Nr. SS3. nbonncmcnts-Bedingungcn; HBonncmeiit». Preis pränumerando: Licrteljährl. z,30 Mk, monatL 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Psg, Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage„Die Neue Welt' 10 Psg, Post- «lbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. v!e Insertion;-Lebghr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum BO Psg.. für politische und gcwerlschaftlichc Pereins- und Persnmmlungs-Anzeigcn»0 Psg. „Klein« Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. fzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Slellcngesuchc und Schlafstellenau zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- i laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, eifcheint täglich. Verl in er Volksblnkt. Zcntraiorgim der rozialdcmokratifchcn Partei Deut Ich lands. Telegramm- Sldresse: „Sozialdcrnolirat Rerlia", Redahtton: SW. 68, Undenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Freitag, den Ä9. August 1913. Sxpedttion: SAl. 68, Lindcnötraasc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. ver chronuiechsel in ISraunschmig. Aus Braunschweig wird uns geschrieben: Das braunschweigische Thrönchen, das seinem Nutznießer in Gestalt einer Zivilliste die hübsche Iahresrente von rund l1/� Millionen Mark abwirft, wird nächstens neu besetzt wer den. Es ist zwar noch eine Formalität zu erledigen, der Bundesrat muß seine Zustinimung geben, daß der Welsen Prinz Ernst August sich auf dem braunschweigischen Thron sessel niederläßt, aber da Preußen für die Thronbesteigung Ernst Augusts ist. wird der Bundesrat keine Schwierigkeiten machen. Die bundesrätliche Zustimmung ist gewissermaßen schon in die Eheakten aufgenommen worden, als des Cum- berländers einziger Sohn des Kaisers einzige Tochter freite Alles, was die Presse von der Widerspenstigkeit des Bundes- rates, der klipp nd klar den unzweideutigen Verzicht des alten und des jungen Cumberland verlangen würde, zu be- richten wußte, ist aus den Fingern gesogen. Johann Albrecht, der jetzige Regent Braunschlveigs, muß es doch wissen, zumal er als Onkel des mit einer Cumber- länder Tochter verheirateten Großherzogs von Mecklenburg- Schweriir auch dem Welfenlfause nahesteht. Johann Albrecht aber hat. wie wir aus ganz sicherer Quelle erfahren haben, einen seiner Lieblingshoflieferanten bereits wissen lassen, daß er noch in diesem Herbste die Regentschaft niederlege und daß er es gerne sähe, wenn ihm das Volk durch eine möglichst großartige öffentliche Abschiedsfeier seinen Dank ausspräche. Der Einzug des neuen Herzogspaares werde bald darauf er- 'folgen. Natürlich müsse auch den neuen Herrschaften eine glanzvolle Empfangsfeier bereitet werden. Als schlaue Ge- fchäftsleute haben die unterrichteten Kreise bereits beschlossen, die Abschiedsfeier man so so ausfallen zu lassen, sich bei der Empfangsfeier aber protzig an den Laden zu legen. J£at- sächlich hängt der Ausfall solcher Festlichkeiten in der Stadt Braunschweig ganz von den zahlreichen Hoflieferanten� und denen, die es werden wollen, ab. Sie haben es in der Hand, die verkehrsreichen engen Straßen der Innenstadt in ein Flaggenmeer zu verwandeln oder nicht. Es ist deshalb durchaus glaubhaft, daß ihnen vom Hofe bereits ein Wink gegeben worden ist. Johann Albrecht geht nicht mit leichtem Herzen, aber auch nicht mit leeren Taschen. Er hat außerordentlich sparsam gewirtschaftet und von den Millionen Mark Zivilliste in den 6 Jahren seiner Regentschaft sicher ein hübsches Sümm- chcn zurückgelegt. In der Verfassung ist zwar die Zivilliste auf einen gewissen Ertrag der Kammergüter festgelegt. Schon der Prinzregent Albrecht erhielt jedoch, da er vorgab, mit der verfassungsmäßig festgelegten Zivilliste nicht auszu- kommen, einen jährlichen Zuschuß von lllll) OOl) M. Der Landtag wollte diesen Zuschuß bei der Uebernahme der Re- gentschaft durch Johann Albrecht streichen. Johann Albrecht erklärte jedoch, daß er doch erst einnickl sehen müßte, ob er ohne den Zuschuß auskomme. Komme er aus, dann werde er selbst die Streichung des Zuschusses beantragen. Er hat sie natürlich nicht beantragt. Unter Johann Albrecht �vurde Braunschweig fast noch rückschrittlicher regiert als Mtcr dem Prinzen Albrecht von Preußen. Die Arbeiterbewegung wurde mit allen Mitteln, auch den kleinlichsten und gehässigsten verfolgt. Auch beiin Bürgertum hat sich Johann Albrecht nicht persönlich beliebt gemacht. Die lauten dynastischen Festlichkeiten, die ihm zu Ehren oft geradezu an den� Haaren herbeigezogen wurden, waren Mache ehrgeiziger Streber und profitgieriger Ge- fchäftsleute. Die Braunschweiger sehen Johann Albrecht nicht ungern gehen.„Schlechter kann es nicht werden," sagt man auch in bürgerlichen Kreisen. Diese Stimmung kommt dem Prinzen Ernst August unzweifelhaft zugute.� Es hieße, den Kopf in den Sand stecken, wenn man leugnen wollte, daß Ernst August vom Bürgertum sympathisch empfangen werden wird. Unter dem letzten Welfenherzoge war die Regierung immerhin humaner und liberaler als unter den beiden Regentschaften-, auch diese Erinnerung kommt dem neuen Weifenherzoge zugute. Die große Masse des Volkes ist schon deshalb gleichgültig, weil ja das Volk über den Thronwechsel nicht befragt worden ist. Die braunschweigische Regierung hat nach der Verlobung Ernst Augusts mit Viktoria Luise einfach beim Bundesrat den Antrag gestellt, den Prinzen Ernst August zum Herzog von Braunschweig zu machen. Der Bundesrat wird das un- zweifelhaft tun, und zwar ohne den Verzicht auf Hannover zu forden). Das braunschweigische Ministerium und der Bundesrat setzen sich dadurch allerdings einem sehr berechtigten Zweifel an ihrer Rückgratfestigk-eit aus. Der in schrecklichem diplomatischen Kauderwelsch ge- haltene Bundesratsbeschluß vom Jahre 1883 bestimmte dem Sinne nach, daß der Herzog von Cumberland, solange er nicht auf Hannover verzichtet habe, nicht Herzog von Braun- schweig werden könne. Nachdem der Prinzregent Albrecht im Jahre 1906 ge- starben war, verzichtete der Herzog von Cumberland in einem Schreiben vom 15. Dezember 1966 für sich und seinen ältesten Sohn auf den braunschweigischen Herzögsthron zugunsten zweiten Sohnes Ernst August. In dem Schreiben hieß es: „Wenn mein Sohn die Regierung in Braunschweig über- nähme, so ist es sein fester Wille, allen seinen Bun-despflichten nachzukommen, namentlich auch gegen das Königreich Preußen und insbesondere in bezug auf Hannover." Der Herzog von Cumberland versicherte dann noch, daß sein Sohn Ernst August die Bestrebungen der hannoverschen Welsen nicht unterstützen werde. Das mußte der gesunde Menschenverstand doch für einen Verzicht des Prinzen Ernst August auf Hannover halten! Da sich der Bundesratsbeschluß von 1883 nur gegen den alten Cumberländer richtete, wäre also gegen die Thronbesteigung des Prinzen Ernst August staatsrechtlich nichts mehr einzu- wenden gewesen. Der damalige Staatsnnmster Otto erklärte jedoch im Landtage, daß der Prinz Ernst August nicht Herzog von Braunschweig werden dürfe, solange sein Vater nicht ausdrücklich auf Hannover verzichtet habe. Der jetzige Staatsminister Hartwieg erklärte damals, daß er ganz mit Otto übereinstimme. In einem Schreiben vom 16. Februar 1967 ersuchte dann das braunschweigische Staatsministerium den Bundesrat um einen neuen Beschluß, der die Thronbesteigung des Prinzen August verbiete. Der Antrag wurde damit begründet, daß bei den Reichstagswahlen die Sozialdemokratie nieder- geworfen worden sei, daß sie aber wieder hochkommen würde, wenn ein Welse, auf Braunschweigs Herzogsthron sitze und den inneren Frieden gefährde. Der Bundesrat beschloß dann,- daß auch der Prinz Ernst August, selbst wenn er auf Hannover verzichte, nicht Herzog von Braunschweig werden könne, solange nicht alle Agnaten des Herzogtums Braunschweig auf Hannover verzichtet hätten. Inzwischen hat sich staatsrechtlich nichts geändert. Ob der Brief des Prinzen Ernst August an den Reick)skanzler von Bethmann Hollweg als Verzicht auf Hannover anzusehen ist oder nicht, komint eigentlich gar nicht in Betracht. Der Brief stimmt inhaltlich mit der Erklärung vom 13. Dezember 1966 llbereiu. Es ist nur die Berufung auf den Fahneneid hinzugekommen. Der gesunde Menschenverstand kann beide Erklärungen nur als Verzicht auf Hannover auffassen. Es ist aber doch auffallend, daß es in beiden Erklärungen jeden- falls absichtlich vermieden worden ist, den Verzicht direkt aus- zusprechen. Wie dem aber auch sei, Prinz Ernst August hat 1913 nur dasselbe versprochen, was für ihn 1966 sein Vater versprach. Bundesrat und braunschweigische Regierung haben aber 1967 erklärt, daß auch ein Verzicht des Prinzen Ernst August nicht ausreiche, daß vielmehr alle Agnaten verzichten müßten. Da der Herzog von.Cumberland auch jetzt noch nicht auf Hannover verzichtet hat, hat sich die Situation gegen 1967 nicht verändert. Dennoch hat jetzt die braunschweigische Regierung durch denselben Staatsminister Hartwieg, der sich 1967 gegen Ernst August aussprach und seither jeden Beamten, der sich welfische Sympathien merken ließ, mit Maßregelung bedachte, bei dem Bundesrat die Uebertragung der Regierungsgewalt auf den Prinzen Ernst August beantragen lassen. Und derselbe Bundesrat, der 1967 den Prinzen Ernst August von der bratlnschweigischen Thronfolge ausschloß, solange sein Vater nicht ausdrücklich auf Hannover verzichtet habe, setzt 1913 denselben Prinzen�auf den Thron! Woher diese Sinnesänderung? O, es ist inzwischen ein dynastisches Geschäft abgeschlossen worden. Der König von Preußen hat seine Tochter mit dem Prinzen Ernst August vermählt, der als Sohn eines der reichsten Fürsten Europas und als Angehöriger des ältesten deutschen Fürstenhauses die beste Partie war, die sie machen konnte. Dieser Tochter muß ein Thron verschafft werden. Sie soll als einzigste Tochter des Kaisers doch wenigstens Herzogin von Braunschweig sein! Aus weifischer Quelle, die gute Beziehungen zum Gmundener Hof unterhält, wissen wir freilich, daß noch kurz vor der Trauung Wilhelm II., um dem Bundesrate die Schwenkung leichter zu machen, den Herzog von Cumberland zum öffentlichen Verzicht auf Hannover zu bewegen suchte. Als Gegenleistung wurde dem Cumberländer der Generals- rang und die Uniform der Gardekürassiere angeboten. Dennoch lehnte er ab und drohte, mit samt seinem Sohn unter Hinterlassung der roten Husarenjacke nach Gmunden zurück- zureisen. Es kam �war nicht zum Bruche, die Kaiserin ver° mittelte, aber die Spannung zwischen Berlin und Gmunden ist seit dieser Zeit noch nicht behoben. Unter solchen Umständen ist es übereilt, der welfische» Partei in Hannover das nahe Ende zu prophezeien. Diese Partei hatte bei den letzten Reichstagswahlen noch sehr schöne Erfolge zu verzeichnen, Sie ist auf dem Lande agrarisch, in der Stadt kleinbürgerlich. Agrarier und Kleinbürger eint sie, den widersprechenden wirtschaftlichen Interessen zum Trotz, durch die welfische Tradition und den Haß auf Preußen. Man unterschätzt die hannoverschen«Welsen sehr, wenn man sie für politische Todeskandidaten ansieht. Es ist sogar an- zunehmen, daß die Thronbesteigung Ernst Augusts die welfische Bewegung in Hannover eher stärken als schwächen wird. Der Herzog von Cumberland hat ja ans Hannover nicht verzichtet und der Fahneneid bindet den Prinzen Ernst August nur so lange an Preußen, als er preußischer Soldat ist. So denken wenigstens die hannoverschen Welsen. Sie beherrschen immer noch den medersächsischen Bauernschädel, und der ist sehr unnachgiebig. Anders liegen die Verhältnisse nun in Braunschweig, wo das Welfentum eine Treibhaus- pflanze ist. Wird die neue Regierung so konservativ wie die alte, dann wird sich von den kleinbürgerlichen Elementen der Landesrechtspartei ein nicht unbeträchtlicher Teil als Mit- läufer der Sozialdemokratie anschließen, die im Herzogtum Braunschweig die einzige Partei ist, die für Erweiterung der Volksrechte eintritt. Die Sozialdemokraffe wird der Regierung Ernst Augusts sofort den Wechsel präsentieren, den die Landcsrcchtspartei 1916 ausgestellt hat, und das gleich eLandtagswahl- recht fordern. Der Landtagswahlkampf wird mit erneuter Wucht geführt werden und die Regierung Ernst Augusts hat keine ruhigen Tage zu erwarten, wenn sie die Wege gehen sollte, die die Regierung unter den beiden Regentschaften ge- gangen ist._ Die flufgaben de; Parteitag; in der Steuerfrage. Von.Gustav H 0 ch. III. Die Folgen des vorgeschlageneu Grundsatzes. Eine große Bedeutung lege ich dem Bedenken bei, daß unsere Partei durch die Ablehnung der Besitzsteuern schließlich doch nur das arbeitende Volk mit indirekten Steuern belastet und damit geschädigt hätte. Wäre dieses Bedenken zutreffend, dann würde ich anerkennen,' daß der von mir als ein Gebot der Notwendigkeit geforderte Grund- satz falsch sein muß. Denn die Erfahrung hat noch stets gezeigt: wir nützen dem arbeitenden Volke am meisten, wenn wir fiir unsere Taktik unbedingt die aus dem Sozialismus sich notwendig ergeben- den Grundsätze maßgebend sein lassen. Eine genauere Untersuchung aber zeigt uns, daß jenes Bedenken unberechtigt ist. Das Bedenken geht von der Annahme aus: hätten Ivir nidit für die Besitzsteuern gestimmt, dann hätten die bürgerlichen Parteien dafür indirekte Steuern beschlossen. Der Schluß wäre aber nur dann richtig, wenn wir uns unter allen Umständen gegen Besitzsteuern zur Deckung der Militär« ausgaben erklärt hätten. Dann könnten sich in der Tat die National» liberalen und die Fortschrittliche Volkspartei darauf berufen: Besitz- steuern können wir nicht durchbringen infolge der ablehnenden Stimmen der Sozialdemokraten: deshalb müssen wir uns— dafür, Arbeiter, bedankt Euch bei den Sozialdemokraten— leider mit in- direkten Steuern zufrieden geben. Diesen Grund zur Bewilligung der indirekten Steuern will jedoch auch ich den Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volkspartei nicht geben. Auch ich lehne das unbedingte Nein gegen alle Besitz- steuern zur Deckung der Militärausgaben ab. Ich fordere im Gegenteil: wir sollen ausdrücklich anerkennen, daß wir für Besitz- steuern stimmen, nachdem jeder un§ mögliche Versuch, die Annahme der Militärvorlage zu verhindern, gescheitert, und es durch die tat- sächliche Annahme der Militärvorlage ausgeschlossen ist, daß die Entscheidung über die Art der Steuern zur Deckung der Militär- ausgaben noch irgendeinen Einfluß zugunsten der Annahme der Militärvorlage ausüben könnte, und wenn wir mit unseren Stimmen für die Besitzsteuern den Ausschlag gegen indirekte Steuern geben. Daher können wir nach dem von mir vorgeschlagenen Grund- satz gar nicht daran denken, unseren Gegnern jenen Grund zur An- Annahme der indirekten Steuern zu geben und die Besitzsteuern zur Deckung der Militärausgaben allgemein zu bekämpfen. Nein, im Gegenteil müssen wir von Anfang an und bei jeder Gelegenheit mit allem Nachdruck betonen, daß unter keinen Umständen indirekte Steuern, sondern nur Besitzsteuern zur Deckung der Militärausgaben in Betracht kommen können. Was wir vom ersten bis zum letzten Augenblick zu bekämpfen haben und mit vollem Recht und un- bestreitbarem Erfolge bekämpfen können, ist das, daß die bürgerlichen Parteien, die angeblich für Besitzsteuern sind, sich mit den Gegnern der Besitzsteuern verständigt haben, um möglichst schlechte Besitzsteuern festzulegen und sie zur Boraussetzung für die Annahme der Militär- vorläge zu machen. Was wir bekämpfen, ist das, daß auf diese Weise die bürgerlichen Parteien den Gegnern der Besitzsteuern die Annahme der Militärvorlage erleichtern und dafür den an- geblichen bürgerlichen Freunden der Besitzsteuern die Aus- rede ermöglichen: sie müßten für möglichst schlechte Besitzsteuern eintreten, weil sonst die Gegner der Besitzstenern die Militärvorlagen zu Fall bringen. Wir lehnen daher die mit den Militärvorlagen zu einem Ganzen verbundenen Besitz- steueru ab. Und das auch in bezug auf die Besitzsteuern aus einem guten Grunde, weil sie nämlich unter dem Einfluß der Gegner der Besitzsteuern auf das geringste Maß herabgedrückt worden sind. Wir fordern da- gegen eine von der Militärvorlage unabhängige Beratung der Besitz- steuern, um möglichst günstige Besitzsteuern zu erreichen, wenn eS sich tatsächlich als unmöglich erwiesen hat, die Annahme der Militär- vorlagen zu verhindern.— Wäre es uns nach diesem Kampfe gelungen, die uns unter dem Einfluß des Zentrums zugemuteten Besitzsteuern zu Fall zu bringen, dann hätten die Regierungen neue Deckungsvorlagen dem Reichstag vorlegen müssen. Selbstverständlich hätten wir dann wiederum mit allen Kräften eingesetzt, um möglichst gute Besitzsteuern durch« zubringen. Dann aber, so wurde mir geantwortet, hätten selbstverständlich die Nationalliberalen und die Fortschrittliche Volkspartei sich über- Haupt nicht mehr auf Besitzsteuem eingelassen, sonder« indirekte Steuern beschlosien. WeZhalb ist dieZ selbstverständlich oder auch nur wahrscheinlich? Weil diese Parteien nur nach einem Vorwand zur Bewilligung der indirekten Steuern suchten und den Vorwand in der ablehnenden Haltung der Sozialdemokraten gegen die Besitzsteuern gefunden hätten? In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. Durch unser entschiedenes Austreten gegen den Kuhhandel der bürgerlichen Parteien zur möglichst schlechten Gestaltung der Besitzsteuern und durch unser ent- schiedeneS Eintreten für bessere Besitzsteucrn mußten wir den Druck auf die Nationalliberalen und die Fortschrittliche Volkspartei zu- gunsten möglichst guter Besitzsteuern nur verstärken. Unser Borgehen niußte in immer weiteren Kreisen Klarheit darüber schaffen, daß zur Deckung der Militärausgaben unbedingt bessere Besitzsteuern fest- gelegt werden miissen. Die Furcht unserer Gegner vor unserer weiteren Aufklärungsarbeit und vor der weiteren Erstarkung unserer Partei konnte nur größer und nicht geringer geworden sein. Dazu kommt, daß wir doch noch die Trennung der Deckungsvorlagen von den Militär- vorlagen erreicht und damit für die Nationalliberalen und die Fort- schrittliche Volkspartei den angeblichen oder tatsächlichen Zwang be- seitigt hätten, mit Rücksicht auf die Zustimmung des Zentrums zu den Militärvorlagen die ungünstigen Bestimmungen der Bcsitzsteuern anzunehmen. Demnach ein stärkerer Druck unserer Partei tmf die Fortschrittliche Volkspartei und ein geringerer Druck des Zentrums auf diese Parteien. Das läßt doch einzig und allein den Schluß zu, daß das arbeitende Volk bei der Beratung der neuen Deckungsvorlagen günstiger und nicht ungünstiger weggekommen wäre. Hiernach hat der von mir vorgeschlagene Grundsatz die Probe durchaus bestanden. Er bewährt sich auch darin, daß er dem arbeiten- den Volke in den gegenwärtig zu entscheidenden Fragen am meisten nützt. Trotzdem warnen einige Genossen davor, daß sich unsere Partei auf diesen Grundsatz festlege. Die Taktik— damit glauben sie eine alte, unbestreitbare Wahrheit zu sagen— muß sich stets nach den Verhältnissen richten; diese können sich jeden Augenblick ändern, dann müssen wir auch unsere Taktik ändern. Jawohl, die Taktik muß sich stets den Verhältnissen des he> sonderen Falles anpassen. Aber die Taktik ist die Anwendung unserer Grundsätze auf die gegebenen Verhältnisse. Die Beweglichkeit der Taktik schließt nicht die Notwendigkeit maß gebender Grundsätze cm-S; im Gegenteil. Nur Klarheit über die maßgebenden Grundsätze ermöglicht es unserer Partei, zu jeder Zeit sich über die Taktik leicht zu verständigen und eine klare und ent« schiedene Stellung einzunehmen. Ich empfehle demgemäß folgende Aenderung des Wurmschen Vorschlages, neben die ich den ursprünglichen Wortlaut stelle: In gleicher Weise ist auch jede direkte Steuer, selbst wenn sie allein den Mehrwert trifft, von unseren Genossen abzulehnen, falls der Verwendungszweck den Interessen drr Arbeiterklasse wider- spricht, es sei denn, daß die Ablehnung der direkten Steuern die Vertreter der antikölner Bewegung persönlich angriffen. Gegen diese paar Persönlichkeiten haben wir uns gewehrt und die alte Ansicht von der katholischen Zentrumsbasis verteidigt. Sind das Verdächtigungen? Abgesehen von der Entgleisung in dem Artikel über die Katholikentage, den wir bedauerten und dessen Veröffentlichung in Abwesenheit des zuständigen Re- dakteurs wir erklärten, hat die..Kölner Korrespondenz" die Regeln des journalistischen Anstandes jedenfalls weit besser be- obachtet als ihre„Kölner" Gegner. Wir haben im Interesse des Friedens lange genug ge- schwiegen und ruhig zugesehen, wie die Vertreter unserer An- ficht einfach mit Keulenschlägen niedergehauen wurden. Erst nachdem wir Jahre hindurch den immer von neuem einsetzenden Angriff ertragen hatten, ohne eine Presse zu finden, um uns zu wehren, sind wir und unsere Freunde mit eigenen Organen vor die Oeffentlichkcit getreten und habn uns verteidigt." die Annahme der direkten Steuern keine Voraussetzung für die Annahme der bekämpften Vorlage ist und eine für die Arbeiterklasse ungünstigere Be- steuerung verhindert. durch unsere Genossen die An nähme der bekämpften Vorlage nicht hindert und eine für die Arbeiterklasse ungünstigere Be- steuerung znr Folge haben würde politilcbe Qeberlicbt Roeren und der Papst. Die„Köln. Volksztg." erfährt eine neue Abfertigung— und zwar durch den Papst in höchsteigener Person. Wie bürgerliche Blätter niitteilen, hat der frühere Zentrums- abgeordnete Roeren. der Sichrer der Osterdienstagsleute, der jüngst eure neue Broschüre gegen die Kölner Richtung per- öffentlicht hat, durch die apostolisckie Nuntiatur München auf einen Glückwunsch an den Papst zu dessen zehnjähriger Pontifikatsfeier eine sehr freundliche Antwort mit dem apostolischen Segen erhalten. Vorher schon hatte er das Bild des Papstes erhalten mit der eigenhändigen Widmung des „Hl- Vaters", worin dieser ihn seinen„geliebten Sohn" nennt. Armer Bachems So wird sein Verdienst um den Ultra- montanisnilis in Rom gewürdigt. Welches Karnickel hat angefangen.? Noch sind seit dem von dem Fürsten Löwenstcin auf dem Metzer Katholikentag verkündeten„Frieden" kaum acht Tage ver- flössen, und schon befinden sich die feindlichen Richtungen inner- halb des Zentrums aufs neue im schönsten Streit. Das Kurioseste aber ist, daß gerade die Friedensrede des sürstlichen Jesuiten- zöglings den Anlaß dazu bot, daß die alten Gegensätze erneut auf- einander platzten; denn jede der beiden Richtungen interpretierte nun nicht nur die Löwensteinsche Rede in ihrem Sinne, sondern suchte auch nachzuweisen, daß die gegnerische Richtung zuerst angefangen habe und daher an dem ganzen Skandal schuld sei. Nachdem dieser Tage die„Köln. Volksztg." erklärt hatte, die „Ouertreibereicn" des Grafen Oppersdorfs und der„Köln. Korrcsp." hätten den Streit provoziert, kommt jetzt die letztgenannte Korrespondenz und antwortet: „Unter diesem Titel veröffentlicht die„Kölnische Volks- zeitung" in ihrer Nr. 732 vom 23. August einen ersten Rückblick- artikel über den Metzer Katholikentag. Das Blatt meint, wenn der„Friede von Metz", den Fürst Löwenstein als die Frucht der Metzer Tagung herbeisehnte, nicht eintreten würde, so seien daran lediglich die„Quertreiber" schuld, nämlich diejenigen, welche sich quer gegen den Strom der Kölner Richtung stemmen und der Ansicht sind, daß die Organisationen der deutschen. Katholiken, insonderheit das Zentrum, im Einklang mit den katholischen Grundsätzen bleiben müssen. Die„Kölnische Volks- zeitung" macht dann den„Quertreibern" den Vorwurf, diese trieben Opposition gegen das Zentrum. Wir möchten wissen, wo und wann die Politik des Zentrums durch die„Quertreiber" angegriffen wurde. Das Zentrum ist gut und seine Politik auch. Allerdings haben Zentrumsblätter Kölner Richtung in der Par- teipolitik eine Taktik vorgeschlagen, die wir bekämpften.� Aber diese Blätter sind doch nicht das Zentrum! Sind auch nicht be- fugt, der Partei oder Fraktion eine Politik vorzuschreiben! Wir haben schon oft erklärt, daß wir nichts gegen das Zentrum wollen, sondern gegen die Kölner Richtung, die etwas andere? als das Zentrum ist, und in der wir eine Gefahr für die Par- tri erblicken. Zweitens, so sagt die„Kölnische Volkszeitung", machen die ..Quertreiber" den Frieden unmöglich, weil sie angeblich„gegen den Sinn der Enzyklika und gegen den Willen fast aller deut- scheu Bischöfe die Gewerkschaften verdächtigen und in ihrer berechtigten Bewegungsfreiheit zu hemmen suchen". Wo und wann ist solches geschehen? Wir gönnen den Gewerk- schaften Leben und Bewegungsfreiheit im Sinne der RnrMiKa Lingulsri quadam und nach dem Willen der Bischöfe. Wir wissen nicht, wer im katholischen Lager jemals etwas anderes gewollt hat. Drittens, meint die..Kölnische Äolkszeitung", erschwerten die„Quertreiber" den Frieden durch„fortgesetzte Verdächtigung" führender Persönlichkeiten und führender Zentrums- blätter. Es gibt ein paar Persönlichkeiten im„Kölner" Lager, welche unter ihrem Namen die alte katholische Basis des Zentrums verneinten oder nach beliebtem„Kölner" Rezept Die Nationalliberalen und die grostindustriell-zünftlerisch- agrarische Interessengemeinschaft. Das schöne Bündnis zwischen den Großindustriellen des Zen- tralverbandes deutscher Industrieller, den Jnnungsmeistern und dem Bund der Landwirte stößt selbst bei den zahmsten der National- liberalen auf lebhaften Widerspruch; denn wo bleiben all die schönen Subventionen der großindustriellen Scharfmacher, wenn diese ins agrarische Lager hinüberschwenken. Freilich den Zen- tralvcrband deutscher Industrieller wagt man nicht direkt anzu- greifen. Deshalb wendet man sich an die Konservativen und wirft diesen„Verlockungen",„Fischfang",„unlautere Manöver" usw. vor. So schreibt die„Nationall. Korresp.": „Das sieht so aus, als ob die soviel begehrte Industrie und der verlorengegangene Mittelstand nun doch den Anschluß ans konservative Lager gefunden hätten. Aber es dürfte in Wirklichkeit ganz anders aussehen. Gemeinschafts- arbeit von gewerblichem Mittelstande, Industrie und Landwirtschaft hat man als Ziel und Zweck dieses neuen Bundes be- bezeichncl. Aber so wenig Zentralverband mit Industrie, so wenig Mittelstandsveriband mit gewerblichem Mittelstand iden- tisch ist, so wenig ist es der Bund der Landwirte mit der Land- Wirtschaft. Wollte man zwischen den drei Wirtschaftszweigen wirklich eine Gemcinschaftsavbeit herbeiführen, dann müßte mau auch andere Organisationen der einzelnen Stände hinzuziehen. So liegt der Verdacht des parteipolitischen Hilter- grundes nur allzu nahe. Der Zentralverband deutscher Industrieller hat für sich bis jetzt parteipolitische Neutralität in Auspruch genommen, das gleiche hat der Reichsdeutsche Mittel- standsverband getan. Wie sich das mit der Gemeinschaft mit einer politsch so eindeutig bestimmten Organisation wie dem Bund der Landwirte verträgt, mögen sie mit sich selber abmachen. Nicht als ob die Liberalen Anlaß hätten, diese neue Liga neidisch zu betrachten. In einer Zeit vielmehr, da vom Bund der Land- Wirte so unverblümt wie nur möglich der Ruf nach dem lückenlosen Zolltarif erhoben wird, dessen Verwirk- lichung eine in erster Linie für Geweübe und Industrie fühlbare, unerhörte Lebcnsmittelteuerung und damit neue unabsehbare Lohnkämpfe nach sich ziehen würde, in einer solchen Zeit kann man die neue Gemeinschaft ruhig sich selbst überlassen." Ein kalter Wasserstrahl gegen den Leipziger Aerzte verband. Die offiziösen„Berk, politischen Nachrichten" schreiben: „Welchen bedenklichen Grad die Spannung zwischen den Krankenkassen und dem Leipziger Aerzteverband erreicht hat, läßt die Tonart, die in den„Aerztlicheu Mitteilungen dem Organ des Leipziger V'erbandes, angeschlagen wird, deutlich erkennen. Von diesem Organ wurde kürzlich folgende Parole ausgegeben:„Wollen die Krankenkassen den Sturm-, gut. Er wird dann mit verheerender Gewalt in ihre Bäume fahren und viel radikaler dafür sorgen, daß sie nicht in den Himmel wachsen---. Und mag für die Aerzte dieses Un- Wetter, wie es immer wolle, ausgehen— die Kronen der deutschen Arbeiterversicherung werden danach ent- l a u b t stehen und es wird einer langen Winterruhe bedürfen, che neue Säfte neue Triebe sprießen lassen." Zur Ehre der großen Mehrheit der in dem Leipziger Verband organisierten Aerzte wird man annehmen dürfen, daß die Gehässigkeit und Rücksichtslosigkeit, die aus diesen Sätzen spricht, auch nach ihrem Empfinden über das bei Durchführung von Jnter- essenkämpfcn zulässige Maß der Offensive weit hinausgeht. Daß es sich hier um eine leere Drohung handelt, ist ganz selbst- verständlich; eS wäre traurig um die deutsche Arbeiterversichcrung bestellt, wenn ihre segensreichen Wirkungen durch eine Aerzte- organisation, die sich das Eingeständnis machen muß, daß ihre Taktik fehlschlägt und nicht bis ans Ende verfolgt werden kann, ausgeschaltet werden könnten. Durch Inkraftsetzen des 8 37!) der Reichsversicherungsordnung(Zubilligung eines erhöhten Krankengeldes) auf Grund des Artikels 1 des Einführungs- gesetzes zur Reichsversicherungsordnung in den Fällen, in denen beim Inkrafttreten des Zweiten Buches der Reichsvcrsicherungs- ordnung eine Einigung zwischen Krankenkassen und Aerzten nicht zu erzielen ist, ist dafür Sorge getragen, daß eine Schädigung der Mitglieder der Krankenkassen nicht eintreten kann. Derartige ge- hässige Aeußerungen sind also zwecklos, die organisierten erzte können damit nur sich selb st schaden, können nur die Richtigkeit des Urteils bestätigen, das die Zeitschrift des neuen Gesamtverbandes deutscher Krankenkassen,„Die Krankenversicherung", über die von dem Leipziger Aerzteverband in Vorschlag gebrachten sogenannten Musterverträge gefällt hat, indem sie schrieb:„Daß die Leitsätze, welche die gesamten Kranken- kassenverbände für den Vertragsschluß mit Aerzten aufgestellt haben, nicht mit den Musterverträgen des Leipziger Aerztcverbandes harmonieren, wird ihn wohl nicht allzu sehr wundern. Diese Musterverträge sind eben undiskutabcl. Sie bedeuten in der Praxis nichts mehr und nichts weniger als eine Brachlegung der Krankenkassen, ganz abgesehen von dem ungeheuerlichen Koalitions- zwang für die Aerzte, den sie feststellen. Die Konsequenzen dieses ärztlichen Koalitionszwanges, den die Leipziger Musterverträge wollen, auf alle Berufe angewandt— was dem einen recht ist, ist dem anderen billig—, würden bald den noch persönlich freien Mcn- schen inS Raritätenkabinett bringen." Alles wird zu Geld gemacht. Die Kölner„nationale" Bewegung gegen den Eintritt deutscher Landeskinder in die französische Fremdenlegion treibt seltsame Blüten. Auch sie muß bereits dazu herhalten, denen, die nicht alle werden, Geld aus der Tasche zu locken— zum Nutzen des eigenen Geldbeutels. Ein gewisser Franz Xaver Hassel mann, der sich als ehemaliger Frcmdenlegionär ausgibt, macht gegenwärtig Köln und seine Vororte mit seinen„hochinteressanten Vorstellungen nebst Vorträgen in drei Akten"(Eintrittspreis 23 Pf.) unsicher. Auf marktschreierischen Plakaten und in Notizen, die er in die bürgcr- liche Presse schmuggelt, liest man: „Selbiger war sechs Jahre in Südafrika und sieben Jabre in Neu-Kaledonien(Südamerika). Er wurde während dieser Zeit zweimal zum Tode verurteilt, jedoch infolge Gnadengesuchs seiner Eltern zu lebenslänglicher Verbannung nach der Teufelsinsel begnadigt. Diesem Manne gelang es in- folge seiner eisernen Natur, die schwersten Strapazen auszu- Halten, immer jn Aefahr, vor; wildes Tierezr angefallen zu werden, Nach elfmaliger Flucht durch die westindischen Nr-- Wälder seine Heimat zu erreichen. Dieser Mann wird dem verehrten Publikum in der Tracht als Legionär, Festungsgefangener und Verbannter, sowie unter Vorführung von Fesseln die traurigen Verhältnisse der Fremdenlegion erklären. Vor Beginn, in den Pausen, sowie nach dem Vortrage wird die allgemein beliebt gewordene, 27 Mann starke Musikkapelle des Vereinigten Jugend- und Psadfindcrkorps Köln konzertiere n." Jn der letzten großen Versammlung gegen die Fremdenlegion im Kölner..Volkshause" wurden diese phantastischen Schilderungen Hassclmanns von dem Frcmdenlegionär Brocken als lügnerische Räuberpistolen gcbrandmarkt; der Mann ist nur ganz kurze Zeit im französischen Kolonialdiensi gewesen und hat nie und nimmer erleben können, was er den Dummen borschwindelt. Aber der Zweck mutz die Mittel heiligen. Seine Vortrage bezeichnet er auf den Ankündigungen als„staatlicherscits genehmigt", und die nationale Jugend hilft ihm, Geschäfte zu machen. Dabei ist klar, daß die angebliche Absicht, die Jugend bor der Fremden- legion zu warnen, durch solche prahlerische und blutrünstige Schilde- rungen keineswegs erreicht wird. Im Gegenteil: die ohnehin schon durch die ewige Kriegsspielerei überreizte Phantasie dieser jungen Leute erfährt neue Anregungen. Sie werden im gegebenen Falle der Fremdenlegion nur um so leichter in die Hände fallen. Sehr charakteristisch ist es, daß die Vorträge Hasselmanns über- all in katholischen Vereins- und Gesellenhäusern stattfinden, und die Zcntrumspresse für ihn lebhafteste Reklame macht!__ Der Herr Landrat wünscht! In dem Protest der Nationalliberalen gegen die Reichstags» ersatzwahl in Ragnit-Pillkallen spielt folgende Bekanntmachung ein« wesentliche Rolle: Die Reichstagsersatzwahl findet am 23. August in der Schule zu Trappönen statt. Dieselbe beginnt um 10 Ubr vormittags und endet um 7 Uhr nachmittags. Als Wahlvorsteher ist Herr Präzentor Panlikat, als dessen Stellvertreter Herr Gutsbesitzer Gustat-Trappönen von Herrn Landrat bestimmt. Der Herr Land» rat wünscht, daß jeder Wähler an dem Wahltage erscheinen soll und seine Stimme für den konservativen Kandidaten, Herrn Gott- schalk-Sauerwalde abgeben möchte. (L. S.) � Buduvönen, den 14. August 1913. Der Gemeindevorsteher t Praustat. Den Gemeindevorstehern ist offenbar bei den regelmäßigen Zusammenkünften dieser Wunsch des Landrats mitgeteilt worden und in seiner Einfalt hat nun der genannte Gemeindedorsteher diesen Wunsch der Wahlbekanntmachung beigefügt. Die Kon» servativen werden ihm für diesen genialen Streich kaum dank- bar sein._ Nachwehen zum Wahlkampf in Salzwedel-Gardelegen. Die Ferienstrafkammer in Stendal verurteilte den Kutscher Hunderlegc zu sechs Monaten, den Musiker Niendorf zu zwei Monaten Gefängnis. Die Angeklagten wurden für überführt erachtet, den konservativen Wahlleiter in Klötze, Rektor Roos, auf offener Straße überfallen und mißhandelt zu haben. Die konser- vative Presse stellt fest, daß die beiden Verurteilten die Opfer nationalliberaler Wahlhetze geworden sind! Die LalKantrageti. ...... Di« Fruchtbarkeit des Krieges. Der berühmte französische Schriftsteller Pierre Loti ver« öffentlicht im„Daily Telegraph" einen erschütternden Bericht über seine Eindrücke in den vom Krieg betroffenen Gebieten. Loti schreibt:.. � „Ich möchte nur erzählen, was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe, gesehen in der Wüste, welche die Bulgaren aus Thrazien gemacht haben. Jn seiner Abscheulichkeit übertrifft es alles, was mir erzählt worden war, und was ich mir habe vor» stellen können! Mit welcher Wut haben diese christlichen Be- freier gearbeitet! Eine Wüste sagte ich, die traurigste von allen Wüsten, weil man weiß, daß der Platz eine der blühendsten Pro- vinzen war, und jetzt ist die Erde voll von erschlagenen Bauern. Ich fuhr im Auto in voller Geschwindigkeit Meilen und Meilen, ohne ein menschliches Wesen zu erblicken. Hier und dort der Körper eines Tieres und Schwärme von Krähen. Jn der Entfernung Haufen von Steinen und Ueberbleibsel kleiner Mauern. Alles, was von den Dörfern übrig ist. Wenn man näher kommt, erhebt sich mitunter ein furchtsames, von Schmerz verzogenes Geficht aus den Trümmern, das Antlitz einer Person, die den großen Schläch- tereien entgangen ist und sich unter Zweigen birgt in dem, was einst � ihr Haus war. Von diesen Gespensterdörfern will ich eines schildern, Haoussa, aber in Hunderten und Tausenden ist das Grauen das- selbe. Nichts als umgerissene Wände, Ruinen. Hier ist die Moschee. Innen einige Kranke und Perwundete, mit den Ge- sichtszügcn von Leichen, aufpumpen gestreckt. Die schönen Mar- morskulpturen mit Schmiedehämmern zerschmettert. Die Gefangenen und Verwundeten wurden mit Bajonetten ge- zwangen, diese Tempelschänduna zu vollbringen. Wir steigen auf das Minaret, um das Schrecklichste zu sehen. Rund um die Moschee ist der Kirchhof. Alle Säulen zerbrochen, die Toten aufgedeckt, und die Leute vergnügten sich damit, die zerstreuten Gebeine in Reih und Glied zu legen. Hier ist der Brunnen. Ein furchtbarer Geruch entsteigt ihm. Die Körper der von den Soldaten ver- gewaltigten Frauen und Kinder wurden hineinge- tvorfen, von den Gräbern gerissene Steine oben drauf, damit die Leichen untersinken. Von etwas über tausend Ein- wohnern sind 40 übrig. Sie erheben sich wie Gespenster hinter den Trümmern und umringen mich und drücken mir die Hände und dann beschreiben sie ihr Martyrium. Einer sagt:„Ich habe weder Frau noch Kinder, weder Haus noch Herde. Warum bin ich nicht tot?" Ein anderer, ein gebeugter alter Mann er- zählt:„Ich hatte eine kleine Enkelin, zehn Jahre alt. Sie war meine Herzensfreude. Vier bulgarische Soldaten kamen, ihr Gewalt anzntun. Sie schlugen mich, bis ich das Bewußtsein ver- lor. Als ich erwachte, konnte ich sie nicht finden." Wo ist des alten Mannes Enkelin? Gewiß in jenem Brunnen, faulend mit den anderen, unter den zerbrochenen Marmorsteinen. Änd auf der Straße, die durch diese unendlichen und ver- lassenen Einöden führt, ein ständiger Strom von Soldaten, Bagagewagen, Artillerie, kurdische oder Beduinen-Reüerei, Kamele mit Provisionen. Aus allen Teilen, selbst auS den Tiefen Asiens strömen sie in Eilmärschen herbei, zum Entsatz ihres schönen Adrianopels, das Europa gegen alle Empfindungen der Mensch- lichkeit den wilden Mördern zurückgeben will, die keinen Stein auf dem anderen lassen, die es zu einem Schlachthause machen wurden. Es ist bekannt, daß die Bulgaren alles für eine große S ch l u ß- mqtzelci vorbereitet hatten. Sie selbst wollten die Muse l» manen, die von ihnen bewaffneten Armenier sollten die Griechen morden. Jeder hatte seine Aufgabe. Und diese letzte Nacht bulgarischen Besitzes war eine besonders schreckliche.� Es war die Nacht, in der die Griechen, zu vier und vier zu- 'ammengebunden, in den Fluß geworfen w u r d e n. Der einzige Gerettete aus jener Masscnertränkung beschrieb sie m,r in Einzelheiten, die mich schauern machten. In dieser letzten Nacht herrschte Metzelei, Plünderung, Gewalttat fast in der ganzen Stadt. Ein Beispiel aus Tausenden. Jn einem Hause, das ich kenne, lebte die Witwe eines tü r k i s ch e n Offiziers mit ihren zwei jungen Töchtern. Eine Bande bulgarischer Soldaten brach .n da? Haus und blieb bis zum Morgen. Und durch die ganze Nacht Hörten die Nachbarn die Herzzerreißenden Schreie dieser Arm»«» Ich wurde zur Insel der T o d e s a n g st geführt, zener' Insel im Flusse, auf die 4000 bis 5000 t ü r k i sch e G e f a n g e n e gepfercht wurden, um vor Hunger zu sterben. Bis zur Manneshöhe waren die Bäume weih und nackt, ihrer Rinde be- raubt, welche die Verhungernden verschlungen hatten. Nach vier- zehn Tagen dieser Tortur kamen die Bulgaren, um denen die Kehlen zu durchschneiden, die beim Leben geblieben waren. Der g r i e- chische Metropolit erzählte mir, der bulgarische General bätte ihn in rüdester Weise vorgefordert und gefragt, ob er die Türken liebe.„Ja, denn seit 400 Jahren haben wir unter ihnen glücklich gelebt."—„Gut, ich werde Sie hinrichten lassen."—„Dann tötet mich lieber gleich."—„Nein. Etwas später, wenn es mir be- liebt. Hinaus."— Und im Nachbarzimmer sprachen die Adjutanten ebenso zu allen griechischen Notabeln." Ocftcmicb. Späte Erkenntnis. In der deutschnationalen Wochenschrift„Deutsch- tLesterreich" wird ein Gespräch mit einem Reserveoffizier über die Mobilisierung geschildert. Der Mann spricht von dem Wüten des Typhus, der Dysenterie und des nach der als Ueber- träger fungierenden Fliege genannten„Papadatschi"-Einberg anflöge der völlig unzureichenden und im Felde auch gar nicht durchzuführenden hygienischen Fürsorge. Interessant ist besonders folgende Bilanz: „Anfangs, als ich hinunterkam, da fand ich bei den Steirern und Kärntnern meiner Abteilung, brave Burschen, durchwegs deutschnationale Blätter, die ihnen die Angehörigen nachschickten, zum Schluß nur noch sozialdemokra- tische. Die Sozialdemokratie hat da, fürchte ich, sehr dauer- hafte Eroberungen gemacht. Ganz unleidlich wurden die Ver- Hältnisse, nachdem der Skutarifall erledigt war. Die Aussicht, daß es nun doch endlich Ernst werden würde, hatte die erschlafften Geister wieder belebt: alle Vorbereitungen wurden für den Ein- marsch in Montenegro getroffen. Der Rummel ging vorbei und nun hofften die Leute, doch endlich entlassen zu werden. Als nun aber die Entlassung nicht kam und der öde Kasernen- d ie n st sich weiter dehnte, als sollte er nie ein Ende nehmen, da bemächtigte sich der Leute eine Verzweiflung, die schwer zu beschreiben ist; eine Reihe von Selb st morden kam vor, man konnte geradezu von einer Selb st mordepidemie sprechen, Fälle von Wahnsinn. Zum Schluß war die Stimmung derart, daß beim Appell die Offiziere mit geladenem Revolver, die Flügelchargen mit geladenem Gewehr antreten mußten. Glauben Sie mir, diese Mobilisierung hat an die Armee schwerere Anforderungen gestellt als ein Krieg. Mußte es sein?" China. Beschießung des deutschen Kreuzers. Nach einer telegraphischen Meldung des Chefs des deutscheu Kreuzergeschwaders ist der Kreuzer„Emde n" von einem von Rebellen besetzten Fort bei Wuhu mit Geschütz- und Gewehrfeuer beschossen worden. Der Kreuzer hat sofort das Feuer erwidert und mit 25 Schuß das Fort zum Schweigen gebracht- Es wird bekannt, daß die Rebellen bereits am 24. August den Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie „S u ev i a", der von Hankau flußabwärts ging, mit Artillerie, und Gewehrfeuer beschossen, wobei ein Geschoß mittschiffs traf, ohne weiteren Schaden anzurichten. Ausbreitung der Rebellion. Schanghai, 28. August. Nach einer Meldung aus T s ch i n g t u vom 2V. August breitet dieRebell.ion s i ch a u s. Man ninunt an, daß. die Ursache wesentlich in der UnPopularität des Gouverneurs liegt. Die Truppen von Lungtschang rebellierten, tötetn ihren Gouverneur und gingen zu den Aufständischen über. In Hsingtscheng ergriffen die Tibetaner die Offensive, und die Feindseligkeiten wurden wieder allgemein an der Grenze eröffnet. Tie Beschießung von Nanking. Nanking, 28. August. Gestern abend fand eine allgemeine Beschießung statt. Die Regierungstruppen griffen drei Tore an und wurden zurückgeschlagen. Aber die Verteidigung war in» folge der demoralisierenden Wirkung des Feuers weniger energisch als vorher. Die Rcgierungstruppcn haben neue Geschütze heran- geschafft und haben, abgesehen von den Batterien in Pukau und anderen schweren Geschützen auf dem Tigerbcrge, weitere Batterien auf drei Seiten der Stadt aufgestellt. Das Feuer wurde die ganze Nacht hindurch fortgesetzt, und viele Geschosse explodierten in dem am dichtesten bevölkerten Teile der Stadt. Truppenabteilungen FengkuotschengS setzten oberhalb Nankings über den Jangtse, schlössen die Stadt im Westen ein und schnitten ihr so die Lebens- mittclzufuhr ab, die bisher nicht unterbrochen gewesen war. Verhaftung von Abgeordneten. London, 28. August.(P. C.) Die Verhaftung von 5 Senatoren und 3 Abgeordneten hat in P e k i n g das größte Aufsehen hervorgerufen. Beide Kammern besprachen in dringenden Interpellationen die Angelegenheit und vertagten sich, bis N u a n s ch i k a i eine befriedigende Erklärung über sein Vorgehen abgegeben haben wird. Der Senatspräsident hat sich mit dem Kammerpräsidenten in Ver- bindung gesetzt und beide haben an Auanschikai eine Anfrage gerichtet, ob er mit oder ohne Parlament zu regieren gedenkt. Auanschikai hat erwidert, die Verhaftungen seien ohne sein Wissen erfolgt. Er werde in dieser Angelegenheit eine Untersuchung einleiten. Diese Antwort Nuanschikais wurde von beiden Kammern als ungenügend bezeichnet- Aunanschikai hat sich bereits eine ganze Reihe von Ver- stoßen gegen die Verfassung zuschulden kommen lassen. So wurde vor einigen Tagen in Tientsin ein Abgeordneter kriegsgerichtlich verurteilt und erschossen, ohne daß die Regierung dafür eine Erklärung abgab. Seit Beginn der Krise sind 21 Abgeordnete verhaftet worden, von denen allerdings 12 wieder in Freiheit gesetzt wurden. Amerika. Ter Konflikt mit Mexiko. Washington, 28. August. Präsident Wilson hat an Alle Amerikaner in Mexiko die Aufforderung ge- richtet, dasLandsofortzuverlassen. Die Botschaft und die Konsuln wurden angewiesen,„allen Zivil- und Militärbeamten zu notifizieren", daß sie. für jegliche Unbill, die Amerikanern oder deren Eigentum zugefügt würde, ver- antwortlich gemacht werden würden. Eine spätere Meldung deutet aber darauf hin, daß Mexiko doch noch einlenken dürfte. Danach hat Präsident Wilson Lind angewiesen, nach der Stadt Mexiko zurück- zukehren, nachdem Wilson von Lind eine f e h r o p t i- mistische Mitteilung erhalten hatte.___ Hus der Partei. Aus den Organisationen. Am letzten Sonntag fand in S i o I p i. P o m. die Generalver- sammlung für den Wahlkreis Stolp-Lauenburg statt. Seiner Mitgliederzahl nach gehört der Kreis zu den kleinsten der Partei. Der Geschäftsbericht zeigt aber, daß in ihm ein reges Parteileben pulsiert. Es ist für unsere Genossen sehr schwer, in diesem durch und durch ostelbischen Kreise festen Fuß zu fassen. Trotzdem gelang es im verflossenen Jahre, die Zahl der Mitglieder von 190 auf 292, darunter 31 Frauen, zu erhöhen. Das Partei- blatt, der Stettiner„Volksbote", wird leider nur in 33 Exemplaren gelesen. An Einnahmen waren 904,41 M. zu verzeichnen, denen an Ausgaben 834,63 M. gegenüberstehen. Eine eigentliche Bil- dungsarbeit kann nur in Stolp betrieben werden, da hier eine größere Anzahl gewerblicher Arbeiter vorhanden ist. Im letzten Winter wurde unter anderem ein naturwissenschaftlicher Kursus des Genossen Dr. Drucker abgehalten, der sich eines Verhältnis- mäßig guten Besuches erfreute. Bebelnummer der„Gleichheit". Die Redaktion der„Gleichheit" hat eine Sondernummer herausgegeben, die dem Andenken Bebels gewidmet ist. Die erste Seite ziert ein sehr gelungenes Bildnis des Verstorbenen. Die Nummer bringt die Rede, die Genossin Zetkin an Bebels Bahre hielt, ferner ein Bild der Wirksamkeit des Verstorbenen aus der Feder der Genossin Zetkin, außerdem Beiträge der Genossin Rosa Luremburg, Helene Grünberg, Louise Zietz und anderen Mitarbeite- rinnen. Die Nummer schließt mit dem prächtigen Gedicht Otto Erich Hartlebens:„Die Wiederkunft." Die Sondernummer der „Gleichheit" mag mit zu dem Besten gehören, was bisher an Er- inncrungsschriftcn über Bebel geboten wovden ist. Im eigenen Hause. Die„Dresdener Bolkszeitung" ist gestern samt der dazu ge- hörigen VerlagSanstalt und Bm chd ruckerei von Kaden u. C o. aus den seit 13 Jahren innegehabten Mieiräumcn auf der Zwingerstraße nach dem großen von der Baugesellschaft Vorwärts neuerbautcn Doppelhause am Wettiner Platz über- gesiedelt. Ein ebenso imposantes wie architektonisch fchön geglie- dcrtes Bauwerk nimmt unser Dresdener Parteigeschäft auf. Die seitherigen Räume waren trotz fortwährender Vcrgrötzerungsbauten zu klein geworden. Jetzt sind sowohl für die Druckmaschinen wie für die Setzerei und Expedition große, schöne, helle Räume ge- fchasfen worden, die auch einer raschen Entwickelung auf viele Jahre genügen werden. Gleichzeitig wurde eine neue 64seitige Rotationsmaschine, die erste in Dresden, aufgestellt. Auch andere Druckmaschinen wurden neubeschafft.— In einem riesigen Saale im Erdgeschoß haben die Rotationsmaschinen ihren Platz gefunden; doch bleibt noch ein weiter Raum für zukünftige Ausdehnung. Im ersten Stockwerk wurde die Buchbinderei und die Akzidenzdruckcrei mit den Schnellpressen untergebracht; das zweite Stockwerk beher- bergt die Stereotypie mit großem Schmelzofen neuester Konstruk- tion und die Setzmaschinen. Das Obergeschoß birgt den großen Setzersaal, Waschraum, Garderobenräume für das Personal, Bäder sind ebenfalls in musterhafter Ausführung vorhanden. Die Redak- tion ist so eingerichtet, daß jeder Redakteur sein eigenes Zimmer hat. Daneben sind noch Räume für die Bibiliothek, Konferenzen und Mitarbeiter vorgesehen.— Noch ist nicht alles fertig, doch geht die Neueinrichtung mit Riesenschritten der Vollendung entgegen. Hoffentlich wird die Uebersiedelung für die„Dresdener Volks. zeitung" wie für das gesamte Parteigeschäft zu einer neuen Etappe erfreulicher Vorwärtscntwickelung. Richtigstellung. Genosse Tictz-Pirna ersucht uns, den Bericht über die Kreis-' konferenz Pirna-Sebnitz in Nr. 218 des„Vorwärts" dahin richtigzustellen, daß er auf der Konserenz nichr für, sondern gegen die Haltung der Fraktion anläßlich der Wehrvorlagen gesprochen habe. Er habe in der Versammlung die Ansicht vertreten, daß die Fraktion es hätte zur Auflösung deS Reichstages treiben müssen, weil dann Gelegenheit war, gegen die ganze Militärvorlage Front zu machen. Soziales. Ein Vergleich. Nach der in den Vierteljahrsheften der Statistik des Deutschen Reiches veröffentlichten Schulstatistik besaß Deutschland im Jahre 1911 rund 11,49 Millionen Schüler, die von 229 400 Lehrenden unter einem jährlichen Kostenaufwand von etwa 878 Millionen Mark unterrichtet wurden. Verfolgt man an der Hand der Statistik die Verteilung dieser Zahlen auf die drei wichtigsten Schulgruppen, auf die Volks-, Mittel- und höheren Schulen, so zeigt sich folgendes: Während die Volksschule 91 Proz. aller Schüler umfaßt, mußte sie sich mit 81 Proz. der Lehrenden und mit nur 76 Proz. der Unterhaltungskosten begnügen. Auf die Mittelschule entfällt überall ungefähr der gleiche Anteil, nämlich 3 Proz. der Schüler, 3 Proz. der Lehrenden und 3 Proz. der Gesamtkosten. Die höheren Lehr- anstalten dagegen mit 6 Proz. der Schüler beanspruchen 13 Proz. der Lehrendenvind 20 Proz. aller für das deutsche Schulwesen auf. gewendeten Gelder. KiindigungsauSschluß im Töpfergcwcrbc. Der Töpfergeselle Wegehauf klagte gestern vor dem Jnnungs- schiedsgericht gegen die Firma D a ch s ch u tz- G e s. auf Zahlung von 30 M. Lohn für 14 Tage wegen kündigungsloser Entlassung. Er wurde jedoch mit seiner Klage abgewiesen mit der Begründung: durch den bisher geltenden Tarif, in dem Kündigungsausschluß ver- einbart war, ist letzterer ortsüblich geworden und- gilt deshalb auch, wenn nichts anderes vereinbart ist, während der tariflosen Zeit.__ Sind Gärtnereien Gewerbebetriebe? Ein für das Arbeitsrecht in den Gärtnereien bedeutungsvolles und tiefeinschneidendes Urteil fällte in seiner Spruchsitzung am 9. August das Gewerbegcricht zu Charlottenburg. In einer Zeugnisstreitsache wider den Gärtncreibesitzer P. in Char- lottcnburg hatte der Beklagte den Einwand der Unzuständigkeit erhoben mit dem Hinweise, sein Betrieb sei, wenngleich in der Hauptsache Kunstgärtnerci und wenngleich zumeist technisch geschulte Gärtnergehilfen beschäftigt würden, rechtlich den landwirtschaftlichen Betrieben gleichzustellen. Diesen Standpunkt habe das Charlotten- burger Gewerbegericht selbst mehrfach und in ständiger Praxis zum Ausdruck gebracht. Ter klägerische Vertreter hob demgegcn- über hervor, daß durch dw Gewerbeordnungsnovelle vom Jahre 1908 die Rechtslage hinsichtlich der Gärtnereien eine andere gcwor- den sei. Durch die Einschaltung der Worte in 8 134 Abs. 1 Ziffer 4 „auf Gärtnereien" werde ausgedrückt, daß auf alle gewerbsmäßig betriebenen Gärtnereien alle Bestimmungen des 7. Titels der G.-O. Anwendung erleiden, die durch den 8 154 nicht ausdrücklich ausge- nommen sind. Kläger war in der Lage, diese Auffassung auch mit einem Hinweis auf den neuesten v. Landmannschen Kommentar zur Gewerbeordnung-zu begründen, der sich in demselben Sinne äußere, ferner durch Vorlegung zweier vom Oberlandcsgericht Dresden am 29. November 1911 und am 20. März 1912 gefällter Urteile. Das Oberlandesgericht Dresden sage ausdrücklich:„Aus der Entstehungsgeschichte der hier in Frage kommenden neuen Ge- sctzesvorschrift ist mit Deutlichkeit zu entnehmen, daß der Gesetz- geber unter„Gärtnerei" die gesamte gewerbliche sowohl die Handels- als auch die produktionsgewerbliche— Gärtnerei verstanden wissen wollte." Die Parteien einigten sich im ersten Termin dahin, auf eine Vollsitzung des Gewerbegerichts zunächst zu per- zichten und dem Herrn Vorsitzenden zu überlassen, vorerst in der Zuständigkeitsfrage ein Zwischenurtcil zu erlassen. Dieses Urteil wurde nun, wie schon bemerkt, am 9. August verkündet, und es fiel zugunsten der vom Kläger vorgetragenen Ansichten aus. Das Urteil würdigt im einzelnen alle Eigenarten des in Frage kam- wenden P.schen Betriebes und sagt, daß die in deutlichster Weise die Merkmale einer gewerblichen Gärtnerei im Sinne des Z 134 G.-O. tragen. Die Entstehungsgeschichte der Worte„auf Gärtnereien" im§ 134 verweise darauf, daß nach der heute ge- gebenen Rechtslage nur noch der selb mäßig betriebene Anbau von Pflanzen nicht unter die Gewerbeordnung falle, daß aber im übrigen die K u n st- und Handelsgärtnerei in allen ihren Zweigen als Gewerbe anzusehen sei, im besonderen aber die Gemüsegärtnerei, die Samenzüchterei, die Frcilandblumengärtnerei, die Topfpflanzenzüchterei, die Schnitt- blumengärtnerei usw. Die in dem Urteil zum Ausdruck gebrachte Auffassung weiche von der früheren Stellungnahme des erkennenden Gerichts allerdings ab, und das G.-G. Charlottenburg verlasse damit auch bewußt und mit Absicht den in seiner Entscheidung vom 6. März 1906 dargelegten prinzipiellen Standpunkt, welch letzterer aber, was zu betonen sei, auf der damaligen Lage der Gesetzgebung beruhte. Seit der Novelle von 1908 fei die Gefrtz. gebung eben anders auszulegen, so, wie das v. Landmann und das Oberlandesgericht Dresden und andere schon getan hätten. Das Urteil ist zwar, da der Wert des Streitobjekts auf 150 M, festgesetzt wurde, berufungsfähig. Falls dagegen Berufung ein� gelegt werden sollte, so besteht aber doch so gut wie keine Aussicht, daß das Landgericht einen anderen Standpunkt einnehmen wird. Erst ganz kürzlich haben schon die Landgerichte in Leipzig und in Altona a. E. in demselben Sinne entschieden wie jetzt das Cbar- lottenburger Gewerbegericht. Es darf auch erwartet werden, oaß' die gewerbegerichtliche Praxis in allen anderen Orten dem Char- lottenburger Gewerbegcricht folgen wird. Bisher beriefen sich viele immer noch auf einen Entscheid des Berliner Gewerbegerichts vom Jahre 1896, nach welchem Gärtnereien nur dann Gewerbebetriebe seien, wenn darin die Handelstätigkeit oder in Verbindung mit dieser die Umarbeitung zu neuen Produkten(Kränzen, Sträußen und dergleichen) stattfindet. Das Berliner G.-G. selbst dürfte leider so leicht nicht mehr Gelegenheit bekommen, seinen veralteten Standpunkt zu korrigieren, denn in seinem örtlichen Wirkungs- kreise gibt es heute gar keine eigentlichen gewerbsmäßig betriebenen Gärtnereien mehr, hier sind die Gärtnereigrundstücke längst in Bauland verwandelt und mit Wohnhäusern bebaut. DaS G.-G. Charlottenburg hielt sich sonst immer, während zahlreich« andere Gewerbegerichte in mancher Hinsicht schon früher den Gewerbe» begriff für Gärtnereien weitergestcckt hatten als das Berliner, genau in dem vom Berliner Gewerbegericht geschaffenen Rahmen. Vielleicht spielt künftighin das neue Charlottenburger Urteil eine ähnliche Rolle wie bisher das Berliner Urteil vom Jahre 1896. � Tarifbewegung im Kürschnergewerbe. Eine am gestrigen Abend abgehaltene und überfüllte Ver« sammlung aller in der Pelzbranche tätigen Arbeiter und Arbeite» rinnen stimmte nach einem Situationsbericht des Referenten Regge vom Deutschen Kürschnerverband einstimmig einer Re- solution zu, die u. a. besagt, daß sie sich mit den Ausführungen deS Referenten sowie mit den von der Berliner Filiale deS Deutschen Kürschnerverbandes aufgestellten Forderungen einverstanden er- klärt. Ferner erklären sich die Versammelten bereit, am Sonn» abend, den 30. August, überall dort, wo die Forderun- gen nicht anerkannt worden sind, unweigerlich die Arbeit einzustellen. Sollte eS zum Abschluß eines .Vertrages kommen, so hält die Versammlung daran fest, daß der 'Tarifabschluß uur auf der Grundlage abgeschlossen wird, daßTwr „Verein selbständiger Kürschner" als vertragschließende Korpo» ration zugelassen wird. Wo von Fabrikanten mit Werkstätten gleichzeitig Selbständige beschäftigt werden, gelten die Forderurigen nur dann als anerkannt, wenn auch deren Forderungen aner- kannt werden. Die Versammelten sprechen aber ihre Bereit» Willigkeit aus, jederzeit die Verhandlungen wieder aufzunehmen« sofern die Arbeitgeber solche anbieten. Bewilligt haben die Forderungen bis jetzt 24 Fabrikanten. In den Streik soll auch dann getreten werden, wenn die betreffen» den Unternehmer, die bis dahin nicht bewilligt haben, etwa Ver» Handlungen anbieten oder wenn solche bereits im Gange sein sollten. Hetzte Wachnchten. Mit Cyanknli vergiftet hat sich gestern abend um 10 Uhr aus einer Bank am Mariannenplatz der 26jährige Schornsteinfeger Franz Hage, wohnhaft Mariannenstr. 35. Im Krankenhaus Bethanien, wohin der Selbstmordkandidat von Leuten, die mit ihm auf der Bank gesessen hatten, gebracht wurde, konnte der Arzt nur den sofort eingetretenen Tod feststellen. Frankreich gegen die Politik der Vereinkgteu Ttaaten in Mexiko. Paris, 28. August.(P. C.) Das Verhalten der Vereinigten Staaten in Mexiko wird in der französischey Presse scharf gemiß- billigt. Das„Journal des DcbatS" schreibt über die mexikanische Frage: Präsident Wilson hätte die Politik der europäischen Mächte befolgen sollen, die Huerta als provisorischen Präsidenten an» erkannten. Mexiko lebte während der 80jährigen Diktatur von Porphyrie Diaz, für den die Verfassung nur eine leere Formel war, in Frieden und Fortschritt, hätte man Huerta unterstützt, so wäre ihm Aehnliches möglich gewesen. Auch der halbamtliche„Tempi"- wendet sich gegen die Vereinigten Staaten und sagt: Die Regierung der Vereinigten Staaten muß ihre völlige Neutralität und Uninter» essiertheit erklären, um die mexikanische Revolution endlich zum Stillstand zu bringen. Die Regierung der Vereinigten Staaten ist sich selbst und Europa, dessen Interessen in Mexiko schon schwer ge» litten haben, eine derartige Haltung schuldig. Dle Note HuertaS. New York, 28. August.(P. C.) Die letzte Note General HuertaS an die Bundesregierung in Washington wiederholt noch einmal die alte Forderung auf seine Anerkennung als Präsidenten der Republik Mexiko durch die Vereinigten Staaten. � Der Brand auf dem„Jmperakor"- New Bork, 28. August.(W. T. B.) Bei dem Feuer auf dem „Imperator" ist nur der zweite Ofsizier Gobrecht umgekommen. Der für tot gehaltene Matrose Otto Stumpf ist bewußtlos auf» gefunden worden, fein Zustand ist allerdings ernst. Direktor Meyer von der Hamburg-Amerika-Linie erklärte: das Feuer sei auf dem Proviantraum, in welchem es ausgebrochen war, beschränkt geblieben. Ein wahres Unglück dabei sei nur der Tod GobrechtS, dessen Handlungsweise ein neuer Beweis für den Heldenmut deutscher Seeleute sei. Die sichere Bewältigung des Feuers tue den hohen Wert des Fcuerlöschsystcms auf dem„Imperator" dar. Als das Feuer gelöscht war, stand das Wasser jn der überfluteten Abteilung 35 Fuß hoch. WWW Weiche ein mit g eine Abf eilang für «urucR�ese/zf©"Wfeir©!�. Zuruck�esefzie"�.ren 6ind solche, die teil5 un�ortirl, oder mit kleinen �chonheibfehle r n behaftet, teils in der Fabrikation ein"venid beschädigt oder anmodern Sind. Diese meiden von uns nicht mehr als regulär verkacift. Aedes zopuefegesefete �Paar ist dureft den a)tmpeL "BAÄÄIE, der imten in die� �)ohie und innen- in ehe j�rancbofith eingeprägt ist, deuthdv aisr 5iusucfeqe5e�t gehejui�ciduiet, "Wir verkaufen dieäe �£W?Ü€M$m€igi®SÜ. S�lÄnaÄEMlcr�rfiejfel für MMN BN jrf« wMt7= für Bteon Zuruckdesefzte c>dldmanderdiefeJ sind vom Umtausch ausgeschlossen. jiTfiKi SChiUHöES/ M. B/H/ BERLIN "Vbrkauif der zurucMeseizfen Sdldmonderäliefel nur Müllerö fraSe 4 Offeriere in nur frischer, schönerWare! Nur ein Preis!'913 Fette, junge 7-12 Pfd. schwer. Nur allererste Qualität! Gänseriimpfe, halbe Gänse. Fette Suppenhühner, jungeBrathühner 1�. �Vexner, Berlin SO. UV"«ur Mariauuenstr. 34. W/'H'/tr, Kiise I schnittreif K&se! offeriert a Pfd. KV Pf. franko gegen Nachn. in ganzen Brot, zu 8—11 Pfd. Postsrei innerhalb Deutschlands. �entral-�otkerei. VKristdurg Vtpr. Höft*' ITNON it. 223. so. wt» i. ifiidjjp dtg jormirtB" Kerlilltt iolteWiitt. M«, 29. A.M ,9!3. Se�erksckaMickes. l)ie �lrbeitsverkä'tniPse in äer Kllrsten- unä pinfelinclustrie. Die Bürsten- nnd Pinsclmachcrei gehört zu den Berufsztvcigen, :n welchen die Betriebskonzentration bereits riesige Fortschritte ge- macht hat. Die leichte Erlernbarkeit des Berufes begünstigte in manchen Gegenden die Verbreitung der Bürstenmacherei als Haus- Industrie. Seitdem jedoch die Maschine in bedeutendem Matze Ein- gang in das Gewerbe gesunden hat, macht der Grotzbetrieb dem Kleinhandwerk immer erfolgreicher Konkurrenz. Nach der Gewerbe- zcrhlung vom Jahre 1907 umfaßt die Bürsten- und Pinselmacherei x>xi Betriebe mit 26 983 Beschäftigten, von welchen 18 750 Arbeiter sind. Der weitaus größte Teil der Betriebe sind Zwerg- betriebe, darunter 3968 Alleinbetriebe; nur 617 Betriebe beschäf- tigcn mehr als 5 Personen; mit über 199 Beschäftigten wurden nur 36 Betriebe gezählt. In den Fabriken werden die gelernten Ar- beiter in steigendem Matze von den Ungelernten und von weiblichen Arbeitskräften verdrängt. Viel stärker als an der Fabrikarbeit ist das weibliche Element an der Heimarbeit beteiligt. Nach der amt- lichen Zählung wurden von 239 Betrieben 486 männliche und 4979 weibliche Heimarbeiter beschäftigt. Die amtliche Berufs- und Gewerbezählung läßt uns hinsichtlich der Lohn- und Arbeitsbedingungen völlig im Stich. Diese Lücke auszufüllen bemühen sich die Gewerkschaften. Der Deutsche Holzarbeitervcrband veröffentlicht jetzt die Ergebnisse der im November 1912 veranstalteten Erhebung über die Lage der Ar- beiter in der Bürsten- und Pinselindustric. Es existieren zwei Zentren, Schönheide im Ei�gcbirgc und Todtnau im badischen Schwarzwald, in welchen sich, unabhängig voneinander, die Bürstenmacher-Hausindustric entwickelt hat. Später entstanden in diesen Gegenden Grotzbetriebe, welche, besonders in Baden, den Kleinbetrieb allmählich aufsogen, während das Kleinhandwerk im Erzgebirge eine größere Widerstandsfähigkeit zeigt. Für die Pinselindustrie ist Nürnberg der Hauptsitz. . Von der Statistik des Deutschen Holzarbeiterverbandes wurden in 418 Betrieben 9568 Arbeiter und Arbeiterinnen erfaßt. Das ist ein recht beträchtlicher Teil der in Frage kommenden Personen. Etwa zwei Drittel der von der Statistik erfaßten Arbeiter kommen auf die Großbetriebe. Die Arbeitsbedingungen der Bürsten- und Pinselarbciter, wie sie die Statistik darstellt, sind durchaus nicht glänzend. Die Arbeitszeit ist im Durchschnitt länger als in den anderen Branchen der Holzindustrie. Aber dank des erfolg- reichen Wirkens der Organisation ist auch in der Bürstenindustrie eine unverkennbare Besserung eingetreten. Vergleiche mit frühe- ren Erhebungen des Holzarbeiterverbandes ergeben, daß für alle beteiligten Betriebe der Gcfamtdurch schnitt der wöchentlichen Arbeitszeit betrug: 1893 1897 1992 1906 1912 62,1 59,8 59,2 59,9 57,1 Stunden Die Verkürzung der Arbeitszeit macht also nur langsam und zögernd Fortschritte. Immerhin arbeiten bereits 22 Proz. der Arbeiter 54 Stunden und weniger, auf der anderen Seite müssen aber noch 13,9 Proz. länger als 69 Stunden in der Woche arbeiten. Der alte Erfahrungssatz, daß die Löhne um so niedriger sind, je länger die Arbeitszeit währt, wird auch durch die vor- liegende Statistik wieder bestätigt. Sie zeigt aber auch, daß die durch die Gewerkschaftsarbeit erzielte Arbeitszeitverkürzung die Löhne in die Höhe treibt. Bei den bisher aufgenommenen Lohn- statistiken der Bürsten- und Pinselarbeiter ergab sich für die männlichen Arbeiter der nachstehend verzeichnete w ö ch c n t- lichc Durchschnitts verdien st: 1893 1897 1992 1906 1912 15,78 17,63 18,52 18,87 22,18 Mark Hier ist ein kräftiger Fortschritt nicht zu verkennen, aber wie bescheiden ist doch bei den gegenwärtigen Tcucrungspreisen für alle Lebensbedürfnisse ein Durchschnittsverdienst von 22,18 M. Dabei verdienen noch 12,1 Proz. der erwachsenen Männer weniger als 15 M. pro Woche; mit einem Lohn von 29 M. und weniger müssen 49,2 Proz. vorlieb nehmen, aber nur 7 Proz. erreichen einen Lohn von 39 M. und darüber. Der Durchschnittsverdienst der Ar- beiterinnen bleibt weit hinter dem der männlichen Arbeiter zurück, er beträgt nur 11,94 M.; im Jahre 1996 hat er allerdings nur 9,41 M. betragen. Diese knappen Auszüge aus der Statistik zeigen zur Genüge, daß die Bürsten- und Pinselindustric ein Elendsberuf ist und dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn man tiefer in die Materie ein- dringt nnd insbesondere die Einzelnachweisungen in den umfang- reichen Ortstabcllen einer näheren Durchsicht unterzieht. Für die Unternehmer allerdings, und vornehmlich für die Aktionäre der Großbetriebe zur Herstellung von Bürsten und Pinseln ist dieser Beruf recht lukrativ; die Aktiengesellschaften der Bürsten- und Pinselindustrie werfen fast durchgängig eine recht flotte Dividende ab. Leider läßt die Organisation der Arbeiter der Bürsten- und Pinselindustrie noch recht viel zu wünschen übrig. Die Statistik lehrt aber, daß dort, wo die Arbeiter den Wert der Organisation begriffen haben, die Arbeitsbedingungen alsbald eine Besserung erfuhren. Hoffentlich ziehen die Arbeiter und Arbeiterinnen der Bürsten- und Pinselindustric daraus die richtige Nutzanwendung. verlin uncl Clmzezcnd. Tarifbctuegung der Patentsteinwandbranche. Die Unternehmer haben bei den neuerlich gepflogenen Verhand- lungcn erklärt, daß sie einer Lohnerhöhung sowie einer Arbeits- zettvcrkürzung nicht zustimmen könnten. Dagegen unterbreiteten sie einen Entwurf, besten Annahme die Tarifrommission in einer am Mittwoch abgehaltenen Versammlung empfahl. In der Dis- kussion kam eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Vorlage zum Ausdruck. Besonders richtete sich dieselbe gegen den Passus, der die Fahrgeld-, Fahrzeit- und Laufzeitentsck)ädigung regelt. Die Versammlung beschloß, der Vorlage zuzustimmen mit Ausnabme des erwähnten Passus. Hier wird verlangt, daß bei allen Bauten, die über dem Stadtring liegen, die Fahr- und Laufzeit vergütet wird. Mit den Unternehmern soll nochmals in Verbindung getreten werden. Dies ist inzwischen geschehen und haben sich die Unternehmer auch noch zu einigen weiteren Zugeständnissen in bezug auf den von den Arbeitnehmern beanstandeten Passus herbeigelassen. Eine am Donnerstag abgehaltene Versammlung� der Arbeitnehmer nahm daraufhin die ganze Vorlage gegen eine Stimme an. Achtung, Destillationsgehilfen! Die Großdestillation von A. M e y e r. Fennstr. 1, ist nach wie vor für Gehilfen ge- sperrt. Gegen die Streikposten verwendet Herr Meper nicht mehr uniformierte, aber desto mehr Kriminalpolizei, die schon wiederholt ganz unbeteiligte Passanten sistierte. Verband der Gastwirtsgehilfcn, Ortsverwaltung Berlin. Fahrstuhlnrbcitcr. Wegen Lohndiffcrenzen ist der Schul- neubau in Wilmersdorf, Mainzer Ecke Wcimarischestraßc, Aus- führender: Bnugeschäft Pumplun, für organisierte Fahrstuhl- arbeiter gesperrt. Deutscher Bauarbdterverband. Deutfebes Rcicb. Zum Konflikt auf den Werfte». Die Holzarbeiter in B r? m e r h a v e n haben in einer Donners- tag nachmittag stattgefundenen Versammlung beschlossen, die Arbeit unter den bekannten Bedingungen aufzunehmen. Die Holzarbeiter in Bremen haben Freitag eine Mitglieder- versamnilung, in der über diese Frage Beschluß gefaßt werden soll. Lohnbewegung der Stettiner Speditionsarbeiter. Die Ortsleitung des Transportarbeiterverbandes in Stettin steht seit einigen Wochen mir den Speditionsgeschäften in Unterhandlung wegen einer Aufbesserung der Arbeitslöhne der Spedilionsarbeirer. Die Arbeiter verlangen vor allem eine gleichmäßige Bezahlung der gleichen Arbeit im Sommer wie im Wiyter. Die ständig be- fchästigten Arbeiter wollen eine andere Regelung ihre Lohnes insofern, als sie einen Minimallohn fordern. Heute schwanken die Löhne dieser Kategorie von Arbeitern zwischen 22 und 33 M. pro Woche. Die Unternehmer aber zeigen nicht die geringste Geneigtheit, den Arveilern entgegenzukommen. So verlangen sie, daß die ständigen Arbeiter von jeder Lohnregelung überhaupt ausgeschaltet werden sollten. Darauf gingen die Ärbeitervcrtreter selbstverständlich nicht ein. Dann wieder lehnten sie die Einführung eines Minimallohncs ab mit der Begründung, daß dann die Arbeiter nicht mehr tüchtig genug, sondern nur noch eine„Nummer" seien. Schließlich gingen die Unternehmer sogar so weit, die seit Jahren bezahlten Löhne verkürzen zu wollen. Die Speditionsarbeiler haben sich jetzt noch einmal eingehend mit der Lohnbewegung beschästigt und in einer Resolution zu erkennen gegeben, daß sie von ihrem alten Stand- Punkt nicht abgehen werden. Wenn die Unternehmer den Frieden erhalten wollen, liegt es jetzt an ihnen, einzulenken und den Arbeitern iveiter entgegenzukommen, als es bisher geschehen ist. Die Arbeiter sind nach wie vor bereit, auf der Grundlage ihrer Vorschläge mit den Speditionen weiter zu verhandeln. Tabakarbeiter und Fachausschüsse. Das Hausarbcitsgesctz voni Jahre 1911 gibt dem Bundesrat die Befugnis, für bestimmte Gcwcrbczweige und Gebiete Fach- ausschüssc zu errichten. Diese haben die Staats- und Ge- meindebehörden durch tatsächliche Mitteilungen und Erstattung von Gutachten zu unterstützen. Sic haben auf Ersuchen dieser Bc- Hörden bei Erhebungen über die gewerblichen und wirtschaftlichen Vcrhältniste der betreffenden Gcwcrbczweige mitzuwirken, Vcran- staltungen und Maßnahmen, die die Hebung der wirtschaftlichen Lage und der Wohlfahrt der Hausarbeiter zum Zweck haben, anzu- regen, den Abschluß von Lohnabkommen oder Tarifverträgen zu fördern und dergleichen sozialpolitische Maßnahmen zum Schutze der Hausarbeiter mehr zu treffen. Bisher sind solche Fachausschüsse unseres Wissens noch nirgends gebildet. Im Ziegicrungsbezirk Minden und in den Fürstentümern Lippe-Detmold und Waldeck-Pyrmont ist die Tabakhausarbcit am stärksten von ganz Deutschland vertreten. Eine für diesen Bezirk einberufene Gaukonferenz des Tabakarbcitcrvcr- b a n d e s beschloß, eine Eingabe an den Bundesrat ein- zureichen, in der um Bildung von Fachausschüssen für diesen Bezirk ersucht wird. Wie stark die Heimarbeit in diesem kleinen zwischen dem Teutoburger Walde und dem Wesergcbirge gelegenen Landesgebiet gerade in der Tabakindustrie betrieben wird, geht aus folgenden Zahlen hervor: Es arbeiten in diesem Gebiete 19 775 Heimarbeiter in 169 Ortschaften für 632 Fabriken, kleines feuilieton Der Polizeitanz. Man kann über die Konzession der?!achtlokale denken, wie man mag: lustig aber ist, daß auch noch das Tanzen in jedem polizeilich gestattet sein muß. Deutschland ist ein Konzessionsstaat: der eine erteilt sie und der andere macht sie,— von Konzessionen leben jedenfalls alle beide— die Regierung und der Bürger. Mögen sie tanzen, nicht tanzen: damit ist nichts gewonnen, nichts verloren. Aber man bewundert doch immer wieder das Prinzip, nach dem hier gewirtschaftel wird. Da muß nun der arme Kriminalkommissar sich oft genug in die Bar setzen und auf- passen, daß hier keine der Damen einen kleinen Wackler riskiert. Würde man ihn fragen, warum eigentlich nicht getanzt werden darf, er würde sicher sagen:„Weil es nicht erlaubt ist l"— So. Sie haben die Verordnungswut. Sie kümmern sich nicht um die Fragen, die uns mehr am Herzen liegen, als die, ob nachts die Mädels tanzen dürfen oder nicht. Da schreiten sie ein. Aber sie sind nicht zu bewegen, das Gesäß vom Amtsstuhl zu lüften, wenn ein Kranker um Hilfe und Rettung vor der Klaviermusik im Hause ruft, wenn Teppiche donnernd auf die Straßen hin geklopft werden, — ach was, da gibts nichts von Gesinnung,�— sondern nur Lärm. Nachts... man loeiß nicht so recht. Sollen doch die Leute schlafen gehen! Sie haben heute noch nicht begriffen, daß sie nicht berufen sind, den Lebenswandel eines Bürgers zu überwachen. Den Prostituierten knien sie auf, wenn sie im Dreck stecken,— im Tanz- verbot offenbart sich die Sittlichkeit eines Staates, der weiter keine Sorgen hat. Schiebetänze, Meldewesen, Schilderverordnungen für kleine Ge- schäfte,— da sind sie dabei. Was die soziale Fürsorge angeht, so ist es bei unS die Opposition, die tut, was zu tun ist: alles. Die Herstellung künstlicher Gasquellen. An mehreren Stellen Deutschlands befinden sich unterirdisch brennende Kohlenflöze. Einen solchen„brennenden Berg" besuchte bereits Goethe; der zu Dudweiler erregt gegenwärtig Aufsehen; ein Kohlenlager unter Zwickau soll dort ermöglicht haben, südländische Pflanzen tut Freien zu ziehen; das brennende Kohlenflöz zu Häring in Tirol erlaubte bis vor kurzem dort Gemüsebau mitten im Winter. Der englische Phhsiker R a ni s a y, dem man schon viele hervorragende Entdeckungen und Ideen verdankt, tritt nun, wie das„Jahrbuch der Erfindungen" vom Jahre 1913 berichtet, allen Ernstes mit dem Vorschlag hervor, diese Zufälle der Natur bewußt nachzuahmen und der Zivilisation dienstbar zu machen. Er sagt, daß die nützlichste Verwendung der Steinkohle die Gaserzeugung sei, und mit Recht weist er auf den ungeheuren Umweg hin, den man dazu jetzt noch einschlägt, ivenn utan zuerst unter so viel Gefahr und Beschwerden die Kohle an das Tages- licht bringt, oft über den halben Erdball in die Gasanstalten transportiert, dort erst verbrennt und nun das Gas wieder weiter- leitet. Er stellt sich vor, daß sich enorme Kosten vermeiden lassen, wenn man ein Bohrloch von höchstens 59 Zentimeter Durchmesser in das Flöz treibt und es zuerst entwässert. Ein ztveites Bohrloch führt Luft zu und auch etwas Dampf zur Erzeugung des so- genannten Wassergascs. Durch einen elektrischen Draht, also durch künstliche Kurzschlüsse, wird dann das Kohlenlager in Brand gesetzt und seine Glut kann von da ab durch Luftzufuhr beliebig geregelt werden. Das Flöz wird in einer Art natürlicher Retorte unterirdisch vergasen und das entstehende Gas kann an der Schacht- mündung gleich abgezogen, gereinigt und zu den tausendfachen industriellen Zwecken, zu denen man Gas heute verwendet, fort- geleitet werden. Am rentabelsten stellt sich Ramsay hierbei den Betrieb von Gasmotoren zur Erzeugung von Elektrizität vor. Ter Plan erscheint wie eine Julcs-Verniade, aber sein Vater versichert aus seinem reichen Wissen, er hege keine technischen Un- Möglichkeiten. Tatsache ist, daß derzeit die Kohlenausnützung mit lächerlich geringfügigen Nutzungswertcn arbeitet, dafür aber übermäßig viele Hände zu menschenunwürdigen Diensten in Bewegung setzt. Wenn jetzt 8 bis 19 Proz. der wirklich in der Kohle steckenden Energie dem Menschen nutzbar wird und Ramsah sein Versprechen, mindestens 39 Proz. Nutzung zu verschaffen, halten kann, reizt dieser Unterschied mächtig an, wenigstens die Ausführbarkeit des Projektes zu erproben. Es gibt genug Kohlenlager, in denen man den Betrieb ein- gestellt hat, weil das Flöz so dünn wurde, daß es bergmännische Arbeit nicht mehr lohnt, oder weil es im Wasser steht oder zu minderwertige Kohle enthält. Für sie besteht hier eine neue Ver- wcrtungsmöglichkcit, und müßte sich der Ramsaysche� Gedanke auch nur auf solche Abfälle des Kohlenbergbaues beschränken, mit einem Schlage wäre das Gespenst der Kohlennot, vor dem sich mancher Industriestaat schon fürchtet, auf lange hinaus verscheucht. Die bedeutendste vorgeschichtliche Fundstätte Deutschlands. Diesen Platz hat sich jetzt Markklceberg bei Leipzig erobert. In fünf Kies- gruben sind dort Steinwerkzeuge entdeckt worden, die direkte Parallelen zu klassischen palöoliiischcn Funden in Frankreich dar- stellen. Die„Magdeburger Zeitung" kennzeichnet die Bedeutung der Fundstätte mit näheren Angaben: Unter den Steinwerkzeugen des Markkleebergcr Fundes ist der Typus des Moustörien vorherrschend, d. b. unter ihnen befinden sich gut behauene retuschierte ovale oder dreiseitige Beile, gut retuschierte Sckmber, Spitzen usw., wie in dem bekannten und vielerörterten Fund Otto Hausers von Le Mo n stier (Frankreichs im Jahre 1998. In Le Moustier fand man freilich die Stein- Werkzeuge um ein äußerst interessantes Skelett gruppiert, während der Markkleebergcr Fund Skeletteile nicht aufzuweisen hat. Immerhin erweisen die Markkleeberger Steingeräte die Anwesenheit des Menschen in Sachsen in einer so frühen Zeit, wie man sie bisher nur in Taubach bei Weimar, in Schussenried nördlich vom Bodensee, im Neandertal bei Düsseldorf oder in Mauer bei Heidelberg an- nehmen durfte. Nach einem Gutachten des Tübinger Gelehrten Dr. Schmidt gibt es neben der Markkleeberger Fundstelle nur noch eine von ähnlichem Alter, nämlich bei Metz. Die Steinwerkzeuge des Markkleeberger Fundes gliedern sich in drei Gruppen, eine tief patin ierte, eine stark gerollte und eine s ch a r s k a u t i g e Gruppe, und verteilen sich auf drei Stufen. In der untersten sind die Klingen sehr roh und teilweise von der Mantelschicht noch nicht befreit, in der zweiten Stufe sind die Klingen zwar noch sehr breit, aber doch schon verhältnismäßig elegant; in der dritten sind sie im- gerollt und mit scharfen Kanten versehen! Bis jetzt ergaben die Markkleeberger Gruben über 390 gute und über 500 weniger gute Stücke. Damit ist Markkleeberg die bedeutendste, ergiebigste Prä- historische Station Deutschlands. Dieser Umstand, der zu weiteren Nachforschungen große Anregung geben dürfte, ist für die prähistorische Forschung im allgemeinen nnd besonders für die sächsische prä- historische Forschung um so erfreulicher, als das Sachsenland bisher gar kein Material für die neuere Rassenforschung und das Vor- handensein des diluvialen Menschen aufzuweisen schien. Psychologie und falsche Wortbildung. In einer dänischen Zeit- schrift plaudert ein dänischer Gelehrter über logische Verwechselungen, die zu komischen Wortbildungen führen. Der psychologische Vorgang beruht darauf, daß die sprechende Person das richtige Wort mit einem begriffähnlichen oder klang- ähnlichen verwechselt und nun von dem falschen Begriff zu monströsen Wortformen kommt. Ein englischer Fuhrmann verlangte beispielsweise eine Elle vom„leibhaftigen Teufel", als er Satin holen wollte. Das Wort Satin führte ihn auf Satan und vom Satan hatte er es dann begreiflicherweise bis zum leibhaftigen Teufel nicht mehr weit. Ein schwedisches Dienstmädchen verlangte tit der Apotheke„Schraubensalbe", als sie Borsäure holen sollte. „Bor" wurde in ihrem Gehirn zu bohren und das Vohren weckte tviederum die Vorstellung einer Schraube. Im Schwedischen liegt diese Verwechselung besonders nahe, weil beispielsweise ein so gewöhnliches Jitstrument wie ein Pfropfenzieher mit„Korkschranbc" bezeichuet wird. Ein dänischer Junge verlangte in der Apotheke Hasen- Pillen, als er Chinin holen sollte. Er verwechselte ursprünglich Chinin mit dem dänischen Wort„Kanin"(Kaninchen), das ebenfalls den Ton auf der letzten Silbe hat. Das vergessene Kaninchen aber feierte dann als Hase seine sprachliche Auferstehung. Die Apotheker aller Länder würden wahrscheinlich ganze Bände mit ähnlichen Erfahruiigeu füllen können. Notizen. — Theaterchronik. Das Neue Bolks-Thc ater (Nette freie Volksbühne) beginnt ani Sonntag, den 31. August, seine vierte Spielzeit mit dem Drama:„ M u d d e r M e w s" von Fritz Stavenhagen.— In den K a m m e r s P i e l e n des Deutschen Theaters findet heute die Erstaufführung von„ V e n e z i a- n i s ch e s Abenteuer eines jungen Mannes" von Karl Bollmoeller. Musik von Friedrich Bermann, statt. Hierauf folgt zum ersten Male„Die Stärkere" von August S t r i n d- b e r g. Anfang 8 Uhr.— Das Joseph-Kainz-Theateram kleinen Wannsee veranstaltet am Freitagabend, 8'/* Uhr, einen „Bunten Abend" im„Schwedischen Pavillon". Karten a 2 M. — Die Ausstellung für Körperpflege und Körper- k u l t u r. die bis zum 14. September dauert, wird am Sonnabend in der Philharmonie eröffnet. — H u m b o l d t- A k a d e m i e. In den Lehrkörper der Hum« boldt-Akademie sind neu eingetreten: der Direktorialassistent am königl. Museum für Völkerkunde Dr. Aug. Eichhorn für Völkerkunde, der Privatdozent an der Universität Dr. Edw. Henning für Paläontologie und Geologie, Dr. F. Ruhnau für Landwirtschafts- lehre. Universitätsdozent a. D. Dr. Th. Sternberg für Strafrecht, Julius Bab für literarische Fragen der Gegenwart und Friedrich v. Oppeln-Bronikowski für neufranzösische und ncubelgische Literatur. Das Borlesungsverzeichnis der Humboldt-Akademie erscheint am Anfang der zweiten Septemberwoche. —„Scham u n d E i f e r s u ch t" ist im Untertitel das neue Bühnenwerk genannt, das Frank W e d e ki n d gedichtet hat. Der Obertitel der Tragödie ist„ S i m s o n". Der Held des Stückes ist blind. Das Lessingtheater führt das Stück noch in diesem Winter ans. — Ein b it r e a u k r a t i s ch e s Lustspiel in vier Akten, be- titelt„Die Affäre", hat Henri N a t h a n s e n, der Verfasser des Schauspiels„Hinter Mauern", vollendet. Es wird demnächst im Verlage Oesterheld u. Co., Berlin, erscheinen. — Er ist endlich gefunden— der Titel nämlich, um den S u d e r m a n n für sein neues fünfaktiges Drama, ein Römerdrama, dem literarischen Presseklatsch der letzten Wochen zufolge bisher vor- geblich rang.»Die Lobgesänge des Claudia n" heißt er. davon allein im Kreise Herford 6SS2 Heimarbeiter in 62 Orten für 374 Fabriken. Für Lippe-Detmold wird die Zahl der Heimarbeiter mit 330 angegeben, die für 31 Fabriken in 27 Orten arbeiten. Für Waldeck sind 23S Arbeiter angegeben, die für 14 Fabriken in 4 Orten arbeiten. Im Jahresbericht der Mindener Handelskammer (1911) ist die Zahl der Zigarren-Hausarbeiter im Regierungsbezirk Minden am 1. Juli 1912 mit 13 838, davon 539S männliche und 8443 weibliche angegeben. Die zu bildenden Fachausschüsse könnten sich gerade hier mit der Förderung von Lohnabkommen und Tarif- Verträgen verdient machen. Die Löhne sind erbärmlich niedrig. Nach den Angaben der Tabak-Berufsgenossenschaft für die Kreise Minden, Lübbecke und Herford(ausschließlich der Städte Minden und Herford) betrug laut Bericht der Handelskammer zu Minden in Westfalen der Verdienst der bei der Tabak-Berufsgenossenschaft obligatorisch und fakultativ versichertes Personen im Jahre 1309 im Kreise Lübbecke 583 M., im Kreise Minden 695 M. und im Kreise Herford 649 M. Im Jahre 1911 betrug der Verdienst für dieselben Personen im Kreise Lübbecke 584 M., im Kreise Minden 675,9 M. und im Kreise Herford 631,9 M. Bei diesen Zahlen ist jedoch zu berücksichtigen, daß nur ein ganz kleiner Bruchteil der Hausarbeitcr in die Unfallversicherung einbegriffen ist. Der größte Teil der HauSarbeiter hat einen Monatsverdienst von 36 bis 56 M. Die ganze Familie einschließlich der Kinder, die kaum daS schul- Pflichtige Alter erreicht haben, müssen mit am Tabak arbeiten, damit erst dieser Verdienst erzielt werden kann. Die Entlohnung ist ganz verschieden. Für dieselben Sorten (gleiche Arbeit) werden ganz verschiedene Lohne gezahlt. Die Fa- brikanten zahlen fast in jedem Orte andere Löhne für dieselbe Ar- beit. Unterschiede in diesen Löhnen bis zu 7 M. pro Tausend Zigarren sind festgestellt worden. Die Lohnzahlungsperioden sind ganz ungeregelt. Ein großer Teil der Hausarbeiter hat monatliche, ein Teil 14tägige und ein kleiner Teil achttägige Lohnzahlung. Die Art der monatlichen Lohnzahlung hat bei dem geringen Verdienst die wirtschaftliche Lage der Hausarbeiter sehr erschwert. Viele Tabakhausarbeiter müssen ihren Lebensunterhalt auf Borg einkaufen, sie leben dann ständig in Schuldknechtschast. Ein Gewerbegericht ist für diese Arbeiter, außer denen in Minden, nicht vorhanden. Die Lehrherren- und Lehrlingsfrage ist vollständig ungeregelt und wird von dem Unternehmer nach Willkür gehandhabt. Der Empfang der unfertigen Tabake und die Abliefe- rung der fertigen Zigarren ist fast nirgends geregelt. Tarifver- träge sind nur vereinzelt vorhanden, sie werden von der Organi- sation der Fabrikanten bekämpft. Für keine Industrie und kein anderes Gebiet mit Hausarbeit ist die Errichtung von Fachaus- schüssen eine so notwendige Maßnahme, wie in der Tabakindustrie genannten Bezirks. Tliislsnck. Die Streikbewegung in Katalonien. In Vallad olid sind die Arbeiter der nordspanischen Werk- statten in den Ausstand getreten. In Barcelona bestehen Meinungsverschiedenheiten unter den Textilarbeitern. Ein Teil von ihnen hat die Regelung der Arbeit durch ein Regierung?- dckret angenommen und die Arbeit wieder begonnen. Die anderen streiken weiter. So arbeiteten gestern in 156 Webereien 13 666 Mann, während in 135 Webereien 16 666 Mann weiterstreiken.—. Der Streik der Eisenbahner Nordspaniens ist beendet. Der Ausstand der Maler in London ist beendet. Die Meister haben die Forderungen der Ausständigen bewilligt. Auch die Elektrotechniker werden wahrscheinlich ihre Forderungen durchsetzen. In Riga haben 2566 Arbeiter der Allgemeinen ElekirizitöiS- Gesellschaft die Arbeit eingestellt. Kongreß der Fithographen, Steindrncker und venvulldten Keruft. Wien, 27. August. Die Delegierten besichtigten unter sachgemäßer Führung und Erläuterung die mit dem Kongreß verbundene Internationale Ausstellung von Druckerzeugnissen und nahmen dann eine Be- sprechung der aus der Ausstellung zu ziehenden Lehren vor, die mit einem Referat S i I l i e rs eingeleitet wurde. Dabei wurde folgendes besonders betont: Vor Jahren gingen gewisse Arbeiten vom Steindruck in den Buchdruck über und da haben die Stein- drucker sich zufrieden gegeben und erklärt: gut, jetzt ist das Buch- druckarbeit, die den Buchdruckern überlassen werden muh. Gegen- tvärtig aber bringt die technische Enttvickelung viele dieser Arbeiten wieder in den Steindruck zurück; nun aber erklären die Buchdrucker, daß sie dieses Arbeitsgebiet nicht abtreten, sondern daß es trotzdem ihnen vorbehalten bleiben muß. Dazu kann die Steindruck- kollegenschaft nicht ihre Zustimmung geben, sondern sie müsse in allen Ländern ihr Augenmerk darauf richten, daß diese Arbeiten jetzt wieder den Steindruckkollegen überlassen bleiben. Hentschel-Leipzig faßte das in die Formel: Me Ver- fahren, die auf der Wechselwirkung zwischen Jett und Wasser be- ruhen, gehören dem Steindruck, den Buchdruckern gebort der Typen- druck. Ferner bringe die Offsetmaschine— die bei dieser Ent- Wickelung besonders in Frage kommt— eine derart aufreibende, das Nervensystem angreifende Arbeit mit sich, daß die Kollegen überall auf Verkürzung der Arbeitszeit dringen müssen. Eine glte fachliche Aufklärung der Kollegen ist notwendig. Deshalb hat der deutsche Verband eine fachtechnische Zentrale in Leipzig beschloffen. Auch das Ausland möge dieser Zentrale mit Auf- lärung dienen. Die Zentrale würde dann nicht verfehlen, dem Auslande wiederum von ihren Resultaten und Beobachtungen Mit- teilung zu machen, so daß auch die dortigen Organisationen von der deutschen Einrichtung Nutzen ziehen. Diesen Ausführungen wurde allgemein zugestimmt. Ebenso dem Gedanken, die Ausstellungsstücke zu erwerben und nach Mög- lichkeit allen Ländern auf Wunsch zur Verfügung zu stellen, mit- samt den zum Verständnis notwendigen gedruckten Erläuterungen. Ein Referat SillierS über: Die Einrichtungen der LanbeSorganifationrn behandelte vor allem die Frage, wie die Chemigraphen Italiens, -ie dort noch in der Buchdruckerorganisation stehen, zu dem dorr estehenden Verband« der Lithographen und Sieindrucker herüber- uizichen sind. Auf Antrag Tomasini(Italien) wurde de- hloffen, sich an das internationale Buchdruckersekretariat zu enden, damit dieses die Bestrebungen der Steindrucker auf lieber- .ritt der Chemigraphen unterstützen solle. Leinen- Dresden vertrat einen Antrag der deutschen Tseneratoersammlung, seitens des Internationalen Sekretariats dne Schrift über die Lohn- und Arbeitsbedingungen der einzelnen Länder herauszugeben und an der Händ derselben den an- geschlossenen Organisationen Anregungen und Ratschläge zu geben. Der Antrag wurde dem Sekretariat mit der Weisung überwiesen, ihm in geeigneter Weise, sei es durch eine besondere Schrift, oder durch das Bulletin, oder durch eine Erweiterung der internationalen Auskunftskarte, gerecht zu werden.. Der belgische Vertreter erklärte, daß es in semem Lande infolge von Angriffen der Unternehmer gegen die Organisationen um Kampf kommen kann. Der Kongreß erklärte: Bewahrheitet sich das. dann ist der belgischen Organisation die Hilfe der anderen Organisationen sicher.. Dann Wierde einer Kommission die Beratung eines von Deutschland ausgearbeiteten neuen Statuts überwiesen, zu dem crschiedene Länder AbänderungSanträge gestellt haben. Weiter wurde beschlossen, den nächsten Kongreß in London Zozuhalte«. Illtervaiilmaltt Travsportarbkitkr-Kongreß. London, den 26. August. Der 8. Internationale Transportarbeiter-Kongreß trat heute vormittag in der Caxton Hall zusammen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Internationalen Transportarbeiter-Föderation S ch u m a n n- Berlin eröffnete die Verhandlung und begrüßte die Delegierten. Trotz aller Schwierigkeiten ist es uns gelungen, eine internationale Organisation unseres Berufes zu schaffen, die, wenn sie auch in dieser oder jener Richtung noch manches zu wünschen übrig läßt, sich doch bereits als leistungsfähig im Kampfe gegen das koalierte Unternehmertum erwiesen hat. In seiner Erwiderung weist Ben T i l l e t-London auf die weltumfassende Bedeutung der Transportarbeiterorganisation hin. Er gedenkt des Todes von August Bebel, der nicht nur ein Vorkämpfer aller Arbeiterinteressen war, nicht nur als einer der ersten für das Recht der Frau eingetreten ist, sondern dem der Kampf gegen den Militarismus eine Lebensaufgabe war. Karl Liebknecht hat kürz- lich im Reichstage den Kruppskandal aufgedeckt. Dabei hat sich für uns im England herausgestellt, daß wir nicht besser daran sind, als die Deutschen. Wir werden durchaus nicht, wie man auf dem Kontinent häufig meint, von wohltätigen philanthropischen Herren regiert, auch bei uns herrscht das Kapital häufig in gewalttätiger Form. Auch wir haben Schiffringe und Waffenringe. Die Regie- rung ist unfähig, das Parlament schwach, und so wird das Volk um Millionen betrogen. Die bürgerliche Presse ist gekauft und in den Händen der Trusts und hetzt zum Kriege zwischen den Völkern. Hoffentlich erstarkt die Transportarbeiterorganisation bald derartig, daß sie dem Kriege selber den Krieg erklären kann.(Lebhafte Zu- stimmung.) Schumann dankt für die kameradschaftlichen Worte, die Ben Tillet im Namen der Engländer August Bebel gewidmet hat. Wir Deutschen haben den herbsten Verlust erlitten, den eine Ar- beiterklasse erleiden kann. Aber Bebel hat nicht nur für Deutsch- land gelebt, nein, für das internationale Proletariat, und darum wird sein Andenken überall in Ehren gehalten werden. Im'Namen der französischen Delegation schließt sich Bidc- ga r a h(Eisenbahner) der Ehrung Bebels an. Dann begrüßt A p p l e t o n im Namen de? britischen Gewerk- schaftsbundes den Kongreß. Nach einigen Begrüßungsworten, die der Sekretär des eng- fischen Transportarbeiterverbandcs, Williams- London, an den Kongreß richtet, konstituiert sich der Kongreß und wählt S ch u- mann- Berlin, L i n d l e y- Stockholm und G o ß l i n g- England zu gleichberechtigten Vorsitzenden. In der NachmittagSsitzung erstattete der Sekretär der Födc- ration I o ch a d e- Berlin den Bericht des Zentralrats. Der schriftlich« Bericht sagt über die Entwickelun« der Jnter- nationalen Transportarbeiter-Föderation, daß sie heute i n 1 3 L ä n- dern 56 Organisationen mit 88 1 956 Mitglie- d e r n, in Wirklichkeit sogar schon über«in« Million Mitglieder zählt, das ist fast doppelt so viel als vor drei Jahren. An der Spitze steht der Deutsch« TranSportarbeiterverband mit 281 466, der englische Cisenbahnerverband mit 186 666, die englische Trans- Portardeiterföderation mit 159 966, der österreichische Eisenbahner- verband mit 56 666, der spanische Eisenbahnerverband mit 46 666, der italienische mit 25 666, der französische mit 22 666 und der schwedische mit 21 666 Mitgliedern. Jochade ergänzt den schriftlichen Bericht mit folgenden Be- merkungen: Seit 1916 hat sich die internationale Föderation beinahe verdoppelt. Interessant ist das Wachstum der internationalen Föderation nach den Berufsgruppen. Die Eisenbahner sind seit 1916 von 266 516 auf 378 138. also um 36 Proz. gewachsen, die Straßenbahner, Transportarbeiter und Chauffeure von 89 616 auf 241 166, die Hafenarbeiter von 84 538 auf 169 833, die Seeleute von 27 859 auf 92 873. Den Hauptanteil am Wachstum der Eisen- bahnerorganisation haben England und Spanien. Die Eisenbahner- bewegung in Großbritannien mit ihren 266 666 Mitgliedern zeigt eine Geschlossenheit, wie kaum sonst wo. Besonders erfreut sind wir über das Wachstum der Eisenbahnerorganifation in Spanien, diesem reaktionären und klerikalen Lande, wo eine Arbeiterbewe- gung fast wie eine Unmöglichkeit erschien, aber die Führer der Bewegung Barrio und Cordon Scilla haben in kurzer Zeit über 46 666 Eisenbahner organisiert und die Organisation hat sich sofort der Internationalen Föderation angeschlossen. Diese glänzende Leistung verdient die vollste Anerkennung des Kongresses.(Bravol) Hoffentlich gelingt eS unseren spanischen Kameraden, nun auch bald die Transportarbeiter, Hafenarbeiter und Seeleute zu organisieren. Zurückgegangen ist die Organisation der französischen Eisen- bahner. Schuld daran ist der unglückliche Ausfall des großen Eisenbahnerstreiks, der von einigen voreiligen Leuten gegen den Willen der Leitung unternommen wurde. Von 48 666 sind die Or- ganisierten auf 22 666 gesunken. Die Zahl der organisierten dcut- schen Transportarbeiter ist in den letzten drei Jahren von 118 416 auf 231 369 gestiegen. Die englischen Transportarbeiter haben 156 696 Mitglieder in den Organisationen; während aber die deutsche Organisation die Form straffster Zentralisation aufweist, herrscht in England noch das föderative System mit seinen Schwächen und Fehlern. Alle Einsichtigen arbeiten aber auf seine Beseitigung hin und der Völle Zusammenschluß aller englischen Transportarbeiter mit den Eisenbahnern, der eine Organisation von 356 606 Mitgliedern umfassen würde, kann jetzt schon als Möglichkeit ernsthaft ins Auge gefaßt werden. Er wird kommen, weil er kommen muß. weil die Widerstrebenden durch die weitere Entwickelung der Verhältnisse dazu gezwungen werden. In Deutsch- land wird der Zusammenschluß der Eisenbahner durch die Regie- rung und die von ihr ins Leben gerufenen Organisationen un- geheuer erschwert. Wir sind aber nach wie vor der Meinung, daß wir auch hier auf dem richtigen Wege sind. Da» muß mit Nach- druck angesichts der unberechtigten Kritik der italienischen Käme- raven betont werden. Die Eisenbahnermassen wer- den sich nicht für alle Zeit als Kulis behan- dein kassen; sie können sich auch auf die Dauer nicht dem Einfluß dcS mächtigen TransportarbeitcrvcrbandsS entziehen. Jedenfalls haben wir durch die Fusion aller Gruppen eine starke Interessenvertretung erzielt. Auch der Zusammenschluß der eng- fischen Eisenbahner ist nicht ohne Einfluß auf die Bruderorgani- sationen des Auslandes geblieben. Die heutige Zeit erfordert starke Organisationen, Jndnstriegruppen auf zentralistischcr Basis. Na- tionaliSmuS, Standesdünkel und Separatismus haben kein Eriitenz- recht mehr in der Arbeiterbewegung.(Bravo!) Redner macht die Oeffentlichkeit noch auf eine schreckliche Krankbeit aufmerksam, von der die mit dem Verladen von Zink- und Bleierzen beschäftigten Hafenarbeiter befalle» werden. iSe führt zu völliger Verkrüppclung der Hände. Die englischen Safenarbeiter leiden weiter am Pech- krebS, einer furchtbaren Krankheit, die durch da» Umgehen mit Pech und mit Waren entsteht, die mit Pech hergestellt werden.� Wenn die italienischen Kollegen den Bericht des ZentralratS für wertlos erklärt haben, soweit es sich um die Darstellung der Organisations. Vorgänge in den einzelnen Ländern bandelt, so muß daran erinnert werden, daß gerade die italienischen Eisenbahner niemals einen Be- richt geliefert haben.(Hört! hört!) Mit der Ausarbeitung von Protestresolutionen gegen die Kriegsgefahr ist eS nicht getan. In die Berichterstattung muß ein feste» System gebracht werden. An- scheinend gehen wir wieder schlechten Zeiten entgegen, wir müssen unser Pulver trocken halten. Der wirtschaftlich« Niedergang wird mit schweren gewerkschaftlichen Kämpfen verbunden se,n. Die mter. nationale Föderation übt in der Hauptsache ein« vermittelnd« Tätigkeit aus. Nur im alleräußersten Notfall darf sie in Anspruch genommen werden. Grundsatz ist. daß die Landesorganlsatlonen ihre Kämpfe aus eigenen Mitteln durchführen. Eine leistungssahige international« Föderation beruht auf leistungsfähigen Landes- organisationen.(Lebhafter Beifall.) Die organisatorischen und taktischen Fragen behandelt dann Döring» Berlin als Mitglied des ZentralratS: Ueber die Frage der OrganifationSform wünscht der Zentralrat kern« Auseinandersetzung auf diesem Kongreß, weil diese Frage vor drei Jahren in Kopenhagen bereits eingehend behandelt wurde. Unsere Ermahnungen gingen dahin, die kleinen Organisationen nach Möglichkeit zusammenzulagen. Von allzu großem Erfolg waren sie nicht gekrönt. Immerhin können wir konstatieren, daß in einer Anzahl von Fällen die Landesorganisationen der deutschen zentra- listischen Formation nachstrebten, so vor allem in England. Eine Umformung von so gewaltiger Bedeutung kann eben nur schritt- weise erzielt werden. Aehnliche Bestrebungen haben sich in Italien bei den Eisenbahnern, in Argentinien, in Norwegen, Dänemark und Finnland erfolgreich durchgesetzt. In Frankreich, dem klassischen Lande der Einzelorganisationen und des Syndikalismus, haben die Hafenarbeiter und Seeleute ein Kartellverhältnis abgeschlossen, das zweifellos die Grundlag« für den Ausbau der Organisation abgeben wird. Da? föderative System macht Erfolge für die Arbeiterklasse unmöglich. Auch in Belgien find zentralistische Bestrebungen im Gange. Andererseits haben in einzelnen Ländern Trennungen stattgefunden. So haben sich z. B. in Amerika bei den Seeleuten und Hafenarbeitern einige Teile der Organisation von der Gesamt- organisation losgelöst, weil sie der Meinung waren, daß sie als lokale Organisationen den Kampf gegen die großen europäischen Schiffahrtsgesellschaften besser aufnehmen könnten. Natürlich baben diese kleinen Organisationen gar nichts erreicht und fristen ein kümmerliches Dasein. Auch in Oesterreich ist eine Trennung er- folgt; nach den tiefgehenden Auseinandersetzungen mit den böhmi- schen Nationalisten hat sich ein Teil der Eisenbahner von der Ge- samtorganisation losgelöst. In Frankreich sind nach dem wilden Eisenbahnerstreik Teile der Organisation abtrünnig geworden. Wenn die Franzosen wie die Engländer eine große zentrale Or- ganisation gehabt hätten vor und während des Streiks, dann wäre die Bildung kleiner Organisationen gar nicht erst eingetreten. Auch in England sind einige Absplitterungen erfolgt, so die der Hafen- arbeiter in Glasgow, der Seeleute in Glasgow, Southampton und anderen Hafenorten. Auch in Holland ist der Versuch gemacht wor- den, die Eisenbahnerorganisationen auseinanderzureißen. Aber die Hauptorganisation hat standgehalten und der Schaden ist jetzt ausgeglichen. Trotzdem kann konstatiert werden, daß der zenrra- listische Gedanke immer größere Fortschritte macht.— Redner bespricht dann die Aufträge, die der Kopenhagener Kongreß dem Zentralrat erteilt hat. Die Einigung der beiden Seemannsorgani- sationen in Norwegen ist uns schließlich, trotz großer Schwierig- keiten, geglückt. Dagegen ist es nicht gelungen, die beiden Organi- sationSrichtungen der Hafenarbeiter und Seeleute in Holland zu vereinen, trotz aller erdenklichen Mühe. Holland hat zwei Landes- organisationen, davon ist die der anarchistischen, syndikalistischen Richtung dem Internationalen Transportarbeiterverband ange- schlössen. Jetzt beantragt die andere Richtung, die auf dem Boden der modernen Gewerkschaftsbewegung steht, ihren Anschluß, und der Zentralrat hat ihre Aufnahme beschlossen.(Lebhafte Zustimmung.) Der Kopenhagener Kongreß gab uns weiter den Auftrag, gemein- sam mit einer aus Seeleuten gebildeten Kommission die Ein- führung einer Kontrollkarte für die Seeleute und die eines großen Weltstreiks der Seeleute zu beraten. Wir beriefen eine Seemanns- konferenz; aber zu ihr schickten England und Frankreich nicht praktische Seeleute, sondern einen katholischen Pastor und eine Dame.(Heiterkeit.) Der große Streik spielte die Hauptrolle bei den Reden. Uns gelang es schließlich, die Kontrollkarten fertig- zustellen und den Seemannsorganisationen zu übermitteln. Leider müssen wir konstatieren, daß aus diesem Kongreß von verschiedenen Organisationen ihre Beseitigung beantragt wird, während andere Organisationen sie gar nicht eingeführt haben. Der Zentralrat schlägt nun vor, alle diejenigen Anträge, die auf eine Aenderung der Organisation hinauslaufen oder eine Aenderung der Einrich- tungen bezwecken, auf diesem Kongreß nicht zu erledigen, weil die Zeit dazu nicht ausreichen würde. Dagegen soll aus den Vertretern sämtlicher Nationen eine Kommission gebildet werden, die im An» schluß an den Kongreß oder später in Verbindung mit dem Zentral- rat all« diese Anträge berät und dem nächsten Kongreß das Ergebnis unterbreitet. Besonders bezieht sich dieser Vorschlag aus die grund- stürzenden Anträge der italienischen Eisenbahner. Sie verlangen die Verlegung des Zentralrats von Berlin nach Paris oder London und die Verdoppelung der Beiträge von 6 auf 12 Pf. pro Mitglied. So einschneidende Anträge können nicht aus dem Handgelenk erledigt werden. Besonders ist die Begründung des italienischen An- träges, die schriftlich vorliegt, ganz danach angetan, die heftigsten Debatten zu entfesseln. Italien soll erst einmal seine unerhörten Angriffe gegen uns beweisen. Haben wir unsere Pflicht und Schuldigkeit nicht getan, so mag der Kongreß uns kritisieren, aber wenn sich eine Organisation wie die italienische, die selber noch nichts geleistet hat, herausnimmt, unsere Arbeit mit Füßen zu treten, wenn sie den deutschen Gewerkschaften abspricht, daß sie je etwas für die Arbeiter geleistet haben, wenn sie sagt, daß von Berlin niemals der leiseste Hauck von Idealismus ausgegangen sei, so lassen wir uns das nicht gefallen.(Stürmischer Beifall bei den Deutschen und Oesterrcichern.) Solche leichtfertigen Anträge dienen wahrhaftig nicht der Einigkeit unter uns allen. Der Vorschlag des Zcntralrats gibt die Möglichkeit, alle diese Fragen in voller Ruhe zu verhandeln. Im Interesse de? Bestehens der I. T.-F. ersuchen wir um seine Annahme.(Erneuter lebhafter Beifall eine? großen Teiles de» Kongresses.) Die Weiterverhandlungen werden auf Mittwoch vertagt. Gerickts- Leitung. Der Geschäftsbetrieb eines AuSwanderungSagenten. In dem Prozeß gegen den Eisenbahningenieur Wilhelm B r o s e n i u s, der, wie mitgeteilt, beschuldigt wird, deutsche Staatsangehörige unter falschen Vorspiegelungen zur Auswande- rung nach Brasilien verleitet zu haben, w«rde Donnerstag die Beweisaufnahme vor der 7. Ferienstrafkammec des Landgerichts I fortgesetzt. Wie mitgeteilt, hatte der Angeklagte bezw. sein Ver- teidlger, Rechtsanwalt Dr. Bruno Friedländer, in der Verhandlung am vergangenen Dienstag behauptet, daß die bei ihm erschienenen angeblichen AuswaiiderungLlustigen bezahlte Agenten der Polizei, sog. Polizeispitzel, gewesen seien, bei denen eine Ver- leitung zur Auswanderung schon deshalb nicht möglich gewesen sei, weil sie von vornherein gar nicht die feste Absicht gehabt hatten, auszuwandern. Um diese Behauptung auf ihre � Richtigkeit zu prüfen, war das Gericht am Dienstag gezwungen, die Verhandlung auszusetzen und den Kriminalkommissar Dr. T a n n e r zu laden. Dieser wurde gestern als Zeuge vernommen und bekundete, das be- zahlt« Agenten in dem Dezernat für das Auswanderungswesen überhaupt nicht beschäftigt werden. Völlig haltlos sei die Behaup- tung, daß von der Polizei abgesandte Leute etwa die Rolle von ..»geiit» provocateur»" dem Angeklagten gegenüber gespielt hätten. Auf«ine Frage dcS VerteidgerS. ob e» dem Zeugen bekannt fe'.. daß sich unter den angeblich AuswanderungSlvstigen der Kriminal- schutzmann und»Holzarbeiter" Petersen befunden habe, erklärt der Zeuge, daß er auS eigener Wahrnehmung dar- über kein« Angaben machen könne. Auf eine weitere Frage des Verteidigers, ob bei dem Angeklagten Polizetbeamte waren, ohne sich als solche vorzustellen, erklärte der Zeuge, daß er bezuglich dieses Punktes auS internen dienstlichen Gründen die Aussagen verweigern müsse.— In der weiteren Beweisaufnahme kamen recht erbauliche Dinge über die in den Prospekten verlockend geschilderten„paradiesischen" Zustande in der Auswandererkolonie in dem Staate Minas-Geraes in Brasilien zur Sprache Während in den Prospekten, die von dem inzwischen flüchiig gewordenen Studenten Feyerabend und dem Ange- klagten vertrieben worden waren, gesagt wurde, daß daS den Kolo- nisten völlig frei zur Verfugung gestellte Land samt Wohnhaus nach sieben Jahren in ihr unbeschränktes Eigentum ubergehe, erklärte her als Sachverständiger vernommene Leiter der..Zentralauskunst- stelle für Auswanderer", Dr. Julius W o l f f, daß die Ansiedler sechs Monate nach Uebernahme drei Hektar bebaut und nach drei Jahren die Hälfte des ganzen Landes kultiviert haben müßten. Hierzu komme eS nur in sehr wenigen Fällen. Scheinbar harmlos sei auch oie Bestimmung, daß die Emigranten 20 Proz. der Ernte als Abzahlung pro Jahr an die Regierung von Minas-Geraes abzuliefern hätten. Diese 20 Proz. müßten jedoch ein Zehntel des Gesamtwerts von Land und Haus ausmachen. Solange die Regierung die vertraglich vereinbarten Zuschüsse von 30 bis 60 Mil- reis pro Monat leiste, gehe alles gut. Sobald aber die Z u s ch ü s s e nach sechs Monaten versiegen und der Ansiedler auf den Erlös seiner Ernte angewiesen sei, ändere sich das Bild und der Kolonist inüsse, um die von ihm verlangten Abgaben zu verdienen, mehr arbeiten, wie irgendein Arbeiter in Deutschland. Nach den amt- lichen Feststellungen seien in den letzten fünf Jahren zirka 2 0 0 0 0 Deutsche, Handwerker, ländliche und Industriearbeiter nach Brasilien ausgewandert. Nicht nur die verlockenden Angebote, sondern auch die unter den auswanderungslustigen Arbeitern aus der Großstadt verbreitete irrige Ansicht, daß die landwirtschaftlichen Arbeiten nicht viel anders seien als die Tätigkeit eines Berliner Laubenkolonisten, sei die Veranlassung zu den zahlreichen Aus- Wanderungen.— Wie die weitere Beweisaufnahme ergab, hatte der brasilianische Bundesstaatsdeputierte Carneiro de Rezende in Bello Horizonto an den Angeklagten einen Brief gerichtet, in welchem er ihn bat, möglichst viele Deutsche zur Ansiedelung im Staate Minas- GeraeS zu veranlassen. Ferner kam u. a. zur Sprache, daß die in Deutschland angeworbenen Auswanderer, um der scharfen Kontrolle der Polizeibehörden in den Seestädten zu entschlüpfen, nach Paris dirigiert wurden, wo sie von dem Agenten der„Royal Mail", D u p o n t, in der Rue de Chabrol in Empfang genommen und nach Cherbourg transportiert wurden. Von dotr wurden sie mit einem Dampfer der„Hamburger Seetransport-Gesellschaft Hayn u. Co." nach Brasilien geschafft.— Sehr interessant gestaltete sich die Vernehmung des Restaurateurs D e t t m a n n, der durch die Angaben des Angeklagten sich veranlaßt gesehen hatte, auf eigene Kosten nach dem vielgepriesenen Staate MmaS-Geraes zu reisen. Ter Zeuge erzählte, daß er nach einer Versammlung in einem Separatzimmer des CafcS„Atlas", an der 29 Auswanderungs- lustige teilgenommen hatten, über Bremen nach Rio de Janeiro gefahren sei, wo er einen Empfehlungsbrief an den Vertreter des Angeklagten, einem Restaurateur Franzisco Rebello, abgegeben habe. In Rio de Janeiro habe niemand etwas von der ge- planten Ansiedlung in Christino in Minas-Geraes gewußt. Dort sei kein Haus, kein Kaufmannsladen, kurz nichts von irgendwelcher Kultur gewesen. Die meisten Auswanderer hätten in dem Schweinestall eines mitleidigen Faziendabesitzers kampieren müssen. Von anderen Leuten sei der Angeklagte mit dem Ausdruck „Sklavenhändler" belegt worden. Er, Zeuge, sei deshalb schleunigst wieder nach Deutschland zurückgekehrt.— Staatsanwalt Dr. W a- s ch o w kam in seinem längeren Plaidoher zu dem Schluß, daß die Beweisaufnahme ergeben habe, daß der Angeklagte als gewerbs- mäßiger Auswanderungsagent tätig gewesen sei und deutsche Staatsangehörige unter wissentlich falschen Vorspiegelungen zur Auswanderung verleitet habe. Im nationalen Interesse müsse gegen derartige Agenten mit aller Schärfe des Gesetzes vorgegangen werden, um zu verhindern, daß Deutsche ihrem Vaterland den Rücken kehren, um dann im Auslande in Not und Elend zu ge- raten. Der Antrag des Staatsanwalts lautete deshalb auf acht Monate Gefängnis. Das Gericht kam ebenfalls zu der Ansicht, daß sich der Angeklagte im Sinne der Anklage schuldig gemacht habe und erkannte auf eine Gefängnis st rafe von 3 Monaten. Versammlungen. Der politische Massenstreik. In einer am Mittwoch abgehaltenen Versammlung der Stein- arbeiter referierte W i n k l e r. Er sei kein Gegner des Massenstreiks, halte aber die Diskussion für verfrüht. Die Gewerkschafter stehen im Vordergrund der Parteiarbeit. Es sei unangebracht, gegen die Gewerkschaftsführer zu hetzen, diese kennen die Stimmung .der Massen sehr genau. Die organisierte Arbeiterschaft hat sich das Mitbestimmungsrecht bei Lohn- und Arbeitsbedingungen er- rungen. Tarife sind abgeschlossen. Millionen werden für Unter- stützungszwecke ausgegeben. Auf dem Gebiet des Genossenschafts- Wesens sind gewaltige Fortschritte gemacht. Neben den Wirtschaft- lichen Errungenschaften gehen die bedeutenden Bildungsbestrebun- gen einher. Wenn auch viel erreicht ist, so ist doch weit mehr zu erringen. Die Stagnation ist der wirtschaftlichen Krise geschuldet. Man sagt aber, unsere Waffen müßten geschärft werden. Doch be- denken wir, daß es möglich ist, mit Hilfe des Koalitionsrechts die Organisationen zu unüberwindlicher Macht auszubauen. Wenn dann eine festgefügte Mehrheit eine Minderheit mitreißt, so ist das leicht,.während im umgekehrten Fall eine Katastrophe fast unausbleiblich ist. Wenn auch der Volkswille bei den Wahlen ge- fälscht wird, ist doch der Parlamentarismus nicht zu verwerfen. Wie im Gewerkschaftsleben erst alle Möglichkeiten friedlichen Ver- r.i-- � j. Kampfmittel ansein. Erst müssen zu können. Einen friedlichen Massenstreik in Deutschland kann ich mir nicht vor- stellen und die Herrschenden warten auf ein Blutbad. Auch wenn der Streik friedlich sein sollte, bedürfen wir einer starken Orga- nisatiom Die Arbeiterbewegung hat zu viel zu verlieren, weil sehr viel erreicht ist, und um das Mehr zu erreichen, müssen wir das Erreichte festhalten. Nicht der letzte Mann braucht organisiert zu sein, um den Kampf wagen zu können, aber die Mehrheit muß es sein. Aber wie sieht es z. B. in der Stadt der Intelligenz mit dem Prozentsatz der Organisierten zu den Nichtorganisierten aus? Wir dürfen vor allem nicht die Starke der gegnerischen Organisationen übersehen, dann werden wir die Reserve verstehen, die sich die Gewerkschaftsführer auferlegen. Deren Kritiker sollten sich aber hüten, dann von Bremsen zu reden. Die durch jahrhundertelange Entwickelung geschaffenen Zustände lassen sich nicht im Hand- umdrehen ändern. Im Prinzip wird kein Ueberzeugter gegen� den Massenstreik sein. Man darf nur nicht die jeweiligen Verhältnisse übersehen. Gerade die wichtigsten Arbeiterkategorien, Verkehrsgewerbe usw., sind verstaatlicht. So sehr uns das Gelingen eines Massenstreiks dem Endziel nähern kann, so sehr kann unS eine Niederlage zurückwerfen. Deshalb darf der Kampf nicht gewagt werden, bevor der Erfolg so gut wie sicher ist. Dann aber werden größere Zugeständ- nisse auch ohne Kampf zu erreichen sein.. Je größer und stärker die Organisation, desto nachgiebiger der Feind. Sollte aber ein An- griff auf das geltende Recht erfolgen, dann wird der Kampf los- brechen. Wir müssen unermüdlich organisieren und agitieren, um langsam, aber sicher daS Ziel zu erreichen. Und sollten wir persön- lich das Ziel nicht mehr erreichen, dann teilen wir eben das Schick- sal so vieler unsererer Vorkämpfer. Ausführungen nicht unwidersprochen lassen. Hält man die Massen für reif zur Anwendung der scharfen Waffe des Massenstreiks im Falle eines Raubes des KoalitionSrcchtS, dann sind sie überhaupt reif dazu. Es ist Pflicht der Organisationen, die Massen vorzu- bereiten. Schon die jetzige Zahl der Organisierten genügt, um daS Wirtschaftsgetriebe lahmzulegen. Unsere Kampflinie muß schnür- gerade und klar vor uns liegen. Im Verlauf der weiteren Debatte wurde überwiegend gegen die Ausführungen des Referenten polemisiert. Eine Entschließung wurde nicht gefaßt. Berichtigung. Genosse Karl Liebknecht hat in seinem Vortrage im sechsten Wahlkreise n i ch t, wie es in unserem Bericht heißt, den Stuttgarter, sondern den Nürnberger Parteitags- beichlutz als maßgebend für die Budgetbewilligung und auch zu- treffend für unsere Stellung zur Steuerfrage bezeichnet. Hiid aller Melt. ReiFerorgen. Die Regierungstätigkeit hat Wilhelm II. von K e I h e i m, wo er die neue Ruhmeshalle einweihte, über Posen nach Breslau geführt. Dort wohnt daL Kaiserpaar im Schlosse, wie der„Breslaurr Generalanzeiger" meint, unter sehr dürftigen Wohnungsverhältnissen, Das große Gebäude ist dem Lgkalblatte für die kaiserlichen Gäste zu klein und gibt ihm Anlaß zu folgender Klage: „Dos königliche Schloß in Breslau ist in seinen Räumen sehr beschränkt, so daß nicht allein das Kaiserpaar sich sehr ein- schränken muß, sondern auch das zahlreiche Gefolge teil- weise auf die nahe liegenden Hotels angewiesen ist. Die kaiserlichen Herrschaften benutzen den Eingang zum Schlosse meistens vom Palaisplatze aus; den linken Flügel, ebenfalls auf den Palaisplatz hinaus, benützt der Kaiser, den rechten Flügel die Kaiserin. Die Appartements sind durch das Bibliothek- zimmer Friedrichs des Großen getrennt, das als Empfangsraum und auch als Aufenthaltsort für die kaiserlichen Adjutanten dient. Der Kaiser und die Kaiserin haben, wie schon erwähnt, ziemlich beschränkte Räume in Benützung, und zwar je ein kleines Empfangszimmer, ein Arbeits- zimmer, Schlafzimmer, daran anstoßend ein Bade- räum. Natürlich werden bei Ankunft des Kaiserpaarcs die Räume mit Mobiliar, Teppichen, Gardinen, Blumen, Gemälden usw. von Berlin aus wohnlich eingerichtet, so daß die Räume immerhin einen durchaus für st lichen Eindruck machen; jedenfalls fühlt sich das Kaiserpaar in den althistorischen Räumen immer sehr wohl. Außerdem bildet der Palaisplatz bequeme Gelegenheit zu militärischen Vorstellungen, ebenso ist auch die nötige Ruhe gewährleistet.— Auch die K ü ch e n r ä u m e reichen bei größeren Festlichkeiten nicht aus, so daß in dieser Beziehung ebenfalls auf renommierte Hotels und Wein Hand- l u n g e n zurückgegangen wird. Sämtliches Geschirr, die reichen silbernen und goldenen Tafelaufsätze, Tafelbestecke, Weingläser usw. kommen in mächtigen Kisten aus Berlin, so daß schon ivochen lang vorher im Schlosse ein lebhaftes Leben und Treiben herrscht." Wir glauben schon, daß das Reisen mancherlei persönliche Beschwernisse mit sich bringt, besonders wenn man so viel unter- wcgs sein muß wie Wilhelm II. Um so wohler wird sich der Kaiser fühlen, wenn seine Regierungstätigkeit ihn einmal in die engere Heimat führt, wo die Räume nicht so beschränkt sind. Nur schade, daß solche Tage so selten kommen können. Brand auf dem„Imperator". Wie aus New D o r k gemeldet wird, brach in der Nacht zum Donnerstag auf dem zurzeit im Hafen H o b o k e n ankernden neuen Riesendampfer„Imperator" Feuer aus. Bei dem Brand, der im Proviantraum auskam und bald gelöscht wurde, sind der zweite Offizier und ein Matrose er st ick t. Das verschwundene Perlenhalsband. Vor einiger Zeit meldeten wir das Verschwinden eines Perlen- Halsbandes im Werte von etwa 3 Millionen Frank während der Postbeförderung von Paris nach London. Wie die„Daily Mail" dazu erfährt, ist der am 2S. Juli ausgeführte Diebstahl, um dessen Aufklärung sich die bekanntesten Detektive von Paris und London vergeblich bemüht haben, das Werk einer internationalen Bande, deren Anführer augenblicklich in Berlin Iveilen und von dort aus der Londoner Versicherungsgesellschaft„Lloyd" mitteilten, daß sie gegen Zahlung eines Lösegeldes zur Auslieferung des Perlenhalsbandes bereit wären. Als den mit der Angelegenheit betrauten Inspektoren Werd und Leach von Shottland Uard die Nachricht mitgeteilt wurde, hielten sie diese einfach für eine Mystifikation oder einen Scherz. Die Nachforschungen haben jedoch ergeben, daß in der Tat die Personen, die von Berlin aus die Auslieferung des Halsbandes gegen ein Lösegeld angeboten haben, als die Diebe in Frage kommen. Infolgedessen ist Direktor Frey im Auftrage des Lloyd nach Berlin gefahren. Er hofft, das Perlenhalsband auf gütlichem Wege gegen eine verhältnismäßig geringe Summe erhalten zu können, da die Diebe das Halsband weder als solches, noch einzelne Perlen davon verkaufen können, ohne dabei festgenommen zn werden._ Einer, der die Kriegsmedaille nicht will. Ein Soldat, dem das Komitee seines OrteS die übliche Krieg?« medaille zugedacht hatte, hat an den Vorsitzenden diese? Komitee?» den Bürgermeister von C r e s p i n a in der Provinz Pisa den folgenden Brief geschickt: „Sampierdarena, den 23. August 1913. � Sehr geehrter Herr Bürgermeisterl Die Medaille, die Sie mir gesandt haben, kann ich nicht annehmen. Sie stellt die Be- lohnung dar, die die italienische Bourgeoisie den Soldaten an- bietet, die in dem unseligen Libyen gekämpft haben, um das Aus- beutungsgebiet des Kapitalismus immer weiter auszudehnen. Im Widerspruch zu»reinen menschlichen Gefühlen und zu meinem Ideal internationaler Brüder- lichkeit habe ich die Uniform des Soldaten an- ziehen müssen und mich in ihr als Hyäne und Henker zeigen, gegen Menschen, die keine andere Schuld hatten als die, einer anderen Nation und Rasse anzugehören, und ich weise jetzt eine Medaille zurück, durch die ein Unternehmen verherrlicht werden soll, das mein sittliches Empfinden verwirst. Bitte nehmen Sie meine aufrichtigen Worte nicht übel: unter keinen Umständen konnte und durste ich meine Ueberzeugung verstecken. Mit aller Hochachtung Oltorino Donati, vom 6. Ulanenregiment Aosta/ Wir glauben, daß die Kriegsmedaillen recht im Preise fallen würden, wenn alle mit ihnen Beehrten den Mut fänden, ihrer Ueberzeugung in so mannhafter Weise Ausdruck zu geben. Ein Oertel-Praktiker. Am Mittwochnachmittag erschien ein Mann im Pariser G e« richtspalast und verlangte den Ersten Staatsanwalt zu sprechen. Er warf diesem vor, daß er einer Anzeige gegen Gerichtspersonen nicht entsprochen und keine Untersuchung eingeleitet habe. Der Staatsanwalt entschuldigte sich damit, daß bei ihm täglich eine ganze Reihe Anzeigen einliefen, die er nicht sofort erledigen könne. Der Besucher warf sich hierauf auf den Staatsanwalt und ver» prügelte ihn. Er mußte schließlich von Gerichtsdienern von seinem Opfer losgerissen und ins Gefängnis abgeführt werden. Kleine Notizen. Massenvergiftnng durch verdorbene Wurstwaren. In der Ort- schaft S i e v e r s d o r f bei Rathenow sind sieben F a- milien an Fleischvergiftung erkrankt. Mehrere Per- sonen liegen in bedenklichem Zustande danieder. Man führt die Er- krankungen auf den Genutz verdorbener Wursttoaren zurück. Die Untersuchung ist eingeleitet. Opfer des Bergsports. Der 2Sjährige Student der Philologie Ge r h a r d aus Frankenhausen ist bei einer Tour auf die Drei- schusterspitze in den Sextener Dolomiten infolge Stein- schlags verunglückt und wurde sterbend nach Sexten gebracht. — Nachforschungen nach dem auf dem Monte Kristallo verunglückten Wiener Bankdirektorssohn Markus haben bestätigt, daß der Per- mißte auf dem Monte Kristallo unter eine Schnee lawine geraten ist. An dert Bergungsarbeiten beteiligen sich neben mehreren Führerexpeditionen Militärabteilungcn aus Certina und Schluderbach. Riescnunterschlagungc» in einer Filiale der A. E.-G. In der Helsingforser Filiale der Deutschen Allgemeinen Elektri- zitätsgesellschaft sind Unterschlagungen im Betrage von mehr als 200 000 M. aufgedeckt worden. Eine Kassierrnn und der Verwalter Tegner wurden verhaftet. Verhaftung eines betrügerischen Bankiers. In Gent wurde ein Bankier verhaftet, dessen Passiven eine halbe Million betragen sollen. An Aktiven sind nur 1b00 Frank vorhanden. Opfer sind meist kleine eingesessene Bürger von Gent. Maffenvergiftungen in einem französischen Regiment. Die „Humanite" meldet aus Co m p i e g n e, daß beim 54. Infanterieregiment 300 Mann infolge verdorbener Nahrungs, mittel schwer erkrankt seien und sich im Lazarett befinden. Die Vergiftungen sind auf den Genuß von verdorbenem Reis zurückzuführen, der sich in großen Mengen in dem Proviantamt befindet. Der gute Metallputz. In Glan- n. Blechflaachen überall erhaltlich.— Fabrik; Urban A l.emni. Charlottenbnrc. WMMMWMMWMUWUU H-, KM � y-:; Km ruVt-er--'-kTVol [in Oeheimn '-ß>- v i,f. ,1. 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Eine grohe Volksversammlung findet heute, Freitag, abends 8 Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide 108/114, statt. Es ist die Fortsetzung der Ver- sammlung, in der die Genossin Klara Zetkin über das Thema „Gegen den Gebärstreik" gesprochen hat. Die Berliner Frauen sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Mariendorf. Am Dienstag, den 2. September, beginnt der Vor« tragszhklus(4 Abende)„Die Entwickelungsstufen des Wirtschafts- lebens" vom Genossen Max Grunwald im Restaurant Heubiein, Mariendorf, Dorfstr. 1. Karten, a 40 Pf., zu diesem LZortrage sind bei allen Bezirksführern sowie bei dem Genossen A. Westphal, Marieudorf, Dorfstr. 36, zu haben. Blankenfelde(Kreis Teltow). Oeffentliche Versammlung unter freiem Himmel am Sonntag, den 81. August, nachmittags 3 Uhr, auf dem Grundstück des Herrn Guido Friedrich an der Chaussee Blankenfelde— Mahlow. Vortrag des Genossen Max Groger über:„Die nationalen Fragen und die Sozialdemokratie". Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Hermsdorf, Waidmannslust. Am Sonntag, den 3l. August, veranstaltet der Wahlverein einen Tagesausflug. Treffpunkt früh 8 Uhr am Kaiserplatz, für Waidmaunslust am Bahnhof.'/« 9 Uhr Abmarsch durch die Schulzendorfer Forst nach Tegelort. Proviant ist für den ganzen Tag mitzubringen. Badegelegenheit. Berliner Nachrichten. Zur Steuerung der Arbeitslosigkeit. Die sozialdemokratische Fraktion hat in einer außer- ordentlichen Fraktionssitzung am Donnerstagabend beschlossen, den nachfolgenden Antrag zur Linderung der Arbeitslosigkeit in Berlin der Stadtverordnetenversammlung zur Beschluß- fassung zu unterbreiten: „Um der in immer wachsendem Umfange hervortreten- den Arbeitslosigkeit und dem sich hieraus ergebenden Not- stände der Arbeiter durch Beschaffung von Arbeit nach Möglichkeit zu steuern, ersucht die Stadtverordnetenver- sammlung den Magistrat: 1. Alle durch die Stadtverordnetenversammlung bereits genehmigten Hoch- und Tiefbauten schleunigst in Angriff zu nehmen und im Winter fortzuführen. 2. Sosort die gemischte Deputation zur Beratung der Arbeitslosenversicherung einzuberufen." Der Antrag wird in der ersten Sitzung nach den Ferien am Donnerstag, den 4. September, zur Beratung stehen. Der„Vorwärts" im städtischen Wohltätigkeitshause. Die feudale„Kreuz-Zeitung" gibt unter obiger Ueber- schrift folgende Zuschrift eines ihrer Leser wieder: Kürzlich kam ich in das Cecilien-Stift, das Wohltätigkeitshaus der Stadt Charlottenburg. Ich gehe durch die Räume hindurch. In dem Borraum, in dem die Frauen vor ihrer Ab- fertigung warten müssen, liegen auf einem Tisch Zeitungen aus, in einem Lesehalter eingespannt. Ein Blick darauf. Ich denke, ich sehe nicht recht.„Berliner Morgenpost" und„Vorwärts", ver- steckt hinter dem„Vorwärts" eingespannt noch der(? hier scheint ein technisches Versehen die Zuschrift inhaltlich verstümmelt zu haben) Kosten sämtlicher Bürger, und als Lektüre wird denen, die Tätigkeit von der Stadt Charlottenburg entfaltet— auf Kosten sämtlicher Bürger: und als Lektüre wird denen. die die Wohltätigkeit in Anspruch nehmen, der„Vorwärts" gereicht, der, wie immer, auch in der an jenem Tage gerade ausgelegten Nummer über die„verdammte Zufriedenheil" herzog. Unsere verehrte Kronprinzessin Cecilie, nach der das Stift doch wohl Cecilien-Stift genannt ist, würde sich wohl schön be- danken, ihren Namen über diesem Hause zu sehen, wenn sie es ahnte, datz der Geist des„Vorwärts", der das deutsche Herrscher- haus so oft in Schmutz zieht, in dem Cecilien-Stift eingezogen ist. Auf den Bahnhöfen ivird der Verkauf des„Vorwärts" ver- boten; hier, im Wohltätigkeitshause, wird er öffentlich aus- gelegt. Hat denn die städtische Verwaltung wirklich keine andere Lektüre?" Warum dachte denn der Leser der„Kreuz-Ztg." beim An- blick des„Vorwärts", er sehe nicht recht?, er mußte doch wissen, daß er sich in Charlottcnburg und nicht in Pillkallen befindet. Und außerdem kann er doch eine städtische Für- sorgeanstalt nicht mit einem preußischen Eisenbahnhof ver- gleichen._ Grostfeuer in der Ffriedrichstruste. In dem Hause F r i e d r i ch st r. 71, Ecke Taubenstraßc, kam gestern morgen ein großer Dachstuhlbrand zum Ausbruch. Als man die Gefahr kurz nach 6)4 Uhr bemerkte, schlugen schon aus verschiedenen Stellen des Daches Flammen hervor. Die Feuerwehr wurde von vier Seiten aus alarmiert und rückte mit den Zügen 1, 3, 4 und 9 an. Das Feuer hatte sich inzwischen weiter aus- gedehnt und fast den ganzen Dachstuhl ergriffen. In der Haupt- fache galt es, die Nachbargebäude zu schützen, denn von dem brennenden Dachstuhl war' nach Lage der Dinge doch nichts mehr zu retten. Obgleich ungeheure Wassermcngen in die Glut ge- schleudert wurden, dauerte es doch über eine Stunde, ehe der Brand unterdrückt war. Während der Löscharbeiten war die Brandstelle von einer großen Zuschauermengc umlagert. Die Auf- räumungsarbeiten gestalteten sich sehr zeitraubend, so daß die Wehr erst gegen Mittag den Brandplatz verlassen konnte. Ueber die Ursache des großen Brandes war nichts mehr festzustellen. Ein Fall von echten Pocke», der in Berlin konstatiert worden ist, beschäftigt die Sanitätsbehörden in weitgehendem Maße. Es handelt sich um die 35 Jahre alte Buchhalterin Landshut eines Papiergeschäftes im Nordwesten Berlins, die schon vor einigen Tagen unter unbestimmten fieberhaften Krankheitserscheinungen in das St. Hedwigskrankenhaus eingeliefert wurde. Dort ver- schlimmerte sich das Befinden und die behandelnden Aerzte sprachen den Verdacht der Pockenerkrankung aus. Die Patientin wurde darauf vom St._ Hedwigskrankenhaus unter Vermeidung jedes Aufsehens in die Isolierbaracke 36 des Virchow- Kranken- Hauses gebracht. Nachdem alle Personen im Virchow« und Hedwigskrankenhaus, die mit der erkrankten Buchhalterin Gertrud LandShut in Berührung kamen, der Schutzimpfung unterzogen waren, wurden auch der Hauswirt und einige Bewohner des Hause? Thomasiusstr. 11, in dem Fräulein Landshut mit einer Schwester wohnt, geimpft. Ferner wurde diese Maßregel angewandt bei dem Bureaupersonal und verschiedenen Arbeitern einer chromo- lithographischen Kunstdruck« und Verlagsanstalt in der Köpenicker Stratze. in der Fräulein L. seit mehreren Jahren angestellt war. Das Befinden der Erkrankten war gestern durchaus zufriedenstellend. Für die Behörde ist es jetzt in erster Linie von Wichtigkeit, zu ermitteln, auf welche Weise sich Fräulein L. die Erkrankung zugezogen hat. Die Dame ist, wie festgestellt wurde, in letzter Zeit nicht verreist gewesen und ist auch mit Personen, die von auswärts zugereist sind, nach- weislich nicht in Berührung gekommen. Da aber Fräulein L. in ihrer Stellung als Buchhalterin die Oeffnung der zahlreichen, au ihre Firma gerichteten Briefe zu besorgen hatte und unter diesen Briefen sich viele befanden, die aus Rußland kamen, so neigt man der Annahme zu, daß einer dieser Briefe aus einer Gegend kam, in der die Pocken grassieren, und daß Fräulein L. auf diese Weise durch briefliche Uebertragung infiziert worden ist. Die genauere Untersuchung nach dieser Richtung ist noch im Gange und dürfte bald Klarheit darüber ergeben. Oeffentlichcs Gesangskonzert im Schillerpark. Der Männer- chor„Fichte-Georginia 1879"(M. d. A.-S.-B.), Chormeister: Th. Gervais, veranstaltet an diesem Sonntag im Schillerpark(Terrasse) nachmittags 5)4 Uhr ein öffentliches Gesangskonzert. Nach den vorliegenden Liedertexten, die der Verein dort in 1999 Exemplaren unter die Zuhörer verteilen wird, kommen außer„Weihe des Ge- sanges" von Mozart ausschließlich Volkslieder zu Gehör. Der Verein bittet das Publikum um genaue Befolgung der vom Auf- sichtspersonal getroffenen Anordnungen. Das Kartell der Freien Volksbühnen ist in der Lage, seinen Mitgliedern im nächsten Winter mehr als bisher die Wege zu einer allgemein umfassenden Kunstpflege zu er- schließen. Außer der Gelegenheit, alle guten Berliner Theater ein- schließlich Oper und Operette zu besuchen, hat das Kartell Ver- anstaltungen getroffen, seinen Mitgliedern die besten Leistungen unserer Zeit auf dem Gebiete der bildenden Kunst und Musik zu- gänglich zu machen. Durch Verbindung mit dem Kunstverlag Paul Cassirer ist es möglich geworden, Künstler wie Max Liebermann, Käte Kollwitz, Max Slevogt zu gewinnen, die für die Volksbühnen Original-Lithograpbien geschaffen haben, die nur den Mitgliedern der Bühnen zu ungewöhnlich niedrigen Preisen in Glas und Rahmen abgegeben werden. Es finden außerdem zahlreiche Vorträge mit Lichtbildern statt, die in das Wesen der bilden- den Kunst einführen und für die namhafte Kunsthistoriker ihre Zu- sage gegeben haben. An der Spitze der musikalischen Veranstaltungen stehen drei große Chor- und Orchesteraufführungen, die unter Leitung Oskar Frieds stehen. Das Programm des ersten dieser Konzerte enthält Werke von Gustav Mahler, Richard Strauß und Oskar Fried: das Programm des zweiten Werke von Ludwig van Beethoven (Neuvte Symphonie): im dritten Konzert wird die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach aufgeführt. Namhafte Solisten, der jetzt 599 Sänger zählende Berliner Volkschor und das ver- stärkte Blüthner- Orchester sind für diese Konzerte verpflichtet. 25 Orchesterkonzerte im Blüthner-Saal mit dem Blüthner-Orchester bieten in ihren Programmen eine chronologisch geordnete Uebersicht über die gesamte Orchestcr-Literatur. Für sechs Kammermusikabende, die in der Königlichen Hochschule für Musik, in der Singakademie und im Blüthnersaal statlfinden, haben Arthur Schnabel, Professor Flesch, Frau Therese Behr-Schnabel, das Flonraley-Wendling- und Heß-Ouartett, das Äestenberg-Trio, Theodor Spiering. Rudolph Ganz und Sidney Biden ihre Zusage gegeben. Zu allen diesen Konzerten werden Einführungsvorträge und Einführungshefte herausgegeben. für die die Herren Musikschriftsteller: Chop, Dr. Leopold Schmidt, Dr. Karl Stock, Dr. Paetow, H. W. Draber und Dr. Leichtentritt gewonnen wurden._ Wege» Seuchenverdachts wurde gestern in der Zentralmarkthalle dem Großschlächtermeister Otto Grundlach aus Fürstenberg in Mecklenburg sein ganzer Borrat von 44 halben Schweinen vom Polizeitierarzt beschlagnahmt. Außerdem befand sich unter den Schweinen eins, das den Minderwertigkcitsstempel trug, also nur auf der Freibank verkauft werden darf. Die Untersuchung durch den Kreistierarzt, ob der Seucheyverdacht begründet ist, ist, wie die „Allgemeine Fleischer Ztg." berichtet, noch nicht abgeschlossen. Für die Aufklärung des Bahnfrevels bei Trebbin hat die Eisen- bahndirektion 599 M. ausgesetzt. U. a. wird versucht, einen Mann zu ermitteln, der am Mittlvoch, den 29. August, früh um 5>/z Uhr, in unmittelbarer Nähe der Rampe, auf welcher der Kies der Trebbiner Kieswerke verladen wird, etwa 699 Meter vom Tatort entfernt, schlafend betroffen wurde. Der Mann, der dort geweckt wurde, gab an, am Dienstagabend spät in die Nähe der Rampe gekommen zu sein. Ihn habe dort eine große Müdigkeit überfallen und er sei dort eingeschlafen. Nach großen Unterschlagungen, Betrügereien und Urkunden- fälschung ist der 34 Jahre alte Maurermeister Willi Matthes aus der Schönhauser Allee 49 mit seiner Familie geflüchtet. Matthes, der mit seiner Frau und einem fünfjährigen Töchterchen seit zwei Jahren in dem zlveiten Stockwerk des Hauses eine Dreizimmer- Wohnung innehatte und auf flottem Fuße lebte, führte mehrere große Bauten auf, vergaß aber, Lieferanten und Arbeiter zu be- zahlen. Eine ganze Reihe von Handwerksmeistern haben Beträge von mehreren tausend Mark von ihm zu fordern. Die Lohn- forderungen seiner Arbeiter betragen allein annähernd tausend Mark. Matthes wußte alle Gläubiger mit allerhand falschen Vor- spiegelungen hinzuhalten. Als er jetzt den geeigneten Augenblick kommen sah, vertaufte er die auf Abzahlung entnommene Wohnungseinrichtung im Werte von über 3999 M. einem anderen Händler für 799 M. und ergriff mit seiner Familie die Flucht. Nach den bisherigen Ermittelungen hat er sich nach dem Auslande gewandt. Im Verfolgungswahn auS dem Fenster gestürzt hat sich gestern abend die 45 Jahre alte Ehefrau Ernestine des Arbeiters K. aus der Turiner Straße. Die Frau ist schon seit längerer Zeit gemütskrank und glaubte sich ständig von Feinden verfolgt. In einem solchen Anfalle lief sie gestern abend, als sie mit ihrer Familie in der Küche weilte, in die Stube, riß das Fenster auf und stürzte sich vom zweiten Stockwerk hinab auf den gepflasterten Hof. Mit zerschmetterten Gliedern blieb sie hier besinnungslos liegen. Ein hinzugerufener Arzt stellte ihren Tod fest. Den Tod im Wasser suchte und fand gestern vormittag eine un- bekannte Frau am Charlottenburger Ufer. Die Lebensmüde ging eine Weile unentschlossen dort auf und ab, entledigte sich dann einiger ihrer Kleidungsstücke und sprang, ehe die verwunderten Passanten sie hindern konnten, vor'dem Grundstück Nr. 79 über das Geländer hinweg in den Landwehrkanal. Sie ging sofort unter und kam nicht wieder zum Vorschein, so daß alle Rettungsversuche erfolglos blieben. Aber auch die Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden. Die Ertrunkene, die ihrem Aeußeren nach dem Mittelstände angehörte, ist etwa 39 Jahre alt, mittelgroß, hat dunkelblondes Haar, ein hageres, blasses Gesicht und trug eine iveiße Bluse und einen dunkelblauen Rock. Am Ufer zurückgelassen hat sie ein kurzes Jackett mit hellblauem Futter und schwarzer Borte, einen weißen Strohhut mit schwarzem Bande, einen Samtgürtel mit gelbem Schloß, einen schwarzen Schirm mit einfacher Holzkrücke und eine schwarze Lederhandtasche mit weißem Bügel. In dieser be- fanden sich noch 14 M. Bargeld. Die Sachen wurden zur Fest- stellung der Persönlichkeit der Besitzerin nach dem Schauhause gebracht. Zu dem Wettflug„Rund um Berlin". Den Fliegern sollen Sternsigualpistolen mitgegeben werden, aus denen sie beim Passieren der Wendemarken Leuchtkugeln bestimmter Farben zu verfeuern haben. Aus der Zahl und der Farbe der einzelnen Schüsse kann dann der sportliche Leiter an der Hand einer Liste feststellen, welcher Teilnehmer eben vorbeigeflogen ist. Die verfeuerten Leuchtkugeln brennen auch bei Tage mit deutlich erkennbaren Farben ab, so daß die Identifizierung nicht schwer ist. Die Kennzeichnung der Flieger erfolgt durch bestimmte Farbenzusammenstellungen. Verzweiflungstat einer Mutter. Eine schreckliche Tragödie spielte sich gestern abend in der Posener Straße ab. Dort nahm eine Frau sich und eines ihrer Kinder das Leben, indem sie dieses zum Fenster hinauswarf und sich dann nachstürzte, lieber die Schreckenstat erhalten wir nach- folgenden Bericht: In dem Hause Posener Str. 81 hatte seit neun Jahren das Ehepaar H o m u t h die Hausreinigungsstelle inne. Die Familie, die aus dem 49 Jahre alten Mann Wilhelm und der am 22. Oktober 1868 geborenen Frau Anna, sowie sechs Kin- dern im Alter von 5 bis 22 Jahren bestand, hat im Erdgeschoß des Seitenflügels Stube, Küche und Kammer inne. Obwohl der Mann Arbeit als Möbelpoliercr hatte und auch die älteren der Schul: entwachsenen Kinder mitverdienten, hatten sie schwer zu kämpfen, um für alle den Lebensunterhalt herbeizuschaffen. Dazu kam, daß die Frau krank war. In der letzten Zeit zeigte sich diese besonders verzweifelt. Gestern abend, als ihr Mann und die älteren Kinder außer dem Hause tätig waren, schickte sie die Kleinen zu einer Nachbarin. Nur den 11 Jahre, alten Sohn Hans behielt sie bei sich in der Wohnung. An diesen hing sie mit besonderer Liebe, weil er auf der linken Seite gelähmt war. Vielleicht auch, weil sie Mitleid mit ihm hatte, beschloß sie, ihn mit in den Tod zu nehmen. Sic ging mit ihm gegen 6)4 Uhr nach dem Boden im fünften Stock, gab ihm, als er zum Fenster hinaussah, einen Stoß, so daß er kopfüber in die Tiefe fiel und stürzte sich dann gleich nach. Während der Knabe noch schwache Lebenszeichen von sich gab, blieb sie auf der Stelle tot liegen. Aber auch der Knabe erlag seinen schweren Verletzungen schon auf dem Transport nach der Hilfswache in der Warschauer Straße. Nachdem hier der Arzt bei dem Knaben sowohl wie bei der Mutter den Tod festgestellt hatte, wurden die Leichen beschlagnahmt und nach dem Schauhausc gebracht. Der Straßenbahnhof in der Kleinen Frankfurter Straße ist als solcher eingegangen, die Ausgabe von Zeil- und Schülerkarten sowie der Verkauf von Wertmarken am ersten und letzten Werktage im Monat von 8—6 Uhr und am zweiten und vorletzten Tage eines jeden Monats von 8—4 Uhr findet jedoch bis auf weiteres nach wie vor dort statt. Ein Bildcrschwindlcr, der es hauptsächlich auf Dienstmädchen und Arbeiterfamilien abgesehen hat, treibt seit einiger Zeit in Berlin sein Unwesen. Derselbe ersucht in der Regel um Abgabe einer Photo- graphie, wofür er ein großes Bild zu bringen verspricht. Als An- zahlung fordert er eine Mark. Sind die Leute, bei denen er vor- gesprochen, hierauf eingegangen, so stellt sich der Fremde nach einigen Tagen wieder ein, um für Anfertigung eines Rahmens, der um das Bild gehöre, nochmals eine Mark zu fordern. Der Reisende gibt den Bestellern dann eine Quittung, die folgenden Wort- laut hat: „Eine Mark von Familie... für Rechnung eines bestellten BildeS für 1 Mark inklusive Rahmen unter Garantie bester Aus« führung richtig erhalten zu haben, bescheinige hiermit. Bei Nicht« gefallen Betrag retour." Als Unterschrift befindet sich Atelier Diana, Tauentzienstr. 16. Der Schwager eines von dem Bilderreisenden heimgesuchten Dienst- mädchens schrieb, als das Mädchen weder das versprochene Bild er- halten, noch das Geld zurückbekommen hatte, an die Firma: er richtete an dieselbe das Ersuchen, innerhalb drei Tagen entweder das Bild mit Rahmen oder das Geld zurückzusenden. Ter Brief kam jedoch als unbestellbar zurück. Da der Schwindler auf diese Weise auch anderweitig Geld zu erlangen suchen dürfte, sei vor demselben gewarnt. Bei solchen Bestellungen sollte eigentlich Geld erst dann gezahlt werden, wenn der bestellte Gegenstand geliefert worden ist. Das ehemalige Apollo-Thcater ist, wie schon auS früheren Mit« teilungen hervorging, nun dem zwischen Variete»nd Lichtspielen kombinierten Kino-Variete-Programm gewidmet und wird heute Freitag, abends 8'/� Uhr, eröffnet. In der SäuglingSfürsorgcstelle 1 findet im September wieder unentgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege statt mit praktischen Uebungen, wöchentlich einmal. Meldungen, schriftlich oder mündlich, von 2—4 Uhr im Bureau des Kinderhauses, Blumenstr. 97. Ter Gesangverein„Neu Erwacht"(M. d. A.-S.-B.), Chormeister Heinz Bleil, veranstaltet am Sonntag, den 31. August, im Etablisse- ment der Brauerei am Friedrichshain ein Sommerkonzert unter Mitwirkung des Tonkünstlerorchesters, Direktor Fritz Bluhme. Ein- trittskarten a 25 Pf. im Vorverkauf sind in den mit Plakaten be- legten Handlungen zu haben. In den Vorträgen der Trcptow-Sternwarte finden folgende Vor« führungen mit erklärenden Vorträgen statt: Am Sonnabend, den 39. August, abends 7 Uhr:„Christoph Kolumbus", abends 9 Uhr: „Interessante Bilder aus Italien": am Sonntag, den 31. August, nachmittags 5 Uhr:„Christoph Kolumbus", abends 7 Uhr:„Scotts Reise zum Südpol und ein Blick ins Weltall": ain Montag, den 1. September, abends 7 Uhr:„Christoph Kolumbus": am Dienstag, den 2. September, abends 6 Uhr:„Aus fernen Landen". Mit dem großen Fernrohr wird der Jupiter beobachtet, außerdem stehen den Besuchern noch kleinere Fernrohre zur freien Verfügung, mit denen beliebige Objekte selbst eingestellt werden können. Ein großes Lichtspieltheater, das 7. U. T., Weinbergs� weg 16/17, wird am Sonnabend, den 39. August, um 6 Uhr eröffnet. Das Theater hat 1799 Sitzplätze und ist als Volkslichtspielhaus gedacht. Vorort- Nachrichten. Kreistag Niederbarnim. Sonnabend, den 13. September er., vormittags 19)4 Uhr, treten die Abgeordneten des Kreises im Kreishause, Friedrich« Karl-Ufer 5, wieder zu einer Sitzung zusammen. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildet die Beratung der Satzung und der Wahlordnung für die neu zu errichtende Krankenkasse für den Bezirk des Versicherungsamtes Niederbarnim CZZ 329 und 526 der Reichsversicherungsordnung). Da zur Gültigkeit der gefaßten Beschlüsse die Zustimmung des Oberversicherungsamtes erforder- lich ist, können die Wahlen zum Ausschutz und Vorstand erst nach erfolgter Genehmigung erfolgen, jedenfalls aber nicht vor dem Monat Ottober d. I. Auf den Entwurf im einzelnen einzugehen, ist heute nicht möglich, da er noch nicht vorliegt. Aus der Vorlage ist aber zu entnehmen, daß in ihm auch Äassenleistungen vor- geschlagen werden, die über das gesetzliche Mindestmatz hinaus- gehen, und �zwar: Krankengeldgewährung für jeden Krank- hei ts tag, anstatt für jeden Arbeitstag, Gewährung eines Taschengeldes au Versicherte, für die kein Hausgeld gezahlt wird, H e b ani m e n di e n st e bis zum Betrage von 15 M. und ärztliche Geburtshilfe, soweit sie bei der Niederkunft erforderlich werde», und als Sterbegeld das 25fache des Grundlohnes (an Stelle des 29fachen). Als Beitrag für die Leistungen der zu errichtenden Kasse glaubt der Zdreisausschuß mit 4 Proz. des Grundlohnes auszukommen. Einen anderen wichtigen Punkt der Tagesordnung betrifft die Beteiligung des Kreises an einer zu gründenden Gaswerks- Vereinigung„Gaswerk N i e d e r b a r n i m- O st, G. m. b. H.", Die Landgemeinden Rüdersdorf, Klein-Schöncbeck, Kalkberge, Woltersdorf und Tasdorf mit insgesamt 15 861 Einwohnern, wozu im Sommer noch 1006— 2000 Sommergäste kommen, haben sich zu einem gemeinsamen Vorgehen in der Frage deu Gasversorgung für ihre Gebiet entschlossen. Das Stammkapital einer zu diesem Zwecke zu gründenden Gesellschaft mit obigem Namen soll 300 000 Mark betragen. Die gesamten zu investierenden Werte würden eine Höhe von 750 000 M. erreichen. Sie bestehen in den zu über- nehmenden Gaswerken in Rüdersdorf und Klein-Schönebeck mit zusammen 500 000 M. und in anzulegenden Fernleitungen und Rohrnetzen innerhalb der noch nicht mit Gas versorgten beteiligten Gemeinden. Als Stammcinlage sollen die fünf Gesellschafter je 40 000 M. zahlen, während die Beteiligung des Kreises Nieder- barnim mit 100 000 M. vorgesehen ist. Es ist das derselbe Betrag, mit dem der Kreis an der kürzlich gegründeten Gaswerksvereinigung Niederbarnim-West beteiligt ist. Der Kreis und die Gemeinden Kalkberge, Tasdorf und Woltersdorf müssen ihre anteiligen Stammeinlagen bar einzahlen, während sie bei Rüdersdorf und Klein-Schönebeck auf den Kaufpreis der eingebrachten Werte an- gerechnet werden. Der Ueberschuß ist dazu bestimmt, kapital- schwachen Gemeinden die Versorgung mit Gas zu ermöglichen. Neukölln. Der vor längerer Zeit in der Neuköllner Handwcrkcrkrankcnkasse ausgebrochene Streit hat jetzt zu einer Verfügung des Polizei- Präsidiums geführt. Die Mitglieder der Kasse führten bekanntlich Be- schwerden gegen die Verwaltung, insbesondere gegen den Rechnungs- führer Funke, dem sin selbstherrisches Regiment nachgesagt wurde. Des weiteren wurden Klagen darüber geführt, daß Mitglieder, wenn sie erkrankten, vielfach nicht nur kein Ktankengeld erhielten, sondern sogar aus der Kasse ausgeschlossen wurden. Eine aus Mitglieder- kreisen gebildete Beschwcrdekommission lenkte die Aufmerksamkeir der Aufsichtsbehörde auf diese Zustände und stellte fest, daß die vielen Beschwerden zum großen Teil berechtigt waren. Die Aufsichtsbehörde ordnete eine mehrwöchcntliche Prüfung der Verhältnisse an und ver- pflichtete den Vorstand, in Zukunft gewissenbafter und in gerechterer Weise seines Amtes zu walten. Nach Verlauf weiterer Monate stellte sich aber heraus, daß die Zustände in der Kassenverwaltung sich nicht besserten. Es ist, wie uns mitgeteilt wird, nunmehr amtlich die Amtsentsetzung des Kassenführers Funke sowohl als auch die des Vor- sitzenden Kuchale verfügt worden. Ein gefährlicher Darlehnsschwindler ist in dem 27 Jahre alten Hausdiener Suhr aus der Wipperstraße 11 verhaftet worden. S. wurde vor einigen Tagen festgenommen, weil er eine ganze Reihe von Neuköllner Geschäftsleuten unter allerhand falschen Vor- spiegelungen angeborgt hatte. Eine ganze Reihe von Ladeninhabcrn streckten dem Manne, der sich gewöhnlich als Beamter ausgab, Be- träge von 100 M. und mehr vor. S. ging bei seinen Schwindeleien so geschickr vor, daß fast niemand Verdacht schöpfte. Die Kriminal- Polizei führte den schon wegen Eigenlumsvergehens vorbestraften Mann dem Untersuchungsrichter vor, der ihn jedoch wieder auf freien Fuß setzte. S. benutzte seine Freiheit sofort wieder dazu, ans seine alten Schwindeleien auszugchen. Wie er selbst eingesteht, hat er in der kurzen Zeit wieder zehn Geschäftsleute um namhafte Beträge augesetzt. Er wurde jetzt wieder ergriffen und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Zum zweiten Bürgermeister von Wittenberg wurde der Magistrats- assessor Dr. H. Thelemann gewählt, der seit mehreren Jahren Beim Neuköllner Magistrat beschäftigt war. Die Bestätigung zu seiner neuen Stellung, die er am 1. September d. I. antreten wird, hat der Gewühlte bereits erhalten. Eine Bormittagsspielpartie findet am Sonntag, den 31. August, nach dem Plänterwald statt. Treffpunkt auf den Sammelplatzen sowie um 7�2 Uhr morgens am Rathause. Um zahlreiche Beteiligung der Kinder wird ersucht. Charlottenburg. Die Uebcrtragung wohnungSpolizeilichcr Befugnisse an die Stadt- gemeinde in dem Umfange, wie sie den Oberbürgermeistern der Städte Berlin und Schöneberg übertragen worden sind, will der Magistrat von Charlottenburg nach einer Vorlage an die Stadtverordneten bei der königl. Staatsrcgierung beantragen. Da- nach soll dem Oberbürgermeister die Befugnis zustehen, innerhalb der durch die Gesetze für die Polizei festgelegten Grenzen bei etwaigem Widerstande der Hauseigenlümer oder der WohnuugSinhaber zur Erzwingung des Zutritts zu den Wohnungen gemäß 8 132 ff. des LandesverwaltungsgcsetzeS vom 30. Juli 1383 Zwangsverfügungen zu erlassen.~( Mariendorf. Der am Sonntag, den 17. d. M., verregnete Abschlußausflug der Ferienspiele findet nun am Sonntag, den 31. d.M. statt. Treff- Punkt 10 Uhr am Rathaus. Abfahrt vom Bahnhof Marienfelde. Treffpunkt für Nachzügler: Spielwiese, 20 Minuten vom Bahnhof Mahlow, links von der Blankenfelder Chaussee. Fahrgeld hin und zurück 20 Pf., für Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Mundvorrat und Trinkgesäß ist mitzubringen. Abfahrt, von Mahlow um 8 Uhr abends. Ober-Schöneweide. DaS Volksfest der organisierten Arbeiterschaft des OrteS, daS am 17. d. M. wegen schlechten Wetters nicht abgehalten werden konnte, findet am Sonntag, den 31. August, im Etablissement „Wilhelminenhof" statt; die früher gekauften Eintrittskarten haben hierzu Gültigkeit. Die seinerzeit bestimmten Funktionäre wollen ihren Posten auch an diesem Tage ausüben. Köpenick. Ausschußwahlcn zur OrtSkrankenkassc. Es wird an die heute Freitag, abends 3Vz Uhr, im kleinen Saale des Stadttheaters statt- findende gemeinsame Sitzung erinnert. Zu Erscheinen haben die Kartelldelegierten, die Vorstände resp. Bezirksleitungen und die in Vorschlag zu bringenden Kandidaten zum neuen Ausschuß der Orts- krankenkasse. Spandan. Die Berhängung des verschärften Boykotts über den„Roten Adler' seitens der organisierten Arbeiterschaft geben die hiesigen Zeitungen ihren Lesern kurz bekannt, nachdem gestern früh Tausende dahin- gehender Handzettel vor den Fabriken verteilt worden waren. An der Arbeiterschaft wird es nun liegen, ihre Angehörigen dahin auf- zuklären, daß auch Theatervorstellungen wie überhaupt sämtliche Ver- anstaltungen im»Roten Adler" zu meiden sind. Stralau. Die Freie Turnerschaft»Jung-Stralau", M. d. A.-T.-B., der- anstaltet am Sonntag, den 31. August, im Viktoriagarten. Alt- Stralau v, ihr erstes Stiftungsfest, bestehend in turnerischen Auf- führungen, humoristischen Vorträgen, Theateraufführung. Tanz und Verlosung. Da der Verein bei Festlichkeiten der Arbeiterschaft bereit- willigst mitwirkt, wird auch eine rege Beteiligung der letzteren er- wartet. Waidmannslust. Die Ausgabestelle der Jugendschristen befindet sich von jetzt ab beim Genossen Pallavicini, Nimrodstr. 105, dieselben können wahrend des ganzen Tages dortselbst abgeholt werden. Spiel unck Sport. Turner. Mariendorf. Die hier tagende Freie Turnerschaft macht am Sonn- tag ibre Abteilungspartie nach der Mariischen Schweiz. Treffpunkt morgens '1,6 Uhr Kursürilen- und Chauffeestraßen-Ecke. Gäste sowie Sportgenossen sind herzlich willkommen. Radfahrer. Arbciter-Radfahrervercin Gros,- Berlin. Sonntag früh 5 Uhr Fürstcnwalde— Raucn. Anschluffstart Bahnhos Neukölln. Mittags 1 Uhr Hirschgarlen, Wilhelmsboi. Anschlußslart Bahnhos Treptow, Hauptstart Mariannenpark. Gäste willkommen. Ortsgruppe Lichterfelde. Sonntag, den 31. August, nach Teupitz (Tornows Idyll). Start 6 Uhr bei Lenski. Arbcitcr-Rndfahrcrbiind„Solidarität"(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 31. August. 1. Abteilung: 1 Uhr: Mönchs. mühle. Start: Bülowstr. 58.— 2. Abt.: 4 Uhr: Springsee. k Uhr: Wolziger See. 1 Uhr: Müggelheim(Sportshaus). Start: Fontane- Promenade 13.— 3. Abt.: Strciszüge durch den Grunewald. 1 Ubr: Wannsee lFürslcnhof). Siart: Lausitzcr Platz 12.— 4. Abt.: ß Uhr: Beelitz. 1 Uhr: Adlershof iWöllstein) Familientour. Start Küstriner Platz.— S.Abt.: 6 Uhr: Teupitz(Tornows Idyll). 1 Uhr: Famitieutour nach Bohnsdorf(Villa Kahl). Start: Elysium.—6. Abt.: 3 Uhr: Freienwalde. 8 u. 1 Uhr: Ahrenssclde(Schneider). Start: Oderbcrgcr Straffe 28.— 7. Abt.: 5 Uhr: Steiusurt. 1 Uhr: Glienicke a. d. Nordbahn(Attcrmann). Start: schulstr. 29.— 8. Abt.: K Uhr: Rüdersdorf tHoffmann, Vogels- dorser Straffe). 12'/, Uhr: Müggclschloff. Start: Wiclefslr. IS.— 9. Abt. 8 und l1/, Uhr: Hennigsdorj(Brose). Start: Schillingstr. 22.— 10. Abt. 1 Uhr: gamilientour nach RichterShorn bei Grünau. Start: Gr. Frank- surtcr Str. 30.— 11. Abt. am 3. September: 9 Uhr: Velten. Start: Groffe Hamburger Straffe 18. Ortsgruppe Neukölln. K Uhr: Teupitz(Getschmann). 1 Uhr: Miers- dors(Krüger). Start: Hohcnzollemplatz. Ortsgruppe Wilmersdorf. 6 Uhr: Freibad Crossmsee. Ortsgruppe Charlotteuburg. Am 30. August, abends 9 Uhr: Lampiontour nach Wannsee(Fürstcnbos), Kartoffel- und Heringtour. Am 31. August, 2 Uhr: Waidmannslust(Schwcizerhäuschen). Ortsgruppe Schöneherg. Sonntag, 31. August, nach Saatwinkel, Lücke. Start: 1 Uhr bei Obst. Ortsgruppe Lichtenberg. 8 und 1 Uhr: Ahrensfelde. Start: Pfarr- straffe 74. Ortsgruppe Stralau- Rnmmclsbnrg. 5>/, Uhr: Streifzüge durch den Nordosten. Start: Ztitlwach, Niederbarnimstr. 9. Ortsgruppe Baumschulenweg. 7 Uhr: Grünheide-Werlsee. Start: Baumschulcnweg bei Krause, Nachzügler Fricdrichshagcn(Conrad). Am 4. 9. Sitzung bei Krause, Baumschulcnweg. Ortsgruppe Tegel. Am 30. 8., abends 8 Uhr: Hennigsdorf(Kingler) (Kartoffel- und Hcringstour. Am 30. 8.. 9 Uhr: Nauen. Ortsgruppe Pankow. 12'/, Uhr: Volksfest Weigensee. Stqrt: Breite- straffe.'» Ortsgruppe Weistenscc. Volkssest. Sammelstart 12 Uhr: Prenzlauer Promenade 0—9. Das Dekorieren der Räder ist dringend notwendig. Ortsgruppe Reinickendorf. Sonntag, 31. August, nach Wannsee. Start: jrüh 9 Uhr: I. und II. Abteilung bei Lüning. Schillingstraffe� Zu allen Tomen und Veranstaltungen: Gäste willlormnen. Wanderer. Nrbeiter-Wanderverein Berlin. Sonntag, den 31. Aug., Wander- fahrt nach Strausberg— Schlagmühle— Gcrzau— Garzin— Grünhorst— Wüste- Sicversdors— Dahmsdorf— Müncheberg. Abfahrt 0.23 Schiesischer Bahnhof. Gäste willkommen. Arbcitcr-Wanderbund„Tie Naturfreunde". Am Sonntag, den 31. August: I. Chorinchcn—Grumsiu— Herzsprung(Nachttour). Abfahrt Sonn- abend abenos'9.1S Uhr Stettiner Fcrnbahnhos. II. Groff-Beften— Gräbcnd ors— Hölzerner See— Pätzsce— Groff-Bcslen. Abfahrt Görlitzer Bahn- hos 0.45 Uhr vorm. III. Frohnau— Fh. Ticfelhaus—Summtsee— Mühlen- kecker See— Gorinsee— Buch. Absahrt Steltincr Vorortbahnhos 6.45 Uhr vorm. IV. Melchow— Nomienflieff— Samithsce— Mclckow. Absahrt Stettiner Ferubahnhos 5.59 Uhr vorm. V. Birkenwerdcr—Zühlsdors— Grabowsee— Oranienburg. Absahrt Stetttner Vorortbahnhos 0.45 Uhr vorm. VI. Tour nur sür Jugendliche. Biesenthal— Samithsee— Melchow. Absahrt Stcttiner Fernbahnhos 5.59 Uhr vorm. VII. Kaulsdors—Pserdebucht— Köpenick. Ab- fahrt Schiesischer Bahnhos 2.19 Uhr nachmittag». Gäste willkommen. Schwimmer. Arbeiter- Schwimmvercin„Berlin"(Mitglied des Arbeiter. Schwimmerbundes.) Am kommenden Sonntag veranstaltet der Verein solgende Schwimmtourcn: Abt. I. Treffpunkt 8 am Schlcsischen Bahnhof lUntergrundbahn). Die Tour wird am Treffpunkt bekannt gegeben. Abt. II. Nach Baumwcrder. Treffpunkt 8 Uhr am Nettelbeckplatz. Abt. III. Nach dem Licpnitzsce. Treffpunkt 0 Uhr Stcttiner Vorortbahnhos. Absahrt 6.40, Gesundbrunnen 6.45. Abt. IV. Nach Baumwcrder. Treffpunkt 8 Uhr Oranienburger Tor. Abt. V. Nach Liepnitzsee. Treffpunkt 0 Uhr Steltincr Bahnhos.— Die Mitgliederversammlung der Abt. IV findet am 3. Sep- tcmbcr abends 3 Uhr im Radfahrerheim, Oderbcrger Str. 28, statt. Gäste sind zu allen Veranstaltungen stets willkommen. Das Schwimmfest des Schwimmvereins„Vorwärts"- Berlin, das am 17. d. Mts. aus den 24. verlegt wurde, sand unter zahlreicher Bc< teiiigung statt und erfreute sich eines großen Zuspruchs. Die Schwimm- bahn war durch drei Zillen hergestellt, die eine S0-MeIer-Bahn darstellte. Leider stellte sich nachträglich heraus, baff die Bahn länger war als 50 Meter. Der Ausmarsch der 400 Vcreinsmilglicder vollzog sich auf der mittleren Zille, die sefttich mit Girlanden und Wimpeln geschmückt war. Nachtolgcnd geben wir die Resultate. Konlurrcnzcu über 50 Meter: Knabcnschwiuimen. a) Brust(52 Teilnehmer); 1. H. Neumann, Ratiborstraffc, 54'/, Sek., 2. E. Büttner, Lichtenberg, 54'/, Sek.; d) Seite(10 Teilnehmer): 1. T. Bögic, Oderbcrger Straffe, 50'/, Sek.: o) Rücken 120 Teilnehmer): 1. W. Dietrich, Ratiborftraffe, 53'/, Sek.,.2. B. Michel, Oderbcrgcr Straffe, 54'/, Sek.; ä) Handüberhand(8 Teilnehmer): Totes R. E.Schulz und F. Husch, 50 Sek. — Mädchenjchwimmen. a) Brust(17 Tciln.): 1. M. Bichl, Nummelsburg, 1.1',. Min., 2. H. Pankrab, Gerichsilraffe, 1,3% Min.; b) Beliebig (10 Teiln.): 1. M. Gunst, Barwald straffe, 1,1 Min.— Männer über dreißig Jahre: 1. F. Krest, Ratiborstraffc, 1,1 Min.— Konkurrenzen über 100 Meter. Jugendschwimmen. 14—18 Jahre. 1. O. Knapp, Ratiborstraffc, 1,32 Min. — Damenbrustschwimmcn(Senioren): 1. KI Schirmer, wurde aber wegen Kopfwenden diSqualisiziert, 2'/, Min., 2. Th. Krest, 2,11'/, Min.— Mädchenschwimmen. 14—16 Lahre, a) Beliebig(17 Tciln.): 1. M. Pabst, Gericht. straffe, 2,4 Min., 2. F. Jskraut 2.11 Min.— Tamenschwimmcn(7 Teiln.): a) Beliebig: E. Henning, Ratiborstraffc, 2�)'/, Min.; b) Nücke,!: 1. G. Metzncr, Rummclsburg, 2,3 Min.— Knabcnschwimmen. 1. H. Neumann, 1,37'/, Min.— Jugendschwimmen. 10— 18 Jabre. a) Brust(32 Teiln.): 1. K. Behrendt, Gcnchtstraffe, 1,55'/, Mm., 2. Ammler, 1,56 Min., 3. Holl- bürg, 2,1''/, Min.; b) Seite(5 Teiln.): 1. F. Gehrmann, Raliborstratze, 1,49 Min.; o) Rücken(17 Tciln): W. Zink. Natiborstraffe, 1,44% Win., 2. B. Spindler, Oderbcrger Siraffe, 1,44'/, Min.: 6) Handüberhand(10 Teiln.): 1. K. Krest, Ratiborstraffc, 1,30'/, Min,— Erslschwimmcn sur Männer(11 Teiln.): 1. K. Heidelbach, Oderbergcr Straffe, 1,54'/, Mm.— Juniorschwimmen, a) Brust s21 Teiln.): 1. W. Misch, Gertchtstr., 1,44'/, Min., 2. F. Rex, Rummclsburg, 1,49% Win.; b) Seite(7 Tcilnü: 1. C. Feind 1,44'/, Min. i c) Rücken(l4 Teiln.): 1. B. Toppel, Gcrichtstr., 1,45'/, Mm., 2. K. Jahns, Bärwaldslr., 1,46'/, Mm.; eil Handüberhand(7-rciln.): 1. H. Bchrcnd 1,37'/, Min.— Jugendschwinimcn. 14—16 Jahre, a) Brust (39 Teiln.): 1. E. Siegfried 1,48'/. Min.. 2. O. Lütter 1.50'/, Mm.; b) Rücken(15 Teiln.): 1. O. Knapp 1,45-/. Min., 2. M. Herden 1.54 Mn.; c) Handübcrhcmd(7 Teiln.): 1. G. Martzig 1,36'/, Min.- Senlor-Rücken- schwimmen. 1. H. Schubert 1,44 Min.— Hauptschwimmcn. 300 Meter. 1 Sl. Rex 5,8 Min.— Stasetten, 4X50 Meter? Knaben. 1. Abt. Rummels- bürg 3,36 M.: Jugend. 14—16 I. 1. Rattborfftr. 3,22'/, Min.: 16-18 I. 1. Ratiborstr. 3,7'/, Min.; Männer. 1. Rummclsburg 3,5'/, Min.— Wasser- Ballspiel der Jugend. Ratiborstr. mit 5 zu Ruimnelsburg 0. Tore. Männer: Ratiborstr. 5 zu Rummelsburg 2.— Jugendipringen. 4 Kürsprünge. 1. G. Maetzig. 24 Punkte.— Gruppenspringen, Retluiigsvorsührungcn, Schwimmer- scherze sowie Fischcrstecheu janden beim Publikum reichen Beifall. Die Arvciter-Schwiinmvereinc Köpenick,.Vorivarts' Lber-Schöne- weide und die Tanienabteilling Neukölln halten am Sonntag, den 31 August, vormittags von 9 Uhr an ihr letztes diesjähriges Baden im Freibad AdlerShos ab. Sammelpunkt: Zl.-S.-V. Köpenick 8 Uhr früh Bcr- liner Straffe Ecke Bahnhos Spindlersscld,»Vorwärts" Ober-Schöneweide 8 Uhr aus dem Marktplatz, Damenabteilung Neukölln 8 Uhr am Bahnhos Neulölln. ev r*.« Fuhball. «chSueberg. Ein Fuhhallwettspicl findet am Sonntag, den 81. Aug., zwischen der ersten Mannschaft des Schöneberger Arbcitcr-TurnvercinS und dem Luckenwaldcr Ballspicioercin(Meiner der Märkischen Spiclvereinigung) statt. DaS Spiel beginnt um 5 Uhr abends aus dem Turuplatz Rubens- � �'Mürkische �Spiclvereinigung, Bezirk Groff-Berlin. Am kommenden Sonntag finden mehrere Vorspiele zur nächsten Spictsaison statt: Fichte XVI gegen Fichte XVII in Pankow, Damcrowstraffe. Reinickendorser Ballspielllub gegen Allemania- Friedrichshagen in Reinickendorf, Schillerpromenade 46. Beginn i Die beiden in die erste Klaffe aufrückenden Vereine Neu-HellaS 1909— Fichte 11. Abt. treffen sich am Sonntag, den 31. August, aus dem Tempel- hofer Felde(unweit de» Militärbahnhofes) zu einem Gesellschaftsspiel. Es ist ein sehr interelsantcr Kamps zu erwarten. Das Spiel beginnt nach. mittags 4 Uhr. Ober-Schöneweide. Sonntag, den 31. August, nachmittags'/,4 Uhr. findet aus dem Spielplatz des Turnvereins»Oberfpree", Köpenicker Straffe (hinter Villa Wciffenburg) das erste Fuffballwcltspiel der neu gegründeten Sportabteilung dcS Turnvereins»Obersprcc" I, Mannschaft gegen den Johannisthaler Ballspielklub statt. Freunde und Gönner dcS Fuhballsports sind dazu eingeladen. Mitglieder werden daselbst ausgenommen. Berliner Arbeiter-SchachNub. Ein Wettkamps am 22. August zwischen der Abteilung Norden l und Norden IV ergab solgendeS Resultat: Norden I gewann 9 Partien, Norden IV gewann 5 Partien. Unentgeltlicher Unterricht wird erteilt: Abends 8'/, Uhr: Abteilung: Osten I: Donnerstag bei Hoffmann, Königsberg«: Str. 28. „II:,„ Rohde, Groffe Frankfurter Str. 52. Süden:„, Pätzold, Sebastianstr. 1. Norden Hl:,„ Lindner, Müllcrstr. 7. Charlotteuburg: Donnerstag im Volkshaus, Rosinenstr. 3. Norden IV: Mittwoch und Donnerstag bei Mahnkops. Greisenhazener Str. 34. Westen: Freitag bei Päffler, Karlsbad 17, Ecke Fiottwellstr. Norden II: Mittwoch und Freitag bei Friffche, Drontheimer Str. 4. Nordwest: Freitag, Putlitzstr. 10. Norden I:. bei Nebel, Maxstr. 13b. Neukölln I:, bei Brandt, Pflügerftr. 19. II:. bei Weihe. Emser Str. 160. III:. Wildcnbruchstr. 86. Boxhagen:, bei Möz, Sonntagstr. 32. Tempelhof:. bei Hennig, Friedrich-Wilhelmstr. 12Z. Ober-Schöneweide: Sonntagvormittag 9'/, Uhr bei ProchalSki, Schiller- Promenade 13. «» * Arbeiter-Samariterbuud. Kreis Brandenburg. Berlin. Die Prüsung der ersten Abteilung findet am Montag, den I. September, abends 8'/, Uhr, im Restaurant Augustin, Oranien- straffe 103, statt. Mitgliederversammlung am Freitag, 29. August,>/,9 Uhr, im Restaurant Haberlandt, Neue Friedrichstr. 35. Lehr abend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 7. tzlbt. Mittwoch, den 3. September, Charlottcnburg, Rosinenstraffe 3, Voilshaus. Ober-Schöneweide. Montag, 1. September, Siemensstr. 12, bei Schu'z. Marien dors. Montag, 1. September, Chausseestr. 27 bei Büro. Spandau. Mittwoch, 3. September, Pichelsdorier Straffe 5, bei Danncberg. N o iv a w e S. Montag, I. September, Wilhelm- Ecke Friedrichstraffe, bei Schmidt._ N o w a w e S(Abt. Potsdam). Mittwoch, 3.«eptember, Kaiser- Wilhclm-Straffe, bei Glaser.___ Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. (V. a. G.) zu Hamburg. Filiale Baumschulenwcg. Am Sonnabend, den 30. August, abends 8'/, Uhr, Mitgliederversammlung im Lokal von Boche, Baumschulcnstr. 67._ fraucn-Lefeabende. Dritter Kreis. Am 1. September, 8'/, Uhr, im GewerkschastshauS, gemeinsamer Lescabend. Genossin Wurm spricht über»Bebel und die Frauensrage"._ Jugendveranstalttmge». Ncilköll». Sonntag, den 31. August: Groffe« Schluff-Spicl- fest in Adlershof. GescllschastSspiele und Wettspiele mit der Pankower Jugend. Gemeinsame Kaffeetasel. I. Abmarsch Sonntag früh 6'/, Uhr vom Spielplatz Gcygerstraffc. II. Treffpunkt 1 Uhr mittags Bhf. Neulolln, Fahr» gelb 20 Ps.— Für den am Sonntag, den 7. Sept., stattfindenden B e- such des Flugplatzes Johannisthal sind Karten a 25 Pf.(nur sür Jugendliche) bis Montag, den 1. Sept.. im Heim und bei den Funktio- nären zu haben. Der Abmarsch ersolgt morgens 5 Uhr vom Bhs. Neukölln. Pankow-Niedcr-Schönhauicn. Sonnabend, den 30. August, suidet eine Nachlparlic nach LudwigSsctdc— Tyrow statt. Treffpunkt'/,10 Uhr abends Pank. Kirche. Fahrgeld 1,20 M.— Sonntag, den 31. August: Tagetpariie nach Tyrow— Gr.-Beuthen—Ludwigsfelbe. Treffpunkt'/,8 Uhr Pank. Kirche. Fahrgeld 1,40 M.— Sonntag, den 3t. August, nachmittags: Beteiligung am Neuköllner Spielsest. Treffpunlt 8 Uhr früh Pank. Nord- bahnhos, nachm. VI, Uhr Pank. Kirche. Fahrgeld 60 Pf. Kocher, Lieder- Bücher und Proviant sind mitzubringen. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet._ Eingegangene DruchFchnften. Von der„Neuen Zeit" ist soeben das 48. Hest de« 31. Jahrgang« erschienen. AuS dem Inhalt de» HesteS heben wir hervor: Der Streit um die Dcckungsfrage. Von Ant. Pannckoek.— Sozialdemokratie und tropische Landwirtschast. Von Ludwig Ouessel.— Der syndikalistische General« streilversuch und die Partei. Von Oda Olberg(Rom).— Zur Geschichte des Sozialismus in England. Von Gustav Eckstein.(Fortsetzung.)— Direkte Gesetzgebung durch das Volk. Von R. Peruer.— Eine gewerk. schastliche Denkschrisl über die Verhällniffc in den amerikanischen und dculschen Schuhsabrikcn. Von Dyonis Zinncr.— Literarische Rundschau. — Acitfcfinftcnfdiau. Feuilleton Bcr.Neuen Zeit" Nr. 66: Präzision. Von Felix Linke Die bildende Kunst in der Urzeit. Von tzlrnulf. II. Ein französisches Drama in Amerika. Von Julie Romm. Noch ein Beitrag zur Parleigeschichtc. Bou Fr. Mehring.— Lose Blätter: Eine neue Lüste LaffalleS.__ Marktpreise von Berlin am L7. August ILIZ, nach Ermittelungen de» kgl Polizeipräsidium«. Mais(mixed), gute Sorte 16,50—16,70. Mai» (runder), gute Sorte 14,40—14,80. Richtsttoh 4,50—4,60. Heu, neu 6,20—7,60. Marllhallenpreise. 100 Kilogr. Erbstn, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Spcisebohnen. wciffe 35,00—60,00. Linsen 36,00—60,00. Kartofieln(Klemhdl.) 5,00—9,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.70—2.40. Rindfleiich, Bauchsleisch 1.30—1.80. Schweinefleisch 1.60—2.10. Kalbstciich 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,60—2.40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3.60—5.50. 1 Kilogramm Karoten 1,40—2,60. Aale 1.40—3,00. Zander 1.40—3,20. Hechle 1.40—2,80. Barsche 1.00—2,40. Schleie 1,70—3.60. Bleie 0.30—1.30. 60 Stück Krebse 1,00—60.00. WttterungSübrrsicht vom 28. Augnst 1S1Z. Stottonen LS II Ii «-ff Swinemdc. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien 4- Zß 768 Still 768O 768 Still 766NO 7660 765 WNW Setter heiter 2'woIIig halb bd. 1 heiter 3hcl>er Iheiter Wetterprognose für Freitag, den LS »K «i« »Ii i? W« 17 16 16 16 12 18 Elattonen ös r h ils te® 15 Bf Vetter tt ti *8 Havaranda 762W Petersburg 765 N Scilly Aberdeen Pari» 7K2NNO 7S5SSW 768,0920 Sbeiter 1 Nebel I 4 wolkig! Iwolrenl 1 wolkcnl 14 16 16 11 19 August 1918. Zunächst ziemlich heiter und am Tage warm, später zunehmende Be- ölluug bei schwachen südwestlichen Winden: keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wette rbureau. wölkung Wasserstands-Rachrtchten Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thor» Oder, Rattbor » Krossen , Frantsurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz Dresden , Barby Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') » Rathenow') Spree, Spremberg') Bcestow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilianSau Kaub ' Köln Neckar. H-ilbronn Main. Hanau Mosel. Trier ,)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel.— Wasserstand am Pegel B r i e g heute morgens 408 cm, fast gleich der AuSuferungShihe. Todes-Anzeigen SozialdemokradscIierWalilvepein f. i 4.BerI.RBie!istaoswaMkreis. KSpenicker Viertel. Bezirk 185. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Schmied podl Naunhnstraßc 15, gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 30. August, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle"des ThomaS-Kirchhoscs in Neulölln, Hcrmannstr,, aus statt. lsei» Vorstand. SozialieniokratisclieF Wahlverein I. d. 6. Kerl. Reiehsiagswahlkreis Todes-Änxelge. Am 26. d. Mts. verstarb unser Genosse, der Dreher Willi Hclmlz Kameruner Str. 50, Bez. 776». Ehre seinem Andenken! � Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 3ll, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhoss, Müllerstrafie, Ecke See- strahe, aus statt. 229/17 Um rege Beteiligung ersucht »or Vorstand. Zentralverband der Bäcker, Konditoren u. verwandter ßeruis- genossen Dentsctiiands. Lcrwattnugssrctle Berlin. Unseren Mitgliedern zur Kennt- nis, dag am 25. August das Mitglied, der Konditor Eii'uno Voigt im 25. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 5 Uhr. von der Leichenhalle des neuen Zwöls- apostel-Kirchhoses in Schöneberg,| Tempelhoser Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 40/5 Tie Berwnltnng. Detitscher Metallarheiter-Vertiand Verwaltungsitelie Berlin. Todes- AnBelKcn. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Anschläger WWW Hohne Lortzingstr. 34. am 23. d. M. mt Blutsturz gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 29. d. M., nach» mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeindc-Friedhoss in Hohen-Neuendorj aus statt. Ferner starb der Kernmacher unser Mitglied, Otto Hitze Neukölln. Steinmehstr. 22, am 27. d. M. an Herzleiden. Die Beerdigung findet am onntag, den 31. d. M.. nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- balle des Neuen Gcmcinde-Fried- böse» in Neukölln, Mariendorser Weg, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, die Arbeiterin£ Berta Augustin am 26. d. M. an Luirgenlcidcn. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 30. d. M.. nach- mittags 3 Uhr, vom Tranerhause in Lichtenberg. Blumenthalitr. 6. aus nach dem Gemeindc-Frjed- hos in Lichtenberg statt. SoziaidemokratischerWahiverein 4. Gruppe. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unsere Genossin, Frau Uiise Schulze im 46. Jahre verstorben ist, Ehre ihrem Andenken l Die Einäscherung findet am 30. August, nachmittags 5 Uht, im Krematorium Berlin, Gericht- strahe 27/28, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Ferner starb der Dreher unser Mitglied, Von der Reise zurnck.Z Dr. Silberstein, NkuMn, Kerlmer Str. 93. Willi Schulz Kameruner Str. 60, am 26, d. M. an Lungenlcidcn. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 30. d. M., nach- mittags 3'lf Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Fricdhoses Müllcrstrajze, Ecke Sccstragc, auS statt.__ Ferner starb unser Mitglied, der Schmied Wilhelm Pohl Naunvnstr. 15, am 27. d. M. an Typhus. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 30. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen« Halle des Thomas-Kirchhose» in Neukölln, Hcrmannstrasic, aus statt. Ehre ihrem Andenken l Rege Beteiligung erwartet 124/19 vie Orttverwaltung. SoziaidemokratischerWahiverein Keukölln. Am 27. August verstarb unser Parteigenosse, der Kernmacher Otto Hitze Steinmehstr. 22, 18. Bezirk. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. August, nach- mittags ä'/g Uhr, von der Leichen- halle des Ncutöllncr Gemeinde- Friedhoses, Mariendorser Weg, aut statt. 238/15 Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. Beutseher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaitung Gro8-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tinkassiercr Otto Lichtenberg am 25. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 67/15 die Bezirktverwitltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten VaterS, Grosivater« und Schwiegervaters Franz Grunewald sagen wir hiermit unseren besten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Marie Grunewald, H. Weltmann Nachf. Stefan Esders BERLIN C Kaiser'Wilhelm-Str. 41-42 Spandauer Strasse 70-71 Anzüge ein- und zweireihig Neueste Dessins und Modelle Mark 13, 25, 32, 39 45, 55, 65, 75 || Trotz meiner aussergeivöhn- f| ff_ lieh reellen billigen Preise � || sind meine Stoff- Qualitäten A hervorragend, meine |J Verarbeitung erstklassig. ................ SS............... Besichtigung meiner Läger ohne Kaufzwang erbeten p« Haus hat keine Zwelg- INiederlanung in Berlin Zentral-Kranken- und Slerhekasse der deutschen Wagenbauer. (V. a. G.) Berlin Bezirk 8. Am Dienstag, den 26, August, verstarb unser langjähriges Mit- gtied, der Arbeiter Täetze (Zeckiliner Str. 3). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 29, August, von der Halle des FrtedhoseS der Sophien- Gemeinde, Freienwalder Straße, aus statt, 289/13 Bio GrUvenwattung. Dr.Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Priuzeustr. 41, Ä'imz 10— 2. 6— 7. Sonntag« 10— 12. 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August 1913. Anfang VI, Uhr. Prater. Das Bummelmädchen. Ansang 7'/, Uhr. Kgl. Opernhaus. Der Wildschütz. Schauspielhaus. Der große König. ZInsang S Ubr. Urania. Mit dem Imperator nach New Nork. Deutsches. Hamlet. tlammerspiclc. Eine venetianischc Nacht. Schiller v. Der Troubadour. Schiller Charlottenburg. Am Tage des Gerichts. Westen. Sylvester Schäffer. Das starke Stück. Ein angebrochener Abend. Berliner. Filmzauber. Dbalia. Puppchen. Theater am Nollendorfplah. Die Kino-Königin. Königgrätzer Strafte. Die süns Frankfurter. Kast'no. Der Aktientenor oder Caruso aus Teilung. Drianon. Der abgerissene Glocken- ' zug. Untreu. Herrnfeld. Endlich allein. Die (�honzcit-Jäger. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Ansang 8'/, Ubr. -domödienhans Wohnungen. Deutsches Schauspielhaus. Farmermädchen. kustspielhans. Majolika. tose. Biederlcute. tesidenz. Die Frau Präsidentin. Luisen. Geächter. Fsolies Caprice. Die keusche Tomette. Schlafe Patent. Ansang 8'/, Ubr. ReueS Bolkstheater. Die Schiff brüchigen. Ansang 9 Ubr. ckdmiralspalast. Eisballctt: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte. Jnvalidenstr. 67—$2 Hochherrschastlichc Das Berliner Theater. s uhr- Filmzauber. 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. :lz. Oastspiel des Beriioer Melropol-Tbeaters: Die Kino-Königin! Anfang 8 Uhr. LI/. .«Residenz-Theater« Die Frau Präsidentin. (Madame la President«.) Söhwank in 3 Akt. v. H.Hennequin und P. Veber. Morgen u. folgende Tage: Die Frau Präsidentin. Montis Operetten-Theater Schiffbauerdamm 4a.(fr. Neues Th.) Sonnabend, den 30. August: Wieder- ErUffnang. Gastspiel Julius Spielmann: Der lachende Ehemann. _ Anfang 8 Uhr._ Sehiller-Thealer Chabrü?r" Heute Freiing, zum ersten. Male: Arn Dage des Gerlehts. Ein Volksschauspiel von P.K. Rosegger. Ansang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Teil, Sonntag, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Sachse-Oper Schiller-Theater 0Ä£ M— Feftte Woche EW> in dieser Spielzeit! 8 Uhr: Der Troubadour 'bh- DentschesSchanspielhans öf /, Uhr: Das Farm ermädchen. "Thester des Westens. _ � 3 leftte Gastspiele!-chPG 8 Üb': Sylvester Schöller. Vorher: Das starke Stück. Ein.angebrochener Abend. o8c-Tne»ie! Große Franksurter Str. 132. Diederiente. (Bampire der Groftstadt.) Ansang S1/, Uhr. Auf der Gartcubühne: Uehern großen Teich. Lebensbild in 4 Akt. Vorher Konzert, Einakter, bunter Teil. Ans. 41/- Uhr. Passage-Ranoptikum Die Offenbarungen der Traummalerin Frau Assmann, d. Aufsoh. d.wissensoh. Kreise. AGA die schwebende Jungfrau. Buddha die geheimnisvolle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! Trianon-Theater. -b-nA�hr- llntreu. Vorher: Der abgerissene Glockenzug. Reichshallen-Theater ir Säier (Meysel, Britton, Schräder etc.) Neu engagiert; Komiker Knselli. Anfang 8 Ehr. ZOOLOG ischer Garten Täglich: Militär-Doppel-Jionzert. Eintrittspreise: Zoo; 1 M., von 6 Uhr ab 50 Pf. Aquar.: IM. v.d.Straß.,50Pf. v.Zoo Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Jieu! Sien! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis tO Uhr abends. Berliner Prater-Theater 7—9 Kastanien-Allee 7—9. Benefiz s. d. Oberregisseur it. Seeien: Johanniszauber. Oper.-Burleske in 3 Akt. v. W. Gerike. Musik von M. Schmidt. Erstklass. Spezialitäten, Konzert. Aus. 4'/, Uhr. Eintritt 30 Pf. Admiralspalast Einz. Eispalast der Welt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt. Allabendlich Flirt in St. Moritz. Beginn d. Vorstellung'1,0 Uhr. Bis 6 Uhr und von 108/. Uhr halbe Kassenpreise. Volksgarfeti- Theater. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/25. Freitag, den 29. August: Ans dem wilden Westen. Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Akten. Dazu: Die glänz. Spezialitäten. Voranz. Donnerstag, 4. Sept.: Benefiz für En*. Becker, Ernst Loewe, Friedrich Haase, Willi Günther: Die lustigen Heidelberger. Terclmgtc Berliner Volksbühnen. Enisen-Thcater. Sonnabend, den 30. August, 8'/.: Eröffnung der Winterspielzeit: Weh' dem, der lügt. Walhalla- Theater. Sonntag, den 31. August, 8'/,: Eröffnung der Direkrion Hans Ritter. Der LiebeSonkel. Morgen Sonnabend: Gr. Toiletten-Preiskookurreiiz im Up B—Ii Bark 3 Preise! 3 I.Preis: lOOO M. in bar. 2.„ Abendtoilette, Wert 500 M. 3. �, Teetoilette,„ 300„ Feenhafte Abendbeleuchtung! Brill.-Feuerwerk. Militärkonzert. Brauerei Friedrichshain m Am Königstor. Oek.: Ernst Eiching. Jeden Dienstag- und Oonnerstagnachmittag;-~ pln: 1 der Sforddentschen und Apollo- länger | bei freiem Entree. Freitags: Frei-Konzert. Kaffee-Trei- Vorstellung Voigt- Theater Badstrafte 58. Heute sowie täglich: Unsere blauen Jungens. Posse m. Gesang u. Tanz in 3 Allen. Vollständig neue Spezialitäten. Kaflcnöffn. 10 Uhr. Ansang 4 Uhr. Sonnabend, 30. August: Ehrcnabend s. d. Verwandl.-Künsller Karl Braun. 39. n, 31. August. 31/, bis 8 Ehr nachmittags WM" Flugplatz Johannisthal"WW Flug; Rund um Berlin Eintrittspreise: 3.—, 3.—, 0.50 M. Täglich 1225.— Mark Prämien für die Besucher, die Sieger und gebrauchte Flugzeit am richtigsten angeben. Für Mitglieder des Luftflottenvereins sehr billiges Flugplatzabonnement durch dessen Geschäftsstelle Schinkelplatz 1—4, z. H. des Herrn von Grumbkow. 137/5 Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Bert. Possenschlager: „Dar Aktien-Tenor oder Caruso auf Teilung". Geffentliche politische Versammlungen. Freitag, den ÄS. August, abends 8 Uhr: Grosse Volksversammlung in der„Neuen Welt", Hasenheide 108-114. Fortsetzung der Versammlung, in der die Genossin Klara Zetkin über das Thema: „(Zexen den Gebärstreik44 gesprochen hat._ 197/3* Die Berliner Frauen sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. WSF" Die Eröffnung des Saales erfolgt erst um 7 Uhr. In Anbetracht des überaus wichtigen Themas erivartet zahlreichen Besuch Verband sozialdemokr. Wahlvereine Berlins u. Umg. I. A.: Eugen Ernst, Lindenstr. 2. Sonnabend, 30. August 1913, 6 Uhr: Eröffnung des grössten Lichtspiel-Theaters in Grob-Berlin des 7. UT Weinbergs weg 16-17 (2 Min. vom Rosenthaler Tor). ■MnimmiHHtimttmmw Hervorragendes volkstümliches Programm. Niedrige Eintrittspreise. Am Sonntag, den 31. August 1913 findet per Urabstimmung die Wahl der Delegierten zum Parteitag Eichbcrg, Naunynstr. 67. Wählisch, Skalitzer Str.� 22. Laascr, Lausitzer Str. 23. s�reihöfer, Glogauer Str. 4. Schulze, Forster Str. 17. Pommerenke, Wiener Str. 41. Lier, Naunynstr. 9. Grundmann, Pücklcrstr. 29. Engel, Oppelner Str. 47. in folgenden Lokalen statt: Schötzick, Wrangelstr. 58. Mix, Sfalitzer Str. 39 o. Otto, Markusstr. 47. Boeker, Weberstr. 17. Teter, Palisadenstr. 52. Kluge, Langestr. 53. Gruntvald, Mcmeler Str. 67. Beutling, Rochomstr. 12. Galle, Tilsiter Str. 12. Wahlberechtigt ist nur das Mitglied, welches seine Beiträge bis Die Wahl beginnt um 8 Uhr sriih und endet Das Zentral-Wahlbureau befindet sich bei P. Hoffmann, 216/18*_ Deutscher ¥etallarbeiter-VeB Verwaltungsstelle Verlin C 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1839, 1987, 9714._ Sonntag, den 31. August 1913, vormittags»'/s Uhr: Branchen- VcrfcuninUmg der Werkleugmacher, Einrichter, Zigarettenmaschinenführer, Scharffchleiftr, sowie sämtl.in den öuchdrucktreimaschiueu- Fabrihen beschäftigten Kallegeu in den„Arminhallen", Kommandantenstraste 38/39. Tagesordnung: 124/18 1 Vortrag des Kollegen W.S i e r i n g über»Zeit- und Streitfragen*. 2. Neu- und Ersatzwahlen der Agitationskommission. 3. Branchen- u. Ber- bandsangelegenheiten. 9)!itgliedAbnch fein Zutritt l .Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltuug. fohle, Liebigstr. 17. r. Schulz, Schreinerstr. 18. Lemm, Zorndorfer Str. 18. Guddat, Wilhelm-Stolze-Str. 39. Rott, Strafimannstr.'39. Jerasch, Ebertystr. 19. Elsholz, Elbinger Str. 9. Zwarg, Friedeberger Str. 1. Mai dieses Jahres bezahlt hat. tÄ Uhr mittags. Königsberger Straße 28. Der Vorstand. Bauhaniliuerker Krankenkasse für Berlin und Umgegend. '(Eingeschriebene Hilsskasse Nr. 118.)— Sonntag, den 31. August, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn rritui Wilke, Scbastianstr. 39: - Äufferordentliche lußerr General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über die vom Vorstand und Ausschuft aus« gearbeiteten Satzungen als Zuschubkassc- 2. Diskussion und Beschlußfassung. am- nitgliedahuch legitimiert. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen erwartet 38/5»___ Der Vorstand. I. A.: D- Metgke. Schmöckwitz, Aalit-Wll hält sich den werten Vereinen, Gewerkschaften und Schulen bei Ausflügen bestens empfohlen.,«.T„* Ernst Noack. Tel.: Zeuthen 31. Lnh.: �nijl\ T l'ljT"|---—---------- IS_________=-— r-— Üttarttooiiticher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln Für den Inseratenteil verÄMo.: Th. GIocke.BeW�Drml n. Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. Verlagsanstalt Vau! Singer u.Co.. Berl.n