Mr. 216. fflwmwmentS'Bedingungen: ■otmanoüä• PreiZ pränumerando: fBtaie5ä%tI. 8,30 Mk, monatl. 1,10 MI, I wöchentlich W Psg. frei ws Haus. 'Einzelne Nummer 5 Mg. Sonntags. isummer mit illustrierter Sonntags. t Vellage.Die Neue Well' 10 Psg, Post- - Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. - Eingetragen in die Post- Zeitungs. ? Preisliste. Unter Kreuzband für DeutschlaTll» und Oeslerreich. Ungarn 'ÜSO Marl, für das übrige Ausland , i Marl pro Monat. Postabonnements prehmen am Belgien. Dänemark, �Holland, Jtalüm, Luxemburg, Portugal, nBumänicn, Schweden und die Schweiz. r 36. Jahrg. Die MerfloitS'GcbüIjr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- zeilc oder deren Raum SO Pfg„ für politische und gewcrlschastliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 80 Psg, „Aleine Unreigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig, Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcöjsnct. clichelnt tZgNch. Verl in ev VolksblAtt. Telegramm-Adrefle: „Sozialdemolirat Berlin". Zcntfalorgan der rozialdemobrattfcbeii Partei Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt Moritiplat!, Nr. 1383. Freitag, den 22. August 1613. Expedition: 8Al. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS8d» Keine Nahlreform! Abermals � hat eine Zeitungskorrespondenz die Nachricht derbreitet, daß dem preußischen Landtag in der nächsten Session keine Wahlreformvorlage zugehen werde. Man werde es vielmehr wieder so machen, wie das letzte Mal: nämlich erst in aller Gemütsruhe die Statistik über die letzte Wahl ausarbeiten lassen, um dann erst dem Landtag die Vor- läge zu präsentieren. Daß sich keine der bürgerlichen Parteien über solche Ver- schleppung sonderlich aufregt, braucht nicht in Erstaunen zu setzen. Sie alle würden ja schließlich unter dem elendesten oller � Wahlsysteme ruhig weiterwursteln, wenn nur einige «Schönheitsfehler" beseitigt würden. Konservativen und Frei- ikonservativen ist das bestehende schmachvolle Wahlrecht ja geradezu auf den Leib geschnitten. Und auch das Zentrum würde etliche für es empfindliche Mängel sicherlich. ohne Murren mit in den Kauf nehmen, wenn es nicht als„Volks- tümliche" Partei einige Rücksicht auf seine proletarischen Wähler nehmen müßte. Die Nationallibcralen ihrerseits wären schon zufrieden, wenn nur die WahlkreiSdrittelung nach llrwahlbezirken—- das einzige, was hin und wieder auch den proletarischen Wählern zugute kommt!— beseitigt und die allzu agrarische Wahlkreisgeometrie ein wenig— aber ja nicht allzusehr— abgeändert würde, so daß schließlich von allen bürgerlichen Parteien nur die Fortschrittliche Volks- Partei übrig bliebe. Aber auch die hat ja noch in den letzten Jahren wiederholt durch ihre Fraktionsredner erklären lassen, daß sie schon ganz zufrieden damit wäre, wenn nur erst ein mal das direkte und geheime Wahlrecht eingeführt würde, t Es könnte deshalb scheinen, als ob die Regierung ja auch aar keine Ursache hätte, sich mit der Wahlrefonn zu beeilen. Aber es scheint auch nur so. Denn daß allein hinter der Sozialdemokratie mehr als ein Drittel des deutschen Volkes steht, weiß die Regierung ganz genau. Sie weiß nicht minder, daß ein sehr großer Teil der Zentrumswähler gleichfalls' die Uebertragung des Reichstagswahlrechts fordert, so daß die Mehrheit des preußischen Volkes unzweifelhaft hinter der Forderung des gleichen Wahlrechts steht. Gegner der schleunigen Einbringung einer Wahlrechtsvorlage vollends sind nur Konservative und Freikonservative, also ein winziger Prozentsatz der Wähler. Wenn also die Regierung die neue Wahlreform auch jetzt, nach den Neuwahlen, abermals unter den fadenscheinigsten Gründen zu verschleppen sucht, so zeigt sie sich nur als den geschmeidigen Lakaien der diktatorisch gebietenden Junkersippe. Ganz davon abgesehen, daß sie das feierliche Versprechen der Thronrede immer mehr zum K i n d e r g e s p ö t t macht und damit dem bitter- bösen historischen Urteil über preußische Königsworte immer mehr Berechtigung gibt!. Nur wenn es gilt, längst verrottete Mißstände zu besei- tigen, wenn es sich darum handelt, dem mißhandelten und skandalös entrechteten Volke feierlichst verheißene Reformen zu gewähren, läßt Herr v. Bethmann Hollweg sich in philo- sophischer Ruhe Zeit. Die drängenden Mahner läßt er dann durch den keifenden Polizeiminister v. Dallwitz im Unter- offizierston und unter dem tosenden Beifall der Junker ab- trumpfen. � Wenn es dagegen gilt, Jahr für Jahr die un- geheuerlichstett Opfer für den Militarismus vom Volke einzu- treiben, dann ist der Major v. Bethmann Hollweg der eifrigste und willfährigste Handlanger der Herren Militärs!j Vielen Zehntausenden von Proletariern mehr wird jetzt zugemutet, sich auf zwei und drei Jahre in den„vornehmsten Rock" stecken und von den„Stellvertretern Gottes" schurigeln zu lassen. Gewaltige materielle Opfer werden diesen Proletariern und ihren Angehörigen zugemutet, selbst wenn die Masse für dies Jahr einem neuen Aderlaß durch indirekte Steuern entgangen ist. Neue riesige Militärrüstungen— für See- und Luftwehr namentlich— sind für die nächste Zeit schon zu gewärtigen und damit sicherlich auch neue materielle Lasten für die breite Masse der Nichtbesitzeuden. Neue, schwerste Pflichten und Lasten werden dem Volke aufgebürdet— aber an die Erweiterung der Rechte des Volkes denkt Herr v. Bethmann Hollweg nicht! Mehr noch. Eine schwere Wirtschaftskrise— von Hundert- taufenden schon heute schmerzlich empfunden— droht über das deutsche.Volk hereinzubrechen. Die Kosten der Lebens- Haltung sind dank Zollwucher und Grenzsperren, dank der künstlichen Verteuerung der notwendigsten Nahrungsmittel enorm gestiegen und steigen noch Jahr für Jahr, Monat für Monat,— die Löhne der Arbeiter aber, statt gleichfalls zu steigen, stocken oder werden gar unter brutaler Ausnutzung der Arbeitslosigkeit herabgedrückt. Die besitzende Klasse, das kapitalistische Ausbeutertum hat so ungeheuere Reichtümer ge- sammelt, daß es über die Wirtschaftskrise hinwegkommt, ohne auch nur den berauschenden Luxus seiner Lebensführung ein- schränken zu müssen. Das Proletariat dagegen mag sehen, wie es fertig wird, mag Not und Elend geduldig ertragen und zähneknirrschend zusehen, wie die Bourgeoisie sich's auf Kosten des wirtschaftlich ausgebeuteten und politisch entrechteten Volkes wohl sein läßt! Soll das wirklW? so weiter gehen, Jahr um Jahr. Jahr- zchnt um Jahrzehnt? Soll das preußische Proletariat sich auch künftig von Junkern, Pfaffen und Schlotbaronen gängeln unt� knuten lasten? Aber was soll, was kann die Masse tun, um endlich ihres schimpflichen Helotentums ledig zu werden? Es gibt innerhalb der Sozialdemokratie etliche„Diplomaten", die uns davon überzeugen möchten, daß wir uns nur mit den Herren Liberalen über einen klugen Schlachtplan'zu verständigen brauchten, um auch bei der Wahlreform'„praktische", „positive" Arbeit zu leisten. Nun, der letzte preußische Parteitag hat ja hinlänglich bewiesen, was man von solcher Strategie hält. Von anderer Seite ist immer dringlicher die Anwendung energischerer Mittel empfohlen worden. Wir brauchen die Formel„Massenstreik" nicht erst zu nennen. Im Prinzip ist in der Parteipresse kaum etwas gegen den Massen- streik gesagt worden. Das war ja auch angesichts zweier Parteitagsresolutionen nicht gut möglich. Wohl aber hat man die Frage aufgeworfen, ob denn der Massenstreik auch als Angriffswaffe tauglich sei. Ja, man hat sogar ge- fragt, ob denn das preußische Wahlrecht den Massenstreik wert sei. Unserer Ueberzeugung nach ist der politische Massenstreik nicht nur da am Platze, wo es gilt, ein Attentat gegen die Proletarierinteressen abzuwehren, sondern auch da, wo es gilt, dem Fortschritt eine Gasse zu bahnen. Es wäre ja noch schöner, wenn eine Partei, die die Welt erobern will, sich ihrer wuchtigsten Waffe nur zur Defensive bedienen wollte. Wer vorwärts will, für den muß des alten Liebknecht kampffrohes Wort gelten: Immer in der Offensive. Und das preußische Wahlrecht sollte des Massenstreiks nicht wert sein? Und warum? Weil es ja die Junkermacht nicht nur auf politischem Gebiete, sondern auch auf dem der Ver waltung zu entwurzeln gelte. Ja, glaubt man denn, eine Demokratisierung des preußischen Wahlrechts würde die junkerliche Machtstellung in der staatlichen Exekutive, in der Verwaltung, unangetastet lassen? Oder glaubt man die Junker eher aus der Verwaltung als aus dem Dreiklassen Parlament herauswerfen zu können? Wir fordern die preußische Wahlreform ja nicht um des willen, um dort 30, 40 oder 50 Sozialdemokraten statt der jetzigen 10 hineinzubringen, um dort nun diese oder jene kleine Reform durchsetzen zu können, sondern um einen neuen Vorstoß gegen Junker- und Bourgeoisregiment zu unter- nehmen. Wir wollen vorwärts, wenn im Tempo auch nur schrittweise, so doch Schritt für Schritt, unauf haltsam,.um die soziale Demokratie immer konsequenter durchzusetzen! Die Eroberung jeder neuen Position ist die Voraussetzung für die nächste höhere Etappe. Jeder Schritt ist von äußerster Wichtigkeit, ist des Einsetzens der höchsten Kraft des Proletariats wert. Wir wollen den Massen nicht von heute auf morgen märchenhafte Erfolge versprechen, aber wir müssen. ihnen um so energischer klar machen, daß es des höchsten Kampfeseifers und Opfer- muts bedarf, um auch nur schrittweise vorwärts zu kommen Je schläfriger und passiver die Regierung in Sachen der Wahlreform wird, desto leidenschaftlicher und tatkräftiger muß die Arbeiterklasse ihre Sache führen. Erst wenn die Wahl- rechtsheloten den Wahlrechtsgegnern keinen Zweifel mehr lassen, daß es ihnen bitter e r n st ist mit der Erkämpfung ihrer Rechte, wird man sich zu ernsthaften Konzessionen bereit finden lassen!_ Kautsky über Bebel. Das deutsche Proletariat, die deutsche Nation, die Jnter- nationale, sie haben ihren besten Mann unter den Zeitgenossen verloren! Der kämpfende und denkende Teil des Proletariats bildet heute in allen kapitalistischen Ländern den besten, den selbst- losesten, rastlos höherstrebenden und vorwärtstreibcndcn Teil der Nation. Das deutsche Proletariat wieder ist vorbildlich geworden für die Proletarier aller Länder. Die Elite dieses Proletariats endlich wurde bisher gebildet durch die Generation, zu der August Bebel gehörte. Und in ihr stellte er die machtvollste Persönlichkeit dar. Alle ihre Vorzüge finden wir in ihm in höchster Potenz vereinigt. Untersuchen wir die Historischen Bedingungen, denen jene Elite entsproß, dann lernen wir auch die Bedingungen kennen, aus denen Bebels Bedeutung für die proletarische Bewegung, seine historische Leistung hervorging. Man kann sagen, daß gerade aus der Kleinheit der Partei damals die Größe ihrer Bekenner erwuchs. Als ein Häuflein von Narren mit aussichtslosen Zielen er- schien sie noch vor vierzig Jahren selbst der großen Masse der Proletarier. Ernster wurde sie von den herrschenden Klassen ge- nommen. Deren Klassenbewußtsein war schärfer ausgebildet, es witterte in dem jungen politischen Gebilde sofort eine Gefahr, die durch energischste Verfolgungen im Keime erstickt werden mußte. Auch Bebel wußte ein Lied davon zu singen. Es erforderte unter diesen Umständen ebenso außerordentliche Intelligenz und Selbständigkeit des Denkens, sich zum Verständnis des Sozialismus durchzuringen, wie außerordentliche Charakter- stärke, sich offen zu ihm zu bekennen. Andererseits aber begünstigte die Zeit, in der Bebel zum Polt- tiker heranreifte, das Erstehen revolutionärer Leidenschaft und revolutionären Denkens, das heißt eines Denkens, das die ganze Gesellschaft in sein Bereich zieht, ihre Umwandlung von Grund auf anstrebt. Es war eine Zeit, in der das revolutionäre Proletariat sich allenthalben wieder zu recken begann nach dem Schlafe, dey es feit 1849 gehalten, wo aber auch die bürgerliche Revolution noch ihre letzten Ausläufer entsandte. Throne wankten und wurden umgc- stürzt, nichts schien sicher, dem Kühnen alles erreichbar. Garibaldi stürzte das Königreich Neapel mit tausend Mann, vor dem Auge des Königs Wilhelm von Preußen erschien das Schreckbild des von seinen Untertanen geköpften Karl I. von England, Bismarck be- trachtete die verschiedensten revolutionären Gruppen als Mächte, deren Gunst zu erkaufen sich wohl lohnte, Napoleon wurde gestürzt. die Republik in Frankreich proklamiert, Paris monatelang vom Proletariat beherrscht. Und- selbst der starre Osten kam in Bewe- gung. Rußland schaffte die Leibeigenschaft ab, und Oesterreich bekam ein liberales Ministerium. Das Proletariat selbst wurde schon zu einer Weltmacht durch die Internationale, vor der die Herrschenden zitterten. Das waren Zustände, die revolutionäre Hoffnungsfreudigkeit aufs höchste begünstigten, das revolutionäre Denken sör- derten, aber nicht minder das internationale Denken, wo- durch sie ebenfalls den Gesichtskreis des Proletariats erweiterten. Am meisten in Deutschland. Auch hier wieder wegen der Kleinheit seiner Bewegung. Lernen konnte es nicht aus der eigenen Ver- gangenheit, sondern nur aus der der englischen und französischen Bewegung. So wurde zwar England das Zentrum der inter- nationalen Organisation, aber das internationale Denken entfaltete sich zuerst als Massenerscheinung im Proletariat Deutsch- lands. In ihm bildete sich jene eigenartige Mischung französischer re- volutionärer Leidenschaft und englischer Nüchternheit mit einem ausgeprägten theoretischen Sinn, der Marx und Engels an den deutschen Arbeitern besonders auffiel. Ein theoretischer Sinn, der sich nicht etwa in der Vorliebe für abstrakte Spekulationen äußerte, sondern darin, daß er keine soziale Erscheinung für sich allein be- trachtete, sondern stets in ihrem Zusammenhang mit der Gesamt- bewcgung der Gesellschaft. In dieser Atmosphäre wuchs der junge Drechsler heran, als Tastender und Suchender, der aber bald Klarheit gewann über- den Weg, den er zu wandeln hatte und den er seitdem unbeirrt weiter- gewandelt ist, arbeitend und kämpfend bis zum letzten Atemzug. Er fand keine fertige Partei vor: die ihm eine Richtschnur hätte bieten können. Sie war ebenso im Tasten und Suchen begriffen wie er selbst, und Klarheit und Konsequenz hat sie erst mit ihm und nicht zum wenigsten durch ihn gewonnen. Wohl hatten Marx und Engels schon vor ihm sichere theoretische Grundlagen für den Klassenkampf de» Proletariats gegeben, aber ihre praktische Anwendung auf die Organlsatiau und Taktik des deutschen Proletariats war erst zu finden, und mit stchmm Instinkt fand sie Bebel, ehe er noch ein klarer Marxist ward. Keiner verstand besser als er die Bedürfnisse des Proletariats und seiner Zeit; mehr als ein anderer in Deutschland hat er dazu beigetragen, der proletarischen Bewegung ihre Formen zu geben und ihre Ziele zu weisen. Soweit man von einem einzelnen sagen kann, daß er sie geschaffen, hat er die Grundlagen der O r g a n i- s a t i o n unserer Partei gelegt, die seit mehr als vier Jahrzehnten so glücklich die Bedürfnisse nach zentraler Zusammenfassung der proletarischen Kräfte zu einheitlichem Handeln mit dem Bedürfnis nach demokratischer Selbstbetätigung der Massen zu vereinigen weiß. Und Bebel war es auch in erster Linie, der jene Taktik schuf, die seit den ersten Reichstagswahlen bis heute unsere Partei in stetem Vorwärtsdringen von Sieg zu Sieg geführt� hat und die für die ganze Internationale vorbildlich geworden ist. Ein vollendeter Parlamentarier, nicht nur als glänzender und wuchtiger Redner,, sondern auch als kluger Taktiker, hat er nicht zum wenigsten durch seine parlamentarischen Leistungen den Par- lamentarismus in den Mittelpunkt der proletarischen Bewegung gestellt. Und soweit man unter Parlamentarismus nicht btefr- parlamentarische Verhandlungen, sondern auch Kämpfe um das Parlament, Wahlkämpse und Wahlrechtskämpfe versteht, hat er da- mit ein Beispiel gegeben, das noch lange nachwirken wird. Aber trotz seiner eminenten parlamentarischen Begabung und seiner gewaltigen parlamentarischen Erfolge hielt er sich fern von jener Ueberschätzung des Parlamentarismus, die Marx als parla- mentarischen Kretinismus bezeichnete. Er betrachtete die parla- mentarische Tätigkeit stets in ihrem Zusammenhang mit der Ge- samtheit des proletarischen Klassenkampfes, mit dem sie in untren»- barer Wechselwirkung steht, aus ihm Kraft schöpfend und ihm neue Kraft verleihend..>-.>»>.. Bebel sah in den Parlamentswahlen bei allgemeinem gleichen Wahlrecht das beste unter den bisher erprobten Mitteln, das Pro- letariat aufzurütteln zu einheitlichen Massenkundgebungen seines Willens; er sah in der parlamentarischen Tribüne das wirksamste Mittel, unsere Anschauungen in die weitesten Kreise zu tragen, die Aufklärung und Organisation der Massen zu beschleunigen. Nicht minder hoch als die agitatorische schätzte er aber die praktische Wirkung der parlamentarischen Tätigkeit durch positive Errungen- schaften ein, die, an sich unter den gegebenen Verhältnissen not- wendigerweise gering, doch bedeutend werden köeuien, Ivenn sie dem Proletariat neuen Boden und neue Möglichkeiten erhöhter Kraftentfaltung gewähren und die Massen diese Möglichkeit durch intensivste Tätigkeit namentlich auf gewerkschaftlichem Gebiet aus- giebig ausnutzen. In der steten Wechselwirkung zwischen parlamentarischer Tätig- keit und der Selbsttätigkeit der Massen sah Bebel die beste Bcdin- gung, das Proletariat für seine politische Herrschast reis zu machen, deren Erringung er freilich nie von rein parlamentarischen Methoden erwartete. Indem er besser als ein anderer die dauernden praktischen Be- dürfnisse und Bedingungen der proletarischen Massenbewegung erkannte und ihnen aufs zweckmäßigst« Rechnung trug, gleichzeiüg aber auch hinreißender als jeder andere ihrer leidenschaftlichen Empörung gegen jede Knechtung und Niedertracht Ausdruck gab, erwarb er bei den proletarischen Massen ein Vertrauen nicht bloß in Deutschland, sondern überall, wo es eine sozialistische Bewegung gibt, wie es keinem anderen in den letzten Jahrzehnten beschieden war. Aber er gewann nicht bloß ihr freudiges Vertrauen zu seiner Führerschaft, er gewann noch weit mehr. Er gewann ihre unbe- grenzte Liebe und Verehrung, denn er war nicht bloß ein großer Denker, ein siegreicher Kämpfer, er war auch einer der anziehendsten Menschen, die es gegeben hat, von einer außergewöhnlichen Selbst losigkeit und bei allem Selbstbewußtsein von großer Bescheidenheit. Er war und' blieb stets der ideale Proletarier, auch in seinem ethischen Empfinden. Wohl war er sich dessen bewußt, daß es eine absolute Moral nicht gibt, daß jede Ethik nur relativ ist, aber das ließ ihm die Ethik der Schicht, in deren Reihen er kämpfte, nicht minder bindend erscheinen. Sein Privatleben war musterhaft, wie selbst seine erbittertsten Gegner anerkannten, sein Pflichtgefühl aufs höchste gespanut. Nicht etwa, daß er ein finsterer Puritaner gewesen wäre. Gleich dem modernen Proletarier überhaupt war er vernünftigem Genießen geneigt. Aber er haßte jeden Genuß auf Kosten an- derer, jeden Genuß, der durch eine Pflichtverletzung erkauft ward. Der zärtlichste Familienvater, der treueste Freund, war er auch der gewissenhafteste Arbeiter im Parlament und im Parteivorstand, der selbstloseste und hilfsbereiteste Genosse. Vielleicht nicht weniger als seine große historische Leistung haben ihm diese moralischen Vorzüge jene unbegrenzte Liebe ein- getragen, in der wir alle zu ihm wie zu einem Vater aufschauten, so daß wir auch feinen Verlust so tief empfinden wie den eines Baters. Für ihn aber wurde diese allgemeine Verehrung wieder ein Mittel, das seine historische Leistung förderte. Er war eine kraftvolle Kampfnatur nicht nur gegenüber den gemeinsamen Gegnern, sondern auch innerhalb der Partei gegen über den Gegnern seiner Richtung. Und doch sahen die Genossen alle, welcher Richtung immer sie angehören mochten, in ihm stets den besten, den berufensten Anwalt ihrer Interessen. Er galt keinem von ihnen, bei aller Schärfe seines Auftretens, bloß als der Ver treter einer einzelnen Richtung innerhalb der Partei,' in ihm sahen sie stets den Vertreter der Gesamtheit. Wie kein anderer verkörperte er die Einheitlichkeit unserer Be wegung, und wie kein anderer war er dazu berufen, sie zu der- körpern. Dank seinem großen und weiten Blicke, dank seiner Ge- wohnheit, stets die fernsten Konsequenzen eines jeden Schrittes zu überlegen, ehe er sich zu ihm entschloß, war sein ganzes Leben von eherner Einheitlichkeit und Konsequenz. Die Prosperität hat in ihm nie Illusionen erweckt, die ihn nach rechts drängten, die Krise nie Verzweiflungsstimmungen, die ihn nach links über die Schnur hauen ließen. Die ungeheure Autorität, die er errungen, ermög lichte eS ihm, leichter, als es sonst geworden wäre, die Partei stets auf ihrem geraden Wege zu erhalten und sie vor Zickzackirrungen zu bewahren, die sie sonst schwere Enttäuschungen und Opfer ge kostet hätten. Frühzeitig, schon in den ersten Jahren seiner parlamentarischen Tätigkeit, hat er diese Autorität erworben. Er hat sie bewahrt und stetig vermehrt bis ans Ende seines langen und kampfreichen Lebens. Wie er als junger Mann schon wirkte, bezeugt am besten der Eindruck, den er auf Engels und Marx machte. Strengere Kritiker wie die beiden konte man sich kaum denken. Sie legten den höchsten Maßstab an, und es gab keinen, an dem ihr scharfes Auge nicht Mängel entdeckt hätte— ausgenommen Bebel. Er war der einzige, der ihr uneingeschränktes Lob erwarb. Und das Urteil, das unsere beiden Meister gefällt, es ist seitdem bekräftigt worden durch das einstimmige Empfinden des Proleta riats der Welt. Wir haben diel, unendlich viel in unserem toten Vorkämpfer und Freund verloren. Aber je bedeutender der Mensch, desto weniger erschöpft sich seine Wirkung in seinem Leben, desto länger überdauert eS ihn— und das ist die einzige Unsterblichkeit, an die wir glauben. > So viel wir in unserem August Bebel verloren haben, nicht nur in dem väterlichen Freund, sondern auch in dem gewalttgen Redner und dem einsichtsvollen Berater, dem zuverlässigen Helfer, so bleibt uns doch von ihm noch unendlich mehr als bloßes Er innern. Die Fundamente der Organisafion und Taktik, die er legte, sind so tief gegründet, sie werden nicht bloß durch eine jahrzehnte- lange Tradition, sondern durch die lebendige Wucht der tatsächlichen Verhältnisse so machtvoll geschützt, daß die Einheitlichkeit unserer Partei auch ohne ihren getreuen Eckart nicht gefährdet ist. Der Sämann ist gefallen. Aber seine Saaten reifen rasch. Er selbst hatte noch das Glück, sie sprießen und grünen und heran- wachsen zu sehen. Die Ernte selbst einzuheimsen war ihm nicht vergönnt. Ein anderer Schnitter hatte ihn vorher gefällt, der noch manchen von uns fällen wird, ehe wir die Ernte einbringen können. Doch werden wir das Erntefest um so eher feiern dürfen, je mehr wir August Bebel nacheifern, je einheitlicher und konsequenter wir die Bahn weiter verfolgen, die er uns fast ein halbes Jahrhundert lang unermüdlich, sicher und treu mit wachsendem Erfolg ge- führt hat._ Es entstand nun die Frage: Wie konnten die Grund stückserwerber wissen, daß bei Zossen ei Truppenübungsplatz errichtet wird? Daß hier eine Indiskretion vorgekommen ist, kann kaum einem Zweifel unter' liegen. Die Aufklärung darüber wird Sache der gerichtlichen Fest stellungen sein. Generalleutnant v. Staads gab in der Sitzung des Reichstages vom 26. April 1913, in der Abg. S t ü ck l e n die Grundstücksgeschäfte zur Sprache gebracht hatte, zu, daß die Spekulanten hohe Gewinne eingeheimst haben, er glaubte aber, ver sichern zu müssen, daß die Heeresverwaltung die Absicht, bei Zossen einen Truppenübungsplatz zu errichten, streng geheim gehalten habe. Weiter meinte er, auch die Spekulanten konnten davon nichts wissen, und wenn sie dort Grundstücke gekauft haben, dann lediglich deshalb, weil sie dort— Jagdgüter errichten wollten I Den guten Glauben des Generals wollen wir nicht bezweifeln, aber eS wäre doch eine merkwürdige Schrulle, auf meilenweitem Sandboden mit höchst dürftigem Föhrenbestan Jagdgüter errichten zu wollen und zu diesem Zweck b ä u er liche Anwesen— also Häuser, Scheunen und Stallun gen— anzukaufen! Daß dieses ungeheuerliche Grundstücksgeschäft in der Oeffentlichkeit bekannt wurde, ist dem Pfarrer Stier Motzen, eine der ausgekauften Gemeinden, zu danken. Der Pfarrer setzte es durch, daß die Gemeinde schleunigst eine Umsatz st e u e r beschloß, um der Gemeindekasse einen Teil des Spekulanten gewinns zu sichern. Die Genehmigung zur Erhebung dieser Steuer traf aber erst ein. als die Geschäfte bereits abgeschlossen waren,' die Gemeinde hatte also das Nachsehen. Der Pfarrer machte für diese Verzögerung den Landrat verantwortlich, daraus entstand schließlich ein Disziplinarverfahren gegen den Pfarrer, den man sogar, gestützt auf ärztliche Zeugnisse, als mit dem Ouerulantenwahn behaftet hinstellte. Die von dem Pfarrer angegriffenen Personen kamen auf diese Weise um eine gerichtliche Klage herum, denn eine gerichtliche Klage gegen einen Geisteskranken mußte ja von vornherein als aussichtslos erscheinen. Vor dem Evangelischen Oberkirchenrat, vor dem sich der Pfarrer im Disziplinarwege zu verantworten hatte, wurde jedoch festgestellt, daß der Pfarrer geistig vollkommen normal ist. DaS Urteil, das auf Versetzung in ein andere? Pfarramt lautete, stellte ausdrücklich fest, daß der Pfarrer auS u n e i g e n- nützigen, edlen Motiven gehandelt habe. Trötz dieses Ausganges der Disziplinarsache klagten die angegriffenen Personen auch jetzt nicht, sie beriefen sich zum Beweis dafür, daß der Pfarrer im Unrecht war, auf seine Versetzung, wiewohl diese Versetzung aus einem armen, unscheinbaren Nest ganz gewiß nicht als Strafe er- achtet werden kann. Sie wird wohl mehr um des lieben Friedens willen erfolgt fein. Daß der Kriegsminister nunmehr den einzig möglichen Weg, die Sache in aller Oeffentlichkeit zu klären, eingeschlagen hat, ist mit Freuden zu begrüßen. Dem Wirklichen Geheimen KriegSrat Selle wird damit Gelegenheit geboten, unter seinem Eide zu be künden, daß er von der Absicht, bei Zossen einen Uebungsplatz zu errichten, keinem Menschen ein Wort gesagt hat, und der Bürger' meister von Zossen, Dr. Wirth, der Amtsvorsteher Richter in Sperenberg, der Bankier S t e i n t h a l und die anderen an- gegriffenen Personen werden als Zeugen unter ihrem Eid bekunden müssen, ob und bejahenden Falles von wem sie Jnformafionen empfangen haben. Der Beauftragte des Kriegsministeriums, Kom> missionSrat Richter, hat eine Kommissionsgebühr von'/« Proz. bekommen, bei dem hohen Objekt eine nette Summe; ihm stellte der General- leutnant v. Staabs das Zeugnis aus, daß ihm keinerlei Vorwurf gemacht werden könne, um so weniger, als der KommissionSrat zwar für seine Rechnung auch 390 Morgen Land erworben hatte, diese aber dem FiSkuS zum Selbstkostenpreis überlassen habe. Wie sich dieser Selbstkostenpreis zusammensetzte, wird wahrscheinlich auch Gegenstand der gerichtlichen Nachprüfung sein müssen, denn es ist nötig, daß dieses Grundstücksgeschäft gründlich durchleuchtet wird sowohl im Interesse der Steuerzahler als auch in dem der HeereS' Verwaltung, die bei Grundstücksgeschäften nicht gerade immer eine glückliche Hand bewiesen hat. politische(leberlicbt. Tas Erfurter Zuchthausurteil. Für die Berufung gegen das bekannte Zuchthausurteil des Erfurter Kriegsgerichts ist jetzt der Termin auf den 3. und 4. September angesetzt. Geladen sind 38 Zeugen, zum Teil solche, die zum ersten Termin nicht geladen waren. Die Ver- teidigung haben die Rechtsanwälte B a r n a u- Berlin und S ch n e i ch e l- Erfurt übernomnien. geometrie geben, die die schärfsten Kämpfe nach sich ziehen müßte. Aber selbst, wenn man auf solche Kämpfe nicht Rücksicht nehmen wollte, man würde doch durch die Abänderung der Reichstags» Wahlkreise keineswegs und keinesfalls einen idealen Zustand herbeiführen. Die Klagen über die Verschiedenartigkeit würden nicht verstummen, sondern in kurzer Zeit noch viel lauter erschallen als jetzt." Diesem letzteren Bedenken könnte sehr gut dadurch abgeholfen werden, daß man in die Verfassung eine Bestimmung aufnehmen würde, daß die Reichstagswahlkreise etwa alle zehn Jahre neu ein- zuteilen wären. Die Besorgnisse der.Deutschen Tageszeitung' liegen aber auf einem anderen Gebiet, denn bei einer Neueinteilung der Wahlkreise würden den Konservativen einige ihrer volksarmen Domänen in Ostelbien verloren gehen. Der Hinweis auf die geschichtlich gewordenen Verhältnisse ist völlig verfehlt, denn die Aufrechterhaltung des junkerlichen Einflusses ist keines» wegs eine geschichtliche Notwendigkeit. Heute liegen die Dinge so, daß die städtische Bevölkerung bei der Ausübung des Wahl» rechtes ganz wesentlich benachteiligt wird den ländlichen Kreisen Ostelbiens gegenüber, und es ist bezeichnend, daß das agrarische Blatt es sofort mit der Angst zu tun bekommt, wenn eine gerechte Einteilung der Wahlkreise erstrebt wird. Allerdings für Gerechlig» keit haben die preußischen Junker niemals eine besondere Vorliebe gehabt. Nochmals die„Alkoholbegeisterung" der Katholikentage. Die„Köln. Korr.', die sich über die.Alkoholbegeisterung' und die durchbummelten.Katholikennächte" auf den Katholikentagen auf- gehalten hatte, tritt nach der energischen Zurückweisung, die ihre Aeußerung durch die Zentrumsleiter erfahren hat, einen Rückzug an. Sie schreibt in ihrer letzten Nummer: .Der Artikel in der letzten Nummer der„Köln. Korr.' über die deutschen Katholikentage ist in Abwesenheit des redaktionellen Leiters ohne vorgängige eingehendere Durchsicht erschienen. Er ent- hält ein paar Behauptungen, die wir nicht aufrecht erhalten möchten; so. daß der Alkoholgenuß während der Katholikentage 39 Proz. der Begeisterung beitrage, uns daß die meisten aus remden Provinzen Zugereisten hauptsächlich des Vergnügens halber kämen. Abgesehen von diesen beiden Stellen, die wir gestrichen hätten, gibt der Aufsatz eine unseres Erachtens richtige Schilderung der Katholikentage, wir sie seit 19—12 Jahren sind. Wir haben durchaus nichts dagegen, wenn die Katholikentage dem Zentrum dienen, wie sie es auch in Wirklichkeit tun, denn Zentrum und Katholikentage find auf demselben Boden entstanden, auf dem katholischen Boden, von dem sie beide jetzt noch leben. Die„Rheinisch-Westf. Ztg.' vom 13. August verschärft den Artikel der.Köln. Korr.', indem sie durch eine Auslassung den Anschein erweckt, als behaupte die Korrespondenz,« die meisten Besucher der Katholiken« tage gingen zu diesen Veranstaltungen der Vergnügungen wegen. Der Artikel besagt dagegen, nur unter den Zugereisten aus fremden Provinzen kämen die meisten, um vergnügte Tage zu verleben. DaS Blatt meint weiter, die Kölner und wir zögen doch eigent« lich an demselben Strange. Nein, es ist der Kölner Richtung bitter ernst mit ihren Entklerikalisierungstendenzen und ihrer Entkonfessionalisierungspolitik l Meint die.Rhein.-Westf. Ztg.', die ganze Kölner Richtung sei eitel Komödie? Warum er- klären uns die Kölner dann nicht in oamsrs. oaritatis:.WaS ihr agt, das sagen wir ja selbstverständlich auch, nur tun wir so un« katholisch, um die Liberalen einzusaugen?' Das Essener Blatt behauptet weiter, wir hätten nur auS Haß gegen die Kölner ,daS bisher ängstlich gehütete Geheimnis über den wahren Charakter der Tagungen preisgegeben'. Wir hatten behauptet, die Katholikentage dienten dem Jen» trum. Ist denn das ein Geheimnis? Auch die.Kölnische Volkszeitung' wird zugeben, daß die Katholikenversammlungen eine vorzügliche Zentrumsreklame darstellen. DaS liberale Blatt, welches auS seinen wohlbegründeten Sympathien für die Kölner Richtung kein Hehl macht, nennt uns.Ueberkatholiken'. DaS ind wir nicht. Wir befolgen die Weisungen RomS. Wer das tut, das ist kein Ueberkatholik, sondern er ist einfach katholisch. Zu» treffender beehrt unS die.Kölnische VolkSzeitung' mit der Bezeich- nung.integrale', d. h. ganze Katholiken. Damit sagt daS ührende Blatt der Kölner Richtung, daß es selbst nicht integral, h. nicht ganz, sondern nur zum Teil katholisch i st.' ei« neuer militärischer Sensation;- prozeß? Kriegsminister v. Falkcnhahn hat gegen den Verfasser mehrerer Zeitungsartikel, Max Sebaldt, Strafantrag wegen Beleidigung des Wirklichen Geheimen KriegSrates Seile gestellt. Dieser Prozeß verspricht gewaltiges Aufsehen zu erregen. Im Mittelpunkt des Prozesses dürfte der Ankauf des Truppenübungsplatzes bei Zossen stehen. Max Sebaldt behauptet nämlich, daß der Wirkliche Geheime KriegSrat Selle mit einem der Spekulanten, die die Grundstücke erst billig an sich gebracht und sie dann dem Militärfiskus teuer' ver- kauft haben, eng befreundet war und der Verfasser läßt durch- blicken, daß der Spekulant von seinem Freunde informiert worden sein müsse. Diese Angelegenheit hat den Reichstag, sowohl in der Budget- kommission wie auch im Plenum bereits eingehend beschäftigt, ohne daß die Militärverwaltung eine Aufklärung gegeben hätte, die auch nur einigermaßen bestiedigen konnte. Der Truppenübungsplatz in Zossen hat dem Reiche 13 Millionen Mark gekostet, er wäre für etwa 19 Millionen zu haben gewesen, wenn eS hätte verhindert werden können, daß die Spekulation in das Geschäft eingriff. Von den einst dort ansässig gewesenen Bauern wurden sechs Grundstücke für 51 050 M. gekauft, für welche der Bevollmächtigte des Kriegsministers bald darauf den Erwerbern 249 009 M. be- zahlen mußte. Ein Ziegeleibeisitzer in Schönciche hatte einige kleinere Anwesen für 46 539 M. gekauft, er verkaufte sie an einen Bansier Leopold Steinthal in Berlin- Steglitz für 90000 M. Dieser ließ sie dann der Militär- Verwaltung für 221 000 M. ab! Diese Tatsachen, die nur einen kleinen Ausschnitt au« dem ganzm Geschäft bilden, mußten von der HeereSverwalwng al» richtig anerkannt werden- Zur Nachwahl im ersten Hamburgischen Reichstags- Wahlkreise. Die Konservative Vereinigung in Hamburg, eine ganz un- bedeutende politische Gruppe, erläßt folgenden Aufruf: „Durch den Tod des Abgeordneten Bebel ist der erste Hambucgische Reichstagswahlkreis erledigt und in wenigen Wochen wird die Neuwahl stattzufinden haben. Mögen auch die Aus- sichten noch so ungünstig, die Mühe vielleicht verloren sein, so bleibt es doch die Ehrenpflicht des Hamburgischen Bürgertum«, niemals der Sozialdemokratie einen Wahlkreis kampflos zu über- lassen. Die Hamburgisch-Konservative Vereinigung hat bereits in den letzten Bürgerschaftswahlen unter Anspannung aller Kräfte daS Wahlgefecht gegen links geführt, sie wird auch jetzt ihre Schuldigkeit tun. Dabei betrachtet sie es als ihre Aufgabe. wenn angängig, jeden Zwiespalt zwischen bürgerlicher Mitte und bürgerlicher Rechten vorzubeugen und den Versuch der Sammlung zu machen. Nicht die Güte ihrer Gedanken und Bestrebungen, sondern die Arbeit und Opferwilligkeit ihrer Anbänger hat die Sozial- demokratie auch in Hamburg groß gemacht. Wer von unseren Mit- gliedern und den Freunden unserer Anschauungen persönlich helfen will, in Versammlungen, in mündlicher und schriftlicher Agitation oder in anderer Weise, der melde sich bald in der Geschäftsstelle. Wer hierzu nicht gewillt oder nicht in der Lage ist, der möge bedenken, daß die Sozialdemokratie ihre Erfolge zum guten Teile durch die materielle Hilfe gewinnt, die ihr in staunenswertem Maße gerade die minderbemittelten Schichten zu- wenden, und unterstütze uns mit Geldsendungen. Die Hamburgisch- Konservative Vereinigung hat ihre Geschäftsstelle RathauSstr. 2, II. sBankkonto: Kommerz- und Diskonto-Bank).' Man kann eS dem Vereinchen nicht wehren, einen Kandidaten im Bebelschen Wahlkreis aufzustellen und Geld zu verpulvern: aber irgendeinen nennenswerten Erfolg werden sie nicht erzielen. Nur keine Neueinteilung der Reichstagswahlkreise. Die nationalliberale. Straßburger Post' und mit ihr andere liberale Blätter haben eine Neueinteilung der NieichStagswahlkreise für notwendig erklärt und u. a. vorgeschlagen, die Seelenzahl, auf die ein Abgeordneter entfällt, auf 159 999 festzusetzen. Dieser Vor- schlag hat der„Deutschen Tageszeitung' anscheinend Angst ein- gejagt, denn sie schreibt: .Die jetzigen Reichstagswahlkreise beruhen auf den geschichtlich gewordenen Verhältnissen. Diese Verhältnisse müßten durchbrochen und umgestürzt werden, wenn man rein mechanisch die Wahlkreise so abändern wollte, daß nun auf 139 999 Einwohner ein Abgeordneter entfalle. DaS würde«ine gekünstelte WahlkretS» Ter Block der Rechten. Die„Konservative Korrespondenz' bringt eine Zuschrift, in der die Möglichkeit eines Blockes der Rechten erörtert wird. Die Not- wendigkeit einer solchen Verbindung wird gefolgert aus dem angeb- lichen Bestehen eines Blocks der Linken, und zwar führt der Ver- asser aus: .Viel größere Aussicht als der kaleidoskopartige, sich au« den verschiedensten Elemenien zusammensetzende Naumannsche Block. hätte ein Block der Rechten. Ernstlich sollte in Erwägung ge- zogen werden. die Rechtsparteien, zu denen die Kon- servativen, die WirtschaftSreformer, die Antisemiten und die Rechts« nationalliberalen zu rechnen sind, einander zu nähern und zu vereintem Schlagen in den künftigen Wahlkämpfen zu bewegen. Wenn man bedenkt, daß die Regierung weniger führt als geführt wird, daß die Anzeichen sür ein parlamentarisches System sich in letzter Zeit beträchtlich mehrten, daß liberale und konservative Weltanichauung gar oft aufcinanderplatzlen, wenn man weiter be- denkt, daß es mehr denn je gilt, der Sozialdemokratie einen Damm entgegenzusetzen und die Lauen und Unzufriedenen zurückzu- gewinnen, dann sollte man die Herbeiführung eines Blocks der Rechtsparteien herbeiwünschen.' Die Verschiedenartigkeit, so wird weiter dargelegt, sei auf der Rechten nicht so groß wie auf der Linken,„wo bald das grelle Rot der Demokratie, bald das Rosenrot und Violett d«S LibcraliS» mus vorherrschen". Die neue Blockbildung wird bei den mitangezogenen Parteien kaum grosje Gegenliebe finden. In kulturellen Fragen stimmen die rechtsstehenden Parteien schon jetzt meist zusammen. Dagegen dürfte eS gerade den Freikonservativen nicht gerade danach ge- lüften, die Verantwortung mittragen zu sollen für die Politik des Ueberagrariertums. Auch das Organ der Schwerindustrie, die Rheinisch-Westfälische Zeitung", verspricht sich nicht viel von dem neuen konservativen Plan. DaS Blatt meint: «Dieser„Block der Rechten" hätte etwa 69 Mitglieder, falls sich wirklich die Hoffnungen der Konservativen auf eine Spaltung der nationalliberalen Partei in Rechts-Nationalliberale und andere erfüllten. An eine solche Spaltung ist aber vorläufig nicht zu denken. Sogar wenn die sämtlichen Nationalliberalen, was wir wirklich wünschen würden, für einen solchen„Block der Rechten" zu haben wären, ist die Aussicht dieses Blockes im roten Reichstag hoffnungslos. Es mühte denn sein, da� in diesen Block auch noch das Zentrum aufgenommen wird; dann wäre allerdings ein Block von 299 Mitgliedern vorhanden. Aber das ist dann kein„Block der Rechten" mehr, sondern jener„Block der Arbeitswilligen", dessen Bildung Bachem nach den Reichstags- wählen 1912 mundgerecht machte." Auch Herr Dr. Ocrtel hält nichts von diesem neuen Block. Er schreibt in der„Deutschen Tageszeitung": „Gewiß stehen die konservativen Parteien und Gruppen im allgemeinen auf dem Boden einer gemeinsamen Weltanschauung. Aber in den politischen Fragen des Tages, und zwar sowohl in staatspolitischen als auch in wirtschastspolifischen. sind die Meinungen doch sehr erheblich auseinander gegangen. Wir möchten vergangene Dinge nicht wieder aufrühren, sondern de- mtfioen uns damit, beispielsweise auf die Abstimmung über den Arbeitswilligen schütz und über das Besitz st euer- gesetz hinzuweisen. Wenn ein Block Äraft und Bedeutung haben soll, so mutz nicht nur Uebereinstimmung in den hauptsächlichsten Fragen, sondern auch der gemeinsame Wille vorhanden sein, in gewissen Grenzen gemeinsame Politik zu machen. Ob daS jetzt schon für die verschiedenen Gruppen der Rechten zutreffe, das müssen und wollen wir dahingestellt sein lassen." Der Traum von einem Block der Rechten wird somit ein Traum bleiben, vorläufig wenigstens. Datz später doch einmal ein enger Zusammenschluh erfolgen wird, ist nicht unwahrscheinlich Professor v. Bar. Auf der Reise nach Oxford ist gestern im 78. Lebensjahr der Professor der Rechtswissenschaft an der Göttinger Universitär Geh Justizrat v. Bar gestorben, eine anerkannte Autorität auf dem Ge� biet des Bölkerrechts. Professor v. Bar hat eine große Anzahl von rechtswissenschaftlichen Werken verfaßt, besonders über Strafrechts- reform und die Schlichtung internationaler Streitigkeiten durch Schiedsgerichte. Von 1890—1893 gehörte er auch dem Deutschen Reichstage als freisinniger Abgeordneter für den Wahlkreis Rostock an. Die Kalkanfragen. Das Einlenken der Türkei. Köln, 21. August. Der Köln. Zeitung wird aus Berlin telegraphiert: Die gestern ausgesprochene Hoffnung auf E n t- gegenkommen der Türkei zur Einstellung ihrer Truppenbewegung jenseits der Maritza scheint in Erfüll lung zu gehen. Die Pforte hat den R ü ck m a r s ch der vor geschobenen Abteilungen bereits angeordnet. Wenn infolge dieser veränderten Haltung der Pforte die Unverletzlichkeit dieses Gebietes anerkannt wird, so sei das daher gekommen, daß die Großmächte mit ihren Schritten in Konstantinope� zur Verhütung weiterer Uebergriffe Erfolg hatten. Die Zu- rückziehung der türkischen Truppen aus Bulgarien bringe rechtzeitig eine wünschenswerte Entspannung. Tie Frage nach der Zukunft Adrianopels ist damit freilich noch nicht gelöst. Die Stadt mit bewaffneter Hand für die Bulgaren zurückzuerobern, scheine keine Großmacht für ange- bracht zu halten. Es bleibt nur die Fortsetzung der diplo- matischen Bemühungen, möglicherweise in Verbindung mi Verhandlungen direkt zwischen Bulgarien und der Türkei übrig. Die Kriegsg�eucl. London, 21. August. Ter„Daily Telegraph" veröffent licht einen Bericht, der eine genaue Untersuchung über die von Bulgaren verübten Grausamkeiten, beson- ders in Adrianopel, enthält. Diese Untersuchung liefert den Beweis, daß die türkischen Anschuldigungen nicht nur wahr sind, sondern daß die verübten Grausamkeiten in Wirklich keit alle Begriffe übersteigen. Die Adrianopeler Frauen von den Mohammedanerinnen ganz abgesehen, Griechinnen Jüdinnen und Armenierinnen, wurden vergewaltigt. Die Bulgaren bemächtigten sich ganz besonders der türkischen Frauen und respektierten weder deren Stellung noch Alter. Von den jungen Mädchen sind viele geflohen, um ihre Schande zu verbergen. Die fremden Konsuln, die gegen diese Gewalt- akte Protest erhoben, wurden in arroganter Weise von der bulgarischen Behörde zurückgewiesen. Der Bericht ist von einem russischen Beamten ausgearbeitet, der speziell zu diesem Zweck nach Adrianopel entsandt worden war. Paris, 21. August. Der bulgarische Minister des Aeußern Ghenadiew protestiert in einem an den franzö- fischen Abgeordneten George Berry gerichteten Brief gegen die B e s ch u l d i g u n g, daß die bulgarische Armee im Laufe des letzten Krieges Greueltaten verübt habe.„Ich habe mich", schreibt Ghenadiew,„an die Regierungen der Groß- mächte gewandt, um eine internationale Untersuchung über die Greueltaten zu verlangen. Ich habe die begründete Ueberzeugung, daß diese Untersuchung die bulgarische Armee rehabilitieren, den Nachweis der BLsgläubigkeit unserer Ver- leumder erbringen und die wahren Schuldigen finden wird." Oertermch. Wehrpflicht und Auswanderung. Die„Reichspost", das Organ des allerhöchsten Patriotismus, steht sich gezwungen festzustellen, datz in der Bevölkerung ganz andere Gefühle matzgebend sind. Weit entfernt, sich für die neu- entdeckten Hochziele deS habsburgifchen Doppelaars zu begeistern und zu seinem Dienste zu drängen, fürchtet man die furchtbaren Opfer, die dieser Imperialismus den Wehrpflichtigen auferlegt, und flüchtet in Massen. Das Thronfolgerblatt stellt fest, datz allein in diesem Jahre aus Oesterreich 121 909 Stellungspflich- t i g e geflüchtet sind. Weitaus am stärksten war diese Aus Wanderung in G a l i z i e n und der Bukowina, den Ländern, die, an Rußland grenzend, den Schrecken des gefürchteten Krieges am nächsten waren und auch unter der seit Herbst andauernden kriegs- mäßigen Ansammlung von Truppenmassen am meisten gelitten haben. Bis Ende Juni gab eS unerlaubt ausgewanderte Militärpflichtige im Gebiete des Korpskommandos: Krakau 20 872, Przemysl 26 112, Lemberg 33 860, zusammen 80 814 in einem biete von weniger als 9 Millionen Einwohnern I Am bittersten ist dieser ungeheure Blutverlust, wohlverstanden der besten Kräfte, da die Untauglichen nicht auswandern, jetzt, wo wieder eine neue Stei- gerung der Heeresstärke, die 40 000 Mann mehr erfordert, gefordert wird. Die„ReichSpost" hat denn auch ein sehr wirksames Mittel zur Abhilfe entdeckt. Nicht etwa, daß sie eine Einstellung der wahnwitzigen, das arme Land an den Rand des Verderben? trei- benden RüstungS» und Kriegshetzepolitik fordert— mit solchen Kleinigkeiten gibt sich das Organ eben dieser Hetz- und Waffen» Politik nicht ab. Nein/ sie will eine schärfere Ueberwachung der Grenzen und die Bestrafung der AuswanderungSagenten l GeWitz ein probates Mittel. Namentlich, wenn man nach dem Schwester- lande Ungarn blickt, wo mit brutaler Gewalt die Auswanderung verhindert wird und doch fort und fort Hunderttausende heimlich auswandern. England. Die Wahl in Chesterfield. Chcsterficld, 21. August. Anstelle des verstorbenen Unter- hausmitglicdes Haslam(Arbeiterpartei) ist Kenyant(Li- beral und Arbeiterpartei) gegen einen Unionisten und einen Sozialdemokraten gewählt worden. Das Kanalprvjekt. Paris, 21. August. Das„Echo de Paris" will erfahren haben, datz die Stimmung füc den Bau eines unterseeischen Tunnels zwischen England und Frankreich sich in jüngster Zeit in England so gebessert habe, datz die Ausführung dieses Planes innerhalb der nächsten fünf Jahre als gesichert gelte» könne. Dieser Tunnel, so meint das.Echo de Paris", würde die englische Flotte vou der Aufgabe befreien, die Versorgung Englands mit Lebensmitteln zu beschützen. Die englische Flotte könnte alsdann jede Invasion oder die Annexion Belgiens und Hollands durch eine andere Macht verhindern. Rußland. Beschleunigte Mobilmachung. Paris, 21. August. Wie der„Matin" mitteilt, wird die Lei- tung der russischen Armee Maßregeln zur B e s ch I e u n i- gung der Mobilmachung ergreifen. Diese Beschlüsse ständen im Zusammenhang mit der Anwesenheit der französischen Militär- Mission in Petersburg, an deren Spitze General Joffre, der künftige Generalissimus der französischen Armee, steht. Die russische Armee werde infolge dieser Matzregeln, die sich hauptsächlich auf den Bau strategischer Eisenbahnen beziehen, fast ebenso schnell mobil ge- macht werden können wie die französische Armee. Bus der Partei. Zum Parteitage. In der ersten Beilage der heutigen Nummer veröffentlichen wir die beim Parteivorstande eingegangenen Anträge zum Parteitage in Jena._ Zur Kandidatur im ersten Hamburger ReichstagS-Wahlkreis. Gegenüber den Nachrichten, die die bürgerliche Presse bereits über den Nachfolger unsere? verstorbenen Genossen Bebel im ersten Ham- burger ReichstagS-Wahlkreis verbreitet, können wir mitteilen, daß die Vertrauensleute des ersten Hamburger Kreises beschlossen haben, Ge- nassen Otto Stalten, Redakteur am.Hamburger Echo", als Kandidaten für den Reichstag vorzuschlagen. Die definitive Ent- scheidung über die Kandidatur wird in der nächsten Mitglieder- Versammlung des sozialdemokratischen Vereins Anfang Sep- t e m b e r fallen._ Aus den Organisationen. Eine gut besuchte Parteiversammlung des 16. sächsischen Reichstagswahlkreises setzte die unterbrochene Aussprache zum Parteitag in Jena fort. Die ersten Redner griffen zurück auf die Ausführungen des Genossen Noske in der ersten Versamm- lung. Dieser hatte in ausführlicher Weise die Haltung der Mehr- heit der Fraktion in der Wehr- und Deckungsfrage begründet und schließlich bemerkt, datz die Fraktion in der schwierigen Situation des Rechte getroffen, datz sie kein Prinzip der Partei, datz sie das Programm nicht verletzt und nur im Interesse der Volksmassen gehandelt habe. Genosse Brandler gab zu, datz die Fraktion auf parlamentarischem Wege alles getan habe, was zu tun war; aber man habe die außerparlamentarischen Mittel unbenutzt ge- lassen, man hätte den Massen Gelegenheit zur Aussprache geben müssen. Ein ChaoS habe selbst in der Fraktion geherrscht. B. emp- fahl die Diskussion des Massenstreiks als ein Mittel, das früher oder später auch vom deutschen Proletariat im Kampfe angewendet werden müsse. Dem widersprach Genosse Fritzsch, der die Behandlung der Arbeitslofenfürsorge in den Vordergrund zu stellen wünschte; im übrigen polemisierte er gegen die Noskeschen Ausführungen und betonte ausdrücklich, datz wir unsere Politik so einzustellen haben, datz die Einheit der Partei gewahrt bleibe. Genosse H e i l m a n n bemerkte, datz sich in der Presse und in den Versammlungen die bisherigen Erörterungen zur Haltung der Fraktion zum größten Teile unverständlichertveise um die Schlutz- abstimmung gedreht haben, die aber nur eine Formfrage und ohne jede ernstere politische Bedeutung gewesen sei, Parteigrundsätze seien nicht verletzt worden. Die Frage der Schluhabstimmung sei nur insofern von Bedeutung, als der Fraktion das Recht bleiben müsse, für direkte Reichssteuern zu stimmen, wenn die Umstände es erfordern. Nachdem Genosse Heilmann untersucht hatte, woher die viele Kritik und die weitverbreitete Unzufriedenheit der Ge- nassen komme, wandt« er sich dagegen, daß mit der« Massenstreik- Propaganda das Uebel kuriert werden könnte. Alles bisherige Reden über den Massenstreik sei über die Phrase nicht hinausgekom- men. Ein Allheilmittel zur Beseitigung der Stagnation im Parteileben gebe es überhaupt nicht. Einen Grund für den Stillstand der Partei erblicke er im Schwinden des Realismus der Arbeiter- klaffe, der in der Maifeierfrage wieder in falsche Bahnen gelenkt werden solle. Vom Standpunkte des Gewerkschafters billigte Genosse Schlenker das Verhalten der Fraktion, während Genosse H e ck e r t den Schwerpunkt der Debatten wieder in die Masse des Volkes getragen haben will, damit die schwebenden Fragen hier gründlich erörtert würden; auch müßten die Massen die Waffe des Massenstreiks kennen lernen. Ein Schlutzantrag machte der DiS kussion ein Ende. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Der sozialdemokratische Verein für den Kreis Solingen beschäftigte sich am vergangenen Sonntag in einer autzerordent- lichen Generalversammlung mit der Stellungnahme zum d e u t s ch e n P a r t e i t a g e. Nach einem Vortrage des Genossen O b u ch- Düsseldorf und nach einer recht ausgiebigen Diskussion wurde eine Resolution mit zwei Drittel Mehrheit bei 3S0 Anwesenden angenommen, welche die Haltung der Reichstagsfraktion in der Deckungsvorlage mißbilligt. Weiter wurde eine Unter- uchungskommission eingesetzt, die der nächsten Kreis- gencralvcrsammlung Bericht über die von einigen Führern der hiesigen Lokalisten ffeit Jahren gegen die Partei betriebene Hetze erstatten soll. Die Versammlung vertrat fast einstimmig den Stand- ounkt, daß gegen die Personen, die sich immer und immer wieder in der gröbsten Weise gegen die Partei vergehen, das Ausschluß- verfahren eingeleitet werden müsse. 25 Jahre Wahlverein. Der sozialdemokratische Wahlverein Oldenburg begeht am Sonnabend, den 23. August d. I., das fünfundzwanzigjährige Jubi- läum seines Bestehens. Es dürfte wenig Gegenden und Orte im Deutschen Reiche geben, wo der zu beackernde Boden für unsere Genossen so hart und steinig war, und teils noch ist, wie in der industrielosen Beamten- und Residenzstadt Oldenburg. Beamte und Kleinbürger drückten diesem Orte, als das Sozialistengesetz brutal jeden sozialistischen Funken zu zertreten suchte, besonders ihren Stempel auf und nur unter den grötzten Anstrengungen und persönlichen Opfern ist xS gelungen, die Partei auch hier festen Fuß fassen zu lassen. Bei den Septennatswahlen 1887 wurden im ersten oldenburgischen Reichstagswahlkreisc, zu dem auch die Fürstentümer Lübeck und Birkcnfeld zäblen, erst 924 sozialdemokratische Stimmen aufgebracht; 1912 war diese Stimmenzahl auf 10 235 gestiegen und steht unser Kandidat in dem noch heute vorwiegend agrarischen Wahlkreise bereits seit mehreren Wahlperioden mit den national- liberalen oder fortschrittlichen Kandidaten in Stichwahl. In der Stadt Oldenburg selbst, in der vor fünfundzwanzig Jahren niemand wagen durfte, sich öffentlich zur Sozialdemokratie zu bekennen, zählt der sozialdemokratische Wahlvcrcin heute 1528 Mitglieder, darunter 447 Frauen, trotzdem auch jetzt von einer industriellen Entwicklung in dem Residcnzchen noch immer keine Rede sein kann. Landtagsabgeordncter H u g- Rüstringen hat eine kurze Jubiläums- chrift verfaßt, die vom sozialdemokratischen Wahlvercin verlegt wird, die einen Teil der Parteigeschichte für das Grotzherzogtum Oldenburg und OstfricSland darstellt und in interessanter Weise die Kämpfe schildert, die die Partei endlich auch hier vorwärts- brachten. Vorsicht bei Sammellisten. Ter Parteibor st and schreibt uns:„Ein Hilfsverein für politische Gefangene in Rußland versendet aus der Schweiz Zirku- lare, in denen zur Unterstützung russischer politischer Gefangenen aufgefordert wird, an deutsche Parteigenossen. Solche Zirkulare und dazu gehörige Sammellisten wurden u. a. auch in Berliner Fabriken in Umlauf gesetzt. Ueber die Tätigkeit deS betreffenden Jahr 1907. 1908. 1909. 1910. 1911. 1912. Zahl der Betriebe . 590 . 598 . 586 . 556 . 567 . 587 Vereins ist uns nichts Näheres bekannt. Die deutschen 'Parteigenossen werden aber ganz allgemein gebeten, Samm- lungen, die nicht unter Kontrolle der deutschen sozialdemokratischen Partei stattfinden, keine Beachtung zu schenken." Bm Induftne und ftendcl. Folgen der Tahakstencrerhöhung. Datz die Einführung des Wert- zollzuschlages auf Tabak von bösen Folgen für die Tabakarbeiter begleitet sein würde, hat die Sozialdemokratie vorausgesagt. Es hieß aber, die Industrie werde die Steuererhöhung bald überwinden. Wie wenig diese Regierungsweisbeit zutrissr, beweisen u. a. einige Angaben der Tabakberufsgenossenschaft sür die Kreise Minden, Lübbecke und Herford— wo bekanntlich die norddeutsche Tabak- industrie zu Hause ist. ES hpt betragen: Zahl der Summe oblig. versich. der verdienten Personen Löhne 13 357 8 675 364 M. 13 595 9 023 460. 13 202 8 762105, 11 557 7 487 410. 11742 7 597 693. 12 142 8 723 688, Es ist beute der Stand von 1903 noch nicht wieder erreicht, und durch den beginnenden Niedergang der Wirtschaftslage dürfte die Tabakindustrie aufs neue schwer getroffen werden. In den oben an- gegebenen Zahlen sind die Heimarbeiter nicht enthalten, bei �ihnen. hat sich aber die Folge der Steuererhöhung ganz besonders fühlbar gemacht. Bemerkenswert ist auch, daß die Auswanderung nach dem Jahre 1909 verhältnismäßig stark in diesen Bezirken zugenommen hat. Berwaltuugsform und Stromabsatz. In einem vor einiger Zeit gehaltenen Vortrage„Die Stellung der öffentlichen Elektrizitäts- werke im Wirtschaftsleben" suchte der Ingenieur der der A. E.-G. nahestehenden Elektrizitäts- Lieferungsgesellschaft, � Herr Dr.-Jng. Siegel, nachzuweisen, datz Elektrizitätswerke im Privatbetrieb erheblich erfolgreicher arbeiteten als im Kommunalbetrieb. Er stellte zu diesem Zweck du Stromabgabe pro Kopf der Bevölkerung einiger A. E.-G.-Werte der Stromabgabe einer Reihe von Kommunal- werken gegenüber, woraus sich eine verblüffende Ueberlegenheft des Privatbetriebes ergab. Diese Gegenüberstellung hat nur, wie die Vereinigung elektrotechnischer Spezialfabrilen schreibt, den Rachteil, datz sie durchaus willkürlich ist und sich in keiner Weise ver- allgemeinern läßt. Die Stromabgabe pro Kopf der Be- völkerung ist in erster Linie von den lokalen Verhält- nissen abhängig, z. B. davon, ob Groß-, Mittel- oder Kleinindustrien ob ältere oder neuere Industrien vorherrschen, ob besonders leb- haster Geschäftsverkehr vorhanden ist, die Bevölkerung zu starkem Lichtverbrauch neigt, ältere Gasanstalten vorhanden sind u. dergl. mehr. Diese Momente beeinflussen den Stromkonsum in viel höherem Maße, als es jemals die Verwaltungsform hm könnte. So gibt eS kommunale Werke mit hohem Stromabsatz/, Dose... 1 ,35 Gemischte Marmelade mit mehr»1» 25% Stilrkesirop, gelirbt, Eimer| OC ca. 5 flund........... l.fcO Eimer ca 10 Pfund....... 2.40 Melange Konfitüre.»»rdt., RK Eimer cn. 5 Pfund....... A»00 Pflaumenmus dSpüÄp 8 25% Äd0"- 1-40, ca. 10 Pfund 2.50 *Rotwurst... Pfund 55, 85 Pf. �Jagdwurst..... Pfund 1.10 *Landlcberwurst.. Pfund 1.00 �Feine Leberwurst. Pfund 1.15 �Pasteten-Leberwurst prund 1.1 5 *TceWUr$t..... Pfund 1.30 Zerveiat- u. Salamiwurst pfd.l. 35 Westf. Zerveiat- n. Salamiwurst 1.75 Mausschinken MrfwSd 140 Rollschinken �".Vpfu-d 1-55 Schinkenspeck..... p�nd 1.25 Landschinken 1.35, 1.45 Kochkutter pfd.1.05. Tischbutter 1.10 Tafelbutter prd. 1.20, 60 Pf. Schmalz.......... Pfund 70 pt. Marmelade leicht gefärbt p». 33 pr. Echter Emmenthaler Pd 1.05 Bayerisch. Schweizerkäse. Pfd. 88 pt, Holländer Käse____ Pfund 75 pr. LimbDrgerpfd 45, Romatour st. 28 pr. Faust- und Spitzkäses stock 25 pr. Kuh- und Landkäse z stock 35 pr. Tiisitcr 68, Brie-Käse 75 pr. Speise-Quark st. 10, CamemberlitlS pt Moselwein InKI. Flasche'/. Fl. bei lOFl. Obcrmoscier..... 65 pr.63 pr. Wormcldinger____ 75 pr. 73 pr. 1 91 1 Wintfingcr.. 85 pr. 82 pt 1 91 1 Obcrbilligcr 95 pr. 92 pr. 1 909 Eitelsbachcr 1.10 1.05 1911 Senheimer.. 1.25 1.20 1 91 1 Bernkastelcr 1.40 1.35 1911 CröverSleffensbg. 1.70 1.65 Bordeaux-Wein inKl. Flasche'/, Fl bei 10 PI. 1909 Lcs Kessannes 90 pr. 88 pr. 1 909 Cru du Marin 1.05 1.02 1 909 Crii de!a Rose 1.15 1.10 190�MParcmpuytt Rheinwein �u8'.?"?.'8- lalU. Flasche V. Fl. bei 10 Fl. 1 91 2 Edcnkobcner 70 pr. 65 pr 1912 Dürkheimer 75 pr. 70 pt 1910 Mcttenheimer 95 pr. 92 pr. 1907 Jugenheimer 1.15 l.io 1 908 BingerRosengart. 1.40 1.35 1911 Gantersblum.Götz 1.50 1.45 1 905 Johannisberger 1.70 1.60 1 908 Nierstein.Domtal 1.90 1.80 Roter Tischwein inU. Flasche V, Fl bei 10 Fl. 1 909 Saint Mathleu 65 pr, 63 pt 1 909 Sainte Barhera 75 pr. 73 pt 1 909 Almando.. 80 pt 78 pr. Südwein lakl. Flasche V, Fl. bei 10 Fl Tarragona...... 82 pr. 80 pr. Fein. alt. Tarragona 1.00 97 pt Douro- Portwein...1.20 1.15 Alt, Douro Portwein 1.85 1.80 Vermouth di Torino 1.05 1.00 Insel Samos...... 85 pr. 83 pt Adria-BlumeD�e'r?� 1.10 1.05 SaronaÄÄ.1.10 1.05 Braunschweiger Doppel-Schiffsmumme konzentriertes Malzextrakt Vs Dose 1.15, Vt Do*e 2.20 Pfund 10. Fische Kabeljau SSz. SiS Seelachs Snn. Fische" Schellfisch sSteiun.d RotzuogenpH 20, ä«" 16 pf. Grosse Schollen p�nd 28 pf. Lachs.in.f.nz.en.FÄn55pf. Steinbutten... p�nd 68pf. Leb. Spiegelkarpfen pm. 1.00 Leb. Aale pf«i 55 pf. bis 1.05 Leb. Krebse �i. 30�4.00 'Geflügel Gänse pfmd 60. 68. 75 pf Gänse-Rümpfe 2.6 5 bkA.AO lange Lnten. 1.6 5�3.25 lange Hühner. 65�1.40 Brat-Hühner. 1.30�2.20 Suppenhühner 1.50�2.70 lülasthühner.. 2.90 u. 3.10 lanhen____ 35 biS 70?, n&sia CK3ARETTEN Vürzbnrger Hühneraugenmittel Bon Dr. H. rnjeer.— Gegen 30 Pfennig auf 10 Pf. Anweisung frei. Ohne Zweisei die bequemste n.wirksamsfeHilfe. Der Schmerz ist in SMin. sori. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(EnthältSallcylsäure u. indischen Hansextralt.) H. Unger in Würzburg. Berlin(20 Pf.): Saloman- fipothsks, Charlotienstraße Sd.— greif. fipefdek«, Barninistr. 33.— Wo nicht, zu haben:»osen-Apiitdeke, WUrzburq mit Brut yeraiebtet radikal Rademachers Goldgeist, ges. gMch.Nr.75198. Geruch- n. farblos. Eeinlgtdie Koplhant v. Schuppen, beförd.d. Haarwuchs, verhttt. Zuzug von Parasiten.- Wichtig für Schulkinder. Tanaende v. Anerkennungen. Fl. i 0.50 u. 1-00 M. In Apotheken und Drogerien. 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Maporburg: Angesichts der immer drohender auftretenden Zeichen der beginnenden Wirtschaftskrise, die eine massenhafte Be- schäftigungslosigkeit und infolgedessen unbegrenztes Massenelend zur Folge hat, das durch die der Zollpolitik geschuldete allgemeine Teuerung noch verschlimmert wird; angesichts ferner der empören- den Untängkeit der Reichs-, Landes- und Kommunalverwaltungen gegen diese die Arbeiterschaft bedrohenden Gefahren möge der Parteitag beschließen, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und ihrer Folgen eine nachhaltige Massenbewegung zugunsten der Ein- führung der Arbeitslosenversicherung durch das Reich einzuleiten. Cottbus-Spremberg: Da die bisherigen KampfeSmittel der Arbeiterklasse zur Erreichung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle öffentlichen Körperschaften allein nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt haben, soll der Parteitag beschließen, die planmäßige Erziehung der Arbeiterklasse zum poli- tischen Massenstreik in die Wege zu leiten. Harburg: Es soll eine Studienkommission eingesetzt werden, die sich mit der Agrarfrage zu beschäftigen hat. Die Ergebnisse find dem nächsten Parteitage zu unterbreiten. Königsberg i. Pr.: Der Parteitag wolle eine Kommission zum Studium der Agrarfrage einsetzen und sie ermächtigen, auch be- soldete Mitarbeiter zur Erledigung ihrer Aufgaben heranzuziehen. 20. sächsischer Wahlkreis: Der Parteitag möge beschließen, mehr Wanderlehrer in der Partei für Bildungs- und Unterrichts- kurse einzustellen. Spandau: In Anbetracht dessen, daß die herrschende Klasse rmter Zuhilfenahme aller ihr zu Gebote stehenden Machtmittel die denkbar größte Anstrengung macht, um die Jugend für ihre reaktionären Zwecke einzufangen, erscheint es notwendig, daß die Partei mehr als bisher ihre Aufmerksamkeit auf die Aufklärung der weiblichen Jugend richtet. Der Parteitag fordert deshalb den Parteivorstand auf, die Aufklärung der weiblichen Jugend über den künftigen Beruf als Mütter und Erzieherinnen ihrer Kinder im sozialistischen Sinne vorzubereiten. Halle a. S.: Der Jenaer Parteitag von 1913 bestätigt die Parteitagsbeschlüsse von 1995 und 1996(Jena und Mannheim; zum Problem des politischen Massenstreiks. Der Parteitag empfiehlt dazu dringend die weitere Stärkung und Ausbreitung aller Partei-, Gewerkschafts- und Genossenschaftsorganisationen. Er erwartet neben der Propagierung der Idee deS Massen- streiks, daß die Partei in allen ihren Teilen und Instanzen— im Falle des Ernstes und der zwingenden Notwendigkeit einer kom- Menden politischen Gesamtsituation— alle vorbereitenden und aus- führenden Maßnahmen mit den Gewerkschaften und den Genossen- schasten ergreifen wird, um. eine Generalstreiks-Aktion zielsicher und erfolgreich zur Förderung höchster Lebensinteressen des Pro- letariats durchzusetzen. Der Parteitag rechnet also unbedingt darauf, daß die sozialdemokratische Partei einer solchen historischen Aufgabe und kritischen Situation unter keinen Umständen auS- weicht, sondern tatbereit sein wird, alle erforderlichen Konsequenzen daraus zu ziehen. Eaffcl-Melsunzen: Die Generalversammlung des Sozial- demokratischen Vereins für den Wahlkreis Cassel-Melsungen ist angesichts des völlig unbefriedigenden Ausfalls der letzten Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhaus mehr denn je der Meinung, daß mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die Erringung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts erstrebt Verden muß. AIS solche Mittel sind anzusehen: Stärkung unserer Organi- sationen durch Ausbau, sowie Bildung unserer Mitglieder, Auf. tlärui.g der Massen durch Verbreitung von Flugblättern bei be- sonders wichtigen preußischen Anlässen, Veranstaltung von Demon- firationsversammlungen, Straßendemonstrationen, parlamentari- scheu Aktionen unserer Reichs- und Landtagsfraktionen, selbständig und in Verbindung mit den linksstehenden Parteien, stärkere Be- teiligung an den zukünftigen Landtagswahlen, gleichviel, unter welchen Bedingungen diese stattfinden, Bildung eines besonderen preußischen WcchlrechtsfondS. Die Generalversammlung ist der Meinung, daß alle diese Mittel erneut und viel systematischer als seither zur Anwendung gebracht werden müssen. Da jedoch damit gerechnet werden muß, daß selbst die volle Erschöpfung aller dieser Mittel nicht zur Er- ringung des gleichen Preutzenwahlrechts führt, erscheint es der Generalversammlung zeitgemäß, über die Anwendung schärferer Kampfesmittel zu beraten. Die Generalversammlung erwartet daher vom Parteitag, daß er beschließt: Der Parteivorstand und die preußische Landeskom- Mission haben gemeinsam mit der Gencralkommission der GeWerk- schaften zu erwägen, ob der von den Parteitagen Jena 1995, Mann- heim 1996 in die proletarischen Kampfesmittel aufgenommene po- litische Massenstreik bei der Frage des preußischen Wahlrechts- kampfes als letztes Mittel in Anwendung gebracht werden kann. Inzwischen ist es Pflicht aller Parteigenossen und Genossinnen, mit verdoppelter Energie für den Ausbau der politischen und Wirt- schaftlichen Organisationen tätig zu sein, da die erfolgreiche Durch- führung eines politischen Massenstreiks die denkbar beste politische und wirtschaftliche Organisation des Proletariats zur Voraus- setzung hat. Hanau: Die Kreisgeneralversammlung begrüßt die Stimmen im Lande, die eine Erörterung der Frage der Massenaktionen des Proletariats zur Erringung des allgemeinen und gleichen Wahl- rechts in Preußen im Zusammenhang mit der gegenwärtigen poli- tischen und wirtschaftlichen Situation verlangen. Die Versammlung hält eine gründliche Behandlung dieser Fragen durch den deutschen Parteitag wie die Organisationen für dringend geboten. Hannover: Der Parteivorstand wird beauftragt, nach jede»- maligem Schluß einer Reichstagssession die in dieser vorgenom- menen gesetzlichen Maßnahmen, soweit sie für die Allgemeinheit von Wichtigkeit sind, in Gestalt leichtverständlicher Agitations- broschüren herauszugeben unter Berücksichtigung der Stellung un- serer Fraktion zu den betreffenden Gesetzen. Die Broschüre wird den Wahlkreisorganisationen zum Zwecke der Verteilung gratis zur Verfügung gestellt. Der Parteitag beauftragt den Vorstand, eine Broschüre heraus- zugeben, die den Kampf um die Heeresvorlagen und die Dcckungs- vorlagen behandelt. Nach der Aenderung des Organisationsstatuts durch den Chemnitzer Parteitag werden nur noch„Anträge von Partei. Organisationen* veröffent. cht. Der Parteivorstand. I Franksort a. M., Wirges: Der Sozialdemokratische Verein zu Frankfurt a. M.(bezw. die Kreisgeneralversammlung zu Wirges) begrüßt die Stimmung im Lande, die eine Erörterung der Frage der Massenaktionen des Proletariats zur Erringung des allgemeinen t gud gleichen Wahlrechts in Preußen im Zusammenhang mit der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Situation verlangen. Eine gründliche Behandlung dieser Fragen durch den Parteitag und die Organisationen ist daher dringend geboten. Parlamentarisches. Magdeburg, Breslau: Die Generalversammlung des Sozial- demokratischen Vereins Magdeburg(Breslau) erkennt an, daß die Zustimmung der Reichstagsfraktion zu den Besitz- st e u e r n nicht im Widerspruch zum Parteiprogramm steht, sondern den Beschlüssen der internationalen Kongresse und den Interessen des arbeitenden Volkes entspricht. Kassel-Melsungen: Die Generalversammlung deS Sozialdemo- kratischen Vereins von Kassel-Melsungen erklärt: � Der Kampf gegen den kulturfeindlichen Militarismus, den die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bei Beratung der unerhörten Rüstungsvorlagen in der schärfsten Weise geführt hat, darf nicht ruhen, sondern muß von allen Parteigenossen schärfer denn je ge- führt werden, denn die wahnsinnigen militärischen Rüstungen be- drohen immer mehr den Frieden der Völker, und der Militarismus enthüllt sich mehr denn je als Instrument der kapitalistischen Klassen- Herrschaft zur Niederhaltung der nach Freiheit und Kultur streben- den Arbeiterschaft. Es ist Pflicht aller Parteigenossen, immer weitere Schichten der Bevölkerung darüber aufzuklären, daß es allein dem riefen- haften Wachstum der Sozialdemokratie zu danken ist, wenn die enormen Lasten der neuesten Rüstungsvorlage nicht wieder durch Steuern auf den Konsum der Massen gedeckt werden, sondern durch direkte Steuern, die im wesentlichen die Wohlhabenden und Reichen tveffen. Durch erhöhte Werbetätigkeit müssen alle Parteigenossen dazu beitragen, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bei den nächsten Wahlen noch viel stärker in den Reichstag wiederkehrt. Nur dann ist damit zu rechnen, daß der Ausbau der unter Mit- arbeit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion geschaffenen Be- sitzsteuern zu dauernden durchgreifenden ReichseiniommenS-, Reichs- Vermögens- und Reichserbschaftssteucrn erkolgt, die sobald als möglich an Stelle der die ärmeren Volksschichten in der skanda- lösesten Weise belastenden indirekten Steuern treten müssen. Die Generalversammlung erkennt an, daß die sozialdemokra- tische Reichstagsfraktion durch ihre Zustimmung zum Wehrbeitrag und zur Reichsvermögenssteuer, die die Besitzenden belasten, im Interesse des arbeitenden Volkes gehandelt und zur Stärkung des Vertrauens der Massen zur sozialdemokratischen Partei mit Erfolg beigetragen hat. Hessische Landeskonferenz: Der Parteitag stellt sich auf den Boden der von der Reichstagsfraktion zu den Deckungsvorlagen abgegebenen Erklärung und billigt ausdrücklich die Zustimmung der Fraktion zu den beiden Besitzsteuergesetzen. 13. sächsischer Wahlkreis: Die Versammlung billigt aus pro- grammatischen Gründen die Abstimmung der Reichstagsfraktion für die Steuervorlagen, die zur Deckung der Militärvorlage dienen, nicht; sie erwartet daher vom Parteitag eine dem Parteiprogramm entsprechende klare und entschiedene Anweisung für die Stellung der Reichstagsfraktion bei künftigen Steuervorlagen. Breslau: Die Reichstagsfraktion wird beauftragt, unvei�üglich die. Regierung zu veranlassen, Maßnahmen gegen die kapitalistischen Manipulationen zu ergreifen, die Heilmittel(wie neuerdings Mesothorium) für Volkskrankheiten erheblich verteuern. Breslau: Die preußische Landtagsfraktion möchte darauf hin- wirken, daß die Austritte aus der Landeskirche kostenfrei sind. Halle a. S.: Der Parteitag zu Jena bedauert sie Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion zu dem einmaligen Wehrbeitrag sowie zu dem Vermögeuszuwachssteuergesetz als einen Verstoß gegen einen fundamentalen sozialdemokratischen Grundsatz, als einen schweren politischen Mißgriff. Er erwartet unbedingt, daß die Anwendung einer hesseren Taktik in Zukunft die Fraktion vor ähnlichen Entgleisungen hewahren wird. Hamburg l: Die Parteigenossen des I. Hamburger Wahlkreises sehen in dem Fehlen unserer Abgeordneten bei der Abstimmung über den von der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstage ein- gebrachten Antrag betreffs Einführung des Proportionalwahlrechts eine schwere Ächädigung des parlamentarischen Ansehens der Partei. Es bleibt den Parteigenossen unverständlich, daß auch bei der notwendig gewordenen zweiten Abstimmung die Genossen in der Fraktion abermals ihre Pflicht nicht erfüllten. Die Parteigenossen des I. Hamburger Wahlkreises verlangen vom Parteitag, daß der- selbe die fehlenden Abgeordneten zur Rechenschaft zieht. Hamburg II: In Anbetracht der Bcschlutzunfähigkeit des Reichs- tags und der darauf erfolgten Abstimmung über den sozialdemokra- tischen Antrag auf Einführung der Proportionalwahl zum Reichs- tage verurteilt der Parteitag auf das entschiedenste die Nachlässig- keit derjenigen Abgeordneten, die aus nicht erklärlichen Gründen der Abstimmung ferngeblieben find. Gleichzeitig spricht der Parteitag die Erwartung aus, daß in Zukunft hd allen prinzipiellen Abstimmungen im Reichstage die Fraktion möglichst in ihrer vollen Stärke vertreten sein muß, um dadurch den Interessen ihrer Mandatgeber mehr Rechnung zu tragen. Schwarzburg-SonderShausen: Die Reichstagsfraktion ist der- pflichtet, bei wichtigen Abstimmungen im Reichstag und bei Be- ratung von Anträgen, die von unserer Fraktion gestellt sind, möglichst vollzählig anwesend zu sein. Schwarzburg-Rudolstadt: Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins für Schwarzburg-Rudolstadt: Die sozial- demokratischen Reichstagsabgeordneten haben während der Tagung des Reichstags, wenn nicht durch Krankheit verhindert, vollzählig zur Stelle zu kein, damit nicht, wie geschehen, bei sehr wichtigen Abstimmungen durch das Fehlen unserer Vertreter die Vorlage zu Fall kommt. Hamburg III: Der Parteitag wolle beschließen, die Reichstags- fraktion aufzufordern, im Reichstag einen Antrag auf Einführung der direkten Gesetzgebung durch das Volk vermittelst des Vorschlags- und Verwerfungsrechts einzubringen. Gleichzeitig ist im ganzen Reiche eine lebhafte und intensive Propaganda für diese Programm- forderung einzuleiten. Nilrnberg-Bltdorf: Der Parteitag wolle beschließen: Die Reichs- tagsfraktion wird ersucht, bei Beginn der nächsten Session erneut den Antrag auf Einführung einer Reichs-Arbeitslosenversicherung zu stellen und mit allem Nachdruck für die Durchführung derselben einzutreten. Essen: Der deutsche Parteitag möge beschließen, daß die sozial- demokratische Neichstagfraktion beauftragt wird, einen Antrag auf Aufhebung der Zwangsimpfung im Reichsage einzubringen. München I und II: Der Parteitag möge oie Reichstagsfraktion beauftragen, im Laufe der nächsten Reichstagsession einen Antrag auf Verbesserung und Ausdehnung des KinderschutzgesetzeS einzu- bringen. Es wolle beantragt werden, daß jede Erwerbstätigkeit der Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahre, ohne Unterschied, ob diese eigene oder fremde Kinder sind, verhoten ist. Es soll unbe- rücksichtigt bleiben, ob die Beschäftigung der Kinder im Gewerbe, in der Heimindustrie oder im Botendienst erfolgt. Das verbesserte, eventuell das bestehende Gesetz wird auf die in der Land- und Forstwirtschaft, sowie die im Boten- und Gefinde- dienst beschäftigten Kinder ausgedehnt. � Colmar i. Elf.: Der Parteitag spricht seine Freude über das Zustandekommen der Berner Konferenz deutscher und französischer Parlamentarier auS, in der er den ersten Schritt zu einer systematischen und direkten Verständigungsaktion der europäischen Par- lamente erblickt. Der Parteitag erwartet, daß die äußerst zahlreiche Beteiligung französischer Parlamentarier beider Kammern und aller republika- nischen Parteien an der Berner Konferenz von dem deutschen Volke ihrer Bedeutung entsprechend als Beweis für die Friedensliebe und den Willen der Verständigung des französischen Volkes gewürdigt wird. Er hofft deshalb, daß Regierung, Bundesrat und Reichstag Elsaß-Lothringcn endlich die von seiner Bevölkerung verlangte volle republikanische Autonomie und staatsrechtliche Gleichberechtigung mit den übrigen Bundesstaaten gewähren und dadurch die im K-c- teresse des Weltfriedens notwendige Annäherung zwischen Frank- reich und Deutschland erleichtern. Organisation. Hamm i. W.: Der Parteitag möge beschließen: Es ist un- zulässig, daß in einer zusammenhängenden kleinen Staht mit weniger als 699 Mitgliedern zwei Filialen bestehen. Wo in solchen Fällen zwei Filialen bestehen, sind diese zu verschmelzen. Ob eine Teilung einer Filiale erforderlich ist, entscheidet unter Hinzu- ziehung des Kreisvorstandes die Filialversammlung. Beuthen O.-S., Posen: Der diesjährige Parteitag in Jena wolle beschließen: Der vom Parteitag in Mannheim(1996) gut- geheißene Einigungsvertrag mit der D. P. S. wird aufgehoben. Sondcrorganisationcn innerhalb der Partei sind unzulässig. In sogenannten gemischtsprachigen Gegenden ist die Agitation nach dem Sprachbedürfnis einzurichten und diesem möglichst Rechnung zu tragen. Elberfeld-Barmen: Abänderungsantrag zum§ 27, Abs. 2, des Statuts: An Stelle der Worte:„Unterläßt es der Angeschuldigte usw." zu setzen:...„Unterläßt es eine Partei, innerhalb einer vom Parteivorstand zu bestimmenden Frist, die mindestens vier Wochen betragen muß, Schiedsrichter zu ernennen, so ernennt der Parteivorstand für diese Partei die Beisitzer." Köln a. Rh.: An den ß 27 des Organisationsstatuts ist hinter Absatz 4:„so hat der Parteivorstand das Recht, die Sache vor ein Schiedsgericht zu bringen", anzufügen:„In diesem Falle mutz das Schiedsgericht gegen alle Angeschuldigten verhandeln, wenn einer der Angeschuldigten Beisitzer ernennt." Breslau: Der Parteitag möge den Beschlutz des Nürnberger Parteitags(betreffend Sonderorganisation, Lokalvcrein) aufheben. Kiel-Ost: Der Parteitag möge beschließen: Die Wahlen zum deutschen Parteitag werden in Urwahlen, die in bestimmten Stunden an einem Sonntage stattzufinden haben, vorgenommen. Breslau-Land— Neumarkt: Der Parteivorstand übernimmt die Kosten des Wahlkreises, die für die Beschickung des deutschen Parteitages durch einen Delegierten entstehen. Zur Beschickung sind nur diejenigen Wahlkreise berechtigt, die mehr als 199 Mit- gl jeder haben. Presse und Literatur. Frankfurt a. M.: Der Parteitag möge durch Annahme einer Resolution dahin wirken, daß in Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren und Flugblättern die Fremdwörter auf das Mindestmaß beschränkt werden. Lübeck: Der Parteivorstand wird ersucht, dem neu heraus- zugebenden Familienblatte eine Modenbeilage anzugliedern. 13. sächsischer Wahlkreis: Um den Jugendausschüssen, Jugend- beiräten und Jugendhelsern eine ständige Belehrung üher ihre Auf- gaben zuteil werden zu lassen und um Erfahrungen zu sammeln und einen Meinungsaustausch zu schaffen, ist es nötig, eine be� sondere Zeitung zu gründen. Die Zentralstelle für die arbeitende Jugend wird mit der baldigen Lösung dieser Aufgabe betraut. 12. sächsischer Wahlkreis: Um den in der proletarischen Jugend- bewegung tätigen Parteigenossen und Genossinnen ihre bildende und erzieherische Tätigkeit zu erleichtern, ist ein pädagogisches Zentralblatt für Jugendbeiräte und Jugendhelfer zu schaffen. Kiel-West: Der Parteitag beauftragt den Parteivörstand, die Frage des dringend notwendigen Ausbaues der„Neuen Zeit" einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Magdeburg: Der Parteitag möge darauf hinwirken, daß so- genannte Schwindelinserate in den Inseratenteil d«S„Wahren Jakob" nicht mehr aufgenommen werden. Mülheim-Wipperfürth-GnmmerSbach: Der Parteitag möge be- schließen, daß, wie früher die Kinderbeilage der„Gleichheit" ein- gebunden und zu einem mäßigen Preise in den Handel gebracht werde. Maifeier. Hamburg III: 1. Der Parteitag wolle beschließen: Alle Ge- nassen und Genossinnen, die am 1. Mai ohne Lohnausfall feiern, haben den Tagelohn abzuführen. 2. Der Parteitag wolle beschließen, daß der Antrag 99 vom Nürnberger Parteitag in seiner alten Fassung wieder aufgenommen wird: Die Beamten, Arbeiter und Mitglieder der Partei, welche am 1. Mai feiern und keinen Lohnausfall erleiden, sind ver- pflichtet, an die Partei» und Gewerkschaftskasse einen Tages- verdienst abzugeben. 14. hannoverscher Wahlkreis: Alle Parteigenossen, die den 1. Mai ohne Lohnverlust feiern, sind verpflichtet einen Beitrag in der Höhe des Lohnes oder Gehalts für den Tag an den Maifeier- fonds abzuführen, im Weigerungsfall« ist ein Ausschlußverfahren einzuleiten. 4. sächsischer Wahlkreis: Der Parteitag möge beschließen: Alle Partei- und Gewerkschaftsgenossen, die am 1. Mai feiern, ohne einen Lohnausfall zu erleiden, sind verpflichtet, einen Tages- Verdienst für die Maiausgesperrten abzuliefern. Breslau-Land-Neumarit: Alle in der Partei, der Arbeiter- presse, den zentralen Gewerkschaften, den Arbeiterorganisationen und-Genossenschaften und in den von Arbeftern gebildeten Sport- verbänden angestellten Mitglieder unserer Partei sind verpflichtet, den dreihundertsten Teil ihres Jahresberdienstes an den zuständigen Fonds ihres Bezirks abzuliefern. Dieser Fonds darf nur für Maß- regelungsunterstützung für die wegen Maifeier entlassenen Mit- glieder verwendet werden. Schwarzburg-Sondcrshausen: Die Angestellten der Partei- organifation und die Gewerkschaftsangestellten, soweit dieselben Parteigenossen sind, sind verpflichtet, den Tagesverdienst vom 1. Mai abzuliefern. Hanau: Angesichts der Opfer, die die Arbeiter um die Maifeier bringen, beschließt der Parteitag: Alle Parteigenossen und Genossinnen, die in Vertrauensstellen der einzelnen Zweige der modernen Arbeiterbewegung angestellt sind, haben ihren Tagesverdienst am 1. Mai an den Maifeierfonds abzuliefern. � Ferner wird die bestimmte Erwartung ausgesprochen, daß alle übrigen Parteimitglieder, die in Betrieben der modernen Arbeiter- bewegung beschäftigt sind und am 1. Mai unter Fortzahlung ihres Lohnes feiern, ebenfalls den Tagesverdienst am 1. Mai an den Maifeierfonds abführen. Elberfeld-Barmen: Alle Parteigenossen, denen e» möglich ist, am 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern und keinen Lohnausfall erleiden, haben den Tagesverdienst au den Maifeierfonds ab- zmliefern. Hamburg II: Alle in der sozialdemokratffchen Partei organisierten Personen, welche in dieser, in den freien Gewerkschaften in Konsum- oder Produktivgenossenschaften und sonstigen freien Be- trieben gegen Lohn oder Gehalt in Stellung sind, haben zum Mai- fonds einen TageSlohn bzw. einen diesem gleichkommenden Betrag abzuführen. Den vorbezeichneten Genoffen gleich geachtet sind die- jenigen Genossen, die ständig oder vorwiegend für genannte Institute gegen Gehalt oder Entschädigung tätig sind, ohne bei diesen in fester Stellung zu stehen. Schleswig-Holstein: Der Parteitag wolle beschließen: Als Konsequenz txr Aribeitsruhe am 1. Mai betrachtet es der Partei- tagjils di« Pflicht aller Parteigenossen und-Genossinnen, die den den des 1. Mai ohne Lohneinbuße feiern, ihren Tagesverdienst an zuständigen Bezirksmaifonds abzuführen. Die Abführung Tagelohns kann solchen Parteigenossen, die sich in nachweislich be- drängter Lage befinden, auf Antrag erlassen werden. Magdeburg: Der Parteitag möge beschließen, daß künftig am l. Mai für Referate Entschädigung nicht mehr gezahlt wird. Fahr- geld ist zurückzuerstatten. Mülheim-Wipperfürth-Gummersbach: Der Parteitag möge dafür eintreten, daß auf dem nächsten internationalen Sozialisten- kongrcß die Maifeier einheitlich auf den ersten Sonntag im Mai verlegt werde. Sonstige Anträge. Hamm i. M.: Der Parteitag soll zum neuen Aerztetarif Stellung nehmen, weil durch denselben die Krankenkassen und die Arbeiterschaft stark belastet werden. Es soll in Zukunft mehr wie bisher darauf hingearbeitet werden, daß die Aerzte und die Medi- kamente, welche immer teurer werden, von Reich, Staat und Kommune bezahlt werden. Ortsgruppe Nieder- und Ober-Hermersdorf(IK. sächsischer Wahlkreis): Der Parteitag wolle beschließen: Der Parteivorstand wird beauftragt, mit den Geschäftssiihrern der Parteidruckereien einerseits, sowie mit dem Personal andererseits die Gründung eines Hilfsfonds in die Wege zu leiten, um für die in Partei druckereicn beschäftigten technischen sowie Hilfspersonen eine Jnva liden- und Arbeiterpensionsberechtigung sowie für deren Witwen und Waisen eine Hinterblicbenenunteritützung einzuführen. Weimar: Der Parteitag betont aufs neue die Notwendigkeit, der Organisierung und geistigen, sittlichen und körperlichen Aus- bildung der proletarischen Jugend alle nur denkbare Förderung angedeihen zu lassen. Parteitag 1914. Hamburg l: Der Parteitag möge beschließen, den nächsten Parteitag in Hamburg abzuhalten. Halle a. S.: Der Parteitag möge beschließen, daß im Jahre 1914 der Parteitag in Halle stattfindet. Hamburg: Der Parteitag möge im Jahre 1914 das Thema „Staat und Kirche" auf die Tagesordnung setzen. 3. Pfalz. Kreis: Ter Parteitag möge beschließen, daß der deutsche Parteitag nicht alljährlich, sondern nur alle zwei Jahre stattzufinden hat._ Der Katholikentag In Iiietz. i Metz, 21. August. Am heutigen Tage wurde zunächst in der fünften geschlossenen Versammlung der Rest der noch vorliegenden Anträge aufgearbeitet. General- sekretär W e h d m a n n- Straßburg i. E. begründete einen An- trag über die Obdachlosen- und Wanderfürsorge. Er empfahl, sich oie Heilsarmee zum Vorbilde zu nehmen. Man dürfe nicht warten, bis die Leute selbst kommen, sondern man müsse sie aufsuchen, man müsse hinabsteigen in die Kaschemmen und in die unterirdischen Lasterhöhlen. Der Antrag wurde daraus angenommen. Der nächste Antrag behandelte die Fortbildungsschule. Tarin fordert die Katholikenversammlung in Uebereinstim- mung mit dem Episkopat, daß an allen Fortbildungsschulen ein dem Alter und der Lage der Schüler entsprechender R e l i g i o n s- Unterricht als obligatorischer Unterrichtsgegen- stand erteilt werde. Ter Antrag wurde vom Reichs- und Landtagsabgeordneten Oberlandcsgcrichtsrat Dr. M a r x- Düsseldorf begründet und ein- stimmig angenommen. Ebenso ein weiterer Antrag, betreffend Einrichtung von gehobenen Volksschulen. Tarin erklärt die 69. Generalversammlung, daß es nicht nur für die Volksschule, sondern auch für die gehobene Volksschule von der größten Bedeutung ist, daß der gesamte Unterricht vom konfessionellen Geiste durchweht sei und die Er- ziehuugstätigkcit in diesen Schulen mit der Erziehunastätigkeit der Kirche in enger Verbindung stehe. Wo daher ein Bedürfnis zur Errichtung solcher Schulen vorliege, sei ihre kon- f e s s i o n e l l e Einrichtung mit allen Mitteln, auch unter finanziellen Opfern, zu erstreben. Erweise sich dies wegen der geringen Zahl von Schülern oder aus anderen Gründen für undurchführbar, so müsse volle Parität den Katholiken gegenüber gefordert und dafür gesorgt werden, daß die freie Tätigkeit der Kirche zur vollen Geltung komme. Zur Frage der Kinematographcntheater wurde eine Resolution angenommen, in der die 69. General- Versammlung der Katholiken Teutschlands erneut mit allem Nach- druck auf die außerordentliche Bedeutung des Kinowesens als modernes Volksbildungs- und Unterhaltungsmittel, speziell für die Echule und Jugendpflege, hinweist, aber bedauert, daß der staunens- werte technische Fortschritt, den die Erfindung des Kinemato- graphen darstelle, noch nicht in gleichem Maße zu einem Kultur- fortschritt ausgenutzt sei. In dem Kampfe gegen die noch bc- stehenden volksbildungsfeindlichen, zahlreichen ethischen und ästheti- schen Auswüchse der Kinothcater, vor allem für die positive Ver- wirklichung der zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten des Kine- matographen für unsere Volkskultur, erscheine ihr deshalb ein weit energischeres Interesse von Reich, Staat, Gemeinde, Volks- bildungsvcreinigungcn und der Privatinitiative unbedingt not- wendig. Die Generalversammlung empfiehlt: 1. die reichsgesetz- liche Einführung der Konzessionspflicht für die Kinotheater; 2. die rcichsgesetzlichc Regelung der Film- und Plakatzensur; 3. die Rege- lung des Besuches der Kinder beziehungsweise Jugendlichen der Kinothcater dahin, daß Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren der Besuch öffentlicher Vorstellungen auch in Begleitung der Eltern ganz verboten wird, ausgenommen die besonders als„Kinder- Vorstellungen" bezeichneten Vorführungen; hier dürfen nur solche Nummern vorgeführt werden, die vorher von der Lehrerschaft und der Geistlichkeit gebilligt sind; 4. Vorschriften über die bau-, fcuer- und sicherhcitspolizeilichen Anforderungen an die Theaterräumlich- leiten, Vierte öffentliche Versammlung in der Fcsthalle. Vizepräsident Landtagsabgeordneter Hoen verlas zu Beginn ein Tanktelegramm des Fürstbischofs Kardinal Kopp, der namens der Bischofskonferenz in Fulda dem Katholikentag den Dank ab- stattet für die dargebrachte Huldigung. Dann sprach Reichstagsabgeordncter, Benefiziat, Redakteur und Zeitungsverleger Liborius Ger st en berger- Würz- bürg über: Der Katholik und die Presse. Es heißt, so führte er aus, Soldaten nach Metz bringen, wollte ich auf einem Katholikentag wieder einmal ausführlich über die Bedeutung der Presse sprechen. Wer heute noch die Presse für eine Erfindung deL Volkes hält, die man aus den katholischen Familien am besten fernhalte, der möge sich nur gleich für die bevorstehenden„Parsifal"-Spiele als Träger der Titelrolle engagieren lassen. Aber in die harte Wirklichkeit paßt solch „reiner Chor" nicht mehr hinein. Nicht in eine Zeit, wo die höchsten Probleme des Geistes in der Presse angefochten werden, wo es keine Frage mehr gibt, die sie nicht in populärer Form bei dem einfachsten Mann im fernsten Gebirgsdörflein ein- zuschmuggeln suchte, kein Verderbnis in irgendeinem modernen Sodom, das nicht als pikante Neuigkeit aufgetischt würde, ver- brämt mit dem Schein sittlicher Entrüstung oder klugvcrstcckt unter den üppigen Ranken des Feuilletons wird es auch dem unverdorben- Pen Naturkinde in breiter Schilderung mitgeteilt und vertraut gemacht. Als„Unibersallieferanten geistiger Nahrung für ganze, große Volksschichten" bezeichnet der Leipziger Nationalökonom Karl Bücher die Zeitungen. Er denkt hier an die politische Willens- beeinflussung durch die Presse. Uns als Katholiken liegt näher, daß er in den schweren Worten ausspricht, das kaum etwas so fest- stehe, wie die Tatsache, daß die Presse, je länger je mehr das ge- samte geistige Menschenleben der Völker bestimme. Wenn auch auf die katholische Kirche das Worte Carlyles nicht zutrifft:„die wahre Kirche von England besteht zurzeit aus den Herausgebern der Zeitungen, die täglich dem Volke predigen," so läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß auch innerhalb der katholischen Kirche die religiöse Anschauung, das Glaubens- und Sittenleben ganzer Gemeinden, ja selbst mancher Staaten, durch die Presse schon be- stimmt worden ist. Wo einmal in einer Familie ein kirchenfeindliches Blatt sich eingenistet hat, da wird der Pfarrer vergeblich predigen. Er kann es ohnedies nur einmal in der Woche und nur zu einer bestimmten nicht jedem passenden Stunde. Das Blatt aber t u t es sechs- und siebenmal und noch öfter und zu jeder Zeit des Tages, selbst bei Tisch und in der Ruhe. Wer aber nichts Katholisches mehr hört und nichts mehr liest, dem klingen bald überhaupt nicht mehr die Glocken ans Ohr. Den Weihrauchduft verdrängt das Parfüm, welches das Leibblatt in der Familie ver- breitet. Und in dieser kirchlich gleichgültigen oder gar kirchlich- feindlichen Atmosphäre wachsen die Kinder heran, und leider lesen diese öfter die Zeitung, als die Eltern vermuten, und lesen mehr heraus, als ihnen lieb ist.(Lebhafte Zustimmung.) „Aber welches ist denn die katholische Presse, die in keiner katholischen Familie fehlen soll?" fragen höhnend die Gegner unter Hinweis auf die bedauerlichen Streitigkeiten einzelner katholischer Preßorgane untereinander. Nun, unsere katholischen Zeitungen sind jedenfalls einig in allem, was Glaubens- und Sittenlehren angeht, und sie sind einig in ihrer An- hänglichkeitan den gemeinsamen Einigung s- Punkt, den Felsen Petri.(Stürmischer Beifall.) Mögen also die Gegner sich nicht die Köpfe zerbrechen: Unser katholisches Volk weiß, was unter katholischer Presse verstanden wird.(Lefr hafte Zustimmung.) Aber selbst wenn es bei der Auswahl unter den einzelnen Organen einen Zweifel hätte, das eine weiß es ganz sicher, nämlich was die schlechte Presse ist, die in kein katholi schcs Haus gehört.(Sehr richtig!) Am gefährlichsten sind da jene Zeitungen, die sich vorsichtig verschleiern oder unter dem Aus- Hängeschild der„Farblosigkeit" das unschuldigste Gesicht der Welt machen. Abgesehen davon, daß solche„neutrale" Organe, General anzeiger und sogenannter Amtsverkündiger, am meisten unserer Presse Luft, Licht und Nahrung entziehen. Es gibt in Wirklich- keit keine farblosen Blätter, denn es ist nicht möglich, zu gleicher Zeit Gott zu dienen und dem Mammon; es ist unmöglich, in gleicher Weise Juden und Christen, Sozialisten und Konservativen zu gefallen, wenn man nicht die höchsten Fragen in Kirche unv Staat überhaupt totschweigen will. Man kämpft nicht gegen Maschinengewehre mit der Feuerspritze und man kann nicht mit Generalanzeigern die scharfen Geschosse der Kirchcnfeinde ab- wehren. Den allgemeinen Angriff der Gegner können wir nur abschlagen�wenn wir ebenso gute und moderne„Maschinengewehre des Gedankens" aufstellen und dafür sorgen, daß alle katholischen Familien dahinterstehen. Da aber fehlt es noch sehr. Kirchen- feindliche und religiös gleichgültige Blätter verhalten sich zu den katholischen Blättern wie 19: 1. Von all den guten Werken, die auf den Katholikentagen empfohlen werden, dünkt mir daher keines besser, als die Unterstützung der katholischen Presse. Von all den wichtigen Aufgaben, deren Durchführung uns hier nahegelegt wird, scheint mir keine vordringlicher, als die Förderung der katholischen Presse. Mit ihr und durch sie werden auch alle anderen Aufgaben und guten Werke gefördert. Denn erst die Presse macht sie zur allgemeinen Kenntnis deS katholischen Volkes; sie empfiehlt, ver- teidigt und sichert sie für die Zukunft, sie gewinnt und macht die öffentliche Stimmung. Darum höchstes Ziel:„In jede katholische Familie eine katholische Zeitung I" (Stürmischer Beifall.) borschlag ablehnke, höhnisch zurief:„Ich Jjerzichte auf die dreißig Mark, Sic sollen aber den Eid schwören, Sic können übrigens noch etwas von mir bekommen" und dabei das Portemonnaie aus der. Tasche zog. Ueber diese Wirkung seiner Worte war er freilich, nicht wenig erstaunt. Tie Auskunftspflicht der Arbeitgeber nach dem Einkommen- stcuergesetz. In unserm gestrigen Bericht ist durch einen Druckfehler aus dem Ferien-Strafsenat des Kammergerichts eiu solcher des Landgerichts geworden. Es mußte Kammergericht heißen. Soziales. Handlungsgehilfen und Fortbildungsschutpflicht. Dorn und Goldschmidt, die einen Handel mit landwirtschaft- lichen und gewerblichen Maschinen in Schlüchtern betreiben, sollten ich gegen die Gewerbeordnung und gegen das Ortsstatut der Stadt Schlüchtern über die Fortbildungsschule vom 29. Dezember 1691 vergangen haben, weil sie ihren 17jährigen Handlungsgehilfen SB. nicht in die Fortbildungsschule zu Schlüchtern schickte�:. W. war häufig in der Umgegend Schlüchterns unterwegs, um für die Firma landwirtschaftliche Maschinen zu verkaufen. Die Angeklagten hielten aber ihren jungen Gehilfen überhaupt nicht für verpflichtet, die Fortbildungsschule zu besuchen � weil er Handlungsgehilfe sei. Insbesondere beriefen sie sich auch darauf, daß das Schlüchterner Ortsstatut nur von Lehrlingen und gewerblichen Arbeitern und Gehilfen spricht, ebenso wie der Titel 7 der Gewerbeordnung und Z 120. Die Strafkammer in Hanau als Berufungsinstanz sprach denn auch die Angeklagten frei, indem sie ausführte: Das Ortsstatut der Stadt Schlüchtern, daS vom Bezirks- ausschuß in Cassel genehmigt sei, erkläre für fortbildungSpflichtig „alle sich regelmäßig in Schlüchtern aufhaltenden Lehrlinge, gewerb« liche Arbeiter und Gehilfen unter�lb Jahren. Es sei ja nun anzunehmen, daß W. trotz seiner Geschäftsreisen in die Umgegend sich infolge einer geschäftlichen Beziehungen zu der Firma doch so in Schlüchtern aufgehalten habe, daß er zu den„regelmäßig sich in Schlüchtern aufhaltenden Personen" gehöre. Die Angeklagten könnten gleich- wohl nicht bestraft werden, denn als Handlungsgehilfe sei W. kein gewerblicher Arbeiter oder Gehilfe. Somit sei er nicht fortbildungS- schulpflichtig in Schlüchtern gewesen und die Chefs hätten keine Ver« pflichtnng gehabt, ihn in die Schule zu schicken. DaS Kammergericht— Ferienstrafsenat— hob auf die Revision der Staatsanwaltschaft dies Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an daS Land« gericht zurück.— Gründe: FortbildungS schulpflichtig im Sinne des§ 120 der Gewerbeordnung seien auch Handlungsgehilfen. Das werde besonders durch z 195 b und§ 139 i der Gewerbeordnung zum Ausdruck gebracht. Deswegen sei der Entscheidungsgrund des Landgerichts, der zur Freisprechung führte, hinfällig. DaS Landgericht müsse darum noch« mal in der Sache verhandeln und nunmehr feststellen, ob beide an- geklagten Firmeninhaber sich gegen das OrtSstatut oder gegen die Vorschriften des§ 139 i» Absatz 2 der Gewerbeordnung, vergangen hätten, wonach der Geschäftsinhaber die Gehilfen und Lehrlinge unter 18 Jahren zum Besuch der FortbildungS- und Fachschule an- zuhalten und den Schulbesuch zu überwachen habe. Vom guten Ton vor dem Gewerbegericht. Unrecht gehandelt hat gestern der Vorsitzende der Kammer 7 des Gewerbegerichts. Mag.-Assessor Dr. B e r t h o l d, als er eine Klägerin hart anfuhr, weil sie einen früheren Termin versäumt hatte. Unglück- licherweise fehlte nun diesmal der Beklagte, so daß, wenn er gegen das erlassene Versäumnisurteil Einspruch einlegt, nochmals ein Termin in dieser Sache angesetzt werden muß. Daß daS einem Gewerbegerichtsvorsitzenden nicht lieb ist. verstehen w'r. wenn aber die Klägerin sagt, sie habe die Zeit verschlafen, weil sie vorher von 12 Uhr mittags bis 6 Uhr früh hatte tätig sein müssen, dann liegt doch wirklich keine Ursache vor, einen um>*19 Uhr versäumten Termin derart scharf zu verurteilen. Wie oft müssen Kläger wegen Versäumnis der Beklagten wiederholt vor dem GericHt er- scheinen und werden doch durch jeden verlorenen Vormittag weit härter getroffen, wie die Arbeitgeber. Zehn Mark Ordnungsstrafe wurden einem Kläger aufgebrummt, weil er sich dadurch ungebührlich vor dem Gewerbe. gericht benahm, daß er dem Beklagten, als dieser einen Vergleichs- Serickts-Leitung. Diebstähle auf den Friedhöfen lagen mehreren Anklagcsachen zugrunde, die gestern vor den Moa-- biter Etrafrichtcrn zur Verhandlung kamen. Unter der Anklage der Grabschändung bezw. Beschädigung im Sinne des§ 168 St.G.B. hatte sich der 71jährigc pensionierte Schutzmann Felix Scnftlebcn vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts II zu vcrantwortcu. Der Angeklagte, welcher Eigentümer eines Grundstücks in der Feh- marnstraße ist und in guten Vermögensverhältnissen lebt, hat seilt Jahren eine an Leidenschaft grenzende Vorliebe für Hyacinthen.. Er hat sich deshalb auf seinem Grundstück eine Art Treibhaus an- gelegt, indem er Hunderte von Hyacinthen in allen möglichen Variationen züchtet. Wie weit der Angeklagte in seiner Leidenschaft für diese duftenden Kinder Floras ging, zeigte ein Vorfall, der die Erhebung der jetzigen Anklage zur Folge hatte. Ter Friedhofs- Verwalter Gendrics, welchem der Friedhof der Zwölf Apostel-Ge-- meindc in der Kolonncnsiraßc in Schöncbcrg untersteht, hatte seil: ziemlich einem Jahre wahrgenommen, daß die von den Angehörigen: der Verstorbenen auf die Gräber gcpflanzten Hyacinthen samt dem Knollen fortgesetzt spurlos verschwanden. Er legte sich auf die Lauer und kam schließlich zu der Feststellung, daß die Hyaci-rthen immer dann verschwunden waren, wenn ein alter weißbärtißpr, aber militärisch-stramm gehender Herr, der stets Reitstiefel ünb Sporen trug und sich von den Friedhofsarbeitern„Ritrmeistcv" titulieren ließ, den Friedhof besucht hatte. Am 9. Aprik d. I. gelang es endlich, den angeblichen Rittmeister als den Hyacinthen- dieb in flagranti abzufassen. Auf der Polizeiwache entpuppte sich: der„Herr Rittmeister" als der jetzige Angeklagte, in dessen Taschen sechs frisch aus der Erde gerissene Hyacinthenknollen vorgefunden wurden. Vor Gericht entschuldigte der bisher völlig unbescholtene Angeklagte sein sonderbares Tun damit, daß er nur abgeblühte Pflanzen genommen habe, die als wertlos gewöhnlich auf den Dung- Haufen geworfen würden. Demgegenüber wurde jedoch festgestellte daß auch vollblühcnde und eben erst eingesetzte Pflanze» gestohlen. worden waren. Das Gericht ließ mit Rücksicht auf das hohe Alter und die straflose Vergangenheit des Angeklagten Milde walten und erkannte nur auf 3 Tage Gefängnis. Ein anderer Fricdhofsdieb, der aus Not gehandelt hatte, mußte sich in der Person des Arbeiters Albert Seminski vor der 1. Ferien- strafkammcr des Landgerichts III verantworten. Ter schon mehr- fach vorbestrafte Angeklagte hatte auf dem Gcmcinbcfricdhof in Weißensce Bronzekcttcn und Verzierungen gestohlen und war: gerade im Begriff, diese in einem Sack verpackt nach Berlin zu: transportieren, als er in der Gustav-Adolfstraße angehalten wurde.. Er warf den Sack weg und ergriff die Flucht. Es kam nun zu einer recht ausgedehnten Diebesjagd, die sich bis nach Berlin hinein fortsetzte. Auf der Flucht bedrohte der Dieb einen Chauffeur, der sich ihm entgegengestellt hatte, mit einem offenen Messer. Schließ- lich wurde S. nach einer wilden Hetzjagd-gestellt und überwältigt. Der Staatsanwalt beantragte 1)4 Jahre Zuchthaus. Das Gericht billigte dem Angeklagten, da er in Not gehandelt hatte, mildernde Umstände zu und erkannte auf 1 Jahr Gefängnis. 1»/z Jahre Gefängnis für einen Schuljungen! Eine recht dumme Tat muß der 12jährige Schüler W i l- Helm Trespe aus Ohmsdorf, Kreis Schweidnitz, schwer büßen. Im Juni dieses Jahres legte er in Gemeinschaft mit dem acht- jährigen Hermann Schaar in der Nähe seines HeimalSortcs einige kleine Metallstücke auf die Schienen der dort vorüberfahrenden Weistritztal-Bahn. Ueber ein solches Hindernis fuhr der dicht besetzte Personenzug, ohne Schaden zu nehmen; vor dem zweiten wurde er rechtzeitig zum Halten gebracht. Materialschaden ist nicht der gering st e entstanden und Menschenleben sind ebenfalls in keinerWeise gefährdet, noch ist jemand überhaupt verletzt worden.. Der Staatsanwalt erhob Anklage wegen eines„geplanten Attentats auf einen Eisenbahnzug". Da der 12jährige Trespcl das strafmündige Alter erreicht hatte, muß dieser seinen Dummenjungenstreich, und um einen solchen handelt eS sich hier nur, mit eineinhalb Jahren Ge« f ä n g n i S büßen. Die Schweidnitzer Strafkammer sah die Tat- bestandsmerkmale für ein geplante« Eisenbahnattentat für erwiesen und so schwer an, daß sie die Strafe für den Jungen noch um ein ganzes halbeSJahrhöherinAnsatzbrachte, alSeS der öffentliche Ankläger gefordert hatte. DaS ist gewiß eine sehr harte Strafe für eine in jugendlichem Leichtsinn begangene Tat, deren eventuelle Folgen dem Verurteilten gar nicht klar gewesen sein können. 1199 M. Schadenersatz an einen Arbeitswilligen. Das Landgericht Erfurt hat in einer Schadenersatzklage des Arbeitswilligen Otto Klaus aus Erfurt gegen drei Mitglieder des Brauerei- und Mühlenarbeiterverbandes die Beklagten verurteilt, an den Kläger 1199 M. Schadenersatz zu zahlen, weil sie es ver- schuldet haben sollen, daß Klaus im Jahre 1911 auS der Malzfabrik der Firma Eisenberg entlassen worden sei und in seinem Berufe bisher keine Arbeit erhalten habe. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Im Januar 1911 hatten die Arbeiter in der Malzfabrik der Firma Eisenberg in Erfurt»nfolge von Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Unter den für die Firma tätigen Arbeitswilligen befand sich auch der Brauer Otto Klaus. Nach Wiederaufnahme der Arbeit entstanden zwischen diesem Arbeitswilligen und den organisierten Arbeitern Reibereien, die, wie einige Zeugen bekundeten, besonders durch das provokatorische Verhalten des Arbeitswilligen verschärft wurden, denn nach den Aussagen eines Zeugen hat Klaus einmal einen organisierten Arbeiter mit einer Bierflasche in die Kniekehle geschlagen, daß er zusammenknickte. Einen anderen Arbeiter hat Klaus„Lausejunge und schwindsüchtiger Hund" geschimpft. Ferner hat er seinem Haß gegen seine organisierten Kollegen mit den Worten„Tie Roten müssen hinaus!" Luft gemacht. Da das Landgericht Erfurt schon durch eine Vorenficheidung im Jahre 1912 den Schadenersatzanspruch des Arbeitswilligen im Prinzip als berechtigt anerkannt hatte, so legten die Beklagten Be- rusung ein, die aber vom Oberlandesgericht m Naumburg ver- warfen wurde. Die Berufungsinstanz wies den Fall zwecks Fest- setzung der Schadenersatzsumme an das Landgericht zurück und be- tonte in der Urteilsbegründung, daß das Schlagen mit der Bier- flasche als harmlos bezeichnet werden müsse, wogegen der Umstand, daß der so herausfordernd auftretende Klaus eines Tages einen Knüppel fand, woran ein. Zettel befestigt war. der die Auffchrift trug:„Mit diesem Knüppel wirst du hinaus gehauen", als e,n wichtiger Beweis für den angeblichen Terrorismus der Beklagten angesehen wurde. Letztere sollen die Entlassung des Klaus insofern verschuldet haben, daß die Fabrikinhaber nach ihren eigenen Zeugen- aussagen befürchtet haben, es könne zur erneuten Arbeitseinstellung kommen weil ihnen von dem Malzmeister und einem Obermalzer die Mitteilung gemacht wurde, daß die Arbeiter große Abneigung bekundet hätten, mit Klaus zusammen zu arbeiten. Auch war ,m Lause einer Unterhandlung, die zwei beklagte Ortsverwalwngs- Mitglieder des Verbandes mit den Fabrikanten hatten, die Rede auf Klaus gekommen und dabei soll die Bemerkung gefallm ftin, wie es mit der Entlassung des Klaus stünde. Der organisierien Arbeiterschaft wird cS recht sonderbar er- scheinen, daß Großkapitalisten sich durch eine nebensächliche Be- merkung aus Arbcitcrmunde so ins Bockshorn jagen lassen, daß sie sofort dem angeblichen Wunsche auf Entlassung eines Arbeits- willigen entsprechen. Nach dem landgcrichtlichen Urteil soll die Schadencrsatzsummc ein Ersatz für den Lohnausfall infolge Arbeitslosigkeit nach dem Ausscheiden des Arbeitswilligen aus der Malzfabrik, für die Min- dereinnahme in der Zeit seiner anderweitigen Beschäftigung und sogar für die Differenz zwischen Arbeitslohn und Krankenunter- siützung während einer Krankheit sein. Der Klageanspruch auf Gewährung einer im voraus zu zahlenden Rente von �88,40 M. Pro Jahr wurde abgewiesen, weil die Voraussetzungen des i; 843 des Bürgerlichen Gesetzbuches nicht erfüllt seien. Doch wird das Urteil des Landgerichts ausdrücklich als Tcilurtcil bezeichnet und die Pflicht der Beklagten für den in Zukunft noch zu erwartenden CeDtscliErMelallaröEiter-Verbaiiii Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Franz Klenert Gerichtftr. 10, gestorben ist. Tie Beerdigung findet am Sonnabend, den 23: August, nachmittags 3»/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Kirch- Hofes in der Seestraße aus statt. Ferner starb unser Mitglied, | der Revolverdreher Fritz Lehmann I Mariendorf. Ratbausstr. 91 am 1 19. d. Mts. an Magenleiden. Die Beerdigung findet am j Sonnabend, den 23. August, nach. I mittags 5 Uhr, von der Leichen- | Halle de? Neuen Gemcinke-Kirch- | Hose» in Marienbors aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. VEFliani! dEr freien Gast- nntl SciiankwirtE Benfsolilanils. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, l daß der Kollege WilGi Conradt Manteiifselftr. 26, Bezirk 4 verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Freitag, den 22. August, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Jakobi-Kirchhoscs, Hermannftrane. aus statt. 73/17 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. N a c h r uf. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser Hermann Teichmann. Ehre ihrem Andenken l 124/7 Die Ortsverwaltung. Am Montag, den 19. d. Mts., verstarb nach langem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, per Arbeiter Adolf Kube im 52. Lebensjahre.+73 Dies zeigen tiesbetrübt an Witwe.Agiie» Knbe und Kinder. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 23. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Marzahner Friedhofes aus statt. Dentsclier HoIzarheilervErtianl Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß unser Kollege, der Maschinen- I arbciter Wilhelm �Voltk Mautcuffelstr. 76, im Alter von 59 Jahren geswrbeu ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 22. August, nach- mittags 31l1 Ubr, von der Halle drS Emmaus-Kirchhofes in Neu- tölln, Hcnnannstras.c, aus statt. Allen Freunden und Bekannten| die traunge Nachricht, daß meine liebe Frau, Mutter, Großmutter �nrelia Reipsch geb. Kunze nach langwieriger Krankhett sanst cntschlasen ist. L7A DicS zeigen tiesbetrübt an Hermann Reipsch und Kinder. Die Beerdigung findet Freitag, 22.13., nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Zcntral-Friedhoses in Friedrichsselde aus statt. Den Mitgliedern serner zurl Nachricht, daß unser Kollege, der! Pcrlmutlarbeiter Max Schippoldt Elbinger Straße 16, im Aller von 44 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! _ Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. August, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des AuserslehungS-KirchhoseS in Veißcnsec, Lichtenberger Weg, aus statt. 87/17 Die Drtsverwaltung. Am Dienstag, den 19. August, l verschied nach kurzem, schwerem I Leiden meine innigstgeliebte Frau, unsere gute Bluttcr, Groß- und Schwiegermutter, Frau dohnnnn Gabler 1 im 50. Lebensjahre. 8321 | Um stille Teilnahme btttet im Namen der trauernden Hinter- bliebencn Hax Ciftbler, Kastwirt, [ Allerstr. 35, Ecke Schillcr-Prom. Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 24. d. MIS., nachmittags 3 Uhr, vonderLeichen- halle des Neuen Jakobi-Kirchhoscs, Neukölln, Hermannslraße, aus statt. 'Allen Freunden und Bekannten ! die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere herzensgute > Mutter Anna Mai geb. Schindler sanst entschlafen ist. 34Zl Tics zeigt tiesbetrübt an Gustav Mai nebst Kindern. Beerdigung Freitag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gcihscmane-Kirchhoses, Nordend. VerhaiHj der freien Gast- und Seiiankwirte Deutsehlands. Drtsverwaltung NcukSlln. Am 19. August verstarb die Ebcsrau unseres Kollegen Hax Gabler Johanna g-b. crübert. Ehre ihrem Andenken! _ Die Beerdigung findet am Lonntag, den 24. 2lugust, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des neuen Jatobilirchhoscs (H-rmannstraßc) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwallunii Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigling unseres lieben Bruders, Schwagers und Onkels Gustav Mantirlek sagen allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gesangverein.Freier Sängerchor*, dem Wahlverein Alt-KIicnickc, dem Fabrikarbeitcr-Verband sowie seinen Arbeitskollegen von der Firma C. A. F. Kahlbaum unseren herz- lichsten Dank. 402t Tie trauernden Hinterbliebenen. Dr. Slmme! für Spezial-Arzt Haut- und Harnleiden. Prinzeustr. 41, m'Ä 10— 2. 5— 7. Sonntafrs 10— 12. Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts lilndenstr. 69. SwineniMer GesellsiMtsliaiis Jnh.L.Rcinfarth�Siuinemünderst.42 Sonnabende und Sonntage sind noch zu vergeben. igo6b H.& p. Uder, InÄ1«; Tabak-GroßhamUnng und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak voa Q.& Kanewacker, Qrimm* Tnepel. ■ Stets frisch ru den äußersten Enerospreisen.- ====== Amt IV, 3614. Schaden des Kläger? soll r irläufig noch dahingestellt bleiben. Trotz- dem also der Anspruch des Arbeitswilligen auf Zahlung der heiß- ersehnten Rente abgewiesen worden ist, bleibt es ihm doch unbe- > nommen, jederzeit gegen seine früheren Arbeitskollegen weiter zu klagen._ Briefharten der Redaktion, Die juristische Sprcchsttinde findet bis einschließlich Sonn- abend, den 30. August, nur von 7 bis v Uhr abends statt.— Sonn- abends Sprechstunde von bis 6 Uhr nachmittags. M. D. 39. Ihre Frau muß innerhalb 28 Tagen vom Empfang der Zahlungsaufforderung an gerechnet bei der Stadtshnode reklamieren unter »ingabe des Slktenzeichens des Kirchenaustrittsverfahrens. Ein Strafantraa ist aussichtslos. Vorläufig müssen Sie zahlen.— W. N. 100. Vermutlich kann Ihnen der Arbeitersängerbund sagen, wer derDichter genannten Liedes ist. — A. B. 16. 1. Ja. 2. Nein. Sie können nur die Beseitigung selbst veranlaffen und die Kosten vom Vermieter erstattet verlangen. 3. Die Nichtzahlung der Miete oder ein Abzug von derselben ist nach den in Berlin üblichen Mietsverträgen nicht statthast.— F. G. 28. Ihre Angaben reichen zur Beantwortung der Frage nicht aus. Wer ist denn die alte Frau.— II. 17. sie sind nicht haftbar.— O. G. 48. Die Befugnis zur Lehrlingsausbildung erhalten Sie, sosern Sie entweder die Lehrzeit zurückgelegt und die Gcsellcnprüsung bestanden haben oder fünf Jahre hindurch persönlich das Handwerk selbständig ausgeübt haben oder während einer gleich langen Zeit als Werkmeister oder in ähnlicher Weise tätig gewesen sind. Richten Sie ein Gesuch an die Innung. — I. R. Klage gegen die Staatsanwaltschaft ist notwendig.— A. B. 100. Sie sind zahlungspflichtig.— Vk. D. 39. Sie hasten als Erbe und sind berechtigt, den Nachlaß vom Onkel zu fordern.— Heidelberg, 1. Nein. 2. Ja. Sofern der Schuldner unverheiratet ist, müssen ihm etwa 20 M. pro Woche belassen werden; ist er verheiratet, etwa 25 M. Pro Woche.— Freitag, den 22. August, abends 8 Uhr: Grosse Volksversammlung in der„Neuen Welt", Hasenheide 108-114. Genossin Klara ZeMn-Stuttgart spricht über das Thema: „Üegesi den öebärstreik." Die Berliner Frauen sind zn dieser Versammlung besonders eingeladen. In Anbetracht des überaus wichtigen Themas erwartet zahlreichen Besuch Vechziill sozialdemokr. Wahlmeine Berlins n. ümg. I. A.: Eugen Ernst, Lindenstr. 2. Verwaltung Kerlin. Die für die Mitglieder bestimmten Lohnbücher sind fertiggestellt und können durch die Vertrauensmänner gegen Vorlegung der einzelnen Mitgliedsbücher in Empfang genommen werden. Branche der Möbelpolierer. Sonnabend» den 23. August 1913; Großes Sommerorrguügen bei Boeker, Weberftr. 17 bestehend aus Konzert, Theater, Spezialitäten und Kall. Eröffnung 7 Uhr.. Ansang 8 Uhr. Billetts inkl. Tanz 80 Pf. sind in den mit Plakaten belegten Zahlstellen sowie bei Max Knoll. Norweger Str. 4; Eugen Hoffmann, Ärangclsw. 114; Paul Thimm, Tilsiter Str. 79, zu haben. _ Hau Koniitec. Montag, den 25. August, abends 6 Uhr: Okffkiitülhe S"tiil)lpolirrct=Ilctfflniinliin(| bei H e r m e l, Holzmarktstr. 21. Tagesordnung: 1. Wie können wir nnsere Lage" verbessern 7 2. Verbands- und Branchcnangclegenheiten. b?B. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung muß jeder Stuhl- Polierer in obige: Versammlung erscheinen. 87/16 Montag, 25. August, abends 6 Uhr, im Englischen Hof, Alexandcrstraste 27c: Branchen- Versammlung der Küchenmöbel- Tischler. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen tScbrvlber: Das Prinzip der Bolks- fürsorge. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Branchenangclegen- heiten und Verschiedenes. BSF* Mitgliedsbuch ist mitzubringen."W>A Tie Branchenkommission. 'Verwaltung Berlin. Freitag, den 22. August 1913, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 1: Fortiepung der vertagten SP General-Vcrfantmtutigr IS vom 28. Juli. Tagesordnung: 1. Vortrag über„Die Volksfürsorge'. Referent C. Misbach. 2. Diskussion. 3. Antrag betreffend Eriraunterstützung der arbeitslosen und ausgesteuerte« Kollegen. 4. Wahl eines Schrfftsührers. 5. Verschiedenes.— Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet 20/10___ Der Borftand. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. 144/17 Gruppe der Gipsbranche. Sonntag, den 24. August 1913, vormittags 10 Uhr, in Haberlands Fcstsälc», Neue Friedrichstr. 35: Lruppen- Versammlung. Tagesordnung: „Was nun?" Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht vor Vorstand. Verwaltungsstelle Berlin. C 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Sonntag, den 24. August, nachmittags 4 Uhr: Mitglirdrr-Versanrmiungen sür Grünau, Bohnsdorf, Falkeuberg° im Restaurant Schäfer, am Wasserturm, Falkenberg b. Grünau. Sonntag, den 24. August, vormittags Uhtt Für Sfildan, tionigsurnftechaufen, nieder- ietzme, Scljenliendorf, Zeuthen, Cid)- walde, liiiersdorf, Hoherlehme u. ümg. im Lokal von Wilhelm Kodaneck in Wildau, Schwartzkopff- straße. Tagesordnung in beiden Bersaminlungcn» 1. Stellungnahme zur Generalverfammlung. 2. Bericht vom außerordentlichen Verbandstag in Berlin. M?- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Sonntag, den 24. August, vormittags 19 Uhr: Sr an eben»Versammlung aller in der Netalliudustrle beschäftigten tilaichinen- arbciter und-flrbeiterinnen in den Musiker-Festsälen, Kaiser-Wilhelmstr. 18m. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben- Zu dieser Versammlung sind alle in der Metallindustrie beschästigte» Hobler, Bohrer, Fräser, Stößer, serner die in den Betrieben der Gelbmetall- industrie beschäftigten Schnittarbeiter, an Ziehpressen und Stoßwerken Be- schästigtc, ferner alle an Maschinen tätigen Arbeiterinnen freundlich ein. geladen. 124/6 Die Ortsverwaltung. Offeriere in nur srischer, schöner Ware! SOCT* Nur ein Preis!"VS Fette, junge Gäule 75 Pf. 7—12 Pfd. schwer. Nur allererste Qualität! Gänserümpfk, halbe Gänse. 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Druck u. vertag: Vorwärt» Buchdrücke rei n. d fi,S Ingust Bebel-lnslecknadel Baumbach& Ohnesorge, Bereinöabzrichenfabrtk für SB, Ware sofort lieferbar. tüchtige Verkäufer gesucht. I-eipalg. 209/13 Schlafstellen. Schlafstelle allein, Schiassteil« wei Herren, Woche 3,»>« machen. Der Verein der»freien Ofensetzer Berlins'— nicht identisch mit den Lokalisten—, welcher aus notorischen Streikbrechern besteht und seinen Arbeitsnachweis in dem Lokal von F. Herold, Berlin, Schonenschestr. 10, bat, gibt sich die erdenklichste Mühe, Streikbrecher nach Chemnitz zu vermitteln. Ganz besonders tun sich bierbei der Vorsitzende des genannten Vereins Adolf Steffen, Prenzlauer Straste 50, und der Arbeitsvermittler August Günther. Pankow, Tvelleborger Str. 10, hervor. Der Vorsitzende Adolf Steffen ist ein vielseitiger Mensch. Den Töpferberuf führt er seit längerer Zeit nur noch nebenbei aus. Hauptsächlich immer dann, wenn der Verband der Töpfer eine Firma sperren muhte, als Sperrebrecher. Im Hauptberuf ist er jetzt Handelsmann. Er handelt in der Zentral- Markthalle— auf der Galerie, Stand 21— mit Obst. Der Streik steht günstig. Zuzug ist natürlich— auch für Fliesen- leger— streng fernzuhalten. Filiale Groß-Berlin des Zentralverbandes der Töpfer Deutschlands. Die Differenzen mit der Direktion der Deutschen Bier- brauerei in Pichelsdorf sind beigelegt. Die Arbeitnehmer haben die Kündigung zurückgenommen. Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter, Zahlstelle Berlin. Deutscher Transportarbeiterverband, Bezirk Groß-Berlin. Verband der Maschinisten und Heizer. Bezirk Groh-Berlin. Verband der Bötlcher, Zahlstelle Berlin und Spandau. Deutscher Metallarbeiterverband, Bezirk Spandau. Achtung, Gastwirtsgchilfcn! Auf verschiedene Anfragen, den Streik im Hackepeter Martin, EckeKaiser-Wilhelm- und Münz st raste betreffend, teilen wir mit, dast diese Diffe- renzen uoch nicht beigelegt sind und der Betrieb nach wie vor für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt ist. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin. Zur Differenz der Dcstillationsgchilfcn mit Herrn Spitzer, die ja bereits erledigt ist, teilt uns Herr H. Friedländer mit, dast er nicht, wie der Gastwirtsgehilfenverband in der der Mittwoch- nummer des»Vorwärts' berichtete, Herrn Spitzer zuungunsten der Gehilfen beeinflustt, sondern ihm im Gegenteil geraten habe, ein besseres Logis für die Gehilfen besorgen. Deudlches Reich. Metallarbeiterstreik in Hohenlimburg. Bei der Firma„Vereinigte Walz- und Röhrenwerke'(A.-G.) Friedrich Böker, Philipp Sohn und Friedrich König in Hohenlimburg in Westfalen sind den Kaltwalzern erhebliche Abzüge auf verschiedene Sorten Bandeisen gemacht worden. Als sich die Arbeiter weigerten, für diese reduzierten Preise zu arbeiten, wurde ihnen gesagt, dann könnten sie gehen. Daraufhin haben sämtliche organisierten Arbeiter die Arbeit verlassen. Vom Metallarbeiterverband wurde versucht, die Differenz beizulegen, die Firma war jedoch nicht dafür zu haben. Jetzt hat sie durch Vermittelung eines Streikbrecheragenren vor einigen Tagen 65 Hintzegardisten bekommen, die unter An- führung der Agenten ihren Einzug in die Stadt hielten. Das gab unter der Bürgerschaft schon eine gewaltige Aufregung. Als diese Herausreister im Fabrikbetriebe eintrafen, lehnten es auch die Ar- bester der übrigen Abteilungen ab, mit ihnen zusammen zu arbeiten; sie verliehen den Betrieb. Auf noch nicht ermittelte Weise wurden die Fensterscheiben des Fabrikkontors demoliert. Es wird sicher versucht werden, dies den streikenden Arbeitern in die Schuhe zu schieben. Deshalb sei jetzt hier schon sestgestellt, dast die streikenden Arbeiter an dieser Aus- schreitung nicht beteiligt sind._ Schwarze Listen gegen streikende Holzarbeiter. Bei der Firma Klubescheidt in Themar sSachsen-Meiningen) streiken seit zwei Wochen die Holzarbeiter, weil die Firma verschiedene bisher gezahlte Akkordpreise ganz erheblich reduzieren wollte. Um die Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit gefügiger zu machen, versendet die Firma folgende schwarze Liste: »Wegen Ablehnung unbilliger, ja geradezu unverschämter Forderungen kündigten bei mir 26 Tischler, um in den Streik zu treten. Ich bitte Sie deshalb, mich insofern zu unterstützen, dast Sie keinen der in der beigefügten Liste angeführten Arbeiter einstellen. Es ist mir diese Unterstützung bereits von allen Berufs- kollegen in Koburg, Schleusingen, Hildburghausen usw. zugesagt.' Die Firma begnügt sich also nicht nur damit, den Arbeitern einen geringeren Lohn als bisher anzubieten und die Sachlage zu ent« stellen, indem sie Forderungen der Arbeiter als Streikursache angibt, sondern sie will den Arbeitern auch noch durch Verrufserklärungeu an den übrigen Orten jede Arbeitsmöglichkeit nehmen. Wenn die Herren, die die Forderungen der Arbeiter als unverschämt bezeichnen, denselben Maststab an ihr eigenes Verhalten an- legen, dann gibt es keinen Ausdruck, der scharf genug wäre, um das- selbe zu kennzeichnen. Der Hutardeiterstreik bei der Firma Silbermann in Branden« bürg a. H. konnte durch Verhandlungen zugunsten der Ausständigen beigelegt werden. Die Sperre ist aufgehoben. Jluslancl. Der Textilarieiterstreik in Katalonien ist beendet, da die Texkik- arbeiter in Barcelona die Wiederaufnahme der Arbeit zu den alten Bedingungen beschlossen haben. "; V Dentslher SchrWeßer-Kongreß. Hamburg, 20. August. In der Mittwochsitzung beschäftigte sich der Kongreß Mit der gewerblichen und tariflichen Lage.- Flaschmann- Berlin referierte darüber. Er wies darauf hin, dast durch die EntWickelung der Technik in den letzten Jahren der Schristgicsterberuf schwer zu leiden hatte. Die Unternehmer bemühten sich zwar, die Konjunktur zu fördern, indem sie Neu- heiten in modernen Schriften auf den Markt brachten. � Biel ist dadurch aber nicht gebessert worden. Die Leistungsfähigkeit der Gießmaschinen hat sich stark gehoben. Zugleich drückte die Ein- führung der Setzmaschine den Schriftbedarf erheblich herab. Als Folge alles dessen trat eine starke Arbeitslosigkeit auf.� Der Verband war nun bestrebt, den Zuwachs der Arbeitskräfte zu be- schränken und dadurch das Entstehen einer großen Reservetruppe zu hintertreiben. Zum Teil ist das erreicht worden durch die Ver- einbarung einer festen Lehrlingsskala, die zur allgemeinen Läge des Gewerbes in einem festen Verhältnis steht. Der Verband hat weiter dahin gewirkt, daß die Gießarbeit an der Monothpemaschine durch Schriftgießcr ausgeführt wird. Außerdem wurde � versucht, die überflüssigen Arbeitskräfte in verwandten Berufen, wie in der Mcssinglinienfabrikation und im Justieren'zu beschäftigen. Die Angehörigen dieser Branchen sollen natürlich nicht durch die Schrift- gicßer verdrängt werden. Nur bei Neueinstelluugen sollen die über- zähligen Schristgießer berücksichtigt werden. Die Debatte war sehr eingehend. Es wurde darauf hingewiesen. daß die Lage der Schriftgießcr auch durch die starke Betriebs- konzentration im Gewerbe verschlechtert wird, wozu-noch das De» streben der Unternehmer kommt, die Fabrikation nach dem Aus- lande, namentlich nach Rußland zu verlegen. Seit 1908 hat sich die Zahl der Gießmaschinen für die Monotype von 36 auf 36? erhöht. Daran sind 187 Arbeiter beschäfttgt, von denen 130 Schrift- gießer sind. Die Anschauungen, daß die Setzmaschinen den Hand- satz nicht zurückdrängen könnten, haben sich als falsch erwiesen. Man müsse auch damit rechnen, daß die Setzmaschinen auch noch für die großen Schriften eingerichtet werden. Die Löhn« konnten sich nur deshalb auf einer gewissen Höhe halten, weil von den Gießern die Kenntnis komplizierter SpezialMaschinen verlangt wird und die Ausnutzung der Arbeitskraft sehr hoch ist. Ein Antrag von Berlin verlangt, daß die Schriftgießervereine ver- pflichtet werden, vor den Schulentlassungstsrminen eine rege Agitation in Wort und Schrift zu entfalten, um eine Befchränmng der Lehrlingsziffer herbeizuführen. Der Antrag wird aber zurück- gezogen, nachdem von verschiedenen Seiten ernste Bedenken- da- gegen erhoben worden waren. Für einen Einheitztaafvertrag traten die Delegierten von Leipzig und Frankfurt ein. Dem wider- sprachen die Vertreter von Berlin und andere. Schließlich wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „In Anbetracht der in den letzten Jahren immer mehr über- handnehmenden Arbeitslosigkeit in unserem Gewerbe, bedingt durch die vermehrte Einführung der Setzmaschine, die dem Ge- werbe große Aufträge entzieht, sowie durch die technische Ver- besserung der Maschinen, fordert der Kongreß die Kollsgenschaft der deutschen Gießstädte auf, mit den Prinzipalen in Ver- bindung zu treten, um von ihnen ein Entgegenkommen zu erreichen." Weiter wurde beschlossen, daß bor der nächsten Tarifreviston und bei anderen dringenden Gelegenheiten eine Konferenz der beteiligten Gießstädte einzuberufen ist. Gewerhrcbaftlicbea. Die Holzarbeiter und der Konflikt auf den Cdcrften. Die Schließung der Arbeitsnachweise durch die Organisation der Werftbesitzer hat bekanntlich eine neue Spannung der Situation in den Werftorten hervorgerufen. Nach Angabe der Unternehmer soll es das Fernbleiben der Arbeiter vom Nachweis sein, was die neue Kampfmastnahme der Werftgewaltigen veranlaßt hat. Be- fonders den Holzarbeitern schiebt man von Unternehmerseite die Schuld an der Schließung der Arbeitsnachweise zu, jedoch ganz unbegründeterweise, wie folgende Zuschrift von sachkundiger Seite darlegt: In Wirklichkeit liegt der Sachverhalt so, daß der Holzarbeiter- verband in der ganzen Angelegenheit den gleichen Standpunkt ein- -nimmt, wie die übrigen Organisationen. Und auch die Holzarbeiter selbst fühlen sich in gleicher Weise mit den übrigen Werftarbeitern solidarisch. In den Orten Vegesack, Kiel, Flensburg und Stettin haben bereits die Holzarbeiter ebenso wie die übrigen Werft- arbeiter ihre Bereitwilligkeit zur Wiederaufnahme der Arbeit unter den bekannten Bedingungen beschlossen. Vorläufig sind die gleichen Be- schlüsse der Holzarbeiter in Hamburg, Bremen und Bremerhaven zwar noch nicht gefaßt, was aber einzig und allein darauf zurück« zuführen ist, dast die Arbeiter keine Gewähr dafür haben, durch die Unternehmernachweise jetzt überhaupt eingestellt zu werden. Dazu kommt, daß sich auch an diesen Nachweisen durch den Mafien- andrang der letzten Tage Zustände herausgebildet haben, die nach- gerade für Leben und Gesundheit der Arbeiter, die diese Nachweise benutzen sollen, gefährlich waren. In der rigorosesten Weise werden die Arbeiter tagelang an die Nachweise bestellt, und wenn nach stundenlangem Warte» der einzelne dann endlich an die Reihe kommt und glaubt, vernuttelt zu werden, erhält er die Antwort:»Sie sind noch nicht an der Reihe!' . Schließlich hat an einzelnen Orten durch das Dazwischentreten der Polizei eine derartige Erbitterung in den Reihen der Arbeiter Platz gegriffen, daß die Unternehmer, die für diese Zustände ver- antworllich sind, zum mindesten keine Ursache haben, einzelne Arbeiter- kategorien hierfür verantwortlich zu machen. Die Holzarbeiter müssen die Verantwortung für die Zustände, die sich in den letzten Tagen an den einzelnen Orten herausgebildet haben, ganz entschieden ablehnen. Sie sind sich der Pflicht gegenüber der Gesamtheit der Arbeiter Wohl bewußt und werden zweifellos ihre Beschlüsse auch so einrichten, wie es die allgemeine Solidarität der Arbeiterschaft von ihnen erfordert. Verlin und Qmg-egencl. Tarifbewcgung der Arbeiter auf Patentsteinwände. Die im Deutschen Bauarbeiterverbande organisierten Patent- steinmaurcr und Hilfsarbeiter haben eine Lohnbewegung eingeleitet. Die Antwort auf die Forderungen der Arbeiter lautete dahin, dast die Arbeitgeber einen Sondertarif für diese Arbeitergruppe nicht anzuerkennen vermögen, hingegen den allgemeinen Tarif für das Baugewerbe gerne anerkennen wollten. Wenn aber Mißstände, wie die Arbeiter sie unterbreitet haben, wirklich beständen, so wären sie bereit, hierin Abhilfe zu versprechen. Bei den gepflogenen Ver- Handlungen lehnten sie die Tarifvorlage der Arbeiter ab, wollen aber, außer den 5 Pfg., die die Arbeiter dieser Gruppe mehr er- halten wie die Maurer, noch die allgemeine Lohnzulage vom August d. I. sowie Oktober nächsten Jahres in Höhe von 2 Pfg. pro Stunde gewähren. Auch in der Vergütung des Fahrgeldes und der Laufzeit wollen sie entgegenkommen. Ferner soll die Lohn- zahlung so erfolgen, daß die Arbeiter dabei nicht in Nachteil geraten. In einer am Mittwoch abgehaltenen Versammlung wurde das Angebot abgelehnt und beschlossen, daß der Vorstand und aus jedem Geschäft je ein Arbeiter noch einmal mit den Unternehmern ver- handeln sollen. Achtung, Töpfer! Zu dem Streik der Töpfer in Chemnitz ist zu berichten, dast sich leider aus Berlin einige Streik- brecher gefunden haben, die in Chemnitz Rausreister für die Meister Liemes feuitteton. Bebels Bild. Die Urne umschließt die Asche des Mannes, aus dem Wille und Wuwt der Massen sprachen; nun lebt er ganz nur in dem, was er, durch ein halbes Jahrhundert hin wachsend, dem Proletariat gegeben hat. Wir hören den stählern schneidenden Klang seiner kampfbcwegten Stimme, wir sehen das hingerissen arbeitende Haupt auf der federnd aufrechten, schmalen Gestal», wir spüren die rastlos tätige Kraft in unzähligen Augenblicken des verborgenen Schaffens im Kleinen, im Großen, und was wir hören, sehen und fühlen, drängt sich zusammen zu einem Abbild des immer zum stürmen- den Aufsprung bereiten, willenszähen Sieggewißseins. Wir werden uns nichi trennen von diesem Bilde, es lebt in uns als ein kurzer, schlagender Ausdruck, den die Zeitgeschichte, wie die Sozialdemokratie sie bezeugt, sich geschaffen hat.. Der Blick ruht auf dem Bildnis, das uns den August Bebel in den Zügen der letzten Lebensjahre nahe bringt. Georg Tronnier hat es gemalt, und der Vorwärts-Verlag stellt es uns eben in vor- trefflich gelungener farbiger Wiedergabc auf den Tisch. Der Blick arbeitet sich in wiederholtem Anschauen in das Bild hinein, es ist uns schnell vertraut und wir freuen uns, daß wir auch dieses Bild von Bebel haben. Auch dieses Bild, das in erhöhtem Sinne ab- schließend� wirkt. Je länger wir es anschauen, um so weniger bleibt es bloß das Bild des letzten Lebensabschnilts. Von dem greisen Kopf da geht ein merkwürdiges Bewegen aus. Bebel wurde zur Verkörperung einer Idee, und diese ideelle Leiblichkeit ist nicht von seinem körper- lichen Wesen zu trennen, sie umgibt ihn unsichtbar, aber wir fühlen sie und glauben sie zu sehen. Das Leben, das in diesem Kopfe arbeitete und das an ihm gearbeitet hat, löst sich heran?. DaS Bild des jungen dunkelhaarigen Bebel, der in der Zeil schlimmsten politischen Drucks auf der Tri- büne des deutsiben Reichsparlamcnts kühn die Pariser Kommune verteidigt, das Bild aus der Zeit des Gothaer Einigungslongresses taucht im Erinnern auf. Es war noch nahe, als das Ausnahme- gesetz zu Ende ging»nd Bebel in den Städten des kleinen Be- lagerungszustandes wieder als Redner vor Tausende hintrat Weiter dann das Bild von der Jahrhunderlwende, das Bild des Ergrauten auf der Höhe der Kraft, das Bild am Arbeitstisch, das die lichte Spannung vollen Schaffensglücks hat. Die Bilder drängen sich zusammen in dem letzten, das nun in unzähligen Arbeiterstuben hängen wird, dem Bild des Siebzigjährigen. Tie Haare sind greis.�abcr sie recken sich immer noch elastisch federnd aus. Dann diese Stirn, j,, steilen Winkeln cmporgebaut. geordnet klar in ihrer freien Breite: diese Stirn ist jung ge- blieben, sie faßt alle Bilder Bebels, die in der Erinnerung leben, zur Einheit zusammen. Sie ist der Inbegriff sicherster Bestimmtheit. Die festen Lichter der Augen, die scharfgerade Linie des Mundes, alles hat Teil an dieser Bestimmthelt, alles ist zgjge und Spann- kraft. Die Hände ruhen verschränkt auf dem Schoß, diese durch- gearbeiteten Hände, die so energisch bewegt das innerste Meinen und Wollen betonen konnten. Ruhig sitzt die Gestalt da, aber zum Wort, zur Tat bereit in jedem Augenblick. krck. Die Träne des Künstlers. Camille Lemonnier und Constantin M e u n i e r, der Dichter und der Bildhauer der Arbeit, die nun beide tot sind, waren eng befreundet. Und sie waren Arbeitskameraden. Ehe Meunier noch das große Schaffensfcld seiner Kunst gefunden hatte, zog er mit Lemonnier aus, um für ein Buch über Belgien Studien zu machen. Aus bisher unver- öffentlichten Lebenserinnerungen Lemonniers teilt nun der»Strom" lVerlao Oesterhcld. Berlin) in seinem soeben erschienenen August- hefte, das dem Andenken des belgischen Dichters gewidmet ist, ein Blatt mit, das sich auf diese Zeit bezieht. Der Dichter erzählt: Meunier und ich— gemeinsam zogen wir, den Pilgerstab in der Hand, auf die Entdeckung der Dörfer und Städte.� Meunier fand hier seine Kunst; anfänglich verblüfften seine mächtigen, mit der Kohle gezeichneten Kartons von den Gruben, Walzwerken, Hochöfen und dem geschmolzenen Stahl ein bißchen das Publikum. Man war noch nicht diese kräftige Art der Zeichnung und solch herbe, finstere Gestalten gewöhnt. Von den ersten«schritten an boten sich ihm neue, noch ganz unbekannte Welten in starrender Finsternis dar. Kaum war er in die Schrecken der Labyrinthe hinabgetauchfl als auch schon hinter ihm der schier endlose Aufmarsch der Armen, Elenden, in die finsteren Schächte vom Schicksal Hinab- gestoßenen begann. Ich habe schon� ungezähltemal den beinahe visionären Eindruck geschildert, den diese erste Begegnung auf ihn und mich ausgelöst hat; ich für meine Beschreibung des Hennegau Notizen sammelnd und ex mit großen Bleistiftstrichen die buckeligen Gelände des »schwarzen Landes" skizzierend, beide in angstvoller Erregung eng aneinander geschmiegt, als ich plötzlich in dem jäh erbleichten Gesicht seine Augen sich mit Tränen füllen sah. Dieser Moment wurde für sein Leben von schicksalsvollcr Bedeutung: er entschied seinen Ruhm und öffnete die Kunst einem gedrückten, halbwilden Volk, das in der Nacht der Gruben seines Meisters geharrt hatte..... Die Zeitung der Zukunft. In der Generalversammlung des britischen Instituts.für Journalismus in Dork hielt Robert Donald vom»Daily- Chronicle" eine Rede über die Zeitung der Zukunft. Gutgelaunt prophezeite er Wahrheit und Dichtung in lustiger Mischung. Mit der wachsenden Großorganisation des modernen Zeitungswesens, mit der Zunahme des Leserkreises und mit der Entwickclung der Technik würden die nächsten Jahrzehnte weitgehend« Umformungen im Zcitungswesen mit sich bringen. '.Die künftigen Methoden der Zeitungsbestellung und Zeitungs- Verteilung werden noch schneller sein als heute und noch weitere Gebiete bewältigen. Luftschiffe und Flugmaschincn werden in den Dienst der Zeitungsbefördcrung genommen werden, elektrische Züge und Automobildienste in die Nachbarstädte werden die Schnelligkeit der Austragung unterstützen. In den Großstädten werden die Zeitungen durch pneumatischen Druck, also sozusagen durch Rohr- post an die Leser verteilt werden, die Morgen- und.Abendblätter werden ihren Charakter verlieren und durch stündliche Ausgaben Ergänzung finden. Im inneren Nachrichtendienst de? ZeitungS- betriebes wird das drahtlose Telephon die erste Stelle beanspruchen, jeder Journalist und Reporter wird stets einen kleine» drahtlosen Telephonapparat mit sich führen und jederzeit mit seinem Blatte in Verbindung treten können. Die aufgenommenen Meldungen werden dem Redakteur nicht mehr handschriftlich oder stenographisch, sondern gleich in der Spaltenbreite des Blattes gedruckt vor Augen kommen. In den Restaurants, öffentlichen Lokalen und Ver- gnügungsstätten werden durch Grammophon und Kinematograph stündlich die neuesten Nachrichten dem Publikum mitgeteilt werden, ja wer weiß, ob das Publikum nicht mit der Zeit dazu neigen wird, sogar die Mühe des Lesens von sich abzuwälzen: wie heute GaS- und Wasserleitungen in die Zimmer und Bureauräume führen, werde» dann vielleicht Nachrichtenleitungen i« die Häuser gelegt werden. Dann wird der ehemalige ZeitungSleser daheim dem stetigen Zustrom neuer Meldungen lauschen können oder ge- mächlich von Zeit zu Zeit den unablässig aus dem Apparat gedruckt hervorsickernden Nachrichtenstrom überfliegen.— Donalds Phantasie beweist, daß Bcllamy, der Nückblicksmann ans dem Jahre 2000. nicht umsonst gelebt hat. Notizen. — Theaterchronik. Frank Wedekinb Mrv mit seiner Gattin Anfang September im KammerfpielhauS i» seinen Werken auftreten.— Im L e s s in g t h e a t e r werde» i» de» Suf. führungen von Ibsens.Pcer-Ghnt" Friedrich Kahßler imd Heinz Salfner abwechselnd die Titelrolle spielen.— Erich Reiß tritt am 1. September als Dramaturg in den Verband des Deutschen Theaters ein.— Das Luisenthea'ter eröffnet am 30. August seine Spielzeit mit Grillparzers Lustspiel»Weh dem. der lügt. -.— K u n st ch r o n i k. Die jurhfreie Kunst schau, Kur» surstcndamm 208, wird am nächsten Sonnabend. 12 Uhr. mit ewer programmatischen Ansprache des ersten� Vorsitzenden. Hermann isandnihl, vor geladenem Publikum eröffnet werden. ES sind gegen 600 Werke deutscher Künstler ausgestellt. — DieGrabdenkmälerBeethovenS und Schuberts befinden sich noch heute auf dem alten Währinger Friedhof bei Wien. Die irdischen Ueberreste der beiden Komponisten find längst m Ehrengräbern auf dem Zentralfriedhof beigesetzt. Jetzt wird der Währinger Friedhof in eine öffentliche Parkanlage umgewandelt. Auf den Vorschlag der Zentralkommission für Denkmalpflege sollen die beiden Monumente erhalten bleiben. — Verdummung wider Gottlosigkeit. Der Kon- grctz der Rcligionslchrcr ,n Odessa hat, dem„Petersburger Herold" zufolge, folgende Resolution angenommen:„Lesen und Schreiben lernen v e'r g r ö ß e r t das Verbrechertum und vermehrt die Anzahl der Rückfälligen." Diese Resolution wird laut erzbischöflicher Verfügung gedruckt und in den Schulen verbreitet—i als Mittel gegen die zunehmende Gottlosigkeit. DaS Volk jtaint nun wähle»: entweder gottlos oder dimrml J Hua aller Melt. Sd)W/, Uhr. bei Salzmann, Basdorfer Straße: Mitgliederversammlung de» Wahlverein«. ßerüner Nachrichten. An unsere Abonnenten. Das angekündigte Erinnerungsblatt an August Bebel wird unseren Abonnenten als Extrabeilage mit der Sonntags- »ummer des„Vorwärts" kostenlos zugestellt werden. Verlag des„Vorwärts". Die juristische Sprechstunde findet bis einschließlich Sonnabend, den sty. August, nur von 7 bis 9 Uhr abends statt. Sonnabends Sprechstunde von Uhr nachmittags.__ Da« Ende der Schwebebahn-Probestrecke scheint bevorzustehen. Wie erinnerlich, hatte die Kontinentale Ge- sellschasl für elektrische Unternehmungen in Nürnberg das Ergänzung»« verfahren beantragt, nachdem die Sradtgemeinde Berlin ihre Zu- stimmitng zu dem Schwebeoahnprojckt Gefundbrunnen— Neukölln im September 1909 versagt halte. Im folgenden Jahre reichte die Ge- fellschast den AufsiwtSbehörden ein erweiterte» Projekt zur Prüfung ein, welches eine Verlängerung der Schwebebahn im Norden nach Reinickendorf, im Südosten nach Britz vorsah. Damit war der An- trag auf Ergänzung der Zustimmung zu de»n ursprünglichen, im Jahre 1901 vorgelegten Plane gegenstandslos geworden. Ueber daS zweite Echwebebahnprojekt ist mit Rücksicht auf die von der A. E.-G. geplante Hoch- und Untergrundbahn, welch« in, großen ganzen die gleiche Linienführung hat, eine Entscheidung noch nicht getrosten worden. Da das letztere Projekt aber inzwischen von den Sussicbtsbehörden genehmigt worden ist. dürste die Annahme gerecht- fertigt sein, daß auch der erweiterte Plan der Kontinentalen Gesellschaft abgelehnt werden wird. Danach würde keine Ver« anlassimg vorliegen, die Probestrecke der Schwebebahn, welche die Gesellschaft auf Erfordern de» Berliner Magistrat« im Herbst 1907 hatte errichten lassen, noch länger stehen zu lassen. Die Anwohner haben über daS elegante Eisengerüst, welches eine geniale Lösung für den Unterbau emer zweigleisigen Schnellbahn darstellt, weidlich geschimpft und sich redlich Mühe gegeben, das.Verkehrshindernis" aus der Welt zu schaffen. Was in den letzten fünf Jahren im Beschwerdeweg nicht erreicht wurde, das bringt jetzt die allgemeine Bevorzugung der Untergrundbahn zuwege, welche die Aussicht nicht beeinträchtigt und den Straßenverkehr in keiner Weise behindert. Einige Zeil werden sich die Anwohner der Brunnenftraße wohl noch gedulden müssen, denn so lauge die Entscheidung über den erwähnten Plan noch nicht gefallen ist, wird man die Gesellschaft nicht zur Entfernung der Probestrccke auffordern können. Eine erschütternde Familientragödie hat sich gestern nacht in dem Hause Forster Str. 46 ereignet. Dort wohnt seit mehreren Jahren die Briefträgerfrau Emma Seiler, die vor einigen Monaten ihren Mann durch den Tod verlor. Hierdurch geriet Frau S. in Not und hatte schwer zu käinpfen, um sich und ihre beiden Kinder, die achtjährige Lucie und den 2>/z Jahre alten Werner, durchzubringen. Die Witwe war für«nehrere Geschäfte als Schneiderin tätig, vermochte jedoch trotz größter Anstrengung kaum so viel zu erwerben, um daS Nötigste für den Lebensunterhalt und die Miete bestreiten zu können. Durch die angestrengte Arbeit litt ihre Gesundheit und dazu kam der Gram um den Tod ihres Manne«. Gestern traf auf dem 87. Polizeirevier mit der ersten Post ein Schreiben der Frau S. ein, in dem sie mitteilte, daß sie mit ihren Kindern freiwillig in den Tod gegangen sei. weil sie mit ihrem Manne vereint sein wolle und weil sie ihre Kinder nicht hungern lasten wolle. Zwei Beamte des Reviers begaben sich auf schnellstem Wege nach der Wohnung, die sie verschlossen fanden. Sie erbrachen die Tür und fanden nun Mutter und Kinder in dem über und über mit Gas gefüllten Zimmer leblos in den Betten liegend auf. Zwei telephonisch herbeigerufene Aerzte unternahmen Wiederbelebungsversuche, die auch nach längeren Anstrengungen bei Frau S, und der Tochter von Erfolg gekrönt waren. Der kleine Werner war dagegen der Einwirkung des Gases bereits erlegen. Frau Seiler und ihre Tochter wurden in sehr bedenklichem Zustande nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Die Leiche des Knaben wurde polizeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein schweres Brandnnglück hat sich gestern vormittag 8'/, Uhr in der C h a u s s e estr. 37 zu- getragen. Als dort die Rentenempfängerin Pauline Müller in der Küche ihrer Wohnung mit Spiritus auf dem Herde Feuer anmachen wollte, kam die Spirituskanne zur Explosion. Eine Stichflamme setzte die Gardinen in Brand und erfaßte auch die Kleider der Frau, so daß dies« im nächsten Augenblick einer Feuersäule glich. Obgleich Hilfe schnell zur Stelle war, erlitt die Unglückliche doch so schwere Brandwunden, daß sie von der Feuerwehr sofort nach der Charitö gebracht werden mußte. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Fast gleichzeitig wurde die Feuerwehr auch nach dein Mariannen platz 13 gerufen, wo im dritten Stock des OuergebäudeS in der Fabrik feiner Möbelbeschläge von Adolph Zwirtz ein Ballon Schwefel säure zerplatzt war. Der Sohn des Inhabers, Willi Zwirtz, sowie die Arbeiter Karl Krause und Otto Hasche erliten gefährliche Ver� letzungen. Sie wurden alle drei nach dem Krankenhause Bethamen gebracht, wo sie Aufnahme fanden. In der Fabrik wurde inzwischen durch die Feuerwehr jede Gefahr beseitigt. Der Lrhrstellenilachweis des Vereins für das Wohl der au» der Schule entlassenen Jugend(Vorsitzender Stadtschulrat Dr. Fischer) vermittelt seit 1868 kostenlos Lehrstellen. Lehrherrn werden gebeten, ihre schriftlichen Anträge mit Angabe der Lehrzeit und der Höhe der Vergutigung an die GeschästSstelle deS Vereins, H 68, Senefelder straße 6(Rektor Gillert), umgehend einzusenden. Sprechstunden für Lehrlinge: DienStag, Mittwoch und Freitag von 3—5 Uhr, im Schul- hause Hinter der Garnisonkirche 2 und außerdem wochentäglich von 12—1 Uhr im Schulhause Seneselderstr. 6. Die landespolizeiliche Abnahme der neuen städtischen Straßen bahnlinie Kreuzberg— Bchrcnstraße ist gestern erfolgt. Am Sonn- abend, den 23. er. früh wird mit dem ersten fahrplanmäßigen Zuge der Betrieb auf dieser Linie aufgenommen. Ans der Linie wird ein 10 Miuuten-Verkehr eingerichtet.' Der erste Wagen fährt vom Kreuz berg(Großbeerenstraße) um 6,07 Uhr vormittags, der letzte um 12,17 Uhr abends, und von der Behrenstraße der erste 6,01 Uhr, der letzte 11,51 Uhr ab. Die Dauer der Fahrt beträgt 19 Minuten. Die Linienführung ist vom Kreuzberg aus folgende: Großbeeren- straße— Königgrätzcr Straße— Hedemannstraße— Wilhelmstraße — Zimmerstratze— Markgrasenstraße— Behrenstraße. Die Einnehme der städtischen Straßenbahnen im Juli 1918 betrug 208 934,85 M. gegen 178 130,85 M. im Juli 1912, das ist eine Tageseinnahme von 6739,83 M. gegen 5746,16 M. im Juli 1912. Es wurden insgesamt 2 206 680 Personen gegen 1 896 194 Personen im Vorjahre befördert. Die Anzahl der im Juli 1913 gefahrenen Wagenkilometer lMotorwagen und Anhängewagen) ist von 887 893 des Borjahres auf 476 601 gestiegen. Die Einnahme für das Wagen- k'lometer beträgt 43.93 Pfennige gegen 45,92 Pfennige im Vorjahre. Ein Sturz von der Treppe kostete dem 56 Jahre alten Schlaffer Heinrich Sen« au« der Kesselstr. 6 das Leben. Der Mann, der seit 87 Jahren iu der Charilö die Schlosseracbeiten ausführt, fiel dort vor 14 Tagen eine halbe Treppe hinunter, ohne sich jedoch eine ficht- bare Verletzung zuzuziehen. Ihm schmerzte wohl der Kopf, doch glaubte er nicht, daß eS damit etwas Besonderes auf sich habe. Aber bereits am anderen Tage mußte er einen Arzt rufen, der seine Ueberführung nach der EharitS anordnete. Hier ist der Mann gestern infolge Schädclvcrletznng gestorben. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Zu der Mordtat am Hcrmannplab wird noch mitgeteilt, daß der Tistbler Bengsch in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert wurde. Die Obduktion der Leiche Hai ergeben, daß der Tod infolge Er- stickung eingetreten ist. Der Täter gab noch an, daß er vor der Ausführung deS Verbrechens sechs Glas Bier auf nüchternen Magen getrunken hatte. Als er verHaftel wurde, war er stark angetrunken, doch lag dies daran, daß er nach der Erwürgung seiner Geliebten viel Alkohol zu sich genommen hatte. Wie sich jetzt herausstellt, hat Bengsch sich wiederholt als Streik- brecher hervorgetan. So arbeitete er zuletzt in der Klaviaturfabrik von Wernecke, Hobrechtstraße 65, woselbst sich die Arbeiter seit etwa 20 Wochen wegen erfolgter Abzüge im Ausstand befinden. Vcrher verrichtete Bengsch Arbeitswilligendienste bei den Firmen Schwechten, Will und Bechsiein. Das verschwinde» der Gertrud Galle hat sich noch nicht auf- klaren lasten. Man rechnet jetzt bestimmt damit, daß Henke die Ver- mißte beiseite geschafft hat. Da angenommen wird, daß der Ver- haftete die Tat' bei einem Spaziergang mit der Galle außerhalb Berlin» vollbracht hat, wird überall an den Ortei«, wohin er sich mit den heiratslustigen Danien, die er kennen gelernt hatte, zu begeben Ü. Leiche gesucht. Aber auch die Nachforschungen nach dieser Richtung hin waren bi» jetzt ergebnislos. Zum Frauenmord i« der Warschauer Straße ist zu berichten, daß e» noch immer nicht gelungen ist, eine Spur de» flüchtigen Frauen« mörberS Kosian zu finden. ES wird angenommen, daß dieser seinem Leben durch Ertrinken bereits ein Ende gemacht hat. Der Magen der ermordeten Frau Eckelt ist dem Gerichtschemiker Dr. Jeserich zur Untersuchung übersandt worden, da anzunehmen ist, daß Kassau seine Geliebte durch Gift ums Leben gebracht hat. Falsche Zweimarkstücke sind seit den letzten Tagen im Norden Berlins im Umlauf. Die Falsifikate unterscheiden sich von den echten Zweimarkstücken insofern, als sie einen anderen Klang haben und das Wort Wilhelm nicht mehr deutlich zu lesen ist. Außerdem be- finden sich am Hals des Bildnisses kleine Striche. Eine Eifersuchtstragödie. spielte sich gestern abend im Norden der Stadt ab. In dem Hause Gerichtstraße 30, an der Ecke der Reinickendorfer Straße, wohnte der 30 Jahre alte Arbeiter Korb mit seiner ungefähr ebenso alten Frau. Bei ihnen wohnte der ettvas jüngere Arbeiter Schulz in Schlafstelle. Zwischen der Frau Korb und dem Schlafburschen entspann sich ein Liebesverhältnis. Die Strertigkeiten, die dieser- halb zwischen den Eheleuten Korb entstanden, führten schließlich dazu, daß Frau Korb ihren Mann verließ. Bald nachdem zog auch Schulz aus, und zwar nahm er jetzt wieder Wohnung bei der Frau Korb, während der Mann seine Wohnung in der Gericht- straße behielt. Gestern abend kurz nach 9 Uhr kamen Korb und Schulz zusammen nach der Gerichtstraße 30 und suchten die Wohnung des erstcren auf. Kaum waren sie fünf Minuten allein, als ein Schutz die Hausbewohner alarmierte. Als diese herbeieilten, fanden sie den Schulz besinnungslos auf dem Fußboden liegen. Ein herbeigerufener Artz stellte fest, daß er durch eine Kugel in die Magengegend schwer verletzt worden war. Während Korb von der herbeigerufenen Polizei verhaftet wurde, brachte man den Schwerverletzten nach dem Krankenhause. Dachstuhlbrände in Neukölln. Aus Neukölln kommt bereits wieder die Meldung von einem Dachstuhlbrand, und zwar brannte gestern abend kurz nach 5 Uhr der Dachstuhl deS Hauses Steinmetzstr. 39. Als die Neuköllner Feuerwehr eintraf, stand der Dachstuhl des OuergebäudeS auf dem zweiten Hofe zu einem erheblichen Teil in Flammen. Der Lösch- angriff, der mit zwei Rohren durchgeführt wurde, gestaltete sich ansangs recht schwierig, da die Hitzeentwickelung und Berqualmung ungewöhnlich stark war. Nach halbstündigem Wassergeben war der Brand gelöscht. Mit den Aufräumungsarbeiten hatte die Wehr dann noch längere Zeit zu tun. Die Ursache des FeuerS ist noch nicht er- mittelt. Da dieser Dachstuhlbrand wohl schon der vierte innerhalb weniger Wochen ist, gewinnt es fast den Anschein, als ob diese Brände planmäßig angelegt werden. Auf der Treptow-Sternwarte finden folgende kinematographische Vorführungen mit erklärenden Vorträgen statt: Am Sonnabend, den 23. August, abends 7 Uhr:„Scotts Reise zum Südpol und ein Blick ins Weltall"; abends 9 Uhr:»Christoph Kolumbus"; am Sonnlag, nachmittags 5 Uhr:»Das Berner Oberland"; abendS 7 Uhr: »Christoph Kolumbus"; am Montag, den 25. August, abends 7 Uhr: .Interessante Bilder aus Italien". Mit dem großen Fernrohr werden Jupiter und Mond beobachtet. Die erste Reise des„Imperator" nach New Dork, welche Direktor Franz Goerke am Montag in der Urania auS eigener Anschauung in einem von zahlreichen Lichtbildern und kinematographischen Aufnahmen begleiteten Vortrage erstmalig schildern wird, führt unS den größten Ozeandampfer der Gegenwart in allen Stadien seiner Ent- Wickelung von der Kiellegung bis zur Vollendung und ebenso das Leben und Treiben diese» mit dem auserlesensten Luxus wie allen nur erdenklichen modernen Einrichtungen versehenen Wunders der Technik lebendig vor Augen. DaS Konzert der Liedertafel West, das wegen des schlechten WetterS am vergangenen Sonntag nicht abgehalten werden konnte, findet am kommenden Sonntag, 24. August, im Viktoriagarten in Wilmersdorf, statt. Billett« behalten ihre Gültigkeit. Vorort-Nachrichtem Lichtenberg. Die Frage her Arbeitslosenfürsorge, die begreiflicherweise bei dem gegenwärtig bereits allzu deutlich fühlbaren Herannahen einer schweren wirtschaftlichen Krise nicht nur die gesamte werttätige Be- völkerung, sondern auch einsichtsvolle Kommunalverwaltungen in immer höherem Maße interessiert, scheint für unsere Stadtver- waltung überhaupt nicht zu existieren. Sie ist zwar schon zweimal auf die Initiative unserer Vertreter hin Gegenstand der Ver- Handlung in der Stadtverordnetenversammlung gewesen, doch brachte die bürgerliche Mehrheit nicht soviel soziale« Empfinden auf, die positiven Vorschläge der Sozialdemokratie anzunehmen. Man begnügte sich vielmehr mit der bequemen Ausrede, die Frage könne nur in Gemeinschaft mit Groß-Berlin gelöst werden, hütete sich aber wohlweislich, für eine rasche Förderung der immer brennender werdenden Angelegenheit in Groß-Berlin auch nur einen Finger zu rühren. Ja nicht einmal da, wo es unserer städtischen Verwaltung keinen Pfennig kosten würde, hält sie es für der Mühe wert, einige bescheidene Maßnahmen sozialer Fürsorge zu treffen. Wir meinen damit eine Regelung in der Beschäftigung der st ä d t i s ch e n A r b e i t e r. Es sind in letzter Zeit mehrfach Fälle zu verzeichnen gewesen, daß Arbeiter des einen Ressorts entlassen wurden, angeblich wegen Mangel an Arbeit— obgleich die Arbeiter selbst der Meinung sind, es sei noch genügend vorhanden—, während in anderen Ressorts neue Arbeitskräfte eingestellt wurden. Dabei handelt es sich nicht etwa um solche, die nur ganz kurze Zeit in städtischen Diensten standen, oder um unbrauchbare Leute. DeS- halb gewinnt eS beinahe den Anschein, als erfolgten die Entlassungen bewährter und die Neueinstellung anderer Arbeitskräfte auS Gründen einer völlig verkehrten Sparsamkeit, wobei noch für unsere Annahme spricht, daß mehrfach die seinerzeit gegebenen Zusicherungen bezüglich der Höhe des Stundenlohnes, der Zahlung der Differenz zwischen Krankengeld und Durchschnittsloan usw. nicht vorbehaltlos eingehalten werden. Wie leickit aber wäre es. durch Einrichtung eines Zentralbureaus für Arbeitsangelegenheiten einen Austausch der Arbeitskräfte zwischen den einzelnen Ressorts herbeizuführen I Eine solche Stelle einzurichten erscheint aber umso notwendiger, als wir ohnehin unter einer örtlichen Zerrissenheit der einzelnen Verwaltungen zu leiden haben, die in jeder Hinsicht nachteilig wirkt. Und doch muß gesagt werden, daß manches bei weitem nicht so schlimm zu sein brauchte, wenn nicht fast an allen Ecken ein großer Mangel an Disposition zu verspüren wäre. Es brauchte nicht nur nicht das ohnehin schon überaus zahlreiche Heer der Arbeitslosen auS den Reihen der städtischen Arbeiter vermehrt, sondern eS könnte auch die Arbeits- losigkeit allgemein gemildert werden. � ES ist durchaus kein Grund zu sehen, weshalb man längst projektierte und äußerst not- wendige städtische Bauten nicht ausführen läßt. UnS fehlen Bade- anstalten, Lesehallen usw. In dem Viertel des neuen Straßen- bahnhof» werden binnen kurzem Schulen notwendig sein, wenn wir nicht sehr bald schon mit den schwersten Unzuträglichkeiten zu lämpftn ?aV«a Wollen. Und so lleßen sich noch ein« lange Reihe von Pro« selten aufführen. deren Inangriffnahme dringend ist und mildernd auf die Arbeitslosigkeit einwirken würde. Oder sollte etwa die Verwirklichung dieser Vorschläge wiederum an der Einsichtslosigkeit mancher unserer Stadträte scheitern? Dann wäre es fürwahr an der Zeit, bei den kommenden Stadtratswahlen nur solche Männer zu berücksichtigen, deren soziales Empfinden den Bedürfnissen einer grotzstädtischen Arbeiterbevölkerung Rechnung zu tragen weiß. Und zum Schluß noch eine bescheidene Frage: Ist die s o z i a l e K o m Mission, nachdem sie in der Frage der Fleischversorgnng einige bescheidene Anläufe zur Tätigkeit gemacht hat, nun völlig in einen Dornröschenschlaf versunken? Die Arbeitslosenfürsorge scheint doch Wohl auch ein wenig unter ihr Tätigkeitsgebiet zu fallen I Charlottenburg. Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins wurde mit einem Nachruf für den dahingeschiedenen Genossen Bebel eröffnet. Alsdann hielt Genosse Duncker einen Vortrag über: Massenstreik und Parteitag. Redner betonte, daß die Machtquellen des Proletariats in seiner großen Zahl, seiner Rolle im Produktionsprozeß, seinem Klassenbewußtsein und seiner Organi- sation zu suchen seien. Da c§ unseren Gegnern aber nicht einfiele, ihre Macht kampflos aus den Händen zu geben, würden wir weder durch parlamentarische, gewerkschaftliche noch ge« uossenschaftliche Betätigung auf friedlich- schiedlichem Wege zur Macht gelangen. Wir müßten also unsere Machtmittel energisch anwenden und dies würde am schärfften durch den Massenstreik ge- schehen. Dieser würde bei einem Staatsstreich, der uns droht, wenn sich die herrschenden Gewalten in ihrer Macht bedroht sähen, unaus- blciblich sein. Es wäre ein Kampfstreik nach russischem Muster. Aber auch zur Erringung eines besseren Wahlrechts in Preußen könnte nach belgischem Muster zum DemonstrationSstrcik gegriffen werden. Doch könnte derselbe keinesfalls aus der Erde gestampft, niemals durch die Führer proklamiert werden, sondern müßte aus den Massen selbst herauswachsen. Nun habe man auch einen sogenannten partiellen Massenstreik* empfohlen, doch wäre dieser, nach seiner Meinung, zu verwerfen. ES wäre dem Proletariat nicht damit ge- dient, wenn bald hier, bald da, wie ein Flugfeuer solch ein Miniatur- Massenstreik ausbräche. Ohne Erfolg zu versprechen, würde er nur eine' harte Probe auf die Disziplin der Arbeiterschaft bedeuten. Eine erfreuliche Erscheinung sei es, daß der Massenstreik sowohl tftm Vertretern der revisionistischen, wie auch solchen der radikalen Richtung befürwortet werde, wenn auch aus der« schiedenen Gründen. Während die einen denselben an- zuwenden beabsichtigen zur Wiederherstellung der parlamentarischen Garantien, wollen die andern ihn zur Niederzwingung der bürger- lichen Gesellschaft durchführen. Ueber die Frage aber, was nach glücklicher Beendigung eines Massenstreiks zu geschehen hätte. brauchten wir uns ja jetzt noch nicht streiten. Für den Augenblick sei die Hauptsache, daß wir die Frage nach jeder Richtung hin ventilieren: denn wenn der Massenstreik unsere Waffe sei, müßten wir sie im Ernstfalle zu hantieren verstehen. Obwohl nun eine Vorbereitung notwendig, dürfe man mit der Anwendung dieser Waffe nicht etwa warten bis auch der letzte Mann organisiert sei. Viele Tausende Unorganisierte würden in einem solchen Moment sich an unsere Seite stellen und mit uns feiern. Die organisierten Genoffen hätten den Kern zu bilden, um den sich die anderen scharen. Doch hierzu gehöre vor allen Dingen, daß der Wahlverein nicht als ein Verein neben vielen anderen be- trachtet werde, sondern als Hauptsache. Wenn man seine Pflicht gegen ihn erfüllt habe, möge man auch in anderen Vereinen nach seiner Fasson selig werden. Mit einem Appell an die Genossen, die Be- tvegilng immer tiefer in die Massen zu tragen, schloß der Referent, die Resolution der Kreisgeneralversammlnng von Niederbarnim vom 10. August zur Annahme empfehlend. In der darauf folgenden Diskussion vertrat Genosse Eicke den Standpunkt, daß weit eher als durch Massenstreik die bürgerliche Gesellschaft durch Stärkung der wirtschaftlichen Organisationen nied.'rgerungen werden könne, indem durch genossenschaftliche Be- wirtschaftung von landwirtschaftlichen und Fabrikbelrieben ihre Erislenz untergraben werde. Genosse Borchardt ist der Meinung, daß zu einer Zeit, in der über Rückgang der Bewegung und mangelhafte Wahlbeteiligung geklagt werde, die Frage des Massenstreiks ganz unlogisch und undiskutabel sei. Es käme schlimmstenfalls zu einem Massenstreik ohne Massen. Man dürfe doch nicht den Maßstab Großberliner Verhältnisse an die Bewegung im Lande legen. Zugegeben, in Berlin wäre auf einen Erfolg zu rechnen, so sei Berlin nicht Preußen; man möge sich die Verhältnisse in der Schwereisenindustrie, die gelbe Bewegung, sowie die Tat- fache vor Augen halten, daß in zahlreichen Wahlkreisen nur 20 Proz. aller Stimmen, ja sogar nur 14 Proz. auf unsere Kandidaten zu vereinigen Ivaren, um einzusehen, daß an einen Massenstreik noch lange nicht gedacht werden könne. Der Schwerpunkt unserer Arbeit sei aus den Ausbau unserer Organisationen zu legen. Es sprachen noch einige Redner für, einige gegen die Ausführungen Tunckers, alsdann wurde der Punkt verlagt. Nachdem die Genossen Zippel, Zaein und Rosenthal zur Kreisgeneralversammlung delegiert waren, wurde die Generalversammlung auf Dienstag, den 26. August, vertagt, Von einer betrügerischen Wahrsagerin ist wiederum eine Frau enipfindlich geschädigt worden. In einem Geschäft in dem Hause Pestalozzistr. 12 erschien vorgestern eine Zigeunerin, kaufte eine Kleinigkeit und knüpfte dabei mit der Inhaberin ein Gespräch an. Als sie erfuhr, daß deren Mann krank sei, erklärte sie der Frau, daß sie imstande sein, die baldige Genesung herbeizuführen. Die Zigeunerin ließ sich nun von der Verkäuferin das Portemonnaie mit Inhalt geben, steckte es ihr auf dem Rücken unter die Bluse und gab ihr auf, eine Viertelstunde lang ein bestimmtes Gebet herzu- sagen. Das tat die Frau auch gewissenhaft, während die Zigeunerin sich nach Empfang einer angemessenen Entschädigung schleunigst empfohlen hatte. Erst zu spät entdeckte die Abergläubige, daß die Wahrsagerin ihr drei Zwanzigmarkstücke aus dem Portemonnaie ge- stöhlen hatte.— Der Vorfall zeigt, daß trotz vieler öffentlicher Warnungen noch immer Leute auf den Wahrsageschwindel hinein- fallen. Am Sonntag, den 24. Angust, findet in den Gesamträumen des Volkshauses, Rosinenstr. 3. ein großes Sommerfest zur Feier seines elfjährigen Bestehens statt. Mitwirkende: Männerchor Moabit, Charlottenburger Volksorchester, Charlottenburger Männer- quartett und Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität, Bezirk Charlotten- bürg. Programm: Konzert, turnerische Aufführungen, Reigen- fahren, Preisschießen, Preiskegeln, Verlosung, Bonbonregen, Fackel- zug, Tanz, Anfang 4 Uhr. Eintritt 20 Pf. Bei schlechtem Wetter findet das Fest in den Sälen statt. Da der eventuelle Ueberschuß dem Dispositionsfonds des Volkshauses zugeführt werden soll, so bitten um rege Beteiligung Die Charlottenburger Gewerkschaftskommission und der VolkshauZ-Ausschutz. llcbcr die Tätigkeit der Stadt auf sozialem Gebiet läßt sich der zum Oberbürgermeister der Stadt Charlottenburg gewählte erste Bürgermeister von Kassel, Herr Dr. Scholz, des längeren in der Charlottenburger Zeitung.Neue Zeit" aus. In dem Artikel selbst sind die wichtigsten Aufgaben der sozialen Fürsorge und Ein- richtungen der Städte berührt. Zunächst betont Herr Dr. Scholz, daß die soziale Frage als Gesellschaftsfrage, nicht etwa einseitig als Arbeiterfrage aufzufassen sei, da sie das Verhältnis der verschiedenen GesellschastSklaffen zu einander, nicht allein die Zustände in der Arbeirerklaffe zum Gegenstand habe. Die Maßnahmen sozialer Tätigkeit würden so zu treffen sein, daß ein möglicher Ausgleich der Klassengegensätze erzielt werde. Das wesentliche Feld sozialer Be- tätigung finde sich naturgemäß in der Armenpflege. Alsdann ge- hört in diesen Zusammenhang die Krankenfürsorge, bei der es sich um eine freiwillig übernommene Aufgabe der Gemeinde handele, die im wesentlichsten Interesse der minderbemittelten Volksschichten liege. Neukölln. Eine Vormittagsspielpartie findet am Sonntag, den 24. d. Mts., nach dem Plänterwald statt. Treffpunkt morgens 7Vz. Uhr am Rathause. Um zahlreiche Beteiligung der Kinder wird ersucht. Ober-Schöneweide. Eine imposante Bebel-Gedächtnisfeier fand am Montagabend im Saale des Wilhelminenhof statt. Die eindrucksvolle Rede des Genossen Davidsohn wurde durch weihevolle Gesangsvorträge des Gesangvereins.Ober-Schönweider Liedertafel" eingeleitet und beschlossen. Tpanvau. Zur GewervegerichtSwahl. Laut Ortsstatut zum Gewerbegericht sind auch diejenigen wahlberechtigt und wählbar, in deren Beruf eine Innung besteht, diese Innung aber kein Jnnungsschiedsgericht hat. Wir ersuchen aus diesem Grunde auch die Arbeitgeber, sich an der Wahl am Dienstag für die Arbeitgeber zu beteiligen, da die Firma Siemens alles daran setzt, eine starke Vertretung im Gewerbegerichte zu haben, um so eher in die Lage versetzt werden zu können, ihre Interessen zu vertreten. Um auch eine Bcaufsichti- gung der Wahl zu ermöglichen, fordern wir die Arbeitslosen, sowie auch diejenigen, welche sich am Tage der Wahl zur Verfügung stellen wollen, auf, am Sonnabend, den 23. d. M., abends 8V3 Uhr, im Lokal von Zeitel, Bismarckstraße 6, anwesend zu sein. Dort Auf finanziellem Gebiete könnten die Städte eine Verbilligung des Real- und Personalkredits anstreben, wozu die Gründung städtischer Banken und Hypothekenanstalten, die Errichtung und zweck- mätzige Organisafion städtischer Sparkassen und ähnliches gehörten. Hierauf wird bemerkt, daß die gemeindliche Besteuerung nicht allzu- viel Gelegenheit zur Anwendung sozialer Grundsätze biete. Zwar hätten einzelne Städte seit langem eine besondere, für kleine Ein- kommen stark depressive Gemeindeeinkommensteuer, ihre Neueinsührung sei jedoch durch das Kommunalabgabengesetz äußerst erschwert.— Der Grundsteuer nach dem gemeinen Wert wird nachgerühmt, daß sie in gewissem Sinne sozial ausgleichend zu wirken vermag. Mehr noch könne das soziale Moment Berücksichtigung finden auf dem Gebiete der indirekten Steuern und Gebühren. Die auf Umsatz von Grundstücken gelegte Abgabe sowie die Wertzuwachs- steuer gewähre einen gewissen Schutz gegen das Emporwachsen ungesunden Spekulantentums. Bei Erhebung von Gebühren für die Benutzung städtischer Einrichtungen und Veranstaltungen endlich könne eine Berücksichtigung Unbemittelter sowohl durch völlige Freilassung als durch Anwendung niedrigerer Sätze erfolgen. Besonders betont Herr Dr. Scholz die Wichtigkeit der Pflege der Kunst im Volke. Volksvorstellungen der Theater zu ganz geringen Preisen, Gründung von Volksgesangvereinen könnten hier zu den schönsten Erfolgen führen. Auch auf dem Gebiete der Wohnungsfrage müsse neben schon bestehenden Einrichtungen eine zweckmäßige Bodenpolitik und die Einschränkung des Baues von Mietskasernen betrieben werden. Im Nahmen der sozialen Tätigkeit der Stadt liegt durchaus die Unterstützung von gemeinnützigen Ballgesellschaften und Genossen- schaffen, die sich die Verbesserung der Wohngclegenheiten der minder- bemittelten Kreise zur Aufgabe gesetzt haben. Dazu gehöre die Ueberlassung städtischer Terrains im Wege der Erbbaurechts- einräumung. Ferner sei ein Beitrag zur Lösung der Wohnungs- frage die Schaffung guter und billiger Verbindungen mit den Vor- orten. Aus der Fülle von Aufgaben sozialer Natur, die die Stadt in ihrer Eigenschaft als Arbeilgeberin zu bewältigen hat, heben wir aus dem Artikel einige Gedanken hervor. Er verweist dabei auf Frankfurt a. M., Straßburg i. E., die bereits eine Lohnskala nach abgestuften Sätzen eingeführt haben, in der nicht nur die Länge der Beschäffigungszeit bei der Stadt, sondern auch der Familienstand, die Anzahl der Kinder des Arbeiters eine gewisse Rolle spielen.— Die Einsetzung von Arbeiter- ausschüssen, die aus freier Wahl der Arbeiter hervorgegangen, hat sich im allgemeinen zweifellos gut bewährt. Was die Einwirkung der Stadt auf die Arbeits- und Lohnbedingungcn von ihr nicht unterstellten Betrieben anbelangt, so sei in erster Linie an die Tätig- keit der Gewerbegerichte als Einigungsämter erinnert. Viel Gutes vermögen von der Stadt eingerichtete oder subventionierte Arbeits- nachweise zu fiin. Ueber die Maßnahmen zur Milderung der Arbeitslosigkeit läßt sich Herr Dr. Scholz dahin aus: ,Die Bereitstellung sogenannter Notstandsarbeiten im Winter vermag der Arbeitslosigkeit und ihre traurigen Folgen wenigstens einigermaßen zu steuern. Einen Versuch. dies in erweitertem Umfange zu tun, stellt die Arbeitslosenversicherung dar— ein theoretisch häufig, praktisch selten bearbeitetes Feld, über das ein abschließendes Urteil noch in langer Frist nicht wird gesprochen werden können." Wir wollen hierbei bemerken, daß vom Magistrat der Stadt Charlottenburg der Stadtverordnetenversammluug schon eine Vorlage zur Annahme empfohlen worden ist, die auch von den Sozialdemokraten sympathisch aufgenommen worden war. Leider wurde sie aber abgelehnt. Schließlich legt der Ver fasser seine Ansicht über das Submissionswesen dar. Er hält die Festsetzung billiger Submissionsbedingungen für unbedingt erforderlich. Wichtig ist eine Auslassung, die leider in unserer Stadt bisher kein Gehör gefunden hat. Sie' sagt: „Eine bedeutungsvolle Unterstützung der auf den Frieden innerhalb der einzelnen Gewerbe hinzielenden Bestrebungen ist darin zu finden, daß die Stadt bei ihren Vergebungen den Unternehmern die Einhaltung der Tarife und sonstigen Abmachungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zur Bedingung macht. So hat eine große— wohl die über wiegende— Zahl deutscher Städte seit Jahren prinzipiell ihre Druckarbeiten nur bei den sogenannten.tariftreuen" Druckereien herstellen lassen— ein Vorgehen, das auch die Reichs- und preußische Staatsverwaltung anwendet." Inwieweit das neue Oberhaupt an der Durchführung der dar gelegten Anschauungen im kommunalen Leben Charlottenburgs mit- arbeiten und seinen Einfluß dafür geltend machen wird, muß die Zukunft lehren. Das, was unsere Genossen an der Stellungnahme zu den verschiedensten Fragen nicht gefällt, werden sie bei geeigneter Gelegenheit zum Ausdruck bringen, wie sie es andererseits an ihrer Unterstützung für das, was der kommunalpolittschen EntWickelung dient, nicht fehlen lassen werden. Wilmersdorf-Halensee. Verschiebung der Stadtverordneten-Ersatzwahlen? In Wilmersdorf hat das vereinigte Bürgekkilm bekanntlich bei den Stadtverordnetenwahlen im letzten Herbst auf der ganzen Linie gesiegt; und mit etwas voreiliger Renommisterei will man auch bei den aus Anlaß der neuerdings erforderlich gewordenen Ersatzwahlen die Sozialdemokratie aus dem Felde schlagen. Dennoch scheinen die vereinigten Reaktionäre sich ihrer Sache nicht ganz sicher zu fühlen. Denn jetzt teilt das konservative Blatt am Orte mit, daß in den Bürgerkreisen eine ziemlich lebhafte Bewegung im Gange sei dahingehend, daß man erst im H e r b st nächsten Jahres bei den dann überhaupt erforderlich werdenden allgemeinen Wahlen auch die beiden Stadtverordneten wähle, die an die Stelle unseres Parteigenossen Riedel und des Demokraten Lazarus zu treten haben. Das konservative Blatt erklärt, diese Bestrebungen nur unterstützen zu können. Findet der Plan die Billigung des Magistrats, dann bedeutet dies tatsächlich, daß das eine Mandat l'/a Jahre und das andere, das im Verwaltungsstreitverfahren an- gefochten war, sogar 4 Jahre ruht. Das heißt nach unserer Meinung die Städteordnung auf den Kopf stellen, und zwar aus keinem anderen Grunde, weil etliche Bezirksvereine diesen Herbst ihre Ruhe haben und kein Geld für Wahlagitation ausgeben wollen und weil sie ferner glauben, im Trubel der allgemeinen Wahlen besser im Trüben fischen zu können. wird dann daS nötige Material ausgegeben und außerdem werde« weitere Informationen erteilt werden. Bei der Bedeutung, die die Wahlen für die Arbeiterschaft Spandaus haben, erwarten wir eine rege Beteiligung. Keiner, der es irgend möglich machen kann, darf sich von dieser Arbeit zurückziehen. Sitzungstagc von Stadt- und lSemeindevertretunge». Franz.-Buchholz. Heute Freitag, den 22. August, nachm. 5 Uhr, im Amtshause. Tiefe Sitzungen sind Sffcntlich. Jeder Gemeindeangehönge IS be- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Spie! unä Sport. Turner. Der 1. KreiS des Arbeiter-Turnerbundes veranstaltet am Sonn« tag, nachm. 2 U h r, auf der Rennbahn in Treptow sein Sportmeeting. Zum ersten Male Witt hier eine Arbeiterorganisafion mit einer solchen Veranstaltung größeren Stils hervor, um zu zeigen, daß auch ohne Stadion und hohe Protektoren etwas geleistet werden kann, wenn es den Mtwirkenden nicht nur um Aeußerlichkeiten zu tun ist. Schon während der ganzen Woche entwickclle sich in den Abendstunden ein reges Trainingweibcn auf der Bahn, an welchem natürlich nur Groß- Berliner Sportler betelligt waren. Zu diesen gesellen sich am Sonnabend und Sonntag solche aus allen Teilen van Brandenburg. Kottbus, Forst Rathenow, Luckenwalde usw. senden ihre besten Arbeitcrsportler. Sind die Wittcrungsverhällnisse am Sonntag leidliche, so sind hervorragende Leistungen zu erwarten. Sahen wir doch bei einem kurzen Besuch und schlechten Bodcnverhältnisson schon manchen guten Wurs oder Sprung. Stabsprünge von 3 und 3.2V Meter scheinen schon keine Seltenheit mehr zu sein. Der Eintritt kostet im Vorverkaus 40 Pf-, an der Kasse 50 Ps� Die V 0 r l ä m p s e finden am Sonnabend von 5 Uhr nachmittags und-sonn- tagvormiltag von 7 Uhr an statt. Billetts find bei den Mitgliedern und im Sportgeitäst R. Hausen, Köpcnicker Str. 108, an der Ncanderstraße zu haben. Wir verweisen noch aus das heutige Inserat. Radfahrer. Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität«(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 24. August. 1. Abteilung: 6 und 12 Uhr: Zwiebusch(Berliner Schweiz). Start: Bülowstr. 58.— 2. Abt.: am 23. 8., abends 7 Uhr; Wörlih. Start: Fontancpromcnadc 18. Treffpunkt sür Bahusahrer bis Wittenberg am 24. 8., 5 Uhr srüh Anbaiter Bahnbos.— 3. Abt.; Frühtour nach Werlsee(Seeblick). Start: 6 Uhr Lausitzer Platz 12. Nachmittagstour nach Hirschgarten(Bönisch). Start 1 Uhr.— 4. Abt.: Am 23. nachts 12 Uhr: Teupitz. Am 24. 8., früh 5 Uhr: Tcupitz(Tornows Idyll). 1B/z Uhr: Krossinsce(Badetour). Start: Küstrincr Platz.— 5. Abt.: 8 Uhr: Strausberg(Hungriger Wals). 2 Uhr: Ahrensfelde(Schneider). Start: EIhsium.— 5. Abt.: 8 u. 12'/! Uhr: Zühlsdors(Waldsest). Start: Oderberger Straße 28.— 7. Abt.: 6 Uhr: Kremmen(Paproth). 1 Uhr: Heiligenscer Schweiz. Start: Schul str. 29.— 8. Abt.: 5 Uhr: Chorinchen (Krüger). 12 Uhr: Wandlitz(Lassan). Start: Rostocker Str. 28.— 9. Abt. (Sektion der Bäcker): 1>/, Uhr: Eichwalde(Witte). Start: Schillingiw. 22.— 10. Abt.(Scltion der Luchdruckerci-Nachthilssarbeiter)« 1 Uhr: Schönholz (Tivoli). Start: Gr. Frankfurter Str. 30.— II. Abt.(Sektion der Gast- wirlSgehilsen): Am 27. 8., 9 Uhr: Tiefenscc. Start: Große Hamburger Straße 18. Ortsgruppe Neukölln. 7 Uhr: Neu. Dabendorf(Hacker). 1 Uhr: Lichtenrade(Butzmann). Start: Knesebcckstr. 48/49. Ortsgruppe(TharloUenburg. Zur Feier des 11jährigen Bestehen» des Volksbauscs zu Charlottcnburg Sammelstart 2'/, Uhr: Waldkater(Inhaber Schön). Ortsgruppe Wilmersdorf. 8 Uhr: Tegelort. Für Nachzügler: Treff. Punkt Restaurant zum Schwan. Ortsgruppe Lichtenberg. 4 Uhr: Teupitzsee(Tornows Idyll). 12'/, Uhr: Rehfelde. Start: Psarrstr. 74. Ortsgruppe Treptow. 8 Uhr: Eberswalde—Werbellinsee— Wandlitz (Lassan); bei schlechtem Wetter 8 Uhr: Hegermühle. Start in Treptow bei Kimmel. Ortsgruppe Stralau- Rummelsburg. 7 Uhr: Klein-Wall. Start: Türrschmidt-, Ecke Lessingstraße. Ortsgruppe Tegel. 2 Uhr: Familientour nach Saatwinkel. Ortsgruppe Pankow. 6 Uhr: KönigS-Wustcrhausen(Altes Schützenhaus). Ortsgruppe Weitzensee. 7 und!2 Uhr: Summt. Start: Berliner Allee 251. Ortsgruppe Qber-Schoneweide. Sonnabend, den 23. August, abend« 8 Uhr, Nachttour nach Strausberg. Start bei Schüffler, Siemensstr. 28. Zu allen Touren und Veranstaltungen: Gäste willkommen. Arbeiter-Radfahrerverein Grotz- Berlin. Sonntag früh 5 Uhr nach Teupitz �Tornows Idyll): nachm. 1 Uhr nach Zwiebusch(Gärtner). Hauptstart: Marianncnpark. Anschlußstart: Bahnhos Treptow. Arbciter-Radfavrer-Bund.Freiheit«. 1. Kreis, Pro». Branden- bürg. Die Vereine treffen sich Sonnabendabend 9 Uhr in Treptow. Pari- straße. Zahlreiches Erscheinen der MUglieder erbeten. Gäste willkommen. Wanderer. Arbeiter- Touristenverein„Die Naturfreunde«. Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 24. August: I. Freicnwalde— Bralitz— Oderbcrg. Absahrt nach Freicnwalde Stettiner Bahnhos 5»°(Sonntagssahrlarte).— II. Baruth— Zesch— Jachzenbrück— Wünsdors. Absahrt nach Baruth Anh. Bahnh. 6°°. Gäste stets willkommen. Arbeiter> Wanderbund„Die Naturfreunde«. Sonntag, den 24. Aug.: I. Bernau— Uetzdors—Prenden—Bukowsee—Samithsee—Melchow (Nachttour). Abfahrt Sonnabend abends 10°° Uhr Stetfiner Vorortbahnh. II. Bicscnthal— Samitbsec— Lehnsee— Eiscrbudcr See— Biesenthal. Absahrt Stetfiner Fernbahnh. 6°° Uhr vorm. III. Fredersdors— Sfienitzsee— Fredersdorf Absahrt Schlesischer Bahnhos 6" Uhr vorm. IV. Pankow— MönchS- mühle—Mühlenbcck— Bernau. Treffpunkt Pankow(Kirche) 7 Uhr vorm. V. Wandlitzsce— Liepnitzsce— Liepnitzwcrder. Absahrt Stetfiner Vorort bahnhos 12 Uhr mittags(Reinickcndors-Roscntbal umsteigen). Gäste willkommen. Arbeiter-Wanderverein Berlin. Sonntag, den 24. Aug., Wander- fabrt nach Ludwigsseide— Siethen— Klein-Benthen— Glauer Berge— Blanken- see— Glan— Löwendors— Trebbin. Absahrt k" Anhalter Bahnh.— nicht k" wie ini Tourenplan angegeben.— Gäste willkommen. Schwimmer. Arbeiter- Schwimmvercin„Berlin«(Mtglied des �Arbeiter- Schwimmbundes.) Am kommenden Sonntag fallen sämtliche� Schwimm- touren aus: dafür beteiligen sich sämtliche Mitglieder an dem Schwimmsest in Obcr-Schönewcide. Diejenigen, welche an den Konkurrenzen teilnehme», wollen sich um 3 Uhr dem Ordne» zur Verfügung stellen. Treffpunkt der Abteilung 5 ist bei Wimmer. Bülowstr. 58. Di- Mitgliederversammlung der Abteilung 1 findet am Mittwoch, den 27. d. MtS., im Lokal„Südost-, Waldemarstr. 75, statt. Ter Schwimmklub.Borwärts« Ober-Schöueweide«(Mtglied des Arbeiter-Schwimmerbundcs und Sportkartells für Schöneweide) ver- anstaltet am Sonntag, den 24. August, nachmittags 3 Uhr, ein Schwimmfest in der Müllcrschcn Badeanstalt an der Stubenrauchbrücke, bestehend in Mädchen- und Damenschwimmen und Springen, Vcreinsmehrkämpse, Lagenstafsettcn für Jugend und Männer, Besähigungskämpse, Reigen, Springkoiikurrenzcn, Rettungsschwimmen und Wasserballspicl. Da bei diesem Fest zirka 200 Mitglieder der KreiSvcreine vom Kreis I des Ar- beilcr-Schwimmerbundes mitwirken, verspricht es auch für den verwöhntesten Sportler interessant zu werden. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Die Nachfeier findet in Tabberts Waldschlößchen statt. Arbeiter-Samariterbuud, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin. 3. Abt. Donnerstag, 28. August, Schöneberg, Vorbergstr. S, Restaurant Haendcl. � �„ Ober. Schöneweide. Monwg, 25. August, Restaurant Schulz, Siemensstr. 12.., N 0 w a w e S. Montag, 25. August, Wilhelm- Ecke Friedrichstraß-, bei Schmidt. NowaweS. Abt. Potsdam. Mittwoch, 27. August, Kaiser. Wilhelm-Straße, bei Glaser,_ Berlin. Nächste Monatsversammkung am Freitag, 29. August, tm Restaurant Haberlandt, Neue Friedrichstr. 35. Die Arb eit er- Samariter kolonne T emp«l h 0 s- Marie». darf veranstaltet am Montag, den 25. August, abends 8 Uhr, im Apollo- Lichttoiel-Tbeater, Maricndors, Chauffeeslraße Ecke Markgrasenffiaße, einen wissenschasllichcn Lichtbildervortrag. Verantwortlicher Redakteur: Alfrep Wielcpp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.:?h. Glocke, Berlin. Drucku-Verlag: Vorwärtt Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 24. August, vormittags 9 Uhr Pappelallee 15—17, Neukölln, Jdealpassage, und Tegel, Schlieper- straße'30: Freireligiöse Borlesung.— VornuüagS 11 Uhr, Kleine Frank- surler Str. 6: Vortrag von Herrn Dr. M. Brie über:„Maxim Gorn«.— Damen und Herren als Gäste willkommen.__ Küchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin AK