Nr. 233. flbonnements-Bedmgimgen: WonnementA- Preis pränumerando; Lierteljährl. 3.S0 SKt, monatl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2« Mark, für das übrige Ausland t Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. krlchelllt täglich. 30. Jahrg. Die TnfcrtionS'Gcbflljr Schrägt für die sechsgespaltenc Kolonel. zeile oder deren Raum 60 Psg„ für politische und gewerlschaftliche Vereins- und VersnmmlungS-Anzeigen SO Pfg, „Kleine Hmetgth", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tzulüsfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 0 Pfg. Worte über löBuch- Naben zählen für zwei Worte, Slnferale tür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet, Bevlinev Volksblskt. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Parte» Deutfcblands. Telegramm-Adresse: „Sozialdtmohrat Berlin". Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplan, Nr. 1983. Lloisen zum Erfurter Urteil. Fünf Familienväter wegen eines Wirtshausskandals zu acht Iahren, vier Monaten Gefängnis verurteilt. Darunter drei von ihnen zu zwei Jahren einem Monat, einer zu einem �ahr neun Monaten! Wäre dem Willen des Anklagevertreters entsprochen worden, so wären 19 Jahre Gefängnis gegen die fünf Bedanernsiverten erkannt worden. Die bürgerliche Presse schlvankt zumeist in ihrem Urteil. Trotz der immerhin erheblichen Milderung gegenüber dem ersten Urteil, ist ihr zu einem Teil auch bei den jetzigen Strafen nicht recht geheuer. Sie empfindet, daß auch diese Strafen dem natürlichen Empfinden und der einfachsten menschlichen Auffassung noch immer ins Gesicht schlagen. Die Verteidiger, Männer, die wahrlich nicht radikaler Gesinnung verdächtig sind, haben mit einleuchtender Deutlichkeit dargelegt, daß die An- geklagten, wären sie vor einem Zivilgericht abgeurteilt worden, wegen ihres ganz gewöhnlichen Wald- und Wiescnexzesses mit Geldstrafen oder höchstens ganz geringen Gefängnisstrafen davongekommen wären. Vergleichen wir das neue Urteil mit dem früheren, fo fällt der Vergleich keineswegs unbedingt zugunsten des neuen aus. Auch das Oberkriegsgericht hat qualifizierten militärischen Aufruhr angenommen, genau wie daS Kriegs- gericht. Während das Obcrkriegsgericht an eine Mindeststrafe üon fünf Jahren Zuchthaus gebunden war, betrug die Mindest- strafe für die zweste Instanz nur noch e i n Jahr Gefängins. Das Oberkriegsgericht ist also ganz erheblich mehr über die zulässige Mindeststrafe hinausgegangen als das Gericht erster Instanz. Auch die Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis ist noch so ungeheuerlich, daß ihre Uebcrschreitung um mehr als das Doppelte in drei Fällen aufs äußerste befremden muß und die Kluft, die zwischen dem natürlichen Empfinden und der militärischen Auffassung besteht, so klaffend wie möglich offenbart. Unbegreiflich mußte von vornherein jedem praktischen Juristen die künstliche Zerspaltung der Tat der Angeklagten in drei verschiedene Straftaten erscheinen. Es liegt auf der Hand, daß die schwer trunkenen Angeklagten, soweit ihnen überhaupt ein Vorsatz innewohnte, bei ihren gesamten Aus- schreitungen von einem einzigen, zusammenhängenden, dauernden, einheitlichen Vorsatz beseelt waren. Die überaus künstliche Konstruktion dreier getrennter Handlungen durch das Ober- kriegsgericht zeigt einen bedenklichen Mangel an psychologischem Verständnis, einen Mangel, der sicherlich zu einem guten Teil aus dem trotz allen äußerlichenWohlwollens vorhandenen instinktiven, aber energischen Bestreben zu erklären ist, aus militärischen Rücksichten die Handlungen der Angeklagten scharf anzufassen. Und wir vermögen die Besorgnis nicht zu unterdrücken, daß die ganze außerordentlich harte Beurteilung trotz alledem und trotz des Bemühens der Richter den politischen Gesichtspunkt aus- zuschciden, durch den politischen Gesichtspunkt, wenn auch unter der Bewußtseinsschwelle, mitbestimmt worden ist. Es muß indessen mit aller Schärfe immer wiederholt darauf hingewiesen werden, daß ein militärischer Aufruhr gar nicht hätte angenommen werden dürfen. Und zwar schon aus tatsächlichen Gründen, selbst wenn den Angeklagten in ihrem Dusel die verworrene Erinne- rung daran aufgeblitzt sein sollte, daß sie sich nach der Be- hauptung des Kontrolloffiziers bis nachts 12 Uhr im militätischen Dienstverhältnis befinden sollten und der Gendarm ihr militärischer Vorgesetzter sein sollte. Die ganze Lage, in der sie sich befanden, hatte tatsächlich mit dem mili- tärischen Dienste nicht mehr das mindeste zu tun. Irgend- welche militärische Disziplin kam für sie gar nicht mehr in Frage seitdein die Kontrollversammlung geschlossen war. Ist es denn wahr, daß sie sich noch im aktiven militärischen Dienst befanden? In Wahrheit hatte ihnen kein nnlitärischer Borge- setzter, kein Offizier irgend etwas zu befehlen. Ihre gesamte militärische Verpflichtung am Kontrollversammlnngstag er- schöpfte sich in der Verpflichtung, an der Kontrollversammlung teilzunehmen. Jeder Offizier, der ihnen vorher oder nachher etwas hätte befehlen wollen, hätte sich eines Mißbrauchs der Dienstgewalt schuldig gemacht. Sie hatten keinen Offizier zu grüßen. Kurzum alles dasjenige, was den militärischen Dienst mnerlich und äußerlich charakterisiert, fehlte bei ihnen. Insbesondere fehlte ihnen jede Verpflichtung zu militäri- schcm Gehorsam, zur militärischen Disziplin in dem eigcnt- lichen wesentlichen Sinn. Selbst wenn dahek die Angc- klagten noch formell unter dem Militärgesetz standen, der Begriff der militärischen Disziplin konnte bei ihnen nur ein inhaltloser, wesenloser Schemen sein, unendlich ver- schieden von dem Bewußtsein der Pflicht zur Disziplin, das einem wirklich im militärischen Dienste Befindlichen inne- wohnt. Es fehlte den Angeklagten daher mit psychologischer Rotwendigkeit zum mindesten das hinreichende Bewußtsein, Segen die Pflicht der militärischen Disziplin in ihrem wesent- lichen Sinn zu verstoßen. Es war auch keineswegs not- «endig, ein gewolltes und bewußtes Zusammenwirken der ttwer betrunkeneu Menschen zum Zwecke des gemeinsamen, gewaltsamen Widerstandes gegen einen mit vollem Bewußt- lein als solchen erkannten militärischen Vorgesetzten zu kon- ftruieren. Aber auch die abweichenden Annahmen des oberkriegs- gerichtlichen Urteils als zutreffend unterstellt, bleibt noch eine ganze Fülle voa ernstesten Einwendungen gegen das Urteil. Sozintag, den 7. September 1013. Die allgemeinen rechtlichen Voraussetzungen, auf denen das Urteil beruht, bedürfen der schärfsten Kritik. Sonderbarerweise geht die Presse, auch soweit sie dem Urtei! ablehnend gegenübersteht, davon aus, daß die Angeklagten nach einer unzweideutigen gesetzlichen Bestimmung bis zum Ablauf des Kontrollversammlungstages als aktive Soldaten anzusehen seien. Das i st jedoch grundfalsch. Es ist einfach unwahr, daß in irgendeinem Gesetze eine derartige Bestimmung enhalten sei. Das Reichsmilitärgesetz sagt über diese Frage überhaupt nichts. Es bestimmt nur ganz allgemein, daß die zuni Dienst Einberufenen zum aktiven Heer gehören „bis zum Ablauf des Tages der Entlassung". Dringende Gründe sprechen dafür, daß diese Bestimmung nur auf die zu militä- rischen Dienstleistungen im engeren Sinne Einberufenen ge- münzt ist, nicht aber auf die der aktiven Armee nicht mehr angehörenden Reservisten und Wehrinänner, die sich für kurze Minuten zur Kontrolle stellen. Allerdings hat das Reichs- gericht, �ebenso wie das Reichsmilitürgericht den entgegenge- setzten Standpunkt eingenomnien. Es ist aber bekannt, daß wiederholt Kriegsgerichte, so unter anderem das Oberkriegs- gericht des 19. Armeekorps in seinem Urteil vom 8. März 1999, den entgegengesetzten, allein möglichen Standpunkt ver- treten haben und daß eine große Zahl auch militärischer In- risten, so unter anderem der Oberkriegsgerichtsrat v. B i t t e n, die Auffassung des Reichsmilitärgerichts mit guten Gründen bekämpft und verworfen haben. Weiter muß auf das Unsinnige und Un halt- bare der Auffassung hingewiesen werden, daß die Gen- d a r in e n schlechthin als aktive Militärpersonen im Sinne des§ 119 des Militärstrafgesetzbuchs anzusehen seien. Allerdings unterstehen die Gendarmen der militärischen Gerichtsbarkeit und die Gendarmeriekorps sind nach militäri- schen Gesichtspunkten organisiert. Die Gendarnierie ist aber in ihrer Funktion durchaus eine polizeiliche Einrichtung. Sie hat genau dieselben Aufgaben zu erfüllen wie die Polizei, sie ist an die Weisungen der Verwaltungsbehörden, die ihr vor- gesetzt sind, gebunden. Keinem Menschen, der nicht verwaltungsrechtlich wohl vorgebildet ist, wird irgendein leben- diges Verständnis dafür innewohnen können, daß die Polizei- gewalt, wenn sie in der Gestalt des Gendarmen auftritt, eine militärische Gewalt darstellt. Keinem Zivilisten insbesondere kommt, wenn er mit einem Gendarm zu tun hat, die Idee bei, etwas anderes als ein Polizeiorgan vor sich zu sehen. Derselbe Gendarm, der dem Zivilisten ausschließlich als Po- lizeiorgan gegenübertritt, verwandelt sich nach Annahme der Militärbehörden im Moment, wo er einem Soldaten gegen- übertritt, in einen nnlitärischen Vorgesetzten, obwohl er nur genau dieselbe polizeiliche Funktion ausübt! Das ist ein vollkommener Widersinn, gleich unverständlich für Weise wie für Toren. Man vergegenwärtige sich den vorliegenden Falli Der Polizeibeamte tritt zunächst in Funktion, zu seiner Unterstützung konimt der Gendarm, dessen Aufgabe es ist, die in dem Polizeibeamten verkörperte Polizeigcwalt mit diesem gemeinsam durchzusetzen. Mit vollständig gleichen Aufgaben tritt der Polizeibeamte und der Gendarm den Angeklagten gegenüber. Die Art, wie sie das gemein- same Ziel zu verwirklichen suchen, ist bei beiden Beamten voll- ständig gleich. Und doch soll der Polizeibeamte zlvar Polizei- beamter, der Gendarm jedoch für die Angeklagten, weil sie an diesem Tage vor vielen Stunden auf eine kurze Spanne Zeit militärisch kontrolliert worden waren, für die Angeklagten, die seit langem aus dem aktiven militärischen Dienst ausgeschieden waren, die im Zivilistenrock sich ganz zivilistisch fühlten, ur- plötzlich militärischer Vorgesetzter sein. Das verstehe, wer kann! Für das einfache Verständnis einfacher Menschen, zu- mal wenn sie unter dem Einfluß schweren Alkoholgcnusses stehen, ist es mindestens in seiner wesentlichen Tragweite voll- kommen unverständlich. Wir meinen aber auch, daß die künst- liche Umschöpfung des Polizeibeamten, der Gendarm heißt, in eine aktive Militärperson und zwar in dem Sinne, daß er in vollem Umfange bis in die letzte Konsequenz als Militär- Person auch in seiner Stellung Dritten gegenüber anzusehen ist, in der bestehenden Gesetzgehung keine hinreichende Rechtfertigung findet. Es handelt sich auch hier, wie bei der Ausdehnung der Militärgcwalt über den ganzen Tag der Kontrollversammlung, um eine militärische U s u r- Pation, gegen die wir den schroffsten Protest einzulegen haben. Das Erfurter Urteil ist nach alledem keineswegs ein erfreuliches Ergebnis einer immerhin erfreulichen, unter dem Druck der Not dem Militarisnius aufoktroyierten kleinen Flickreform des barbarischen Militärstrafgesetzbuchs. Es hat vielmehr schwer st e Mängel unserer militärischen Rechts- pflege von neuem so deutlich enthüllt, daß es den Ausgangs- Punkt für tiefgreifende allgemeine R e f o r m e n wird bilden müssen. Den oben gekennzeichneten militaristischen Usurpationen muß vor allen Dingen schleunigst ein Ziel ge- setzt werden. Die Militärjustiz beharrt auf ihrem unHalt- baren rechtlichen Standpunkt. So wird die G e s e tz g e b u n g einzugreifen haben und ihr beizubringen haben, daß Zivilist sein schließlich auch etwas bedeutet und selbst in Preußen-Deutschland noch etwas Besseres zu bedeuten hat, als Unterworfenheit unter willkürliche Anmaßungen militärischer Behörden. Es gilt hier ein Stück des Kampfes um die Ehre des Bürgerrocks, um die Befreiung des Volkes aus der Faust der militärischen Gewalt. Sxpcdition: 8 Cd. 68, Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Ashnlinil. Ein Dorf liegt im Wiirttembergischen, auf der Hochebene über Stuttgart, Mühlhausen an der Enz. Gestern wußte noch kaum ein Mensch seine» Namen, heut ist es in aller Munde. Eine blutige Brandnacht hat es weltbekannt gemacht. Heut stehen in dem schwäbischen Dorf in jedem zweiten Bauernhof die Särge der Opfer, und der Feind, der es so plötzlich überfallen hat, war keine Räuberbande, keine Rotte verwegener Zigeuner, sondern ein ein- zelner Mensch, bis zum Tag vorher ein ruhiger, angesehener Bürger, Lehrer aus dem benachbarten Degerloch und Schwieger- söhn des Adlerwirts im Dorf. Dieser Mann hat zuerst zu Hause seine Frau und seine vier Kinder getötet, ist mit drei Revowern und ein paar hundert Patronen in der Nacht mit dem Fahrrao nach Mühlhausen gefahren und hat dort an vier verschiedenen Stellen Feuer gelegt. Fast scheint es, als habe er durch die Feuersbrunst die Bauern vor die Pistole locken wollen. Aus allen Häusern stürzten sie zum Löschen herbei und über zwanzig hat der Wahnsinnige getötet oder verwundet, bis er selber halb tot- geschlagen und festgenommen wurde. Zuerst stand man wie vor einem Rätsel. Jetzt lüftet sich all- mählich das Geheimnis. Por allem erfährt man, daß der Lehrer Alkoholiker war, ein Stammgast der Stuttgarter Bordelle und mit seiner Frau längst verfallen. Am Wahnsinn, wie Aus- schweifungen ihn vorbereiten, wie verjährte Krankheiten ihn ver- Ursachen können, ist nicht zu zweifeln. Dem widerspricht weder des Mörders Behauptung, er hahe den Plan seit langem gehegt, noch daS scheinbar Planmäßige der Ausführung. Bei solchen Kranken ist einfach ein Teil der geistigen Fähigkeiten wie aus- gestrichen, sie können Wohl noch planmäßig handeln, aber sie haben kein Urteil mehr über ihre Handlungen und deren Folgen. Ihnen erscheint das Ungewöhnlichste als natürlich und notwendig. Das ist wohl der Fall dieses Mörders. Man sieht ja, wie sich seine Handlungen steigern, wie der Blutdurst wächst und nach der Ver- Haftung der gänzliche Zusammenbruch, stundenlange Ohnmacht über ihn kommt. Die Ermordung der Familie geschieht, ohne daß ein Mensch im Hause etwas merkt. Er hängt sogar noch einen Zettel an die Tür, sie alle befänden sich auf einem Ausflug. Auch das Feuer legt er noch wohlbedacht an vier verschiedenen Stellen, um den Aufruhr zu vergrößern. Dann aber kommt der grüß- lichste Wahnsinn über ihn, auf jeden Menschen schießt er, der sich sehen läßt, er rast durch das aufgeschreckte Dorf, knallt links unv rechts, bis er von den Verfolgern niedergeschlagen wird. Daß es ein Wahnsinniger ist, der dies unvergleichliche Un- glück angerichtet hat, ist außer Frage. War schon klar, ehe man seine hinterlassenen„Aufrufe an mein Volk" zu Gesicht bekani. Geilheit und Trunksucht sind die Ammen dieser Tollwut. Daß der Mörder bei der Verhaftung ganz vernünftig geantwortet habe, bedeutet gar nichts. So hohe Spann ungszustände können nicht anhalten. Haben denn nicht auch die Bauern in ihrem Jammer und ihrer Wut den Mann fast in Stücke geschlagen, so daß ihm ein Arm abgenommen werden mußte? Sicher versteht das jeder, aber auch das ist eine Art Wahnsinn, wie ihn Verzweiflung und schmerzliche Wut gebären. In Mühlhausen hat sich eines wieder blutrot gezeigt: wie dünn die Wand ist, die den Menschen vom Raubtier trennt. Wie umlauert die vielgepriesene Vernunft ist, wie schrecklich auch nur ein Augenblick der Vergessenheit. Liu Kampf auf Leben und Cod. 0 11 unserem Korrespondenten.) Dublin, 5. September. Der Schlag ist gefallen. Die Unternehmer Dublins haben beschlossen, alle Mitglieder der„Jrish Transport and General Workers' Union" auszusperren. Während die Arbeiter der irischen Hauptstadt ihrem Kameraden Nolan ein Begräbnis gaben, wie Dublin es noch nie gesehen, beschlossen die Arbeit- geber unter dem Vorsitz des Scharfmachers Murphy die all- gemeine Attacke auf die verhaßte Gewerkscl)aft. Dank seiner imtverzweigten wirtschaftlichen Macht ist es dem Herrn Murphy gelungen, fast alle Arbeitgeber zu bewegen, folgenden Resolutionen und folgendem Vertrage zuzustimmen: Resolution I. Diese Versammlung von Arbeitgebern gibt ihren freund- schaftlichen Gefühlen gegenüber der Gewerkschaftsbewegung Aus- druck und erklärt hierdurch, daß die von der Irischen Transport- und Allgemeinen Arbeiter-Gewerkschaft(die nur dem Namen nach eine Gewerkschaft ist) geschaffene Lage eine Drohung für alle gewerbliche Organisation darstellt und unerträglich geworden ist. Resolution II. Um die bestehende Situation erfolgreich beherrschen zu können, sollten sich alle Arbeitgeber verpflichten, in der Aktion gemein- sam eine Richtung zu verfolgen, indem sie den folgenden Vertrag unterzeichnen. Vertrag. Wir verpflichten uns hierdurch, in Zukunft keine Per- sonen zu beschäftigen, die fortfahren. Mit- glieder der..Jrish Transport and Gener al Möckers' Unio n" zu sein, und irgendeine Person, die sich weigert, unsere gesetzmäßigen und vernünftigen Anweisungen oder die Anweisungen ihrer Vorgesetzten auszuführen, wird so- fort entlassen werden, zu welcher Gewerkschaft sie auch gehören mag. Wenn ein Beschluß geeignet war, alle irischen Arbeiter zusammenzuschmieden und ihnen die tatkräftige Sympathie ihrex Brüder in Großbritannien zu sichern, so war«s dieser. Es herrscht daher auch unter den Transportarheitern die An- ficht, datz Herr Murphy in seiner blinden Wut dtesm»! arg daneben gehauen und sich selbst geschadet hat. Es besteht jedoch die Gefahr, daß es den Arbeitgebern und ihrer Presse gelingt, die Oeffentlichkeit irrezuführen. Wie aus der ersten Resolution hervorgeht, wollen sie die Trans- portarbeiter-Union nicht als Gewerkschaft gelten lassen. Sie behaupten, diese Organisation predig« den revolutionären Syndikalismus, halte keine Verträge und werde lediglich durch die Laune des Generalsekretärs L a r k i n geleitet, der sich als gewalttätiger Despot gebärde. Einzelne Blätter reden daher auch vom„Larkinismus". Den Unternehmern steht vor allen Dingen die katholische G ei st l i ch k e i t bei, die mit Schrecken wahrnimmt, daß ihr die Zügel der Herr- schaft über die Massen aus den Händen gleiten. Sie siehtjn der emporstrebenden Transportarbeitergewerkschaft das dräu- ende Gestienst des irischen Sozialismus. Larkin bekennt sich offen zum Sozialismus und Cormolly und andere Führer der Transportarbeiter spielen eine hervorragende Rolle in der noch jungen irischen sozialistischen Partei(der irischen Jude- . pendent Labour Party). Die beiden Auffassungen kommen auch gemischt vor. So in dem Organ des Scharfmachers Murphy, dem„Jrish Jndependent", der bei starker Unterstützung der Hierarchie den populären Rationalismus predigt, ohne den kein Geschäft zu machen ist. Hier sind einige Sätze aus dem heutigen Leitartikel des Blattes: „Herr Keir Hardie kam nach Dublin, um die Politik seines sozialdemokratischen Genossen zu rechtfertigen und die Motive seiner Agitation zu � bekennen. Herr Larkin ist ein sielfersbelfer, wenn nicht gar ein gekaufter Emissär der britischen Sozialisten, und seine Rolle als Arbeiterführer war ein'schlecht sitzendes Mäntelchen für seine wahren Absichten.... Die, Machinationen der Larkinclique sind schuld daran, daß zurzeit' wenigstens MOO Arbeiter in dieser Stadt arbeitslos sind und daß wahrscheinlich innerhalb der nächsten paar Tage noch mehrere Tausend ihre Beschäftigung verlieren werden. Doch wie groß auch die Strafe dafür, daß wir den Larkinismus so lange ge- litten haben, sein mag, wir raten der Stadt, sich lieber jetzt auf das Schlimmste vorzubereiten, als in der Zukunft das Joch einer gemeinsamen und brutalen Despotie zu ertragen." Diese Sätze zeigen, was in Dublin die Glocke geschlagen hat. Was ist nun diese vermaledeite Transportarbeitergewerk- schaft in Wirklichkeit? Zunächst muß man sich vergegenwärtigen, daß Irland stets in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung ein Menschen- alter hinter England einherhumpelt. Die Armut der Bevöl- kerung ist weltbekannt. Lebenshaltung und Löhne der Ar- bester sind weit niedriger als in der Schwesterinsel. Es gibt hier in Dublin erwachsene Arbeiter, die nicht mehr als IL bis 17 Schilling die Woche verdienen. 2l)0(X) Dubliner Arbeiterfamilien haben nur einen Wohnraum zur Verfügung. Also etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt in Verhältnissen, die ein vernünftiger Landwirt für sein Vieh als zu schlecht befinden würde, und zwar in elenden Spelunken, die denen gleichen, die vorgestern abend plötzlich einstürzten und 7 Per- sonen(wie es sich jetzt herausgestellt) unter ihren Trümmern begruben. Ter kleinbürgerliche nationalistische Gemeinderat Dublins bezeugt kein Interesse für diese Massenarmut. Die Fntcressen der Hauspaschas sind ihm wichtiger. So erklärt �.Besitzerin der beiden eingestürzten Spelunken,, daß erst vor nrrzem die Häuser repariert und von der städtischen Behörde als— bewohnnngsfähig befunden wurden. In jedcni ein- zelnen Zimmer dieser Baracke lebte eine Familie von 4 bis ff-ä�öpfen.'- Tie gewerkschaftliche Organisation war bis vor einigen Jahren im allgemeinen auf die gelernten Arbeiter beschränkt, deren kleine Organisationen von den engen Ge- sichtspunkten der alten englischen Gewerkschaften aus geleitet wurden. Streikten im Baugewerbe z. B. die Maurer, so ar- beiteten die Zimmerleute ruhig weiter. Und die Hilfs- arbeiter? Nun, die konnten zusehen, wo sie mittlerweile blieben. Diese mißlichen gewerkschaftliche» Verhältnisse haben sich seit der Gründung der irischen TransportarbeitergeU'crk- schaft sehr wesentlich geändert. Das schnelle Anwachsen dieser Bewegung der vorwiegend ungelernten Arbeiter ist nichts Zu- fälliges. Ganz falsch ist es, den Umschwung auf die„Treibe- reien" des böswilligen Jim Larkin zurückzuführen, wie es die Bourgeois tun. Begünstigt wurde die E.ntwickelung vor allen Dingen durch die vorläufige Lösung der irischen L a n d f r a g e, die das ganze Denken und Trachten der letzten Generation in Anspruch nahm. Ferner hat die mächtige gewerkschaftliche Entwickelung Englands in den letzten Jahren eine starke Rückwirkung auf Irland ausgeübt. Wie von der englischen Bewegung behauptet wurde, so wird auch jetzt von der irischen gesagt, daß sie einen revolu- tionären syndikalistischen Charakter trage. Was sind nun die � Tatsachen? Die irische Transportarbeitergewerkschaft hat rn den letzten Jahren(seit 1908) olle Kategorien Transportarbeiter und die von den älteren Spczialgewerkschaften vernachlässigten Hilfsarbeiter organisiert. Auch unter den Landarbeitern hat sie erfolgreich gewirkt. Ueberhaupt hat sie ihr Wirkungsfeld unter der großen Masse der(ungelernten) Arbeiter, die im englischen als„labourers" bezeichnet werden. Innerhalb der Gewerkschaft bestehen verschiedene Sektionen: die Sektion der Fuhrleute, Bauhilfsarbeiter, Straßenbahner usw. Alle Gelder fließen in eine Zentralkasse und der Zentralvorstand beschließt die einzulestenden Aktionen. Der Beitrag beläuft sich auf 3 Pence die Woche. Dafür wird Streikgeld und Unterstützung bei Aussperrungen bezahlt und die Angehörigen eines ver- storbenen Mitgliedes erhalten ein Sterbegeld von 0 Pfund Sterling- stirbt die Frau eines Mitgliedes, so erhält dieses 3 Pfund Sterbegeld. Die Gewerkschaft Hot auch eine dem Versicherungsgesetz unterstehende Krankenkasse gegründet, der etwa 16 000 ihrer Mitglieder angehören. Diese Tatsache allein zeigt, daß es sich nicht um eine pilzortig in die Höhe geschossene Organisation handelt, die wenig lebensfähig ist, sondern daß die Leiter bemüht sind, die Organisation fest zu verankern. In anderen Teilen Irlands haben die katholischen Priester die Organisation von staatlichen Krankenkassen über- nommen, um dadurch ihre Macht zu verstärken. Die Organi- sation sucht nicht allein die Lage ihrer Mitglieder durch Lohn- känchfe zu heben, sondern kommt auch den streikenden gelernten Berufen zur Hilfe, indem sie den Transport der Waren der bestreikten Betriebe zu verhindern sucht oder derartige Waren boykottiert und auch den bestreikten Betrieben ihre Mitglieder entzieht. Durch diese Takstk hat sie sich die Sympathien der gelernten Berufe erworben, die zuerst die neue Gewerkschaft init Mißtrauen ansahen. Heute ist es das Dubliner GeWerk- srffaftskartell, wo die Vextreter der alten kleinen Gewerkschaften vorherrschend sind, das am energischsten für die Transport- arb«iter eintritt. Die Transportarbeitergewerkschaft hat jetzt gegen L0 000 Mitglieder in Irland(davon 20 000 in Dublin) rmd ist numerisch die stärkste Organisation hes Landes. Sie hat 7—8 000 Pfund Sterling in der Kasse. Ihre geWerk- l schaftlichen Erfolge sind nicht unbedeutend. In den Selter- Wasserfabriken hat sie den Arbeitern eine. Lohnerhöhung von >(W Schilling die Woche verschafft. In diesem Jahre noch : gelang es ihr, den Lohn der Dubliner Dockarbeiter von 27 ' auf 30 Schilling die Woche zu erhöhen. In der Grafschaft ' Dublin hat sie in diesem Sommer 2— 3 000 Landarbeitern, den : schlechtestbezahlten Arbeitern im vereinigten Königreich, eine > Lohnzulage von 3 Schilling die Woche verschafft. Diese und ! ähnliche Erfolge haben dazu beigetragen, daß die proletarischen Massen der irischen Hauptstadt, die jetzt einen Stützpunkt ge- ftlnden haben, den Kopf etwas höher halten und nicht mehr > geduldig die gewohnte Behandlung und das Elend ertragen, von deni ihnen der Priester erst später im Himmel Erlösung verspricht. Dies ist den Unternehmern gewiß nicht angenehm. Sie können sich an die neue Situation— an das Arbeiten mit Arbeitern, die zum Bewußtsein ihrer Würde erwachen—.nicht gewöhnen. Sie zetern über Insubordination, über Kontrakt- bruch und Sympathiestreik. Es ist leicht möglich, daß bei dieser jungen Organisation mit temperamentvollen Führern manchmal über die Schnur gehauen worden ist. Aber jetzt, da die Führer im Gefängnis sitzen und sich nicht verteidigen können, ist wirklich nicht die Zeit da, um diese Vorwände der Unternehmer auf ihre Stichhaltigkeit hin zu prüfen. Eines geht aus der verwickelten Situatwn jedoch klar hervor: Die Unternehmer wollen den Arbeitern diktieren, zu welcher Ge- werkschaft sie gehören dürfen. Man kennt diese Sorte Ge- werkschaften, die sie ans Herz drücken. Für die Straßen- bahner hat man schon eine gelbe Organisation gegründet. Und wer hat sie gegründet?— Herr N u g e n t, der Sekretär - des„Ancient Order of Hibernians", die rechte Hand des na- tionalistischen Parlanientsmitgtieds D e o l i n, der ein echter Demokrat und Kämpe der irischen Arbeiter sein will! Man richtet sich zurzeit auf einen harten Kampf ein. Der Oberbürgermeister hat versucht, vermittelnd einzu- greifen. Aber seine Haltung wie die der nationalistischen Parlamentsmitglieder und der nationalistischen Stadtverord- neten ist sehr schwächlich. Sie wagen es nicht, dem anmaßen- den Unternehmertum ein Härchen zu krümmen, und der Ar- beiterschaft gegenüber kommen sie nicht über wohlklingende Plattheiten hinaus. Man kennt die Motive dieses Eier- tanzes: jeder Arbeiter der Stadt kann einen darüber auf- klären! Im Januar müssen sich Oberbürgermeister und eine Anzahl Stadtverordneten der Neuwahl unterziehen, und die irische Arbeiterpartei rüstet schon seit Wochen grimmig zum Wahlkampf. Weshalb hat der Oberbürgermeister nicht letzten Sonntag die Proklamation des englischen Statthalters, die die Versammlung in der O'Connel Street verbot, mit einer Gegenproklomation beantwortet? fragen sich die proletarischen Bürger Dublins.— Ob er bis zum Januar eine Antwort finden wird?' WeitereStraßentumultesindnichtzuer- w a r t e n. Die Arbeiter hoffen zuversichtlich auf den end- gültigen Sieg ihrer Sache. Das Bewußtsein, daß ihnen ihre Brüder in England' zu Hilfe kommen werden, hat die Ge- mllter beruhigt, die vorher sehr geneigt waren, den unifor- inierten Rowdies die brutalen Ueberfälle der wehrlosen und ordentlichen Volksmassen heimzuzahlen. Und Polizisten und Gendarmen babey. Angst bekommen. Sie haben ihre Knüppel aus zu viele Köpfe aus den„besseren" Kreisen niedersansen lassen, die jetzt wutschnaubend die Bestrafung der Schuldigen versangen.._______ politische deberNckt. Zur Massenstrcikfrage. Ter Parteivorstand wird dem Parteitage in Jena die folgende Resolution vorlegen: „Nach dem voin Mannheimer Parteitag(1906) be- stätigten Beschluß des Jenaer Parteitages(1905) ist die um- fassendste Anwendung der Massenarbeitseinstellung ge« gebenenfalls als eines der wirksamsten Mittel zu betrachten, nicht nur uni Angriffe aüf bestehende VolkSrecht« abzuwehren, sondern um Volksrechte neu zu erobern. Tie Eroberung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zu allen Vcrtretungskörpern ist eine der Vorbedingungen für den Befreiungskampf des Proletariats. Das Dreiklassenwahlrecht entrechtet die Besitzlosen nicht nur, sondern hemmt sie in allen ihren Bestrebungen auf Ver- besserung ihrer Lebenshaltung: es macht die schlimmsten Fernde gewerkschaftlicher Betätigung und sozialen Fortschritts, die Junkerkaste, zum Beherrscher der Gesetzgebung. Darum fordert der Parteitag die entrechteten Massen auf. im Kampfe gegen das Dreiklassenunrecht alle Kräfte anzuspannen in dem Bewußtsein, daß dieser Kampf ohne große Opfer incht siegreich durchgeführt werden kann. Indern der Parteitag den Massenstreik als unfehlbares und jederzeit anwendbares Mittel zur Beseitigung sozialer Schäden im Sinne der anarchistischen Ausfassung verlvirft, spricht er zugleich die Ueberzeugung aus, daß die Arbeiter- schaft für die Erringung der politischen Gleichberechtigung ihre ganze Kraft einsetzen muß. Der politische Massenstreik kann nur bei vollkommener Einigkeit aller Organe der Ar- beiterbewegung von klassenbewußten, für die letzten Ziele des Sozialisinus begeisterten und zu jedem Opfer bereiten Massen geführt werden. Der Parteitag macht es deshalb den Parteigenosien zur Pflicht, unermüdlich für den Ausbau der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen zu wirken."__ Die Steuerpflicht der Fürsten. Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt, daß„die deutschen Bundesfürsten, sobald der Wehrbeitrag zur Erhebung gelangt, ihre Beiträge so entrichten werden, als ivenn sie den Bestimmungen des W c hr b c itra g s g e s e tz es unterworfen wären". Unserer Auffassung nach sind die Fürsten dem Wehr- beitragsgesetz unterworfen und es muß verlangt werden, daß die Einschätzung ihres Vermögens von den Behörden nach den gleichen Grundsätzen und mit der gleichen Genauigkeit er- folgt wie bei anderen Staatsbürgern. Wird das Erfurter Kriegsgerichtsurtcil Reformen zeitigen? Unter dieser Ueberschrifr äutzert sich die halboffiziöse Kor- respondenz Woth: .Das neue Kriegsgerichtsurteil loird auch jetzt noch bekämpft loerden, weil eS ziemlich hohe Strafen ausspricht. Das Urteil an sich soll hier nicht angegriffen werden, eS lag eine Widersetzlichkeit gegen einen militärischen Vorgesetzten vor und nach dem Gesetz ist dies strafbar. ES sei hie? nur die Frag« angerollt, läßt sich das Gesetz, läßt sich die ganze Institution der Kontrollversammlung nicht ändern? Es ist vorgeschlagen worden, die Militärgerichtsbarkeit an Kontrolltagen uur auf die eigentliche Kontrollversammlung aus» zudehnen, deren Zeit sich genau feststellen läßt. Bei diesen Kontroll» Versammlungen ereignen sich höchst selten Zwischenfälle, da sie meist morgens stattfinden, wenn die Leute noch nüchtern sind. Die Leute sind oft viele Kilometer zur Kon.trollversammlung gelaufen, dort ein bis zwei Stunden gestanden. Sie haben also das Bedürfnis, in einer Kneipe auszuruhen und sich zu erfrischen. An diesen Orten kommt es zu WirtichaftSstreitigkeiten, die sonst mit Geldstrafe ge« ahndet iverden. Bei den Kontrollversämmlungen wagt niemand eine Widersetzlichkeit gegen einen Vorgesetzten, der Gendarm wird als Vorgesetzter später nicht mehr angesehen. ES muß nun unterschieden werden zwischen einer Widersetzlichkeit gegen einen Vorgesetzten in der Front, gegen einen Gendarmen in der Kneipe und gegen einen Polizeisergeanten. Wäre der Gendarm im Erfurter Falle nicht er» schienen, sondern nur Polizeibeamte, so hätte der Fall ein ganz anderes Gesicht erhalten. Wie oft kommt es vor, daß jemand eine Kontrollversammlung ohne Absicht versäumt und er obne sein Wissen einen Tag unter Militärgesetz stand. Eine Unbedachtheit an diesem Tage kann ihn monatelang seinem Berufe entziehen.— Es besteht vorläufig keine Hoffnung, daß eine Reform hier eintreten wird." „Berliner" nnd„Kölner". Außer dem früheren Neichstagsabzeordneten Roeren hat auch der Dechant Backes aus Bliegen(Kr. St. Wendest eine Streitschrift gegen die Kölner Richtung der Zentrumspartei und gegen die christ- lichen Gewerkschaften erscheinen lassen. Den christlichen GeWerk- schaftsführern wirst er vor, aus rein agitatorischen Gründen die Lohnkomödie im Saarrevier eingeleitet zu haben, und der.Kölnischen Volkszeitung" sagt er nach, mit nicht einwandfreien Mitteln diese Be- wegung unterstützt zu baden. Er verteidigt nachträglich nochmals die Geist» lichen Berliner Richtung und den Bischof von Trier gegen die Schmähungen und Verunglnnpfungen durch christliche Gewerkschafts» führer. Der Bischof und seine ihm ireugesimiten Priester Höllen nur ihre katholische pricsterliche Pflicht erfüllt, als sie die saarabiichen Berg- arbeiter vor cin�m Streik warnten. Im übrigen Kätlen selbst christliche hoher�esiellte Gewerlschastsstihrer die Meinung des Bischofs und der Geistlichkeit über die Aussichtslosigkeit eines Streiks geteilt, wenn sie und die.Kölnische Volkszeitung" während der Bewegung nach außen hin auch da? Gegenteil erklärt hätten. Das Vorgehen des„Berglnappen" gegen den Bischof von Trier sei.lächerlich",.anmaßend",„selb st überhebend", .unwahr",„einseitig",.unvereinbar mit den Weisungen des Papstes",.beleidigend",.un» erhört",.verhetzend" und.ehrfurchtsloS" gewesen. ES könne nicht wundernehmen, daß der.Bergknappe", das Organ de» Gcwerkvereins christlicher Bergleute, eine solche Sprache gegen den Bischof von Trier geftihrt habe, Herr Stegerwald sei ja in seinem bekannten Brief an Bachem mit Schmähungen und Be- schimpsungen über den Bischof vorausgegangen, ohne daß er bisher ein Wort des Bedauerns wegen seiner Handlungsweise gefunden hätte. Die christlichen Gewerkschaftsführer hätten iin Saarrevier während des Streiks auch die politische Einheit der Katholiken ge» schädigt. Sie und die hinter ihnen stehende.Saarziost' hätten gegen Zentrumsabgeordnete die schärssien Beschuldigungen erhoben. Vor» nehmlich sei gegen den Abg. Koßmann in seiner Eigenschaft als Zentrumsabgeordneter gehetzt worden. Sie hätten dadurch die Parteidisziplin durchbrochen. Herr Fustizrat T r i m b o r n habe auf dem Zentrumsparteitng am IS. und t7. Oktober ISIS in Neuiikirchen unter Hinweis auf den katholischen Gewerkschaftsstreit im Saarrevicr erklärt, .daß beide Organisationen sbie christlichen Gcwerk- schasten und die katholische» Fachabteilungen d. V.) im Zentrum sich zusammenfinden könnten, daß das Zentrum nicht der Boden sei, auf welchem die Gewerkschafrsfrage gelöst werden konnte und beide Richtungen dem Zentrum dienen wollten". Daß Backes diese engen Beziehungen der christlichen GeWerk» schafteu zum Zentrum noch weiter, nicht nur mit obigem Zitat, aus» einaudersetzl, ist sehr löblich und zeigt uns, was von der politischen Neutralität der christlichen Gewerkschaften zu halten ist. DaS Vorgeyen der Kölner Richtung im Zentrum sowie das bis- herige Verhalteu der christlichen Gewerkschaften und ihrer Führer bestimme die Geistlichen Berliner Richtung auf dem vom Papst und vom Bischof von Trier vorgezeichneten Weg unverdrossen fortzuschreiten. DaS Gewissen gebiete ihnen solche». Gegen die religiöse Zwangserziehung der Dissidcntcnkindcr. Anläßlich der VII. Hauptversammlung des Deutschen Monisten- bundeS fand vorher eine Tagung des Weimarer Kartells statt, einer Vereinigung der Freidenker, Monisten und Freireligiösen Deutschlands. Alle größeren Verbände waren vertreten. Den Vorsitz führte Stadtrat Dr. Penzig- Charlottcnburg. Die Verhandlungen nahmen einen angeregten Verlauf. An Stelle des bisherigen ersten Vorsitzenden Dr.� Pfungst-Frankfurt, der verstorben ist, wurde Prof. Heinr. Rößler-Franltun a. M. einstimmig gewählt. Als notwendigstes Ziel der gesamten freigeistig-monistischen Bewegung wurde die Erringmig eines kouscssionslosen Moralunter» richts an Stelle des konfessionellen Religionsunterrichts erkannt und daher solgende Resolution gefaßt: Die in Düsseldorf am 4. September 1S13 versammelten Delegierten des Weimarer Kartells(Kartell der freigeistigen Ver- eine Deutichlands) verlangen wiederholt von den parlamen- tarischen Körperschaften und Minislerialbehörden P r c u ß e n S die endliche Verwirklichung der verfassungsmäßig garaiitiertcu Gewissensfreiheit für die Kinder der zu Hunderltaui'endcn angc» wachsenen Dissidenten. Sie protestieren gegen die von den Schul» behörden, unter Billigung der Verwaltungsbehörden und Lienchte, betätigte zwangsweise Einschulung der Dissidcnlenlimer in ciuen schulplanmäßigen Religionsunterricht, der die Kinder nicht nur mit den christlichen Lehren bekannt machen, sondern bestimmungsgemäß zu. täuge» Gliedern der christlichen Kirche heranbilden soll. Sic a" öaS Pflichtgefühl aller politisch und kulturell.steih-itlich Gerichteten jeglicher Parteistellung sowie an das Gewitieu aller wahrhast religiös Ge» finnren jeglichen GlaubenSbelenntnisscS. fie dahin� zu unterstützen, diesen mit dem Begriff echter ��Ü>at>lat unvereinbaren und mit der Veifassung im Widerspruch stehenden Zwang niederzuringen. Die Zoflcner Grnndftiltksspekulqtionen. Die Angelegenheit �er Zossener Grundstücksspekulationen will nicht zur Ruhe kommen. Wie bergniit, hatte der MilitärfiskuZ in Zossen ein großes Terram zu IlebungSzwecken gekauft. Es handelte sich um ei» Objekt von zirka 16 Millionen Mark. In den beteiligten Gemeinden erregte eS große Unzufriedenheit, daß Terrainspekulanten sich zwischen sie und den FlSkiiS gedrängt und die billig von Ein- wohnern erworbenen Terrains an die Militärbehörde weiter verkauft und dabei einen Zwischengcwinn von schätzungsweise 4 Millionen erzielt haben sollen.� Der Pfarrer Stier in Motzen, der sich zum Wortführer der Geschädigten gemacht hatte, hat infolge des heftigen Kampfes, den er geführt, eine Strafversetzung davongetragen. ES gelang nicht, die Speku- lationen in einem öffentlichen Gerichtsverfahren klarzulegen. Jetzt hat nun Direktor Sebald zu Steglitz, nachdem er vergeblich bei dem Justizmiiiister Strafantrag gegen sich selbst wegen der- schiedcner Zeilungsartikel gestellt hatte, beim KriegSminisicr v. Falkenhain beantragt, gegen den Wirkt. Geh. KriegSrat Seile ein Disziplinarverfahren einzuleiten, um zu ermitteln, inwieweit unlautere Manipulationen vorgekommen wären; eS sollte dadurch Herrn Seile Gelegenheit gegeben werden. seine Unschuld durch Zeugenaussage klar darzutun und zugleich versucht werden, die Schuldigen herauszubekommen. Ob- wohl der frühere KnegSminister v. Heeringen auf eine Eingabe des Direktors See bald nicht reagiert hatte, stellte sein Nachfolger pegen den letzteren Strofantrag wegen des erwähnten Schreibens. Direktor Sebald, dem die Rechtsanwälte Bahn und Ä n i e p als Verteidiger zur Seite stehen, ist am 4. dieses Monats vor dem Amtsgericht Schöueberg verantwortlich vernommen worden. Es wird bei Gelegenheit dieses Verfahrens die Affäre Stier sicherlich noch- mals aufgerollt werden. Gruft duS Kchlheim. Die gewissenlose Hetze, die die bayerische Zentruinspresse seit langem gegen die ihr unbequeme Satire betreibt und die erst dieser Tage zu einem Verbot des Aushanges des„Simpli- rissimus" in Bayern führte, hat die bayerischen Behörden zu einer neuen Justizaktion angeregt. Wie uns ein Privat- telegramm aus Bayreuth meldet, ist die Sonnabend- »rummer unseres dortigen Parteiblattes, der„Fränkischen Volkstribiine", wegen Majcstätsbeleidigung kon- fisziert worden. Tie Ursache dazu war die harmlose bildliche Satire über Kehlhcim, die der„Vorwärts" am Montag ge- bracht hatte. Nur die Hälfte der Ariflage ist der Polizei in die Hände gefallen. Natürlich ist gegen die durchaus un- gerechtfertigte Konfiskation sofort Beschwerde erhoben worden. Die mit so gewaltigem Kraftaufwandc begonnene Justiz- aktion wird sicher hilflos im Sande verlaufen. Die Unzulänglichkeit der Witwen- und Waisen- Versicherung. Ein intcreffanteS Geständnis enthält der Geschäftsbericht der Landesver s icher ungsan st alt Baden im Anschlutz an die Darstellung der gesetzlichen Leistungen im Jahre 1S12. Es ist da wörtlich zu lesen: .Daß die Witwenrenten mit 7ö M. und die Waisenrenten mit llt M. z u niedrig gegriffen sind, ist allerseits an- erkannt. Datz die Arbeilerschafl durch eine Volksversiche- rung hier eingreift, kann nicht überraschen. ES wird wohl zu er- wägen sein, ob die vorhandenen grotzenMittel derReichs- Versicherung die Anfbefscruiig der Hintcrblicbenenvcrsichernng nicht gestatten.' Das haben sich die bürgerlichen Lobredner unserer Reichs- Versicherung wohl kaum träumen lassen, datz ihrem Werk schon nach so kurzer Zeit ein so vernichtendes Urteil aus berufenem Munde gesprochen wird. Mit diesem Urteil findet die an der Hinterbliebenenversicherung von sozialdemokratischer Seit« geübte Kritik ihre Bestätigung. Scherl. Wie die„Neue Gel. Korr." mitteilt, sieht sich Herr A u g u st S ch e r l genötigt, vor Ablauf eines Jahres eine grötzere Suninie— man spricht von acht Millionen Mark— aufzubringen. Zu diesem Zweck bat sich eine Finanzgruppe gebildet, an deren Spitze der Gc- Heime Rcgieruitgsrat Dr. v. Bötti n g e r.steht. Herr Scherl soll aus jeden Fall als Verleger aus dem öffentlichen Leben ausscheiden. Herr v. Böltinger ist. wie wir hinzufügen möchten, Mitglied der nationalliberalen Fraktion des Abgeordnetenhauses, auf deren rechtem Flügel er steht. An der osfiziös-reaktionären Haltung der Scherl- Zeitungen würde sich also durch diese Transaktion nichts ändern. Wieder ein Wahlrcchtsraub in Altona. Schon vor einigen Tagen schwirrten Gerüchte durch die bürger- lichen Blätter Hamburg-Altonas. datz der Magistrat von Altona «ine abermalige Verschlechterung des Wahlrechts zu den städtischen Kcllcgicn vorbereite. Nun ist die Vorlage heraus- gekommen. Danach hat der Magistrat es zwar nicht gewagt, schon wieder eine ZensuScrhöhung vorzunehmen. Aber in einer anderen, raffinierten Weise sucht man den Einskutz der Nrbcitcrstiminen abzuschwächen. Während bisher die Stadt einen einzigen Wahl- bezirk bildete, soll das Gebiet jetzt in fünf Bezirke zerlegt werden. .ier Einteilungsplan, den der Magistrat der Vorlage beigibt, vcr- rät nur zu deutlich die reaktionären Absichten,"die die Wahlrechts- räubcr im Magistrat hegen. Eine äußerst geschickte Wahlkreis- gconietric, welche die großen Arbciterquarticrc von den Wohn- vierteln des..besseren" Bürgertums in Altona scharf abgrenzt, soll den Erfolg haben, wie von Rechenkünstlern bereits verkündigt wird, datz den Sozialdemokraten von den acht Mandaten, um die im November d. I. gekömpst wird, nur zwei zufallen. Altona, die Stadt, in der Bcrdellwirte die höchste Klasse der Steuerzahler darstellen, sieht wahrscheinlich seine nationale Industrie gefährdet, wenn zu viel von den Sozis ins Stadtpnrlamcnt ein- dringen. Daher jagt ein Wahlrechtsraub den andern. Unsere Genossen haben den ihnen vom Magistrat hinge- worfencn Fehdehandschuh prompt aufgenommen. Bereits heute, Sonntag, wird ein Flugblatt erscheinen, das die schamlosen renk. tionärcn Pläne der Wahlrechtsräubcr in die breiteste Oeffenklich. lcit trägt.'. � Ter irrsinnige„Attentäter". Die reaktionäre Presse ist um einen ÄgilaiionSstoff gebracht worden. Bekanntlich hat am 4. Mai d. I. ein gewisser Jung lTapcziem) in M a n n h- i m ans p,.» Grotzhcrzog einen « t lcntatSversuch unternommen. Damals versuchte die reaktiv- näre und vor allem auch die Zentrumspresse, diesen Vorfall als die ksolge sozialdemokratischer Verhetzung hinzustellen, obwohl sofort sestgeftcllt worden war, datz der Altentäler ein dem Trünke ergebener Mensch ist. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft in Man»- � 6" n 8 �utzerVerfolgung gesetzt, da die ärztlichen Beobachiiliigen mit dem Ergebnis abschlössen, datz Jung für, seine Hauolungeu nicht verantwortlich gemacht werden kann. Er wurde als vorerst unheilbar in die Irrenanstalt Wiesbach eingewiesen. Mit diesem Abschlutz sind der Reaktion alle Felle weggeschwommen. Das Zentrum in Baden hoffte angesichts der bevorstehenden Landtogswahl noch immer auf einen Prozetz, au« dem eS Stoff zur Hetze gegen die Sozialdemokratie ziehen wollte. Mittelarrest für die Herren Borqesetztcn— strenger Arrest für den Untergebenen. Das Königsberg« Kriegsgericht hat dieser Tage zwei Urteile gefällt, deren Perglcich recht interessant ist. Ein Uuleroffizier vom Pionierbataillon Nr. 1 hatte sich wegen Mitzhandlnng eines Unter- gebenen zu verantworten, der Vorgesetzte bei der Be- sichtigung der Gewehre in der Waffe eines Pioniers etwa« Schmutz fand, schlug er zweimal mit der Faust derart gegen den Gewehr- lolh-n, daß dieser dem P»onur gegen den Kopf flog. sein linkes Luge traf und dieses so verletzte, datz er einige Tage keinen Auhendienst versehen konnte. Mit dieser Mißhandlung begnügte sich der Unteroffizier aber noch nicht. Er be- fahl vielmehr, als er sah, daß der Mitzhandelte die Hand auf das verletzte Aug- legte, dem Manne, stehen zu bleiben und die Hand vom Auge zu nehmen. Darauf versetzte er ihm noch fünf bis sechs Ohrfeigen. Und für all diese Roheiten er- bielt der Unteroffizier.unter Berücksichtigung seiner bisherigen guten Dienstführung' 44 Tage Mittclarrest!! Viel strenger fiel dnS Urteil gegen einen Grenadier aus, der sich „wegen Beharrens im Ungehorsam und Achtungsverletzung', die als Drohung ausgcfatzt wurde, vor demselben Kriegsgericht zu ver- antworten halte. Dieser Mann war dem Befehl eines Gefreiten, bei der Empfangnahme des Brotes zu helfen, nicht nachgeloinmen und er war auch dem Befehl nicht gefolgt, als dieser zum zweiten Male an ihn ergangen war. Er hatte vielmehr gesagt, dem Gefreiten würde später manches verschwinden und auch passieren. Der Soldat hatte sich im Glauben befunden, datz er als„Stammmann" die Tätigkeit, die von ihm verlangt worden war, nicht aussühren brauchte, sondern datz sie von Rekruten gemacht werden mutzte. Er erhielt für sein geringfügiges Vergehen 16 Tage strengen Arrest!! Die Saikanfragen. Griechenland und die Türkei. Athen, 5. September. Der Minister des Aeutzern P a n a S ist nach Lutraki abgereist, um dem Ministerpräsidenten Benizelos einen Plan hinsichtlich der endgültigen griechischen Vorschläge für die Wiederaufnahme der diplomatischenBeziehungen zwischen Griechenland und der Türkei zu unterbreiten. Der türkische Delegierte R e s ch i d B e y wird morgen nach Konstantinopel abreisen, um der Psorte den Plan zu unterbreiten. Man glaubt, datz vor Ablauf von vierzehn Tagen alle Fragen c n d- gültig geregell sein werden. DollancL Ter Achtstundentag. Bei den Kommunalwahlen in diesem Sonmier bekam die Stadt gaandam, als die erste grötzere Kommune im Lande, eine sozial- dcmolrotische Mehrheit in der Gemcüidevcrtretung. Diese Mehrheit hat nach Unterhandlungen mit dem Gemeindearbeiterverband den Beschlutz gesatzr. sofort den maximale« Achtstundentag für alle Arbeiter und Angestellte im Gemcindedienst einzuführen. Bis- her hatte der Arbeitstag zehn Stunden. Kurz vor den Wahlen hatte, unter dem Drängen der damals schon sehr verstärltcn Fraktion, der Gemcinderat im Prinzip sich entschlossen, die Arbeitsdauer auf neun Stunden herabzumindern. Sobald unsere Genossen aber die Mehr- heit erobert halten, verwirklichten sie die internationale Arbeiter- forderung des Achtstundentages. KulZUuid. Türkisch-russischer Zusammeustost. Ghoi, 6. September. Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur. Eine russische Truppenabteilung unter dem Obersten Denko, welche wegen der Zusanimenstöhc, die im Tergevcrgebiet zwischen Kurden und Christen stattgefunden hatten, dort cinge- troffen war, wurde ir der Nähe der Ortschaft Chakki von türkischen Truppen, die in persisches Gebiet eingedrungen waren, beschossen. Die russischen Truppen waren genötigt, einen hartnäckigen Kampf aufzunehmen, der ungefähr vier Stunden dauerte und mit der eiligen Flucht der Türken endigte. Di: türkischen Verluste sind sehr bedeutend; aus russijcher Seite wurden zwei Schützen gc- tötet und sechs berwündek. Ehrl,' 6. Se'pteinber.- Die Türken hatten in dem Kampfs-bei Chakki a ch� T o tcundzwölfVexw ch e t e».. Zwei türkische. Offiziere stellten sich heute bei dem russischen Dctachcment vor und drückten ihr Bedauern über den Zwischenfall aus. Sie versprachen, alle türkischen Posten aus persischem Gebiet zurückzuziehen. �apan. Ein Politisches Attentat. Tokio, 6. September. Der Direktor des politischen Bureaus iin Ministerium dcS Aenßern Abs wurde gestern abend durch Dolch sti che schwer verletzt und ist heute seinen Verletzungen erlegen. Dieser Anschlag scheint entweder niit einer Bewegung gegen das Ministerium aus Anlaß der Vorfälle in Nanking in Zusammenhang zu stehen oder auf einer Verwechslung Abes mit Sunyatsen zu beruhen, dein Abs sehr ähnlich sieht. Der Konflikt mit China. Tokio, 6. September. Es verlautet, die Regierung beabsichtige für die E r in o r d u» g der I a p a n e r in N a n k i n g außer der Bestrafung der Schuldigen und Schadenersatz noch besondere Kompensationen zu fordern. Der Premierminister wird dem Kaiser in Nikko über die Entschlietzungen der Regienmg Bericht er« statten. Wenn die Verhandlungen mit China nicht das gewünschte Ergebnis erzielen, wird die Entsendung eines Teiles der zwölften Division Kokura erwartet. Hus der partcu Zur Parteigeschichte Oldenburgs und Ostfricslands. Der Be- prkspartcitag für Oldenburg und Ostfrieslaud hat den Genoffen ?aul Hug in Rüstringen beauftragt, eine Geschichte der Arbeiter- bcwcgung im Bezirke Oldenburg-OstfrieSland zu schreiben. Wer aus sozialisicngesctzlicher Zeit, der Zeit vorher oder unmittelbar nachher irgendwelches Material— Zeitungen oder Zeitungsausschnitte, Briefe, Protokolle. VcreinSbücher usw.— über die Arbeiterbewegung in den genannten Bezirken besitzt, wird ersucht, dasselbe eventuell leihweise dem Genossen Paul Hug in Nüstringen, PetcrS- siratze 20, zu überlassen. Tie Vebcl-Bllste, die der Berliner Bildhauer Julius Obst modelliert hat. ist nunmehr fertiggestellt. Die Abgüffe sind jetzt durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Wir weisen nochmals daraus hin, datz drei verschiedene Größen geliefert werden. Größe A 60 Zentimeter hoch, kostet 20 M., Große B, 60 Zentimeter hoch, tS M.. Größe L, 20 Zentimeter hoch. 2 M. Da anzunehmen ist. datz auch von' anderer Seite Büsten von August Bebel angeboten werden, hat unser Berliner Parteiverlag dafür Sorge gc- tragen, datz jeder Abguß ein kleines Schild..Buchhandlung Bor. wärt», Berlin" trägt. Unsere Genoffen und Genossinnen, die Wert darauf legen, die von dem Bildhauer Obst hergestellte Büste zu er- halten, werden gut tun, auf das angegebene Firmenschild zu achten. polireiticbes. Lericvrttckes ulw. Sozialdemokratie und Meineid. Unter der Stichmarke:„Eine polizeiliche Unver- s ch ä m t h e i t' hatte das„Hamburger Echo" im Januar d. I. im Anschluß an einen Prozeßvericht aus Essen mitgeteilt, daß der Polizeisergeant Johnen in einem Prozetz, in dem er als einziger Belastungszeuge aufgetreten war, mehrere Entlastungszeugen des Meineides bezichtete, indem er sagte, die Zeugen hätten eSals Sozialdemokraten mit ihrer Aussage nicht so genau genommen! Diese Aeutzerung hatte das „Hamburger Echo" gebührend gekennzeichnet. Deswegen hatten Johnen und seine vorgesetzte Behörde gegen den Verantwortlichen des„Hamburger Echo", Genossen Köpke, Beleidigungsklage ein- gereicht, die am Freitag vor der Hamburger Strafkammer ver- handelt wurde. Der Polizeisergeant kam jedoch nicht auf seine Rechnung, denn während der Smatsanivalt nicht weniger als zwei Monate Gefängnis beantragte, billigte das Gericht dem Angeklagten den Schutz des§ 193(Wahrung berechtigter Interessen) zu und erkannte lediglich wegen formaler Beleidi- gung auf 1 50 M. Geldstrafe. Begründend wurde ausgeführt, daß Köpke sich als Sozialdemokrat durch die Aeutzerung JohnenS beleidigt fühlen mutzte. So�iaiegs Die amtliche ArbeitSmarktberichtcrstattung. Die„Arbeitsmarkt- Korrespondenz" schreibt: Eine Kritik, die von der„Arbeiismarlt-Korrespondenz" kürzlich an der amtlichen Statistik über den Arbeilsmarkt geübt wurde, hat die amtlichen Stellen zu einer Entgegnung in der„Sozialen Praxis" veranlaßt. Regierungsrat Dr. Feig sucht dort nachzuweisen, daß die Krittk der amtlichen Berichterstattung unberechtigt war. Zunächst wird die gerügte Saumseligkeit der Beröffentlichimg bestritten. Es wird darauf verwiesen, datz die„vorläufigen Berichte" schon am 18. jeden Monats publiziert werden. Diese„Waschzettel", die in der Hauptsache nur textliche Aussürmrgen und nur wenig statistisches Material eitihallen, sind für die Praxis ziemlich wertlos. Gerade diese text- lichen Bearbeitungen stützen sich ja auf die Berichterstattung aus U u ternehmerkr eisen. Die englische„Labour Gazette" des Board of Trade" ist bereits am 18. oder 19. eines jeden Monats in Berlin, sie enthält das Material über den englischen Arbeitsmarkt und Beschäftigungsgrad in mustergültiger detaillierter Bearbeitung. Das vollständige„Reichsarbeilsblatt" geht jedoch den Berliner Abonnenten erst am 26. des auf den Berichtsmonat folgenden Monatö, mitunter aber auch erst am 4. oder 8. deS übernächsten Monats zu. So kommt es, datz wir über die Wirtschaftslage in Großbritannien schon 2 b i S 3 Wochen früber nnicrrichtet find als über die Lage des deutschen Arbeitsmarktes. Das ist doch gewiß ein Beweis dafür, datz die deutsche amtliche Statistik langsamer arbeitet als die englische. Durch die Herausgabe der„Waschzettel" kann sich das kaiserliche statistische Amt der PfliSt, rascher zu arbeiten, nicht entziehen. Die amtlichen Stellen haben die Pflicht, nicht nur Ziffermnaterial zu sammeln, sondern auch den Ursachen auffallender Erscheinungen im Wirtschaftsleben nachzugehen. Hätte das kaiserliche stattsttsche Amt sich in dieser Richtung etwas betätigt, so hätte es ohne weiteres die schädlichen Wirkungen der L e b« n s m i t t e l t e u e r u n g, der zu- itehmenden Frauenarbeit in Fabrikbetrieben und der planlosen Einschleppung ausländischer Arbeiter auf die Lage des deutschen Arbeitsinarktes erkennen müssen. Jedenfalls zeigt gerade die Entgegnung des Herrn Dr. Feig, wie wenig man an den amt- lichen Stellen sich zurzeit noch darüber klar ist, worauf es bei der Wirischastsstatistik eigentlich ankommt. Der züchtigende Lchrchef. Datz dem Lehrherrn gegenüber seinem Lehrling ein Züchiigungsreckt selbstverständlich nicht zusteht, hat das Hamburger KausmaimSgrricht in einer dieser Tage ergangenen Entscheidung bestätigt. Der in dem betreffenden Rechtsstreit ver- klagte Hamburger Kaufmann hatte seinem Lehrling ein Buch an den Kops gewor'cn, weil dieses unordentlich gesührt war. Der Lehr- ling stellte sofort seine Tätigkeit ein, und der Vater klagte auf Fort- zahluug der Lehrvergütuug bis Ablauf der Lehrzeit. Das Kaufmanns- gerichl entsprach diesem Antrage auch, trotzdem der Kaufmann ein- wandte, es liege keine erhebliche Ehrvcrletzung vor. In dem den Lehrhcrrn verurteilenden Erkenntnis heitzt es u. a.: Das Verhalten des Beklagten charakterisiert sich als leichte Tütlichkeit, die unter § 71 Ziffer 4 des Handelsgesetzbuches fällt. Datz der Chef den An- gestellten, auch den Lehrling, wegen Grund zum Tadel züchtigen kann, hat das Gesetz gerade ausschließen wollen. DaS Kaufmanns« gerichl hat auch nicht den Grad der ergangenen Züchtigung zu prüfen, dettit das Gesetz sieht jede Züchtigung, gleichviel ob erheb- lich od« unerheblich, als unzulässig an. Der Bon in der Kaffe als EntlaffungSgrund. Der Kassierer einer Berliner Metallwarenfabrik halte für eigenen Bedarf Geld auS der GeschäfrSkasse genommen und dem Vorwurf der Unterschlagung da- durch vorgebeugt, daß er über den entnommenen Betrag einen Bon in die Kasse legte. Der Prinzipal hatte das dem Kassierer schon einmal untersagt und entließ darum den Angestellten, als dieser das Manöver wiederholte. Das Berliner Kaufmannsgericht, das zur Entscheidung dieses Rechtsstreites angerufen wurde, hielt auch die Sntlasiutig für berechtigt. Es sei dem Kassierer mit der Eni- lassung kein Unrecht geschehen. Für einen Kassierer müffe die ihm anvertraut« Kasse ein„Rührmichnichtan" sein. DaS Hineinlegen eines Zettels schaffe die Tatsache der unberechtigten Geldentnahme nicht aus der Welt, und vom Bon über 10 M. zu einem solchen über 100 M. sei nur ein Schritt, bei dem eS oft genug kein Zurück mehr gäbe._ Low Gcwerbcgcricht. Der Maurer GeSke war als Kolonncnführer vor einiger Zeit vom Gcwcrbegericht durch V e r s S u in n i S u r t e i l zur Zahlung von 38.80 an den Arbeiter LemanSki verurteilt worden. Dte Einspruchsfrist war verstrichen und daö Urteil mithin rechtskräftig. Gestern stand nun wiederum Termin vor dem Gewerbegericht an. Der Verurteilte hatte Wiedereinsetzung in den vorigen Stand be- antragt, indem er geltend machte, cr sei außerhalb auf Sommer- arbeil gewesen und habe vom Verwalter, an den die Klageschrist wie auch das Bersäumnisurteil abgegeben wurden, nichts nach- gesandt erhalten, so daß er keine Kenntnis von den Dingen hatte. Er wurde mit seinem Antrag abgewiesen. Festgestellt war, daß ihm der Kläger zu erkennen gegeben hatte, er werde sein Recht beim Gcwerdcgerickit suchen. Er konnte also mit einer Klage rechnen und Borsorge treffen, daß ihm diese nach seinem Sommeraufenthalt zu- gestellt wurde. Indem er das unterließ, traf ihn nach Anschauung de« Gerichts das Verschulden und mithin auch die Folgen. LrttzU Nachrichten. Gärung im bulgarische» Heere. Wien, 6. September.(P.-C.) Die„Wiener Allgem. Ztg." mel- det aus Sofia: In. der Armee herrscht ein EHaoS, das allgemein große Befürchtungen erregt. Diese Zustände scheinen nur der Anfang der Abrechnung der Armee mit den Staatsmännern zu sein. Eine große Zahl höher« aktiv« und Rescrvcofsizicrc haben ihre Ehargcn niedergelegt. Viele Offi- ziere wurden entlassen. Die Generale Kotvatscheff und Jwahoff haben ein Entlassungsgesuch eingereicht. Die bulgarische Regie- rung verhehlt noch immer die wahre Sachlage. In Thrazien haben die Unruhen im Heere sich noch gesteigert. Revolution i« San Domingo. Washington. 6. September.(W. T. B.) Der amerikanische kleine Kreuzer„Des MoineS" hat den Befehl erhalten, von Vene- zuela nach San Domingo zu gehen, wo eine Revolution aus- gebrochen fft. Ein großer Postdicbstahl. Zürich, 6. September.(W. T. B.) Eine versicherte Geld- seudung der itantonalbank in Schafshausen an den Sitz Zürich der Schweizerischen Nationalbank in Höhe von 80 000 Franken, die aus Baukiiotca und Metallgeld bestand, ist gestohlen worden. Der Inhalt des Wertbeutels war durch Papierschnitzel und Blei m un- gefahr dem gleichen Gewicht ersetzt Ivorocn. � Li Her Sdxmif! Wenn Sie in BeHerzigung unserer vorigen Sonntags- Annonce unseren ScHaufenstern einen BesucH abgestattet haben, dann wird der neue Kimono- Schnitt sicherlich Ihre AufmerKsamKeit ganz besonders gefesselt haben« Seine gefallige Form und das gänzlich neuartige in seiner Erscheinung verschaffen ihm ohne weiteres die Führung in der heutigen Mode. 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Nur bedeutet gerade bei den Landtagswahlen mit ihrem Verfahren der indirekten Wahl und der Dreiklassenteilung nach dem Steueraufkommen die schließliche Verteilung der Abgeordneten Mandate eine allerschlimmste Fälschung des Volksurteils über die P a r- teien. Auch aus der Zahl der errungenen Wahlmänner- Mandate gewinnt man wegen der Drciklasscnteilung ein ganz verzerrtes Bild, und selbst die Zahl der bei den Urwahlen abgegebenen Stimmen kann, weil die Wähler in nianchen UrWahlbezirken und Klassen jeder zwei Stimmen, in anderen jeder nur eine Stimme abgeben, nicht ein zuverlässiger Maß- stab für die Stärke einer Partei sein. Welche Stellung die Wählerschaft zu den Parteien genommen hat, wie stark deren Werbekraft sich im Wahlkampf erwiesen hat, das ist besser zu beurteilen nach der Zahl der Wähler, die für sie eingetreten sind. Von diesem Gesichtspunkt aus haben wir zunächst für Berlin mit seinen zwölfLandtags Wahlbezirken eine Auszählung der Wähler versucht auf Grund der Fest stellungen, die bei den Urwahlen in den einzelnen Urwahl- bezirken von unseren die Wahlarbeit leitenden Genossen ge- macht wurden. Stich- und Nachwahlen haben wir dabei außer Betracht lassen müssen, nur die Hauptwahlen vom 16. Mai waren zu berücksichtigen. Wir erheben nicht den Anspruch. daß das Ergebnis absolut richtig sei. Für Berlin mit fast 1566 UrWahlbezirken waren die Zahlen aus ziemlich 4566 Rcsultatkarten herauszuziehen und zusammenzustellen. Tie Karten sind am Wahltag nach anstrengender Wahlarbeit aus- gefüllt worden, so daß hierbei mancherlei Uugenauigkeiten vorgekommen sein und Fehler sich eingeschlichen haben dürften. Wer den Trubel eines Wahltages- kennt, wird das ohne weiteres begreiflich finden. Schon durch einen einzigen Ur- Wahlbezirk, dessen Ztesultatkarte fehlerhaft ist, wird sogleich für den ganzen Landtagswahlbezirk das Ergebnis unrichtig. Aber auch wir bilden uns nicht ein, daß bei unserer Arbeit des Zusammenstellens uns nicht gleichfalls noch Irrtümer unterlaufen sein könnten. Wir glauben indes, daß trotz allen diesen Vorbehalten das unten folgende Ergebnis als im wesentlichen richtig angesehen werden darf. Die für später mal zu erwartende anitliche Statistik wird nur unerhebliche Abweichungen zeigen, die das Bild nicht nennenswert ändern werden. Im übrigen trösten wir uns mit der Erscheinung, daß auch amtliche Statistiken in der Regel nicht lücken- und fehlerlos sind. Wir wollen aus den am Landtagswahlkampf in Berlin beteiligten Parteien die Sozialdemokratie herausheben und in dieser Betrachtung nur sie berücksichtigen. Das empfiehlt sich vielleicht auch wegen des äußeren Umstandes, daß die von unseren Genossen ani Wahltage gemachten Feststellungen über die Stärke der Parteien noch am vollständigsten und zuver- lässigsten bezüglich der Sozialdemokratie sein werden. Ueber- dies interessiert in Berlin weitaus am meisten d i e Frage, welche Wählermassen die Sozialdemokratie um ihr Banner geschart, wie weit selbst bei den Landtagswahlen sie ihre Anhängerschaft gemehrt und ihre Er- folge gesteigert hat. Um das Gesamtergebnis vorweg zu nehmen: im Jahre 1913 haben bei den Urwahlen vom 16. Mai in ganz Berlin 212 146 Wähler für Wahlmänner der Sozialdemokratie gestimmt. Das sind um 33 549 Wähler mehr als im Jahre 1968 bei den Urwahlen. wo nach der amtlichen Statistik(die wir im folgenden für 1968 überall benutzen) nur 178 591 Wähler für die fozialdcmo- kratischen Wahlmänner stimmten. Aber am Ende ist der be- deutende Zuwachs nur darauf zurückzuführen, daß im letzten Jahrfünft w Berlin die Einwohnerzahl gestiegen ist, die Landtagswähler sich gemehrt haben und auch die Wahlbeteili- gung zugenommen hat? Nein, dieser Trost bleibt den bürgerlichen Parteien ver- sagt! Von 1968 zu 1913 niehrten sich in Berlin die in den Landtagswählerlisten stehenden Wahlberechtigten von 482 599 um nur 14 986 auf 497 585, um wenig über 3 Prozent, die an der Wahl teilnehmenden Wähler von 243 942 um 21 991 aus 265 933, um 9 Prozent, dagegen die fiir die Wahlmänner der Sozialdemokratie stimmenden Wähler, wie oben an- gegeben, von 178 591 um 33 459 auf 212 146, u m 18� P r oz c n t. Man ficht: die Landtagstvahlen von 1913 haben der Sozialdemokratie in Berlin gegenüber 1968 neue Erfolge und ein weiteres Anschwellen ihrer Wählerschaft gebracht. Die Mfljrung der für unsere Wahlmänner stimmenden Urwähler geht weit über das hinaus, was im Hinblick auf die inzwischen eingetretene Mehrung der Wahlberechtigten zu erwarten gewesen wäre. Die gesonderte Betrachtung der zwölf Landtagswahl- bezirke und der drei Wählerklassen zeigt uns, daß die Meh- rung der Wähler für die Sozialdemokratie durch alle Klassen hindurchgeht und in ihnen fast ausnahmslos bei allen Landtagswahlbezirken auftritt. Das ist an dem Berliner Ergebnis der Landtpgswahlen von 1913 das Charakteristische, und in dieser Allgemeinheit unserer Fort- schritte in Berlin bekundet sich die Werbekraft unserer Ideen, die trotz unseren Gegnern ihre Wirkung getan und uns neue Anhänger gewonnen haben. Die Mehrung unserer Wähler war besonders groß in der zweiten und ersten Klasse. Das erklärt sich zum Teil— aber eben nur zum Teil— daraus, daß 1913 noch mehr als 1968 auch nnnderbemittelte Wähler in die zweite und in die erste Klasse hineingelangt sind. Die Gesamtheit der Landtagswähler von ganz Berlin hat zuge- no, unten, aber bei der in den einzelnen UrWahlbezirken aus- geführten Verteilung auf die drei Klassen hat im ganzen sich für die dritte Klasse eine Minderung, für die zweite und die erste Klasse eine entsprechende Mehrung ergeben. In den meisten der zwölf Landtagswahlbezirke hat die Gesamtheit ihrer Wähler abgenommen, m den übrigen hat sie dafür um so mehr zugenommen, aber die Verschiebung der Wähler- klaffen gegeneinander geht durch alle zwölf Bezirke. Tie Zahl der in die Listen eingetragenen Wahlberechtigten war für 1913 bczw. für 1968 in Berlin mit seinen zwölf Landtags- Wahlbezirken diese: 1913 1908 Die eingetretenen Aenderungen werden klarer durch die Berechnung der Verhältniszahlen. In 1968 umfaßten erst in einem der Landtagswahlbezirke Berlins die erste und die zweite Klaffe zusammen ein volles Viertel aller Wahl- berechtigten(in Berlin XI), in 1913 aber gehörten zu diesen beiden Klassen fast ein Viertel in Berlin VI und XII, mehr als ein Viertel in Berlin VII und IX, ziemlich ein Drittel in Berlin XI. An der Gesamtheit der Wahlberechtigten waren die drei Klassen so beteiligt(in Proz.): I. II. III. IV. V. VI. VII. VIII. IX. X. XI. XII. Berlin l.Jll. 2,28 2,21 2,13 2,83 3,41 3,17 4,10 2,59 5,29 3,84 5,83 3,88 3,62 1913 2. Kl. 11,21 10,47 11,60 15,88 16,04 19,92 22,37 15,58 24,28 18,32 25,38 19,94 18,72 3. Kl. 86,51 87,32 86,27 81,29 79,65 76,91 73,53 81,83 70,43 78,34 .68,79 76,18 77,66 l.Kl. 2,11 1,89 1,92 2,20 2,45 2,27 2,49 2,03 3,36 2,22 3*70 3,27 2,51 1908 2. Kl, 9,67 8,65 9,92 14,04 16,59 16,35 18,79 13,06 20,35 15,03 21,28 17,66 15,54 3. Kl. 88,22 89,46 88,17 83,76 80,96 81,39 78,73 84,91 76,30 82,74 75,01 79,07 81,93 Die Wahlbeteiligung zeigt, wenn man die zwölf Bezirke gesondert betrachtet, in 1913 teils eine Zunahme, teils eine Abnahme gegenüber 1968. Die Zahl der zur Wahl er- schiencnen Wähler war: l.Kl. 317 284 346 471 691 900 VII. 1283 VIII, 749 IX. 1679 X, 1141 XI. 1189 XII, 1143 I. II. III. IV. V. VI, 2, Kl. 1210 1236 1747 2320 4040 5477 7129 3840 8015 5748 6751 5645 1913 3. Kl. 8278 8332 11521 11802 15266 20795 24320 19293 23849 20609 18872 19615 zus. 9805 9852 13614 14593 19997 27172 32732 23882 33573 27498 26812 26403 l.Kl, 345 323 388 410 546 640 686 690 870 780 825 874 1908 2. Kl. 3. Kl. 1254 1251 1678 2028 3543 4188 4556 3310 5422 4715 4833 4327 8953 9713 12417 12116 16401 20637 20148 19619 20454 21530 15978 17494 zw. 10552 11287 14483 14554 20490 25465 25390 23619 26746 27025 21636 22605 zus. 10193 53188 202552 265933 7377 41105 195460 243942 Die Verglcichung mit der Zahl der Wahlberechtigten er- gibt, daß in den meisten Landtagswahlbezirken die Wahl- beteiligung in der dritten und in der zweiten Klasse zu- genommen hat. Abgenommen hat sie sast überall in der ersten Klasse, die sonst durch eine„ungewöhnlich" starke Be- teiligungsziffer sich auszuzeichnen pflegte. In Prozent der Wahlberechtigten stellte die Wahlbeteiligung sich so: 1913 1908 1. Kl. 2, Kl. 3. Kl, üGerh. 1. Kl, 2, Kl, 3. Kl. überh. I. 49,69 38,61 34,22 35,06 56.74 44,91 35,16 36,56 II. 50,27 46,22 37,36 38,57 53,94 49,80 37,41 38,89 III. 59,25 55,02 48,78 49,73 67,83 56,65 47,16 48,50 IV. 67,79 50,78 50,47 50,72 63,27 49,10 49,16 49.46 V. 64,88 76,41 61,39 64,05 67,32 64,50 61,20 61.90 VI. 57,66 55,90 54,97 55,24 56,49 51,26 50,74 50,95 Vn. 56 40 57,43 59,60 58,99 58,38 51,30 54,13 53,71 VIII. 58,42 49,77 47,60 48,22 63.77 47,53 43,33 44,29 IX. 57,62 60,19 61,53 61,00 58,16 59,79 60,14 60,00 X. 62 69 57,55 48,26 50,44 61,18 54,66 45,35 47,10 XI. 44 43 57,95 59,78 58,42 62,88 64,11 60,13 61,08 XII. 62,60 60,17 54.72 56,11 60,28 55,20 49,85 51,14 Berlin 56,56 57,10 52,42 53,44 60,92 54,82 49,42 50,55 Wieviel Wähler nun erklärten durch ihre Abstimmung sich für die Sozialdemokratie? DaS zeigt für jeden der zwölf Bezirke und für jede der drei Klassen das folgende Er- gebnis der Auszählung der Wähler: 1913 1908 zus. 4111 36140 171889 212140 1427 22170 154994 178591 Von 1908 zu 1913 haben, wie weiter oben gezeigt wurde, in mehreren Landtagswahlbezirken die Wahlberechtigten und auch die erschienenen Wähler sich gemindert. Aber eine Mehrung der sozialdemokratischen Wähler ist in sämtlichen Landtagswahlbezirken eingetreten. Der Anteil der Sozialdemokratie an der Ge- samthcit der 1. II. III. IV. V. VI. VII. VIII. IX. X. XI. XII. Berlin 1. Kl. 1,58 3,87 13,01 5,94 51,09 25,56 42,95 15,89 61,41 31,73 91,34 25,37 40,33 erschienenen 1913 2. Kl. 3. Kl. 52,51 56,67 79,07 80,35 96,50 90,77 88,18 82,61 97,25 82,59 99 18 72,93 84,87 ä h l e r war(in Prozent): 1908 2. Kl. 3. Kl. 20,41 27,91 43,39 39,83 78,49 67,24 67,36 49.19 85,48 67,33 97,38 53,14 67,95 überh. l.Kl. 2. Kl. 3. Kl. überh. 46,89 1,45 8,05 41,26 36,01 51,54 1,86 20,30 49,51 44,91 72,82 2,84 31,29 71,11 64,67 71,51 1.22 24,36 78,09 68,43 91,29 32.60 69,86 92,06 86,64 83,87 13,75 58,45 88,33 81,54 81,87 11,95 57,00 85,44 78,35 75,14 4,78 31,18 75,60 67,31 92,64 34,71 71,87 92,62 86,53 77,29 19,62 57,99 77,83 72,69 98,38 41,21 75,81 91,38 85.99 66,64 25,63 45,04 71,59 64,76 79,77 19,34 53,94 79,30 73,21 Man wird einwenden, daß die bürgerlichen Parteien in manchen Landtagswahlbezirken Berlins auf Anstrengungen von vornherein verzichtet haben, in einigen wenigstens für die dritte Klasse, vereinzelt auch für die zweite und für die erste Klasse. Wem danach die Anteilziffern, berechnet aus der Zahl der erschienenen Wähler, nicht bedenkenfrei scheinen, der wird eine Verglcichung mit der Gesamtzahl der Wahl- berechtigten als zuverlässigeren Maßstab ansehen. Fiir die Sozialdemokratie stimmten von allen Wahlberechtigten in Prozent: 1913 1908 l.Kl. 2. Kl. 3. Kl. überh. l.Kl. 2. Kl. 3. Kl. überh. 1. 0,78 7,88 17,97 16.44 0.82 3,62 14,51 13,17 II. 1.95 12.90 21,17 19,88 1,09 10,11 18,52 17,46 III. 7,71 23,87 33,57 36,21 1,92 17,72 33,54 31,36 IV. 3,44 20,22 40,55 36,27 0,77 11,96 38.3!* 33,85 V. 33,15 59,98 59,24 58,47 21,95 45,06 56,34 53.62 VI. 14,73 37,59 49,90 46,33 7,77 29,96 44,82 41,55 VII. 24,22 38,69 52,58 48,29 6,98 29,24 46,25 42,08 VIII. 9,28 24,48 39,32 36,23 3 05 14,82 32,76 29,81 IX. 35,38 51,46 59,84 56,51 20,19 42,97 55,71 51,92 X. 19,89 38,75 39,85 38,98 12,00 31,59 35,30 34,24 XI. 40,58 56,43 59,29 57,47 25,91 48,60 54,95 52,52 XU. 15,88 31,98. 39,91 37,39 15,45 24,86 35,69 33,12 Berlin 22,81 38,80 44,48 42,63 11,78 29,57 39,19 37,01 Unsere Fortschritte treten hier noch klarer hervor. Eine Steigerung der Anteilziffer unserer Wähler finden wir in allen Landtagswahlbezirken bei der dritten Klasse, in allen auch bei der zweiten Klasse, in nahezu allen bei der ersten Klasse. Sieht man von der Dreiklassenteilung ab, so ergibt sich eine Steigerung unserer Anteilziffer in allen zwölf Be- zirken ohne Ausnahme. Von den an der Wahl teilnehmenden Landtagswählern erklärten sich fiir die S o z i a l d c m o- k r a t i e nur noch in einem einzigen Landtagswahlbezirk (Berlin I) weniger als die Hälfte, in ollen anderen über die Hälfte, in mehreren davon sogar über drei Viertel. Selbst von der Gesamtheit der Wahlberechtigten hatten wir für uns nur noch in zwei Landtagswahlbezirken (Berlin l und II) weniger als ein Drittel, in zehn über ein Drittel, in drei davon sogar weit über die Hälfte. In. ganz Berlin stimmten im Jahre 1913 für die Sozial- demokratie bereits über 4 2 Prozent aller Wahlberechtigten, gegenüber 37 Prozent in 1908. Was wir an Terrain gewonnen, haben die bürger- l i ch c n P a r t e i e n v e r l o r e n. Sie verfügen in der Masse der Berliner Wählersck>aft auch bei den Landtagswahlen nur noch über ein geringes Häuflein von Anhängern, aber in der Mehrzahl der Landtagswahlbezirke ist ihnen für die Wahl des Abgeordneten das D r e i k la s s e n s v st e m ein Boll- werk gegen die Sozialdemokratie. Die Leute der Fortschrittlichen Volkspartei fitze» fast nur noch in der zweiten und ersten Klasse, wo sie besonders in den wohlhaben- deren Stadtteilen hübsch unter sich sind. Die von diesem Häuf- lein„gewählten" Wahlmänner führen den Liberalismus zum „Sieg". Nur in einem einzigen Landtagswahlbezirk hat noch die Fortschrittliche Volkspartei über die Hälfte der abstimmenden Wähler für sich gehabt, aber wieder sind ihr sieben von zwölf Abgeordnetcnmandaten Berlins als Sündenlohn aus der Dreiklassenschmach zu- gefallen. Reform des Landtagswahlrecht?. Beseitigung der Drei- klassentcilung und des indirekten�Wahlverfahrens, Bcseiti- gung auch der Oeffentlichkett der Stimmabgabe, Einführung des Reichstagswahlrechts für die Landtags- Wahlen, das ist die von der Sozialdemokratie vertretene Forderung, deren Notwendigkeit durch die Landtagswahlcn von 1913 aufs neue dargetan worden ist. Völöin fiirFrauen u. Mädchen dei Arbeiterklasse Montag, den 8. September, abends 81/, Uhr. in Kellers„Reue Philharmonie«. Köpenicker SNaßc 96/9?: „Wanderungen durch Italien". Referent: Johannes Sassenbach. Gäste. Männer und Frauen, willkommen.»er Vorstand. Die reellsten nnd billigsten Möbel nnd Polsterwaren erhält man au Kassapreisen in der seit 35 Jahren bestehenden Möbelfabrit von A. Schnlx, Reichenberger Straße S. Größte Auswahl in allen Holz- nnd Stilarten mit zehnjähriger Garantie. l& Proz. Kassaskonto-) Ev. auf Ratenzahlung. Ich habe Lnisenstr. 64-in- PoUbUnik für Jfevvöse und Schwachbegabte Kinder errichtet. 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September er.. abends 8 Uhr. Vorverkauf an der Zirkttskaese, bei A. Wertheim, Leipziger Str.u. im Invalidendank, Unter d. Linden. :: Berliner:: Konzerthaus MauenetraBe 82.— ZlmmerstraSa 90/91. iMlou« ■■—— MauenetraBe 82.— 3 Eröffnung der Wintersaison 1913/14 Honnabend, den 13. fSeptemb., Vereinigte Berliner Volksbahnen. Luisen-Theater. Sonnt. 3 Uhr: Weh' dem, der lügt! 8'/« Uhr: Die AllnUrdens. Letzte Ausführung. Walhalla-Theater. Sonntag 3 Uhr: Dorf und Stadt. 8V, Uhr: Der Liicbeaonkel. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Voigt- Theater »abstrafte 58. Sonntag, 7. September 1913: Zum Schluft der Sommersaison: Berlin, wie es baut und kracht. Kasseneröffnung 10 Uhr. Ans. 4'/, uhr. Montag, 8. Sept.: Zum Beginn der Wtnterfotson: Der Mann im Mande. «OLM ischer Garten Mililär- Konzert. Eintrittspreise: 3 Kapellen. Zoo: Aquarium OC 5© Pf. Z« 11 Kind.unt.lOJ.d.Hälite Wen! Meu! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Folies Caprice. Allabendlich 8'/, Uhr: Ritter Baldrian. Schwant von Otto Härting. Bas Adoptivkind. Von Lconh. Haskel. Musik v. Stelnfc. Ble Rlügehnrt. Posse v. Harting u. Theo Haiton. abends 8 Uhr. DrauereilriedriMsin� beute Sonntag e-tw-i-md Italienischen Blas-Orehesters Riesenlichtspiele, u. a.: Die Beisetzung August Bebels in Zürich Außerdem Gastspiel des beriihmten Bapponet. Anlang 4 Uhr. Kaffeckochen. Entroe 20 pn Brauerei Friedrichshain■= Jim Königstor. Def.: Ernst lilcblng. DienStag, den 16. September: Volks-Konzert BlUthner-Orchester(eo wn) Dirigent Gnldo von Fuchs KVmm*«iSerinn IWsMh Döbm Enderl Ansang 81/, Uhr. Abendkassr 1 M. Billetts im Vorverkauf 30 Pf. find bei den.Vorwärts". Speditcuren Hsnisod, Ackerstr. 174, und Zucht, Jmmanuelfirch. • strafte 12, zu haben. ■■ Brauerei Frietfrichshain Donnerstag, 18. September: DM" Tolkskonzert des Berliner Philharmonischen Orchesters und der Chöre vom D. A.-S.-B. Namenlos— Ost u. Wedding: 300 Sänger Dirigent der Chöre und Orchester: Thilo. Solist: Thornberg. U.a.: Matrosenchor aus dorn Fliegenden Holllinder von Wagner.— Erntelied von Fried. Billetts im Vorverkauf boi Schneider, Hufelandstr. 31 (Laden):„Andreas-Festsäle", Andreasstraße 21; Becker, Zomdoner Straße 11: G 1 s a o w, Amsterdamer Straße 20; Kohlsohmidt, Lindower Str. BS. City»Park Am Bahnhos Friedrichstrafte. «rvLt. Volkeschan Berlins 50 Schaugeschäfte 50 Uns Gr. HippoilroiH-Iiolilesse und 10 Atiraftionen. Geöffnet: täglich nachm. 4 Uhr Sonn- und Feiertage nachm. 3 Uhr bis II Uhr abends. Eintritt frei."M Reiehsballen-Theater Sleier Siper (Meysel, Britten, Schräder etc.) Neu engagiert: Komiker Bnselll. Anfang 7'l, Uhr. Berliner Praler-Theater 7—9 Kastanien-Allee 7—9. BV Täglich:"IRC Johanniszauber. Oper.-Burlesfe in 3 Akt. v. W. Gerufe. Mufft von M. Schmidt. Erstklafi. Spezialitäteu, Konzert. Ans. ill, Uhr. Eintritt 30 Vf. Admiralspalast. Eis- Arena Angenehm kühler Aufenthalt. Rente Sonntag 2 Vorstellungen 2 Das sensationelle Eis-BaUett Flirt in Sl. Moritz. Beg. d. Nachm.-Vorst,(s. halb. Preisen) umt'/jühr. Beginn der Abond-VorsteUong'/.SUhr. Ab 10'/, Uhr halbe Preise. — Erstklassige Küche.— . Wein- u. Bier Abteil.. Tolkstbeater Neukölln Hermannstrafte 20. Sonnlag, 7. September: Khrlft-Phritz, Gesanaspoffe tn drei Alten von Witten. - Ansang Tl, Uhr.— Montag, 8. September: Wehe den Besiegten, Drama in drei Akten von Rich. Voft. Ansang 8ll, Uhr. t Neue Welt t 'A. Scholz. HasenheidetOS-IU1 Sonntag, 7. Septbr. Konzert und Vorstellung sowie Dropes Brillant- •Tetierwerksj Anf. 4 Uhr. Entree 8a Pf.| Neu© Weit. Haeenheide 108/114. Mttwoch, den 10. September: - Operette». Gastsp. Durchschlagender Ersolg des Metropol-TheaterS. Die Kmo-Königi«. Operette m 3 Akt. v. Jean Gilbert. Ans. 8ff,Uhr. Kasscnrrössnung 7 Ubr Borverkausbilletts v. Ps. bis 1,80 M. bei Loeser a. Woiff, Neukölln, Berlinerstr. 1; Böckmann, Neu» kölln. Bergstrafte Ecke Rosenstrafte, und Im Restaurant.Neue Welt-. Alhambra Wallner-Theater-Strafte 15. � Großer Ball. Graftes Orchester. Ansang Sonntag» 5 Uhr. A. Zameltat. sr Charlottcnbnrg* 21 Katser-Friedrich-Strafte 24 Heute: Großer Ball, yersicherungsangestellte! Dienstag, den 0. September t013, abends 8 Uhr, in den„Alhambra"-Festsäle», WaNner-Theatcr-Str. ISt OeffentUche Uersammlung. Tagesordnung: i.„Kadavergehorsam oder brotlos". Referent: Reichötagsabgeordneter Karl Giebel. 2. Freie Aussprache. Btr* Tie Entlafsung von vier Angestellten der Ber» sicherungsgescllschaft„Teutschland" wegen Verweigerung von nicht bezahlten Ueberstunden erfordert den Protest aller Privatangestellten. Jeder Bersicherungsaugestellte muß anwesend sein! Verband der Bnreauangestellteii, 46/1 S* Kaiser-Wilhelm-Str. 80. Garbai für Quaüiäbraucher Deutscher Arbeiter-Sängerbund, ü Gau Berlin und Umgegend. Sonntag, den U. September 1913, vormittags pünktlich 11 Uhr, im großen Saale der Brauerei Friedrlchshain: Uebungsstunde i| Geübt werden folgende Lieder:„Herbstfeier", von Schulken. ,,0 wie herbe ist das Scheiden", von Silcher. „Der Menschheit Erwachen", von Uthmann. Im Kebensaale pünktlich 10 Uhr:( L5 Ausschuß-Sitzung IZZ! für den ganzen Cian. Tagesordnung: 17/14 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangeiegenheiten, darunter: Stellungnahme zum Stiftungsfest NV Abrechnung der Billetts vom Sangerfest— Die i Vereine werden ersucht die ausgesandten Fragebogen um- 1 gehend an den Vorsitzenden P. Kupfer einzusenden. Her Vorstand. Z Borussia-Festsäle s-h Georg Wolffgramm,«s-rftr.«/?.«jSSW »mpfiehll ben Gewerkschaften und Vereinen seine vier Säle ,u Versamm. langen und Festlichkeiten.— Oktober u. November noch Tonnabende frei. Verband der Sattler u. Ortsvcmaltung Berlin. Dienstag, den 9. September, abends 6 Uhr, im großen Saale des Gcwerkschaftshauses, Engelnfer 13: Außerordentliche Militärsattler-Versarakig, Tagesordnung: i. Der Streik in den OWer-Ansruflnngsbktrlkbtn und die Tätigkeit des Streikbreltjerngenten Adolf Koch. 2. Michtige Sranchenongelegenheiten. Kollegen! Ganz besondere Vorkommnisse spielen sich zurzeit innerhalb unserer Branche ab und es gilt in entschiedener Weise Stellung dagegen zu nehmen. Die Kollegen aller Betriebe müssen unbedingt vollzählig zur Stelle sein. Ferner bitten wir, recht pünkilich zu erscheinen, da wir den großen Saal um 8llt Uhr räumen müssen. 157/17 Die Branchenleltans- HOBEL auf TeSisahimig gibt Spezlal-ndbel-Haus 871 40-50 gegründet 1171 Wir liefern bei Anzahlung von Mark 1 modernes Vertiko 1 modernen Kleiderschrank 1 Mokettesola 1 2-Zugtisch 1 Trumeau oder Umbau 2 moderne Bettstellen mit Patentmalratzen 4Stühle 1 moderne komplette Küche 60-75 Wir liefern bei Anzahlung von Mark 1 komplettes Speisezimmer. 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OSteiH ComenlnssUle, Memeler Str. 67, abends 81/, Uhr. Vortrag über: Die Volkssürsorge. t I iohtni- icrn• Restaurant Knrkowski, Pfarrftrafte 74» Licoienoerg. abends s-/, uhr. Vortrag über: Die Volkssürsorge.„ �„ 8tra!au- Kummeisburg:' Weißeiisee: Pmiatcn, Lehd-rstr. 122, abend« Uhr. Ziliisade-ititei ,6' Vortrag. Südenbezirke: Süd-Ost, Waldemarftr. 75, abend« 8',. Uhr. Vortrag. HeUKÖHil' Bart8chs Fest8äle» Hermannstr. 48/49, abends Vortrag über: Die Volkssürsorge. Steglitz:.4H»r«ehtshok, Albrcchtstr. la, abend« 8'/, Uhr. Köpenick n. Friedriclistiagen: JSÄ""'»««.4»; Hagen. Fricdrichftr. 74, abends 8'/, Uhr. Oberseböneveide, Hiederseböneveide, dobannis- lltol ii ITmn• Wilhelminenbof, Wilhelminenhvfstrafte, >ual ll. vlllg.. abends 8-/, Uhr. Spandau: llestanraat Dertz, Kurstr. 21, abends 8'/, Uhr. Die KtMsvklsamtutnng für den 30. Kezirk findetam Donnerstag, d«n 11. Steptemher, abdZ. 8'/, Uhr, in kranke» VestsNIvn, Badftr. 19, statt. Tagesordnung in allen Versammlungen: Bericht von der Generalversammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pünkiliches und zahlreiches Erscheinen lvird erwartet. 125/10 Dl« Ortsverwaltang. liOmbard-Haus |H. Graft, Leipziger Str. 75 j d Brillanten Uhren Goldwarenl 25— 50'/„ unter Ladenpreis. Grimm& Triepel Kautabak dick mitteldick dünn Ältmärker firaunsebweiger Siiipmansgarn Stange S Pf. Stange S Pf., Rolle 10 PI. Rollen S u. 10 Pf. AKgem. OrtsKranKenKaffe für die vertiiiigten Gkwerbebrtriebe Chartotteuburgs. Wir laden die Kassendcleglerim zu einer AuLcrordentHcbcn General-Versammlung aus Sonntag, den 14. ds. Mts., normittags 16 Uhr» nach dem Saale des„VolfshrmseS* in Eharlotienburg, Rofincnsuafee 3, hierdurch ein. Tagesordnung: 1. Beschlußsassung über folgenden Statutemiachirag: 8»8 h .die Kasse gewährt den Ehe« srauen und den zur Familie gehörigen Kindern der Kassen« Mitglieder, die in ihrer häus« lichen Gemeinschaft leben und keiner aus Grund des Kranken« versicheruiiasgesetze» errichteten Kasse angehören: freie ärzt« liche Behandlung für die Dauer von 26 Wochen durch die im Kassenbezirk errichteten ärzt« lichen Beratungsstellen.- 2. Nachträgliche Genehmigung von Abänderungen der neuen Kassen« satzung, die seitens des Königlichen Oberversicherungsamte» gefordert worden sind. Den Delegierten geht noch eine be« sondere Einladung zu, die al» Legitimation beim Eintritt in den Saal vorzulegen ist Delegierte, welche inzwischen ihre Wählbarkelt verloren haben, sind von der Teil» nähme an der Versammlung aus« geschlossen. 215/1 Eharlottenvurg, dm 0. Sept. 1913. D«r KasMenvoratand. gez. Wilh. Ahrens._ Metzner Kinderwagen-Welthaus IHetali» Bettatellen Kinder- u. Rohr* Möbel O Korb- IMapcn RuheatUhle Puppenwagen alle Kinderfahrzeugeitt. Grölt« Auewahl Berlin» Andreasstr. 23 Andreasplatz Bronnentlr. M* Beisitlitr. 17 LtlpxigtrSLM. RtskSUn, Bergit.lM IStlff Tcrwaltnng Berlin. Montag, den 8. September: Mitglieder-Uersammlungen Tagesordnung: Lericht von der letzten Generalversammlung.— Verbandsangelegenheiten. nachmittags 5'/s Uhr: BßZirk 0st6n I:®ei Brlngmann, Andreasstr. 26. Bezirk Osten II: bei Grnnwald, Memeler Str. 67. Vortrag:„Begräbnis oder Feuerbestattung-. Referent: Zahnarzt Frennd-SRcutölln. BeZirk Osten III: in den Prachtsälen de» Daten». Bezirk Oeslliche Yororle:"«Ä"'"' Vortrag des Kollegen W. Nitzschkc über:„Volkssürsorge und die Schäden der Privatverstcherung«. SjtF' Die Kollegen werden ersucht, ihre Frauen mitzubringen. Bezirk Bosentbaler und Schönhauser Vorstadt: bei E. Büttner(früher Obiglo). Schwedterstr. 23. B ortrag über:„Gewerbliche Rechtsprechung in der Holz« industrie". Reserent: Kollege Eeopold. Bezirk Hord-Ost: 6ei Boekcr, SeBcrftr. 17. Bezirk Wedding u. Moabit: 6ei%T™™Tkl' Bezirk Neukölln: Möbeltischler „„ Bautischler ¥™«sütm*,®rtftr. s. Bezirk Süd-Ost I: w Sofal Südost, Waldemarstr. 75. Maschinenarbeiter, abends 8 Uhr, bei Boeter, Wcberstr. 17. Vortrag:„Was lehrt uns die Internationale Banfach- ausstcllung in Leipzig"? Möbelpolierer, abends 8 Uhr, bei Borgmann, Andreasstr. 21. Vortrag:„Die Tariftrene der Unternehmer und welche Stellung gedenken die Kollegen dazu einzunehmen?" Tischlerbezirk Südwesten, am Dienstag» den 9. September, nachmittags 5 Uhr, bei Habel» Bergmannstr. 5/7. Tagesordnung: 1.»Die Volkssürsorge«. Reserent: Genosse Bitter. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. VerbandSangeiegenheften. Berink Weißensee. Dienstag, den 9. September, abends 6'/, Uhr im„Prälaten�, Lehderstr. 122: Versammlung. Tagesordnung: Bericht von der Generalversammlung, Verbandsangelegenheiten. Hflusikins'h'timeirtensHbettei' der pneumatischen Branche. Dienstag, den 9. September, abendS 61/, Uhr. im Gewerkschaftshause, Gngelufer 15(Saal 3). Tagesordnung: 1. Die Krankenkassensrage. 2. Branchenangelegenheiten. Sonnabend, d. zo. September, im gr. Saale der �jNCUCH Hasenhetde 108-114: 21. Stiftungsfest VoihsUederabend. Mitwirkende: Männerchor Fichte-Georginia. Dirigent Herr Th. Gervais. Konzertsängcrin Frau Paula Wcinbaum(Alt) und das Kcstenbcrg-Trio. Räch dem Konzert: Beil bei zwei Orchestern. Ansang 8'/, Uhr. Eintriiislarien sind aus allen Zahlstellen, beim Gastwirt Kollegen Grrive, Rungeftraße öö, und im Bureau zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet 88/10___ Die Ortavcrwaltnng. K A. WERTHEIM # F B %. LEIPZIGER STRASSE KÖNIG-STRASSE Schriftliche Bestellungen von nasserfulb sind an die Versand-Abteilung zu richten ROSENTHALER STR. 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Verkaufsstelle Babelsberger Straße 11 eröffnen. Die 118. Verkaufsstelle befindet sich Neukölln, Bruno-Bauer-Straße ÄS. 106/15_______________»er Vor« tan iL Lerltn. Druck u. Perlag: tlurivariD Vuchoruckeret u. Pe clagsaiijtall Paul Hinger u. Co., Berlin S\& Nr. 232. 30. Jahrgang. 2. Kcilme i>cs Jotmärts" Kcrlimr NcksM Zonntag, 7. September 1913. Sev?e�kfckaMickes. Die Streikkasse der Scharfmacher. Die aus der Hauptstelle und dem Verein dentscher Arbeit- geberverbände erstandene Vereinigung der deutschen Arbeit- geberverbände hat eine deutsche Streikentschädi- g u n g s g e s.<> l l s ch a f t ms Leben gerufen, die von jedem Mitglied einen Jahresbeitrag von 1 M. pro Illstl) M. der an die beschäftigten Arbeiter gezahlten Lohnsumme und ein Ein- trittsgeld von 0,25 M. pro 1000 M. derselben Lohnsumme erhebt: kein Mitglied ist zu irgendwelchem Nachschuß heran- zuziehen. Tie Streikentschädigung beträgt 2o Proz. des auf die streikenden Arbeiter entfallenden durchschnittlichen Lohnes. Bei Aussperrungen werden 23 Proz. geleistet, wenn die Zahl der Ausgesperrten bei einer einzelnen Firnia nicht mehr als 300 beträgt, bei 300— 600 Ausgesperrten sollen 20 Proz. und bei über 600 Ausgesperrten 13 Proz. bewilligt werden. Zur Vermeidung von Zahlungsunfähigkeit oder Nachzahlungen ist Kürzung der Entschädigungen zulässig, jedoch ist nach einer in Unternehmerkreisen verbreiteten Werbeschrist für diese Kasse die Gesellschaft„unter Aufrechterhaltung eines gesunden Ver- mögensbestandes" ihren Verpflichtungen bis zur vollen Höhe der angegebenen Prozentsätze nachgekommen. Die Rückver- sicherung der Streikentschädigungsgesellschaft"bei der Vereint- gung der deutschen Arbeitgeberverbände wird als eine Ga- rantie bezeichnet, die anderen freiarbeitenden Streikversiche- rungsunternehmungen vollständig fehlen. In der Werbeschrift wird die unbedingte Unterordnung der Streikversicherungsgesellschaft unter das Gebot der Scharf- macher proklanriert, da sonst vom reinen Versicherungsstand- Punkt eine Neigung zur friedlichen Verständigung mit der— natürlich unberechtigte und herrische Forderungen stellenden— organisierten Arbeiterschaft und Konzessionen an die GeWerk- schaften vorkommen könnten! Würde, so heißt es da, die Streikversicherung selbständig'sein, so würde dos Interesse der Industriellen wie der O e f s e n t I i ch k e i t(!) an den so- zialen Kämpfen, an dem Recht und Unrecht der Parteien bald erlahmen und der Vorteil könnte nur den Gewerkschaften zu- gute kommen!— Nach den Satzungen wird Streikentschädi- gung erst nach vierwöchentlicher Karenzfrist gewährt, ausge- tretenen Firmen kann beim Wiedereintritt die volle Nach- zahlung der versäumten Beiträge auferlegt werden. Der Austritt muß 6 Monate vorher angekündigt werden. Die Statuten beweisen auch sonst, daß man es hier mit einer streng zentral organisierten und scharf disziplinierten Ver- einigung der Unternehmer gegen das Aufsteigen des deutschen Arbeitervolks zu höherer Kultur zu tun hat. Berlin und Ctm gegen d. Zum Streik in der Pelzbranche. Am Freitag fand eine gemeinsame öffentliche Versammlung aller selbständigen Kürschnermeister sowie aller Arbeiter und Arbeite- rinnen statt. Wie bei allen vorhergegangenen Veranstaltungen war der Saal wiederum überfüllt. Feldmann vom Kürschnermeister- verein und R e g g e vom Kürschnerverband referierten. Der Stand der Bewegung ist äußerst günstig. ES stehen zur- zeit 700 Arbeiter und Arbeiterinnen im Streik, während bereits ISO Personen bei 13 Firmen unter geregelten Bedingungen arbeiten. Wie drückend die Situation für die Unternehmer sein muß. er- gibt sich aus der Tatsache, daß dieselben an die Hausindustriellen Schreiben verschicken, um sie zur Wiederaufnahme der Arbeit zu be- wegen. Einen besonders großen Schreck hat den Unternehmern die An- kündigung der Hausindustriellen eingejagt, Arbeiten für Privatkund- schafl um 50 Proz. unter den bei den Fabrikanten üblichen Preisen zu übernehmen. Mehrere Blätter brachten denn auch prompt die durch die Fabrikanten inspirierte Mitteilung, daß der Verdienst an den Pelzwaren es nicht zulasse, so viel billiger unter den gegen- wältigen Preisen zu arbeiten. Im übrigen war die Stimmung unter den Streikenden die allerbeste und zuversichtlichste, und R e g g e erklärte unter stürmischer Zustimmung, daß die Arbeiter es gar nicht eilig hätten, sondern ganz gut abwarten könnten. Die Diskussion zeigle, daß die Streikenden einmütig hinter den ausgestellten Forderungen stehen und voll und ganz mit den Aus- sührungen der Referenten einverstanden sind. Mastregelungen bei der Versicherungsgesellschaft „Deutschland". Die Direktion der Versicherungsgesellschaft„Deutschland", Bureau Berlin, Schützenstraße, verlangte vor einigen Tagen von ihren in der Registratur beschäftigten Angestellten, daß sie die durch Kündigung und Krankheit einiger Angestellten entstandenen Rück- stände in Ueberstundcn aufarbeiten sollten. Die Arbeitszeit sollte um zwei Stunden täglich verlängert werden. Während solche Ueberarbeit von der Gesellschaft sonst bezahlt wird, sollte diesmal die Arbeit ohne Entschädigung geleistet werden. Die Angestellten haben deshalb die Leistung der Ueberarbeit verweigert, die Folge war, daß ein Teil von ihnen von der Leistung der Ueberstunden befreit wurde, während vier Angestellte am 6. September sofort entlassen wurden. Der Direktor M e r t i n s erklärte den An- gestellten, daß sie länger zu arbeiten hätten, wenn er die Dienst- stunden, die regulär von 8 bis 4 Uhr dauern, verlängere und sei es selbst bis 8 Uhr und noch länger. Der Anordnung der Direktion haben sich nur vier der Angestellten und ein Lehrling gefügt, während sonst regelmäßig 23 Angestellte in der Registraturabtci- lung beschäftigt sind. Die Direktion sucht nun nach Arbeits- kräften, es findet sich jedoch niemand, was bei der von der Direktion gebotenen Entlohnung von 75 M. bis 90 M. monatlich auch kein Wunder ist. Die entlassenen Angestellten sind Mitglieder des Verbandes der Bureauangestelltcn. Dieser fordert deshalb alle Angestellte auf, Solidarität zu üben und alle Angebote der Direktion der„Deutschland" zurückzuweisen. Dir Lohnbewegung der Linoleumleger und Teppichnäher hat trotz der ablehnenden Haltung des„Vereins der Linoleum- händle'r" schon heute zu dem Resultat geführt, daß die übergroße Mehrheit der bestreikten Firmen die Forderungen der Arbeiter unterschriftlich anerkannt hat. Ter Kampf erstreckt sich heute im wesentlichen nur noch auf die Firmen Quant m eher u. E i ck e, A. W e r t h e i in, Ludwig Schäfer und auf die Zwischen- meister der Firma Schulzke p. Claßmann. Aber auch diese Firmen sind bereits sehr dedrängt. Selbst die Firma Quant- m eher u. E i ck e, deren Vertreter Herr Kaskel ja für sich in Anspruch nehmen kann, jede friedliche Verständigung unmöglich gemacht zu haben, hat sich bereits zu Zugeständnissen genötigt gesehen, obgleich gerade Herr Kaskel bei der Verhandlung stets betonte, daß bei seiner Firma nicht«in Pfennig bewilligt würde. Um diese Tatsache aller Welt bekannt zu geben, wurde folgendes Inserat im„Berliner Tageblatt", in der„Morgenpost" und in der„Volks-Zeitung" gebracht: Die z. Zt. bei der Firma Quantmeher und Eicke beschäftigten 39 Linoleumleger und Teppichnäher geben bekannt, daß sie mit der genannten Firma den Lohnsatz in gegenseitiger Ueberein- stimmung unter teilweisen Ausbesserungen geregelt haben. Sie erklären ferner, daß sie schon seit drei Jahren den Lohnsatz empfingen, der zum Teil erst jetzt von anderen Firmen bewilligt wurde. Berlin, den 5. September 1913. Tie Kommission der Arbeitnehmer. Anerkannt: Quantmeyer u. Eicke. Wenn wir es auch als besonderen Erfolg buchen können, daß auch die Firma Quantmeher und Eicke durch die von uns geschaffene Situation zu Lohnerhöhungen" gezwungen wurde, sy entspricht es doch nicht den Tatsachen,' daß diese Firma die Löhne/die jetzt erst ber'mrderen-Firmew'gtTahlr werden, bereits seit 3 Jähren gezahlt hat. Wir haben bisher einen Einheitstarif in der Branche gehabt, der mit dem Verein der Linolcmlcger abgeschlossen war, der zu gleicher Zeit auch voll und ganz für die Firma Quantmeher u. Eicke Geltung hatte. Unseres Wissens ist dieser Tarif auch von allen Firmen innegehalten worden. Wenn dieses nicht der Fall gewesen wäre, hätte gerade der Inhaber der Firma Quant- m e h e r u. Eicke die Pflicht gehabt, für dessen Jnnehaltung zu sorgen, da diese Firma mit die erste Geige in der Händlev- Vereinigung spielt. Es ist aber doch unverständlich, wenn man diese Löhne bereits zahlt, sich zu weigern, einen entsprechenden Vertrag wieder einzugehen. Aber damit kommen wir gerade zu des Pudels Kern. Die Scharfmacherei des Herrn Kaskel hat Schiffbruch gelitten; er muß jetzt alles aufbieten, um den Teil der Linoleumleger, der ihm bisher Gefolgschaft geleistet hat, zu- frieden zu� stellen. Es könnte sonst sogar der Umstand eintreten, daß auch Herr Kaskel eine Verständigung mjt der Organisation suchen muß. Wir stellen also noch einmal fest, daß bei der Firma Quant- m e h e r u. Eicke die Verhältnisse nicht geregelt sind, daß sich die Firma weigert, den Vertrag für die Branche zu unterzeichnen. Sämtliche Linoleumleger und Teppichnäher, die zu geregelten Lohn- und Arbeitsbedingungen arbeiten, sind im Besitz einer von uns ausgestellten roten Ausweiskarte. Sämtliche Arbeiten der Firma Quantmeher u. Eicke sind als Streikarbeiten zu betrachten. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Achtung, Dcstillatcurgehilfen! Zu der unter obiger Spitzmarke in der Nr. 229 enthaltenen Notiz, und zu der in der Nr. 230 ent- haltenen Berichtigung des Herrn Maas möchten wir folgendes be- merken: Am Montag, den 1. September, wurden nachmittags innerhalb einer Stunde vier Personen verhaftet, die zum Teil an dem Streik bei Meyer, Fennstraße 1, ganz unbeteiligt waren. Es lag also die Vermutung sehr nahe, daß jemand, den die Dinge eigentlich nichts angingen, seine Hände im Spiel hatte. In den Verdacht, dieser Jemand zu sein, geriet der Kohlenhändler Maas, Reinicken« dorfer Straße 120 dadurch, daß er sich kurz vorher in dem Verkehrs- lokal der Streikposten aufgehalten hatte und gleich hinterher in Begleitung des Herrn Meyer in der Reinickendorfer Straße gc- sehen wurde. Unmittelbar darauf erfolgte die Verhaftung eines Streikpostens, der noch ein paar Minuten vorher mit Herrn Maas zusammen im Vcrkchrslokal gewesen war. Herr Maas war wiederholt in unserem Bureau und versicherte uns, daß er an der Sache vollständig unschuldg sei. Beide Lokale gehörten zu seiner Kundschaft und er habe deshalb in beiden verkehrt. Sonst habe er um den Streik sich nicht gekümmert. Er beruft sich zum Beweis dafür auf eine Anzahl Zeugen. Wir tragen keine Bedenken, den Angaben des Herrn Maas Glauben zu schenken; er scheint hier das Opfer eines unglücklichen Zufalles geworden zu sein und wollen wir somit unsere Schlußfolgerungen in der Notiz nicht auf- recht erhalten. Die Grotzdestillation von A. Meyer, Fennftraße 1, ist für organisierte Gehilfen gesperrt! Verband der.Gastwirtsgehilfen, Ortsverwaltung Berlin. OeutteKes Reick). Städtische Mittel für Arbeiter zum Besuche der Leipziger Baufachauöstellung. Die Stadtverwaltung Mannheim' bewilligte für 19 freige- werkschaftliche und drei christliche Bauarbeiter je 35 M. als Zu- schuß zu einer Reise nach der Baufachausstellung in Leipzig. Ein städtischer Architekt wurde den Bauarbeitern als Führer durch die Ausstellung beigegeben. Der Boykott gegen die Karlsruher Wurstfabrikantcn Hcnsel und Gärtner wird von der Arbeiterschaft gut durchgeführt. Seit zwei Tagen haben die ausgesperrten Mctzgergehilfcn eine Verkaufs- stelle eingerichtet, die einen enormen Absatz zu verzeichnen hat. Weitere Verkaufsstellen sollen, �wenn die beiden Unternehmer es nicht vorziehen, auf Unterhandlungen einzugehen, in den nächsten Tagen eröffnet werden. Einstweilen versuchen die beiden Unter- nehmer, ihre Waren auf dem Umwege über die Klcinmetzger ans Publikum zu bringen, was aber nur teilweise gelingt. Der Schaden der beiden Firmen beträgt schon jetzt das Vielfache dessen, was sie zur Befriedigung der Forderungen der Arbeite hätten aufwenden müssen. Die Militärbauten nicht nur für die christliche« Arbeiter! Zu der von uns kürzlich mitgeteilten Eingabe des Zentral- Verbandes christlicher Keram- und Steinarbeiter, Bezirk Würz- bürg, an die badische Regierung, bei den neueä Militärbauten den roten und gestreiften Sandstein der Würzburger Gegend zu berücksichtigen, weil die dortigen Arbeiter christlich organisiert, königstreu und vaterländisch gesinnt seien, auch dem Anstürme der Sozialdemokratie Stand gehatten hätten, ist jetzt zu berichten, � daß die badische Regierung der Petition keine Folge gegeben hat. Sie erließ unter Berücksichtigung früherer Petitionen des freien Stein- arbeiterverbandes Anweisung an die in Frage kommenden In- stanzen, bei Arbeitsvergebungen die gesamte Industrie— nicht nur die Wertheimer Gegend— zu berücksichtigen. . Die Christlichen sind also mit ihrem egoistischen Ver- langen und ihrer überflüssigen Beteuerung, sich als Sturm- bock gegen die vaterlandsfeindliche Sozialdemokratie gebrauchen zu lassen, abgefallen. Ihr Vorgehen war um so anmaßender, als in ihrem Verbändchen nur 522 Mann— und nicht nur lediglich Steinarbeiter— organisiert sind, während der Organisation des Zentralverbandes der Steinarbeiter allein in Baden 2484 Arbeiter angehören. Liebliche Bnckstubenschweinereien hat der Bäckerverband durch eine Erhebung in Nürnberger Bäckereien festgestellt Es ergaben sich in einer Reihe von Fällen folgende Mißstände: Die Backstube dient zu gleicher Zeit als Kinderstube, die kleinen Kinder vcrun- reinigen die Backtafel in ekelerregender Weise; der Wasserausguß, Kleines feuilleton. Der Fall Jacobsohn. Er ist jetzt buchfähig geworden, der„Fall Jacobsohn, der vor neun Jahren die Polizeistunde sämtlicher Literatencafes verzögerte. S. J. hat seinen Fall selbst behandelt oder richtiger: nicht seinen Fall, sondern seinen Aufstieg. In drei Fällen ist ihm der Diebstahl eines Satzes nachgewiesen worden, wie oft er allerdings der Unfähigkeit, wie sie sich in Tantiemen-Dichtern, Schmieren-Direktoren und Brüllhelden» Spielern verkörperte, die Ruhe gestohlen hat und das gute, dumme Geschäft störte, das ist nicht nachgewiesen. Der Fall Jacobsohn war ein Schlachtfest derer. die nichts konnten. Wenn drei gestohlene Sätze auch heute noch gegen die Arbeit Jacobsohns zeugen sollten, so ist überhaupt nicht abzusehen, durch welche Butien die ureigenen Sätze seiner Gegner aufgewogen werden könnten. Neun Jahre„Schaubühne"— wir glauben, das überhebt einen der Mühe, einer Lappalie aus dem grauen Altertum nachzuspüren. Wenn Jacobsohn selbst das Be- dürfnis fühlte sieine Schrift ist für 50 Pf. vom Verlag der»Schau- bühne" zu beziehen), so war es wohl mehr ein Drang, andere an- zuklagen, als sich zu verteidigen. Der„Fall Jacobsohn" scheint nicht halb so interessant wie der „Fall Anti-Jacobsohn". Leute, die nicht imstande sind, Sätze zu stehlen, weil eine gute Formulierung in ihrem sprachlichen Hundetrab sich ausnehmen würde, wie ein in Messing gefaßter Diamant, die aber seit ihrem ersten nach den Direktiven eines Schulmeisters abgefaßten Aufsatz von den Gedanken anderer gclebr haben, schreien seit neun Jahren über den Schurken, der mehr gelesen wird als sie. Sicherlich heißt ein Gebot: Du sollst nicht abschreiben I Aber gibt es denn nicht auch ein anderes: Tu sollst nicht. abdenke»"? Ist denn der widerliche Literatenncid so stark, daß Leute, die sich über dem Strich Demo- kraten nennen, unter dem Strich sich in den reaktionärsten Purzel- Firmen ergehen dürfen? Nur, weil ein Konkurrent am Herzen »«s Lesers abgetötet werden soll? Es muß doch für politisches und literarisches Recht gewisse gemeinsame Richtlinien geben. Als Politiker„fechten" sie für eine möglichst humane Fest- setzung der Verjährung, für eine zeitweilige Vernichtung der Straf- register, gegen ein jahrzehntelanges Wicderaufwärmen der Vor- strafen, lind als Literaten„techten" sie— möglichst viele kleine Rotizen zusammen, in denen bei jeder Gelegenheit dieser Jacobsohn mit seiner einstigen Entgleisung zusammengebracht wird. Was(st verwerflicher: gestohlen zu haben oder Jahre lang hinter einem Menschen drein zu rufen: Seht, da geht ein Dieb! Ich bin für den Dieb, der mir einen Satz entwendet und dafür tausend Gedanken schenkt. Was haben eigentlich die Herren für den geistigen Fortschritt getan, die in der feiten Pressepfründe beisammeiisitzen und mit dem Klappern der Kuponscheren abstimmen? Gewartet bis ein Schrift- steller oder Schauspieler„berühmt" war, und dann fingen sie an, in den Taumel der Begeisternng zu geraten. Sie haben alles für sich tun lassen und nie etwas für andere getan. Sie waren, wie ihre Abonnenten, die richtigen Börsianer, die Geld verdienen mit den Werten, die andere geschaffen haben, die ewig Gestrigen, immer um drei Schritt zurück. Und sie wollen bestohlen sein von dem, der immer ein paar Meilen vor ihnen den Weg bahnte? Hinter dem sie vorsichtig drein trippelten? Der Taschen- dieb steht bekanntlich hinter dem Herrn mit dem Porte- monnaie und während der vielleicht in Gedanken eine Phrase von den harmlos tuenden Ehrenmännern auffängt und weitergibt, haben sie längst seine Hosentasche ausgeschnitten und schreien dann im all- gemeinen Durcheinander: Haltet den Dieb! Es ist dann aber auch schon vorgekommen, daß sie aus Versehen einander packten und festnahmen, während der Beschimpfte hinging, die„Schrubühne" gründete und neun Jahre lang zusammen mit den Besten Kultur- arbeit leistete. Theater. Kamm erspiele deSDeutschenTheaters:„Frau- z i s k a". Ein modernes Mysterium von Frank Wedekind.— Das Gastspiel des Dichters hat mit einem Prolog in der Presse be- gönnen: ein Brief an Reinhardt wurde öffentlich mitgeteilt, in dem Wedekind erstens seinen ganz besonderen Dank ausspricht, daß er jn den Kammerspielen zu Worte kommen kann, und zweitens dem Publikum andeutet, in welcher Richtung sein Mysterium verstanden sein will. Es sei falsch, darin eine Verherrlichung des Mannweibes zu suchen; er habe das Mignon-Thema zu erweitern gesucht. Das Mannweib und Mignon— entlegenste Gegenpole I So sehr fühlt der Dichter sein Werk mißverstanden. Liegt die Schuld so grellen Irrtums nur beim Publikum? Nicht auch beim Dichter? Sie liegt ganz wesentlich bei ihm. Es gelang ihm nicht, seinen Plan dramatisch kunstvoll zu bauen. Man schaut zurück auf die Aufführung und sieht ein Baugerüst von ansehnlicher Höhe und Weite. Aber wo ist der Bau selbst? Er steckt als Ganzes noch in den Bauplänen und schaut nur bruchstück- weise ausgeführt durch das Stangennetz des Gerüstes. Wedekind möchte, wie der Dankbrief cm Reinhardt sagt, aus den Iritischen, Beurteilungen erfahren, von welchem Gesichtspunkt aus sich dem Stoff, den er zu behandeln suchte, mehr Geschlossenheit und neue größere Verliefung abgewinnen ließen. Er fühlt also selber, daß sein Werk unzulänglich ist. Der Hauptfehler liegt wohl darin, daß die Haupt- gestalt so wenig dramatisch handlungskrästig erschlossen ist. Allzu- sehr wird ihre Bedeutung bloß verbildlicht in umgebender Handlung dargetan. Allzusehr auch in gedanklich schwerbeladener Rede, die sich auf der Bühne nicht in Leben umsetzt. Die Handlung ist zentrifugal angelegt, sie hat bei weitgespannter Peripherie nur geringe Radialkrast. Das Werk sollte Größeres sein, als Wedekind je geschrieben hat, aber keines ist ihm so wenig geglückt. Das Mignon-Thema also sollte erweitert werden. Goethes Mignon ist gehemmte Natur. Das Schicksal dieses Mädchens, das heimatlos und von Sehnsucht verbrannt die Welt durchirrt, ist die Qual heißen Wollens und ohnmächtigen Kraftversagens: sie möchte ihr ganzes Innere zeigen und muß es doch, unüberwindlichem Zwange verfallen, als licfsteS Geheimnis in sich verschließen. Wcde- kind erweitert dieses Thema nicht eigentlich, er geht nur davon aus und sprengt es. Franziska ist das Mädchen, das um die Erkenntnis seiner Weibesnatur ringt. Die Erkenntnis ist nicht im ersten Be> rühren von Geschlecht zu Geschlecht gewonnen. Jn der erotischen Sucht Franziskas regen sich alle Rätsel des Weibwerdens. Nicht das Aufgehen im Manne ist das Ziel, der Mann ist nur das Mittel, die weibliche Natur zu erschließen. Franziska soll als ein weiblicher Faust durch alle Wonnen und alles Weh ihres Geschlechts hin- schreiten; der Mephisto, von dem sie sich in die Welt führen läßt, um Freiheit und Lebensgenuß zu gewinnen— Veit Kunz heißt er diesmal— will alle Entwickelnngsmöglichkeiten in ihr freimachen. Zwei Jahre lang will er ihren Wünschen dienen; sie hat seine Geliebte zu sein, und sind die zwei Jahre herum», so soll sie ihm für ewige Zeit als Weib, Leibeigene, Sklavin verfallen. Franziska will bis zu den äußersten Grenzen ihrer Geschlcchtsnatur: sie will die erotische Sinnlichkeit in allen Formen und Graden, in ihren Tiefen und Höhen erfahren. Als Mann verkleidet reißt sie die Sinnlichkeit ber ungebunden liebenden Dirne und die Sinnlichkeit der angetrauten Gattin an sich; als Weib genießt sie die Manncssinnlichkeit in ihrer vergeistigten und in ihrer grobfleischlichen Form. Als Veit Kunz ihr beim Äb- schließen des Paktes gesagt hat, daß sie ihm dereinst mit Leib und Leben gehören«verde, sei Naturgesetz, hat Franziska erwidert: „Wenn ich will!" lind in einer Stunde'ausbrechender Sinnengier wirft sie den Bund mit dem Lehrmeister hinter sich und geht mit einem simsonstarken Mimen auf und davon. Soll dieser Walpurgistanmel ihrer Liebesfreuden eine Stufenfolge von Be- fcet sich im Backhaus befindet, dient dem Meister und seiner Familie als Pissoir, öfters auch als Spucknapf; der Spucknaps ist in vielen Backereien Nürnbergs überhaupt ein unbekanntes Möbel. Schüsseln. in denen der Hefeteig hergerichtet wird, dienen auch als Auf- bewahrungsort für schmutzige Taschentücher, Kinderwindeln usw. Das Gefäß, in dem die feinen Backwaren angerührt werden, wird unter der Bettstelle aufbewahrt. Kindcrwäsche wird im Backofen ge- kocht, ohne Rücksicht darauf, daß noch Brote oder Kuchen darin sind. In vielen Schlafstellen herrschen gesundheitsschädliche Zustände; eS kommt sogar vor, daß die Schlafräume der Gehilfen auch als Gär- stube für Brötchen usw. dienen. Die Gehilfenbetten werden mit- unter jahrlang nicht mit frischem Stroh versehen, so daß sich Un- geziefer aller Art einnisten muß. Diese Zustände sind in der Haupt- fache darauf zurückzuführen, daß die Nürnberger Bäckermeister noch halsstarrig an dem Kost- und Logiswcscn festhalten. Nirgends in Deutschland ist das Bäckergewerbe in so viele kleine Zwerg- betriebe zersplittert, wie in Nürnberg. Namentlich in der Altstadt sind die Räumlichkeiten vielfach ganz unzureichend. Wenn dann auch noch die Gehilfen bei den Meistern Wohnung nehmen müssen, ergeben sich derartige ekelhafte Zustände, die der Verband seit Jahren bekämpft. Tie Bezeichnunif Ttrcikbrecher kein Zwang zur Arbeitsniederlegung. DaS Bayreuther Schöffengericht hatte den Fabrikarbeiter Gngelbrecht zu zwei Tagen Gefängnis verurteilt, weil er als Teil- nehmer an dem Streik in der Bayerlcinschcn Spinnerei anläßlich einer Festlichkeit drei arbeitswillige Arbeiterinnen„Streikbrcchc- rinnen" genannt. Dadurch sollte er versucht haben, sie zur Nieder- legung der Arbeit zu zwingen. Das Landgericht als Berufungs- instanz erklärte lediglich eine Beleidigung für vorliegend und sprach den ffi. frei, weil ein Strafantrag wegen Beleidigung nicht vorlag. Intewstioiisle IKoßfmnz znr Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Gent, 4. September 1913. Die Internationale Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeits- losigkeit hält hier vom 4. Iriv 6. September ihre(Äeneralversamm- lung ab. Vertreten sind L3 Staaten, sogar Rußland; nur die J, � Regierung glänzt durch Abwesenheit. Zirka 400 Leute sind heute in Gent versammelt, die an der �.osung des Arbeitslosigkeitsproblems, an der Klärung seiner einzelnen Fragen und an der Vereinheitlichung der internationalen Aktion mitarbeiten wollen. Unter ihnen finden wir eine Dele- gation der G e n e r a l k o m Mission der Gewerkschaften D e u t s ch l a n ds �Schmidt und Umbreit), ferner österreichische, belgische, schweizerische, französische, italienische und skandinavische Genossen. Die Gesellschaft, die unter d�m Vorsitz des bekannten franzö- fischen Politikers Leon Bourgetzzis tagt, beschäftigte sich heute vormittag in einer geschlossenen Sitzung ausschließlich mit Fragen der Verwaltung und Organisation. Am Nachmittag nahm man dann Gelegenheit, im Pavillon der Stadt Gent auf der WeltauS- stellung die Werke der Stadt Gent gegen die Arbeitslosigkeit kennen zu lernen. Genosse A n s e e I e hielt eine herzliche BegrüßungS- anspräche. Dann gab der Präsident der Genter Arbcitslosenkasse, bekanntlich der ersten Einrichtung der öffentlichen Arbeitslosen- Unterstützung, Louis Varlcz, in längeren Ausführungen ein um- fassendes Bild der sozialen Fürsorge der Stadt Gent: Der Genter Arbeitslosenfonds wurde am 29. Oktober 1999 aus Grund eine? Ratsbeschluffes ins Leben gerufen. Er ist auf dem Prinzip aufgebaut, die Arbeiter und Angestellten jeden Alters und Geschlechts anzuregen, sich selbst gegen die Folgen der Arbeits. losigkeit zu versichern. Di««ladt Gent zahlt zu Beträgen, die sich die Betreffenden für den Fall der Arbeitslosigkeit gesichert haben, ungefähr 50 Proz. als Zuschuß. Gegenwärtig ist der Genter Ar- beitSlosenfonds auf 45 Vereinigungcp mit 29 999 Mitgliedern ausgebreitet. Die Stadt Gent gibt regelmäßig 89 999 Frank für die gewöhnlichen Ausgaben in die Kasse und 5999 Frank für eine Re- servekasse, die für die Perioden der wirtschaftlichen Krisen bestimmt ist. Das Beispiel von Gent hat in Belgien rasch Anklang und Nach- ahmung gefunden. Heute existieren in diesem Lande bereits 89 solcher Arbeitslosigkeitsfonds, die sich auf etwa 199 Gemeinden er- strecken. Auch im Ausland— so in Deutschland, in Holland, in Frankreich, in Italien, in der Schweiz und besonders in Dänemark und Norwegen— ist das Genter System der Nrbeitslosenfürsorge in Anwendung gebracht worden. In der Hauptsache stellt sich das System der Genter Arbeitslosenfürsorge als ein städtischer Zuschuß zu gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützungen dar. Und die Erfolge, die die Stadt Gent damit in moralischer, wie in Wirt- schaftlicher und sozialer Beziehung erreicht hat. sind groß. Die Zahl der Almosenempfänger hat sich vom Tage der Gründung der Ar- beitSlosenkasse fortgesetzt vermindert. Sie betrug im Jahre 1999 5875 Personen und im Jahre 1912 nur noch 3158; das ist, wenn man die natürliche Bcvölkerungsvermehrung in Betracht zieht, eine Verminderung von rund 59 Proz. Auch die Zahl der Vagierenden, die auf Anoronung der Stadt in Armen- und Arbeitshäuser ein- gewiesen wurden, hat sich stark, nämlich um 24 Proz., vermindert. freiungen und Eniwickelungen bedeuten? Oder nur ein Abwerfen ererbter Formen weiblicher Gebundenheit? Franziska will ihrer Natur Recht schaffen, ohne widernatürlich zu sein; sie will die Mängel der elterlichen Generation vermeiden und überwinden. Aber zuletzt, als sie mit einem Knaben, dessen Vater nicht sicher festzu- stellen ist, in der Welt steht, sind die wilden Schrecken des Blutes von ihr gewichen, und das Kind entscheidet über den Weg, den ihr Leben weiter wandert. Sie selbst erlebte als Kind im Anschauen de? elterlichen Zusammenlebens die Grauen einer verfahrenen Ehe: mit einer Szene, die in der Erinnerung die Stimmung des Friedensfestes von Hauptmann heraufbeschwört, setzt das Mysterium ein und gegen diese Anfangsszene ist der sonnige AusNang des Werkes gestellt. Die Ehe, die Franziska mit einem Maler schließt, wird begonnen mit dem Glauben an liebende Güte, die den heran- wachsenden Knaben Franziskas segnen soll. Das etwa mag der Grundgedanke sein, den Wedekind in dramatisches Leben umsetzen wollte. Aber die Absicht mißlang. Die Dichtung bleibt in Stückwert und Untiefen hängen, und ihre Wir- kung von der Bühne her beruhen nicht auf einem Mitgehen mit dem Ganzen deS Werks: sie beschränken sich fast auf das Einzelne, daS die Eigenart des grotesk zeichnenden und satirisch kämpfenden Dichters verrät. Veit Kunz ist ein Selbstporträt Wedekinds, und so darf man annehmen, daß er ihn spielte, wie er ihn gespielt wissen will: immer mit scharfer, harter, herrischer Akzentuierung und mit jähen Bewegungen. Die Franziska wurde von Tilly Wedekind, der Frau des Dichters, dargestellt: nicht so, daß ein Menschentyp in seelischem Offenbaren mitzwingend sichtbar geworden wäre. frä. Humor und Satire. M i l i t ä r j u st i z. Links— rechts, links— rechts! Unerbittlich streng bestrafen , muß da» Militärgesetz, alle sind wir seine Sklaven, wer eS leugnet, macht Geschwätz. Die Justitia, dieses Ding«, blickt nicht rechts und blickt nicht links. Links— rechts, links— rechts l Ungehorsam und dergleichen oder Widersetzlichkeit ahndet man mit scharfen Streichen, wie eS das Gesetz gebeut. Die Justitia, dieses Dings, blickt nicht rechts und blickt nicht links. Dagegen hat sich von 1992 bis zum Jahre 1912 die Zahl der Genter Arbeiter, die für die Zeit der Arbeilslosigkeit vorgesorgt haben, um rund 199 Proz. erhöht. Es haben sich in der Arbeiterbevölkerung von Gent zwei bestimmt von einander unterschiedene Gruppen gebildet: die unabhängigkeitsfrohen Arbeiter, die Mitglied der Ver- sicherungseinrichtungen gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit, des Streiks, des Alters, der Krankheit und des Unfalls geworden sind, und diejenigen, die in denselben Fällen immer und immer wieder zur öffentlichen oder Privaten Wohltätigkeit ihre Zuflucht nehmen. Die Trennung zwischen diesen beiden Gruppen wird von Tag zu Tag deutlicher. Obgleich nun die erstere Gruppe unausgesetzt zu- nimmt und weit zahlreicher ist, als die letztere, kostet der Stadt die Gruppe der Almosenempfänger und derer, die nicht vorgesorgt haben, zwanzig- oder dreißigmal mehr, als sie für die übrigen aus- wendet. Weder hat sich die Zahl der Arbeitslosen erhöht, noch die der Arbeitslosigkeit. 1896—1899, vor der Gründung der Arbeits- losenkasse, wurden auf 1999 Arbeiter 31 Arbeitslose gezählt. Dieser Stand hat sich seit der Einführung der Arbeitslosenkasse ständig vermindert und in den Jahren 1998—1912 betrug daS Verhältnis nur noch 22: 1999; in den Jahren 1911 und 1912 waren es sogar nur 16 bezw. 12 Arbeitslose auf 1999 gezählte Arbeiter. Der erste Verhandlungsgegenstand ist die Frage deS Arbeitsnachweises. Dr. Freund-Deutfchland, als Generalberichterstatter, führt dazu aus, daß sich aus den Berichten aller Landessektionen eine Vielgestaltigkeit, Zersplitterung und Lückenhaftigkeit ohnegleichen ergibt. Eine besondere Ausnahme macht England, da es das einzige Land ist, welches ein durch Gesetz ein. heitlich geordnetes, über das ganze Wirtschaftsgebiet der- breitetes Arbeitsnachweissystcm aufzuweisen hat. Trotzdem ,st bei einer Arbeitcrzahl von 14 Millionen nur eine VermittelungSziffer von einer halben Million zu finden. DaS läßt darauf schließen, daß daneben noch Arbeitgeber- bzw. Arbeitnehmernachweise wirken. Tie Arbeitsnachweise in den einzelnen Ländern sind entweder privatim oder öffentlichen Charakters. Während die ersteren in der Hauptsache den eigenen beruslichen Kreisen dienstbar sind und vorwiegend Berufsarbeiter vermitteln, stehen die anderen meist allen Berufen offen und baben ihren Schwerpunkt in der Vermitte- lung ungelernter Arbeitskräfte. Eine befriedigende Regelung des Arbeitömarktes fetzt aber voraus, daß allgemeine und berufliche lFach-)Arbeitsnachweise weder gegen- noch neben-, sondern m i t einander arbeiten. Eine befriedigende Regelung des Ar- beitSnachweises setzt ferner eine Ausgleichung zwischen Angebot und Nachfrage nicht nur innerhalb einzelner Ortschaften, sondern eine solche über das ganze Wirtschaftsgebiet hinweg voraus. DaS ge- samte nationale Wirtschaftsgebiet muß mit einem lückenlosen Netz von Arbeitsnachweisen überzogen werden, die nach e i n h e i t- lichen Grundsätzen arbeiten. Die einseitige Beherrschung des Arbeitsnachweises durch Unternehmer oder Arbeiter und feine Gestaltung als ein Machtmittel muh beseitigt werden. Der Arbeitsnachweis ist eine öffentlich notwendige Einrichtung, in der absolute Unparteilichkeit gewahrt werden muß. Die Ge- schäftsführung muh den öffentlichen Interessen angepaßt sein und muß nach einheitlichen Grundsätzen statistische An- schreibungen pflegen. Will man eine einwandfreie praktisch ver- wertbare ArbeitSmarktstatistik erzielen, so müssen Vorkehrungen getroffen werden, verbleibende Vakanzen tunlichst schnell bekannt zu machen,'um Angebot und Nachfrage— besonders zwischen Stadt und Land— rasch zum Ausgleich zu bringen und die ArbeitSver- Mittelung für die Stellenfucbenden möglichst g e b ü h r e nf r e i zu machen. Die öffentlichen Gewalten sollten nur solche Arbeits- nachweise fördern, welche den Grundsätzen der Unparteilichkeit in der Stellenvermittelung, der Parität in der Verwaltung, der Ge- bührenfreiheit für die Arbeitsuchenden, der Zugänglichkeit für alle Berufe, des interlokalen Austausches< zwischen Angebot und Nach- frage) und der Zentralisation in der VerwaltunaStechnik und Statistik Rechnung tragen. Schließlich ist noch zu bemerken, daß die planmäßige Regelung des Arbeitsmarktes auch eine Vor- ausfetzung für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und für die Arbeitslosigkeitsversicherung bildet. Der Referent legt eine ent- sprechende Resolution vor. Luquet-Paris �Syndikalist) fordert im Namen der französischen Arbeiter einen öffentlichen, auf Kosten der Gemeinden, Bezirke und deS Staates zu errichtenden Arbeitsnachweis, ähnlich wie er in England besteht. Die Verwaltung dieses Nachweises müßte durch allgemeine Wahlen durch die Arbeiter und Unternehmer be- rufen werden, damit der Arbeitsnachweis vollkommen in die Hände der Interessenten gelangt. Nmbreit-Berlin wendet sich gegen die Auffassung des Dr. Freund, daß die deutschen Arbeiter sich damit einverstanden erklärt hätten, daß der ArdeitSnachweiS unbekümmert um Streiks oder Aussperrungen weiter funktioniere. In Deutschland ist bereits mehrfach auf tariflichem Wege— so in der Holzindustrie und im Buchdruckgcwerbe— zwischen Unternehmern und Arbeitern die Arbeitsnachweisfrage in dem Sinne geregelt, daß der gemein- same Arbeitsnachweis in den Fällen von Streik und Aussperrung seine Tätigkeit einstelle. Wenn man wolle, daß diese ArbeitSnach- weise mit in das ganze Netz der öffentlichen Arbeitsnachweise ein- bezogen werden und daß sie sich nicht außerhalb entwickeln, dann muß auf dieses Resultat der EntWickelung der fachlichen Arbeits- nachweise in Deutschland Rücksicht genommen werden. Im übrigen Links— rechts, links— rechts l Angriff auf den Vorgesetzten, einerlei was Anlaß gab, büßt man in dem stets besetzten Zuchthaus und Gefängnis ab. Tie Justitia, dieses Ding«, blickt nicht rechts und blickt nicht links. Link«— rechts, links— rechts I Schimpfst du den, der untergeben, wehe dir, Justitia wacht! Und als ging eS dir ans Leben, wird dir der Prozeß gemacht. Die Justitia. dieses Ding«. blickt nicht rechts und blickt nicht links. Link«— rechts, links— recht«! Fürchterlich wirst du vernommen, wie die Freveltal gewest, und gebt's schlecht, kannst du bekommen in der Stube den Arrest. Die Justitia, diese« Ding«, blickt nicht rechts und blickt nicht links. Links— rechts, link«— recht«! Prügelst du zum Gotterbarmen den Rekruten kurz und klein, sperrt Justitia dich Armen manchmal ein paar Wochen ein. Die Justitia. dieses Duig«,. blickt nicht rechts und blickt nicht ImkS. Links— rechts, links— rechts! Schießt du tot den Kameraden, dem du Hörner ausgesetzt, sieh' auch dieses kann dir schaden. weil du da« Gesetz verletzt. Die Justitia, diese« Dings, blickt nicht rechts und blickt nicht links. Link«— rechts, links— rechts l Auf die Festung mußt du ziehen. und nach wochenlang« Frist wird dir gnädig erst verziehen, daß du so ein Mörder bist. Die Justitia, diese« Ding«, blickt nicht rechts und blickt nicht links. könnten sich die deutschen Arbeiter mit den Leitsätzen einverstanden erklären. Troklet-Lüttich fragt an, was man denn unter Neutralität verstehen soll. Soll damit vielleicht auch gemeint fein, daß politisch oder gewerkschaftlich tätige Leute von der Geschäftsführung aus» geschlossen werden? Professor Brants-LLwen antwortet darauf, daß das keines- Wegs gemeint sein dürfe. Es dürfe nicht eine subjektive Neutralität gefordert werden, sondern nur eine objektive. Denn eine subjktive Neutralität gebe es ja in Wirklichkeit gar nicht; wenigstens sei eS wünschenswert, daß jeder Mensch eine Meinung habe. Dr. Zacher-Berlin: Von den französischen Delegierten ist eine Erklärung zu dem Begriff der Neutralität gewünscht worden. Neutralität soll heißen, daß weder in der Verwaltung noch bei der Vermittelung irgendeine Person benachteiligt oder bevorzugt werde. Unter der Oeffentlichkeit des Arbeitsnachweises ist ledig- lich die allgemeine unbeschränkte Zugänglichkeit zu verstehen, nicht aber, daß er ein Teil der ösfentlich-bchördlichen Institutionen werde. Der Referent des zweiten Punktes der Tagesordnung: Die Arbeitslosigkeit und die Vergebung der öffentlichen Arbeiten, Dr. T r e u b- Holland, ist zum Minister ernannt worden und kann aus diesem Grunde nicht anwesend sein. Er hat lediglich einen kurzen Bericht über diese Frage vorgelegt, in dem dargelegt ist, daß durch systematische Verschiebung eines Teiles der öffentlichen Arbeiten auf die Perioden wirtschaftlichen Niederganges eine recht nützliche Arbeitsmarktpolitik und ein Stück der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geleistet werden könne. Man würde damit das Hetztempo in der Zeit guter Konjunktur, da? Ueberstunden- und Nachtschichtenunwesen zu mildern und die Konjunktur zu ver- längcrn vermögen. Er faßt seinenBericht in eine Resolution zusammen, in der u. a. gefordert wird: Die Finanzgesetze mögen hin- reichend weitherzig gehalten sein, um den Verwaltungsbehörden zu gestatten, Reservefonds für die Ausführung von nicht dringlichen Arbeiten und Lieferungen in Krisen- oder Depressionsjahren an- zulegen. In jedem Lande möge ein ständiges A m t geschaffen werden mit dem Auftrage, die Anzeichen kommender Wirtschaft- licher Depression oder Krisen zu beobachten, die Ergebnisse seiner Beobachtungen periodisch zu veröffentlichen und den Verwaltung»- behörden Gutachten zu erteilen über den geeigneten Zeitpunkt der Inangriffnahme der für die Krisen- und DepresfionSjahre in Bereft» fchaft gehaltenen Arbeiten oder Lieferungen. Di« BerwaltungS- behörden mögen insbesondere folgende öffentliche Arbeiten ins Aug« fassen: Trockenlegung von Mooren, Urbarmachung von Heiden, Forstarbeiten. Verbesserung der Verkehrsmittel in mehr oder minder zurückgebliebenen Gegenden, sowie überhaupt Arbeiten, die geeignet sind, die Pröduktivkröste und die ständige Nachfrage nach Arbeit zu vermehren, wobei dies« Arbeiten für Zeiten auf- zusparen wären, wo eS sonst an Erdarbeiten mangelt. Di« kurze Diskussion bewegt sich im allgemein zustimmenden Sinne. Nur die Engländer wollen nicht einsehen, daß der Staat hier etwas tun könne; auch sehen sie darin einen Eingriff in die staatlichen Budgets. Professor v. Mayr-München sagt dazu, daß die Engländer in einem Irrtum besangen sind. Wir wollen gar nicht in die Budgets der Staaten eingreifen, wir sprechen nur den Wunsch aus, die notwendigen und anerkannten öffentlicben Arbeiten zweckmäßig zu verteilen und die gar nicht so geringe Summen von Arbeiten, die die nötige Elastizität haben, zur Gesundung des Arbeitsmarktes zu verwenden. Wir sind verpflichtet, diesen Wunsch auszusprechen. Darauf werden die Leitsätze TreubS einmütig angenommen. Hiid Industrie und ftandcl. Für die Erhöhung von Schiffahrtssubventione« sucht der Norddeutsche Lloyd in seinem Semestraibericht Stimmung zu machen. ES heißt darin: .Die australische HaMItMe,"dke' unter dem bestehenden Sub- ventionsvertrag dauernd mit schweren Verlusten gearbeitet hat, wird der Norddeutsche Lloyd nach Ablauf des Vertrage« einstellen, es sei denn, daß die Regierung für die Weitersührung und den alsdann notwendig werdenden weiteren Ausbau einen ausreichenden Zuschuß leisten würde. Im Interesse der NichtUnterbrechung einer gedeihlichen Weiterentwicklung deS deutschen Kolonialbesitzes in der Südfee wird der Norddeutsche Lloyd bereit fein, gegen ent« sprechende Vergütung die dort bestehenden Linien weiter zu betreiben und der Entwicklung entsprechend auszubauen.' Diese Wünsche stehen in direktem Widerspruch zu den Aus- laffungen des Berein» deutscher Reeder, de« Generaldirektor« der Hamburg-Amerika-Linie und de« Leiter« der Woermann-Gesellschast. Die Genannten haben vor kurzem übereinstimmend erklärt, daß die deutsche Schiffahrt sehr gut ohne Unterstützungen auskomme, ja daß die Subventionen eine Hemmung und Last für die EntWickelung der deutschen Schiffahrt bedeuteten. Da zurzeit Verhandlungen der beteiligten Gesellschaften und der Reichsregierung über die Er- Neuerung der Reichpostdampferverträge schweben, wird sich die Re« gierung bei ihren Entschlüssen nach dem wohl nicht weniger fach- v e rständigen Urteil der Konkurrenten de« Lloyd richten müssen. Da Links— rechls, links recht« I In das Loch mit dem Soldaten, einerlei ob rechts, ob link«, wegen seiner Freveliaten l sagt Justitia, dieses Dings. Milde dem Soldatenschinder. Duellanten auch nicht minder Links- recht«, rechts— link« I _ Franz. Notizen. — Theaterchronik. Im Deutschen Schauspiel« hause geht am Donnerstag zum ersten Male.Fräulein Eulie" von Strindberg in Szene.— Im Deutschen pernhause geht kommende Woche die erste neue Einstudierung dieser Spielzeil in Szene: HalevyS„Jüdin' am Freitag, den 12. Sepien, der.— Josef-Kainz- Theater am Kleinen Wann see. Die Premiere von„Gevatter Tod' von Eberbard König ist auf Donnerstag, den 11. d. MtS.. verschoben worden. Heute Sonntag wird um 3 Uhr nachmittag» das Märchen.Schnee« wiitchen', abend« 5 Uhr werden zwei Lustspiele aufgeführt:.Zwei Ubren'.«in Schäferspiel von Richard Wilde— dargestellt von Erna Kabisch und zum letzten Male.Lysander« Mädchen' von I V Widmann. Von Montag an beginnen d,e Vorstellungen bereft« um 4'A, Ubr sDampferabfahrt 4 Uhr ab Wannsee-Brücke der Teltowcr KreiSschiffahrt).— Strindberg«.Kronenbraut' ist zur Aufführung im Theater in d« rK o u, g g r a tz e r S t r a ß e an- genommen worden und gelangt noch im Laufe dieser Saison mit Irene T r i e s ch in der Titelrolle zur Darstellung. — Musikchronik. Der Zentralverband deutscher Tonkllnstler und Tonkünstlervereine veranstaltet am 19., 29. und 21 September seine 19. Delegiertenversammlung im Abgeordnetenhause. Beraten wird u. a. über.die Berufskrankheiten im Tonkünstlerstande' und über.das Stellenvermittlergesetz und seine Folgerungen für die Konzertagenten und die ausübenden Künstler'... � — Der Feldherrnhügel' im Hoftheatep. Da« Lustspiel Der Feldherrnhügel' von Roda Roda-Roßlcr, dessen .Staatsfeindlichkeit' von der Wiener Zensur durch Verbot der Auf- Führungen bezeugt worden ist, wird jetzt an einem Hoftheater zur Aufsübruna gelangen. Allerdings in Darmstadt. — Wertvoller literarischer Fund. AuS Marseille wird gemeldet, daß ein Papierhändlcr durch Zufall in dem Städtchen Muro auf Korsika in einem Haufen alten Papiers wertvolle Schreib«« und Manuskripte ComeilleS. RacineS. Balzacs und Alfred de Muffet auffand. die Verträge dem Reichstag zur Kontrolle borgelegt werden müssen, wird die Regierung hoffentlich nicht den Wünschen deS Lloyd »achgeben. Das geschäftliche Ergebnis deS ersten Semesters 1S13 war nach dem Bericht ein recht günstiges. Danach ist gegenüber derselben Zeit des Vorjahres ein erheblicher Fortschritt erzielt, her» vorgerufen hauptsächlich durch den lebhaften Verkehr auf der Nord» amerikalinie und den stark gestiegenen Verkehr auf den Linien nach Südamerika. Dazu kommen bessere Ergebnisse auf den meisten übrigen Linien, auger der Reichspostdampferlinie nach Australien, sowie vermehrte Gewinne aus den Beteiligungen und eigenen Zinseneinnahmen. Die finanzielle Lage der Gesellschaft hat eine weitere erhebliche Besserung erfahren, da die bereiten Mittel von bl Millionen am Ende des letzten Jahres auf öl Millionen bis Ende August dieses Jahres gestiegen find, trotzdem in der Zwischen- zeit allein auf die Ausführung des Seedampferbauprogramms (12 Dampfer von zusammen 160 VW Registertonnen) weitgehende An- beziehungsweise Vorauszahlungen gemacht wurden. Ins» gesamt bestehen an Werftschulden sür die im Bau befindlichen Dampfer nur noch rund 20 Millionen, die kontraktlich erst vom Frühjahr bis Herbst deS nächsten Jahres fällig werden. Bielleicht ist dieser Bericht mit Rücksicht auf den kürzlich ausgekrochenen heftigen Konkurrenzkampf gegen die Hapag etwas zu rosig gefärbt worden. Ueber das Bauprogramm äußert sich der Semestralbericht im einzelnen: Beschlossen wurde der Bau von vier weiteren Fracht- Kämpfern(a 12 000 Tonnen Tragfähigkeit), eines Schwesterschiffes des Dampfers.Columbus"(Wafhington-Thp 35 000 Tonnen) und eines Schwesterschiffes des Dampfers„Berlin"(zirka 18 000 Register- tonnen). Ferner wird ein erstklassiges Spezialschiff für Vergnügungs- fahrten durch vollständigen Umbau des Dampfers„Großer Kurfürst" eingerichtet werden. In Aussicht genommen ist ein Dienst durch den Panamakanal, sobald dieser definitiv eröffnet ist. Die aus der eventuellen Einstellung der australischen Reichspostdampferlinie frei werdenden Schiffe werden Verwendung auf anderen Linien des Norddeutschen Lloyds finden. Der Frachtdampferdienst nach Australien würde dann einen entsprechenden Ausbau erfahren. Deutsch-Ostafrika erbittet 2ll2 Millionen Reichskredit. Der„Wirtschaftliche Verband der Nordbezirke" von Deutsch- Ostafrika befaßte sich einer Kabelmeldung der„Kolonialen Kor- respondenz" zufolge mit der schweren Wirtschaftskrise, die durch die niedrigen Gummipreise über die Pflanzungen der Kolonie herein- gebrochen ist. Es wurde behauptet, daß der ungewaschene Kautschuk Deutsch-Ostaftikas zurzeit überhaupt nicht mehr verläuflich ist. Die vorhandenen Waschvorrichtungen reichen bei weitem nicht hin, um die Hälfte des gewonnenen Kautschuks zu reinigen. Der Kredit der mittleren und kleineren Pflanzungen stockt, die Pflanzer sehen sich außerstande, den kontraktmäßig angeworbenen Arbeitern die vereinbarten Löhne zu zahlen. Befürchtet wird, die dadurch bei den Eingeborenen her- vorgerufene Mißstimmung könne ernstere politische Folgen nach sich ziehen. Der Verband wandte sich daher an das Gouvernement mit der Bitte, beim Reich einen außeretatsmäßigen Kredit sür die Kolonie in Höhe von 2'/z Millionen beantragen zu wollen. Die Mittel sollen zum Ankauf der sich anhäufenden Borräte an Kautschuk durch die Regieruug verwendet werden, damit zunächst die akute Gefahr der Krisis überwunden wird. Zwecks dauernder Sanierung wurde die Gründung einer Genossenschaft mit staatlichen Mitteln in Vor» schlag gebracht, die in Tanga und Morogoro je eine große genossen- schaftliche Waschanstalt für Kautschuk einrichtet. Weltausstellung in San Franzisko. Obgleich die deutsche Regie- rung offiziell die Beteiligung an der Weltausstellung in Franzisko abgelehnt hat, besteht doch in einzelnen Jndustrielreisen eine starke Neigung für die Teilnahme. Insbesondere das Schiffahrts- gewerbe und die Exportindustrie erhoffen von der Teilnahme eine Erweiterung ihrer Interessensphäre. Auf Anregung der Homburg- Amerika-Linie ist eine private Organisation für eine Beteiligung der deutschen Industrie an der Weltausstellung ins Leben gerufen worden. Sie hat in Verlin eine Zentralstelle für Vorbereitung dieser Aus- stellung eröffnet und mit der Leitung dieser den Syndikus des Bundes der Industriellen, Dr. Ernst Stapff, beauftragt. Weitere Preisrückgänge am Eiscnmarkt. An der Düsseldorfer Montanbörse erfuhren die Eisenpreise wiederum einen Rückgang. Es sanken die Notierungen für Schweißstabeiscn von 145 bis 148 M. auf 140 bis 143 M., ftir Grobbleche aus Flußeisen von 112 bis 116 auf 108 bis 112 M., für Kesselbleche von 122 bis 126 auf 118 bis 122 M. Tatsächlich sind die Preise im freien Verkehr noch niedriger. Ebenso werden aus London und Brüssel erneute Preisrückgänge gemeldet. Konjunkturrückgang auch in England. Nach dem amtlichen Handelsausweis erfuhr die Einfuhr Englands im August d. I. eine Abnahme von 3,68 Millionen Pftind Sterling; die Ausfuhr nahm nur um die geringe Summe von 0,3 Millionen Pfund Sterling zu. Huö aller Kielt. Der JMarremnörder nicht geisteskrank? Wie aus Mühlhausen a. Enz gemeldet wird, hat die Ge- richtskommission den Oberlehrer Wagner, über dessen Schreckens- taten wir gestern berichteten, sür g e i st i g normal erklärt. E r macht überhaupt nicht den Eindruck eines Geistes- g e st ö r t e n. Bei allen Vernehmungsversuchen erklärte er, nichts aussagen zu wollen, und wie? darauf hin, daß er alles, was mit der Tat in Zusammenhang stehe, schriftlich niedergelegt habe. Der Grund der Tat wird in mißlichen Familienverhälr- nissen gesucht. Wie aus Angaben in Schriststücken Wagners hervorgeht, hat er seine schreckliche Tat begangen, um sich dafür zu rächen, daß er seine Frau lvegen der Folgen eines Liebesverhältnisses heiraten mußte. In seinem Schriftstück und drei Briefen, von denen er zwei in Groß-Sachsenheim zur Post gab, hat er seine Untat planmäßig ausgearbeitet und vollständig logisch geschildert. Er fuhr nach Ansicht der Gerichtskommission nach Bietigheim und von hier mit dem Rade nach Mühlhausen. Unter wegs gab er die zwei Briefe in Groß-Sachsenheim auf, deren Inhalt sich vollständig mit dem dritten, den die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte, deckt. In dem beschlagnahmten Briefe gibt Wagner an, daß er die Tat schon vor sechs Jahren ge- plant habe und sie endlich zur Ausführung bringe. Aus der Schreibweise deS Briefes geht die ruhige und planmäßige Ueberlegung Wagners hervor. Wagner stellte sich längere Zeit tot; erst als er unter der Obhut eines Gendarmen im Armenhause lag, gab er seine Verstellung auf. Er ließ die Aeußerung fallen, daß es ihm nicht mehr gereicht habe, sich selbst eine Kugel beizu bringen. Die Gerichtskommission gelangte einstimmig zu der Ansicht, daß die Tat Wagners bei klarem Verstände, in voller Ueber legung und durchaus nicht im Wahnsinn ausgeführt sei. Zu dem gleichen Ergebnis kamen auch die b e i d e n A e r z t e, die in Mühb Hausen dem Schwerverletzten Verbände anlegten. Zum Schutze des Mörders gegen die Volksmenge mußten zeitweise sechs Gen darmen aufgeboten werden. Bei der Vernehmung des Mörders Wagner gab dieser, wie der „Schwäbische Merkur" berichtet, an, er habe die Welt durch seine Schreckenstat in Entsetzen bringen wollen. Er erklärte weiter, er habe schon vor Jahren schwere Delikte sexueller Natur verübt, der Gedanke an diese habe sich durch die Länge der Zeit nicht abgeschwächt, sondern noch verstärkt. Aus Anspielungen von Personen, mit denen er verkehrte, habe er geschlossen, daß sie Kenntnis von diesen Delikten hätten, so habe er sich entschlossen, aus dem Leben zu scheiden. Auf die Frage, warum er die Tat von Mühlhausen begangen habe, gab Wagner an, er habe wohl gegen die einzelnen Menschen nichts gehabt, aber weil Mühlhausen die Stadt seiner sexuellen Ber i r r u n g e n gewesen, habe er sich au der ganzen Gemeinde rächen wollen. Er habe die Absicht gehabt, sich nach der Tat selbst zu erschießen. Bei der ganzen Vernehmung zeigte Wagner volle Denkfähigkeit, form vollendete LnSdrucksweise und große geistige Energie. Aus alledem können wir freilich nicht zu der Auffassung kommen, daß eS sich um einen geistesgesunden Menschen handelt; wir verweisen auch auf den Artikel„Wahnsinn" im Hauptblatte dieser Nummer._____ Riesenbrand in Amerika. Aus Hot Springs im Staate Arcansas kommt die Meldung von einer furchtbaren Brandkatastrophe, die die Stadt heimgesucht hat. DaS Feuer, von dem in der Nacht herrschenden Sturm an- gefacht, zerstörte in kurzer Zeit dreißig Straßen und ver- nichtete den ganzen dazwischen liegenden Häuser» block. In der Hauptsache sind große Hotels, und die Villen von Millionären, die in dem vornehmen Viertel wohnen, ein Opfer der Flammen geworden. Die Feuer wehr war dem wütenden Element gegenüber vollständig macht- loS. Sofort regte sich auch die Plünderungslust von allerlei Diebesgesindel, das in die Häuser eindrang und sie teilweise ausraubte. Die Polizei war den Räubern gegenüber machtlos, bis das Standrecht über die Stadt erklärt wurde. Der Brand wütet weiter. Etwa 2000 durch die Katastrophe obdachlos Gewordene sind gezwungen unter freiem Himmel zu kampieren und leiden sehr unter der mangelhaften Zufuhr von Nahrungsmitteln. Da das Feuer auch das elektrische Kraftwerk zerstört hat, ist die Stadt vollständig in Dunkel gehüllt. Hilfszüge mit Aerzten und Proviant find sofort an die Stätte der Katastrophe geeilt. Das deutsche Grohmaul im Auslande. Am Freitagnachmittag saßen verschiedene Deutsche in einem Cafs in Nancy. Ein in der Gesellschaft befindlicher deutscher Matrose, der angetrunken war, rief in schlechtem Französisch: Es müßten vier Franzosen auf einen Deutscheu kommen, er werde sie alle auffressen. Daraufhin wurden die Deutschen an die Luft gesetzt. Verschiedene französische Blätter versuchen, den Vorfall aufzubauschen, während andere die Meinung vertreten, daß eS sich hier lediglich um alberne Redensarten eines betrunkenen Maulhelden handele. Kleine Notizen. Der Flieger Friedrich in Frankreich gelandet. Bei der(Strich- Sport-Fliegergescllschaft ist eine Depesche des Fliegers Friedrich ein- gelaufen, nach der er infolge des stürmischen und nebligen Wetters an der Bahnlinie Brüssel— Paris bei B r u y ö r e s glatt gelandet ist. Er beabsichtigt, Paris so bald wie möglich zu erreichen. Schweres Explosionsunglück. Bei einem Feuerwerker in A ub e r- V i l I s r S ist heute nachmittag zwei Uhr eine hefiige Explosion erfolgt, bei der fünf Personen getötet und zehn verletzt worden sind. Gerüsteinsturz in Prag. Bei einem Neubau auf dem Wenzel- platze in Prag stürzte am Sonnabend ein hohes Gerüst ein und begrub sechs Arbeiter unter sich. Hierbei wurde einer g e- tötet, während die anderen schwerverletzt ans den Trümmern hervorgezogen wurden. Unwetterkatastrophe in Indien. Infolge eines plötzlichen Wolken- bruchs ertranken 150 Männer, Frauen und K in der, welche einen Nebenfluß des Beas in der Gegend von Hoshiarpur über- schreiten wollten. Nnr wenige Leichen wurden geborgen. Der verirrte Ballon. Die beiden in der Nähe von Lille ge- landeten deutschen Luftschiffer heißen Dr. M o m m und Heinersdorff. Sic wurden, da Photographien und ver- dächtige Papiere bei ihnen nicht vorgefunden wurden, nach einer Haft von 24 Stunden wieder freigelassen. Ein scharfer Schuf) beim Manöver. Die„Köln. Ztg." meldet aus Stettin: Bei einer Truppenübung deS Infanterieregiments Nr. 54 zwischen Belgard und Kolberg wurde ein scharfer Schuß abgegeben, der nahe an dem Obersten West- phal vorbeipfiff. Der Schütze konnte noch nicht ermittelt werden, jedoch die Kompagnie, aus deren Mitte der Schuß ge- fallen war. Ein Soldat bei einer Nebung ertrunken. Bei einem Ueber- gang über den Rhein bei Gernsheim ertrank ein Soldat aus Auer- bach vom Dragonerregiment Nr. 23. Die Eskadron wurde in Kähnen über den Rhein gebracht, während die Pferde an der Leine nebenher schwammen. Der Dragoner hatte ein widerspenstiges Pferd zu führen und wurde von diesem ins Wasser gezogen, wobei er ertrank._ ßriefkalten der Redaktion. DI« lurlstllchc kprcchsiiuidc(Inttt«Indenftrade 69, vor»»Irr»«pprn — F a I> r st II h l—, wochrnt» glich von 4� bis 7% Uhr abrnvs, Sonnadrnvö, von 4P> VIS 6 Uhr abcnvS statt. Jeder für de» Brieslastea bestimmten Ansrage ist ei»«»«ftabe und eine Sah» al» Mrrizeichen beizufügen. Briefliche Avtworl wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsqnlttnng beigefügt ist, verde» nicht beantwortet. EUige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Bubi 450. Hat der neue Eigentümer das Grundstück im Wege der Zwangsversteigerung erworben, kann er, falls Sie die höhere Miete nicht zahlen wollen, zum nächsten gesehlichen Kündigungstermin kündigen. Ist das Grundstück durch freihändigen Berkaus erworben, kann eine Steigerung bis zum Ablauf des Vertrages nicht ersolgen.— F. L. I« Nein, nur die baren Auslagen.— N. E. R. 1000. l. DaS Sterbegeld ist zunächst zur Deckung der Kosten des Begräbnisses bestimmt und in dein aufgewendeteit Betrage demjenigen auszuzahlen, welcher das Begräbnis besorgt. Ein etwaiger Ueberschuß ist dem Hinterbliebenen Ehegatten, in Ermangelung eines solchen dem nächsten Erben auszuzahlen. Sind solche Personen nicht vorhanden, verbleibt der Ueberschuß der Kasse. 2.§ 20. 8.». 4. Wenden Sie sich zunächst an die Ausstchtsbehörde, in Berlin, Stralnuer Sir„ — Alter Zlbonneut. ES scheint sich um eine Poltzewcrsügung zu handeln, die nach einer Entscheidung des OberverwältungsgerlchtS vom 12. 4. ISOl zulässig Ist, jedoch u. E. nur dann, wenn nicht datieben die Ankündigung In deutscher Sprache geschehen ist. Ankündigung in beiden Sprachen erschMit zulässig.— M. S. ÄS. 1. Ihre Mutter hat Anspruch auf'lt des Nachlasses, ausgenommen die Haushaltungsgegenstände, die ihrem Schwager sämtlich zustehen. Ihnen und Ihren Geschwistern steht gemeinsam ein An- spruch aus ebenfalls'/, deS Nachlasses zu. 2. Nein.— ivc. 0. 100. Nein, jedoch ist eS zulässig, das Kind aus den Pflichtteil zu setzen.— G. 570. 1. Zenlralverband der Sandlnngsgehilsen, Münzftraße 20. 2. Sie haben Anspruch aus sosorliae Rückzahlung, können stch aber auch den zuviel ge- zahlten Betrag aus die künstig sällig werdende Steuer anrechnen lassen. Für Berlin besteht die Abholungspflicht. Belm erstmaligen Erscheinen des Steucrbcnmten brauchen Sie demnach Mahngebühren nicht zu zahlen.— — Rciiitckendorf 7. 1. Zur Beschlagnahme war der Gendann dcrechligt, jedoch ist die Einziehung der Lustbüchse unseres ErachleiiS nicht zulässig. Nach rechtskröstiger Beendiauiig deS Verfahrens muß die Büchse Ihnen cben werden. 2. Net». Verboten durch J 367 Ziff. 8 des Reick' strafgesetziucheS in Verbindung mit einer Polizeiverordnung des Ober- Präsidenten m Potsdam.— Jrnin. 4. und 2. Ja. 3. Bei dem Armen- vorsieher, in dessen Bezirk Ihre Verwandte jetzt wohnhast ist. Soseni die Tätigkeit überwiegend im Haushalt des Dienstgebers stattgeslindep hat, muß sofort die Ortspolizeibehörde in Schlachtensec angernsen werden, bevor die Klage erhoben werden kann.— Lübecker Str. 28. DaS Arbeiter- setrctartat befindet sich im Gowerkschastshause, Engeluscr 14/15, Sprechzeit mittags von ft,I2 bis>/,1 Uhr und abends von 5 bis 3 Uhr. \»Zur Rippe Montag [ 8| Dienstag| Q| Mittwoch|lO Donnerstag[U,| Freitag \ßnom WMgw Verkauf GrOSSG Posten passende Abschnitte TuchBager Carl Engel BERLIN C. Molkenmarkt 12/13, Eckhaus Anzugstoffe Paletotstoffe Kosfümstoffe! föp Anzöge, Paletots, Ulster, Hosen. 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Tieferschüttert vernahm vor wenigen Wochen das kämpfende Proletariat die Trauerkunde: Unser August Bebel ist tot! Ein rastloses, ein opfervolles und doch auch siegest freudiges Leben ist abgeschlossen. Der Schlag traf uns alle hart. Aber wir müßten keine kämpfende Partei sein, müßten nicht einen Atom von Bebels Feuergeist in uns haben, wenn wir an diesem Tage nicht voll Liebe und voll Dankbarkeit für unseren großen Toten gelobt hätten, in seinem Sinne rastlos und unbeugsam weiter zu arbeiten. Kein Widerstand soll uns beugen, kein Kampf uns zu heiß sein. Nirgends aber ist' der Kampf heißer, ist das Ziel lohnender, als auf dem Gebiete der Fugenderziehung im proletarischen Sinne. Millionen gibt der Staat aus. um die Fugend von uns abzuwenden, sie zu Feinden der Arbeiter- dewcgung zu machen. Die proletarische Jugendbewegung aber wird drangsaliert, wo es nur möglich ist. Polizei und Staatsanwalt haben ein ganz besonderes Interesse für unsere Jugendbewegung und Ihr wißt, was das zu bedeuten hat. Im Sinne unseres August Bebel handeln wir, wenn wir uns durch keinerlei Maßnahmen hindern lassen, die freie Jugend- bewegung zu fördern. Wir haben daher beschlossen, für Groß-Berlin einen Bebel- Fonds für die Jugendbewegung zu gründen, um aus diesen Mitteln Heime für unsere Jugend zu errichten. Genossen und Genossinnen! Wir appellieren an Eure Opferwilligkeit I Wir fordern Euch auf. in der Werkstatt und in Versammlungen zugunsten des Bebel- Fonds zu sammeln. Parteigenossen! Es gilt das Andenken unseres unver- geßlichen Toten in einer Weise zu ehren, die des großen Mannes würdig ist. Dazu trage jeder sein Schcrflein bei l Niemand stehe zurück! Etwaige Geldsendungen sind zu richten an Emil Bööke, Lindrnstr. 2, vorn 1 Tr. Ter Aktionsausschuß. I. A.: Eugen Ernst. Der Polizeileutnant und fein Dienltnrädchen. Ein Schlaglicht auf unsere Dienstbotcnverhältnisse wirft ein Vorfall, der ein bei einem Polizeileutnant im Dienst stehende? Mädchen betrifft. Es handelt sich um den Polizeileutnant Schwarz- köpf, Bötzowstr. 42 wohnhaft, bei dem ein fünfzehnjähriges Mädchen bedienstet war. Wie viele andere Herrschaften, die im Sommer verreisen und ihr Dienstmädchen während dieser Zeit gern billig irgendwo unterbringen wollen, wollte auch der Polizeileutnant dies währeird der 14 Tage. tun, die er mit seiner Gattin nach Neu- ruppin fahren wollte. Er machte dem Mädchen den Vorschlag, während dieser Zeit gegen Vergütung des Reisegeldes zu ihrem außerhalb wohnhaften Onkel zu fahren. Das Mädchen erklärte, daß sie erst ihrem Onkel schreiben müsse, bevor sie die Reise antrete. Es geht zunächst zu ihrer verheirateten Schwester. Frau M.. um dieselbe um Rat zu fragen. Hier wird ihr gesagt, daß sie doch nicht mit leeren Händen zum Onkel fahren könne. Hierbei macht das Mädchen der Schwester die Mitteilung, daß sie Schmerzen im Kniegelenk verspüre. Da Frau M. nun erst recht Besorgnis hegt, begibt sich dieselbe gemeinsam mit ihrer Schwester zum Herrn Polizeileutnant, um mit. demselben über die Angelegenheit zu sprechen. Dabei erklärt sich Frau M. eventuell bereit, gegen Er- stattung eines mäßigen Kostgeldes, ihre Schwester für die 14 Tage in Pflege zu nehmen, vorausgesetzt, daß ihr Gesundheitszustand nicht eine Krankenhausbehandlung erforderlich mache. Herr Schwarzkopf erklärt hierauf, daß, wenn das Mädchen krank sei. sie eben ins Krankenhaus müsse, unter keinen Umständen aber willige er in die Zahlung von Kostgeld ein. Am 9. August wird das Mädchen wegen Gelenkentzündung in das Virchowkrankcnhaus gebracht, wobei es über ihr weiteres Per- halten von ihrer Dienstherrschaft Anweisungen erhält. Bereits am Dienstag, den 12. August, erfolgt ihre Entlassung; anscheinend hat der sie behandelnde Arzt ihren Zustand nicht für so schwer ge- halten, daß das Mädchen überhaupt Krankenhausbchandlung nötig hatte, denn er soll zu ihr gesagt haben, daß das Krankenhaus kein Aufenthalt für Gesunde sei. Von hier begibt sich das Mädchen zunächst zu ihrem Bruder, derselbe erklärte jedoch, daß er sie ohne Kostgeld nicht behalten könne. In diesem Sinne wendet sich das Mädchen an die Dienst- Herrschaft. In dem Schreiben gibt sie auch die Aeußerung des Arztes im Krankenhause wieder, zugleich kündigt das Mädchen zum LI. August ihren Dienst. Darauf richtet Herr Polizeileutnant Schwarzkopf folgendes Schreiben an das Mädchen: Neu-Ruppin, den 13. 8. 13. Ihre.Kündigung— welche anderenfalls von meiner Seite aus erfolgt wäre— habe ich erhalten. Die klaren und bestimmten Anweisungen, welche wir Ihnen für den Fall Ihrer vorzeitigen Entlassung auS dem Krankenhaus (und gnädige Frau besonders auf dem Wege zum Krankenhaus) gegeben haben, sind für Ihr und unser weiteres Verhalten maß- gebend und bleiben bestehen. Eine Beantwortung der übrigen in Ihrem Brief enthaltenen Albernheiten wäre unter meiner Würde: doch wird der Arzt, welcher Sie im Virchow-Kranken- haus behandelt hat, von mir auf dem geeigneten Wege zur Verantwortung gezogen werden. Schwarzkopf, Kgl- Polizeileutnant. Das Mädchen trat hierauf den Dienst wieder an. Am IS. August richtete Herr Polizcileutnant Schwarzkopf folgendes Schreiben an das Mädchen: : dSahlabenä in Neu-Ruppin, d. 15. 8. 13. Da Sie den Dienst wieder angetreten haben, lassen wir Ihnen hierdurch folgende Anweisungen zugehen, die Sic streng zu befolgen haben: Im Interesse Ihrer Gesundheit verbiete ich Ihnen, die Wvh- nung ohne einen anderen Grund, als den, Einkäufe zu besorgen, zu verlassen,— auch Sonntags nicht.— Ihre Verwandten haben Sie also nicht zu besuchen. Sie haben aufzuschreiben, lvann, wie lange und zu tvelchem Zwecke Sie die Wohnung verlassen haben. Ties wird von meinen Beamten kontrolliert werden, besonders von dem Kriminalschnbmann Herrn Herbst, welchen Sie jederzeit Einlaß in die Wohnung zu gewähren haben. Erfahre ich, daß Sie meine Anweisungen nicht befolgen, er- folgt Ihre sofortige Entlassung. Außerdem gebe ich Ihnen den ausdrücklichen Auftrag, Ihren Verwandten mitzuteilen, daß ich diesen ein für allemal jegliches Betreten meiner Wohnung ver- biete. Nochmals weise ich Sie darauf hin, daß Sie häufig, auch ohne Ihr Wissen, kontrolliert, werden werden. Schwarzkopf, Kgl. Polizcileutnant. Dieser Brief ist klassisch. Ter Herr Polizeileutnant erteilt dem Dienstmädchen Stubenarrest; es darf die Wohnung nur ver- lassen, um Einkäufe zu besorgen, sonst nicht, auch Sonntags nicht. Das ist ja die tatsächliche Gesinde sklavcrei. Und dann die Be» merkung, nach der das Mädchen von den Beamten des Herrn Polizeileutnants kontrolliert wird. Seit wann sind denn die Be- amten für Privatziveckc des Herrn Polizeileutnants da? Vielleicht beantwortet uns der Herr Polizeipräsident diese Frage. Von Interesse sind auch die Anweisungen, welche die gnädige Frau Polizeileutnant in demselben Briefe dem Dienstmädchen er- teilte. Es heißt da: „Wie mir Frau Schröder seine Beauftragte der gnädigen Frau) schrieb, waren Sie gestern bei ihr. Sie haben nun die Sachen auSzusticken und fertigzumachen, die Strümpfe, die in Ihrem Zimmer lagen, zu stricken. Sollten Sie einen Probe- strumpf brauchen, dann werde ich einen schicken. Die Blumen haben Sie zu gießen und die Zimmer täglich wie bisher zu reinigen und alles in Ordnung zu machen. Wurst haben Sie von Frau Schröder bekommen, da werden Sie sich von nehmen, wie ich Ihnen immer gegeben habe. 3 Schnitten zum Abend- brot und 2 zum Frühstück. Was Sie an Geld gebrauchen, müssen Sie täglich der Reihenfolge nach aufschreiben. Sie müssen sich kochen: Montag: Reis. Sie können ein Pfund kaufen und kochen sich h- Viertel mit 6 Pf. Milch. Was Sie nicht aufessen, wärmen Sie tich. Dienstag kaufen Sie Suppenwürfel, wie Sie sie so gern essen. Mittwoch: Schmorgurken. Etwas Speck, Wasser, Essig, Salz, Pfeffer, Zucker und Kartoffel sollen Sie dazu essen. Donnerstag: ein Kotelett, i» Pfund Schweinekotelett, 20 bis 30 Pfennig, und Kartoffel. Freitag: grüne Bohnen. Sie kaufen>4 Pfund, machen dieselben zurecht. Dann mit Wasser aufsetzen, 5 Minuten kochen lassen, abgießen, denselben Bohnen frisches Wasser geben. Salzen und kochen lassen, 2 Stunden, Pfefferkraut so wie eS ist herantuen, dann, wenn die Bohnen gar sind, Kartoffel dazu und etwas Mehl in Wasser zerrühren und herangießen, bis die Bohnen dick sind, zerhackte Petersilie heran. Sonnabend: gewärmte Bohnen. S o n n t a a: ein Beefsteak,*4 Gehacktes kaufen, ein bißchen Salz, Pfeffer, Wasser, Semmel und das Fleisch alles gut ver- rühren und braten. Wenn Sie vom Kotelett noch etwas Ei übrig behalten haben, dann das auch noch dazwischen. In der nächsten Woche essen Sic dann dasselbe. Bis wir wiederkommen, müssen sämtliche Fenster geseift sein, auch in der Küche das Geschirr waschen." Ist dieser Speisezettel nicht originell. Wir glauben, uns einer eingehenden Kritik enthalten zu können. Die Dokumente in ihrer bloßen Wiedergabe sind allein geeignet, die soziale Lage mancher Dienstmädchen grell zu beleuchten. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokallistr. Heute und am Dienstag, de» 7. Oktober findet vom Blüthner- Orchester ein Konzert in den K a m m e r s ä l e n, Tcltoiver Str. 1—4, statt, wozu in einer Reihe von Zahlstellen der Volksbühnen und Verkaufsstellen des Konsumvereins, auch in sonstigen Geschäften Gut- scheine zu haben sind. Wir bitten dringend, diese Gutscheine zu einem der nächsten Konzerte des Bliithner-OrchesterS zu benutzen, denn die Kammersäle werden für die organisierte Arbeiterschaft b e- harrlich verweigert, und sind deshalh die Kammersäle streng zu meiden. Die LokalkoMnüssion. Charlottenburg. Die 4. Gruppe hält am Mittwoch, den 10. September, einen gemeinsamen Zahlabend bei Thcelcn, Kaiser- Friedrich-Straßc 45 b ab. Grünau. Die nächste Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet nicht am 10. d. M.. sondern am 17. September statt. Näheres wird noch bekannt gegeben. PeterShagen-FrederSdorf. Heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Mitgliederversammlung. Wichtige Tagesordnung. Anschließend daran gemütliches Beisammensein. Nowawcs. Mittwoch, den 10. September; abends 8>/z Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Lokale des Herrn Ernst Schmidt. Wilhelmstraße 41/43. Tagesordnung: 1. Vortrag über Kinderarbeit und Kinderelend. 2. Geschäftliches. 3. Bericht von der Kreisgeneralversammlu'ig. 4. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiert. Spandan. Zu der heute Sonntag nachmittag um 2 Uhr statt- findenden Beerdigung des Genossen Emil Fiedler treffen sich die Parteigenossen und Genossinnen in ihren Abteilnngslokalen.� Die der 1. Abteilung um 1 Uhr beim Genossen Zeitel, Bismarckstr. 0; die 2. Abteilung heim Genossen Dertz, Kurstr. 21, um 1 Uhr; die 3. Abteilung um 12l/j Uhr beim Genossen Danneberg, Pichelsdorser Straße 5; die 4. Abteilung um 12 Uhr beim Genossen Kant, Siemensstr. 34; der Gesangverein im VereinSlokal, Neumeisterstr. 5, um 12V3 Uhr.____ ßcrlincr Nacbricbtm Schöffe! Eines Tages, gegen Ende des Jahres, bekam ich vom Gericht eine Zustellung, in der mir mitgeteilt wurde, daß ich als Schöffe ausgelost worden sei und an vier bestimmten Tagen im kömmenden Jahre an den Terminen teilzunehmen -Min. habe. Diese Mitteilung löste bei mir sonderbare Gedanken; aus. Ich, als Sozialdemokrat, war ausersehen, Recht sprechen zu helfen. Ich sollte Gesetze anwenden, welche zur Aufrecht- erhaltung der heutigen Gesellscl>aftsordnung gemacht smo, obwohl ich diese Gesellschaftsordnung bekämpfe, �ch sollte Gesetze gegen andere in Anwendung bringen, obwohl solche mir gegciitiber wiederholt angewendet worden lvaren, und wie ich die Ueberzcugung hatte,, zu Unrecht eine Auslegung gefunden hatten. Gerade der letztere Gesichtspunkt war für mich maßgebend, für das neue Anit eine gewisse Sympathie zu empfinden. Es sind nicht immer die Gesetze an sich, die große Erbitterung in lvcitcn Kreisen erzeugen, sondern es ist vielfach die Anwendung der Gesetze durch Klassenrichter, sslen es Volksrichter oder gelehrte Richter, welche die Ueberzeugung von der Klassenjustiz immer weiter verbreiten. Und gerade ein Sozialdemokrat mit tiefem sozialen Empfinden kann selbst bei Anwendung der nun einmal geltenden Gesetze zehn- mal mehr Gerechtigkeit walten lassen, als so ein verknöcherter und vom Eigeiitumssanatismus beseelter Bürgerlicher. Ich suchte mich also mit meinem neuen Amt und mit den mir zustehenden Rechten möglichst vertraut zu nwchen. Zu diesem Zwecke sah ich die Strafprozeßordnung nochmals durch, die mir ja— weil wiederholt selber Angeklagter nicht ganz fremd war. Mit den vielen Paragraphen des Strafgesetzbuches vermochte ich nicht viel anzufangen und ich verließ mich auf mein Gefühl und meinen gesunden Men- schenvcrstand. Zur ersten Sitzung erhielt ich noch eine besondere Einladung. Um die Würde des Gerichts zu wahren und als richtig gehender Schöffe zu erscheinen, holte ich den schwarzen An- zug aus dem Schrank und begab inich rechtzeitig nach Moabit. Bald batte ich die Abteilung und das Zimmer gefunden, in dem ich zu sitzen hatte. Der Gcrichtsdiener öffnete und ließ mich ein in das Beratungszimmer. Bald erschien mein „Kollege", der zweite Schöffe, dann der Protokollführer— Schriftführer würden wir im gewöhnlichen Leben sagen— und schließlich kam auch der Vorsitzende Richter. Wir grüßten höflich, er dankt.', und nach kurzer Vorstellung ging es ins Sitzungszimmer. Bevor die erste Sache ausgerufen wurde, wurden wir beide Schöffen ans unser Amt vereidigt. Am ersten Tage standen fünfzehn Sachen an; es lvaren meistens kleinere Verfehlungen, wie Polizeiübertretungen, kleinere Diebstähle, Vergehen gegen das Forstgesetz. Die Sachen wickelten sich glatt ab. Zunächst Feststellung der Personalien, wobei man bei der Vereidigung sich jedesmal erheben muß, dann Antrag de? Amtsanlvalts. Dann gehts ins Beratungs- zimmer: ein recht nüchtern ausgestatteter Raum mit einem Tisch und einem Schrank für die Robe des Richters. Hier entwickelten sich oft recht interessante Debatten. Uns Schöf- fen war der Antrag des Amtsanwalts fast immer zu hoch und wir fingen an zu handeln. Der Richter war ein recht ver- ständiger Herr in den mittleren Jahren, und wir einigten uns schließlich auf ein geringes, den Umständen angemessenes Strafmaß, wenn wir nicht zur Freisprechung kamen. Von Interesse war, daß unser Protokollführer ein Referendar war, sozusagen ein Lehrling auf dem Gebiete der Rechtsprechung. An ihn richtete der Richter fast jedes mal die Frage: „Wie stellen Sie sich zu der Sache?" Unser Referendar ent- wickelte seine Rechtsauffassung, um zum Schluß zu kommen, daß er 3 Mark Geldstrafe geben würde. Einmal konnten wir mit unserm Richter durchaus nicht ins Reine kommen. Der Amtsanwalt hatte gegen einen Bauer aus einem Vor- ort, wegen einer tätlichen Beleidigung seines Nachbarn zwei Monate Gefängnis beantragt. Wir Schössen wollten den noch unbestraften Mann, der schwer gereizt worden war, unter keinen Umständen ins Gefängnis schicken. Der Richter meinte:„Ja, dann bleibt aber doch nur eine Geldstrafe übrig, die sehr hoch bemessen lverden muß. Und die trifft den Mann vielleicht noch schwerer. Unter 300 Mark können wir dann nicht geben." Auch davon wollten wir nichts wissen. Wir handelten und kamen schließlich überein, 100 Mark zu geben, entgegen der Ansicht des Richters, der aber genötigt war, das Urteil zu begründen. In einem anderen Falle wurde ein schwer vorbestrafter Mensch aus der Untersuchungshaft vor- geführt. Er ging der Arbeit aus dem Wege, wohnte beim Stiefvater, mißhandelte den kranken Invaliden aufs schwerste, stahl das gesamte Spargeld und verjubelte es in einer Nacht mit Frauenzimmern. Hier hatte der Staatsanwalt 11- Jahre Gefängnis beantragt. Erschien mir der Antrag auch recht hoch, so konnte ich beim besten Willen aber auch keinen Grund zur Milde finden und dem Antrage wurde statt- gegeben. In der Zeit der Gcrichtsferien hatten wir einen älteren Herrn zum Vorsitzenden. Er war ein prächtiger Mensch und kam uns nach jeder Richtung hin entgegen, insbesondere, wenn wir von unserem Fragerccht Gebrauch machten. Und das taten wir in vollem Maße. Nur auf die Straßenhändler war der alte Herr schlecht zu sprechen. Das merkte man schon bei der Vernehmung, wo er einen viel schärferen� Ton als sonst anschlug. Und von Milde wollte er bei diesen An- geklagten durchaus nichts wissen. Die Leute seien vielfach Tagediebe, die den Geschäftsleuten nur Konkurrenz machten. Als ich einwandte, daß uns als Richter die Konkurrenz nichts angehe, und daß nur festzustellen sei, ob in der Tat eine Uebertretung vorliege oder nicht, hatte ich es mit dem alten Herrn sehr verdorben. Viel unnütze Zeit geht verloren, wenn die Privatklagen drankommen, die immer zuletzt anstehen. Was da für Klatsch und Tratsch vorgetragen wird, ist ekelhaft. Unsere Nichter hatten Routine darin, in solchen Fällen Vergleiche herbeizu- führen. Damit erübrigte sich�dann die Zeugenvernehmung und wir konnten endlich nach 5— 6 stündigen Verhandlungen die Stätte unserer Rechtsprechung verlassen. Manchmal kam mir der Gedanke: Jetzt müßten dich hier auf deni Richterpodium die Staatsanwälte sehen, die dich wiederholt verdonnert haben. Aber das eine Gute hatten meine Bestrafungen, unter denen sich eine erhebliche Zahl von Monaten Gefängnis befanden. Ich wußte, was es heißt. so und so viele Monate eingesperrt zu werden und deshalb konnte ich sicher als Schöffe objektiver urteilen als mancher Richter. Es wäre nur zu wünschen, wenn auS Arbeiterkreisen mehr Schöffen entnommen würden, als das heute der Lwll ist. Durch die Diätenzuweisung ist neuerdings ein Weg ge- funden, es ist aber auch notwendig, wirkliche Arbeiter zum Schöffenamt heranzuziehen. Tie Rechtspflege kann dadurch nur gewinnen._ Die Ausstellung für Körperpflege und Körperkultur ist in den Räumen der Philharmonie bis zum 16. September geöffnet und übertrifft noch ihren tönenden Namen. Vieles ist. wie ja immer bei solchen von großen Fachvereinen der- anstalteten Ausstellungen, nur Dekoration, aber schließlich läßt sich auch bei einem Klavier, einer Drehrolle, einer molligen Bettstelle oder dem modernsten Winterhut an Körperpflege und Körperkultur denken. Von der vermuteten natürlichen Körperkultur, wie sie beispielsweise in unseren Arbeiter- sportvereinen betrieben wird, ist hier wenig zu finden. Desto reicher hat die kosmetisch-hygienische Körper- und Schönhcits- Pflege ihre Vertreter entsandt. Man muß dabei berücksichtigen. daß die Ausstellung ein Werk des Vereins der Damenfriseure Groß-Berlins ist. also von vornherein wohl auf das. was die „große Dame" zu ihrer Verschönerung an hundert geheimnis- vollen Hilfsmitteln braucht und— kauft, zugeschnitten werden sollte. Auf diesem Gebiete des Ewigweiblichen stehlt einfach nichts. Sogar ganze Boudoirs sind ausgestellt. Manches darf aber auch minderbemittelte Kreise interessieren, so die im Hause anzuwendenden Heilmittel zur Körperpflege und die häuslichen Einrichtungen zum Training, wie Muskelstärker, Vibrattonsapparate und dergl. Daß die Elektrizität alles erobert, beweist die elektrische Entfettungsmaschine und die elektrische Haarschneidemaschine. Instruktiv für weiteste Kreise ist die reichhaltige Sonderausstellung des Medizinischen Warenhauses. Besonders fesseln hier zahlreiche Wachsnach bildungen, die über das Aussehen der verschiedensten und ge fährlichsten Kinderkrankheiten belehren, sich aber auch auf Pocken, Jmpfpusteln. Lupus. Flecktyphus usw. erstrecken. In Verbindung mit der Ausstellung findet am heutigen Sonntag in den Ausstellungshallen am Zoo ein internationales Damen- wettfrisieren statt, zu dem Preise im Gesamtwerte von zehn- tausend Mark gestiftet sind, und am 8. September ein— Preisschminken. Mehr kann man von den aufstrebenden„Verschönerungsräten" nicht verlangen. Drei große BerbinbungstunnclS zum Uebergang auf andere Bahnen wird die Schnellbahn der A. E.-G., Gesundbrunnen-Neu- kölln, erhalten. Zunächst wird die Endhaltestelle Gesundbrunnen mit der gleichnamigen Ringbahnstation verbunden werden, sodann wird man von der Haltestelle Königstraße(an der Neuen Friedrich- stratze) durch einen langen Fußgängertunnel nach dem Stadtbahn- Hof und den beiden Untergrundstationen der Hochbahn, Alexander- platz, gelangen können, ferner wird die Haltestelle Weserstraße und Hermannplatz(Nordsüdbahn) durch einen Tunnel miteinander in Verbindung gesetzt werden, so daß die Fahrgäste— ohne die Straße zu berühren— von der einen Bahn auf die andere übergehen können. Kindererholung zum Zwecke von Hohenzollernverherrlichung. In Ahlbeck ist vor längerer Zeit ein Kinderheim eröffnet worden, für das der Kaiser Mittel zur Verfügung gestellt hat. Es sollen vornehmlich Berliner Kinder nach Ahlbeck kommen. Vor einiger Zeit hat der Kaiser mit seiner Frau dem Heim einen Besuch abgestattet und die bürgerliche Presse konnte sich gar nicht genug tun in über- schwenglichen Redensarten über diesen Besuch. In illustrierten Zeit- schriften sah man die Kaiserin abgebildet inmitten der Kinder. Die sonderbarsten Anekdoten wurden verbreitet. Anscheinend war diese Verhimmelung bestimmt, den schlechten Eindruck zu verwischen. der aus Anlaß der Gesangsvorträge der 7000 Schulkinder im Schloßhofe hervorgerufen worden ist, wo Lehrer und Kinder nach den Vorträgen so kühl und nüchtern entlassen wurden. In Ahlbeck scheint nun besonders stark in Hohenzollernverehrung gemacht zu werden. Dem Kaiser ist nämlich ein Heft überreicht worden zur Erinnerung an den ersten Sommer deS Ahlbecker Kinderheims. In diesem Heftchen sind Kinderbriefe abgedruckt, aus denen folgende Proben veröffentlicht werden: „Liebe Mutter du sollst man blas mal sehn wie wir uns hir Waschen furchbar doll Wenns zum Essen geht renn wir all zum Brunnen Seife ist man garnicht nötig wir schrubben uns viel feiner am Stein ab. Abends Seifen wir ganz und gar ab die Schwester helft man inimer mit auch die Füße auch gurgeln)vir Hochachtungsvoll dein Sohn Walter." * „Liebe Eltern.'Hie schckt mir das Essen sehr gut. Ich effe S Semmel, eS giebt auch Flambrie. Wenn wir ausgesse haben dritten Mal holen. Das ist eine lange Kette bis draußen. Schoko- lade giebt es auch wenn die Kaiserin kommt sie trint auch und Kaiser. Sie sitzen hoch am runden Tisch. Wir reden laut das ist, ein Lärm. Wenn wir hie sehr laut so drückt auf der Schildkröte das ist die klingel. Es Grüßt euer Alfred." » „Lieber Kaiser die Geschichte von Bobo die Wölfin hatte mir sehr gut gefallen ich freute mich drüber das ich sowas hörte. Fiele Jrüße sendet der Knabe aus dem Kinderheim Wilhelm Kuba grüße auch die holde Gemahlin. In der Mitte von den Tisch saß die Schwester, wir saßen rings herum und hörten zu." » „Liebe Mutter, schriebe miech man recht oft. wenn der Brief- träger kommt dann freuen wir uns und winckcn ihn. Die Briefe werden von Schwcsteroberin ausgeteilt und wenn sein Name aus- gerufen ist so muß man hingehen und die Brief abholen. Man findet von der Ostsee kein Ende so schön ist es. Es grüßt euer Richard." * „Liebe Eltern wie feierten Hochzeit hier. Die Viektorja Luise Prinzsesen Heiratete. Wir verkleideten ein Mädchen und zogen durch viele Gängen. Wir wünschten den Prinzen das er recht sparen und für daS Volk sorge. ES grüßt Lucie Hube." Nach diesen Proben zu schließen, mit deren Veröffentlichung der Berliner Schulverwaltung wohl lein guter Dienst erwiesen wird, scheint das Ahlbecker Kinderheim ein Heim für Hohenzollern- Verherrlichung zu werden. Auch der Kronprinz ist seit kurzem ein Freund der Berliner Kinder geworden, was man bisher noch gar nicht wußte. Er hat bekanntlich dem Berliner Magistrat die zurzeit freie Kaserne in Langfuhr, die nicht ihm, sondern dem MilitärfiSkuS gehört, zum Erholungsaufenthalt für 100 Berliner Kinder angeboten. Von diesem Angebot ist Gebrauch gemacht worden und dieser Tage sind die Kinder in Langfuhr eingetroffen. Jetzt kommen auch von hier Nach- richten über die Leutseligkeit deS Kronprinzen und bürgerliche Zeitungen wiffen schon das Urteil der Kinder dahin zusammen- zufassen, daß es bei KronprinzenS sehr schön ist. Das mag sein. Aber es wird auch hier nur in Patriotismus gemacht. Am 2. September(Sedantag) erschien der Kronprinz vor den Kindern zu Pferde und fragte nach einem Berichte die Kinder, ob sie sich auch vertrügen. Im Mannschaftsspeisesaale fand dann für die Jungen die Sedanfeier statt. Nach einem anderen vom Nachrichtenamt des Magistrats verbreiteten Bericht hat der Kronprinz sich über den dreistimmigen Gesang der Kinder gefreut und den Sängern zwei Pakete mit Sporthemden, Hüten. Wäsche usw. zur Verteilung an die Bedürftigsten oder als Spiel- preise gestiftet. Wir gönnen den Kindern gern Erholung und Freude, ganz gleich, wer der Veranlasser ist. Daß aber auch hierbei die Kinder mit patriotischem Kram behelligt werden, läßt doch sehr darauf schließen, daß die Gewährung von Erholung mehr Mittel zum Zweck ist, als Endzweck. Im übrigen ist bekannt, daß wirkliche und vornehme Wohltäter bei ihren Stiftungen am lieb st en ungenannt im Hinter- gründe bleiben und dem Spruche huldigen: Laß die rechte Hand nicht wissen, was die linke tut! Diphtherie in Dalldorf. In der Jdiotenanstalt Dalldorf ist die Diphtherie ausgebrochen. Aus berechtigter Vorsicht werden daher vorläufig Patienten nicht auf Besuch nach Hause mitgegeben, vorläufig auch keine Besuche in der Anstalt zugelassen. Die Krankheit hat noch keinen größeren Umfang angenommen, doch sind strenge Maßnahmen notwendig, um die Weiterverbreitung möglichst zu verhindern. Besuchsgänge am heu- tigen Sonntag sind also zwecklos. Die Hauptanstalt Dalldorf ist natürlich während der Besuchszeit geöffnet. Anatomieleichen. Die königliche Anatomie in Berlin konsumiert jährlich eine große Anzahl menschlicher Leichen. Diese Leichen dienen dem ärztlichen Studium. Zu diesem Zwecke werden die einzelnen Leichen in die verschiedensten Teile zerlegt, zerstückelt und zersägt, wie der Schlächtermeister mit dem toten Vieh umgeht. Leichcnlicfcrant der Anatomie ist die Stadt Berlin. Letztere hat bekanntlich die Pflicht, Verstorbene zu beerdigen, wenn nicht etwa Angehörige die Kosten der Beerdigung tragen können. Die Zahl dieser von der Stadt zu beerdigenden Leichen betrug im Jahre 1912 4400. Aus der Zahl dieser sogenannten Armenleichen liefert die Stadt der königlichen Anatomie die Anatomielcichen. Der Gang ist folgender: Sämtliche von der Stadt zu beerdigenden Armenleichen werden nach der Lcichensammelstelle in der Diestelmeyerstraße gebracht. Von hier aus fährt ein großer Sammelwagen, der mehr als ein Dutzend Leichen faßt, die Leichen nach dem AnstaltSfricdhof in Buch, wo seit mehr als einem Jahre die Armenbeerdigungen erfolgen. Von hier aus erfolgt die Auswahl und die Abholung von Leichen für die Anatomie. Bei der Auswahl von Leichen für anatomische Zwecke soll darauf geachtet werden, nur solche Leichen zu überweisen, von denen anzunehmen ist, daß Angehörige nicht vorhanden sind. Trotz- dem kommt eS öfter vor, daß sich nachträglich noch Angehörige melden, die erst spät die Todesnachricht erhalten oder sehr entfernt ihren Wohnsitz haben. Im Jahre 1912 sind allein von der Stadt Berlin nicht weniger denn 999 Leichen der Anatomie überwiesen worden. Es fragt sich, auf Grund welcher gesetzlichen Bestimmung die Stadt Berlin über die Leichen zu Anatomiezwecken verfügt. Uns ist eine solche Bestimmung zurzeit nicht bekannt; in Sachsen ist vor einiger Zeit ein solches Gesetz erlassen worden. Die Leichen werden überwiesen, weil die Verstorbenen arm waren; solche reicher Leute kommen nicht in die Anatomie. Die Stadt braucht die Anatomie- leichen nicht zu beerdigen. Die Leichenteile, die von der Anatomie nach dem Gebrauch wieder zurückgclicfert werden, wandern wieder nach der Leichensammelstelle in der Diestelmeyerstraße, wo sie hier schon seit Jahren eingeäschert werden. Unseren Lesern wird eS neu sein, wenn wir ihnen sagen, daß die Aschenreste dieser Ana- tomieleichcn in engroS verbuddelt werden. Während die preußische Regierung der Feuerbestattung die größten Schwierigkeiten macht. die minutiösesten Vorschriften fiir die einzelne Einäscherung erläßt, müssen wir es hier erleben, daß die Aschen von 23 Anatomielcichen in einen einzigen Blechbchältcr getan und dann auf dem Anstalts- fricdhofe in Buch„beerdigt" werden. Dieser Zustand ist seit Jahren ein so selbstverständlicher, daß niemand etwas dagegen zu sagen wagt. Es sind ja auch nur Reste von„Armen", die viertelhundert- weise in die Aschenkästen kommen. Ob die Anatomie auch aus Gefängnissen und Zuchthäusern Leichen erhält und in welchem Umfange, können wir nicht feststellen. Das aber wissen wir, daß die Anatomie so starken Bedarf an Leichen hat, daß die ärztlichen Leiter— Herr Professor Waldcyer und für die Militärärzte Generalarzt Tscherning— fortgesetzt nach mehr Armenleichen vcr- langen. Diesen Bedarf kann die Stadt kaum decken; denn es melden sich in den meisten Fällen auch bei Armenbegräbnissen An- gehörige, und in solchen Fällen sollen Leichen der Anatomie nicht überwiesen werden. Man muß erstaunen, daß sich niemand recht um die Massen- Verbrennung bisher gekümmert hat; man findet das alles in Ord- nung. Ja, wenn die Verstorbenen Leute gewesen wären von Geld, Stand und Vermögen, dann— ja dann wäre es was anderes. So aber handelt es sich nur um Arme. Und die sind gut zu Anatomie- zwecken und zur Einstampfung in Blechbüchsen zu je 23 Stück. Wegen Morde? wurde gestern der Bademeister Auer aus der Landsberger Str. 114. der die Badeanstaltsbesitzerin Witwe Reinsch aus der Köpenicker Str. 90/61 erschoß, dem Untersuchungsrichter vor- geführt. Man hat noch nachträglich Briefe gefunden, in dem er die Erschossene damit drohte, sie umbringen zu wollen. Trotz seiner Beteuerung, daß er den Vorsatz nicht gehabt habe, muß angenommen werden, daß es sich um einen wohlüberlegten Mord handelt. Eine Einbrccherjagd über die Dächer, bei der die Einbrecher mehrere Schüsse auf ihre Verfolger abgaben. ohne diese zum Glück zu treffen, während einer der Verbafteten von einem Schutzmann zwei Beinschüsse erhielt, spielte sich in der der- gangenen Nacht im Süden der Stadt ab. ES gelang nach einem gefährlichen Kampfe, zwei der verwegenen Einbrecher festzunehmen, während eS einem Dritten gelang, zu entkommen. Kinder beraubt hat eine Gaunerin, die jetzt als eine erst L0jährige„Arbeiterin" Martha Kuberski festgenommen wurde. �ie Schwindlerin batte eS hauptsächlich auf Kinder im Zentrum und Nordosten Berlins abgesehen. Sie benutzte den altbewährten Trick, den Kleinen einen fingierten Auftrag zu geben und half, wenn sich die Kinder sträubten, mit Gewalt nach. Die Mutter eines Kindes, das von dieser zum Einholen geschickt worden war, be- obachtete, wie sich die Gaunerin an ihr Töchterchen heranmachte, das Portemonnaie abnahm und es dann in ein Haus schickte. Nach dieser Entdeckung folgte sie der Schwindlerin und lieh sie, als sie an einem Schutzmann vorbeikam, festnehmen. Die Verhaftete be- stritt sowohl auf dem Revier wie auf dem Präsidium die Kinder- beraubungen und gab sie erst zu. als ihr eine ganze Reihe ihrer Opfer gegenübergestellt wurden. Auf diese Weise konnten ihr bis jetzt schon 23 Fälle nachgewiesen werden, doch dürste die Zahl ihrer Betrügereien noch wesentlich größer sein. Die Verhaftete, die in der Naunynstrahe in Schlafstelle wohnte, wurde dem Untersuchungs- richter vorgeführt.— Trotz der Verhaftung mehrerer Burschen und Mädchen, die sich auf diese» einträglichen Schwindel gelegt haben, sind immer noch welche an der„Arbeit". Erst gestern wieder wurde ein Mädchen von einem jungen Räuber von etwa 18— 20 Jahren in der Fuldastraße zu Neukölln ihres Portemonnaies beraubt. Zur Warnung für Kinder sollte ein Unglücksfall dienen, der sich gestern abend in der Cuvryftraße ereignet«. � Dort spielte der acht- lährigc Knabe Fromke aus der Falckenft«instr. 28 an einem am Hause befestigten Brieflasten. Dieser löste sich plötzlich aus feiner Befestigung und fiel auf den Knaben, der ein« schwere Verletzung davontrug. Ein Arzt, zu dem der Verletzte gebracht wurde, konsta- tierte einen Oberschenkelbruch.— Die Postbchörde sollt« übrigens dafür Sorge tragen, daß die Kästen so befestigt sind, daß derartige Unfälle nicht passieren können. Der„Clou", das Berliner öffnet am Sonnabend, den 13. saison 1913/14. Musikalisch ist mit dem ständigen Dirigenten dem bekannten Komponisten v. Blon, der kgl. Musikdirektor, gott Ochs am" Dirigentenpulte regelmäßig erscheinen wird. Konzerthaus in der Mauerstraße, er- d. Mts., abends 8 Uhr, die Winter- das Programm dahin erweitert, daß des Berliner Konzerthaus-Orchesters, und Orchesterleiler Herrn Franz Hofkapellmeister und Professor Trau- deS Berliner Konzerthaus-Orchesters Vorort- FfodmcKten. Neukölln. Brandstifter scheinen es auf das Haus Bodestr. 13, Ecke Neue Jonasstraße, abgesehen zu haben. Nachdem erst vor etwa fünf Wochen der Dachstuhl dieses Hauses von. einem Großfeuer zerstört worden war, ging gestern früh der inzwischen neu aufgeführte Dach» stuhl schon wieder in Flammen auf. Als man die Gefahr gegen 3Vi Uhr bemerkte, brannte es schon an beiden Straßenfronten. Die Neuköllner Feuerwehr rückte in voller Starke an und gab sofort aus vier Rohren, die von der Dampfspritze gespeist wurden, Wasser. Den Bemühungen der Löschmannschaften gelang es, die Nachbar» gebäude zu schützen. Der vom Feuer erfaßte Dachstuhl wurde aber wiederum f a st v o l l st ä n d i g v e r n t ch t et. Mit den Auf» räumungsarbeiten hatte die Wehr bis gegen 9 Uhr zu tun. Eine Brandwache blieb dann noch etwa vier Stunden aus der Brand« stelle zurück. Die Nachforschungen nach den Brandstistern sind so» fort eingeleitet worden, haben aber noch zu keinem Resultat ge» führt. Da das Feuer weithin sichtbar war, so hatte sich an der Brandstelle eine große Menschenmenge angesammelt. Aus der MagistratSsitzung. Mit der Neuregelung der städtischen Schularztorganisation nach den von der von den städtischen Körper- schaften eingesetzten gemischten Kommission und der Schutdeputation gemachten Vorschlagen erklärte sich der Magistrat grundsätzlich ein- verstanden. Für das laufende Jahr sollen indes nur 14 Schulärzte zur Anstellung gelangen. Die endgültige Festsetzung des Gehalts soll bei Beratung' des Voranschlags für 1914 erfolgen.— Wegen Vor- nähme der Ergänzungswahlen für die am 1. April 1914 infolge Ab- laufs ihrer Wahlperiode ans dem Magistratskollegium ausscheidenden unbesoldeten Stadträte Thiemann, Ziegra. Fischer, Dr. Vogel und Adam soll der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage gemacht werden. Von den im Jahre 1911 neu hinzugewählten zwei un- besoldeten Magistratsmitgtiedern ist gemäß§ 31 der Städtcordnung Stadtrat Niemetz durch das Los zum Ausscheiden am 31. März 1914 bestimmt worden.— Zum stellverlretendeii Vorsitzenden des Gewerbe- gerichls und de« Kaufmannsgerichts wurde der Gerichtsassessor Dr. Fälsche gewählt.— Zu dem Antrage auf Errichtung einer Zeitungs- und Trinkhalle auf dem Jnselperron an der Berg- und Richardstratze soll daS Hochbauamt und die StraßenreinigungS- Verwaltung nochmals gebärt werden.— Der vom Hochbauamt vor- gelegte AuslegungSplan für die Baufluchtenändming im sogenannten Böhmischen Dorf wurden genehmigt. Lichterselve. Die außergewöhnliche Arbeitslosigkeit hat auch unter der hiesigen Arbeiterschaft, die hauptsächlich der Bauindustrie angehört, einen sehr bedenklichen Notsland erzeugt. Diesem Uebelstande hätte emiger- maßen gesteuert werden können, wenn bei dem hiesigen Bahnhofs- umbau, der Millionen kostet und zu dem die Gemeinde ebenfalls 199 900 M. beigetragen hat, statt auswärtige Polen und Frauen einheimische Arbeiter Beschäftigung gefunden hätten. DaS hiesige Gewerkschaftskartell hat sich deshalb an den Gemeindevorstand ge« wendet mit der Bitte, beim Eisenbahnfiskus wegen der Notlage der ortsansässigen Arbeiter vorstellig zu werden und sich für deren Be» schästigliug beim Bahnbau zu verwenden. Bei einer mündlichen Besprechung der Angelegenheit mit dem Vorsitzenden deS Gewerk- schaflSkarlells erkannte der Gemeindevorstand den außerordentlichen Notstand infolge der Arbeitslosigkeit durchaus an und versprach, bei der Eisenbahndirektion im Sinne der eingereichten Eingabe zu wirken, wenn auch der Erfolg zweifelhaft sein dürfte. Außerdem sollen bei den in Aussicht genommenen kommunalen Bauten die Unternehmer veranlaßt werden, zunächst einheimische Arbeiter einzu» stellen, damit wenigstens einigermaßen die in vielen Arbeiterfamilien herrschende Not gemildert werden könne. Eharlottenburg. Die Freie Turnerschaft Cbarlottcnburg veranstaltet am heutigen Sonntag ein leichtathletisches Meeting auf dem städtischen Spiel- platz Westend. Beginn vormittags 9 Uhr. Die Charlottenburger Arbeiterschaft ist hierzu freundlichst eingeladen. Adlershof. lieber die Schäden der kapitalistischen Bolksvcrsichcrung und ihre Reform durch die„Volksfürsorge" spricht am Montag, den 8. September, abends 8 Uhr, in einer öffentlichen Versammlung im Adlershofer GesellschaftshauS, Inhaber O. Ziegel, Bismarck- ftraße 10, Genosse Adolf Ritter. „Für oder gegen den Gebärstreit", über dieses Thema sprachen am Donnerstag in einer gut besuchten öffentlichen Versammlung der Genosse Dr. Moses und die Genossin M. Wurm. Als Referent ver- trat Genosse Moses seine bereits des öfteren im„Vorwärts" ver« öffentlichte Auffassung, daß dieses Thema als besonderer Tages- ordnungspunkt einen Parteitag beschäftigen müsse. Wenn der Gcburtenstreik auch im Kampfe der organisierten Arbeiterschaft nicht Selbstzweck sei, so sei er aber doch mindeüenS Mittel zum Zweck, um den Kulturaufsticg der Arbeiterklasse zu sörderu, und darum müsse er zur Parteiangelegenheit gemacht werden. Die Genossin Wurm trat als Korrefercntiil diesen Anschauungen entgegen. Nack ihrer Meinung lönne sich der Parteitag nicht mit dieser Angelcgenhelt be- schäftigen, da diese noch mehr als die Religion Privatlache!et und auch bleiben müsse. Wenn Genosse Moses sagt, datz durch die Einschränkung der Bevölkerung die herrschende Klasse gezwungen würde uns Zugeständnisse zu machen, so könne sie das niwt(flauten. Als. Beweis ihrer Meinung berief die Redner, n sich auf Hältnisse in Oesterreich. Gegen Deutschland.�e »>rka 9 Prozent schlechter. In Frankreich i-i, tF0* j*8 dort bestehenden Zwei-, ja teilweise EinIlnderlysiemS hat ue herrschende Klasse, außer der Prämienzahlung um der Arbeiterklasse gerecht zu werden. DaS Gegenteil I i ch.r r'.cbtig die Frauenarbeit sei in Frankreich noch'"�r»orhandenals m Deutsch- land und die soziale Fürsorge»och Zssungclh! r als bei uns. In der folgenden Diskussion gingen die Meinungen ebenfalls aus» einander. Genosse Neumann ver rat die An,>cht der Genomn Wurm, während andere Redner w.ed-r dem Genossen Mo,e» be.- pflichteten. Alle Redner, auch �'��„/u Referenten waren sich aber darin einig, daß ein zu die Arbetterschast w.rt- schastlich zurückhalte, damit lelbstverstandlich in ihrem EmanzipationZ- kämpfe hindere. Aufklärung zu schaffen über die Verhinderung der allzugroben Kinderzahl in Arbeiterfamilien müsse darum Aufgab- jedes denkenden ProletanerS fem. Lankwitz. Ein erschütternder Unglücksfall ereignete sich am Freitag nach« niittaa auf einem Grundstück an der Charlottenstraße. Der zwölf- iäbriae Sohn Rudolf deS Schlossers Kirbi« beschäftigte sich m einer zwei Meter tiefen Sandgrube, als diese plötzlich einstürzte und den Knaben begrub, ohne daß jemand von dem schrecklichen Unfall etwa» bemerkte. Da der verunglückte Knabe erst nach längerem Suchen gefunden und ausgegraben wurde, waren alle vorgenommenen Wiederbelebungsversuche leider ohne Erfolg. Ovifc» Der tödliche Falrikunfall in der chemischen Fabrik Riedel, dem am 80. Lugust ein junger Mensch von 20 Jahren zum Opfer fiel, hat, wie uns nachträglich noch mitgeteilt wird, infolge der dort herrschenden eigenartigen Zustände in weiten Kreisen größere Be- unruhigung hervorgerufen. Bekanntlich verbrannte am 30. August der junge Arbeiter in der Mittagsstunde so stark, daß er am 1. Sep« tember im Krankenhause von seinen furchtbaren Schmerzen durch den Tod erlöst wurde. Der Verunglückte war erst vor kurzem aus der Provinz ge- kommen und fand in der Riedelschen Fabrik Beschäftigung. Hier wurde derselbe an einer Mühle beschäftigt, in der ein besonders explosives Pulver gemahlen wird. Trotz Rauchverbots steckte sich der junge Mann nach dem Mittagessen eine Zigarette an: in demselben Augenblick erfolgte auch schon die Ex- plofion. Einige Arbeiter in der Fabrik sind nun der Meinung, daß mit solch feuergefährlicher Arbeit eigentlich nur besonders erfahrene und besonnene ältere Leute betraut werden sollten. Bei dem jämmerlichen Lohn, den die Firma jedoch bezahlt, sei nicht zu er« warten, daß sich zu dieser Arbeit geeignete und tüchtige Arbeiter finden. Außerdem wird sogar behauplet, daß auch leitende Personen schon mit brennender Zigarre im Betriebe gesehen worden seien. Mit Recht wird gesagt, wenn das Rauchverbot für Ar- beiter gilt, so sollte das auch für die Fabrikleitung Geltung haben. Gerade letztere sollte eigentlich unbesonnenen Arbeitern mit gutem Beispiel vorangehen. Im übrigen werden noch mancherlei Klagen über die Arbeitsmethode in diesem Betriebe ge- führt. U. a., daß das starke Gift Zyankali auf Akkord in Dütcn verpackt werden muß. Und damit die init dieser gesundheitS- schädlichen Arbeit Beschäftigten nur einigermaßen Verdiener würde das Gift unter Außerachtlassung aller Schutzvorrichtungen mit den Fingern angefaßt. Daß solche Zustände in dem Betriebe vorhanden sind, haben sich leider die Arbeiter zum Teil selbst zuzuschreiben: hätte» sie bereits den Weg zur modernen Gewerl'chaftsorganisation ge- fanden, so könnten sie sich in stärkerem Maßstabe einen Einfluß auf die Gestaltung der Arbeitsmethoden und einen besseren Verdienst erkämpfen. Nieder-Schöneweide. Ja der Gcmeindcvcrtrctersitzung brachte Genosse Bengsch einen Brief des Arbeiter-Turnvereins.Frisch-Frci" zur Verlesung, danach hatte genannter Verein sich am 22. Mai er. mit einem schriftlichen Antrag an die Gemeindevertretung gewandt, ihm zur einmaligen Benutzung die Gemeinde-Turnhalle am 26. Oktober cr. von vor- mittags 10 bis 2 Uhr zu überlasse». Der Verein bekam, ohne daß dieser Antrag der Gemeindevertretung vorgelegt wurde, vom Land- rat am 18. August den Bescheid, dem Antrag könne nicht stattgegeben werden. Dsr Streit, der sich auf Grund dieser Angelegenheit zwischen dem Herrn Gemeindevorsteher und dem Genossen Bengsch entspann, endete damit, daß der Gemeindevorsteher versprach, für die Folge alle derartigen Schreiben oder Anträge erst der Gemeinde- Vertretung vorzulegen und dann dieselben weiterzugeben. Die seinerzeit bewilligten 20 000 Mark für ein Altersheim werden aus bereiten Mitteln genommen. Die Stiftung trägt den Namen Kaiser-Wilhelm-JubiläumS-AlterSheim. Dieser Stiftung wurden ferner von Herrn Dr. Kunhcim 10 000 M., von der Frau Kommerzienrat Eviking 8000 M. und von Herrn Fabrik- besitzer GienSbcrg 2ÖO Mark zugewiesen. Der Gemeinde- stätteplätz wurde an den bisherigen Pächter, Herrn Otto Massante, für 750 M. auf ein Jahr weiter verpachtet. Die Schlußrechnung für den Gemeindcspielplatz beträgt 12 053,S7 M.; ferner lourde ein Spielplatzwärter angestellt. Der Spielplatz wird von morgens 8 bis 12 und von 2 Uhr bis zu eintretender Dunkelheit geöffnet sein. Der neue Schulbau wird ein Bcrblendbau aus gebräuchlichen Form- steinen und besteht zunächst aus 18 Klassenzimmern, einem Zeichen-, einem Physiksaal und einer Haushaltungsschule, aber ohne Aula/ Nach dem Bericht und der Bilanz der Gemeinde-GaSanstalt balanciert dieselbe mit 6S3 000 M. Nachdem die Straßenarbeiter der Gemeinde auf Beschluß auch zum Feuerlöschdienst ausgebildet werden, wurde auf Antrag unserer Genoffen auch der Straßenmeister dafür ver- pflichtet. Der Nationale Ortsausschuß, der von der Gemeinde 600 M. zur Jugendpflege erhielt, hat das Geld nach feiner Mit- teilung folgendermaßen verteilt: Turnverein fDeutfcher) 250 M., Kriegerverein 100 M., Pfadfinderbund 100 M., Jungfrauenverein 50 M. 100 M. sollen noch an den Verein Franenhilfe und Mädchen- Hort verteilt werden. Roscnthal. Ueber die Nottvendigkeit der Pflege des Gesanges findet heute nachmittag 2 Uhr in einer vom Gesangverein»Freier Männerchor Wilhelmsruh" nach dem Lokal von Milbrodt einberufene Versamm- lung ein Vortrag statt. Die Parteigenossinnen und-genossen wer- den ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Nowawes. Garderobenraum und Schule. UnS wird geschrieben: Vor einiger Zeit wurde einer Schülerin, die die 4. Gemeindeschule in der Scharnhorststraße besucht, während des Unterrichts aus dem Garderobenraum ein Mantel entwendet. Da der Dieb nicht ermittelt werden konntc, wandte sich der Vater des Mädchens nach vorheriger Rücksprache mit dem Rektor an den Bürgernieister mit einer Schaden- ersatzforderung. Diese wurde mit dem'HinweiS darauf abgewiesen, daß nicht einwandfrei festgestellt sei, ob das Kleidungsstück tatsächlich in der Schule gestohlen ist. Ein nochmaliges an den Bürgermeister gerichtetes Eriuchen hatte den gleichen negativen Erfolg, ob- wohl der Vater sich bereit erklärt hatte. Zeugen dafür beizubringen. daß seine Tochter an dem betreffenden Morgen in dem Mantel zur Schule gegangen sei. Durchs seine ablehnende Haltung will der Bürgermeister, wie das anderwärts bereits geschehen und durch Gerichtsurteil betont worden iftz zum Ausdruck bringen, daß die Gemeinde für Diebstähle in der Schule nicht haftbar gemacht werden könne.� Dieser Standpunkt wäre jedoch nur dann richtig, wenn der Diebstahl auf Verschulden der Schüler zurückzuführen wäre. Die? trifft jedoch im vorliegenden Falle nicht zu. weil die Schülerin gezwungen war. den Mantel in dem Garderobcnraum abzulegen, so daß ihr während des Unterrichts die Möglichkeit einer Kontrolle genommen war. Schuld an dem Diebstahl ist vielmehr die Gemeinde, die es an der unbedingt nöttgen Aufficht des Garderoben- raumes hat fehlen lassen. BcrsicherizngsantrSge für die..voNzfllrsorgc", die nunmehr auch am hiesigen Orte daS Geschäft aufgenommen hat, nehmen folgende Gewerkschaftsmitglieder entgegen: F. Bahms, Zictenftr. 35; Max Büglcr. Ludwigstr. 5a; Charles Clement. Großbcerenftr. 101; Walter Meyer, Luisenstr. IS; Hermann Reinfeldt. Großbeeren- straße 74; G. Schneider. Krcuzstr. 9; B. Sotscheck, Mittelstr. 11; L. Schröder. Mittelstr. 11; Friedrich Schüler. Goethestr 6; Otto Zimmermann. Blücherftr. 3. Die Genannten sind zu jeder Aus- kunft über die verschiedenen Versicherungsarten gern bereit und geben auf Wunsch auch Prospekte an jedermann ab. Pankow. Mit Leuchtgas vergiftet hat sich am Freitogabend das tlljährige Mädchen Ella Dr.. Gorschstr. 40. Das Mädchen soll aus Furcht vor Strafe, die eS wegen eines Neinen Versehen« von seiner Mutter zu erwarten hatte, die Tat begangen haben. Äls der Vater des Mädchens abends 8 Uhr nach Haufe kam, strömte ihm ein starker Gasgeruch entgegen. Er fand das Kind ausgezogen in seinein Bett. Alle Wiederbelcbungsvcriuche, die seitens der Samariter der Feuer- wehr unternommen wurden, waren erfolglos. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Pankow. Dienstag, S. September, nachmitttags S Uhr, im Rathaus. Dies« Sitzungen stnv Iflentllch. Jeder Ecmeindeangehirtg« iß b«- rechtigt. ihnen als Zuhörer bcizuw-hnen. Sericbts- Leitung. Die Welt, in der mau sich knrzweilt. Die Gewohnheiten eines Grandseigneurs hatte der Kaufmann Paul Kirchhof angenommen, der gestern unter der Anklage der Unterschlagung vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I er- scheinen mußte. Der junge Manu stammt aus einer nicht un- bemittelten Familie in der Provinz. Bei dem Tode feines Baters fiel ihm eine ganz ansehnlich« Erbschaft zu, er wurde Mitinhaber eines größeren Steinbruchs und scheint bis dahin ein solider und fleißiger Mann gewesen zu sein. Er sehnte sich aber aus der Ruhe der Provinz in den Trubel der Rcichshauptstadt, wo er sehr bald sich als junger Lebemann gerierte. Der junge Herr trat sehr elegant auf, bewohnte in der Innsbruck«! Straße eine luxuriös eingerichtete Wohnung zum Mietspreise von 2000 M., hielt sich Fuhrwerk und Automobil, besoldete einen Livreediencr usw. usw. Zu diesem üppigen Leben reichten seine Mittel um so weniger aus, als er auch ein« starke Vorliebe für das schöne Ge- schlecht hatte und den Damen seines Herzens wertvolle Geschenke zu verehren liebte. Das konnte natürlich kein gutes Ende nehmen und ein Strafverfahren wegen Betruges und Unterschlagung in zwei Fällen war die Folge. Mit den Unterschlagungsfällen hatte es folgende Bewandtnis: Die in der Lebewclt bekannte Gräfin von Treub erg hatte den jungen Mann an einen Juwelier in der Friedrichstraßc empfohlen, der auch sehr gern mit ihm in Geschäftsverbindung trat, nachdem cr dessen luxuriöse Wohnungs- einrichiung besichtigt und zum Ueberfluß von einem AuskunftS- bureau eine recht gute Auskunft über den Angeklagten erhalten hatte. Dieser entnahm zweimal von dem Juwelier Juwelen und Goldsachen in Höhe von zirke 8000 M., darunter eine Lorgnette für 235 M., ein Brillantkollier im Werte von 1400 M., einen Brillant, ring für 1000 M. und ein Zigarettenetui im Preise von 450 M. Die letztgenannten Gegenstände wollte cr, wie er dem Verkäufer sagte, sofort weiter verschenken und der Juwelier hatte nichts da- gegen einzuwenden. Er mußte dem Juwelier zwei Schriftstücke unterzeichnen und tat dieS auch, ohne weiter darauf zu achten, daß darin der Verkäufer sich das Eigentumsrecht an den Sachen vor- behalten hatte bis sie bezahlt werden würden. Der Angeklagte geriet dann in finanzielle Bedrängnis, verkaufte bzw. versetzte die Pretiosen und war eines Tages in Berlin nicht auffindbar. Er ist später in Monac-o festgenommen worden, wurde von dort aber nur wegen Unterschlagung ausgeliefert und hat fast neun Monate in Unlersuchungshaft gesessen. Er erklärte gestern vor Gericht, daß er sich für den Eigentümer der Sachen gehalten habe, da sowohl die Gräfin Treuberg als auch der Juwelier ihm gesagt hätten, daß die Unterzeichnung der Schriftstücke nur eine„Form- fache" wäre.— Staatsanwalt Assessor Selbmann hielt dem Angeklagten zugute, daß er durch seinen Leichtsinn in schlechte Ge- sellschaft und dadurch in eine Notlag« geraten sei und beantragte 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und Anrechnung von 7 Mo- n a t e n Untersuchungshaft.— Rechtsanwalt Dr. Alsberg be- antragte dagegen Freisprechung, da die Anklage aus juristischen Gründen nicht haltbar sei. Es sei doch ein juristischer Nonsens, daß ein Verkäufer sich das Eigentum an Sachen vorbehält, die nach seiner Kenntnis und mit seiner Billigung von dem Käufer sofort verschenkt werden sollten.— Das Gericht kam aus dem- selben Gesichtspunkte zur Freisprechung de» Angeklagten. Massenrlnbrüchc in Berliner Schlächterläden waren von einer Bande junger Burschen verübt worden, gegen welche jetzt die 2. Ferienstrafkaimner des Landgerichts I zu ver- bandeln hatte. Wegen bandenmäßig ausgeführten schweren Dieb- stahls waren angeklagt: der Arbeiter Kurt Zeitler, der Kutscher Max Mueller, der Malcrgehilfe Wilhelm Gallert, der Kutscher Gustav Caspar, der Arbeiter Richard Krüger, der Tischler Willi Baber, der Arbeiter Walter Schmidt» der Werkzeugmacher Willi Krüger und der Arbeiter Fritz Hase.— Die 19 bis 24 Jahre alten Angeklagten trafen sich taglich in einem..Bouillonkeller" in der Gormannstraße, wo die Pläne für die in der Nacht auszuführenden Diebstähle ausgeheckt.� wurden. Als Spezialität betrieben die jugendlichen Diebe Einbrüche in die Fleischerläden, in die sie ent- weder durch Zertrümmern der Ladenschciben von der Straße aus oder durch Erbrechen der hinteren Eingangstüren eindrangen. Bei einem Einbruch in das Geschäft des Schlächtermeisters B i ck- m e i e r in der Rheinsbergcr Straße erbeuteten sie allein 75 Pfund Wurst. Wie die Ermittelungen ergaben, war in dem Monat April dieses Jahres kein Tag vergangen, ohne daß die Angeklagten reiche Beute gemacht hätten. Als sie bei einem in Spandau geplanten Diebstahl gestört wurden, erbrachen sie eine am Bahnhof Spandau gelegene ErftischungShalle und entwendeten dem bald darauf ver- storbenen Inhaber, einem Invaliden Kremsoer, 1900 Zigarren und 5000 Zigaretten.— Nach längerer Verhandlung kam das Gericht zu der Ueberzcugung, daß empfindliche Strafen in An- Wendung zu bringen seien, da es sich um arbeitsscheue junge Burschen handelte, die statt zu arbeiten sich durch nächtliche Ein- bräche die Mittel zum Lebensunterhalt verschafft hatten. Das Urteil lautete deshalb gegen Mueller auf 3 Jahre Gefäng- n i s, gegen Gallert, Caspar und Baber auf je 1 Jahr 9 Monate, gegen Z e i t le r und Schmidt auf je 1 Jahr 6 Monate, gegen Richard Krüger auf 1 Jahr 3 Monate und gegen Willi Krüger und Häse auf je 1 Jahr Ge- f ä n g n i s._ Ein gemeingefährlicher Kautionsschwindler, der armen stellungslosen Leuten die letzten Ersparnisse abgeschwindelt hat, ist der Landschaftsmaler Willi M ü l I e r gegen den gestern die 2. Ferienstrafkammer des Landgerichts II eine Anklage wegen Be- truges im strafschätfenden Rückfalle zu verhandeln hatte.— Der schon mehrfach vorbestrafte Angeklagte betrieb in der Gutzkow- straße 5 zu Schönebcrg ein Geschäft, welches er„Atelier für ange- wandte Kunft" nannte; eS sollte dem Vertriebe von„künstlerischen Schablonen" dienen. AIS M. in Geldverlegenheit geriet, nahm er zu dem immer noch einträglichen Mittel des KausionSschwindelS Zuflucht. Er erließ in mehreren Zeitungen Inserate, in denen er Lagerverwalter, Zeichner und Reisende suchte. Es meldeten sich auch zahlreiche Personen, denen er Beiträge bis zu 500 M. als Kaution abnahm. DaS Geld verbrachte er für sich. In einem anderen BctrugSfall« hatte er den Betrag von 1000 M., den er auf zwei ihm zum Diskont übergebene Wechsel erhalten hatte, nicht abgeliefert.— Der Staatsanwalt beantragt« eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren. 600 M. Geldstrafe und 5 Jahre Ehrverlust. Das Ur eil lautet« auf 1 Jahr und 6 Monate ' c f ä n g n i S wegen Betruges in 14 Fällen. (flocden-Spielplan der BerHner Cbeater. König!. OPernßavS. Sonntag: Der Freischütz. Montag: L-h-ngrim (Ansang 7 Uhr.) DtenStag: Der Rosenkavalier. Mittwoch: Oavallsria rusticana. Bajazzi. Donnerstag: Fra Diavola. Freitag: Carmen. Sonnabend: Boheme. Sonntag: Der fliegende Holländer. Montag: Fra Diavolo.(Ansang 7'/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus Sonntag: Die OuthowS. Montag: Ariadnc aus NaxoS. Dienstag: Weh' dem. der lügt I Mittwoch: Der grohe König. Doiinclstag: Schwaneuweiß. Freitag: Die Jounialistcw Sonnabend und Sonntag: Schwanenweiß Montag: Der gehörnte Siegsried. Sieg-' srieds Tod.(Anfalig 7'/, Uhr.) Deutsches Dheatci� Sonntag und Montag: Der lebende Leichnam. Dienstag: Der blaue Bogel. Mittwoch und Donnerstag: Der lebende Leichnam. Freitag: Fault. I. Teil. Bom Sonnabend bis Montag: Der lebende Leichnam.(Ansang 7'/, Uhr.) Kammersptelr. Allabendlich: Franziska.(Ansang 3 Uhr.) Lessing-Tbeate?. Sonntag RS Freitag geschlossen. Somrgbend Peer Gynt.(Ans. 7 Uhr.) Sonntag und Montag: Peer Gynt.(Anfang 8 �Berliner Theater. Soyntag nachmittag 8 Uhr: Bummelswdenten. Allabendlich: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr) Theater ,» der Königgrätzer Straße. Sonntag: Da» vterte Gebot. Montag: Di- siins Franksutter. Dienstag und Mittwoch: DaS vierte Gebot. Donnerstag: Die siins Frankfurter. Freitag bis Sonnlag: DaS vierte Gebot. Montag: Die siins Frankfurter.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Nora. Sonntag bis Mittwoch: Sieben tolle Tage. Donnerstag: Fräulein Julie. Freitag bis Sonntag: Sieben tolle Tage. Montag: Fräulein Julie. ulr'',"a ü» üler�- Dheater.(Kurfürsten- Oper.) Freitag bl» Sonntag: ~ �Deutsches Opernhaus. Sonntag nachnzittag 3 Uhr: Die lustige» Weiber von Windsor. Abends: Der Mikado. Montag: Die Konigin von Saba. Dienstag: Fidelio. Mittwoch und Donnerstag: Der Mikado Freitag: Die Jüdin. Sonnabend: Zar imd Zwimermann. Sonntag: Dei Freischütz. Montag: Die Jüdin.«Anfang 8 Uhr.) Luitspielhans. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Maiollka. Allabendlich: Sfial in-ili ca i c r!' Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: CharlehZ Tante. All. abendlich: Puvpchcn,(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Thenrrr. Sonntag nachmittag 3 Ubr: Ein Walzer von Chopin. Allabendlich: Die Frau Präsidentin.(Ansang 8',. Uhr.) Trlanon-Thcater. Untreu, Brieftasche. Allabendlich: Untreu. Der abgerissene Glockenzug.(AnsansxS Uhr.)» Schiller-Theatcr Charlottenburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr Der Pfarrer von Kirchfsld. Abends und Montag: Die Stützen der Ge- sellschast. Dienstag: Moral. Mittwoch: Die Stützen der Gesellschasl Donnerstag: Freiwild. Freitag: Die Stützen der Gesell, chast. Sonnabend: Moral. Sonntag und Montag: Die Stutzen der Gesellschaft.(Ansang � Schiller. Theater o. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Freiwild. Abend? Ulm Montag: Am Tage des Gerichts. Dienstag: Freiwild. Mittwoch und Donnerstag: Am Tage des Gerichts. Freitag: Cyrano von Bergen» Sonnabend: Zwei Wappen. Sonntag und Montag: Cyrano bon Bcrgerae � Luisen- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Weh' dem, der litzz! 'AbendS: Die'Allwördens. Montag: Weh' dem, der lügt. Dienstag: Dorf und Stadt. Mittwoch und Donnerstag: Weh' dem, der lügt. Freitag: Die Allwördens. Sonnabend: Weh' dem, der lügt. Sonntag. Die säische Hoheit. Montag: Weh' dem, der lügt.(Anfang 3>/, Uhr.) Kleines Theater. Sonntyg nachmittag 3>/, Uhr: Der Dieb Lottchens Geburtstag. Abends bis Freitag: Dreiakter. Sonnabend bi.> Montag: Ein DrillingS-LustsPiel.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Dorf und Stadt. Allabenlich: Der Licbesoiikcl.(Ansang 8-ft Uhr.) Montis Operetten- Thratcr. Sormtag nachmittag 3 Uhr: Der Vogclliändlcr. Allnbendlich: Der lachende Ehemann.(Ansaug 8 Uhr.) Neues«olks-Tlicater. Sonntag nachmittag 3 Uhr:.Muddcr Mcws. Abends und Montag: Muddcr Mew». DienStag: Die Siebzehn «hrigen. Mittwoch: Muddcr McwS. Donnerstag: Die Siebzehnjähriger. Freitag: Muddcr Mews. Sonnabend: Die Siebzehnjährigen. Somitag Muddcr Mews.(Ansilng 8>/z Uhr.)'.__. Rose-Tbeatcr. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Emc tolle«Sache. Allabendlich: Die Schissbrüchigen.(Ansang 8'/. Uhr.) Urania- Theater. Sonntag nachmittag 4 Uhr: In den Dolomiten. Allabendlich: Mit dem.Imperator" nach New Jork.(Ansang 8 Uhr.) Gcbr. Herrnsclp. Theater. Allabendlich: Schonzeit-Jäger. Liebes probe.(Ansang 8 Uhr.) Kasino-Theater. Sonntagpachmitiag 4 Uhr: Ein toller«khemann. Allabendlich: Der Alticntenor.(Ansang 8 Uhr.) Vrater- Theater. Allabcpdlich: Jobanmszauber(Ansang 7'/, Uhr Folie« Eapricc. Allabendlich: Mitzgeburt. Adopttvlind.(Ansaiv. 81/ I�hr.) � Theater am Nollcndorfplatz. Allabendlich: Die Kino- Königin. (Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansaug 8 Uhr.) ReichShallcn< Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger.(An sang 8 Uhr. Sonntags 7fl, Uhr.) Admiralöpalnst. EiSballett: Flirt in St. Moritz.(Ansang 8 Uhr.) Hilfskasse der Graveure. Ziseleure nnd verw. BerufSgeuoflen in Berlin tagt jeden zweite» Montag im Monat, abends von 8—10 Uh>, im Restaurant Luijenuier 1. Jugendveranstaltuuge». TcmPelhos.Marlendorf. Die arbeitende Jugend set, aus solgcndc Veranstaltungen besonders auimerksam gemacht: Sanntag. 7. Septcmbc:. von 6 Uhr ab: Spielabcnd im Jugendheim.— Dienstag, abend» 8>/, Uh, Reigenabcnd.— Mittwoch: Musikabcnd.— Donnerstag: Leseabend. Thema:.Junge Helden". Freunde und Bekannte sind stets gern gesehen. 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Spcisebobnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 36,DO-«0,00. hdl.) 4,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keulc Kartoffeln 1,70—2,40. Kalbfleisch 1,40—2. �... 60 Stück Eier 3,60—5,50. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2,60. Aale 1,40—3,00. Zander 1,40—3,20. Hechte 1,40—2,80. Barsche 0,60-2,40. Schleie 1,70-3,50. Bleie 0,80-1,80. 60 Stück Krebse 1,00—42,00. Rmdsteisch, Bauchfleisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,50—2,10. ,,40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Butter 2,20—3,00. WitterungSübcrsicht vom 6. September 1913. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien ie stie 2= Iii fc— ii Bf 768 NO 769(0310 767® 764NO 764® 762N Wetter wolkig 3 halb od 3 bedeckt 1 Regen 3iNegen 2bcdeckt fiv ti Mw •tottonen Haparanda Petersburg Scillh Aberdeen Paris Wetterprognose für Sonntag, de« 7. September 1913. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, aber noch veränderlich bei mäßigen nordostlichen Winden; keine erheblichen Stiederschläge. Berliner W e t t e r b u r e a u. WaiiersiaudS. Nochrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburkäu Wasserstand Memel, Tilfit V.r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor . Krassen Frantsurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden - � Magdeburg »)+ bedeutet Buch«,— Fall.—*) Unterpegel. r ALLE 1 TAGEAKDERS Auf .Teilzahlung i aw Diese Woche!! Diwandecken M hillEf WM! Bunt persische doppelseitige Diwandecken ä M. 6,75—8,75(io'-" 5eM.) einfachere Qualität 435 48S Kot, blau, oliv, bnnte Mciell-PÜSEll-�: Moderne IQ7S(bisher kleine MuHtcrl" 27 M.) Mnlrott Tisch- Q35(bisher InUHcll-decken« 15 M.) Teppleh- Spezlalhaus L ig" Emil efOm Berlins. Seit 1882 nur Oranienstr, 158 Spezial-Katalog BSQ AiMdunp gratis n. franko Ich nehme nach längerer Unter- brechung meine Praxis ganz wieder auf. 140/17* Geitrud Rewald Rosenfeld, Prinzenstr. 68. Zähne Zahnärztliche Klinik, Äeimtewin!: mit echten Stiften 3 Mark 5 Jahre Garantie. Plomben v. 1,50 M. Fast vollk. schmerzlos. Zahnziehen. 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Einen wertvollen Beitrag zur Veranschaulichung des in Berlin herrschenden WohnungSelendS liefert seit Jahren der Vorstand der Ortslranlenkasse der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker in der von den Krankenkontrolleuren dieser Kasse auf. genommenen und von ihrem Geschäftsführer Albert Kohn be- arbeiteten WohnungSenquete. Jetzt liegen die Ergebnisse der Enquete des Jahres 1312 vor. Ein reichhaltiges Tabellenmaterial gibt Auskunft über die WohnungSverhältniffe von 13 903 Kassen- Mitglieder, die im Laufe des Jahres wegen Krankheit erwerbs- unfähig waren. Vergleicht man die vorliegende Enquete— eS ist die zwölfte, die der Vorstand der Ortskrankenkasse der Kaufleute herausgibt— mit den früheren, so ist ein gewisser Fortschritt in den Wohnungs- Verhältnissen unverkennbar. Aber nur langsam, sehr langsam vollzieht sich die Besserung. Der Prozentsatz derjenigen, welche unter den allcrschlechtesten Verhältnissen wohnen, hat ssch von 1311 bis 1312 um ein weniges verringert. Die Zahl der in Vorder- Häusern wohnenden Patienten ist von 43,77 Proz. auf SO, 72 Proz. gestiegen, während die der Hinterhausbewohner von S0,23 Proz. auf 49,28 Proz. zurückgegangen ist. Ungefähr in demselben Ver- hältnis bewegt sich der Aufstieg hinsichtlich der Grösse der Wohn- räume und der sonstigen Anforderungen, die man in gesundheit- licher Beziehung an eine Wohnung stellen muß. Aber trotz der geringfügigen Verbesserungen im allgemeinen zeigt die vorliegende Erhebung im einzelnen noch eine entsetzliche Fülle von Miss ständen im Wohnungswesen der Berliner Arbeiter- devölkerung. Die erste Bedingung für eine gesunde Wqhnung ist, daß sie den Bewohnern genügend Raum bietet und Luft und Licht in aus- reichendem Masse Zutritt finden. Der Hhgieniker Professor Nutz- bäum fordert für den Wohnraum eine Bodenfläche von min- bestens 10,40 bis 13,30 Quadratmeter. Der Bearbeiter der Woh- nungScnquete nimmt 12,18 Quadratmeter als Mindestmass an und kommt dann zu dem Ergebnis, datz von den im Jahre 1312 kontrollierten Kranken 803 Personen in Räumen wohnten, deren Bodenfläche höchsten? 10 Quadratmeter ergaben, und datz von diesen Räumen 38 nicht einmal ein Fenster haben. Und diese engen Räume— zutreffender ist wohl die Bezeichnung„Löcher"— werden nur in 225 Fällen von einer Person bewohnt. In 100 Fällen teilen sich 2, in 23 Fällen 3, in 2 Fällen 4 und in einem Falle sogar 7 Personen in einen solchen„Wohnraum". Nicht minder bedenklich wie diese Elendserscheinung ist die Tatsache, datz von den Kranken, welche ihren Aufenthaltsraum mit einer oder mehreren Personen teilen müssen, 119S Männer und 120S Frauen, also 2460 Personen nicht einmal ö Quadratmeter Bodenfläche zur Verfügung haben. Als Mindesthöhe für Wohnräume verlangt die Berliner . Baupolizeiverordnung 2,80 Meter. Doch die Kontrolleure der ! Ortskrankenkasse der Kaufleute trafen 2733 Kranke in Wohn- ' räumen, die der polizeilichen Mindestforderung nicht entsprachen. Es handelt sich hier um Wohnungen in solchen Häusern, die viel älter sind als die genannte Polizeiverordnung. Je mehr die alten Wohnhäuser im Stadtinnern dem Abriss verfallen, desto mehr schwinden natürlich die polizeiwiorig niedrigen Wohnräume, aber datz die vorhandenen immer noch benutzt werden dürfen, das ist kein Zeichen einer gesunden Kultur. Mindestens gilt das für die ermittelten 435 Fälle, wo die Wohnungen eine Höhe von weniger als 2,50 Meter haben. Drei Kranke wurden sogar in Löchern angetroffen, die noch nicht 1,60 Meter hoch sind. Bekannte Hygieniker fordern für jede Person einen Luft- räum von mindestens 20 Kubikmeter im Wohn- und mindestens 10 Kubikmeter im Schlafzimmer. Unsere Enquete sagt uns aber, datz 4777 Kranke auf Wohnräume angewiesen waren, welche dieser Anforderung nicht entsprechen. Es wird festgestellt, datz eS in dieser Hinsicht gegen das Vorjahr etwas besser geworden ist, daß aber die Zahl der ganz kleinen Räume nicht geringer, sondern grösser geworden ist. 1S24 ITranke hatten nicht einmal 10 Kubik- meter Luftraum zur Verfügung und darunter sind 174 Patienten, bei denen noch weniger als S Kubikmeter Luftraum auf den ein- zelnen kommen. Also 174 Kranke hatten am Tage nicht die Hälfte des Luftraumes zur Verfügung, der von berufener Seite als Mindestmatz für den Schlafraum gefordert wird. DaS Uebel erscheint um so grösser, wenn wir erfahren, datz sich unter diesen 174 Unglücklichen 16 Lungenkranke und IS an akuten JnfektionS. kraniheiten Leidende befinden. An anderer Stelle erwähnten wir schon, datz von den Wohn- räumen mit 10 und weniger Quadratmeter Bodenfläche 38 kein Fenster haben. Doch eS gibt auch noch andere Wohnräume, denen die Fenster mangeln. Im ganzen hat die Enquete 65 fenster- lose Wohnräume von Kranken festgestellt. Eine andere erschreckende Seite d:S WohnungSelendS ist das Zusammendrängen einer grötzeren Personen» zahl in einem Räume. In dieser Hinsicht zeigt unS die Enquete, datz der Kranke in 671 Fällen den Wohnraum mit 5, in 348 Fällen mit 6, in 237 Fällen mit 7 und mehr Personen teilen muhte. ES handelt sich hier um Wohnräume, von denen ein Teil nur 20 bis 25 Kubikmeter hält. Wenn in so engen Räumen S, 6, 7 und mehr Personen hausen, so ist daS schon an sich eine Gefahr, die aber noch gesteigert wird, wenn einer der Bewohner erkrankt. In solcher Umgebung gesund zu werden, erscheint nicht möglich, wohl aber ist es wahrscheinlich, datz die Krankheit deS einen sich auf die Mitbewohner überträgt. DaS Zusammen- drängen der Belvohner hat— wie der Bearbeiter der Enquete betont— neuerdings noch zugenommen. Die Zahl der alleinwohnenden Kranken war 1911 bereits geringer als 1310 und ist 1912 noch weiter zurückgegangen. Dementsprechend ist die Zahl derjenigen Räume gestiegen, die mehreren Personen zum Aufent- halt dienen, und zwar ist das auch bei den starken Belegungen der Fall. Häufiger wie am Tage wird bei Nacht ein und oerselbe Raum von mehreren Personen benutzt. Eine betrübende Tatsache ist es, datz die Enquete 443 Personen aufführen mutz, die, obgleich sie krank waren, ihren Schlafraum mit fünf und mehr Personen teilen muhten. Diese Erscheinung ist um so be- denklicher, als in einer an sich gesunden Wohnung die AnsteckungS- gefahr dadurch eine sehr große wird, daß die Bewohner die Nacht dicht zusammengedrängt in einem Schlafraum zubringen. Unter diesem Gesichtspunkt mutz die Tatsache gewürdigt werden, daß die Ortskrankenkasse der Kaufleute im Jahre 1312 allein bei den in Familien lebenden Patienten 1101 Sungenkranke fand, die mit mehreren, in 133 Fällen sogar mit fünf und noch mehr Personen den Schlafraum teilen mutzten. Was uns die rein zahlenmäßigen Darstellungen der vore liegenden Enquete vom Berliner Wohnungselend sagen, da? wird noch ergänzt durch eine Reihe von Einzelschilderungen und Photo- graphischer Abbildungen, die manches veranschaulichen, was man durch statistische Tabellen nicht ausdrücken kann. Aber selbst die photographischen Bilder sind nicht imstande, die ganze Misere deS abgebildeten Raumes zu veranschaulichen. Gießt doch daS Blitz- licht des Photographen eine gewisse freundliche Helligkeit über den Raum aus, der sonst gerade durch seine Düsterkeit, seine muffige Atmosphäre, sein ganzes Elendsmilieu so abstoßend wirkt. Immerhin sind auch diese Illustrationen wertvoll für den, der die Wohnstätten des Elends aus eigener Anschauung kennt. Wenn man bedenkt, datz das, was uns die WohnungSenquete der Ortskrankenkasse der Kaufleute vor Augen führt, nur ein kleiner Ausschnitt der Wirklichkeit ist— denn die Erhebung erstreckt sich ja nur auf einen verhältnismäßig kleinen Personenkreis— so kann man sich ungefähr vorstellen, welche Fülle von Wohnungselend sich hinter herausgeputzten Fassaden in Hinterhäusern, Kellerstuben und Dachkammern birgt. Wenn auch im Laufe der Jahre einige Verbesserungen eingetreten sind, wenn auch erwartet werden kann, datz die demnächst in Berlin ins Leben tretende amtliche Wohnungsaufsicht die krassesten Mißstände beseitigen wird, so dürfen wir nicht vergessen, datz die Wurzel des UebelS der Grund- und Wohnungswucher ist, der die ärmere Bevölkerung zwingt, sich in unzureichenden Räumen zusammen- zudrängen. Ernstgemeinte Reformen können das Uebel wohl mil- dern, ausgerottet kann es erst werden mit der kapitalistischen Ge- sellschaftSordnung._ eingegangene Druchfchnften. Kunst und Künstler. Seft 12. Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe. 3 M. B. Cassier, Berlin, Dersslingerfw. 12. Saturn. Heft 8. Monatsschrift.- Herausgegeben von H. Meister und tz. Grohberger. 50 Pf. Saturn-Verlag, Heidelberg. Sein Schicksal. Roman. S. Rod. 1 Mark. Kronen- Verlag. Berlin 8W. 68. Ordentliche General-Versammlung Kranken-«. Begräbniskasse des Vereins der deutschen Kutscher und verluandten Berussgcnossen (Eingeschrieb. Hilftkafse Nr. 88 Berlin) am Montag, den 3. November. abends 8'/, Uhr, Weberstraße 6, im Restaurant Votz. 290/2 ttt Vorstand. Bekanntmachung. Allgemeine Orts- Krankenkasse Spandau. Aemäg§ 19 der Wahlordnung machen wir hiermit bekannt, dag die zum 8. September 1918, in den Ger- maniafälcn angesetzten Wablcn zum AuSfchufj nach ß 9 a. a. O. nicht statt. finden, da von beiden Gruppen, Arbeitgeber wir Arbeitnehmer, nur je eine Vorschlagsliste eingereicht ist, die fomit als gewählt gellen. Anfechtungen gegen die Gültigkeit der Wahlen find bis bis zum 20. September 1913, bei dem Vor- stand oder dem BerficherungSamt einzulegen. »«i- Varntcrnck. R. Appoldt, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse der Stadt Serlm-SchöReberg. DasKAnigl.OberverwaltungSgericht hat in letzter ynftanz entschieden, daß für die in Kranlenhäulern unter. gebrachten Angehörjaen unserer Mit- glteder die vollen Kosten der Kur und Veipflegung nicht gewogen werden dürfen, sondern dast nur ver durch. fchnittlich« Aufwand deS Krönten- baufcS für Besoldung von Acrzten, Apothekern, Schwestern und Warte- Personal, sowie sür Arznei, Verband. stoffe und ionstige vedürsnisse seitens der Kasse erstattet werden darf. Der§ 27 unsere» KasscnstatutS darf daher, da er sich mit den Be- slimmungen de,§ 21 Ziffer 5»c» Krank-nversicherungS.Gcsttz-S nicht deckt. M der bisherigen Weife nicht mehr ausgeführt werden. Der Durchlchnillsbetrag. welcher von nun an kasfenseing als Zuschuß übernommen werden wird, beträgt bis auf woitereS 1,19 M. für den lag. 274/2 Berlin- 6(ÜGe6«8, den 6. September 1913. ®*t Borstaud. _ Krakow, Vorsitzender. »-gen Aufgabe de» Gefchäft« ver. kaufen sämtliche Sorten Rohtabale. solang- der Vorrat reicht, zu enorm btlltaen Preisen! desgleichen auch Utensilien.» Zeun& Ellrich Berlin?k 81 Brunnenstr. 161* ■§■ Magerkeit+ echwindet durch Haufe's Nährpulver„Thilossia". Preisfirekrönt Berlin 1904. In 6Wochen 24 Pfund ärztl. kontrollierte Zunahme. Gar. unaohädl. Viele Anerk. Karton 2 dl., bei Postveraand Porto und Nachnahmespesen extra. H. Haufe, Berlin- Waidmanneluat 801. De- Eots in folgenden Apotheken i othringeretr. 60, Elefanten-Apotheke, Leipzigerstr. 74, Weißen- burgerstr. 63, Potsdaroerstr. 29, Turmstr. 28, Köpeniokerstr. 119. Bernburgerstraßo 3, Frankfurter Allee 74, Rosenthalerstr. 61, Kei- nickendorferstr. 1. Charlottenburg Bismarukstr. 81. Spandau: Potsdamer Str. 40. S» Reste Oamentuche, schwarz u. farbig, Koatümatoffe.neucft.Vtuft., Seide, Sammete, Besätze, Futterstoffe, PlüacbezuMänteln, Che*.-Kammgarne zu Knaben-Anzügen. 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Sichd, starb unser Mitglied, der-Schlosser Gustav Hartmann im Alter von 37 Jahren an der Lungenschwindsucht. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 7. September, nach- mittags 5 Uhr. vom Trauerhause, Bernkasteler Str. 6, nach dem Gemeindesriedhofe in der Rölckcstraße statt. 18/4 Um vollzählige Beteiligung ersucht»er Vorstand. Die Beerdigung meiner Frau Lmnia Nolden findet am Montag, den 8. Seh- tember, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner 'ciedhofeS w Britz, Rudower tratze, aus statt. Heinrich Bfolden. Dentseher Banarbeiterferbaml. Zweigverein Berlin. Am L. September starb unser Mitglied, der Maurer Wildelm peper (Bezirk Norden H). Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle der FionS» Gemeinde in Nieder- chönhausen-Nordend auS statt. 145/1 Her Vorstand. SoziaideniobratiscberWablrerein Arn 4. September verstarb unsere Parteigenossin, Frau Lmma Nolltell Wipperitr. 23, 12. Bezirk. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. September, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- hall« des Neuköllner Friedhofes, Britz, Siudower Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. wbavdd.liemnde-ll.Ztaalssi'b. Filiale Groll-Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege August Orunwald welcher im Betriebe der städtischen Konalisation beschästiat war, ver. starben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet amDienS. tag. den 9. September, nach- mittags 3'/� Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-Friedhoss, Ecke Müller- und Seestraße, aus statt. 35/4 v!« Orisverwaltung. Verband der Maler, Lacklerer, iastreieber usw. Bezirk Norden. Unseren Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, Ms» Heike am 1. September tödlich verunglückt ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 8. September, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle des Gethsemane-KirchhoseS in der BarsuSstraße aus statt. 13S/5 vi« Ortsverwaltung. Verband d.Oenieinde-u.Staalsarh. Filiale Groß-B erlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt/ daß der Kollege Otto Petzhold welcher im Betriebe der Englischen Gaswerke beschästigt war, ver- storben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenke» bewahren. 36/5 Ol« Ortsverwaltung Deotscber Transportarbeiter- Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Eisen- industriearbeiter Otto Tonicke am 4. d. MtS. im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. o. M., nach- mittags 1'/, Uhr. von der Leichen- Halle des neuen Nazareth-Kirch- hoseS, Reinickendors-West, Kogel- straße 3, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht öS/1 Oie Bezirksverwaltung. Deutseber 6auarbeiter?erband. Zweigverein Berlin. Am 4. September starb unser Mitglied, der Maurer ftiedrick Telschow (Bezirk Norden II). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Elisabeth- Friedhofes, Prinzen� Allee, aus statt. 144/29 Der Vorstand J Sozialdemokrat. Kreiswahiverein ma Tauzlelirerverband„Solidarität". Am Freitag, den 5. September, verstarb unscres Kollegen Frau Uns Baade geb. Weiler im 41. Lebensjahre nach langer schwerer Krankheit. Ehre ihren» Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. September, nach- mittags'/z3Uhr, von der Leichen- Halle des' Neuköllner Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. 198/2 I)er Vorstand. Die Kollegen treffen sich um 2 Uhr bei Schreiber, Gottlieb- Dunkel-Straße 69, Ecke Marien- dorser Weg. Ms-Feuerbestattonis�ereiii Croß-Berliö. Am 3. d. MtS. verstarb unser Mitglied, Herr Hmloll Brosien Berlin, Linienstr. 100. Ehre seinem Andeckken! Die Bestattung findet morgen Montag, den 8. September, nachm. 4 Uhr, im Krematorium, Berlin, Gerichtstraße 37/38, statt. Rege Beteiligung erwünscht 290/6 Der Vorstand. Bezirk üodtenberg. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied Karl Edom im Alter von 35 Jahren ver- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. September, nachm. 2�2 Uhr, von der Leichen- halle des Lichtcnberger FriedhoseS. Krugstege, aus statt. 14/15 Oie Bezirksleitung. | Klopte mit Luit! Deutseber Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Karl Edon Lichtenberg, Gürtclstraße 40 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 7. September, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Lichtenbergcr Gemeinde. Kirchhofs, Bornitzstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 125/11 Oie Ortsverwaltung. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme bei der Beerdigung unscres lieben SohneS sagen wir allen Freunden, Bekannten und Ver- wandten, den Kollegen der Garagen, Hannovcrschestr. 5, sowie den Herren Chefs daselbst, den Sängern und Kollegen des TranSportarbciter-Ver- bandes unseren herzlichsten Dank. Mv Kuhrau und Frau. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Hennsim Röhn sage allen Kollegen meinen herz- lichsten Dank. 142/13 Witwe Id» Bvkn. Teppich-Reinigung und sämtliche Nebenarbeiten Staehr&Co. Berlin S. 42, CUschinerstr. 80 Fernspr.: Amt Moritzplatz 216 u. 226. | Aufbewahrung.— Enfmottung v. Polstermöbeln.— Chemische| Reinigung.— Kunststopferei.— Bettfedern-Reinigung. Vacuum• Entstanbung mit fahrbaren Apparaten. sind alle Hautunreinigkeiten u. Hautausschläge wie Blüt- chen, Mitesser, Finnen, Flech. ten, Pickeln. Hautröte usw. durch tägl. Gebrauch d. echten TeetochiveWase con>.». pjn&yjaf. Bergmann S-Eo., Radedeul. 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