Ur. 235. nbonnementS'Bcdingungen: Etoimementä» Preis pränumerando! Bierteljährl. LL0 Mi., monatl. 1,l0 Mi., wöchenlliÄ'23 Pfg. frei inS � HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonMagZ. Nummer mit Muftrierler Sonntags. Bsllage„Die Neue WelT 10 Pfg. Poft- Wonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeimnaS- Preisliste. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich. Ungarn LchO Mark, für das übrige ilusland i Mark pro Monat. Postadonnemcnts nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Siuinänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. tricheinf täglich. Vevlinev Volksblstk. Die TnfertlonS'Gebülir beträgt für die sechsgespallenc Kolonel- zeile oder deren Rauni 60 Pfg.. jüt politische und gewerkschaftliche Pereins, Und Lcrsammlungs-Änzeigen l!0 Pfg. „Meine Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. l zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort>0 P'g Stellengesuche und Schlafstcllenan zeigen das erste Bort 10 Pfg.. jedes weitere Worts Pfg. Worte über>SP»ckv ä laben zählen für zwei Borte. Inserate iir die nächste Nummer mütsen bis > Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition jft bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm< Zidresse: „Sozialdtmckrat Berlin". Zentralorgan der rozlaldemokratifcben Parte» Dcutfchlands. Redaktion: 8Al. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplat?, Mr. 1383. Expedition: SM. 68, lUndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384. Kapitalistische Steuewirtschaft. i. Auf den: kommenden Parteitag in Jena wird als be« sonderer Punkt der Tagesordnung die Steuerfrage behandelt werden. Schon jetzt haben die Diskussionen über Steuer- theorie und Steuerpraxis in Organisationsvcrsammlungcn und in der Presse lebhaft eingesetzt, und das ist um so mehr zu begrüßen, als sich die Stcucrkämpfe immer wieder erneuern werden. Eine eingehendere Orientierung in diesen fragen ist also durchaus zu begrüßen. Seit der sogenannten Reichs- finanzreform vom Jahre 1909, die schärfere Gegensätze zwischen den bürgerlichen Parteien über die Verteilung der Steuerlast aufdeckte, sind auch die Steuerfragcn nicht aus der Partei- diskussion geschwunden. Freilich litt diese bisweilen an dem Mangel wissenschaftlicher Durchdringung der Stcucrprobleme. Die Schriften, die seit Ferdinand Lassalles klassischer Arbeit„Die indirekte Steuer und die Lage der arbeitenden Klassen" 11863) sich mit der Bedeutung der Steuern für das Proletariat systematisch befaßten, sind zu zählen. Erst die Steuervorlagen zur Zeit des Bülow-Blocks in Deutschland und die gleichzeitigen der Regierung Bienerth-Bilinski in Oesterreich haben dem Proletariat mehrere treffliche Broschüren über Steuerfragcn gebracht. K a r s k i s„Brandschatzung des Volkes durch indirekte Steuern in Deutschland"(1909) und W» r 111§„Finanzgeschichte des Deutschen Reiches"(1910) beschäftigten sich mehr mit der historischen Ausgestaltung und Wirkung der indirekten Steuern, während Karl Renner in seiner Broschüre „Das arbeitende Volk und die Steuern" das Problem nicht etwa als bloße Doktorfragc, aber doch vornehmlich rein theoretisch behandelte.') Deshalb ist es nur zu begrüßen, daß eine kürzlich erschienene Arbeit von M. Na chimson") die kapitalistische Stcucrwirtschast wiederum von einem allgemeinen Standpunkt aus zu bc- leuchten unternimmt. In der Theorie geht Nachimson über die Rennerschen Ergebnisse nicht hinaus: auch erfahren die übernommenen Thesen kaum eine de- tailliertere Begründung als bei Renner. Die konkrete Ausgestaltung der Steuern, ihre Verwendungszwecke und ihre Wirkung auf die verschiedenen Gesellschaftsklassen sind dagegen unter besonderer Berücksichtigung deutscher Verhält- nisse recht eingehend geschildert. An die Spitze seiner Betrachtungen stellt Nachimson die Staatsausgaben, und es überrascht niemanden, der die imperialistischen Tendenzen der modernen Staaten kennt, zu hören, daß die Rüstungs- und Kolonialausgaben den größten Teil der Staatsausgaben verschlingen. In den ersten 40 Jahren seit Gründung des Deutschen Reichs beliefen sich die Gesamtausgaben fürMilitärzwcckc auf 35 369 Millionen Mark. Dazu treten seit 1885 Kolonialausgaben iy Höhe von 1963 Mi llionen Mark, ungerechnet der 681 Millionen für afrikanische und oft asiatische Kricgsexpeditionen. Dem- gegenüber gab das„gelobte Land der Sozialpolitik" für sozialpolitische Zwecke von 1885 bis 1910 nur 639,8 Millionen Mark aus, d. h. noch nicht einmal so viel wie für seine Kolonialkriege und wenig mehr als die Hälfte der laufenden Kolonialausgaben.„Der Militarismus und Marinismus zehrt am volkswirtschaftlichen Körper Deutsch- lands, hindert in ganz bedeutendem Akaße die Eist- Wickelung der Produktivkraft und die Kapitalakkumulation." Man kann annehmen, daß durch diese unproduktiven Ausgaben rund ein Viertel bis ein Drittel des Gcsamtvermögens des deutschen Volkes verschlungen werden. Mit Recht schließt Nachimson hieraus, daß die Einschränkung und Beseitigung der Rüstungsausgaben für die kapitalisstsche Entwickelung selbst nur förderlich sein könnte. Diese Konfiskation von Nationalvermögen zu unproduktiven Zwecken muß um so schädlicher wirken, als von ihr am stärksten die bcsitzarmen und arbeitenden Klassen getroffen werden. Die eigenen Erwerbscinnahmcn des Staates aus Domänen und Staatsbetrieben spielen im Budget des Staates gewöhnlich eine ganz geringe Rolle. Soweit die Staaten eigenen Grund und Boden besaßen, ist er durch schamlosen Bodenraub von den Agrariern und Bodenkapitalisten gemindert worden. Aber selbst wo Staatseigentum am Boden und Staatsbetriebe besteht, dient es heute, dank der bürgerlichen Mehrheiten in den Parlamenten, nur der privaten Bereicherung von Großkapitalisten(Tarifpolitik der staatlichen Eisenbahnen zu- gunsten der Agrarier und Schwerindustricllen; günstige Bedingungen für Domäncnpächtcr). Zur Deckung der in den letzten Jahrzehnten ungeheuer- lich angewachsenen Ausgaben sind daher zwangsweise Abgaben der Staatsbürger notwendiger denn je. Die bürgerlichen Klassen haben es dabei Wohl verstanden, die Hauptlast der Steuern auf die Schultern der Armen abzuwälzen. Diese Bürde ist nur um so drückender und gefährlicher, wenn sie in versteckter Form auferlegt wird. Schon Lassalle hat den glänzend geführten Nachweis erbracht, daß die indirekten #) Wir verweisen auf die ausführliche Besprechung dieser Schriften und des Steuerproblems überhaupt im„Vorwärts" vom August 1SU (»c». 178-180, 187 und 196). *0 Die Staatswirtschaft. Eine kritisch- theoretische Beleuchtung>on M. Nachimson.(Leipzig 1913. Verlag A. Kade.) / Steuern die ärgste Schädigung der Arbeiterklasse sind, und auch heute noch ist das Verhältnis der indirekten zu den direkten . Steuern geradezu ein Maßstab für das soziale und politische Niveau eines Staates.„Die Belastung der Nah rungs- mittel(pro Kopf der Bevölkerung) ist in Deutschland weitaus stärker als in England, Frankreich und den Vereinigten Staaten. Heute bilden die Einnahmen aus direkten Steuern in Eng- land 53 Proz. der Einnahme aus Steuern und Zöllen, in Deutschland dagegen nur 27 Proz." In wertvollen Einzeldarlegungen untersucht Nachimson die Höhe der indirekten Steuern und Zölle und ihre Wirkung für die Lebenshaltung der Arbeiterschaft und die Entwickelung der Volkswirtschaft im allgemeinen. Die Belastung der weiter- verarbeitenden Industrie und der Konsumenten durch die Industrie- und Agrarzölle sind bekannt genug, als daß dieser Teil der Nachimsonschen Arbeit einer Wiedergabe bedürfte. Mindestens 2'/2 Milliarden Mark werden jährlich dem deutschen Volke durch die Agrarzölle entzogen. Davon erhält der Staat aber nur etwa 400 bis 500 Millionen mehr als zwei Milliarden fließen in die Taschen der Agrarier. Aber auch diese 500 Millionen bedeuten für den Staat dadurch einen nur illusorischen Gewinn, da er selbst als Arbeitgeber und Konsument(in Staats- betrieben und bei Hecreslieferungen) ebensoviel durch die Preis- steigerung wieder verliert. Ebensosehr als die Zölle kommen die Konsumtions- steuern(auf Zucker, Salz, Getränke, Tabak usw.) den Pro- duzenten zugute. Nachimson berechnet z. B., daß das Reich von 1881 bis 1903 an direkten und indirekten Ausfuhr- Prämien rund 1230 Millionen Mark den Zucker- agraricrn gewährt hat. Auch die offenen und ver- steckten Liebesgaben an die Schnapsbrcnncr und Bierbrauer gehen in die Millionen.„Allein die drei ganz offenen Liebesgaben(in Gestalt von Zuckerausfuhrprämien, Brannt- weinbesteuerung und Einfuhrscheinsystem) kosteten nach Nachimson dem Reiche zusammen 2795 Millionen Mark, also bedeutend mehr als die gesamte Reichsschuld nach Abzug der Schuldenzinsen. Genau berechnet, würde das Reich, wenn es keine LiebeSgabenpolitik getrieben hätte, nicht allein schuldenfrei sein, sondern noch zirka 500 Millionen gespart haben." Sie politische Situstion in Tiiand. London, 5. September.(Eig. Ber.) Die jüngsten Ereignisse in D u b l i n werden die Differenzierung, die sich schon seit einigen Jahren innerhalb der äuherlich noch so ge- schlossenen Reihen des irischen Nationalismus bemerkbar macht, mächtig fördern. Das ist wenigstens die Ansicht des im Gefängnis sitzenden Genossen C 0 n n 0 l l y, des Geschichtsschreibers des irischen Proletariats, und auch die des Genossen Sheeby-Skeffington, deS Biographen Michael D a v i t t S. Skcffington prophezeit für das kommende irische Parlament folgende politische Konstellation: die Roten gegen die Schwarzen. Bisher kannte Irland nur zwei Parteien, die durch Religion und Rasse voneinander getrennt waren. In drei von den vier irischen Provinzen haben die Nationa- listen das Heft in Händen. Ihre Partei besteht fast ausschließlich aus irischen Katholiken, doch enthält sie auch eine geringe Zahl Protestanten. In Ulster, der vierten, stark industriellen Provinz, ist die Bevölkerung zur Hälfte nationalistisch und zur anderen Hälfte unionistisch gesinnt. Die Unionisten sind die Nach- kommen der schottischen und englischen Ansiedler, die die Ländercien, auS denen die katholischen Iren im 16. und 17. Jahrhundert ver- trieben wurden, in Besitz nahmen. Sie bilden die„proiestantische Garnison" Englands in dem seit Jahrhunderten unterdrückten Irland. Sie treten für die seit 1860 bestehende Union der beiden Jnselreicho ein, halten cS mit den englischen Konservativen und sind wütende Gegner der irischen Selbstregierung, da sie von einem vorwiegend katholischen Parlament in Dublin religiöse, politische und Wirtschaft- liche Bedrückung befürchten. Die Nationalisten hingegen gehen mit den englischen Liberalen, die ihnen zum Dank für diese Unter- slützung die Selbstverwaltungsbill gegeben haben, die wohl im nächsten Jahre Gesetz werden wird. Dieser Parteikampf dauert seinem Wesen nach mit wenigen Unterbrechungen schon seit mehreren Jahrhunderten. Uns interessiert hier in erster Linie das künftige Schicksal der Nationalistischen Partei, die es bisher verstanden hat, die sich wider- strebenden Elemente des irischen Volkes durch die Mahnung, daß alle Klasseninteressen vor der heiligen, patriotischen, gemeinsamen Sache zurücktreten müssen, zusammenzuhalten. Wie stark der Nationalismus in der irischen Hauptstadt ist. merkt mau gleich beim Betreten der Stadt. Die Straßenschilder zeigen den Straßennamen nicht allein auf englisch, sondern auch auf irisch, das nur noch im äußersten Westen des Landes von wenigen Leuren gesprochen und verstanden wird. Fragt man einen Dubliner nach der Sackville Street, so hält er einen für einen Tory und sagt:„Sie meinen wohl O'Connell Street?" Der Dubliner weigert sich, die Hauptstraße seiner Stadt, in der das Standbild des„Befreiers" O'Connell steht, der die Emanzipation der Katholiken durchsetzte, anders zu nennen als O'Connell Street.(Dies ist die Straße, wo am Sonntag von der Regierung die Arbeilerversammlung verboten wurde, obwohl die nationalistischen Führer dort häufig Volksversammlungen ungestört abgehalten haben.) Der offen zur Schau getragene Nationalismus wird von den englischen Behörden kräftig gepflegt, die den Dubliner nie vergessen laffen,'datz sie unter einer Fremdherrschaft leben. Die Polizei der Hauptstadt, die wegen ihrer Grobheit dem Publikum gegenüber bekannt ist, steht unter dem Kommando des englischen Statthalters oder vielmehr den anmaßenden englischen Bureaukralen, die auf die„wilden Jrländer" herabsehen, in einem eigenen Viertel wohnen und die Gesellschaft der Einheimischen meiden. Auf dem Lande treten diese äußerlichen Merkmale der Fremdherrschaft noch deutlicher zutage. Dort herrschen die militärisch organisierten irischen Konstabler, die mit Gewehr und Bajonett umherlaufen. Die große Zahl der Polizisten aller Art steht in gar keinem Ver- hältnis zu der Zahl der Verbrechen, die in Irland weit geringer ist als in Großbritannien. Es iväre ein Wunder, wenn in einem solchen Lande eine von bürgerlichen Elementen geleitete nationalistische Partei nicht die Herrschaft über die Geister führte. Aber die Entwickelung der letzten Jahre hat die Erscheinung ge- zeitigt, daß die Disziplin in den Reihen der nationalistischen Partei merklich lockerer wurde und daß selbst Teile abzesprengr wurden. Die Landfrage und die Selbstrcgierungsfrage bildeten in der letzten Generation den sachlichen Inhalt der irischen Politik. Doch nun, da die Landfrage durch die Landakte vorläufig gelöst worden, da die Selbstverwaltung nur noch eine Frage von Monaten ist, fängt man an, sich neu zu orientieren. Die vorwiegend kleinbäuerliche und kleinbürgerliche nationa- lisiische Partei ist seit einigen Jahren im Begriff, zu einer rein katholischen Partei zu werden. Ihre frühere Wahlorganisation, die„United Jrish League", der direkte Nachkomme der Landliga, tritt an Bedeutung immer mehr hinter den von dem sich demo- kralisch gebärdenden Abgeordneten Devlin geleiteten„Ancient Order of Hibernians" zurück. Die„United Jrish League" ist eine aus Katholiken und Protestanten bestehende Organisation, während der sich schnell ausbreitende„Ancient Order of Hibernians" nur Katho- liken aufnimmt. Doch bei dieser inneren Umwandlung der Partei ist es nicht geblieben. Großkapitalistische, bürgerliche und proletarisch- demokratische Elemente haben sich von dem„offiziellen" Nationalismus losgesagt. So ist vor allen Dingen die kleine unabhängige nationalistische Partei zu erwähnen, deren Seele inr Parlament zu Wesiminister der dem hohen Klerus der katholischen Kirche treu ergebene Abgeordnete H e a I y ist. Bekanntlich hat Rom Irland stets als den festen Punkt betrachtet und behandelt, von dem aus England wieder in den Schoß der allein- seligmachenden Kirche zurückgeführt werden soll. Der Geldgeber dieser Partei ist der Dubliner Scharfmacher Murphy, der der Arbeiterbewegung den Krieg erklärt hat. Die Healyiten suchen und finden Anlehnung bei den englischen Konservativen, in deren Reihen die Anhänger der Hochkirche, die im Herzen Katholiken sind, einen großen Einfluß haben. Nicht die englischen Liberalen, sondern die englischen Konservativen sind nach der Ansicht Healys die natürlichen Verbündeten des irischen Nationalismus. Zum Beweis dafür zitiert er die Lokalverwaltungsakte der konservativon Regierung vom Jahre 1893. Das Gesetz gab den Iren, deren lokale Angelegenheiten bis dahin von den vorwiegend aus protestantischen Landbesitzern bc- stehenden„GrandjurieS" verwaltet wurden, die lokale Selbst- Verwaltung. Von dem anderen Ende der Partei bröckelten vor einigen Jahren bürgerliche und proletarische Elemente ab, die eine allirische Bc- wegung ins Leben riefen. Die neue, den„offiziellen" NationaliS« mus bekämpfende Partei nennt sich„Sinn Fein", was„Wir selbst" heißt. ES war ein separatistischer, radikaler Nationalismus, der hier zu Worte kam. Er äußerte sich in der Pflege der irischen Sprache und der irischen Industrien, in Angriffen auf die parlamentarische Partei und selbst Bekämpfung des Klerikalismus. Eine ganze Reihe sozialistisch denkender Arbeiter schloß sich der Bewegung an, unter anderen Co nnolly, D aly(der Sekretär des irischen GeWerk- schaftskongresseS) und der Gewerkschaftssekretär P ar t r i d g e. Die Arbeiter, die die Sinn-Fein-Partei als eine demokratische Volkspartci begrüßt und kräftig an der Ausbreitung der Bewegung mitgearbeitet hatten, fanden jedoch bald, daß sie betrogen worden waren. Die Leitung glitt unmerklich in die Hände der irischen Industriellen, die die demokratischen und antiklerikalen Einflüsse ausmerzten und aus der allirischen Volkspartei eine Bewegung zur Einführung des Schutzzolles in Irland machten. Heute, nachdem die Sinnfeiner die Arbeiterführer verloren haben, sind sie zu einer kleinen Sekte herab- gesunken, die keine Zukunft hat. An ihre Stelle tritt die sozialistische Arbeiterbewegung. Die rein sozialistische Arbeiterbewcgniig hat bisher in Irland aus leicht verständlichen Gründen nur schwer aufkominen können. Die irische „Jndependant Labour Party", die vor zwei oder drei Jahren aus zwei sich vereinigenden sozialistischen Körperschaften hervorging, zählt zurzeit in ganz Irland 800 Mitglieder. Ihr gehören einige der ein- flußreichsten Gewerkschaftssekretäre an. Nicht viel älter ist die von dem irischen Gewerkschaftskongreß als seine politisch? Vertretung anerkannte irische Arbeiterpartei, die bei dem ersten Versuche, ihre Vertreter in die Gcmcinderäte zu wählen, namhafte Erfolge erzielte. In Dublin, Ivo der Geineinderat aus 80 Mitgliedern besteht, hat die Arbeiterpartei 7 Vertreter: von den übrigen Stadtverordneten gehören 10 der unionistische» Partei an, 3 oder 4 den Shinnfeinern und der Rest verteilt sich auf die Nationalisten der„United Jrish League" und deS„Ancient Order of Hibernians". In Sligo sitzen 6, in Wexford 4 und in Waterford 3 Vertreter der jungen Partei im Gcmeinderat. Bei den nächsten Wahlen wird die Partei bedeutend größere Erfolge erzielen. Sie hat auch die Absicht, den Nationalistkn bei den Grafschaftswahlen auf den Pelz zu rücken. Alles dies har in der Nationalistischen Partei eine schwüle Stimmung erzeugt. Sie weiß, daß ihr die Arbeiterwahlkreise verloren gehen werden Teilweise hat sie schon dafür Sorge getragen, daß die Bäume der irischen Arbeiterpartei nicht in den Himmel wachsen. Nach der Selbstregierungsvorlage sind den irischen Arbeitervertretern von den 164 Mandaten für das neue Parlament leine 40 sicher. Um eine größere Vertretung zu erhalten,, müßte sie in die zurückgebliebenen Gegenden gehen. Der katholische Klerus ist schon tüchtig bei der Arbeit, um dem Wachstum der Arbeiterpartei entgegenzuwirken. Sein Kampf richtet sich in erster Linie gegen den Sozialismus. Genosse Larkin und seine Kameraden werden zu einer Art Ungeheuer gestempelt. Aber schwer ist den Pfaffen der Kampf doch. So verhaßt Larkin bei der besitzenden Klasse ist, so beliebt ist er beim Volke. Der katholische Arbeiter sagt sich: ,Jim Larkin mag wohl ein Sozialist sein, aber ein rechter Kerl ist er doch.' Und der KleruS sucht verzweifelt nach einem Mittel. womit er den Leuten diese Meinung austreiben kann. Die Ratio« nalisiische Partei ist bei den Arbeitern diskreditiert. Es war der Sekretär ihrer stärksten Parteiorganisation, der die gelbe Straßenbahnerorganisation ins Leben gerufen hat, die vor den Augen Herrn Murphys Gnade findet. Es war die Regierung, die sie jahrelang unterstützt hat, deren Vertreter die Dubliner Arbeiter- schaft niederknüppeln ließ, ohne daß ein Nationalist dagegen öffentlich protestiert hätte. Nationalistische Arbeitgeber folgen der Parole des Oberscharfmachers gegen den Transportarbeiterverband. Ziemlich deutlich lassen sich schon die Stellen erkennen, wo die Spaltung der Nationalistischen Partei erfolge» wird. Wahrschein- lich wird im künftigen irischen Parlament eine sozialistische Arbeiterpartei bald einer klerikalen Partei gegenüber- treten. Bisher ließ die Tatsache, daß der Ausbeuter auch meist der religiöse oder nationale Gegner war, das Klassenbewußt- sein beim irischen Lohnarbeiter Nur schwer auskommen. Die neue politische Lage hat hier schon Klärung geschaffen. Auch der unionistische Arbeiter Ulsters wird bald erkennen, wer in dem neuen Irland sein natürlicher Bundesgenosse ist..Wenn die Belfaster sehen werden,' erklärte mir ein Dubliner GswerkschaftS- beamter,.daß die Selbstregierung nicht bedeutet, daß wir den Papst nach Irland bringen wollen, werden sie schon Vernunft an- nehmen und sich mit uns vereinigen.'„Die Belfaster Arbeiter,' sagte mir Genosse Connolly, der Sekretär der Belfaster Sektion der irischen Transportarbeiter- Gewerkschaft,„werden uns die tüchtigsten Männer in der irischen Arbeiterbewegung stellen.' Die Klärung, die die Kämpfe in Dublin in dieser Zeit des Ueberganges gebracht haben, begünstigt die schnelle EntWickelung der irischen Arbeiterschaft zur politischen Selbständigkeit ungemein. Vielleicht sehen einige der irischen Genossen zu optimistisch und unterschätzen die Machtmittel der katholischen Geistlichkeit, die als vornehmster Wahlagent der Nationalistischen Partei fungiert. Doch eines steht fest: Der Stein ist auch in Irland ins Rollen gekommen und die irische Arbeiter- schaft, die dem Nationalismus so viele Märtyrer geliefert und immer wieder auf die Zukunft vertröstet worden ist, ist sich ihrer selbst bewußt geworden. politilcke Qcberflcbt Auch ein Politiker in Generalsuniform. ■ Das Politisieren der Herren Generäle auf den Truppen- Plätzen und den Militärkasinos wie bei den mannigfaltigen militärischen Jubiläums- und Jahrhundertfeiern scheint im preußischen Militärstaat allgemeiner Brauch werden zu sollen. Vor kurzem feierte das erste kurhessische Jnfanierieregiment Nr. 81, das in Frankfurt a. M. garnisoniert, seine„Hundertjahrfeier". Die Stadt gab dazu einen namhaften Beitrag, -.aus dem die Bewirtung der Festteilnehmer bestritten- wurde. "Der Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. gratulierte, die �Straßenbahnen wurden festlich geschmückt, die Geschäftsleute -flaggten und alles, wäs von Militärbegeisterung lebt, tat seine Schuldigkeit, so daß Frankfurt a. M. zwei Tage im Festtrubel schwamm. Frankfurt a. M. ist bekanntlich im Reichstag sozialdemokratisch vertreten. Die große Mehrzahl seiner Wähler sah das Fest und den Aufwand der Stadt, zu dem sie durch ihre Steuergroschen beitragen mußten, also mindestens mit sehr gemischten Gefühlen an. Es fiel aber natürlich keinem Sozialdemokraten ein, die Festlich- leiten zu stören. Anders der kommandierende General, der in Frankfurt a. M. seinen Sitz hat. Er hielt die Gelegenheit für günstig, den„Nörglern" nach berühmtem Muster einen kräftigen Hieb zu versetzen. In seiner Festrede leistete er sich einen heftigen Ausfall auf die„zweifelhasten Elemente", die heutzutage„unser Heer angreifen". Genosse Dr. Qnarck, Vertreter Frankfurts im Reichstage, nahm sich nun den Herrn General vor. Er sandte ihm fol- genden Brief: Frankfurt a. M., 8. August ISIS. Ew. Exzellenz! Nach den übereinstimmenden Berichten aller hiesigen Blätter und den Aussagen verschiedener Ohrenzeugen haben Sie zur Jahrhundertfeier des hiesigen 81. Infanterieregiments am 25. Juli d. I. auf dem Festplatz in Ihrer Ansprache wörtlich von Angriffen geredet,„die unser Heer heut- zutage von zweifelhaften Elementen zu er- leiden' habe. Als Mitglied des Reichstags und Vertreter der hiesigen außer- ordentlich gastfreundlichen Stadt im Parlament fühle ich mich verpflichtet, mir Gewißheit über den Sinn dieser auffälligen Aeußerung für die kommenden Ver- Handlungen des Militäretats zu verschaffen. ES kann ber Stadt, die ich vertrete, der Mehrzahl der Be- völkerung, die mich gewählt hat und die große Opfer an Gut und Blut für das Heer bringt, sowie der hiesigen Presse, die gerade in ihren einflußreichsten Blättern mit mir in der Förderung wichtiger Heeresreformen übereinstimmt, nicht gleichgültig sein, daß die Spitze der militärischen Behörden in unsern Mauern bei einem Fest, dem zahlreiche ehemalige Soldaten und Angehörige der bürgerlichen Bevölkerung beiwohnten, die Behauptung ohne jede nähere Angabe aufstellt, das Heer sei Gegenstand von Au- griffen zweifelhafter Elemente. Mir und wohl auch der Frank- surter Wählerschaft sind weder auS den parlamentarischen Debatten, noch aus der Presse, noch aus der Literatur über Militärreform Angriffe„zweifelhafter Elemente' bekannt. Und die jetzt im Krupp-Prozeß Verurteilten oder ihre Hintermänner dürften Eure Exzellenz kaum gemeint haben. Ohne Umwege und Umschweife wende ich mich des- halb direkt an Eure Exzellenz mit der offenen Anfrage, wen Sie unter jenen„zweifelhaften Elementen" verstanden haben oder ver« standen wiffen wollen. Ich darf wohl als Abgeordneter erwarten, daß mir Eure Exzellenz mit derselben Offenheit und außerdem mit jener soldatischen Gradheit antworten wer- den, die man den Offizieren unseres Heeres nachzurühmen pflegt. Ew. Exzellenz pp. Darauf kam die folgende schneidige Antwort: XVIII. Armeekorps. Der kommandierende General. Frankfurt a. M., den S. August ISIS. Euer Hochwohlgeboren erwidere ich auf das mir zugegangene Schreiben vom 8. d. M. ergebenst, daß ich keine Beranlaffung habe und es nicht in meiner Absicht liegt, Ihnen über eine von mir aus dienstlicher Veranlassung gehaltene Ansprach irgendwelche Kommentare zu geben. Ew. Hochwohlgeboren ergebener gez. von Schenk. Die Erwiderung des Herrn Generals stellt sich als ein Ausweichen, ein Verstecken hinter der„dienstlichen Ver- anlassung" dar. Zu der offenen Erklärung:„Jawohl, euch Sozialdemokraten habe ich gemeint, euch Sozialdemokraten als zweifelhafte Elemente zu beschimpfen, nehme ich mir heraus!" dazu reicht die„soldatische Gradheit" des Herrn Generals allem Anschein nach nicht aus. So wird" man die Vor- gesetzten des Herrn im Reichstage zur Rede stellen müssen. Wir zweifeln" zwar nicht daran, daß der Kriegs- minister die Bekämpfung der Sozialdemokratie bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit als gutes Recht, ja als heiligste Pflicht jedes deutschen Offiziers in Anspruch nehmen wird. Ob er aber auch ihre Beschimpfung mit dieser Pflicht rechtfertigt? Und ob er das Kneifen des Herrn Generals mit der soldatischen Gradheit vereinbar findet? Darüber darf die Oeffentlichkeit Aufschluß verlangen. Die Sozialdemokratie hat Anspruch darauf, zu wissen, ob solche Beschimpfungen als Betätigungen im D i e n st e anzusehen sind. Sie wird ja mit ihnen fertig werden, einerlei, ob sie dienstlich oder nicht dienstlich fallen. Aber sie möchte doch wissen, ob sie solche Anwürfe als Privatliebhabereien politisierender Offiziere oder als „amtliche Kundgebungen" zu behandeln hat. Sie wird danach ihr Verhalten einrichten. Die Arbeiter Altonas gegen den Wahlrechtsraub. In zwei gutbesuchten Versammlungen nabrn am Montagabend die Arbeiterschaft von Altona- Ottensen Stellung zu dem vom Magistrat und der Mehrheit des Stadtverordnetenkollegiums ge- planten Wahlrechtsraub. Die Stadtverordneten Genoffen Herz. Kürbis und Thomas sowie der Reichstagsabgeordnele des Kreises, Genosse F r o h m e. geißelten in scharfen Worten die reaktionäre Vorlage. Dieses Machwerk bedeute, so erklärten sie, eine Ueberrumpelung der breiten Oeffent- lichkeit durch den Magistrat. ES bezwecke ledig- lich, die Sozialdemokratie zu kontingentieren, um das zu starke Anwachsen der sozialdemokratischen Vertreter zu ver- hindern. Es sei ein erfreuliches Zeichen für den Machtzuwachs der Arbeiterschaft, wenn das Bürgertum sich jetzt nicht anders zu helfen wisse, als daß jes das Wahlrecht verschlechtere. Diese Macht müsse und werde jetzt zur Anwendung kommen, um dem Magistrat zu zeigen, daß auch seine reaktionäre Herrlichkeit einmal ein Ende mit Schrecken nehmen könne. Die Zuhörer folgten den Ausführungen mit lebhaftester Teil- nähme, ein Beweis, daß sie entschlossen sind, dem Magistrat den niederträchtigen Streich, den er gegen die Arbeiterschaft geführt hat, mit Wucherzinsen heimzuzahlen. In beiden Versammlungen wurde folgende Resolution ein- stimmig angenommen: Die heute stattfindende Volksversammlung protestiert auf das schärfste gegen die vom Magistrat geplante Wahlentrechtung. Sie brandmarkt die heimliche und plötzliche Art, in welcher der Magistrat mit Unterstützung der bürgerlichen Leibgarde die Arbeiterwähler um ihr Wahlrecht prellen will. Gegen- über den, Versuch, die Massen von der entscheidenden Mit- Wirkung an der Verwaltung der Stadt fernzuhalten,, wiederholt die Versammlung di« Förderung nach demokratischer Um- gestaltung der heutigen Kominunalverwaltung und Niederzwingung der heutigen Cliquenwirtschaft. Durchdrungen von der Ueber- zeugung, daß nur die Sozialdemokratie die wirtschaftlichen und kulturellen Interessen der Allgemeinheit bertritt, gelobt die Ver- sammlung, dies brutale Attentat auf die Volksrechte mit verstärkter Agitation für die Ideen des Sozialismus zu beantworten. Tie Konkurrenzklausel in der Industrie. In den Kreisen der Industriellen ist das Verlangen vorhanden, die Konkurrenzklausel, wie sie vom Reichstage für die Handlungs- gehilfen zum Gesetz erhoben wurde, auch auf die technischen An- gestelllen der Industrie auszudehnen. Nach einer Meldung der „Post" hat der preußische Minister sür Handel und Gewerbe kurzlich zu dieser Frage Stellung genommen und sich unzweideutig dahin geäußert, daß die Konkurrenzklausel für die Industrie eine Frage an sich bilde, dementsprechend nach anderen Gesichtspunkten beurteilt und selbständig geregelr werden müsse. Es sei demnach ausgeschlossen, daß die StaatSregierung sich mit einer Ausdehnung der geplanten Bestimmungen über die Konkurrenzklausel der Handlungsgehilfen auf die Betriebs- beamten und Ingenieure in der Industrie einverstanden erklären wird, und es sei daher als feststehend zu betrachten, daß auch der Standpunkt der Reichsregierung in diesem Sinne festiiegt. auch wenn eine besondere Regelung der Frage noch nicht in Angriff ge- nommen ist. Die Industriellen werden nicht eher ruhen, als bi« auch sie den besonderen Schutz ihrer kapitalistischen Interessen, wie dieser durch die gesetzliche Konkurrenzklausel gelvähn wird, eingeheimst haben. Die Angestellten sind dabei die Benachteiligten, sie erhallen neue Fußangeln und weitere Erschwerung ihrer Existenz. Herr v. Liebcrt als Gründer. Die geschäftliche Tätigkeit des Reichsverbandsgenerals v. Liebert ist schon vielfach der Gegenstand schärfster Kritik gewesen. Das „Berliner Tageblatt" bringt in seinem. Handelsteil nun folgende interessante Mitteilung: „Der frühere Gouverneur von Ostasrika, Generalleutnant b. Liebert. hat vor kurzem sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Rufiji-Baurnwollgesellschaft niedergelegt. Allerdings erst, nachdem die Gesellschaft völlig zusammengebrochen und das ganze Stammkapital verloren war. Nunmehr hat Herr v. Liebert an die Afrikanische Compagnie einen Brief gerichtet, daß er infolge der Preßangriffe, die in der letzten Zeit gegen ihn erfolgt seien, auch bei dieser Gesellschaft seinen Posten als Aufsichtsratsvor- sitzender niederlege. Es ist recht bemerkenswert, daß Herr von Liebert immer dam, aus einem Aufsichtsrat ausscheidet, wenn die Sache anfängt,..brenzlich" zu werden. Denn bei der Afrika- nischen Compagnie wurden früher Dividenden von 10 und 17 Prozent ausgeschüttet, während jetzt bei der Gesellschaft eine starke Unterbilanz erwartet wird. Darauf deutet auch schon der Kurssturz, den die Aktien der Afrikanischen Compagnie erlitten haben, hin: vor einiger Zeit wurden die Anteile noch mit mehr als 150 Proz. bezahlt, während sich jetzt der Kurs auf 50 Proz. stellt! Die Verwaltung bringt den Kursrückgang mit der Eni- Wertung am Kautschukmarkt in Zusammenhang: indes steht man in Fachkreisen dieser Version sehr skeptisch gegenüber. Nunmehr hat das Nordische Kolonialkontor in Hamburg eine außerordent- liche Generalversammlung beantragt, in der die gesamten Ver- hältnisse der Gesellschaft zur Sprache kommen sollen." Bereits vor einigen Monaten hat Herr v. Liebert durch die Presse mitteilen lassen, daß er gegen das„Berliner Tageblatt" Klage angestrengt habe. Bis jetzt hat man leider von der Sache nichts mehr gehört, und doch wäre es dringend notwendig, daß die geschäftliche Tätigkeit des Herrn v. Liebert vor Gericht gründlich durchleuchtet wird. Die Geschädigten bei der Rufiji-Banmwoll- gesellschaft haben sich bekanntlich dahin verständigt, gegen die Unter- zeichner de» fchwindelhaften Prospekte», zu denen auch Herr von Liebert gehörte, Schadenersatzklage zu erheben. Leider ist darüber nichts bekannt, wie weit die Schadenersatzklage bereits gediehen ist. Der Reichsverband gegen � die Sozialdemokratie, der fortgesetzt be- strebt ist, die Sozialdemokratie der Korruption zu verdächtigen, der insbesondere jedes Jahr, wenn der Rechenschaftsbericht des Partei- Vorstandes erscheint, versichert, daß die Rechnungslegung verschleiert sei, hätte eigentlich allen Anlaß, sein Augenmerk aus die geschäft- liche Tätigkeit seines Vorsitzenden zu richten. Die Gründungen, an denen Herr v. Liebert sich bisher beteiligt hat, sind teilweise oberfaul gewesen. Wenn die Prospekte nur den Namen v. Liebert tragen würden, würden sie sicherlich kaum besonders beachtet wer- den; allein Herr v. Liebert ist bekannt als früherer Gouverneur von Ostafrika und als Mitgiled des Reichstages, und deshalb scheint man in manchen kapitalistischen Kreisen anzunehmen, daß der Iiame v. Liebert eine gewisse Garantie dafür biete, daß es sich um zweisclsfreie Gründungen handle. Bisher sind die Vertrauens» seligen allerdings teilweise hereingefallen. Wo geht es der katholischen Kirche am besten? Nach de» Reden auf den Katholikentagen und den Artikeln oer Zentrumspresse seufzt die Kirche und der katholische Volksteil in Deutschland unter schwerem Druck. Feinde überall und nirgendwo Freiheit und Gerechtigkeit für den Katholiken, seine Kirche, seinen Glauben und seine geliebten Jesuiten! Hier und da hört man es auch anders. Man weiß, daß Leo XHI. sich sehr befriedigt über die kirchlichen und religiösen Zustände in Deutschland ausgesprochen hat<1902 zu General v. Los) und Dr. Julius Bachem 1907 in einer Versammlung des Windthorstbundes in Düsseldorf nicht minder. Und jetzt kann man ein neues Zeugnis dieser Art lesen in der Schrift:„Dentschlands Weltmacht st ellung um die H e i d e u m i s s i o n" von Dr. theol. Ditscheid. Religionslehrer in Koblenz. Die Schrift, die mit Genehmigung des Kardinals Kopp erschienen ist, enthält auf Seite 18—19 folgende Sätze: Wo zeigt sich noch am meisten öffentliches allgemeines Jnter- esse für philosophisch-pädagogische und religiös-sinliche Fragen? Wo bat man ein Kultusb ntget wie in Preußen? Wo wird die Religion amtlich noch am meisten ge» achtet, gefördert und geschützt? Wo sucht myn staatlicherseilS die kirchliche Autorität so zu ehren, wie es z. B. bei der Wahl und Inthronisation eines ErzbischosS in Preußen mit feudalem Gepränge geschiebt? Wo steht da« religiöse Leben am meisten in Blüte? Wo verhält man sich am andächtigsten im Golteshause?... Das Religiöse beeinflußt unwilllllrlich andere Gebiete. Im allgemeinen herrscht in Deutschland noch Sinn für Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Ordnung und Disziplin, wie kaum anderswo. Der Verfasser will natürlich nicht alles au Deutschland loben. Er vermißt noch manches an der vollen Freiheit der Kirche und an der rechten Parität gegenüber den Katholiken, aber im allgemeinen spricht doch aus seinen Worten ein hohes Maß von Befriedigung über die kirchlichen und religiösen Zustände in Deutschland. Ja, er dehnt sein Lob auf die übrigen germanischen Länder aus, indem er bezüglich der kirchlichen und religiösen Verhältnisse schreibt: Wer viel im Auslande gewesen ist, wird nicht umhin können, im ganzen den Ländern mit vorwiegend germa- nischer Bevölkerung insbesondere� Preußen, den ersten Platz einzuräumen.... ES sei hier noch erinnert an die vornehme Art, mit der die Germanen Amerikas jeder reli« giösen Ueberzeugung begegnen: es sei erinnert an die gläubige Bewegung der Hochkirche in England. Das Lob, das hier den germanischen Ländern gespendet wird, schließt die gegenteilige Meinung bezüglich der romanischen Länder ein. Stun sind die germanischen Länder vorzugsweise protestantisch, die romanischen ausschließlich katholisch. Mit anderen Worten: es ist um die Freiheit der katholischen Kirche und ihres Glaubens um so besser bestellt, je weniger katholisch das Land ist. Was muß die katholische Kirche an den Völkern gesündigt haben, wenn es ihr da am schlechtesten geht, wo sie die meiste Macht über die Seelen und Geister hatte! Und welche Anmaßung und Unehrlichkeit gehört dazu, wenn gerade die deutschen Ultramontanen in Versammlungen und Zeitungen über die kirchlichen Zustände in Deutschland jammern und sich als die verfolgten und unterdrückten Lämmer hinstellen I Klerikaler Religionsunterricht. DaS reforn, katholische„Neue Jahrhundert" befaßt sich in seiner neuesten Nummer<86 vom 7. September) mit einem Werke, da« sich, wie das Blatt schreibt,„als Führer und Wegweiser für den Religionsunterricht in den Händen ungezählter katholischer Geist- licher befindet". Das Werk heißt:„Katechetische Skizzen im An- schlnß an den neuen katholischen Katechismus für die Diözesen Breslau. Köln, Münster und Trier". II. Teil. Bon I. I. Hower, Pfarrer. Mit bischöflicher Approbation. Trier, Paulinus-Druckerei. Darin steht u. a. zu lesen: 1.„Die Geistlichen sind geweihte Personen, haben dadurch übernatürliche Würde und G e w a I t erhalten, so daß selb st Engel sich vor ihnen neigen.' Künfti-r) Dirigent Guido von Fnch» Elisabeth Böhm van Enden Anfang 8'/. Uhr. Abendkaffe 1 M. Billetts tut Borverkauf 30 Pf. sind bei den.Vorwärts". Spedileurcn Hamscb, Ackersir. 174, und Zucht, Jmmanuelkirch- straße 12, zu haben. Trianon-Theater. abenMubr: ÜBltreU. Vorher: Der abgerissene Glockenzug. ZOOLOG ischer Garten Täglich: Jdilitär-Öoppel'Konzert. Eintrittspreise: Zoo; 1 M.. von 6 Uhr ab 50 Pf. Aquar.: lM.v.d.Straße,0,50v.Zoo Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Ken! Xeti! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. jlletropol'tiieater. In Borbercitung: Die Kreise um ttie Lrtto in vierzix l'Qxen. Gr. Ausstattungsstück i. 22 Bildern o. Jul. Freund. Musik von lean Gilberl. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. VeiKt- Theater Badftrafte 58. Morgen. Mittwoch. 10. September: GrössnuiigSvorftellung für die Mittwochabonnenicn. Oer lvsnll Im Moncke Posse m. Ges. i. 5 Bild. v. E. Jacobson. Kassencröffnung 7 Uhr. Ans. Sss, Uhr. �Asssge-�sllovlikum ver mit der eisernen Faust »,C VrÄ-Ä" Frau As» mann, d Aulseh. d. wissensoh. Kreise, AGA die schweb. Jungfrau. Buddha die geheimnisvolle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! DeutscitesSchanspielhan» 8 Uhr: Sieben tolle Tage. Folies Gaprice. Anfang 8'/, Uhr Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt ßerlmer PFater-Theater 7—9 Kastanien-Allee 7— S. Täglich: Johanniszauber. Lper.-Burleske in 3 Akt. v. SB. Gcricke. Musik von M. Schmidt. Erstklasf. Sveziialitäten, Konzert. Ans. 4'/, Uhr. Eintritt 30 Ps. AlZmiralspalast Einz. Eispalast der Welt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt. Allabendlich Flirt in St. Koriir. Beginn d. Vorstellung ifi Uhr Bis 6 Uhr und von lO3/. Uhr halbe Kassenpreise. Casino« Theater "olbrinaerStr. 37. Täglich 8 Uhr. Der«-«««-". Posienschlager- �„vöi Wlsn-Ienor oiler lZmss eu! Teilung". Xvu« Welt. Hasenheide 108/114. Mittwoch, den 10. September: SV' Lperetten-Gastsp."VL Durchschlagender Ersolg des Metropol-Thcaters. Die Kino-Königi«. Operette in 3?lkt. v. Jean Gilbert. bei Loeser u. SBolsi. Berlinerstr. 1; Böckmann, Neu» lölln, Bergstraße Ecke Rolenstrau-. nnk im D-flfluinnt.ssleue Welt Für ocn Znuatt ver Jnierate «deruimmi die Redaktion dem Vubltknm gegenüber keinerlei Berantworkung. Wercintw. Rebalt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Jnseratentetl verantw.-'rh.Glockc. Leol'U. Druck u. Verlag(Vorwärts Buchdr.u. �ertagsanstall Paul Singer ä: Co., Berlin 5W. Hierzu 2 Beilagen u.UnterhaltungSbl. tz Dr. 235. 30. Iahrgavg. i Itilnjt ilcs jDtmirtd" flttlintt MsdlM Mitwoch, 10. September 1913. GewcrfercbaftUcbes. Schmutzige Hrbeit. Die Fuchtel des Kapitals bedroht alle von ihm ab- hängigcn Existenzen. Wer nicht pariert, den wirft es aufs Pflaster, läßt ihm die Hungerpeitsche koste». Beamte wie Arbeiter! Fachtüchtigkeit genügt nicht, um der Gnade ge- würdigt zu werden, sich ausbeuten zu lassen. Das Kapital verlangt bedingungslose Unterwürfigkeit, Verzicht auf Staatsbürgerrechte und auf Lohnforderungen. Um die Arbeiter zu solcher Willfährigkeit zu erziehen, sucht man einen Stamm gelber Hintzegardisten heranzüchten. Diesem Ziele widmen die rheinisch-wcstfälischcn Groszindustriellen viel Geld und Mühe. Bisher war der Erfolg wenig lohnend. Es fehlt an geistigen Kräften für die schmutzige Werbearbeit. Dem Ucbcl soll nun auf zweifachem Wege gesteuert werden. Dem Drill und der Auszucht von Propagandisten für die gelbe Bewegung sollen extra zu dem Zwecke eingerichtete Kurse dienen. Schiffbrüchigen, die anderes nichts retteten aus dem Sturm des Lebens und der Leidenschaften, als den Erhaltungstrieb, denen, die Menschenwürde. Moral und Scham als Ballast über Bord warfen, eröffnet sich eine Aussicht auf llntcr- kommen. Anscheinend haben die Unternehmer aber doch selbst nicht viel Vertrauen zu den berufsniästigen gelben Agitatoren. von den ehrenamtlich tätigen, im Bcamtcnrock steckenden, eine gewisse Autorität darstellenden Angestellten erwartet nian mehr. Darum hat die Beamtenschaft den Auftrag, für gelben Zuzug zu sorgen. Wer bei solchen! Werk sich tüchtig erweist, steht dem Berufstnchtigercn voran. Was Wunder, daß nun auf manchen Werken die Beamten sich stundenlang damit abquälen, ihren„Untergebenen" die Vor- züge der gelben Wcrksvercinc klar zu niachen. Sogar billige Kartoffeln und billige Fische»Verden als Belohnung für den Beitritt in sichere Aussicht gestellt. Wenn das nicht zieht—! Daß alle Beamten sich gern und»villig der unsauberen Arbeit unterziehen, ist ausgeschlossen. Geivist gibt es auch Kriecher unter ihnen, aber die Mehrzahl empfindet es als Schmach, dcrgleiche»» Werbcdienste verrichten zu müssen, will man nicht die Stellung verlieren. Trotz aller dieser Machinationen. trotz der kranipfhaften Bestrebungen, eine stattliche Zahl der Gelblinge aufmarschieren lassen zu können. beschtvindcln die Unternehmer die Oeffentlichkeit mit der Bc- hauptung, die gelbe Bewegung sei elementar aus der Arbeiter- schaff selbst erlvachsen, sie sei ein»nächtiger, lvuchtiger Protest gegen gc>vcrkschaftlichcn Terror, ein Protest, den Arbeiter alis eigener Initiative, zu cigenein Schutz erhöben. Mit den künst- lich aufgezüchteten, mit allen Mitteln des Terrors verstärkten Werksvcreinen»vill man die Forderung nach einem Ausnahme- gesetz gegen die Arbeiter, die Bcschneidung des Koalitionsrechts fordern. Schmutzige Mittel zu einem unsauberen Z>vcck. ßerlin und Omgcgcnd. Achtung, Former und Gicßerriarbritcr! Die Kollegen der Firma Härtung A.-G., Lichtenberg, befinden sich im Streik. Der Betrieb ist gesperrt und streng zu meiden. Deutscher Metällarbeiter-Vcrband. Ortsverwaltung Berlin. Die Möbclpolierer und der Tarifvertrag. Bei der verflossenen Tarifbelvcgung in der Holzindustrie ist cS den Möbclpolierern nicht gelungen, ihre Forderung, einen tariflichen Mindestlohn festzusetzen, zur Anerkennung zn bringen. Dagegen enthält der jetzige Vertrag die Bestimmung, datz die bisherigen sehr verschiedenen Löhne um i Pf. pro Stunde und die Akkordpreise um 3 Proz. erhöht»verden sollen. Wie in einer am Montag ab- gehalienen Branchenversammlung der Möbclpolierer berichtet ivurde, ist diese Vertragsbestimmnng von einem Teil der Unternehmer bis jetzt noch nicht durchgeführt. Die jetzt herrschende Arbeitslosigkeit erleichtert diesen llniernehmer» den Tarifverstotz und hindert die Arbeiter, energische Matznahmen dagegen zu ergreifen. Die Arbeits- losigkeit lastet so schiver auf den Arbeitern, datz sie froh sind, wenn sie überhaupt Arbeit bekommen und deshalb zeigen auch die Arbeiter selbst wenig Neigung, die Jnnchaltung der tariflichen Bestimmungen zu verlangen. Namentlich gilt das für die Bestimmung, wonach beim Wechsel der Arbeitsstelle der neue Arbeitgeber keinen ge- riugercn Lohn zahlen soll als der Arbeiter in seiner vorhergegangenen Stelle erhalten hat. Es kommt nicht selten vor, datz Möbelpolicrer um wieder von der Siratze zu kommen, mit einem um 3 bis 4 M. niedrigeren Wochcnlohn anfangen, als sie bei ihrem vorigen Arbeit- geber gehabt haben. Viele Arbeitgeber machen sich den Druck der Arbeitslosigkeit zunutze, indem sie ohne Rücksicht auf den Vertrag die Löhne herabdrücken. Sie sagen, infolge der hohen Löhne kann Berlin nicht mehr mit den auswärtigen Betrieben konkurrieren, des- halb müssen die Arbeiter mit ihren Löhne» berabgchen, dann sind die Berliner Arbeitgeber wieder konkurrenzsähig und dadurch ist beiden Teile», Meistern und Gesellen, geholfen. In der Versamm- lung herrschte allgemein die Ansicht, datz unter den gegemvärtigen Verhältnissen der Tarifvertrag für die Möbelpolierer gar keinen Zweck habe, weil in der Festsetzung des Lohnes die reine Willkür herrsche und auch der Arbcitsuachtveis in vielen Fällen umgangen »verde. Während einige Redner hieraus den Schlutz zogen, datz es für die Möbclpolierer besser wäre, lvenn sie gar keinen Vertrag hätten, vertraten andere, namentlich der Referent N i g b u h r den Standpunkt, datz das Tarifverhältnis aufrechterhalten, aber für strenge Beachtung und allseilige Durchführung der tariflichen Ve- stimmungen gesorgt werden müsse. Vor allem soll in den Kreisen der Kollegen dahin getvirkt werden, datz sie nicht zu vertragswidrigen Löhnen Arbeil annehmen. Auch soll versucht werden, durch Ver- Handlungen zwischen den beiderseitige» Organisationen Mindestlöhne für die Möbelpolierer festzusetzen, damit der iveitgehenden Ver- schiedcnheit der Löhne und der i'villkürlichen Festsetzung derselben ein Ende gemacht werde. Ter Streik in der Berliner Kürschucrbranche. gelvinnt fortgesetzt an Ausdehnung. Ties kam besonders in den beiden Strcikvcrsammlungen zum Ausdruck, die die Arbeiter solvic die Selbständigen gestern nachmittag getrennt in den„Musiker- sälen" abhielten. Die Zahl der streikcnden�Arbciter und Ar- beitcrinnen ist auf 746 gestiegen. Da die Streikkarten in der Versammlung abgestempelt wurden, so»varcn auch sämtliche Streikenden vertreten. Die Stimmung der Streikenden ist vom besten Geiste beseelt und gilt es nunmehr nur noch, auch die letzten Arbeitenden zu bewegen, die Arbeit niederzulegen. Welchen T e r r o r i s m u s der Arbeitgeberverband auf bewilligte Firmen auszuüben sucht, ergeht daraus, datz die Firma W. Grünbaum im Hause Herrmann Gerson ihre Bctvilligung gestern»nieder zu- rückzog, Iveil der Arbeitgeberverband der Firma Gerson drohte, datz die Fabrikanten sonst keine Seide nivaren mehr von der Firma beziehen»vürden! Die Ar- beitcr»Verden jetzt ihre Kündigungszeit abarbeiten und dann auf- hören. Diese Drohung des wirtschaftlichen Bohkotts wagt das- selbe Unternehntertum in dem Augenblick,>vo es selber nicht laut genug nach Polizei gegen Streikposten rufen kann. So haben die Inhaber der Firma A. Segall sich mit ihrem Reisenden Hol- länder dieser Tage unten in den Hausflur gestellt und pro forma einen Hausdiener mit einem Paket fortgeschickt. Als derselbe auf die Stratze trat, und die Streikposten der selbständigen Kürschner an denselben herantraten mit der höflichen Anfrage, ob er etwa für Hausindustriellc eine Einrichtung habe, da sprangen die Herren hinter der Haustür hervor und riefen nach einem Schutz- mann! Den Herren Fabrikanten»vird aber der Ruf nach Po- lizei nichts mehr nützen, lvenn sie nicht den Weg des ehrlichen Friedens beschreiten»vollen. Das belvies nur allzu deutlich die Versammlung der selbständigen Kürschner. Dieselbe»var von streikenden Selbständigen besucht. Hätten die Herren Fa- brikanten die Stimmung der Hausindustriellen durch persönliche Teilnahme lvahrnehmcn können, dann würden sie die sichere lleberzeugiing geivonncu haben, daß bis Ende dieser Woche fast sämtliche Hausindustriellc für die Beivcgung geivonncn sind. Jetzt erst erkennen die unorganisierten Hausindustricllen. datz dic�Bc- »vcgung durch das gemeinsame Vorgehen von Arbeitern und Selb- ständigen zu einer Macht geworden ist, die die Unternehmer»in- möglich umgehen können. Die Selbständige»» nahmen einstimmig eine Resolution an, die dem ebenfalls gestern abend tagende»» Arbeitgebcrverband telegraphisch übermittelt»vurde,»md in der erklärt wird, datz die Selbständigen das bisherige Angebot ab- lehnen und die Arbeit nicht früher aufnehmen, bis der Tarif- vertrag abgeschlossen ist. Zu den beivilligendcn Konfektionsfirmen ist noch die Firma H a m m c r hinzugetreten. An die Berliner Arbeiterschaft ergeht die dringende Bitte, überall ihre noch et»va arbeitenden Angehörigen auf den Streik hinzuweisen und zur Teilnahme zu bclvegen zu suchen. Am Freitag, den 12. September, findet in den„Musiker- sälen"»vicdcr eine gemeinsame Versammlung der streikenden Ar- beitcr und Hausindustriellen statt. Deutscher Kürschncrvcrband, Vcrivaltung Berlin. Der Streik in der Klaviaturfabrik von W e r n e ck e dauert jetzt die 23. Woche. Einmütig und geschlossen halten die Streikenden noch immer zusammen trotz des allzu schneidigen Vorgehens der Neuköllner Polizei. Ein Streikender, Mitglied des christlichen Ver- bandeS, brachte es fertig, abtrünnig zu»verde» und dem ehemaligen Genossen, jetzigen dcmokratislbcn Kandidaten W e r n e ck e trotz der gemachten Abzüge seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, leider nicht allzu lange, denn ein Betriebsunfall setzte seilten RauSreitzerdicnsten ein schnelles Ende. Welche Elemente sich unter den iin Betrieb befindlichen Lieblingen des Unternehmer- tuins befinden, beweist die Verhaftung des dort beschäftigt gelveienen Arbcitsivilligcn B e n g s ch, welcher seine LogiSwirtii» er- »nordete. Einen besonderen Stolz kann Herr Werne cke auf seine jetzt gelieferten Klaviaturen auch nicht setzen, da dieselben zum grotzcn Teil,»vahrschcinlich der Sauberkeit»vegen, zurückgeschickt werden. Eine sonderbare GemütSstiinmung mutz allerdings über deit Zusammensetzer kommen, der bcwutzt die Klaviaturen ver- arbeiten mus;. die eventuell von Leuten vom Schlage eines Bcngsch hergestellt sind. Die Streikenden sind trotz der langen Dauer des Streiks der festen Zuversicht, datz sie als Sieger aus diesem Kampfe hervorgehen.__ Deutrebes Reich. Teuionstratiou dcr streikenden Werftarbeiter in Hamburg. Die Werftarbeiter sollten vom vorigen Sonnabend ab in den Wcrftbetricben wieder eingestellt werden. Zwischen den Unternehmer« und Werstarbeiterorganisationen sind feste Vereinbarungen getroffen worden,»vie viel Arbeiter und in welchem Betriebe sie eingestellt werden sollten. Die Unternehmer haben diese Ver« ei nbarun gen nicht gehalten. Statt 966, die schon am Sonnabend eingestellt werden sollten, sind bisher keine 866 ein« gestellt. Die Unternehmer haben eine starke Auslese unter den sich Meldenden gehalten. Diese und andere Schikanen haben die Arbeiter so stark empört, datz sie Dienstag vormittag 16 Uhr sich vor dem ArbeitsnachlveiS zu einer geiv alt igen D e m o n st r a t i o n versammelten. Ellva 4— 6666 Werftarbeiter durchzogen dann die Stadt am„Hamburger Echo" vorbei; der Zu- gang nach dem Rathaus war von Polizeikettcn abgesperrt worden, die Demonstranten wandten sich dann vor der Redaktion der„Ham-, kleines feuilleton. Reklame und Weltgeschichte. In der Reklameccke einer Berliner Zeitung fand sich kürzlich der folgende Weihegesang, der in eine», feierlich pathetischen Stil vorgetragen werden mutzt „Die greulichen Vertvüstungcn auf dem Balkan werden nun hoffentlich aufhören und den vier Völkern in Europas Wetterlvinkel wird der jetzt geschlossene Friede endlich die langcntbchrte und er- sehnte Ruhe zu neuem Schaffen und Aufbau"segensreicher Einrichtungen bringen; Einrichtungen,»vie sie bei uns zur Selbstverständlichkeit gehören. Was bedeutet den Balkanvölkcrn in gegenwärtigem Stadium z. B. das gefestigte Bestehen grotzer Kauf- und Waren« Häuser, die selbst die allerschwerstcn Zeiten durchhalten mit dem Prinzip t„Billige Preise". Was bedeuten den Balkanvölkern Einrichtungen,»vie z. B.„Die Sö-Pfg.-Wocbe", die jetzt die Finna D. ankündigt." In der Tat: Wenn die Balkanvölker nur endlich zur Kultur der 95-Psennig-Wochcn durchdringen wollten,»väre daS ganze blutige Ringen gerechtfertigt. Wie anders hätte sich überhaupt die Geschichte der Menschheit abivickeln können, wenn man früher den Segen der Vö-Pfennig-Wochen gekannt Härte. Goethe ist auch so ein ganz passabler Dickter geivorden. Es ist ober gar nicht auszudenken, was aus ih»» hätte»verden können, wenn er von der Einrichtung der 9S-Pfennig-Woche geistig befruchtet worden wäre. Ter fünfzigste Geburtstag � der Wetterkarte. Eine Wissenschaft der Wettervorhersage gibt es erst seit den» Tage, Ivo die erste Wetter- karte gezeichnet»vürdc: genau seit ö6 Jahren, seit dem 11. Scp- tember 1863. Lcverrier war es, der die erste Wetterkarte entivarf, als er erkannt hatte, der richtige Weg zur wissenschastlichen Ersor- schung deS Wetters sei der, an möglichst vielen Orten gleichzeitig Beobachtungen anzustellen und den lleberblick über den Zustand der gesamten Atmosphäre in einem Augenblicke zu einem übersichtlichen Bilde zu vereinigen. Telegrapbie und andere Hilfsmittel des Schnell- Verkehrs mutzten erst erfunden»ein— früher konnte die Wetterkarte nickt entstehen, und mit der Entwicklung und Verbreitung dieser Schnellverkehrsmittel hat sich auch die Wetterkarte und die Wetter- vorhersage im Laufe eines halben Jahrhunderts bedeutend verbessert. Der Wcilburger Meteorologe Eckardt hat über das eigentümliche Geburtstagskind in der„Natur" interessante Mitteilungen vcröffcnt- licht. Wer die Wettervorhersage, wie sie täglich bcispielslvcise durch die Post verbreitet wird, liest, fragt sich natürlich, wie man eine Wetterprognose aus den rätselhaften Zeichen aus der Wetterkarte ab- lesen kann. DaS hierzu wichtigste auf der Wetterkarte sind die Jso- baren, die Linien, die die Orte mit gleichem Barometerstände ver- binden. Aus ihrer Verschiebung lassen sich Schlüsse auf das kommende Wetter, das von der Veränderung des Luitdrucks abhängt, ziehen, wenn man die Ergebnisse langjähriger, wissenschaftlicher Erfahrungen hinzuzieht. Natürlich gibt es keine mathematische Formel, aus der man etwa aus der Verickiebung der Isobaren während einiger Tage ihre Lage am folgenden Tage ermitteln könnte; wohl aber gibt es Ersahrungsrcgeln über den Zug der Hock- und Tiefdruckwirbel. wenn es auch nicht bestimmte Zugstratzen sür sie gibt, wie man in den Anfängen der Wetterkarte annahm. Es sind nicht die Tiefdruck- Wirbel selbst, die in Mitteleuropa das Wetter bceinflusjen. sondern deren Randgebilde. Aus diesem Grunde legen d»e Wetterkundigen neuerdings noch höheren Wert, als den Isobarenkarten, den sogenannten Jsallobaren« karten bei, das heitzt den Karten, die die Linien gleicher Luft- druckschwankung innerhalb eines gewissen Zeitraumes veranschau- lichen. Diese Karlen beruhen auf der Beobachtung der Barometer« differenzen von ztvei aufeinanderfolgenden Morgenbeobachtungen oder einer Morgen- und einer Abendbeobachtung. Die Verbindungs- linicn der Orte gleicher Druckdifferenzen sind die Jsallobaren. Die Gcschivindigkeit der Fall- und Steiggebiete ist nämlich grötzer, als die der Ticfdrnckwirbel selbst, und so lätzt sich daS Herannahen und Abziehen der Tief- und der Hochdruckgebiete ans Grund der Jsallobarenkarten gewöhnlich früher oder deutlicher erkennen, als aus den gewöhnlichen täglichen Wetterkarten. DaS gutbcwachte Staatsgeheimnis. Im Londoner Kriegs' Ministerium hat sich jungst ein höckst merktvürdiger Vorsall abge' spielt, über den eine Londoner Zeitschrist berichtet: Der Chef einer Abteilung deS Ministeriums Ivollte eines Vormittags sein AmtS- zinnner betreten, allein er fand es polizeilich abgesperrt, und ollen seinen Untergebenen hatte man ebenfalls den Zutritt verwehrt. Statt dessen waren die Bureauräume von Polizisten eingenommen. Der Chef der Polizei erkannte natürlich gleich den hohen Beamten und gab ihin folgende Aufklärung t Er selber hätte, wie am vorangegangenen Abend ein Schutzmann bemerkt habe, in seinem Zimmer den Schlüssel im � Stahlschranke stecken lassen; zum Schutze des Staatsgeheimnisses habe die Polizei alsbald die Wache vor dem Schranke bezogen und aus dem- selben Grunde seien die Unlerbeamten ferngehalten Ivorden. Wohl oder übel mutzte sich der hoho Beamte aus dem Kriegs- Ministerium mit den getroffenen Anordnungen der Polizei einver- standen erklären. ES stiegen ihm nur Zweifel aus, ob nicht etwa einer der Wache ballenden Schutzleute atts Neugier auch den unver- schlossenen Stahlschrank geöffnet und einen Blick hineingeivorfen habe, aber daS, so sagte der Polizeichef, sei unmöglich. Er erbot sich, sogleich mit deni Ministertalbeamten an den Stahlschrank zu gehen, um ihn von der Zuverlässigkeit der Polizei zu übcrzengen. Der Beamte wollte davon aber nichts wissen. Er cntlietz die Polizei mit bestem Danke, schlotz sich in setzt Zimmer ein und öffneie dann erst den Stahlschrank. Es war ivirllich so, wie der Polizeichcs gesagt Halle, alles lag unberührt da t Kraivalten. Oberhemden, Anzüge und was der Herr Beainte alles sonst in dem Stahlschrank« attfzuhebett pflegte, um sich in seinem Bureau gesellschaftsfähig machen zu können. Die Polizei hatte das Staatsgeheimnis wirklich gut bewacht. Aber wird die Polizei, die das Tatenalbum ihrer Branche um ciir so ein schönes Blatt bereichert, sich mit den, blotzen„besten Danke" deS AbtetlungSchefs begnügen müssen? Gebührt dem Eifer ihres Oberhauptes nicht eine Empfehlung samt anschlictzeuder Bc- fördernng und Dekoration? Solch ein Abschlutz hätte durchaus nichts Wideritaiürliches und würde das Bild zcitgcmätz vollkommen machen. Humor und Satire- Die Gehirnarbeit auf dein Film. In verschiedenen Zeitungen lesen wir:„Die Projektion des Gedankens ist so ziemlich das kühnste, was man sich in der Kinematographie vorstellen kann. Es soll, wie der„Kinematographischen Wochenschau" aus Amerika berichtet wird, jetzr gelungen sein, die Z e l l e n v e r ä n d e r u n g der Gehirn nerven auf dem Film wiederzugeben und somit eine bildende Darstellung der Gedankenarbeit zn bekommen." Als einer Berliner Filmfabrik diese Meldung zuging, erwachte in ihr sofort die Lust, die neue Möglichkeit auszuproben. Sie rief eine ganze Reihe ihrer angesehensten Autoren zusammen, auf die da? kühne Unternehmen ebenfalls begeisternd tvirkle. Man verfuhr nun so, datz ein Autor nach dem andern sich an einen Schreibtisch setzte, um einen furchtbar spannenden Film für die Fabrik anzufertigen. Während der Arbeit wurden dann mit den feinsten Apparaten, die es überhaupt gibt, die Zellenverände rungen der Gehirmierven aufgenommen. Als der letzte Autor vom Tische aufstand, glaubte man im Besitz eines wertvollen Wissenschaft- lichen Materials zu sein und sah dem Ergebnis in geradezu un- heimlicher Spannung entgegen. Es ergab sich aber zur peinlichen Ueberraschttng aller Beteiligten, datz eine Zellenveränderung der Gehirttnerven überhaupt nickt stattgefunden hatte. Selbst der spannendste Filin des angesehensten Autors war ohne jede Gehirn« arbeit zustande gekommeii. Die Autoren schämten sich so sehr wie die Verfertiger von spannenden Films sich überhaupt zu schämen vermögen. Der Fabrik« direktor bat alle Anwesenden, den Mitzerfolg als strenges Geschäfts- geheimnis zu bewahren. Von einer Projektion der Gedanken durch den Kincniatograph aber darf in dieser Fabrik überhaupt nicht mehr gesprochen iverden. Notizen. — Der Erreger der Tollwut entdeckt. Der Japaner Dr. Hideco N o g o u ch i, Affistent des Flottweller Instituts für medizinische Forschung in New Dork. hat den Bazillus, der die Toll« ivut verursacht, culdeckt. Dainit ist ein wichtiger Schritt zu dem Ziele, die Tollwut zu bekämpfen, getan. Nogouchi hat vor einiger Zeit als erster die Syphilis-Bazillen im Gehirn von Personen, die cm progressiver Paralyse gestorben waren, entdeckt. — Theaterchronik. Das Theater de§ Westens beginnt am 26. Septeinber»eine Spielzeit mit der Uraufführung der Operette„Gräfin Fifi".— Josef-Kainz-Theater am kleinen Wamrsee. Die Titelrolle der am Donnerstagnachmittag 4>/„ Uhr stattfindenden Premiere von Eberhard König: Gevatter Tod, ein Märchen von der Menschheit, spielt Karl Bernhardt. — Dichter-Abende. Die Kunsigemeinde Grotz- Berlin veröffentlicht das Programin ihrer literarii'chen Abende. Danach werden lesen: Waller Bloein am 5. Oktober, Ernst Zahn am 36 Oktober. Hofschauspielcr Max Hofpauer wird am 1. Dezember aus Roscggers Werken vortragen, am 2l. Januar liest Klara Viebig. am 12. Februar Ludwig Gattghofer und am 27. März Olto Ernst. — Peter R o s e g g e r hat dem Uebersetzer der Rosegger- Biographie. die der französische Professor Vulliod geschrieben hat, einen Dankbrief gesandt, dessen Schlutz lautet t „Dieses Buch ist mir eines der strahlendsten Festfeuer gewesen, die mir gelegentlich meines siebzigsten Geburtstages mit so über- mätziger Güte angezündet ivorden sind. Ich mutzte beide Hände schützend über meine Aitgen halten, um von dem unerwarteten Glänze nicht geblendet oder gar verblendet zu Iverden. Auch Sie, geehrter Herr, haben harzdurchtränkte Scheiter ins Feuer geworfen, dafür sei Ihnen in kurzen Worten herzlich gedankt von Ihrem vor Ehrungen fast zuschanben gefeierten Peter Rosegger." — Die Rettung der aus st erbenden Blondinen. ES ist eine unbestreitbare Talsache, datz die Blondinen dem Tode gelveiht sind, sagt Professor Janeisson, der natürlich an einer ameri- konischen Universität lehrt. In einem Aufrufe, den er an alle Blon- dinen und an solche, die es werden wollen, richtet, legt er ausführ- lich dar. datz die Haarfarbe mit der Temperatur iit Zusammenhang steht und dann gibt er den Blondinen den Rat, nach den Eisregioiten auszuwandern. Nach einer geraumen freiwilligen Verbannung könnten sie von dort mit leuchtendem Blondhaar in die Kultur- regionen zurückkehren. Von Zeit zu Zeit mützten aber die Ausflüge nach den Eisländern wiederholt werden, um dem Blond deS Haares den Bestand zu sichern. burger Nachrichten' vorbei nach dem GewerkschaftshauS, wo eine Versammlung veranstaltet wurde. Die Redner forderten auf, sich trotz aller mißlichen Umstände um die Organisation zu scharen und den Kampf gegen die Unternehmer und die Verbandsvorstände ent* schieden weiterzuführen. Unter großer Begeisterung wurde dann die Versammlung geschlossen._ Was in Breslau alles bestraft wird. Mit den gewiß maßvollen Worten:„Kollege, Du M noch jung, Dir steht die Welt noch offen, Du kannlt doch Ivo anders arbeiten und brauchst nicht den Streikbrecher zu machen soll der Tischlergeselle F r i t s ch in B r e S l a u einen„Kollegen" beleidigt haben, während er zu einem anderen„Kollegen" von der gleichen Qualität gesagt haben soll, was aber von Fritsch bestritten wird:„Mit Dir werden wir schon noch wo anders abrechnen!" Beide fühlten sich„beleidigt" und„bedroht" und wie bei solchen Fällen in Breslau üblich, wurde die Anklage im öffentlichen Interesse auf Kosten der Allgemeinheit erhoben. Dabei hatte der Streik bei dem Unternehmer lediglich den Zweck, diesen zur Anerkennung des Tarifs zu zwingen. Selbst die Breslauer Tischlerinnung der- urteilte das Verhalten des tarifbrüchigen Unternehmers. Nichtsdesto« weniger kam das Gericht aber zu einer Verurteilung. Es nahm aber im Gegensatz zur bisherigen Spruchpraxis diesmal nur„versuchte Nötigung" an. die eventuell mit Geldstrafe„gesühnt" werden kann. Immerhin sah das Gericht die Sache für so schwer an, daß eS für die harmlosen Bemerkungen auf 00 Mark Geldstrafe er- kannte._ Unternehmerterrorismus in der Gummiindustrie. Ein eingefleischter Gegner des Koalitionsrechts ist die Firma The Radium Rubber u. Co., Gummifabrik in Delbrück. Die Or- ganisation ist dem Herrn Direktor Bogel schwer verhaßt, könnten doch durch sie bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Gummi- industrie herbeigeführt werden. Der Betrieb zeigt in den letzten zwei Jahren eine glänzende EntWickelung, umfangreiche Vergrößerungen sind in allen Betriebs- abtcilnngen durchgeführt worden; jedoch die Lohn- und Arbeits- Verhältnisse haben mit dieser EntWickelung nicht gleichen Schritt gehalten. Schon mehrere Male mußten die Arbeiter durch Arbeits- niederlegung eine Erhöhung der Löhne erkämpfen. Erst im Vorjahre mußten die Arbeiterinnen in der Abteilung Näherei durch eine spontane Arbeitsniederlegung einen zehnprozentigen Lohnabzug rückgängig machen. Trotz der glänzenden Rentabilität versucht die Firma neuerdings, die Arbeiter noch mehr unter ihre Fuchtel zu be- komnien. Mit allen Mitteln versucht Herr Vogel, die Arbeiter von der Organisation fernzuhalten, und wer sich ihr nicht fernhält, wird rücksichtslos entlassen. Kürzlich wurde den Arbeitern, die schon länger bei der Firma beschäftigt sind, eröffnet: man wolle einen festen Vertrag mit ihnen abschließen auf mehrere Jahre, aber nur mit denen, die nicht organisiert seien; die zurzeit noch im Verbände lvärcn, müssen unbedingt ihren Austritt erklären. Durch die mißlichen Verhältnisse gezwungen, verpflichteten sich die Arbeiter, dies zu tun und kehrten der Organisation den Rücken. Ehrcnwörllich mußten sie diese Erklärung abgeben. Mittels des schlimmsten Terrorismus ist nun die Bahn frei, auch die übrigen Arbeiter der Abteilung dem absolu- tistischen Willen der Direktion zu unterordnen. Zwei Lohnklassen werden jetzt geschaffen, die jüngeren bekommen b5Pf., die im Vertragsverhältnis stehenden 60 Ps. pro Stunde. Herrn Bogel liegt anscheinend der letzte Streik noch arg im Magen und die Besorgnis, daß dies ivieder eintreten köniite, treibt ihn dazu, den Arbeitern das Koalitionsrecht zu verbieten, um den dreimal geheiligten Profit der Firma zu sichern. DaS Koalitionsrecht ist enr auch dem Arbeiter gesetzlich ge- währteS Recht! Aber kein Staatsanwalt schreitet ein, kein national- liberaler Freiheitsschwärmer erhebt seine Stimme zum Schutze der rechtlosen Arbeiter, kein Unternehmerblatt nimmt von diesem TerroriSmuS Notiz. Aber gerade dieser Terror wird den Arbeitern die Augen öffnen und sie veranlassen, sich den gewerkschaftlichen Organisationen anzuschließen._ Christlicher Schwindel. Die Zentrumspresse und der„Deutsche Metallarbeiter" iOrgan des christlichen Metallarbeiter-Verbandes) suchen den für die Arbeiter glücklich verlaufenen Lohnkampf bei der Firma W u r a g in Hohen- limburg in jeder Art j�u diskreditieren. Sie faseln von Kontrakt« bruch, den die zum Teil dem sozialdemokratischen Metallarbeiter- Verbände angehörenden Arbeiter begangen hätten. Dann aber heißt es in ihren Preßnotizen: „Im Verlaufe des Streiks sind schwere Ausschreitungen vor- gekommen. Im Fabrikbureau sind sämiliche Fensterscheiben zer- trümmert, ein Automobil schwer beschädigt, und erst, nachdem der Regierungspräsident und der Landrat von Iserlohn vermittelnd eingegriffen, ist eS zur Beilegung de« Kampfes gekommen.... ES liegt uns fern, die Streikenden selbst dafür verantwortlich zu machen. Zweifellos aber ist, daß das provokatorische Verhalten der führenden Genossen und besonders de« sozialdemokratischen Blattes, der„Lüdenscheider Volksstimme", jene Stimmung zu er- zeugen mitgeholfen hat. die in den Ausschreitungen sich ent- lud."-... Ein frecherer Schwindel ist wohl niemals in die Welt geietzt worden. Festgestellt ist. daß kein Streikender an den Ausschreitungen beteiligt war. Dies wurde sogar durch die Hohenlimburger Behörde bestätigt. Die Ausschreitungen wurden durch die Htutzegardisten und Sieben monatS» linder verübt, die ungefähr 65 Mann stark ihren Einzug hielten und sich reKt provokatorisch benahmen. Es gehört anscheinend zum Geschäft der Christlichen, gegen freiorganisierte Arbeiter und Sozial- demokraten mit Verleumdungen zu Felde zu ziehen. Huslanri. Sieg der streikenden Naphthaarbeiter. Der Streik der Naphthaarbeiter geht seinem Ende entgegen. Es streiken nur noch zirka 5000 Arbeiter bei dem Naphthakonig Nobel und einige kleinere Betriebe. Mehr als drei Viertel aller streikenden Arbeiter, d. h. üb«r 80 000Arbeiter habenden größten Teil ihrer Forderungen durchgesetzt und die Arbeit wieder aufgenommen. Man hofft in Baku, daß es den Streikenden gelingen würde, auch den Widerstand Nobels zu brechen. Dann werden die Naphthaarbeiter von Baku einen Sieg auf der ganzen Linie feiern können. Wie uns nachträglich aus Baku geschrieben wird, zeichnete sich der diesjährige Streik der Naphthaarbeiter durch eine erstaunliche Aktivität der nichtqualifizierten Arbeiter aus, die hier zum größten Teil aus Persern und Tataren bestehen. Feste Disziplin und da» Fehlen jeglicher Exzesse feiten» der Arbeiter bildeten das Wahrzeichen des Ausstandes. Cencbta- Zeitung. Eine treffende Kennzeichnung. Die Federarbeiterin Förster klagte gegen die bekannte Firma M u h m a n n u. C o. auf Zahlung von 20 M. Lohn für gelieferte b'/« Dutzend Federn. Die Firma wendete mangelhafte Ausführung der Arbeit ein, hatte aber im Vortermin bereits 7,30 M. anerkannt, jedoch noch nicht gezahlt. Ein Sachverständiger bekundete, daß man mit dem der Klägerin eingehändigten Material auf leinen Fall Federn liefern könne, die dem Muster entsprächen. Die Vertreterin der Beklagten stellte sich trotzdem auf einen ablehnenden Standpunkt. worauf der Vorfitzende sarkastisch meinte:„AuS einem Rasierpinsel läßt sich nun mal kein Paradiesreiher machen". Durch Urteil wurde der Klägerin ihre Forderung in voller Höhe zugesprochen. .„ Da«„energielose" Pumpgenie. Frankfurt«. M., 0. September.(Telegraphischcr Bericht.) Unter großem Andrang des Publikums fand heute vor der Straf. ßammer die Verhandlung gegen den ehemaligen Offizier des Frank furtcr Bczirkskommandos, Major a. D. Graf Eugen V. A e r tz- Berg, statt. Geladen waren 13 Zeugen, meistens ehemalige Geld- geber des Angeklagten und Geschäftsleute, die ihm Summen von 300 bis 48 000 M. geliehen und Waren auf Kredit geliefert haben. Ferner sind mehrere Sachverständige und Psychiater geladen. Der Angeklagte ist in Rio de Janairo als Söhn eines Teut- schen und einer Brasilianerin geboren und besaß dort als vätcr- liches Erbe erhebliche Güter. Er gehörte dem aktiven Heer bis 1000 an und war dann als Offizier bis 1011 dem hiesigen Bezirks- kommando zugeteilt. Er hat seit Jahren unter Hinweis auf seine brasilianischen Güter zahlreiche Personen, namentlich M i t g I i e- der von Kriegervereincn, um bedeutende Summen betrogen. Die Anklage legt ihm zur Last, Surch 13 selbständige Handlungen vollendeten und versuchten Betrug verübt und einen fahr- lässigen Falscheid geschworen zu haben. Graf v. Aertzbcrg bekennt sich in allen Punkten unschuldig. Bei der Vernehmung erklärte er, daß er bei dem Verkauf seiner Grundstücke in Brasilien 360 000 M. erlöst habe, die noch vorhan- denen Liegenschaften schätzt er ebenfalls etwa so hoch ein; seine Zinsen aus diesen Grundstücken seien ihm aber aus Brasilien nicht nachgeschickt worden. Der Angeklagte will zahlreiche Angebote auf seine Güter erhalten haben; doch weist die bei ihm beschlagnahmte umfangreiche Korrespondenz davon nicht das geringste auf. Graf v. A e r tz b e r g hat nun seinen vielen Gläubigern stets seine Grundstücke gegen ihre Geldsummen verpfändet. Sic ließ et sich zum Beispiel von dem verstorbenen Generalkonsul Mattes- Frankfurt 48 000 M. und von einem entfernten Verwandten, dem Hauptmann v. Weber, 14 000 M. geben.'Bis 1010 will er schuldenfrei gewesen sein, dann aber hat er durch sein kostspieliges Leben eine Schulde nla st von rund 100 000 Mark auf sich geladen, doch könne es auch bedeutend mehr sein. Seine Pension verpfändete er verschiedenen Versicherungsgesellschaften. Am 24. Januar d. I. leistete er den Offenbarungseid. Bei der Erörterung der Verpfändung des Familienschmucks an da? Wiesbadener Pfandhaus stellt sich die bis dahin unbekannte Tatsache heraus, daß er seit 19<)0 mit seiner ehemaligen Haus- hälterin verheiratet ist. Seit 1907 steht er auch mit einem jungen Mädchen in Beziehungen, denen ein Kind entsprossen ist. Die Zeugin Julie Kr a n z, mit der der Graf das Verhältnis unterhielt, hält den Angeklagten für geistig normal und hat ihn für einen sehr wohlhabenden Mann gehalten. Sie wohnte auf seine Kosten in einer Wohnung, die 3200 M. kostete und erhielt monatlich 600 bis 700 M. Der Graf sieht dieses Verhältnis als den Grund seines finanziellen Zusammenbruchs an. Auch alle übrigen Zeugen erklären, daß der Angeklagte geistig durchaus normal und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen sei; nur Justizrat Dr. Thiele hält ihn für geistig defekt, einen Morphinisten und früheren Malariakranken. Zu einem anderen Urteil als die Zeugen kamen die Sachver- ständigen. Gerichtsarzt Dr. Roth hält den Angeklagten für einen schlaffen, energielosen und gei st ig minderwertigen Menschen; ebenso läßt sich der Vertreter des städtischen Kranken- Hauses dahin auS, daß der Graf vonsehrgcringerJntelli- genz gewesen sei und stellt die Diagnose auf fortschreitende Ader- Verkalkung im Gehirn. Auch der Psychiater Dr. R ä k e spricht sich nach längeren Ausführungen für die Ueberweisung des Angeklagten in eine öffentliche Irren an st alt aus. Seinem Urteil schließt sich der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. R e i ch a r d t an. Staatsanwalt Keller widerspricht dem Gutachten sehr scharf und hält den Angeklagten auf Grund der Verhandlung für durchaus geistig normal und Herr seiner Sinne. Nach längerer Beratung gab der Gerichtshof dem Antrag der Gutachter statt und überwies den Angeklagten nach siebenstündiger Verhandlung zur Beobachtung seines Geisteszustandes auf vor- läufig sechs Wochen der Frankfurter Irrenanstalt. Das Gericht hätte nicht den Angeklagten, sondern seine Glau- biger einer Irrenanstalt überweisen sollen. Welche Summen hätte der Mann erst zusammengebracht, wenn er geistig normal, mit Durchschnittsintelligenz, und kraftvoll und energisch gepumpt hätte! Gönnen wir den Betrogenen ihren Reinfall, den sie der Anbetung von Uniform und Adelstitel zu danken haben. Jugendliche Einbrecher, die als Spezialität Einbrüche in Juweliergeschäfte in Berlin und den Vororten verübt hatten, wurden gestern der 2. Ferienstrafkammer des Landgerichts 1 vor- geführt. Wegen fortgesetzten schweren Diebstahl» bzw. gewerbs- mäßiger Hehlerei waren die Schlächter Johann und Alexander C i ch a n s k i, Gustav T ch i l i u s k N und der aus Krakau stammende Uhrmacher Alexander Waldbcrgcr angeklagt.— Die zum Teil schon erheblich vorbestraften Angeklagten bildeten in den Monaten Mai und Juni dieses Jahres den Schrecken der Berliner Juweliere und Goldwarenhändler, da sie bei ihren nächt- lichen Raubzügen in einer Weise zu Werke gingen, gegen die es eigentlich überhaupt keinen sicheren Schutz gab. Die Einbrecher durchschnitten nämlich entweder die vor den Schaufenstern besind- lichen Drahtgitter, oder sie hoben die schweren eisernen Jalousien hoch, zertrümmerten dann die Schau sensterscheibe und räumten dann in aller Gemütsruhe das Schaufenster aus. Auf diese Weise erbeuteten sie in der Nacht zum 1. Juni bei dem Juwelier Schröder in der Jmmanuelkirchstraße Gold- und Silberivaren im Werte von 2000 M. Zur Anklage standen sechs derartige Fälle, bei denen den Dieben stets Goldsachen von erheblitfcm Werte in die Hände gefallen waren. Der größte Teil der DiebeSbeutc wanderte zu dem Mitangeklagten Waldberger, der damit ein gutes Geschäft machte.— Mit Rücksicht auf die hohe Gemeingefährlichkeit derartiger Diebstähle beantragte der Staatsanwalt Zuchthausstrafen von 1 bis 3 Jahren. Das Gericht erkannte gegen Alexander Eicha»Ski auf 2i4 Jahre, gegen Johann C. und Schi- linSki auf je 3 Jahre Gefängnis und gegen Wald- b e r g e r wegen einfacher Hehlerei auf 2 Jahre Gefängnis sowie auf je 5� I a h r e Ehrverlust. Heimliche Liebe. Wegen Entführung einer Minderjährigen und Widerstands gegen die Staatsgewalt hat das Landgericht B r e s l a u am 4. Juli diese» Jahres den früheren Schutzmann, späteren Kaufmann und Gewerbeschreiber Paul Marx zu einem Jahr und einem Monat Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte, ein verheirateter Mann und Vater von sieben Kindern, hatte im vorigen Jahre ein intimes Verhältnis mit einem damals siebzehnjährigen Mädchen, einer gewissen Margarete Fr., die er. da er damals als Rechtskonsulent fungierte, in seinem Bureau als Kontoristin bc- schästigte. Da der Vater des Mädchens den Lebenswandel seiner Tochter nicht gutheißen konnte und dieser deshalb zu Hause oftmals Vorhaltungen machte, veranlaßt- sie der Angeklagte im Juli v. I. Breslau heimlich zu Verlasien und unter falschem Namen in der Provinz eine Kontor st ellung anzunehmen. Da der Bater der Fr. auf der Suche nach seiner Tochter auch die Polizei in Anspruch nahm, wechselte das Mädchen öfters ihren Wohnsitz und hielt sich nacheinander in Schweidnitz, Reichenbach, Zobten und anderen Orten auf, wo sie der Angeklagte überall öfters auf einige Tage besuchte. Im Herbst v. I. kehrte sie dann auf Veranlassung deS Angeklagten wieder nach Breslau zurück und zog zu dem Angeklggten in dessen Wohnung, die seine Frau mit den Kindern inzwischen verlassen hatte, d. h. der Angeklagte hielt da» Mädchen in seiner Wohnung versteckt. Er hatte ihr sogar unter Drohungen verboten, jemals di« Wohnuna zu verlassen oder sich auch nur am Fenster zu zeigen. Der Vater des Mädchen« aber forschte inzwischen weiter nach dem Verbleib seiner Tochter. Als die Polizei dann durch einen anonhmen Brief davon erfuhr, daß der Angeklagte das Mädchen in seiner Wohnung versteckt halte, erschien am Morgen des 24. April d. I. ein Kriminalkommissar in der Wohnung des Angeklagten und forderte diesen zunächst auf, da? cuic verschlossene Zimmer seiner Wohnung, in dem man das Mädchen vermutete, zu öffnen. Als der Angeklagte sich ivcigerte, ließ der Kommissar sich weitere Schutzleute kommen, um den An- geklagten festzunehmen und die Wohnung gewaltsam zu öffnen. Der Angeklagte aber trat den Beamten mit ge- lade n e m Revolver entgegen, drohte zu schießen und leistete bei seiner Festnahme hartnäckigen Widerstand. Aus Grund dieses Talbestandes hat das Landgericht Breslau den Angeklagten, wie bereits erwähnt, wegen Entführung einer Minderjährigen und wegen Widerstands verurteilt. Gegen das Ur- teil hatte der Angeklagte Revision eingelegt, in der er geltend machte, er sei im Laufe der Hauptverhandlung in seiner Verieidi- gung beschränkt worden. Er hatte nämlich beantragt, Briefe der Fr. vorlegen zu dürfen, um durch dieselben zu beweisen, daß das Mädchen aus eigenem Antrieb aus dem Elternhause fort- und zu ihm gezogen sei, daß er also nicht entfährt habe. Das Reichsgericht hielt jedoch die Rüge für unbegründet; denn es sei ohne Rechtsirrtum als erwiesen angesehen worden, daß der Angeklagte die minderjährige Fr. zwar mit deren Willen, jedoch ohne Ein- willigung ihrer Eltern„an einen andern Ort gebracht" Haitis und zwar zu unsittlichen Zwecken. Damit sei eine Entführung im Sinne des§ 237 des Strafgesetzbuches eimvandsrei festgestellt gewesen und einer Vorlegung der Briefe habe es nicht mehr be- dürft, so daß der Antrag des Angeklagten auf Vorlegung der Briefe vom Gericht unbedenklich abgelehnt werden konnte. Das Reichs- gericht hielt deshalb das Urteil für bedenkenfrei und erkannte aus Verwerfung des Rechtsmittels. Huq aller Weit. Der Todeszng der Cholera. Die Cholera wütet auf dem Balkan und den benachbarten Ländern in immer furchtbarerem Maße. Nach einem amtlichen Be- richte der rumänischen Regierung vom 9. d. Mts. über den Stand der Cholera beträgt die Zahl der früheren Fälle 553, die der neuen Fälle 112, 46 Fälle verliefen tödlich, 15 wurden geheilt und 604 sind in Behandlung. Außerdem liegen in den Militärspitälern von TuSmagurele 50, von S u l i n a 25, von S i l i st r i a 50 Kranke. Aehnlich liegen die Verhältnisse in Bulgarien. Dort sind die Bezirke Widdin, Wratz, Plewna, Sistowo für choleraverseucht erklärt worden. Es sind alle Maßnahmen ergriffen worden, um eine Weiterverbreitung der Krankheit zu ver- hindern. Auch auS Ungarn kommen Nachrichten über das Auftreten der Cholera. Das Ministerium des Innern teilt mit, daß im Bereger, Temeser, Krasso-Szörenyer und B a c S- Bodoger Komitat je ein Fall von Eflolera asiatic» festgestellt worden ist.. Ein Raubmord. In dem nahe Hamburg gelegenen Orte M o o r f l e t h ist am Montag ein schwere« Verbrechen verübt worden. Als der am unteren Landweg wohnende Landwirt E g g e r s von der Arbeit nach Hause zurückkehrte, fand er seine Frau erschlagen und erhängt vor. In der Wohnung war alles durchwühlt. Die Untersuchung hgt ergeben, daß Frau EggerS bei der Arbeit im Keller von den Räubern überrascht und hinterrücks erschlagen wurde. Dann begaben sich die Räuber in die oberen Räume, zertrümmerten den Geldschrank mit der Axt und stahlen über 1800 Mark. DaS auf dem Küchentisch liegend« Portemonnaie, sowie die Gold- und Silbersachcn sind unberührt geblieben. Von den Tätern fehlt jede Spur._ Geistige Waffen des Zentrums. Vor einigen Tagen gab der katholische„Münchener Bayerische Kurier" diese Anregung: Die Bayern müssen wirklich törichte Leute sein, daß sie solche fortgesetzte Beschimpfung sich ruhig gefallen lassen und nicht nach der P e i t s ch e greifen, um die Lebewesen, die ihnen das Haus verunreinigen, hinauszutreiben. Die Aufforderung ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Bereit» in Nr. 247 vermag das Organ jubelnd zu melden: Lenggries, 3. Sept. Märtyrer de» Simpli- cissimus. In Winkel kamen vier auswärtige Touristen auf den Simplicissimus und dessen Karikaturenzeichner Gulbransson zu sprechen. Anwesende Bauern mischten sich in das Gespräch, im» sich schließlich so zuspitzte, daß die Bauern über die Gul- bransion-Verehrer herfielen und sie derart verprügelten, daß die Fremden flüchten mußten. Die Schüler haben den Lehrer übertrumpft. Sie haben sich nicht begnügt, den schuldigen Künstler zu mißhandeln, sondern auch die Schufte, die sich seiner Kunst freuen. Immerhin werden „Fremde", die Gefahr laufen, aus Leser der Zentrumspresse zu stoßen, künftig gut daran tun, Orte mit prügellustigen Zentrums- schülern zu meiden._ Kleine Notizen. Absturz eines Fliegers. Der Flieger Senge, ein Angestellter der Aristoplanwerke in W a n n e, verlor in G r e v e n b r o i ch bei einem Gleitfluge mit seinem Apparat das Gleichgewicht und stürzte ab. Schwerverletzt wurde er ins Grevenbroicher Krankenhaus übergeführt, wo er bald nach der Einlieserung verstarb. Abstürze in den Alpen. Die Beamtentochter Eugenie Nester ist vom Montblanc abgestürzt. Die Leiche der Verunglückten konnte nicht geborgen werden.— Auch vom Gipfel des Moni Genevre in den Savoyischen Alpen ist ein Sachse namens Böckrad a b g e st ü r z t u n d e b e n f a l l s t o t..... Eine ganze Familie vergiftet. Nach Genuß von Tollkrrschen tst in Freiburg i. B. eine auS fünf Köpfen bestehende Familie erkrankt. Ein Kind ist im Krankenhause g e st o r b e n. Schreckenstat einer Lehrerin. Die Lehrerin Elise Mistar ,n Lemberg hat ihr fünfjähriges Söhnchen und ihr zweiiahngeS Töchterchen erhängt und darauf Selbstmord bucäüt' hängen verübt ans Gram darüber, weil ihr Mann wegen Spionage verdächtigt wurde..., r,„.. Unglückliche Landung. Bei der in Albt erfolgten Landung des französischen LenkballonS„Adjutant Bmcenot ��Snete sich ein schwerer Unfall. Sieben Mann bei Luftschifferbataillons mttrhpit TSoim(Xrrtrptfen deS KMeVpleiles g II jö 0 o ß n Qßrilfßtt wurden beim Ergreifen des Schleppseiles S" b,c" 9 e r> s sc.. und eine Strecke mitgeschleift. Secks Mann sind leicht, der letzte. der aus einer Höhe von sieben Metern absi.ixzle, tödlich verletzt worden ZAttterunaSübersicht vom s. September ISIS. re s 1= °Z Swinemde. 763 sW ISt"!l|g IÄ lill Wien 1767'®D Winden; Settn MS a* a II mS> Zwolkig I lvoikig,„ lwollenl 12 I wolienl 13 2 heiter i Ii lltDolfenll 12 Ctotionen taparanda etersbur Scilla Abcrdeen Paris eten« L 4 bedeckt ffbedeckt l« olkig iwolkig lwollenl 11 11 1» » 13 Hus der Frauenbewegung. Huf zu den Krankcnkarfcnwahlcn! Die Vorbereitungen zu den Krankenkassenwahlcn, die in Teutschland bis zum 1. Januar stattsinden und nach einem Ministerialerlaß in Preußen bereits am 1. Oktober beendet sein müssen, nehmen jetzt au allen Orten die Kräfte der orga nisierten Arbeiterschaft in Anspruch. Mehr als bisher schon ist diese verpflichtet, ihre Mitglieder zur Beteiligung an der Wahl aufzufordern, weil die in der Reichsvcrsicherungs Ordnung vorgeschriebene Verhältniswahl auch den Gegnern ermöglicht, aus ihren Reihen Vertreter in die Aus- schüsse und Vorstände der Krankenkassen hineinzu bekommen, auch wenn sie nur eine Minderheit darstellen. Diese arbeiten denn auch an allen Orten mit Hochdruck, um eine möglichst große Anzahl Stimnien auf ihre Listen zu ver einigen. Deshalb müssen die auf dem Boden der nioderneu Arbeiterbewegung stehenden Männer und Frauen versuchen, auch ihrerseits alle wahlberechtigten Personen für die Wahlen zu interessieren. Wahlberechtigt sind auch die weiblichen Kassen- Mitglieder, soweit sie über 21 Jahre alt und unbestraft sind. Da sich an der Wahl auch jetzt schon alle die Personen be> teiligen können, die erst von: 1. Januar ab der Krankenversicherung unterstellt sind, so kann der organisierten Arbeiter- schaft durch das in der Krankenversicherung bestehende Frauen- Wahlrecht unter Umständen großer Schaden erwachsen, wenn es nicht gelingt, die Arbeiterfrauen und-töchter, die vom 1. Januar ab als Kassenmitglieder gelten, von der Wichtigkeit der Krankenkassenwahlen zu überzeugen und sie zu veranlassen ihre Stimme zugunsten der von der organisierten Arbeiterschaft aufgestellten Listen abzugeben. Seit Jahrzehnten fordern die Frauen das Wahlrecht zu den gesetzgebenden Körperschaften. In der Krankenversicherung haben sie es. Sie können dort wählen und auch als Aus- schuß- und Vorstandsmitglied gewählt werden. Schon des- halb also müßten alle wahlberechtigten Frauen und Mädchen auch das Wahlrecht ausüben. Den Ausschüssen und Vorständen der Krankenkassen ist es überlassen, den Umfang der Kassenleistungen zu bestimmen. Die Reichsversicherungsordnung setzt, wie bisher das Kranken- vcrsicherungsgcsctz, nur fest, was gewährt werden muß und läßt zwischen diesem und dem, was gewährt werden kann, einen großen Spielraum. Alles, was über die gesetzlichen Mindestleistungen hinausgeht, muß erst vom Aus- schuß beschossen und im Statut festgelegt werden. Bis dahin darf keine Kasse höhere Aufwendungen für die Mitglieder machen. Sie darf z. B. ivcder die vollen Kurkosten für im Kranken- hause befindliche Mitglieder übernehmen, nach den Familien- ungehörigen Unterstützung oder gar freie ärztliche Behandlung und Medikamente liefern. Sie darf kein höheres Krankengeld, auch nicht auf längere Dauer als das Gesetz angibt, kein höheres Sterbegeld zahlen und sie ist auch in der Höhe der Mittel für Medikamente und Heilmittel beschränkt. Zu den höheren Leistungen aber gehört auch die Gewährung von Schwangerenunterstützung, von S t i l l g e l d und die Uebernahme der Kosten für Hebammendienste. Die weiblichen Kassenmitglieder sind an diesen Dingen besonders stark interessiert, deshalb müssen sie auch dafür sorgen, daß Männer und auch Frauen in die Verwaltungskörperschaften hineingewähltwerdcn, die soziales Verständnis haben und befähigt und auch willens sind, für den Ausbau der Kassen zu sorgen. Das Statut kann nicht nur diese Dinge den Mitgliedern garantieren, sondern kann darüber hinaus noch Vorteile da durch schaffen, daß es Grundlöhne für die einzelnen Mit glieder festsetzt, die den wirklichen Verdiensten entsprechen oder ihnen doch nahekommen. Dadurch aber erhöht sich auch der Betrag für das tägliche Krankengeld, für das Sterbegeld, für die Familienuntcrstützung im Krankenhause befindlicher Mit- glieder, die Wöchnerinnen- und Schwangerenunterstützung, kurz, der Betrag, der an materieller Unterstützung überhaupt in Frage kommt. Ob die Vorteile der Krankenversicherung in vollem Umfange den versicherten Arbeiter« und Arbeiterinnen zuteil werden, hängt also von den Kassenmitgliedcrn selbst ab. Sie wählen den Ausschuß, der zu zwei Dritteln aus Arbeitnehmern und zu einem Drittel aus Arbeitgebern besteht. Dieser wählt dann den Kassenvorstand, der in gleicher Weise zusammen- gesetzt ist und dem die Durchführung der statutarischen Be- slimniungen übertragen ist. Kassenvorstand und Ausschuß haben auch gemeinsam an der Ausgestaltung der Kasse zu arbeiten. Da die Kasscnvorständc später die Vertreter zu den Vcrsicherungsämtcrn, diese wieder die Vertreter zu den Oberver- sicherungsämtern, deniReichsversicherungsamtunddenAusschüssen der Landesversicherungsanstalten vorzunehmen haben, so steht da- durch den Kassenmitgliedern ein, wenn auch nur minimaler Einfluß auf dieKörperschaften zu, die als Aufsichts-, Beschwerde- und Schiedsinstanz in der gesamten Arbeiterversicherung fungieren und wichtige Entscheide auf dem Gebiete der Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung zu fällen haben. Darum darf kein wahlberechtigtes Kassennntglied den Wahlen fernbleiben und auch die Iveiblichcn Mitglieder.müssen im vollen Umfange ihr Wahlrecht ausüben. Auch alle erwachsenen Frauen und Mädchen können jetzt schon wählen, die erst vom 1. Januar 1914 ab neu der Krankenversicherung unterstellt sind. die H e i m a r b c i t c r i n n cn, D i e n st m ä d ch c n und u n- st ä n d i g Beschäftigten. Allerdings, wenn für ihren Ort eine Landkrankenkasse errichtet wird, gehören die letzt- genannten in diese Kasse und gehen dadurch ihres Wahlrechts verlustig. In den Landkrankenkassen haben die Kasscnmit- glieder bekanntlich keinen Einfluß auf die Verwaltung. Im anderen Falle aber können sie auch jetzt schon daß Wahlrecht ausüben, wenn sie in den Wählerlisten stehen. Wo und in welcher Weise dies geschieht, erklären für alle Orte die Publi- kationen der Gcwerkschaftskartelle. An den wahlberechtigten Kassenmitglicdern liegt es, dafür zu sorgen, daß geeignete Personen als Vertreter der Mitglieder »Vorwärts" Nr. 23a— Donnerstag, den 10. September 1913. in den Ausschuß gewählt werden. Deshalb rufen wir auch den Frauen zu: Tut Eure Pflicht! vlnekelicke Kinder und Lcgitiinationsftatirtih. Als Matzstab für das sittliche Niveau eines Volkes wird von manchen Moralstotistikcrn mit Vorliebe der Prozentsatz seiner nn- ehelichen Geburten angewandt. Datz es sich dabei um einen Matzstab von recht zweifelhaftem Werte handelt, mutz uns schon die lieber» legung sagen, datz ein uneheliches Kind das Produkt moralisch verschieden zu beurteilender Beziehungen sein kann: es kann sein Leben einer gelegentlichen geschlechtlichen Ausschweifung, einem gewisse sittliche Werte in sich tragenden, wenn auch vorübergehenden Verhältnisse und endlich einer auf gegenseitiger Liebe und Achtung beruhenden dauernden Beziehung, die dann auch meist zur gesetz- lichen Ehe führt. Je nachdem wird sich auch die voraussichtliche Zukunft de? Kindes sehr verschiedenartig gestalten. Aber noch ein weiterer Umstand ist geeignet, die Folgerungen der Moralstatistiker aus dem Unehelichkeitsverhältnis in Frage zu stellen, nämlich die Tatsache, datz zwar sehr�viel Kinder ehelich ge- boren werden, sie aber vorehelich, d. h. vor Schließung der Ehe, ge- zeugt wurden. Das Kgl. Sachs. Etat. Landesamt hat in einer kürzlich von ihm in seiner Zeitschrift veröffentlichten Untersuchung über die L c g i t i m a t i o n unehelicher Kinder in Sachsen in den Jahren 1906—1910 sich das Verdienst erworben, auf diesen sehr interessanten Punkt hingewiesen und das einschlägige Material dazu zusammengestellt zu haben. Nimmt man an, datz die inner- halb der ersten sieben Monaten einer Ehe lebendig zur Welt kommenden Kinder vorehelich gezeugt sind(wobei etwaige Aus- nahmen— Frühgeburten— mehr als ausgeglichen werden durch die Fälle, in denen im achten und neunten Monat der Ebe geborene Kinder vorehelich empfangen sind), so zeigt sich die überraschende Tatsache, datz beispielsweise im Jahre 1903 59,3 Proz. aller im ersten Lebensjahre in Sachsen geborener Kinder unehelich ge- zeugt waren. Dabei ist dieser Prozentsatz der vorehelich Empfangenen am größten in der Berufsabteilung der Ge- Hilfen, Arbeiter, des landwirtschaftlichen Gesindes. In der Landwirtschast kamen in dieser Klasse auf je hundert Lebendgeburten im ersten Ehejahre 67,8 Proz. innerhalb der ersten sieben Monate Geborene, in der Industrie 67,3 und im Handel und Verkehr 67,8. Von den Angehörigen der freien Berufsarten so- wie des Staats- und KomniunaldiensteS waren die niederen Beamten mit 41,0 Prozent, die Rechtsanwälte, Aerzte, selbständigen Künstler mit 30,-2 Prozent, die höheren Beamten, Geistliche, Lehrer, Offiziere mit 14,9 Prozent vertreten. Man ist also auch in jenen höchsten Schichten der Gesellschaft noch recht.menschlich". Das soll beileibe kein Vorwurf sein: im Gegenteil! Aber es wirft doch ein besonderes Licht auf die gerade in jenen Kreisen beliebte Moralheuchclei, die in jedem sich„ohne Ring am Finger" hingebenden Mädchen— natürlich, wennS raus- kommt— eine„Gefallene" siebt. Aber auch die Volkswirtschaftler und Moralstatistiker sollte diese Tatsache bei ihren Schlutzfolgerungen aus dem Anteilverhältnis der unehelichen Kinder auf den sitt- lichen Charakter eines Volkes vorsichtiger machen. Denn für alle in den ersten sieben Monaten der Ehe geborenen Kinder, die, wie gesagt, zwei Drittel aller überhaupt im ersten Ehejahre geborenen ausmachen, hing es doch mehr oder weniger von einem Zufall ab, ob sie als eheliche oder uneheliche zur Welt kamen. Wenn man bei diesen komplizierten, sich der Beurteilung durch einen Dritten meist entziehenden Verhältnissen überhaupt einen Matz- stab anlegen will, so kann es nur der der Verantwortlichkeit gegenüber der Nachkommenschaft sein. Das Volk hat sich, wenn auch in etwas roher Form, diesen Matzstab schon längst zu eigen gemacht: eS betrachtet den Mann, der ein Mädchen schwängert und nachher„fitzen" läßt, wenn ihn nicht triftige Gründe entschuldigen, als ehrlos. Bei den„Gebildeten" ist es oft umgekehrt; hier gehört schon eher Mut dazu, ein defloriertes Mädchen, auch wenn man selbst der Verführer war, zu heiraten und Verlust der bürgerlichen und gesellschaftlichen Stellung ist häufig die Folge. Sonst würde hier der Prozentsatz vorehelich gezeugter Kinder unter den ehelich geborenen wahrscheinlich noch viel größer sein als oben angegeben. Dieses Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Nachkommenschaft zeigt sich außer in der Eheschließung' vor Geburt des Kindes auch in der späteren Heirat und Legitimierung deS uneheliche» Kindes. Die sächsische LegitimationSstalistik gibt hier interessante Ziffern. In dem Jahrfünft 1906—1910 wurden in Sachsen 35 773 Kinder durch Eheschließung der Eltern legitimiert. Da in derselben Zeit 93 333 lebendgeborene uneheliche Kinder gezählt wurden, so betrug also der Prozentsatz der Legitimierten 36,4 Proz.(gegen 28,3 Proz. in den Jahren 1865—70). Zieht man die ziemlich hohe Sterblichkeit der unehelichen Kinder in Betracht, so läßt sich schätzen, datz weit weniger als die Hälfte der Unehelichen unlegitimiert blieben. Es ist dies jedenfalls ein recht günstiges Ergebnis. Unter den Legitimierten befanden sich 17 776 Knaben und 17 997 Mädchen. Was das Alter der legitimierten Kinder anbelangt, so standen 41,8 Proz. im ersten Lebensjahre, als ihre Eltern die Eheschließung vornahmen, 41,5 Proz. waren über 1 bis 3 Jahre alt und nur 16.6 Proz. über 3 Jahre. Am raschesten entschließen sich im allge- meinen die Angehörigen der Landwirtschaft zur Legitimierung eineS vorehelichen Knrdes durch Eheschließung. Auffallend niedrig ist der Prozentsatz bei den höheren Beamte». Geistlichen, Offizieren usw., wo nur 10,7 Proz. der Kinder vor Vollendung ihres ersten Lebens- jahreS legitimiert wurden und 21,4 Proz. mehr als 5 Jahre alt waren, als die Heirat erfolgte. Ein Alter von über 10 Jahren bei der Eheschließung der Eltern hatten von allen legitimierten Kindern nur 0.31 Proz. Bei den Industriearbeitern sank diese Ziffer auf 0,19 Proz. herab, stieg dagegen bei den höheren Beamten, Offizieren usw. auf 7,14 Proz. Wenn man also die möglichst baldige Eheschließung als Mahstab für die Stärke des VerantiportlichkeitSgefühls gegenüber dem unehelichen Kinde nehmen will, so würden dabei die Vertreter der obersten Gesellschaftsklassen recht schlecht abschneiden. Indessen wäre es ungerecht, wollte man hier die größeren Schwierigkeiten, die einer frühen Eheschlietziing im allgemeinen im Wege stehen, außer ackit laffen. Endlich sei noch zur allgemeinen Orientierung bemerkt, datz von je 100 Vätern unehelicher legitimierter Kinder der Landwirtschaft angehörten 4.9, der Industrie 75,9, dem Handel und Verkehr 11,6, dem öffentlichen Dienst und den freien Berufen 7,3. Es mutz dabei der große Anteil der Industrie und der geringe der Landwirtschaft, der der sonstigen Stellung der beiden BerufSabteilungen im König- reich Sachsen keineswegs entspricht auffallen. Das Erwachen der türkischen Frauen. In Konstantinopel ist ein Komitee zur Verteidigung der Frauenrechte gegründet worden. Wie der frühere Finanzminislcr D j a v i d B e y, Delegierter zur Pariser Finanzkonferenz, in der„Humaniis" erzählt, handelt es sich bei diesen Bestrebungen um nicvlS ganz NeueS. Sie sind vielmehr so alt wie die neuere politische Entwickelnng der Türkei. Sofort nach dem Sturze Abdul Hamids, an deffen Vorbereitung auch schon Frauen in großem Matze beteiligt gewesen waren, begann di� Bewegilng für die geistige Befreiung der mohammedanischen Frau. Materiell- rechtlich war diese stets gleichberechtigt: freie Herrin ihres Eigentums, befugt zu allen Rechts- geschästen, zum Handelsbetrieb usw. lim so schlimmer aber war die Hemmung des ganzen geistigen Lebens, die nun plötzlich wegfiel. Vier Tage nach der Revolution fand in Saloniki eine Versammlung statt, in der Djavid Beh über die neuen politischen Aufgaben sprach, und der tausend mohammedanische Frauen beiwohnten. AllerwärtS wurden Frauenversammlungen abgehalten, in denen die Frauen sogar vielfach unverschleiert erschienen, bis die Regierung, um dem reaktionären Fanatismus, der durch solchen„Umsturz der Religion, Moral und Familie" genährt wurde, den Anlaß zu nehmem der neuen Bewegung Schranken setzte. Indessen ging die Bewegung für die geistige Bewegung der Frau weiter. In Saloniki wurden Zeitungen, in Konstantinopel eine Zeitschrist für die Mohammedanerinnen heraus- gegeben. Von der hervorragenden Schriftstellerin Haiide Hanum. deren Werke in englischer Uebersetzung großen Erfolg erzielt haben, wurde die„Gesellschaft zur Aufrichtung der mos- l e in i s ch e n Frauen" gegründet, die sich die materielle und geistige Hebung der Frauen zur Aufgabe macht. Sie veranstaltete wöchentliche Versammlungen mit literarischen, geschichtlichen, poli- tischen Vorträgen, die bald verdoppelt werden mutzten. Ein Zeichen des Erwachens ist auch die Zunahme der Reisen ins Ausland. Unter dem alten System war die Ueberschreitung der Grenze der Frau streng— selbst zum Zwecke der Aufsuchung eines aus- ländischen Arztes— verboten. Die lebhafteste Bewegung aber brachte der Krieg. Viele Frauen widmeten sich der Pflege der Verwundeten im Dienste des Roten Halbmonds. Ein Teil brachte Tag und Nacht in den Lazaretten zu und leistete Treffliches. Als die Greuel der christlichen Eroberer, insbesondere der Bulgaren bekannt wurden, veranstalteten die Frauen Massen- Versammlungen, um zu protestieren und den Widerstand anzufeuern. Frauen aller Stände opferten dort ihren bescheidenen oder aus kost- barstem Geschmeide bestehenden Schmuck auf ausgestellten Platten. Noch heute sind weibliche Werkstuben zugunsten der Verwaisten tätig. Auch nach Wiederherstellung des normalen Standes wird die Er- ziehungsarbeit fortgesetzt werden.„Wir werden nicht aufhören, an der Entwickelung des Unterrichts uud der Erziehung der Frauen zu arbeiten. Denn wir denken, daß die Erhebung unseres Landes das erfordert." Frauenstimmrecht und Ehescheidung. Von den Gegnern der Frauenbewegung wird gern behauptet, datz in den Landern, in denen die Frauen das Wahlrecht haben, die Ehescheidungen � besonders häufig seien, daß also das Frauenstimmrechl die Auflösung der Familie zur Folge habe. Dabei wird immer ans Amerika hin- gewiesen, das den größten Prozentsatz von Ehescheidungen aufzuweisen habe. Allerdings ist die Zahl der Ehescheidungen in Amerika sehr hoch. Auf 100 000 Einwohner kommen 42 Ehescheidungen. Die Statistik lehrt uns aber, datz Amerika noch übertroffen wird, und zwar von einem Lande, in dem die Frauen bisher keine politischen Rechte besitzen: von der Schwei z. Die Schweiz steht an der Spitze der Länder mit häufigen Ehescheidungen, dort kommen auf 100 000 Personen 43 Scheidungen, Frankreich hat nur 33, Sachsen 32, Preußen 23. England 17 und Bayern 10 aufzuweisen. Aus diesen wenigen Ziffern geht deutlich genug hervor, daß man Frauenrechte und Ehescheidungen in keinen Zusammenhang bringen kann, denn sonst müßte mindestens England bedeutend mehr Ehetrennungen aufzuweisen haben, als das im Punkte Frauenrecht besonders rück- ständige Preußen. Gefundbeitspflege des Kindes. Säuglingssterblichkeit und Geschlecht. Wie der Leiter der Bakteriologischen Abteilung am Rudolf-Virchow-KrankenhauS, Dr. Liesmann, in der„Deutschen medizinischen Wochenschrift" berichtet, hat die abnorme Hitzeperiode, die wir bereits in der Zeit vom 27. April bi« zum 1. Mai dieses JahreS zu verzeichnen hatten, die Säuglingssterblichkeit ganz auffallend in die Höhe schnellen laffen. Die sonst erst in den heißen Sommermonaten auftretende Steige- rung der Todesfälle setzte bereits Ende April ein. Ein so früher Beginn ist in Berlin, seit 25 Jahren nicht beobachtet worden. Am letzten Tage deS Mai und am Anfang des Juni bewirkten dann die hohen Temperaturen— am Mittag des 31. Mai wurden 30.1 Grad Celsius notiert— abermals eine bedenkliche Vermehrung der Tode?- fälle unter den Säuglingen. Dabei wurde eine recht merkwürdige Beobachtung gemacht. Der Aufstieg der Sterblichkeit betraf nicht etwa beide Geschlechter gleichmäßig, sondern in erster Linie die— Knaben. Offenbar trifft der Einfluß der Hitze die Knaben schwerer als die Mädchen. Dr. Liesmann glaubt nicht, daß hier eine besondere Empfindlichkeit der Knaben gerade hohen Temperaturen gegenüber vorliegt. Säug- linge männlichen Geschlechts Pflegen ja bei den verschiedensten Schädigungen leichter zn unterliegen als gleichaltrige Mädchen. Immerhin ist es auffallend, datz das weibliche Geschlecht' auch in späteren Jahren weniger hitzeempfindlich zu sein scheint als das männliche. In der von Dr. Liefmann beobachteten Hitzeperiode starben auf 100 Mädchen etwa 182 Knaben. Auch in anderen Hitze- Perioden zeigte sich dieses eigenartige Verhältnis. ES ist keine Frage: die Knaben erkranken an heitzen Tagen akuter und daher bei kürzeren Hitzeperioden in wesentlich größerer Zahl. Bei lang- andauernder Hitze— wie z. B. im Jahre 1911— gleicht sich der Unterschied mehr und mehr auS. Tchwangerfchaftsfürsorge. Die zahlreichen Störungen in der Schwangerschaft und im Wochenbett machen nach den Ausführungen Dr. Amand Routh's im„Brit. med. Journal" eine Beratung und Ueberwachung der Frauen schon während der Schwangerschaft not- wendig. So sollten besonders regelmäßige Urinuntersuchungen, in geeigneten Fällen auch Harnstoffbestimmungen, bei voraus- gegangenen Aborten Untersuchung auf Syphilis ausgeführt wer- den. Die besten Resultate würde die Unterbringung der Frauen schon vor der Entbindung in Schwangerschaftskliniken ergeben. Eine auch nach der Geburt fortgesetzte häusliche Kontrolle soll eine rationelle Säuglingssterblichkeit erstreben. Rasensteine. In der„Deutschen medizinischen Wochen» schrift" berichtet Dr. Hcinemann-Berlin über Nasensteinc. Kleine Kinder stecken sich bekanntlich häufig Fremdkörper aller Art: Erbsen, Bohnen, kleine Sternchen. Knöpfe und dergleichen in Ohr und Nase. Fremdkörper, die in der Nase liegen bleiben, verbinden sich mit der Zeit mit Kalksalzen und bilden so den Kern der Nasensteinc. Die Nasensteine enthalten ausnahmslos einen Fremdköprer im Innern. Ist der abgelagerte oder umhüllende Kalk sehr porös, so siedeln sich in den Poren die in Mund und Nase weitverbreiteten Stinkbakterien an und verbreiten Düfte, die nur noch vom Geruch der syphilitischen Stinknase übertroffen werden. Ist der Stein kompakt, so kann der üble Geruch fehlen. Es bestehen dann nur die Zeichen einer einseitigen Nasenaffcktion, die immer auf Fremdkörper verdächtig ist. Sriefkatten der Redaktion. Itt turlftiinic Cprcfflnunoe flnbtt v t n 6 t n(t i a 6 t«iv, vor» vi« Tre»»«« — Sa Dt ii uM—, wachraläglich von bis Uhr oscnM, Sonnavcnv», »an svj, bis 6 Uhr adendS stau. Jedtt sür den vrirflaften bestimmten«nfrngt ist ein Buchstabe uub eine Zabt als Mertjeichen betzufstgen. Briefliche Aniwar, wirb»ich: erteilt,«l-ir-gen. denen«eine Abauncmenisaulltnng beigefügt t«, «ernn nich, beantmartet. Etllge Frage»«rage man tu der eprechstuade bar. Besch. 1883. Den Antrag stellen Sie am zweckmäßigsten sojort schrift- Uch. Vertagung des Termins können Sie auch nach Vernehmung der Zeugen beantragen, es ist aber sehr zweifelhaft, ob da« Gericht aus diesen Vertagungsantrag eingehen würde.— F. B.«. i. Das hängt»on dem Inhalt des zwischen dem Eigentümer und dem Konsunwerein geschlossenen Vertrages ab. Jcdensalls bildet die von Ihnen erwähnte Talsache keinen ausreichenden Grund zur Lösung de» zwischen Ihnen und dem Konsum- verein geschlossenen Vertrages. 2. An den Vorstand des Konsumvereins. — 31. M. 100. Das sind keine SchcidungSgründc. Gegen Ihren che- maligen Freund können Sie nur dann vorgehen, wenn aus Ihren Antrag hin die Ehe wegen deS Verkehrs geschieden ist. Die Partei kann sich in derartige Angelegenheiten nicht hineinmiichen.— X. X. 13. Ihre Fragen lassen sich nicht bestimmt beantworten, da in Ihrem Schreiben nicht an- gegeben Ist. wo der erste Ehewohnsitz Ihrer Eltern gewesen ist. Danach richtet sich die Erbsolge. Auch komml es daraus an, ob ein Testament vor- liegt oder nicht. Im übrige» müssen wir es ablehnen, wiederholte Ant- Worten zu crtelle», selbst dann, wenn Ihnen von anderer Seite eine andere Auskunft gegeben ist.— I. S. 8. Leider nicht. Das läßt sich eventuell nur in Güte erreichen.— F. T. 8. Ja.— F.®. 100. 1. Nur dann, wenn ein jährliches Einkommen von mehr al» LOOO M. versteuert wird. 2. Ja.— A. K. 4. Sofern im MietSvertrage da» Halten von Tieren verboten ist. sind Sie zur Abschaffung verpflichtet. Der Hauswirt kann nach Ablauf der Frist entweder aus Abschaffung oder auf Räumung klagen. Werden Sie zur Räumung verurteilt, so bleiben Sie für die Miete weiterhin hastbar.— Q. H. 0. Leider ja.— M. 39. 74. Hinterlegen Sic die Miete unter Vorlegung des MietSvertrage» und des Schreibens deS Anwalt«.— M. Z. 1811. 1. n. L. Ja. R. St. SS. 15 M.- Albert 13. Läßt sich nicht seststellen.— Fritz Heuer. LebenSuntcrhall stellt sich dort mindestens ebenso teuer wie hier. Lohnvcrhältnisse ebenso verschieden wie hier.— R. F. Bücher wird es hierüber nicht geben. Ob Lehrlnrse, erfahren Sie bei dem Direktor der städtischen Fachschule, Herrn Hrabowski, Warschauer Str. 60 II. — Kurgast. In Badeorten, klimatischen und sonstige« Kurorten, könne« die Gemeinde» für die Herstellung und Nnfcrhaliung ihrer zu Kurzweckett gelroffenen Veranstaltungen Kurtaxen erheben, isic müssen bezahlen, au' wenn Sic sich an nichts beteiligen.— H. H. IS. Das läht sich jetzt no> nicht übersehen.— K. L. 18. 1. Die Umschreibung ist zulässig. 2. Die Erklärung muß seitens des Mannes persönlich abgegeben werden. Bcvoll- mächtigung ist nicht zulässig.— R. Ai. 11. t. Unseres Erachtens nicht. S. Beschwerde gegen den PsändungS- und UcbcrwcisungSbcschluß bei dein Amtsgericht, welches diesen Beschluß erlassen hat.— R. SS. 7K. Wieder- holen Sic Ihre Anfrage und geben Sie noch an, wann die Ehe geschlossen ist und wo der erste Ehewohnsitz gewesen ist.— E. SS. 89. I. Rur dann, wenn Sie unier Berücksichtigung des eigenen und des Unierhalts der Familie zahlungsfähig sind. 2. Ja, und zwar aus den Pflichtteil. 3. Ja. — G. K. Ohne Kenntnis der Familicnocrhältnissc und der(wlic Ihres ArbcilsucrdicnstcS lassen sich die Fragen nicht beantloortcn.— öi. Lichtenberg. Ja, sofern tatsächtlich Äütcrgcnicinschast besteht. Ob dicS der Fall ist. läßt Ihr Schreiben nicht erkennen.— Zt. K. 18. Fordern Sie den Vermieter unter Setzung einer Frist zur Renovierung aus und drohen Sic, daß Sic nach Ablauf der Frist die Arbeiten aus Kosten des Vermieters machen lassen werden. Die Kürzung der Kosten von der Miete ist jedoch nicht zulässig. Sic müssen den verauslagten Betrag, falls Zahlung oer- weigert wird, im Klagewege geltend machen.— I. S. 19. Ohne Einsicht» nahine in den MicISvertrag nicht zjr beantworten.— St. K. 817. Ihre Angaben reichen nicht aus, komuicnWieiii die Sprechstunde.— Genf 34. 1. und 2. Ja. o. und 4. Das richket sich nach den Gesetzen des» jenigcn Landes, in dem der Betrcssendc sich anshält.— A. H. So» weit ersichtlich, ja.— P. K. 18. Die Einstellung geschieht zu verschiedenen Terminen. Erkundigen Sie sich diretl bei dem Marineteil. — A. B. 1000, 1. Nein. 2. und 3. Strafbar machen Sic sich nicht. Eine solche Handlung ist aber unfair.— S M. S9. 1. und 2. New. — SS. it. 1S70. Der Mann muß die ischciduugSilagc besonders erheben. Todes-Anzeigen � SozialdernokratisclierWahlverein Ii. 4.ßerl. ßeietistajiswahikreis. Stralauer Viertel. Bez. 335. Den Mitgliedern zur Nachricht,! daß unser Genosse, der Gastwirt I Hermann v. Rein Warschauer Str. 78 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet amj Freitag, den l2. September, nachmittags 3>/, Uhr, von der] falle des Zentral- Friedhofes in ricdrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/2 Der Vorstand. ßnzialdemlllssafoeltti'Valilvei'e!!! I. i 4, Beil. Reiehstagswahlkreis. Petersburger Viertel. Bezirk 352. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Frau Marie Wagner (Petersburger Str. 80) gestorben ist. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 11. September, nachmittags l'/j Uhr, von der Halle dcsZcntralsriedhojcs in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/1 Ven Vorstan«!. Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Wilhelm Müller (Maxstr. 13g) am 8. September an Rückcnmarkleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 11.«cptembcr, nachmittags 5 Mir, von der Leichen- Halle des Nazarctb-KirchhoseS in Rcinickcndorj, Kögelstraßc, aus statt._ Ferner starb unser Mitglied, der Schleifer Karl Werner (Neukölln, Prinz-Handjerystr. 25). Die Beerdigung" findet morgen Donnerstag, den 11. September, nachmittags 3 Uhr, vondcrLcichen- halle des Gemcinde-FricdhosS in Neukölln ans statt. Ferner starb der Former unser Mitglied, Wilhelm Hauß. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 11. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Kirchhofes in Ahrensfelde aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 125/14 Gie Ortsverwaltung. SozialdemokratisciierWaiilfeFein Kreis Kiederliamiin. Bezirk Wclßeusee. Nachruf.' Am Sonnabend, den 6. Sep- tcmber 1913, verstarb unser Mit- glied, die Genossin Klara paulisdi im Alter von 28 Jahren. Ehre ihrem Andenken t Die Beerdigung findet heute in Chemnitz statt. 18/6 Der Vorstsn«!. fleuiselier BuiÄöer-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Kollege kVifcz KohBer gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 10. September, nachmittags 4 Uhr, aus dem Fried- hos in Erkner, Wilhelmstraße 32, statt. 24/14 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Lrtöverwaltung. Am 8. September verstarb nach langen Leiden unser lieber Vater, Ur-, Groß- und Schwiegervater FenUnaml Pavel. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Donncrstagnachmiltag 5 Uhr von der Leichenhalle des Reuen Ja- kobi-Kirchhoses in Neukölln aus statt._ 21806 Zentral-Yerband der Töpier u. BeruisgeRosseii Deutschlands. Filiale t»i«11 Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, � daß unser Kollege Robert Lorenz (Bezirk Schönhauser Vorstadt) am Sonntag, den 7. September, in: Alter von 28 Jahren am Hitzschlag verstorben ist. Ehre seinem Andenken Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 10. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes aus statt. 192/20 Um rege Beteiligung ersucht Ber Vorstand. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung ineincs lieben Mannes, unseres guten Vaters sage ich allen Be- kannten und Verwandten, insbeson- derc Herrn Schütte, den Kollegen der Firma Dcimlcr, dem Männer- chor Wcißcnscc, den Mitgliedern des Metallarbeite'-Verbandes und den Mitglieder« des Wahlvcrcins, Bezirk Deißensce, meinen herzlichsten Tank. Frau Wwe. Kartmann 90a nebst Kindern. Danksagung. Für die überaus zahlreiche Teil- nähme sowie die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter sagen wir allen Freunden. Bekannten, Ber- wandten und Parteigenossen herzlichen Dank. Besonders danken wir den Genossen und Genossinnen des 12. Bc- zirks in Neukölln, den Kollegen und Kolleginnen des Wäscheveibandes, meinen Kollegen vom Bezirk l und allen übrigen Kallegen der gesamten Bautischlcrtommission des Deutschen Holzarbcitcrvcrbaiidcs, besonders dem Männcrguartelt für den erhebenden Gesang am Grabe. 2181b HeinHeii Xoldcn, Sohn und Anverwandte. .Vaßer«rdeatliei»e General- Versammlung der LlepersEheii Sterbe- und Rranken- llnterstiitzungskasse Ko. 23 nm Donilerstag, den 18. Srptbr., abends 8'/. Uhr, im Knssenlokal Linicnstr, 8. Tagesordnung: 1. Bericht über das technische Gut- achten bctrcsss Erhöhung von Sterbegeld. 2. Slbändcinng der ZZ 6, 10, 16 und 34 der Satzunge». 2188b Der«or stand. Osisbssnbsnkassö d. Zimmereryewerbes zu Berlin. Da die Drtskranlcnkassc des ZimmerergcwcrbeS zu Berlin am 31. Dezember 1913 geschlossen wird, gehören die Mitglieder vom 1. Ja- nuar 1914 der Allgemeinen Orts- krau kenlassc der Stadt Berlin an. Die Wahlen zum Ausschuß, welcher an die Stelle der jetzige,! General- Versammlung tritt, finden am Lenntrg, den 28. September 1913 statt, für die Arbeitgeber von 8—2, für die Arbeitnehmer von 8—6 Uhr. Das Nähere über die Wahlen ist aus der Bekanntmachung der All- gemeinen Ortskrankenkasse vom 23. Au- gust 1913 ersichtlich, woraus wir be- sonders hinweisen. Bekanntmachung der Wahllokale erfolgt durch Säulcnanschlag. Die Ausstellung von Wahlkarten für unsere Mitglieder(Arbeitgeber und Arbeitnehmer) findet vom 13. Sep- tcmber bis 27. September 1913 von 8—2 und 5— 7 Uhr im Kasscnlokal Alte Schützcnstr. 10, statt. Es dürste sich empfehlen, recht regen Gebrauch vom Wahlrecht zu machen. Ber Vorstaad. August Brunzel, Ewald Petermann, Vorsitzender. Schrislsührer. Spezialarzi für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata. Blutuntersuchung.* Schnelle, sich. Hellung. MäSige Preise. Br. med. WockentaO, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor) Sprechst. 8—8, Sonntags 8— 1. Potsdamer Str. 4(Potsdamer Platz) Sprechst. 10— 1, 4— 8, Sonnt. 10— 1. 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Fnedrich Hulle.� IMe reellsten and billigsten Möbel und Polstcrwaren erhält man zu Kassapreisen in der seit 35 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. Schnlss, Reichenberger Straße 5. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehnjähriger Garantie.(5 Proz. Kassaskonto. 1 Ev. auf Ratenzahlung. Petrikircho. Groß-Daraplmsefeerei Hilda Inhaber: Martin Schleer& Co. Lothringer Str. 16. Telephon: Amt Norden 6190. Bitte Preiskurant zu verlangen. tot j nd, 1 £7 MohrensfrJfä Kolonnaden. örfranKfur+eritnllS Trauer- Magazin Kleider, Hüte öc jm- Äußerste freist-«c . Farbige Konfektion in größtem Maßstabe lu bll ligsten -Preisen— Westmann . i. erl eih-J nsti t ut j'Tll fjl A. Borchardt.iFrieörichjt.US, « Oranb.Tor. Tel. Nid. 10654, vcrl. Fiack-, Smoking-, Gchrockanzüge in verschied. Preislag. bis z. clcganteit. Genre. Sehr große Ausw. Mäß. 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Gustav Bogel, Koppen» slraße 82.!>i. SSengels. Gr. Frankfurter Str. 120. .V t».>5«. Paul Bobm, Lausitzet Platz 14/15. P. Horsch, Engclujer 15. �.dlc�ukok. Karl Schivarztose, Bismarckstr. 50. Ba>ii»«cl>alcaa'cx. H. Hornig. Marienthalcrstr. 13, l. Boruisrwalde. Paul Kienast, Aauichstr. 10. Cliarlottenbnrg. Güstau Tcharnberg, Scienbenner Str. 1. Friedriclisliagcn. Ernst ilSerkmann, Köpenickcr Str. 18. Orünau. Franz Klein, Friedrichstr. 10. Johannisthal. Max Gonschur, Parkstr. 6. Karlshorst. Richard Köter, Rödelsw. 9. II. Ktipcnlck. Emil Wisiler. Kictzcrstr. 6. Laden. Klienten hei---. Otto Zeikel, Wartenbergstr. 1. Xl«dci--«cht»n««cld«. WilH. Unruh. Brückenstr. 10. Xonancs. Wilhelm Jappe. Lltthcrstr. 2. «hci'.!>ichi>ni:vci»Ie. Alfred Bader. Wilhelminenhossw. 17, Lade». Pankow. Otto Rissmann, Müblenstr, 30. Bclnickendoct. P. Gursch. Provinzstr. 56. Laden. Neukölln. M Heinrich, Neckarstr. 2. Conrad, Hennannftr. SO. C. Rohr,«iegfriedstr. 28/29. Bnniniclshni-S. 2t. 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Woldt über„Amerikanische Ausbeutungssysteme in Deutschland". Zahl morgen: Donnerstag, den 11. September, früh 5 Uhr. Vortrag des Genossen Max Grunwald über„Unser Parteitag in Jena". Wir erwarten, day jetzt nach der Sommerpause alle Mit- g l i e d e r anwesend sind. Der Vorstand. Vierter Wahlkreis. Der bei Boe'ker, Web erst r. 17, statt- findende Vortragskursus beginnt nicht, wie im Mnieilungsblatt steht, am 7. November, sondern findet am 21. und 23. November und am 5. und 12. Dezember statt. Zu dem am Sonnlag, den 14. September, nachmittags 3 Uhr, in der Sternwarte zu Treptow stallfindenden Lichtbildervortrag sind noch Billelts(30 Pf.) im Bureau, Stralauer Platz 1/2 und bei den Bezirkssührern der Abteilungen 21 bis 31 zu haben. Fünfter Kreis. Der heutige Zahlabend der 2. Abteilung ist ein gemeinschaftlicher und findet in den Lunasälen, Neue König st ratze 7, statt. Vortrag des Genossen Redakteur Hellmuth Lehmann über:„Massenstreik". Steglitz. Es finden heute nur Abteilungsversammlungen statt. Für die Bezirke 1—4 bei Schellhase, Ahornstr. 15a: 3—7 bei Heiz- mann, Florastr. 4: 8—10 und 12 im Albrcchtshof: 11 und 13 bei Dahl, Südende, Lichterfelder Str. 21. Es referieren: Käthe Duncker, Ernst Meyer, Georg Stücklen und W. Pieck. Marienfclde. Heute Mittwoch, abends 8'/z Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvercins bei Schuster. Adlershof. Heute Mittwoch im Lokal von Kaul, Bismarckstr. 13: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Friedrichsfelde. Heute Mittwoch, abends S'/a Uhr, bei Bausdorf: Gemeinsamer Zahlabend. Tagesordnung: 1. Der poli- t i s ch e M a s s e n st r e i k. 2. Vereinsangelegenheiten. Bohnsdorf. Die heutige Mitgliederversammlung deS Wahl- Vereins fällt umständehalber aus. Eichwaldc. Heute abend pünktlich S1/* Uhr: Wahlvereins- Versammlung bei Witte. Tagesordnung: Berichte von der Kreis- Generalversammlung und der Gemeindevertrelerkonferenz. 2. Ver- einsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Zeuthcn-Micrsdorf. Die Mitgliederversammlung findet heute in Miersdors bei Krüger statt. Franz.-Buchholz. Der Zahlabend findet abends 8'/z Uhr gemeinschaftlich bei Kähne, Berliner Str. 3S, statt. In Blankenburg und Karow ist am Donnerstag, pünktlich 8'/z Uhr, in den bekannten Lokalen Zahlabend. Bernau. Donnerstag, den 11. d. Mts., abends 8� Uhr. bei Salzmann, Basdorfer Strotze: Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: 1. Stiftungsfest: 2. Borbereiiiing zur Stadtverordneten- w»hli 3. Wahlen: 4. Verschiedenes. Röntgental, Zepernick. Donnerstag,' den 11. September, abends 8Vz Uhr: Zahlabend bei Lange, Siemensstr. 10 und bei Adomeit, Kaiser-Friedrich-Stratze, Ecke Schönower Stratze. Buch. Freitag, den 12. September, abends 8>/-> Uhr: Zahlabend bei Bodung(Restaurant zur Tanne). LerUner I�admcbten. Das Schaufenster. In dem modernen Reklaniewesen spielt das Schaufenster eine ganz l?ervorragende Rolle. Gibt es doch viel mehr als z. B. das Plakat, das auch bei der raffiniertesten Ausstattung in der Menge des allzuviel gebotenen Gleichartigen ver- schwindet. Dem Besitzer eines Ladengeschäfts gibt es die Möglich- keit, Geschmack und Gewandtheit in der Anordnung und Aus- Wahl der ausgelegten Waren zu entwickeln und so das vorbei- kommende Publikum für sein Geschäft einzunehmen. Tat- sächlich zeigt sich heute in der Dekoration der Schaufenster ein Raffinement, das die Lebhaftigkeit des Konkurrenzkampfes unter den einzelnen Geschäftshäusern in ausgezeichneter Weise beleuchtet. Künstlerisch ausgebildete Dekorateure werden zum Teil mit hohen Gehältern engagiert. Zum Zwecke einer geschmackvollen Einrichtung wird der Raum, der für die Ausstellung der Waren zur Verfügung steht, reichlich bemessen. Im Gegensatz zu den alten, jetzt noch in kleineren Städten vorkommenden„Dekorationen", die in ihrem Tohuwabohu einer Jahrmarktsausstcllung en miniature gleichen, legt man jetzt viel mehr Wert auf eine übersichtliche Auslage einiger typischer Waren, die den Charakter des Ge- schäftes kennzeichnen und im wesentlichen zeigen, was und wie hier gekauft werden kann. Alle Arten von Beleuchtungs- effekten werden dabei angewandt, um das Publikum von der Oualität des zu kaufenden Gegenstandes zu über- zeugen. Der Dekorateur muß deshalb neben seinem künstlerischen Geschmack auch ein großes Verständnis für die Psychologie der kauffähigen Menge besitzen. Bei allen möglichen Gelegenheiten wird dem Kunden zu ver- stehen gegeben, daß alles, was hier zu kaufen ist, billig, preis- wert, von hervorragender Güte sei— bis er es glaubt. Das Schaufenster ist so für den Kleinhandel zu einer hervor- ragenden wirtschaftlichen Waffe im Konkurrenzkampfe geworden. Es haben sich daher auch in der Behandlung des Schaufensters seitens der Geschäftsleute gewisse Praktiken herausgebildet. So enthält das Schaufenster des Geschäftshauses, das lediglich auf reiche Kundschaft reflektiert, nur die wichtigsten Neuheiten in wirksamer Anordnung ohne Preisangabe. Das Geschäfts- Haus, das Publikum aus allen Ständen anziehen will, stattet das Schaufenster mit reicherem Inhalt aus— wenn es auch in der Staffage dem anderen fast nie nachsteht— aber es versieht fast alle Waren mit Preis- angaben. Nun tut es dies nicyt deswegen, weil die Waren etwa besonders billig wären, sondern vor allem aus dem Grunde, weil das Publikum erfahrungsgemäß beim Einkauf sich sicherer fühlt, wenn es den Wert seiner Einkäufe schon ungefähr berechnet hat, und darum diejenigen Geschäfte, deren Preise es kennt oder leicht erfahren kann, vorzieht. Die Ent- Wicklung des modernen Schaufensters nach seiner künstlerischen Seite hin hat nicht wenig dazu beigetragen, das nüchterne Bild der Geschäftsstraßen in den Großstädten ganz wesentlich auf- zuhellen. Geld für dringliche städtische Bauten! Der Magistlat bat bekanntlich beschlossen, alles zu tun, um die städtischen Bauten möglichst zu beschleunigen und so mildernd auf die Arbeitslosigkeit einzuwirken. Gestern wurde in der Sitzung der Waisendeputation über den Stand des Baues für die Fürsorgeanstalt in Struveshof berichtet. Die Kosten für diesen dringend notwendigen Bau benagen l1/« Million Mark. In diesem Etatsjahr sind aber nur 100 000 M. als erste Baurate bewilligt worden. Der Bau wird von der Kanalbauverwaltung hergerichtet. Diese hat sich sofort an ihre Arbeit gemacht, die von der Stadtverordnetenversammlung selber als dringlich bezeichnet worden ist. Es wurde gestern berichtet, datz der Bau des sogenannten festen Hauses für die schwer Erziehbaren so gefördert worden sei, datz im November dieses Gebäude im Rohbau unter Dach sei, datz aber damit auch die bewilligten Mittel erschöpft seien. Der Bau müsse liegen bleiben, wenn die Gemeindebehörden nicht schleunigst Mitte bewilligten zur Fortführung des Baues. Im Interesse der baldigen Fertigstellung dieser Aufgabe beschlotz die Deputation, beim Magistrat die Bewilligung von 150 000 M. auf Vorschutzkonto zu beantragen, ferner aber auch grötzere Mittel im kommenden Eratsjahre bereit stellen zu lassen. Werden die benötigten Mittel bewilligt, so dürfte der Kommunalverband Berlin im Oktober 1914 in den Besitz einer eigenen größeren Anstalt für Fürsorgezöglinge kommen und viele Klagen, speziell die aus Rickling in Holstein überflüssig machen, weil dann die beklagenswerte Anstalt von der Stadt Berlin nicht mehr belegt zu werden braucht. Berliner Fernsprechwesen. 224 311 Fernsprechanschlüsse zählt jetzt der Berliner Bezirk nach der letzten amrlichen Aufstellung vom 1. Juli. In der ersten Hälfte dieses Jahres hat eine Vermehrung um nahezu 10 000 Sprechstellen stattgefunden. Auf die Fernsprechämter von Berlin selbst entfallen 149 811 Anschlüsse, der Rest auf die Vororte. Gezählt sind dabei alle Haupt- und Nebenanschlüsse. Hauptanschlüsse für sich allein zählt der ganze Bezirk 118 352, Nebenanschlüsse der Post 87 701 während von der Privatindustrie 13 258 Nebenanschlüsse hergestellt sind. Berlin selbst zählt für sich allein 75 510 Hauptanschlüsse, 59 888 postalische Nebenanschlüsse und 14 413 private Nebenanschlüsse. Die meisten Nebenanschlüsse der Berliner Aemter umfatzt der Bereich des Fernsprechamts 6. Diesem sind die Vermittelungsanstalten Kurfürst, Lützow und Nollendorf zugeteilt. Sie haben zusammen 39 839 Anschlüsse. An zweiter Stelle kommt das Hauptfernsprechamt mit der Vermittelungsanstalt Zentrum sowie der selbsttätigen Ver mittelungsanstalt, die 28 668 Anschlüsse haben. An dritter Stelle steht Amt 4 mit der Vermittelungsanstalt Moritzplatz und 25 373 An schlüssen. Dann folgt Amt 7 mit der Vermittelungsanstalt König- stadt und 21 588 Anschlüssen. An fünfter Stelle kommt Amt 3 mit der Anstalt Norden und 19 339 Anschlüssen. Die„kleinste" Berliner Vermittelungsanstalt Moabit, dem Amt 2 unterstellt, hat immer noch 14 454 Anschlüsse. Hauptanschlüsse hat Amt 6 im ganzen 21 512, Amt 4 insgesammt 13 353, Amt 1 zusammen 11 179, Amt 7 fast ebensoviel 11092, Amt 3 Norden 10 613, Moabit 7761. Dem Märkischen Museum ist von der Familie Rudolf Virchows eine Anzahl wertvoller Erinnerungsstücke aus dem Nachlatz deS großen Gelehrten und Berliner Ehrenbürgers überwiesen worden. Es ist die reichhaltige Sammlung der Adressen. Diplome und ähn sicher Gaben, die Rudolf Birchow zum siebzigsten und achtzigsten Geburtstage sowie zur Feier seines goldenen Doktorjubiläums von Universitäten, Akademien, Instituten, medizinischen, anthropologischen und sonstigen gelehrten Gesellschaften der ganzen Welt dar« gebracht wurden. Die Sammlung, die über dreihundert Nummern umfatzt, darunter Sendungen aus allen Ländern Europas, auch aus Amerika und Japan, vieles dabei in der Aus- führung von künstlerischem Interesse, stellt ein imposantes Dokument der Verehrung dar, die der berühmte Pathologe in der gesamten wissenschaftlichen Welt genoß. Sie wird nun in zwei Schränken aus der Bibliothek Virchows im Märkischen Museum aufbewahrt bleiben. Zugleich wurden noch einige andere Einzelheiten über. wiesen: eine Reihe seltener Schriften und Blätter aus Virchows Bücherei und die stattlichen Bände der Adressen, die mit den Unter- schriften Tausender von Berliner Bürgern versehen, Virchow ge- widmet wurden, als er im Jahre 1865 die Duellforderung Bismarcks abgelehnt hatte._ Die Milchmädchenrechnung der Frau Polizeileutnant. Der Polizeileutnant Schwarzkopf in der Bötzowstratze 42 hat, wie wir am Sonntag auf Grund von Briefen des Herrn darlegten, eine sonderbare Auffassung von seiner Stellung als Dienstherr. Er beauftragte, wie er selber schrieb, während seiner Abwesenheit „seine" Beamten mit der Ileberwachung der Wohnung und des Dienstmädchens: er verbot jeden Ausgang des Mädchens, selbst Sonntags, außer bei Einkäufen. Besonders interessant war ober der Speisezettel der gnädigen Frau Polizeileutnant. Uns sind von Leserinnen Schreiben zugegangen, in denen die Schreiberinnen ihre Empörung über diesen Speisezettel kund tun. Eine Arbeiterfrau, die unter der Arbeitslosigkeit ihres Mannes sehr zu leiden hat, will gern Auskunft haben, über die billigen Quellen, wo man ein Viertelpfund Kotelett für 20 Pf. erhalten kann und wie eS möglich ist, mit einem halben Pfund grüne Bohnen in Wasser gekocht ein junges Mädchen für zwei Mittage satt zu machen und anderes mehr. Wir können leider keine Auskunft über diese Fragen geben, vielleicht kann dies die gnädige Frau selber nicht. Selbst die„Post", die von unserer Veröffentlichung kurz Notiz nimmt, mutz zugeben, datz dieser Küchenzettel„allerdings ein Mindest- maß darstellt." Wir müssen heute unsere Veröffentlichungen noch etwas er- ganzen. Nicht genug damit, daß der Küchenzettet der Frau Polizei- leutnant einer noch so minimalen Beköstigung Hohn spricht, ist auch die Bezahlung des Mädchens eine recht schlechte. Das Mädchen sollte monatlich 15 Mark bekommen. Es gibt viele Eltern, die weniger ans die Höhe des Lohnes achten, zumal bei einem fünfzehnjährigen Mädchen, wenn das Mädchen ordentliche Beköstigung und gute Be- Handlung hat und in der Lage ist, noch etwas zu lernen. Aber ein- sperren, dürftige Kost liefern und schlecht bezahlen, ist auf einmal zu viel. Das beste aber kommt noch. Und das ist die Abrechnung — beim Abgang. Das junge Mädchen hatte, wie das so geht, ver- schiedene Gegenstände zerschlagen. Aus diesem Grunde machte die gnädige Frau folgende Rechnung auf: Für Mietsfrau......... 1,50 M. Eine Zuckerdose........ 5,25„ Ein Weitzbierglas........ 0,75„ Eine Zuckerschale........ 0,22„ Maulkorb regulär........ 0,80„ Einmal Mittag bei der Schwester un- berechtigt in Ansatz gebracht... 0,50„ Verloren.........._. 0,05„ Wir können nicht nachprüfen, welcher Art das zerschlagene Ge- schirr war, obwohl ein Weitzbierglas gewöhnlich nur 30—40 Pf. kostet. Es ist auch nicht notwendig, an der Rechnung Kritik zu üben. Wer sich einen Vers auf das Dienstbotenverhältnis beim Herrn Polizeileutnant machen will, mutz diese Abrechnung zusammenhalten mit den: Lohn, mit dem Küchenzettel und mit dem Arrestbrief des Herrn Polizeileutnants. Diese Tatsachen zusammengenommen be- weisen, datz manche Leute sich Dienstboten halten, die ihre Arbeit lieber selber machen sollten. Todessturz eines Herrenfliegers. Ein bedauerlicher Unfall bat sich am gestrigen DienZtagmorgen gegen 6Vz Uhr nahe dem Flugplatz Johannisthal abgespielt. Ueber der Ortschaft Rudow wurde der 26 jährige Dr. chem. Oskar Ringe während eines Fluges mit dem Fokker-Eindecker vom Herzschlag ge- troffen. Die führerlose Maschine stürzte schließlich ab. Wir erfahren darüber folgendes: Schon seit einigen Tagen wollte Dr. Ringe mit seinem Fokker- Eindecker, den er vor etlichen Wochen gekauft hatte, einen Dauerflug um die Preise der Nationalflugspcnde machen. Da Dr. Ringe sehr nervös war und einen Herzfehler besaß, ließ er die schönen letzten Tage migenutzt verstreichen, so datz er von den anderen Fliegern deshalb gehänselt wurde. Gestern morgen ließ er nun die Maschine gegen 6>/z Uhr auf das Feld bringen und startete. Nach einigen Proberunden verließ er den Flugplatz in 400 Meter Höhe und steuerte auf Rudow zu. Mehrere Monteure beobachteten den Flug, da sie die Nervosität des Fliegers kannten und fürchteten. Ueber Rudow senkte sich die Maschine plötzlich nach vorn über und begann in engen Spiralen zu sinken. Etwa 200 Meter über dem Boden legte sich der Fokker- Eindecker auf den Rücken, glitt so eine Zeitlang siefer und richtete sich endlich wieder auf, um in normaler Haltung zu Boden zu gehen. Die Landung war ziemlich heftig, doch wurde nur der vordere Teil des Fokker-Eindeckers beschädigt, während der Schwanz fast unver- sehrt blieb. Vom Flugplatz hatte man den seltsamen Sturz»be- obachtet, und sofort begaben sich mehrere Mechaniker, Ingenieure und ein Arzt an die Unfallstelle. Sie fanden Dr. Ringe tu der Karosserie des Flugzeuges sitzend aus. Die Leiche, die keine äußeren Verletzungen aufwies, wurde einstweilen in die Unfallstation gebracht, um eine Untersuchung vornehmen zu können. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist Dr. Ringe in der Luft vom Herzschlag getroffen worden. Darauf deutet auch der sonderbare Gleitflug hin, den der Eindecker machte. Der Körper des Toten ist offenbar nach vorn übergesunken, hat gegen den Steuerhebel ge- drückt und so den Abstieg bewirkt. Die von Jng. Forsmann vor« genommene Untersuchung des Apparates ergab, datz alle Steuer- organe intakt seien und datz in der Luft auch kein beanspruchter Teil gebrochen ist. Dagegen konnte festgestellt werden, datz der Gleitflug mit voll laufendem Motor vorgenommen worden ist, da die Zündung deS Antriebes nicht ausgeschaltet war. Dr. Oskar Ringe, der im 26. Lebensjahr stand und aus Harz- bürg stammt, betrieb das Fliegen aus Liebhaberei. Vor etwa einem Jahr trat er bei den Fokkerwerien in Johannisthal ein und machte Anfang dieses. Jahres die Pilotenprüfung. Grötzere Flüge hasie Ringe bisher noch nicht gemacht, da er sich infolge seines Herzleidens auf der Flugmaschine nie so recht sicher fühlte. Die Verhältniffe in der Jdioteuanstatt Dalldorf scheinen recht viel zu wünschen übrig zu lassen. In dieser Anstalt befinden sich idiotisch veranlagte Kinder, schulpflichtige und nicht schulpflichtige. Diese bedauernswerten Kinder bedürfen doppelt und dreifach besonderer Aufsicht und liebevoller Pflege. Und gerade hieran scheint es in Dalldorf zu mangeln, wie aus Klagen hervor- geht, die uns von Eltern zugetragen werden, die Kinder in Dalldorf haben. UnS teilt der Vater eines Kindes mit, datz er bei einem Besuche am Sonntag sein vierjähriges Kind gräßlich zerkratzt und mit Beulen bedeckt vorgefunden habe. Auf seine Einrede sei ihm gesagt worden, das sei so, Kinder kratzten sich gegenseitig! Derselbe Vater sagt uns, datz er einige Wochen zuvor das Kind gleichfalls mit einer großen Beule am Kopfe angetroffen habe. Der Kot habe dem Kinde noch an dem Hintern geklebt, waS auch nicht auf beson- dere Reinlichkeit schließen lasse.— Wie uns berichtet wird, scheint eS in Dalldorf an genügend Personal zu mangeln. Unter keinen Um- ständen kann die Verwaltung die armen, bedauernswerten Kinder unter der Knauserigkeit der Verwaltung leiden lassen. Die Ge- meinde hat die Pflicht, für ordnungsgemäße Wartung und Pflege ihr anvertrauter unglücklicher Kinder Sorge zu tragen. 8,57 M. Bleibt von dm 15 M. MvnatSlohn 6 M. 43 Pf. Eine Familie an Pilzvergiftung schwer erkrankt. Die häufig zu beobachtende allzu große Sorglosigkeit beim Pilze- suchen hat wiederum mehrere Opfer gefordert. Durch dm Genutz von giftigen Pilzen, die irrtümlich für Pfeffersinge gehalten wurden, ist am gestrigen Dienstagmittag die Familie des Privatbeamten C zech, Graetzstratze 52 wohnhast, schwer erkrankt. Am Sonntagnachmittag hatte Frau Czoch mit ihren beiden 17 und 9 Jahre alten Töchtern Gertrud und Dora sowie mit ihrem 7jährigen Sohn Alexunder einen AuSflug nach Köpenick gemacht. In den dortigen Waldungen sammelten die Kinder Pilze, unter denen sich auch einige giftige befanden, die den Pfefferlingen sehr ähnlich sahen. Frau C. kannte den Unterschied zwischen den genießbaren und den Giftpilzen offenbar auch nicht genau und bereitete die Schämme am gestrigen Dienstag für die MittagSmahlzeit zu. Nach dem Genuß des Gerichtes wurden die Frau und die drei Kinder von heftigen Schwindelanfällen und Erbrechen befallen, daS sich so steigerte, datz schlietzlich Nachbarn einen Arzt hinzuriefen. Dieser stellte aus den Ueberresten der Speise fest, datz es sich um eine Pilzvergiftung handele und veranlatzte die Ueberführung der Patienten nach dem Krankenhaus Bethanien. Während das Befinden der beiden jüngeren Kinder sich durch geeignete Gcgenmatzregeln bald besserte, befindet sich Frau C. und ihre älteste Tochter in Lebensgefahr. Der auf einer Urlaubsreise befindliche Gatte wurde von der Erkrankung seiner Angehörigen benachrichtigt. Auf einen Kindesmord läßt ein Leichenfund in einer Aus- buchtung des Tegeler Sees schließen. Dort wurde am Montag« abend die Leiche eines neugeborenen Knaben gelandet, die in einen dunkelgrauen gessieiften Frauenrock und Teile einer weißen Bluse eingehüllt war. Nach dem Befunde hat das Kind bei der Ge- burt gelebt und ist es gewaltsam getötet worden. Aeutzere Ver- letzungen sind jedoch, da die Leiche schon längere Zeit im Wasser ge- legen und schon ziemlich stark in Verwesung übergegangen ist, nicht mehr erkennbar. Aus einem Hotclfcnstcr gestürzt hat sich vorgestern ein noch un- bekannter Mann von etwa 35 bis 40 Jahren. Der Fremde nahm am vergangenen Sonnabend ein hofwärts belegenes Zimmer im dritten Stock eine» Hotels in der Nähe des Stettiner Bahnhofes. In das Fremdenbuch trug er sich als Reisender Louis Blanke ein. Gedern abend wurden die Hotelgäste durch einen dumpfen Fall auf- geschreckt. AIS sie nachsahen, fanden sie den Fremden tot auf dem Hofe liegen; er halte sich aus dem Fenster in die Tiefe gestürzt. Zurückgelassen hat der Unbekannte nichts, was zur Feststellung seiner Persönlichkeit dienen könnte. ZirkuS Busch wird am Sonnabend die neue Saison eröffnen. Feuer auf dem Kohlenbahnhos Wcdding. In der letzten Nachl wurde die Feuerwehr nach dem Kohlenbahnhos Wedding in der Fennstr. 22/2V gerufen, wo ein grögerer Stapel Prejzkohlen in Brand geraten war. Es mutzte längere Zeit mir einer Schlauchleitung Wasser gegeben werde», um das Feuer zu unterdrücken.— Fast gleichzeitig hatte ein anderer Löschzug der Feuerwehr in der Dresdener Slratze 85/83 zu tun, wo im dritten Stock deS Ouergebäudes Regale, Lacke, Tonnen usw. in Flammen standen. Auch hier nahmen die Löscharbeiten längere Zeit in Anspruch.— In der Schönwalder Slratze 26 mutzte autzerdem noch ein zweiter größerer Kohlenbrand beseitigt werden. Bei der Vorstellung in der Treptower Sternwarte sdes Verbandes der Brauerei- und Mühlenarbeiter) am Sonntag, den 7. d. M. ist eine Brosche verloren gegangen.(Schwarzer Stein, in der Mitte eine Perle mit Goldfassung und einer Goldplatte an der Hinteren Seite.) Gegen Belohnung abzugeben bei H. Lüders, Berlin NO, Allensteiner Str. 37, Onergebä.ude II. Verloren. Eine Brieftasche, enthaltend ein WahlvereinS- und Verbandsbuch, sowie einige Rechnungen auf den Namen Nemitz, ist am 30. August in der Nähe des Rosenthaler Platzes verloren ge- gangen. Der Finder wird gebeten, die Tasche bei Nemitz, Rcinicken- dort Provinzstratze 105 abzugeben. Torort- Naebnebtent Neukölln. Die' hier veranstalteten Ferienspicle haben bisher großen An- klang und Zuspruch gefunden, ein Zeichen, daß damit ein dringendes Bedürfnis erfüllt worden ist. Um nun den Kindern außer der Ferienzeit geistige Anregung und Geselligkeit zu bieten, haben sich die maßgebenden Kreise damit befaßt und folgende Vorschläge ge- macht: Zweimal in der Woche sollen die Kinder zun, Spiel' unter sachkundiger Leitung nach dem Treptower Park oder nach der Königs- Heide geführt werden. Der Treffpunkt wäre Mittwochs nachmittags 2 Uhr am Wildenbruchplatz an, Elsensteg, des Sonntags um 8 Uhr früh am Rathaus, Ecke Erlstratze. Dann sollen für die Kinder ge- eignete Lichtbilder- und vielleichr auch Kinovorstellungen veranstaltet werden. Einzelne Nachmittage sollen durch Märchenvorlcsungen und andere geeignete Lektüre ausgefüllr werden; auch sollen wieder einzelne Märchenvorstellungen, durch die Kinder selbst dargestellt, zur Ausführung gelangen. Bei größeren und kleinen Wanderungen werden die Kinder mit der Natur und ihren Produkten näher be- kannt gemacht. Für größere Kinder folgen eventuell Museumsbesuche unter sachkundiger Führung. Außerdem sind gesellige Nachmittage geplant, bei denen die Kinder selbst durch Gesang, Deklamationen und musikalische Vorträge für Unterhaltung sorgen. Alle sechs bis acht Wocheü finden gesellige Elternabende statt und alle vier Wochen wird eine gemeinsame Partie gemacht. Die erste derartige Partie findet statt am Sonntag, den 14. Sep- tember. Treffpunkt nachmittags 1 Uhr beim Rathaus. Die Ver- anstalter hoffen, mit diesen Veranstaltungen Anklang zu finden, und sie laden daher Eltern und Kinder zu reger Beteiligung ein. Unter dem Verdacht deS Gattenmordes wurde gestern auf Ber- anlassung der Staatsanwaltschaft der 25 Jahre alle Werkzeugschlosser Sehne aus der Richardstr. 2 verHaftel und zugleich die Ausgrabung der bereits beerdigten Leiche der Ehefrau des Verdächtigten an- geordnet. Sehne wird von verschiedenen Seiten beschuldigt, den Tod seiner Frau, die vor drei Wochen plötzlich verstarb, herbeigeführt zu haben. Was an diesem Gerücht Wahres ist, muß erst die Unter- suchung ergeben. Eharlottenburg. Der zum Ersten Bürgermeister von Eharlottenburg gewählte Oberbürgermeister Dr. Scholz aus Hassel hat die Bestätigung seiner Wahl erhalten. Der Amtsantritt soll zum 1. Oktober erfolgen. Bildungskursus. Der BildungSausschuß veranstaltet am 22. und 2g. September sowie 6. und 13, Oktober einen Vortragszyklus: Ein- führung in die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiter- bewegung. Vortragender: Genosse S. Katzenstein. Die Vorträge werden im kleinen Saale des Volkshauses, Rosinenstr. 3, abgehalten und beginnen pünktlich*�9 Uhr. Der Eintrittspreis für alle vier Vorträge zusammen beträgt 50 Pf. Karten erhältlich in der Vor- wärtS-Expedition, Sesenheimer Str. 1, sowie bei den Gruppen- führern. Wir haben den Eintrittspreis möglichst niedrig festgesetzt in der sicheren Erwartung, daß die Partei- und Gewerkschaflsgenossen sich recht zahlreich an diesem Kursus beteiligen werden. Der BildungSausschuß. Schöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Der Vorsteher-Stell- Vertreter Genosse Molkenbuhr eröffnete die erste Sitzung nach den Ferien und teilte mit, daß Dr. Rohö verzugshalber sein Stadt- verordnetenmandat niedergelegt hat. Ferner sind eine ganze Anzahl Petitionen eingegangen, die dem zuständigen Ausschuß überwiesen wurden. Mehrere Nachforderungen wurden debattelos genehmigt. Dagegen wurde ein Vertragsangebot der Kirchengemcinde vom Gustav-Mllller-Platz einem Ausschuß überwiesen. Das freiliegende Land soll der Stadt unentgeltlich aufgelassen und für die gärt- nerischen Anlagen 1700 M. gezahlt werden, während die dauernden Kosten die Stadt zu tragen hat. Die Parzellen dürfen nicht bebaut werden. So versteht es die Kirche, aus einem ihr übet« lassenen Gelände erneut Kapital zu schlagen.— Nach dem Preußischen Städtetag wurde Genosse Bernstein und nach dem Brandenburgischen der Genosse Reiche delegiert.— Der HauS- und Grundbesitzerverein wünschte eine Automobil- omnibuslinie Gustav-Müller-Platz— Sadignyplatz. Diese Petition wurde dem Magistrat als Material überwiesen. Nunmehr gelangten die bereits mitgeteilten Anträge der sozialdemokratischen Fraktion zur Verhandlung. Genosse Bäumler begründete die Forderung auf Bornahme der Wahlen an einem Sonntag. Bereits vor zwei Jahren seien die Stadtverordnetenwahlen auf einen Sonn- lag verlegt worden, allerdings nur versuchsweise. Irgend eine Störung habe sich jedoch nicht ergeben. Ferner sei eS notwendig, den sechsten Kommunalbezirk. der räumlich sehr getrennt liege, in mindestens zwei Abstimmungsbezirke zu zer- legen. Es möge übrigens besser darauf geachtet werden, daß bei der NeueinteUung der Stadtverordnetenbezirke eine gleichmäßigere Zusammenlegung stattfindet. Oberbürgermeister Dominicus teilte mit, daß der Magistrat dem ersten Teil des Antrages zu- stimme, den zweiten Teil jedoch ablehne. � Genosse Stüter wendete sich gegen diese Ausführungen; man müsse den Wählern die Aus- Übung deS Wahlrechts erleichtern anstatt zu erschweren, gerade der sechste Bezirk liege räumlich sehr weit auseinander. Ein paffendes Wahllokal im Bezirk zu finden, dürfte auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen. Der Antrag wurde von der Versammlung angenommen. Den Antrag, der Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit fordert, begründete Genosse K ü t e r. Redner verwies darauf, daß jetzt schon eine große Anzahl Familien an Unterernährung leiden, obwohl die Arbeitslosigkeit erst im Anfangsstadium sei. Der Winter wird die Zahl der Arbeitslosen erheblich vermehren, wenn nicht bei- zeiten Fürsorge getroffen wird. Es muß Arbeitsgelegenheit geschaffen werden. DieMittel für den Neubau der Schloßbrauerei seien ichon längst bewilligt, trotzdem geschehe nicht«. Außerdem müffe mehr Nachdruck «,f die Einführung der Reich»- Arbeitslosenversicherung gelegt werden.— Oberbürgermeister Dominicus erklärte, der Magistrat hätte mit dieser Materie sich bereits beschäftigt und festgestellt, daß außer dem RathauSneubau und deni Bau der Rückertschule keine städtischen Bauten vorliegen. Es müsse daher das Vorhandene aus- gebaut werden. Eine demnächst stattfindende Konferenz mit dem Oberbürgermeister W e r m u t h solle dazu beitragen, den Arbeits- Nachweis über Groß-Berlin zu erstrecken und beim Reichsanit des Innern darauf hinzuwirken, daß die obligatorische Reichs-Arbeits- losenversicheruug mehr beschleunigt werde. Der Erfolg werde nicht ausbleiben, um so mehr als England sein Arbeitslosengesetz ebenfalls eingebracht habe und große Aussicht auf Annahme desselben beslebe. — Genosse Bernstein meinte, es sei mehr Druck erforderlich; das Reichsamt' des Jimern muffe ersucht werden, umgebend eine obli- gatorische Arbeitslosenversicherung einzuführen. Als Unterlage möge die Versicherung in Dänemark genommen werden, in der ganz be- sonders für die Saisonarbeiter, Bauarbeiter usw., Nützliches ge- schaffen wurde. Der Antrag wurde angenommen. Zu der Frage der Ferien-�Kinderheime bemerkte Genoffe Küter, daß in Wohlfahrtspflege die Sradt Erhebliches geleistet; in jedem Jahre würden zwar mehrere hundert Kinder Ün Erholungsstätten entsendet, doch betrage die Zahl der Zurückgewiesenen mindestens das Dreifache der verschickten Kinder. Es sei daher notwendig, daß die Organisation der Ferienunterbringung anders gestaltet werde. Praktisch wäre es, eine Waldschule zu errichten, um den Kindern auch weiterhin Unterricht angedeihen zu lasten und ihr Mitkommen zu ermöglichen.— Dieser Antrag wurde ohne Debatte an- genommen. Hierauf gelangte der Antrag, die Lernmittel unentgeltlich abzugeben und hierzu eine einwandfreie Statistik über die ersorder- lichen Mittel zu unterbreiten, zur Debatte. Genoffe Küter wies daraus hin, daß dieser Antrag immer wiederkehre. Als die Liberalen nur schwach vertreten waren, seien sie kräftig für den Antrag ein- getreten. Jetzt seien leider dieselben Herren dagegen. Die Städte Mainz, Fürth und ganz besonders Stuttgart beweisen, daß diese Forderung wohl ermöglicht werden könne. Stuttgart habe im Jahre 1912 für 20 000 Kinder pro Kopf und Jahr nur 3.25 M. ausgegeben; im Vorjahre nur 3,07 M., und die Kinder erhalten sämtliche Lern- mittel, vom einfachsten Griffel bis zum teuersten Buch. Darum follte eine Kommission an Ort und Stelle prüfen, wie die Organisierung dieser Frage beschaffen ist. Dem Redner der Liberalen, Peine, sah man es an, daß es dieser Fraktion schwer fiel, für die durchgemachte Mauserung die richtigen Worte zu finden, und so verfielen die Herren auf den Ver- t a g u n g s a n t r a g, der denn auch angenommen wurde. Die Re- Vision der Gehälter der Feuerwehrleute forderte energisch Genosse Bernstein. Schon jetzt sei innerhalb Groß-Berlins die Schöneberger Wehr am schlechlesten besoldet. Dieser Zustand verschlimmere sich nach einigen Jahren noch mehr, wenn die Leule in den Ehestand treten. Uebrigens handelt es sich um keine großen Summen, sondern um Beträge, die auf einen kürzeren Zeitraum bemessen werden sollen. Die Revision muß jetzt vorgenommen werden, da die Etatsberatung nicht viel Zeit übrig lasse.— Känimerer M a ch o w i c z meinte, dieie Frage hänge mit dem Etat zusammen, in der Angelegenheit müsse der Magistrat erst Stellung nehmen.— Die Feuerwehrleute hätten gleichfalls eine Petition eingebracht, die Materie solle gemeinsam be- handelt werden.— Die Schulkinder sollten auch während der Sommermonate gespeist werden. Genosse Bernstein frug an, was mit diesem einstimmig angenommenen Antrage denn nun ge- schehen ist. Zurückzuführen sei der Antrag auf das von Fiäulein Dr. Simon herausgegebene Buch, in dem Schöneberg nicht besonders gut abschneide.— Stadtrat R a b n o w erwidert, die Schulkinder erhielten auch im Sommer warmes Frühstück und solange die Volks- küche geöffnet, auch warmes Mitiagessen. Die Rekloren hätten sich über die Volksküche nicht gut geäußert. Die Ausführungen des Fräulein Dr. Simon stimmten für Schöneberg nicht. Der öffentlichen Sitzung folgte eine geheime. Trevtotv-Baumschuleniveg. Ueber de» Gesundheitszustand unserer schulpflichtigen Jugend geben die kürzlich erschienenen Berichte der Schulärzte Auskunft. Leider sind diese Berichte nicht nach einem Schema aufgestellt, so daß es schwer ist, sich ein Gesamtbild zu machen. Dann aber spricht natürlich auch die subjektive Auffassung des einzelnen Arztes bei der Beurteilung erheblich mit. sonst wäre es kaum erklärlich, daß der eine Herr unter fast 400 untersuchten Kindern nur 23 Fälle von Blutarmut feststellte, während ein anderer in seiner Schule bei etwa 600 Untersuchungen 405 Blutarme zählte. Der erstere Herr dürste da- nach wohl nur die schweren Fälle verbucht haben. Blutarmut ist überhaupt die vorherrschende Krankheitserscheinung, denn trotz der zweifellos vorsichtigen Beurtettung einzelner Schulärzte wurden bei den wenig über 3000 Kindern der fünf Volksschulen etwa 750 Blutarme festgestellt. Eine andere besonders dem kindlichen Aller eigene Krank- heil wurde in den skrophulösenDrüsenan schwell»»gen in 545 Fällen vorgefunden. Wirbelsäulenverkrümmung fanden die Aerzte 350 mal. Alle diese Krankheiten sind mehr oder minder Begleiterscheinungen ungünstiger Lebensbedingungen und es ist des- halb besonders wertvoll, wenn die Aerzte die Eltern sowie die Gemeinde rechlzeilig darauf aufmerksam machen, um nach Kräften für Abhilfe zu sorgen. Wenn auch einer der Aerzte konstatiert, daß eine sichere Besserung des Gesundheitszustandes in den Schuljahren nachzuweisen fei, so muß er doch die Beschaffen- heit der Zähne als traurig bezeichnen, für deren Pflege und Erhal- tung in der Familie sehr wenig geschehe. Diese Klage klingt aus allen Berichten heraus. In einer Schule mit rund 600 Kindern(fast nur Mädchen) bezeichnet der Schularzt die Zähne bei 443 Kindern als mangelhaft und in einer anderen etwa gleich stark besetzten Schule wurde bei 78 Kindern stärkere Karies(Zahnleiden) vorgefunden. Da- neben treten in allen Schulen die verschiedensten Krankheilen in ge- ringerer Zahl astf. Die im letzten Sommer besonders zahlreichen Fälle von.Ziegenpeter" find in diesen Berichten nicht erwähnt, da sie sich nur auf die Zeit bis 31. März 1913 erstrecken. Mehrfach mutzten die Aerzte direkt Unterernährung der Kinder feststellen und es ist kennzeichnend für die sozialen Ursachen vieler Krankheitserscheinungen,, daß der eine Bericht selbst sagt, daß der Erfolg der ärztlichen Rücksprache mit den Anverwandten der Kinder nicht immer befriedigend war, weil.den Eltern wohl auch d i e Mittel zur Durchführung der ärztlichen Ratschläge fehlten." Heilung wäre möglich, aber die Mittel fehlen! Was nützt die schönste Belehrung, wenn die Anweisungen nicht durchgeführt werden können? Hier müßten Staat und Gesellschaft stärker als bisher ein- treten, um das höchste Gemeingut, die Volksgesundheit, zu erhalten und zu heben. Tempelhöf-Mariendorf-Marienfeldo. In der Gewerkschaftskommlsfionssitzung wurde den Delegierten und Vertrauensleuten dringend ans Herz gelegt, zu den bevor- stehenden Ausschußwahlen zu den Krankenkaffen Stellung zu nehmen und ihre Kandidaten zu nominieren. Die BezirkSleiter, Delegierten und Vertrauensleute aller Verbände und Belriebe, soweit dieselben an die Unlerkommission angeschlossen sind, haben die Vorschlagsliste zusammen zu stellen und dieselbe baldigst an den Obmann der Kommission, Genossen Lentschu, Tempelhof, Ringbahn- st r a ß e 6, einzusenden. Ebenfalls werden die Betriebsvertrauens- leute dringend ersucht, ihre Adresse obigem Obmann mitzuteilen mit der Bemerkung, welchen Betrieb dieselben vertreten. Die Partei- und Gewerkschaftsgenosien sämtlicher Betriebe au« den Orten Tempelhof, Mariendorf-Südende, Lank- Witz, Marienfelde', Lichtenrade und Buckow, die zur Tempelhofer oder Mariendorfer OrtSkrankenkaffe versicherungspflichtig sind, werden gebeten, die Vertrauensleute hieraus aufmerksam zu machen.'Die GewerkschastSkommission Hxmpelhos, Mariendorf. Marienfelde. Pankow. Die Einweihung der Hoffnungskirche in der Lindenpromenade findet am Freitag, den 12. September,' statt. Angeblich soll der Bau dieser zweiten Pankower Kirche einem großen Bedürfnis der hiesigen Einwohnerschaft gerecht werden. Um hierzu einmal Stellung zu nehmen, findet am Tage vorher, Donnerstag, den 11. September. im Lokal von Roczycki, Kreuzstr 3/4, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher die Genossen Harndt und Landtagsabgeordneter Adolf Hoffmann über das Thema:.Mehr Soldaten, mehr Kirchen" sprechen werden. Die Herren Geistlichen sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Potsdam. Die Wahlen zur Allgemeinen Ortskrankenkasse finden Donnerstag. den 11. September, und Freitag, den 12. September, nachmittags von 5 bis 10 Uhr abends statt. Am ersten Tage wählen die Per» sonen mit den Anfangsbuchstaben von A bis L und am zweiten Tage von �l bis Z. Wahlberechtigt ist jedes über 21 Jahre alte Kasien- mitglied männlichen und weiblichen Geschlechts. Auch die Mitglieder der sich am 1. Januar 1914 der Allgemeinen OrtSkrankenkaffe an- schließenden Kassen sind wahlberechtigt. Die Wahlvorschläge des Gewerkschaftskartells sind mit Liste 1 bezeichnet. Die Wahl ist ge» heim. Gewählt wird nach dem Verhältniswahlsystem. Es kommt daher auf jede Stimme an. Gebe also jeder seine Stimme der L i st e 1. Die Gegner sind emsig bei der Arbeit uns werden heute oder morgen noch ein Flugblatt verbreiten, das nach der bekannten Reichsverbandsart allerlei Schwindeleien auftischt und vor der sozialdemokratischen Vertretung in den Krankenkassen gruselig zu machen sucht. Kläre daher jeder seine Mitarbeiter und Bekannten noch rechtzeitig auf. Pflicht eines jeden ist es, nur die L i st e 1 des Potsdamer Gewerkschaftskartells zu wählen, deren Namen Bürgschaft dafür leisten, daß auch wirklich die Interessen der Versicherten ver- treten werden. Die Arbeitslosigkeit. Die Statistik des städtischen Arbeitsnachweises vom Monat August zeigt ein weiteres Wachsen der Arbeits- losigkeit am Orte. Im Monat August meldeten sich aus dem städti- sehen Arbeitsnachweise 754 arbeitslose Personen gegen 632 im Monat vorher. Hierunter befanden sich 643 männliche. Stellenangebote waren nur 443 vorhanden, von denen 306 besetzt wurden. Zieht man in Betracht, daß Potsdam nur wenig Arbeiterbevölkerung hat (dem Kartell sind z. B. 2000 Personen angeschloffen), so muß diese Zahl als äußerst hoch bezeichnet werden, denn sie übersteigt sogar die Arbeitslosenziffer im Januar l73i). einem Monat, von dem man hohe Arbeitslosenziffern gewöhnt ist. Diese Zahl würde noch erheb- lich wachsen, wenn sich olle Arbeitslosen zur Pflicht machen würden, den städtischen Arbeitsnachweis zu besuchen. An alle gewerkschaftlich organisierten Arbeiter muß deshalb die Forderung gestellt werden. daß sie den städtischen Arbeitsnachweis regelmäßig beiuwen, selbst auch dann, wenn nicht die geringste Aussicht vorbanden ist, Arbeit zu erhallen. Bei der jetzigen Zusammensetzung auf unserem Rat- hauss ist es notwendig, schlüssige Beweise für die herrschende Arbeits- losigkeit zu erbringen, wenn man beabsichttgt, im kommenden Winter eventuell die Forderung aufzustellen, NolstandSarbeiten in Angriff zu nehmen. Ei« Gemüsemarkt ist seit voriger Woche in der Teltower Vor- stadt eingerichtet und damit einem schon lange bestehenden Bedürfnis abgeholfen worden. Leider werden hier den Verkäufern von der Polizei insofern Schwierigkeiten gemacht, als man streng darauf achter, daß.nur Gemüse zum Verkauf kommt. Den Händlern mit Butter, Eiern. Käse, sauren Gurken usw. ist der Verkauf untersagt worden und sie mutzlen mit ihrer Ware wieder abziehen. Als ge- legentlich der Beschlußfassung über die Abhaltung eines Marktes in der Teltower Vorstadt ein Stadtverordneter anfragte, ob man unter Gemüsemarkt auch den Verkauf von Bulter, Eiern, Käse usw. ver- stehe, wurde er ausgelacht; eS wurde das für selbstverständlich erklärt und dabei noch bemerkt, daß nur der Fleischverkauf in Weg- fall komme. Unter diesen von der Polizei geschaffenen Zuständen hat natürlich der Markt keinen Wert für die Bewohner. Die nächste Stadtverordnetensitzung wird sich voraussichtlich hiermit be» fchäftigen und fordern müssen, daß man diese selbstverständlicheu Marktartikel zuläßt._ eingegangene Dmckrchriftcn. Von der ,, Gleichheit-, Zeitlchrist für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 25 des 23. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Zum Parteitag der Sozialdemokratie. — Die Lehre aus der Haltung der ReichStagssraltion. Von gh.— Die Tätigkeit der Frau in der Gemeinde. VI. Von Anna Blas.— Die Auf« gaben der Frauen bei der Durchführung der Strankenoerficherung. Von ?. Kl— Landtagswahlen in Finnland. Bon M. Mattua.— Für unsere Jugend. Von Jürgen Brand.— Auguit Bebel zum Gedächtnis. Von Adelheid Popp.— Mit den Beilagen: Für unsereMütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder. Tie.Gleichheit" ericheint alle 1s Tage einmal. Prei« der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der AbonnementSpreiS vierteljSbrlich ohne Bestellgeld 55 PI; unter Kreuzband 85 Pf. JahreSabonnemenl 2,60 M. Wie liest man eine Karte? Bearbeitet von E. Steina«. 50 Pf. Strecker u. Schröder, Stultgart. Ter Anfang. Heft 5. Zeitschrist der Jugend. H-rauSgegeben von G Barbizon u. S. Bernseld. Erscheint monatlich. Halbj. 2 M. Verlag: .Die Aktion". Wilmersdorf. Nassauische Str. 17. .Ranken». Bücher für die Jugend. Bd. 1. Schattenbilder mit Versen. Von Gras F. Pocci. 30 Pf. Düssel-Verlag, Düsseldorf. Jahrbuch der Angeftelltenbewegung. 2. Heft. Schriftleitung: W. Stiel u. E. Steinitzer. Jährlich 4 Hefte 6 M. Jndusttiebcanitenverlag, Berlin N5V. 52. Aus Natur und Geisteswelt. Bd 22. Soziale Kämpfe im alten Rom. Von L. Bloch.— Bd. 34. Grundzüge der Berfaffuug des Teutsche» Reiches. Von 2. Loening.— Bd. 121. Kulturgeschichte deS deutschen Bauernhauses. Von Eh. Ranck.— Bd. 223. Entstehung der Welt und der Erde. Bd. 230. Das Theater. Von Ch. Kaehde. Maschine. I. Von R. Bater.— Bd. 4t0. graphte. Von W. Warstat.— Bd. 411. Universitätsstudinm. Von Th. Ziegler.---- F. C. Endres.— Bd. 417. Die modern« MittelstaudSbewegung. Von L. Müfsclmann.— Einzelb. 1 M., geb. 1,25 M. L. G. Teubner, Leipzig. Justizirrtum und Wiederaufnahme. Von Rechtsanwalt Dr. M. Alsberg, g M., geb. 12 M. Dr. P. Langenscheidt, Groß-Lichterfelde-Oft,' Bahnhosstr. 34._ Marktpretie von Berlin am 8. September 1913. nach ErmMeumge» deS igt PolizeipräfidiumS. Mais(mixed), gute Sorte 17,00—17,30, mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00—00,00. Mais< runder), gute Sorte IS.lO— 15,40. Richtstroh 0,00-0.00. Heu 0,00— 0,00. Martthailenpreiie. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30 00—5000. Sveisebobnen. weiße 35.00— 60,00. Linien 36,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinbdl.) 4,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, van der Keule 1 70—2 40. Rindfleisch, Bauchfteilch 1,30— 1.80. Schweinefleisch 1,50—2,10. Kalbfleisch 1,40-2.40, Hammelfleisch 1.60-2.40. Butter 2L0-3.00. 60 Stück Eier 3,60—5,50. 1 Kilogramm Karpien 1,20— 2,60. Aal« 1 40—3,00. Zander 1,40—3,20. Hechre 1,40—3,00. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,70—3,50. Bleie 0,80-1,80. 60 Stück Krebse 1,00-40.00. Waflerftauds-Rakti richten der LandeSanstalt für Eewässertunbe. mitgeteilt vom verlwer»etterdurean Von M. B. Weinstein.— — Bd. 393. Tie Dampf. Die künstlerische Photo- Ueber Universitäten und — Bd. 415. Moltke. Von Wasserstand Memet. TUflt P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor . Strossen . Frankfurt Warthe, Schrimm LandSberg Netze. Vordamm Elbe, Letwierttz � Dresden ' Barby Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel. Spandau 1 , Rathenow') Spree, Svremberg') BeeSkow Weier, Münden Minden Rhein. MaxunilianSau Kaub Köln Neckar, Heilbrotm Main. Hanau Mosel, Tri« am 8.9. oro 68 20 -6 82 80 103 176 468 234 202 80 119 » seit 7.9. ein') 0 +3 +4 0 0 ft 0 +46 »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Mtlevpegel. Fr anK Abraham 1 Ers I- Erseheint 2 mal Sehentlieh. L MessiM-n.RÄmertrank-Kell. Ü.U BarWitr. Sa, Fernsp. KgrL1370e Bestes alkoholfreies Getr&nk. Berlin OJtadolfstM. Si-Si ( Krh«it»�Se�lie>?ens� Hambnrffer Laden, Cbarl.,W«Uit.68 /'\ _ Auto-Fshrschulen| SrH'ränkJimersSrJl Oull&u Eintr.tSgl., Teilz.geet. { Bäokereles, Kondltois� Blottner's GroBbäckerei Geschäfte ia Berlin, Chorlottenbupg, Schönebeps, Wilmersdorf. 1 Albredit, E., Fruchtstr. 29. iR. Andersohn, Thüringerstr. 82 Asmug, WUh� UeckerEüßderstr. II. Wilh. Bagge, Wiclefstr. 65/6. Friadr. Barz. Landso. Allee 146 Willy Bär, Stromstr. 48. Panl Berger, Mirbachstr. 29 K. B!ed ermann, Gryphiuostr. 18. F. Bocke�kamp, Camphausenst.C Hudolt Brechlin, Ackerstr. 3 Jos*f Brefka, Kirchhofstr. 46/47 �vald Buchler, Weserstr. 47. £rnst Buller, Brüsselerstr. 43. Alb. Dadiwik, Kamerunerstr. 16. Paul Delly, Markusstraße 15. Albert Denkewllj, Jablonskistr. 14 Dollva, Ferdinand Torellstr. 4 •Otto Donath, Stolpischestr. 22. H« D o nn©r�S chön f ließe rstr. 2 |Brot-Pabrik„Vorwärts" Hermann Ullrichj �ögenict Franz Faulwetter, ManteaUelstr.fi?. Carl Feist, Friedenstr. 101. Friedr.Flcmming, Boxh»gcneritr.l7. Paul Freitag, Stuttgarterstr. 13. E. Freyer, Blumsnslr. 72, E. MarkMitr. Georg Genz, Memelerstr. 20 F. George, WilhalmshaTenerBtr. 22. B. Gierszewskl, SValdenserßtr.9. FHö Glauner, Chausseestr. 80. Gnmnior. R. Posenerstr. 16. Gering, Hugo Greifswalderat. 225 M�ruschka�Xonig| Otto Winkler, Nannynstr. 73, E, Wolff, Grüner Weg 75. O. Wolsthendorf, Waldsnsentr. 23. Paul Zaslrow, Stromstr. 33. Zühlke�Glatzerstr�T�Gürtelst�a �___Badettn>U8ten) Arkona-Bad, Anklamer-Str. 34. Bailllt-Moatiit1ö4ÄÄ. w-W Landsbergeratr. 107 Gollnowstr. 41. BörgerDad�Ät.� Canitz-Bad, Münzstraße 2. Cectfal-Bail AnJ�Ä. Neukölln, Münchenerstr. 51 j BezMgsqMeHeii'VerzeSchniSn Den Lesern bei Ankäufen zur Beachtung empfohlen. Bad Frankfurt, Qr.Frkfl. Str. 136. Lieferant sämtl. Krankenkassen Bad FriedrBorljner8tr.49— 50 J. Ch. Pollmann, Lothrlngerstr. 60. Ä Seydolstraßo 15. IVCIUIC, M. LIef.ailerKasEen £ Beleucht.»Seoeniit�*� Bflltner, A., Lmzigeratr. C 75 acsctiäfte In allen Stadtteilen Berlins und in Rixdorf. 189g. ÄarlHeidenr©ich,Münchener8t44 Franz HeUmann,iSchoIz«iidorfer8t.l4 Karl Hennig, Steinmetzstr. 74 Paul Hoppe, Hermsdorf erstr. 8 Hoppe'sNachf.Krarasrek, Adalbert« t.66 P.Husgen, Uer[ürlb-,B.LicbieBrider«t Max Jacob, Pflügerstr. 70-1. Georg Kappe, WilaelmrtuTeiierstr. 8. A. Kelb, Kostockerstr. 31. F.Klesewetter.SchirelbelnerBtT.ie. 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Ledepwapen Hermann Callieswegloo Tasttieo-rjller��� Kolonnenstr. 64. c Lobpanstalten 7uachneide- Schule des Deutsch. Züsch teidep- Vepbandas e. V., BERLIN, Hauepstr. 86 88 T. 1 3401. c Klehihandltangen Bcthke, Georg, SSL"«! Seokälla, Elbcs(r.33, Kaiscr-Frieör- Slr. 64, Wfierslr. 189, Eriadalslr. 33. Trapi™, Grati-StraCc 64. Bordasch Q..NkII«..Kals.-Frd.-St29. C. E. Fink, N, Pankstr. 93. IFrese, Ernst 6 18 so.'16 j Gaege,Otto ChbU!r0cUen PauIGaege, Spandau. Ine Uoiil/riMehl-u.Kolonialw. iU&.nctUK3 Bergmannstr. 95. Heernia.H, Nklln. ,Heraiannst. 172 Kurl Huhn, SchcrcrstP. 9. Korn, jiu�o |Hf.laii,£li.!(ry[iiiii8 8tr.54.S G.Laupidiler, Turmstr. 80. Gus.Mey er, Holinh.-Sl. 1 ö WitUt.-St 1 C. Neiigebauer Ober-Schönewoido F. Pflugmacbor, Colonnenstr. 48. Jtliemi S'rÄwä. MHUHää 11. H'mdlcr, Reinickendorferst.64 c MSbelmcgazIne D Daebne,F.,Ki., Neue Jonasstr.35. J.Deutmano,GeIcgeniitik.Bea6els(r.2l Geppert, Paul, Zossonerstr. 32. Glessen, G-Hacke, Wilbelrashavener8tr.20. 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