Pr. 234. HbonnementS'Bedingungen: aSonncmentä. Preis pränumerando: Lierteljährl. Z,Z0 Md. monatd 1,10 Md. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit wustriertcr Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfm Post- ilbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Ewgetrazen in die Posl-Zeitunas- Preislifte. Unter Kreuzband iür Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2H0 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an:' Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal. Ziumämen, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Sie Insertion;-Lebilhr beträgt für die sechsgespaltene Kolon elzeile oder deren Raum 00 Pfg.. sür politische und gewerlschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 30 Pig. „Kleine Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafftclleniin zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über löLucki- itaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer muffen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition ghgegebcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. kllchilllt tZgffch. Sir r W Berliner Volksblnkl. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Telegramm- Adresse: „SozialdtmoHrai Berlin". Redaktion: 8Rl. 68, Litidenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. ExpedMon: SM. 68, landenslrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Rr. 1381. vie fliinilteiMe in Rolland und die Sozialdemokratie. 1. Kurz nachdem unsere Genossen in Dänemark den Ein- tritt einiger Sozialdemokraten in ein Ministerium abge- lehnt haben, ist auch die Frage des Ministerialismus in praktischer Gestalt an die holländische Partei herangetreten. Dadurch sah sie sich auf einmal vor eine höchst wichtige Ent- sche,idung gestellt, und ihre Stellungnahme in dieser Frage ist— wie ich meine— auch für die ausländischen Genossen nicht ohne Bedeutung. Auch in dieser Frage zeigt— wie Marx einmal sagte— das entwickeltere Land dem minder- entwickelten das Bild seiner eigenen Zukunft. Und früh oder spät kommt wahrscheinlich in allen demokratisch regierten Ländern, wo die Kraft der Sozialdemokratie noch nicht alle bürgerlichen Parteien in einen einzigen antisozialistischen Block zusammengetrieben hat, unsere Partei einmal in die Lage, mit den bürgerlichen Linken zusammen ein Ministerium bilden zu können. Diese Form des Ministerialismus, wobei es sich um Sozialdemokraten handelt, die als Vertreter ihrer gesamten Partei in dem Ministerium Sitze einnehmen, ist in ihren Konsequenzen viel wichtiger für die Kampfesweise und Zukunft unserer.Partei, als der Fall Millerand oder Briand, wo eine einzelne Person in die Regierung berufen Wurde, wenn auch die Gruppe Jaurös sich anfangs mit dem sozialistischen Minister solidarisch erklärte. Wie war nun der Verlauf der ganzen Frage in Holland? Fm„Vorwärts" wurde schon berichtet über den glänzen- den Sieg unserer sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei den letzten Wahlen, wo ihre Stimmenzahl von 82 000(in 1909) auf 144 000 und ihre Kammerfrartion von 7 auf 18 stieg. Unmittelbar nach den Stichwahlen, welche über das Los der klerikalen Mehrheit entschieden� mußte natürlich das christ- liche Ministerium demissionieren. Nach einer Beratung mit hervorragenden politischen Führern, unter denen auch zum ersten Male unser Genosse Troelstra war, beauftragte die Königin, den radikalen Führer Dr. Bo s mit der Bildung eines Ministeriums„aus der ganzen linken Seite" (wie es im Communiqus der Presse hieß). Am 12. Juli erhielt Genosse Troelstra als Vorsitzender unserer Fraktion das offizielle Angebot von drei Stellen im Ministerium, für welches Dr. Bos folgendes Programm entwarf: 1. Verfassungsrevision zwecks Einführung des all- gemeinen Wahlrechts für Männer, ohne Abänderung der Rechte der Ersten Kammer. Beseitigung der Hindernisse sür die Einführung des Frauenwahlrechts, nnt Festlegung von Bestimmungen, wodurch ein Zensuswahlrecht für Frauen unmöglich gemacht wird. Beseitigung der Hindernisse für die Wählbarkeit der Frauen. 2. Ausdehnung der Bestimmungen des eben ange- nommenen Jnvaliditätsgesetzes, wodurch nicht nur Lohn- arbeiter, sondern alle Bedürftigen eine unentgeltliche Alters- Pension bekommen können. 3. Tie nötigen Gelder sind durch direkte Steuern(Haupt- fächlich Einkommens- und Vermögenssteuern) herbeizu- schaffen. Dieses Programm war der genaue Ausdruck der Wahlen und eine Bestätigung der zustimmenden Antworten, welche uns die in Stichwahl stehenden Liberalen aus die ihnen vor» gelegten Fragen gegeben hatten. In seiner Antwort schrieb Genosse Troelstra denn auch, daß dieser Programmentwurf in der Tat zu betrachten fei als„die sachliche Grundlage für jedes Ministerium, das jetzt regieren wollte". Jedoch wurde von ihm auf einen dunklen Punkt in dem brieflichen Angebot des Minister- Portefeuilles hingewiesen; es fehlte nämlich jeder Beweis, daß das Zusammenwirken von Liberalen und Sozialdemo- kraten in einem Ministerium unbedingt nötig wäre. Und doch sei dieser Nachweis notwendig, weil sonst die So- zialdemokratie nicht daran denken könnte, in das Ministerium einzutreten. Fußend auf der Resolution des Internationalen sozialistischen Kongresses von 1900, hatten die Sozialdemo- kraten nur diese Frage zu lösen: Handelt es sich hier um die in dieser Resolution genannte Zwangslage, die das Eintreten von Sozialisten in ein bürgerliches Ministerium zuläßt? Eine klare Antwort auf diese Frage war um so nötiger, weil— wie Genosse Troelstra mit vorzüglicher Schärfe nach wies— ein burgerlich-sozialistisches Ministerium viel wider- standsunfähiger gegen die klerikalen Angriffe sein mußte als ein solches, das nur aus Liberalen gebildet war. Der durch.82 Proz. der Wähler besiegelte bürgerliche Charakter des Staates mußte notwendigerweise auch eine bürgerliche Regierung mit sich bringen, und an dieser Tatsache konnte auch der Eintritt von drei sozialistischen Ministern, nichts andern. In jeder Frage von grundlegender. Bedeutung, wie Die der kolonialen Ausbeutungspolitik, des Militarismus, der Justiz, der Haltung der Regierung bei gewiß zu er- wartenden Streiks oder Aussperrungen, sowie in hundert kleinen Fällen der täglichen Verwaltung, mußte sich immer wieder der Zwiespalt zwischen bürgerlicher und sozialistischer Weltauffassung und Politik in dem Schöße der Regierung selbst offenbaren, was nicht ohne Schaden sür die Tatkraft dieses Ministeriums geschehen könnte. Dies war um so wichtiger, weil die klerikalen Parteien noch immer in der Ersten Kammer eine Mehrheit haben, und diese Schwierigkeit nur von einem ganz starken Kabinett l- besiegt werden konnte. Deshalb stellte Genosse Troelstra denn auch die offene Frage, ob die Konzentration(die Zusammen- fassung der liberalen Parteien) aus der Mitwirkung der Sozialdemokraten in dem Ministerium eine conditio sine qua non(eine unumgängliche Bedingung) für die Aus führung des Programms machen wolle. Im vollen Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit für das Zustandekommen des allgemeinen Wahlrechts und der un- entgeltlichen Alterspensionen erklärte obendrein die sozialdemo- kratische Kammerfraktion durch Troelstra, ein Ministerium, das diese Forderungen unmittelbar als dringende Punkte des Regierungsprogramms ausführen wollte, unterstützen zu wollen: ja, sogar während der dazu nötigen, ganz bestimmten Zeit das Militärbudget bewilligen zu wollen, unter der einen Bedingung, daß dessen Totalziffer nicht höher sein würde als die des Budgets 1912/13. Von einem rtgelrechten Block war hier also keine Rede. Für eine ganz im voraus bestimmte Zeit sollte die Unter- stützung gewährt werden, aus der Erwägung, daß die klerikale Minderheit, nur um die Einführung der zu er- tvartenden Reformen zu hindern, wahrscheinlich das Budget ablehnen würde, um auf diese Weise eine neue Ministerkrise herbeizuführen. Auf diesen Brief und die darin gestellten Forderungen antwortete Dr. Bos sehr zurückhaltend. Er meinte, die Schwierigkeiten, welche Genosse Troelstra dargetan hätte, hätten ihm noch mehr von der Notwendigkeit des Eintritts der sozialistischen Minister überzeugt. Seiner Meinung nach seien sonst immer wieder Streitigkeiten, zwischen den Sozial- demokraten im Parlament, und dem Kabinett zu erwarten. Ter Beantwortung der zweiten Frage über die conditio sine qua non wich er mit � der Redensart aus, daß diese Frage kejnen Punkt von Besprechungen in der Versammlung der liberalen Parlamentsmitglieder� gebildet hätte. Darauf� trat am 19. Juli eine Konferenz zusammen, ge- bildet aus dem Parteivorstand, den Mitgliedern der Kammer- fraktion und der Redaktion unseres Organs„Het Volk" und verwarf mit 13 gegen 8 Stimmen das Angebot der Minister- Posten. Tie Minderheit befürchtete besonders die Ungewiß- heit, in die wir geraten würden, toenn wir das Angebot ab- lehnten und wollte deshalb den sicheren Weg gehen. Die Mehrheit bestand aus zwei Gruppen: die eine wollte unter keiner Bedingung schon jetzt in das Ministerium eintreten, die andere nur im äußersten Falle und meinte, diese Notlage sei jetzt nicht gegeben. So schien es, als ob die Frage erledigt wäre. Es kam aber anders. Am 30. Juli beantwortete die freisinnige Konzentration unsere Ablehnung mit der Erklärung, die Bildung eines Ministeriums trotz der zugesagten Unterstützung nicht auf sich nehmen zu wollen. Jedoch— so lautete der Bericht in der Presse— wurde auch in den weiteren Besprechungen der Wunsch ausgesprochen, das Programm Bos ausgeführt zu sehen. Nun war die Krise in ein neues Stadium getreten, und zwar dadurch, daß dieLiberalen sich bewußt wei- gerten.denbesseren, ihnen von unser erPar- tei gewiesenen Weg zu gehen. Keine Spur einer Widerlegung der schweren Bedenken, die Genosse Troelstra gegen die Bildung eines freisinnig- sozialistischen Ministeriums, und gerade im Interesse des all- gemeinen Wahlrechts und der Einführung der unentgeltlichen Alterspension selbst, geäußert hatte. Einige linksstehende Blätter mußten sogar zugeben, daß darin wohl etwas Wahres stecke, aber— die Herren wollten nicht. Nunmehr beriefen der erste und zweite Vorsitzende un- serer Partei, die Genossen V l i e g e n und S ch a per aus eigener Initiative— nachdem sie dem Dr. Bos einen Besuch abgestattet hatten— eine nochmalige Parteikonferenz zu- sammen. Es wurden folgende zwei Fragen diskutiert: 1. Ist durch die Weigerung der Liberalen der Ausnahmefall der Amsterdamer Resolution eingetreten? 2. Würde durch das Eintreten von Sozialisten in das Ministerium die Mög- lichkeit der Ausführung des Programms Bos vergrößert werden? Nun entschied die Mehrheit der Konferenz für den Ein- tritt. Zwei Resolutionen wurden gestellt und ein außer- ordentlicher Parteitag zusammengerufen. Dieser trat am 9. und 10. August zu Zwolle zusammen. Nach, einer heißen Diskussion kam endlich mit 375 gegen 320 stimmen eine Resolution zur Annahme, welche die Minderheit der Mirteikonferenz beantragt hatte und folgendes zum Ausdruck brachte: „Für eine Partei wie die Sozialdemokratische Arbeiter- Partei, welche sich kraft ihres Ursprungs, ihres Wesens und ihrer Ziele gegen die ganze Herrschast der Bourgeoisie richtet, besteht eine Pflicht in ein bürgerliches Ministerium einzutreten nicht. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei hat in den ge- gegebenen Umständen ihrer Verantwortlichkeit für das allgemeine Wahlrecht und die Alterspensionen völlig Genüge getan, durch ihre Erklärung, jede Regierung zu unter- stützen, welche die Einführung dieser Reformen bezweckt. Dagegen hat die freisinnige Konzentration, indem sie die Bildung eines freisinnig-sozialistischen Ministeriums als einzige Lösung akzeptierte, das Zustandekommen dieser Reformen auf das höchste erschwert. Da aus dieser Handlung der Liberalen Unwille und keineswegs Ohnmacht spricht, ist der Ausnahmefall, den die Resolution des Internationalen Kongresses von 1900 erwähnt, nicht da. Deshalb würde bei den heutigen Machtverhältnissen und der politischen Situation der Eintritt von Sozialisten in eine bürgerliche Regierung dem Interesse des Pro- letariats widersprechen." In einem folgenden Artikel werden wir die Bedeutung dieses Beschlusses und die hauptsächlichen Gründe, die zu ihm geführt haben, auseinandersetzen. I. F e d d e r- Amsterdam. Bebel, die Geistlichkeit und der lürieg. In der„Christlichen Welt"(Nr. 36 vom 28. August) wird von dem Pfarrer Nithak-Stahn ein Briefwechsel mit August Bebel ab- gedruckt. Bebel sollte auf dem Jenaer Parteitag 1911 den christ- lichen Geistl.chen aller Konfessionen zum Vorwurf gemacht haben, daß sie auf den Kanzeln den Krieg zu verherrlichen suchten. Pfarrer Nithak-Stahn übersandte Bebel als Gegenbeweis eine aus Anlaß des Sedantages in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu Berlin ge- haltene Predigt über 1. Chor., Vers 33:„Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern— des Friedens." Bebel schrieb daraufhin an den genannten Geistlichen: „Schöneberg-Berlin, den 23. 19. 11. Sehr geehrter Herr! Sie sind in Ihrer Auffassung da? Opfer einer unrichtigen Berichterstattung geworden. Es ist mir nicht beigekommen, die angegebene Auffassimg zu äußern. Ich habe ausdrücklich auf den Redakteur der„Evangelischen Kirchen- zeitun�" hingewiesen, der zum Kriege hetzte, und das sollte christ- lich sein! Die Auffassung, daß, wenn es zum Kriege komme, die Geist- lichkeit aller Nationalitäten alsdann zu demselben Gott um den Sieg bete und sich somit in Widerspruch mit den Lehren des Christentums stelle, kann ich nicht zurücknehmen. Hochachtungsvoll A, Bebel." Darauf erging folgende Antwort: „23. Okt. 1911. Sehr geehrter Herr! Ihre Berichtigung, von der ich mit Dank Kenntnis nehme, läßt doch die Tatsache bestehen, daß Sie den Geistlichen aller Nationalitäten im Kriegsfall eine Stellung- nähme zuschreiben, die im Widerspruch mit dem Christentum stehe. Ich kann auch das nicht völlig zugeben. Sie werden mit mir der Meinung sein, daß es Notwehrkriege gibt, bei deren Ausbruch ein christlicher Prediger, ohne dos Gebot der Friedfertigkeit zu ver- letzen, den Sieg seines Volkes erWünschen kann. Wenn zugleich auf der anderen Seite christliche Geistliche dasselbe im Sinne ihres Volkes tun, so kann das freilich aus unchristlichem Chauvi- nismus(oder aus anderen tadelnswerten Motiven) geschehen. Doch ist eS wohl möglich, daß die Geistlichen hüben wie drüben aus der ehrlichen Ueberzeugung handeln, eine gerechte Sache zu ver- treten. Solche, objektiv betrachtet, unlösbaren Widersprüche entstehen doch wohl aus der Unzulänglichkeit menschlichen Urteils, die übrigens auch im Kampfe der politischen Parteien zutage tritt, wo Vertreter kontrastierender Interessen mit gleich starker moralischer Ueber- zeugtheit sich gegenüber stehen können. Der Gottgläubige knüpft seine Hoffnung auf den Sieg der Gerechtigkeit selbstverständlich an das Walten seines Gottes. Sofern man nun überhaupt das Beten als religiöses Bedürfnis anerkennt, wird man auch einem christlichen Geistlichen ein aufrichtiges Gebet um den Sieg der ihm gerecht erscheinenden Sache nicht verargen können, selbst wenn sein Urteil irrig wäre. Anstößig ist mir an den Kriegsgebeten nur die?— und darin stimme ich Ihnen durchaus zu—, daß Christen sich an ihren Gott wenden in einer Situation, die als solche der Moral des Christen- tums widerspricht und zum mindesten von der einen Seite durch Verletzung dieser Moral herbeigeführt worden ist. Darum liegt für mich der Fehler der christlichen Kirchen gegenüber dem Kriege nicht auf der von Ihnen bezeichneten Linie, daß irrtumsfähige Menschen sich mit entgegengesetzten Wünschen an den Einen Gott wenden(das geschieht auch im alltäglichen Lehen), sondern darin, daß die christlichen Geistlichen noch nicht aufgehört haben, aus einem falsch verjtandenen Nationalgefühl den Krieg für ein„not- wendiges Uebel" zu halten. Ich meinesteils halte es— mit einer inimer wachsenden Zahl von Berufsgenossen— für meine Pflicht, unbekümmert um kriege- rische Stimmungen machthabender Kreise, für den Völkerfrieden einzutreten, wie Sie u. a. aus der übersandten Predigt ersehen wollen. Hochachtungsvoll ergebenst _ Nithak-Stahn/ Sie Aufgaben des Parteitags in der Steuerfrage. Von Gustav Hoch. IV(Schluß). Zur Resolution in der Steuerfrage. Während der Niederschrift dieser Aufsätze ist die Resolution ver- öffentlicht worden, die"Genosse Wurm zur Steuerfrage vorgeschlagen hat. Ich vermisse darin das, was doch wohl die Hauptsache seur muß. die grundsätzliche Stellung unserer Partei zu den Stenern. überhaupt und die Rechtfertigung dieser Stellung. Hieran sollten wir die Erklärung über unsere Stellung zu den bestehenden und zu erwartenden Steuern schließen. Dagegen erscheinen mir überflüssig die Einzelheiten über das Verhältnis der Reichssteuern zu den Steuern von Staat und Gemeinde. Demgemäß empfehle ich die folgende Fassung, neben die ich den von Wurm vorgeschlagenen Wortlaut stelle: Der Parteitag erklärt unter Der Parteitag fordert ge« Hinweis aus Punkt 10 des Partei» mäß Punkt 10 des Parteipro- Programms und auf die Beschlüsse gramms: des Parteitags zu Bremen im Stufenweise steigende Ein- Jahre 1904 sKommunalpolitik) so- kommen- und Vermögenssteuer wie de« Parteitags zu Magdeburg zur Bestreitung aller öffentlichen im Jahre 1910(Budgetfrage): Ausgaben. soweit diese durch Die Sozialdemokratie fordert Steuern zu decken sind; Selbst- Bcsitzsteuern. die nach dem Ber- einschätzungSpflicht; Erbschafts- mögen und Einkommen der Steuer- steuer, stufenweise steigend nach Pflichtigen festzusetzen sind. Dabei Umfang des Erbguts und nach muß das Vermögen und Ein- dem Grade der Verwandtschaft. Ab- kommen, das den zum notwendigen schaffung aller indirekten Steuern, Lebensunterhalt erforderlichen Be- Zölle und sonstigen wirtschafts- trag nicht überschreitet, von der politischen Maßnahmen, welche die Steuer frei bleiben. Das größere Interessen der Allgemeinheit den Vermögen und Einkommen ist, je Interessen einer bevorzugten Min- größer es ist, mit einem um so derbeit opfern. höheren Satze zur Steuer heran- Ferner erklärt der Parteitag: zuziehen. Dagegen bekämpft die Der Bedarf der Bundesstaaten Sozialdemokratie die Verbrauchs- ist durch Zuschläge zu den in- steuern(indirekte Steuern und direktenReichSsteuernzu decken. Zölle), weil sie die Warenpreise Für die Deckung des Bedarfs erhöhen, dadurch dem arbeitenden der Gemeinden ist gemäß den Be- Volke eine möglichst gute Lebens« schlüssen des Parteitags zu Bremen Haltung erschweren und die zu fordern: ärmeren Steuerzahler im Per- Staatliche Zuschüsse für die hältnis zu ihrem Vermögen und Aufgaben des VolkSgesundheitS- Einkommen viel stärker belasten Wesens, deS Schulwesens, der als die reicheren Steuerzahler. Armenpflege, des Wegebaues. Demgemäß fordert die So- Zuschläge zu den staatlichen zialdeipokratie, daß alle Ver- Einkommen-, Vermögens- und brauchssteuern aufgehoben werden: Erbschaftssteuern. Wo derartige und sie tritt für Besitzsteuern ein staatliche Steuern nicht eristieren, zum Ersatz der Verbrauchssteuern soll den Gemeinden das Recht zu- und zur Deckung solcher Ausgaben, stehen, besondere kommunale Ein- die den Forderungen der Sozial- kommen-, Vermögens- und Erb- demokratie entsprechen. Handelt schaftssteucrn auszubilden. es sich dagegen um die Deckung Besteuerung des unverdienten solcher Ausgaben, die die Sozial- Wertzuwachses an Grund und demokratie bekämpft, so sind auch Boden. Besitzsteuern abzulehnen, es sei DerParteitag erklärt denn, daß die Annahme der Besitz- weiter: steuern nicht die Voraussetzung Für die Bewilligung von für die Annahme der bekämpften Steuern in Reich, Bundesstaaten Ausgaben ist und ungünstigere und Gemeinden ist aber nicht Steuern verhindern würde. Eben- allein maßgebend die Art der so ist jede Verstaatlichung abzu- Steuern, sondern auch ihr Ver- lehnen, die Verbrauchssteuern in wendungSzweck. sich birgt oder auf andere Weise Gemäß dem Beschluß von zu Preissteigerungen ausgenutzt Nürnberg 1908 ist jeder gegne- iverden kann. rischen Regierung das Staat?- Als notwendige Folge unserer b u d g e t bei der Gesamtabstim- Auffassung, daß der jetzige Staat mung zu verweigern, e» sei denn. im wesentlichen der kapitalistischen daß die Ablehnung desselben durch Klassenherrschaft dient, und an- unsere Genossen die Annahme gesichts der Tatsache, daß die Ge- eines für die Arbeiterklasse un- s amtabstimmung über den Staats- günstigeren Budgets zur Folge hg-lshalt als eine Vertrauens- haben würde. erflärung für die Regierung auf- In gleicher Weise ist auch jede gefaßt werden muß, ist jeder d irekt e S t e u er, selbst wenn gegnerischen Regierung der Staats- sie allein den Mehrwert trifft, Haushalt bei der Gefamtabstim- von unseren Genossen abzulehnen, mung zu verweigern, es sei denn, falls der Verwendungszweck den daß die Ablehnung die Annahme Interessen der Arbeiterklasse wider- eines ungünstigeren StaatshauS- spricht, e§ sei denn, daß die Ab- haltS zur Folge haben würde. lehnung der direkten Steuern durch unsere Genossen die Annahme der bekämpften Vorlage nicht hindert und eine für die Arbeiterklasse un- günstigere Besteuerung zur Folge . haben würde. Entsprechend unserer Programm- forderung haben unsere Genossen in den Parlamenten stets darauf hingedrängt, daß bestehende i n- direkte, die Arbeiterklasse be- lastende Steuern abgeschafft und durch direkte ersetzt werden, ohne Rücksicht darauf, zu welchen Zwecken die Staatseinnahmen verwendet werden. Demgemäß haben sie auch zu verhüben, daß neue indirekte Steuern auf die Arbeiterklasse ge- wälzt werden, und wenn dies nur durch Zustimmung zu direkten Steuern zu erreichen ist, haben sie dafür zu stimmen, da dann der Verwendungszweck der direkten Steuern nur noch der Ersatz in- direkter Steuern ist. »* * Ein« Rechtfertigung bedarf wohl nur der Zusatz über die Verstaatlichung. Wir'haben in den letzten Jahren auch mit solchen Steuerfragen zu rechnen, die mit der Verstaatlichung einzelner ErwerbSzweige verbunden find. Dem Reichstage liegt bereits ein solcher Entwurf der Regierungen vor. der die Einfuhr und die Her- stellung von Leuchtöl sowie den Großhandel damit im Zollinland ausschließlich dem Reiche zuweist. Andere derartige Entwürfe, z. B. zur Verstaatlichung der Zigarren- und Zigarettenindustrie, können sehr bald folgen. Allerdings bestreiten die Regierungen, daß der Entwurf des Gesetzes über den verkehr mit Leuchtöl ein neues Steuergesetz bezweckt: die guten Leute wollen ja nur unser Vaterland gegen die Ausbeutung durch die ausländischen Petroleumkapitalisten schützen. Das ist aber schließlich ein Streit um Worte. Tatsächlich kommt sowohl bei dem Petroleummonopol als auch bei jedem anderen Monopolbetrieb des Reichs und der Einzelstaaten ein Ueberfchuß für die GtaatSkafle sehr in Betracht und damit werden die Verstaat- lichungSgesetze auch zu Steuergesetzen. Unsere Partei hat die steuerpolitische Seite der Verstaatlichung bereits einmal im Jahre 1892 auf dem Parteitage in Berlin aller- dings nur sehr kurz gestreift. Dort wurde eine von Liebknecht und Vollmar unterschriebene Erklärung einstimmig angenommm, die mit folgenden Sätzen beginnt: Die Sozialdemokratie hat mit dem sogenannten Staats- fozialismus nicht» gemein. Der sogenannte GtaatSsozialiSmu«, insoweit er auf die Verstaatlichung zu fiskalischen Zwecken hin- zielt, will den Staat an die Stelle der Privatkapitalisten setzen nnd ihm die Macht geben, dem arbeitenden Volke das Doppel- joch der ökonomischen und d« politischen Sklaverei aufzuerlegen. Heute, da die Steuerfragen zu den schwersten Sorgen der Reichsverwaltung gehören, müfien wir viel stärker, als e» vor mehr als 20 Jahren nötig war, auf die Möglichkeit hinweisen, daß da» Reich sein Monopol zu einer rücksichtslosen Ueberschußwirtschaft, zur äußersten Preissteigerung, also zur schweren Ausbeutung des arbeitenden Volkes ausnutzt. Ein solcher Staatsbetrieb kann wie die drückendste Befitzsteuer wirken. Daher muß die Sozialdemokratie alle? tun, um diese Ausbeutung de» arbeitenden Volkes zu verhindern. Auf welchem Wege kann sie dies erreichen? Im vorigen Jahre hatte unser Redner im Reichstage Stellung zur Verstaatlichung des Kalibergbaues zu nehmen. Dabei führte er die Bedingungen an, unter denen die Verstaatlichung vorzunehmen sei. Zwei dieser Be- dingungen lauten: Die Verkaufspreise sind im Gesetz festzulegen. Die Ueberscbüsse sind zur Verringerung der Verbrauchs- abgaben und Zölle oder für soziale Zwecke zu verwenden. Zunächst ist also der Reichslag und damit sind auch die Parteien des Reichstages für die Höhe der Preise verantwortlich gemacht. Der Reichstag muß einer Erhöhung der Preise ausdrücklich zustimmen, und die Wähler können, dank dem gleichen, geheimen Reichstags- Wahlrecht, auch den bürgerlichen Parteien den Eifer für die Er- höhung der Preise gar sehr abkühlen.— Ueberdies soll die Ver» Wendung der Ueberschüsse etwa zur Deckung von Militärausgaben ausgeschlossen sein, die Ueberschüsse sollen nur für solche Zwecke zur Verfügung stehen, die den bürgerlichen Parteien am wenigsten am Herzen liegen. Aber derartige Bestimmungen genügen nicht in allen Fällen. Das zeigt uns das geplante Petrolcummonopol des Reichs. An diesem Unternehmen sind Großkapitalisten stark beteiligt. Welche Sicherheit gegen einen zu großen Einfluß dieser Grotzkapitalisten auf die Monopolverwaltung auch immer versucht wird, die Groß- kapitalisten haben die Petroleumquellen in ihrer Hand; sie machen ein um so besseres Geschäft, je teuerer sie dem Reiche das Petroleum verkaufen; und deshalb werden sie ihren ganzen Einfluß dafür einsetzen, daß sie bei dem Verkauf des Petroleums a» das Reich immer günstiger ab- schließen. Wie.groß diese Gefahr ist, brauchen wir jetzt unter dem Eindruck der Verhandlungen im Krupp-Prozetz nicht näher zu schildern. Je teurer aber das Reich das Petroleum von den Groß- kapitalisten einkauft, um so höher müssen auch die Verkaufspreise werden, selbst wenn da» Reich daran gar nichts verdient. Das ar- beitende Volk wird dann zwar nicht zum Nutzen der Reichskasse, wohl aber zur Bereicherung einiger Großkapitalisten durch das Reichsmonopol um so mehr ausgebeutet. Daher müssen wir bei diesem Monopol auch die Sicherheit dafür haben, daß das Reich für längere Zeit die nötige Menge Petroleum zu angemessenen Preisen einkaufen kann. Wir sehen an diesem Beispiel, von welcher Bedeutung die steuerpolitischen Fragen der Verstaatlichung find. Daher muß der Parteitag auch zu diesen Fragen Stellung nehmen. politische Cleberlicht. Der Kampf um Bebels Wahlkreis. Die Nachwahl in dem bislang durch Bebel im Reichstage vertretenen ersten Hamburger Wahlkreis ist auf den 17. O k- tober, einem Freitag, festgesetzt. Von unserer Partei ist Genosse Otto Stalten, Redakteur des„Hamburg. Echo", als Kandidat aufgestellt. Für die Fortschrittliche Volkspartei kandidiert Dr. Petersen, und die Nationalliberalen glauben, nachdem ihr erster Kandidat Dr. Burchardt zurückgetreten ist, in dem Hauptpastor Dr. Rode einen geeigneten Durchfalls- kandidaten gefunden zu haben. Bei der letzten Wahl wurden abgegeben für Bebel 20633, für den Fortschrittler 6331, für den Nationalliberalen 2999 Stimmen. Nochmals die Metzer„Katholikennächte". Den Zentrumsblättern ist es recht unangenehm, daß so manche frommen Besucher des Metzer KatholikemageS sich am Abend des 17. August in den Metzer Bordellgassen amüsiert haben, und da sie in ihrer Verlegenheit keine besseren Ausreden zu finden vermögen, so versichern sie, daß viele Leute in Metz— nämlich die, die nicht in jener schönen Gegend waren,— von dem„sündhaften" Treiben gar nichts gemerkt haben, und zweiten», daß, wenn tatsächlich manche Besucher der Bordellgassen die KonstantinSmedaille an ihrer Brust getragen, das jedenfalls„gewisse" Elemente gewesen wären, die sich nur deshalb Festabzeichen gekauft hätten,„um unter diesem Schilde ungescheut Ausschweifungen zu begehen und dadurch ab- sichtlich der guten Sache einen Schandfleck anzuhängen". Warum nicht gar! Vielleicht hat der Teufel Bitru auf Veranlassung der Freimaurer jene Leute mit den frommen Abzeichen eigens in die Moselgasse geschickt, um den Metzer Zentrumstag zu diskreditieren. Ihre Teufelsschwänze konnten die höllischen Abgesandten ja bequem in der bürgerlichen Kleidung verbergen, und den Pferdefuß sah in dem Gedränge niemand. Man weiß doch aus Leo Taxils denkwürdigen Enthüllungen, zu was Freimaurer und Teufel fähig sind. Der„Lokal-Anzeiger" in Köln, ein Ableger der„Kölnischen Volkszeitung", wärmt im Anschluß an seinen Abwehrartikel eine Räubergeschichte auf, die schon vor etlichen Wochen die Runde durch die gesamte schwarze Presse ge- macht hat. DaS Blatt meint in seiner Nr. 235 vom 27. August, die sozialdemokratische Presse habe am wenigsten Ursache,„die Katholiken" zu verdächtigen, denn: „In der zweiten Juliwoche wurde in St. Gallen das Schweize- rrsche Arbeitersängerfest, eine sozialdemokratische Ver- anstaltung, gefeiert. Die„Schweiz. Bürgerzeitung' vom 12. Juli 1913 berichtet nun folgendes: Einzelne Teilnehmer haben sich geradezu skandalös ausgeführt. So mußte am letzten Sonntag und Montag die bischöfliche Kathedrale zweimal geschlossen werden, weil Teilnehmer deS Arbeitersänger- festes in die Kirche eindrangen und dort andere Kirchen- besucher in ihrer Andacht störten, verlachten und verhöhnten. Auf dem Klostervlatze wurde gegen die Klosterkirche hin von etwa einem Dutzend Teilnehmern am Sängerfest ein Akt begangen, der sich hier nicht beschreiben läßt, der über von der Sittenpostzei sosort geahndet worden wäre, wenn diese zur Stelle gewesen wäre. Im weiteren sind uns Klagen zugegangen über Belästigungen von Damen aus offener Straße am hellichten Tage." ES kommt häufig vor, daß in ZentrumsblSttern„Akte" behauptet werden, die sich„ n i ch t beschreiben" lassen, weil sie sich nämlich nirgendwo zugetragen haben. Wir haben uns mittlerweile bei unseren St. Gallener Freunden über den Inhalt jener Notiz erkundigt. Die Auskunft, die uns der� Präsident des Preßkomitees des 11. Schweizerischen Arbeiter-SängerfesteS, Redakteur HanS Müller, zukommen ließ, lautet wie folgt: „Die in der deutschen Zentrumspresse verbreitete Notiz betreffend daS schweizerische«rbeitersängerfest ist eine un ver- schämte Erfindung von Leuten, die unseren Sangern am Zeuge flicken mutzten, nachdem sie über die glänzenden gesanglichen Leistungen nichts zu sagen wußten. Von Sittlichkeitsdelikten kann gar nicht gesprochen werden. Der Polizeikommissar hat unseremFe st Präsidenten gegenüber erklärt, daß kein einziger Rapport bei ihm eingegangen sei. Er könnte von bürgerlichen Festen erzählen, wo eS anders zugegangen. Da? Gleiche erklärte der Kasernenverwalter, der sich über die Führung der während zwei Nächten einquartierten 1000 Sänger recht zufrieden aussprach. DaS genügt un». Sir sehen keinen Anlaß, uu» mit Lügenpetern herumzubalgen." Staatssekretär v. Tirpitz amtsmüde? Au§ zuverlässiger Quelle will die„Berliner Börsenzeitung" er- fahren haben, daß Staatssekretär v. Tirpitz zu VertraüenSpersonen geäußert, daß er noch den nächsten Marineetat im Reichs- tag einbringen werde und dann aus dem Amt scheiden werde. Er habe dann auch das Penfionsalter von 65 Jahren erreicht. Groß- admiral v. Tirpitz bekleidet sein Amt seit 17 Jahren, eine Amts- dauer, die unter Wilhelm II. weder ein preußischer Minister noch ein Staatssekretär jemals erreicht hat. Sonderbares Dementi. Unter der Ueberschrift„Presse und innere Kolonisation" brachte die„Kölnische Zeitung" in ihrer Nr. 962 vom 25. August einen Artikel, in dem es einleitend heißt: „Aus Kreisen der preußischen Staatsregierung schreibt man uns: „Mit einer gewissen Regelmäßigkeit bringen linksliberale Blätter in ungemein anregend und stellenweise begeistert ge- schriebenen Aussätzen den Wunsch nach erheblicher Beschleunigung der inneren Kolonisation. Die Aufsätze lassen erkennen, daß es den Verfassern wirklich Ernst ist mit der Schaffung einer richtigeren Besitzverteilung in den östlichen Provinzen der Monarchie. Die ungeheuere Wichtigkeit der inneren Kolonisation wird durchaus richtig erkannt. Leider sind die Forderungen und Vorschläge mit geringen Ausnahmen nicht dazu angetan, praktisch verwertet zi» werden. Unbedingt zutreffend ist nur der Ruf nach Beschränkung des Fideikommisse's und es ist in der Tat nicht einzusehen, warum auf diesem Gebiete nicht längst Aenderungen eingetreten sind." Zu diesem Artikel erklärt nun die„Nordd. Allgemeine Zeitung": „In der„Kölnischen Zeitung" vom 25. August dieses Jahres ist unter der Ueberschrift„Presse und innere Kolonisation" ein Artikel erschienen, in dessen Einleitung gesagt wird:„Aus Kreisen der preußischen Staatsregierung schreibt man unS!* Diese Angabe ist irreführend. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß die leitenden Kreise der Staatsregierung diesem Artikel fernstehen." Demnach wäre der„Kölnischen Zeitung" ein Kuckucksei ins Nest gelegt worden. Es fragt sich nur, wer all«5 unter den leitenden Kreisen der preußischen Staatsregierung inbegriffen sein soll, und darüber gibt das Dementi leider keine Auskunft; nur dann aber könnte man ermessen, ob das Dementi überhaupt berechtigt ericheint. Vermutlich ist die preußische Regierung von den Junkern auf den „gefährlichen" Artikel der„Köln. Zeitung" aufmerksam gemach» worden und hat sich nun schleunigst beeilt, zu versichern, daß sie mit diesem Artikel, in dem schließlich vernünftige Grundsätze vertreten werden, nichts zu tun hat._ Maurenbrecher über seine Tätigkeit in der Sozial- demokratie. Am 30. August sind eS zehn Jahre, seit der Nationalsoziale Verein, der im Jahre 1896 von Naumann gegründet wurde, auf- gelöst wurde und die Nanonalsozialen der damals Freisinnigen Ver- einigung beitraten. Aus diesem Anlaß haben eine Anzahlt alte Nationalsoziale ihre Erinnerungen an jene Zeit in der„Hilfe" zum besten gegeben. Unter ihnen befindet sich auch Max Maurenbrecher, der nicht nur„das nationalsoziale Experiment", seine Tätigkeit bei den Nationalsozialen, sondern auch sein Wirken in der Sozialdemo« kratie zum Gegenstand der Besprechung macht. Er erzählt, daß er vor zehn Jahren zur Sozialdemokratie gegangen sei,„ohne daß er ihr Programm und ihre Taktik sich restlos aneignen konnte", und er erzählt weiter, daß er ständig bemüht gewesen sei, die Taktik der Sozialdemokratie in andere Wege zu leiten: „In Wahrheit habe ich in Vorträgen, Artikeln, Büchern, xu» letzt noch im Wahlkampf 1907, die sozialdemokratische Taktik gegen- über Monarchie, Armee und Marine verteidigt, regelmäßig aber mit Argumenten, die der Tatsache entnommen waren, daß wir zurzeit in Opvosition stehen und daß wir die Zustimmuiia nur aussprechen könnten gegen schwerwiegende Kon- Zessionen. Das heint, ich habe versucht, durch die Art der Argumentierung eine zukünftige Schwenkung in diesen Fragen vorzubereiten und möglich zu machen, wie das früher Heine und Auer gemacht hatten, und wie das ja auch in manche» Artikeln der„Sozialistischen Monatshefte" immer wieder versucht wird. So habe ich auch die ganze Wahlagitation 1907 mit Erinnerungen an Fichte und Scharnhorst, mit den Lebenserinnerungen von Leutwein und Hohenlohe und mit Rohrbachs Ansiedelungsbroschüre über Südwest bestritten. Es ist bei den Gegnern in meinem damaligen Wahlkreise nicht unbemerkt geblieben, daß das etwas anderes war, als was der Wahlkreis sonst an sozialdemokratischer Argumenlierung kennen gelernt hatte. Aber bei den Parteigenossen selbst habe ich das Bewußtsein für diesen Unterschied nur sehr wenig entwickelt gefunden. Diese und ähnliche Erfahrungen führten schließlich zu dem Entschluß, rücksichtslos und unbekümmert um die Folgen das für richtig Erkannte auch so deutlich zu sagen, daß es nicht überhört werden konnte. Die Folge war die gänzliche Jsoliernng und die beständig und geflissentlich ausgestreute Ver- dächtigung: er redet und schreibt nur, um von den Gegnern gegen die Partei zitiert zu werden; er ist ein Verräter, zum mindesten ein Stänker, Nörgler, Störenfried usw. Und jetzt noch, hinter dem Abschied, lautet die Quittung zumeist: ein Glück, daß wir ihn los sind; er ist uns kein guter Kamerad gewesen. Irgend ein Ge- danke von dem, was wir wollten— ich darf tu diesem Wir Gerhard Hildebrand und einige andere mitumfassen— ist rnemalS in die Massen gedrungen, irgend eine sachlicheWirkung haben alle diese Reibungen niemals gehabt. Es war nur immer wieder da« Endergebnis: eS ist unmöglich, eine Partei, und nun gar eine Millionenpartei körperlicb schwer arbeilender Menschen durch rein intellektuelle Motive zur Weiter» bildung ihrer Meinung zu bringen. DaS Kulturproblem deS Sozialismus ist nicht derart, daß es in einer politischen Partei gelöst werden könnte. Entweder — Oder! Entweder Partei oder Probleme, dazwischen gibt eS zu wählen." Nach diesem Bekenntnis nimmt Maurenbrecher die Sozialdemo» kratie gegen den„pharisäischen" Vorwurf der Intoleranz in Schutz: „Man kann der Sozialdemokratie wirklich die Ehre lassen, daß sie das Menschenmögliche an Geduld und Entgegenkommen bewiesen hat.... Jede andere Partei würde sie(die„Intoleranz") ebenso zeigen, wenn es in anderen Parteien so viele Problemsucher gäbe, wie in der Sozialdemokratie." Schließlich faßt Maurenbrecher seine Anficht«» über das Partei« Wesen in den folgenden Leitsätze» zusammen, von denen er freistellt, sie als persönliches Programm für die Zukunft anzusehen: „Erstens: ES ist nicht wahr, daß eS eine Pflichr jedes Staat«- bürgerS sei. zu einer Partei zu gehören. Wahr ist vielmehr, daß die Parteien allesamt oft genug mehr ein Hindernis als eine Förderung für ein rechtschaffenes, die Probleme wirklich durch- knetendes und durchschürfendeS Denken find. Man tnuß sie haben für das politische Handwerk des Tages. Aber das Leben der Kultur und der Zukunftsprobleme deS Staaie» gebt durch sie Hindusch und über sie fort._ Die schöpferiiä>en Menschen der letzten 70 Jahre, Leute w,e Schopenhauer. Wagner, Nietzs�e, Marx, Bismarck usw. sind nicht tjiarteipolittker gewesen. Zweitens: Eine. Zentralstelle für die Kultur» Probleme des Sozialismus, ein Kongreß und Verein ohne parier« politische Bindung oder Beschränkung seiner Anhänger, aber auch ohne Aufftellung eines bindenden Dogmas, eine Prepagandastelle, die die Oeffemlichkeit alljährlich zwingt, diese Probleme ohne Parteibrille zu sehen, die auch die Oberschicht in der Sozialdemo» kratie langsam an den Gedanken gewöhnt, daß. der Sozialismus ein Werdendes ist und nichts Fertige«, und daß es noch Fragen gibt, von denen die Schulweisheit der Parteiredner sich nicht» träumen läßt; ein solcher Kongreß und Berein konnte die richtig,, geradlinige und vertiefende Fortsetzung sowohl unserer national« sozialen als auch unserer letzten Vergangenheit fem." Maurenbrecher dürfte für sein„Programm' nicht einmal in den Kreisen seiner früheren nationalsozialen Freunde Anerkennung finden: daß dieser Standpunkt für die Arbeiterklasse undiZkutabel ist, braucht nicht erst gesagt zu werden, das ist Herrn Maurenbrecher ja auch selbst klar geworden. weZhalb er die Konsequenzen gezogen und aus der sozialdemokratischen Partei ausgetreten ist. Schweiz. Der Züricher Generalstreik iu staatsanwaltschaftlicher Beleuchtung. Zürich, 27. August. SchmorfleiEchmitKnpJuhndn95 pt Suppenfleisch..... � 73�. Roastbeef mit Knochen Pfund Sü Pf. Kalbskamm od. Bug pfd 75 Pf. Kalbsbrust.......... p�d 85 Schweineschulterblatt�Ä 80«. Scliweinebauch pr�d 75 pf. HammeldUunung Pfund 75 pt Rückemett.......... Pfund 63 pi. Liesen.................. Pfund 70 pr. Sülzwurst..................Pfund 70pt Zwiebel- od. Blutwurst Pfand HO Speck ptund 85 Pf- mÄ9er Pfand 95 Pf. Schinkenspeck............ pf�d 1,15 Nusschinken................ Pfand 1,40 Kassler.......... 88, 95. Gänse � 65, 70, 75. Rebhühner 65, 1.oo Edamer-Käse................. Pfand 95 p«- Brle-Käse..................... Pfand 55 pt Limburger Käse........... Pfand 45� Neuer Sauerkohl........ 2 Pfand 15 pf. Sardinen in Oel 38, 48, 65?� Rollmöpse................. 5 stück 18? Matjes-Heringe...... stuck 8, 12? Neue saure Gurken...... 3 stück 10?-. 90 pi.»r R3ss ,0'p� 15 Räucherwaren Bücklinge................. s stuck 16?-. Pommersche Flundern... Pfund 35 p-. Aale geräuchert............... Pfund 1,1 0?� Lachsheringe................ stuck lOrt Kieler Sprotten............. Pfund 65?«. i i s ♦ I I Stangenspargel...........-/.v-,-- 9Z?c Gemischte Marmelade..... Pfand 25?-- Zucker-Honig c». 3 Pfand-ai«.. 95 Kaffee if�Ä't SO, 70, 75?«- «r | | W.MAMVUMN.2slhemäentuchs�"--34..{ c». 100x130 schöne Muster, viele Farben..................... Stück Neueste deutsche englisctxe u. fran- zösiscl�e Moden Baby- Mäntel B a b y- A n z ü g e Kiffel-Anzüg e Blusen-Anzüge Jacken-Anzüge Schlüpfer- Anzüge Haupt- Katalog Nr. 47 koslemrell Um dem arossen PubliKum vor Aaaen zu fübrenfw Höchstleistung an gutem öeschmack > und Reichhaltigkeit zu toiXligsferi. ■ Preisen geliefert werden Kann. BAERSONN Chausseestrasse 29/30 Berlin 11 Brückenstmsse 11 CrFrankfurfersTr. SID 10�1. SchonebergHauptsfrlO Neuesie deutscl\e engliscfie u fran- 2iöslsct\e Moden Prinz-Heinrich- Anzüge Kieler-Anzüge Norfolk- Anzüge Jackeff- Anzüge Pyjacks � Palefofs � � � Ulster � � Sonntag von Q- 10 Uhr geöfihetf BesichliOTpg ohne jeglichen Kaufzwang crbelen Eröffnung heu ir' tettanto. gttMt.: Alfre» Wielepp. Neukölln. Ipseratenteil veranfw«h.«locke. Berl-n. Druck u.Ber>a«- Vorwarf» B"-bdr.ii eerwgsansurüJZäülSwger��o.. Berlin SVV. Hierzu Z Beilnacn«.ttnUrholtimaUL ib. 224. 30. i. leilnp des Dmörts" Kerliner MlksblM. s«.be«d.3o �.9.8. k o I l e g e n, wobei er besonders den Romanen die Einrichtungen der österreichischen und deutschen Organisationen als nachahmen»- werte Beispiele aufzeigte. Dann erfolgte die Beschlußfassung über eine vom Internationalen Sekretariat ausgearbeitete Vorlage eines neuen Statuts. Dasselbe war von einer Kommstsion vorberaten worden. Die Beschlüsse des Plenums gaben der Internationale den Namen „Internationaler Bund der Lithograph e n, S t e i n» drucker und verwandten Berufe'. Im Prinzip wurde beschlossen, daß alle dem Bunde angeschlossenen Organisationen der Gewerkschaftszentrale ihres Landes angehören müssen. Die Beiträge an das Sekretariat wurden von'23 auf 32 Pf. pro Mitglied und Jahr erhöht. Bei einem Streik kann das Sekretariat jeder Organi- iation, deren Beiträge nicht mehr als sechs Monate zurückstehen, die Summe von 1000"SR, falls die Zahl der streikenden Mitglieder 300 übersteigt, bis 2000 SR, und wenn sie 1000 übersteigt, bis 5000 M. Unterstützung überweisen. Ferner hat das Sekretariat das Recht, eine obligatorische Etreiksteuer von 2—23 Pf. pro Woche auszuschreiben, sofern über 8 Proz. der Mit« alieder eines Landes bereits 3 Wochen aus eigenen Mitteln in einem Kampfe stehen. Von den in Arbei�»stehenden Mitgliedern derjenigen Landesorganisation, für die die Streiksteuer ausgeschrieben wird, muß mindestens das Zehnfache der Steuer geleistet werden. DaS Sekretariat, das aus mindestens 7 Mitgliedern besteht, wird an dem Orte gewählt, wo es seineu Sitz hat; den Sekretär wählt der Kongreß. Die regelmäßigen internationalen Kongresse finden alle drei Jahre statt.' In eingehenden Bestimmungen sind die Rechte und Pflichten der angeschlosscnenen Verbände und der reisenden einzelnen Mitglieder geregelt. Sillier wurde einftimmig als internationaler Sekretär wiedergewählt. Mit dem Versprechen, im Sinne der gefaßten Beschlüsse und erhaltenen Anregungen zu wirken, kehrten die Delegierten in ihre Heimat zurück. Öcwcrkrcbaftlicbee. Berlin und Umgegend. Lohnbewegung der Linolcumlegcr und Teppichnäher. Wie Schulze in der Versammlung am Donnerstag berichtete, sind die über die bisher zugestandenen Tarifaufbesserungen hinaus- gehenden Forderungen dem Vorsitzenden des Vereins der Teppich- Händler übermittelt worden, wobei dieser zusicherte, sich für weiter- gehende Zugeständnisse einsetzen zu wollen. Am Abend, nachdem die Unternehmer längere Zeit untereinander verhandelt hatten, wurde der Kommission eröffnet, man wolle überhaupt von einem Tarif- abschluß absehen, denn der Verein werde Ende des Jahres aufgelöst. Da jedoch Bestrebungen im Gange seien, einem neuen Zusammen- schluß der Linoleumhändler auf anderer Basis herbeizuführen, möchten doch die Verhandlungen bis Januar vertagt werden. Redner führte weiter aus, das Scheitern der Verhandlungen sei auf die Kulissenarbeit des Vertreters der Firma Ouantmeyer und Eicke, K a s k e l, zurückzuführen. Diese Firma habe auch bereits einen Teil der Kollegen ausgesperrt. Die Kommission schlägt nun vor, einen neuen Tarif vor- zulegen, dem die bisherigen. Zugeständnisse mir wenigen un- wesentlichen Aenderungen zur Grundlage dienen sollen. Das soll das Ultimatum sein. Bei den Fvrmen, die bis Sonn- abend nicht unterschrieben haben, soll am Montag die Arbeit niedergelegt werden. In der anschließenden Diskussion wurden eine Anzahl Stimmen laut, die zum sofortigen Zuscklagen rieten.. Bei der Abstimmung ergab sich dann aber Einftimmigkeit für den Vorschlag der Kom- Mission. An die Lohnwerkstätten soll gleichzeitig herangetreten werden mit der Forderung einer Lohnerhöhung. Die Versammlung, in der über den Streik eventuell beschlossen werden soll, findet Sonntagvormittag 9 Uhr im Gewerkjchaftshaus, Saal 1, statte Arbeitseinstellung von Militärsattlern. Die zurzeit auf Offizierausrüstungen beschäftigten Kollegen be- finden sich in einer Lohnbewegung. Das alte Vertrags« Verhältnis der Branche läuft mit dem heutigen Tage ab. Die Unter- nehmer haben sich unter die Fittiche des„Bundes der Arbeitgeber- Verbände Berlins' geflüchlet und auf Grund dessen ein Eingehen auf unsere Forderungen abgelehnt. Trotzdem der Vertrag noch bis zum heutigen Tage Geltung halte, suchen die Unternehmer schon seit Wochen„unorganisierte Sattler für dauernde Beschäftigung auf Mililärarbeit' in der.Morgenpost' und in der„Volkszeitung'. Da mit dem heutigen Tage die Arbeitsein st ellung in diesen Be« trieben perfekt ist, dürfen diese Inserate keine Beachtung finden. Alle Spezialbetriebe für Offizierausrüstungen sind für Sattler gesperrt. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Achtung, Putzer! In bürgerlichen Blättern erscheinen fortgesetzt Inserate, worin Putzer nach außerhalb verlangt werden. Wir machen unsere Kollegen auf den„Grund st ein' aufmerksam und er- suchen, diese Angebote nicht zu berücksichtigen, da es sich wohl in allen Fällen um Streiiarbeil handelt. Deutscher Bauarbeiterverband. Sektion der Putzer. DeutTekes Reich. Der Magistrat von Stettin sucht Streikbrecher. In Stettiner Blättern werden unter Chiffer Arbeiter in größerer Zahl für lohnende Arbeit im Stettiner Speicher-, Hafen- und Ver- kehrSbetriebe gesucht. Die Arbeit soll nicht besonders schwer sein. Unzweifelhaft also für den Betrieb des städtischen Freihafens und für Dunzig. Stettiner Arbeiter dürste der Magistrat schwerlich finden,� denn die wissen, wie der Magistrat seine Arbeiter entlohnt. Mit einem Tagelohn von 3 M. werden sich auch nicht die aller» arbeitswilligsten Elemente zufrieden geben. Der Magistrat will an- scheinend eine Machtprobe ausüben. Am 26. Juli schrieb der Ober- bürgermeister Ackermann, es sei bisher nicht vorgekommen, daß kleines feuilleton. Bcbel-Denkmal. Wir haben ein Hoine-Dcnkmal und ein Richter- Denkmal, nun werden wir ja auch ein Bebel, Denkmal bekommen. Aber ein Skandal ist es doch, daß dergleichen itt deutschen Landen möglich ist. (Kreuz-Zeitung.) Dem Heine und Eugen Richter. Dem Juden und dem Judenknecht. Hat undeutsches Denkmals-Gclichter Denkmal zu setzen sich erfrecht. Jetzt kommt auch noch der rote Bebel Als Dritter in der Kumpanei! Wo bleibt die Knute? Wo der Knebel? Vor allem: wo die Polizei? Ich glaube, unser Bebel macht euch. Im Grabe selber noch Beschwer: Der tote Kämpfer, er verlacht euch! Das mit dem Einfperrn geht nicht mehr. Heut ist sein Leib in Glut verlodert— Habt ihr ihn darum tot geglaubt? Gebt acht, sein Werk, has lebt und fordert Von euch, was ihr ihm einst geraubt.— Fünf Jahre hinter euren Gittern I Doch jeden Tag, den ihr ihm stahlt, Habt ihr mit Zagen und mit Zittern Im Stillen an sein Heer gezahlt. Er hat im lebenslangen Kriege In euch sein Ehrenmal gerammt: Das Mal der Angst vor unsrcm Siege. Das grell auf euren Stirnen flammt. Die ueue Type der ArbeitermSdel. Im Berliner Gewerkichafts- hauS ist jetzt dte neue Type der Arbeilermöbel zu sechen. Sie ist da« Ergebnis eines Weltbewerbes, der unter den deutsche» Kunst- geWerbezeichnern ausgeschrieben worden war. Als Sieger ist damals Robert Koepsel durch das Ziel gegangen; seine Vorschläge sind nun. von ihm uberwacht und vielfach gebessert, zur Ausführung ge- kommen. Prinzipiell unter, chewet sich Koepsels Entwurf in keiner Weise von den Typen Münchhausens und Behrens: das sollte er auch nicht. Die äußerste Sachlichkeit, die strengste Beschränkung auf das Notwendige, daS Fernhalten jedes törichten Schmuckes, die gediegene Konstruktion und die dadurch bedingte Solidität, das alles sind Forderungen, die von einem brauchbaren Arbeitermöbel einfach er- füllt werden müssen. Was Koepsel im besonderen wollte, war eine gewisse Aufhellung des Gesamteindruckes: während Münchhaujen objektiv und Behrens Meinungsverschiedenheiten zwischen der Stadt Stettin und ihren Arbeitern über Lohn- und Arbeitsverhälwisse im Wege von Zwangsmaßregeln und Kraftproben ausgetragen wurden, sondern es hat stets eine gütliche Regelung stattgefunden. Als dann die Organisationsleitung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln durchsetzte, daß der Magistrat in der ersicn im September stattzufindenden Stadtverordnetensitzung dafür eintreten sollte, daß den Wünschen der Arbeiter ent- gegengekommen werden soll, da war es der Oberbiirger- meisier Dr. Ackerinann, der der Verbändsleitung mitteilte, er freue sich, daß die Arbeiter einsichtig genug seien, ordnungsgemäße Be- schlüsse der städtischen Behörden abzuwarten. Wenn man nun sieht, in welcher Weise der Bürgermeister seine Zusicherungen und eigenen Beschlüsse hält, so werden die Arbeiter ohne weiteres aus dieser Handlungsweise ihre Konsequenzen zu ziehen haben. Der Magistrat möge sich aber gesagt sein laffcn, daß er durch seine recht zweifelhafte Maßnahme auch dem indifferentesten Arbeiter die Augen geöffnet hat, wie es um das so gerühmte„Wohlwollen' bestellt ist. Er hat den Faulen und Lässigen den Weg gewiesen, den sie zu gehen haben, daß nur durch die Organiialion einzig und allein menschenwürdige Lohn- und Arbeitsverhältnisse geschaffen werden können. Bei dieser Gelegenheit sei noch des Hafeninspektors Handle gedacht, der vor einiger Zeit die Vorarbeiter und Wieger zu einer Versammlung zusammenrief und ihnen das Linsengericht der festen Anstellung„in Aussicht" stellte, wenn sie zu Verrätern ihrer eigenen Sache würden und ihren Arbeitsbrüdern in den Rücken fielen. Lasse sich daher keiner verleiten, Arbeit nach Stettin onzu- nehmen, das Stettiner und Pommerschc Unternehmertum übt seinen gewaltigen Einfluß auf den Magistrat aus, damit er keine höheren Löhne als 3 M. pro Tag zahlen darf. Darum Arbeiter haltet jeden Zuzug nach Stettin fern. Die Heizungsmonteure in Saarbrücken haben wegen Nicht- anerkennung der eingereichten Forderungen die Arbeit niedergelegt. Zuzug von Heizungsmonteuren und Helfern nach Saarbrücken ist deshalb streng fernzuhalten._ Die Ortsverwaltung. Die Nürnberger Polizei gegen Stteikende. In dem seit 16 Wochen andauernden Streik der Bürsten- und Pinsclmacher in Nürnberg ist die Polizei auf das eifrigste bemüht, durch Provokalionen, Belästigung der Streikenden usw. den Unter- nehmern zu Hilfe zu kommen. Die Streikleitung sah sich zu der gewiß außerordentlichen Maßnahme gezwungen, eine eigene Polizei zu organisieren, um die Uebergriffe der städtischen Polizei kon- trollieren und feststellen zu können. Ungerechte Verhaftungen, auch Mißhandlungen u. dergl. sind an der Tagesordnung, einen Streik- brecher anzureden ist unmöglich, wenn man das tut, wird man so- fort verhaftet. Daß bei dem Verhalten der Polizei keine Aus- schreitungen vorkommen, zeugt nur von der Besonnenheit und Disziplin der Streikenden. Im Streik selbst ist noch keine Wendung eingetreten. Die Unternehmer bleiben hartnäckig auf ihrer Weigerung und haben ihrd ursprünglichen Zugeständnisse auf �in unannehmbares Minimum eingeschränkt. Es scheint immer mehr, als ob man eine Machtprobe gegen den Holzarbeiterverband beabsichtige. Eine Versammlung der Nürnberger Zahlstelle erklärte einstimmig, diesen Machtkampf ausnehmen und entschieden durchführen zu wollen. Zu gleicher Zeit wurde beschlossen, die Streikunterstützung zu erhöhen und am 1. Oktober an die Streikenden einen Mietszuschuß auszubezahlen. Die Glasergehilfen in Saalfeld i. Thür, haben mit den Meistern einen Tarif abgeschlossen, der ihnen wesentliche Vorteile bringt. Auf alle bisher gezahlten Löhne erfolgt sofort ein Zuschlag von 3 Pf., ein weiterer Zuschlag von 3 Pf. erfolgt am 12. August 1914 und am 13. August 1913 abermals ein solcher von 2 Pf. pro Stunde. Intrrnationliltr Kongreß dkr Fithographtn,Stkmdrucker und vewandten Kerufe. Wien, 28. August. Grünwald(Wien) lenkte die Aufmerksamkeit auf die Propa- gandamittel zur Gewinnung der jugendlichen Berufs- streng war. wollte Koepsel freundlich sein. Das ist ihm auch gelungen. Schon die Holzart, ein rotblondes Mahagoni, gewachst, hilft entscheidend zu einer freudigen Stimmung des räumlichen Eindruckes. Ohne dichterischen Ehrgeiz darf man sagen, daß in diesem Zimmer so etwas wie Sonnenfchein ist. Es geht ein warmes Leuchten von den großen Flächen des Schrank- körperS, der Tischplatten und der Bettgestelle. Dazu kommt das frische Grün der Fensterbehänge und des Abends der satte, gelbe Schein, der durch die Stoffbekleidung der Hängelampe strömt. Es ist viel Gemütlichkeit in diesem Raum. Ein guter Gedanke war es, einmal einen dreiteiligen Schrank zu schaffen; er faßt genau so viel, wie die früheren zwei, nimmt aber im Zimmer weniger Raum fort. Was aber noch wichtiger ist: der große Körper dieses Drei- teiligen wirkt ungemein bestimmend und mit architektonischer Würde. Durch ein schlichtes System von schwarzen Leisten, die der Türaufteilung Rahmen und Gliederung geben, durch drei schwarze Türknöpfe und kleine schwarze Leisten am Sockel der Füße bekommt der rotblonde Körper, der im übrigen ganz kubisch gebaut wurde, fast etwas Zierliches. Dies akzentuierende Schwarz kehrt an den übrigen Möbeln wieder und steigert so ganz erheblich den farbigen Gesamteindruck. Auch dem grünen SRanchesterbezug der Stuhlsitze und des Chaiselongues ist ein schwarzer Streifen eingewebt. DaS Chaiselongue ist gleich dem Dreiteiligen eine Neuerung. Es ist wesentlich billiger als das bisherige Sofa und genügt in gewissen Fällen den Bedürfnissen. Ein Spiegel ist nirgends zu sehen: er befindet sich, an der Innenseite einer der Schranktüren. Man darf wohl sagen, daß mit den drei jetzt vorhandenen Typen, der liebenswürdigen Münchhausen, der charaktervollen Behrens und der lustigen Koepsel, das Problem des Arbeitermöbels um ein wesentliches � gefördert worden-ist. Worum es sich jetzt vor allem handeln muß, ist: für die weitere Entwicklung dieser bedeutungsvollen Aufgabe die angemessenen Perspektiven zu gewinnen. Noch werden alle drei Typen im Kleinbetriebe hergestellt: erst wenn die Massen- fabrikation einsetzen kann, werden die Massen der Konsumenten den erstrebten und erstrebenswerten Gewinn haben. rbr. Theater. Joseph-Kainz-Theate r(am kleinen Wannsee):„G Y g es und sein Ring". Von Friedrich Hebbel. Volle fünfunddreißig Jahre sollten vergehen, bis diese 1834 geschaffene Tragödie auf die Bühne gelangte. Von Zeit zu Zeit taucht sie seitdem im Spielplan der großen Theater auf, aber nicht allzuoft. Sie ist kein Werk, mit dem man der breiten Menge des Theaterpublikums kommen darf. Zu den Dichtungen gehört sie, die man sich schon erobert haben muß, wenn man sich anschickt, sie auch in der Form des Bühnen- lebens zu genießen. Eine Aufführung des psychologisch tiefgründigen und wunderbar sprachschönen Werkes in einem Naturtheater ist, obzwar nur ein Experiment, doch immer ein höchst interessantes Experiment. Man denke sich alle Vorgänge direkt ins Grün des Parkes versetzt, an einem farbenreinen, sanft verglühenden Sommerabend— das kann gedoppelte Schönheit geben. Der Rhythmus des Lebens, das dort sich abspielt, der räumlichen Enge entledigt, kann sich voller, wogender ergehen. Zu besorgen ist nur, ob nichr die Sprache des Dichters an poetischem Duft und Zauber verliert, weil ja doch die Schauspieler schärfer akzentuieren müffen. um auch immer verständlich zu bleiben. In dieser Beziehung ist Karl Bernhardt, wie vor- nehm auch seine Erscheinung als König KandauleS wirkte, von zeit- Jirtmmtilmfller Transportarbeiter-Kougreß. London, den 27. August. Die heutige Sitzung wurde ausgefüllt von einer sehr lebhaften Debatte über die gewerkschaftlichen Methode ii. In der Vormittagssitzung kamen nur französische und holländische Syndikalisten zu Wort, die sehr heftige Angriffe gegen die deutsche Leitung der I. T. F. richteten. Angegriffen wird zunächst der Bericht, den I o ch a d e über die Internationale Transportarbeiter- föderation an Legicn als internationalen Sekretär erstattet hat, und den dieser in seinem 9. Internationalen Bericht über die Gewerkschaftsbewegung 1911 veröffentlicht hat. Jochade führt darin den starken Rückgang an Mitgliedern bei den französischen Eisenbahnern auf den mit syndikalistischen Methoden begonnenen und darauf zusamliiengebrochenen Streik zurück. Weiter schreibt er über Portugal:„Der gleich ijach der Revolution importierte französische Syndikalismus Hat unter den Organisationen viel Unheil angestiftet und die Mehrzahl an den Stand des Verderbens gebracht." Schließlich äußert er sich über die Frage, wie sich die Transportarbeiter im Kriegsfalle verhalten sollen, folgendermaßen:„Die in jüngster Zeit aufgetauch- ten Behauptungen einiger reaktionärer Hetzblätter, unsere Födera- tion arbeite ausdrücklich darauf hin, daß im Falle einer Mobil- machung die kriegführenden Mächte durch Anwendung der passiven. Resistenz oder des Streiks der Eisenbahner lahmgelegt werden, sind vollständig unwahr und tvillkürlich aus der Luft gegriffen, Eine derartige Betätigung der Zentralleitung, die ja ftir F. T. F. verantlvortlich ist, sowie ein auf obige Behauptung bezug- licher Beschluß irgendeines Kongresses, läßt sich nicht nachweisen Die Anwendung von Streiks, Boykotts und der passiven Resistenz, nicht nur zur Erringung besserer Lohn- und Arb-eitsbedingungen, sondern auch als politisches Kampfmittel gegen Behörden, Regie- rungen und Parlamente, zur Abwehr reaktionärer Maßnahmen oder Erringung politischer Rechte ist durch Kongreßbeschlüsse genau begrenzt. Von einer Anwendung dieser Mittel im Falle einer Mobilmachung ist nirgends die Rede, besonders nicht für die Eisen- bahner. Die Regelung des wirtschaftlichen Kampfes der Eisenbahner ist in einer Weise vorgesehen, wie sie vorsichtiger in Rücksicht auf die volkswirtschaftliche, staatliche, sowie völkerrecht- weilig allzu starkem und partienweise allzu deklamatorischem Sprechen nicht freizusprechen. Ernst R e s ch k e(GygeS) wirkte ausgeglichener als Sprecher: weniger in Gebärde und Haltung. Der Rhodope wußte Hilma Schlüter eine gewisse Größe der Tragik zu verleihen. Lieblich war Marianne B r a t t(Lesbia); Karl P ü n d t e r S Thoas hingegen befriedigte darstellerisch nicht. Daß manche im Tonfall ruhiger und gedämpft zu haltende Dialoggestellen beinah verloren gingen, nun— so völlig abgeschieden liegt eben das Kainz-Theater nicht, um nicht durch das Rattern, Pfeifen, Knattern und Fauchen vorüberfahrender Bahnzüge und Dampfer Abbruch zu erleiden. Selbst ein Passagierluftschiff kreuzte zweimal schnarrend hoch über den Platz hinweg. Welche Kontraste! Oben im Aethermeer, unten auf Erden ringsher der Markt« und Schlachtlärm des modernen SäkulumS, und hier im Parkgrlln das Spiel einer dichterisch erfühlten Welt im Gewände einer toten Vergangenheit! Das Naturtheater bedarf für solche Werke die vollkommenste Einsamkeit. Die Regie hatte die fünfaktige Tragödie in zwei, nun freilich etwas lange und ermüdende Abschnitte zu- sammengezogen._«. k. Notizen. — Theaterchronik. Die Sachse-Oper im Schiller- Theater 0(Wallner-Theater) beschließt ihre diesjährige Spielzeit am Sonntag, den 31. August, mit der Aufführung von Meherbeers .Hugenotten'. Am Sonntag nachmittag findet eine Wieder- holung von Verdis.Troubadour' zu ermäßigten Preisen statt. Heute abend gastiert Kammersänger Kurt Frederich nochmals als George Brown in„Die weiße Dame" von F. H. Boieldieu.— Am 5. Oktober eröffnet das neue Genosse n schaftstheater in Guben seine erste Spielzeit. Da nunmehr auch die Forster Stadtverordneten dem Plane der Bühnen- genossenschafl zugestimmt haben. tSird auch das dortige Theater der Leitung des Genossenschaftsdirektors Wilhelm Röntz unterstellt sein. Die Rbeinisch-Westfälische VerbandSbllhne, der die Genossenschaft auch nahe steht, wird ebenfalls Anfang Oktober eröffnet werden. — Aus der B ü h n en g en o s s ens ch a ft. Der Stellen- Nachweis der Bühnengenossenschaft, der für Genossenschaftsmitglieder wie für Direktoren unentgeltlich wirken soll, die Reise- und Dar- lehnskasse, die Eiigagemeiiisversicheruilg und die Kostümzentrale für männliche Mitglieder sollen am 1. Oktober in Tätigkeit treten. — Die sinnige Reklame. Zwischen den Orten Husum und Hallingstedt, im südlichen Schleswig, ist eine Automobil- Verbindung eingerichtet worden. An der Türe des Kraftwagens ist ein Reklameschild befestigt und auf diesem liest man, wie die„Jtze- hoer Nachr." verraten, folgendes:„E. Müller u. Co., Husum. Mo- bilien aller Art, Lager fertiger Särge." � Rembrandt-Funde. Ein Gemälde im Museum zu Calais wurde als ein echter Rembrandt erkannt. Man e»r- deckte Rembrandts Namen mit der Jahreszahl 1633.— In Petersburger Privatbesitz hat der Kustos der Sammlungen der Eremitage das allerfrüheste Bild Rembrandts gefunden: dös Brustbild einer alten Frau, die bisher stets als die Mutter Rembrandts bezeichnet wurde. DaS Bild ttug, wie Liphart nach- weist, ursprünglich das Datum 1623. — Morgenländische Sprüche, von Ernst Bertram in „Licht und Schatten" veröffentlicht: Zweifel ist der frömmste Pilger. — Wenn man sieht, daß es doch nichts genützt hat, dann heißt eS Reue.— Ironie ist der Machtgenuß der Ohnmacht. lidjc Bedeutung der Eisenbahnen kaum gedacht werden kann. Hin- zugefügt möge noch werden, daß wir Anträge auf Boykottierung der Waren oder Erträgnisse eines Landes, wie auch einzelner Schiffe, entsprechend den aufgestellten Grundsätzen, stets abgelehnt hauen.* W i g n a u d- Paris(Hafenarbeiter) bemerkt zunächst, daß er sich das Recht zur Kritik nicht nehmen lasse, wenn er auch zum ersten Male auf einem Internationalen Transportarbeiterkongreß erscheine. Aber er sei ein alter Mitkämpfer in der Gewerkschafts- dtwegung, und wenn einmal neue Leute kämen, so sei das nur ein Beweis, daß in Frankreich die Funktionäre nicht auf Lebens« zeit gewählt würden. Beim Zentralrat scheine das Gefühl der �olerany und der Brüderlichkeit nicht allzu stark entwickelt zu sein. Äer Geist, den der Bericht des Sekretärs atme, sei der der Eng- Herzigkeit und de? unverdienten Mißtrauens gegen andere Metho- don. Die �Franzosen würden darin nur angegriffen, weil sie ihre eignen Wage gingen und nicht sklavisch nachahmten, was Deutsch« laitid bornwve. In Portugal herrsche die politische Krisis in Per- manenz; da /ei eS schwer, feste Gewerkschaften zu bilden? eS gehe nicht an, den französischen Syndikalismus dafür zum Sündenbock zu inachen. SolViId ein Streik ohne Erfolg bleibe, werde es sofort auf die direkte Mffion geschoben. Auch die Darstellung deS Streiks der französischen Eisenbahner 1910 sei durchaus schief. Der Streik war auf den Netze» der Nordbahn und der staatlichen Westbahn allgemein, wo die revolutionären Elmnente unter den Eisenbahnern i der Mehrzahl waren. Auf best anderen Netzen, wo die Freunde der deutschen Takt.'/ die Führung hatten, setzte man zu großes Vertrauen in das Ergebnis der politischen Aktion und die Streik- bcwegung versagte. Hätte überall gleiche Begeisterung und zwmpfeSmut geherrscht, so hätte der Streik Erfolg gehabt. Falsch sei es auch, wenn der Bericht von einer Föderation der französischen .Hafenarbeiter, Seeleute und Eisenbahner spreche. Davon sei nie die Rede gewesen. Maxi habe nur über ein Kartell zu bestimmten Zwecken verhandelt, zu gemeinsamen Aktionen bei großen Streiks, zu denen auch die Bergarbeiter herangezogen werden sollten. Die deutschen Gewerkschaften stellten eine materielle Einheit von Lohn- arbeitern dar, mit einer Leitung, die über die Köpfe der Massen hinweg regiere. Die Mitglieder würden als unfähig zur perfön- lichen Mitarbeit betrachtet und als Leute ohne jede Initiative, die nur den blinden Gehorsam betätigen müßten, den die Kirche seit Jahrhunderten gepredigt habe.(Lachen bei den Deutschen.) Die französische Gewerkschaftsmethode appelliert an den Kampfgeist und die persönliche Initiative des einzelnen. Besonder? lebhaft pro« testiert Redner gegen die Bemerkungen deS Berichts über die passive Resistenz und die Streik» bei einer Mobilmachung. ES sei die Pflicht eine» jeden Transport« arbeiters, sich zu weigern, an der Borbereitung zu einem Kriege teilzunehmen. Auch der internationale Bergarbeiterverband habe hier erklärt, daß bei einer Kriegserklärung sofort die Förderung der Kohle eingestellt werden soll. Auch im wirtschaftlichen Kampf sei die Weigerung, die Schifft zu entladen, ein besseres Mittel, die Kapitalisten niederzuzwingen, als die einfache Zahlung von Beiträgen. Die ftanzösifche und die deutsche Richtung verhalten sich im sozialen Kriege zueinander wie ein Volksheer zum Berufs« Heere. Wir wollen kein gewerkschaftliches Berufsheer haben, wo die Soldaten die unverantwortlichen Maschinen in den Händen der mit diktatorialer Gewalt ausgerüsteten Befehlshaber sind.(Leb- hafte? Beifall bei den Franzosen— Lachen bei den Deutschen.) G ui nch ard« Pari» l Transportarbeiter) erklärt den Bericht gleichfalls für tendenziös. Nach der Meinung der Deutschen taugt alles nichts, was ihnen nicht bis in? einzelne nachgemacht würde. So erkläre der Bericht auch den Solidaritätsstreik für zwecklos. Damit schlage man der Arbeiterbewegung in» Geficht, denn diese beruhe auf Solidarität. Die deutsche Methode ist die de? sozialen Friedens. Die Organisationen kämpfen um höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit, aber ihre Erfolge beruhen ja nicht bloß auf ihren gefüllten Kassen, sondern auch auf der industriellen .EntWickelung des Lande». Entscheidend fei auch das Temperament. Was in Deutschland möglich sei, sei in Frankreich und England häufig unmöglich. Unsere Methode ist die der Kampflust. Gewiß wären auch bei un» die Vorteile, die wir erringen, noch größer, wenn Hand in Hand mit der Kampfeslust auch die methodische Arbeit ginge. Die Deutschen marschieren nicht, wenn nicht die Mehrheit den Streik beschloffen hat. Aber auch Minoritäten können Erfolge erzielen; so die 6099 Pariser Chauffeure, von denen nur 1999 organisiert waren und für die doch in ihrem harten langen Kampfe 1 799 999 Fr. zusammenkamen. Die I. T. F. soll nicht bloß ein Auskunftsbureau sein, sondern mit daran arbeiten, das revolutionäre Ideal zu verwirklichen. So muß dieser Kongreß durchaus beschliehen, was im Falle eine» Krieges geschehen soll. Renne r-Holland(Seeleute) beschwert sich über die Auf- nähme der zweiten sozialdemokratischen TranSporiarbeiterorgani- sation in die I. T. F. und darüber, daß der Zentralrat dem holländischen Antrage nicht entsprochen und die Frage de» Ver« haltenS der Transportarbeiter im Falle eines Krieges nicht auf die Tagesordnung gesetzt habe. Er habe eS mit der Begründung abgelehnt, daß man mit solchen Vorschlägen die Eisenbahner aus der I. T. F. hinauStreibe. DaS wäre Selbstmordtäktik. Diese Antwort genüg« niöft, ferne Organisation verlange absolut die Diskussion dieser Frage. Der Redner schließt: In Holland nennt man un» Anarchisten. DaS trifft leider nicht zu.(HörtI hört!) Soweit sind wir noch nicht.(Hört! hört!) Wir nennen uns aber mit Stolz Syndikalisten, weil wir mehr wollen als die anderen Organisaftonen, nämlich die Abschaffung de» kapitalistischen System». Van den Berg« Holland: Der Zentralrat hätte die andere holländische Organisafton, die VolkSharding, nicht mehrjiuf- nehmen, sondern die Entscheidung dem Londoner Kongreß über- lassen sollen. Schlechter Wille ist eS nicht, der eine Verschmelzung der beiden Organisationen hindert. Sckjon vor mehreren Jahren wurde die Verschmelzung der zwei Hafenarbeitergewerffchaften vollzogen, und gerade die moderne oder sozialistische Gewerkschaft war eS, die sich im Jahre 1997 von uns trennte und einen Verband nach deutschem zentralisftschem Muster gründete. Im weiteren Verlauf der Debatte griff Wilson- London (Seeleute) den Zentralrat heftig an. Mit dem Bericht könne man nicht zufrieden sein. Zersplitterungen in der englischen See- niannsorganisafton, von denen Döring sprach, gibt es überhaupt nicht. 1911 mußten einige Seeleute ausgeschlossen werden, die im Dienste der Unternehmer, der Shipping Föderation, standen. Sie behaupteten zwar, sie seien Sozialisten, aber das besagt nicht viel. 1911 leistete der Zentralrat zunächst Widerstand gegen den Streik der englischen Seeleute. Die deutschen Seeleute stehen in engem Zusammenhang mit den Landtransportarbeitern, ohne sie können sie nichts machen. Daher rührt wohl der Widerspruch her, den besonders Müller im„Seemann* in so scharfer Form erhob, daß die Shipping Föderation die Aeußerungen drucken und in Millionen von Exemplaren in unseren Häfen verteilen ließ. Noch vor vier Monaten hat Müller heftige persönliche Angriffe gegen mich erhoben. In einer amerikanischen SeemannSzeitung las ich jüngst den Ausspruch JochaoeS, auch der alte Wilson sei davon zu- rückgekommen, daß man Streiks ohne Geld machen könne. Ich soll also meine Meinung seit Kopenhagen geändert haben. Dort aber habe ich nur erklärt, daß Geld nicht die Hauptsache sei, weil wir sonst mindestens noch S9 Jahre mit einem Streik warten müßten, bis wir genügend Geld hätten. Aber so ein Narr war ich nie, zu glauben, daß man ganz ohne Geld streiken könne. 1911 ist eS freilich ohne Geld gegangen, aber so günstige Umstände werden sich nicht so leicht wiederholen. WaS die Organisation�. form anlangt, so will ich Deutschland keine Vorschriften machen. Aber straffe zentralistische Organisationen lassen sich unmöglich in allen Ländern errichten, und die will Deuffchland uns auf. zwingen. Dabei wissen wir sehr gut. daß alle?, was uns die Ben Tillct und Wilson von den großen deutschen Organisationen und ibrcn Erfolgen erzählt haben, nicht viel bedeutet, und oaß viel Wind dahinten ist. Für das englische TranSportgewerbe ist eine Zentralisation unmöglich. Döring hat davon erzählt, daß wir einen Priester und eine Dam« mit unserer Vertretung bei den Secinannskonferenzen betraut hätten. Pater Hovkiiis aber war ein Seemann ist und regelrechtes Mitglied. Und was Madame Sorgue anlangt, so weiß ich nicht, was sie in Frankreich getan hat, aber, für uns hat sie sehr viel geleistet und alles auf eigene Kosten. Wir sind für föderatives Zusammenarbeiten, eine Zen- tralisation aber lassen wir uns nicht aufzwingen. R i v e l l i- Frankreich(Eisenbahner): Ich gehöre nicht zu denen, die alles, was in Deutschland gemacht wird, als nutzlos bemängeln. Als die Führer der französischen Gewerkschaften vor zwei Jahren in Berlin waren, haben wir sehr viel gesehen, was der Nachahmung wert ist. Zu tadeln aber ist, daß oer Zentral- rat den Wochenbericht dazu benutzt, um Kritik an allen nicht deutschen Organisationen zu üben. Damit überschreitet er sein« Befugnisse. So hieß es im Wochenbericht von einer Organi- fierung der Seeleute Spaniens(die jetzt so gelobt wird), sei nicht viel zu erwarten, weil sie von Barcelona, dem Herd des Anarchismus, ausgehe. Solche Herabsetzungen befreundeter Organisationen können daS Einvernehmen nicht stärken. Was im Wochenbericht über nichtdeutsche Organisationen gesagt ist, ist viel schlimmer als die italienische Kritik am Zentvalrat, der nicht der Herr der Bewegung, sondern nur ihr ausführendes Organ sein darf. Der deutsche Zentralismus ist kein Allheilmittel. Die straffe Zentralisation entspricht nur dem deutschen Temperament. Wir französischen Seeleute haben eine ausgedehnte Küste mit kleinen Häfen. Unsere Mitglieder wohnen im Norden und Süden, sprechen französisch, bretonisch, baskisch und spanisch. Der Typ im Norden entspricht dem deutschen noch am meisten. Aber die Männer rein lateinischen oder gar sarazenischen Blutes sind zu strammer Disziplin nicht zu erziehen. Trotz aller dieser Schwierig- ketten aber haben wir gute Erfolge erzielt. Seit fünf Jahren sind 19 Schutzgesetze für die Seeleute im Parlament durchgesetzt worden. Für die Wiederwahl deS Zentralrats können wir nicht sftmmen, er muß in ein andere? Land verlegt werden. Er soll keine deutsche, sondern eine international« Körperschaft sein. T i a r d i- Italien(Eisenbahner) begründet den Antrag der Italiener auf Verlegung deS Sitzes des Zentralrates nach London. Die Gründe seien durchaus sachlich; weder nationalisftsche noch Rassenvorurteile, noch Fragen gewerkschaftlicher Tendenz stünden dahinter. England sei der Herd der Bewegung, wenn nicht durch die Zahl der Mitglieder, so durch die Größe der Bewegung der Seeleute und Eisenbahner in dcn letzten Jahren. Aus einer bloßen VermittelungSstelle müsse der Zentralrat ein Organ der internationalen Aktion werden. Der Hauptgrund aber sei, daß die deutschen Eisenbahner keine Freiheit der Rede, der Versammlung und Vereinigung hätten, daß sie keine sozialisftsche Zeitung halten, geschlueige denn Sozialdemokraten sein dürsten. ES sei falsch, die italienischen Anträge einer Kommission zu überweisen. Die Entscheidung würde damit vom souveränen Kongreß in den Zentralrat und in Kommissionen und Unterkommissionen verlegt werden. Wenn durch diesen kftngreß bekannt würde, unter welchen Verhältnissen die deutschen Eisenbahner arbeiten müßten, so würden die Eisenbahner der ganzen Welt aufgerüttelt werden, um durch eine internationale Aktion zugunsten der deutschen Eisenbahner, durch«inen interniationalen Eisen- b ahner st reik, einen Druck auf die öffentliche Meinung güS- zuüben. Ben Till« t- England: Leider muß noch ein zweiter Eng- länder in dieser Debatte sprechen. Es muß aber geschehen, weil die Angriffe Wilsons auf die Deutschen im Widerspruch zu der Auffassung der englischen Delegation stehen.(Hört! hört!) Wilson ist gar nicht hier als Vertreter der organisierten Seeleute, er ist auf seinen Wunsch als Gast der britischen TranSportarbeiterföde- ration hier anwesend und hat die Rednerbühne und da» Gast recht gemihbraucht.(Erneutes Hört! hört!) Damit hat er unserer Föderation keine Ehre erwiesen. Die Angriffe Wilson» auf den Zentralrat sind Angriffe auf die Sozialisten überhaupt. Die britisch« Transportarbeiterföderation aber hat die Erfahrung gemacht, daß die Sozialisten gerade die besten Mit- glieder und Funktionäre sind.(Lebhafter Beifall.) Wir haben Wilson bei den Konflikten geschützt, die e.r mit seiner eigenen Or- aamsation hatte. Wir haben ihn mehr geschützt als er verdiente. (Hört! hört!) Mit JochadeS Tätigkeit im Zentralrat können wir nur zufrieden sein. Die Behauptung, der Zentralrat sei nicht international, sondern deutsch, ist ganz ungerechtfertigt. Er hat alles getan, um den internationalen Charakter der Bewegung zu wahren. Die Leitung würde nicht besser sein, auch wenn sie in den Händen der Englander wäre.(Hört! hört!) Wilson hat allen Anlaß, mit der Atritik an der Geschäftsführung anderer Leute zu- rückzuhalten, wenn er an seine eigene Geschäftsführung und an daS Glashaus denkt, in dem er fitzt.(Wilson springt erregt auf und ruft dem Redner„Lügner* zu.— Groß« Unruhe.— Ben Tillet erwidert ihm:„Du bist em Liberalerl") Au» frivolen Gründen sollen wir nicht experimentieren, sondern die Leitung lassen� wie si« ist. ES wird dem Zenbralrat vielleicht nie ganz gelingen, seinen deutschen Charakter abzustreifen. Aber irgend- wo muh er sitzen, und aus Leuten irgendeiner Nationalität be- stehen. Vielleicht war die Kritik, die in den Wochenberichten geübt wurde, manchmal zu schroff im Ton. Aber:„Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist."(Heiterkeit.) Gewiß läßt sich nicht alle?, was in Deuffchland besteht, nach England ubertragen, wo historische Gründe für die Zersplitterung der Organisationen vorhanden find. Jetzt aber vollzieht sich zweifellos eine Um- wälzung bei uns.(Hört! hört!) Wilson steht mit seiner Meinung, daß eine Fusion aller englischen Transportarbeiter in einem Z e n tr a l v e r ba nd e unmöglich sei, völlig allein.(Erneute» Hört! hörtl) Alle leitenden Männer der TranSportarbeiterföderation find für die foforftge Bildung eines Zentralverbandes. Vielleicht wird die Zentralisation bei un» nicht so straffe Formen erhalten wie in Deuffchland, obwohl die deutsche ZentralisationSform sicherlich die zweckmäßigste ist. Die Höflichkeit und Bereitwilligkeit de» internationalen Sekretär? Jochade erkennen die auf dem 5ft>ngreß ver- tretenen britischen Transportarbeiter einstimmig an.(Lebhhaftcr Beifall.) Die Weitevverhandlung wird auf Donnerstag vertagt. L o n d o n, 2«. August. Auch in der heuttaen Sitzung wurde der Streit mit den Syndikalisten urtb um die Frage der Verlegung deS Sitzes des Zentralrats noch nicht zu End« geführt. Signorino» Italien macht dem Zentralrat den Vorwurf der Zeitvertrödeluna.(Heiterkeit bei den Deutschen und Oester- reichern.) Wir wollen Eure Arbeit nicht herabsetzen, aber wir b«. greifen nicht, daß der Sitz de« Zenttalrats in einem Lande sein soll, wo den Arbeitern die allerselbswefftändlichsten Rechte fehlen. Ihr seid sehr gute Verwalter. Ihr reglementiert alles, aber Euch fehlt die Initiative zu großen Kämpfen.(Heiterer Widerspruch bei den Deutschen.) Wir sprechen nicht al» Syndikalisten, nicht al» Refor- misten, nicht al» Sozialdemokraten, wohl aber al» praktische Leute und sehen, daß unsere Internationale neues Leben braucht. Der Kampfgeist ist wichtiger als die große Kasse. Ihr seid für die methodische Organffafton; wir wollen den Geist der Schlagferftgkeit wecken, zu dem Ihr Eure Leute nicht erzieht. England bietet alle Garantien der Freiheit; der Zentralrat muß in ein anderes Milieu und aus Vertretern aller Naftonen zusammengesetzt werden. Bräutigam- Holland weist die Angrifft Renners auf die Volharding zurück. An der Treulosigkeit der syndikalistischen Gruppe sind die Einigungsverhandlungen seinerzeit gescheitert. Die Vol- harding ist keine wilde Organisation, sondern ist der holländischen modernen Gewerkschaftszentrale angeschlossen, die von der inter- nattonalen GewerffchaftSorganisation allein anerkannt wird. Die Internationale Konserenz der gewerkschaftlichen Landeszentralen hat seinerzeit beschlossen, daß nur die Organisationen zugelassen sein sollen, die den' anerkannten Landeszentralen angeschlossen sind. Die nichtanerkannte holländische Zentrale läßt sich mit der modernen anerkannten Gewerkschaftszen-ttale nicht vergleichen, die über 75 099 Mitglieder verfügt, während die Nichtauerkannten nicht ein- mal 8999 zählen. Die I. T. F. mag die Verhältnisse in Holland sich I ruhig weiter entwickeln lasse», yn Kopenhagen vertrat ich al« Gast 499 Seeleute, heute sind eS 1690. Damit haben wir die Mitglieder- zahl des Verbandes der syndikalistischen Seeleute beinahe erreicht. Werner-Berlin: In der Hauptsache überlasse ich dem Zen- tratrat die Antwort auf die Angriffe, soweit sie erforderlich ist. Im Auftrage der deuffchen Delegafton habe ich nur zwei Erwiderungen abzugeben. Erstens: Der Kollege Renner hat moniert, daß die Frage des Massenstreiks der Transportarbeiter im Kriegsfalle nicht auf die Tagesordnung des Kongresse? gestellt worden ist. Wir Deutschen sind mit der Taktik des Zemralrats in dieser Frage durch» aus einverstanden. Wir stehen auf dem Standpunkt der gewerk- schaftlichen Intern cttionale, der dahin geht, daß die Gewerkschaften in erster Linie berufen sind, die wirtschaftlichen Kämpfe zu führen. während die politischen Kämpfe durch die polittsche Partei auSzu- kämpfen sind. Die Frage der Taktik der internationalen Arbeiterschaft im Kriegssalle hat ihre Erledigung be- reits durch den internationalen Sozialistenkongreß 1997 in Stutt- gart gefunden. Die dort angenommene Resolution gilt auch für uns. Wenn wir aber einmal gezwungen sein sollten, die äußer st en Mittel anzuwenden, dann werden die deutschen Transportarbeiter ihren Mann stehen. Dafür bürgt unsere festgegliederte Organisatton. (Lebhafter Beifall bei den Deutschen.) Zweitens hat der Kollege Guinhard gemeint, die französischen Gewerkschaften hätten sich ein höheres Ziel als die Deuffchen gestellt: sie wollten die heuftge Ge- sellschaft abschaffen. Das fft nach unserer Auffassung nicht in erster Linie die Aufgabe der Gewerkschaften, sondern der politischen Partei. Wir Deutsche sind ja nicht nur Gewerkschaftler, sondern auch Mit- glioder der sozialdemokratischen Partei, und al? solche erfüllen wir vollständig unsere Pflicht. Wir sind nicht bloß Zahl- Maschinen, sondern Klassenkämpfer, und m der Durchführung unserer wirtschaftlichen Ziele steckt ja selber ein ge- waltiges Stück Klassenkampf. Unsere Organisation hat im Lauf« dieses JahreS für ihre umfangreichen Kämpfe l�h Millionen Mark aufgebracht. Wir sind, nicht mutlos« Bureaukraten, sondern schaffen nur die Vorbedingungen zu erneutem und erweitertem Kampfe. (Lebhafter Beifall.) Persönlich will ich noch erklären, daß ich trotz mancher Ausschreitungen der Debatte, die auf daS Temperament zurückzuführen sind, die Hoffnung nicht aufgebe, daß sich doch eine Grundlage zum gemeinsamen internationalen Kampfe aller TranS- Portarbeiter gegen das internationale Unternehmertum finden lassen wird.(Lebhafter Beifall, auch bei den Engländern.) Forstner-Oesterreich: ES ist sehr pikant, daß gerade von den italienischen Kameraden dem Zentralrat vorgeworfen wird, er vertrödel« die Zeit mit solchen Debatten. Die Zeit wird in der Tat vertrödelt, aber nicht vom Zentralrat. Wir alle haben den Wunsch, daß praktische Arbeit geleistet und feste Normen für den Aufbau der einzelnen Organisationen und der I. T. gegeben würden Auch wir möchten gewiß, daß alles noch besser würde. Aber der Zentralrat kann nicht mehr leisten, weil ihm die Mittel fehlen Rivelli meinte, die Einrichtungen der deutschen Organisationen, die er studiert habe, hätten ihm gefallen, aber die straffe zentralistische Or- ganisation lasse sich nicht auf andere Länder mit anderen Tempera- menten übertragen. Nun, mit Temperament hat daS gar nichts zu tun. Wr in Oesterreich haben acht Nationen, und doch ist eS un» gelungen, die Arbeiter dieser acht Nationen in einheitliche geschlossene zentralisttsche Organisationen zu bringen Darunter haben wir die Italiener in Trieft und in Trent«, und doch haben wir in Trieft gute Organisationen, die freilich noch besser wären, wenn dort der Einfluß Italiens und Frankreichs nicht so groß wäre. Die Italiener und Franzosen halten nicht viel von festen Organisationen und vom Geldaufbringen, vom geschlossenen Aufmarsch und vom einheit- lichen Abbruch deS Streiks. Aber gerade damit imponiert man dem Unternehmertum und der Regierung am meisten.. Mit roten Hemden und blutroten Krawatten macht man keine Revo- lution. Nur die sorgfältige Organisationsarbeit unter den Massen schafft die Grundlage zu jeder Bewegung. Mit lokalen und syndikalistischen Organisationen aber ist ein Vorwärtskommen nicht möglich. Wir wollen die Franzosen und Italiener eigentlich? Sollen wir ohne einen Pfennig Geld einen Streik anfangen? Beim großen englischen Eisenbahnerstreik schickten die französischen Syndikalisten ein Telegramm: Hoch die Solidarität, anbei 29 M.!(Große Heiterkeit.) Wenn e? gelingt. in einem Betriebe mit v Arbeitern diese v zu organisieren, so ist daS mehr wert als glänzende Reden in großen Versammlungen. Nicht Putsche nützen uns, sondern OrganffationSarbeit im kleinsten Kreis. Ter angedrohte Streik ist oft wirksamer als der durch- geführte. Mit rasch aufflackernden Streiks, die ein paar Tage dauern und von Sabotage begleitet sind, kann man vielleicht, ich weiß es nicht genau, in romanischen Ländern etwas ausrichten, bei un» jedenfalls nicht. Mit einer solchen Taktik würde das Unternehmertum am zuftiedensten sein. Der Zentralrat soll in Deuffch- fand nicht sitzen dürfen, weil die Eisenbahner kein Koaliftonsrecht haben. Darauf kommt e» gar nicht an, die Arbeiter haben das Recht, das sie sich nehmen. Auch in Oesterreich verbietet zwar Nicht da» Gesetz, aber die Dienstpragmatik den Eisenbahnern� sich zu koalieren, und doch sind unsere Eisenbahner organiesirt. Es ist verboten, Flugblätter und Zeitungen zu verbreiten, und doch tun wir e» ruhig. Wir haben eben eine so starke Fraktion im Reichs» rat. daß die Regierung sich nicht traut, etwas gegen uns zu unter» nehmen. Ich habe fast den Eindruck, daß die Franzosen und Italiener die Zentralorganisafton bekämpfen, weil sie von Deuffch- land kommt. Aber das Gute muß man nehmen, woher eS auch kommen mag. An einen Zwang zum Zentralismus denkt niemand. Die Italiener meinten: wir Deutsche erzögen die Arbeiter nicht zum Klassenkampf. Ein solches Urteil kann nur aus völliger Un- kenntnis der deutschen Arbeiterbewegung kommen. Wir führen den heftig st en Kampf mit den besitzenden Klassen auf gewerkschaftlichem und politischem Gebiet. Daß wir durch die Gewerkschaftsbewegung die heutige Gesellschafts. ordnung nicht ändern können und daß die soziale Revolution sich nicht von heute auf morgen vollziehen wird, ist selbstverständlich. Ich kenne die italienischen Organisaftonen, und wenn von Or- ganisationen geredet wird, sollten die Italiener erst einmal ruhig zuhören. Was sie Orgrnisafton nennen, ist mir ein großer Kreis von Bekannten, die demseloen Beruf angehören.(Heiterkeit.) Sie korrespondieren wohl miteinander, sie lesen vielleicht dieselbe Zei- tung aber Organisationen find eS nicht. Und wenn die Italiener dem Zentralrat vorwerfen, daß er nicht die Frage des Streiks im Kriegsfalle hier erörtert wünscht, so frage ich sie: warum sie nicht statt aller akademischen«DiÄussion den Streik beim Tripoliskrieg praktisch durchgeführt haben, (Heiterkeit.) Die Oesterreicher und Deutschen aber haben praktisch gehandelt. Bei den letzten Mrren auf dem Balkan haben sie die Kriegslust der Regierungen zu dämpfen gewußt.(Lebhafter Beifall.) Die britische Delegation gibt eine Erklärung ab, wonach im Gegensatz zu der Behauptung Ben Tillet» Wilson auf dem Kongreß nicht als Gast anwesend sei. sondern ein regelrechte? Mandat von der Transpottarbeiterföderation besitze. Er sei in New Port als Vertreter gewählt und habe dieselben Rechte wie jeder andere Delegierte. Dann wird die Sitzung, in der GeSling(England) den Vorsitz geführt hatte, auf Freitag vertagi. «ttternngSübetti»» vom SS.«uguft ISIS. Wien 703� l.heiter 17 Wetterprognose für Tonnabend. de» 30. August 1913. Warm und zunächst vorwiegend heiter bei magigen sudöftltchM Winden: später zunehmende Bewölkung und etwas Gewitterneigung. ' Berliner Wrtt»rb«rr»». [ Todes-Anzeigen Deutscher Metallartelter-Vertaiii! Vorwaltungiitalle Berlin. Toden- Annel�e. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Friedrieh Neumann an Lungenleiden gestorben ist. Ehr« seinem Andenke«! Die' Beerdigung findet am Sonnabend, den 30. d. M., nach« mittags ö Uhr, von der Leichen- Halle des FriedenS-KtrchhoseS in Nordend au» statt. Rege Beteiligung erwartet 124/20 Die OrUrerwaltung. ZeDtralyerband der Nasehlnisten GeachtfUetelle GroS- Berlin. Bezirk Lichtenberg Am DonnerStal verstarb unser Mitglied, Koöege Bruno Warmuth. Ehre seinem Andenke«! Dt« Beerdigung findet am Sonntag, den 31. August, nach- mittag» 2 Uhr, von der Leichen- Halle de» Frledhose» K Marzahn -u» statt. 152/20 Um reg« veteMgmig ersucht 0le Ge»oi>Stt»»teIIen»«r»Ullung. Transportarbeiter-Verhand. Bezirksverwaltung Qrot-Beriln. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der MSbel- TranSportarbetter«7/1S Fritz Müller am 23. August im Aller von 26 Jahren verstorben ist. Ehre ieinem Andenke« t Die Bezirksverwaltung. Deutscher Buchbüider-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitglieder» dt« traurige Nachricht, dafi unser langjährige» Mitglied, der Kollege Fmiw Drabe gestorben ist. Ehre seine» Andenken? Di« Beerdigung findet heute Sonnabend, den 30. August, nach- mittag» 4 Uhr, aus dem Heilig- Kreuz-Kirchdos in Mariendors, Etsenacher Str.»2. statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Lrtsverwaltung. Am 2S. August verstarb wsolge Schlagansall« mein lieber Mann, unser guter Bater Iterl Klauke im 56. Lebensjahre. Die» zeigt liesdetrübt an im Namen der Hinterbliebenen Frau Helene Klaut«. Die Beerdigung findet am Montag, den 1. September, nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle de» Städtischen Friedhose« in FricdrichSselde au» statt. Statt besonderer Meldung. Am 23. d. Mi«., morgen» 6 Uhr. verschied nach schwerem Leiden meine liebe Schwägerin, unsere gute Tante �uxuste Kerwien im 66. Lebensjahr. 2016b Um stille« Beileid bitten Berthol» Schröder Iran, Schröder«. Kran Paul Schröder«. Frau. Berlm W. 50, 28. August 1913. Passauer Sir. 4. Die einSicherung findet am Montag, den 1. September, nach. mittags 4 Upr, im Krematorium Gkri-dtslrafie statt._ Allen Verwandten. Freunden ...... nrige und Bekannten die tram richt, dafl in der Nacht zum 26. d. M. meine inniggeliebte Frau, Schwester, Schwägerin und Tante Iwiilse Schulze geb. GBIdenptennlg nach langem, schwerem Leiden Im 4». Lebensjahre verschieden ist. Die» zeigt schmerzersüllt an und um still« Teilnahm« bittet Hermann Nchulac. rharlotlenburg. Windscheidstr. 9. Die Tinäscherung findet heute Donnabend, den 30. August, nach- mittags 5 Uhr. im Krematorium Berlin, Gerichtslr 27/28, statt. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, dafi mein lieber Mann, unser guter Vater und Großvater >VlIiieim Strahl am 28. August sanst entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. August d. I»., nachmittag» 5'/, Uhr, von der Halle de» Lutsen-ltirchhos», Neuer Fürstenbrunner Weg. au» statt. Plötzlich und unerwartet ver- schied an den Folgen einer Ope- ration meine innig geliebte Frau. unsere liebevolle Mutter, Schweiler und Schwägerin, Frau Btnma Rüdiger. Berlin, Eisenbahnftr. 2. Im Namen der kauernden Hinterbliebenen Artnr Rüdiger. Die Beerdigung ersolgt am Montagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle de» EmmauS-Kirch- hos» au». 20275 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Manne» Crcoi-g Schappal« sagen allen Beteiligten, dem Deutschen Metallarbeiterverband, den Kollegen der A. S.-G.. Gericht- und Zlikerslrasc, meinen herzlichsten Dank. 29n zrm. Hartha Sebappals nebst Sohn. Von der Heise zurück 136/18 Prof. Dr. Alfred Pinkuss W. Klelntwtr. X. WESTMANN Mohren Strasse 37 a nfthe Jerusalemer Strasse Gr. Frankfurter Str. 115 sähe Aulreasetr. 325 Modelle 50% nicht kopiert� mit Preiser mässigung bis Eieg. PlUsciunanfel.Ts«.-« at-a SSiitiBte Ulster ,s-_ ,s-_ echte weiche Flauacbqaalli. für lOt � A ,»»SD.,____ W-.x»uf Plüsohfutter, echte 1 SäIiobpt. 103.— ä/OIlpIDscHmintel.. si.« 4«wen KOSTOME biaa Kammgarn 20.- Saisonpreis 40.» engl. Charakters Modelle 30.- 50.- Salsonprels SO.» Salaonprel« tOO.« 0« Irl aale 75.- Saisonpreis 150.- Lodenmänfel U_ LodsR�eleriwn Q_ LodsokoslOm IC— Saisonpreises.- 19s Saisonpreis I».- 4" SalsonprolitO.-**»» ZurUckgesetzt bis zu halben Preisen und darunter. Snmmpp- Staubmäntel LelnenkostQms 9— ». Sommer kostüma 15— Konfektion Röcke 5>_ □ Blusen 3.50 auVw'". 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August 1913, vormittags von 9 Uhr ab: Urwahl von 3 Delegierten zum Parteitag i» Jena und eines Schiebsgerichts-Kom- missiousmitgliedes fiir Groß-Berlin in solgenden Lokalen: ZS. Schneider, Winterfeldtstraße 3.Z O. Hähnelt, Blumenthalstraße 6. PH. Zickenrott, Zimmerstraße 59. O. Schröter, Markgrafenstrabe 102. A. Keufner, Möckernstraße 93. H. Borgfeldt, Nostizstrake 29. I. Thomsen, Gneisenaustrabe 30. C. Riebke, Planufer 75. E. Liudcmann, Moritzslratzc 9. W. Welke, Hasenheide 54. G. Aederhardt, Boppstrahe 4. «06/8» Zentrale; Dhomsr«, Mnctscnaustraße 90, MT Wahlberechtigt ist jede» Mitglied, da» den veitrag fiir Mo, 1SI 3 bezahlt hat. Da» Wahlrecht kann in irgendeinem der vorgenannten Lokale ausgeübt werden. Die Wohl beginnt um» Uhr vormittag» und wird«« .....'"'»(fer 18 Uhr mittag» geschlosicn. ver Vorntand. Vksdgsill iiösLMks�k'Mgskuillös. vrtnvrtrsvaltunx vorltn. Acht«! M«l.Li>lglr«mlcgtr, Ttpslilhiliihcr! Sonntag, de» Bl. August, vormittag»» Ubr. im Saal X des Sewerkschaftshansr», Eugebufer 16: Außerordentliche Versammlung Tagesordnung: i Das letzte Ergebnis der Verhandlungen. Alle zurzeit in der Branche beschästtgien Kollegen haben die Pflicht, vibtttlich zu erscheinen. 167/15 Die Branchenleitung. �eder Hrbciter, }cdcrr>amlwerhcr sollte zur Hrbcit dl» Lederhos» Herkules tragen. :: Unerreichte s: Leistungsfähigkeit. Alleln-Verkanf. Zu Zleleu Skuuiieu vle Wochenschrift für Arbeilerfamilieu Wöchentlich 1 Heft für 10 pf. Starkos.sogenanntes onglwott Leder, grau od. braun gestreift od. einfarbig. Am Bund aus einem Stück. Feste Kappnähte. Taschen aus schwerem Pilot. Gr. Flicken umsonst. Preis für normale Mannes- JSO große........' Junglingsgrößen entspr. billiger. Manchester» Anzüge charke Gambrinus. Strauazierfes 2reih., warm gelütt. 11 90 . 6.78 245 235 Joppe,.MW.._ Weste... 3.60, Hose.. Blaue Monteur-Jaoken, Harke Siemens, waschecht Köper od. Droll, M. Blaue Monteur-Hosen, Marke Siemens, do. M. 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Goldmann, Spftadan.SchöDV&lderiLSI Herrn. Kärrner, Cöpenick. Ernst Müller, Teltowerstr. 59. Petersohn, Osk., Müllerstr. 165. Schmidt, Gebr., Fennstr. 59. Fritz Schlott, Moabit, Waldstr. 34. Sommer, Wilh., N, Schönh.-Alleo 81 V. Smiejkowskl, Zorndorfentr. 19 B.Wolff, Pankow, WoUankstr.UT. � Schirme u. Stöcke Jehnichen, Nklln., K»is. Friedr.-Sti, 1 8 G.Schleussner, Warscbauerst.SS c Seifen Heidke, Paul, Burgsdortstr. 13. ���������wciusabzelchj Gast. Banse, Eisasierstr. 9 a. Q�TeppIch������MnJ Gardinenh. Bernhard Schwartz Berlin, Wallstr. 13(dreizehn). �UhrenUejS� Arendt, H. Neukölln Bergstr. 3 Bährmann, A., Spindan, Schenw.St 106 Otto Biekel,*■ A. E. Deike �."Sdr99 Gustav Schoder Fabrik moderner Goldw. u. Uhren Hauptgesch. S.42.0ranien»t.l55/56 I. Filiale W. 80. Lützowatr. 80. II.„ Schöneberg, Hauptat. 142 MaxEisermamipChirl.jNehriagftr.ll M.ax Busse Ellinghausen, Gebr., firtaenraf 46 P.Gädtke, Hbf.-Slr. 4»E.Ab Kosbit. J. Gebhardt Ernst Gräber, Brunnenstr. 78. Kniebuscb,W., Frft. 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Schmidt, E., Spandau, HavelaLlS c Zahn-Atelier c Pfandleihen Langer, WranJ.lslrHjimgrrVtrkinX. A. Mensel, I. Gerichtstr. 39 BiliigerVerkauf, II. Müllerstr, 1 68 Schnldt. Fennatr. 3 Dflby. H., H.nköiU, Bcrgit. 48N-K. 1 1 79 H.Gorodizkl, BlitiNicbf. Branieul.86 O.HiUerWeiin4iiUrrtl0/llT.Kd.767l. Heröd,H.,ElsuMnt 57(BmhUI.FIsIi) Kürb er,0., Harieaöorf.CbaiMMitr. 306 W. Kyrath, O. 112, Voigtstr. 8, L H. Llndeke, Warschauerstr. 80. H. Rasenke, Birkenstr. 22. Karl Sommer, Frnnkfnrt.r Allee 104. Wiffo Uaw Musksuerstr. 16 n lllC, SdA Keks luteitfelstr. RelönTü'ortiidlcFKebalteitr: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdrück�rei u. VerlagSanstalt Paul Singer tt. Co.. Berlin SÄ Nr. 324. 30. Iahrgavg. 2. Stiligt lies Jonuirts" Knlim DollisMütl 5on«abe»d, 30. Auguli 1918. Fartelgenoiien und IParteigenoiiinnen! Tieferschüttert vernahm vor wenigen Wochen das kämpfende Proletariat die Trauerkunde: Unser August Bebel ist tot! Ein rastloses, ein opfervolles und doch auch sieges- freudiges Leben ist abgeschlossen. Der Schlag traf uns alle hart. Aber wir müßten keine kämpfende Partei sein, müßten nicht einen Atom von Bebels Feuergeist in uns haben, wenn wir an diesem Tage nicht voll Liebe und voll Dankbarkeit für unseren großen Toten gelobt hätten, in seinem Sinne rastlos und unbeugsam weiter zu arbeiten. Kein Widerstand soll uns beugen, kein Kampf uns zu heiß sein. Nirgends aber ist der Kampf heißer, ist das Ziel lohnender, als auf dem Gebiete der Jugenderziehung im proletarischen Sinne. Millionen gibt der Staat aus, um die Jugend von uns abzuwenden, sie zu Feinden der Arbeiter- bewegung zu machen. Die proletarische Jugendbewegung aber wird drangsaliert, wo es nur möglich ist. Polizei und Staatsanwalt haben ein ganz besonderes Interesse für unsere Jugendbewegung und Ihr wißt, was das zu bedeuten hat. Im Sinne unseres August Bebel handeln wir, wenn wir uns durch keinerlei Maßnahmen hindern lassen, die freie Jugendbewegung zu fördern. Wir Häven daher beschlossen, für Groß-Bcrlin einen Bebel-Fonds für die Jugendbewegung zu gründen, um aus diesen Mitteln Heime für unsere Jugend zu errichten. Genossen und Genossinnen! Wir appellieren an Eure Opferwilligleit l Wir fordern Euch auf. in der Werkstatt und in Versammlungen zugunsten des Bebel- Fonds zu sammeln. Parteigenossen! Es gilt das Andenken unseres unver- geßlichen Toten in einer Weise zu ehren, die des großen Mannes würdig ist. Dazu trage jeder sein Scherflein bei! Niemand stehe zurück! Etwaige Geldsendungen sind zu richten an Emil Böske, Lindcnstr. 2, vorn 1 Tr. Der Aktionsausschuß. I. A.: Eugen Ernst. Partei- Hugelegenbeiten. Zur Lokalliste. In Blankenfelde N.-B. findet am Sonntag, den 31. August, daS übliche Erntefest statt. Wir weisen daraus hin, daß uns dorr nur daS Lokal von Siaab zur Versügung steht.. In Wcißcnscc stehen nnS die Lokale Franz Berliner Allee- W, und Gustav Seifert,- LichtenberHersttv 1ö, zu- allen Veran* stallungen zur Verfügung. In Kienbaum fi.-B. ist das Lokal.Gasthof zur Löcknitz" von der Liste zu streichen und als gesperrt zu betrachten. klB. Berichtigung zur Lokalliste! Folgende Lokale find irrtüm- lich von der Lokalliste weggelassen worden, wir bitten dieselben nach- zutragen: In Süd ende: Das Lokal von Dahl, Lichterfelder Str. 21. In Treptow: Alle drei Restaurants zum Eierhäuschen. In Birkenwerder heißt der Inhaber vom Gesellschafts- hause Richhardt nicht Reinhardt. Wir bitten die Aenderungen zu beachten und sich genau nach der Lokalliste zu richten. Die Lokalkommission. Vierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 31. August, findet die Urwahl der Delegierten zum Parteitag statt. Die Wahl beginnt um 8 Uhr vormittags und endet um 12 Uhr mittags.(Siehe Inserat vom Freitag und am Sonntag). Zu dem Lichtbildervortrag am Sonntag sind am Eingang zur Sternwarte noch Billetts zu haben. Charlottenburg. Zu der Einäscherung der verstorbenen Genossin Luise Schulze finden sich die Genossen heute nachmittag um 1lii Uhr bei Theten, Kaiser-Friedrich-Srr. 4Sb, ein. Der Vorstand. Maricndorf. Die Parteigenosse», die an der Versammlung unter freiem Himmel in Blankenfelde teilnehmen, fahren ab Marienfelde 1�° und l56 nach Mahlow. Tempclhof. Am Sonntag, den 31. August, nachmittags 3 Uhr, findet auf dem Grundstück des Herrn Guido Friedrich, Blankenfelde, an der Blankenselder- Mahlower Chaussee, eine öffentliche Versamm- lung unter freiem Himmel statt. Die Tempelhofer Parteigenossen, die daran teilnehmen wollen, benutzen die Bahn vom Bahnhof Mariendorf bis Mahlow. Treffpunkt: Bersammlungsplatz. Um recht rege Beteiligung wird ersucht. Adlershof. Donnerstag, den 4. September, abends 71/i Uhr, im Lokal Wöllslein: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnuig:„Mx oder gegen den Gebärstreik." Referenten: Genosse Dr. Julius Moses, Genossin Maihilde Wurm.— Freie Aussprache. Dienstag. 2. September, abends 8 Uhr: Flugblattverbreitung von bekannter Stelle aus. Hohen-Schönhausen. Umständehalber findet die Fackelverbreitung Sonntag, den 31. August, statt. Treffpunkt 8 Uhr bei Reiher.� Die Bibliothek ist geöffnet; sie befindet sich beim Genossen Herschleb, Berliner Str. 93. Dortselbft Bücherausgabe jeden Mittwoch 7—9 Uhr abends. Bezirk Schöneiche und Umgegend. Der für den Monat September geplante VoriragSkursuS fällt besonderer Umstände wegen aus. Berliner Machrichten. Straßenordnung und Magistrat. Der Entwurf der neuen Straßenordnung lag dem Magistrat in seiner gestrigen Sitzung vor. Der Magistrat hält eine ganze �ullc von Aenderungen für erforderlich, unter denen die aus den Tuteressentenkreisen geltend gemachten Wünsche eine besondere Rolle spielen. Im einzelnen sei daraus hervorgehoben, daß der Magistrat eine Ausdehnung des Verbotes des Eni- und Beladens von Geschäftswagen auf Hauptstraßen, wie den Linden, der Leipziger, der Potsdamer, der Bellevue- und der Kommandantenstraße abgelehnt hat. Hinsichtlich der weitgehenden Beschränkungen des Reklame- und Anschlagwesens hat sich der Magistrat dagegen Ausgesprochen, daß die Anbringung derartiger Veranstaltungen und das Aushängen von Waren der polizeilichen E r- l a u b n i s bedürfen soll. Es soll vielmehr eine bloße Anzeige an die Polizeibehörde genügen, der das Recht gegeben wird, die Beseitigung zu verlangen. Für überflüssig sieht der Magistrat schließlich d i e polizeilichen Vorschriften an, wonach die F n ß g ä n g e r gehalten sein sollen, einander auszuweichen und nicht auf der Straße stehen zu bleiben, zumal da eine Ucbertretung dieser Vorschriften mit Geldstrafe bis zu 60 M. bedroht ist._ Die Parasiten des Arbcitsmarktes. Die Ungunst der Arbeilsmarklverhälinisse wird schon seit ge- raumer Zeit in geradezu schamloser Weise von zweifelhaflcn Kanlo- niste» zu betrügeriichen Manipulationen ausgebeuiei. Diese Parasiien deS Arbeilsmarktcs richten ihr Augenmerk in der Hauptsache auf jene Stellungslosen, die sich ein paar Notgroschen erspart haben. Diese sucht nian dadurch zu ködern, daß man hohe Gehälter, Tantiemen usw. in Aussicht stellt für diejenigen Bewerber, die eine bestimmte Kaulion stellen oder sich mit einigem Kapital iSit Geschäft„be teiligen" können. Die„Unternehmer", die solche Stellen ausschreiben, besitzen in der Regel weder eigenes Kapital noch irgendwelche Fähig- ketten, um sich selbst durch redliche Arbeit zu ernähren. Eine Zeit- lang lassen sich Lieferanten und Angestellte täuschen. Wenn aber die Kautionen und Einlagen des Personals verwirtschasler und auch die übrigen Kredite erschöpft sind, dann stellt sich mit unfehlbarer Sicherheit der Zusammenbruch der Firma ein. Meist sucht der Schwindler sein Heil in der Flucht. Bon diesen Zuständen erfährt die breitere Oeffemlichkeit gewöhnlich nur, wenn der Kreis der Bc- troffeucn sowie die Verluste besonders groß sind. Tatsächlich aber ist die Zahl der Geschäfte, deren ganzes Betriebskapital in den Kaulionen und Einlagen der Angestellten besteht, größer, als man gewöhnlich annimmt. Vielfach schcgen sich die Angestellten, den Dienst zu quittieren oder gerichtlich« Hilfe in Anspruch zu nehmen, obwohl sie erkannt haben, daß das Unternehmen auf schwindelhafter Basis aufgebaut ist. Sie hoffen immer noch bei Gelegenheit ihr Geld wieder herauszubekommen. Sie sind eben auf Gedeih und Verderb mit dem Schicksal ihres„Arbeilgebers" ver bunden. Selbstverständlich steht einer B e st r a f u n g der schwinde!- haften Unternehmer dieser Art in den meisten Füllen nichts im Wege. Der Nachweis des strafrechtlichen Betrugs wird gewöhnlich leickt zu führen sein, selbst in den Fällen, wo der Arbeitgeber sich das Recht ausbedungen hat, die Kautionen in seinem Geschäft anzulegen. Den Arbeitsuchenden, die über ein paar Spargroschen verfügen, ist aber dringend anzuraten, gegenüber den verlockenden Stellenangeboten, bei denen Kautionen und Einlagen gefordert werden, besonders vor sichtig zu sein.____ Volkskonzerte dcS Philharmonischen Orchesters im September. Das Berliner Philharmonische Orchester veranstaltet im nächsten Monat an folgenden Tagen Volkskonzerte: am 3., 13, und 26. bei Happoldt, am 6. und 29. in der Brauerei Königstadt, am 19. und 22. in der Brauerei Friedrichshain, anr 17. und am 1. Oktober in den Konkordia-Festsälen. Ein Vorverkauf von Eintrittskarten findet bei der Zentralstelle für Volkswohlfahrt in der Äugsburger Str. 61 und der Berliner Gewerkschafiskommission am Engelufer 16, Zimmer 13, statt. Ein Teil der Billetts ist auch im Vorverkauf in den betreffenden Etablissements zu haben. Die übrigbleibenden Billetts werden an der Abendkasse verkauft. Der Eintrittspreis beträgt 39 Pf. Errichtung einer Heilanstalt für Tuberkulose in Buch. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung den Vorenlwurf für den Neubau einer Heil- und Pflege st ätte in Buch genehmigt, in die zunächst und hauptsächlich Kranke mit Lungen- und Kehlkopftuberkulose aufgenommen werden sollen. Die Anstalt soll vorläufig mit 612 Betten ausgestattet werden und später eine Er- Weiterung auf 1972 Betten erfahren. Die Gesamtkosten der Anlage einschließlich der Jnventarbeschaffung werden auf Sl/3 Millionen .Mark veranschlagt._ Massenunfälle bei einer Regimentsübung. Wie uns berichtet wird, sind beim 3. Garderegiment anläßlich einer RegimeniSübung eine größere Zahl von Unfällen passiert, die auf übergroße Anstrengung bei der enormen Hitze zurückgeführt werden. Es sollen 3 2 Mann schwer krank nach dem Lazarett ge- bracht worden sein, von denen der Sergeant Domnick gestorben sei. Wenn das zutrifft, dann handelt es sich bei der großen Zahl von Opfern kaum noch um ein unabwendbares Ereignis, sondern es müssen Fehler begangen worden sein, für die es keine Entschuldi gung gibt.'_ Rund um Berlin. Heute Sonnabend und morgen Sonntag nachmittag um 3'/, Uhr wird vom Flugplatz Johannisthal der Wettflug Rund um Berlin vor sich gehen. Die Teilnehmer umfliegen Berlin an dem ersten Tage einmal, am zweiten Tage zweimal auf folgendem Wege: Vom Flugplatz Johannisthal nach Klarahöhe bei Lindenberg, von da nach dem Flugfeld Scvulzendorf, dann über die Kaserne zwischen Bornstedt und Eiche nach dem Lustschiffhafen Potsdam und von dort in gerader Linie zurück nach Johannisthal. Am zweiten Tage müssen die Bewerber zwischen der ersten und zweiten Runde eine Zwischenlandung in Johannisthal ausführen. Frühestens 16 Minuten nach Uebecfliegen der Ziellinie, die sich von der Zeppelin-Halle zur Versuchsanstalt erstreckt, kann das Flugzeug zur zweiten Runde starten, früher jedoch nicht. Die Ankommenden werden am Ziel nur bis 8 Uhr abends gezeitet. Später Ankommende werden als um 6 Uhr früh angekommen gezeitet. da von 8 Uhr abends bis 6 Uhr früh kein sportlicher Leiter auf dem Flugplatze anwesend ist. Die Runde am Sonnabend, den 39. August, muß bis zum Sonntag. den 31. August, 19 Uhr früh beendet sein; die Sonntagsrunden müssen bis Montag, den 1. September, 19 Uhr früh beendet sein. Wer bis zu dieser Zeit nicht angekommen ist, wird nicht mehr ge- wertet.— Von den 199999 M. Preisgeldern sind 2699 M. für Frühpreise. 49 999 M. für Schnelligkeitspreise, 49 999 M. für Zu- verlässigkeitspreise und 1699 M. für Erkennungspreise ausgesetzt. 1 Proz. der Preise— 1999 M. wird an die Luftfahrerstiftung ab- geführt. Die ErkennungSprciie sind für diejenigen beiden Flugzeuge bestimmt, die in der Luft unter Berücksichtigung der Höhe am besten erkennbar gemacht find.__ Sturz aus dem Stadtbahnzug. Gestern früh 6.39 fiel der Ar- beiter Hellinann, Grünihaler Straße 23 wohnhast, zwischen den Stationen Schönhauser Allee und Gesundbrunnen aus einem in Fahrt befindlichen Stadtbahnzug auf die Schienen. Der Verunglückte zog sich schwere innere Verletzungen sowie solche am Kaps, an den Armen und Beinen zu und wurde von Bahnbeainten zunächst nach der Unfallstation in der Gaudystraße und von dort nach dem Virchow-Krankenhaus gebracht, Ucber eine Schülcrschlacht am Ostbahnhofi die sich am Donners- tag in der neunten Abendstunde abgespielt hat, meldet eine Kor- respondenz. Angeblich sollen es 699— 699 Schuljungen im Alter von 8—14 Jahren gewesen sein, die sich dort in kriegerischer Haltung gegenüber gestanden haben. Unter Gejohle und Pfeifen seien dann die feindlichen Haufen aufeinander gerückt, bis mehrere Schutzleute die„Anführer" abgeführt hätten. Uns scheint, als ob die eigentlichen Anführer solcher Szenen wo anders zu suchen sind. Solche Zusammenrottungen und Radau- szenen älterer Schulkinder entspringen einer überhitzten Phantasie. die durch die Erziehung zum Mordspatriotismus in unseren Schulen und darüber hinaus herbeigeführt wird. Ein größerer Brand kam gestern nacht in der Hedemann- straße 13/14 zum Ausbruch. Als die Feuerwehr mit den Zügen 3 und 9 eintraf, standen im vierten Stock des Seitenflügels Türen, Fenster, Fußböden, Decken, ein Hängeboden und Teile der Dach- konstruktion in Flammen. Der leitende Brandmeister ließ sofort eine mechanische Leiter emporrichten und mit zwei Rohren kräftig Wasser geben. Hierdurch gelang es, das Feuer einzudämmen, so daß der Dachstuhl nur zu einem ganz geringen Teil vernichtet wurde. In der vierten Etage ist aber durch das Feuer ganz erheblicher Schaden augerichtet worden. Die Lösch- und Aufräumungsarbeilen zogen sich mehrere Sluffden hin. Die Ursache des Feuers ist nicht ermittelt. Eine Brandwache blieb bis zum Morgen auf der Brand- stelle zurück.__ Im Vorortzug um lAVtt M. bcstohlen wurde gestern ein Juwelier aus Schöueberg. Der Mann hatte mit drei Bekannten einen Ausflug gemacht und fuhr abends zwischen 8 und 8Vz Ubr von Strausberg nach Hause. Während dieser Fahrt bekamen es geschickte Langfinger fertig, ihm aus der rechten Gesäß- lasche seine rotlederne Briffiasche zu stehlen, die außer für den Be- stohlencn sehr wertvolle Legitiniaiionspapicre einen Tauscudmark- schein und zwei Hundertmarkscheine enthielt. Der Tat verdächtig erscheint nach den Wahrnehmungen des Juweliers und seiner Be- gleiter ein Trio, das aus einer Dame und zwei Herren bestand. Diese stiegen mit ihm und den Bekannten in Strausberg in ein Abteil. Schon beim Einsteigen entstand ein unnötiges und wahr- scheinlich künstlich hervorgerufenes Gedränge. In dem Coups setzte sich die Dame, die einen schwarzen Hut mit weißer Feder trug, dicht neben den Juwelier, während einer ihrer Begleiter sich neben und der andere gegenüber ihr setzte. Obwohl die Frau sich so auffällig nahe an den Juwelier heranmachte, dachte er nicht daran, daß dieses einen besonderen Grund haben könnte. Es wird vermutet, daß diese Frqu ihin während der Fahrt die Tasche gestohlen und sie durch V.crmittelung ihres neben ihr sitzenden Begleiters dem dritten im Bunde zugesteckt, da sich dieser schon in Kaulsdorf entfernte, wäh- rend die beiden anderen Fahrgäste auf dem Schlesischen Bahnhof ausstiegen. Rätselhafter Toppelselbsttnord. Ein Drama, das noch der Ausklärung bedarf, hat gestern im Grunewald mit dem Selbstmord zweier junger Menschen geendet. Abends gegen Viö Uhr entdeckten Ausflügler in der Nahe von Zchlendors, an der Krummen Lanke, die Leichen eines Mannes im Alter von ungefähr 25 bis 39 Jahren und eines etwa 18jährigen Mädchens, die den Anschein erweckten, als ob die beiden schliefen, Das Mädchen hatte die Hände über die Brust gefaltet und der Mann hielt das Mädchen fest umschlungen. Ein Revolver lag zwischen den beiden. In den Taschen des Mannes wurde ciu Notizbuch gefunden, in welchem jener kurz vor seinem freiwilligen Tode noch einige Aufzcichnungn gemacht hat. Taraus ging hervor, daß es sich bei dem jungen Mädchen um das Dienstmädchen. E-l s e Höpsner aus Rosenberg bei Perleberg handelt, welche lagt. einem"ebenfalls bei den Leichen aufgefundenen Schein am 1. Sep- tember eine neue Stellung antreten sollte. Der Mann nannte sich in dem Notizbuch Heinrich Kowalek; nähere Angaben über Stand und Herkunft waren hier jedoch nicht hinzugefügt. Des weiteren ging aus den Aufzeichnungen hervor, daß sich das Mädchen am Vormittag um 19 Uhr zuerst durch einen Schutz in die Schläfe getötet habe. Dann will der Mann noch eine Stunde die Toten- wache bei der Leiche gehalten haben, ehe er sich selbst den Tod durch einen Schuß in die Schläfe gab. Am merkwürdigsten lautete eine Stelle in den Aufzeichnungen, die der Schreiber mit sichtbar zitternder Hand geschrieben hat.„Fluch dem Hauptmann N....1" heißt es dort. Der Name ist aber nur sehr undeutlich zu lesen. Was dieser Schmerzensschrci zu bedeuten hat, ob ein Offizier in dem Drama eine Rolle spielt, oder ob ein anderer Beweggrund zur Tat vorgelegen hat, muß erst abgewartet werden. Scheinbar war der Mann ein Diener gewesen, worauf sein glatt rasiertes Gesicht schließen läßt. Die Leichen wurden auf Ver- anlaffung der zuständigen Behörde nach der Halle geschafft. Stelluiigs- und Mittellosigkeit haben den 21 Jahre alten Ver- sicherungsbeamten Richter aus der Fürstenstraße in den Tod ge- trieben. Der junge Mann hatte seil fünf Wochen keine Beschäftigung mehr. AIS seine Wirtin nachmittags um 6 Uhr sich in seinem Zimmer nach ihm umsah, fand sie ihn in einer großen Blutlache tot im Bette liegen. In der linken Hand hielt er das Bild seiner Braut und in der rechten einen Revolver, aus dem er sich eine Kugel in die rechte Stirnseite geschossen hatte. Polizeiliche Bekanntmachung zur Herbstparade. Aus Anlaß der am 2. September d. I., vormittags 8 Uhr, auf dem Tempelhofer Felde stattfindenden Parade werden von etwa 6 Uhr morgens an bis zur Beendigung der Parade die Tempelhofer Chaussee sowie die nach dem Paradefelde führenden Straßen für den Fuhrwerkverkehr nach Bedarf gesperrt. Während dieser Zeit wird der Betrieb der Straßenbahnen auf den vorgenannten Straßen abgelenkt oder ein- geschränkt. Ebenso erleidet mit Beginn des Rückmarsches der Truppen der Omnibusverkehr gewisse Beschränkungen. Auf das Paradefeld östlich der Tempelhofer Chaussee werden nur solche Kutschen zuge- lassen, deren Inhaber mit polizeilichen Passierkarten versehen sind. Diese Wagen haben ihre Zufahrt durch die Belle-Allrance-Straße zu nehmen und an der Schwiebuser Straße auf da? Feld einzu- biegen. Für die Tribünenbesucher gelten die auf den Karten aus- gedruckten besonderen Bestimmungen. Marketenderei und Restaurations- betrieb wird auf dem Tempelhofer Felde nicht geduldet. Das Auf- stellen von Stühlen, Handwagen und ähnlichen Mitteln zum besseren Sehen ist nicht gestattet. Sollte sich die Zeit des Beginnes der Parade ändern, so finden die vorstehend erwähnten Zeitangaben sinnentsprechende Acnderung. Aus der Spree gelandet wurde gestern mittag bor dem Grund- stück Schiffbauerdamm 18 die Leiche eines jungen Mannes, dessen Persönlichkeit sich nicht feststellen ließ. Der unbekannte Tote ist etwa 29 bis 24 Jahre alt und 1,64 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, ein volles Gesicht und vollständige Zähne und trug einen blauen Jackettanzug, eineu schwarzen Sommerpaletot, schwarze Lackhalb- chuhe und einen Kneifer, Die Leiche wurde zur Rekognoszierung nach dem Schauhause gebracht. Mehrere Tage tot i» seiner Wohnung gelegen hat der 62 Jahre alte Kaufmann Eduard Eckardt aus der Bautzener Straße. E„ der ür sich allein wohnte, hatte sich seit mehreren Tagen nicht sehen lassen. Als ein Angestellter des Geschäfts, bei dem er tätig war und in dem sein Ausbleiben auffiel, ihn aussuchte, fand er seinen Kollegen tot im Bette liegen. Wahrscheinlich hatte ein Herzschlag dem Leben des Mannes im Schlaf ein Ende gemacht. Die Leiche wurde dem Schauhause überwiesen. Beim Baden ertrunken. Z» der unter obiger Spitzmarke in der Mittwochnnmmer veröffentlichten Notiz teilt uns der Vater des«a FreiKad NeptunShain ertrunkenen KaufmannSIehrlingS Georg Botzke mit, dag der Ertrunkene des Schwimmens unkundig gewesen und infolge Herzschlages umgesunken sei. Georg habe sich nur bis zur Brust im Wasser befunden. „Mit de« Imperator nach Amerika" lautet das Thema, welches Dr. OSkar Bongard an einem der nächsten Vortragsabende deS Ver- eins von Freunden der Treptow-Sternwarte behandeln wird. Außerdem spricht Dozent Jens Lützen über:„Kunst- und Farben- Photographie".— Dir. Dr. F. S. Archenhold wird das Vereinsjahr mit einem Bortrage über die„Naturwissenschaftliche Abteilung der Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte in Wien" be- ginnen.— Gegen den Beitrag von S M. vierteljährlich bietet der Berein seinen Mitgliedern 1. die von Dir. Dr. F. S. Archenbold herausgegebene illustrierte Halbmonatsschrift„Das Weltall", welche die hervorragendsten Gelehrten zu ihren Mitarbeitern zählt; 2. zwei« mal im Monat einen Bortrag mit Lichtbildern oder Filmen; 3. freie Beobachtungen mit dem großen Fernrohr, und gestattet noch den Familienangehörigen der Mitglieder, allen Veranstaltungen der Stenr wart« zu halben Kassenpreisen beizuwohnen. Sencbts- Leitung. Aus Not zur Diebin geworden. Durch schwere Schicksalsschläge ist die PostmeisterZwitwe Ida M i r tz h a u S zur Diebin geworden. Vor der 4. Ferienstraflammer des Landgerichts I hatte sich Frau M. gestern unter der Anklage deS Diebstahls zu verantworten.— Die jetzt 46jährige Angeklagte ist seit S Jahren vertvitwet. Da sie mit ihrer Pension nicht auS- kommen konnte, nahm sie eine Stellung als Wirtschafterin bei einem Postdirektor an, der ihr das glänzendste Zeugnis ausstellte. Zu ihrem Unglück kam sie auf den Gedanken, mit Hilfe ihrer ge- ringen Ersparniffe und eines Darlehns im Jahre 1909 das in der Paulstraße gelegene Pensionat einer PostsekretärSwitwe Bartel zu kaufen, da diese angab, daß das Pensionat einen jährlichen Rein- gewinn von 4000 M. abWerse. Wie die Angeklagte behauptet, habe sich bald herausgestellt, daß das Pensionat nie lebensfähig gewesen und die bisherige Inhaberin Frau B. stark verschuldet lvar. Die Angeklagte geriet bald ebenfalls in Schulden, so daß sie in bitterste Not geriet und dem Verhungern nahe war. In dieser ver- zweifelten Situation ließ sie sich verleiten, in einem Warenhause einen Diebstahl zu verüben, bei dem sie abgefaßt wurde. Mit Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit dieser Art Diebstähle wurde sie seinerzeit zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung dieser Strafe wurde sie nie wieder ihres Lebens froh, da ihre Gläubiger auf alle mögliche Weise versuchten, die von ihr als Pensionatsinhaberin kontrahierten Schulden beizutreiben. So- bald sie sich eine kleine Wohnung eingerichtet und einen Teil der Leihmöbel bezahlt hatte, erschienen ihre Gläubiger auf der Bild- fläche und holten die Möbel wieder ab. Um dies zu ver- meiden, machte sie neue Schulden, so daß sie bald wiederum nicht aus noch ein wußte. Als sie wieder einmal keinen Pfennig in der Tasche hatte und die Bezahlung einer Schuld von 30 M. drängte, ließ sie sich verleiten, in einem Warenhause in der Leipziger Straße eine Bronzestanduhr im Werte von 85 M. zu stehlen, in der Ab- ficht, sie zu Gelde zu machen. Sie wurde bei dem Diebstahl auf frischer Tat abgefaßt und mußte sich nunmehr vor dem Straf- richter verantworten. Das Gericht ließ Milde walten und erkannte auf 4 Monate Gefängnis und rechnete der Angeklagten 6 Wochen der erlittenen Untersuchungshaft auf die Strafe als verbüßt än. Tie Beraubungen von Gasautomaten scheinen augenblicklich auf der Tagesordnung der Moabiter Straf- kammern zu stehen, denn es vergeht fast kein Tag. ohne daß nicht mindestens ein derartiger Fall die Strafrichter beschäftigt. Gestern hatte sich u. a. der 21jährige Rechtskonsulent Emil K. wegen einer derartigen Straftat zu verantworten.— Ter Angeklagte hatte den in der Wohnung seines Baters in der Veteranenstraße stehenden Gasautomaten geöffnet und daraus die Summe von 22,90 M. entnommen, um seiner Geliebten, einer sechs Jahre älteren Verkäuferin, einen neuen Hut, ein Paar Florstriimpfchen und dazu gehörige schicke Schuhe kaufen zu können.— Mit Rück- ficht auf die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten ließ da? Gericht noch einmal Milde walten und erkannte auf nur 1 W och e GefangwiS. Hud aller Melt. Der Wachtmeister und sein freund. Eine LandeSverratsaffäre beschäftigt zurzeit die Militärbehörden von Versailles. Wie der„Petit Puristen" erfährt, ist am Mitt- woch der Wachtmeister. Die der achten Batterie des 11. Artillerieregiments verhaftet worden. Dem Hauptschuldigen. einem Artilleristen derselben Batterie, gelang eS zu entfliehen, ebenso einer als Zuträger dienenden feit etwa acht Tagen in einem Versailler Hotel wohnenden Frau. Dem Wachtmeister wirft man nicht direkt Landesverrat vor, sondern nur Begünstigung deS Artilleristen vor. Er soll zu diesem eine eigenartige Freundschaft gehabt und ihm infolge« dessen große Freiheit gewährt haben. Der Artillerist konnte nach Paris fahren, außerhalb der Kaserne schlafen, wann er wollte, auch durste er den guten photographischen Apparat des Wacht- meisters jederzeit benutzen. Mit diesem Apparate hat er Aufnahmen von Batterien, Teilen von Festungswerken und anderen sonst un- zugänglichen militärischen Dingen gemacht. Als sein Treiben aus- fiel, ließ man ihn beobachten, er erfuhr aber davon und entfloh. Die ihn belastenden Photographien und eine chiffrierte Korrespondenz konnte er aber nicht mehr beseitigen. AuS dieser Korrespondenz geht hervor, daß die Photographien einem österreichischen Agenten ausgeliefert wurden._ Unwetterkatastrophe in Japan. Wie uns ein Telegramm aus Tokio meldet, wurde auf den japanischen Inseln durch einen Taifun großer Schaden angerichtet. Etwa zwanzig Personen kamen um, Hunderte vonBrücken wurden zerstört; auf dem Berge Kamagatake sind siebzehn Kinder ums Leben gekommen. In Tokio stehen 15000 Häuser unter Wasser, an den Eisenbahnen und der Ernte sind schwere Schäden verursacht worden. Panik an Bord. Eine sehr gefahrvolle und aufregende Fahrt hatte dieser Tage der neue belgische Toppelschraubendampfer„Stad Antwerpen", der den Post- und Passagierdienst zwischen Osrende und Dover versieht, zu bestehen. Der Dampfer war mit ungefähr 400 Reisenden von Dover ausgelaufen und etwa eine Stunde lang auf der Fahrt begriffen, als die Maschine aus unbekannten Gründen plötzlich den Dienst versagte, während der Dampfer sich in b e- denklicher Weise nach vorne zu neigen begann, als wollte er untersinken. Der Reisenden bemächtigte sich eine gewaltige Panik, Männer, Frauen und Kinder rannten schreiend durcheinander, die Rettungsboote wurden bereits flottgemacht und Notsignale gegeben, als es dem Steuermann gelang, das Schiff wieder leidlich aufzurichten. Es konnte sich mühsam ein paar Stunden lang nach Ostende schleppen und die von der aus- gestandenen Angst und Aufregung erschöpften Reisenden landen. Wie der Schiffskapitän versichert, haben die letzteren ihre Rettung nur dem Umstände zu verdanken, daß da? Meer völlig ruhig war, denn bei starkem Seegange hätte man zweifeUos eine große Katastrophe zu beklagen gehabt. Die„Stad Antwerpen" wurde sofort in die Schiffswerft von Hoboken bei Antwerpen ge- bracht, um dort untersucht zu werden. Allgemein ist aber das Er- staunen darüber, daß die belgische Regierung, welche den See- verkehr zwischen Ostende und Dover als ihr Monopol betrachtet, derart seeuntüchtige Schiffe in den Dienst einstellt und es unter- läßt, mit denselben die notwendigen und zahlreichen Probefahrten aussühren zu lassen._ Ter geohrfeigte Leutnant. Eine peinliche Szene spielte sich Donnerstagabend am Straß- burger Hauptbahnhof ab. Ein Leutnant aus Hagenau kehrte in Begleitung einer Dame vom Rennplatz aus Baden-Baden zurück. Plötzlich stürzte im Warteraunr des Bahnhofes eine andere Dame auf ihn los und versetzte ihm eine Ohrfeige. Der Offizier, der die Dame zu kennen schien, zog seinen Degen und drang auf sie ein. In diesem Augenblick warf sich ein F e l d- webel zwischen die Streitenden. Die Dame wurde von der Polizei abgeführt, weigerte sich aber hartnäckig, ihren Namen zu nennen. Sie wurde wieder entlassen. Der Offizier wollte gegen den Feldwebel vorgehen, weil dieser eine abfällige Aeußerung übet den Vorfall getan hatte. Das Publikum begann aber eine drohende Haltung gegen den Offizier einzu- nehmen, worauf dieser ein Automobil bestieg und davonfuhr. Ein schlauer Trick. Ein Soldat vom 54. französischen Arlillerieregiment war sahnen- flüchtig geworden. Um sich Nahrung zu verschaffen, kam er auf den Gedanken, die Dörfer in der Umgegend von Lyon aufzusuchen und dort bekanntzugeben, daß sein Regiment am nächsten Tage ein- treffen werde. Er sei beauftragt, für die Soldaten Qua rti er zu machen. Auf diese Weise hatte er sich in einer ganzen Reihe von Dörfern v e r p f l e g e n l a s s e n, bis er jetzt verhaftet wurde. Kleine Notizen. TaS läßt tief blicken. Zu unserer Notiz in Nr. 219 teilen die Nährmittelwcrke Alex K o l b u. Co. mit. daß die bei den Feldküchen verübten Diebstähle erst nach Beendigung der Feier zur Er- innerung an die Katzbach-Schlacht erfolgt sind. Nicht die jugend- lichen Festteilnehmer kommen für die Diebstähle in Betracht, sondern Landbewohner jener Gegend. Flicgerabsturz. Der Fluglehrer Caspar stürzte Freitag- vormittag in Fuhlsbüttel bei Hamburg mit seinem Flugschüler K a u e r ab, als sich das Flugzeug bei einer Notlandung i n Telephondrähte verwickelte. Caspar wurde am Kopf verletzt, sein Schüler erlitt einen doppelten Schenkel» bruch und innere L erletz u gen. Folgenschwerer Zusammenstoß. Wie aus Brüssel gemeldet wird, sind bei dem Zusammenstoß zweier Dampfschiffe auf dem Lei bei Gent zwei Damen und ein griechischer Student er* trunken. Acht Fischer ertrunken. Ein schweres Bootsunglück bat sich an der spanischen Küste bei Las ArenaS zugetragen. Ein Fischer- boot erlitt Schiffbruch, acht Personen sind dabei er» trunken. Ein ungarischer Polizciskandal. Wie aus Budapest gemeldet wird, ist die gesamte Polizeibeamtenschaft in Arad vom Dienste suspendiert worden. Der Beamte deS Ministeriums, der die Polizei inspizierte, soll u n g l a ub l i ch e Zustände aufgedeckt haben. So sollen unter anderem Polizei- strafen, die seit 15 Jahren verhängt wurden, überhaupt nicht eingezogen worden sein. Jugendveranstaltttnge». Jugendaosschuß Treptow- Baumschulenweg. Sonntag, den 31. August: Badcpartie nach Schmöck-nitz-Wernsdorf. Besichtigung der Schleuse, Crossinsee(wird gebadet), Steinsurt, Freienbrink, Hohenbinde, Erkner. Abfahrt für Treptow g>° bis Baumfchulenweg, von da Görlitzer Bahnsteig 6" bis Schmöckwitz. Gelamtfahrloslen 85 Pf. Proviant iür den ganzen Tag ist mitzubringen. Badezeug, Liederbücher nicht vergessen I FreireUgtiise Gemeinde. Sonntag, den 31. August, vormittags 9 Uhr, Pappelallee 15—17, Neukölln, Jdealpasiage, und Tegel, Schlieper- strasie 39: Freireligiöse Vorlesung.— Vormillags U Uhr, Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Herrn A. Fischer:„Ist Christus das höchste Menschheitsideal?"— Damen und Herren als Gälte willkommen. Vei'dsiill der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstollo GroB Berlin. Am Montag, den 25. August, oerstarb an den Folgen eines Betriebsunfalles unser lang. jähriges Mitglied, einer der Mit- begrunder unserer Zahlstelle Groß. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. August, nachmittags 4 Uhr. von der Halle des Luilen-Friedhoss.Westcnd, Fürsten- brunner Weg, aus statt. Die Ortsverwoltung. Spezialarzt (Dr Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata. Blutuntersuchung.* Schnelle, sich. Heilung. MäBigePreise. Dr. med. Wockenkafi, Frledrichstr. 125(Oranienb. Tor) 8— 9, 12— 2, Sonst. 8—*/.10. Potsdamer Str. 4(Potsdamer Platz) Spr. 10— 11, 4— 5, Sonnt 10— U. 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Er bat ferner um rege Unterstützung der Volksfürsorge, die am Orte nunmehr die Arbeit aufgenommen habe. Der Leiter der Freireligiösen Gemeinde in Berlin, Harndt, forderte gleichfalls zum AuSlntt auS der Landeskirche auf und empfahl den Beittitt zu der vor einigen TaWn am Orte gegründeten Freireligiösen Gemeinde. Die Genossen Dröscher, Wallstraße 01, und Wolter, Priesterstraße 31, erklärten sich bereit, in Fragen de» Kirchenaustritts nnd deS Beitritts zur Freireligiösen Gemeinde Auskunft zu erteilen. w G G StadtsCafe Eröffnung heute Sonnabend, den 30. August. Neukölln, Berlinerstr. 51-53:: Ratas ::: Größtes und vornehmstes Cafö am Platze: Täglich Konzert des Salonorchesters Scocozza. W w G « A A Neukölln Hermann- straße 257 1 = am Hermannplaiz Stube um! 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