( 5 Pfennig) M0NtagSlMSMbe( 5 Pfennig) Ur. 283. HbonnementS'Redlngunsen: LkonnementS- Preis pränumerando� Bierteljährl. S.Za MI, monatl. 1,10 MI, WScheMIich 28 Pfg. frei inZ Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags» Vellage.Die Neue Well' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn äSO Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. klfchetiit IZgllch. 30. Jahrg. Die Insertion!-Lebühe beträgt für die fechsgespallene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersammlnungs-Anzeigen 30 Pfg. „kleine Hnzetgen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. szulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wtttere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- ftaben zählen für Mei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „!»d!illill BerllB". Zentralorgan der rozialdemohratifchen Partei Deutfchlands. Rcdahtton: 8Al. 68, Llndcnftraßc 69. Fernsprecher: Amt Moritiplak, Nr. IS8Z. Montag, den 8. September 1913. Expedition: 8Al. 68, lUndenCtraße 69. Zpernsprecher: Amt Moni, platt. Nr. 1084. kioch einmal die Legion. Gegen die Fremdenlegion, mit der sich schon vor ein Paar Wochen ein Artikel an dieser Stelle befaßte, wird noch immer in der bürgerlichen Presse entrüstet Sturm geläutet, und auch jener Verband, der von Köln aus gegründet worden ist, tut wacker das Seine, um Stimmung nicht nur gegen die Legion, sondern auch gegen Frankreich zu niachen. In dem Gefühl des Abscheus über diese algerische Menschenmühle scheinen sich nun wirklich alle Parteien einig zu sein, denn wenn auch die „Deutsche Tageszeitung" den dummdreisten Versuch machte, die Sozialdemokratie als eine Art indirekter Werberin für die Truppe hinzustellen, die statt des allgemeinen französischen Spruchs: Ehre und Vaterland! die dürren Worte: Tapferkeit und Disziplin! in ihrem Fahnentuch führt, so kennt die Oeffentlichkeit die Arbeiterpartei viel zu sehr als die unerbittlichste Gegnerin des Kapitalismus wie des Militaris- mus, um auf ein derartiges Gerede viel zu geben. Denn die Legion ist eine grauenhafte Ausgeburt des Kapitalismus und Militarismus, sind doch ihre Angehörigen nicht nur verpflichtet, sich für einen lächerlich geringen Tagessold zur höheren Ehre der französischen Bourgeoisie die Knochen zer- schießen zu lassen, sondern auch Straßen anzulegen, Städte zu bauen, Wüsten urbar zu machen, kurz und gut: Arbeiten zu verrichten, die, von freien Lohnarbeitern besorgt, der französischen Regierung zum mindesten die zehnfachen Kosten verursachen würden. Dieser doppelten Ausbeutung hat ganz selbstverständlich die Sozialdemokratie wie jeder anderen Ausbeutung Fehde geschworen, und unsere Parteigenossen der französischen Kammer haben stets ein wachsames Auge auf die Legion und brandmarken schonungslos jede den Legionären widerfahrene Unbill. Auch im Deutschen Reichstag hat am 17. Februar 1902 unser unvergeßlicher großer Vorkämpfer August Bebel bittere Klage über den Verlust an Volks- kraft geführt, den Deutschland durch die Fremdenlegion erleide. Aber gleichwohl klafft ein Unterschied zwischen der sozial- demokratischen Gegnerschaft und der bürgerlichen Schreierei gegen die Fremdenlegion. Das Gerechtigkeitsgefühl läßt die Sozialdemokratie anerkennen, daß die Legion trotz allem sicherlich besser ist, als ihr Ruf, und so mancher ehemaliger Soldat des ersten oder zweiten Fremdenregimcnts ist uns über den Weg gelaufen, dem es auf dem Kasernenhof in Dran oder Sidi-bel-Abbes besser behagt hat als auf dem preußischen Exerzierplatz. Das wird begreiflich, wenn man liest, was ein ehemaliger Fremdenlegionär schreibt, der ganz und gar nicht für das Institut eingenommen ist: Die Märsche sind bodenlos brutal, der Legionär muß her- geben, was nur in ihm ist an Lebenskraft und Mannesstärke — aber im militärischen Dienst wird er als Soldat behandelt! Als wertvoller Soldat, den man nicht mit zopfigen Aussprüchen und leidigen Gamaschengeschichten plagt, sondern der- ständnisvoll, ich möchte fast sagen, liebevoll, erzieht, um militärische Höchstleistungen aus ihm heraus- zuholen. Die infame Behandlung, die das Lcgionärlcb»: so unerträglich macht, liegt auf ganz anderen Gebieten! Militärisch, im Dienst, wird er geschätzt und gut behandelt. Während meiner Ausbildung habe ich kaum ein Schimpfwort gehört, und wenn ein derbes Wort fiel, war es im Scherz gemeint. Während der Ausbildungszeit eines Legionsrekrulen kaum ein Schimpfwort— ein echter preußischer Gamaschen- knöpf wird, ohnmächtig werdend, nach dem Kognakfläschchen greifen, wenn er solche Botschaft vernimmt,, denn kein wegen feines Intelligenz- oder Charaktermangels anrüchiges Ge- schöpf weist Brehms Tierleben auf, das auf unseren Kasernenhöfen nicht unseren Rekruten Dutzende von Malen an den Kopf flöge, von widerlich-zynischen Schimpf- Worten, die dem Milieu der Zuhältcrspelunke entstammen, ganz zu schweigen. Aber auch in der Auffassung über die Art der Be- kämpfung der Legion scheiden sich bürgerliche Parteien und Sozialdemokratie. Die bürgerlichen Parteien plätschern auch hier, wie überall, an der Oberfläche der Erscheinungen herum und wollen die Folgen beseitigen, ohne die Ursachen anzu- tasten. Die einen wollen darauf dringen, daß die deutsche Regierung sich mit der französischen ins Benehmen setzt, um etwa auf diplomatischem Wege die Auflösung der Legion zu erzielen, die anderen hoffen durch Aufklärungsarbeit im großen Stil nach und nach alle deutschen Landeskinder von der Verderblichkeit des Legionslebens zu überzeugen, so daß weder in Nancy noch in Toul noch in Verdun ein einziger Kontrakt mehr unterzeichnet wird. Eines der beiden Mittel aber, die allein wirklich verfangen, ist das, wofür die Sozialdemokratie kämpft, die Demo- kratisierung des Heeres� Denn ein großer Teil von Legionsrekruten setzt sich aus Clsäsfern und Lothringern zusammen, die militärische Neigung und Tüchtigkeit besitzen, aber keine Lust haben, wie es ihnen trotz aller Eignung in Teutschland blühen würde, ihre Laufbahn mit dem Sergeanten oder Feldwebel abzuschließen. Springen sie über die Grenze und nehmen Dienste in der Legion, so fragt kein Mensch danach, ob ihr Vater Heringe verkaust oder Steine klopft. Sind sie tüchtig, so kommen sie auf die Offizier- schule nach Saint-Mexent und bald tragen sie nicht in der Legion, sondern in der Armee die Leutnantsepaulettes. Die nationalistischen Blätter in den anneknerten Provinzen führen über die Elsässer und Lothringer im französischen Offizierkorps genaue Listen, und wenn die Jugend liest, daß Monsieur Müller aus Bitsch Oberstleutnant, Monsieur Schneider aus Schlettstedt gar General geworden ist und Monsieur Färber aus Brummath das Ehrenkreuz erhalten hat, lauter Arbeiter-, Handwerker- und Banernsöhne, dann ist das natürlich ein mächtiger Anreiz, der preußischen Kommißbroten zu entfliehen und an dem französischen Werbe- Bureau anzuklopfen. Wäre der sozialdemokratische Antrag dieses Jahres, tfer die Beförderung im Heere nur von der Tüchtigkeit abhängig gemacht wissen wollte, angenommen, so wäre eine wichtige Quelle, aus der der Legion immer aufs neue deutsche Volkskraft zuströmt, verschüttet. Das zweite Kontingent, aus dem sich die deutschen Legionäre ergänzen, sind die Soldaten, hauptsächlich der an der Grenze stehenden Armeekorps, die. Furcht vor Strafe oder rohe Mißhandlung durch Vorgesetzte oder ältere Kameraden zur Fahnenflucht treibt. Jahr um Jahr ist das eine gar er- kleckliche Zahl. Auch hier, wie es die Sozialdemokratie er- strebt, rücksichtslos durchgegriffen, und mit dem letzten Soldatenschinder verschwindet aus dem deutschen Heere auch der letzte Verzweifelte, der sich bei Nacht und Nebel über die Grenze schleicht und drüben prompt den Werbern der Legion in die Hände fällt. Wer jetzt den Mund so aufreißt: Nieder mit der französischen Fremdenlegion!, der rufe zunächst ein- mal: Nieder mit den deutschen Soldatenmißhandlungen! und er erweist seiner Sache den besten Dienst. Das zweite Mittel freilich, der Fremdenlegion die Wurzeln abzugraben, ist der Kampf gegen die sozialen Uebel unserer Zeit überhaupt. Mehr als Leichtsinn und Abenteurerlust, mehr auch als Drill und Roheit auf preußischen Exerzier- Plätzen ist der Hunger der große erfolgreiche Werber für die Legion. Wenn die vielen Tausende deutscher Arbeiter in Frankreich durch eine Wirtschaftskrise in die industrielle Reservearmee hinabgestoßen werden, wenn sie kein trockenes Brot mehr zu beißen haben und die Verzweiflung sie packt, dann sind sie reif für die Legion, denn sie verbürgt ihren Mitgliedern, was die kapitalistische Gesellschaft nicht tut, ihr täglich Brot und ihren täglichen Kaffee und ihre tägliche Suppe. Und wenn deutsche Handwerksburschen auf französi- schen Landstraßen liegen, der fremden Sprache unkundig, ohne die Aussicht, Arbeit oder Unterschlupf zu finden, fern von der Heimat, dann sind sie reif für die Legion, denn sie gewährt ihren Angehörigen, was die kapitalistische Gesellschaft nicht tut, Kleider und Schuhe und eine warme Decke und nicht selten ein Doch über dem Haupt. Glaubt Ihr, wer hungert. wer friert, wer obdachlos ist, werde sich durch alle belehrenden Vorträge über die Schrecknisse der Legion abhalten lasten, dorthin zu drängen, wo es Nahrung, wo es Kleidung, wo es Wohnung gibt? Nein, die Fremdenlegion ist kein Ding an sich, sondern nichts als der große Scherbenhügel für alle Existenzen, die von der kapitalistischen Gesellschaft zerbrochen worden find. Schafft, wenn Ihr die Legion beseitigen wollt, den Hunger ab! Schafft diese Gesellschaftsordnung ab! Herrn flrtur WrcMK„Zeitung der Zeitungen". Unser Artikel in der vorigen Montagsnummer über die Herausgabe einer großen imperialistischen Tageszeitung, der „Zeitung aller Zeitungen", nebst einer Korrespondenz zur Beeinflussung der ausländischen kapitalistischen Presse, der „Europäischen Briefe", hat in den bürgerlichen Blättern Deutschlands die Aufnahme gefunden, die wir in Anbetracht der heutigen imperialistischen Strömung erwarteten. Soweit die kapitalistische Presse von diesem Plan Notiz nahm, er- klärte sie das Projekt für ganz vorzüglich und bezweifelte nur, ob sich der gewollte Zweck werde erreichen lassen! oder man deutete an, der vom„Vorwärts" dargelegte Plan könne unmöglich richtig sein, das sozialdemokratische Zentralorgan hätte sich also wohl etwas aufbinden lassen. Die jungfräuliche ultramontane„Germania" und ihr evangelischer Antipode, die Ripplersche„Tägl. Rundschau" wußten sogar noch am Freitag auf Grund einer Versicherung des„Deutschen Boten" mit- zuteilen, daß dem„Vorwärts" Makulatur aufgebunden worden sei. Der vom„Vorwärts" enthüllte Plan sei älteren Datums, längst aufgegeben usw. Auf diese nach einem wohlbekannten Schema zusammen- gestoppelte Anzweiflung zu antworten, dünkte uns nicht der Mühe wert, da jeder halbwegs Einsichtige— zu denen freilich die genannten beiden Blätter kaum zählen— sich doch selbst sagen muß, daß die als Gönner und Geldgeber des Unter- nehmens genannten Behörden, Banken, Schiffahrtsgesell- schaften usw. sofort als Nächstbeteiligte unsere Angaben dementiert haben würden. Zudem aber erhielten wir(und mit uns andere Blätter) noch an: Freitag eine gedruckte Er- klärung des Herausgebers der„Zeitung der Zeitungen", des Herrn Artur Kirchhoff-Halensee, in der dieser sich zwar bitter darüber beklagt, daß wir seiner geplanten„W e l t z e i t u n g" durch unsere„vorzeitige Veröffentlichung" große Schwierig- leiten gemacht und seine„stille, ernste Arbeit" gestört hätten, im übrigen aber fast alle Einzelheiten unserer Darlegung zugibt. Bestritten wird von Herrn. Kirchhoff nur, daß seine „Weltrevue" imperialistische Anschauungen vertreten soll; die„Zeitung der Zeitungen" wie die„Europäischen Briefe" sollten vielmehr, behauptet er, gar keiner bestimmten politi- schen oder wirtschaftlichen Richtung dienen und nie wäre von ihm und seinen Gönnern die Herausgabe der„Europäischen Briefe" damit begründet worden, daß der Berichterstattung oppositioneller Blätter wie der„Franks. Ztg.", des„Verl. Tayeblatts" und des„Vorwärts" ein Gegengewicht geboten werden müsse. Wörtlich heißt es in der Kirchhoffschen Erklärung: Ein großes Stück Arbeit wird in diesen täglichen Blättern der„Wcltrevue" niedergelegt sein, die den Telegraphen und das Kabel nicht wiederholen, noch weniger ersetzen, sondern nur ergänzen werden.... Da Diese Aeußerungen sollen beweisen, daß die Kirchhoffsche ..Weltrevue" sich die Aufgabe gestellt hat, auch die Arbeiter- dewegung unparteiisch zu würdigen. Eine höchst kuriose Folgerung! Der obige Passus beweist höchstens, daß Herr Kirchhoff seinen Dreihundert-Mark-Abonnenten verspricht, sie rechtzeitig auf gewerkschaftliche Organisation, geplante Streiks, Lohnerhöhungen aufmerksam machen zu wollen, damit sie durch die Ereignisse nicht überrascht werden und Zeit behalten, Gegenmaßregeln zu treffen. Und genau so steht es mit den anderen Bestreitungen des Herrn Kirchhoff. Zwar sagt er in seinem Prospekt nicht direkt, sein Unternehmen verfolge imperialistische Zwecke, wohl aber schildert er darin, wie der Markt sich immer mehr aus- dehnt, lvie in Amerika und Ostasien neue„politische M a ch t z e n t r e n" entstehen, die Ansprüche der Vereinigten Ztaaten von Amerika„die Superiorität Europas mebr und mehr in Frage stellen", die Bestrebungen Englands, sich mit seinen Kolonien zu einem einzigen großen Weltreich zu der- einigen, ganz neue Verhältnisse auf dem Weltmarkt schaffen würden, der Ausbau des türkischen Eisenbahnnetzes riesige Ge- biete Kleinasiens„der Kulturzone als Produzent und Ver- braucher einverleibe" usw.— und nachdem er auf diese Weise den Drang nach Expansion, nach der Begründung großer Kolonialreiche geschildert hat, heißt es dann: War vor 50 Jahren noch daS Land, vor 20 Jahren noch der Kontinent die Welt des Einzelnen, so ist heute die gesamte Erde das Gebiet, auf dem sich die Ereignisse abspielen, die für die Existenz des Einzelnen von Bedeutung werden können. Eharakte- ristisch für die gänzlich veränderte weltwirtschaftliche Lage ist die Berliner Börse. Noch vor 10 bis 12 Jahren war sie von konti- nentalcn Wertpapieren beherrscht. Heute stehen neben den führenden deutschen Bank-, Industrie- und SchiffahrtSaktien die Papiere der großen nordamerikanischen Bahnen, die ostasiatischen Anleihen und südamerikanischen Werte im Vordergrund deS Interesses der Berliner Börse.... Für den Großkaufmann, den Finanzmann und Politiker ist damit die Notwendigkeit ge- geben, sich über alle Ereignisse, über alle Cr- scheinungen zu informieren, die geeignet sind, früher oder später auf die internationale Poli- tik oder auf den Weltmarkt einzuwirken. Dieses ganze weltpolitische Streben, so will uns Herr Kirchhoff glauben machen, hätte mit Imperialismus nichts zu tun. Zudem aber kommt es nicht darauf an, was schwarz auf weiß in seinem Prospekt steht, sondern was er seinen Gönnern und Geldgebern über die Richtung seiner Zeitung erzählt hat und wie diese sein Unternehmen aufgefaßt haben. Glaubt denn tatsächlich ein Mensch, der politischen Verstand hat, die Großbanken, Reedereien, Exporteure usw. geben unbesehen 42 000 M. ü fonds perdu und verpflichten sich zu Jahres abonnements ä 300 M., nur damit ihnen Herr Kirchhoff ganz „unparteiisch" und ganz„k o r r e k t" in seinem Blatt einige wirtschaftliche Notizen und Marktberichte zusammen trägt? Und dann sehen wir uns doch einmal die hauptsächlichsten der Politiker an, auf die sich Herr Kirchhoff als seine Gönner und, wie man in gewissem Sinne sagen kann, als Mit strebende bezieht. Wir finden darunter: Bassermann, Geheimer Hofrat Dr. Lujo Brentano, Geheimer Regierung� rat Dr. Johannes Conrad, Dr. Bernhard Ternburg, Geheimer Hosrat Dr. von Eheberg, Freiherr von Erffa, Generalfeld Marschall Freiherr von der Goltz, Handelskammer zu Frank furt, Handelskaminer zu Hamburg, Handelskammer zu Mann heim. Geheimer Hofrat Dr. Karl Lamprecht, Geheimer Ober regierungsrat Dr. Wilhelm Ldxis, Landrat Max Rötger(Vor sitzender des Zentralverbandes deutscher Industrieller), Dr. Hjalmar Schacht, Prof. Dr. Gustav von Schmoller, Dr. Ger< hard von Schultze-Gaevernitz, Dr. Graf von Schwerin-Löwitz, Dr. Max Sering, Exzellenz Dr. Solf, Dr. Gustav Strese- niann, Dr. Graf von Westarp, Geheimer Regierungsrat Dr. Julius Wolf. Wer sieht nicht ein, daß unzweifelhaft nur das Interesse an kleinen wirtschaftlichen Notizen aus fremden Blättern diese Herren zu ihrer Vorliebe für das Kirchhoffsche Zeitungsunter- nehmen bestimmt hat? Ob Herr Kirchhoff allerdings der Mann ist, die große „Weltrevue" im Sinne der großen Banken, Reedereien, Ko- lonialgesellschaften zu leiten, möchten wir bezweifeln. Ge- schäftstiichtig ist er ja jedenfalls— aber doch nur auf journa- listischem Gebiet. Herr Arthur Kirchhoff hat in einer der„Post" abgegebenen Erklärung verneint, daß er mit jenem Arthur Kirchhoff identisch ist, der vor einigen Jahren dadurch von sich reden machte, daß er Ausstellungsbriefe fabrizierte, die er den Redaktionen in höchst seltsamer Weise offerierte. Wir möchten ihn fragen, ob er auch mit jenem Arthur Kirchhoff identisch ist, der vor«inigen Jahren(1904 bis 1900) mit dem Gelde des Braukapitals eine sogenannte wissenschaftliche Zeitschrift„D a s L e b e n" herausgegeben hat, um den Kampf gegen die Antialkoholbewegung zu führen, der dann in der Zeitschrift„Unser Weg" in Volkshygrene machte und der 1901 sogar eine Zeitlang eine technische Zeitschrift für Ar- heiter, benannt„Kirchhosfs technische Blätter", heraus- gab? Vielleicht beantwortet uns Herr Kirchhoff diese Fragen! politilcke GcberHcbt Sonderbare Aufklärungsmethoden. Wie wir erfahren, hat einer der in die Kruppuntersuchung verwickelten höheren Kruppbeamten den Genossen Lieb- knecht um Genugtuung mit der Waffe ge- beten— mit welchem Erfolg, bedarf keiner Erwähnung. Wir fühlen uns verpflichtet, von diesem höchst merkwürdigen Vor- gang Mitteilung zu machen, weil sich daran zeigt, wie voll- ständig der beteiligte Herr die Situation mißversteht. Er sollte doch wirklich begreifen, daß der einzige Zweck der An- griffe Liebknechts die Aufdeckung eines schweren öffentlichen Mißstandes ist, dessen Fortbestehen im Interesse des Gemein- Wohls nicht länger ertragen werden darf. Wenn dabei ein- zelne Personen in Mitleidenschaft gezogen werden, so ist das zwar hedauerllch— da es sich immerhin um Opfer eines Systems handelt—, aber leider unvermeidlich. Tie Krupp- Untersuchung auf das Niveau eines persönlichen Ehrenstreits zu drücken, sollte niemandem beikommen, möge er noch so sehr in den Ehranschauungen mittelalterlicher Ritterlichkeit be- fangen sein. Die Pistole ist um alles in der Welt kein geeignetes Aufkläruugsmittel. Der Grad der Geschicklichkeit im Schießen gibt keinen Maßstab für die Gerechtigkeit einer Sache. Und man muß sich nur wundern, dies in der Fabri- kation und der Kenntnis von Mordwerkzeugen so erfahrenen Herren erst noch in Erinnerung rufen zu müssen. Eine doppelte Demonstration. Als Bekundung seiner bekannten Gegnerschaft gegen alles Neue, Lebendige, Entwickelungsfähige in der Kunst hat man die Demonstration Wilhelms II. gegen die Breslauer Fest- Halle gedeutet. Nun entdeckt die„Reichsverbandskorrespondenz" noch einen anderen Grund für die allerhöchste Ungnade. Dem Kaiser sei hinterbracht worden, daß diese Halle auch den Sozialdemokraten für Versammlungen zur Ver- fügung stehen solle. Aus Empörung darüber habe Wilhelm H. die Halle nicht betreten. Und der reinliche Reichsverband verlangt nun vom Magistrat Breslaus, daß er die vom Ober- bürgermeister gegebene Zusage wieder zurückziehe und die Halle den Sozialdemokraten vorenthalte, um so Seine Majestät wieder zu versöhnen. Man darf neugierig sein, ob der Magistrat diesem Ansinnen gehorchen wird. Nach dem glor- reichen Verhalten der liberalen Stadtverwaltung bei dem Hauptmannfestspiel muß man dies wohl annehmen. Er rasselt und prasselt und quasselt. Man braucht wohl nicht erst zu sagen, daß von Herrn Matthias Erzberger die Rede ist: das Besondere ist nur, daß es ein Klerikaler ist, der es spricht, der Pfarrer H o l z a m e r, ein heftiger Gegner der Bachemiten. Er klagt in den„Petrusblättern", daß nicht der Papst, sondern die politischen und sozialpolitischen Tagesgrößen des Zentrums die Politik der deutschen Katholiken entscheiden, wie zum unerhaulichsten Beispiel eben M. Erzberger. Also urteilt der Pfarrer: „Einer der parteiamtlich angestellten Helfer, Erzberger, mußte ja die Pa r t e i k n ü t t e l, mit welchen man„Anders- denkende" zur Ruhe bringt, für den jeweiligen Gebrauch der Provinzpresse in passende Ordnung bringen.... Auf einer einzigen Seite kann man bei Erzberger mehr Schlagwörter finden, als zu seiner Zeit die berüchtigten Phrasendrescher deS Fortschritts in der längsten Rede einschärften. Da rasselt und prasselt es nur so von Schlag- und Schimpfwörtern...." Der geistliche Herr ruft schließlich aus: „Das ist das Recht, die Wahrheit, dieFrei« heit, wie s i e in den Zcntrumsköpfen Bachem» scherRichtunggedachtsind." Selbstverständlich dürfen sich die Kölner eine solche Kenn- Zeichnung nicht gefallen lassen: um Holzamers Angriffe wird bald die schönste Holzerei im Gange sein und die„Kölnische Volkszeitung" kann wieder ausrufen:„Sollte der Friede von Metz nur ein Traum sein?" Tie Bescheidensten. Die liberalen Arbeitet, die im vorigen Jahr mit den liberalen Angestellten einen neuen Reichsverein gegründet haben, freuten sich auf ihrer Delegiertenversammlung in Halle am Sonnabend sehr, daß sie es schon auf fast 3500 Mitglieder gebracht haben. Der Jahresbeitrag beträgt 3,60 M., welche Lei» stung von Dr. Wiemer als herrliches B-ispiel für die nichtzahlen» wollenden Fortschrittsbürger gefeiert wurde. Sehr bitter wurde darüber geklagt, daß die Fortschrittliche Volkspartei Ar- b e i t e r gar nicht oder höchstens in aussichtslosen Wahlkreisen als Kandidaten aufstelle, obgleich ein Arbeiter an Dr. Mug- dans Stelle Görlitz-Lauban angeblich nicht an die Sozialdemo- kraten verloren haben würde. Dr. Wiemer versicherte, man werde alles mögliche tun, aber vorerst müßte untersucht werden, ob die Parteistatuten geändert weroen könnten. Im übrigen prach man sich für freie Arztwahl, Schutz des Koalitionsrechts und— Ferienreisesparklubs aus. Mocdenfttm. , t, Dieweil des Menschen Fürrecht Lachen ist. Rabelais. In eigener Sache. Herr Friedrich Wilhelm Schulze, den wir neben unserem ge- schätzten Mitarbeiter„der konservative August" an dieser Stelle nochmals zu Worte kommen ließen, hat wieder an uns geschrieben� Aber diesmal ist es einfach unmöglich, seine Einsendung abzudrucken. Wir haben keine Lust, uns ooram publico ohrfeigen zu lassen. Herr Schulze scheint so etwas geahnt zu haben; schreibt er doch selbst, daß er fürchte,„diesmal für den Papierkorb gearbeitet zu haben". Da wir es aber mit so einem sympathischen Herrn, der, wie er selbst sagt, auch einen Teil der„Stimme des Volkes" repräsentiert, nicht verderben wollen, sollen ihm wenigstens die Gründe unserer Ablehnung einigermaßen plausibel gemacht werden. Herr Friedrich Wilhelm Schulze hat wieder viel an unserer Redaktionsführung auszusetzen. Er behauptet, sogar von unseren eigenen Parteifreunden gehört zu haben, daß der„Vorwärts" ein ganz minderwertiges Blatt sei, das seine Leser entweder gar nicht oder nur halb und tendenziös unterrichte. Er erklärte, daß er sich diesem Urteil nur voll und ganz� anschließen könne. Ueber die wichtigsten Ereignisse der letzten Tage hätten wir nur hämische Glossen gemacht und hätten die gute bürgerliche Presse, vor allem daö„Berliner Tageblatt" durch unseren konservativen August„ver« bohnepiepeln" lassen. Solche Vorwürfe brauchen wir uns nicht gefallen zu lassen. Selbst von einem Herrn Friedrich Wilhelm Schulze nicht. Wir können nun ein- mal nicht einsehen, daß die große Herbstparade am Sedantage ebenso wie ihre Vorgängerinnen in Posen und Breslau wirklich so weltgeschichtlich bedeutende Ereignisse sind, daß, wie Herr Schulze vom„Berliner Tageblatt' und anderen liberalen Blättern rühmt, spaltenlang darüber berichtet werden mußte. Herr Schulze nimmt es uns sehr übel, daß wir bei der großen Berliner Herbst- parade nicht einmal davon Notiz genommen haben, daß daS Miliz- system dabei zu Ehren gekommen ist. Hätte doch sogar die Abord- nung eines amerikanischen Milizregiments mit seiner Fahne an be- vorzugter Stelle den Stechschritt und den friedericianischen Präsentier- griff der Garderegimenter bewundern dürfen. Herr Schulze meint, daß das ein Beweis dafür sei, wie sehr Wilhelm II. für den Ge- dankendes reinen Volksheeres begeistert sei, was auch seine Teilnahme an den vorjährigen Manövern der Schweizer Miliz bewiesen habe. Aber unser Haß gegen die Monarchie lasse uns dies« Tatsachen, die jedes liberale Mannesherz höher schlagen lassen, einfach verschweigen. Herr Schulze weiß aber noch einen anderen Grund, daß wir die An- Wesenheit der amerikanischen Bourgeois und Amateursoldaten nicht erwähnt haben,„indem daß diese Bürgersoldaten des freien Amerikas bei Streiks feste mang das arbeitsscheue Streikgefindel einpfeffern", und von einer solchen Miliz wollten wir„roten Brüder" nichts wissen. Der durch die Schulung in den liberalen Bezirksvereins- Versammlungen geschärfte politische Blick des Herrn Friedrich Wil- Helm Schulze wird begreifen, daß wir durch einen kritiklosen Abdruck seiner Zuschrift nicht unsere geheimsten taktischen Absichten ausplaudern wollen. Darum müssen wir auch seine Enthüllungen über unsere Massenstreikpropaganda unter den Tisch fallen lassen. Herrn Schulze ist das„Mitteilungsblatt der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins" vom 13. August in die Hände gefallen, und daraus hat der scharfsinnige Politiker ersehen, daß in diesen Tagen ein geheimer Generalstreik-Kongreß hinter verschlossenen Türen stattfinden soll, zu dem nur für Funktionäre Einladungskarten ausgegeben werden. Wir haben Herrn Schulze im Verdacht, daß er diese uns so peinliche Entdeckung der liberalen Provinzpresie hat zugehen lassen, denn die „Braunschweigische LandeSztg.", die„Saale-Ztg." usw. beeilen sich, mit Echt-Schulzeschen Argumenten ob solchen hochverräterischen Unter- fangens Lärm zu schlagen. Herr Schulze und seine liberalen Zeitungs- freunde sind ganz entsetzt darüber, daß zwei„ausländische Revolutions- fritzen" auf dem geheimen Kongresse ihre gefährlichen Informationen geben sollen. Er erhebt„ganz energischen Protest gegen die Zu- lassung des Auftretens ausländischer Lehrmeister der Revolution" und verlangt von uns, daß wir auf die vernünftigen Anschauungen des„Berliner Tageblatts" über den Massenstreik hören sollen. Herr Schulze behauptet, daß das, was der„Vorwärts" über die Massen- streikfrage zu veröffentlichen„für gut befindet, offenbar frisiert sei". und er verbittet sich im Namen aller anständigen liberalen Bürger energisch, daß„demnächst auch in Preußen„russisch" oder auch „belgisch" loSgequasselt werde". Aber selbst das weitgehendste Entgegenkommen gegen einen ge- schätzten Mitarbeiter kann nicht so weit gehen, daß wir ihn die allerungeheuerlichsten Dinge aus unseren revolutionären MobilisationS- Plänen, die seine phänomenale Kombinationsgabe aufgespürt hat ausplaudern lassen. Wir müssen sogar nach dem Muster der Dementiermethoden der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" alles, was uns Herr Schulze über geheime große Dynamit- und Waffen- ankäufe der Wahlvereine, über vertrauliche Anweisungen, Verkehrs- sabotage betreffend usw., offiziell als„der Wahrheit nicht entsprechend" bezeichnen. Ebensowenig können wir wiedergeben, was Herr Schulze über die„innere Krise" in unserer Partei, über die bevorstehenden Auseinandersetzungen in Jena» über die„Intrigen" wegen der Räch- folge Bebel» usw. schreibt. ES ist zwar schmerzlich, konstatieren zu müssen, daß Leute wie Herr Schulze und seine liberalen Freunde besser über Vorgänge in unseren Reihen informiert find als wir selbst, und daß sich diese Menschenfreunde über unser Wohlergehen ihre staatsmännischen Köpfe weit mehr zerbrechen, als wir es tun, Herr Schulze kann aber nicht verlangen, daß wir durch den Abdruck seiner Einsendung„das Skelett in unserem Hause" auf öffent« lichem Markte zur Schau stellen. Solche rückhaltlose und offene Ehrlichkeit findet man wohl auf den Katholikentagen und bei den bürgerlichen Parteien, w i r aber haben viel zu viel zu verbergen, als daß wir unsere intimsten Angelegenheiten in breitester Oeffentlichkeit verhandeln dürften. Bei den Freunden des Herrn Schulze geht der Mut der Offenherzigkeit sogar bis in den Romanteli der Zeitung. Im„Verl. Tagebl." schildert ja ein ungenannter Verfasser, der sszlh unter Nichtachtung des Musterschutzgesetzes das Kognak- signum des dicken Oertel angeeignet hat, wie„unter den Aus- erwählten" der liberalen Politik Grundsätzlichkeit und Prinzipientreue triumphieren. Auf dieses Gebiet können und wollen wir Herrn Schulze und seinen„Auscrwählten" nicht folgen. Herr Friedrich Wilhelm Schulze ist auch sehr erbost darüber, daß wir die Anregung des„Berliner LokalanzeigerS", Eisenbahn« schutzlcute zu schaffen, so höhnisch zurückgewiesen hätten. Er meint, daß durch Einführung solcher v- und Personenzugschutzleute eine große Lücke in der staatlichen Sicherheit ausgefüllt werden könnte. Nur unsere sattsam bekannte prinzipielle Gegner- schaft gegen alles, was Polizei heißt, ließe uns diesen ver- nünftigen Plan bekämpfen. Mord- und Raubanfälle auf einzelne reisende Personen in einsamen CoupöS würden niemals mehr vorkommen, wenn jeder Zug von ein paar„Blauen" begleitet würde. Und das Auskneifen der Verbrecher sei dann auch unmöglich gemacht, denn die Schutzleute würden natürlich von jedem Reisenden die Legitimationspapiere vom Tauf- und Impfschein bis zum Militärpaß und Mietskontrakt verlangen. Auch die öffent- liche Sittlichkeit würde dadurch sehr gehoben werden, denn jedes reisende Paar verschiedenen Geschlechts müßte sich durch Trauschein oder ein sonstiges Dokument als wirklich legitim zusammengehörig ausweisen: wo das nicht der Fall sei, müßte der Eisenbahnschutz- mann sofort die Weiterfahrt inhibieren und Anklage auf Grund der entsprechenden Paragraphen des Strafgesetzbuches erheben. Unter den Pollacken in der IV. Klasse könnten weiter mit Leichtigkeit die kontraktbrüchigen Brüder herausgefischt und damit der notteidenden Landwirtschaft ein Dienst erwiesen werden. Der angeborene Scharfsinn des Herrn Friedrich Wilhelm Schulze hat auch wieder den Grund unserer Ablehnung des Eisen- bahnschutzmannes herausgefunden. Seine Entdeckung können wir ebenfalls nur andeutungsweise wiedergeben, um uns nicht zu kom- promittieren. Er meint, daß der Eisenbahnschutzmann auch die Lektüre deS Reisenden zu kontrollieren haben werde. Wer den „Vorwärts" oder ein andere» sozialdemokratisches Blatt oder den Rhodos für Italien? London, 7. September. In offiziellen Kreiseil verlautet, daß sich die i t a l i e n i s ch e R e g i e r u n g doch nach langem Zögern endgültig entschlossen hat, die Insel Rhodos zu annektieren. Die Einverleibung der Insel in den italienischen Staat wird erfolgen, nachdem eine bereits in nächster Zeit stattfindende Konferenz zwischen Giolitti, dem Marchese di San Giuliano und dem italienischen Botschafter in Paris, Herrn Tittoni, beendet ist. kämpfe zwifcbcn jungst und HUtUrhen in Hdmnopcl. Sofia, 7. September. In maßgebender Stelle sind Nach- richten eingelaufen, wonach es in Adrianopel zwischen Jungtürken und Alttürken zu schweren Zu- sammen stoßen gekommen sein soll, bei denen mehrere Offiziere getötet und E n v e r B e y an der Hand verwundet worden sei.__ Retze gegen China in Japan. Tokio, 7. September. Trotz polizeilichen Verbotes fand im Shibiapark eine große Versammlung statt, in der Reden, die sich mit dem Zwischenfall von Nanking beschäftigten, gehalten wurden. Es wurde eine Tagesordnung angenommen, welche die Regierung auffordert, zu mobilisie- ren. Nationalistische Kreise geben der Ansicht Ausdruck, daß die Ermordung A b e S das erste Anzeichen von der Unzufriedenheit des Volke? sei. Die Bestattung Abes wird am 10. d. M. mit den einem StaatSmanne zukommenden Ehren stattfinden. vlnruhen in Portugal. Madrid, 7. September. Die Correspondencia de Espana gibt Gerüchte über neue Ereignisse in Portugal wieder, jedoch ohne Einzelheiten. Der Minister des Innern erklärt, keine Nachrichten aus Portugal zu haben. Die Gar- n i s o n von Valenca do Minho an der portugiesischen Grenze ist durch Artillerie und Kavallerie verstärkt worden; die Stadttore werden bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen, Pa- trouillcn durchziehen die Straßen. Huö Groß-ßerlin, Die 11. Allgemeine Ausstellung des Verbandes der Laubenkolonisten Berlins und Umgegend ist am gestrigen Sonntagmittag 1 Uhr in Kellers Festsälcn, Koppenstr. 29, eröffnet worden und bleibt bis einschließlich Dienstag von 1 bis 9 Uhr geöffnet. Das eingeladene Land- Wirtschaftsministerium und der Berliner Magistrat, der ja auch Laubenlandverpächter ist, glänzten durch Abwesenheit. Die Berliner Stadtverwaltung hatte im vorigen Jahre die erbetene Stiftung eines Ehrenpreises abgelehnt, weil für solche Zwecke„keine Mittel vorhanden" seien. Das ist recht bedauerlich. Diese nunmehr seit einem Jahrzehnt unter größtem Beifall der beteiligten Volkskreise arrangierte Aus- stellung ist der offizielle Schluß der Laubensaison und das eigentliche Haupterntefest der Tausende von Laubenkolonisten, an deren Verband jetzt über hundert Vereine, fünfzig mehr als im Vorjahre, angeschlossen sind. Sollen die nach länd- licher Sitte gefeierten Erntefeste in den Einzelkolonien mehr der Freude an der Natur und der Geselligkeit im Freien ge- widmet sein, so wird hier in ernster Form veranschaulicht, welchen kulturellen Wert die volkstümliche Schöpfung der Laubenkolonien hat. Man gewann in der Ausstellung, die schon in den ersten Stunden nach der Eröffnung stark besucht war, den herzlichen Eindruck, daß hier eine große Familie sich versammelt hat, um zu zeigen, wie sie strebsam mit- marschiert in den Massenreihen der Kulturpioniere. Die ausgestellten Erzeugnisse lieferten den bündigsten Beweis, daß der magere Berliner Boden recht Bedeutendes hergibt, wenn man ihn mit Geduld und noch mehr Liebe zu bewirt- schaften versteht. Gurken und Kürbisse. Aepfel und Birnen .Simplicissimus" lese, sei ohne weiteres verdächtig. Denn diese Blätter dürfen auf königlich preußischen Bahnhöfen nicht ver- kauft, folglich auch nicht gelesen werden. Herr Schulze verlangt überhaupt, daß das Lesen des.Vorwärts' in der Stadt- und Straßen- bahn usw. verboten werden müßte, weil da? öffentliches Aergernis errege. Er behauptet, daß er zwar Arbeiter kenne, die sich genierten den.Vorwärts" in der Straßenbahn auszubreiten, immerhin gebe es noch genug, die unser.Schundblatt" anständigen Mitfahrern unter die Nase hielten. Ja, sogar junge, hübsche Mädchen habe er zu seiner Entrüstung das tun sehen. Die Gründe, die Herr Schulze für seine Forderung eines Verbotes des„VorwärtS'lesens in allen VerkehrSanstalten anführt, sind so schwerwiegender Natur, daß wir sie unmöglich abdrucken können. Wir würden unS durch ihre Wieder- gäbe zu sehr ins eigene Fleisch schneiden, und daS kann selbst ein Herr Friedrich Wilhelm Schulze nicht von uns verlangen. Für die Redaktion des„Vorwärts": I. A.: ikrast. 'Cbeatcr. Freie Volksbühne(im Herrnfeld-Theater): Die F a- milie Selicke, Drama von Arno Hol z�und Johannes Schlaf. Die Freie Volksbühne zollt dem fünWgsten Geburtstage von Arno Holz ihren Ehrentribut mit der Aufführung des Werkes, das den sozial gerichteten Naturalismus der achtziger Jahre bis zu den äußersten künstlerischen Möglichkeiten treiben sollte. Die Familie Selicke ist als Stilwerk und als Zeitausdruck gleich wert- voll. Das Drama ist ein Zeichen heraufgekommener, von einer jungen Generation getragener Kraft, die der sozialen Wirklichkeit ohne sentimental-konventionell beschönigendes Umgehen erschrecken- der Tatsachen ins Auge zu schauen wagt. Es überwindet das kleinbürgerliche Genrebild, indem es dasselbe naturalistisch aus- formt. Der Stil dieses Dramas der Verelendung ist recht eine Ausgeburt der Zeit, in der es von hungernden Dichtern inmitten berlinischen Mietkasernenelends geschaffen wurde. Ein Viertel- jahrhundert ist seitdem verflossen. Wie wirkt das Werk auf die Menschen der Gegenwart ein? DaS unerbittlich wahr gezeichnete Lebensbild sozialen Zusammenbruchs hat von seiner Zeit nichts ein. gebüßt. Es zwingt mit stärkster Mitleidswirkung in seinen Kreis. Der Wille, diese ElendSzustände hinter uns zu bringen, ist in den letzten zwei Jahrzehnten mit den werdenden Möglichkeiten und Mitteln sozialer Verteidigung mächtig gewachsen, und so setzt das innere Wehren gegen die erdrückende Gewalt des geschilderten Glends mit gesteigert heftiger Erregung ein und treibt den Ein- druck deS Werkes über die MitleidSwirkung weit empor. Wir feOien, daß tm Stimmung der Zeit, die dieses Drama werden sind in erstaunlicher Güte und Größe ausgestellt, Dahlien und andere Herbstblumen zu wunderhübschen Arrangements vereinigt. Auf der Galerie macht allerlei Hausgeflügel ein vielstimniiges Konzert. Die umfangreiche Kaninchenaus- stellung bietet eine sehenswerte Klasse für sich. Das allerbeste ist aber doch die Freude über das wieder mal gelungene Werk, die allen zu ihrem Ehrenfest herbeiströmenden Lauben- kolonisten aus den Augen sieht. Die silberne Medaille der Deutschen Gartenbau-Gesell- schaft holte sich der Verein„Gemütlichkeit" in Treptow. Mit ersten Preisen wurden an Vereinen noch bedacht der„Pflanzer- verein am Mississippi" und der„Pflanzerverein Großstadt- dauern". Zweite Preise fielen an„Kolonie Waldesluft", „Verein Vergißmeinnicht" und„Pflanzerverein Transvaal". Unter den Einzelausstellern eroberten erste Preise: Otto Völker(Ehrenpreis), Otto Raecke, Heinrich Lachmann, Erwin Lötsch, Paul Groß und Max Wadepohl. Für Tauben(Weiß- schwänze) erhielt Pose einen ersten und zwei zweite Preise, den ersten Preis für Wassergeflügel Artur Zweig, für Gänse Rudolf Krause, für Kaninchen Max Kegeler, Baumann und Wenschowsky. Außerdem kamen für Hühner nicht weniger als zehn erste Preise sowie in allen Abteilungen dritte Preise und lobende Diplome zur Verteilung. Originell und lehr- reich ist die auch mit einem ersten Preise belohnte, das kleine Raubgesindel bei der Arbeit zeigende Ausstellung„Freud und Leid des Kolonisten"._ Im Freibad ertrunken ist gestern mittag in Rahnsdorf der 13 Jahre alte Tischlergeselle Georg Eernandt aus der Skalitzer Straße b4s. Der junge Mann hatte mit mehreren gleichaltrigen Freunden in der Nacht zum Sonntag eine Festlichkeit mitgemacht, von der sie erst gegen Morgen nach Hause kamen. Die jungen Leute fuhren, nachdem sie Kaffee getrunken hatten, um sich zu erfrischen, nach dem Freibad Müggel- see. Hier wagten sie sich jedoch zu weit ins Wasser. Hinter der für Nichtschwimmer zur Warnung befestigten Tonnenreihe ging Gernandt plötzlich vor den Augen der anderen Badegäste und seiner Freunde unter. Als er wieder gleich darauf nach oben kam, war er schon besinnungslos. Ein Rettungsboot, das hinter den Tonnen hin und her fährt, war schnell zur Stelle, der Bademeister ergriff den Besinnungslosen, legte ihn in den Kahn und brachte ihn an den Strand, wo die inzwischen benachrichtigte Samariterkolonne sofort mit einem Sauerstoffapparat Wiederbelebungsversuche an- stellt«, die jedoch ohne Erfolg blieben. Die Leiche wurde nach der Halle m Rahnsdorf gebracht._ Eine mit Steinen beschwerte Mädchenleiche ist gestern bei Friedrichshagen gelandet worden. Wie sich heraus- stellte, handelt eS sich um die sechzehnjährige Johanna St., die seit einigen Tagen vermißt wurde. Es liegt hier zweifellos Selbstmord vor. Das junge Mädchen war bei einem Lehrer in Klein-Schönebeck in Stellung. Am Tage des Verschwindens ist die St. auf einem Damenrad zu dem Mühlenbesitzer Wienke gefahren und hat diesen gebeten, ihr Rad für kurze Zeit aufzubewahren. Sie entfernte sich hierauf in der Richtung nach dem See zu. Weder die An- gehörigen noch auch der Dienstherr der St.' können eine Erklärung darüber abgeben, aus welchem Anlaß das junge Mädchen den Tod gesucht hat. Ein tötlicher Steaftenunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 3 Uhr in der Kastanien- allee. Dort wurde der 9 Jahre alte Schüler Karl Stägemann, der bei seinen Eltern in der Brunnenstraße 181 wohnte, von einem Kraftwagen überfahren und so schwer verletzt, daß er schon auf dem Transport nach der Hilfswache in der Gaudystraße verstarb. Die Leiche wurde dem Schauhause überwiesen. Polizeilich beschlagnahmt Mrde die Leiche deS 34 Jahre alten Schneiders Karl Ernst aus der Königsberger Straße 19. Der Mann, der für sich allein wohnte, wurde gestern mittag tot im Bette aufgefunden. Zur Feststellung der Todesursache wurde er nach dem Schauhause gebracht.— Tot aufgefunden wurde gestern auch der 34 Jahre alte Kohlenhändler Hermann Schweizer aus der Calvinstraße 4. Er lag gestern früh tot in seinem Kohlenkeller. Da der Arzt die Todesursache nicht feststellen konnte, wurde er ebenfalls zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht. ließ, nicht mit der Stimmung unserer neuen Tage übereinstimmt, aber aus dem Menschlichen heraus ist das Werk uns immer noch greisbar nahe. Die von Fritz Witte-Wild geleitete Aufführung hatte Gutes in den schauspielerischen Leistungen; im szenischen Bilde blieb sie, auf Behelfmittel angewiesen, hinter den naturalistischen Anforde- rangen zurück. Den trunksüchtigen Buchhalter Selicke gab Adolf Edgar L i ch o; er weiß ini begleitenden Aeußeren zum Vorteil des inneren Ausdrucks seiner Rolle klug Matz zu halten. Seine Art sollte für Martha Altenbergs Frau Selicke ein Vorbild sein. Hanna Jomith als Näherin Toni Selicke, müßte ihre Rolle kräftiger individuell formen: Toni ist ein tätig-opfermutiges Ge- schöpf, daS noch nicht von dem Elendsmilieu ihrer Familie erdrückt ist. An dem sterbenden Linchen Selicke, von der achtjährigen Lotte Müller vom Deutschen Theater dargestellt, nimmt man mit einigem Staunen über so viel Theatertüchtigkeit Anteil. Otto P a h l a u s alter Nopelke war vollkommen gezeichnet. Das Pu- blikum dankte der Aufführung mit lebhaftem Beifall.?ra. Königgrätzer Theater.„Das vierte Gebot". Volksstück von Anzengruber. Seitdem die Freie Bühne dies Wiener Drama, das in seiner schonungslosen Härte und der Wucht der Anklage von dem weltfrohen Optimismus der Anzen- gruberschen Bauernstücke so scharf absticht, in Berlin aufführte, hat man es hier in einer ganzen Reihe, zum Teil ausgezeichneter Be- setzungen gesehen. Die Wirkung blieb unvermindert stark. Der Aufbau des Werkes ist freilich recht volksstückmätzi� locker und über die Ansprüche naturalistisch-intimer Motivierung setzt sich so manche absichtsvoll geformte Wendung leicht hinweg, aber in dem Grundgefüge der Charaktere steckt so viel echte Lebenswahrheit, in den Grundzügen deS aufgerollten Schicksals ist ein solcher Kern von innerer Notwendigkeit, daß dieses Wesentliche die Mängel äußerer Formgebung überwindet und im Zuschauer ein intensives Miterleben und schließlich seelische Erschütterungen von seltener Kraft auslöst. Die Wiener Typen der verlotterten Schalanter- Familie: die Szene, da die von ihrem gut-bürgerlichen Vater in die Ehe mit dem reichen Wüstling, dem Stolzenthaler, hineingesctzte. von ihrem Gatten mit unheilbarer Krankheit angesteckte Hedwig die gleichfalls kranke, zur Dirne gewordene Schalanter-Pepi als Genossin im Leiden grüßt; der Abschied des zum Tode verurteilten Martin Schalanter von der Großmutter, dem einzigen Menschen, der's wahrhaft gut mit ihm gemeint hat, prägen sich unvergeßlich der Erinnerung ein. Die Wirkungen des Abends, der, wenn auch nicht überraschende, so doch tüchtige Schauspiclerleistungen bot, gipfeln in dem letzten Auftritt. Man spürte den Nachhall der Er- regung in dem Applaus, der nach dem Schlüsse stürmisch losbrach. Frida Richard in der Rolle der lieben Alten fand schlichte, warme Herzenstöne. Direktor Karl Meinhard gab den Martin al» Aus dem Lanbwehrkanal gelandet wurde gestern vormittag an der Möckernstraße die Leiche eines unbekannten Manne? von etwa 39 Jahren, der seinem Aeußeren nach dem Arbeiterstande angehört zu haben scheint. Der unbekannte Tote, dessen Leiche schon längere Zeit im Wasser gelegen zu haben scheint, ist mittel- groß, hat dunkles, langes Haar und ein bartloses Gesicht und trug einen schwarzen Jackettanzug, einen dunkelblauen Selbstbinder und schwarze Schnürschuhe. Oer polizeikampf gegen die Arbeiterjugend. Heber das Thema„Jugend heraus" sollte am Sonntag, mittags 2 Uhr, in Nieder schön hausen im Lokal„Neu- Carlshof" Gemeindevertreter K u b i g- Pankow sprechen. Nach- dem der Vorsitzende die überaus stark besuchte Versammlung er- öffnet hatte und der Referent das Wort ergreifen wollte, erklärte der Polizeibeamte die Versammlung für politisch und ersuchte den Vorsitzenden, die Jugendlichen unter 13 Jahren aus dem Saale zu weisen. Obwohl der Beamte vom Referenten auf das Ungesetz- liche seiner Handlung hingewiesen wurde, forderte er nochmals, daß die Jugendlichen unter 18 Jahren den Saal verlassen sollten. Der Polizeiwachtmeister Förster wurde, da es eine unpolitische Ver- sammlung sei, von der Versammlungsleitung aufgefordert, den Saal zu verlassen. Statt dessen dirigierte der Wachtmeister 8 bis 3 Polizisten in den Saal, den die Jugendlichen unter 13 Jahren inzwischen verlassen hatten, und forderte die einzelnen jugendlich aussehenden Teilnehmer auf, sich zu legitimieren. Das Ergebnis dieser Recherche hatte einen negativen Erfolg. Jetzt ersuchte der Wachtmeister den Versammlungsleiter, die Jugendlichen auch aus dem Nebenraum zu weisen. Der Leiter machte ihn darauf auf- merksam, daß er auf den Nebenraum keinen Einfluß habe. Darauf. hin wurden die Jugendlichen von der Polizei auS dem Raum ge- waltsam entfernt. Da nunmehr nur Versammlungsteilnehmer über 18 Jahre anwesend waren und die Polizei sich durch den Pro- test der Anwesenden bis auf zwei entfernen mußte, konnte die Per- sammlung ihren Anfang nehmen, sorgfältig behütet durch die Polizei, die sämtliche Eingänge besetzt hielt. In längeren Aus- führungen brandmarkte der Referent das provokatorische Vorgehen der Polizei. In der Diskussion wurde von allen Rednern daS Verhalten der Polizei aufs schärfste verurteilt. Allgemeine Heiter- keit erregte die Bekanntgabe eines Redners an den Polizeiwacht- meister Förster, daß er sich sein im echten Polizei st il gehaltenes Protokoll von der letzten öffentlichen Jugend. Versammlung von ihm abholen könne. Gegen das Vorgehen der Polizei wird die Arbeiterschaft Pankow-Niederschönhausens in einer in den nächsten Tagen stattfindenden öffentlichen Vrotestversamm. lung Stellung nehmen.___ letzte Nacbricbtcn. Das Begräbnis der Opfer des Mühlhauser Mörders. Pfäffische Ausnutzung. Mühlhausen a. d. Enz, 7. September. Unter großer Beteili- gung, namentlich von Bewohnern der nächsten und weiteren Uln- gebung, wurden heute die neun Opfer der Scheckenstat des Lehrers Wagner in Mühlhauscn zu Grabe getragen. Der OrtSgcistliche Reichardt betonte in seiner Grabrede besonders, daß der fort- schreitende Unglaube im Volke für die ruchlose T/it mit verantwortlich gemacht werden müsse. Die türkischen Bedingungen. Konstantinopel, 7. August. Gegenüber den veröffent- lichten Erklärungen der bulgarischen Delegierten betonen die offiziösen Blätter, daß ein Feilschen unnütz sei. Die Pforte beharre auf ihren Vorschlägen, nach denen Dimotika, Ortakoej und Kirkkilisse der Türkei verbleibe. Die Presse nimmt die Erklärung von einer zukünftigen türkisch-bulgari- schen Entente kühl auf._ Die Krise. Riga, 7. September. Die Allgemeine Elektrizitätsgcsellschaft hat 2999 Arbeiter abgelohnt und ihre Fabrik geschlossen. Nur die Grammophonabteilung mit 499 Arbeitern ist weiter tätig. hochaufgeschossenen, dürren, strizzihast dreinschauenden Burschen, führte aber die Figur im Rahmen dieser von der sonst üblichen Darstellung abweichenden Anlage jedenfalls einheitlich und über- zeugend durch. Oskar Sachs' Vater Schalanter mit der alkohol- rauhen Stimme und einem Dialekt, dem ein norddeutsches Ohr oft kaum zu folgen vermochte, war gleichfalls höchst naturalistisch nach wirklichen Gestalten modelliert, indes doch wohl ein allzu zuwidrer Kerl. Man möchte in dem schlampigen Sünder doch hier und da ein Fünkchen eines ehemals sorglos-liebenSwürdigen, wienerisch leichten Temperaments aufblitzen sehen. Er hätte da noch typischer gewirkt. Sehr hübsch traf Jesephine Dora diese Wiener Note in der Mama Schalanter. Eugen Burg war ein vorzüglich aufgeblasener und brutaler Stolzenthaler, Mathilde Brandt eine sympathische Hedwig. Um die Trene de? Kolorit» zu erhöhen, spielte man, ein auch anderswo schon erprobter guter Einsall. das Stück in dem uns heute schon historisch anmutenden Kostüm der siebziger Jahre.' dt. Lust spielhaus:„777: 19." Von Otto Sch«artz und Carl M a t h e r n. Vor einem halben Jahre sollte dieser„Turf- schwank" in der verflossenen Knrfürstenoper seine Berliner„Ur» Premiere" erleben. Dazu kam es nicht mehr. Seitdem hat er die Provinzthcater unsicher gemacht und jetzt— wurde er in Er- mangelung eines besseren fürs Lustspielhaus würdig befunden. Wer glauben mochte, einer Satiriade auf den hiesigen Sport- schwinde! zu begegnen, wird sehr enttäuscht gewesen sein. Zu einer solchen Behandlung dieses Stoffes langte eS bei den Ver- fassern nicht. Sie ließen es sich nicht mal angelegen sein, ein Anschauungsbild von der Turftechnik zu liefern. Zwei Renn« leutnants, die um das schwervergoldete Töchterchen deS Insekten- pulver fabrizierenden„Kommerziensteins von Löwenrat" starten, dazu ein ehemaliger Herrenreiter, der in Wanzeniod- Chemie machte und sich im letzten Moment in den Sattel schwingt und seine Rivalen besiegt, derartiges reicht allenfalls als szenisches Einschiebsel in ein Theaterstückchen aus,— gibt aber nimmer eine Turfbehandlung. Dieser stofflichen Armseligkeit suchten die Autoren nach üblicher Schablone durch ein Surrogat altbewährter Witze und Kalauer aufzuhelfen. Und weil im„LustspielhauS", das diesen Namen ganz ohne innere und äußere Berechtigung trägt, seit einiger Zeit nichts mehr„ziehen" will, muß stets ein—> jüdischer Lehrling aushelfen. Hieß früher die Devise berlinerischer Schwankverbrcchcr:„Juden heraus!" so heißt sie jetzt: Israel allzeit voran!" Tally Davidsohn, der Lehrling bei Kommerzienrat von Löwenstein, rettet nicht bloß den Schwank, sondern auch die Kasse des Lustspielhauses. Und Kleindavidsöhnchen kann das um- so leichter, als Franz Arnold die schauspielerische Verantwort- lichkeit trägt. WaS sonst noch mitmimt, ist— Karderobenturf. Theater. Montag, den 8. September. Anfang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Lohengrin. Anfang 7, Uhr. Rönigl. Schauspielhaus. Ariadne auf Nagos. Deutsches. Der lebende Leichnam. Anfang 8 Ubr. Kammerspiele. Franziska. Urania. Mit dem Imperator nach New York. Kleines. In Ewigkeit Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Berriac. Deutsches Schauspielhaus. Sieben tolle Lage. Schiller O. Am Zage des Gerichts. Schiller Charlottenburg. Stützen der Gesellschaft. Berliner. Filmzauber. Thalia. Puppchen, Die Theater am Nollendorfplat. Die Kino- Königin. Rafino. Der Aftientenor oder Caruso auf Teilung. Trianon. Der abgerissene Glodenzug. Untreu. Herrnfeld. Liebesprobe. SchonzeitJäger. Deutsches Opernhaus. Die Königin von Saba. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. Königgräger Straße. Frankfurter. Die fünf Prater. Johanniszauber. Wintergarten. 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Gesch.; Chausserstr. 89. Verantw. Redatt.: Carl Wermuth, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Th. Glade, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& C., Berlin SW. Frau Emmy Weiland empfiehlt sich in Stopiwaschen, Frisieren, Ondulieren., Neukölln( tingbahnhof), Lahnstr. 72( fr. Brusendorfer Str.). Adhtung! Zimmerer. Das Baugeschäft von Karl Spuhn, Friedrichshagen, ist für auf organisierte Zimmerer weiteres gesperrt. bis Kameraden! Sorgt dafür, daß ein jeder die Arbeit ruhen läßt. Der Vorstand der Zahlstelle Friedrichshagen des Zentralverbandes der Zimmerer Deutschlands. 254/ 11° J. A.: Hermann Siebert, Bors. Hierzu 1 Beilage, ir.233 30 Ktilllgt des„UWlilts� Kttlllltt WliisblM. patriotische„I�eibesertücktigung". hj" Leibesertüchtigung, Sozivemichtigung— Alles jetzt bunt durcheinander gemengt! Dröhnende Phrase hat wieder als Nimmersatt , Jegliche bessere Regung verdrängt. „Keil dir. Verbündeter, einst uns Verkündeter!" Also befiehlt es der Äerr v. d. Goltz. And diese IÜngelchen, die Kurra-Schlingelchen, Telegraphierens dem Zaren voll Stolz. Michel, was klagest du? Michel, was zagest du, Daß deine Jugend entartet, verderbt? All' diese. Kriecherei,..all' diese Viecherei Kat sie von dir, ihrem Vater, geerbt, Buckeln vor'm weißen Zar, Lecken der Stiefeln gar, Rutschen und Kriechen devot auf dem Bauch, Die Kreuzverrenkerei vor rufssscher Kenkerei I Dient doch zur„Leibesertüchtigung" auch! f)ans SjörKen. Von Joh. Faltberget. Eine Schmiede steht ganz in der Nähe des Hauses wo ich wohne. Am Tage sitze ich oft lange an meinem Tisch und horche aus das Singen der Ambosse unter den Hammerschlägen. Es wirkt erfrischend auf den Sinn, eine Schmiede s« in nächster Nähe zu haben. Vom Fenster aus kann ich durch die offenstehende Schmieden- tür das Feuer auf dem Herde sehen und wie die blutrote Aschen- glut vom glühenden Eisen sprüht. Zuweilen brennt auch ein Stück Stahl. Das ist herrlich! Tausend bleiche Kreuzlichter fahren dann umher in dem halbdunklen Raum, wobei die Menschen da drinnen fast zu Schatten dahinschwinden. Mein Freund, der Schmied, weckt mich jeden Morgen sehr zeitig durch sein Läuten mit dem Hammer auf dem Ambost, denn es tönt ein ganz gewaltiger Klang darin. Das Schallen aller anderen Ambosse wird nur zu einem sachten Klirren, wenn sein Grohambost einsetzt. Aber dafür ist er auch des Meisters Eigentum, da? seine Tehilfen beileibe nicht anzurühren wagen. ..Er ist ganz wie eine kleine Kirchenglockel" pflegt der Schmied lächelnd zu sagen.„Es ist solch ein mächtiger, schöner Ton darin, wie in einem Instrument, verstehst Du! Die Klänge liegen und zittern noch lange im Stahl, ehe sie vollständig austönen." „Ja, er ist ganz gewaltig, wenn er loslegt, dieser Ambost", antworte ich und schlage sachte darauf mit dem Hammer. „Hör nur— hör!"... flüstert der Schmied.„Hör wie es töntl"..- Und er richtet sich stolz auf in den steifen Hüften, indem er die knorrigen Knien unter dem Schurzfell streckt und sich den Schweih mit dem Blusenärmel von der Stirn wischt. Mein Freund, der Schmied, heiht Hans Björken und gehört zu den alten, prächtigen Wolfgebirgsschmieden, die niemals pfuschen. Als Bohrschmied war sein Name einmal weitbekannt über ganz Norwegen. Bohrstahl, den er gehämmert oder gehärtet hatte,' stand seine Probe in jedwedem Gestein, und keine einzige Bohrspitze blieb im Berge stecken. Das ist eine Kunst, die nur wenige verstehen.... Jetzt, seitdem er sich hier in der Hauptstadt als Schmied nieder- gelassen hatte, wurde so gut wie nichts aus der Bohrschmiedearbeit. Aber er versteht sich auch vortrefflich auf die Verfertigung von Schneidewerkzeug. Er schmiedet Aexte. Hacken und Schnitzmeffer— von den letzteren kann er eS bis zu einem Dutzend am Tage bringen, obgleich er bei der Arbeit sehr gründlich zu Werke geht. Besonders das Aushammern erfordert Sorgfalt, um den Stahl haarscharf zu machen. Und wenn so das Messer in der rechten Weise bearbeitet worden ist, mutz es gestempelt und gehärtet werden. Dann steckt er es wieder in die Esse, häuft frische Holzkohlen darum und zieht in den Blasebalg, dast Rauch und Flammen auf- wärts strömen. Ein austergewöhnlich gutes Abpassen ist nötig, wenn ein Schneidewerkzeug zum letztenmal ins Feuer kommt. Eine ganz gewisse Wärme mutz es haben, deren Temperatur weder steigen noch fallen darf. Aber er versteht sich auf so etwas. Im rechten Augenblick fatzt er die Messerklinge mit der Zange und legt sie auf den Ambost, setzt die Brille schnell zurecht, nimmt rasch einen Stempel aus dem Stapel und bringt ihn vorsichtig ganz dicht an die Messerangel. Ein Schlag mit dem Hammerl Und da steht: — Hans Björken— als deutliche Sicherung gegen etwaige Nachahmung. Darauf fliegt der Stahl in den Wasserzuber I Es siedest zicht und dampft auf aus dem sauren, trüben Wasser. Ohne Wimpernzucken kann nun der Schmied bei seiner Seele ewigen, teuren Seligkeit darauf schwören, dast die Klinge sogar scharf genug zum Rasieren ist. Und das ist nur möglich, wenn sie geschliffen und gebräunt wird, wie es sich gehört. Da gibt'S keine Halbheit und Tändelei bei Hans Björken. Nein— das könnte ihm nie einfallen I Und die Lauterkeit selbst ist er. Schlicht und ehrlich war er immer, in bösen wie in guten Zeiten. „Kein rechter Schmied befaßt sich mit Jux und unsaubern Dingen", pflegt er zu sagen. Und Hans Björken ist Sozialist vom reinsten Wasser! Er hat den„Socialdemokrat" von der ersten Nummer an gehalten, die herauskam. Er kann sich so gut auf den kleinen Lappen erinnern.... Das war damals nichts Großartiges. Aber den Trotz des Wachstums hatte er in sich. Und alles, was den hat, mutz aufwärts und vorwärts! Jeden Abend— wenn der Zeitungsjunge mit den Blättern in die Schmiede kommt— nimmt sich Hans eine kleine Ruhepause. Er beugt sich nieder und bläst den Eisenstaub vom Ambost, setzt sich dann und putzt die Brillengläser mit dem Futter seiner flachen Mütze. Und nun beginnt ein Lesen und Grübeln. Bald nickt er beistimmend vor sich hin, bald schüttelt er bedächtig mit dem Kopfe. Nachdem er alle Seiten durchgesehen hat, faltet er die Zeitung hübsch zusammen und steckt sie unter die Weste auf die Brust. Er liest immer alles eingehender durch, wenn er am Abend nach Hause kommt. In seiner Jugend war er ein Brausekopf, vor dem man Respekt hatte, wo immer er beschäftigt war, beim Grubenbau oder bei der Anlage einer Eisenbahn. Im Zorn nahm er ohne weiteres große Männer und warf sie aus dem Fenster, dast Glasstücke klirrten und Leisten brachen. Sudilulonlei.... Aber im übrigen war er ein gutmütiger Teufel, der nicht zögerte, den letzten Schilling aus dem Beutel zu nehmen, wenn es galt, ein treuer Kumpan zu sein. „Man darf nicht geizig sein, dadurch wird man ein gemeiner Lump!" So und ähnlich pflegte er sich zu äußern. Jetzt wirft Hans Björken niemand mehr aus dem Fenster. Er ist alt und steif geworden. Die eine Hüfte hat sich ganz verzogen vor Gicht und Anstrengung. Und da ist nichts zu machen mit einer so alten, abgenutzten Hüfte, wenn sie einmal erst in Unordnung gekommen ist. Ach nein! Er muß sich eben so gut eS geht mit seinem Gebrechen abfinden....> Wir reden oft von vergangenen Zeiten oder besser: er erzählt mir.„Die Leute waren dumm in den alten Tagen. Man verstand es nicht, zusammenzuhalten, arbeitete sich nur ab, hatte eS schlecht und meinte, es müßte so sein. Aber nun weht ein anderer Wind, Denn jetzt ist das Volk erümcht. Und das ist recht so.", Dann leuchtet es auf in seinen stahlgrauen Augen unter den Brillengläsern, und ein so herzgutes Lächeln erhellt sein rußiges Gesicht. Die gekrümmten Finger mit den dicken, angebrannten Nägeln tasten in der Westentasche nach der Messingtabaksdose. Der alte Kautabak wird ausgespuckt und eine neue Rolle bedächtig zwischen die Zähne gelegt. Tann bleibt er in gekrümmter Haltung stehen, sich eine Weile schwer auf den Hammerschaft stützend. Er grübelt über das Leben.... Bis er wiederum Eisen und Stahl hervorsucht zu einem neuen Schnitzmesser. So gehen seine Tage dahin, der eine nach dem anderist ohne jegliche Abwechselung. Am Abend, wenn der Klang vom Amboß derftummt und das Feuer auf der Esse da draußen in der Schmiede erlöscht, fühle ich mich oft so merkwürdig einsam. Ich bleibe immer sitzen und sehe meinem Freunde nach, wenn er langsam und hinkend und arbeite, müde die Straße entlang geht..,, tluS dem Norweqilchen von Woldemar Düring. Der verhetzende Zufall Im allgemeinen wird die Komödie des modernen, christlichen, monarchische» Staates mit todernsten Mienen und sehr mo- ralischem Aufputz durchgeführt. Die Herren halten darauf, daß jeder sich den Anschein gibt, er glaube an die Wahrheit dieser Ko- mödie und die Worte der„Norddeutschen Allgemeinen" stellten keinen Rekord im Lügen, sondern den Ausdruck treuherzigsten Biedersinns dar. Dies Blatt, das die Aufgabe hat, dem Volk von den hohen Pflichten der zwei Dutzend Fürsten und der rastlosen Tugend einer verehrlichen Regierung zu erzählen, hat dies Jahr eine segensreiche Tätigkeit hinter sich. Es hat im Schweiß von BethmannS Angesicht Woche für Woche die Monarchen der Welt begrüßen müssen und die unwandelbar guten Beziehungen der Fürsten, Regierungen, Länder, Völker konstatieren dürfen. Wir stehen einfach mit allen, allen gut, nur— nun rüsten müssen wir halt! Nur ein Revoluzzer kann hier einen Mangel an Logik emp- finden. Manchmal aber, in ganz kleinen Nachrichten, schickt der Zufall ein Dementi. Königstreue Männer bemerken es nicht und die „Norddeutsche" lächelt nur über den ohnmächtigen Konkurrenten. Sie macht Weltgeschichte, der Zufall höchstens Weltgericht. Wir aber wollen in zwei kleinen Notizen diesem Deutschen Reich einen Spiegel vorhalten, in dem es seine Fratze nur ungern wieder er- kennen wird. Zum ersten: Bei der Kelheimer Fürftenparade waren 400 Gendarmen und Polizisten mit ein paar Regimentern ver- sammelt, um das erlauchte Blut vor dem loyalen Volk zu schützen. Ganz Deutschland lachte ob einer solchen Feier der Freiheitskriege, deren Form und Teilnehmer mehr für eine Trauerfeier wegen der Abschaffung der Leibeigenschaft gepaßt hätte. Aber die verkrüppelte Bastardschwester der„Norddeutschen", die„Bayerische Staats- zcitung", runzelt die Stirn des Herrn von Hertling und spricht mit einem wunderbaren Pathos von der Verantwortlichkeit für das Leben und die Uniformen so vieler Bundesfürsten und von der ruchlosen Mörderhand, die durch ein Armeekorps unschädlich gemacht werden mußte. So Herr von Hertling. Der Zufall aber, der anscheinend Sozialdemokrat ist, schickte es, daß am selben Tage in den Zeitungen die Nachricht stand, der Gen- darmeriesergeant Fuchss ei bei der Kelheimer Feier irrsinnig ge- worden; er habe gejammert und lamentiert, daß ihm ein Anarchist entkommen sei, und wollte überall Anarchisten suchen. Er hatte beständig Angst, es könne dem Kaiser ein Unheil durch Anarchisten zustoßen! Ganz wie Herr von Hertling! Pardon, nein, nur der letzte Satz stammt fast wörtlich vom bayerischen Ministerpräsidenten. Aber der Gendarmexiesergeant Fuchs, der doch schon von Berufs wegen eine ordentliche Portion Kaisertreue und Patriotismus ver- tragen konnte, ist ganz einfach das Opfer ministeriellen Byzantinis- mus geworden. Hertling heißt die erste Stufe der Krankheit, Fuchs die zweite. Die dritte kommt nur in Ostpreußen vor. Hertling muß erschrecken, wenn er in das wahnverzerrte Gesicht des Ser- geanten Fuchs sieht und mit einem Male— Aehnlichkeit feststellt. Wir haben im Gespräch in der letzten Zeit die Absperrungsglanz- leistung Hertlings oft belacht und leichthin gesagt:„Das ist ja Wahnsinn!" Jetzt stutzen wir und erinnern uns dieser Worte, denn— eS i st wirklich Wahnsinn! Zufall, der Sozialdemokrat, hat in einem fürchterlichen Scherz die Attentatsangst der Regierungsschwarzen im Bild des Ser- geanten Fuchs ins Irrsinnige verzerrt. Er macht aber auch mildere Scherze, er kommt den gottgewollten Fiktionen auch von einer heiteren Seite bei, wenn er gutgelaunt ist. Einmal macht er die Loyalität im Blitzlicht der Bajonette lächerlich, ein anderes Mal beleuchtet er das, was unsere Offiziösen„innige Beziehungen" heißen. Wir wissen längst, daß alle Regierungen Spione besolden und daß sich zu diesem verachteten Beruf Leute hergeben, die des Königs Rock fragen. Beim Spionieren entehren sie �ann allerdings den Rock des Bürgers. Wir wissen auch, daß die obersten Kriegs- herreu dieser Spione, während die im geheimen ihrer schätzens- werten Tätigkeit nachgehen, öffentlich sich besuchen, sich Regimenter verleihen und Orden verteilen. Wir wissen das eine und das andere und beides wurde bisher streng getrennt gehalten. Aber der Zufall.. J Man erinnert sich, daß vor zwei Jahren der Im Malzwerk. Klirrend mit den breiten Eisenschwingen Schwebt der Laufkran, ein moderner Bogel Greif. Seine weitgesprcizten Klaun Tauchen in die Wärmegrust, Packen zu und zwingen Einen Stahlblock in die Lust, Golddurchglutet. überreif. Hauptmann von Stürzner wegen Spionage in Warschau eingelocht wurde.. Da man in Deutschland einen Russen, der denselben löb- lichen Absichten nachging, zur gleichen Zeit fing, tauschte man die zwei gegeneinander aus und beim letzten Zarcnbesuch erhielt der frühere Spion Stürzner„wegen besonderer Verdienste"(er stand am Anhalter Bahnhof, als der Zar ankam) von diesem den Sankt- Anna-Orden dritter Klasse. Ich muß annehmen, daß dies der russische Orden für Spionage vor dem Feind ist, sonst wäre es nicht recht zu verjtehen, worin die„besonderen Verdienste" bestehen. Ist das nicht reizend? Erst eingelocht(während inniger Beziehungen der Staaten) und dann dekoriert(weil er an einem Bahnhofs- Pfeiler stand!). Wollte man diese tolle Komödie ins Bürgerliche übertragen, so klänge es so unwahrscheinlich wie ein Operettentext. Das ist alles nur möglich unter Monarchisten! Auch das, daß man einen Mann zum Empfang eines Fürsten befiehlt, bei dem dieser vorher spioniert hat. Man kann ja auch darunter„innige Be- Ziehungen" verstehen! Vom Jahrmarkt des Lebens* Die Bibliotbeh Ihrer Königlichen Roheit. Von einem hohen Herrn, der durch seine in prachtvollsten Ein- bänden prangende große Bibliothek in dem Ruf eines grundgelehrten Huhns stand, erzählt man sich, daß, als einstens ein intimer Freund des Hauses die Abwesenheit des Hausherrn sich zunutze machte und im Bibliotheksaal eines der Bücher den Regalen entnahm, er die sonderbare Entdeckung machte, daß der Bücherschatz aus Attrappen bestand, die innen so hohl waren wie der Kopf ihres Besitzers. Unwillkürlich wird man daran erinnert, wenn man jetzt in den Blättern über die Bibliothek Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Luise von Koburg recht sonderbare Dinge liest. Sie i st zweifellos ein grundgescheites Huhn. Und nicht nur um deswillen, weil sie königlichen Geblütes ist, wird man an ihren besonderen Geistesgaben nicht zweifeln. Darüber hinaus hat sie genug Beweise ganz hervorragender Intelligenz ge- bracht. Denn wer sich so lange wie sie standesgemäß durch- manifestiert, der hat's in sich. Doch zurück zur Bibliothek Ihrer Königlichen Hoheit. Eines Tages entdeckte ein Berliner Buchhändler, dessen Namen in der Zeitungsnotiz schamvoll verschwiegen wird, bedauerliche Lücken in der literarischen Durchbildung der belgischen Königs- tochter. Doch er wußte Abhilfe. Gegen ein kleines Wechsel- chen über 200 000 M. komplettierte der gute Mann die Bibliothek Ihrer Königlichen Hoheit. Damit sie den Humor nicht verliere, lieferte er ihr 10000 Exemplare von„Hanne N ü t e", der preislichen Vagel- un Minschengeschicht des platt- deutschen Humoristen Fritz Reuter. 10 000 Exemplare des philosophischen Werkes„Werte der Frau" sollten dafür sorgen, daß Luischen ihre sittlichen und moralischen Qualitäten richtig erkennen lerne, während 600 Exemplare des„Panorama der Weltgeschichte" ihr immer wieder vor Augen führen sollten, welch ungeheurer Kulturwert im Leben der Völker das angestammte Königshaus ist; wie jeglicher Fortschritt zu danken ist der besonderen Gnade des Tag und Nacht um sein Volk be- mühten Herrschers. Doch Ihre Königliche Hoheit dankte dem vor- sorgenden Buchhändler seine Freundschaft nicht. Selbst als er mit Hanne Nüte sagte: Un wenn ik Di mal helpen künn, Denn ward' ik girn de Hand die beiden. Un nu adjüSl Wi bliwen Frünn Sie hat ihn in den Geruch eines gewissenlosen Halsabschneiders gebracht, und er hat es doch nur gut gemeint. Ja, ja, das kommt davon, wenn man sich mit Prinzessinnen einläßt. Hchtungl es geht etwas vor! II Achtung, es geht in Süddeutschland, in der schönen Jsarstadt München, heimlich etwas gegen die internationale Sozialdemokratie vor. Der Zusammenbruch der Sozialdemokratie wird auf pfiffigste Weise erstrebt, ihr Untergang von innen heraus erscheint binnen 20 bis 26 Jahren unabwendlich. wenn nicht noch diese recht- zeitige Aufdeckung der feinsten alle.r Intrigen, die jemals gegen das internationale Proletariat gesponnen ist, das Unheil abzu- wenden vermag. Wie er schäumt, er wird gereckt; Wie er bäumt, er wird gestreckt; Wird gereckt und ausgezwackt, Wird gestreckt und abgehackt; Wird vom Protzenkran mit grimmigem Behagen W eitern Martern zugetragen; Muß im Walzenfieber Durch die sämtlichen Kaliber, Jetzt als Riese, dann als Krüppel, Hier als Träger, dort als Knüppel, So als Schiene, so als Draht Auf erschütternd grauenvollem Leidenspfad. Doch ich seh in stummer Ruh Diesem Martergange zu, Denn ich weiß, daß all die Not zuletzt Herrlich sich in Tat umsetzt. Pfosten ragen und Gestänge, Tragen Stiegen, tragen Turm und Haus; Balken schlagen Brücken, Eisenstränge zagen über ihren Rücken In die Welt hinaus. Hundert große, tausend kleine Wirklichkeiten Leiten, schreiten, gleiten, Aus dem Zisch und Krisch der Räderwiegen In den Raum und durch die Zeiten. Ho, so schwebt. Goldne Blöcke, schwebt in Meteorenpracht l Laßt euch pressen in die Walzenzeilen. Laßt euch rädern, köpfen, hundertteilen, Euch verstreuen in die Nacht. O. ihr lebt So das Los gerad der Besten Und der Größten, Die nach heißem Jugendrausch sich stark erlösten Bon der Erdenwünfche Schlackenresten. Es handelt sich nicht um den Gebärstreik. Denn ihm gegen- über hat es die Sozialdemokratie jederzeit in ihrer Gewalt, steht eS jederzeit in ihrem fielen Willen und Ermessen, wie weit und wie lange sie in seinen Spuren wandeln will. Trotz Klara und Rosa und Bernstein und Moses und allen Propheten. Es handelt sich nicht um den Kapitalismus. Es handelt sich auch endlich nicht um den Militarismus. Selbst wenn es ihm gelänge durch Steuerpflicht aller, auch des unbedeutendsten Potentaten, Luftschiffe über Luftschifte aus dem Boden zu stampfen und alle proletarischen Männer bis auf die Buckligen, bis an die Zähne zu bewaffiken und balkanartig aufeinander loszulassen. Es handelt sich um etwas ganz, ganz anderes. Es ist so wundersam fein ersonnen, daß es uns künstlerisch fast entsetzt, mit groben Fingern in das zarte, geheimnisvolle Gespinst hineinzu- tatschen. Aber es muß sein! Unser aller, aller Zukunft steht auf dem Spiel! Es handelt sich nämlich um einen höchst interessanten chemischen Prozeß, um ein süßes, Weißes Gift, das schon seit langen Monaten dem deutschen Volkskörper tropfenweise durch scheinbar harmlose Vorgänge einverleibt wird, und dessen Folgen, schon allein bis heute, gar nicht mehr abzusehen sind. Ein Quentchen Moschus, sagt man, genügt, den größten Tom mit Moschusduft zu schwängern. Ein Tropfen des süßen Weißen Giftes genügt, das roteste, revolutionärste Prole- tarierblut über Nacht unweigerlich aristokratisch blau werden zu lauen. Es handelt sich um das Unbezahlbarste, zu besagtem Zweck auf dem Altar des über alles geliebten Vaterlandes Ge- opferte, es handelt sich um— abgedrücktePrinzes sinne n- M u t t e r m i I cb, die Hunderten von proletarischen Säuglingen seit Monaten diskretest eingeflößt wird, und die sich von anderer echter Muttermilch weder durch ihren Geschmack, ihr Aroma, ihre Farbe, noch ihren Bestand irgendwie unterscheidet. Tie kleinen ehe- lichen und unehelichen Proletarierseelen, die sie durstig schlürfen, schrecken auch nicht einmal instinktiv davor zurück, schlucken sie viel- mehr weg, als ob es gar nichts wäre: echte königlich bayerische Prinzessinnen-Muttermilch, die schon seit geraumer Zeit in aller Stille vom Schloß Nvmphenburg herunter ins Neuhauser Säug- lingsheim fließt! Welcher Volksfeind, angeregt durch den modernen Frauensport, sich die überschüssige Milch für die Aermsten der Armen abzu- drücken, diesen raffinierten Streich gegen alle fieiheitlichen Volks- empfindungen ausgedacht hat und die Prinzessinnen zu dieser List bewogen, wird für uns wohl ewig in Dunkel gehüllt bleiben. Hoffentlich aber kommt dieser Warnungsschrei noch früh genug für die Rettung des internationalen Proletariats gegen eine solche Be— einfleußung. Eile tut not! Jeder neue Tag, jede neue Stunde zeitigt Blaublütige aus Proletariermarkl Der Teufel Bitrn. Ein kleines Mißgeschick ist dieser Tage einem katholischen Priester Merche vor dem Gericht von Nuoro auf Sardinien passiert. Eine offenbar vom Teufel besessene Frau behauptete von dem gottesfürchtigen Manne, daß er der Vater eines von ihr ge- borenen Kindes sei. Da so etwas natürlich kein katholischer Priester tut— er hat ja das Gelübde der Keuschheit geleistet—, verflagte er die Frau bei obigem Gericht wegen Verleumdung. Aber als vor- sichtiger Mann wollte er den Beweis nur auf die Vaterschaft beschränkt wissen, nicht was etwaige geschlechtliche Beziehungen des Klägers zur Beklagten betraf. Im Termine selbst wurde fest» gestellt, daß die Angeklagte, eine bildhübsche 18jährige Frau aus dem kleinen Bürgerstande, im Alter von 13 Jahren von dem damals beinahe 40 Jahre alten Geistlichen verführt worden war, und zwar, wie Frau Giovanna Ledda angab, unter der Vorspiegelung, sich durch Hingabe das Paradies zu erwerben. Die Beziehungen dauerten ein Jahr. Im Alter von 15 Jahren verheiratete sich Giovanna. Doch ihr Mann ging nach kurzer Zeit nach Amerika und ließ nichts mehr von sich hören. Der Priester Merche, wohl der Ansicht, daß Giovanna noch nicht völlig ein Anrecht auf das Paradies habe, knüpfte die früheren Beziehungen wieder an. Eines schönen Tages war das Malheur passiert und sie bezeichnete den Priester als den Vater. Natürlich konnte sie für die Wahrheit dieser Behauptung kernen Beweis er- bringen, was bekanntlich im Zivilverfahren in den die Erforschung der Vaterschaft zulassenden Ländern— wozu Sardinien nicht ge- hört— nur dadurch möglich wird, daß man der Frau den Eid zuschiebt. Wohl oder übel mußte das Strafgericht die Ledda ver- Hochgemutet Für ein selbstlos Ziel gelitten und geblutet Und, trotz Unverstand, trotz Haß und Neid Ihrer Taten Riesensaaten Pflanzten an den Kreuzweg der Unsterblichkeit. Goldne Blöcke, groß im Untergang, Meine Seele grüßt euch mit Gesang. Nikolaus Welter. » Aus dem Buche„Hochofen", das im Verlag der Escher Druckerei in Luxemburg erschien und in schneller Frist bis zur drillen Auflage gelangte.(Preis 2 M.) Der verhängnisvolle jVIiUlehner. Von Ret M a r u t. Ich wohne in einer Stadt, in der die Müllabfuhr dadurch ge- regelt wird, daß man des Abends die ausgediente Stallstreu in großen Blecheimern auf die Straße, dicht an den Fahrdamm stellt. von wo sie dann beim ersten Morgengrauen in die Müllwagen geschüttet und fortgeschafft wird. �.. Eines Morgens, kurz vor fünf Uhr, gehe ich herm und beglerte Emil Knitterbuckse noch ein Stück. An einer verkehrsreichen Straße bemerken wir, daß zwei gefüllte Mulleimer gerade auf den Straßenbahnschienen stehen, wohin ste sicher von ruchlosen Händen heiterer Nachtschwärmer gestellt worden sind. Warum, das wäre wohl aus den umnebelten Gedankengängen eines feuchtfröhlichen Bummelanten nur sehr schwer psychologisch zu erklären. Jeden- falls standen die Eimer nun mal da und bildeten zweifellos für die erste Straßenbahn ein nicht abzustreitendes Verkehrshindernis. Das war es wohl für uns, nicht aber für den patrouillierenden Schutzmann, der zwanzig Schritte vor uns daherschlenderte und unbedingt an dem„Tatbestand" gewissenloser nächtlicher Wanderer vorbeigekommen sein mutzte. Ihm hätte das Hindernis um so mehr auffallen müssen, als die Straße hellerleuchtet war. Immer- Friedlich steigt der Tonnenschwere, Bleibt in seines Räubers Fängen Wie ein toterstarrtes Lämmlein hängen, Hebt sich wie von selber in die Leere, Fliegt, ein Wunder anzuschaun. Wo die Walzenstraße radgerippt In die Länge wirbelt, hält er still Und entsinkt den Greifenklaun. Leuchtend steht er. harrend, was das Schicksal will. Plötzlich schwankt er, stolpert, kippt Um. Wie der Verdammte auf das Schaukelbrett Unterm Fallbell, streckt er sich aufs Walzenbett. Schwirrend drehn die Räder, heben, schieben. Bebt der Block; fährt auf� liegt; dann ruck, ruck, ruck, Vorwärts, plump, wie ein gemästet Mutterschwein, Das vom Platz nur weicht mit Ruck und Druck und Zuck. Doch auf einmal, mit wildem, schrillem Schrein, Schnauz am Bode», in die Messer stürzt hinein. Kante« mit den breiten, flachen Händen Richten. Vorwärts! Stich I Rückwärts! Kanten wenden, Richte«. Vorwärts! Stich! � Sntrschend klemmt die Walze. Ihre Kiefer knacken. Wen« fie den verhaßten Lichtblock packe«. urteilen. Es erkannte aber nicht nur auf das Strafminimum von 50 Tagen Gefängnis, sondern brachte auch die bedingte Verurteilung in Anwendung. Der Priester zog es vor, da er wohl einsah, datz er außer seiner zweifelhaften Ehre im Verhandlungssaal nichts verloren hatte, vor der Urteilsverkündung zu verschwinden, und entging so einer stürmischen Begrüßung durch die Volksmenge. Wann mag er der nächsten Schönen das Paradies zukommen lassen? „Költticbe perlen". Zm schleswigschen Dorfe Todenbüttel levl ein biederer evangelischer Pastor Clausen, der seine Langeweile vertreibt mit der Herausgabe eines christlichen Traktätchens„Köstliche Perle". Als einem gottesfürchtigem Manne ist ihm der Modernismus, wie er stch in der Bremischen Kirche breitmacht, ein Scheue! und Greuel, und so benutzt er denn seine„Köstliche Perle" als Schwert gegen den Feind der wahren und unverfälschten Christenlehre. In einer besonders„Köstlichen Perle" verglich Pastor Clausen die Bremer Kirche mit einem Sau st all. Darob natürlich allgemeines Entsetzen, denn immer noch besser, den frommen Schäflein neu» zeitliche Konzessionen zu machen, als sie ganz den christlichen Hirten entrinnen zu lassen. Jedoch beim Pastor Clausen kamen die Entsetzten schlecht an. Er veröffentlicht in der jüngsten Nummer der„Köstlichen Perlen" eine Rechtfertigung seiner kräftigen Pastorensprache. Als bibelfester Mann beruft er sich auf C h r i st u s, der den Menschen des Unglaubens gegenüber genau dieselbe Sprache geführt habe. DaS wird wieder ein schönes Enffetzen geben. Denn vom andern möchten unsere Frommen immer gern da? Christen. wort betätigt wissen:„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst." EJtialpKabeten. In der Münchener„Jugend" lesen wir folgendes Geschichtchen: In einer norddeutschen Universitätsstadt werden die neueingcstellten Einjährigen einem Leutnant zur ersten Ausbildung über» wiesen. Als die Einjährigen nun zum ersten Male bei ihm an» treten, kommandiert er: „Analphabeten vortreten!" Keiner rührt sich natürlich. „Aeh— meine natürlich mit Analphabeten solche, die kein Abiturium haben." Einer tritt jetzt hervor. „Warum haben Sie den« kein Abitur?" fragt der Leutnant etwas von oben herab. „Zu Befehl, Herr Leutnant; aber ich wollte anfangs Offi- zier werden, und da brauchte ich ja das Abiturium nicht." Der Leutnant hat nie wieder von Analphabeten gesprochen. R.ec1rier- Akademie. Wenn ein Berliner gut zu reden versteht, sagt man in Berlin im allgemeinen, das heißt in Berlin X. und 0. und W. und S.:„Er hat eine mächtige Klappe!" Wenn aber deshalb etwa Leute draußen im Lande denken sollten, alle Berliner hätten eine mächtige Klappe, so kann man dieser An- schauung gar nicht energisch genug entgegentreten. Außerdem gibt es auch in Berlin eine unzählige Menge von Menschen, die gar nicht in Spreeathen geboren sind und daher gar keine waschechte Berliner Klappe besitzen können. Um nun diesen beiden vorerwähnten, von Natur und Herkunst vernach- lässigten Klassen reichshauptstädtischer Individuen über ihre Rückständigkeit hinwegzuhelfen, hat sich hier ein höchst zeit- gemäßes Unternehmen, eine sogenannte„Redner-Akademie" aufgetan. Sie liegt nicht im eigentlichen Zentrum des Ge- schäftslebens, wo mehr„gehandelt" wird, sie liegt mehr im Zentrum der Intelligenz, in der Potsdamer-Brücken-Gegend, in Berlin W. Wer diese Redner-Akademie nicht absolvierte, kann nicht als akademisch-rhetorisch geschult angesehen werden und kann auch daher, im wahren Sinne des Wortes, in wirk- lich honorigen Kreisen weder logisch noch künstlerisch-ästhetisch „mitspreche n". Das will heute studiert, akademisch studiert sein. Mancher ungläubige Thomas, mancher langjährige Parla- mentarier oder Volksredner denkt vielleicht bei sich, das hier Mitgeteilte wäre Nonsens, oder deutscher ausgedrückt: Quatsch. O. der Toren! Sie sollten lieber bedenken:„Der Mensch wird nicht so alt wie'ne Kuh, er lernt immer noch'was zu!", und sollten stch schleunigst als Studenten der Rhetorik in be- sagter Akademie immatrikulieren lassen. Sie müßten das auch schon allein aus den Gründen tun, die sonst ihre bis dahin einzigartige Lebensstellung direkt bedrohen. Denn wer weiß, wie bald sie ohne gründlichst nachgeholte akademische Ausbildung durch dieses neuartige Unternehmen, das in „jede m" Schüler, auch in dem schwerfälligsten, die Rede- kunst bis zu ihrer höchsten Blüte zu steigern vermag und zu entwickeln trachtet, in die Lage kommen werden, sich nach einem anderen Lebensberuf oder Erwerbszweig umsehen zu müssen. Auch braucht sich niemand des Besuches dieser Akademie zu schämen. Pah, wer hat da nicht schon alles die Schulbank, nein, die Schulsessel gedrückt. Laut allerneuestem Prospekt wurde besagte Akademie allein in letzter Zeit, um nur einige zu nennen, frequentiert durch: 5 Minister, 9 Konsuln, 25 Reichs- und Landtagsabgeordnete(die Partei- Zugehörigkeit ist leider nicht mit angegeben!), 31 Kommerzien- räte, 29 Polizeiofsiziere, 55 Professoren, 226 Geistliche, 280 Assessoren, 523 Schuldirektoren usw. usw. Letzten Sonntag verkündeten wieder frohlockend die Ber- liner Litfaßsäulen durch viele, viele hoffnungsgrüne Plakate, daß abends acht Uhr einer der berühmten öffentlichen Orien- tierungsvorträge des Direktors der Rednerakademie statt- finden würde, Eintritt 5V Pf. Punkt acht Uhr kletterten im Gänseschritt zirka 46 Wissensdurstige, in der Hauptsache Angehörige des männlichen Geschlechts, aber auch vier Zukunftsrednerinnen, die beiden hohen gewundenen Treppen in die zweite Etage des stattlichen Hauses empor, wo ihnen ein eilends mit ihnen heraufstürmender Herr mit einem Zylinder auf dem Kopf liebenswürdig die Tür auf- schloß. Ein heller, freundlicher Raum, wie geschaffen zu solchem Werke, umfing die Schüler, die sich aus einigen blutjungen Jünglingen, einigen schon weißhaarigen Elementen, zum größ- ten Teil aber aus Individuen im bildungsfähigsten Mittelalter zusammensetzten. Der Diener kassierte zunächst die pränume- rando zu entrichtenden 50 Pf. ein, oder vielmehr, er tauschte sie gegen eine gedruckte„Einlaßkarte" von 1 Mark zum„Probe- Unterrichtsabend"(inkl. 5 Pfennig Billetsteuer) um, über- reichte darauf jedem Teilnehmer gratis einen Prospekt und verkaufte den erwartungsvoll Harrenden außerdem ein Exemplar der von der Rcdnerakademie herausgegebenen Monatsschrift:„Der Redner", für zehn Pfennige das Stück. Beim schönen, durch milde Kuppeln gedämpften, von der Decke herabhängenden Gasampellicht erkannte man aller- dings sofort, daß man an diesem dem Wissensdurst Vertrauens- selig geopferten herrlichen Augustabend eine November- nummer des„Redner" aus dem Jahre 1912 erstanden hatte, aber der reiche Inhalt dieser Propagandanummer söhnte so- fort mit dieser kleinen Enttäuschung aus. Die Schüler vertieften sich lautlos in die zeitgemäße Lektüre, nur ein dicker Student mit einer Schmarre auf der rechten Wange schnitt dabei ein Gesicht wie ein Kobold, wodurch er direkt störend von den an- deren Studiengenossen abstach, llnd um halb neun, als durch das stille Vorstudium genügend Sammlung über alle Teil- nehmer gekommen war, öffnete sich fast geräuschlos eine Seitentür, durch die der Direktor in schwarzem Frackanzug und schwarzem Schlips auf feierlich weißem Faltenhemd, ein- trat. Es war ein stattlicher blonder Herr mit scharfen blauen Augen, die eine goldene Brille schützte, mit einem blon- den Spitzbart und einer durch Haarverlust etwas reichlich hoch gewordenen Stirn. Er stellte sich sogleich auf das Podium, ließ verächtlichen Blickes durch den dienstbaren Geist das noch auf dem Podium befindliche Pult hinwegräumen, verneigte sich dann vor den Anwesenden und begann:„Ver- ehrte Damen, verehrte Herren!", und führte dann ungefähr folgendes aus: „Wenn ich doch nur reden könnte! Dieser Klageruf und Wunsch durchtönt die Welt. Schule und Er- ziehung haben hier eine Lücke offen gelassen, vor der viele wie vor einem gähnenden Abgrund stehen. Sie zweifeln sich selbst an und huldigen der Meinung, daß Redner be- sonders Veranlagte, von der Schöpfung Bevorzugte, seien. Nach unserer Methode ist es j e d e m möglich, der mit seinen gesunden fünf Sinnen und Sprechwerkzeugen ausgestattet ist, sich zum logischen Denker, freien, einflußreichen Redner, der jedem Hörerkreis gewachsen ist, heranzubilden. Das Erlernen dieser Kunst hängt nicht von Wissen und Kenntnissen ab, wir wenden uns einfach an d i e Kräfte, die jedem Menschen eigen. Diese zur möglichst hohen EntWickelung zu bringen, ist schon gleichbedeutend mit der Vervollkommnung im Denken und Reden. Jeder Mensch empfindet, denkt und spricht, täglich. Bis zu einem gewissen Grade sind also die Fähigkeiten vorhanden. Daß sie ent- lvickelungsfähig, leugnet niemand. Geschieht dies methodisch, so kann es zu keinem anderen Ziele führen, als� zum schöpferischen, logischen und großzügigen Denken, zum freien Reden und Vortragen. Zu- nächst schulen wir die Sprechtveise, dann die Atmung. Daneben beschäftigt uns die Persönlichkeit. Dadurch steht� unsere Methode diesbezüglich losgelöst von allen ähnlichen Methoden da. Wir warnen vor allen andere». Wir haben selbst solch einen Kursus einer anderen Firma geprüft und können aus Erfahrung dagegen reden. Unsere� Redner- akademie ist die einzig existierende und unterhält keine Filialen. Wir also führen den Schüler in das Zentrum seiner Persönlichkeit zurück. Keine Schwäche, nicht die aller- krankhafteste Feigheit, hält diesem BildungSmittel gegenüber stand. Geben wir eine Probe." Der Herr Direktor ergriff ein Stück Kreide und zeichnete jetzt einen Kreis an die Tafel und teilte diesen Kreis durch eine senkrechte Linie in eine größere und kleinere Fläche. In die größere malte er einen Punkt und schrieb daneben: Verstand, in die kleinere malte er ein Pünktchen und schrieb daneben: Wille. Dann fuhr er mit bezeichnender Gebärde fort: „Sehen Sie, bitte, her. Die zentrallebende Persönlich- keit ist gleichbedeutend mit dem logischen Denker und freien Redner, dessen Festigkeit und Ruhe auf die ausgleichenden Wechselbeziehungen zwischen den beiden Grundvermögen Wille und Verstand beruhen, die vom Zentrum aus in Tätigkeit treten. Gibt er dieses auf, so entsteht Disharmonie, die ganze Gemütsverfassung gerät ins Wanken, das innere Gleichgewicht geht verloren, ein un- verhältnismäßig großer Verstand sieht dem kleineren Willen gegenüber. Angst, Furcht, Herzklopfen sind die Folgen." Darauf veränderte der Herr Direktor das Bild an der Tafel dergestalt, daß der Verstand nur ein Pünktchen und der Wille zum dicken Punkt wurde und sprach:„Hier kämpft der kleine Verstand mit dem großen Willen. Erfolg: Zer- fahrenheit, Erregbarkeit, Zerstreutheit." Nun aber verdickte der Herr Direktor den Kreis, wischte die dünne Linie fort und zo�j mitten durch den dicken Kreis einen dicken festen Strich, schrieb in die rechte Hälfte: Wille, und in die linke Hälfte: V e r st a n d und erklärte: „Hier haben Sie des Redners Willen und Verstand har- monisch vereint, das verleiht ihm den persönlichen Vollwert. In dieser Selbstbedeutung erst, ausgestattet mit den fünf Kompagniearbeitern, Verstand, Gedächtnis, Vorstellungsver- mögen, Phantasie und Inspiration, die Eingebung seines höheren Geistes, ist der Redner fähig, vor den beschränkten Zuhörerkreis zu treten. Nun beginnt bei uns das Studium der D e n k g e s e tz e. Wer sie gründlich studiert und ver- standen hat, vornehmlich das große Grundgesetz der L o g i k, der hat gesiegt, der kann sich sofort in jedes Thema hineinleben, seinen Vortragsstoff in wenigen Augenblicken ordnen. Es folgt dann bei uns die Schärfung des Gedächt- nisses. Unsere Gcdächtnislehre hat mit keiner, die im Um- lauf sind, etwas zu tun. Das nach unserer Methode gebildete Gedächtnis kann n i e versagen. Dann schlagen wir unseren Schülern die Brücke zur freien Vortragsrede. Ist diese Brücke genügend verankert, folgt der freie Vortrag mit Dis- kussion in der Praxis. Klangfarben, Tonmalerei treten hinzu. Wechselbeziehender Ausgleich zwischen phonetischem und logi- schcm Element. Fest- und Gesellschaftsredner bilden wir als Spezialität aus. Kein Auswendiglernen, kein Pult, kein Stuhl wird von unseren Rhetorikern umklammert, frei und sicher, zielbewußt, ruhig, ungeniert treten sie in Harmonie mit ihrem Mienen- und Gcbärdenspiel auf, um wirkungsvoll zu reden. Auch die Wechselwirkungen zwischen Reden und Schweigen werden unseren Schülern gelehrt. Im rechtzeitigen Schweigen liegt nianchmal etwas U eberwältigen- des, bei einem unangenehmen Wortgefecht ist es das einzig Richtige. Um besonders schlagfertig zu werden, empfehlen wir unseren Schülern die Zuhilfenahme unseres hin, es war ja nicht unmöglich, daß er vor Uebermüdung die weiß. blechernen Eimer übersehen haben konnte. Emil Knitterbuckse hat ein gutes Herz und ein mitfühlendes Gemüt für die Schwächen und Leiden seiner Zeitgenossen. Des- halb geht er resolut auf den Straßendamm und schleppt den schweren Eimer unter Nichtachtung körperlicher Anstrengung an die Bordschwelle. Im selben Lugenblick bleibt der Schutzmann stehen, dreht sich um und sieht, wie Emil Knitterbuckse beginnt, sich auch mit dem zweiten Eimer unter Aechzen und Stöhnen abzu- mühen. Der Schutzmann ändert seinen schläfrigen Schlendergang plötzlich, kommt in lebhaftem Tempo mit Riesenschritten herzu. geeilt und erreicht Emil Knitterbuckse gerade in dem Moment, wo er sich keuchend in der Mitte des Weges zwischen den Bahnschienen und der Bordschwelle ein bißchen verschnaufen will. „Was tun Sie hier," schreit ihn der Schutzmann an und packt ihn fest am Arm,„Sie schleppen die Eimer auf das Straßenbahn� gleise? Schämen Sie sich denn nicht?" „Entschuldigen Sie nur, Herr Wachtmeister, im Gegenteil, ich schleppe die Eimer vom Gleise herunter, weil sie leicht ein Unglück herbeiführen können." „Na, hören Sie mal, alter Freund," sagt darauf der Schutz- mann,„mit mir können Sie solche Dinger nicht drehn. Mir können Sie das nicht vordeklamieren. Wie heißen Sie?" „Aber, wenn ich Ihnen doch sage, Herr Inspektor, daß ich-- „Ach, hören Sie doch auf, so verrückt ist doch kein Mensch, daß er die dreckigen Eimer wegschleppt, wenn er sie nicht selber hinge» tragen hat. Uebrigens alte Geschichte: der Verbrecher kehrt stets an den Ort seiner Tal zurück. Kennen wir alles--" „Aber, Herr Kommissar!" Emil Knitterbuckse wird windel- weich. »Na, Stühe nun! Schluß! Namen?— Wohnung? Können Sie sich legitimieren?— So, genügt." „Aber, ich bitte Sie, Herr Leutnant, Sie werden doch nicht——- »Ja, ja, ist schon gut. Wir wissen Bescheid. Alter Freund, das wird ne eklige Sache. Wissen Sie, was das heißt: Transport- gefährdung? Sie, das ist mit Geld gar nicht abzumachen.— So, md jetzt stellen Sie den Eimer hin, wo er hingehört. So— jo— dicht an den Bordrand. Nun gehen Sie ruhig nach Hause.— Psst! Bleiben Sie mir mit Ihren Zigarren vom Leibe. DaZ Weitere findet sich." ES fand sich tatsächlich. Das Weitere. Emil Knitterbuckse wurde vom Schöffengericht wegen groben Unfug? in Jdealkon- kurrenz mit Transportgefährdung zu fünfzig Mark Geldstrafe, im Nichtbeitreibungsfalle zu zehn Tagen Gefängnis verdonnert. Die Höhe der Strafe wurde damit begründet, daß er sich als gebildeter Mensch über die eventuellen Folgen seines Tuns hätte klar sein müssen. Andererseits wurde als Milderungsgrund bei Festsetzung des Strafmaßes in Betracht gezogen, daß er Reue bekundet habe und bestrebt gewesen sei, noch vor Eintritt der folgenschweren Mög- lichkeiten die durch ihn herbeigeführte Ursache wieder zu beseitigen. Meine Zeugenschaft wurde abgelehnt, da ich der Beihilfe drin- gend verdächtig erschien. In seinem Plaidoyer bedauerte der Ver- treter der Anklage tief, daß er wegen mangelnden Beweises leider darauf verzichten müsse, noch nachträglich gegen mich die Anklage wegen des gleichen Delikts zu erheben. Seitdem gehe ich in weitem Bogen nicht nur jedem Mülleimer aus dem Wege, sondern auch jeder Möglichkeit, ein Verbrechen zu verhindern. Daß ich zu dieser Herzlosigkeit und zu dieser Ge- mütsroheit gezwungen wurde, und zwar durch die brutale Macht der Verhältnisse, tut mir bitter weh. Meiner Mitmenschen wegen. Mein und Meinfälfchung in Hit-Berlin. Die Straßennamen wie Weinbergsweg, Weinstraße weisen darauf hin, daß es in Alt-Berlin Weinberge gab. So bestand u. a. die heute so bevölkerte und von regem Verkehr erfüllte Landsberger Straße zum größten Teil aus Gärten. Eine große Anzahl von ihnen hatte der bekannte Generalfeldmarschall Derfflinger als Weinberge eingerichtet. Der ungewöhnlich kalte Winter von 1740, in dem fast alle Weinstöcke erfroren, machte dem Weinbau i». dieser Gegend ein Ende. Neue Weinstöcke wollte man nicht anpflanzen. Auch verschiedene andere Weinberge Alt-Berlins gingen ein, weil die Besitzer die gleiche Erwägung anstellten. Aus der Tatsache, daß früher in Berlin und in der Mark umfangreicher Weinbau ge- trieben wurde, von dem heute nur geringe Spuren vorhanden sind, abzuleiten, daß da» Klima in unseren Breite« kälter geworden sei, i so daß bei uns kein Wein mehr reife, ist irrig, wie wenigstens Wetterbeobachtungen und Temperaturfeststellungen beweisen. Die Erträgnisse des Weinbaues in Berlin standen nicht im richtigen Verhältnis zu den Mühen und Kosten, die er verursachte. Und dazu kam der geringe Wert deS in Berlin gewonnenen Weines, denn er zog unbarmherzig die Eingeweide zusammen. AuS diesem Grunde gab man wohl den Weinbau in Alt-Berlin allmählich auf. Sehr lohnend ist er wohl nie gewesen, obgleich er besonders von Friedrich dem Großen unterstützt wurde. Wer sonst Neigung dazu verspürt, kann auch heute noch den Weinbauer in Berlin spielen, dürfte aber nicht viel Freude an seiner Ernte haben. So war es kein Wunder, daß schon in Alt-Berlin die Weintrinker die ein- heimischen Erzeugnisse verschmähten und Rhein-»nd Moselweinen den Vorzug gaben. Wegen der ungeheuren Höhe der Transport- kosten in damaliger Zeit sahen sich die Weinhändler veranlaßt, den Wein zu verdünnen. Da aber diese Verdünnungsmethode schließlich zu Fälschungen mit Bleizucker führte, so ergingen im Beginn des achtzehnten Jahrhundert? Verordnungen gegen solche Mahnahmen. Wie wenig ein solches Gesetz aber nützte, geht aus der Bekannt« machung vom IS. August 1703 hervor, die also lautet: „Obwohlen über die in den Reichsconstitutionen enthaltenen Hehlsamen Verordnungen in anno 1705 das Weinfälschen sowohl mit Lithargyrio(Bleizucker) als anderen schädlichen Tincturen von neuem bey namhaftiger Geldstraffe, als auch nach Befinden der Dinge bey Ehren-, Leibes- und Lebensstraff in unserm Königsthum verbotten worden, so hat sich doch für weniger Zeit erfunden, daß ein Küfer, HannS Jacob Feuerherdt, sowohl in der Stadt Berlin, als auch in andern Ocrdtern des Landes die hochverpönte Ber- fälfchung abermalen zu practieieren unterstanden. Wie nun in gepflogener genauer Inquisition sich ergeben, daß darauf hin und' wieder etzliche Personen an ihrer Person mercklichcn Schaden er- litten, einige auch daran gestorben seynd, als ist sshm zu wohl- verdienter Straffe in allhiesiger Residenzstadt der Kopf abgeschlagen auch das von dergleichen verbottenen Weinkünsten zusammen- geschriebene Büchlein abolirt und durch den Henker öffentlich ver» brandt; sonsten auch durch Vernichtung und Auslauffung der adulte- rirten Weine fernerem Unhehl vorgebeugt worden." Diese Hinrichtung für Weinpantscherei blieb der einzige Fall. Dieses abschreckende Beispiel hatte aber leider wenig genutzt, denn die Weinfälschungen mehrten sich in der Weise, daß eine andere Strafe gewählt werden mußte; man entschloß sich, körperliche Züch- tigung dafür als Entgelt zu geben: diesen Fälschern wurden Ruten- hiebe angedroht.»vrfk. großen Zitatenschates, Preis 3,50 M., der es leicht ermöglicht, Die Freie Turnerschaft" Charlottenburg beranstaltete am schen Piloten. Unter diesen befand sich auch der durch seine fede Unterhaltung über Religion, Familie, Ehe, Liebe und gestrigen Sonntag gemeinsam mit der Arbeiterjugend ein Spielfest Sturzflüge bekannte Aviatiker Pégoud sowie der Rekordalles mögliche geist voll zu führen, sofort das passende auf dem„ Städtischen Spielplatz Westend", woran sich auch der flieger Letort. Auch der Konstrukteur des von Friedrich beZitat zu finden, den ganzen Lebensinhaltflärend Bruderverein Weißensee beteiligte. Die dabei erzielten Resultate nutzten Etrich- Apparates war nebst Gemahlin auf dem Flugsind folgende: zu vergründlichen. Unsere Honorarbedingungen für Männer. 100- meter- Lauf: 1. Langmeyer- Weißensee, plaß erschienen. die dreimonatliche Ausbildung in der praktischen 12 Sefunden, 2. Butowska- Weißensee, 3. Kluge- Charlottenburg. Lebenskunst, im Iogischen Denken, in freien Vortrags- und Redekunst betragen 80 M., bei Zahlung in drei monatlichen Raten 90 M. Die sechs erforderlichen Studienbände kosten 15 M. ertra." Das ungefähr war das Gerippe des Orientierungsvortrages, den der Herr Direktor der Redner- Akademie glatt, ohne jede Stockung oder Unterbrechung, volle anderthalb Stunden lang vor seinen. Zuhörern( selbst ein strahlendlebendiger Beweis für die gemachten Behauptungen!) entwickelte, oder, wie der Holländer das in solchem Fall so treff lich ausdrückt ,,, an seiner Nase heruntersprach". Dieser Vortrag deckt sich auch im großen und ganzen mit dem, was der Prospekt der Redner- Akademie verspricht. Außerdem aber wird von der Berliner Redner- Akademie aus, auch wieder unter Garantie, eine ausgedehnte Fern Ausbildung" betrieben, für die der Direktion, kraft der gewaltigen Einkünfte, die sie erzielt, eine mächtige Reklametrommel zur Verfügung steht. In studentischen Blättern sogar, oder vielmehr gerade in solchen, begegnen wir dieser hochaktuellen Verkündigung recht oft. Gleich nach dem gut bezahlten Vortrage meldeten sich denn auch, wie das immer der Fall sein soll, eine ganze Anzahl von neuen Schülern für die verschiedenen wöchent. lichen Kursustage der Redner- Akademie an. Es regnete, sozusagen Hundertmarkscheine. davon. Friedrich ist der erste deutsche Pilot, der die Strecke Hochsprung: 1. Paakte 1,55 Meter, 2. Gramatte 1,45 zwischen Berlin und Paris auf dem Luftwege zurückgelegt hat. Meter, 3. Kluge 1,45 Meter, sämtlich Charlottenburg. Friedrich hat bereits einen Nachahmer gefunden. Kugelschoden: Langmeyer- Weißensee 14,00 Meter, Lange, Gestern mittag um 1,26 Uhr startete in Johannisthal der Faßler- Charlottenburg 13,45 Meter. Flieger Reichelt mit Passagier auf einem Harlan- EinSpeerwurf: 38,60 Langmeyer- Weißensee Meter, deder( 100 Pferd- Argusmotor) ebenfalls zu einem Fernflug Budowska- Weißensee 36,85 Meter, D. Fromholz- Weißensee nach Paris. Nachdem er den Flugplaz noch mehrere Male 34,90 Meter. Distus: Langmeher- Weißensee 32,60 Meter, G. Schröder- umkreist hatte, flog er um 1,35 Uhr in westlicher Richtung Charlottenburg 28,10 Meter, Langer- Charlottenburg 27,10 Meter. Dreisprung: Paakke- Charlottenburg 11,70 Meter, Langmeher- Weißensee 10,95 Meter, Gradtke- Weißensee 10,67 Meter. Jugendliche. Hochsprung: Dickmann- Charlottenburg 1,50 Mter, Taßler- Charlottenburg 1,45 Meter, Krüger- Tegel 1,40 Meter. 1000 Meter Mallauf: 1. Friedrich- Berlin I 3 Minuten, 2. Segelez- Charlottenburg. Kugelstoßen links und rechts: Engericht- Berlin I 12,40 Meter, Hildebrand- Berlin I 11,60 Meter. Ballweitwurf: Engericht- Berlin I 46,10 Meter, Schuhmann- Charlottenburg 45,50 Meter. W = 100 Meter Lauf: Engericht- Berlin I 12% Sekunden. Mädchen. 50 Meter auf: Burkhagen- Berlin I 8% Sefunden, Fell- Berlin I 83/ Sekunden. Weitsprung: Burghagen- Berlin I 3,60 Meter, ViehwegerI Berlin 1 3,35 Meter. Männer. Stafetten: 10 x 100 Meter Charlottenburg 2 Min. 9% Set., 4 x 100 Meter Weißensee 49³/ s Set. Olympische Stafette: Weißensee 4 Min. 21 Set. Jugend. 10 x100 Meter Berlin I 2 Min. 17% Set., Auf dem Dönhoffplak in Berlin steht das ganze Jahr 5 X 100 Meter Berlin I 1 Min. 9 Set. hindurch, und manchmal auch an anderen verkehrsreichen Schwedische Stafette: 400, 300, 200, 100 Meter CharBerliner Ecken, ein Ecken, ein außergewöhnlich geschäftstüchtiger lottenburg 2 Min 37% Set. Straßenhändler, der dort abwechselnd die allerverschiedensten Männer. Faustball: Charlottenburg 100, Weißensee 90. fleinen sensationellen Verkaufsgegenstände feilhält und sie den im Großstadtgetriebe Vorüberhastenden mit ausdrucksvollstem Mienen- und Gebärdenspiel und mit dem tiefgründigen, beneidenswerten, stereotypen Redefluß anpreist: Alles staunt! Alles lacht! Ein jeder fragt: Wie wird's gemacht? Wie ist denn das nur möglich?" Und die Dummen... faufen dann. Regina Ruben. Spiel und Sport. Der Arbeiterschwimmverein Berlin, Mitglied des ArbeiterSchwimmerbundes Abteilung III und V, veranstalteten am Sonntagnachmittag im Wellenbade Plößensee unter Mitwirkung der Abteilungen I, II und IV ihr diesjähriges Abbaden. Das zahlreich erschienene Publikum bewies, daß auch im Stadtviertel Moabit die Arbeiterschaft immer mehr Interesse an diesen sportlichen Veranstaltungen hat. Schwimmgenosse Meyer begrüßte die Anwesenden und wies auf die gesundheitlichen Vorteile des Badens hin, er appellierte an die Anwesenden, sich mehr und mehr der ArbeiterSportsache zu widmen. Nachfolgende Resultate wurden bei den einzelnen Borführungen erzielt: 1. Pflichtsprünge: Knöpnabel, 1. Abt., 21% Punkte, Fiedler, 3. Abt., 16% Punkte; 2. Kürsprünge: Jänisch, 1. Abt., 20% Punkte, König, 3. Abt., 19% Punkte; 3. Damenschwimmen 86 Meter: Frl. Gaz, 3. Abt., 2 Min. 7 Set., 3. Abt. 2 Min.% Sef., 1. Abt. 2 Min. 51. Set., 5. Abt. 2 Min. Frl. Nachtigall 2 Min. 9% Sef.; 4. Lagenitaffette 172 Meter: 18 Set. Eine komische Einlage beschloß das Fest. Die Veranstalter wurden für ihre Bemühungen durch regen Beifall belohnt. Die 3. Abteilung badet von jetzt ab jeden Mittwoch von 7 Uhr abends und jeden Sonntag von 10 Uhr an in der Badeanstalt in der Turmstraße. Gäste sind in den Uebungsstunden willkommen, auch finden Aufnahmen dortselbst statt. Fußballrefultate. Viktoria II, Tempelhof, gegen Freie Turnerschaft Schöneberg II: 9: 1, Halbzeit 6: 0. Das Spiel wurde durch Viktoria nur mit 10 Mann ausgetragen, da gleich zu Anfang des Spiels ein Mann berlebt wurde. Freie Turnerschaft Tempelhof- Mariendorf gegen Fußballklub„ Rapid" Mariendorf: 5: 1, Halbzeit 4: 0. " Sportklub Weißensee 1. Mannschaft gegen Germania"-Weißensee 1. Mannschaft: 4: 1, Halbzeit 1: 0. Adler" 1. Mannschaft Berliner Fußballklub gegen Freie Turnerschaft Wilmersdorf 1. MannDas Spiel der 2. Mannschaft des„ Adler" gegen schaft: 4: 2. 2. Mannschaft der Freien Turnerschaft endete mit 1: 0 zugunsten Berliner Fußballklub„ Hertha" 1912 2. Mannschaft gegen Reinickendorfer Fußballklub " Bo= russia" II: 17: 0. Adlers". gegen Jugend: Charlottenburg 46, Berlin I 59, Friedrichshagen 68, Berlin III 73. Wettspiel zwischen Weißenfeer Spielervereinigung Spielervereinigung Friedrichsfelder Jugendstafetten laufen über 1000 Meter: Weißensee 2 Min 21³/ s Set., Friedrichsfelde 2 Min. 30 Set. Mannschaftstugelstoßen 10 Mann: Weißenfee 78,25 Meter, Friedrichsfelde 72,25 Meter. Raßballspiel: Weißensee 7 Punkte, Friedrichsfelde 1 Punkt. Beide Parteien spielten 15 Minuten. Faustballspiel: 1. Mannschaft Weißensee 125 Punkte, 1. Mannschaft Friedrichsfelde 113 Punkte. Spielzeit für beide Parteien 20 Minuten. 2. Mannschaft Weißensee 93 Punkte, 2. Mannschaft Friedrichsfelde 68 Punkte. Fußballspiel: 1. Jugendmannschaft Weißensee gegen 1. Jugendmannschaft Friedrichsfelde 7: 3. Radrennen auf der Olympiabahn am Sonntag, 7. Sept. Bei gutem Besuch tam als„ Revanche der Weltmeister= Ichaft" der Große Preis von Deutschland für Flieger zur Entscheidung. In acht Vorläufen, einem Hoff nungslauf, drei Zwischenläufen und einem Befähigungslauf maßen 37 Fahrer ihre Kräfte, von denen dann vier, und zwar llegaard, O. Meyer, Rütt und Br. Wegener zum Endlauf antraten, der dann von Rütt und Br. Wegener zum Wegener gewonnen wurde. Zuerst hatte Ellegaard die Führung, Rütt lag an driter Stelle; doch kurz vor dem Ziel gelang es ihm, vorher die Weltmeisterschaft in Leipzig gewonnen hatte, wurde beiseine Gegner zu überholen. Der Sieg Rütts, der am Sonntag fällig aufgenommen und ihm auf seiner Ehrenrunde reicher Bei fall gespendet. Ein Dauerfahren, der Preis von Carlshof, wurde in drei Vorläufen über je 10 Kilometer und einem Endlauf über eine halbe Stunde von Nettelbed bor Serès und Walthour gewonnen. Ein Inländer-, ein Ausländer- Preis, ein Ziveisiger und ein Prämienfahren vervollständigten das Programm. Ergebnisse: Großer Preis von Deutschland. 800 Meter. 1000, 600, 400, 200 m. Gndlauf: 1. Rütt in 1 Min. 32% Set., 2. Otto Meyer, 3. Ellegaard, 4. Br. Wegener. Alle dicht zusammen. = Inländer Preis. 800 Meter. 200, 100, 50 m. 1. 20renz in 1 Min. 8% Set., 2. O. Meyer, eine halbe Länge, 3. Peter. Nichtplaziert: Br. Wegener, W. Arend. Ausländer- Preis. 800 Meter. 200, 100, 50 M. 1. Perchicot in 1 Min. 10% Set., 2. Hourlier, dichtauf, 3. Pouchois. Nichtplaziert: Polledri, Poulain. Der Berliner Fußballklub Hertha" 1. Männer- zurück. mannschaft schlägt den an zweiter Stelle stehenden Turnverein Fichte, 3. Abteilung, mit 3: 1. Das Spiel war sehr flott. Spiel- und Sportverein 2ankwiz gegen Fichte, 11. Abteilung, 6: 1. Freie Turnerschaft Reinickendorf. Gesellschaftsspiele am 7. September. 2. Jugend gegen Borsigwalder 2. Jugend: 2: 1. 1. Jugend gegen Borsigwalder 1. Jugend: 6: 1. Männerschaft gegen Waidmannsluft: 6: 0. Alle Spiele wurden von Reinickendorf gewonnen. Fußball. Gesellschaftsspiel für Fichte, 15. Abt. gegen Behlendorfer Vorwärts" 2: 2. Halbzeit 2: 1 für Fichte. 3. Tor für Fichte nicht stattgegeben. Die 1. Männermannschaft Reinidendorfer Ballspielklub spielte gegen Fichte 4. Halbzeit stand das Spiel 2: 0, Ende 7: 2 für R. C. B. Die 2. Mannschaft spielte gegen Fichte 9 und wurde das Spiel mit 3: 1 von Fichte 9 gewonnen. Die 1. Jugend R. B. C. spielte gegen Fichte 4. Das Spiel stand Halbzeit 3: 0, Ende 4: 0 für R. B. T. Die 2. Jugend R. B. C. spielte gegen Fichte 17. wurde mit 6: 1 von R. B. C. gewonnen. Das Spiel Das Abturnen der Frauenabteilungen des Turnvereins„ Fichte" Preis von Carlshof. 1200, 1000, 800 M. Drei Vorläufe über je 10 kilometer. 1. Lauf: 1. Serès in 7 Min. 55 Sekunden, 2. Walthour, 1430 Meter zurück( Walthour hatte den 2. Lauf: 1. NettelAnschluß an seinen Motor verloren). beck in 7 Min. 33 Set., 2. Serès, 20 Meter zurück. 3. Lauf: 1. Nettelbed in 7 Min. 20% Set., 2. Walthour, 490 Meter Endlauf:( eine halbe Stunde) 1. Nettelbed 40,480 Kilometer, 3. Walthour 41,090 Kilometer, 2. Serès, 39,270 Kilometer. Der Amerikaner, der bis zum 10. Kilometer schon fünf Runden eingebüßt hatte, fuhr dann besser. Büchner Seidl- Preis. Zweifizerfahren über 1200 Meter. 500, 300, 200, 100. Endlauf: 1. Rütt- Peter in 1 Min. 31 Set., 2. Lorenz- B. Wegener, 3. Ellegaard- Bouchois, 4. Sourlier- Perchicot. In vier Vorläufen ausgeschieden 8 Paare. Prämienfahren. 4000 Meter. Dem Ersten jeder Runde 10 M., dem Zweiten 5 M., lebte Runde 50, 30, 20, 10 m. 1. Fechmer in 5 Min. 11% Set., 2. Schwab, 3. W. Arend, 4. Kops. Rundenprämien a 10 M. Gewinner: Gottesleben 3, Behrendt, Freiwald, Jofiel, Krupkat, Müller und Schrage je eine. Prämien a 5 M. Gewinner: Jofiel 2, Krahner 2, Arend, Häusler, Jokiel, Linsener und Vierck je eine. Hus aller Welt. Berlin Paris. Der Etrich- Flieger Friedrich hat am gestrigen Sonntag seinen Flug Berlin- Paris vollendet. Wenn es ihm nicht gelungen ist, mit seinem Passagier Dr. Elias schon am Freitag Paris zu erreichen, so war dies hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß er sich nur nach dem Pfadfinder150 Personen ertrunken. Nach einer Reutermeldung aus Simla( Indien) sind bei einer Ueberfahrt über den Nebenfluß des Baß im Distrikt Hoshiarpur 150 Personen, Männer, Frauen und Kinder ,. ertrunken. Die Leute wollten auf einer Fähre zu einem Fest in das benachbarte Dorf, als die Fähre von einer Stromschnelle zum Kentern gebracht wurde. Bisher sind erst einige Leichen geborgen. Die zerkragten New- Yorker Wolken. Nach den letzten gewaltigen Wolfenbrüchen sind die Metereologen New Yorks zu der Ueberzeugung gekommen, daß die starken Wolfengüsse die Folge der hohen Gebäude sind. Früher, sagen sie, als die Gebäude nur wenige Stockwerke hoch waren, hatte die Hudsonstadt nicht über so plötzlich hereinbrechende Wassermassen zu flagen. Jetzt, da sie aus 50-60stöckigen Gebäuden besteht, werden die Regenwolfen, die über der Stadt schweben, durch die Wolkenkraber zerrissen und schütten plöklich ihre Wassermengen über die Stadt. Kleine Notizen. Unfall beim Radrennen. Beim gestrigen 100 Kilometer- Radrennen in Köln stürzte Guignards Schrittmacher. Scheuermann und sein Schrittmacher fuhren auf dem am Boden Liegenden auf und stürzten gleichfalls. Alle drei wurden schwer verletzt. Der Attentäter von Mannheim irrsinnig. Der Tapezierer Adolf Jung aus Ottersdorf bei Rastatt, der am 6. Mai gelegentlich der Pferderennen am Hauptbahnhof in Mannheim einen Anschlag auf den Großherzog versuchte, ist auf der psychiatrischen linit der Universität Heidelberg, wo er seit längerer Zeit zur Beobachtung untergebracht war, für unzurechnungsfähig erklärt und in die Jrrenanstalt Wiesloch übergeführt worden. Eine schweizerische Bank bestohlen. Aus einem Geldsack der Stantonalbank Schaffhausen, den sie in die Nationalbank in Zürich abgesandt hatte, wurden 50 000 Frank gestohlen. Von den Dieben hat man feine Spur. Die Sendung war versichert. Der Todesflieger Alfonse Pe goud, der vor mehreren Tagen durch seine fabelhaft wagehalsigen Flüge die Welt in Erstaunen setzte, wird am Dienstag in Buc seine Versuche wiederholen und besonders das seitliche Kippen üben. Entgleisung eines französischen Militärzuges. Ein Militärtransportzug mit Soldaten vom 96. Infanterieregiment aus Beziers ist in der Nähe des Bahnhofes Bedarieur entgleist. Mehrere Waggons sind beschädigt worden, ein Soldat wurde getötet, mehrere andere, zum Teil lebensgefährlich, verwundet. Juwelendiebstahl in einem italienischen Schloß. Im Palast Tamborini in Maglie( Proving Lecce) find, Zeitungsmeldungen zufolge, Juwelen im Werte von 11 000 m. von unbekannten Dieben gestohlen worden. Der Kastellan des Schlosses wurde unter dem den Ufern des Hudson im Sande die Leiche einer jungen Frau, Berdacht verhaftet, im Einverständnis mit den Tätern zu sein. der Arme und Beine fehlten. Sie fonnte noch nicht identifiziert werden. Man. sucht nach einem Motorboot, das vor einigen Tagen in geheimnisvoller Weise den Fluß kreuzte und auf dem wahrscheinlich der Mord begangen wurde. Ein Mord? Nach einer Meldung aus New York fand man an Hierdurch die trauerige Mitteilung, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter Marie Schindler am geb. Zidatis am Sonnabend nach langem schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Dienstag, den 8. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, nom Trauerhause, Marienfelde, Lankwizstraße 28, aus statt. Die tiefbetrübten Hinterbliebenen Emil Schindler u. Kinder. Sozialdemokratischer Wahlverein Marienfelde. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genoffin, Frau Marie Schindler am 6. September 1913 verstorben ist. Die Beerdigung findet morgen, Dienstag, nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause Marienfelde, Lant wigstraße 28, aus statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Die Beerdigung unserer lieben Frau und Mutter Louise Müller, geb. Scholz findet am Dienstag, den 9. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes, Nordend aus, statt. Karl Müller nebst Kindern. Versicherungsangeftellte! Dienstag, den 9. September 1913, abends 8 Uhr, in den ,, Alhambra"-Festsälen, Wallner- Theater- Str. 15: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. ,, Kadavergehorsam oder brotlog". Referent: Reichstagsabgeordneter Karl Giebel. 2. Freie Aussprache. Jeder Versicherungsangestellte muß anwesend sein! Verband der Bureauangestellten, Kaiser- Wilhelm- Str. 20. Die Entlassung von vier Angestellten der Vers fand bei herrlichem Wetter am Sonntag in Treptow statt. Obwohl kompaß orientieren konnte, da sowohl in mittleren als auch sicherungsgesellschaft ,, Deutschland" wegen Verweigerung die sportlichen Leistungen sehr durch die außerordentliche Hike be- in höheren Luftschichten starke Nebelwolfen lagen, die eine von nicht bezahlten Ueberstunden erfordert den Protest einflußt wurden, konnten doch gute Resultate erzielt werden. Die Friedrich aller Privatangestellten. Höchstleistungen waren im Stabweitspringen: Frau Tolfe I., 4,20 Aussicht vollkommen unmöglich machten. Meter, Speerwurf: Emma Wichle I., 18,25 Meter, Gertrud wartete nun eine günstigere Witterung ab und stieg gestern Pielenz III. 17,50 Meter, Erna Marggraf VI. 17,50 Meter; Faust- nach 3 Uhr von der Grenze Frankreichs in der Richtung nach ball: Meta Naumann V. 22 Meter; 80 Meter Hürdenlauf: Lotte dem Pariser Flugplatz Villacoublay auf. Hier landete er Munzel V. 13% Sekunden. Beteiligung 81 Turnerinnen. Punkt 5 Uhr unter großem Jubel der anwesenden französi- 46/ 16* kaufen Sie von Kavalieren wenig getragene sowie im Versatz gewesene Jackettanzüge Rockanzüge, Paletots, Serie I: 10-18 M., Serie II: 20-30 M., größtenteils auf Seide gearbeitet. Ferner Gelegenheitskäufe in neuer Maßgarderobe enorm billig. Riesen- Posten Kleider, Kostüme, Mäntel, auf Seide, früher bis 150, jetzt 20-35 M. 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