Ar. 230. kbomieMnk-veckwgungtn: NloimementS- Vreis pränumerando! 'Dierteljährl. 3,30 Mk, monatl. 1,10 Mk,, WSchcntlich 28 Pfg. frei in« HauS. Sinzeine Kummet 5 Pfg. Sonntag?- Nummer mit iüuitrirrtet Sonntag?« Seilaae.Die Neue äScIl* 10 SB fg. Post« tlbonnemmt: 1,10 Mar! pro Monat. Singetragen in die Post.Zeihing?. Prei?Iiste. Unter Kreuzband für Teutichland und Oesterreich. Ungarn ÄSO Marl, für da? übrige Ausland « Marl pro Monat. Postabonnement? nehmen an: Belgien, Dänemarl, nd. Italien. Luxemburg. Portugal. nänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die TnferflotiS'GeMIftr Sfhiigt für die sechsgespaltene Kolonel« zeile oder deren Raum W Pfg., für politische und gewerkschaftliche Berein?« und Bersammlungs-Anzeigen Zo Pfg. „Meine Uln-eig-n", da? settgedritckte Wort« Pfg.< zulässig 2 s-ttgedru-lt- Worte), ledes weitere Wort 10 Pfg Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen da? erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort? Pfg. Worte über ISBuch- i toben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittag? in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abend? geöffnet, . erschein,»glich. Vevlinev VolksblÄtk. Zelegramm. Adresse! „SözialdtinoHrat Rellin", Zentralorgati der fozialdeniokratt fchen Parte» Deutfdilands. Redaktion: 8Äl. 68, Lindcnstrassc 69 Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Sie kämpfe in Dublin. Dublin(Irland), 2. September. (Von unserem nach Dublin entsandten Korrespondenten.) Gleich bei der Ankunft in der irischen Hauptstadt merkt mam daß hier zurzeit der Polizeiknüppel regiert. Schon draußen an der Station sind die großen Plakate angeschlagen, auf denen die Regierung die Versammlung vom letzten Sonntag verbot. Alle hundert Schritte stehen Polizeiposten: ein könig- licher irischer Konstabler und ein Dubliner metropolitanischer Polizist. Offiziere dieser beiden Polizeiorganisationen reiten zu zweien durch die Straßen. Der Konstabler trägt einen Säbel, der Dubliner Polizist einen dicken Knüppel in einem ledernen Futteral. Es sind durchweg baumlange Kerle mit unbeweglichen Bauerngesichtcrn diese willigen Werkzeuge der englischen Fremdherrschaft und des irischen Kapitals. Man hat sie aus den rückständigsten Gegenden des Südens und Westens geholt und sie des Denkens und Fühlens ihrer Volksgenossen so entfremdet, daß sie sich mit den Herrschenden ganz eins fühlen und nur zu gern ihre schweren Knüppel auf die Köpfe der Dubliner Arbeiter niedersausen lassen. Was man sich hier von den Brutalitäten dieser Schergen erzählt, ist kaum glaublich. Nicht nur sind Sonnabend, Sonn- tag und gestern Männer, Frauen und Kinder unbarmherzig mit den Knüppeln niedergeschlagen worden; betrunkene Polt- zisten haben Männer und Frauen aus dem Arbeiterstande bis in die Wohnungen verfolgt und dort alles kurz und klein geschlagen. Das wurde mir von verschiedenen Frauen be- stätigt, die ich auf dem Platze vor dem Gefängnis an- traf, wo sie warteten, bis man sie hineinließ, um ihren verhasteten Männern das Mittagessen zu bringen. Ich sah dort ein altes Mütterchen, das die linke Hand ver- bunden hatte. Einer der uniformierten Rohlinge hatte ihr einen Schlag mit dem Knüppel versetzen wollen, den sie ab- tvehrte: alsdann hatte er ihr einen Schlag mit der Faust auf den Kopf versetzt. Weder Alter noch Jugend wurden von der wild gewordenen Polizei geschont. Mehrere hochangesehene Bürger der Stadt bestätigen heute in der Presse folgenden Fall: Ein Trupp Polizisten wurde von einem Leutnant der Feuerwehr auf der Straße als„dreckige Schweine" bezeichnet. Dafür rächten sie sich an einem jungen Burschen, der vor ihnen die Flucht er- griff. Einer der Polizisten holte ihn ein und versetzte ihm einen so furchtbaren Faustschlag ins Gesicht, daß er blut- überströmt und besinnungslos klatschend zu Boden fiel. Die Zeugen dieser rohen Tat glaubten, der Bursche sei tot, und bemühten sich um ihn. So gelang es den Polizisten, un- erkannt zu verschwinden. Heute haben mehrere Bürger eine Belohnung für die Entdeckung des Täters ausgesetzt. Nicht allein die Dubliner Arbeiterschaft, sondern auch das Bürgertum ist über die Roheitsorgien der Polizei aufs tiefste empört. Gestern nahm der Gemeinderat auf Anregung des Bürgermeisters eine Resolution an, in der die Regierung auf- efordert wird, sofort eine öffentliche Untersuchung über das erhalten der Polizei anzuordnen. Er drohte, er werde selbst eine Untersuchung abhalten, wenn dieser Aufforderung nicht nachgekommen wird. Im Gemeinderat wurde erklärt, daß die Polizei am Sonntag in den Wirtshäusern ein- und aus- gegangen sei. Bei der Leichenschau des toten Arbeiters Nolan wurde von verschiedenen Zeugen ausgesagt, daß der Verstorbene buchstäblich von den Polizisten zu Tode geknüppelt worden sei, als er hilflos am Boden lag. Nolan wird morgen von der Arbeiterschaft feierlichst begraben werden. An dem Begräbnis wird auch der Genosse Keir Hardie teilnehmen, der hergekommen ist, um die Vorfälle zu untersuchen. Man erwartet auch eine Kommission vom Gewerkschaftskongreß, der zurzeit in Manchester tagt. Gestern sind»vieder tll Personen durch die Polizei- knüppel verletzt worden, imd� heute werden die Unruhen wahrscheinlich ihre Fortsetzung finden. Denn die eiufluß. reichsten Führer sitzen hinter Schloß und Riegel. Sie haben bisher die Hitzköpfe vor unüberlegten Schritten zurückgehalten, wenn auch die bürgerliche Presse Englands und Irlands dos Gegenteil behaupten mag. In dieser Presse wird versichert, daß die Unruhen in erster Linie von dem Generalsekretär dek irischen Transportarbeiter, Genossen L a r k i n. verursacht worden sind. Von Genossen, die die Dubliner Arbeiter- bewegung genau kennen, ist mir aber versichert worden, daß eS gerade der mit einem anfeuernden irischen Rednertalent begabte Larkin war, der die Straßenbahner von Gewalt- tätigkeiten abgehalten hat. Das erklärt auch den Straßen- kämpf von gestern(Montag), der ausbrach, als eine Reihe Streikender mit Stemmeisen und Hacke versuchten, die Straßenbahnschienen zu entfernen, um die wenigen, von starken Polizeiaufgeboten beschützten Wagen, die noch laufen, »um Stillstand zu bringen. Dies ist ein Kampf Larkins gegen Murphy, erklären die Sensationsblätter, die ihren Lesern eine mit pikanten per- sönlichen Zutaten garnierte Berichterstattung liesern müssen. Eine gewisse Berechtigung kann man dieser Auffassung nicht absprechen, wenn man die Personen als die Verkörperung zweier sich entgegengesetzter Bewegungen aufsaßt. Larkin und seine Kollegen haben in der letzten Zeit die irischen Transportarbeiter zu einer achtunggebietenden Gewerkschaft gc V organisiert— die„Jrish Transport Workers and General Workers Union", die ihren Sitz in„Liberty Hall" in Dublin hat. Die Gewerkschaft ist in schnellem Wachstum begriffen, und dies in Verbindung mit der Tatsache, daß die Organi- sation vor allen Dingen bestrebt ist, in allen Berufen durch Geldmittel und Agitation in Irland eine starke GeWerk- schoftsbewegung zu fördern, hat unter den Arbeitaebern den größten Unwillen hervorgerufen. Sie erklären, daß sie prinzipiell nichts dagegen einzuwenden haben, daß ihre Ar- bester gewerkschaftlich organisiert sind. Aber sie wollen nicht, daß ihre Arbeiter der Transportarbeitergewerkschaft bei- treten, die ihnen durch ihre Tatkraft sehr unangenehm ge- worden ist und die schönsten Berechnungen der Unternehmer durch Lohnforderungen zunichte macht, deren Berechtigung sich allein aus der gewaltigen Zahl zerlumpter und barfuß umherlaufender Kinder zu ergeben scheint. Sie haben da- her beschlossen, dieser Gewerkschaft den Garaus zu machen. Daher der Kampf mit all seinen Begleiterscheinungen. An der Spitze der Unternehmer steht ein Mann namens Murphy. Er tvar früher nationalistisches Parlaments- Mitglied, wurde aber, als er sich der großkapitalistischen und ultraklerikalen Partei Healys näherte, aus der Partei hinaus- geschmissen. Das hinderte ihn aber nicht als guten� Ge- schäftsmann, in seinem Dubliner Blatte„Jndependent" die Redmondsche Partei weiter zu unterstützen. Ihm gehören das große„Jmperial-Hotel" und viele andere Geschäfte der Stadt? er ist der Generaldirektor der Dubliner Straßen- bahngesellschaft und ist an wer weiß wie vielen anderen iri- scheu und englischen Gesellschaften interessiert. Er ist ent- schlössen, den Genossen Larkin, den er als seinen größten Feind ansieht und mit dem Pariser„König Pataud" ver- gleicht, in bie Pfanne zu hauen und die Gewerkschaft her Transportarbeiter zugrunde zu richten. Er rühmt sich dessen ganz offen und gestern zollte ihm die Dubliner Handels- kammer ob dieses heroischen Entschlusses das höchste Lob. Dieser reich gewordene kapitalistische Beutevolitiker war es auch, der vor zwei Jahren als Direktor der Großen Süd- und Westbahn den Kampf gegen die irischen Eisenbahner leitete. Er ist der Rufer in dem Kampfe gegen die Errichtung einer Dubliner Kunstgalerie, die an der organisierten Ar- beiterschaft der irischen Hauptstadt ihre wärmsten Befürworter hat. Durch seine persönlichen Vorstellungen beim englischen Statthalter soll auch die Versammlung vom letzten Sonntag verboten worden sein, die den Zweck hatte, das Publikum in der Hauptstraße Dublins auf die Beschwerden der Straßen- bahner aufmerksam zu machen. Am 21. oder 22. August beschloß Murphy, den Transport- arbeitern den Krieg zu erklären. Er entließ 200 Straßen- bahner, die als Mitglieder der Transportarbeitergewerkschaft das Abzeichen dieser Organisation— eine rote Hand— nach der Sitte der Arbeiter hierzulande im Knopfloch trugen. Das konnten sich die Transportarbeiter natürlich nicht gefallen lassen. Sie verhängten am 26. August den Streik über die Dubliner Straßenbahngesellschaft. Den Schlag suchte der Scharfmacher zu parieren, indem er seine kapitalistischen Freunde bewog, ihre Arbeiter, die der Gewerkschaft der Transportarbeiter angehören, auszusperren. Eine Reihe Arbeitgeber folgten seiner Aufforderung. Aber aus der all- gemeinen, für letzten Sonnabend angedrohten Aussperrung ist noch nichts geworden. Die Arbeiter beantworteten die Aussperrungen mit Streiks und Boykotts. Doch der ganze Umfang der Bewegung ist nicht sehr bedeutend, da Dublin nicht eigentlich eine industrielle Stadt ist. Dies ist die richtige sachliche Tarstellung der Ereignisie, die, wie gewöhnlich, von der bürgerlichen Presse entstellt und verdunkelt worden ist. Der Dubliner Gewerkschaftsrat war absolut korrekt, als er gestern an den Gewerkschaftskongreß zu Manchester berichtete, daß„dies ein organisierter Versuch der verbündeten Arbeit- geber ist, die Gewerkschaftsbewegung zu zertrümmern". Aber eine noch weit größere Bedeutung Hat dieser er- bitterte Kampf zwischen dem Kapital und der Arbeit in der irischen Hauptstadt. Um etwas Näheres darüber zu erfahren, suchte ich heute den Genossen C 0 r m 0 l l y, der bis zu Anfang des Dubliner Streiks die Bewegung der Transportarbeiter in Belfast leitete, im Gefängnis auf, wo er drei Monate Haft absitzen soll, weil er sich weigert, Bürgschaft dafür zu bieten, daß er die ihm zugeschriebenen„aufrührerischen Reden", die sich in nichts von dem unterscheiden, was fast täglich in englischen Versammlungen vorgebracht wird, nicht wiederholt. Cormolly ist der geistige Führer der irischen Arbeiterbewegung. In Amerika redigierte dieser Fuhrmann vor etlichen Jahren die Zeitschrift„Harp", die die irischen Arbeiter der Vereinigten Staaten für den Sozialismus gewinnen wollte, lieber die irische Arbeiterbewegung hat er zwei Bücher herausgegeben, nänjlich:„Arbeiterschaft, Nationalität und Religion" und „Die Rolle der Arbeiterschaft in der irischen Geschichte". � Genosse Cormolly war heiter und guten Mutes. Sein irisches Temperament half ihm über die Beschwerden seiner mißlichen Lage hinweg. Er bat mich, den Genossen auf dem Kontinent seine Grüße zu übermitteln. Die irischen Arbeiter kämpften denselben Befreiungskampf wie die Sozialisten und GeWerk- schaften des Festlandes. Doch was Cormolly über die irische Arbeiterbewegung sagte,»nuß in einem weiteren Bericht erwähnt werden, Expedition: SM. 68, Oindenstrasse 69. Fernsprecher! Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Aussperrung iu Dublin. Dublin, 4. September. Die Unternehmer haben beschlossen alle Arbeiter, die der Union angehören, auSzu« schließen. Dies ruft in Arbeiterkreisen große Erregung hervor, da bereits über 1090 Kohlenarbeiter aus diesem Grunde ihre Entlassung erhalten haben. Auch die Transportgesellschqften gehen sehr scharf vor und entlassen jeden, der nicht sofort ihren An- ordnungen nachkommt. Durch die Entschließung, allck organisierten Arbeiter zu entlassen, würden 20—30000 Arbeiter ohne Beschästi- gung sein._ HrMsloiigM und Stadtparlament. Die Arbeitslosigkeit in Berlin mehrt sich von Tag zu Tag. Die planlose kapitalistische Produktionsweise fordert ihre Opfer. Zehn- taufende von fleißigen Händen ruhen. Tausende von Familien leiden Not. Und der Winter steht erst noch vor der Tür, wo die Arbeitslosigkeit noch besonders schlimm in die Er- scheinung treten wird. Vornehmlich sind es da? Bau- gewerbe, die Holzindustrie, Textilbranche. welche vorerst besonders stark in Mitleidenschaft gezogen sind. Andere Industrien werden im kommenden Winter weitere Massen von Arbeitslosen von sich stoßen. Da ist es die höchste Zeit, Vorsorge zur Milderung der mit dem Arbeitslosengespenst verbundenen Notlage zu treffen. Die beste Hilfe ist Arbeit, aber kein Almosen! Reich, Staat und Gemeinde dürfen dieser Erscheinung gegenüber nicht untätig bleiben und müssen Milderungsmatznahmen treffen. Bisher haben Reich und Staat versagt. Die Gemeinden haben ein besonderes Interesse an dem Wohlergehen ihrer Gemeindeglieder und dürfen die Hände nicht in den Schoß legen. Aus diesem Grunde hatte die sozialdemokratische Fraktion der Berliner Stadtverordneten- Versammlung es für ihre Pflicht erachtet, den Gemeindebehörden folgenden Antrag zu unterbreiten: .Um der in immer wachsendem Umfange hervortretenden Arbeitslosigkeit und dem sich hieraus ergebenden Notstande der Arbeiter durch Beschaffung von Arbeit nach Möglichkeit zu steuern, ersucht die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat: 1. Alle durch die Stadtverordnetenversammlung bereits geneh- migten Hoch- und Tiefbauten schleunigst in Augriff zu nehmen und im Winter fortzuführen. 3. Sofort die gemischte Deputation zur Beratung der Arbeits- losenversicherung einzuberufen. Dieser Antrag stand in der gestrigen Sitzung sie? Stadt- Parlaments zur Verhandlung. Die Gründe für den Antrag lagen für jeden Menschen, der sich einen offenen Blick für unser Wirt- schaftsgetriebe bewahrt hat, auf der Hand. Die Arbeitslosigkeit ist nicht zu leugnen, die Statistiken der Gewerkschaften für die organisierten Arbeiter, die Krankenkassenstatistik belegen e» unwihLr- legbar. Und daß im Winter die Arbeitslosigkeit noch steigen wird, bestreitet niemand. Was soll, was kann da die Gemeinde tun? Diese Frage wurde von unserem Redner, dem Genossen Glocke, nicht nur aufgeworfen, sondern auch beantwortet. Di« Gemeinde ist ein« große Bauherrin. Sie bedarf zur Befriedigung ihrer Be- dürsniff« und Aufgaben zahlreicher Bauansführungen, was für das Baugewerbe gerade in jetziger Zeit sehr in die Wagschal« fällt. Werden die gesamten Bauten ausgeführt und beschleunigt, so kann allein dieser Umstand mildernd auf die Arbeitslosigkeit einwirken und das darniederliegende Baugewerbe beleben. Die verkehrte Finanzwirtschaft des Berliner Kommunalfreisinns hat es zuwege gebracht, daß wichtige Bauausführungen ständig zurückgehalten, von einem Jahr auf das andere verschoben wurden. Dann aber find zahlreiche Bauten, für welche sehr erhebliche Mittel bewilligt sind, sehr im Rückstände. Bei gutem Willen ließen sich hxute viele Ar- beiter bei diesen Unterncijmen wehr beschäftigen, wenn das Schneckentempo etwas beschleunigt wird. Dann aber hat die Stadt auch die Aufgabe, für einen geordneten Arbeitsnachweis zu sorgen, in Verbindung hiermit die Frage der Arbeitslosenversicherung end- [ich in Angriff zu mchmfli. Auf das Reich kann man nicht warten. Da Groß-Berlin ein einheitliches Wirtschaftsgebiet ist, so dürfte diese Frage für Groß-Berlin zu regeln sein, und wenn nicht anders, dann stir Berlin allein. Für den Magistrat erklärte der Oberbürgermeister W« e w ut h, daß er in Voraussicht der Dinge bereits am 13. Mai die einzelnen Verwaltungen angewiesen habe im Sinne einer Beschleunigung der Ausführung von städtischen Arbeiten vorzugehen. Weiter sollen demnächst eine größere Menge von städtischen Arbeiten zur Ver- gebung gelangen und Vorsorge getroffen werden, daß auch möglichst über den Winter hinaus eine gesteigert« Ausführung städtischer Arbeiten möglich sei. Ter Magistrat habe ferner verfügt, bei Vakanzen vornehmlich Arbeiter einzustellen, die hier in Berlin ortsansässig seien und Familie haben. Neue Projekt« sollen mäg- lichst beschleunigt werden. Was die Frage des Arbeitsnachweises und der Arbeitslosenversicherung betreffe, so soll die zu diesem Zwecke seit Jahren bestehende gemischte Deputation baldigst zwecks erneuter Beratung der Materie zusammentreten. Man solle aber erst abwarten, ob aus der Beratung einer zum 13. September in Berlin zusammentretenden Konferenz von Vertretern der Groß? Berliner Kommunalverwaltungen etwas herauskomme. Im Anschluß hieran legte der Vertreter der Bauverl�altung ein umfangreiches Programm vor, das die Hochbauverwaltung auf. gestellt habe. Danach werden in aller Kürze große Bauten in Angriff genommen und gefördert, zahlreiche andere Projekte seien ausgearbeitet und würden mit größter Beschleunigung an die Stadt? verordneten zur Beschlußsassung gebracht werden. Von diesen Erklärungen der Magistratsvertreter Karen die Vertreter per bürgerlichen Aruppen so begeistert, daß st« dt« A«? iragc unserer Genossen für gegenstandslos hielten. Was wir wollten, sei doch alles von dem vorausahnenden Magistrat besorgt worden und sie rieten sogar unseren Genossen, ihre Anträge zurückzuziehen. Dies« Zumutung wies unser Genosse Leid in der allerent- schiedensten Weis« zurück. Er zeigt« an der Hand von Tatsachen, welche unglaubliche Verschleppung die Ausführung städtischer Bauten heute erfahre, eine Verschleppung, die mit der gewünschten und ver- fügten Beschleunigung wie die Faust aufs Auge passe. Sei es nicht unerhört, daß der städtische Finanzminister den Bau einer, von beiden Körperschaften beschlossenen Erweiterung einer Badeanstalt auf ein Fahr verschieben wollt«, trotz Verfügung des Magistrats, Bauten zu beschleunigen. Zeige es von der Einsicht des Magistrats in die Wirtschaftslage, wenn der Vertreter der Armenverwaltung die Armenvorsteher zusammenberuft und sie zur Einschränkung von Unterstützungen an Arme und Notleidende auffordert? Sei«S erhört, daß selbst für Bauten, für die erhebliche Mittel bewilligt Jind, noch heute, nach mehr als Jahresfrist, noch nicht einmal die Projekt« vorliegen? Aus allen diesen Gründen könne die sozialdemokratische Fraktion ihren Antrag nicht nur nicht zurück- ziehen, sondern die Annahme sei eine dringende Notwendigkeit. Die Stadtverordnetenversammlung müsse entschieden bekunden, daß sie ein schnelleres Tempo der Bauausführungen dringend verlangt. Nach dieser Attacke suchten der Baurat und der Kämmerer sich noch etwas zu wehren, wobei letzterer sich als der Nachrevisor und Zensor der Beschlüsse der Gemeindebehörden aufzuspielen suchte, cZ war aber alles vergeblich. Bei der Abstimmung gelangten die Anträge der sozialdemo- kratischen Fraktion zur Annahme. Es gilt jetzt, dafür zu sorgen, daß das Problem der Arbeitslosenfürsorge ernster als je behandelt wird, sei«S im Reich, im Staat oder in der Gemeinde. Die Ge- meinden können sich auf die Dauer der Pflicht nicht entziehen, Positives auch auf diesem Gebiete zu schaffen. * In Eei Ll'chkenberger Stadtverordnetenversammlung begründet« Genosse Grauer die von der sozialdemokratischen Frab- tion eingereichte Interpellation über die Arbeitslosenversicherung und fragte den Magistrat, welche Maßnahmen dieser zu tun ge- denke. Bürgermeister U n g e r erwiderte, daß alle Arbeiten, für die die Mittel bereits bewilligt seien, unverzüglich in Angriff ge- nommen werden sollen, im übrigen aber stehe der Magistrot auf dem Standpunkt, daß es Aufgabe des Reiches sei, für eine wirk- same Arbeitslosenversicherung einzutreten. Im übrigen wolle man aber an einer Konferenz, die am 13. September für Groß-Berlin einberufen sei, teilnehmen und wolle versuchen, soviel wie möglich Abhilfe zu schaffen. Genosse Rößler erwiderte, daß die Aus- führung«n des Magistrats sehr unbefriedigend seien und daß es Sache der Gemeinden sei, für die Einführung der Arbeitslosen- Versicherung einzutreten. Von den bürgerlichen Stgdwerordneten nahm niemand das Wort zu dieser Angelegenheit. Schließlich wurde unser dringender Antrag einstimmig angenommen:„Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, in Gemeinschaft mit den übrigen Gemeinden Groß-Berlins möglichst bald in Verbindung zu treten, um die Arbeitslosenver- sicherung für.Groß-Berlin zu schaffen." � Das korrigiette Scbreckcnsurteil. Das Oberkriegsgericht in Erfurt hat am Donnerstagabend sein Urteil gegen die fünf wegen der Wolkramshausener Ausschreitungen angeklagten Reservisten und Landwehr- männer gefällt. Es erkannte auf insgesamt 8 Jahre und 4 Monate Gefängnis. Damit hat das Urteil der ersten Instanz eine ganz erhebliche Korrektur erfahren! waren doch die fünf Angeklagten von: Erfurter Kriegsgericht zu der ungeheuerlichen Strafe von 15 Jahren 8 Monaten Zuchthaus und 10 Jahren 9 Monaten Gefängnis verurteilt. So verhältnismäßig gelinde das Urteil im Vergleich zum früheren Erkenntnis im ersten Augenblick erscheint und soweit das Gericht auch unter die Strafanträge des Anklagevertreters, der insgesamt über 19 Jahre Gefängnis beantragte, geblieben ist: es wird in den weitesten Kreisen der Bevölkerung lebhafte Empör u'n g hervorrufen. Das Volk wird nicht begreifen, daß zweierlei Recht Rechtens sein darf: es wird nicht verstehen, daß eine Straftat, die, wie einer der Verteidiger ganz richtig ausführte, vom bürgerlichen Gericht mit einer G e l d st r a f e oder höchstens einigen Wochen Gefängnis ge- sühnt würde, zu einem Schwerverbrechen wird, weil sie am Tage der Kontrollversammlung begangen wurde. „Der Gendarm verkörpert in hohem Maße die staatliche Autoritä t." Dieser, charakteristische Ausspruch des Anklagevertreters gibt der Militär- jnstiz, diesem in einem modernen Staate unhaltbaren Sonder- rechte, das ganze Gepräge. Bekanntlich wird Frau Justitia im Bilde mit einer Binde vor den Augen dargestellt: sie soll blind sein gegen den Stand, dem der Abzuurteilende angehört. Das Militärstrafgesetzbuch hat der Justiz d i e Binde von den Augen gerissen. Es sagt seinen Richtern: Du sollst bewußt verschieden urteilen, du sollst den Angeklagten darauf anschauen, ob es sich um einen Unter- gebenen oder einen Vorgesetzten handelt: und darum sieht das Militärstrafgesetzbuch in Fällen von Vergehen von Untergebenen gegen die heilige Autorität, gegen die Disziplin, so furchtbare Strafen vor, daß erst die Welle gerechter Empörung, die das erste Erfurter Urteil hervorgerufen hatte, die entsetzlichsten Auswüchse der Militärjustiz beseitigen mußte. Geradezu typisch für die Anschauungen, wre sie m den Militärkreisen herrschen, waren die Darlegungen des Anklagevertreters, Kriegsgerichtsrats Dr. Schröder. Aus jedem seiner Worte sprach das Bewußtsein, die Disziplin muß geschützt werden, strenge Strafen müssen erfolgen, wenn sich Untergebene gegen die heilige Autorität vergehen.„Die Leute sollen sich in den Tagen der Kontrollversammlungen als Soldaten fühlen," so sagte er. Das sei mit einer der wesentlichsten Gründe, weshalb man an diesen Kontrollver- sammlungen festhält. Aber der Vertreter der Anklage be- gnügte sich nicht damit, im militärischen Interesse die Dis- ziplin erhalten zu wissen. Er wollte die politische G e- s i n n u n g der Angeklagten bestraft wissen. Weil nach seiner Ansicht die Angeklagten Sozialdemokraten sind— einer von ihnen erklärte, daß er einem Kriegerverein, ein anderer, daß>er keinerlei Organisation ange- höre—, auch deshalb müßte auf harte Strafen erkannt werden. Wenn auch das Gericht in seiner Urteilsbegründung diese politische Aufreizung seiner Klasseninstinkte abwies, so sprach es doch ein für das Rechtsempfinden des Volkes außer- ordentlich hartes Urteil aus, da es nun einmal den militärischen Aufruhr für gegeben ansah. Gerade diese Verhandlung zeigt, wie unsinnig und gefährlich die Ueberspannung des Begriffes Disziplin ist. Sie wird im Volke aufklärend wirken und die Beseiti- gung des militärischen Sonderrechtes in einem Maße för- dern, wie es die Vertreter der militärischen Gewalt wahr- scheinlich nicht glauben._ . poUtifcbc Qeberficbt Tie Neuauflage des Krupp-Prozeffes. Das offiziöse Wolffsche Telegraphenbureau meldet: Wie von bestunterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist der Bureau- Vorsteher der Firma Krupp, Maximilian Brandt, weder krank noch denkt er daran, in ein Sanatorium zu gehen. Brandt wünscht im Gegenteil so schnell als möglich, daß gegen ihn die Verhandlung stattfindet, da er der bestimmten Ansicht ist, daß er seine völlige Schuldlosigkeit beweisen wird. Nunmehr hat auch die Staatsanwaltschaft gegen Brandt und zwei ehemalige Direktoren der Firma Krupp, die nicht in Essen, sondern in Berlin stationiert waren, wegen Beamtenbestechung und Verleitung zum Verrat militärischer, Geheimnisse die Anklage erhoben, Die Verhandlung wird voraussichtlich Ende Oktober vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Berlin I unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Schmidt statt- finden und�etwa fünf bis sechs Täge dauern. Die Anklage wird von Staatsanwaltschaftsrat Dr. Toepffer vertreten. Die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Siegfried Loewenstein und Justizrat Dr. von Gordon. Gegen den früheren Vorsitzenden des Direktoriums, Landrat a. D. Roetger, ist keine Anklage erhoben worden. Tie Zusammensetzung des neuen preußischen Landtags nach Berufsständen. Der»eugewählte Landtag zeigt nach Berufsständen ungefähr das alte Bild früherer Legislaturperioden, eine Untersuchung auf Grund amtlichen Materials möge das beweisen: Im neuen Landtage sitzen 124 Landwirte(biKher 159). Hierbei ist zu bemerken, daß auch andere Beruke sich nebenamtlich noch mit Landwirtschaft befassen und hier nicht nachgewiesen sind. Die Zahl der Verwaltungsbeamten beträgt 57 sbisher 44), darunter sind Land- räte 35(27). Ehemalige Staatsbeamte sind 9 gezählt(14). Als Justizbeamte bekennen sich 41 Richter und 32 Rechtsanwälte(bis- her 48 und 2«). Ehemalige Offiziere sind 13(bisher 7), sogar die Marine stellt diesmal einen Vertreter. Die Geistlichkeit ist mit 21 vertreten(bisher 29), darunter 8 evangelische, 13 katholische Geistliche. Kommunalbeamte sind 11(bisher 14), Lehrer an Hochschulen und anderen Schulen sind 25(bisher 19). Die Zahl der Aerzte ist von 4 auf 2 gesunken. Redakteure und Schriftsteller sind 11 vorhanden, bisher nur 6. Als Privatbeamte lassen sich 23 charakterisieren, wenn man den Begriff etwas weiter faßt, bisher 10. Der Handelsstand zählt 14 Herren(bisher 17), Kaufleute und Gewerbetreibende nennen sich 14(bisher 19), dazu treten noch 6 Handwerker(wie bisher), 2 Arbeiter, 5 Arbeiter- und Parteisekretäre, 2 Förster, 1 Apotheker, 11 Rentiere(früher 29). Der Rest verteilt sich auf andere Berufe. Bebels Nachfolger. Hamburg, 4. September.(P r i v a t- T e l e g r a m m.) Die Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Vereins für den ersten Hamburger Wahlkreis beschloß einstimmig den Genossen Otto Stötten(Nedatteur des„Hamburger Echo") als Kandidaten für die Reichstagswahl aufzustellen. Im Anschluß daran wird uns geschrieben: Die Genossen des ersten Hamburger Wahlkreise» beschäftigten sich am Mittwochabend in einer gutbesuchten Mitgliederversammlung mit der Kandidatur für die bevorstehende Reichstagswahl. Genosse Otto Stolten, der langjährige politische Redakteur des„Hamburger Echo" und Führer der Hambnrger Bürgerschaftsfraktion, hatte' daS einleitende Referat übernommen. Er entwarf ein Bild von der Eni- Wicklung der Sozialdemokratie und schilderte dann eingehend die gegenwärtige innerpolitische Lage. Die großen und wichtigen Fragen, die der jetzige Reichstag noch zu erfüllen habe, besonders auf dem Gebiete des Zollwesens und der Handelsverträge, das Wahn- sinnige Wettrüsten, das noch lange nicht an seinem Ende angelangt sei, zwingen die ArbeitersSaft dazu, im Parlament alle Kräfte an- zuspannen, um nach Möglichkeit neue Belastungen von sich fern- zuhalten. Sei es auch nicht möglich, auf dem parlamentarischen Wege eine wirklich grundlegende Besserung für die Lage der Arbeiterklasse herbeizuführen,.so könne doch bei geschickter Aus- Nutzung der Gegensätze zwischen den bürgerlichen Parteien manches Unheil abgewendet oder gemildert werden. Ein Beweis dafür sei die vielumstrittene Deckungsvorlage. Sie bedeute zweifellos einen großen Erfolg der Fraktion, wenn sich gegen die Steuern im einzelnen auch manches einwenden lasse. In herzlichen Worten gedachte der Redner seines verstorbenen großen Vorgängers, den zu ersetzen er wie jeder andere Genosse nicht imstande sei. Trotzdem müsse und werde die Hoffnung der Bürgerlichen, bei der kommenden Ersatzwahl eine größere Stimmenzahl zu erhalten als früher, zuschanden werden- Denn das Hamburger Proletariat sei aufgeklärt genug, bei den Wahlen nicht auf die Person zu sehen, sondern in erster Linie auf die Sache. Auf Vorschlag des Vorsitzenden sah die Versammlung von einer Diskussion des Vortrages ab und wählte sofort unter großem Beifall den Genossen St ölten zum Kan- d i d a t e n._ Nachträgliches zum Metzer Katholikentag. Die reformkatholische Wochenschrift„Das neue Jahrhundert" fällt folgendes Urteil über den Metzer Katholikentag und den Streit zwischen der Kölner und Berliner Richtung: „Die Katholikentage haben sich überlebt: man lasse die Toten ihre Toten begraben.... WaS die Gewerkschaftsfrage und ihr Schicksal auf der Metzer Veranstaltung betrifft, haben wir recht behalten mit unserer Prophezeiung, daß man eine öffentliche Aus- einandersetzung nicht erwarten dürfe. Immerhin hat Bischof Korum deutlich genug gesprochen. Auch die Art und Weise, wie der Präsident die päpstliche Enzyklika interpretierte, zeigt, daß die „Kölner" nicht mehr ausschließlich die Herren und Tonangeber des P a r a d e k a t h o l i z i s m u S s in d. Der Streit wird weitergehen. Aber bei dem politischen Machthunger der„Kölner" Führer ist eine Klärung der inneren Krisis nach der Seite eines mannhaften, Rom in diesen nicht- religiösen Fragen einfach den Gehorsam verweigernden Gerade- ausgehens nicht zu erwarten. Die Drückebergerei dieser Kreise wird weiter nach Kompromissen suchen— solange es den Arbeitern nicht zu dumm wird. Die haben nämlich das Leisetreten ihrer Gladbacher Führer und der Bachempresse längst satt. Wenn Man an der Ruhr in Kreisen der christlichen Gewerkschaften jetzt schon singt: „Was schert uns„Kerum novonim", Wir pfeifen auf Kopp und Korum", so kann die Zeit bald erfüllt sein, wo man des RücksichtnehmenS wirklich satt ist und dann in aller Form auf Enzykliken über sozialpolitische Organisationsfragen„pfeift". „DaS neue Jahrhundert" stellt allzu hohe Forderungen an die kölnische Richtung, wenn eS meint, die Führer sollten in allen nicht- religiösen Fragen Rom den Gehorsam versagen. Eine solche Gehorsamsverweigerung würde sofort die Feindschaft Roms und des ganzen Klerus gegen die Führerschaft des Zentrums zur Folg« haben— und was wäre das Zentrum ohne die Unterstützung der katholischen Geistlichkeit?_ Ter Kali-Gesetzentwurf. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Auch von offiziöser Seite wird jetzt zugegeben, daß über die Kaligesetznovelle ernste Meinungsverschiedenheiten zwischen den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten bestehen. Man ist aber überzeugt, daß diese Mei- nungsverschiedenheiten die Novelle nicht scheitern lassen werden, daß es vielmehr bei den Beratungen demnächst zu einer Einigung kommen werde. Immerhin wird die Fertigstellung der Novelle im Reichsamt des Innern erst geraume Zeit nach den Ferien zu erwarten sein. Sie wird dann den Bundesrat beschäftigen und frühestens im Früh- jähr dem Reichstage zugehen. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten gerade über die Hauptpunkte der Novelle, sind sich die verbündeten Regierungen darüber einig, daß eine Novelle zum Kallgesetz im Jnleresse der Kaliindustrie notwendig ist und nach Möglichkeit schon in der nächsten Tagung den Reichstag beschäftigen soll. Militärische Gewaltmärsche. Die zurzeit in Posen und Schlesien stattfindenden Korps- manöver haben infolge der großen Strapazen zwei Menschen- opfer gefordert. Bei den Manövern in der Provinz Posen sind zwei Soldaten des 58. Jnfanterie-Regiments an Hitzschlag g e- storben; mehrere andere Soldaten liegen schwer krank da- nieder. Bei den schlesischen Korpsmanövern, die in der Gegend von Schweidnitz stattfinden, hatten die Soldaten am Montag in drückender Sonne nglut einen so großen Marsch zurückzu- legen, daß der ganze Weg rechts und links von zahlreich er« krankten Soldaten bezeichnet wurde. Die meisten der Erkrankten gehören dem 22. und 62. Infanterie- Regiment an. Todesfälle sind jedoch bis jetztnoch nicht bekannt, wohl aber sind einzelne Erkrankungsfälle selbst nach bürgerlichen Blättern sehr b e- d e n k l i ch. Auch die militärfromme klerikale„Neißer Zeitung" gibt zu, daß es sich bei der roten Partei, zu der die beiden genannten Infanterie- regimenter gehören, um einen fast übermenschlichen Gewaltmarsch gehandelt habe. Die Militärbehörde bleibt trotz der unglaublichsten Gerüchte über die Zahl der Opfer nach wie vor zugeknöpft. Sie hat es ja schließ- lich auch gar nicht notwendig, Auskunft zu geben, denn ihr Ver« halten wird ja letzten Endes doch von den bürgerlichen Parteien im Reichstag gebilligt._ Aus der Rcichsverbandsküche. Reichsvrrbandsblätter veröffentlichen einen Artikel:„Die Pfründner der Arbeitergroschen". Es handelt sich um einen alten Ladenhüter des Reichsverbands, der von Zeit zu Zeit immer wiederlehrt, ohne daß man sagen könnte, seine Güte hätte durch das Alter gewonnen. Um den Schein der Aktualität zu wahren, versichert der Reichsverband den uneingeweihten Lesern, sein Material stamme aus Aeußerungen, die in den Generalversammlungen der Berliner sozialdemokratischen Wahl- vereine am 26. August dieses Jahres gefallen seien. Es wird da behauptet, daß„der Genosse Lucht, der in der Partei eine hervorragende Stellung einnimmt und verschiedene Ver- trauensämter bekleidet", erklärt habe, es sei traurig, daß in der Partei alle Ideale fehlten. Diese Aeußerung des Genossen Lucht wird in die Generalversammlung des zweiten Kreises verlegt. Ge- nasse Lucht gehört dem ersten Kreise an und hat im Hinblick auf den Widerstand gegen die Propagierung des Massenstreiks allerdings eine solche Aeußerung getan. Sie hatte aber mit materiellen Fragen absolut nichts zu tun: es handelte sich lediglich darum, die zögernden Parteigenossen anzufeuern. Gemeiner wird die Reichsverbandsleitung, indem sie einem Ge- noffen Lehner— der angeblich auch in der Generalversammlung des zweiten Kreises gesprochen haben soll � Aeußerungen unterstellt, die glatt aus den Fingern gesogen sind. Genosse Lehner hat in der Generalversammlung des vierten Kreises zur Maifeier ge- sprachen und den Standpunkt eingenommen, daß alle diejenigen Partei- genossen, die am 1. Mai feiern können, ohne Lohnausfall zu haben, einen Tageslohn für die Maifeiergemaßregelten abzugeben haben. Er bekämpfte die Gegner eines solchen Verlangens und ließ in diesem Zusammenhang die Bemerkung fallen, die Angestellten seien allzu- lehr GeschäftSmcnschen geworden und besäßen keinen Idealismus mehr. Das war alles. Der Reichsverband läßt den Genossen Lehner jedoch von Zehntausenden von Angestellten sprechen, die alle die Partei zu ernähren habe und für die jährlich Zf/z Millionen verausgabt würden usw. Selbst wenn sich nicht einwandftei feststellen ließe, was Ge« nosse Lehner gesagt hat, kann man allein an dieser Erzählung die ganze ekle ReichSverbandSmache erkennen. Der Schwindel von den verpraßten Arbcitergroschen gehört zu den wesentlichsten Kampf- Mitteln der Reichsverbandsstrategen, und er wird bestehen bleiben, so lange eS einen Reichsverband gibt. Niemand kann aus seiner Haut; auch die schönen Elemente nicht, die�sich zur Leitung des „vaterländischen" Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie zu« sammengetan haben._ Wie das Zentrum Arbeiterinteressen vertritt. Zwei Jahre nacheinander beantragten unsere Genossen In A s ch a f f e n b u r g bei der Stadtverwaltung, je 1990 M. zur Er- richtung einer Arbeitslosenversicherung in den-Erat ein- zustellen. Unseren beiden im Rathaus sitzenden Genossen gelang eS auch immer, den Antrag durchzudrücken, obwohl die Mehrheit der Zentrumsvertreter die Ablehnung des Antrages verlangten, da die Arbcitslosenfürsorge Sache des Land- und Reichstag? wäre.(Im bayerischen Landtag lehnten die Zentrums« Vertreter die sozialdemokratischen Anträge auf Einsetzung eines bestimmten Geldbetrages in das Budget zur Unter« stützung derjenigen Gemeinden, die eine Arbeitslosen« Versicherung einführen wollen, ab, da diese Unterstützung Sache der Gemeinden sei.) In diesem Jahre nun ver- suchte der Vorsitzende des christlichen Fabrik- und Hilfsarbeiter- Verbandes unseren Genossen den Rang abzulaufen und beantragte im Kollegium der Gemeindebevollmächtigten, an den Magistrat daS Ersuchen zu richten, die Arbeitslosenversicherung einzuführen. Aber er hatte die Rechnung ohne das offizielle Zentrum gemacht I Außer ihm stiuimte nur noch ein einziger Zentrumsvertreter für diesen Antrag. Die übrigen Zentrumsvertret er lehnten den Antrag, ihres P a rt e i g n o s s e n kurz- weg ab. Das Zentrum hat in beiden städtischen Kammern die Mehrheit._ Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Landshut. Amtliches Wahlergebnis: Bei der ReichstagSersatzwahl im Wahl- kreise Niederbayern I vom 31. August wurden für den Gutsbesitzer Freiherrn v. Aretin-Haidenburg(Z.) 10 162 Stimmen, für den Bürgermeister Eisenberger- Ruhpolding(Bayerischer Bauernbund) 4999 Stimmen und für den Gauleiter Raith-München(Soz.) 1535 Stimmen abgegeben. Freiherr v. Aretin(Z.) ist somit gewählt. Ein feines Trio! Der evangelisch-konservative„Aeichsbote", die antisemitische „StaatSbürger-Zeitung" und die ultramontane„Germania" in trautem Verein als P r e ß d e n u n z i a n t e n— das ist die neueste Blüte im Kampf gegen die.Volk-fürsorge�. Da man mit sachlichen Mitteln der Einführung der gewerkschafllich-genossenschaftlichen Volks- Versicherung nicht wirksam entgegentreten kann, versucht man es mit dem Mittel der Denunziation bei den Behörden. Die„Staatsbürger-Zeitung* hat's entdeckt, der„Reichsbote' plapperts nach und die fromme„Germania' unterstreicht es, daß zwei bürgerliche, parteilose ZeUungen, die.Feuerbacher Zeitung' und das„Mündener Tageblatt', von denen die erste„städtisches Amtsblatt' ist und das letztere den Untertitel„Organ für nationale Interessen' mit Stolz trägt— man höre und staune— der„gewerkschaftlich-genossenschaftlichen Versicherungsgesellschaft' Volks- fürsorge Vorschub geleistet hätten. Die„Feuerbacher Zeitung' habe am 13. August 1913 einen um- sangreichen Artikel und eine Anzeige für die.Volksfürsorge' pu- bliziert, in derselben Nummer, in der auch eine Anzeige des„Pro- viantamts Stuttgart' veröffentlicht worden sei. Im„Mündener Tage- blatt' sei sogar der Bericht über eine Versammlung des Konsum- Vereins ohne ein Wort der Kritik erschienen I Diese welterschütternden Feststellungen begleiten die drei edlen Organe gleichlautend mit fol- gender Denunziation: „Diese bürgerliche Charakterlosigkeit kann nicht schwer genug verurteilt werden, zumal sie der nationalen gemeinnützigen „Deutschen Volksversicherung A.-G.', die sich bereits kräftig ent- wickelt, den Kampf gegen die„Volksfürsorge' stark erschwert. Es würde sich empfehlen, wenn die B e- Hörden ein achtsames Auge auf solche Vorgänge hätten und bei der Vergebung ihrer Anzeigen dafür sorgten, das; sie nicht in eine Nachbarschaft geraten, die ihnen kaum angenehm sein kann.' Nun wiffen die Behörden, was sie zu tun haben. Sie haben den Kampf gegen die„Volksfürsorge' selbst unter Schädigung der ihnen zur pflichtgcmätzen Wahrung übertragenen Interessen ihres Amtes zu führen. Sie mützten sonach ein gemeinnütziges Institut, das reichsamtlich genehmigt nnd kontrolliert wird, bekämpfen unter parteiischer Verletzung der gesetzlich garantierten Pretzfreiheit I_ Abgekürztes Verfahren. Auf den Gütern eines Großagrariers im Kreise Glogau, dem Deminium S ch w u s e n, legten Anfang der Woche mehrere russisch-polnische Saisonarbeiter wegen der ihnen dort zuteil gewordenen Behandlung die Arboit nieder. Sie wollten beim russischen Konsul in Breslau persönlich ihre Be- schwerden vorbringen. Bereits auf der nächsten Bahnstation Schlichtingsheim wurde ihnen jedoch auf Veranlassung ihres bisherigen Arbeitgebers die Benutzung der Bahn ver- boten. Das gleiche geschah auf dem Bahnhof Glogau, wohin die ausständigen Ausländer den 15 Kilometer langen Weg zu Fuß zurücklegten. Als sie auf dem dortigen Bahnhof das Ansinnen. wieder bei ihrem früheren Arbeitzeber in Arbeit zu treten mit Ent- schiedenheit und drastischen Worten ablehnten, wurden alle kurzer« Hand über die russische Grenze zwangsweise ab- geschoben. Die Kalkanfragen. Griechen und Albaner. Wien, 4. September. Die„Albanische Korrespondenz" meldet aus Walona: Griechische Soldaten, begleitet von Komitatschis, fielen in die Ortschaft B o l e n a ein und be- gannen sie zu plündern. Die Bewohner setzten sich zur Wehr. 11 griechische Soldaten wurden getötet. Die Griechen machten 9 Männer und 4 Frauen nieder. Die Cholera. Bukarest, 4. September. Die Gesamtzahl der Cholerafälle beträgt 554, darunter 57 neue; 23 Fälle verliefen tödlich, in 19 Fällen trat Genesung ein. Außerdem liegen noch 59 Kranke in den Militärlazarettcn. Oefteireicb. Dem Bcrdieuste seine Krone. Der Chefredakteur der christlichsozialen„Reichspost', Dr. F u u d e r, hat für„persönliche Verdienste' das Komthurkreuz des Franz-Joseph-OrdenS bekommen. Die.Reichspost' ist besonders be- kannt geworden durch die leichenschänderische Verleumdungskampagne gegen das Andenken unseres in den Alpen verunglückten Genossen Abg. Silberer und durch die Balkan-Mammutlügen, die die bOO-Millionen-Rüstungen des Franz- Ferdinandschen Generalstabs motivieren mußten.... Uebrigens wird es Zeit, auch den Preßzensor Staatsanwalt Mager zu dekorieren. Er konfisziert die.Volkstribüne' jede Woche und hat vorgestern wieder die„Arbeiterzeitung' konfisziert, weil sie die Ersetzung des gesetzlichen Rekrutenkontingents durch willkürliche Mehreinstellungen von Reservisten geißelte und dem Kriegsoffiziosus Leopold Mandl nicht die gebührende Reverenz erwiesen I frznkrexd). Die neue Wiuzerbcweguug. Paris, 4. September. Die revolutionäre Bewegung der Winzer im Departement Aubc gegen das Gesetz, das ihren Wein von der Champagnerbereitung ausschließt, hat in den letzten Tagen sehr an Ausdehnung gewonnen. In sechs Ort- schaffen wurden stürmische Versammlungen abgehalten, die damit endeten, daß die MaireS und G e m e i n d e r ä t e sich be- reit erklärten, ihre Aemter niederzulegen. Die durch diese Amtsniederlegung hervorgerufene Unordnung in der Verwaltung soll die Regierung veranlassen, das den Winzern verhaßte Gesetz außer Kraft zu setzen. DoUanci. Holländischer Liberalismus. Trotzdem die sozialdemokratischen Fraktionen in den Ge- meindevertretungen der großen und industriereichen Städte aus den letzten Äommunalwahlen sehr verstärkt hervorgegangen sind, haben die Liberalen sich bei den am Dienstag ab- gehaltenen Wahlen in den Gemcindeparlamentcn nirgendwo dazu bequemen können, unserer Partei den ihr gebührenden Anteil im Schöffenkollegium(so viel als Magistrat) zu ge- währen. In Amsterdam erhielt Genosse W i b a u t nur 20, im Haag Genosse T c r l a a n nur 16. in Rotterdam Genosse S p i e k m a n gar nur 9 von je 45 insgesamt abgegebenen Stimmen. In allen diesen Fällen stimmte nur ein ganz kleiner Teil der freisinnigen Gcmeindevertreter für die Kandidaten unserer Partei. Man sieht hieraus, wie wenig Wert auf das liberale Zeitungsgeschrei während der Kabinettskrise zu legen ist, daß es notwendig sei, die Sozialdemokraffe an der Re- gierung zu beteiligen. Jetzt, wo sich in den Gemeinden Ge- legcnheit geboten hätte, Sozialdemokraten zur Mitregierung heranzuziehen, versagen die Liberalen aufs jämmerlichste. Die Reaktion in Holläudisch-Judieu. Die scharfe Regierungsattacke in Indien gegen die Führer der Oppositionsbewegung der Eingeborenen wird in verschärfter Weise fortgesetzt. Während Herr B o u w e S Dekken sich der Verbannung nach der abgelegenen Insel Timor entzogen hat, indem er nach Holland abreiste, um seine Sache dort weiter zu fördern, find jetzig vier eingeborere Journalisten von drei verschiedenen! oppositionellen Blättern in Bandung auf Java verhaftet worden. Der bekannteste ist Dr. M a n g u n k u s o m o, ein sehr begabter Javaner, der in Vertretung Dekkers dessen Tageblatt.Expreß' redigierte. Die.Missetat' der Verhafteten bestand in der Ver- breitung eines Flugblattes, in welchem sie die Eingeborenen auf- forderten, nicht an den Festlichkeiten teilzunehmen, die zur Jahr- Hundertfeier der holländischen nationalen Unabhängigkeit abgehalten werden. Sie meinen, daß die Jndier keine Ursachen haben, sich an der nationalen Unabhängigkeit ihrer Unterdrücker zu erfreuen. Diese unerhörten Verhaftungen werden im holländischen Parlament zu den schärfsten Protesten führen. Hm der partei. Aus den Organisationen. Die Parteiorganisation des Kreises Schwarzburg-Son- dershausen beschäftigte sich am 30. August d. I. mit der Zu- stimmung der Fraktion zu den Deckungsvorlagen. Nach eingehender Diskussion, in der ein Teil der Parteigenossen gegen, der größere Teil für die Stellungnahme der Fraktion zu diesen Fragen eintrat, wurde mit allen gegen neun Stimmen eine Resolution angenommen, in der sich die von 100 Mitgliedern besuchte Versammlung mit der Stellungnahme der Reichstagsfraktion zu den Deckungsvorlagen einverstanden erklärt. Die Fraktion habe im Kampfe gegen die Wehrvorlage ihren Mann gestanden. Hätte sie bei den Dcckungsvorlagen einen anderen Standpunkt eingenommen, dann hätte das nicht im Interesse der Arbeiterklasse ge- legen. Wiener BildungSarbeit. An den Einzel- und Zyklenvorträgcn, die vom Untcrrichtsaus- schuß der vereinigten Wiener Partei- und Gewerkschaftsorganisa- tion veranstaltet wurden, haben im letzten Jahr an 70000 Zu- Hörer teilgenommen, aber mehr als 100 000 organisierte Arbeiter -haben im ganzen Fahr kaum einen Vortrag besucht. Ohne die Zyklen wurden 300 Vorträge über Sozialismus, Wirtschaftsgeschichte und Arbeiterbewegung, 304 über Sozialpolitik und Politik, 155 über gewerkschaftliche Fragen abgehalten. 241 Zhklenvorträge lvaren der gewerkschaftlichen Tätigkeit und Theorie gewidmet. Es haben jedoch von den 584 Wiener Gewerkschaftsgruppen nur 235 die zentrale Vortragsvermittelung in Anspruch genommen und statt der pro- grammäßigen 8 Vorträge im Jahr wurden nur 2 beansprucht. Den größten Bildungscifer betätigen die Jugendlichen. Tie Er- folge der Wiener Arbeiterschul«— eine ständige Parteischule nach deutschem Muster besteht noch nicht— sind sehr befriedigend. Forderung der Einheitssprache. Mit der Bitte um Veröffentlichung ist uns folgende Resolution zugegangen: „Die anläßlich des neunten internationalen Esperantokongrcsses in Bern versammelten esperantistischen Sozialisten, Vertreter von 8 Nationen, konstatieren den Wert sogar Notwendig- keit einer gemeinsamen Sprache für die soziali- stische Bewegung und bitten das Internationale sozialistische Bureau, die Frage einer internationalen Sprache zu studieren und dem nächsten internationalen Sozialistenkongrcß die Annahme de- „Esperanto" zu empfehlen._ polizeiliches, gerichtliches ukw. Strafkonto der Parteipresse. Zu 150 Mark Geldstrafe wurde Genosse E.Müller von der„Bolkszeitung' in Düsseldorf verurteilt, weil unter seiner Verantwortung am 23. Dezember 1912 ein Artikel:„Einer fremden Mutter Schicksal' erschien, durch den sich der Gutsbesitzer und Amtsvorsteher Klausa in Pilsuitz bei Breslau beleidigt fühlte. Der Amtsanwalt hatte 200 M. beantragt. Wegen des gleichen Ar- tikels sind schon mehrere Redakteure von Parteiblätteru mit Ge- fängnisstrafen von 1 bis 3 Monaten bedacht worden. Ein„böswilliger' Majestätsbeleidiger. Auf Grund der bekannten Gendarmenprotokolle wurde Genosse Schneidewind- Breslau, Angestellter des Metallarbeiterverbandes, vom Landgericht O e ls am Montag zu zwei Monaten Ge- fängnis verurteilt. Genosse Schneidewind soll in einer Ver- sammlung am 1. Mai, als er über unsere Maiforderungen und das Preußenwahlrecht in Trachenberg im Wahlkreise des ungekrönten Königs von Preußen sprach, nach den Aufzeichnungen des über- wachenden Gendarmen die Majestätsbeleidigungen begangen haben. Das Gericht nahm auch die B ö s w i l l i g k e i t als erwiesen an: Schneidewind, der schon häufig über das gleiche Thema gesprochen hat, ist bisher noch unbestraft. Soziales. Eine schwere Beschuldigung. Die Verkäuferin P e t r e n z klagte gestern vor dem Kauf- mannsgericht- gegen die Firma G rgi b e r u. S k o p n i k auf Zah- lung von 212,50 M., und zwar Gehalt für die Monate August und September je 50 M. und als Entschädigung für entgangene Kost in der zweiten Hälfte des August 37,50 M. urid für September 75 M. Sie war am 14. August aus der Stellung gegangen, weil sie angeblich der Mitinhaber der Firma, G r u b e r, mit u n s i t t- lichen Anträgen belästigte, die sogar am fraglichen Tage in Vergewaltigung übergegangen sein sollen. Diese un- geheucrlichcn Beschuldigungen, obwohl sie den Beklagten zumindest seit Stattfinden des ersten Termins bekannt gewesen sind, haben den Beschuldigten G r u b e r bis heute nicht veranlaßt, ein Er- mittelungsverfahrcn zu beantragen! Wenn die Anschuldigungen richtig sind, ist es von der Klägerin ziemlich leichtfertig gewesen, auk den Vcrglcichsvorschlag des Gerichts einzugehen, denn einmal mußten ihr nicht nur die geforderten Beträge zugesprochen werden, sondern sie behielt sich weiter auch alle weiteren Ansprüche vor, die etwa aus einer gesundheitlichen Schädigung geltend zu machen wären. Sie befindet sich tatsächlich auch in ärztlicher Behandlung wegen der aus jenem Vorfall resultierenden Beschwerden. Sie hat nun zwar 125 M. erhalten, hat dafür aber auch auf alle weiteren Ansprüche verzichtet. Der Strich durchs Zeugnis. Zur Vorsicht bei Zeugnisklagcn mahnt folgender originelle Fast, der dieser Tage das Kauftnannsgericht Hannover beschäftigte. Ein dortiger Gummitvarcnfabrikant hatte seinem abgehenden Buch- Halter ins Zeugnis geschrieben, daß er zur Konkurrenz gehe und damit die Interessen seiner alten Firma bewußt schädige. Der Buchhalter hatte Streichung dieses Satzes beantragt, und das Kauf- mannsgericht verurteilte auch die Firma, dem Antrage entsprechend, den inkriminierten Satz im Zeugnis zu streichen. Die Beklagte befolgte das Urteil wörtlich: sie machte durch den betreffenden Satz im alten Zeugnis einen dicken Strich, aber doch nur so dick, daß die ausgestrichenen Worte gerade noch zu lesen waren. Natürlich war der Buchhalter mit dem solcherart„verbesserten' Zeugnis nicht zufrieden und beantragte erneut, die Beklagte zur Ausstellung eines neuen Zeugnisses zu verurteilen. Die Firma berief sich jedoch auf den wörtlichen Text des Urteils, den sie korrekt befolgt habe.— Das Kauftnannsgericht war durch diese Weigerung in die un- angenehme Lage versetzt worden, sein eigenes Urteil erst inter- pretieren zu müssen. Es sprach dem Kläger ein neues Zeugnis zu und begründete das wie folgt: Wenn auch die Beklagte zur „Streichung" des Satzes verurteilt worden sei, so könne der Urteils- tenor sinngemäß nur dahingehend ausgeführt werden, daß der Buch- Halter ein anderes Zeugnis erhalte, in welchem der betreffende Satz fortgelassen sei. Der Fall zeigt, daß bei Zeugnisklagen nicht ein Antrag auf „Streichung", auch nicht auf„Abänderung', sondern ein Antrag auf Ausstellung eines neuen Zeugnisses gestellt werden muß. Hus Induftric und DandeU Beschränkung der deutschen Diamantenproduktiou. Die Bedeutung und Ergiebigkeit der Diamantenproduktion in D e u t s ch- S ü d w e st a f r i k a ist von der Regierung und den Kolonialinteressenten weit übertrieben worden. Jetzt JieHt sich die Regierung selbst gezwungen, die Produktion zu beschränken— wie man angibt, nur um die Preise zu halten, tatsächlich aber, weil eine Erschöpfung der Diamantenfelder droht. Die Di�amantenr egie, der der Vertrieb der Diamanten vom Reich übertragen ift,_ stellt eine Reichskanzlerverordnung in Aussicht, die ein Höchstmaß für die zur Verwertung zu bringenden Diamanten festsetzt._ Die Förderer werden in zwei Gruppen geteilt. Zu Gruppe A gehören: jetzige jährliche Kontingent Produktion ca. � Pomona..... 000 000 Karat 378 000 Karat Koloniale Bg.... 300 000„ 242 000. Deutsche Diamanten 180 000„ 103 000„ Pacht Ges..... 144 000„ 104 000. Colmanskop... 108 000„ 73 000„ Statt 1.3 Millionen Karat soll also in Zukunft die Produktion dieser Gruppe nur 0,9 Millionen Karat betragen. In Gruppe B befinden sicki alle übrigen Gesellschaften, zurzeit 12 an der Zahl. Sobald die Förderung dieser Gruppe 1,44 Millionen Karat übersteigt, soll eine Kontingentierung auf der gleichen Grund- läge wie bei der Gruppe A stattfinden. Börsenmanöver des russischen Naphthasyndlkats. Im Naphtha- gebiet von Baku wird seit einiger Zeit gestreikt. Der Stand des Streiks ist im allgemeinen der, daß die kleinen und mittleren Firmen die Forderungen der Streikenden zum größten Teil befriedigen, während die großen Firmen hartnäckig die Hauptforderungen ver- weigern. Diese Tatsache wird durch eigenartige Vorgänge an der Börse in ein besonderes Licht gerückt. Nachdem die Naphtahwerte an der Börse infolge des Streiks eine Zeitlang sanken, sind die Aktien der größten Firmen, und zwar derjenigen, die an der AushungerungS- taktik gegenüber den Arbeitern festhalten(Gebr. Nobel, Mantaschew, Lianosow u. a.) in den letzten Tagen rapid in die Höhe gegangen. Die Naphthakönige verkaufen ihre Vorräte zu erhöhten' Preisen, und die Börse reagiert darauf mit erhöhten Notierungen der betreffenden Werte. Während die streikenden Arbeiter hungern, verdienen die Herren des Naphthasyndikais Hunderktausende und lehnen es im übrigen ab, mit den streikenden Arbeitern zu unterhandeln. Die Praxis des Naphthasyndikais wird sogar in einem aufsehen- erregenden Artikel der offiziösen„Rossija" verurteilt, derselben „Rossija", die gegen die streikenden Naphlhaarbeiter Gift und Galle speit. Nach der Darstellung dieses Blattes beherrscht die Russiscbe General- Naphtha- Compagnie sGcneral Oil) die Naphthawerke Mantaschew u. Co., Schichowskoje, Naphthalanskoje, Moskaue? Kaukasisch: Gesellschaft, Kaspische Gesellschaft, und durch die Firina Lianosow noch eine ganze Gruppe anderer Werke. In nächster Zeit wird dieAngliederung einer großenAnzahl vonNaphthawerken an diese? Syndikat erwartet,'lieber die Firmen Nobel und Rothschild schreibt das russische Regierungsblatt:„Es ist längst allbekannt, daß die Firma Nobel einen ungeheuren Teil der Naphthaausbeute in ihren Händen konzentriert. Außerdem hat sie mit der Firma Roth- schild hinsichtlich der Verteilung der Absatzmärkte einen be- sonderen Vertrag geschlossen. Da Nobel und die Rothschild- Firmen, vor allem die Gesellschaft„Masut', schon längst einen bedeutenden Teil der Transportmittel sZisternen, Naphtha- schiffe usw.) in ihren Händen vereinigen, haben sie auf diese Weise ganz Rußland untereinander verteilt.' Ihr Urteil über die Abmachungen der Naphtafirmen untereinander faßt die.Rossija' dahin zusammen, daß es„angesichts dieser Verträge einigermaßen lächerlich ist, über eine Konkurrenz zu sprechen". Dieses Urteil wird aber die russische Regierung ebenso wenig hindern, der wucherischen Preispolitik der Syndikate gegenüber nach wie vor beide Augen zu- zudrücken, wie die Forderung der„Rossija", eine Revision der „Syndikats- Machinationen' vorzunehmen, in den Papierkorb zu werfen. Letzte Nachrtdrtcti. Dublin vor dem Bürgerkriege. London, 4. Septembeer.(W. T. B.) Die Lage in Dublin gibt noch immer zu Besorgnissen Anlaß und ist neuerdings durch den Entschluß der Arbeitgeber, keinen dem Transport- arbciterverband angehörenden Mann einzustellen, noch ver- tvickelter geworden. Der Lord Mayor hat die Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgefordert, einen Verständi- gungsaustausch zu bilden, und drängt darauf, daß ein kurzer Waffenstillstand abgeschlossen werde, damit die Stadt vor den Schrecken eines entsetzlichen Krieges bewahrt bleibe._ Aussperrung der Tubliocr Transportarbeiter. Dublin, 4. September.(Privattelegramm des „V o r w ä r t s".) Die Arbeitgeber Dublins haben be- schlössen, alle Mitglieder der Trans portar- beitergewerkschaft zu entlassen, was jedenfalls zu einer allgemeinen Aussperrung sichren wird. Sechs Abgesandte des britischen Gewerkschaftskongresses sind aus Manchester eingetroffen, darunter zwei Parlaments- Mitglieder unnd drei Friedensrichter. Sie berichten, Haupt- sächlich hergeschickt worden zu sein, uin den Dubliner Arbeitern zu helfen, die Redefreiheit aufrechtzuerhalten und haben init dem Statthalteer Lange eine Unterredung gehabt. Die Arbeiter sind entschlossen, am Sonntag in der O'Connel Street eine Versammlung abzuhalten, in der die britischen Gäste reden werden. Schiedsgerichtsverträge, Geldsperre und Weltbriefporto. Haag, 4. September.(W. T. B.) Die Interparlamentarische Konferenz nahm heute einstimmig den Antrag Bartholds, des Vor- sitzenden der amerikanischen Gruppe, an, der den Regierungen das von dem Staatssekretär Bryan vorgeschlagene System von SchicdsgerichtSverträgcn warm empfiehlt, nach welchem die Staaten sich verpflichten würden, solange von Feindseligkeiten abzusehen, bis eine unparteiische Untersuchung einer etwa zwischen ihnen entstandenen Streitfrage stattgefunden hätte. Die Konfe- renz beschloß, solehe Verträge in den Arbeitsplan der Kommission für internationale Rechtsprechung aufzunehmen, um ihre allgemeine Anwendung zu erleichtern. Darauf wurde eine von dem Grasen Goblet-Alviclla(Belgien) vorgeschlagene Resolution mit großer Majorität angenommen, welche die an der dritten Friedenskonfe- renz teilnehmenden Regierungen auffordert, sich über Maßnahmen zu verständigen, die den Geldmarkt neutraler Staate» für Anleihen kriegfllhrender Staaten sperren sollen. Schließlich wurde eine Re- solution von Professor Eickhoff(Deutschland) angenommen, welcher ein Weltbriefporto von 10 Centimes bis zum Briefgewicht von 20 Gramm vorschlägt. Huerta verzichtet auf die Präsidentschaft. Washington, 4. September.(W. T. B.) Amtlich wird mitgc- teilt, die Regierung habe eine mündliche Zusicherung erhalten, daß der provisorische Präsident von Mexiko. Huerta. aicht als Kan- didat für die Wahl des definitive» PrSsidentrn auftreten verde. 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September l9lZ. vas erfurter Schreckensurteil vor dem Oberkriegsgericht. Erfurt, t. September ISIS. Die Verhandlung gegen die vom Erfurter Kriegsgericht ver urteilten fünf Reservisten wird heute bor dem OberlriegSgericht des Armeekorps Kassel hier fortgesetzt. Im Auftrage deS Kriegsministeriums wohnt Geh. KriegSrat Mörler von der Justizabteilung des Kriegsministeriums der Verhandlung bei. Nach Eröffnung der Heu« tigen Sitzung stellt Verteidiger Rechtsanwalt B a rn a u« Berlin noch eine Reihe von Beweisanträgen, darunter auch einen auf Ab- Haltung eines Lokaltermins in der Gastwirtschaft Riixleber- Zoll, in der sich die Vorgänge abgespielt haben, die zur Erhebung der Anklage wegen militärischen Aufruhrs führten. Das Gericht fetzt die Befchlutzfaffung aus und fährt in der Zeugenverneh- mung fort. Zunächst wird der Gemeindevorsieher von Wolkramshausen Kofand üSrr den Leumund der Angeklagten vernommen. Er stellt sämtlichen Angeklagten ein günstiges Leumundszeugnis aus und bezeichnet sie als ruhige und besonnene Menschen, die hier offenbar nur unter dei� E i n- Wirkung deS Alkohols gehandelt hätten. Der Zeuge kann auch nicht sagen, daß die Angeklagten sich in hervorragender Weise politisch im sozialdemokratischen Sinne betätigt hätten. Zeuge Arbeiter Schulze ist als Entlastungszeuge geladen. Er war Zeuge der Vorgänge und bekundet, dah eigentlich alles flott und glatt gegangen sei.— Verhandlungsführer Oberkriegs« gerichtsrat Platz: Das kann aber doch offenbar nicht stimmen, die Leute haben sich doch gewehrt und auf die Polizisten geschimpft. — Zeuge: Das weist ich nicht mehr, ich kann nur sagen, dah die Leute weiter nichts wollten, als, nachdem sie hinausgebracht waren, wieder in das Lokal zu kommen, dabei gab cS natürlich Spektakel, aber er war nicht sonde-rlich groh. Erst als die Polizisten blank gezogen hatten, liefen die Leute weg.— Zeuge Zuckerkocher Georges ist der Vater eines der An« geklagten und bekundet, dast sein Sohn an jenem Abend sehr betruntsn nach Hause kam.— Verhandlungsführer: Haben Sie nicht gewutzt, was er getan hat?— Zeuge: Das weist ich nicht mehr, jedenfalls ging ich am Sonntag nach der Kontrollversammlung zum Polizeisergeanten Müller und fragte ihn, ob mein Sohn irgend etwas Strafbares begangen habe. Müller sagte, dast er ihm nicht gehorcht hätte und er fügte hinzu, dast die Leute etwas in den Getränken gehabt haben mühten, sonst hätten sie nicht so betrunken sein können.— Ver« handlungssührer: Dast die Leute sehr betrunken waren, glauben wir alle. Ist Ihr Sohn überhaupt ein Trinker!— Zeuge: Nein. Zeuge Gastwirt Bock ist der Inhaber der Gastwirtsckaft RüxIeber«Zoll, wo sich die Ausschreitungen abspielten. Die Kneiperei, so gibt er an. hat schon am Vormittag unmittelbar nach Beendi« gung der�ontrollversammluna begonnen: diese Kneipereien gehdn alljährlich in seiner Wirtschaft nach den Kontrollversammlungen vor sich, denn die Reservisten und Landwehrmänner lege» ein Fast Bier auf und kneipen dann tüchtig.— Verhandlungsführer: Der Gendarmeriewachtmeister Stock war ja schon auf der �ontroll« Versammlung selbst gewesen: haben Sie. als die Leute hmkamen, irgend etwas an ihnen gemerkt, dast sie von Mistftimmung gegen den Wachtmeister erfüllt waren?— Zeuge: Nein. Die Leute tranken zunächst ruhig ihr Bier aus und erst als viel getrunken war, wurden sie lauter.— BerhandlungSführer: Wurde lehr viel ge- trunken?— Zeuge: Jawohl, sehr viel Bier und noch mehr Schnaps.— BerhandlungSführer: ES war also«ine allge« mein« Bezechtheit.— Zeuge: Ist, die Leute waren angeheitert. Der Zeuge schildert dann, wie es zu dem Spektakel zwischen einem WollramShausener und einem Heinroder wegen eines Mädchen« kam, diese vertrugen fich aber wieder und eS wurde wieder ruhig, bis der Polizeisergeant Müller kam.— Ver« Handlungsführer: Das ist doch nicht aufgeklärt, wer hat denn eigent« lich den Polizeisergeanten geholt T— Zeuge: Das weih ich nicht, ich nicht, auch niemand von meinem Personal.— Zeuge Polizeisergeant Müller: Ich bin von drei Gästen herbeigeholt worden.— Zeuge Gastwirt Bock: Ich wunderte mich, dast die Polizei kam. Müller forderte inich auf. den Leuten mein Lokal zu ver« bieten. Ich schlost mein Geschäft ab und ermahnte die Leute, ruhig nach Hause zu gehen; die Leute gingen aber nicht und nun holte der Polizeisergeant den Gendarmeriewachtmeister zu Hilfe. BerhandlungSführer: Haben Sie gehört, dast auf dir Polizisten ge« schimpft wurde, z. B., dast die Polizei die Schnauze hallen solle und anderes mehr?— Zeuge: Das weist ich nicht mehr, ich habe mich um die Borgänge selbst nicht mehr gekümmert, nachdem die Polizei da war. Müller istsonstsehrintimmit denLeuten und da iveist ich nicht, wie er die Leute zuerst angeredet hat.— Ver« handlungssührer: Es muh doch ein ziemlicher Tumult geherrscht haben.— Zeuge: Jawohl, und gerade deshalb weist ich über die Einzelheiten nichts mehr. Ich weist nur, dast die Polizei« beamten vorschriftSmähig vorgegangen sind.— Verhandlung«» führer: Sie wollen als Gastwirt recht zurückhaltend sein: e« ist begreiflich, dast Ihnen diese Vorgänge unangenehm sind, aber jedenfalls find doch Schimpfworte gefallen, wie JLuntemann, Lumpenspinner' und ähnliches V— Zeug«: Darüber kann ich nichts sagen.— BerhandlungSführer: Auf der einen Seite haben sich die Angeklagten auf ihre Eigenschaft als Soldaten berufen upd erklärt, die Polizisten hätten ihnen nichts zu sagen, und das andere Mal wieder haben sie gesagt, sie seien freie Arbeiter und Sozialdemokraten und als solche hätte ihnen überhaupt niemand etwas zu sagen.— Zeuge Gastwirt Bock: Ich habe nicht genau hin« gehört.— BerhandlungSführer: Einer der Angeklagten soll auch Ihre Mutter festgehalten haben und inzwischen sollen sich die andern Bier eingeschenkt haben.— Zeuge: Ich habe g est acht, das fei ein Spatz. Meine Mutter aber meinte, sie könnte solche Spätze aber nicht vertragen. Zeuge Postbeamter H a g e m e i e r, ein Bruder deS Angeklagten, macht von denr Recht der Zeugnisverweigerung Gebrauch. Zeuge Eisendreher Otto« S ch i l l i n g hat gesehen, wie der Wachtmeister mit gezogenem Säbel auf die Leute losging.— Verhandlungsführer: Haben Sie auch gesehen, was die Leute gemacht haben?— Zeuge: Rein.— BerhandlungSführer: DaS ist sehr auffällig; Sie wollen nur gesehen haben, was die Polizei tat und nicht, dah die Leute räsonnierten und schimpften..— Zeuge Schilling: Ich habe wohl gehört, dast die Leute etwa? sagten, aber waS sie sagten, da« konnte ich nicht verstehen.— Zeuge Arbeiter Fischer hat gesehen, dast einer der Angeklagten a n ver Hand blutete.— Verhandlungsführer: Als Sie hinzu« kamen, war die Sache also offenbar schon vorbei.— Zeuge Schmied Franz Schulze will gesehen haben, dast der Schutzmann auf die Angeklagten mit einem Säbel einhieb.— BerhandlungSführer: Da» haben ja aber nun die Angeklagten selbst nicht behauptet.— Zeuge: Ob die Angeklagten getroffen worden sind, weih ich nicht. Vertreter Rechtsanwalt B a r n a u« Berlin: Die Angeklagten sogen übereinstimmend, dast auf sie eingeschlagen .»»d dast Leute getroffen worden sind, die nachher Locher in ihren Kleidern hatten.— BerhandlungSführer t• DaS ist aber ganz neu! U denn überhaupt jemand getroffen worden?— Zeug«: Der »ng, klagt« See ist ganz'vestimmt getroffen worden, da«c an der Hand blutete.— Verhandlungsführer: Was haben Sie noch gesehen?— Zeuge: Dast der Gendarm den Mantel selbst abnahm.— Zeuge Gendarmeriewachtmeister Stock: DaS ist nicht richtig, der Mantel ist mir heruntergerissen worden.— Verhandlungsführer: WaS weih der Zeuge noch?— Zeuge: Ich habe gesehen, dah der Angeklagte See seinen Spazierstock zerbrach, weshalb, weist ich nicht.— Verhandlungsführer: Der Gendarm aber behauptet, dast See mit diesem Stock nach ihm geschlagen hätte.- Zeuge: Das habe ich nicht gesehen.— Zeuge Schmied Un behauen hat gesehen, dast der Gendarm seinen Mantel selbst abgenommen und ihn der Mutter des Wirts zurAufbewahrung gegebenhat. Er hat ferner gesehen, dast die Leute stark betrunken waren. Sie waren nicht allzu laut, aber sie räsonnierten. Der nächste Zeuge ist der in der ersten Instanz mit verurteilte Angeklagte R o p t e. der gegenwärtig im MilitärstrafgefängniS T o r g a u die über ihn verhängte Gefängnisstrafe von sieben Monaten verbüstt. Er hat auf die Berufung verzichtet. Er ist wefjen Widerstand gegen die Staatsgewalt, wegen Bedrohung und Bcleidi« gung eines militärischen Vorgesetzten verurteilt und erscheint in der Uniform der Militärsftäflinge.— BerhandlungSführer: Weshalb sind Sie bestraft worden, was haben Sie gemacht? Zeuge Ropte: Der Polizeisergeant Müller will mich gewaltsam aus dem Lokal gebracht haben, das ist nicht wahr.— Verhandlungsführer: Da nimmt man doch nicht eine C fängnisstrafe von sieben Monaten anl— Zeuge: Ich habe eS getan, weil meine sämtliche« Zeugen abgelehnt wurden und weil ich dachte, eS käme doch dabei nichts heraus.— Verhandlungsführer: Habep Sie auch geschimpft?— Zeuge: Nein.— VerhandlungS« sührer: Dann sind Sie also der Unschuldigste! Haben Sie die Beamten nicht auch bedroht?— Zeuge: Ach, d a S ist nicht wahr!— Verhandlungsführer: Sie und die heutigen Angeklagten sollen militärischen Aufruhr begangen haben dadurch, daß Sie mit Gewalt wieder in das Lokal eindringen wollten. Sie selbst sind ja von der Anklage deS Aufruhrs freigesprochen. WaS wissen Sie von den anderen Angeklagten?— Zeuge: Ich kann nur sagen, dast ich mit dem Angeklagten Kolbe ganz abseits gestanden habe. Zeuge Architekt Klaus aus Wolkramshausen ist der Ar« beitgeber der Angeklagten Hagemeier und See. Er schildert den Angeklagten See als einen guten, fleistigen und ruhigen Arbeiter. Wenn gröstere Bauten aufgerichtet werden, so findet ein Richtschmaus statt, bei dem sehr viel Alkohol getrunken wird. Trotzdem ist See nie malS ausgeartet.�- Verhandlungsführer: Haben Sie ein Urteil darüber, ob See von austen leicht zu beeinflussen ist und dann töricht handelt? See ist offenbar auch hier der Geschobene.— Zeuge: Das kann ich auf Gruud meiner Erfahrungen bestätigen.— Verhand lungsfübrer: Sie meinen also, dast See sich leicht aufhetzen und ver« führen lästt.— Zeuge: Ja.— Verhandlungsführer: Es ist hier auch zur Sprache gekommen, dast die Leute sich in ihrer Trunkenheit aufs hohe Pferd gesetzt und gerufen haben, sie seien Sozialdemokraten und freie Arbeiter, ihnen hätte niemand etwas zu sagen. Meinen Sie, dast diese Worte auf die Zugehörigkeit zu einetbepimmtei, Organisatiou abgezielt haben?— Zeuge: Das glaube ich nicht. Ich glaube, dast die Leute mit dem Ausdruck«freie Arbeiter* nur sagen wollten, dast sie s e l b« ständige denkende Arbeiter find.— Mit dem Angeklagten Hagemeier bin ich wegen der Höhe des Lohnes in Differenzen geraten, aber ich mutz auch ihm das Zeugnis eines ge« schickten und fleistigen Arbeiters ausstellen. Ich bin mit ihm sehr zufrieden gewesen.— Verhandlungsführer: Der Angeklagte See ist doch aber wegen Körperverletzung vorbestraft und trotzdem schildern Sie ihn als ruhigen Arbeiter.— Zeuge: Einmal schiebe ich die Schuld daran auf den Alkohol und dann meine ich, dast er leicht zu beeinflussen ist. Ich habe einmal zwei Arbeiter entlassen müssen und See hat daraufhin die Arbeit bei mir nieder« gelegt, obwohl ihm die ganze Sache aar nichts anging. Wenn er betrunken war, mutzte man ihn nur entsprechend behandeln und durfte ihn nicht noch weiter reizen. Damit ist die Zeugenvernehmung beendet, und auf Anregung des Vertreter« der Anklage KciegSgenchtSratS Dr. Schrüd er äußern sich nunmehr zum Schluß noch einmal die beiden Haupt zeugen, Polizeisergeant Müller und Gendarmerie» Wachtmeister Stock darüber, ob fie nach den Aussagen der Gegenzeugen ihre Aussagen aufrecht erhalten. Polizeisergeant Müller erklärt, dast er seine Aussage aufrecht er« halte, er wiffe bestimmt, dast er gegen den Angeklagten Hagemeier habe vorgehen müssen und daß er gegen die anderen Angeklagten nur deshalb nicht habe vorgehen können, weil sie ihn daran gehindert hätten. Er könne auch auf das be« stimmteste erklären, dast geschimpft worden sei, aber nicht im einzelnen sagen, iver nun gerade geschimpft hat.— Vertreter der Anklage Dr. Schröder: Wir müssen doch aber bestimmte Unterlagen haben und wiflen, was die Angeklagten im einzelnen getan haben/— Polizeiscrgeant Müller: Dazu war der Tumult zu groß, ich kann darüber i m einzelnen keine bestimmten Angaben niachen. Auch der Gendarmeriewachtmeister Stock hält seine gestrigen Aussagen aufrecht und bekundet in noch bestimmterer Form, was die einzelnen Angeklagten getan haben. So erklärt er auf da? bestimmteste, dost H a g e m e i e r sich gewehrt hat, als er auS dem Lokal herausgebracht werden sollte, und dast S ch i r m e r ihn sden Wachtmeister) mit den: Stock geschlagen habe. ES sei nicht wahr, daß er seinen Mantel selbst heruntergetan välte, sondern der Mantel sei ihm mit Gewalt heruntcrgerrssen worden. Auch habe der Angeklagte Kolbe nicht abseits gestanden, sondern mit den anderen zusammen, und gerade Kolbe habe gerufen: „Kommt Ihr mal nach Wolkramshausen, wir schlagen Euch die Knochen kaput, so daß Ihr sie im Taschentuche nach Hause tragen könnt I'— Vert. Rechtsanwalt B a r n a u« Berlin: Gestern hat der Zeuge diese Aussagen durchaus nicht in so bestimmter Form gemacht.— Zeuge Gendarmeriewachtmeister Stock: Ich habe mir oie Sache noch genauer überlegt und kann heute ganz bestimmte An« gaben machen. Tie Plaidoyers. Justizrat Schncichel« Erfurt begründet als Verteidiger der An« geklagten die Berufung: Wenn man richtig verstehen will. WaS am 17. April im„Riizleber-Zoll" vor sich gegangen ist, mutz man sich in die GemiilSstinimung und den Bildungsgrad der Leute versetzen, die dort verkehren. Diese Leute sind einfache Arbeiter ohne hohe Bildung, die unter dem Eindruck de« Alkohols kräftige Ausdrücke gebrauche». Sie hatten sehr viel aetrunlen: wenn sie auch nicht wegen, sinnloser Betrunkenheit freigesprochen werden, so mutz doch diese Trunkenheit als mildernder Umstand gelten. Nach einer Darstellung des Herganges der Vorkommniffe führt der Verteidiger weiter aus: Juristisch ist daS erste Urteil deshalb zu bekämpfen, weil eS mehrere Handlungen annimmt, während eS sich nur um eine fortgesetzte Handlung dreht. Dann war der Tatbestand deS militärischen Aufruhrs nicht gegeben, denn die Angeklagten haben in dem Wendarmen nicht den Vorgesetzten gesehen, sondern lediglich den Polizeibeomtcn, der den Wirt bei der Aufrechterhaltnng seine« HauSrechtS unterstützte. Der Verteidiger schlieht daher mit dem Antrag, nur ein« fortgesetzte Handlung an- zunehmen, da« Bewusttsein. dast st« e» mit«wem Vorgesetzten zu tun hatten, bei den Angeklagten zu verneinen. Die Angeklagten Ses und Schirmer haben lediglich wegen deS Strafmaßes Berufung eingelegt. Die Schuldsrage bei ihnen steht also fest, immerhin muß man alles zu ihren Gunsten annehmen, was für die anderen An- geklagten jetzt gilt, die weitergehende Berufung eingelegt, so dast man bei ihnen bis auf das Strafminrmum herabgehen sollte. Verteidiger Rechtsanwalt Barnau-Berlin: Auch ich meine, daß das Kriegsgericht falsch gehandelt hat, wenn eS den Tatbestand in mehrere Teile zerlegte. Es liegt nur eine einheitliche Handlung vor. Die Angeklagten sträubten sich dagegen, dast sie auS dem Lokal heraus sollten, und daraus entstanden die Widersetzlich- leiten, zuerst gegen Müller und dann gegen Stock. Diese Widersetzlichkeiten' übertrugen sich dann vom Lokal auf die Straße. Nachdem der Polizeisergeant Müller den Angeklagten Hagemeier hinausgebracht hatte, entstand bei allen Angeklagten der Entschluß: Wir bleiben im Lokal, wir gehen nicht heraus I Aus diesem Entschluß sind alle ferneren Handlungen zu erNären. Gewist sind die Angeklagten wegen recht grober und häßlicher Ex�effe zu bestrafen, aber es muß eine milde Beurteilung Platz greifen wegen der Trunkenheit. Diese �Trunkenheit ist hervorgegangen auS menschlich und militärisch leicht* zu verstehenden Gründen, nämlich aus einem Zechgelage nach einer Kontrollversammlung. DaS liegt nun einmal in dem militärisch erzogenen Preußen und wird so bleiben, dast bei dieser Gelegenheit getrunken wird. Bedauerlich ist, dast See und Schirmer nur wegen des Strafmaßes Berufung eingelegt haben, denn auch bei ihnen liegt militärischer Aufruhr nicht vor, eS ergibt sich aber für fie der traurige Fall, dast gegen sie auf m i n d e st e wS ein Jahr Gefängnis erkannt werden muß. Diese Strafe ist viel zu hoch als Sübne für da«, was die Angeklagten begangen haben. Gegen die Angeklagten liegen bor allem vor die Aussagen der Polizeibeamten Müller und Stock. Gewiß hat der Polizei- sergeant Müller den Eindruck gemacht, dast er seine Aussage sorg- fältig überlegt hat, von dem Gendarmeriewachtmeister Stock läßt fich das gleich« aber nicht sagen. Die Angeklagten waren betrunken, aber nicht so finnloS betrunken, dost für sie der§ öl des Strafgesetzbuch« in Frag« kommen konnte. Es bat sich nicht um Auftuhr gehandelt, sondern höchstens um Widersetzlichkeit gegen die Staatsgewalt. Die Bekundungen de« Gendarmeriewachtmeisters Stock müssen mit der größten Borficht auf- genommen werden. Bei Kolbe must, auch wenn bei den anderen An- geklagten militärischer Aufruhr angenommen wird, diese Schuldfrage ver- ueint werden, weil er weit von den anderen Angeklagten weg ge- standen hat. Es dreht sich nun dann», welche Strafen verhängt werden sollen. Stock hat gewist nicht böswillig falsch gegen die Angeklagten ausgesagt, oberer hat keinen Unterschied gemacht zwischen dem, was er wirklich gesehen, und dem, waS er von Dritten gehört hat. DaS geht schon daraus hervor, daß er von den Angeklagten behauptet hat, diesen Leuten könne man so etwas zutrauen. Er hat gesagt, die Angeklagten neigten zu Widersetzlichkeiten. Als er dann gefragt wurde, worauf er dieses Urteil gründe, schrumpften, seine Angaben sichtlich zusammen. Er als Beamter hätte doppelt Ursache gehabt, zu prüfen, dah fünf Familienväter auf der Anklagebank sitzen, die unter unglaublich harten Strafen seufzen. Trotzdem, hat der Gendarm weiter nichts für die Angeklagten übrig. als das Wort, dast man ihnen so etwas zutrauen könnte. Der Verhandlungsführer hat in dankenswerter Weise den Gendarmen aufgefordert, seine Aussagen genau zu prüfen; eS ist ein deutlicher Unterschied zu merken, zwischen den Aussagen des Gendarmeriewachtmeisters gestern und beute. Heute weiß er plötzlich mehr! Aus alledem geht hervor, daß dieser Zeuge mit vorgefaßter Meinung seine Aussagen gemacht hat und daß ihm daS not- wendige Unterscheidungsvermögen fehlt. Dann hat er auS dem Ruf:„Wir sind freie Arbeiter, wir sind Sozialdemo- kraten I' den Schluß gezogen, dast die Angeklagten dort ein politisches Meeting abgehallen haben. Diesen polittschen Zuruf hat lediglick der Gendarm in die Sache hineingebracht. Der Vorgang selbst ist unendlich harmlos. ES liegt nun einmal im Charakter unseres Volkes, daß alle möglichen Ge« legenheiten benutzt werden, um Feste zu feiern und Feste zu be- gießen; nicht nur bei den Ständen, denen die Angeklagten an« gehören, sondern auch in anderen Ständen, begießt man sich bei solchen Gelegenheiten die Nase, dann kommt man in das Politisieren hinein, auch nicht bloß in den Kreisen der Angeklagten. Leute von bester Kinderstube und bester akademischer und militärischer Erziehung pflegen, wenn sie sich herzhaft bezecht haben, törichterweise zu politisieren und so hat einer der Angeklagten eben gerufen:„Wir sind Sozial« demokraten!' Irgend einen wirklichen politischen Beigeschmack haben die Vorfälle nicht gehabt. � Es handelt sich eben um zwei Kategorien von Leuten, um diejenigen, die das erste Mal und diejenigen, die das letzte Mal bei der Kontroll- Versammlung Wang?, sie haben sich mit Schnaps und Bier betrunken und in der Trunkenheit den Anordnungen der Polizei Widerstand geleistet. Wenn die Leute nicht unter dem Militärstrafgesetzbuch swnden, daS Zivilgericht hätte die Sache mit G e l d st r a f« oder einigen Wochen Gefängnis abgemacht. Gewiß stehen die Leute am Tage der Koutrollversammlung unter dem Militärstrafgesetz, aber diese Bestimmung wird von hervorragenden Vertretern der militär- juristischen Wissenschaft mit guten Gründen bekämpft und eS ist ein großer Unterschied, ob jemand an einem Tag im Jahr ausnahmsweise ilnt«r dem Militärgesetz steht oder ob er sich in der Front befindet Das ist der Unterschied zwischen der Wider« setzlichkeit gegenüber einem Unteroffizier in der Front und einer Widersetzlichkeit gegenüber einem Gendarmen und das alles must bei den Angeklagtes mildernd ins Gewicht fallen. Ferner must Milde für sie walten, daß es Familienväter find, die zu Hause Frauen und Kinder haben. Die Strafe trifft nicht nur die Angeklagten, sondern darüber hinaus die unschuldigen Frauen und Kinder, die ihrer Ernährer auf Jahre hinaus beraubt werden.(Die Angeklagten und ihre im Zuhörerrauin zahlreich anwesenden Air» gehörigen begleiten diese Ausführungen des Verteidigers mit lautem Schluchzen.)'Ferner bitte ich, die Untersuchungshast anzurechnen. Gar so schlechte Menschen sind die Angeklagten nicht, fie haben sich beim Militär sämtlich gut geführt und auch der Gemeinde« Vorsteher hat ihnen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Wir er« warten ein Urteil, da» nicht nur dem Gesetz, sondern auch dem menschlichen Gefühl entspricht. Vertreter der Antlagc, KriegSgerichtSrat Dr. Echröbert Die Verteidigung hat nicht gezweifelt, dah daS Militärgericht zuständig ist und dah die Angeklagten zurechnungsfähig waren. Die An« geklagten waren natürlich betrunken, aber vom 8 61 ist nicht die Rede. Die Angeklagten haben auch die Schuldigsprechung nur teil- weise angefochten. Soweit eS nicht geschehen ist, kann überhaupt keine Aenderung eintreten. Da» erste Urteil nimmt mit Recht nicht eine fortgesetzte Handlung an, denn die verschiedenen Handlungen sind nicht nur von verschiedenen Personen, sondern auch an verschiedenen Orten ausgeführt worden. Wir wollen den Angeklagten auch nicht zunahe treten, sondern nur objektiv die Wahrheit erforschen. Die Leute waren an dem Tage Soldaten, und. eS must verlangt werden, daß militärische Personen den Polizeibeamten mit gebührender: Achtung entgegentrete� Wenn sich solche Exzesse abspielen, so werden dadurch militärische Interessen verletzt. Deshalb hat das Kriegsgericht mit Recht schwere Strafen verhängt, wie sie im bürgerlichen Leben sonst nicht verhängt zu werden pflegen. Diese Strafen sind aber notwendig, denn es handelt sich hier um schwere Aus- schreitungen. Der Gendarm verkSrpcrt in hohem Maße die staatliche Autorität. Wenn wir nicht mehr darauf rechnen können, dag Ruhe eintritt, sobald ein Gendarm eingreift, dann kommen wir zu t r a u r i- gen Zuständen. Also an sich handelt es sich um schwere Ver- gehen, auch tvenn man ihnen den militärischen Charakter nin�mt. Wenn die militärische Autorität des Gendarmen nicht mehr durch- greift, so könnten die Tage der Kontrollvcrsammlung sehr bald zu höchst unangenehmen Tagen werden. Die militärische Tis- ziplin mühte dann auherordentlich leiden und die Kontrollvcr- sammlungStage sind gerave dazu da, daß die Leute die militärischen Formen nicht vergessen und dag sie dem Borgesetzten die nötige Achtung entgegenbringen. Tie Leute sollen sich in den Tagen der Kontrollversammlungen als Soldaten fühlen. Das ist mit einer der wesentlichen Gründe, weshalb man an diesen Kontrollversammlungcn festhält. Diese Probe aber hat bei den Angeklagten ein sehr trauriges Resultat ergeben: sie hat vollkommen versagt. Tie Leute haben sofort vergessen, was ihnen auf der Kontrollvcrsammlung gesagt tvorden war. Alle Ermahnungen haben bei ihnen keinen Erfolg gehabt, und daher müssen die Angeklagten die schweren Strafen für ihr Vorgehen auf sich nehmen. Wenn wir hier nachgeben, kann das zu h ö ch st traurigen Folgen führen. Nun haben die Verteidiger den Tatbestand des militärischen Auf- ruhrs bestritten. Ich bin anderer Ansicht. Ter Schlag, der gegen den Gendarmeriewachtmeister geführt worden ist, ist bewiesen, denn der G e n d a r m e r i e w a ch t m e i st e r hat als Zeuge er- klärt, dah er diesen Schlag erhalten hat. Tie Beschimpfungen der Polizeibeamtcn durch die Angeklagten entstammen einer schlech- t e n G e s i n n u n g. Tie lmben die Vertreter der staatlichen und militärischen Autorität beschimpft, und da muh energisch ein- gegriffen werden. Militärischer Aufruhr liegt vor, und da kann kein Unterschied gemacht werden zwischen den Aussagen des Polizeisergeanten Müller und des Gendarmeriewachtmeisters Stock. Ter Gendarmeriewachtmeister hätte, wenn er gegen die Angeklagten voreingenommen wäre, von seiner Waffe viel früher Gebrauch machen können. Auch bei Kolbe kann der Aufruhr nicht geleugnet werden, wenn er auch nicht in jedem Zeitpunkt mitten unter den Exzedcnten sich befunden hat. Wenn die neue Novelle zum Militärstrafgesetzbuch nicht gekommen wäre, mühten die Angeklagten mit Zuchthaus bestraft werden. Nun ist die Novelle inzwischen in Kraft getreten, und sie kann hier angewendet werden. Vom militärischen Stand- Punkt aus bestehen allerdings begründete Zweifel, ob in dem vorliegenden Fall es sich um einen mindcrschwercn Fall handelt, denn was ist für die Milde anzuführen? Die Trunkenheit nicht, denn in der Beziehung gibt es eine positive Gesetzes- bestimmung, die das verbietet. Auch von jugendlichem Leichtsinn und Unerfahrenheit kann nicht die Rede seini die Angeklagten sind auch nicht überraschenderweise in die Sache bineingekommen. Es handelt sich vielmehr um grobe provozierte Ausschreitungen, die auch, abgesehen von ihrem militärischen Charakter, keine Lappalie waren und vom bürgerlichen Gericht unzweifelhaft als Land- friedenöbruch abgeurteilt worden wären. Wären die Angeklagten nicht Soldaten, so wären sie eben vor das Schwurgericht gekomnien und hätten als RädelSfübrer mit Zuchthaus bis zu ll> Jahren bestraft werden können. Wenn � hier harte Strafen ausgesprochen werden, so nicht allein, weil es sich um Soldaten handelt. Natürlich sind die militärischen Vorgesetzten nicht dazu da, dah sie .von Leuten, die sich den Bat>ch vollgetrunken hahen, in dieser Weise -orhandelt werden. Die m i l i t ä r i s ch e Di s z i p l i n ist auher- ordentlich schwer verletzt. Wenn ich trotzdem den Antrag stelle, deu Angeklagten die mildernden Umstände des K HOa zuzubilligen, so nur aus der Erwägung heraus, dah die Angeklagten immerhin nicht aktive Soldaten waren, und weil sie es andererseits nicht direkt mit einem militärischen Vorgesetzten, sondern mit einem Gendarm zu tun hatten; also wir kommen de» Angeklagten ziemlich entgegen. Es ist aber ganz undenkbar, dah wir gegen sie auf das Straf- Minimum erkennen. Es handelt sich hier um schwere Exzesse gegen- über einem Vertreter des Staates, von dem es sich die Angeklagten nicht gefallen lassen wollten, dah sie in ihrem Ver- gnügen gestört wurden; dann muh auch herangezogen werden die Gesinnung der Angeklagten. Die Angeklagten haben sich als Angehörige der Sozialdemo- k_ratie bekannt; sie haben offenbar in Versammlungen und aus Schriften von den Lehren ocr Sozialdemokratie viel in sich auf- genommen. Die Lehren der Sozialdemokratie gehen dahin, dah die Autorität des Staates und die der einzelnen Persönlichkeiten nach Möglichkeit erschüttert wird. Tabon haben die Angeklagten sich viel angeeignet und unter der Einwirkung deS Alkobols ist nun das, was in ihnen schlummerte, zutage getreten. Sie haben sich ohne Rücksicht auf die Folgen dazu hinreihen lassen, diese Handlungen zu begehen. Auch deshalb muh ganz energisch eingegriffen werden. Als vor vielen Jahren versucht wurde, dah die aktiven Soldaten sich als Sozialdeniokraten betätigen solllcn, da wurde von den Militär- gerichten energisch eingegriffen. Tie Folge ivar, dah diese Tinge so gut wie verschwunden sind. Tarauf haben wir auch hier Rück- ficht zu nehmen, damit wir uns sichern für die Zukunft. Wenn unter der Wirkung des Alkohols in Landesteilen, in denen eS mehr Anhänger o e r Sozial demokrntie gibt, der- artige Sachen sich ereignen könnten, so würden die Kontrollvcr- sammlungstage zu höchst unangenehmen Erscheinunge« werden. Ich kann daher nicht anerkennen, daß man aus das Mindestmah heruntergehen kann, sondern es müssen höhere Strafen festgesetzt werden. Ter Itrafantrarx. Ich beantrage daher: gegen Hagemeier vier Jahre drei Monate Gefängnis, gegen Georges drer'. Jahre zwei Monate Gefängnis, gegen Kolbe drei Jahre drei Monate Gefängnis, gegen See vier Jahre drei Monate Gefängnis, gegen Schirmer vier Jahre drei Monate Gefängnis. Die Untersuchungshaft bitte ich mit drei Monaten anzurechnen. Auf die Verbühung von Ehrenstrafcn kann nach der neuen Novelle nicht mehr erkannt tverden. Verteidiger Justizrat Schneichel-Erfurt: Der Vertreter der Anklage hat die schlechte G e s i n n u n g der Angeklagten zur Sprache gebracht. Er hat gesagt, dah für die Angeklagten oie Begriffe Autorität und militärische Disziplin nicht existierten. Wenn das Ivahr wäre, würde ich ihm recht geben, aber die An- geklagtew haben gar nicht an diese Begriffe gedacht. ES handelt sich um harmlose Vorgänge, die ihren Ausgang nahmen von einer Prügelei um ein Mädchen und um die Alimente. Die Angeklagten wollten nicht die Disziplin verletzen— sie wollten noch mehr Bier haben! Wenn sie nüchtern und vernünftig gewesen wären, hätten sie in dem Gendarm ihren Vorgesetzten gesehen. Nun hat allerdings einer der Angeklagten gerufen: „Wir sind freie Arbeiter, wir sind Sozialdemokraten." Aber wenn diese Leute viel'trinken, reden sie alles mögliche, und diese Aeuherung soll nichts bederiten. Sie wollten damit lediglich sagen, dah sie sich ungerecht behandelt fühlten Und dah sie daS als freie Menschen sich nicht gefallen zu lassen brauchten. Also es lag kein wohlüberlegter Wille vor, die militärische Disziplin zu verletzen. Man darf nicht p o l i t i sch e Momente in diese Verhandlung hineintragen und nun sagen: „Daran erkennt man die Sozialdemokraten". Wenn die Angeklagten Sozialdemokraten wären, darf man sie deshalb nicht höher be st rasen, denn auch die Sozialdemo- kratie will die militärische Disziplin nicht untergraben. Dah es sich hier um mindcrschwere Fälle handelt, hat der Gesetz- gcbcr eingesehen, denn noch niemals ist mit solcher Schnelligkeit ein Gesetz zustande gekommen, wie dieser Notparagraph. Es gibt keine bessere Autorität als den Gesetzgeber, und Sie folgen einer guten Führung, wenn Sie sich seiner Führung überlassen. Dah skandaliert wird, wenn Bier verlangt wird, geschieht nicht nur bei den Ständen, denen oie Angeklagten angehören, sondern passiert auch in den Universitätsstädten, ohne daß darin eine Auflehnung gegen die Behörden gesehen würde. Verteidiger Rechtsanwalt Barnau: Es ist sehr bedauer- l i ch, daß der Vertreter der Anklage die politische Seite in die Verhandlung hineingebracht hat. Er bat so getan, als ob die Angeklagten sich in dem Rüxlebcner Zoll als überzeugte Sozialdemokraten gebärdet hätten. Den Angeklagten lag nichts ferner als das. Bei gerechter Würdigung des Ergebnisses der Beweisaufnahme steht überhaupt nur fest, dah Hagemeicr diesen Ruf getan hat. Aus eigener Wissenschaft kann ich sagen, daß ich Kontrcllvcrsammlnngen auch in andern Landcsteilen kenne, in denen die Sozialdemokratie wahrhaftig keine Rolle spielt, z. B. in gewissen Teilen der Provinzen Brandenburg und Pommern. Ich kann Ihnen sagen, daß am 5iontrolltagc dort nach der Kontrollvcrsammlung mindestens in dem Maße gekneipt und skandaliert wird wie hier, und daß man auch dort vor den Polizisten und Gendarmen nicht Halt macht; und das sind gewiß keine Sozialdemokraten. Ich habe keine Veranlassung, für die Sozialdemokratie eine Lanze zu brechen, aber es ist nicht ri ch t i g. wenn dieses Moment in die Verhandlung hineingetragen wurde. Dazu liegt keine Ver- anlassung vor, auf die politische Ueberzeugung eines Angeklagten komnit es nicht an. Dah die Leute übrigens gar nicht so krasse Sozialdemokraten sind, geht schon daraus hervor, daß Kolbe z. B. Mitglied eines KriegervercinS ist. Tie Verhandlung hat gar keinen Anhalt dafür ergeben, dah die Angeklagten in ihrer Gesamtheit sich als Sozialdemokraten berühmcn wollten und Hagemeier zu ihrem Sprecher gemacht hätten. Diese Aeuherung war nichts als eine der Uebcr- treibungen, wie sie bei solchen Gelegenheiten von halb- oocr drei- viertclbetrunkencn Menschen fallen. Wenn so hohe Strafcrk ver- hängt würden, wie der Anklagevertreter beantragt, so würden das Strafen sein, die gegen jedes menschliche Emp- finden sind. Hierauf erhalten die Angeklagten das letzte Wort. Tic Angeklagten See, Hagemeier und Schirm er bitten um milde Strafen mit Rücksicht auf ihre Frauen und Fa- Milien, die nichts zu essen haben und auch die Angeklagten Ge- orges und Kolbe schlichen sich weinend dieser Bitte an.— Verhandlungsführer: So, jetzt kommt Ihr, warum überlegt Ihr Euch das nicht, bevor das Unglück geschehen ist.— Angekl. Georges: Ich will auch noch sagen, daß ich keinem politischen Verein angehöre.— Äerhandlungsf.: Tie Politik wird hier überhaupt nicht berührt, wenigstens nicht vom Gericht.— Hierauf zieht sich der Gerichtshof zur Beratung zurück, die etwa eine Stunde dauert. Tann erscheint er wieder im Saal und der Vcrhandlungsführer,' Oberkricgsgerichtsrat Platz, ver- kündet Das Urteil. Auf die Berufung der Angeklagten hin wird das kriegsgcricht- liche Urteil vom 27. Juni 1913 aufgehoben und zwar werden ver- urteilt: Hagemeicr wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt in Ver- bindung mit Beleidigung und militärischem Aufruhr zu zwei Jahren und itznem Monat Gefängnis,. Georges wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung, Zsskdcrstand und Aufruhr zu einem Jahr und»cun Monaten Gefängnis» Kolbe wird mit Rücksicht darauf, dah er sich an den Tätlich- keilen gegen den Gendarmen nicht beteiligte, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und wegen Beleidigung eines Vorgesetzten zu vier Monaten Gefängnis verurteilt und von der Anklage des Aufruhrs und der Bedrohung freigesprochen; Schirmer wird wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt, Bc- leidigung und militärischciz Aufruhrs zu zwei Jahren einem Ntvnat Gefängnis, See unter Freisprechung von der Anklage wegen Nötigung zu zwei Jahren einem Monat Gefängnis wegen Widerstand, Beleidi- gung eines Vorgesetzten und militärischen Aufruhrs verurteilt. Sämtlichen Angeklagten werden aus die Strasen neun Wochen der vcrbühten Untersuchungshaft angerechnet. Zur Begründung des Urteils führt der Vcrhandlungs- führcr aus: An der Zuständigkeit des Militärgerichts bestand kein Zweifel, auch daran nicht, dah der Gendarm der Vorgesetzte der Soldaten ist. Tie Angeklagten haben sehr viel getrunken, aber sie waren nicht so betrunken, daß ihre freie Willensbestimmung be- cinkrächtigt war. Sie wühlen, daß der Gendarm ihr Vorgesetzter war. DaS Obcrkriegsgericht hat nicht eine einbeitliche Handlung angenommen, wenn auch eine Handlung aus der anderen cnt- sprungen sein mag. Der militärische Aufruhr ist rechtlich zweifellos vorhanden, denn es haben mehrere Soldaten zusammengehalten und jeder wuhtc, was der andere wollte. Sie haben gehandelt im Bewußtsein ihrer Mehrheit und haben es gemeinsam unternommen, einem Vorgesetzten den Ge- horsam zu verweigern und die Ausführung seiner Befehle durch Gewalt zu verhindern. Das Lberkriegsgcricht hat weiter festge- stellt, daß die Angeklagten See, Schirmcr und Hagemeicr tätlich ge- worden sind. Das Oberkricgsgericht hat die Aussagen der Polizei- beamten nur so weit verwertet, als sLe durch andere Zeugen bestätigt wurden. Bei Kolbe wurde militärischer Aufruhr verneint, weil er abseits gestanden hat. Das Gericht hat bezüglich deS StrasmahcS beachtet, dah die Angeklagten sich in ihrer Militärzcit gut geführt haben und das Oberkriegsgcricht ist durch- aus nicht der Ansicht, daß gerade diese Leute hervorragend schlechte Elemente seien. Tie Sache ist passiert, als die Leute viel getrunken hatten und die militärische Disziplin in gar keinem Zusammenhang mit der Tat der Angc- klagten st e h e. Das Oberkricgsgericht lehnt es ab, p o I i t i s ch c Angelegenheiten zu erörtern oder Redensarten über die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei zu prüfen, eS handelt sich bei dem Gericht nur um Rcdensartenbetrunkencr Men. sch e n, denen kein besonderes Gewicht beizulegen ist. Immerhin haben die Angellagten schwere Ausschreitungen begangen und sich den Organen des Staates nicht unterordnen wollen; das muhte bei der Strafe berücksichtigt werden. Mit Rücksicht auf die ganze Sachlage und darauf, dah die Angeklagten durch den Alkohol in Erregung geraten waren und nicht als aktive Soldaten im engeren Sinne des Wortes gegenüber ibren militärischen Vorgesetzten ge- handelt haben, hat das Gericht auf die obigen Strafen erkannt. Es hat angenommen,- dah es sich hier um einen minder schweren Falb im Sinn der Novelle zum Militärstrafgesetz. buch handelt. Strafverschärfcnd muhte aber wirken, dah die beiden Polizeibeamten den Angeklagten gar keine Veranlassung zu ihrem Vorgehen gegeben haben. Der Polizeisergeant Müller und der Gendarmcriewachtmeister Stock haben nicht aus freien Stücken eingegriffen, sondern sie waren geholt worden und wollten die Ordnung wieder herstellen, sie haben durchaus ihre Pflicht getan und die Angeklagten zur Ruhe und Besonnenheit gemahnt. Tic An- geklagten haben darauf damit erwidert, dah sie die Beamten be- schimpften und zwar in einer Weise, dah kein Hund mebr ein Stück Brot von ihnen nehmen wollte.— Ter Vcrhandlungsführer macht am Schluß die Angeklagten darauf aufmerksam, daß sie das Rechtsmittel der Revision an das Reichsmilitärgericht ergreifen können. Die Angeklagten, die das Urteil ruhig entgegen- genommen hatten, während ihre Verwandten in lautes Weinen ausbrachen, behalten sich eine Erklärung vor und wurden darauf in ihre Haft zurückgeführt. Stadtverordneten-VeriammluDg. 24. Sitzung vom Donnerstag, den 4. September 1913, nachmittags 5 Uhr. 1 Mit der heutigen Sitzung werden die Geschäfte der Vcrsamm» lung nach der zweimonatigen Fcricnpause wieder aufgenommen. Vorsteher Michclct erklärt die Verhandlungen nach 5H Uhr mit einem Willkommensgruh für die aus den Ferien zurück- gekehrten Kollegen als eröffnet. Am 19. Juli ist der Stadtv. Geh. Baurat K y l l m a n n sFr. Fr.) g e st o r b e n; seinem Andenken widmet der Vorsteher einen Nachruf, den die Versammlung stehend anhört. Auch des zur gleichen Zeit mit Tode abgegangenen früheren Stadtschulrats Dr. F ü r st e n a u geoenkt der Vorsteher mit ehrenden Worten. Hierauf erfolgt die Einführung und Verpflichtung des für den Stadtv. Bracke(N. L.) neugewählten Stadtv. Kaufmann Emil May. Unter dem 29. v. M. haben die sozialdemokratischen Mitglieder(Stadtvb. Dr. Arons u. Gen.) folgenden Antrag eingebracht: „Um der in immer wachsendem Umfange hervortretenden Arbeitslosigkeit uno dem sich hieraus ergebenden Notstande der Arbeiter durch Beschaffung von Arbeit nach Möglichkeit zu steuern, ersucht die Versammlung den Magistrat: 1. alle durch die Versammlung bereits genehmigten Hoch- und Tief bauten schleunigst in Angriff zu nehmen und im Winter fortzuführen, 2. sofort die gemischte Deputation zur Beratung der Arbeitslosenversicherung einzuberufen." Stadtv. Glocke(Soz.): Arbeitslosigkeit zeigte sich in größerem Umfange in Berlin schon seit mehreren Jahren, besonders in der Bau- und Holzindustrie; jetzt aber hat sie sich in steigendem Um- fange, so auch besonders in der Tertiltndustrie und der Damen- konfektion, gezeigt; ein Beweis, daß wir einer rückläufigen Konjunktur auf oem gesamten Arbeitsmarkt entgegengehen. Die statistischen Ucbersichten zeigen zwar, auch diese Zunahme der Arbeitslosigkeit, aber sie können be- kanntlich ein völlig zutreffendes Bild von der wirklichen Arbeits- losigkeit nicht geben. Die Berliner Gewerkschaften haben in diesem Sommer durch Umfrage eine besondere Statistik aufgenommen, welche ergibt, daß die Arbeitslosigkeit einen ziemlich erschreckenden Umfang angenommen hat. Die ermittelte Zahl von 25 900 Arbeitslosen bezieht sich ja aber nur auf die organisierten Arbeiter; man kann unbedenklich die doppelte Zahl von Arbeitslosen an- nehmen. Bei den Bauarbeitern sind 2 3 P r o z. Arbeitslose festgestellt worden, in vielen anderen Branchen erreicht die Zahl der Arbeitslosen ebenfalls 15 Proz., 16 Proz. und noch mehr. Im einzelnen hat sich eine Dauer der Arbeitslosigkeit von 13, 14, in vereinzelten Fällen sogar bis zu 49 Wochen ergeben! Diese Zahlen zeigen, welches auherordcntliche Mah von Not und Elend in, der Arbeiterschaft/ Berlins vorbanden sein muh. Die Gewerkschaften haben, soviel in ihren Mitteln steht, es sich an- gelegen sein lassen, diese Not zu lindern. Die Berliner Gewerkschaften haben 1912 allein an Unter» stützung für Arbeitslose 2,1 Millionen Mark ausgezahlt(Hört! hört!). außerdem 1,7 Millionen Mark für Krankenuntcrstützung. Diese Summe reicht aber nicht entfernt zur Beseitigung der Not aus. Auch Staat und Gemeinde müssen hier helfend eingreifen; Staat und Gemeinde können in Berlin die Arbeitslosigkeit verringern helfen, wenn sie die Ausführung der notwendigen öffentlichen Arhciten be- schleunigen. Eine Reihe von Gemeinden betreibt ja schon heute eine gewisse Arbeitseinteilungspolitik, die demselben Zweck zu dienen hat; Berlin hat aber bisher wohl eine solche Politik nach nicht eingeschlagen. Angesichts der besonders großen Arbeits- losigkeit, die oieses Jahr geheiligt, hat, zghen wir. uns daher ver- anlaßt, �den Magistrat zü Ersuchen, eine" solche' Beschleunigung eintreten zu lassen. Ter Magistrat hak. wie au? dem Gemeinde- blalt hervorgeht,' oer Frage scho» im Mai odcr"Jüni seine Auf- nicrksamkeit gewidmet, indem er eine Verfügung erlcHsen hat, die der Tendenz unseres Antrages entspricht. Aber mit der Aus- führung scheint es etwas zu hapern; jedenfalls hat man von irgendeiner Beschleunigung der Bauausführungen nichts feststellen können, auch sind zahlreiche BVt u t c n. für die bereits hohe Mittel im Etat bewilligt find, noch gar nicht in Angriff genommen, so eine Reihe von Schul- Neubauten, die Heimstätte in Buch, die Badeanstalt in der Bär- waldstrahe u. a. In der Baudeputation ist�von dem Stadtbaurat Hoffmann auf entgegenstehende formale Schwierigkeiten hinge» wiesen.worden, die die Beschleunigung oder Inangriffnahme der Bauausführungen verzögern; dennoch sino wir der Ansicht, dah hier etwas mehr geschehen könnte. Auch soll der Kämme- rer trotz jener Magistratsverfügung die Zurück- stellung des Baues der Badeanstalt in der Bär» waldstrahe verlangt haben lHört! hört! und Bewegung); jedenfalls wäre über diesen Widerspruch Aufklärung seitens deS Magistrats sehr erwünscht, l Zustimmung.) Beschwerde muh auch oarüber geführt werden, daß die Bedingungen, welche seiner- zeit hier für die Vergebung städtischer Lieferungen beschloffen war- den sirtd, nicht innegehalten wurden, daß die Bauämtcr nicht darauf sehen, daß die Vergebung nur an solche Unternehmer er» folgt, welche die in dem betreffenden Berufe üblichen und von den Arbeiterorganisationen als angemessen bezeichneten Lohn- und Arbeitsbedingungen einhalten. Auch werden entgegen dem Geiste dieser Bedingungen städtische Arbeiten nach außen vergeben, wo die Löhne niedriger sind, und auf diese Weise wird den Berliner A r b« i t e r n d i e Ar- bcitSgelegenheit genommen. lHört! hört!) Auch an dem Verfahren der Tiefbauoeputation ist einiges auszusetzen. Beiin Bau der Nord-Südbahn sind, bei der Vergebung der Lose in zwei Fällen Firmen berücksichtigt worden, welche die teckrif. lichcn Bedingungen nicht innehalten, welche u. a. 19 Stunden täglich arbeiten lassen, während wir in Berlin die neunstündige Arbeitszeit haben. Die Bauten in der Wuhlheide, die Bauten innerhalb oer Gaswerksvcrwaltung schreiten sehr lang- sai» fort. Tie Einstellung der Arbeiter erfolgt glicht überall durch den Zentralarbcitsnachwcis, für den doch die Stadt so erhebliche Summen bewilligt hat. Wir müssen das Schauspiel erleben, dah die städtische Verwaltung selbst in einer Reihe von Verwaltungs- zweigen diesen Arbeitsnachweis nicht benutzt; so geschieht oas nicht bei oer st ä d t i s ch e n S t r a h c n b a h n v e r w a l t u n g, die im Gegenteil den Nachweis der M e t a l l i n d u st r» e 1 1 e n in Anspruch nimmt. Auch die Gasverwaltuiig stellt die Arbeiter nicht durch den Zentralnachweis ein.„Auf Grund frühe- rer Erfahrungen" soll der Magistrat nicht in.d»-�age sein, oie städtischen Betriebe in diesem Sinne anzuweisen; so zu leicn in einem amtlichen Schriftstück! lHört! hört! bei den Sozialdemo- kratcn.) Ta die Arbeitslosigkeit groß und dauernd ist, sollte auch endlich die drückende Einschrcibegcbühr von 29 Pf. aufgehoben werden... � Ein weiterer Wunsch angesichts� des Ilmfanges der jetzigen Arbeitslosigkeit muh dahin gehen, daß nicht nur durch Beschleuni» gung der Bauten usw. eine Milderung der Notlage erfolgt, sondern dah auch in Aussicht genommen wird, die Notleidenden anderweit zu unterstützen. T«S könnte zweckmäßig nur in der Form der Versicherung g e g e n A r b e i t s losigkeit geschehen. Tie bezügliche Deputation ist schon 1999 eingesetzt worden; die An. schaunnaen darüber sind bisher� sehr auseinander gegangen. Zu irgendeinem durchgreifenden positiven Schritt hat man sich n�h immer nicht entscbliehcn können; die Deputation hat eine wirkliche Beratunq gar nickit gepflogen, sondern auf den Städtctag vertröstet. Ter Poiener Städtctag l>at sich nun ziemlich einmütig für eine i'olcbe Versicherung ausgesprochen, aber mit der Einichrankung, dah zunächst �on Reichs wegen der Frage nähergetreten werde. �.le bezügl che Eingabe an den Bundesrat ist auch erfolgt, e.ne Antwort von diesem noch nicht ergangen. Wohl aber hat Staatssekretär Delbrück im Reichstag sich dahin ausgesprochen, dah nicht das Reich, sondern in erster Linie die Gemeinen diese Angelegenheit m dt« Hand zu nehmen haben würden, Schließlich wird beide» nong sein: sowohl die Gemeinde wie das Reick werden vorzugehen haben, um die Arbeitslosenversicherung durchzuführen. Tie Erfahrungen anderer Länder, insbesondere Englands, das sofort ganze Arbeit gemacht hat, beweisen die Durchführbarkeit dieser Versicherung. Auf Grund der englischen Erfahrungen läßt sich sehr wohl behaupte», daß auch in Deutschland eine solche Versicherung von Reichs wegen sich durchführen läßt. Das gleiche gilt von Dänemark, wo etwa die Hälfte des erforderlichen Gesamtbetrages von 2 Millionen Kronen in. Gestalt von Zuschüssen des Staates und der Gemeinde an die Gewerkschaften aufgebracht wurde. Auch in Bayern ist ganz neuerdings, von Staats wegen der tzrage ernste Aufmerksamkeit zugewendet worden. Andererseits haben auch bereits zahlreiche deutsche Städte eine Art Arbeitslosenversicherung oder Unterstützung eingeführt und damit durchaus günstige Erfahrungen gemacht. Zur rechten Zeit hat in diesen Tagen die Gemeindeverwaltung von Neukölln eine bezügliche Denkschrift über die Einrichtung einer solchen Versicherung für Groß-Berlin herausgegeben. Diese Denk- schrift bespricht auch ausführlich die Schwierigkeiten, d�e einer solchen allgemeinen Versicherung entgegenstehen, und erwartet von dem Zweckverbande Groß-Berlin, daß er sich um diese Einrichtung bemüht. Nun hat ja der Zwcckvcrband andere Aufgaben; immerhin verlautet, daß unser Oberbürgermeister Wermutb den Gedanken verfolgt, einen freiwilligen Verband für diesen Spczialzwcck ins Leben zu rufen. Wir können diese Zdce nur billigen und müssen wünschen, daß auch Berlin dieser verdienstlichen Anregung nach- gehe. Angesichts der Größe der Arbeitslosigkeit müssen aber auch schon in diesem Winter größere Summen bereitgestellt werden, um für die Arbeitslosen zu sorgen, und diese Mittel brauchten angesichts des großen Uebcrschusscs von 12 M Millionen aus 1912 auch gar uicht gering zu sein.(Widerspruch und Zuruf:„Reklame!") Reklame machen nur Sie, nicht wir; ich habe mit absolutester Sach- lichkeit meine Ausführungen vorgetragen. Diese Anregung könnte auch in der Dcvutation, deren sofortige Einberufung wir fordern, sehr wohl eröriert werden. Ter erste Teil unseres Antrages ist durch die erwähnte Magistratsverfügung keineswegs überholt worden; wir ersuchen also um die Annahme unseres Antrages in seinen beiden Teilen.'(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Oberbürgermeister WcrWth: Der Magistrat hat bereits im Frühjahr die jetzt eingetretene Entwickclung vorausgesehen und am 16. Mai eine entsprechende Rundvcrfügung an die einzelnen Ver- waltungcn ergehen lassen: Die Verwaltungen sind angewiesen wor- den, unverzüglich Vorbereitungen zu treffen, um so viel als mög- ltch Arbeiten im kommenden Winteren Angriff nehmen zu können, bzw. die Bauausführungen zu beschleunigen. Später ist noch ver- fügt worden, daß die einzelnen Verivaltungen Vorsorgen sollen, daß möglichst auch über den Winter hinaus eine gesteigerte Aus- führung städtischer Arbeiten möglich ist. Tie Verfügung richtete sich an sämtliche beteiligten Verwaltungen, vorab an die Hoch- und Tiefbauverwaltung. Was die Einberufung der Deputation betrifft, so setze ich voraus, daß beide städtische Körperschaften diejenige gemischte Deputation als fortbestehend beachten, welche bereits 19 98 eingesetzt und 1911 erweitert worden ist.(Zustimmung.) Ich werde keinen Anstand nehmen, die Deputation zu einer er- neutcn Sitzung einzuberufen. Es dürfte sich aber empfehlen, zu- nächst das Ergebnis der Konferenz der Nachbarorte von Groß- Berlin vom 13. September abzuwarten. Der Zwcckvcrband ist nach Lage der Gesetzgebung nicht zuständig; darum l)alten wir uns für berufen, die Sache auf diesem Wege in die Hand zu nehmen. Wenn diese Konferenz die Groh-Bcrliner Gemeinden auch in Sachen des Arbeitsnachweises einander näherzubringen imstande wäre, so wäre das sehr erfreulich. Mit dem Arbeitsnachweis wird die Versammlung sich ebenfalls demnächst wieder befassen müssen. um die zum Etat 1913 gefaßten Beschlüsse zur Ausführung zu bringen. Ter Magistrat ist also erbötig, an seinem Teile hier mit- zuhclfen.(Beifall.) Stadtbanrat. Geheimrat Hoffmann: ES ist früher vorgekommen, daß Unternehmer ihre vertragsmäßigen Verpflichtungen auf andere aüßerhalb wohnende. Unternehmer übertragen haben. Das ist scinerzett inhibiert worden. Nachdem Herr Glocke gestern in der Baudeputation neue Fälle angeführt hat, habe ich diesen nach- geforscht und allerdings feststelle» müssen, daß solche Verstöße wiederum vereinzelt vorgekommen sind. Demzufolge wird in den Verträgen jetzt der betreffende Passus schärfer gefaßt werden, um vor solchen Vorkommnissen sicher zu sein. Von den 108 Bauaufgaben des Etats für 1913 sind nur elf noch nicht in Angriff genommen. 28 größere Bauaufgaben sind in Bearbeitung, ohne daß schon ctatsmäßige Mittel bewilligt waren; davon werden Ihnen 29 in den nächsten Wochen zur Genehmigung vorgelegt werden. Die Baudcputation hat außerdem gestern bc- schloffen, schon jetzt die Mobilien und Utensilien für eine große Anzahl Bauten aufzugeben, darunter für 7 Gemeinde-Doppelschulen. 2 Gymnasien und 2 Realschulen(Zurufe bei den Sozial- dcmokratcn.) Sie sehen daraus doch, wie wir in der Bauvcrwaltung hinterher sind. Stadtv. Cassel(A. L.): Tie Maßnahmen des Magistrats, die unsere volle Billigung finden, zeigen, daß es des Antrages gar nicht erst bedurfte. Wir halten die Einbringung des letzteren aber für durchaus berechtigt, hat er doch zu dieser Konstatierung Ge- legcnheit gegeben und haben wir doch selbst oft genug unserem Be- dauern Ausdruck gegeben, daß cS mit der Ausführung der städti- schen Bauten vielfach zu langsam ging. Der Stadtbaurat hat uns heute eine lange Liste der von seiner Verwaltung gelösten, in der Lösung begriffenen und zu lösenden Aufgaben gegeben' er ist sicher ein viel zu großer Diplomat, um sich pachljcr zu desavouieren! (Heiterkeit.) Ten ersten Teil des Antrages halten wir hiernach eigentlich sur erledigt; sollte er nicht zurückgezogen werden, so stimmen wir sur ihn, um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen. Ebenso haben wir nichts gegen den zweiten Antrag; zur Frage selbst behalten wir uns natürlich unsere prinzipielle Stellung- »ahme vor. �Stadtv. Goldschmidt(N. L.): Die Vorschläge des Kollegen Cassel scheinen mir befolgenswert. Wir haben zu dem Magistrat das Vertrauen, daß er seine Versprechungen erfüllen wird. Auch die Zusage des Stadtbaurats, daß Arbeiten nicht mehr nach aus- wartS vergeben werden sollen, ist erfreulich. Was den zweiten Antrag betrifft, so wird es ja allerdings Zeit, daß die gemischte Deputation zusammentritt. Bereits 1999 sind Unterstützungen an Arbeitslose gewährt worden, die nicht als Arnienunterstiitzung gelten sollten. Wenn wir auch noch nicht so weit sind, auf Grund eines Ortsstatuts Unterstützungen zu gewähren, so wird doch die äußerste Not beseitigt werden können. Es muß aber verhindert werden, daß die große Masse nach Berlin kommt; wir müssen zu- nächst für die Berliner Arbeitslosen sorgen. Da der Zweckverband diese Aufgabe nicht zu erledigen hat. so ist es erfreulich, daß die Gemeinden von Groß-Berlin ein freies Ueberemkommen zur Losung dieser Frage treffen wollen. Es hat sich gezeigt, daß stadtyche� Arbeitslosenversicherungen mit verhältnismäßig sehr ge- ringen Summen auskommen, sie betragen z. B. jn Gent 29 999 Frank. Für Berlin, wo die Verhältnisse schwieriger liegen, würden höchsten? etwa 969 999 M. in Frage kommen. Da eine Arbeits- loscnvcrsicherung in Groß-Berljn vorläufig nicht zu machen ist, könnten wir doch vielleicht den organisierten Arbeitslosen eine Unterstützung zukommen lassen, und zwar jedem organisierten Ar- beitslosen 59 Proz. des von der Gewerkschaft gezahlten Beitrages; wir würden diese Summen in anderer Form wieder sparen. Eine Reihe von Städten, wie München usw., haben diese Einrichtung, ?in Versuch wurde auch bei uns gelingen. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Mir scheint doch der Antrag durch die Erklärungen vom Magistratstische erledigt; sollte er g.eichwohl nicht zurückgezogen werden, so werden auch wir ihm aus denselben Erwägungen zustimmen, die für die Alte Linke gelten. To. leicht, wie sich Herr Goldschmidt denkt, ist für Berlin die Loiung der Frage der Arbeitslosenversicherung nicht. ,• Leid(Soz.)!.Die Erklärungen, die wir heute auf un- ser«l Antrag vom Magistrat gehört haben, könnten uns ja im großen Ganzen befriedigen, wenn wir nicht wünschen müßten, daß drese Erklärungen auch durch die Beschlüsse der Versammlung etwas Nachdruck erhielten. Der Vertreter der Bauvcrwaltung hat uns eine Reihe von Mitteilungen über seine Bauprojekte gemacht; das hat sich alles sehr schön angehört, aber es steht nicht so recht im Einklang mit dem, was wir speziell auf dem Gebiete der Be- schleunigung der Bauten fordern. Die Schule in der Ofener Straße steht im Etat mit 499 999 M., der Spezialcntwurf ist im November 1911 genehmigt worden, aber bis heute ist noch kein Spatenstich getan.(Lebhaftes Hört.! hört!) Ebenso steht es mit der Schule in der Wchlaucr Straße, die auch schon vor einem Jahre genehmigt wurde; ebenso mit der Schule in der Zechliner Straße, auch diese Schule auf dem Gesundorunnen ist erst bis zum ersten Stock gediehen, vom Rektorwohnhaus ist noch kein An- fang zu sehen! Die Dringlichkeit des Baus der Schule in der Zcllestraße ist von der Versammlung ganz besonders betont und durch Erhöhung der Etatsposition zu fördern versucht worden; der Bau ist noch nicht aus dem Kellergeschoß heraus, es hätten auf diesem Bau zahlreiche Arbeiter mehr beschäftigt werden können. Die Schule in der Grünthalcr Straße— still ruht der See! Die Markthalle hat man abgerissen; mit den Fundamcntierungs- arbeiten haben— italienische Arbeiter begonnen!(Hört! hört!) Die Hochbauten auf dem Friedhof in Buch sind seit drei Jahren genehmigt; bis heute ist noch nicht einmal ein spezielles Projekt vorgelegt!(Hört! hört?) Der Einwurf, daß der Friedhof noch nicht genehmigt war, gilt nichts, denn man hätte das Projekt trotzdem fertig machen können, um mit der Ausführung zu be- ginnen, sobald die Genehmigung eintraf. Wir könnten allerdings auf manchem Gebiete weiteq sein, wir hätten z. B. längst mehr Schulen bauen können, wenn die Versammlung mehr Mittel bc- willigt hätte. Was soll man dazu sagen, wenn der Kämmerer den Bau der Badeanstalt in der Bärwaldstraße vertagt, wissen will, nachdem die erwähnte Magistratsverfügung ergangen war! Es istauchan die Armcnverwaltung einc Ver- füguckg ergangen, wonach möglich st darauf ge- sehen werden soll, während der Zeit der Krise. die Bewilligung von Unterstützungen einzu- schränken!(Lebhaftes HGrt! hört! bei den Sozialdemokraten!) Die Arbeiter wollen nicht Unterstützung, sie wollen Arbeit! Das Fazit aus allen diesen Tatsachen, die ich angeführt habe;-scheint mir doch ein solches, daß Sie für unseren Antrag stimmen sollten. Die Arbeitslosigkeit ist nach unserer Auffassung eine BegleU-, crschciliung unserer kapitalistischen Gesellschaftsordnung, die nur mit dieser beseitigt werden kann; aber die Gemeinden sollen nicht ganz'beiseite stehen, wenn es gilt, sie zu lindern.(Beifall.) Stadtbaurat Hoffmann: Natürlich müssen wir bei unseren Bauldispositionen uns zunächst einmal nach der im Etat bewilligten Summe richten. Ich kann bei allen Bauten, wo Rcstraien bewilligt sind, sosort losgehen und den Bau beschleunigen, nicht aber kann ich das bei ersten Raten von 199 999— 299 999 M., die nach wenigen Monaten verbaut sind und wo der Bau dann eventl. bis zum nächsten April still liegen müßte. Zur Ausführung eines Roh- baucS bedürfen wir höchstens sechs Monate. Es muß da also sehr vorsichtig verfahren werden. Daß bei dem erwähnten Schulgebäude das Wohngehäude noch nicht in Angriff genommen ist, ist kein Verschen, sondern liegt in der Natur der Smche; das Wohngebäudc ist unsere Zufahrt, und es wird zur Zeit fertig werden. .Kämmerer Böß: Was die Badeanstalt in der Bärwaldstraße betrifft, so bin ich von der Meinung ausgegangen, daß es vielleicht mögglich wäre, den BBau deshalb hinauszuschtcben, weil kein Bedürfnis b c st e h e.(Stürmischer Widerspruch bei den Sozialdemokraten; Rufe:„Was geht Sie das denn überhaupt an?" „Unerhört!") Tie Deputation hat sich auf einen anderen Stand- Punkt gestellt, und da habe ich auf Wciterverfolgnng der Frage verzichtet.(Zuruf:„Und die Sache verzögert!") Nicht um einen Tag. Der Antrag Arons gelangt hierauf mit großer Mehrheit zur Annahme. Für die städtische Fe'll e r'-T öesi'e-t'ä'k''Wt bisher'däs mit Gesetzeskraft ausgerüstete. Reglement voin. 1. Mai 1794. Seit langem stand die RcvisionsbcdurfUgkcfk dieses Reglements außer Zweifel; die Möglichkeit dazu bot aber erst das Gesetz über die öffentlichen Fcuerversicherungsgesellschaften von 1919. Der Magistrat legt nunmehr den Entwurf eines neuen Ortsstatuts für die Berliner Jmmobiliar-Fcucrversichcrung vor. Stadtv. Sonnenfcld(A. L.) erkennt an, daß hier das Sprich- wort:„Was lange währt, wird gut", sich bewährt hat. daß in den drei Jahren vortreffliche Arbeit geleistet wordon ist, rügt aber, daß die. Rechte der Deputation auf das Minimum des gesetzlich zulässi- gen beschränkt worden sind und bemängelt eine Reihe von cinzel- nen Vorschriften des Entwurfs, die nach seiner Auffassung ge- ändert werden müssen. Redner beantragt Ausschußberatung. Stadtrat Gch.-9i.at Mosse sagt jede tunlickie Berücksichtigung der vorgetragenen Bedenken zu und hält eine Verständigung dar- über für zweifellos. Stadtv. Rosenow(N. L.) sieht die Vorlag« als so vorzüglich geraten an, daß sie ohne Ausschußberatung angenommen werden könnte; seine Fraktion werde aber der'Ausschußberatung, da sie nun einmal beantragt sei, zustimmen. Stadtv. Hinye(Soz.): Auch wir halten die Vorlage für vorzüg- lich. Es war jedenfalls keine Kleinigkeit, das Statut von 1794, das sich übrigens ganz vorzüglich bewährt'hat, dem neuen Gesetz anzupassen. Wir in der Deputation haben, soweit wir Bedenken gegen den neuen Entwurf hatten, diese in unserer Sitzung vorgc- bracht und Verbesserungen beschlossen, welche der Magistrat auch akzeptiert hat. Wir hatten geglaubt, ganze Arbeit gemacht zu haben, sind mber natürlich auch bereit, der beantragten Ausschuß- beratung zuzustimmen. Die Hausbesitzer sind jedenfalls auch in dem neuen Statut nicht zu kurz gekommen.» Die Vorlag« geht an einen Ausschuß, der vom Vorstande sofort ernannt wind(die Vorlage muß bis zum 1. Oktober in Kraft ge- treten sein), und dem auch die Stadtvv. Dr. Cohn, Drescher. Ewald, Hintze und Tolksdorf(Soz.) angehören. Zum 8. preußischen Städtctage deputiert die Versammlung aus ihrer Mitte Sonnenfeld, Rosenow, Heimann, Cassel und M i ch e l e t. Die gegen die Richtigkeit der Gemeindewählcr- l i st e in diesem Jahr erhobenen Einwendungen(fast 3999 an der Zahl) werden auf Vorschlag des Vorstehers wie üblich dem Ausschuß für die Prüfung der Gültigkeit der Stadtverordneten- Wahlen überwiesen. Der Rittergutsbesitzer und Vcrlagsbuchhändler RudoE M o s s« hat notariell das Versprechen geleistet, der Stad�Berlin eine Million Mark zu einer„Rudolf-Mosse-Alters- versorgungsstiftung" zu schenken, die erwerbsunfähigen Personen ohne Unterschied der Religion und des Geschlechts, die in Groß- Berlin wohnen und mindestens 59 Jahre alt sein müssen, Unter- stützungen von jährlich 599— 1999 M. gewähren soll. Obcrbiirgerineister Mermuth: Wir haben die hochherzige Stif- tung mit lebhaftem Tank angenommen. Möge diese schöne Tat in der Bürgerschaft wie lebhasten Anklang so auch eifrige Nach- ahmung finden! Der Vorsteher schließt sich diesem Wunsche an. Die Versammlung nimmt von der Schenkung Kenntnis. � Der Bkagistrat will die G e m e i n d e s ch u I e n 131 und 169, Tcmpelhofer Ufer 2, einziehen und gibt der Vcrsamm- lung davon Kenntnis. Stadtv. Leid(Soz.): Wir sehen die Notwendigkeit dieser Vor- läge nicht ein; wir �halten die Einziehung nichts für wünschcns- wert, solange eine Schule noch einen gcorßnetcn Schulbetricb ermöglicht, und hier ist das bei 699 Kindern noch der Fall, selbst bei 599 noch. 59 und 69 Schüler in einer Klasse ist keiit idealer Zu- stand, sondern es ist ein Vorzug, wenn die Frequenz verringert wird. Pädagogische Gründe können also dafür nicht geltend ge- macht werden.' Stadtschulrat Dr. Fischer: Die Vorlage ist nur zur Kenntnis- nähme, nicht zur Beschlußfassung. Die Frequenz namentlich der unteren Klassen mutz genügend groß sein, damit sich ein erfolg- reicher Wettstreit unter den Kindern entwickeln kann. Für 599 Kinder können wir keinen regelrechten Schulbetricb aufrecht- erhalten'!i>>x können nicht erste Klassen mit 19 bis 12 Schülern haben. Obwohl£ie Schülerzahl Berlins eine abnehmende Tendenz zeigt werden doch viele Schulbauten neu errichtet. Wir gehen äußerst vorsichtig vor) mehrfach sind Abbauanregungen von uns nicht berücksichtigt worden. Stadtv. Hintze(Soz.) 5 Die Vorlage ist eigentlich recht unvoll- kommen, sie gibt kein Bild von b-r Frequenz der einzelnen Klassen, auck nicht davon, wieviel Klassen da sind. Die jetzige Fre- quenz von 5 9 Schülern ist nach unserer Meinung erheblich zu hoch. Jn höheren Schulen sind wir durchschnittlich mit 23—39 Schüle'rn pro Klasse zufrieden, und bier heißt es heute, in den unteren Klassen müsse die Frequenz recht hoch sein, damit ein Wettstreit dar Kinder untereinander ent- stehen kann. Was für einen Wettstreit 6- und 7jährige Kinder beim ABC entwickeln sollen, ist mir rätselhaft. Die Lehrer muhten sich doch nach Möglichkeit mit den einzelnen Schulern beschas- ��Stadtschulrat Dr. Fischer: Wer an den Wettstreit nicht glaubt. soll doch mal in eine 8. Klasse kommen und ihn sich ansehen. Bei nur 29 oder 39 Kindern ist er viel geringer. D,e Schule hat 15 Klassen, die unterste hat nicht 55, sondern nur 48 Schuler. Der Durchschnitt beträgt nur 42. 53; 1999 betrug er noch 49, 62. Wir marschieren mit der Durchschnittsbesetzung unter den ersten prcu- ßj schen Städten. Die Verhältnisse der Gemeinde, chulen haben sich in den letzten 6 Jahren auch insofern ganz außerordentlich ge- ändert, als alle hemmenden Elemente entfernt wurden; Hilss- schulen, Schulen für Schwerhörige haben w,r eingerichtet, so daß das Arbeiten jetzt ein ganz anderes jst.. Stadtv. Cassel tritt ebensqllsZüss die Berechtigung der Ein- ziehung dieser Schulen ein.. Stadtv. Leid(Soz.): Ter Einwand, baß w,r doch immer neue Schulen bauen, ist wirklich nicht gerade eine Schmcichelel für unsere Gemeinde. Warum müssen wir sie bauen? Well die Ge- meinde dem Bedürfnis viel zu.spät nachgekommen ist(Wider- spruch), wir haben doch noch heute die Baracken und die Mietsschulen, über die sich die Lehrer am meisten beklagen. Wir sind bisher den, Bedürfnis nur nachgehinkt. Daß wir die Vorlage nur zur Kenntnisnahiile bekomnicn, ist befremdend; warum wird sie nicht zur Beschlußfassung vorgelegt? Stadtv. Cassel: Ich bestreite ganz entschieden, daß wir neue Schulen bauen müssen, ivcil wir hinter? dem Bedürfnis zurückgc- blieben sind. Wir müssen neue Schulen bauen, weil sich oie Bc- völkeruiigsverhältnissc in den einzelnen Stadtteilen, manchmal in ganz kurzer Zeit, gewaltig geändert haben. Die Vorlage wird zur Kenntnis genommen. Der Schluß der öffentlichen Sitzuüg erfolgt nach Erledigung einer großen Anzahl weiterer Vorlagen von untergeordnetem Interesse nach 9 Uhk.__ L Gerlcdts- Leitung« Eine Anklage im öffentlichen Interesse. Vor der 2. Fcricnstrafkammcr des Kgl. Landgerichts I Berlin hatte sich am Donnerstag die 29 jährige Arbeiterin Charlotte Kott- schlag wegen Beleidigung und vorsätzlicher Mißhandlung zu ver« antworten. Fräulein Kottschlag war in der Deutschen Waffen- und Muni« tionsfabrik in Charlottcnburg beschäftigt. Eines Tages fragte Fräu» lein K. die 49 jährige Arbeiterin Frau Mansie, ob sie dem Metall- arbeitcrverbande beitreten wolle. Frau Manske lehnte ab, erzählte aber diese Begebenheit dem Meister mib dem Hinzufügen, Fräulein K. sei Vertrauenspcrson des Metallarbeiterverbandes. Der Meister P. stellte die Kottschlag zur Rede mit dem Bemerken, sie täte am besten, ihre Papiere zu fordern. Da die K. dies nicht tat, versetzte sie der Meister in eine andere Abteilung, wo sie täglich 59— 70 Ps. weniger verdiente und bedeutend schwerere Arheit hatte. Nach kür- zer Zeit fehlte Fräulein K. zwei Tage wegen Krankheit. Als sie am dritten Tage wieder erschien, wurde sie kurzerhand entlassen. Sie erwartete am Fabrikcingang eine Kollegin, um diese zu fragen, ob sie vielleicht bei einem anderen Meister Arbeit erhalten könne. Jn diesem Augenblick trat Frau Mansie aus der Fabrik. Fräulein K. trat auf sie zu und es kam zwischen beiden zu einer heftigen Hauerei, wobei Fräulein K. Frau Manske auch mit Worten bclei- digt haben soll. Frau Manske stellte Strasantrag. Jn der Ver- Handlung am Donnerstag gab die Angeklagte zu, daß sie in der Erregung Frau Manske geschlagen, sie aber nicht beleidigt habe;? Frau M. habe übrigens wiedergeschlagen. Frau Mansie habe sie fälschlich bei dem Meister P. beschuldigt, daß sie Bertrauenspersow des Metallarbeiterverbandcs sei. Frau M. bekundete als Zeugin, Fräulein K. habe, da sie es abgelehnt hatte, Mitglied des Metall- arbeiterverbandcs zu werden, es verursacht, daß kein Arbeiter und keine Arbeiterin mehr mit ihr gesprochen habe. Mehrere andere Zeugen bekundeten dagegen, daß ihnen hiervon nicht das mindeste bekannt sei.— Der Siaatsanwalt beantragte gegen die Angckalgte 59 M. Geldstrafe. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Roth, führte aus, daß, wenn nicht der Mctallarbeiterverband im Hintergrunde stände, es dem Staatsanwalt nicht eingefallen wäre, öfsentliche An, klage zu erheben; dann wäre wahrscheinlich das Schöffengericht nur mit einer Privatklage beschäftigt worden und es wäre im Höchstfälle auf 3 M. Strafe erkannt worden. Er ersuche, mit Rücksicht auf die Gesamtumstände aus diese Strafe zu erkennen. Nach längerer Bc- rawng erkannte der Gerichtshof unter Vorsitz des Landgerichts- dircktors Karsten auf 35 M. Strafe, eventl. für je 5 M. einen Tag Gefängnis und auf Pkublikationsbcfugnis für die Beleidigte, Frau Manske, im Aushang an öffentlicher Gerichtsstelle. Ein angenehmer Hauswirt. Ein„Radikalmittel", um seine Mieter zur Mietszahlung zu zwingen, hatte der Haustrigentümer Gustav Radue aus Pankow angewandt, der sich gestern vor der 5. Ferienstraf- kammcr des Landgerichts III unter der Anklage der Nötigung zu verantworten hatte.— Ter Angcllagte, der schon verschiedent- lich mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen ist, ist Eigentümer des Grundstücks Sternstr. 5 in Pankow. Die Mieten dieses Grundstücks waren Ende v. I. von seinen Gläubigern g e- pfändet worden, außerdem war das Haus auch noch mit einem Nießbrauch belastet. Als Nießbrauchcrin trat eine Frau Prill- witz auf, mit der der Angeklagte inzwischen ein Verlöbnis eingegangen ist. Da dem Angeklagten daran lag, die Mieten in die Hände der Nießbrauchcrin gelangen zu lassen, forderte er die Mieter auf, die Mieten an die Frau P. Zu zahlen. Bei den etwas verworrenen Verhältnissen wußten nun die Mieter überhaupt nicht, an wen sie die Mieten zu zahlen hatten. Sie hatten des- halb unter sich beschlossen, vorläufig überhaupt keine Mieten zu zahlen, bis sie vom Gericht die Mitteilung er- halten hatten, wer der Empfangsberechtigte fei. Als die Mieter bei ihrer Weigerung blieben, nahm der Angeklagte zu einem recht gefährlichen Mittel Zuflucht. Er sperrte einfach die Wasser- I e i t u n g ab, so daß die Mieter buchstäblich auf dem Trocknen saßen. Ferner vernagelte er die Kcllertür und klebte ein Schild mit der Aufschrift:„Schlüssel beim Wirt" an. Wenn die Mieter den Schlüssel verlangten, wurde ihnen gesagt:„Erst die Miete, dann den Schlüsse l."— DaS Schöffengericht verurteilte den Angeklagten wegen Nötigung zu 10 M k. Geldstrafe. Die von ihm eingelegte Berufung wurde kosten- pflichtig zurückgewiesen. Marktpreise vo» Berlin am 3. September 1913, noch SrmIIIelunqen dcS tgl. Polizeipräsidiums. MoiS(msied), gute Sorte 16,80—17,00. Mais (runder), gule Sorte 15,00—15,40. Richlftroh 0,00—0,00. Heu 6,00—7,60. Aarkthatte» preise. 100 Jlilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Cvciscbobncn. weisse 35.00—60,00. Linien 36,00—60.00. Kartofieln(KIcinbdl.) 4,00—8,00. 1 Kilogramm Rinbfleijch. von der Keule 1,70—2.40. Rindflciich, Bauchfleisch 1,30—1.80.' Schweinefleisch 1,50—2,10. Kalbfleiich 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,60—5,50. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,60. Aal« 1.40—3,00. Zander 1,40—3,20. Hechte 1,40—2,80. Barl che 0,80—2 40. Schleie 1,70—3,50. Bleie 0,80-1,80. 60 Stück Krebse 1,00-40.00. r In dieser Woche: .1' i,1 Großer Kleiderstoff- und Handschuh- Verkauf l......" Heute Freitag: *Fleisch Ochsenschmorfleisch, a... Pfund 1.— Ochsenfilet im Osnien, unautgeschilt Pfund 1.— Roastbeef. Pfund 95 Pi., auzg»cbiUt Pfund 1.40 Ochsenbrust ptund 80 Fehlrippe piund 85 pi Ocfasenkamm u. Gulasch... ptmi 75 pt Fr, Schinken Im Oamen,.,. Plnnd 85 PL Schweinekamm u. Schuft... piund 95 pi. Schweine-Kotelettes....... Hund 1.05 Rückenfett piund 65 pl Liesen piund 75 pi. Kalbskamm n.-bng..... ptund 80 85 pl Kalbsbrust piund 8� pl Spitze piund 1,— Hammelkeule........... Pfund 80 pl Hammelrficken..v.Sw.., ptund 70 pl Dicke Rippe........... piund 75 pl Hammeidfinnung......... pwnd 65 a Hammelkotelettes....... 2 stock 25 n Pökelznnge pja 1.25 Pökelbrost ptund 1.— Eisbein(Dlckbeln).......... Piund 60 Pt Casseler Rippespeer.. piund 90 pl bis 1.05 Wild u. Geflügel (l.lDectftcim. �Leipzigerstr�fioiügstr�Oranienstr.��RosentliftlerstrS uhnmiikl r •Artikel werden nicht zugesandt. iiüniiiüiiiin F«..«. Sonnabend Kol<>MSlWSren Java- Reis.......... Pfund 24, 30, 36 pl Rangoon-Reis......... Pfund 18, 20 pl Bruch-Reis........... ptnndl5, 16pl Reisgries............... phmd 18 pl Reismehl............... piund 18 pl Reisflocken............. piund 28 pt Weizengries............. piund 19 pt Hartgries............ piund 22, 25 pt Maismehl.............. Pfund 23 pl Maisgrics..............Pfund 15 pl Kartoffelmehl......... Pfund 15, 18 pl Deutscher Perl-Sago v-m....piund 30 pl Deutscher Sago rot«derwuii....piund 26 pl Sagoraehl..............piund 36 pl A. J. Polak's Pudding cg«urbo MaCCdoine(Qeleespeise mit•ingtmacht.FrOchL) 1.—— Delicata(Mikkironl-Spcls«)......Dose 50 PL No�fParail(Leceo-Pudding mit Vonwo-Sduce) 50 PL iüarzipan-Pudding......... putet 35 pt DoradO- Pudding m. Baninengtschm»ck, Pak. 30 PL Oranje-YelIie8mitversch!ed.Qeic]iraiek,Pak. 30 PL Mändelchen-Pudding....... Paket 25 pl Kerst-Pndding............ Paket 25 pl Eis-Pudding mit veracbled. Oeeebmack, Paket 25 PL Eier-Pudding mit ver�bied. Oeacbmack. Paket 20 PL Slinnpn � iich-Kalt schale mit Erdb.er-, Himboer-.Vanllle-n Mandel-Q nachm., Kirsch- Suppe leicht getärbt, Schokoladen-Suppe mMondamlna Elzuaatx,SPk45 PL Kakao und Schokolade*��tirstWdr6Il Hirsch und Keule Rücken Blatt Wildschwein, Pfund 1.10 85 pl 75 pl Rehkeulen.»» von 5.—— Mk. an Rehrficken.... von 6.— Mk. an Ofinse............... ptund 58, 68, 75 pl Cänserfimpfe.............. 2.30 bia 4�5 lange Enten............... 1.35 bis 3__ Brathühner............... 50 pt bis 2,— Suppenhühner...... 1.25 ws 2J0 Masthflhner............... 2.80 und 3— liiiiiiiiniiiiii Deutscher Kakao...... ptund 68 pl n. 1.— Holland. Kakao....... Phmd 1�0 u. 2.— Vanille- Schokolade 1.......fiundl.20 do. da II....., Pfund 1.30 Haushalt-Schokolade,. phmd 80pt.n.95pf. Block- Schokolade.........ptund 80 pl Bowlenwein iaki. Flasche'/i PI., bei 10 PL Oberraoseler..........."65 pl. 63 pl Wonneidinger.......... 75 pl. 73pi 1911 Wellensteiner...... 85 pl. 83pl 1911 Oberbilliger....... 95 pt. 92 Pt 1909 EtielsbaCher.. 1.10 1.05 •Rotwurst ptd. 55, 85'Jagdwurst ptd. 1.05 •Landleberwurst......... ptundl.— •Feine Leberwurst........ ptund UO •Pasteten-Leberwurst...... pimd 1.15 •Teewurst.............. ptund 1.30 Bauernmettwurst......... Pfund 1J25 Zervelat- u. Salamiwurst ptund 1.35, 1.75 Gänsebrust In gansen u, halben Brüsten, Plnnd 1.60 Rollschinken ea. d-II Piund aehver. Ptund 1�5 Landschinken ca.s-i2Pfd.seh»erPfd. 1.35, 1.45 iüaussebinken ca. 2-, Pfd. achver.. Pfund 1.40 Schinkenspeck w sthckenv. I'/k-t Pfd. Pfund 1.25 Speck lett,:'.. Wind 75Pt, mager Ptund 1»— Wasch- Konfektion Damen-Kleider,' Kostüme, Blusen, Röcke usw. 25% bis 500/o unter früheren Preisen. Heute Freitagt 'Obst u. Gemüse Ananas Pfund 6 8 pl TomatenzpiundlOpi Böhmische Pflaumen...»Pfund 28pl Victoria-Pflaumen..... 2 Pfund 25 pl Kaiserkronen.......... ptund 25pt Malvesir-Birnen........ piund 18 pl Eß- u. Kochbirnen......»Pfund 25pt Melonen.............. Pfund 15 pl Eß- u. Kochäpfel........ Pfund 10 pl Tafel- Aepfel....... Pfund 18 pt Pfirsiche.............. Pfund 35 pl Weintrauben...pinnd 20 pl,«ate ZSpl Bananen ptund 18 PL Weiß-, Rot-, Wirsingkohl ptund 3pl Kürbis.. Pfund 4 pl Salat..» kopiIOpl Seiler!«nun- 5u. 10 Pf. Zwiebeln»pidßO pl Blumenkohl...... Kopt 10, 15, 20pl Gurken.......... stack 5, 8, 12 pl Einlegegurken........»undei 30 pf Kartoffeln...>0 Pfund 22 Pf- Zentner 1.05 (Sack 2» PL Pfand.) Zuaendung durch die Paketfahrt 40 PL .'Butter und Käse Kochbutter 1.05 Tischbutter 1.10 Tafelbutter piTSgIich 8',. Uhr: Der Efehesonkel. Posse mit Gesang und Tanz. Cfosuvnoi Friedrichshain Am KSnigStor. Jeden Dienstag- Oek.: Ernst Etebing, und Donnerstagnachmittag: Kaffee-frei-Vorstellung der Korddentschen und Apollo freiem Gutree. Sänger Freitag»: Fret-Konzert. LIchtipiele Weinberg, weg LÄL'S Carl Clewing vom Kgl. Schauspielhause in 5erlin In dem Drama Der Thronfolger Lebensbild eines FQrstensohnes Friedrich- Ecke Taubenslrasse und Unter den Linden . Rudolf Christians MM""" MlZZl Paria vom luHsplelhau,>» Berlin in dem Luvtet Seine Kämmerfungfcr von H. BoMen-Baeckers, Direktor des Lusfsplelhauses In Berlin Morilzplatz und Hasenhelde Der Student von Prag RcInlckendorferUr. M Richard Wagner Reiehshallen-Theater ir Siiicf (Meysel, Britton, Schräder etc.) Neu engagiert; Komiker Roselll. Anfang 8 Ehr. KKetronol-Theater. In Lorbereituug: Die Reise um die Erde In vierzig Tagen. Gr. AuSstaitunaSstuck i. 22 Wtbertt v. JuI. Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schul». Trialion-Ikester. «SÄ». Untren. vorher: Der abgerissene Glcckeazug. sfirF: Am Potsdamer- Plate Casino-Theater LolhrlngerStr.S?. Täglich 8 Uhr. Der neue Bevt. Boffenschlager: „vgl Wön-Isnos oiiöi Csmo auf Teilung", Passage-Panoptikom Die Offenbarungen der Traummalerin Frau Assmann, d. Aufeeh. d. wieeenech. Kreise. AGA die schwebende Jungfrau. Buddha die geheixnnisvolla Tafel. Alles ohne Extra-Entree! zooioe ischer Garten Täglich: Xilitär-Boppel-jionzert. Eintrittspreise: Zoo: 1 M., von 6 Uhr ab 80 PI. Aquar.; lM.v.d.StraCe.0,50v.Zoo Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Sien: V.»! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Berliner Praler-Theater 7—9 Kastanien-Allee 7—9. |W Täglich:-TtzBB' Johanniszauber. Oper.-Burleske in 3 Alt. v. W. Gericke. Mufil von M. SchmidL Erftflass. Spezialitäten, Konzert. Ans. VI, Uhr. Eintritt 30 Pf. Volksgadeti- Theater. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/28. Freitag, 5. September 1913: Ein glücklicher FannTlenvater. Lustspiel In 3 Stilen v. C. A. Görner. Dazu: Die neuen erftflasfigeu Spezialitätenfräste. Ansang 4 Uhr. Voigt- Theater Badftrafte 38. Freitag, den 5. Septemb., geschlossen» Sonnabend, den v. September 1913: Jubiläumsbenesi, sür den Theater» meisler ll. Lensssn. Berlin, wie c« baut und kracht. Gänzlich neue Spezialitäten. Kasseneröffmmg 10 Uhr. Ans. VI, Uhr. Folies Caprice. Allabendlich 81/, Uhr: Ritter Ualnrlan. Schwank von Otto tzärting. Das Adoptlvhlnd. Von Leonh. HaSleL Wusil o. Steinst. Die Rlvgebirt. Posse v. Harting u. Theo Haiton. Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u.«erlag: Vorwärts Suchoruckerei u. Ve clagsanstait Paul Admirslspslast Ein». Eispalast der SVelt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt Allabondlich Flirt in S». Moritz. Beginn d. Vorstellung'/,S Uhr. Bi» 6 Uhr und von 10*/, Uhr halbe Kassenpreise. Singer u. Co., Berlin SIK, »»»>■>■«"> 2jfilii(|t ilts Jotniirts" ßttlintt KlksdlÄ>»-»-«»>.« 6ewerkrd>aftUcbC9. Die neuen)MUitärbauten nur für chriftUcbe Hrbeiter? Die nachfolgend abgedruckte Eingabe deS christlichen Stein- arbeiterverbandes, Bezirk Würzburg, legt Zeugnis davon ab, in welch unwürdiger Weise sich die Christlichen Vorteile im Arbeitsverhältnis zuzuschanzen suchen. Das Schriftstück ist unserem Freiburger Parteiorgan auf den Redaktionstisch ge- flogen, ist aus Freudenberg, Amt Wertheim in Baden, datiert und hat diesen Wortlaut: Freudenberg im Juli 191S. Zentralverband christlicher Keram« und Steinarbeiter Deutschlands. Bezirk Würzburg. An die Großh. bad. Staatsregierung Karlsruhe. Der ergebenst Unterfertigte erlaubt stch, Ew. Exzellenz im Namen der durch ihn vertretenen christlich und national organi« sierten Arbeiterschaft nachstehende Bitte ergebenst zu unterbreiten: Die hohe Grotzh. bad. Regierung wolle beim Vergeben der Steinlieferungen für Militärbauten, die im Bollzug deS neuen Wehrgesetzes in Baden nötig werden, das Steinmaterial der hiesigen Gegend, den roten und gestreiften Sandstein, gütigst be- rücksichtigen. Zur Begründung unserer Bitte erlaubten wir uns anzuführen, datz die Geschäftslage in dem hiesigen groben Steingebiet zurzeit eine überaus schlechte ist. Ein erheblicher Teil der hier in Frage kommenden Arbeiter muhte bereits abwandern und sich auswärt? Brot und Erwerb suchen. Für die meisten ist dies um so härter, weil sie durch kleine Anwesen an die Scholle gebunden sind und damit die Familie zurücklassen müssen. Große Schäden, materieller und moralischer Natur, bringt dieses Auseinanderreiben der Familie mit sich. Die hier in Frage kommenden Stein- arbeiter sind zum großen Teil christlich und national organisiert. Nahezu sämtliche Steinarbeiter sind k ö n i g s- treu und vaterländisch gesinnt. Wiederholt haben sie ungeachtet der raffiniertesten und mit großen Mitteln betriebenen Agitation der Sozialdemokratie den Beweis erbracht, daß sie Verständnis für die Bedürfnisse der Nation haben und gern und willig die notwendigen Opfer bringen für des geliebten Vater- landes Größe und Ansehen in der Welt. Wir haben zur hohen großherzoglich badischen Staatsregierung daS Vertrauen, daß wir nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Zwischen unseren Arbeitgebern und unS bestehen Tarifverträge, die beide Teile befriedigen. Die Voraussetzungen, unter denen die ReichStagskommisfion die Zuteilung von Staatsaufträgen wünschte, wären somit ebenfalls gegeben. Ergebenst(gez.) Schede!, Bezirksleiter. Eine alles andere als christlich zu nennende Anschmierung bei der Behörde, durch Diskreditierung andersgesinnter Ar- beitskollegen für sich Vorteile erwirken zu wollen I Oder weinen die Herren Christlichen, die Militärbauten dürsten nur von christlichen Arbeitern ausgeführt werden? Berlin unck Qmgegrnck. Die Stcinarbriter stimmten in ihrer am Mittwoch abgehaltenen Versammlung einem vom Vorstande vorgelegten Reorganisationsplan zu. Da« wesentlichste dieser Neuerung ist, daß das OrganisationS- gebiet Groß- Berlin in Bezirke eingeteilt wird. Für jeden Bezirk wird eine Bezirksleitung eingesetzt. Die Bezirke halten Versamm- lungen ab, die hauptsächlich der Organisation und der Aufklärung dienen. Ueber SektionS« und Werkstattangelegenheiten sollen die Bezirksversammlungen keine Entscheidung treffen. Neben der Bezirks« abteilung bleibt das bisherige System der Werkplatzvertreter be- stehen, auch sollen Budenrechte(Werkstattbesprechungen) nach Bedarf abgehalten werden. kleines feuilleton. Die Röntgenstrahlen im Dienste der Schule. Die Schulverwaltung der Stadl Boston in Nordamerika hat mit Hilfe der X-Strahlen ein schwieriges Problem der Schulerziehung, die sachgemäße Behandlung der zurückgebliebenen Kinder, seiner Lösung nahe gebracht. Für ge- wöhnlich werden die Schulkassen nacki dem Alter der Kinder gebildet, und diese mechanische Behandlung führt dahin, daß mindestens zehn Prozent der Schüler für ihre Klasse sich als zurückgeblieben erweisen. Sie hemmen den Unterrichlsgang, und ihre physische EntWickelung nimmt noch weiteren Schaden. Die besonders in Arbeiterkreisen so häufige Zurückgebliebenheit der Kinder ist meistens eine Folge der schlechten Ernährung oder des schwachen Körperbaues. Beides hemmt die EntWickelung des Gehirn? derart, daß jede geistige Anstrengung sofort zu dem Zu- stände der Erschöpfung führt. Um dem Uebel zu steuern, geht die' Bostoner Schulverwaltung auf die körperliche Untersuchung der Kinder aus, bei der die ganze Aufmerksamkeit aus die acht Knöchelchen der Handwurzel gerichtet wird. Diese Knöchelchen sind im ganzen Knochen- gerüst deS Menschen die letzten, die noch lange im Knorpelzustande bleiben, und zwar zeigt der jeweilige Grad ihrer Verknöcherung die Reifestufe des Kindes genau an. Die Röntgenphotographie der Hände ist also ein unbeirrbares wiffenschaftliches Mittel, den Grund der körperlichen EntWickelung des Kindes, der für seine Klassenzugehörigkeit entscheidend ist, iedeSmal einwandfrei festzustellen. Die Wichtigkeit solcher Fest- stellung tut die Praxis der Bostoner Pädagogen in überzeugendster Weise dar, da eS nicht selten vorkommt, daß ein Kind von zehn Jahren den Entwickelungsstand deS sechsjährigen kaum erreicht hat und folglich nur in der seiner körperlichen EntWickelung entsprechenden Klaffe erfolgreich unterrichtet werden kann. Die vertretenen Bortragenden. Ein Konzertbureau bertritt Vortragende und vermittelt dem löblichen Publikum»Lite- rarische Nachrichten*. Man erfährt:.Hermann Bahr ist eine der überragendsten Erscheinungen der modernen deutschen Literatur... der Autor, der auf einer großangelegten Vortragstournee...* .Oskar Blumenthal, dcffen zahlreiche Stücke den SiegeSzug... Dank unseren Beziehungen ist es uns gelungen, den Diwier... Oskar Blumenthal zu erleben, wie er die blitzenden Waffen der Sätire meisterlich handhabt, verspricht...* Er wird sich der- sprechen. _.HannS Heinz Ewers ist heute wohl jedem Gebildeten ein geläufiger Name... so weiß er das Publikum durch seine fesselnde Persönlichkeit(ausgestattet von Edm. Wünsch, Rotsiegelkrawatte, vaschtehste) vom ersten bis zum letzten Augenblick in Bann zu halten.* »Ludwig Ganghofer weiß feine eigenen Werke in so lebendiger und packender Weise vorzutragen, daß sie dem Hörer zu einem Er» lebniS werden.* Dann muß er s e h r gut vortragen können. .Karl Hauptmann.. und die Unmittelbarkeit seiner Sprache, die die höchste Plastizität erreicht, haben ihm seine bedeutende Stellung in der Literaturgeschichte gesichert.* In der Literatur- geschichte des Konzertbureaus. .Roda Roda. Man könnte glauben, die neueste humoristische Literatur habe sich zur Aufgabe gemacht, die Ansprüche des Publi- tmnS inbezugaufHumoraufdaS Mindestmaß herabzusetzen.' Achtung, Destillationsgehilfen! Zu der Sperrnotiz über die Großdestillation von A. Meyer, die wir gestern unter dieser Spitz- marke aufnahmen, ersuchen uns die Herren Kohlenhändler Maas und Konfitürenhändler E b e r t mitzuteilen, daß sie nie Streikposten denunziert haben und daß auch m dem Laden des letzteren keine Polizei stationiert sei. Es habe höchstens gelegentlich einmal ein Schutzmann, der vor dem Meyerschen Geschäft stand, sich dir wenigen Schritte seitwärts bis vor das Laden an Laden daneben liegende E b e r t sche Geschäft begeben. Herr Kohlenhändler Maas hat sein Geschäft auf dem 2. Hofe, so daß von hier aus irgendwelche Beobachtungen von Streikposten überhaupt nicht möglich sind. Die Zahlstellen Berlin und Charlottenburg deS Zentralverbandes der Schuhmacher haben sich verschmolzen. In einer außerordent- lichen Generalversammlung der Berliner Zahlstelle, die am Mittwoch stattfand, wurden die Anträge zur Verschmelzung beider Zahlstellen erledigt. Es soll den Charlottenburger Mitgliedern eine Vertretung in der Berliner Ortsverwaltung eingeräumt worden. Ferner soll eine Kommission gebildet werden, welche die Agitation für den ganzen Westen Berlins zu betreiben hat. Der Arbeitsnachweis wird ausgebaut und möglichst an die Grenze Charlottenburgs verlegt. Die Auszahlung der Unterstützungen soll für die im Westen wohnenden Mitglieder in diesem Nachweis erfolgen. Die bisher von der Charlottenburger Zahlstelle für daS VolkShauS gezahlten Beiträge übernimmt die Berliner Verwaltung. Die Annahme dieser Anträge erfolgte gegen eine Stimme. Deutfehes Relch» Zum Ausstaude der Werftarbeiter. Die streikenden Holzarbeiter in Bremen haben nun auch ihren Widerstand gegen die Aufnahme der Arbeit aufgegeben. Mit 432 gegen 45 Stimmen beschloffen sie, die Arbeit unter denselben Be- dingungen wie die übrigen Arbeiter aufzunehmen. Damit ist nun das letzte Hindernis beseitigt und die Einstellung der Arbeiter wird wieder erfolgen.— Nach einer Erklärung des Arbeitgeberverbandes werden die Arbeitsnachweise vom Sonnabend, den S. September ab mit der weiteren Einstellung der Arbeiter beginnen. Zur Bewegung der S t e t t i n e r Werftarbeiter ist zu melden, daß die Streikenden, soweit sie sich beim Arbeitsnachweis der Industriellen zur Arbeitsaufnahme gemeldet haben, sämtlich wieder eingestellt worden sind. Diejenigen Arbeiter, die sich noch nicht ge- meldet haben, erhalten hierzu eine Frist bis zum kommenden Sonn- abend. Haben sie auch dann noch nicht beim Arbeitsnachweis wieder vorgesprochen, gelten sie bei einer etwaigen späteren Einstellung als solche Arbeiter, die gänzlich neu eingestellt werden. Bewegung in den Thorner Honigkuchenfabriken. Die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Thorner Honigkuchen- fabriken stehen in einer Lohnbewegung. Der Zentralverband der Bäcker und Konditoren hat bereits ftir alle vier Fabriken am Platze eine Tarifvorlage ausgearbeitet, die wesentliche Verbesserungen bringen soll, und an die Fabrikanten eingereicht. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Thorner Honigkuchenbranche sind die denkbar traurigsten. Stundenlöhne von 8(acht) Pfennig(Ij werden dort den Arbeiterinnen noch gezahlt. Trotz langer Arbeits- zeit müssen die Arbeiter mit ihren Familien hungern. Die Firma Richard Thomas hat bereits die Forderungen der Orga- nisation anerkannt und beim Tanfabschluß anerkennenswertes Entgegenkommen gezeigt. Im Gegensatz zu dieser Firma haben sich bis jetzt die beiden„Hoflieferanten* Gustav Weese und Her- mann Thomas den Forderungen der Arbeiter gegenüber ab- lehnend verhalten. Die Arbeiterschaft als Hauptkonsumentin der Thorner Honigkuchen wird dieser Bewegung einer geradezu verelendeten Arbeiterkategorie sicherlich ein aufmerksames Augenmerk leihen. Was ist in bezug auf das Konzerlbureau passiert Z»Nicht nur unser Denkvermögen, selbst unser Zwerchfell wird geschont.* Das Konzert- bureau vertritt sich offenbar.»Immer spärlicher fließt der köstliche Wunderquell deS HumorS.' Versiegt vor diesem Roda Roda selbst die Geschäftstüchtigkeit? »Bei Roda Roda dagegen kommt man auS dem Lachen nicht heraus. ES ist ein ganz einzigartiger Genutz, zu erleben, toie er ohne Buch und ohne Manuskript, Aug' in Auge mit dem Zu- schauer...* Zwerchfel' in Zwerchfell. Man verlange Spczial- offerte. hw. Der neue Shaw. Bernhard Shaws neues Bühnenwerk.Rndroclus und der Löwe*, das am Montagabend im Londoner St. Fames- Theater seine Uraufführung erlebte, erweist sich als ein Spiel von Ironie und tieferer Bedeutung, in dem Shaw der Menschendarsteller viel stärker in den Vordergrund tritt als in seinen letzten Werken. Man kennt die alte Fabel von dem schüchternen weichherzigen Schneiderlein Androclus, der einen Löwen von einem Dorn befreit und damit die Freundschaft der Bestie er- obert. Bei Shaw greift die Gestalt des Androclus über das schlichte Symbol der Tierliebe hinaus, der sanftmütige Androclus wird bei ihm zum liebenden Christen, weil Instinkt und Wesen ihn dazu treiben. Mensch und Tier mit Liebe zu begegnen, weil es sein Wesen ist, sich zu opfern und nach dem Schlage auf die rechte Wange still auch die linke darzubieten. Ihm wird in der Gestalt des Ferrovius der TypuS des gesunden Kraftmenschen gegenüber- gestellt, der mit ganzem Herzen die Lehre christlicher Nächstenliebe aufzunehmen sucht, ohne sie je zu seinem eigenen Fleisch und Blut machen zu können: er gehorcht zwar dem Worte der Bibel, auch er bietet nach dem Streiche auf die rechte die linke Wange: aber er kann dabei nicht umhin, den Gegner niederzuschlagen._ Die dritt Gestalt deS Werkes, die über die Grenzen einer geistreichen Skizze hinauSreicht, ist dann die Christin Lavinia, die stolz und hart der Verlockung trotzt und aus Selbstgefühl ihrem Glauben treu bleibt: und dabei mehr Frau als Christin ist, und zwar moderne Frau, ja fast schon Frauenrechtlerin. - Wie immer bei Shaw ist die Handlung weniger wichtig als die Reden, die sie begleiten. Im ersten Bild sieht man Androclus den Löwen von dem Dorn befreien und mit dem dankbaren Raubtier einen grotesken Tanz aufführen, das zweite Bild bringt eine Straße von Rom, gefangene Christen, die in der Arena den Raubtieren aus- geliefert werden sollen, Drohungen und Bekehrungsversuche, sowie Gespräche, die stark an die Thesen der Suffragetten anklingen. Das dritte Bild führt hinter die Kulissen der Arena, wo die Opfer des Todes harren, und zeigt, wie in den verschiedenen Tem- pcranienten die Todesangst verschiedene Reaktionen erweckt. Bis Ferrovius, der sich gelobt, keinen Widerstand zu leisten, in die Arena geschleift wird und hier doch nicht anders kann, als sich wehren. � Er schlägt acht Gladiatoren nieder; der Cäsar ist über die Leistung so begeistert, daß er die übrigen Gefangenen begnadigt, nur einer soll der Schaulust des Volkes zum Opfer ge- bracht werden. Das Schicksal trifft den frommen Androclus, der freudig sein Kreuz auf sich nimmt und hinaustritt, um dem Löwen als Fraß zu dienen. Und � hier steigert sich die Bühnenwirkung zu einem seltsamen Eindruck, in dem Komik und Erhabenheit sich ver- mischen: der Löwe erkennt den Androclus wieder, beide sinken ein- ander sozusagen freudestrahlend in die Arme und in tounderlich rührenden Naturlauten begrüßen sich Mensch und Tier als glückliche Freunde._ Und während Ferrovius des CSsarS Gnade annimmt und in die Schar der Pratorianer eintritt, tanzen Androclus und Eine christliche Verleumdung. Unter der Stichmarke:„Mit 2000 M. geflüchtet I* geht durch die rheinisch-westfälische Zentrumspresse eine Notiz, in der die Behaup« tung aufgestellt wird, ein Funktionär des Arbeiterturnvereins Bochum, der gleichzeitig Sektionsleiler oder Angestellter des Transportarbeiter- Verbandes gewesen sei, sei mit 2000 M. Ueberschuß vom letzten rheinisch-westfälischen Kreisturnfest geflüchtet. Richtig zu stellen ist, daß der Betreffende mit Namen Peschken früher aushilfsweise einmal im Transportarbeiterverbande beschäftigt worden ist. Die Mitglieder dieses Verbandes waren aber mit seiner Tätigkeit nicht zufrieden und entzogen ihm sehr bald wieder die Funktion. Peschken machte sich dann selbständig: er gründete ein Fcnsterreinigungsinstitut, durch das er bis jetzt seinen Erwerb bestritt. Vorsicht, Gipser und Putzer! Vom Zweigverein Metz des Deutschen Bauarbeiter-VerbandeS erhalten wir folgende Zuschrift: Ein gewisser Jacques Albrecht auS Jarny(Meurthe et Moselle), Frankreich, sucht fortwährend Gipser und Putzer nach dort für Kasernenbauten. Wir warnen hiermit bor diesem Schwindler. Mehr als 50 Leute sind in den letzten Tagen wieder zurückgekommen, meist mittellos. Wir wissen nicht, was wir mit den Leuten hier anfangen sollen. Es werden ihnen hohe Akkordpreise versprochen, die dann nicht bezahlt werden, oder sie bekommen am letzten Ende nur knapp soviel, daß sie ihre Kost und Logis bezahlen können. Die Arbeitszeit dort ist 12 Stunden; auch wird Sonntag? ge- arbeitet, damit die Arbeiter nur einigermaßen auf ihre Rechnung kommen. Kost und Logis ist nach deutschen Begriffen schlecht und teuer. Sehr oft handelt eS sich auch um sogenannte Strohmänner, die die ausgeschriebenen Arbeilen vergeben, so daß viele längere Zeit arbeiten und dann keinen Pfennig bekommen. Deshalb ist über- Haupt äußerste Vorsicht geboten bei Uebernahme von Arbeiten nach Frankreich. Zugenäbewegung. „Pharisäer" und„Duckmäuser". Trotz aller staatlichen Mühe, die gesamte bürgerliche Jugend- bewegung gegen die Freie Jugend unter einen Hut zu bringen, kommt es zwischen den christlich-nationalen Brüderscharen immer wieder zum Krach. So wollen die Jünglingsvereine und die Turn- vereine sich noch immer nicht vertragen. In der Nr. 32 der „Deutschen TurnzeiJiing* leistet sich der Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft, Dr. Götz, einen Aufsatz, in dem er die Menschheit wie folgt einteilt: 1. Turnerschaft. 2. Pharisäer, S.Nörgler, 4. P h i l i st e r. Mit den Pharisäern meint er die Augenverdreher in den Jünglingsvereinen, denen er diese Worte inS Stammbuch schreibt: .... die Leute, die von einer frischen, frohen und steien Jugenderziehung nichts wissen— die diese nur in konfessionelle Bahnen zwingen wollen— Pharisäer mit Sünden, genau wie in allen menschlichen Kreisen—, Leute, die nichts von freier Männlichkeit, von Männer- st o I z nach oben und unten wissen wollen und in äußerlichen Formen die Frömmigkeit suchen!* Noch gröber wird die Sportzeitung„Fußball und Leichtathletik* Nr. 83, das„Alleinige Nachrichtenblatt des Westdeutschen Spiel« Verbandes". Es schreibt: „Der kirchliche JünglingSberein, der notwendig Duckmäuser züchten muß, und den wir selber als Jungen gottlob so recht- schaffen verachtet haben, ist unter der Brutmaschine der Jugendpflege zu neuem Leben aufgewärmt.* Sehr richtig, sagen wir. Aber ebenso verächtlich wie daS Pharisäer- und Duckmäusertum der Jünglingsvereine ist der gedanken- lose Hurrapatriotismus der Deutschen Turnerschaft und die geistes- arme Tätigkeit der Nur-Sportfexe. Die Arbeiterjugend darf mit allen dreien nichts zu schaffen haben. der Löwe Arm in Arm von der BüW, über die sich dann zum letztenmal der Vorhang senkt. Ein Parasit der Flöhe. Dem französischen Bakteriologen Laberan ist es in seinem Laboratorium des Instituts Pasteur gelungen, einen Parasiten, den Rerpotomanss tsnooeptralus, im Innern des Flohs zu isolieren. Wie man sich denken kann, ist dieser Schmarotzer des Flohs außerordentlich klein: kaum 2 bis 4 Tausendstel eines Milli« meters. Wie der„Matin" mitteilt, hat der Gelehrte eine Kultur dieser Bazillen angelegt und damit Injektionen bei weißen Mäusen vorgenommen, bei denen dadurch ein Fieber von 30 bis 00 Tagen Länge hervorgerufen wurde. Da? Blut dieser infizierten Mäuse wurde wieder anderen weißen Mäusen injiziert, bei denen eS die gleichen Erscheinungen hervorrief. Laveran hat zwar seine Forschungen über diese Tatsache noch nicht beendet, aber man kann jedenfalls ans diesen Experimenten interessante Aufschlüsse über die Rolle erwarten, die der Floh als Verbreiter von ansteckenden Krankheiten spielt.. Notizen. — OpernhauS-Neubau. Der Regierungsentwurf hat der Revision von Seiten des freien Architekten Geheimrat Hoffmann bereits unterlegen. Wie das„B. T.' mitteilt, ist er sogar schon in neuer Form festgestellt worden. Die Abänderungen beruhen, wie es heißt, auf sicherbeits- und feuerpolizeilichen Gründen. Der fünfte Rang soll fortfallen. Gleichwohl sollen alle Plätze vorteilhaft unter« gebracht werden. Zehn Jahre wird der Bau dauern, und im nächsten Jahr will man ans Werk gehen. ~ Theater chronik. Unter den Neuheiten deS Deutschen Theaters für die neue Spielzeit befindet sich auch eine neue Komödie Karl Sternheims, deren Titel noch nicht feststeht. Aus dem Nachlaß F l a u b e r t s hat Sternheim ein Lustspiel»Der Ka n did.a t* übersetzt,>daZ im Deutschen seine Urauffiihrung erleben wird.— Im Kleinen Theater geht kommenden Sonntag, den 7. September, nachmittags 3 Vi Uhr, die erste Nachmittagsvorstellung der neuen Spielzeit Ludwig Thomas»Lottchens Geburtstag* in Verbindung mit Octave MirbeauS Satire.Der Dieb* in Szene.— Im Neuen Volks- Theater geht am Sonnabend das Schauspiel»Die Sieb« zehnjährigen* von Max Dreher zum erstenmal in Szene. — L u st s p i e l h a u s. Am Sonnabend findet die Erstaufführung des TurfschwankeS„777:10* von Otto Schwartz und Karl M a t h e r n statt.— Das Kleine Theater hat, DaS täg- lichc Leben*, ein Drama von Rainer Maria Rilke, erworben. — Musik. Theodor S p i e r i n g wird in der kommenden Saison drei Sinfoniekonzerte deS Philharmonischen Orchesters diri- gieren: eine sinfonische Dichtung für große Orchester von R e z n i c e k „Der Sieger* gelangt zur Uraufführung; Gustav MahlerS.DaS klagende Lied* für Soli, Chor und großes Orchester wird erstmals in Berlin aufgeführt. — Hermine Villinger, die als Dichterin von Schwarz- Wälder Geschichten einen Namen hat, wurde mit dem Ebner- Eschenbach-Pr�ise bedacht, den der Wiener Zweigverein der Deutschen Schiller-Stiftyng verleiht. — Mumienfunde. Aus Kairo wird mitgeteilt: Eine An- zahl Staatsgefangener, die in den Gärten des Khedive Arbeiten au<- führten, entdeckten in einiger Tiefe ein Gewölbe von hohem Alt««, das eine große Zahl guterhaltener Mumien und Grabsteine barg, Hn die Arbeiter Berlins! WkMckmtmkiiMsM«! Nachdem die untenstehenden 39 Krankenkassen zur Auflösung kommen und die drei ange- gebenen sich verschmelzen, findet am Sonntag, den 38. September 1013 die Wahl zum Ausschuß für die Allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Berlin statt. Zu wählen sind nach dem Verhältniswahlsystem 60 ordentliche Mitglieder und 120 Stell- Vertreter. Wahlberechtigt sind alle volljährigen(21 Jahr alt) Kassenmitglieder beiderlei Geschlechts der untenstehenden Kassen. Zur Wahlberechtigung ist eine Aufnahme in die Wählerliste der Allgemeinen Ortskranken- kasse erforderlich. Diese Ausnahme erfolgt mittels Feststellungsscheine, die durch uns heraus- gegeben werden. Alle Werkftattvertrauenspersonen bitten wir, in ihren Betrieben festzustellen, wie viel wahlberechtigte Personen beschäftigt sind, um für diese von uns Engelufer 13 I, Zimmer 25 in der Zeit von 9—1 oder 4— T'/z Uhr, oder schriftlich die gewünschte Anzahl dieser Wahlfest- stellungsscheine zu fordern. Bei Briefen bitten wir die genaue Adresse des Empfängers respektive Absenders anzugeben. Diese Feststellungsscheine sind auszufüllen und von der Firma oder der Geschäftsleitung mit der Unterschrift oder Stempel zu versehen. Nachdem die Vertrauens- oder Eiyzelpersonen den oder die Scheine ausgefüllt haben, begeben sich die Mitglieder der Allgemeinen Ortskrankenkasfe nach der Köpenicker Str. 80—82, die Mitglieder der � aufgelösten und der sich verschmelzenden Krankenkassen nach ihrem alten Kassenlokal, um diese Scheine qbzugeben. Dafür erhalten sie eine Legitimationskarte, die dem Ueberbringer dazu dient, in der Zeit vom 13.— 27. September in demselben Kafsenlokal soviel Wahlkarten in Empfang zu nehmen, als Wahlfeststellungskarten abgegeben worden sind. Wer im Besitz dieser Wahlkarte ist, bedarf am 28. September, am Tage der Wahl, keinerlei anderer Wahllegitimationen. Der Ausschuß der Gmerllschustskiiimisß»« Snlius und Umgegend. I. A.: A. Körsten. Die Krankenkaffen, die der Auflösung verfallen sind: Ortskrankenkasfe der Goldschmiede, Kupferschmiede, Gelbgießer, Messerschmiede, Schmiede, Nadler, Maschinenbauer, Stellmacher, Uhrmacher, Musikinstrumentenverfertiger, Weber/ Posamentierer, Tapezierer, Sattler, Korbmacher, Drechsler, Vergolder, Lackierer, Möbelpolierer, Bäcker, Schlächter, Bierbrauer, Tabakfabrikarbeiter, Zigarrenarbeiter, Schneider, Kürschner, Handschuhmacher, Schuh, macher, Barbiere, Perrückenmacher, Zimmerer, Maler, Dachdecker, Brunnenbauer, Töpfer, Photographen, Graveure, Bildhauer, Gastwirte. Wie sich verschmelzenden Ortskrankenkassen sind die der Kaufleute, Bureauangestellten und der Allgemeinen Ortskrankenkasse. DgiiKcIw Kürschner-Verband. Verband der Lederarbeiter Filiale Berlin. SBurcau u. Arbeitsnachweis: K0. 43, Weinstr. 8. Fernspr.: Königstadt 6733 Heute, Freitag, den S. September, Punkt 8 Uhr: aller selbständigen Kürschnernleister und aller Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Die Vorteile des gemeinschaftlichen Kampfes. Referenten: Kollegen Feldman» und Regge. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Selbständige Kürschnermcister, Arbeiter und Arbeiterinnen! Kommt zur Versammlung, lastt alle Arbeit ruhen, schlieft Euch unserer Bewegung an. werdet nicht zum Verräter an Euch und a» unserer Sache l 100/10 Verein selbständiger Kürschner Filiale Berlin I. Sonnabend, de» 6. September, abends 8'/. Uhr, Prinzen-Allee 33: Versammlung Tagesordnung: 1. Bericht über die Lohnbewegung der Handschuhmacher. 2. Verbands- angelcgcnhcitcn. Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Landparzellen, Vorort, direkt am Bahnhos. An Vorwärtslcscr schon mit 1t)«» M. Anzahlung, kl. jäbrl. Teilzahlung. Kutcr Boden, Acker, Wald, Wiese. Grosie Zukunst und Wertsteigerung. Auskunil AI. Itachholz, KO, Kniprodestr. 19.» lOOO Hark Prämien 1. Preis 50O K. S. Preis 200 W. 3. Preis lOO 31. 4. und 5. Preis je 50 II. 0. bis 15. Preis je 10 31. erhalte diejenigen, welche die nachfolgende Strophe durch eine Zeile am besten ergänzen: Soll Boa-Lie dich recht erfrischen, Am besten aber trink et rein. So trink es kühl wie Moselwein. Wenns schäumend perlt und köstlich schmeckt, Womit du willst, kannst du es mischen,--------—------ Das Preisrichteramt haben übernommen die Herren: Ernst Growald, Sachverständiger für Keklame, Berlin, A. Oskar Klaussmann, Schriftsteller, Berlin und der Geschäftsführer der Boa-Lie-Ges. Herr Max Boetzel. Bei gleichartigen Lösungen entscheidet das in Gegenwart eines Notars gezogene Los. Die Verse müssen bis 1. Oktober d. J. bei der Boa-kie-Gesellsohaft m. b. H., Cliarlottenburg. Charlottenburger Ufer 70, eingegangen sein. Die Namen der Preisträger werden veröffentlicht. Das gesunde Zitronengetränk ESinsi I Sa nach neuen Wissenschaft!. Entdeckungen«iurch Gäning mit eigener DOanlaEB(nicht künstlich eingepresster) Kohlensäure hergestellt, ist hei alt und jung, bei Gesunden wie Kranken, in kurzer Frist gleichmässig beliebt geworden. Boa-liie kostet für Berlin:'/, Flasche 38 Pf.,'/, Flasche 13 Pf. excl. Glas. Orts-Krankenkafse für das Sächer-iuKonditor- gewerbe zu Serlin. Kasscnlokal: Engeluser 14 1, Zimmer 18 Tel: Amt Moritzpl. 1085. Bekanntmachung. Nachdem das kgl.Oberversicherungs- amt Grosi-Berlin die Zulassung der unterzeichneten Kasse als besondere Ortskrankenkasse abgelehnt hat und die hiergegen eingelegte Beschwerde vom Minister für Handel und Gc- werbe zurückgewiesen ist, wird die OrtSkraiikenkasse für das Bäcker- und Konditorgcwerbc zu Berlin am 31. Dezember 1013 gc- schloffen. Wir bringen dies»ach g 301 R.-B.-O. mit dem ausdrücklichen Hinweis zur öffentlichen Kenntnis, dag etwaige Gläubiger ihre vermeint- lichcn Ansprüche innerhalb drei Mo- nalen vom heutigen Tage ab im obigen Kassenlolal schriftlich geltend zu machen haben. Die Befriedigung später ciniausender Forderungen kann verweigert iverden. Ter Vorstand der Ortskrankcnkaffe für das Bäcker- und Konditorgewcrbe zu Verlin. 274/19 Karl stctzsebold, Vorsitzender. Zchriststelltr lRezitator) Anfertigung von Prologen, Gedichte» jeder Art, Rezitationen zu jeden Veranstaltungen. HanS Friedmann, Berlin» Ehariottenburg, Wilmers- dorserstratze 11t, P. II, v. IV. ♦ nr Wir Nkrmltungsjlklle Serlin. C 54, Limenstr. 83—85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Montag, den 8. September 1913: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: NörNeN I Pharussille, Müllcrstr. 142, abends 8'/, llhr. Vortrag des Kollegen W. Siering. Norden' okislos � e«t>iülc, Schwedter Straffe 23, abends Vortrag deS�Kollcge» Buaak über: Die Volksfärsorge. �Ollbil! Prachtsttle Nordwest, Söiclefflr. 24, abendZ 8V, Uhr. �bariollknbnrgl Volkshaus, Rosinenstr. 3, abends 8»/, Uhr. Tofiol* Wohlfahrt» Festsöle, Reinickendorf, Eichbornstr. 18, I Cy Cl. abends 6 Uhr. Weslen und Schöneberg: J'neuTt!tr.ia�n!�8öÄ0' Fortsetzung der Versammlung vom 18. August. OSteU: ComeniussÄle, Memeler Str. 67, abends 8'/, Uhr. Vortrag über: Die Volkssürsorgc. Uchtenberg:*far,*rBhen' Vortrag über: Die Vollssürsorge. Stralau-Rummelsburg: S?""Ävl,e' 3' Veißeusee: Prälaten, Lchdcrstr. 122, abends 81/. Uhr. Südenbezirke:"�r8?uhr'en9äle' Rott6"fc,:®omw 76' Vortrag. Südenbezirke: Süd-Ost, Waldemarstr. 75, abenbS 8'/, Uhr. Vortrag. Neukölln' Festsillc, Hcrmannstr. 48/49, avcndl Vortrag Über: Die Volkssürsorge. Steglitz:-Albrcchtshof, Albrechtstr. la, abends 8'/, Uhr, Köpenick u. Friedrichshagen: hagen, Friedrichftr. 74, abends 8'/, Uhr. Oberschöneweide, Niederschöneweide, Johannis- thal Ii Ilmn• Wilhclminenhof, SSilHcInttncnHofstcaffe. Illrtl U. UUly.. abends 8-/, Uhr. Spandau: Bcstanraat Dertz, Kurstr. 21, abends 8'/, Uhr. Di- Stfirksversammlung für den 39. Senrk find-t°« Donnerstag;, den 11. September, abds. ö'/i Uhr, in Frankes Fcstsälen, Badstr. 19, statt. Tagesordnung in allen Versammlungen: Bericht von der Generalversammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pünkllichcs und zahlreiches Erscheinen ivird erwartet. 125/7 Die Ortsverwaltang. Verwaltung; Berlin. Montag, den«. September: Mitglieder-Versammlungen Tagesordnung: Bericht von der letzten Generalversammlung.— VerbandSangelegenheite». nachmittags S'/, Nhrt Sezirk Osten I: bei Brlng;niann, AndrcaSstr. 26. Bezirk Osten II: Bei Gmnwald, Memeler SK. 67. Vortrag:„Begräbnis oder Feuerbestattung-. Reserent: Zahnarzt Frennd-Neukölln. Bezirk Oestliclie Vororte: Vortrag des Slollcgcn W. Xltzscbke über:„Voltsfürsorge und die Schäden der Privatvcrsichcrung". Die Kollegen werden ersucht, ihre Frauen mitzubringen. Bezirk Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt: bei E. Büttner(früher Obiglol. Schwcdlerstr. 23. Vortrag über:„Gewerbliche Rechtsprechung in der Holz» industric«. Referent: Kollege Leopold. Maschinenarbeiter, abends 8 Uhr, bei Bockcr, Weberstr. 17. Vortrag:„Was lehrt uns die Internationale Banfach- ausstellnng in Leipzig". Möbelpolierep, abends 8 Uhr, bei Borgmann, Andreasstr. 2t. Vortrag:„Tic Tariftrcuc der Unternehmer und welche Stellung gedenken die Äollcgcn dazu einzunehmen?" Tischlerbezirb Südwesten. am Dienstag» den 9. September, nachmittags 5 Uhr, bei Habel» Bcrgmannstr. 5/7. Tagesordnung� 1.„Die Volkssürsorge--. Reserent: Ginckffe Bitter, 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Vcrbandsangclegcnhcilcn. 88/8 Die Ortsvcrwaltnnj/. 4» WtVl NWUHWWW Ha (E. st K. Hamburg.) Oertliche Verwaltung Berlin. irer Heute Freitag, den». September, abends 8'/, Nhr, im„«ewerksehaftsbans", Engelnfer 15: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung! 1, Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Verschiedene Kafsenangrlegenheiten. Der Borstand. L- A.: sUchanl SchrSder, Tilsiter Str. 7. Kr. 230. 30. Jahrgang. 3. IrilMf des Jmmiirtf Kerlim WWlR Freitag. 5. September 1913. Morge für Arbeitslose in Lrok-kerlin. Unter diesem Titel verbreitet sich der Schöneberger Ober- bitrgermeister Dominicus über das Arbeitslosenproblem. In einem längeren Artikel in der„Vossischen Zeitung" erörtert er, welche positiven Maßnahmen gegen diese Erscheinung ge- troffen werden können. Er gibt zunächst der Meinung Aus- druck, daß es gar keiner näheren Ausfiihrung bedürfe, daß im kommenden Winter in Groß-Berlin eine erhebliche Arbeits- losigkeit zu erwarten ist. Dann sagt er: »1. Die effte positive Aufgabe scheint mir nun darzustellen der Versuch einer einheitlicheren Organisation des öffentlichen Arbeitsnachweises. Von jedem Theo- retiker und Praktiker auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung wird zugegeben, daß die Voraussetzung für das Funktionieren eines jeden Systems der Arbeitslosenversicherung ein gut funktio- nierender öffentlicher Arbeitsnachweis ist. In Groß- Berlin existieren bisher zwar eine Reihe von öffentlichen und kommunal .unterstützten Arbeitsnachweisen. Allein sie umfassen nicht das 8esamte Gebiet von Groß-Berlin, und es fehlt ihnen eine ein- eitliche Leitung und Uebersicht über den Arbeitsmarkt. Infolge der Initiative des Herrn Oberbürgermeisters Mermuth ist es gc- lungen, im Laufe dieses Jahres dem Zentralverein für Arbeits- Nachweis in Berlin eine erheblich größere Subvention seitens der Stadt Berlin zu verschaffen und anderseits in den vertraglichen Beziehungen zwischen diesem Zentralverein und der Stadt Berlin die Einwirkungsmöglichkeit der Stadtverwaltung auf diese Arbeits- nachweise erheblich mehr auszugestalten. Damit scheint mir die Voraussetzung zu einer innigeren Verbindung zwischen diesem Zentralverein und den bestehenden Arbeitsnachweisen der Kom« munen in Groß-Berlin gegeben zu sein, und daran müßte sich schließen die Gründung von weiteren öffentlichen Arbeitsnachweisen in denjenigen Teilen von Groß-Berlin, wo sie noch fehlen. 2. Im Zusammenhang mit der Frage des Arbeitsnachweises steht die Einführung einer Sicherheit bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten dafür, daß bei diesen Arbeiten in er st er Linie geeignete einheimische Kräfte und unter diesen wieder vorzugsweise verheiratete Arbeiter beschäftigt werden. So sehr sich er« fahrungsgemäß insbesondere die technischen Instanzen gegen die Einführung einer derartigen Klausel bei der Vergebung von Ar- beiten sträuben, so sehr muß darauf hingewiesen werden, daß diese Bedingung bei vernünftiger Handhabung seitens des Arbeitsnach« weises in der Praxis durchaus durchführbar ist. Es sei in dieser Beziehung auf die langjährigen Erfahrungen in Elsaß-Lothringen hingewiesen, wo sich nach dem Muster der städtischen Arbeitsnach- weise vor einer Reihe von Jahren bereits das Ministerium ent- schloffen hat, auch für alle staatlichen Arbeiten eine ähnliche Klausel vorzuschreiben. Es wäre also danach zu streben, daß sämt- liche städtischen Verwaltungen, aber auch die staatliche Verwaltung, z. B. auch die Eisenbahnverivaltung in Groß- Berlin, alsbald eine entsprechende Klausel in ihre VergcbrntgS- Verträge aufnehmen und bei der Einstellung von neuen Arbeitern danach verfahren. 3. Durch eine bessere Regelung des Arbeitsnachweises und durch die Aufnahme einer derartigen Klausel in die VergebungS- Verträge öffentlicher Arbeiten wird ja aber nun selbstverständlich nicht erreicht werden können, daß die große Masse der winterlichen Arbeitslosen mit Arbeit versorgt wird, da für diese die Beschaffung von Notstandsarbeiten, wie gesagt, ebenfalls nicht möglich fein wird, bleibt nichts anderes übrig, als die Organisation von G e l d u n t e r st ü tz u n g. Hierfür ist in den eingehenden Ver- Handlungen des deutschen StädtetageS in Posen vom Jahre 1S11 als der richtige Weg anerkannt worden die.obligatorische Bersiche rung, und zwar speziell zunächst derjenigen Gewerbe, in denen das Bedürfnis am größten ist, d. i. in unserer Zeit unzweifelhaft das Baugewerbe. Das ReichSamt des Innern hat sich bisher dagegen gesträubt, dem Antrage dcS Deutschen StädtetageS auf Vorbereitung eine? entsprechenden Gesetzes zu folgen. Die nächste Aufgabe der Gemeinden von Groß-Berlin scheint mir daher zu sein, unter Hinweis auf den drohenden Umschwung der Konjunktur und den zweifellosen Notstand im Baugewerbe erneut ernstlich bei dem Reichsamt deS Innern vorstellig zu werden, daß es mit aller Beschleunigung den gesetzgebenden Instanzen des Reiches einen Gesetzentwurf vorlegt, durch den die Äommunalbehörden bestimmter wirtschaftlich zusammenhängender Bezirke ermächtigt werden, für einzelne besonders notleidende Gewerbe eine obligatorische Arbeits« losenversicherung einzuführen. ES ist bekannt, daß in der Zwischen zeit seit jenem Städtetage in Posen in England eine staatliche Arbeitslosenversicherung für eine Reihe von Gewerben, darunter auch das Baugewerbe, auf dieser Grundlage des Obligatoriums eingeführt worden ist, und über das erste Jahr des Bestehens dieser Versicherung ist, wie kürzlich in den Blättern mitgeteilt wurde, bereits ein amtlicher Bericht deS Handelsministeriums in England veröffentlicht worden. Wir stehen somit auf diesem Gebiete nicht mehr vor voll ständig unbekannten neuen Lasten, und daS Deutsche Reich würde mit einer derartigen vorsichtigen Form der Gesetzgebung nur dem Muster von England folgen. Dieser Weg aber ivill mir richtiger erscheinen als der von Neukölln vorgeschlagene, der Ausdehnung der Befugnisse des Zweckverbandes. Auch-dieser Weg würde ja den Erlaß eines Gesetzes erfordern, allerdings im Unterschiede zu dem ersten Weg. ein preußisches Gesetz und nicht ein Reichsgesetz. Die hier in Frage stehende Materie aber scheint mir,— das war die Meinung des Deutschen Städte tage«— zur Zuständigkeit des Reiches zu gehören, wie denn auch der Zweckverband nach seiner räumlichen, wirtschaftlichen und verfassungsrechtlichen Zusammensetzung nicht die geeignete Instanz für die Organisation einer derartigen Einrichtung zu sein scheint. Neben dem in dieser Weise anzustrebenden Obligatorium der Versicherung für daS Baugewerbe scheint mir für die übrigen Berufe die Ausdehnung der Arbeitslosenversicherung nach dem Genter System einstweilen daS richtigste zu sein Es sei in dieser Beziehung darauf hingewiesen, daß daS Genter System z. B. auf dem Gebiete des BuchdruckgewerbeS, wo cS sich häufig auch um erhebliche Arbeitslosigkeit handelt, infolge der auf diesem Gebiet so weit vorgeschrittenen Organisation auf dem Wege der Freiwilligkeit nahezu dasselbe erreicht, lvie auf dem Wege des reichsgesetzlichen Zwanges zu erreichen möglich wäre. Die Groß-Berliner Gemeinden haben im vorigen Jahre auf dem Gebiete der Bekämpfung der Fleischnot dank der energischen Führung des Herrn Oberbürgermeisters Mermuth eine erfreuliche positive Tätigkeit entfaltet. Möge es seiner Leitung beschieden sein, auch auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge in diesem Winter einige bescheidene positive Schritte vorwärts zu machen." Die Darlegungen des Herrn Dominicus enthalten vieles, daS auch uns sympathisch ist, soweit die Gemeinden in Frage kommen. Insbesondere haben unsere Freunde in den Ge- meinden Groß-BerlinS schon seit länger denn Jahresfrist An- träge auf Schaffung eines einheitlichen Arbeitsnachweises und Einrichtung einer Arbeitslosenversicherung nach dem Genter System gefordert. Ihre Anträge ruhen aber heute noch im Schöße der Erwägungen, weil man glaubte, der Deutsche Städtetag würde auf diesem Gebiete etwas mehr positivere Vorschläge machen als das geschehen ist. Jetzt bleibt zunächst nichts anderes übrig, alS daß die Gemeinden von Groß-Berlin sich praktischer betätigen als nur durch Hinweise auf Staat und Reich, obwohl letztere Körperschaften allerdings der Frage des Arbeitslosenproblems bisher sehr aus dem Wege ge- gangen sind._ parte!- Hngele�enbeiten. Tempelhof. Am Sonntag, den 7. d. Mi»., findet eine Besichtigung der Arbeiter-Wohlfahrtsausstellung in Charlottenburg statt. Treffpunkt nachmittags V,2 Uhr am Hochbahnhof Hallesches Tor. Um rege Teilnahme ersucht Der Bildungsausschuß. AdlerShof. Zu einer wichtigen Flugblattverbreitung möchten sich die Partei- und GewerkschaftSgenoffen am Sonntagvormittag 8 Uhr im Jugendheim einfinden. kerlwer Nacbrlchten. Die Ferienspiele der Stadt Berlin. » Die Beteiligung an den Ferienspielen der Stadt Berlin ist im ständigen Steigen begriffen. Eine jetzt veröffentlichte Zusammenstellung ergibt: Auf den Außcnspielplätzen spielten 1910: 207 974 Kinder. 1911: 188 325 Kinder. 1912: 257090 Kinder, 1913: 277 935 Kinder. Der durchschnittliche Besuch an jedem der 25 Tage mit günstiger Witterung betrug also 1913 auf den sechs Außenplätzen zusammengenommen etwa 11 100 Kinder. Da diesmal die dritte Ferienwoche wegen des regnerischen Wetters um reichlich 20 000 Besuche unter dem Durchschnitt blieb, so ist anzunehmen, daß unter normalen Verhältnissen der Gesamtbesuch das dritte Hunderttausend erreicht haben würde. Die fünfzehn Jnnenplätze wiesen einen in den vergangenen Sommern sich ziemlich gleichbleibenden täglichen Turchschnittsbesuch von zusammen etwa 2500 Kim dern auf, boten also an den 25 regenfreien Wochentagen neben den außerhalb der Stadt versorgten Kindern noch, mehr als 60 000 Besuchern eine willkommene Spielgelegenheit. Von den diesjährigen 277 935 Besuchen der Außenplätze sind III 496(40 Proz.) auf Freikarte, d. h. unentgeltlich gewährt worden. Ein erheblicher Teil der verfügbaren Mittel— im ganzen 31 549 M.— wurde für die tägliche Beförderung der Kinder nach und von den Außenplätzen aufgewendet. Für die Verpflegung der Kinder wurden verbraucht: 143 869 Liter Milch. 9060 Kilogramm Maggi- oder Knorr-Erzeugnisse, 569 671 Stück Backware(Schnecken), 1309 Kilogramm Kaffee und beim Schlußfest am letzten Fcrien-Sonnabend für etwa 1000 M. warme Würstchen. Erfreulich und ermutigend für jeden Förderer und Pfleger der guten Sache war auch in diesem Jahre die Beobachtung, daß die Einrichtung nicht nur gesundheitsstärkend, sondern auch in hohem Grade er- ziehlich wirkt. Anzuerkennen ist vor allem die Selbstdisziplin der Kinder, die im allgemeinen gute Ordnung auf der Fahrt, beim Spiel, bei der Verteilung der Mahlzeiten, die Sorge der Größeren für die Kleineren, die Anhänglichkeit vieler bereits aus der Schule Entlassenen an die Spielleitung und den Spielplatz. Immerhin können auch jetzt noch viele Kinder an den Spielen nicht teilnehmen der Kosten wegen. Es muß dafür gesorgt werden, daß die Freikarten im größeren Umfange ausgegeben werden, um recht vielen Kindern die Teilnahme an den Spielen zu erinöglichen. Das Geld, das hier ausge- geben wird, verzinst sich tausendfach. Der Selbstmord des Franenmörders Kirchstein. Wie bereits berichtet, hat sich der Mörder der Näherin Schäfer durch Selbstmord der irdischen Strafe entzogen. Als er von Straßenpassanten durch die Wolliner Straße verfolgt wurde, gab er im ganzen fünf Schüsse ab. Drei waren auf seine Verfolger ge« richtet, die beiden anderen auf sich selbst. Während die ersten fehl« gingen, trafen die letzten ihr Ziel. Von zwei Kugeln getroffen sank Kirchstein zu Boden. Auf der Hilfswache in der Gaudhftraße, wohin er kurz vor 12 Uhr in der Nacht gebracht wurde, war er noch trotz der großen Schmerzen zuerst bei voller Besinnung. Er gab dort an, daß er der gesuchte Schneider Kirchstein sei und nannte auch, als bald darauf der herbeigerufene Kriminalkommissar auf der Hilfswache erschien, diesem noch einmal seinen Namen. Er konnte jedoch nicht weiter be- fragt werden, weil er das Bewußtsein verlor. Zuerst hatte man auf der Wache nur einen Schuß entdeckt, der durch den Unterkiefer gegangen war. die Wange gestreift und dann die Nase durchbohrt hatte. Wie sich bei einer genaueren Besichtigung ergab, war jedoch noch eine zweite Kngel unterhalb dcS rechten Ohrläppchens in den Kopf eingedrungen, letztere Verletzung war auch die tödliche. An deren Folgen starb er noch auf dem Wege nach der Charitö. In den Taschen des Toten fand man etwas über 8 M. bare» Geld. ES war die? der Rest seiner ganzen Barschaft. Von dem anderen Gelde hatte er sich eine Brille und eine Sportmütze gekaust, um sich damit unkenntlich zu machen. Außerdem hatte er sich zu diesem Zweck seinen Schnurrbart selbst mit einer Schere ge- stutzt. Auch den Revolver, aus dem alle fünf Schliffe abgefeuert waren, hatte er sich noch nach der Mordtat zugelegt. Kirchstein hat sich in dem Gelände an der Prenzlauer Allee verborgen gehalten. Er scheint auch längere Zeit in einem Kientopp in der Swine« miinder Straße verbracht zu haben, denn hierzu wurde noch ein Billett bei ihm vorgefunden. Mit dem Selbstmord deS Mörder» hat die schreckliche Bluttat, die wegen ihrer Grausamkeit soviel Aufsehen erregte, ihren Abschluß gefunden. Die Leiche Kirchsteins wurde dem Schauhause'überwieseu.___ Die Hafcnai'.lagcn am Stralaucr Anger wurden dieser Tage einer Prüfung daraufhin unterzogen, ob sie den eisenbahntechnischen Anforderungen entsprechen und rechtzeitig in Betrieb genommen werden können. Der Osthafen soll bekanntlich Anfang Oktober er- öffnet werden. Der Eisenbahn-Anschlußbetrieb ist so gedacht, daß die Lokomotiven der Staatsbabnverwaltung die Hafenzüge bringen, woraaf die städtischen Hafenlokomotiven die Wagen gruppenweis ordnen und»ach den einzelnen Schuppen.und Ladeplätzen befördern. Zu dem Behufs sind zahlreiche Gleisvcrbindungen vorhanden. Die abgehenden Wagen werden au« Mangel an Platz, wie sie ge- rade abgefertigt find, zu einem Zuge zusammengestellt, den die StaatSbahnmaschinen dann bei ihrer RNckfahrt gleich mitnimmt. In den Ladegleisen deS HafenvahnhofeS können gleichzeitig 200 Wagen Aufstellung finden. DaS Hafengleis steht in direkter Verbindung mit dem Nordring und den Rangierbahnhöfen RummelSburg und Lichtenberg-FriedrichSfelde; eS wird in einem Tunnel unter den Ringbahngleisen hindurchgesührt und auf der Ostseite an die dort liegenden Gütergleise der StaatSbahn angeschloffen. Die GlciS- anlagen des OsthafenS sind bis aus Kleinigkeiten fertiggestellt; die Arbeiten an der über die Straße Alt-Boxhagen(Ver- ängerung der sogenannten„Großen Tonne") führenden Brücke müffen dagegen beschleunigt werden, weil vor ihrer Fertig- stellung der endgültige Ausbau der Gleisanlage auf dem eisenbahnfiskalischen Gelände nicht möglich ist. Die Hafenanlage soll zur Tarifstation gemacht werden, so daß die Güter von und nach dem Osthafen hier ohne weiteres eisenbahndicnstlich ab- gefertigt werden können. Bei Gelegenheit dieser Besichtigung wurde auch der große Getreidespeicher besucht, welcher zur Auf- nähme von nahezu 10 000 Tonnen losen Getreides bestimmt ist. Unter den maschinellen Einrichtungen dieses gewaltigen Gebäudes erregte namentlich die Entstäubungsanlage großes Jnter- effe. Wegen der Explosionsgefahr empfiehlt fich nämlich in derartigen Gebäuden die völlige Beseitigung des beim Abfall des Getreides ppn den Förderbändern entstehenden StaubeS. Dies geschieht hier durch eine weitverzweigte Ventilator- und Entstaubungsanlage. Ein umfangreiches Röhrensystem saugt an den bezeichneten Stellen die staubgeschwängerte Luft auf und führt sie— nicht etwa ins Freie, wo die Explosionsgefahr be- stehen bleibt, sondern— durch Baumwollenfilter, in denen der Staub haften bleibt und unschädlich gemacht wird.— Als Ergebnis der amtlichen Besichtigung konnte festgestellt werden, daß der In- betriebnahme des OsthafenS am 1. Oktober keine Bedenken entgegenstehen. Bemerkt wurde dabei, daß die Stadt Berlin die umfangreichen und schwierigen Arbeiten mit anerlennens- werter Energie durchgeführt hat. Doppelselbstmord zweier junger Mädchen. Zu einem Mordgeriicht gab ein Leichenfund Veranlassung, der am Mittwoch in der Spree, unweit des Gartenrestaurants von Zenner in Treptow gemacht wurde. Gestern morgen ist nun ganz in der Nähe eine zweite Leiche gelandet worden, ebenfalls die eines jungen Mädchens. Man war sich jetzt klar, daß man es mit zwei Mädchen zu tun habe, deren Hüte Montag früh auf der Landungsbrücke der Sterngesellschaft am Treptower Park gefunden wurden. Auf einer Ansichtskarte, die mit einer Hutnadel an einem der Hüte festgesteckt war, stand mit wenigen Zeilen, daß zwei junge, lebenslustige Mädchen ihr junges Leben küssen müßten, sie aber olle denen, die sie so grausam in den Tod getrieben hätten, viel Glück wünschten. Die Karte war sodann mit den Namen Charlotte Paegelow, Blücherstr. 28, und Anna Haselmann, Mitten- walder Str. 16, unterzeichnet. Die Nachforschungen ergaben, daß die beiden Mädchen fich am Sonntagabend aus ihre» Wohnungen entfernt hatten, nachdem sie vorher noch mehrere Abschiedsbriefe geschrieben hatten. Sie teilten darin mit, daß sie, wenn der Empfänger den Brief erhalte, bereits in den Tod gegangen seien. Die Anna Haselmann war IS Jahre alt und stammt aus Hamburg. Nachdem sie schon früher einmal hier Stellung als Zimmermädchen gehabt hatte, war sie vor drei Wochen wieder hierher gekommen, um sich Beschäftigung als solches zu suchen. Bisher hatte sie jedoch noch leine gesunden und wohnte seitdem bei einer Vermieterin. Charlotte Paegelow war eine Freundin der Haselmann und als Dienstmädchen in einer Blumenhandlung in der Blllcherstraße 28 beschäftigt. Sie stand erst im achtzehnten Lebensjahre. Die Mädchen, die gern Vergnügungen nachgingen, hätten gelegentlich einer Festlichkeit zwei Soldaten kennen gelernt, mit denen sie ein Liebesverhältnis ein« gingen. Zu ihrem Leid erfuhren sie aber bald, daß die Vater- landSverteidiger bereits mit„Bräuten" versehen waren und einer auch schon Vater war. Diese Entdeckung scheint die sonst lebenS- lustigen Mädchen zur Verzweiflung getrieben zu haben. Ihr ge- me infam es Leid dachten sie am besten dadurch zu stillen, daß sie in den Tod gingen. Allem Anschein nach haben sie sich beide gleich- zeitig in der Nacht zum Montag von der LadungSbrücke im Treptower Park in die Spree gestürzt. Die beiden Leichen befinde» sich in der Leichenhalle zu Treptow._ Eine neue Bluttat. Kaum ein Tag vergeht jetzt, wo nicht ük-o-r ein neues Kapitalverbrechen berichtet werden muß. Gestern abend wurde die Zahl der in letzter Zeit in und um Berlin ver- übten Bluttaten um einen weiteren Fall vermehrt. In der Köpenicker Straße 60-61 wurde die Besitzerin des„Augusta- bades", Frau R e i n s ch, von ihrem Bademeister durch einen Revolverschuß getötet. Die Ursache dieses schweren Ver- brechens ist wahrscheinlich in vorausgegangenen Streitigkeiten zu suchen. Wie uns berichtet wird, soll Frau Reinsch vor dem Gcschäftsschluß von dem Bademeister die Uebergabe der Tageskasse gefordert haben. Dieser weigerte sich, abzurechnen', und wurde schließlich, als die Frau energisch das Geld ver- langte, rabiat, spuckte vor ihr aus und beleidigte sie in gröb- lichster Weise. Als der Bademeister dann mit dem Gelde fortgehen wollte, vertrat ihm die Frau die Tür und verlangte nochmals Herausgabe des Geldes. In diesem Moment zog der Badenieister einen Revolver und gab auf Frau Reinsch einen Schuß ab, der sie tot zu Boden streckte. Der Täter namens A u e r.ist flüchtig geworden. Die Getötete, die seit einem Vierteljahr Witwe ist, hinterläßt ein achtjähriges Kind. Ein gefährlicher Schwindler, der eS auf arme Frauen abgesehen hat, treibt zurzen in den westlichen Vororten Berlins sein Unwesen. Leider ist es noch nicht gelungen, des Gauners, der manche leichtgläubige Frau um ihren letzten Groschen gebracht hat. habhaft zu werden. Der Schwindler setzt sich mit Aufwartefrauen, die durch Zeitungsanzeigen Beschäftigung suchen, in Verbindung und über- trägt ihnen im Austrage eines in der Potsdamer Straße wohnenden Rechtsanwalts die Reinigung Pesten Bureauräume. Dann läßt er sich von den Frauen kleinere Beträge in Höhe von wenigen Mark geben, gewöhnlich unter der Vorspiegelung, daß er sie in der Kranken- lasse anmelden müsse, sie aber den Betrag später wiedererhalten würden, wenn sie die Stellung antreten würden. Um der Be- schäftigung nicht verlustig zu gehen, geben die Frauen die verlangte Summe her Wollen sie nun ihren Dienst antreten, so erfahren sie zu ihrem Leidwesen, daß sie einem Gauner inS Garn gegangen sind. Auf diese Weise sind schon eine ganze Anzahl Frauen von dem Schwindler betrogen worden. Der Verfolgte i$ ungefähr 28 bis 30 Jahre alt, mittelgroß und kräftig, hat schwarzes Haar und«inen ebensolchen Schnurrbart, ein frisches, volle» Gesicht, schwarze Auge» und auffallend dicke Lippen. Bekleidet war er mit einem braunen Anzng, einem schwarzen Hut, schwarzen Schuhen und einem rotschwarzen Schlips. Die Betel-Nummer der Gleichheit ist. wie wir auf Anfrag« mitteilen möchten, auch für die Abonnenten nur gegen Bezahlung er« hältlich. Die fällige Nummer der Gleichheit erhalten die Abonnenten eine Woche später. Die Buchhandlung Vorwärts. Auf einen Kindesmord läßt die Landung einer mit einer Eisen- platte beschwerten Leiche schließen. Gestern landeten Schiffer au« dem Großschiffahriskanal in der Jungfernheide, in der Nähe der Charlottenburger Brücke, die Leiche eines neugeborenen Knaben. ®te war in ein ungezeichnetes, rotbraunes Kopftuch eingewickelt und war mit einer 2S Zentimeter langen, S Zentimeter breiten und 1 Zentimeter dicken Eisenplatte beschwert. Die kleine Leiche wurde der Polizei übergeben und von dieser dem Schauhause überwiesen. Auf dem Musikpodium erschossen hat sich gestern abend der Cafehausmusiker A b s h a g c n aus der Gärtnerstr. 3 zu Lichten- berg. Ter Mann, der im Alter von 30 Jahren stand und kinderlos verheiratet war, musizierte seit zwei Tagen mit einer Kapelle in dem Spreezelt, dem früheren Restaurant Kistenmacher. Gestern abend kurz vor 8 Ilhr, als gerade eine Pause angesetzt war, zog Abshagen vor den Augen der zahlreichen Gäste einen Revolver und schosi sich eine Kugel in die Stirn. Sofort bemühten sich mehrere Personen um den Lebensmüden und brachten ihn nach der Charite. Kurz nach der Ankunft erlag er hier aber feinen Verletzungen. Un- heilbare Krankheit war der Grund zu dem Selbstmord des Mu- sikcrs. Seine Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schau- Hause gebracht.' Ein aufregender Borgang spielte sich Mittwochabend am Tempel- hofer Ufer ab. Ein unbekannter Mann, der dort am Landwehrkanal entlangging, blieb plötzlich vor dem Grundstück Nr. Li stehen, leerte eine Flasche und stürzte sich dann über das Geländer hinweg ins Wasser. Er ging sofort unter und kam nicht wieder zum Vorschein, so daß alle Rettungsversuche ergebnislos blieben. Auch die Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden. Die Augenzeugen des Vorfalls können auch keine Beschreibung des Selbstmörders geben. Am Ufer zurückgelassen hatte dieser seinen Strohhut und die Flasche, die noch zum Teil mit Sublimat gefüllt war. Die Gegenstände wurden von der Polizei beschlagnahmt. Selbstmord eines Achtzigjährige». Aus der Spree gelandet wurde gestern an der Monbijoubrücke die Leiche eines Greises, des 80 Jahre alten früheren Bäckermeisters Gustav Strcsemann, der aus Stargard gebürtig ist. Stresemann mietete vor dreiviertel Jahren bei einer Zimmervermieterin in der Annenstraße eine Slube. Er zeigte während der ganzen Zeit ein sonderbares Wesen, das wohl auf sein starkes Nervenleiden zurückzuführen war. Vorgestern nachmittag schnürte er zwei Paketchen und sagte zu seiner Wirtin, daß er ver- reisen müsse. Wie es scheint, ist er jedoch noch am selben Nachmittag ins Wasser gegangen. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht. Das BolkSkonzcrt des Philharmonischen Orchesters am Mittwoch- abend in Happoldts Konzertgarten stand unter einem wenig erfreu- lichen Stern. Der Andrang zu dem Konzert war so groß, daß die vielen Besucher Kopf an Kopf gedrängt stehen mußten. Die Tem- peratur im Saale wurde so heiß, daß es unmöglich war, im Saale anszuhaltcn. Dazu kam, daß die Kellner sich init dem Bier durch die Massen drängten, aber infolge des Gedränges nichts los wurden und von neuem sich eine Gasse durch die Menschen bahnten. Durch diesen Andrang Trmr von einem Genuß nichts mehr zu merken. Eine Anzahl Besucher zog es vor, den Saal bald wieder zu ver- lassen. So sehr anerkannt wird, daß die Leistungen des Orchesters gute sind, so muß andereits doch dafür Sorge getragen werden, daß der Saal nicht überfüllt wird und jeder Besucher einen Sitzplatz erhält, sonst geht die Wirkung des Konzerts verloren. Hoffentlich werden die Lehren vom Mittwoch in Zukunft beherzigt. Gcsangsaufführungen auf dem Reutcrplat; in Steukölln. Am Sonntag, den 7. September, nehmen die vom Männer- chor Neukölln arrangierten Gesangsaufführungen, die von der Einwohnerschaft ncht so großem Beifall aufgenommen worden sind, ihren Fortgang. Dieselben finden auch diesmal von 9 bis �19 Uhr vormittags auf dem Reuterplatz statt. Wir weisen zugleich darauf hin, daß die Aufführungen eine dauernde Einrichtung des Vereins bleiben. Ort und Zeit wird jedesmal öffentlich bekannt gegeben. Yoron- Nacbricbtem ' Neukölln. Den Bau einer fünften Kirche und die Anstellung von vier weiteren Pfarrern hat das Konsistorium beschlossen. Zwar hat der kirchlich-liberale Verein sich gegen den Bau einer fünften Kirche ge- wendet, doch das Konsistorium wird sich auf seinen Schein' berufen, wonach Tausende von Tanfschein-Christen den Bau der fünften Kirche rechtfertigen. Die Tatsache, daß in Neukölln jetzt bereits 12 099 Konfessionslose vorhanden sind, scheint das Konsistorium bei seinem Entschluß nicht zu berücksichtigen, ganz zu schweigen von den vielen Tausenden, die zwar noch nicht öffentlicki mit der Kirche gebrochen haben, die aber keinerlei sonstige Beziehungen mehr zur Kirche unterhalten. Wundern mutz man sich allerdings, daß in einer Arbeitcrstadt wie Neukölln der Kirche jährlich immer noch gegen 199 999 M. Kir�ensteuern zufließen, obgleich die Kirchen an schwachem Besuch leiden. Um zu diesen Fragen Stellung zu nehmen, sollen am Frei- tag, den 12. September, abends ll39 Uhr, in Neukölln drei öffentliche Versam mlungen stattfinden mft zwar in den„Hohenstaufensälen", im„Berliner Kindt" und in„Felschs Ge- sellschaftshaus", Knesebcckstr. 48/49, in denen Landtagsabgeordneter Adolf Hoffmann, Reichstagsabgeordneter Dr. Karl Lieb- k n e ch t und für die Bürgerlichen Redakteur v. G e r l a ch über das Thema:„Heraus aus der Kircke" sprechen werden. Die Tatsache, daß die Kinder der 12 999 Konfessionslosen noch gezwungen werden, dem Religionsunterricht beizuwohnen, sollte ein weiterer Anlaß sein, daß die Versammlungen stark besucht werden. . Sonntag,«den 7. September, findet eine Vormittagsspielpartie nach dem Plänterwald statt. Abmarsch früh 7>/z Uhr vom Ralhause, Berliner Straße, Ecke Erkstraße. Um rege Beteiligung, namentlich der Kinder, wird ersucht. Die Liederbücher sind mitzubringen. Wilmersdorf-Halensee. Die Liste der stimmfähigen Bürger der Stadtgcmeinde Berlin- Wilmersdorf liegt bis zum 15. September d. I. an den Wochen- tagen von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr und an den Sonntagen von 9 bis 12 Uhr vormittags in der Wahlabteilung, Gasteiner Str. 11, 2 Treppen, öffentlich zur Einsicht aus. Wenn auch der Magistrat dem Ruhebcdürfnis einiger Bezirksvereine entsprechend die Stadtverordneten- Ersatzwahlen vorläufig verschoben hat, so ist dennoch für unsere Genoffen die Prüfung der Wählerlisten er- forderlich.' Charlottenburg. Zur Stadtvcrordnctcnwahl. Der Magistrat von Charlottenburg hat in seiner gestrigen Sitzung� den Bezirk 8 der III. Wählerabteilung ausgelost, der bei den diesjährigen Ergänzungswahlen noch einen Stadtverordneten mit Hausbesitzere�enschafl zu wählen hat. Es wählen mithin in der III. Abteilung die Bezirke 1, 3, 6, 7 und 3 je einen Hausbesitzer. Schöneberg. Dem Schöncbcrgcr Hypothekenbank-Bcrcin ist durch Ministerial- erlaß die Genehmigung zur Ausgabe auf den Inhaber lautender Schuldverschreibungen tPfandbrieieni zunächst bis zum Betrage von 15 Millionen erteilt worden. Gleichzeitig ist dem Verein unter Genehmigung seiner Satzungen die Rechtsfähigkeit verliehen worden. Der Schöneberger Männerchor veranstaltet gemeinsam mit mehreren Arbeiter-Gesangvereineu am Sonntag, den 7. September, nachmittags 2 Uhr, in der Schloßbrauerei, Hauptstraße 122, ein Arbeiter-Sängerfest. Billetts im Vorverkauf 29 Pf., an der Kasse 25 Pf., sind bei den Mitgliedern zu haben. Die gesangliche Leitung liegt in den Händen des Chormeisters und Dirigenten Herrn Fritz Stempel. Programme werden an der Kasse gratis abgegeben. Um 3 Uhr veranstalten die Sänger unter den Klängen der Kapelle des Musikdirektors Herrn W. Rosenthal und unter Teilnahme des Arbeiter-Radfahrer» und Turnvereins einem Umzug durch fol- gende Straßen: Abmarsch Schloßbrauerei, Feurig-, Albert-, Eise- nacher-, Grunewald-, Martin-Luther-, Haupt-Straße bis. zur Schloß- brauerei. Der Zug marschiert zu Bieren und dürfen Fahnen, Banner und besondere Abzeichen nicht geführt werden. Die aus- wältigen Sänger wollen sich rechtzeitig einstellen. 'Die organisierte Arbeiterschaft wird ersucht, dieses Fest zahlreich zu unterstützen. Beim Rcttiingswcrk verunglückt ist gestern nachmittag der zurzeit n Berlin ans Urlaub weilende Vizefcldivcbel Karl Brune vom In- fantcrieregiment Nr. 17. Vor dem Hause Hanplstr. 14 hielt gestern nachmittag ein zweispänniger Kutschwagen. Plötzlich scheuten die Pferde vor einem vorüberfahrenden Automobil. Die jungen Pferde rasten die Straße entlang auf ein alles Ehepaar zu, das gerade den Danim überschreiten wollte. In diesem kritischen Augenblick sprang der Vizefeldwebel hinzu, fiel den Tieren in die Zügel und vermochte sie noch im letzten Augenblick auf die Seite zu reißen. Brune wurde etwa 59 Meter weit geschleift und erlitt durch einen Hufschlag eine Verletzung am linken Knie, so daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Weifteiisee. Ter hiesige BildungsauZschusi hatte beim Gemeindevorstand bc- antragt, ihm zum Zwecke einer Ausstellung zur Be- kämpf ii ii g von Geschlechtskrankheiten einen öffent- lichen Raum zur Verfügung zu stellen und außerdem einen Beitrag zu den Unkosten zu stiften. In dem Schreiben wurde erwähnt, daß die zur Ausstellung gelangenden Objekte zum Teil der Dresdener Hygiene-AuSstellung vom Jabrc 1911 entlehnt sind. Tramals hatte die Gcineindcvertrctnng einige Delegierte zur Besichtigung nach Dresden entsandt. Einzelne Vertreter meinten nun, daß diese Ausstellungsobjekie geradezu abschreckend gewirkt hätten, so daß man den Besuch solcher Ausstellungen von Gemeinde- wegen nicht unterstützen könne. Tie Finanzkommission beschloß sogar mit drei gegen zwei Stimmen, die A n t r a g st e l I e r zu er- s il ch e n, W e i ß e ii s e e n, i t dieser Ausstellung zu verschone n. Schöffe Louis und Genosse Taubmann gaben sich red- liehe Mühe, einen solchen unsinnigen Beschluß zu ver- bindern, da derselbe in der ganzen Well doch nur Gelächter hervorrufen müsse, aber den Herren scheint es auf eine Blamage mehr oder weniger nicht anzukommen. Selbst die Erinnerung an Dr. Pape, der den Krankenkassenvorstand bestrafte, weil derselbe Merkblätter zur Bekänipfung de« Alkohols auf Kaffenkosten an die Mitglieder verteilte, half nichts. Man sollte meinen, daß der Besuch von Ausstellungen bildend und belehrend auf den Besucher wirken müßte, das scheint auf die Delegierten der Weißenseer Gemeindevertretung nicht zuzutreffen. Der BildungS- auSschuß wird mit seiner Ausstellung anderwärts Unterkunft suchen und auf einen Beitrag der Gemeinde verzichten müssen: hoffentlich wird durch den verfehlten Beschluß der Finanzkommisfion für die geplante Ausstellung ein um so regeres Interesse in den Bevölkcrungs- kreisen erweckt. Die Einführung der Arbeitslosenversicherung ist in der letzten Sitzung der Wohlfahrtskommission abgelehnt worden, nachdem über diese F™g� drei Jahre lang Verhandlungen geschwebt haben. Eine „große Denkschrift" über die Vorlage eines Statuts zur Errichtung einer Arbeitsloscnversicherungskasse wurde ebenfalls von Mißtrauen getragen. Eine öffentliche Aufforderung, dieser Kasse beizutreten, hat lange Zeit das Wohlfahrtsamt beschäftigt, auch hier war das Re- jultat gleich Null. Von ca. 13 999 Arbeitern und Arbeiterinnen haben der Aufforderung, der Kasse beizutreten, nur 1352 Personen, darunter 158 weibliche, Folge geleistet. Hiervon tvarcn 179 Kauf- leute und Handlungsgehilfen und 1173 Handarbeiter: unter diesen befanden sich 599 ungelernte Arbeiter. Im ganzen haben sich 12 un- organisierte Arbeiter gemeldet. Die vom Leiter des Wohlfahrt«- amtes vorgelegte Kostenrechnung war so liickenhaft, daß es ein leichtes war, ihm zu begegnen. Die Gemeindevertreinng soll nun als All« Heilmittel Petitionen an den Zwcckviiiband und das?lbgeordneten- hau« beschließen, in denen diese Körperschaften ersucht werden sollen, in der Frage der Arbeitslosenunlerstützmig entsprechende Maßnahmen zu treffen.' Ebenso soll beschloffen werden, alle in Vorbereitung be- findlichen Gemeindearbciten baldigst zu begiiznen, um so der Arbeits- losigkcit zu begegnen. Ober- und Niedcr-Schönctveide. Eine Jugend- und Schulciitlaffuugsfcicr findet am Sonnabend, den 27. September, im Lokal Blumengarten statt. Mitwirkende sind: Blüthner-Orckester und Konzert- und Oratoriensängerin Frl. Berta Manz. Die Ansprache wird Frau Käthe Duncker halten. Die Ar- beilerschast wird erstickt, diese Veranstaltung durch guten Besuch zu unterstützen und sich beizeit-m mit Eintrittskarten zu versehen. Der Preis derselben beträgt für Erwachsene 50 Pf., für Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei. Karten find bei allen Funktionären zu haben. Spiel imct Sport Turner. Am Sonntag, den 7. September, haben folgende Abteilungen des T u r n v c r i n«„Fichte" Veranstaltungen: 2. Männer-Abt.: nach Bicsenthal(Besichtigung des Groß-Schiffahrts» kanals). Treff: K.39 Stettiner Bhs. -5. Männcr-Slbt.: Riegenturnfahrt nach Dernau(Drcikamps und Fuh- ballspiel mit der Bernauer Turnerschast). Treff der Riegen um 1 Uhr dascibst. 16, Männer-Abt.: Strausberg— Kalkberge Rüdersdorf— Erkner. Treff: 6.15 Danzigcr Straße Ecke Lychencr Straße. 11. Lehrlings-Abt.: Birkenwcrder— Zühlsdors— Summt— Hcrrns- dors. Treff: 6.19 HallcschcS Tor. 3. LchrUngs-Abl.: �Partie nach. Schmöckwitz, Wernsdorf, Crossinsee, Erkner. Treff: 6.15 Görlitzer Bhs. Zu allen Partien Gäste willkommen. Nachm. 2'l, Uhr findet am dem Turnplatz in Treptow, Köpcnicker Landstraße, das diesjährige Ab turnen der Frauen- Abteilungen des Vereins statt. Vollsiiünlicher Vierkampf, bestehend in Speerwersen, Faustballwcitschlageii, Stabweilspringen und Hürdenläufen über 89 Meter. Der Besuch dieses Ablurncns ist besonders den Arbeite- rinnen empsohlcn. Am Donnerstag, den lt. September, rcranstaltct die 16. Lehrlings-Abt. T v.„Fichte" ein öffentliches Turnen in der Turnhalle Kottbuser User 5t. Anfang 8 Uhr. Zutritt für jedermann. An demselben Tage findet im V o l ks h au s, Charlottenburg, Rosinen- swaße 3, eine össentl. Versammlung statt mit der Tagesordnung: „Moderne Sporlbcwcgung". Rescrent: Bruno Liesle-Bcrlin. Ans. 8'/, Uhr. Alle bürgerlichen Vereine sind besonders eingeladen. Halbzeit a: 1. Nadfnhrcr. Arbeitcr-Rndfahrerbund„Solidarität-'. Gau V. Bezirk 2. Kreis Teltow. Am Somilag, den 7. September, ffudct eine UntcrbezirkS- t o u r statt, wozu wir bitten, zahlreich zu erscheinen. Start: In Schmargeiidors im Waldkater, Warnemunder Str. 14—15, vormittags 19 Uhr. Proviant ist mitzubringen. Die Ortsgruppen Schmargendorf, Charlottcnburg, Wilmersdors, Schöne- berg Mariendors, Treptow, Neukölln bitten wir am Start zu erscheinen. Die' Ortsgruppen Steglitz, Zchlendorf, Groß-Lichtcrsclde, Lankwitz, Marien- selbe Teltow, Lichtenrade, Buckow, Rudow, Groß-Ziethcn schließen sich in Zehlcndors an. Treffpunkt 10 Uhr vormittags bei Mick. Kariste. 12. Gc- meimamc Abfahrt von Zehlendorj 11-/, Uhr über Älem-Machnow— Gütcrgotz nach Drewitz. In Drewitz schließen sich die Ortsgruppen Drewitz, Nowawes, Wannsee, Schcnkcndors, Spuicndors und Großbceren an. In Drewitz kurze Besprechung über Bundcsangelcgcnhciten. Abrech« nung der Billetts vom Bezirksseil. Verschiedenes. Gemeinsame Abfahrt von Drewitz 2 Uhr über Nudow, Ahrensdorf, Endziel in Mariendorf im Lokal von Buhrow, Chausseeslr. 27. Ärbeiter-Radfahrerbund.Solidarität"(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 7, September..1. Abt.: 6 Uhr: Ebers- walde. i Uhr: Ahrensselde(Schneider). Start: Bülowstr. 58.— 2. Abt.: Am 6. Sept. abends 9 Uhr: Leuchtturm: ani 7. Sept. 1 UKr: Piche!«- Werder(Alter Freund). Start: Fontancpromenade 18.— 3. Abt.: 5 Uhr: Frcienwalde(Kanalstr. 3). 12 Ubr: Birlcnwerdcr(Paradiesgarten). Start: Lausitzer Platz 12.— 4. Abt: 6 Uhr: Zühlsdors(Picpcnhagen.) 1 Uhr: Wilhelmsruh(Millbrodt). Start: Küstrincr Platz.— 5. Abt.: 8 und 12 Uhr: Waldtour nach Summt(Paul). Start: Elysium.— 6. Abt.: 8 Uhr: Bötzow(Zum einsamen Teerosen). 12-/, Uhr: Jörsselde(Gummlich nicht frei). Start: Lderberger Straße 28.— 7. Abt.: 5 Uhr: Rauen lZum großen Stein). 1 Uhr: Johannisthal. Start: Schulstr. 2g.— 8. Abt.: 7 Ubr: Bornim(Schwarzer Adler). 1-/, Uhr: Alter Freund. Start: Wiclcsstr.>5.— 9. Abt.: Bei Boeker, Wcberstr. 17.— 19. Abt.: 1 Ubr: Ahrensfelde. Start: Gr. Frankfurter Str. 30.— 11. Abt.: Am 19. Sept. 9 Uhr: Schentendorf. Start: Große Hainburger Str. 18. Ortsgruppe jVcnkölln. Arn 6. Sept. abends 9 Uhr: Lampiontour nach Grünau. Start: Tappcrt, Sicinmctzstr. 114. Am. 7. Sept.: Bezirks- tour nach Drewitz. Start: 8 Uhr irüh Knesebcckstr. 48. Ortsgruppe Wilmersdorf.' 9 Uhr: Unterbezirkstour. Start: Wik- helmsaue am Denkmal. Ortsgruppe Charlottenburg. Uiiterbezirkstour. Start: 8 Uhr früh Volkshaus. Ortsgruppe Lichtenberg. 7 und 12 Uhr: Stienitzsee(Badetour). Start: Psarrftraßc 74. Ortsgruppe Baumschulenweg. Unierbezirkstour. Star/: 8 Uhr: Treptow bei Kimmcl. Ortsgruppe Köpenick. Am 6. Sept. abends 9 Uhr: Grünau. Start: Stippckohl. Ortsgruppe Stralau- RnmmelSburg. 3 Uhr: Familientour nach dem Steuerhaus. Siart: Türrschmidt- Ecke Lessingstraße. Ortsgruppe Weiffensee. 2 Uhr: PichclSwcrdcr(Auer Freund). Start: Berliner Allee 251. Ortsgruppe Tegel. 3 Uhr: Berlin, Wcberstr. 17. Arbeiter-Radfahrperrin„Groff-Berlin". Sonntag früh 7 Uhr nach Eggersdorf bei Sirausberg. Nachmittags 12-/, Uhr nach Petcrshagen (Rudolf). Beide Anschlußstarts Nicdcrbarnimftraße 14. Hauplstart: Ma- riannenpart Ortsgruppe Ober- Schöneweide. Sonntag nach Wannsce. Start 7 Uhr bei Schifflcr, Siemcnsstr. 8. Wanderer. Arbeitcr-Wandervereiu Berlin. Sonntag, den 7. Scp., Wander- fahrt nach Tegel— Stolpe— Borgsdorf— Lebnitz. Treffpunkt bis 8 Uhr Endstation der Straßenbahn in Tegel. Gäste willkommen. Arbeiter< Touristenvcrein„Tie Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 7. Sept.: I. Joachimsthal. Döllnkrug, Zehdenick. Absabrt nach Joach'msihal(Ebcrswalde umsteigen) Stettiner Bhs. 5.59.— 11. Exkursion nach Betten. Besichtigung einer Ofensabrik und des Velten« Ortsmuscums. Abfahrt nach Stolpe Stettin« Vorortbhs. 6.45. Gäste steis willkommen. Turnverein„Qbcrsprce"(M. d. A.-T.-B.). Wandersahrt am 6. und 7. Sept. Treffpunkt Schloßpark Wilhckminenhos. Abmarsch abends 7 Uhr. Absahrt Bhs. Nicderschöneweide 7.59. Ab Schlei. Bhs. Wriczcncr Bahnst. 8.58 nach Lcuenbcrg. Von dort zu Fuß über Biesow zum Nachtquartier in Harnekop, zirka 2 Stunden.-Abmarsch morgens 7 Uhr zum Cbaussechaus durch das Brunncntal, den Baaseewcg zum Baaste, zirka 2 Stunden.— Frühstückspause.— Von dort den Kornbrücken-, Scnsang- und Dämmken« weg zum Brunncntal, Königsplab, Eichenbaiii, Kapelle und Anssichlslurm nach Freienwakde, l'l. Stunde. Dann Mittagsrast. Nachmittags: durch den Schloßpark, düstern Grund, heilige Hallen, Waldschänkc, klingendes Fließ nach Falkcnbcrg. 2-/, Stunden.— Bcspcr.— Dann durch diverse Schluchten nach Nicdcrfinoiv, 2-/, Stunden.— Rücksahrt ab Niedcrsinow 8.59 abends. Marschlänge insgesamt zirka 39 Kilometer. Fahrgeld inkl. Nachtgu arligr und Kaffee zirka 3 M. Wanderlustige Parteigenossen herzlich willkommen. Ardeitcr-Wanderbund„Die Naturfreunde". Am Sonntag, den 7. September, findet die letzte Spreewaldsahrt statt. AuSsührliche Programme und Teilnchnieklarten sind noch bis Freitag abend bei Hehle, Bohcnslr. 19, Horsch, Engeluser 15, Zepmeiscl, Neukölln, Hermann» swaße 176, zu haben.' Am Sonntag, den 7. September, werden folgende Touren unter- nommen: I. Niemcgk— Ncucndors« Rummel— Burg Rabcnsstin— Braut- rummcl— Beizig. Absabrt Sonnabend abends 6.23 Uhr Schlei, Bahnhof. Rachiguarticr in Neucndorf. II. Götz— Götz« Berg— Ketzin— Paretz— Gr.-Kreutz. Absahrt PotSd. Fcriibhs. 5.35 Uhr vorm. III. Griincberg— Beetz« See— Kremmen. Absahrt Stettiner F«n» bahiihos 5.42 Uhr vorm. IV. Erkner— Löcknitz— Wertste— AlstBuchborst— Hangclsbcrg. Absabrt Schlei. Bhs. 5.53 Uhr,«hf. Friedrichstr. 5.49 Uhr. V. Strausberg— Garzin— Rehscldc. Absahrt Schles. Bhs. 6.33 Uhr vormittags.: VI. Motivtour der Photo-Abteilung. Bernau— Hellsee— Plötzenste — Bernau. Absahrt Stettiner Vorortbhs. 6.49 Ubr vorm. VII. Botan. Garten. Treffpunkt-/,2 Uhr Bhs. Steglitz. Gäste willkommen. Schwimmer. Arbeiier-Schwimmverein„Berlin"(M. d. A.-Schw.-B.) Sonntag, den 7. Sept.. nachm. 3 Uhr, Abbaden der 3. u. 5. Abteilung im Wellenbad Plötzenste, bestehend aus Reigen- u. Staseltenschwimmen. internes Jugendspringen und einer komischen Einlage. Nach dem Baden gemütliches Bei- iammenstin im Eiischlößchen Plötzenste. Alle Freunde und Gönn« sowie Jiilcrcssciiten des Schwimmsports willkommen. Der Eintritt in die Bade- ansialt steht den zuschauenden Gästen frei. Badende 29 Ps. Eintritt. Die Abteilungen 1, 2 und 4 werden um Unterslütznng gebeten. Berliner Schwimnivcrcin„Welle". Sonntag, den 7. September, vorm 19 Uhr in der Flußbadcanstalt Müblenstraße Abbaden; nachm. 6 Uhr in den Andreas-Feslsöstn, Andreasstraße, RclrulcnabschicdSscier. Fuftlmll. Märkische Spiclvereinigung, Bez. Groff-Berlin. Am kominenden Sonntag findet ein für Fußballsreunde besonderes Spiel statt. Es treffen sich Fichte XVII. mit einer Mannschaft der Freien Turner» ichast Magdeburg. Die Magdeburger wollen zeigen, wie weit in von Arbeitcr-Sportvcrcincn Magdeburgs das Fußballspiel gediehen ist: auch Fichte XVII. kann als würdig« Vertreter der Berliner Arbciter-Fußball- ipicler angesehen wcrden, so daß ein interessantes Spiel zu erwarten ist. TaS Spiel beginnt um-/,5 Uhr in Wcißcnste. Rennbahnstr. 40(Bundes- ptapi. Vorher um-/,3 Uhr spielen Weißeniee 2. M.-Abt. gegen Fichte XVII 2. M.-Abt. Der Eintritt jür beide Spiele betrügt 29 Ps. Im Gcscllschastsspiel stehen sich»lcinickendorser Ballspielklub und Fichte IV gegenüber in Reinickendorf, Schillerpromcnade. Bc- ginn 4-/, Uhr.' O b e r s ch ö n e w e i d e. Bei bem Fußballwettipiel zwischen Sportklub Oberiprec t. M.-Abt. gegen den Johannisthal« Ballspielklub 2. M.-Abt. ergab sich folgendes Resultat: 3:2. Halbzeit 2:1. Turnverein„Irisch frei" Ntederschöncweidc. Der Turnverein bat eine Fußballriegc gebildet und ladet alle Interessenten zur Beteiligung ein. Anmeldungen wcrden in allen Turnstunden im.Waldhaus" entgegen- genommen. Die Männer-Abt. turnt Dienstags und Freitags von 8—10 ilhr, die Damen-Abt. Donnerstags von 8—10 Uhr. «- Arbeiter-Tamariterbund. KreiS Brandenburg. Wie alljährlich veranstaltet die Arbcitcr-Samaritcr-Kolonne Groß-Bcrlin auch in diesem Jahre einen neuen Kursus in der„Ersten Hilstleistung bei Unalückssällcn und plötzlichen Erkrankungen". An demselben können sich Personen beiderlei Geschlechts beteiligen, soweit sie das 13. Lebensiahr voll- endet baben.— Nähere Auskunst erteilt gern der Vorfftzende der Kolonne: Paul Krause, Neukölln, Okerstr. 46, sowie die Abteilungsleiter in ien Ucbungsabcnden.... ,,, Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8 /, Uhr): «erlin, I.Abt. Montag, 8. Sept., Oramenstraze 103, Restaurant Augustim � � 2 Montag, 8. Sept., im Swinemünder Gesellschast»« Haus, Swincmuiid« Straße 42. Berlin. 3. Abt. Tonncrsiag, 11.«ept., schoncberg, Vorbcrgllr. 9, Restaurant Haendel. �-. Berlin. 4. Abt. Donnerstag, 11. Sept., Lichtenberg, Scharnwebcr- straße 60, bei Pickenhagcn.'', ,,. Berlin, 5. Abt. Freitag, 5. Sept., Neukölln, Jdeallasino, O b e r- S ch ö n e w e id e. Montag, 8. September, Siemcnsstr. 12, N�öw'aw eS. Montag. 8. September, Wilhelm- Ecke Friedrichstraß«, bei Schmidt.._ Nowawes(Abt. Potsdam). Mittwoch. 10. September, Kaiser. Wilhelm-Swaße, bei Glaser._____ Hiis aller Älelt. Todessturz zweier Militärflieger. Ein verhängnisvolles Fliegerunglück hat� sich Donnerstag vormittag in Brieg a. O. ereignet. Bei Flugübungen auf dem Heisdauer Exerzierplatz, nahe bei dem Schlachtselde von Mollwitz, sind der Fliegcrleutnant V. Eckenbrecht vom IS, Dragonerregiment und der Leutnant Prinz vom 83. Infanterieregiment abgestürzt. Beim Nehmen einer Kurve brach der Flügel des Eindeckers, der Apparat sauste aus einer Höhe von 100 Metern zu Boden und wurde v o l l st ä n d i g zertrümmert. Die beiden Piloten fanden bei dem Ab stürz d e n T o d. Es handelte sich um P r o b e f l ü g e. die bei schönstem Wetter ausgeführt werden mußten. Die Uebungen hatten eigentlich mit den Divisionsmanövern gestern ihren Abschluß gefunden. Nni späten Abend war jedoch der tele- graphische Befehl eingetroffen, daß die Probeflüge heute fort- zusetzen seien. Die beiden verunglückten Flieger waren dazu bestimmt, nach Salzbrunn zu den Korpsmanövern abzugehen. Nach dem verhängnisvollen Unglücksfall wurden die Uebungen sofort abgebrochen und das Feld abgesperrt. Sternickcls Frau ermittelt? Eine in ihren Einzelheiten noch mysteriös Heirat-Zgeschichte wird aus Hamburg gemeldet: Vor etioa drei Iahren. war in L a n g e n» b a l s bei Elmshorn ein Mann als Schweinefütterer in Stellung, der mit der Diensimagd Trina H e e s ch ein Verhältnis anknüpfte, das nicht ohne Felgen blieb. Ruf die Bitten der Magd ließ sich der Mann auch mit ihr trauen, und es wurde eine sogenannte„Geber« Hochzeit" veranstaltet, bei der die Verwandten Geld und Naturalien spenden, um die Hochzeit zu ermögliche� Sogleich nach der Trauung verschwand aber der Ehemann, dem die neue Wurde offenbar unbehaglich war und Uetz nichts mehr von sich hören. Die Frau kam bald nach dem Verschwinde» ihres Mannes nieder. Am Mittwoch kamen nun zwei Frauen aus Langenbals nach Hamburg, wo sie ein Panoptikum besuchten, in dem auch die Wachsfigur Sternickels ausgestellt ist. Bei ihrem Anblick erlangten die beiden Frauen die Uebcrzengung, datz Sternickcl mit dem Manne der Hcesch, der sie vor drei Jahren verlassen hatte, identisch sein müsse. Sie teilten ihre Entdeckung der Polizei mit, der sie als besonderes Kennzeichen noch angaben, datz der Mann einen verkrüppelten Finger gehabt habe, was auch bei dem hingerichteten Raubmörder Sternickcl der Fall war. Die Polizei hat sofort umfassende Ermittelungen eingeleitet." Man wird sich erinnern, datz Sternickcl während der Gerichts- Verhandlungen wiederholt davon sprach, datz er verheiratet sei, datz er aber nicht zu bewegen war, Namen und Aufenthaltsort dieser Frau preiszugeben, da sie, wie er betonte, keine Ahnung da- von habe, datz er Sternickcl heitze und der lange gesuchte Raub- mördcr sei. Kleine Notizen. Touristenabstürze in Tirol. Der Konditor August Bolegaus aus Brand bei Bludenz ist bei einer Bergtour in der Scosaplana- gruppe eine steile Felswand hinunter in den Liinensee a b g e st ü r z t, Die Leiche ist noch nicht geborgen.— Drei' Präger Tonristen, Dr. Steiner und zwei Studenten, deren Namen noch un- bekannt sind, verunglückten nach der Besteigung des Habicht in den Stubaier-Alpen beim Abfahren über ein steiles Schneefeld. Die beiden unbekannten Touristen erlitten schwere innere Ver- letzungen. Dr. Steiner erlitt einen Schenkelbruch. Alle drei wurden nach der Jnnsbrucker Hütte gebracht. Wird« einer. Der Dortmunder Geschäftsführer der Westfälischen Zentralgenossenschaft in Münster, Filiale Dortmund, wurde wegen Unterschlagungen von 20000 Mark verhaftet. Lpfcr der See. Während eines Orkans sind drei Unter- o f f i z i e r e und fünf Mann des amerikanischen Schlachtschiffes „Nebraska" durch Kentern einer Pinufse ertrunken.— Einer noch unbestäligtcn Meldung zufolge ist der Dampfer „ M o h a w k" mit M a n n s ch a f t und einigen Passagieren gesunken.__ Neukölln. Johannisthal. Jugendveranstaltungea. Sonntag, den 7. September: Besuch des Flugplatzes Abmarsch pünlll. 5 Uhr früh vom Bhf. Neukölln. Abends S Uhr im Jngcndheim: H e i n e> A bj! n d. Vortrag und Rezitation. Paiikow-Ntcderichöiihaufc». Sonntag, de» 7. September, mittags 2 Uhr, findet eine öffentliche unpolitische Jugendvcrsammlung in Nieder- fchönbauscn, Rest. Ren-Karlsbos» d c n st r a sj e«ist, vorn vier Treppen — Fahrstuhl—, wochentäglich von t'.s, bis 7Mi Uhr abends, Sonnabendo. von t'/i bis 6 Uhr abends statt. Jeder fiir den Brieslastcn bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als ivicrt-cichen beizufügen. Brieiliche Antwort wird nicht crtcilr. Anfragen, denen trine AbonuemcntsguttMng betgesüge ist. dced-ll nicht deantwortct. Eilige Lragcn trage man in der Sprechstunde vor. H. H. 113. Schicken Sie unverzüglich nach Eintreffen in Posen den Bülitärpäß mit der Abmeldimgserklärnng ein und weisen Sic aus den Zeil- pinlkt des Beginns der Nebung hin, damit Sie den Paß noch rechtzeiti> zurückerhalten. Von der llcbuiig sind Sie durch den Verzug nicht bcsreii. L. S. lti. Das Schiiststück kann in der von Ihnen mitgeteilt«. Form abgejagt und unterschrieben werden. Die notarielle Beglaubigung der Uli terschrist ist nicht unbedingt crsorderlich.— I. Z. 00. Nichten Sie ein Gesuch an die Waisendcputation. Die von Ihnen angegebenen Tatsachen sollten lein Nblehnnngsgrund sein. Möglich ist aber alles.— WitterAngSübersicht vom 4. September 1913. Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien Wetterprognose sür Freitag Ziemlich Jiibl, zeitweise nebelig, ä Wetter 2balbbd. 7 12 14 Halb bdx 13 Twolkig( 17 .(bedeckt •1 bedeckt C•» E>» .JÜS . den 3. September 1913. sonst vielfach heiter, bei mäßigen nordöstlichen Winden',' keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WanerstandS-Nachrichten der Landesanstalt für Eewüsterlundc, mitgeteilt vom Berllner Wetterburcau ')-f bedeutet Wuchs,— Fall.—*) UnterPegel. MM Todes-Anzeigen jMÜÖj Arn 2. d. M. nachmittags starb in der Vollblüte seiner Jabre unser langjähriger Hausdiener frlcdmh I.ieHen ohne Darmf,, Pfd. 1.80, Hautf. OO Pf. Iis C«fiiiMeHehiiiai3!, gar. rein..... Pfd. 1.30 IfrlMctae llattnaegrieven. CirofJe junge Brathlihnc, Stck. 1.50, 1,75 bis 8.— j — Ja KuppenbUhncr und Knien.— Meine Filiale Barbarossaplalz Ist von No. 2 nach No. 4 verlegt. Fernsp.; Amt Kurf. 6862. Max Schönwald, Lnckauer Sir. I. Filialen; Barbarossapl. 4, Motzstr. 53, Flensbargcr Str. 19. Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts Kiiidcnslr. 00. Ich nehme nach längerer Unter- vrechnng meine Praxis ganz wieder aus. 140/17' Gertrud Rewald Rosenfeld, Prlnxentstr. OS. /,l0. Potsdamer Sir. 4(Potsdamer Platz) Sp- 10—11, 4-5, eo-mt. 10-11. Suchbanillung Vorwärts Lindenstr. 69(Laden) insichtskarteB Riesengebirge, Harz, Sächsische Schweiz, Dresden, Berlin in reicher Auswahl. Stück 5 Pf. Kompl. Wohnungseinrichtung v. 230 m. an Moderrres Spelsorlmmer.. von 320 m. an Elegantes Schlafzimmer... von 295 m. an NObel in Berlin N am vorteilhaftesten Im Elegantes Wohnzimmer. 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Der Bewerb« muß imstande fiin, alle in einem Arbeiterseteetariot anfallenden Arbeiten selb- ständig«ledigen zu können. Besonders muß er sich eignen zur persönlichen Vertretung der versicherten vor den RcchtsprechungSiustunzen. Die Anstellung«folgt in Anlehnung an die Bestimmungen de» Vereins«Arbeiter- Presse*. Dienstjahre in der gleichen Stellung werden nach Uebereinkunst angerechnet. Meldungen sind unter An- gäbe der bisherigen Tätigkeit bis zum 13. September an den ersten Vorsitzenden des GewerkschasiZoereiu« München, J. Timm, München- Gewerkschastshau», Pestalozziftr. 40/42, Zimmer 39, zu richten Ääyerinncu, nur geübt«,«es Wattcsaffon» und BandeauS. Brunte, -uu_______________ �_____ T_______________________ Neukölln, Jägerstraßi 18. � t99 Verantwortlicher Rehakteur: Alfred WielepP, Neukölln. Kür de» Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Bttltn. jdrutiu.Berlag: Äorwärt» vuchdru�erei u. LerlagSanstalt Paul Singer ü- Co., Berlin SÄI, Goldschmelze kaust höchstzablend Zahngebtsse, alle Metalle. Witwe Niep er. nur Köpenickerstraße 157. Zabngelnsse. Gotdsachen, Silber- iachen.Piatinabsälle, sämtliche Metalle höchstzahlend. Schmelzerei Christionat, Köpentckertlraße 2V&(gegenüber Manleuffelsteaße). 111/1* Kupfer. 110—125, Messing 60—85, Zinn, Stanniol, wie alle Arten Alt- nietalle kaust Meyer, Elisabeth. straße 56. 140/19 lMemdit. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger unv Fort- geschrittene, einzeln oder im Zirkel, wird englischer Unterricht erteilt. Auch werden Uebersetzungen an- gefertigt. G. Swiemq- Liebknecht Ebarloltenburg. Stuttgarterplatz 9 Gartenbaus III. 44K» Tauzinstitut Portzig. Neue Sonn- iagSiurse, Wochentagskurse beginnen. Anmeldungen täglich Reichenbergcr- straße 3, vormittag» 10 biS 10 abends. Ver5ckieäenes. 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