Ur. SÄ7. HbonnementS'Redingungen: Wonnements- Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 Mk, monatl. 1,10 SRI., wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags. riummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingelragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die TnfertionS'GcbüIjr keträgt für die sechsgespaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewcrlichaftliche BereinZ» und Persnnunlungs-Anzeigcn 30 Pfg. „Kleine Mnieigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. szulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etellcngesuchc und Schlafstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate jür�die nächste Nummer müssen bis . Uhr nachmittags in der L........ abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, CrKMnt täglich. Verlinev VolksblÄtk. Zentralorgan der fozialdemokrati fchen parte» Deutlchlands. Telegramm. Adresse: „Zszlzlitelnokli» stelstn". Redaktion: 8M. 68» binden Strasse 6g, Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. IS8Z. Lin feinck öer Kassenheere. i. In den letzten zwanzig Jahren haben die europäischen Militärstaaten ihre Heere so gewaltig verinehrt, daß keine Uebertreibung in den Worten liegt: Europa starrt in Waffen. Man hat sich daran gewöhnt, die Stärke der Armeen als Maßstab für ihre Leistungsfähigkeit zu bc- trachten. Und doch ist das ein falscher Schluß, ein Trug- schluß, der sich bei Gelegenheit bitter rächen muß. Mit dieser ungeheuerlichen Vermehrung der Heere sind diese selbst schwerer beweglich geworden. Die Erfahrungen, die man aus den Manövern schöpft, wollen nicht viel bedeuten, trotz aller„Kricgsmäßigkeit". Es ist etwas anderes, ob eine Arntee sich innerhalb eines Landstriches bewegt, der zahlreiche gute Straßen und ein weitverzweigtes Eisenbahnnetz auf- weist, oder ob sie in nicht genügend bekannten unwegsamen Gebieten, in denen die Brücken gesprengt, die Eisenbahnen zerstört, die Straßen abgegraben sind, tätig sein muß. Den Truppen muß nicht bloß Munition nachgeführt werden, son- dern auch— und das ist nicht minder wichtig— auch d i e Nahrung für Mann und Pferd. Ter letzte Balkan- krieg hat bewiesen, welch unheilvolle Folgen für eine Armee daraus entstehen inüssen, wenn die Zufuhr an Nahrungs- Mitteln stockt. Napoleon 1. hatte recht, als er den Satz prägte: „Für einen leeren Magen g i bt es keine Unter ordnuug." Hungernde Soldaten sind weder für den An griff noch für die Verteidigung zu gebrauchen. Der H u it- ger u n t c r g r äb t' a uch die Manneszucht, die Disziplin. Selbst die drakonischen Bestimmungen des Kriegsrechts verlieren jede Wirkung, wenn der Hunger eine Truppe an den Rand der Verzweiflung getrieben hat. Diese Erfahrung haben alle Staaten machen müssen, die Krieg ge- führt haben angefangen von den napoleonischen Kriegen, bis zu der Metzelei auf dem Balkan. Die deutschen Armeen sind weder 1866 noch 1876 von diesen schlimmen Erfahrungen verschont geblieben, und wie soll das erst in einem künf tigen Kriege werden, in dem M i l l i o n e n h e e r e sich gegen überstehen, Heere, wie die Welt sie noch nie gesehen, die einen Bedarf an Nahrungsmitteln haben, der sich in seiner ganzen Größe gar nicht übersehen läßt. Nicht die ziffernmäßige Stärke einer Armee ist das Entscheidende, sondern ihre L e i st u n g s s ä h i g k e i t, die aber wiederum zu einem sehr erheblichen Teil in der E r n ä h r u n g s m ö g I i ch k e i t der Truppen wurzelt. Unter dem Titel:„Studien zur Kriegs- g e s ch i ch t e und Taktik" gibt der Große Generalstab Monographien heraus, deren eine, über die H e e r c s v e r- pfleg un g, nach mehr als einer Seite hin von hohem Interesse ist, läßt sie doch den Schluß zu, daß über- Haupt keine Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, eines der Millionenheere längere Zeit verpflegen zu können. Damit hätte man das Kriegsinstrument in einer Weise überstreckt. daß seine Ver- wendbarkeit stark in Zweifel gestellt wird. Der napo- leonische Feldzug nach Rußland ist direkt daran geschei- t e r t, daß die aus Moskau vertriebene französische Armee hungern mußte. An dem Hunger sind alle Versuche zu- schänden geworden� diese an sich gewiß vorzüglich gewesene Ar- Mee wieder zum Stehen zu bringen. Wenn auch in späteren Kriegen eine Katastrophe dieser Art sich nicht wiederholt hat, so hat doch auch in diesen Kriegen die Verpflegungsfrage vielfach hemmend auf die Operationen der Truppen eilige- wirkt, nicht zum wenigsten im Kriege 1870/71 auf deutscher Seite.„Das w i r d a u ch in Zukunft nicht anders sein, zumal die Heeres st ärkeu gerade in neue st er Zeit ganz außerordentlich gewach- sen sind und damit deren Verpflegung schwieriger geworden i st, während die Lei- stungsfähigkeit der Bodenkultur trotz aller Vervollkommnung des landwirtschaftlichen Betriebes doch nicht annähernd in derselben Weise fortgeschritten i st." Das steht zu lesen auf Seite 286 des zitierten Generalstabswerkes, und wenn dabei etwas besonders bedauerlich ist, so das, daß dieses sachver- ständige Urteil nicht allgemein bekannt war. als der Reichs- tag die neue M i l i t ä r v o r l a g e beraten hat. Dieses Urteil hätte mit zu den b e st e n Argumente n gehört, die gegen den Rüstungswahnsinn ins Feld geführt werden konnten. Vielleicht daß uns von militaristischer Seite entgegen- gehalten wird, daß in Deutschland olles bestens geordnet sei. Auf dem Papier ist das auch höchstwahrscheinlich der Fall, wir beschäftigen ja eine ganze kleine Armee von Sekretären, Assessoren, Raten, Intendanten usw., die das System der Heeresverpflegung mit jener Weisheit lehren, die am grünen Tisch langsam aber�sicher verkrüppelt. Der Ernstfall wirft diese ganzen Theorien über den Haufen. Die Kriegs- geschichte zeigt— und das bestätigt auch der Große General- stab—. wie unzweckmäßig jedes schematische Verfahren ist und wie wenig man sich darauf verlassen kann, daß das, was man angeordnet hat, zur Ausführuna aelangt. Eine Fülle nicht vorherzusehender Reibungen sorgt dafür, daß sich die Lage oft ganz anders entwickelt, als man es erwartet und gewünscht hatte. Natürlich will der Große Generalstab da- Expedition: 8Al. 68, Qindenstrasse 6g, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984« mit nicht behaupten, daß die deutsche kriegsstarke Armee nicht beweglich sei, aber die Bedenken, die er aus Grund ein- gehenden Studiums der Kriegsgeschichte äußert, lassen es doch fast als Gewißheit erscheinen, daß die Frage der Verpflegung der Millionenheere zu den Problemen gehört, die noch nicht gelöst sind. Das Generalstabswerk gibt eine plastische Darstellung der Verpflegungsschwierigkeiten in allen Kriegen von Be- deutung, die im vorigen Jahrhundert sich abgespiclt�haben. Als Napoleon nach Rußland zog, wußte er, daß weite Strecken zu durchziehen waren, auf denen die Armee völlig auf den Nachschub von Verpflegung angewiesen war. Das Nachschubwesen erwies sich aber als gänzlich unzu- reichend, zumal fast unüberwindliche Anforderungen an seine Leistungsfähigkeit gestellt wurden. Gebaute Straßen gab es in diesen Gegenden nicht, auf den grundlos gewordeneu Wegen kamen die Wagen kaum vorwärts. Besonders un- günstig war die Witterung dieses Winters insofern, als der Frost, der die Wege gangbar gemacht hätte, ungewöhnlich spät eintrat. Erst im 5. Januar begann.es zu frieren, aber der Frost hielt noch nicht an. Diese Unwegsamkeit und außerdem die Armut des Landes wogen schwerer als alle Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung. Bei einzelnen Korps steigerte sich die Not so, daß darunter dieSchlagfertig- keit bedenklich litt und die Manneszucht zu s ch w i n d e n b e g a n n. So erhielt z. B. das Korps Davout acht Tage lang kein Brot. Da die Russen beim Rückzüge alles verwüstet hatten, fand man fast nichts mehr im Lande. Die Truppen lebten äußerst notdürftig, fast nur von wenigen Kartoffeln, die sie sich auf den Feldern suchten. Auch der linke Flügel der Armee, der in wohlhabenderen Gegenden operierte, begann den Mangel zu empfinden. Die Verpfle- gungsfahrzeuge mußten vielfach zum Transport von Ver- wundsten benützt werden, der Hunger veranlaßte zahlreiche Erkrankungen, das Marodieren nahm immer mehr überhand und schließlich schlachtete man die Pferde der Beitreibungswagen, womit man sich der letzte» Möglichkeit beraubte, den Truppen Lebensmittel zuzuführen. Am 12. März schrieb Napoleon:„Heute hängen das Schicksal von Europa und die größten Pläne von der Verpflegung ab. Die Russen zu schlagen, wäre ein Kinderspiel, wenn ich Brot h ä t t e." Die Lage Napoleons wurde immer verzweifelter. An ein Verbleiben der Armee in Moskau war nicht zu denken, weil jede Möglichkeit der Ernährung fehlte und auf Nachschub nicht nur nicht gerechnet werden konnte, sondern im Gegen- teil die Gefahr bestand, daß von den Russen die Rückzugslinien abgeschnitten würden. Zum Elend des Hungers traten noch die Leiden des Frostes. Auf den Dörfern fanden die Mann- schafken keine Unterkunft, Brennstoff fehlte fast völlig, der herniederbrechende Frost hatte das Grünfutter für die Pferds vernichtet, sie sielen deshalb massenhaft und die Folge war, daß die Geschütze mangels Bespannung einfach liegen gelassen werden mußten. Kälte und Entbehrungen hatten die den Rückzug antretende Armee zerrüttet. Lebensmittel! Lebensmittel! Lebensmittel! Mehr als-16 666 Mann waren durch Anstrengungen, Nahrungsmangel und Kälte zu Räubern und L a n d st r e i ch e r n geworden, die sich auf eigene Faust durchzuschlagen versuchten. Auch als die Reste der Armee Schlesien und Sachsen er- reicht hatten, wurde es nicht besser, die Disziplin war zer- stört, ihre Wiederherstellung eine Unmöglichkeit. Durch Hunger und Entbehrungen waren die Menschen vertiert. Sie hausten wie in Feindesland. Eine vom 1. Juni 1813 datierte Denkschrift des Kapitäns Lopuin vom Generalstab der 32. Infanteriedivision enthält solgendc charakteristische Stellen: „Man raubt das Heu, Stroh und ungedroschenes Getreide aus mehreren Dörfern, um eine einzige Nacht zu biloakieren. Man schlägt eine« Ochsen tot. um ein paar Pfund Fleisch zu haben.... Alles das dient nur dazu, die Luft zu verpesten unii das Wasser zu verderben.... Ich habe Frauen und Kinde« völlig nackt in die Wälder flüchten, junge Weiber sich die Brust zer- schlagen und mit ihren Kindern in Tränen zerfließen sehen.... Aber unsere Soldaten achten nicht einmal die Majestät der Altäre I" Das ist der Krieg, von dem die Rüstungsfanatiker sagen, er löse die e d e l st e n und b e st e n Triebe im Menschen vus! Im nächsten Artikel wollen wir zeigen, daß auch im preußisch-österreichischen und nicht minder im deutsch-französischeu Krieg die ungeheuerlichsten Fehler in der Verpflegung der känipfenden Heere gemacht wurden. Die Straßenkämpfe In Dublin. London, 1. September.(P r i v a t t e l e g r a m m des „V o r w ä r t s".) Die Polizei hat ain Sonnabend und Sonntag ein furchtbares Blutbad unter der Bevöl- kerung Dublins angerichtet. An diesen beiden Tagen sind aus dem Publikum 433 Personen und 43 P o l i z i st e n verwundet worden. Ein oder zwei Personen sind tot. Der Straßenkampf fing gestern damit an, daß Larkin, der Führer der streikenden Straßenbahner, wie er versprochen hatte, in der Sackville Street, wo die verbotene Versanimlung stattfinden sollte, erschien. Er hatte sich ver- kleidet und erschien als Gast im Imperial Hotel, das dem Scharfmacher Murphy, der auch Direktor der Straßenbahn- gesellschaft ist, gehört. Vom Balkon des Hotels aus richtete er gegen 1 Uhr einige Worte an die Volksmenge, wurde aber gleich verhaftet. Darauf räumten einige hundert Poli- zisten die Straße, indem sie mit ihren Knüppeln alles, Männer, Frauen und Kinder niederschlugen. Dutzende Per- sonen sollen besinnungslos auf der Straße geblieben sein. Die B ü r g c r st e i g e waren m i t' B l u t bespritzt. Nach einer Aussage des liberalen Parlamentsmitgliedes Booth traten die Polizisten die auf den Boden liegenden Personen mit Füßen. Unter den Verletzten befinden sich auch viele alte Männer und Frauen, die aus der Kirche kamen. Die Polizei soll nach den hier einlaufenden Mel- düngen bei ihrem Vorgehen vollständig den Kopf verloren haben. In der Vorstadt Jmhicore kam es am Abend zu Angriffen auf Straßenbahnwagen. Die Polizei mußte schließlich M i- Ii t ä r zur Unterstützung heranziehen. Da» neue Griechenland und die Ciirkei. Den meisten Erfolg von dem Balkanlrieg hat Griechenland davongetragen. Es hat ein gewaltiges Gebiet mit einer großen Be- vvlkerung annektiert, zu deren Gebiet die zweitwichiigste Handels- stadt der Balkanhalbinsel, Saloniki, gehört. Der Einfluß, den der also erstarkte griechische Staat gewinnen muß, wird noch dadurch erhöht, daß ein großer Teil der Bevölkerung von Konstantinopel und an der an der anatolischen Küste griechisch ist. Griechenland befindet sich am Aegäischen Meer in einer unver- gleichlich stärkeren Stellung als Bulgarien, das nunmehr ebenfalls bis zur Küste vorgedrungen ist. Denn die Flutwelle der slawischen Völkerschaften bricht sich am Meeresgestade, während die Griechen seit uralieu Zeiten dieses Meer, seine zahlreichen Inseln nebst den Hasenstädten Kleinasiens bewohnen. Das Aegäische Meer ist ein griechisches Meer. Die Politik des neuen Griechenlands geht deshalb zielbewußt darauf hinaus, die Beziehungen zu dieser Bevölkerung der Inseln und der anatolischen Hafenstädte, die noch zum osmanischen Reiche gehören, enger zu knüpfen, den nationalen Verband, der über die Grenzen des griechischen Staats hinausgeht, zu fördern. Diese Idee ist auch vorherrschend in den Verhandlungen, die gegenwärtig zwischen Griechenland und der Türkei geführt werden. Da ist zunächst die Frage des griechischen Patriarchats in Konstantinopel. Die griechische Regierung verlangt, daß das Patriarchat als eine Art nationaler Vertretung, ähnlich, wie das bei den Armeniern der Fall ist, anerkannt werde. Es handelt sich im wesentlichen um das Recht des Patriarchats, bei der Hohen Pforte vorstellig zu werden, wenn Beschwerden der griechischen Bevölkerung vorliegen. Materiell ist das fast bedeutungslos allein die griechische Bevölkerung wird auf diese Weise innerhalb des osmanischen Rechts selbst abgesondert und zusammengefaßt. Zugleich wird die griechische Regierung, wenn diese Forderung durchdringt, offiziell zur Schutzmacht für die os- nianischen Griechen und erhält die Möglichkeit, auf dem Wege über das griechische Patriarchat sich in die inneren Angelegenheiten des osmanischen Reiches einzumischen; ihre Autorität gegenüber der griechischen Bevölkerung steigt offenbar. Die Türken begreifen das sehr wohl und sind eher geneigt, die Redensart dieser Wirkungen und Einflüsse zu übertreiben als zu unterschätzen. Anfangs, als sie erst auf dem Vormarsche nach Adrianopel waren und eine große Angst vor den Konsequenzen dieses Abenteuers hatten, machten sie Miene, als wenn sie mit. sich reden lassen wollten, versteifen sich aber jetzt auf einer verneinenden Antwort. Die gleiche griechische Tendenz zeigt sich bei der Frage der Regelung der Landeszugehörigkeit. Die türkische Regierung verlangt, daß der Bevölkerung der okkupierten Gebiete freigestellt werde, sich für griechische oder osmanische Staatsangehörigkeit zu entscheiden; die griechische Regierung ist damit einverstanden, will jedoch, daß dieses Recht nicht nur der ortsansässigen Bevölkerung zuerkannt werde, sondern allen, die in den okkupierten Gebieten geboren worden sind, mögen sie auch ihren Wohnsitz längst wo anders haben- Es würden auf diese Weise für eine erhebliche Zahl osmanischer Griechen die Wege geöffnet, hellenisch zu werden. Denn es gibt besonders in Smhrna und den anatolischen Hafenstädten, aber auch in Konstantinopel eine große Menge Griechen, die von den Inseln oder aus Mazedonien eingewandert sind. Außerdem würde es bei den hiesigen Verhältnissen nicht schwer sein, selbst dem in Konstantinopel geborenen Griechen sich für einen Jnselgriechen aus« zugeben. Die griechische Regierung will also die Gelegenheit be- nutzen, um sich im osmanischen Reich Untertanen zu schaffen. Soweit es ihr nicht gelingt, die Griechen von Konstantinopel und Smhrna zu annektieren, will die griechische Regierung sie wenigstens vom türkischen Staatsverband loslösen. Sie verlangt Befreiung der Griechen im osmanischen Reich vom Militär- dienst, will dafür allerdings ihrerseits die Muselmanen in Griechen- land militärfrei machen. Als die Türkei diese Forderung zurück- wies, schlug Griechenland vor, die Türkei solle besondere Bataillone aus den griechischen Mannschaften formieren. Es ist klar, daß man diese griechischen Bataillone nicht zu einem Feldzug gegen Griechen- land verwenden könnte. Nach alledem wird es begreiflich, daß. Griechenland auch noch eine Amnestie für die Soldaten und Offiziere verlangt, die zu der griechischen Armee aus der türlischen überliefen, während die Türkei höchstens eine Amnestie der flüchtigen Gestellungspflichtigen zu- gestehen will. Eine Meinungsverschiedenheit gibt eS auch noch über die Frage der Wakufländereicn. I» den okkupierten Gebieten WakufS sind religiöse Stiftungen, denen große Landkomplexe gehören. Die griechische Regierung macht bei der Bestimmung des Wakufeigen- tums eine juristische Unterscheidung, als deren Folge ein großer Teil dieses Gebietes zum Staatseigentum erklärt und folglich in den Besitz des griechischen Staates übergehen müßte. Die Cholera. Bukarest, iL September. Nach der letzten amtlichen Cholera- statistik beträgt die Zahl der früher Erkrankten 407, die der Neu- erkrankten 62; davon sind 8 geheilt und gestorben 22. Auch in Serbien nimmt seit der Demobilisierung die Cholera rasch überhand._ poUtifche deberficbt. Reichstagsersahwahl in Landshut. Nach der vorläufigen amtlichen Stimmenermittelung tvurden bei der am letzten Sonntag vollzogenen Reichstags- ersatzwahl im Wahlkreise Nicderbayern I(Landshut) von 22 771 Wahlberechtigten 16 637 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten Gutsbesitzer Freiherr v. Aretin-Haidenburg(Z.) 10 162, Bürgermeister Eisenbcrger-Ruhpolding(Bauernb.) 49Ä), Gauleiter des Holzarbeiterverbandcs Raith-München(Soz.) 1541 Stimmen. Zersplittert waren 14 Stimmen. Freiherr von Aretin ist somit gewählt. Bei der allgemeinen Wahl im vorigen Jahre wurden 17 583 Stimmen abgegeben, von denen 12 450 Stimnien auf den Zentrumskandidaten, 1770 auf den Bauernbündler, 1462 auf den Freisinnigen und 1871 auf deu Kandidaten unserer Partei fielen. Bemerkenswert ist der Rückgang der Zentrums- stimmen. Das Zentrum hat 2288 Stimmen eingebüßt. Reformen in der Armee. DaS KricgSministerium hat einigen Beschlüssen, die der Reichs- tag bei Beratung der Militärvorlage faßte, Rechnung getragen. Das„Armee- Verordnungsblatt" teilt nämlich mit, daß vom 1. Oktober d. I. ab die Kosten der Beförderung der in Friedens- zeiten während der aktiven Dienstzeit oder während einer Uebung verstorbenen Unteroffiziere oder Mannschaften zur Beerdigung in der Heimat von dem Militärfiskus getragen werden. Von dem gleichen Zeitpunkt ab kann den Eltern und nächsten Angehörigen, die zum Besuch eines schwer erkrankten, zur Familie gehörigen Soldaten oder Unteroffiziers nach der Garnison reisen, im Falle der Bedürftigkeit eine Reisekostenvergiitung in Höhe der wirklich entstandenen Eisen- ' bahnfahrkosten dritter oder vierter Klasse gewährt werden. Als einzige Einschränkung ist dabei vorgesehen, daß die Reise auf Grund der schriftlichen oder telegrophischen Mitteilung des Garnisonlazaretts über die lebensgefährliche Erkrankung des Familienmitgliedes aus- geführt wird.____ Ein militärisches Zukunftsbild. Der frühere Oberst und Regimentskommandeur R. G a e d k e berechnet in der„Zeit am Montag", welche Truppenmassen das •jK-Msche Reich in einem Zukunftskriege auf die Beine zu stellen in ' der Lage ist. Er kommt zu dem phankästrschen Ergebnis, daß int Jahre 1S2S elf Millionen Soldaten ins Feld geführt werden könnten. So unglaublich und phantastisch diese Aufstellung "rtschtint— rechnerisch stimmt sie. Hören wir Gaedke: „Vom Herbst 1913 an wird die Jahreseinstellung an Rekruten in das Heer die Höhe von 34SlK)0 Mann erreichen. In den zwölf Jahrgängen, die der S o l d a t unter den Fahnen, in der Reserve und der Landwehr ersten Aufgebots zubringen muß, d. h. in den Jahresklassen, die aller Wahrscheinlichkeit»ach das Feldheer bilden werden, erhalten wir eine Masse von 4 149 909 ausgebildeten Soldaten. Nach reichlich bemessenen Er- fahrungSsätzen müssen wir jedoch innerhalb dieses Zeitraumes mit einenr Abgänge von durchschnittlich 16 Proz. rechnen, so daß rund 3 475 999 Bewaffnete verfügbar bleiben. Für die nächsten 6 Jahrgänge der Landwehr zweiten A u s g e b o t s kommt nur die bisherige Einstellung von rund 279 999 Rekruten jährlich in Betracht, die insgesamt 1 629 099 Köpfe oder mit 24 Proz. Abgang rund 1 229 999 ergeben. Bekanntlich kann' iin Kriegssalle � der Landsturm durch kaiserliche Verordnung jahrgangsweise gleichfalls einberufen werden, auch darf er in Fällen außerordentlickien Bedarfs zur Verstärkung des HeercS herangezogen, also auch über die Grenze hinübergcworfen werden. Bis zum Ablauf des 45. Lebensjahres, bis wohin die Landsturmpflicht dauert, erhalten wir somit im Landsturm zweiten Aufgebots weitere sieben Jahrgänge aus- gebildeter Mannschaft, das sind 1899 999 oder mit 32 Proz. Ab- gang rund 1299 999 Mann. Im Jahre 1925 wird daS Deutsche Reich also inr Bedarfs- falle mit einem Massenaufgebote von 5946999 voll- komm.en ausgebildeter Mannschaften rechnen können. � Aber hiermit ist unser reichliches Menschenmaterial bei weitem noch nicht erschöpft. Man kann rechnen, daß bisher alljährlich etwa 95 909 Mann der Ersatzreserve und etwa 145 090 Mann deni Landsturm ersten Aufgebots überwiesen wurden. Die Ersatzreserve, die vorzugsweise zur Bildung der Er- satztruppenteile im Kriege bestimmt ist, zählt 12 Jahrgänge. Das ergibt 1 116 909 oder mit 16 Proz. Abgang rund 939 990 Mann der Ersatzreserve, die aller Voraussicht nach mit beträchtlichen Teilen sofort bei Ausbruch des Mobilmachungsbefehls werden ein- gezogen werden. Nach acht Wochen können sie soweit ausgebildet sein, daß sie im Rahmen kriegserfahrener Truppenteile militärisch verwendbar sind. Sehr viel stärker ist aber die Zahl U n a us g eb ild e t er, die der Landsturm ersten Aufgebots in seinem weiten Rahmen birgt. Zu 4hm gehören n> die Ersatz res ervisten während der nächsten 6 Jahre ihrer Militärpflicht, bj die sofort dem Land- stürm l überwiesenen Dienstpflichtigen bis zum 31. März des Kalenderjahres, in dem sie ihr 39. Lebensjahr erreichen, c) die Junge Mannschaft vom vollendeten 17. bis zum 29. Lebens- jähre, die noch nicht im Frieden, wohl aber im Kriege gestellung«- pflichtig ist. Das ergibt für Klaste ai etwa 360 999 Mann, für Klasse b) etwa 1 899 909 Mann,(12 X 80 099+ 6 X 145 999— 24 Prozent Abgang), für Klasse o) mindestens 1599 999 Mann, (3 X 617 999). Im ganzen mindestens 3 359 999 Mann. Aber auch im Landsturm z w e i t e n A u f g e b o t S be- finden sich noch llnausgebildete, nämlich a) sieben Jahrgänge Ersatzrescrvisten(7 X 93 999), b) sieben Jahrgänge früherer Land- stürm ersten Aufgebots(7 X 145 009) oder mit 32 Proz. Abgang rund 1 199 999 Mann. Somit erhalten wir an militärpflichtigen, wenn auch unaus» gebildeten Mannschaften die riesige Summe von 939 999 Ersatzreserve, 3 359 999 Landsturm L, 1 190 990 Landsturm II., 5 380 900 Köpfen. Im ganzen beträgt im Jahre 1925 das für einen Krieg ver- fügbare Menschenmaterial unseres Landes 5 946 990 Ausgebildeter. 5 389 999 Unausgebildeter, oder mehr als elf Millionen Menschen I" In einem weiteren Aussatz will Oberst Gaedke zeigen, wie dieses Riesenmaterial an Menschen für einen Feldzug nutzbar ge- macht werden kann._ Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" dementiert wieder einmal. Das Kanzlerblatt schreibt: Der„Vorwärts" veröffentlicht in seiner Nummer vom 29. v. M. eine Zuschrift aus Braunfchweig, worin mitgeteilt wird: „Aus welfischer Ouelle, die gute Beziehungen zum Gmundener Hof unterhält, wissen wir freilich, daß noch kurz vor der Trauung Wilhelm II, um dem Bundesrate die Schwenkung leichter zu machen, den Herzog von Cumberland zum öffentlichen Verzicht auf Hannover zu bewegen suchte. Als Gegenleistung wurde dem Cumberländer der Generalsrang und die Uniform der Gardekürassiere angeboten. Dennoch lehnte er ab und drohte, mitsamt seinem Sohn unter Hinter- lassung der roten Husarenjacke nach Gmunden zurückzureisen. ES kam zwar nicht zum Bruche, die Kaiserin vermittelte, aber die Spannung zwischen Berlin und Gmunden ist seit dieser Zeit noch nicht behoben." Wir stellen fest, daß an diesen Angaben kein wahres Wort ist.__ Bankrott der amtlichen Arbeiterstatistik. In diesen Tagen ist ein sehr umfangreiches, soweit wir es bisher feststellen konnten, sehr wertvolles Buch„Gebiete und Methoden der amtlichen Arbeitsstatistik in den wichtigsten Industriestaaten" erschienen. Dieses Buch erscheint als Nr. 12 der Beiträge der Arbeiterstatistik, es ist bearbeitet in der Ab- teilung für Arbeiterstatistik im kaiserlichen statistischen Amte. Von größteni Interesse für den Politiker ist das kurze und natürlich mit aller Vorsicht, zu der unsere Beamtenschaft er- zogen wird, geschriebene Vorwort. Es wird da geklagt, daß die Bearbeitung dieses Werkes „in Ermangelung seines eigenen Personals lediglich mit den jeweils zur Verfügung stehenden und überdies mehrfach wechselnden Kräften erfolgen konnte". Dann heißt es weiter, wenig ehrenhaft für das Deutsche Reich: „Unter diesen Umständen ließ sich die bereits im Jahre 1997 begonnene Arbeit erst im Sommer 1913 abschließen und eine einheitliche Bearbeitung des Stoffe? in den verschiedenen Ab- schnitten nicht durchweg gewährleisten." Diese Entschuldigung klingt wie eine heftige, wenn auch regierungsrätlich gedämpfte Anklage gegen die Vernach- lässigung der arbeitsstatistischen Abteilung des Kaiserlich statistischen Amtes, sie beweist weiteren Kreisen das, was jeder, der sich dafür interessierte, schon wußte, daß in ganz außerordentlicher Weise der Etat für unsere Arbeitsstatistik beschnitten wurde. Eine nützliche und aussichtsvolle amtliche Tätigkeit wurde nicht nur stiefväterlich behandelt, sondern engelmacherisch verkrüppelt. Für die Zukunft haben wir noch weit ärgeres zu gewärtigen. Dieses Vorwort, das ein Doku- mont für das Deutschland der militärischen Ueberrüstung ist, schließt mit folgenden Sätzen: „Weitere Bände für die„Beiträge zur Ar- b e i t c r st a t i st i k" können nicht in Aussicht gestellt werden, da die der Abteilung für Arbeiterstatistik zur Verfügung stehen- den Kräfte durch die laufenden Arbeiten voll in Anspruch ge- nommen werden." ..Die„E r,b.e b.lin.gF.y" der arh�itsstaüslischen.Abteilung sind eingeschlafen, seit zwei Jahren ist keine Veröffeptlichüng auf dfeschn Gebiete mehr erschienen. Nun werden auch die e i t r ä g e" zgr Arbeiterftytistik eingestellt,, so bleibt von der Tätigkeit der arb�itsstatistischen Abteilung nur noch das „R e i ch s a r b e i t s b l a t t" übrig. Wann wird nian auch das eingehen lassen, um für seine Kosten vielleicht alljährlich eine nette Kanone mehr unserer Artillerie zu widmen? Die amtliche Sozialstatistik scheint man langsam tot- schlagen zu wollen, man ist bald damit fertig. Das gehört zu dem Bilde der neuesten Entwickelung im Deutschen Reiche, in deni nur die militärischen-- Kulturaufgabcn nicht leiden._ Radiumankauf durch den Staat. Das preußische Gesamtministerium � hat sich entschlossen, 899 999 M. zum Ankauf von Radium und Mesothorium in den nächst« jährigen Etat einzustellen. Die eigentlich ganz selbstverständliche Forderung wird damit begründet, daß von den verschiedenen Unibersitäts- Iliniken Preußens Anforderungen an das Ministerium ge- stellt worden sind. Eine höhere Summe einzusetzen schien nicht angebracht, weil die Nachfrage nach den beiden Mitteln eine so gewaltige ist, daß sie auf lange Zeit hinaus überhaupt nicht be- friedigt werden kann.__ Die Wahl in Ragnit-Pillkallen vor Gericht. Der konservative Reichstagsabgeordnete v. Gräfe läßt verkünden, daß er die Mitglieder des naiionalliberalen Wahlbureaus wegen Be- leidigung verklagen werde. ES handelt sich um eine Rede des Abg. v. Gräfe, in der er gesagt haben soll, er traue den nationalliberalen Reichstagsabgeordneten selbst dann nicht, wenn sie mit ihrer Unter- schrift bestätigen würden, daß sie für Aufrechterhaliung der Schutz- zölle stimmen wollen. Abg. v. Gräfe stellte diese Acußerung in Abrede, das nationalliberale Wahlkomitee hält dagegen daran fest, daß sie so gefallen ist. Reichstagskandidatur in Göppingen-Gmünd. Für den 19. ivürttembergischen ReichstagSwahlkreis Göppingen- Gmünd, in dem bisher Genosse Dr. Lindcmann kandidierte, wurde in einer außerordentlichen Kreisgeneralversammlung Genosse EriSpien, Redakteur der„Stuttgarter Tagwacht" als Kandidat oufgestellt. Dr. Lindemann, der den Kreis von 1993—1996 schon im Reichstag vertreten hatte, lehnt eine neue Kandidatur ab. Gegen die Fleifchtenerung. Einen Versuch, den Zwischenhandel bei der Fleischversorgung aus- zuschalten, will die Landwirtschaftskammer für Ostpreußen unter- nehmen. In der letzten Versammlung der freien Fleischerinnung zu Königsberg hat ein Vertreter der Landwirtschaftskammer für Ost- Preußen bekanntgegeben, daß die Kammer mit den Fleischern in engere Geschäftsverbindung zu treten gedenke, damit die Fleischer billiger zum Schlachtvieh kämen und den Konsumenten das Fleisch zu herabgeminderten Preisen liefern könnten. Solche Versuche sind gewiß beachtenswert, doch auf dem Kilogramm Fleisch ruhen— abgesehen von der Grenzsperre— 35 Pf. Zoll und die Beseitigung dieses Wuchers muß neben der Oeffnung der Grenzen angestrebt werden, wenn das Fleisch billiger werden soll. Doch davon wollen die Agrarier nichts wiffen. China. Die Belagerung von Nanking. London, 1. September. Das Reutcrsche Bureau meldet aus Nanking vom 31. August, daß die Belagerung sich ohne Aendcrung der Lage hinziehe. General Tschanghsun sei jetzt bemüht, die Stadt durch Leiterersteigung zu erobern; aber die Verteidiger, von der Absicht der Angreifer unter- richtet, hätten den Sturm bisher vereitelt, indem sie die Stürmenden mit Handgranaten bewarfen. In der Stadt sollen elende Zustände herrschen: Plünderung und Raub nehmen überhand, die Geschosse der Belagerer tun großen Schaden an deni Privateigentum. Die Mehrzahl der Verteidiger soll der ganzen Sache müde und zur Ueber- gäbe bereit sein, aber die aus den besten Truppen bestehende achte Division ist noch ungebrochenen Mutes. Die Kaufmann- schaft hat schon 70 000 Dollar an den Rebellenführer Hosaiming gezahlt, um ihn zur Uebergabe zu veranlassen, und ihm weitere 30000 versprochen; aber Hosaiming hat das Geld eingesteckt, ohne sein Versprechen zu er- füllen. Die Munition soll bereits knapp werden. Nanking erobert? Schanghai, I. September.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Nanking ist heute eingenommen worden. Die Aufständischen sind durch das Südtor geflohen. Weitere Kämpfe. London, 1. September. Der„Daily Telegraph" meldet aus Schanghai vom 30. August, daß am Donnerstag ein Kampf in Nantschang begonnen habe. Am Freitag hätten die Rebellen beim Erscheinen von Kriegsschiffen Wuhu ohne Kampf geräumt; 1599 Mann Südtruppen hätten sich dem General Li ergeben. Die britischen Flußdampfer seien amtlich angewiesen worden, keine Rebellen- führer an Bord zu nehmen. Amerika. Eine fehlgeschlagene Henkcrshoffnung. New Dork, 18. August.(Eig. Ber.) Wieder ist ein Anschlag der zarischen Regierung gegen das politische Ashlrecht dank der Wachsam- keit der amerikanischen Genossen vereitelt worden. Geopfert sollte diesmal der am 8. Februar in Boston gelandete sozialistische Journalist Ernst Jaumesem werden. Väterchens Regierung ging dieses Mal nicht den geraden Weg des AuslieferungS- begehrens. Sie suchte auf Grund des Einwanderungsgesetzes die Deportation JaumefemS nach Hamburg zu erwirken. Wäre der russische Genoffe erst einmal in dem von preußischen Junkern re- gierten Deutschen Reiche gewesen, so war die St. Petersburger Henker- zunft ihres Opfers sicher. Als„Politischer" nach Sibirien deportiert, bewerkstelligte Jaumesem seine Flucht, gelangte unerkannt nach der Hansestadt Hamburg und schiffte sich auf dem Dampfer.Cincinnati' ein, mit dem er am Freitag vor acht Tagen Boston erreichte. Von„un- bekannter" Seite auf die.Verbrecher"-Laufbahn JaumefemS auf- merksam gemacht, ließ der Bostouer Einwanderungskommissär den Neuankömmling festnehmen und der sogenannten Inquisition vor- führen, die prompt die Deportation des„früheren Sträflings" ver- fügte. Auf Grund dieses Erkenntnisses sollte Jaumesem nach dem Abfahrtöhafen, also nach Hamburg, zurückbefördert werden. Im Auftrage der sozialistischen Partei rief der Genosse Roewer, ein Bostoner Anwalt, gegen die Deportationsverfügung die Eni- scheidung des Arbeitsministers Wilson an, der schon am Sonnabend die Zulaffung JaumefemS verfügte. Wären die Bostoner Genoffen nicht sofort auf dem Plane gewesen, so befände sich Jaumesem schon auf der Rückfahrt nach Hamburg und sähe seinem Transport nach der russischen Grenze entgegen._ Der Konflikt mit Mexiko. New Aork, 1. September. Auf Grund der Warnung des Präsidenten Wilson verlassen viele Amerikaner Mexikv. Hunderte von Flüchtlingen kommen aus dem Innern deS Landes, zahlreiche Geschäftsleute senden ihre Familien nach Veräcruz, damit sie jeden Augenblick zur Ab- reise bereit siud. Die Lage in T o r r e o n soll ver- zweifelt fein. Dr, Ryan, Mitglied der amerikanischen Botschaft, befindet sich im Automobil auf dem Wege dorthin. Er will versuchen, die Abreise von 300 Amerikanern aus der belagerten Stadt sicher zu stellen. In Mexiko wächst die kriegerische Stimmung gegen die Vereinigten Staaten._ Hus der partcu Der österreichische Parteitag. Der Vorstand der österreichischen Sozialdemokratie beruft den österreichischen Parteitag für Freitag, den 31. Oktober nach Wien ein. Auf der Tagesordnung des Parteitags sollen außer den ordnungsmäßigen Berichten und Wahlen Referate über aus- wältige Politik und Handelspolitik, über die sozialpolitische Gesetzgebung und über die Reaktion in der Justizpraxis und Justizgesetzgebung stehen. ReichStagSkaudidatur. Eine Kreiskonferenz für den 8. badischen Reichstags- Wahlkreis(Rastatt-Baden) stellte am Sonntag für die demnächst im Kreise vorzunehmende Reichstagsersatzwahl den Genossen Schreiner- meister Paul Müller in Baden-Lichtenthal als Kandidaten auf. Deutsche Sozialdemokraten im Auslände. In Bergen in Norwegen hat sich im Juli ein deutscher sozial- demokratischer Verein„Vorwärts" gebildet, der schon 49 Mitglieder zählt. Versammlungen finden im Sommer Mittwochs und im Winter Sonnabends statt und zwar im Volkshause(FolketShus), abends 8l/3 Uhr. Das Verkehrslokal des Vereins ist daS Cafs Torgbeim, Torvet 17. Dort liegen auch deutsche Zeitungen und Schriften aus. Der Verein wäre dankbar, wenn ihm von' Partei- genossen Bücher oder Broschüren, die nicht mehr gebraucht werden, ubersandt würden._ Sozialistische Arbeit in Argentinien. Die vier Genossen, die zum erstenmal in der argentinischen Abgeordnetenkammer eine ernsthafte Opposition bilden, haben einen schweren Stand gegen die 129 bürgerlichen, durch das gemein- same Ideal der Volksausplünderung zusammengehaltenen Abge- ordneten. Während bisher da« B u d g« t nach oberflächlicher Prü- fung durch die Kommission von der Kammer unbesehen ange- nommen wurde, suchten die Sozialisten eine gründliche Prüfung durchzusetzen und den Haufen von Korruption, der bür» gcrliche Politik und Geschäftswelt vereinigt, aufzudecken. JnS- besondere forderten sie die Herabsetzung der Abgeordneten- entschädigung, die heute monatlich 1599 Peso(2799 M.) beträgt. Den Versuch der Mundtotmachung durch Autrag auf Enblocannahme wußten sie durch geschickte Obstruktion zunichte zu machen, so daß sie die Gründe ihrer Budgewerweigerung vollauf klarlegen tonnten. Genosse Justo kennzeichnete die Ungerechng- keit des Steuersystems: von rund 499 Mill. Peso(1 Peso— 1,89 M) Einnahmen kommen 79 Proz. aus Zöllen und Ver- brauchssteuern. Keine Einkommen-, keine Grundsteuer! Dazu erhalten die hohen Beamten Riesengehälter, die niederen An- gestellten Hungerlöhnc.—• Genosse P a l a c i o S kennzeichnete die Mißwirtschaft bei den öffentlichen Arbeiten, �er Mi- nister steht in engste» Beziehungen zur Hochftnanz. Das Parlamentsgebäude— genannt„Goldpalast"~ biShei; nur 33 Millionen Pesos gekostet. Der Minister mußte iich bereit er» klären, einem Untersuchungsausschuß Auskünfte zu g�en. Hinsichtlich der öffentlichen Wohlfahrtspflege: GesundheitS. und Armen tvejen und öfsentlicher Unterricht, fegte Kenvjfe R e» petto die Mängel dar, ebenso Mario Bravo die der Justiz und des Gefängniswciens. Und Genosse Tel Volle I b e r l u c i a. der einzige Senator der Partei, l?atte den Erfolg, im Senat die Er- reilung einer großen Eisenbohnbaukonzession an ein ausländisches Konsortium sowie die Genehmigung einer neuen Anleihe von 500 Millionen Pesos zu verhindern. Diese ganze parlamentarische Arbeit hat in weitem Umfang dazu beigetragen, die Massen politisch aufzurütteln und einen durchgreifenden Kampf gegen das ganze herrschende Korruptionssystem wenigstens vorzubereiten. So bc- findet sich auch die Partei in kräftigem Fortschreiten, Seit 1. Juli erscheint unser Parteiblatt„Vangmardia"(Borhut) achtseitig, wobei eine Seite der theoretischen Aufklärung und der internatio- nalen Arbeiterbewegung gewidmet ist. Eine Rotationsmaschine und 7 Setzmaschinen sind vorhanden. Einen Teil der erforderlichen Mittel lieferten die Abgeordneten, die die Hälfte ihrer Entschädigung, zusammen monatlich etwa 6700 M., an die Partei- lasse abliefern. Die freien GewerMchaften im Jahre 191». Das Wirtschaftsjahr 1912 trug kein einheitliches Gepräge, sondern wies die widersprechendsten Züge auf. Im Bergbau, in der Maschinen- und Metallindustrie sowie in der chemischen In- dustrie herrschte noch volle Hochkonjunktur, in der Textil-, Erd- und Stein- und Holzindustrie zeigten sich bereits die Einflüsse des Niederganges, der im Baugewerbe in vollem Drucke empfunden wurde. Die Beschäftigtcnzifsern waren im allgemeinen größer als im Vorjahre 19t l, aber auch die Arbeitslosigkeit war größer ge- worden; sie stand in 8 Monaten des Berichtsjahres über dem Stand der gleichen Monate deS Vorjahres und im Jahresdurch- schnitt auf 122,4 Arbeitsuchende(1911: 121,1) pro 100 offene Stellen. Unter diesen Einflüssen hatte auch die EntWickelung der Ge- Werkschaftsbewegung zu leiden. Neben Verbänden mit erheblicher Mitgliederzunahme finden wir in anderen Verbänden schon Mit- yliederverluste, und das letzte Quartal 1912 brachte sogar einen Rückgang der Gesamtziffcr. Die gewerkschaftlichen Zentralverbände zähl- ten im Jahresdurchschnitt 1912: 2 530 390 Mitglieder (gegen 2 320 986 im Vorjahre). Die Zunahme beträgt 9,02 Proz. (1911— 15,05 Proz.). In diesen Zahlen sind die Verbände der Hausangestellten und der Landarbeiter nicht eingeschlossen, die 1912 zusammen 22 772 Mitglieder zählten. Rechnet man diese hinzu, so musterten die freien Gewerkschaften im Jahresdurchschnitt 1912 insgesamt 2 553 162 Mitglieder. Die Ziffern stellen sich am Schlüsse des Jahres etwas höher. Am 31. Dezember 1912 hatten die Gewerkschaften 2 559 781 Mit- glieder(gegen 2 400 018 Ende 1911). Die Zunahme betrug hier aber nur 159 763 oder 6,44 Proz. Die Verbände der Hausange- stellten und Landarbeiter zählten Ende 1912 23 714 Mitglieder, so daß die Gcsamtziffer aller freien Gewerkschaften 2 583 495 betrug. Ten Höchststand erreichten die Gewerkschaften im 3. Quartal mit 2 572 624 Mitgliedern lohne Hausangestellte und Landarbeiter), wogegen das 4. Quartal schon wieder einen Rückgang von nahezu 13 000 Mitgliedern brachte. Nach der Höhe der Mitgliederzahl geordnet, hatten im Durch- schnitt des Jahres 1912 Mitglieder: Metallarbeiter 535 903, Bauarbeiter 335 560, Transportarbeiter 215 948, Fabrikarbeiter 205 026, Holzarbeiter 192 645, Textilarbeiter 140 217, Bergarbeiter 117 875, Buchdrucker 66 673, Zimmerer 61 872, Maler 51621, Gemcindearbeiter 50 053, Brauerei- und Mühlenarbeiter 49 834, Schneider 49 533, Schuhmacher 46 227 Tabakarbeiter 36 269, Buchbinder 32 374, Steinarbeiter 29 410, Bäcker und Konditoren 28 525, Maschinisten 25 761, Glasarbeiter 19 001, Handlungsgehilfen,Al7,4L5�.Llthograpben 16 760, Porzellan arbeiter 16 575, Gastwirtsgehilfen 16 183, Buchdruckercihilfsarbciter 15 751, Lederarbeiter 15248, Sattler und Portefeuiller 14 166, Schmiede 12 874, Töpfer 12057, Steinsetzer 10 939, HutmScher 10 551. Tapezierer 10 434, Dachdecker 8636, Böttcher 8518, Bureau angestellte 7253, Gärtner 6950, Fleischer 6172, Kupferschmiede 5234, Glaser 4670, Kürschner 3810, Bildhauer 3777, Schiffszimmerer 8685, Lagerhalter 2935, Friseure 2532, Zivilmusiker 2008, Zigarren- sortierer 1565, Asphalteure 1249, Blumenarbeiter 1168, Notenstecher 445, Fylographen 428. Die Landarbeiter zählten im Jahresdurch schnitt 17 023, die Hausangestellten 5749 Mitglieder. Tie Organisation der gewerblich tätigen M ä dchen und Frauen bewegt sich ebenfalls in ständig auf- steigender Richtung. Die Zahl der weiblichen Mitglieder der ge werkschaftlicben Zentralverbände ist von 191 332 im Jahresdurch schnitt von 1911 auf 216 462 im Berichtsjahre gestiegen. Von je 100 Mitgliedern der Gewerkschaften waren 1911: 8,2, 1912: 8,6 Prozent weiblichen Geschlechts. In den beiden Verbänden der Hausangestellten und Landarbeiter kommen 5738 und 609, zw sammen 6317 weibliche Mitglieder hinzu, so daß sich die GesamP zahl der weiblichen Organisierten auf 222 809 beläuft. Am Jährest schlussc war die Zahl auf 228 670 gestiegen. Angesichts der ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen die gewerkschaftliche Organisierung der Arbeiterinnen zu rechnen hat, ist dieser wachsende Erfolg sicherlich sehr zu schätzen. Aber die Zu- nähme der Frauenarbeit in Handel, Industrie und Gewerbe ist eine so gewaltige, daß noch immer viel zu tun bleibt, um die Ar- beiterinncnorganisation auf die Höhe zu bringen, die die Organi sation der männlichen Arbeiter erreicht hat. Waren doch bei der Berufszählung de» Jahres 1907 nicht weniger als 17,2 Proz. der erwerbstätigen industriellen Lohnarbeiter weiblichen Geschlechts und im Handel und Verkehr stieg das Verhältnis auf 32,0 Proz. In den einzelnen Verbänden wurden an weiblichen Mit gliedern gezählt: Textilarbeiter 53 363, Metallarbeiter 26 848, Fabrikarbeiter 25 146, Tabakarbeiter 17 918, Buchbinder 15 979, Handlungsgehilfen 10 810, Schneider 10 486, Schuhmacher 8909, BuchdruckercihilfS- arbeiter 8750, Transportarbeiter 7734, Holzarbeiter 6884, Hut- macher 4980, Bäcker und Konditoren 4574, Porzcllanarbeiter 3329, Brauerei- und Mühlcnarbeiter 1435, Gemeindearbeiter 1371, Leder- arbeiter 1269, Kürschner 1221. Gastwirtsgehilfen 1157, Sattler und Portefeuiller 1083. Glasarbeiter 1000, Blumcnarbeiter 648, Zigarrensortierer 481, Bureauangestellten 254, Fleischer 252. Stein- arbeiter 195, Lagerhalter 163, Tapezierer 150, Maler 44, Gärtner . 27, Friseure 2. Die Gesamteinnahmen der Zeniralverbände haben sich von 72 086957 Mk.(19111 auf 80 233575 Mk. e-Päht, während die Gesamtausgaben von 60025080 Mk. auf 61 105675 Mk. wuchsen. Die Vermögensbestände erhöhten sich von 62 105 821 Mk. auf 80 797 786 Mk. Auf den Kopf der Mitglieder berechnet betrugen die Einnahmen 31,71 Mk.;1911: 31 K6 Mk.), die Ausgaben 24,15 Mk.(1911: 25,86 Mk.) und die Vermögensbestände 31,93 Mk. ll911: 26,76 Mk.). Von den Gesamtausgaben in Höhe von 61 105 765 Mk. entfielen(im Vergleich zu denen vom Jahre 1911) auf 1911 bor allem aus dein Verminderten Aufwand im Berichtsjahre für Streikunterstützung. Fast 5 Millionen Mark wurden gegenüber dem Vorjahre und mehr als 7 Millionen Mark gegenüber dem Jahre 1910 an Streikunterstützungen erspart. Wenn es auch im Berichts- jähre an Kämpfen nicht gefehlt hat und besonders im Bergbau ein recht umfangreicher Kampf entbrannt war, so fehlte es doch an so langdauernden Kämpfen wie in den Vorjahren, die große Unter- stützungssummen verschlangen. Es wurden an Unter st ützungen gezahlt: M. 2 889 205 38 677 342 1912 3220 911 87 194 412 BildungSzwecke........ UnterstiitzungSzwecke....... Agitation. Stellenvermittelung, General Versammlungen und Verbindungen. 7 894 890 9 064 744 VerwaltungSkosten......., 10 663 643 11625 608 Die gesamten Verbandsvermögen betragen 80 797 786 cv �*on 62 934 731 Mk. in den Hauptkassen verblieben. Im Durchschnitt entfällt auf jedes Gewerkschaftsmitglied ein Ver- mogenSanteil von 31,93 M.(gegen 26.76 M. im Vorjahre). Bei den einzelnen Verbänden schwankt dieser durchschnittliche Vermögens- anteil zwischen 228.12 M. bei den Notenstcchern, denen die Buch- drucker mit 151,79 M. zunächst kommen, und 2,94 M. bei den Tabak- arbeitern, nach denen die Handlungsgehilfen mit 3,61 M. ran- gieren. Der Rückgang der Ausgaben für Unterstützungen erklärt sich Dagegen wurden für Streikunterstützung verausgabt: 1910 1911• 1912 M. M. M. 19 603 605 17 303 328 12 485 183 Die Ausgaben für Streikunterstützung betrugen im Berichts- jähre nur wenig mehr als die Hälfte der Ausgaben für die übrigen UnterstützungSzwecke. In den 22 Jahren seit 1891 brachten die Zentralverbände 165,6 Millionen Mark für friedliche Unter- itützungszwecke und 121,5 Millionen Mark für Streikunter. stützung auf. Einige besondere Beachtung verdienen die Ausgaben der deutschen' Zeniralverbände für die U n t c r st ü tz u n g ihrer a r- beitslosen Mitglieder. Im Berichtsjahre waren alle Mitglieder der Gewerkschaften teils für Arbeitslosigkeit am Orte, teils für solcbe aur Reilc oder für beides versilbert. Die Aufwen- düngen für solche Unterstützungen erreichten im Jahre 1912 8 920 342 Mark gegenüber 7 368 975 M. im Jahre 1911, 7 091 506 M. im Jahre 1910 und 7 201 351 Dt. im Jahre 1909. Seil dem Jahre 1891 haben die Gewerkschaften für ihre arbeitslosen Mitglieder etwa 68 Millionen Mark aufgewendet. Sie haben damit für alle Zeit ihre Priorität auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung und zugleich ihren Anspruch begründet, bei der gesetzlichen Regelung dieser Materie alS grundlegende Organisation anerkannt zu werden. Sobald nunmehr auch die größten Organisationen des Baugewerbes dazu übergehen werden, ihre Mitglieder gegen Ar- beitslosigkeit am Orte zu unterstützen, dürfte der Einwand, daß die gewerkschaftliche Arbeitslosenversicherung nur einen kleinen Teil der Arbeitslosen und dabei noch nicht einmal den am meisten von der Arbeitslosigkeit Betroffenen zugute käme, bald entkräftet sein, denn es steht jedem Arbeiter der Eintritt in die gewerkschaft lichen Zentralverbände frei und man mühte es sogar von einem jeden als seine berufliche Pflicht verlangen, daß er sich der Mit wirkuna bei der Aufrechterhaltung des beruflichen Standard o Life nicht entziehe und zur Unterstützung feiner Kollegen beitrage Die Gewerkschaften aber, die schon seit Jahren, zum Teil sogar seit Jahrzehnten keine Opfer gescheut haben, die Arbeitslosen zu unter- stützen und die in ihrer Organisation das System der Versicherung geschaffen und lebensfähig entwickelt haben, daS sich seither nicht bloß als das beste, sondern selbst als das einzig brauchbare bewährt hat, dürfen von Reich, Staat und Gemeinde verlangen, daß diese sie für ihre im gemeinnützigen Interesse gemachten hohen Auftoen düngen schadlos halten und ihnen wenigstens einen Teil der für Arbeitslosenunterstützung verausgabten Summen zurückvergüten Das Gcnter System bezeichnet den Weg, auf dem diese Zurückvcr- gütung am einfachsten zu regeln wäre und gerade jetzt, angesichts der drohenden Zeichen einer neuen Arbeitslosigkeitspcriode, ist es an der Zeit, daß mit der Einführung des Genter Systems der Arbeitslosenversicherung endlich Ernst gemacht wird, denn die Ge Werkschaftskassen sind allein nicht imstande, allen den an sie heran» tretenden Anforderungen der Massenarbeitslosigkeit genügen zu können.''_ Soziales. Zwang zum Fortbildungsschulbesuch. Vom Besuch der läudlichen Fortbildungsschule für Lüstringen und Kretisch wollten die jugend lichen ländlichen Arbeiter Timmermann, die einen weiten Weg zur Fortbildungsschule zu macheu haben, befreit sein, weil sie, wie die ganze Familie zum Rbeunialismus neigen. Ein Arzt hatte ihnen bescheinigt, daß ihre Befreiung au§ dem von den jungen Leuten gellend gemachten Grunde zweckmäßig wäre. Der Schulvorstand gab aber nicht die Genehmigung. Trotzdem blieben die jungen Männer vom Unterricht fern. Das Landgericht zu Osnabrück als Berufungsinstanz verurteilte sie zu Geldstrafen, worauf die Angeklagten Revision einlegten. Es wurde unter andern, auch die Gültigkeit des OrtSstaluts au- gezweifelt. Das Kammergcricht verwarf die Revision mit folgender Be griindung: DaS Ortsstatut für die ländliche Fortbildungsschule für Lüstringe» und Kretisch sei ortsüblich bekannt gemacht worden. Ebenso habe eine ortsübliche Bekanntmachung des Stundenplans stattgefunden. OrtSstatu, und Stundeiiplau seien gültig. Die An- gellaglen seien auch mit Recht verurteilt worden, trotz des erwähnten ärztlichen Attestes. Hier handele es sich um ein BcfrciungSverlangen au« ZweckmäßigleitSgründeu. DaS Statut bestimme nun ausdrück- lich, daß die Pflichtigen aus solchen Gründen erst dann wegbleiben können, wenn der Schulvorstand die Erlaubnis erteilt hat. Da da» nicht geschehen ist, haben sich die Angeklagten strafbar gemacht. Pfändbarer Arbeitslohn. Nach dem Lohnbeschlagnahmegesetz ist eine Lohnpfändung auS gewöhnlichen Schulden ausgeschlossen, wenn daS Gehalt 1500 M. nicht übersteigt. Um der Gehaltspsändung zu entgehen, sind in letzter Zeit öfters AnstellungSverträge geschlossen worden, nach denen der Au- gestellte nur 1500 M. als Gehalt erhält, während daS Geschäft, bei dem er tätig ist. an die Ehefrau weitere Beträge zahlt, so daß unter Umständen 5—6000 M. und noch mehr in Wirklichkeit vom Geschäft bezahlt werden, obwohl daS eigentliche„Gehaft" nur 1600 M. ausmacht. DaS Reichsgericht hat solche Verträge nicht ohne weiteres als den guten Sitten zuwiderlaufend erklärt, bat aber auch die Verträge nicht generell sanktioniert, so daß auf diesem Gebiete ei» sehr unsicherer Rechtszustand eingetreten ist. Wie offiziös gemeldet wird, will deshalb die Reichsjuitizverwaltung die Frage solcher Verträge eingehend prüfen und eventuell gesetzliche Maßnahmen vorschlagen.__ Hue Induftne und Randd. Berliner ArbcitSmarkt im Juli. Der Zentralvcrein für Ar- beitsnachweis berichtet: Bei cinzelnen Zwoigcn dar Metall- und Maschinenindustrie hat zivar die Tendenz etwas angezogen, im allgemeinen liegt aber der Berliner A r b c i t s m a r k t sehr danieder, besonders für die Holzarbeiter, unter denen eine große Arbeitslosigkeit herrscht. Im Zentralarbeitsnachweis ist die Nachfrage nach ungelernten Arbeitern um über 40 Proz. zurückgegangen, und von den Arbeiterinnen wird jene noch so ge» ring entlohnte Arbeit angenommen. Bedarf besteht nach landwirt- schaftlichem Arbeitspersonal, das aber in Berlin nur in geringem Umfange aufzutreiben ist. Einzelne Spezialbranchcn, wie Posa- mentiere, Dekateure, Militär-, Auto- und Wagensattlcr und auch dnS Gastwirtsgewerbc melden befriedigenden Geschäftsgang. Die Mitglieoerzahlcn der Krankenkassen haben sich gegen den Vormonat wenig geändert;. auch die Einnahmen der Landesversicherungs- anstalt Berlin aus Markenbeiträgen haben sich auf der Höhe des Vorjahres gehalten. Die ungünstige Lage im Berliner Arbeitsmarkte macht sich im Zentralarbeitsnachweis weiter unliebsam bemerkbar. Bestel- lungen äuS Handel und Industrie' gehen äußerst spärlich dick. Die Wartesäle sind von Arbeitsuchenden überfüllt. In der Abteilung für ungelernte männliche Arbeiter wurden im Juli 2271 offene Stellen gAneloet, im BerichtSmonat des Vorjahres dagegen 3919. Es kamen auf 100 offene Stellen 164 Arbeitsuchende, im Borjahre 130 und im Vormonat 159. In der weiblichen Abteilung wurden 1431 offene Stellen gemeldet, im Juli des Vorjahres 1972. Es entfielen auf KD offetw Stellen 121 Arbeitsuchende, im Vorjahre 104. im Vormonat 134. Die Nachfrage schien sich in den ersten Woche» etwas zu heben, blieb aber trotzdem gegen Jul, 1912 auf allen Arbeitsgebieten zurück. Andauernd ungünstig blieb die Lage in der Metall-. Buchdruck- und Konlektionsbranche. In der Dampf» Wäscherei war wegen des kühlen Wetters die Nachfrage bedeutend geringer wie im Vorjahre. Der Durchschnittslohn der ungelernten Arbeiterinnen ist mit 12,49 M. auch etwas niedriger wie im Vorjahre(12,56 M.).> f.'-t*•-»«■ Myv J efc Konjunktur und Eiscnn, arkt. Auf einen recht ssesstmistischert To» ist wiederum der Bericht der..Rhein.-Wcstfäl. Ztg." über den Eisen», arkt gestimmt; es heißt dort:„Die Rivrktlage war in den letzten Wochen st i l l c r. Nachdem die Werke vor Monatsfrist stärker verkauft hatten, zeigen sie heute zu den außerordentlich ge, sunkenen Preisen wenig Neigung. Abschlüsse auf längere Fristen zu tätigen; sie ziehen vielmehr vor. möglichst nur Tagesgeschäfte zu Tagespreisen hereinzunehmen. Die Preisbowegung im Markte ist schwankend: sie neigt jedenfalls nach unten, wenn infolge der größeren GeschäftSstillc die Kurve sich auch weniger ausprägt, wenigstens soweit Stabeiscn in Frage kommt. Soweit die Entwtcke- lung heute zu überblicken ist, muß eS auffallen, daß nicht schon eine stärkere Krisis Platz gegriffen hat. daß vielmehr ein laufender Bedarf sich fortgesetzt erhält, wie aus dem Umstand zu schließen ist. daß ständig Aufträge für sofortige Lieferung bei den Werken ein- laufen. Es sind offenbar nirgends Vorräte vorhanden, vielmehr scheinen die Großhändler ihre Läger ziemlich geleert zu haben. Es befindet sich demnach in der Zwischeiihand auffallend wenig Mate- rial. so daß der Markt keinerlei Belastung aufweist. Dafür werden die vielen und leistungsfähigen Neuanlagen sich jetzt immer stärker bemerkbar machen; die gedrückten Preise in Blechen dürften nur darauf zurückzuführen sein. Eine günstige Perspektive eröffnet sich den Marktvcrhältnissen deshalb vorläufig nicht. Sie werden unter Druck bleiben, zumal ja nicht damit zu rechnen ist, »aß noch im Laufe dieses Jahres eine Geldderbilligung eintreten wird. Mit dem Herbstgeschäft in Eisen scheint es nichts zu werden. nachdem bisher davon noch wenig verspürt worden ist. Für den Zwischenhandel ist das Geschäft äußerst schlvierig geworden, da zwischen seinen Einkaufs- und Verkaufspreisen sich nur schwer eine Spanne erzielen läßt, durch die er bei seinen Geschäften einen Verdienst erhält. Da die Verhältnisse am Weltmarkt sich gleich ungünstig entwickeln, so kann trotz der eingetretenen politischen Be- ruhigung auf eine allgemeine Besserung noch nicht gehofft werden. Die Rohstoffmärkte tragen den Stempel der Abschwächung ebenfalls an sich, wenn man auch bisher in den Preisen noch nicht zurück- gegangen ist. Es wird sich aber unter den gegebenen Verhältnissen kaum vermeiden lassen, die heutigen Rohstoffpreise den gesunkenen Fabritatpreisen anzupassen. Als erste Instanz wird das Kohlen- syndikat mit seinen Koköpreiscn etwas nachgeben müssen, da die Roheisenpreise damit im engsten Zusammenhang stehen. Wenn die Nloheisenabnahmc bisher auch noch den Werken befriedigende Beschäftigung gebracht hat, so ist doch nicht zu ver- kennen, daß dem Syndikat in den umstrittenen Wsatzgebictcn Preisschwierizkeiten entstehen bzw. schon entstanden sind. Die Preise müssen denjenigen des konkurrierenden Auslandes angepaßt werden, um zu verhindern, daß fremdes Material in großem Maß- stabe Eingang findet. Dadurch werden natürlich die Preise bereits etwas verwässert, und das Syndikat wird gezwungen sein, seine Verrechnungspreise schon in laufendem Semester mit den Werken etwas herunterzusetzen. Es wird aber weiter auch sich der Ver- pflichtung nicht entziehen können, seine Inlandspreise den Pressen der übrigen Eisenerzeugnisse etwas anzupassen, nachdem Halbzeug im Preise um etwa 10 M.(inklusive Ausfuhrvergütung) herab- gesetzt wurhe.,,,. � Ein vernünftiger Erlaß. Von der Vereinigung �lettrotcchnisckwr Spezialsabrikcn wird uns geschrieben: Die großen Elektrizitätskonzerne sind nach wie bor bestrebt, kommunale Elektrizktätsiverke durch Kauf, Pachtung oder Gründung sog. gemischt-wirtschaftlicher Unternehmungen unter ihre Kontrolle zu bekommen. Wenn auch die hamit für die Ge» meinwcscn verbundene Gefahr mehr und mehr erkannt wird— erst kürzlich haben u. a. die Städte Offenbach, Karlsruhe und Kassel die Errichtung von gemischt-wirtschaftlichen Unternehmungen ab- gelehnt— dürfte es doch angebracht sein, darauf hinzuweisen, daß das Sächsische M i n i st e r i u in des Innern erst sich neuer- dingS zugunsten der kommunalen Elektrizitätsversorgung aus- gesprochen hat. In der Verordnung sagt es: „Das Ministerium de« Innern hat bereits früher aus» gesprochen, daß ihm die Stromversorgung durch die Gemeinden dein öffentlichen Wohle in der Regel am m e i st e n zu ent- sprechen scheint. Die Aufsichtsbehörden werden daher die Strom- Versorgung durch öffentliche Körperschaften Vach Kräften zu fördern haben. Damit sie dies mit Erfolg tun können, sind die Gemeinden angewiesen, in jedem Falle, wo si: mit einem privaten Unternehmer in wenn auch zunächst nur formlose und unverbindliche Verhandlungen über die Versorgung ihres Ge- bietcs mit elektrischer Energie oder über die Stillegung oder Veräußerung ihres Werkes treten, alsbald der Auffichtsbehörde Anzeige zu erstatten. Die Aufsichtsbehörden haben von dieser Anzeige alsbald dem Verbände der im Gemeindebesitz befind- lichen Elektrizitätswerke Sachsen» sowie den sonstigen in ihrem Bezirke die Stromversorgung detreibenden öffentlichen Ver- bänden Mitteilung zu mache», damit diesen ermöglicht wird, rechtzeitig den Wettbewerb mit den privaten Unternehmern auf- zunehmen." Im Interesse der Allgemeinheit wäre eS, wenn diese Grund- sähe auch in den übrigen deutschen Bundesstaaten mehr und mehtz zur Anwendung gelangten, damit sich die Elektrizitätsverbraucher nicht eines schönen Tages einem übermächtigen Elektrizitätstrust gcgenüberschcn.__ j Der Lloyd. Der Norddeutsche Lloyd errichtet in Hamburg ein� Agentur, die die Schiffahrtsinteressen des Lloyd direkt in FeindeS» land vertreten soll. Diese Maßnahme ist eine direkte Folge deS Streites, der vor einiger Zeit zwischen beiden Schiffahrtsverwal- tungen ansgcbrochcn ist. Unter diesen Umständen darf an eine friedliche Lösung der Angelegenheit wohl kaum gedacht werden, der Interessengegensatz läuft auf eine heftige Machtprobe hinaus. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Hamburg-Ainerika-Linie bald mit einem Gegenschachzug antworten. letzte Nacbrfcbtcii. Ter Ticgeszug der Cholera. Petersburg, 1. September. Tie Stadt Cherson ist für cholerabedroht erklärt worden; es sind dort vom 26. August bis 28. August drei bakteriologisch festge st eilte Fälle vorgekoinmen. Die energischsten Maßregeln wurden getroffen. Schreckenstat einer Mutter. Mannheim. 1. September.(W. T. B.) Wie die„Neue Badische LandeSzcitung" meldet, crmor'octe die Ehefrau des Kernmachers Frciler ihre beiden Kinder im Alter von IM und 3 Jahren und verübte darauf Selbstmord. Tie Frau durchschnitt dem' jüngere» Kinde den Hals, so daß der Tod sofort eintrat; bei dein älteren Kinde, dem sie beide Arme am Oberarm abtrennte, trat bald nach der Einlieferung im Krankenhause der Tod ein. Der Grund für die Tat soll in Streitigkeiten mit Ver, wandten zu suchen sein. Dp. Simmel Spezial'Ärzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, MdicrÄ 10— 2. 6— 7. Sonntags 10— 12. H.& P. Uder. Berlin SO. 16, � Gtigel-Üfcr 5. Tabak-Großhandlnng und Tabaklabrik. "" Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkauf er. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. 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Näheres über die Wahlen ist aus der Bekanntmachung der Allgemeinen Ortskrantcnkasse vom 23. August 1313 ersichtlich, aus welche ausdrücklich vcr. wiesen wird.-20841» Berlin, den 1. September 1913. OrtSkrankcnkasse für den Gewerbebetrieb der Kauflcut«, Handclslente und zlpa.theter. Der Vorstand. Richard Nürnberg. Vorsitzender. JonaS Stahl, Schrislführer. H.Pfau, "ich- Dircftsenslralie 20 zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Polizcipräfidium.— Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle Krankenkaffe». ..»..— Kannten margen �- a—-—»» w•• � III I»,_ lemner, lli.u ooiinnoeiioe IM jjuou�—-—..�.�,1�. verantw. Rebakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.z 00,. Glocke. Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr.n VerlagsanstaU'KäülSinger�Co..BerlinSW. Hierzu L Beilagen u.Unterhaltung»dl. » 227. 30.1,� 1. f eiidjje des Joriirts" Kerlimr Pslksdllltt. Si.«w.2s-Md».g.z. Ee�verksckaftUckes. Die Arbeitslosigkeit bei clen Lerliner ßucbdruchern. Tie Merknmle der hereinbrechenden wirtschaftlichen Krise zeigen sich mit erschreckender Deutlichkeit. Tie Arbeits- losigkeit nimmt zu. Sie hat in manchen Berufszweigen schon jetzt einen so bedeutenden Unifang erreichl, dag es dringend erforderlich ist, das Problem der Arbeitslosigkeit eingehend zu erörtern und auf Ätittel zu sinnen, die geeignet sind, der wachsenden Not zu steuern, ehe sie zu einer allgemeinen Kalamität iin Wirtschaftsleben wird. Wenn auch von den Interessenten der kapitalistischen Wirtschaftsordnung die drohenden Anzeichen der Krise noch geleugnet werden, so haben die Arbeiter längst am eigenen Leibe gespürt, daß wir uns im Stadium der niedergehenden Konjunktur befinden und die Arbeitslosigkeit mit ihrer Gefolgschaft von Not und Elend im Steigen begriffen ist. Schon vor einigen Wochen haben die Berliner Arbeitslosenversammlungen gefordert, daß Staat und Gemeinde die ihiren zu Gebote stehenden Mittel anwenden sollen, um einerseits, soweit es geht, Arbeitsgele- genheit zu schaffen, andererseits aber zur Unterstützung der Arbeitslosen Geldmittel bereitzustellen, da man den Gcwerk- fchaften nicht zumuten kann, in Zeiten außergewöhnlich großer Arbeitslosigkeit die Unterstützung allein zu tragen. Jetzt, wo das Problem der Arbeitszeit zur öffentlichen Diskussion steht, ist es angebracht, auf die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse einer Arbeitslosenstatistik hinzuweisen, die der Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer im Jahre 1912 unter feinen Mitgliedern aufgenommen hat. Es mag vorweg bemerkt sein, daß das Jahr 1912 nach Angabe des Verein der Buchdruckereibcsitzcr eine gute Kon- junktur aufzuweisen hatte. Trotzdem war, wie die erwähnte Statistik zeigt, die Arbeitslosigkeit im Berliner Buchdruck- gewerbe nach Umfang und Dauer schon sehr erheblich. Waren doch von den 11 895 Mitgliedern des Vereins der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer im Jahresdurchschnitt 887 gleichzeitig arbeitslos. Da der Jahresdurchschnitt der Arbeits- losigkeit bei den Buchdruckern im ganzen Reiche 4,73 Proz. beträgt, so stehen die Berliner Buchdrucker weit über dem Reichsdurchschnitt, denn bei ihnen beträgt die Arbeitslosigkeit 7,46 Proz. Die Statistik hat festgestellt, daß die Berliner Buchdrucker ini Jahre 1912 272 884 Tage Arbeitslosigkeit zu verzeichnen hatten. Das ergibt durchschnittlich 22,94 Tage, also fast vier Wochen Arbeitslosigkeit im Jahre für jedes Mitglied. Im ganzen waren 4971 Mitglieder arbeitslos. Das sind 41,79 Proz., also fast die Hälfte aller Mitglieder, die im Laufe des Jahres kürzere oder längere Zeit arbeits- los waren. Die Tauer der Arbeitslosigkeit in den einzelnen Fällen war sehr verschieden. Wir finden, daß bei etwa einein Drittel aller Fälle die Arbeitslosigkeit nur 1 bis 6 Tage be- trug, aber wir sehen auch beispielsweise in 2376 Fällen eine Arbeitslosigkeit von 2 Wochen, in 1492 Fällen 3 Wochen, in 979 Fällen 4 Wochen Arbeitslosigkeit und so weiter bis zu einer Dauer der Arbeitslosigkeit von 26, ja in einzelnen Fällen 49 Wochen. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit betrug 34,9 Tage, also eine erschreckend hohe Ziffer, und das in einem Jahre mit guter Konjunktur. Die einzelnen Sparten sind an der durchschnittlichen Tauer der Arbeits- losigkeit folgendermaßen beteiligt: Handsetzer 39 Tage, Maschinensetzer 49 Tage, Korrektoren 33,9 Tage, Drucker 31,2 Tage. Die Häufigkeit der Arbeitslosigkeit, das heißt die Zahl kleines feuMeton. Karl Wciserö Hckatonchciren. Die Jugendliebe des Ende Juni verstorbenen OberregisieurS am Weimarer Hoftheater Karl Weiser hat dem Sozialismus und der Sache des lämpfenden Proletariats gegolten. In der Nummer vom 2. Juli hat der.Vorwärts" über Karl Weiser als Dichter des Proletariats berichtet. Es sind da seine .Hekatoncheiren", ein Sang von dem siegessicheren Ringen der viel- gestaltigen Arbeit wie erwäbnt worden, ebenso sein Gedicht:„So Mann der Arbeit sollst du Feste feiern!" Von unserem Chemnitzer Parteiblatt haben wir erfahren, datz Weiser als junger Schauspieler am Chemnitzer Stadtthcater anfangs der siebziger Jahre es sich nicht bei den Fleischtöpfen der siegesberauschten Bourgeoisie wohl sein ließ, daß er vielmehr lebhaften Anteil nahm an der damals noch jungen Arbeiterbewegung. Unter dem Pseudonym„Siegfried" arbeirete er als Freund Mösts an der Chemnitzer„Neuen Freien Prepe" mit und in zahlreichen Gedichten besang er die Kämpfe des Proletariats. So widmete er der verlästerten Pariser Kom- mune einen Huldigungssang und den Sozialisten Frankreichs weihte der einstige Kriegsfreiwillige von 1870 ein„Sozialdemokratisches Bundeslied". Als Bebel und Liebknecht im Leipziger Hochverrats- Prozeß zu zwei Jahren Festung verurteilt wurden, dichtete er ein zorniges Gedicht„Wofür?" und noch im Jahre 1890 begrüßte er die Einsetzung des Weltfeiertages mit einem Sang„Es lebe der Mai!" In seinem Nachlaß wird sich sicher noch manches Gedicht finden, das von der innigen Seelcngemeinschaft des Dichters und Künstlers Weiser mit der sozialistischen Bewegung zeugt. Der bedeutendste Hymnus Weisers auf das Ringen der Arbeit nach Befreiung sind seine Hekatoncheiren, das Lied vom hundert- armigen Riesen Proletariat. Diese Dichtung ist von dem Grazer Komponisten E l s ä ß c r vertont worden. Dichter und Musiker waren durchdrungen vom Gefühlsleben der Arbeiterschaft; Arbeiter sind in erster Linie berufen, das Werk aufzustihren und zu hören. Der diesjährige Parteitag in Jena soll mit den Klängen dieses Oratoriums begrüßt und eröffnet werden. Seine Uraufführung in Deutschland erlebte das Chorwerk am Sonntag in Erfurt durch den Erfurter Arbeitersängerchor, dessen Dirigent Herr Steiniger auch die Jenaer Ausführung leiten wird. Der Komponist war zu der Erstausführung erschienen. Die Aufführung hinterließ, von einigen technischen Mängeln abgesehen, einen durchaus günstigen Eindruck. Sie zeugte von der erfreulichen Entwickelung, die der Arbeitergesang dank der Verschmelzung kleiner Bereine zu großen Chören genommen hat und gewährt hoffnungsvolle Ausblicke auf die Zukunft proletarischer Kunstpflege. Mit einer Orchesterpartie, die das Dröhnen und und Tosen der Maschinensaales wirkungsvoll in musikalischen Motiven kristallisiert, setzt das Chorwerk ein. Auch im weiteren Verlauf gibt das Orchester den musikalischen Hintergrund des Tongemäldes ab, hat für Hammerschlag und Spindelsurren, für Ambosklang und Mühlen- geklapper, für Federrascheln und Schollenfall sinnvolle und wirksame instrumentale Ausdruckssormcn. Von diesem Hintergrunde hebt sich dann in kraftvoller Ruhe die führende Solopartie ab, die die ein- zelnen Teile des Chorwerkes einleitet. Beim ersten Teil antwortet ein trotziger Männerchor mit dem Sang von der„Rüstung der Zeit", in der der Knecht die Kette bricht. Der zweite Teil kündet vom Spinnen und. Weben; helle Frauenstimmen nehmen das Motiv auf dsr Fälle, die auf den einzelnen Arbeitslosen kommen, ist gegen früher gestiegen. Von den 4971 Arbeitslosen waren 1996 oder 49,13 Proz. cininal, 1994 oder 22,91 Proz. zwei- mal, 793 oder 14,14 Proz. dreimal, 443 oder 8,93 Proz. vier- nial und 733 oder 14,4 Proz. öfter als viermal im Jahre arbeitslos. Bis zu 19 nial im Jahre ist die Arbeitslosigkeit in einzelnen Fällen an die Mitglieder herangetreten. Tie Arbeitgeber behaupten, die große Arbeitslosigkeit in Berlin sei auf einen starken Zuzug von außerhalb zurückzu- führen. Das trifft aber nicht zu, denn im Jahre 1912 sind von Berlin 1949 Mitglieder abgereist und 996 zugereist und in Arbeit getreten. Also Zu- und Abgang halten sich ziem- lich die Wage. Daß die umfangreiche Einführung der Setz- Maschine in den letzten zwei Jahren einen großen Einfluß auf die Arbeitslosigkeit der Handsetzer ausgeübt hat, geht aus einem Vergleich mit einer im Jahre 1919 aufgenommenen Statistik hervor. Während damals 2927 Setzer 137 964�Tagc arbeitslos waren, weist die vorliegende Statistik 3179 Setzer mit 187 336 arbeitslosen Tagen auf. Die Durchschnittsdauer der Arbeitslosigkeit bei den Setzern beträgt bei 41,27 Proz., die nur einmal arbeitslos waren, 27,47 Tage und steigt bei denen, die mehr als zehnmal arbeitslos waren, bis auf 128,23 Tage. Ter Gesaintdurchschnitt betrug 39 Tage, also fast 19 Wochen Arbeitslosigkeit. Die Klage der Prinzipale über Mangel an Maschinensetzern wird durch die Statistik wider- legt. Waren doch nicht weniger als 269 Maschinensetzer 12 739 Tage ohne Beschäftigung. Angesichts der hohen Arbcitslosenziffern im Buchdruck- gewerbe berührt es eigentümlich, daß in vielen Betrieben eine große Zahl von Ueberstunden geleistet wird. Ucbcr diesen Punkt hat der Verein der Berliner Buchdrucker und Schrift- gießer für die Zeit vom 17. Februar bis 22. März 1913 eine Erhebung veranstaltet. In diesen 5 Wochen wurden in 319 Geschäften mit 19 899 Gehilfen und Lehrlingen 129 922 Ueber- stunden geleistet. Das macht durchschnittlich 23 984 lieber- stunden pro Woche und das zu einer Zeit, wo die Arbeits- losigkeit noch größer war als die hier besprochene des Jahres 1912. Wenn bei einer so günstigen Geschäftslage, wie sie das Jahr 1912 aufzuweisen hatte, eine so erhebliche Arbcitslosig- keit herrschte, daß in der vierten Märzwoche der für das ganze Jahr niedrigste Stand der Arbeitsloscnziffer immer noch 318 betrug, so kann man sagen: Mehr als 399 Buchdrucker sind im Gewerbe überflüssig, eine Reservearmee von mehr als 399 Köpfen stand den Arbeitgebern s c l b st in d e r Zeit des besten Geschäftsganges zur Verfügung. Jetzt, wo die wirtschaftliche Krise von Woche zu Woche zu- nimmt und mit steigender Wucht auf den Arbeitern lastet, wird die Arbeitslosigkeit, wird Not und Mangel der Arbeiter von Woche zn Woche größer. Schon im Jahre 1912 haben die Berliner Buchdrucker ihren arbeitslosen Mitgliedern 322 389 M. Unterstützung ge- zahlt. In anderen Gewerben sind die Verhältnisse ebenso. Die Lasten, welche die Gewerkschaften für Arbeitslosenunter- stiitzung zu tragen haben, werden in der Krisenzeit ihre Kräfte übersteigen. Deshalb ist die Forderung berechtigt, welche schon die Arbeitslosenvcrscmimlungen vor einigen Wochen er- hoben haben: Hier müssen Staat und Gemeinde eingreifen, denn es handelt sich um einen allgemeinen, von den Be- troffcnen nicht verschuldeten Notstand. Berlin und Umgegend. Die Rohrleger und Helfer Berlins nahmen in einer überaus stark besuchten Versammlung in den Konkordia-Festsälen Stellung zu der Geschäftsordnung des Facharbeitsnachweises. Z i e s e berichtete, und versprechen„zum kommenden Streit das rote Kleid". Und zum dritten singt die führende Stimme vom Schmieden und Schleifen; der Chor der Männer fährt fort mit einem Lied auf„Das Schwert der Zeit, die uns befreit'; Altstimmen gesellen sich ihnen zu mit einem Gruß an das Licht. Der vierte Teil ist der Arbeit des Landmannes ge- widmet; Männer- und Frauenstimmen vereinigen sich hier zu einem SehnsuchtSsang nach eigner Saat und eigener Frucht. Der fünfte Teil gilt der vielarsigen Arbeit des Geistes; Männerstimmen ver- heißen„den Schlachtenplan zum Weltcnstrauß", Frauenstimmen ! unterstreichen die Siegeskunde vom Triumph des Lichtes über die Nacht. Der Schlußteil kleidet in Töne das Graben und Schaufeln, das der alten Zeit und der Tyrannei die Grube bereitet. Klar und hell preisen Männer- und Frauenchor die siegessichere Hoffnung auf die Errichtung des Tempels des Rechts. Und Siegesgewißheit tönt auch aus den abschließenden Akkorden des Orchesters. Der Arbeiter-Sängcrbund bat das Chorwerk erworben. Man kann gewiß sein, daß es nach Erfurt und Jena noch an vielen Orlen Deutschlands, wo Arbeitergesang und Bildungsarbeit die nötigen Voraussetzungen geschaffen haben, ertönen wird. ed. August Bebel. Die neue Nummer de»„Simplicissimus" bringt folgendes Gedicht von Edgar Steiger auf Bebel: Ihr Halben und ihr Lauen, kommt heran! In diesem Grabe ruht ein ganzer Mann. Maulchristen, betet! Dieser Atheist— Bestaunt das Wunder!— war ein echter Christ. Ihr Patrioten, wenn's noch welche gibt. Wer hat wie er sein Vaterland geliebt? Staatsmänner, lernt, wie einer neuen Welt Umsonst die Dummheit sich entgegenstellt! Ihr Generale, zieht den Federhut! Der Marschall Vorwärts watet nicht im Blut. Gekrönte Häupter, sagt mir, wessen Reich Auf dieser Erde wohl dem seinen gleich I Du aber, Menschheit, hebe stolz das Haupt! Denn, der hier ruht, er hat an dich geglaubt. Mustk. Die Sinfonie> Konzerte des Blüthner- Orchesters, jetzt von Max Wachsmann geleitet, erziehen nun ein Publikum, das ernsthaft nach Erfassung der Musikwerke großer Meisler verlangt, und man darf sagen, dies einzig herrliche Berliner Orchester erfüllt die Aufgabe, die es sich vorgezeichnet hat, durch die Musikgaben jeden Konzertabends immer aufs neue. Ist e§ wohl notwendig, den unendlichen Gewinn aller wirklichen Höhenkunst für die Gemülsveredelung immer noch gegen bornierte Anschauungen zu verteidigen? Gewiß— jene Art Musik, die von ober- flächlichen Machern herkonmit, sie ist schlimmer als Gift und Pestilenz. Wo steht aber geschrieben, daß das Anhören von Musikschöpfungen erster Komponisten. deren Namen Unsterblichkeit erlangt haben, schädigende Wirkungen erzeuge? Nicht eingeschläfert, wohl aber lebens- und tatfroh gemacht werden die Geister. Wer wagt das zu leugnen, wenn ihm beispielsweise eine Sinfonie Beethovens in restlos künstlerischer Wiedergabe erklingt. Oder ein Stück von Mozart oder Wagner, LiSzt und anderen Meistern? Und darum können Konzerte von der hohen Musikkultur wie die de? Blüthner-Orchesters nicht laut genug gepriesen werden. Und unsere Arbeiter tun gut daran I daß die Unternehmer eine ganze Reihe Verschlechterungen in die neue Geschäftsordnung hineinhoben wollten; jedoch gelang es durch Ver- Handlungen, den Wünschen der Arbeitnehmer zu entsprechen. Die Geschäftsordnung wurde schließlich gegen wenige Stimmen an- genommen. Darauf berichtete S i e r i n g über die bisherige Durch- sührung des Tarifvertrages. Da eine erheblicheAnzahlFirmen außerhalb des Tänfvemages stehen, war die Bewegung durch den Tarifabschluß mit dem Arbeitgeberverband noch nicht erledigt, sondern die übrigen Unternehmer mußten gcsoirdert aufgefordert werden. Bisher haben Hl Einzelfirmen den Tarif anerkannt, während noch eine geringe Anzahl meist kleinere Firmen bisher nicht unterzeichnet haben. Auch bei diesen Firmen soll der Tarif zur Anerkennung gebracht werden. Die Versammlung sprach sich in dem gleichen Sinne aus. Nach einem Bericht der„Volks-Zeitung" vom 26. August hat auch Herr Wiesenthal mit den ihm noch treugebliebenen Mit- gliedern Stellung zum Tarif genommen. Ganze 19 Mann waren anwesend. Wie groß das Interesse der„Volks-Ztg." für Wiescnthal ist, mag man daraus ersehen, daß sie einen Bericht von 45 Zeilen über die 19-Männer-Versammlung gebracht hat. In einer langen Reso- lution wird den Mitgliedern der Beitritt zum Tarif freigestellt. Zum Schluß kommt dann die Abrechnung von 1912, die mit ca. 80 000 M. abschließt. Selige Zeiten, denn jetzt ist Ebbe in der Kasse. Damals waren ja noch Milglieder vorhanden, aber jetzt? Doch besser ist, man spricht nicht mehr davon. Zur Tarifbetvcgung der Kürschner. Der Beschluß, am Sonnabend überall da. Ivo der Preistarif nicht anerkannt worden ist, die Arbeit ruhen zu lassen, ist in weitestem Umfange ausgeführt worden. Bei den größten Firmen haben die maßgebenden Leute die Arbeit verweigert. Die Fabrikanten haben bereirS zu Mittwoch Verhandlungen nachgesucht. Die selbständigen Kürschner sind entschlossen, ohne Anerkennung ihres Tarifs die Arbeit nicht wieder aufzunehmen. Am Dienstag und Mittwoch soll eine HauSagitation betrieben werden, um die Arbeitsniederlegung zu einer vollständigen zu machen.___ Achtung, Sattler! In der Militäreffcktenfabrik von Johann Friedrich Karl Ludewig, Lindenstr. 93, haben sämtliche Kollegen wegen Nichtanerkennung des Berliner Tarifs die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Tarifkommission. I. A.: Alfred Riedel. Achtung, Flcischcrgescllcn! Der Fleischermeister Willi Ewald, Oppelner Str. 12, hat den mit ihm vereinbarten Tarifvertrag ge- kündigt. Der Betrieb ist bis auf weiteres gesperrt. _ Verband der Fleischer. Differenzen im Schuhmachergctverbe in Strausberg. Die gesamte Arbeiterschaft der Schuhfabrik„Delphin" sJnhaber G. Jentsch) in Strausberg bei Berlin hat am vergangenen Sonn- abend die Kündigung eingereicht. Seit fast einem Jahre nehmen die Differenzen in diesem Betriebe kein Ende. Eine das gewöhnliche Maß weit übersteigende Gewinnsucht treibt den Unternehmer dazu, alle möglichen Mittel und Wege ausfindig zu machen, um bei den alten, meistens sehr niedrigen Lohnsätzen eine ständig gesteigerte Leistung von jedem einzelnen Arbeiter zu verlangen. Oefterer Wechsel des Lohnsystems, bald Akkord-, bald Zeitlohn und umgekehrt, soll dem vorgenannten Zwecke dienen. Selbstherrlich wird jedes- mal der neue Lohnsatz vom Fabrikanten diktiert. Trifft er bei einzelnen auf Widerstand, so erfolgt bald unter nichtigen Vorwänden die Entlassung. Alle Vorstellungen der Arbeiter, die durch den Aus- schuß beim Fabrikanten vorgebracht wurden, waren vergebens. Der Fabrikant gibt dann wobl scheinbar nach, um nachher auf Umwegen unter Ausnutzung der Unerfahrenheit vieler Arbeiter, durch Ver- sprechungen auf höheren Lohn oder durch Androhung der Entlassung, doch zu seinem gesteckten Ziele zu kommen. Letzthin wurde den Zuschneidern angedroht, wer nicht jede Woche ein bestimmtes Quantum schneide, werde sofort entlassen, die Fleißigen sollten aber bei Mehrleistung eine bestimmte Prämie erhalten, die aber so niedrig angesetzt war, daß den größten Verdienst der Fabrikant gemacht hätte. Dem Ausschuß wurde durch Konferenz- beschluß aufgetragen, dem Fabrikanten zu eröffnen, datz die gesamte Arbeiterschaft gegen diese neue Antreiberei geschlossen auftreten daß sie ihnen zuströmen— anstatt einer, sei es von Militär- oder privaten Biergarten- Kapellen fchlimmster Art verzapften Tingel- tangelei sich auszuliefern. ek. Freie Volksbühne im Deutschen Opernhaus, Charlotten bürg. Mit Otto Nicolais„Lustigen Weibern von Windsor" setzte am Sonntag die neue Spiel- zeit ein. Daß diese Erstaufführung unter einem besonderen künstle- rischen Zeichen gestanden hätte, wird mau nicht behaupten können. Die vor den Theaterferien hatte mehr„Schmiß", sowohl auf der Bühne als im Orchester. Damals gab es zauberischen Klang durch- weg. DieSmal kam gleich die Ouvertüre etwas matt und farblos; und auch später während des Spiels wurden die solistischen Gesang- parts manchmal allzu massig durch die Begleitung gedeckt. Am Orchester lag das nicht. In der Rollenbesetzung war es beini alten geblieben. Nur daß an Stelle Mizzi Finks, die wegen Unpäßlichkeit hatte absagen müssen, Fräulein v. Römer getreten war. Obschon sie als Fluth nicht übel ist— stimmlich und' darstellerisch reicht sie an Mizzi Fink, ohne die man sich diese Rolle gar nicht mehr denken mag, in nichts heran. Auch Hertha Stolzenberg sJungfer' Anna) wollte mir diesmal wenig be- Hägen. Dafür waren Luise M a r ck sFrau Reich) und Peter Lord- mann bei sieghafter Laune. Sein Falstaff zumal kann jeden Griesgram und Miesepeter heiter stimmen. Joses Plaut als Junker Spärlich und Eduard Schüller als Herr Fluth wissen die Groteskkomik wirksam zu verschärfen. Gustav Werner gibt den Fenton sympathisch. Sein weicher, schmiegsamer Tenor klingt frisch- jugendlich; alles Schmalzamorliche liegt ihm fern. Glücklicherweise! Das Saufduell zwischen Falstaff und mehreren Bürgern und was sonst Ensemble heißt ging recht flott. Vielleicht wurde manchmal mehr Ulk getrieben, als nötig wäre. Immerhin kann ihn diese Oper vertragen. Der erste Auftritt im dritten Akt mußte wegfallen. So- mit kam gleich die große nächtliche Waldszene mit wundcrlieblichem Sternenflimmer, Mondschein und allerlei tanzkünstlcrischem Natur- spuk. Das übte seine Zauber aus auf Männlein und Weiblein. vk. Notizen. — Theaterchronik. Frank Wedekind eröffnet mit seiner Gattin das Gastspiel in den Kammerspielcn des Deutschen Theaters Ende dieser Woche. Er wird die Hauptrollen in seinen Werken darstellen und dieselben auch selbst in Szene setzen. Das Gastspiel beginnt am kommenden Freitag mit der Berliner Erst- aufführung des Mysteriums„Franziska".— Das Deutsche Schauspielhaus eröffnet demnächst die Reihe seiner Sonntags- Nachmittags-Vorstellungen. Zunächst gelangt am 7. September Ibsens „Nora", am 14. September„Hedda Gabler" zur Aufführung. Kunstchronik. K u b i st i f ch e Skulptur en und Zeichnungen von dem in Paris lebenden Russen Alexander Archi- p e n k o werden auf der 17. Ausstellung„Der Stnrm", Potsdamer Straße 1g4a. zum erstenmal in Deutschland gezeigt. Die Ausstellung wird heute eröffnet und ist täglich von 10—6, Sonntags von 11—2 Uhr zu besichtigen. — Altertümliche Boote. Im Wilafluß bei Halmstad in Südschweden wurden bei Tiefbauarbeiten zwei Kanus aus Eichen- holz gefunden, deren Alter auf 1000 Jahre geschätzt wird. Das eine drei Meter lange, sehr tiefe Boot ist noch völlig gebrauchsfähig. Die Boote sollen Spuren der Bearbeitung mit Steinäxten zeigen. tvilrde. Scheinbar gab der Fabrikant wieder nach� um vierzehn Tage später den Wortführer der Zuschneider zu entlassen, in wenigen Monaten das dritte Ausschußmitglied, das diese gastliche Stätte der- lassen mußte. Nun war die Geduld der Arbeiter erschöpft und alle reichten die Kündigung ein. Es wird gebeten, auf Arbeitsangebote dieser Firma nicht einzugehen. Achtung, Militärsattler! Die in den Spozialbetrieben für Offizierausrüstungen beschäftigten Sattler haben wegen Ablehnung der gestellten Forderungen einmütig die Arbeit niedergelegt. Die Deutsche MilitarauSrüstungsgesellschaft, Alexandrinenstr. 14, hat es ganz besonders eilig, arbeitswillige Sattler zu bekommen und be- dient sich dazu einer Deckadresse. Herr Hans Werner. Inhaber der Musikalienhandlung Richard Kaun, Grüner Weg 17, hat es übernommen, die sich meldenden Arbeitswilligen der Deutschen Militärausrüstungsgesellschaft zuzuführen. Ebenso bemüht sich der bekannte Arbeitgebernachweis des Herrn Nasse, Kaiser-Franz- Grenadier-Platz 1, Arbeitswillige für die Offizier-Ausrüstungs- Betriebe zu gewinnen. Wir ersuchen um strikte Ablehnung all dieser Arbeitsangebote. Ferner ersuchen wir die Kollegen in den übrigen Militäreffekten werkstellcn, ja ein wachsames Auge auf eventuelle Streikarbeit zu haben. Es steht besonders zu erwarten, daß die bestreikten Unter« nehmer Helme in andere Werkstätten unterzubringen suchen. Jede Streikarbeit ist selbstverständlich zn verweigern. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Oeutfehes Reich. Zwischen zwei Stühlen. Der Verein für Handelskommis von 1863, der Sonnabend in Magdeburg zwischen zwei Festen eine Tagung abhielt, ist bekanntlich ein Harmonieverein, will keine Gewerkschaft sein und kämpft er« bittert gegen den Zentralverband und seine Existenz. Ein ganzes Referat des Dr. Köhler-Hamburg war diesem Kampf gewidmet. Der Verein will aber doch auch wieder den„nationalen" Schwindel nicht mitmachen und mit dem antisemitischen Hamburger Deutschnattonalen HandlungSgehilfenverband nichts zu tun haben— das sprach der Vorsitzenve aus, während Dr. Köhler wieder bitter klagte, daß dieser Verband nicht einmal den Kampf gegen die Brotlosmachung von Handlungsangestellten durch uniformierte ReichSpenfionSempfänger unterstütze. 120 000 Mitglieder will der in der Hauptsache Stellen- vermittelung und Versicherung treibende S3er Verband haben. Aber in der Debatte sprachen einfache Mitglieder von Schlafkrank- heit in dieser Organisatton, und Herr Baum von den paritätischen Unternehmer- und Angestelltenvereinen fand für ihr Lob ebenso viel Beifall, wie Dr. Köhler für ihre Verwerfung I Uebrigens rühmte sich Herr Baum, daß die Paritätischen von der Regierung kolossal geschützt würden— sie benutzte sie nämlich als Sprachrohr für ihre .Ideen" und um die Oeffentlichkeit zu sondieren I Intervationaler Transportarbeiter-Kovgreß. L o n d o n, den SS. August 1318, Schluß der NachmittagSsitzung. Bei der Zusammensetzung des ReorganisationSkomiteeS ergibt sich eine Schwierigkeit. Die holländischen Syndikalisten verlangen eine Vertretung in dem Komitee, weil sie sonst ganz ausfallen wür- den. Der Zentralrat ist mit der Erweiterung des Komitees auf acht Mitglieder einverstanden, weil er davon eine Beseitigung der holländischen Differenzen erhofft. Forstner-Wien widerspricht: Wenn wir eine Richtung in einem Lande bei der Vergebung von Mandaten berücksichtigen, so heißt daS, die Eigenbrödelei züchten. Die Kluft wird nur erweitert, denn wenn zwei Richtungen eines Landes zwei Mandate im Beirat haben, so haben sie keinen Grund, die Einigung herbeizuführen, weil sie dann ein Mandat aufgeben müssen. Moltmaker- Holland schließt sich Forstner an. Um die syndikalistische Minderheit nicht zu verletzen, hat die holländische Mehrheit schon bei der Wahl von Geschäftsordnungskommissionen einem Belgier das Mandat gegeben; sie ist bereit, auch in den Bei» rat einen Belgier zu entsenden. Es g,eht doch nicht an, daß ein kleines Land mit wenig tausend Organisierten zwei Mitglieder im Beirat habe. Der Antrag des ZcntralratS, Holland zwei Mandate zu geben, wird abgelehnt, und der Vorschlag, das Komitee aus 7 Mitgliedern zusammenzusetzen, gegen die Stimme Italiens angenommen. Der Antrag des Allgemeinen Rechtsschutz, und Gewerkschafts. Vereins der Eisenbahner in Oesterreich, wonach der Internationale Kongreß in Zukunft nur alle vier Jahre stattfinden soll, lind worin alljährlich eine Broschüre mit einem Ueberblick über die allgemeine Eisenbahnerbewegung herausgegeben werden soll, wird dem Komitee iberwiesen. Die Asiatensrage. Die englische Transportarbeiter-Föderation stellt folgenden Antrag: „Der Kongreß der J.T.F. konstatiert, daß die Zahl der be- schäftigten Asiaten in der Handelsflotte in beängstigender Weise zunimmt, und zwar infolge der Versuche des Unternehmertums, europäische Arbeiter durch schlechter entlohnte Asiaten zu ersetzen. Der Kongreß erkennt zwar an, daß die Föderation über alle Unterschiede der Farbe, Rasse oder dem Glaubensbekenntnis stehen muß, ist jedoch der Ueberzeugung, daß schlechter entlohnte asiattsche Arbeiter eine ständige Gefahr für zenen Lebensstandard bedeuten, den die Europäer mit Hilfe der Gewerkschaft erreicht haben. Der Zentralrat wird daher beauftragt, eine eingehende Untersuchung anzustellen über die Verdrängung europäischer Ar- heiter und ihrer Folgen und zur Lösung dieses unbedingter Er- lediguna harrenden Problems Vorschläge auf einer internatio- nalen Grundlage zu machen." Wilson- England verzichtet in der Erwartung auf eine Be- gründung, daß kein Widerspruch erfolgen werde. Mül ler-Deutschland sSeelvute) bittet, der Resolution ohne Debatte einmütig zuzustimmen. Die Resolution wird einstimmig angenommen. Der Präsident der Internationalen SeemannSorganisation Amerikas F u r m s e t h regt in einem längeren Schreiben eine energische internationale Aktion an, um die RettungSmahregcln ans den Schissen zrt verbessern. Daß die amerikanische Gesetzgebung noch nicht ein- gegriffen hat, sei nur darauf zurückzuführen, weil Europa noch nichts getan habe. Es bestehe aber die Hoffnung, daß im Dezember dieses Jahres ein Gesetz angenommen w?rd. das für alle Schiffe, die amerikanische Häfen berühren, bestimmte Vorschriften Wer die Rettungsmahregeln vorsieht, darunter auch die, daß 40 Proz. der Mannschaft eines Schiffes aus gelernten Seeleuten, die drei Jahre ein Schiff befahren haben, die Offiziere nicht mitgerechnet, besteht, und daß diese Zahl jedes Jahr um S Proz. erhöht wird. Durch dieses amerikanische Gesetz, das von verschiedenen parlamen- tarischen Komitees bereits angenommen ist, wurde auch für die europäischen Seeleute eine große Verbesserung erzielt werden. Ein ähnliches Gesetz, das freilich schlechter war. sei seinerzeit bereits von beiden Häusern angenommen, von dem Präsidenten Taft aber ver. warfen worden. Der jetzige Präsident sei dagegen bereit, einem solchen Gesetz zuzustimmen. Der Kongreß nimmt mit Genugtuung von diesem Schreiben �U' Dw�frailzösischen Eisenbahner unterbreiten dem Kongreß ihr Arbeitsprogramm, das die Verstaatlichung der Eisenbahn, die Ver- kürzung der Arbeitszeit für das Personal und die Forderung auto- inatischer Wagenkuppelung enthalt. Der Kongreß druckt eme Sympathie für diese Bestrebungen aus und veripricht, sie in jeder Weise zu unterstützen........... Der italienische Transportarbeiterverband wünscht dem S»«- gretz telegraphisch vollen Erfolg und teilt mit, daß der nächste Äandeskongreß sicherlich den Anschluß des Verbandes an die J.T.F beschließen werde.(Lebhafter Beifall.) Die Grütze der russischen Seeleute überbringt D. Anitch k i n. Die Organisation stand 1306 und 1306 in voller Blüte. Durch den Generalstreik wurde sie völlig zugrunde gerichtet. Langsam be- gann der Wiederaufbau und wir kommen trotz aller Verfolgungen rüstig weiter. Die Russen werden gegenüber der Jnternattionale stets ihre Pflicht erfüllen.(Lebhafter Beifall.) Im Namen des Kongresses sichert Schumann der russischen Seemannsbewegung die internationale Unterstützung zu und ver- urteilt die Brutalitäten der russischen Regierung und die Ausliefe- rung des Redakteurs des russischen Seemannsblattes Adramowitsch durch die englische Regierung in Alexandria an die Schergen des Zaren. Die rechtlich? Stellung der Angestellten und Arbeiter in den Verkehrsbetrieben. Referent Tomschik-Wien schlägt folgende Resolution vor: Der 8. Internationale Transportarbeiterkongreß in London hält die Kopenhagener Resolution vollständig aufrecht und unter- streicht sie. Er erklärt ausdrücklich, daß das Koalitionsrecht der Eisenbahner usw. am besten gewahrt wird, wenn die in Betracht kommenden Organisationen sich vollständig ihrer Pflicht bewußt sind gegenüber der Gesamtheit der Bevölkerung und ihren Klassengenossen und Arbeitskollegen gegenüber. Der Kongreß verurteilt im Interesse des Koalitionsrechts jede unüberlegte und nicht genügend vorbereitete Inszenierung von Streiks und Be- wegungen, die gewöhnlich mit einer Niederlage endigen und die Organisationen im Lande und den übrigen Ländern schwer schädigen. Ferner verurteilt der Kongreß die Haltung des Ver bandes des Süddeutschen Eisenbahn- und Postpersonals in der Frage des Koalitionsrechtes und des Anschlusses an andere Fach- organisationen(Gewerkschaftskartelle) als eine Schädigung der Interessen der eigenen Mitglieder und der Berufskollegen in anderen Ländern. Ebenso verwirft der Kongreß die Bestrebungen nach einem eigenen Staatsarbeiterrecht unter Verzicht auf das Koalitionsrecht als eine Schädigung der Interessen der Staats arbeiter. Le Guen(Franz. Eisenbahner) erklärt, für die Resolution könnten die Franzosen nicht stimmen, weil sie am SolidaritätS- streik festhielten. In seinem Schlußwort macht Tomschik die Franzosen darauf aufmerksam, daß zu der Resolution vom Sympathiestreik gar nicht gesprochen wurde. Niemand im Saale habe gegen die Forderungen, die hier im Eisenbahnerstreik erhoben wurden, das geringste einzuwenden. Er habe nur geraten, nicht so unvorbereitet und ohne starke Organisation in eine solche Bewegung einzutreten. — Die Resolution Tomschik wird hierauf gegen die Stimmen der Franzosen angenommen. London, den 30. August 1313. In der Schlußsitzung des Kongresses berichtet zunächst D ö- ring- Berlin über die Arbeiten der Kommission, die eine neue Geschäftsordnung für die Kongresse auf Grund der Vorschläge des 'chwedischen Transportarbeiterverbandes aufzustellen hatte. Die Geschäftsordnung entspricht im allgemeinen den deutschen Gc- bräuchen, bei wichtigen Fragen sollen die Stimmen nach der Mit- gliederzahl der Organisationen gewertet werden, bei Beitrags- erhöhungen und finanziellen Fragen ist dagegen eine Abstimmung nach Nationen vorgesehen. Zur Abkürzung und Vereinfachung der Verhandlungen soll eine ständige ResolutionS-Kommission die vor- liegenden Anträge durcharbeiten und mit den Antragstellern ver- handeln.— Der Kongreß nimmt von der neuen Geschäftsordnung Kenntnis und überweist sie dem Zentralrat. Obligatorische Schiedsgerichte für ArbeitSstreitigkeiten. Heber diesen Punkt der Tagesordnung war Ben Tillet» England als Referent vorgesehen. Er ist bekanntlich einer der leb- haftesten Befürworter der obligatorischen Schiedsgerichte. Da er aber zunächst aufs Wort verzichtet, muß der Korreferent M ü l l e r- Deutschland(Seeleute) seinen gegensätzlichen Standpunkt entwickeln: Auf mehreren englischen Gewerkschafts- kongressen hat Ben Tillet die Einführung der obligatischen Schieds- gerichte empfohlen. Wir stehen dem Gedanken prinzipiell durchaus ablehnend gegenüber. Wir find der Meinung, daß die sreiorgani- 'ierte Arbeiterschaft der ganzen Welt, insbesondere der Transport- arbeiter, gar keine Ursache Haiben, diesen Vorschlägen zu folgen. Wir fordern uneingeschränktes freies Spiel der Kräfte. Im ökono- mischen Kampfe entscheiden nicht philantropische Allüren, sondern die realen Mächte, die sich mit ihm messen. Gerade wir Deutschen, die auf diesem Kongreß so heftig und ungerecht angegriffen wor- den sind, weil wir angeblich den Klassenkampf verleugnen und nicht genügend praktizieren, wir betonen hier scharf und prägnant den Klassenkampfcharakter der deutschen Gewerkschaftsbewegung. (Lebhafter Beifall.) Wir sehen in den obligatorischen Schieds- gerichten ein Danaergeschenk der Sozialreformer und klassenstaat- Mchcn Regierung. Ihnen ist es darum zu tun, den ökonomischen Kampf der Arbeiterklasse in Form des Streiks wenn nicht voll- tändig zu unterbinden, so doch erheblich zu dämpfen im Interesse des Kapitalismus.(Lebbafte Zustimmung.) Wir wollen aber nicht, daß die Entschlußfähigkeit der arbeitenden Klasse eingeengt wird. Der Selbsterhaltungstrieb der bürgerlichen Gesellschaft und die Notwendigkeit weiterer industrieller EntWickelung zwingt sie dazu, den Arbeitern bei ihrer Bedeutung im sozialen Leben gewisse Rechte zu konzedieren; aber bei der Ausübung dieser Rechte werden ihnen Schwierigkeiten gemacht. Das obligatorische Schiedsgerichts. verfahren und die obligatorische Entscheidung in Arbeitsstreitig- ketten durch die Schiedsgerichte, wie sie Italien und Kanada haben, bedeutet die Lahmlegung der organisierten Arbeiterschaft. Sie sind eine Art spanischer Stiefel, in die man das Koalitionsrecht ein- chnürt(Lebhafte Zustimmung.), und dienen als philantropischeS Näntelchen, um reaktionäre Pläne zu verdecken. Das uneinge- chränkte wirtschaftliche SelbstHestimmungSrecht muh auch den in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeitern gewahrt bleiben und wir erheben entschieden Verwahrung dagegen, es durch Zwangsschiedsgerichte zu unterbinden. Die Zwangsschiedsgerichte fällen häufig Entscheidungen durchaus einseitiger Natur, denen sich die Arbeiter- koalitionen zu unterwerfen haben. Fügen sich diese nicht, so wer- den die allerschwcrsten Strafen über sie verhängt. So erweisen ich Zwangsschiedsgerichte als eine Art ständiger staatlicher Kon- trolle über die wirtschaftlichen Aktionen der Arbeiterklasse. Anders teht es mit den paritätischen Schlichtungskommissionen. Sie haben bei großen wirtschaftlichen Kämpfen auch der Transportarbeiter ihre Wirkung entfaltet. In Deutschland, in Oesterreich, besonders aber in England. Dort hat Lloyd George wiederholt die Ein- etzung paritätischer Schlichtungskommissionen angeregt. Gegen ie haben wir prinzipiell nichts einzuwenden, auch nichts dagegen, »aß den staatlichen Organisationen ein« bestimmte Mitwirkung«,n- ;eräumt wird. Die VermittelugSaktionen sind in wirtschaftlichen Kämpfen unter Umständen zu begrüßen; immer aber muß dl« Eni. cheidungsfreiheit der Arbeiter gewahrt bleiben. Die selbstverstand- lich« Voraussetzung für uns ist die Wahrung der Paritat und des uneingeschränkten Wahlrechts für die Vertretung«n den Schi ich. tungSkommissionen. Gegenüber dem sogenannten unpartell;chen Schiedsrichter, den die Regierung ernennt, muß den Parte, en das AblehnungS. und Beanstandungsrecht gesichert bleiben. Hauftg genug haben Regierungen auf Anträge der Scharfmacher reaktio- näre verstaubte Beamte als Vorsitzende dieser Kommlssion ein- gesetzt, die dann auS Voreingenommenheit oder foztaler IXnlennhtis gegen die Arbeiter entschieden haben. Die Gewerkschaftspresse täte gut, wenn sie sich mit all diesen Fragen eingehend beschäftigen wollte; denn die Vorschläge auf Einsetzung obligatorischer SchiedS- gerichte mehren sich von Jahr zu Jahr. Die einen versuchen, uns mit der Peitsche zu süchtigen und uns daS KoalltionSrccht zu rauben, die anderen wieder versuchen, uns mit dem Zuckerbrot der obligatorischen Schiedsgerichte einzufangen. Gegen alle diese Ver- suche wappnen wir unS, wenn wir für straffe und starke Organi- sationen sorgen, die allein den Erfolg im Kampfe verbürgen.(Stür- Mischer Beifall.)— Redner schlägt folgende Resolution vor: „Im ökonomischen Klassenkamps des Proletariats gegen das Unternehmertum als seinen Ausbeuter und Unterdrücker ent- scheiden die realen Machtverhältnisse über Erfolg und Ausgang der jeweiligen wirtschaftlichen Aktionen hüben wie drüben. Die höchste und sicherste Garantie für den Erfolg des proletarisch- wirtschaftlichen Kampfes für die Arbeiter liegt in der Organi- sation und solidarischen Machtentsaltung unter Berücksichtigung der Chancen und einer den jeweiligen Verhältnissen angepaßten Taktik im Kampfe. Ein freies Koalitions- und Streikrecht ist die fundamentalste Forderung aller im Handels, Transport- und Verkehrsgewerbe zu Waffer und zu Lande tätigen Arbeiter. Die normale Schlichtung und Erledigung von wirtschaftlichen und sozialen Arbeitsstreitigkeiten zwischen Arbeitern und Unter- nehmern bedingt die Anerkennung und die Respektierung der beiderseitigen Organisationen. Im wirtschaftlichen Kampfe stehen sich in der Regel Arbeiter- und Unternehmerkoalitionen gegen- über. Es entspricht deshalb auch dem Allgemeininteresse, wenn die beiderseitigen Kampfobjekte durch Verhandlungen von Orga- nisation zu Organisation ihre Erledigung finden, einerlei, ob es sich um private oder öffentliche Unternehmungen handelt. Von diesen gewerkschaftlichen und sozialfortschrittlichen Grund- anschauungen ausgehend, kann der achte im August 1313 in London tagende Internationale Transportarbeiterkongretz die Notwendigkeit obligatorischer Schiedsgerichte für Arbeitsstreitig» ketten mit Zwangsverfahren und Exekutivgewalt nicht aner- kennen. Namentlich dann nicht, wenn ihr Aufbau und Verfahren die Aktions- und Beschlußfreiheit der organisierten Parteien illusorisch macht oder wesentlich einschränkt. Der Kongreß ver. wirst obligatorische Schiedsgerichte dieser Art, erkennt aber die Zweckmäßigkeit paritätischer Schlichtungskommissionen für Ar- beitsstreitigkeiten an. Er erkennt unter bestimmten Voraus- setzungen auch die zweckmäßige Mitwirkung behördlicher Organe bei den Verhandlungen und Entschließungen solcher Schlichtungs- kommissionen an.— Im übrigen stellt der Kongreß für diese Schlichtungskommissionen folgende Grundsätze auf: a) Ihre Tätigkeit soll eine ausgleichende und schlichtende sein, b) Ihre Entschließungen sollen für die Parteien nicht unter allen Um- ständen bindend sein, c) Die Aktions- und Entschlußfreiheit der Parteien darf durch diese Entschließung nicht eingeschränkt werden, ä) Bei der Zusammensetzung dieser Schlichtungsiom- Missionen muß die strengste Parität gewährt und für die Dcle- gationen das freieste Wahlrecht den Organisationen der Parteien gewahrt werden, e) Den etwa zu ernennenden behördlichen Ver- tretern gegenüber müßten sich die Organisationen der Parteien das BeanstandungS- bezw. Ablehnungsrecht in jedem Falle vor- behalten" Ben Tillet- England erklärt, daß er mit� vielem einverstanden sei, was Müller gesagt hätte. Aber die Resolution enthalte Gemeinplätze. Internationale Regeln ließen sich in dieser Frage überhaupt nicht aufstellen. Er stellt folgenden Gegenantrag: „Der Kongreß ist der Meinung, daß alle Fragen, die sich auf Tarifverträge, das Schlichtungsverfahren und obligatorische Schiedsgerichte beziehen, den einzelnen Ländern zur Beschluß- fassung überlassen bleiben müssen. Der Kongreß kann die Ver- antwortung und Autorität für sich übernehmen, die Frage des konkreten Arbeitsrechtes zwischen Unternehmern und Arbeitern jn den einzelnen Ländern von sich aus zu regeln. Er beauftragt den Zentralrat, sich über die Formen und die Besonderheiten der bestehenden Tarifverträge, des Schlichtungsverfahrens und der Schiedsgerichte in allen Ländern zu informieren und das Er- gebnis dem nächsten Kongreß vorzulegen." Die ganze Richtung der wirtschaftlichen und politischen Eni- Wickelung bewege sich im Sinne einer immer stärkeren Verpflich- tung zur Annahme der Schiedsgerichte. Dringen die Albeiter auf ihre Einführung, so können sie günstigere Bedingungen erzielen, als wenn sie von den Vorschlägen der Regierung sich überraschen lassen. Die Tendenz dieser Schiedsgerichte sei an sich nicht gefähr- lich, es komme auf ihre Gestaltung an. Die australischen Arbeiter seien durchaus nicht gegen das Prinzip der Schiedsgerichte. Der Widerspruch der dortigen Gewerkschaften richte sich vielmehr nur gegen die Art, wie die Schiedsgerichte eingerichtet sind. In einer Urabstimmung würden die australischen Arbeiter sich mit riesiger Majorität für die obligatorischen Schiedsgerichte entscheiden. Die Arbeiter leben innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und alle Reform müßte sich auf diesem Boden bewegen. Die freien Tarifverträge seien für die Arbeiter häufig viel nachteiliger als die Schiedsgerichte. Auch die Gewerkschaften seien nur ein Rad im Betriebe der Wirtschaftsordnung, die auf dem Gesetz der Lohn- klaverei aufgebaut sei. Es werde sich immer nur um die Frage handeln, in welcher Form die Mhängigkeit der Arbeiter sich min- dern lasse, und sie seien weniger abhängig, wenn die Regierung sich «inmische, als wenn sie direkt von den Unternehmern abhangen. Der erzieherische Zweck der Gewerkschaftsbewegung, nämlich die Aufklärung der Arbeiter von der Tatsache der Klassenabhängigkeit läßt sich beim Vorhandensein von staatlichen Schiedsgerichten besser erfüllen weil diese Abhängigkeit den Arbeitern dann deutlicher zum Bewußtsein komme. Redner schließt: Ich bin ebenso sehr gegen die obligatorischen Schiedsgerichte wie gegen das kapitalistische System überhaupt, aber im Rahmen der kapitalistischen Wirtschafts- weise sind die Schiedsgerichte besser als die Tarifverträge.� Die italienische Delegation beantragt: Der Kongreß spricht sich prinzipiell gegen die obligatorischen Schiedsgerichte aus, beauftragt aber den Zentralrat, die Frage zu studieren und dem nächsten Kon- aresi zu unterbreiten. V a n d e n B e r g(holländischer Syndikalist) dankt Müller für eine prinzipielle Rede und schlicht sich ihm an. Im Klassenkampf ei bloß die Machtfrage entscheidend. Die obligatomichen SchiedS- gerichte sind bloß Zuckerbrot mit Zyankali(Heiterkeit.) Wilsan-England(Seeleute) ist auf mehreren Gewerk- chastskongressen gegen die Anträge Ben TilletS aufgetreten. Ein mnfmonatiger Aufenthalt in Australien und Neuseeland aber hat ihm gezeigt, daß die australischen Arbeiter nicht gegen daS System an sich seien, sondern nur mit manchen Schiedssprüchen nicht einverstanden wären. Es läge jedoch kein Anlaß vor für die Arbeiter, für die Einsetzung obligatorischer Schiedsgerichte zu wir- ken. Die ganze Frage solle ruhig jeder Nationalität überlassen werden. Gu i n ch a rd- Paris schließt sich Müller an. Alle franzost- chen Nationalkongresse haben sich gegen die Schiedsgerichte erklart. Sie gesellen zur Macht des Unternehmertums die Macht de? Staates und unterbinden den Kampfgeist der Gewerkschasten. Müller stellt im Schlußwort fest, dasi die uberwiegende Mehrheit des Kongresses die Schiedsgerichte verwerfe. Die J.T.F. habe aber kein Interesse daran, irgendeine Landesorganisation zu majorisieren. Der Zentralrat schlage daher vor, von einer Ab- timmung über sämtliche Resolutionen abzusehen und weitere Studien der Frage in Aussicht zu nehmen. Der Kongreß schließt sich dem Vorschlag Müllers einmüttg cm. In die Rcorganisationskommisst-«. werden gewählt: Tom. chik für Oesterreick und die Schweiz. C i a rd i für Italien. Lindley für Skandinavien und Finnland. Williams für England, Mahlmaun für Belgien und Holland. Vingaud für Frankreick und D r e h e r für Deutschland. Alz internationaler Sekretär wird Jochade einstimmig �wiedergewählt. Auf Vor- nn, sDoring, w-V'xr' Als Ort des nächsten Kongresses wird Zürich gewählt. Die englische Delegation schlägt folgende Resolution vor: „Der Kongreß druckt seine Entrüstung über die Tat der bri- tischen Regierung auS, die die Auslieferung des Redakteurs deS Organs der russischen Seeleute Adamowitsch in die Hand« der russischen Autokratie zugelassen hat und sieht darin eine flagrante Verletzung deS britischen Asylrechtes. Er fordert den britischen Gewerkschaftskongreß auf. von der Regierung mit allem Nach- druck zu verlangen, daß sie für eine öffentliche Gerichtsverhandl lung gegen Adamowitsch unter Wahrung aller Rechtsgarantien forgt." Die Resolution wird einstimmig angenommen und soll von Williams dem britischen Gewerkschaftskongreß vorgelegt werden. Eine Resolution der Italiener, die die Einführung des Espe ranto als Verhandlungssprache und die internationale Agitation für ein System zum automatischen Verschluß der Eisenbahnwagen verlangt, das von einem Mitglied des italienischen Eisenbahner- Verbandes erfunden ist. wird dem Zentralrat überwiesen. Die norwegischen Seeleute machen darauf aufmerksam, daß dch norwegische Regierung schon für. die nächste Zeit die gesetzliche Auf- hckbung des Streikrechts für die Transportarbeiter plant und er- suchen um Unterstützung, falls sie das Gesetz mit einem General- streik bekämpfen müssen. Auch diese Frage wird dem Zentralrat überwiesen, Damit sind die Arbeiten des Kongresses erledigt. Fünfter Uerbandstng der Klumenarbeiter und-Arbeiterinnen Aevtschlands. Neustadt, 31. August. In Neustadt, einem Hauptfitze der Blumenindustrie, trat heute morgen der fünfte Verbandstag der Blumenarbeiter und-Arbeite� rinnen zusammen. Es sind außer 11 Delegierten/, Uhr. «gl. Schauspielhaus. Der Barbier von Sevilla. Deutsches. Der blaue Bogel. Ansang 8 Ubr. «gl. Opernhaus. Der grohe König. Urania. Mit dem Imperator nach New Vorl. «ammerspiele. Benezian. Nacht. Die Stärkere. Kleines. In Ewigkeit Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Berriac. Deutsches Schauspielhaus. Sieben tolle Tage. Schiller tt. HasemannS Töchter. Schiller Charlottenburg. Am Tage des Gerichts. Berliner. Filmzauber. Thalia. Puppchen. Theater am Nollendorfplah. Die Kino-Königin. Königgrätzer Strafte. Das Buch einer Frau. Kasino. Der Akticntenor oder Caruso aus Teilung. Trianon. Der abgerissene Glocken- zug. Untren. Herrnfeld. Endlich allein. Die Schonzeit-Jäger. Deutsches Opernhaus. Die Königin von Saba. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshalle«. Stettiner Sänger. Anfang 8'/, Ubr. Komödienhans. Geschlossen. Lustspielhaus. So'n Windhund. Rose. Die Schiffbrüchigen. Luisen. Die Intrigantin. Refideuz. Die Frau Präsidentin. Folies Caprice. Die keusche Toinette. Schlafe Patent. Walhalla. Der Liebcsonkel. 8 Uhr: Sieben tolle Tage. Passage Panoptikum Die Offenbarungen der Iraummalerin Frau Assmann, d. Aufseh. d. wissensch. Kreise. AGA die schwebende Jungfrau. Buddha die geheimnisvolle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! Berliner Prater-Tlieater 7-9 Kastanien-Allee 7—9. OaF" Täglich: Johanniszauber. Oper.-Burleske in 3 Akt. v. W. Gericke. Musik von M. Schmidt. Erstklaff'. Spezialitäten, Konzert. Ans. 4'/, Uhr. Eintritt 30 Ps. Mudder Ansang 8'/, Uhr. ReueS Volkstheater. Mcws. Ansang 3 Uhr. Admiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—82 Behiiier-Tdealer DienStag, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: vis Ltütren der lZesellschalt. Donnerstag, abends 3 Uhr: VIe Stütren der(lesellscbait. Sehiller-Thealw 0.1S: Dienstag, abends 8 Uhr: llasemaims Töchter. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zloral. Donnerstag, abends 8 Uhr: und sein Ring. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. TiieateriiiiierüöDirätzerHe 8 Uhr: Das Such einer Frau. U Ensemble-Gastspiel des fieriiner IMropol-Ttieaters: Die Kino-Königin! Anfang 8 Uhr. 8\lt «'/. * Residenz-Theater• Die Frau Präsidentin. (Hadame la Presidente.) Schwank in 3 Akt. v. M. Hennequin und P. Yeber. Morgen u. folgende Tage; Die Frau Präsidentin. Montis Operetten-Theater Schiffbauerdamm 4a.(fr. Neues Th.) Gastspiel Julius Spielmann: Der lachende Ehemann. Ansang 8 Uhr._ Kose-Theatcr Tröffe Frankfurter Straffe 132. Zum l. Male: Die Schiffbrüchige«. Theaterstück in 3 Akten v. Bricux. Ansang 8'/« Uhr._ JÄetropl-Theater. In Borbereitung: Vi« Reise um die Erde in vierzig Tagen. Gr. Ausstattungsstück i. 22 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. \ Reiehshallen-Theater (Meysel, Britton, Schräder etc.) Neu engagiert: Komiker Bnselll. Anfang 8 Ihr. ZOOLOG ischer Garten Tliglich: Kilitär-Doppel- jionzert. Eintrittspreise: Zoo: 1 M., von 6 Uhr ab 50 Pf. Aguar.; lM.v.d.StraCe,0,50v.Zoo Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Xen! JVen l AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Voigt- Theater Badstrafte 38. Ab 1. bis inklusive 5. September wegen Renovierung geschlossen. VoUtsgsrten- Theater. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/25. Dienstag, 2. September 1313: Ein glücklicher Familienvater. Lustspiel in 3 Akten v. C. A. Görner. Dazu: Das neue Spezialitäten- Programm. Ansang 4 Uhr. Voranz. Donnerstag, 4. Sept.: Benefiz für Erw. Berkow, Ernst Loewe, Friedrich Haase, Willi Günther: Die lustigen Heidelberger. (Zu kleinen Preisen.) < Behveiier Garten> Am Priedrichshain 29/32. Heute Sonntag: Theater und Spezialitäten. Ansang 4 Uhr. Entree 30 Ps. CasinosTheater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Bcrl. Possenschlager: „Bös Aktien-Tenor oder Caruso auf Teilung". Admiralspalast Ein«. Eispalast der Welt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt. Allabendlich Flirt in St. Moritz. Beginn d. Vorstellung ff.9 Uhr, Bis 6 Uhr und von lO»/. Uhr halbe Kassenpreise. Folies Caprice. Heute Premiere! Original-Folios Caprice- Ensemble. Kitter Baldrian. Das Adoptivkind. Die HlUgcburt. Anfang 8ff, Uhr. Vereinlgfe Berliner Volksbühnen. Enlsen-Theater. 8ff. Uhr: Die Intrigantin. tadjoufp. in 6 Bildern v. E. Ritterseldt. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Trisnon-Tbeater. abenMmr: UnRNVU. Vorher: 0er abgerissene Glockenzug. Walhalla-Theater. Täglich 8ff4 Uhr: Ter Ltcbesonkel. Posse mit Gesang und Tanz. Musik von Walter Kollo. Heines Werke . 3 Vände 4 Mark. Buchhandlung Vorwärts Spezialai*zt für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata Blutuntersuchung.* Sehnelle, sieh. Heilung. MäOige Preise. Dr. med. WockenfnB, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor) 8—9, 12—2, 6-8, Sonnt. 8— ff,10. Potsdamer Str. 4(Potsdamer Platz) Spr. 10— 11, 4—5, Sonnt. 10—11. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin. Morgen Mittwoch, den 3. September 1913, abends fc*1/, Uhr: Bertranensmänner-Versammlungen der Bezirke und Branchen. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmanns. 2. Bericht der Werkstatt- Vertrauensleute. 3. Verbandsangelegenheiten. Jede Werkstatt must vertreten sei«. Mitgliedsbuch und Vertrauensmäunerkarte legitimiert. Versammlungslokale: FkOrbmacber bei Krause, Muskauer Str. 20. ßürrtcntnachcr Bei Preis,. HolzmarNftr. 65. perlinutt-, Dorn- u. Stdnnußarbdtcr um Oilcbler. Südwesten und Westen: in Habels Brauerei, Bergmannftr. 5/7. ffitiden: bei Gliesing, Wassertorstr. 68. Slidesten I u. II: im Lokal Südost, Waldemarstr. 75. Osten I: bei Kluge, Langeitr. 53.— Zu dieser Versammlung sind die Kollegen der Werkstatt Viere besonders eingeladen. Osten II: bei Huth, Warschauer Str. 61. Osten IH: bei Bergmann, Boxhagencr Str. 26. Oestllche Vororte: bei W. Schulz, Lichtenberg. Kronprinzen« straffe 47, Ecke«charnwcbcrstraffc. Nordosten: bei Merkmann, Gr. Frankfurter Str. 16. Dosenthaler und Schttnhanscr Torstadt: bei Obiglo, Schwedter Straffe 23. Wedding und Iloablt: bei Kaczarowski. Ravenöftr. 6. Wclßcnscc: im Prälaten, LeHberstr. 122. Abends 5ffs Uhr. Kcnkölln: im Ideal-Kasino, Weichselstr. 8. Schlineherg: um 5ff, Uhr bei Winkel, Meininger Str. 8. Chart Ottenburg: bei Thnnack, Wiclandstr. 4. l�Ucbetimöbdb'rANCbe Bei Knörig, An der Stralauer Brücke 3. ßautilcblei'. Bezirk 1: Südwesten, Süden, Südosten bei Grafthoff, Admiralftr. 18c. Bezirk L: Osten bei Bratner, Weidenweg 85. Bezirk 3: Vörden und nördliche Vororte bei Gliesche, Kopcnhagencr Str. 74. Bezirk>4: Gesundbrunnen, Wedding und Moabit bei Sachse, Lindower Str. 26. Bezirk 5: Venkölln bei Schenk, Rosenstr. 24. stlöbel- u. StublpoUercr sowie)Magazinarbdtcr Osten; bei Boeker, Weberstr. 17. Südosten: im Märkischen Hof, Admiralftr. 18c. Vörden: bei Günther, Brunnenstr. 36. DrecbTlef, Crcppeugdändcr- und Luxusmöbelbranche. Vörden bei Döhling. Brunnenstr. 73. Osten bei Rosin, Gubener Str. 13. Südosten und Südwesten bei TininS, Ritterstr. 123. Die Vertrauensleute aus den Lurusmöbclwcrkftätten gehen nach den Versammlungen der zuständigen Tischlerbezirke. JVIafchmenarbdter abends 8 Uhr Bei Boeker, Weberstr. 17. emsetzer im Gewertschaftshausc, Engeluser 14/15, Saal 3. Modelltischler abends 8 Uhr bei Waldt, Pstugstr. 5. Stellmacher bei Hummel. SopHienstr. 5. �alOUftCarbcitCr abends 81/, Uhr bei Walter, Adalbertftr. 62. Kifta,- und Koffernlacher ÄtfeifÄ 88/4 6 Uhr bei Ernst Thomas, Melchiorstr. 5. BUdcrrahmemnacher um e Uhr Bei Wählisch. Skalitzcrstr. 22. Bodenleger im Gewerkschaftshanse, Engeluser 14/15, Saal 2, 3 Uhr. Vergolder im Luisenstäbtischen Kasino, Oranienstr. 180. Kammacher abds. 8 Uhr in Hermels BereinShanS, Holzmarktstr.21. Sargtischler abends 7 Uhr bei Kuhn, Petersburger Str. 84. stloddl- u. fabrihtischlcr abds. 8 Uhr, bei Waldt. Pstugstr.. 5. In dieser Versammlung werden die Fragebogen zur Jahresstatistik aus- gegeben. Jede Werkstatt muff vertreten sein. Musikinstrumenten- Arbeiter?chäftsh°«s)'S7°l�"'' Dienstag, den 2. September: Stockarbeiter abds. 6Uhr inHermels Bereinshaus,HoIzmarltftr.21 Donnerstag, den 4. September, abends 8 Uhr: Laden- und Kontormöbelbranche bei Hermel, Holzmarltftr. 21. Versammlung der Bertrauenslente und der Delegierten zur Generatversamm lung. Bezirk Ober-Schöneweide. Dienstag, den 2. September, im Lokal von Warnecke» Wilhelminenhofftr. 18: Mitglirder-Dersammlung Tagesordnung: 1. Bericht von der General-Bersammlnng. 2. Verbandsangelegenheiten. Charlottenburg. Donnerstag, den 4. September: Mitglieder- Versammlung im Bolkshaus, Rofinenstr. 3. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Ausstellung der Vertreter zu den Krankeulasseu Charlottenburgs. 3. Verbandsangelegenhetten. Die Ortsverwaltnng. DeilWr Trinspsrllirbeiter- Derbiiild. Bezlrksverwaltnng GroS-Berlln. Mitglieder des Deutschen Transpurtarbeilkr-Verbandes aus sämtl. Drauereitn und Niederlagen Sellins n. Nmg.! Donnerstag» den 4. September, abends 7V, Uhr, im Gewerkschaftshans, Engelufer 15, Saal 4: Mitglieder-Versammlung mit Frauen. Tagesordnung: „Mas will die Volksfürforgc Brancheuangelegenheite«. 67/18 Kollegen I Die Wichttglett der Tagesordnung erfordert das Erscheinen sämtlicher Kollegen mit. ihren Frauen. Die Branchenleltnng. r.MMm» Donnerstag, den 4. September, abends 8'/- Uhr, in den„Oranienburger Festsälen", Chausseestraße 16: lZrolie ossenli.VersAMmiimg i. Nißßäude in dtt Serliuer" Milchprodllktian. Referent: Redakteur Erltz EaaL-Berlin. 2. Freie Aussprache. Mit den Miffständen in der Berliner Milchproduktion, das heifft mit den erbärmlichen Wohnungs« und Arbeitsverhältnissen der Melker hat sich in der letzten Zeit die Tagespresse lebhaft beichaitigi. In der obigen Versammlung sollen diese Zustande weiter besprochen werden und find dazu alle Melier und Schweizer von Groff-Berlin sowie sonstig« Jntereffenten freundlichst eingeladen. 283/16 Di« Ortsgruppe Berlin des Deutschen Landarbeiter-BerbandeS. Steinarbeiter. Mittwoch, den 3. September 1913, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59; Kombinierte Versammlung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Banarbeiterschuft.Kongreft. 2. Stellungnahme zur Errichtung von Zlgitattonsbezirken. 3. Verschiedenes. Die„Steinarbeittr"-Adressen für das nächste WM» Quartal mnfscn bis Ist.Sept. abgegeben werden. 171/17» Die Ortsverwaltnng Lei KergstlsooLtl-cher�Me�lieur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für dcq Jnseralenteil verantto.: TH.Glocke.Berlrn. Drucku.«erlagiLorwärt, wurden zllln/enlie Erkolße er-ielt mitz meinem gesetzlich geschützten Oeradehalter-Apparat Original- System„Haas" 10 Auszeichnungen, u. a. auf dem 10. Aerztekongreß in Lemberg und der Internat. Hygiene- Ausstellung in Dresden. Soeben preisgekrönt auf dem 17. Intern. Aerztekongreß in London 1913. Dauernde Regulierung de* Apparat" kostenlos! Eeichillustiierte Broschüre gratis. Franz Menzel, BerlinW. 35. Schöneberger Ufer 23. Vor Vachahmnngen, die unter ähnlich lautenden Firmen angeboten werden, wird dringend gewarnt. Hur die Firma Frau« mfazel liefert die weltberühmten Orininal-. Hass'-Apparale, 2o6/13» Ißudjbtuderet#. LerlagSunstalt Paul Singer«.To., Berlin SM Ar. 227. 30. Jahrgang. 2. Itilogt ks Jorniirtö" KM» KckslilM Dienstag, 2. Zeptember 1913. Sie Gemeindewäblerlitte. Das Interesse an der Gemeindewählerliste ist mit den Jahren gestiegen. Immer mehr Wähler erkennen die Notwendigkeit an, die Liften einzusehen, die alljährlich in der Zeit vom IS. bis 30. Juli zur össir.mchen Einsicht ausliegen. Während im Jahre IVOS es 21 314 Personen für notwendig hielten, die Listen einzusehen, war die Zahl im Jahre 1Z11 bereits auf 77 785 gestiegen. Diesmal— im Jahre 1913— haben 82 116 Personen die Wählerlisten ein- gesehen. Gegen die Richtigkeit der Wählerliste sind 2 302 Anträge eingereicht worden. Die Stadtverordnetenversammlung hat nun die Ausgabe, zu prüfen, inwieweit die Anträge berechtigt sind oder nicht. Nach den Aufzeichnungen des städtischen Wahlbureaus sind 919 Antragsteller deshalb nicht in die Wählerlisten eingetragen, weil sie als Steuerrestanten gemeldet sind. Nach der Städteordnung sind aber nur Personen wahlberechtigt, die ihre Steuern entrichtet haben. Dieser Begriff ist nicht ganz klar; insbesondere bestehen Meinungs- verschiedg�heilen über die Zeitdauer der Steuerzahlung. Gewöhnlich wird aber ein volles Jahr gerechnet. Es ist zweifellos, datz die große Arbeitslosigkeit zu einem erheblichen Teile der Grund für die Nichtzahlung der Steuern ist. Unsere Stenerverwaltung arbeitet aber recht langsam, wenn es gilt, Anträge auf Herabsetzung oder Erlaß von Steuern zu erledigen; schneller geht es schon, den Bürgern das Wahlrecht zu nehmen. ist anzunehmen, daß von den 919 wegen Steuerrückständen gestrichenenen Personen eine ganze Anzahl noch Aus- nähme in die Liste finden werden, wenn sie bis zur Prüfung der Einsprüche ihre Steuern entrichtet haben. 247 Antragsteller sind deshalb nicht in d�r Wählerliste, weil sie als Schlaf- b u r s ch e n gemeldet sind. Chambregarnisten sind zur Stadt- verordnetenwahl wahlberechtigt, Schlafburschen dagegen nicht. Wegen der sogenannten Krankenhauspflege haben 17S Antragsteller in die Wählerliste nicht aufgenommen werden können. Dieser Grund ist ein recht eigenartiger. Wenn jemand Angehörige in einem Krankenhause hat unterbringen müssen und er ist nicht in der Lage, die aufgelaufenen Kosten sofort auf einem Brett hin- legen zu können— und welcher Arbeiter kann das— so wird ihm das Wahlrecht auf ein Jahr genommen selbst dann, wenn der Ar- beiter die Kosten ratenweise zahlt, wie das in Berlin bekanntlich recht häufig geschieht. Ein größeres Unrecht ist kaum denkbar. Der Reichstag hat deshalb auch beschlossen, daß Krankenhauskosten keine Einwirkung auf das ReichStagSwahlrecht ausüben; er ersuchte die Einzelstaaten, gleiche Bestimmungen auch für das Wahlrecht zum Landtag und für die Kommunen zu treffen. Eine ganze Reihe von Einzelstaaten ist diesem Ersuchen nachgekommen, nur in Preußen ruht diese Angelegenheit seit Jahren in der sog. Gemeindekommission. Es dürfte höchste Zeit sein, daß auch Preußen auf diesem Gebiete vorwärts geht. Bis dahin bleibt nichts anderes übrig, daß auch die Stadt Berlin einen Fonds schafft, aus dem diese Krankenhauskosten vorschußweise gezahlt werden, um den Bürgern das Wahlrecht zu er- halten, trotz eine? bestehenden Urteils des Obcrverwaltungsgerichts. Verschiedene Städte sind nach dieser Richtung weiter gegangen. 65 Antragsteller stehen nicht in der Liste, weil sie Extraunter- stlltzung erhalten haben, ebenfalls ein bitteres Unrecht, das durch das geplante Gesetz beseitigt werden soll. 107 Personen sollen keine Preußen sein, 196 sind nach den Angaben des Wahlbureaus noch kein Jahr in Berlin, 42 sind mit einem Einkommen von unter 660 M. veranlagt und deshalb nicht wahlberechtigt. 114 Antrag steller sind irrlümlich nicht eingetragen. Dann kommen Personen, bei denen mehrere Gründe zugleich zutreffen sollen, sie sind teils Steuerrestanten, durch Krankenhauspflege unterstützt, noch nicht ein Jahr in Berlin usw. 102 Personen sind bereits eingetragen, anscheinend haben die Beamten die Leute beim Nachsehen in die Liste nicht gefunden. 70 Anträge beziehen sich auf Wohnungs- und Standesberichti- gungen und ist denselben sofort entsprochen worden. Man sieht also schon heute, wie notwendig die Einsichtnahme in die Wählerliste war. Einer ganzen Reihe von Anträgen dürfte die Stadtverordnetenversammlung noch stattgeben. Partei- Angelegenheiten. Ergebnis der Nrwahl im vierten Wahlkreis. Am Sonntag fand im vierten Wahlkreise die Ur abstimmung für die Delegierten zum Parteitag nach Jena statt. An der Wahl beteiligten sich 4256 Mitglieder. AlS Dele- gierte wurden gewählt: Ad. Hoffmann(3633 Stimmen), P. Hoffmann(2674), C. Melle(2426), Frau Fahrcnwald (2180), C. Klingler(2146), Ch. Gutekunst(1731 Stimmen). Außerdem erhielten Stimmen: P. Kockers 1659, R. Schnial- dach 1510, P. Littauer 14W3, P. Neue 1381, Frau Demmning 1308, A. Wieloch 1222 und Frau Wengels 1086 Stimmen. Neukölln. Heute abend findet bei Bartsch. Hermannstraße 49, eine außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht der Stadtverordnetenfraltion und Auf- stellung des Stadtverordnetenkandidaten für die zweite Klasse im 2. Bezirk. Ani Mittwoch, den 3. September, abends S'/a Uhr, spricht in einer öffentlichen Versammlung bei Bartsch, Hcrmannsiraße 49, der .Volkswachl"-Redaktenr, Genosse Hoffmann-Bielefeld, über: Disziplin und Takük. Maricndorf. Der Vortragszyklus über die EntwickelungSstufen des Wirtschaslslebens kann umständehalber nicht stattfinden. Die schon gekauften Billetts werden an den entnommenen Stellen zurück- genommen. Bohnsdorf(Grünau). Heute Dienstag, den 2. September, abends 8V2 Uhr: Außerordentliche Generalversammlung des Wahl- Vereins in der„Villa Kahl" sJnhaber Bakofzer), Rtedelstraße 3. 1. Wahl des ersten Vorsitzenden und der Revisoren. 2. Vereins- angelegenheiten. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Potsdam. Morgen, Mittwochabend 8Vz Uhr, bei Hausmann: Wahlvereinsversammlung. Auf der Tagesordnung steht unter anderem ein Vortrag des Genossen Groger über„Kommunale Angelegenheiten"._ berliner rtocbricbten. Flieger über Berlin. Die Begeisterung für die Zeppeline hat ungeachtet aller Anerkennung der Verdienste des Namensgebers und mancher seiner Nachahmer mn großes Loch bekommen. Der� erste Sturm, der erste Jubel, gemischt init patriotischem Hurra- gebrüll, dos sich auch an die weltbedeutcndsten Erfindungen zum Zwecke des Massenmordes aus der Luft heranmacht, ist verrauscht. Wo im deutschen Reiche ein Lenkbarer zum ersten Male auftaucht und seine Kreise zieht, klettern wohl Tausende noch immer auf die Dächer und sind ganz aus dem Häuschen, aber in Groß-Berljn ist der lenkbare Luftballon zum stereo- i hinfort typen Anblick geworden. Man sieht in die Höhe, bleibt einige Sekunden stehen— länger vermag ein Luftschiff die allge- meine Aufmerksamkeit kaum mehr zu fesseln. Tie Macht der Gewohnheit hat ihr Recht angetreten. Ailders steht es mit der Flugmaschine. Das ist noch immerhin Neuland, reizt das Publikum durch die Gefahr, durch die vielen Todesstiirze, auch durch ein ungleich grandioseres Bild, wenn ein Dutzend und mehr Flieger sich zur selben Zeit auf engem Räume in die Lüfte wagen und wie Rwsentauben' umherschwirren. Das Interesse an diesem Flugsport hat sich trotz aller niit Men- schenleben bezahlter Lehrgelder nicht vermindert, hat sich stetig erhöht. Es ist um so größer geworden, als Herr von Jagow, unser verehrter Polizeipräsident, der überall dabei sein mutz, auch in den Fliegersport seine gebietende Hand hineinsteckte. Noch heute besteht das Polizeiverbot, daß Flieger das Ber- liner Weichbild bei Strafe von huirdert Mark für die einzelne Uebertretung zu meiden haben. Die Flieger kehren sich nicht viel daran. Der Wagemut des Sportsmannes, die häufige technische Notwendigkeit, Häuser zu überfliegen, läßt sich von Verfügungen, die am grünen Tisch geboren werden, nicht auf- holten. So muß die Polizei, die den Luftschutzmann noch nicht hat, einstweilen beide Augen zudrücken, weil der Herr Präsident wieder mal zu schwarz gesehen und zu grün ge- schrieben hat.„Da fliegt einer!" Aus Zehntausenden von Kehlen erschallt es jetzt bewundernd aus dem Berliner Häuser- meer fast schon jeden Tag. Fliegt der eiserne Vogel auch weit über tausend Meter hoch, man hört seinen Flügelschlag, der weit stärker ist als bei dem lenkbaren Luftballon, schon lange vorher und sucht den Himmel ab. Nur zu schnell ist das wunderbare Bild, das dem einzelnen Menschen die Luft erobert hat und das man stundenlang mit dem Auge fest- halten niöchte, entschwunden. Unbeirrt zieht der Luftpionier seine schnurgerade Bahn, unbeirrt um die lauernden Ge- fahren, um die blitzschnell einsetzenden Böen, um die ihn stau- nend verfolgenden Blicke der Millionenbevölkerung. Seine ehrliche Freude könnte man haben an diesem gewaltigen und rastlosen technischen Fortschritt der Menschheit, stände nicht gleich auch beim Flugsport wieder in erster Linie das Ge- schäft und die massenmordendc Kricgshydra. Der Flugsport ist leider schon zu stark in den Rachen des Molochs Militaris- mus hineingesegelt, und das bürgerliche Publikum gibt sich redliche Mühe, diese kostspieligen Bestrebungen, für die der deutsche Michel die Rechnung bezahlt, zu unterstützen. Para- sitengleich schießt es hoch, um einen �edlen Sport für eigen- nützige Zwecke einzelner oder des Staates auszuschlachten. Tie Berliner Anschlagsäulen zeigten ja jetzt tagelang, was möglich ist. Eine L u f t- I u g e n d w e h r, begründet von smarten Luftikussen, die darauf rechnen, sich zur Füllung ihrer Taschen an Behörden und hochgestellte Personen heran- zuschlängeln— das hat uns gerade noch gefehlt. Auch diese Mache ist nur die Quittung auf das widerlich eingerissene Patriotengeklingel... die Dummen werden ja nicht alle. Flugmanöver der Vögel kann man gegenwärtig wieder vielfach beobachten. Zum Abzug nach dem Süden werden jetzt die letzten Uebungen unternommen. Versammlungen in den sich bereits stark lichtenden Kronen der Bäume finden allmorgendlich statt. In denen geht es meist recht lärmend zu; einer sucht den anderen zu überzwitschern und zu über- piepen. Erst zeig �grossen Oberbettj Aufarbeiten von Betten und Bettfedern | Todes-Anzeigen| Sozialdemokratischer Wahlverein Li! Kerl. Reiehstapwahlkreis Am 28. August verstarb unser Genosse, der Arbeiter Otto pa�elsk! (Brüsseler Str. 23, Bez. 7k6u). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 2. September, nach. mittags 4'/. Uhr, von der Halle des städtischen FriedhoscS in der Müllerstrage, Ecke Seestrabe, aus statt. 223/20 Um rege BeteMgung ersucht O«»' Vorstand. yerbanddiemeinde-D. Staatsarb. Filiale GroB-Berlln. Unsere» Mitgliedern zur Nach- richt, dag der Kollege Otto Pawelski welcher im Betriebe der städtischen Gaswerke, 30. Nevierinspektion, beschästtgt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. tll! Die Bestattung findet am DienS. den 2. September, nach> jS 4'/, Uhr, vonder Leichenhalle des Gemeindc-Friedhoss, Ecke Müller« und Scestratze, aus statt. 35/3_ Die OrtSYerwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Yerhand. Bezirksverwaltung GroB-Beriin. Den Mitglledern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Geschäfts kutscher Karl prodnert am 31. August im Alter von 55 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Simeongemeindc, Mariendorscr Weg, au« statt. Um rege Beteiligung wird er- sucht. �tachnif. Am 16. August verstarb unser Mitglied, der Kassenbote August Papendiek im Alter von 60 Jahr«. Am 25. August verstarb unser Einkassicrer Kollege, der Otto Uektenberg im Aller von 34 Jahren. Am 29. August verstarb unser Kollege, der Btersahrer .Julius Wendland im Aller von 26 Jahren. Am 29. August verstarb unser Kollege, der Hausdiener Eirnst Petzold im Alter von 53 Jahren. Ehre ihrem Andenkeu: vi« Beairfcmrwattitiig. Sozialdemokratischer Wahiverein Neukölln. Am 29. August verstarb unser Parteigenosse Otto Lindenau Okcrstr. 36, 16. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heut, den 2. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeindc-FriedhoseS, Mariendorscr Weg, au« statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. Deutscher Hetailarheiter-Yerliand Verwaltungsstelle Berlin. Die Beerdigung deS Drehers Otto Undenau findet nicht um 5, sondern um 4 Uhr statt. 125/3 Die Ortsverwaltung. Allen Perwandlcn, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, dag mein lieber Mann und guter Vater üstrl Obst am Frcitagnachmiitag 5 Uhr nach kurzem, schwerem Leiden sanst ent schlafen ist.— Dies zeigt mit der BUte um stille Teilnahme an Harle Ob«t. geb. Lehrend nebst Tochter. Prinzen Allee 42/43. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags»/.4 Uhr, aus demSopbicn-Kirchhos, Freien- walder Strage. statt. 29a Mrai-kranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Ortsverwaltung Adlershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, dab der Kollege Heinricli Molitor am 29. August verstorben ist. Die Beerdigung findet heule Dienstag, nachmittags 6'/, Uhr, von der Halle deS hiesigen Fried- Hofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 258/17 Die Drtsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahiverein Kreis Niederbarnim. Bezirk Borsigwalde- Wittenau. Den Mitgliedern zur Nachricht, dab unsere Genossin frsu Klara Schweim Charlottenburger Str. 48 gestorben ist Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mit- woch, den 3. September, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Wittenaucr Friedhofes auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 241/3 Uder Voratand. Treffpunkt der Genossinnen und Genossen: 4 Uhr Reftaur. Straub. Wir sagen allen Beteiligten bei der Beerdigung unseres lieben VaterS Wilkelm OroK unseren herzlichsten Dank. 2037b !Dle trauernden Hinterbliebenen. Allen Bekannten und Freunden die traurige Nachricht, daß meine liebe, herzensgute Frau, unsere überaus gute Schwester und Taute Emilie Bartsch am Sonntagnachmiitag�nach langen Leiden entschlasen Im Namen der Hinterbliebenen Hermann Bartsch. iguöa: 3 mittag« 4l/i Uhr, vom Emmaus- Kirchhof auS. Wr Danksagung. die vielen Beweise her: . XMi. Teilnahme und die herrlichen jrranz .lichcr svenden bei der Beerdigung meines lte' leben Mannes, unseres guten Vaters Otto flitze sage ich allen Beteiligten, insbesondere dem Genossen Wurbs für die trost- reichen Worte, den Sängern, den Genossen des 18. Bezirk«, dem Deut- schen Mctallarbeiterverband, den Kollegen und Angestellten der Flexllt». werke, den Kollegen und Kolleginnen der Turbinensabrik-A.-G. und den Eisenkrrnmachern Berlins meinen herzlichsten Dank. 15A Martha Hitie nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher 'eilnahmc bei der Beerdigung meines Danksagung. Für die überaus zahlreichen Bc weise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, uniercs guten VaterS, Schwiegcr- und GrobvaterS Wilhelm Strahl sagen wir allen Beteiligten unseren Herzlichsten Dank. 46A Die trauernden Hinterbliebenen. Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts lilndenatr. 00. V/er erfindet? Erfindnnsreu werden xu hänfen gesucht! Anfr. und Ang.(auch Ideen) an Adolf Seng, Cassel 14 319. 209/17* Te lieben Mannes L4A Franz Drabe sage allen Beteiligten, insbesondere dem Deutschen Buchbinderverband sa wie der Ortskrankenkasse der Buch binder meinen herzlichsten Dank, Frau Marianne Drabe. 'fimw Zst-"1-4'' iii ..(3eORG a. JaSmai7; A.e AJEN <7/ DRESDEN:'rp~''■ tmtt GtoldUrvundlsli irui Hohlirtyrii�t.ilAch Kranzspenden sowie sämtliche Blumenarrangements liefert schnell und billig Hanl Bro»«. Lindenstr.69, Tel. 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