Dr. 231. flbonnementS'Bedlngungtn: Wonnements. PreiS pränumerando: Lierteljährl. 3�0 Md, monaiL 1,10 Mk,, wöchentlich 28 PIg, frei inS Haus. Sinzeine Nummer S Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntag-. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für da- übrige Au-land 4 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rtunäinen, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Crtiticlnt tiglidi. I** Verlinev Volksbltttk. Die Insertionz-Ledilhi' beträgt für die sech-gespalteuc Kolonel. zeile oder deren Raum 00 Psg„ für politische und aewerlschaftlichc Vereins- und BersainnUnngS-Anzcigeu 30 Pfg, „ixuine Hnicigcn", das fettgedruckte »ort 20 Pfg,(zulässig 2settgedriickte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer muffen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die.Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozialdfinokrat Berlin". NOS Zentratorgan der fozialdemobratt feben Partei Deutfcblands. Redaktton: 831. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morihplatz, Nr. 1983. Sonnabend, den 0. September 1913. Expedition: 83l. 68, Lindcnstraase 69. Fernsprecher: Amt Moritiplali, Nr. 1984. Der Stand zwücIkd den Ständen. Als„Stand zwischen den Ständen" proklamierte der Leiter der größten Organisation von Handlungsgehilfen dieser Tage die Schicht der Angestellten. Die Illusion, daß An> gestellte und Unternehmer im wesentlichen gleiche Interessen hätten, daß der Handlungsgehilfe gewissermaßen nur der lernende Kollege seines Chefs sei mit der Aussicht, über kurz oder lang selbständig zu werden wie dieser— sie wagte Herr Köhler vom„Verein für Handlungskomniis von 1858" auch nicht mehr aufrecht zu erhalten. Ausdrücklich stellte er fest, daß seine Organisation mit dem„Harmoniegedanken" ge- brachen habe und Prinzipale nicht mehr als ordentliche Mit- glieder aufnehme. Aber deshalb— so meint er— sind die Angestellten doch noch immer etwas anderes als die„gewöhn lichen" Lohnarbeiter; und wenn dem einen oder anderen Zweifel kommen,— nun, dazu sind ja die Vereine vom Schlage des 58er da, um das den Angestellten auszureden.„Es muß alles getan werden, damit wir nicht in die Schicht der gewöhnlichen Lohnarbeiter hinabrutschen", so ungefähr erklärte jüngst ein anderer der führenden Männer jener reaktionären Handlungsgehilfenbewegung,— in dem Gefühl, daß dies „Rutschen" doch eigentlich so eine Art wirtschaftliche Not wendigkeit wäre. Und Herr Köhler hätte auf seinem„Kauf männischen Verbandstag" nicht so viel Lungenkraft verschwendet, um die„Leichtfertigkeit" jeglicher gewerkschaftlicher Betätigung von Angestellten zu„beweisen", wenn er nicht das Gefühl gehabt hätte, daß die Entwicklung der Dinge gerade hierhin drängt. Als„Stand zivischen den Ständen", der von der modernen Arbeiterbewegung nichts wissen will, hat man es nun freilich nicht ganz leicht, etwas für die Angestellten herauszuschlagen in diesen jämmerlichen Zeiten. Alan hofft ja zwar auf die „G ü t e" und das„soziale Verständnis der Herren Chef s". Deshalb antichambriert man im Hansabund und versendet alljährlich einige tausende Bettelbriese, in denen mit warmem Appell an seine edle Gesinnung der Menschenfreund- liche Arbeitgeber gebeten ivird, seinen Angestellten doch einen kurzen Erholungsurlaub zu gewähren. Aber wie das so ist: die schön- stilisierten Briefe haben nur immer herzlich wenig Erfolg gehabt, und alle Freundschaft mit dem Hansabund hat die Angestellten auch noch auf keinen grünen Zweig gebracht. Gerade auf dem genannten„Kaufmännischen Vcreinstag" hörte man der Klagen wieder genug: die Bezahlung weiter Kreise von An- gestellten steht nach den unanfechtbarsten statistischen Er- Hebungen beträchtlich unter dem Lohn gelernter Fabrikarbeiter; dieselben Statistiken lehren mit eherner Sprache, daß es schon beinahe allgemein Sitte ist, Angestellte, die ihre 40 Jahre auf dem Rücken haben, deren letzte Kraft in überlanger Arbeits- zeit vor der Zeit verbraucht ist, auf die Straße zu setzen, in irgendeinen minder bezahlten Beruf herabzudrücken. Und in Zeiten wie diese, da die Krise im Lande umgeht, sind es nicht bloß die älteren, die erbarmungslos aus Stellung und Ver- dienst gebracht werden, sondern ungezählte jüngere Kräfte auch. Die Veröffentlichungen des„Reichsarbeitsblattes" zeigen deutlich genug, wie schwer die schlechte Konjunktur die An- gestellten trifft. Nach den Aufnahmen der Stellenvermittclungs- einrichtungen sämtlicher Angestelltenverbände von Bedeutung waren im zweiten Vierteljahr 1913 nicht weniger als 1,7 Proz. aller Mitglieder stellenlos, gegen 1,2 Proz. im gleichen Quartal des Vorjahres und 1,5, 1,4, 1,9 in den dazwischen liegenden Vierteljahren. An 142 847 Tagen wurde im letzten Vierteljahr von 421 794 unterstützungsberechtigten Mitgliedern der be- fragten Organisationen gefeiert. Mit der Hoffnung auf die soziale Einsicht der Herren Unternehmer ist es also nichts. So richtet man denn auch auf die wohllöbliche N e g i e r u n g seine Augen. Majestät selber mußte auf dem„Kaufmännischen Vereinstag" der 58cr herhalten, dieweil er in Lübeck gesagt hat:„Ich schütze den Kaufmann" und die Handlungsgehilfen des genannten Vereins hoffen, doch auch als„Kaufleute" gewürdigt zu werden. Leider mußten die' Unglückseligen im selben Atemzuge aber auch wieder gegen die Regierung ihre Anklagen erheben. Sie sehen sich von dem Zustronl pensionierter Offiziere bedroht, der, ministeriell geleitet, nach Durchführung der Heeresver- stärkung gewaltiger fluten wird als zuvor, mit der Wirkung, daß diese Herren, im Besitze ihrer Pension, die Gehälter noch tiefer drücken, als sie heute schon durch das Ucberangebot von Arbeitskräften gedrückt sind. Und nicht nur das! Auch in der sozialen Gesetzgebung zeigt sich die Regierung überaus harthörig den Wünschen der Angestellten gegenüber. Gewiß hat sie in den letzten Monaten ein paar soziale Gesetzentwürfe ausgearbeitet, die scheinbar den Interessen der Angestellten dienen. Aber bei Lichte besehen ist herzlich wenig daran. Und als die Mehrheit des Reichstages den weitest gediehenen dieser Entwürfe, den über die Kokurrenzklausel, ein bißchen mehr den Bedürfniffen der Angestellten annäherte, da stellte die Regierung ein Ultimatum und erklärte, die Ver- besserungen der Reichstagskommisston unter keinem Umständen annehmen zu können. Bleiben die bürgerlichen Parteien als letzter Hoffnungsstrahl. Aber der ist auch doch nur verteufelt dünn. Der Vereinstagsredner ließ schon durchklingen, daß er kaum etwas anderes erwarte, als daß die bürgerlichen Parteien vor dem Ultimatum der Regierung in der Konkurrenzklauselfrage zu Kreuze kriechen würden. Und schließlich waren es die bürgerlichen Parteien, die mit Hurra und Hussa die neue Hceresvorlage bewilligten und so den Quell öffneten, dessen militärischer Segen jetzt die Berufe der Angestellten zu über- fluten droht. Das mag schmerzlich sein, ist aber leider wahr. Mit seiner gewaltsamen Abkehr von der modernen Arbeiter- bewegung setzt sich der„Stand zwischen den Ständen" bloß zwischen alle Stühle. Mit seinen schönen Hoffnungen auf die Träger und Interessenten der heutigen Wirtschafts- und Staats- ordnung ist es nichts. Der wirtschaftliche Entwickelungsprozeß ist doch stärker als der schönste Standes- d ü n k e l. Der mag Wohl träumen von dem„Stand zwischen den Ständen", etwas Besonderem, Neuem, Eigenartigem. Der Hammer der ökonomischen und sozialen EntWickelung hat die Schicht der Angestellten in der grauen Wirklichkeit läng st angeschmiedet an die Klasse des modernen Proletariats, der„gewöhnlichen" Lohn- arbeiterschaft. Gleiche Interessen verbinden Angestellte und Arbeiter. Wer seine Augen nicht absichtlich zumacht, der muß es gerade jetzt sehen, wo die Krise die Angestellten genau so wie die übrigen Lohnarbeiter aufs Pflaster wirft, wo die Brutalität der Ausbeutung, von der„freien Konkurrenz" unseres Wirt- schaftssystcms getrieben, inuner krassere Formen annimmt, wo viele Tausende von Proletariern mit Stehkragen mit ihrem Verdienst schon längst unter das kärgliche Einkommen der Proletarier ohne Stehkragen gedrückt sind. Gleiche Notwendigkeiten treiben Angestellte und Arbeiter zusammen: für beide Teile gibt es keine anderen Möglichkeiten, sich gegenüber dem Kapital und seinen Tendenzen der Profit- macherei zu behaupten, als den Z u s a m m e n s ch l u ß auf gewerkschaftlicher Grundlage. Es ist töricht, wenn diese Möglichkeit für die Angestellten geleugnet wird. Zunächst heißt gewerkschaftliche Organisation noch gar nicht immer— wie Herr Köhler auf seinem Vereinstag meinte— Streik. Freilich, der Streik als letztes Mittel gehört dazu. Aber wie lächerlich auch, i h n für unmöglich zu erklären, etwa weil die Gehälter der Angestellten so verschieden sind, oder weil den Angestellten das„Klassenbewußtsein" abgeht. Auch die Löhne der Arbeiter sind verschieden— wobei ganz un- berücksichtigt bleiben mag, daß nach den eigenen Statistiken der„alten" Verbände die Mechanisierung und Schematisierung der Angestelltenarbeit schon für weite Schichten unter ihnen höchst gleichartige Gehälter berbeigeführt hat. Daß aber das augeblich noch mangelnde Klassenbewußtsein der Angestellten geweckt wird, das eben ist eine wesentliche Aufgabe der ge- werkschaftlichen Erziehung, die hierin natürlich von der Wirt- schaftlichen Entwickclung wiederum aufs beste gestützt wird.— Sich von der Ausbeutung und Bedrückung endgültig zu befreien, dazu allerdings bedarf es noch etwas mehr als bloß des gewerkschaftlichen Kampfes; dazu bedarf es— wiederum aber für die Angestellten in gleicher Weise wie für die übrigen Arbeiter— der Eroberung der politischen Macht, der Ersetzung der privatkapita- listischen Wirtschaft durch die sozialistische. Und sie kann den Angestellten wie den Arbeitern wieder die Produktionsmittel in die Hand und damit die Freiheit von der Willkür einzelner anderer, damit ihnen in ihrer Gesamt- heit den Gesamtertrag der Arbeit geben. Arbeiter und Angestellte gehören in dieselbe Front. Sicherlich gibt es gewisse Gegensätze zwischen ihnen, vornehm- lich dort, wo das Kapital die Angestellten zu Aufsehern und Antreibern der Arbeiter bestellt hat. Aber diese Gegensätze sind doch nur gering gegenüber dem, was beide Teile ver- einigt. Die Angestellten gehören in die moderne Arbeiterbewegung. Nur durch sie können sie frei werden, nur in ihrer praktischen Vertretung werden sie ihre Interessen wirklich gewahrt sehen. Es liegt zum guten Teil an ihnen selbst, wenn sie in der Förderung ihrer Interessen noch nicht weiter sind: Weil sie sich erst in so geringer Zahl zur modernen Arbeiterbewegung bekennen. In Massen gewerkschaftlich organisiert, würden sie nicht mehr so viel zu klagen haben wie heute. Und mit der Arbeiterschaft einig im Kampf für das Vordringen der«sozial- demokratie,— es würde so lange nicht mehr dauern, bis die Zwingburg, hinter der sich der Kapitalismus birgt, erobert ist. Angestellte und Arbeiter vereint, sie geben eine Phalanx, der keine andere Macht gewachsen ist. llublin unter dem Folizelhnüppel. (Von unserem Korrespondenten) Dublin, 4. September 1913. Der gestrige Tag nahm einen ruhigen Verlauf, soweit der Kampf der Arbeiterschaft gegen das koalierte Unternehmertum in Frage kommt. Aber ein furchtbares Unglück suchte einen der zahl- reichen ärmlichen Distrikte der Stadt heim. Gegen Va9 Uhr stürzten zwei große, alte, von Arbeiterfamilien bewohnte Häuser in der Church Street ein und begruben unter ihren Trümmern eine Anzahl Personen. Man hat schon fünf Tote gefunden. Die Gebäude waren zwei alte Baracken, in denen die Menschen wie in einer Herings- tonne zusammengepackt sind. Es gibt solcher Spelunken recht viele in dieser Stadt. Der Kutscher, der mich in einem der kuriosen irischen Wägelchen hinfuhr, erklärte mir. daß im Interesse der öffent- lichen Sicherheit und Gesundheit das halbe Dublin niedergerissen werden müßte. Und die Dubliner Kutscher sind keine Fortschritts- männer in Siebenmeilenstiefel; nennen sie doch ihre Gewerkschaft die „Anti-Automobil-Gesellschaft". Gegenüber dem Trümmerhaufen, der jetzt die Straße versperrt, steht eine prachtvolle Kirche. Der Anblick ist stimbolisch für die irischen Verhältnisse. Feiste, wohlgenährte Pfaffen und elend gekleidete, unterernährte Männer, Frauen und Kinder sind die Haupttypen, die man in der Stadt, auch in den vornehmsten Straßen antrifft. Selbst in London, wo die Armut sicher das Tageslicht nicht scheut, sieht man nicht so viel grinsendes Elend. Der Häusereinsturz hat dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf die Lebenslage der Massen zu lenken. „Man muß warten, bis sich die Situation entwickelt hat," er« klärte Kair Hardie, als ich ihn um seine Meinung in bezug auf den Ausgang des Kampfes befragte. Die Dubliner Arbeiter sind Keir Hardie recht dankbar dafür, daß er gekommen ist. Die einfluß- reichsten und erprobten Führer der Bewegung sitzen im Gefängnis und die noch junge Bewegung verfügt über wenig geschulte Kräfte. Der gefangene Larkin war und ist den Volksmassen alles.„Er ist einer der größten Führer, den die Welt besitzt," erklärte mir heute ein junges Mitglied der irischen Transportarbeitergewerkschaft vor der Liberty Hall.„Viele von uns sind bereit, ihr Leben für ihn zu opfern. Nolan ldas ist der von der Polizei erschlagene Arbeiter) hat das oft erklärt." Dieses begeisterte Eintreten für den Zweifels- ohne kühnen und entschlossenen Generalsekretär der Transport- arbeiter mag auch als Anhaltspunkt dafür dienen, welchen Eni- wickelungsgrad die Dubliner Arbeiterbewegung erreicht hat. Die Unternehmer gehen unsicher und tastend vor. Sie wiffen nicht, ob sie dem Scharfmacher Murphy folgen wollen oder nicht. Die große Attacke auf dem Transportarbeiterverband will nicht vom Fleck. Die Kohlenhändler sperrten gestern ihre Arbeiter(etwa 1090) aus. Sie verlangen, daß ihre Arbeiter aus der Transportarbeiter- gewerkschaft austreten sollen, was natürlich nicht geschehen wird- Das ganze Unternehmertum nimmt einen recht naiven Standpunkt ein. Es erklärte, daß nichts dagegen einzuwenden sei, wenn die Arbeiter Gewerkschaften ihres eigenen engeren Berufs beiträten stvenn zum Beispiel die Kohlensuhrleute einer Gewerkschaft der Kohlenfuhrleute, die Straßenbahner einer Gewerkschaft der Straßenbahner usw. an- gehörten), daß aber der Transportarbeitcrverband, der alle Transportarbeiter und Hilfsarbeiter zu einer Körperschaft organisiert, nur revolutionären Syndikalismus darstelle, mit dem man nicht verhandeln könne und der mit Gewalt ausgerottet werden müsse. Das Argument ist sehr durchsichtig. Die Unternehmer wissen näm- lich sehr genau, daß diese kleinen Spezialgewerkschaften, denen sie das Wort reden, im Lohnkampfe meist sehr wenig an- richten können und daher mit der Mütze in der Hand bor mächtigen Arbeitgeber erscheinen müssen, anstatt als gleich- berechtigte Parteien aufzutreten. Die Hilfe, die der englische Gewerkschaftskongreß den Dubliner Arbeitern zugesagt hat, hat in den Reihen der Arbeitgeber Bestürzung hervorgerufen. Sie dachten sich den Kampf als eine frische Kavallerieattacke, und nun werden an der anderen Seite der irischen See die schweren Geschütze der englischen Trade Union-Bewegung aufgefahren. Man erwartet hier heute eine Deputation des Gewerkschaftskongresses aus Manchester, die herübergeschickt worden ist, um den irischen Arbeitsbrüdern im Kampfe zur Aufrechterhaltung der Rede- und Versammlungsfreiheit beizustehen. Die Unternehmerpresse sucht die im irischen Volke sehr starken nationalistischen Gefühle gegen die Engländer zu erwecken. „Was hat Keir Hardie, was haben die Delegierten des englischen Gewerkschaftskongresses hier zu suchen?" liest man;„dies ist eine irische Angelegenheit, die die Jrländer unter sich regeln müssen." Das Argument findet aber bei den Arbeitern keinen Anklang. Ein Mitglied der Deputation vom Dubliner Gewcrkschaftskartell, die gestern vor dem Gewerkschaftskongreß in Manchester erschien, erklärte auf der Tribüne, daß die bürgerliche Presse nicht ein Viertel der Exzesse berichtet habe, die von der Polizei und den Gendarmen am Samstag und Sonntag verübt worden sind. Meine Erkundigungen bestätigen nur diese Angaben. Genosse Daly, der Sekretär des irischen Gewerkschaftskongresses, der die Oberleitung in der Liberty Hall übernommen hat, sagte mir, daß sich die Hüter der Ordnung an den drei Tagen wie die Wilden gebürdeten. Er leugnet entschieden, daß die Polizei von dem Hauptquartier der Ge- werkschaft aus mit Steinen und Flaschen beworfen worden sei. Im Gegenteil sei es die Polizei gewesen, die das Haus der Union mit Steinen bombardiert habe, die man am nächsten Morgen wohl in der Liberty Hall, nicht aber draußen auf der Straße gestmden habe. Der Anblick des Hauses bestätigt seine Angaben. Alle Fensterscheiben sind zertrümmert. Hätte Daly am Sonntag nicht die Haustür ver- barrikadiert und das elektrische Licht ausgedreht, so hätte die wütende und betrunkene Polizeimasse auch in der Liberty Hall alles kurz und klein geschlagen, wie sie es in Privatwohnungen tat. Ich schrieb in dem vorhergehenden Bericht von einem von der Polizei mißhandelten Mütterchen, das ich vor dem Mountjoh-GefängniS traf, wo ich den Genossen Connolly besuchte. Genosse Daly erzählte mir, daß nicht allein diese alte Frau, sondern auch ihr Sohn aufs schwerste mißhandelt wurde. Der Sohn trug, als er von einem Polizei- knüppcl niedergestreckt wurde, sein dreijähriges Knäblein auf dem Arm, konnte also unmöglich die Polizei angegriffen haben. Er ist auch verhaftet worden und wird heute mit Dutzenden anderen ab- geurteilt werden. Mau hat wenig Zeit, sich um die vielen Gefangenen zu kümmern. Das Heer der Verletzten bedarf zuerst der Sorge. Unter dieser Masse befindet sich auch ein„Aufrührer" im Alter von fünf Jahren, der von einem tapferen Polizisten einen Knüppelschlag auf den Kopf erhalten hat. Selbst hochschwangere Frauen wurden von der Polizei ins Gefängnis geschleppt. Was über die Bestialität der Polizei und Gendarmerie angegeben wird, ist haar- sträubend. Man könnte Seite aus Seite mit den Geschichten fiillen, die einem bon Leuten auf der Straße, von Angehörigen des Bürgertums und von verantwortlichen Beamten der Gewerkschaften, die die mutwilligen Bluttaten der Polizei und namentlich der Gendarmerie gesehen haben, berichtet werden. Die Deputation des Dublincr Gewerkschaftskartells ist ans Manchester zurückgekommen und hat sechs Delegierte des englischen Gewerkschastskongresses mitgebracht. Gcmeinderatsmitglied Partridge berichtet, daß die irische Deputation in Manchester von den Vcr tretern der englischen Gewerkschaften mit Jubel begrüßt worden ist. Der Kongreß hat sich fast zwei Tage mit der irischen Angelegenheit beschäftigt. Als es sich in Manchester darum handelte, welche Personen nach Dublin geschickt werden sollten, rief jemand aus „Wer will dem Jim Larkin zur Seite stehen Alle Kongreß teilnehmer� erhoben sich, um die angebotenen Ehrenposten zu be- kleiden. Die Dubliner Firma Jakobs, die 600 Arbeiter und Arbeiterinnen ausgesperrt hat, weil sie nicht will, daß jemand der Transportarbeitergewerkschaft angehört, wird die erste sein, die bereuen wird, den britischen Leuen geweckt zu haben. Es ist in England beschlossen worden, die Produkte dieser Firma zu. boykottieren. Die Zeitung des Scharfmachers Murphy sJndependent) hat dasselbe Schicksal erreicht. Ich habe in der ganzen Stadt versucht, ein Exemplar dieses Blattes zu kaufen aber vergebens. Unter den Maucranschlägen fällt hier namentlich ein rotgedrucktes Plakat auf, auf dem die Tatsache vermerkt ist, daß Murphy seine gewerkschaftlich organisierten Arbeiter entlassen hat.„Arbeiter," so heißt es zum Schluß,„man braucht ja nicht in Läden zu kaufen, wo der„Jndepentcnt" feilgeboten wird." Und dann folgen die irischen Wörter„TtriAAiu thu"(verstehst du?) Das Begräbnis eines Hrbciters. Der Genosse Nolan, ein ruhiges und allgemein geachtetes Mit- glied der TranSportarbeitergewerkschaft, der von betrunkenen Polizisten und Gendarmen zu Tode geprügelt worden ist, wurde heute nachmittag begraben. Schon seit drei Tagen war die Liberty Hall zu Ehren Nolans mit schwarzem Tuch behängt. An allen Mauern der Stadt befinden sich seit gestern große Plakate, auf denen die Arbeiterschaft zur Teilnahme an dem Begräbnis aufgefordert wird. Zu Taufenden und aber Taufenden waren die Proletarier Dublins herbeigeströmt, um ihrem verstorbenen Kameraden das letzte Geleit zu geben. Es waren mindestens 40—50 000 Männer und Frauen in dem Zuge und es dauerte fast eine Stunde, bis der ganze Leichenzug einen gewissen Punkt am Wege passiert hatte. Die Prozession bewegte sich vom Hause des Verstorbenen durch die O'Connel Street, die breite Hauptstraße Dublins, nach dem Fried- Hofe. Hinter dem Zuge folgten in Wagen der Oberbürgermeister der Stadt und die Mehrheit der Stadtverordneten. Doch die zu Fuße der Leiche folgenden Personen waren samt und souders Proletarier— irische Proletarier, die kein Sonntagskleid kennen und an allen sieben Tagen in denselben von der Arbeit beschmutzten und zerrissenen Kleidern umherlaufen müssen. Die gesamte Arbeiter- bevölkcrung der irischen Hauptstadt ließ den halben Tagelohn fahren und beteiligte sich an der Demonstration, die den Machthabern recht anschaulich bewies, daß ein neues Kapitel im Leben des irischen Volkes angefangen hat. Polizei und Gendarmerie zeigten zum erstenmal, daß sie auch Diskretion besitzen. Während es noch am Morgen von Helmen wimmelte, war am Nachmittag nicht ein Polizist oder Gendarm zu sehen. Der Marsch nach dem Friedhof tonnte daher in vollkommenster Ordnung, trotz der großen Zuschauer- mengen vonstatten gehen. Von dem Begräbnis des James Nolan werden noch die Kinder dieser Generation reden.„Ich war dabei, als Parnell(der der- göttertc Führer der irischen Nationalisten) begraben wurde," erklärte mir ein alter Mann in der Menge der Zuschauer.„Er hatte ein prächtiges Begräbnis. Aber eine so gewaltige Demonstration, wie die von heute, hat Dublin bisher noch nicht gesehen." Sin zweites Opfer der Dublincr polizciattache. Von unserem nach Dublin entsandten Korrespondenten erhalten wir noch nachstehendes Telegramm: Manchester, S. September. Ein zweites Mitglied des Irischen Transportarbcitervcrbandes starb gestern abend infolge der Wer- lctzungen, die er letzten Sonnabend in der Polizeiattacke davon- getragen hatte. Ob alle Opfer dieses wilden Mordens registriert ivorden sind, scheint mir sehr zweifelhaft. Von Dublin zurück- kehrend, traf ich heute im Zuge nach Manchester einen englischen Schauspieler, der in Dublin seinen Bruder begraben hatte. Dieser toar nach Aussagen der Polizei am Sonntagabend bei einem an- geblichen Angriff auf die Straßenbahnwagen in der Nähe des Gerichtsgebäudes in den Fluß Liffey gesprungen. Dabei soll er falsche Zähne verschluckt haben. Das Urteil des Leichenschauers lautet auf Erstickung. Das Sonderbare an der Sache ist, daß her Verstorbene, wie seine Frau und deren Schwester aussagen, an allen Gliedern Quetschungen aufwies. Bei der Leichenschau kamen nur Polizisten zu Wort. Ein Zivilist, der Aussagen machen wollte, tvurde von der Polizei aus dem Gerichtshof gewiesen. Von der Dublincr Presse wurde der Fall in einer kleinen Notiz als Kuriosum registriert. Der Statthalter hat eine Untersuchung der Vorgänge in Dublin von Anfang der Woche versprochen, sobald die Lage ruhiger geworden ist. Wahrscheinlich wird dabei noch manches zu- tage kommen, was bis jetzt vertuscht worden ist. Noch keine Untersuchung. Dublin, S. September. Auf das Ersuchen der Gemeindebehörden bon Dublin erklärte der Lordleutnant von Irland, er halte es für unmöglich, über daS Vorgeh en der Polizei bei den jüngsten Unruhen in Dublin eine Untersuchung anzustellen, bevor nicht die Ordnung vollkommen wieder hergestellt sei, doch verspreche er, möglichst bald eine eingehendeUntersuchung anstellen zu lassen._____ ein deutsches Heichsarmengefetz. Für ein einheitliches Armengesetz für daS Deutsche Reich an Stelle der heute bestehenden 26 verschiedenen einzelstaatlichen Gesetze tritt der Deutsche Verein für Armenpstege und Wohltätigkeit ein. Nachdem er sich bereits auf seiner Generalversammlung in Braun- schweig 1012 mit dieser Frage beschäftigt hat. unterbreitet der mit der Vorberatung beauftragte Sonderausschuß unter Vorsitz de» Justizrats Dr. R u l a n d- Kolmar der in diesem Monat in Stutt- gart tagenden Generalversammlung einen ausführlichen Bericht über alle durch ein solches Gesetz zu regelnden Materien. Die allgemeinen Richtlinien faßt Bürgermeister von Hollander- Mannheim dahin zusammen: 1. Nachdem im Deutschen Reiche die Rechtseinheit auf dem Gebiete des Armenwesens, soweit der Untcrstlltzungswohnsitz in Frage kommt, in Aussicht steht, ist es geboten, die Rechtseinheit auch auf dem Gebiete des materiellen Armenrechts herbeizuführen. Dieses Ziel wird am besten durch ein einheitliches deutsches Armeugesetz getvährleistet. Solange ein solches nicht erlassen, ist die Rechtseinheit in den einzelnen Bundesstaaten durch eine mög- Uchst übereinstimmende Landesgesetzgebung vorzubereiten. 2. Prinzipiell wäre es durchaus richtig, ein einheitliches Reichsarmengcsetz in dem Sinne zu schaffen, daß auch das Reichs- gesetz über den Untcrstützungswohnfitz als ein Teil des Armen- rechts in das neue Gesetz hineingearbeitet wird. Allein aus praknschen und historischen Gründen sollte man zunächst von diesem Gedanken absehen und an dem Unterstützungswohnsitzgesetz, nachdem es aucki von Bayern angenommen ist, festhalten. 3. Der Inhalt eines ReichSarmengesctzes wird sich daher zu beschränken haben auf den Stoff, der in den zurzeit geltenden „Ausführungsgesetzen" zum Unterstlltzungswohnsitzgesetz enthalten ist: es wird sich deshalb, wenn man an dieser Terminologie fest« halten will, um ein Reichsausführungsgesetz zum UnterstiitzungS- Wohnsitzgesetz handeln. 4. Wenn ein praktisches Resultat erzielt lverden soll, so muß in dem Entwurf eines Reichsarmengesetze» auf die zurzeit in den einzelnen Bundesstaaten bestehenden Verhältnisse, insbesondere aber auf die größten Bundesstaaten Preußen und Bayern, weitgehend Rücksicht genommen worden. Es empfiehlt sich daher, nur die- jenigen Punkte durch ein Reichsgesetz zu regeln, in denen eine Nechtseinheit im Interesse einer geordneten Armenfürsorge un- bedingt herbeigeführt werden muß, im übrigen aber den Aus- führungsvorschrifien der einzelnen Bundesstaaten— dabei wird es sich ivirklich nur um Ausführungsgesctze oder Verordnungen zum Rcichsarmengesetz handeln— einen weite» Spielraum zu belassen, so daß den mannigfachen Besonderheiten der Verhältnisse Rechnung getragen werden kann. Im einzelnen soll nach den Darlegungen der verschiedenen Berichterstatter ein Reichsarmengesetz folgende Materien regeln: Die Aufgaben der öffentlichen Armenpflege, die Organe der öffent- lichen Armenpflege, den polizeilichen Arbeitszwang, die Wanderer- fürsorge, die Tariffrage und die Aufficht der Rechtsprechung. Von diesen Materien haben ein besonderes aktuelles Interesse der polizeiliche Arbcitszwang und die Wandercrfürsorge. Was den polizeilichen Arbeitszwang betrifft, so ist diese Frage be- kanntlich in einer Reihe bon Bundesstaaten, zuletzt in Preußen, auf dem Wege der Landesgesetzgebung geregelt werden, obwohl nach Ansicht hervorragender Juristen dadurch rechtswidrig ein Teil des reichsgesetzlich geregelten Strafrcchts auf die einzelstaatlichcn Ver- waltungsorgane Überträgen ist. Dr. Sperling- Mannheim, der daS Referat über diesen Punkt erstattet, hält zwar den Einwand, daß der landesgesetzlichen Einführung des polizeilichen Arbeitszwanges das Reichsgesetz im Wege steht, für widerlegt, tritt aber trotzdem iür eine reichsgejctzliche Regelung ein. und zwar fordert er nach- drücklichst, daß das Gesetz nur solchen Personen gegenüber in An« Wendung kommen soll, die s ch u Id h aftcr w e is e der Arbeit aus dem Wege gehen oder die es schuldhafterweise unterlassen, ihrer Alimentationspflicht gegenüber ihren Angehörigen nachzukommen. Dieser Gedanke kommt in keinem der bestehenden LandcSgesetze zum Ausdruck, in dem preußischen Gesetz z. B. ist daS Moment des schuldhaften Verhaltens absichtlich ausgeschaltet, um zu verhindern, daß die Gerichte eine Kollision mit dem Reichs« strafgcsctzbuch annehmen. Der polizeiliche Arbcitszwang darf nur aufgefaßt werden als eine armenrechtliche Maßnahme zum Schutze der Armeuverbände gegen mißbräuchliche Inanspruchnahme öffentlicher Mittel seitens bestimmter Personen, und es müssen, wenn er schon einmal eingeführt ist, weitgehende Garantien gegen Mißbrauch und Willkür gegeben sei. So betont Dr. Sperling mit Recht, daß, wer durch Krankheit oder Gebrechen nicht in der Lage ist, für seine Angehörigen zu sorgen, dem Arbeits- zwang nicht unterworfen werden darf und daß der Arbeitszwang auch kein Mittel sein darf, das der öffentlichen Armenpflege die Hand- habe gibt, in Lohnkämpfe einzugreifen.„Wer im Kampfe um bessere Arbeitsbedingungen seine Arbeitsstelle verliert und lediglich hierdurch genötigt wird, für seine Familie öffentliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen, kann nicht dem gleichgestellt werden, der durch Müßigang, Leichtsinn oder Trunksucht sich der Unterhalts- Pflicht seinen Angehörigen gegenüber entzieht." Einen weiteren Schutz- gegen Willkür erblickt Dr. Sperling in der Aufnahme einer Bestimmung, daß die Unterbringung nicht erfolgen darf, wenn sie mit erheblichen, den Umständen nach nicht gerechtfertigten Härten oder Nachteilen ür den Unterzubringenden verbunden sein würde, und endlich fordert er, daß der polizeiliche Arbeitszwang kein Mittel zur dauernden Freiheitsbeschränkung des einzelnen sein darf und daß die die zwangsweise Unterbringung aussprechende Entscheidung in einem zivilgerichtlichen oder verwaltungsgerichtlichen Verfahren nachgeprüft werden muß. Die Entscheidung hat auf Grund mündlicher Verhandlung zu erfolgen, und der Unterzubringende ist zu hören. Zweifellos wären das wesentliche Verbesserungen der meisten heutigen Gesetze. Die Wandererfürsorge will Dr. K l u m ke r- Frank- furt a. M., der dies Thema behandelt, von Grund aus reformieren. Er will an die Stelle des jetzigen Systems der Mißerfolge, die alle strafrechtliche und polizeiliche Bekämpfung von Landstreicherei und Bettel aufzuweisen haben, ein System der Versorgung dieser„gesell- schaftsfremden Wesen" durchführen, das diese Aermsten nicht erfolg- los durch allerlei Bersorgungs- und Strafeinrichtungen hindurchjagt, sondern ihre dauernde Versorgung ermöglicht und ihnen ebenso wie der Gruppe der gutwilligen halb und ganz arbeitsunfähigen Wanderer die Rückkehr ins freie Leben ermöglicht. Für die mittellosen Wanderer, die nur durch Arbeitslosigkeit zum Wandern getrieben werden, soll in erster Linie durch den Ausbau aller Schutzeinrich- tungen, die aus der Selbsttätigkeit der Arbeiter beruhen(Helbergs- Wesen, UnterstützungSkassen, Versicherung) gesorgt werden. So weit das nicht ausreicht, sollen entsprechend der Arbeitsbeschaffung für seßhafte Arbeitslose(Notstandsarbeiten) auch Arbeitsstätten für wandernde Arbeitslose geschaffen werden; auch hierbei ist die Mit- Wirkung der Arbeiter nicht zu entbehren. Soweit das Problem aber die Armengesetzgebung berührt, muß es in einem Reichsgesetz ge- löst werden, da alle bisherigen Versuche, von allem anderen ab- gesehen, schon durch die Verschiedenheit in Gesetzgebung und Ver- waltung der Einzelstaaten in weitem Umfange wirkungslos gemacht werden.__ poUtifcbe Qebcrfkbt. Aus Kamerun. Der Staatssekretär des Reichskolonialamtes Dr. Solf bereist zurzeit Kamerun, um sich persönlich über die Verhältnisse dieser Kolonie zu informieren. Die Pflanzer Kameruns haben diese Gelegenheit benutzt, um eine schöne Wunschliste zusammen zu stellen und den Syndikus ihres Verbandes, Dr. Elscheit in Duala, zu be- auftragen, sie dem Staatssekretär vorzulegen. Das ist vor einigen Tagen in der Versammlung des Pflanzerverbandes zu Viktoria, an der Dr. Solf teilnahm, geschehen. Der Syndikus des Pflanzerverbandes führte aus, eine zufriedenstellende Regelung der Arbeiterfrage sei nur möglich, wem: das Gouvernement selbst die Anwerbung von Ar- beitern in die Hand nehmen würde; vor allen Dingen müßten Maßnahmen getroffen werden, um den Bedarf an Arbeitern auf die Dauer sicher zu stellen. Das wäre nur möglich durch be- schleunigte Erschließung des Landes durch Eisen- bahnen. Sodann kam er auf die SelbstverwaltungS- frage zu sprechen und bat, endlich der weißen Bevölkerung Kameruns größere Rechte bei der Verwaltung des Landes einzuräumen. Staatssekretär Dr. Solf fand diese Forderungen sehr beachtenswert. Er erklärte, wie der„Rheinisch-Westfäl. Zestung" 1 telegraphisch berichtet wird, daß er zu den Anträgen, soweit sie die Arbeiterfrage beträfen, keine grundsätzlichen Bedenken äußern könne. Er hoffe, daß die vom Gouverneur Ebermaier im Einvernehmen mit dem Pflanzerverband beabsichtigte Neuregelung der Arbeiteranwerbungen den Segen bringen werden, der allseitig bonihr erhofft werde. Die Hauptschwierigkeit bietet die mangelnde Arbeitslust des Negers, der erst zur Arbeit erzogen werden müsse. Das könne nicht plötzlich geschehen, dazu wäre Zeit nötig. Wenn die Regierung zur Lösung der Arbeiterfrage die Hand biete, so müsse auf der anderen Seite in erster Linie eine erhöhte Arbeiterfürsorge ein- treten. Die dadurch entstehenden Unkosten könne aber unmög- lich die Regierung übernehmen, sie müßten vielmehr von den Pflanzern oder den Betrieben, die Arbeiter brauchen, getragen werden. Das Gouvernement könne jedoch keine Bürgschaft dafür leisten, daß nun auch jedem Betrieb die Zahl der Ar- bciter unbedingt zur Verfügung. gestellt werden könnte, die er beantragt. Zur E i s e n b a h n f r a g e gab der Staats-- sekretär ohne weiteres zu, daß zur Erschließung des Landes unbedingt Eisenbahnen nötig seien, und daß der Ausbau des Eisen- bahnnetzes in Kamerun in erhöhtem Maße gefördert werden müsse. Die Vorarbeiten auf diesem Gebiete seien im Gange, und man dürfe für die Zukunft auf jede mögliche Förderung rechnen. Zur Selbst- Verwaltungsfrage erklärte der Staatssekretär, daß er die Forderung der Beteiligung der Kolonisten an der Verwaltung des Sandes durchaus verstehe und würdige. Er könne auch schon heute sein grund- sätzliches Einverständnis mit dieser Forderung erklären. Allerdings könne die Regierung der Kolonie keine Selbstverwaltung einräumen, ober man werde sehr bald in Erwägungen darüber ein- treten, ob dem Gouvernementsrat bezüglich einer Reihe von Ver- Ordnungen, die das LcbenSinteresse der Bevölkerung berühren, statt der bisher nur beratenden, jetzt auch eine beschließende Stimme ein- geräumt werden könne. Demnach stehen in Kamerun allerlei Acnderungen bevor. Sozialdemokratie und Kleinbauern. Ein aus der M-Gladbachcr Zentralsudelküche stammender Ar- tikel, der gegenwärtig die Runde durch die Zentrumspresse macht, sucht wieder einmal„festzustellen", daß die Soialdemokratie die „Todfeindin der kleinen Bauern" sei. Unter der Ueberschrift„E i n wertvolles Eingeständnis" finden wir ihn in der Nr. 240 der„Essener Volkszeitung". Das„wertvolle" Eingeständnis ist ein aus dem Zusammenhang gerissener Satz, den das blinde M-Gladbacher Zitatenhuhn in einer Studie entdeckt hat, die unser holländischer Genosse Vliegen in der„Neuen Zeit" veröffent- lichte. Der Satz lautet: „Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache: will man die gegenwärtige Landwirtschaft lebensfähig erhalten, und dadurch allein ist der Kleinbauer für unsere Partei zu gewinnen, dann ist die Schutzzöllncrei ein unentbehrliches Mittel." Dieser Satz, so versichert der Verfasser,„findet sich in der offiziellen Parteiwochenschrift der Sozialdemokratie, in der radikal- sozialdemokratischen„Neuen Zeit"; man nehme den Jahrgang Nr. 17 dieser Zeitschrift, dort steht es auf Seite 82 schwarz auf weiß zu lesen." Die„Neue Zeit" kennt keinen Jahrgang„Nr. 17". Dem Leser wäre sicherlich mehr gedient, wenn einfach das Fahr des Er- s ch e i n e n s des Vliegenschen Artikels angegeben worden wäre. Aber das wird mit Absicht verheimlicht; denn es handelt sich um den Jahrgang 1398-99. Der Artikel erschien Anfang Ok- tober 1898, also vor fünfzehn Jahren! Um den deutschen Lesern die Todfeindschaft der Sozialdemokratie gegenüber den Klein- bvuern vorschwindeln zu können, gehen die M.-Gladbacher ändert- halb Jahrzehnte zurück und greifen überdies einen ausländischen Artikel über ausländische(niederländische) Agrarverhältnisse heraus. Zu alledem aber ist der Satz auch noch durch das bei den klerikalen Demagogen übliche Herausreißen verfälscht. Denn die Aeußerung Vliegens lautet an der betreffenden Stelle: „Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache: will man die gegen- wärtige Landwirtschaft lebensfähig erhalten, und dadurch allein ist der Kleinbauer für unsere Partei zu gewinnen, dann ist die Schuzzöllnerei ein unentbehrliches Mittel. Und das ist ein Mittel, welches das ganze Volk belastet zum Vorteil einer einzelnen Bevölkerungsschicht und dadurch schon verwerflich; es macht durch Verteuerung der Produkte den Boden teurer und verschiebt dadurch die Nationalisation des Bodens." Vor dem Worte„Und" bricht der Zitatendrechsler ab, um zu versichern, daß man das„tvertvolle Geständnis" festzuhalten wisse. Das heißt, daß wir künftig dem verstümmelten, in der Mitte durchgeschnittenen Ausspruche Vliegens noch oft in der Zentrums- presse und in den Reden der Gladbacher Zöglinge begegnen werden. Es empfiehlt sich deshalb, auf den Artikel unseres holländischen Freundes ein wenig näher einzugehen. Und da ergibt sich auf den ersten Blick, daß nur ein skrupelloser Lügner den Vorwurf der Tod- feindschaft aus dem Aufsatz herauslesen kann. Die ganze achtseitige Abhandlung ist von Wohlwollen gegen die Landarbeiter und die Kleinbauern getragen. Vliegen vertritt die Interessen dieser beiden Gruppen gegen den Grotzbesitz und das Hypo- thekenkapital; er erinnert daran, daß Genosse Troelstra, der Führer der holländischen Sozialdemokratie, auf dem Parteikongrcß von 1890 als Referent zur Agrarfrage den Standpunkt vertreten hat,„daß ein Bündnis zwischen Bauern und Ar- beitern angestrebt werden muß", und daß ein Jahr später auf dem Kongreß in Arnhcim in dem Wahlprogramm den agrarischen Fragen ein großer Platz eingeräumt wurde; der dort beschlossene Agrarparagraph lautete: Bessere Regelung des Pachtkontraktes im Jnteresfeder Bauern und Arbeiter, gegründet auf dem Prinzip, daß Pacht gezahlt zu werden braucht vom Nettoertrag des Betriebes, also nachdem vom Totalertrag die notwendigen Unkosten abge- zogen sind, worunter zu rechnen ist eine Summe für den Zevens- unterhalt des Pächters und seiner Familie wie auch ein Normal- lohn für die Arbeiter. Erweiterung der �.eitimmungen der Artikel 1028 und 1029 des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jnter- esse des Mieters und Verbot der Umgehung dieser Bestimmungen in den Pachtkontrakten.(Diese beiden Artikel erklaren, daß bei einer Mißernte ein Teil der Pacht summe nicht zu zahlen ist.?" Pachtkontrakten steht aber gegenwärtig eine Klausel, in �£er von diesen Bestimmungen Abstand nimmt.)™ abziehenden Pachters auf Zahlung der durch seine Arbeit oder fem Kapital an dem Pachtgut angebrachten Verbesserungen... Einsetzung von Pachtkommissionen in allen landlichen Gemeinden, gewählt aus und durch die Grundbesttzed, Pachter und Arbeiter, mit der Be- stimmung. daß kein Pachtkontrakt gültig ist, wenn er nicht durch die Pachtkommission gutgeheißen ,st.... Diese Forderungen ossenbaren alles andere als..Todseino- schaft" aegen diejenigen, die in der Landwirtschaft die Arbeit re« präsentiere,,: Kleinbauern. Pächter. Arbeiter. DaS Zentrum aber verfolgt tatsächlich die von Vliegen gebrandmarkte Po»"!. einer Klasse von Warenproduzenten in der Land. Wirtschaft Vorteile zu verschaffe» auf Kosten des aanzenVolkes! Und die Einpeitscher dieser Klasse sind za seit Wochen wieder am Werke, den„lückenlosen Zolltarif" zu propa. gieren, der neben den schon inS Matzlose.verteuerten anderen Lebensmitteln nun auch die Preise für Gemüse, Obst, Rartofseln, Milch usw. durch Wucherzölle auf eine Höhe treiben joll, die diqe Bedarfsgegenstände vollends zu Luxusartikeln machen würde— im Zeitalter der Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, des Geburten- rückganges und der Lungenschwindsucht I Ein klerikales �älscherstückchen. Obgleich sie sich als die Vertreterin der echt katholischen Ethik aufspielt, ist die Zentrumspresse die verlogenste der Welt. Das Lügen und Fälschen gehört zu ihrem täglichen Metier. Die„Augs- burger Postzeitung" Nr. 405 vom 4. September bringt z. B. einen drei Spalten langen Artikel, um den Nachweis zu erbringen, dag der deutscbe Arbeiter gar keine Veranlassung habe, sich über die deutschen Lebensmittelzölle zu beklagen. Als„Kronzeuge" wird auch der„Vorwärts" angerufen. In Nr. 2l0 deS„Vorwärts" beigt ei am Scylusi eines Artikels über„Die Kosten der Lebenshaltung der Arbeiterklasse": Eines geht klar aus dieser Enquete hervor: In England wenig- stens kann von einem materiellen Aufstieg der Arbeiterklasse unter der Herrschaft des Kapitalismus nicht die Rede sein, und das nach all den heroischen Kämpfen, die das englische Proletariat in einer kapitalistischen Prosperitätsperiode geführt bat, wie sie die Geschichte kaum je zuvor gesehen. Die Ziffern lassen für den denkenden Arbeiter nur eine Schlußfolgerung zu: Hinweg mit dem ganzen Wirtschaftssystem, das selbst in der höchsten Blüte- zeit dem Produzenten einen immer größer werdenden Anteil an seinem Arbeitsprodukt vorenthält." Dieses- Ziiat bringt die„AugSburger Postzeitung" wörtlich, um dann im nächsten Absatz aus den Schlußsolgerungen des„Vorwärts" herauszulesen, daß dieser den englischen Freihandel zum Teufel wünsche. Die ehrliche„Augsburgerin" schreibt nämlich: „In Deutschland wettert man gegen die Schutzzollpolitik und preist den Freihandel. In England besteht der Freihandel, da sagt der„Vorwärts":„Hinweg mit diesem Wirt- s ch a f t S s y st e m". Die Worte„Hinweg mit diesem WirtschaftS- s h st e m" stehen in dem klerikalen Blatt in Anführungszeichen, sollen also die Worte des„Vorwärts" sein. DaS fünf Zeilen vorher siebende Zitat läßt aber deutlich erkennen, daß der„Vorwärts" selbstverständlich nicht den englischen Freihandel zum Teufel wünscht, sondern das k a p i t a l i st i s ch e W i r t s ch a f t S s y st e m. Worüber soll man sich mehr wundern, über die freche Fälschung oder über die Zuversichtlichkcit, mit der die.Augsburger Postzeitung" ihre Leser als gedankenlose Einsaltspinsel betrachtet. Eine schwierige Aufgabe hat das Landgericht Zittau dem Staatsanwalt aufgegeben. Er soll beweisen, daß die freie Turncrschaft eine politische Organisation ist. Anlaß zu dieser Aufgabe gab folgender Vorgang: In Reichenau wurden eine Anzahl FortbildungSjchüler mit Strafmandaten über je 3 M. bedacht, weil sie an den Turnstunden der freien Turner- schaft teilgenommen hatten. Auf Einspruch gegen diese Straf- Mandate hob das Schöffengericht die Strafe auf; es sprach im Urteil aus, daß sich auf Grund des ReichsvereinsgesetzeS solche Strafverfügungen nicht rechtfettige» ließen und daß kein Anhalt ge- geben sei für die politische Betätigung der Turnerichafl. Der Staatsanwalt legte Berufung ein, upd so kam die Sache vor das Landgericht, das die Verhandlung vertagte und den Staatsanwalt beauftragte. Beweise sür de» politischen Charakter der freien Turncrschaft beizubringen.— Der Staatsanwalt wird lange suchen können, bis er solche Beweise findet. Versagte Anfenthaltserlaubnis. Wie Wolffs Telegraphisches Bureau von zuständiger Stelle er- fährt, ist von der elsaß-lothringischen Regierung den französischen Staatsangehörigen General a. D. Didio und Genickapitän a. D. Woelfflin die nachgesuchte Aufenthaltserlaubnis verweigert worden, weil der von ihnen beabsichtigte Aufenthalt im Lande in die Zeil der großen Herbstübungen gefallen wäre. Schwere Manöverunfälle. Bei den Kaiscrmanövern, die voin 5. und S. Armeekorps gegen» Ivärtig in den fchlesifchen Kreisen Schwcidnitz-Waldenburg und Liegnitz abgehalten werden, sind in den letzten sechs Tagen insgesamt sechs tödlich verlaufene Fälle an Hitzschlag vorgekommen. Ferner wurden durch Sturz mit dem Pferde zwei Artilleristen so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Von den Unfällen betroffen wurde namentlich das 46. Infanterieregiment und das 5. Artillerie- regiment. Soldatenfreuden. Während einer Nachtübung am 1. Septeniber, die die 67. In- fanteriebrigade in der Nähe von Stolp(Pommern) abhielt, wurde ein Musketier de« 175. Infanterieregiments, das in Stolp einquartiert war, in einem Hohlweg von einem Oberleutnant überritten. Während dos Pferd mit dem einen Hufe den Gewehrkolben zer- schmetterte, bekam der Soldat mit dem anderen Bein einen Schlag gegen die Brust, wodurch er tödliche Verletzungen erlitt. Im Gar- nisonlazareit erlag der Unglückliche seinen Verletzungen. Damit nichts von dem Unglück bekannt wurde, wurde den einzelnen Sol- baten deS Regiments ein Schweigeverbot auferlegt. Die Balhanfragen. Tie Wünsche Bulgariens. Äonstantliiopel, 5. September. General S a>v o w hat in einer Unterredung erklärt, Bulgarien werde der Türkei Adrian opcl als Festung belasse», wenn es dafür andere Punkte in derselben Gegend erhielte, aber es beanspruche K i r k i l i s s e, das in der türkischen 3!ote voin 19. Juli nicht erwähnt worden sei. Tie Friedensverhandlungen beginnen voraus- sichtlich heute. Soldatcndcmonstration in Sosia. Sofia, 6. September. Auf Gerüchte, daß die 14., unter den Fahnen zurückbehaltene Altersklasse beurlaubt worden sei, V e r« ließen gestern abend zirka 100 Soldaten dieses Jahrganges ihre Kaserne und durchzogen die Stadt. Unterwegs schlössen sich ihnen eine Anzahl Leute der extremen Parteien an, welche versuchten, die Soldaten zu einer Kundgebung vor dem königlichen Palais aufzureizen. Da aber den Soldaten noch mitgeteilt wurde, daß kein Befehl bezüglich Urlaubes ergangen sei, so reagierten dieselben nicht auf die versuchte Auf- reizung, sondern kehrten ruhig in ihre Kaserne zurück. So hatte der Zwischenfall keine weiteren Folgen. LWna. Gin Konflikt mit Japan? London, 5. September. Das„Reutcrsche Bureau" erfährt, daß in Tokio große Empörung herrsche infolge des Gerüchtes, daß bei dem Eindringen der Ncgierungstruppen in Nanking mehrere Japaner getötet worden feien. Die Presse verlange ein militärisches Einschreiten und besonders die Besetzung eines chinesischen Hafenplatzes, vis China Genugtuung gegeben haben werde. Der Premierminister ist„ach Nikko' abgereist, um dem Kaiser Vortrag zu halten. London, 5. September. Das Reutersche Bureau erfährt aus Svki»: Das japanische Ministerium des Aeutzeren beabsichtigt nicht, wegen der Tötung mehrerer Japaner durch Soldaten der Ncgierungstruppen in Nanking sofort einen Schritt zu unternehmen, sondern will erst die ergänzenden Berichte abwarten; in jedem Falle wird der erste Schritt auf d i p l o m t i s ch c in Wege er- folgen. öiidafriha. Tie Gewaltpolitik in Johannesburg. Johannesburg, 4. September. Die Verhaftung einer An- zahl von Mitgliedern der Arbeiterpartei ist von den Bc- Hörden vorgenommen worden, um Aufreizungen zu Unruhen zu verhindern. In den letzten zwei Monaten wurden außerordentlich viel Reden an die Arbeiter gehalten, und einige dieser Reden mußten als äußerst aufreizend angesehen werden. Die Behörden enthielten sich zunächst eines Vorgehens und duldeten die Rede». Diese Polilik wird jedoch jetzt als verfehlt angesehen, und dem Vernehmen nach beabsichiigen die Behörden, die schärfsten Maßnahmen gegen Personen z» ergreifen, die durch Wort oder Tat aufreizend wirken. Amerika. Ter Konflikt mit Mexiko. Mexiko, 5. September. Weder in der amerikanischen Botschaft noch im Ministerium des Aeutzern scheint man den Optimismus Washingtons bezüglich einer baldigen Lösung der zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko herrschen- den Schwierigkeiten zu teilen. Huerta hat die Sicherheit der Amerikaner unter allen Umständen, selbst im Falle einer Intervention, garantiert. Nach einer Tepesche ans Veracruz ist Z a m a c o n a als persönlicher Vertreter Huertas mit der Vollmacht, Unterhandlungen zu eröffnen, nach Washington abgereist. Man glaubt, er werde bei dem Präsident Wilson eifrig für die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit der beiden Regierungen eintreten. In Washington behauptet man, im Besitz des mündlichen Versprechens der mexikanischen Regierung zu sein, daß Huerta nicht als Präsident kandidieren werde. Em der Partei. Mit der Tagesordnung des bevorstehenden Parteitages hat der P a r t e i a u s s ch u ß sich in feiner Sitzung vom 4. d. MtS. beschäftigt. Es wurde beschlossen, die Frage der Arbeitslosen- fürsorge noch aus die Tagesordnung zu setzen und zwar als vierten Berhandlungsgegenstand. Das Referat hat der Genosse Johannes Timm-München übernommen. Wegen der Behandlung der M a s s e n st r e i k f r a g e, die sehr eingehend besprochen worden ist, sind Parteivorstand und Parteiausschuß dahin übereingekommen, in Würdigung aller in Betracht kommenden Umstände folgendes Verfahren zu empfehlen: die Frage des Massenstreiks soll im Geschäftsbericht des Parteivorstandes don dem ersten Referenten de- handelt werden. Die Debatte über dieses Kapitel des Referats soll dann, getrennt von dem eigentlichen Geschäftsbericht, besonders ge- führt werden._ Soziales. Das Land alz Kindcrparadics. Folgende Schilderung finden wir in der„Preußischen Lehrer- zcitung":„Wie verläuft denn eigentlich ein Tag in diesem Kinder- Paradies für die Kinder in normalen Zeiten? Mann und Frau gehen gegen 514 Uhr zur Arbeit. Tann müssen die Kinder natür- lich aufstehen, damit die Mutter die Kleinen noch schnell zur Schule waschczi und fertigmachen kann. Die größeren Kinder müssen die Wohnung in Ordnung bringen und manchmal auch noch das Vieh besorgen. Nun werden Schularbeiten gemacht. Um 7 Uhr beginnt für die größeren Kinder die Schule, die gewöhnlich bis 10 Uhr dauert; die kleinen Kinder haben von 10 bis 12 Uhr Unterricht. Die kleinen Kinder müssen in der Zeit von 7 bis 10 Uhr oft GraS, Brennesseln usw. für das Vieh besorgen; kommen die größeren aus der Schule, dann haben sie Holz zu zerkleinern, Futter für das Vieh zu kochen und das Mittagessen vorzubereiten. Die Eltern kommen um 12 Uhr nach Hause und gehen mit den Kindern gegen 2 Uhr zur Arbeit, die je nach der Jahreszeit um 7, TV? oder 3 Uhr endigt; ich habe schon oft gesehen, daß siebenjährige, ja sechsjährige Kinder ländliche Arbeiten auf dem Gutsacker oder in der Forst verrichten. Tie Kinder müssen einfach verdienen helfen, da es für die Eltern schwer hält, sie in ordentlicher Weise zn ernähren, wenn die Familie stark ist. Kommen die Kinder dann des Abends nach Hause, so müssen sie oft noch einmal aufs Feld, um Futter' für das Vieh zu suchen. Dann ist es bei der Rückkehr meistens 9 Uhr geworden; daß ein Kind dann reine Schularbeiten mehr anfertigt, wer wollte es ihm verdenken? Schlimmer als in diesen normalen Zeiten ist es für die Kinder während der F e r i e n, die doch wohl zur Erholung da sein sollen. Die Zeit der Getreide- und Kartoffelernte stellt an die Kinder ganz bedeutende Anforde- rungen, so daß sie oft blaß und abgearbeitet nach den Ferien zur Schule lommcn, um sich bis zu den nächsten Ferien zu erholen! W<>nn wird endlich ein Gesetz kommen, das die zehn- bis zwölf- stündige ländliche Arbeit der Kinder, wofür sie oft nur 50 Pf. im Tagelohn bekommen, wenigstens dem Scmmelaustragen morgens oder dem Zeitungsaustragcn abends gleichstellt?... Ueber das Kinderelend auf dem Lande könnten die Landlehrer ganze Bände schreiben, und wenn die armen Kinder auch öfter den Sonnenschein haben als die Snidtkinder, so kennen sie doch den Sonnenschein der Jugend fast nid"___ Kiilderausbeutung in Oesterreich. In Salzburg tagt jetzt der österreickiische Kinderschutzkongreß. Durch eine amtliche Erhebung wurden 148 368 Schullinder als er- werbstätig festgestellt. Davon haben 45,2 Proz. das 10. Lebensjahr noch nicht erreicht,*/s der Kinder sind schon seit den» 5. oder einem noch früheren Lebensjahre erwerbstätig, 1121 Kinder schon vom 4. Jahre an oder noch früher zur Arbeit herangezogen worden, mehr als>/» der Schulkinder arbeiten über drei Siundcn im Tag; im Somnier sogar mehr cps die Hälfte aller Schulkinder. 23,7 Proz. aller arbeitenden Kinder sind sogar in den Nachtstunden beschäftigt. Bei mehr als 68 600 Kindern konstatieren die Lehrer einen nach- teiligen Eüifluß der Erwerbsarbeit auf die geistige Fähigkeit. Em Indurtm und Handel. Petschek und seine Helfer. Aus Altenburg wird uns geschrieben: Vor kurzer Zeit ging die Nachricht vurch die Presse, daß die Herren Petschek und Weinmann in Aussig in Böhmen so ziemlich die gesamten Braunkohlen-Aktien namentlich des Meuselwitzer Reviers im Herzogtum Altenburg angekauft hätten. Man sprach von Millionengewinncn, die dabei gemacht wurden und das ein- heimische Kapital heulte die dicksten Krokodilstränen, weil es nicht „dabei sein" konnte. Tatsächlich stiegen die Aktien auch um ein erkleckliches. Aber das Heulen unserer„guten Patrioten" ist nichts als ein Manöver. Die Möglichkeit, solche Aktien zu verkaufen, schufen sie nämlich selbst. Es ist noch nicht ein Jahr her, am 20. Dezember 1912, da hatte der Landtag im Herzogtum Sachsen-Altenburg auf seiner Tages- ordnung einen Punkt stehen, der lautete:„Mündlicher Bericht der Einanz- und Verfassungskommission über einen Gesamtministerial- rlaß, betr. den Verkauf von Kohlenunterirdischem". Dieses Kohlenunterirdische war Staatseigentum und nichts hätte die- Herren gehindert, da? Unterirdische in StaatSregte auszubeuten und damit zum Wohle der Gesamtheit. Allein es handelte sich für die Herren um anderes. �.. Die schlauen Altenburger haben nämlich cm Jahre 1874 eme sogenannte definitive Regelung der Rechtsverhältnisse am Domänen- vermögen herbeigeführt. Danach ist das Domänenvermögen zu zwei Dritteln dem herzoglichen Hause als Privateigentum, als Domäncnfidcikommiß, zugefallen, ein Drittel ist dem Staate der- Auf Grund dieser Bestimmung wollte man nichts anderes, als dem Herzog ein Geschenk machen. Der Gesamterlös betrug aus dem Verkauf des Kohlenunterirdischen 1 364 090 Mk. Zwer Drittel davon gehörten demnach dem Herzog, das waren 909 932 Mk. oder zu 4 Proz. verzinst jährlich 36 375 Mk. Als Hauptkäufer trat da- mals� ein gewisser Dr. Liebermann auf. Auf„seine" Kosten waren auch Bohrversuche unternommen worden, aber es war so gut wie bekannt, daß er nicht in der Lage war, über diese Summen zu verfügen. Es bestand gar kein Zweifel, daß er nur vorgeschoben war, nur die herzoglich altenburgische Regierung merkte das nicht oder wollte es nicht merken. Heute dürften die Zusammenhange klar sein._,,, Gegen diese Verschleuderung de» Staats� gutes wandten sich die Sozialdemokraten. Bor allem forderten sie einen gedruckten Kommissionsbericht und AuS- setzung der Beratung, bis dieser Bericht gedruckt vorliege. Mein die bürgerliche Mehrheit war so erpicht auf den Ver.auf, daß sie alle„Versckleppungsversuche" rundweg niederstinnnte. Höchstens einer der Bürgerlichen hatte den Mut, mit der Sozialdemokratie gegen die agrarische Mehrheit zu stimmen. Als Wortführer der Sozialdemokraten sagte der Genosse Rößler in dieser Sitzung: „Meine Freunde und ich sind der Ansicht, daß StaatSeigen- tum, das der Befriedigung eines allgemeinen Bedürfnisses dient, nicht zu spekulativen Zwecken veräußert werden darf. Die Käufer erwerben aber diese Kohlenfelder nicht, um ein vorhandenes Be- dürfnis der Staatsangehörigen nach Kohle zu befriedigen, sondern um Reichtümer zu erwerben. Also rein spekulative Gesicht». punkte sind für die Käufer ausschlaggebend. Dazu dürfen wir als Vertreter des Staates die Hand nicht bieten---- Der größte Teil dieser für das Blühen und Gedeihen des Staates und des Wohlbefindens der Staatsangehörigen so außerordentlich wich- tigen Schätze sind für ein Linsengericht unwiederbringlich dahin. Jetzt aber, ineine Herren, ist die Landschaft drauf und dran, den Rest des sehr wertvollen Gutes zu veräußern, nicht etwa um de» Staates willen, sondern wegen eines augenblicklichen Geldbedurs- nisses einer sehr bekannten Stelle.... Wäre der Staat zu dem Verkauf gezwungen, weil ein unauf- schiebbares Kulturbedürfnis sofort Geld erheischt, und jede andere Möglichkeit, solches zu erfüllbaren Bedingungen zu erlangen, aus- geschlossen, so wären wir Sozialdemokraten die letzten, die sich ablehnend stellen würden. Aber, meine Herren, lediglich um einer gewissen Stelle aus der Verlegenheit zu helfen, in die sie sieb ohne zwingende Notwendigkeit begibt oder begeben hat, aus solchen Gründen kann man von uns nicht verlangen, eine wert- volle Reserve zu veräußern, die nach eigenen Aeußerungen der Regierung für spätere Zeiten erhalten bleiben müsse, damit man in der Zeit der Not eine Ouelle habe, aus der man schöpfen könne, wenn es in der Tat notwendig ist. Die Pflicht des Ab- geordneten gebietet uns jesit, dem gestellten Verlangen gegenüber fest zu bleiben. Ganz gleich, welcher politischen Anschauung man ist, als Abgeordneter bat man die Pflicht, dem Staate Reserven zu erhalten, die ungleich wertvoller sind als rollende Bestände." Aber auch dieser Appell an die vaterländischen Gefühle schlug fehl. Die bürgerlichen Herren hatten sich in den Kopf gesetzt, der bekannten Stelle, die man aus parlamentarisckicy Rücksichten nicht nennen darf, aus der Verlegenheit zu helfen. Damit versetzte man auch der Parole: Das Vaterland über die Partei, einen kraftigen Stoß und verkaufte, wie die Dinge gegangen sind, daS Vaterland für reichlich eine Million, die das Vaterland noch nicht einmal bekommt, an das Ausland. Das gemahnt uns recht lebhaft an den Ausgang des 17. und das erste Drittel deS 18. Jahrhunderts. Als damals einige dieser Landcsväter in Verlegenheit waren, gaben sie Soldaten in fremden Sold� Heutzutage verkauft man das Kohlenunterirdiscbe. Mit ihrem Widerstand gegen diesen Verkauf hat sich aber die Sozialdemokratie, wie so oft schon, als einzige Vaterlands- freundin erwiesen, und das Byrgertum hat kein Recht, etwa über das- Auslandskapital zu Heulmeiern. Gegen den Juwelcntriist. Wegen Verletzung des AntiirustgesetzeS ist ein Prozeß anhängig gemacht worden, der die Auslösung des JuwclentrustS zum Ziele hat. Der Trust soll sick, auS zwei nationalen Fabrikantcnvercinigungcn und ferner aus Grossisten zusammensetzen, und es sollen einige hundert Gesellschaften. Firmen und einzelne Personen an dem Juwelengeschäft beteiligt sein. L'dzU Keine Nachricht von dem Flieger Friedrich. Der Flieger Alfred Friedrich, der, wie wir meldeten, glücklich Brüssel erreicht hat und von dort auch abgeflogen ist, scheint auf dem letzten Teil seiner Fahrt von einem Mißgeschick betroffen worden zu sein, das ihn verhinderte, die letzten 250 Kilometer zu- rückzulegen. Seit seinem Start in Brüssel fehlt von Friedrich und seinem Begleiter Dr. Elias jede Nachricht. Allerdings sind sie in Frankreich ftn sehr schlechtes Wetter geraten, so daß man mit einer Landung rechnete. Man muß also annehmen, daß Friedrich unter- Wegs gelandet und durch die Gendarmerie deS nächsten Ortes zu- sammcn mit Dr. Elias festgenommen worden ist. Da Friedrich bis um 10 Uhr abends keine Nachricht über seinen Aufenthalt nach Berlin gesandt hat, so kann man annehmen, daß er sich in Haft befindet und daß ihm nicht gestattet wurde, zu telegraphieren. Wieder geordnete Zustände in Serbien. Belgrad, 5. September.(W. T. B.) Die Demobilisierung wird morgen beendet sein. Am Montag wird auf allen Linien der fahrplanmäßige Eisenbahnverkehr wieder auf- genommen. Tie Negierung hat das Verbot der Futter- und G etreideausfuhr aufgehoben. Neue Unruhen in Barcelona. Barcelona, 5. September.(W. T. B.) Neue Unruhen sind ausgebrochen; die Polizeibeamten gingen wiederholt mit der blanken Waffe gegen Handelsangestellte vor. Zwei Polizeibeamte wurden verwundet und 40 Manifestanten durch Säbelhiebe verletzt. Sechs Verhaftungen sind vorgenommen worden. Zur Schreckenstat in Degerloch. Mühlhausen a. Enz, 5. September.(W. T. B.)' Wagner ist nicht lebensgefährlich verletzt. Die Wunden am Kopfe bestehen nur in starken Hautabschürfungen, die von dem Säbelhiebs des Polizeidieners herrühren. Er verlangte, au? dem Armenhaus ins Krankenhaus gebracht zu werden. Einer der Schwerver- letzten, der einen Schuß durch die Lunge erhalten hat, liegt im Sterben. Ein deutscher Ballon auf französischem Boden gelandet. Lille, 5. September.(W. T. B.) Heute morgen landete bei S e c l i n ein deutscher Ballon, der mit zwei Personen be- mannt war. �_ Die Cholera in Rußland. Petersburg, 5. September.(W. T. B.) Die Stadthauptmannschaften Odessa, Nikolajew und Rostow a. Don sind für cholerabedroht erklärt worden. Hierzu 4 Beilagen. yoi*i36hme Herren Kleidung fertig und nach Maß erhatten Sie in der modernen Mass- Schneiderei I. Kurzbers Gegründet 1898 mit ähnlich lautenden Firmen nicht zn verwechseln (ftuf Wunsch Wochenrat� /r\ * 1 H, vlx Bosenthaler Strasse 36 ' 1..Etage, {Frankfurter Allee 104 Ecke Eriedenstrasso, jRelnlckendorfer Str. 4 JVeddingplatz. Siheiugold- Sänger. 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V. 3.—: Falkenberg O.-Schl.. A. L. 3.-! 4. sächs. Kr. a konto 1500,-. 3. Köln Reg. W. 20—; Bez. Zwickau I. Qu. f. 3 Kr.(Zwickau 1077,04, Rerchenbach 660,82, Plauen 1050,89) Sa. 2788,75. 6. Bez. Niederrhein f. 14 Kr. I. Qu.(Rcmscheid-Mettmann 669,25, Elber- seid 1350,—, Solingen 837,83, Düsseldorf 1719,36, Essen 1036,84, Duisburg-Mülheim 926,45. Mörs-Rces 153,35, Kleve-Geldcrn 18,11, Kempen 49,71, M.-Gladbach 136,35, Krefeld 330.24, Hagen-Schwelm 691,80, Altena 234,06. Neug-Grevenbroich 103,74) Sa. 8307,14. 7. Reuß j. L. a konto I. Qu. 800,—; Bez. Breslau f. Binnenschiffer 72,20. 8. Bez. Württemberg f. 3 Kr. I. Qu(Cannstatt 1381,40, Balingen 233,79, Stuttgart 2435.60) Sa. 4050.79, Köln f. Binnen- schiffer 167,80. 9. Hamburg f. Binnenschiffer I. Qu. 139,90. 41. 3. sachs. Kr. a konto I. Qu. 300,—; Bez. Oldenburg f. 5 Kr. L Qu.(Oldenburg 220,35, Varel 1027,15, Delmenhorst 260,55, Leer- Emden 115.14, Aurich- Willmund 81,08) Sa. 1704,27; Bez. Schleswig-Holstein f. 6 Kr. I. Qu.(Altona- Lauenburg 2600,—. Dirhmarschen 586,18, Tondern-Huium 67,08 1 Schleswig 268,63; Apeurade-Flensburg 425,—; Fürstent. Lübeck 292,58) Sa. 4239,52. 12. e. sächs. Kr. a konto 2000,—; Bez. Nordwest f. 4 Kr. I. Qu.(Stade-Bremervörde 631,59, Verden 365,12, Bremerhaven 1112,46. Harburg 1503,88) Sa. 3613,05. Anhalt II, I. Qu. 624,87. IZ. Groh-Bei�in a konto seiner acht Kreffe 5000,—. Darunter: Märzkr.-Uebersch. Keyling u. Thomas 66,15, Argus-Mot.-Werke 17,25, Flaschcnkeller-Abt. Löwenbranerei Abt. II 15,05, Rutz d. Futz 10,—, Bienenkorb d. Fuß 10,—, A. d. Breitenfeld 3,—, v. Kaffeekochen d. 14. Abt. 1.—, Höppner, Juni 2,—. Blcisteg d. Jckert 1.—, A. B. Mister 1.—. Gutenberg 21,30, Möbelfabrik A. S. Ball 6,—, Alexander F. 2 Beiträge 12.—. Argus-Mot.-Werke 23.—, Heins Bleie! 20,—, A. B. Mister 1.—. Einfall Bzk. 495, nicht geklebte Bei- tragsmarken 2,—, Höppner 2.—. Argus-Mot.-Werke 36,30, Rutz d. Euß 10.—, Bienenkorb d. Futz 10—, Tränengerichi d. Pahr 15.—. ranzüberfchutz Bzk. 523 2,40, Patienten, Parteigenossen und Vor- wärtsleser d. Lungenheilstälte Beelitz 26,50, Gutenbcrg 19,50, Kranz- Überschuß Oberschöneweide 12.—. Tellers. Neue Welt, Zelkin, Vers. 22. 8. 179,11, Tellers. Neue Welt, Zetkin, Versamml. 29. 3. 100,07. 14. Bez. Breslau f. 10 Kr. I. Qu.(Neiße 20,54, Falkenberg 2,58, Neustadt O/S. 29,40, Ohlau-Nimptich 89,16, Brieg-Namslau 103.50. Oels-Gr.-Wartenberg 22,94, Mititsch 51,42, Guhrau-Steinau 15,50, Glogau 37,30, Liegnitz 404,20) Sa. 776,54; Bez. Magdeburg für 8 Kr. I. Qu.(Oschersleben-Halberstadt 592,20, Ascherslebcn-Kalbe 804,05, Wanzleben 545,73, Wolmirstedt 339,26, Magdeburg 1549,77, Jerichow I u. II 896,49, Stendal-Osterburg 169,10, Salzwedel- Gardelegen 111,96) Sa. 5008,56. 15. Bern P. L. 50,—. 4«. Bez. Schleswig-Holstein f. 2 Kr. I. Qu.(Kiel 3719,27, Pinne- berg-Ottensen 2475,87) Sa. 6195,14. 48. 6. sächs. Kr. Rest I. Qu. 2494,60; Bez. Oberlangenbielan f. 7 Kr. I. Qu.(Hirschberg 187,68, Glotz- Habelschwerdt 22,50, Reichcnbach- Neurods 328,—, Landeshut- Jauer 172,80, Striegau- Schweidnitz 425,46, Franken- stein- Münsterberg 8,52, Waldenburg 346,32) Sa. 1491,28. 49. Bez. Posen f. 9 Kr. I. Qu.(Adelnau- Schildberg 2.22, Krotoschin—.66. Meseritz- Bomst—.88, Samter- Obornik 6,76, Posen 15,82, Hohensalza� 3,60, Bromberg 39,60, Wirsitz- Schubin 19,20, Kolmar-Filehne 25,90) Sa. 113,64; Berlin Dr. L. A. 100,—. 20. Bez. Westpreußen f. 13 Kr. 1. Qu.(Elbing-Marien- bürg 94,54. Danzig Land 107,69, Danzig-Stadt 293,80, Neustadt- Karthaus 2,90, Berent-Stargard—.46, Sluhm-Marienwerder 8,87, Rosenberg-Löbau—,50. Graudenz-Strasburg 16,47, Thorn-Culm 10,45, Schwetz 3,23, Konitz-Tuchel 1,40, Schlochau-Flatow 8,42, Dt.- Krone 11,64) Sa. 660,42; Berlin v. techn. Pers. des Vorwärts- betriebes statt Kranz f. Bebel zur Agitation 50.—. 21. Pat. des Sanat. Müllrose Uebersch. d. Samml. Telegr. f. Bebel 1,20; lieber- schuß d. Vorwärts II. Qu. 1913 5318,07.' 2». Berlin Machetes IC—. 28. Bez. Erfurt f. 4 Kr. I. Qu.(Nordhausen 450,—, Heiligenstadt-Worbis 4,80, Mühlhauscn-Langensalza 307,15, Erfurt 799,21) Sa. 1561,16; Bez. Brandenburg f. 14 Kr. I Qu.(West- pngnitz 228,—, Oberbarnim 109,34, Ostprignitz 9,80, Prenzlau- Angermunde 70,35, Potsdam- Osthavelland 592,98, Branden- bürg- Westhavelland 823.54, Arnswalde- Friedeberg 35,84, Landsberg- Soldin 203,20, Frankfurt-Lcbus III. Qu. 1912/13 318,11, I. Qu. 1913/14 314,60, Ost- u. Wcst-Sternberg 24,40, Züllichau-Krossen 123,75, Guben-Lübbcn 337,36, Cottbus-Spremberg 492,73, Calau-Luckau 304,33) Sa. 3988.43. 29. Mitgl. d. U.-Dr. Juli/August 4,05; Märzkranzüberschuß v. d. org. Ard. d. N. A. G. Ober-Schöneweide 124,—.»9. Bez. Württemberg f. 3 Kr. I. Qu. (Backnang-Hall 82,78, Crailsheim 13,20, Aalen-Ellwangen 44,34. Ulm-Geislingen 326,76, Blaubeuren 28,02, Biberach 28,69, Ravens- bürg 39,52, Sigmaringcn 6.—) Sa. 568.31: Bez. Oberschlesien f. 9 Kr. I. Qu.(Kreutzburg-Rosenberg 6,78, Oppeln 26,52, Cosel-Gr. Strehlitz 12,96, Gleiwitz-Lublinitz 26,55, Beuthen-Tarnowitz 98,37, Kattowitz-Zabrze 84,66, Pleß-Rybnik 15,24, Ratibor 19,68, Leob- schütz 9,—) Sa. 299,76; Bez. Oberschlesien f. Binnenschiffer 36,55. Berlin, den 6. September 1913. Für den Parteibor st and: Otto Braun, Lindenstr. 3. Postscheckkonto: Nr. 7918, A. Gerisch. F. Ebert. O. Braun, Berlin, Lindenstr. 3, beim Postscheckamt Berlin. Sie wahren und die falschen freunde der flrbeiterziigend. lieber dieses Thema sollte gesprochen werden in einer für die arbeitende Jugend einberufenen Versammlung, die am 28. Februar in der Jasmunder Straße 3 stattfinden sollte. Ehe die Ver- sammlung eröffnet wurde, erschien Polizeileutnant Wolter mit einem Schutzmann. Der Leutnant erklärte dem Einberufer, das Thema lasse erkennen, daß die Versammlung eine p o! i t i s ch e sei, deshalb müßten die noch nicht 18 Jahre alten Ver- sammlungsbe-sucher den Saal verlassen. Da der größte Teil der Anwesenden aus Jugendlichen bestand und der Polizeileutnant von seiner völlig irrigen Auffassung nicht abzubringen und nicht zu überzeugen war, daß es sich um eine unpolitische Versammlung handelte, so teilte der Einbcrufer den Anwesenden mit, die Ver- sammlung werde nicht abgehalten, aber man werde gesellig bei- sammenbleiben. Das geschah denn auch. Man unterhielt sich bei Klavierspiel und Gesang, auch wurden Gedichte vorgetragen. Die Polizeibeamten blieben da und überwachten das gesellige Bei- sammensein, denn selbst die Geselligkeit der arbeitenden Jugend kam der Polizei verdächtig vor. Schließlich fand denn auch der Polizeileutnant Wolter, daß die gesellige Unterhaltung nach polizeilicher Auffassung eine politische Ver- Ja m m l u n g sei, denn, so meinte er, in den borgetragenen Ge- ichten würden die Behörden verhöhnt.— Die Polizei stellte L4 jugendliche Teilnehmer der„Versammlung" fest, die später vor das Jugendgericht Berlin-Mitte zitiert wurden, um sich wegen Uebertretung des Vereinsges�tzcs zu verantworten. Hier erlebte die polizeilich-staatsanwaltliche Auffassung einen gründlichen Rein- . fall. Sämtliche Angeklagten wurden nicht nur f r e i g c s p r o ch e n, sondern auch die Kosten ihrer Verteidigung der Staatskasse . auferlegt. Die Freisprechung, noch mehr vielleicht die vernünftige Bc- , gründung derselben, mißfiel der Staatsanwaltschaft so sehr, daß sie Berufung einlegte. Infolgedessen wurde die Angelegenheit gestern vor der siebenten Strafkammer des Land- � gerichts I nochmals verhandelt.— Hier gab der als Zeuge ver- , nonimene Polizeileutnant Wolter an, daß an dem be- . treffenden Abend eine Reihe von Jugcndversammlungcn mit dem- ' selben Thema in Berlin einberufen waren. Er, der Zeuge, hatte schon vor der Versammlung eine von der politischen Ab- t e i l u n g des Polizeipräsidiums ausgehende Anweisung er- halten, wonach die Versammlung als eine politische an- gesehen werden sollte. Als der Einberufer erklärte, die Versammlung werde nicht abgehalten, die Anwesenden sollten aber gesellig beisammen bleiben, da erwiderte der Polizcileutnant:„Das � ändert nichts an der Sache, auch das ist eine politische Versamm- lung." An dieser Auffassung— sagte Polizeileutnant Wolter als Zeuge— sei er bestärkt worden, als Gedichte vorgetragen wurden, die bestimmt waren, die Hörer gegen die Behörden und die besitzende Klasse aufzuhetzen. Als solche Gedichte wurden im Laufe der Beweisaufnahme gc- nannt:„Die Weber" von Heinrich Heine,„Trotz alledem" von Freiligraih, und„Aus Krähwinkels Schreckenstagcn". Auch ein Flugblatt, welches zu den fraglichen Versammlungen einlud und die Aufgaben der freien Jugendbewegung in kurzen Umrissen skizzierte, spielteeine Rolle als Beweismittel gegen die Angeklagten. Sie sollen schon aus dem Flugblatt haben sehen können, daß es sich um eine politische Versammlung gehandelt habe.— Als der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Roscnfcld, das bei den Akten befindliche Exemplar des Flugblattes betrachtet hatte, erklärte er: Auf diesem Exemplar steht hinter dem Worte„Ver- leger" nicht der Name des Verlegers. Das Exemplar muß also vor der Korrektur aus der Vorwärts- Druckerei, wo es hergestellt wurde, auf nicht aus- geklärte Weise in die Hände der politischen Po l i- ze i g e l a n g t s e i n. Ich bestreite, daß dieses Exemplar identisch ist mit den verbreiteten Flugblättern. Es steht ja nicht fest, ob nicht vor der endgültigen Fertigstellung des Flugblattes Aendcrungen des Inhalts vorgenommen worden sind. Allem, was die politische Polizei als Beweismittel vorlegt, stehe ich skeptisch gegenüber, um so mehr, als sie zu den Akten dieses Prozesses ein Lieder- buch eingereicht hat, welches 1891 in London gedruckt ist, das heißt zu einer Zeit, wo in London strafbare Preßerzcugnisse a u f Betreiben und mit dem Gelde der Berliner pol:- tischen Polizei gedruckt worden sind. Dies Lieder- buch ist in der Versammlung nicht benutzt worden. Nach Schluß der Beweisaufnahme hielt Staatsanwalt Gadow eine Anklagerede, die uns anmutete� als hörten wir nicht einen Justizbeamten, sondern einen in der Schule des Neichsver- bandes gegen die Sozialdemokratie gedrillten Agitator. Freilich wäre zu befürchten, daß selbst ein Rcichsvcrbändlcr, der derartig naive Ansichten in einer Versammlung äußern würde, einen so glänzenden Lacherfolg erntete, daß seiner politischen Karriere ein jähes Ende bereitet würde. Den Inhalt des zur Versammlung einladenden Flugblattes be- zeichnete der Staatsanwalt wiederholt als� Blödsinn. Und der Mann, der die Aeußerungen anderer so abfällig beurteilt, gab folgende Bemerkungen von sich: Die armen Jungens, welche hier auf der Anklagebank sitzen, t u n m i r l e i d. Es ist hier wieder so wie immer bei derartigen Anlässen: Wir haben hier die Ver- führten vor uns und dieVerführer sitzen im H int ergründe. Ich wünsche, daß sie, wenn es noch nicht geschehen ist, zur Verantwortung gezogen werden. Es wäre mir lieber, wenn ich den Verfasser des Flugblattes vor mir hätte anstatt die ver- führten jungen Leute. Wir wissen ja alle, daß in unserem schönen Vaterlande, das uns Bismarck, Wilhelm der Olrosie und andere l>c- dentcndc Manner 1870 geschenkt habe», eine Partei besteht, welche den Umsturz predigt. Sie predigt den Ilmsturz in der gewissenlosesten Weise. Was sie an die Stelle unseres schönen Vater- landcs setzen wollen, wissen wir nicht, die Sozialdemokraten wer- den es s e l b c r nicht wissen. An die Jugend machen sie sich heran, die den Blödsinn, der in dem Flugblatt verzapft wird, noch nicht kennt. Es gehört zum Programm der Sozeal- d e m o k r a t i e. daß sie die Jugend zum U m st u r z vorzubereiten sucht. Es ist ein bekannter Trick d« Sozialdemokratie, daß sie ihre Absichten durch Umgehung der Gesetze, auf geheimen Wegen zu erreichen sucht. Ocffentlich würde man ihr das auch nicht gestatten. Da wird in dem Flugblatt von dem Elend der Arbeiterklasse geredet. Die Jungens, ivelche hier sitzen, ichen keineswegs elend aus. Die Sozialdemokratie will de» Arbeitern dieArbeitverleiden. Ich glaube, daßkcin Mcnich mehr arbeitet wie ich. Die Sozialdemokraten stellen die Arbeit als etwas Furchtbares dar, was abgeschafft wer- den muß. Niemand soll mehr arbeiten. Da die Sozialdemokratie nicht offen gegen die Gesetze vorgehen kann, f- tut sie es versteckt. Da muß man die Augen offen behalten und diesem Treiben ent- gegentreten, wo man es findet. Der Zweck der Versammlung war, daß die Sozialdemokratie die jungen Leute zu gch heranziehen wollte. Die Angeklagten sind alle ganz kluge und aufgeweckte Jungens. Die haben wohl gewußt, daß die Veriammlung von sozialdemokratischer Seite veranstaltet und daß es eine polm;che Versammlung war. Die Rede des Staatsanwalts endete mit dem Antrage, jeden der Angeklagten mit einer Geldstrafe von 3 M. zu fjglCßCft,' Rechtsanwalt Rosenfeld zerpflückte zunächst die staats- anwaltlichen Anschauungen über die Bestrebungen der Soz,aldemo- kratic. Eine Partei, wie sie der Staatsanwalt schildert, eine Partei, die unser schönes Vaterland zerstören will, ist die Sozialdemokratie nicht. Sie will aus dem Gebilde, welches wir vor uns fehen, e r st ein schönes machen. Wenn der Herr Staatsanwalt in den Verhältnissen unseres Vaterlandes keine Schattenseiten sieht, so liegt das an ihm, nicht aber daran, daß keine Schattenseiten vor- banden sind. Ter Staatsanivalt sieht offenbar nicht, daß in unserem Vatcrlande Millionen im Schatten leb-en und sich nach Sonnenschein sehnen. Diesen Millionen will die Sozialdemokratie erst das schöne Vaterland schaffen, sie will ihnen die Sonne geben, in der der Staatsanwalt schon lebt. Natur- lich muß bei jedem politischen Kampf erst das, was den Fortschritt hindert, zerstört werden, ehe das schöne aufgebaut werden kann. «Was die Aufgabe betrifft, welche die Versammlung erfüllen sollte, so kann ich auf das Urteil verweisen, welches der erste Richter in dieser Sache. Amtsgerichtsrat Dr. Köh n e abgegeben hat. Es heißt in der Urteilsbegründung: Aus dem Flugblatt ist nicht zu ent- nehmen, daß zu einer politischen Versammlung eingeladen werden sollte. Eine politische Versammlung ist eine solche, in der eine Einwirkung auf Gesetzgebung, Rechtsprechung oder Verwaltung gc- plant ist, in der die bestehenden Einrichtungen der st a a t- lichcn Ordnung einer Erörterung unterzogen werden. Zu den Einrichhtngen der staatlichen Ordnung gehören aber Vereins- einrichtungen jugendlicher Personen ebensowenig, wie etwa von privqjer Seite organisierte Verbindungen zugunsten Jugendlicher. Jünglingsvereine, Jugendwehren und ähnliche Korporationen sind nicht staatliche Einrichtungen und können es auch nicht dadurch werden, daß sie vorübergehend oder dauernd von der Regierung gefördert oder selbst unterstiitzt werden. ES kann keiner Person, keiner Organisation und keiner'Partei verwehrt werden, die heran>v ach sende Generation in der Welt- an schau ung zu erziehen, die sie für die richtige hält. Jünglingsvereine, Jungdeutschland und ähnliche Organisa- tioncn verfolgen unter anderem den Zweck, die Jugend den sozial- demokratischen Einflüssen zu entziehen. Die Gerechtigkeit fordert, daß die der Sozialdemokratie Angehörigen jene als falsche Freunde der arbeitenden Jugend bezeichnen dürfen. Der Kampf der verschiedenen Vereine um die Herrschast über die Jugend ist ein Kampf um Weltanschauung und kein politischer. Er ist ohne direkte Einwirkung auf die bestehende Gesetzgebung, Ver- waltung und Rechtsprechung. Nach diesem Urteil des ersten Richters kann also keine Rede davon sein, daß die Versammlung eine politische war. Weiterführte der Verteidiger aus, daß aus objektiven nnd subjektiven Gründen die Freisprechung der Angeklagten geboten ist. Er bc- antragte, die Berufung in vollem Umfange zu verwerfen. � Nochmals ergriff der S t a a t s a n iv a l t das Wort. Daß die Sozialdeiistikratic dasselbe Recht haben solle wie andere Parteien sei gewiß. Aber keine andere Partei suche die Jugend politisch zu b c i n f l u s s e n. Das tue n u r die Sozial- demokraiie. Rechtsanivalt Rosenfeld verwies darauf, daß Konser- vative, Nationalliberale und Zentrum ebenfalls die Jugend im Sinne ihrer Partei beeinflussen, und wenn der Staatsanivalt recht hätte mit der Behauptung, daß die Sozialdemokratie fortwährend die Gesetze übertrete und noch besondere Tricks dabei anwende, dann spräche das ja gegen die Staatsanwalt- schaft selbst, denn niaii könne doch nicht annehmen, daß sie eine Gesetzcsverlctzung der Sozialdemokratie ohne Verfolgung werde hingehen lassen. Strenger Ivie irgendeine Partei hält sich die Sozialdemokratie an die gesetzlichen Bestimmungen. Das Gericht erkannte nach längerer Beratung zwar auf Per- w e r f u n g der Berufung. Es bleibt also bei der Frei- sprechung der Angeklagten, aber in etwas kam das Urteil doäi der Auffassung der Staatsanwaltschaft entgegen. Wie der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Schmitz, ausführte, ist es dem Gericht nicht zweifelhaft, daß die Versammlung, zu der das Flugblatt cinlnd, zur Erörterung politischer Angelegenheiten bestimmt war, denn es sollte die Jugend für die sozialdenrokratischen Anschauungen gewonnen werden, was nach Ansicht des Gerichts als eine spätere mittelbare Beeinflussung der Gesetzgebung anzusehen ist. Aber die beabsichtigte Versammlung wurde nicht abgehalten, sondern eine andere, die keine politischen, sondern gesellige Zwecke halte. Tic VerteidiguiigSkosten der Staatskasse aufzuerlegen, dazu hatte das Gericht— so sagte der Vorsitzende mit lakonische? Kürze, keine Veranlassung.> Ja, warum— möchten wir fragen— hatte das Gericht dazu keine Veranlassung? Glaubt es vielleicht gegen die weniger i�ii Rcchtsgründen als von politischer Stimmung getragene Anklagerede des Staatsanwalts hätten dip 15- bis 17jahrigeii Jünglinge und Mädchen, welche auf der Anklagebank saßen, auck ohne Rechts- beistand aufkommen können? Möglich, daß mancher von ihnen es gekonnt Hütte. Aber wer kann dann im daraus wissen, daß ein Staatsanwalt sich vorwiegend in naiven politischen Phantasien ergehen wird, anstatt sich auf dem klaren R e ch t s b o d c n zu bewegen, auf dcni der erste Richter stand. Da die Staatsanivaltschaft die Angeklagten ohne Grund und ohne Er- folg vor die Berufungsinstanz gebracht hat, so wäre es nicht mehr lvic recht nnd billig, daß auch die Vcrteidigmigskosten der Staats- lasse auferlegt worden loären. MLilände in Berliner IColkereien. Vor fünfviertel Jahren gab der Äandarbeitcrberhand eine Broschüre heraus, in der zwölf Melker-(Stallschwcizer)„Wohnin, gen« in Wort und Bild illustriert sind. Was da an Unzulänglichkeit, Dürftigkeit aber auch an Unsaubcrkeit der den Melkern zugewiesenen Wohnlöcher ans Tageslicht gefördert wurde, erregte berechtigtes Auf- sehen. Das ganze Elend des Kost- und LogiszwangeS, der ja heut nur»och in einigen Bcrufszweigen herrscht, wurde wieder einmal aufgedeckt. Aber angesichts der geschilderten Mißstände in den Mclkerlogis entstand auch die Frage.: Kann denn in jenen Molkereien, wo der Melker gezwungen ist, in Schmutz- löchern zu Hausen, wo ihm jede Möglichkeil fehlt, sich sauber zu halten, eine in jeder Hinsicht einwandfreie Milch produziert werden? Kann man das Produkt solcher Molkereien noch ohne Abscheu, ja ohne Gefahr für die Gesundheit genießen?— Diese Fragen wurde» denn auch in der Oeffentlichkeit ausgeworfen. Nur diejenigen, die es am nächsten anging, nämlich die Molkcreibcjitzcr, schwiegen sich aus. Erst kürzlich ist eine Aeußerung bon dieser Seite in der Presse bekannt geworden und die ging dahin: KS ist ja nicht s o schlimm, wie eS der Landarbeiterverband darstellt,, Besserung wird eintreten, im übrigen sind nicht die Molkereibesitzer,. sondern die Melker selbst schuld an Unordnung und Unsanberkeit. Um die Haltlosigkeit dieser Angaben zu zeigen, hatte der Land- arbeiterberband am Donnerstag eine öffentliche Versammlung ein- berufen, zu der nicht nur die Melker, sondern auch die Molkerei- besitzer Zutritt hatten. Hier hätten die Vertreter der Molkerei- besitzer Auge in Auge mit der Leitung des Handarbeiter- berbandcS die Angaben der Broschüre widerkegon können, wenn es ihnen möglich gewesen wäre. Aber es ist eben nicht möglich und deshalb bekam man in der Versammlung kein Wort gegen die vom Landarbeiterverband gegebenen Schilderungen der Melkerlogis zu hören, wohl aber eine Reihe von Zustimmungen und Bestätigungen des Inhalts der Broschüre. Der Referent Faaß betonte, daß die in der Broschüre geschil- derten und photographisch abgebildeten Logis nicht etwa als be- sonders schlechte Beispiele ausgesucht worden sind, wie die Molkerei- besitzer behaupten, sondern es sind uur solche Räume illustriert worden, die den Verbandsvertretern zugänglich waren. Sicher gibt es noch schlechtere Logis als die abgebildeten, zu denen man aber nicht gelangen konnte. Was in der Broschüre dargestellt ist, kann als die durchschnittliche Beschaffenheit der Berliner Mclkerlogis gelten. Den schlechten Wohnungsverhältnissen entsprechen auch die Arbeitsverhältnisse der Melker. Nach den Ermittelungen des Verbandes beträgt die tägliche Arbeitszeit durch- schnittlich ll,3 Stunden, aber es kommen in vielen FäÄen weit längere Arbeitszeiten vor. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Melker nicht sechs, sondern sieben Tage in der Woche zu arbeiten hat. denn für ihn gibt es keinen Sonn- und Feiertag. Die Molkereibesitzer behaupten, der MonatSlohn der Melker sei nicht unter 60 M. DaS trifft jedoch nicht zu. Häufig wird ein Lohn von nur 45, ja 40 M. und noch weniger gezahlt. Da die Verhält- nisse im allgemeinen so schlecht sind, wechseln die Melker sehr häufig ihre Stellungen, in der Hoffnung, eS einmal besser zu treffen. Doch die Hoffnung ist vergebens. Der häufige Stellenwechsel hat Anlaß zu der Redensart gegeben:„Ein Schweizerjahr dauert vier Wochen."— Die Molkereibesitzer berufen sich darauf, daß die Polizei die geschilderten Melkerwohnungen kontrolliert, aber nichts Wesent- liches auszusetzen gehabt habe. Danach müssen also die gerügten Mißstände in der Hauptsache noch fortbestehen. Wenn sich die Polizei nicht um die Mißstände kümmert, dann müssen «s die Milchkonsumenten tun. Sie können verlangen, daß die Milch unter einwandfreien Bedingungen gewonnen wird und dazu gehört ein den Anforderungen der Gesundheit und Sauberkeit entsprechender Wohnraum für den Melker. Diese Forde- rung wird am besten erfüllt durch gänzliche Beseitigung des Kost und LogiSzwanges. Dem Melker mutz sein voller Lohn bar gezahlt und ihm die Beschaffung von Kost und Logis selbst überlassen bleiben. Ilm dicS Ziel zu erreichen, bedarf es einer starken Organi sation und das heitzt für die Melker: Anschluß an den Deutschen Landarbeiterverband. Die Reihe der Diskussionsredner eröffnete ein Milchhändler Möller, der eine andere Art von Mißständen in Molkereien er- örterte. Seine Angaben gingen in der Hauptsache dahin, datz er einige Fälle von Milchplantschcrei anführte. Ferner wies er darauf hin, datz der Verein der Milchpächter sich darauf berief, er habe mit Schweizern nichts zu tun. sondern nur mit Kühlern. Der Redner sagte, über die Verhältnisse der Kühler wisse man nichts, weil diese nicht in Berlin tätig sind. Aber die Kutscher der Milchpächter werden wohl im allgemeinen kein besseres Logis haben wie die ge schilderten Melkerlogis. Man solle sich einmal die im Keller b* findliche Milchkutscherstube im Hause Markusstr. ö- ansehen. Von den zahlreich anwesenden Melkern nahmen eine ganze Ani zahl das Wort. Einer nach dem anderen bestätigten sie, datz die Angaben der Broschüre keineswegs übertrieben sind, sondern ein durchaus zutreffendes Bild der Wirklichkeit geben. Ein Verbands Mitglied, welches bei den photographischen Aufnahmen für die Broschüre mitgewirkt hat, betonte, daß diese Aufnahmen noch vieles von den wirklich vorhandenen Mißständen gar nicht erkennen lassen. Beim Betreten der Logis habe er sich erst eine Zigarre anstecken müssen, um den im Räume verbreiteten Gestank weniger zu empfinden. Der den Räumen sowie der Ein- richtung anhaftende Schmutz könne durch die Photographie nicht veranschaulicht werden. Das alles müsse man sich hinzudenken, um ein treffendes Bild von den grauenhaften Miß« ständen zu bekommen. Die Versammlung endete mit der Annahme einer Resolution, melche erklärt, datz der Kost- und Logiszwang eine der Hauptfach- lichsten Ursachen der schlechten Lebenslage der Melker ist, datz deshalb auf Beseitigung des Kost- und Logiszwanges zu dringen ist und der Anschluß der Melker an den Deutschen Landarbeiterverband ein Mittel zu diesem Zweck ist. Im übrigen wird die Aufmerksamkeit der Konsumenten auf die angegebenen Mißstände in der Milchpro- euktion Berlins gelenkt, damit auch von dieser Seite auf Abhilfe ge- drungen werden kann. Gerichts-Reitling. Hüter der Ordnung. DaS Schöffengericht in Esten hatte sich dieser Tage mit zwei Anklagen zu beschäftigen, die ganz unglaubliches Vorgehen von achutzleuten ans Tageslicht brachten. Der Bergmann Lorenz in ächonnebeck halte am 25. Mai-d. I. den Besuch einiger Bc- kannten und Verwandten erhalten. Es war kurz nach 11 Uhr abends, als der Gastgeber von seinen Gästen auf der Treppe vor dem Wohnhause Abschied nahm, als ganz urplötzlich der Hilfsschutzmann L u k auf der Bildfläche erschien und die Leute aufforderte, den an- geblich auf dem Bürger st eig behinderten Verkehr freizugeben. Man' hielt dem Beamten vor, datz man sich doch gar nicht auf dem Bürgersteige befinde, und Lorenz bat. man möge ihm doch soviel Zeit lassen, von seinen Gästen Abschied zu nehmen. Der Beamte verlangte trotzdem das sofortige Auseinandergehen, andernfalls er zur Fest« n ahme der Beteiligten schreiten würde. Jetzt erklärte Lorenz, daß er schon 12 Jahre Bürger in Schonnebeck sei und Steuern zahle, er habe es nicht nötig, sich von der Treppe seines Wohnhauses weg- werfen zu lassen. Darauf entgegnete der Schutzmann:„Steuern .ahlt jeder Lumpl" und als L. gegen diese Beleidigung Ein- spruch erhob, meinte der Beamte, er habe nur gesagt, daß jeder Lumpensammler Steuern bezahle. Als jetzt die Gesell- chaft auseinanderging und Lorenz aus der im Erdgeschoß liegenden Wohnung den Weggehenden nachsah, wurde er von dem Schutzmann aufgefordert, die F e n st e r zu schließen, da er andernfalls n diese schießen würde. Als gegen sämtliche Beteiligte Strafbefehle in Höhe von je C M. erlassen wurden und von der Mehrheit der damit Bedachten Widerspruch erhoben wurde, hob die iZolizeibelpörde selbst einige der Strafem auf. Lorenz erhob ge- sichtlichen Einspruch und in der Verhandlung vor dem Schöffen- gericht wurde von einer Anzahl einwandfreier und dieser- halb auch beeidigter Zeugen der vorstehend geschilderte Sachverhalt festgestellt. Der Schutzmann Luk will gegen die Leute eingeschritten sein, als er von einem achtjährigen Jungen auf das Verkehrs st örendeHerum stehen der Leute aufmerksam geworden sei. Diese Behauptung hielt das Gericht für gänzlich unglaubwürdig. Das Schöffengericht sprach nach dem Antrage des Amtsanwalts den An- geklagten unter Uebernahme seiner Auslagen für die Verteidigung auf die Staatskasse, frei.— In dem zweiten Falle war der Hilfsschutzmann Dornowski in sonderbarer Weise gegen den Bureau- gehilfen Heinrich Glöcker aufgetreten. Als Glöcker am Abend deS 28. April die Toreinfahrt zu einer Villa am HaumannShos schloß, in der der Vater des G. den Posten eines Hausmeisters versteht, wurde G. plötzlich von hinten ins Genick gefaßt und festgehalten. In der Meinung, es handele sich um einen Ileberfall, entledigte sich G. mit einem Schlage des Angreifers und will nun erst bemerkt haben, daß eS ein Schutzmann war. Dieser stellte ihn zur Rede, weil er angeblich die Straße verunreinigt habe. Weiter wurde der junge Mann aufgesordert, zur Wache zu folgen. Auf seine Hilferufe erschien nun der Vater des G. und ein Verwandter, die dann beide auf den Beamten einredeten mit dem Ersuchen, den Festgenommenen frei- zugeben. Der Beamte drohte indessen, den Verhafteten kalt zu inachen, er wolle es den Villenbesitzern schon zeige nl Schließlich riß sich G. los und lief ins Haus hinein. Die Spur einer Verunreinigung war nicht zu finden, selbst der Beamte vermochte nicht die Stelle zu bezeichnen. Der Beamte behauptete, das; G. tatsächlich die Toreinfahrt verunreinigt habe. Als er des- halb den G. zur Rede stellte, sei er bedroht worden mit den Worten:„Komm her, du verfluchter Hund, ich schlage dich tot.' Die Folge war, datz Glöcker, Vater und Sohn, sowie der Verwandte wegen Beleidigung und Gefangenenbesreiung obendrein eine Aullage erhielten. Das Gericht sprach indessen alle Angeklagten frei. Das Zeugnis des Schutzmanns, der sich, wie festgestellt, in großer Erregung befunden habe, sei mit aller Vorsicht auf- zufassen. Und was geschieht mit den Schutzleuten, die ja nach Ansicht des Herrn Kriegsgerichtsrats Dr. Schröder— und wohl nicht nur nach dessen Auffassung— in hohem Maße die staatliche Autorität der- körperu sollen?_ Ein BersicherungSschwindler. Unter dieser Spitzmarke brachten wir in Nr. 228 unseres Blattes einen Bericht über die Gerichtsverhandlung, die vor dem Land- gericht I gegen den Versicherungsagenten David Treumann geführt worden war. In diesem Bericht, der uns von einer be- kannten Gerichtskorrespondenz zugegangen war, wurde auch beiläufig bemerkt, daß Treumann„anscheinend unter Beihilfe des (Agenten) Plato mit teils fingierten, teils ganz wertlosen Bersiche- rungsanträgen arbeitete". Auf Grund des Preßgesetzes geht uns nun von Herrn Plato folgende Berichtigung mit dem Ersuchen um Aufnahme zu: Die Angaben in dem Artikel unter der Spitzmarke:„Ein Ver- sicherungsschwindler" in der Nr. 228 des„Vorwärts" vom 3. Sep- tember d. I., 1. Beilage, sind, soweit sie michj&etreffen, unrichtig. Es ist unrichtig, daß„Treumann mit einem andern Agenten Plato eine Generalagentur etabliert habe". Richtig ist vielmehr, datz ich nicht Agent, sondern bereits seit sieben Monaten fest- angestellter Oberinspektor der„Deutschland" war, als ich auf deren Veranlassung ein besonderes Zweigbureau für die Volks- Versicherung— keineswegs eine Generalgentur— erichtete. Richtig ist ferner, daß Treumann, der mir bis dahin gänzlich unbekannt war, mit seinen Unteragenten meiner neuen Geschäftsstelle von der„Deutschland", bei der er schon seit längerer Zeit beschäftigt war, überwiesen wrzrde. Es ist ferner unrichtig, daß„Treumann— anscheinend mit meiner Beihilfe— mit teils fingierten, teils ganz wertlosen Ver- sicherungsanträgen arbeitete". Richtig ist vielmehr, daß eine Bei- Hilfe meinerseits deshalb nicht in Betracht kommen konnte, weil ich lediglich die von den Treumannschen Agenten eingelieferten Anträge an die„Deutschland" weiterzugeben hatte, nachdem sie den ordnungsmäßigen Geschäftsgang passiert hatten. Die An- stellung der Agenten hatte sich die„Deutschland" vorbehalten. Ebenso wurden die Provisionen von der„Deutschland" an die Agenten gezahlt, nachdem sie die Anträge angenommen hatte. Fingierte Anträge find während meiner Amtszeit durch die Rechercheure nicht festgestellt worden. Richtig ist dagegen, daß wenigstens fünfzig Prozent der eingereichten Anträge mehr oder weniger wertlos waren. Mit einer solchen Stornozisfer rechnet aber jede Versicherungsgesellschaft im Volksversicherungsgeschäft von vornherein. Ich habe endlich die Verwaltung der Geschäftsstelle nur kurze Zeit— drei Monate— innegehabt, habe dann mein Vertrags- Verhältnis mit der„Deutschland" ganz aus freiem Antriebe gekündigt und bin sofort ausgeschieden. Treumann hat dagegen noch lange Zeit mit denselben Unteragenien bei der„Deutsch- land" weiter gearbeitet. Eine weitere Verbindung habe ich mit Treumann nicht gehabt. Ein Jahr nach diesen Vorgängen hat mir die„Deutschland" denn auf mein Ansuchen bescheinigt, daß gegen meine Verwal- tung der Geschäftsstelle wie gegen meine Führung nichts ein- zuwenden gewesen sei. Hochachtungsvoll! Plato. Trotzdem diese Berichtigung ihrem Umfange nach den Rahmen dessen bedeutend übersteigt, was Herr Plato auf Grund des Preß- gesetzes von uns zu verlangen hat, bringen wir sie doch voll- inhaltlich zum Abdruck, da wir eS verstehen, daß Herr Plato, falls er mit dem Treiben Treum'anns wirklich nichts zu tun hatte, nun recht weit voy diesem abzurücken versucht. Von allgemeinem Jnter. esse in dieser Berichtigung ist aber daZ Zugeständnis, daß jede Ver- sicherungsgesellschast von vornherein mit einer Stornoziffer von 50 Proz. im Volksversicherungsgcschäft rechne. Da dies hier von einem Fachmann offen zugegeben wird, so ist damit bewiesen, mit welcher Leichtfertigkeit und Gewissenlosigkeit von den Organen der privaten Versicherungsgesellschaften in vielen Fällen Geschäfte ab. geschlossen werden. Und die Gesellschgften selbst fahren oft gar nicht einmal schlecht dabei. Vielfach wird die Versicherung erst storniert (verfallen gelassen), wenn schon eine ganze Anzahl Beiträge gezahlt worden sind. Davon rückt die betreffende Versicherungsgesellschaft aber keinen Pfennig wieder heraus, es sei denn, daß durch die Beitragszahlung einige Jahre hindurch auf Antrag eine sogenannte prämienfreie Police erworben wird. Andernfalls gehen die einge- zahlten Beiträge ohne jede Gegenleistung dem Versicherungsnehmer modernen Arbeiterbewegung sehr empfohlene Versicherungsanstalt bedient sich keiner Schwindclagenten und bietet auch in manch an- derer Hinsicht große Vorteile gegenüber den privaten VersichcrungS- gesellschaften. Hus aller Melt. Zirnrlaffighett rufl» Icker Beamten. Ein Beamter des Kameralhofes in Minsk kaufte in diesen Tagen in einem Laden ein Weißbrot und bemerkte dabei, datz da? Papier, worin das Brot eingewickelt war, ein unterschriebenes Akten st ück des Kameralhofeö war, das an seinen Be- stimmungSort nicht abgesandt war. Der Beamte veranlatzte eine Revision des Ladens und eS wurde dabei ein grobes Paket wichtiger Dokumente konfisziert, die als Makulatur ver- kauft waren. Die Untersuchung ergab, daß ein Schreiber, der be- obachtet hatte, wie liederlich die Beamten des Kameralhofes mit Aktenstücken umgingen, systematisch verschiedene Dokumente, darunter oftmals auch die laufende Korrespondenz, als Packpapier ver- kaufte, um sich so einen„ehrlichen Nebenverdienst" zu verschaffen. Nach der ersten russischen allgemeinen Volkszählung im Jahre 1898 verschwand auf dieselbe Weise ein großer Teil der ausgefüllten Formulare: ein anderer Teil wurde von Mäusen zerfressen, und die Ergebnisse der Volkszählung konnten nur bruchwcise veröffentlicht werden. Wie die zentrale Negierung, so die örtlichen Beamten! Ein deutscher Fernflng Berlin— PariS. Auf dem Flugplatz Johannisthal ist am Freitag früh um 8 Uhr 39 Min. der deutsche Flieger Alfred Friedrich mit dem Passagier Dr. Elias zu einem Fluge nach Paris auf- gestiegen. Der Flieger, welcher eine Etrich-Taube steuerte, hatte die Absicht, noch an demselben Tage in der französischen Hauptstadt zu landen. Soweit bisher Meldungen vorliegen, hat der kühne Pilot bisher folgende Staffetten zurückgelegt: Um 7 Uhr morgens landete er bereits auf der Vahrenwalder Heide bei Hannover, stieg dort um 9 Uhr 17 wieder auf und landete dann um aVi Uhr nachmittags auf dem Flugplatz Berchem-Sainte-Agathe bei Brüssel. Von dort nuS ist er um 4 Uhr in der Richtung nach Paris weiter geflogen.__ Das schnellste Schiff. Der russische Torpedojäger„Novik", dessen De- placemeut 1499 Tonnen beträgt und der nach den Plänen der Vulkan-Werke gebaut und mit einer von den Vulkan-Werken in Hamburg und Stettin hergestellten Turbinen- und Kessel- anlage ausgerüstet ist, erzielte bei der offiziellen Meilenfahrt mit vorschriftsmäßiger Belastung eine mittlere Geschwindigkeit von 37 Knoten. Die höchste gemessene Geschwindigkeit betrug 37,3 Seemeilen pro Stunde. Während der ganzen Fahrt zeigte sich an den Schornsteinen der durchweg mit Heizöl gefeuerten Kessel nicht die geringste Rauchentwickelung. Auch im übrigen verlief die fahrt, bei der trotz der enormen Geschwindigkeit die Maschinen und estel durchaus nicht bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit be- ansprucht wurden, ohne jede Störung und zur größten Zu- friedenheit der Abnahmekommission, welche sich aus einer Anzahl hoher russischer Seeoffiziere und Marinebeamten zusammen- setzte. Hiermit hält der„Novik" den Weltrekord als schnellstes Schiff. Im Falle eines deutsch-russischen Krieges wird es den event. durch das russische Kriegsschiff hingemordeten deutschen Seesoldaten ein beruhigendes Gefühl sein, datz sie ihr Leben einbüßen mittels eines Kriegswerkzeuges Marke dlaäg irr Grörmun�. Kleine Notizen. Schweres Grubenunglück. Auf der Zeche Ludwigsgrube in Z a b r z e sind, wie der„Oberschlesische Wanderer" meldet. Kohlen- massen zusammengestürzt. Mehrere Bergleute wurden verschüttet. Bisher wurden zwei Schwerverletzte ge« borgen und eineLeicheaufgefunden. Selbstmord eines Seeoffiziers. Am Donnerstagabend 19 Uhr erschoß sich der Oberleutnant zur See, K ö r d e l, von dem im Binnenhafen liegenden Unterseeboote„Vulkan". Man schaffte ihn ins Krankenhaus, doch starb er bald nach seiner Einlieferung. Kördel ist der Sohn des früheren Lotsenkommandeurs Kördel aus Kuxhaven. New Jork unter Wasser. Infolge eines WolkenbrucheS wurde der Straßenverkehr in New Dork unterbrochen und die Untergrundbahn unter Wasser gesetzt. Da» Wasser stand einen Meter hoch. Tausende von Menschen, die ihren täglichen Beschäftigungen zu Fuße nachgehen, mußten weite Umwege machen. Absturz eineS amerikanischen Fliegers. Der amerikanische Militär- flieger Leutnant L o v e ist mit seinem Apparat in San Diego(Kali- fornien) aus 399 Meter Höhe abgestürzt. DaS Unglück ist aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine Explosion deS MotorS zurückzuführen. Dem Fahrzeug entstieg plötzlich eine schwarze Rauch- wölke und der Apparat stürzte mit rasender Schnelligkeit zu Boden. Love wurde zerschmettert unter dem Apparat hervorgezogen. Schwere Ortanschäden in Nordamerika. Die K ü st e von K a r o l i n a wurde von einem Orkan heimgesucht. Einige Ort- schaften sind zerstört und die Ernte vollständig vernichtet. Allein in dem Bezirk Beaufort beziffert sich der Schaden auf mehr als zwei Millionen Dollar. Auch auf der Insel Ocracock wütete daS Unwetter und viele von der etwa fünfhundert Per- sonen zählenden Einwohnerschaft sind umge« kommen._ Briefkasten der Redaktion. Xte Itttifttfdjt epttfliftutibt ftntet Linde» st rase 6», dorn toter rredve» — F a h e st» h l—, woqcntaglich von t;-, bis 7>4 Uhr abends, Eonuadends, da» i'Aj bis 6 Uhr abends statt. Jeder für de» Briefkaftea bestimmten istuirage ist ein Buchstade und eine Zahl als Mertjeichc» beijusügcn. Briefliche Äniwori wird nicht erteilt. Anfragen, denen reine Abonncmentsauitwng beigefügt ist, nerd-n nicht teantwartrt. Eilige Fragen trage man in der eprrchftnnde dar. P. P. 7S1. BiS Ende April haben Sie in Berlin die Kirchensteuer zu zahlen: vom 1. Mai ab in Lichtenberg. Wenden Sie sich umgehend an die Berliner Stadisynode.— M. BS. 104. Die Dienstzeit berechnet sich vom Tage der eidlichen Verpflichtung an. Wiederholen Sie die Ansrage und geben Sie noch an, seit wann Ihr Vater lest angestellt ist. Danach kann man erst die Pension berechnen.— A. P. R. 20. Zur Erstattung der Krankenhauskoften sind Sie verpflichtet, sosern Sie unter Berackstchtigung Ihrer sonstigen Verpflichtungen ohne Gejährdung Ihres standesgemäßen Unterhalt« dazu imstande find. Für Ihre Zablungspflicht kommt K ISO? in Verbindung mit z 879 B. G.-B. in Frage. Der von Ihnen erwähnte Fall ist hier nicht anwendbar.— M. V. 27. 1. Sosern Sie nicht mehr als ein Drillet erwerbSiähig sind. Versuchen Sie es doch mit einem Antrag. 2. Ll,30 M. Pro Monat. 8. u. 4. Die Unsallrente wird weiter gezahlt. 5. Die Kasse ist zur Ausstellung der Bescheinigung verpflichtet. 8. Ja.— W. H. 1883. Für die Entbindung 15 Mark, sllr jeden weiteren Besuch ctne Mark.— H. E. k. 1. u. 2. Ja.— O. H» Gotenstrafte. In 39 Jahren, der Pflichttcilsanspruch in drei Jahren. - M. St. 23. Die AuSkunst der Polizei ist zutreffend.— F. F. 23. Sle hasten als Erben sllr die Kosten.— C. P. 1888. Außer den sonst üblichen Papieren muß da? mit RcchtSkrastatlest versehene Scheidungsurteil und die AuSeinandersetzungsbelcheinigung deS LormundschaftsgerichtS bei» gebracht werden.— W, D. 30. Sie bleiben steuerpflichtig sllr die Zeit bis einschließlich Dezember 1914, salls Sie den Austritt im Laufe de« jetzigen Kalenderjahres noch erklären. Nach dem Gesetz können Ihnen Schwlerigkeilen beim Militär deswegen nicht entstehen.— K. K. 34. Die Beschlagnahme ist zillässig und zwar aus Grund de» bereits vorliegenden Urteils. Ihre geschiedene grau kann einen gerichtlichen Psändungs. und UeberwelsungSbeschluß erwirken.— kr- K. 1000. Eine Klage auf Er- höhung der Rente hätte unseres ErachlenS Aussicht auf Erfolg und zwar unter Berufung auf S 323 der Ziviwrozeßordnuug, da eine wesenlliche Aenderung derjenigen Verhältnisse, welche für die Bestimmung der Höhe der Leistung maßgebend waren, eingetreten ist.— A. L. Norden. Ihre frühere Ansrage ist offenbar falsch verstanden. Sie gehören nicht zu den aktiven Mililärpersoucn, so daß Sie auch zurzeit weder der Erlaubnis be- dürfen, noch verpflichtet sind, eine Kaution zu stellen.— Britz 31. Nein. — N.«3. A. K. Die Mutter muß beim LandcSdircktor der Provinz Brandenburg einen Antrag auf Entlassung stellen. Wird da» Gesuch ab- gelehnt kann Beschwerde beim VormundschastSgericht eingereicht werden. ü Kräftige Suppen, klpackfyafte Geaiiile, vorzügliche Saucen und delikate Salate zuzubereiten, ermöglicht auf einfache und sparsame Meise die altbewährte MAGGI* mm mit dem„Kreuzltem" Ukeater. y Sonnabend, 6. September� Ansang 7 Udr. Königs. Schauspielhaus. Maria Swart. Ansang 7-,. Uhr. Prater. Johanniszauber. Ansang 7-/- Uhr. Kgl. Opernhaus. Mignon. Teutsches. Der ledende Leichnam. Königgräder Strafte. Das vierte Gebot. Ansang 8 Ubr. Kaminerspiele. Franzlsla. Urania. Mit dem Imperator nach New Jork. Kleines. In Ewigkeit Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Berriac. Deutsches Schauspielhaus. Sieben tolle Tage. Schiller O. Am Tage des Gerichts. Schiller Charlottenburg. Die stützen der Gesellschaft. Berliner. Filmzauber. Tdalia. Pupvchen. Theater am Nollendorfplaft. Die Kino-Königin. Kasino. Der Aktientenor oder Caruso aus Teilung. Trinnon. Der abgerissene Glocken- zug. Untreu. Herrnfeld. LiebeZprobe. Schonzeit- Jäger. Deutsches Opernhaus. Eugen Onegin. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. Wintergarten. Spezialitäten. Reichohallen. Stettiner Sänger. Ansang S',', Uhr. KouiödienhauS. Geschloffen. Lustspielbaus. Majolika. Sioic. Die Schiffbrüchigen. Luisen. Weh' dem, der lügt. Residenz. Die Frau Präsidentin. Folies Caprice. Die Mißgeburt. DaZ Adoptivkind. Walhalla. Der LiebeSonkel. Ansang 8>,, Ubr. Neues Volkstheater. Die Siebzehn- jährigen. Ansang 9 Ubr. Admiralspalaft. EiSballett: Flirt in St. Moriz. Sternwarte, Invalid enstr. 57—62 Verband der Laubenkolonisten Berlins und Umgegend. Geschäftsstelle: Xenkälln, Renterstp. 34.— Tel.; 12Ä0. Sonntag, den 7,, Montag, den 8., und Dienstag, den 9. September, in Kellers Festsälen, Koppeftstraße 29: Große allgemeine Ausstellung von selbstgezogenen Gemüsen, Blumen, Früchten, Hühnern, Tauben und Kaninchen. In den yebensülen: liollfelders Konzert und Ball, 20ggd- Die Ausstellung Ist von mittags I Uhr bis Billett» Im Vorverkauf 85 Pf., ai abends 9 Uhr geöffnet. t der Ka�se 30 Pf. Kletropol-Thealer. In Vorbereitnng: Die Reise um die Erde in vierzig Tagen, Gr. Ausstattungsstück i. 22 Bildern v. Jul. Freund. Musik von lean IZHbert. In Szene geseht v. Dir. Rich. Schultz. iseker Garten Täglich: JÄilitär-floppel-Konzert. Eintrittspreise: Zoo: IM., von 6 Uhr ab 50 Pf. Aguar.: lM.v,d.Straße,0,50v.Zoo Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Ven! Vea! 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Sehiller-TheaterO.lSoaTer: Sonnabend, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. . Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Ereiwlld. Sonntag, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Volkstheater Neukölln Herma».!, strafte 80. Sonmag, 7. September: Khrih-Pbrift, Gesangsposse in drei Alten von Willen. Ansang 7'/, Ubr. Montag, 8. September: Wehe de» Besiegte», Drama drei Akte» von Rich. Voß. Ansang 8ft, Uhr. in Gedillef-Itlesler Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. Sonntag, nachmittags 3 Ubr: Der Pfarrer von Klrchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft, nentschcsMchuaspielhaas 8 Uhr: Sieben tolle Tage. kefliner Idesler. L uhr: k�ilrnzuuber. Uhr: Zum ersten Male: Has vierte(iebot. TMr a Hiirlplslz. Easernhie Gastspiel lies Berliner Metropol-mers: Die Kino-Königin! Anfang 8 Uhr. Volksgarten-Theater. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/25. Freitag, 5. September 1913: Ein glücklicher Familienvater, Lustspiel in 8 Akten o. C. A. Görncr. Dazu: Die neuen erstklassigen Spezialitäteukräste. Anfang 4 Uhr_ Lichtspiele Welnbercsweg 2 Minuten vom Rosentbaler Tor Carl Clewing vom Kgl. Schauspielhaus in Berlin in dem Drama Der Thronfolger Lebensbild eines Fürstensohnes. Anfang 6 Uhr. Frledrich-Ecke-Taubenstraße und Unter den Linden. Rsidolf Christians vom Kgl. Schauspielhaus in Berlin und .'tllzza Paria, vom Lusfspielhaus in Berlin in dem Lustspiel: Seine Karo merlnnqger. Anf. 5 Uhr. ©Moriljplalzu<-S� Hasenheide Oer Student v Prag Anfang 6 Uhr. Reinickendorfer Str. 14 RichardWagner Anfang 7 Uhr. Trianon-Theater. aben??8�br: 0�611. Vorher: Der abgerissene Glockenzug. Voigt- Theater Badstrafte 38. Sonnabend, den 6. September 1913: JubllämnSbcncfiz für den Theater- Meister E. Lenssen. Berlin, wie cö baut und kracht. Gänzlich neue Spezialitäten. Kaffencröffnung 10 Uhr. Anf. 4'/, Uhr. Sonntag,?. Sept., Schluß d. Sommer. saison: Berlin,»ie es baut und kracht Montis Operetten-Theater Schiflbauerdamm 4a.(fr Neues Th.) Gastspiel Julius Spielmann: Der lachende Ehemann. Anfang 8 Uhr. 8'/. Uhr A-Rdösiu-Uiesles Die Frau Präsidenlin. (Madame la Presidente.) Schwank in 3 Akt. v. M. Hennequin und P. Veber. Morgen n. folgende Tage: Die Frau Priltsldentln. Itosr-Theater Groffc Franksurtor Straffe 132. Eine tolle Sache. Schwank in 3 Alten von R. Schwarz. Ansang 8'/, Uhr. Sonntag 3 Uhr: Eine tolle Lache. Somit. 81/, Uhr: Die Schiffbrüchigen. Auf der Gartenbuhne: Konzert. Vorstellung. Ans. i'l, Uhr. Austreten erstkl. Varietslünstler. i�assage-�auopliinim Die Offenbarungen der Traununalerin Frau Assmann, d. Aufseh. d. wissonsoh. Kreise. AGA die schwebende Jungfrau. Buddha die geheimnisvolle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! Folies Caprice. Allabendlich 81/, Uhr: Kitter Kaldrian. Schwant von Ctlo Härting. Das Adoptivkind. Von Sconb. HaSkei. Mnsik v. Stelnke. Die Jllvgchurt. Poffe v. Härting n. Theo valton. keieliLliAllLu-stiesler lMi AlsU (Meysel, Britton, Schräder etc.) Neu engagiert: Komiker Kiisclll. Anfang 8 Ehr. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Berl. Poffenichlager: „völ Aktiön'Tgnor oder Caruso auf Teilung". ARK Honte, Sonnabend: SBondin über den Niagara! Riesonkunstfeuerwerk, ausgef. v. d Berl. Kunstfeuerworkorei früher Deichmann u. Gallwitz. f t t Wer hat meine Nummer? Preiswettsuchen! 10 Preise! Berliner Praler-Theater 7—9 Kastaiiien-Allee 7—9. NN" Täglich--rstft Johanniszauber. Lper.-Burleske in 3 Akt. v. SB. Gericke. Musil von M. Schmidt. Erftklaff. Spezialitäten. Konzert. Ans. 4>/, Uhr. Eintritt 30 Ps. Heute: Gesangverein„Lerche». Adtnlralspalast [ Elnz. Eispalast der Welt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt. AUabendlich Flirt in 81. Moritz. I Beginn d. Vorstellung'1,9 Uhr. Bis 6 Uhr und von 10°/, Uhr halbe Kassenpreise. Voreinijjte Herllner Volksbühnen. Eniscn-Thcatcr. 81/, Uhr; Weh' dem. der lügt. souut. 3 Uhr: Weft' dem. der lügt l 8ft, Uhr: Die Allsvhrdcns. W alhalla Theater. 8'/, Uhr: Der Eicbcsonkcl. Sonntag 3 Uhr: Dorf und Stadt. Täglich 8'/, Uhr: Ter Liebesonkel. ZW LnsiuENsi Ti'sveZnivkskaSn Am KönigStor. Ork.: Ernst Elchlng. Dienstag, den J6. September: Volks-Konzert Blüthner-Drchestei* ceo Künstler) Dirigent Gnido von Fuchs Elisabelh Eölim»an Enden Anfang(i'l, Uhr. Abendkasse I M. Billetts im Borverkauf 39 Pf. sind bei den.Vorwärts". Spediteure» Hanisch, Auguststr. 51, und Zucht, Jmmanuelkirch- straffe 12, zu haben. Reiderei Kaimt& Hertzer 1 SV Ab Walsenbrtteke: iernsprecher; sönigst. 2062 smr Septc diesjährige TGUpÜZ f�'?p-nowSK »ahrten nach l Idyll| Morgen. 7. September, Ws.?'/, Uhr vorm.) Hin u. zurück 2 Mark, Mittwoch. 10. Septbr,. 7l/S.,) Kinder li Mark. Fahrscheine stnd auch vorher in unserem Kontor zu haben. 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August. öLlöll I Comeniussälc, Mmneler Dir. 07, abend» 8»/, Uhr. Vortrag über: Die Volkssürsorge. I fohtonhoim« Uestaurunt Knrkowskt, Pfarrftrafte 74, LiCiUcllUSry. abend» 8'/, Uhr. Vortrag über: Die Volkssürsorge. Stralau- Rumnielsburg: Ä f* mue' SauWtr 3' fgjßeiisee! Prliuten, Lchderstr. 488. abend»«'/, Uhr. Aidendezii'kei 76' Vortrag. Slldeubezirke: Süd-Ost, Waldemarstr. 7», abend» 8',. Uhr. Vortrag. i?LU!(äll!U Eoztsül«, Hcrmannstr. 48/49, abend» Vortrag Über: Die Volkssürsorge. Slkg Ulli AlhroehtfshoT, Albrcchtstr. 4a, abend» 8'/, Uhr. Köpenick u. Frledriclishagen: hagr», Fricdrichstr. 74, abends 8'/, Uhr. lZberLCligueVellke, NiedersedSnevelde, Mauvis- 11, ai n Umn' Wilhelminviihof, Wilhelminenhofstrafte, lllÄl U. Ulllls.. abend» 8'/, Uhr. SpailllaU I Kestanrant Dertz, Kurstr. 84, abend» 8'/, Uhr. Die|)f|jrj?0iJpifnnintlniig für den 39. Keprk findet am Donnerztag, den 44. September, abd». 8'/, Uhr, in Franke» FcfitsiileH, Badstr. 49, stau. Tagesordnung in allen Versammlungen: Bericht von der Generalversammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pünktliches und zahlreiche» Erscheinen wird erwartet. Die Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, daft der„Metallarbciterzeitung" diese Woche«in ftflug» blatt betreffend die Urabstimmung über den Anttag der Generalversammlung beiliegt. 125/8 Die Ortaverwaltang. (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht) in Liquidation Unsere Genossenschaft ist durch General» Ver« sanimlnngsbeschlust vom Sv. Juni ISIS aufgelöst. Tie Gläubiger werden aufgefordert, fich zu melden. Die Liquidatoren: Max Lichtenberg. Hugo Kühler. Friedrich Hülle. Ausnahmeprelse! �u.s.w� Kohlen=Briketts- Großhandlung Eagcrpl atz n. Hauptkontor BERLIN 0. 17 Itiidersdorfer StraUe 71. Tel. Amt Königstadt 3040 u. 8096. Ah Platz: Ztr. 7S Pf. 85, SO. f.-M. la Bruch-Erlkelts. 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Messing-i übcrz.Fuss I Pf. zusammen 1 Reibekenle Ahom l~men 1 Nudelrolle Ahom jGV 1 grosses Fleischbrett 68pT�lKaffeem{ihle 1 Püreepresse gross.. 63 pf. 12 Alumininm-Kafieelöifel 6 Älnmiuium-Esslöifel 68 1 Fleischbrett 1 Fleischklopfer 1 Reibekeule pr. 2 Paar Bestecke ;cn oder CO Helten.. öo 16 Alpaka-Teelöffel 12 Alpaka-Esslöffel 2 Alpaka-Essgabeln 1 Teppichbesen 68 lleppiciibandfeger 68 Wurzel od. Madagaskar Pf, 1 Kleiderbürste 63 1 Waschständer 68 1 Tortenheber �Homgriff 68 1 Hackemesser..... 68 pr. 1 Borstenbesen...... 63 k 12 Kleiderbügel pouert 63 pr. 2 Kleiderbügel Streeker 68 Pf. 1 Springform 1 Wäsche-Trockner 63 pr. 1 Glanzbürste 1 Schmutzbürste 1 Auftragebürste 1 Ausklopfer gross 1 Ausklopfer..... 1 Wedel............. pr. 68 pe zusammen l Mk und Msd in Spitzen, Tüll, Besätze, Stickereien, zum Aassuchen.. V Pf. 1 Satz Milchtöpfe»» * Stück, reich dekoriert...."U Pf. 6 Abendbrotteller dekoriert 4KonfektschälGhen dekoriert 4 Dessertteller ' V v,/ a Goldstem-odcrCO Blumendekor«OPf 6 Obstteller dekoriert dekoriert zusammen ' Pt 1 Schaumlöffel 1 Schöpflöffel I Saucenlöffel ToscIisntDcItn 6 Buchstabentücher 68 pt mit farbigen Kanten, lür Kinder 6 Linontücher weiss 68 pf. 6 Herrentücherrarbisg.FoKnadntTa 6 BatisttticherÄreo1" bigen Kanten und Hohlsaum"OPf. 1 Schweizer-Stickereituch'seidS- weiss oder farbig, reich gestickt 1 Komfirmandentuch 68 Seide mit Spitze Pf- imm 4 Glühstrümpfe 2 Blakerselbst- zünder...... 68 pt 1 Nachtlampe 1 Küchenlampe io- _Taschenlampe 68 pt 1 Elektr. 68 rr. 1 Markttasche ca. 36 cm, mit Leder- Henkel 68 pf. 1 moderne Ueberschlagtasche mit Innenbügel_ 1 Satz Milchtöpfe l dekoriert, ö Stück] @8pt �grosso Pörtions- Kafleetassen Zwiebclmuster 6 8?f. WamM-ad.' JandiOnelo, €8pf. 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Be cwgsanstalt Paul Singer U-To.. Berlin SlT' St. 231. 30 Jihjns. 3. Aküllßt ötö„DlIWKl!ö" DtlÜUl Dlliöltlilü- s««d»d.«. Zeplmbtt M3. Resultat der Verhandlungen zwischen der Kommission und der Firma in einer am 3. September einberufenen Betriebs« Versammlung unterbreitet werden soll. Auch diese Nachricht entspricht nicht den Tatsachen. Die Firnia hat weder die Kom« Mission zu Verhandlungen geladen. noch haben Verhandlungen zwischen der Firma und den Ausgesperrten stattgefunden. Richtig ist, dag am 3. September eine Versammlung der Ausgesperrten stattgefunden hat, in der�u. a. ein Briefwechsel bekanntgegeben wurde, der zwischen den Organisationen, der Kommission und der Firma stattgefunden hat. Die Organisationen hatten sich schriftlich an die Firma gewandt, um über' die Beilegung des Konflikts zu verhandeln. Die Firma hat den Organisationen bezC. dessen Vertretern keine Antwort gegeben, sie hat in einem Schreiben an Ge�erKIcKaMicKes. IS'cucr Konfliktsftoff im Baugewerbe. Der Vorstand des Deutschen Arbeitgeberverbandes für das Baugewerbe hatte, wie in der neuesten Nummer des „Grundstein" vom 6. September gemeldet wird, zur Durch- ficht der zum Abschluß fertigen Tarifverträge ani 19. August vier seiner Mitglieder, die Herren Behrens, Popp, L ü s ch e r und Fellermeyer, entsandt. War dies schon etwas Ungewöhnliches, so sollte die Durchsicht der Verträge den Vertretern der Arbeiterorganisationen erst die Pläne des Bundes enthüllen. Es lagen 8E Verträge zur Genehmigung vor, aber keiner fand Gnade vor den Augen der Bundesvertreter. Alle wurden abgelehnt. Tie lei- dige Akkordarbeit hat es dem Vorstand des Arbeit- geberbundes angetan. Tie Ueblichkeit sei beseitigt, meint er. Es werde jetzt nur noch nach„Arbeiterkategorien" unter- schieden. Wo in einer dieser Kategorien Akkord vorge- kommen sei, da müsse er auch für die ganze Kategorie gelten. Ein recht schönes Beispiel wurde zur besseren Ver- ständlichkeit der Ansicht der Unternehmer angeführt: In Nürnberg lverden Massivdecken teilweise in Akkord ausge- führt. Diese Arbeit ist Maurerarbeit, also muß für die ganze Kategorie der Maurer die Akkordarbeit in Nürnberg zu- lässig sein. Die Vertreter der Arbeiterorganisationen ziehen aber den Begriff„Arbeiterkategorie" nicht so weit wie die Unternehmer. Die Gruppe der Maurer setzt sich aus den ver- schiedeusten Untergruppen zusammen, die bereits alle zu Spe- zialfächern ausgewachsen sind. Wenn Massivdecken in Niirn- berg— um bei diesem Beispiel zu bleiben �— in Akkord hergestellt werden, so geht das die Maurer im Rohbau noch lange nichts au. Ueber diese grundsätzliche Meinuugsverschieden- heit soll das Haupttarifanit entscheiden: deshalb und wegen andern Ursachen sind die Verträge alle zurückgewiesen wor- den. Das könnte dem Vorstand des Arbeitgeberbundes so passen, wenn er durch die Akkordarbeit in einem Spezialfach die Akkordarbeit für das ganze Maurergewerbe erlangen könnte. Das Haupttarifamt wird einen dicken Strich durch diesen Plan machen, der wohl nur ausgeklügelt ist, um zu den Differenzen im Haupttarifamt noch weitere Differenzen hinzu- zufügen._ Berlin und amgegend. Der Streik der Militärsattler in den Offizierausrüstungsbetrieben hat Formen angenommen, die bereits recht lebhaft an die Moabiter Vorkommnisse erinnern. Die Unternehmer haben die Herbeischaffung von„Arbeitswilligen" dem bekannten Streikbrecheragenten Adolf Koch, Niederschönhausen, Kaiser-Wilhelmstr. 65 wohnhaft, über- tragen. Dieser sucht zunächst im„Lokal-Anzeiger" und in der .Morgenpost" Sattler für dauernde Beschäftigung bei 7,50 M. Tagelohn. Der Aufmerksamkeit der Streikleitung gelang es, den ganzen ersten Transport�von„Arbeitswilligen" abzufangen und zu bewegen, sicb mit den Streikenden solidarisch zu erklären. Da Koch auf diesem Wege nichts erreickien konnte, stellte er einen neuen Trupp von„Arbeitswilligen" zusammen, der aber wohl weniger aus Sattlern, als aus den vielleicht schon an verschiedenen Stelleu erprobten Hintzeörüdern bestand. Diese Herrschaften waren in keiner Form zugänglich. Im Gegen- teil, als sie höflichst auf den bestehenden Streik hingewiesen würden, fielen sie mir ihren Knüppeln über die sie ansprechenden Leute her. Einer der Hintzebrüder zog ein zirka 30 Zentimeter langes Dolch- messer hervor, während der Streikbrecheragent Koch mit einem Revolver umhersuchtelte. Es berührt wirklich eigenartig, wenn man sieht, was sich diese Elemente herausnehmen dürfen. Vorteil werden ja die Unternehmer davon nicht haben, denn was diese berufs- mätzigen Streikbrecher im Betriebe leisten werden, wo es gilt, mit Nadel und Faden zu arbeiten, steht auf einem anderen Blatt. Für jeden rechtlich denkenden Sattler sind alle Betriebe der kleines feuilleton. Ein verlorenes Idyll. Pariser Stratzenbild. Wenn der Abend sich auf die Stadt senkt und der Himmel un- fichtbar wird, als schlösse er wie ein Laden zur Feierabendstunde seine Fenster, verlasse ich mein Zimmer und streife durch die Volks- quartiere des Temple und der Bastille. Eine Zeitlang verlockten mich die vornehmen Viertel hinter der Oper; aber sie sind nur elegant und langweilig. Das Leben zieht sich in ihnen schon hinter die Häuser zurück, in ihnen werde ich nicht mehr an die große Materialität des Daseins erinnert, nicht an die Arbeit und deu Unterhalt, nicht an den harten Zwang des Tages.' In den Volksquartieren sind Haus neben Haus Läden. Tie Läden sind eng, manchmal so eng, daß man sich nicht in ihnen umdrehen kann, denn sie sind nur ein Verschlag in einem Hausgang, ein abgezwungenes Winkclchen einer Straßenecke, in dem eine Frau, in ihren Schal vermummt, auf einem Schemelchc» sitzt und den Kartoffeln die Augen aussticht, uin_sie in einem riechenden Fett zu braten und dann für einen Sou in einem Zcitungssetzen an einen hungrigen Lehrbuben, einen rußigen Ar- beiter zu verkaufen. Im Fleischerladen steht der Mann und hackt die Knochen aus- einander, und sein Weib sitzt im Kontor und läßt prüfend die Geldstücke auf der Marmorplatte klingen. In den Bäckerläden stehen an allen vier Wänden ganz lange und ganz schmale Brote in Reib und Glied; in einer Garküche flammt ein mächtiges Feuer und sieben Hühner zischen an einem Spieß; in den Chareutcrien ringeln sich Bratwürste wie gefleckte Schlangen auf einem runden Weidendeckel; in einer muffigen Bude steht ein alter Jude und bietet alles feil, was Menschen gebraucht haben; in einem Bücher- verschlag verkauft ein-Bursche Kolportagehefte, die schon durch zehn Hände gegangen sind. Alle Läden gehen bis auf den Bürgersteig hinaus; der Fleisch- stücke, der Grünwaren, der getrockneten Fische, die aus Island konimen, der Käse, der Stiesel, der Tuchreste sind gigantisch viele, und es ist wie iin Schlaraffenland, nur mit dem Unterschied, daß für einen Armen nicht ein Bröselchcn abfällt. Die Menschen haften. Sie fahren in Kutschen, in Omnibussen, in Tampfioagen, auf Rädern und Karren; wenn man stehen bleibt, zittert der Boden. den die Untergrundbahnen durchrasen. Jämmerliche Mütter tragen halbtote und kranke Kinder auf den Armen; die 5>okotten schreiten geschminkt, wiegend und beutelüstern aus den Seitengassen in die Lichter des Fahrdomms; ein Stelzfuß späht lange Zeit aus, um die Straße überschreiten zu können; der Agent dirigiert mit dem weißen Stab den Verkehr, der sich verfilzt und unentwirrbar erscheint. � 0 Viele Gesichter sind gemein, gereizt und abgespannt; es ist reme �reuoe in ihnen und dns Leben ist hart. Aber einige tragen doch Zuge, die von Ernst und Menschlichkeit sprechen, und allen oteien �ueten gebührt Achtung, denn sie arbeiten. Offiziersausrüstungsbranche, ebenso auch die Firma L u d e w i g, Lindenstr. S3, gesperrt. Die Kohlenarbeitcr und Kutscher Berlins nahmen im Gewerk- schaftshause Stellung zu verschiedenen Vorkommnissen im Arbeits- Verhältnis auf einzelnen Kohlenplätzen, die nach Ansicht der be- teiligten Arbeiter als Verstöße gegen den Tarifvertrag angesehen wurden. Einen Hauptbeschwerdepunkt bildete die Beschäftigung der Kutscher an den Sonntagvormitlagen mit dem Abfahren von Koks- ladungen von den Gasanstalten. Diese Arbeit sei in letzter Zeit bei einigen der größten Kohlenfirmen fast zur Regel geworden. Während früher des Sonntags früh nur einige Fuhren von der Englischen Gasanstalt abgeholt wurden, sei die Abholung in letzterer Zeit auch auf den städtischen Gasanstalten ge- stattet worden. In der Debatte wurde die Meinung vertreten. daß das Abholen von Koksfuhren des Sonntagsvormittags seitens der großen Firmen doch wohl nur den Zweck verfolge, den von den Gasanstalten produzierten Koks vollständig mit Beschlag zu belegen, so daß für den Kleinhandel und die kleinen Leute, welche Sonntags sich selbst Koks in kleinen Posten abzuholen pflegen, kaum noch etwas übrig bleibt. Die Auffassung der Versammlungsteilnehmer ging überein- stimmend dahin, daß diese regelmäßige Arbeit des Kokssahrens am Sonntag mit den tariflichen Vereinbarungen nicht im Einklang siehe. In dem Tarifverlrage heißr es, daß die Kutscher in derZeit von 7 bis 10 Uhr vormittags ihrePferde zu besorgen haben, und ferner, daß Sonntagsarbeit nach Möglichkeit vermieden wird. Wohl könne es vorkommen, daß in Ausnahmefällen Sonntags gefahren werden müsse, aber derartige Ausnahmefälle dürfen nicht zur Regel werden. Das Abfahren von Koks müsse sich auf die Wochentage beschränken. Die Versammlung beauftragte deshalb die Verbandsleitung, die vorgebrachten Be- schwerdeu zusammenzutragen und durch die Schlichtungskommission zur Erledigung zu bringen. veutTcsies Reich. Die Aussperrung in den Brennaborwerken zu Brandenburg a. H. dürfte in absehbarer Zeit noch nicht beendet werden. Mir aller Entschiedenheit muß zunächst noch einmal den irreführenden Mit- teilungen bürgerlicher Blätter entgegengetreten werden, daß die Arbeiter wegen Nichterfüllung ihrer Forderungen streiken. Die Firma hat ausgesperrt, tveil die Arbeiter de in ihnen von der Firma diktierten Tarifvertrag die Zustimmung versagt haben. In der„Berliner Morgen- post" war zu lesen: „Die Verwaltung der Brennaborwerke in Brandenburg a. H. teilt mit, daß sich noch immer 2000 Arbeiter im A u s st a n d e befinden." Wenn das die Verwaltung der Brennaborwerke wirklich mitgeteilt hat, dann hat sie die Wahrheit auf den Kopf gestellt. Weiter ist in dem Bericht zu lesen: „In dem Versand der Gesellschaft ist eine Stockung bisher nicht eingetreten, da die Läger vor Ausbruch des Streiks(es ist unwahr, daß die Arbeiter in den Brennaborwerken streike n) sehr reichlich komplettiert waren." So die Verwaltung der Brennabor-Werke. Anders die Firma Gebr. Reichstein, Brennabor-Werke. Just in demselben Augenblick, wo die Verwaltung der Firma Gebr. Reichstem der Oeffenllichkeit solche Mitteilungen zugehen läßt, versendet die Firma Gebr. Reichstem an ihre Kundschaft folgende Entschuldigungs- schreiben: „Wegen der bei uns eingetretenen Arbeiisunterbrechnng ist es nicht möglich, die freundlichst bestellten Waren sofort zu liefern. Wir hoffen jedoch, daß die Störung bald beseitigt sein wird und bitten Sie, sich etwas zu gedulden." Nach diesem Eingeständnis der Firma Gebr. Reichstein an ihre Kundschaft scheint die Mitteilung der Verwaltung von Gebr. Neichstein an die Presse nur darauf berechnet zu sein, die Oeffentlich- keit über den wirklichen Stand der Dinge zu täuschen. Es wäre doch reckt sonderbar, daß die Verwaltung von Gebr. Reichstein nicht wissen sollte, daß die Firma an ihre Kundschaft die oben wörtlich wiedergegebenen Schreiben verschickt. Der immer außerordentlich„gut" informierte„Berliner Lokal- Anzeiger" bringt die Nachricht, daß die Firma die Verhandlungs- kommission am 2. September zu sich bestellt habe Und das die Kommissionsmitglieder erklärt, daß sie mit dem Verbände direkt nichts zu tun habe und es der Kommission frei stehe, sich an die Firma zu wenden. Die Kommission hat darauf der Firma ihre Bereitwilligkeit zu Verhandlungen mitgeteilt. Im letzten Schreiben an die Kominission vom 3. August teilt die Firma mit, sie sei bereit, die Kommission zu empfangen, falls die Arbeiter die ihnen b e k a n n t e n B e d r n g u ii g c n annehmen wollen. Die Firma wollte also nur verhandeln, wenn die Arbeiter die ihnen von der Firma diktierten Bedingungen annehmen. Ver- Handlungen, die davon abhängig gemacht werden, daß eine Partei die Bedingungen rückhaltlos anerkennt, die die andere Parier diktiert, sind keine Verhandlungen. Wenn die Firma R. glaubt, daß nach der nunmehr vierwöchigen Aussperrung die Arbeiter gefügiger geworden sind, um die von ihr diktierten Tarifbedingtingen anzunehmen, dann hat sie sich gewaltig geirrt. In geheimer Abstimmung haben von den 1800 Ausgesperrten 1725 dafür gestimmt, daß unter diesen Umständen Ver- Handlungen nicht geführt werden können, und nur 21 waren da- für, Verhandlungen auf der von der Firma vorgeschlagenen Grund- läge zu pflegen. Diese Antlvort wird die Firma gewiß nicht er- wartet haben. Der Kampf geht also weiter, und wenn der Firma daran liegt, die Störung in ihrem Betriebe zu beseitigen, so muß sie andere Vorschläge machen, um einen ehrlichen Frieden zu ermöglichen. Bis zur Beendigung des Kampfes wird ersucht, den Zuzug von Ar- beitern und Arbeiterinnen nach Brandenburg a. H. unter allen Umständen fernzuhalten. Ucberstundenarbeit auf der Werft in Wilhelmshaven. Im Dezember 1912 haben die Arbeiter der drei kaiserlichen Werften Eingaben an die Oberwerftdirektionen bezw. des Reichs- Marineamt gerichtet, in denen neben Erhöhung der Stundenlöhne auch die Regelung der Ueberstundenarbeit gewünscht wurde. Prinzipiell wünschten die Arbeiter, daß Ueberstundenarbeil möglichst vermieden werden sollte. Sollte sich die Ueberstundenarbeit absolut notwendig machen, so sollten diese entsprechend besser bezahlt werden. Die Antwort der Werstdirektion aus diese Eingaben erfolgte ain 21. Dezember 1312 und laurete: „Für eine Erhöhung der Ueberstundenzulage für die ersten beiden Ueberstunden nach Beendigung der regelmäßigen Arbeits- zeit liegt keine Veranlassung vor, dem Wunsche nach einer höheren Bewertung der dritten und der folgenden Ueberstunden ist durch Erhöhung der Zulage auf 20 Pf. pro Stunde Rechnung ge- tragen". Daß damit den Wünschen der Arbeiter«cht wenig gedient war, mußte das Reichs-Marineamt sehr bald selber einsehen, denn es erließ nach einigen Wochen folgende Verfügung: „Nachdem durch Verfügung vom 30. Januar 1913 die Ueber- stundenzulage für die dritte und die folgenden Ueberstunden von 10 auf 20 Pf. erhöht worden ist, wird m Abänderung der Ver- fügung vom 26. Januar 1906 bezüglich der Sonntagszulage folgendes bestimmt: 1. Für die ersten neun Arbeitsstunden an Sonn- und Festtagen Mrd"'neben"dem"gewöhnlichen Stundenlohn für jede volle Arbeitsstunde wie bisher eine Zulage von 10 Pf. gezahlt. 2. Für die zehnte und elsle Arbeitsstunde erhöht sich die stund- liche Zulage auf 20 Pf. 3. Bei etwaiger noch weiterer Arbeitsleistung über die elfte Stunde hinaus wird für jede Stunde eine Zulage von 30 Pf. gezahlt. Die Kaiserliche Werft wird ersucht, die diesbezüglichen Be- stimmungen der Arbeitsordnung, Teil 2 unter Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften— 134 a, d und e der Gewerbeordnung— Vor einer kleinen Druckerei bleibe ich stehen und sehe zu, wie Visitenkarten und Geschäftsempfchlungen gedruckt werden. Eine saubere, intelligente Maschine, die auch ich verstehe, hat drei Walzen, die über eine Farbfläche laufen und die Druckflächc befeuchten; diese senkt sich nach vorne und schmiegt sich mit einem sanften Druck für eine Sekunde an ein weißes Stück Papier, dann tritt sie zurück, und das Papier ist mit schwarzen Zeilen bedeckt. Ein junger Bursche steht vor der Maschine und bedient sie. Es ist in seiner Haltung etwas, das mich rührt. Es läßt sich schwer beschreiben; es ist etwas Ruhiges und Würdiges, und die Würde ist nicht streng— cs ist die richtige Haltung, die man bei der Arbeit haben mutz. Die Arbeit gibt ihm selber Brot und dem, der sie bestellt hat, Nutzen. Es ist eine Auffassung, die nicht mehr in die Weltstadt paßt; die Weltstadt hat das Persönliche aufgehoben und kennt nur noch die Bestellung, die durch viele Hände geht: sie macht unlustig. Er macht eine Wendung, und ich sehe auch sein Gesicht; es ist sanft und trotzig. Der Bursche eriiiuert au einen jungen Meister, wie sie in ver- gangenen Jahrhunderten in einer deutschen Reichsstadt lebten und bei der Arbeit vor dem Amboß, dem Leisten sich mit einem de- scheidenen Selbstgefühl der festen Grenzen ihres Lebensbezirkes bewußt waren. Gewiß sahen so die Drucker der Huntanistenzeit aus, die wohl fühlten, daß sie mit ihren geschwärzten Händen Wissen in die Welt trugen. Aber heute ist das nur ein verlorener Posten. _ Otto Flake. Zahlende Gäste der„guten Gesellschaft". Reiche Snobs, die um alles in der Welt gerne in den geheiligten Duusilreis der„Gesell- schafi" eindringen, womöglich gar bei Hofe vorgestellt werden möchten, sind feit langem ein bevorzugtes Ausbeutungsobjekt in ge- wissen Kreisen des armen Adels, in denen mit der Gesellschafts- und Hofsähigkeit ein einträgliches Geschüft betrieben toird. Wie geschäfts- mäßig das organisiert ist, geht aus einigen Mitteilungen des„Daily Citizen" hervor. Vor kurzem brachte eine Zeitschrift ein Inserat, in dem eine adelige Dame mit großem Besitztum in Irland sich erbietet, einen oder zwei zahlende Gäste aufzunehmen. Mit Gelegenheit zum Fischen und allerhand Sport usw. ist der Preis 5 Guineas<107 M.) wöchentlich. Das ist noch verhältnismäßig bescheiden. Ist doch auch keinerlei Anschluß an die„Gesellschaft" versprochen. Die Gäste müssen sich mit dem begnügen, was zufällig dabei abfällt. Ganz anders, wenn neben Wohnung und Kost auch vornehmer Umgang mitgeliefert wird. Nach den Angaben der HerauSgeberin einer Ge- sellschaftszeitschrift gibt es einen richtigen Tarif, nach dem der Mann oder die Dame mit der vollen Börse sich ihren Umgang aus- suchen können. Der obige Preis von b Guineas ist der übliche für ein Landgut ohne Gelegenheit zum Verkehr mit hohem Adel. Mit gesellschaft« lichem Anschluß stellen sich die Preise wie folgt: einschließlich Hühner- jagd wöchentlich 7 Guineas— mit Fuchshetze sbekanntlich ein sehr feudales Vergnügen) 8 Guineas.— mit besonderen Gelegenheiten zum Flirt(Poussieren) von 10 Guineas an(offenbar je nach dem Stande der zu liefernden Dame beziehungsweise des adligen Herrn) — einschließlich Einführung bei einem heiratsfähigen Aristokraten und besten Bemühungen, eine„Partie" zustande zu bringen, von 30 Guineas an,— mit Zusammentreffen mit einer ausländischen kgl. Hoheit 10 Guineas: immer wöchentlich.„Natürlich wechseln die Preise sehr, entsprechend den finanziellen Verhältnissen von Gast und Gastgeber. Tatsächlich ist es heule für einen Gast sehr schwer, zu wissen, wen er bei solchen Familieneinladungen trifft. Man kann zu Tische geführt werden von einem verkleideten Schweinemetzger- niillionärssohne oder von einem Manne von„Geburt", aber ohne Geld. Der interessanteste Zug bei dieser Art Geschäft ist die Findig- keit, mit der es verdeckt ivird. Gast und Gastgeber halten gleicher- weise darauf, daß ihr Vertrag nicht zutage kommt." Das ist der Weg, auf dem neue Aristokratie zustande kommt. Für die Arbeiter inutz es ein erhebendes Gefühl sein, wenigstens zu erfahren, daß ein Teil der ihnen abgeschundenen und abgestohlenen Milliarden dazu verwandt wird, bedürftige und, wenn nicht würdige, so doch gefällige Glieder des alten Adels ein wenig über Wasser zu halten und anderen den unscheinbar gewordenen Adelsschild mit dem Golde reicher Erbinnen neu aufzufrischen. Notizen. — Klinischer Großbetrieb für Berliner Aerzte. In den Berliner Aerztekreiscn ist das Bedürfnis für eine große klinische Anlage vorhanden. Wie die„Bauwelt" erfährt. soll in der Nähe der Döberitzer Heerstraße, unweit der Grunewald- Rennbahn, ein Gelände für diesen Zweck erworben werden. Das Institut, an dem mehrere hervorragende medizinische Autoritäten Anteil nehmen, würde eine vollständig neue Erscheinung für den klinischen Privatbetrieb der Aerzteschqst bedeuten. — Theaterchronik. Das von Paul Braun gegründete und geleitete Marione tten-Theater Münchener Künstler wird nach mehrjähriger Pause in diesem Herbst wieder nach Berlin kommen und im Kleinen Theater spielen, u. a. auch: „Das lastervolle Leben und erschröckliche Ende des weltberühmten, jedermänniglich bekannten Ertzzauberers Doctoris Johannis F a u st i." So lautet der Titel jenes ältesten deutschen Fauftspiels, das auch Goethe in jungen Jahren auf der Puppenbühne sah. — A st r o n o m i s ch e s. Der größte der acht Monde des Jupiter, die seit jeher das besondere Interesse unserer Astronomen genießen, zeigt, wie der französische Forscher I. Guillaume beobachtet hat, bei seinem Vorüberganqe vor der Scheibe des Planeten im Rohre statt seiner sonstigen kreisrunden Fläche eine höckerige Form und zugleich auch eine weiße Kappe am nördlichen Pol, ähnlich, wie wir sie am Mars beobachten können. Er muß also, was man bis- her noch nicht wußte, mit einer Atmosphäre umgeben sein, wie sie z. B. der Mond unserer Erde nicht erkennen läßt. �-Allwissende gesuchtl In einer englischen Probinz« zeitung ist, wie das„Windsor Magazine" mitteilt, vor kurzem folgende Anzeige erschienen:„Gesucht— zwei redselige Personen, wohlerfahren auf allen Gebieten menschlicher und übermenschlicher Wissenschaft, männlichen oder weiblichen Geschlechts, die imstande lind, alle Fragen eines kleinen Mädchens von drei Jahren und eines Jungen von vier Jahren zu beantworten. Die betreffende Person mutz vier Stunden am Tage Dienst tun und während dieser Zeit den Eltern Ruhe verschassen." Wer wagt das Ungeheure? dementsprechend auch hinfichtlich der WerkstattSllberftundenzulage abzuändern und sobald dies geschehen, hierüber zu berichten." Wenn nun durch diese Maßnahme des Rcichs-Marineamts den Wünschen der Arbeiter entsprechend eine bessere Bezahlung der Ueberstundenarbeit erfolgte, so wurde aber dem anderen Wunsche, die Ueberstundenarbeit einzuschränken, nicht Rechnung getragen. Denn es sind auf der Werst in Wilhelmshaven von Januar bis Ende Juli 1S13 über 800 OVO Ueberstunden und über IIb(XX) Sonn» und Festtagsstunden gearbeitet worden I Gewiß, eS arbeiten auf dieser Werst zirka 9700 Mann. Die Ueberstunden verteilen sich aber durchaus nicht gleichmäßig auf alle Arbeiter, sondern einzelne Arbestergruppen müssen außerordentlich viel in Ueberstunden leisten. Die schädigende Wirkung auf die einzelnen davon betroffenen Arbeiter ist zu wiederholten Malen von den Vertretern der Arbeiter im Reichstage nachdrücklichst hervorgehoben worden; wir können heute deshalb davon abschen, hier de? näheren darauf ein« zugehen. DaS Reichs-Marineamt ist sich der Mißstände, die daS Ueber- stundenw.esen mit sich bringt und in sich birgt, auch sehr wohl be- Wüßt, wie aus folgender Zuschrift an die Werften hervorgeht: .Die statistischen Zusammenstellungen über die Arbeitszeit, Arbeitslöhne usw. im Bereich der Marineverwaltung lassen er- kennen, daß die Zahl der Ueberstunden bei fast allen Arbeiter« gattungen ständig gestiegen ist und allmählich eine Höhe erreicht hat, die zu ernsten Bedenken Anlaß gibt. Die zahlreichen Ueberstunden liegen weder im Interesse des Arbeiters, dem auf diese Weise der Wert der neunstündigen Arbeitszeit illusorisch gemacht wird, noch in dem der Behörde, da derartig viele, sich zur Regel entwickelnde Ueberstunden unwirt- schaftlich sind. Sie sind infolge der Zulagen teurer als gewöhn- liche Arbeitsstunden und dabei wird in ihnen weniger geleistet, als während der regelmäßigen Arbeitszeit, da die Arbeiter auf die Dauer ihre tägliche Arbeitszeit so benicssen werden, daß sie über ein gewisses Maximum trotz der verlängerten Arbeitszeit nicht hinausgeht. Ueberstunden müssen eine Ausnahme bleiben! Die Kaiserlichen Werften werden ersucht, Vorschläge zu machen, auf welche Weise die Ueberstundenzahl verringert werden kann." Daß die Wersten wirklich ernstlich dem Ueberstundenunwesen durch praktische Vorschläge dem Reichs-Marineanit bis jetzt zur Hand ge- gangen wären, kann aus den oben angeführten Zahlen der auch in diesem Jahre wieder geleisteten Ueberstunden nicht hergeleitet werden!' An den organisierten Arbeitern wird es liegen, durch ihre Ver- tretung immer wieder auf diese Mißstände hinzuweisen, bis diese .unwirtschaftliche Ueberzeitarbeit" stim im Wortlaut• des ReichS- MarineamtS zu reden) auf das Mindestmaß beschränkt wird. In der AschcrSlebcner Maschinenbau-Aktiengesellschaft haben die Former wegen eines zehnprozentigcn Lohnabzuges die Arbeit ein- gestellt. In dem Bestiebe sind Preßluftstampfer eingeführt, die bei den vorhandenen BetricbSeinrichtungen keinerlei Vorteile bieten.— Zuzug ist fernzuhalten. Die Müiichene? Holzbildhauer sind in eine Tarifvewegung ein« getreten. An die Spitze ihrer Forderungen setzten sie die 48stündige Arbeitszeit. Die Prinzipale zeigten in den Verhandlungen vor dem EinigungSamte Geneigtheit der Forderung der 48stllndigen Arbeits- zeit inncrhalb einer vierjährigen Vertragsdaucr allmählich Rech- mmg zu lragen. Hierauf mischte sich der Arbeitgeber- verband für das Baugewerbe ein und durchkreuzte die Einigung. Ein neuerdings vom Gewerbegerichl gemachter Ver- mittelungsvorschlag wurde von den Gehilfen abgelehnt. Da sich die Verhältnisse zuspitzen, ist der Zuzug von Bildhauern nach München fernzuhalten. Jugenäbexvegiing. Fortschritte der proletarischen Jugendbewegung im Bezirk Halle. Am Sonntag tagte in Halle die Jahreskonferenz der Jugend- ausschüffe im Regierungsbezirk Merseburg. Die Bc- zirksleirung konnte berichten, daß die Zahl der örtlichen Jugend- auSschüsse sich in der Zeit vom 1. Juli des vorigen bis zum gleichen Datum dieses Jahres um 12, nämlich von 64 auf 66, erhöht hat. Fast alle kleinen Städte und Jndustriedörfer mit ncnneswerter Arbeiterbewegung sind auch von der Jugendbewegung erfaßt. Der Abonnenienstand der.Arbeiterjugend" hob sich im Berichtsjahr um 1210 Leser, von 2766 aus 3975. Von den örtlichen Ausschüssen wurde berichtet, daß 18 Orte eigene Jugendbbliotheken haben. In 26 Orten sind Zimmer für die Jugendlichen zur ein- oder zweimaligen wöchentlichen Be- Nutzung bereitgestellt. Der Trinkzwang ist fast ausnahmslos be- seitigt, selbst in den kleinsten Dörfern. Alkohol und Tabak« g e n u ß ist bei allen Jugendveranstaltungen untersagt. Größere künstlerische oder festliche Veranstaltungen wurden insgesamt 61 in 26 Orten mit 6271 Besuchern arrangiert. In 14 Orten spielte die Jugend auf festgemieteten Spielplätzen. Da im Bezirk die Tätigkeit für den Jugendschutz sehr zu wünschen übrig läßt, hatte die Bezirksleitung den Genossen Arbeiter« sekretär Rist au-Kiel für einen Vortrag über die Errichtung von Jugendschutz kommissio n en gewonnen. Einen weiteren sehr instruktiven Vortrag hielt der Genosse Redakteur Müller- Magdeburg über die Bildungs« und Er« ziehungsarbeit der Jugendausschüsse. in dem alle anwesenden Jugendlichen verewigt wurden, und so auf die Anklagebank. Nur einer von den sieben blieb übrig, der die polizeiliche Anklage vor einem völlig blamabeln Zusammenbruch retten konnte. Es war der Kolporteur der.Arbeiter- Jugend" und als solcher der.Vorstand eines politischen Vereins", dessen Anmel» dung bei der Polizei er freventlich unterlaffen hatte. Er wurde mit 50 Mark Geldstrafe belegt. Zum Polizcikampf gegen die Arbeiterjugend. Am Mittwoch hatten sich sieben Miffetätcr vor dem Re ckling« h a u s e r Schöffengericht zu verantworten, die alle die Jugend- Paragraphen des VereinsgesctzeS mit Füßen getreten haben sollten, wie vordem eine Anzahl Jugendsreunde in Buer. Gladbeck und Horst-Enischcr. Zuverlässig, wie die Polizei im Kreise Recklinghausen nun einmal ist, hatte sie wieder Leute auf die Anklagebank gebracht, die nur in der Phantasie der Polizei zu einer sozialdemokratischen Jugendorganisation gehörten, bezw. sich in einer solchen betätigt haben. Einer der sieben Angeklagten gehört der Jugendabteilung des— Marinevereins an. Drei andere waren gar nicht Abonnenten der.Arbeiter-Jugend". Ein jugendlicher Angeklagter war zufällig in den Saal gekommen, als der Kolporteur der.Arbeiter- Jugend mit mehreren von ihm eingeladenen Personen am Turnen war. Ein Angeklagter hatte sich während des strömenden Regens in den Saal geflüchtet, wo im März eine Jugendversanmilung stattfinden sollte, jedoch von einem Polizeiaufgebot von sieben Mann vereitelt wurde. Auf diese Weise geriet er ins polizeiliche Notizbuch. Versammlungen. Gegen die Neugründung einer JnnungSkrankenkasse. Die Photographen Berlins protestierten am Donnerstag in einer öffentlichen Versammlung gegen die Neugründung einer JnnungSkrankenkasse. Die Ortskrankenkasse der Photographen ist aufgelöst bezw. der Allgemeinen Ortskrankenkasse angegliedert. Nunmehr will die Photographen-Jnnung die Neugründung einer JnnungSkrankenkasse erstreben/ Dieses Bestreben unter- zog der Referent, Kassenangestellter Kubig, nach einer allge« meinen Darstellung der Krankenkassenverhältnisse einer eingehen- den Kritik. Der Beifall der Anwesenden bewies, daß der Redner nur zu gut ihren Empfindungen Ausdruck verliehen hatte. Mit Recht richtete Kubig an die anwesenden Unternehmer die Frage. wie sie sich die Sache eigentlich dächten, falls die Jnnungskasse die behördliche Genehmigung erhalten und sich nachher einmal deren Leistungsunfähigkeit herausstellen sollte. ES sei mehr als gewagt, ein solches Gebilde zu schaffen, und mit allen Mitteln müsse dessen Geburt verhindert werden. Es kam in der Versammlung auch noch zur Sprache, daß der Gehilfenausschutz vorher zu keiner vorberatenden Sitzung, wo diese Fra»e behandelt wurde, hinzugezogen und später geradezu vor vollendete Tatfachen gestellt worden ist. In der Diskussion erklärte ein Redner, daß. wenn es auch nicht direkt ausgesprochen worden sei, das Projekt einer JnnungS- lasse aus reinem Egoismus hervorgegangen sei. Es sei zum Aus. druck gekommen, der Photographenberuf bringe keine besonderen Gefahren mit sich und für andere Berufe brauche man keine Gelder aufzubringen. Von einem Redner wurden auch die technischen und finanziellen Schwierigkeiten erwähnt, mit der eine solche kleine Jnnungskasse zu kämpfen haben würde. Herr B o g d e i n, Rendant der aufgelösten Kasse, der in der Innung das Referat über die JnnungSkrankenkasse gehalten hatte, nahm in der Versammlung auch das Wort und verwahrte sich da- gegen, als Vater dieser Idee angesehen zu werden. Der Gedanke einer JnnungSkrankenkasse sei so alt, wie die Innung selbst. Er habe in seinem Referat nicht für und nicht gegen eine solche Grün- dung gesprochen, sondern nur eine objektive Darstellung der Ange- legenheit gegeben. Die Mitteilung, daß der Gehilfenausschuß nicht zu den vorberatenden Sitzungen geladen worden ist, habe ihn, Redner, allerdings auch verblüfft. Die Versammlung erklärte sich in einer Resolution einstimmig gegen das Projekt einer JnnungSkrankenkasse und beauftragte die Verwaltung der Photographen, gegen diese Gründung die not- wendigen Schritte bei den Behörden einzuleiten. Unserem steuen Mitglicde, dem Senior unserer Nenossenschast Herrn kTltl DoCllOW zu seinem 70. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche l LILOb Schon sung kämpstest Du für Wahr- und Recht, Ein Vorbild der Jugend, dem jreien Geschlecht, Wenn gähnend die andern auch müßig steh», Du kämpftest für sie, trotz alledem. Fällst dann Du im Kampfe, Du wackerer ssteiter, Dann tröste Dich, wie kämpfen weiter, Tcni-wcin» Genossenschaft zur Ausführung von Edelputzsassaden. Berlin KottbuS St. Petersburg. �€€€€««««»SSSSSH «> vi) . Eiid. Knuheutu. MUI FUtllS Fraifkfurter-AUee 170 Hanls ch,WtileDs«Pr«ul»n4rProm.l91 Hiekel, Fr., Gr. Hambargerat. 37 Gast. Nobert, Potsdameretr.HSa H. Petermeier, Strelitzeretr. 8. Peter-Scble�JWllR�ZMime� (~�Tierufäiiilelduni � J KeliäerT�ttorGerichmräürssT RoterLadenjSohöneh�HtoptjtiJOS Bierbrauerelon.Binrh. UfelipälUoKiiiaiiB Akt.-Brauer.Potsdam.Elg.NiedirL I Berlin SW, Tempclhofer Ufer. 15 Bnadenbarg» lL,Wilhelmidorfer«U 10 Bpez. Potsd. Stangenbier Sorruasia- Malzbier- trauere Berlin- Weißensee. feinste Qualit&tsblere._ Brauerei Frnchtatr. 97 RelssbiKr- CspaniBlbieF Brauerai E. Wlllner Pankow._ Q roter jans Hälfbier. Sehaak-An.« 154, T.m»411. €. Habels Brauerei hell— Habelbpiu— dunkel. Je 1, E., Mülierslr. 1�8 d. 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Rathaaa-Dregerle.Sklla.llmutr. 24. fiermainiMo. Neük8,ln R. PrenzeL Frinzenstp. 103 Fr. Scfaluaannas, Liebaueretr. 22. Hugo Schultz, Mülleratr. 16« a.. HTg.Qnmmiw,, Photogr.-Artikel. Drogerie Karl SeideL Patls'aM.flS__ OberscköBweide WllhelBiBeBkofftr. 46 Erich PreuB Dröges. byff. Gnmmiwar., Seifen billigst jjrwggB, n jh» uumiui""»m Werdcr-Drogcrle, brlU.kidowerst. 5a Zobel, Georg, N, Ackeratr 60 �EUen- u. Stahlw., Waff.) W. Allnar, Mulackatr. 24. BeuteLC.,Boxh.,SeueBabnh.Bt.28 Herrn. Braun, Landabg. Allee 149. Aaa— Grüner Weg 49 Wrangelßtr. 59. Emil Braun, Äidreasit. 75Iek«Brt«l- G. Brucklacher, Flsek, K., Spußti, SehiMvillintr. SA CnrI Jung, Stromstr II. FranzPfelf er, O.Frankf. Allee 189. Eugen Heum, Nklln. Walteretr.19 üungblutti. BennaaDSti. 172. H. Rockstroh,«Äh. Bflhlmaan.P.,MÜIIerBt.40b,E.Seeat. F. Schubelt, V«! jüt 1 0, E. Sekreiuntr. Sellach,Th.1Kkl In., H ermannatr. 48 E.Timm. Schielf., Waldemare tr.74 lläT Ulnimor Aiaxandrinenetr. 14 HIU nKluldl Reichsnbergerat.lOO __(Inh. Otto Janke). �FoHfräd.,■ähmaaeh. J [a&naii-iBililiaiis Lo&DiaoQ xiene 8ch5nhauser-Str 11. ('ahrrad-Dans�rischaiif Brunnenztr. 95. Grßndnng und Eigentum der radfahrenden Arbelteracfaatt. FahiTd.,SdiallpItt.Wei8«Bbir,it.47a W.Molloidiky.OberbaaaMt.i, Eep Wilhelm Behr Wnrstfabrlk, Speck- und Schinkensalzerei. BerIin-SchönebcrE,EgI«uciut.57-58 Beste und billigste Bezugsquelle f. Wiederverkäufer. Techerbnor, Btraßmannstr. 8. Max TänuaeI,ChriatbargeretT.24. Karl Unte Utzlg, Panl, Koppenatr. 28. G.Vettin w5e| Warschauer Fleisch- u. Wurst- Centrale, Warschauerstr. 83 E. Zawadskl, Danzigeratr. 69. PnuIZwarg, Landsberg. Allee 136. P.ZImmer, FliIsch-.Warstw.Wnldgtr.H L. Zimmermann, Kottb. Damm 94 c Glas u. Porzella ED G. Krüger, Weißenburgerstr. 79. �Brammoph., Spreohm.} W.Becker, Cklb(.lfrilinerilorler9l.I27 D C Haara rtikal Red. Kortmann, dckäivaldentr. 58. R.Lanb�eoköIIa.BerUn.St.lOSfHerm.- PIOILGeich.Bille-Alliaaaait.SSCSo/jRab.) H. Nixdorf, FriakfarterAH. 197, 60®R4b. { Heiia �ibTTüoüoiiporSko� Vomnifli Spandan, Schönow. St.92 KalDDiQLswui*,----* i, Glu, Fortellia.Limp. X. Blskupskt, Pflugstr. 17 K. Christ, Elbingerstraße 68. Ph. Christ, Petersburgcrstr. 4 a. Darge, O., Finowatr. 5. Thilo Dorgerloh, Lithauerstr. 55 W. Dörr, Scbivelbeinerstr. 27 August F enger, Or&naueratr. 8 Feyerherm, F., Alt-Boihagea lt. W, Friedmann, NUln.,Wartkeitr.7, Oskar Frßlilidi, Qißlisgstr. 16. WillyGeridcejPetersburgerstr.Sl Albert Golz, Frankf. Allee 121. Fr. Oerlach, Tauroggenerstr. 1 a. Gustav Glrra, Waldemaretr. 21. Rob.Qlene,Weil«am,QnJt.4ioirsti.lS OttoOrubeHÄtr. Gusinde, Rieh. 2"*tak >, Fleieoh-u.Aufechn.- I Contr., Wiekartit. 169. O. Gleich, Neukölli. Bokiatollertyl. 1 F. Gutsdimiedt, Kolonieetr. 32. E. Harzbecher Ä" A. Herold, Aokerstr. 62 ! G.Herrmann, Lichtnbg.,Oderst.4 Heinrich Hohne, Skalitzerstr. 97. Janik, C. K6'ternlc5k� Fr.J«iatk,E«Uka.Duia55,F1elsek,WirekiFleiieb-ii.Wgrit-Ztatr>li öoestr. 115. Aaklimint 17 Paul Nuss 8t8Äe PtacH frank furteratr. 14. Curt Paaaow, Bchalitadorfirilr. 5>. Wurstfabr.gLandibg.- Allee 180, Spz. Roll.- sehink.,Nuflachink.,8ekiakeazp«{k Rodewald, Prcntl.Allet29 IE, 1.5588, Franz Rose, Fraakf. Chiasie« 51 1. Ottomar Rudolph, Glrtneratr.17 Herrn. Ranchheld, Zlethenatr. 13. A. Rehmet, Uoab.fFerlebergerat� E. Rummelandt, Thaeratr. 40. Hermann Schmidt, Thaeratr. 48. Gebr. Schulz, Lithauerstr. 7. W. SegUng, Chrlstburgerstr. 43. susiauseictuer�sÄ6"" Gustav Stolz, Hnssttenatr. 44. Heinr. Schilz, Danzigeratr. 17 Max Schladt, Langestr. 67. Th. Scheunemann, HelmholtzatL Schramm, Faderit.fS, Tript.Hpl.l 1707 OttoSchlenaener, Nklln. Haiaiank 8 Aug.S*czyglel,Nkl!n,Teapllnr»l.llO Otto Schreiber E, Schauer, Huttenstr. 70. E. Seherzberg, Eciaiekeajf Uaaiut 9. Max Schubert"uJ"*'' PanlSonnsbend, Crossenerstr.SS 8t»rg»rd.?t»!»eh-2,iitr»l«.8takg»rtu«li. 19. Niedarbaralaitr. 18. Heini die. Wllh., Markgraf end. 97. Fritz Hühner, SohUemannetr. 11. 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Wagner ermordete in seiner Wohnung seine Frau und vier Kinder, fuhr dann nach Mühlhausen, dem Wohnort seiner Schwiegereltern, wo er mehrere Brände anlegte, acht Personen erschoß und elf verletzte. Von den Verletzten hat die Mehrzahl so schwere Schuß- wunden erhalten, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Ueber die unselige Tat gehen uns die folgenden ausführlichen Meldungen zu: Mühlhausen an der Enz, 5. September: Wagner ist Schullehrer in Degerloch. Bor mehr als zehn Jahren war er hier als Unter- lehrer tätig. Vor vier Wochen kam er auf kurze Zeit hierher und brachte seine beiden Kinder zu den Schwiegereltern. Heute Nacht kam er unerwartet wieder. Gegen 12 Uhr sahen die Nachbarn des Schul- Hauses, datz eine Scheune brannte. Als sie sich bei einem Manne, der im Tumult vorüberkam, nach dem Brande erkundigten, fiel statt der Antwort ein Schuß, und einer der Fragenden sank tot nieder. Der Täter, dessen Persönlichkeit man erkannt hatte, wandte sich nun nach eineni anderen Ortsteil, und zündete im Ober- dorfe eine große Doppel scheune an, von der aus noch ein Nebenhaus in Brand geriet. Als der Bürger Christian Vogel sen. nach der Ursache des Feuers sehen wollte, das Fenster öffnete und den Wagner ansprach, erhielt er einen Schuß in den Mund und fiel tot nieder. Im ganzen hat Wagner an vier Stellen Feuer gelegt, unter anderem auch im Wirtshaus zum Adler, im Hause seiner Schwiegereltern. Als er eine fünfte Brand- stiftung versuchte, wurde er g e st e l l t. In den Händen hatte er zwei große Armeerevolver, aus denen er blind- lings losschoß. Der Polizeidiener erhielt zwei Schüsse, der Nachtwächter einen. Man mußte den Mörder zunächst wieder loslassen. Wo sich Menschen zeigten, wurden sie von Wagner angeschossen. Im ganzen tötete er acht Personen, nämlich sieben Bürgersleute und ein elf- jähriges Mädchen, deren Eltern sehr schwer der- letzt wurden. Die Zahl der Verletzten beläuft sich auf elf, von denen die Hälfte lebensgefährlich verwundet wurde. Schließlich stürzten der bereits verwundete Polizeidiener und ein Eisenbahnarbeiter auf Wagner los und es gelang, ihm den Revolver zu entwinden. Man überwältigte ihn. Die inzwischen angesammelte äußerst erregte Bevölkerung mißhandelte ihn schwer Eine Hand wurde ihm abgeschlagen und auch am Kopf wurde er schwer verletzt. Schließlich brachte man ihn nach dem Armenhaus und machte sich an die Löscharbeiten. Mit Hilfe des herbeigerufenen Militärs wurde man des Feuers Herr. Mühlhausen an der Enz, 5. September. Die von dem Haupt- lehrer Wagner getöteten Bürger der Stadt sind sämtlich v e r- heiratet. Fast alle hinterlassen außer der Frau auch mehrere Kinder. Degerloch, 5. September. Die Wohnung des wahnsinnigen Lehrers Wagner wurde heute vormittag von der Staatsanwaltschaft geöffnet. Wagner hat, bevor er sich nach Mühlhausen begab, seine Frau und seine vier Kinder umgebracht. Man fand die Frau mit durchschnittener Kehle im Bett liegend vor- Die vier erstochenen Kinder lagen gleichfalls im Bett. Degerloch bei Stuttgart, 5. September. Der Lehrer Wagner, der 3ö Jahre alt ist, hatte, che er nach Mühlhausen fuhr, an der Glastür seiner Wohnung eine Tafel aufgehängt mit der Mitteilung, daß die ganze Familie einen Ausflug unternommen habe und niemand zu Hause sei. Als die llntersuchungsbchörde heute vormittag ankam, wurde die Glastür zu der Wagnerschen Wohnung erbrochen. In zwei Zimmern lagen die Leichen der 32jShrigen Frau Wagner, der zwei elf- und neunjährigen Töchter Elsa und Klara und der Heiden acht- und siebenjährigen Söhne Robert und Richard ermordet in ihren Betten. Der Täter war Alkoholiker, aber bei seinen Schulkindern durchaus beliebt, ob- gleich er sich manchmal zu recht heftigen Zornesausbrnchen hinreißen ließ. Sein Familienleben war anscheinend glücklich. Seine Hausgenossen schildern ihn als einen Sonderling, der jede Gesell- schaft gemieden habe. Stuttgart, 5. September. Wagner hat vor der Tat an den Rektor der Stuttgarter Volksschule einen Brief geschrieben, worin er über die Tat Mitteilung machte. Dieser Brief ist von der Polizei beschlagnahmt worden. Außerdem hat Wagner in einem Briefe an das„Stuttgarter Neue Tageblatt" von der Welt Abschied genommen und den Brief mit der Ueberschrift„An mein Volk" versehen. Am Schlüsse dieses Briefes machte Wagner auch noch einige kurze Angaben über seine Person und bemerkt u. a. folgendes: Ich glaube an keinen Gott: ich wünsche als Bundesgenossen den Teufel und jeden erbärmlichen Hund. Ich möchte alle, die ich mit meiner Pistole erreichen, martern, aber ich weiß, daß es nicht immer geht. Ich wünsche auch, daß ich nach der Tat gemartert werde. Ich selbst gehe seit Jahren stets mit Dolch und Messer in daS Bett. Ich selbst kann über mich nichts Schlechtes aussagen. Mühlhnuson a. Enz. Zwei der von Wagner verletzten Personen sind inzwischen gestorben, so daß die Zahl der Opfer einschließlich der Frau und der Kinder Wagners nunmehr 15 beträgt; nach einem bei ihm vorgefundenen Briefe hat er die Tat von langer Hand vorbereitet. Den Eindruck von Unzurechnungsfähigkeit macht er nicht. Partei- BtogekgenKeiten. Zur Lokalliste. Heute und am 4. Oktober findet vom„Blüthner- Orchester" ein Konzert in den Kammer sälen, Teltower Str. 1—4, stalt, wozu in einer Reihe von Zahlstellen der Volksbühnen und Verkaufsstellen des Konsumvereins, auch in sonstigen Geschäften Gutscheine zu haben find. Wir bitten dringend, diese Gutscheine zu einem der nächsten Konzerte des Blüthner-Orchesters zu benutzen, denn die Kammersäle werden für die organisierte Arbeiterschaft beharrlich ver- weigert, und find deshalb die Kammersäle streng zn meiden. Rcichsgartcn, Pichelsberge bei Spandau, ist versehentlich aus der Lokallifte fortgelassen. Das Lokal steht uns zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. Folgende Lokale stehen uns zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung: In Spandau das Lokal von Anna Schulz, Neumeisterstr. 7. J:. Äaidmaimslüfl(.f.- B,) dnD Losin„Hubertusvad", Fürst- Bismarck-Str. 11—15 sJnh. Alb. Böhm). Im 3. Kreise das Lokal„Zenlral- Festsäle, früher Feuerstein, Alte Jakobstr. 75 sJnh. Henry Gnaß). Im 4. Kreise das Lokal„Volkspark-Theater Skutari", Lands- berger Allee 70/71 sJnh. H. Deimann). _ Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Morgen Sonntag, den 7. September, findet ein Ausflug mit Familie nach Kiekemal' bei Köpenick statt. Treff- Punkt nachmittags im„Restaurant zum Heidckrug". Zu erreichen mit der Eisenbahn bis Köpenick, von dort noch 20 Minuten Wald- weg. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Erkner. Der hiesige Wahlverein veranstaltet am Sonnabend, den 6. September, abends einen Sommernachtsball in_ Bergluch, Restaurant„Zum Seeblick"(Jnh. M. Hiller). Die Genossinnen und Genossen aus Erkner und Umgegend lreffen sich um 7� Uhr möglichst zahlreich im Vereinslokal von Paul Grund, Friedrichstraße 21, zum gemeinsamen Marsch nach Bergluch. Lerlmer Ffodrncbten. Alm Gamensee. Wir fahren mit Hilfe der Stadt- und Ringbahn oder auf anderem Wege so zeitig zum Schlesischen Bahnhof, daß wir vor Vs9 Uhr dort sind und uns zum dicht daneben liegenden Wriezener Bahnsteig begeben können. Hier geht um 8.29 ein Zug ab, zu deni wir eine Sonntagskarte dritter Klasse nach Tiefensee für 1,56 M. lösen, die auch für die Rückfahrt gilt. Unser Zug verläßt bei Rummelsburg die bekannten Gegenden und schlängelt sich gen Nordosten. Die ersten Haltepunkte gelten Friedhöfen, dann folgen Station Magerviehhof, Marzahn, Ahrensfelde, Blumberg usw. und der Berliner, der zum erstenmal die Strecke befährt und diese Stationen ausrufen hört, dabei keine Spur von Wald, sondern nur„Jejend, nischt wie Jcjend" um sich sieht, meint hundert Meilen von Berlin durch die entlegensten und nahrhaftesten Gefilde Hinter- Pommerns zu reisen. Bis endlich die lieblichen Düfte der überall die Bahn begleitenden Rieselfelder ihn über die Ueppigkeit der Vegetation, der Enten, Hühner und Schweine und über die noch immer sehr große Nähe der Rieselmutter Berlin aufklären.— Das alte Städtchen Werneuchen wird erreicht, und nachdem die Bahn bisher geschickt jedem Walde aus dem Wege gegangen oder vielmehr gefahren ist, kommt sie ihm endlich doch ins Gehege. Die Haltestelle Wcrftpfuhl liegt im Walde, in einem Ausläufer des großen Strausberger Waldgebictes. In Tiefensee, der nächsten Station, steigen wir aus. Mit wenigen Schritten sind wir im Walde, der uns— nach einer gerade einstündigen Bahnfahrt— für die Rieselfelder glänzend entschädigt. Der Wanderer muß mit Karte und Kompaß versehen sein, denn es können Stunden vergehen, ehe man einem Menschen begegnet. Die Eich- Hörnchen und Eichelhäher locken immer tiefer in den Wald, aber an Wegweisern ist Mangel. Der Gamensee ist nicht zu fehlen. Genau von Norden nach Süden zieht sich sein ge- streckter Spiegel durch den hohen Wald. Schmale Wege dicht am Ufer und breitere etwas höher hinauf umziehen ihn. Es fehlt nicht an schönen Seen bei Berlin, aber der Gamensee ist einer der schönsten. Man soll Naturschönheiten jedermann gönnen und�sich daher freuen, wenn die Seen bei Berlin an den Ufern Sonntags dicht von frohen Scharen be- lagert sind. Wen's aber dazwischen doch einmal zur Wald- einsamkeit zieht— er braucht darum noch lange kein Menschenfeind zu sein—, der wandere an einem schönen Tage zum Gamensee, umwandere ihn und lagere sich vor der Heimkehr geruhsam an seinem träumerischen Gestade, unter den überhängenden Kronen, neben leise rauschendem Schilf!— An der Südseite des Sees, hoch über ihm, führt die Chaussee von Werneuchen nach Prötzel vorüber. Noch am See selbst, an seiner Südspitze, liegt eine priniitivc Sommer- Wirtschaft, in der es zwar nichts zu essen, dafür aber aller- Hand zu trinken gibt. Man kann, wenn man Zeit ausgeben will, südlich über Gamengrund, Kessel-, Fänger- und Bötzsee eine stramme Wanderung nach Strausberg machen, in welcher Absicht man aber zuvor in Berlin keine Sonntagskartc gelöst haben wird. Kehrt man mit dieser nach Ticfensee zurück, so hat man gegen 4 Uhr nachmittags, dann wieder gegen �6 Uhr Gelegenheit zur Heimfahrt durch trauliche Rieselfelder, vor denen man schaudernd die Nase und die Fenster schließt. Mesothorium und Radium für die städtischen Krankenhäuser. Der Magistrat hat bereits vor einiger Zeit, wie wir be- richteten, 20 009 M. für mietweise Beschaffung von Meso- thorium zur Verfügung gestellt. Nachdem sich inzwischen die Gelegenheit zur Beschaffung einer genügenden Menge von Radium für die städtischen Krankenhäuser geboten hat, sind in der heutigen Magistratssitznng weitere 222 000 M. für Ankauf von Radium bewilligt worden. Die Zustimmung der Stadt- vcrordnetenversammlung wird unverzüglich eingeholt werden. Zu dem Plane, ein Komitee zur Beschaffung von Radium für Groß-Berlin zu bilden, hat der Magistrat sich die Stellung- nähme bis zur weiteren Klärung der Angelegenheit noch vor- behalten.__ Garderobenräume in den Schulgebäuden. Uns wird geschrieben: Die Haftung der Gemeinde für Dieb- stähle in den Schulen wurde vor einiger Zeit vom Landgericht III verneint. In dem betreffenden Prozesse handelte es sich um Dieb- stähle ve-» Kleidungsstücken in einer höheren Schule. Eine derartige Entscheidung bringt uns zum Bewußtsein, daß die Schuwauten in der Stadt Berlin— die städtischen und die könglichen—, tvenn wir die Einrichtung des Ablegeus der Kleidungsstücke in Betracht ziehen, kaum die Bezeichnung„zeitgemäß" verdienen. Wenden wir unser Augenmerk nach Amerika; dort werden wir eines Bessern belehrt. Bereits vor mehr denn fünfzig Jahren waren in den öffentlichen Schulen der Stadt Boston— die damals zirka 150 000 Einwohner zählte— besondere Räume zum Ablegen der Kleidungsstücke vorhanden. Ich möchte auf die Jahresberichte der School-Committee �Städtische Schulkommission) hinweisen, die die Pläne der in dem betreffenden Jahr« errichteten Schulbauten enthalten. In den Be- richten der Jahre 1867 und 1863, die ich mir aufbewahrt, sind in den Plänen für j e d e K l a s s e ein olotüss olosot sGarderoben- räum) vorgesehen, mit unmittelbarem Zugang zur Klasse, wodurch ein Diebstahl fast ausgeschlossen ist. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß auch die anderen großen und auch kleineren Städte der Bereinigten Staaten gleich vernünftig eingerichtete Schul- gebäude errichteten. Sind wir auch zu stolz, um auf dem Gebiete der Pädagogik oder auch auf dem der Verwaltung und der O r g a n i s a t i o n Belehrung aus Amerika zu holen— die Boston er Schulbauten könnten uns nach so mancher Richtung hin als nach- ahmungswerte Muster dienen. Darüber dürfte nur eine Meinung herrschen: daß das Aufhängen der Kleidungsstücke in den Korridoren keinen schönen Anblick gewährt und das Aufhängen in den Klassen- räumen weder schön noch hygienisch ist. Ankauf der Herrschaft Lanke. Der Akagistrat hat den Stadtverordneten eine ausführlich begründete Vorlage über den Ankauf der Herrschaft Lanke durch die Stadt Berlin zugehen lassen. In seiner Begründung legt der Magistrat die Notwendigkeit dar, daß die Gemeinde sich großen Besitz sichert. Das sei Aufgabe einer voraus- schauenden Gemeindepolitik. Eine Gemeinde wie Berlin be- dürfe zu Nieselzwecken und zur Wasserversorgung Gelände. Die schöne Lage und der prachtvolle Wald, schöne Seen könnten Erholungsmöglichkeit für die Bürger schaffen, gute Verkehrsverbindungen nach dieser Gegend sind im Gange. An verschiedenen Stellen soll der Klcinwohnungsbau unter Erb- baupachtrecht gefördert werden. Der Preis beträgt etwas über 19l/z Millionen und soll in zehn Jahren bezahlt sein. Tragödie einer Hausbesitzerfamilie. Eine erschütternde Tragödie spielte sich in der Nacht zum Frei- tag im Südosten der Stadt ab. Gestern vormittag erhielt ein Sarg- magazin am Kottbuser Ufer von dem Hauseigentümer Wilhelm Braun aus der Liegnitzer Straße 27 einen Brief, in dem dieser für sich, seine Frau und seine Tochter einen Sarg bestellte und zugleich den Wunsch äußerte, daß sie alle drei verbrannt werden möchten. Die Geschäftsinhaberin ging mit dieser schrecklichen Nachricht nach dem 87. Polizeirevier in der Liegnitzer Straße 81 und erstattete dort Meldung. Sofort begaben sich mehrere Beamte nach der im ersten Stock des Vorderhauses belegenen Wohnung des Haus« Wirtes und öffneten, da sie die Tür verschlossen fanden und auf ihr Klingeln und Klopfen niemand antwortete, diese gewaltsam. So- gleich strömte ihnen ein starker Gasgeruch entgegen und als sie in die Stube traten, fanden sie Vater, Mutter und Tochter besinnungS- los daliegen. Der Mann lag auf einen Stuhl gelehnt, die Frau auf dem Chaiselongue und neben ihr auf dem Fußboden deren 20 Jahre alte Tochter. Nach dieser furchtbaren Entdeckung riefen die Beamten sofort die Samariter der Feuerwehr aus der Reichen- berger Straße sowie einige Aerzte herbei, die gemeinsam Wieder- belebungsversuche anstellten. Nach unausgesetzten Bemühungen war es mit Hilfe eines Sauerstoffapparates nach Verlauf von ungefähr einer Stunde gelungen, den Mann wieder um 11 Uhr ins Leben zurückgerufen. Er wurde sofort mit einem Krankenwagen nach dem Urbankrankenhause gebracht. Bald darauf atmeten auch Frau Braun und Tochter wieder. Sie wurden daraufhin ebenfalls nach dem Urbankrankenhause ge- bracht. Das Befinden aller drei Personen ist jedoch so schlecht, daß es noch sehr fraglich sein wird, ob eS möglich ist, sie am Leben zu erhalten. Braun war früher Kassenbote, hatte aber seit einem halben Jahre keine Beschäftigung mehr. Eigentümer de? HauseS, das von 17 Parteien bewohnt wird war er seit sieben Jahren. Eine in der Greifswalder Straße wohnende Schwester des Mannes ver« fiel, als ihr die Tragödie telephonisch mitgeteilt wurde, nach Erhalt der schrecklichen Mitteilung in Schreikrämpfe. In der Wohnung vorgefunden wurde ein Brief, der die Mit- teilung enthielt, daß sie alle drei in vollen? EinnerständniS aus dem Leben scheiben würden. Einen Grund hierfür haben fie darin je- doch nicht angegeben, wohl aber eine letztwillige Verfügung hinter- lassen und die gleiche Bitte, wie in dem Schreiben an daS Sarg- magazin ausgesprochen, daß sie alle gemeinsam verbrannt werden möchten. Der Grund zu der Verzweiflungstat der Famisie ist in pekuniären Schwierigkeiten zu suchen. Das Haus ist so hoch mit Hypotheken belastet, daß dem Eigentümer kein Ueberschuß verblieb. Außerdem hatte die Tochter, die Buchhalterin und Stenotypistin war, seit November v. I. keine Beschäftigung mehr. Der Mann ist 62 Jahre alt, seine Frau, eine geborene Luise Meinecke, 53 und die Tochter Klara 26 Jahre._ Die Eifersuchtstragödie im Augustavad. Verhaftung des Täters. Auch die neue schwere Bluttat in der Köpenicker Straße, über die wir gestern berichteten, hat bereits ihre Erledigung gefunden. Noch im Laufe der Nacht gelang es der Kriminalpolizei, den flüch- tigen Bademeister Auer, der die Badeanstaltsbesitzerin Reinsch erschoß, dingfest zu machen. Auer hatte zu verschiedenen Leuten bald nach der Tragödie geäußert, daß er sich selbst der Polizei stellen werde und nur noch vorher seine Frau sprechen möchte. Eine Patrouille observierte die Frau und auch die Wohnung des Täters. Gegen 3 Uhr, als die Frau ihre Wohnung aufsuchen wollte, trat ihr Mann von der anderen Straßenseite auf fie zu, um niit ihr zu sprechen. Ehe er aber dazu kam, hatten ihn die Beamten gefaßt und festgenommen. Man befürchtete, daß Auer nicht nur Rücksprache mit seiner Frau nehmen, sondern auch sie und sich erschießen wolle. Auf dem Polizeipräsidium, wo- hin er sogleich gebracht wurde, äußerte er sich hierüber nicht ganz klar. Die Tat will er ohne Ueberlegung infolge seiner großen Auf- regung und Eifersucht begangen haben. Nach seiner Schilderung, die viel Wahrscheinlichkeit für sich hat und ganz glaubwürdig klingt, hat er mit der Besitzersfrau schon längere Zeit in mehr als freundschaftlichem Verkehr gestanden. Er habe mit ihr zusammen sehr hoch gewettet und der Frau i-in ganze? Geld gegeben, weil diese selbst»nit finanziell- Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt habe. Sogar den Verdienst seiner Frau, die gleichfalls in dem Bade beschäftigt war, hat er der Be- sitzerin geopfert, natürlich ohne daß diese ahnte, daß ihr Mann mit der Arbeitgeberin mehr als geschäftlich verkehrte. Schon in den letzten Tagen habe er nun wahrgenommen, daß die junge Witwe ihre Gunst einem anderen geschenkt habe. Weil er nun sehr verliebt in sie gewesen sei, aber auch sein Geld nicht verlieren wollte, sei er sehr aufgeregt geworden. Als es nun wieder zu Differenzen wegen der Wettgelder gekommen sei und die Frau ihn einfach habe stehen lassen, sei er maßlos erregt geworden und habe, ohne zu wissen, was er eigentlich mache, auf die Witwe geschoffen. Den Revolver hat er fich auch nicht eigens zu dem Zwecke gekaust, sondern war schon längere Zeit im Besitz der Waffe und trug sie fast ständig bei sich. Er hatte sie früher einmal billig in einem Lokal kaufen können und sich deshalb zugelegt. Aner wird wegen Totschlags dem Untersuchungs- lichter vorgeführt werden._ Ein aufregender Vorgang spielte sich vorgestern abend gegen 8 Uhr auf dem Hofe des Hauses Woldenberger Str. 3 ab. Haus> bewohner vernahmen um diese Zeit plötzlich ein Schreien, das vom Kammerfenster des dritten Stockwerkes herausdrang. Beim Nach forschen gewahrten sie, wie das bei dem Lehrer Nah! bedienstete Mädchen an der Außenseite des Fensters hing und sich krampfhaft an den dort angebrachten Telephondrählen festhielt. Zwei Mieter des Hauses begaben sich nach der Wohnung des Lehrers, nach mehr maligem starken Klopfen öffnete der Wohnungsinhaber. Ohne sich erst mit diesem in ein Gespräch über ihr Begehren einzulassen, liefen die Mieter in die Wohnung und drangen in das Zimmer, an dessen Fenster das Mädchen klammerte. Sie fanden das Mädchen noch mit einem Bein auf da? Mauerwerk sich stützend und mit den Händen krampfhaft an die Drähte festhaltend vor. Den vereinten Bemühungen der beiden Mieter gelang es, die Bedauernswerte aus ihrer gefahrvollen Lage zu befreien, wobei allerdings einer der Helfenden bald selbst aus dem Fenster auf den Hof hinab. gestürzt wäre. Unten im Hofe waren eine Anzahl Mieter ver sammelt, die auf das Schlimmste vorbereitet waren und bereits Tücher aufgespannt hatten, um das Mädchen aufzufangen. Letztere gab, nach der Ursache des Vorganges befragt, an, daß sie die Absicht gehabt hätte, sich aus dem Fenster in den Hof hinabzustürzen, weil sie von ihrer Herrschaft ausgeschimpft und geschlagen worden sei. Herr N. erklärte, daß das Mädchen nicht rechtmäßig gekündigt habe. Unter den Bewohnern des Hauses rief dieser Vorgang große Erregung hervor, um so mehr, als allgemein behauptet wurde, daß wegen der schlechten BeHand- lung die Dienstmädchen bei jener Herrschaft fortgesetzt wechselten. Das Mädchen wurde noch an demselben Tage entlassen. Wie uns mitgeteilt wird, ist dieselbe polnischer Herkunft und eine Waise. Eine Kindesleichc ohne Kopf, die ihrem Befunde nach auf einen gräßlichen Kindesmord schließen läßt, wurde gestern nachmittag gegen 4 Uhr an der Schillingsbrücke aus der Spree gelandet. Passanten sahen die verstümmelte Leiche im Wasser treiben, landeten sie und übergaben sie einem Schutzmann, der sie nach dem Schauhause bringen ließ. ES handelt sich um einen neugeborenen Knaben. Die Leiche dcS unbekannten Selbstmörders, der, wie wir be- richteten, am Mittwochabend am Tempelhofer Ufer in den Kanal sprang, nachdem er vorher noch eine Flasche mit einer Sublimat« lösung getrunken hatte, wurde gestern an der Bellealliance-Brücke gelandet. Bisher konnte die Persönlichkeit deS Toten nicht festgestellt werden. Auch jetzt nach der Landung ist er noch unbekannt. Es handelt sich um einen Mann von etwa 40 Jahren, der dem Hand- Werkerstande angehört zu haben scheint, vielleicht um einen Monteur oder Schlosser. Er trug nämlich zu einer grauen Hose eine blaue Bluse. Der Unbekannte, dessen Leiche nach dem Schnuhause gebracht wurde, ist 1,65 Meter groß und hat blondes Haar, Schnurrbart und Fliege. Eine blutige Schlägerei und Rcvolvcrschießerei, die einen großen Auflauf zur Folge hatte und bei der mehrere Personen durch Messer- stiche, Revolverschüsse und Stockschläge zum Teil erheblich verletzt wurden, gab es gestern nachmittag in der Steinstraße. Dort wollten vier Männer eine„Damen"kneipe in dem Hause Nr. 22 aufsuchen. Weil die vier jedoch völlig betrunken waren, wurde ihnen der Ein- tritt verwehrt. Sie begannen daraufhin die Türfüllung einzuschlagen, gingen aber schließlick, als sie sahen, daß alle Bemühungen ergebnis« loS waren, inj den' Keller desselben Hauses, in dem der Schankwirt Becker ein Bierlokal unterhält. Nach dem Austritt in der.Damen"- kneipe verwies auch dieser Wirt den betrunkenen Gästen sein Lokal. Es entspann sich aber gleich eine wüste Schlägerei, bei der das Messer und der Revolver wieder eine Rolle spielten. Zwei der Ein- dringlinge wurden durch Revolverschüsse ziemlich schwer verletzt. Der Wirt erhielt einige Messerstiche ins Gesicht und auch einige seiner Gäste wurden verletzt. Die herbeigerufene Polizei verhaftete drei der Hauptaltentäter. Einen tödlichen Verlauf hat eine Rebolverschießerei genommen, die sich vergangene» Sonnabend in der Kolberger Straße abspielte. Dort gab, wie berichtet wurde, der Verwalter des Hauses Nr. 22, Karl Wulle, auf den früheren Pförtner des Hauses, den 34 Jahre alten Kistenmacher Karl Sa am aus der Holländer- straße 7 in Reinickendorf nach vorausgegangenem Streit, weil er sich angeblich bedroht sah, einen Schutz ab, der den Pförtner in die Brust traf. Der Schwerverletzte wurde nach dem Krankenhause ge- bracht, wo er jetzt seinen Verletzungen erlegen ist. Die Leiche wurde zur Obduktiion dem Schauhanse überwiesen. Der Gelötete war Vater von fünf unmündigen Kindern. Ein Veteran aus der Zeit des Sozialistengcsctzrs, Friedrich D o ch o w, Katzlcrstr. 14, begeht heute, am 6. September, seinen 70. Geburtstag. Er ist namentlich unter den Genossen des 2. Wahl- kreises, 81. Bezirks, bekannt und war stets in den vordersten Reihen. Er sah die Partei aus kleinen Ansängen emporwachsen und wird den jüngeren Genossen vorbildlich sein. Wenn heute die bekannten Parteigenossen ihm die herzlichsten Glückwünsche darbringen, so tun sie dies in der Hoffnung, daß es ihm vergönnt sein möge, noch lange inmitten unserer Reihen zu stehen. Die Hcrbstfltigwoche in Johannisthal. Vom 28. September bis zum 5. Oktober d. I. findet in Johannisthal die große Hcrbstfluawoche statt, die unter dem Prolektorat des Berliner Vereins für Luftschiffahrt, des Kaiserlichen Aeroklubs und des Kaiserlichen Automobilklubs steht. An Preisen stehen 52 000 M. zur Verfügung, die größtenteils vom Kriegs- Ministerium, dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten und der Nationalflugspende gestiftet worden sind. Dem Charakter des Haupt- Preisstifters entsprechend haben die Konkurrenzen einen militärischen Anstrich erhalten. Für die 16 250 M. betragenden Preise des Kriegsministeriums wird in erster Reihe gefordert, daß die'Flugzeuge in allen Teilen in Deutschland hergestellt sein müssen. Ferner wird verlangt: Bequeme Sitze für die Insassen, Militärsteuerung, Einbau einer Geschoß-Abwurfsvorrichtung, Eigen- gcschwindigkeit von 30 Kilometern, die sich jedoch während des Fluges auz 75 Kilometer ermäßigen läßt, sichere Unterbringung der Brennstoffvorräte, sowie eine automatische Anlaßvorrichtung für den Motor. Die Maschinen dürfen beim Anlaus höchstens 100 Meter auf dem Boden rollen und müssen innerhalb 15 Minuten 800 Meter Höhe erreichen, wobei die Belastung des Flugzeuges mindestens 200 Kilogramm betragen muß. Die Preise verteilen sich folgender- maßen: Preise für den kürzesten Anlaus 3000 M., für den kürzesten Auslauf 3000 M., für die größte Steigfähigkeit 3000 M., Welt- bewerb uni den größten Unterschied zwischen der größten und der kleinsten Geschwindigkeit 4250 M. Preis für die größte Trag« fäbigkeit, bei welchem die Bewerber mit der größten Nutzlast und der geringsten Motorenkraft 800 Meter Höhe in der kürzesten Zeit erreichen müssen, 3000 M.— An Dauerpreisen kommen 16000 M. zur Verteilung, von denen täglich 2000 M. entsprechend der Zahl der geflogenen Minuten verteilt werden. Für den längsten Einzelstug von mindestens 2,/3 Stunden Dauer sind 1750 M. ausgesetzt. Der Berliner Verein für Lustschiffahrt hat für Erreichung der größten Höhe— mindestens 2000 Meter— einen Ehrenpreis von 500 Mark gestiftet. Die Nennen zerfallen in Geschwindigkeits- und Vorgabe- rennen. Bei elfteren werden die Flugzeuge wieder in zwei Kate- gorien, solche mit Motoren bis zu 80 PS und solche mit Antrieb über 80 P8 eingestellt. Ein- und Doppeldecker fliegen getrennt. Bei den Vorgaberennen ist das Flugzeug siegreich, das mit der geringsten Antriebsleistung unter Entwicklung größte Nutzlast trägt._ der höchsten Geschwindigkeit die Die Eröffnung des städtischen Osthafens wird in Gegenwart der städtischen Behörden am Sonntag, den 28. September, stattfinden. Zu der Feier sollen die Vertreter des Handels und der Industrie, sowie die Vertreter der Nachbargemeinden eingeladen werden. Ferner ist beabsichtigt, die Städte Breslau, Magdeburg. Hamburg und Stettin, mit denen Berlin hauptsächlich in Schiffahrts- Verbindung steht, aufzufordern, zu der Feier Vertreter zu ent« senden. Der Wintergarten hat die neue Saison mit einem ausgewählten Programm eröffnet, zugleich aber auch mit einer erheblichen Preis- erhöhung der besseren Plätze. Im Programm sind nicht weniger denn sünf Tanzakle vertreten. Da ist die englische Tanzgesellschaft „English Roses", die ihre Kunst zeigt. Es sind eigentlich mehr Bein- sinfonien. welche die jugendlichen Tänzerinnen in ihren kurzen, bis an die Knie reichenden Tanzkostümen zur Frende manches geilen Gecks zum Ausdruck bringen. Ein anderes Tanzpaar bringt amerikanische Tänze, A. Wahls parodiert unter stürmischer Heiterkeit die Desmond und die Pawlowa, während das preisgekrönte Tänzerpaar Dague et Gaby in höchst eleganten Körperbewegungen über die Bühne schwebt. Große Gewandtheit verraten die vier Kervilles in ihrer Lriginalszene: Im Billardsalon. Gleiches gilt von einer Gesellschaft, die vier Vannis, die auf dem Drahtseil alle mögliche Tanzstücke und halsbrecherische Produktionen ausführen. Auch eine amerikanische Sängerin ist da, die weniger durch Stimme als durch Geste wirkt. Von hohem Interesse ist die Vorführung eines gelehrigen Seelöwen. Dieses plumpe Tier schlägt in einem Wasserbassin die schönsten Saltomortale, wie ihm das seine Herren vormachen, mit einer bewundernswerten Regelmäßigkeit. Zeugen, die gesehen haben, wie am 2. April, abends zwischen 7 und 7>/z Uhr in der Mainzer Straße zu Lichtenberg ein 8jähriger Knabe von der Straßenbahn überfahren wurde, werden um Angabe ihrer Adresse gebeten an Friedrich Epha, Schneidermeister, Lichten- berg, Mainzer Str.'.25 L Besonders ein Herr Schulz, der den schwer- verletzten Knaben trug. In der juristischen Sprechstunde ist am Donnerstag ein Damen- schirm zurückgelassen worden. Wir ersuchen den Eigentümer, den Schirm dortselbst während der Sprechstunden abzuholen. freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 7. Sept., vormittags 9 Uhr, Pappelallce 15—17. Neukölln, Jdcalpalsage, und Tegel, Schlieper- straße 30: Freireligiöse Vorlesung.— Vormillags 11 Uhr, Kleine Frank« jurter Str. 6: Vortrag von Herrn Dr. M. Brie:„Wert und Wesen der Bildung."— Damen und Herren als Gäste willkommen. Wasserftandö-Nachrichten der LandeSanstatt für Gewässertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M- m e l. Tilsit V r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankiurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg + bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Uniervegel.■) Nach telegraphischer Meldung Wasserstand heute 381 om, weiteres Fallen zu erwarten. Skutjche, engiosdie und amedkanisdiß. tkendelt! A Keudell: B Neuheit: C Neuheit- Neuhell! E Neuheit: E Neuhell: G Neuheit: B Neuheit: J Neuheit: K Gemusterte Jackeft-AnzQse I- 11. 11-reiliig 21 u. 27� Nr. 103» Derber Buckskln In rieten englischen Mustern........................... Nr. 105* Dunkel fein gestreifte und klein gemusterte Kammgnmarten... Nr. 106* Cheviot- und Kammgarn- Arten In den neuesten Mustern..................... 30 m. Nr. 108. KamuiKUTDe uml CheviotB nach eogliachcn QAu Nr. lud. Dunkel karierter Kammgarn, sehr iolid ytO Terarbeltet...■....................— i Nr. III. Dunkle Kammgarn« nnd CheTlot» In ale- C f) v, ganter Verarbeitung.................... O U M. Blaue u. marengo Jachett-llnzOae I- n. ll-reihiu 27 m. 36 m. Nr: 118* Mittelblauer glatter Cheviot, sehr solide............................ Nr 120 3* Blauer Melton- Cheviot oder mareugo Cheviot, ganz dunkel Nr. 126* Mittclgrauer marengo Cheviot, fein gerippt. Gute Verarbeitung. 40 m. Nr 122. Kammgarn-ChcTlot dunkel und mittelblau, /Ifi v extra fein verarbeitet................... Nr. 127. Marengo-Melton-Cherlot, glatt und gerauht, 50 M vernehme Ausatalluh�...................' Nr. 124. Dunkelblauer Melton-Cheriot, I» V""- 60 m arbcltung.........................." CuSaway-flnzitec nucli mit gestr. Hose 33 m. 36 m. Nr 145, Dunkelgrauer Marengo- Cheriot,«ehr «cblek............................. Nr. 146. Dunkel- und mittclgrauer Marengo-Che- riet, glatte Ware...................... Nr. 147. Marengo oder«chwaner Molton-Cheviot A gr «ehr Tornehm........................-Tw M. Nr. 148. Schwarzgrau melierter Cheviot, gani fein CO ,, gerippt........................... M. Nr. 149. Marengo oder«chwarzer Melton-Cherlot hoch tchlck........................... 1____\ 1..1* av.— r._ t-i___■___ a».< a. 60 1 Nr. 130* Marengo-Molton-Cheviot, prkna Ausführung(Seidenserge).•.................. 70 c(L2000wunderscli(ine vooKDaMnzDgen, Ulstern xa Safierst billigen Preisen. Zlnlge Beispiele! Ich-Wli 13" KT 6" BIM-Iöiii! 13" 11" r MIUlllü. H" 14" 10" kt.IM.4lI. 13" IZ" 8" IM..... 13" 14" 10" BaenSohn Spezial-Haus größten Maßstabes für Herren- und Knaben-Kleidung (2u2uss03�caSe2Q'3O berlin ��dkkenstcaße�� Qc9&inkfucktJio&ffl GeSr«ndet 1891\39honebec�iauptstcfO Sonntag nur von 8-10 geöffnet.— Prompter Versand nach außerhalb. Einsegnungs Anzüge Blau und schwarx Cheviot, Kamnagam-Cheviot, Melton, Corkscrew, Tuchkammgarn usw. usw. j if,™ 9coo anoo zr 15°° Wer Kiufer eines Einsegnungs- Anzuges exhMt reizende Beigeben. } Verantwortlicher Redakteur:«kfreb Wielcpp, Neukölln. Kür d«n Lnjeratenteil verantw.: TH. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt,«üchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer K.S*, Berlin SÄ Nr. 33!. 30. Ifljjrg. KeDs-KtilM des Jonnärle" str 6. Zeptkmder 1913. Krelshranhenhaife ilicderbarnim. Drr Entwurf einer Satzung für die für den Kreis des Ver- fickieruiigSamts Niederbarnim zu errichtende allgemeine Ortskranken- lasse umfaßr 114 Paragraphen und ist auf Grund der vom Reichs« kanzler veröffenilichten Mustersatzung aufgestellt. Soweit die Per- sicherungspflicht in Frage kommt, entsprechen die aufgestellten Para- graphen den Vorschriften der Reichsversicherungsordnung. Die erste Engherzigkeit finden wir bei den Bestimmungen über das Recht, der Kasse als freiwillige Mitglieder beitreten zu dürfen. Nach der Reichs- Versicherungsordnung kann die Satzung das Recht zum freiwilligen Beitritt von einer Altersgrenze abhängig machen. Diese ist in dem Entwurf mit 4S Jahren angenommen, so dafi niemand, der dieses Alter erreicht hat, mehr freiwilliges Mitglied werden kann. Auch ein ärztliches Gesundheitsattest wird für solche Mitglieder ge- fordert. Für die baren Leistungen der Kasse(Krankengeld) werden die Kassenmitglieder in 7 Stufen eingeteilt. Es gehören Kasfenmitglieder mit einem täglichen Verdienst von: 0 bis 0,75 M. zur Stufe A von 0,76. 1,15... I. 1,16. 2.15... II. 2.16. 3,15... III. 3.16. 4,15.„„ IV, 4,16. 5,15„.„ V,- 5,16 und darüber„„ VI. Zur Stufe I gehören alle ohne Entgelt beschäftigten Lehrlinge. Hiernach ist der Grundlohn festgesetzt für die: Stufe A auf 0,60 M. . I„ 1,00, » n» 2,00„ . III„ 3,00. . IV. 4,00. . V. 5,00. . VI. 6,00. Da nach diesem Grundlohn das Krankengeld bemessen wird und nach dem Entwurf für jeden Krankheitstag gezahlt werden soll, be« trägt es in Stufe: A. pro Tag 0,30 M. oder pro Woche 2,10 M. I.., 0,50,„„. 3,50. II-.• 1,00,„,. 7,00. HI... 1,50,„,„ 10,50. IV.„„ 2,00„.„ 14,00. V.„. 2,50.. 17,50. VI.„. 3,00,„,. 21,00. Während der ersten drei Tage wird Krankengeld nicht gezahlt. Es sei denn, dag die Krankheit zum Tode geführt hat. Als Sterbe- gcld wird der 25fache Betrag des Grundlohnes gezahlt, mindestens aber 50 M. Es beträgt demnach für die Mitglieder der: Stufe A.... 50,00 M. I.... 50,00„ „ II.... 50,00„ , IIL... 75,00. . IV.... 100.00. . V.... 125,00. „ VI.... 150,00. In diesem Zusammenhang mufi der Vollständigkeit halber leider gesagt werden, dafi der genannte Grundlohn für alle in der Land- wirii'chaft und mit landwirtschaftlichen Arbeiten Beschäftigten keine Geltung hat. Für diese kommt nach 149 R.-V.-O. der ortsübliche Tagelohn gewöhnlicher Tagarbeiter rn Betracht, der vom Ober- versilbernng-Zamt besonders festgesetzt wird und natürlich erheblich niedriger ist. Eine Rückständigkeit finden wir auch im§ 27 des Entwurfs. Danach wird Mitgliedern, die sich eine Krankheit vorsätzlich oder durch schuldhafte Beteiligung an Raufhändeln zuge- zogen haben, für die Dauer dieser Krankheit ein Krankengeld nirbr gewährt. Ganz abgesehen davon, dag in fast allen solchen Fällen die Schuld oder Schuldlofigkeit erst durch ein gerichtliches Verfahren festgestellt werden muh, sind es ja gerade die schuldlosen Angehörigen, die durch diese Bestimmung bestraft werden. Weiter fehl! auch eine Bestimmung darüber, daß das Krankengeld nicht ge« kürzt wird, wenn ein Versicherter gleichzeitig Krankengeld aus einer anderen Versicherung erhält. Durch das Fehlen einer solchen Be- stimmung tritt für diese Kaste der§ 189 R.-V.-O. in Kraft, der die Kürzung vorschreibt, wenn das gesamte Krankengeld den Durch- ichnittsbetrag des täglichen Arbeitsverdienstes übersteigt. Auch eine Bestimmung über die Gewährung von Schwangerenunterstützung fehlt. Ganz zu schweigen von der Zahlung des Stillgeldes an solche Wöchnerinnen, die die Neugeborenen selbst nähren. Die Kassen- beitrüge betragen für die Stufe A pro Woche... 0,18 M. „ I* h••• 0,2/„ „ II„ v 0,5 1„ , III,.... 0,84„ . IV.,... 1,11„ » V„,... 1,41, .'VI..... 1,68. Lehrlinge aller Art, die ohne Entgelt beschäftigt werden, zahlen pro Woche 21 Pfennig. Die Beiträge erhöben sich für die auf Renn- bahnen beschäftigten versicherungspflichtigen Mitglieder in jeder Klasse um 50 Proz. Der Vorstand besteht aus 9 Vertretern(3 Arbeitgeber, 6 Ver- sicherte). Der Ausschuß zählt 60 Vertreter<20 Arbeitgeber, 40 Ver- sicherte). _ Die Arbeitgeber führen für je einen versicherungspflichtig Be- fchäftigten 1 Stimme. Arbeilgeber, die mehrere Versicherungspflichtige beschäftigen. führen bis zu 50 versicherungspflichtig Beschäftigten für je an- gefangene 10, und bezüglich der über 50 hinausgehenden Zahl für ji angefangene 20 Beschäftigte eine Stimme. Mehr als 30 Stimmen Unn kein Arbeitgeber führen. Außer den ständigen AuSschußmit« gliedern müssen noch ebenso viele Ersatzmänner gewählt werden. Die Wahlzeit dauert vier Jahre. Alle Bekanntmachungen, welche die Kasse betreffen, werden nur im Niederbarnimer Kreis- b l a t l erlassen. Die Wahl selbst muß spätestens sechs Wochen vor dem Wahltag bekannt gemacht werden. Die Wahlvorsckläge sind gesondert für die beteiligten Arbeitgeber und Versicherten jedes örtlichen Bezirks aus- zustellen und dem Vorstand einzureichen. Die Wahlvorschläge der Wahlberechtigten müssen von mindestens je 30 Wahlberechtigten mit zusammen 30 Stimmen unterzeichnet� sein. Unterzeichnet ein Wähler mehr als einen Wahlvorschlag, so wird fein Name nur auf dem zuerst eingereichten Wahlvorschlage gezählt und aus den übrigen Vorschlägen gestrichen. Jeder Wahlvorschlag darf höchstens dreimal fo viel Bewerber benennen als Vertreter zu wählen sind. Dieselben müssen unter fortlaufender Nummer aufgeführt werden und nach Vor« und Zunamen, Beruf und Wohnort bezeichnet sein. Bei Versicherten ist avch der Arbeit- geber, bei dem sie beschäftigt sind, anzugeben. Jeder Bewerber muß mit dem Wahlvorschlag zugleich die Erklärung abgeben, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Die Wahlvorschläge sind ungültig, wenn sie nicht spätestens vier Wochen vor dem Wahltag bei dem Vorstand der Kasse «ingereicht werden, oder wenn sie nicht mit den ersorder« lichen Unterschriften versehen sind, oder wenn die Bewerber nicht in erkennbarer Reihenfolge(laufende Nummer) aufgeführt sind. Auch verbundene Wahlvorschläge sind zulässig. Zwei oder auch mehr Sahlvorschläge können zu emem verbunden werden. In solchen- ) Fällen muß seitens der Unterzeichner oder der Wahlvorschlags- I Vertreter spätestens zwei Wochen vor dem Wahltage die überein- stimmende Erklärung beim Vorstand abgegeben werden, daß die Vorschläge miteinander verbunden werden sollen. Für jeden Wahl- Vorschlag ist ferner ein Vertreter des Wahlvorschlags und ein Stell- Vertreter für ihn aus der Mitte der Unterzeichner zu benennen. Ist dies unterblieben, dann gilt der erste Unterzeichner des Wahl- Vorschlags als der Vertreter desselben, und der zweite als dessen Stellvertreter. Beide sind berechtigt, aber auch verpflichtet, dem Vor st and jede auf den Wahlvor schlag ,sich beziehende Auskunft zu geben. Die Stimmabgabe ist wie bei der Reichstagswahl. Der Wähler erhält einen Umschlag(Wahlkuvert) und tritt sodann an einen abgesonderten Tisch, wo er seinen Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag legt, den er dann unverschlossen unter Nennung seines Namens dem Wahlvorsteher übergibt. ES kann gefordert werden, daß sich der Wähler über seine Person ausweist. Als Ausweis genügt für den Arbeitgeber die Quittung über die zuletzt gezahlten Beiträge, für die Kassenmitglieder der Meldeausweis bezw. Mitglieds- karte oder eine vom Arbeitgeber ausgestellte Bescheinigung, daß der Betreffende am Tage der Wahl noch in Beschäftigung steht. Wähler, die sich am Schluß der Wahlhandlung im Wahlraum befinden, können ihre Stimme noch abgeben. Für die Wahl des Vorstandes gelten dieselben Bestimmungen wie für die Wahl de« Ausschusses. Jedoch genügen für diese Wahlvorschläge die Unterschriften von drei Wahl berechtigten.'_ Vorort- Nacbncbtem Neukölln. Stadtverordnetenversammlung. Die erste Sitzung nach den Ferien fand am Donnerslagnachmittag 5 Uhr statt. Nach einer Be grüßung der Versammlung widmete Stadtv.«Vorsteher Sander dem verstorbenen Stadtv. Klebe einen die Verdienste desselben an erkennenden Nachruf. Zur Ersatzwahl am 12. September für den Verstorbenen wurden darauf die vom Wahlausschutz vorgeschagenen Beisitzer gewählt. Zum Brandenburgischen Städtetage, welcher zum 22. und 23. September nach Spandau einberufen ist, wählte die Ver sammlung drei Delegierte, darunter auch den Genossen G r o g e r; für den 8. Preußischen Städtetag am 6. und 7. Oktober in Breslau wurde Stadtverordneten- Vorsteher Sander, im Be- Hinderungsfalle der stellvertretende Stadtverordneten- Vorsteher Ge- nosse Scholz delegiert. Den vom 8. bis 13. September im Haag in Holland statt findenden 10. Internationalen Wohn ungS-Kongreß will der Magistrat durch eines seiner Mitglieder beschicken. Stadtv. Dr. S i l b e r st e i n(Soz.) erklärte sich namens seiner Fraktion damit einverstanden, lehnte aber die vorgeschlagene Entnahme der Delegations- kosten aus dem Stadtverordnetendispositionsfonds ab, der für eventuell vorkommende außerordentliche Forderungen reserviert bleiben müsse. Der Magistrat möge seinen eigenen Dispositionsfonds für solche Zwecke, wie den vorliegenden, aussparen, anstatt ihn für die über- flüssigen Jubiläumsfeiern und. RathauSausschmiickungen aufzu- brauchen.— Die Mehrheit bewilligte trotzdem die begehrten Mittel. Zur Entsendung von je zwei Beisitzern des Gewerbe- und des KaufmannsgerichteS zur Versammlung des Verbandes der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte vom 18. bis 20. September in Leipzig wurden 240 Mark bewilligt. Den Voranschlag der städtischen A n st a l t für zweite Hypotheken für 1913 hat der Magistrat in Einnahme und Aus- gäbe mit 519 500 M. festgesetzt; die Versammlung genehmigte ihn debattelos. Die gleiche Erledigung fanden der vorgelegte neue Eni- wurf einer Gebührenordnung für den Kranken« und Leichentransport, sowie die Vorlagen über die Ablösung von Rentenbankrenten einiger Riesergütergrundstücke. die Herrichtung und den Betrieb einer Versuchsanlage für C y a n s-ch l a m m v e r w e rt un g auf der Gasanstalt und die Er Weiterung des Hafens der Gasanstalt. Der Entwurf eines neuen Ortsstatuts über die Reinigung öffentlicher Weg«) der die Grundstückseigen Illmer zur Reinigung der Bürgersteige von Scknee und Eis uiid zur Bestreuung derselben verpflichtet, hat offenbar bei den HauS- besitzern arg verschnupft! denn der Stadtv.' G r ö p l e r entdeckte so- gar— nur um das böse Orlsstatul abzuwehren— sein Herz für städtische Regiearbeit und empfahl, die Bürgersteigreinigung auf die Stadt zu übernehmen. Auch vor der Belästigung durch polizeiliche Maßnahmen auf Grund eines solchen OrtsstatutS grauste es diesem Vertreter der Hausagrarier, obwohl von seinen bürgerlichen Freunden sonst doch die Polizei als Helfer in der Not gern zitiert wird. Stadtv. K l o t h(Soz.) führte ihm das nicht Übel zu Gemüte, indem er auf den Beschluß der bürgerlichen Mehrheit hinwies, der unter die Disziplinarstrafen der Fortbildungsschule selbst die Polizei- liche Vorführung einfügte. Im übrigen bezeichnete Kloth das vom Stadtv. Kyllmann gestellte Verlangen auf Verweisung des Statutentwurss an eine Kommission als überflüssig, da in dieser lediglich eine Belastung der Allgemeinheit Mammengebraut werden dürfte. Trotzdem wurde Einsetzung einer Kommission beschlossen; dieser gehören u. a. auch die sozialdemokratischen Mitglieder Heller, Rohr, Schuch, Thurow an. Den Antrag des Polizeipräsidenten, den Schornstein- kehrbezirk Neukölln in 12 kleinere Einzelbezirke zu zer- legen, lehnte die Versammlung einstimmig ab. Stadtverordneter Kloth(Soz.) forderte den Magistrat auf, mit den skandalösen Zuständen im Kehrwesen ein Ende zu machen und die eingeleiteten Bemühungen um Uebernahme desselben in städtische Regie durchzu- setzen. ES sei unerhört, wenn von Schornsteinfegermeistern— wie behauptet werde— bis zu 250 Proz. der Kehrlohntaxe den HauS« eigenlümern in Anwendung gebracht würden. Da könne es dann nicht wundernehmen, wenn die Meister ihren Gesellen ganze 24 M. Wochenlohn zahlten und deren eigene Tätigkeit sich auf das Ouittungschreiben beschränken dürfte, Jahreseinkommen von 16— 17 000 M. zusammenbrächten. Stadtrat Mi er erklärte, daß durch den angestrebten Regiebetrieb erst die sehr notwendige Kontrolle des Schornsteinkehrwesens möglich sei, wozu die ständige Berufsfeuerwehr daS geeignete und berufene Organ wäre. Die Versammlung trat darauf in eine geheime Sitzung ein. Lichtenberg. Au« der Stadtverordnctenversaminlung. Die hiesigen Ver- kehrsverhältnisse kamen wieder einmal gelegentlich einer Mitteilung des Magistrats zur Sprache. ES handelte sich um die Umwandlung des Bahnhofs Stralau-RummelSburg in einen Fern- bahnhof. Die Eisenbahndirektion, an die sich der Magistrat auf Anregung der Stadtverordnetenversammlung wendete, hat�ich je- doch, trotz zweimaliger Vorstellung, nicht überzeugen lassen, daß die völlig unzulänglichen Zustände nicht nur im Interesse Lichtenbergs, sondern auch der gesamten östlichen Vororte unbedingt geändert werden müssen, und der Magistrat glaubt nun genug getan zu haben. Genosse Grauer forderte jedoch, der Magistrat solle nicht resigniert die Hände ruhen lassen, sondern die Angelegenheit ener- gisch weiter verfolgen. Seiner Meinung nach müsse hier auch der Zweckverband eingreifen, denn wenn dieser versage, sobald eS sich um fiskalische Interessen handele, sei er ein ziemlich wertloses Ge- bilde. Auch von der bürgerlichen Seite wurde zu energischem Vor- gehen gedrängt. Bürgermeister Dr. Unger empfahl, sich mit einer Petition direkt an das Abgeordnetenhaus zu wenden. Die von den städtischen Arbeitern durch den Verband der Ge- meinde. und Staatsarbeiter eingereichte Resolution, in welcher die längst zugesicherte Einrichtung eine» ArbeiterauS- s ch u s s e S erneut gefordert wurde, fand im Genossen Elias einen warmherzigen Befürworter. Dr. Unger entschuldigte die Verzöge- rung durch die notwendigen umfangreichen Vorarbeiten und sicherte baldige Erfüllung des Versprechens zu. In die Kommission zur Vorberatung der Magistratsvorlage, betreffend die A n g e st c l 1 t e n- S i e d e l u n g der Großen Berz liner Straßenbahn, wurden von unserer Seite die Genossen Heckert, John, Ritter und Grauer delegiert. Allgemeine Verwunderung er- regte bei diesem Punkte die Mitteilung des Stadtv. Schachtel, daß die seinerzeit der Stadtverordnetenversammlung behändigte Vorlage nicht mehr ganz zutreffe. Nachdem Genosse Grauer diese eigen- artige Tatsache gebührend gekennzeichnet, stellte Dr. Meretzki fest, daß das Verschulden die Gesellschaft treffe, die wenige Tage nach der letzten Sitzung einen geänderten Plan vorlegte. Der Kommission zur Vorberatung eines Erbbauver» träges wurden die Genossen Jaffke, Abraham, Rössel und Grauer zugeteilt. In einer früheren Sitzung hatte die Stadtverordnetenver- sammlung einige Aendcrungen des Wasserlieferungsvertrages mit Ober-Schöncweide beschlossen. Diese Gemeinde ist aber mit den Aenderungen nicht einverstanden. In der heutigen Sitzung wurde in einzelnen Punkten beschlossen, Entgegenkommen zu zeigen, je- doch an einigen wichtigen Abänderungen festhalten zu wollen. Auch mit Friedrichsfelde bestehen ähnliche Differenzen. Hier wurde be- schloffen, dem Wunsche nach schriftlicher Formulierung der ge- wünschten Vertragsänderungen nachzukommen in der Erwartung, daß dann die Gemeindevertretung nicht mehr abgeneigt sein werde, in die als unumgänglich notwendig angesehenen mündlichen Ver- Handlungen einzuwilligen. � Vor der Beschlußfassung auf Errichtung einer kaufmänni» schen Pflichtfortbildungsschule kam es zu einer länge- ren Debatte. Unsere Genossen legten zunächst unseren Standpunkt dar und forderten dann im einzelnen, man möge das Selbstver- waltungsrecht nicht für einen geringen Kostenbeitrag an die Handelskammer abgeben. Vor allem müsse an der U n e n ige l t- l'ichkcit des Unterrichts festgehalten werden. Davon mögen aber die bürgerlichen Herren nichts wissen, dagegen geben sie un- bedenklich für ein paar hundert Mark das Einspruchsrecht an die Potsdamer Handelskammer preis. Komisch mutete geradezu an, daß Herr Schachtel erklärte, auch er sei bestrebt, das Selbstiver- waltungsrecht hochzuhalten, um aber der Durchführung der Vorlage keine weiteren Schwierigkeiten in den Weg zu legen, stimme er für die Magistratsvorlage. Der Antrag unserer Genossen, die Gemeinde solle nur 4 M. Schulgeld erheben und die Differenz zwischen diesem Betrag und den in der Vorlage verlangten 20 M. tragen, wurde abgelehnt und dann die Magistratsvorlage angenommen. Zur Beteiligung an dem Brandenburgischen Städtetag teilte der Magistrat kurzerhand mit. daß er außer Dr. Unger noch drei Herren und auch zum Preußischen Stäötetag drei Vertreter ent- senden werde, trotzdem früher schon wiederholt beschlossen wurde, über derartige Delegationen vorher eine Vereinbarung zwischen Stadtverordnetenversammlung und Magistrat herbeizuführen und selbst einmal deswegen der Dispositionsfonds für diese Zwecke ver- weigert wurde. Das gab dem Genossen Grauer das Recht, die Ver- mutung auszusprechen, der Magistrat scheine es direkt auf einen Konflikt abgesehen zu haben. Auch von bürgerlicher Seite wurde das Verhalten des Magistrats scharf verurteilt. Eine Nachforderung zu den Polizcikosten in Höhe von 13 193 Mark bot dem Genossen Jaffke Gelegenheit, das durchaus ein- seitige Vorgehen der Polizei gegen die Arbeiterschaft gebührend zu brandmarken. Er kam zu dem Schluß: Für eine Polizei, auf die wir keinerlei Einfluß haben und die diese Stellung zu ungerechter Behandlung des überwiegenden Teils der Bevölkerung ausnutzt, dürfen wir keinen Pfennig bewilligen. So nachsichtig Herr Plonz bürgerlichen Vertretern gegenüber sein kann, selbst wenn sie weit von der Sache abschweifen, bei den durchaus sachlichen Ausführun- gen JaffkeL glaubte er sich einige Unterbrechungen leisten zu dürfen. Die Abstimmung ergab höchstens Stimmengleichheit, wenn nicht eine Minderheit für die Nachsorderung. Alsdann kam die Interpellation und ein Dringlichkeitsantrag unserer Fraktion zur Verhandlung. Die Interpellation lautet: 1. Ist dem Magistrat bekannt, daß die Arbeitslosigkeit im allge- meinen und die im Holzgewerbe wie im Baufach im besonderen eine außerordentliche ist? 2. Welche Maßnahmen gedenkt der Ma- gistrat der Stadtverordnetenversammlung vorzuschlagen, um dem zufolge der Arbeitslosigkeit drohenden besonderen Notstande zu be- gegnen? Begründend führte Genosse Grauer auS: Obwohl wir eine Teuerungs- wie auch soziale Kommission haben, fei bisher sehr wenig geschehen. Der Magistrat müsse hier eingreifen. Außer den bereits bewilligten Arbeiten harren eine große Anzahl weiterer Aufgaben ihrer Erfüllung. Hierzu müssen außerordentliche Kredite angefordert und bei den Arbeiten in erster Linie am Ort wohnende Arbeitskräfte berücksichtigt werden, um in die außerordentlichen Notstände mildernd einzugreifen. Am wenigsten zu billigen aber sei es, wenn die städtische Verwaltung selbst durch Entlassungen zur Vergrößeri»ig des Heeres der Arbeitslosen beitrage.,. Bürger- meister Dr. Unger erwiderte, daß dem Magistrat die überaus traurigen Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt wohl bekannt seien und man habe bereits ins Auge gefaßt, Kanal, und Straßenbauten schleunigst in Angriff zu nehmen und auch während des Winters zu fördern. Soweit Negiearbeiten in Frage kämen, feien bereits gegen 100 Arbeiter eingestellt. Bezüglich des schwierigen Problbm» der Arbeitslosigkeit stehe der Lichtenberger Magistrat gleich dem der anderen Groß-Berliner Gemeinden auf dem. Standpunkt, daß daS Reich zu dessen Regelung berufen fei. Der Zweckverband fei nicht zuständig. Die einzelne Gemeinde könne für sich allein auch nicht vorgehen. Der Magistrat werde aber einer zum 13. Sep- tember einberufenen Konferenz beiwohnen und jeden Versuch unter- stützen, der eine Lösung der Frage verspreche. Genosse Rössel zeigte sodann, gestützt auf reiches Material, die Richtlinien auf, die für eine wirksame Arbeitslosenversicherung in Betracht kommen und wies an der Hand vieler Beispiele nach, daß die Schwierigkeit des Problems mehr im Mangel an gutem Willen, wirksam: Maß- regeln zu; Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu ergreifen, liege, Spandau. Einen herben Verlust hat unsere Bewegung durch den Tod des Genossen Emil Fiedler erlitten. Ihm war die Partei und Gewerkschaft alles. So fungierte Fiedler einig« Jahre als Vorstandsmitglied des Wahlvereins, ebenso rührig wirkte er in der Gewerkschaft mit. in der ihn vor Jahren das Vertrauen der Kollegen in die Bezirksleitung deS Metallarbeiter-Verbandes berief. Trotz der anstrengenden Arbeit in beiden genannten Organisationen war er in der wenig freien Zeit, die ihm zur Verfügung stand, ein eifriger Förderer deS Arbeiter-GesangvereinS am Ort, dessen Vorsitzender er bis zu seinem Tode war. Jetzt hat ihn der unerbittlich, Tod. kurz vor dem 46. Geburtstage von uns gerissen. Sein Leben war Wirken für die Gesamtheit. Ehren wir unseren Toten durch ein, zahlreiche Beteiligung bei seinem Begräbnis, das am Sonntag, den 7. September, nachmittags 2 Uhr, auf dem städtischen Friedhof stattfindet. Pankow-Niederschönhausen. Polizei und Arbeiterjugend. Wie unseren Lesern noch erinnerlich ist, wurde die am Sonntag, den 27. Juli 1913, tagende öffentliche unpolitische Jugendversammlung aufgelöst, nachdem' der Referent in seinem Vortrage„Die Ziele der freien Jugendbewegung" das Wort Revolution erwähnt hatte. Der Leiter der Versammlung wie auch der Träger der Fahne sind von der Polizei vernommen worden, hauptsächlich um festzustellen, wer der Borsitzende der Jugendorgani- sation ist. Diese Nachforschungen waren für sie allerdings ergeBnis- los. Um nun zu sehen, ob für Nieder-Schönhausen das Reichs- Vereinsgesetz auch besteht, oder ob der Polizeiwachtmeister Förster dort ganz selbstherrlich bestimmt, findet am Sonntag, den 7. Sep- tember, mittags 2 Uhr, in Neu-Karlshof(Inhaber C. Manke) wiederum eine öffentliche unpolitische Jugendversnmmlung statt, in der Herr Kubig-Pankow referiert. Rosenthal. Aus der Gemeindevertretung. Bei Vergebung der Erd-, Fun- dierungs-, Maurer- und Betonarbeitcn des Schulhausneubaues standen zehn Firmen zur engeren Submission. Den Zuschlag erhielt die Firma Lubig-Pankow als niedrigste mit einem Preis von 77 l)OÜ M. Der Höchstpreis betrug 90 000 M. Die Steinmetzarbeiten für 2300 M. wurden der Firma Schmidt-Baumschulenweg über- tragen. Es scheint, als wenn sich der Bau der Strahenbahn in recht unliebsamer Weise verzögern wird. Der Berliner elektrischen Straffen- bahn ist es nicht möglich, das nötige Schienenmaterial heran zu schaffen und wenn die Vertretung nicht dem Antrage der Gesellschaft zustimmt, alte Schienen zum Teil zur Verwendung nehmen zu können, muff mit dem Bau bis zum August nächsten Jahres gewartet werden. Die Versammlung stimmte jedoch dein Vorschlage zu I somit kann mit dem Bau begonnen werden, sobald der Zweckverband seine Genehmigung gegeben hat.— Der Haus- und Grundbesitzer- verein hat seine Bi'bliolhek der Gemeinde aus fünf Jahre zur Ver- fügung gestellt mit der Bedingung, daff dem Verein das Eigentums- recht bleibt, der bisherige Bibliothekar weiter fungiert und daff dem Verein eine Stimme in der Verwaltung zugestanden wird. Die Gemeinde leistet zu der„Volksbibliothel" einen etatsmäffigen Zuschuß von öOO M.; gegen vier Stimmen wurde die Bücherei angenommen. Ober-Schöneweide. Die Scdanfeier der hiesigen Schulen hat es einigen besonders um das Nationalgcfühl der Bevölkerung besorgten Leuten angetan; in Zuschriften an das Ortsblatt geben dieselben ihrem Unmut darüber Ausdruck, daff diese erhebende Feier so ganz und gar zu kurz gekommen sei. Es sei z. B. zu verurteilen, wenn die Schul« feiec auf die letzte Unterrichtsstunde verlegt wurdet jeder Pädagoge wisse doch, daff die Kinder in den ersten Stunden weit aufnahniefähiger seien. Ein anderer hätte lieber eine Sedan- seier als allgemeines B o l k S f e st gehabt. Es ist wirklich erstaunlich, daff diese Leute im öffentlichen Leben sonst keine Mängel sehen, die ihnen ein.Eingesandt" an die Zeitung wert erscheinen ließen. Der Pädagoge unter den Einsendern scheint wohl mehr vom Kasernenhof zu verstehen als von Kindererziehung, und der Schwärmer für das Kinder- und Volksfest scheint gar nicht zu Wilsen, daff am Orte eine Scharlach- und Diphtherie-Epidemie herrscht, zu deren Bekämpfung solche Veranstaltungen wahrhaftig nicht beitragen. Aber die Unzufriedenen können beruhigt sein— unsere Lehrer- schaff weiß, was den Kindern frommt; nachstehendes Gedicht ist den Kindern bei einer Sedanfeier zum Lernen aufgegeben: Seht welche Macht sie gebracht uns zur Schlacht, Wie grimm'ae Leu'n uns bedreu'n Die blutdürstigen Scharen. In Bann und Acht auf der Wacht Tag und Nacht Gilt's im Gefecht unser Recht Unsere Freiheit zu wahren: Horch die spanische Trommel sie dröhnt, Der Trompete Kriegsgeschmetter es ertönt: Bergopzom wir sind fromm, Schütz uns vor der Frevler Schwall Halt auf ihren Lauf, Bergopzom sei Damm und Wall. Nun, tapfres Schwert, zeig geehrt Deinen Wert, Brich, blanker Stahl, unsere Oual, Mit flammenden Blitzen Schmettre zur Erde die entehrt unseren Herd; Möge das Blut dieser Brut unsere Schwelle bespritzen. Ueber Schutt und Leichen die Bahn, Feige Henkersknechte rücket nun heran. Vaterland, wir schützen Dich gut, Fließen soll in Strömen Spaniens Blut. Bergoppom, wir sind fromm, Swütz uns vor der Frevler Schwall, Halt auf ihren Lauf, Bergopzom sei Damm und Wall. Die unzufriedenen Einsender scheinen keine Ahnung von diesen Versen gehabt zu haben. An Vergiftung des Kindesgemüts wird darin doch das möglichste geleistet. Oder verlangt ihre Seele noch nach größeren dichterischen Leistungen zur Verherrlichung des Massen- mordcs? Jugendveranstaltungea. Ebarlottenburg. Wir machen daraus aufmerksam, daß das Sportfest am«onntag, den 7. Sept., aus dem städtischen Spielplatz Westend um 9 Uhr morgens beginnt und mit zweistündiger Mittagspause bis um 6 Uhr nachmittags dauert. Es wird zahlreiche Beteiligung erwartet. Dienstag, den 9. Sept., im Jugendheim, Rosinenstr. 3: UnterhaltungS. abend. Treptow-Baumschnlenweg. Sonntag, den 7. Sept., nachmittags 6 Uhr: Wiedereröffnung des Jugendheims, Ernststr. 22, Hos. Part. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Petershagen. Heute Sonnabend, abends 6 Uhr, im Lokale von F. Breseke. Buckow. Heute Sonnabend 7 Uhr im Kemeindedureau, Dorfsw. 29. KI.-Tchönebeck-Fjchtenau. Am Montag, 8. Sept., abends 7'/, Uhr, in Horns Kurhaus. Auf der Tagesordnung steht u. a. der Antrag unserer töcnosfen, betrtsfs Bildung eines tollegialifchen Gcmeindevorstandcs und die Volksschule. Weisiensee. Montag, 8. September, nachm. 5 Uhr. Auf der Tages- ordnung u. a. die A r b e i t s l o s e n v e r s i ch e r u n g. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindcangehörige ist be- rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. OTN SäU � öROFFNVNa unlßfef'rf I/efkaaßQellQ B tlllrAHIÄNCt-SirlOZ Hl*"■ir j|pr o/n Hallöldh qi jL.[y Uhrnachm Jeder�dnfer erhält ein öelchenK. Jdh&jiepoi� Möbel-Cohn« 1. Geschäft: Gr. Frankfurter Str. 58 2. Geschäft: 109 Grüner Weg 109 Bitte, genau auf meine Hausnummern zu achten! Möbel ayf Kredits Sie erhalten bei mir: s Stube und Rfiche Zentrale u. 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