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Hält der Papst dafür, daß irgendlvelche staab lichen Gesetze oder Anordnungen mit den päpstlichen im Wider spruch stehen, dann hat der gläubige Katholik geradezu die Pflicht, den staatlichen Geboten jeden Gehorsam zu versagen und ihnen nicht nur passiven, sondern, wenn es erforderlich erscheint, auch aktiven Widerstand zu leisten. Wie weit erstreckt sich nun nach katholischer Lehre diese Autorität des Papstes? Erstreckt sie sich, wie die Blätter von der Art der„Kölnischen Volkszcitung" in ihrer verlogenen politischen Taktik behauptet haben, nur auf das religiöse und kirchliche Leben oder auf das ganze Denken, Glauben und Handeln der Katholiken? Wohl gibt eS nach der katholischen Lehre Hand lungen, welche die Kirche nichts angehen. DaS sind alle jene Handlungen, die keinen Bezug auf das moralische oder ethische Verhalten der Gefell- schaftsmitgliedcr zueinander haben, für ihr Seelenheil völlig gleichgiiltig sind oder nicht den Absichten, Zielen und Zwecken deL Papstes beziehungsweise der römischen Kurie widersprechen. Ob jemand an einem Nicht- sastentag Rind- oder Kalbfleisch essen will, ob er sich einen Regenmantel oder eine Lodenjoppe kaufen will(vorausgesetzt daß durchscine Kleidung nicht nach kirchlichenBegrifsendie Sittlich- keit gereizt oder in irgendwelcher anderen Weise die Sittlichkeit gefährdet), geht die Kirche nichts an, wohl aber, wie er sich im Hause seiner Frau und seinen Kindern gegenüber ver- hält, wie er sie erzieht, in welche Schulen er letztetc schickt, wie er sich im Geschäftsleben betätigt, welche Politik er treibt, wie er wählt und wie die von ihm Erwählten in den Parlamenten stimmt usw. usw. So heißt es denn durchaus klar und deutlich in dre Enzyklika ,,Dö paeeismis civium christianorum offieiis"(Von den wichtigsten Pflichten christlicher Bürger) vom 10. Januar 1890 über die Befolgung der päpstlichen Gebote und Verordungcn: „Was nun die Begrenzung dieses Gehorsams angeht, so soll sich niemand einreden, man brauche den Hirten der Kirche und besonders den: römischen Pap st e nur bezüglich jener Glaubenslehren zu gehorchen, deren hartnäckigeBerwerfung das Bergehen des . Irrglaubens ausmacht. Ebensowenig genügt die aufrichtige und feste Zustimmung zu jenen Lehren, welche von der Kirche zwar nicht durch feierliches Urteil entschieden, aber doch von ihrem ordentlichen und allgemeinen Lehrkörper als göttlich geoffenbart zu glauben vorgestellt werde»; Wahrheiten, von denen das Balikanische Konzil sagt, man müsse sie mit katholischem und göttlichem Glauben festhalten. Die Chri st en Pflicht geht weiter und fordert darüber hinaus, daß man sich durch die Autorität der Bischöfe und besonders des Apostolische» Stuhles leiten und weisen lasse.' Ferner fordert die Enzyklika über die christliche Staats- ordnung vom 1. November 1885: „Was immer daher im Leben der Menschheit heilig ist, was immer auf das Heil der Seelen und den göttlichen Dienst Bezug hat, sei es nun dieses an sich und seiner Natur nach oder wegen seiner Beziehung zu demselben, alles daS ist der kirchlichen Gewalt und ihrem Ausspruche unter stell t." lind an anderer Stelle derselben Enzyklika wird dieser Ausspruch folgendermaßen ergänzt: „Es ist nicht erlaubt, zu scheiden zwischen den Pflichten des Privatmannes und jenen des Staatbürgers, derart, datz die kirchliche Autorität im Privatleben Geltung habe, im öffentlichen dagegen keine Anerkennung finde; denn dies hieße Gutes und Schlechtes zusammentun und den Menschen in Zwiespalt setzen mit sich selbst." Aber auch in solchen politischen Fragen, die nicht zu den der päpstlichen Autorität unterstehenden Gebieten gehören, soll der Katholik den Weisungen des Papstes folgen, denn dieser weiß am besten, was dem Wohl und dem Streben der Kirche dient, ihrer Ausbreitung und Stärkung nützt, ihre Politik fördert oder schädigt. Deshalb heißt es in der bereits erwähnten Enzyklika über die Pflichten christlicher Bürger: „Sonach besteht die politische Klugheit der Privatpersonen wesentlich darin, die Anordnungen der rechtmäßigen Gewalt gewiflenhaft zu vollziehen. Dieses wohlgeordnete Verhältnis muß um so mehr in der Kirche herrschen, je zahlreicher die Gegen- stände sind, welche die politische Klugheit des Papstes umfaßt. Er hat ja nicht bloß die Kirche zu regieren, sondern allgemein auf die Handlungen ihrer Mitglieder, der Christen, ordnend einzuwirken, damit diese Hoffnung schöpfen können, dadurch wirklich das •) Siehe den Artikel in der letzten SonntagSnummer des „vorwärts". ewige Ziel zu erlangen. Hieraus folgt, daß außer der größten Einmütigkeit im Denken und Handeln auch d a§ ach tu n g S v 0 lle V e r tr a u en zurWeisheit der Kirchengewalt in der Behandlung politischer Angelegenheiten eine Pflicht ist." Tatsächlich hat denn auch die Kurie stets den katholischen Parteien und Parlamentsfraktionen, auch der Zen- trumsfraktion des Reichstages, in wichtigen rein weltlichen Angelegenheiten ihre Instruktionen erteilt und ver- langt, daß die betreffenden Parteien ihre Stellungnahme danach einrichten. Und die betreffenden Parteien haben nicht nur die Berechtigung eines solchen Verlangens anerkannt, fondern sich auch, mochte es ihnen noch so schwer fallen, da- nach gerichtet. Es ist eine unverschämte Behauptung wider besseres Wissen, wenn klerikale Blätter wie die„Köln. Volks- zeitung" so tun, als sei in allen politischen Fragen, soweit sie nicht direkt religiöser Natur seien, das Zentrum von der päpst- lichen Gewalt völlig miabhängig. Ein Beispiel mag diese eigenartige„Unabhängigkeit" be- weisen. Die Frage, wie stark das Heer in einem Staate sein soll und in ivelcher Forin die Ausgaben dafür aufgebracht werden sollen, ist sicherlich keine kirchlich-religiöse Frage; dennoch richtete, als sich 1886 das Zentrum im Reichstage gegen das neue Septennat(die Verstärkung des Heeres auf 468 409 Mann für sieben Jahre) sträubte, der damalige Kardinalsekretär Jacobini im Namen des Papstes an den Vorstand der Zentrumsfraktion die Auf- fordcrung, der Annahme der Septennatsforderung keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Die römische Kurie wünschte nämlich, zu Preußen in ein besseres Verhältnis zu gelangen. Es heißt denn auch in der betreffenden Note des Kardinals diplomatisch:„Auch darf man nicht unterlassen hervor- zuheben, daß eine katholische parlani entarische Vertretung, indem sie sich fiir die unerträgliche Lage interessiert, die dem Oberhaupt der Kirche bereitet worden ist, günstige Gelegenheiten benutzen kön trt'e, u m die Wunsche ihrer k a tholischen Landslcute zugunsten dcS Hl. Vaters auszudrücken und zur Geltung zu bringe n." Die Zentrumsfraktion sollte also nach der Anivciftmg des Kardinal-Staatssckrctärs Jacobini die günstige Gelegenheit der Septennatsforderung benutzen, um gegen ihre Zustimmung zu dieser Forderung Vorteile für die katholische Kirche und den Apostolischen Stuhl zu erlangen. Zugleich wandte sich der Kardinal Jacobini durch den päpstlichen Nuntius in München persönlich an den damaligen Vorsitzenden der Zentrumsfraktion, den Baron von Francken- stein, und ließ diesem mitteilen, der Papst wünsche, daß der Septennatsforderung vom Zentrum kein Widerstand geleistet werde, und beauftrage ihn, den Baron von Francken- stein, die Abgeordneten des Zentrums von diesem Wunsche in Kenntnis zu setzen. Ilnd wie verhielt sich Freiherr von Franckenstein, der Vor- sitzende der angeblich interkonfessionellen Zentrumspartei? Enb gegnete er dem Kardinal-Staatssekretär, das Zentrum sei gar keine spezielle„katholisch. parlamentarische Vertretung", und es hätte deshalb der Papst auch gar nicht das Recht, ihm Aufträge zu erteilen und der Zentrumsfraktion ihrVcrhalten zu Militär fordern ngen vorzuschreiben? Nichts von alledem! Demütig nahm Freiherr v. Francken stein die Weisung entgegen und fragte sogar bei der römischen Kurie an, ob der Papst der Ansicht sei, daß im Interesse der Kirche das Zentrum im Reichstage nicht mehr notwendig wäre. In diesem Fall würde er und die Mehrzahl der Zentrums- abgeordneten bei der Reichstagswahl kein Mandat mehr an- nehmen. DaS Zentrum fühlte sich also dermaßen als Ver- tretung römischer Kircheninteressen, daß es sich sogar auf Wunsch des Papstes auflösen wollte. Sicherlich eine höchst kuriose Haltung einer angeblich inter- konfessionellen, rein politischen Partei! Bei der Abstimmung im neuen Reichstag enthielt sich denn auch bekanntlich das Zentrum der Stimme, so daß das Septennat Gesetz wurde. Doch nicht nur in religiösen, moralischen, politischen Dingen, auch in den Fragen der Wissenschaft(erinnert sei nur an den Antimodernisteneid), wie überhaupt in allen Meinungs- und Glanbensfragen hat der gläubige Katholik unbedingt sich nach den Weisungen und Urteilen des Papstes zu richten und dessen Auffassung zu vertreten. In der Enzyklika. Leo XIII. über die christliche Staatsordnung heißt es denn auch bezüglich der modernen politischen und wissenschaftlichen Bestrebungen: Was ihre(der Katholiken) Meinung angeht, so h a b e n s i e alle in und jeglichem ohne jeden Zweifel bei- zustimmen, was immer die römischen Päpste gelehrt haben oder noch lehren werden, und auch in der Oeffentlichkeit, wo dieses erforderlich ist, sich dazu zu bekennen. Namentlich aber sollen sie bezüglich der sogenannten freiheitlichen Errungenschaften der Neuzeit auf den Ausspruch des Apostolischen Stuhles hören und alle, ohne Ausnahme, sich nach seinem Urteile richten. Eine Glaubens-, Meinungs-, Lehr- und Prcßfreiheit gibt es denn auch in den Staaten, wie sie nach katholffcher Lehre fein sollen, nicht. Was zu glauben, zu meinen, zu lehren, zu drucken ist, bestimmt die katholische Kirche, das heißt die römische Kurie, und jeder Katholik hat sich diesen Verfügungen' blindlings und ausnahmslos zu unterwerfen. Den An- schauungen der römischen Kurie widersprechende Meinungen und Lehren kann die Kirche rücksichtslos unterdrücken. Und nicht nur sie, auch die Staatsgewalt ist berechtigt und ver- pflichtet, allen Irrglauben und alle Irrlehren gewaltsam nieder- zuhalten und auszurotten: „Die unbeschränkte Rede- und Prcßfreiheit", so heißt es in der Enzyklika Leo XIII. vom 20. Juni 1888,„soll gleichfalls hier in Kürze besprochen werden. Daß eine solche regellose, alles Matz und Schranken überschreitende Frei- heit keine Berechtigung hat, brauchen Wir kaum auszusprechen. Denn das Recht ist ein sittliches Vermögen: daher ist die Behauptung ungereimt, wie Wir schon öfter« erklärt haben und noch öfter erklären müssen, als sei es(das Recht) von der Natur gemeinsam und ohne Unterschied der Wahrheit und Lüge, der Sittlichkeit und dem Laster gegeben. Nur was wahr ist, was gut ist, das hat ein Recht, in weiser Freiheit in der Gesellschaft sich auszubreiten, damit es zu recht vielen gelange; dagegen werden lügenhafte Meinungen, diese größte Pest des Geistes, und die Laster, welche die Sitten und Seelen verderben, mit Recht von der Obrigkeit sorgfältig unterdrückt, damit sie nicht zum Schaden des Gemeinwesens um sich greifen. Es ist recht, datz die Autorität der Gesetze die Irr- tiimer eines ausschweifenden Geistes, die wahrhaftig eine Gewalt- tat sind gegen da« unerfahrene Volk, ebenso unterdrückt als ein durch offene Gewalttat an Schwächeren ver- übtes Unrecht.... Ein gleiches gilt auch von der sogenannten Lehrfreiheit... Eine solche Zügellosigkeit kann die Staatsgewalt ohne Pflicht- Verletzung den Bürgern nicht gewähren." Mit andern Worten: nur was das Oberhaupt der Kirche sür wahr und richtig hält, darf geglaubt, gedruckt und gelehrt werden; alle Anschauungen, die seiner Auffassung widersprechen. sind„lügenhaft" und daher zu unterdrücken. Meinungs-, Lehr- und Preßfreiheit gibt es daher in dem nach den Grundsätzen der katholischen Lehre eingerichteten Staate nicht; aber ebenso wenig gibt es darin eine Selbstverwaltung und eine Selbstherrschaft des Volkes. Wie Thomas von Aquino alle „schmutzigen" Leute, das heißt alle, welche schmutzige Arbeit verrichten, von der Regierungsgcwalt ausgeschlossen wiffen wollte, so steht auch die heutige katholische Kirche in der Volksmasse nur eine unfähige, schwächliche, von schädlichen Instinkten beherrschte Masfe, die, da sie selbst nicht weiß, was ihr frommt, von oben herab regiert und geleitet werden muß. Die Lehre von der Volkssouveränität, die Lehre, daß das Volk das Recht habe, über seine eigene Regterungsform und seine Staatsordnung zu bestimmen, ist deshalb nach katho- lischer Lehre die Ausgeburt einer verderblichen lügenhaften Philosophie und die auf der Grundlage der Volkssouveränitäts- lehre beruhende Massenherrschaft die schädlichste und unnatür- lichste aller Regierungsformen. In der Enzyklika Do civili prineipatu vom 29. Juni 1881 heißt es zum Beispiel: „Jener Häresie-(d. h. Ketzerei; die Enzyklika versteht hier darunter die Reformationslehren) entstammte im vorigen Jahr- hundert eine fälschlich sogenannte Philosophie und das so- genannte moderne Recht solvie die Volks- fouveränität und eine alles Maß überschreitende Zügellosigkeit, worin allein viele das Wesen der Freiheit sehen. Von hier war nur noch ein Schritt zu den verderblichen Irrtümern des K om- muniSmuS. deS SozialiS nruS und Nihilismus, diesen entsetzlichen Vorzeichen und nahezu Todesboten der bürger- lichen Gesellschaft. Und dennoch sind es nur zu viele, welche die Wirkung so zahlreicher Uebel inmter noch weiter auszubreiten bestrebt sind, und unter dem Vorwande, für daS Bolkswohl zu arbeiten, das verderbliche Feuer nur noch mehr angefacht haben." Die Lehre von der Volkssouveränität, so wird in einer anderen Enzyklika Leo XIII., der vom 20. Juni 1888, dargelegt, führe notwendig zur Massenherrschaft, denn hätte die Staatsgewalt ihren Ursprung in der Menge und sei für den einzelnen wie für die Gesamtheit allein die Vernunft bei der Ordnung der öffentlichen Angelegenheiten maßgebend, so ruhe schließlich alle Macht in der Volksmasse und die Volksmchrheit bestimme dann, was Recht und Pflicht sei. Das aber verstoße gegen die Vernunft und gegen die göttliche Weltordnung. denn nach dieser hätte Gott selbst durch die Kirche(d. h. durch den Papst als des Oberhauptes dieser Kirche) zu bestimmen, was Recht und Pflicht sei. Deshalb könne denn auch dort, wo der Volkswille herrsche, nicht mehr von„Gottes Herrschaft" gesprochen werden. Besonders deutlich findet sich diese volksfeindliche Kirchenlchre in folgenden Sätzen der Enzyklika über die christliche Staatsordnung vom 1. November 1885 ausgesprochen: „Auf Grund solcher Prinzipien(des Grundsatzes der Volks« souveränität) erkennt die Gesellschaft in der Regierung nur den Ausdruck des Willens des Volkes, daS selbstherrlich allein sein Ge- bieter ist und darum seine Organe, denen eS die Regierung über- trägt, selbst erwählt, nicht als ein diesen(den Organen) zu« kommende« Recht, sondern als seine Bevollmächtigten, welche in seinem Namen ihren Austrag üben. Da ist denn von Gottes Herrschaft keine Rede mehr, wie wenn er nicht existierte oder keine Sorge trüge für die mensch- liche Gesellschaft, oder wie wenn die Menschen, der ein- zelne sowohl als die Gesellschaft, Gott gegenüber zu nichts verpflichtet wären, oder als ob man sich eine Regierung denken könnte, die ihren Ursprung, ihre Gewalt und Autorität anderswo als in Gott hätte. Es liegt am Tage, daß eine also geartete bürgerliche Gesell- schaft nichts anderes ist als eine Massenherrschaft; und weil man sagt, alle Gewalt und alles Recht rulje im Volke, so folgt, daß eine solche Gesellschaft in keiner Weise sich Gott gegen- über verpflichtet erachtet, eben darum auch keine Religion öffentlich bekennt, auch nichts weniger als bestrebt ist, nach der allein wahren Religion zu forschen und die eine wahre den anderen falschen vorzuziehen und ihr ihren Schutz angedeihen zu lassen; sie wird vielmehr alle für gleichberechtigt erklären, so lange das Staatswesen nicht durch dieselben ge» schädigt wird. Dementsprechend mag dann ein jeder von der Religion halten, was er will, eine nach Gutdünken annehmen oder auch gar keine, wenn eben keine ihm zusagt. Was sich hieraus mit Notwendigkeit ergeben muß, ist klar: das Gewissen ist von jedem objektiven Gesetze entbunden, dem Belieben eines jeden ist es anHeim gegeben, ob er Gott verehren will oder nicht; eine grenzenlose Denkwillkür und Ziigellosigkeit tritt ein... Doch genug von diesem„hehren" Staatsideal der katho- lischen Kirche; die obigen Zitate genügen zur Kennzeichnung seines schönen Charakters. Es fordert blinde Unterordnung unter eine allgewaltige Priesterherrschaft. Weder gibt es eine Selbstbestimmung und einen Selbstwillen noch eine Denk-, Gewissens-, Forschungs-, Lehr- oder Preßfreiheit— nur Ge horsam und Unterwerfung. Blindlings hat jeder unter Ver zicht auf eigene Ueberzeugungen den päpstlichen Befehlen und Vorschriften zu folgen. Der nach der katholischen Lehre ein gerichtete„christliche Staat" ist die ärgste Zwangsanstalt, schlimmer als das Zuchthaus— und die Partei, die sich zu diesen Lehren bekennt, die nach dem Ausspruch des früheren Kardinal- Staatssekretärs Jacobini lediglich eine „katholische Vertretung" der päpstlichen Kirche ist, wagt es in ihrer Presse und aus ihren Tagungen, von einem sozialdemokratischen„Zukunfts-Zwangsstaat" zu reden, weil die Sozialdemokratie, um jedem die Möglichkeit der freien Entfaltung seines Menschentums zu sichern, die kapitalistische Ausbeutung und Versklavung des einen Menschen durch den anderen vernichten und die Gesamtheit der zur Lebens unterhaltsbeschaffung der Gesellschaft nötigen Produktions mittel vergesellschaften, das heißt in gemeinsamen Besitz über führen will! Man spekuliert eben darauf, daß dem gewöhn lichen Leser der Zentrumspresse einerseits die Staatslehren seiner eigenen Kirche fremd sind und andererseits durch die sortgesetzte klerikale Bearbeitung sein Denkvermögen derartig beeinträchtigt ist, daß er über staatstheorctische Fragen über- Haupt nicht mehr nachzudenken vermag. Keichtileutlcher ffiittclitandstag zu Leipzig. Leipzig, 24. August. In Leipzig tagt zurzeit der Reichsdeutsche Mittelstandsverband: eine von den Konservativen und den großindustriellen Scharfmachern protegierte und unterstützte Gründung, dazu bestimmt, die kleineren Geschäftsleute, vornehmlich die Handwerker, den reaktionären poli- tischen und wirtschaftlichen Zwecken der industriellen Hochschutz- zöllncr und der Agrarier gesügig zu machen. Die gegenwärtige .ljjMimg verfolgt denn auch in. erster Linie den Zweck, ein Bündnis der im Reichsdeutschen Mittelstandsverbaiid vereinigten Handwerker- und Häiidbergruppen mit dem Bund der Landwirte und dem Zentralvcrbiand deutscher Industrieller vorzubereiten, einerseits, 'mn die sogenannte„nationale" Arbeit zu schützen, das heißt für die Aufrcchterhaltung und Erhöhung des geltenden Zolltarifs zu wirken, andererseits um die sozialdemokratische Arbeiterbewegung zu bekämpfen und Gesetze gegen den Streik, Boykott und die gewert- schaftlichen Organisationen durchzusetzen. Die gestern im Zoologischen Garten zu Leipzig abgehaltene öffentliche Versammlung liefert dafür den besten Beweis. Ter Vorsitzende, Bürgermeister Dr. E b e r l e, eröffnete die Versammlung mit einer längeren Ansprache: Von einem Blühen uird Grünen des'deutschen Gewerbestandes ist zurzeit keine Rede, sondern es herrscht ein gewisser grauer Ton in der Lage des Gewerbcstaüdcs vor. Die Vertreter der reinen Wissenschaft erklären heute mit apodiktischer Sicherheit, daß dieses Grau das Grau des Herbstes und des Sterbens sei. Die gleiche Meinung vertreten die- jcnigen, die an dem Untergang des Mittelstandes arbeiten, und sie finden den gleichen Widerhall bei den Gebildeten wie bei den großen Massen der Allerungebildetsten.(Hört! hörtt) Aber in Wahrheit können wir, die wir in lebendiger Fühlung mit den besten Kreisen des gewerblichen Mittelstandes stehen und in Uebereinstimmung mit der jungen Wissenschaft von heute und morgen sagen, daß dieses Grau das Grau des Frühlings ist.(Beifall.) Wir stehen in einer Periode, wo der Niedergang des gewerblichen Mittelstandes zu Ende geht. Alle 5z rüste regen sich für den kommenden Frühling. Die Hauptsache für uns ist, daß wir uns nichf gedankenlos hinter diejenige Presse stellen, die uns schädigt, sondern zu der uns freund- lichen Presse halten.(Lebhafter Beifall.) Wir sehen, daß auch in den Nachbarländern unter dem gleichen Druck von Großkapital und Arbeitermassen die gleichen Erscheinungen wie bei uns hervortreten. Ueberall beginnt der Mittelstand sich zu organisieren, um den Huma- nismus-wieder zu Ehren zu bringen gegen den Materialismus und Mammonismus.(Bravo!) Die Herabdrückung von immer mehr Menschen zu maschinengleichcn Arbeitsmcchanismen ist Kultur- Niedergang. Das wird mit der Zeit auch die öffentliche Meinung einsehen, die sich heute noch von der Macht des Kapitalismus und der organisierten Massen imponieren läßt. Das deutsche Volk ist nicht dort, wo die abhängigen Massen stehen, sondern dort, wo un- abhängige, auf sich selbst angewiesene Bürger stehen. Unser Volk wird siegen, wenn wir siegen, und untergehen, wenn wir untergehen. Darum eröffnen wir unsere Tagung mit dem alten Ruf des Bürgertums: Fürsten und Volk, König, Kaiser und Vaterland hoch! Im Anschluß hieran werden an den Kaiser und an den König von Sachsen Huldigungstelegramme abgesandt. Im Namen des Reichskanzlers und des Staatssekretärs des Innern, sowie des Staatssekretärs des Reichspostamtes begrüßt Geh. Regierungsrat Flach die Tagung. Darauf heißt Geheimrat Stadler namens der sächsischen Regierung die Tagung in Leipzig willkommen. Nach weiteren Begrüßungsreden wird in die Tagesordnung eingetreten. Der erste Punkt betrifft: Wirtschaftliche Gemeinschaftsarbeit von gewerblichem Mittelstände, Industrie und Landwirtschaft. Hierüber referierte der Vorsitzende für das Handwerk im Landcsausschuß Rheinland und Westfalen, K ü k e l h a u-s. Er sagte: Ter gewerbliche Mittelstand, die Industrie und die Landwirt- schaft sind die größten Stände innerhalb der Volkswirtschaft. Sic ernähren über 70 Prozent der Nation. Die Anregung, sie zu Wirt- schastlicher Gemeinschaftsarbeit zu verbinden, ist v o m r h e i n i s ch- westfälis.chenHandwerkausgegangen. Die Bewegung ist auf dem Vertrauen in die eigene Kraft aufgebaut und hat als �Organisationsform die Innung und ihre Ver bände, nämlich den Jnnungsausschuß und den F a ch i n n u n g s v e r b a n d gewählt. Sie hat sich als nächstes Ziel die Ordnung der zerrütteten Kreiswirtschaft bestellt und hier nach neunjähriger Arbeit schon viel erreicht. Dabei sind die Organi sationen ohne weiteres dazu gekommen, andere Berufs stände zur Förderung und positiven Unter st ützung heranzuziehen. Schon heute bestehen ganze Bezirke, in denen die ländlichen, den Fachverbänden angeschlossenen Handwerker innungcn mit ihren heimischen landwirtschaftlichen Abnehmern so verständnisvoll zusammenwirken, daß die Gemeindeverwaltungen ihren sämtlichen Bedürfnissen an Handwerksarbeiten unter das heimische Handwerk verteilen. Wenn diese Bewegung bei den land wirtschaftlichen und auch schon industriellen Verbrauchern von Hand Werksarbeiten Verständnis gefunden hat, dann liegt das in der gleich- artigen Existenzgrundlage aller gütererzeugenden Stände. Diese drängt von selbst dahin, Zustände zu schaffen, bei denen es möglich ist, die tatsächlich entstehenden Selbstkosten zum Hauptelement der Preisbildung zu machen. Nur dann können die gütererzeugcnden Stände, das Fundament der Volkswirtschaft, die Sicherstellung des Kapitals und der Renten gewähren und dem deutschen Handwerk wirksam helfen, wenn sie Herrscher über den inländi- schen und den ausländischen Markt bleiben. Der Staat hat diese Grundwahrheit durch Schaffung der Zollschutzgesctz- gebung anerkannt. Wenn gegenwärtig das Handwerk den großen Kampf um die Anerkennung des angemessenen Preises führt, so folgt es damit lediglich dem Zwang, den seine Existenzbedingungen mit innerer Notwendigkeit ausüben. Aber die gemeinsame Existenz grundlage der gütererzeugenden Stände ruft auch in anderer Hin- ficht große gemeinsame Interessen hervor. Kein Betrieb kann er- folgreich arbeiten, wenn nicht der verantwortliche Leiter eine volle Autorität über alle Menschen und Dinge seines Betriebes ausüben kann. Mit der Frage, ob es gelingen wird, gegen- über den mächtigen, auf Zerstörung und Schwächung aller Autorität in den Betrieben ab- zielenden Strömungen die Bedürfnisse des realen Wirtschafsleben aufrecht zu erhalten, wird die Zukunft unserer ganzen nationalen Gütererzeugung entschieden werden. Im gewerb lichen Mittelstande sind heute noch 2 Ms- Millionen und in der Land Wirtschaft 1,3 Millionen selbständige Gütererzeugungsbetriebe vor handen, und es ist notwendig, daß diese, die das gleiche Bedürfnis der Aufrechterhaltung der Autorität im Betriebe haben, Schulter an Schulter mit der Industrie diese Lebensgrund- läge verteidigen. Die Sachverhältnisse haben es ganz von selbst ergeben, daß eine wirtschaftliche Gemeinschaftsarbeit der drei großen gütererzeugenden Stände beschlossen wurde. Vom Haupt- vorstände sind folgende Leitsätze hierfür aufgestellt, nach denen die Verhandlungen zu führen sind. 1. Zusammengehen der drei Gruppen: gewerblicher Mittel- stand, Industrie und Landwirtschaft, zwecks gegenseitiger Wirt- schaftlicher Unterstützung und Bekämpfung(?) ,m Organismus unseres Wirtschaftslebens. 2. Aufrechterhaltung der Autorität in allen wirtschaftlichen Betrieben. 3. Schutz der nationalen Arbeit, Sicherung angemessener Preise und Schutz der Arbeitswilligen. 4. Bekämpfung der Sozialdemokratie und sozialistischer Irrlehren. Die organisatorische Durchführung dieses Arbeitsprogramms ist wie folgt gedacht: Es soll nicht eine Verschmelzung stattfinden in der Weise, daß die drei großen Berufsstände sich in einer ein- heitlichen Organisation zusammenschließen. Feder Berufsstand soll vielmehr für sich arbeiten und nur solche wirtschaftlichen Fragen, die allen drei Ständen gemeinsam sind, sollen, wenn Einstimmigkelt erzielt wird, gemeinsam behandelt werden. Zu diesem Zwecke werden Kartelle gebildet, und zwar einen Reichsausschuß, den Vertreter der Zentralvorstände bilden, Provinzial- und Landeskartelle, in denen die Führer der provinziellen Organisationen vertreten sind, und drittens Orts- kartelle, in die die örtlichen Organisationen der Berufsstände ihre Delegierten entsenden. Wir werden in diese Riesenarbeit ein- treten müssen mit dem vollen Bewußtsein, daß ihr Schwerpunkt in den örtlichen Organisationen liegen wird. Denn dort verbringen die Angehörigen der drei großen Beruisstände ihr tägliches und ge- werbliches Leben.. Der Redner wendet sich zum Schluß dagegen, daß einzelne Blätter gewisser parteipolitischer Richtungen ohne Grund die Ver- mutung ausgesprochen hätten, eS würden mit dieser wirtschaftlichen Gemeinschaftsarbeit doch vielleicht parteipolitische Z w c ck e v e r f o l g t. Es ist eine trostlose Beobachtung, daß viele Menschen selbst den gesündesten und reinsten wirtschaftlichen Bc- strebungcn vielfach parteipolitisch nicht neutral gegemibertreten können. In der Diskusston hierüber ergreift als erster der G e s ch ä f t s- führer des Zentralverbandes deutscher Industrieller, Regie- rungsrat Dr. Schweighoffer, das Wort, um seiner Freude Ausdruck zu geben, daß die Wünsche des Referenten sich in der gleichen Richtung bewegen wie die des Zentralverbandes. E s hat bereits vor einigen Wochen eine unverbind- liche Vorbesprechung zwischen der Industrie, der Landwirtschaft und dem Mittelstand über das wirtschaftliche Zusammenwirken stattgefunden. Dies hat demokratischen Blättern Anlaß zu den heftigsten Angriffen gegeben, die nach ihrem gleichen Wortlaut von einer bestimmten Stelle aus inspiriert zu sein scheinen.(Hört! hört!) Die tat- sächlichen Vorgänge waren hierbei in jeder Weise entstellt. Ich werde auf dem demnächst in Leipzig stattfindenden Delegicrtentag des Zentralverbandes deutscher Industrieller darauf zurückkommen. Ich will hier nur erklären, daß der Zentralverband, � der vor 37 Jahren unter der maßgebenden Verkündigung der Solidarität aller für den Schutz der nationalen Wirtschaft eintretenden Wirt- schaftsgruppen gegründet wurde, diese Grundsätze auch weiter zu betätigen gedenkt, um so mehr, als sie in manchen Kreisen in schlimmer Weis« verleugnet werden. Der Zentralverband deutscher Industrieller hat bei den gemein- amen Arbeiten mit der Landwirtschaft und dem Mittel st and das Eintreten für bestimmte ge- m einsame Interessen im Aug«. Diese Grund- sätze werden um so mehr ausrecht zu erhalten sein, je mehr sich die Gefahr steigert, daß unsere heutige Wirtschafts, und Gesellschaftsordnung, diedie Grundlage aller modernen Kultur ist, von feiten der Demokratie und ihrer Parteigänger immer mehr bedroht wird. Industrie, Landwirtschaft und Handwerk wurzeln mit allen ihren Lebensfasern in dem Boden der jetzt bestehenden Gesellschaftsordnung und der vorhandenen Staats- form und deshalb haben sie ihre schärfsten und grimmigsten Gegner dort, wo der Umsturz der bestehenden Verhältnisse das erstrebte Ziel ist. Diese Gemeinsamkeit der Lebensinteressen schließt a-lle selbständigen Unternehmer im Handwerk, der Landwirtschaft und der Industrie zusammen zu gleicher Tätigkeit auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens. Daß hierbei von einer Aufgabe der Selbständigkeit der einzelnen Gruppen und ihrer Wirtschaft- lichen Interessen nicht die Rede sein- kann, kann nur derjenige be» haupten, der bösen Willens ist.(Sehr richtig!) Das gleiche Jntcr- esse dieser drei Berufsstände erfordert es, daß d i e st aatlichc Ordnung auch im Innern unversehrt bleibe, damit Handwerk, Industrie und Landwirtschaft die Möglich- keit haben, in Ruhe und unter dem Schutz der staatlichen Macht- mittel ihrem Gewerbe nachzugehen.(Beifall.) Dieses gemeinsame Interesse ruft uns zu gemeinsamer Betätigung auf. Es muß endlich dem S t r e i k tc r r o r i s m u s der sozialdemo- krati schen Gewerkschaften, dem Mangel an Schutz der Arbeitswilligen und der fortwährenden Bc- drohung des wirtschaftlichen Friedens durch Streik und Boykott abgeholfen werden. Ebenso sprach der frühere Reichstagsabgeordnete Aus dem Winkcl-Logau als Vertreter des Bundes der Landwirte und Dr. Ke ll e r ma n n im Namen des Verbandes christlicher deutscher Bauernvereine sich für ein gemeinsames Zusammen- wirken aus. Di« das Bündnis fordernde Resolution wird denn auch einstimmig angenommen. Dann werden noch einige Referate über angemessene Preise, Verbesserung des Hypothekenrechis, den Täbaltrust und den heimlichen Warenhandel der Beamten gehalten. öle kiachivahl zu Lheiteriielä. London, 23. August.(Eig. Ber.) Die �Nachwahl zu Chestersield hat einen überraschend leichten Sieg des liberalen Bergarbeiterkandidaten gebracht. Er erhielt- 7725 Stimmen, etwa 500 mehr als sein populärerer Vorgänger: der Konservative vereinigte 5539 und der uuab- häugige Sozialist nur 583 Stimmen auf sich. Man hätte annehnien sollen, daß der Bannstrahl, den die Arbeiterpartei gegen ihren früheren Kandidaten schleuderte, seine Aussicht verschlechtern würde. Es scheint aber, daß die Desavouierung der Arbeiterpartei dem Bergbeamten mehr genützt als geschadet habe und daß der Einfluß der Arbeiterpartei in dem Wahlkreise Chestersield mehr eine negative Quantität ist. Der Ausfall dieser Nachwahl bildet zurzeit den Haupt- stoff der politischen Diskussion. Im konservativen Lager werden die Aussichten durch den Aerger gefärbt, den man. über den leichten liberalen Erfolg empfindet. Die Liberalen hingegen suchen die Situation geschickt für sich auszunutzen, indem sie den großen Sieg des Liberalismus und der Arbeit feiern und beständig von der Allianz zwischen dem Liberalis- mus und der Arbeiterpartei reden. Natürlich sind die Libe- ralen überzeugt, daß die Wahlpolitik der Arbeiterpartei auf eine breitere Grundlage gesetzt werden muß. Die„West-' minster Gazette" meint, daß es fast wie Heuchelei aussehe, wenn Liberale und Arbeiterparteiler im Parlament einander in die Hände arbeiteten, aber bei Nachwahlen wie Verschwörer aneinander vorübergingen, ohne sich zu grüßen. Durch die" Aufmunterung der Liberalen ist den liberalen Arbeiter- parteilern der Kamm mächtig geschwollen. So sagte der Vizepräsident der Bergarbeiterföderation H a r v e y. der als Arbeiterparteiler einen Bergarbeiterkreis der Grafschaft Derbhshire vertritt, gleich nach der Wahl:„Wir haben eine Botschaft von großem Werte und großer Bedeutung an ganz Großbritannien geschickt. Der Premierminister und Herr Lloyd George werden sich freuen, sie zu hören. Es ist eine Botschaft an die Arbeiterpartei, und die mag jetzt ihre Worte Wiederkauen, wenn sie hört, daß Derbhshire dennoch feinen Führern, dem Liberalismus und der ehrlichen Arbeit treu bleibt. Die Bergarbeiter waren zweifelsohne in die Enge ge- trieben. Sie haben sich nicht durch die seichten Redensarten irreführen lassen. Ich danke der liberalen Partei, daß sie uns treu geblieben ist. Herr Kenyon und ich werden ins Parlament gehen mit der Absicht, uns von niemand diktieren zu lassen, wie wir stimmen sollen." Eine Antwort auf diese Brandrede hat nicht lange auf ich warten lassen. Dem Vizepräfidenten hat der Präsident 1er Bergarbeiterföderatiou, Genosse Smillie, geaut- wortet. Er sprach auf der zurzeit iir Edinburgh abgehaltenen Konferenz der schottischen Bergarbeiter zu einer Resolution, in der die Notwendigkeit der politischen wie wirtschaftlichen Aktion der Arbeiterklasse betont wurde, und führte etwa aus: Wenn die Arbeiterpartei in der Vergangenheit nicht so stark und tätig war, wie viele von uns wünschen, so sind die Berg« arbeiter in großem Maße dafür verantwortlich. Ueber die Nachwahl in Chestersield werde ich noch zur rechten Zeit und am rechten Orte, auf der in einigen Wochen stattfindenden Generalversammlung der Bergarbeiterföderation etwas zu agen haben. Die Bergarbeiterföderation hat sich aus Grund einer Urabstimmung der Mitglieder der Arbeiterpartei an- geschlossen und sie muß der Partei die Treue bewahren oder re verlassen. Die Bergarbeiter sind der Partei nicht treu geblieben. Diejenigen, die sich jetzt ins Fäustchen lachen und glauben, die Arbeiterpartei werde sich spalten, werden ihren Irrtum einsehen, ehe wir mit dieser Angelegenheit im reinen ind. Ich weiß, die Bergarbeiter Derbyshires werden sich in mrzer Zeit von uns überzeugen lassen. Schuld an den Zu- ständen ist die mangelnde Propaganda, die politische Un- wissenheit. Diese Leute glauben noch, daß es die Liberalen ernst meinen mit den Versprechungen, die sie dem Volke vor die Augen halten. Ich habe selbst in Anwesenheit Lloyd Georges erklärt, daß der Schatzkanzler die Hälfte seiner Ge- stlgschaft verlieren würde, wenn er zum Beispiel mit der Verstaatlichung des Grund und Bodens oder mit der Zurück- gäbe des vom Volke gestohlenen Eigentums Ernst machen wollte. Und Herr Llohd George weiß das. Aber die Berg- arbeiter Derbyshires wissen es noch nicht. Es muß ihnen in der Zukunft beigebracht werden. poUtifche deberficht Der Kelheimer Fürstentag. Das große Rendezvous deutscher Fürsten in Kelheim hat den Verlauf genommen, den wir im Leitartikel unserer gestrigen Montagsausgabe voraussagten: bunte Fahnen, Girlanden, Tannengrün, prächtige Uniformen, feierliche und herzliche Begrüßungen, stramme Ehrenkompagnien, alte und unge Ehrenjungfrauen, Fanfarenklänge, Böllerschüsse, riefige Begeisterung, stürmische Hochrufe usw. Auch schöne Ansprachen sind gehalten worden. Der Prinz- regent von Bayern sagte u. a.: „Seine Gedanken und Absichten bei Errichtung dieses Denk- mals hat der königliche Erbauer zusammengefaßt in die Worte: „Möchten die Deutschen nie vergessen, was den Befreiungskamps notwendig gemacht und wodurch sie gesiegt." Diese Mahnung glänzt uns als Inschrift aus den' Marmor-' fliesen der Halle entgegen und mit diesen Worten hat König Ludwig auch am SV. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig die Mitkämpfer der Befreiungskriege begrüßt, die er zur Ein- weihung des Baues noch um sich versammeln konnte. Deutschlands Uneinigkeit und Zerrissenheit als Ursache seines tiefen Falles, der Deutschen Vereinigung und festes Zu- sammenhalten als Voraussetzung ihrer Wiedererhebung, als un- erläßliche Bedingung für das Blühen und Gedeihen des großen deutschen Vaterlandes, das ist es, was die heutige Feier uns vor Augen führen soll." Und zum Schluß rühmte er das neue Deutsche Reich folgendermaßen: „Groß und mächtig steht das Deutsche Reich im Rate der Völker da, stets erprobt als ein Faktor der Mäßigung und des Friedens, stets aber auch bereit, für die Ehre und Interessen des Deutschtums einzutreten, wo immer sie bedroht würden. Dgs Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Teile des Reichs in Freud und Leid' ist immer mehr erstarkt, und wer gleichwohl im Auslande je mit der Uneinigkeit, der Eifersucht der Reichsglieder rechnen würde, wie dies wohl früher geschehen, würde diese Rechnung grausam ent- täuscht sehen. So möchte es denn manchem scheinen, daß der Mahnspruch König Ludwigs in dieser Halle für das heutige Geschlecht nicht mehr die gleiche ernste Bedeutung hätte wie ehedem. Allein im Leben der Völker kann und darf es für eine Nation, die sich be- haupten will, kein Ausrasten auf errungenen Erfolgen geben. Hier trifft noch mehr wie für den einzelnen das Wort des Dich- ters zu: „Nur der verdient sich Freiheit, wie das Leben, Der täglich sie erobern muß." In immer erneuten Anstrengungen gilt es für Deutschland, sich gewappnet zu halten gegen alle Gefahren, die seinen Be- stand bedrohen können, die Kräfte zu stählen für alle Aufgaben, die die EntWickelung der Zeiten uns stellt._ Erst die letzten Monate haben wieder erwiesen, daß das deutsche Volk in seiner Gesamtheit auch vor großen Opfern nicht zurückscheut, wenn die Weltlage es erheischt. Hohe Pflicht und Notwendigkeit ist es aber auch heute, vor allem darüber zu wachen, daß Keime der Zwietracht und Ver- drossenheit nicht überwuchern, daß unter dem Hader der Klassen- gegensätze, unter der Ueberspannung der Jnteressenkämpfe das Einigende, die Freude am Ganzen nicht leide. Einmütiges Ar- beiten in diesem Sinne, Einsetzen des besten Könnens für das Blühen und Gedeihen der engeren und weiteren Heimat, festes Zusammenstehen zu Kaiser und Reich, das sei das Gelöbnis dieser feierlichen Stunde." Natürlich hielt auch der Kaiser eine schöne Rede. „Es war, als rauschte der eherne Flügel- schlag deutscher Geschichte über uns, als Eure Königl. Hoheit inmitten dieser feierlichen Stätte das Bild jener ge- waltigen Zeiten vor unser Auge stellten, deren unvergänglicher Ruhm deutsche Herzen stets aufs neue ergreifen wird. Wo könnten wir das Wesen und die fortwirkende �Bedeutung der Befreiungskriege tiefer erfassen, als hier, wo der deutschesten Fürsten einer in Erz und Marmor das Gedächtnis der Helden- taten unserer Väter aufgerichtet hat, das Gedächtnis zugleich seiner eigenen glühenden Vaterlandsliebe. .Eure Köntgl.-Äohe� habest- in ergreifenden Worten- betont, worin der Sinn der Erinnerungsfeiern liegt, die überall, wo Deutsche wohnen, in diesem Jahre begangen werden. Dem- lebenden Geschlecht sollen sie die Lehren einprägen, die im Laufe unserer Geschichte mit so viel kostbarem Blute erkauft worden sind, daß unsere Stärke auf unserer Eintracht und Einigkeit beruht, daß es für unser Volk kein Nachlassen geben darf, wenn es seinen hohen Platz behaupten will. Die begeisterte Teilnahme aller Kreise unseres Volkes an den Feiern dieses Jahres, die sich auch heute wieder so kraft- voll und warmherzig hier an der Donau bekundet, legt Zeugnis davon ab, wie tiefe Wurzeln das vaterländische Empfinden ge- schlagen hat, wie innig sich das deutsche Volk mit seinen Fürsten verbunden fühlt. Eure Königliche Hoheit haben durch die Anregung der Zu- sammenkunft der deutschen Bundesfürsten und der Vertreter der Freien und der Hansestädte in der Befreiungshalle die heutige Feier zu einem erhebenden Feste ganz Deutschlands gestaltet, so wie es dem Sinne dessen entspricht, der dies Denkmal dem deutschen Volke, dem Bayernlande und dem Hause Wittelsbach zum Ruhme erbaut hat. Mit herzlicher Dankbarkeit für Euere Königliche Hoheit werden wir alle dieses erhebenden Tages stets gedenken. Wir bitten zu Gott, er möge Euerer Königlichen Hoheit noch viele segensreiche Tage schenken zum Wohle Bayerns und des Deutschen Vaterlandes. Diesem Gedanken bitte ich Ausdruck zu geben in dem Rufe: Seine Königliche Hoheit der Prinzregent Ludwig, das Erlauchte Haus Wittelsbach und das schöne Bahernland hoch, hoch, hoch!" Sehr schön! Zur Verschleppung der preußischen Wahlreform. Mit dem Leitartikel des„Vorwärts", der die Verschleppung der preußischen Wahlreform behandelte und der in der reaktionären Presse die törichtesten Kommentare erfuhr, beschäftigt sich auch ein Artikel einer Parteikorrespondenz, der von zahlreichen Parteiblättern abgedruckt worden ist. In diesem Artikel heißt«S: „Die Massen der deutschen Arbeiterbewegung kann weniger als irgendwelche andere der Vorwurf treffen, daß sie mit der Waffe des Massenstreiks leichtfertig spielen. Sie haben immer gesogt, daß sie den Massenstreik als das letzte Mittel betrachten und damit aus- gesprochen, daß der Kampf mit der Anwendung dieses Mittels nicht beginnen könne. Die Massen haben den preußischen Zuständen gegen- über eine Geduld bewiesen, der gerade ein gerechter Gegner die An- erkennung nicht verweigern sollte. Ein weltgeschichtliches Verbrechen wäre es aber, wenn die Herrschenden darauf bauen würden, daß diese Geduld unerschöpflich sei. Und Pflicht der Sozialdemokratie als Vertreterin der Massen ist es, rechtzeitig vor solchen Illusionen zu warnen. Wird die preußische Wahlreform verschleppt und verhunzt, so muß das zu einer Katastrophe führen! Die Sozialdemokratie weiß nicht, wann diese Katastrophe ein- treten wird, und es ist anch nicht ihre Absicht, sie zu beschleunigen. Desto mehr aber wird sie darauf bedacht sein, sich auf Möglichkeiten vorzubereiten, die eine notwendige EntWickelung mit sich führen kann. Sie wird dafür sorgen, daß, wenn es einmal zum Kampfe kommt, dieser Kampf für die Gegner nicht leicht sein wird. Und sie wird auch dafür sorgen, daß vor aller Welt aufs klarste festgestellt wird, wem die Verantwortung für einen so unheilvollen Verlauf der Dinge zufällt. Jenor Teil der bürgerlichen Presse, der sich damit tröstet, daß der Massenstreik in den nach en Wochen wohl noch nicht ausbrechen werde, handelt gewissenlos. Gerade die liberale Presse hätte die Pflicht, offen und nachdrücklich darauf hinzuweisen, welche Folgen aus einer hartnäckig fortgesetzten Politik des Wortbruchs zu erwachsen drohen. Und die„Kapitäne der Industrie", das„schaffende Bürger- tum", oder wie die schmeichelhaften Bezeichnungen der liberalen Presse sonst lauten, sie würden nur ihren eigenen wohlverstandenen Interessen dienen, wenn sie den Kopf etwas weniger tief in den Sand steckten, sondern lieber ihre ganze Macht und ihren ganzen Einfluß aufböten, um den berechtigten Forderungen der Massen Gehör zu verschaffen. Doch mögen jene tun, was sie wollen. Die Sozialdemokratie wird ihren Weg weitergehen. Sie sucht gewisse äußerste Möglich- leiten nicht, wird vor ihnen aber, wenn sie sich ihr aufdrängen/auch nicht zurückschrecken."_ Wie die Junker ihr Stimmv— olk heranschleppen. Die konservative Wahlleitung in Ragnit-Pill- kallen versandte unter dem Vermerk„Streng vertraulich" folgende„Wahltagsparole": „Die Herren Vertrauensleute versammeln sich mit den Schleppern um Uhr vormittags in jedem Ort an der am Freitagabend bestimmten Sammelstelle. Das Fuhrwerk mutz sich hier auch pünktlich um Vzll Uhr einfinden. Bis 1liQ Uhr sind unsere sämtlichen Wählern z.u sammeln. Alten und kränflichen Wählern ist in erster Linie ein Platz auf dem Wagen anzubieten. Pünktlich lst/z Uhr hat die Abfahrt mit unseren sämtlichen Wählern zum Wahllokale zu erfolgen. Fuhrkosten und sonstige Ausgaben werden auf Wunsch erstattet. Nach Eröffnung der Wahlhandlung treten unsere Wähler geschlossen an die Urne. Durch die Listen- führer ist an der Hand der beiliegenden Listen bis �ll Uhr festzustellen, wer von unseren Anhängern noch nicht gewählt hat." Daß die Junker trotz dieser mehr oder minder gewaltsamen Heranschaffung gegenüber 1912 mehr als ein halbes Tausend Wähler eingebüßt haben, zeigt von der wachsenden Einsicht auch der ländlichen Wähler! Sinekuren für Stabsoffiziere. Wie die„Mil.-polit. Korrespondenz' erfahren haben will, gedenken die bürgerlichen Mitglieder der im Oktober zusammentretenden Kom- Mission zur Prüfung der Nüstungslieferungen den Antrag zu stellen, mit der Vorbereitung und Abnahme der Bestellungen künftig nur Stabs- offiziere zu betrauen. Man würde damit, da Felddienstfähigkeit für diese Tätigkeit nicht erforderlich ist, eine Anzahl neuer Stellen für Stabsoffiziere bekommen.— Diese Meldung kann schon deshalb den Tatsachen nicht entsprechen, weil die bürgerlichen Mitglieder der Kom- Mission noch gar keine Gelegenheit hatten, sich zu verständigen. Daß in gewissen Kreisen der Wunsch besteht, neue Stellen für Stabs- offiziere zu schaffen, die man in der Front nicht mehr haben will, mag richtig sein, aber diesen Weg wird der Reichstag nicht be- schreiten. Es ist nur nötig, daß Vorkehrungen gegen Durchstechereien nach dem System Brandt getroffen werden; neue Stellen für Stabs- offiziere zu schaffen, würde erhebliche Summen kosten, ohne daß an der Sache selbst etwas geändert würde, denn diese Stabsoffiziere, die von den Materialien nichts verstehen, wären immer wieder auf die sachverständigen Zeugoffiziere angewiesen. DaS fehlte gerade noch, daß aus Anlaß des Krupp-Prozesses neue Sinekuren für Stabs» offiziere geschaffen werden._ Bckrfinpfung des Bauschwkndels. Die halböffiziöse„Korrespondenz Woth" schreibt: Nach den Ermittelungen des preußischen Statistischen Landes- amts, das eine Denkschrift, über den Umfang des Bauschwindels, bearbeitet; sind die Verluste der Handwerker infolge von Bau- schwindeleien ganz enorm in den letzten Jahren gewesen.- Allein in den Großstädten, in denen allerdings ßist ausichlißßlich Bau- schwindel vorkommt, beziffern sich die Verlustd in'den Jahren 1909/1311 auf mehr als 2 Millionen Mark. Leider konnten die Ermittelungen auf die jüngste Zeit nicht ausgedehnt werde». Man nimmt aber an, daß sich seit einem Jahre die Verhältnisse durch kommunale Maßnahmen gebessert haben. Zu berücksichtigen ist allerdings hierbei auch der Umstand, daß der Baumarkt infolge der teueren Geldverhältnisse fast ganz brach lag. ES ist anzunehmen, daß bei normalen politischen Verhältnissen die Bautätig- keit sich heben wird. Sache der Kommunen wird es alsdann sein, genau zu prüfen, ob die Bauunternehmer, die Bauerlaubnisse er- wirken wollen, finanziell tüchtig sind, um ihre einheimischen Hand- werker vor Schaden zu bewahren. Die Einführung des zweiten Teils des Gesetzes über die Sicherung der Bauforderungen möchte die Regierung zunächst noch verhindern. Sie betrachtet die scharfen Bestimmungen dieses Gesetzes als letztes Mittel, wenn alle anderen Mittel versagt haben. Auf Grund der Ermittelungen des Landes- amtes wird das Staatsministerium im Herbst Gelegenheit nehmen, zu diesen Fragen erneut Stellung zu nehmen. Noch eine Nachwahl zum lippischen Landtage. Seit den allgemeinen Wahlen zum Landtage des Fürstentums Lippe im Januar 1313 mutzten bereits drei Ersatzwahlen vorgenommen werden. Zweimal wurde ein liberales Mandat niedergelegt— weil Ungültigkeitserklärung zu erwarten war— und dann schied ein liberaler Abgeordneter durch Töd aus. Eins dieser Mandate ging an die Konservativen verloren. Jetzt hat der im 1. Kreise mit 29 Stimmen Mehrheit gegen den Sozialdemokraten gewählte liberale Abgeordnete Brakemeier ebenfalls sein Mandat(wegen Krankheit) niedergelegt. In der Hauptwahl fielen auf unseren Genossen Eggen 1003 Stimmen, auf den Liberalen 863 und auf rechtsstehende Kandidaten 290. Die Stichioahl ergab für Genossen Eggen 1256, für den Gegner 1285 Stimmen. Junggesellensteuer. Die Kommission für die Vorberatung eines neuen Einkommen- steuergesetzes für Lübeck schlägt vor, eine Junggesellensteuer in Lübeck einzuführen. Die betreffende Bestimmung lautet: „Ledige Steuerpflichtige, die keine Familienangehörigen er- nähren, haben bei einem Einkommen von 2100 bis 10 000 M. einen Zuschlag von 10 Proz. und bei höherem Einkommen ein'en solchen von 20 Proz. zu zahlen. Verwitwete Steuerpflichtige, die keine Familienangehörige ernähren, haben bei einem Einkommen von 10 000 M. einen Zuschlag von 10 Proz. zu zahlen." Die Lalkanfragen. Trotz aller Ableugnungen aus Sofia scheint es festzu- stehen, daß in Konstantinopel die Verhandlungen mit dem bulgarischen Gesandten Natschewitsch fortdauern, und man nimmt an, daß die Verständigung über Adrianopel nicht mehr lange auf sich werde ivarten lassen. Die Frage ist nur, ob die türkische Regierung der eigenen Armee gegenüber noch soviel Autorität besitzt, um diese von einem weiteren Vormarsche abzuhalten. Die„Kölnische Zeitung" meldet, daß türkische Truppen das ganze Küstengebiet des Aegäischen Meeres, das der Londoner Friede Bulgarien zugesprochen hat, besetzt hätten. Die bulgarischen Truppen seien auf die alte Grenze Bulgariens zurückgewichen. Mehr und niehr dränge sich die Erwägung auf, daß die Fülle der zu lösenden Balkanfragen neue Beratungen und ein Einschreiten der Großmächte nötig machen könnten. Danach würde also die türkische Armee der Weisung der Regierung, nicht weiter vorzurücken, keine Folge leisten� Und in diesem Falle würde auch eine bulgarisch-türkische Verständigung über Adrianopel noch keine endgültige Lösung der Balkankrise bedeuten, Der Friedensvertrag. Bukarest, 25. August. Heute sind im Ministerium des Aeußern die Ratifikationen des Friedensvex- träges ausgetauscht worden. Eolland. Zur Ministerkrise. Haag, 25. August.(W. T. B.) C o r t v a n d e r L i n d e n ist am Sonnabend nach einer Audienz bei der Königin mit der Bildung eines neuen Kabinetts betraut worden. Er hat bereits die Zusammensetzung des Ministeriums vollzogen, doch wivd die Er- nennung der Mitglieder des neuen Kabinetts erst nach den Feier- lichkeiten aus Anlaß der Einweihung des FricdenspalasteS statt- finden. Es verlautet, daß das neue Kabinett das Programm der liberalen Koalition zur Richtschnur seiner Politik machen wird. foilUand. Begnadigung als Maskierung eines Justizmordes. Dieser Tage hat der Schlußakt eines Justizdramas statt- gefunden, das berechtigterweise allerorts großes Aufsehen er- regt hat. Der Zar„begnadigte" 47 Matrosen, int vor einigen Monaten unter der Anklage einer Militärverschwö- rung in Kronstadt zu Kerker- und Zuchthausstrafen bis 16 Jahren verurteilt wurden. Die sozialdemokratische Presse sprach schon zur Zeit des Prozesses den Verdacht aus, daß die Anklage sich auf die Mache von Lockspitzeln stütze. Der kon- servative Schriftsteller Fürst Meschtschersky bestätigte kürzlich diesen Verdacht, indem er die aufsehenerregende Mitteilung veröffentlichte, die ganze Anklage stütze sich auf die Angaben eines Lockspitzels, die sich als so lügnerisch erwiesen, daß selbst der Militärstaatsanwalt ursprünglich die Erhebung einer An- klage ablehnte. Wie es sich weiter herausstellte, war die Re- gierung nicht im Zweifel, daß der ganze Prozeß eine pro- vokatorische Mache der„besonderen Abteilung" für politische Spionage sei, die in Ermangelung sensationeller Verschwö- rungen wie schon oft zuvor zur Inszenierung einer solchen in der baltischen Flotte schritt. Der Chef der Abteilung und sein nächster Gehilfe' wurden daraufhin gemaßregelt und nach niedrigeren Posten versetzt. Der Prozeß fand aber trotzdem statt und endete mit der Verurteilung von 47 Matrosen zu schweren Zuchthausstrafen! Es war also bewußter I u st i z m o r d der Regierung an den Opfern der von ihr selbst gemaßregelten Lockspitzel! Nun versucht der Zar, diesen keineswegs vereinzelt dastehenden Justizmord— wir erinnern bloß an den Justizmord gegen die sozialdemokratische Fraktion der zweiten Duma— durch eine ekelhafte Be- gnadigungskomödie zu maskieren. In dem offiziellen Be- richt wird verkündet, die verurteilten Matrosen hätten ein Gesuch um Begnadigung eingereicht und das Versprechen ge- geben,„in Zukunft treu und rechtschaffen dem Thron und dem Vaterlande zu dienen". Diese Mitteilung trägt nicht nur den Stempel der Lüge an der Stirn, sie zeigt auch in krassester Weise, daß die Zarenregierung sich eher dem Ge- spött der ganzen Welt preisgibt, als daß sie offen eingesteht, welche Rolle das System der Provokation in den politischen Prozessen Rußlands spielt. Das System des politischen Lock- spitzeltums— da� ist das unantastbare Heiligtum, dem samt- iiche Regierungsmstitutionen mit dem Zaren an der Spitze ihren Schutz angedeihen lassen. Amerika. Aus dem Korruptionssumpf. New Jork,' 25. August. Der Gouverneur des Staates New Bork, S u l z e r. bereitet sich, wie es heißt, vor, an der Tammany-Hall Revanche zu nehmen. Er macht die politische Gesellschaft für sein Unglück und Mißgeschick ver- antwortlich. Wenn er auch schließlich nachgeben müsse, so werde er dies jedoch nicht eher tun, als bis er sich an der Tammany-Hall gerächt habe. Der Kampf zwischen den beiden Gegnern werde ein heißer werden. Die Tammany- Hall werde alles wn, um Sulzer noch weiter anzuschuldigen. Man ist noch auf weitere interessante Episoden in dieser Affäre gefaßt. JVIexifeo. Zapata auf der Flucht. London, 26. August. Die„Times" melden aus Mexiko vom 23. d. M.: Die R e v o I u t i o n im Staate M o r e l o S ist fast vor- über. Der Jnsurgentenführer Zapata ist geflohen. Die Nachrichten aus dem Norden sind unvollständig, lauten aber be- friedigend. Mit den kleinen Jnsurgentenscharen auS Morelos, die die Vororte der Hauptstadt belästigt haben; wird allmählich auf» geräumt.' �' i "Letzte]Viichrichtcii« Bedrängte Lage der Spanier in Marokko. Madrid, 25. August.(W. T. B.) Wie die Blätter aus Gen ta melden, wurde das Regiment von Ceuta, als eS nach seinem Stand- ort zurückkehrte, bei der Stadt plötzlich angegriffen. Auf Seiten der Spanier wurden ein Korporal und zwei Mann geMech ein Sergeant und drei Mann verwundet. Auch eine Eskadron aus Villarabledo wurde bei einem Patrouillenritt auf der Straße von Tetuan bei Kudiacondefa angegriffen und erlitt Verluste. Ew nach Tetuan entsandter Sonderberichterstatter de?„Jmparcial" erklärte, der Angriff bei Kudiacondefa habe die Spanier 7 Tote«nd 17 Ver- mundete gekostet, Er fügte hinzu, die Eingeborene» feie« Herren des Geländes und verhöhnten die' Spanier. Wie der Berichterstatter weiter meldet, herrscht unter der Bevölkerung von Ceuta Pessi- mistische Stimmung, da sie fürchtet, daß die Verteidigung unge- nügend sei und da sie mit Schrecken sieht, daß die Bewohner der Vorstädte vor den Herausforderungen der Eingebprenen in die innere Stadt strömen..,' Die Streikbewegung in London. London, 26. August.(P. C.) Die Streikbewegung unter der Londoner Arbeiterschaft gewinnt immer mehr an Ausdehnung. Heute haben außer 11 000 Malern und Anstreichern, die in den Ausstand getreten sind, auch die Arbeiter der elektrische« Werk- stätten in den Docks der Admiralität die Arbeit niedergelegt. Die Situation im Baugewerbe ist ebenfalls sehr bedrohlich und ein Generalstreik sämtlicher im Baugewerbe beschäftigten Arbeiter ist znit großer-Sicherheit zu erwarten., AAVeriheim U O. m b H. Leipziger Strasse\ltz™ König-Str. (Versand-Abteilung) am Bahnhof Alexander-Platz Rosenthaler Strasse Oranien-Strasse Versand- Abteilung: Leipziger Str. 132-137 3. September Leibwäsche° Tischwäsche° Handtücher Wäschestickereien u. s. w. zu ausserordentlicH billigen Preisen Soweit vorhanden: Tjeute billige JOebensmitte! Diese Artikel werden nicht zugesandt 2)iensiagt den 2(5. jTugust 1913 Kalbschnitzel............ piund 1.60 Kalbskotelettes...7''.V.7... Pwn-i 1.40 Lchveinekamn» u. Schutt. Piun-i 1.00 Lchveinekotelettes....... pwn-i 1.10 Rnckenlett pu. 70 pi. 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Pfund 6 pl Kohlrabi.................. wai. 8pl Rot-, Weiß- n. Wirsingkohl Kopf 3, 5, 8pl Salat..................... 5 Kopf 10 pl Blumenkohl....... Kopf 15, 20, 25 pl Theater und Vergnügungen Dienstag, 26. August. Ansang 7 Ubr. Kgl. Opernhaus. Die Waltüre. Ansang 7';, llhr. Prater. Das Bummelmädchen. Ansang 7'/, Uhr. «gl. Schauspielhaus. Die Raben- steinenn. Ansang 8 Ubr. Urania. Mit dem Imperator nach New Aorf. Deutsches. Der blaue Vogel. Kamuierspiele. Kaiserliche Hoheit. Schiller t». Die Hugenotten. Schiller Charlotteuburg. Der Leibgardist. Weste». Sylvester Schässer. Da» starke Stück. Ein angebrochener Zlbend. Berliner. Filmzauber. Thalia. Puppchen. Theater am Nollendorsplati. Die Kino-Königin. Königgrätzer Strafte. DaS Buch einer Frau. Kasino. Der Aktientenor oder Caruso aus Teilung. Trianon. Der abgerissene Glocken- zug. Untreu. Herrnfeld. Endlich allein. Die Schonzcit-Jäger. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sanger. Ansang S'/, Uhr. KomSdienhaus. 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TbeateriDderlnirätzer Straße 8 Uhr: Das Kuch einer Frau. «'/. Uhr S'/. Uhr Bie Frau Präsidentin. (Madame la Präsidente.) Schwank in 3 Akt. v. M. Hennequin und P. Veber. Morgen u. folgende Tage: Die Frao Präsidentin. ß. Oastspiel des Berliner Metropol-Tbeaters: Die Kino-Königin! Anfang 8 Uhr. Reiebshallen-Tbeater r (Meysel, Brition, Schräder etc.) Neu engagiert: Komiker Knselll. Anfang 8 Chr. JJ CINES rr Apollo-Theater Variete- Liditspiele in künstlerischer Vollendung. Eröffnung 29. August Preise von 65 Pf. an aufwärts. OSE=THEATE| | Grotze Frankiurter Str. 132. Vampirc der Groftftadt. (Biedcrleute.) Ansang S'l, Uhr. Aus der Garteubühne: Cebern grovei» Teieh. Lebensbild in 4 Alt. Vorher Konzert, Einakter, bunter Teil. Ans. 4'/, Uhr. Passage-Panoptikum Die Offenbarungen der Traummalerin Frau Assmann, d. Aufseh. d. wissensch. Kreise. AGA die schwebende Jungfrau. Buddha die geheimnisvolle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Verl. Poffenschlager: „Dsi Aktien-Tenor oder Caruso auf Teilung", Berliner Prater-Theater 7—9 Raftanien Allee 7—9. SW Täglich:"Vfi In Leid und Freud. Lossc mit Gesang und Tanz in 3 Alien von Hugo Schulz. Musik v. H. Kcrstcn. Erstklass. Spezialitäten, ztonzert. Ans. 4'/, Uhr. Eintritt 30 Ps- ZOOLOG ischer Garten Täglich: Pitär-Doppel-Konzert. Eintrittspreise: Zoo: 1 M., von 6 Uhr ab 50 Pf. Aquar.; IM. v.d. Straß., 50Pf. v.Zoo Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Xcn! Wen! AQUARIUM 9 Uhr morgen* bis 10 Uhr abends. Trianon-Theater. ab-n??8Mr: UntNVU. Vorher: Dar abgorissone Llookanrug. VolKt- Vl�eater Badstrafte Z8. Heute sowie täglich: Unsere blauen Jungens. Posse m Gesang u. Tanz in 3 Alten. Vollständig neue Spezialitäten. Kaffenöffn. 10 Uhr. Ansang i'l, Uhr. Sonnabend. 30. August: Ehrcnabend ( d Perwandl.-Künstler Karl Braun. Admiralspalast Ein«- Eispalast der Welt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt, Allabendlich Flirt in St. Moritz. Beginn d. Vorstellung>/,g Uhr. Bis 6 Uhr und von ICF/, Uhr halbe Kassenpreise. Vereinigte Berliner � olksbiilinen. Walhalla Theater. „ Sonntag, den 31. August, Eröffnung der Direkrion«ans Ritter. Der Liebesonkel._ Luisen-Theater. Sonnabend, den 30. August,° Eröffnung der Wintersplclzeit. Weh' dem. der lügt._ Brauerei Friedrichshain Am Königstor Cef.: Ernst Llebtng. Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag Kaffee-?rei-Vorstellung der Xorddentschen und Apoll«- 8» tinger iel freiem Entree. Freitags: Frei Konzert. xeräntw. Redakt.: Alfretz Wielepp, Neukölln. Jnferatenteil vercmttv.i Uh. Glocke, BerUn. Druck u.VLrlag:BorwärtSVuchdr.u.«erlagsanstali xäülSinger& C o-, Berlin SW. HierzuLBeilagen«. Unterhalt ungsbl. ». 22«. 3«. 1.1, w i. Ktililge des„Vsmärts" Kerüller NsidsblM. 26 m- Gcwcrhrcbaftlicbca. Husftand der Hrbeiter im haukafirchen f�aphtharevicr. Seit einigen Wochen wird das gesamte Wirtschaftsleben in Nutz- land von dem Riesenausstand der Naphthaarbeitcr in Baku in Atem gehalten. Mehr als 40 000 Arbeiter kämpfen geschlossen gegen das Unternehmertum, das im Bunde mit der Administration jede Regung der Arbeiterbewegung auch in diesem Rayon jahrelang niedergehalten hat. Zahlreiche Industriezweige sind durch diesen Kampf in Mitleiden- schaft gezogen; die Wolgaschissahrt, die zum großen Teil auf flüssiges Feuerungsmaterial angewiesen ist, viele Eisenbahnen und Fabriken, die Naphthaseuerung haben, sehen sich durch den Mangel an Zufuhr in ihrer Existenz bedroht. Die Börse, an der in den letzten Wochen nicht nur die Naphthawerte gesunken sind, macht schlimme Tage durch. Und die Regierung iah sich sogar veranlaßt, auf dem Wege der Not- gesetzgebung zeitweise die zollfreie Einfuhr von Naphtha aus dem Auslande zu gestatten. Der Streik der Naphthcrarbeiter in Baku knüpft unmittelbar an an die imposante Bewegung der Arbeiter in Baku, die in den Jahren 1904/06 für das ganze Reich vorbildlich war. Die siegreiche Konterrevolution setzte aber auch hier der Belvegung ein Ende. Dieser neue Kurs setzte 1908 mit aller Schärfe in Baku ein. Die Arbeiterorganisationen wurden zertrümmert, die Vertrauensmänner und Führer der Arbeiter wurden ins Gefängnis oder in die Verbannung geschickt, jede Regung der proletarischen Selbsttätigkeit wurde unterdrückt, und wer gegen die Despotie der Kapitalsmagnaten aufzumucken wagte, wurde erbarmungslos auf die Straße gesetzt. Um den Widerstand der Arbeiter vollends zu,brechen, führten die Unternehmer neue Maschinen ein, die ihnen eine starke Einschränkung der Arbeiterzahl gestattete. Von Ende 1907 bis 1911 wurde die Zahl der Arbeiter und An- gestellten in den Naphthawerken nach den Angaben des statistischen Bureaus der Organisation der Naphthaindustriellen um 1ö 230 oder unr mehr als ein Drittel herabgesetzt. Die Unternehmcrsyndikate schränkten planmäßig die Ausbeute ein, um die Preise in die Höhe zu schrauben. Der Preis des Naphtha stieg pro Pud von 6 Kopeken am Anfange des Jahrhunderts auf 22 ini Jahre 1911, um 1912 die Höhe von 34,6 uud in diesem Jahre die Höhe von 43 Kopeken zu erreichen. Daß sich die Naphthaindustriellen hierbei ausgezeichnet standen, zeigt das enorme Anschwellen der Dividenden. Nach den Rechenschaftsberichten der Naphthawerke hatten acht der größten Firmen zur Zeit der„Naphthakrise" im Jahre 1910, bei einem Marktpreis von IS Kopeken per Pud, eine durchschniltlickie Dividende von 10 Proz. Im Jahre 1911 stieg die Dividende auf 14, und 1912 auf 20 Proz. Diese Zahlen entsprechen aber noch keines- Wegs den wirklichen Verhältnissen, die einerseits zur Hintergehung des Fiskus, andererseits zur Täuschung der öffentlichen Meinung in den Berichten der Naphthawerke verschleiert werden. Insgesamt steckten 11 Firmen, die mit einigen anderen den Naphihamarkl beherrschen und die Preise diktieren, im vorigen Jahre einen Reinertrag von 40,5 Millionen Rubel oder 46 Proz. ein. Parallel mit den geschilderten Maßnahmen zur Steigerung der Naphthapreise ging in den letzten Jahren eine enorme Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in den Werken, eine Herabsetzung der Löhne, »ine verstärkte Ausbeutung der Arbeiter. Nach den Berichten des statistischen Bureaus der Organisation der Naphthaindustriellen beliefen sich die Löhne in Baku im Jahre 1909: für qualifizierte Arbeiter auf 772 bis 889 und für die Hilfs- arbeiter— und diese sind in der ungeheuren Mehrheit— auf 386 hiS 516 Rubel im Jahr. Ein Vergleich mit den entsprechenden Löhnen sin Gouvernement Moskau zeigt, daß der Tagelohn des qualifizierten Arbeiters in Baku allerdings höher ist als in Zentralrußland, daß aber die ungeheuere Mehrheit der Naphthaarbeitcr keinen höheren Geldlohn erhalten als die Arbeiter im Reiche. Hierzu kommt aber noch, daß die Lebensmittelpreise in Baku bedeutend höher sind als in den anderen Gouvernements(beispielsweise muß hier Wasser pro Eimer gekauft werden), und daß die oben genannten Löhne sich seit 1909 bedeutend verschlechtert haben. Ganz fürchter- lich sind die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter in Baku. Schon die Senatorenrevision von KuSminSky vom Jahre 1905 hat die schauderhaftesten Zustände auf diesem Gebiete bloßgelegt, ohne daß die Regierung auch nachher die Naphthakönige zu energischen Maßregeln veranlaßt hätte. Eine Enquete der Arbeitervereinigung der mechanischen Industrie vom Jahre 1911, die kürzlich von Dr. L. Feinberg bearbeitet und herausgegeben ivorden ist, schildert die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter in Baku folgendermaßen: »Zwei Drittel aller kasernierten Arbeiter in Baku leben in Kasernen, die nach ihrem Rauminhalt pro Person den minimalsten Anforderungen nicht entsprechen... Die Kasernen wimmeln von Ungeziefer... SS Proz. der Kasernen haben keine Badcstuben... Der größte Teil der Fabrikwohnungen ist feucht... In vielen von ihnen sind keine Betten vorhanden, die Arbeirer schlafen auf dem kleines feuiUeton. Sozialismus und Rassenverbesserung. Die Rassenhygiene be- zweckt in ihrer herrschenden Auffassung die Verminderung der minder- tauglichen Zeugungen, z. B. durch Eheverbot für Tuberkulöse, auf geistigem Gebiet erblich Belastete, auch durch Zerstörung der Fort- Pflanzungsfähigkeil gewisser Verbrecher und sonstwie minderwertiger, zudem aber von starkem Geschlechtstrieb beherrschter Individuen. In völliger Verkennuug des angeblich natürlichen, in Wahrheit höchst naturwidrigen kapitalistischen Ausleseprinzips, das einerseits die Lebensbedingungen vielfach der minderwertigsten Individuen be- günstigt und andererseits ungeheure Massen verelendet, wendet sich eipe extreme Richtung der Rassehygieniker gegen jede Milderung seiner Wirkungen, Sozialpolitik, selbst Krankeufürsorge und der- gleichen. In scharfem Gegensatz zu solchen, die rassenschädlichen Wirkungen des herrschenden Systems noch steigernden Bestrebungen — man denke an den Sachwalter der saarabischen Jndustriehäupt- linge: Alexander Tille— betont Alfred Rüssel W a l I a c e. der große Strebensgenosse Darwins, der unabhängig von diesem das EntwickelungSprinzip der Natur entdeck: hat, in seinem neuen Buche:»Soziale Umgebung und moralischer Fortschritt/ die wirk- lichen Zusammenhänge der Rassenentartung und die Mittel' zu ihrer Heilung. Er erklärt, daß geistig und moralisch die Menschheit in taufenden Jahren keinen Fortschritt gemacht habe, da das Meten des Menschen in seiner natürliibcn Anlage liege, während die Wirkungen der Er- ziehung und sozialer Einflüsse nicht auf die Nachkommen übertragen würden. Wahrer Fortschritt sei daher nur durch Anwendung eines auslesenden Prinzips zu erzielen. Darin stimmt er den Ver- tretern der Rastenhygiene(Eugenik) zu, trennt sich aber sofort wieder von ihnen in der Ablehnung der von ihnen empfohlenen künstlichen Mittel zur Beeinflussung der Nachkommenschaft. Er will völlig freie Wirksamkeit der natürlichen Auslese durch Beseitigung der sozialen Ungleichheit und zugleich Hebung des ganzen Standes der ge- samten menschlichen Rasse. Zusammenfassend sagt er: »Betrachten wir alle diese zweifellosen Tatsachen, viele davon so handgreiflich und so schrecklich, daß sie nicht beiseite zu schieben sind, so ist nicht zu viel gesagt: Unser g a n z e S G e s e l I s ch a f t s- sy st e m ist verrottet vom Gipfel bis zum Grunde. Dre(ozrale Umwelt als Ganzes, im Verhältnis zll unseren Ent- wtckelmrgsmoglichkeiten und-ansprächen, ist die schlechteste, die die Welt ff fle'eJ/n hat- Es ist meine este Ueberzeugung, wenn wir den Augias- stall unserer heutigen sozialen Ordnung gesäubert und dafür gesorgt haben, daß alle ihren Teil körperlicher oder geistiger Arbeit Fußboden." Ebenso schlecht ist es um die Privatwohnungen der Arbeiter bestellt:»Die Einwohner der gemeinschaftlichen Wohnungen ersticken buchstäblich in ihren Löchern." Seit Jahren wird von den Naphthaarbeitern in Baku die Forderung der Regelung der Wohnungs- Verhältnisse aufgestellt; feit Jahren verlangen sie bei jedem Ausstand die Errichtung von Arbeitcrkolonien, in denen ihnen daS Mindestmaß einer menschlichen Existenz gewährleistet würde. Aber immer noch entzogen sich die millionenreichen Naphthaindustriellen der Befriedigung dieser Forderung, und die Regierung duldete hier wie überall im Reiche, daß das..Juggernautrad des Kapitals" widerstandslos über Tausende von Arbeitern hinwegging. In den Forderungen der Arbeiter der verschiedenen Werke kehrt neben der Forderung der höflichen Behandlung, der Erhöhung der Löhne, der Verkürzung der Arbeitszeit immer wieder die Forderung der Anerkennung der Arbeiterausschüsse auf den Betrieben und die Regelung der Wohnungsfrage wieder. Namentlich die Frage der Arbeiterausschüsse hat sich zum Mittelpunkte der ganzen Be- wegung herausgebildet. Die Arbeiter verlangen die Anerkennung ihrer Vertretungen durch die Untemehmer, um endlich eine Grundlage zu schaffen sür einen systematischen Kampf um die Aus- besserung ihrer Arbeitsbedingungen. Die Unternehmer jedoch wollen um jeden Preis die jetzige Zersplitterung der Arbeiterniasse erhalten wissen, und deshalb sindksie.wohl geneigt, eine Lohnerhöhung zu be- lvilligen und in noch etlichen Punkten nachzugeben, aber die Haupt- fordcrung der Arbeiter schlagen sie rundweg ab. Wie die»Rußkija Wedomosti" meldet, hat die örtliche Administration den Naphthaindustriellen erklärt, selbst wenn sie die Arbeiterausschüsse bewilligen wollten, würde die Regierung ihre Existenz nicht zulassen! Indessen hängt auch diese Frage von dem Ausgang des gesamten Kampfes ab. Bisher haben die Arbeiter schon beträchtliche Errungenschaften aufzuweisen. Der imposante Verlauf des Ausstandes, die ruhige wohldisziplinierte Haltung der Arbeiter, die spontane Einigkeit der Massen, haben auf die Unter- nehmer eine niederschmetternde Wirkung ausgeübt. Anfangs ver- suchten sie zwar, den Herrenstandpunkt hervorzukehren uud mit AuS- sperrungen und Maßregelungen zu drohen. Aber allmählich beginnen sie doch zu Kreuze zu kriechen, und verhandeln mit den Delegierten der Arbeiter. Auch die Regierung weicht vor dem entschlossenen Willen der Ausständigen zurück. Anfangs versuchte es der Stadthauptmann von Baku mit Verhaftungen der streikenden Arbeiter, mit Androhung der Exmission aus den Fabrikwohnungen, mit diktatorischen Verfügungen nicht nur an die Adresse der Arbeiter, sondern auch an die der zu Unterhandlungen bereiten Unternehmer. Aber nachdem alle diese Maßnahmen nur zu einer größeren Aus- breitung des Streiks geführt habe», bewilligt der Stadthauptmann nun öffentliche Versammlungen der Streikenden uud verhandelt über verschiedene Streikfragen mit den sozialdemokratischen Duma- abgeordneten S k o b e l e w und T s ch e i d s e, die gleich nach Aus- bruch des Streiks von den Arbeitern nach Baku berufen wurden. Die nächsten Tage werden höchstwahrscheinlich die Entscheidung in Baku bringen. Berlin und ümgegenck. Lohnbewegung der Linoleumlegcr und Teppichnäher. In einer am Sonntag abgehaltenen Versammlung berichtete Ernst Schulze, daß die Forderungen unter Ausschaltung der Zwischenmeister an 11 Firmen übermittelt wurden, aber nur zwei haben geantwortet. Die Firma G ebr. Leon Hardt erklärt sich bereit, durchgängig eine Lohnerhöhung um 5 Pf. pro Stunde ein- treten zu lassen. Eigenartig sei dagegen die Antwort der Firma G c r s o n. die behauptet, keine Arbeiter der Branche zu beschäftigen, obgleich sich ein Schriftstück in Händen der Organisation befindet, auf welchem der Zwischenmeister Weißenberger direkt als Werkstattleiter der Teppichnähcrei Hermann Gerson bezeichnet wird. Auch die Tatsache ist bekannt, daß der Firma Werkstatt und Ein- richtung gehören. Der Verein der Linoleumhändler hatte sich zu Ver- Handlungen bereit erklärt. Dabei war es der beauftragten Kom- Mission möglich gewesen, wenn auch bei weitem nicht alle Forderungen, so doch eine ganze Anzahl Ausbesserungen einer Reihe Tarifpositiouen durchzusetzen. Charakteristisch sei, wie schon in früheren Jahren, auch diesmal lvieder das Verhalten des Herrn K a s k e l der Firma O u a n t m e i e r u. E i ck e ge- Wesen, der erklärte:„Sie mögen bewilligen, was Sie wollen, für meine Firma kommt das nicht in Frage!" Er glaubt sich auch schon auf einen Kampf vorbereiten zu müssen, indem er am Sonnabend seine Arbeiter einzeln ins Bureau kommen ließ, wo er den Organisierten erklärte, sie möchten nach Beendigung der angefangene» Arbeit keine neue in Angriff nehmen, bis er die entsprechende Disposition getroffen habe. Aber dadurch lassen sich die Arbeiter nicht einschüchtern. Vielfach wurde die Meinung laut, wenn Herr KaSkel resp. seine Firma dem neuen Tarif nicht beitrete, daß dann auch den anderen Mitgliedern des Vereins der Linoleum- Händler gegenüber von einem Tarifabschluß keine Rede sein könne. beitragen und den vollen Gegenwert ihrer Leistung erhalten, dann wird der künftige Fortschritt der Rasse gesichert sein durch vollere EntWickelung ihrer höheren Natur infolge einer besonderen Form der Auslese, die dann wirksam werden wird. Wir dürfen als sicher annehmen: Wenn die Frauen wirtschaftlich und sozial die Freiheit der Wahl habe», dann werden eine Menge der s ch l e ch t e st e n Männer aller Klassen, die heute leicht Frauen finden, einmütig zurückgewiesen werden. Es ist der leuchtende Strahl der� Hoffnung für die Menschheit, daß in dem Maße, in dem wir fortschreiten in der Umgestaltung unseres grausamen und verderblichen Gesellschaftssystems, wir eine Menge auslesender Kraft bei der Eheschließung freisetzen, die stetig und sicher ebenso- wohl den Charakter wie die Kraft und Schönheit unserer Rasse ver- bessern wird." So vereinigt der 91 Jahre alte große Forscher die richtigen Er- kenntnisse der Naturwissenschaft und des Sozialismus in einer zusammenfassenden Theorie der natürlichen Auslese als vornehmsten natürlichen Mittels der Rasseverbesserung/ im Rahmen einer gesunden, den Bedürfnissen der menschheitlichen Entwickelung entsprechenden Gesellschaftsordnung, also des Sozialismus. Die Drift der Fram. Von AmundsenS Nordpol- fahrt mit der„Fram", die im nächsten Jahre vom nördlichsten Amerika ausgehen wird, erfährt man einiges aus einem Interview mit Amundsen, das in den„Hamburger Nachrichten" mitgeteilt wird. Amundsen sagte:„Unser letzter Anlaufkafen wird die Goldgräber- städt Noine im nördlichen Alaska sein. Dort werden wir 25 Hunde an Bord nehmen und unsere Vorräte vervollständigen. Bei Point Barrow, dem allernördlichsten Punkt von Amerika, werden wir vielleicht noch einmal, bevor wir dann in die Polar- regioneu eindringen, Post austauschen können." Die„Fram" wird, mit der Eisdrift treibend, wahrscheinlich in Nordnorwegen, Island oder Spitzbergen wieder zum Vorschein kommen. Nach der Zeit zu ur- teilen, die die Wrackftücke der verunglückten„Jeanette" in den acht- zigcr Jahren unterwegs waren, wird die Drift der„Fram" wohl fünf Jahre in Anspruch nehmen. Im ersten Jahre werden ivir uns vielleicht etwas schneller vorwärts arbeiten können, und daher habe ich auch die Hoffnung, daß unsere Fahrt im Eise nicht länger als vier Jahre in Anspruch nehmen wird." In San Francisco will Amundsen vor der Reise noch das Fliegerpatent er- werben. Vier Flieger wird die Expedition zählen, und' man erhofft große Vorteile von den Wasserflugzeugen, die man mitnehmen wird. Die Metamorphose des Reuter-Brunnens. In R o st o ck hat, erzählt die.Frkf.Ztg.". vor etwa einem halben Jahre eine Konkurrenz für einen Reuter-Brunnen stattgefunden, aus der ein Entwurf des Nürnberger Bildhauers Holtz siegreich hervorginge Ein mit aus- Im allgemeinen herrschte die Stimmung vor, daß noch eine große Zahl der bisher abgelehnten Forderungen bewilligt loerden müßte, um den Zeitverhältnisjen Rechnung zu tragen. Die 5lo»imission cr- hielt den Auftrag, diesbezügliche Schritte zu unternehmen. Da die Arbeitgeber sckiou Montag zusammengetreten sind, wird sehr bald eine weitere Versammlung zur enlscheidendcu Beschlußfassung not- wendig werden. Mitteilung erfolgt nur durch den„Vorwärts". Eine Lohnfrage der Schmiede. Eine Branchenversammlung der Schmiede, Kesselschmiede uud Autogenschweißer beschäftigte sich niit der Frage der Verteilung des Akkordverdienstcs zwischen Schirrmeistcr und Helfer. Der Referent Fritze bemerkte, daß diese Frage eine der schwierigsten beruflichen' Fragen sei. An der Hand einer zu diesem Zweck aufgenommenen örtlichen Statistik zeigte der Referent, daß die Verhältnisse hin- sichtlich der verschiedenartigen Entlohnung gänzlich unhaltbare sind. Aufgabe der Kollegen muß es sein, möglichst einheitliche Normen einzuführen. Die heutige Versammlung solle der erste Schritt dazu sein. Folgende Resolution wurde gegen 2 Stimmen angenoinmen: Die Versammlung erkennt an. daß die zurzeit im Schmiede- beruf bestehenden örtlichen Zustände hinsichtlich der verschiedenartigen Entlohnung sür Schirrmeisler sowohl wie auch für Helfer durchaus unhaltbare sind. Besonders in der Verteilung des gemeinsam er- arbeiteten Akkordverdienstes. Die Versammelten erklären, daß unter den jetzigen Verhältnissen die Solidarität und das kollegiale Einvernehmen zwischen beiden Kategorien außerordentlich leidet und sie verpflichten sich, mit ganzer Kraft dahin zu ivirken, die Lohnverhältnisse möglichst einheitlich zu gestalten. Um diesen Zweck in der kürzesten Zeit zu erreichen, müssen sich die Kollegen mehr wie bisher in den Werkstattversammlungen mit der Materie befassen, um Mittel und Wege zu finden, die zu einer befriedigenden Lösung dieser äußerst schwierigen Frage für beide Teile notwendig sind. Ferner hat jeder einzelne Kollege die Pflicht, alles zu tun, um die noch abseits stehenden Kollegen der Organisation, dem Deutschen Metallarbeitervcrband, zuzuführen. Achtung, Tcstillationsgehilsen! Die Großdestillation von A. M eher, Fcunstraßc 1, ist für Destillationsgchilfen gesperrt. Als Arbeitswilliger fungiert der Postbeamte Carl Bär- w a l d t vom Postamt 20. Der Buchmacher Hcntschkc, der in dem. Lokal sein Heim aufgeschlagen hat und sich Herrn Meyer besonders verpflichtet fühlt, ist sehr scharf hinter den Streikposten her, denen cr die Polizei fortwährend auf den Hals hetzt. Wir ersuchen, die Sperre strikte zu beachten. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsvcrwaltung Berlin. Deutsches Reich. Der Konflikt auf den Werften. Am heutigen Dienstag sollten bekanntlich die Arbeitsnachweise wieder geöffnet und die Einstellung der Streikenden wieder auf- genommen werden. Um eine glatte Erledigung der Einstellung zu bewerkstelligen, ist mit der Geschäftsstelle des ArbeitgeberverbandeS in Hamburg von Vertretern der Zentralwerftkommission vereinbart worden, daß der Arbeitsnachweis der Unternehmer sämtlichen Ge- schäftsstellen des Metallarbeiterverbandes angibt, wieviel Arbeiter der verschiedenen Gruppen für die bestimmten Werften am nächsten Tage eingestellt werden sollen. Die Arbeiter werden an den Geschäfts- stillen des MetallarbeiterverbandeS hiervon in Kenntnis gesetzt, so daß sich also immer die benötigte Zahl von Arbeitern am Arbeitsnachweis einfinden kann, und nicht mehr, als an dem betreffenden Tage ein- gestellt werden können, kommen brauchen. Der Arbeitgeberverband ivollte bis Montagvornnttag 10 Uhr eine Erklärung haben, daß alle Gruppen der Arbeiter mit dieser Regelung der Einstellung ein- verstanden sind. Nur unter dieser Voraussetzung sollten die Arbeits- nachweise am Dienstag geöffnet werden. Den Holzarbeitern wird bekanntlich von den Unternehmern der Vorwurf gemacht, sie hätten durch ihr Verhalten Anlaß zur Schließung der Arbeitsnachweise gegeben. Nun haben die Hamburger Holzarbeiter am Sonnabend in einer Ver- sammlung der Streikenden mit 390 gegen 130 Stimmen folgende Resolution angenommen: „Die heutige Versammlung der streikenden Holzarbeiter der Werften schließen sich den Beschlüssen der anderen Organisatioiicn in bezug auf die Wiederaufnahme der Arbeit an."— Darauf wurde noch folgende Zusatzresolution einstimmig angenommen: „Gezwungen durch die Maßnahmen der' Zentralvorstandes er- klären die Holzarbeiter sich bereit, die Arbeit in derselben Form aufzunehmen, wie die anderen Organisationen." Damit würde der Konflikt in Hamburg und den übrigen Werft- orten beendet sein, Ivo sich die Holzarbeiter ebenfalls zur Wieder- aufnähme der Arbeit unter den vereinbarten Bedingungen bereit erklärt hatten. In Bremen, Bremerhaven und Geeste- gestellter Entwurf des Rostocker Maler-Bildhaners Paul Wallat wurde von der Jury, der u. a. Prof. Wandschneider(Charlottenburg) angehörte, einstimmig abgelehnt. Es handelt sich mn einen für 30 000 M. angebotenen Brunnen, der um eine Figur herum am Schaft Mosaikbilder-Friese aufwies. Jetzt nun erließ ein Ausschuß, dein u. a. wieder Professor Wand- schneider angehört, einen Aufruf, durch den der abgelehnte Wallatsche Reuter-Brunnen für 35 000 M. als Brinckm an- Brunnen(John Briuckman, bekannter plattdeutscher Dichter aus Rostock, 1814—70, Schöpfer des„Kasper Ohm un ick") empfohlen wirdl Bald so, bald so, wic's trefft. Geschäft ist Geschäft. Paul Wallat denkt: Name ist Schall und Rauch. Ein passender Name fiir sein Opus wäre P r o t e u s b r u n n e n. Eine schlechte Theatcrfigur! Unter dieser Uebcrschrift fällt der bekannte skandinavische Kunsthistoriker Sigurd Müller ein recht niederschmetterndes Urteil über die neulich von Wilhelm II. an Norwegen geschenkte F r i t h j o f- S t a t u e. Er schreibt: Wie die Statue wirkt, wenn man sie in nicht geringem Abstand sich gegen Luft und Fjäldc abheben sieht, darüber habe ich keine bestimmte Meinung; wahrscheinlich gibt sie eine recht schöne Silhouette und dekoriert im ganzen genommen gut, aber als selbständiges Kunstwerk hat sie nur geringen Wert. An dem Modell, das zurzeit auf der Jubiläumsausstellung in Berlin zu sehen ist, lernt inan den Erzeuger der Statue als einen oberflächlichen Routinisten und sein letztes„großes" Werk als ein inhaltloses, stilloses und, im wesentlichen gesehen, geschmackloses Produkt kennen. Von altnordischem Gefühl und persönlicher Haltung hat Professor Ungcr offenbar, nur einen sehr unvollkommenen Begriff; was er in dieser Hinsicht kennt, hat cr sich sicher aus Tegners modern- romantischer Umdichtuug zugeeignet. Sein Frithjof, der die Last des Körpers auf das zurück- gezogene linke Bein bürdet, die linke Hand in die Seite stützt, die rechte auf den Schwertcknauf legt, das frisierte Haupt etwas über halblinks dreht, ist im großen und kleinen eine Theaterfigur und obendrein keine gute. Frei und natürlich steht cr auf den Beinen, klug durchgearbeitet, um von allen Seiten was vorzustellen, und modelliert ist er mit Fertigkeit, sowohl im Nackten wie im Bekleideten. Aber darüber hinaus ist auch wohl nichts Gutes mehr von ihm zu sagen. Vertauschen� wir nun das Schwert mit einem Rapi«». so könnten wir ihn mit dem Namen einer oder der anderen Neben Person z. B. in Shakespeares„Cymbeline" nennen und haben ihm alsdann noch zu viel Ehre angetan!-- vielleicht ist er ein Page oder ein Trabant oder so etwas ähnliches. Etwas gleicht er übrigens auch dem hübschen Scharfrichter in Delaroches„Jeanne Gray's münde dagegen beharren die Holzarbeiter auf ihrem Standpunkt, den Arbeitsnachweis der Unternehmer nicht in Anspruch zu nehmen. Mit Bezug darauf hat die Geschäftsstelle des Arbeitgeber- Verbandes in Hamburg der Bezirksleitung des Deutschen Metall- arbeiterverbandeS mitgeteilt, daß nunmehr die Arbeitsnachweise noch vorläufig geschlossen bleiben, bis auch die Holzarbeiter in Bremen, Bremerhaven und Geestemünde beschlossen haben, sich zur Aufnahme der Arbeit stellen zu wollen. Der Metallarbeiterstreik in Hohenlimburg konnte am Sonnabend mit Erfolg für die Arbeiter beendet werden Das schon kurz gemeldete Nekonter mit den Arbeitswilligen macht es notwendig, darauf noch einmal einzugehen, denn in der bürgerlichen Presse, besonders aber in Scharfmacherblättern, wird folgende Alarmnachricht verbreitet: .Mittwochabend rotteten sich Hunderte von ausständigen Arbeitern der Bereinigten Walz- und Röhrenwerke in den Ströhen zusammen und verfolgten die Arbeitswilligen bis zu den Arbeitsstätten. Es kam verschiedentlich zu Tätlichkeiten. Schließlich eröffneten die Ausständigen ein Steinbombardement auf das Fabrikgebäude und die Geschäftsräume, wobei sämtliche Fenster cheiben zertrümmert wurden." Die Sache wird also so dargestallt, als hätten die Streikenden sich selbst an dem Tumult und am Einwerfen 'er Fensterscheiben beteiligt. Die Streikleitung erlätzt dazu folgende Erkärung: .Die infolge der begreiflichen Erregung über das Eintreffen der ArbeitSwilligenkolonne(63 Hintzcgardisten) vorgekommenen Aus- schreitungen verurteilt auch die Streikleitung auf da« schärfste und stellt durch Einzelbefragungen fest: 1. Datz die Streikleitung an den bedauerlichen Vorkommnissen gänzlich unbeteiligt ist, 2. datz auch die Streikposten die meist jugendlichen Per- sonen, die sich leider zum Einwerfen von Fensterscheiben usw. hinreißen ließen, ernstlich und dringend ver- warnt haben, Ruhe zu halten, 3. daß von den Aus- ständige» selbst niemand fich an den Ausschreitungen beteiligt hat.— Die Streikleitung hat alle Matznahmen getroffen, um für Aufrecht- crhaltung der Ordnung und der Ruhe der Ausständigen auch weiter striktest zu sorgen und erwartet, datz sie in diesem Bestreben von der ganzen Arbeiterschaft Hohenlimburgs nachdrücklichst unterstützt wird." Außerdem begab sich die Organisationsleitung des Metallarbeiter- Verbandes im Beisein eines Stadtverordneten nach dem Bürger- meisteramt, woselbst in Gegenwart des Bürgermeisters einwandfrei festgestellt wurde, daß sich kein Streikender an den Ausschreitungen beteiligt hat, vielmehr diese von 14 bis 16 jährigen jungen Leuten begangen worden sind._ Aussperrung in der Beleuchtungsbranche in Mainz. Die Fabrik.Gasapparat und Gutzwerk" sperrte am 22. d. MtS. zweihundert Arbeiter aus. Am Sonnabend sind sämtliche Betriebe diesem Beispiel gefolgt, wodurch über 400 Arbeiter außer Tätigkeit sind. Veranlassung zu dieser Matzregel war, daß die Arbeiter in dem neuen Tarif, der drei Jahre laufen sollte, eine Verkürzung der Arbeitszeit auf neun Stunden täglich und eine Erhöhung von zwei Pfennig Stundenlohn wünschten. Nach erfolgter Aussperrung haben jetzt die vereinigten Fabrikanten noch einige Zugeständnisse gemacht, so daß eine Einigung nicht ausgeschlossen erscheint. Der Klempnerstrcik in Breslau ist nach siebzehnwöchentlicher Dauer nach gemeinschaftlichen Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern beendet worden. Die Arbeitgeber haben Zu- geständnisse machen müssen. Die Arbeit ist bereits wieder auf- genommen worden. Husland. Malerstreik in London. Einer Meldung von Wolffs Telegraphenbureau zufolge haben in London 5000 Malergehilfen, die dem vereinigten Malerverband angehören, zugleich mit 5000 Nichtorganisierten Arbeitern die Arbeit niedergelegt. Der Verband verlangt eine Lohnerhöhung von l'/z Penny für die Stunde.__ Bus der Partei. Die sozialistische Bewegung in Alaska. Das eisige Goldland der Vereinigten Staaten, das, in der Breite Nordsibiriens gelegen, auf l'/a Millionen Quadratkilometer kaum 70000 Einwohner zählt, hat bereit? eine kräftige sozialistische Bewegung. Wie die Genossin Lena Morrow Lewis, Sekretärin der Partei, mitteilt, ist deren Organisation die stärkste politische im Lande. Das Wochenblatt.Appeal to Reason" von Kansas" wird dort in SOO Exemplaren gelesen. Bei den letzten Wahlen brachten unsere Genossen 36 Proz. der Stimmen auf. Dabei waren viele Bergarbeiter, die zerstreut auf der Goldsuche leben, durch die Ungunst des Klimas verhindert, zur Wahl zu gehen, ja von ganzen Berg- mannsdörfern, dem stärksten Rückhalt der Bewegung, konnten die Stimmen nicht übermittelt werden. So wurde die Hoffnung der Genossen, diesmal schon die Mehrheit zu gewinnen, enttäuscht. Man Hinrichtung". Keine Persönlichkeit, keine ursprüngliche Kraft, nur lauter„Pose"! Gut paßt zu dieser Art. daß das Kostüm ganz wrllkurlrch als Theater- oder Maskenkostüm konstruiert ist, wie es— mit Verlaub— von einem mittelalterlichen Gecken oder„km de siede- Herren" getragen wurde. Das Kostüm ist aus Ziegenleder(Kragen und Oberwamsj, fein gewebtem Stoff(Leibstück und Hemd), zwei Gürteln, der eine einige Zoll über dem anderen, und Sandalen mit Riemen bis herauf zu den Knieen zusammengeflickt, alles so niedlich, als wenn es eben aus dem Modemagazin gekommen Ware. Das Schwert sagt:„Das soll die Vorzeit sein." Es ist mit einigem Mißverständnis den Bronzezeit-Waffen nachgemacht und patzt so schlecht wie möglich zu dem übrigen. Um die eine Hand ein Stück zu erhöhen, ohne zugleich das Schwert, auf dessen Heft sie ruht, unmäßig zu verlängern, hat der Künstler einen großen Stein unter die Schwertspitze gelegt, ein Kniff, der lästig aus- spekuliert wirkt. Im ganzen ist die Frsthiof-Statue am Sogneftord eines von den„Kunstwerken", die vernichtend auf den Geschmack des Volkes wirken, weil sie mit einer gewissen oberflächlichen Prunkbildlichkeit und flotten Ausführung auf ihn eindrängt und ein schlecht be< gründet«? Gefallen erweckt. Htunov und Satire. Der Friede im Haag. Am achtundzwanzigsten August Wirft sich der Weltgeist in die Brust, Denn jener oft besung'ne Friede Wohnt ferner keineswegs zur Miete. Herr Carnegie als Mann mit's Jeld Hat ihm ein eig'nes Heim bestellt, Und er eröffnet das Bewußte Am achtundzwanzigsten Auguste. Die Diplomaten mit dem Frack Versammeln sich an diesem Tag, Und etwas abgekehrt von ihnen Spricht Carnegie mit Wilhelminen. Man lüpft bei einem Gläschen Sekt Die Röhre, welche Angst erweckt, Und grüßt mit angemesscher Geste Den Fortschritt der Kultur, verstehste! Hier sieht man nun das Heil der Welt Mit Andrew Carnegie vermählt, Um unter üblichen Gebräuchen Den Völkerfrühling zu erzeuchen. hofft indes bestimmt, wenn erst Alaska als Unionstaat organisiert sein wird, so weit zu sein und einen sozialistischen Vertreter ins Repräsentantenhaus zu entsenden. Schon heute gibt es kaum einen Ort von einiger Bedeutung ohne Parteiorganisation mit Bibliothek und Versammlungsraum. Einer der ersten Erfolge ist die Eroberung des F r a u e n st i m m r e ch t s für alle Abstimmungen. poliseilicke», eerichtUebes ulw, Der beleidigte Landrat. Wegen Beleidigung des Landrats Peters im Kreise Randow- Greifenhagen wurde Genosse Redakteur Schumann vom„Volks- boten" in Stettin vom dortigen Landgericht zu einer Strafe von 10 0 Mark verurteilt. Zcntralwalstvmin für CeltowMfiecskow. Die am Sonntag abgehaltene Generalversammlung des Zen- tralwahlvereins für Teltow-Beeskow nahm Stellung zum Parteitag. Der Referent Pagets besprach die Tagesordnung des Par- teitages. Er erklärte es für notwendig, daß Staat und Gemeinden angehalten werden, der Arbeitslosenfürsorge näher zu treten. Fer. ner sei es notwendig, datz für die Agitation auf dem Lande unsere Stellung zur Agrarfrage in einem Programm zusammengefaßt werde. Es könne zu diesem Zweck eine Kommission eingesetzt wer- den, die dem nächstjährigen Parteitag Vorschläge machen könnte. Die Anträge, welche zum Maifeierfonds vorliegen, mühten befür- jvortet werden. Mit der Maifeier selbst— sagte der Redner— haben wir absolut keinen Erfolg gehabt. Im nächsten Jahre soll sie zum fünfundzwanzigsten Male gefeiert werden. Es wäre am besten, wenn wir das Jubiläumsjahr dazu benutzen würden, um mit der Maifeier ein Ende zu machen, denn sie erfordert in jedem Jahre nutzlose Opfer. Zum Teil liegt ja der Mißerfolg, den wir mit der Maifeier hatten, daran, datz die Gewerkschaften nicht für die Feier eintraten, oder, wie sie sagen, nicht eintreten konnten. Aber wie die Dinge jetzt liegen, wäre es besser, mit der Maifeier ein Ende zu machen, anstatt diesen Leichnam jedes Jahr wieder zu galva- nisieren.— Beim Bericht des Parteivorstandes wird man wohl dem Parteivorstande die Schuld am Stillstand der Organisation und der Leserzahl der Parteipresse zuschieben. Wer die Dinge recht be- trachtet, wird sagen müssen, datz man den Parteivorstand für die Stagnation nicht verantwortlich machen kann, sondern datz hier andere Ursachen vorliegen. Einen Auf- und Abstieg unserer Mit- gliederzahl und Leser der Parteipresse hat es immer gegeben. Nach Wahlkämpfen tritt in der Regel ein gewisser Rückgang ein. Man hat in unseren Reihen an die Reichstags- und Landtagswahlen übertriebene Hoffnungen geknüpft und sieht sich nun enttäuscht. Mit dem Ausfall der Landtagswahl können wir nach Lage der Ver- Hältnisse zufrieden sein. Wer von den 110 Sozialdemokraten im Reichstage mehr erwartet hat, der soll bedenken, datz sie noch lange nicht die Mehrheit bilden. An dem Stillstand der Organisation in Berlin ist zum Teil auch der Umstand schuld, datz sich hier die Parteiorganisation mit manchen Dingen, beispielsweise mit Unter. stützung von Bewegungen schwacher Gewerkschaften, zu beschästigen hat, die nicht zu ihren eigentlichen Aufgaben gehören. Durch eine gewisse Vereinsmeierei, die Beteiligung vieler Arbeiter an allen möglichen Sport- und Vergnügungsvereinen werden die Kräfte ver- zettelt und das Interesse an der Parteiorganisation geschwächt. Auch die Beteiligung von Arbeitern an Rennwetten nimmt immer mehr zu. Das Schädliche eines solchen Verhaltens müßte den Arbeitern von autoritativer Seite klargemacht werden.— Man sagt, die Führer seien schuld daran, daß wir nicht in der gewünschten Weise vorwärts kommen. ES ist beantragt, die Frage des Massenstreiks auf dem Parteitage zu diskutieren. Gegen die Propagierung deS Massenstreiks ist nichts einzuwenden. Das Proletariat mutz auf die Anwendung dieser Waffe vorbereitet werden. Aber an die Aus- führung des Massenstreiks können wir noch lange nicht denken. Solange nur Rechtsanwälte, Schriftsteller und Redakteure uns Vorträge über den Massenstreik halten, möchte ich ihn nicht mit- machen. Notwendig ist, daß wir erst die Praktiker hören, die Er- fahrungen in der Führung von Streiks haben. Die Praktiker müßten uns Vorschläge über die Durchführung dieses Kampfmittels machen. In der preutzischen Wahlrechtsfrage werden wir ja dies Kampfmittel anwenden müssen, aber erst dann, wenn die erforder- lichen Vorbereitungen getroffen sind.— Der Redner ging in län- geren Ausführungen auf die Haltung der Reichstagsfraktion zur Wehr- bezw. Deckungsvorlage ein. Wenn durch eine ungeschickte Taktik der Fraktion die Massen mit neuen indirekten Steuern be- lastet worden wären, dann würde sich allgemeiner Unwille da- gegen bemerkbar gemacht haben. Nachdem die Annahme der Wehr- Vorlage nicht Verhindert werden konnte, mutzte unsere Fraktion be- müht sein, die Kosten den Besitzenden aufzuerlegen. Durch ihre Zustimmung zur Deckungsvorlage hat die Fraktion verhindert, datz den Massen neue indirekte Steuern auferlegt werden. Wenn die weitergehenden Anträge unserer Fraktion nicht angenommen wur- den. so kann sie natürlich nicht dafür. Es ist der Fraktion gelungen. die Besitzenden zur Kostendeckung heranzuziehen. Wenn cS ihr ge- Der Gott des Krieg« steht auch dabei Und hält sich seinen Bauck, dabei. Es ist doch etwas Sonderbares Um diesen sogenannten AreS. Peter Scher(„SimpIicissimuS"). Notizen. — Antisemitischer Kulturgeist. In den„Deutsch- Sozialen Blättern" wird einem Fragesteller in OitfrieSland mit- geteilt, wie er eS machen soll,„um die Aufführung von Lessings„Nathan der Weise" möglichst zu ver- � indem". Eingabe an den Bürgerausschutz. Eingesandts an die (eitungen, Schreiben an die Theatergesellschaft— eine ganze Batterie soll er knattern lassen gegen dies Stück, das einem Juden die Heldenrolle zuweist.— Im„Nathan" heißt es:„Es eifere jeder seiner unbeslochenen. von Vorurteilen freien Liebe nach." Nieoer mit solchem Stück! sagen die„Deutsch-Sozialen Blätter".. — Tunnel über der Spree. Der Berliner Universttat»- bibliothel ist es nach langjährigen Bemühungen geglückt, den literarisch-künstlerischen Nachlaß des Vereins„Tunnel über der Spree" mit Zustimmung der wenigen noch lebenden WUgneoer dieses Vereins ausgeliefert zu erhalten. Der Verein gmg aus einem von Saphir um 1330 gegründeten Dirbterklub hervor und blühte besonders in den fünfziger und sechziger Jahren. Zu fernen Merkmalen gehörte die Abneigung gegen das radikale poutriche Gedicht. Er war ein Hochsitz der honetten, später nationallrveralen Bürgerlichkeit. — Eine internationale �Titanic* K 0 nse r eng findet Mitte November auf Einladung der britischen Regierung in London statt. Man wird beraten über die Frage der«rcherung der Schiffe gegen das Sinken durch die Anordnung der Schotten, ferner die Schaffung von ausreichendem Bootsraum in den Rettungsbooten, die Einrichtung der drahtlosen Telegraphie, die Dampserrouten und die Fahrgeschwindigkeit bei EiSgefahr. — 28 Pfund Kieselsteine im Magen. In dem Elberfelder Zoologischen Garten befindet sich ein Seelöwen« b a s s i n. Die Tiere haschen nach allem, waS ihnen vom Publikum luaeworfen wird und schlucken es ohne Wahl. Jetzt hat man im Maaen eines eingegangenen Seelöwen nicht weniger als 28 Pfund Kieselsteine vorgefundeir. Sie hatten die Größe von Walnüssen b.s -»"nrÄw».»,«. fei 618«-n.ft-n,- Ob« diesen Plan beriet der deutsch-österreichis ch-ungarische Verband für Binnenschiffahrt soeben in Konstanz. Man will versuchen, unter Umgehung des Schaffhausener Falles den Bodensee der Rheinschlff fahrt zu erschließen. lingt, auf diesem Wege fortzuschreiten, dann können wir hoffen, daß sich der Eifer der bürgerlichen Parteien, Militärforderungen zu bewilligen, abkühlen wird. Man kann der Fraktion aus ihrer Haltung zur Dcckungsfrage keinen Vorwurf machen.— Zu wünschen wäre, daß die Fraktion eine Aenderung des§ 23 des Ein- �mmensteuergcsctzes beantragt, der die Arbeitgeber verpflichtet, das Einkommen der Arbeiter anzugeben. Es müßte in dem Gesetz eine Bestimmung aufgenommen werden, welche die Banken verpflichtet, über die Reichtümer ihrer Kunden Auskunft zu geben. Die Diskussion erstreckte sich zunächst auf die Fragen des Massenstreiks und der Haltung zur Teckungsvorlage. Pieck beantragte eine Resolution, welche bedauert, daß die Reichstagsfraition der Deckungsvorlage zustimmte und die Gründe der Mehrheit der Fraktion nicht anerkennt. Weiter bedauert die Resolution, datz sich die Fraktion fast nur auf den parlamentarischen Kampf gegen die Heeresvorlage und die Deckung beschränkt und nicht eine energische Agitation unter den Massen veranlaßt habe. Die unter Zustimmung der Fraktion erfolgte Trennung in der Verabschiedung der Heeres- und der Deckungsvorlage bezeichnet die Resolution als geeignet, die Aufmerksamkeit der Massen von der Heercsvorlage auf die Deckung abzulenken und den Kampf gegen die Heeresvermehrung in den Hintergrund zu drängen. Vom Parteitag � erwartet die Resolution, daß er dem Verhalten der Fraktion seine Zustimmung nicht gibt.— In längerer Rede be- gründete P i eck seine Resolution. Er sagte unter anderem, die Stellung der Fraktion sei sehr schwankend gewesen, sie habe ihre Taktik durch die Haltung der Liberalen bestimmen lassen. Das sei Ohportunitätspolitik und könne nicht gebilligt werden. In einer so wichtigen Frage, wie der vorliegenden, hätte die Entscheidung nicht allein durch die Fraktion, sondern durch einen autzerordent- lichen Parteitag getroffen werden müssen. F a a tz sprach gegen die Resolution Pieck. Man solle das Ur. teil über die Haltung der Fraktion dem Parteitage überlassen, wo die Fraktion Gelegenheit habe, sich zu verteidigen. Mit dem Massenstreik dürfe man nicht experimentieren. Dabei könnten leicht die seit 20 Jähren aufgebauten Organisationen schwer ge- schädigt werden. Unsere Massen seien noch nicht so weit, daß man solche Experimente wagen könne, die von Rechtsanwälten und ande. ren Leuten empfohlen werden. Wer die Massen kennt, der werde wissen, datz sie für solche Experimente nicht zu haben seien. Ohlhoff warf die Frage auf, warum die Massen nicht reif seien. Er meint, weil sie nicht herangezogen werden zur Eni- scheidung taktischer Fragen. In unseren Parteiorganisationen müsse mehr Demokratie herrschen, den Massen müsse Gelegenheit gegeben werden, zu so wichtigen Fragen, wie die Haltung zur Deckungsvorlage, entscheidend Stellung zu nehmen. Erfreulich sei, daß Pagels hinsichtlich der Maifeier ausgesprochen habe was ist. Wir könnten rubig anfangen, mit der Maifeier Schluß zu machen. Das sollte der Parteitag tun. Die deutschen Genossen, als Ver- treter des Landes, wo die Maifeier noch am stärksten durchgeführt wird, sollten auf dem internationalen Kongreß beantragen, daß ein Ende mit der Maifeier gemacht werde. Es sei gesagt worden, zur Frage des Massenstreiks müßten sich erst die Praktiker, also die Gewerkschaftsführer, äußern. Ja, wer hindert denn die Gewerk- schaftsführer. sich über diese Frage auszusprechen, aber sie tun es nicht. Wenn man sagt, wir sind nicht reif, so kommen wir nicht weiter. Wir müssen versuchen, die Massen reif zu machen. Scholz legte dar, daß die Haltung der Fraktion zur Deckungs- vorläge keineswegs etwas Neues sei. Schon 1893 sei die Fraktion ohne Widerspruch aus unseren Reihen dafür eingetreten, daß wenigstens ein Teil der Kosten der damaligen Mnrinevorlage durch eine direkte Reichseinkommensteuer aufgebracht und ein etwaiger Ueberschuß aus dieser Steuer zur Aufhebung indirekter Steuern Verwendung finde. Dieser Antrag der Fraktion sei abgelehnt wor- den. Der 1912 gegebene Fraktionsbericht vertrete ebenfalls den Standpunkt, datz wir dem Militarismus keinen Mann und keinen Groschen bewilligen,„wenn wir aber, wie in der gegen- wärtigen Situation, erreichen können, daß eine indirekte Steuer durch eine direkte ersetzt werden kann, sind wir bereit, für eine solche direkte Steuer, z. B. die ErbschaftS. steuer zu stimmen".— Diesem Standpunkt— so führte der Redner weiter aus— entspreche auch der Inhalt des Manifestes der deutschen und französischen Parteigenossen sowie die am Sonntag veröffentlichte Resolution Wurm zur Stcuerfrag«.— Wenn unsere Fraktion der Deckungsvorlage nicht zugestimmt hätte, dann würde sich— falls der Reichstag nicht aufgelöst worden wäre— im Herbst eine Mehrheit für die Deckung durch neue indirekte Steuern ge- funden haben. DaS ist durch die Haltung der Fraktion verhindert. Barth trat für die Maifeier ein und bezeichnete sich als An- Hänger des Massenstreiks. Aber es sei ein frivoles Spiel, wenn man den Massenstreik zur Lösung der Wahlrechtsfrage anwenden wolle. Wenn wichtige, die Lebensinteressen deS Volkes berührende Rechte und Forderungen auf dem Spiel stehen, nur dann habe der Massenstreik Sinn und Zweck, dann werde er auch Erfolg haben. Ewald ersuchte um Ablehnung der Resolution Pieck, weil sie wie ein Mißtrauensvotum gegen die Fraktion aussehe. Solches Mißtrauen habe die Fraktion nicht verdient. Hierauf wurde ein Schlutzantrag angenommen. Nach dem Schlußwort des Referenten Pagels und persönlichen Bemerkun- gen mehrerer Redner wurde die folgende Resolution Wik- m e r S d o r f angenommen: „Trotz des großen moralischen Erfolges, den die Sozial- demokratie bei den letzten Landtagswahlen erzielt hat, zeigt sich immer deutlicher die Unmöglichkeit, mit den bisher angewandten Kampfesmitteln, insbesondere auf dem rein parlamentarischen Wege, das freie Wahlrecht für Preußen zu erringen. Deshalb mögen der Parteitag und die Organisation beschließen, in eine systematische Propaganda für den politischen Massenstreik ein- zutreten." Die Resolution Pieck wurde abgelehnt. Durch Stimmzettel erfolgte die Wahl der Delegierten zum Parteitag. Gewählt wurden Pagels, Scholz, Frau Rhneck, Satz, Gomoll, Wißler, Thielecke und Zabel. Als Ersatz. mann wurde Richter- Trebbin bestimmt, der die nächst höhere Stimmenzahl erhalten hatte. In der Minderheit blieben Frau Lazar. Pieck, Richter-Lankwitz, Hagen, Neumann, Hilbig und Witt. Nunmehr wurden die noch vorliegenden Anträge zum Parteitag zur Diskussion gestellt.. Angenommen wurde em Antrag Schöneberg: Der Parteitag möge die Agrarfrage auf die Tagesordnung '�hi ebenfalls aus Schöneberg gestellter Antrag, den Ge- burten. streik mit Dr. Alfred Bernstein als Referenten auf die Tagesordnung deS Parteitages zu setzen, wurde nach kurzer �DlS- kussion abgelehnt. Dann wurden zwei Antrage Neukölln angenommen: Auf die Tagesordnung deS Parteitages ist zu setzen:„Massen. streik und Wahlrechtsfrage". Der Parteitag beschließt, die ReichstagSfraktwn zu veran. lassen, eine RcichsarbeitSlosen-Versichcrung zu beantragen. Ein ebenfalls von Neukölln gestellter Antrag, welcher fordert, daß die„Gleichheit" in leicht verständlicher Form geschrieben werde. rief eine Debatte hervor, in der mehrere Redner, namentlich �rau Scholz, es als notwendig bezeichneten, daß die„Gleichheit" mehr Rücksicht nehme auf die noch nicht fortgeschrittenen Leserinnen, die erst mit unseren Ideen vertraut gemacht werden sollen. Jetzt seien die Artikel meist zu schwer verständlich.— Pieck bezeichnete diese Kritik als unbegründet. Die„Gleichheit" werde ja nicht nur für die Indifferenten geschrieben, sondern auch für die agitatorisch tätigen Genossinnen.— DcrAntrag wurde schließlich in folgender Fassuna anaenommen; In der„Gleichheit" sind mehr Artikel aufzunehmen, die dem Verständnis der Neueintretenden angepaßt find. Der Raum dafür ist durch Kürzung der Agitationsberichte zu schaffen. Stuä Anlaß eines weiteren Neuköllner Antrages, der die Her- ausgäbe einer Modenzeitung fordert, entstand eine Diskussion, in der auf der einen Seite die Notwendigkeit der Herausgabe einer den Bedürfnissen der Arbeiterfamilien entsprechenden Modenzeitung betont, auf der anderen Seite aber hervorgehoben wurde, daß ein derartiges Unternehmen wegen der außerordentlich hohen Kosten auf große Schwierigkeiten stoßen werde. Der Antrag wurde in folgender Fassung angenommen: Um die Arbeiterfrauen von den heutigen Modczeitungcn, die alle mehr oder weniger gegnerische Politik treiben, unab- hängig zu machen, wird der Parteivorstand ersucht, einen Kosten- anschlug für die Herausgabe einer den Bedürfnissen des Ar- beiterhaushalts entsprechenden Modenzeitung aufzustellen. Ein von Charlotten bürg gestellter Antrag, der die Schaffung sozialistischer Jugendorganisationen für junge Leute von 18 bis LI Jahren fordert, wurde nach kurzer Debatte abgelehnt. Der folgende Antrag wurde, nachdem Ncumann- Adlers- Hof ihn begründet hatte, dem BezirksbildungsauSschutz überwiesen: Der hohe erzieherische Einfluß der Jugcndwanderungcn wird gehindert durch'ungeeignetes Führermaterial. Um den idealen Zweck der Wanderungen zu erreichen, die Liebe zur Natur, das Verständnis kultureller und sozialer Einrichtungen sowie Kennr- nisse der Geschichte und der Naturwissenschast zu fördern, sind gut vorgebildete Führer dringend notwendig. Da die prolcta- rische Jugendbewegung über eine genügende Anzahl pädagogisch und wissenschaftlich gebildeter Führer nicht verfügt, so ist eS not- wendig, daß zu diesem Zweck von den Bczirts-Jugendausschüssen in Verbindung mit den Turnvereinen und mit Unterstützung der Zentralstelle besondere Kurse eingerichtet werden. Angenommen wurde noch ein Antrag an den Parteitag, welcher verlangt, daß alle am 1. Mai feiernden und keinen Lohnausfall er- leidenden Genossen und Genossinnen ei« Tagesverdienst an den M a i f o n d s abzuliefern haben. An Stelle des nach auswärts verzogenen Revisors Riedel wurde Hagen- Friedenau gewählt. Damit war die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende Grog er widmete dem Genossen Bebel einen ehrenden Nachruf und schloß darauf die Versammlung. Der drandcnburgiiclK Prcvinzial- Parteitag. Am Sonntag vormittag trat in Frankfurt a. O. der Parteitag für den Bezirk Brandenburg zu seiner diesjährigen Tagung zusammen. Außer 64 Delegierten war der geschäfts- führende Ausschuß durch 6 Mitglieder vertreten, daneben nahmen noch 4 Abgeordnete. S Kandidaten und 5 Vertreter der Parteipresse an den Verhandlungen teil. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende S y d o w- Brandenburg unserem verstor- benen August Bebel einen warm empfundenen Nachruf. Den G e- schäftsbericht für das abgelaufene Jahr erstattete der Pro- vinziasekretär Wels. Er betonte, daß die Mitgliederbewegung in diesem Jahre nicht das erfreuliche Bild des Vorjahres zeige. Es sei ein Rückgang an männlichen Mitgliedern zu verzeichnen, der nur wettgemacht werde durch die Zunahme der weiblichen Mit- glieder. Immerhin habe sich die Gesamtmitgliederzahl geyen das Vorjahr um 44 vermindert. Bedauerlich sei es, daß es im ver- gangenen Jahre nur an zwei Orten gelungen sei, neue Zahlstellen zu errichten. Da in etwa 200 Orten deS Bezirk» noch Einzelmit- glieder vorhanden seien, habe hier die Werbearbeit einzusetzen. damit durch Gründung neuer Wahlvereine im nächsten Jahre bessere Erfolge erzielt werden. In den Berichten der Organi- sationsleitcr werde über einen nichtbefriedigenden Besuch der Ber- sammlungen geklagt. Am meisten sei zu bedauern, daß während deS Jubiläumsrummels eine Anzahl Genossen in einigen Orten es vorzogen, sich am patriotischen Klimbim zu beteiligen, statt in die eigenen Versammlungen der Organisation zu gehen. Wenn man die Stagnation der Organisation nachprüfe, so komme man zu dem Schluß, daß die Gleichgültigkeit der Parteigenossen ein großes Teil Schuld trage, daneben übe natürlich die einsetzende Krise ihre Wirkung. Die Zunahme der Mitglieder in den gewerkschaftlichen Organisation zeige, daß noch eine große, fruchtbare Werbearbeit geleistet werden kann. Bei der im Bezirk verbreiteten sozialdemo- kratischen Presse mache sich derselbe bedauerliche Rückgang an Abon- ncnten bemerkbar wie an vielen anderen Orten. Die„Branden- burger Zeitung" verlor im Berichtsjahre 1332 Abonnenten, die „Märkische Voltsstimme" gar 1792. Wir müssen alles daransetzen, diesen Verlust wettzumachen und darüber hinaus unseren Organi- sationen und unserer Presse neue Mitkämpfer zuzuführen. Wie Genosse Wels ausdrücklich betonte, sei das Perhältnis der Partei zu den Gewerkschaften in der Provinz Brandenburg ein andauernd gutes. Nur in L ü b b e n habe sich eine betrübende Erscheinung gc- zeigt. Tort habe der nationale Jungdeutschlandbund seinen stärksten Rückhalt an einem Turnverein„Einigkeit", dem eine größere Anzahl Parteimitglieder wie auch Gewerkschaftler ange- hörten. Nachdem eS dort zu Differenzen kam, erklärte der Vor- stand, daß es die höchste Ehre des Vereins sei, die nationale vater- ländische Jugendbewegung zu pflegen. Trotzdem blieben 17 Mit- glieder des Holzarbeiterverbandes, darunter leitende örtliche Funktionäre, Mitglieder dieses nationalistischen Turnvereins und tragen dadurch zur Stärkung des Kampfes gegen ihre eigenen Klassengenossen bei.— Die Bildungsbestrebungen werden in 13 Wahlkreisen deS Bezirks durch 28 Bildungsausschüssc geför- dert; durch Vortragsturs«, künstlerische Veranstaltungen und der- gleichen ist Erhebliches für daS Bildungsbestreben der Mitglieder geleistet worden. Tie„Arbeiterjugend" hatte im Berichts- jähre in 33 Orten LSöö Leser; bedauerlich sei es, daß.eine Reihe größerer Orte im Bezirk der Jugendbewegung noch immer nicht das nötige Verständnis entgegenbringe. So sei es auffallend, daß in Potsdam die„Arbeiterzugend" nur in einem Exemplar ge- lesen werde, während in einer ganzen Reihe kleiner und kleinster Ortschaften 20, 30, ja SO Abonnenten gezählt wurden. Von den 29 im Bezirk errichteten Auskunftsbureaus wurden 2965 Auskünfte erteilt. Ein etwas sonderbarer Vorgang hat sich zwischen dem zu Groß-Berlin gehörenden Wahlverein Niederbarnim und dem Bezirkswahlverein Niederbarnim abgespielt. Nach den Land- tagswahlen erhielt der Vorstand des Wahlvcreins Oberbarnim vom Wahlverein Niederbarnim ein Schreiben, in dem dargelegt wurde, daß es zur besseren Agitation in Oberbarnim vorteilhaft sei, wenn Niederbarnim durch Einsetzung einer Agitationskom- Mission Oberbarnim in seiner Agitation unterstütze. So er- freulich die angebotene Unterstützung an sich sei. so müsse doch darauf hingewiesen werden, daß die vor zwei Jahren erfolgte Trennung Groß-Berlins von Brandenburg darauf zurückzuführen sei, daß von demselben Wahlkreis Niederbarnim der Antrag auf Trennung gestellt wurde. Dw Trennung Groß�ßerlins von der Bezirksorganisation wurde gegen den Willen Brandenburgs voll- zogen. Es müsse dagegen Verwahrung eingelegt werden, daß auf solche Weise die Geschlossenheit der Bezirksorganisationen durch. brachen werden soll. Bis heut« hat weder die Bezirksleitung der Provinz Brandenburg noch die Leitung bei Bezirks Groß-Berlin offiziell Kenntnis von dem Vorgehen des Niederbarnimer Wahlvereins erhalten. Ganz selbstverständlich mußte Oberbarnim unter diesen Umständen den Vorschlag ablehnen. In längeren Ausführungen beschäftigte sich Wels mit der zur- zeit geübten Diskussion über den Massen st reik. Nach seiner Meinung habe es niemals bei einer Parteifrage ein größeres Durcheinander gegeben wie hier. Redner gibt ein Bild über die von den Vertretern des Massenstreiks vertretenen verschiedenen Ansichten und meint, daß die bisherigen Massenstreiks keinerlei Rückschluß auf die Durchführung deS preußischen Massen- strerkS zulassen. Man könne die preußischen Verhältnisse, bei denen da» ReichStagSwahlrecht als Auspuff der Mißstimmung dient. durchaus nicht vergleich«, mit den Zuständen, die in Rußland und Belgien zum Massenstreik führten. An Hand eines reichhaltigen Materials legt Redner unter lebhaftem Beifall der Zuhörer dar, daß es sich in Rußland sowohl wie in Belgien durchaus nicht um eine ausschließliche Bewegung des Proletariats gehandelt hat. Ja, in Rußland sei die Massenstreikbewegung zuerst von der russischen Intelligenz angefacht worden. Wenn er seine Stellung zur heutigen Diskussion des Massenstreiks darlegen solle, so müsse er sagen, daß die derzeitige Diskusston ein« überflüssige und gefähr- liche sei. Es sei auch nicht wahr, daß die Diskussion spontan aus den Massen gekommen sei. Sie sei von einigen Akademikern her- vorgerufen worden. Voraussetzung des Gelingens eines Massen- streiks sei eine völlige Uebercinstimmung aller proletarischen Orga- nisationen. Bedauerlicherweise sei durch unverantwortliche Leute eine Verhetzung zwischen Führern und Mitgliedern betrieben war- den, die dem Bestreben nach Einigkeit nicht förderlich ist. Ganz sicherlich wird der Massenstreik einmal in Anwendung kommen, dann aber wird es sein ein Kampf um die politischen Grundrechte des Volkes, ein Kampf gegen den Versuch, die Koalitionen der Ar- beiter zu zerschlagen. In der Frage der S t e u e r b e w i l l i g u n g sei eine künst- liche Erregung gegen die Fraktion hervorgerufen worden. Gerade in Brandenburg habe die siegreiche Wahl in Zauch- B e l z i g, die erste nach Erledigung der Stcuervorlagen im Reichs- tage, gezeigt, daß die breiten Massen volles Verständnis für die Haltung der Mehrheit der Fraktion haben. Wenn jetzt gesagt wird, daß auch direkte Steuern letzten Endes von den Ar- beitern getragen werden, dann sollten die Vertreter dieser Auf. fassung konsequent sein und das Parteiprogramm revidieren und verlangen, daß jede Bewilligung von Reichssteuern verweigert werde. Den Kassenbericht erstattete Richard Schmidt- Berlin. Danach beträgt die Einnahme der Bezirksorganisation im Ge- schäftsjahre 37 885,08 M., die Ausgab« 34 843,81 M., so daß ein Kassenbestand von 2841,27 M. vorhanden ist. An den Parteivor- stand wurden 11 160 M. abgeführt. In der Diskussion beschäftigte sich Genosse Karl Lieb- knecht zunächst mit den Welsschen Ausführungen über die Wehr- Vorlage. Er erklärte, daß er nicht in der Lage sei, der vorliegenden Resolution, die die Zustimmung der Fraktion zur TeckungSvorlage ausdrücklich billigt, zuzustimmen, lieber den Massenstreik vertritt Redner seine von uns bei anderer Gelegenheit skizzierte Auffassung. Im Gegensatz zu Wels betonte Liebknecht, daß die Diskusston über den Massenstreik doch aus den Massen gekommen sei.(Lebhafte Zwischenrufe: Wo denn?) Nach weiterer Diskussion, an der sich die Genossen Peus und Brückner beteilig- ten, wurde folgende Resolution zur Abstimmung gebracht: Der Parteitag der Provinz Brandenburg stellt sich auf den Boden der von der Reichstagsiraktion zu den Deckungsvorlagen abgegebenen Erklärung und billigt ausdrücklich die Zustimmung der Fraktion zu den beiden Besitzsteuergesetzen. Gegen S Stimmen wurde die Resolution angenommen. Zum nächsten Tagesordnungspunkte hielt Genosse Braun einen sehr instruktiven Vortrag über die Entwickelung der Stellung der Partei zur Agrarfrage. Der Redner wies im Ver- laufe seines Vortrags auf die Notwendigkeit hin, durch ein« auf dem Parteitage oder vom Parteiausschuß zu wählende Kommisston die neuen Tatsachen in der Agrarwirtschaft zu prüfen, um der Partei die Richtlinien in ihrer Stellung zur Agrarfrage zu geben. Reich« Aufgaben warten der Untersuchung. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine kurze, im zustim- menden Sinne sich bewegende Diskussion. Nachdem noch die Wahl der Revisoren vorgenommen und als Ort des nächsten Partei- tage» Potsdam bestimmt war, wurde die Tagung geschlossen. IllgeiHtMereitt für den Kreis niederbarnim. Am Sonntag tagte eine Jugendkonferenz für Niederbarnim, die sich insbesondere mit dem Vertrieb der„Arbeiter-Jugend" und mit der jetzigen Situation der Jugendbewegung beschäftigte. Genosse S ch e n k als Referent betonte, daß die Jugend- lichen selbst zur Tätigkeit herangezogen werden müssen. Doch muß den jugendlichen Helfern klar gemacht werden, daß ein derartiges Hclfcramt keineswegs das eines Zeitungsausträgers ist, sondern im Gegenteil ein wichtiger Funktionärposten. Erwachsene, die das Ver- trauen der Jugendlichen besitzen und selbst auch etwas wissen, müssen diesen zur Seite gestellt werden, auch in Hinsicht auf pünktliche Ab- rechnung. An der Altersgrenze von 18 Jahren müsse festgehalten werden, denn die Aelteren bildeten zuweilen einen Hemmschuh, wenn auch auf der anderen Seite nicht ganz mit Unrecht gesagt wird, daß die Achtzehnjährigen eine belebendes Ferment bilden. In langer und heftiger Debatte übten verschiedene Redner Kritik an den heutigen Abonnementsverhältnissen, ohne jedoch andere Vorschläge zu machen. In der Frage der Achtzehnjährigen sind die meisten der Ansicht, daß diese wohl innerhalb der Jugend- bewegung bleiben müßten. Sodann referierte Peters über den heutigen Stand der Jugendbewegung. Er wies nach, daß es der gemeinsame Zweck aller bürgerlichen Jugendvereine sei, durch ideologische Beeinflussung das Erwachen der jungen Proletarier zum Klassenbewußtsein zu hintertreiben. Die bürgerliche Jugendbewegung steht, unterstützt von den Organen d«S Staates und der Gemeinde, in einer geschlossenen Kampfstellung zur proletarischen Jugendbewegung, deren vornehmste Aufgabe es sei, die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen zu klassenbewußten Kämpfern zu erziehen. Daher erklärt sich auch die Feindschaft der Behörden der proletarischen Jugendbewegung gegenüber. Der Umfang, den die bürgerliche Jugendbewegung angenommen habe— sie dürfte nahezu 2 000 000 Jugendlicher besitzen, wovon 1� Millionen den konfessionellen Vereinen zugehören—, sollte uns veranlassen, ernstlich zu prüfen, ob wir unseren Gegnern gewachsen seien. Zweifellos muß unsere Agitation, persönliche wie öffent- liche, gesteigert werden. Die Notwendigkeit des praktischen Jugend- schutzes sei hierbei in den Vordergrund zu rücken. So läßt sich am besten die Heuchelei der bürgerlichen Jugendbewegung nachweisen. Auch müsse der frische Geist des proletarischen Klassenbewußtseins all unsere Veranstaltungen durchwehen. Aller Bekämpfung zum Trotz machen wir Fortschritte. Gewiß geht es zu langsam, auch fehlt der rechte proletarisckw Geist unter den Jugendlichen. Diese bc- klagen sich, daß die Erwachsenen in der Jugendbewegung zu stark hervortreten, wodurch die Jugendlichen in ihrer Selbständigkeit be- engt werden. Freilich ist die gegenwärtige Form unserer Bewegung kein Ideal. Aber das ReichSvereinSgesetz hat sie notwendig gemacht. Der§ 17 erschwert die selbständige Mitarbeit Jugendlicher außer- ordentlich. Ohne diese ist eine gesunde Entwickelung einer Jugend- bewegung unmöglich. Die bürgerlichen Jugendpfleger übertreten täglich und tausendfach den Z 17. Lediglich zur Unterdrückung der Jugndlichen, die nicht der staatlich konzessionierten Bewegung ange- hören, wird der Z 17 in der unerhörtesten Weise angewendet. Muß er doch sogar dazu herhalten, um unsere berechtigte Aufklärung der Jugendlichen über die bürgerliche Jugendbewegung zu verbieten. Hunderttausende Jugendliche leidey täglich unter der rigorosen An- Wendung des§ 17. Für die bürgerliche Jugendbewegung ist dieser Paragraph tatsächlich außer Kraft gesetzt, denn sie beachten ihn nicht Und werden deshalb nicht zur Rechenschaft gezogen. Nun müssen auch wir dahin wirken, daß selbst der blödeste Kopf die Zwccklosigkeit des 8 17 einsieht, damit die tatsächliche Außerkraftsetzung nicht nur einem Teil der JugcitbbcwegunL zugute kommt, sondern allgemeine Geltung erlangt. In diesem Bestreben muß die Jugend von den Erwachsenen unterstutzt werden. So wird der faktischen Außerkraft- setzung des 8 17 bald eine formelle Aufhebung folgen müssen.(Leb- hafter Beifall.) Die Genossen Fritz Grünberg, Br. Gressat, M. Wudky und Paul Schmidt wurden in den KreiSauSschuß gewählt. Zum BezirkSauS- schuß Groß-Berlin delegierte man Birnbaum und Schmidt. Hub Induftm und f>andel. Ein Eisenbahniubilaum. Am 22. September 1838 wurde die Eisenbahnlinie Zehlen- darf— Potsdam eröffnet. Es war die erste preußische Bahn, die somit zunächst ihr 7Sjähriges Jubiläum feiern kann. Die erste Eisenbahn überhaupt wurde im Jahre 1830 in England eröffnet. Es war die Linie Liverpool— Manchester. Obwohl die Erfolge dieser englischen Bahn von Anfang an bedeutend waren, dauerte es doch noch einige Zeit, bis man auf dem Festlande an den Bahn- bau ging. Im Jahre 1835 tvurdcn zwei Bahnen auf dem euro- päischcn Fcstlande dem Verkehr übergeben, die Eisenbahn von Brüssel nach Mechcln und die Ludwigsbahn zwischen Nürnberg und Fürth. 1837, am 14. April, wurde ein TM der späteren Bahnstrecke Leipzig— Dresden eröffnet. Die nächste Bahn war dann die Jubiläumsbahn Zehlendorf— Potsdam. Bis zum Jahre 1838 waren, abgesehen von der genannten belgischen Bahn, alle Eisenbahnen Privatuntcrnehmungcn. Erst später setzte die Ver- staatlichung ein. Die erste große deutsche Bahn war im Westen Preußens, die Rheinische Eisenbahn, die von Köln nach Herbesthal ging und sich dort an das belgische Bahnnetz anschloß. Sie schaffte eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen Köln und Antwerpen. Die Gründung dieser Bahn erfolgte auf die Klagen der rheinischen Kauflcute und der rheinischen Schiffer, die sich seit vielen Jahren von Holland in ihrem Verdienste geschmälert sahen. Zu den Propagandisten dieser Bahn gehörten Kamphausen, Friedrich List, David Hansemann, Niebuhr und andere. Seinen ersten großen Aufschwung nahm das deutsche Eisenbahnwesen mit dem Auftreten Bethel Strausbergs, des bekannten Eisenbahn- spekulanten. Seiner Initiative waren der Bau einer Eisenbahn von Jnsterburg nach Tilsit, mit dem Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts begonnen wurde, und der Bau der Ost- preußischen Südbahn zu verdanken. Später errichtete Strausberg die Bahnstrecken Berlin— Görlitz, Halle— Sarau— Guben, ferner die Märkisch-Posener Bahn, die Rechte Oder-Ufer-Bahn und die Han- nover— Altenbekener Eisenbahn. Noch bei einer ganzen Reihe anderer Bahnen war Strausberg beteiligt, hauptsächlich allerdings bei ungarischen und rumänischen Bahnuntcrnehmungen. Zur Zeit als Strausberg den Bahnbau und die Bahneffektenspekulation in großem Maßstabe nach Teutschland brachte, richtete der Staats- minister Albert von Maybach sein Augenmerk auf das Bahnwesen und begann die Verstaatlichung einzuleiten. Er führte zunächst einen Feldzug gegen die wilde Börsensvekulation in Eisenbahn- aktien. Er sprach damals das bekannte Wort vom Giftbaum:„Der auf das Leben der Nation seinen verderblichen Schatten werfe und dem die Wurzeln zu beschneiden und seine Aeste zu nehmen ein Verdienst der Regierung sei." Sein Verstaatlichungsplan ging zu- nächst auf die Oberschlcsische Eisenbahngescllschaft. Die Verstaat- lichung gelang und von da an hat die staatliche Eisenbahnpolitih schnelle Fortschritte gemacht. Um 1870 setzten dann die Versuche zur Errichtung einer Reichseisenbahngemeinschaft ein. Vor Grün- dung des Reiches sollte ein Eisenbahnverein der deutschen Staaten gebildet werden, und später ivollte Bismarck durch Abtretung der Bundesbahnen an das Reich eine einheitliche Reichseisenbahn schaffen. Diese Bestrebungen sind bekanntlich gescheitert, ebenso der Versuch, durch ein Eisenbahntarifgesctz dem Reiche einen größeren Einfluß auf die deutschen Eisenbahnen zu sichern. Die riesige Entwicklung des Eisenbahnnetzes begann ungefähr um das Jahr 1880, von 1880 bis 1890 vermehrte sich das Gesamt- netz der Eisenbahnen der Erde um rund 245 000 Kilometer. Von 1890 bis 1910 erreichte das Gesamtnetz der Eisenbahnen eine Länge von zirka 1 Million Kilometer, das ist der dreifache Betrag der mittleren Entfernung des Mondes von der Erde oder der 2öfache Umfang der Erde am Aequator.. Das größte Eisenbahnnetz hat Amerika mit rund 526 000 Kilometern, dann Europa, dessen Eisen- bahnnetz am Schluß des Jahres 1910 rund 334 000 Kilometer lang war. Deutschland hatte Ende 1910 über 61 000 Kilometer Eisen- bahnen, Rußland rund 59 000 Kilometer, Frankreich 49 000 Kilo- meter, Oesterreich-Ungarn rund 44 000 Kilometer, Groß-Britannicn und Irland rund 37 500 Kilometer usw. Rechnet man in Deutsch- land zu den Eisenbahnen für das Jahr 1910 die im Betrieb befind- lichen Nebenbahn ähnlichen Kleinbahnen, so ergibt sich ein gesamtes Eisenbahnnetz von 70 690 Kilometern, wovon 46 547 Kilometer auf Preußen entfielen. Das Anlagekapital der deutschen Hauptbahnen ist von 1880 bis 1910 von 8,8 Milliarden Mark auf über 17 Milli- arden Mark gestiegen. Ende 1910 beschäftigten die deutschen Eisen- bahnen über 418 000 Arbeiter und über 27 000 Lokomotiven fuhren auf ihnen. Im Jahre 1830 wurdew auf den deutschen Eisenbahnen 215 Millionen Personen befördert, im Jahre 1910 1,5 Milliarden. Der Güterverkehr stieg in derselben Zeit von rund 165 Millionen Tonnen auf 575 Tonnen. Das ist also ein ganz riesenhafter Auf- schwung, der sich seit dem Jahre 1910 noch fortgesetzt hat und für das Jahr 1912 einen bisher unerreichten Rekord brachte. RUstungSdivibcnben. Das Tochterunternehmen der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Belgien, die„Nationale K r i e g S w a f f e n f a b r ik" in Serstal zahlt wie im Vorjahre 3 0 P r o z. D i v i d e n d e an die Aktionäre. Soziales. Werkstätten- oder Handelsbetrieb de» Bäckermeisters. Der Bäckermeister Heil sollte sich gegen die Vorschriften über die Ruhezeit der in Bäckereien beschäftigten Gehilfen und Arbeiter dadurch vergangen haben, daß er am zweiten Ostertage früh seinen Hausdiener in einem Berliner Krankenhause Backwaren abliefern ließ, die in seiner Bäckerei hergestellt waren. Im ersten Rechts- gange sprach das Landgericht Berlin den Angeklagten frei, weil hier eine Beschäftigung lediglich im Handelsbetriebe, der mit der Bäckerei verbunden sei, vorliege und die hierfür in Betracht kommenden Vorschriften des 8 105 b Absatz 2 nicht übertreten worden seien. Nach Aufhebung deS Urteils durch das Kammergericht v e r urteilte aber das Landgericht den Angeklagten wegen Uebertretung der erwähnten Bäckereivorschriften. Begründend wurde ausgeführt: Der tzlngeklagte habe ein festes Abkommen mit dem Krankcnhause aus ständige Lieferung von Backware. Die zu liefernde Menge sei aber nicht fest bestimmt. ES werde dem An- geklagten die Menge erst abends oder morgens von der Verwaltung des Krankenhauses angegeben. Eine solche Nachricht sei dem An- geklagten am ersten Ostertage abends zugegangen und demgemäß habe er am zweiten Osterfeiertage früh die Ware hingeschickt. Das Gericht nehme an, daß unter diesen Umständen die Ablieferung der Ware an das Krankenhaus als Tätigkeit im Gewerbebetriebe des Angeklagten anzusehen sei. Maßgebend sei, daß die Ware vom Krankenhaus bestellt gewesen sei. Die generelle Be- stellung habe bei dem Gewerbebetriebe der Bäckerei immer berücksichtigt werden müssen. Deshalb falle die Ablieferung dieser bestellten Ware' unter die zum Gewerbehetriebe der Bäckerei gehörenden Tätigkeiten. Dabei sei eS unerheblich, daß die Menge für den einzelnen Tag immer erst bestimmt wurde. Die Tätigkeit des Hausdieners sei nun während der allgemein für die Arbeiter in Bäckereien vorgeschriebenen Ruhezeit am zweiten Feiertage früh ausgeführt worden, so daß sich die Bestrafung rechtfertige. Der Ferien-Strafscnat des Kammergerichts verwarf die nun von Heil eingelegte Revision und führte aus: Das Landgericht gehe davon au?, daß es sich hier um eine beim Werkstättenbetriebe ge- machte Bestellung handele und daß die Erklärung am ersten Feier- tage abends, die die zu liefernde Menge bestimmte, nicht die eigent- liche Bestellung, sondern nur eine Veränderung der allgemeinen Bestellung gewcfen sei. Diese Auffassung sei nicht rechtsirrtümlich. Mit Rücksicht darauf sei auch ohne Rechtsirrtum angenommen wor- den, daß die Tätigkeit des AustragenS eine solche im Gewerbe- betriebe der Bäckerei und nicht eine solche im kaufmännischen Teil de» GewerbetriebeS des Angeklagten gewesen sei. Mit Recht sei darum Angeklagter verurteilt worden. Berlins und Umsehend. 3min, den 20. Angnfl, abends 8'/. J(|r: General- Versaramlnnnen der sechs Berliner Wahlkreise. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, Mdi» 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 1. Wahlkreis: Haverlands Festsäle, Neue Friedrichstraße 35. Tagesordnung: 1.„Parteitag und Massenstreik". Referent: Redakteur Emil Dittmer. 2. Diskussion. 3. Anträge zum Parteitag. Wahl der Delegierten. 4. Verschiedenes. 2. Wahlkreis: BacK-Bnauenei, TempelHofer Berg. Tagesordnung: „Der Parteitag in Jena". Referent: Genosse ReichstagsabgeordneterRichard Fischer. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Delegierten zum Parteitag und eines Kandidaten zur Schiedsgerichtskommission. 4. Wahl des Zentral-Wahlkomitees zu der am Sonntag. den 31. August, stattfindenden Urwahl. 4. Verschiedenes. Z. Wahlkreis: GeassenKscKattsKaus, Engelufer 15. Tagesordnung: 1.»Der Parteitag". Referent: Reichstags- abgeordneter Wilhelm Pfannkuch. 2. Wahl der Delegierten. 4. Wahlkreis: Kanae�t» und Festsäle, Koppenstraße 29(früher Keller). Tagesordnung: 1. Parteitag. Referent: Reichstagsabg. Otto Büchner. 2. Diskussion. 3. Beschluß- fassung der zum Parteitag gestellten Anträge. 4. Aufstellung der Kandidaten für die De- legation zum Parteitag. 5. Wahlkreis: Bl usiker- Säle, Kaiser-Wilhelm-Straße 18m. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Jena. 2. Diskussion. 3. Wahl von zwei Delegierten. 4. Erledigung von Ausschlußanträgen. 5. Vereinsangelegen- heiten. 6. Wahlkreis: Benmania»Säle, CHausseestr. 110. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Parteitag in Jena und Erledigung der dazu gestellten Anträge. 2. Wahl der Delegierten. 3. Geschäftliche Angelegenheiten. 4. Vortrag des Genossen Ledebour. s. Haut-, Harn-. Frauenleiden. neiv. Schwäche, Bcinkrankc jeder Arl, Ehrlich Hata> Kuren in u.Co.konz. Laborat. j Blut- Untersuchung., Fäden i. Harn usw. frieäriclisli. 81, Ä'Ä«. Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar uiähig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Dr. Homeyer Achtung! Achtung! Kohrieger und Helfer! Mittwoch, den 27. August 1913, abends 8'/» Uhr: Allgemeine Spezialarzt für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hafa Blutuntersuchung.* Schnelle, sich. Heilung. 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August 1913: im Lokal„Süd-Ost", Waldemarstraßc 75. »Die Arbeitslosigkeit und ihre Ursache«--. Mittwoch, den«7. August 1913: Bez. Wedding, im Lokal„Neues Klubhaus, Schulstraße 29 Vortrag über:„Die Volfssürsorge--. Bez. Oranienburger Vorstadt, i.d. Borussia-Fcstsälen, Ackerstr.6/7. Bez. Norde« 1, in den„Berolina-Sälen", Schönhauser Allee 28. Bez. Norden 2, in ObigloS Festsälen, Schwedter Straße 23. Bez. Charlottenburg im Volkshause, Rosincnstraße 3. Vortrag über:»AuS der Geschichte der deutschen Dozialdemokratic--, Bez. Neukölln, im Lokal von Wolf, Kirchhofstrnße 41. Bericht vom Banarbriterschuhfoiigreh. Bez. Pankow, im Lokal„Türkisches Zelt", Breite Straße 14. Vortrag über:»Die Arbeitslosigkeit«nd ihre Ursachen«. Bez. Schöneberg, im Lokal von Ebrecht, Meininger Straße 8. Donnerstag, den Ä8. August 1913: Bez. Osten 1, im Lokal von Kluge, Langestraße 53. Bez. Friedrichshagen, im Lokal von Lerche, Friedrichstr. 112. Bez. Stralau, im Lokal von Dräger, Stralauer Allee 31b. Freitag, den 29. August 1913: 93« Rord-Lsteu, in den Union-Sälen, Greisswalder Str. 222. Vortrag über:„Krankenkassensragen nach dem 1. Januar ISU-'. Die Versammlung im Bezirk Norden 1 findet nicht am Frettag. sondern wie heute angegeben ist. am Mttwoch, den 27. August statt. Mittwoch, den 27. August 1913: Gruppe der Patentsteinwandmaurer bei Wille, Sebastianstr. 39. 144/17» Endgültige Beschlustfassung über die Verhandlungen. Schöneberg. Sozialdctnokratifcber(Oahlvcmn. Dienstag, den 26. August, abends 8 Uhr, „Neue Rathaussäle", Meininger Straffe 8: Mitglieder-Yerrammlung Tagesordnung: 1 Vortrag über:»Imperialismus und Sozialismus.» Referent Genosse Kallsbl. 2. Diskussion. 3. Bericht von der Verbands- und Areis-Geueralversammlung. S. Vereinsangelegenhciten und Verschiedene». 15/20 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwoltiingssttlle Serlm C 54, Liilieustr. 83-85. Delephan: Amt Norden 18», 1239, 1987, 9714. Mittwoch, den 27. August 1913, abends ß'/j Uhr: Branchen- Verfcmmlung der chirurgische» Branche im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straffe 11/12. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen D a v i d s o h n über:»Deutscher Humor". 2. Branchenangelegenhciten. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."WE Mittwoch, den 27. August 1913, abends 8'/z Uhr: ßpandKN-VcrfamitiUiiig der Kollegen der SdMnbtech-, EistMöbel- und Möbelschloß- Srouliie in Graumanns Festsälen, Naunynstraffe 27. Tagesordnung: 124/12 I. Vortrag deS Genossen S t r o b e l über:„Die Ichaden der kapi- talistische» Bolksverfichcrnng und ihre Reform durch die Volks- fnrsorge-. 2. Branchenangelegenhciten. 3. Verschiedenes. Mittwoch, den 27. August 1913, abends 8l/a Uhr: Mitglieder-Versammlung der Gold- und Silberarbtiter und venu. Serufsgenosstu im Dresdener Garten, Dresdener Straffe 43. Tagesordnung:.... 1. Vortrag des Genossen Schütte. 2. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet Die Ortsverwaltung. Eike guter trünk Afc STAMMTISCH UND IM HAUSE sind nnsere Biere, weil reich»n Nihretoffen und »nn»n Alkohol daher nahrhaft und bekömmlich. Ueberau zu haben in Flaschen, Kannen und Syphons. BÖHMISCHES BRAUHAUS K0 18. Teieph.: Amt Königstadt 3088, 1088:90 in den„Konkordia- Festsälen", Andrcasstraffc«4. Tagesordnung: 1. Bericht von den Verhandlungen der Tchlichtungskommissio». über die GeschästSsührung deS Facharbeitsnachweises. Referent: Kollege Max Zlcse. 2. Diskussion. 3. Bericht über die bisherige Durchsühtung des Tarifvertrages. Referent: Kollege IVllkcIni Siertng. 4. Diskussion. 5. Allgemeine Branchenangelegenheiten. Die neuen Tarife in Buchform gelangen in dieser Versammlung gegen Vorzeigung der Mitgliedsbücher zur Ausgabe. Kollegen! Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist eS eine Ehren- Pflicht eines jeden Kollegen, daß er zu dieser Versammlung erscheint. Die Arbeitnehmcrmitglieder der SchlichtuugSkommissiou. »eiM WM-MM Verwaltung Berlin. Mjtglikdtr-Vkchmmlmgen. Sargtischler. Mittwoch, den 27. August, abends 8'/� Uhr» bei nichaltscck, Petersburger Str. 84. Korbmacher. Mittwoch, den 27. August, abends 8 Uhr, bei Woll» schläger, Adalbertstraffe 29. Tagesordnung: 1. Vortrag:»Di« Bolksfürsorge und die Schäden der Privat- Versicherung." Referent: Kollege Aflenelille. 2. Bericht der Kommission von der Generalversammlung. 3. Branchenangelegenheiten u. Verschiedenes. PerlmMer-, Horn- n. Aeinnnß-Knops- Arbeiter und Arbkitkrinnen. Mittwoch, den 27. August, abends«','z Uhr, i« Gewerkschaftshaus, Saal 3: Tagesordnung: 1.»Die Volksfürsorge.-' 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Verbands- und Branchenangelegenhetten. verantwortlicher Redakteur: Alfred Wieleyp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Tb Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwart» Jalousiearbeiter. Mittwoch» den 27. August, abends S'/s Uhr, bei Bo eker» Weberstr. 17. Tagesordnung: Stricht vom Sauarbeiterschutz-Kongreß m Feipzig. Sonnabend, den 39. August» 8Vz Uhr, bei B o eker, Weberstr. 17: UckUrildviMroi'to'sgi des Genossen 0. Roth: „Die Revolution von 1848/49". Nach dem Vortrag: TSttZkrätlZCllGtl. Eintrittsgeld 35 Pf._ Die Kommission. Bürsten-«. Pinselmacher Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 27. August, abds. 8'/, Uhr, in„Hemels Bereinshaus", Holzmarktstraße 21. Tagesordnung: 1 Kunst und Arbeiterschaft. Referent: Genosse GBrncr. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Branchenangelegenhciten. Tkltsihiu-Kruulhc«nd PhiiiigWhislht APPuratc. Donnerstag, den 28. August, abends 8'/. Uhr» im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 5'. Tagesordnung: 1. Bericht der Branchenkommisfion. 2. Bericht der Vertrauensleut». 3. Verschiedenes.__ Stellmacher. Donnerstag, den 28. August er., abends 8'/, Uhr. i» „Rosenthaler Hos", Rosenthaler Straße 11/12. Tagesordnung: 1 Vortrag: Die Hnfänge der dcutfcbcn 6ewerh- febaftsbewegung und die erste Stcllmacbcr- Organifation. R-serent; Kollege Tornow. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Vcrbandsangelcgenheiten. Tisch-Branche. Donnerstag, den 28. August, abends 7-/. Uhr. bei W. Reckling, Boxhagener Chaussee: Vertrauensmänner- Versammlung DM- Jede Werkstatt muß vertreten sein.-MM Ple OrtsTerwaslt msB. »uchdruckerei u. Ve rlagUanstalt Paul Singer U.Co., Berlin SM Dr. 220. 30. Jahrgang. 2. WIM des Lmiirls" Kerlim WslM Dienstag, 26. Angnst 1913. Partei- 5Zngeiegenkeiten. Eine große Volksversammlung findet am Freitag, den 29. August, abends 8 Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide 103/114, statt. Es ist die Fortsetzung der Versammlung, in der die Genossin Klara Zetkin über das Thema„Gegen den Gebärstreik" gesprochen hat. Die Berliner Frauen sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Charlottenburg. Die Fortsetzung der vertagten Generalver sammlung des hiesigen Wahtvereins findet Dienstag, den 26. August abends S1/., Uhr. im Nolkshause, Rofinenstr. 3 statt. Tagesordnung 1. Fortsetzung der Diskussion über: Massenstreik und Parteitag. 2. Bericht über die Wahlmänner, die bei der Landtagswahl nicht gewählt haben. 3. Bericht von der Kreis-Gcneralversammlung 4. Wahl eincS Revisors. 3. Vereinsangelegenheiten. 6. Verschiedenes In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung wird auf ebenso zahlreichen Besuch gehofft, wie am letzten Dienstag. Mitgliedsbuch legimitiert. Tcmpelhof. Der Vortragskursus über das Thema„Aus der Ge schichte des Sozialismus" findet am 15., 18., 22. und 25. September im Wilhelmsgarleu statt. Referent ist Genosse Emil Eichhorn. Teil nehmcrkarten sind bei allen BezirlSsührern zu haben. Um recht zahl reiche Beteiligung ersucht der Bildungsausschutz. Maricndorf. Am Dienstag, den 2. September, beginnt der Vortragszyklus(i Abende)„Die Entwickelungsstufen deS Wirtschafts- lebens" von dem Genoffen Max Grunwald im Restaurant Heublein. Mariendorf, Dorsstr. 1. Karten, a 46 Pf., zu diesem Vortrag sind bei allen Bezirksführern sowie bei dem Genoffen A. Westphal, Mariendorf, Dorsstr. 36, zu haben. Wcißensce. Am Mittwoch, den 27. d. Mts., abends 8'/z Uhr, findet in der Bergbrauerei eine öffentliche Versammlung statt, in der Genossin Wurm- Berlin über„Frauen auf st ieg und Ge- b u r t e n r ü ck g a n g" spricht. Die proletarischen Frauen und Mütter wollen an dieser Versammlung teilnehmen. Auch die Partei- genossen sind dazu eingeladen. Pctcrshagcn-Frcdersdorf. Am Mittwoch, den 27. d. M., abends 8Vz Uhr. bei Kirchner in Fredersdorf Extra- Zahlabend. Wichtige Tagesordnung. ItarlShorst. Heute, abends ü'/z Uhr, im Restaurant„Fürsten bad"(Jnh. F. Bartels): Mitgliederversammlung. 1. Vortrag deS Landtagsabgeordneten Genossen Konrad H a e n i s ch:„Die Ent« Wickelung des ZeitungSwesenS". 2. Diskussion. 3. Bericht von der Kreisgeneralvcrsammlung. 4. Mitteilungen. Hohenschönhausen. Mittwoch, den 27. August, für Abteilung 2 Extrazahlabend bei F. Reiher: Wahl der Hauskassierer. Niedcrschönhauscn- Nordend. Heute abend 8'/, Uhr im Lokale Schwarzer Adler sJnhabcr Rettig), Blankcnburgcr Str. 4: Mit- gliederversainmlung. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Regina Rüben über„Bildungsbestrebungen in der Arbeiterbewegung". 2. Be- richr von der Verbands- und KreiS-Generalversammlung. 3. Auf nähme neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelegenheiten. 5. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Röntgental, Zepernick, Buch. Der Frauenleseabend obengenannter Ortschaften findet beute abend S1/« Uhr im Lokal von August Lange, SicmenSstr. 16 lRölltgental) statt. Bortrag der Genyssin Martha Arcndseö(Lichtenberg)? Berliner Nachricbten» Löwenfütterung im Freien. Da standen sie auf dem haushohen, künstlich aufgemauerten Felsenplatcau in voller Natnrschönheit vor mir, drei Könige und fünf Königinnen der Wüste. Die männlichen prächtige Burschen, als säße ihnen Protzig die Krone auf dem Haupte; die Weibchen schlanke, geschmeidige Gestalten, dem Herrn Ge mahl Untertan, auch wenn er, schlecht gelaunt, mit der mäch- tigcn Pranke ausholt. Nichts von Gittern und Strohschütten war zu sehen. Gravitätisch, wuchtig, mit funkelnden Augen schreiten die herrlichen Tiere wie in ungebundener Freiheit einher. Vier, fünf mächtige Sprünge... der schönste der Löwen hat die höchste Felsenklippe erreicht, streckt sich hoheits- voll aus, läßt die Pranken über die Felswand hängen, öffnet den Rachen zu betäubendem Brüllen und äugt dann gespannt in die Ferne... ein großartiger Anblick. Unten in der Ebene spielen die Weibchen zur Freude ihres von der Fels- kuppe herabblinzelnden Herrn und Gebieters. Ein Tatzcnhicb, der einen Menschen töten würde, gilt hier als Liebkosung. Vor dem Fclsbau, durch eine geheimnisvolle, unsichtbare Schlucht getrennt, steht das Publikum, sieht staunend, wie eine fein erdachte Kunst uns die Wüstcnnatur vortäuscht und dem edelsten Raubtier lvenigstens den eisernen Stempel des Gefängnisses fernhält. Schivache Nerven kann das Bild er schauern. Kaum zwanzig Meter sind ohne Gitterschranke die acht Räuber entfernt. Ihre Macht haben sie vtr loren. Die unsichtbare Schlucht ist breit und tief genug. die äußerste Sprungkraft zu lähmen. Der tierische Instinkt läßt sich auch nicht verleiten, auf aussichts- losen Menschenraub auszugchen. Die einstigen Helden des Wüstensandes haben sich gefügt in ihr Schicksal, sind versöhnt mit der gewährten halben Freiheit. Am Horizont taucht die Sonne immer tiefer. Die acht wundervollen Tiergcstalten werden unruhig, laufen nervös hin und her,— sie ivittcrn ihre Füttcrungszeit. Aus dem Innern des Felsens schrillt leise, dem Publikuni kaum vernehmbar, das Kreischen einer Eisentür. Der Wärter hat den Eingang zu den Nacht- käsigen geöffnet. Wie der Blitz ist dtc Löwcnschnr stoßend, drängend, einer über den andern springend, in der Felsenhöhle verschwunden. Tiefe Stille... das Plateau ist leer. Atem- los harrt das Publikum der Dinge, die nun kommen werden. Jetzt klettert aus einer anderen Felsenhöhle der Wärter mit einem großen Korbe, wirft hierhin und dorthin acht mächtige Stücke Pferdefleisch. Wieder ein leises Kreischen der Eisen- tür... und wie die wilde Jagd stürzt eS fauchend aus der Felsengrottc hervor. Mit grauenhafter Gier springen die aus- gehungerten Tiere auf ihr Lebcnselement... das Raubtier ist erwacht zu ungebändigter Stärke. Was sich nun abspielt, ist das Werk von Augenblicken. Jedes der acht Tiere sucht so schnell als möglich fertig zu werden, um— dem andern die Beute zu entreißen. Es beginnt ein Kampf, in dem die männlichen Löwen Sieger bleiben.- Im Zoo von Elberfeld war cS, wo ich dieser Tatst die schaurig.prächtige Naturszene sah. Wie verschwindet doch gegen solche Majestät der gefangene Wüstenkönig im engen Kitterkäsig. Wie es vor einiger Zeit hieß, sollte in spätestens zwei Jahren in der Jungfernheide bei Plötzensee ein ähnlicher Tierpark der öffentlichen Schau übergeben lverden.. Zu einem Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen kam es am Sonntag in der Schönhauser Allee. Dort fuhr an der Ecke der Saarbrücker Strohe ein Stratzenbahnwagen der Linie 56 gegen die rechte Seitenwand eines die Kreuzung passierenden Motor- Wagens der Linie 45. Dabei wurden beide Wagen erheblich be- fchädigt. Durch umherfliegende Glassplitter einer zertrümmerten Scheibe wurden zwei kleine Mädchen, Kruschke und Kinski, im Gesicht verletzt: ein Fräulein Just erlitt einen Nervenchok, erholte sich aber bald. Durch den Zusammenstotz wurde eine Störung von fast einer Stunde Dauer verursacht. Während dieser Zeit wurden die Wagen der Linien 45, 46, 47, 48, 49, 52, 53. 55 und 56 in der Richtung nach Pankow über das Schönhauser Tor und durch die Lothringer stratze und Weinbergsweg abgelenkt. Ein weiterer Zusammenstotz zweier Straßenbahnwagen ereignete sich abends 8V« Uhr auf dem Tempelhofer Felde. An der in der Mitte des Feldes befindlichen Haltestelle hielt ein Zug der Linie 37, dem mehrere Personen entstiegen. In diesem Augenblick nahte ein Zug der Linie 99 bl heran, der auf die haltenden Wagen auffuhr. Bei dem Zusammenstotz erlitten eine Frau Brüning und deren Schwiegermutter Frau Müller einen Nervenchok. Die beiden Damen wurden in das Tempelhofer Garnisonlazarett geschafft, konnten jedoch schon nach kurzer Zeit wieder entlassen werden. Autzerdem klagten acht Personen über Schmerzen im Rücken, am Kopf usw., doch dürften die Verletzungen nur unerheblich sein. Eine größere Betriebsstörung entstand nicht._ Ein Siebzigjähriger. Einer von der alten Garde, die unter dem Sozialistengesetz nach besten Kräften ihren Mani» gestanden, Louis Weber, begeht am heutigen 26. August seinen 76. Geburtstag Weber ist namentlich unter den Genossen des Westens bekannt und wenn er auch öffentlich nicht hervorgetreten ist, so hat er in der Kleinarbeit um so Ersprießlicheres geleistet. Stach heute ist der alte Kämpe auf dem Plan, wenn die Partei Aktionen unternimmt. Mit Recht können wir dem Jubilar als ein Vorbild für die jüngeren Ge- nossen bezeichnen, der an der Vorwärtsentwickelung der proletarischen Bewegung stets Anteil genommen hat. Und wenn heute die be- kannten Parteigenossen dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche darbringen, so tun sie dies in der Hoffnung, daß eS ihm noch viele Jahre vergönnt sein möge, an dem Vormarsch deS Sozialismus An- teil zu nehmen. Die neue Berliner Straßenordnung, die vom Polizeipräsidenten dem Magistrat der Stadt Berlin zur Zustimmung vorgelegt ist, ist schon vor längerer Zeit in einer Korn- mission des Magistrats durchberaten worden. Wie das Nachrichten- amt des Magistrats der Stadt Berlin schreibt, hat sich hierbei her- ausgestellt, daß in dem Entwurf wichtige Bestimmungen enthalten sind, die in die Rechte der nicht dem Polizeipräsidenten, sondern dem Berliner Oberbürgermeister unterstehenden Wegepolizei eingreifen. Mit Recht konnte die Stadt fordern, daß zwischen den beiden zuständigen und gleichberechtigten polizeilichen Organen zunächst eine Verständigung über jene Punkte herbeigeführt wurde, ehe ein fertiger Entwurf dem Gemeindevorstand auf Grund des Gesetzes über die Polizeiverwaltung zur Genehmigung vor- gelegt wurde. Jedenfalls war der Magistrat nicht eher in der Lage, die Verabschiedung der Straßenordnung zu bewirken, als nicht die städtische Polizciverwaltung eine Wahrung ihrer Rechte in dem neuen Entwurf bewirkt hatte. Inzwischen haben über die in Frage kommenden Punkte zwischen den beiden beteiligten polizeilichen Organen eingehende Verhandlungen stattgefunden, so daß nunmehr die Beratung des Elitwurfs im Magistrat erledigt werden kann. Gegen wichtige Bestimmungen desselben liegen aber penr Magistrat aus den Kreisen von Handel und Industrie,' insbesondere auch aus deren Vertretung, der Handels- kanimer und den Aeltesten der Kaufmannschaft, sowie aus dem Verkehrsgewerbe lebhafte Vorstellungen vor. Ebenso wendet sich die städtische VerkehrSdcputation gegen eine Reihe von Aenderungen, die die neue Straßenordnung im Berliner Verkehrswesen schaffen will. Der Magistrat wird diese Einwände ernstlich würdigen, um der Beunruhigung entgegen zu wirken, welche durch die betreffenden Vorschriften in den beteiligten Kreisen des Verkehrslcbcns hervorgerufen ist. Die starken Gewitter, die gestern in der zweiten Morgen- und Nachmittagsstunde niedergingen und sich durch recht heftigen Guß- regen auszeichnete, haben an verschiedenen Stellen zu Ueber- schwemmungen von Kellern geführt. Die Gewitter wurden durch eine nur äußerst schwach angedeutete Teildepression bedingt, die langsam über Deutschland dahinzog. Das Barometer hat den sonst vor dem Gewitter üblichen, leichten Fall nur andeutungsweise durch- gemacht und ist gleich hinterher wieder gestiegen. Bei de in Nachtgewitter brach in Britz infolge Bl schlag in den Stallgcbäuden des früheren Gastwirts Karl Gruhn auf dem sogenannten Eggersberg in der Trift- stratze Feuer aus, das zwei Ställe, einen Wagenfchuppen mit den darin stehende» Wagen und Ackergerät sowie einen Teil des Wohn- gebäudes in Asche legte. Auch einiges Federvieh ist den Flammen zum Opfer gefalle», während das Pferd und die Schweine in Sicherheil gebracht werden konnten. Da an der Brandstelle wegen der weiten Entfernung dieses Abbaues vom Orte keine Wasser- leitung vorhanden war, hatte das Eingreifen der Feuerwehren nur geringen Erfolg. Erst gegen 5 Uhr konnten die Wehren wieder abrücken. Während des Gewitters in der zioeiten Nachmittagsstunde schlug der Blitz in der Schlotzstraße in Charlottenburg vor dem Hause Nr. 33 in einen elektrischen Mast.- Die Jrrsinnstat in der Chaufteeftraßc. Der Arbeiter Hugo Sander, der in der Nacht zum Sonntag seine Frau durch Hammerschläge und Messerstiche lebensgefährlich verletzte, dann die Flucht ergriff, in Potsdam aber verhaftet wurde, hat in der letzten Nacht im Potsdammcr Gefängnis Selbstmord ver- übt. Er wurde gestern morgen in seiner Zelle erhängt aufgefunden. Die Leiche überwies man der Leichenhalle des Potsdamer Fried- hofeS. Sander hatte sich noch in der Nacht zum Sonntag nach Potsdam begeben, um seinen Freund, den er von der Irrenanstalt Dalldorf her kannte, aufzusuchen. Er traf diesen auch an und er- zählte ihm von der Tat. Er erklärte:„Ich habe meiner Frau eins vor den Kopf gegeben, jetzt wird sie hoffentlich nicht mehr leben!" Der Freund benachrichtigte einen Schutzmann, der den Flüchtigen nach kurzer Jagd einholte und verhaftete.— Das Befinden der Frau Sander, die im Augustahospital liegt, war heute unverändert ernst Bor Abschlicßung von Mietöverträgen über Räume in neuerbauten oder umgebauten Häusern für eine Zeit, zu welcher die von der Aus- fertigung des Rohbauabnahmescheins ablaufende Frist von sechs Monaten für die GcbrauchSabnahme-Prüfung noch nicht verstrichen ist, warnt das Polizeipräsidium: vor Ablauf dieser Frist könne das Beziehen von Wohnungen nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht geduldet werden. Die Polizeireviere sind angewiesen, auf Anfragen aus dem Publikum über den voraussichtlichen Termin der Beziehbar- keit von Wohnungen in neuen oder umgebauten Häusern bereitwilligst Auskunft zu erteilen. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich vorgestern auf der Chaussee zwischen Mahlsdorf und Kaulsdorf. Von zwei hinter- einander fahrenden Privatautomobilen wollte daS zweite links das erste überholen, bog jedoch zu. kurz nach rechts hinüber, so daß es das erstere anfuhr und auf die Seite schleuderte. Dabei stieß das Automobil gegen einen Baum und wurde zertrümmert. Die Insassen, zwei Herren und zwei Damen, Frau Baudoin und Frau Jannaret, wurden herausgeschleudert. Frau Baudoin wurde der Oberkiefer zerschmettert und einige Rippen gebrochen. Ob außerdem eine Schädelvcrletzung vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden. Sie wurde nach dem Elisabeth-Krankenhause in Ober-Schöneweide ge- schafft. Das Automobil, das den Unfall herbeigeführt hatte, fuhr da- von, so daß seine Insassen nicht ermittelt werden konnten, Die Zukunft des Sportpalastes. Wie gemeldet wird, hat der Inhaber der Konzertdirektion Tausinger durch die Immobilien- verkehrsbank den jetzt leerstehenden Sportpalast in der Potsdamer Straße gepachtet. ES ist beabsichtigt, dort einen„Lunapark im Winter" zu errichten. Der blaue Saal soll als Tanzlokal ein- gerichtet werden. Das Unternehmen soll bereits Anfang Oktober er« öffnet werden. Polizeilich beschlagnahmt und zur Feststellung der Todesursache nach dem Schauhause gebracht wurde gestern die Leiche eines kleinen den in der Georgenkirchstratze wohnhaften Schaleschen Eheleuten gehörigen Kindes. Als das einen Monat alte Kind in der vorigen Woche anfing zn kränkeln, suchte die Mutter damit einen Arzt auf, der dem Kleinen eine Medizin verschrieb. Am Sonnabendabend ging Frau Schale nach der Markthalle, um einzukaufen. Der Mann hatte während dieser Zeit daS kleine Krnd mit in sein Bett genommen. Wie er angegeben haben soll, begann dieses bald zu schreien. Um es zu beruhigen, habe er ihm die Flasche geben wollen, doch habe eS sich geweigert, dieselbe zu nehmen. Darüber sei er so wütend geworden, daß er dem Kinde eine Backpfeife gegeben habe. Hierauf sei es auch ruhig gewesen, und er habe weiter geschlafen. Als die Frau vom Einholen zurückkehrte, war das Kind bereits tot. Nun ging sie zu dem Arzt, der eS vorher behandelt hatte, traf ihn aber nicht an. Am anderen Tage wurde die kleine Leiche beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Ein großer Dachstuhlbrand kam gestern nacht in der WilmerS« dorfer Str. 13 zum Ausbruch und beschäftigte die Charlottenburger Feuerwehr über drei Stunden. Das Feuer war im Dachgeschoß des Ouergebäudes entstanden und hatte sich, als man es bemerkte, auch schon dem Dachstuhl des Seitenflügels mitgeteilt. Die Charlotten« burger Wehr rückte mit der Haupt- und Südwache an und fand eine ziemlich bedrohliche Situation vor. Der Löschangriff wurde mit drei Rohren durchgeführt, doch hatten die Löschmannschaften unter der starken Rauchentwickelung sehr zu leiden. Es gelang aber schließlich, das Feuer auf die beiden Dachstühle zu beschränken, die allerdings zu einem erheblichen Teil zerstört worden find. Ueber die Ursache des FeuerS ist nichts festgestellt worden.— Fast gleichzeitig brach in der Wallstraße 43 ein zweites Feuer aus. Hier brannte einSchank- lokal in größerer Ausdehnung, und es mußte ebenfalls längere Zeit Wasser gegeben werden, um die Gefahr zu beseitigen. Die Versorgung von Hinterbliebenen unverheirateter städtischer Bediensteten bildet den Gegenstand einer Vorlage, die der Magistrat von Charlottenburg der Stadtverordnetenversammlung unterbreitet. Nach dem Vorschlage des Magistrats sollen die für Witwen maß- gebenden Bestimmungen betr. die Gewährung von Gnadengcbühr- nissen und von Witwengeld sinngemäße Anwendung finden auf die- jenigen unverheirateten städtischen Beamten, Lehrpersonen. Privat« dienstverpflichteten und Arbeiter, die mindestens 25 Jahre im Dienst' der Stadt Charlottenburg zurückgelegt und bis zu ihrem Tode seit mindestens 26 Jahren entweder einer unverheirateten Schwester oder der verwitweten Mutter während des Wttwenstandes oder einer un- verheirateten Tochter während des Witwenstandes des Bediensteten Wohnung und Unterhalt im eigenen Hausstande gewähtt haben. Die Entscheidung über die Gewährung der Versorgung, auf die ein Rechtsanspruch nicht eingeräumt wird, und die nur dann eintritt, wenn der Bedienstete selbst bei Lebzeiten den Anttag auf Ein- räumung der Vergünstigungen gestellt hat, erfolgt im Einzelfalle durch den Magistrat. Neukölln. Die Ersatzwahl im 2. Wahlbezirk d/r 2. Wählerabteilung für den verstorbenen Stadtverordneten Klebe findet am Freitag, den 12. September d. I., in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, und. zwar sür den Abstimmungsbezirk 2a in der Turnhalle des Kaiser-Friedrich-RealgyrnnasiurnS, Kaiser-Friedrich« Straße 268/216, und für den Abstimmungsbezirk 2b in der Turn- Halle der 19. und 26. Gemeindeschule, Stuttgarter Str. 35/88, statt. Friedenau. In der Mitgliederversammlung des Wahlvercins ehrte zunächst der Genosse Hagen in einem warmen Nachruf das Andenken des verstorbenen Genossen August Bebel. Alsdann referierte Genosse . Pieck über„Die Aufgaben des Parteitages". Neben der Be- -Handlung wichtiger Organisationsfragen, die durch den Mitglieder- rückgang aufgerollt seien, und deren Ursachen nicht nur, wie oft be« hanptet würde, ihren Grund in den schlechten WirtschaftSverhält« nissen hätten, sei die Steuerfragc mit der wichttgste Punkt der Tagesordnung. Er, Redner, habe im ersten Augenblick, als die FraktionSmehrheit die Gründe für ihre Haltung bei den Deckungs- vorlagen auseinandersetzte, dieselben für ausreichend gehalten, um eine Zustimmung zur Vermögenssteuer und zum WeHrbeitrag zu rechtfertigen. Nachdem er sich aber die Konsequenz diese? Ber- fahren? tiefer durchdacht habe, stehe er heute auf dem Standpunkt, daß bei diesen Steuern doch der Verwendungszweck uns hätte be- stimmen müssen, dieselben abzulehnen. Nach der Argumentation der Mehrheit der Fraktion müsse dieselbe, wenn im nächsten Jahre die Regierung eine neue Militär- oder Flottenvorlage einbringe und zur Deckung direkte Steuern vorschlage, denselben auch wieder zustimmen. Wer annehme, daß die Besitzsteuern die Befitzenden bestimmen würde, dem Rüstungswahnsinn Einhalt zu tun, täusche ich. Die herrschende Klasse, die auf der einen Seite ungeheure Summen an dem Militarismus verdiene, könne ihn sich auf der anderen Seite wohl etwas kosten lassen. Die am meisten Ge- schädigten seien immer und auch in diesem Falle die Arbeiter. Diese Vorlage bringe uns jährlich 66 666 neue Soldaten. Arbeiter- ohne seien es, die sich zwei und drei der besten Jahre ihres Lebens in die Kasernen sperren lassen müssen und dadurch einer nutz- bringenden Tätigkeit entzogen werden. Es sei notwendig» daß der Parteitag gegenüber einer starken Strömung nach rechts, die sich nicht in den Massen, sondern nur innerhalb leitender Kreise der Partei, insbesondere aber in der Fraktion geltend mache, erkläre, daß an der alten Taktik nichts geändert werde. Mit der Fttlge des Maffenstreits beschäftigte sich der Referent nicht, da dies i««ms- 'ührlicher Weise am Montagabend durch die Genossin Zetkin ge» -chehen soll. In der Diskussion sprach zunächst Genosse Ilnger; er ist der Meinung, daß unsere Führer d»e Kühlung mit der Masse verloren haben. Dies sei insbesondere in den Gewerkschaften der Fall. Genosse Bloch verlangte eine entschiedene revolutionäre Politik. Der Arbeiterschaft müsse viel mehr und wirksamer wie es bisher geschehen, die ganze Schändlichkeit unserer Zustände vor Augen gejährt werden. Jetzt scheine es manchmal so, als ob man' Angst habe, die Massen aus die Beine zu bringen. Genosse Paulu»' 'chloß sich im wesentlichen dem an; er wendete sich gegen unsere Be. russparlamentarier, die sich.neunmalklüger dünken wie jeder andere Genosse. Gen. Kamrowski hält die Taktik der Fraktion �ür die richtige. Nicht durch revolutionäre Phrasen, sondern durch praktische Mitarbeit im Interesse der Arbeiterschast habe dieselbe zu wirken. Gegen die Ausführungen von Unger wandte sich Genosse Hagen. Man könne die Taktik der Gewerkschaften kritisieren, doch solle man sich hüten, seinem Unmut im persönlich gehässigen Kampfe gegen die Gewerkschaftsangestellten Luft zu machen. Jede Organisation, ob Partei oder Gewerkschaft, habe die Führer, die sie verdiene. Gegen die �Militärvorlage habe die Fraktion nicht mit der genügenden Schärfe Front gemacht. Man hätte wenigstens den Versuch der Obstruktion machen müssen. In seinem Schlusswort ging Genosse Pieck im einzelnen auf die gegen seine Ausführungen gemachten Einwände ein. Nicht kompromisseln und dämpfen, sondern rück- sichtsloser Kampf müsse unsere Parole sein. Den Bericht von den Kinderferienausflügen, an denen sich bis 170 Kind«: täglich k>«. teiligten, gab die Genossin Tolle. Di« Genossinnen haben keine Mühe gescheut, um den Kleinen während der Ferien Erholung und Unterhaltung zu verschaffen. Ter Vorsitzende dankte namens des Wahlvereins den Fpauen für ihre aufopfernd« Arbeit im Jnteress« der Kleinen. Schöneberg. .In der Sitzung der Schiinebergcr Gcwcrkschastskommissio» er- stattete zunächst Genosse Marquardt als Obmann Bericht von der Vorständekonferenz. Unter anderem sei auch vom Schönebcrger Arbeitsamt gesprochen worden; er könne mitteilen, daß sich der AuS« schuss mit der Absicht trage, bei der Aufsichtsbehörde vorstellig zu werden, um eine Aenderung desselben herbeizuführen. In der Frage der Rechtsprechung seien die Urteile des Berliner GewerbegerichtS mustergültig. Die Unternehmer versuchte» deshalb ihre Betriebe mehr in die Vororte zu verlegen, um dort die Streitfälle zu er- ledigen. In der Jugendfrage werde erwartet, daß jeder einzelne mehr dafür Propaganda macht. In der Diskussion brachte der Ver- lreter der Steinsetzer, Genosse Kühne, einige Beschwerden über de» Nachweis zur Sprache. Dieselben sollen der staltfindenden Versamm- lung als Material überwiesen werden. Genosse Krukow ersuchte den Ausschuß der Kommission, die Borarbeiten für die Ausschusswahlen der Ortskrankenkasse vorzunehmen, da dieselben bis 1ö. Oktober er- lcdigt sein müssen. Auf Antrag Sobischek werden hierfür sechs Ge- Nossen gewählt. Die Genossen Küter und Henkel halten es für not- wendig, daß sich jeder Wähler in die Liste eintragen lässt. Da Proporzwahl stattfindet, müssen besonders die weiblichen Mitglieder daraus hingewiesen werden. Es fehlten die Vertreter der Brauerei- arbeiter, der Gastwirtsgehilfen, der Gärtner, der Schneider, der Tapezierer und der Friseurgehilfen. Lichtenberg. Die Tonne, jenes für moderne Verkehrsverhältnisse ganz un- mögliche Kommunikationsmittel zwischen der Marktstrasse und der Strasse Alt-Boxhagen im OrtSteil Rummelsburg, erfährt jetzt eine bauliche Veränderung dadurch, dass der Eisenbahndamm verbreitert wird, um fiir weitere Schienenstänge Platz zu bieten. Die Eisen- konstruktion, zunächst für den verbreiterten Teil de« BiaduktS, ist schon ziemlich fertiggestellt, sie lässt erkennen, dass die Spannweite gegen früher eine beträchtlich grössere ist und dass infolge Wegfalls der kreisbogenförmigen Wölbung die lichte Oefsinmg der llcber- brllckung erheblich gewinnt. Man sieht aber auch, dass die lichte Höhe nicht um einen Zentimeter vergrößert wird. Das zeugt von einer geradezu unverzeihlichen Kurzsichtigkeit der Eisenbahn- Verwaltung. WaS hätte es wohl geschadet, wenn bei den ohnehin notwendigen Umbauten der Damm an jener Stelle erhöht wurde? Eine um einen Meter grössere Höhe wäre schon eine gewaltige Ver- besserung gewesen. Gewiss sind die Kosten wegen der erforderlichen umfangreichen Aufschüttungen, um eine allmähliche Steigerung zu erzielen, keine geringen. Sie würden jedoch durch den damit ver- bundeuen Nutzen für den Strassenverkehr mehr als aufgewogen, während der Gewinn jetzt, trotz der verhältnismässig nicht viel niedrigeren Kosten des Umbaues, beinahe gleich Null ist. Wir glauben, dass eS jetzt noch möglich ist. den BerkehrSbedürfnissen Rechnung zu tragen, indem man die Betonwiderlager der Eisenkonstruktion um einen Meter erhöht, denn an eine Tieferlegung des Strassen- Niveaus kann wohl, der damit verbundenen grossen Nachteile wegen, nicht gedacht werden. Unhaltbare Zustände herrschen, wie unS ein Leser mitteilt, in der städtischen Steuerkasse. Grünberger Str. 12. In jenem engen Raum ist namentlich bei Ueberfüllung eine so schlechte Atmosphäre vor- Händen, dass zuweilen schon Ohnmachtsansälle zu verzeichnen waren. Zudem müssen die Steuerzahler erst über Gebühr lange warten. Einen solchen unwürdigen Zustand sollte der Magistrat der Stadt Lichtenberg auf dem schnellsten Wege beseitigen. Tempelhof. Die letzte Mitgliederversammlung des Wahlvereins eröffnete der Vorsitzende O. Ewald mit einem warmen Nachruf für unseren Vor- kämpfer August Bebel. Hierauf referierte Genosse Gehrke-Britz über das Thema.Massenstreik". Die Ausführungen de« Redners gipfelten darin, dass die Frage deS Massenstreiks wohl propagiert werden müsse, dass aber daS Interesse am politischen Massenstreik in den Massen noch nicht genügend vorhanden sei, beweise der unverhältniS- massig schlechte Besuch der Versammlungen, in denen dieses Thema behandelt wurde.— In der DiSkuspon wandten sich mehrere Redner scharf gegen die Ausführungen des Referenten, der, wie alle Gewerkschaftsführer, die Massen nur zu bremsen versuche. In seinem Schlusswort stellte der Vortragende zunächst fest, dass er gar kein Ge- werkschaftSbeamter sei und dass eS doch eine recht üble Angewohnheit sei, immer zuerst gegen die Gewerkschaftsführer zu Hetzen, die sich wohl ihreS Verantwortungsgefühls bewusst sein müßten. Indem er an das Marxsche Wort erinnerte:.Es kommt nicht darauf an, waS daS Proletariat will oder waS das Proletariat soll, sondern waS daS Proletariat m u ss," meinte er, wenn dann die Gewerk- schpftsführcr die Bremsklötze seien, so würden sie dann von der Flut hinweggespült werden.— Zur Kreisgeneralversammlung wurden als Delegierte die Genossen G. LieSke, Naumanu, König und Graf ge- wählt.— Für den Parteitag wurde folgender Antrag angenommen: .Alle Angestellte in Partei- und GcwcrkschaftSinstitutionen haben ihren AroeitSverdienst am 1. Mai dem Maifonds zuzuführen."— Der hiesige BildungSauSschuss veranstaltet am IS., IS., 22. und 25. September, abends 8'/, Uhr, einen Vortragskursus:„AuS der Geschichte des Sozialismus." Referent: Genosse Eichhorn. Teilnehmerkarten a iO Pf., die zum Besuch aller Abende berechtigen, sind bei den Bezirkosiihrern und den BildungSauSschussmitgliedern zu haben. Zvkahlsdorf an der Ostbahn. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung stand als einziger Punkt ein Antrag Plewe und Genossen auf der Tagesordnung, der verlangt, das Klageverfahren gegen die Wahl der Herren Bartsch und Klein einzustellen und dieselben in ihr Amt als Gemeinde- Vertreter einzuführen. Nachdem Herr Plewe den Antrag begründet und Genoffe Schumann erklärt hatte, dass unsere Genoffen kein Interesse an dem Antrage hätten, sich daher auch der Stimme ent- halten würden, erfolgte die Annahme des Antrages. Eine Bebel-Gedächtnisfeier hatte der Wahlverein am Sonnabend im AnderSschen Lokal veranstaltet, die einen guten Besuch aufwies. Eingeleitet wurde die Feier durch einen wirkungsvollen Gesangs- Vortrag des Arbeitergesangvereins Freiheit. Sodann gab Genoffe P ä tz e l- Neukölln«in anschauliche» Bild von dem Leben und Wirken August Bebels, wofür er reichen Beifall erntete. Mit einem nochmaligen Gesangsvortrag schloß die würdige Feier. Köpenick. Urb« Massenstreik und Parteitag referierte in einer gut be- suchten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Dr. Mose«. Redner betonte, dass er zwar kein Gegner deS Massenstreiks, aber der Meinung sei, dass zurzeit an eine Durchführung desselben zur Er. ringung deS gleichen Wahlrechts für Preußen noch nicht gedacht werden könne. Wenn auch von verschiedenen Seiten der belgisch« Streik als Muster angeführt werde, so müsse doch besonders betont werden, daß die belgischen Arbeitet mit ganz anderen Verhältnissen zu rechnen hatten als die deutschen. Diese hätten von vornherein die Sympathie de» liberalen Bürgertum» aus ihrer Seite gehabt, während wir nur auf uns selbst angewiesen sind. Er, Redner, sei sogar der Meinuirg, daß nicht einmal die uns noch abseits stehenden Arbeiter für den Massenstreik zu bewegen wären. Mit der Haltung der ReichStagSfraltion zur Deckungsvorlage sei er einverstanden. Mit der Aufforderung an die Parteigenoffen, unsere Organisationen zu stärken, damit, wenn einmal die Zeit ernstlichen Handelns gelommen. wir auch gerüstet dastehen, schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen. In der darauf folgenden DiSlussion sprachen sich die Redner im Sinne des Referenten aus. Die Agitation zwecks Ge- winnung neuer Mitglieder hat 52 Neuaufnahmen ergeben. Hierauf gab Genosse Kießling den Vierteljahrsbericht. Einer Ein- nähme von 1320,92 M. steht eine Ausgabe von 999,12 M. gegenüber, so daß ein Kassenbestand von 321,80 M. verbleibt. Beim Vollssest ist ein Ueberschuß von 98,49 M. erzielt worden. Zur KreiSgeneralversamm- lung wurden die Genossen Raschke.Klanck.SkurraS undHeidrich gewählt. Ein Antrag, wonach die Bibliothek den Namen.Zentralbibliothek der freiorganisierten Arbeiterschaft Köpenicks" erhalten soll, wurde debattelos angenommen. Anknüpfend hieran gab Genoffe Schulz den Bericht der Bibliothekkommission. Die Bibliothek besteht zurzeit aus 902 Bänden, sie wurde im letzten Jahre von 273 Lesern 8678 mal in Anspruch genommen. Genosse Herbst gab bekannt, daß der BildungSauSschuss seine Veranstaltungen festgesetzt habe. Bis zum Jahresichluss seien zwei Theaterabende und eine Kindervorstellung vorgesehen. Auch sei beim Genossen Wissler eine Ausgabestelle zur Bekämpfung der Schundliteratur errichtet worden. Bücher könnten daselbst entliehen werden. Zum Schluß gab Genoffe Jahnke den Jahresbericht vom Arbeiter-Jugendheim. ES wäre Pflicht der Genossen, auch in dieser Hinsichl mehr wie bisher zu tun. damit auch bald mal daran gedacht werden könne, ein eigenes Arbeiter- Jugendheim zu errichten. Nowawe«. Einen gefährlichen Zeltvertreib der Kinder bildet in der jetzigen Jahreszeit daS Sammeln von Eicheln auf Strassen und Platzen. Zum Bombardieren der Bäume werden nicht nur Stöcke verwandt, sondern auch allerhand Scherben, Steine. Holzstücke usw., die oft beim Niederfallen die Kinder selbst oder vorübergehende Personen treffen und verletzen. So wurde am Sonnabendnachmittag in der Wallstrasse durch ein grösseres Holzstück ein in einem Wagen be- findliche» Kind so heftig getroffen, daß es an der Stirn, dicht über den Augen, eine erhebliche Verletzung erlitt. Da durch eine solche Spielerei erhebliches Unheil angerichtet werden kann, wäre es gut, wenn die Eltern ihre Kinder davor warnten. Adlershof. AuS der Gemeindevertretung. In ihrer ersten Sitzung nach den Ferien hatte die Gemeindevertretung eine für den Ort sehr wichtige Tagesordnung zu erledigen. Das Feueralarmwesen der Gemeinde stand nicht mehr auf der Höhe. Auf Antrag unserer Genossen ist man endlich dazu gekommen, an Stelle des SIrencnshstemS ein neues in Anwendung zu bringen. Vom FeuerlöschauSschutz gewählt und der Gemeindevertretung zur Annahn, e empfohlen wurde ein Wecker- system, wie es in Nieder« Gchönewnde bereits seit längerer Zeit und mit gutem Erfolge eingeführt ist. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, vorläufig 15 Wecker einzuführen. Die Kosten betragen zirka 7700 Mark. Nach einvierteljährlicher Probe- zeit sollen, wenn sich daS System bewährt, weitere 10 Wecker an- zeschlossen werden. Genosse Zabel regte bei dieser Gelegenheit an, daß die Gemeinde einen zweiten Krankentransportwagen anschaffen müsse. Der Bürgermeister versprach eine dementsprechende Vorlage der Vertretung zu unterbreiten. Sine Borlage, betreffend die Be- soldungSordnung für das Lehrpersonal der höheren Schule, wurde der Schuldcputalion überwiesen. Hinsichtlich der Unterstellung der Anstalt unter Aufsicht de« ProvmzialschulkollegiumS wurde vom Bürgermeister bekannt gegeben, daß die Bedingungen derart harte sind, dass sie die Gemeinde nicht erfüllen könne. Diese Angelegenheit soll nicht weiter verfolgt werden. Die Bemeinderechnung pro 1911 schließt mit einem Ueberschuß von 70936 Mark ab. Eine lebhafte De- batte zeitigte der Punkt. RathauSbau". Im Jahre 1910 hatte die Gemeindevertretung den Ankauf einer auf dem Gelände der Frau Bodenstedt gelegenen 187 Ouadratruten grossen Parzelle zum Zwecke eines RathauSbaueS beschlossen. Mit dem Bau soll spätesten« am 1. April 1914 begonnen werden. Der EtatSauSschuss empfahl der Vertretung mit dem Bau zu beginnen und noch weitere zwei Par- zellen hinzuzukaufen. Genosse Zabel bekämpfte den sofortigen Bau de» Rathauses und stellte den Antrag, sich mit dem Magistrat von Köpenick in Verbindung zu setzen, um_ ein« Eingemeindung herbeizuführen. Fast all« bürgerlichen Redner sprachen sich gegen die Eingemeindung au«. Im Prinzip war man wohl dafür, aber, so meinte ein Redner, wir haben doch nichts und deswegen wird un» Köpenick nicht nehmen. Mit Recht wurde von unseren Genossen daraus hingewiesen, dass sie ja stet» bei Lieferung von Elektrizität usw. ür den Anschluß an die Werk« der Stadt Köpenick waren; jetzt räche es sich, was zum Teil erst vor wenigen Wochen gesündigt wurde. Wie nicht anders zu erwarten, wurde der Antrag auf Einleitung der Eingemeindung gegen 6 Stimmen— nur ein bürgerlicher Vertreter stimmte für den Antrag— abgelehnt. Darauf wurde der Bau de« Rathauses gegen zwei Stimmen beschloffen. Einem lang enipfundcnen Bedürfnis wird durch die Errschtung einer Fortbildungsschule Rechnung getragen. Um die Vorarbeiten zu erledigen, wurde ein« besondere Kommission gewählt. welcher unsere Genossen Zabel und Petrick angehören. Der Erweiterung des Frei- badeS Adlershof stimmte die Gemeindevertretung zu. DaS Bad hat jetzt eine Wasserfront von 145 Metern, die Pacht wurde durch die Vergrößerung um 300 M. erhöht. Der Verkauf des ausländischen Fleisches hat der Gemeinde eine Mehrausgabe von 755,88 M. verursacht. Spandau. Bor der Gefahr, vom Blitz«schlagen zu«erden, ist gestern nacht ein Einwohner deS Hauses Staakener Strasse 81 durch einen Zufall bewahrt worden. Während des Gewitters traf ein Blitzstrahl diese« nur von wenigen Familien bewohnte, kleine Gebäude und drang durch da» Dach in eine zu ebener Erde gelegene Wohnstube, wo ein Bett entzündet wurde, ein. Dieses war aber noch leer; derjenige, welchem es als Ruhelager dienen sollte, war noch wach und saß in der Küche: er bekam, als der Blitz in das Haus einschlug, zwar einen gewaltigen Schreck, ist aber sonst ohne Schaden davon- gekommen. Der Blitz hat an dem Gebäude einigen Schaden an- gerichtet, auch ein vor dem Hause stehender Baum wurde von dem Blitz getroffen, der an dem Stamme fichtbare Spuren der Zer- störung zurückgelassen hat.__ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Nieder-SchSnhausen. Heute, Dienstag, den 26. August, nachmittag» 6 Uhr, im Rathaus. Diese Sitzungen sind Ssscntltch. Jeder GemeindeangehSrige i> be rechtig«, ihnen als ZuhSrer beizuwohnen. Gerichts- Leitung» Liebe macht blind. Eine Entführungsaffäre beschäftigte am Montag die zweite Ferienstrafkammer de» Landgerichts III. Wegen Entführung einer Minderjährigen und Betruges war der angebliche Schauspieler und Steward Karl Alb recht angeklagt. Der Angellagtc, der aus guter Familie stammt, hat eine sehr abcnteurliche Vergangenheit hinter sich. Trotz seiner Jugend ist er schon dreimal wegen Be- trüge» vorbestraft. Nachdem er von seinen Verwandten nach Amerika abgeschoben worden war, kam er al» Steward wieder nach Deutschland zurück. Hier lernte er die Ibjährige Tochter deö Por- zellanmalers G. kennen, dem er sich als Student der Rechte bor- stellte. Dgi etwas jugcndlich-naivc kleine Fräulein glaubte die Erzählungen des Angeklagten aufs Wort und war höchst unalück- iich, als eines Tages die Eltern den zarten Beziehungen«hres Tochterchens auf die Spur kamen und unter deutlichem Hinweis auf eine eventuelle handgreifliche Lektion ihr verboten, noch weiter niit dem Angeklagten in Beziehungen zu treten. Eines schönen Tages war das ltebeShungrige Töchterchen spurlos verschwunden. Die Eltern liefen schleunigst zur Polizei und erstatteten gegen den Verführer Anzeige. Nachdem das Pärchen eine Vergnügung»- fahrt nach Dessau und Zerbst unternommen hatte, landete es völlig mittellos in einem Pensionat in Charlottenburg, wo es sich al» ..Bruder und Schwester" einquartiert und auf Pump gelebt hatte. Das Gericht erkannte wegen des Betruges auf Freisprechung, da- gegen wurde der Angeklagte wegen Entführung zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt._ Ein trauriges Subjekt. Entsetzliche Familicnvcrhältniffe entrollte eine Verhandlung. die am Montag den Arbeiter Friedrich Dietrich auf die An- klagebank brachte. Der Angeklagte ist seit mehreren Jahren ver- heiratet, seine Ehe war jedoch von Anfang an nicht recht glücklich. weil er häufig zu tief ins Glas guckte und dann in der Trunkenheit mit seiner Frau Streit anfing, der häufig in Mißhandlungen auS- artete. Wiederholt kam eS auch vor, daß er seinen ganzen Wochenlohn in den Kneipen vertrank, so dass die Frau ge- zwungen war, sich durch ihrer Hände Arbeit den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder zu verdienen. Am 24. Mai d. I. war der Angeklagte wieder, ohne einen Pfennig Geld in der Tasche zu haben, nach Hause gekommen. Als er am nächsten Morgen seinen Rausch ausgeschlafen hatte, verlangte er von seiner Frau, daß diese ihm ein Frühstück vorsetzt«. Die Frau erklärte ihm, dass sie kein Geld habe, da er ja wieder seinen Wochenlohn vertrunken habe. Während die Frau an der Nähmaschine sah und emsig arbeitete, um für sich und die Kinder Brot zu verdienen, bewaffnete sich der Angeklagte mit einem Beil und versetzte der Frau von hinten einen Schlag auf den Kopf, der sie bewuhtloS zu Boden streckte. Die Staatsanwaltschaft leitete erst ein Verfahren wegen ver- suchten Totschlags gegen den Angeklagten ein, die Anklage wurde jedoch nur wegen Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung erhoben. Mit Rücksicht darauf, dass der Angeklagte, der bisher unbescholten ist, seine Tat offenbar bereue. erkannte das Gericht dem Antrage deS Staatsanwalts gemäß auf 9 Monate Gefängnis. Versammlungen. Deutscher Tabakarbeiterverband. Die Zahlstelle Berlin hielt am Freitag ihre Ouartalsversammlung ab. Börner teilte mit, dass der zweite Bevollmächtigte Alwin Schulze seine Aemter niedergelegt hat. Die Stelle soll ausgeschrieben werden. Die Ab- rechnung ergab, daß Einnahmen und Ausgaben der Lokalkasie mit 8499,04 M., Einnahmen und Ausgaben der Hauptkasse mit 7523,93 Mark bilanzieren. Für Unterstützungszwccke wurden insgesamt ausgegeben 3498,25 Mk.— Nach Erledigung dieses Punktes er- statteten A r m b r u st und Frau Minut Bericht von der Generalversammlung und Fritz von der Gaukonferenz. An die Berichte schloß sich eine längere Diskussion, in der die Beschlüsse mit Arbeiten der Versammlung teils kritisiert, teils auch gutgeheißen wurden. Zuletzt stimmte die Versammlung einer Resolution zu, die besagt, daß die Mitgliederversammlung sich mit dem Verhalten der Delegierten und den Beschlüssen der Generalversammlung ein- verstanden erklären._ Hu 9 aller Alelt. eine gutmütige Seele. Vor einigen Monaten schrieb eine Berliner Wochenschrift einen Preis aus für die beste Beantwortung der Frage:..Wer ist de: dümmste Mensch in Berlin." Wir wissen nicht, ob sich das fest- stellen ließ. Würde aber ein Preis ausgeschrieben werden für die Frage:«Wer ist � der vertrauensseligste und gutmütigste Mensch?". ganz Berlin würde wohl einstimmig antworten:„Dr. juri» Walter Jnhoffen-Berlin." Und sie hätten Recht, denn ein Mann von so unglaublicher Herzensgute und unbegrenzter Ver- trauensseligkeit ist»och nicht dagewesen. Der Herr Doktor ver- fügte über ein Millwncnvermögen. Da lernte er eincS Tages die ihrem Manne davongelaufene Königliche Hoheit von Koburg kennen. Frau Luise war, wie schon öfter, in Geldnöten. WaS lag näher, als daß der reich gesegnete Doktor helfend einsprang. Denn Luise ist doch kein gewöhnlicher Mensch, sie ist ja Königliche Hoheit. Luise von Koburg brauchte wieder Geld. Beim Herrn Dokwr Jnhoffen fand die etwa» verschwenderisch Veranlagte— das scheint in der Familie zu liegen— wieder ein williges Gehör. Und immer wieder brauchte Ihre Königliche Hoheit Geld. Mal fünfzig» mal hunderttausend Mark, so dass die Gesamtsumme, die Herr Dr. Jnhoffen im Zeitraum von drei Jahren vorschoh, über eine Million Mark beträgt. Herr Dr. Jnhoffen war so gutmütig. daß er. als ihm daS bare Geld ausging, in seinem Besitz befindliche Hypotheken versilberte und daS Geld Ihrer Königlichen Hoheit auslieferte. Nach den eigenen Angaben des Herrn Doktor juris, der jetzt die Luise von Kobury wegen Betruges anzeigte, sind ihm wegen seiner Gutmütigkeit mehrere Male die Möbel gepfändet worden, so dass er selbst in Schwierigkeiten geriet. Während der reichlich naive Jurist trauernd seinen entschwundenen Millionen nachschaut, lebt Luise von Koburg standesgemäß in Baden bei Wien. Dort bewohnt sie in einen, natürlich erstklassigen Hotel 15 Zimmer und zahlt— oder bleibt sie auch schuldig— dafür täglich 1000 Kronen. Dem Herrn Dokwr bleibt in seinem Schmerze also der Trost, dass eS noch mehr Gutmütige gibt, die sich von einer Königlichen Hoheit leimen lassen. Vielleicht glaubt er jetzt an das Wort: Gutmütigkeit ist eine Gabe Gotte», aber man soll sie nicht mißbrauchen! Wetterkatastrophe auf Tizilie«. Ein furchtbarer Sturm in Verbindung mit großen Regen- Süssen hat in Sizilien großen Schaden angerichtet. Besonders eimgesucht ist die Stadt M e s s i n a. DaS neue sogenannte amerikanische Viertel, welches nach dem Erdbeben 1908 aus Holzhäusern gebaut wurde, hat schwer gelitten. Man be- furchtet, daß viele Menschenleben zu beklagen sind. Ein ungetreuer Prokurist. Durch Unterschlagungen deS Proluristen Steeg von der Düffel« dorfer Filiale ist der Schaaffhousensche Bankverein in«öl» schwer geschädigt worden. Während Steeg auf Urlaub war, wurde fest- gestellt, dass er, um Börfenverluste zu decken, die er durch seine bei verschiedenen Banken eingegangenen Spekulationen erlitten hatte, seit Juli d. I. Unterschlagungen von Wertpapieren und betrügerische Manipulationen vorgenommen hatte. Die Bank ist hierdurch um 239000 Mark geschädigt worden. Steeg ist flüchtig. Auf seine Ergreifung sind 3000 M. Belohnung ausgesetzt. Aufklärung nötig! gm Septemberhest schreibt der.Türmer": Di« Frankfurt« Wochenschrist.Der Freigeist" hatte Witte April gegen die Be» waltung des Hospitals in Frankfurt a. Tl. und de» Erfinder des be- kannten Heilmittels, Profesior Ehrlich, schwere Beschuldigungen er- hoben. In einer Reihe von Artikeln wurde u. a. den Aerzten des Hospitals der Vorwurf gemacht, dag sie die in daS Hospital von der Sittenpolizei eingelieferten Prostituierten mit Gewalt als Versuchs- kaninchen zu Saivarsankuren benutzten. Es wurde weiter behauptet, daß in allen Fällen, in den Saivarsankuren angewendet worden seien, sich nachträglich die völlige Bedeutungslosigkeit des Präparates als spezifisches Heilmittel herausgestellt habe, so daß sämtliche Patientinnen, die mit dem Leben davongekommen seien, nachträglich auf Anordnung des Kreisarztes einer längeren Ouecksilberbehandlung unterzogen werden mußten. Auf Grund dieser und Anderer, noch weit schwererer Be- schuldigungen wurde von der sotaatsanwaltschaft gegen den Heraus- geber des Blattes ein Verfahren wegen öffentlicher Beleidigung und böswilliger Verleumdung eingeleitet. Nach einer drei Monate ge- führten Voruntersuchung hat nun die Staatsanwaltschaft das V e r- fahren eingestelll, obgleich der Herausgeber des.Freigeist" seine Anklagen in einem Offenen Brief an Prof. Ehrlich noch einmal wiederholt hat. Man steht hier einem Rätsel gegenüber. Nach den geltenden Rechtsbegnffen kann das Verfahren nur aus dem Grunde nieder- geschlagen worden sein, weil die Untersuchung die Richtigkeit der Anschuldigungen ergeben hat. In diesem Fall aber liegt es im Interesse der Oeffentlichkeit und doch auch im Interesse Profesior Ehrlichs selbst, daß die Angelegenheit aufgeklärt und nicht tot- geschwiegen wird. Kleine Notizen. Arbciterrisiko. Am Sonntagnachmittag ist bei dem Bau der Kläranlage zwischen Cannstatt und Hofen eine Erdrutschung eingetreten, wodurch zwei Arbeiter getötet wurden, während ein dritter schwere Verletzungen erlitt. Die gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet. Fünf Personen ertrunken. In der galizischen Ortschaft Pielnia wollte ein mit fünf Bauern besetztes Fuhrwerk durch den hoch an- geschwollenen Fluß hindurchfahren. Der Wagen wurde jedoch von den Fluten erfaßt und alle fünf Jnsasien ertranken. Selbstmord durch Dynamit. Ein 64 Jahre alter GreiS, der an einer unheilbaren Krankheit litt, hat sich am Sonntag in Paris durch zwei Dynamitpatronen in die Luft gesprengt. Der Unglückliche wurde in tausend Stücke zerrisien. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden, wie er in den Besitz des Sprengmittels ge- langen konnte. Schweres Bootsunglück an der schwedischen Küste. Am Sonntag- abend fuhr bei Norrtelge ein schwedisches Torpedoboot gegen ein Motorboot, dessen nenn Insassen ins Wasser fielen, drei Per» s o n e n, ein Mann und zwei Frauen ertranken, die anderen wurden gerettet. Die Cholera auf dem Balkan. In Gornji Domaljewacc ist ein C h o l e r a s a l l mit tödlichem Ausgang vorgekommen, in ' V r o k a ein neuer Fall und zwei Todesfälle, in Dolnja Skakawa ein neuer Fall mit tvdlichein Ausgang, in Gornja S k a k a w a ein Fall, in B i j e l a drei und in Bidovice zwei Fälle. Im Kreise Tuzla sind sämtliche Schulen ge- schlössen worden. Eine Pulverfabrik vom Blitz getroffen. In Lerida(Kata- lonien) schlug am Sonntag während eines Gewitters der Blitz in eine Pulverfabrik und führte eine Explosion herbei, durch die eine Person getötet und 35 verletzt wurden. Der Schaden ist beträchtlich. Folgenschwerer Tunnelcinsturz. Ein im Bau begriffener Tunnel einer neuen Straße zwischen Cosenza und Paolo( Süditalien 20 Jahre alte Tochter des Dekorateurs Busch hatte in Abwesenheit ihrer Eltern Selbstmord verübt, indem sie sich mit Leuchtgas vergiftete. Als die Eltern zurückkehrten, öffneten diese infolge des Gasgeruchs die Fenster und trugen das Mädchen auf den Flur, wo der Vater eine Gasflamme anzündete. Im selben Augen- blick ereignete sich eine furchtbare.Gasexplosion. Die Decke stürzte ein, das Dach wurde in einer Länge von acht Metern auf- gerissen und die Fenstern etwa 20 Dteter weit auf die Straße ge- schleudert. Die Fenster der umliegenden Häuser wurden zum groß- ten Teil zertrümmert. Die Frau des Dekorateurs erlitt so schwere Brandwunden, daß sie lebensgefährlich verletzt danieder- liegt. Auch Busch selbst erlitt Brandwunden. Folgenschwerer Tunneleinsturz. Ein im Bau begriffener Tun- ncl einer neuen Straße zwischen Cosenza und Paola(Süditalien) stürzte ein und begrub neun Arbeiter unter seinen Trüm- mern. Drei weitere Arbeiter, welche am. Eingange be- schäftigt waren, wurden getötet und verwundet. Zu den Verschütteten, konnte man bisher noch nicht gelangen, man weiß noch nicht, ob sie noch leben oder bereits tot sind. Opfer des Bergsports. Bei einer Tour zur Kuersinger Hütte (Tirol) wurde'der Eisenbahnbaurat Adolf Mar loh aus Danzig infolge Ueberan strengung von einem Herzschlag getroffen und war auf der Stelle tot. Seine Leiche wird nach der Heimat übergeführt werden.— Von der Lina in der Bertha!- Gruppe sind zwei Wiesbadener Touri st en abgestürzt. Einer erlitt einen Beinbruch, der zweite schwere innere Verletzungen. frauai-Lcreabende. Waidmannölust. Mittwoch, den 27. August, 8 Uhr. im Schweizer- Haus. Vortrag der Genossin Regina Ruben-Berlin über„Bebels Leben". Bncfkartcn der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet bis einschließlich Sonn- abend, den 30. August, nur von 7 bis 9 Uhr abends statt.— Sonnabends Sprechstunde von �5 bis 6 Uhr nachmittags. Schriftliche Antworten werden nicht erteilt. A. Sch. 23. 1. Bis zum Ablauf Ihres dritten Dienstjahres. 2. Ja, sosern er dazu in der Lage ist. 3. Unter der Voraussetzung zu 2, ständig. Ast. 4. Nein.— L. Z!. 1000. 1. u. 2. Sie haben al» märkischer Ehe- gälte das Wahlrecht, ob Sic Ihr Vermögen mit einwerfen wollen, dann erben die Kinder die Halste vom Ganzen, oder ob nur der Nachlast des verstorbenen Ehegatten verteilt werden soll, dann erben die Kinder hiervon Dreiviertel. Ihre Töchter müssen sich die Aussteuer bei der Erbteilung an- rechnen lassen. 3. Falls beide Eltern nicht mehr leben, erbt Ihre Frau gesetzlich. Ob ein Testament errichtet ist, crsahrcn Sie beim Amtsgericht, wo Ihr Schwager gewohnt hat. 4. Zirka 30 M.— W. S» 32. Sie brauchen das Brett auf dem Korridor nicht zu dulden und können vom Wirt Entsernung verlangen, cvenwell daraus klagen. Eine polizeiliche Be- slimmung besteht darüber nicht. Ist jedoch in Ihrem MietSvcrtrage etwas anderes bestimmt, so ist das mastgebend.— D. 20. 2V Marken einer beliebigen Lohnklafse. Der Umtausch der Karte muh immer innerhalb zwei Jahren, vom Tage der Ausstellung an gerechnet, erfolgen.— (g. M. 2. Witwenrente für die Witwe, sosern diese invalide»st, und Waisenrente sür die unter 15 Jahre alten Kinder.— M. B. 19. Nein. — L. P. 100. Pro Tag 1,60 M.— Schulstr. 66. Bringen Sie das Kind nach dem Waiienhaufe, die Abnahme wird voraussichtlich ohne weiteres ersolgcn.— M. H. 13981. Sie sind an den Verfichcrungs- vertrag bis zum Ablauf gebunden. Wenn Sie die Prämie nicht zahlen, so kann die Gesellschaft Klage erheben.— A. M. 2. 1. Bei der Invalidenversicherung findet eine Auszahlung der geleisteten Beitröge nicht statt. Es besteht hier lediglich die Möglichkeit der steiwilligen Wettcrverficherung. Bei der Angestelltenoersichcrung hat die Verficherte beim Ausscheiden aus der e Weiterversicherung besteht jedoch auch hier. I_ ort die Steuerpflicht aus. Es must jedoch dem Vorsitzenden der Veraniagungskommission davon rechtzeitig Mitteilung ge- macht und Freistellung wegen veränderter Umstände beantragt werden.— E. H. 42. Zur Zcugnisoerweigeruug sind Sie nicht berechtigt. — 91. F. 100. Kronprinzessin von Sachsen.— A. S. 290. Fragen Sie bei der Kunslgewerbeschule direkt an.— Steglitz 1. Wenden Sie sich an einen Arzt sür Hautleiden.— 100. P. B. Manifestation sür den Normalarbeitstag von 8 Stunden.— R. N. 40. 1. Strastmannstr. 6. 2. Ob der Sohn hastbar ist, löstt sich ohne nähere Kenntnis des Sach- verhalt» nicht sagen. Dt- Eltern hasten jedoch aus leinen Fall. — G. gt. 100. Am Alexanderplatz ist keine städtische Lesehalle. Die nächste von dort ist: NO, Esmarchstr. 18.— Holzbildhauer 32. Wein. — M. P. 100. 1.— 5. Sie Bildung der allgemeinen Volksschule. Die Ausbildung nimmt etwa 6 Monate in Anspruch. ES erwachsen ca. 800 M. Unkosten. Meldungen beim Kreisarzt, Attest vom Polizetprästdium. (§ 62) Mögiii öglichkeit der' sreiwilligen.>>> 2. Mit dem 30. September hört die Steuerpflicht aus. Meldungen bei einem Alter von mehr als 27 Jahren sind aussichtslos.— F. S. 92 b. In seiner Wohnung in Schöncbcrg.— M. S. 70. Nein. — Äoigtstr. 109. 1. Sie sowohl wie Ihre Ehcsrau»nässen vor dem zu- ständigen StandeSaint in beglaubigter Forin die Ertlärung abgeben, dast das Kind ihren Namen erhalten soll. 2. Eine Slltersgrenze»st nicht vorgeschrieben. Sogleich nach Abgabe der Erklärung kann das Kind Ihren Namen sührcn.— G. W. 100. Wenn Sie beweisen können, dast der Be- trcfsendc unwahre Angaben und zwar ivider besseres Wissen gemacht hat, die den Geldgeber vcranlastt haben, von seinem Versprechen zurückzutreten, so können Sie den erlittcue» Schaden geltend machen. Wie hoch sich der- selbe beläust. können wir nicht be»lrteiten.—)-s- bedeutet Wuchs,— Fall.—°1 Unterpegel. Todes-Anzeigen Äiistöerti'�cliei'Wei'eill Neuköiln. Todesanzeige! Am Sonntag, den 24. August, verstarb unser Parteigenosse RicM Festigkeit Lichtenrader Str. 42, 21. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am> Mittwoch,, den 27. August, nach» mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Mmicndorser Weg, I auS statt. Ter Vorstand. !eM?ökIi»!iij der Stelnarlieiter ZahUtslla Berlin. Am 25. August starb unser Kollege, der Sandsteinmetz Hermann Schubotz im Alter von 52 Jahren an Magen- und Darmleiden. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag,»»achmittagS 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Fried- hoseS in StaKnsdors auS statt. Bahnverbindung ab Bahnhof Charlottenburg 3." Uhr. Um rege Beteiligung ersucht 171/16 Die Ortsverwaltung ?erbsnd der Lederarlieiler. Filiale Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege iZsong KLgvn (Wrangelstraste� verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 26. August, nach. mittags 3 Uhr, aus dem Emmaus. Kirchhos In Neukölln, Hermann. straste, statt. Ig77b Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwalrnng. ReutersWerke » 3 Biabe 4 TRnct. Buchhandlung Vorwärts Nach langem, st Krankenlager verschied ä>n 23. d. M.. morgens 8 Uhr, unser guter Vater, der Bäcker Ibeodor Kappelt im 48. Lebensjahre. DieS zeigen tiefbetrübt an, die Kinder Gustav, Robert, Karl. Beerdigung: Dienstag, de», 26. August, nachmittags 3"/, Städtlsther an der See! mg: a.>cnviag, uci» , nachmittags 8»/, Uhr, Friedhof Müllerftrastc, estraste. 7SA AacJirnf. Am 23. August verstarb unser Kollege, der Bäcker Ibeodor Kappelt. Wir werden ihm stet» ein ehrendes Andenken bewahren. Die Batriebsarbeiter der Berliner Genoasenschattsbäckerel Berliner HenossEiischaiisbäckerEi Eingetr. Genossensch, n». b. H. Arn 23. d. M. verschied nach langem, schwerein Krankenlager unser Milglied, der Bäcker Ibeodor Kappelt. In dem Verstorbenen verlieren wir einen seit der Gründung unserer Genossenschaft bei uns tätigen treuen Mitarbeiter. Die Beerdigung findet am Dienstag. nachuiittagL 3'/4 Uhr, auf dem Städtischen Begräbnisplatz Müllerstraste, an der Seestraste, statt. 78A Mud der Bueii- und Stein- flruckerel-HllIsarlielter und Arliejterinoen Deutschlands. Ortaverwaltnng Berlin. Am 23. August verstarb plötzlich unser Mitglied KsrI Utech in» Alter von 68 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. Arrgust, nach- mittags 4 Uhr, auf dem Süneon-Kirchhof statt. 28/8 Bio Ortsverwaltung. DentsciierHetaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maschinen- arveiter Heorx Schapals (Freienwalder Str. 4) am 23, d. M. am Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. August, nach- mittags 3'/, Uhr. von der Leichenhalle des Sophien-KkrchhoseS ii» ~" 1||| auS statt. erwartet. der Freienwalder Straße a Rege Beteiliglmg wird» I�aekruf. Ferner starb am 20. d. M. unser Mitglied, der Gürtler Otto Witter Reinickendorfer Straße 64. Ehre ihrem Andenke«! 124/13 Die Ortsverwaltung. Sit Berdigung unseres lieben Vaters, des Tischler» i\i!xnst Gölte 1 findet Dienstag, d. 26. August, | nachm. 21/, Uhr, von der Kapelle des Bethanien- Krankenhauses, Mariannen- platz, aus nach dem Neu- löllucr Gemeinde- Friedhos, Maricndorser Weg, statt. Heletie Hartmann geb. G o l l c. Hermann Hartmann. +' Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., BrunnenstraBe 66. Groß« Auswahl in schwaraer Konfektion; auch eine. Röcke, Blusen, Hüte ete. Anfertigung nach MaB in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Letvandowsky-Gcscllschasf, Quitzow- straste 105.+60 Kranzspenden sowie samtliche, ßlumenarrangemcntö ltesert schnell und billig Panl Grow». Undenstr. 69, Tel. Mpl. 7203. 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