Kr.»36. B bonnemen ts-Bedingungen: BSotmtmtnU- PreiZ pränumerando: vierreljährd SM MI, monald l.IV MI, wdchenilich 2S Pfg. frei m» Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierler SonnlagS- veUage.Die Neue Welt' 10 Pia. Post- vbonnement: 1,l0 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung«. Preisiiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 8,60 Mar!, für das übrige tluSland « Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Pvrwgal, Numänien, Schweden und die Schweiz. Vlcheift« täglich. 80. Jahrg. Verlinev VolksblÄtk. vle Inkei'Nonz-eedilhi' betrügt für die fechsgefpaltene Uolonef. zcile oder deren Raum 60 Pfg., für politifche und gcwerlichaftliche Bereins- und VersnmmlungS-Anzeigen SO Pfg, „Uteine ZSnretgen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes wettere Worth Pfg, Worte über löBuch. Naben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm> Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Zcntralorgan der fozialdcmokrattfcbcii Partei Deutfchlanda. Redaktion: ÖCQ. 68. Lüidcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moriyplatz, Nr. 1983. Auf Mehl der Scharfmacher. Vandersmiffcn und Huysmans mit Ausweisung bedroht! Die Scharfmacher haben eine neue Probe ihrer Macht geliefert, und sie können das stolze Bewußtsein hegen, daß die staatlichen Machtmittel in Preußen ihnen nach wie vor un- bedingt zu Gebote stehen. Die Berliner Parteileitung hatte für diesen Freitag eine Versammlung der Funktionäre zusammengerufen, um in diesem begrenzten Kreise Referate über den belgischen Massen- streik erstatten zu, lassen. Es handelte sich um eine geschlossene Versammlung, und der Zweck war, von Sachverständigen über die Vorbedingungen eines politischen Streiks, über die all- gemein politischen und organisatorischen Voraussetzungen, wie sie in Belgien gegeben waren, sich informieren zu lassen- Sprechen sollten die belgischen Genossen Huysmans, der Sekretär des Internationalen Bureaus, und Van- d e r s m i s s e n, der Sekretär der belgischen Partei, beide Mitglieder der belgischen Kammer. Die Ver- anstaltung war keineswegs geheim gehalten worden und so fand sich denn auch ein bürgerliches Blatt, das die Versamm- lung der Polizei eifrig denunzierte. Es war bezeichnender- weise ein nationalliberales Organ, der seit kurzem in Berlin erscheinende„Deutsche Kurier", der mit diesem Stückchen seiner ersten Nummer die Beachtung sichern wollte, die auf andere Weise zu erwerben dieser Zeitung nicht beschieden ist. Die kleine Notiz des nationalliberalen Blattes wurde dann von der„Post" zu einem langen Leitartikel gestreckt, worin in den schrillsten Tönen der Polizei die Aniveisung wurde, die Ver- anstaltung zu verhindern. Die Polizei hat diesem Befehl gehorcht und dem Genossen Ernst,"als Vor- sitzenden des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine folgenden Ukas zugestellt: Der Polizei-Präsident. B«lm � 2S den 9, September ISIS. Abteilung VII. Alexanderstr. 3/6. In einer für den 12. dieses Monats vorgesehenen Konferenz der Funktionäre des Verbandes sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend sollen die Belgier Camille HuysmanS und L. Vanders missen über da? Thema sprechen: Warum und wie wurde der Generalstreik in Belgien organisiert? Ich mache darauf aufmerksam, daß ich diese Berichterstattung durch Ausländer nicht dulden und ihr mit sofortiger Landesverweisung ent- gegentreten werde. In Vertretung. Friedhcim. Das Schriftstück wirkt für sich und sein aufreizender Charakter soll nicht erst mit vielen Bemerkungen abgeschwächt werden. Wir können uns auf den Hinweis beschränken, wie empörend und lächerlich zugleich solche Polizeiakte wirken müssen. Empörend und unerträglich ist es, daß die Polizei noch immer über die Macht verfügt, Ausländer nach Willkür über die Grenze weisen zu lassen. Die Barbarei des sogenannten Fremdenrechts wirkt bei jeder neuen Anwendung nur umso krasser; widerspricht es doch ganz und gar der modernen Entwickelung, die dem ungehinderten und freien Gedankenaus- tausch zu einer Grundbedingung unseres gesamten Kulturlebens gemacht hat. Ein jeder solcher polizeiliche Akt müßte eigent- lich weit über die Kreise der Partei hinaus den Ruf nach Schaffung eines anständigen Fremden- rechts auslösen, damit der beschämende Zustand endlich beseitigt werde, daß irgend ein Polizist einen Jaurss am Sprechen in seiner Muttersprache hindern oder bekannte Parla- mcntarier des Auslands mit Landesverweisung bedrohen kann. Wenn aber solche polizeiliche Akte empörend sind, so sind sie womöglich in noch höherem Maße lächerlich. Sie sind lächerlich, weil sie so völlig unwirksam sind. Was soll denn dadurch verhütet werden, daß die Genossen Vander- smissen und Huysmans nicht vor unseren Funktionären sprechen können? Glaubt die Polizei, daß unsere langcrprobten Ver- trauensmänner noch im Polizeisinn verdorben werden könnten? Und wenn sie das schon glaubte, dämmert denn der Polizei nicht die bange Ahnung, daß ihr Vorgehen schon deshalb ein Schlag ins Wasser bleiben muß, weil der Bericht, den Genosse Vandersmissen französisch erstattet hätte, einfach von einem deutschen Genossen in deutscher Sprache erstattet werden wird, unsere Vertrauensmänner den gefährlichen Inhalt also ebenso genau zu hören bekommen werden? Aber wir haben weder Lust noch Neigung, in die Tiefe einer Polizeisecle hinabzusteigen, um— vielleicht vergebliche— Entdeckungsfahrten nach Vcrnunftgründen an- zutreten. Denn das hieße die Selbständigkeit der Polizei ja weitaus überschätzen. Hat sie doch nicht aus eigenem, sondern als Werkzeug der Scharfmacher gehandelt und so wieder ein- mal vor In- und Ausland die preußisch-deutfchen Zustände Donnerstag, den 11. September 1018. gekennzeichnet: die Mißachtung, die die Herrschenden hier noch immer der Arbeiterschaft entgegenzubringen wagen können. Und diese Mißachtung sucht auch der Stil des Polizei- schreibens auszudrücken, das den gelehrigen Schüler Jagows verrät. Herr Friedheim will„nicht dulden", daß Ausländer Beriibt erstatten. Aber der Geist, der die Sozialdemokratie aller Länder durchdringt, fragt nicht um polizeiliche Duldung und wenn heute auch noch die Polizei verhindern kann, daß Mitglieder der belgischen Arbeiterpartei persönlich vor den Berliner Vertrauensmännern sprechen, so bewirken gerade solche Polizeitaten, daß der Geist, der in der belgischen Arbeiterschaft lebt und sie zu dem bewundernswerten und un- ablässigen Kampf um die Erringung deS gleichen Wahlrechts getrieben hat, auch in der deutschen Arbeiterklasse wach- erhalten wird. Die Genossen Huysmans und Vandersmissen werden also Freitag nicht sprechen können. Was sie zu sagen haben, werden unsere Vertrauensmänner trotzdem erfahren. Im übrigen aber ist Preußen-Deutschland um eine Polizeiblamage bereichert, und das hat nun freilich nicht viel zu bedeuten. Kapitaliftikhe Steuerwirtschaft. Ii. Weil die indirekten Steuern und Zölle die Masse der Konsumenten belasten und die Produzenten bereichern, ohne auch nur dem Staat eine nennenswerte nicht nur scheinbare Einnahmequelle zu schaffen, fordert die Sozialdemokratie von jeher in ihrem Programm:.„Abschaffung aller indirekten Steuern, Zölle und sonstigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen, welche die Interessen der Allgemeinheit den Interessen einer bevorzugten Minderheit opfern." Als Ergänzung dieses negativen Programms erhebt unser Programm weiter die Forderung:„Stufenweis steigende Ein- kommen- und Vermögenssteuer zur Bestreitung aller öffentlichen Ausgaben, soweit diese durch Steuern zu decken sind; Erbschaftssteuer, stufenweise steigend nach Umfang des Erbgutes und nach dem Grade der Verwandtschaft." Auf Grund dieser Programmsätze hat sich in weiten Kreisen der Partei die Anschauung gebildet, daß wir unter allen Um- ständen den sogenannten„direkten" Steuern vor den„in- direkten" den Vorzug geben müßten. Nun ist die Einteilung in direkte und indirekte Steuern, genau gefaßt, eine rein steuer technische und tnit Recht betont auch Wurm in seinen dem Parteitage vorgelegten Leitsätzen zur Steuerfrage: „Die ErhcbungS form der Steuer, ob direkt oder indirekt, ist nicht entscheidend für ihre Wirkung, das heißt für die Frage, wen die Last der Steuer beträchtlich trifft." Tatsächlich gibt es denn auch indirekt erhobene Steuern, die ökonomisch als Besitzsteuern wirken, und umgekehrt direkte Steuern, die von vornherein die breiten Massen treffen oder auf sie abgewälzt iverden. Selbst die im Programm geforderte Einkommen st euer kann für das Proletariat zu einer schwereren Last werden als indirekte Steuern, die z. B. den Luxus erfassen oder infolge besonderer ökonomischer Verhältnisse von den Produzenten nicht abwälzbar sind. Dafür, daß bei den jetzt bestehenden Einkommensteuern„ein immer größerer Teil nicht von dem Besitz, sondern von der Arbeit aufgebracht Ivird", bringt Nachimsons Slrbeit neue Belege. Dahin wirkt einmal die Technik der Erhebung. Durch Gesetz wird z. B. den Agrariern in Preußen eine Berechnung des Einkommens erlaubt, die das tatsächliche Einkommen keineswegs erfaßt— von den ungesetzlichen Steuerhinterziehungen ganz zu schiveigen. Für das Proletariat bestehen dagegen allerorten Bestiniinungen, die eine restlose Einkommenserfassung ermöglichen(in Preußen die Anzeigepflicht der Arbeitgeber). Vor allem aber wirken die Steuersätze selbst dahin, daß immer mehr das Proletariat die Einkommensteuer aufbringen muß. Das Existenzminimum bleibt nirgends wirklich unbesteuert. Nach den Berechnungen Nachimsons zahlt heute in Preußen die städtische Arbeiter- schaft an Steuern bedeutend niehr als die wohlhabende Klasse des platten Landes. „So ist es die städtische Arbeiterschaft, die in Preußen immer mehr Einkommensteuer zahlt, obgleich sie bei dem Wahl- recht, das doch in Preußen angeblich auf dem Steuerzensus aufgebaut ist, so gut wie leer ausgeht." Man kann daher dem Schluß seiner Ausführungen nur zustimmen: die Ein- kommensteuer ist heute keine reine Besitz st euer, „denn die Hälfte davon ivird schon heute vom Lohn und Ge« halt getragen; und je mehr die Entwickelung fortschreitet, einen um so größeren Anteil an dieser Steuer nimmt die Arbeit." Damit die Einkomntcnsteuer immer weniger eine Arbeits- und immer mehr eine Mehrwert- oder Profit steuer wird, ist mit Wurm zu fordern: „Soweit Einkonimen und Vermögen nur aus dem Arbeits- lohn stammen, müsicn sie steuerfrei bleiben, und zwar weit über das von der heutigen Gesetzgebung freigelassene Existenz- Minimum hinaus. Die aus Mehrwert stantmenden Einkommen und Vermögen sind verhältnismäßig um so höher zu belasten, je größer sie find(progressive Besteuerung). Expeditfon: 8Ll. 68, Lindcnatrasac 69. Fernsprecher: Amt Morivplatz, Nr. 1981. Während die Einkommensteuer zum großen Teile eine Arbeitssteuer ist und daher die arbeitenden Massen ebenso hart trifft wie die(indirekten) Verbrauchssteuern, kommt zwar die Vermögenssteuer einer wirklichen Mehrwertsteuer näher. Dafür sind hier die Sätze so niedrig angelegt(in Preußen z. B. nur 0,66 vom Tausendl), daß diese Steuer zurzeit lächerlich geringe Erträge abwirft. In den letzten Jahren brachte sie in Preußen nur 50 Millionen Mark. Würde auch hier die Progression(etwa von'/, bis 5 auf Tausend) eingeführt werden, so würde man in Preußen damit 300 Millionen erzielen. Für das ganze Reich ein- geführt, ergäbe sie mindestens 500 Millionen jährlich, d. h. nur 100 Millionen weniger, als die Agrar- und Rohstoffzöllc dem Reiche— nominell I— bringen. So große Vorzüge die Vermögenssteuer auch vor der Einkommenssteuer hat, bedarf sie doch wieder selbst der Er- gänzung durch weitere Steuern, sowohl aus ökonomischen als steuertechnischcn Gründen. Die nun einmal in den Sitten- kodex der Kapitalisten aufgenommene Steuerhinterziehung läßt sich nur wirksam bekämpfen durch eine möglichst genaue Kontrollierung der Einkommens- und Vermögensangaben, da für die lausende Besteuerung die Selbsteinschätzung aus Gründen der gleichmäßigen Behandlung aller Steuerzahler und aus sonstigen steuertechnischen Gründen gefordert werden muß. Mit der Erbschafts- oder Nachlaßsteusr ist die vollständige Aufnahme des Vermögens des Ver- storbenen verbunden, die auch eine zurückreichende Konftolle er- möglicht. Besonders bei den Agrariern mit ihren sichtbaren Vermögen ist sie daher verhaßt. Vom ökonomischen Stand- punkte aus entspricht eine solche Steuer durchaus der Forde- rung von Mehrwertssteuern. Sie ist nicht abwälzbar und trifft nur den völlig ohne eignen Verdienst erworbenen Besitz. In den von reaktionären Mehrheiten beherrschten deutscheu Bundesstaaten und im Reich fehlt daher eine wirksame Erb- schafts- oder Nachlaßsteuer. In England dagegen Iverden Erbschaften mit durchschnittlich U'/t Proz. besteuert(der Höchst- satz steigt dort bis auf 15 Proz. I). Würde das Reich alle Erbschaften über 6000 M. ebenfalls mit durchschnittlich 9 Proz. heranziehen, so würde es daraus jährlich 468 Millionen Mark Steuern ziehen können; also mit der Schenkungssteucr zu- sammen 500 Millionen, d. h. ebensoviel als die Reichsfinanz» reform von 1909 an ueuen Einnahmen geschaffen hat. Als eine(direkte) Besitzsteuer muß auch die Vermögens- zuwachssteurr angesehen werden. Sie hat zwar den Nachteil. daß sie die Vermögen ganz ungleichmäßig trifft und die Kapita- listen unbesteuert läßt, die ihr Kapital nicht ansammelten, sondern vergeudeten. Aber das ist im Einzelfall natürlich kein Grund, ihr nicht vor Arbeitssteuern den Vorzug zu geben. Nun hat man vom theoretischen Standpunkt aus gegen die genannten Besitzsteuern eingewandt(das ist z. B. von Nenner geschehen), daß sie zu wenig Rücksicht auf die Quellen des Mehrwertes nehmen. Besser als eine allgemeine Einkommens- und Vermögenssteuer würde die steuerliche Er- fassung des Profits nach seinen Quellen(Unternehmerprofit, Kapitalzins, Grundrente) dem sozialdemokratischen Steuerideal entsprechen. Renner fordert deshalb den Ausbau der Ertrags- steuern(Grund- und Gebäudcsteuern, Zins- und Renten- steuern). Nachimson bietet auch hierzu dankenswerte Er- gänzungen und kritische Einzelbemerkungen. Gewiß ist die Furcht, daß die Ertragssteuern unter allen Umständen ab- wälzbar seien, unbegründet. Aber der steuerlichen Erfassung bietet der Ertrag wirtschaftlicher Unternehmungen so viel technische Schwierigkeiten, daß für eine lückenlose steuerliche Heranziehung des Mehrwerts gerade die allgemeine Ver- mögenssteuer und auch Einkommenssteuer gefordert werden muß. Was die Grund(renten) st e u e r anbetrifft, so macht sich Nachimson die theorettsch begründete Auffassung zu eigen, daß diese Steuer unter den gegenwärtigen Verhältnissen in den Ländern, die Getreide importieren und daher vom Weltmarkt- preis abhängig sind, nicht auf die Preise der agrarischen Pro- dukte abwälzbar ist.„Heute könnte eine rationell ver- anlagte Grundsteuer eine ergiebige Einnahmequelle für den Staat bilden." Aber gegenwärtig ist„im allgemeinen die Grundsteuer keine große Einnahmequelle. Sie ist auf eine Zeit mit stabilen Wirtschaftsverhältnissen zugeschnitten, wenig ent- wicklungsfähig und belastet die einzelnen Grundbesitzer äußerst ungleich. Ihre Veranlagung und Erhebung ist kost- spielig". Ganz ähnlich ist die Gebäude- und Wohn- st e u e r zu beurteilen. In den Großstädten hat der Hausbesitzer eine Monopolstellung, die in den Miets- preisen schon ausgenutzt ist. so daß eine Besteuerung nicht mehr in den Mietspreisen zum Ausdruck kommen kann. Die Gebäudesteuer drückt dort die städtische Grundrente herab und nmß vom Eigentümer getragen werden. Aus dem gleichen Grunde ist die B 0 d e n w e r t z u w a ch s- steuer als(direkte) Mehrwertsteuer zu betrachten, obgleich sie steuertechnisch zu den Verkehrs- oder Güterübertragungs- steuern zählt, deren ökononiische Wirksamkeit sonst schwer zu durchschauen ist, aber fast regelmäßig zum Schaden der Konsumenten ausfällt. Daß die frühere Reichsboden- zuwachssteuer den ländlichen Boden fast frei ließ und die großen Bodenbesitzcr(Terraingescllschasten) in den Städten bevorzugte, ist ein für deutsche Verhältnisse selbstverständliches Ergebnis der Nachimsonschen Untersuchungen:„Nicht eine Be- sondern vielmehr eine Entlastung des Grundbesitzes brachte das Reichswertzuwachsgesetz"» das die kommunalen Zuwachssteuern so gut wie beseitigte. Scheinbar am wirksamsten müßten Steuern auf den Unternehmerprofit(Ge werbe st euern) ausfallen. Aber gerade hier sind die Schwierigkeiten der wirklichen Erfassung des Mehrwerts am größten. Hier gelingt die Abwälzung auf die Preise und die Konsumenten am leichtesten, zumal wenn einzelne Industriezweige verschieden hoch besteuert werden. Hier ist auch die Gefahr, daß die Steuer die Kapitalansammlung und die wirtschaftliche EntWickelung infolge zwangsmäßiger Entziehung von Ertrag- teilen durch die Steuern am größten. Schon die Anwendung der Progression muß hier Bedenken unterliegen. Eine hohe Besteuerung einzelner Industrien würde zur Folge haben, daß die darin angelegten Kapitalien anderen Industrien zufließen, bis die dadurch eintretende Preissteigerung die Profitrate wieder erhöht. Eine allzu hohe Steuer ans alle Industrien würde die Kapitalien dagegen ins Ausland treiben und auch dadurch preissteigernd wirken. Natürlich hat das Proletariat aber mehr als die Uebersteuerung des Profits die Besteuerung seines Lohneinkommens durch Einkommensteuern, Verbrauchs- steuern und Zölle zn fürchten. Unter den Ertragssteuern könnte auch die von Nachimson als„ K a r t e l l r e n t e" bezeichnete Einkommensguelle er- faßt werden, die aber besser als Monopolprofit zu bezeichnen ist. Die monopolistischen Gebilde(Syndikate, Kartelle, Trusts) erzielen eine höhere Profitrate als der Durchschnitt, einen dauernden Extraprofit auf Kosten der Konsumenten und ihrer nichtkartellierten Konkurrenten. Im allgemeinen wird eine Vermögens- und Erbschaftssteuer auch diese Einkommens- quelle noch am besten treffen. Es lassen sich aber auch Spezialfälle denken, wo eine Sondcrsteuer möglich wäre. Neben der Grundrente und� dem Unternehmerprofit bietet sich der K a p i t a l z i n s altz dritte Quelle der Mehrwert- besteuerung. Hier wird die Besteuerung in direkter Form des Einkommens aus Einzelerträgen die angemessenste Form sein, obgleich die Gefahr von Steuerhinterziehungen bei den Besitzern von Leihkapital sehr groß ist. Nur als Ergänzung wird man auf die Form der Verkehrssteuern(Wcchselstempel, Eouponsteuer, Börsensteuern u. ä.) zurückgreifen dürfen. Da neben bietet sich in dem ökonomischen Gebilde der Aktien gesellschaften die Möglichkeit, außer dem Unternehmergewinn auch den Gründergewinn zu treffen. Daß die eigentlichen Verkehrssteuern(Fahrkartensteuern, Schiffahrtsabgaben u. ä.) die Konsumenten treffen und daher zu verwerfen sind, bedarf keiner besonderen Erläuterung. Zum Bilde der kapitalistischen Staatswirtschaft gehört es schließlich, daß die besitzenden Klassen nicht nur keine aus- reichenden Steuern aufbringen und die Steuerlast den arbeitenden Klassen auferlegen, sondern daß sie auch aus dieser Steuerlast noch persönlichen Profit ziehen. In der Form der Schuldenwirtschaft bietet sich der Kapitalistenklasse die Möglichkeit, für ihren„Opfermut" als Kapitalsleiher Zinsen einzuheimsen, die den Besitzannen durch Steuern entzogen werden. Allein die Beseitigung der Liebesgaben an die Gctreideexporteure, Zuckerproduzenten und Schnapsbrenner würde, wie oben erwähnt, die Pump Wirtschaft des Reiches überflüssig machen, ja dem Reichssäckel noch Millionen als Heberschuß zufichren. Ebenso könnte eine progressive Ver- mögenssteuer mit einer ernsthaften Erbschafts- und Vermögens- zuwachssteuer allein eine Milliarde bringen und damit die Agrar- imd Rohstoffzölle, die Salz- und Zuckersteuer, die Zündwaren-, Leuchtmittel- und Schecksteuer zusammen ersetzen. Nachimson wird durchaus nicht von der Idee geleitet— d.ie einst die Freihändler& taub prix beseelte—, daß das Ideal einer modernen Steuerwirtschaft das Sparen wäre. Im Gegenteil:„Nicht ein wohlfeiler, sondern ein teurer Staat ist uns erwünscht, ein Staat, der viel von seinen Bürgern fordert, der ihnen auch viel gibt, viel leistet." Bei den gewaltigen Schädigungen des jetzigen Systems der Steuer- Wirtschaft ist aber unbedingt Aufhebung aller Zölle und Steuern auf Lebensmittel und Rohstoffe und ihre Ersetzung durch Be- sitzstenern zu fordern. Als Besitzsteuern sind in erster Linie progressive Reichs einkommensteucrn-, Vermögens- und Erb- schaftstzeuern zu verstehen, auf die Zuschläge für bundes- staatliche Steuerzwecke zu legen wären. Neben diesen Steuern und als Ersatz dieser Steuern wird die Sozialdemokratie auch unter Umständen ihre Zustimmung zu anderen Besitzsteuern geben können, besonders wenn es sich darum handelt, Arbeits- steuern zu ersetzen oder zu verhindern. Auf jeden Fall wird die Behandlung der Steuerfragc auf dem konimenden Parteitag dazu beitragen, die An- schauungen innerhalb der Partei zu klären und damit den Kampf gegen die gegenwärfige Steuerwirtschaft zu stärken. politische(leberlickt. Pfaffenherrschaft und Verbrechen. Es ist eine statistisch festgestellte Tatsache, daß die streng katholischen Gegenden Deutschlands, wo noch der Klerus fast unumschränkt herrscht und die Bevölkerung völlig unter klerikalem Einfluß steht, am m ei st en Morde, Totschläge und gefährliche Körperverletzungen auftv eisen, selbst mehr als die Riesenstädte, in denen doch naturgemäß das von der Polizei verfolgte Verbrechergesindel am ersten Unterschlupf sucht. Schlesien, besonders Oberschlesien, und so manche frommen Gegenden der Rheinlande übertreffen, was die Verbrechen und Vergehen gegen das Leben anbelangt, bei weitem die Provinz Brandenburg mit dem„Sündenbabel" Berlin. Die Provinz Brandenburg hatte z. B. nach der Zählung vom 1. Dezember 1910= 4,09 Millionen, Schlesien 5,23 Millionen Einwohner. Demnach müßten in Schlesien nur ungefähr um ein Fünftel mehr Morde, Totschläge und Körperverletzungen vorkommen als in Berlin. Tatsächlich stellt sich aber das Verhältnis für Schlesien viel ungünstiger. Nach dem neuen Statist. Jahrbuch für das Deutsche Reich tS. 318 ff.) kamen z. B- im Jahre 1911 in der Provinz Brandenburg 21 Morde und Totschläge sowie 4364 gefährliche Körperverletzungen vor, in Schlesien aber 32 Morde und Totschläge sowie 9651 gefährliche Körperverletzungen. Diese durch die Statistik festgestellt Tatsache hindert die verlogene klerikale Presse jedoch nicht, daß sie jedesmal, wenn irgendwo eine grauenhafte Mordtat begangen ist, die Schuld der„Unreligiösität" und dem„Unglauben" zu- schiebt und die katholische Erziehung durch den Klerus sowie die Vermehrung der Kirchen und Ordensniederlassungen als Gegenmittel empfiehlt. So leistet sich dcnii� auch die „Germania" wieder das ftivole Vergnügen, die Schreckenstat des Lehrers Wagner als eine Folge des Unglaubens zu be- zeichnen und als Heilmittel eine stark vermehrte Dosis von Katholizismus und Frömmigkeit zu fordern. Sie schreibt: „Eine natürliche Erklärung für die Schreckenstat des Lehrers Wagner hat dagegen bei der Beerdigung der Opfer des Mörders von Mühlhausen auch der evangelische Pfarrer dieses Ortes— derselbe zählt rund 750 evangelische Einwohner— gegeben, wenn er in seiner Grabrede erklärte, daß der fortschreitende Unglaube im Volke für die ruchlose Tat mit verantwortlich gemacht werden müsse. Und der Massenmörder Wagner hat selbst erklärt: „Ich glaube an keinen Gott.". Weist das nicht auf den letzten Grund dieser fürchterlichen Mordtat hin? Und lveist das nicht Monisten und andere Gottes- lengner, die an der vollbesetzten Tafel des Lebens sitzen, daraus hin, wie die Zerstörung des Gottesglaubens die schlimnisten sittlichen Gefahren für den Menschen nach sich ziehen kann, wenn es anch, Gott sei Dank, nicht immer geschehen muß? Der Dichter von Drcizehnlinden sagt nicht mit Unrecht:„Der Zweifel hat Verzweiflung oft geboren— denn alles hat, wer Gott verlor, verloren."... Der wachsende Unglaube in Deutschland wird trotz des monistischen Gesetzes von der„aussteigenden Kultur" wie dieselben Erscheinungen, so auch dieselben Folgen haben. Wer will es denn noch leugnen, daß wir trotz aller Erfindungen der Neuzeit in sitt- licher und sozialer Beziehung in Deutschland uns in einem Zu- stände des Niederganges befinden? I Auf dem Katholikentage in Metz hat?. Bonaventura den Finger auf die tiefste Wunde der Gegenwart gelegt, wenn er in seiner vortrefflichen Weise auf die moderne Entchristlichung hinwies." Zu de» badischen Landtagswahlen. Die Konservativen und der Bund der Landwirte haben be- schlössen, in zwei badischen Landtagswahlkreisen für den national- liberalen Kandidaten einzutreten. Die nationalliberalen Kandidaten beider Kreise werden offen als rechtsstehende Kandidaten bezeichnet. Beide Kreise waren zuletzt Besitzstand der Sozialdemokratie. DaS Bestreben der Nationalliberalen, nach rechts angenehme Kandidaten aufzustellen, steht im Widerspruch mit dem Großblockabkommen. Im 8. badischen Reichstaaswahlkreise haben die National- liberalen jetzt doch noch einen eigenen Kandidaten aufgestellt. Die Nationalliberalen brauchen sich mit dieser Kandidatur keinen Hoff- nungen hinzugeben._ Die Abgrenzung des Kongogebicts. Die Mission zur Festsetzung der deutsch-französischen Grenze im K o n g o g e b i e t ist von Afrika in Bordeaux eingetroffen. Der Chef der Mission, Kapitän Perriguez, erklärte, einem Telegramm des französischen Depeschenbureaus zufolge, daß man die Arbeiten als beendet ansehen könne, da die deutsche und französische Mission sich in Uebereinstimmung befänden. Die Schwierigkeiten, denen man begegnete, seien sehr groß gewesen, besonders für die deutsche Mission. Die stanzösische Mission habe ebenfalls einige Schwierig- leiten gefunden, besonders in Poko, wo zwei eingeborene Träger von Kannibalen getötet und verzehrt worden seien. Ebensolche Fälle hätten sich in Legula und Lalebaye ereignet. Die Mission habe ständig die drahtlose Telegraphie zur Feststellung der Grenzpunkte benutzt.__ Militärjustiz. Zwei Urteile, die einander gegenüber gestellt mit Rücksicht auf die Härte und Milde das Rechtsempfinden aufs tiefste verletzen müssen, wurden vom Dresdener Kriegsgericht gefällt. Zuerst mußte sich der kurz vor der Dienstentlassung stehende Kanonier Neumann vom Artillerie-Regiment Nr. 64 wegen Achtungsverletzung, Ungehorsams, Beharrens im Ungehorsam, aus- drücklicher Gehorsamsverweigerung und Aufforderung von Personen des SoldatenstandeS zum Ungehorsam verantworten. Der gerichtlich bisher unbestrafte Angeklagte gehörte am 13. August zu einer Abteilung, die vom Außendienst nach der Kaserne zurückkehrte. Er war infolge des vorangegangenen Dienstes er- mattet und hatte sich auch die Füße wund gelaufen. Da die an der Spitze marschierenden Einjährigen einen sehr scharfen Schritt eingeschlagen hatten und N. nicht gut mitkonnte, rief er laut nach vorn:„Nicht so schnell laufen I" Der Unteroffizier, ein Einjähriger, erblickte darin eine grobe Ungehörigkeit(!) und ging nach hinten, um den Namen des Rufers festzustellen, und sah auch, wie N. noch— murmelte! Auf den Befehl, den Mund zu halten, erwiderte New mann;„Nun grade nicht." Und auf die Frage, wie er heiße und bei welcher Batterie er diene, erklärte er:„Das weiß ich nicht" und „Bei keiner!" Als dann der Einjährige die Mannschaften fragte, wie der Mann heiße, sagte N.:„Wenn Ihr das sagt, gibts etwas ab!' Eine weitere Achtungsverletzung wird darin gefunden, daß der Aw geklagte auf den Vorhalt des Unteroffiziers, ihn nicht so dumm an zusehen, sagte:„Da find Sie wohl nicht mehr das Ansehen wert!' Neumaim gab vor Gericht an, er sei sehr aufgeregt ge- Ivesen und habe die Tragweite feiner Handlungsweise n i ch t ü b e r s ch a u e n können. Bei den Aeußerungen habe er sich n i ch t s gedacht. Das Gericht war aber der Meinung, daß eS sich hier um eine schwere Insubordination. Dis- ziplinlosigkeit und Unverschämtheit handelt und warf für die an sich harmlosen Worte die drakonische Strafe von— sechs Monaten Gefängnis aus! Und nun ein Gegen st ü ck. Wegen Mißhandlung eines Untergebenen war der Vizefeldwebel und Obersahne nschmied Schym- b a m vom Infanterieregiment Nr. 182 angeklagt. Am 24. Juni mittags kam der Soldat Kainzer in die Unteroffiziersstubc, um eine angefertigte Arbeit vorzuzeigen. Er war nach Ansicht des Angeklagten liederlich angezogen, weshalb der Vorgesetzte befahl: „Scheren Sie sich raus 1" Das ging angeblich nicht schnell genug. weshalb der Angeklagte einen Stuhl nahm und nach dem Soldaten warf, der in den Rücken getroffen wurde, zu Boden st ü r z t e und längere Zeit Schmerzen hatte. Der Vor- gesetzte entschuldigte sich damit, daß er keinen Wurf, sondern nur einen — Schreckschuß beabsichtigt hätte. Das Gericht glaubte diesem Märchen, nahm nicht Mißhandlung, sondern nur eine„ u n a n- gemessene Behandlung" und einen„minderschweren Fall" an und hielt-- fünf Tage gelinden Arrest für eine angemessene Sühne!! Die Kalkanfragen. Die türkisch-bulgarischen Berhandlnngen. Konstantinopel, 10. September. Gestern abend um 9 Uhr fand eine private Besprechung zwischen den t ü r k i- s ch c n und bulgarischen Delegierten statt, die bis 11 Uhr nachts dauerte. Nach Informationen von bulgarischer Seite wurden die Grenzfrage und die übrigen Fragen erörtert. Jede Partei entwickelte ihren Standpunkt, ohne bisher von ihren Vorschlägen abzugehen. Erregung in Albanien. Balona, 10. September. Infolge andauernder Nachrichten von Uebergriffen der Griechen gegen die albanische Bevölke- rung Janinas sowie der noch strittigen Grenzgebiete Süd- albanienS beschloß eine Protestversammmlung die Absendung von Protesttelegrammen an die Großmächte. Die Teilnehmer zogen sodann vor das österreichische Konsulat und brachten ein H o ch auf Oesterreich aus: auch bor dem italienischen Konsulat veran- stalteten sie eine Sympathiekundgebung. Cetinse, 10. September. Eine Bande von Angehörigen der Stämme der Hoti und Grudi besetzte die Höhen östlich von Tuzia, tötete einen Montenegriner und verwundete zwei. Es herrscht große Erregung in Tuzia. Kußlancl. Eine infame Maßregelung. Nach Petersburger Blättermeldungen wurden mehrere Angestellt« der Aktiengesellschaft Produgol gemaßregelt wegen einer Beileids- erklärung, die 32 Angestellte dieser Gesellschaft anläßlich Bebels Tod dem„Vorwärts" übermittelt hatten. 2600 Menschen verhastet. Der sozialdemokratische Dumaabgeordnete Gelowani erhielt aus Kutais(Kaukasien) ein Telegramm, in welchem ihm mitgeteilt wird, daß die gesamte Bevölkerung einer Ort- schaft des Kwirilschen Distrikts— 2000 Menschen— vom Kreischef im Dorfe Tzchrakro gefangen gehalten wird. Die Menschenmenge ist seit acht Tagen von Landpolizisten umringt, ist halb verhungert und vor Kälte erstanck. Die Polizisten befassen sich mit Erpressungen und Vergewaltigungen. Diese sonderbare Maßregel wurde vom Kreischef ergriffen, weil unlängst unweit des genannten Distrikts ein Landpolizist ermordet wurde und die Täter bisher unermittelt blieben. Der Kreischef verlangt die Herausgabe der Mörder, von denen die Verhafteten aber tatsächlich nichts wissen sollen. Echt mittel- alterliche Zustände!_ HrneriKa. Annahme der Tarifvorlage. Washington, 9. September. Der Senat nahm die T a r i f v o r l a g e mit 44 gegen 37 Stimmen nach Abweisung aller Zusatzanträge a n. Der Republikaner Lafollette und der Progressist Poindcxter stimmten dafür, die Demokraten Ransdell und Thornton dagegen. Die Kämpfe in Mexiko. New Dork, S. September. Wie ein Telegramm aus Piedras Negras, Mexiko, meldet, hat General Villaret, der die Auf- ständischen in Monclava befehligt, dem Hauptquartier der Konstitu- tionellen mitgeteilt, daß eine ganze Kompagnie Bundes» t r u p p e n nach heftigem Kampfe bei San Buenoventura g e« fangen genommen wurde. Die Gefangenen wnrden er» schössen.(!)_ Hus der Partei. Zu den ergreifendsten Kundgebungen proletarischer Solidarität gehören die seit dem Tode Bebels ununterbrochen einlaufenden Bei« leidskundgebungen aus den entlegensten Orten Sibirien? und russischer Gefängnisse. Wir können natürlich all diese Zuschriften nicht ver« öffentlichen und wollen nur eine für viele wiedergeben; sie lautet: „Wir, dem Leben, der Freiheit Entrissene, im russischen Zwangsgefängnis lebendig Begrabene, beeilen uns, der verwaisten deutschen Sozialdemokratie unser Beileid, unseren tiefen Schmerz auszusprechen. Ein schwerer, ein unersetzlicher Verlust ist es für die deutsche, für die internationale Arbeiterklasse. Doch wir find fest überzeugt, daß das große Werk, dem August Bebel sein ganzes Leben geopfert, immer an Stärke wächst. Unermüdlich iveht die rote Fahne der Freiheit, der Befteiung der Arbej�erklasse, die Bebel so hoch gehalten, sie vereinigt, organi- siert da? Proletariat der ganzen Welt. Schlafe sanft, Du hoher Führer der internationalen Sozial» demokratie. Dein hehrer Ruhm, Dein lichtes Andenken lebt ewig fort. Gruppe der zur Zwangsarbeit verurteilten Sozialdemokraten.— Gefängnis.... Heinrich Baercr t Am Mittwochvormittag, 11 Uhr, ist Genosse Heinrich Baerer in Harburg nach langer Krankheit gestorben. Baerer war ein Vierteljahrhundert lang Kandidat des 17. hannoverschen Wohl. kreises, und das ganze Wachstum der Partei ist mit dem Wirken Baerers auf das allerengste verknüpft. Aus den Organisationen. Der Sozialdemokratische Kreisverein Mül« Haufen i. E. nahm am letzten Montag zum Parteitag in Jena endgültig Stellung. Nach einem Referate des Dele- gierten zum Parteitag, des Genossen A. W i ck y, der einem schärfe- ren Vorgehen in den Fragen des Massenstreiks und der Maifeier das Wort redete und die Zustimmung der R e i ch s t a g s f r a k- t i o n sowohl zum Wehrbeitrag wie zur Besitzsteuervorlage im An- schluß an die neue Heeresvermehrung kritisierte unter ablehnender Besprechung auch des Wurmschen Resolutionsentwurfes, äußerten sich im Sinne des Referenten die Genossen L. E m m e l, I. M a r- t i n und L. Weinzorn, während die Genossen Geiler und Jammer die Haltung der Reichstagsfraktion verteidigten. Der letztere im ganzen, der erstere wenigstens bezüglich der Zustim- mung zum Besitzsteuergesetz. Mit allen gegen drei Stimmen nahm die Versammlung eine Resolution an, die die Stellung der Fraktion zur Deckungsvorlage nicht billigt und sich weiter gegen die Wurmsche Siesolution zur Steuerstage richtet. Zum Fall Radck erhalten wir folgende Erklärung, der wir. da sie von einem unmittelbar Beteiligten stammt, die Aufnahme nicht versagen können: „In der deutschen Partcipressc ist jetzt bei der Besprechung de? Falles Radek auch mein Name(„Stanislaus") mehrmals er- wähnt worden, so in der„Bremer B ü r g e r z e i t u n g" vom 14. August und im„Vorlvärts" vom 13. August. Ich soll nämlich derjenige sein, dem Radek, nach seiner Behauptung, zene 600 Rubel abgeliefert hat, für deren Entwendung er vom polni)chen Parteigericht aus der Sozialdemokratie Russisch-Polens um> Litauens ausgeschlossen worden ist. Nach dem Urteil des polnlichen Partei- gerichts, das die Behauptungen Rädels auf ihren Wert zu prüfen hatte, war für mich die Sache vor der polnischen Oeffeifihchkeit erledigt. Da jetzt mein Name durch Radek in die deutsche Oeffent- lichkeit hineingezerrt wird, so sehe ich mich gezwungen, hier folgen- des festzustellen:___. r' Ich bin seit elf Jahren Mitglied der polnischen Sozialdemo. kratie. habe mit meiner Frau vor wie wahrend und nach.der Revolution der Parteibewegung ,n Russi,ch-Polen nach Krasten treu gedient. Wir haben beide dem Parteidicnst in den Rcvolutions- jähren alles geopfert, Gefängnis erduldet, meine materielle Existenz als praktischer Arzt ruiniert, um uns jetzt als Flüchtlinge in Paris kärglich durchzuschlagen. Alles, was mir geblieben ist. fft mem ehrlicher Name als Mcn)ch und Parteigenosse. Seit einem Jahr wird nun dieser gute Name von Radek in seine schmutzige ckstare hineingezerrt und mit Hilfe von ein paar seiner dienstfertigen Freunde besudelt, einzig und allein, weil Radek irgendeinen Menschen zum Opfer ausersehen mußte, um aus jemanden lein Vergehen abzuwälzen und sich hinter ihm zu verkriechen. Wie aus dem Bericht der Bremer Untersuchungskommipion zu ersehen ist, konnte Radek fiir seine Behauptung gegen mich nicht den Schatten eineZ Beweises erbringein Und trotzdem nahm die Mehrheit der Kommission die nackte, aus nichts gestützte, aus den Fingern gesogene Behauptung hin und fällte ans dieser Grundlage ihr Urteil, nicht nur ohne mich anzuhören, sondern ohne mich in dieser Angelegenheit sogar befrag t zuhaben. Ich erkläre nun in aller Form vor den deutschen Parteigenossen, dah die Behauptung Rädels, er hätte mir das von ihm entwendete Gewerkschaftsgeld übergeben, nichts als eine infame Ver- l e u m d u n g ist, die Verlegenheitsausflucht— die Ausslucht eines skrupellosen Menschen, der sich an den ersten besten klammert, um sich auf Kosten eines völlig unbeteiligten und unbescholtenen Men- scheu aus der Schlinge zu ziehen. Ich erkläre ferner, daß ich mit gleicher Post an die Bremer Parteiorganisation den formellen Ausschlutzantrag geg-n Rädel wegen gewissenloser Ehrabschneiderei gerichtet habe, um ein Schiedsgerichtsverfahren Mischen mir und ihm herbeizuführen. Ich ersuchte auch die Bremer Organisation, falls mein Antrag den Bestimmungen des Parteistatuts etwa nicht entspräche, mir einen anderen einzuschlagenden Weg anzugeben, da ich fest entschlossen bin, jeden für einen organisierten Parteigenossen gangbaren Weg zu verfolgen, um auch vor der deutschen Parteiösfentlichkeit dem Ehrabschneider das Handwerk zu legen. Ich ersuche im Namen der Gerechtigkeit um Abdruck dieser Erklärung alle jene deutsche Parteiblätter, die in der letzten Zeit Erklärungen zugunsten Rädels veröffentlicht, also die von dem Bericht der Bremer Untersuchungskommission Notiz genommen haben. Paris, den 8. 9. 13._ Stanislaus T u r s k i. Ausschluß aus der Partei. Die Bezirkskommission für das westliche Westfalen hat das bisherige Parteimitglied Oskar Peschken aus Bochum, jetzt unbekannten Aufenthalts, wegen ehrloser Handlung und Unterschlagung aus der Partei einstimmig ausge- schlössen. Peschken hat sich im Juli und August d. I. etwa 1499 M. Gelder des Arbeiterturnerbundcs auf raffinierte Weise unrechtmäßig angeeignet und ist seit Mitte August flüchtig. Er hat sich zunächst nach Stuttgart gewandt, dort sein Mitgliedsbuch des Transportarbeiterverbandes in Ordnung bringen lassen und ist seitdem unter Zurücklassung seiner Familie ver- schwunden. Da trotz der staatsanwaltschaftlichen Verfolgung die Möglichkeit vorliegt, daß Peschken in der Biedermeiermaske weiter- hin die Ausplünderei der Genossen betreibt, lenken wir das Augen- merk der Genossen des In- und Auslandes auf diesen Schädling. Das Parteisekretariat Bochum bittet, etwaige Wahrnehmungen sofort an das Partei sekretariat Bochum i. Westfalen, Hermannshöhe Nr. 7, zu Händen des Genossen Linius Scheibe, gelangen zu lassen. Die Organisicrnng ungarischer Arbeiter in Amerika. Die rund zwei Millionen ungarischer Arbeiter in der Union, die den traurigen Zuständen in ihrer Heimat entflohen, namentlich in den Staaten des näheren Westens: Illinois. Wisconsin, Indiana als Industriearbeiter leben, bildeten bisher, ohne Organisation und der Landessprache unkundig, ein willenloses Ausbeutungsobjckt. Neuer- dings ändert sich das. In der P a r t e i besteht eine ungarische Untergruppe mit etwa 2999 zahlenden Mitgliedern. Mit dem Sitz in C h i I a g o besteht eine große U n t e r st ii tz u n g s k a s s e, die den Mittelpunkt dieser Arbeiterschaft bildet, ferner eine Genossenschaft für den Bau von Arbeiterwohnungen. Erstere zahlt monatlich 299. letztere 149 Dollar Zuschuß zu der vor einigen Monaten in Chikago gegründeten Tageszeitung„Elore", die sich glänzend entwickelt und bereits 8990 Dollar zum Ankauf der Druckerei(Preis 18 999 Dollar) aufgebracht hat.— Es bestehen außer ihr jetzt fremd- sprachliche Tageszeitungen in deutscher, italienischer, jüdischer, tchechischer und polnischer Sprache. Die schweizerische sozialdemokratische Partei im Jahre 1912. Die Geschäftsleitung der schweizerischen sozialdemokratischen Partei veröffentlicht soeben ihr stattliches Jahrbuch für das ver- flossene Jahr. Es stieg danach die Zahl der der Partei angeschlossenen Sektionen von 49ö in 1911 auf 993 in 1912, die der Mitglieder von 21 S89 auf 31 384. Natürlich hat nicht die Organisation an sich in einem Jahre solche relativ große Fortschritte gemacht, sondern cS haben sich Parteiorganisationen, die der Partei noch ferne standen, ihr im Bcrichlsjohre angeschlossen. Der ihr ebenfalls angehörige schweizerische Grütliverein hat sogar eine Verminderung seiner Sektionen um 11 auf 398 bei gleichzeitiger Vermehrung seiner Mitgliederzahl um 44ä auf 11 188 erfahren. Dieses Wachstum des Grütlivereins beweist zugleich, daß ihm die Reorganisation der Partei nicht nur nichts geschadet, sondern ini Gegenteil nur genützt hat und wie ungerecht- fertigt sein ganzer leidenschaftlicher Kampf gegen die notwendige Reorganisation der Partei war. Diese Erfahrungen lehren, daß m nicht ferner Zeit auch die weitere Zentralisation der Partei ohne jeden Nachteil für sie und insbesondere den Grütliverein durchgeführt werden kann. Mit Ausnahme des kleinen urschweizerisch-agrarischen Nidwalden ist die sozialdemokratische Partei in allen übrigen 24 Kantonen ver- treten, am stärksten in den Kantonen Zürich mit 8989, Bern mit 9444. Neuenburg 2636, Baselstadt 2231, St. Gallen 2128 Mit- gliedern usw. Sehr schlecht steht das einst in der Internationalen so berühmte Genf mit nur 618 organisierten Parteigenossen da. Die P a r t e i p r e s s e zählt 19 Blätter, loovon zehn täglich erscheinen. Im N a t i o n a l r a t sitzen 17. im Ständcrat 1 Ver- tretcr der Sozialdemokratie, zusammen 18 in der Bundesversamm- lung. Der sozialdemokratische Frauen verband zählt in 14 Sektionen 1969; die sozialdemokratische Jugend- organisation über 1990 Mitglieder. Hua Induftm md Dandel. Die neue Krupp-Affäre. Gestern bereits berichteten wir über die eigentümliche Tatsache, daß drei Aktionäre der Rheinischen Metalltvaren- und Maschinenfabrik A.-G.(Ehrhardt) in DüsscldoiA die eine Mehrheit von Aktien auf der letzten Generalversammlung der genannten Gesellschaft vertreten,' alle Vorschläge zur Sanierung der Gesellschaft rundweg niedergestimmt haben. Die„Frank- furter Zeitung" formuliert nun in Uebercinstinimung mit seit langem bestehenden Börsengerüchten ihre Anschauung über die vermutlichen Gründe dieses Vorgangs dahin: Die Tatsache besteht: die einzige inländische private Konkurrenz Krupp? in Artilleriematerial soll nicht finanziell leistungsfähig werden, weil eine vielleicht noch nicht einmal in ihrem ganzen Um» fang hervorgetretene Aktienmajorität es nicht wünscht. Die Ziele dieser Gruppe, mögen sie nun in der Verhinderung von größeren Aktionen deS rheinischen Unternehmens, oder in der bisher sorg- fältig vermiedenen ehrlich-offenen Einflußnahme auf die Ge- sellschaft(Wo kommt es sonst vor, daß Großaktionäre kein AufsichtSmandat beanspruchen?), oder aber in ihrer Aufsaugung bestehen, brauchen keineswegs sehr in der Nähe zu liegen. Es ist nicht einmal wahrscheinlich, daß die Düsseldorfer Fabrik für ihre bisherigen Fabrikationsgebiete, die außer Friedens- artiieln Geschoßhülsen und Geschütze kleinen und mittel- großen Kalibers und dergleichen umfassen, in Bälde neues Geld aufnehmen muß. Aber ohne Zweifel würde sie eine starke Aktienkapitalserhöhung in dem Falle vornehmen müssen, w«nn die Aufnahme der großkalibrige« Kanonen für FestuugS- und Marinezwccke zur Debatte stünde, für die Krupp heute ebenso eine Monopolstellung in bezug auf den deutschen Bedarf genießt, wie vor 1999/1991 für Feldgeschütze. Daß die Existenz der Ehrhardtschen Fabriken der großen Firma Krupp schon jetzt nicht gleichgültig ist, hat sie selbst bewiesen, indem sie die K o r n w a l z e r- l e i st u n g e n ihres Berliner Jnformalionsbureaus nicht etwa ent- rüstet zurückwies, sondern hegte und honorierte. Und wenn unser erstes deutsches Industrieunternehmen in dieser seiner Reputations- krisis es nicht scheut, daß in der Generalversammlung der Düsseldorfer Konkurrenzgesellschaft ein in seinem Kreise zweifellos nicht unbekanntes Aktienpaket ganz vorn an die Rampe trat, so beweist das, wie fest sich Krupp an entscheidenden Stellen im Sattel fühlt, wie man glaubte, dein deutschen Volke, dem Reichstag und der Heeresverwaltung auch noch das bieten zu können! Wir sagen: wenn es so ist. Den Beweis dafür kann kraft ihrer Stellung die Heeres- Verwaltung erzwingen, wenn sie nur will, und sie wird Licht in diese Sache bringen müssen. Der Stellung der Firma Krupp wieder entspräche es, wenn sie von selbst mit einer rückhalilosen, nicht am Formalen klebenden, die Zusammenhänge in ihrer Wirklichkeit schildernden Erklärung hervorträte. Wir finden, daß das hartnäckige Schweigen der Firma Krupp gegenüber den Angriffen der„Franks. Ztg." Antwort genug ist._ Konjunkturgewinue. Bei dem Lothringer Hüttenverein Aumetz Friede stellen sich für das Geschäftsjahr 1912/13 die Gewinnüberschüsse auf 15,99 Millionen Mark gegen 14,92 Millionen Mark im Vorjahre, so daß sich einschließlich des Gewinnvortrages ein Rohgewinn von 14,85(12,91) Millionen Mark ergibt. Für Ab- schreivungen werden in Abzug gebracht 4,8 Millionen Mark. Die Abschreibungen auf die Kohlenzechen, die Bergwerke Murville, Dompcevrin sowie der Fentscher Hüttenaktiengesellschaft von zu- sammen 3,4 Millionen Mark sind bei diesen Gesellschaften vorge- nommen worden. Daher betragen die Gesamtabschreibungen in der Bilanz der vereinigten Betriebe 8,19 Millionen Mark, so daß sich der Reingewinn sodann auf 19 Millionen Mark beläuft. Der Generalversammlung soll vorgeschlagen werden, eine Dividende von 12 Prozent wie im Vorjahre zu verteilen und 1,2 Millionen Mark auf neue Rechnung vorzutragen. Bei der Düsseldorfer Eisen- und Drahtindustrie ergibt sich für 1912/13 ein Reingewinn von 639 399 M. gegen 456 999 M. im Vorjahre. Die Dividende wird wiederum 8Vz Prozent betragen. Das Fassoneisen Walzwerk L. Mannstaedt u. Co. A.-G. erzielte einen Reingewinn von 1,92 Millionen Mark gegen 9,96 Millionen Mark im Vorjahr. An Dividende sollen wiederum 8Ve Prozent gezahlt werden. Die Standard Oil Company in Rumänien. Der Rockefeller-Konzern ist dauernd bemüht, seinen Wirkungs- kreis weiter auszudehnen und namentlich in denjenigen Petroleum- gebieten zu befestigen, die bisher hauptsächlich von den anderen großen Konzernen kultiviert worden sind. Der Konzern ist in Rumänien durch die im Jahre 1995 begründete Romano- A m e r i c a n a vertreten, deren Aktienkapital von 2% Millionen Frank allmählich auf 12� Millionen Frank erhöht worden ist. Trotzdem aber ist die bisherige Produktion noch nicht über 159 999 Tonnen pro Jahr gestiegen, während die Steaua Romana sowohl' als auch die zum Royal-Dutch-Konzern gehörige Astra Romana über mehr als das dreifache Ouantum verfügen. Die Romano- Americana hat nun dcni„Börsen-Courier" zufolge in jüngster Zeit verschimne erhebliche Neuerwerbungen in Rumänien ver- anlaßt. Sie hat durch Vermittelung des Pctroleumindustriellen Neuman Schapira in Ploesti zahlreiche Oelgerechtsamen erworben. Es handelt sich im ganzen um Erwerbungen im Werte von I 776 731 Fr. Wenn man berücksichtigt, daß dieser Preis für Terrains bezahlt wird, die zunächst erst noch erschlossen werden sollen, so ergibt sich daraus, daß die Absicht besteht, eine sehr große Bohrtätigkeit zu entwickeln und die Produktionsfähigkeit in ganz erheblichem Maße zu steigern. Gc�iales� Gchaltsentschädigung trotz gcwcigcrten Stcllungsantrittes. Eine für die weitesten Kreise interessante Enstcheidung fällte das Kaufmannsgericht Hannover in einer seiner letzten Sitzungen. Die Handlungsgehilfin Sch. tvar von einer Nährmittel- gesellschast in Hannover zum 1. Juli d. I. als Filialleiterin en- gagicrt worden. Am 26. Juni schrieb sie der Firma, daß sie wegen inzwischen eingetretener Erkrankung die Stellung am 1. Juli nicht antreten könnte. Die Firma, die daraufhin den Posten anderweitig besetzen mußte, gab Fräulein Sch. anheim, sich nach ihrer Wieder- Herstellung eventuell neu zu bewerben. Fräulein Sch. hat nun nach ihrer Wiederherstellung von der Firma, trotzdem sie die Stellung gar nicht angetreten hatte, unter Berufung auf die ver- cinbart gewesene monatliche Kündigungsfrist eine Gehalts- c» t s ch ä d i g u n g für einen Monat, für Juli, mit 99 M. ge- fordert und, als ihr die Auszahlung des Betrages verweigert wurde, beim Kaufmannsgericht Hannover Klage erhoben. Im Ver- handlungstcrmin stellte der Vorsitzende, Senator Grote, fest, daß ein ungewöhnlicher und sehr interessanter Klageanspruch vorliege, daß auch bei einer Entscheidung zugunsten der Klägerin mit der Gefahr gerechnet werden müsse, neuen Tricks für die beschleunigte Lösung leidgcwordener Anstellungsverträge Tür und Tor zu öffnen. Einen Vergleich lehnten die Parteien in Rücksicht auf die prinzi- piellc Bedeutung des Falles ab. Das Kaufmannsgcricht hat hierauf die beklagte Firma kostenpflichtig zur Zahlung ver- urteilt.§ 63 des Handelsgesetzbuches spreche dem Handlungs- gehilfen sein Gehalt bis zu 6 Wochen zu, wenn er unverschuldet an der Leistung der Dienste verhindert sei. Dieser Rechtsanspruch falle allerdings weg, wenn dem Prinzipal andere wichtige Ent- lassungsgründe, wie sie Z 72 des Handelsgesetzbuches aufzählt, zur Seite ständen, aber auch nur dann. Solche Gründe seien aber nicht vorhanden, jedenfalls nicht geltend gemacht. Die Frage, ob nicht die vor dem Stcllungsantritt erfolgte Erkrankung den Rechts- anspruch der Klägerin erschüttere, habe das Gericht verneint, dem die Tatsache, daß die 5llägerin am 1. Juli, dem Tage des Dienst- antrittes, krank war, als Hauptsache galt, während es den bereits vorher eingetretenen Beginn der Krankheit als unerheblich er- achtete. Der Herr städtische Psychologe. Unter diesem etwas nngewohnten Titel verbirgt sich eine im Grunde sehr fortschrittliche und vernünftige neue Einrichtung, die die Oberschulbehörde der Grafschaft London in diesen Tagen ins Leben gerufen hat und die, bei einer vernünftigen Anwendung und einer sachgemäßen Erweiterung auf dem Gebiete der Schnlpädagogik und der Kindererziehung Nutzen und Segen stiften kann. Durch ein Rundschreiben der Oberschulbehörden ist allen Direktoren und Direk- tricen der im Bannkreis der Grafschaft London liegenden öffentlichen Schulen und Lehranstalten offiziell die Mitteilung gemacht worden, daß ein vom Grafschaftsrat erwählter und angestellter geschulter Psychologe den Schulen fortan zur Verfügung steht und vom 1. Sep» tember ab seine Amtspflichten übernommen hat. Der Herr städtische Psychologe hat die Aufgabe, in den öffentlichen Schulen nach wissen- schaftlichen Grundsätzen Wesensart und geistige Veranlagung jener Schüler zu prüfen, die an die Lehrer besondere Anforderungen stellen und in irgend einer Weise, sei es im günstigen oder ungünstigen Sinne, von dem Durchschnitt des gesamten Schülermaterials auffällig abweichen. Gewiß mag noch eine hübsche Weile Zeit verstreichen, ehe die Früchte der Arbeit dieses nun amtlich angestellten offiziellen Schulpsychologen erkennbar werden und reifen. Man muß sich nur vergegenwärtigen, daß die dem Londoner Grafschaftsrat unterstehenden Schulen eine Schülerzahl von rund 759 999 Zöglingen aufweisen, und daß selbst bei einer aufs höchste gesteigerten Arbeitskraft ein einziger Psychologe nicht ausreichen wird, um in allen Fällen Hilfe zu leisten, in denen durch eine wissenschaftliche Prüfung der Psychologie einzelner Schüler dem Lehrer Winke und Anhaltspunkte willkommen wären. Aber der Versuch ist ein erster Schritt, die Errungenschaften der Psychologie nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis in den Dienst der Schulerziehung zu stellen, und als solcher ist der Beschluß der Londoner Oberschulbehördcn vorbildlich und richtunggebend. Jugendbewegung. Arbeitcr-Jugend. Die soeben erschienene Nr. 19 des fünften Jahrganges hat u. a. folgenden Inhalt: Zum Parteitag in Jena.— Verfassung und Ver- waltung in den drei deutschen Republiken, in Mecklenburg und im Reichslande.— Die Schlacht bei Kohlhausen. Von E. R. Müller. — Kapitän Mikkelsen, ein arktischer Robinson. Von Jürgen Brand. (Mit Abbild.)— Gewerblicher Jugcndschutz. Von Georg Schmidt. — Aus der Jugendbewegung. Die Gegner an der Arbeit usw. Beilage: Der Sohn des Waldes. Von R. Kipling.— Mahnruf. Gedicht von Ludwig Fulda.— Die Familie im Wandel der Zeiten. — Nach den Säulen der Herkules.(Mit Abbild.)— Jlias und Odyssee. Von Fritz ElSner.— Der Brückenspringer. Von Fritz Müller. IrCtzU Nachrichten. Amtliche Darstellung der Marineluftschiffskatastrpphe. Durch Vermittlung von„Wolffs Telegraphen-Bureau" geht der Presse folgende amtliche Darstellung über das schreck- liche Unglück in der Nordsee zu: „Nachdem das Luftschiff„L. 1" bereits erfolgreich an einigest Uebungen der Hochseeflotte teilgenommen hatte, lief es am 9. Sep- tember um 1 Uhr 39 Minuten nachmittags wieder aus seiner Halle bei Fuhlsbüttel aus. Die Wetterkarten wurden vorher eingesehen, ein Pilotballon aufgelassen und Erkundi» gungen über das Wetter in Helgoland und bei der Flotte eingezogen, was auch im Verlaufe der Uebung wiederholt wurde. Das Wetter war gut, und nach den eingezogenen Erkundigungen bestanden für den erfahrenen und vorsichtigen Führer des Luftschiffes keine Bedenken gegen da? Aus. laufen. Auf See wurde später bedeckter Himmel und leichter Regen angetroffen, außerhalb Helgolands wurde es unsichtig und dann setzten plötzlich außerordentlich heftige ver- tikale und horizontale Böen mit schweren wolkenbtttchS artigen Regengüssen ein. Hierdurch wurde das Schiff heftig in vertikaler Richtung um mehrere hundert Meter hin und her geworfen und schließlich trotz Ruderlegens und aaZ* giebigster Abgabe aller Ballastmittel sowie aller sonstigen beweg- lichen und abnehmbaren Gegenstände mit der Spitze auf die Wasserfläche herabgeworfen, wobei eS durch den heftigen Anprall mehrfach in der Mitte durchbrach und inS Sinken geriet. Die Trümmer haben dann in dem inMischen aufgekommenen starken Seegang noch eine halbe Stunde vermöge de» GaSinhaltS der Zellen geschwommen..' Eine Viertelstunde nach dem Unfall war S. M. S.„Hannover" und der Fischdampfer„Orion" aus Geestemünde an der Unfall- stelle und retteten 6 Personen der Besatzung, die bereits nam- Haft gemacht sind, durch ihre Boote. Alsbald kamen weitere Schiffe und Torpedoboote hinzu, welche die Unfallstelle die ganze Nacht über und im Laufe des heutigen Tages weiter absuchten; dabei Ivurde der Bootsmannsmaat Bansmer in leblosem Zustande treibend aufgefischt; die Wiederbelebungsversuche waren ohne Er- folg. Die Offiziere sowie die gesamte Besatzung des Luftschiffes haben bis zum letzten Augenblick in vorbildlicher Pflichterfüllung alles getan, was zur Abwendung der Katastrophe geschehen konnte. Das Luftschiff hatte keineswegs eine lange Fahrt hinter sich und war sehr reichlich mit Brennstoff und Ballast versehen. ES hatte vor der Abfahrt von Cuxhaven den GaSvorrat voll aufgefüllt und hatte sich die ganze Zeit bis zum Eintritt deS Unglücks seiner weitgehenden Handlungsfreiheit entsprechend in der von ihm selbst als günstig gewählten Höhe von etwa 599 Meter gehalten. An Bord befanden sich 29 Personen. Von einer Ueberlastung deS Luft. schiffs kann um so weniger die Rede sein, als ein Teil der ledig- lich für den Krieg bestimmten Ausrüstung nicht an Bord war. Es handelt sich mithin bei dem Unfall weder um ein Versagen der technischen Einrichtungen, noch um Ballastmangel oder Gasverlust. sondern um das unvorhergesehene Zusammen. treffen ganz ungewöhnlich ungünstiger Wit. terungscrscheinungen, also um höhere Gewalt. An der Einschätzung des starren Luftschiffes als KriegSinftrument wird durch den Vorfall nichts geändert." Soweit der Bericht. Die Schuld an der Katastrophe wird also in einfacher Weise auf unvorhergesehene Unglück- liche Witterungsverhältnisse geschoben. Tie Wahrheit ist aber doch nur, daß man den von fachmännischer Seite ange- kündigten Wettersturz geringschätzig mißachtete und der Leistungsfähigkeit des Luftkreuzers zu viel zutraut«. Die Frage, wer den leichtfertigen Befehl zur Teilnahme an dem Flottennianöver trotz vorhergesagter ungünstiger Witternngs- Verhältnisse erteilte, ist in dem amtlichen Bericht nicht de- antwortet worden. Das deutsche Volk, das sein Geld und seine Söhne opferte, verlangt aber gebieterisch den Namen des Schuldigen zu wissen. Beginnende Unzufriedenheit in der Mongolei. Urga, 19. September.(W. T. B.) In der Mongolei herrscht Warenmangel. Es wird daher eine große Teuerusig bemerkbar und die Bevölkerung beginnt zn murren wegen des Abfalls von China. Ans russischen Klauen befreit. Königshütte, 19. September. Den Bemühungen des nach Bendzin gereisten Oberbürgermeisters Stolle und des Polizei- inspettors Steinfels ist es gelungen, den gestern bei Laurahütte an der russischen Grenze wegen Grenzüberschreitung verhaftete« Magistratsassessor R e s ch e nebst Gattin wieder freizubekommen, rheater. Donniritag, 11. Sept. 1913. Anfang VI, Ubr. Agl. Opernhaus. Fra Diavolo. «gl. Schauspielhaus. Schwanen- weiß. Deutsches. Der lebende Leichnam. Anfang 8 Ubr. Urania. Mit dem Imperator nach New Bork. «ammerspiele. Franziska. «leines. In Eivlgkcit Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Berriac. verliner. Filmzauber. «öniggriitzer Strasse. Die fünf Frankfurter. Deutsch. Schauspielhaus. Fräulein Julie. Deutsches Opernhaus. Der Mikado. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. Schiller O. Am Tage de» Gericht». Schiller Eharlotteniurg. Freiwild. Dlialia. Puvvchen. Theater am Nollendorsplah. Die Kino-Königin. «asino. Der Aktientenor oder Caruso aus Teilung. Trianon. Der abgerissene Glocken- zug. Untreu. Herrnfeld. LiebeSprobe. Schonzeit- Jäger. praier. Johanniszauber. Wintergarten. Spezialitäten. Keichshalle«. Stetliner Sänger. einwng 8'/. Uhr. «efidenz. Die Frau Präsidentin. Lustspielban«. 777: 10. Rose. Die Schiffbrüchigen. Lntieu. Weh' dem, der lügt. FolieS Eavrice. Die Mißgeburt. Da» Adoptivkind. Walhalla. Der LiebeSonkel. Voigt. Der Mann im Monde, Anfang 8'/, Ubr. ReucS volkSthrater. Die Sieb- zehnjährigen. Anfang 9 Ubr. UdmiralSvalast. Eisballett! Wirt w St. Moritz. '.' Sternwarte. Invalidenstr. 57—«2 Sebiller- Thealer O.liS: Donnerstag, abends 8 Uhr: Ana Tage des Gerichts. Freitag, abend» 8 Uhr: Neu einstudiert: vzpraa» von Bergerae. Eonnabend, abend» 8 Uhr: Zwei Wappen. Schiller-Theater Donnerstag, abend» 8 Uhr: Freiwild. Freitag, abends 8 Ubr: Die Stfitzcn der Oesellschati. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Biorai. Berliner Thealer. s uhr: Filmzauber. 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. BentsctaesSchanspielhana 8 Uhr: z. 1. M.: Frl. Jul. v. Strindberg, Ensemble-Gastspiel des Berliner Metropol-Tiieaters: Die Kino-Königin! Anfang 8 Uhr. Montis Operetten-Theater Schilfbauerdamm 4a.(fr. Neues Th.) Gastspiel Julius Spielmann; Der lachende'Ehemann. Ansang 8 Uhr._ % Residenz-Theatern Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente.) Schwank in 3 Akt. v. M.Hennequin und P. Veber. Morgen n. folgende Tage: Die Frau Präsidentin. OSE=THEATE Große ftranksurter Str. 132. Täglich 8'/. Uhr: Die Schiffbrüchige». Auf der Gartenbühne: Hebern grellen Teich. Vorh. Konzert. Varletätünstl. Ans. 4'/. AleirolloI'7Ilester. In Vorbereitung: vis Kreise um die Erde in vierzig Tagen. Gr. Ausstattungsstück i. 22 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene gcsedl o. Dir. Rlch. Schultz. Reicbshallen-Theater Steiler Slger Ansang 8 Uhr. Sonntagnachm. 3 Ubr: Famlllcn- Vorstg. mit herrt.Programm zu beb. ermäß. Preis.: Log. 1 M. Balkon 75 Pf.«ntree 39 Pf. vis neusn vßttglierßsksnton müssen ans den Zahlstellen abgeholt werden. Für neue Mitglieder sind noch in den Abteilungen 16—20 IW- in den bekannten Zahlstellen Groß-"WG W�" Berlins Mitgliedskarten zu haben. Sonntag, 14. September, 3 Uhr: Thalia-Theater: Ibsen: Die Wildente. Schillertheater-Charlottenburg; Der Pfarrer von Kirchfeld. Herrnfeld-Theater: Familie Seiieke. Neues Volkstheater: Mudder Mews. 245/7 Die Geschäftsstelle: O. Winkler. Werbet Mitglieder! Vereinigte Berliner Volksbühnen. Enisen Theater. 1 Walhalla-Theater. 8'/. Uhr: WcH' dem, der lügt! Täglich 8>,. Uhr: Lustspiel in 5 Akten von Grillparzer. Der iiiebesonkel. Morgen: Die Allwördens.| Poffe mit Gesang und Tanz. :: Befiinei*:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Je„Won" MauerstraBe 82.— 1 Eröffnung der Wintersaison 1913/14 Sonnabend, den 13. Septemb., abends 8 Ehr. Zirkus Busch Sonnabend, den 18. September er.: Jas XirakeT. SSUU/tÄI Trianon-Theater. Täglich BBsifiiAis abend» 8 Ubr: Uäl*» BMi Vorher: Der abgerissene Glockenzug ZOOLOG Ischer Garten Tttgllch: JÄilitär-Doppel-Konzert. Eintrittspreise: Zoo: 1 M., von 6 Uhr ab 50 Pf. Aquar.; lM.v.d.Straße,0,50v.Zoo Kmderjint. 10 Jahren d.Hälfte. Ken! A'en I AQUARIU8B 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Folies Caprice. Anfang B'l, Uhr' Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt Berliner Prater-Thealer 7—9 Kastanien-Allee 7—9. LV Täglich:-ljeg Johanniszauber. Oper.-BurleSke in 3 Alt. v. 23. Gcricke. Musik von M. Schmidt. Grstklaff. Spezialitäten, Konzert. Ans, VI, Uhr. Eintritt 30 Ps. Admiralspalast Eins. Eispalast der Welt mit prunkvollen Eisballetten. Angenehm kühler Aufenthalt. AUabendJich Flirt in St. Moritz. Beginn d. Vorstellung'1,9 Uhr Bis 6 Uhr und von lO*/. Uhr halbe Kassenpreise. CaslnosTheater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Bert. Poffeuschlager: „vgl Aktien-Tenor oder Caruso auf Teilung". Voigt- Theater Babstrahe 58. Morgen, Freiing, den 12. September: Nröffnungsvorstellung für die Freitagsabonnenten. VerMann imMonäe Posse m. Ges. i. 5 Bild. v. E. Jacobson. Kasseneröffnung 7 Uhr. Zins. 8>/. Uhr. Beutseher HoiiArheiterverhsnd m Sonnabend, den 20. September, im xr. Saale der„Neuen Welt41, Hasenheide 108— 114: 21. Stiftun�ssPest YoIksliederaAbend Mitwirkende: Männerchor Fichte-Georginia(M. d.D.A.-S.-B.), Dirig. HerrTh. Gervais. Konzertsängerin Frau Paula Weinbaum(Alt) und das Kestenberg-Trio. Klavier: Herr Leo Kestenberg. Violine: Herr Louis van der Laar. Violoncello: Herr Marix Loevensohn.— Konzertflügel Ibach.— Nach dem Konzert; Bflll bei zwei Orchestern. Anfang 81/, Ehr. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsvorwaltung, Eintrittskarten sind an! allen Zahlstellen, beim Gastwirt Kollegen Gretre, Rungestr. 30, und Im Burean zu haben. 88/13* i Konsum-Genossenscliaft Berlin u. Umg. E. G. m. b. H Zentrale: liichtenberg, Rittergutstr. 16/26. Unseren Mitgliedern zur gefälligen Kenntnisnahme, daß wir am Donnerstag, den 25. September, wieder mit dem Verkauf von SßcfiscSicn beginnen. toe/i« Heute nachmittag und morgen führen wir in unseren sämtlichen Verkaufsstellen; Prima: und 131*1— ' Mus- und Eß- Birnen. Pflaumen K Weintrauben K Tomaten «K Blumenkohl« Grüne Gurken.« O Der Vorstand. Plüsche Sclden-Seal für«leg. Damcn- Paletotn Mtr. 10, IL, 16 Mk. Tuchlager Koch 4 Seeland G. m. b.H. Gerlraudtenstr. 20-21 p�rVirch«' H.& P. Uder, Tabak-Großhandlnng und Tabaktabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q.£. 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Zeigt er doch am deutlichsten, was die Arbeiter auf diesem Gebiete aus eigener Initiative geschaffen haben, während die herrschende Gesellschaft sich bisher als fast völlig impotent erwies. Der Reichtum einer kleinen Oberschicht wächst alljährlich um 3 bis 4 Milliarden Mark, für den Militarismus fordert die Regierung immer mehr Millionen— und erhält sie mit Hurra bewilligt, aber für die Arbeitslosen, für die Opfer einer widersinnigen Wirtschaftsweise geschieht wenig oder gar nichts. Was die Gewerkschaften leisteten, ve� anschaulicht die folgende Uebersicht, in der die Ausgaben für Arbeitslose am Orte und auf der Reise getrennt aufgeführt sind. Es wurden verausgabt für Arbeitslose: auf der Reise am Orte zusammen Mark Mark Mark 18g 1... 144 333 64 290 208 623 1892... 382 607 327 vg? 739 794 1893... 328 748 220 926 249 674 1394... 320 422 239 720 290 202 1892... 302 603 196 912 499 212 1896... 310 000 243 201 223 201 1897... 239 03» 260 31» 249 422 1898... 283 267 272 404 228 671 1899... 313 391 304 677 618 163 1900... 461 028 201 078 1 162106 1901... 607 127 1 233 197 1 842 324 1902... 709 778 1293 022 2 302 300 1903... 613 870 1 270 023 1 883 923 1904... 646 821 1299 424 2 246 242 1902... 712 820 1 991 924 2 704 744 1906... 728 222 2 623 296 3 411 213 1907.. 869 148 4 372 012 2 244 160 1903... 1184 323 8 134 388 9 318 741 1909... 1 122 829 8 293 928 9 719 727 1910... 1012 934 6 072 222 7 091 206 1911... 1028 431 6 340 244 7 368 972 1911... 1 179 102 7 441240 8 620 342 Zujammen 13 616 928 23 970 191 67 287 149 Aus ganz bescheidenen Anfängen heraus ist die Arbeits- losenfürsorge zu einem mächtigen Zweig am stolzen Baum des gewerkschaftlichen Unterstützungswesens herangewachsen. Was die Organisationen mit der Unterstützung an Not und Elend, was an Zerstörung von Gesundheit und Leben der- hindert haben, das läßt sich nicht berechnen. Gebietet die Humanität, und auch die Wirtschaftlichkeit, für Kranke, Sieche und Unfallverletzte, für periodisch oder dauernd Arbeitsunfähige zu sorgen, dann sollten allein schon Nützlichkestscrwägungen dahin führen, für die erwerbslosen Arbeitsfähigen zu sorgen, damit ihre Kräfte nicht frühzeitig zerstört und sie den anderen sozialen Einrichtungen durch ein Versäumnis in der sozialen Fürsorge ganz unnötigerweise zur Last fallen. Lcrlin und Qmgegend. Zum Streik in der Offizierausrüstungsbrauche. In einer zum Dienstag einberufenen, sehr stark besuchten außer» ordemlichen Versammlung der Militärbranche gab E. Schulze vom Verband der Sattler und Portcfeuiller eine eingehende Dar- stellung von der Tarisbctvcgung der Offizierausrüstungsbranche. Unter anderem kennzeichnete Redner auch in treffender Weise die Streilbrechervermitteiung der Musikalienhandlung(!> Ka u n, Grüner Weg 17, und hob besonders hervor, daß diese Firma, die doch stark mit Arbeiterkundschaft zu rechnen habe, es sich überlegen sollte, streikenden Arbeitern in den Rücken zu fallen. Ebenso schilderte Schulze die Tätigkeit des Streikbrecheragenten Adolf Koch, der sich auch schon bei anderen Gelegenheiten rühm- lichst hervorgetan hat. Viel Glück hatte dieser Herr jedoch nicht und in einem Falle mußte er sogar mit den Jnvalidenkarten seiner „Gewonnenen" in die bestreikten Betriebe gehen, da die Besitzer der Papiere es vorgezogen hatten, von Herrn Koch abzurücken. Sattler zu finden, gelang dem Koch nicht mehr, er begnügte sich dafür mit der Engagierung von Hintzebrüdern, die zwar Fertigkeiten im Ge- brauch von Knüppeln, Messern und Revolvern, aber nicht im Sattlerhandwerk hatten. Von nickt viel mehr Gknck wird auch das Bestreben der Unter- nehmer gekrönt sein, die kleinen Sattlermeister mit der Herstellung der Arbeiten zu betrauen. Die Diskussion brachte noch mancherlei bezeichnende Episoden aus dem Kampfe zutage, aber das eine offenbarte sich in den Aus- führungen aller Redner, nämlich, daß alle Anstrengungen der Unter- nchmer mißlingen werden und der Sieg auf feiten der Arbeiter bleiben wird.___ Gibt es eine gelbe Agitation bei Aschinger? Eine von zirka 200 Personen besuchte Versammlung der g a st- wirtschaftlichen Angestellten von Betrieben der Firma A s ch i n g e r fand in der Nacht vom 9. zum 10. September in den „Industrie- Festsälen" statt. Der Stadtverordnete, Arbeitersekretär Ritter hielt einen Vortrag über das Thema:„Die Firma Aschinger und unsere Tarifsorderungen".— Der Kernpunkt der Ausführungen und des Interesses der Zuhörer konzentrierte sich auf die Kenn« Zeichnung der gelben Gewerkschaften, welche sich, ivie bereits an dieser Stelle' gemeldet, unter dem gastwirtschaftlichen Personal der Firma Aschinger breit zu machen suchen. Der Referent gab der Vermutung Ausdruck, daß die Gründung und Züchtung eines gelben Werkvereins möglicherweise nur von den in den einzelnen Bierguellen stationierten Geschäftsführern und sonstigen, der Generaldirektion der Firma Aschinger nachgeordneten Instanzen ausgehe. Der Generaldirektor, Kommerzienrat L o h n e r t, habe bei den Tarifverhandlungen im Vorjahre mehrfach durchaus glaubwürdig versichert, daß in den Betrieben der Firma Aschinger kein An- gestellter oder Arbeiter wegen seiner politischen oder gewerkschaft- lichen Ueberzeugung gemaß'regelt werden solle, auch er selbst würde sich bezüglich seiner politischen Ueberzeugung von niemand Vorschriften machen lassen. In der Diskussion kamen außer einigen Vertretern der Organi« sation der Gastwirtsgehilfen die Vertreter derjenigen Organisationen zum Wort, welche mit der Firma Aschinger ebenfalls im Tarifverhältnis stehen. Gleich der erste Redner, der Vertreter des Transportarbeiter- Verbandes, Genosse Schulz, konnte die Vermutung des Referenten dahin bestätigen, daß es auch bei den Kutschern so eine Art Werk- m e i st e r, einen Stallmeister gäbe, welcher mit terroristischen Mitteln versuche, für eine gelbe Organisation Stimmung zu machen. Uebcr die Jnnehaltung des Tarifvertrages seitens der Generaldirektion könne nicht geklagt werden. Auch die Trans- Portarbeiter würden sich jedoch mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen ein Eindringen der blau-weißen respektive gelben Organisation zu wehren wissen. In dieser Beziehung könne seitens der gastwirtschaftlichen Angestellte» der Firma Aschinger durchaus auf die SolidaritätSbczeugung der Kutscher und Berufs- genossen gerechnet werden. Es sei gleich hierbei erwähnt, daß auch die übrigen Diskussions- rcdner und Vertreter ihrer Organisation keinen Zweifel daran ließen, daß sie in jedem Falle die Solidarität hochhalten würden, wenn sich die gastwirtschaftlichcn Angestellten der Firma Aschinger mit schärferen Mitteln, als de» bisher angewandten, der gelben Agitation erwehren müßten. Der Vertreter der Bäcker, Ge- nosse H e tz s ch o l d, konnte ebenfalls nur berichten, daß seitens der Generaldirektion die tariflichen Abmachungen durchaus loyal inne- gehalten würden; von einer gelben Agitation sei unter seinen Berufsangehörigen nichts zu spüren. Dagegen müsse energisch Front gemacht werden gegen die seitens der Firma Aschinger anscheinend geplante Gründung einer Betriebskrankenkasse. Es dürfe sich empfehlen, zur Abwendung dieser Gefahr seitens aller beiligten Organisationen einen Aktionsausschuß zu wählen, welcher der Firma»nt allem Nachdruck bedeuten müßte, daß die Angestellten nicht gesonnen sind, die Ver- schlechtcrungen, welche eine Betriebskrankenkasse naturgemäß mit sich bringt, hinzunehmen. Genosse Schlichting, als Vertreter der Maschinisten und Heizer, machte unter Zustimmung eines großen Teiles der Ver- sammlungsbeiuchcr darauf aufmerksam, daß in der Regel Tarisver- träge um so höher bewertet werden, je schwieriger sich deren Er- ringung gestaltet habe. Seine Berussangehörigen hätten erst zum letzten Mittel, zum Streik greifen müssen, und als durch die Arbeits- willigen ein Schaden von etwa 10 000 M. entstanden war, kam auf schnellstem Wege ein Tarifvertrag zustande, der für die Beteiligten wesentliche Vorteile brachte und durchaus loyal innegehalten werde. In ähnlichem Sinne äußerte sich auch der Vertreter der Fleischer, Genosse Rehberg, der auch nochmals ausdrücklich den Willen zur Tat bekundete, wenn es sich um eine Solidaritätsbezeugung im .Ernstfalle" handeln sollte. Seitens der Vertreter der Gastwirtsgehilfen wurden aus jüngster Zeit Fälle angeführt, aus denen hervorgeht, daß sich die Macher des blauweißen beziehentlich gelben Vereins einer besonderen Gunst seitens gewisser Geschäftsführer erfreuen, während die frei- organisierten Kellner bei den geringfügigsten Differenzen glatt aufs Pflaster gesetzt werden. Charakteristisch ist auch, daß der in der 30. Bierguelle beschäftigte derzeitige Vorsitzende des gelben Vereins„Blau-Weiß", der Kellner Hey der in seiner gewerkschaftlichen, als auch gewerblichen Betätigung eine außer- gewöhnliche„Anpassungsfähigkeit" zeigt. Dieser Kellner H e y d e r hat es fertig gebracht, während der im Vorjahre dem Tarisabfchluß vorausgehenden Verhandlungen und Agitation unter den Aschinger- Kellnern aus der einen Seite anarchistische Tendenzen hervorzukehren, auf der anderen Seite bei seinen Kollegen Unterschriften zu sammeln für eine Petition an die Direktion, in der ein um 10 M. geringerer Lohnsatz angenommen war, als der Tarifvertrag schließlich brachte. Auf gewerblichem Gebiete wiederum hat sich der Kellner Heyder vomHauS- dicner und Packer zu seinem jetzigen Beruf hindurchgemausert, woraus ihm durchaus kein Vorwurf gemacht werden soll; nur berührt es um so eigentümlicher, daß sich Heyder selbst anscheinend seines früheren, doch gewiß durchaus ehrenwerten Berufes schämt. Jedenfalls zeigt er in seiner Eigenschaft als hochmögender Vorsitzender von„Blau- Weiß" so viel Standesdünkel, daß er nicht nur Hausdiener, sondern auch Zapfer der Mitgliedschaft in„Blau-Weiß" für durchaus unwürdig hält. Von anderen gelben Häuptlingen, so von einem gewissen R a s u m, in der 26., B o s e k e r, in der 27. Bierguelle, und einem gewissen Ebert, in der Konditorei am Alexanderplatz beschäftigt, wurden ebenfalls allerhand erbauliche Dinge berichtet.— Bc- zeichnend ist ferner, daß trotz aller direkrionsseitig gegebenen An- Weisungen gewisse„nachgeordnete Instanzen" eS doch verstehen, den Arbeitsnachweis der„Christlichen" zu benutzen, weniger vielleicht zu dem Zweck, billigere Arbeitskräfte zu bekomnien, als deswegen, sicher zu sein, keine organisierten Gehilfen zu erhalten. Ob es ferner den Intentionen der leitenden Stellen der Firma Aschinger entspricht, daß ihre eigenen Angestellte» in einem ihrer Betriebe rauschende Feste feiern, dürfte nach all dem Vorhergesagten zum mindesten zweifelhast erscheinen; fest steht aber, daß versucht wird, für„Blau-Weiß" Mitglieder zu gewinnen mit dem Hinweis darauf, daß in den Räumen der Kunstausstellung am Lehrter Bahn- Hof das Stiftungsfest abgehalten werde, und zwar auf besonderen Wunsch des Herrn Direktors Blaue, welcher zu den ständigen Be- suchern der blauweißen Versammlungen gehört. Mit der einstimmigen Annahme einer Resolution, welche dem vom Genossen H e tz s ch o l d' angeregten gemeinschaftlichem Vor- gehen aller beteiligten Organisationen zustimmt, wurde die, dem Ernst der Situation entsprechend, durchaus würdig verlaufene Ver- sammlung geschlossen._ Die Nähmaschinen-Kassierer, Agenten, Hausdiener und Lager- arvciter hallen sich am Dienstag im„Englischen Hof" versammelt, um einmal die Lohn« und Arbeitsverhältnisse ihres Berufs ins rechte Licht zu rücken. Suckow hielt das einleitende Referat, aus dgin zu entnehmen war, daß namentlich die Verhältnisse bei der Singer Company im. höchsten Maße verbesserungsbedürftig sind. Die Kassierer werden mit 12 M. eingestellt und er- hallen 3 Proz. vom Inkasso, das jedoch auf Grund der Tourdst- einteilung meist nur 120 M. pro Woche beträgt. Als besonderes Lockmittel dient die Provision für verkaufte Maschinen. Doch ver- sieht es die Firma ausgezeichnet, auch hier ihren Angestellten die Bezüge zu kürzen, indem sie nur der Provision auszahlt und'/., zurückbehält. Für den Fall, daß eine Maschine nicht voll bezahlt wird und deshalb zurückgenommen werden muß. ist auch die erhaltene Provision zurückzuerstatten bezw. eS muß eine neue Maschine ohne Vergütung als Ersatz verkauft werden. Aus alledem ist erklärlich, daß Angestellte oft selbst viele Jahre nach ihrem Ausscheiden noch nicht die ihnen zustehenden Restprovisionen erhallen können. Auch die Kautionen, die in Höhe von 100— 300 M. eingezahlt werden müssen und nur mit 3 Proz. verzinst werden, dienen der Millionenfirma noch als Quelle der Bereicherung, denn aus der Tatsache, daß die Firma in wenigen Jahrzehnten ihr Aktien- kapital auf 12 Millionen Dollar ohne Zuzahlung der Aktionäre er- höhen und dennoch alljährlich beträchtlich« Dividenden auszuschütten vermag, geht doch hervor, daß das Geld der erbärmlich entlohnten Angestellten einen weit höheren Nutzen abwirft, als die Firma den Leuten zubilligt. kleines feuiUeton. Allen große» Geistern ergeben. Das bisher noch nirgends auf- geführte Werk von Herbert Eulenberg:„Ikarus und Dädalus" wurde nunmehr in Düsseldorf erstmals auf der Bühne erprobt. Der Dichter nennt eS ein Oratorium. Die Geschichte des Ikarus, der die Sonne erstiegen wollte und sein Unterfangen mit dem Tode büßen mußte, gibt der Dichtung den Zusammenhang, innerlich hat sie mit ihr bis auf eine gewisse Symbolik nichts zu tun. In freien Rhythmen, wechselnd mit vornehmen und strengen Verssormen. schreitet da? Gedicht daher, das in bisweilen etwas absichtlicher und überladener Form Wellanschauung vorträgt. Persönliches Welt- empfinden mildert diesen Mangel, dichterischer Impuls und Ausdruck trägt darüber im stärksten Augenblick hinweg. Was das Gedicht will, sagt der Chor der Menschheit, der also anhebt: Allen großen Geistern ergeben, Die gleich Gestirnen über uns steh», Wollen wir fürder schaffen und leben, Selber wie Götter durch Dasein gehn. , Allen Menschen verbrüdert im Herzen, Dienen dem Sinn wir, der uns erfüllt, Tragen der Bildung heilige Herzen Zu dem Ziel, das uns glücklich verhüllt. Frei ist die Menschheit, tot sind die Götter, Unser ist dieses Leben und Land. Keine Sklaven, doch auch keine Spötter, Bleibt unser Blick zur Höhe gewandt. Wir können leben, wir können sterben Ohne Gebet, ohne Fluch und Schrei. Wir weichen gern den Enkeln und Erben, Wenn der Traum unserer Tage vorbei. Muff!. Deutsches Opernhaus Charlottenburg. Mit Recht hat man Beethovens einzige Oper, den„Fidelio", das „Hohelied der Gattenliebe" genannt. Diese etwas philiströse Be- zeichnung erschöpft jedoch nicht die Bedeutung des Werkes. Man bedenke, daß es fast unmittelbar nach der„Eroica" entstand, dem instrumentalen Freskogemälde eines Helden, der um der Menschheit höchste Güter kämpft und leidet. Auf diesem idealen Hintergrunde hebt sich auch das«Fidelio"-Werk ab. Nicht aus erotischem Egoismus nur, sondern weil Florestan„wagte Wahrheit kühn zu sagen", also für Recht und Freiheit gegen einen Tyrannen auftrat, vollbringt Leonore die Heldentat der Rettung des Gatten aus Kerker und Todesnot. Von dieser hohen Warte her will dieses Werk verstanden sein; und erst unserer Zeit scheint dessen positive Wertschätzung so recht befchieden. Nächstens rundet sich ein Jahrhundert, seit Beethoven dem Werke die endgültige Gestalt gab, in der wir es heute auf der Bühne sehen. Wohl ist es kein Musikdrama im eigentlich modernen Sinne, denn es bewegt sich geradezu in älteren Opernforme». Aber in der Musik, in ihrer zur erschütternden Dramatik gesteigerten Deklamation liegt das Monumentale, das uns über alles Menschliche und Zeit- liche hinwegträgt zu ewigen reinen Sphären. Es ist schon, solcher Art den„Fidelio" im Deutschen Opernhause genießen zu können; obwohl wir noch immer die Erwartung hegen, ihm endlich aueö einmal in der unseren heutigen Anforderungen an- genäherten Gestalt zu begegnen. Dahin gehört vor allem die Aus- lösung der gesprochenen Prosadialoge in Rezitativs— eine Umwandlung. die Johannes Döbber. ein Berliner Musiker, bereits mit Glück unternommen hat. In szenischer wie dekorativer Beziehung zeigte die Wiederholung des Werkes keinerlei merkliche Veränderungen. Wunderbar ist da? landschaftliche Panorama unter dem erneuten Kuppelhorizont im Schlußbilde. Dem ganzen zum Vorteil gereicht die teilweife Neubesetzung der Rollen. Zum erstenmal präsentierte sich Melanie Kurt'als Leonore(„Fidelio"). In ihr offenbart sich eine bedeutende Gesangskraft mit hochentwickeltem DarstellungS- vermögen. Die Künstlerin, zuerst Klaviervirtuosin. erweist sich in der Behandlung des Melodischen allenthalben als eine durchaus musikalische Natur. Ihr Fidelio ist fraglos eine edle Leistung. Zum ersten Male hörten ivir auch Katharina Jüttner. Stimmlich ganz vortrefflich, fehlte es ihr hie und da an jener leichten Grazilität des Spiels, die ihre Vorgängerin Mizzi Fink zu entfalten pflegt. Seinen Rocco gibt Peter Lordmann schön menschlich in Erscheinung, Gesang, vollendeter Darstellung und deutlicher Sprech- weise. Er scheint zu beweisen, daß es mit der bemängelten Akustik im Hause ein Märchen ist. Alexander Kirchner(Florestan), Julius R o e t h e r(Minister) und Gustav Werner, dieser gleich- falls zum ersten Male als Jaguino, leisten Vorzügliches. Nur Alfred H a ß l e r als Pizarro befriedigt weder als Bariton noch als Darsteller. Im Gesang des GefangenenchorS blieb vieles unklar. DaS Volt im Finale könnte beweglicher mitwirken. Herrlich spielte das Orchester unter Jgnaz Waghalter. Die Leonorenouvertüre Nr. 3 klang überwältigend schön. oü. Notizen. — Schwarzes vom sächsischen Hofe. Wilhelm II. hat Schönherrs„Glaube und Heimat" für das beste Theaterstück der Gegenwart gehalten, aber am Dresdener Hofe gibt es Elemente, die von dieser Ansicht nichts wissen mögen. Das Stück, das vor einigen Jahren im Hoftheater aufgeführt wurde, sollte jetzt wieder auf das Repertoire gesetzt werden. Dagegen erhob sich die katholische Hof- Partei. Ein Ministerrat wurde plötzlich anberaumt und schon schwirrten Gerüchte auf, die von einer Erschütterung der Stellung des Grafen Seebach, des Obersten der Hofbühne, wissen wollten. Jetzt heißt eS. Seebachs Stellung habe sich neu befestigt. Aber ob nun das Schönherrsche Stück guf den Spielplan kommen wird oder ob Graf Seebach sich den Widersachern gefügt hat, davon ist nicht die Rede. — Theaterchronik. Rosa BertenS tritt heute im Deutschen Theater in Tolstois„Der lebende Leichnam" zum ersten Male in der von ihr kreierten Rolle der Anna Dmitrijewna wieder auf. — Ludwig Thomas Schauspiel„Die Sippe", das neue Werk, das sich der Direktor des Lessing-Theaters, Bar- nowsky, zur Uraufführung gesichert hat, behandelt die Ge- schichte einer Liebesehe zwischen einer Mttnchener Künstlerin und einem norddeutschen Professor, der die Künstlerin in München kennen lernte. Eine Rolle spielt ein Privatgelehrter, der ein wechselreiches Leben hinter sich hat. Er war nach Amerika ausgewandert und schlug sich dort als Privatlehrer, Journalist, Redakteur, Kellner, Portier durch. — Freie Hochs chff l e Berlin. In den Lehrkörper sind mehrere neue Dozenteir eingetreten: Dr. Adolf Behne für alte Kunst, Geh. Regierungsrat Rudolf Bertrand für Steuerivefen, Dr. A. Böhnie für Musikwissenschaft, Oberlehrer Dr. Franz für Mathe- niatik und Physik, Dr. Arlur Lehmann für Stenographie, Garten- direktor Ludwig Lesser für Gartenkunst, Dr. Ulrich für Musilwisscn- schaft. — Das letzte Heine-Bildnis. Ein bisher verschollen gewesenes Originalporträt Heinrich Heines, eine Kreidezeichnung, kam unlängst in Berlin zum Verkauf. Das Bild, das letzte authentische des Dichters, tourde auf besonderen Wunsch von Heines Frau Mathilde von Ernst Benedikt Kietz, dem Maler des bekannten Heine-Bildes, um den 28. Juli 1821 in Paris nach dem Leben ge- zeichnet. Es zeigt den damals bereits kranken Dichter nach rechts gewandt, mit offenen Augen, langen Haaren und Kinnbart. — Ein Wilhelm Busch-Denkmal, von Architekt Otto Lller und Bildhauer Gundelach in Hannover geschaffen, wird am Sonntag in Wiedensahl, Büschs Geburtsort, enthüllt. ES ist etwa sechs Meter hoch, mit breitem Sockel, auf welchem sich der schöne Aufbau nach oben verjüngt, bekrönt von einer Gruppe, die einen jungen Pan darstellt, der die Hirtenflöte bläst, während eine Eule, das Sinnbild der Weisheit, listigen Auges ihm etwas ins Ohr flüstert. Ein lebensgroßes Reliefbild aus Bronze zeigt Wilhelm Busch vor einem blühenden Rosenbusch. So ließ der große Humorist in Bild und Wort sich einmal photographiercn. — Eine schwierige Entscheidung. Ein bezeichnendes Abenteuer mit einem russischen Paßbeamten erzählt eine Londoner Zeitschrift. Der Beamte revidiert die Papiere des Reisenden:„Sie dürfen nicht in diesem Lande bleiben, Sie müssen es binnen vier- undzwanzig Stunden verlassen I"„Nun, dann werde ich abreisen." „Haben Sie einen Paß, der Sie ermächtigt. auS Rußland ins Ausland zu reisen?" Nein."„Dann können Sie nicht abreisen l Ich gewähre Ihnen 24 Stunden Frist, um sich darüber zu entscheiden, was Sie zu tun gedenken.. Besondere Beachtung verdienen aber Absatz 2 und 3 deS � 11 des Anstellungsvertrages, die eine Konventionalstrafe vorsehen für den Fall, datz der ausgeschiedene Angestellte Vinnen Jahresfrist für eigene Rechnung oder für eine andere Firma Nähmaschinen verkaufen sollte. Hier wäre wirklich einmal zu prüfen, ob diese Bestimmung noch mit den guten Sitten vereinbar ist. Daß sich aber unter solch überaus traurigen Verhältnissen auch noch Elemente finden, die dem gelben Verein der Singer- A n g e st e l l t e n angehören, ist geradezu beschämend. Kennzeichnend für die»edle* Gesinnung dieser Leutchen ist ein vor uns liegender Brief an einen Angestellten, dem angedroht wird, die Liste der mit ihren Bciträgenrückständigen Rtitglieder des Vereins dem Berliner Geschäftsführer der Firma vorlegen zu wollenl Also Denunziation in lieblichster Form. Doch wenn die ehrlich meinenden Kollegen der Branche ihre Pflicht tun und sich immer fester zusammenschließen, wird auch diese gelbe Sumpfpflanze kein Hindernis sein im Kampf um eine Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, so schloß der Referent seine beifällig aufge- nommenen Ausführungen. In der Diskussion fanden die Zustände auch bei anderen Firmen noch manche nähere Aufhellung. veutlcbes RxicK. Ein gerichtliches Nachspiel zum Frauendorfer Streik- kratvall dürfte in nächster Zeit zu erwarten sein. In den letzten Tagen wurden in Stettin zwei Arbeiter von der Arbeitsstelle weg verhaftet und durch Gendarmen nach dem Gefängnis eskortiert, weil sie be- zichtigt werden, während der bekannten Zusammenrottung vor der Weitzschen Zicharienfabrik mit Steinen geworfen zu haben. Es soll gegen sie Anklage wegen Aufruhr und Landfriedenbruch erhoben worden sein. Bei dieser Gelegenheit erfährt man auch, daß der llrheber des bedauerlichen Konflikts, der Arbeitswillige Branden- bürg, der den streikenden Arbeiter Kühl ohne Veranlassung niedergestochen hatte, seit dem 25. Juli im Stettiner Justizgefängnis in Untersuchungshaft sitzt und ein Verfahren gegen ihn eröffnet ist. Auf eine Bemerkung unseres Stettincr Parteiblattes teilt der Erste Staatsanwalt diese Tatsache berichtigend mit, nachdem die Ver- hastung des Messerhelden bisher der Oeffentlichkeit vorenthalten blieb. Dadurch konnte die Scharfmacherpresse die Fiktion austecht erhalten, daß der Täter in Notwehr gegen einen angreifenden Streik- Posten gehandelt hat._ Scharfmacherischer Zuzug. Die Scharfmacher hatten am Sonntag Glück; sie erhielten Zuzug boiijüner Seite, von der sie das kaum erwartet hatten. Ein Rufer im Streit für monistische Weltauffassung, Professor Dr. Unhold- München, sprach als Monist ein Verdammungsurteil wider die— Gewerkschaften. Kaum zu glauben, aber wahr! Auf dem siebenten Monistenkongreß in Düsseldorf war's. Der Genannte behandelte das Thema:.Die Bedeutung des Monismus für Staat und Gesell- schaft". Dr. Maurenbrecher hatte gerade vorher ein Loblied auf— Marx steigen lassen. Bei allen Reden war viel von Persönlich- kcit und Kultur die Rede. Nach Unhold soll der Monismus so eine Art Regenerator der Menschheit sein, aus ihr das größte Maß von„Tüchtigkeit" und„Leistungsfähig- keil" herausheben, und einer möglichst großen Zahl vermitteln. Er schlug einen fabrizierten Popanz„Wahn der Gleichheit" zu Boden. Die Gewerkschaften ständen dem Ziel der höchsten Tüch- tigkeit im Wege; ihre Lohntarife hinderten die Entwickelung der Industrie. Der Monismus verwerfe die.Mitleidsmoral". Aber man könnte fast Mitleid mit diesen Weltbcglückern haben, • die angeblich die geistige und lörgerliche Höherentwickelung erstreben und dann freie Bahir für ungehemmte Ausbeutung mit deren un- ausbleiblichen Folgen der körperlichen, geistigen und moralischen Verelendung verlangen. Da manche Arbeiter mit dem MoniSmuS sympathisieren, ihn gar fördern, ist es wohl angebracht, darauf hinzuweisen, welche Geister hier ihr Wesen treiben können. Ei» Untcrnehmertrick. Die Geislinger Maschinenfabrik in Geislingen an der Steige in Württemberg macht zurzeit wieder recht eigenartige Manöver, um die Arbeitslöhne noch mehr als seither drücken zu können. Obgleich der Geschäftsgang in diesem Werk ein äußerst ungünstiger ist— wurden doch erst kürzlich wegen Arbeitsmangel 23—30 Former ent- lassen— sucht die Firma allerorts Arbeitskräfte. Eingestellt werden neue Arbeiter nicht; aber die Firma will genügend Leute haben, um sie gegen die ansässigen Arbeiter jederzeit aus- spielen zu können und um ihnen bedeuten zu können. daß „wenn sie sich Abzüge oder Verschlechterungen der Arbeits- Verhältnisse nicht gefallen lassen wollen, sie ja gehen können, denn die Firma habe genug Leute, die nur darauf warten, bei ihr anfangen zu können". Genau so, wie es die Firma mit den Arbeitern macht, macht sie es auch mit den Beamten. Erst kürzlich nahm der Ver- band der technisch-industriellen Beamten Stellung gegen die rigorosen Entlassungen seiner Mitglieder bei dieser Firma. Tauche» also Arbeitsgesuche auf, wonach Arbeiter irgendwelchen Berufes für die Geislinger Maschinenfabrik gesucht werden, so lasse jeder Metall- arbeiter diese unbeachtet, denn die Arbeitsverhältnisse bei dieser Firma find die denkbar schlechtesten und die gesuchten Arbeitskräfte sollen nur dazu dienen, sie noch mehr zu verschlechtern. EericKts- Leitung. � Einen gemeingefährlichen Verführer«nd modernen '. Sklavenhalter nannte der Staatsanwalt den Wjährigen„Arbeiter" Willi Gut- schmidt, der gestern aus dem Strafgefängnis Plötzensee der 4. Fericnstrafkammer des Landgerichts# vorgeführt wurde, um sich wegen schwerer Zuhälterei und Erpressung zu verantworten. Als Zeugen traten zwei 17- bezw. Igjährige Mädchen St. und B. auf, die jetzt in der Erziehungsanstalt in Teltow untergebracht sind.— Der Angeklagte, der in seinem Leben noch nicht richtig gearbeitet hat, hat es fertig gebracht, die zwei jungen Mädchen zu veranlassen. das Elternhaus zu verlassen, um sie dann dem Laster in die Arme zu führen. Hierbei ging er mit äußerster Schlauheit zu Werke. So hatte er sich an die seinerzeit IKjährige Erna B., die damals bei der A. E. G. in der Ackerstraße arbeitete, herangedrängt und sie zu irgendeiner kleinen Straftat verleitet. Nachdem er sie auf diese Weise in seine Gewalt gebracht hatte, lauerte er ihr mehrfach an den Lohnzahlungstagen auf und nahm ihr unter Drohungen den Wochenlohn ab. Da das Mädchen sich ohne Geld nicht zu ihren Eltern zurückwagte, ließ eS sich von dem Angeklagten in seine für seine späteren Pläne extra gemietete Wohnung verschleppen. Durch Zureden und Drohungen, wie auch durch rohe Mißhandlungen zwang er die B. schließlich, aus die Straße zu gehen. Das erlangte Geld mußte ihm die B. dann abliefern. Da ihm der„Verdienst" der B. nicht genügte, brachte er auch noch die jetzt 17jährige St. dahin, für ihn als Geldquelle zu dienen. Beide Mädchen mußten ihm pro Tag 20 Mk. abliefern. Mit dem Gelde kleidete der gefähr- liche Bursche sich elegant ein und spielte den noblen Kavalier.— Mit Rücksicht auf die außerordentliche Gemeingefährlichkeit des An- geklagten erkannte das Gericht unter Einrechnung einer ander- weitig wegen Diebstahls erkannten Strafe auf eine Gesamtstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust. Außerdem soll der Angeklagte nach verbüßter Strafe dem Arbeits- hause überwiesen werden, io daß er für die näckisten 6 Jahr„ver- sorgt" ist._ Ein gefährlicher Erpresser wurde gestern in der Person des Arbeiters Reinhold K u n i ck der 1. Fcrienstrafkammer des Land- gerichts vorgeführt.— Ter in den ö0cr Jähren stehende Kauf- mann K. aus Schöneberg war, obwohl er verheiratet und Vater bereits erwachsener Kinder ist, seit einigen Jahren auf gewisse Neigungen verfallen, die ihn veranlaßten, häufig die Friedrich- straße, die Zelten und die Nähe des Brandenburger Tores auf- zusuchen, wo er die Bekanntschaft junger Burschen zu machen. suchte, die dort mit geschminkten Wangen und tänzelnden Schritts nachts spazieren gehen. Auf diese Weise hatte er die Bekanntschaft des jetzigen Angeklagten gemacht, der sich schon am nächsten Tage als ein sogenannter„Preller" entpuppte. Um einen angedrohten Skandal zu vermeiden, opferte K. wiederholt kleinere Beträge, so daß der Erpresser erst recht sicher wurde, in K. eine nicht versiegende Geldquelle gesunden zu haben. Als der Angeklagte schließlich so dreist wurde, sogar in dem Geschäft, in dem K. angestellt ist, zu erscheinen und dort in unverschämter Weise Forderungen zu stellen, bcnach- richtigte K. die Polizei, die den Erpresser verbaftete.— Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Das U r- teil lautete, da der Angeklagte auf diesem Gebiete noch nicht vor- bestraft ist, auf 6 Monate Gefängnis. RcchtKanwalt und Dienstmädchen. Wegen Nötigung eines Dienstmädchens ist vom Landgericht II in München am 10. April der Rechtsanwalt Georg v. Nor- m a n n zu einer Geldstrafe von 50 M. verurteilt worden. Das frühere Dienstmädchen H., jetzt verehelichte S., suchte in Tölz den im selben Hause wie ihre Dienstherrschaft wohnenden Angeklagten auf und fragte ihn wegen einer vor dem Schöffengerichte gegen sie angesetzten Verhandlung in Regensburg um 3iat. Der Angeklagte sagte, er werde die Sache dem dortigen Rechtsanwalt W. übergeben. Die H. reiste nach Regensburg und suchte den Rechts- anwalt W. auf. Dieser sagte, er habe den Brief des Rechtsanwalts v. N. erhalten, könne aber in der Sache nichts tun, da die Ver- teidigung von Amts wegen erfolge; die H. fei ihm deshalb nichts schuldig. In der schöffengcrichtlichen Verhandlung wurde die H. wegen Diebstahls zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt. Später ver- langte der Angeklagte wiederholt von der H. die Zahlung von 8 M. Gebühren. Die H. sagte, sie habe kein Geld, ihren Vater treffe sie erst wieder nach acht Tagen. Der Angeklagte sagte, er wolle bis dahin zusehen. Nach Ablauf dieser Frist schickte er wieder einen Zettel an die H. des Inhaltes, sie solle das Geld seinem Schreib- gehilfcn mitgeben. Da sie dies nicht tat, ließ er sie durch seine Köchin auf sein Bureau holen und sagte dann, sie müsse zahlen. Wenn sie nicht binnen 5 Minuten zahle, lasse er sie verhasten. Kaum hatte die H. das Bureau verlassen, so sagte er zu der Tochter der Dienstherrschaft der H., er lasse dieser 5 Minuten Zeit; sie solle das Geld sofort bringen, vom Amtsgericht sei schon deshalb telephoniert. Die H. befürchtete, er könne seine Drohung verwirk- lichen, lieh sich von ihrer Herrschaft 5 M. und gab sie dem An- geklagten. Dieser legte 2 M. zurück mit dem Bemerken, lediglich 3 M. gebührten ihm, da aus Regensburg kein Anspruch erhoben werde. Das Gericht hat für erwiesen angesehen, daß der An- geklagte die H. widerrechtlich zu einer Handlung, nämlich der Her- gäbe des Geldes, genötigt hat. Er wußte, so heißt es in den Urteils- gründen, daß er die H. nicht verhaften lassen konnte. Daß er keine Möglichkeit hatte, seine Drohung auszuführen, ist belanglos. In den Strafzumessungsgründen wird von dem chronischen Alkoholis- mus des Angeklagten gesprochen. In seiner Revision behauptete der Angeklagte, er sei zu Unrecht wegen Nötigung verurteilt, da er der H. kein von ihm selbst auszuführendes Uebel angedroht habe, sondern nur gesagt habe, daß er beim Amtsgericht den Antrag stellen werde, sie zu verhaften. Strafbar würde er sich nur dann gemacht haben, wenn er der H. gegenüber unwahre Angaben gemacht hätte. In der Drohung gegenüber der H. sei das aber nicht zum Ausdruck gebracht worden. Das Reichsgericht verwarf die Revision als unbegründet, da das Verhaftenlassen auf jeden Fall eine strafbare Handlung war, sei es, daß der Angeklagte dem Richter falsche An- gaben machte oder ihn anstiften wollte, gegen eine Amtspflicht zu handeln._ Hus aller Welt. Im Kampfe mit Raubmördern. Wie aus BraunSlage im Harz gemeldet wird, wurde dort am Mittwoch früh der Gastwirt und Schlächtermeister Karl Schröder in seiner Gaststube erschossen aufgesunden. Sein Portemonnaie, das hundert Mark enthalten hatte, lag leer neben ihm am Boden. Der Verbackt der Täterschaft richtete sich gegen zwei junge Leute, im Alter von 20 und 24 Jahren, die in der Gast- Wirtschaft während der ganzen vergangenen Nacht gekneipt haben. Die beiden jungen Leute sind über Clausthal nach Osterode geflohen, wo sie sich in einem Geschäft neu einkleiden wollten. Da der Inhaber des Geschäfts nicht dulden wollte, daß sie sich gleich an Ort und Stelle umzogen, kam eS zu einem Streit, der die Polizei herbeilockte. Bei ihrem Er- scheinen wurden die Beamten mit Schüssen empfangen, durch die der städtische Arbeiter Luchtersand getötet und der Polizeibeamte Müller am Kopfe verletzt wurde. Während eS gelang, den einen der Mörder festzunehmen, flüchtete der andere in daS Hinterhaus, wo er sich verbarrikadierte und Schüsse abgab, die die Polizei erwiderte. Man legte Schwefel in das Haus, um den Mörder auszuräuchern- Als er sich am Fenster. zeigte, wurde er durch einen Schuß getötet._ Tie neueste Zirkusattraktion. Das erste mit so großer Spannung erwartete Auftreten B r y a n s hat Dienstagabend in dem Wanderzirkus in Salesbury stattgefunden. Die Umgebung feines künftigen Wirkungskreises unterscheidet sich nicht von einem guten deutschen Jahrmarkt. In der Nähe des Zeltes, in dem der Zirkus untergebracht ist, befinden sich die Buden von Jongleuren. Akrobaten, Damen ohne Unter- leib, Feuerfressern usw. Marktschreier bieten der gaffenden Menge ihre Waren feil. Der Zirkus war in Erwartung der Sensation bis auf den letzten Platz ausverkauft. Bryan kam vom Bahnhof im Automobil vorgefahren und war auf den Wegen Gegen- stand lebhafter Kundgebungen. Als Bryan den Zirkus be- trat, führte gerade eine Schar von acht jungen bild- hübschen„Dansing Girls" dem Publikum den neue st en Tango vor. Bryan wurde sofort er- kannt und mit rauschendem Beifall begrüßt. Die Tänzerinnen verschwanden, und Bryan begann ohne eine Minute zu ver- lieren, s e i n e n V o r t r a g. Als er geendet hatte, brach ein nicht endenwollender Beifall los. Bryan vcrlitzß sofort das Podium, stieg in sein Automobil und saß wenige Minuten später bereits im Zuge nach Washington, wo er wieder die Geschicke der Vereinigten Staaten lenken wird. Wirbclsturm über einer spanischen Stadt. Ein furchtbarer Wirbelsturm ist am Mittwoch bei Eintritt der Flut über die Stadt San tander hinweg gegangen. Ein Teil der Stadt wurde vollkommen verwüstet und Straßen, Plätze und Gärten durch die übergetretenen Fluten in Ströme und Seen verwandelt. Das Wasser sieht fast zwei Meter hoch und der Verkehr wird mil vieler Mühe durch Kähne aufrecht erhalten. Verluste an Menschenleben sind bisher nicht zu beklagen, doch ist der Materialschaden beträchtlich, da die Speicher» anlagen am Hafen fast völlig zerstört sind. Außerdem herrscht starke Besorgnis über das Schichal einer Fischerflotte, die gestern den Hafen verlassen hat und über deren Verbleib alle Nach» richten fehlen._ Kleine Notizen. Die Cholera in Galizicn. In der kleinen Gemeinde Oporzec, Bczirkshauptmannschaft Stryj, sind zwei Cholerafälle bakteriologisch festgestellt worden. Tödliche Fliegerabstürze. Im Aerodrom von Lyon verunglückte der Flieger Chonnienne, dessen Apparat sich während eines Gleitabstiegs überschlug und aus 25 Meter Höhe abstürzte. Ter erst 19jährige Pilot wurde tot aus dem zertrümmerten Apparat hervorgezogen.— In Sewastopol ist der Militärflieger D r uschi n in mit einem Nieuport-Eindecker abgestürzt und war sofort t o t. Automobilunfall. Bei Prutz im Oberinntal stürzte das Auw- mobil des Jnnsbrucker Technikers H. Grieser 15 Meter tief eine Stratzenböschung hinunter. Die Insassen, 4 Personen, wurden schwer verletzt. Eisenbahnunglück in Nordamerika. Einem Telegramm aus New Madison(Ohio) zufolge ist in der Nähe dieses OrteS ein Expreßzug auf der Pennsylvaniabahn entgleist. Von den 73 Passagieren sind 35 verletzt worden. Drei Zug. bedienteste wurden verbrüht. Zugzusammcnstoß jn der Türkei. In der Nähe von UeSküb erfolgte ein Zusammenstoß zweier Eiscnbahnzüge. Acht Per- sonen wurden getötet und 30 verwundet. Jn dem einen der Züge befand sich der serbische große Generalstab. Deutscher Kürschner-Verband. Filiale Berlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: KO. 43, Weinstr. 8. Fernspr.: Königstadt S7S9. Freitag, den 12. September, abends Punkt 7 Uhr: Lroik öffentliche' gemeinschaftliche Verfamrolung aller selbständigen Kürschflermeisteru. aller In der Branche beschäft, Arbeiter U.Arbeiterinnen in den„Musiker-Sälen", Kaiser-Wilhelm-Str. 31. Tagesordnung: 100/11 1. Konnten sich die selbständigen Kiirschuermeister mit den Vorschlägen der Kommission des Arbeitgeber- Verbandes einverstanden erklären? Referenten: Kollege A. Feldmann und Albert Regqe. 2. Diskussion. 3. Be- kanntgabe der arbeitswilligen Kürschnermeistcr, Gehilfcn und Mamsells. 4. Verschiedenes. Selbkändige Klirschuermtikkl, Arbeiter u. Arbeiterillnell! In letzter Stunde appellieren wir an Euch, kommt z» uns, laßt die Arbeit ruhe», ehe man Euch den Stempel der Schande aufdrückt, meldet Euch tu unseren Streilbureaus und laßt Euch als Streikende in die Kontrolliste eintragen. Verein selbständiger Kürschnermeister Berlin? und Umgegend. I. A.: Feldmann, Borsitzender. Deutscher Kürschner-Verband tFiliale Berlin.) Heute Tonnerstag, 11. September, abends 8� Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. ÄS: Y olksTersafimiiliiiig. Tagesordnung: 1. Ernstes und heiteres aus jüngster Zeit. 2. Der„Gebärstreik." Kcsmllt: Karl Sehneidt, tSS"' Zur Deckung der TageSkoftc» 10 Pf. Eintrittsgeld. Für Arbeitslose freier Eintritt."WE"IWI vniMlms 3"• Bchw&ns n. färb. Mir. �*n Kostflrnstofle, V neueste cngllscbe/*• Muster p. Meter von Seidenplöscii. v Velour duXord, 80cm& 51 breit... per Meter � AE Engl.Seal120cm breit 12 per Meter. flslrndinn1�50; m. breit... per Meter v � C. PELZ Kottbuser Str. 5 Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts l-lndenstr. 69. s teppdechen Spezialhaus Emil Lefevre Berlin g�jellZlr. 158- S. in den Farben bord., 52SbiS*21 00 « 600biS2700 Seidoners. Woüatlas ouv Daiüienileekeii 2500bisl2500 PuppEDsteppMen...35 pt dehialdeclien.. 2�,38°° 'g�'NetmiltEMEn-- � Nach auswärts per Nachnahme. Snezial- Katalog 650 Abbildungen gratis u, fr. Rhetngold- Sänger. Quartett. Alwin Rhein, Neukölln, tzobrccht- straße 3._ 138/1 MagensiSrkenü ist während der gefährlichen Obstzeit Santa£ucia StarUungs-Jlohueln TL 1,50 u. 2 M. wwQ MWWWHMVHG Kauflich m Apotneken, Drosen- uud Dehkateß-Gesohäf tea. i Drogen- Todes-Anzeigen Soziaiileiiiokratischer Wahlverein iLi I ßerl. Eeichstagswatiikreis. Den Mitgiicdern fiicnnit zur 1 Kenntnis, datz unser Genosse, der I Bauarbeiter Uildelm Loollpke I Prinzessinnenstrasjc S, Bezirk 22ö, > gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Tie Beerdigung sindet am I Freitag,, den 12, September, nach- I mittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Jakobi-Kirchhoscs, Her- | inannftrage, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ider Vorstand. DeutsEher Holzarbeitervertani Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unser Kollege, der Tischler LdristianKedistsd! Gotzkowslhstr. 7, im Alter von 60 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 11. September, nachnrittags 4 Uhr, vom Moabiter Krankenbaus aus, nach dem neuen Johannes« Kirchhos in Plötzen- see statt. zur der Ten Mitgliedern ferner Nachricht, datz unser Kollege, Tischler ?aii! Erdmann Boeckhslr, 5, 1 im Alter von 28 Jahren ge- | starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am > Sonnabend, den 13, September, I nachmittags 4 Uhr von der Halle des Hei lig-Krcuz-Kirchhofes' in Mariendorf aus statt, 1 88/12 Die Orfsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, datz mein lieber Mann. guter Sohn, Bruder, Schwager und Onkel b7a Ludw. Szymauowsky am 9. September nach schwerer Krankheit saust entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 12, September, nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle des Michaels-Kirch- hoscs in Mariendors aus statt, Wwe. Kzymanowsky, Mühlenftr, 59b. DentSEherMetailaFheiter-Verbanili Verwaltungsstelle Berlin. Ten Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Anschläger l.uliv.'ig Szymanowsky am 9. September an Lungen- leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Michael-KirchhoseS in Mariendorf aus statt. Nege Beteiligung erwartet 125/15 Die Ortsvcrwaltung. Statt jeder besonderen Meldung. Am Dienstag, den 9. Sep- tember, srüh 4ll, Uhr, starb nach kurzem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn und Bruder, der Zigarreusabrikant Richard Frieke im Alter von 51 Jahren, Im Namen der Hinterbliebenen fsgll Milde Frieke Lange Stratze 29. Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 13, d, M„ nach- mittags 4 Uhr, im Krematorium, Gerichtstr. 37, statt, 144/14 SozialdeinokratlsElie!' Walilvereln I. d. Uerl. Reiehstagswahlkreis. Stralauer Viertel. Bez. 286. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Zigarren- macher ItfcKard Frieke Lange Str. 29 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k � Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 13, September, nachm, 4 Uhr, im Krematorium, Kerichtslratze, statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/3 Der Borftand. Verein der Freidenker liir Feuerbestattung. Site Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Mitglied ItfeKard Frieke Lange Stratze 29 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 13, September, nachmittags 4 Uhr, im Krcma- torium in der Gerichtstratze statt, Um rege Beteiligung ersucht 299/12 Der Borstand. Am 9, September, vormittags 91/, Uhr, verschied nach längeren, schweren Leiden meine innig- geliebte Frau, Mutter, Tochter und Schwester Llise Rust köL im Alter von 28 Jahren, Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme ticjbetrübt an Barl Bast und Tochter, N o w a w e s, Die Beerdigung sindet am Freitag, den 12, September, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle Goethestratze aus statt. 2197b Danksagung. Allen Freunden und Bekannten sagen wir hiermit sür die zahlreiche Beteiligung und Kranzspende bei der Beerdigung meiner lieben Frau Baade insbesondere dem Tanzlehrerverband Solidarität, dem Tanzlchrerverein 1876, dem Gesangverein Neuköllner Liedertascl, dem Verein Gut Freund, den Schülcrinnen und Schülern der Tanzschule, den Mietern des Hauses 6 vom Spar- und Bauverein Neukölln unseren herzlichsten Dank,' 2192b £>111 Baade nebst Kindern. Deutseber Buebbtnder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Buchbinder Eriek Älbinski am Montag, den 8. September, verstorben ist, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 11, September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des St, Michael- Kirchhoses in Neukölln, Maricndorser Weg, aus statt. 24/15 Rege Beteiligung erwartet Die Ortöperwaltung. Plötzlich und unerwartet starb Donnerstag, den 4, d. M,, meine inniggclieblc Frau und gute Mutter Johanna Jäkel geb. Uttnicheu im 43. Lebensjahre, Dies zeigt tiefbctrübt an tZustsv Jäkel und Sohn, Raliborstratze 13, Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 11, September. nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Neuen Jakobi- Kirch- hoscs, Neukölln, Hcrmannjtr, 199, aus statt, Obst- AüBned Gemüse- Zeitung Heidelberg. Unentbehrlicli für Händler und Produzenten. Probenuiamem gratis. Jährlich 2,— Mark. 239/2* Verband d. Brauerei- u. Mühlen- arhEiteru.veFS.Berulsgenossen. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nach- richt, datz unser Verbandskollcgc, der Brauer RMian! Kürbis (Brauerei Engelhardt, Charlottenburg) am 8, September gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11, d, M., nach« mittags 4stz Uhr, aus dem Hei- landskirchhos in Plötzcnsce statt, Zahlreiche Beteiligung wird er- wünscht, 44/3 Die Ortsverwaltung. Gemeinsame Orts- Krankenkasse sür Zehlendorf und Umgegend. Zu einer Süßen) nietiUidien Generalversammiung am Freitag, den Ii), d. M., abends«'/, Uhr, im Rest, Linden- park, hierselbst, Berliner Str. 8, werden hiermit die Herren Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ergcbenst eingeladen, 275/6 Tages Ordnung: Nochmalige Beschlußsassung über einzelne Bestimmungen der neuen Aassensatzungen nach der Ncichsver- sicherungsordnnng, Zehlcndors, den 9, September 1913. Ber Vorstand. F. Schweitzer, Borsitzender-Stellv, FrNtN-KegrSbmskasse der m Schristgießkreien beschäf- tigten Arbeiter Kerlins. AmFreitag, de» IS.Septcmber, abends'jß Uhr, sindet im Lokal von P. Zimmermann, WUHeImstr.2, eine Geiieral-Versatnmluiiti statt, Tagesordnung; 1. Vorstandsbericht, 2. Halbjahrlicher Kassenbericht und Bericht der Revisoren, 3. Verschiedenes, Zahlreichen Besuch erwartet 299/11 Der Borstand. Ertra-ilnterstjijillngsbnsse » jöichbiikr u. vem. Gewerbe zu Kerlin. Lelleral-Versammluiig am Sonntag, den Ii. September, vorm, 19 Uhr, Dresdener Str. 11k. Tagesordnung: 1. Verlesung der Protokolle, 2, Er- gänzungswabl des Vorstandes, 8. Ab- nähme der JahrcSrechnuna und Ent- laslung des Vorstandes, 4, Verschiedene Kafscnangelegenheiten. 2193b H. Rhauda, Vors., Luisen, User 17. f. Haut. Harn-, Frauenleiden. nerv. Schwäche. Bciukrnnke jeder Art, Ehrlich Hata< Kuren in u. Co. konz, Laborat, j Blut- Untersuchung,, Fäden i. Harn usw. FrieilrilM, 81, Spi. 19—2, 5— 9, Sonnt. 11—2. Honorar mästig, auch Teilzahl, Separates Damenzimmcr. Dr. Horneyer UCK Die neue /qualitäts- GEORG A.JASMATZI A.G.DRESDEN 6BÖSSTE DEUTSCHE C16ABETTEN FABRIK Bekanntmachung. Mit Rücksicht aus die zu erwartende auherordentlich starke Beteiligung�der Bersicherten an den am 28. Sep« tember er, ersolgenden Wahle» zum Ausschuß der Allgemeinen Orts- krankenkasse der Stadt Berlin bat der unterzeichnete Vorstand mit Genehmigung des Bersicherungs- amtes der Stadt Berlin noch weitere 17 Wahllokale bestimmt, um den Versicherten die Ausübung des Wahlrechts zu erleichtern und um den Gang der Wahl zu be- schleunigen. Die unterm 23, August er. bekannt gegebenen Wahlen der Versicherten finden nunmehr in folgenden 21 Wahllokalen statt: Für die rechts der Spree wohnende» Bersicherteu: Englischer Hos, Alexanderstratze 27o tranz Scholz, Andreasstratze 21 omcnius-Sälc, Memelerstratze 67 Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151/152 „Elysium", Landsberger Allee 49/41 (Kleiner Saal)' A, Boekcr, Wcbcrstratze 17 Siegmund Feist, Neue Königstratze 7 (1 Treppe) Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 19/11 E, Jentsch, Brunnenstrabe 36 Rosenthalcr Hos, Rosenthaler Slratze 11/12 Moabiter Gesellschaftshaus, Wicles- stratze 24 Frankes Festsäle, Badstratze 19 Pharus-Säle, Müllcrstratze 142 Germania-Säle, Chausseestratze 119; sür die links der Spree wohnenden Bersicherten! C, Augustin, Oranienstratze 193 S, Wcndt, Zosscner Stratze 1 Gewerlschajtshaus, Engeluscr 15 Etablissement.Südost-. Waldemar« stratze 73 Restaurant Eberlein, Britzer Str, 22 Allgemeine Ortskrankcnkasse, Köpe« nicker Stratze 89/82 Biktoria-Brauerei, Lützowstr. 111/112. Berlin, den 19. September 1913. /Ulgernelliö Ortskrankenkasse zu Berlin. Der Vorstand. W. Pichl, Vorsitzender. buManAlNgVonM Lindcnstr. 69(Laden) Änsiehlskarten vom Riesengebirge, Harz, Sächsische Schweiz, Dresden, Berlin in reicher Auswahl. Stück 5 PI. Reste Damentuche, schwarz u. farbig, Kastilmstoffe, ncuefl.Muit.,Seide, Sammete, Besätze, Futterstoffe, j | PiaschezuMänteln,Chev.-Kammgarne zu Knaben-Anzügen. Konfektion: Paletots, Kostüme, Röcke, Kinder-Konfektion, auch gediegene MaS-Anfertigung. Stets Gelegenheitskäufe! I Paul Karle, Warschauer Str. 18. 0. VrruMch-Silddctttsche (229. Königs. i'rtnlK) Klassenlotterie 8. Klaffe 1. ZiehungStag 10. September 1913 Vormittag illiif jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe isewiinie gefalle»,>,»» zwar je einer auf die Löf« gleicher Nummer in den beiden Abteilnugen I u. II. Rur die Gewinne über 144 M. find in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St,-A. s. Z.)(Nachdruck verboten) ZW 94 600 1185 222 559 70 2010 621 668 805 921 3003 47 208 62 364 427.(5 0 0 0 0) 66 98( 400) 663 746 853 945 4725 846 5092 168 236 370 773 813 976 6346 65 460 74 762 7034 99 114 209 361 434 64 80(300) 877 929 6036(300) 428 959 9176 486 873 10415 73 801 11246 369 88 404 68 668 610 730 37 62 845 1 2083 362 416 706 70 1 3031 176 287 354 456 77 609 904 67 14004 ISO 340 688 641 912 87 1 5023 78 444 63 602 704 93 868 932 1 6043 189 248 359 407 83 531 993 1 7071(300) 148 271 673 730(300) 886 960 18112 304 42 708 65 860 955 18309 468 643 833 20392(300) 497 644 814 919(300) 21432 827 858 906 9 2044 252 485 660 73 925 71 2 3374 642 699 850 945 60 23041 166 301 44 648 85 603 877(300) 933 81 2 5307 606 702 51 843 959 2 6180 82 261 482 694 797 975 2 7 069 269 £90 470 717 71 72 91 976 2 8286 613 818 47 2 9244 368 461 789 813 940 3 0250 69 607 763 880 910 26 31017 45 104 68 312 523 28 48 76 839 3 2093 117 262(400) 485 609) 2 8)6 3 3105 650 91 723 803 923 3 4021 61 270 89 90 317 473 3 5 034 84 324 28 645(1000) 880 3 6102 311 34(6000) 61 608 791(300) 3 7 212 421 86 603 19 38 621 770 866 3 8309 604 43 3 8050(300) 172 212 87 329 480 832 938 40317 808 26(300) 62 64 763 41327 656 42040 66 305 07 514 4 3215 33 98 438 78 722 4 4064 153(300) 61 912 4 5 505 12 751 63 904 4 6 090 130 91 203 793 4 7 023 192 606 784 92 4 8055 91 481 4 9237 41 388 762 836 976 50»14 705 61244 670 973 6 2059 202 442 62 870 952 5 8315 621 63 903 5 4 019 104 323 409 40 72 832 6 6616 56443 536 46 911 67123 681 723 6 8072 192(300) 499 689 677 59160 97 669 «0077 187 331 409 733 919 85 61216 26 81 3)5 686 92 767 87 68162 72 348(300) 606 9 916 63324 29 519(500) 64060 716 6 5 271 466 745 6 6076 141 623 41 765 6 7001 282 90 661 82 980 8 8091 130 67(300) 493 610 737 890 0 9128 252[300) 88 1600) 352 404 600 768 938 7 0 268 430 90 819 89 71146 73 263 436 759 898 7 2075 109(300) 227 42 71 860 7 3 03) 259 472 98 663 959 7 4004 40 70 222 61 633 767 932 7 5 357 431 83 948 76060 221(400) 652(300) 791 819 77163(500) 713 7 8302 72 855 7 0262 87 378 602 657 725 8 0048 270 85 780 815 81354 903 10(400) 82047 305 908 8 3341 42 427 598 785 834 8 4404 787 839 997 8 5378 605 77 838 42 8 6324 46 663 759 8 7 230 644 8 8193 746 8 0192 265 408 84 730 858 978 90324 75 892 923 01248 648 840 9 2008 84 128 214 427 73 677 97 627 9 3100 16 299 866 919 31 35 Oa340(400) 89 688 668 681 05028 143 82 484(400) 641 7li 28»6*48 67 747 911 61 07103 498 8 8142 311 439 647»9037 41 60 249 100136 60 7J 76 SS 4SJ 54 66 603 743 1 01494 667 es 102143 257 403 679 649 849 1 0 8423 46 92 632 89 841 104603 770 96 923 105037 61 166 494 636 934 106028 225 402 613 66 798 859 85 931 107109 86 364 457 93(500) 670 93 675 1 08060 325 610 49 1 0 9388(4001 460 87 760 866 87 110092 110 648 724 893 920 III 161 293 892 112022 266 641 626 866 113220 663 114068 69 356 753 861 116049 130 54(300) 77 386 483 613(300) 18 821(300) 937 116176 441 95 623 993 117092 283 316 473 66? 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VrenMch-Snddentschr (5830, Königs. Vreuß.) Klassenlotterie L. Klaffe 1. ZiehungStag 10. September 1913 Nachmittag Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich Hope Gewinne gefallen,»nd zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I«. II. Nur die Gewinne über 144 M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 121 1173 673(300) 2087 143 420 884 3077 413 665 710 896 4659 92 824 995 6193 210 67 381(300) 478 6018 424 655(300) 728 802 31 7180 457 692 013(300) 8066 173 604 0779 10140 61 86 248 463 641 802 958 86 11143 60(300) 86 362 532 774 1 2153 380 693 727 42 936 13134 223 616 761 76 14061 649 1 5758 84 877 1 6020 38 138 63 710 1 7395 744 64 1 8058 160 224 326 739 60 827 1 9082 99 110 643 867 916 2 0468 663 21336 96 461 572 724 85 954(400) 90 2 2009 222 397 433 729 832 2 3098 319 22 471 658 60 2 4076 93 397 98 626 862 925 2 5074 79 482 667 76 964 2 8322 675 733 823 61 27075 350 28037 267 306 33 68 640 748 89 862 28041 69 087 833 901 3 22(300) 69 80143 616 96 31023 163 211 477 665«4 846 728 68 881 32194 233 311 49 647 806 44 901 83114 437 48 601(600) 700 838 3 4138( 300) 87 229(300) 456 690 8 6314 78 84 602 885 3 8472 676 867 8 7161 77 482 660 678 766 861 88229 322 473 616 777 904 3 0236 463 703 878 40047 335 629 732 64 966 41109 88 475 645 4 2247 346 487 629 46 859 4 3045 254 437 689 716 32 91 861 44645 952 45146 226 85 767 4 6150 92 379 97 428 646 743 826 4 7167 (300) 643 760 836 4 8190(400) 269 662 882 943 49 4 9528 953 6 0212 424 693 679 61439 628 6 2033 232 79 471 637 43 6 3039 77 114 288 385 424 604 797 836 6 4485 70 614 816 33 5 5 024 173(400) 233(300181 381 434 800(300) 66196 210 302(300) 422 664 6 7033 189 662 836 927 84 8 8263 96 308 73 440 871 5 8201 436 681 704 37( 500) 78 826 29(400) 6 0054 78 282 660 630 767 81446 688 722 916 6 2073 1)109 283 6 8302 766 913 6 4079 87 335 68 436 702 874 6 8238 354 891 66031 252 838 491 650 66 763 956 95 6 7 712 68111 62 607 712 996 8 6013 633 49 706 921 70432 631 702 876 71668 97 746 72398 464 694 915 68 7 3 230 441 647 7 4085 104 333 413 708 88 871 75121 803 961 7 6074 301(300) 6 62 927 7 7 024 66 96 129(400) 383 662 74 879 7 8005 355 77 670 7 0999(300) 8 0066 109(300) 228 75 353 415 541 851 81320 67 86 490 662 839 8 2134 76 322 770 859 0 3037 151 633(3 0 0 0 0) 611 715 96 967 8 4047 317 83 624 860 8 6 051 68 834 8 6 201 458 66 682 8 7384 634 763 79 803 939 93 8 8072 579 624 956 89194 328 79 447 _ 90429 530 91121 202 90-361;554 678 90 764(300) 8 2025 134 695 999 9 3419 82 672 77 9 4016 31 144 85 394 443 69 699 663 92 822 95056 164 613 793 96278 695 938 97041 368 804 7 9 93 827 08229 36 312 419 648 0 9093 352 682 10 0313 398 880 1 01361 697 683 762 1 02024'105 295 831 69 487 868 103 667 783 804 909 1 04321 47 607(300) 38 777 896 988 1 0 5046 136 47 78 239 600 806 931 106636 33 (300) 10 7260 377 627 770 1 08204 35 361(300) 663 98 747 624 66 956 1 0 9063( 500) 73 276 391 646 715 839 IIOIM 414 47 696 818 111122 242(200) 445(300) 851 848 112029 76 360 444 639 113212 342 668 776 945 114232 48 407 699 611 24 64 777 812(3001 115379 632 813 16 64 116789 117267 499 922 74(3010) 118072 341 676 710 659 139162 209 346 793 12 0084 167 601 616(300? 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Fast will es scheinen, als ob das Unglück nicht aus- schließlichaufhöhereGewaltzurückzu�führen ist, und das Stillschweigen der matzgebenden Stellen in Hamburg und Berlin trägt wahrlich nicht dazu bei, diese Vermutung zu entkräften. Wir glauben, datz die Kata- strophe zum Teil ihre Ursache darin hat, datz trotz des drohen- den Unwetters der Befehl zur Teilnahme des Marine- luftschiffes an den Flottenmanövern gegeben worden ist. Und der drohende Wettersturz für Dienstag oder wenigstens für den Nachmittag war sowohl von der Hamburger Seewarte wie auch von den übrigen meteorologischen Stationen vorausgesagt worden. Unter diesen Verhältnissen mutzte man damit rechnen, datz das Marineluftschiff auf seiner Fahrt von Hamburg nach Norden in den von Schweden herannahenden Wetter st urz hinein- gezogen und gefährdet werden könnte. Aus den früheren zahl- reichen Zcppelin-Luftschiffkatastrophen hätte man wohl die Lehre ziehen können, wie gewagt es ist, mit den Riesenluftschiffen einem plötzlichen Wettersturz zu trotzen. Wenn man aber den drohenden Wettersturz kannte — und es ist natürlich nicht anzunehmen, datz in den be- teiligten Kreisen über die Wetterlage völlige Unkenntnis herrschte— so mußte die Vernunft über die mili- tärische Disziplin gestellt werden, und durfte nicht der Befehl zur Teilnahme des Unglücksschiffes an den Manöverübungen gegeben werden. Daneben scheint aber auch die verhältnismäßig große Be- lastung des verunglückten Luftschiffes mit zu den Ursachen der Katastrophe zu gehören. Man kann die Beobachtung machen, datz die Passagierluftschiffe der Telag auf größeren Flügen nur einige wenige Passagiere außer den notwendigen Bedienungsmannschaften mitnehmen, um durch geringen Ballast an Auftrieb zu gewinnen. Unter den schwierigen Witterungsverhältnissen wäre es vielleicht auch ratsamer gewesen, auf die Höhenfahrt zu verzichten. Bekanntlich verlieren die Zeppelinluftschiffe beim Hochgehen ziemlich viel Gas. Man rechnet in der Regel mit 200 Kubikmeter für je 100 Meter Höhe. Da nun also das Luft- schiff überladen war und durch das bei der Hochfahrt ent- nüchene Gas viel Auftrieb verlieren mutzte, so hätte man von vornherein mit diesen Faktoren rechnen müssen. Jeder Lenkballon führt einen, seiner Größe entsprechenden Wasser- ballast mit, der bei zu schnellen oder steilen Landungen ent- leert wird, um das mit beträchtlicher Geschwindigkeit herab- kommende Luftschiff zu bremsen. Unter normalen Um- ständen genügt diese Einrichtung fast immer. Das um einige hundert Kilogramm erleichterte Schiff strebt wieder aufwärts und vermeidet so einen heftigen Aufprall. Gestern aber ließ sich der„L. 1" nicht mehr bremsen, weil zuletzt, auch infolge der Abkühlung des Gases, die Lost die Nutzkraft überstieg. Wie dem aber auch sei, bei den beteiligten Stellen liegt es, dem Volke vollste Klarheit über die Ursachen der Katastrophe zu geben und durch keinerlei Verschleierungen oder Beschönigungen die Schuldigen zu decken. Sollte aber wirklich ausschließlich höhere Gewalt als Ursache des entsetz- lichen Unglücks angesehen werden, so liegt die Frage nahe, ob denn wirklich schon alle Voraussetzungen gegeben sind, um die Ausgabe von Millionen und aber Millionen für Schaffung einer Luftflotre zu rechtfertigen. Diese Frage liegt um so näher als heute erst nur ein glücklicher Zu fall ein anderes Militärluftschiff vor einer ähnlichen Katastrophe bewahrt hat. Bericht: eines Geretteten. Einer der Teilnehmer an der Unglücksfahrt machte am Mittwoch nach seiner Ankunft in Cuxhaven über die Katastrophe folgende An- gaben: .Als das Luftschiff sich gestern abend in einer Höhe von über 900 Metern befand, litt es schwer unter den plötzlich ausbrechenden Böen sowie dem prasselnden Regen. Es begann langsam zu sinken, wobei vorauszusehen war, datz es einer Katastraphe entgegen ging. Als eS bis auf 400 Meter herunter gekommen war, wurden die beiden vorderen Propeller abgestellt, wodurch ein weiteres Sinken zwar vorübergehend vermieden wurde, das Schiff jedoch an dynamischer Kraft erheblich verlor, so datz es gegen die immer häufiger werdenden Böen nicht aufkommen konnte, bis es endlich mit einer Geschwindigkeit von 00 Stunden- kilometer auf die See niedersank. Durch den Anprall wurde das Luftschiff mehvfach geknickt, so datz es sehr bald einem vollständigen Wrack glich, dessen beide Spitzen aus dem Wasser ragten. Die meisten Teilnehmer suchten sich durch Abspringen zu retten; das schwere Lederzeug hinderte sie jedoch am Schwimmen. Die Geretteten haben sich ungefähr 40 Minuten an den Trümmern des Luftschiffes festgehalten." Die L-ifte cler Codesopfer. Die amtliche Liste der Verunglückten zählt dreizehn Tote und einen bewutztlos aus dem Wasser gefischten Bootsmanns- maat B a u S m e r, bei dem Wiederbelebungsversuche btzSher ohne Erfolg blieben. Die Todesopfer sind: Korvettenkapitän M e tz i n g, Kapitänleutnant Hanne, Oberleutnant Freiherr v. Maltzahn� Marineingenieur W e h n e r, Steuermann Zimmermann, Obermaschinistenmaate Lutz, Müller, Adam, Maschinisten- maate Bruder, Strotz ück, Obersignalmaat P a h l k e, Signal- maat Kürschner und Bootmannsmaal Menge. Die Bergungsaktion. Helgoland, 10. September. Erste Hilfe bei dem.L. 1" leisteten die Linienschiffe.Hannover" und.SchleSwig-Holstein". Die gesamte Flotte wurde durch Signale zur Unfall st elle beordert, doch traf anscheinend nur noch das Torpedoboot 107 rechtzeitig ein, dem es gelang, drei Personen zu retten. Das Linienschiff „Hannover" rettete vier Personen und brachte sie zusammen mit den anderen drei Geretteten nach Wilhelmshaven. Der orlan- artige Sturm hielt die ganze Nacht an. Ein W a s s e r f I u g< zeug unter Führung des Oberleutnants Lengsfeld, das das Luftschiff umkreiste, konnte dem Unwetter nur mit knapper Not entgehen und kehrte nach Helgoland zurück. Hamburg, 10. September. Von den mit dem Luftschiff„L. 1 Verunglückten wurden heute vormittag bei Cuxhaven Korvetten» kapilän Metzing angetrieben. Von einem Fischerkutter wurden aufgefischt Kapitänleutnant Hanne, Obersignalmaat P a h l k e Obersignalmaat M ü l l e r, Signalmaat Kürschner und Boots maat Menge. *• fiDcdcr ein Zeppelin-tlnglüG. Noch sind die wahren Ursachen der Katastrophe in der Nordsee amtlich nicht aufgehellt und schon wieder meldet der Telegraph einen neuen Unglücksfall eines Militärluftschiffes, bei dem nur durch die Geistesgegenwart der Bedienungs Mannschaft eine neue furchtbare Katastrophe verhütet wurde Uns wird darüber aus Leipzig telegraphiert: DaS Luftschiff„Z. 5", welches nach sehr schwieriger Fahrt aus dem Manövergelände nach ll'/z Uhr hier gelandet war, konnte wegen des starken Ouerwindes nicht in die Halle gebracht werden und wurde von 150 Personen ge halten. Plötzlich setzte eine rasende Bö ein, wa durch das Luftschiff in die Höhe getrieben wurde. Es gelang, die Motoren wieder an zuwerfen und dadurch das S ch iff vor dem Untergang zu retten. Vier Soldaten hatten die Seile nicht rechtzeitig losgelassen und wurden mit in die Höhe gerissen. Ein Sergeant konnte rechtzeitig abgesetzt werden während ein Arbeiter G r a s d o r f in die Gondel hineingezogen wurde; die beiden anderen Soldaten stürzten aus einerHöhe von 150 Meter ab und waren sofort tot. Die Namen der beiden Verunglückten sind Soldat Breitcnhauscn von der Luftschifferabteilung und Kanonier Polster von der dritten Batterie des Feldartillerie regiments Nr. 77. Die Leicheu wurden in das Garnison lazarett geschafft. Das Lustschiff konnte um 6.10 Uhr in der Halle geborgen werden._ Partei- Hncfele�enbciten. Zur Lokalliste. D i e Kammersäle, Tellower Straße 1— 4, find für die organisierten Arbeiter nach wie vor gesperrt. I» Cablow bei Zernsdorf T.-B. ist daS einzige zur Verfügung stehende Lokal das Restaurant Käbe, am Bahnhof. Meidet daher alle anderen Lokale! In Erkner N.-B. hat der Besitzer vom Neuen SchützenhauS ge> wechselt. Der jetzige Inhaber Louis Benoit stellt es nach wie vor zur Verfügung. Brrichligung. DaS Lokal von Carow(Hungriger Wolf) steht in der Lokalliste unter Kolonie Hohenflietz bei Eggersdorf und das Lokal Waldhausen-Waldeslust mutz heißen:.Waldhausen-Seeschlotz Beide gehören unter Eggersdorf bei Strausberg. _ Die Lokalkommission. Lankwitz. Am Sonnabend, den 20. September, veranstaltet der BildungsauSschutz einen Liederabend zur Laute. Billetts sind bei den Bezirkskassierern und im Zigarrengeschäft von Dehust zu haben, Wannsee. Am Sonnabend, den 13. dieses Monats, abends 8 Uhr, im.Fürstenhof"(O. Ackermann), Versammlung des Wahl. Vereins. Vorlrag. Alt-Glienicke. Freitag, den 12. September, abends 8 Uhr, öffentliche Versammlung für Männer und Frauen im Lokal von F. Bohn, Grünauer Straße SS. Tagesordnung: 1. Die Volks- sürsorge, das Genofienschaflswesen und ihre Gegner. Referent: Genosse Schuban. 2. Freie Aussprache. Bcrlimr Nacbricbtcn. An die Bildungsausschiisse und Organisationsleitungen. Theatervorstellungen. Die Gutscheine für die vom BezirkSbildungsauSschutz übernommenen Theatervorstellungen(siehe Seire 75 des„Leitfadens für die Bildungsarbeir") gelangen dem. nächst zum Versand an die Organisationen, die bereits Plätze belegt haben. In den beiden ersten Vorstellungen(Deutsches Opernhaus) kommen„Die lu st igen Weiber von Windsor" von Nikolai zur Aufführung. Wir ersuchen die Organisationen und Bildungöausschüsse, ihre Bestellungen auf Gutscheine möglichst bald an unS gelangen zu lassen. S t a t i st i k. Im bevorstehenden Winter werden in Grotz-Berlin zahlreiche Vortragskurse abgehalten werden. Wir empfehlen den Organisationen, die Kurse eingerichtet haben, dringend, über den Besuch der einzelnen Abende, über Einnahmen und Ausgaben usw genaue Aufzeichnungen zu machen, damit am Schlüsse des Berichts- jahres eine gute Berichterstattung möglich ist. Für das nächste Ge> schäftSjahr wird ver BezirkSbildungsauSschutz Formulare für diese der Statistik dienenden Aufzeichnungen herausgeben, was für das bevorstehende Winterhalbjahr noch nicht möglich war. Ebenso wichtig ist eine zuverlässige Berichterstattung über den Besuch und die Ein nahmen und Ausgaben bei Kunstabendcn und Festen. Wir ersuchen die Bildungsausschüsse und Vorstände, sich der Mühe dieser Arbeit zu unterziehen: das Ergebnis wird für unsere zukünftige Tätigkeit von großer Bedeutung sein. Wir benutzen die Gelegenheit, um nochmals daran zu erinnern, datz das Sekretariat des Bildungsausschusses jetzt auch Sonn- abends von 6— 8 Uhr geöffnet ist. Der Bczirksbildungsausschuh Groß-Berlin. Sekretariat: Lindenstr. 2, Hof I. Zur Lustborkcitssteuer. Der Magistrat teilt mit:„Nach der Ordnung für die Besteue. rung von Kinematographentheatern usw. im Stadtbezirk Berlin vom 8. März 1913 unterliegt die öffentliche Veranstaltung von Tanz- belustigungcn der Karlensteuer, sobald ein Eintrittsgeld von 1,2b M. und darüber erhoben wird. Da für diese Steuer gemäß§ 10 der Steuerordnung sowohl der Veranstalter wie auch der Besitzer des für die Veranstaltung her- gegebenen Raumes als Gesamtschuldner haften, kann den Saal- besitzern zur Vermeidung derartiger Regretzansprüche nur dringend empfohlen werden, sich von der rechtzeitigen Anmeldung jeder steuer- Pflichtigen Veranstaltung durch Einsicht der den Veranstaltern (Bereinen usw.) darüber erteilten Bescheinigung der Steuerkasse zu überzeugen oder aber selbst diese Anmeldung, ivelche spätestens am letzten Werktage vor dem Beginn der Veranstaltung bewirkt sein mutz, direkt zu veranlassen. Nutzer diesen Tanzbelustigungen sind auch sonstige steuerpflichtige Veranstaltungen gemäß§ 8 der Steuerordnung spätestens am letzten Werktage vor ihrem Beginn der Steuerbehörde zu melden, selbst wenn deren Ertrag ausjchlietzlich zu vorher angegebenen gemein- nützigen oder wohltätigen Zwecken bestimmt ist." Aus Berlin>V. Eine romantische Entführungsgeschichte, die in Charlotten« bürg begann, hat in Paris ein tragikomisches Ende gefunden. Gestern nachmittag bemerkte ein Polizist in der Rue Ordener einen elegant gekleideten jungen Mann, der vor ebenfalls sehr gut an- gezogenen jungen Mädchen im Alter von höchstens 14 Jahren davon« rannte, die weinend und schreiend hinter ihm herliefen. Dem Polizisten fiel die sonderbare Gesellschaft auf, er nahm die drei fest und brachte sie auf die Wache. Hier stellte sich heraus, datz der junge Mann der 28jährige Kammerdiener Hermann Mai war, der in einer reichen Familie CharlottcnburgS als Kammerdiener beschäftigt war. Die 14jährige Tochter deS HauseS war von ihm überredet worden, mit ihm nach Paris zu gehen. Da aber beide kein Geld hatten, zogen sie ein 18�zjähriges befreundetes Mädchen ins Vertrauen, die von dem Plan so entzückt war, datz sie sich nicht nur bereit erklärte, die Reise mitzumachen, sondern ihrem Vater ein Sparkassenbuch in Höhe von 1100 Mark entwendete. In Paris führte der junge Mann die Mädchen in ein elegantes Hotel und zeigte seinen Bt�ieiterinnen daS Pariser Leben. Nach dem Besuch von Restaurants und Vergnügungslokalen bemerkte die Gesellschaft in einem Vergnügungslokal des Moni- martre, datz auf dem teuren Pariser Pflaster die 1100 Mark ver« schwunden waren. Tief betrübt zog die Gesellschaft in ihr Hotel zurück, von dem aus sich dann die Szene abspielte. Die Eltern der Mädchen wurden verständigt und werden ihre unternehmungslustigen Töchter im Laufe des TageS abholen. Der Kammerdiener wurde in Haft behalten. Wie entrüsten sich doch sonst die Kreise auS Berlin W pharisäerhaft über die sogenannte Verwahrlosung der unteren Volksschichten- obwohl Not und Elend den Eltern es oft unmöglich macht, ihren Kindern die Erziehung und Ernährung angedeihen zu lasien, die nötig ist. Und wie oft kommt es vor, datz die höhere Tochter aus Berlin W, die durch Erzieher und Erzieherinnen auf daS Sorg- fälligste gehütet und bemutiert wird, ihren Extravaganzen schon früh- zeitig nachgeht, nach berühmten Vorbildern! Opfer des Wetteufels. Ein Opfer seiner Spielleidenschaft ist der 21 Jahre alte HauS« diener Alfons Martin aus der Toödorfer Straße zu Lichtenberg geworden. Der junge Mann war schon seit längerer Zeit in einem vornehmen Herrengarderobengcschäfl in der Friedrichstr. 194 be« schäfligl und halle dort die ihm übertragenen Arbeiten stets zur vollen Zufriedenheit ausgeführt. Auch gegen seine Führung war nichts einzuwenden. Ein Fehler Martins war es nur, datz er ein leidenschaftlicher Wetter war. Fast seinen ganzen Lohn verlor er auf diese Weise. Seine ständigen Verluste machten ihn lebens« überdrüssig. Er äußerte wiederholt, datz er sich das Leben nehmen werde, doch glaubte niemand, datz der junge Mann sich tatsächlich ein Leid antun werde. Dienstagnachmittag wurde er plötzlich ver- mißt. Als man sich gegen 5 Uhr nach ihm umsah, fand man ihn im Kohlenkeller an der Heizung hängen. Ein hinzugerufener Arzt stellte fest, datz der Tod bereits vor zwei Stnnden eingetreten war. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht.___ Tie Kindesleiche auf den Schienen. AuS dem fahrenden Zuge geworfen worden ist eine Kindes- leiche, die auf dem Bahnkörper zwischen Pankow und Gesundbrunnen gefundey wurde. Die Leiche deS neugeborenen Knaben war in mchrerd Bogen Zeitungspapier eingewickelt, die das Dalum vom 31. August d. I. tragen. Nach dem Auffindungsort zu schließen ist das Paket mit der Leiche auS einem Nordbahnzug geworfen worden. Wer die unnatürliche Mutter ist, ließ sich nicht feststellen. Gerupft. Eine lustige Nacht kam einem Landwirt auS der Provinz recht teuer zu stehen. Der Mann, der hier zu tun hatte, suchte nach Er- lcdigung seiner Geschäfte verschiedene Vergnügungsstätten auf, wo er die Bekanntschaft eines jungen, leichtlebigen Mädchens machte. Mit diesem zog er noch durch mehrere Lokale und schließlich in ein „Hotel". Als er am anderen Morgen erwachte, war seine schöne Begleiterin verschwunden. Mit ihr sein bares Geld in Höhe von 1500 M.. die Briestache mit einem Patz, seine silberne Uhr nebst Kette, die Reisehandtasche, sein Spazielstock mit Gummikrücke und schließlich sogar noch sein Gummimantel. In der Brieftasche be- fanden sich auch-noch zwei Hypothekenbriefe über zusammen 100 000 M., die jedoch für eine dritte Person wertlos sind, weil der Nestohlene gleich veranlaßte, datz sie für wertlos erklärt werden. Revolvebkampf in der Wohnung eines Kriminalbeamten. Ein Revolverkampf mit Einbrechern, der sich in der letzten Nacht im Süden der Stadt, in der Lachmannstr. 2, abgespielt hat, rief bei den Hausbewohnern und Straßenpassanten ungeheuere Ausregung hervor. Einer der Einbrecher, der am 23. August 1893 zu Königsberg i. Pr. geborene, wohnungslose, mehrfach vorbestrafte Kontorist Erich Hesse, wurde durch drei Kugeln in den Unterleib so schwer verletzt, datz an seinem Aufkommen ge- zweifelt wird. Zwei seiner unverletzt gebliebenen Komplizen wurden verhaftet. Ueber den Vorfall wird unS berichtet: Im Haufe Lachmannstr. 2, nahe dem Hohenstaufenplatz, be- wohnt der Kriminalschutzmann Botz eine im Parterre belegene Dreizimmerwohnung. Seine Frau ist mit dem Kinde verreist, und die Wohnung deshalb meist ohne Aufsicht. Diesen Umstand wollten Einbrecher, die wohl.wußten, daß sich der Beamte auch häufig nachts auf Dienstwegen befindet, sich zunutze machen. Als Botz gegen zwei Uhr nachts nach seiner Wohnung kam, legte er sich ernnidet sofort in dem nach dem Hof zu belegenen Schlaf- zimmer zu Bett. Kaum war die« geschehen, als er aus dem Neben- zimmer heraus ein verdächtiges Geräusch hörte. Er richtete sich im Bett hoch, in demselben Augenblick öffnete sich die Tür und ein Mann trat in die Stube. Der Beamte rief dem Eindringling, nach der Waffe greifend, zu:„Hände hoch!" Den Ruf beantwortete der Bursche durch einen Schuß, der sein Ziel verfehlte. Eine piegelscheibe ging in Trümmer. Der Schütze entfloh. Der Beamte sprang nun aus dem Bett, um dem Flüchtling nachzusetzen. Bevor er sich aber noch anziehen konnte, erschienen in dem Zimmer drei Burschen, von denen der eine wahrscheinlich der Schütze war, der sich seine beiden Komplizen geholt hatte. Der Kriminalschutzmann Voß griff nun schleunigst nach seiner ge- ladenen Dienstwaffe und gab auf die Eindringlinge hintereinander drei Schüsse ab, worauf die Burschen flüchteten. Der Beamte folgte ihnen und auf der Straße schloffen sich ihm eine Anzahl der durch die Schüffe herbeigelockten Hausbewohner und Straßen- Passanten an. Vor dem Grundstück Maybachufer 3 brach der eine der Flüchtlinge, der, wie sich bald herausstellte, durch die Kugeln getroffene Hesse, zusammen. In einer Kraftdroschke brachte man den Schwerverletzten nach dem Urban-Krankenhaus. Seine beiden Komplizen, der wohnungslose, 24 Jahre alte Schlächter Jgnaz Kachel und der 33 Jahre alte Tischler Valentin Wons aus der Jmmanuelkirchstraße 24, wurden am Kottbuser Damm ergriffen und vo« den«erfolgern furchtvar berprvgelt. Wer den Schuß auf den Beamten abgegeben hat, konnte durch die erfolgte Vernehmung nicht genau festgestellt werden, doch ist nach Lage der Sache anzunehmen, daß Kachel der Schütze war. Bei ihm wurde eine Waffe vorgefunden, aus der ein Schuß bereits abgefeuert worden war. Bei Wons wurde keine Waffe vor- gefunden. Der schwerverletzte Heffe hatte außer Einbrecherwerkzeug auch noch einen Revolver bei sich. Aus diesem war aber, wie die Untersuchung ergab, kein Schuß abgegeben worden. Die Einbrecher- bände hatte in der Wohnung des Voß eine Anzahl Kleidungsstücke bereits zusammengepackt, so daß man annehmen muß, daß die Burschen von dem in später Nachtstunde heimkehrenden Beamten ge- stört worden sind._ Warnung vor Logisschwindlern. Ein gefährlicher Dieb, der Zimmervermieterinnen bestiehlt, treibt zurzeit sein Unwesen und hat iu mehreren Fällen reiche Beute gemacht. Er läßt sich die zu vermietenden Zinuner mit der Erklärung zeigen, daß er für einen verwandten Persier ein Logis suche. Bei der genaueren Betrachtung läßt er dann alles, was er mitnehmcnswert findet, verschwinden. Er versteht es so einzurichten, daß er für kurze Zeit allein in dem Zimmer ist, indem er die Vermieterin um irgend etwas bittet. In der Dorotheenstraße stahl er erst gestern wieder einer Frau Gold- und Schmucksachen im Werte von ungefähr 400 M. Der gefährliche Spitzbube ist ungefähr 26—30 Jahre alt, hat hellblondes, spärliches Haar und ebensolchen Bartwuchs und trägt einen dunkelgrauen Paletot und einen grauen Hut. Ein anderer Schlasstellenschwindler legitimiert sich durch einen Militärpaß von der Marine auf den Namen Friedrich Schiller, Kaufmann. Er zieht ohne Sachen zu, dafür verfügt er über eine Menge Prospekte und Versicherungspapiere. Die ParteitagLnummer der„Neuen Welt" sucht in diesem Jahre den wissenschaftlichen und künstlerischen Strömungen gerecht zu werden, welche die alte Saale-Universitätsstadt jahrzehntelang zu einem der Brennpunkte für Deutschlands Gsistcsentwickelung machten. „Aus Jenas Glanzzeit" gibt ein Artikel A. Conradys ein fesselndes, historisches Bild; Franz Diederich plaudert über„Goethe und Jena"; Albert Rudolph zeichnet das Leben eines der bedeutendsten und wirkungsreichsten Jenenser Bürger in seinem Artikel„Ernst Abbe und sein Werk". Eine Anzahl von gut herausgekommenen Bildern verleiht der Nummer ein lebhaftes Gepräge. Ein großer Dachstuhlbrand wütete gestern früh in der Luckauer Straße 6, Ecke Sebastianstraße, und beschäftigte die Feuerwehr mehrere Stunden lang. Die Gefahr war kurz nach 6 Uhr morgens bemerkt worden, als aus dem Dachgeschoß des Flügels an der Sebastianstraße dicke Rauchwolken hervordrangen. Die Feuerwehr rückte mit drei Zügen an und fand bei ihrem Angriff schon einen ausgedehnten Brandherd vor. Als die Löschmannschaften in den Bodenraum vordrangen, brannte der Dachstuhl an der Sebastianstraße lichterloh und die Flammen hatten sich auch bereits zum Dachstuhl an der Front der Luckauer Straße herumgezogen. Hiye und Rauch waren enorm, und als eine Löschabteilung schon kräftig Wasser gab, stürzte plötzlich eine Decke ein. Drei Sappeure, der Oberfeuerwehrmann Genge und die Feuerwehrmänner Krugmann und Virgils vom fünften Zuge, wurden von den Trümmern ver- schüttet, konnten sich aber selbst wieder hervorarbeiten. Sie haben anscheinend keinen sonderlichen Schaden erlitten. Die Ablöschung des Feuers wurde unter Leitung des Brandmeisters Schunck mit drei Schlauchleitungen durchgeführt. Der Dachstuhl an der Sebastianstraße ist vollständig niedergebrannt, während an der Luckauer Straße etwa die Hälfte des Dachstuhls gerettet werden konnte. Ueber die Ursache des Feuers war nichts mehr festzustellen. Schwere Brandwunden am ganzen Körper erlitt in der vergangenen Nacht die Frau des Tischlermeisters Pust bei einem Wohnungsbrand in der Marienstr. 9. Die 70 Jahre alte Frau, die gelähmt ist, ging in Abwesenheit ihres Mannes mit einem brennenden Licht unvorsichtig um, so daß ihre Kleider Feuer fingen. Sie warf sich auf ein Bett und schrie laut um Hilfe. Als andere Haus- bewohner hinzueilten, fanden sie die Unglückliche schwer verbrannt vor. Das Feuer glimmte noch an dem Körper der Frau, die das Bewußtsein inzwischen verloren hatte. Die alarmierte Feuerwehr brachte die Schwerverletzte nach der Charitq, wo die Aerzte aber wenig Hoffnung hegen, sie am Leben zu erhalten. Vorort- l�admebten« Neukölln. Die Stadtverordneten-Ersatzwahl für die 2. Abteilung im 2. Wahlbezirk findet am Freitag, den 12. September, in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends statt.. Der Wahlbezirk ist in zwei Abstimmungsbezirke zerlegt. Zum Abstimmungsbezirk 2 a. gehören: Bouchsstraße, Elbestraße, Fulda- straße 11— S2, Harzer Str. 1—25 und 96—98, Kaisex-Friedrich- Straße 29—55 und 195—221, Köllnisches Ufer 50—74, Laubestraße, Lohmühlenplatz, Lohmühlenstraße, Osfastr. 9—16 und 34—42, Schandauer Straße, Weichselplatz, Weichselstr. 11— 60, Weigandufer 1—15/16, Weserstr. 32—58 und 164—188, Wiesenufer. Das Wahllokal ist in der Turnhalle des Kaiser- Friedrich-Realgymnasiums, Kaiser-Fricdrich-Str.208— 210. Zun: Abstimmungsbezirk 2b gehören: Anzengruberstraße, Ber- liner Str. 47/48—61, Berthelsdor'fer Straße, Brockenstraße, Damm- weg, Donaustr. 35—53 und 86—38, Elsenstraße, Finowstraße, Gang- hoferstraße, Harzer Str. 29—95, Heidelberger Straße, Hertzbcrgplatz, Jnnstr. 1— 23 und 31— 48, Kaiser-Friedrich-Str. 56—194, Kiefholz- straße, Köllnisches Ufer 1-48/49, Richardstr. 1-8 und 108-120, Roseggerstr. 13—41, Straße 62(Bienengartenallee), Stuttgarter Straße,- Teupitzer Str. 15—97, Thicmannstr. 1—14 und 26—40, Treptower Str. 10—44 und 51—96, Weigandufer 17—49, Weser- straße 59—162/163, Wildenbruchplatz, Wildenbruchstraße. Das Wahllokal ist in der Turnhalle der 19. und 20. Ge- meindeschule, Stuttgarter Str. 35—38. Alle Wähler der zweiten Klasse, die im August 1912 in den genannten Straßen gewohnt haben oder noch wohnen, sind Wahl- berechtigt. Es wird dringend gebeten, daß ein jeder Wähler sein Wahlrecht ausübt, es kommt auf jede Stimme an. Jedem Wähler wird empfohlen, sich mit genügender Legitimation(Jfivalidenkarte, Militär- Papiere, standesamtliche Urkunden. Staatsangehörigkeitsausweis, Steuerkarte, polizeiliche Anmeldung usw.) zu versehen. Das Sozialdemokratische Wahlbureau befindet sich für den Abstimmungsbezirk 2a bei B e rn e r t, Kaiser-Friedrich- Straße 203(Tel. 1943); für den Abstimmungsbezirk 2b bei R a d d e Kaiser-Friedrich-Straße 173(Tel. 755). Dort ist über alle Fragen Auskunft zu erhalten. Wir richten an jeden einzelnen die dringende Bitte, mitzuhelfen, damit unser Kandidat, der Restaurateur Richard F e I s ch, Knesebeck- straße 48/49, den Sieg davonträgt. Die Wahlhilfen melden sich in den angegebenen Wahlbureaus. * Das Bürgertum scheint der Wahl noch ziemlich kühl gegenüber zu stehen, soweit man die öffentliche Wahlagitation derselben beobachten kann. Nur eine einzige bürgerliche Partei, die sogenannte kommunalfortslbrittliche Fraktion, hat bisher, einen Kandidaten in der Person des ftüheren Stadtverordneten Rosenow aufgestellt. Aber gegen diese Kandidatur sind selbst im bürgerlichen Lager Be- denken entstanden. Die organisierten Liberalen unterstützen die Kandidatur Rosenow nicht, weil Rosenow eines der fünf liberalen Mitglieder war, welche dem Wahlrechtsraube zugestimmt haben. Von ihm stammt auch das Wort, daß es einem„deutschen Manne schwer fällt, seinen Irrtum einzustehen". Einen Gegenkandidaten haben die liberal organisierten Bürger noch nicht aufgestellt. Daß die Grundbesitzer für die Kandidatur Rosenows eintreten, braucht wohl nicht besonders'erwähnt zu werden, da Rosenow früher nur allzu oft an der Seite der Grundbesitzer zu finden war. Die Demokraten üben sich zunächst noch darin, ihre programma- tischen Mittelstandsforderungen zu propagieren, ohne zu der Kandi- datenfrage Stellung zu nehmen. Haben die Bürgerlichen bisher auch noch kein Flugblatt ver- breitet, keine Versammlung abgehalten, so darf man sich doch durch den Schein der Untätigkeit nicht täuschen lassen. Wir sind gewiß, daß am Tage der Wahl wieder der ganze behördliche Beamten- apparat auf den Beinen ist, der mit dem ungeheuerlichsten Terra- rismus alle von Behörden abhängigen Wähler an die Wahlurne schleppen wird. Da bis jetzt nur ein gegnerischer Kandidat unserem Kandidaten, dem Restaurateur Richard Fe ls ch gegenübersteht, so fällt die Entscheidung schon in der Hauptwahl. Nur wenige Stimmen haben uns bei der letzten Wahl gefehlt, um diesen Bezirk für die Sozialdemokratie zu erobern. Es muß daher alles daran gesetzt werden, daß alle unsere Wähler an den Wahltisch herangebracht werden; nur dann besteht die Möglichkeit, den Bezirk zu erobern. Weihensee. Mit der Frage der Arbeitslosenversicherung beschäftigte sich die letzte Gemeindevertretersitzung. Der Leiter des Wohlfahrtsamtes, Major a. D. Wesener, gab den Beschluß der Kommission bekannt, wonach an den Verbandsausschutz sowie an das Abgeordnetenhaus appelliert werden soll, auf gesetzlichem Wege für die Arbeitslosen- fürsorge etwas zu tun. Ferner wies er auf die am Sonnabend tagende Konferenz von Vertretern der Gemeinden Groß-Berlins hin; damit war sein Referat über die Arbeitslosenversicherung zu Ende. Auch der Korreferent Dr. Klamrolh hielt es nicht für nötig, auf die Sache näher einzugehen. Die bürgerlichen Herren zeigten ebenfalls für die Vorlage kein Interesse, sie schwiegen sich daher aus. Eine Ausnahme machte der Schöffe Rothe, dem aber nachzuweisen war, daß er die letzte Verhandlung in der Kommission nicht aufmerksam verfolgt hatte. Unsere Vertreter Taubmann und Schlcmminger brachten jedoch in letzter Stunde der Gemeindevertretung die Stimmung in der Arbeiterschaft zu Gehör. Taubmann betonte, die Arbeiterschaft Weißensees sei mit der Behandlung der Arbeits- losenversicherung im Wohlfahrtsamt in keiner Weise zufrieden. Drei lange Jahre habe man an der Frage herumgedoktert mit dem Endresultat der gewaltsamen Tötung der Vorlage. Daß eine Ver- sicherung auch ohne Groß-Berlin durchführbar sei, beweise die Stadt Schöneberg. Die Ueberweisung einer Petition an den Verbands- ausschuß sei ein Unding, da die Aufgaben des Zwcckverbandes gesetzlich festgelegt seien. Auch an das Abgeordnetenhaus zu appellieren sei vergeblich, da bei der agrarischen Besetzung dieser gesetzgebenden Körperschaft eine Arbeitslosenfürsorge nicht zu erwarten sei; das bekannte Klagelied über die Leutenot auf dem Lande würde die agrarischen Herren in ihrer Beschlußfassung bestimmen. Genau so würde es in der Konserenz am 13. September zu keinem nennenswerten Resultat kommen, zumal, wenn man Ver- treter entsendet, die die trostlosen Verhältnisse der Arbeiter nicht im geringsten kennen. Der Leiter des Wohlfahrtsamtes habe der Sache nicht das geringste Verständnis entgegengebracht. AIS in den Ge- werkschaften die von ihm herausgegebene Denkslbrift einer Kritik unterzogen und die angenommene Resolution dem Wohlfahrts- amte übermittelt worden sei, habe man an den Major die Anfrage gerichtet, ob diese nicht zur Kenntnis der Kommission komme; der Major habe geantwortet:„Da sind ja verschiedene rüpelhafte Schreiben gekommen!" Genau so verständnislos beurteilt habe er diejenigen, die sich zur Aufnahme für die Arbeitslosenversicherungs- lasse gemeldet haben. Die 1352 Personen habe er als solche be- trachtet, die vor allem sich Vorteile aus der Kasse versprechen. Der Unwille der Fraktion wurde durch folgenden Antrag gekennzeichnet: „Die Unterzeichneten beantragen, mit den weiter zu treffenden Maßnahmen gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit eine besondere Kommission zu betrauen, d a die Tätigkeit des Wohl- fahrtsamtes in dieser Angelegenheit unseren Wünschen und den Bedürfnissen der Arbeiter in keiner Weise entsprochen hat." Die ritterliche Antwort des Herrn Majors auf die Ausführungen des Genossen Taubmann war: Ich lehne es ab, auf das Angeführte des Herrn Taubmann einzugehen. Genosse Schlemminger brachte ebenfalls in längerer Rede die Be- Handlung der ganzen Materie zur Sprache; er betonte, daß es eigentlich ein Llunststück sei, bei dieser Erörterung ruhig zu bleiben. Daß man der Arbeitslosenversicherung ein Begräbnis erster Klasse bereite, habe nach den Beratungen in drei Jahren denn doch niemand er- wartet. Als die Genossen der Weißenseer Bank in Bedrängnis ge- rieten, sei man sehr schnell bereit gewesen, Millionen zu opfern; jedoch wo es sich um die Arbeiterschaft handele, da verstopfe man sich die Ohren oder schweige sich aus. Gründe der Menschlichkeit hätten die Bewilligung von l�/z Millionen für die Weißenseer Bank bestimmt, handele es sich aber um das Wohlergehen der Arbeiter. so habe man nicht ein paar Tausend Mark übrig. Die Hiebe flogen hageldicht auf die verdutzt dreinschauenden Herren. Recht verlegen war die Antwort des einzigen Redners in der Person des Bürger- meisters, der zu beweisen suchte, daß die Gemeindeverwaltung und Gemeindevertretung doch gar nicht beabsichtige, die Arbeitslosen- Versicherung zu begraben, man wolle sogar sich Opfer auferlegen, indem man doch an das Abgeordnetenhaus, den Zweckverband petitioniere und seinen Wirkungskreis zu erweitern suche. Er, Redner, wolle sogar, daß der Antrag der Herren der Linken angenommen werde, jedoch in der Form, daß die Kommission erweitert werde, denn in einer neu zu wählenden Konnnission würden doch die alten Herren wieder erscheinen. Man einigte sich dann dahin, daß auch die Finanz- koinmission zu den weiteren Beratungen noch hinzugezogen wird. Im übrigen �wurde der Antrag unserer Fraktion einstimmig an- genommen und damit dem Wohlsahrlsamte auch einstimmig ein Mißtrauensvotum ausgedrückt. Die Anträge der Wohlfahrts- kommission, die Absendung der Petitionen betreffend, sowie die in Vorbereitung befindlichen Gemeindearbeiten baldigst zu beginnen, wurden ebenfalls einstimmig angenommen. Tempelhof. Eine außerordentliche Gemcindevertretersitzung hatte sich mit der Festsetzung von Fluchtlinien auf dem östlichen Teil des Tempelhoser Feldes an der Berliner Grenze sowie mit einem Protest gegen den Verkauf eines 80 Meter breiten Geländestreifens seitens des Kriegs- Ministeriums an Neukölln zu beschäftigen. Bezüglich des Gelände- streifenverkaufs, dem Neukölln in geheimer Sitzung zugestimmt hat, äußerte Bllrgermelster Wiesener, daß er in erster Linie durch Baum- und Strauchanlagen den westlichen Teil der Gemeinde Neukölln vor der bei Kavallerieübungen hervorgerufenen Staubplage hemmen soll, um später, wenn der Exerzierplatz einmal aufgegeben wird, nach Neukölln eingemeindet zu werden. Bor l1� Jahren, als Tempelhof aus städtebaulichen Gründen dieses Gelände kaufen wollte, sei dieses mit dem Hinweis auf die militärischen Interessen abgelehnt worden. Damals verlangte Tempelhof 40 Meter, heute sei der Streifen auf 80 Meter breit aus- gedehnt worden. Wiesener kritisierte scharf das Verhalten der Militärbehörde und glaubr, daß auch die östliche Hälfte des Feldes in nicht allzu ferner Zeit zu militärischen Zwecken keine Verwendung mehr finden dürfte. Dies Entgegenkommen an Neukölln aber bringe den Beweis, daß ein militärisches Interesse nicht mehr vorliege; die Gemeinde werde sofort mit einer Veranlagung zur Grundsteuer in Höhe von 15 000 M. borgehen. Bürgernreister Wiesener war der Meinung, daß durch das Vorgehen der Militärbehörde der Gemeinde Neukölln das Vorkaufsrecht des Feldes eingeräumt werden soll, um so eventuell einen höheren Kaufpreis herauszuholen. Die Meinung des Bürger« meisters mackte die Vertretung zu der ihrige»; sie ließ einmütig er« kennen, daß sie auch nickt den geringsten Bruchteil der Gemeinde durch Umgemeindungen oder Veräußerungen verloren gehen lassen wird. Ferner beabsichtigte der Militärfiskiis zwischen dem Arrestlokal und der Friesenstraße einen Doppelreitsaal für Küraisiere sowie Kasernemenls für eine Maschinengewehrableilung ohne Rücksicht aus die etwaigen späteren Zufahrtsstraßen, die Berlin mit Tempelhof verbinden soll, zu bauen. Die Erfahrungen, die Tempelhof auf der westlichen Seite des Feldes gemacht hat, an der die Proviantämter, Depots, Kasernements usw. wichtige Verkehrsadern hemmen, geben der Behörde Veranlassung, dem projektierleu Bau aus der östlichen Seite diesmal die Genehmigung zu versagen. In einer am 12. August stattgefundenen Konferenz hatten sich beide Behörden auf einen Vertragsentwurf geeinigt, der seitens der Militärbehörde die Zahlung von Anliegerbeiträgen sowie das Abreißen der Gebäude vorsah, wenn Straßen durch dieses Gebiet gelegt werden sollten. Nach Verlauf einiger Zeit wies jedoch der Fiskus kurzerhand den Vertragsentwurf zurück und forderte schleunige Bau« genehmigung. Dies hat die Polizeibehörde wiederum verweigert init Rücksicht auf die Vorlagen, die unvollständig sowie der Kanalisaiionsprojekte, die gar nicht vorhanden waren. Es ist nun ein Fluchtlinienplan ausgearbeitet worden, der zunächst eine Ver- bindungsstraße vom Grünen Weg an der Ringbahn über den öst« lichen Teil des Feldes nach der Schwiebuser Straße, ferner einen Bogenweg nach der Prinz-August-von-Württemberg-Straße, vorsieht und sich bei einer späteren Auslassung des Feldes dem ganzen Bebauungsplan anschließen soll. Der östliche Bebauungsplan soll fernerhin größere Freiflächen als auf dem westlichen Teil vorsehen, die hier immerhin noch 45 Proz. des Baulandes erreicken. lieber das Projekt habe sich der Zweckverband noch nicht geäußert. Bei einem etwaigen Aufschluß des Feldes hat der Fi'skuS die Kosten für die Freiflächen zu tragen. Syndikus Seyffahrt wies die der Gemeinde vorgehaltene Säumigkeit zurück, die Militärbehörde habe eine unnötige Schärfe hineingetragen, der die Erledigung dieser Angelegenheit auf den Nägeln zu brennen scheine. Bürgermeister Wiesener betonte noch, daß, noch ehe der Zeitpunkt komme, wo dort Straßen angelegt werden, die Vertretung schon schlüssig sein müsse. Letztere ließ einmütig erkennen, daß sie mit dem vom Vorstande vorgezeichneten Wege einverstanden ist, selbst auf die Gefahr l in, daß es zu einer fast unvermeidlichen Differenz mit der Militär« behörde kommen sollte. Nach Zustimmung zu dem Vertrage mit den Franckeschen Erben wegen Abtretung von Straßenlond an der Teilestraße wurde in geheimer Sitzung die Aufnahme einer Anleihe zum Bau des Lyzeums jLuise-Henriette-Zchule) in Höhe von� 1200 000 M. bei der Kur« märkischen Ritterschaftlichen Darlehnskasse beschlossen. Friedrichshagen. Am Sonnabend, den 13. September, abends 8V3 Uhr, findet in Conrads Festsälen, Friedrichstr. 137, eine Theatervorstellung statt. Zur Aufführung gelangt„Der Biberpelz", Diebes- komödie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Eintrittskarten a 75 Pf. sind bei den Bezirkssührern sowie in der Konsumgenossen« schaft, Drachholzstr. 2. zu haben. Nach der Vorstellung Tanz. Partei- und Gewerkschaftsmitglieder, die länger als 14 Tage arbeitslos sind, erhalten Freibilletts, und zwar Verheiratete zwei und Unverheiratete 1 Billett. Diese sind bis spätestens Sonnabend- abend 6 Uhr beim Genossen Franke in der Konsumgenossenschaft in Empfang zu nehmen.___ Der Bildungsausschutz. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Teltow. Heute Donnerstag, abends 6 Uhr, im Rathaus. Diese Sitzungen sind ösfentlich. Jeder Gemeindcangehörige ist be- rcchtigt, ihnen als Zuhörer bcizuwohncu. frzuen-LcTczbendc. Martendorf. Fveitag, den 12.'Sept., 8 Uhr, bei Herold, Chaussee- straße 283. Vortrag der Genossin Friedrich über:„Die Frauen und das Wirtschaftsleben". Veranstaltungen. Verein für Fronen und Mädchen der Arbeiterrlasse. Motitag, den 15. September, 8>/z Uhr, in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Straße 96/97: 1. Vortrag:„Geschichte des Frauenwahlrechts". Rcsercntin: Toni Brcitschcid. Gäste, Männer und Frauen, willkommen. Lriefkasten cier keäaktion. C. R. 31. Ja, soscrn Sie zu einem höheren Einlommcnsteuersatze als 9 M. veranlagt sind.— C R. 43. Staatszugehörigkeitsausweis, sowie Leumundszeugnis der Heimatbchördc. In der Regel werden auch noch weitere Papiere gesordert. Der Antrag ist an den Regierungspräsidenten in Potsdam zu richten.— E. A. St. 31. Die Entlassung war un- gerechtfertigt. Ihre Schwester kann Ansprüche erheben, muß aber u n» verzüglich beim Polizeirevier das Sühneversahren beantragen.— Marktpreise von Berlin am 9. September 1913. nach Ermittelungen des igb Polizeipräsidiums. Mais(mixed), gute Sorte 17,00— 17,30, mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00— 00,00. Mais(runder), gute sorte 15,10—15,40. Richtstroh 5,00. Heu 5,90—7,50. Markthallcnpreije. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Svcisebobnen. weiße 35,00—60,00. Linien 36,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleilch, Bauchfleisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,50— 2,10. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,60— 2.40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,60— 5,50. 1 Kilogramm Karpien 1,20— 2,40. Aale 1,40-3,00. Zander 1,40-3,20. Hechte 1.40—3,00. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,70—3,50. Bleie 0,80—1,80. 60 stück Krebse 1,00— 40,00. Witterungsübersicht vom 10. September 1913. klatwnen LS S SL SS B- c I if '> swmemde. 756W Hamburg j 761 NW Berlin j 756 W Franks. a.M 763NW München j 760iNS Wien 7SSS Wener »ck Ä« i? MÖ 13 11 2 Regen 4 wolkenl.. 3 bedeckt 1 13 13 13 14 Iwolkig 5 Regen Ihedeckt Stationen SS l6 o-£ |S is tavaranda etersburg Scilly Aberdeen Paris 75>.N 756WZW 770 ONO 769 W 766N Setter 4Regen 2 wollig 4 halb bd. Iwolkig 3 wolkenl »> lüs 8 12 13 11 12 Wetterprognose für Donnerstag, den 11. September 1913. Zunächst vielfach heiter, nachts kühl, am Tage wieder etwa« wärmer bei ziemlich lebhaften südwestlichen Winden: später neue Trübung und leichter Regen. Berliner Wetterbureau. WafferstandS-N achrichten der LandeSanffalt für Gewäfferwnde, mitgeteili vom Berliner Detterbureau Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor . Kroffen . Frankwrt Warthe. Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz „ Dresden , Bardo . Magdeburg Verantwortlicher Redakteur: Alfreh Wielepp, Neukölln, Für den Jnjeratenteil oerantw.: Th. Glocke, Berltn. Druck U.Verlag: Vorwarlst >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel._ vuchdruckerel ll. VerlagsanjtaU Paul Singer u. Co., Berlin SST