung der„Deutschen Tageszeitung" beweist demnach, daß es ihr gar nicht um einen mäßigen Gewinn zu tun ist, sondern daß sie den Flachs anbauenden Agrariern von vornherein Wucher- Profite auf Kosten der Konsumenten sichern will. Erziehungsfrnchte der Pfadfinderbewegung. Es kommt immer besser! Im Namen von.12 000 schlesischen Jünglingen", die am Sonntag unter strömendem Regen auf dem Katzbachschlachtfelde Feldgottesdienst, Jahrhundertfeier und Parade- marsch„vor dem Vertreter des Kaisers" vollführten, wurde ein Huldigungstelegram in an den Kaiser von Ruß- land geschickt,„eingedenk der treuen Waffenbrüderschaft von Russen und Preußen und der gemeinsamen Heldentaten vor hundert Jahren, die unS die Befreiung von fremdem Joch brachten". Die in diefem Telegramm zum Ausdruck kommende Beeinflussung der jugendlichen„Pfadfinder" zu erzreaktionären Zwecken hat gerade noch gefehlt, um nicht nur die Arbeiterschaft, sondern alle Elemente unseres Volkes, die noch nicht in den russischen politischen Zuständen ihr Ideal erblicken, gegen die Pfadfinderbewegung aufzubringen. Ter Fiskus als Preisdrückcr. Gegen den von der Regierung in der„Nordd. Allg. Zeitung" unternommenen Versuch, die Klagen über Zurücksetzung der Hand- werker bei Vergebung von Arbeilen als unberechtigl zurückzuweisen, wartet der Landtagsabgeordnete Rahardt mit drei Fällen aus den letzten acht Tagen auf. Sollten sich die Fälle so. wie geschildert, verhalten, dann könnte allerdings die Kritik nicht scharf genug sein. Herr Rahardt schreibt nämlich der Scherlpresse: „Die Werflverwaltung in Kiel hatte für eine Jnneneinrich- tung eine Ausschreibung gemacht. Ein Tischlermeister macht mit 2100 M. sein aufs äußerste kalkuliertes Angebot. Und der Erfolg ist, daß die Werft fünf Stücke aussucht, einen Kleiderriegel, einen Toilettenspiegel usw., die insgesamt 85 M. nach seiner Aufstellung ausmachen. Dafür sollte der Meister die Sachen liefern, wofür er sich natürlich bestens bedankte, da er die Preise doch für den Ge- samtauftraq kalkuliert hatte. Fall Nr. 2: Das Bekleidungsamt in München bedarf 8000 Waffenröcke. ES hatte für die Anfertigung eines Rockes zuletzt 8 M. bezahlt und erklärt nun den Meistern, daß eS jetzt nur noch 3.85 M. geben könne. Natürlich lehnen die Meister ab, und in den Miinchener Zeitungen kann man jetzt Inserate lesen, in denen Heim- arbeiter von der Militärverwaltung zur Herstellung der Waffen- röcke gesucht werden! Am krassesten ist wohl der letzte Fall: Die Garnisonen Berlin und Breslau wollen Schränke für die MannschaftSstuben bestellen. Es melden sich die Lieferanten und die Lieferung der Schränke wird ihnen auch zugesagt, wenn sie die Sachen so billig liefern wollen— wie die Gefängnisse!" Die Militärverwaltung sowohl als auch die Marineverwaltung werden nicht darum herumkommen. Auskunft darüber zu geben, ob in ihren Ressorts tatsächlich derartige Preisdrückereien vorgekommen find. Mit den Mitteln der Steuerzahler muß natürlich sparsam ge- wirtschaftet werden, aber daraus resultiert keinesfalls die Pflicht oder auch nur das Recht, den Handwerksmeistern zuzumuten, zu Gesängnispreisen zu liefern._ FricdenSkongrest im Haag. Der 20. Friedenskongreß wurde heute mit 950 Teilnehmern eröffnet. Der Präsident Professor Delouter sprach in der Eröffnungs- rede gegen den Gedanken einer supranationalen Organisation in der Form der Vereinigten Staaten der Welt. Der Friede werde nur durch Entwickelung des internationalen Rechts mit völliger Un- abhängigkeit der Staaten aufrechterhalten. Internationalismus und Patriotismus seien keine unvereinbaren Begriffe. Minister Heemskerk hieß die Kongreßteilnehmer willkommen. Goeman, Bergesius und der belgische Senator La Fontaine stellten fest, daß der Friedensgedanke Fortschritte gemacht habe, protestierten gegen die Balkanereignisse, rächten Carnegie eine Ehrung dar und huldigten dem Andenken Assers. Unsere schöne Militärjustiz. Zu der ungeheuerlichen Strafe von sieben Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilte am Montag das Kriegsgericht der 7. Division in Magdeburg den Musketier Schmula von der 7. Kom- pagnie des JnfanteriereginieniS Nr. 27 in Halberstadt. Der An- geklagt war beschuldigt, sich eines tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten unter dem Gewehr und � vor ver- ammelter Mannschaft schuldig gemacht, sowie einen Vor- fesetzten beleidigt zu haben. Der Angeklagte hat die Tat begangen am 27. Juli d. I. auf dem Exerzierplatz in Halberstadt. Der Vizeseldwebel Gramann ließ an diesem Tage eine Anzahl Mannschaften Einzelmarsch mit Gewehr üben. Verschiedentlich wurden Leute, die nach des Feldwebels Meinung die Hebung nicht korrekt machten, zurückgeschickt, um sie zu wiederholen. Unter den Zurückgeschickten befand sich auch Schmula. Als er wieder einmal vor dem Vizefeldwebel vorbeimarschierte, riß er plötzlich das Gewehr herunter und versetzte dem Vorgesetzten unter den Worten:„Du AaS willst mich chleifen?" mit dem Gewehrlauf einen Schlag vor die Brust. Dann drehte Schmula das Gewehr um und holte zu einem Schlage mit dem Kolben aus, warf aber das Gewehr weg. als er sah, daß der Vizefeldwebel seinen Säbel ziehen wollte. Vorher hatte der An- geNagte schon vor sich hin ingrimmig die Aeußerung getan:„Der „Krepel" will mich wohl schleifen!" Vor Gericht war Schmula, der noch keinerlei Vorstrafen wegen Roheitsvergehen hat. geständig. Das Militärstrafgesetzbuch sieht für die zur Anklage stehenden Taten eine Mindeststrase von fünf Jahren Geiängnis vor. Der Anklagevertreter beantragte jedoch— als abschreckendes "eispiel, wie er sagte— zehn Jahre und zwei ivkonate Gefängnis. Der Angeklagte gab als Erklärung für eine Tat nur an, er habe es„in der Hitze" getan. � Alö er den Strafantrag hörte, brach er in Tränen aus. Das Urteil lautete, wie erwähnt, auf sieben Jahre und zehn Monate Gefängnis. Eine Be- rufung wird an der Strafe nicht viel ändern, denn der zur An- Wendung gekommene§ 97 des Militärstrafgesetzbuches gehört nicht zu den kürzlich gemilderten Paragraphen. Eine unüberlegte Handlung hat den jungen Menschen für sein ganzes Leben unglücklich gemacht, » Ein anderer Fall. Wegen Mißhandlung eines Untergebenen stand am Dienstag der Unteroffizier Max Pähl vom 31. Infanterie- regiment vor dem Kriegsgericht der 3. Division in S t e t t i n. P. halle am 21. Juni d. I. mit seiner Kompagnie Fechtübungen zu machen, wobei der Füsilier H., ein als g e i st i g minder- w e r t i g geschilderter Mann, die Uebungen schlecht ausführte. Der aufsichlsfiihrende Leutnant bemerkte das und befahl dem Unteroffizier, den Mann in Ruhe zu lassen, da er äugen- scheinlch stark erschöpft sei. Hierüber soll der Füsilier gelacht haben. Diese gewiß berechtigte Freude gab dem Unter- offizier Veranlassung, den Soldaten sofort nach erfolgtem Rückmarsch auf seine Stube zu bestellen, wo er ihm dann mit dem Hand- feger einen Schlag vor denKopf versetzte. Der Ge- schlagene streckte seinen Arm vor, um einen zweiten Schlag ab- zuwehren, wobei er von dem Unteroffizier eins über das linke Handgelenk erhielt. Die Anklage und auch das Gericht sahen den Fall für einen schweren an, der, wie der Ver- Handlungsleiter ausführte, sehr leicht die Disziplin unter- graben könne, da durch solche Mißhandlungen die Mannschaften veranlaßt würden, sich an Vorgesetzten zu vergreifen. Das Urteil gegen den prügelnden Unteroffizier lautete aber trotzdem nur auf 15 Tage Gefängnis. Neben dem Unteroffizier stand aber auch der Füsilier unter An- klage. Ihm wurde zur Last gelegt, sich tätlich gegen seinen Vor- gesetzten vergangen zu haben! Das Gericht kam schließlich doch zu der Ueberzeugung, daß ein tätlicher Angriff nicht vorliege, sondern nur eine unwillkürliche Abwehrbewegung und sprach ihn des- halb frei. Zum türhifcb-bulgarircbcn Konflikt. Die türkische Diplomatie verbreitet, offenbar um einen Druck auf Bulgarien auszuüben, die Nachricht, daß die Pforte die Absicht habe, Bulgarien in einem Ultimatum aufzu- fordern, die gegebene Lage anzuerkennen, das heißt, Adria- nopcl an die Türkei abzutreten und auch sonst die neue türki- sche Grenzlinie zu akzeptieren. In der Tat ist ja bereits die Türkei in altbulgarisches Gebiet eingebrochen, um Bulgarien, das augenscheinlich in völliger Lethargie verfallen ist, der von der Türkei geforderten Grenzregulierung geneigt zu machen. Weiter wird die Nachricht verbreitet, daß die Türkei mit einer starken Erregung im Heere rechnen müsse, das zu einem weiteren Vormarsch dränge. Es koste die Regierung die äußerste Energie gegenüber der Armeeleitung, damit nicht der türkische Vorstoß eine Ausdehnung annehme, die diplomatische Verwickelungen bringe. In den letzten Tagen sei man bereits wiederholt nur um Haaresbreite von einer Kriegserklärung an Bulgarien entfernt gewesen. Vermutlich soll auch diese Nachricht eine Pression auf Bulgarien aus- üben. Denn an eine so große Kriegslust der türkischen Armee ist kaum zu glauben, zumal ja schon während der ersten Periode des Kriegs der ganze türkische Verpflegungsapparat derart in Verwirrung geraten war, daß die Soldaten den schwersten Entbehrungen ausgesetzt wurden. Wenn es auch nicht unmöglich ist. daß die in der Türkei zusammengezogenen größtenteils kleinasiatischen Truppen noch eine Gefahr für die türkische Regierung werden könnten, so ist doch nicht an- zunehmen, daß sie allzu sehr auf ein neues Losschlagen drängen. Uebrigens scheint es mehr und mehr, als ob die Türkei wirklich im Besitz Adrianopels bleiben solle. Nach einer Matin".Meldung aus Petersburg soll Rußland seinen Widerstand in der Adrianopel-Frage gegenüber der Türkei aufgegeben haben. Dafür hoffe man aber in Konstantinopel zu erreichen, daß das ganze Gebiet am rechten Ufer der Maritza sowie das gesamte Küstengebiet des Aegäischen Meeres bulgarisch bleiben werde.— Auch aus Londoner Meldungen Pariser Blätter geht hervor, daß nach Ausfassung Londoner Kreise die Frage Adrianopels so ziemlich zugunsten der Türkei geregelt erscheine. Nur in Bulgarien selbst scheint man noch auf fremde Hilfe zu rechnen, wenigstens behauptet man in Sofia, daß die Regierung vertrauliche Informationen erhalten habe, wo- nach Oe st erreich. Ungarn den übrigen Großmächten einen konkreten Vorschlag genracht habe, auf welchem Wege die Türkei zur Räumung Thraziens zu zwingen sei. Auch erklärt man in Sofia, daß die bulgarische Regierung keines- wegs die Absicht habe, mit der Türkei wegen Adrianopels in direkte Verhandlungen einzutreten. Da sich aber Oesterreich nach den Erfahrungen der letzten Zeit schwerlich die Finger verbrennen wollen wird, dürften in der Tat die Chancen der Türkei in bezug auf Adrianopel keine schlechten sein. Bus der Partei. Aus den Organisationen. In einer Kreis konferenz für den 7. Reichstagswahl- kreis(M e i ß e n- G r o ß c n h a i n) hielt der Abgeordnete des Kreises, Richard Schmidt, ein die Debatte über den Parteitag einleitendes Referat, in dem er den Militarismus und die Steuerpolitik behandelte. Die Kritiker der Fraktion urteilten bei Besprechung der Militärvorlage vielfach falsch, weil sie über» sahen, daß der sozialdemokratischen Minderheit in Militärfragen eine geschlossene Mehrheit gegenüberstehe. Da die Vorgänge in der Fraktion ost wenig objektiv dargestellt würden, wolle er be- sonders betonen, daß die Diskussionen über den Wehrbeitrag und die Vcrmögenszuwachssteuern wohl lebhaft aber höchst sachlich waren. Er müsse auch hervorheben, daß, als die Fraktion über das dcutsch-französische Manifest beraten habe, keine Bedenken erhoben wurden. Die Hauptsache sei. daß der kleine Mann und der Ar- beiter nicht betroffen würden. Das hätte aber auch erreicht werden können, ohne daß wir unsere Stimmen in die Wagschale warfen. Die Situation lag so. daß wir den Militärparteien und der Regierung zurufen konnten:„Ihr habt die Militärvorlage ohne unseren Willen beschlossen! Holt nun das Geld aus den Ta,chen eurer Gesinnungsgenossen!" Der Parteitag müsse klar Stellung nehmen, ireil die Fraktion bald wieder in die gleiche Situation kommen könne, denn schon jetzt würde für neue Militärforderungen Stimmung gemacht. In der Diskussion sprachen mehrere Redner für die Fraltion, während andere sich gegen die Haltung der Fraktion wandten. Ein Beschlutz wurde nicht gesaßt. �.. t,___* nx. In der Frage der Abführung de? M a l b e r t r a g S sprechen sich die meisten Redner für Wiederherstellung des Nurn- beracr Beschlusses aus. Dessen Aufhebung wird von Horn- Gröba als der Bankrott dcS sozialdemokratischen Idealismus be- zeichnet. Es wird beschlossen, drei Delegierte nach dem Parteitag zu senden. Eine Konferenz für den Reichstagswahlkreis Jauer-Lan- deshut-Bolkenhain tagte am Sonntag in Dietzdorf. Vertreten waren L Ortsvereige durch 18, Delegierte und eine ffie» nofftri. Vier Vereine hatten nicht delegiert. Der Geschäftsbericht hebt hervor, daß trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Krise und trotz der durch den Bankkrach in Jauer erfolgten Schließung mehrerer Betriebe, die viele Arbeiter zwang, sich außerhalb des Kreises eine andere Existenz zu gründen, die Zahl der Mitglieder doch zugenommen habe. Allerdings steht die Zahl der orga- nisierten Parteigenossen mit der der sozialdemokratischen Reichs- tagswähler und der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter noch in keinem Verhältnis. Auch die Machinationen der von den Gruben- baronen in den Grubenbezirken aufgepäppelten„Gelben" und be- hördliche Schikanen waren nicht in der Lage, die Bewegung zum Stillstand zu bringen. Daß diese an Einfluß zunimmt, beweist, daß uns immer mehr Lokale in zt'" ländlichen Bezirken zur Verfügung gestellt werden. Leser der Parteipresse sind 2500 vorhanden. Verbreitet wurden unter der Landbevölkerung 6000„Weckrufe", 14 000 Volkskalender und 35 000 Flugblätter. Sozialdemokratische Gemeindevertreter sind 18 im Wahlkreise tätig. Die Einnahmen des Kreises beliefen sich auf 4094,47 M., die Ausgaben auf 3812,76 M. Die Aussprache über den Geschäftsbericht war lebhaft. Betont wurde dabei, daß für Bildungsbestrebungen und Jugendbewegung in Zukunft mehr getan werden muß. Als Reichstagskandidat wurde für den wegen Er- krankung eine Wiederwahl ablehnenden Genossen Prall der Parteisekretär Genosse Schönwälder- Langenbielau aufgestellt. Von einer Delegation zum Parteitag wurde Abstand genommen. Gemcindewahlsicg. In G r o ß- B i e s n i tz in der Niederlausitz wurden bei den am Freitag stattgefundenen Gemeindcvertreterwahlcn auf einen Hieb drei Sozialdemokraten gewählt. Die Gegner erhielten 12—17 Stimmen, während es unsere Genossen auf 22—28 brachten. Mit der Wahl dieser drei Genossen ist jetzt die ganze dritte Abteilung in unserem Besitz. Her Katholikentag in IM?. tTelegraphischer Bericht.) Metz, den 20. August. Die heutige Tagung begann mit einer Missionsversammlung. Erster Redner war Generalleutnant z. D. v. S t e i n ä ck e r- Berlin, der die Bedeutung der Mission behandelte, der reichen Gaben für die Mission aus Anlaß des Kaiserjubiläums gedachte und dabei rühmend hervorhob, daß der Kaiser allezeit die Fahne des Erlösers hochgehalten habe. Der Franziskanerpater O r t s i e v e r- Düsseldorf behandelte das Thema Die gegenwärtige Bedeutung der Mission in China und legte dar, daß China jetzt mitten in einer Umwälzung stehe, und daß es sich da um die Frage handele, welches die zukünftige Religion des Volkes sein werde. Da gelte für die Deutschen das Wort: Die Deutschen vor die Front! Vor allem durch die Grün- dung von Schulen und Universitäten. Die Katholiken hätten hier sehr viel nachzuholen. Fürst zu Löwenstein ließ dann von dem Ergebnis der nunmehr abgeschlossenen KaiserjubiläumSmissionsspende Mitteilung machen. Die katholischen Spenden haben eine Gesamtsumme von 1 414 615 M. ergeben. In der vierten geschlossenen Versammlung, die unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Trunk aus Karlsruhe stattfand, nahm Abg. Dr. Porsch auf eine Meldung des.Mesjin" Bezug, nach der angeblich ein katholischer Student in einer patrio- tischen Ansprache bei der Kranzniederlegung am Kaiser Wilhelm- Denkmal über die Wiedergewinnung Elsaß-Lothringens einen Satz gesprochen habe, der für die französischen Teilnehmer sehr belei- digend gewesen sei. Demgegenüber erklärte Dr. Porsch, daß dieser Satz überhaupt nicht gesprochen worden sei. Er fügte hinzu: Die patriotische Ansprache der beiden Studenten war, wie es bei uns üblich ist, ohne jede Verletzung der Gefühle irgendeiner Nation. Nunmehr trat man in die Beratung der Ausschußanträge betr. die innere Mission ein. Zu dem Punkt »Fürsorge für die Zuziehenden und Charitas" sprachen Dr. Pieper, Giesberts-M.-Gladbach, Pfarrer Marxen- Hannover, Pfarrer Mcyer-München, Schweitzer-Köln und Dr. vrleischer-Berlin. Präses Meyer- München: Bei der Abwanderung steht ein lebhaftcS�Jnteresse für unsere katholische Kirche auf dem Spiel. Wir müssen die Leute aufklären. Die Arbeiter müssen erfahren, was die gewerkschaftlichen Organisationen für sie sind. Jeder Katholik muß wissen, daß er gegen sein Gewissen handelt, wenn er sich einer sozialdemokratischen Organisation anschließt. Die katho- tischen Arbeiter müssen hingewiesen werden aus die christlichen Organisationen.(Stürmischer Beifall.) Das sage ich als Seelsorger/ weil ich weiß, daß wir selbst die Leute nicht bei uns halten können.(Lebhafte Zustimmung.) Selbstver- ständlich müssen die Leute auch für den katholischen Arbeiterverein gewonnen werden. A b e r w i r müssen« u ch an die g e- werkschaftlicheOrganisationsforin denken, denn wenn die Leute die gewerkschaftliche Organi- sation nicht im Rücken haben, können wir ihnen keine Arbeit verschaffen; können wir ihnen aber keine Arbeit verschaffen, dann können wir sie auch nicht mehr von den sozialdemokratischen Gewerkschaften fernhalten. �Lebhafte Zustim- crung.) Selbstverständlich müssen wir den Arbeitern auch sagen, daß wir alle unsere Arbeit tun, auch aus übernatürlichen Gründen, und wir müssen sie auffordern, die heiligen Sakramente zu nehmen. Das ist für einen katholischen Priester selbstverständlich.(Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Dr. Trunk- Karlsruhe: Der Redner hat eben eine Aeußerung getan dahingehend, wie man sich organi- sieren soll. Ich bemerke ausdrücklich, daß er dies nur von seinem persönlichen Standpunkt als Seelsorger getan hat. und ich möchte die folgenden Redner bitten, über das, wie man sich organi- sieren soll, nichts mehr zu sagen. Verbandssekretär R e i ch s t a g s a b g e o r d n e t e r Dr. Fleischer-Berlin: Ter Präsident hat soeben gesagt, daß die Frage, wie man sich organisieren soll, aus der Debatte auSzu- scheiden habe.(Sehr richtig!) Ich werde mich selbstverständlich die, ein Wunsch des Präsidenten in jeder Hinsicht fügen(Beifall'., zumal ia der Hi� Vater selbst den Weg der Organisationsform uns IN seiner Onr�lciisi� Zingulare guackem mit aller Klarheit und Deutlichkeit gewiesen hat.(Beifall.) Ich brauche ferner nur Be- zug zu nehmen auf die bedeutungsvollen Worte unseres Präsidenten Fürst Löwenstein. Auf diesem Boden stehen auch wir.(Stürmischer Beifall.) Eine Verbindung von Stadt und Land hat sich der Ver- band katholisch« Arbeitervereine. Sitz Berlin,-«»1 Ziel gesetzt. Er bekämpft mit T-�er Arbeit ganz automatisch die Abwanderung vom �ande in die Großstädte. Ich kann deshalb nur empfehlen, dieses System auch anderwärts zu erproben.(Lebhafte Zustimmung.) Sie werden sehen, daß die von nns angewandten Mittel in Ver- einigung mit den großen Gesichtspunkten die Abwanderung unserer katholischen Arbeiter in wirksamer Weise erledigen und lösen kann. Im übrigen stimme ich allen Rednern zu.(Lebhafter Beifall.) ReichstagSabgeordneter Giesberts- Essen: Natürlich sollen die Arbeiter auch auf dem Lande organisiert wer- den, und das haben sich die katholischen Arbeitervereine zum Ziel gefetzt. Dgrin hat Dx. Fleischer recht. In letzter Zejt sind Volks- Versicherungen gegründet worden, und besonders muß hier die von den Konsumvereinen und freien Gewerkschaften gegründete „V o l k s s ü r s o r g e" hervorgehoben werden. Aus dem Lande werden wir in nächster Zeit eine erhöhte Agitation mit dieser Ver- sicherungsmethode erleben. Wenn je ein geschicktes Mittel erfunden worden ist, auf harmlose Weise in die Kleinstädte und auf das flache Land vorzudringen, so ist es diese von der Sozialocmokratie errichtete„Volksfürsorge".(Sehr richtig!) Dagegen müssen wir katholische Arbeitervereine auf dem Lande haben, und wir haben noch immer diese Arbeitervereine namens unserer Berufsorganisationen stets in den Vordergrund gestellt.(Lebhafter Beifall.) Darauf werden beide Anträge einstimmig angenommen. Am Nachmittag fand die dritte öffentliche Versammlung statt, zu der sich wiederum die Mitglieder des Präsidiums und die Vertreter des Episkopats, soweit sie nicht nach Fulda zur Bischofs- konferenz abgereist sind, einfanden. Sofort nach Eröffnung der Versammlung durch den Vizepräsidenten Dr. Trunk-Karlsruhe sprach Weihbischof Dr. Haehltng v. Lanzenauer- Pader- born über: Die deutschen Katholiken und ihre Glaubcnsbrüder in der Diaspora. Das Arbeitsgebiet für unsere armen Katholiken in der Diaspora ist ungeheuer groß. Die Reichslande haben im Unter- Elsaß eine Diaspora, auch Baden hat seine Diaspora, Württemberg ist nur zu einem Drittel katholisch. In Preußen sind acht ganze Provinzen Diaspora, die kleineren Bundesstaaten sind sämtlich Diaspora. Ebenso Skandinavien, ein großer Teil der Schweiz, Ungarn. Auch Bayern hat seine Diaspora, besonders um Nürn- berg, wo in einzelnen Orten bis zu 6000 Katholiken des Segens des Gottesdienstes entbehren(HörtI hört!), wo außerdem eine große, strafforganisierte Freidenkerorganisation planmäßig den Austritt aus der Kirche fördert. Und im Königreich Sachsen ist die Not der Katholiken riesengroß geworden. In Frankfurt a. M. erwachsen der Kirche durch gemischte Ehen jährlich ungeheure Ver- luste. Man nennt das begonnene Jahrhundert das Jahrhundert des Kindes, aber die Kinder der Diaspora werden arme Kistoer bleiben. In Preußen gehen 17 700 protestantische Kinder in katho- tische Schulen, dahingegen gehen 80 000 katholische Kinder in prote- stantische Schulen.(Hört! hört!) Das kommt nicht nur von der Diaspora, sondern auch von der uns tiefkränkenden Intoleranz. (Lebhafte Zustimmung.) Von den Großstädten, die fast durchweg als Diaspora anzusehen sind, sei hier nicht die Rede, auch bei der Landbevölkerung gibt es in sittlicher Beziehung traurige Zahlen. Ein grenzenloser Leichtsinn, eine gähnende Bedürfnislosigkeit in religiöser Beziehung ziehen die jungen Katholiken dort mehr und mehr in ihren Bann. Ich stehe hier im Namen der Katholiken der Diaspora, und bei mir stehen in langen Reihen die Knaben und Mägdelein der Diaspora und bitten: Erbarmt euch, behütet unseren Glauben und das reine unschuldige Herz! Aber wie kann ihnen geholfen werden? Ohne materielle Hilfe geht es nicht. Darum lassen Sie sich einschreiben in die Listen des Bonifaziusvereins. Der Bonifaziusverein tut alles, was er kann, aber noch nie waren die Geldmittel so knapp wie heute. Darum gebe jeder deutsche Katholik, soviel er kann.(Lebhafter Beifall.) So2ia!es. Der Kinoschanspiclcr vor dem Gcwerbegericht. Mit dem An- wachsen der Filmschauspielkunst mehren sich auch die Prozesse zwischen Filmunternehmern und Kinoschauspielern. Leider sind in« folge des riesigen Ueberangebotes die Anstellungsverhältnisse derartig lockere, daß die Ausnutzung der engagementslosen Kräste an der Tagesordnung ist. Vor dem Berliner Gewerbegericht werden fast läglich Prozesse verhandelt, in denen sich Kinodarsteller gegen die Ucbergriffe der Filmgesellschaften wehren müssen. So ist es z. B. ein typischer Fall, daß Schauspieler zur Ausnahme eines bestimmten Films für einen festgesetzten Tag ins Atelier bestellt werden und dann ohne Entschädigung von einem Tag zum anderen vertröstet werden. Die Gewerbegerichte suchen nach Möglichkeit diesem Miß- brauch zu steuern. So hat erst jetzt die 8. Kammer des Berliner Gewerbegerichts einem Kinodarsteller 180 M. Honorar für sechs Tage zugesagter Beschäftigung zugesprochen. Auch da wurde die Auf- nähme erst auf acht Tage und dann auf unbestimmte Zeit verschoben. In der Verhandlung wandte der Vertreter der beklagien Gesellschaft ein, Kläger müsse eben warten, bis die Aufnahme vor sich ginge, der Film„stünde ihm ja noch offen". Das Gericht entschied aber, es sei dem Kläger nicht zuzumuten, bis auf den St. Nimmerleinstag zu warten. Die AuSkunftSpflicht der Arbeitgeber nach dem Einkommensteuer- gesctz. Der Fabrikant Berrot war von der Strafkammer in München- Gladbach wegen Uebertretung des§ 23 des Einkommensteuergesetzes auf Grund des folgenden Tatbestandes zu einer Geldstrafe ver- urleilt worden. Die zuständige Behörde(Bürgermeister) batte ihn gemäß§ 23 Absatz 3 des genannten Gesetzes aufgefordert, über das Einkommen der von ihm beschäftigten Personen Auskunft zu erteilen. Er sollte dementsprechend eine Liste sämtlicher in seinem Gewerbe- betriebe gegen Gehalt oder Lohn bis zu 3000 M. beschäftigten Per- sonen einreichen. Die Formulare erhielt er zugeschickt. B., welcher neben direkten Betriebsarbeilern auch eine Anzahl Heimarbeiter beschäftigt, war zwar zur AuslunftSerteilung bereit, aber nur gegen eine Entschädigung, weil es ihm viel Arbeit machen würde. Dies teilte er der Behörde mit. Er erhielt den Bescheid, daß eS eine Entschädigung nicht gebe und daß die Aufforderung wiederholt werde. B. sah nunmehr von der Erfüllung des behördlichen Verlangens ab, worauf die Anklage er- folgte. Die Strafkammer in Münchcn-Gladbach ging bei der Ver- urteilung davon aus, daß er dem behördlichen Verlangen aus § 23 Absatz 3 des Einkommensteuergesetzes auf jeden Fall hätte folgen müssen. Einen Entschädigungsanspruch hätte er nicht. Der Ferien-Strafsenat des Landgerichts verwarf die von E. noch eingelegte Revision mit folgender Begründung: Von einer Ver- gütung könne keine Rede sein, denn das Gesetz sage nichts davon. Durch die Bestimmung sei eben den Arbeitgebern eine Verpflichtung auf- erlegt, wie auch sonst den Arbeitgebern Verpflichtungen auferlegt seien, zum Beispiel durch die Gewerbeordnung, die ohne weiteres erfüllt werden müßten. Ein entschuldbarer, nicht strafbarer Irrtum des Angeklagten könne auch nicht angenommen werden. Wenn der Angeklagte angenommen habe, ohne Entschädigung brauche er die Arbeit nicht leisten, dann sei das ein Irrtum über eine Strafrechts- norm, der vor Strafe nicht schütze.— Allerdings müsse eine Frist von mindestens 14 Tagen gewährt werden. In seinem Falle könne aber dahingestellt bleibeit, ob ihm eine solche Frist nicht gewährt worden sei. Das könnte nur in Frage kommen, wenn er die Pflicht auch ohne Entschädigung überhaupt hätte erfüllen wollen. Das fei aber nicht der Fall gewesen. Er sei mit Recht verurteilt worden. )Zu3 Industrie uncl Oanclel. Der Arbeitsmarkt in der Provinz Brandenburg. Die Arbeitsmarktlage hat in Berlin und in der Provinz auch im Juli keine Besserung erfahren. Im Baugewerbe und in der Holzindustrie ist die Lage nach wie bor ungünstig. Einzelnen zu- friedcnstellenden Nachrichten wie u. a. aus Sora», Guben, Spandau, stehen in dessen wenig hoffnungsvolle Berichte aus Groß-Berlin und aus zahlreichen Gemeinden der Provinz Brandenburg, Potsdam, Kottbus, Eberswalde, Gransee, gegenüber. Tie dem Baugewerbe stltrwandten Gewerbe sind von der schlechten Arbeitsmarftlage stark in Mitleidenschaft gezogen, besonders in der Holzindustrie und hier wiesexunl ia Berlin jmd die Zustände jchlechi..Aber auch Bauschlosser und Anschläger, Zimmerer und Rohrleger usw. klagen übei: nicht ausreichende Beschäftigung. In der Gipsbranche hat sich dt« Arbeitsmarftlage gegen Ende des Monats gebessert, wenngleich sie in der Betonbranche unverändert wenig günstig ist. Wenig auS- sichtsreich ist die Beschäftigung im Ziegeleigewerbe. Neben örtlichen Verhältnissen, wie hohe Fabrikationskosten infolge Abbaues der nahe liegenden Tonlager, weitgehendste Verwendung von Kalksand- steinen, ist auch hier die schlechte Baulage ausschlaggebend. Nur diejenigen Ziegeleien, in denen die sogenannten Rathenower Klinker hergestellt werden, berichten über günstigeren Geschäftsgang. Die Kachelofenindustrie in Velten liegt nach wie bor danieder. Zu wünschen läßt die Entwickelung des Arbeitsmarktes in Berlin und in den größeren Provinzstädten für Buchbinder, Tapezierer wie auch für Sattler. Die Arbeitsgelegenheit in der Militär- und Auto- brauche war im Berichtsmonat gut. Unter starker Depression leiden weiter die Böttcher, deren Beschäftigung freilich in den Provinz- städten etwas günstiger als in Berlin zu sein scheint; dasselbe ist der Fall bei den Bildhauern, Töpfern und Buchbindern. Auch bei den Tapezierern genügte die durch die Reisezeit bedingte kurze Ver- mehrung der Arbeitsgelegenheit nicht, um die zahlreichen Stellen- suchenden dauernd zu beschäftigen. Die Gubener Hutfabrikation war normal beschäftigt, während in der Textilbranche besonders die Weber und Stricker über schlechten Geschäftsgang klagen. Schwer tritt die Krise in der Tuchindustrie in der Niederlausitz auf. Forst, Sremberg, Kottbus, Sommerfeld und Fürstenwalde leiden unter der abflauenden Konjunttur empfindlich. In der BekleidungS- industrie wird über schlechten Geschäftsgang besonders bei den Herren, und Damenschneidern wie auch in der Wäschekonfeftion geklagt; ebenso leidet die Nahrungs- und.Genußmittelbranche unter einer starken Depression. Das Schnhmachergewerbe, soweit das Handwerk in Frage kommt, war in Berlin und in der Provinz infolge der Reisezeit besser beschäftigt; die Industrie dagegen klagt über mangelnden Absatz. Infolge erheblicher Brandschäden einer großen Strausberger Schuhfabrik wurden zahlreiche Schuhmacher brotlos. Beftiedigend, zum Teil gut, war die Arbeitsmarktlage im Buchdruckgewerbe und in der Lithographie. Auf dem Arbeitsmarkt für weibliches Personal überragt das Angebot von Jndustriearbeiterinnen in Gro�-Berlin überall die Nachfrage. Auffallend ungünstig blieb die Lage in der Konfektion, in der Metallbranche und für Buchdruckcrei-Hilfsarbciterinnen. Das kühle Wetter wirkte niederdrückend auf die Beschäftigung in den Dampfwäschereien. Restaurations- und Haushaltshilfspersonal wurde überall der Reifezeit wegen in nur geringem Umfange ver- langt. Auch die wenig ausgiebige Obsternte machte sich in der ver« minderten Tätigkeit in den Konserven- und Fruchtsaftpressereien geltend. Die Lager auf dem landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt war, soweit die Nachfrage in Betracht kommt, dem Charakter der Jahres- zeit entsprechend, günstig; freilich fehlte eS oft an dem besonder? eingearbeiteten Personal, wenngleich die Klagen über Arbeiter- Mangel im.Gegensatz zu früheren Jahren weniger stark waren. letzte ffochricbtcn. Der Friedenskongreß im Haag. Haag, 20. August.(W. T. B.) Der Friedenskongreß nahm heute drei Resolutionen über die Abrüstung an. Der Kongreß fordert, daß die Frage der Rüstungseinschränkung auf die Tagesordnung der dritten Friedenskonferenz gesetzt und zuvor durch nationale Kommissionen studiert werden solle. Er pro- testiert gegen den unheil vollen Einfluß der an der Waffenindustrie Interessierten und empsiehlt die Prüfung des Planes eines allgemeinen Vertrage» über die allmähliche Abrüstung durch die Friedensgesellschaften und das internationale Bureau in Bern, damit sich der nächste Kon- greß in Kenntnis der Sachlage damit befassen könne. Nach dem Friedensschluß. Athen, 20. August.(W. T. B.) Heute mittag fand ein Minister- rat statt, in dem Ministerpräsident Venizelos Einzelheiten über die Verhandlungen in Bukarest mitteilt: und die freundschaftliche Ge- sinnung Serbiens und Rumäniens hervorhob. Der Ministerrat erörterte die Frage der Bestimmung der Grenzen sowie die Lage und Unterbringung der zahlreichen griechischen und muselmanischen Flüchtlinge, die in Massen die Bulgarien abgetrete- nen Länder verlassen. Es wurde ferner der Beschluß der Bevölkerung von Gümüdjina mitgeteilt, der griechischen Armee auf griechisches Gebiet zu folgen. Was die Bulgarien abgetretenen Gebiete Thraziens betreffe, so würden die griechischen Truppen sie unverzüglich räumen, aber es sei gewiß, daß die Bulgaren nicht imstande sein würden, zu rechter Zeit Truppen und Beamten dort- hin zu schicken. Daher wurde beschlossen, die Besetzung der süd- lichen Gebiete einige Tage zu verlängern. Infolge eines Ab- kommens zwischen Griechenland und der Türkei werden die Meer- engen von heute ab für griechische Dampfer geöffnet sein, die Türkei gibt die griechischen Dampfer frei, die vor Beginn der Feindselig- ketten im Bosporus zurückgehalten wurden. Die türkische Flagge wird frei im Aegäischen Meere wehen. Em griechisch-türkisches Abkommen gegen Bulgarien?, Wien, 20. August.(P. C.) Die„Südslawische Korrespondenz" meldet aus Sofia: Gegen Bulgarien besteht ein griechisch-türkisches Abkommen, dem Serbien durch Neutralitätserklärung beigetreten ist, Heftige Kämpfe in Marokko. Madrid, 20. August.(H. B.) Ein Telegramm aus C e u t a meldet, daß die Spanier das Gebiet der Beni-M'Sala vollständig pazifizhrt haben. Sie steckten verschiedene DuarS in Brand, und das Feuer nahm eine gewaltige Ausdehnung. Die M'Sala ver« teidigten ihre Dörfer mit der größten Erbitterung, wurden aber schließlich zurückgedrängt. Die Kämpfe dauern fort. Bis gestern abend waren auf Seiten der Spanier 16 Tote und 26 Verwundet: gezählt worden. Eine neue Anklage gegen Sulzer. New V-rk, 20. August.(B. H.) Gouverneur Sulzer wurde be- schuldigt, 15 000 Dollars von R e nnb ah n i n t er- essenten angenommen zu haben, womit seine Untätigkeit gegenüber dem Wiederausleben der Rennplätze erklärt wird. Zwei schwere Automobilunfälle. Greifenberg i. Schl. 20. August.(W. T. B.) Heute nach- millag fuhr in der Hirschbcrger Straße hier das Automobil deS Agenten Drettschneioer aus Zittau in eine Gruppe von drei spielen- den Kindern im Alter von 9 bis 10 Jahren hinein. Ein Sohn deS Schuhmachermcisters Hoffmann aus Greifenbzrg wurde sofort g e« tötet. Die beiden anderen Kinder wurden leichter verletzt. Sobernheim, 20. August.(W. T. B.) Das Automobil des Arztes Dr. Esch aus Monzingen stürzte infolge eines Zusammen- pralles mit einem Lastfuhrwerk die hohe Böschung auf der Straße Sobernheim-Monzingen hinab. Dr. Esch und Gymnasiallehrer Cauer aus Traben bei Trarbach wuroen lebensgefährlich, der Chauffeur leicht verletzt. Das Auwmobil wurde vollständig zey, trümmert. Sonnabend, den SS. August, abends 8'/, Uhr, im Oewerkschattshausc, 8anl 3: ZV" Ordner- Sitzung."WD Das Erscheinen aller Ordner ist Pflicht. Die Mitgliedskarten bitte znm Abstempeln mitzubringen. Die neuen Mitgliedskarten der Mitglieder müssen ans den Zahlstellen abgeholt werden, da diese sonst vom 20. August ab an neue Mitglieder ausgegeben werden. Neue Mitglieder werden noch für die 15., 16., 17., 18., 19. und 20. Abteilung aufgenommen in allen Zahlstellen. 245/3 Der Torstand. I. Y.: G. Winkler. »ZGGKGGGOO»« Speztalarzt j. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in u.Co. konz. Laborat. j Blut- Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Friedrithstr, 81, ÄS'„. Spi. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mähig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Dr. Homeyer SpeziaBarzt für Syphilis, Harn- u. 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Die künstlerisch vollendeten Mariita- Lichtsplele mit der Hauptattraktion Eine Meile in der Minute Wettrennen zwischen Auto und Lokomotive Ueber diesen sensationellen Varidtö-Akt schreiben die Weekly News in London: Die atemraubeude spannende Szene im ersten Akt, in der man die Kopflichter des Autos und der Eisenhahnlokomotivo sieht, wie sie in der Dunkelheit und auf bergigem Terrain immer näher kommen, immer grösser und grösser werdend, bis ihr volles Licht auf der Bühne erscheint, in Verbindung mit dem* Fauchen und Stöhnen der riesigen Lokomotive und dem Ratteln des Autos, ist das Bedeutendste, was bisher in Bühnentechnik auf irgend einer Bühne gezeigt wurde, und unbeschreiblicher Enthusiasmus überwältigte gestern Abend das Publikum. Dieser fabelhafte technische Sketch wurde mit beispiellosem Erfolge monatelang aufgeführt in London(Opera House), Mew-York (Wintergarten), Paris(Alhambra). Neben erstkl. Vari�tö- Akten s das popalfireLictitspiel-Prosromin Wochentags: 2 Vorstellungen; 6 und 8s/4 Uhr Sonntags: 3 Vorstellungen: 3, 6 und 83/4Uhr Eintrittspreise: einschliesslich Garderobe, Programm und Steuer von 65 Pf. an aufwärts ZOOLOO ischer Garten Täglich; Jlfüitär-Doppel-Konzert. ElntrUtsipreise: Zoo: 1 M., von 6 Uhr ab 50 Pf. Aquar.: IM. v. d. Straß. ,50Pf. v.Zoo Kinder unt, 10 Jahren d.Hälfte. Reu! Reu! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. V oigt- Theater Badstrafte 58. Donnerstag, den 21. August 1913: Letztes Kinderfest. Unsere blauen Jungens. Posse m. Gesang u. Tanz in 3 Akten. Vollständig neue Spezialitäten. Kassenöffn. 10 Uhr. Ansang 4 Uhr. Glty-fdtläle mit Bühne, von 100 bis 500 Personen fassend, vergibt noch sür einige� Sonn- abendc u. Sonntage z. allen Fesllichl. Hermaim Lüdlke, Dresdener Str. 52/53, Hotcieing. 1 Tr. Amt Moritzpl. 14829. 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Unter der Ueberschrist„Eine grobe Beleidigung der Land- bevölkerung" geht durch die konservative und schwarze Presse eine Notiz, die ihren Ursprung in dem Blättchen hat, das von dem satt- sam bekannten Franz Behrens für sein christliches Weinberg- arbeiterverbändchen herausgegeben wird. Die grobe Beleidigung soll der„Landarbeiter", Organ des Landarbeiterverbandes, in der Augustnummer begangen haben, und zwar in dem ihm von einem Arzt zur Veröffentlichung zugestellten Arlikel:„Die Gesundheitspflege der Frau." Daraus ist ein Absatz herausgegriffen, der von dem „leider auf dem Lande verbreiteten Hang zur Unsauberkeit" spricht, so daß man denen nicht völlig unrecht geben könne, die die Land- bevölkerung als Schweine bezeichnen.— Das soll nun nach dem christlichen Känipen Behrens und der ihm vor Entzücken nach- plappernden arbeiterfeindlichen Presse eine„Beschimpfung, eine un- verschämte Beleidigung aller ländlichen Arbeiter und deren Frauen sein, die sich die Landteute merken sollen, wenn gelegentlich ein Agitator um ihre Mitgliedschaft für den roten Landarbeiterverband wirbt". Dieser letzte Satz zeigt, worauf es dem christlichen Herrn Behrens sowie der schwarzen und blauen Presse ankommt. Natürlich ist es ihnen nicht zu tun um eine Verteidigung der Landarbeiter gegen unberechtigte Angriffe, sondern nur um eine Diskreditierung der- jenigen Organisation, welche die Interessen der Landarbeiter mit Entschiedenheit verttitt. Ein demagogischer Kniff im Kampfe gegen die freie Arbeiterorganisation ist es, wenn sich eine arbeiterfeindliche Presse den Anschein gibt, als wolle sie die Ehre der Landarbeiter wahren, die übrigens, wenn man den betreffenden Artikel ohne gehässige Nebenabsichten liest, gar nicht verletzr ist. Der genannte Aufsatz im„Landarbeiter" hat den Zweck, die schweren körperlichen Schädigungen aufzudecken, die den Landarbeiterinnen durch mangelnde Körperpflege erwachsen. Die Ursache dieses bedauerlichen Mangels, an die Pflege des eigenen Körpers zu denken, liegt in der über- mäßigen, unmenschlichen Ausbeutung der Ar- beitskraft, den miserablen Wohnunas- und Ernährungsverhältnissen der landwirtschaftlichen Ar- beiterinnen. Läge den Blättern vom Schlage der„Deutschen Tages- zeitung' bis herunter zu dem letzten klerikalen.und konservativen Kreilblättchen das Wohl und Wehe der Landarbeiterbevölkeruug wirklich am Herzen, dann müßten sie ihren Lesern aus den Kreisen der landwirtschaftlichen Unternehmer am allerersten anraten, die U r- fachen zu Schmutz und Unreinlichkeit im Leben der Landarbeite- rinnen zu b e s e i t i g e n.— Hierzu mag ihnen der Inhalt einer Zuschrift das erste Material bieten, die kürzlich an die Schriftleitung des„Landarbeiter" gelangte und die durch zahlreiche frühere beliebig verniehrt werden kann: „Auf dem Rittergut Zeestow im brandenburgischen Kreise Osthavelland wohnen zwölf Arbeiterfamilien und 30 russische Schnitter beiderlei Geschlechts. Für diese mit Frauen und Kindern bald an 100 Personen zählende Kolonie sind insgesamt drei Ab« orte vorhanden. Alle drei stehen nebeneinander. Sie werden selten ausgepumpt, weshalb der Unrat in solcher Tiefe manchmal vor den Eingängen steht, daß man in Pantinen nicht durchkommen kann. Bis zum Juli 1913 befand sich bei den Gutshäusern keine bettiebsfähige Wasserpumpe. Das Wasser wurde vielmehr in einem von dem Vorgehen der Hamburger Werftbesitzer machen können.......■ i.,.,,,. Nachdem die Arbeiter durch den Nachweis der Unternehmer großen Zinkfaß vom GutShofe hergefahren und mitten zwischen in so unverantwortlicher Weise behandelt worden und dann auf �* den Werften auch noch nach Willkür ausgesucht worden sind, darf man sich nicht wundern, daß einzelne Arbeiterkategorien sich weiger ten, den Nachweis der Unternehmer zu benutzen. Zu den gestern schon gemeldeten Orten, wo die Unternehmer die Arbeitsnachweise geschlossen haben, ist nun auch Stettin ge- kommen. Auch dort haben die Unternehmer am Mittwoch bekannt gegeben, daß sie den Arbeitsnachweis gänzlich schließen. Als Grund geben sie an, die Nieter hätten fich geweigert, die Arbeit zuerst aufzunehmen.— Die Nieter haben am Mittwochvormittag eine Versammlung abgehalten, in der eine Kommission gewählt wurde, die bei den Werftbesitzern vorstellig werden und sie fragen sollt«, ob die Einstellung der Streikenden nacheinander innerhalb der nächsten 3— 4 Tage erfolgen würde. Die Werftbesitzer aber haben den Katen, etwa 10 Schritte von den Abotten, zur be- liebigen Entnahme aufgestellt. Dieses Zinkfaß war innen derart mit einem Schmutzansatz behaftet, daß beim Oeffnen der Klappe ein betäubender Gestank entwich. Als vor kurzem in dem Faß eine Abortkelle gefunden wurde, erhielt der Wasser- behälter die Aufschrist:„Nur Waschwasser!" Die Leute mußten sich dann ihr Trinkwasser bei anderen Dorfbewohnern beschaffen. Auf Betreiben des GemeindevorstandeS wurde nun endlich in diesem Sommer eine Pumpe aufgestellt." Solche kulturwidrigen Zustünde sind die Ursachen der beklagens- werten Unreinlichkeit auf dem Lande. Den Herrn Behrens und seine konservativen Freunde aus dem arbeiterfeindlichen Lager wird man jedoch vergeblich unter denen suchen, die an der Beseitigung dieser Ursachen arbeiten. kleines feuilleton. Georg Brandes über August Bebel. Der greise dänische Literarhistoriker Georg Brandes, der Kenner der Bewegungen moderner Zeitgeschichte und ihrer bedeutenden Persönlichkeilen. dessen Würdigung Ferdinand Lassalles auch in Arbeiterkreisen be- kannt ist, spricht im dänischen RegierungSorgan„Politiken" über Beb«». Er ist ihm einige Male begegnet, und die Erinnerung an die» Zusammentreffen stellte die G-stalt unseres Führers wieder lebendig vor ihn hin. Selbst eine flüchtige Berührung mit einer solch starken, ungewöhnlichen Persönlichkeit, schreibt Brandes, läßt einen tiefen Eindruck zurück. In diesem Augenblick erinnere ich mich der letzten Worte, die ich au» seinem Munde hörte. Vor zwei fahren saß ich im Theater in Berlin, die Vorstellung hatte noch nicht begonnen. Da Bebel in den Saal kam, machte eine Dame, die unS beide kannte, ihn auf meine Anwesenheit aufmerksam. Er kam zu mir, gab mir die Hand und sagte:„Es ist lange her, seitdem wir uns das letztemal sahen, und nun haben wir beide graues Haar." Ich antwortete: ..Sie haben es inzlvischen um Verschiedenes weiter gebracht als ich, Sie haben 20 Millionen Menschen, vier Millionen Wähler hinter sich; Sie sind von Sieg zu Sieg geschritten." � Mit einer Wendung, die mich überraschte, sagte er darauf: „Sic haben vielleicht nicht eine so große Zahl hinter sich: aber wer weiß, ob Sie nicht auf andere Weise genau so viel Einfluß haben! Sie sind mehr mit den Offizieren in Berührung gekommen, ich mit den Gemeinen." Das war artig gesagtl Aber es war selbstverständlich in Wirklichkeit kein Vergleich möglich zwischen einem Schriftsteller aus einem kleinen Land und dem mächtigen Begründer und Führer der deutschen Arbeiterpartei.... Schon vor mehr als zwanzig Jahren— 1891— traf Brandes einmal mit Bebel zusammen, gleich nach dem Fall des Ausnahme- gesetzeS gegen die deutsche Sozialdemokratie. Auch von dieser Be- gegnung spricht Brandes: Nach meinem ersten Gespräch mit Bebel war mein Eindruck der: er ist grundernst, überzeugt bis zum Mark, flammend heftig, vog von lichtem Glauben an seiner Sache Zu- kunft.«eine Beredsamkeit ist Äampfberedsamkeit. Ich fühlte damals sofort seine Schwäche: er ist ein Mann, der glaubt, was er wünscht, welche Schwäche für den. der viele Niederlagen für seine Sache wie für sich se�st xrlxbt hat, leicht zu überwinden ist. Er glaubte damals, daß innerhalb fünf bis sechs Jahre, auf alle Fälle bis zum Ende des Jahrhunderts, der völlige Zusammen- bruch der bürgerlichen Gesellschaft erfolgt sei. Da ich hartnäckig meine Zweifel darüber aussprach, rief er:„Sie glauben wohl an gar nichts!" Ich antwortete: O ja, ich glaube an die menschliche Dummheit, an die Langsamkeit der EntWickelung und außerdem «t mehrere höhere Mächte, die in eine Formel zusammenzufassen. lUlr unmöglich ist. Bebel aber blieb auf seinem Standpunkt. Brandes vergleicht Bebel mit dem andern großen Redner der Sozialdemokratie: mit JaureS: Dessen Beredsamkeit ist voll, mäch- tig, strömend, während die Bebels scharf und fpjtz war. Ihre Bildungsgrundlage ist verschieden, die von Bebel, eines Drechslers, praktisch, die von JaureS, eineS Philosophieprofessors, theoretisch. Aber sie sind oder waren gleich volklich, die geborenen Volksleiter, JaureS meist durch seine Stimme als guter Rufer im Streit, Bebel durch seinen Feuergcist und glühenden Rechtssinn. In den Schlußsätzen der Würdigung Brandes' heißt es: Für den fernstehenden unparteiischen Beobachter war Bebels Stärke als unbestrittener erster Führer und seine Begrenzung als Geist be- dingt von dem Einzigen, daß er ein Mensch loar, der sein Leben hindurch die Sache, der er sich angeschloffen hatte und an die er glaubte, fortschreiten sah von Jahr zu Jahr, stets mehr und mehr Anhänger gewinnend und damit stets stärkere Macht. Die WittcrungSforschung in der Antarktis. Dr. Berkow, der Meteorologe der deutschen antarktischen Expedition, veröffentlicht einen Bericht, der den hohen Wert der während der Expedition an- gestellten Beobachtungen für die weitere Entwicklung der Witte- rungskunde erkennen läßt. Die Beobachtungen erstrecken sich auf d«n Zeitraum eines Jahres, während dessen das Schiff im eiscrfüll- ten Weddell-Meer verweilte. Selbst im Sommer wurden hier stets abnorm niedrige Temperaturen beobachtet, und die Mitteltempe- ratur der drei Sommermonate betrug— 2 Grad Celsius. Ter Winter zeichnete sich weniger durch extreme Kältegrade wie durch gleichmäßig niedrige Temperaturen aus, so daß die Durchschnitts- tcmperatur der Wintermonate— 23 Grad Celsius betrug. Die höchste Temperatur des Jahres war-fg,2 Grad, die niedrigste — 36,4 Grad. Der Luftdruck zeigte eine ausgesprochene jährliche Periode mit Maxima im Sommer und Winter und Minima im Frühling und Herbst. Hervorzuheben find langandauernde Perio- den außerordentlichen Tiefstands des Barometers. Im Gegensatz zu dem sturmreichen Wetter, das die schwedisch« Expedition auf der Snow Hill-Station erlebte, wurden auf der deutschen Erpedition sehr wenige Stürme beobachtet. Die Wind- richtung und die Drehung der Winde ergaben, daß ein Depressions- gebiet vorwiegend im östlichen Teil der Meddell-See lag. Während die Windstärke ziemlich konstant war, ergab sich die Windrichtung als sehr veränderlich. Vorwiegend find die Winde aus westlicher Richtung gewesen. Sehr gering waren die Niederschläge in Form von Schnee, im Gegensatz zu anderen Gebieten der Antarktis; im im Verlauf dcS Jahres wurden noch nicht 100 Millimeter Nieder- schlag gemessen. Das Hauptinteresse der ausgeführten Arbeiten verdienen Drachen- und Ballon auf stieg«. Im Ganzen wurden 255 Aufstiege an 209 Tagen ausgeführt! Was dies in einem po- laren Klima bedeutet, welch hohe Anforderungen diese Arbeiten an die Leistungsfähigkeit des Meteorologen stellen, kann nur mit hohen Maßen gewürdigt werden. Von den reichen Ergebnissen der Drachenaufstiege sei angeführt, daß fast stetig Temperaturumkeh- rungen in der Höhe beobachtet wurden. Eine Temperaturzunahme von 10 Grad wurde häufig gemessen, die größte Zunahme war 19,5 Grad. So finden wir also nls Regel, daß die niedrigste Lust. temperatur dicht über dem Boden herrscht und daß die Durchschnitts- temperatur der 200 Meter-Schicht hoher ist als die Temperatur der untersten Schicht. Dre zahlreichen Pilotballonaufstiegej die bis in Höhen von 17 000 Metern verfolgt werden konnten, liefern die ersten Tatsachen für die Fragen der allgemeinen Luftzirkulation im Süd- polargebiet. Aus dem großen Beobachtungsmaterial veröffentlicht Dr. Berkow einige Kurven, die typische Fälle der dort mit der Höhe eintretenden Richtungsveränderungcn des Winde? zeigen. In den größeren Höhen wurden stets westliche Richtungen beobachtet. Eine Klärung der recht verwickelten Erscheinungen ist erst nach Bear- beitung sämtlicher Ausstieg«, zu erwarten. Der Bakuum-Arbeitstisch. Das Vakuum-Staubsaugeprinzip, das neuerdings mit großem Erfolge in der Technil und im Hallshalt eingeführt worden ist, hat soeben eine neue Verwendung gefunden, die jedenfalls einer bedeutenden Zukunft entgegengeht. Es handelt sich, wie das„System" mitteilt, um einen Arbeitstisch, der mit einem Aakuum-Staubsauger versehen ist. Die neue Erfindung wird namentlich in den Betrieben, die mit einer großen Staubentwickelung verbunden find, eine Umwälzung hervorrufen. Der Staubsauger, der sich unter einem Holz- oder Eisengitter über die ganze Aus- dehnung des Arbeitstisches erstreckt, wird durch einen kleinen fünf- pserdigen Motor betrieben, der alle Staub erzeugenden Abfälle in ein der Seite des Tisches angebrachtes Gesäß, das leicht zu entleeren ist, absaugt. Notizen. — Theaterchronik. Hans P a g a h tritt nach längerem KrankheitSurlaub Sonnabend, den 23. August, im Deutschen Theater als Großvater in Maeterlincks„Der blaue Bogel" wieder auf.— Das Kleine Theater beginnt seine Vorstellungen am 30. Angust. — Max Reger komponierte eine neue Ballettsuite für Or» chester, die im dritten Konzert der Gesellschaft für Mufikfteunde zu Berlin erstmals aufgeführt werden wird. — Unbekanntes von Kreutzer. Ein bisher unbekanntes und ungedrucktcs Werk von Konradin Kreutzer für Männerchor. Baritonjolo und Klavierbegleitung, betitelt»D e r F a l f ch m ü n z e r", ist gefunden worden. Alpinisten im H i m a l a ja. Der italienische Alpinist Mario Piacenza. der sich ouf einer ForscbungSreise durch den Hima- laja mit Führern aus dem Tal von Aosta befindet, hat den bisher niemals erstiegenen 7200 Meter hohen Gipfel des N u n, k a m erreicht. Sechs Nächte hindurch wurde in einer Höher von 8500 Meter kam- piert und mit hohem Schnee und strenger Kälte hatten die Steiger zu kämpfen. — A l t r ö m i f ch e Münzen in russischer Erde. Auf dem Felde des Dorfes Dombrowa(Kreis Bendzin) hat ein Bauer in dein durch andauernden Regen fortgespülten Sande eine Urne mit 500 Stück Silbermünzen mit der Aufschrift„Antonius ÄugustuS Pius" gefunden. Der Bauer verkaufte einen Teil dieser Münzen zu 5 Kopeken das Stück, etwa 200 beschlagnahmte die Polizei. — Von Löwen zerrissen. Der junge Geologe Dr. Kurt Beck, der sich einer Expedition der Antwerpener Geiellschaft zur Erforschung der Minen von Kalanga in Belgisch-Kongo angeschlossen hatte, wurde von Löwen überfallen, die ihm so schwere Verletzungen beibrachten, daß er starb, 20. ysliptveriammlling der deutschen Ortsstrankenhafsen. Telegraphischer Bericht. Dritter Tag. Am heutigen letzten Verhandlungstage berichtete Albert K o h n- Berlin von der kaufmännischen Krankenkasse über die Be- Ziehungen der Krankenkassen mit deutschen und österreichischen Badcverwaltungen. Er führte aus, daß trotz der unersetzlichen Heil- kraft verschiedener deutscher und österreichischer Bäder bisher von den Kranrenkassen noch sehr wenige Kranke dorthin überwiesen wurden, weil die Kosten zu hoch sind. Die Versuche der Kranken- kassen, für ihre Mitglieder Vorzugspreise zu erlangen, scheitern bei einer Reihe von Kurdirektionen daran, dah ihnen an dem Zu- zug von Kassenpatienten nichts gelegen ist und daß sogar einige darauf bedacht sind, Kasscnkranke fernzuhalten. Andere Direktionen räumen wohl Preisermäßigungen ein, verbinden aber damit Be- schränkungen, welche auf die Kranken niederdrückend wirken müssen, zum Beispiel die Vorschrift besonderer Badezeiten, das Verbot des Besuchs der Kurkonzerte usw. Auf Vorschlag des Referenten be- schloß der Ortskrankenkassentag, daß der Verbandsvorstand erwägen soll, ob es nicht angebracht sein wird, mit den Verwaltungen kleinerer Bäder, deren Heilkraft häufig nicht hinter derjenigen be- deutenderer Plätze zurücksteht, in Verbindung zu treten, um ihren Kranken eine Badekur zuteil werden zu lassen. Im Interesse einer besseren Kontrolle wie einer leichteren Geschäftsführung wird es dabei nötig sein, daß die Preise für Kur und Verpflegung einschließ- lich aller nötigen Heilfaktorcn vereinbart werden. Nachdem Dr. med. Lang mann- Oranienburg und Apotheker K o f f k a- Wilmersdorf über die Rezcptrevisionen für Ortskranken- kassen gesprochen hatten, wurden praktische Verwaltungsfragen er- örtert. Hierbei wurde über einige Berufsgenossenschaftcn geklagt, die sich bei der Uebernahme von Heilverfahren auf Kosten der Krankenkassen zu bereichern suchen. Es wurde berichtet, daß die Tarifverträge mit den Krankenkassenangestellten gut durch- geführt seien. Dann wurde eine Abänderung der Satzung be- schlössen, indem die Beiträge der Ortskrankenkassen zum Haupt- verband erhöht wurden, wie das der Vorsitzende Landtagsabge- ordnetcr Fräßdorf bereits in seiner Eröffnungsrede für notwendig erklärt hatte. Zum Tagungsort der 21. Mitgliederversammlung des Haupt- Verbandes deutscher Ortskrankenkassen wurde Darmstadt ge- wählt und die Tagung hierauf geschlossen. Dentschtt Schnstgießer-Kongreß. Hamburg, 19. August 1913. In der Dienstagsitzung wird in der Berichterstattung über die Situation an den einzelnen Orten fortgefahren. Bon Stuttgart kann mitgeteilt werden, daß die Schriftgießereien noch gut beschäftigt sind. Eine Arbeitsstockung ist noch nicht bemerkt worden. Auch in Hamburg ist die Arbeitsgelegenheit zufriedenstellend. Der Tarifvertrag ist mit einigen Verbesserungen wieder erneuert worden. Eigenartige Verhältnisse liegen in der Schriftgießerei von Schelter u. Giesecke in Leipzig vor. Während sonst in den Schriftgießereien Gießer eingestellt werden, die eine vierjährige Lehrzeit hinter sich haben, stellt die Firma ungelernte Arbeiter ein. Das hat die Folge, daß die Arbeitslosigkeit, unter der dieser Beruf zu leiden hat, immer größer wird, da immer mehr Leute angelernt werden. Hinzu kommt, daß die Firma bestrebt ist, in ihrer Maschinenfabrik die gelbe Be- Ivegung zu fördern und nun auch Gelbe in der Schriftgießerei zu züchten versucht. Ein Tarif besteht bei der Firma und die Gießer sind organisiert. Es soll versucht werden, auch bei Schelter u. Giesecke' den Grundsatz anerkennen zu lassen, daß nur gelernte Gießer eingestellt werden. Damit ist dieser Punkt der Tagesordnung erledigt. Sericdts- Leitung. Das Recht des Angeklagten. Kann einem Angeklagten in der Hauptverhandlung die Stellung von Fragen an den Milangeklagten durch den Vorsitzenden ver- weigert werden? Diese für den Strafprozeß bedeutsame Streitfrage Hai das Reichsgericht in einer neuerdings ergangenen prinzi- piellen Entscheidung verneint. Danach steht die Ablehnung von Fragen des Angeklagten an einen Mitangeklagten nicht im Er- inessen des Vorsitzenden, sondern im Ermessen des Gerichts. Die Vernehmung des Angeklagten soll diesem, so führt der höchste Gerichtshof aus, Gelegenheit zur Beseitigung der gegen ihn vorliegenden Verdachtsgründe und zur Geltendmachung der zu seinen Gunsten sprechenden Tatsachen geben. Sie dient aber allgemein dem Zwecke der Wahrhcitserforschung. Sie wür'de diesen Zweck unter Umstünden nur unvollkommen erreichen, wenn über ihren Umfang lediglich das Ermessen des Vorsitzenden entschiede. Denn der Vorsitzende kann die Ausklärung gewisser Punkte für unerheblich halten, während Richter, Geschworene, Schöffen, Staatsanwalt oder Verteidiger anderer Meinung sind. Die Unterlassung der Aufklärung solcher Punkte durch Befragung des Angeklagten könnte zu einer für die Urteilssällung nachteiligen Unvollstandigkeit der Verhandlungs- ergebnisse führen. Es entspricht nicht dem Grundgedanken des Ge- fetzes, den Umfang der Wahrheitserforschung durch Befragung des Angeklagten endgültig dem Ermessen deS Vorsitzenden zu überlassen. Auf die Beanstandung der Ablehnung der Frage durch den Vor- sitzenden entscheidet das Gericht. Die vom Gericht etwa be- fchlossene Fragestellung hat der Vorsitzende auszuführen. Findet infolge einer Verbindung von zusammenhängenden Straf- sachen die Hauptverhandlung gegen mehrere Angeklagte statt, so muß auch dem Angeklagten selbst neben den Verteidigern das Recht eingeräumt werden, die Vorlegung bestimmter Fragen an die Mitangeklagten bei dem Vorsitzenden zu beantragen und über dessen ablehnende Bescheidung einen Gerichtsbeschluß herbeizuführen. Wäre die Verbindung unterblieben, so würde der Mitangeklagte als Zeuge zu vernehmen sein und dann dem umfassenden unmittelbaren Fragerecht des Z 239 der Strasprozeßordnung unterliegen. Die Tat- fache der Verbindung schließt das Fragerecht aus. An dessen Stelle tritt die Befragung durch den Vorsitzenden über erhebliche Punkte, eine nötigenfalls durch das Gericht anzuordnende Befragung, die hier von besonderem Werte ist, wenn die Erklärung des einen An- geklagten die Aburteilung des anderen beeinflußt. Das Reichsgericht hat deshalb ein Urteil des Landgerichts Frankfurt a. O. aufgehoben, weil die Stellung der von dem Angeklagten beantragten Fragen an den Mitangeklagten, die der Vorsitzende verweigert hatte, vom Gericht mit der Begründung abgelehnt wnrde, daß der Umfang der Befragung der Angeklagten in daS Ermessen des Vorsitzenden gestellt sei. Es besteht die Mög- lichkeit, daß die Fragen von Erheblichkeit waren und daß ihre Be- antwortung die Entscheidung beeinflußt hätte. Es ist deshalb zu- unrecht die Verteidigung in einem wesentlichen Punkte durch Gerichts- beschluß beschränkt worden._ Ein ungetreuer Kassierer. Unterschlagungen bei der Commerz- und Diskontobank in Höhe von 60 000 M. bildeten den Gegenstand einer sehr umfangrerchen Verhandlung, die gestern die 6. Ferienstrafkammer des Land- gerichts III beschäftigte. Wegen Unterschlagung, Diebstahls und schwerer Urkundenfälschung war der Kassierer HanS Winkler angeklagt, der sich im Januar d. I. nach VerÜbung umfangreicher Unterschlagungen freiwillig der Behörde gestellt hatte. Mitangeklagt wegen Begünstigung bzw. Hehlerei waren der Kaufmann Fritz Härtung aus Charlottenburg und der Klavierspieler Max Frohncrt.— Der Angeklagte Winkler entstammt einer geachteten Dresdener Familie, sein Vater war dort MaaiftratSsekretar. Nach- dem er längere Zeit bei der Bankfirma Gebr. Arnhold tätig gewesen war, wurde«r im Jahre 1996 pon der Commerz- und DiSkontobanck als Buchhalter engagiert. Im Jahre 190S wurde er Kassierer und als solcher der Uhlandstraße 47 jn Wilmersdorf gelegenen Depositen» kasse der Bank zugeteilt. Zuletzt bezog er ein Gehalt von zirka 3000 M. Am 13. Januar d- I. erschien Winkler auf einem Polizei» revier. Er machte den Eindruck eines vollständig zusammen- gebrochenen Menschen und bat, man möge ihn verhaften, er habe seit Jahren Unterschlagungen bei der Commerz- und Diskontobank begangen. Die sofort eingeleiteten Ermittelungen ergaben, daß W. sich mit Hilfe gefälschter Quittungen aus den Depots der einzelnen Kunden der Bank Effekten im Werte von zirka 35 000 M. verschafft hatte. Ferner hatte er sich große Beträge aus der Kasse der Filiale angeeignet und die dadurch entstehenden Fehlbeträge durch falsche Buchungen verdeckt. Die Höhe der veruntreuten Summen, die anfänglich auf 60 000 M. festgestellt worden waren, ermäßigte sich später auf 41 806 M. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß Winkler fast das ganze unterschlagene Geld in einem von dem jetzigen Mitangeklagten Härtung betriebenen W e i n- lokal mit Damenbedienung, in dem er große Sekt- gelage veranstaltet hatte, verjubelt hatte. Weiter ergab es sich, daß Härtung die von Winkler veruntreuten Effekten unter falschem Namen bei verschiedenen Banken lombardiert hatte. Jn mehreren Fällen hatte auch der dritte Angeklagte Frohnert für Winkler Papiere verpfändet.— In der gestrigen Verhandlung war Winkler in vollem Umfange geständig. Wie er angab, habe er im Jahre 1911 die Hartungschcn Eheleute kennen gelernt, durch die er eigentlich ins Unglück gestürzt worden sei. Nachdem er ein Depot von 10 000 M., welches ihm seine Mutter anvertraut hatte, in dem Lokal verjubelt habe, sei er dazu gekommen, sich an dem Gclde der Bank zu vergreifen. Eines Tages habe er dem H, mit- geteilt, daß es sich um unterschlagenes Geld handele. Har- tung habe ihm zugeredet, noch mehr Geld zu schaffen, mit dem Bemerken, daß sie sich dann beide„gesund machen" könnten. Die umfangreiche Beweisaufnahme, zu der 26 Zeugen geladen waren, drehte sich in der Hauptsache darum, ob der Angeklagte Härtung Kenntnis von den Veruntreuungen des Winkler gehabt hatte oder nicht.— Der Staatsanwalt beantragte gegen W i n k l e r mit Rücksicht auf den autzerordent- lich schweren Vertrauensbruch eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren und fünf Jahre Ehrverlust, gegen Härtung zwei Jahre Gefängnis und gegen Frohnert mangels ausreichenden Be weises die Freisprechung. Das Urteil lautete gegen W i n k l e r wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung auf drei Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 6 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft und gegen Härtung auf ein Jahr Ge- f ä n g n i S(2 Monate angerechnet). Ter Angeklagte Frohnert wurde freigesprochen. Versammlungen. Der politische Massenstreik. Die Parteigenossen des Petersburger Viertels(4. Wahlkreis) nahmen am Dienstag in einer Versammlung zu der Frage des Massenstreiks Stellung. Genosse Eichhorn hatte das Referat. Seine Ausführungen deckten sich im wesentlichen mit denen, die er im 6. Wahlkreise gemacht hat und die wir in Nr. 208 bereits wieder- gegeben haben. Als er zur Kennzeichnung der Wirksamkeit des Parlamentarismus auch auf das Verhaltcn�oer Fraktion gegenüber der Militärvorlage zu sprechen kam, meinte er, wenn gesagt werde, daß die gegenwärtig geltende Geschäftsordnung eine Obstruktion un- möglich mache, sei das nicht zutreffend. Obstruktion treiben heiße gerade die geschäftsordnungsmäßige Erledigung der Vorlagen ver« hindern. Auch die Befugnis des Präsidenten, Abgeordnete von den Sitzungen ausschließen zu können, sei keine wirksame Waffe zur Ver« Hinderung einer Obstruklion, das habe seinerzeit der Konflikt zwischen dem Präsidenten und Singer bewiesen. Aber eine andere Möglich- keit habe die Fraktion selbst gewiesen. Was hätte uns wohl ge- hindert, an Stelle des einen Vierstundenredners NoSke deren vielleicht zwanzig oder dreißig vorzuschicken? Obstruktion sei also auch heute noch möglich. Die Diskussion bewegte sich durchweg in zustimmendem Sinne, und es klang allgemein der Wunsch durch, daß die Frage nicht mehr einschlafen, sondern zur ernsthasten Anwendung der schärfsten, wenn auch gefährlichsten Waffe des Proletariats führen möge. Quittung. Für den Berein Arbeiter-Jugendhcim gingen bei dem Unter- zeichneten ein: Von den Kollegen der Firma I. W. Skala 10,—. März- kranzüberfchuß von den sreiorganisierten Kollegen der R. Sl.-G. Ober- Schönewcide 90,—. Rauchklub„Obne Zwang", Wcinstr. 28,50,—. Von den Kollegen der Auergesellschast, Abs. Kolbcnhagen, 1,65. Aus d. Groschenkafse der Kollegen der„Favorit"- Vcrgasergcsellsch. 4,95. Von den Bauarbeitern der Konsumgenossensch. Lichtenberg 35,40. Von Unbekannt 3,50. Von den Metallschleisern der Firma Hauptncr, Luisenstraße, 5,75, Von den Kollegen der Firma Hermann Schöncberg 27,50. Von den Tapezierern der Firma C. Prächtel 13,75. Von den Kollegen u. Kolleginnen der A. E.-G., Acker- straße, Abs. Rickbeim, 10,—. Von den Kollegen u. Kolleginnen der A. E.-G. Brunnenslraße, Abs. Latus, 20,—. Aus der Groschenkasse von den Kollegen u. Kolleginnen der A. E.-G. Brunncnslr., Abs. Nährstadt, 20,—. III. Abt., Amerikanische Auttion 5.20. Von d. Arbeitern d. Eisengießerei Gebr. Arndt 25,65. Von den Funktionären der 17. Abteilung 2,50. Vom Bezirk 829 durch Gen Zicgner 5,—. Nicht verwandte Kranzspende v. d. Brauern der Löwenbrauerei Abt. II 5,20. Genossin Bauermeistcr 5,80. Arbeiter der Tischlerei„Moderne" 15,—. Ucberschuß von d. Motorbootsahrt nach Hohen- binde, 6. Zkreis 560. Bez, durch Stange 3,30. 6. Kreis Kranzspende Heiland durch Botenhoff 3,80. Von den Kollegen der Firma Hamann, Schöneberg, Bcnnigsenstr. 23, Saal I 23,—, Saal II 19,—. K. R o s e n s e I d, An der Spandaucr Brücke 1a. Eue aller Älelt. Die Dynamitexplofion in Mexiko. lieber die Ursachen und Einzelheiten der gestern von uns ge- meldeten Dynamitexplofion in Tacubaya wird noch berichtet: Ein Wagen, der Dynamit für eine Silbermine im Innern deS Landes von der Bahn abgeholt hatte, geriet an einer abschüssigen Stelle in das Gleise der Straßenbahn, die Tacubaya mit der Stadt Mexiko verbindet. Der Führer eines entgegenkommenden Straßenbahn- wagenS konnte nicht rechtzeitig bremsen und fuhr in den Transportwagen hinein. Bei der Explosion, die nun er- folgte, wurden der Kutscher und die Begleitmannschaften des Transport- Wagens sowie sämtliche Insassen des StraßenbahuwagenS, zirka 40 an Zahl, auf der Stelle getötet. Die Eisenteile des Straßen- bahnwagens flogen weit umher und richteten bedeutenden Schaden an. Fast sämtliche Gebäude des OrteS sind schwer beschädigt und über hundert Personen, meist eingeborene Frauen und Kinder, tot oder schwer verletzt. Die Detonation, die auf den Zusammenstoß folgte, war mehrere Kilometer weit zu hören. Jn der Stadt Mexiko selbst entstand eine lebhafte Panik, da die Ursache der Explosion nicht bekannt war. Allgemein waren Ge- rüchte von einem Angriff der Rebellen auf die Stadt und von einem Attentat auf den Palast des Präsidenten verbreitet und besonders die Ausländer suchten aus Furcht vor dem Beginn neuer revo- lutionärer Kämpfe ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Die tolerante Kirche. Der wohl noch nicht dagewesene Fall, daß eine Kirche H y p o- thekengläubigerin eines Bordells ist, hat sich, wie uns aus Göttingen gemeldet wird, dort ereignet. Die schwer reiche Albanikirchengemeinde hat auf einem inzwischen geschlossenen Bordell in der Außenstadt eine erste Hypothek von 6500 M. stehen und hat jetzt den stüheren und die jetzigen Besitzer des Hauses zur Zahlung der von ihr gekündigten Hoypothek nebst Zinsen Verklagt. Die Kirche bat natürlich em obsiegendes Urteil er- stritten, so daß-asHauZ demnächst zur Versteigerung kommen wird. Ter Thronprätendent. Dvetot, daS durch Böranger berühmt gewordene Fürsten tum an der Niederseine, das im Munde des Volkes Königreich IveU't hieß, hat in der Person eines gewissen Georges Bauch er jetzt einen Thronanwärter gefunden. In einem an die„Presse" gerichteten Briefe macht er allen Ernstes seine Ansprüche auf den Königsthron von Dvetot geltend. Das merkwürdige Schreiben hat folgenden Wortlaut:„Ich gestatte mir, Ihnen anbei ein Bild meines Großvaters zu übersenden. Dabei nehme ich Gelegenheit, Ihnen etwas zu verraten, was ich bis jetzt streng geheim gehalten habe: Ich befitze eine«.: wohlverbrieften Adelstitel und bin der letzte Nachkomme des ur- sprünglichen Königs von Dvetot. Ich weiß wohl, daß dieses Geständnis allenthalben ein homerisches Gelächter erregen wird. Aber mögen die Leute immerhin lachen! Es bleibt doch wahr und> erwiesen, daß der König von Dvetot durchaus keine Erfindung des Dichters Boranger ist. Das will ich durch eine kleine historische Tatsache beweisen. Vor den Schlachten von Argue und Jvry war Heinrich IV., wie bekannt, in arger Geldverlegenheit. Die Edelleute der Gegend taten ihr möglichstes, ihm Hilfe zu bringen, und der- jenige, der sich dabei am meisten hervortat, war mein Ahne, Jean Baucher IV., Herr von Dvetüt und Nachkomme der alten Könige des Landes. Ohne seine Unterstützung wäre es Heinrich IV. nie möglich gewesen, seine Sache zu siegreichem Ende zu führen, und ohne ihn wäre er deshalb auch nie König von Frankreich geworden. Ich ermächtige Sie ausdrücklich, mein bisher so streng gewartetes Inkognito zu lüften, und ich lebe der Hoffnung, daß mich die stran- zösische Republik trotzdem nicht des Landes verweisen wird. Ich verzichte indessen darauf, die Wiedererrichtung meines Königtums zu fordern. Es genügt mir, dem Lande kund und zu wissen zu tun, daß der König von DvetSt als Georges Baucher im Elend lebt." Ein Ausgleich mit dem großmütigen Thronerben wäre wünschen?- wert. Vielleicht macht man ihn zum König von Albanien? Kleine Notizen. Folgenschwere Explosion. Jn einem Gebäude in Terrazina sJtalien), das früher als Gefängnis diente und in letzter Zeit für eine geheime Fabrik von Feuerwerksartikeln benutzt. wurde, erfolgte eine Explosion des dort gelagerten Pulvers. DaS. ganze Gebäude flog in die Lust, zwei Frauen wurden ge»' tötet. Man fand ihre verbrannten und verstümmelten Leichen mehrere Meter weit entfernt. Sieben vorübergehende Personen erlitten schwere Verletzungen. Der Besitzer der Fabrik ist geflüchtet. Ein Opfer der Berge. Jn der Kanifluh im Bregenzer Wald ist ein Tourist, ein Konditor aus R o h r s ch a ch, abgestürzt; er war. sofort tot. Einsturzkatastrophe bei einer Fcfworstcllung. Im Garten Chatem i des fleurö in Kiew sollte am Dienstag eine Festvorstellung statt i- finden. Etwa 15 000 Zuschauer hatten sich bereits eingefunden, so» daß die Polizei den weiteren Zutritt untersagte. Das Publikum ließ sich aber nicht abweisen und drang in den Garten ein. Dabei. brach das Geländer der in den Garten führenden Treppe und die Andrängenden stürzten übereinander. 26 Personen wurden. verletzt._ Jugeudveranstaltunge«. Rosenthal. Zum Gedächtnis August Bebels findet am Sonnabend, den 23. August, im Jugendheim(Lokal von Kerkering) eine Feier statt. Alle unsere Abonnenten, deren Eltern und Geschwister wie alle Freunde unserer Sache sind herzlich eingeladen. Xempelhof-Mariendorf. Am Sonntag, den 24. August, veranstaltet die arbeitende Jugend unserer Orte nachmittags Spiele im Freien(an den Schctzelbergcn, östliche Burggrafenswaße), denen sich ein Unterhalttungs.. abend im Jugendheim anschließt. Die arbeitende Jugend wird ersucht, sich recht rege und zahlreich zu beteiligen. Briefharten der Kedaktioi?. Die juristische Sprechstunde findet bis einschließlich Sonn- abend, den 30. August, nur von 7 bis 9 Uhr abends statt.— Sonn» abends Sprechstunde von Vib bis 6 Uhr nachmittag?. E. H. 1V5. 1. Adressen im Adreßbuch, II. Teil. 2. Geschästsuiiternehmen. empfehlen wir nicht. Beim königlichen Theater. 3. Nein, nur sür Einzelleistung. — K. 9. Bedauern nein.— Trevtow Sl. Am 7. Februar 1882 für dem Stadtverkehr und am 15. Mai 1882 im vollem Umfange. Ausgangspunkt. Schlesischer Bahnhof.— B. R. 27. Die Fabrik kennen wir nicht.— H.. E. 3«. Hochschule der Musik. Hardrnbergstraße. Keine staatliche Prüfung. — W. H. 10«. Nein.— F. F. B. Sie können beim Züricher Gerichü Klage erheben. Wie hoch die Kosten sind, können wir nicht angeben. Wenden Sie sich an unser Züricher Pvrteiblatl„Volksrecht" in Zürich,. Staussacherstr. 60.— O. H.. Viirgerstr. Sie müßten durch einen Rechts. anwalt Klage aus Wiederherstellung der hauslichen Gemeinschaft erheben. Die Höhe der Kosten richtet sich nach dem vom Gericht sestzusehenden Wert. Beantragen Sie beim Armenvorstcher Ihres Bezirks die Erteilung eine» Armutsattestes. Alsdann erhalten Sie vom Gericht das Slrmenrccht be- willigt, so daß Ihnen Kosten nicht entstehen.— W. P. 19. 1. Ein der- artiger Beschluß des Bundesrats liegt noch nicht vor. 2. ES müssen mindestens 1200 Beitragsmarken geklebt werden.— Termin 30. 2cp- tember. Tosern Ihr Freund durch Zeugen und Sachverständige nach- weisen kann, daß die Wohnung gesundheitsgefährdend war, dürste die Sache Aussicht aus Erfolg bieten, andernfalls nicht.— E. H. 4S. Ihre Angaben reichen zur Beantwortung der Frage nicht aus. Kommen Sre in die Sprechstunde.— S. T.«I. Nein. Es müßte zunächst Klage auf Wieder. Herstellung der häuslichen Gemeinschaft erhoben werden.— O. K. 33. Sosern die Mündelmutter in der gesetzlichen Empfängniszett mit keinem anderen Manne verkehrt hat, was Sie zu beweisen haben, find Sie alimentationspslichttg.— C. W. 8. St. 1. it. 2. Nein. 3. DaS ist zweckmäßig. 4. u. 9. Ja. 5. u. 6. Das ist zulassig, wird aber nicht zu erreichen sein. 7. Die Möglichkeit besteht, daß der Mündelmutter daS Sorgerecht für ihr Kind entzogen wird. 8. Zunächst ist nichts zu veranlasfen.— Neu- kölln 40. Die Pfändung der Mieten ist zulässig, sosern Sie einen voll- streckbaren Schuldtttcl besitzen. Ein Vorbefriedigungsrecht an den Mieten haben die anderen Hhpothekengläubiger nicht, insofern das Subhastations» verfahren noch nicht eingeleitet ist. Marktpretse von Berlin am 19. August 1913. nach Ermittelungen de« kgl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,78— 1g.80„ mittel 19,74—19,76, geringe 19,70—19,72. Roggen, gute Sorte 16,24 bis 16,25, mittel 16.22 bis 16,23. geringe 16.20 bis 16.21(ab Bahn). Futter- gerstc, gute Sorte 16,90—17,30. mittel 16,40—16,80, geringe 16,00—16,30. Hafer, gute Sorte 17,70—19,00. mittel 16,40—17,60. Mais(mixcd), gute. Sorte 16,50—16 70. Mais(runder), gute Sorte 14,50—15,00. Richtstroh 3,30 bis 4,00. Heu, alt—. neu 6.00 bis 7,40. Markthal lenpreife. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50 00. Speisebobnen. weiße 35,00—60,00. Linien 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—9,00. 1 Kilogramm Rmdsleisch. von der Keule 1.70—2 40 Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1.80. Schwemefleifch 1.60—2.10. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,60—2.40. Butter 2.20-3.00. 60 Stück Eier 3,60— 5,50. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,60. Aale 140-3 20. Zander 1.40-8.60. Hechte 1.60—2,80. Barsche l.«>-2.40. Schleie 1,60—3,60. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 1,00— 40,00. «ttternngSüberficht vom 20. August 1913. GtaAonea l! 6= a§ S-2 B| Swinemde. 759 tamburg 761 NNW erlin 1 760NW Franks. a.M 762NO München 761isW Wien 1759)61 Oitta Lbedeckt gpedeckl 2bedeckt 2!wolkig 2bedeckt 2'heiter ** »ll h mS> «tatioae» es I« Haparanda 764 Petersburg 7— Seilitz Merdeen Paris 767 s? NO Sttll 7K5WSW 763NNW Beön wollenl 0 heiter 2 wollenl Lbedeckt % i I 14 14 11 15 Wetterprognose für Donnerstag, den ZU August 1913. Ziemlich mild, zeitweise aufklarend, aber noch überwiegend trüb« etwas Regen und mäßigen westlichen Winden. " Berliner Betterdnr»«» Hus Äer Frauenbewegung. Bebels Arbeit für die Frauen. Der Tod August Bebels hat eine Lücke in die Partei ge- -rissen, die gerade in den Reihen der Frauen auf das schmerz- lichste empfunden wird. Mit ihm ist der Mann dahingegangen, Zier als Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Frauen -weit über die Partei hinaus wirkte. Sobald Bebel sich zum Sozialismus durchgerungen hatte, war es für ihn selbst- -verständlich, dah die Befreiung der Frau ein notwendiger rind wichtiger Bestandteil des Befreiungskampfes überhaupt sei. Allezeit und allerorten hat Bebel diese Auffassung in all ihren »praktischen Folgerungen mit der Glut und Leidenschaftlich- Zeit vertreten, mit der er sich für jede Sache einsetzte, die er einmal für recht erkannt hatte. Mit der ihm stets eigenen vollen Ehrlichkeit, die ihm auch die Achtung der bürgerlichen "Gegner eingetragen hat, trat Bebel selbst den Anhängern in den eigenen Reihen entgegen, die sich zu seinen fortschrittlichen Forderungen skeptisch verhielten. Auf dem Einigungskongretz zu Gotha 1875 verteidigte Bebel mit Feuer gegen Hassel- mann seinen Antrag, daß die Forderung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts auch für die Frauen in das Parteiprogramm aufgenommen werden müsse. Es zeugt nur für die Weitsicht Bebels, daß Dieser Antrag abgelehnt wurde. In jener Zeit war in der Tat die Lage der Frauen in jeder Beziehung eine unsäglich traurigere�als heute. Unbildung, Mangel an Selbstbewußt- sein und Selbstverttauen verschlimmerten die elende matettelle Lage der Frauen noch gewaltig. Bebel selbst konnte das nicht ganz leugne», aber über den momentanen Zustand sah er hinaus in die kommende EntWickelung, und im Vettrauen auf �dic Zukunft hielt er den Gegnern seines Antrages die Motte vor:„Nun, wir müssen eben dahin streben, daß die Frauen gebildet werden. Und das geschieht eben dadurch, daß wir ihnc»-. das Wahlrecht geben, damit sie sich in der Benutzung desselben üben." Wenige Jahre nach diesen Worten schenkte Bebel den Frauen das Buch„Die Frau und der Sozialismus". Ob- gleich es � unter den ungünstigsten Verhältnissen erschien— wenige Monate zuvor war das Sozialistengesetz verkündet worden—, fand es rasche Verbreitung, die bald neue Auf- lagen nötig machte. Das Sozialistengesetz, daß jede Pro- paganda ersticken wollte, konnte den Siegeslauf des Buches nicht aufhalten, nnd wie Bebel selbst erzählt, dienten die polizeilichen Beschlagnahmungcn nur dazu, das Buch auch in Kreife(z.B. von Polizcibeamten, deren Frauen und Freunden) zu tragen, in die es sonst kaum gedrungen wäre. Noch unter dem Sozialistengesetz erlebte das Buch'acht Auflagen. Dieser Erfolg erklärt sich aus der Kühnheit und Frische, mit der hier die unerhörtesten Gedanken und Forderungen ausgesprochen wurden. In populärer Form faßt das Buch die Erkenntnisse der damaligen Zeit über die Vergangenheit der Frau zu- sammen, mit scharfem Blick beurteilt es die gegenwärttge Lage der Frau und mit unerschrockenem Mut sucht es die Richtungs- linicn der neuen Zeit zu erfassen. So wurde„Die Frau und der Sozialismus" für die Proletarierin eine Quelle des Wissens und der Erbauung zugleich, aus der sie Erkenntnis und Rechtfertigung sich selbst und den Gegnern gegenüber schöpfte. Neben den süßlichen Limonaden der bürgerlichen Frauenrechtlettnnen bedeutete Bebels Buch eine Tat. Höhnt -man doch heute noch in vielen Kreisen über Frauenrechts- bestrcbungcn, und Bebel stellte seine Forderungen, die seither kaum erweitert worden sind, bereits Ende der 7Ocr Jahre! Auch die bürgerliche Frauenbewegung erhielt durch Bebels Buch wuchtige Impulse, und mit Recht schrieb Minna Cauer anläßlich des 70. Geburtstages von Bebel:„Niemand, der nicht in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts inmitten der sozialen Kämpfe gestanden hat, weiß, was dieses Buch für die Frauenwelt war, wie es ihr geholfen, wie es Ermutigung und ArbcitSfreudigkeit auch den bürgerlichen Käuipferinncn gegeben hat." Bebels Buch ist es mit zu danken, daß die Anschauung von der Gleichberechtigung der Frau zu einem selbstverständ- lichcn Gemeingut geworden ist. Innerhalb der Partei und im Parlament hat Bebel Nie eine Gelegenheit versäumt, diese Forderungen immer von neuem zu vertreten. Ihm fiel auch die Aufgabe zu, im Februar 1895 einen von der Sozial- demokratie eingebrachten Antrag für das politische Wahlrecht der Frau zu begründen uM damit zum ersten Male das Frauenwahlrccht als besonderen Vcrhandlungsgegcnstand des Reichstags zur Sprache zu bringen. Dilrch Bebels Arbeit sind der Frauensache Scharen von Anhängerinnen und Anhänger geworben worden. Unzählige wirken heute in seinem Sinne, die von ihm den ersten Anstoß, dauernde Belehrung und freundliche Förderung erfahren haben. Aber gerade deshalb wird sein Name unter den Pro- letarierinnen leben. Die Verehrung, Achtung und Liebe, die sich der Mensch und Politiker Bebel allgemein erworben, trägt bei den Frauen noch eine besondere persönliche Note. Sie verdanken ihm mehr als alle anderen der zahlreichen Scharen von geistig und materiell Geknechteten. Um so härter und schmerzlicher hat sie sein Tod getroffen, um so bewegter stehen sie an seiner Gruft. Sie bürgerliche srauendmegung. ii. Ter Katholische Frauenbund. Kaum eine Fraucnorganisation gibt es in Deutschland, die so weit in die verschiedensten Gesellschaftsschichten hineinreicht, die so verästelt und verzweigt ist, wie der Katholisch- Frauenbund. Im Jahre 1903 gegründet, hat er rasch eine beträchtliche Zahl von Vereinen und Mitgliedern gesammelt, und heute bildet er eine Zusammenfassung des größten Teils der organisierten katholischen Frauenbewegung. Also ein Spiegelbild des Bundes Deutscher Frauenvercme? Bei weitem nicht. Denn während der Bund Deutscher Fraueuvereine Verbände ganz entgegengesetzter Nich- tungen umschließt— politischer, sozialer und konfessioneller—. wäh- er jedem Beienntnis Aufnahme gewährt so gut wie der religionslosen Frau, ist die Grundlage, auf der der Katholische Frauenbund aufgebaut ist. der katholische Glaube, und die katho- Iische Kirche ist für ihn Autorität. Dieses Bindemittel i st ec!-?rC Ä r a f Seine Stärke liegt in dem Gemeinsamkeits. geftrhl das durch die Zugehörigkeit zum katholischen Glauben in ollen seinen Mitgliedern erweckt wird, und gerade dieses Mit- einarwerverbundensein macht ihn zu einem nicht zu unterschätzen- D«r atwale» der ovganifiertcn Frauenbewegung und auch der Ar- petter mnenbewegung. „Vorwärts" Nr. 215.— Donnerstag, den 21. August 1918. Wir dürfen ihn nicht mit dem Deutsch-evangelischen Frauen- bund vergleichen, dessen Mitglieder ja auch auf der Grundlage des gleichen Bekenntnisses zusammengeschlossen sind, der aber lange nicht eine ähnliche Ausbreitung in den unbemittelten Schichten und eine solche Bedeutung gewonnen hat. Seine Organisation ist eine ganz andere. Im Katholischen Frauenbund finden wir chari- tative Vereine, kirchliche Vereine(z. B. die Mütter- und Jung- frauenvercine), Berufsorganisationen u. a. Die von ihm gcgrün- deten 110 Vereine umfassen 50 000 Mitglieder,"daneben haben sich ihm aber noch bereits bestehende Organisationen angeschlossen, deren Mitgliederziffer nicht bekannt ist. Und alle diese Gruppen, alle Frauen, die ihnen angehören, sind von dem einen Streben er- füllt, neben der speziellen Aufgabe, die sie übernommen haben, stets dem katholischen Glauben, d. h. der Kirche zu dienen. Nein äußerlich prägt sich dieser Wille schon darin aus, daß die meisten Vorstände einen geistlichen Berater— den Präses— zur Seite haben, und daß die Redner in der Mehrzahl katholische Geist- liche sind. Durch die Charitasvereine— die Elisabethvereine, Fürsorge- vereine usw.— kommt der Katholische Frauenbund in innigste Berührung mit den ärmsten Schichten der katholischen Bevölkerung; die Arbeiterinnenvereine, die kaufmännischen Vereine sowie die Dienstbotenorganisationen wenden sich an die e r w e r b s- tätigen Frauen des Proletariats, an Schichten, die ihrer ganzen Struktur nach den freigewerkschaftlichen Verbänden angehören könnten und sollten. Die Lehrerinnenorganisationen, die katho- tischen Schwcsternorden rekrutieren sich wieder aus anderen Klassen, aber sie alle sind sich stets bewußt, daß sie eine bestimmte Mission zu erfüllen haben: die Vertiefung des katholischen Glau- bens, die Verbreitung des Gefühls engster Zusammengehörigkeit aller sich zum Katholizismus Bekennenden und die Stärkung der kirchlichen Autorität. Es muß ohne weiteres einleuchten, und die Praxis hat es ja hundertmal erwiesen, daß durch die konfessionellen Arbeitnehme- rinnenorganisationen den Gewerkschaften tüchtige und brauchbare Kräfte entzogen werden. Frauen, die im gewerkschaftlichen Kampf etwas leisten könnten, wenn ihr Blick nicht geflissentlich von den Nöten des Erwerbslebens fort auf die religiösen Verheißungen hingelenkt würde, denen vielfach der Mystizismus der Kirche die klare Erkenntnis der Ursachen ihres schweren Daseinskampfes raubt. Es wiederholt sich bei ihnen bedeutend verschärft die Zwie- spältigkeit, die wir bei den christlichen Gewerkschaften finden. Die katholischen Frauen für die moderne Gewerkschaftsidee zu ge- Winnen, ist eine schwere Aufgabe, die Frauen aus katholischen Ve- rufSorganisationen herüberzuziehen— auf Zeiten hinaus fast eine Unmöglichkeit. Damit ist klar erwiesen, daß die Tätigkeit, die der Katholische Frauenbund für die Organisation der erwerbstätigen Katholikinnen in konfessionellen Berufsvereinigungen entfaltet, ein großes Hemmnis für die Ausdehnung der gewerkschaftlichen Arbeite- rinnenbewegung bedeutet. Aber das ist nicht die einzige Gefahr. Die größere lauert noch versteckt im Hintergrund, aber sie muß ins Auge gefaßt werden, wenn wir uns nicht von ihr überraschen lassen wollen. Bis jetzt hat sich die politische Vertretung der katholischen Bc- völkerung, das Zentrum, ängstlich vor der politischen O r- ganisation der Frauen gehütet. Noch auf dem Düssel- dorfer Katholikentage im Jahre 1908 lehnte das Plenum einen Antrag des Zentralkomitees, die Frauen als Mitglieder in die Partei aufzunehmen, ab. Und auch jetzt stellt sich dem Gedanken, weibliche Mitglieder zu organisieren, noch harter Widerstand ent- gegen. Aber man weiß auch im Zentrum recht gut, daß mit der politischen Schulung der Frau nicht gezögert werden darf, und die Gründung der Vereinigung konservativer Frauen wird den Führenden dazu recht deutlich gezeigt haben, daß nun bald alle Parteien dabei sind, sich die Mitarbeit der Frauen zu sichern. Kann die Opposition gegen die Einreihung der Frauen in die Zentrumspartei nicht besiegt werden, nun so muß man sie auf andere Weise heranziehen und in den Dienst der Partei stellen. Ueber das W i e mögen noch Meinungsverschiedenheiten herrschen, daß aber der Gedanke eifrig erwogen wird, das haben zwei viel zu wenig beachtete Artikel bewiesen, die im Dezember vorigen Jahres in der„Kölnischen Volkszefiung" erschienen. Unter Hinweis aus einen Ausspruch Bebels im Reichstage 1893:„Auf welcher Seite in der großen Bewegung der Gegenwart die Frau steht, da ist der Sieg, dessen seien Sie versichert", und nach einer Würdigung der sozialoemokratischen Werbetätigkeit unter den Arbeiterinnen erklärte die„Köln. Volksztg." damals, daß auch unter den katholischen Frauen eine intensive Propaganda entfaltet und politische Aufklärung verbreitet werden müsse,-ine Aufgabe, die der Volksverein für das katholische Deutschland (München-Gläobachj übernehmen könne. Dieser Idee ividersetzte sich jedoch in einem Antwortartikcl die Führerin des Katholischen Frauenbundes, Hedwig Dransfeld. Nicht als ob sie die politische Erziehung der Frauen für überflüssig hielte, aber sie führte einen recht scharfen und temperamentvollen Angriff gegen den Versuch, den Katholischen Frauenbund bei dieser Arbeit auszuschalten, und ihre Attacke ist nicht ohne Erfolg geblieben. Bei der Gelegenheit erfuhr man auch, daß bereits im Jahre 1910 eine Generalver- sammlung des Katholischen Frauenbundes beschlossen hatte,„die politische Schulung der Frauen nachdrücklich zu betreiben". lind"das Winicrprogramm des Jahres 1312/13 lautete: „Organisation und staatsbürgerliche und sozialpolitische Schulung der katholischen Frauen, auch der Frauen des Volkes". Später hieß es in dem Aufsatz:„Die politische Schulung ist ein Teil, der allgemeinen intellektuellen Weiterbildung des weiblichen Geschlechts, und diese letztere gehört, wie wohl allerseits zugestan- den wird, als ein ganz besonderes Betätigungsgebiet dem Katho- lischen Frauenbünde". Hedwig Dransfeld verlangte eine Ver- ständigung zwischen Partei, Volksverein und Frauenbund, und daß diese kommen wird, wenn sie nicht inzwischen längst erfolgt ist, können wir als sicher annehmen. Ob eine scharfe Trennung der politischen Organisation der Frauen von der allgemeinen durchgeführt wird, ist dabei für uns belanglos. Wir müssen damit rechnen, daß Kirche und Frauen- bund ihre ganze Kraft auf die Politisierung der katholischen Frauen werfen werden, und der Erfolg wird sein, daß das Zen- trum in dem Augenblick, wo es die Frauen braucht, tausende ge- schulter weiblicher Mitglieder besitzt, die bereit sind, den Partei- kämpf mit aller Energie zu führen. Wir fiirchtcn diesen Kampf nicht, denn unsere Waffen sind gut. Was das Zentrum durch die Kirch- zu erreichen hofft, erzielen wir durch den sich stets verschär- senden Kampf ums Dasein, der die Frauen der unteren Volks- schichten mit unerbittlicher Logik lehrt, daß es nicht mit den Ver- tröstungen der Kirche auf das Jenseits getan ist, sondern daß ein zähes Ringen um die geistigen und materiellen Güter dieser Erde notwendig ist, um der Masse des Volkes einen Aufschwung zu sichern. Und di: Frauen, die das eingesehen haben, werden auch den Weg in unsere Reihen finden und sich davon überzeugen, daß ihre wahren Interessen weder vom Katholischen Frauenbund noch vom Zentrum, sondern einzig und allein von der Sozialdemokratie vertreten werden können. Tony Breitscheid. Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung vor mehr als SO Iahren und namentlich der Bewegung des Niederrheins unlöslich verbunden war, wirkte auch Genossin Grimpe mit in allererster Reihe. Bis vor etwa zehn Fahren war sie die Seele der niederrheinischen Frauen- bewegung. In unserem Elberfelder Parteiorgan war Genossin Grimpe auch schriftstellerisch tätig. Wenn sie in den letzten Jahren auch weniger in der Oeffentlichkeit hervorgetreten ist, so nahm sie an den Parteiereignissen stets lebhaftesten Anteil. Die Partei wird der Verstorbenen stets ehrend und dankbar gedenken. Lunte Mppe. Studentinnen. Air den 21 Universitäten des Deutschen Reiche? sind in diesem Sommer(bei einer Gesamtstudentenzahl von 60 350) 3436 Frauen als vollberechtigte akademische Bürger eingeschrieben, die höchste Zahl, die das erst wenige Jahre alte Frauenstudium brS jetzt zu verzeichnen hal. Der Zuwachs binnen Jahresfrist beträgt 478 und die Steigerung gegenüber dem Sommer vor drei Jahreir etwa 60 Proz. 1905' waren es 137 weibliche Studenten. Als „Hörerinnen" nehmen in diesem Sommer 1037 Frauen am deutschen Universitätsunterricht teil. Insgesamt besuchen demnach im Sommer- semester 1913 in Deutschland 4473 Frauen Universitätsvorlesungen. Der Anteil der Frauen an Besuchern der deutschen Universitäten überhaupt ist innerhalb der letzten drei Jahre von 3,5 auf 5,7 Proz. gestiegen. Der Wettbewerb der studierenden Frau wird übrigens rn seiner schließlichen Wirkung vom Standpunkt der konkurrierenden Männer leicht überschätzt. Denn nicht gering ist die Zahl der Frauen, die der veränderten wirtschaftlichen und sozialen Struktur der neu- zeitlichen Verhältnisse entsprechend auf Gebieten und�in Stellungen tätig werden, auf denen ihre Arbeit für den Mann überhaupt keine Konkurrenz bedeutet; ferner besuchen zahlreiche Studentinnen die Universität nur eine Zeitlang zur Weiterbildung, und ein ganz ge« ringer Teil scheidet aus der wissenschaftlichen Betätigung infolge von Verheiratung aus..„ Die Verteilung der Studentinnen auf die einzelnen Teue de? akademischen Studiums zeigt immer deutlicher die starke Bevorzugung der philosophischen Fakultät, was überwiegend darauf zurückzuführerr ist, daß den Absolveiltinneu der preußischen Oberlhzeen ein anderes Fakultätsstudium überhaupt nicht möglich ist. Hinsichtlich der Verteilung der Studentinnen auf die emzelnen Universitäten des Reichs ergibt sich eine Bevorzugung der preußischen Hochschulen, was sich namentlich aus der örtlichen Herkunft �der Studentinnen erklären dürfte, da, aus dem Norden verhältnismäßig mehr studierte Frauen stammen als aus dem Süden. Eine nähere Untersuchung der Heimatsverhältnisse würde ergeben, daß gegen zwei Drittel der Studentinnen aus Preußen beheimatet sind, daß etwa 600 Ausländerinnen in Deutschland studieren. An der Um- versität Berlin befindet sich fast ein Fünftel der Studentinnen, nämlich 770; dann folgen München mit 299, Freiburg hat 257, Heidelberg 238, Göttingen 237. Dir Weiblichkeit in den Vororten. Die srauenreichsten Städte sind nach der letzten Zählung vom 1. März d. I. die westlichen Berliner Vororte. Allen voran marschiert Wilmersdorf. Bei einer Einwohnerzahl von 132 138 hatte dieser Vorort am genannten Tage 54 170 Personen männlichen und 77 168 Personen weiblichen Geschlechts, das sind 23 798 oder 18 Proz. mehr weibliche als männ» liche. In ziemlich großem Abstände folgen S ch ö n e b e r g mit rund 12 Proz. und Charlottenburg mit rund 10 Proz. Fragt man nach den Ursachen für diesen großen Vorsprung des weiblichen Geschlechts, so könnte man zunächst auf den Ge- danken kommen, daß im vornehmen Westen Berlins mehr Mädchen als Jungen geboren werden; dem ist jedoch nicht so. Im Februar 1913 wurden in allen drei Vororten nur 4 Mädchen mehr als Jungen geboren. In Charlottenburg blieb die Zahl der neu» geborenen Mädchen sogar hinter der Zahl der Jungen zurück. Die Ursachen sind vielmehr sozialer Art. Wilmersdorf rühmt sich, die reichste Stadt Preußens zu sein, weil auf den Kopf seiner Be« völkerung die höchste Steuersumme entfällt. Dieser Wohlhabenheit entspricht eine verhältnismäßig hohe Zahl von Dienstmädchen, deren Zahl auf mehr als 10 000 angegeben wird. Hierdurch erklätt sich das Uebergewicht der weiblichen Bevölkerung schon zu einem beträchtlichen Teil. Sehnlich liegen die Verhältnisse in Schöne- berg und Charlottenburg. Außerdem gibt es im vornehmen Westen Berlins, wie schon ein Blick in das Adreßbuch zeigt, eine große Zahl unverheirateter oder verwitweter Frauen. Auch diese erhöhen den Prozentsatz der weiblichen Bevölkerung gegenüber der männlichen. Nächst den genannten Berliner Vorortstädten hatten am 1. März 1913 mehr weibliche als männliche Personen: Wiesbaden 12 Proz., Breslau 9 Proz., Görlitz 6 Proz., Plauen im Vogtlande 6 Proz., Elberfeld nahezu 6 Proz., Berlin 4 Proz., Halle a. S. und Kassel 3 Proz., Magdeburg und Stettin 2 Proz. und schließlich Hamburg und Köln je 1 Proz. Litcmrifchcs. Die junge Generation. Von Ellen Key.(Verlag Georg Müller, München 1913. 133 Seiten. Preis 2 M.) Die bekannte nor- wegische Frauenrechtlerin wendet sich in der kleinen Schrift an die proletarische Jugend, an die sie— wenn wir uns recht erinnern— gelegentlich auch mündlich heranttttt. Ihre Ausführungen bewegen sich in ständigem Widerspruch zwischen Anerkennung der sozialisti- schen Bewegung und idealistischen Forderungen ethisch-ästhetischer Art. Ohne die Berechtigung und Notwendigkeit der proletarischen Jugendbewegung-z. B. zu übersehen, fühlt Ellen Key sich berufen, vor den Gefahren der Oberflächlichkeit, der geisttgen Uniformierung, des Formalismus, des Paragraphenreitens, des Versammlungsge- schwätzes usw. zu warnen, die mit dem Vereinsleben verbunden seien. Recht aktuell sind einige Worte an die Mütter, die Jugend im antimilitaristischen Geiste zu erziehen. Bus der Partei. Genossin Grimpe gestorben. In Elberfeld ist zur selben Zeit, da August Bebel zur Ruhe ging, in der Nacht zum Mittwoch, die Genossin Grimpe, Witwe des vor sieben Jahren verschiedenen Vorkämpfers der Sozialdemokratie am Niederrhein, im Alter von SS Iahren gestorben. Gleich ihrem Gatten, besten Name mit der Bn Buguft Bebel 17. August 1913. Die Berge hast du geliebt, Die Höhen licht und klar. Nun ruhst du in ihrem Schöße, Du Jüngling im weißen Haar. Wolltest alle uns leiten, Auf reineren Höhn Aufrecht zu schreiten, Die Sonne zu sehn. Den Männern ein Vorbild, Der Erste im Streit I Nun trugen sie dich auf dem Echiv In letztem Geleit. Allen, die du geschützt und geehrt Gabst Mut du und Vettrauen» Aber dein Herz gehört Uns, den Frauen. Glühend. rote Rosen Pflücken wir ab Und betten auf Rose» Dich sanft hinab. Eine Frau. | Todes-Anzeigen Am Dienstag, abends 8 Uhr, j verschied nach schwerem Kranken- lager mein lieber Mann, � Sobn, I Bruder, Schwager und Onkel, der Gastwirt 6731 Willy Conrad« I im 30. Lebensjahre. DieS zeigt ticsbetrübt im Namen der trauernden Hinterbliebenen an Witwe Frida Conrndt. Die Beerdigung findet Freitag, den 22. August, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Fakobi-Kirchhofes, Hermannstrafic, auS statt. Verbanil der Gastwirtsgetiiüeo. Abt. Hoteldiener. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Kollege, der Hoteldicner FenlmsnS Schmidt nach langem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet heute Donncrstagnachmittag 3fizUhr von dcrLcichenhalle des Golgathakirch- hoses, Barsusstraße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 32/6 vis()rtz»sn*sitiing. ISozialdemokratlscIier Walilverein l. d. Uerl. Reichstagswahlkreis, Käpenicker Viertel. Bezirk 167. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Willi Conrad« Manteuffclstraße 26, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 22. August, nachmittags 3 Uhr, I von der Halle des neuen Jakobi- Kirchhofes, Hermannstr., aus statt.[ Um rege Beteiligung ersucht Her Vorstand. SozialdeniokratlselierWalilyereiii§ Kreis Siederharnim. Bezirk Weißenaee. Am 17. August 1313 schied unser Genosse, der Maurer Kluge im 82. Lebensjahre infolge Nahrungssorgen freiwillig aus dem Leben. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes in der Rölckeslraße aus statt. Um rege Betelligung ersucht Her Vorstand. Deutscher Holzarheiterverbaad. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht,| daß unser Kollege, der Möbel- Polierer Hcrmsim RohiofT Putbuserftraße 16, im Alter von| 33 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heule l Donnerstag, den 21. 3lugust, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des f Friedens- KirchhoseS in Nieder- schönhausen-Nordcnd aus statt. 87/15 Hie 0rt»ver«rs!tung. Deutscher Dauarheiterverhaud. Zweigverein Berlin. Am 15, August starb unser Mitglied, der Maurer Mldeim Idieme (Bezirk Neukölln). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 21. August, nachmittags 2'/, Uhr, von der Halle des Gemeinde- Friedhoses in Neukölln, Mariendorfer Weg, aus statt. Her Vorstand. Dh. Simmel t Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 4i,«tÄ 10— 2. 5—7. Sonntags 10— 12. Nach kurzem, schwerem Leiden I ist am Dienstag, den 13. August, vormittags 1'/, Uhr, unsere gute I Mutter, Schwieget- und Groß- | mutier, die Witwe Ksrolinö krose verwitw. Bethke geb. VeBbacH im 80. Lebensjahre sanft entschlafen. Dies zeigen in tiefer Trauer an Die Hinterbliebenen Paul, Otto und Karl Bethke nebst Schwiegertöchtern und Enkeln. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 3ll, Uhr, coli der Leichenhalle des'neuen Matthäi- Kirchhofs(Schön eberg, Priesterweg) aus stait. 1301b Danksagung. Für die bei der Bestallung meines lieben Mannes bewiesene Teilnahme sage ich allen Beteiligten herzlichen Dank. Insbesondere danke ich den Kollegen, dem Personal und der Direktion der Firma Lehering, den Genossen vom WaHwerein, dem Ver- band der Fabrikarbeiter und den Hausbewohner» von Müllerstr. 161. Frau Witwe Anna Schulz. Zentral-Verhand der Töpfer ii. BerDfsgenossen Deutschlands. Filiale 6roß- Berlin. Am Dienstag, den 13. August, verstarb an Herzleiden unser Mit- glied, der Kollege Hermglm Schacke im Alter von 48 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 22. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Thomas-Kirchhoses in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Her Vorstand. 3lllen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe grau lZtüzewski verstorben Sophie am Herzschlag plötzlich ist. Dies zeigt ticsbetrübt an Johannes Gorniaczewski. Die Beerdigung findet Freitag, 22. 3lugust, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhoses in Fricdrichsfclde aus statt. 87 A Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne? und unseres guten Vaters, des Fuhrherrn tieinrick Biicdl(w sagen wir allen Freunden und Be- kannten sowie dem Wahlverein deS vierten Wahlkreises, dem Verein Deutscher Kutscher und der Pro- dukttvgenossenschast der Berliner Taxameter-Fuhrherren unseren herz- lichften Dank. Witwe ktarie Buchlow 87a und Kinder. Hanksagang. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter I�uiss Wollert geb. Hollerus sagen wir allen Verwandten und Bekannten sowie dem Verband der Schneider und Schneiderinnen, der Zentralkrankenkasse für Frauen und Mädchen, Verwaltungsstelle Neukölln, dem Gesangverein, insbesondere den Kollegen und Kolleginnen der Deut- scheu Waffen» und Munitionsfabrik, 3lbt. Meister Otto, unseren herzlichsten Heinrich Wollert 1öN und Kinder. ardinen Spezialhaus EmllLefevre Berlin S, Oranienstr. 158, Wunderbare Xenheiten, Gardinen, Stores, Yitrages, Tüll- bettdeoken eto. in allen StUart. Portleren, Hßbclstoire, Tischdecken, 1 Posten reich- gestiokter Erbstüll- Betldecken mit Volant i S35 486- Äm.). Erbstill-Stores 1 835 475° srV'H.,. Spezial= Katalog 650 Abbildungen gratis u.iranko iugusta-Bad KOpenicker Straße 60. Sämtliche Bäderartcn.— Lieferant aller Krankenkassen. s1623b' Heines Werke . Z Sände l Mirt- saa Buchhandlung vorwärts ■HBHBänBHn Nachruf. c hiermit an, daß der Buchbinder __ unser 1 Kollege, VVilkelm Bahl I am 5. August im Hospital in Buch | verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! s l305b Heorx Schulz, jjj ReuiersWerke • 3 Bände 4 Jüacf. Buchhandlung vorwärts -Verleih. Institut A Borchart, gric&richftr. 115, Oranb.Tor. Tel. Nrd. 10654, Verl. Fiack-, Smoking-, Gehrockanzüge in verschied. Preislag. bis z. clegantesl Genre. Sehr große AuSw. Mäß. Preise. in Uquidstion (Eingetragene Genossenscbaft mit bescbrlnkter Haftpflicht) Donnerstag, den LS. August, abends 8 Uhr, In Trapp« Festsälen, Tegel, Bahnhofstr. 1: Generalversammlung. Tagesordnung: 106/11 1. Geschäftsbericht. 2. Genehmigung der Bilanz«nd Ent- lastung des Borstandes. Hie I-lquldatoren: Max Lichtenberg. Hugo Kühler. Friedrich HBIIe. Verwaltungsstelle Berlin. G 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1233, 1387, 3714. Sonnabend, den 23. August, abends 8 Uhr: Pitgliedtr-Vcrfäniiiilisng für Hdkrsbof im Restaurant von Rich. Kaul, Bismarrkstr. 16. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Julius Moses:„Die Arbeiterschaft und der Geburtenrückgang in Deutsch- land." 2. Stellungnahme zur Generalversammlung. Der äusterft wichtigen Tagesordnung Wege» erwarten wir das Erscheinen aller Mitglieder mit ihren Frauen. 124/5 Hie Ortsvervaltung. Deutscher Tabakarbeiter-Verband Zahlstelle Herlin.- Freitag, den ÄÄ. August 16:13, abends Va® Uhr, in den„Mufilersälen". Kaiser-Wilhelm-Straße 18m(großer Saal): Iahlftellen-Urrsammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1313. 2. Bericht von der General- Versammlung und der Gaukonserenz. 3. Verschiedenes. 187/13 — Mitglieder, erscheint alle!———. Hlc Ortsvcrwaltnng. Verkäufe. Pfandleihhaus Hermannplatz 6. Spottbilliger Bettenverkaus. Wäsche- verkaus. Gardinenverkaus. Teppich- verlaus. Goldwarenlager. Riesen- auswahl Herren garderobe. Sonntags- pcrkaus ebenfalls._* Teppich-Thomas. Oranienstr. 126, verkaust sarbsehlerhaste Teppiche spott- billig; Gardinen, Steppdecken, Tisch- decken halben Preis. Vorwärtslcsern 5 Prozent Extrarabatt._ 785K* Bettenstand 3,—. stratze 70, im Keller. Brunnen- 12005t* Teppiche! steblerdasie) m allen Grüßen, fast für die Halste des Wertes Tepvichlagcr Brünn, Hackejcher Markt 4, Bahnbos Börse.(Leier deS »Vorwärts' erhalten 5 Prozent jiabalt.) Sonntags geöffnet!* Vorjährige eleganteHerreuanzüge und Paletots aus feinsten Magstoffen 20— 40 Mark, Hosen 6— 14 Mark. 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Im Abschnitt Gedächtnisfeiern des.Leitfadens für die Bildungsarbeit" wiesen wir auch daraus hin, dah am 17. Oktober der 100. Geburtstag des revolutionären Dichters Georg Büchner ist. Wir erinnern noch einmal daran und empfehlen den Organisationen, die für den Oktober eine künstlerische Veranstaltung planen, diese zu einer Büchner-Feier auszugestalten. Der Abend kann durch einen Vortrag über den Dichter und durch Rezitationen charakteristischer Stellen aus seinen dramatischen Werken ausgefüllt werden. Der Bezirksbildungsausschust ist bereit, den VildungsaHsschüssen unserer Organisationen Programme zur Ver- fügung zu stellen. Bei dieser Gelegenheit weisen wir nochmals darauf hin, dast das Bureau des Bezirksbildungsausschusses Sonnabends von S— 1 und von 5—8 Uhr geöffnet ist. Es befindet sich Lindenstr. 2, Hof I. Der Bezirksbildungsausschutz Groß-Berlin. Vierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 21. August, nachmittags 3 Uhr, findet in der Sternwarte, Treptow, ein Lichtbildervortrag .Aus fernen Landen" statt. Eintrittskarten a 30 Pf. inkl. Garderobe sind im Bureau, Siralauer Platz 1/2, zu haben. Am Dienstag, den 23. August, findet in den Konzertsälen, Koppenstrahe 29, eine G e�.r alversammlung statt. Tages- ordnung: 1. Stellungnahme zum Parteitag. 2. Anträge: Antrag betreffs Maifonds. Auf die Tagesordnung zu setzen.Massenstreik". Bildung von Elternvereinigungen. Lankwitz. Sonntag, den 24. August, veranstaltet der Bildungs- ausschuß einen Familienausflug nach Seehof. Treffpunkt>/<,2 Uhr, Restaurant zum Seydlitz sfrüher Tohn). Abmarsch 2 Uhr. 3 Uhr Kaffcekochen bei Erpel. Darauf im Walde Spiele für jung und alt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Lichtcrseldc. Freitag abend 7 Uhr bei Lentzki, Chausseestr. 54, »Vorwärts"- Agitation, nachdem Extrazahlabend. Mahlsdorf. Sonnabend, den 23. August, abends 8 s/z Uhr: Große öffentliche Versammlung im Lokal von E. Anders, Bahnhof- straffe: Gedächtnisfeier für August Bebel unter Mitwirkung des Gesangvereins.Freiheit". Gedächtnisrede: Reichstagsabgeordneter Eduard Bernstein. Bezirk Waidmannslust. Sonnabend, den 23. August, abends 8% Uhr, in Glienicke, im Wirtshaus„Waldesruh", Jnh. Schneider, Jungbornstraffe: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. LerUner IVadmcKteii. Eine Bebel-Gedenkschrift gibt die Buchhandlung Vorwärts an diesem Donnerstag heraus. Die Gedenkichrist wird u. a. eine Anzahl Illustrationen, auch vom Leichenbegängnis Bebels, enthalten. Sie ist durch alle Parteibuch- Handlungen und'Kolporteure zum Preise von 10 Pf. zu beziehen. Ter Frauenmord in Neukölln. In dem Hause Hcrmannplatz 6 erwürgte, wie wir bereits in der gestrigen Nummer berichteten, der 34 Jahre alte Tischler Bruno Bengsch feine Geliebte, die 38 Jahre alte, von ihrem Manne ge schiedene Frau Klara Adam geb. Kunze. Er erzählte dann später mehreren Leuten von seiner Tat, so daff er noch in der Nacht fest genommen werden konnte. Ueber das Verbrechen geht uns folgender Bericht zu: Frau Adam, die am 20. September 1875 spx Berlin geboren ist. wurde vor neun Jahren von ihrem Manne, der eine Gastwirtschaft betrieb, geschieden, weil sie es mit der ehelichen Treue nicht genau nahm. Seit der Scheidung ernährte sie sich durch Näharbeiten und Vermieten von Schlafstellen. Bevor sie nach dem Hermannplatz zog. wo sie erst seit dem März d. I. im zweiten Stock des Ouergebäudes zwei Stuben und Küche innehatte, wohnte sie längere Zeit in dem Hause Oranienstr. 179. Hier hatte sie eine größere Wohnung inne und an mehrere Männer vermietet. Einer ihrer Schlafburschen war der Tischler Bengsch, mit dem sie ein Liebesverhältnis einging. Zwischen den beiden Licbesleuten kam es wiederholt zu heftigen Auftritten, bei denen der Mann die Frau mitunter schwer miß- handelte. Bei diesen Streitigkeiten drohte der Mann seiner Geliebten wiederholt, daß er sie umbringe. Als Frau Adam im Frühjahr d. I. nach dem Hermannplatz übersiedelte, zog Bengsch mit ihr. Bald waren aber hier die Nach- barn Zeugen der widerivärtigen Auftritte. Seit acht Tagen war- nun Bengsch ohne Arbeit. Als sich ihm vorgestern in Potsdam Be- schäftigung bot, fuhr er aus den Rat der Frau Adam dorthin. Diese gab ihm auch noch 19 M. mit. In Potsdam angekommen, besah sich der Mann die neue Arbeit, nahm sie aber nicht an. Als er in die Wohnung zurückgekehrt war, machte ihm Frau Adam Vorwürfe, weil er die Arbeit nicht angenommen habe. Dieser wurde jetzt wieder handgreiflich. Abends um 8'/� Uhr kam Bengsch herunter, suchte einen ihm bekannten Nachbarn auf und erzählte ihm. daß er seine Gelieble ermordet habe. Dieser schenkte jedoch seinen Worten keinen Glauben, nahm an, daff er scherze und ging mit ihm iir eind im Nebenhause belegene Gastwirtschast. Hier zechten beide bis gegen 19 Uhr, aber immer wieder kam Bengsch mit seiner Selbftbeschuldigung und fing schließlich heftig an zu weinen. Jetzt wurde der Mann doch stutzig und erbot sich, mit in die Wohnung zu gehen. Vor dem Hause angekommen, wollt- Bengsch jedoch nicht initkommen. Auf seinen Wunsch holte man jetzt noch einen Schutzmann, der mir mehreren Hausgenossen die Wohnung der Adam aufsuchtc. In der Stube fand man nun tatsächlich die Woh« nungsinhaberin tot auf. Sie lag angekleidet tot aus dem Bett und war schon erkaltet. Deutliche Würgemale am Halse zeigten, welchen Todes sie gestorben war. Der Beamte nahm Bengsch mit zur Wache und benachrichtigte die Mordkommission der Neuköllner Kriminal- Polizei. Diese nahm den Tatbestand auf, beschlagnahmte die Leiche und ließ sie zur Obduktion nach dem Schauhause in Berlin bringen. Bei der kommissarischen Vernehmung auf dem Neuköllner Polizei- Präsidium, die gestern vormittag mir dem Verhafteten angestellt wurde, gab dieser nachfolgende Schilderung über die Ursache zur Tat und die Ausführung des Verbrechens. Seine Geliebte habe ihm, als er mit ihr in der Wohnung war. wieder, wie schon oft zuvor, heftige Vorwürfe darüber gemacht, daß er nicht arbeite und ihr kein Geld gebe. Er habe ihre Vorhaltungen, bei denen sie ganz 1 ausfällig geworden sei, eine Weile ruhig angehört. Dann sei er' doch schließlich wütend geworden, habe sie ergriffen und auf das Chaiselongue geworfen, um sie zu schlagen- Auf ihr Geschrei und ihre Bitten hin habe er sie aber wieder los- gelassen. Während sie sich nun in die Küche begab, sei er allein in der Stube zurückgeblieben. Nach etwa einer halben Stunde sei seine Geliebte dann wieder aus der Küche in die Stube gekommen und habe wieder begonnen, ihm Vorwürfe zu machen. Auch jetzt habe er zuerst nichts erwidert, sei aber sinnlos wütend geworden, als sie zu ihm gesagt habe, er sei ein„Ludewig". Trotzdem sie gesehen habe, daff er schon maßlos aufgeregt gewesen sei, habe sie das Wort wieder- holt. Nun sei er rasend geworden, habe sich auf sie gestürzt, mit beide» Hände» gepackt und quer über das Bett geworfen. Ohne daff er wissen will, was er tat, habe er ihr mit beiden Händen die Kehle zugehalten und erst wieder losgelassen, als er durch ein Ausschluchzen der Frau wieder einigermaßen zur Besinnung gekommen sei. Zu seinem größten Entsetzen habe er jetzt wahrgenommen, daß sie wie leblos dalag. Er habe trotzdem nicht geglaubt, daff sie tot sei. Aus. der Küche habe er deshalb frisches Wasser geholt und ihr ein nasses Tuch auf die Augen gelegt. Als seine längeren Bemühungen aber erfolglos blieben und seine Geliebte auf seine Anrufe nicht reagierte, sei ihm das Bewußtsein gekommen, daff er sie getötet habe. Nun habe er sie der Länge nach auf das Bett gelegt, den Kopf hochgehoben, die Hände gefaltet, und sei dann heruntergegangen, wo er sich der Tat selbst anklagte. Im Laufe des gestrigen Vormittags ist von der Kriminalpolizei auch die Stickerin Karoline Böhm, die seit dem 1. Juli d. I. bei der Frau Adam in Untermiete wohnte, vernommen worden. Die Zeugin bestätigt, daff zwischen ihrer Wirst» und Bengsch wieder- holt häusliche Auftritte vorkamen. Frau Adam habe sich vor Bengsch sehr gefürchtet, weil dieser immer Geld von ihr verlangte und, wenn sie seinem Verlangen nicht nach- kommen wollte, sie schwer mißhandelte. Sie erzählte der Stickerin, daff Bengsch sie erst vor wenigen Tagen so lange gewürgt habe, daff sie eine Stunde ohne Bewußtsein gewesen sei. Auch vorgestern mittag, kurz vor ihrem Tode, sagte sie zu der Untermieterin, sie möge ihrem Bruder in Friedenau telegraphieren und mitteilen, daff Bengsch wieder da sei, damit er sie schütze. Diese Aussagen stellten das schwere Verbrechen in ein für den Täter wesentlich ungünstigeres Licht dar, als seine eigenen Angaben. Sonderbare Erlebnisse auf der Polizeiwache hat ein Gastwirtsgehilfe Heinze gehabt, der am Montag, den 18. August, vor dem Lokal von Spitzer, Reinickendorfer Str. 93, wo sich die Destillationsgehilfen im Streik befinden, beim Zettelverteilen verhaftet wurde. Schon die Art der Abführung des Arrestanten erregte unter den Passanten Aufsehen. Obwohl H. sofort sich bereit erklärte, den Weg zur Wache mitantreten zu wollen, faßten ihn zwei Schutzleute zu beiden Seiten am Arm und schoben ihn vor sich hin. Noch vor seinem Eintreten in die Polizeiwache sUferstraße) haben Bekannte des H. keinerlei Verletzungen an ihm bemerkt. Anders als Heinze von der Revierwache kam. Jetzt suchte H. einen Arzt in der Jnvalidensstaffe auf, um sich von demselben wegen der auf der Wache erlittenen Verletzungen behandeln und außerdem behufs Klage- erhebung ein Attest über seinen Zustand ausstellen zu lassen. Der Arzt stellte dem H. auf Grund der von ihm gemachten Darstellung über seine Erlebnisse auf der Polizeiwache sowie über seinen Ge- sundheilszustand folgendes Attest aus:. Heute abend um 7'/� Uhr suchte mich der Destillationsgehilfe Herr Artur Heinze, Müllerstr. 12, auf und wünschte ärztliche Unter- suchung und Behandlung bezw. ein Attest über den Befund. Er gab an, heute nachmittag in der 4. Stunde von zwei Schutzleuten sistiert und zur Revierwache in der Uferstraffe gebracht zu sein. Dort sei er plötzlich, nachdem die Tür zum Korridor zugemacht war, von den Schutzleuten, die die Sistierung vor- genommen hatten, mit den Fäusten links und rechts ins Gesicht geschlagen worden. Dieses Schlagen sei in der Wacht st übe von denselben Schutzleuten fortgesetzt worden, trotzdem er sie gebeten habe, von ihm abzulassen, da er sich keiner unrechten Sache bewußt sei. Schon auf der Straffe und weiter in der Wachtstube sei er mit Schimpfworten tituliert worden. Als er sich in der- Wachtstube hinsetzte, habe er gemerkt, daff er aus Mund und Nase blute. Nachdem er die Wache verlassen, habe er seinem Chef bezw. dessen Vertreter telephoniert, daff er nachmittags nicht ins Geschäft kommen könne, da er von Schutzleuten sistiert und auf der Wache gesckilagen worden sei. Dann sei er in seine Wohnung gegangen und habe sich niedergelegt. Er empfinde seitdem Schmerzen im Kopfe, in dem oberen Teil der linken Wange, Sausen im linken Ohre und höre auf demselben schwer. Der objektive Befund ist folgender: Unter dem linken Auge ist eine bläulich verfärbte Stelle, etwa Zentimeter lang, IVz Zentimeter breit; der obere Teil der linken Wange ist geschwollen und enthält leichte Rötung. Die Berührung der linken Wange in ihrem oberen Teil ist äußerst schmerzhaft. Die Untersuchung des linken Ohres ist ziemlich er- schwcrt wegen der Empfindlichkeit. Der Kragen und das Chemisett, das er trägt, ist sehr blutig. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daff es sich um Verletzungen durch Schläge handelt, die frischer Natur sind. Heine glaubt, auf Grund dieses Attestes, nun diejenigen Be- amten, von denen er geschlagen worden ist, gerichtlich zur Rechen- schaft ziehen und deren Bestrafung herbeiführen zu können. Wir wollen ihm seinen Optimismus nicht rauben, doch dürfte er bei der zu erwartenden Gerichtsverhandlung von Täuschungen nicht ganz verschont bleiben.__ Eiscnbahnfrevcl bei Trebbin. Vorgestern abend ist in der Nähe von Trebbin zwischen der Bahnstation Trebbin und der Ortschaft Zichow ein Eisenbahnftevel verübt worden, der leicht schwere Folgen hätte haben können. Als der nach Berlin fahrende Personen- zug 891 vorgestern abend gegen 8>� Uhr Trebbin verlassen hatte, stieß der Zug kurz vor Zichow gegen ein Hindernis. Die Loko- motive, die an dieser Stelle mit der mäßigen Geschwindigkeit von 56 Kilometern in der Stunde fuhr, erhielt einen so starken Stoff, daff der Maschinist, der annahm, daff die Strecke be- schädigt sei, sofort bremste und Gegendampf gab. Man suchte die Bahnlinie ab und fand etwa 199 Meier von der Unfallstelle entfernt eine stark beschädigte eiserne Schwelle, die neuerdings statt der Holz- bohlen verwandt werden. Wie die Ermittelungen der Behörde er- geben haben, ist von den bisher noch unbekannten Tätern offenbar versucht worden, die Schwelle quer zur Schienenrichtung auf das Gleis aufzuschrauben, die Frevler sind aber wohl dabei gestört worden. Die Schwelle ist, soweit� sich feststellen läßt, aus einem neben der Strecke lagernden Materialbestand gestohlen worden. An der Lokomotive war bei dem Airprall nur der Schienenrciniger be- schädigt worden, so daß der Zug die Fahrt fortsetzen konnte. Auf die Ergreifung des Täters hat die Eisenbahnbehörde eine Belohnung von 599 M. ausgesetzt._ Australisches Hammelfleisch für Berlin. Dem Vorgehen der Wilmersdorfer Fleischerinnung, die bekannt- lrch beschlösse» hat, austtalische gefrorene Hammel in Berlin ein- zuführen, wollen sich jetzt auch die übrigen Innungen und Vereine des Groff-Berliner Fleischergewerbes anschließen. Nachdem eine Vorbesprechung in der Wilmersdorfer Innung stattgefunden hat, an der auch die Innungen Schönebergs und Charlottenburgs teilnahmen, fand, wie die„Deutsche Fleischer-Zeitung" meldet, Dienstag abend eine Versammlung der Charlottenburger Innung statt, zu der die Vorsitzenden sämtlicher Groff-Berliner Korporationen des Feischer- gewerbes, die in dem Zweckverband für das Fleischergewerbe Groß- Berlins vereinigt sind, eingeladen und zum größten Teil erschienen waren. Es wurde beschlossen, auch für Charlottenburg australische Hammel zu beziehen; auch die anderen Vereine und Innungen wolle» sich diesem Vorgehen anschlieffen. Der„Raubüberfall", von dem am Montagmittag sin junges Mädchen in der Prenzlauer Allee heimgesucht worden sein sollte, hat sich jetzt als von dem Mädchen fingiert herausgestellt. Als Er- klärung für den erdichteten Ueberfall hat das Mädchen dem unter- suchenden Kommissar jetzt einen Ladendiebstahl angegeben. Sie hatte von ihrem Vater den Auftrag erhalten, stets_ vorn im Laden zu bleiben, wenn sie allein anwesend sei. Gegen diesen Befehl hatte sie sich aber in einem hinter dem Laden belegenen Raunie auf- gehalten, und diesen Umstand hatte ein Dieb benutzt, einen Karton init Sweater und sonstige Wollwaren in einem unbewachten Augen- blick zu stehlen. Um nun nicht ihren Eltern ihre Verfehlungen ein- gestehen zu müssen, war sie auf den Gedanken gekommen, einen Raubüberfall zu erdichten, der durch ihre Widersprüche nun eine rasche Aufklärung gefunden hat. Folgenschwerer Absturz aus dem Fenster. Ein auftegender Vorgang hat sich gestern nachmittag in der Koppenstraffe abgespielt. In dem Hause Koppenstraffe 33 kletterte die neunjährige Tochter des Kellners Grulich auf die Fensterbrüstung hinauf, bog sich zu weit nach außen vor und verlor plötzlich den Halt am Riegel. Mit einem Aufschrei stürzte das Mädchen in die Tiefe und blieb bewußtlos auf dem Bürgersteig liegen. Passanten trugen das Kind schleunigst noch der nahen Hilfswache, wo außer schweren Quetschungen auch eine Gehirnerschütterung festgestellt wurde. In bedenklichem Zustand fand die G. im Krankenhaus Am Urban Aufnahme._ Der Wcrdersche Obstversand auf dem Wasserwege hat in'diesem Jahre trotz der Ungunst der Witterung und den schlechten Ernte- Verhältnissen eine respektable Höhe erreicht. Außer den noch nicht genau ermittelten Zahlen der Bahnverftachtung liegen die Zahlen des auf dem Wasserwege nach Berlin vorgenommenen Obstexportes vor. Danach sind in diesem Jahre vom 6. Juni ab 269 567 kleine Tienen, 4549 große Tienen und 9945 Scheffel nach Berlin geschickt worden. Die hierfür entsprechenden Gewichtszahlen lauten 2 156 536 Pfd., 227 459 Pfd. und 497 259 Pfd. Das Gesamtgewicht beziffert sich auf 2 831 236 Pfd. oder 1 449 618 Kilogramm. Der Mord in der Warschauer Straße beschäftigt noch unaus- gesetzt die Berliner und Wriezener Polizei. Der Mörder ist noch immer nicht ergriffen worden, obwohl er an verschiedenen Stellen in Berlin gesehen worden ist. Die Todesursache der Ermordelen konnte noch nicht mit Sicherheit festgestellt werden, weil die Ver- wesung bereits zu weit vorgeschritten war. Zur Affäre des Hauptrendailten Bartels der Charlottenburger Stadtkasse wird berichtet, daß Bartels aus der Haft entlassen worden ist. Die Bürgschaft ist von seinen Verwandten aufgebracht worden. Bartels wurde, wie erinnerlich, zu Beginn dieses Jahres unter der Anschuldigung verhaftet, 37 999 M. städtischer Gelder veruntreut zu haben. Das Verfahren gegen ihn konnte bisher keinen Fortgang nehmen, weil der Angeschuldigte nach dem Gutachten des Gerichts� arztes nicht vernehmungs- und verhandlungsfähig ist. Bartels war bereits in das Untersuchungsgefängnis Moabit übergeführt, ist aber von dort wieder in die Dr. Weilersche Nervenheilanstalt in Westend zurückgebracht worden, nachdem sich auch der Untersuchungsrichter davou überzeugt hatte, daff Rendant Bartels gegenwärtig schwer krank ist. Zigarrenabschneidcdosen mit August Bebels Brustbildnis in Gravür, Namenszug, Geburts- und Todesjahr, 6 M. per 199, 59 M. per 1999 Stück franko gegen vorherige Kasse, pries dieser Tage die Firma Hecht u. Weippert, Nürnberg, an. Ein Leser des„Vorwärts", der sich eine Probe dieser Dosen hatte schicken lassen, ersucht uns, mit- zuteilen, daff er in seinen Erwartungen arg getäuscht worden sei. Es handelt sich um minderwertige, mit einem Schneider versehene Blech- schachteln, deren Deckel mit einem Bcbelbildnis überklebt ist. Allem Anschein nach sind diese Schachteln bereits gelegentlich der Jahr- Hundertfeier Jahns angepriesen worden, denn unter dem Bildnis Bebels befindet sich das von Jahn. Daraus schließt der Leser, daß die Firma den Tod Bebels benutzt habe, um die seinerzeit zurück- gebliebenen Dosen jetzt loszuschlagen. Urber 23 999 M. unterschlagen hat der Kälberverläufer Paul Schulze, der seit zwei Jahren im Viehkommissionsgeschäft von Louis Rosenberg auf dem Berliner Viehhof tätig war. Schulze ist, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" mitteilt, gestern von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Er will das Geld vollständig ausgegeben haben. Ueber die Aufhebung eines Hchleritesics berichteten wir in der Dienstagnummer des Vorwärts. In den Angaben, die einer aus polizeilicher Quelle schöpfenden Korrespondenz entnommen waren, wurde u. a. mitgeteilt, daff die Kriminalpolizei den Produktenhändler St. und seine Frau sowie den Händler Fr. und seine Geliebte in einem Lokal an der Ecke Britzer und Kotlbuser Straffe festgenommen habe. Der Besitzer des betreffenden Lokals bittet uns nun, mit- zuteilen, daff ihm von einer solchen Verhaftung in seinem Lokal nichts bekannt sei.___ Vorort- J�aebriebtem Lichtenberg. Die Reorganisation der Armenverwaltung soll nun endlich nach wiederholtem energischen Drängen ernstlich in Angriff genommen werden. Die Aenderung gegen den bisherigen Zustand besteht darin, daff an Stelle der Armen-„Kommission" eine Armen-„Deputation" tritt, die aus Mitgliedern des Magistrats, der Stadtverordneten- Versammlung und aus Bürgerdeputierten zusammengesetzt und mit größeren Rechten ausgestattet sein wird, so daff sich davon eine andere Behandlung� des Fürsorgewesens für Arme und Waisen erhoffen läßt. Die Stadt wird dann in 25 Bezirke mit je einem Vorsteher und Stellvertreter sowie 4— 5 Helfern eingeteilt werden. Der Wahl- ausschuff der Stadtverordnetenversammlung wird sich mit den Vor- schlügen geeigneter Personen zu befassen haben. Eharlottenburg. Der unter städtischer Aufsicht stattfindende Seefischverkaus im Fleischschauamt von Eharlottenburg, Spreestratze 39/31, wurde auch während der wärmeren Jahreszeit ohne Unterbrechung an zwei Tagen in der Woche mit gutem Erfolge durchgeführt. Um der großen Nachfrage nach Seefischen in guter Qualität gerecht zu werden, finden vom 29. August ab a n d r e i T a g e n in der Woche, und zwar Mittwochs. Donnerstags und Freitags Seefisch- Verkäufe im Fleischschauamt statt. Durch diese Maßnahme soll gleichzeitig die Auswahl an Fischen noch reichhaltiger als bisher gestaltet werden. Kommunalwähler können sich in folgenden Lokalen orientieren, ob sie in der W äh I e r l ist e stehen. Für die 1. Gruppe: Ab« stimmungsbezirk A. Genossenschaftswittshaus, Haeselerstraße, Ecke Soorstraße; Wstimmungsbezirk B. Krüger, Spandauer Str. 18; Abstimmungsbezirk 0. Schwanke, Nehrinastr. 2. 2. Gruppe: Ab- stimmungsbezirk A. Rochow, Fritschestr. 24/25; Mstinimungsbezirk B. Kuobelsdorffstr, 41/45; Abstimmungsbezirk Li. Dörre, Danckelmann- straste 13. 3. Gruppe: Abstimmungsbezirk Bade, Kaiserin-Augusta- Allee 52; Abstimmungsbezirk B. Ernst, Reuchlinstr. 6; Abstimmungs- bezirk C. Sievert, Helmholystr. 33; Abstimmungsbezirk I). Rogat, Luisenplatz 3. 4. Gruppe: Abstimmungsbezirke A. und B. Theelen. Kaiser-Friedrich-Str. 45 b, Ecke Pestalozzistraße; Abstimmungsbezirk 0. Lieble, Suarezstr. 4.; Abstimmungsbezirk D. WoczlowSki, Pestalozzi straße 79. 6. Gruppe: Abstimmungsbezirk A. Stiive, Cauerstr. 12; Abstimmungsbezirk B. Hauck, Wallstr. 90; Abstimmungsbezirk C. Hartsiel, Kwchstr. 10. 6. Gruppe: Abstimmungsbezirk A. Kunert, Sesenheimer Str. 11; Abstimmungsbezirk B. Porschel, Kaiser Friedrich-Str. 82; Abstimmungsbezirk C. Ganke, Schillerstr. 38—39. 7. Gruppe: Abstimmungsbezirk A. Prill, Goethestr. 78; Abstimmungs bezirke B. und C. Thunack, Wielandstr. 4. 8. Gruppe: Abstimmungs bezirke A. und B. Ahrens, Ansbacher Str. 11; Abstimmungsbezirk E. Koch, Uhlandstr. 178. Pflicht eines jeden ist es, sofort nachzusehen und nicht bis zu den letzten Tagen zu warten. Elternverein für freie Erziehung. Der am Sonntag, den 17. d. Mts., ausgefallene Familienausflug nach Pichelswerder findet bei schönem Wetter am Sonntag, den 24. August, statt. Treffpunkt vormittags 9% Uhr auf dem Rcichskanzlerplatz. Abmarsch pünktlich 10 Uhr. Für Nachzügler zur Kaffeepause beim Alten Freund. Auch Nichtmitglieder und deren Kinder können daran teilnehmen. Der Vorstand. In der Generalversammlung am Dienstag, ist ein Portemonnaie mit Inhalt gefunden worden. Dasselbe kann von Bade, Kaiserin- Augusta-Allee 52, in Empfang genommen werden. Wilmersdorf. Aus dem Fenster gesprungen ist gestern morgen die 34 Jahre alte Privatiere Eugenie Diederich, Ludwigskirchstraße IIa. Sie wurde dem Kreiskrankenhause in Lichterfelde zugeführt, wo sie bald darauf starb. Schöneberg. Eine Revolverszcne spielte sich gestern in der Kolonnenstr. 27 ab. Dort geriet der 37 Jahre alte Automobildroschkenbesitzer und Chauffeur Traugott Schütze mit seiner Frau in Streit und gab auf sie vier Revolverschüsse ab. Die Schüsse gingen sämtlich fehl. Der Vater und der Schwager Schützes entrissen diesem den Revolver. Hiebet ging ein Swusj lös und Schütze zog sich eine leichte Verletzung zu. Er wurde auf das Polizeirevier in der Siegfriedstraße gebracht und von dort dem Polizeipräsidium Schöneberg eingeliefert. Bei seinem Verhör gab er an, er sei aus Eifersucht und anderen Gründen sinnlos erregt gewesen, als er die Schüsse aus seine Frau abgab. Er wurde ins Untersuchungsgefängnis Moabit übergeführt. Ober-Schöneweide. Bon einem Automobil überfahren und getötet wurde vorgestern abend der 13jährige Max Zichmann, der Sohn eines in der Rudower Straße wohnenden Graveurs. Der Knabe spielte mit mehreren anderen Kindern am Waldrand beim„Kyffhäuser" mit einem Ball. Das Spielzeug war dabei auf den Straßendamm gefallen und der kleine Z. wollte es wieder zurückholen. In diesem Augenblick kam ein Privatautomobil aus Köpenick heran, ohne daß der Knabe es bemerkte. Obwohl der Chauffeur sofort nach Möglichkeit bremste, wurde der Kleine zu Boden gerissen und überfahren. Das ver- unglückte Kind wurde in besinnungslosem Zustand nach dem Elisa- belhhospital gebracht, wo es nach mehreren Stunden infolge innerer Verletzungen und Schädelbruchs verstarb. Nowawes. _ Eine neue Haltestelle hat die elektrische Straßenbahn am östlichen Aufgang zum neuen Bahnhof erhalten. Damit ist nicht nur eine bequeme Verbindung mit dem Bahnhof, sondern vor allem eine ständige Unfallgefahr beseitigt. Bisher war nämlich ein Zusammen- stoß der von der südlichen Ortsseite her die Unterführung passierenden Personen und Fuhrwerke mit der vorüberfahrenden Straßenbahn, deren Warnungssignal infolge des durch die Eisenbahnzüge ver- ursachten starken Geräusches überhört werden können, leicht möglich. Der von der Gemeinde eingerichtete Seefischverkanf ist nach einer längeren Pause jetzt wieder aufgenommen worden. Der Verkauf findet wie bisher durch den Handelsmann Albert Ziegener in der Großbeerenstraße jeden DonnerStagnachmittag in seinem Geschäfts- lokal sowie auf dem Mittwochmarkt statt. Spnnva«. In der Bekanntmachung deS Magistrats wird betont, daß die Polizeireviere die Wahllegitimationen für in Berlin und anderen Orten Beschäftigte unterzeichnen sollen; letzteres wird jedoch von einigen Revieren abgelehnt. Wir ersuchen alle diejenigen, die ab- gewiesen worden sind, ihre Adressen dem Genossen R. Appoldt, Lynarstraße, mitzuteilen. Im übrigen ist nach einer Anfrage be- stätigt worden, daß die Reviere die Legitimation unterzeichnen tollen. Die Partei- und Gewerkschaftsgenossen mögen daher den Dienst- habende» darauf aufinerksam machen. Die Adresse des- Genossen Appoldt ist Lynarstr. 10. Der Kartellausschuß. F. A.: R. Appoldt. Der städtische Arbeitsnachweis, der im Polizeigebäude unter- gebracht werden soll, wird voraussichtlich bereits am 1. Oktober d. Js. in Tätigkeit treten. Die Satzungen werden in nächster Zeit von einer nur aus Magistraismitgliedern und Stadtverordneten be- stehenden besonderen Kommission ausgearbeitet. Zur Leitung des Arbeitsnachweises ist ein Magistratssekretär in Aussicht genommen. Auffallend ist es, daß der Arbeitsnachweis in organische Verbindung mit der Armenpflege gebracht werden soll, um Personen, die durch unverschuldete Arbeitslosigkeit in Not geraten sind, ihren Verhält- nisten angepaßte Beschäftigung zuzuwenden. Die organisierte Arbeiterschaft hat jedenfalls alle Ursache, ein wachsames Auge auf den Arbeitsnachweis zu richten, damit derselbe nicht zur Streik- brechervermittlung benutzt wird. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Adlershof. Am Donnerstag, den 21. August, nachmittags Sfl, Uhr, im Sitzungssaale, Bismaickstr. 1. Tagesordnung u. a.: Verbesserung des Feueralarmwesens: Rathausbau und Errichtung einer Fortbildungsschule. Friedrichsfelde-Karlshorft. Freitag, den 22. d. M., abends S>/, Uhr, in der Aula der 1. Volksschule, Rummelsburger Straße. Rosenthal. Donnerslag, den 21. August, abends 6 Uhr, in der Aula der Gemeindcschule Schillerstraße. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige isi be- rechttgt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Wasserstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , Bceskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn M