Rr SSS. 30. Jahrg. Bbonnements-Bedingungen:■B_ Die Mcrtions-Gcbüfjr Wonnemeitts- Preis pränumerando: HB �Hj C�W/ �9 wH HBf HW> tehnglfür die fechsgcspalteiie Kolons BierteljShrl. S.30 m., Mona». 1,10 Mk, HB H[ �B■Hl DB // W H HM Efl Bff HB HFLI �WSbi*4, S ,,!,! deren Raum M$fg., ia; wöchcnllich 28 Pfg.■ frei ins Haus.«El. BD W BD BD» B» W W W f/ H P rUn semerkjchastllche Verem? einzclne Nummer S Pfg. Sonntags. �JSjj fKlB I B» BB fl| W) BrS 8B DD B8 B> lAs H| BM p und.�r�nniinIuiigs-Anzcigcn �0 jig. Nummer mit illustrierter SonntaqS. aKKmm U�BB j DD B» BD DB BD DB DD B> DD V) DD DD Jj L? t Anrergen, das fettgedrn�te Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post. WS&ä IBS H DB BD BD BD WD W WD W» W«W l. Wvr 20 P,g izulasstg 2 fettgedruatc Wonnement: 1,10 Mark pro Monat. VTM BDI W BD H BB Wl DD W W DW& ÄLÄ Eingetragen in die Poft.tteitungs.— H|H I BB �B ASHL B� BH IH Stellengesuche und Schtafstellenan Preisliste. Unter Kreuiband für DB DB l DB BBr—■ �BEs&t/lßSiLr. BD �V/HD zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedc. Teutschland und Oesterreich. Ungarn WD BB I JR\ W weitere Wort ö Kg. Worte über ISBili. 2�0 Mark, für dos übrige Ausland BB � WM.V Z/ V �Do� MWX Z' W staben zahlen für zrve, Worte..Jnsera" 4 Mark pro Monat. Postabonnements � � die neuste.himmet uulssen dl.- nehmen an: Belgien. Dänemark rr jS1 P& Uhc nachmittag» m der Expeditio> HÄIand. Italien. Luxemburg. Porwgah � � abgegeben �den. Die E�edition lst Rumänien, Schweden und die-Schweiz. S_____ � � abends geöffnet, «««« VevlineV äsä Zentralorgan der fozialdemokratifcben ßartei Peutfcblands._ Redaktion: SM. 68, Ltndcnatraaec 69. Fernsprecher: Amt Moritzplast. Nr. 1S8Z. Hokuspokus. H. Wer wäre so blöd, daß er nicht sähe, welch ein verfluchter Haufen Korruption dennoch auch in der Militärverwaltung bereits durch den Prozeß Tilian und Genossen erwiesen ist. Die trotz aller Hindernisse aufgedeckten Fäden lassen sich mühelos und deutlich weiter verfolgen, in sehr verhängnisvolle Regionen, gleichviel, ob förmliche gerichtliche Feststellungen erfolgen werden oder nicht: denn ein Strafverfahren ist nur möglich. wenn man den Täter kennt— und iväre die Handlung noch so sonnenklar. Aber Mord bleibt Mord, bleibt auch der Täter ewig unermittelt; und Bestechung und Korruption bleibt Bestechung und Korruption, auch wenn kein Schuldiger je die Anklagebank ziert. Schweigen wir ganz von den anderweit dokumentarisch festgestellten Traktamenten der noblen Firma für die Abnahme- komniissionen und von den„Repräsentationsgeldern" des Herrn von Wetzen und der sonstigen offiziellen Kruppvertreter in Berlin— bereits jetzt ist gegenüber der Militärverwaltung e r st e n s f e st g e st e l l t, was im Prozeß Tilian und Genossen abgeurteilt worden ist. Darüber hinaus ist zweitens f e st g e st e l l t. was Brandt ganz unumwunden zugegeben hat: daß er noch mit anderen Personen der Militärverwaltung in gleicher verbrecherischer Beziehung gestanden hat wie mit den sieben angeklagten �-ündenböcken, die jetzt in die Wüste geschickt sind. Der bei weitem größte Teil seiner„Repräsentationsgelder" muß für diese ausdrücklich verschwiegenen Bestechungen drauf- gegangen sein. Drittens ist festgestellt, daß das Direktorium der Firma Krupp nach eigenem Geständnis alle wesent- lichen von Brandt ausspionierten Geheimnisse der Heeres- Verwaltung schon vorher gekannt hatte. Hierbei handelte es sich nach den Erklärungen der Sachverständigen auch um äußerst geheime Dinge selbst für Krupp, und in bezug auf eben diese Geheimnisse, die der Firma Krupp schon vorher bekannt waren, bezeugte einer der Kruppdirektoren, er habe sich an den Kopf gegriffen und gefragt, wie denn Brandt diese Dinge habe erfahren können; Brandt, so war offenbar gemeint, dieser Subalterne!— der doch Wohl nur Beziehungen zu Subalternen haben kann! Das heißt wiederum, daß derartige Geheimnisse der Firma Krupp von nicht subalterner Seite her bekannt gewesen sein müssen. Danach ergibt sich mit zwingender Logik, daß die Firma Krupp noch andere Quellen ihrer Geheimwissenschaft außer Brandt und seinen Hinter- männern gehabt hat, und daß diese Quellen in erheblich höheren Regionen liegen müssen als die im Prozeß Tilian aufgedeckten: sicher nicht nicht im Bereiche der„feilen Schreiber- seelen�. Und daß an diesen Quellen nicht der Knabe Brandt oder Seinesgleichen gesessen hat. Wer wird die Sicherheit dieser Schlußfolgerung anzu- zweifeln wagen? Der möge unzlveideutig, rückhaltlos die Her- kunft der illegalen Wissenschaft der Firnia Krupp darlegen. Wir wollen klar sehen! Heraus mit der Sprache! Heraus mit den Namen der beteiligten Beamten! Heraus mit den Daten der Dokumente! Bis dahin aber sollte wahrlich kein Mensch sich Mrderhin erdreisten, das Wort„kein Panama in der Militärverwaltung" in den Mund zu nehmen; sonst muß er sich den»Vorwurf gefallen lassen, daß es ihm guf Vertuschung und Verwirrung, nicht aber auf Ausrottung des Uebels ankommt. Festgestellt ist viertens in bezug auf die Korruption in der Militärverwaltung, daß zum Aergcr Krupps auch andere Rüstungsfirmen vorzüglich informiert waren, und zwar an- geblich noch besser als Krupp. Woher können diese Informationen stammen? Aus legalen Quellen noch viel weniger als bei Krupp, da der Kreis der„Geheimnisse" ihnen gegenüber noch größer war. Und die Mittel zur illegalen Erlangung der Informationen müssen noch schärfere gewesen sein, weil die anderen Firmen nicht von der gleichen faszinie- renden Glorie umgeben sind. Festgestellt ist fünftens im allgemeinen eine geradezu gemeingefährliche Umklammerung der Militärverwaltung und des gesamten Staatswesens durch das profitlüsterne skrupellose Rüstungskapital, die besonders durch das Mittel einer weit- gehenden Personalunion gefördert wird. Hierher gehört, was bereits im Reichstage hervorgehoben wurde: die demorali- sierende Wirkung der Aussicht apf Anstellung bei den Millionenfirmcn. Bei Krupp angestellt werden ist für Offiziere und Verwaltungsbeamte ein glänzendes Avancement. Die Sucht nach dieser Karriere geht, wie männiglich weiß, weit über Feuerwerker und Zeugoffiziere hinaus. Was liegt näher, als durch allerhand Gefälligkeiten um die Gunst Krupps zu buhlen? Dieser Quell der Kor- ruption gehört zu den stärksten und giftigsten; ohne daß er verstopft wird, ist Gesundung unmöglich. Hier ist ein wichtiges Stück des Kampfes um die wenigstens formelle Integrität der Staatsverwaltung gegenüber der unmittelbaren Gcldmacht des Großkapitals ausznfechtcn. Festgestellt ist s e ch st c n s, daß all diese Mißwirtschaft im Herzen der Militärverwaltung sich Jahre hindurch un- bemerkt und ungehindert entwickeln konnte. Genügt das den Herolden deutscher Verwaltungsreinlichkeit noch nicht?" 1 Donnerstag, den£8. August 1913. Nun, so beweisen sie, daß das Gefühl für diese Reinlichkeit in Deutschland in atembeklemmender Weise verloren gegangen ist, daß Skrupellosigkeit Trumpf ist. und daß das-Großkapital und die von ihm beherrschte„öffentliche Meinung" auch in Deutschland sich bereits in zynischer Offenherzigkeit zur Moral des„jenseits von Gut und Böse" bekennt. Was soll das triumphierende Geschwätz, daß kein Landes- verrat erwiesen sei und dergleichen? Im Reichstage ist von vornherein ausdrücklich hervorgehoben, daß Landesverrat nicht wohl in Frage komme; und jetzt möchte man mein„Panama" konstruieren, indem man triumphiert, daß— ich recht habe. Welch böses Gewissen müssen diese törichten Schreier haben. Nichtsdestoweniger bleibt bestehen, daß die von der Rüstungs- industrie in die Militärverwaltung getragene Korruption auch die Disposition zu landesverräterischen Handlungen bedenklich erhöhen muß. Das wurde im Reichstag detont, und vermöge aufstehen, der es zu bestreiten unterninimt. Und bei der inter- nationalen Versippung des Rüstungskapitals und bei der Welt- lieferantenstellung Krupps im besonderen besteht die dringendste Gefahr, daß die in strafbarer Weise erlangten Kenntnisse von Konstruktionsgeheimnissen, Plänen usw. durch die geschäftigen Agenten Krupps auch ins Ausland getragen werden. Bedarf es noch vieler Worte über die K o r r u p- tion des Rüstungskapitals, über das„Panania" der Rüstungsindustrie'< Gibt es nur einen Fall Brandt oder gibt es einen Fall Krupp? Ach Gott, ich gehöre wahrlich nicht zu den Optimisten. Die Grenzen, die— trotz aller Ehrenhaftigkeit der amtierenden Justizbeamten— der kapitalistischen Justiz im allgemeinen und der preußisch-deutschen Justiz im besonderen gesetzt sind, sind mir nur allzu geläufig, und ich habe bereits zehn gegen hundert verwettet, daß die 5truppdirektoren nicht angeklagt werden, und tausend gegen eins, daß, wenn sie dennoch angeklagt werden sollten, ihre Ver- urteilung nicht erfolgen wird. Und dennoch steht für meine sozialdemokratisch geschulte Auffassung schon heute fest, daß das Kruppdirektorium neben Brandt auf die Anklagebank gehört. Diese Herren, denen die Bestechung im Auslande zum täglichen Brot gehört, sind wirklich und wahrhaftig keine Waisen- knaben voller Ahnungslosigkeit in punkto vaterländischer Be- stcchung. Natürlich werden Bestechungen nicht förmlich und schriftlich in Auftrag gegeben. Die Krupp-Direktoren aber wußten und mußten wissen, daß das von Brandt und anderen Informatoren Ermittelte nur auf krummen Wegen erlangt sein konnte; sie wußten und mußten wissen, daß Verrat militärischer Geheimnisse vorlag; sie wußten und mußten wissen, daß dieser systematische Verrat ohne Bestechung un- möglich war; sie haben dem Brandt und den anderen Agenten die materielle Möglichkeit der Bestechung gewährt; sie haben die verratenen militärischen Geheimnisse fruktifiziert. Sie sind damit der Anstiftung zur Bestechung und zum Verrat militärischer Geheimnisse überführt. Bereits heute überführt trotz aller Ausreden, trotz aller durchsichtigen Manöver, die den Stempel des Schuldbewußtseins nur um so deutlicher auf ihre Stirn brennen. Und es steht auch fest, daß die Krupp- Direktion diese strafbaren Handlungen begangen hat um nackten materiellen Gewinns willen. Die lächerliche Ausflucht, daß die Manipulationen nur dem Zweck gedient hätten, die Herabsetzung der Preise zu veranlassen, steht auf derselben Höhe wie jener Entschuldigungsversuch der Waffen- und Munitionsfabrik in bezug auf den berüchtigten Pariser Brief. Erlangung von Aufträgen für Krupp war das Ziel, das durch die Ausspionierung der Konkurrenz angebote und-preise erstrebt wurde. Den Konkurrenten durch hinterlistiges Wegschnappen ihrer Konstruktionen das Futter nehmen, war das patriotische Ideal, für das das Herz jener Herren pochte. Und eines sei vor allem nicht vergessen: die Spionage richtete sich nicht nur gegen die private Konkurrenz, sie er st reckte sich auchaufVcr- suche und Konstruktionen in de« staatlichen Waffenfabriken, Werkstätten nnd Laboratorien, ging also ganz u n- mittelbar gegen die Militärverwaltung s e l b st. Es wird dafür gesorgt werden müssen, daß die Oeffentlichkeit auch darüber hinreichend aufgeklärt wird; die Verhandlung vor dem Militärgericht hat über diesen Punkt den Schleier der Nacht gelassen. Aber trotz alledem, Herr v. Dewitz, Herr Dräger, Herr v. Röttger sind ehrentverte Männer, das sind sie alle, die Krupp-Direktoren— ehrenwerte Männer. Warten wir»ab, ob ihnen auch nur ein Härlein gekrümmt werden wird. - Den militärischen Behörden und allen„Haltet-den-Dieb"- Schreiern, denen, die durch ein kindisches Hokuspokus das Panama des Rüstungskapitals eskamotieren und taschenspielerisch durch mein Panama ersetzen möchten, und allen denen, die die Oeffentlichkeit durch die bequeme Finte von den„feilen Schreiber- seelen" ablenken möchten, empfehle ich schon jetzt aufs an- gelegentlichste das Studium der Akten 1 E. J. 501/1912 der Staatsanwaltschaft am Landgericht II Berlin. Ich denke, daß es dort, selbst für einen abgebrühten Geschmack, genügend paprizierte Kost in hinreichender Fülle gibt, obwohl, wie es 'cheint, auch da kein Angeklagter gefunden wird. lind dann noch eins: Als ich im Frühjahr dieses Jahres in der Budgetkommission das Schmiergelderunwesen bei Heineren militärischen Lieferungen— nicht in der Rüstungs- zur Sprache brachte, war es der Kriegsminister, Expedition: SM. 68, Qindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Nioribplab, Nr. 1981. der mit Pathos die Behauptung eines weitverbreiteten der artigen Mißstandes als eine schwere Verunglimpfung der Militärverwaltung zurückwies. Heute ruft ein großer Teil der nationalen Presse voll Emphase:„Kapitalisten Deutsch- lands, wahret eure heiligsten Güter, wahret�das Recht auf Schmiergeld!" Wie ein Cherub mit dem Flammenschwert stellt sich das Allteutschtum schützend vor das.Paradies der Bestechung, des Verrats militärischer Geheimnisse im Profit interesse der Rüstungsindustrie. Die„Post" tvie die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" predigen mit lohender Löwenherz- haftigkeit das Kreuz gegen mich, den niederträchtigen Feind des Glaubens an das allein seligmachende Schmiergeld. Und zur Deckung der Schmiergeldgeber und-nehmer, der Bestccher und der Bestochenen, der Verräter militärischer Geheimnisse und ihrer Anstifter sucht man mich mit den schäbigsten Mitteln persönlich herunterzureißen. Wir haben's herrlich iveit gebracht! Mir ists wahrhaftig recht, wenn man zur Entschuldigung der sieben Schächer auf der Anklagebank des Kriegsgerichts alle möglichen Gründe ins Feld führt; sie tun auch mir alo Personen leid genug. Doch mischt sich in diese Eni- schuldigungsbemühnngen ein Zug widerlich unwahrhaftigcr Sentimentalität. Was will man? Neunundneunzig Prozent der Opfer unserer heutigen Justiz haben mindestens den gleichen Anspruch auf Mitgefühl wie die Tilian und Genossen. Jene abgeschmackte Sentimentalität eines Teils der kapitalistischen Presse muß aber— so' sehr wir den Schul digen vom Standpunkte menschlichen Empfindens selbst völligen Freispruch wünschten— dennoch um so schärfer zurückgewiesen iverden, als sie auf einein anderen Wege denselben Zweck verfolgt, den die nackte Rüstungspresse anstrebt, indem sie die ganze Last der Schüld auf einige kleine Subalterne abzuwälzen sucht: die Größe des Uebels fortzuschwindcln und die Verfolgung der großen Sünder, der wirklich Schuldigen, der jedenfalls tausendfach Schuldigeren zu hindern.. Jeden Tag bringt die Presse Meldungen über die weitere EntWickelung der„Affäre", jeden Tag folgen Dementis; voll Sorge blicken die„Kein- Panama"- Schreier in die Zukunft, ihr böses Gewissen läßt ihnen keine Ruhe. Und die Justiz scheint noch unschlüssig hin- und herzuschtvanken. Die Möglichkeit, daß sich das Verfahren, sogar das gegen Brandt, k la Eulenburg-Prozeß in das End- und Bodenlose verliert und versandet, rückt nach den neuesten Meldungen nahe. Aber komme was kommen mag! So gewiß der Ab- grund der Korruption noch immer große, ungeahnte Geheim- Heimnisse birgt, so wenig dürfen wir das unterschätzen, was bereits heute seststeht. Für uns ist die weitere EntWickelung der Sache, soweit die Justiz ihres Amtes zu walten hat, sicher nicht gleichgültig; indessen soll darüber kein Zweifel sein: be- reits heute ist das politisch Wesentlichste hinreichend aufgehellt. Es gilt nunmehr, die politischen Konsequenzen daraus zu ziehen. Diesem Ziel gilt jetzt unser Kampf, möge die Justiz versagen oder nicht. ____ Karl Liebknecht. Die Aufgaben des Parteitags In der Steuerfrage. Von Gustav Hoch. II. Der Kampf um die Deckungsvorlage. Genosse Wurm schlägt in seiner Resolution zur Steuerstage vor: Jede direkte Steuer, selbst wenn sie allein den Mehrwert trifft, haben unsere Genosien— abgesehen von den besonders ange- führten Ausnahmefällen— abzulehnen, falls der VerwendungS- zweck schädlich für die Arbeiterklasse ist. Das besagt: unsere Partei hat in der Regel die Befitzsteuern abzulehnen, deren Ertrag tatsächlich zur Deckung der Militärausgaben dient. Die Ausnahmefälle sind nach dem Vorschlage des Genossen Wurm dann gegeben. wenn die Ablehnung der Besitzsteuern durch unsere Genossen die Annahme der bekämpften Borlage— also der Militärvorlage— nicht hindert und eine für die Arbeiterklasse ungünstigere Besteuerung zur Folge haben würde. In dem gegenwärtigen Reichstage aber find alle bürgerlichen Parteien zur Annahme jeder Militärvorlage entschlossen und werden sich davon am wenigsten dadurch abhalten lassen, daß unsere Ge- nosscn gegen Befitzsteuern zur Deckung der Militärausgaben stimmen. Ebenso besteht kein Zweifel darüber, daß die bürgerlichen Parteien indirekte Stenern zur Deckung der Militärausgaben bewilligen könnten, wenn unsere Partei die Besitzsteuern ablehnt. Hiernach würden die Ausnahmefälle des Genossen Wurm in diesem Reichs- tage immer vorliegen. Der Borschlag des Genossen Wurm besagt in Wahrheit: In dem jetzigen Reichstag und solange die Parteiverhält nisse sich nicht vollständig zu- gunsten der Sozialdemokratie geändert haben, haben wir für die Besitzsteuern zur Deckung der Bt i l i t ä r a u s g a b e n zu stimmen. Wenn der Parteitag das beschließen soll, weshalb soll er es nicht gerade heraus, sondern auf einem Umwege sagen? Die Tragweite eines solchen Beschlusses zeigen un§ zunächst die Vorgänge in diesem Jahre. Der Reichstag hat die Militär- und Deckungsvorlagen nach deren ersten Lesung im Plenum an einund- dieselbe Kommission verwiesen. Als die Kommission die Militär» Vorlage in der ersten Lesung erledigt hatte, verlangten die Kon servativen und das Zentrum, daß die Kommission jetzt erst die erste Lesung der Deckungsvorlagen vornehme, dann hintereinander die zweite Lesung der Wehr« und Dcckungsvorlagen abmache und schließlich alle diese Vorlagen im Anschluß an einander in das Plenum deS Reichstages bringe. So wollten die Konservativen und das Zentrum die Militärvorlagen und die Deckungsvorlagen zu einem Ganzen vereinigen und es sich dadurch ermöglichen, den Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Bolkspartei zu drohen: sie werden schließlich gegen die Militärvorlage stimmen und— da sie dann mit den Sozialdemokraten die Mehrheit gegen die Militüv vorlagen haben— das große»patriotische' Werk vereiteln, wenn die Nationalliberalen und die Fortschrittliche Volkspartei die Deckungs« vorlagen anstatt mit der Rechten und nach deren Wünschen fertig zu machen, sie mit den Sozialdemokraten und nach deren Vorschlägen beschließen. Gegen diese Zumutung sträubten sich die Nationalliberalen und die Fortschrittliche Volkspartei und setzten cS m;t der Hilfe der Sozialdemokraten durch, daß die Kommission sofort mit der zweiten Lesung der Wehrvorlagen begann und diese Vorlagen nach ihrer Erledigung in der Kommission an das Plenum des Reichstages brachte, ganz unabhängig von den Deckungsvor- lagen. DaS Zentrum ließ sich aber nicht irr« machen; es gab sowohl in der Kpmmission als auch später im Plenum folgende Erklärung ab: Die Zentrumsfraktion hält einmütig und geschlossen an dem Grundsatz fest: keine Ausgabebewilligung ohne Deckung. Unsere Wstimmungen in der zweiten Lesung der Wehrvorlage können daher nur vorläufige sein. Eine Verabschiebung der Wehrvorlage ist der Zentrumsfraktion erst möglich nach der Entscheidung über die Deckungsvorlage. Unsere Stellungnahme zur Wehrvorlage wird abhängen von der Art und Weis« der Lösung der DeckungSfrage. Und siehe da. Dieselben Nationalliberalen und dieselbe Fort- schrittliche VolkSpartei, die kurz vorher so stolz die Trennung der Militärvorlagen von den Deckungsvorlagen beschlossen hatten, fielen jetzt um. Sie vereinbarten mit dem Zentrum, daß sie die Vor- lagen doch verbinden; sie verständigten sich über die Deckungsvor- lagen, also auch über die Besitzsteuern, und erst nachdem die end- gültige Gestaltung auch der Besitzsteuern im Reichstage festgelegt war, kam es zur Verabschiedung der Wehrvorlage: also et ist ganz genau so gekommen, wie es das Zentrum als Voraussetzung für die Annahme der Militärvorlagen verlangt hatte. Diese Voraussetzung haben die drei Parteien: Zentrum, Nationalliberale und die Fort- schrittliche Volkspartei erfüllt, und darauf konnte das Zentrum, ge- treu seiner Erklärung, die Militärvorlagen annehmen. Trotzdem berief sich die Mehrheit unserer Fraktion darauf: das Zentrum hätte doch unter allen Umständen die Militärvorlag« angenommen, wir können daher auch durch die Ablehnung der Be- sitzsteuer nicht die Annahme der Militärvorlage verhindern und würden es nur verschulden, daß nach der Ablehnung der Besitz- steuern die bürgerlichen Parteien dafür indirekt« Steuern annehmen werden. ES sind hiernach die beiden von Wurm vorge- schlagenen Voraussetzungen für unsere Zu st im- mung zu den Besitz st euern erfüllt: wir können für Besitz steuern auch dann stimmen, wenn sie die Voraussetzung für die Annahme der Militärvor- lagen sind. Von hier aber bis zur Annahme der Militärvorlage selbst ist nur ein kleiner Schritt weiter auf derselben Bahn. Ob ich es «Mlh�rn erleichtere, für die Militärborlage zu stimmen oder selbst dafür stimme— ist das eiy so großer Unterschied? In ein bis zwei Iahten bekommen wir eine neue Marinevorlage. Wie nun, wenn die Regierungen als Dcckungsvorlage einen Gesetzentwurf VkiUgen, der den einmaligen Wehrbeitrag— vielleicht noch nach unfern jetzt abgelehnten Anträgen verschärft— als dauernde Besitz- steuer vorschlägt. Zentrum und Konservative haben die feierliche Erklärung in diesem Jahre abgegeben, daß sie nie und nimmer den Wehrbcitrag als dauernde Besitzsteuer annehmen werden. Auf der anderen Seite verlassen sie sich auf die Hilfe der— Sozialdemo- traten und stimmen in der Tat nicht für die Marinevorlage, wenn mit ihr die neue Besitzsteuer verbunden ist. Was dann? Sind dann nicht die Gründe, die jetzt für unsere Zustimmung zu den Befitzsieuern geltend gemacht werden, ebenso zutreffend oder nicht zutreffend? Wenn wir die Marincvorlage mit der neuen Besitzsteuer ablehnen, dann nehmen die bürgerlichen Par- Wien die Marinevorlage mit indirekten Steuern an; wir haben also mit unseren Stimmen gegen die Marinevorlage in Wahrheit nur für die indirekten Steuern und gegen die Besitzsteuern entschieden: Also— müßten wir für die Bcsitzsteuer und für die Marinevorlage stimmen: ein Gedanke, den jeder Parteigenosse von sich weisen wird. Worin liegt der Fehler? Daß wir uns mit der Frage be- gullgen, was wir verhindern können und was nicht. Gewiß ist es richtig, daß wir unter den jetzigen Verhaltnissen noch nicht die Macht haben, die Annahme der Militärvorlagen zu verhindern. Aber wir haben die Macht zum unermüdlichen Kampf gegen diese Vorlagen. lind in diesem Kampfe müssen wir jede Blöße der Gegner aus- nutzen. Wollen sie selbst— ans ioelchem Grunde auch immer— die Militärvorlage nicht annehmen, so müssen wir hier einsetzen und die Borlage zu Fall bringen, ohne Rücksicht auf die Besitzsteuern. Ebenso, wenn die Gegner eine Bedingung für ihre Zustimmung zur Militärvorlage stellen, wie es das Zentrum in diesem Jahre.getan hat. Dann müssen wir den Gegner beim Wort nehmen und alles tun, daß die Bedingung nicht erfüllt wird, wiederum ohne Rücksicht «uf die Besttzstcuern. Daher komme ich zu dem Schluß, daß der Vorschlag des Ge- nossen Wurm nicht genügt.. Vielmehr muß der Parteitag den Grundsatz aufstellen, daßwirauchdanngegen dieBesitz- st euern stimmen müssen, wenn sie für die bürger- lichen Parteien die Voraussetzung der Zu st im- mung zu den Militärvorlagen sind. Das ist aber keine praktische Politik; das heißt nicht positive Arbeit leisten; das schädigt die Arbeiter. So höre ich manchen Ge- nossen ausrufen. Auch darauf soll die Antwort folgen. kstriotisthe Justiz. Dte 7. Ferienstrafkamruer des Landgerichts I, B e r l i n, hat heute unter dem Vorsitz des aus dem Moabiter Prozeß bekannten Landgerickstsdirektors Lieber ein Urteil gefällt, dessen Begriindung berechtigtes Aufsehen erregen dürfte. Läßt sie doch erkennen, daß das Gericht ganz unter dem Eindruck der von den Scharfmachern betriebenen Hetze gegen das Koalitionsrecht gestanden hat. Es handelt sich um folgendes: Der Gastwirt Dobeck eröffnete vor einiger Zeü in der Andrcasstraß« ein Restaurant. Kellner Otto Schulz ersuchte den Gastwirt im Auftrage des Gastwirtsgehilfverbaudes, organisierte Kellner einzustellen, zum mindesten aber den Tarifvertrag des Gast- Winsgehilfenverbandes durchzuführen. Dobeck lehnte beides ab. Einige Tage später erschien Schulz wieber bei Dobeck, ließ sich ein Glas Bier geben und benutzt« dies«.Gelegenheit, um gedruckte Zettel an die Gäst« zu verteilen, auf denen di« Gäste ersucht wurden, die Gastwirtschaft nicht mehr zu besuchen, da der Gastwirt weder orga- nrsierte Kellner engagiere, noch den Tarifvertrag des Gastwirts gehilfenverbandes anerkennen wolle. Dobeck und einige seiner Kellner entfernten sofort Schulz in wenig sanfter Weise aus dem Lokal. Schulz warf während seiner„Entfernung" eine Anzahl Zettel auf einige Tische und heftete außerdem zwei Zettel am Eingang zum Lokal an. Dobeck stellte Strafantrag. Schulz wurde vom Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Haus- friedensbruchs, Verletzung des Preßgesetzes und groben Unfugs zu einem Monat Gefängnis und 20 M. Geldstrafe t»er urteilt. In der heutigen Berufungsverhandlung führte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Senglier, Vertreter des Rechtsanwalts Wolfgang Heine, aus, daß es sehr zweifelhaft sei, ob der Angeklagte sich des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht habe, da er der Auf forderung, sich zu entfernen, sofort entsprochen habe. Grober Unfug und Vergehen gegen das Pretzgesetz liege jedenfalls nicht vor. Zum mindesten sei daS außerordentlich hohe Strafmatz nicht berechtigt, da der Angeklagte doch nur im Interesse seiner Kollegen aus rein idealen Gründen gehandelt habe. Nach längerer Beratung verurteilte das Gericht den Ange- klagten wegen Hausfriedensbruchs und Verletzung des Preßgesetzes zu einem Monat Gefängnis, sprach ihn dagegen wegen deS groben Unfugs frei. Der Vorfitzende, Landsgerichtsdirektor Lieber, begründete das Urteil u. a. mit folgenden Ausführungen: Den Arbeitern steht zweifellos die Ausübung de? Koalitions- rechts zu, sie müssen sich aber in den gesetzlichen Schranken halten. Di« Taten des Angeklagten grenzen aber hart an Erpressung. Jedenfalls liegt ein sehr schwerer Hausfriedensbruch vor, der eine harte Strafe rechtfertigt. Es gehen seit einiger Zeit Klagen über den Terrorismus gewisser Arbeiterkreise an die gesetzgebenden Körperschaften mit dem Ersuchen, die Strafen zu verschärfen. Angesichts derartiger Vorkommnisse haben die Gerichte die Pflicht, die Strafen scharf zu bemessen. Nach der allgemeinen Judikatur hat der Angeklagte sich zweifellos des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. Er betrat das Dobecksche Lokal nicht, um Bier zu trinken, sondern um gedruckte Zettel zu verteilen, auf denen die Gäste ersucht wurden, daS Lokal in Zukunft nicht mehr zu besuchen. Dem Angeklagten konnte nicht zweifelhaft sein, daß Dobeck dies in seinem Lokal nicht dulden werde. Groben Unfug hat der Gerichts- Hof nicht für vorliegend erachtet, da der Angeklagte wohl nicht das Bewußtsein hatte, groben Unfug zu begehen. Dagegen ist in der Zettelverteilung und in der Anheftung der Zettel am Lokaleingang eine Verletzung des Preßgesetzes gesehen worden. In Erwägung aller dieser Umstände hat der Gerichtshof den Angeklagten des Hausfriedensbruches und der Verletzung des Pretzgefetzes für schuldig erachtet und hat, trotz der Unbescholtenheit deS Angeklagten, die vom ersten Richter erkannte Strafe für an- gemessen gehalten. Die Begründung des Urteils wird bei den Gegnern der Arbeiterschaft die lebhafteste Genugtuung hervorrufen. Zeigt sie ihnen doch, daß es auch ohne Zuchthausgesetze möglich ist, den Kampf gegen die Arbeiterbewegung zu führen. politische Geberlicht. Völker Europas... Auf dem Mehcr Katholikentag hat Herr Matthias Erz- berger in der dritten geschlossenen Versammlung hingewiejen auf den„neuen Völkeradvent", der im Anmarsch begriffen sei. Vor 40» Jahren, als neue Erdteile entdeckt und erschlossen wurden, habe man leider versäumt, die Welt dem Evangelium unter- zuordnen; das müsse jetzt, da in Japan, China und Indien alte Kulturen untergingen und neue im Entstehen begriffen seien, nachgeholt werden. Die Zeit der Entscheidung sei gekommen, ob Ostasien für die Zukunft ein katholisches oder ein neuheidnisches Gesicht tragen werde. Verklärten Gesichts verkündete Herr Matthias Erzberger, daß es gelte, einen neuen Dom zu bauen nicht aus kaltem Stein, sondern einen Weltendom aus unsterblichen Seelen. Und mit dem Rufe:„Gott will es!" schloß er seine Kreuzzugsrede. Und in einer großen Missionsversammlung behandelte General- leutnant von Steinaecker denselben Gegenstand. Er ficht eine Zeit kommen, in der sich große Möglichkeiten für die Aus- breitung des Christentums eröffnen. Im Osten stehen alte Kulturen vor dem Zusammenbruch, die alten Religionen dort haben ihre Werbekraft verloren. Hier muß das Christentum ansetzen, da es allein vermag, neues Leben aus den Ruinen zu wecken.«Wir wollen"— so sagte der Redner—„als Träger und Verbreiter des Christentums in Ausführung des Auftrages unseres göttlichen Heilandes dem deutschen Namen Ehre machen. Wir wollen zeigen, daß wir einen weiten Blick haben und erkennen, daß, wenn die gewaltige Völkerflut des Ostens nicht christlich wird, dann eine Zeit entstehen muß, in der sie sich gegen uns, gegen die christlichen Nationen wendet. Völker Europas, wahret eure heiligsten Güter!" Wir bezweifeln, daß die Japaner und Chinesen es so eilig haben, Herrn Erzberger zu Gefallen, über Ostasien die Kuppel des „Weltendoms aus unsterblichen Seelen" zu wölben, d. h. ihre Länder zu klerikalisieren. Wir bezlveifeln auch, daß es zur Empfehlung des Christentums dient, wenn es ihnen von einem Zentrumsgeneral mit dem anrüchigen Kampfruf: Völker Europas, wahrt eure heiligsten Güter! dargebracht wird— abgesehen davon, daß die japanischen und ckinesischen Staatsmänner genug von der europäischen Heimat des Christentums kennen, um zu wissen, daß sich hier die Völker mehr und mehr von der Kirche abwenden. Und dieses letzte ist ja auch der hauptsächliche Grund, weshalb Rom sich neuerdings mit ganz besonderem-Eifer auf die Missionierung Ostasiens verlegt. Die gelbe Rasse soll die Lücke füllen, die der Abfall der Franzosen und Portugiesen gerissen haN Im Oktober 1S10 erschien in den„Historisch-politischen Blättern" ein Aufsatz über die Krise in der Kirche des Abendlandes.� Darin wurde dargelegt, daß die Kirche gegenüber dem unaufhaltsam vor- dringenden Antichristentum kein anderes Mittel habe, als ihre Kinder gegen die Glaubensfeinde abzuschließen und für die bereits Abgefallenen anderswo Ersatz zu suchen. Anstatt ihre Kräfte in einem möglicherweise nutzlosen Kampf mit Nationen zu erschöpfen, die einem langsamen Verfall entgegengingen, halte es die Kirche für besser,„sich an weniger verbrauchte Völker zu wenden, denen vielleicht das Prinzipat über Europa e i n st b e s ch i e d e n sein könnte": an die gelbe Rasse, an Japan und vor allem an das Viermillionenreich China. Das sei„eine gigantische Idee, die wie ein mächtiges Morgenrot in die Not der abendländischen Kirche hineinleuchtet. DaS un- geheure Gewölk der immer wachsenden Entchristlichung des Abend» landes mutz der große Gegenstand unserer Sorge, das im Osten aufsteigende Licht die Quelle unserer Hoffnung sein!" Auch dieser Prophet weist nach dem Osten. Wahrend aber der Zentrumsgeneral vom Metzer Katholikentag das Christentum nach Ostasien bringen will« um die dortigen Völker zu bezwingen und ihren Einfall nach Europa zu verhindern, ersehnt der Mann in den„Hiswrisch-politischen Blättern" das Prinzipat, d. h. die Herr- schaft der Japaner und Chinesen über Europa, damit sie diesem das Christentum zurückbringen, d. h. Europa wieder klerikalisieren. Ob so oder so: man hat allen Grund, die Missionspläne des Klerikalismus mit Mißtrauen zu verfolgen. Nicht als ob jemand der Kirche oder ihren Freunden im Zentrum verbieten wollte, in Ostasien das Evangelium zu predigen, wohl aber um der Gefahr vorzubeugen, daß den ultramontanen Missionsplänen, d. h. den Interessen Roms die Politik des Reiches untergeordnet werde— eine Gefahr, die bei dem großen politischen Einfluß des Zentrums einerseits und seiner Folgsamkeit gegenüber den Ansprüchen Roms nicht von der Hand zu weisen ist. Ob Ostasien dereinst ein katholisches oder heidnisches Gesicht trägt, ist eine Frage, die ab- seits der deutschen Politik liegt. Und wenn die Frage die Herren vom Katholikentag interessiert, so genügt das nicht, ihr Einfluß auf unsere Politik einzuräumen. Titel und Orden. Ein liberaler Beitrag zum deutschen Bedientenzopf. Die herrliche Blockära ist zwar vorüber, und die roten Adler sind jetzund den liberalen Knopflöchern nicht mehr so gewogen, wie es ehedem der Fall war. Aber hin und wieder entgeht doch auch jetzt ein liberaler Abgeordneter seinem Schicksal nicht. So ist der liberale Rcichstagsabgeordnete Dr. Neu mann- Hofer vom Fürsten zur Lippe mit dem Professortitel bedacht worden, und in einem Land- tagswahlkampfe haben christlichsoziale Agitatoren, die von den Konservativen ausgehalten wurden, dies freudige Ereignis gegen Neumann-Hofer als Kandidaten dermaßen verwertet— die Sozialdemokratie verzichtete natürlich auf dies persönliche „Agitationsmittel"—, daß sich der neue Professor veranlaßt sieht, in seiner„Lippeschen Landeszeitung" die Stellung der Liberalen zum Titel- und Ordenswesen „grundsätzlich" zu erörtern. Der Artikel umfaßt ein Dutzend Zeitungsspalten! Zunächst versichert Dr. Neuniann-Hofer, daß der Libe- ralismus eine monarchisch gesinnte Partei sei, die die Auf- gäbe habe, den von den Reaktionären um die Krone gezogenen überlieferten Ring zu brechen und den Monarchen liberalen Anschauungen zugänglich zu machen. Das erreiche man nicht durch Rauhbeinigkeit, sondern dadurch, daß man maßvolle Kritik übe und korrekte Beziehungen zur Krone und zu der Regierung unterhalte, überhaupt zeige, daß die Liberalen ebensogute und bessere Patrioten als die Konservativen wären. Der liberale Politiker habe die Aufgabe,„die Herrschenden für seine Auffassung zu gewinnen, wie es die Konservativen fortgesetzt tun". Daraus folge die Notwendigkeit des Weit- bewerbs mit den Konservativen in der Teilnahme an den höfischen Veranstaltungen, damit die Konservativen dem Monarchen nicht in die Ohren blasen könnten:„Siehst du, so sind die Leute; sie sagen zwar, daß sie nicht Republikaner sind, aber das ist ja nur schlecht verhüllte Mache usw." Und nach diesen anmutigen allgemeinen Ausführungen folgt ein spezielles Kapitel über die Titel und Orden, in dem es u. a. heißt: „Ich scheue mich nicht, es hier offen vor aller Welt auszu- sprechen: Es wäre ein schwerer politischer Fehler. ein solches Angebot abzulehnen, falls man nicht etwa... be- sondere Gründe dazu hat. Es wäre ein Fehler im Interesse des Liberalismus und seiner praktischen politischen Erfolge... Eine solche Ablehnung muß notwendigerweise bei dem Monarchen ein Gefühl der V e r st i m m u n g hervorrufen und den Konservativen bei ihm erneut Oberwasser verschaffen... Selbst- bewußte, aufrechte Liberale..- müßten energisch Verwahrung dagegen einlegen, daß etwa der Monarch bei Vergebung der ihm nun einmal zur Verfügung stehenden Auszeichnungen konservative Kreise bevorzugt, wie es ja zumeist geschieht... Der Monarch soll über den Parteien stehen... Aus dieser Ausfassung heraus müssen die Liberalen geradezu fordern, daß sie in keiner Be- ziehung hinter den Konservativen zurückgesetzt werden und müßten es als einen Schlag ins Gesicht empfinden, wenn es trotzdem geschieht." Und diese Gedankengänge haben den liberalen Reichs- tagsabgcordiieten Dr. Neumann-Hofer denn auch, wie er her- vorhcbt, bestimmt. Ja zu sagen, als ihm dw Tüelvcrleihung angeboten wurde............,. Das ist ja nun gewiß seine persönliche Angelegenheit, und konservative Leute haben keiuen Anlaß, ihm deswegen Vorwürfe zu machen. Aber für andere Menschen, die in diesem Titel- und Ordenswesen ein trauriges Ueber- bleibsel aus der Zeit des Zopfes sehen, aus der Zeit, da noch der Laune des Fürsten Gelegenheit gegeben war, die allergcwagtesten Kapriolen zu schießen, ist es doch eine merkwürdige Sache, zu sehen, wie hier ein„entschieden liberaler" Abgeordneter seine grundsätzliche Auffassung zu dieser vormärzlichen Gepflogenheit in allem Ernste darlegt. Eine derartige Offenbarung„entschieden liberalen" Geistes hätten wir bis zu dieser Stunde denn doch nicht für möglich gehalten. Nach Neuinann-Hoser ist es nicht die Aufgabe des Liberalis- niiis, diesen Zopf abzuschneiden, solidem sich ihm zur höbcren Ehre des„über den Parteien stehenden Monarchismus" so- zusagen zu assimilieren, dem hehren Streben zu lebm, rn der Hofluft mit den Konservativen auf gleich und gleich gestellt zu werden. Wir fürchten, auf diesem Wege wird eher das vollständige Aufgehen der liberalen Grundsätze in waichech�er konservativer Praris, als umgekehrt eine, toenn auch nur bescheidene Beeinflussung der Höfe in echt liberalem Sinne erreicht werden.- � Die Liberalen verlernen eben das Traumen mcht! Der Wehrbeitrag der Bundesfiirste». Zu dieser Sache wird der„Täglichen Rundschau" ge» schrieben � BermögenSverzeichnissen für den kommenden Wehrbeitrog ist von den bundeSfurstlichen Vermögens- Verwaltungen schon seit einiger Zeit in Angriff genommen. Da die Bmidesfürsten bisher weder Reichs- noch Staatssteiicrn bezahlt haben, so sehlr eine geeignete Unterlage für die Beurteilung des wehrpflichtigen Vermögens und es verursacht den verantwortlichen Leitern der fürstlichen Vermögen große Mühe, die Ziffern einwandfrei fesizusteaen. In den AussührungSerlaffen des Bundesrats wird sich die Bestimmung finden, daß zur Entgegen» nähme der Wehrbeiträge der Bunhesfürsten die obersten Finanz- behörden der Bundesstaaten zuständig sind. Diesen sind die Ber- mögensbekenntnisse einzureichen. Nachdem aber die B-'ttage frei- w i l l i a e r Statur find, so können für die Fürsten die g e s e tz- l i ck, e n Ueberprüfungsmittel nicht in Anwendung kommen und wird eine Kontrolle nur dann stattfinden, wenn sie aus- drücklick, verlangt wird. Fstr die Feifftellung deS kaifer- lickcn Privatvcrmögens ist das königliche Hausministeruim zu- «ändig UebrigenS dürften die Bundesfürsten von dem Recht, den Wehrbeitrag in drei jährlichen Teilzahlungen abzustatten, keinen Gebrauch machen, sondern ihren gesamten Bertrag im Frühjahr 1914 bezahlen." Man wird ja sehen, wieviel an freiwilligen Abgaben zu sammenkommt I_ Was ist Politik? Diese Frage hat den preußischen Gerichten schon viel Kops- schmerzen gemacht, wenn es galt, den Zusammenhang von Sport- vereinen, Gesangvereinen und geselligen Zirkeln mit der Sozial- demokratie zu beweisen. Auf eine beionders originelle Auslegung des Begriffs Politik, die allgemein bekannt zu werden verdient, ist dabei das Schöffengericht Strehlen in Schlesien gekommen, das den Vorsitzenden des dortigen Arbeitergesangvereins„Vorwärts" zu 6 M. Geldstrafe oder zwei Tagen Haft verurteilte. Ueber die Gründe dieser Bestrafung läßt sich das Urteil recht offenherzig aus: „Seit August 1911 bestellt hier in Strehlen der Gesangverein „Vorwärts", dessen Vorsitzender der Angeklagte ist. Trotzdem der Verein bei der diesjährigen Maifeier der hiesigen sozialdemo- kratischen Partei und vorher auch bei der L a s s a l l e f e i e r dieser Partei, in welcher politische Angelegen- heiten, nämlich auch die Fragen wegen Er- höhung der Löhne und Abkürzung der Arbeits- zeit erörtert wurden(!), durch Liedervorträge mitgewirkt hatte, so hat er trotz mehrfacher Aufforderung der Polizeibehörde noch nicht die Satzung sowie das Verzeichnis der Mitglieder des Vorstandes der zuständigen Polizeibehörde eingereicht. Das Ge- richt hält ihn aber hierzu für verpflichtet. Allerdings geht ja aus der verlesenen Satzung des Vereins eine politische Betätigung desselben nicht hervor. Das ist aber unerheblich. Es genügt, wenn ein Verein eine Einwirkung auf politische An- gelegenheiten nur als Nebenzweck verfolgt, und es kommt auf die gesamte zur Kenntnis der Behörde gelangte Vcreinstätigkeit an." Und an einer anderen Stelle wird beschwichtigend gesagt: „Dem Angeklagten mögen ja s ch e i n da r Urteile des König- lichen Oberlandesgerichts zur Seite stehen. Diese betreffen aber jedenfalls nicht den hier in Rede stehenden Fall. Wenn es sich nur um Beteiligung des Vereins an Familien- feiern, Konzerten usw. handelte, so könnte seine Wirksamkeit als nicht politisch angesehen werden. Hier aber handelt es sich um Mitwirkung bei öffentlichen politischen Versammlungen, zu denen jedermann Zutritt hatte." Und als Beispiel werden dann einige politische Lieder wie das «Bundeslied" und die„Jnucrnatronale" angeführt. Das Ober- landesgericht hatte aber bei der Freisprechung des JHatiborer Gesangvereins ausdrücklich erkannt, daß durch das Singen solcher Lieder bei den Veranstaltungen politischer Vereine noch gar nicht bewiesen sei, daß der Gesangverein zum Zwecke der Er- ledigung politischer Angelegenheiten begründet ist. Aber ein Ge- richt, das trotz§ 6 des neuen Vereinsgesetzes die Erzielung gün- stigerer Arbeitsbedingungen für politische Angelegenheiten erklärt, darf auch hier anderer Meinung sein. Zum Schluß dokumentiert das Gericht seine Unparteilichkeit durch folgende Ausführungen in der Urteilsbegründung: „Die Sache wäre ähnlich zu beurteilen, wenn z. B. ein k o n- servativer oder liberaler Verein bei öffentlichen Versammlungen einem Gesangverein gestatten wollte, vor oder nach dem Vortrage der politischen Redner patriotische Lieder zu singen, wie„Heil Dir im Siegerkranz" oder das Preußcnlied." Die Sache wäre allerdings ähnlich zu beurteilen! Wer aber vermag ein einziges preußisches Gericht aufzutreiben, das einen bürgerlichen Gesangverein jemals„ähnlich" beurteilt hätte? Ucbcr die Grundzüge des neuen Tonntagsruhegesctzes wurde auf dem Kongreß des Zentralverbandes für Handel und Gewerbe in Leipzig triumphierend mitgeteilt, daß die Vor- läge die volle Sonntagsruhe. n i ch t bringen werde. Am Gegenteil: In solchen Städten/ in denew die Landbevölkerung am Sonntag eurkaust, sollen die offenen Geschäfte bis zu vier Stunden am Sonntag verkaufen dürfe», An 6 Sonn- und Festtagen des Jahres soll durchgehend zehnstündige Sonntags- arbeit zugelassen werden— die Festesfreude der Handlungs- gehilfen! Den Leipziger Kongressisten ist das natürlich alles noch zu wenig, aber die Angestellten werden sich beizeiten rühren müssen, um eine solche„Reform" abzuwehren! Ein Vorstost gegen die Gewerbegerichte. In den„Preußischen Jahrbüchern" macht ein Dr. Richard Fellichger gegen die Gewerbegerichte Front, indem er schlankweg behauptet, den Beisitzern mangele es an der notwendigen Unab- hängigkeit. Zum Beweis dafür führt er aus, daß bei Berliner Gcwerbegerichten als Arbeitgeber- Beisitzer Gastwirte und Inhaber von Parteispcditionen tätig sind. Irgendwelche Beispiele, daß die Rechtsprechung dadurch gelitten habe, vermag er allerdings nicht anzuführen, stünden ihm solche Fälle zur Verfügung, dann würde er gewiß nicht damit hinter dem Berge gehalten haben. Was er gegen die Gewerbegerichte anführt, sind sonach haltlose Vcr- dächtigungen, die schon von Leuten wie v. Schulz, Prenner u. a. widerlegt wurden, die entschieden kompetenter sind, als der in den weitesten Kreisen völlig unbekannte Dr. Fellinger. Seiner Ansicht nach dürften die Kaufmanns- und Gewerbegerichte nur Schicds- gerichte sein, nicht aber erkennende Instanzen. Wenn aber diese Umwandlung nicht zu erreichen wäre, dann mühte wenigstens gegen alle Urteile dieser Gerichte die Berufung zulässig sein. Tic Bagdadbnhnverhandlnngen. Köln, 27. August. Die„Kölnische Zeitung" erfährt aus Berlin: Die Richtigkeit der Meldungen über eine franco-deutsche Verständigung in den asiatischen Eisenbahnfragen unterliegt sehr starken Einschränkungen. Die deutsche und die französische Regierung pflogen über die vom„Temps" berühr- ten kleinasiatischen und syrischen Eisenbahnfragen keine VerHand- lungen, auch nicht in Gestalt vertraulicher Vorbesprechungen. Tat- sächlich erfolgte nur ein privater, unverbindlicher Gedankenaus- tausch zwischen der deutschen und französischen Finanzgruppe, die in der asiatischen Türkei Rechte und Interessen besitzen. VerHand- lungen über türkische Interessen führte Deutschland mit Frankreich nicht. Her mit dem üNottoehrrecht für die Soldaten. Wie begründet bei der Beratung der Wehrvorlage der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, den Soldaten gesetzlich düs Recht der Notwehr zu geben, war, hat am Montag die Verhandlung eine? Falles vor dem Kriegsgericht der Aufklärungsflotte in Kiel bewiesen. Vor dem Gericht standen als Angeklagte der Maschiniftenmaat Behrens wegen Mißhandlung eines llntergebenen, und der Heizer Pauli, der diese Mißhandlungen Hai ertragen müssen, sich aber dagegen gewehrt hat, wegen tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten. Ursache der Anklage war ein Vorfall, der sich am 5. Juni vor Venedig abspielte, wo an dem Tage der Panzerkreuzer„Goeben" lag, zu dessen Besatzung beide gehörten. Der Maat hatte den Heizer vom Sprachrohr weggeschickt, weil er meinte, daß er es ungeschickt bedient habe, und sagte dabei zum Heizer:„Faule Sau!" Darauf entgegnete der Heizer, daß er nicht zu faul zum Arbeiten sei. Duraus nahm der Maat einen scharfkantigen Schamottestein und warf damit den Heizer. Der Stein traf diesen so schwer am Unterleib, daß er vor schmerz aufschrie und heftig weinte. Zugleich ergriff ihn aber die Wut; er nahm seinen Holzschuh, warf damit nach dem Vorgesetzten, traf ihn aber nicht. Dann sprang er auf ihn zu und packie ihn zweimal am Halse, wurde aber von einem anderen Hetzer zuruckgerissen. Der Wurf mit dem Schamottestein hatte bei dem Heizer, wie der Arzt festgestellt hat. eine Hobenquetschung hervorgerufen und er mußte einige Tag« im Lazarett liegen und durfte nach seiner Entlassung daraus einige Tag« nur leichten Dienst machen. Der Heizer erklärte bor Gericht, er sei durch den vom Stein- wurf verursachten Schmerz so in Erregung geraten, daß er nicht mehr Herr seiner Sinn: war. Ein Heizer sagte auch als Zeuge aus, daß dem Angeklagten nach dem Wurf der Schaum vor dem Mund gestanden habe. Militärjustitia wog die Urteile sehr gerecht ab. Der Maat erhielt für seine Roheit drei Monate und einen Tag Gefängnis. Die beantragte Degradation lehnte das Gericht ad. Ein Vorgesetzter, der seine Untergebenen mit großen Steinen wirft, verliert also die Erzieherfähigkeit beim Mili- tär noch nicht. Der Heizer aber, der sich nicht mit Steinen werfen lassen wollte, muß neun Monate und einen Tag ins Gefängnis spazieren. Er kann noch von Glück sagen, daß das Gericht von dem§ 98 des Militärstrafgesetzbuchs Gebrauch gemacht hat, wonach dt« Strafe ermäßigt werden kann, wenn der Unter- geben« durch vorschriftswidrige Behandlung von dem Vorgesetzten gereizt worden ist. Für seine Tat: Vergehen im Dienst und vor versammelter Mannschaft, kenstt' nämlich das Militätsträfgesetzbüch eine Mindeftstrafe von 2 Jahren Gefängnis. Solche Zustände schreien geradezu nach einer Abättdernng des Militärstrafrechts!_ Die Ballunfragcii. Die Türken dementieren. Konstantinopcl, 27. August. Tie Pforte erklärt die Mel- dung, daß türkische Truppen Gümüldschina und M a st a n l i besetzt hätten, für unrichtig. Abzug der rumänischen Truppen. Sofia, 27. August. Nach Informationen aus dem Ministerium des Innern haben die rumänischen Truppen das b u l g a- rische Gebiet fast vollständig geräumt. Voraussichtlich wird morgen kein rumänischer Soldat mehr auf bulgarischem Gebiet sein. Die Behörden hegen die Hoffnung, daß der normale Eisenbahn- dienst in Bulgarien bis Ende August wiederhergestellt sein wird. frankrdeb. Die Sozialisten bei den Propinzialwahlen. Die„Humanits" gibt eine Uebersicht über das Gesamt- ergebnis der letzten Wahlen zu den General-(Departement-) und Arrondissenient-(Kreis-) Räten, soweit die Partei be- teiligt war. Unter 86 Departements war die Partei nur in S9, davon nur in 47 bei der Generalratswahl beteiligt. Für 1453 Generalrats- und etwa ebensoviel Kreisratssitze waren 235 bezw. 253 sozialistische Kandidaten aufgestellt. Die Zahl der aufgebrachten Stimmen war 511544, die der Gewählten zu beiden Arten Räten 105, 3� Proz. der Gesamtzahl. Der stärkste Erfolg wurde im Departement du Nord erzielt, wo in 68 Kantonen 56 Parteikandidaten aufgestellt waren und am ersten Wahltag rund 127 666 Stiinmen abgegeben wurden. Gewählt wurden 9 General- und 11 Kreisräte. Die Partei zählt jetzt im Generalrat 17 Vertreter und hat in den Kreis- raten von Douai und Lille die Mehrheit. 3 andere Partei- verbände brachten über 26 666 bis 25 666 Stimmen auf, 12 weitere über 16 666. Jin Departement Haute-Vienne, Westfraukreich, das die zweithöchste Stimmenzahl aufbrachte, wurden von 21 Kandidaten 16 gewählt, in Allier, Ostfrank- reich, bei 24 345 Stimmen. 16 von i26. Den größten Erfolg erzielte die Partei im Vor an der südöstlichen Seeküste, wo von 27 Kandidaten 26 gewählt wurden. 11 weitere erzielten 2 bis 1l Wahlsiege, so daß insgesamt in 15 Departements Sozialisten gewählt wurden. Zusammenfassend heißt es in der„Hnmanit/, Ubr. Neue? Bolkstheater. Die Schiff- brüchigen. Ansang 3 Ubr. Admiralspalast. Eisballctt: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte, Jnvalidensir. 57—«2 Sediller-TKesler c"n" Heute: Oeogruphlo und Uebe. Komödie von Björnftjerne Björnson. Anfang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr. Freitag, abends 8 Uhr, zum 1. Male: Am Tage des Gerichts. Sonnabend, abends 8 Uhr: Am Tage des Berichts. Saehse-Opev SeMIler-ThealerO.' Wallner> ■ Tbealer. _ Letzte Woche in dieser Spielzeit! « uhr: Die weike Dame. Gastspiel Kurt Frederich. DentschesScbaaspielhans 8'/, Uhr: Das Farmermädchen. öerlioer Ideale!'. 8 uhr: Fijmzauber. Tbeater in der Königgrätzer Straße 8 Uhr: Das Such einer Frau. Tbentei* des Westens. |!®F- 4 letzte Gastspiele! 8 Ubr: Sylvester Schäftep. Vorher: Das starke Stück. Ein angebrochener Abend. iL Cirastspicl des Berliner Metropol-Tlieaters: Die Kino-Königin! Anfang 8 Uhr. DQD Sss, Uhr S'/, Uhr Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente.) Schwank in 3 Akt. v. M. Hennequin und P. Yeber. Morgen n. folgende Tage: Die Frau PrUsldcntln. OSE=THEATE| Große Frankiurter Str. 132. Blcderlente. (Bampire der Grostftadt Ansang 8'/, Uhr. Auf der Gartenbühne: Federn großen Teich. Lebensbild in 4 Akt. Vorher Konzert, Einakter, bunter Teil. Ans. 4'/. Uhr. TriarK) ii-Theater. abenMuhr: UlltPeU- Vorher: Der abgemssene Glookenaig. Admiralspalast Hin as. Eispalast der W elt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthall. Allabendlich Flirt in St. Moritz. Beginn d. Vorstellung'/.L Uhr. Bis 6 Uhr und von 10s/, Uhr halbe Kassenpreise. Die neuen Mitgliedskarten müssen aus den Zahlstellen abgeholt werden. Für neue Mitglieder sind noch"9$ ügSF" in den Abteilungen 16—20 in den dekannten �llklstellen(irok-"HIU Lerlins MitZIiedskurten zu haben. Die Torslellungen dieser Abteilungen sind im Deutschen Theater Schüler- Theater Thalia- Theater Künstler- Theater Nollendorfpl.sTh. Lessing;- Theater Neuen Volks-Th. Schüler-Th. Ost SchumannstraBe Charlottenburg Dresdener Straße Nürnberger Str. 70/71 Am Nollendorfplatz Friedrich-Karl- Uteri Köpenicker Str. 68 Wallner- Theater-Str, Voigt- Theater Badstratze 38. Letztes Kinderfest. Unsere blauen Jungens. Posse m. Gesang u. Tanz in 3 Akten. Vollständig neue Spezialitäten. Kassenössn. 10 Uhr. Anfang i Uhr. Sonnabend, 30. August: Ebrenabend f. d. Verwandb-Künstler Karl Braun. Vorstellungsbeitrag Mark I.IO. Die ersten Vorstellungen sind am Sonntag, den 31. August, 3 Uhr nachmittags: 4., 7., Ha. Abteilung(Deutsches Opernhaas): „Die lustigen Weiber von Windsor." 12. Abteilung(Neaes Volks-Theater): „Mudder Mews." Die Geschäftsstelle: Winkler, SO. 16, Michaelkirchplatz 2 v. II. Reichsballen-Theater (Meysel, Britton, Schräder etc.) Neu engagiert: Komiker Hnselll. Anfang 8 Uhr. Montis Operetten-Theater Schiffbauerdamm 4a.(fr. Neues Th.) Sonnabend, den 30. August: Wleder-ErUffunng. Gastspiel Julius Spielmann: Der lachende Ehemann. Ansang 8 Uhr. Passage-Panoptikum Die Offenbarungen der Traummalerin Frau Assmann, d. Aufseh. d. wissensch. Kreise. AGA die schwebende Jungfrau. Buddha die geheimnisvolle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! Volksgarten- Theater. Badstr. 8 und Beilermannstr. 20125. Donnerstag, den 28. August: Greste Gala-Benefiz-Borstellung jür»Inn! Cimburek• Kusse: Tie goldene Eva. Preislustspiel von Schönthau und Koppel-EUseid. Dazu das erstklassige Speziali- täteu-Programm. Ans. 4 Uhr. Heute:W des„Umlilts" Kttlilttt Nl>>ItSlllM.?«»"»>°s>28. AipSMO. Die Berlin Am Dienstag hielten die sechs sozialdemokratischen Wahl- bereine Berlins ihre Generalversammlungen ad, die Stellung zum Parteitag zu nehmen hatten. In allen Versammlungen gedachte man vor Eintritt in die Tagesordnung des Hin- scheidens unseres August Bebel und widmete dem ver- blichenen Vorkämpfer des Proletariats ehrende Worte des Nachrufes.— Bei den Debatten standen die Fragen des Massenstreiks sowie die Haltung der Reichstagsfraktion zur Wehr- und zur Tcckungsvorlage im Vordergrunde des Interesses. Ueber den Verlauf der Versammlungen geben die nach- stehenden Berichte Auskunft: Erster Wahlkreis. Genosse Emil Dittmer sprach vor gut besuchter Versamm- lung über den Parteitag und den M a s s e n st r e i t. Seinen Ausführungen ist zu entnehmen, dah trotz der rein geschäftlichen Tagesordnung des Parteitages reg« Debatten vorauszusehen sind. Bei der Frage der Steuer- und Deckungsvorlage wird es wohl heiß hergehen, lvtan wird all dies in Verbindung bringen mit der äugen- blicklichen Stagnation innerhalb unserer Reihen, der ja unsere Gegner zumeist verständnislos gegenüberstehen; aber auch unsere Leute schauen den augenblicklichen Stillstand zu schwarz. Zu irgend- welcher Verzweiflung liegt kein Anlaß vor; denn in der Gewerk- schaft sowohl wie in der Partei ist zurzeit ein Punkt erreicht, der ein schwierigeres Arbeiten bedingt. Namentlich in den Großstädten macht es sich unangenehm fühlbar, daß Verbindungsglieder für die Jugendlichen im Alter von 18 bis 22 Jahren nicht vorhanden sind. Solche erscheinen sehr zweckmäßig, denn auch unsere Gegner haben stark gearbeitet. Ihnen stehen alle Hilfsmittel des Staates zur Verfügung.. Unsere Parteifeste, z. B. die Maifeier, sinkt leider in den Groß- städten oft zum Varieteplunder herab. Auch Feste sollen der Er- ziehung zum Klassenbewußtsein dienen.— Der allgemeinen Wirt- schaftlichcn und politischen Situation und nicht dem Parteivorstandc ist die augenblickliche Flauheit zuzuschreiben. Außerhalb der Tages- ordnung hört man jetzt, daß eine staatliche Arbeitslosenversicherung zu den dringendsten Zeitbedürfnissen gehöre. Das mit Recht; denn unsere Zoll- und Brotwucherpolitik, der Rüstunaswahnsinn, die monatelange Kriegsgefahr, das Einschleppen und Hereinlocken von Wanderarbeitern, die zum großen Teil als Lohndrücker fungieren, haben eine derartige Konjunktur geschaffen, daß diese sich mit der Krise von 1903 gut messen kann. Der Reichstagsfraktion wird man nicht versagen können, daß sie viel geleistet habe. In der Frage der Deckungs-, aber auch der Militärvorlage selbst habe sie Tüchtiges vollbracht, wenngleich es besser gewesen wäre, durch einen Appell an die Massen einen größeren Resonanzboden zu finden. Eine gewisse Diskussionsmüdigkeit macht sich in der Frage der Maifeier bemerkbar, und da diese eine internationale Angc- legenheit ist. wird es bei der gegenwärtigen zweckmäßigen Form bleiben. Zu wünschen wäre allerdings eine bessere Ausgestaltung durch Partei und Gewerkschaften. Dann geht der Referent auf den Massen st rei! ein. Hatten wir früher Volksaufstände und Revolutionen, so haben wir jetzt Massenaktionen, wie Wahlen und Demonstrationsversammlungen. Appellierte man früher an das Gefühl, so wollen wir heute die Aktionsfähigkeit der Massen; denn Gefühle verpuffen schnell. Heute richten wir unsere Aktionen so ein, daß wir Schritt für Schritt vorwärts gehen und nicht zurück brauchen. Dabei sind allerdings die Unorganisierten nicht immer unsere Feind«, im Gegenteil sind wir mit ihnen durch sympathisch« Strömungen verbunden. Rechnen dürfen wir aber nur auf die Organisierten und uns keinerlei Illusionen hingeben. Der Zweck unserer Aktion wäre hauptsächlich, Steigerung unseres Einflusses und gesteigertes Selbstbewußtsein der Arbeiter. Die Agitation hat auf breitester Basis zu geschehen und müssen Massenaktionen und Parlamentarismus Hand in Hand gehen. Der sich so frech ge- bürdenden Reaktion und den Scharfmacherallürcn gegenüber haben «vir fester zuzupacken. Den großen Schwierigkeiten der Massen- attion haben wir Genüge zu leisten, denn wir dürfen uns Gefahren und Opfern gegenüber nicht blind stellen. Bei übergroßer Bc- teiligung wäre es leicht, die Tarifverträge der Gewerkschaften zu tangieren. Um das riesig« Heer sämtlicher Staatsarbeiter in den Bann unserer Ideen zu zwingen, mutz mit allen verfügbaren Mitteln gekämpft werden. Ohne Unterstützung könne ein Massen- streik von 3 bis 6 Tagen ganz gut durchgeführt werden. Im großen und ganzen trägt die Massenstreikdiskussion nur zur Aufklärung bei. Die preußige Mißregierung durch einen Gebär st reik, etwa durch di« Worte: diesem Staat keine Soldaten, diesen Kapitalisten keine Arbeitskräfte, zu werfen, ist ein Trugschluß schlimmster Art. Rein individuell ist dieses Problem zu verwerten. Vorerst hat nun eine planmäßige Bildungsarbcit einzusetzen, wobei ein Zentral- bildungsorgan sehr zu empfehlen ist. Eine gut geschulte Partei- genossenschaft wird dann auch die auftauchenden Fragen viel ruhiger und gründlicher erörtern als heute.(Lebhafter Beifall.? Petermann unterbreitet der Versammlung einen Antrag der Kreiskonferenz: auf die Tagesordnung des Parteitages den Massenstreik zu setzen. In längeren Ausführungen wendet sich S ch w a b e d a h l gegen diesen Antrag mit der Begründung, daß die ganze Massenstreik- debatte nur von Literaten und Redakteuren in Fluß gebracht sei, außerdem aber die Parteitage von 1993 und 1996 sich ausgiebig mit diesem Thema beschäftigt haben. Ja, wenn man bestehende Volks- rechte schmälern wollte, dann würden der Parteivorstand und die Generalkommission schon den Massenstreik nicht verpassen. Lucht sagt, daß die allgemeine Erregung über oas Schand- Wahlrecht in den Zahlabenden sowohl als in der Wertstatt und in der Fabrik den Stein ins Rollen gebracht haben. Trautig sei eS, daß heute in der Partei so alle Ideale fehlten. Ohne diese ist aber ein Kampf nicht aussichtsreich. Auch dürfe nicht so gedämpft und zurückgeschraubt werden, wie das namentlich von Gewerkschaftsseite geschieht.(Lebhafte Zustimmung.) Aushäuser sagt, daß wir alle Ursache haben, uns mit dieser brennenden Frage zu beschäftigen. Auch heißt es in dem Antrage noch lange nicht: morgen wollen wir den Massenstreik machen, dann könnte man ja Schwabedahls Ausführungen begreiflich finden. Hegewald: Schädlich muß es wirken, wenn Rosa Luxem- bürg die unorganisierte Masse verherrliche. Er glaubt auch, daß ein Massenstreik Masscnaussperrungen seitens der Unternehmer im Ge- folge haben wird. Die Frage muß reiflich überlegt werden und wären sich die Gewerkschaften ihrer Verantwortung zu sehr bewußt, um sich mit dieser Frag« so ohne weiteres anzufreunden. K r e p l i n gibt dem Gedanken Ausdruck, daß wir mit dem Parlamentarismus nicht unseren heutigen kapitalistischen Polizei- ftaat bezwingen werden. Aus diesem Grunde soll nicht nur die Möglichkeit eines Massenstreiks, sondern auch die Form seiner An- Wendung diskutiert werden. In bczug auf die Arbeitslosenversiche- rung muß schleunigst ctlvas unternommen werden. Baum: Luchts Ausführungen cutsprächen denen der meisten Parteigenossen. Nicht Redakteure und Literaten, sondern die Lokal- organisierten haben 1995/96, wie heute auch die Parteigenossenschaft, die Massenstreikfrage aufs Tapet gebracht. Schwabedahl und Hegewald betonen, daß auf die un- organisierte Masse keinerlei Verlaß sei.— Nach A I s l e b e n, der den mangelnden Idealismus tadelte, spracki als letzter Redner Ge» zwsse T a b b e r t. Er meinte, daß Schwabcdahl und ein anderer er Aahlvereine und der Redner die Sache durch die skeptische Brill« des Gewerkschaftlers geschaut haben. Wolle man etwas propagieren, so müsse es selbst- verständlich gut durchberaten werden. AuS diesem Grunde der Antrag. Der Kreiskonferenzantrag und die beiden folgenden wurden angenommen. 1. Bezüglich der Abführung des TageSlohnS der Angestellten für den Tag der Maifeier in den MaifondS ist ein präziserer Parteitagsbeschluß mit namentlicher Abstimmung herbeizuführen. 2. Die Reichstagsfraktion soll verpflichtet werden, im Herbst sofortige Schritte zur staatlichen Arbeitslosenversicherung herbei- zuführen. Einstimmig wählte man sodann den Genossen Max Bolz- mann zum Parteitagsdelegierten. Aweiter Wahlkreis. Die Generalversammlung für den zweiten Wahlkreis fand im großen Saale der B o ck b r a u e r e i statt. Der Referent Richard Fischer führte u. a. aus: Jnter- nationale Kongresse, Gewerkschaftskongresse, Parteitage haben grundsätzlich zur Frage des Massen st reiks Stellung ge- nommen. Liegt nun ein Anlaß oder die Notwendigkeit vor, die Frage zu erörtern? Liegt die Möglichkeit eines Massenstreiks gegen- wärtig vor? Beides ist zu verneinen. Es wird nun gesagt, die Massen wollten die Frage erörtern. Auf mich haben aber die Ver- sammlungen den Eindruck gemacht, als ob das nicht der Fall sei, sondern als ob gewisse Personen uns diese Ausfassung einreden wollten. Gewiß, es ist zurzeit in der Partei eine gewisse Miß- stimmung vorhanden. Aber warum? Waren nicht die letzten Reichstagswahlen ein frisch-fröhlicher Husarenritt? Und was die Drciklassenwahl in Preußen betrifft, hat es da wirklich einen solchen politischen Hansnarr gegeben, der von dieser einen großen Erfolg erwartete? Mir ist keiner bekannt. Daß die Herrschenden taub geblieben sind, daß man sich fragen muß, welche Mittel seien anzu- wenden, ihnen die Augen zu öffnen, das gebe ich zu. Aber man kann Begeisterung nicht auf Flaschen ziehen, und der politische Kampf, der auch eine Arbeit ist, erfordert ebenso Ruhepausen wie jede andere Arbeit. Gewiß hat die Enttäuschung die Frage nach den anderen, stärkeren Mitteln, nach dem Massenstreik, auf die Oberfläche gebracht. Ist einer unter Euch, der in der jetzigen Zeit, wo der Anbruch einer Krise sich in Zehntausendcn von Arbeitslosen dokumentiert, den geeigneten Zeitpunkt sieht, einen Massenstreik zu machen? Und wenn ich die Frage verneine, dann habe ich auch nicht den Mut, den Gedanken zu propagieren. In den Zeiten einer wirtschaftlichen Hochflut, wo man die Arbeiter braucht, kann man die Frage erörtern, ob die Zeit gekommen sei, vom Massenstreik Gebrauch zu machen. Andere Genossen, u. a. Rosa Luxemburg, gehen von der nicht ausgesprochenen, aber tatsächlich vorhandenen Meinung aus, die ganze Taktik der Sozialdemokratie müsse geändert werden. Sie meinten, wirtschaftliche Kämpfe müßten auch propagiert werden, wenn sie verloren gehen, ja vielleicht, weil man davon überzeugt sei, daß sie verloren gehen; man müßte sie propagieren, daß es zu Zusammenstößen komme, damit die Empörung der Massen hell auf- lodere, bis es zur sogenannten großen Katastrophe komme. Da frage ich mich denn doch, ob ich es mit meiner Auffassung, mit meinem Gewissen vereinbaren kann, solcher Taktik zuzustimmen. Da sage ich: Nein, wenn die Frage so gestellt ist, dann ist eS Pflicht jedes Parteigenossen, dem energisch entgegenzutreten, diese Taktik, sehr höflich ausgedrückt, als starke Blindheit zu kennzeichnen und, wo sie die Folgen kennt, als st a r k c Gewissenlosigkeit zu kennzeichnen. Nach Auffassung von Rosa Luxemburg hat sich der Parlamen. tarismus überleht. Andererseits wirft sie aber die Frage auf, weS- halb man nicht zur Niederringung des Dreiklassensystems den Massenstreik mache. Ja, wie soll ich die Massen begeistern für einen Kampf zur Erringung des geheimen Wahlrechts in Preußen, wenn ich sage: dies Mittel ist untauglich für die Arbeiterklasse. Im Verlaufe seiner weiteren Erörterungen vergleicht Redner mit de» deutschen Verhältnissen die Verhältnisse, unter denen in Rußland und Belgien der Massenstreik angewendet wurde. Ohne den russischen Massenstreik verkleinern zu wollen, betont er, daß dieser die Bedeutung nicht erlangt haben würde, wenn er nicht die Unterstützung der Liberalen gehabt hätte. Sind doch die Löhne zum Teil weitergezahlt worden. Von dem Augenblick an aber, wo in Rußland der Massenstreik als revolutionäre Waffe für die Forde- rungen der Arbeiter auch gegen die Unternehmer gerichtet wurde, von dem Augenblick an versagte in Rußland der Massenstreik. Von Bedeutung ist, daß die russischen Arbeiter, sowie sie überhaupt erst mehr Bewegungsfreiheit hatten, an den Ausbau der Organisationen gingen. Auch in Belgien liegen die Dinge so, daß der Massenstreik die Unterstützung des liberalen Bürgertums fand. Ganz anders würden die Dinge bei einem Massenstreik in Deutschland liegen. Der Massenstreik in Deutschland heiße Krieg gegen die Regierung und gegen die Unternehmer. Er würde bedeuten, die ganze Existenz der Partei auf eine Karte zu setzen. Wir wissen, daß die große, mächtige Industrie und daß die tonangebende Iunkerkaste nur darauf warten, durch den Staat einschreiten z» können. Gewiß, eine Regierung, die den letzten Mann braucht, um ihm ein Gewehr in die Hand zu geben, die ist nicht stark genug, um ohne weiteres zum Beispiel das Koalitionsrecht zu nehmen. Aber wir müßten dumm sein, wenn wir der Regierung die Waffe in die Hand geben, die sie braucht, um die öffentliche Meinung für sich. zu gewinnen. Wir sind stark, aber nicht stark genug, um der Mehrheit unseren Willen diktieren zu können. Wir brauchen den parlamentarischen Kampf für unsere Unterminierarbeit. Und jedes schlechte Gesetz, das wir verhindern, jeder Erfolg, den wir haben, ist eine ■schsvächung der Gegner und eine Stärkung für uns. Jedermann weiß natürlich, daß mit der Stimmabgabe, unsere Aufgabe nicht erfüllt ist. schwere Kämpfe werden uns auch bevorstehen. Aber deshalb dürfen wir nicht mit dem Gedanken des Massenstreiks spielen, sondern müssen suchen, die Massen in unsere Reihen zu bringen, um gewappnet zu sein für den entscheidenden Moment im Kampfe gegen einen uns immer noch überlegenen Gegner. Zur Deckungs frage sagt der Redner: Die Militärvorlage war gegen uns bewilligt, da war nichts zu ändern. Die Regierung war hier zum erstenmal, und zwar durch das Vorhandensein einer starken Sozialdemokratie, gezwungen, direkte Steuern, Besttzsteuern einzubringeil. Die Frage war, könnten wir für militärische Zwecke überhaupt Mittel bewilligen? Dem Prinzip: Keinen Mann und keinen Groschen stand auf der anderen iseite das Prinzip gegenüber: Keine Vermehrung der indirekten Steuern, keine Belastung der breiten Massen. Können wir beides haben, schön, nehmen wir es. Wie aber, wenn man nur ein- durchsetzen kann. Ich erinnere an den Baseler Beschluß: Gegen den Militarismus kämpfen, solange es geht; ist die Entscheidung gefallen, dann kämpfen, daß nicht den breiten Massen die Lasten aufgehalst werden. Man sagt, man hätte sich nach Annahme der Militärvorlage beim Wehrbeilrag und dcx VcrmögcnSzuwachsstcuer der Stimme enthalten können. Ich glaube nicht, daß es unstzrcr großen Partei, die immer für die Entlastung der Armen eintrat, würdig gewesen lväre, hier zu sagen: ich weiß nicht, ob ich nein oder ja sagen soll, lind weiter: ist es denn wahr, daß diese Bcsitzsteuern, diese direkten Steuern auch ohne uns angenommen worden wären? Redner ist der gegenteiligen Meinung und legt an der Hand der Konstellation der Parteiver- Hältnisse im Meichstag, wie sie sich hier besonders ergab, dar, daß das Zentrum nur darauf gewartet habe, sich durch Abkomman- Parteitag. dierungen aus der Affäre zu ziehe» und so, falls die Sozialdcmo- kratie gegen diese Steuern stimmte, sie zu Falle zu bringen. TaS mußte auf jeden Fall verhindert werden im Interesse der Armen, denen dann Belastung durch indirekte Steuern drohte. Wenn es zur Auflösung gekommen wäre infolge Ablehnung, hätten wir bei Neuwahlen Nachteile obendrein gehabt. So liegen die Dinge. Was den Masseitstreik angeht, so hat noch immer seine Geltung, was in Jena beschlossen ist, nur daß wir zurzeit sagen müssen, es ist jetzt unmöglich, davon Gebrauch zu machen. Und was icd bedauere, ist, daß die ganze Diskussion in der Parteipresse, in Versammlungen und auf dem Parteitage nur den Gegnern das Eingeständnis zeigen wird, daß wir diesen Kampf jetzt nicht unter- nehmen können. Das den Gegnern sagen zu müssen, ist nicht klug. Wir müssen weiter arbeiten wie bisher und die Massen or- ganisieren, bilden und disziplinieren.(Lebhafter Beifall.) Horn hält eine Diskussion der Massenstreikfrage auch jetzt für nötig. Man könnte ja auch gleich mehr verlangen al» das gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für den Landtag. Zu er- wägen wäre, ob man nicht mit Hilfe der Konsumvereine den Massenstreik durchführen könnte. Schulz nennt Fischers Vortrag einen Dämpfungsvortrag, der den Mut erdrücken müsse. Fischer zweifle an der Kraft des Prolc- tariats.(Fischer: Durchaus gar nicht!) Solveit Redner die Sache verfolgt habe, wolle heute keiner in den Massenstreik ein- treten. Aber propagieren müsse man ihn. Die ganze Taktik sei heute auf die Wahlen zugeschnitten. Von Aufklärung sei wenig die Rede. Man müsse die Erstrebung des Znkunftsstaates betonen (Zuruf: Das geschieht ja immer!) Jawohl, aber Dämpfungsvor- träge tragen nicht dazu bei, es wirksam zu machen. Redner ist dagegen, daß der Parlamentarismus als ein Gottesbild hingestellt werde.(Fischer: Das tut ja keiner!) Da wir die Mehrheit im Parlament nicht bekommen, so müssen die Massen draußen im Feuer stehen. Wir müssen darum die Proletarier in das Feuer des Massenstreiks hineinbringen, um frisch-fröhliche Bewegung wieder zu bekommen. N i k o l e i ist der Meinung, daß kein Grund zum Kleinmut vorliege. In manchem mögen durch den großen Erfolg bei den Reichstagswahlen Hoffnungen erweckt sein, die sich nicht erfüllen lassen. Redner schließt sich im übrigen dem Referenten an und tritt dafür ein, dafür zu sorgen, daß wir starke Organisationen, sowohl politische als gewerkschaftliche bekommen. Dann wird auch der Moment kommen, wo der Massenstreik in breiten Kreisen der Ar- bester Zustimmung finden werde. An der augenblicklichen Krise werde aber nichts dadurch geändert, daß man immerfort sage, eS müßte etwas geschehen. Maroke wendet sich gegen d'e Art, wie Fischer über den Massenstreik gesprochen habe. Er gebe indessen zu. daß ein solcher im Augenblick nicht möglich sei. Aber notwendig wäre er. Die Ge- nossen müßten nach und nach mit dem Gedanken vertraut gemacht werden. Der Gedanke sei auch nicht nur von einzelnen jetzt in die Parteikreise hineingeworfen worden. Er komme auch aus Parteikreisen. Den Standpunkt Rosa Luxemburgs verwerfe Redner auch, aber ebenso den Standpunkt Fischers, weil der das gegenteilige Extrem bedeute. Ein Massenstreik brauche nicht Blutopfer kosten. Die Massen müßten erzogen werden, daß sie einen würdigen Massenstreik durchführen.— In der Militärdeckungsfrage hätten die fraglichen Steuern prinzipiell verweigert werden müssen. Auch wäre es ein Agitationsmittel gegen die bürgerlichen Parteien ge- Wesen, wenn die Fraktion bei der Militärvorlage Obstruktion ge- trieben hätte. Von einem genügenden Kampf gegen die Militär- Vorlage könne keine Rede sein. Emanuel Wurm tritt dem Vorredner entgegen und stclN fest, daß Genosse Fischer nichts gesagt habe, was den Massenstreik diskreditieren könnte. Meinungsverschiedenheiten kann es über- Haupt nur darüber geben, ob und inwieweit das Mittel anzuwenden sei. Wenn wir nun nicht mal die meisten Klasscngcnoffen bei den Reichstagswahlen für uns haben, wo meist nichts zu riskieren in, dann ist das ein Beweis, daß die große Mehrheit der Arbeiter nickt mit uns übereinstimmt und daß von einem Massenstreik nicht die Rede sein kann, selbst wenn die mehr als 4 Millionen Sozialdemo- kraten dafür eintreten. Es kommt mir vor, als ob eine Reihe Genossen, namentlich die Jüngeren, eine Art Größenwahn bekommen haben.(Zuruf: Die Alten werden müde!) Gegen diesen Einwurf verwahrt sich Redner mit aller Entschiedenheit. Keiner ist müde, aber wir sind keine Kindsköpfe. Wir haben so oft das Lied vom Unverstand der Massen gesungen, der der größte Feind ist. Hier liegt das Gebiet für die Riesenarbeit, die wir zu leisten haben. Diese Massen, die noch außerhalb unserer Kreise stehen, sind heran- zuholen und Bildungsarbeit im vollsten Maße ist zu leisten. Denken Sie denn, daß eine Aktion, die alles stillegen soll, gemacht werden kann gegen den Willen so großer Massen von Arbeitern, wie sie uns noch fernstehen. Wir wollen den Massenstreik, aber die Vorbedin- gungen seiner Durchführbarkeit müssen erst gegeben sein.— In der Deckungsfrage weist Redner auf die am letzten Sonntag im „Vorwärts" veröffentlichte Resolution hin, die er als Referent auf dem Parteitag vertreten wird. Gegenüber der Anregung, es hätte gegen die Militärvorlage Obstruktion im Reichstage getrieben wer- den müssen, zeigt Redner, unter Heranziehung der Geschäftsordnung, daß eine Obstruktion, so wie früher einmal, gar nicht möglich gewesen wäre, und daß selbst im anderen Falle eine Obstruktion gegenüber der großen militärfroinmen Mehrheit gar nichts er- reicht haben Würde. Nun sei ja ein Teil der Fraktion der Meinung gewesen, daß der Wehrbeitrag sowieso angenommen wäre. Aber der größere Teil der Fraktion meinte, ge>vichtige Gründe für das Gegenteil zu haben.— Ich hoffe, schließt Redner unter lebhaftem Beifall, daß die beiden Streitfragen wenigstens dazu beitragen mögen, zu erfüllen, lvas als berechtigter Wunsch ausgesprochen sei, daß wir in unseren Versammlungen nicht bloß große Paraden abhalten bei großen Gelegenheiten, sondern die intensivste Aus- klärnngsarbeit mit aller Energie fördern, um die große Masse zu überzeugten Sozialdemokraten heranzubilden. Behrend sprach im Sinne von. Fischer und Wurm. S ch i ck e t a n z ist dafür, daß baldmöglichst für die Propa- gierung des Massenstreiks alles geschehen müßte. Das müßte auch Sonntag bei der Delegiertenwahl zum Ausdruck kommen. Darauf schloß die Diskussion. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Als Kandidaten für die am Sonntag in Nrwahl stattfindende Wahl von drei Parteitagsdelcgierten schlagen die Funktionäre vor die Genossen Rennert, ClajuS, Schröder, Meyer, Frau Lach mann, A p p e l t. Außer den Delegierten ist am Sonntag auch ein Mitglied für die Schicdsgerichts-Kommission an Stelle des ausscheidenden Ge- nossen Schwemke zu wählen. Dritter Wohlkreis. Die im G e w e r k f ch a f t s h aMz tagende Versammlung war gut besucht. Den einleitenden Borsiag über den Parteitag hielt Genosse Pfannkuch.— Redner hielt es für selbstverständlich, daß über die Frage des Massenstreiks auf dem Parteitag aus- gicbig debattiert werde» soll, er hält es aber nicht für nötig, die Frage als besonderen Punkt auf n-e Tagesordnung zu setzen, da die Behandlung dieses Themas auck im Rahmen der vorge- schlagenen Tagesordnung möglich ist. Die viel angegriffene Hai- t un g der Fraktion zu den Deckung? vorlagen kann beim parlamentarischen Bericht sowohl wie bei den Steuerfragen. die als besonderer Punkt der Tagesordnung behandelt werden. zur Besprechung gelangen. Redner beschäftigt sich ausjührlich mit der Zustimmung der Fraktion zu den Deckungsvorlagen und stellt sich auf den Boden der Mehrheit der Fraktion. Der Standpunkt: „Diesem System keinen Mann und keinen Groschen" ist nicht etwa ein progammatischer. Er ist nicht einmal ursprünglich sozial- demokratisch, sonoern er stammt von Eugen Richter. Redner be- schäftigt sich des weiteren mit den Vorwürfen, die gegen die Fraktion erhoben werden. Die Fraktion hat alles getan, um die Wehrvorlage zu stürzen. Das ist ihr leider nicht gelungen. Er- reicht hat sie aber, daß die Lasten den tragfähigen Schultern auf- gebürdet wurden und dadurch hat sie einen großen Erfolg erzielt. Es ist auch nicht richtig, daß wir die Militärvorlage nicht ebenso energisch als unsere französischen Brüder bekämpft haben. Wir befanden uns in voller Uebereinstimmung mit der sranzösischen Fraktion und auch die Zustimmung zu den Deckungsvorlagen entsprach durchaus dem von beiden Fraktionen gemeinsam ver- öffentlichten Aufruf, in dem es heißt, daß, falls die Annahme der Rüstungsverstärkungen nicht zu verhindern ist, alle Hebel einzu- setzen sind, um die Kosten den besitzenden Klassen aufzubürden. Der Massenstreik wird uns jetzt von einigen Seiten als eine ganz neue Entdeckung gepriesen, die geeignet ist, die Partei zu neuer Tatkraft und Energieentfaltung zu bringen. Alle, die über den Masienstreik schreiben und reden, gehen immer von ab- weichenden Voraussetzungen aus. Bestimmte Richtlinien gibt keiner. Es heißt einfach immer: der Massenstreik muß debattiert werden. Ich verstehe unter dem Massenstreik eine Situation, in der wirklich alle Räder stille stehen, und ich wäre der erste, der bei einer solchen Situation seinen Kopf zu Markte trägt. Die Beispiele Rußland und Belgien treffen für unsere Verhältnisse nicht zu. Die russischen Massenstreiks wurden nach dem russisch- japanischen Krieg von dem Bürgertum materiell unterstützt, und nachdem das Proletariat selbständige Forderungen stellte, erstickte man mit Hilfe desselben Bürgertums die Revolution im Blute. Auch in Belgien fand der Massenstreik die Sympathie weiter bür- gerlicher Kreise und außerdem kann ich mir nicht denken, daß hier in Deutschland ein bis ins kleinste vorbereiteter Massenstreik Er- folg haben würde. Die Eroberung der politischen Macht würde uns solch ein Massenstreik sicher nicht bringen. Redner bespricht dann die verschiedenen Vorschläge, die von sogenannter radikaler wie von ausgesprochen revisionistischer Seite gemacht wurden, und meint, daß in der gegenwärtigen Zeit unsere Gegner die Taktik bestimmen würden. Sie würden einen fliegenden Massenstreik, der heute in Baden, nächste Woche in Thüringen und so weiter ausbrechen würde, sehr bald zu begegnen wissen. Wir find noch nicht stark genug zum Massenstreik. Ich bin der Meinung, der letzte Kampf, der revolutionäre Ent- scheidungSkampf, wird ein Gewaltkampf fein. Wir wollen aber unsere Haut erst dann zu Markte tragen, wenn Aussicht auf Er- folg besteht. Die Gewerkschaftsführer verwalten nicht ihr eigenes Geld, sondern daß von Tausenden und aber Tausenden von Pro- letariern und es ist selbstverständlich, daß Leute, die sich ihrer Verantwortung bewußt sind, vorsichtig zu Werke gehen. Nicht mit Unrecht ist der Parteileitung die Aufgabe gesetzt worden, bei Fragen, die in das Gebiet der Gewerkschaften eingreifen, gemein- sam mit der Generalkommission zu beraten. Das wird auch in dieser Frage geschehen, und der Parteitag sowie der Gewerkschafts- kongreß werden Beschlüsse fassen, die dem Wohle des Volkes ent- sprechen.— Vorläufig muß unser Losungswort immer noch bleiben: Agitation— Organisation. In der Frage der Maifeier ist der Redner der Meinung, daß alle Beamten und Arbeiter der Partei und Gewerkschaften den Tagesverdienst am 1. Mai abgeben sollten. Redner �schließt seine Ausführungen mit dem Wunsche, der Parteitag möge zu- friedenstellende Arbeit leisten.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion erhält zunächst Genosse Judith das Wort: Mit der Haltung der Fraktion zu den Deckungsvorlagen ist er einverstanden. Der Massenstreik y't jetzt unmöglich. Auf dem Parteitag sollte ein Vortrag über wissenschaftlichen Sozialis- mus gehalten werden. Dieser gebe Gelegenheit zur Fortbildung. Redner stellt einen entsprechenden Antrag. Alfred Fröhlich: Mit der Fraktionsabstimmung kann man durchaus einverstanden sein. Die Maifeier sollte am ersten Sonntag im Mai stattfinden. Redner bemängelt, daß bei der Ab- stimmung über das Proportionalwahlrecht auch sozialdemokratische Abgeordnete gefehlt haben und dadurch der Antrag mit 140 gegen 139 Stimmen abgelehnt wurde. AdolfHarndt ist gleichfalls mit der Fraktionsabstimmung einverstanden. Der Abonnentenrückgang bei der Parteipresse und der Rückgang der Mitglieder in den Organisationen hängt mit der Krise zusammen. Wir müssen aber auch endlich einmal mit den Beitragserhöhungen aufhören. Die Aufregung über den General- streik ist künstlich gemacht worden. Solange es nicht einmal mög- lich ist, die Arbeitsruhe am 1. Mai einzuführen, ist an den Massen- streik nicht zu denken. Außerdem scheint ihm das Objekt, das Preußenwahlrecht, nicht geeignet. Bis vor wenigen Jahren sagten wir, der Landtag möge verfaulen und jetzt soll wegen dieses Wahl- rechts ein Massenstreik gemacht werden. Der Massenstreik wird kommen, wenn man es wagen sollte, das Reichstagswahlrecht oder das Koalitionsrecht zu rauben. Eine wirkungsvolle Waffe in unserem Kampfe, die zu wenig beachtet wird, ist der Austritt aus der Landeskirche. M ö b u S befindet sich in der Auffassung über den Massen- streik mit Pfannkuch im Einverständnis. Die Maifeier darf keines- iallZ auf den Sonntag verlegt werden, dann möge man sie lieber begraben. Mühle ist mit der Abstimmung der Fraktion nicht ein- verstanden. S k i b e tritt für den Massenstreik ein. Die Hauptsache ist viel Geld sammeln. Den Gebärstreik sollte man nicht bekämpfen. Die Milch- und Kleidergroschen, die für die Kinder ausgegeben werden, könnten dann zum Massenstreik gesammelt werden. Der Massenstreik könnte völlig unblutig verlaufen. Nachdem Genosse Schmahl noch in lebhaften Worten die Stellungnahme der Fraktion gutheißt und die Kritiker der Fraktion bekämpft, geht Genosse Pfannkuch in seinem Schlußwort noch kurz auf die Diskussionsreden ein. Folgender Antrag der Kreiskonferenz wird gegen 3 Stimmen angenommen: 1. Der Parteitag wolle beschließen: Alle Genossen und Ge- nossinnen, die am 1. Mai ohne Lohnausfall feiern, haben den Tagelohn abzuführen. 2. Der Parteitag wolle beschließen, daß der Antrag 90 vom Nürnberger Parteitag in seiner alten Fassung wieder aufge- nommen wird: Die Beamten, Arbeiter und Mitglieder der Partei, velchs am 1. Mai feiern und keinen Lohnausfall erleiden, sind oerpflichtet, an die Partei- oder Gewerkschaftskasse einen Tagesver- dienst abzugeben. Zu Delegierten gewählt wurden die Genossen Fels mann md Schmidt. Als Ersatzmann Genosse Harn dt. Vierter Wahlkreis. Zum ersten Punkt der Tagesordnung hatte Genosse Büchner das Referat übernommen. Redner erinnerte, an den Bericht des Parteivorstandes anknüpfend, an den Stillstand in der Mitglieder- wwegung und spricht die Erwartung aus, daß es gelingen möge, ie Ursachen dieses Rückgangs festzustellen und zu beheben. Auch zwei Ersatzwahlen sind auf dem Parteitage zu erledigen, einmal ür den verstorbenen Genossen Kaden als Vorsitzenden der Kon- rollkommission und dann für den Genossen Bedel. Ten Vorschlag �er„Fränkischen Tagespost", einen ersten Vorsitzenden der Partei auf ein Jahr nicht zu wählen, lehnt Redner für seine Person ab, >a in einer so großen Partei gerade der erste Vorsitzende unbedingt vorhanden sein muß. Der parlamentarische Bericht durste wohl die Zeit des Parteitages am meisten in Anspruch nehmen. In der stresse sowie in den Versammlungen ist die Haltung der Fraktion auf das lebhafteste kritisiert worden. Und nicht mit brecht. ES ist die Frage aufgeworfen worden, ob die Fraktion der Wehrvorlage genügend Widerstand entgegengesetzt habe: es wurde geiagt, die Fraktion hätte eine lebhaftere Propaganda hervorrufen sollen. (Lebhafte Rufe: Sehr richtig!) Doch die Fraktion hat die Wehrvor- läge sowie die Deckungsfrage mit den schärfsten Mitteln bekämpft. Der Vorwurf des Unterlassens der Obstruktion ist unangebracht, hat doch selbst Genosse Bebel bei der Erörterung dieser Frage ge- sagt, damit kommen wir nicht weit. Scharfe Kämpfe gab es in der Fraktion bei der Beratung der Mstimmung über die Steuervorlage, speziell des Wehrbeitrages. Die Befürworter des Satzes:„Diesem System keinen Mann und keinen Groschen!" verlangten die Ad- lehnung des Wehrbeitrages. Aber mit 52 Stimmen gegen 37 Stimmen bei 7 Enthaltungen entschied die Fraktion, für den Wehr- beitrag zu stimmen, um nicht anderen und schlechteren Steuern für die breiten Massen die Wege zu ebnen. Auch an dieser Stelle kann Redner, der sich bei der Minderheit befand, nur sein Be- dauern über diese Entscheidung aussprechen. Denn hätte die Re- gierung wirklich den Reichstag aufgelöst, eine bessere Agitation hätten wir uns gar nicht wünschen können. Gewiß hätten wir Man- date eingebüßt, aber unsere Stimmenzahl hätte wieder bedeutend zugenommen. Zur Maifeierfrage liegen zwei Anträge vor. Genosse Büchner empfiehlt, den Antrag 2 anzunehmen, welcher die Ab- führung des Tagesverdienstes fordert, ebenso muß der Antrag, welcher die Einführung der Arbeitslosenversicherung fordert, angenommen werden. Bezüglich des Antrages, den Massenstreik auf die Tagesordnung zu setzen, warnt Redner vor allzu großem Optimismus in dieser Frage. Rußland und Belgien sind nicht das Barometer für uns. In Belgien hat doch auch das Bürgertum und sogar das Militär beim letzten General- streik dem kämpfenden Proletariat Sympathien entgegengebracht. Doch ganz anders liegen die Dinge bei uns in Deutschland. Hier baben wir alles gegen uns, dann geht es aufs Ganze, ist doch der Militärstaat Deutschland und speziell Preußen ein einzig geartetes Gebilde, wie wir es in der ganzen Welt nicht wiederfinden, und darum müssen wir in dieser Frage mit aller Ruhe und Sachlichkeit zu Werke gehen. Zum Schluß erhofft Redner von den Arbeiten des Parteitages das Beste für die kommenden Kämpfe und Siege.(Leb- hafter Beifall.) Die Diskussion wird vom Genossen K l i n g l e r eröffnet. Auf dem Parteitag muß es zu prinzipiellen Auseinandersetzungen kommen, weil die Reichstagsfraktion dem Militarismus zu seinem Ausbau Milliarden bewilligt hat. Der praktische Revisionismus hat Fortschritte gemacht. Es ist interessant, wie die Meinungen sich in den letzten Jahren in der Partei geändert haben. Vor zwei Jahren nahm man Resolutionen über Resolutionen an, weil die Süd- deutschen für das Budget gestimmt hatten. Und jetzt bewilligt unsere ReichstagSfraktion mit 119 Mann für den schlimmsten Feind des Proletariats, den Militarismus, ungeheure Geldsummen. Ob es auf dieser schiefen Ebene noch ein Halten gibt? Der Einwand, man wollte indirekte Steuern verhindern, ist hinfällig, weil in den letzten Jahren soviel harte Steuern dem Proletariat auferlegt worden sind, daß die Regierung gar keine anderen Steuern bringen konnte als Besitzsteuern. Und dann bezahlen die Besitzenden die neuen Steuern schon aus dem Grunde ganz gern, weil sie unter den Fittichen des Militarismus bei dem neuen Zolltarif die breiten Massen desto ungestörter ausrauben können. Dieses Vorgehen der Fraktion be- zeichnet Redner für den schwersten Fehler. Um in der Steuerfrage endlich Klarheit zu schaffen, muß der Parteitag genaue Richtlinien ziehen, um diesen Vorkommnissen vorzubeugen. Redner unterbreitet der Versammlung folgende Resolution: „Da der heutige Militarismus das Mittel der herrschenden Klasse ist, um das Volk niederzuhalten, bedauert der Parteitag, daß die Reichstagsfraktion die Deckungsvorlagen bewilligt hat." Bei der Maifeierfrage liegen die Ding« so, daß, wenn die Parteigenossen in bevorzugten Stellungen den Tagesverdienst am 1. Mai sich weigern abzuführen, dieselben kurzerhand rauszu- werfen sind.(Lebhaftes Sehr richtig!) In der Massenstreikfrage ist es an der Zeit, nun endlich Klarheit zu schaffen. Möge der Parteitag ganze Arbeit machen.(Lebhafter Beifall.) Adamski bedauert, daß bei der Anwesenheit des Zaren in Berlin keine Protestversammlungen stattgefunden haben. Wenn die Führer der Partei bei der Beratung der Deckungsvorlagen sicher- gehen wollten, hätten sie die Mitglieder befragen sollen. Was den Massenstreik anbetrifft, so hätte derselbe schon längst in Szene gesetzt werden können, Anlaß dazu hatten wir gerade genug. Die Opfer dürfen uns nicht schrecken. Redner empfiehlt einen Antrag, welcher den Massenstreik baldigst in die Wege geleitet sehen will. Glaß führt Beschwerde darüber, daß die Parteileitung dem polnischen Vorwärts keine Unterstützungen mehr zahlen will. Statt die polnische Presse auszubauen, liegt ein Antrag vor, welcher diese geradezu vernichtet. In längeren Ausführungen erörtert Redner die Vorgänge und Kämpfe in den polnischen Bezirken. Ad. Ho ff mann ist mit den Ausführungen des Genossen K l i n g l e r völlig einverstanden. Auch freue er sich feststellen zu können, daß der Vertreter des vierten Kreises bei den Fraktions- kämpfen auf feiten der Minderheit gewesen. Daß die Mehrheit der Fraktion für die Bewilligung der Steuern entschieden hat, ist auf das tiefste zu bedauern. Warum die Furcht vor der Auflösung? Weil man befürchtet hat, dann Mandate einzubüßen. Diese ganze heikle Frage ist eine Folge der Dämpfungspolitik. Wenn wir auf der einen Seite auch Mandate eingebüßt hätten, auf der anderen Seite hätten wir mehr Stimmen, neue Mitglieder und neue Abon- nenten gewonnen. Die Fraktion hätte alles daransetzen müssen, die Vorlage hinzuhalten, dann hätte vielleicht auch ein außerordentlicher Parteitag über die Deckungsfragen mitreden können. Bezüglich der Maifeier und dem Tagelohn meint Redner, es wäre wohl prak- tischer, die Konsumgenossenschaften und Gewerkschaften sowie Parteigeschäft« zahlten diesen Beitrag direkt an den Maifonds und Iii cht erst an die Angestellten.— Daß der Massenstreik auf die Tagesordnung gesetzt werden muß, ist unbedingt erforderlich, denn der Massenstreik in Deutschland wird kommen und muß kommen, sorgen wir dafür, daß wir dabei erobern.(Lebhafter Beifall.) Lehner will alle Anträge zur Maifeier abgelehnt wissen, weil die Maifeier durch die Geldfrage geradezu verdorben ist. Unsere Angestellten sind eben nur Geschäftsmenschen, die besäßen keinen Idealismus mehr. Hierauf wird Schluß der Diskusston beschlossen. In seinem Scblußwort geht Büchner kurz auf die einzelnen Angriffe ein. Wohl habe die Fraktion versucht, die Beratung der Wehrvorlage hinauszuziehen, aber auch dieser Plan wurde ver- eitelt. Den Vorschlag des Genossen A d a m s k i, aus Anlaß des Zarenbesuches Protestversammlungen abzuhalten, hätte man vorher und an anderer Stelle bringen sollen. Dem Genossen Glaß hält Redner vor, in 7 Jahren hat die Partei 198 090 M. für die Agitation in den polnischen Bezirken verausgabt, das sind pro Kopf in sieben Jahren 189 M. oder pro Kopf und Jahr 25,7 M. Dabei kommen nur 11 999 Mitglieder und 2399 Abonnenten in Frage. Die Partei- leitung hat eben die Aufgabe, in allen Kreisen zu agitieren und nicht große Summen für die Polen allein auszugeben. In der Steuerfrage hätte ma schon im vorigen Jahre Stellung nehmen sollen. Das eine ist sicher, auf dem kommenden Parteitag wird dies« Frage zu scharfen Zusammenstößen führen. Hoisen wir, daß die neuen Richtlinien zum Besten der Partei dienen.(Beifall.) Folgende Anträge und die Resolution K l i n g l e r ge- langen dann nach kurzer Debatte zur Annahme: „Alle Parteigenossen und Genossinnen, welche den 1. Mai durch Arbeitsruhe feiern und keinen Lohnausfall erleiden, sind verpflichtet, einen vollen Tagesverdienst abzuführen. Die auf diese Weise eingehenden Beträge sind zur Unterstützung derjenigen zu verwenden, die wegen der Maifeier gemaßregelt worden sind." „Da die bisherigen Kampfmittel der Arbeiterklasse zur Er- reichung des allgemeinen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle öffentlichen Körperschaften allein nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt haben, soll der Parteitag beschließen, die planmäßige Erziehung der Arbeiterklasse zum Massenstreik m die Wege zu leiten." � „Der Massenstreff ist als besonderer Punkt der Tagesordnung auf dem diesjährigen Parteitag zu behandeln." .Der Parteitag möchte beschließen, daß der Abstmwnmgen in größeren Körperschaften, die dem Proletariat neue Lasten auf- bürden, oder bei besonderen Anlässen, wie z. B. beim Besuch des Zaren in Berlin, der Parteivorstand sofort Anordnung zu treffen habe, am selben Tage Proteststreiks oder Demonstrationen anzu- ordnen." „Da infolge der großen wirtschaftlichen Krise eine allgemeine große Arbeitslosigkeit besteht und demzufolge die Lebenshaltung des Arbeiters in Verbindung mit der Teuerung eine immer schlechtere wird, beantragen die Genossen des Petersburger Vier- tels, daß der Parteitag zur Einführung einer Arbeitslosenver- sicherung im Reiche Stellung nimmt." „In Anbetracht des Umstandes, daß von feiten der Deutschen Kolonialgesellsdbaft versucht wird, in der deutschen Arbeiterschaft durch Wanderredner sowie Lichroilder Anhänger für die Besirr. bungen der Kolonialgesellschaft zu werben, soll beschlossen werden, diesen Bestrebungen durch geeignete Maßnahmen, als da sind: Abhaltung von aufklärenden Versammlungen über das Wesen der heutigen Kolonialpolitik sowie Lichtbildervorträgen entgegenzu- treten." Dagegen wird ein Antrag, welcher die Gründung von Eltern- vereinen fordert, sowie die Resolution des Genossen Glaß, welche in den polnischen Bezirken nur solche Genossen als Sekretäre an- gestellt sehen will, die auch der polnischen Sprache mächtig sind, ahgelehnt. Als Delegierte zum Parteitag kommen 13 Mitglieder in Vorschlag, wovon 6 Delegierte am Sonntag, den 31. August, durch Urwahl zu wählen sind. Zu den im November stattfindenden Stadtverordnetenwahlen werden die 3 bisherigen Vertreter wieder aufgestellt. Fünfter Wahlkreis. Robert Schmidt nahm das Wort zu seinem Referat über: „Der Parteitag". Er führte u. a. aus: Aus dem Parteivorstands- bericht sei zu ersehen, daß in der Entwickelung der Partei eigentlich ein Stillstand eingetreten ist, der uns um so überraschender kommt, als wir an eine stetige Zunahme gewöhnt sind. Allerdings habe es in der Parteientwickelung immer ein Auf und Ab gegeben. Immerhin war der Grundzug der Bewegung im allgemeinen ein vorwärtsschreitender. Immerhin brauche der jetzige Stillstand zu ernsten Besorgnissen keine Veranlassung geben, da sicher die un- günstige Wirtschaftslage einen wesentlichen Einfluß auf diese Er- scheinung ausgeüht habe. Die politischen Ereignisse hätten der Partei einen nennens- werten Zusthuß bringen müssen. So müsse man, wenn man den Stillstand auch nicht so trübe einzuschätzen brauche, ihn immerhin als eine ernste Mahnung auffassen. Bei den letzten Wahlen waren vier Fünftel unserer Wähler nicht organisiert, d. h. Mitläufer. Diese Masse haben wir einzuschätzen bei allen Aktionen, die wir unternehmen. Nun habe die Genossin Rosa Luxemburg in Leipzig ein sehr absprechendes Urteil über die Berliner Parteiorganisation gefällt. Er, Redner, glaube, daß die Berliner Organisation nicht anders aussehe, als die der anderen Orte. Sicherlich aber könne man nicht von einem Tiefstand sprechen. Die Organisation, wie wir sie haben, habe selbst den bürgerlichen Gegnern genug Achtung abgerungen. Der Zentralismus ist notwendig und es ist nicht wahr, daß er hemme. Eine weitere Frage, mit der sich der Parteitag zu beschäftigen haben wird, sei die M i l i t ä r v o r l a g e. Viele hätten sich ge- wundert, daß trotz der 119 Genossen im Reichstag die Militär- forderungen so glatt durchgegangen seien. Wer einen anderen Ausgang erwartet habe, der verkenne das Wesen der bürgerlichen Gesellschaft und die Konstellation der bürgerlichen Parteien. Die wirtschaftliche Expansion habe sich nie so stark geäußert wie in der letzten Zeit. Die Ausbeutungsgelüste, die sich nach dem starken Drängen nach neuen Wirtschaftsgebieten bekunden, gehen ein Stück der Stimmung im Bürgertum wieder, aus denen die politischen Vorgänge resultieren. Es werden sicherlich noch mehr Militär- vorlagen kommen, ja, eS ist nicht ausgeschlossen, daß wie in Frank- reich auch bei uns der letzte Mann zum Militär herangezogen wird. Die Stellung der Fraktion sei selbstverständlich gewesen. Möglich, daß sie die Annahme der Vorlage um acht Tage hinaus- schieben, aber keineswegs verhindern konnte. Habe man doch sogar zweifeln können, ob das Militärgesetz im Anschluß an die Erfurter Vorgänge würde geändert werden, und ob der kon- servative Widerstand nicht würde stärker sein. Nun sei im engen Zusammenhang mit dieser Frage gesagt worden, daß die Fraktion auch bei der S t e u e r f r a g e Fehler begangen habe. Sie hätten den bisherigen Grundsatz befolgen müssen: Diesem System keinen Mann und keinen Groschen. Haben wir aber nicht in der letzten Wahlbewegung immer und immer wieder den Wählermassen ge- sagt, daß die Lasten auf die Schultern der Leistungsfähigen ge- legt werden müssen. Hätte die Fraktion die Steuer nicht bewilligt, dann hätten die bürgerlichen Parteien unter sich die Frage regeln können. Die 119 Mann wollten sich aber nicht ausschalten lassen. Nun werde gesagt, wenn der Reichstag auch aufgelöst worden wäre, so hätte das gar nichts geschadet. Die Frage, ob die Zahl der Mandate bei einer neuen Wahl geringer werden würde, er- klärt der Redner ausdrücklich, sei von der Fraktion auch nicht eine Sekunde in Betracht gezogen worden. So aber lagen die Dinge gar nicht. Die Regierung hätte dann gut warten können bis zum Herbst, und ob dann die Situation für uns günstiger gewesen wäre, das ist eine Frage, die man mit Nein beantworten müsse. Es lag die Gefahr vor, daß dann diejenigen Parteien, die einen großen Einfluß auf die Regierung haben, eine Besteuerung ge- bracht hätten, die die Arbeiterschaft als Steuerobjekt vorsieht. Bei der Wehrsteuer und Besitzsteuer habe es sich um eine Steuer ge- handelt, die hauptsächlich die wirtschaftlich Starken treffe. Hätten wir anders gehandelt, so hätten wir in einem kommenden Wahl- kämpfe Schulter an Schulter mit den Konservativen gestanden. Es sei gleichgültig, wer die Steuern bezahle, wenn nur der Arbeiter sie nicht zu bezahlen brauche.(Zurufe: Wir bezahlen sie doch!) Wenn der Zuruf richtig ist, dann mutz unser Programm ent- sprechend geändert werden. Denn dann kommt man zu dem Schluß, daß wir die Steuern eigentlich von vornherein zahlen können, damit unsere Gegner sie nicht erst auf die Arbeiter um- zulegen brauchen. Dann müsse man aber konsequent sein und sich auf den Standpunkt stellen, wir wollen keine Steuern. Aber die Fraktion habe nicht immer die Steuern abgelehnt. Sie hat Steuern, wie z. B. die Tantiemensteuer, bewilligt. Niemand habe sich darüber entrüstet, daß die Herren Aktionäre bezahlen müssen. Tie Besitzzuwachssteuer treffe nur den Besitz. Es werde nun gesagt: Jede Ausgabe für Militär sei abzulehnen. Nein, so haben wir noch nie gehandelt, wir haben schon für viele Militüreinrich- tungen gestimmt, z. B. für die Erhöhung der Mannschaftslöhnung und so weiter/ Im Deutschen Reickstage gebe es nicht eine Steuervorlage, die nicht dem Militarismus diene. Wir sollten nicht glauben, unsere Partei werde gefestigt dadurch, daß dem Arbeiter immer mehr Steuern aufgehalst werden und so die Ver- bitterung der Wähler uns diese in Sckaren zuführen. Nein, wir stützen uns heute auf eine Anhängerschaft, die dieses gesteigerten ökonomischen Druckes nicht bedarf. . Nun zur Maifeier. Der Nürnberger Beschluß, der auf- gehoben worden ist, müsse wieder hergestellt werden. Er, Redner, und auch Wels seien der Meinung gewesen, daß ein solcher Be- schluß nicht aufgehoben werden dürfe. Jeder Angestellte könne mit Leichtigkeit das kleine Geldopfer bringen, darüber sei gar k-»» Wort zu verlierv-».- m~-x.,.*. Auf die Tagesordnung des Parteitages werde vielleicht auch der Massenstreik gesetzt werden. Redner erklärt, daß der Massenstreik eine Sache ist, die die Arbeiter zunächst angeht, nicht Sache der künstlichen Agitation sei. Wenn die Meinung vor- banden sei, daß das preußische Parlament mit dem Streik aus den Anaeln gehoben werden müsse, nun gut. Man solle es sich aber überlegen, ob der Massenstreik in derzeit der wirtschaftlichen Depression nicht einen sehr bedenklichen Hintergrund habe Er wünsche, daß uns eine derartige Aktion recht lange erspart bleibe, denn sie wird eine furchtbare Enttäuschung bringen. Redner schließt mit der Versicherung, daß wir keine Besorgnisse zu habe« brauchten wegen des Stillstandes der Partei, daß eine Partei wie unsere, die so fest gefügt sei, nicht erschüttert werden könne. Er sei der festen Zuversicht, daß die Wege, die wir eingeschlagen haben, die rechten waren. Wenn nur jeder einzelne sein ganzes Können in den Dienst der Sache stelle, wird der Erfolg nicht ausbleiben. (Lebhafter Beifall.) Als erster Diskussionsredner spricht B l a n k e n st e i n, der eine gegen die Fraktion gerichtete Resolution begründet. Schmidt habe es so dargestellt, als ob der Mitgliederschwund ausschließlich durch die Krise bedingt sei. Daß diese eingewirkt habe, sei aller- dings nicht zu leugnen. Den Haupteinflutz auf den Stillstand der Partei habe aber die Haltung der Fraktion ausgeübt. Bei der letzten Wahl sei gedämpft worden, daß wir uns die Hände ge- bunden haben und nicht mehr handeln können wie wir möchten. Redner beruft sich auf das Programm, wonach direkte Steuern nur dann zu bewilligen sind, wenn der Staat alle übrigen For- derungen erfüllt habe.(Lachen und Rufe: Da kannst Du lange warten!) Ja, ich glaube ja auch nicht daran, aber weil wir das nicht erreichen können, darum auch keinen Mann und keinen Groschen. DieFraktion sei nicht genügend scharf aufgetreten, sie hätte viel mehr Radau machen müssen. Der ganze Zustand sei der Ausfluß der Wahlen von 1912. Da hätten wir uns zuviel mit den bürgerlichen Parteien eingelassen.(Teilweise Zustimmung.) Dr. Wehl: Wenn Blankenstein hier ein Mißtrauensvotum für dw Fraktion beantrage, so könne er das nicht gutheißen, ebenso wun,che er aber auch kein Vertrauensvotum. Der Parteitag sei dazu da, zu erklären, ob er mit dem Verhalten der Fraktion ein- verstanden sei. Rosa Luxemburg habe in wesentlichen Punkten recht, mag sie auch da und dort übertreiben. Die große Masse der Genossen habe nur das Recht, über Parteiangelegenheiten zu sprechen und Kleinarbeit zu leisten.(Sehr richtig!) Besser wäre es Tchon. die Abgeordneten werden getragen von dem Vertrauen der Masse. Demokratischer wäre es, wenn die Masse hätte mitraten können, als N>enn hundertundzehn Abgeordn-ete hinter verschlossenen Türen verhandeln. Die Krise spielt bei dem Stillstande der Partei nicht die ausschlaggebende Rolle, vielmehr unsere Vogel-Strauß- Politik in der letzten Zeit. Auch innere Vorgänge in der Partei hatten mitgewirkt. Es bestehe eine allgemeine Unzufriedenheit unter den Genossen, weshalb auch in der Agitation und der Wer- bung nicht mit dem nötigen Elan vorgegangen wird, was ja aller- dings nicht zu billigen sei. Immerhin habe auch das Verhalten der Fraktion große Mißstimmung erregt. Er stimme Schmidt inso- fern zu, daß die Vorlage nicht zu Falle hätte gebracht werden können. Aber Obstruktion wäre möglich gewesen.(Sehr gut!) Die Hundertundzehn Mann können schon etwas leisten. Ebensogut wie Noske vier Stunden gesprochen hat, hätten noch zwanzig oder dreißig Redner vier �Stunden oder noch länger reden können. Die Militärvorlage enthält doch eine große Anzahl Paragraphen. So gut wie gegen den einen, der durch das Erfurter Schreckcnsurteil herausgegriffen wurde, hätten auch zu den anderen Paragraphen Anträge gestellt werden können. Dieses Nichtgeschchen habe allge- meine Entmutigung im Lande herbeigeführt. In der Budgctkom- Mission hätten unsere Kommissionsmitglieder bcfremdenderweise für die Auffüllung des Kriegsschatzcs gestimmt. Die Fraktion hat allerdings später beschlossen, im Plenum dagegen zu stimmen. So was muß doch befremden. Bei der Huldigung des Kaisers durch den Reichstag mußte von unserer Fraktion in dieser oder jener Form unserer republikanischen Empfindung AuSkruck gegeben werden. Nach Schmidt könnte man glauben, daß er für den Massen- streik sei, wenn dieser aus der Arbeiterschaft herauskomme. Nicht richtig aber sei es, wenn von Partei- und Gewerkschaftsangestellten und von maßgebenden Stellen aus gesagt werde, w:r könnten mit dem Massenstreik eine Enttäuschung erleben. Es müsse vielmehr ge- tagt werden, wenn die Verhältnisse uns zwingen, wir dann das schärfste Mittel anwenden, um zu unserem Rechte zu kommen. Sonst gebe eS kein Vorwärts in Preußen. Die Frage des Massen- streikS geh« nicht von Akademikern aus, sondern von den Arbeitern. Es muß der Arbeiterschaft Gelegenheit gegeben werden, daß diese Waffe mit Erfolg propagiert werden kann. Er. Redner, schließe auch mit den Worten des Referenten, denselben Weg zu gehen, der uns vorwärts geführt hat, aber nicht den Weg über Dämpfung und Kompromissele,.(Beifall und Widerspruch.) F r i e d l ä n d« r: Er verstehe nicht, wie Wehl sagen könne, sticht hier sollten die Genossen Resolutionen für und gegen die Frak- tron fassen, sondern der Parteitag möge entscheiden. Nein, die Genossen haben geradezu die Pflicht, hier durch Annahme oder Ab- lehnung einlaufender Resolutionen ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen. Es jcerde gesagt, der letzte organisierte Parteigenosse solle mitreden können, ja hier, beim Dclegiertcnshstem, geht das doch nun., einmal nicht, das sind die Schattenseiten der Demokratie. Dafür sind die Zahlabende da, dort könne über alle Fragen geredet werden. Nicht die Abgeordneten müssen die Stimmung unter der Masse machen, sondern umgekehrt. Durch die Stimmung der Masse nüssen den Abgeordneten Schwung und Elan beigebracht werden, oamit sie getragen werden von der Stimmung im Lande draußen, wie es bei der Zollvorlage 1912 der Fall war. Hätte die Fraktion der Vermögenszuwachssteuer nicht zugestimmt, dann hätten wir an- dere und schlimmere Steuern bekommen. Wenn Weil sage, daß die Genossen nicht genug Einfluß hätten, so könne er nur erwidern: Jede Organisation hat die Leitung, die sie verdient.(Sehr richtig!) Entgleisungen können überall vorkommen, aber man soll nicht Miß- trauen säen zwischen der Leitung und der Masse.(Beifall.) Wels: Genosse Wehl ist Kandidat in einem Kreis in der Provinz, wo er. Redner, Sekretär ist. Er habe eS damals schon schmerzlich bedauert, daß der Kreis, für den Wehl kandidiert, ver- loren ging, aber nie so, wie heute, wo er erfahren habe, welch revo- lutionären Elan Wehl in die Fraktion gebracht hätte, wenn er Ab- geordneter geworden wäre. Die Masse muß Begeisterung erwecken, sie muß hinter den Abgeordneten stehen, sie treiben und drängen. DaS war aber nicht der Fall..Hätte die Fraktion die Vermögens- zuwachssteuer verworfen, es wäre sicher nichts Besseres heraus- gekommen. Uebrigens kann niemand der Fraktion einen Vorwurf aus ihrer Abstimmung machen. Am I. März erschien das fron- zösisch-deutsche Manifest, in welchem die Absicht angekündigt wurde, den Besitzenden die Lasten der Militärvorlage aufzuerlegen. Das Manifest ist in Berlin in 1 Million Exemplaren verbreitet und kein Genosse ist dagegen aufgetreten.(Sehr gut!) Wehl hat gesagt, der Massenstreik muß für die Gewinnung des Wahlrechts in Preußen inszeniert werden. ES ist merkwürdig, daß es dieselben Parteigenossen fordern, die vor der Ueberschätzung des Parlament? nicht genug war- nen können. Ueber den Massenstreik bestehen vielerlei Meinungen, die einen wollen ihn debattieren, die anderen vorbereiten und die dritten wollen ihn machen. Aber ob die Vorbedingungen dazu gegeben sind, darum kümmern sich die Befürworter nicht. Im übrigen äußert sich Redner über den Massenstreik in demselben Sinne, wie er eS bereits auf dem Brandenburger Parteitag getan und worüber im„Vorwärts" berichtet wurde. Belgische und russische Verhält. nisse ließen sich auf Deutschland nicht übertragen. Wir hätten in solchem Falle die ganze bürgerliche Gesellschaft gegen uns. Wer die bürgerliche Presse verfolge, sehe dies auch ein. Redner ist der Mci- nung, daß der Massenstreik einmal und vielleicht in nicht ferner Zeit, wenn der wachsende Einfluß der Arbeiter im Reiche die be- sitzenden Klassen zum Angriff auf das Reickstagswahlrecht und das Koalitionsrccht als Kraftquelle der Arbeiter treiben würde. Er möchte nicht, daß ein Massenstreik unzeitgemäß begonnen werde, worauf dann unsere Gegner über die geschwächte webrlose Arbeiter- schaft herstürzen können. Nicht das Schwert im Munde führen, sondern im entscheidenden Moment benutzen. daS sei notwendig. Bon den Erpropriatcuren eintausend Millionen genommen und dem Säckel der Allgemeinheit zugeführt zu baben, ist immerhin eine gesetzliche Maßnahme, wie sie noch nicht da war. Wäre eS zur Auflösung gekommen, so hätten wir im Wahlkampf mit den Konservativen gegen die übrigen Parteien gestanden. Er, Redner, könne sich eine günstigere Konstellation denken wie diese. Wenn der Zolltarif init seinen Hungerzöllen wiederkommt, werde es sich zeigen, daß die hundertundzehn Mann im Reichstage erfolgreicher kämpfen können wie gegen die Militärvorlage an sich. Dann müssen aber die Massen wieder geschlossen hinter der Fraktion stehen.(Zustimmung und Widerspruch.) R o s e n b l ü t begründet eine Resolution, die der Fraktion daS Vertrauen der Versammlung ausspricht. Sonnemann wünscht, daß der Parteitag sich ernstlich mit der Frage beschäftigen möge, wie die Jugendlichen vom 18. bis 21. Lebensjahre der politischen Organisation zugeführt werden können. In seinem Schlußwort geht Robert Schmidt auf die Einwendungen der Diskussionsredner ein und erklärt u. a., daß es nichts genützt hätte, wenn noch m-hr Redner vier Stunden geredet hätten, die Reden hätten in- und außerhalb des Parlaments keine Beachtung mehr gefunden. Mit endlosen Schwätzereien werde auch nichis erreicht. Eine Resolution, die sich g c g e n die Haltung der Fraktion aussprach, wurde gegen sechs bis acht Stimmen ab- gelehnt, doch fand auch eine gegensätzliche Resolution bei starker Stimmenthaltung nicht die nötige Majorität. Als Delegierte zum Parteitag wurden Reppenhagen und H u h n f l e i s ch gewählt. Sechster W«l,lkrcis. Zum ersten Punkt der Tagesordnung führte S t ä f f l e r aus: In der Massenstreikfrage stelle er sich auf den Standpunkt, daß der Massenstreik kommen werde und eine notwendige Waffe fei. Form und Technik werde sich von selbst aus seiner Anwendung er- geben. Wavrscheinlich wird das belgische System am cmpfehlens- wertesten sein. Nur der augenblickliche Moment wirtschaftlichen Niederganges erscheine ungeeignet. Jedenfalls sei es erforderlich, daß die Frage auf dem Parteitag verhandelt wird. Zum Bericht des Parteivorstandes bemerkt er: Die Erscheinung des Stillstandes in Organisation und Presse müsse mit voller Aufmerksamkeit be- trachtet werden. Der Vorschlag des Partciausschusses. betreffend die Abführungenvir, ohne uns mit den Einzelheiten der Erklärung irgendwie identifizieren zu wollen, der Ansicht Aus» druck geben, daß der Ausschluß aus einer auswärtigen Partei, und erst reckt aus einer auswärtigen Parteigruppe, für die deutsche Partei nur dann rechtsverbindlich sein könnte, wenn einmal das ausländische Verfahren mit dem deutschen gleich tvertige Rechtsgar anticn bietet und wenn ferner der Ausschluß aus Gründen erfolgt, die auch nach den Grundsätzen der deutschen Partei zum Ausschluß geführt hätten. Gemeindcwahlficg. Am Dienstag abend fand in dem Vorort R a u s ch w a l d e bei Görlitz für einen weggezogenen sozialdemokratischen Gemeindever- treter eine Ersatzwahl statt. Mit 58 gegen 55 Stimmen wurde auch Metmal wieder der sozialdemokratische Kandidat �e- wählt. Dieser Sieg ist um so beachtenswerter, weil durch eine Ver- legung des Görlitzer Rangierbahnhofes in die unmittelbare Nähe de» Ortes Rauschwalde ein starker Zuzug von Bahnbeamten und Bahnarbeitern stattgefunden hat. Bon der schweizerischen Sozialdemokratie. An gilrich hielt am Sonntag der Parteivorstand der sozial- demokratischen Partei der Schweiz eine Sitzung ab, in der die Ab- Haltung des diesjährigen ordentlichen Parteitages auf die Tage des 31. Oktober, 1. und 2. November festgesetzt wurde. Als Ort ist Aar au eventuell Frauenfeld in Aussicht genommen. Die Haupt- Verhandlungsgegenstände werden sein der Generalstreik, die Taktik der Partei und deren Verhältnis zur Jugendorganisation. Der Parteivorstand beschäftigte sich ferner mit der Revision des Fabrikgesetzes und slizzierte seine Stellung zu dem vor- liegenden Verständiglingsentwurf durch die Annahme folgender Resolution:.Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei der Schweiz konstatiert mit Bedauern, daß eine Reihe von wichtigen und durchaus erfüllbaren Forderungen, die die Arbeiterorganisationen zum Schutze der Arbeiter aufgestellt haben, im sogenannten Verständigung»- entwurf unberülksichtigt geblieben sind. Der Parteivorstand begrübt jede Verständigungsvorlage, die einen wirklichen Fortschritt der Arbeitergesetzgebung über das bisherige Fabrikgesetz hinaus bildet, dem berechtigten Verlangen der Arbeiterklasse entspricht und dem heutigen sozialen Empfinden genügt. Um diese Voraussetzung zu zu schaffen, fordert der Parteivorstand die sozialdemokratische Fraktion der Bundesversammlung auf, bei den Beratungen im Plenum auf wesentliche Verbesserungen des vorliegenden Entwurfes zu dringen. Die endgültige Stellungnahme zum revidierten Fabrik- gesetz ist Sache des Parteitages." Em Induftm und Kandel. Die Jnteresseugemeinschaft zwischen Straßenbahn- und Omnidusgesellschaft beschäftigte eine außerordentliche Generalversammlung der Großen Berliner Straßenbahn am Mittwoch. Einziger Gegenstand der Tagesordnung war die Beschlußfassung über die Ausgabe von 25 Millionen Obligationen zu 4'/o Proz., von denen ein Teil zum Ankauf von 4»/, Millionen Aktien der Omnibusgesellschaft bestimmt ist. Der Vorsitzende setzte auseinander, daß der Ankauf der Omnibusaktien mit Rücksicht auf die wachsende Bedeutung des Omnibus als notwendig erkannt fei. Aehnliche Gründe hätten auch die Hoch- und Untergrundbahn zum Ankauf eines gleich großen Aktienpostens bestimmt.� Von den Ivll bewilligten 45 Millionen 4prozentiger Schuldverschreibungen stünden noch etwa 13 Millionen zur Verfügung. Ihre Ausgabe erscheine jedoch bei der heutigen Lage des Geldmarktes nicht durchführbar. Die Verwaltung hätte sich daher entschlossen, die Neuausgabe 4'/z prozentiger Obligationen vorzuschlagen. Von der Gesamtsumme kommen 15 Millionen zur sofortigen Ausgabe in Betracht. Bezüglich der Absichten, die mit dem Erwerb der Omnibusaktien erreicht werden sollen, bemerkte ein VcrwaltungSmitglied. daß„zweck- lose" Konkurrenzen ausgeschaltet werden sollen. Formelle Ver- einbarungen mit der Hochbahn wegen der Ausschaltung der Kon- kurrenz beim weiteren Aklienankauf seien nicht getroffen. Dagegen hätten sich Herren des Aufsichtsrates der Straßenbahn einerseits und der Hochbahn andererseits dahin besprochen, einen derartigen Kampf zu vermeiden. Es hätte sich ein Gebiet ergeben für ein gemeinsame Zusammenarbeiten mit der Hochbahu-Gesellschaft. Es wäre sicher zu erwarten, daß nicht einer den anderen zu unterdrücken versuchen würde. Es sei aber wohl möglich, daß das neue gemeinsame Ge- biet die Möglichkeit der Beseitigung auch anderer Schwierigkeiten herbeiführen könnte. Ueber eine Anfrage nach dem Zwischengewinn des Bank Hauses Bleichröder für die Vermittlung der Obligationenanleihe ging die Verwaltung bezeichnenderweise stillschweigend hinweg. Ueber den Vertrag mit der Stadt Berlin äußerte sich das Verwaltungsmitglied in einer Weise, die deutlich zeigte, wie sehr die Stadt dabei übers Ohr gehauen worden ist. Zwar lege der Vertrag mit der Stadt Berlin der Gesellschaft einige Opfer auf. diese würden aber weitaus aufgewogen durch die Zugeständ- niffe, die die Stadt Berlin gemacht habe. Das Unternehmen habe die Sicherheil, seinen Betrieb bis 1940 fortführen zu können. Bei früherem Erwerb von feiten der Stadt bestände die Sicherheit, min- bestens einen Kurs von 200 Prozent für die Aktien zu er- halten, bei höherer Dividende als 8 Proz. einen noch höheren Preis. Würde aber nicht erworben, so fiele das Unternehmen im Jahre 1940 dem Zweckverbande zu. Dann stünden aber den Aktionären die Re- serve- und Tilgungsfonds zu, die schon heute 35 Millionen betragen und jährlich um 2 Millionen Mark anwachsen. Dazu kämen noch die Summen, die der Uebernehmer als Tax- oder Buchwert der übernommenen Gegenstände, des Bahnkörpers, der Betriebsmittel und der Baulichkeiten zu zahlen haben würde. Boraussichtlich würden sich hieraus mehr als 200 Prozent ergeben. Die Kon- kurrenz der neuen städtischen Straßenbahn-, Omnibus- und Hochbahnlinien schlägt die Gesellschaft gering an. Gegenüber den Gesamteinnahmen sei der Rückgang der Einnahmen so gering, daß er durch die ungünstige Gestaltung des Arbeits Marktes und die schlechte Witterung allein erklärt werden könne. Wagcnmaugel. Ueber den Wagenmangel im vergangenen Jahre enthält der Geschäftsbericht der Rheinischen Stahlwerke eine sehr leb- hafte Klage: „Auf unserer Zeche Centrum mußten eine große Anzahl Schichten der Belegschaft ausfallen, wodurch unseren Arbeitern eine Lohnsumme von vielen Tausenden von Mark entging. Naturgemäß war unser Schaden ganz erheblich größer, da wir auch an den übrigen Tagen durch ungenügende und verspätete Zu- stellung der Wagen in der Förderung arg behindert und gestört wurden. Den schwersten Schaden erlitten wir jedoch auf unseren Hüttenwerken; wenn wir auch für unsere Hochofenanlage in Meiderich fast alle Erze, außer unserer Minette, auf dem Wasser- Wege bekommen, so sind wir doch für den Kohlen-, Koks- und Kalksandsteinbedarf der Hochöfen wie für den Bedarf der Stahl- werke an gebranntem Kalk ausschließlich auf die Staatseisenbahn angewiesen. Nun hatten wir uns schon während des Sommers bestrebt, größere Lagervorräte in Minette(Eisenerze), Kalkstein und Koks zu beschaffen, ja wir hatten auch in Kohle Verhältnis- mäßig bedeutende Mengen zu Lager genommen; wie sich aber z. B. in Stahlwerkskalk die Lagerung des Bedarfs auch nur wenige Tage durch die Natur des Rohstoffes überhaupt verbietet, so war es uns angesichts der Riesenmengen für unsere fünf, gerade damals sämt- lich im Feuer stehenden Hochöfen sowie unsere vier Batterien Koks- öfen unmöglich gewesen, den vollen Bedarf für die langen Wochen der Störung aufzustapeln. Eine derartige Dauer hatte man ja nicht für möglich gehalten, am wenigsten die Eisenbahnverwaltung selbst. Die Koksöfen und Hochöfen litten ganz außerordentlich. Die Koksöfen mutzten bald stundenlang über die Zeit hinaus ge- füllt gehalten werden, so daß der Koks verbrannte, da keine Mengen zur Füllung da waren, bald war� ein garer Koks überhaupt nicht zu erzielen, da die von allen Seiten zusammengeholten Kohlen auf den Lägern völlig entgast, zu mager oder sonst für die Ocfen ungeeignet waren. Die Hochöfen gerieten bald durch den ungleich» mäßigen, schlechten Koks völlig in Unordnung, denn nicht nur die Koksmengen von eigenen und namentlich fremden Lägern, sondern auch die Sendungen frischer Ware waren größtenteils minder- wertig. Auf den Zechenkokereien mußten nämlich infolge Fehlens von Wagen häufig zwei und mehr Brände übereinander gelöscht- werden, was namentlich bei Lieferungen aus der Nachtschicht dazu führte, daß entweder verbrannter Koks oder solcher mit unglaub- lichen Wassergehalten den Hochöfen zugeführt wurden. Abgesehen von dem unmittelbaren Erzeugungsausfall, der sich auf mindestens 20 000 Tonnen Roheisen belief, wurden die Selbst- kosten der Hochöfen um mehrere Mark für die Tonne noch für längere Wochen nach dem Ende des schärfsten Wagenmangels emporgeschnellt. Das Thomaswerk war gezwungen, einige volle und eine große Reihe von Teilschichten wegen Kalkmangels zu feiern, so daß man Thomascisen in die Halle laufen lasten mußte. Alle diese Störungen setzten sich entsprechend bei den Walzen- straßen fort, für unsere Werke in Duisburg doppelt verschärft da- durch, daß die Halbzeugsendungen von Meiderich oft tagelang in den Staatsbahnhöfen standen, olme in unser Anschlußgleis gelangen zu können. Von unseren Hüttenarbeitern gelang es uns im wesentlichen Lohnausfälle fernzuhalten, da die Feierschichten zu Ausbesserungen benutzt wurden; unsere direkten Verluste und ent- gangenen Gewinne aber sind auf viele Hunderttausende von Mark zu beziffern. Es ist zu hoffen, daß die inzwischen seitens der Staatsbahnverwaltung ergriffenen Maßnahmen wirklich auch in einem Umfang durchgeführt werden, der die Wiederkehr ähnlicher Zustände unmöglich macht." Während die Arbeiter also Tausende von Mark an Lohn ver- lorcn, hat den Aktionären der Mangel nicht viel geschadet. Sie erhalten wie im Vorjahre 10 Proz. Dividende, obgleich die Rücklagen und Abschreibungen um 2,9 Millionen auf 6,3 Millionen Mark erhöht werden können. Die Beschäftigung des Unternehmens war im ganzen Jahre so günstig, daß der Bruttogewinn von 8,7 auf 12,2 Millionen Mark stieg. WaslerftandS.Nachrichte« der LandeSanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburea« Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e i, Jnsterburg Weichsel. Thon, Oder, Ratibor , Kronen Frantiurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, LeUmeritz , Dresden , Barbv Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.— Unterpegel. Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Watilverein Li Ueri. Reichstagswahlkreis. Görlitzer Viertel. Bezirk 149. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Psu! Sarabinski Adalbertstr. 3, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 28. August, nach- miltags 51/, Uhr, von der Leichen- halle de» neuen Michael-Kirchhoscs am Maricndorscr Weg aus slati. Um rege Beteiligung ersucht 21ß/l7 Idvi- Allgemeine Kranken- und Sterhe- kasse der Metallarbeiter. V. a. G., Hamburg. Filiale Steglits. Am 26. d. Mts. starb unser Mitglied Mim». Ehre seinem An denken! Die Beerdigung findet am Frcllag, den 29. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des Gemeindc-Friedhoses Berlin-Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Lrtsverwaltu»«. Für die vielen Beweise mniger Teilnahme bei dem Begräbnis meines lichen Mannes, unsere» guten BatcrS und Schwiegersohnes Faul Olane sprechen wir allen denen. die sich daran beteiligt haben, unseren herz- lichsten Dank aus. 1992b Orert»-»,«! Glane nebst Kindern. Asnos Fahremvald. Sozialdemokrat. RreiswahlTerein| Hiederliarnim. ------ Bezirk Friedrichshagen.= Am 24. August verstarb plötzlich unser Genosse, der Tischler Mred Birkner im Alter von 23 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachm. 5'/2 Uhr, von der Halle des Friedrichshagener FriedhoseS aus statt. 241,2 Um rege Beteiligung ersucht Gie Bezirksleitung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Friedrichshagen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Xlirec! IBirkner im Alter von 23 Jahren plötzlich gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 51/, Uhr, von der Halle des Friedrichs- Hagener Friedhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 88/2 Die Lokalverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungssteile Berlin. Nachruf. De« Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser I�icBarc! Will Lichtenberg, Schillerstr. 6 l am 21. d. M. sreiwillig aus dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenken. 124/17 Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß am Dienstag, den 26. d. M., morgens 6 Uhr, meine inniggelieble Frau I�uise SckulTe geb. tzütildenprennls nach langem, schwerem Leiden im 46. Lebensjahre verschieden ist. Dies zeigt tiefbet-übt an Hei-mann Schulze. Charlottenburg, Windscheidstr. 9. Der Tag der Bestattung wird noch bekanntgegeben. 46A Zentralverhand der Zimtnerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 38. \» o h> II f. Den BerusSgenossen zur Nach« richt, daß unser Mitglied Kar\ Marks am 17. August nach längerem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 254/10 ver Verstund. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter Filiale Lichtenberg I. Nachruf. Am 21. August 1913 verschied unser Kollege, der Dreher Max Hundt. Ehre seinem Andenken! 289/11 llie Ortsverwaltung, Danksagung;. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspeiiden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und unserer guten Mutter sagen wir hiernlit allen Teilnehmern, inS. besondere Herrn Schall sür die trost- reichen Worte unsern herzlichsten Dank. Karl Reumann und Kinder. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme beim Hinlcheiden des Lederarbeiters (ieorx Ruger sagen wir allen unseren tiefempsun- denen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen, l>7A Skalitzer Str. 57. SuMsnll!uvgVorviArl8 Undenstr. 69(Laden) Ansichtskarten vom Riesengebirge, Harz, Sächsische Schweiz, Dresden, Berlin in reicher Auswahl. Stück 5 Pt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Bakers sagen wir hiermit allen Beteiligten, insbesondere den Genossen vom(3. Wahlkreis, dem Gesangverein „Morgengrauen", den Arbeitern und Mitgliedern der Berliner Genossen- schastSbäckerei unseren innigsten Dank. Gustav, Roberl, Karl Kappelt. Tanksagung. Für die überaus zahlreiche Be- teiligung bei der Beerdigung meines inniggeliebten Mannes, unseres lieben Sohnes, Bruder» und Schwagers, des Monteurs Ott« kklelgctiec. sagen wir unsern tiesgesühlten Dank. Insbesondere danken wir sür die Be- weise herzlicher Anteilnahme den Bureaus der B. E. B., dem Ober- ingenieur Herrn Wagner, den Ar- beitern der B. E. W., den Genossen des 6. Wahlkreises. Bezirk 775a dem Deutschen Metallarbeiterverband so- wie allen Freunden und Bekannten. Viitwe Meta Hielscher geb. Bormann. Rudolf Hielscher, Gastwirt. Frau Klara Hielscher. 20066 Tilsiter Volifettkäse Köse! schnittreis Käse! offeriert a Pfd. 60 Pf. sranko gegen Nach«, in ganzen Brot, zu 8—11 Pjd. Zentral-Molkerei. Christburg Wpr. M Essig bereitet man sich am billigsten und besten selbst im Malte! »»««»»»»i»»»»«»»»«»- ßeiclBel's Essis�Essenz ergibt, mit reinem Wasser verdünnt, den wohlschmeckendsten��� Speise-Esfig««d b-ten krästig-n Einmache-Essig. In solchem Essig eingemachte Früchte halten sich großartig und bewahren bis zuletzt ihren feinen Geschmack und unverändert schönes Aussehen ohne Kon- servierungSmittel. Fl. 1.10 M.,>/, Fl. SO Pf. inll. Fl. für 1Ü bzw.« Wein- stasch. Essig. Man nedme in den Droxeiden aber nur Reichel's Essig- Essenz, die vorteilhafteste starke. Wo nicht oorrälig. wende man sich an Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4. Fernspr.: Moritzplatz 4751—53. Sozialdemokratikber Nahlverew für d. 2. Bert. IReicbstagswatilkrcis Tonntag, 31. August 1913, vormittags von 9 Uhr ad: Urwahl von 3 Delegierten zum Parteitag m Jena«nd eines Schiedsgerichts-Kom- missionsmitgliedes für Groß-Berlin in solgendcn Lokalen: SS. Ichneider, Winterfeldtstratzc 8 Hähnelt» Blumenthalstraße ö. PH. Zickenrott, Zimmerstraße 59. O. Ichröter, Markgrafenstraße 192. Sl. Kcufner, Möckernstraße 93. H. Borgfeldt, Nostizstraße 29. Thomsen, Gneisenaustraße 39. C. Riebke, Planufer 75. E. Lindemann, Moritzstraße 9. W. Welke, Hascnhcide 34. G. �ederhardt, Boppstraße 4. Zentrale: Thomsen, Gneisenaustraße 30. 206/3* BV Wahlberechtigt ist jedes ivkitglied. das den Beitrag für Ma« 1013 bezahlt hat. Das Wahlrecht kann in irgendeinem der vorgenannte» Lokale ausgeübt werden. gaF"" Tie Wahl beginnt um 0 Uhr vormittags und wird n« 12 Uhr mittags geschloffen. »er- Vorstand. Verband der Sattler und Portefeuiller. Ortsvcrwaltune Berlin. Achtung! Achtung! i LwliItmIcntr-TeMihllüher! Donnerstag, den Ä8. August, abends Nhr, bei G r a u m a» n, Nauiiqnstr. 27: Merordentlkbe Versammlung. Tagesordnung: Tie gescheiterten Darifvrrhandlungeii und unsere weitere Stellungnahme. Kollegen! Da die Unternehmer die bisher gemachten Zugeständnisse zurückgezogen haben, gilt cS in dieser Versammlung sehr wichtige Beschlüsse zu soffen. Pflicht aller Kollegen ist es, diese Versammlung bestimmt und pünktlich zu besuchen. >57/19* I>le Branchenleitung. Ohne jede Anzahlung Pianos X erstklassiges Fabrikat X vielfach prämiiert, u. a.: Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Berliner Musik-Fachausstellung 1906 sowie Plüsel umi Harmoniums | gegen, kleine monatl. Teilzahlung. Für jedes Instrument gewähre ich langjährige Garantie. ' Conrad Krause»eich.. S&BflSiü «nn sreumann uno atmoer. Eigenes feeschttftghano- Verantwortlicher Redakteur: Alfretz Wielepp, Neukölln. Für den L�eratenteil oerantip.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag; VorwärtD Luchdruckeret u. VerlagSanstalt PaulSinger».Co., Berlin»M. Äupsta-Bad KUpen Icker Straße 60. Sämtliche Bäderarten.— Lieferant aller Krankenkassen. ll629b* Abhandlungen und Vorträge zur sozialistischen Bildung. herausgegeben 248/19' von na-x Cirnnsvald. Heft 6: und iiier Von Conrad Haenisch. 40 Preis M »«»"«•» 2. Ktilme ilks Jnmärtf Knlim öolliütiliill Donnerstag, 28, Angust 1913. Partciflcnolkn! Auf Grund des Organisationsstatuts beruft der Partei Vorstand den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 14. September, abends 6 Nhr, nach dcni Volkshause in Jena ein. Tic Eröffnung und die Konstituierung des Parteitages werden am 14. September stattfinden. Die Festsetzung der Geschäfts- und der Tagesordnung und die Wahl der Mandats Prüfungskommission sollen am Montag, den 16. Sep tember, zu Beginn der Sitzung vorgenommen werden. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: I.Geschäftsbericht des Parteivorstandes. -l) Allgemeines. Referent: Genosse Scheidemanw b) Kassenbericht. Referent: Genosse Braun. 2. Bericht der Kontrollkommission. 3. Bericht der Reichstagsfraktion. Referent: Genosse H. Schulz. 4. Maifeier. Referent: Genosse E b e r t. 6. Steuerfrage. Referenten: Genossen Wurm und Dr. S ü d e k u m. t>. Anträge. 7. Wahl des P a r t e i v o r st a n d e s, der K ontroll k o m m i s s i o n und des Ortes, an dem der Partei tag 1914 stattfinden soll. Parteigenossen! Bewirkt die Vorarbeiten für den Partei' tag rechtzeitig. Wo mehrere Delegierte zu wählen sind, soll nach§ 7 des Organisationsstatuts unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein. Die Vorstände der Wahlkrcisorganisationen werden dringend ersucht, dem Parteivorstande die Namen der ge- wählten Delegierten unter genauer Adressenangabe alsbald mitzuteilen, damit ihnen die Vorlagen und sonstigen Mit- teilungcn zugehen können. Außerdem müssen sich die Dele- gierten beim Lokalkomitee melden. Die Adresse des Lokal- komitees lautet: H. Leber, Jena, Magdelstieg 3. Die Mandatsformulare werden vom 15. August ab durch das Parteiburcau versandt. Mit sozialdemokratischen Grüßen Der Parteivorstaud. (ZewerKscKaftUcKes. Hn die Beintzer der Gewerbe- und Kauftnanns- genchtc(Hrbeitnehmerbeifitzer). Die Arbeiterbeisitzer der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte Milchen wir nochmals darauf aufmerksam, daß für die Teilnehmer .- rlcrbandstag der Gewerbegerichte am 16. und 17. September in Leipzig im BolkshauS, Zeitzer Str. 32 eine Konferenz stattfindet mit folgender Tagesordnung: 1. Die Rechtsprechung der Gewerbegerichte seit der letzten Konferenz. Referent: Arbcitcrsckretär Lüttich-Leipzig. 2. Die Ausdehnung der Zuständigkeit der Gewerbegerichte. Referent: Paul Starke-Dresden. 3. Die Verhältniswahl zu den Gewerbegerichten. Referent: A. Körsten-Berlin. 4. Die Tagesordnung des Berbandstages der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte. Die Konferenz wird am 16. September, vormittags 10 Uhr, er- öffnet. Die Delegierten bitten wir um Angabe der Adresse und die Mitteilung, ob resp. in welchem Umfange die Gemeinde, das C Werkschaftskartell oder die Gewerkschaft zu den Kosten der Delegation beiträgt. Wegen Beschaffung von LogiS wollen sich die Delegierten an Karl Franke, L e i p z i g- S ch l e u ß i g, Könneritz- st r a tz e 7 2, wenden. Die Generalkom Mission der Gewerkschaften Deutschlands s S o z i a I p o l i t i s ch e Abteilung) B e r l i n 80 16, E n g e l u f e r 1 5 IV. ** * Zu dem vom 14. bis 19. September in Leipzig stattfindenden Gewerbegerichtstage haben eine Anzahl Gemeinden um Berlin Delegierte bestimmt. Von mehreren dieser Vertreter ist uns der Wunsch geäußert, unter diesen eine Einheitlichkeit in Reite, Logis sowie die nolwen- digcn Besprechungen herbeizuführen. Wir kommen diesem Wunsche gern nach und bitten alle diese Delegierte, uns ihre Namen anzugeben, damit wir eine Zusammen- kunft, Anmeldung usw. bewerkstelligen können. Der Ausschutz der Gewerlschaftskommission Berlins und Umgegend Engelufer IS. Serlin und Umgegend. Zur Kiirschuerbcwegung. Zur Orientierung der Oeffentlichkeit sei bemerkt, daß die Be- wegung des Deutschen Kürschner-Verbandes. Filiale Berlin, gemein- iam mit dem Verein selbständiger Kürschner(Hausindustrielle der Pelzbranche) geführt wird. Die Hausindustriellen haben ihre Forde- rungcn den Fabrikanten zum 25. d. M. zugestellt, während der Ver- band seine Forderungen am gleichen Dalum an sämtliche Fabri- kanten, Detailgeschäfie sowie allen Hausindustriellen von Groß-Berlin zustellte. Der Verein der selbständigen Kürschner hat nun in einer gut besuchten öffentlichen Versammlung am Dienstag, den 26. d. M., die Forderungen des Verbandes e i n st i m m i g anerkannt und be- schlössen, daß am 36. August überall die Arbeit einzustellen ist, wo die Forderungen nicht von beiden Organisationen anerkannt werden. Wie auch die Hausindustriellen von den Fabrikanten ob ihrer berechtigten Forderungen noch verhöhnt werden, kann man daraus ersehen, daß die Firma Freistadl u. Westmann, Hausvogtei- platz 3/4, die im Tarif enthaltenen Forderungen durchstrich und auf den Nebenbogen dem Verein schrieb, daß sie noch keine Zeit hatte, sich mit dem Tarif zu befassen. Bei dieser Verhöhnung muß aber noch besonders beachtet werden, daß die Selbständigen ihre Forde- rungen den Fabrikanten schon das erstenial im März d. I. zu- stellten! Die Versammlung der Selbständigen hat als Antwort auf die Verhöhnung einstimmig beschlossen, daß sämtliche Hausindustrielle der Firma Freistadt ü. West mann von Mittwoch früh jede, selbst angefangene Arbeit ruhe» lassen und die Firma als ge- sperrt gilt. Der Arbeitergeberverband der Pelzwarenbranche von Berlin hatte für Dienstag gleichfalls sämtliche Arbeitgeber Berlins zu einer Versammlung nach dem Architektenhanse geladen. Wenn auch die Stellungnahme des Unternehmertums zu Forderungen der Arbeiter und Hausindustriellen von vornherein bekannt sein dürfte, so hat aber dort ein Scharfmacherton vorgeherrscht, der die Grenze des parlamentarischen Auslandes weit zurückließ. Als erster Redner, der mit aller Schärfe betonte, die Forde- rungen nicht zu bewilligen, trat Herr Kommerzienrat Viktor W o l f f(in Firma H. Wolff), Krausenstr. 17/18, auf. Dann folgten der Obermeister Lampe(Firma Arndt, Friedrichstr. 45), W i l- Helm Reinecke, E r d m a n n, Tauentzienstraße, H e r p i ch Söhne, Leipziger Straße, D o l j y s, Wallstraße(Am Spittelmarkt) und K r i m s e, in Firma Krimse u. Bautz. Die Herren regren auch eine eventl. Aussperrung an, doch fand der Gedanke für diese Zeit keine rechte Zustimmung. Sollte es zuni Streik oder Aussperrung kommen, so hat der Verein der selbständigen Kürschner schon alle Vorbereitungen ge- lroffen, daß er in Plakaten, Annoncen der Tagespresse und Prospekten das Berliner Publikum darauf aufmerksam macht, daß er bereit ist, unter seiner Regie mit seinen über 200 Mit- gliedern, jede gewünschte Privatarbcit— von der einfachsten bis zur reinsten Oualitäl zu übernehmen und mindestens 50 Proz. billiger anzufertigen. In teuren Sachen, wie z. B. Nerz und Persianer, würde der Preisunterschied noch weit größer sein. An die Berliner Arbeiterschaft möchten wir noch das Ersuchen richten, ihre in der Pelzwarenbranche beschäftigten An- gehörigen, namentlich Frauen und Töchter, auf diese Notiz sowie auf die beute, am 2 8. August, in den Musiker-Sälen, Kaiscr-Wilhelm- Straße 31, stattfindende öffentliche Kürschnerversammlung aufmerksam zu machen. Deutscher Kürschner-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Tarifbewegnng der Steinsetzer. Der Verband, der Steinsetzer und Berufsgenossen beschäftigte sich am 24. August in einer Konferenz der im Tarifgebiet Groß- Berlins gelegenen Filialen mit der Beratung von Anträgen zum Tarifvertrag. Der jetzige Tarif läuft am 31. März 1914 ab und eine Bestimmung im 8 12 besagt:„wird der Tarif nicht mindestens neun Monate vor Ablauf gekündigt, so verlängert er sich um ein Jahr". Die enorm schlechte Konjunktur in unserem Beruf bewegte die Arbeitgeber, den Tarif zu kündigen. Die Filialen im Tarifgebiet haben in ihren Mitgliederversammlungen zur Kündi- gung Stellung genommen und Anträge zur Tarifberatung gestellt. Die Konferenz, zusammengesetzt aus den Mitgliedern der Schlich- tungskommission und den Delegierten der Filialen, kam nach ein- gehender Beratung zur Aufftellung folgender Anträge: Da unsererseits eine Kündigung des Tarifes nicht erfolgte, wir also vom 1. Zlpril 1914 ab noch zu den jetzigen Bedingungen Weiler arbeiten wollten, wird für das erste Tarifjahr, also bis zum 31. März 1915, von einer Verbesserung der Lohn- und Arbeitsver- Hältnisse Abstand genommen. Jedoch soll der Lohn für die Hilft- arbeiter— bisher werden 40 bis 45 Pf. pro Stunde ohne tarifliche Vereinbarung gezahlt— tariflich auf 45 Pf. pro Stunde festgesetzt werden. Im zweiten Tarifjahre, also vom 1. April 1915, beträgt die Arbeitszeit SVj Stunden für alle Kategorien. Die Arbeitszeit in den Wintermonaten beträgt vom 1. Oktober bis 30. November 8 Stunden pro Tag, vom 1. Dezember bis Ende Februar 7 Stunden pro Tag. Gleichzeitig tritt im zweiten Tarif- jähr« eine Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde für alle Kategorien in Kraft. Der Tarif beginnt am 1. April 1914 und endet am 31. März 1917. Wollen die Zlrbeitgeber eine längere Tarifdauer, so erhöht sich der Stundenlohn für jedes weitere Tarifjahr um 21A Pf. Der Ar- beitsnachnMs soll von den Arbeitgebern mehr wie bisher in Zln- spruch genommen werden und hat das einzusetzende Kuratorium zu gegebener Zeit die obligatorische Einführung zu veranlassen. Das wirklich verbrauchte Fahrgeld ist an alle Arbeitnehmer zu zahlen. Die Steinhauer sind im Prinzip für Einführung des Stunden- lohnes. Eine Erhöhung des Lohnes hat wie oben zu erfolgen. Wo Akkord gearbeitet wird, erhöht sich der jetzige Akkordtarif in allen Positionen am 1. April 1915 um 4 Proz. Da für die Her- stellung der Packe der Preis sehr differiert, soll im neuen Tarif 1,50— 1,85 M. pro Kubikmeter gezahlt werden. Außerdem sollen noch folgende Positionen im Tarif mit aufge- nommen werden: hälbfeincr Mosaik Berliner Profil aus Plötzkher Material pro Kubikmeter 14 M., halbfciner Mosaik Berliner Profil aus Bernburger Material 12 M., halbfeiner Mosaik Reinickendorfer Profil 10 M., hälbfeincr Mosaik Schönebergcr Profil 10 M., halb- feiner Mosaik aus gewöhnlichem Mosaik 10 M. kleines feuilleton. Klerikalismus und Freiheitskriege. Zu den jetzigen höfischen Feiern der Freiheitskriege, wie zu dem Kelheimer Schauspiel, drängi sich niemand mit brünstigeren Gebärden als das jetzt so national gewordene Zentrum. Gerade die Klerikalen aber, namentlich nicht die in Süddeulschland, haben nicht das mindeste geschichtliche Recht, sich auf die Erhebung von 1813 zu berufen. Ter Klerikalismus war vor hundert Jahren in Bayern und den anderen Rheinbundstaaten der fanatische Gegner jeder nationalen Bewegung. In Bayern verteidigte ein hoher Beamter, Christoph von Aretin, aus dessen Geschlecht jetzt ein Zentrumspatriot für die Landtagsnachwahl in Laudöhur kandidiert, in Flugschriften und durch Organisation einer förmlichen Kamorra die französische Politik gegen die deutsch-nationalcn Patrioten. Die mit allen Mitteln arbeitende Verfolgung richtete sich vor allem gegen die nach München berufenen ausländischen und prolestanlischen Gelehrten. besonders gegen den Philologen Friedrich T h i e r s ch. Auch der große Kriminalist Feuerbach wurde mit Beschimpfungen und Verleumdungen gehetzt. Die kleine Gruppe der Napoleongegner war sogar in ihrer per- sönlichen Sicherheit bedroht. Die Religion wurde schon damals für gefährlich erklärt, und Herr von Aretin rechtfertigte die Politik Napoleons gerade aus dem Gesichtspunkt, daß er das katholische Prinzip gegen den protestantischen Umsturz vertrete. Die Hetze der klerikalen Anhänger der französischen Politik er- regte io sehr die Gemüter, daß eines Abends schließlich sich ein Meuchelmörder fand, der dem Professor Thiersch von hinten einen Dolch in den Nacken stieß. Thiersch selbst schrieb damals, wie er an seine Mutler berichlet, an den König, um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß dieses Attentat auf sein Leben nicht aus persönlichem Haß gewagt worden sei, sondern daß es offenbar mit den früheren Anschlägen gegen die Anhänger seiner Richtung zusammenhänge, und daß man ihn habe ermorden wollen, um die anderen zu er- schrecken und zu verscheuchen. Der Attentäter wurde niemals ermittelt. Aber die Patrioten behaupteten, ihn zu kennen. Die Verwundung, die Thiersch erlitt, war nicht gefährlich. Aber nur ein Zufall rettete sein Leben. Alle Welt war überzeugt, daß das Verbrechen, wenn nicht veranlaßt, so doch verursacht sei durch die Fehde, in der seit Jahren die Patrioten mit den klerikalen Verkämpfern des französischen Systems, namentlich mit Aretin. lagen. Es war damals gefährlicher als heute, Patriot zu sein, und die Freiheitskämpfer von 1813 wurden von den Klerikale» ebenso fanatisch verfolgt wie heute die Freiheitskämpfer des zwanzigsten Jahrhunderts mit allen Mitteln der Gewalt und Niedertracht vom Zentrum gehetzt werden. Die deutsche Zcitzentrale. In Fulda wird, wie bekannt ist, eine Zeitzentrale errichtet, von der aus auf drahtlos-elektrischem Wege die Schaffung und Regulierung einer Einheits- zeit, zunächst für ganz Deutschland, erreicht werden soll. Der Erfinder dieser Apparatur, Ingenieur Schneider, hat nun, wie der .Frankfuiter Zeitung" mitgeteilt wird, neue Verbesserungen vorgenommen, die etwaige Störungen im Betriebe ausschließen sollen. Wenn die Fuldaer Sendestation der drahtlosen Zeitüber- tragung(Zeitzentrale Fulda) so beschädigt werden sollte, daß die normalerweise alle Minute erfolgenden Stromstöße nicht mehr aus- gesandt werden, so bleiben deshalb die sämtlichen in Deutschland installierten drahtlosen Uhren keineswegs stehen. Bei den Empfangs uhren schaltet sich dann automatisch ein Kontaktwerk ein, daS die drahtlose Uhr nebst den angeschlossenen Nebenuhren auf Stunden, Tage, ja Monate hinaus weiter antreibt. Vom Werdcfcld dcS Mesothoriums. In den„Münchener Neuesten Nachrichten" wird berichtet: Die Aucrgesellschaft hat gegew wärtig für etwa& Millionen Mark Monazitsand lediglich zur Mesolhoriumgewinnung daliegen und baut nur für diesen Zweck neue Fabrikanlagen im Werte von ca. 1 Million Mark. Aus einer Tonne Monazitsand(gleich 20 Zentner, gleich 1000 Kilogramm) kann man aber nur ungefähr 1 Milligramm, d. i. den milliardsten Teil, Mesothorium durch einen begreiflicherweise außerordentlich kompli- zierten und daher kostspieligen Fabrikationsprozeß gewinnen. Dazu kommen die enorm hohen Transportkosten des Rohmaterials. Um gleichzeitig fünf Kranke richrig behandeln zu können, braucht man wenigstens fünfmal 200 Milligramm gleich ein Gramm Mesothorium. Zur Herstellung dieses einen Gramms müssen 1000 Tonnen Sand von Südamerika herbeigeschafft und dann verarbeitet werden. Unter diesen Umständen iit es begreiflich, daß der Preis eines solchen Gramms ca. 200 000 M. ist. Mit 1 Gramm kann man dann aber Hunderte, ja Tausende von Kranken behandeln. Humor und Satire. Ein Bild aus dem Familienleben zeichnet Maurice Level im Pariser Journal. Szene: ein Männlein und ein Weiblein, Ehegatten, und der Gatte spricht:„Hast Du augenblicklich etwas Besonderes vor?"—„Nein... Warum?'—„Weil ich Dich dann bitten möchte, ins Warenhaus zu gehen und für mich eine Zahn bürste zu kaufen."—„WaS für eine Zahnbürste?... Eine harte? ... Eine weiche?*—„Wie ich sie immer habe, nicht zu hart, nicht zu weich..."—„Komm doch mitp wir find schon so lange nicht mehr zusammen ausgegangen." Im Warenhaus, wohin er und sie im Taxameter gefahren sind, um nach dem Einkauf der Zahnbürste noch eine kleine Spazierfahrt zu machen, ist es natürlich hübsch voll. Er zögert ein wenig, sie aber tritt entschlossenen Schrittes ein. Sie kennt alle Verkaufsstände, wie ein Kunstfreund die Säle des Louvre kennt. Er möchte, kaum daß er darin ist, schon wieder hinaus. Sie bleibt plötzlich stehen. Unter einem schier unentwirrbaren Haufen von Hutformen hat sie eine ganz besondere entdeckt, die sie ansehen muß.„Nicht häßlich, was?"—„Schön auch nicht!" brummt er.—„Du kannst das nur nicht so gut sehen, aber der Hut würde, wenn er erst garniert ist. entzückend sein. Fräulein. wieviel kostet diese Form?"—„Acht Franken neunzig!"—„Willst Du sie denn kaufen?" fragt er.—„Einen Augenblick.... Und diese da, Fräulein?... Und die da drüben? Wollen Sie sie mal aufsetzen, damit ich sehe?...' Nein, die andere gefällt mir besser...- Der Preisunterschied ist ja auch nicht so groß! Schicken Tie mir also diese vier da, ich will mir eine aussuchen." Entdeckungsreise zur zuständigen Kasse. Er humpelt nach. Dann geht es weiter. Sie bleibt vor jedem Lager bewundernd stehen. Am Wäschelager länger als anderswo. Da gibt es wirkliche „Gelegenheiten". Sic wirft„im Fluge" Servietten und Wischlappen durcheinander und erkundigt sich so nebenbei nach dem Preise eincs Tischläufers.„Da fällt mir ein, daß Melanie mich um eine Wachs- tuchdecke für die Küche gebeten hat." Gibt's im vierten Stock. Also zum Fahrstuhl. Oben angekommen, mustert sie die HaushaltungS- artikel. Die Fußbodenbüsten, die Teppichklopfer, alles interessiert sie; ihre Küche ist ihr Stolz, und sie widersteht nicht der Versuchung, einen vernickelten Besenhalter zu kaufen. Er wird ungeduldig:„Weiter, weiter..." Zu Fuß geht man wieder hinunter. Kurzer Aufenthalt vor einem Stand, an welchem von allem etwas verkaust wird: Bilder- rahmen, Romane, Briefpapier. Briefpapier braucht man immer, nicht wahr? Und dieses hier liegt in so reizenden Schachteln. Die kann man dann als Behälter für die Bänder und die Taschentücher verwenden. So vergeht die Zeit. Je nervöser er wird, desto häufiger sagt sie: „Einen Augenblick noch." Sie muß ja sehen, was jetzt modern ist. Es wird Abend, und das HauS wird so voll, daß man kaum vor- wärts gehen kann. Er ist dem Ersticken nahe; sie auch. Jetzt muß sie rasch hinaus und frische Luft atmen; auf der Straße sagt sie mit einem„Uff" der Erleichterung: „Wegen der Zahnbürste, Liebster, kannst Du ja an irgendeinen, Vormittag, wenn Du nach Hause kommst, selbst hineingehen. Vor- mittags ist es nicht so voll. Am Nachmittag kann man wirklich nichts kaufen, Du hast ja gesehen..." Notizen. — Arbeitermöbel. Im Berliner G e w er ss chaft s- haus(Engelufer 15) wird eine neue Type gezeigt; sie ist das Er- gcbnis eines Wettbewerbes, der für die deutschen Kunstgewerbe- zeichner zugänglich war. Außerdem ist die Einrichtung von Stube und Küche nach Entwürfen von Professor Peter Behrens zu sehen. Die Ausstellung ist vom 28. bis 31. August, von 10— 8 Uhr, während der darauffolgenden Wochen am Montag, Mittwoch und Sonnabend von 6—9 Uhr und Sonntags von 12—2 Uhr unentgeltlich zu be- sichtigen. — Theaterchronik. Im Theater in der König- grätzer Straße ist Anzengrubers Schauspiel„Das vierte Gebot" als erste Premiere in dieser Saison auf Sonn- abend, den 6. September, festgesetzt worden.— Ein Parsifal- Heft läßt das Organ der Bereinigung künstlerischer Bühnenvorstände „Die Szene" als Einführung in ihren dritten Jahrgang erscheinen. (Verlag Vita, Berlin.) Der Herausgeber des Heftes ist Ernst Leopold Stahl, der in den letzten Jahren als Dramaturg und Theaterschriftsteller mit guten Arbeiten hervorgetreten ist.— Eine Schule für Theater- Dekorationswesen wird am 1. Oktober eröffnet und als„Höhere Fachschule für Theaterkunst" der staatlich subventionierten„Höheren Fachschule für Dekorations- kunst"(„Schule Reimann") angegliedert werden.— Joseph Kainz-Theatcr a in kleinen Wannsee. Hebbels„Gygcs und sein Ring" geht heute nachmittag 5 Uhr erstinals in Szene. — Die beiden Mütter von Segantini. Das be- rühmte Gemälde Segantinis, das eine säugende Frau in dämmern- der Beleuchtung neben einer säugenden Kuh zeigt, stand in Sankt Moritz zum Verkauf: der Auktionator forderte 160 000 M. SS fand sich aber kein Käufer. — Ein Freier, der nicht freien will. In der„Gran- seer Zeitung" steht in Fettdruck folgender„höflichste" Bescheid eines Schwerbedrängten:„Da ich durch die fortwährenden Be- suche, welche nur dem Zwecke dienen können, mich mit heiratS- fähigen Töchtern in Verbindung zu setzen, in meiner beruf- lichcu Tätigkeit stark beeinträchtigt werde, ersuche ich höflichst, der- artige Manipulationen zu unterlassen. Der in stiller Zurückgezogenheit trotz seiner Ledigkeit glücklich le- bende Gutsbesitzer X. I. Z." Wer wird nun das dickste Fell haben: die Granseer Mütter oder er? \ Streik von Glasbläsern und Glasarbeiterinnen. Bei der Deutschen Dewargesellschaft, Kottbuser Ufer 39/40, ist es zu ernsten Differenzen gekommen und ist die Arbeit eingestellt worden. Die Firma lehnte es ab, den Ausschuß zur Ver» Handlung zu empfangen, welcher von der Arbeiterschaft beauftragt war, gegen die unmenschliche Behandlung der Kollegen durch den Meister Machclett vorstellig zu werden. Die betreffenden Kollegen legten hierauf einmütig die Arbeit nieder. Die hierauf von der Organisation versuchte Verhandlung wurde ebenfalls von der Firma abgelehnt. Also, Kollegen und Kolleginnen, jeder wahre die strengste Soli darität. Keiner nehme bei der Firma Arbeit an, bis die Differenzen zu unseren Gunsten beigelegt sind. Die Ortsverwaltung. Achtung, Militärschneidcr! Bei der Firma M. Neumann. Französische Str. 24, haben die Militärschneider die Arbeit nieder gelegt und wird daher über die genannte Firma die Sperre ver hängt. Verband der Schneider. Ortsverwaltung Berlin. Deutfcbes Reich. Georg Frölichs Empfang in Köln. Nach 37monatiger Gefangenschaft öffneten sich am Montag für G e o r g F r ö l i ch, das Opfer des Deutzer Landfriedensbruchs, die Tore des Siegburger Gefängnisses. Obwohl seine Entlassung für den Nachmittag festgesetzt war, konnte er schon am frühen Morgen die Anstalt verlassen; die Gefängnisverwaltung befürchtete augenscheinlich eine Demonstration. Aber in Köln hatte sich trotz- dem Frölichs Ankunft schnell herumgesprochen; ein Zug von 200 bis 300 Bararbeitern und Freunden empfing ihn am Bahnhof; die Ar- beiter auf einem grossen Hotelneubau am Bahnhofsvorplatz legten spontan die Arbeit nieder und winkten Frölich zu. Weit � über 2000 Menschen füllten am Dienstagabend den grossen Kölner Volkshaussaal; die Kölner Bauarbeiter und viele andere waren erschienen, um Frölich zu begrüßen; mit ihm waren auch die übrigen schon in Freiheit befindlichen Opfer des Deutzer Prozesses gekommen. Für den Bauarbeiterverband hielt Genosse P a e p l o w- Hamburg die Begrüßungsrede, nachdem man noch zuvor des noch in Siegburg schmachtenden Arbeiters Düpper ge- dacht hatte. Paeplow gab ein scharfumrissenes Bild der Vor- geschichte des Prozesses; unschuldig sei Frölich das Opfer der Klassenjustiz geworden, die am 18. März 1911 in Köln ein so fürchterliches Urteil gefällt habe. Für die Partei begrüßte Genosse Gilsbach Frölich als den wackeren politischen Kämpfer, und Genosse Meerfeld besprach unter stürmischen Entrüstungskundgebungen die staatsanwaltlichen Aktionen gegen die„Rheinische Zeitung", die sich an den Prozeß knüpften. Stürmisch begrüßt, hielt dann Frölich eine kurze Dankes- anspräche. Alles, was er in den langen Monaten, die er unschuldig im Gefängnis gesessen, versäumt habe, werde er im Interesse der Arbeiterbewegung nachholen. Bei ihm habe die Strafe nicht ab- schreckend gewirkt. Die Kundgebungen für Frölich wollten kein Ende nehmen, als er seine Rede beschloß. Unter brausenden Hochs auf die moderne Arbeiterbewegung und unter Gesang der Marseillaise verließen die Massen langsam den Saal._ W Former und Gießereiarbciter! In den Zwickauer Guß- werken in Zwickau Sa. befinden sich sämtliche Arbeiter wegen Lohndifferenzen im Streik. Der Gußabnehmer Havelit, der sich als Direktor des Betriebes ausgibt, reist von Ort zu Ort, um Arbeits- willige anzuwerben. Es wird ersucht, den Zuzug von Formern und sämtlichen Gießereihilfsarbeitern streng fernzuhalten. Arbeiterausbeutung in Schuapsfabriken. Das Personal der Kognakfabrik A. Buchholz(Inh. I. Gothmann) in G r ü n b e r g i. Schl. hat am Freitag, den 22. August, die Arbeit eingestellt. Der Anfangslohn für Arbeiter beträgt dort 12 M. pro Woche, ein Teil der Arbeiter erhält 12—13 M., der Höchstlohn ist 14.S0 M., und diesen erhalten Arbeiter, die bis zu 24 Jahren im Betriebe tätig sind. Diese Huugerlöhne im wahrsten Sinne des Wortes zahlt eine Firma, die sich Weltfirma nennt, und deren Be- sitzer ein reicher Mann ist, der zu den Höchstbesteuerten in Grünberg gehört. Diese Firma ließ eS zum Streik kommen, weil sie die Forderung von 1 M. Lohnzulage pro Woche ablehnte. Sattlerstreik. In der Sportortikelfabrik von Dolffs u. Helle in Braunschweig haben sämtliche Saitler wegen fortgesetzter Eni- lassungen älterer Gehilfen die Arbeit niedergelegt. Da die Firma ibrc Fabrikate auch in Arbeiter-Sport- und Turnvereinen absetzt, dürfte ein Hinweis darauf für diese Vereine von Interesse sein. Soldaten als Bauarbeiter. An den Kasernenvauten in Zerbau bei Glogau werden schon seit Wochen zehn Soldaten als Bauarbeiter beschäftigt, obwohl in Glogau und Umgegend Hunderte von Arbeitslosen allein aus dieser Branche vorhanden sind. Alle um Arbeit bei der aus- führenden Firma Michaeli« nachfragenden Arbeitslosen wurden immer abgewiesen, ja einige Arbeiter, die beim Kasernenbau beschäftigt waren, wurden wegen Mangel an Arbeit entlassen, während die zehn Soldaten weiter beschäftigt wurden. In Zeiten einer so starken wirtschaftlichen Krise, wie wir sie augenblicklich durchmachen müssen, ist es geradezu ein Spektakel, daß abkommandierte Soldaten den hungernden Arbeitern das bißchen Existenzmöglichkeit, das diesen noch geboten wird, wegnehmen. Es wird doch sonst immer mit Nachdrück betont, daß an eine Ver- kürzung der bestehenden Dienstzeit nicht gedacht werden kann, ohne daß die Ausbildung der Soldaten darunter zu leiden hätte. Wie will der Kriegsminister die Abkommandierung der zehn Sdldaten recht- fertigen!_ Husland. Aus der dänischen Gewerkschaftsbewegung. Infolge der von den skandinavischen Unternehmerverbänden ver- einbarten Taktik laufen im Jahre 1910 in den skandinavischen Ländern viele Tarifverträge ab. Was Dänemark anbelangt, so hat die dänische Landeszentrale soeben Feststellungen über die vorhandenen Tarifverträge und deren Ablaufstermine gemacht. Danach bestehen zurzeit 936 Tarifverträge zwischen den Organisationen der Arbeit- geber und der Arbeiter, soweit die letzteren der Landeszentrale der Gewerkschaften angeschloffen sind. Diese Verträge erstrecken sich auf 88 027 Gewerkschaftsmitglieder. Da dre Gesamtmitgliederzahl 107 000 beträgt, fehlen die Angaben von ca. 20 000 Arbeitern, lieber den Ablauf der Verträge wird berichtet, daß 213 Verträge für 18 108 Mitglieder im Jahre 1914 gekündigt werden können. Für 1915 ist die Kündigung möglich bei nur 86 Verträgen für 4833 Mitglieder. 1916 dagegen können 249 Verträge für 56 974 Mitglieder gekündigt werden. Die über 1916 hinaus laufenden Verträge sind insgesamt 57 für 5354 Mitglieder. Demnach laufen also die bedeutungsvollsten Verträge im Jahre 1916 ab. Ein ähnliches Bestreben haben die Unternehmer auch in außerskandinavischen Ländern gezeigt, so daß es den Anschein hat, als ob das Jahr 1916 ein Kampfesjahr der europäischen Gewerkschaften werden wird. Die Brüsseler Kürschner erreichten durch ihre letzte Bewegung eine wesentliche Arbeitszeitverkürzung, den freien Sonnabendnach- inittag und bedeutende Lohnerhöhungen. Der Minimallohn für Arbeiter, die seit Jahren mindestens 6 im Gewerbe bc- schäftigt sind, beträgt jetzt 8 Frank in den ersten acht und 8.50 Frank in den letzten 4 Monaten des Jahres bei neunstündiger Arbeitszeit. Bei der Einstellung von Arbeitskräften sind Organi- sierte zu bevorzugen. Ixternationsiler Kongreß derFithogrophk�Stkindrucker und vemandten Kernfe. Wien, 26. August. Die Sitzung begann mit der Erstattung des Kassenberichts durch B r a l l(Deutschland). Die Berichte des Sekretärs und des Kassierers wurden zur Debatte gestellt. Ein englischer Delegierter sagte, er könne berichten, daß auch die Engländer in der letzten Berichtsperiode große Erfolge mit der Arbeitszeitverkürzung gehabt haben. Für die Provinz sei jetzt die Arbeitszeit auf 51, für London auf 50 Stunden festgesetzt. Der Delegierte der Londoner Schleiserorganisation erklärte, das Sekretariat habe sehr gute Arbeil geleistet, und des Redners Organisation wolle keinerlei Aenderung in der jetzigen Besetzung derselben. P i ch o n(Frankreich) hielt es für einen Fehler— den Gedanken unterstrich auch M e i st e r(Ungarn)—, daß Sillicr nichr den spanischen Kongreß in Barcelona besucht habe. Sillier habe in seinem Berich: auf die geringen Beiträge in der spanischen Organi- sation rügend hingewiesen. Was habe er denn getan, um die Er- kenntnis von der Notwendigkeit höherer Beiträge in Spanien zu ver- breiten? Frankreich habe in Spanien in dieser Hinsicht nach besten Kräften agitatorisch zu wirken gesucht. Dann fragt Pichon, wie sich die Verhältnisse in Brasilien entwickeln und wie es in Rumänien und Böhmen stehe. Die tschechische Organisation führe lebhafte Klage über ungerechte Behandlung durch die deutschen Kollegen. Ueber diese Punkte möge der Sekretär sich einmal äußern. Mühlberger(Oesterreich) erwidert Pichon, daß der Stand- Punkt gegenüber den tschechischen Separatisten geklärt sei. Er frage Pichon nur noch, was er sagen würde, wenn seine Organisation in einem ähnlichen Kampfe mit separatistischen Elementen stände und eine einzelne Nation würde sich dann immer wieder in eine durch die Zentralinstanz seines Landes und einen allgemeinen internatio- nalen Arbeiterkongreß geklärte Sachlage hineinmengen. Der Stand- punkt gegen die Tschechen ist geklärt und festgelegt, der gegenwärtige Kongreß habe kein Recht mehr, sich hineinzumengen. Tue er es dennoch, so würden die Oesterreicher trotz aller Höflichkeit den Kongreß verlassen. Was die Rumänen anbetrifft, so habe hie österreichische Zentralorganisation beschloffen, Rumänen nicht mehr aufzunehmen und denselben angeraten und den Weg gezeigt, sich eine eigene Landesorganisation zu gründen. Es sei übrigens von den Rumänen ganz verfehlt, sich, wenn sie etwas haben, an Frank- reich zu wenden. Sie hätten dann an den internationalen Sekretär zu gehen. Sillier ging in längeren Ausführungen auf die Rede Pichons ein und freute sich der Anregungen, die er in bezug auf Brasilien und andere Länder gegeben habe, aber vor allem sei in Frankreich selbst die bessernde Hand anzulegen. Dort sei die Organisation ziemlich am mangelhaftesten unter allen Ländern, sowohl prozentual in bezug auf Mitgliederzahl, wie in bezug auf innere Einrichtungen. Pichon persönlich vertrete ja die höheren Beiträge und gute Unter- stützungseinrichtungen. Sillier legte dann dar, was das Sekretariat an Anregungen in Brasilien, Rumänien, Böhmen, Amerika getan habe. Auch jungen und schwachen und neu zu gründenden Organi- sationen solle man möglichst nicht aus KonzessionSmacherei geringe Beiträge empfehlen. Grundsätzlich sei überall die Notwendigkeit hoher Beiträge zu vertreten. In bezug auf die Tschechen unterstrich Sillier im wesentlichen den Standpunkt der österreichischen Organisation. Es sei alles ver- acht worden, die böhmische Organisation wieder für die Allgemein- heit zurückzugewinnen. Aber die Situation sei leider noch verschärft worden durch einen offenen Streikbruch, den diese Organisation in einem Falle begangen, um die deutschsprechenden Kollegen aus einem Betrieb zu verdrängen. Gegenüber weiteren Monikas Pichons in bezug auf Brasilien gab Sillier die Aufklärung, daß die deutsch- sprechenden Organisierten Brasiliens nur unter der Bedingung An- schluß an die Internationale erhielten, daß sie den Kollegen aller Sprachen Eintritt in die brasilianische Organisation gewähren, eine Bedingung, die ganz im Sinne Pichons liege. Gleichfalls gehe das Sekretariat darin mit. Pichon konform, daß im Ausland, etwa in Frankreich oder Spanien arbeitende ausländische Kollegen unter allen Umständen Mitglied der betreffenden Landesorganisation werden müßten, wo sie arbeilen, wobei es ihnen freistehen soll, auch noch Mitglied ihrer nationalen Organisation zu bleiben. Wo deswegen Differenzen entstehen, solle man sich an den internationalen Sekretär wenden. Darauf wurde der Bericht des Sekretärs gegen die Stimme des Franzosen Pichon. der Bericht des Kassierers einstimmig ge- nehmigt. Einstimmig wurde beschloffen, durch das internationale Sekretariat zu geeigneter Zeit eine Delegation nach Amerika vorzu- nehmen, mit der die Kollegen Sillier und S p r o a t(Eng- land) betraut wurden. * In dem gestrigen Bericht ist ein Irrtum insofern unterlaufen, als die Arbeitszeit der Chemigraphen nicht« neun, sondern acht Stunden beträgt._ Sozialca. Heilmittel-Profite. Auf dem gegenwärtig in Kiel tagenden Deutschen Apothekerkag berichtete der Vorsitzende des Deutschen Apothekcrverbandes über den interessanten Versuch, dieVerkaufspreisedesSalvar- s a n und des Neosalvarsan durch Reserve der Apotheker und Groß- Händler festzulegen, um der angeblichen„Preisschleuderei" ein Ende zu machen. Dieser Versuch ist gescheitert, weil mehr als ein Drittel der Apothekenbesitzer den Revers nicht unterzeichnet hat und weil die Sperrung der Lieferung für eine so grosse Anzahl von Betrieben praktisch nicht durchzuführen gewesen wäre. Wie man auch über das Salvarsan denken mag— bekanntlich mehren sich in ärztlichen Kreisen die Kritik dieses Mittels—, der Versuch einer Preiskonvention für Heilmittel beleuchtet grell, wie alles im kapi- talistischen Staat auf den Profit gestellt ist. Die Apotheken arbeiten, wie eine Resolution der Tagung selbst eingesteht, friedlich und er- sprictzlich mit der Grotzindustrie zusammen. Kinder im Gefängnis. Kinder im Gefängnis! Ja gibt es denn so etwas, � fragt mich mein Junge, als er aus der Zcituug vorliest, daß das Ebcrswalder Schöffengericht am Dienstag, den 18. August, wieder ein paar Kinder ins Gefängnis geschickt hat? Darf man denn das? Dann können die Kinder doch nicht nach der Schule gehen, dann können sie doch nicht lernen? So seine erstaunten Fragen. � Ja, mußte ich ihm sagen: man darf das noch immer. Und weil man das noch immer darf, hat das besagte Schöffengericht den Schulknaben Karl E. aus Ebcrswalde auf acht Tage ins Gefängnis geschickt, weil er durch Steinwürfe Fensterscheiben von Personen- und Güterwagen, sowie einige Laternen der Kleinbahn zertrümmert hat. Der Schulknabe Emil H. hat mit seinem noch strafunmündigcn Bruder und einem anderen Jungen zusammen aus einem Laden 30 Zigaretten und 50 Zigarren gestohlen. Urteil: Drei Tage Ge- fängnis, so lautet die Zeitungsnotiz mit lakonischer Kürze. Das Kindergemüt will eS nicht fassen. Im Gefängnis können sie doch nicht lernen! Wie sollen sie die Verächtlichkeit ihrer Handlungsweise dadurch erkennen lernen, daß sie ins Gefängnis gesteckt werden? Ein Gegenstück. Auf dem Hüttenwerk Hoffmann und Motz in Eisenspalterei bei Eberswalde ist der Obermeister S. Ein frommer Mann und auch Vormund zweier junger Leute, von denen der eine zu Ostern eingesegnet ist. Der junge Mann wollte Maler werden. Aber der Herr Vormund hat bestimmt, daß er nichts lernen solle, sondern daß er nach dem Hüttenwerk gehen solle. Der ältere Bruder, der gern wollte, daß sein Bruder seinen Lieb- lingswunsch, Maler zu werden, erfüllt sehen sollte, beschwerte sich bei dem Obervormund in Eberswalde, dem Amtsgerichtsrat M. Er wies nach, daß er auch einen Meister habe, der den Jungen zu einem tüchtigen Maler ausbilden wollte. Der Obervormund hat dem Vormund recht gegeben. Der übt nun seinen Einfluß aus. In der vorigen Woche mutzte der noch nicht Fünfzehnjährige in dem Hüttenwerk bei schwerer Nachtarbeit fronden. Das ist nicht das erstemal gewesen. Schon öfter ist es vorgekommen, daß er mit noch anderen Jugendlichen die Nacht durcharbeiten mutzte. Was wird das Gericht mit den Gesetzcsverächtern tun, die dies ange- ordnet und zugelassen haben? Es wäre überhaupt Wünschens- wert, daß die Betriebe in Eberswalde und Umgebung einmal längere Zeit von der Gewerbeinspektion auf die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen hin beobachtet werden. w. Ein vernünftiges Urteil. Aus Rom wird uns geschrieben: Ein prinzipiell wichtiges Urteil ist soeben in Sachen des obligatorischen Uniallversicheruiigs» wesenS gesällt worden. Ein Arbeiter, der einen Betriebsunfall er- litten hatte, hatte sich dazu verstanden, eine höhere Entschädigungs- summe anzunehmen, als ihm zukam und dafür der Landes- Versicherungsanstalt gegenüber auf das Recht der Revision verzichtet, nämlich auf das Recht, in der Folge seinen Gesundheitszustand noch einmal auf den Grad der Arbeitslosigkeit hin untersuchen zu lassen, um eventuell die Entschädigungssumme zu erhöben. Als in der Folge eine Verschlechterung des Zustnndes des Unfallverletzten eintrat, machte dieser sein Recht auf Erhöhung der Entschädigungs- summe geltend und focht die Rechtmäßigkeit seines Verzichts auf Revision an. Das römische Zivilgericht hat nun dem Kläger recht gegeben. Eine Verzichterklärung, wie die es ist, die die Landesversicherungsanstalt dem Arbeiter abgenommen hat, sei un- gültig, weil sie dem Geist des Gesetzes zuwiderläuft. Das Gesetz ziele darauf ab, den Arbeiter für etwaige Unfallsfolgen zu rnt- schädigen. Verzichtet er auf die gesetzlich vorgesehene nochmalige Festsetzung des Grades der Arbeitslosigkeit, so macht er dadurch die Absicht des Gesetzgebers zunichte. Die Verzichterklärung ist daher gesetzlich ungültig. Das Urteil macht auch auf die Gefahr auf- merksam, die in dem Vorgehen der Landesversicherungsanstalt liegt, da daS Angebot der Anstalt, eine größere Summe als die dem Ver- letzten zugesprochene zu zahlen, um in der Folge nicht dem Risiko der Revision zu unterstehen, für den Arbeiter eine Versuchung dar- stellt, der er leicht unterliegt. (DCYkhtQ- Zeitung Die Berliner Straßenordnung und die Verunreinigung deS Bürger- steigS durch Hunde. Für die Berliner Hundebesitzer ist ein Urteil des Kammer- geeichls von großer Bedeutung. Ein Herr P e tz k e war vom Land« gericht I. zu Berlin auf Grund der Berliner Straßenpolizeiverordnung zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er es geduldet habe, daß sein von ihm an der Leine geftihrter Hund den Bürgersieig durch eine große Entleerung verunreinigt habe. Das Landgericht nahm an, daß den Angeklagten ein Verschulden treffe, weil er den Hund nicht noch rechtzeitig auf den Straßendamm gezerrt oder gestoßen babe, und hielt die Bestimmung des Z 104 der Straßenordnung für anwendbar. Darin heißt es: „Jede Verunreinigung der öffentlichen Straße ist untersagt." Der Angeklagte legte Revision ein. Das Kammergericht verwarf das Rechtsmittel mit folgender Begründung� Die Bestimmung, welche ganz allgemein die Verunreinigung der Straße verbiete, sei rechts- gültig. Nun mache das Landgericht einen Unterschied zwischen der Verunreinigung des Straßendammes und des Bürgersteiges und stelle fest, daß hier eine Verunreinigung des Bürgersteiges vorliege. Das Kammergericht sei nun der Ansicht, daß in der Tat eine Unterscheidung gemacht werden müsse und daß das Unter« scheidende in der Frage liege, ob eine Verunreinigung des be- treffenden Straßen teils staltgefunden habe. Denn es brauche noch keine Verunreinigung des Straßen d a m m e s im Sinne der Vorschrift des H 104 der Straßenordnung vorliegen, wenn sich ein Hund mal auf dem Straßendomm entleere, wo Pfsrdekot und der- gleichen liege. Wenn Las Landgericht hier es als eine Verunreinigung des Bürger st eigs ansehe, daß jemand seinen Hund sich auf dem Bürgersteig ausmachen lasse, und wenn daS Landgericht darauf den Z 104 der Berliner Straßenordnung anwende, dann sei das nicht r e ch t s i r r i g. Da das Verschulden des Angeklagten auch ohne Rechtsirrtum festgestellt sei, so rechtfertige sich die Bestrafung. Lrlefkaften cter Keclaktion. Die juristische Sprechstunde findet bis einschließlich Sonn- abend, den 39. August, nur von 7 bis 9 Uhr abends statt.— Sonnabends Sprechstunde von>45 bis 6 Uhr nachmittags. Schriftliche Antworten werden nicht erteilt. Dienstmädchen. Fällt dcr� Erste des Monats, mit welchem Tage es den Dienst ausgibt, auf einen Sonntag, so ist daS Gesinde berechtigt, schon am vorhergehenden Werktag den Dienst zu verlassen.— M. F. 1712. Die Steuer ist nicht zu erheben sür diejenigen Monate, in denen Sie sich im alliven Dienst befinden.— B. R. 10«. Keiner.— 1868. Nein.— <5. K. VZ. Es muß ein Fünftel des JahrcsarbeitSv-rdienstes veriustig gegangen sein.— W. W. SS. Nein.— X. ü. 27. Wenden Sie sich unter Mitnahme der sämtlichen aus die Angelegenheit Bezug habenden Papiere persönlich an das Arbeitcrsekretariat, Berlin, Engeluser 14/15. — R. H. 12. Durch Schreiben vom 20. d. M. bereits beantwortet. — G. JJ7296. Ein Minderjähriger, der mit Ermächtigung des gesetzlichen Vertreters in Dienst oder Arbeit tritt, ist bezüglich der Rcchtsgeschästc, die sich aus dem Dienst, oder Arbeitsverhältnis ergeben, unbeschränkt gcschäsls- sähig. Daraus folgt, daß dem gesetzlichen Vertreter(also im vorliegenden Falle dem Vater) das Vcrjügungsrecht über den Arbeitsverdienst des minderjährigen Kindes nicht zusteht und ebensowenig natürlich auch das Eigentumsrecht.— K. St.»Z. 1. In 10 Jahren. 2. Ohne weiteres nicht. 3. Sofern die Steuer nicht länger als l!, Jahr rückständig, ist der Abzug zu Recht ersolgt. 4. Die Leichen sind in dem Sarge einzuäschern, in dem sie zur Verbrennungsstätte gelangen. Die Särge müssen aus dünnen weichem Holz oder aus Zinkblech gescrtigt und dürfen weder ausgepicht noch angestrlcheu oder lackiert sein, auch keine Eisen- oder Bronzcteile, weder zur Verbindung noch zur Verzierung enthalte'?; ihre Größe»nch Stärke ist den Verbrcnnungseimichtungen entsprechend mit«wem Höchst« maß vorzuschreiben. Die Fugen sind mit Schellack, Leim oder ähnlichen Stoffen oder mit Kitt zu schließen, ö. Zur Erwärmung der Einäscherungs- ösen dürfen keine Brennstoffe verwendet werden, die zur Bildung von Rauch oder Ruß Anlaß geben— also zum Beispiel nicht Steinkohle, Holz oder andere unoergaste Brennstoffe, wohl aber Koks oder Gas. 6 Soweit uns bekannt ist. darf man der Verbrennung nicht beiwohnen. — I.(ö. 99. Die Maß- und GewichtSordnung ist mit ewigen Ausnahmen bereits am 1. April 1912 in Sirast getreten, ebcnlo die Eichordnung vom 8 11. 1911. Die Eichung der Maße und Gewichte findet an dem von dem Amtsvorsteher dazu bestimmten Platze statt.— K.J. 10«. Das erfahren Sie durch Rachsrage bei der Schlosserinnung.—«S. Pf. Ist nicht zu er- warten. Werden Sie jedoch danach gefragt, so muffen Sie wahrhcits- gemäße Auskunft geben.— E. S. 100. Der Gerichtsvollzieher war dazu nicht berechtigt. Sie können Beschwerde bei dem Amtsgericht Neukölln erheben.— R. 201. Sind Sic unverheiratet, so ist der Wzug berechtigt. Sofern Sic verheiratet sind, müssen Jhneiidma 25 M. pro Woche belassen werden.— H. N. 35. Sic baben keinen Scheidungsgrund, wohl aber Ihre Frau. Doch kami diese nicht gezwungen werden, die Ehescheidungsklage zu erbeben.— W. B. 29. 1. An die BeriisSgenosfenschast. 2. 583,20 M. — Hugo 479. Einen gesetzlichen Erbanspruch haben Sie nicht. Gesetz. liche Erben sind die Ehefrau Ihres Onkels sowie die Verwandten der Seitenlinie des Verstorbenen Um zu erjahren. ob Ihnen aus Grund eines Testaments ein Erbanspruch,»steht, muffen Sie sich bei dem Amtsgericht Dobriluqk erkundigen.— S* Sie sind schadeneriatzpsuchng.— «• A. 16. DaS liegt im Ermessen des Pfarrers.— H. M. 46. 1. und 2. Ja. 3. Rein.—*• Ihre Anfrage ist bereits im Brieskaste» deS.Vorwärts" vom 24. d. M. unter der von Ihnen angegebenen Chiffre A. G. 741 beantwortet.— P. 5». 42. 1. Ja. 2. Mailhaikirchstr. 27.— L. B. 59. Mit Ihrer Verheiratung tragen Sie den Familienname» Ihres Ehemannes. Demgemäß muß auch eine Umschreibung des Namen« bei der Krankenlaffe usw.«rsolgen. Es ist daher, um wciteren Schwierig. leiten zu-ntg-h-u, zweckmaszig. dem Chcs von der Verheiratung Mit« teilung zu machen.— E. S. 45. Ihre Mutter kann die Ete. schcidungsllage erheben. Ob dies der geeignetste Weg ist, müsse» wir Ihnen überlassen. Ewe Bestrasung kann erst ersolgen, wen» die Ehe wegen deS Ehebruchs rechtSkrästig geschieden ist.— X. I«. Hus der Frauenbewegung »Vorwärts� Nr. 222.— Donnerstag, den 28. August 1913. Sie bürgerliche Frauenbewegung. Iii. Die FrauenftimmrechtSverbSnde. Es hat lange gedauert, bis in Deutschland eine organisierte Frauenstimmrechtsbewegung entstand. Obwohl die Forderung nach der Gleichberechtigung der Frau bereits Mitte des neunzehnten Jahrhunderts vereinzelt erhoben und im Jahre 1875 von der Eozial- demofcatie auf dem Gothaer Kongreß in ihr Programm auf- genommen wurfie, war von einem organisierten Willen der bürger- lichen Frauen, ihr Recht zu erkämpfen, noch auf einige Zeit hin- aus nichts zu spüren. Am 2. Dezember 1894 fand eine bürgerliche Frauenversamm- lung in Berlin statt, in der Lily von Ghzicki sLily Braun) über die .Bürgerpflicht der Frau" referierte. Ein Sturm der Ent- rüstung erhob sich. Man spottete und höhnte über die Frauen, die ihre Rechtlosigkeit empfanden, man begriff nicht, daß es für sie noch etwas anderes geben könne als die Familie und die Arbeit für die Familie. Im Jahre 1902 entstand dann der Deutsche Berein für Frauenstimmrecht, von Dr. Anita Augspurg, Minna Eauer und anderen in Hamburg gegründet, da in Preußen und den meisten übrigen Bundesstaaten die Teilnahme der Frauen an poli- tischen Vereinen gesetzlich verboten war. Aus dem Deutschen Ver- ein entstand der heutige Deutsche Verband für Frauen- st i m m r e ch t, und von diesem splitterten sich andere Verbände ab, so der Schlesische Verein und der Westdeutsche Verband für Frauenstimmrecht. Die letztgenannten Organisationen schlössen sich wieder zusammen und bilden nun mit einem später gegründeten Norddeutschen Verband zusammen die.Deutsche Vereint- g u n g für F r a u e n st i m m r e ch t". Deutscher Verband(die ältere und größere Organisation, die aber auch nur etwa 8000 bis 9000'Mitglieder zählt) und Deutsche Vereinigung stehen sich gegenüber. Zunächst bekämpften sie sich auf das heftigste; jetzt sind jedoch Bestrebungen im Gange, eine Verschmelzung der beiden Verbände herbeizuführen, und eben um diese sogenannte„Verein- heitlichung" der deutschen Stimmrcchtsbewegung spielen sich gegen- wärtig erbitterte Kämpfe ab. Die Spaltung entstand im Jahre 1908. Einige Frauen stießen sich daran, daß der Deutsche Verband für Frauenstimmrecht in seinen Satzungen die Forderung aufgestellt hatte: „Der Verband erstrebt das allgemeine, gleiche, ' direkte und geheime aktive sowie das passive Wahlrecht für beide Geschlechter zu den gesetzgebenden Körperschaften und > den Organen der Selbstverwaltung." Und zwar machte sich eine Mißstimmung über diese Fassung vor allem in Preußen geltend, in den Bezirken der schweren Industrie in Rheinland und Westfalen und in Schlesien. Per- sönliche Momente: Sehnsucht nach der Führerschaft, Mißtrauen gegen eine straffe zentralisierte Organisation kamen hinzu, aber der grundlegende Gedanke, der zur Trennung führte, war doch der, daß man fürchtete, die konservativen und nationalliberalen Frauen nicht gewinnen zu können, auf deren Beitritt die Frauen in jenen Gegenden einen außerordentlich großen Wert zu legen schienen. Deshalb gründete man also die Gegenorganisation, die auch das Frauenstimmrecht forderte, aber sich in keiner Weise auf ein Wahlsystem festlegte, sondern erklärte, daß man die Uebertragung des Wahlrechts auf die Frauen„wie die Männer es haben oder haben werden" verlangen wollte. Das hieß mit anderen Worten, daß man etwa mit der Uebertragung de? preußischen Dreiklassen- Wahlrechts auf die Frauen sehr zufrieden sein würde. Allen Vor- Haltungen, daß jedes beschränkte Wahlrecht die Frau gegenüber dem Manne stark benachteilige, daß selbst die Frauen jener Kreise, d. h. die vermögenden Frauen, bei einer Einbeziehung unter das Dreiklasscnwahlrecht fast alle in der dritten Klasse wählen, also zur Einflußlosigkeit verurteilt sein würden, nützten nichts. Die West- deutschen Frauenstimmrechtlcrinnen verstiegen sich zu dem tief- sinnigen Satz:„Wir wollen kein Wahlrecht, wir wollen das Stimmrecht." Also Frauenrechtlerinnen par excellencc. Es war ihnen einerlei, ob der Besitz des Stimmrechts der Mehrzahl der Frauen praktischen Wert, d. h. einen wirklichen Machtzuwachs bringen würde oder nicht, sie verlangten die formelle Gleich- bcrechtigung mit den Männern. Die Absplitternden fanden ziemlich bald eine gewisse An- Hängerschaft und sie agitierten auch fleißig unter den Mitgliedern des Deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht, denen sie sagten, daß das allgemeine, gleiche Wahlrecht die Parteiforderung der Sozialdemokratie sei. und daß man den Boden der parteipolitischen Neutralität verlasse, wenn man eine so radikale Forderung im Programm habe. Nicht mebr neutral— das zog! Denn über allem anderen steht in der bürgerlichen Frauenbewegung das Wort„Neutralität". Verletzung der Neutralität, das war der schlimmste Vorwurf, der den Frauenstimmrcchtsorganisationen ge- macht werden konnte, und so fielen eine ganze Reihe von Organi- sationsleiterinnen und mit ihnen die betr. Vereine um und ver- langten, daß der Deutsche Verband für Frauenstimmrecht die Forderung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts aus seinem Pro- gramm streichen und nur das Frauenstimmrecht verlangen solle. Von Preußen sprangen die Kämpfe auf Hessen, Bremen und Mecklenburg über, und das interessante an dieser Gegenbewegung ist, daß sie nicht etwa von konservativen Frauen geführt wurde und wird, sondern daß es in erster Linie liberale Frauen, zum Teil organisierte Fertschrittlerinnen sind, die zwar„persönlich" für das allgemeine Wahlrecht sind, aber um der Neutralität und der Einigung in der Stimmrechtsbewegung willen nichts von dieser radikalen Forderung im Programm des Frauen- stimmrcchtsverbandes haben wollen. Freilich gibt es auch ein- zelne Fortschrittlcrinnen, die fest zu dem alten Prinzip halten und die sich auch auf der Weimarer Beiratskonfercnz nicht durch das Beispiel der Demokratinnen Deutsch und Stritt zum Umfall bc- stimmen ließen, aber es ist doch charakteristisch, daß sich überhaupt weibliche Mitglieder der Fortschrittlichen Volkspartei unter denen befinden, die den Kampf gegen die Beibehaltung der Wahlrechts- forderung in den Satzungen des Frauenstimmrechtsverbandes führen. Einige waren dabei naiv genug, zu erklären, daß sie sich damit in Widerspruch zu ihrer Partei setzten, die zwar für Preußen das allgemeine, gleiche Wahlrecht erstrebe, aber gegen seine Ein- führung in den Kommunen sei. Die anderen predigten nur immer von Neutralität, von der einheitlichen deutschen Stimmrechtsbewe- gug und der Sehnsucht nach den konservativen Frauen. Auf den Generalversammlungen wurden die Wünsche der „Reformpartci", wie sie sich nennt, abgelehnt. Daraus begann sie mit einer planmäßigen Agitation innerhalb des Deutscher Ver- bandes. Was dort geleistet wurde an heimlicher Unterminierarbcit, also an Agitation gegen die Organisation, der die„Reformerinnen" noch angehörten, spottet jeder Beschreibung. Die Desorganisation war schließlich so weit gekommen, daß es unmöglich war, zu ar- beitcn. Man konnte die Dinge nicht so gehen lassen, und es sollte im Herbst des Jahre? 1912 auf einer Konferenz in Weimar Klar- heit geschaffen werden. Dort trat der Vorstand und Beirat— das sind die Vorsitzenden der Landes- und Provinzialvcreinc— zusammen. Außer Baden waren alle Orgaipsotionen vertreten, und nach heftigen Debatten wurde mit 18 gegen 11 Stimmen bei einer Enthaltung ein Antrag Dr. Anita Augspurg angenommen, auf der nächsten Generalversammlung zu befürworten, daß der Absatz 2 deS§ 3, der vom allgemeinen, gleichen Wahlrecht handelt, zu streichen und an seine Stelle folgende Fassung zu setzen: „Der Verband erstrebt das persönlich auszuübende gleiche Wahlrecht für alle Frauen zu den gesetzgebenden Körperschaften und den Organen der Selbstverwaltung." Wir haben unfern Lesern seinerzeit über die der Weimarer Konferenz folgenden Ereignisse berichtet. Die erste Folge war das Ausscheiden einiger radikaler Frauen, die sich nicht mit den anderen kompromittieren wollten, unter ihnen Frau Minna Cauer, die Vor- sitzende der preußischen Organisation. Ihr Austritt bewirkte, daß eine Anzahl Mitglieder, die durch alle Versammlungen und Aus- sprachen nicht aus ihrer Ruhe zu bringen waren, jetzt aufgerüttelt wurden. Es kam zu Reibungen innerhalb der Ortsgruppen; und der Vorstand des Deutschen Verbandes, der sich bis auf zwei Mit- glieder für die Umwandlung des Wahlrechtsparagraphen in den Satzungen erklärt hatte, sah wohl ein, daß er auf der General- Versammlung � keinen ganz leichten Stand haben würde. Um so weniger als denen, die die Verschmelzung mit der Deutschen Ver- einigung für Frauenstimmrecht wünschen, zum Bewußtsein ge- kommen war, daß diese auf der Basis des Augspurgischen Antrages doch nicht möglich sein würde und deshalb noch größere Konzessionen an die Reaktion verlangen. Hinzu kommen noch andere Gegensätze innerhalb des Deutschen Verbandes in bezug auf die Taktik. Und ebenso werden sich Kämpfe um die Präsidentschaft abspielen, die die Entscheidung in der Wahlrechtsfrage nicht unwesentlich beeinflussen. Kurz und gut, der Vorstand schwenkt im letzten Augenblick ein wenig ein. Er unterstützt jetzt einen neuen Antrag von Frau Lindemann-Stuttgart und stellt ihn mit zur Beratung und Ab- stimmung, der sich zwar dem Sinne nach zum allgemeinen Wahl- recht bekennt, aber die Forderung so umschreibt, daß die Worte „allgemein und gleich" überhaupt nicht mehr darin vorkommen. Damit wird die Lage im Deutschen Verband für Frauenstimmrecht noch unklarer als sie schon ist, und die Mitglieder wissen nachgerade überhaupt nicht mehr, woran sie sind. Die Lindemannsche Fassung der Wahlrechtsforderung lautet: „In der Erkenntnis, daß nach den zurzeit in verschiedenen Bundesstaaten geltenden Wahlgesetzen auch nach erreichter Gleich- berechtigung mit den Männern die Wehrzahl der Frauen dort ganz oder so gut wie ganz ohne den Schutz des Wahlrechts bleiben würfle, wird der Deutsche Verband für Frauenstimmrecht erst dann seine Aufgabe als erfüllt betrachten,- wenn in allen deutschen Bundesstaaten ein dem jetzigen ReichStagSwahlrecht mindestens gleichwertiges Wahlrecht gilt." Dann kommt noch die parteipolitische Neutralitätserklärung. Sollte dieser Antrag von der Generalversammlung ange- nommen werden, die Anfang Oktober in Eisenach stattfindet, so wäre das ein höchst kläglicher Ausgang der ganzen Kämpfe. Er würde keine Beruhigung in die Reihen der Stimmrechtlerinnen bringen, da diese sich nicht dazu aufraffen können, die Störenfriede aus der Organisation auszuschlißen. Die Annahme des Antrages würde aber auch beweisen, daß man nicht mehr den Mut hat, sich offen zu der in keiner Weise mitzzuverstehenden Forderung des allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen Wahlrechts zu bekennen. Damit würde der Verband sich den Weg zu einem gemeinsamen Endkampf mit den Arbeiterinnen endgültig abschneiden. Die Sozialdemokratie braucht die Hilfe der bürgerlichen Frauen in ihrem Kampfe um Volksrechte nicht, sie ist stark genug, ihren Weg allein zu gehen. Aber es stimmt doch etwas trübe, zusehen zu müssen, wie der letzte Rest des kleinen Häufleins kampfesfreudiger Frauen im Bürger- tum schon nach so kurzer Fehde erlahmt. Aus taktischen Gründen drängen diese Frauen zur Einigung der verschiedenen Stimmrechts- verbände. Sie übersehen dabei, daß sie fürs erste doch nicht zu der ersehnten Einigung gelangen können. Die etwa 8000 Mit- glider des Deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht werden sich weiter zersplittern. Ein Teil von ihnen wird, wenn die Ab- stimmung in Eisenach im Sinne der„Reformerinnen" ausfällt, die Verschmelzung mit der kleineren Organisation der Deutschen Vereinigung mitmachen. Der Rest spaltet sich dann vermutlich noch einmal: in eine Kampfcsorganisation mit Anklängen an die englische Suffragettenbewegung und in eine Gruppe, die das alte Prinzip vertritt. Statt der zwei Verbände, die sich heue gegenüber- stehen, werden wir bald dann in Deutschland mit drei oder gar vier mehr oder weniger großen Organisationen zu rechnen haben, die sich alle untereinander befehden und deswegen keine Zeit mehr zum Kampf gegen die eigentlichen Gegner finden. _ Tony B r e i t s ch e i d. Die Arbeiterinnen und die Landtagswablen » in finnland. Die letzten Landtagswahlen brachten für die finnische Sozial demokratie wiederum einen schönen Sieg. In allen sechs Wahlen seit 1907 hat sich die Zahl der Mandate der Partei vermehrt. Die ersten Wahlen ergaben der Partei 80 Mandate, jetzt besitzt sie deren 90. Diese Siege sind hauptsächlich auf Kosten der russcnfreundlichen RegierungSparlei der Altfinnen errungen worden. Die Russcnfreund lichkeit dieser Partei ist ihr also teuer genug zu stehen gekommen. Die Arbeiterfrauen haben sich an allen bisherigen Wahlen mit großer Begeisterung beteiligt. Der Verband sozialdemo- k r a t i s ch e r Frauen hat zahlreiche Wahlaufrufe verbreitet und viele Genossinnen wurden von den Organisationen als Agitatorinnen für den Wahlkampf engagiert und beauftragt, gewisse Wahlkreise zu bereisen und Wahlversammlungen abzuhalten. Die von den Organisationen nominierten Genossinnen haben — gestützt auf ihre persönliche Vertrauenswürdigkeit— in der Parteiabstimmung, die sehr strenge gehandhabt wird, eine genügende Unterstützung erhalten, so daß ihre Namen endgültig auf die offiziellen Wahllisten der Sozialdemokratie gestellt wurden.— Die sozialdemokratische Fraktion zählte unter ihren Mitgliedern Frauen: Hinsichtlich der parlamentarischen Arbeit haben die sozialdemokratischen Frauen in der Fraktion-in gleicher Weise ge- wirkt wie die männlichen Kollegen. Desgleichen haben sie auch in den parlamentarischen Kommissionen mitgearbeitet und haben während der Verhandlungen unterschiedslos das Wort ergriffen. Die weiblichen Mitglieder der sozialdemokratischen Landtag?- fraktion haben zahlreiche Anträge an die Landtagsfraltion gestellt und viele Gesetzesvorlagen eingereicht, von welchen mehrere von großer Tragweite und Bedeutung waren. In der Form von Ge- sctzesvorlagen wurden von ihnen eingereicht: 1. Vorlage zur Einführung des Schulzwanges. 2. Vorlage zur Regelung der Arbeitsverhältnisse von Bureau- und Handelsangestelltcn. 3 Vorlage zur Regelung des Erwerbes von Kindern und jugend- lichen Personen. 4. Vorlage zur Milderung strafrechtlicher Bestim- mungen für Kindesmörderinnen. 5. Vorlage zur Aufhebung jeglicher Gesindeordnungen.— Anträge haben die weiblichen Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion gestellt über: 6. MutterschastS- Versicherung. 7. Reorganisierung der Volksschule als unterste Stuie einer Einheitsschule. 8. Heimarbeiterschutz. 9. Erweiterung des Rechts der ehelichen Mütter bezüglich ihrer Kinder. 10. Erweiterung der Rechte der Ehefrauen. 11. Hilfe für schutzlose Mütter und Kinder(Heimstätten für solche). 12. Aufsetzung der Ehealtersgreuze für Frauen von 15 auf 17 Jahre. 13. Uebernahme der Arbeit?- vermittelung durch die Kommunen. 14. Statistische Erhebung zur Er- Mittelung der Lage von Hausangestellten nebst Forderung gesetzlichen Schutzes für dieselben. ' ES versteht sich, daß die Genossinnen außerdem noch an der Ausarbeitung anderer Gesetzesvorlagen und Anträge im oben- erwähnten Sinne beteiligt waren. Von diesen Gegenständen sind einige zur Verhandlung gelangt, aber an der allerhöchsten Stelle ist nur die unter 12 angeführte Frage sanktioniert worden. Bezüglich der Mutterschaftöversicherung hat der Monarch es dem Senat anheimgegeben, eine diesbezügliche Vorlage auszuarbeiten, jedoch mit der ausdrücklichen Einschränkung daß die Staatskasse dadurch nicht in Anspruch genommen werden soll. Diese Entscheidung ist also gerade das Gegenteil don hem, was wir angestrebt halten. Unsere Forderung geht dahin, daß die Kosten einer Kranken- nebst Mutterschaftsversicherung vom Staat, den Gemeinden und der Unternehmerschaft aufzubringen sein müßten. An der Ausarbeitung von jeglichen Arbeiterschutz- und Ver- sicherungsgesetzen haben die Genossinnen eifrig Anteil genommen. In diesen sowohl wie such in der gesamten gesetzgeberischen Arbeit gingen die Ansichten der proletarischen Frauen von denen der bürger- lichen Frauen stark auseinander. So z. B., als die Frage des Ver- botes der Nachtarbeit der Frauen und eines geringen Schutzes der Gebärenden zur Beratung stand, kämpften die bürgerlichen Frauen im Landtage gegen diese Forderungen. Auch stimmten sie für die Beibehaltung der Kinderarbeit. Ebenso charakte- ristisch für diese Frauen ist die Tatsache, daß sie während der letzten Landtagsscssion bei der Beratung des Gesetzes zum Schutze un- ehelicher Kinder einmütig mit ihren Parteien gegen die Ausnahme einer Bestimmung in das Gesetz stimmten, die den Zweck haben sollte, um ein für allemal festzusetzen, wie groß die von den Ge- meinden für die unehelichen Mütter vorläufig zu leistende erste Hilfe sein soll, bevor es möglich wird, den Vater zur Hilselejstung(Zahlung von Alimenten) heranzuziehen. Die parlamentarische Arbeit der finnischen Arbeiterfrauen bildet selbstverständlich einen Teil des sozialdemokratischen Klassenkampfe?. Die Beteiligung der Frauen an dieser Arbeit vermag die Aufklärung und Heranziehung der Arbeiterinnen zu den politischen und gewerk- schaftlichen Organisationen sehr zu fördern. Und gerade in diesem Sinne und auf diesem Gebiete gibt es in der finnischen Arbeiter- bewegung noch sehr viel zu tun. Und dieser Parteiarbeit unterziehen sich auch die sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten gerne. Hilja Pärssinen, Landtagsabgeordnete in Helsingfors. 1907 1908 1909 9 43 12 1910 1911 1913 10 9 13 Es ist zu betonen, daß die bürgerlichen Parteien weniger gerne Frauen als Kandidatinnen aufstellen, als wie die Sozialdemokratie das tut. Die vier bürgerlichen Parteien— abgesehen von der christ- lichen Arbeiterpartei— haben seit 1907 zusammen kein einziges Mal mehr so viele Frauen in der Volksvertretung gehabt, als die Sozial- demokratie allein. Die Zahl ihrer Vertreterinnen war: 1907 1903 1909 10 12 11 1910 1911 1913 Unter den 200 finnischen Landtagsabgeordneten befanden sich dem- nach etwa 10 Proz. Frauen.— Daß man unter den sozialdemokrati- scheu Abgeordneten nicht mehr Genossinnen findet, läßt sich darauf zurückführen, daß man bei der Aufstellung der Kandidaten sehr strenge darauf achtet, ob die Genossinnen ihren parlamentarischen Aufgaben und Obliegenheiten auch wirklich zur Genüge gerecht zu werden ver- mögen. So kommt es, daß die Zahl der parlamentarischen Ver- tretcrinnen— 14,4 Prozent von den sozialdemokratischen Abgeord- neten— der Zahl der organisierten Frauen in der Partei— zirka 20 Prozent—'nicht entspricht.— Daß die bürgerlichen Frauen nicht zahlreicher vertreten sind, erklärt sich durch die geringe Achtung des politischen Lebens in diesen Kreisen. Soweit man in den einzelnen Wahlkreisen Beobachtungen an- gestellt hat, konnte konstatiert werden, daß die Wahlbeteiligung der Frauen aller Bevölkerungsschichlen ziemlich gleich war. Dagegen ist zu bemerken, daß die Zahl der wahlberechtigten Frauen in jeder Wahl um 60— SS 000 die Zahl der wahlberechtigten Männer über- stieg; dennoch befanden sich unter den Wählenden um etwa zehn Prozent mehr Männer. Steuerungerechtigkeit. Nach dem preußischen Einkommensteuer- gesetz wird zur Berechnung des Steuersatzes dem Einkommen des Mannes das seiner Ehefrau hinzugerechnet. Selbständig, werden Ehefrauen nur veranlagt, wenn sie dauernd von dem Ehemann getrennt leben, lieber die Wirkungen dieser Bestimmung, gegen die sich die Sozialdemokratie von jeher gewandt hat, entnehmen wir einer Petition von FrauenstimmrechtSoereineit: Da bekanntlich der Prozentsatz der vom Einkommen zu ent- richtenden Steuern bei allen steuerpflichtigen, das heißt 900 M. über- steigenden Einkommen, die nicht die Höhe von 100 000 M. erreichen, ein steigender ist. so ist es ohne weiteres klar, daß alle Eheleute, die nicht in so glücklicher Lage sind, daß die Zusammen- rechnung ihrer beiderseitigen Einkommen eine Summe von nündeslenS 100 000 M. ergibt, durch die Zusammenrechnung ihrer beiderseitigen Einkommen benachteiligt werden. Einige Beispiele mögen dies erläutern und zugleich zeigen, daß die Benachtsiliguwg am größten in den untersten"Steuerstufen ist, somit diejenigen., welche da? geringste Einkommen haben, am schwersten belastet'werden., Ein lediger Mann, der 2450 M. Einkommen hat, zahlt 44 M. Steuer, eine ledige Frau, die 2700 M. hat, ebenfalls 44 M., da die Steuerstufe von 44 M. mit einem Einkommen von mehr als 2400 M. beginnt und mit 2700 M. schließt. Die Zusammenrechnung- der Steuerbeträge ergibt eine Summe von 83 M. Heiraten beide Per- soncn, so müssen sie, weil die Zusammenrechnung ihres Einkommen sich auf 5150 M. beziffert, 132 M. Steuer zahlen, das ist ein Mch von 44 M. Ein lediger Mann, der 1050 M. Einkommen hat, zahlr 6 M. Steuer, eine ledige Frau, die 850 oder 900 M verdient, ist steuerfrei, da die Pflicht zur Zahlung staatlicher Einkommensteuer erst bei einem Einkommen beginnt, das 900 M. übersteigt. Heiratet diese Frau jenen Mann, der 1050 M. Einkommen hat und der, wie gesagt, als lediger Mann dafür kl M. Steuer zahlen mußte, so muß dieser Mann, weil seinem Einkommen das'der Frau- hinzugerechnet Ivird, für 1900 oder 1950 M. nicht weniger als 31 M. Steuer zahlen. Die Mehrbelastung beträgt in diesem Falle 24 M.. somit mehr als das Vierfache der Steuer, die der Mann zu zahlen hätte, wenn er ledig geblieben wäre oder von seiner Ehefrau getrennt lebte. Die Petition erinnert weiter daran, daß jede Ungerechtigkeit bei der Veranlagung zur staatlichen Einkommensteuer� eine weitere Un- gerechtigkeit bei der k o m m u n al en Einkommensteuer zur Folge hat in allen Fällen, wo kommunale Einkommensteuern als Zuschläge zu der staatlichen Einkommensteuer erhoben werden.— Zur Hebung der Zahl der Eheschließungen und der Geburtenziffer dient die ge- rügte Bestimmung sicherlich nicht. Ein weiblicher Amtsvonnnnd. Der Stadtrat von Z ü r I ch hat dieser Tage' znm erstenmal einer Frau das wichtige Amt eines A m t s v o r m u n d s übertragen. Er berief, unsere Genossin Frau Dr. jur. Olga Lenz als vierten Amtsvormund in die städtische Vormundschoftsbchörde. Genossin Lenz hat ihre Rechtöltudien an der Hochschule mit Erfolg beendigt und ist seit Jahresfrist in der Zürcher Amtsvormundschaft als Aushilfssekretärin tätig. Es wird ihr auf dem Gebiet des Vormundschaftswesens großes Geschick nach- gerühmt. Sie ist nun zu gleichen Bedingungen als Amtsvormund angestellt worden, die für ihre männlichen Kollegen gelten. Da da? neue schweizerische Zivilgesetz gestattet, Schweizerbürgerinnen das Amt eines Bcruss- oder Amtsvormunds zu übertragen, so ist zu erwarten, daß das Beispiel, das der Zürcher Stadtrat mit der Bo- rufung einer Frau zum Amtsvormund als erster gegeben hat, auch rasch in anderen Schweizer Städten Schule machen ivird. Als Sekretärinnen und Jnspeklorinnen ist bereits eine Reihe von Frauen in den schweizerischen Vormundschaftsbehörden tötig.— Wann werden wir in Deutschland so weit sein! H usftunft Ober Argentinien gibt das interefTante Buch _„Vas Eand der Zufeunft" Von Leo Kolifcb* Mt einem Yorwort von paul 6öhre Zum preife von I JVIarh gut gebunden zu beziehen durch Bucbbandlung Vorwärts, Lindcnitraße 69 ? aar w- Ohne jede Slnzahlnng! Keine Kassierer, kleine Ralenl Bett- u. Leibwäsche, Teppiche, Portieren, Bilder, Gardinen, Stores, Stepp- u. and. Decken. MAXZSTER,* Hufelandstrnfte Nr. 41. Postfrei innerh. Deutschlands' Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts liindenstr. 09. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, Md;cw 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Verkäufe. Zehn Prozent Rabatt Borwärts- leiern. Gardinenreste, Fenster 1,55, 1,35, 2,45, 2,85, 3,50, 4,25, 5,50, 0,75 usw. ü. Weitzenbergs Gardinen- und Teppichhaus, Groxe Frankfurter- strafte 125, im Hause der Möbelfabrik an der Koppenstrafte. Teppiche mit Webefehlern 7,50, 3,50, 11,50, 13,50, 10,50, 13,50, 22,50, 25,50, 23,50 usw. 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Für des Lnjeratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Drucku-Berlag: Vorwärt» Mietsgesuche. Herr sucht absolut ruhige, aber nur alleinige, am liebsten im obersten Stockwerk besindliche Tagesschlasstelle. Preisofferten an Prasse bei Reinke, Alt-Moabit 48._ 163___ Luchdrückerei u. VerlaL-anstalt Paul Singer u. Co, Nerlitt SK Arbeitsmarkt. Stellenangebote. Verkäufer. tüchtige, brauche- kundige, für die Abteilungen Leinen- und Baumwollwaren, Möbelstoffe, Gardmen, Teppiche sofort gesucht. Meldungen 1—2 mittags oder 7—8 Uhr abends. A. Jandors u. Co., Belle-Allianeestraße 1—2. 1133K Marmorschleifer verlangen Paul Trettin u. Co., Schlesischestraße 6. Zeitungsfrauen sofort verlangt. ). Walker Witwe, Kronenstraße 2, 1. Puch. Tüchtige Garniererinnen und Zuarbeiterinnen sofort verlangt. Meldungen 1—2 mittags oder 7 bis 8 Uhr abends. A. Jandors u. Co., Belle-Allianeestraße 1,2. 113SK' Pnhzuarbrtterinuen. tüchtige, sofort verlangt. Meldungen 1—2 mittags oder 7— 8 Uhr abends. A. Jandors u. 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Bräutigam, Wilhelm Reinecke, Adolf Neumann, ST sind wegen Maßregelungen gesperrt. üeckeher Klirsehner-VerliaDil 100/6* Orlsverwallung Berlin. Achtung! Kürschner. Di- Versammlung der selbständigen Kürschner vom Dienstag beschloß ein« stimmig, daß sämtliche Selbständige der Firma 100/5 kreislallt& Vesdnann, Hausvoigteiplatz 3/4, wegen Verhöhnung der Forderungen der Selbständigen von gestern(Mitt- woch) sofort jede angefangene Arbeft ruhen lassen. �. Die Kollegen und Kollegmnen der in Betracht kommenden Selbständige« werden dringend ersucht, daraus zu achten, daß dieser Beschluß überall zur vollen Durchführung gelangt! Deutscher Kürschner-Verband. Orteverwaltnns Berlin. »t.223. 30. w w Z jeilöjjf des„Wrllllirts" f erliner MlksblM. Partei- Hngelegenbeiten. vierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 3l, August, nachmittags 8 Uhr, findet in der Sternwarte Treptow ein Lichtbildervortrag „Christoph ColumbuS" statt, Eintrittskarten a 30 Pf, inklusive Garderobe sind im Bureau, Stralauer Platz 1/2, zu haben, Am Sonntag, den 14. September, lautet der Vortrag:„ I n t e r- esfante Bilder aus Italien*. Berliner Nachrichten. Eine„neue" Schikanierung der Berliner Jugendheime. Die Berliner Polizei ist wirklich unermüdlich in ihrer Bekämpfung der Berliner Jugendheime. Schon im vorigen Jahre sah sie in dem Ausschank alkoholfreier Getränke in den Jugendheimen Brunnenstraße und Gr. Frankfurter Straße die unerlaubte Ausübung des Schankgetvcrbes. Erst die Amtsanwaltschaft mußte die Polizei darüber belehren, daß eine strafbare Handlung nicht in Frage kam, und das Verfahren wurde eingestellt. Jetzt ist ein neues Verfahren gegen den Genossen Dr. Rosenfeld eingeleitet worden, abermals wegen unerlaubter Ausübung des Schankgewerbes, dieses Mal im Moabiter Jugendheim in der Wilhelmshavcner Straße. Die Polizei scheint immer noch nicht einzusehen, daß eine Konzession nur dann erforderlich ist, wenn der Ausschank in der Absicht des Erwerbes geschieht, und sie scheint nicht zu begreifen, daß die Jugendheime eine Wohlfahrtseinrichtung sind und daß der Ausschank der alkoholfreien Getränke unter dem Selbstkostenpreise geschieht. Solche idealen Gesichtspunkte finden offenbar bei der Polizei nicht viel Verständnis. Es wird abzuwarten sein, welchen Erfolg die Polizei mit dieser „neuen", im Grunde genommen aber altbekannten Schikanierung der Jugendheime haben tvird. Gegen Berlin. Die Gemeindevertreiung von Französisch- Buchholz, die bekanntlich ibren Ortsnamen in Berlin-Buchholz umwandeln wollte, hat in ihrer letzten Sitzung sich als gelehrige Nachahmerin der Besteuerungsmcthode, die der Kreis Niederbarnim Berlin gegen- über anwendet, gezeigt. Bekanntlich besitzt Berlin in Französisch- Buchholz einen größeren Grundbesitz, der jährlich mit 15 000 M. versteuert wird. Jetzt hat dessen Gemeindevertretung beschlossen, die Grundwerlsteuer von 3 auf 6 pro Tausend des gemeinen Wertes zu erhöben. Berlin hat in Zukunft also 30 000 M. Steuer zu zahlen. Die Regierung zu Potsdam hat die Erhöhung der Steuer genehmigt(!>, allerdings vorläufig nur auf drei Jahre. Nach diesem Zeitpunkt ist seitens der Gemeinde- Vertretung von Französisch-Buchholz eine weitere Erhöhung der Steuer in Aussicht genommen, gegen die die Stadt Berlin, welche von dem ganzen Plan vorher nicht unterrichtet worden ist. Einspruch erheben dürfte. Französisch-Buchholz untersteht dem Kreise Nieder- barnim, der bekanntlich ebenfalls eine Erhöhung seiner Umsatzsteuer mit Rücksicht auf den Berkauf der Herrschaft Lanke an Berlin vor- genommen hat. Diese Ausnahmebesteuerung hat sogar in konser- vativen Abgeordnetenkreisen Mißbilligung gefunden, und es ist von jener Seile eine kritische Erörterung der Angelegenheit im Ab- geordnetenhause in Aussicht gestellt worden. Rcvolvcrschiestcreien und kein Ende. In der HeinerSdorfer Straße, im Nordosten Berlins, erschoß am Dienstagabend die 22 Jahre alte Ehefrau Erna des Bureau- Vorstehers Willi Becker den 21 Jahre alten Kraflwagenführer Ernst Kuhrau aus der GreifSwalder Str. 228. Es wird hierüber folgendes berichtet: Die Ehefrau Becker betrieb in dem Hause HeinerSdorfer Str. ö ein Zigarrengcschäft, während der Mann seiner Beschäftigung als Bureauvorsteber bei einem Rechtsanwalt nachging. Zu den Kunden der Frau gehörte auch der Chauffeur Kuhrau, der ledig war und bei seinen Eltern wohnte. Kuhrau soll nun mit der Frau in intimen Verkehr getreten sein und sie auch vorgestern wieder auf- gesucht haben. Weshalb es nun zum Streit gekommen ist und aus welchem Grunde die Frau den Revolver auf K. angelegt hat, steht nicht fest. Hausbewohner hörten nur kurz vor 10 Uhr drei Schüsse fallen und als sie hinzueilten, fanden sie den Chauffeur besinnungslos auf der Türschwelle liegen. Eine Kugel war ihm über das rechte Auge in den Kopf ein« gedrungen, während eine zweite an der silbernen Uhr des Ver- storbcnen abgeprallt war. Der Schwerverlepte starb schon auf dem Wege nach der Hilfsivache, wohin ihn HauSbcwobner sofort brachten. Die Frau wurde verhaftet. Auf dem Polizeipräsidium soll sie den Vorgang so dargestellt haben, als habe sie in der Notwehr ge- handelt. Sie will von Kuhrau bedroht und vergcwaliigt worden sein und, um sich seiner zu erwehren, zur Waffe gegriffen haben. Wie die Ermittelungen ergaben, hat die Frau den tödlichen Schuß erst abgegeben, als Kuhrau sie verlassen ivollte. Die Leiche des Erschossenen wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht._; Scdailfcicr, Hcrbftparabe und Schulunterricht. Die Sedanfeier und die Herbstparade fallen in diesem Jahre auf einen Tag. Da aber der 31. August ein Sonniag ist, so ivürden sich drei schulfreie Tage folgen. Um nun den Unterricht in den Berliner Schulen nicht so lange zu unterbrechen, soll, Blättermeldungen zufolge, zwar am 1. September eine kurze Sedanfeier abgehalten werden, jedoch im übrigen der Unterricht an diesem Tage nicht ausfallen. Die Gemcindcwählrrlistc von Berlin ist vom 15. bis 30. Juli dieses Jahres von 82 116 Personen eingesehen worden. Diese Zahl ist von Jahr zu Jahr gestiegen. 1305 waren es 21 314, die Einblick nahmen, 1907 kamen bereits über 50 000. und 1911 waren es nicht weniger als 77 785, und nun sind es abermals fast 5000 mehr, 1911 wurden 3671 Anträge auf Nachtragung der Liste. Unitragung der Wähler infolge Verzug sowie auf Aenderung einzelner Ein- tragungen in bezug auf Stand, Vor- und Zunamen usw. gestellt. In diesem Jabre hat sich die Zahl dieser Anträge trotz vermehrter Einsicht auf 2574 verringert; davon entfallen 70 aus Umtragung, 272 auf Aenderung� einzelner Eintragungen des Standes und der Namen und 2232 auf Nachtragung. Ein falscher Kriminalbeamter ist in einem Chauffeur Mnrrich. der es seit geraumer Zeit auf die Gastwirte und Geschäftsleute in der Umgegend des Scvlesischen Bahnhofes' abgesehen hatte und auch dort viele Opfer fand, verhaftet worden. Er erzählte den Wirten, nachdem er eine größere Zeche gemacht hatte, daß er Kriminal- beamter sei und gab einen Kriminalkommissar mit Namen an, für den er tätig sein wollte. Wenn er dann seine Opfer noch dadurch sicher gemacht hatte, daß er Gespräche mit dem Kriminalkommissar und dem Polizeipräsidium fingierte, wandte er sich an diese mit der Bitte, ihm 10 M. zu leihen, da ihm bei seinen Recherchen daS Geld ausgegangen sei. Schließlich versprach er den Wirten noch, daß er dafür sorgen wolle, daß ihre Polizeistunde verlängert ' werde. Erst später sahen die Geprellten dann ein, daß sie einem geriebenen Gauner ins Garn gegangen waren. In einem anderen Falle versuchte dieser ein besonderes Betrugsmanöver. Er suchte die Frau eines Mannes auf, der zurzeit in Untersuchungshaft saß und sagte ihr, daß er von ihrem Manne geschickt worden sei und dieser sie durch ihn um Geld bäte, damit er sich damit Er- leichterungen verschaffen könne. Die Frau gab ihm jedoch nichts, da ihr die Sacke verdächtig vorkam. Am Tage vorher war schon bei derselben Frau ein Mann gewesen, der sich als höherer Beamter ausgab. Er sagte der Frau, daß, wenn sie ihm 4000 M. geben würde, er dafür sorgen werde, daß ihr Mann sofort entlassen werde. Es scheint, daß Mürrich mit diesem Manne, der auch keinen Erfolg hatte, zusammengearbeitet hat. Der Selbstmord des Mädchens, dessen Leiche am Tiergarten ufer aus der Spree gelandet worden war, hat seine Aufklärung gefunden. Wie sich jetzt herausgestellt hat. handelt es sich um das 24 Jahre alte Dienstmädchen Martha Ouandt, das bei einer Herrschaft i» der Hauptstraße zu Schöneberg in Stellung war. Das Mädchen hatte vor einiger Zeit die Bekanntschaft eines Tischlers ge- macht, mit dem sie, da er ihr die Ehe versprach, ein Liebesverhältnis einging. Am 15. d. Mts. verlobte sich der Mann auch mit ihr. Später stellte sich heraus, daß dieser verheiratet und Familienvater war. Als das Mädchen jetzt erfuhr, mit wem sie es zu tun hatte, schrieb sie ihrem„Bräutigam", daß sie es vorziehe, den Tod im Wasser zu suchen. Arbeits- und Mittellosigkeit haben den 58 Jahre alten Arbeiter Gödau aus der Nostizstraße 25 in den Tod getrieben. Der Mann hatte schon seit acht Wochen keine Beschäftigung mehr. Seine Be- miihungen, neue zu finden, blieben ohne Erfolg. Auf einen Zettel schrieb er an seine Wirtin, daß er an der Großbeerenlftiicke ins Waster gehe. Am Dienstagvormittag landete man ihn an derselben Stelle aus dem Wasser. Die Leiche wurde dem Schauhause über- wiesen. Wozu Berlin kein Geld hat. Uns wird geschrieben: Der Ver- band deutscher Gewerbe- und KaufmannSgerichte hält vom 18. bis 20. September d. I. seine Verbandsversammlung mit einer auch für die Arbeitnehmerbeisitzer sehr wichtigen Tagesordnung ab. Es müßte auch in, Interesse der Kommunen liegen, daß der Verbandstag zahlreich beschickt wird. Eine ganze Anzahl von Gemeindeverwaltungen Groß-Berlins haben denn auch bereits Stellung dazu genommen und für ihr Gewerbe- und Kaufmannsgerichr außer dem Vorsitzenden je einen Arbeitgeber- und Arbeitnehmcrbeisitzer delegiert. Die Haupt- und Residenzstadt Berlin hat anscheinend hierzu kein Geld übrig. Diese entsendet nur den ersten Vorsitzenden des Gewerbe- und Kausniannsgericht Herrn Max v. Schulz als alleinigen Vertreter für Berlin. Schließlich ist ja eine derartige Tagung auch nickt so wichtig wie ein Fürstenbesuch oder eine Prinzessinnenhochzeit; hierzu ist immer Geld vorhanden. Der Zcntralverband der Handlungsgehilfen Deutschlands, Bezirk Groß-Berlin, wandte sich in einer Eingabe an den Magistrat, zur Leipziger Tagung einen Delegierten aus den Reihen der Gehilfen- beisitzer zu entsenden; er bekam jetzt folgenden ablehnenden Be- scheid: Magistrat der Königlichen Haupt- und Residenzstadt. Berlin C 2, 23. 8. 131g. Journ.-Nr. 847 G. B. 2/18 Zum Schreiben vom 12. August 1913. Wir haben beschloffen, von der Entsendung eines Vertreters aus den Reihen der Arbeitnehmerbeisitzer des Berliner Kaufmanns- gerickts zu dem diesjährigen Verbandstage der Gewerbe- und Kauf- mannsgerichte in Leipzig Abstand zu nehmen. gez. Hirsekorn. An den Zentralverband der Handlungsgehilfen, Bezirk Groß-Berlin z. Hd. des Herrn August Penn hier. An unsere Postabonncutell! Das Bebel-Gedenkblatt erhalten unsere Postabonnenten als Beilage der nächsten Nummer der„Neuen Welt". Die Expedition des„Vorwärts*. Wegen einer Gasexplosion in der Gastwirtschaft des Hauses Alexandrinenftraße 39 erfolgte am Mittwoch früh um 6>/z Uhr ein Feueralarm. In dem Keller des Wirtes war Gas ausgeströmt und beim Anzünden die Explosion erfolgt. Die Feuerwehr konnte, da nur Sachschaden entstanden war, bald wieder abrücken. Naw der Michaelkirchstraße 6 lvurden Samariter der Wehr wegen einer Gas- Vergiftung gerufen. Leider zu spät. Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. In der Potsdamer Straße 75 E brannte ein Automobil und in der Fchmarnstraße 23 eine Wohnung. Zu der Bcrhaftiing des Klcttcrmarders Albert Flanz gehen uns noch folgende Meldungen zu: Durch die Festnahme des nächtlichen Klcttcrkünstlcrs konnte die Schöncberger Kriminalpolizei bereits gestern in eine außerordentlich große Anzahl nächtlicher Diebstähle Licht bringen. Es hat sich herausgestellt, daß der Kleltermardcr sein gefahrvolles Handwerk seit Ansang dieses Somincrs allnächtlich ausgeübt hat. Ganz besonders wurde Wilmersdorf von dem lecken Burschen heimgesucht. Die besseren Viertel dieses Vorortes sind Haus für Haus von ihm heimgesucht worden und es scheint, als ob der Dieb die Tage dazu benutzt hat, um die Gelegenheit für die nächste Nacht auszubaldowern. Nachdem es der Kriminalpolizei gelungen ist, einen Komplizen und einen Hehler im Laufe des Dienstags dingfest zu machen, wurde gestern noch ein zweites Hehlernest ausgeräumt. Bei den Hehlern fand man einen großen Teil der Schmucksachen, die Flanz geraubt halte. Ein Teil der Ware ist bereits eingeschmolzen worden, wäh- rend die künstlerisch ausgestatteten Fassonschmuckgegenstände den Verwandten des Klettermardcrs, der Mutter, den Schwestern und Brüdern, abgenommen wurden. Der Dieb war so vorsichtig gewesen, diese Schmucksachen nur an seine nächsten Verwandten, die in der Berchtesgadener Straße in Schöneberg wohnen, zu schenken, da sie ihm bei einem Verkauf durch die Hehler doch zu Verrätern geworden wären. Trotz feiner Jugend war übrigens Flanz in den berüch- tigsten Kaschemmen des Weddings Stammgast. Er wurde schon seit vorigem Frühjahr als entsprungener Fürsorgezögling von der Kriminalpolizei gesucht. Ein tödlicher Strasienbahnunfall hat sich gestern in Moabit er- eigner. An der Ecke der Turm- und Ottostraße'wollle gegen 2�/� Uhr nachmittags der vierjährige Paul v. Morste in kurz vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 12 über das Gleis laufen. Oblvohl der Führer des Bahnwagens nach Kräften bremste, konnte er auf eine so kurze Entfernung seinen Wagen micht mehr zum Stehen bringen. Der Knabe wurde umgestoßen und geriet mit dem Oberkörper unter den Schutzrahmen. In besinnungslosem Zu- stände wurde das verunglückte Kmd, das schwere äußere und innere Verletzungen davongetragen hatte, nach dein nahen Krankenhause Moabit geschafft; der Knabe verstarb aber bereits auf dem Transport dortbin.— Ein zweiter schiverer Slraßenbahnnnfall bat sich im Nordosten zugetragen. An der Ecke der Prenzlauer Allee und der Uckermarkslraße versuchte der Führer eines ArbcitswagenS der Firma Hermann Hennig aus Blankenburg unmittelbar vor einem in der Richtung nach Weißensee fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 73 das Gleise zu kreuzen. Dabei wurde der Lastwagen von dem Bahnwagen angefahren. Infolge des Zusammenstoßes stürzte der Eigentümer des Fuhrwerks, der Besitzer H e n n i g, der selbst gelenkt hatte, von seinem Sitz und schlug so heftig auf da? Straßen- Pflaster auf, daß er einen Rippenbruch und eine klaffende Kopfwunde erlitt. Der Verunglückte wurde von einem in der Nähe wohnenden Arzt verbunden und auf dessen Anordnung nach dem Weißenseer Krankenhause geschafft. Bon einem Automobil überfahren und getötet wurde gestern nachmittag in der Potsdamer Straße an der Kreuzung der Pallas- straße die 7jährige Schülerin Erna Thomas, Pallasstr. 5 bei den Eltern wohnhaft. Das Mädchen war im Begriff, den Fahrdamm zu überschreiten. Als von der Grunewaldstraße her ein Straßenbahn- wagen nahte, achtete die Kleine nicht auf die nördliche Richtung, aus der das Automobil herangesahren kam. Der Chauffeur gab wohl Warnungssignale und suchte den Kraftwagen noch vorher zu stoppen, doch vergeblich. Die Kleine wurde vom Kühler umgerissen und die Räder des schweren Gefährts gingen ihr über die Brust und beide Arme hinweg. Das Kind wurde auf der Stelle getötet. In der Städtischen Kochschulc, 17 58, Dunckerstraße 65/66(Nähe der Rmgbahnhöfc Schönhauser Allee und Prenzlauer Alleef, beginnt das Winterhalbjahr Anfang Oktober. Der Unterricht wird vor- mittags von SVa-lä1/* Uhr und abends von 5—9 Uhr, auch von 6—9 Uhr, erteilt. Das Schulgeld beträgt für ein halbes Jahr bei einmaligem wöchentlichen Besuche 6 M., bei zweimaligem wöchent- lichen Besuche 12 M. Die Zahlung des Schulgeldes berechtigt auch zur unentgeltlichen Teilnahme an einem Schneider- und Plättkursus in einer städtischen Fortbildungsschule. Auswärtige zahlen doppeltes Schulgeld. Nähere Auskunft ioird mündkich und schriftlich erteilt. Anmeldungen werden in dieser Kochschule Montags, Mittwochs, Donnerstags, Sonnabends von l'/z— 2'/z Uhr(vom 15. September bis zum 15. Oktober Mittwochs, Sonnabends von l�/z— 5 Uhr, Montags, Donnerstags auch von 71/3—0 Uhr abends) entgegengenommen. Die Arbeiter- BilduugSschule veranstaltet am Sonntag, den 31. August, einen Ausflug zum Alten Freund nach PichelSwerder. Treffpunkt morgens 8�/« Uhr am Bahnhof Grunewald, letzter Aus- gang rechts. Für Nachzügler von Mittag an Treffpunkt beim Alten Freund. Hier Kaffeekochen und Spiel. Außer den Mitgliedern sind Freunde und Gäste sehr willkommen. Sp-rtpark Treptow. Am Dienstag veranstaltete die Treptower Bahn wieder einmal ein Abendrenncn, das ausschließlich den Fliegerrennen gewidmet war. Der Titel:„Großer Preis von Deutschland" brachte nach den Vorläufen Lorenz, Hourlier, Arend und Gardellin an den Start. Nach prächtigem Kampfe konnte der Franzose Hourlier den Sieg erringen, während Lorenz knapp Zweiter wurde.— Einige andere Rennen schloffen die Hauptnummer ein und verliefen interessant. Der Beginn des Neimens erlitt durch das anfängliche versagen der Beleuchtung eine einstündige Verzögerung. Der Besuch war ein sehr guter. Ergebnisse: Großer Preis von Deutschland. 1000, 300, 200, 100 M.— 1000 Meter. Jnländer-Lauf: 1. W. Lorenz, 2. Otto Meyer, 3. W. Arend. Ausländer-Lauf: 1. Hourlier. 2. Gardellin, 3. Friol. H 0 f f n u n g s l a u f: 1. W. Arend, 2. Gardellin, 3. O. Meyer, 4. Friol. E n t s ch ei d u n g S l a u f: 1. Hourlier, 2. Lorenz, Vs L., 3. Gardellin, 1 L., 4. Arend. Malfahren. Klasse A." 300, 200, 100, 60 M. 1. Stabe, 2. Schwab, 3. Bader, 4. Kudela. Klasse B. 100, 80, 60, 40 M. 1. Techmet, 2. Hoffmann. 3. Großmann, 4. Rudel. Klasse C. 30, 20, 10, 5 M. 1. HäuSler, 2. Theiß. 3. Freiwald, 4. Vierck. Prömienfahrcn über 20 Runden. 1. Techmet, 2. Frei« Wald, 3. Schwab, 4. Rudel. Ein Schlafstcllendieb treibt gegenwärtig wieder sei« schädi- gendes Wesen. Am Freitag zog zu einer Familie F. in der Kochstraße ein Mann, der sich durch einen Militärpatz als Kauf- mann Ernst Lemke aus Arnswalde legitimierte. MS dann am Sonntag die Familie F. und auch ein Schlafgenoffe des an- geblichen L. ausgegangen waren, benutzte L. die Gelegenheit, um alle Sachen in der Wohnung durchzustöbern. Er erbeutete dabei zwei den Wirtsleuten gehörige silberne Uhren und bares Geld in Höhe von 7 M. Auch aus einem seinem Schlafgenoffe« gehörigen Kästchen entwendete er ein Fünfmarkstück. Von dem Gauner, der auch angegeben hatte, bei der Kohlenfirma Schulz in der Schützen- stratze angestellt zu sein, konnte noch keine Spur gefunden werden. Vielleicht versucht er sein trauriges Handwerk an einer anderen Stelle, es sei deshalb beim Vermieten von Zimmern grötzte Vor- ficht empfohlen. Aus der Spree gelandet wurde gestern nachmittag bot dem Grundstück Schiffbauerdamm 23 die Leiche eines unbekannten, etwa 35—40 Jahre alten Mannes, der seinem Aeußeren nach dem Arbeiterstande angehört zu haben scheint. Der unbekannte Tote, dessen Leiche nach dem Schauhause gebracht wurde, ist 1,57 Meter groß und untersetzt, hat blondes Haar und ebensolchen Schnurrbart, ein rundes Gesicht, lückenhafte Zähne und bogenfönnige Augenbrauen und trug einen dunklen Jackettanzug und graue Strümpfe. Auf dem linken Unterarm hat er einen Matrosen und eine Palme tätowiert, auf dem rechten ein Herz mit Anker und Fahne. Das Walhalla-Theatcr eröffnet am nächsten Sonntag, den 31. August, unter der neuen Direktion Hans Ritter wieder seine Pforten mit der Possennovität„Der Liebesonkel' von PordeS-Milo und Hermann Frey, Musik von Walter Kollo. Zeuge» gesucht! Am Sonnabend, den 23. d. M.,«kttag« gegen Vol Uhr, ist durch Unfall eines Radfahrers in der Kochstratze, Ecke Markgrafenstraße, eine Geldrolle von 1000 M. in 2V Markstücken entzwei geplatzt. Von dem Gelde fehlten bei der Ablieferung 460 M. Im Interesse des Radfahrers und dessen Familie, die in den ärmlichsten Verhältnissen lebt und die den Schaden ersetzen soll, werden Zeugen, die den Vorfall gesehen haben und die eventuell wissen, wo das Geld geblieben ist, gebeten, an die Buchdruckerei Gebrüder Maurer, Elisabeth-Ufer 28/29, Nachricht zu gebe». Vorort- NadmchteIK Charlottenburg. Die städtische Fürsorge für Lungenkranke, die«» 1. April ü. I. die Bezeichnung„Fürsorgeamt für Lungenkranke* erhalten bat, de» öffentlicht jetzt den Bericht über ihre, gemeinsam mrt ixt Sunjer» krankenfürsorge des Vaterländischen FrauenvereinS entfaltete Tätigkeit im Jahre 1312. Danach ist der Zuspruch wiederum sehr be- deutend gewesen. Es wurden neu untersucht 4008 Personen; dar- unter 859 Männer, 1246 Frauen und 1903 Kinder. Davon haben sich 1660 selbst gemeldet, wohingegen 2348 von verschiedenen Stellen überwiesen worden sind. Der Untersuchungsbefund war folgender: 602 Kinder waren leicht, 391 Kinder schwer skrofulös, 443 Personen waren auf Tuberkulose verdächtig, 475 wurden lungenkrank befun- den, 1350 waren anderweitig krank, bei 747 wurden krankhafte Ver- ändcrungen nicht gefunden. Die Gesamtzahl der Untersuchungen hat sich gegen das Vorjahr um 3916 erhöht; sie betrug 16 762. Für die heilbaren Lungenkranten wurde in umfassender Weise durch Verschaffung von Hcilstättcnkursen gesorgt. Es wurden in Heil- statten entsandt 160 Erwachsene und 22 Kinder. Städtische Unter- ftützung wurde versagt in 63 Fällen, darunter waren 11, bei denen das Leiden zu weit vorgeschritten schien. Von jenen wurden aber noch 17 Personen auf Kosten anderer Institutionen in Heilstätten entsandt. Der Erfolg der Kur war am Schluß des Berichtsjahres bekannt bei 125 Erwachsenen und 12 Kindern. Von den ersteren waren 70 voll erwerbsfähig, 40 hatten wenig herabgesetzte, 10 stark herabgesetzt«, 5 keine Erwcrbsfähigkeit. Von den Kindern hatten zwei einen vollen, neun einen teilweisen, eins keinen Erfolg.— Bon den vorbeugenden Mabnahmen wird von dem Fürsorgeamt als eine der wichtigsten nach wie vor angesehen die Herausnahme der Schwerkranken aus den Familien und Unterbringung derselben in Pflegeheime. Es wurden im Berichtsjahre 52 Männer und 20 Frauen in Pflegeheimen verpflegt. Dem Krankenhaus Westend wurden überwiesen 139 Schwerkranke. Mehrere Fälle, die bcson- ders dringend waren, muhten bei der häufigen Ueberfüllung des Krankenhauses Westend anderen Krankenhäusern überwiesen werden. In das Krankenhaus Nordend wurden 100 Frauen entsandt.— Was die anderweitgen vorbeugenden Maßregeln betrifft, so wurden in 26 Fällen bedürftigen Familien Betten verschafft, um das Zu sammenschlafen von Kranken und Gesunden zu verhindern. Miel Zuschüsse werden in solchen Fällen gewährt, wenn ein Mitglied einer Familie schwerkrank ist und Bazillen ausscheidet, wenn zwei- tens die Wohnungsverhältnisse ganz unzureichend sind, und wenn drittens die Entfernung der Kranken nicht unbedingt erforderlich erscheint oder nicht erreicht werden kann. In neuerer Zeit kommt man mehr und mehr zu der Ueber- zeugung, daß ein sehr wesentliches, bisher meist zu wenig beachtetes Moment in der Tuberkulosebekämpfung in der Kräftigung der von�der Tuberkulose bedrohten schwächlichen, skrofulösen, blutarmen Kinder der tuberkulösen Familien besteht. Die Kranken sollen daher so früh als möglich in geeignete Behandlung kommen. Das Fürsorgeamt hat auch schon auf diesen Punkt besonders Bedacht genommen und im Be- richtSjahre die Fürsorge auf solche Kinder erweitert, daß außer den bewährten Seehospizen Norderney und Boldirum mehrere binnenländische Anstalten belegt worden sind. Nach Seehospizen wurden 45 Kinder entsandt, anderen Anstalten wurden 36, den Ferienkolonien 83 Kinder'überwiesen. 1464 Kinder erhielten Auf- nähme m Erholungsstätten. Die Ergebnisse waren durchaus zu- friedenstellend. Ferner wurden 249 Erwachsene in Erholungsstätten geschickt. 38 Personen wurden veranlaßt, Landaufenthalt zu nehmen und 13 Kinder wurden wegen Knochentuberkulose im„Cäcilien- heim" in Hohenlychen behandelt.— In der Lungenkrankenfürsorge vom Roten Kreuz standen 2127 Familien. Von den Schwestern wurden im Berichtsjahr 16 395 Besuche gemacht. Die Kosten des Fürsorgeamts betrugen 39 774,27 Mk. Für die Ueberweisung von Personen in Heilanstalten, Pflegeheimen und Erholungsstätten sind 179 134,66 Mk. verausgabt worden. In dieser Summe aber find die Kosten für die Ueberweisung Lungenkranker in Krankenhäusen nicht enthalten.— Dem Roten Kreuz sind aus der Lungenkrankenfürsorge 15 846,60 Mk. Ausgaben entstanden. 13 600 Mk. sind gedeckt durch einen von der Stadt geleisteten Zuschuß. Zur Hilfeleistung bei Unfällen auf der Straße sind auf den Charlottenburger Feuerwachen fahrbare Krankenbahren aufgestellt worden, die auf einem aus zwei Rädern gefertigten Untergestell ruhen� und ohne Schwierigkeiten aus diesem heraus- gehoben werden können. Gegenüber der bisher üblichen Beförde- rung von Verletzten nach der Unfallstation oder Rettungswache mittels Droschke oder Automobile besitzen die Bahren, die Versuchs- weise von Feuerwehrleuten bedient werden, den Vorzug, daß durch sachgemäßen- Transport und vorteilhafte Lagerung den Verunglück- ten nicht noch Schmerzen verursacht oder die Verletzungen gar ver- schlimmert werden. Die Krankenbahren stehen auf folgenden Feuer- wachen bereit: Lützow 7/8(Fernsprecher: Wilhelm 455), Ranke- straße 10/11(Fernsprecher: Steinplatz 4819) und Suarezstr. 9/10 (Fernsprecher: Wilhelm 4686). Neukölln. Die vielen in der letzten Zeit in Neukölln verübten KindeS- veraubungrn scheinen mit der Verbaftung eines 19 jährigen Arbeiters Einbrodt aus der Boppstraße in Berlin ihre Aufklärung gefunden zu haben. In den weitaus meisten Fällen, in denen den Kindern teils mit List, teils mit Gewalt das zum Einholen erhaltene Geld ab- geschwindelt bezw. geraubt wurde, wurde von den Kindern ein un- gefähr 20 jähriger Bursche als Täter angegeben. Vorgestern nahm dieser einem Mädchen in der Fuldastraße das Portemonnaie mit 3 M. und gestern erst einem 10 Jahre allen Mädchen in der Kaiser- Friedrich-Straße die Börse, die über 10 M. enthielt, ab. Die Be- raubte erkannte den Täter wieder, als sie ihm zwei Stunden später auf der Straße begegnete. Sie wandte sich jetzt an einen Schutz- mann, der den jungen Mann festnahm. Bei ihm wurde auch tat- sächlich das Portemonnaie vorgefunden, das dem Mädchen geraubt worden war. Teltow. Lebensgefährlich verletzt wurde der in der Elberfelder Papier- sabrik beschäftigte Arbeiter Kobs aus Teltow. K. machte innerhalb der Fabrik Jagd auf wilde Kaninchen. Hierbei fiel ihm die Waffe aus der Hand, entlud sich und der Schuß ging dem K. durch die Lunge. K. wurde in schwer verletztem Zustand nach dem Kreis- Krankenhause in Lichtcrfelde übergeführt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Spandau« Die GewerbegerichtSwahlen, die am Montag für die Arbeit- nehmer und am Dienstag für die Arbeitgeber stattgefunden hoben, brachten das nachstehende Resultat. Bei den Wahlen der Arbeit- nchmerbeisitzer wurden 9267 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielt die Liste I(freie Gewerkschaften) 6395 Stimmen— acht Beisitzer, die Liste II(Hirsch-Dunckersche) 324 Stimmen--- einen Bei« sitzei, die Liste III(Gelbe) 2548 Stimmen— drei Beisitzer. Bei den Wahlen der Arbcitgeberbeisitzer wurden 946 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielt die Liste I(Vereinigte bürgerliche Arbeit- geber 891 Stimmen— 11 Beisitzer, die Liste II(Sozialdemokratische Arbeitgeber) 65 Stimmen— einen Beisitzer. Zwölf Beisitzer waren von jeder Gruppe zu wählen. Die bisherige Besetzung des Gewerbegerichts war folgende: Zu den Arbeitnehmerbeisitzern stellten die freien Gewerkschaften elf und die Hirsch-Dunckerschen einen, zu den Arbeitgeberbcisitzern stellten die Bürgerlichen acht und die Sozialdemokraten vier. Das Bild ist also zu unseren Ungunsten durch die jetzige Wahl verschoben worden. War es uns bei der vorletzten Wahl gelungen, durch Ucberrumpelung der Gegner die Mehrheit der Sitze zu erlangen, so mußten wir diesmal in dem mit äußerster Krgftanstrengung geführten Kampf, den unsere Gegner unter Benutzung der raffiniertesten Mittel gegen uns führten, erliege» und einige Mandate opfern. Die Stadtverordnetcnwählerliste liegt nur noch bis zum 30. August im neuen Rathaus, Zimmer 253, für die Stadtteile Nonnendamm und Haselhorst im Magistratsbureau, Hefnersteig 2, von 8 bis 1 Uhr vormittags und von 3 bis 6 Uhr nachmittags, öffentlich aus. Für diejenigen Wähler, ivelche keine Zeit haben, die Liste selbst einzusehen, haben sich u. a. folgende Genossen bereit er- klärt die Liste einzusehen: E. Köppen. Breitestr. 64, W. Pieper, Metzer Str. 12, H. Richter, Wörther Platz 2, Otto Arendt, Lynar- strafe 7, Otto Grieben, Neumeisterstr. 13 und Fritz Kant, Nonnen- dämm, Siemensstr. 34. Um eventuell noch eine Reklamation be- wirken zu können, ist es erforderlich, den Steuerzettel mitzubringen. Da die Listen sehr unvollständig sind und erst ein kleiner Teil der organisierten Arbeiter Enisichl in dieselben genommen bat. ist es bei der diesmaligen Wichtigkeit der im Herbst stattfindenden Stadtverordnetenwahlen unbedingte Pflicht, das Versäumte sofort nachzuholen. Angebracht wäre es, wenn die Vertrauensleute der hiesigen Privatbetriebe für ihre Kollegen die Einsichtnahme in die Wählerliste erledigen würden.— In der dritteu Abteilung scheiden sechs Stadtverordnete aus, darunter Genosse Pieper. Ferner sind infolge der Vermehrung der Stadtverordneten noch zwei Vertreter zu wählen und einer muß ausgelost werden, so daß die dritte Abteilung im Herbst insgesamt neun Stadtverordnete Merantwortlichcr Redakteur: Alfred Wielrpp, Neukölln. Für den zu wählen hat. Da die Gegner schon seit Monaten für die Wahl in ihren Vereinen Propaganda machen, werden die Parteigenossen ihre ganze Kraft einzusetzen haben, um die drilte Abteilung wieder, wie schon vor einer Reihe von Jahren, zum unbestrittenen Besitz der Sozialdemokratie zu machen. NowaweS. Die Arbeiten am Bahnhofe, dessen Fertigstellung und Jnbetrieb- nähme die Eisenbahnverwaltung zum 1. Oktober d. I. als sicher in Aussicht gestellt hat, sind jetzt soweit gediehen, daß man über die ganze Anlage, die bisher für den Laien geradezu ein Chaos von Sand und allen möglichen Baumaterialien darstellte, einen ge- naueren lieberblick erhält. Nachdem der Aufgang an der Bülow- straße bereits vor vielen Wochen im Rohbau fertiggestellt wurde, ist jetzt auch der Bau des Hauptaufganges von der Eisenbahnstraße hep in Angriff genommen. Die Beseiligung der provisorischen Holz- brücke in der Eisenbahnstraße ermöglichte endlich auch die Neu- Pflasterung der Unterführung, deren Fertigstellung leider durch die notwendig gewordene Beseitigung der alten Tunnelmouern eine un- liebsame Verzögerung erleidet. Nach Jnbetriebnabnie des Bahnhofs bleibt mit dem Bau resp. der Fertigstellung der Unterführungen im Zuge der Anhalt- und Plantagenstratze sowie den nolwendigen Bahn- dammaufschülten in beiden Richtungen noch ein großes Stück Arbeit zu bewältigen. Bedauerlich an der ganzen Sache ist, daß die örl- liehen Bauhandwerker und Erdarbeiter von den bauausführenden Firmen so wenig berücksichtigt werden. Es sollen z. B. mehrfach hiesige, seit langer Zeit arbeitslose Erdarbeiter um Beschäftigung vergeblich angefragt haben, während auswärtige Arbeiter, Haupt- sächlich aus Werder, angeblich wegen billigerer Löhne eingestellt wurden. Die sogenannten Winterhcidezettel, die bisher alljährlich in be- schränkte! Anzahl von der königl. Oberförsterei Potsdam der Ge- meinde gegen eine bestimmte Gebühr zwecks Abgabe an bedürftige hiesige Einwohner zur Verfügung gestelll wurden, kommen auch in diesem Jahre und zwar in der Zeit bis zum 8. September im Zimmer 18 des Rathauses in der Priesterstraße gegen Erlegung einer Gebühr von 3 M. zur Ausgabe. Die Zettel berechtigen die Inhaber,'während des Winterhalbjahres jeden Dienstag und Frei- tag in dem zur königl. Oberförsterei Potsdam gehörenden Wald- gebiet Leseholz zu sammeln. Potsdam. Die Fleischversorguugsfrage tritt allmählich wieder in den Vorder- grund der kommunalen Erwägungen. Für Potsdam ist in dieser Angelegenheit ein Beschluß der gemischten Kommission maßgebend, dem auch die städtischen Körperschaften beigetreten sind. Dieser am 23. Mai vom Stadtparlament gebilligte Beschluß ermächtigt den Magistrat, bei Beginn kälterer Witterung sofern die Fleischpreise am Orte nicht angemessen erscheinen, einen Verkauf in crgener Regie zu eröffiren. Ueber die Angemessenheit der Preise soll eine gemischte Kommission entscheiden. ES sind also für das laufende Jahr die. Direktiven in der Fleischversorgungsfrage hiermit gegeben. Bemerkt sei, daß die städtische Fleischregie in Potsdam und auch die später vorgenommene städtische Fleischbeschaffung zum Wiederverkauf an einige Schlächtermeister gut abgeschnitten hat. Es bedarf keines städtischen Zuschusses, um die entstandenen Unkosten zu decken. Die städtischen Einfamilienhäuser, deren Errichtung das Stadt- Parlament auf dem Gelände der ehemaligen Stieffschen Wiesen an der Kurfürstenstratze beschloß, um.so die private Unternehmungslust anzuspornen und die zurzeit fast gänzlich stillliegende Tätigkeit im Baugewerbe unserer Stadt zu beleben"— wie es in der Vorlage heißt, wird aller Voraussicht nach den angestrebten Zweck nicht er- reichen. Schon in seinem Antrage sagt der Magistrat, daß das Ge- lände auch wegen der übertriebenen Vorstellungen des bauenden Publikums über den wenig günstigen Baugrund bisher ungenützt liegen blieb. Jetzt dürste er von der Beschaffenheit des Baugrundes doch nicht sehr erbaut sein. Wie von sachverständiger Seite versichert wird, hat man bei den 12 Bohrlöchern guten Baugrund erst in der Tiefe von 11,60 Meter gefunden. Dadurch würde die Fundamentierung gegen Normalfundamente um zirka 25 000 M. verteuert. Sitzungstagc von Stadt-«nd tSemeindevertretungen. Diele Sitzungen sind»Isentlich. Jeder Gemeindcangehörige ift be- rechtigt. ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Bohnsdorf. Am Freitag, den 29. d. M., nachmittags 4'/, Uhr. im Lokal von M. Schulze.___ Hus aller Melt. Was der Panamakanal kostet. Die amerikanische Regierung hat soeben den Tageszeitungen von Washington einen Auszug aus den bisherigen Baukosten des Panamakanals mitgeteilt. Danach haben sich bis zum 30. Juni d. I. die Kosten auf l'/h Milliarden Frank belaufen; sie werden bis zum endgültigen Abschluß des Baues aber voraussichtlich 1750 Millionen Frank betragen. Als im Jahre 1901 die Vereinigten Staaten dieses gigantische Unternehmen anregten, hatte ein In- genicurkomitee die Kosten auf 720 Millionen Frank geschätzt. Fünf Jahre später setzte sie eine andere Kommission auf 695 Millionen Frank fest. 1903, nachdem die Ingenieure im Verlauf der vier- jährigen Bauzeit bereits mehr Erfahrung über die örtlichen Ver- hältniffe und Schwierigkeiten erlangt hatten, erhöhte eine neue Kommission die Kosten auf 875 Millionen Frank. Vergleicht man diese ersten Kostenberechnungen mit der Summe, die der Bau bis heute verschlungen hat, so findet man, daß sie beinahe um 1 Mil° liarde differieren. Woher kommt dieser enorme Unterschied? Es ist zunächst zu betonen, daß die eigentlichen Bauarbeiten nach dem Rechnungsabschluß vom 30. Juni d. I. 933 Millionen Frank be- tragen. Dazu sind noch besonders Ausgaben gekommen. Die Eni- Wässerung des mittleren Gebietes hat 75 Millionen Frank gekostet, die Verlegung der Eisenbahn weitere 50 Millionen. Ferner haben sich die Ingenieure in ihren Kostenberechnungen in der Höhe der Gehälter getäuscht. So erhält z. B. ein Mechaniker, der die Bagger- Maschinen bedient, monatlich 1050 Frank, währenddem ursprünglich 625 Frank vorgesehen waren. Die Ingenieure, die nach dem Kosten- Voranschlag mit einem Maximum von 1500 Frank pro Monat angesetzt waren, erhalten heute 2500 Frank. Ferner hat die Ab- änderung der ursprünglichen Pläne beträchtliche Mehrausgaben verursacht. So hat z. B. die Verbreiterung des Kanals in dem Abschnitt von Culebra weitere 50 Millionen Frank verschlungen. Untergang eines spanischen Dampfers. Wie ein Telegramm aus London meldet, ist in der Nähe von Kap Cornwall der kleine spanische Dampfer„G a l a i c o" den: Dampfer„S ch w a r z w a l d" der Hamburg-Amerika-Linie in die Seite gefahren. Der„G a l a i c o" sank. Seine Mannschaft wurde auf den Dampfer„Schwarzwald" übernommen, welcher sie nach Falmouth zurückbringt.„Schwarzwald" ist nur unbeoeu- tend beschädigt und braucht seine Fahrt nicht zu unterbrechen. ' zu haben, ihr Geld auszuliefern. Diese Räubereien wurden in de» � schiedenen Städten, so Hannover, München, Heidelberg, begangen. Aus der„besten aller Welten". Westfälische Zeitungen berichten aus dem zentrumsgesegnete« 2l?ünslerlande: Ennigerloh. Seit Wochen sieht man hier eine obdachlose Frau mit zwei Kindern von 4 bezw. 2 Jahren. Wieder» holt suchte die Frau mii ihren Kindern den Ringofen einer hiesigen Ziegelei auf, um dort auf einer Strohmatte mit den Kindern zu übernachten. Mitleidige Hände reich- ten den Kindern morgens ein Butterbrot. Die Frau soll einige Tage im Armenhause in Ennigerloh Aufnahme gefunden haben, jedoch dann wieder, als n i ch t h e i m a t b e r e ch- tigt, an die Luft gesetzt worden sein. Im Interesse der Menschlichkeit wäre zu wünschen, daß die Heimatbehörde sckfleu- nigst für die Unterkunft der unglücklichen Familie sorgte. Dieselben Leute, die das Geschäft des„An-die-Lustsetzens" mit Eifer besorgt haben, werden gewiß nicht versäumen, dem lieben Gott jeden Morgen recht herzinniglich zu danken, daß er sie mit reichlichen irdischen Gaben ausgestattet habe. Das„Interesse der Menschlichkeit", auf das sich die bürgerliche Presse beruft, fordert nicht nur, daß die Heimatbehörde schleunigst eingreift— die hat vielleicht wieder irgendeinen formalen Grund, die Ueocrnahme der Familie abzulehnen—, sondern bor allem verlangt es die Be- seitigung von Zuständen, unter denen eine solche haarsträubende Unkultur möglich ist. Die unmoralische Nachtbeleuchtung. Ein Automobillampenhändler, namens Jahn C a r e y, der am New Aorker Broadway seinen Laden hat, ist in Verdrießlich- ketten mit der Polizei geraten, weil er darauf besteht, seine grelle elektrische Beleuchtung als Reklame Tag und Nacht brennen zu lassen. Die vor dem Laden aufgehängten Lampen werfen auf die Straße ein grelles Licht, das mit seinem kegelförmigen Schein- werferstrahl auf die durchsichtigen Kleider der vorübergehenden Damen die Wirkung der.P- Strahlen ausübt. Infolge- dessen ist der Laden denn auch nächtlicherweile stets von einer Schar junger Herren umlagert, die die Damen, welche sich dem indis- treten Lichte aussetzen, jubelnd begrüßen. Carey ist wohl ermahnt worden, die Reklame zu unterlassen. Es fehlt aber an einem Rechtsgrund, dem Unfug zu steuern. Der Mann beruft sich darauf, daß er für seinen Laden 40 000 M. Miete pro Jahr zahlt, und daß es sein Geschäftsinteresse erfordert, die Leuchtkraft seiner Auto- mobillampen dem Publikum möglichst eindringlich zu demonstrieren. Wenn die Damen so durchsichtige Kleider tragen, die das helle Licht zu scheuen haben, so sei dies nicht seine Sache, so wenig wie er den Damen wehren könne, wenn sie daran Gefallen finden. ihre verborgenen Reize ins hellste Licht zu setzen. Kleine Notizen. Zwei Bergleute erschlagen. Ein Grubenunglück ereignete sich auf der Zeche„Mathias Stinne" bei Hör st an der Emscher. Zwei Bergleute waren auf Schacht II der genannten Zeche be- schäftigt, als sich aus den Hangenden ein großes Erzftück löste. Beide Arbeiter wurden von der Eisenmasse so schwer verletzt, daß der Tod sofort eintrat. Folgenschwere Kesselexplossvn. In einer Papierfabrik in Genf enfftand eine Kcsselexplosion, durch die vier Arbeiter getötet und einer schwer verwundet wurde. Ein Hungerstreik in der Irrenanstalt. Infolge des von der Verwaltungskommission angeordneten S p a r s y st e m s ist in der Irrenanstalt Bohnitz in Böhmen ein Hungerstreik ausge- brachen, und zwar nehmen daran auch die Wärter teil. Es sollen weitere Demonstrationen erfolgen, falls die Kost nicht auf- gebessert wird. Der Millionär als Mörder. Der Direktor der New Dorker staatlichen Bleistiftfabrik, Frank, Neffe und Erbe eines New Dorker Millionärs, ist als M ö r d e r eines"6jährigen Mädchens für schuldig befunden worden. Das Mädchen war in der Bleistiftfabrik angestellt und wurde, als Frank es entführen wollte und dabei auf Widerstand bei dem Mädchen stieß, von Frank ermordet. Schwerer Eiscnbabnunfall. Aus Barcelona wird der Zu- sammenstoß zweier Eisenbahnzüge gemeldet. Hierbei wurden zwei Personen getötet und 47 schwer verletzt. Nähere Einzelheiten fehlen noch. 69 Personen bei einer Schiffsstrandung ertrunken. Ein Tele- gramm aus Petersburg meldet, daß aus der Newa zwei Schisse strandeten, wobei 69 Personen ihren Tod in den Wellen fanden. Das Geständnis eines Mordes. Der 20jährige Fleischergeselle Hahn, der vor einiger Zeit in K ö l n bei einem Einbruchsvcrsuch jn einer Villa ertappt und verhaftet wurde, hat im Gerichtsgefängnis eingestanden, daß er die Wir t- schafterin eines Kaplans in Wünchen-Gladbach ermordet habe. Er gestand weiter ein, in 8 Fällen maskiert mit seinem geflüchteten Komplicen V ö l k e l in Häuser eingedrungen zu sein und die Bewohner durch vorgehaltene Revolver gezwungen Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Singegangene Druchrcbrifttn. August Bebel. Zur Erinnerung an die am 17. August 1313 erfolgte Bestattung. Mit 18 Illustrationen. Zürich 1913. Verlag; Art. Institut Orell Füßli. 80 Ps. Allgemeiner Beobachter. Heft 8. Hawmonatsschrlst. Vellage. „Hhgieia", Organ der mediz.-biolog. Gesellschast. Verlag, Hamburg. 1.—' Die Oelmühle von K. Aram.(Kürschners Bücherschatz 907). 20 Ps. H. Hillger, Berlin XV. 9. Bom Judentum. Ein Sammclbuch, herausgegeben vom Verein jüdischer Hochschüler. Bar Kochlia. 284 S. K. Wolff, Leipzig. Karte des Fürstentums Albanien. Sö Pf.®. Frcytag u. Berndt, Wien. 7. Lesterreichischer Arbeiterkalender 1914. 80 Heller. I. Brand u. Co.. Wien, 6. Tie Arbeitsmethoden der Mikrochemie von Dr. I. Donau. 2 M., geb. 2,30 M. Mikrokosmos. Zeitschrift. Hest 3—5. Jährl. 12 Hefte und 2 Sonderbände. 5,60 M. Franckhsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. Deutscher Reichsatlas. Bearbeitet und herausgegeben v. B. Krause. 1,20 M. 21. Rietzschel. Leipzig, Kreuzslr. 12. Die Wohlfahrtseiiirichtungen von Grofr-Berlin. Herausgegeben von der Zentrale für private Fürsorge. Nachtrag April 1913. 50 Ps. Ver- lag I. Springer, Berlin. Die Gewerkschaftsbewegung Bremens 1912. 56 S. Verlag de» Gewerkschajtskartells in Bremen. Marktpreise von Berlin am 2«. August 1913. nach Ermittelungen des kgt. Polizeivrätidiums. Mais(mixed), gute Sorte 16,50— 16,70. Mai» (runder), gute Sorte 14,40— 14,80. Nichytroh 4,60. Heu, neu 6,00— 7,80. Martlhatlcuvreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00 Sveisebobuen, weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln tKIeinhdl.) 5,00—9,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2.40. Rindfleisch. Bauchflciich 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,60—2,10. Kalbfleiich 1,40—2,40. Hammetfieisch 1,60—2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,60—5.50. 1 Kilogramm Karpscn 1,40—2,60. Aale 1 ,40— 3 20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,75—3,60. Bleie 0,80—1.90. 60 Stück Krebse 1,00—60.00. LSttterungSüberstcht vom 27. August I91S. .2= 2 2 c a=£ sloficnen ina=2 y £= ef- c£ c ö e>~» «euer Swinemde. 770N Hamburg 770 SZ Berlin 770N Franks. a.M 760 RO München Wien 7S9!SO 768N® 2 heiter 2 Dunst 1 woltenl Icheiter 1 wplkenl 2'wolkig *5- w2> ttononen Ii ii» pgs Setter tavaranda>763W etcrSburg 765SO Scilly 766NO Abcrdeen 1 770 NW Paris 754 ONO Molkig I heiter 4 wolkig ttvolkig 2 halb bd. ** c* Ii 14 17 16 14 16 Wetterprognose für Donnerstag, de» 28. August 1913. NachtS kühl, am Tage wieder warm, meist heiter und trocken schwachen nördlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Uw, Berlin SA