Nr. S38. BbonncmcntS'Bcdingungen: Hlonnement». Breis pränumerando: Lierteljährl. 3,30!DJf, monatl. 1,10 Kf., wöchentlich 28 Pig. frei ins Hans. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Lellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: l.lv Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungK. Preislifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. kklcheinl tZgllch. Verlinev Volksblatt. 80. Jahrg. Dk McrfionS'Gcbafcr beträgt für die sechsgefpallene Kolonel- zeile oder deren Raum W Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Verfnmmlungs-Anzeigen BO Pfg. „Kleine MnzcSgcn", das scttgedrucite Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedru-ite Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Borte über 15 Puch. staden zählen für zwei Worte. Juscrale für die nächste Nummer oiüssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ijt bis 1 Uhr abends gcüsjuet. Telegramm- Adresse: ..SozjzIliimollkZt llikllll". Ii O S' Zaitralorgan der fozialdcmottratifchcn Partei Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasae 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Sonnabend, den 18. September 1918. Expedition: SRI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 198J:. SoziafyygienifdK Hufgaben der Gemeinden. Bei der Propagierung ihrer Forderungen auf dem Gebiete der kommunalen Sozialpolitik begegnen unsere Genossen in den Gemeindevertretungen noch immer scharfen Widerständen, ins- besondere aus den Reihen derer, denen Sparsamkeit als höchste Tugend gilt und die, wenn es darauf ankommt, diese Tugend praktisch zu betätigen, dort zu sparen anfangen, wo es am allerunangebrachteslen ist. Scheut man sich doch nicht, selbst bei den Ausgaben für Zwecke der öffentlichen Gesund- heitspflege zu knausern und so den Genieinden den schwersten Schaden zuzufügen. Nicht allzu weit hinter uns liegt die Zeit, wo sogar in der Reichshauptstadt der Kommunal liberalismus nichts wissen wollte von städtischen Volksbade- anstalten, wo man einen sozialdemokratischen Antrag auf Errichtung eines Wöchnerinnenheims mit Uebergang zur Tagesordnung abtun zu können glaubte, wo die sozial- demokratische Fraktion bei allen ihren Anregungen auf Maß nahmen zur Milderung der Säuglingssterblichkeit und zur Bekämpfung der Lungentuberkulose auf heftigen Widerstand einer kurzsichtigen Mehrheit stieß, einer Mehrheit, die nicht einmal der wichtigen Frage der Schulgesundheitspflege gegen über Verständnis an den Tag legte. Nur allzu leicht vergißt man, daß es sich bei allen diesen Maßnahmen, um mit G r 0 t j a h n zu reden, um weiter nichts als um die Uebcrtragung bewährter kultureller und hygienischer Maßnahmen, deren bisher sich ausschließlich die besser Situierten bedienen konnten, auch auf die ärmere Bc- völkcrung handelt, die aus Mangel an Bildung, Verständnis und Mitteln vorher auf sie verzichten mußte, und denen nun die höhere soziale Einheit eine solche aus allgemeinen Mitteln zu-! gänglich macht. Diese beherzigenswerten Worte von Grotjahn macht sich der Charlottenburger Stadtrat Dr. G 0 t t st e i n in einer Ab- Handlung(in dem Werke„Krankheit und Soziale Lage") zu- eigen, die wenn es auch nicht ihr Zweck ist, so doch tatsächlich auf eine Begründung der Berechtigung der Forderungen des sozialdemokratischen Kommunalprogramms hinausläuft und in der vom Standpunkte des politisch unvoreingenommenen Wissen- schaftlers aus der Nachweis dafür erbracht wird.>vie dringend notwendig die Tätigkeit der Sozialdemokraten in den Gemeinde- körperschaften ist. Wenn Gottstein hervorhebt, daß jene Maß- nahmen nicht Maßnahmen ausschließlich zum Schutze der wirtschaftlich und darum auch körperlich Schwächsten sind, sondern daß sie, indem sie diesen zugute kommen, nicht zuletzt der Gesamtbevölkerung dienen, so ist das die beste Wider- legung des oft gehörten Vorwurfs, daß die Sozialdemokratie unbekümmert um die Interessen anderer Bevölkcrungsschichten eine einseitige Klassenpolitik zugunsten der Besitzlosen treibt. Gewiß nehmen wir uns in erster Linie der jähr- hundcrtelang vernachlässigten Interessen der Besitzlosen, der wirtschaftlich Schwachen an, aber je energischer wir diese vertreten, je mehr wir. die Lage der Arbeiter- bevölkerung zu heben uns bemühen, desto besser dienen wir dem Wohle der Gesamtheit, und so kann man mit Jng und Recht sagen, daß die Sozialdemokratie diejenige Partei ist, die, wie überall, so auch in den Gemeinden, die Fürsorge für das Gesamtwohl obenan stellt. Welche Pflichten erwachsen nun den Gemeinden auf dem Gebiete der Bekämpfung der Krankheiten?„Um das zu ver- stehen, muß man sich klar machen— und davon geht auch Gottstein aus—, daß die soziale Therapie(deren Ausgabe es ist, Schäden zu bekämpfen, deren Ursache in der sozialen Lage eines Einzelwesens oder einer Gruppe gleichartiger Individuen begründet sind) sich auf Behandlungs- Methoden stützt, welche nicht von naturwissenschaftlicher Forschung und nicht auf den aus ihnen gewonnenen Ergebnissen beruhen." Wenn wirtschaftliche oder gesellschaft- liche Notstände oder Mißstände in letzter Linie den körperlichen Krankheitsvorgang hervorrufen oder' verschlimmern, so bedarf sowahl die symptomatische wie die kausale Therapie und Prophylaxe auch ihrerseits wirtschaftliche Maßnahmen, um sie zu beseitigen oder zu verhüten". Von diesem Gesichtspunkt aus ist die Tätigkeit der Gemeinden auf sozialhygienischcm Ge- biete zu bewerten. Aber man darf hierbei nicht vergessen— auch darauf macht Gottstein aufmerksam—, daß die Bestrebungen der Gemeinden crschwertwerden durch diedurchgesetzlicheMatznahmen geförderte Teuerung der wichtigsten Lebensmittel.„Wenn es wirtschaftliche Notstände sind, welche die Geburtenzahl ver- mindern, welche durch Unterernährung der Mütter die Fähig- keit zum Selbststillen verringern, welche durch unzureichende Kost des Schulkindes, dessen Mutter mit auf den Erwerb gehen muß, die sittliche und wissenschaftliche Erziehung des Schulkindes hemmen, wenn eine gleiche Ursache es bewirkt, daß die Militärtauglichkeit der Großstädte stetig abnimmt, we'�im schlecht genährten Körper des Arbeiters der in der Jugend eingedrungene Tuberkelbazillus die günstigste Gelegenheit zur Vermehrung findet, so muß jede erhebliche Verteuerung der Nahrungsmittel zu einer Verschlechterung der Volksgesundheit führen, deren Abivendung gerade die Maßnahmen der sozialen Therapie dienen sollen. Es liegt ein gewisser Widerspruch darin, daß auf internationalen und einheimischen Kongressen die höchsten Vertreter der Regierungen mit anerkennenden Worten die Einrichtungen der Städte zur Bekämpfung der Säuglings- und Tuberkulosesterblichkeit preisen, und daß dann dieselben Regierungen gesetzlichen Maßnahmen ihre Zustimmung geben, in'deren Folge eine Erschwerung des Gelingens dieser Aufgaben eintritt." Im einzelnen beschäftigt sich Gottstein zunächst mit den Aufgaben der A r m e n ä r z t e, denen bei deni inneren ursäch- lichen Zusammenhang zwischen Krankheit und Armut und bei dem Charakter ihrer Tätigkeit eine ganze Reihe rein therapeutischer Aufgaben erwachsen. Der Armenarzt ist fast überall der Ver- trauensmann seiner Armenkonimissionen, er wird in vielen Städten gleichzeitig mit anderen Aufgaben rein sozialhygienischer Art betraut, er ist in den Städten, wo ein Wohnungsamt be- steht, zugleich der Berater der WohnungSausschüsse. Auch die geschlossene Krankenfürsorge muß mehr und mehr mit sozialem Geiste erfüllt werden, die Krankenhäuser dürfen keine Armen- anstalten sein, sondern es sind soziale Einrichtungen, und die Aufwendungen, die die Städte für sie machen, sind auch keineswegs gering. Waren doch von den Anleihen, die 22 deutsche Großstädte in den drei Jahren 190�—1906 in Höhe von insgesamt 682 Millionen Mark aufgenomnien haben, 78 Millionen für den Bau von Heil- und Pflegeanstalten be- stimmt! Eine große Bedeutung kommt der Säuglings- fürsorge, der Bekämpfung der Tuberkulose und des Alkoholismus zu. In dieser Hinsicht decken sich die An- schauungen von Gottstein in den meisten Punkten mit den von uns vertretenen. Genau wie wir, so betrachtet auch er die Säuglingsfürsorge ohne Mutterfürsorge als Stückwerk und ver- langt deshalb neben der kommunalen Säuglingsfürsorge die Schaffung von Mutterschaftsversicherungskasscn, die Ein- richtung besonderer geburtshilflicher Anstatten zur Aufnahme ehelicher und unehelicher Mütter, in denen Mutter und Kind eine bessere Fürsorge zu teil werden kann, den Bau und Betrieb von Säuglingsheimen, von Krippen, Stillstuben u. a. m. Die Erfolge der Säuglingsfürsorge selbst stellt Gottstein nicht in?lbrede, wenn sich auch ein zahlenmäßiger Nachweis bei der Kürze der Einrichtung noch nicht erbringen läßt. Dagegen zweifelt er, ob die unleugbaren Vorteile der Säuglingsfürsorge auf die Dauer Stand halten, da bei der sozialen Lage der in Frage kommenden Bevölkerungs- schichten die Folgen schlechter Wohnungen und Ernährung sowie schlechter Pflege so einschneidend sind, daß sie die gewonnenen Vorteile mehr als ausgleichen. Aus diesem Grunde regt er in llcbereinstimmung mit anderen Fachleuten die Ausdehnung der Fürsorge auf das bisher niemals gc- sundheitlich überwachte Lebensalter vom zweiten bis sechsten Lebensjahre an, eine Anregung, die auch von sozialdemokrati- scher Seite schon längst gegeben ist. Die Einrichtung der L u n g e n f ü r s 0 r g e will Gottstein für größere Städte, namentlich für solche, die über größere Mittel selbständig verfügen, unter allen Umständen den Kom- munen selbst überlassen, da er es für notwendig hält, daß die Lungenfürsorge Hand in Hand mit anderen städttschen Ein- Achtungen auf dem Gebiete der Volksgcsundheitspflege ar- beitet. Wegen der Verluste des Wahlrechts, die mit einer Armenunterstützung verbunden sind, und wegen der Abneigung der Bevölkerung, mit der Armcnverwaltung in Beziehungen zu treten, hält er es für unzweckmäßig, die Lungenfürsorge der Ärmenverlvaltung zu unterstellen; er will diese Aufgabe vielmehr den Gesundheitsdeputattonen oder besonderen Wohl- fahrtskommisstonen unterstellt wissen. Die Aufgaben der Gemeinden auf dem Gebiete der Schul- g e s u n d h e i t s p fl e g e im einzelnen aufzuzählen, würde zu weit führen. Es sei nur darattf hingewiesen, daß Gottstein als das wichtigste Gebiet, auf dem die Schule als solche eine soziale Aufgabe erfüllt, das der S ch u l k i n d e r s P e i s u n g betrachtet, und daß er als Ergänzung hierzu die Einrichtung von Schulkinderhorten empfiehlt. In der Verabreichung von warmem Frühstück an Schulkinder erblickt er nicht etwa eine aus bloßem Mitleid berechtigte, sondern eine Maßnahme im Interesse des erfolgreichen Unterrichts, und die Schulkinderhorte sollen der Beschäftigung der Kinder in der schulfteien Zeit und der Mitwirkung an ihrer sittlichen und kulturellen Erziehung im Dienste derjenigen Schichten dienen, in denen die Eltern durch ihre Berufstätigkeit und soziale nicht imstande sind, die Kinder in der schulfreien Zeit bei der Arbeit und beim Spiel zu überwachen. Die Heber- nähme der Behandlung durch die Schulärzte hält Gottstein im Interesse des Unterrichts vielfach für dringend erwünscht, doch weist er leider nicht energisch genug die dagegen angeführten Gründe zurück. Welch' hohe Bedeutung der kommunalen W 0 h n u n g s- fürsorge zukommt, dafür bietet die Gottsteinsche Arbeit einen neuen Beweis. Wenn die durch die soziale Lage beein- flußten Krankhettszuständc mittelbar und in letzter Linie immer wieder mit den Wohnungsverhältnissen in Zusammen- hang zu bringen sind, so ist es eigentlich nur eine selbst- verständliche logische Folge, zu fordern, daß die Ge- meinden sich endlich zu durchgreifenden Maßnahmen zur Besserung der Wohnungsverhältnisse aufraffen. Daß sie die Macht dazu haben— wenn auch nur in einem beschränkten Umfange—, unterliegt keinem Zweifel, aber leider ist es in den meisten Fällen das Interesse der in den Gemeindevertretungen herrschenden Hausagrarier, das ein Ein- greifen auf diesem Gebiete verhindert. An Beweisen dafür fehlt es nicht. Auch in bezug auf die kommunalen Maßnahmen zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln versagen die kommunalen Körperschaften fast ausnahmslos, man versteckt sich hinter dem Vorwand, daß es nicht Aufgabe der Gemeinde sein könne, einzelnen Gewerbetreibenden Kon- kurrcnz zu bereiten. Und dabei ist diese Konkurrenz bereits heute vorhanden, und sie wird mit der Weiterentwickelung unseres Wirtschaftslebens einen immer höheren Grad annehmen. Das sieht auch Gottstein, und deshalb weist er den Gedanken Nicht von der Hand, daß die Gemeinden einmal dahin kommen werden, die Nahrungsmittelversorgung nach wirtschaftlichen Grundsätzen in größerem Umfang in Betrieb zu nehmen. Durchaus zutreffend weist er darauf hin, daß die Gemeinden diese EntWickelung durch Errichtung von Markthallen und Schlachthöfen, durch eigene Milchämter u. a. m. vorbereitet haben, und er kommt zu dem Resultat, daß, wenn es auch lvahrschnnlich noch einige Jahrzehnte währen wird, ehe die Anschauungen, die heute einer derartigen Entwickelung und einem Eingreifen in die private Erwerbstätigkeit überwiegend feindlich gegenüberstehen, sich angesichts der Notwendigkeit geändert haben werden, das Wachstum der Großstädte doch zu einem derartigen Vorgehen dränge. Erst wenn die Ent- Wickelung diesen Punkt erreicht haben wird, werde die Stadt als solche in der Lage sein können, auch in den Fällen von Notstand wirksamer einzugreisen. Was Gottstein auf den verschiedensten Gebieten vorschlägt und anregt, ist nicht etwa vom grünen Tisch dikttert, sondern all' das ist— das eine hier, das andere dort— in mehr oder minder großem Umfange bereits in die Tat umgesetzt, ein Beweis dafür, daß das kommunalpolitische Programm der Sozialdemokratie nichts Utopistisches fordert, sondern nur solche Forderungen enthält, die sich auch innerhalb der heutigen Wirtschaftsordnung durchführen lassen. Unsere programmattschen Forderungen werden durch die Gottsteinsche Arbeit vom Stand- Punkt der Wissenschaft aus unterstrichen, und das soll uns an- spornen, sie um so energischer innerhalb und außerhalb der kommunalen Körperschaften zu vertreten. P. H. Rußlands Anteil an der türkifchen Keule. Für den Geschichtsschreiber der Orientkrise von 1912/13 wird ivohl kaum ein Kapitel so viel Interessantes bieten wie der Anicil Rußlands an der Vorgeschichte, dem Verlauf und dem Abschluß der Balkanlriege. Beginnend mit der Vorbereitung des Balkanbundes bis zu den Drohungen an die Adresse der einander bekämpfenden Balkanstaaten und den selbständigen Verhandlungen mit der Türkei, hat die russische Diplomntte in dem Höllenkonzert auf der Balkan- Halbinsel die erste Geige gespielt, und nicht so bald wird volle Klar- heit darüber herrschen, welch enormen Anteil die Winkelzüge der russischen Diplomatie an den Balkankriegen genommen haben. Die Erfolge, die die russische Diplomatie davongetragen hat, sind allerdings recht dürftig. Von einer Vorherrschaft des Pan- slawismus oder richtiger des PanzarismuS am Balkan kann nach dem zweiten Balkankriege keine Rede mehr fein. Das territorial erstarkte Serbien kann der russischen Diplomatie ihre Einmischung zugunsten Bulgarien? nicht verzeihen. Und in Bulgarien haßt man Rußland, dem man einen Teil der Schuld an dem Zusammenbruch zuschreibt. In der K a v a I l a f r a g e trug die russische Diplomatie, infolge der Bockbeinigkeit des sonst so will- fährigen französischen Bundesgenossen, einen eklatanten Miß- erfolg davon, und auch in der namentlich von Ruß- land vertretenen Forderung des Finanzboykotts der Türkei traten die verschiedenen Richtungen der Orientpoliti! Rußlands und Frankreichs zutage. Auch die heißbegehrte armenische Beute, die eine Zeitlang im Bereich deS Erreichbaren zu sein schien, mußte infolge der ablehnenden Haltung Deutschlands und Englands vor- läufig preisgegeben werden. Kein Wunder deshalb, daß die russische Diplomatie nach so vielen Enttäuschungen von weitergehenden Plänen Abstand nimmt, und bei der Liquidation der Oricntkris«� mit Forde- rangen hervortritt, die ihr in einem günstigeren Augenblick eine aus- schlaggebende Position verschaffen können. Die plötzliche Nachgiebigkeit, die die russische Diplomatie in der Adrianopelsrage jetzt zeigt, wird nicht ohne Unrecht auf die Konzessionen zurückgeführt, die Rußland bei den unmittelbaren Verhandlungen mit der Türkei herauszuschlagen sucht. Diese Kon- Zessionen bewegen sich in zwei Richtungen hin. Einmal sucht Ruß- land sich bei der bevorstehenden Reform der Verwaltung in Türkisch-Armenien einen starken Einfluß zu sichern, und andererseits nutzt es seine von früher bestehende Vorzugsstellung aus, um durch Bahn konzessiv neu in Anatolien die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft im nördlichen Teile Kleinasiens an sich zu reißen. Was die erste Forderung betrifft, vermochte schon das türkische Blatt.Jdam' im Juli mitzuteilen, Rußland habe die Forderung gestellt, daß russische Beamte in den von der russischen Regierung angegebenen Gebieten Kleinasiens zur„Reform" der Verwaltung herangezogen werden sollten. Widrigenfalls drohte die russische Regierung, gegen die An- stellung europäischer Beamten in der Türkei Einspruch zu erheben. Ob die türkische Regierung dieser Drohung Folge leisten wird und bestimmte Gebiete— offenbar wohl Armenien— den russischen „Reformatoren" ausliefert, steht noch dahin. Jedenfalls berührt es recht eigentümlich, daß der über die türkische Politik am besten in- formierte Konstantinopcler„Sabah" kürzlich mitteilen konnte, daß der Rahmen der türkisch-russischeu Unterhandlungen weit über die Frage der anatolischen Eisenbahnen hinausreicht. Was die letzte Frage betrifft, stützt sich die russische Regierimg bei ihren KonzesfionSforderungen auf eine Jrade der Pforte t)om 20. März 1900, worin die türkische Regierung verspricht, die russischen Konzessionäre zu bevorzugen, wenn sie selbst die Eisenbahpbauten zur russischen Grenze und zur Küste des Schwarzen Meeres nicht mit eigenem Kapital bauen und sie nicht selbst exploitieren würde. DaS hierdurch gesicherte Vorzugsrecht bezieht sich auf die türkischen VilajetS Wan, Erzcrum, Trapezunt, Siwas und Kasiamuni, also auf einen Gebietsstreifen, der sich von der tiirkisch-persischen Grenze an der türlisch-russischen Grenze und der Küste des Schwarzen Meeres hin, die Nordwcstccfe Kleinasicns ausgenommen, erstreckt. Bisher gehörte es zu den sleberlieferungen der russischen Orientpolitik, das 1900 erworbene Vorzugsrecht im nördlichen Teils Kleinasiens zur Fernhaltung jeder fremden Bahnkonzession auszunutzen, die durch die wirtschaftliche Erschließung Anatoliens und eine festere Angliederung an die Türkei die russischen Aussichten auf die Erwerbung Armeniens schmälern konnte. Nun hat sich aber die Situation wesentlich ver- ändert. Die Bagdadbahn schreitet ihrer Vollendung entgegen. Zwischen England und Deutschland hat bereits eine Einteilung der Interessensphären in Vorderasien stattgefunden. Eine ähnliche Ver- sländigung zwischen Deutschland und Frankreich, bei der Frankreich Konzessionen in Syrien und Armenien erhalten soll, scheint un- mittelbar bevorzustehen. Rußland selbst hat— gegen die An- erkennung seiner Vorherrschaft in Nordpersien durch Deutschland— die Interessen der Vagdadbahn anerkannt und sich verpflichtet, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Verbindungsbahn zwischen Teheran und Khanelin an der Bagdadbahn zu bauen. Das rasende Tempo, mit dem das internationale Kapital in die asiatische Türkei eindringt und sich durch die Anlage von Bahnen.Interessensphären" schafft, veranlaßt nun auch Rußland, an den Bau der anatolischen Bahnen zu schreiten. Zwar hat Rußland auch jetzt keine verfügbaren Kapitalien für diese Bauten; aber nicht umsonst hat die russische Diplomatie einen großen Teil des in Frage kommenden Gebietes an Frankreich abgetreten: auch die Bahnen, die den russischen Einfluß in Kurdistan und Armenistan hineintragen werden, sollen mit französischem Gelde gebaut werden I Um die politische und wirtschaftliche Bedeutung dieser Bahnen für Rußland in ihrem vollen Umfange zu würdigen, muß kurz noch auf die persischen Bahnen und auf die unaufhaltsam fort- schreitende Rusfifizierung der blühendsten Provinzen Persiens hingewiesen werden. Infolge der verräterischen Politik Eng- lands und zum Teil auch Deutschlands, ist Nord- perfien bereits heute eine russische Provinz. Nach heftigem'Wider- streben der persischen Regierung, die jetzt mehr denn je zu einer Scheinexistenz verurteilt ist, hat Rußland im Januar d. Js. die Konzession zum Bau der Eisenbahn Dschulfa— Täbris und Dschulfa— Urmia erhalten. Während die erste Bahn die persische Provinz Azcrbeidshan militärisch und politisch an Rußland fesselt, bildet die zweite Bahn ein Einfallstor in die asiatische Türkei. Der Anschluß einer von Rußland erbauten anatolischen Bahn an diese rusfisch-persische Linie würde ein unbezwingbares Bollwerk der militärischen und wirtschaftlichen Macht Rußlands im nördlichen Teile Kleinasiens ins Leben rufen. So mobilisiert auch Rußland seine Macht, um bei der bevor- siehenden.Aufteilung" der asiatischen Türkei von den westeuropäischen Staaten nicht an die Wand gedrückt zu werden. Heute schwören noch die europäischen Mächte auf die.Integrität" der asiatischen Türkei, wie sie noch vor einem Jahre auf den Statusquo am Balkan geschworen haben. Aber wenn sich Deutschland, Rußland, England, Frankreich, an gewaltigen Kapitalsanlagen interessiert, imd durch auseinandergehende politische Absichten von einander geschieden, bis an die Zähne bewaffnet, in Vorderasien gegenüberstehen werden, wird die asiatische Türkei einem Herd internationaler Komplikationen und- fortwährender Kriegsgefahren bilden, größer noch als sie vom Balkan her gedroht haben und drohen. Politische(leberkiebt. Alinationalliberale Erfolge. Die„Altnationalliberale Reichs-Korrespondeyz" deS preußischen Landtagsabgeordneten Fuhrmann wirft die Frage auf, waS durch die altnationallibcrale Bewegung erreicht worden ser. Biel kann die Korrespondenz allerdings nicht aufzählen, unter den wirklichen oder vermeintlichen Erfolgen ist aber eiirer, der ganz besondere Beachtung verdient und zwar der Schutz der Arbeitswilligen. Die Erziehungs- arbeit deS Herrn Fuhrmann, die er im Interesse deS industriellen ScharfmachertumS vollzieht, scheint bei der nationalliberalen Reichstagsfraktion nicht ohne Erfolg geblieben zu sein. Zur Frage des Schützes der Arbeitswilligen führt Herr Fuhrmann nämlich aus: „Vom Regierungstische wird, des darf man gewiß sein, nicht wieder eine solche Erklärung abgegeben werden, wie in der letzten Tagung des Reichstags durch den Staatssekretär des Innern. Auch die nationalliberale Fraktion wird sich nicht mit der Ab- lehuuug von Vorschlägen zur Besserung der Lage, die von anderen Parteien ausgehen, begnügen; sie wird es vermeiden, eine Stellung einzunehmen, die es den Gegnern erleichtert, ihr mangelndes Ver- ständnis für die Gefahren einer Lage nachzusagen, die durch den TerroriSmuS sozialdemokratischer Organisationen und der dieser nahestehenden Gewerkschaften geschaffen- ist. Also, wenn diese Dinge wieder im Reichstage erörtert werden, werden sie anders, mit größerem Ernst, mit eifrigen» Suchen nach dem geeigneten Wege zur praktischen Abhilfe erörtert werden. Diese Hoffnung ist nicht vage, sondern gründet sich darauf, daß schon heute in der öffentlichen Erörterung ein Umschwung der Meinungen zu bemerken ist. Die oft gerühmten„Industriekapitäne" haben die Genugtuung, daß»nan ihren Sorgen heute»nehr Beachtung schenkt. Das ist es, was sie sich wünschen, nicht Lobpreisungen in Versammlungsreden; sie wolle»?, um an das Epigrarnm des Dichters anzuknüpfen, »oeniger erhoben und fleißiger beachtet werden, wenn sie Anliegen vorbringen, die mit der Ausrechterhaltung der industriellen Stellung DeutschladdS zusammenhängen." Wenn daS richtig ist mrd wenn Herr Fuhrmam» nicht nur aufgeschnitten hat, dann ist anzunehmen, daß der Zuchthausgesetzantrag der Konservative»?, der beim Etat deS ReichSamteS des Innern Ivieder eingebracht wird, diesmal auch die Unterstützung der großen Mehrzahl der Mitglieder der nationalliberalen Reichstags- sraktion finden wird. Die Industriekapitäne könnten sonach mit ihrem Steuermann Fuhrmann vollauf zufrieden sein, denn es wäre ihm gelungen, die Fraktion an die Seite der Konservativen zu drängen. Im Frühjahr dieses JahreS sind es nur 10 Nationalliberale gewesen. denen der Gedanke eines neuen Zirchthausgesetzes so sympathisch war daß sie ihm durch ihre Abstimmung ostentativ Ausdruck ver- liehen haben. Selbst wenn aber nun die gaiize Fraktion für den konservativen Antrag stiinme»? sollte, dann würde er noch keine Mehrheit habe»?, weil das Zentrum auS sehr rrahelregenden Gründen für einen solchen Antrag nicht eintreten kanir. Wieder ein Gewaltakt in einem Staatsbetriebe. Die kaiserliche Werft in Wilhelmshaven hat wiederum die Sozial- demokratie vernichtet. Anr Sonnabend wurde dem ersten Vorsitzenden des Arbeiteraus schusscs der kaiserlichcn Werft, Mechaniker Popken, im Rainen des Oderwcrftdirektors gekiflidigl auf Grund des berüchtigten S 1 Absatz e der Arbeitsordnung, nach dein jeder Sozialdemokrat auf die Straße gesetzt werden kann. Der angezogene PaffuS der Arbeitsordnung lautet nämlich:„Die für den Dienst in der Marine- Verwaltung im Arbeitsverhältnis anzunehmendel?� Personen müssen folgenden Bedingungen entsprechen: e) Sie dürfen nicht sozial» dcmokrarische Agitatoren oder sonstige Personen sein, von denen vorausgesetzt werden darf, daß sie den Frieden zivischen der Behörde und den Arbeitern oder der Arbeiter untereinander stören wollen." Mit Hilfe dieser Bestimmung kann die Werftbchörde natürlich jeden ihr unbequemen Arbeiter davonjagen, der sich nicht gefügig genug zeigt. Und Mechaniker Popken. war ihr schon lange ein Dorn im Auge. Der intelligente Arbeiter würde seines Geschicks und seines Mutes wegen von seinen Kollegen vor drei Jahren in den Arbeiterausschuß gewählt, und nach einem Jahre schon erkor ihn diese Korporation zu ihrem ersten Vorsitzenden._ Er verstand immer so zu operieren, daß im Arbeiterausschuß auch stets die nicht freigewerkschaftlichen Vertreter, Christlichen, Hirsche usw., für die Maßnahmen des Arbeiterausschusses eintraten und Eingaben und Begutachtungen daher mit Einstimmigkeit angenommen wurden. Die nichtfreigewerkschaftlichen Ausschußmitglieder haben jedoch unum- wunden Popkens Tätigkeit lobend anerkannt. Doch der Werstleitung war er unangenehm, wie ihr alle Leute unangenehm sind, die Arbeiterinteressen vertreten. Nun hat sie den Ausnahmeparagraphen gegen Sozialdemokraten auch gegen ihn -angewandt. Nach zwölfjähriger Tätigkeit wird ein tüchtiger Arbeiter seiner politischen Ueberzeugung halber auf daS Pflaster gesetzt._ Landtagsersatzwahl in Lippe. Im ersten städtischen Wahlkreise des Fürstentums Lippe-Detmold ist der Reichstagsabgeordnete Dr. Neumann-Hofer am Donnerstag bei einer Nachwahl in den lippeschen Landtag gewählt worden.-Er erhielt 1193 Stimmen, der sozialdemokratische Kandidat 820, ein Konservativer 60 Stimmen. Der Sieg des Fortschritts ist lediglich auf den Unistand zurückzuführen, daß die lippeschen Ziegler gegen- wärtig auf Wanderarbeit sind und deshalb an der Wahl nicht teil- nehmen konnten. Das Spottgedicht im Altarsockel. Wegen Beleidigung eines Pfarrers in Türchau hatte sich der Maurer Gcißler in Türchau vor dem Schöffengericht in Reichenau zu verantivorteir. Bei einer in Türchau vorgenommenen Kirchen- renovation waren die Maurer wegen Tarifbruch des Unternehmers mit diesem in Differenzen geraten. Der Pfarrer wurde ersucht. zu vermitteln. Er lehnte das nicht nur ab, sondern verstieg sich auch noch zu der Drohung, wenn die Maurer nicht zur Arbeit gingen, würde er die„Bude" schließen oder Unorganisierte herbeiholen. Ein Spaßvogel prägtp nun den Vorgang in Knüttelversen und die Leute mauerten das Glicht, in einer Flasche bewahrt, in den Altar- sockel ein.' Ein Anonymus machte jedoch dem Pfarrer von dem Geschehenen Mitteilung. Letzterer ließ nun den Altarsockel wieder aufreißen und fand das Spottgedicht. Er veranlaßte die Staats- anwaltschaft, Klage zu erheben. Der Pfarrer behauptete vor Gericht, daß er sich durch das Gedicht beleidigt fühle, obschon das- selbe sehr harmlos und auch ulkig abgefaßt sei. Zugeben mußte er aber, daß er mit der Bezeichnung„Bude" seine Kirche ge- meint habe, was von dem Angeklagten in entsprechender Weise beleuchtet wurde. Auf die Frage, warum er den Streit zwischen dem Unternehmer und den Arbeitern nicht zu schlichten versucht habe, meinte er, er habe die Forderung der Arbeiter für grund- los gehalten, sie hätten nur unter dem Druck der Organisation gehandelt. Dabei handelte es sich aber um einen Tarifbruch des Unternehmers, der einen Pfennig Stundenlohn weniger zahlen wollte. Auf Zureden des Gerichisvorsitzenden ließ sich der Pfarrer schließlich zu einem Vergleich herbei. Der Angeklagte zahlte zwar die Kosten, dürfte aber die Lacher wohl auf seiner Seite haben. Kein Proportionalwahlrecht für Strasburg. Die Eingabe des Straßburger Gemeinderats zur Einführung des Proportionalwahlrechts für die nächsten Gemeinderaislvahlen ist vom Ministerium. abMlägig. beschieden tziftsden.-,.-. Keine Bestechung, sondern nur Mistverständnifsc. Billige G ä-n s e wollte der' als Sozialistekitötcr bekannte Gendarm Schloska aus Falken berg O.-Schl. bei zwei Stellcnbesitzcrn kaufen, bei denen er bei einer amtlichen Kontrolle Verstöße gegen die Unfall-Verhütungsvorschrifien an Dresch- Maschinen festgestellt hatte. Ein Stellenbesitzer verkaufte ihm auch tatsächlich eine schöne fette Gans für ganze 3,ö0 M., weil er der Meinung war, daß der Gendarm von der beabsichtigten An- zeige gegen ihn Abstand nehmen werde. Bei einem anderen Stellenbesitzer, bei dem auch Verstöße gegen die Unfall- Verhütungsvorschriften festgestellt wurden, wollte der Gendarm ebenfalls eine billige Gans kaufen. Hier soll er sogar gesagt haben: „Verkaufen Sie mir eine Gans billig, so will ich Ihnen die Strafe erlas senk" worauf ihm beide Eheleute erwiderten, daß sie ihre Gans behalten und lieber die Strafe bezahlen würden. Diese Vorgänge wurden im Wirtshaus besprochen und führten zu einer Anzeige an den Landrat, der aber ein Einschreiten ablehnte. Hierauf verklagte der Gendarm den Gastwirt, der die Anzeige an den Landrat gemacht hatte, wegen Be- leidigung vor dem Schöffengericht. Der Gastwirt wurde freigesprochen. Daraufhin hatte sich der Gendarm vor dem Kriegsgericht Neiße wegen Bestechung und Mißbrauch der Dienstgewalt zu per- antworten. Das Urteil lautete aup 10 Tage Mittelarrest wegen Mißbrauch der Dicnstgewalt.' Bestechung wurde nicht angenommen. Der Anklagevertreter hatte IS Monate Ge- f ä n g n i s beantragt. Gegen dieses Urteil legten sowohl der Gerichtsherr als der Verurteilte beim Oberkriegsgericht Breslau Berufung ein. Ersterer Niegen zu milder Bestrafung, letzterer weil er unschuldig verurteilt worden sei. Vor dem Oherkricgsgericht sq�te der als Zeuge vernommene Distriktskommissar, aus, daß sich Schloska bei seinen Gänse- einkaufen taktlos benommen habe. Andere Vorgesetzte schilderten ihn als einen eifrigen, tüchtigen, sehr gewissenhaften Beamten, der von recht guter, tadelloser Führung sei ztrotz einer Vor- strafe von 14 Tagen Arrest wegen vorschrifts- widriger Behandlung Untergebener Z. Andewe Zeugen behaupteten wieder, Schloska sei kleinlich, barsch. schroff und unfreundlich. Die Belastungszeugen schilderten die Vorgänge in der hier wiodergegebenen Weise. Das Oberkriegsgericht hielt eine Bestechung für ausgeschlosien, denn die Frage, ob die vernommenen Belastungszeugen— ein halbes Dutzend— Glauben verdienen, müsse ver- neint werden, da M i ß v e r st ä n d n i s s e vorliegen konnten. Es nahm deshalb nicht nur keine Bestechung an, sondern hob auch das Urteil der ersten Instanz wegen Mißbrauch der Dienstgewalt aus und erkannte auf völlige Freisprechung. Ter Nachfolger Traubs nicht bestätigt. Aus Dortmund wird gemeldet: Der Nachfolger Traubs an der hiesigen Reinoldi-Gemeinde, Pfarrer Liz. Fuchs aus Riisselsheim, soll nicht bestätigt werden. Die„Christliche Freiheit" teilt darüber mit:�„Am 11. Juni ist Pfarrer Liz. Fuchs aus RüsfelSbeim einstimmig zum Nachfolger Traubs gewählt worden. Am 4. September, also last ein Viertel- jähr später, ging eil? Schreiben von Münster aus an den Gewählten. Nun wird Fuchs gefragt, ob er seinerzeit die Erklärung hessischer Gemeinden gegen das Spruchkollegium und das Verfahren im Falle Jatho mit unterzeichnet habe, gegebenenfalls, ob er etwas getan habe, um diese Erklärung zu widerrufen. Von seiner Beantwortung soll es abhängig gemacht werden, ob ein Kolloquium über ihn stattfindet."_ Ein Opfer des militärischen Beschwerderechts"! Ein aufsehenerregendes Urteil, das einen be- merkenswerten Beitrag zu dem gesetzlich garantierten Beschwerde- recht liefert, wurde vom Neichsmilitärgericht in letzter Instanz bestätigt. Am 8. Mai d. I. gegen Mittag hatte der Ge» freite Ziegenbalg von der 1. Komp. des Schützen-Regiments Nr. 108 eine Abteilung Soldaten vom Schießstand nach der Kaserne zu bringen. Auf dem Schießstand erhielt beim Antreten der Schütze Angermann den Befehl, den Patronenkasten zu tragen, obgleich er schon Tornister mit Sandsack und Gewehr zu transportieren hatte. Da Angermann schon lange das Ge« fühl hatte, der Gefreite schikaniere ihn, hielt er auch diese Anordnung für eine Ungerechtigkeit und sagte: Ich habe doch meine Schießübung erfüllt und ohnehin Tornister mit Sandsack zu tragen, kann denn den Kasten nicht ein anderer nehmen!" Darauf ging der Gefreite nicht ein, wollte vielmehr seine Anordnung unbedingt befolgt wissen I Angermann nahm widerspruchslos den Patronenkasten. Als sich die Abteilung kaum in Bewegung gesetzt hatte, befahl der Gefreite Laufschritt. der sich auf eine Strecke von 860 Metern aus- dehnte! Schon dabei blieb Angermann infolge Ueberau strengung und Erschöpfung zurück. Nach diesem Laufschritt befahl der Gefreite dann noch, daß gesungen werden solle! Die meisten Sol- daten waren dazu nicht fähig, weil sie außer Atem und erschöpft waren. Der Gefreite drohte, er werde, wenn es den Leuten nicht passe, eine Zeitlang Hinlegen und Aus» stehen„üben" lasse»! Angermann hatte inzwischen Seitenstechen be» kommen, war erschöpft und in Schweiß gebadet. Er sagte zu seinen Kameraden:„Wer nimmt mir denn mal den Patronenkasten ab?" Es konnte sich niemand melden, weil der Gefreite unmittelbar danach abermals 260 Meter Lauf» schritt machen ließ als Strafe für das unterlassene Singen! Auch jetzt blieb Angermann infolge Ermattung hinter der Abteilung zurück. Nachdem die Soldaten wieder zum Schritt übergegangen waren, wurden zwei andere Soldaten, die auch Patronenkasten zu tragen hatten, aber nicht bepackt ivaren, abgelöst; zu Angermctun aber sagte der Gefreite:„Und Sie tragen Weiler!" Das tat auch Angermann, er blieb aber immer wieder zurück und bat mehrere Kameraden, ihn den Kasten mal abzunehmen. Der Gefreite paßte jedoch auf. Nachdem Anger- mann nach einiger Zeit abermals rief:„Wer löst mich denn mal ab!" erbarmte sich ein Kamerad' und nahm den Patronenkasten. Als das der Gefreite sah, mußte Angermann den Kasten wieder nehmen und bis nach der Kaserne tragen. In den Aeußerungen Angermanns wird eine Aufforderung zum Ungehorsam erblickt und der mitleidige Soldat, der den Kasten abnahm, soll ebenfalls bestraft worden sein. Ueber das Auftreten deS Gefreiten war Angermann so empört, daß er seinem Pater davon Mitteilung machte und dann auf dessen Veranlassung den Gefreiten zur Meldung brachte. Gegen den Gefreiten wurde daraufhin zwar eine Untersuchung eingeleitet, aber eine weitere Folge der Beschwerde resp. Meldung war eine— An« klage gegen Angermann! wegen Insubordination, obgleich festgestellt worden war, daß der Gefreite nicht ganz einwandfrei gehandelt hatte. So steht das Beschwerderecht in der Praxis aus, denn b i s zu dem Augenblick, wo Angermann die Beschwerde gegeir den Gefreiten anbrachte, hatte niemand ettvas Strafbares in den? Verhalten Angermanns gefunden! Angermann hatte sich wegen Insubordination und der Gefreite Ziegenbalg wegen vorschrifts» widriger Behandlung Untergebener vor dem Kriegsgericht in Dresden zu verantworten. Das Urteil ist mit dem Rechtsempfinden nicht in Einklang zu bringen: Der G e» freite wurde—-— freigesprochen, der Soldat dagegen zu 3 Wochen strengem Arrest verurteilt. DaS Gericht war der Meiülllig, daß der Gefreite den Laufschritt zur Aufrechterhaltung der militärischen Disziplin habe ausführen lassen, der Soldat aber durch sein Verhalten gegen die militärische Zucht und Ordnung ver» stoßen habe. Ter Gerichtsherr gab sich auch mit dem Freispruch des Gefreiten zufrieden, Angermann aber fühlte sich ungerecht be» straft und legte Berufung ein, mit der Begründung, daß es ihm ferngelegen habe, gegen die Disziplin zu verstoßen. Er hatte aber damit keinen Erfolg, die Berufung wurde verworfen und die Strafe als„durchaus angemessen" bezeichnet. Auf die Revision AngermannS hat nun auch daS Reichs» Militärgericht das unglaubliche Urteil bestätigt und das Rechismittel als unbegründet zurückgewiesen! Rekrutcnmitzhandlungen bei de» Oldenburger Dragonern. Bei der S. Schwadron des Oldenburg. Dragonerregiments Nr. 19 wurde am 1. Mai d. I. ein Rekrut, der ISjährig, Dragoner Fritz E i! k e, flüchtig. E. wendete sich nach Leer, wo er einen Verwandten besuchte und sich auf dessen Zureden bei der dortigen Polizei stellte, indem er zu Protokoll gab, daß er aus Angst vor den Mißhandlungen der Stammannschaften der Truppe den Rücken kehrte. Er habe von diesen viel aushalten müssen und als sich einmal sein Vater, der selbst Vizewacht» meister bei demselben Regiment gewesen ist, bei dem Wachtmeister der- Schwadron beschiverte, sei es n o ch schlimmer geworden! -"/ach erfolgter Rücklieferung zum Regiment wurde E. sofort in Oldenburg von dem Schwadronsches Rittmeister v. Lengerke vernommen, dem gegenüber er die in Leer gemachten Aussagen aus erneuter Angst vor den alten Leuten widerrief und Krankheit als Grund für seine Flucht vorschützte. Trotzdem der. Rittmeister aus Mitteilungen des Wachtmeisters Luhrs von den dem Enke zugefügten Mißhandlungen Kenntnis baben mußte, auch darüber mit dem Vater'des Enke gesprochen haben soll, kam ein Tatbericht zustande, der mit keinem Worte die Mißhandlungen erwähnte. E. ist darauf vom Divisions. kommandeur wegen unerlaubter Entfernung und Belügens eines Vorgesetzten mit drei Tagen mittleren Arrestes bestraft wordcm Damit schien der„Zwischenfall" erledigt, bis am 4. Junr durch die Vernehmung des Leerer Verwandten des E. neues-�-icht in die Sache kam und E. am Tage darauf auch der-Lahrheit die Ehre gab. Nach dieser Vernehmung hörte E-, baßdie alten Leute gesagt hätten, es sollte ihm jcht auf dem Uebungsplatze»n Munster noch schlimmer ergehen. Daraufhin brachte nch E. am 6. Juni mit seinem Karabiner, den er mit einer Platzpatrone geladen hatte, einen Schuß~ � bei, der ihn nicht tötete, aber nach längerer Behandlung»eijc- Entlassung zur Folge hatte. Im Lazarett lag er mit dem Dra- goner Dreher zusammen, der am 6. Feoruar d. I. wegen ge» kränkten Ehrgefühls bezw.. wiederholter Mitzhandlun» gen durch den Gefreiten Backhaus unter völlig gleichen Um- ständen einen Selbstmordversuch gemacht hatte und eine sehr langwierige Behandlung durchmachen mußte. Dreher, dem durch die Folgen der Schußwunde der linke Arm gelähmt blieb, ist inzwischen auch entlassen worden. � Diese Vorgänge haben snr die S. Schwadron e,nen wayren Rattenkönig von Untersuchungen und Bestrafungen gezeitigt. Wenn auch hierbei der Korpsgeist der alten Leute vielfach als ein unübersteigbares Hindernis hervortrat, so ist es doch der mit rücksichtsloier Gründlichkeit geführten Untersuchung gelungen, eine Reihe von Schuldigen zu ermitteln. Der vornerwähnte Gefreite Berghof kam mangels eines Strafantrages mit drei Tagen mitt- leren Arrestes und Entfernung von seinem Dienstgrade davon, ebenso der Gefreite Ahlers II und der Dragoner Schwedtmcmn, drei Unteroffiziere wurden mit zwei» bezw. dreitägigem Arrest belegt, der im 22. Jahre dienende freilich nur passiv schuldige Wachtmeister erhielt einen Tag gelinden Arrestes usw. Gegen den Schwadronschef Rittmeister v. Lengerke ist ein gerichtliches Verfahren aus Grund des 8 147 des M.-St.-G. anhängig ge- worden. Der Unteroffizier D t e w i n g, der den Enke beleidigt und auf die Füße getreten hatte, wurde vom Kriegsgericht der 19. Division zu z.ehn Tagen mittleren Arrestes ver- urteilt, diese Sache schwebt jetzt im Berufungsverfahren. Der Gefreite Backhaus konnte, da auch hier ein Strafantrag des Dragoners Dreher fehlte, wegen einfacher Körperverletzung nicht be- straft werden. Am schärfsten wurde der 24jährige Dragoner Johann H i n r i ch s betroffen. H. wurde am 28. v. M. vom Kriegsgericht der 49. Division der gefährlichen Körperverletzung im Dienst in sechs Fällen, in vier Fällen unter Mißbrauch der Waffe, schuldig be- funden, unter Ausschluß mildernder Umstände zu sieben Monaten. Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet. H. hatte Anfang' April den Enke mit einem Stallbesen derartig mißhandelt, daß Enke später ohnmächtig zusammenbrach, ferner in vier Fällen mit der Lanze den vor ihm reitenden Enke so heftig über den Kopf geschlagen, daß sich die Helmschrauben lösten. Endlich hatte er einmal den E. mit der Lanzenspitze in den linken Oberschenkel gestochen. H., der hartnäckig jede Schuld bestritt, erhob Berufung, ebenso der eine strengere Bestrafung fordernde Gerichtsherr. Das Ober- kriegsgericht überzeugte sich in mehrstündiger Verhandlung wiederum von der Schuld des Angeklagten, den es, der Berufung des Gerichtsherrn stattgebend, zu acht Monaten Gefängnis verurteilte. Die ßalkanfragen. Der Standpunkt Bulgariens. Sofia, 12. September. Wie an zuständiger Stelle ver- lautet, beschloß der M i n i st e r r a t. die Delegierten anzu- weisen, auf der Forderung bezüglich Kirkkilisses zu beharren. Kämpfe zwischen Montenegrinern und Albanescn. Paris, 12. September. Die»Agence HavaS' meldet aus C e n t i n j e blutige Zusammenstöße zwischen montenegrinischen Truppen und Angehörigen des Stammes der Hoti. Auf beiden Seiten soll es mehrere Tote gegeben haben. Man glaubt, daß die Hoti die Absicht haben, auf Tuzi zu marschieren/ Vom Glänze der Balknuvormacht Rumäniens. Trotzdem Rumänien, dessen herrschende Clique sich im Ruhme der unblutigen Eroberung und des Schiedsamts unter den er- schöpften Kriegführenden sonnt, nicht in die Kämpfe selbst ver- wickelt worden ist, hat der kurze Feldzug doch ausgereicht, die gewissenlose Gleichgültigkeit und Schlimmeres unter den mili- tärischen Behörden ins Licht zu setzen, und zugleich dem Lande eine bitterböse Erbschaft in der Cholera hinterlassen. Trotzdem die Regierung wußte, daß in Bulgarien die Seuche wütete, ließ sie ihre Truppen dort einrücken. Zwar hatte man, nach dem Vor- gang Griechenlands, die Impfung mit einem Choleraserum vorbereitet, aber der Gencralstab beschleunigte diesen Abmarsch so sehr, daß Tausende ungeimpft abrücken mußten. Viele davon erlagen der Cholera; die übrigen verschleppten, da keine Des- infektion erfolgte, nach der Demobilisierung die Krankheit durch das ganze Land. Dabei hatte die Regierung in der leichtfertigsten Weise die Anwendung von Schutzmäßregeln unterlassen. Eine Menge jüdischer Aerzte, die sich freiwillig zur Verfügung gestellt hatten, hatte sie, als„Fremde", abgelehnt.. Und während sie am Ende des Rückmarsches ekke Quarantäne von fünf Tagen ver- hängte, hatte sie zuvor den größten Teil ohne Vorkehrungen ein- ziehen lassen. Danach eine Periode der Streitereien zwischen Zivil- und Militärsanitätsverwaltung, aber keine ernste Hilfe. So wenig ernstlichen Charakter der Feldzug trug, genügte er schon, auch sonstige schwere Schäden zu enthüllen.'Tagelang, so wird der„Humanite" berichtet, manovvrierten Zehntausende auf bulagrischem Boden ohne andere Nahrung als Baumblätter. Von den Vorgesetzten machte aber mancher einträgliche„Geschäfte". Zum Beispiel ein Oberst, dem man solche Geschäfte vorwirft. Er soll Rechnung legen. Alle Papiere sind in bester Ordnung. Aber die Häute und Hörner von dreitausend Stück Vieh, die er gekauft haben will, sind nicht vorhanden. Manche Offiziere be- schuldigen viele ihrer Kameraden, sich in wenigen Tagen im Ein- Verständnis mit den Lieferanten skandalös bereichert zu haben. Die Regierung aber, zufrieden mit ihren Erfolgen, denkt nicht daran, die Hand an die Wurzel des Uebels; Die Cliquenwirtschaft einer engen Gruppe Privilegierter, zu legen. Nach wie vor blei- ben 499 999 Juden, trotz ihrer Heranziehung zu jeder Art Gut- und Blutsteuer und trotz der ausdrücklich von Rumänien im Ber- lincr Vertrage von 4878 übernommenen Verpflichtung zur Schaffung der Rechtsgleichheit, als„Fremde" aller Bürgerrechte beraubt und den schmählichsten Schikanen ausgesetzt. Nach wie vor leidet die Masse des Volkes: Bauern und Arbeiter, unter politischer Rechtlosigkeit rücksichtslosester Ausbeutung und Bedrückung. Und die Sozialisten sind die einzige Partei, die für eine ernsthafte Wahlreform eintritt. CKina. Tie Forderungen Japans. Peking, 11. September.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Japan überreichte heute der chinesischen Regie- ruitg eine Reihe von Forderungen, die sich beziehen erstens auf die M a r t e r u n g des japanischen Leutnants Nihimira in Hankau am 11. August, deni die Uniform her- untergerissen und der an den Hmiden aufgehängt wurde, zweitens die Verhaftung eines anderen Offiziers in Schantung, drittens die Tötung von Japanern in Nan- king und schließlich die Beleidigung einer japanischen Fahne. Japan fordert Entschuldigungen, Bestra- f u n g der Schuldigen und die Zahlung einer E n t s ch ä d i- (1 9 s s u m mc, deren Höhe später festgesetzt werden wird. Man erklärt aus der japanischen Gesandtschaft, daß China diese Forderungen unverzüglich annehmen muß; andernfalls würde eine Aktion, wie sie für notwendig ge- halten werden wird, unternommen werden. In Rücksicht auf die maßvollen Forderungen erwartet man, d»ß sie China un- verzüglich annehmen wird. China gibt nach. Tokio, 12. September. China erklärte mündlich seine Bereitwilligkeit, den japanischen Forderungen nachzukommen. Sollte China unter Hinweis ans die Notwendigkeit, das Ergebnis der Untersuchung des Zwischenfalles in Nanking abzuwarten, mit der formellen Antwort zögern, so beabsichtigt a p a n entschiedene Maß- nahmen. Feldmarfchall Namagata hält vorläufig die Entsendung von Truppen nach China für verfriibt. Bus der Partei. Znm Fall Nadck liegen eine Reihe weiterer Aeußerungen vor. Auf die von uns abgedruckte Erklärung des Genossen T u r s k i er- widert die„Bremer Bürgerztg.", es sei eine völlig falsche Darstellung zu sagen, die Bremer Untersuchungskommisston habe nur auf die Behauptung TurSki's hin,„ihr Urteil" gefällt.„Weder die Mehrheit noch die Minderheit der Kommission hat ein„Urteil" gefällt. Die Mehrheit„hält durch das in dem G e r i ch i s- urteil mitgeteilte Belastungsmaterial den Beweis für die Be- schuldigung, Rädel habe 899 bis b99 Rubel an Gewerkschastsgeldern entwendet oder unterschlagen, nicht für erbracht", und die Minderheit „sieht die Angelegenheit nicht für hinreichend aufgeklärt an, um auf Grund des ihr vorliegenden Materials eine Ber« urteilung für berechtigt zu erklären oder eine Entlastung von den ihm zur Last gelegten Delikten für gegeben zu erachten". Den Anträgen der Minderheit, weitere Auskunft auch beim Genossen Turski einzuholen, konnte die Mehr- heit nicht entsprechen, weil sie glaubte, sich lediglich an das in dem Gerichtsurteil und seiner Begründung vorliegende Material halten zu müssen und in eine Nachprüfung des Urteils als eine gleichsam höhere, dem polnischen außerordentlichen Gericht über- geordnete Instanz nicht eintreten zu dürfen. Das ist die Wahrheit und nichts ist falscher als die Annahme, die Mehrheit habe nur auf Radek gehört und alles andere ignoriert. So durchfichtig eine solche Entstellung ist, so unwahr ist sie. Die Erklärung de? Ge- nassen Turski bringt leider, wie borauszusehen war, auch keine Klärung. Auch nach dieser Erklärung steht Behauptung gegen Be- hauptung und wer der Glaubwürdigste von beiden ist, Radek oder Turski, ist nicht zu entscheiden. Ferner ist uns eine Erklärung von Karl Radek zugegangen, worin er sagt. Turski könne von einer infamen Verleumdung durch ihn schon deshalb nicht sprechen, weil nicht bewiesen sei, daß über- Haupt Geld fehle und er auch gar nicht behauptet habe, daß TurLli das Geld unterschlagen hätte. Turski hätte auch gegen die schon lange veröffentlichten Behauptungen der Genossen Leder und Hanctzky über die Unzuverlässigkeil seiner Angaben bisher nichts unternommen. Schließlich sendet uns noch der Vorstand der Sozial- demokratie Rnssisch-Polens und L i t t a u e n s eine scharfe und sehr ausführliche Polemik gegen die Erklärung der Mehrheit der Bremer Unterfuchungskommission. Er weist darin die Behauptung zurück, daß der Vorschlag, den Fall vor einem deutschen Schiedsgericht prüfen zu lassen, vom deutschen Parteivorstand ausgegangen sei und bleibt bei der Meinung, daß die Mehrheit der Bremer Kommission sich ausschließlich von den Angaben Rädels habe leiten lassen. Das Verfahren der Bremer Mehrheit sei ein Hohn sowohl auf daS deutsche Verfahren wie auf jedes rechtliche Denken. Da bereits beide Parteien in dieser Angelegenheit ausführlich zu Worte gekommen sind, die Wiederaufnahme der Polemik i» dem gegenwärtigen Momente um so unzweckmäßiger erscheint, da der Fall ohnehin den Parteitag beschäftigen und dort seine Erledigung finden muß, glauben wir von dem ausführlichen Abdruck der verschiedenen Erklärungen absehen zu sollen und schließen damit diese Er- örterungen. fZolizeiUcbes» CJcricbtlkfies ufw. Der§ 11 beb Prehgesches. Im April dieses Jahres hatte sich unser Düsseldorfer Parteiblatt, die„VolkSzeitungr, mit seltsamen Vorkommnissen! im Viersener katholischen Jünglingsverein beschäftigt. Durch diesen Artikel fühlte sich ein Kaplan beleidigt; er stellte Strofantrag und verlangte weiter noch Bestrafung des verantwortlichen Re- dakteurs, weil dieser eine Berichtigung des Kaplans angeblich zu spät aufgenommen batte. Als der Staatsanwalt diesem ssmeder- baren Verlangen, entsprach, zog der„beleidigte" Kaplan'sei ne n eigenen Strafantrag zurück! Wegen des angeblichen Verstoßes gegen das Preßgesctz fand am Mittwoch vor dem Düffel- dorser Schöffengericht Termin gegen den derzeitigen Verantwort- lichen der„Volkszcitung", Genossen Paul G e r l a ch, statt. Der Amtsanwalt glaubte eine absichtliche Zurückhaltung der Berichtigung allein aus der Tatsache feststellen zu können, daß der Redakteur gleich eine Widerlegung"der Berichtigung angehangen s hätte. Diese Beweisführung war selbst dem Gericht, zu dürftjig; es sprach den Angeklagten frei. )Ziis Industrie und Handel. Mittellandkanal. Auf der 17. Generalversammlung des Bundes der Industriell«:, der im wesentlichen die weitervcrarbeitende Industrie umfaßt, hielt der Syndikus dcs Bundes einen Vortrag über:„Ausfuhrindustrie und Mittellandkanal", dem wir folgendes entnehmen: „Wenn die Industrie über das Anwachsen der sozialpolitischen Lasten, der Steuern und der handelspolitischen Schwierigkeiten zu klagen hat, so noch mehr über die Belastung des Verkehrs durch die Frachtpolitik. Wenn die Industrie für die s o z i a l p o l i t i- scheu Lasten etwa eine Milliarde aufbringt, so seien die Lasten, die sie für Frachten zu tragen haben, mehrere Milliarden. Für Deutschland sind die Wasserstraßen um so bedeutsamer, als ein großer Teil der Stätten, an denen die Roh- stosfe gewonnen werden, weit abliegt von den Stätten, an denen sie verarbeitet werden. Ebenso liegen die meisten Stätten der verarbeitenden Industrie weitab von den Seehäfen. Deutschland ist unzweifelhaft gegenüber anderen Ländern weit im Rückstand in dem, was bisher für die Wasserstraßen getan ist und hinsichtlich der Mittel, die hierfür aufgewendet worden sind. Eine Frage, die die Oeffentlichkcit lange Zeit aufgeregt hat, aber seit etwa einem Jahr- zchnt leider zum Schaden der Industrie vollständig in den Hinter- grund getreten ist, ist die Frage des'Mittellandkanals. Es handelt sich dabei um einen alten Plan, der schon seit länger als einem Jahrhundert die.maßgebenden Kreise bewegt hat. Als 1886 der Tortmund-Emskanal beschlossen wurde, sollte er nach der Alssicht der Regierung nur eine Teilstrecke für den großen Kanal vom Rhein zur Elbe sein; schon 1886 machten sich aber große Widerstände geltend; zunächst wurzelten diese in industriellen Be- denken der oberschlesischen Industrie, die. eine Verstärkung des Westens befürchtete. Aber daneben begann schon in den achtziger Jahren die agrarische Opposition gegen die Verbilligung der Frachten und ganz besonders gegenüber den Wasserstraßen, in denen sie ein Einfallstor für große Gctrcidetransporte erblickten. Es wurde auch mit der angeblichen Verschiebung aller Wettbewerbs- Verhältnisse operiert. Aber diese Verschiebung trifft für alle Ver- kchrsmittel?u. Der Führer derselben Partei, die später gegen den Mittellandkanal auftrat, W i n d t h o r st, hat bereits 1883 den Einwand der Verschiebung zurückgetvicscn.— Der Redner geht dann aus die Verhandlungen und Debatten über den Mittellandl kanal näher ein und weist daraus hin, daß die Regierung den agrarischen Einflüssen gegenüber schließlich zurückgewichen ist. 1899 noch hat sich der Kaiser mit aller Kraft persönlich für das Projekt eingesetzt, aber das half der Regierung nichts gegenüber den agrari- lchcn Widerständen, und acht Tage später war die Borlage glatt abgelehnt. Zivar kündigte der Reichskanzler Fürst Hohenlohe ein baldiges Wiederkommen der Vorlage an und drohte, wenn die Agrarier bei ihrem Widerstand bestehen bleiben, mit Maßnahmen aus handelspolitischem Gebiet, aber es ist'nichts weiter geschehen. Neben dem agrarischen Argument hatte man auch den Wettbewerb der E i s e n b a h n e n herangezogen.' Demgegenüber muß hin- gewiesen werden aus die Stockungen dcs Güterverkehrs, die jedes Jahr im Herbst in Rhcinland-Westfalen auftreten und Handel und Verkehr schwer Mdigen. Es handelt sich überhaupt nur um Schein- argumente. und man will damit nur die Einfuhrfeindlichkeit der agrarischen Krefti verschleiern. Jedenfalls ist der Widerstand des Bundes der Landwirte und seiner Verbündeten sieg- reich geblieben. Die Frage des Mittellandkanals hat von Anfang an im engsten Zusammenhang gestanden mit der Frage der Handelsverträge. Seit Jahren ist leider in der Kanalfrage vollständige Ruhe eingetreten; es bestehen zwar noch einige Komitees, aber main hört von diesen kaum etwas, obwohl es sich dock um eine der größten und ernstesten Aufgaben der deutschen Volkswirtschaft handelt. Wenn die jetzigen Kanalbauarbeiten in etwa zwei Jahren ctusgeführt sein werden, dann wird ein Torso bestehen, an dein der Schlußstein fehlt. Es wird sich eine Wirtschaft- lichc Unmöglichkeit ergeben. Wir haben dann zwei große Systeme, denen die Verbindung fehlt, lediglich, weil man dem agrarischen Widerstand Rechnung tragen mußte. Unsere verarbeitende Industrie ist mehr dann je angewiesen auf billigen Transport der Rohstoffe auf dem Wasserwege. Es ergeben sich ganz abnorme Verhältnisse in volkswirtschaftlicher Beziehung. Wir haben zwei große Kohlengebiete, Ine direkt an der Grenze liegen und darauf angewiesen sind, die Kohle billig ins Ausland zu geben. Die sächsische Industrie und die des Elbgebietes leidet in wachsendem Maße untee der Teuerung der Steinkohle. ES tut ihr bitter not eine Verbindung mit ainem dieser Kohlengebiete. ES wäre diel wichtiger für uns. Lag die Kohle preiswert in diese Industriegebiete eingeführt wird, als daß heute Kohle im Werte ton mehr als einer Milliarde M a r k z u billigem Preis und auf Kosten der Staatsbahnen zu billigen Tarisen ivs Ausland geht. Dieselben Dinge erleben wir im Osten, heute deutsche Getreide mit Hilfe der sogenannten Einsah x j c!» c i n e billig an das Ausland abgegeben wird und noch dazu auf Grund außerordentlich niedriger Eisen- bahntarife an die Gren.->: gebracht wird. Diese Getreideausfuhr im Osten, die künstlich gezüchtet ist, hat uns bereits handelspolitische Schwierigkeiten gebracht, 1«nn Rußland denkt daran, als Gegen- gewicht gegen dt? Einfuhr scheine Getreidezölle einzuführen. Wir werden unabhängig von t,:n Rohstoffzöllen, wenn wir uns durch den Mittellandkanal die Zu fuhr unserer inländischen Rohstoffschätze nach den Industriezentren ermöglichen. Man überwindet heute Gebirge— aber die. eine. flache Ebene zwischen Hannover und Magdeburg nicht, denn dar agrarische Widerstand ist stärker als der van Gebirgen! Auf der anderen Seite erleben wir das bcschäi.undi Zurücktveichen der Regierungen und anderer Kreise."__ Ii, der Ssividende erstickt. Die Porzellanfabrik Kahlt� sitzt wieder einmal fest. DaS be« beulet für andere Unternehme« gen, daß sie in Zahlungsschwierig- leiten sich befinden; hier ober rsst das Umgekehrte richtig. Denn— das sind die Worte des betrsssemdeii Prospekts— trotzdem»das abgelaufene Geschäftsjahr durst cstne Arbeitseinstellung in Hermsdorf und Frciberg und eine dadurch bedingte(!) Arbeiteraussperrung in Kahla und Zwickau erheblich beeinträchtigt wurde", war die Gesellschaft in der Lage 4Proz. � Dividende und 131/2 Proz. Super- dividende, in Summa also 22i/z, für 1912„auszuschütten". Früher zahlte Kahla wiederholt 3o Proz., aber damals hatte das nichts zu sagen, denn die Arbeiterschaft kümmerte sich um die Höhe der Dividenden nicht allzu sehr. A ber neuerdings stehen allzn hohe Dividenden in„schlecktein Geruch", rund man erweitert deshalb gern das Aktienkapital, u»r an dem Divibmdengoldstrmn größere Summen sich netzen zu lassen, wodurch dann die Dividende nach außen hin doch nicht allzu bock erscheint. Dieses Bestreben ergibt sich hier offenbar aus der Tatsache, daß die<1»esellschaft, obwohl sie im letzten Jahre einen Nettoreingewinn von 1» 446 999 M. zu verzeichnen hatte, 499 Aktien a 1999 M. neu ausgibt. Sie hätte mit Leichtigkeit diese 499 999 M. anS dem Riescureingewin n nehmen und den Bedarf auf diese Weise decken können, um so mci ir, als man ja die Kleinigkeit von S19 389 M. auf„neue Rechnung" vortrug. Natürlich wandern ckou diesen 490 neuen Aktien besch luhgemätz 99 Proz. in die Hände der jetzigen Aktionäre, denen diese Aktien mit 259 Proz. anzubieten sind, während die Kahlaischen Aktien am letzten Sonnabend an der Berliner Bö» se mit 838.notiert wurden. Jeder Aktionär, der solch eine 1999-K llark-Aktie für 2500 M. neu erwirbt, hat also- gegenüber dem Börsenkurs einen Extragewinn von 889 M., die er eben direkt im„Handumdrehen" verdiente, wenn er die Aktie sofort an der Börse zum Vez kauf bringen würde. Die 1599 M. aber, die er, wenn er die Aktie.behält, über ihren Nominal- wert bezahlt, gehen ihm durchaus uickä verloren, denn da der Agiogewinn dem Reservefonds zugeschrfi'cken werden muß, erhöht sich also ohne weiteres wieder um soviel der Wert der in seinen Händen befindlichen Aktien. außerordentlich die Gesellschaft besorgt ist. daS„gute Werhältnis zwischen der Gesellschaft und den Arbeitern aufrecht zu Schalten", ergibt die Tat» fache, daß die Gencralveriainmlung der Witwenkasse 8000 M. und der Arbeiterunterstützungskasse 13 999 M., itzl Summa also 16 999 M. überwies, so daß also bei einer Arbeiterzah! von 2850 auf den Kopf 5,61 M.„Tantieme" entfielen, während die- sechs AufsichtSratsmit- glieder für ihre wahrhast„aufreibende" Tät�Äeit 117 529 M„ oder pro Mann 19 588 M. überwiesen erhielten. Aus dieser Gegenüber« stellung läßt sich nachfühlen, warum Porzellanarbeiter sehr oft, AussichtSratSmitglieder aber wohl nie an djr Schwindsucht sterben. L.etzU ISachnclßtcii. Chinesische Mogeleien. London, 12. September. Das ReuterKche Bvram erfährt, daß infolge andauernder Richters sich l u n g der Be- dingungen der letzten Anlejße Äurch die chinesische Regierung, die Mächte auf diese einen Dvuck ausüben, ihre finanziellen Verpflichtungen genauer zu bercklachten. Es wird Klage darüber geführt, daß Salz durch dtts ganze Land versandt wird, ohne daß Zoll&»a für lerhoben wird. Da die Anleihe durch die Salzzölle garantiert ist, liegt in diesem Verfahren ein Nachteil für die Anleihe. Borstellungen wurden bereits vor einiger Zeit in Peking genMacht, doch ist bisher keine befriedigende Antwort gegeben worden. Japan fordert einen Kotatt. Petersburg, IL. September.(Meldung der Petersburger Tclegraphen-Agcntur.) Japan stellt außer den Forderungen auf Bestrafung der Schuldigen, Zahlung einer Entschädigungssumme und Entschuldigung in Tokio, noch die weitere Forderung, daß sich General C h a n g s u e n bei dem japanischen Konsul in Nanking entschuldigt und mit seinen Truppen vor dem Konsulat defiliert. Ungeachtet der Mäßigkeit der For- derungen, die der Einwirkung Englands zugeZhsricben Wird, wird bezweifelt, daß Changsuen sie erfüllt. Hochwasserschäden in Galizietfi Przemysl, 12. September.(W. T. B.) Infolge von Regen- güssen ist der Sanfluß über die Ufer getreten, hat mehrere Straßen und Vororte überschwemmt und die Milihäirl>at>eanstalt und .Pontons mitgerissen. Ein Soldat ertranj. Auch die Ortschaft Sadowa-WiSznia ist teilweise überschwenMit. Infolge der Beschädigung dcs Bahnkörpers bei Bobrka auf der Strecke Stanislau— Lemberg— Chodorow ist der Betrieb auf zwei Tage eingestellt worden. Auch aus zahlreichen andgren Landesteilen werden Hochwasserschäden gemeldet. Manoli trustfrei! kekchluk des König!. Landgerichts zu Dresden: Ju Sachen der Firma� Cigarettenfabrik A!anoli I. Mandelbaum, Gesellschaft mit beschränkter Haftung zu Berlin, vertreten durch den alleinigen Ge- schäftsführer Kommerzienrat Jac-öb Mandelbaum zu Berlur,— Prozeßbevollmächtigte: Rechtsanivälte Alstizrat Dr. Popper, Dr. G. Schuberth und Dr. Joh. Thieme in Dresd,2N-A.— Antragstellerin, gegen 1. den Verband zur Abwehr des Tabaktrustes in Dresden, Ringstraße IS, vertreten durch seinen Vorsitzenden, Justizrat Dr. Bernhard! Eibes in Dresden, Prager Straße 10, und sein geschäftssührl/ndes Vorstandsmitglied Syndikus Karl Greiert in Dresden, Ri.ngstraße 18, 2. den Rechtsanwalt J�nstizrat Dr. Eibes in Dresden, 3. den Syndikus Karl«Greiert in Dresden, Antraggegner, wird aus Grund von§§ 14, Alis. 1, Satz 2, 25 d. Ges. gegen den unlauteren Wettbewerb vom 7. Juli 1909 einstweilige Verfügung dahin erlassen: den Antraggegnern wird zur Vermeidung einer Geld- strafe bis zu M. oder der Strafe der Haft bis zu S Monaten verbo/ten, die Behauptung öffentlich aufzu- stellen oder öffentlich zu verbreiten, daß die Antrag- stelleriu den AnÄtrustvertrag verletzt und deshalb eine Konventionalstrafe verwirkt habe. Dresden, den 6.(September 1913. Kgl. Candgerlcht, 2. ferienttrafkammer für Ifcndelsiacben. ' Der Vorsitzende: Dr. Simon, Landgerichtsdirektor. Ausgefertigt am 6. Septc/mber 1913. Der Gerichts�chreiber des Kgl. Landgerichts Dresden. (L. S.) Lenschke, Akt. Berlin, den 11. September 1913. An die Mano» Zigarettenfabrik Z. liiandelbaum G. m. b. y., Berlin. Ich bestätige Ihnen aus Ihr Ersuchen folgendes: Die von dem Syndikus der Handelhkammer zu Frankfurt a. M. berufene Kommission, bestehend aus den Herren: 1. Richard Haupt, Mitglied der Handelskammer zu Frankfurt a. M., Vorsitzender, 2. Kommerzienrat Paul Böhme, Mitglied der Aeltesten der Kaust Mannschaft, Berlin, 3. Dr. AlbertHaas, Chefredakteur des Berliner Börsen-Courier, Berlin, 4. Theodor Haas, Direktor der„Revision" Treuhand-A.-G., 5. Oscar Meyer, Syndikus der Handelskammer zu Berlin, die zur Untersuchung der gegen Sie erhobenen Angriffe über Ihre angebliche Trustzugehörigkeit in ihrer Sitzung vom 25. August 1913 erklärt, daß sie nach eingehender Prüfung der Urkunden, Geschästspapiere und Briese Ihrer Firma feststellte, ein Tatbestand, der die Anrufung eines Schiedsgerichts über Festsetzung einer Vertragsstrafe wegen Verletzung des Antitrust- Vertrages durch Sie begründe, liegt nicht vor, wenn alle Gesell- schafter Ihrer Firma noch eidesstattliche Versicherungen des Inhalts abgeben, daß keine direkte oder indirekte Verbindung mit dem englisch-amerikanischen Trust besteht. Die entsprechenden, von der Prüfungskommission vor- geschriebenen eidesstattlichen Versicherungen find von sämtlichen Gesellschaftern der Firma Manoli in beglaubigter Form ab- gegeben worden. Ich habe Urkunden heute an den Borfitzenden der Kommission, Herrn Richard Haupt, Mitglied der Handelskammer zu Frankfurt a. M. abgesandt. Hochachtungsvoll Dr. Meschelsohn, Justtzrat. Es ist nunmehr vollauf erwiesen, daß keinerlei Beziehungen zwischen uns und dem englisch-amerikanischen Tabaktrust bestehen, und daß wir völlig trnstfrei und trustrein sind. An dem in der Pr esse ausgebrochenen Streit, wer an den ausgestreuten Verdächtigungen schuldig ist, wollen wir uns in der Oeffentlichkeit nicht beteiligen. Durch Erhebung der Klagen wegen Beleidigung und unlauteren Wettbewerbs haben wir-die Angelegenheit vor den Strasrichter und vor das Zivilgeriffff(Kammer für Handelssachen) gebracht. Berlin, den 12.(September 1913. 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Gestern abend fand im Kellerschen Saale in der Koppen- siratze die Konferenz der Wahlvereinsfunktionäre statt, denen die Genossen H u y s m a n s und Vandersmisscn aus Brüssel darlegen sollten, wie und warum der Generalstreik in Belgien organisiert wurde. Wie unsere Leser wissen, hat die Berliner Polizei, der Denunziation einiger reaktionärer Organe folgend, unseren beiden Brüsseler Genossen die Aus- Weisung angedroht und dadurch verhindert, daß H u y s- m a n s und V a n d e r s m i s s e n persönlich zu den Berliner Genossen sprechen konnten. Daß aber die Reden, welche die Vertreter des belgischen Proletariats hier gehalten hätten, der Funktionärkonferenz in vollem Umfange vorgetragen wurden, das konnte die Polizei, so allmächtig sie sich auch dünken mag, nicht verhindern. Äaal und Galerien waren bis auf den letzten Platz ge- füllt. Nur wer eine Eintrittskarte vorzeigen konnte, wurde eingelassen. Als der Vorsitzende G r o g e r die Konferenz eröffnet hatte, machte er die Mitteilung von der Androhung der Polizei, die Genossen H u y s m a n s und V a n d e r- f m i s s e n auszuweisen, falls sie hier reden würden. Ent- rüstete Pfuirufe der Versammelten kennzeichneten dieses neueste Stückchen preußischer Polizeischikanc.— Wir sehen sagte Genosse G r o g c r— an diesem Vorgang wieder einmal, daß eine unwürdige Polizeiwirtschast in Preußen- Teutschland herrscht. Das soll uns veranlassen, uns klar- zumachen, wie wir Preußen zu einen? frrien Staat, zu einem Kulturstaat im wahren Sinne des Wortes machen können. Wir werden darüber nachdenken, wie die Waffe, über deren Gebrauch wir heute spreckien wollen, angewandt werden kann, um uns von dem Druck preußischer Polizeiwirtschaft frei- zumachen. Mit lebhaftem Beifall wurde die Mitteilung G r o g e r s aufgenommen, daß die Reden, welche die Polizei zu vcr- hindern geglaubt hat, nicht nur von dieser Stelle verlesen, fondern auch in der gesamten Parteipresse abgedruckt werden, so daß also sämtliche Parteigenossen in Deutschland in der Lage sind, sich eingehend über die Organisation und den Ver- lauf des belgischen Generalstreiks zu unterrichten. So werden also die von den Genossen Huysmans und Van der- f missen nicht gehaltenen, weil durch die Berliner Polizei verhinderten Reden durch ganz Deutschland gehört werden. Nun nahm Genosse Eichhorn das Wort zur Verlesung der von den beiden Brüsseler Genossen eingesandten Schilde- rung der Vorbereitung und Durchführung des belgischen Generalstreiks. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit folgte die Zuhörerschaft dem Vortrage, der in ruhiger, streng sachlicher Darstellung zeigt, wie die politische Situation den belgischen Parteigenossen die Anwendung des Generalstreiks zur Er- riimung eines freien Wahlrechts als notwendig erscheinen ließ, wie sie dann den Streik von langer Hand nach einem bestimmten Plane vorbereiteten, durch zweckmäßige Propa- ganda Stimmung unter den Massen machten, so daß für den Zeitpunkt der Proklamierung des Streiks alles zum Kainpf bereit war. Genosse Eichhorn betonte, daß er nur vortrage, was die belgischen Genossen geschrieben haben. Wir lassen nun- mehr das Wesentliche dieses Berichts folgen. Oer Bericht der Belgier. Der lctztebelgische Massen st reik war eine Etappe in dem fast 50 Jahre langen Kampfe um das allgemeine Wahl- recht und die politische Gleichheit in Belgien. Alle großen Ar- beiterkämpfe in früherer Zeit hatten neben der wirtschaftlichen gleichzeitig eine politische Bedeutung. Sie dienten der Erringung des allgemeinen Wahlrechts. Seit t886 rechnen die belgischen Arbeiterorganisationen mit dem Massenstreik. 1891 wurde ein solcher Massenstreik mit teilweisem, 189g schon mit bedeutenderem Erfolg durchgeführt. Daß die damalige Kamincrmchrheit in aller Eile das Plural- Wahlrecht annahm, war sicher auf den Massenstreik zurückzuführen. Bis 1893 war das Proletariat in Belgien überhaupt von parla- mentarischer Betätigung ausgeschlossen. Unter dem Pluralwahl- recht begann die parlamentarische Tätigkeit und zwar rückte die Sozialdemokratie sofort mit 28 von 152 Abgeordneten in die Kammer ein. Diese Erfolge spornten die klerikale Reaktion zu schärferem Borgehcn gegen"die Arbeiterklasse an. Sic verschlech- tcrte das 5ioinmunaUvahlrecht, arbeitete an der Verkirchlichung des Unterrichts, der Ausbreitung der Klöster uno der Klerikali- sierung der Staatsbetriebe, und sorgte für christliche Genossen- schaften und Syndikate mit Staatsunterstützung. Gestützt auf eine mit betrügerischen Mitteln erhaltene Mehrheit in der Kammer machte die Klerikalisierung des ganzen Landes Riesenfortschritte. Dagegen gibt es nur ein Heilmittel: das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht. 1992 wurde im Kampfe um dieses Wahlrecht der Generalstreik wiederum angewandt, mißglückte aber, da die Regierung auf den Widerstand vorbereitet war und die Liberalen feindselig beiseite standen. Der Kampf um das Wahlrecht nahm nunmehr andere Formen an. Ein bedeutender Teil der Arbeiterklasse glaubte dieses Wahl- recht erhalten zu können, wenn man die liberale Partei ans Ruder brachte; eine größere Zahl von Liberalen hatte sich zugunsten einer solchen Reform ausgesprochen. Das Zu- sammengehen mit den Liberalen wurde im Jahre 1911 endlich vollkommen. Man glaubte, daß die Wahl von 1912 den Sturz der klerikalen Regierung herbeiführen würde und daß oie Ar- beiten für die Verfasiungsrebision dann sofort in Angriff gc- nommen werden könnten. Es herrschte in der Arbeiterklasse eine Bewegung voll stärkster Hoffnungen. Diese Hoffnungen wurden indes getäuscht. Tie klerikale Mehrheit, die vor den Wahlen sechs Mann betrug, hatte sich bei den Wahlen auf 16 Mann vcr- stärkt. Die Taktik eines Kompromisses mit den Liberalen mar also fehlgeschlagen uno wollte man nicht das Pluralwahlrecht als ewige Einrichtung hinnehmen, dann blieb nur ein Mittel, zur alten Taktik zurückzukehren: zum Massenstreik. Mit der Wieder- aufnähme der alten Taktik wurde ohnedies an die frühere Tra- dition angeknüpft. Die Partei konnte auf die Dauer der Anwendung des Massenstreiks gar nicht ausweichen. Hätte sie ihn verhindern wollen, wären die Massen über oie Führer hinweggegangen. Schon am 3. Juni 1912 begann der M a s s e n st r e i k ganz spontan. Es wurde versucht, ihn zu unterdrücken, es gab Tote in verschiedenen Städten und es kostete den Führern die größte Anstrengung, die Arbeiter zur vorläufigen Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Unter solchen Umständen ging die Partei planniäßig an die Organisation des Massenstreiks. Die Idee fand auch in jenen Kreisen des Bürgertums Sympathie, wo man den klerikalen Machtansprüchen sehr mißvergnügt gegenüberstand. Bevor die eigentliche Organisation des Massenstreiks geschildert werden soll, einige Worte über die industrielle Lage in Belgien. Räch der Gewerbezählung eon 1896 zählte Belgien 773 000 Arbeiter, darunter 101 000 Heimarbeiter. Frauen sind in der Industrie beschäftigt 118 000, in der Heimarbeit 65 000. 39,88 Prozent gehören der mittleren und kleineren Industrie an, 60,12 Prozent der Arbeiter der Großindustrie. Die Lohnarbeiter ver- teilen sich so: auf die Textilindustrie, Kleiderfabrikation, Metall- industrie, Bergwerke und"das Baugewerbe zirka 60 Proz., der Rest auf oie Nahrungsmittel-, Holz-, Möbel-, Lederbranche usw. usw. In der Landwirtschaft sind 187 000 Arbeiter beschäftigt. Tiefe sind wenig und wenn überhaupt, dann klerikal o r- ganisicrt. Ihre Einbeziehung in eine Aktion der modernen Arbeiterschaft i st ganz unmöglich, aber ihre Beteiligung am Massenstreik hätte auch wenig Einfluß gehabt. Der Massenstreik wurde durch eine umfassende Propa- ganda vorbereitet. Indem die Partei daranging, diese Be- wegung zu organisieren und zu disziplinieren, lvar gleichzeitig ein Mittel gegeben, unsere Arbeiterorgani- s a t i o n e n zu verbessern. Daß die Vorbereitung wirklich dieses Resultat gehabt hat, ist zur Genüge bewiesen durch den Fortschritt der Gewcrkschaftsorganisationen im Laufe des Jahres 1912; ausgedehnte Tendenz zur Zentralisation, Anlvachsen der Mitglieoerzahl in neum Monaten von 97 945 auf 129 334 und Fortschritt der Presse: das sind die Resultate der Propaganda für den Massenstreik. Die Vorbereitung des Streiks begann mit dem außer- ordentlichen Parteitag vom 30. Juni 1912. Beteiligt Ivaren daran alle Organisationen, die auf dem Boden des Klassen- kampfcs stehen und die Arbeiterpartei als politische Vertretung der Arbeiterklasse anerkennen, also Partei, Gcwerk- schaften, Genossenschaften und außerdem 254 lokale Organisationen, Tic für den Streik gebildete Or- ganisation stand politisch außerhalb des Rahmens der be- stehenden politischen, gewerkschaftlichen und genossenschaft- lichen Organisationen, Ein Exekntivburcau und ein Exekutivkomitee standen an der Spitze. In diesen Körperschaften hatten Gewerkschaften und Genossenschaften, wie überhaupt alle am Streik beteiligten Organisationen ihre Ver- tretung. Es wurden vier Spezialausschüsse gebildet: ein Agitationsausschutz, ein Finanzausschuß, ein Lebensmittel- ausschutz und ein Ausschuß für Ausivanderung der Kinder. Diese Ausschüsse entsandten ebenfalls Delegierte in die Zentralleitung. Die Arbeit der einzelnen Ausschüsse war sehr mannigfaltig. Der A g i ta t i o n s a u s s ch u ß hat in der Zeit vom 12. August 1912 bis 1. April 1913 eine Anzahl Manifeste in einer Auflage von mehr als je einer Million herausgegeben. Diese Manifeste wurden auch als Plakate in allen Gemeinden angeschlagen. Neben diesen Manifesten lvurde eine größere Anzahl Broschüren verbreitet, eine Broschüre gegen das Pluralwahlrecht von Vandervelde, eine über das allgemeine Wahlrecht und die Gewerkschaften von Del- vignc, eine dritte an die christlichen Arbeiter von Dewinne, eine Broschüre kurz vor Beginn des Streiks von Vandersmissen:„Sind lvir bereit zum Generalstreik?", endlich eine Broschüre an die Soldaten von Brouckere, und weiter wurde eine eigene Zeitung herausgegeben, durch die die Eisenbahner und Trans- portar b e i t c r für den Streik gewonnen werden sollten. Für die Sekretäre selbst waren bestimmt drei umfangreiche Broschüren, aus denen sie alles notwendige Material über den Massenstreik entnehmen konnten. Der Agitationsausschuß gab außerdem her- aus eine Propagandamarke zum Bricfvcrschluß, die in 650 000 Exemplaren in Umlauf gelangte, bevor ihre Beförderung von der Post verboten wurde. Weiter wurde eine Propagandamedaille auchzcgeben, die in zirka 123 000 Exemplaren Absatz fand. Tausende von Versammlungen und Demonstrationen zur Propagierung des Massenstreiks wurden neben dieser schrifilichen Propaganda ver- anstaltet. Der Finanzausschuß hatte die Aufgabe, für die nötigen Mittel zu sorgen. Von Gewerkschaften und Genossenschaften waren von vornherein 39 000 Frank zum P ropagandafonds ge- zeichnet und es blieb nun die Aufgabe, 400 000 Arbeiter, von denen nur ein Drittel den Gewerkschaften angehörte,� für mehrere Wochen zu unterstützen. Die Mittel der Gewerkschaften und Gc- nossenschaften sollten nicht zu stark in Angriff genommen werden, um im Falle einer Niederlage diese Organisationen nicht auf- fliegen zu lassen. Die meisten Gewerkschaften beschlossen daher, erst nach vierzehntägigem Streik und auch dann nur mit wesentlichen Zuschüssen einzugreifen, andere Gewerk- schaften lehnten jede Unter st ützung ab. Der Finanzausschuß empfahl also: 1. individuelles Sparen, 2, Bil- dung eines Streikfonds, 3. Ausgabe von Streiksondsheften mit Scheinen über 1 bis 100 Frank lautend und offizielles Sparen. Außerdem wurden Hefte ausgegeben mit Verpflichtungsscheinen, da viele erst etwas zum Streik beitragen wollten, wenn er aus- gebrochen sei. Von der aufgebrachten Summe sollten 75 Proz. zur Unterstützung der Streikenden und 25 Proz. zur Propaganda dienen. Die gesammelten Beiträge blieben im Ortsverband, das Nationalkomitee hatte nur den Reservefonds zu verwalten. Der Ortsverband war für die Unterstützungen der Streikenden ver- antwortlich, vom Nationalkomitee wurden nur die finanziell schwachen Ortsverbände unterstützt. Dem L e b c n s m i t t c l a u s s ch u ß lag in erster Linie die Skreikkontrolle ob; er hatte die Streikenden wöchentlich einmal zu zählen. Im übrigen sollte er für die Lieferung von Naturalien und für Speisung der Streikenden sorgen und das Versammlungs- Wesen ordnen. Die Versammlungen mußten am Tage stattfinden, um alle Unruhen zu vermeiden. Die Nahrungsversorgung wurde dadurch gefördert, daß Gewerkschaften und Genossenschaften ihre Unterstützungen meist in Naturalien oder in Gutscheinen auf solche gewährten. Der Ausschuß für die Auswanderung der Kind er versandte zahlreiche Fragebogen nach den Grenzgebieten von Holland und Frankreich, um Unterkunft für die Kinder Streikender zu erbitten. 1906 war diese Einrichtung zum ersten- mal in Anwendung gebracht worden, 3500 Kinder wurden damals außerhalb des Streikgebicts verpflegt. Die Kinder sollten auch diesmal nur Leuten anvertraut werden, wo sie gute Ernährung und gute Pflege hatten. Es war zu diesem Zwecke ein ständiger Ueberwachungsdienst mit ärztlicher Hilfe eingerichtet. Endlich wurden die Ge nossenschaften durch Zirkular angegangen. sich rechtzeitig mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Volkshäuser wurden angewiesen, abends 7 Uhr im Interesse der Ruhe und Ordnung zu schließen. Die Arbeiterorganisationen richteten um- fangreichen Ueberwachungsdienst ein, und cS wurde Vor- sorge getroffen, daß die Streikenden durch Unterhaltungen, Museumsführungen, Sport und Ausflüge beschäftigt wurden. So waren alle möglichen Vorbereitungen getroffen, als am 14. April der Streik ausbrach. Die Beteiligung über- traf alle Erwartungen, am zweiten Tage feierten bereits 372 000, in den nächsten Tagen stieg die Zahl auf 450 000, auf welcher Höhe sie bis zum Ende des Streiks blieb. Fast alle Kohlen- gruben streikten, meist ivaren nicht mehr als 10 Proz. der Ar- beiter hier noch beschäftigt. In der Metallindustrie, im Bau- gewerbe, in den Glashütten, Spiegelfabriken, Steinhütten nnd in der Textilindustrie feierten durchgängig 50 bis 95 Proz. der Arbeiter. In den Häfen von Brügge und Gent ruhte die Arbeit, in Antwerpen feierten die Docker. Die christlichen Arbeiterorganisationen arbeiteten in der erbärmlichsten Weise gegen den Streik. Man nahm daher auch allgemein an, daß eine Bewegung zur Wiederaufnahme der Arbeit einsetzen werde. Sic unterblieb indessen. Auch die Gouverneure, iii deren Händen d:e Polizeiverlvaltung liegt, boten alles auf, den Streik zu verhindern. Anßerdeni wurde überall Militär bingelvorfen. Trotzdem ist der friedliche Charakter des Streiks, wie er geplant war, auch völlig verwirklicht worden,!vas bei einer Bewegung, wo auf zirka 800 000 Arbeiter ini Lande 450 000 Streikende kommen, von außerordentlicher Bedeutung ist. Das Personal der Eisenbahn-, Post- und T,e legraphenbetriebe, die Arbeiter der öffentlichen Gemeindebetriebe und die Zeitungsdruckcr der Hauptstadt haben an der Bewegung nicht teilgenommen. Für die beiden ersten Gruppen ist das auf die große Unterwürfig- keit zurückzuführen, in der sie von ihrer Verwaltung noch er halten werden, und die Buchdrucker beteiligten sich nicht, weil einen: großen Teil der Typographen das Solidaritätsgefühl mit den organisierten Arbeitern der anderen Industrien fehlt. lieber die finanzielle« L e i st n n g e n während des Streiks ist folgendes zu bemerken: Die Bewegung zugunsten des individuellen Sparens hatte recht wenig Erfolg, dagegen bewährte sich die offizielle Sparc�in- r i ch t u n g. Durch Hanskassierer wurden in zahlreichen Orten ganz erhebliche Summen zusammengeholt, die für jeden der Strei- kenden im Durchschnitt eine Reserve von 20 bis 30 Frank ans- machte. Genaue Angaben sind nicht möglich. Nach einer nnvoll- ständigen Statistik haben 21 300 Personen zusamnien 385 000 Frank aus diese Weise gespart. Durch Sammelscheine wurden gesammelt 125 300 Frank, auf andere Weise 114 900 Frank, beim- Nationalkomitee gingen 258 000 Frank ein, insgesamt also ist in den Bezirken und beim Nationalkomitee an Sammelgeldern zu- sammengeflossen 525 678 Frank. Darin sind die Unterstützungen der Gewerkschaften und Genossenschaften natürlich nicht cinbe- griffen. Lebensmittel(Brot, Reis, Bohnen, Erbsen) wurden in Antwerpen an 6000 bis 6500 Streikende verteilt. In Brüssel waren 32 Küchen errichtet, in denen 63 000 Liter Suppen znr Ausgabe gelangten. In der ersten Woche wurde die Suppe für 10 Centimes, in der zweiten Woche kostenfrei ausgegeben. In einer Schulaula einer Groß-Brüsseler Gemeinde wurden 400 Mahl- zeiten a 20 Centimes an Streikende oder ganze Familien aus- gegeben. Gent hatte 32 Küchen eingerichtet, in denen 244 000 Liter Suppen und 120 000 Kilo Brot an zirka 11 000 Familien abgegeben wurden. In vielen wallonischen Gemeinden, wo im Winter Schulsuppen verabreicht werden, wurde die Ausgabe der Schulsuppen auch während des Streiks beibehalten. Die Einrieb tung der eigenen Küchen mit der eigenen Lebensmittelversorgung hat sich nach dem Urteil aller Beteiligten durchaus bewährt. Die Auswanderung der Kinder nahm einen über- mäßigen Umfang nicht an. Aus Holland waren 2500 Angeoole, aus Frankreich 5000 Angebote für die Annahme von Kindern Streikender eingegangen. Außerdem hatten die Holländer 6000 Gulden gesammelt zum Fahrgeld für die Kinder. Diese An- geböte aus dem Ausland aber wirkten günstig auf die ein- heimischen Kreise. Zahlreiche Bürgerliche, ganze bürgerliche Organisationen und natürlich auch viele bessergestellte Parteimitglieder erklärten sich bereit, Kinder anzunehmen, so daß nur 200 nach Holland und 200 nach Frankreich zu gehen brauchten, die übrigen wurden im eigenen Lande untergebracht. Da dieser Vortrag, so schließen die Ausführungen unserer belgischen Genossen, einzig den Zweck hat, eine objektive Darlegung der Organisierung des Generalstreiks in Belgien zu geben, glauben wir. dem Porstehcnden nicht weitere Kommentare hinzufügen zu müssen. Wenn wir uns ein wenig bei den erzielten Resultaten auf- gehalten, so geschah es nicht wegen des politischen Gesichtspunktes, sondern einzig und allein, damit Sie beurteilen können, in welchem Maße die angewandten Mittel uns erlaubten, das Ziel zu er- reichen, das der außerordentliche Parteitag vom 30. Juni 1912 gesteckt hatte:„die Organisation eines Generalstreiks friedlich aber mächtig zn gegebener Zeit einheitlich und methodisch zu beginnen und bei der Arbeitermasse zu erreichen, daß sie ihn mit der- selben Einheitlichkeit beende, sobald es klar wäre, daß der er- strebte Zweck erreicht, oder es erwiesen wäre, daß seine Er- reichung durch den Generalstreik, wie dessen Charakter durch den Parteitag festgelegt war, unmöglich sei." Als E i ck li o r n die Verlesung beendet hatte, bemerkte er, er wolle über den belgischen Generalstreik kein Urteil abgeben, aber das dürfe man sagen: Die Darlegngen der bei- gischen Genossen können weder für noch gegen den Massen- streik in Deutschland matzgebend sein. Aber das können wir daraus lernen: Die Arbeiterschaft ist heute mächtig genug, um ihren Willen durchzusetzen, mag es nun nach belgischem Muster oder mit anderen Mitteln geschehen. Auch gegen- über dem Vorgehen einer Polizei wie die Berliner wird die Arbeiterschaft ihren Willen zur Geltung bringen, eingedenk des stolzen Wortes:„Unser die Welt trotz alledem."(All- seitiger lebhafter Beifall.) Ter Vorsitzende Groger gedachte mit Worten des Dankes der belehrenden und anregenden Darlegungen der belgischen Genossen. Die Polizei konnte es nicht hindern. Hätz wir diese Ausführungen hörten. Nun ist es unsere Aufgabe, die Anregungen, welche wir hier empfangen haben, in die Praxis umzusetzen. Machen wir die Arbeiterschaft so stark, daß sie imstande ist, der Polizeiwillkür und der ganzen Schmach der preußischen Reaktion ein Ende zn machen. Geloben wir, die Organisationen der Partei und Gewerk- schaften so zu kräftigen, daß sie diesen Kampf siegreich durchführen kann. Mit einem begeisternden dreifachen Hoch auf die Sozial- dcmokratic endete die Zusammenkunft. Zur Steuerfrage. Bon Emanuel Wurm. II. Ueber meine Resolution schrieb das„Kasseler V o l l s b l a t t" am 80. August: „Wurm hat unseres Erachtens im großen Ganzen das Richtige getroffen. Das scheint im allgemeinen die Auffassung der Partei zu sein. Daher die, von einigen Ausnahmen abgesehen, still- schweigende Entgegennahme der Steuer- Resolution in der Parteipresse.' Tatsächlich wurde die Zahl der Kritiken nicht sehr groß und ihre Einwände richten sich zumeist gegen Einzelheiten, nicht gegen den Grundgedanken der Resolution. Nur Genosse K a r s k i hält es für erforderlich, die Resolution in Bausch und Bogen zu verurteilen: er schreibt in der„Leipziger Volkszeitung" vom 6. September unter der Ueberschrift: „Eine Gelege nheitsresoltltion": „Die Resolution, die Genosse Wurm dem Parteitag zur Steuerfrage vorschlägt, ist in einem wesentlichen Teil darauf zu- geschnitten, die Abstimmung der Fraktion bei der Deckungsvorlage zu rechtfertigen. Ein solches Beginnen, auf Grund eines Spezial- falles eine Resolution zu fabrizieren, die den Anschein einer allgemeinen programmatischen Festlegung hat, scheint uns wenig zweckmäßig. Wir halten es für falsch, wenn man versucht, auf Grund einer einzelnen Abstimmung allgemeingültige Normen für da? Verhalten der Partei aufzustellen." Da ihm die Redaktion der„Leipziger Volks- z e i t u n g" sofort entgegentrat, wiederholt er seinen gegen mich gerichteten Vorwurf in einer Zuschrift an die Redaktion vom 9. d. M., wo er wieder erklärt:„Die Resolution des Genossen Wurm ist nun, meiner Auffassung nach, auf den ge- gebenen besonderen Fall zugeschnitte n." Genosse Karski täuscht sich! Die von mir vorgeschlagene Resolution»rechtfertigt" nämlich keineswegs die Ab- stimmung der Fraktion bei der Deckungsvorlage, sondern ent- spricht der von mir in den Fraktionsberatungen eingenommenen Ansicht, daß wir gegen den Wehrbeitrag, aber f ü r die Vermögenszuwachs st euer zu stimmen hatten. Die Resolution— und das halte ich für das allerwesentlichste unserer ganzen Auseinandersetzungen darüber— sucht klar- zustellen, daß die Stellungnahme in jedem Einzelfall nicht allein von unserer grundsätzlichen Haltung im allgemeinen bedingt ist, sondern auch von der jewei- ligen politischen Situation. • Da ich in meinem Referate auf dem Parteitage die all- gemeinen Grundlinien der Resolntion darlegen werde, will ich hier nur auf die wichtig st en Einwände eingehen. Nachdem ich in meiner Resolution auf die Bedeutung hingewiesen habe, welche der Verwendungszweck für unsere Stellungnahme zu Steuern hat, nehme ich im zweiten Absatz auf den Beschluß von Nürnberg 1908 Bezug. In den Debatten vor, während und nach der Entscheidung der Fraktion über ihre Stellung zu den Steuern dieses Sommers ist verabsäumt worden, daran zu erinnern, daß wir nicht zum e r st e n m a l vor der Frage stehen, was haben wir zu tun, wenn wir uns in einer Zwangslage befinden, in der wir nur die Wahl haben zwischen einem größeren und einem kleineren Ucbel. Die Nürnberger Debatten hatten gezeigt, daß wir in verschiedenen Landtagen bereits in die Zwangslage kommen können, für ein Budget stimmen zu müssen, um ein schlechteres zu verhüten, obwohl doch, wie die Jstirnberger Resolution mit aller Schärfe hervorhebt, die Ge- samtabstimmung über das Budget sogar als Vertrauens- Votum für die Regierung aufgefaßt werden muß. Bei dem Kritiker der„Bremer Bürgerzeituug", hat nun gerade mein Hinweis auf die Budgetbewilligungs- frage den Eindruck erweckt,„als bilde die Grundlage unserer Stellungnahme zum Stcuerwesen die Tatsache, daß sie alle dem kapitalistischen Staat geliefert werden, und nicht unsere Beurteilung des Steuerwesens". So flüchtig die Ausdrucksweise ist, die den Artikel des Bremer Kritikers wiederholt recht schwer verständlich macht, so flüchtig ist auch sein absprechendes Urteil über meine Resolution. Er über- sieht, daß der vorhergehende Absatz lautet: „Für die Bewilligung von Steuern ist aber nicht allein maßgebend die A r t der Steuern, sondern auch ihr Verwendungszweck." Damit wird doch deutlich genug gesagt, daß beides, Art und Verwendungszweck in gleicher Weise berücksichtigt werden müssen I Andere Bedenken hat Genosse H. M. in der„Königsberger Volkszeitung" vom 25. August. Er sagt: „Das Budget kann zum Vergleich nicht herangezogen werden. Wir lehnen es ab, nicht weil es unbedingt eine arbeiterfeindliche Maßnahme ist, sondern weil die Ablehnung des Budgets die einzige Gelegenheit ist, durch eine parlamentarische Abstimmung zum Ausdruck zu bringen, daß wir Todfeinde der kapitalistischen Gesellschaft sind." Da irrt sich Genosse H. M.I Die Nürnberger Resolution begründet die Budgetverweigerung damit,„daß der Staat, solange er sich in den Händen der besitzenden Klassen befindet, ein Organ der Klassenherrschaft darstellt und ein Mittel zur Niederhaltung der besitzlosen Volksmassen bildet". Und am Schluß der Nürnberger Resolution heißt es:„Die grundsätz- liche Verweigerung des Budgets entspricht vollkommen der Klaffenlage der besitzlosen Volksmassen, die eine unversöhnliche Opposition gegen die bestehende, dem Kapitalismus dienende Staatsgewalt notwendig macht." Die Nürnberger Resolution sagt also ganz klar, daß wir daS Budget ablehnen, weil es unbedingt eine arbeiter- feindliche Maßnahme sein muß, eben weil der kapitalistische Klassenstaat nicht anders als arbeiterfeindlich sein kann. Dem Vergleich mit der Budgetabstimmung schickte ich den Absatz über unsere Stellung zur Steuerfrage voraus, weil ich eben zeigen will, daß wir nicht zum erstenmal eine Ent- schcidung zu treffen haben, wie wir uns in einer Zwangs- läge verhalten, sondern daß wir bereits für unser a l l g e- meines Verhalten den Staatsbedürfnissen gegenüber, auch den von uns bekämpften, wie sie in Budgets zum Ausdruck gelangen, eine von einem Parteitage aner- kannte Richtschnur besitzen und daher ganz und gar nicht darauf angewiesen sind, nagelneue Wege suchen zu müssen. Deshalb fährt meine Resolution fort: „In gleicher Weise ist amb jede direkte Steuer, selbst wenn sie allein den Mehrwert trifft, von unseren Genossen a b z u- lehnen, falls der Verwendungszweck den Interessen der Arbeiterklasse widerspricht, es sei denn, daß die Ablehnung der direkten Steuern durch unsere Genossen die Annahme der bekämpften Vorlage nicht hindert und eine für die Arbeiterklasse ungünstigere Besteuerung zur Folge haben würde." In demselben Sinne äußert sich Genosse Lp. in der „Dresdener Volks ztg." vom 30. August, nachdem er mir zugestimmt hat, daß der Verwendungszweck maßgebend für die Bewilligung von Steuern sein muß: „Allein das allgemeine Prinzip: Diesem Staat keinen Groschen, reicht in der parlamentarischen Praxis allein nicht aus. Man muß zugeben, daß es Situationen gibt, in denen die Sozial- demokratie für gewisse Besitzsteuern stimmen kann. Solche Fälle können eintreten, wenn sie durch ihre Abstimmung dem finanziellen und wirtschaftlichen Fortschritt zum Siege verhilst." Dagegen erklärt mein Bremer Krjtiker diesen Absatz der Resolution für opportunistisch und zwar nur deshalb, weil ich fordere, daß „wir für die direkten Steuern nur dann stimmen sollen, wenn nur durch diese Abstimmung das Proletariat vor indirekten Steuern bedroht wird, also wenn die Entscheidung bei uns liegt". Er meint, wir müssen auch dann fiir direkte Steuern stimmen, wenn nicht die Entscheidung bei uns liegt, damit „wir prinzipiell", nicht nur praktisch„zum Ausdruck bringen, daß nach der Ansicht der Sozialdemokrasie die be- sitzenden Klassen die Kosten ihrer Herrschaft zu tragen haben". Zu ganz entgegengesetzten Schlußfolgerungen kommt die „Schwäbische Tagwacht" vom 27. August; sie schrieb: „Daß wir Steuern für den Militarismus bewilligen sollen, wenn anders eine für die Arbeiterschaft ungünstige Besteuerung zu befürchten ist, will uns nicht in den Sinn... Bei einem Mantelgesetz müßten wir also für daS ganze Gesetz stimmen, wenn es direkte Steuern vorsieht, und wenn im Falle der Ab- lehnung der Militärvorlage eine andere mit indirekten Steuern zu befürchten wäre?" Am heftigsten zieht jedoch Genosse Geyer in der „Leipziger Volkszeitung" vom 27. August gegen diesen Absatz der Resolution zu Felde, der ihm nur in seinem ersten Teile zusagt, aber von den Worten ab:„es sei denn" als eine„Verballhornung des Partei- Programms" erscheint. Und dabei hat Genosse Geyer in Nürnberg für diese selbe angebliche Verballhornung des Parteiprogramms bei der Budgetresolution gestimmt! Er übersieht in seinem Eifer so wenig die Situation, daß er behauptet: „Angesichts dieses Grundsatzes braucht man wohl nur die Frage aufzuwerfen, was den Interessen der Arbeiterklaffe mehr widerspricht: Andirekte Steuern oder die Stärkung des Mili- tarismus, um sofort die richtige Antwort zu finden. In Deutsch- land sind die indirekten Steuern hauptsächlich erst eine Folge des Militarismus, der unzweifelhaft das größere Uebel ist, das den Interessen der Arbeiterklasse widerspricht und fie unstreitig viel schwerer trifft, als selbst indirekte Steuern. Schon aus diesen kurz hier angeführten Gründen ist der letzt- abgetrennte, hier besprochene Teil der Resolution als völlig im Widerspruch mit unseren programmatischen Forderungen und dem- nach als unannehmbar zu bezeichnen." Die Redaktion der„Leipziger Volksztg." hat im An- schluß an den von ihr abgedruckten Artikel Geyers sofort sein Fragespiel richtig gestellt. Sie schrieb: „Diese Frage st ellung ist im Grunde verfehlt. Die Partei bezw. die Fraktion hatte gar nicht zu wählen zwischen indirekten Steuern oder Stärkung des Militarismus I Sondern die Frage lautete und lautet: Stärkung des Militarismus und indirekte Steuern oder Stärkung des Militarismus ohne indirekte Steuern." So ist es l Ganz wie bei der Budgetfrage I Es handelt sich eben nur um solche Fälle, in denen wir uns in einer Notlage befinden und daher in der Notwehr handeln müssen! Die Notwehr hat uns auch feit jeher die- jenige Taktik aufgenötigt, welche der nächste Absatz meiner Re- solution schildert: Entsprechend unserer Programmforderung haben unsere Ge- nossen in den Parlamenten stets darauf hinzudrängen, daß b e- stehende indirekte, die Arbeiterklasse belastende Steuern abgeschafft und durch direkte ersetzt werden, ohne Rück- ficht darauf, zu welchen Zwecken die Staatseinnahmen verwendet werden. Der Name des Genossen Geyer wie der aller übrigen Fraktionsmitglieder steht unter dem am 14. Februar 1912 im Reichstage eingereichten Antrage: A l b r e ch t und Genossen. Der Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Steuern und Verbrauchsabgaben auf Streich« Hölzer, Petroleum und Salz durch eine Reichseinkommen« steuer auf Einkommen von über(K)00 M. oder durch eine Steuer auf Nachlässe von über 20 000 M. ersetzt. Ja, derselbe Genosse Geyer hat auch, wie ihm das „Hamburger Echo"(2. September) mit Recht vorhält, 1909 als Wortführer der Fraktion bei der Sydowschen Finanz- reform gesagt: „Wenn man gerecht sein und die stärkern Schultern belasten will, dann müßte man die Erbschaftssteuer so ausbauen, daß aus ihr mindestens eine Viertelmilliarde neuer Steuern herausgeschlagen würde. Wir werden selbstverständlich in der Kommission den Versuch machen, das Unglück neuer indirekter Steuern von den arbeitenden Klassen abzuwenden; wir werden alles tun, um das kleinere Uebel an die Stelle des größeren zu setzen," Und er fuhr dann fort, daß wir das„nicht etwa diesem System zuliebe tun", sondern um eine ungerechte Belastung der arbeitenden Klassen zu verhüten. Ganz richsig, Genosse Geyer! Aber wozu dann der Lärm?! Auch in der Politik gibt es ein Gesetz der Notwehr. Und je stärker die Sozialdemokratie in den gesetzgebenden Körperschaften wird, um so öfter wird sie in die Lage kommen, von dieser politischen Notwehr Gebrauch zu machen und das kleinere Uebel dem größeren vorzuziehen. So hat die Fraktion— und ohne den geringsten Widerspruch bei den Genossen zu erfahren— auch schon am 13. Dezember 1893 und am 16. März 1894 gehandelt, als dieCaprivischenHandelsverträge zur Abstimmung gelangten. Ohne die Zustimmung der damals 36 sozialdemo- kratischen Abgeordneten für den 3'/« Mark-Zoll auf Roggen wären die Handelsverträge abgelehnt worden und damit der Hochschutzzoll von 5 M. wiedergekehrt. Wir stimmten damals für den 3'/z Mark-Zoll, obwohl wir grundsätzliche Gegner jedes Getreideschutzzolls sind! Das war Notwehr! Würden wir aber, auch ohne daß es auf unsere Stimmen ankam, f ü r den 3'/z Mark-Zoll gestimmt haben, dann hätten wir damit unserer Zustimmung zum Getreidezoll überhaupt Ausdruck gegeben! Und genau so verhält es sich bei den Steuern! Deshalb schließt meine Resolution mit dem Satze: Demgemäß haben sie lunsere Genossen in den Parlamenten) auch zu verhüten, daß neue indirekte Steuern auf die Arbeiter- klaffe gewälzt werden, und wenn dies nur durch Zustimmung zu direkten Steuern zu erreichen ist haben sie dafür zu stimmen, da dann der Verwendungszweck der direkten Steuern nur noch der Ersatz indirekter Steuern ist. Genosse Geyer meint, das sei eine„Hinweg- t ä u s ch u n g über den wirklichen Zweck der bewilligten Steuern". Entgegengesetzt meint Genosse H. M. in der„Königs- berger Volkszeitung" vom 3. September, wenn wir. um indirekte Steuern zu verhindern, für direkte eintreten müssen, falls unsere Ablehnung nicht die Annahme der be- kämpften Vorlage hindert, dann müssen wir für die direkte» Steuern stimmen, auch wenn es auf unsere Stimmen nicht ankommt. „Wenn die Sozialdemokratie sweil es auf ihre Stimmen nicht ankommt) Maßnahmen, die dem Proletariat nützlich sind, weil sie Schädigungen vom Proletariat fernhalten, ablehnt, so erschwert sie die Aufklärung und Aufrüttelung der Massen." Noch weiter' geht das„Hamburger Echo" vom 3. September, nach dessen Ansicht der letzte Absatz meiner Resolution den beiden vorhergehenden widerspricht. Es schreibt: „Die Konsequenz würde dann gebieten, den Punkt 10 des Parteiprogramms zu streichen. Ihn in der Weise zu verklausu-„ lieren, wie die Resolution des Genoffen Wurm vorschlägt, würde ein stark widerspruchsvolles Beginnen sein. Entweder die Partei verzichtet auf den steuerpolitischen Kampf, beschränkt sich auf ein theoretisches Bekenntnis, oder sie benutzt jede Gelegenheit, jede Möglichkeit, um in der Richtung zur Ueberwindu'ng der bestehenden unheilvollen Systeme positiv zu wirken. Die Z w e ck b e st i m m u n g kann in der Steuerfrage erst dann entscheidend sein, wenn nicht mehr zu wählen ist zwischen dem herrschenden System und direkten Steuern der von uns ge- forderten Art, sondern nur letztere zu bewilligen sind. Dabei würde es sich nicht um die Frage der steuerlichen Gerecbtigleit handeln, sondern um glatte Verweigerung für Zwecke, die wir ver- werfen." Das„Hamburger Echo" will also, daß wir für jede direkte Steuer stimmen,„um positiv" zu wirken! Nein! Bereits 1909 auf dem Leipziger Parteitage Hab« ich mich dagegen gewendet, daß wir unter allen Umständen für direkte Steuern zu stimmen hätten, nur weil sie direkte sind. Damals konstruierte ich den Fall: „daß die herrschenden Klassen sich eine Knüppelgarde nach Art der„schwarzen Bande" halten wollen, um die Gewerkschafts- bewegung niederzuknüppeln und daß sie diese„schwarze Garde" bezahlen durch direkte Steuern. Sollen wir dann auch dafür stimmen weil die Steuer eine direkte ist?" Diese Frage verneinte ich. Genosse K a r s k i aber. der sich an diese Episode offenbar nur dunkel erinnert, kon- struiert, um die UnHaltbarkeit meiner Resolution zu beweisen, folgende„horrendeste Konsequenz" des Schlußsatzes meiner Resolution. Er meint, wenn die Regierung vorschlügt, die organisierten Sozialdemokraten samt und sonders nach Kamerun zu transportieren und die Regierungsmehrheit ist bereit, die Kosten hierfür durch eine einmalige, direkte, progressive Ein- kommensteucr zu bewilligen, dann müßte unsere Fraktion dafür stimmen, wenn die Gefahr besteht, daß anderenfalls die Kosten durch eine indirekte Steuer aufgebracht würden,„da dann der Verwendungszweck der direkten Steuern nur noch der Ersatz indirekter Steuern ist". Genosse Karski beachtet nicht, daß in meiner Resolution das Wörtchen„nur" steht: wenn— die Belastung der Ar- beiter—„nur durch Zustimmung zu diretten Steuern" zu verhindern ist! Nur! In dem vom Genossen Karski konstruierten Falle, in dem es auf Biegen oder Brechen geht, wäre es ganz gleich, ob für den Moment mehr oder weniger volksbelastende Steuern kommen. Ist die Sozialdemokratie dann so schwach, daß sie sich die Expatriicrung gefallen lassen muß, dann kann die Arbeiterklasse darauf rechnen, daß sie bis zum Weißbluten nicht allein durch Steuern, sondern auch durch den Arbeits- vertrag ausgebeutet wird. Es ist eben so, wie Genosse Karski an einer anderen Stelle seines Artikels zutreffend bemerkt (bei seiner„horrendesten Konsequenz" aber nicht beachtet lfat), „daß es nicht auf die einzelne, für einen bestimmten Zweck geschaffene Steuer ankommt, sondern auf die Gesamtheit der Staatswirtschaft". Das eben ist es! Die gesamte politische Lage ist bei Fragen der Taktik in Betracht zu ziehen— und das ist der Grundgedanke der Schlußsätze meiner Resolution: Die Politische Gesamtsituation entscheidet, wie wir uns in einer Zwangslage zu verhalten haben. Das„Hamburger Echo" schrieb am 3. September über die drei letzten Absätze meiner Resolution: „Diese Vorschläge leiden an einer starken Unbestimmtheit. Ihre Tendenz ist offenbar, die Zustimmung der Sozialdemokraten in parlamentarischen Körperschaften— nicht nur im Reichstage, sondern auch in den Landtagen und in den Gemeindevertretungen— zu direkten Steuern entgegen der bisherigen Anschauung und Taktik, erheblich zu erschweren. Diese Tendenz erscheint uns sehr bedenklich." Das„Hamburger Echo" wird jetzt wohl� einsehen, daß es sich in der Tendenz der Resolution getäuscht hat! Die Tendenz ist dieselbe, die die Sozialdemokratie gehabt hat von der ersten Stunde ihrer parlamentarischen Existenz an: Ab- wehr aller Angriffe gegen das Wohlergehen der Arbeiterklasse! Nicht grollend beiseite stehen, weil wir nicht alles jetzt erreichen können, was wir wollen, sondern unermüdlich mitarbeiten, und soweit unsere Macht„reicht, die Gegner zurückdrängen I 4- Genosse G u st a v Hoch hat Ende August in vier Artikeln im„Vorwärts" meine Resolution einer eingehenden Kritik unterzogen. Er kommt scheinbar zu einem von mir ab- weichenden Resultat, aber nicht nur ich, sondern zahlreiche Genossen. Anhänger und Gegner meiner Resolution— alle die ich fragte, konnten nicht entdecken, inwiefern Genosse Hoch durch seine Formulierung etwas anderes zum Ausdruck bringt wie ich. Er nimmt einen Teil dessen, was ich in den Lcit- sätzen sage, in die Resolution— ein überflüssiges Beginnen, da ja auch die Leitsätze dem Parteitage zur Begutachtung vorgelegt werden und in ihnen unsere Kritik der einzelnen Steuerarten weit gründlicher zum Ausdruck kommen kann als in den einzelnen Sätzen, die Hoch meinen Leitsätzen entnimmt, um daraus eine neue Resolution zu machen. Dafür werden aber durch die Umredigierung, die Hoch an den drei letzten Absätzen meiner Resolution vorgenommen hat. die ihr zu- gründe liegenden Gedanken keineswegs deutlicher, sondern unklar. Wie ich zeigte, ist die Reihenfolge der Absätze nicht willkürlich, sondern absichtlich so gewühlt. um von der allgemeinen Budgetfragc zu der besonderen Steuerstage zu kommen, von der bereits geklärten Frage zu der aufzuklärenden. Der vom Genossen Hoch gemachte Zusatz, der sich auf die Verstaatlichung bezieht, steht ebenfalls in meinen Leitsätzen, nur daß ich notwendigerweise nicht allein von Staatsmondpolen spreche, sondern auch von Gemeinde- Monopolen, die vom Genossen Hoch vergessen wurden. Die Hauptsache ist ihm eine Worränderung des letzten Teils des drittletzten Absatzes meiner Resolution. Ich sage. in absichtlich wörtlicher Uebereinstimmung mit der Nürnberger Budgetresolution: ei sei denn, daß die Ablehnung der direkten Steuern durck, unsere Genossen die Annahme der bekämpften Vorlage nicht hindert und eine für die Arbeiterklasse ungünstigere Besteuerung zur Folge haben würde. Hoch sagt: eS sei denn, daß die Annahme der direkten Steuer keine Voraussetzung für die Annahme der bekämpften Vorlage ist und eine für die Arbeiterklasse ungünstigere Besteuerung v e r- hindert. Wo ist da der Unterschied? Auch in den vier Artikeln, in denen Hoch seine Vorschläge begründet, finde ich nichts, was von meiner Beurteilung der Sachlage abweicht. In seinem dritten Artikel schreibt Hoch, genau von den- selben Erwägungen geleitet, wie sie in meiner Resolution zum Ausdruck kommen: „Auch ich lehne das unbedingte Nein gegen Besitzsteuern zur Deckung der Militärvorlage ab." Zu derselben Schluß- solgerung kam auch Genosse P a n n e k o e k in Nr. 48 der „Neuen Zeit" vom 25. August, allerdings mit dem Ergebnis, daß die Fraktion hätte gegen die Vermögenssteuer stimmen müssen, weil sie„unzulänglich" ist. Aehnlich schrieb Genosse Hoch in seinem dritten Artikel im„Vorwärts" vom 25. August: „Was wir... zu bekämpfen haben ist das, daß die bürger- lichen Parteien, die angeblich für Besitzsteuern sind, sich mit den Gegnern der Besitzsteucni verständigt haben, um möglichst schlechte Bcsitzsteuern festzulegen und sie zur Voraussetzung für die Annahme der Militärvorlage zu machen. Was wir be- kämpfen, ist das, daß auf diese Weise die bürgerlichen Parteien den Gegnern der Besitzsteuern die Annahme der Militärvorlage erleichtern." Was sind„schlechte" Besitzsteuern? Solche, die den Eroßkapitalisten verhältnismäßig zu wenig, den mittleren und kleineren Kapitalisten zu viel abnehmen! Ist die Besitz- stcuer so„schlecht", daß sie vorwiegend die arbeitende Bevölkerung belastet, dann wirkt sie ebenso wie irgend eine indirekte Verbrauchsabgabe. Handelt es sich aber nur um ein Mehr oder Weniger bei den verschiedenen Kapitalisten- gruppen, nun, dann mögen diese sich nur gegenseitig in die Haare geraten, das kann uns nur recht sein. Hoch hat in der Elberfelder„Freien Presse" vom 2st. August geschrieben, durch direkte Steuern tvird die Bourgeoisie nicht gegen den Militarismus unwillig, nur die 5lleinkapitalistcn. Dem stimme ich vollkommen zu,' aber die Schlußfolgerung Hochs halte ich für unrichtig, wenn er diesen Unwillen der Klein- kapitalisten als bedeutungslos hinstellt,„denn", so sagt er, „sie sind ohne Einfluß auf die entscheidenden bürgerlichen Parteien". Nun— so ganz ohne jeden Einfluß müssen wohl diese Kleinkapitalisten nicht sein, sonst würde nicht die Groß- bourgeoisie durch Anträge und Gesetze zur Mittelstandsrettcrci um ihre Gefolgschaft werben! Das ist aber auch die einzige Differenz, die ich zwischen den Anschauungen des Genossen Hoch und den meinen ent- decken konnte. Und seine Umredigierung meiner Resolution kann ich, so dankbar ich jede Verbesserung begrüßen würde, nicht als eine solche betrachten. Aber das steht fest. Hoch ver- tritt dieselbe Anschauung wie ich: Dort, wo wir uns in der Zwangslage befinden, müssen wir unter selbstverständ- licher Berücksichtigung der gesamten politischen Situation im Jnteresie der Arbeiterklasse für deren möglichst geringste ' Schädigung sorgen. Und daraus ergibt sich: Die Abstimmung der Fraktion bei der Dcckungsvorlage ist nicht allein von unserem grundsätz- lichen Standpunkt im allgemeinen, sondern auch von den taktischen Verhältnissen im besonderen zu beurteilen. Nach meiner Ansicht lagen diese so, daß für den Wehr- beitrug eine bürgerliche Mehrheit sicher war; infolgedessen kam hier der letzte Absatz meiner Resolution» nicht in Betracht, die Verhinderung einer indirekten Steuer anstelle des Wehr- b e i t r a g s war nicht nur durch unsere Zustimmung zu dem- selben zu erreichen, wir mußten also gegen ihn stimmen. Anders bei der V e r m ö g e n s z u w a ch s st e u e r! Hier wäre ohne unsere Stimmen eine bürgerliche Mehrheit nicht zustande gekommen, da, sobald wir erklärt hätten, daß wir gegen diese Steuer stimmen, eine Mehrheit ebenfalls da- gegen gestimmt haben würde, um im Herbst mit neuen indirekten Steuern das Defizit zu decken— und deren An- nähme hätten wir dann nicht mehr verhindern können. Die Fraktion hatte also nicht freie Hand, sondern befand sich in einer Zwangslage! lind sowie sie schon seit Jahrzehnten in solchen Situationen sich entschieden hat, mußte sie auch diesmal das kleinere Nebel wählen, um im Interesse der Arbeiterklasse ein größeres zu vermeiden— ganz so wie dies bei den Caprivischen Handelsverträgen und bei der Nürnberger Budgetresolution ausschlaggebend gewesen war. � Die Mehrheit der Fraktion war der Ansicht, daß beim Wehrbeitrag und bei der Vermögenssteuer die Zustimmung erforderlich war, um ihre Annahme zu sichern. Die Minderheit der Fraktion hielt allein die Zustimmung zur Vermögenssteuer für erforderlich. Daß es sich hier nicht um grundsätzliche Differenzen handelt, beweist allein schon die Tatsache, daß bei der Minder- heit wie bei der Mehrheit rechts und links sich zusammen- gefunden hatten. Der Parteitag wird entscheiden, welche An- schauung er für die richtige hält. Soziales. Ein barmherziger Samariter. Wir erhalten auf Grund des§ 11 des Preßgesetzes von dem Vertreter des Dr. med. Bernhard Friedenheim(der sich von einer im O p e r a t i o n s st u h l liegenden Kranken eine Prozeßvollmacht zur Einklagung von Honorar gegen die Krankenkasse ausstellen ließ, ohne daß die Kranke daraus ersehen konnte, was sie unterschrieb!) folgende Berichtigung: „Es ist unrichtig, daß Dr. F. in mehreren Fällen den im Operationsstuhl liegenden Patienten ein unausgesülltes Blatt Papier zur Unterschrift präsentierte. Es handelt sich nur um den einen Fall Altmann. Das Blatt Papier tvar nicht unaus- gefüllt, sondern mit anliegendem Inhalt bedruckt. Das Urteil befindet sich in den Akten des Magistrats Berlin. Das Ehrengericht weigert sich nicht merkwürdiger- weise von dem Erkenntnis der ersten Instanz, gegen das der Angeklagte Berufung eingelegt hat, eine Abschrift zu erteilen, viel- mehr ist nach dem Ehrengerichtsgesetz dasselbe nicht berechtigt, von dem geheimen Verfahren Mitteilung zu machen. Dagegen ist die Ortskrankenkasse der Schneider mit ihrer Widerklage gegen meinen Mandanten auf Rückgabe des gezahlten Honorars, für Behandlung des Mitgliedes Frau Altmann, im dringenden Falle, durch rechtskräftiges Urteil des ordentlichen Gerichts kostenpflichtig abgewiesen worden und verurteilt, anzu- erkennen, daß das an meinen Mandanten gezahlte Honorar ihm von Rechts wegen und nach der gesetzlichen Gebühren- o r d n u n g zusteht." Statt dieser Erklärung hätte uns Dr. Fr. lieber das gegen ihn ergangene Urteil des ärztlichen Ehrengerichts mitteilen sollen; damit wäre der Aufklärung der Sache besser gedient worden. Die wesentlichen Tatsachen vermag ja auch die„Berichtigung" nicht zu widerlegen. Akkorb-Schwierigkeiten. Aus dem Streik bei der Firma„O t i s"- Elevator-Gesellschaft sind eine ganze Anzahl Lohnstreitigkeiten entstanden, über die zum Teil bereits vom Gewerbegericht entschieden wurde oder deren Ent- scheidung in einem späteren Termin fallen wird. Bei den meisten der Streitsälle handelt es sich um sogenannte Akkord-Ueberschüsse, die� dadurch entstehen, daß während der Dauer der Akkordarbeit Abschlagszahlungen geleistet werden, denen jedoch ein weit unter dem Durchschnittsverdienst liegender Stundenlohn zugrunde gelegt wird. Soweit es sich um fertiggestellte Arbeiten handelt und der Akkordzettel unterschrieben ist, besteht natürlich über den Anspruch kein Zweifel. In den meisten Fällen liegt aber die Sache so, daß die Arbeit nicht völlig beendet ist, und zwar nach Behauptung der Kläger infolge Materialmangel. Nun zeigte sich aber in den bisher verhandelten Sachen, daß die Kläger sich verleiten ließen, eine andere Arbeit zu beginnen. Daraus folgert nun das Gericht das Einverständnis des Klägers mit der Arbeitsunter- brechung und wird stets zur Abweisung des aus Materialmangel hergeleiteten Klageanspruchs kommen, denn nun kann der Akkord- Überschuß erst gefordert werden, wenn die Arbeit tatsächlich beendet ist. In den Fällen, wo der Akkordzettel nicht unterschieben war, ist die Rechtslage auch nicht günstiger. Wenn die Kläger keine Unter- schrift leisteten, fehlt eben ihr Einverständnis und es kann daraus gefolgert werden, daß nur ein Lohnverhältnis bestand, wobei der niedere Abschlagslohn in Betracht käme. Der Umstand, daß das Unterzeichnen unterblieb, weil der auf dem Akkordzettel vermerkte Preis ein ganz willkürlicher war und später, nachdem der Versuch beendet und die tatsächlich erforderliche Arbeitsleistung festgestelll war, oft wesentlich erhöht werden mußte, ändert leider recht wenig. Ein Wesensbestandteil de? Akkords ist nunmal die vorherige Preis- Vereinbarung. Der„ISW Mark-Vertrag" als Familienfürsorge. Die Anerkennung des sogenannten 1500 Mark-VertrageS ent- wickelt sich trotz der lebhaftesten Bedenken vieler Juristen und un- geachtet der Proteste aus den Kreisen der Geschäftswelt mehr und mehr zu konstanter Rechtsprechung. Das Kaufmannsgericht Dresden hat wiederum die Gültigkeit eines solchen Vertrages in einem dort zur Entscheidung gekommenen Fall anerkannt, und das in der Be- rufung angerufene Landgericht hat sich der Auffassung des Kauf- manngerichts angeschlossen. Die Begründung, die das Landgericht dazu gibt, ist eine Art Verteidigungsschrift für das sich jetzt einbürgernde System, den pfändbaren Gehaltsüberschuß durch einen-loOl) Mark-Vertrag beizeiten dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen. Der Schuldner war im vorliegenden Falle der Proku- rist einer großen Firma, der es in 20 jähriger Tätigkeit bis zu einem Gehalt von Z40 M. pro Monat gebracht hatte. Durch Ver- mögensverfall seiner Frau geriet auch der Prokurist in finanzielle Bedrängnis, und die Firma wollte ihn wegen der Scherereien, die sie selbst durch seine Gläubiger hatte, entlassen. Auf seine Bitten behielt sie ihn jedoch auf Grund eines neuen Vertrages, nach wel- chem der Prokurist nur IbtX) M. Gehalt beziehen sollte. Die Firma behielt sich das Recht vor, der Ehefrau nach Belieben Zuwendungen zu machen. In Wirklichkeit gab sie auch der Frau laufend soviel, wie die Differenz des früheren Einkommens betrug. Das Land- gericht verteidigte nun zuerst das Vorgehen der Firma, indem es sagt: Sie ist eine angesehene Firma, die auch rücksichtlich ihrer An- gestellten auf Ansehe« halten muß. Es entspricht der Sachlage, daß sie die Tätigkeit R.'s, die dieselbe wie vorher blieb, nicht für die geringe Vergütung annahm, sondern den Ueberschuß der Familie zukommen lassen wollte. Von R. selber sagt das Landgericht, datz er das Abkommen aus Fürsorge für seine Familie schloß. Daß er seine Familie den Gläubigern vorzog, sei nicht sittenwidrig. Sein Gehalt einschließlich der Zuwendungen an die Frau sei bei den heutigen Zcitverhältnissen für die Lebensführung eines Ange- stellten in gehobener Stellung gerade ausreichend. KnefKatten der Redaktion. XU Iilrtstische evrcchstunde findet Linden st raste 69, dorn vier Treppen — F a h r st» d l—, wochentS glich von ttb bis 7M, Uhr abends, Sonnabends, do» t>,!. bis V Uhr abrnds statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Merkzeichen»eizufSgen. Briefliche»ntwor« wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Aboiinemcntsguittung beigefügt ist, rerden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstnnde vor. I. K. Z». Ihre Angaben reichen nicht auS, kommen Sie in die Sprech- stunde. Soweit ersichtlich, waren Sie zur Leistung der Ueberstunden verpflichtet. — M. G. 37. 1. und 2. Es ist wenig Aussicht vorbanden. Bestimmter könnte die Frage nur beantwortet werden nach Einsichtnahme in das frühere Alimentationsurteil. 3 Bis zur Volljährigkeit, sofern das Kind nicht eigenen Verdienst hat, der zur Deckung der Unterhaltskostcn ausreicht.— M. W. Das eingebrachte Gut bleibt Ihr Eigentum auch dann, wenn Sie keinen Ehevertrag schließen, da Gütergemeinschaft nicht eintritt. Falls Sie das Nießbrauchs- und Vcrwaltungsrccht Ihres zulünftigen Gatten aus- schließen wollen, müssen Sie mit diesem zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll einen Ehevertrag schließen, und die Eintragung in das Güter- rechtsregister sowie die Publikation veranlassen.— M. 69. Wtr raten, eine Beschwerde an den Kassenvorstand einzureichen.— F. A. 37. Sie können Auszahlung verlangen unter Rücksendung des neuen Lose«, dieses muß aber unverzüglich geschehen.— M. F. 2>. 399. Wenden Sie sich an das Polizeirevier.— Zl. M. 78. 1. Geburtsurkunden beider, Mbtärpaß des Bräutigams, außerdem kann der Standesbeamte einen Staats- zugehörigkeitsausweis verlangen. 2. Anwesenheit beider bei der Anmeldung nicht erforderlich. Die Braut kann die Anmeldung auch besorgen. 3. In einem der beiden Orte.— Adlershofer Abonnent. ES bleibt nur übrig, sich an einen anderen Kassenarzt zu wenden. A. S. I«. Nein.— A. 1«. Der mit dem ersten Eigentümer ge- schlosscne Vertrag ist auch jetzt noch bindend.—®. 45. Ja.— O. 500. Ja, sosern Sie im Prozeß obsiegen.— Zeichen»«. Soweit ersichtlich, können Sie den Vertrag nur wegen arglistiger Täuschung ansechten, sosern nicht bereits ein Jahr verstrichen ist. Wir raten, im VerhandlungS- termin dem Richter den Sachverhalt vorzustellen.— 95.®. Z. Ja. Hat Ihre Reklamation Erfolg, so haben Sie ein Rücksorderun.gsrecht. — K. S. 10«. 1. Nein. Der Abzug war nur filr die letzten zwei Monate zulässig. Sie lönncn sür den Fall, daß aus Aufforderung hin nicht Zahlung erfolgt, beim Amtsgericht Klage erheben.— P. H 100. Sie sind von der Haftpflicht befreit, sofern nicht eine entgegenstehende Ab- machuug mit dem Wirt getrosten ist.— E. M. 27. Dazu ist die Mutter verpflichtet. Die Beschlagnahme ist sonach auch zu Recht erfolgt.— Los nur 50 Pfg. Ziehung am 23. Septbr. Schneidemühler Automobil- und Pferde- otterie 3.300 Gewinne 1. Werte T.Mark 100000 1. JlauptRe w.: 1 Automobil Wert M. 15000 2. Hauptgew.: 1 Vlcrerzu Wert IW. 10000 to 50 Pf JSE SU Porto u. 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September 1913, von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags findet die Urabstimmung über den von der Generalversammlung gestellten Antrag betreffend die Erhöhung der Arbeitslosen- Unterstützung und des Lokalbeitrages statt. Der Antrag ist im Wortlaut auf dem Stimmzettel enthalten. In folgenden Lokalen wird abgestimmt: peiorovÄis Restaurant, wavcn�tr.«. Waldts Restaurant,». Obiglos Festsäle, schwcdter str. s»«s. Gliesches Restaurant, Kopcnhsgener str. 74. Swinemünder Gesellschaftsbaus, Voigts Theater,«****. 58. Frankes Festsäle,»adatr. i®. Nebels Restaurant,»»»»tr.»ab. Funkes Festsäle, Trmatp,«». Kronen-Brauerei, Ait-Moob« 47 4®. Patzenhofer Brauerei, Tarmstr.«»--«. Viemers Festsäle, Buiowatr. Gewerkschaftshaus,«»U-iater 15, sa», 5. FrShlicbs Restaurant,«aakaner str.». NitSCbkeS Restaurant, Belchenberscr Str. 86. Eickes Restaurant, sch»nieinatr.«. Schünemanns Restaurant, au« jakob.tr. 144. SpäthS ReStaUrant, eeorgcnktrchBt*. 6«. Comenius-Säle, Wemelcr Str. 67. BOekeC, weberotr. 17. ROtt, Straßmanuntr. SO. Neukölln, Bartsch, Hermannstr. 40. „ Zibell, Blbeatr. 8. „ Iden, Harner Str. 88. RÜCkheim, Bergstr. 07, Kokegel, Rcnterstr. 68. Schöneberg, Vereinshaus, Hanpt.tr. 5. Baumschulenweg, Boches Reslauranl, Tempelhof, Wilhelmsgarten, Beniner str.». Charlotlenburg, Volkshaus,«o.inen.tr. s. Köpenick-Friedrichshagen, Lehmann, K«Penick. Bahnhof.tr. 44. Stralau-Rummelsburg, Blume, Au-Bon.»««- S6. Lichtenberg, Kurkowsky, pfarr.tr. 74. Sieglitz, Albrechtshof, Aibreebt.tr. 1.. Ober-Schöneweide, Warnicke, Adlershof, Restel, Prleden.tr. 14.» Wildau, Kordaneek, wudaner not. Weißensee, Peukert, Beniner Aue« ssi. Tegel, Heinicke, Brunow.tr. 23. Reinickendorf, Glende, Angn.'�f'ctöfrä- aiu«. Spandau, Mudetzky, Bi.marok.tr. s. Pankow, Rozyeki,«ren-.tr.»4. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand abstimmen! w Wllhclmlnenhof- .traOc 18 Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Leiter der Abstimmung ist der Kollege Adolt Cohen, Linien- straste 83/85. 125/18__ Pic OrtavcrwaUnng. Dkiitscher Transpiirtiirbeittr-llrrbliiid. Be.irk.verwaltnng«Zroß-Berlln. Achims! Kollegen unll Kolleginnen aus den Ort ichailen fldkr$l)«f, Grünau, fllt-Glicniche, Zohannislhal, iiieder- Schöne weide Sonntag, den 14. September 1913, vormittags 10 Uhr bei Otto Ziege, Adlershof, Lismarckstr. 18: Allgemeine Versammlung! Tagesordnung: 1. Die Bedeutung der Wahlen und das Wahl- verfahren zu dem Ausschusse und dem Borstande der Krankenkasse. 2. Diskussion. 3. Event. Stellungnahme zur Aufstellung von Vertretern. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Tagesordnung erwarten wir, dag olle Kollegen und Kolleginnen aus oben genannten Orten erscheinen. 68/2 Die Agltation.kommis.ion, Verband der Sattler und Portefeuilier. OrtsTerwaltnng Berlin. Achtung! Gnulknnilkgn, Teppilhiillhkr! Achtung! Montag, den IS. September, abends 8 Uhr, bei Welbnaebt, Grünstraste 21; AuHerordentliche Versammlung Tagesordnung: 1. Der bisherige Ausgang nnserer Lohnbewegung. 2. Branchenangelegenheiten. 157/18 Die Kollegen werden ersucht, recht pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Tie Branchenleitung. Kein llntersebieci in Qualität ob Bar oder Teilzahlung ........... - 1 Mark 6 atchentllaiM TelUahtunf tiefer« elegant« i Herren- i Moden 6 fertig uivd nach MaB! * Garantie tör ladellosen Sitz j Julius j FflUim 6 Schneidermeister 0 I. Geschäft: lör. Frankfurter Str. 37' II. Geschäft; • TurmstfrlB1 Kein Ladern • III. Gescb&ft: ! MusserStr. 14 ». Nur 2. Etage «6.6« � ReulersWerke SALAMANDER EINSEGNUNG5 STIEPEL EINHEITSPREIS MK12 Salamander ScKuh6es. m b H föerlin, Zcnirale föerlmWö Friedrichsir. 169, Vordem cne'DTLiurtecfouch V iigisi SO .�GW ■ f..'. mmm c K'a- r Bekanntmachung der uns ver.snliien Le.orbe zu Berlin. Nachdem das Königliche Ober- vcrsicherungSamt Arosi- Berlin die Zulassung der unterzeichneten Kasse als besondere Lrtskranlenlassc ab- gelehnt hat, wird die Ortskrankenkasse der Maler und verwandten Gewerbe am 31. Dezember 1913 geschlossen. Wir bringen dies gemäg K 301 der R.-V.-O. mit dem Hinweis zur östent» lichcn Kenntnis, dag etwaige Gläubiger ihre Ansprüche innerhalb 3 Monaten vom Tage der Bekanntmachung ab im Kassenlokal schrisilich geltend zu machen haben. Die Befriedigung von Gläubigern, die ihre Forderungen nicht binnen 3 Monaten nach der Bekanntmachung anmelden, kann ver- weigert werden. 2211b Ferner weisen wir hin, dag die Wahlen zum Ausschutz der.Allgemeinen Ortskrankentasse der Stadt Berlin' am 28. September 1913 statt- linden. Wahlberechtigt sind auch die Arbeitgeber und volliädrigeu Ver- sicherten der unterzeichneten Kaste. Näheres über die Wahlen ist aus den Bekanntmachungen der.Allge- meinen Ortskrankenkasse zu Berlin' vom 23. August 1913 ersichtlich. Berlin, den 13. September 1913." Der Vorstand der Ortskrankenkasse der Maler ii. verw. Gewerbe. I. A.: L. Jakobeit, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse der Vergolder und Berufsgenoffen. Berlin 50, Engelufer IS. Bekanutmachung. Laut Beschlug deS Königlichen Ober» vcrsichcrungsamts Grotz-Berlin vom 30. August 1913 wird die Kaste am 31. Dezember 1913 geschlossen und gehören die Betriebe sowie die Versicherten vom 1. Januar 19U der Allgemeinen Orts-Krankenkastc der Stadt Berlin an. Die Wahlen zum Ausschutz finden am 28. September d. I. statt und oeriveiscn wir auf die Bekanntmachung der Allgemeinen Orts-Krankcnkasse vom 23. August 1913. Nach§ 301 der RciwSversicherungs- ordnung wollen die Gläubiger ihre Forderungen innerhalb drei Monate einreichen: die spätere Anmeldung von Forderungen kann verweigert werden. Por Vorstand. H. Küpper, Vorsitzender. Küffdiiikr" Orts- Krankenka ff e der verwandte» Gewerbe zu Berlin. Bekanntmachung. Die Beschwerde gegen die Enlschci» dung des königlichen Obcrvcrsichc» rungsamts Grotz-Berlin ist vom Minister sür Handel und Gewerbe zurück- gewiesen. Infolgedessen bat das lönig- liche Oberversichcrungsamt am 30. August 1913 den Bcichlutz gcfaht, datz unsere Kaste geschlossen wird, weil die Zulassung derselben rechts» kräftig versagt worden ist. Die Schließung tritt mit dem 31. De» zcmber 1913 in Kraft. Wir bringen dies gemäß fj 301 R.-V.-O. zur öffentlichen Kenntnis und fordern alle Gläubiger auf, binnen drei Monaten nach der Be» tanntmachung ihre Forderungen an- zuincldcn. Die Befriedigung später cinlauscnder Forderungen kann ver- weigert werden. Ferner machen wir bekannt, datz Arbeitgeber und Versicherte vom 1. Januar 1914 zur-Allgemeinen Orts-Krankenkastc der Stadt Berlin gehören. Die Wahlen zum Ausschutz der Allgemeinen Orts-Krankenkasse, welcher an Stelle der Gcncralvcr- sammlung tritt, finden statt: am Sonnrag. den 28. September 1913. DaS Nähere hierüber ist auS den Bekanntmachungen dieser Kasse er» sichllich. Zn diesen Ausschutzwahlen werden Wahlkartcn für wahlbercch» tigtc Arbeitgeber und Versicherte unserer Kasse im Kassenlokal Barnim- stratze 19 vom 13. b:s 27. seprembcr I9l3, werklägiich von 8— 2 und 5—7 Uhr ausgestellt. Wir ersuchen alle Wahlberechtigten, ihr Wahlrecht aus- zuübcn. 275/8 Der Borftand der Ortskraiikrntaffe d. Kürschner und verw. Gewerbe zu Berlin. Karl Fritze, Vorsitzender. [ Greift zu! 33 r. bill. Herrn, der sich elesr. u. I kleiden will, empfehle eleg. Mo- natsgarderobe in feinsten Werk- stätt. Berlins gearb., von Herr- schaften.Doktoren,KavaJiorennur kurze Zeit gebr.(für jed. Fig pass.) Manats-Jackett-Anzüge 8,10. 14,18». Monats-Rock-Anzüge 10, 12, 16, 20 M. Monats-Paletots 8, 10. 14, 18 M. Monals-tiereen-tiosen 2,50, 5,00 M. Ulster, sehr billig.• Große Abteilung neuer Garderobe Mnlltoiian Gr' Frankfurter Str. 98 HlUlUftUCr,(Nahe Strausberger PI.) Bitte genau auf No. 08 zu achten I 68/2_ Ple Agltatlonakommi».loH._____ '— jvercmtwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil oerantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.«erlag: Vorwart,«uchdruckere, u. LerlagSanstalt Paul Singer u.»o.. Lerliu ä«. Nr. 238. 30. IshkMg. 2. SeilM!>» Armrls" KMer AIIisM Sonllabtlld, l3. September l9l3. Ge�erKscKaftlicKes. KriliQ und Arbeitslosigkeit m der Textilindustrie. Tie deutsche Textilindustrie mit ihren mehr als 1 9(10 999 beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen steht gegenwärtig unter dein Truck einer furchtbaren Krisis, und zwar sind alle Zweige, mit Ausnahme der 194 999 Arbeiter uinfassenden Wirkerei und Strickerei und der Jutefabrikation mit ihren 37 999 Perionen, von dieser Krisis erfaßt. In ganz besonders hohem Maße ist selbstverständlich die Fertigwarenfabrikation in Mitleidenschaft gezogen und hier ist es wiederuni vor- nehmlich die Wollenbranche, sowie die Spitzen- und die Band- industrie, welche seit langem arg daniederliegen. Die von den meist nationalliberalen Webfabrikanten, vereint mit den Konservativen geforderte und im Kampfe gegen die Sozial demokratie inaugurierte Zoll- und Wirtschaftspolitik mit ihrer Folge maßloser Verteuerung aller Gebrauchsgegenstände des Volkes rächt sich heute auch an ihren Urhebern. Die Not der Teuerung schwächt die Kaufkraft der Massen und muß not- wendig zurückwirken auf eine Industrie, welche in der Haupt- fache bestimmt ist,„ausschiebbare Bedürfnisse" der Massen. namentlich die nach Kleiderw usw. zu befriedigen. Der Bc- darf des Jnlandmarktes wird künstlich eingeschränkt und auf dem Markte des Auslandes ist allmählich durch Repressalien der fremden Regierungen die Konkurrenzniöglichkeit der deutschen Textilindustrie erheblich geschwächt worden. Leider sind es in der Hauptsache die Arbeiter und die kleinen Unter- nehmer, welche unter der Krisis zu leiden haben. Die Zahl der Arbeitslosen ist mächtig angewachsen. Nachstehende Tat- sachen geben ein Bild des durch die Krisis erzeugten Jammers. Ter Deutsche Textilarbeiterverband hatte im Mai d. Js. bei 149 999 Mitgliedern 1369 Arbeitslose und Unterstützungs- berechtigte, im August waren es 2725. Die wirkliche Zahl der Arbeitslosen ist aber bedeutend höher, da alle diejenigen, welche noch keine einjährige Mitgliedschaft hinter sich haben, sowie diejenigen, welche an Unterstützungen ausgesteuert sind, nicht von der Statistik erfaßt sind. Die Zahl der auf der Reise befindlichen Mitglieder stieg im zweiten Quartal 1913 auf L543 gegen 1528 im ersten Quartal. Noch besser veranschau- licht wird die Lage, wenn man die Zahl der stillstehenden Ma- schinen in den einzelnen Zentren der Textilindustrie sich ver- gegenwärtigt. In den Crimmitschaner Tuchfabriken waren im Dezember 1912 vorhanden 2423 Webstühle, im Juli 1913 waren es nur noch 2369. Es wa�en sonach 83 Stuhle ab- gerissen, ohne durch neue ersetzt zu sein. Von den 2369 Stühlen waren aber imr noch 2076 in Betrieb. 12,03 Proz. der Maschinen standen still. In der Fabrikation schwerer Herrenstoffe ist das ein hoher Prozentsatz. In Spremberg stehen von 1711 Stühlen 359, das sind 21 Proz. In Kottbus stehen von 2917 Stuhlen rund 389: ebenso sieht es in Forst, Luckenwalde. Werdau und Aachen aus. Die arbeitslosen Textilarbeiter Aachens suchen zu Hunderten Beschäftigung in den Bergwerken des Wurmgebicts. Ein guter Teil der best- gualifizierten Arbeitskräfte gebt dadurch dauernd der In- dustrie verloren. In den Distrikten der Tamenkleiderstoff- brauche stehen mindestens 40 Proz. aller Maschinen still. In Greiz sind vorhanden 8298 Webstühle, davon stehen still 3625, das sind gegen den Vormonat 419 Stühle mehr. 125 Arbeiter sind an diesen Stühlen weniger beschäftigt als im Juli. In Gera stehen von 6993 3938 Stühle still. In Glauchau sind von 1824 WebstiiAen nur 746 in Betrieb und in Meerane von 2716 nur 1249. Reichcnbach i. V. verzeichnet 2444 Web- stühle bei 968 stillstehenden. Aber auch die Zahlen der wirklich Arbeitslosen und still- stehenden Stühle geben noch durchaus kein richtiges Bild der Beschäftigungslosigkeit und der dadurch erzeugten Leiden. In vielen Qrten, wie zum Beispiel in Aachen, arbeiten alle namhaften Firmen mit verkürzter Arbeitszeit pro Tag und gekürzter Arbeitswoche. In anderen großen Bezirken aber sind die gut ausgebildeten Unternehmerorganisationen ängst- lich bemüht, nach außen hin den Schein eines günstigen Ge- schäftsganges und genügenden Beschäftigungsgrades zu er- wecken. So dementiert der Verband Sächsisch-Thüringischer Webereien prompt alle Pressemeldungen über besonders schlechten Geschäftsgang. Rücksichten auf Kredit und andere Verhältnisse bestimmen die Unternehmer, den Betrieb mit unverkürzter Arbeitszeit laufen zu lassen. Nach wie vor setzt frühmorgens von 6 Uhr ab die Dampfmaschine alle Trans- Missionen in Bewegung, nach wie vor wird abends 6 Uhr mit dem schrillen Pfiff der Dampfpfeife die Bewegung be- endet. Aber innerhalb des Betriebes stehen hunderte Maschinen still! Es gibt Wcbfahriken, wo von 399 Stühlen nur 18 bis 29 arbeiten. Alle übrigen noch beschäf- tigten Weber und Weberinnen müssen auf Kette oder auf Schuß warten. Aussetzen der Arbeit aus diesem Grunde auf Tage und Wochen ist keine Seltenheit. Des weiteren aber werden Weber und Weberinnen, welche in normalen Zeiten 2, 3 und auch 4 Webstühle bedienen, nur an einem Webstuhl beschäftigt. Tie übrigen Webstühle des betreffenden Ar- beiters stehen still. Statt die Arheitszeit pro Tag entsprechend dem verminderten Beschäftigungsgrad einzuschränken und somit dem Arbeiter und der Arbeiterin Gelegenheit zu geben, wenigstens während der Zeit der Krisis außerhalb der Fabrik sich zu betätigen, den Haushalt zu besorgen usw., zwingt man durch die unverkürzte Arbeitszeit bei verminderter Zahl der zu bedienenden Maschinen die Beschäftigten nach wie vor 12 Stunden und mehr in der Fabrik bei stark reduziertem Verdienst auszuhalten. Man raubt so der Arbeiterfrau den einzigen Vorteil, welchen die Krisis ihr bietet, den Vorteil, sich mehr als sonst der Erziehung der Kinder und der Familie widmen zu können. Es arbeiteten so zum Beispiel in Glauchau 269 Männer und 192 Frauen auf je einen: Stuhl, in Mylau waren es 433 Personen, in Greiz 732, in Gera 627. Gleich schwer wie in der Wollenindustrie lastet die Krisis auch auf der Spitzen- und Bandindustrie sowie den verschiede- neu anderen kleineren Branchen. In der vogtländischen Spitzen- fabrikation stehen mindestens 69 Prozent der Maschinen still. Jni zweiten Quartal 1913 wurden von: Deutschen Textil- arbeiterverband im vogtländischen Gau allein 29 999 M. an Arbeitslosenunterstützung ausgezahlt. Städte und Ortschaften gehen dort an Einwohnerzahl infolge Abwanderung der Pro- letarier zurück. Immerhin ist in der Spitzenindustrie noch die meiste Aussicht auf baldigen Wandel zun: Besseren vor- handen. Im Pulsnitzer Bezirk darf in der Hausindustrie nur noch die Hälfte des früheren Quantums an Band ange- fertigt werden. Ganz bedeutend verschlechtert hat sich die Geschäftslage auch in der Baumwollindustrie, und zwar sind alle Zweige, Kleiderstoffe, Bettzeuge, Hosenzeuge, Futterstoffe, Frottier- stoffe usw. davon betroffen: ebenso alle Bezirke: Rheinland wie Sachsen, Schlesien wie Bayern. Dabei ist noch ein fort- gesetzter Hustrom österreichischer Arbeiter, ganz besonders in die bayerischen Tertilzentren zu konstatieren. Der schlechte Geschäftsgang in Oesterreich zwingt die Proletarier zur Ab- Wanderung. Sie kommen nach Deutschland und vermehren das Angebot der Hände. Vieles über die Wollenindustrie Gesagte gilt auch für die Baumwollcnbranche. Die Aussichten für die Zukunft sind trübe. Die Unter- nehmer erwarten Besserung von der Beendigung des Balkan- krieges und der Inkraftsetzung des neuen Zolltarifs der Ver- einigten Staaten. Dieselben Unternehmer Deutschlands, welche an der Aufrichtung hoher Zollmauern um Deutschland stark beteiligt waren, setzen ihre Hoffnung auf die Nieder- reißung solcher Zollmauern in anderen Ländern. Durch- greifender Wandel zum Besseren wird für die Textilindustrie, soweit das überhaupt möglich ist, nur durch einen Wandel der eigenen Wirtschaftspolitik herbeigeführt werden können. Unterdessen darbt das Volk. Die Arbeitslosigkeit mit all ihren üblen Begleiterscheinungen offenbart aufs neue den Krankheitsprozeß der privatkapitalistischen Wirtschaft. Das Einkommen der Arbeiter sinkt, die Not zieht ein. Das große Deutsche Reich steht tatenlos dabei und— läßt die Armen hungern. Staaten und Gemeinden versagen. Nur die Ar- beiterklasse selbst in ihren Gewerkschaften sucht den Uebeln zu steuern._ Berlin und dmeregend. Abschluß der Lohnbewegung der städtischen Arbeiter Berlins. Im Herbst vorigen Jahres leiteten die in den Betrieben der Stadt Berlin beschäftigten Arbeiter eine Lohnbewegung ein, indem sie Forderungen aufstellten und dieselben an zuständiger Stelle einreichten. Im April d. I. erließ dann der Magistrat eine Verfügung an die einzelnen Betriebsverwaltungen, wodurch diese angewiesen wurden, gewisse, allerdings sehr bescheidene Ausbesse- rungcn im Lohnverhältnis eintreten zu lassen. Eine Million Mark wurden zur Aufbesserung der Löhne in den Etat eingestellt. Aber mit der Durchführung der Magistratsverfügung durch die Betriebsverwaltungen haperte es. In manchen Fällen machten die Verwaltungen den Versuch, die Anordnungen des Magistrats zu verschlechtern. Die Leitung des Verbandes der Gemeinde- arbeiter führte deshalb mehrfach Verhandlungen mit den zustän- digen Magistratsvcrtretern und so gelang es, die geringen Ver- besserungen, welche nach der Verfügung des Magistrats eintreten sollten, auch zur Durchführung zu bringen. Sehr enttäuscht sind die Arbeiter aber dadurch, daß das Personal der Bade- und Pflegeanstalten von den Lohnaufbesserungen ausgeschlossen ist und auch ein Teil der Arbeiter auf den Riesclgütern leer ausgeht. Eine am Donnerstag abgehaltene außerordentliche General- Versammlung des Verbandes der Gcmeindearbeitcr hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, ob sie die Lohnbewegung mit dcni vor- liegenden Ergebnis als abgeschlossen betrachten wolle. Ter Rc- ferent Wutzky legte im einzelnen dar, daß die Ergebnisse der Lohnbewegung keineswegs befriedigend sind, daß aber zurzeit nicht mehr zu erlangen ist und die Bewegung deshalb als beendet er- klärt werden kann. Im Namen des Vorstandes und der Ver- trauensmänner empfahl er die nachfolgende Resolution, die einstimmig angenommen wurde: „Die Generalversammlung der Filiale Groß-Berlin stellt nach Kenntnisnahme der Berichte aus den einzelnen Betriebs- Verwaltungen fest, daß die zu Beginn des laufenden Etatsjahres in Kraft getretenen Lohnerhöhungen den gehegten Erwartungen der städtischen Arbeiter, Handwerker und Angestellten nicht voll entsprechen. Weder kann die Höhe der Fulagen als billiger Ausgleich gegenüber der in den letzten Jahren eingetretenen Verteuerung der Lebenshaltung angesehen werden, noch ist die Art der Verteilung der Lohnerhöhungen als zufriedenstellend zu bezeichnen. Ebensowenig entspricht es der Gerechtigkeit, daß das Personal der Pflege- und Badeanstalten sowie ganze Gruppen von Rieselgutarbeitern von der Lohnaufbesserung völlig ausgeschlossen wurden, obwohl in diesen Betrieben die gegenwärtigen Löhne seit Jahren in Geltung und Zulagen daher dringend nötig sind. Wenn trotzdem die Versammelten beschließen, die Lohn- bewegung jetzt als erledigt zu betrachten, so geschieht das ledig- lich deshalb, weil nach Würdigung aller in Betracht kommenden Verhältnisse die Ergreifung weiterer Maßnahmen nicht ratsam erscheint. Ausgenommen von dieser Entschließung bleiben jedoch die obengenannten Betriebe. Die Ortsverwaltung wird verpflichtet. alles zu tun, um für die Arbeiter und Angestellten derselbe» die gerechte Forderung von Lohnerhöhungen noch nachträglich durchzusetzen. Unter Hinweis auf die letzten, ausschließlich durch die Tätigkeit der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft er- zielten Verbesserungen appellieren die Versammelten erneut an das Solidaritätsgefühl aller Kollegen und Kolleginnen der städtischen Betriebe und fordern sie auf, Mitglied des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter zu werden. Je stärker diese entschiedene Interessenvertretung der Gemeindearbeiter ist. um so mehr wird es gelingen, den nächsten Vorstoß zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen wirksam zu gestalten." Achtung, Gastwirtsgehilfen! Zwischen dem Inhaber des Lo- kals„Schultheitz-Spezial-Ausschank", Skalitzer Straße 39, Ecke Wiener Straße, Herrn Heinrich Sander, und dem Verband der Gastwirtsgehilfen ist es infolge Tarifbruches seitens des Unter- nehmers zu Differenzen gekommen. Alle bisherigen Versuche der Organisationsvertreter, einen gütlichen Vergleich herbeizuführen, scheiterten an dem Herr-im-Hause-Standpunkt des Hxrru Sau- der. Für organisierte Gehilfen gilt der Betrieb als gesperrt. Die zurzeit doxt organisierten Kellner gehören nicht mehr dem Verbände an. Verband der Gastwirtsgehilfeü. Der Zentralverband christlicher Holzarbeiter Deutschlands, Zahlstelle Berlin, schreibt uns: In der Nr. 235 des„Vorwärts" vom Mittwoch, den(9. Scp- tember 1913, ist unter Gewerkschaftliches betreffs„Der Streik in der Klaviaturfabrik von Werneke", in dem Absatz:„Ein, Streiken- der. Mitglied des christlichen Verbandes, brachte ctz fcrlig. ab- trünnig zu werden und dem ehemaligen Genossen, jetzigen demo kratischcn Kandidaten Werneke trotz der gemachten Abzüge seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen usw." eine unrichtige Bc- hauptung enthalten.„.,< Wir stellen fest, daß in dem genannten Betriebe weder ein Mitglied beschäftigt, noch ein Streikender aus unserer Organisation an der Bewegung beteiligt ist. Wir ersuchen um Aufnahme dieser Richtigstellung. Deutfeheo Reich. Und wieder eine neue gewerkschaftliche Organisation der kaufmännischen Augestellten. Unter dein Namen„Allgemeiner Verband der kauf- männische n Angestellten" erfolgte am letzten Sonntag in Berlin die Gründung eines neuen kaufmännischen Angestellten- Verbandes auf„neutralgewerkschaftlicher" Grundlage. Der neue kleines feuilleton. Rcklamemarken-AuSstcllung. Das Kaufhaus des Westens hat eine kleine interessante Ausstellung von Reklamemarken veran- staltet. Das sind gummierte Bilderchen, die in hübscher AuS- führung, meistens im Vierfarbendruck, das Wesentliche der be? treffenden Branche darstellen. Meist hat man sich die Sache leicht gemacht und die schon bekannten, fast möchte man sagen populären, Plakate stark verkleinert. Das hat auch seine Reize, noch einmal winzig und sauber die hübschen Blätter von Klinger und Bernhard vor sich zu haben. Das an Marken Eigene taugt meist nicht viel. Es ist schwer, die richtigen Leute zu finden, die eine so kleine Fläche richtig disponieren können. Meistens steht viel zu viel darauf. Dabei verträgt so ein kleines Papier fast gar keinen Text. Eine Abbil- düng, ein Wort genügen, um uns klar zu machen, woran wir sind. Die Sportleute bringen gewöhnlich verkleinerte Photos, und man läßt es sich gefallen. Merkwündig schlecht ist auch hier wieder alle „vaterländische" Kunst.— ihre Werbemarken sind übel. Auch Raritäten sind ausgestellt, alte Marken aus den siebziger Jahren, Fälschungen(schon!) und seltene Zusammenstellungen der Marken. Und mag man über den Eifer der neuen Liebhaber dieser Papierchen lächeln,— man denkt doch am Schlüsse ein bißchen darüber nach, was das für eine Produktionsweise sein muß, bei dem diese unnötige Reklamebelastung der Bilanz gar nicht ins Gewicht fällt, vielmehr jede Firma freudig die Dnickkosten für solche Spielereien bezahlt. Aber bei drei Pfennig Lohnerhöhung gibt IS einen Streik... Der Varirtö-Staatsmann. Der amerikanische Staatssekretär des Auswärtigen, Herr Bryan, tritt augenblicklich in einem Varielö auf. Er hält dort einen Vortrag, in Wirklichkeit läßt er sich begasten, so wie er es tat, als er Films von sich herstellen ließ:.Der Staat«. selretär verhandelt mit den Großmächten"(in seinem Arbeitszimmer aufgenommen),.Der Staatssekretär unterschreibt einen Vertrag" und so. Seine Nummer im Varietü liegt zwischen einem Jongleur und einem Jodlerquartett, und er macht sich sehr gut da, findet er, zumal da er sein Einkommen nicht unbeträchtlich vergrößert. Dafür fehlt uns der Maßstab, und schließlich kann eS uns auch gleich sein, ob ein amerikanischer Staatsmann sich für eine Schau» stellung hergibt oder nicht. Leise kommen Aehnlichkeiten, Gleichheiten. Anklänge.... Bethmann Hollweg im Wintergarten... Eine feine Nummer. Aber langweilig. Denn der Lange wird austreeten, mit einem Kaiser- wort ein bißchen jonglieren, über Strohhalme stolpern, den Dummen markieren,— aber eigentlich neues wird er nicht bringen... Und da« Publikum wird pfeifen, und in so einem Varietü muß der gehen, der ausgepfiffen wird. Oder der Kriegsminister... Die Musik spielt einen kräftigen Marsch, jener stürmt auf die Bühne, zieht den Sabul und donnert unier stürmischem Gelächter des Parketts eine Rede über.zerfetzende Elemente"... Tusch. Paukenschlag. Vorhang. Zu denken sind sie alle. Gäben aber nicht sehr lustige Pro- gramm-Nummern ab: im Wintergarten. Denn viel komischer sind sie bei sich zu Hauie, in der Natur, im Amt. Man sehe sie sich an, in ihrer grotesken Wichtigkeit, die vermeint, eine preußische Ausführungs» bestimmnng habe irgend etwas mit Vernunft oder Kultur zu tun, gebe noch jemand an außer dem beteiligten Assessor.... Man sehe den Landrat, wie er arbeitet, den Polizeipräsidenten mit dem Schutz- mannsfaktotum. Typen, Kinder. Typen! Die ihres Beifalls gewiß fein können. Nicht aber ein ernster Amerikaner, der im Vergleich zu diesen ein Geschäftsmann ist und ein Mann und ein ganzer Kerl. tu. Theater. Königliche Schauspiele: Schwanenweiß. Traum- dichtung von August Strindberg. Also Strindberg auf der Hofbühne in Berlin zum ersten Male. AnderSwo, außerhalb Preußens, hat mau die Sperre schon früher durchbrochen. Aber nur mit einem einzelnen Schritt. Ein Verdienst um Strindberg, von dem zu reden wäre, kann so ein vereinzelter Schritt nicht heißen. Es hängt von weiterem ab, ob er besonders angemerkt zu werden verdient. Auch nicht als Leistung besonderen Muts kann er in Betracht kommen. Die Traumdichtuna Schwanenweiß liegt von dem GesellschaftShasser Slrindberg so weit ob, daß nian diesen fast bei dem Werke vergißt. Sie gehört einer Zeit lebensgläubiger Friedensstimmung an. hinter der die furcht» baren Erschütterungen des schweren durchgekämpften Daseins fern verrollen. Dre Zweifel schweigen, der Glaube breitet sich sänftigend aus und weist dem Willen den Weg. Verklärt zeigt sich ihm die Liebe als Urquell aller Schönheit, die m ihrer höchsten Steigerung als religiöse Inbrunst erscheint. In diesem Thema also findet die Hofbühne sich mit Strindberg zu- sammen, und sie läßt sich natürlich die Gelegenheit nicht entgehen. das christentümlich-religiöse Element theatralisch zu betonen. Als od eS das Ziel der Dichtung wäre. Die Traumdichlung Schwanenweiß ist ein Lied vom ersten jungen Werden der Liebe, die aus Kindheit aufblüht und Jungfrau und Jüngling erwachen läßt. Aus Märchenfäden ist das Lied gesponnen, in lichter lyrischer Romantik, ganz abseits aller realistychen Wissenschaft. Prinzessin Schwanenweiß ist einem jungen König ver- lobt. Einen Prinzen sendet dieser König als Boten, und Prinz und Schwanenweiß erglühen für einander. Schlummernd durchlebt Schwanenweiß das Neue, das in ihre Seele gekommen ist. und sie durchlebt es in wünschender Freude und fürchtender Bängnis. Der Dichter hat sich ganz der primitiven Naivität des Märchens ergeben, die aus dem Wechsel von Hell und Dunkel. Gut und Böse eine phantastische Erzählung gewinnt. Er hat ganz darauf verzichtet, sich von neuzeitlichem Traumwissen lenken zu lassen. Nur das Eine führt sem Spiel: was Liebe anschaut, verschönt sich, und trübt sich das Gluck, so wird, was eben schön war, häßlich. Die Stiefmutter der Schwanenweiß hat das Liebesglück, das sie ersehnte. nicht gesunden und ist ein Welen ohne Güte geworden; sie ver- folgt Schwanenweiß und ihr LiebeSglück. In Schwanenweiß aber offenbart die Liebe sich als lebenerweckende Güte voll barmherzig erlösender Kraft. Aus dem Liebesglück, das der alternde Strindberg aus der Brautschaft mit Harriet Bosse empfing, wurde das Märchenspiel von Schwanenweiß geboren. Dieses Glück brachte die düsteren Mächte zum Schweigen, die ans Enttäuschungen der Liebe über ihn Gewalt gewonnen hatten. An der wimdersam selig- zarten Lyrik des Spiels läßt sich ermessen, wie sehr dieses Glück ihn befreite und wie tief fein Dankgefühl war. Die Szenen, in denen diese Lyrik das Friihlingserwache» kindlicher Seelen verklärend spinnt, sind das Schöne der Dichtung. Die Märchenphantastil aber die sich um dieses HerzenSechte legt, geht ohne tiefen Eindruck und ohne zu hasten vorüber. Diese Phantastik erschwert ohne Zweifel die Aufführung. Soll sie wertvoll werden, so muß sie in allem dein Wesen Schwanen- weiß' angeglichen sein. Strindberg hat aber der Szenerie so viel aufgebürdet, daß tziefeS Angleichen sehr erschwert wird. Daß Dr. Brucks Regie verstanden hatte, sich dieser Bürde zu erwehren, kann man nicht sagen. Sie arbeitete mit recht opernhafter Aufmachung und blieb weitab von der Vereinfachung der Szenerie, die Verband ist gewissermaßen eine Fortführung des Bundes der kauf- niännischen Angestellten, dessen außerordentlicher Bundestag die Auflösung des Bundes beschloß. Es kam auf diesem Bundestage AU scharfen Auseinandersetzungen zwischen den Delegierten und dem Vorstand, dem die Schuld an der finanziellen Kalamität des Bundes beigemessen wurde und der selbst die Auflösung beantragte. Die Delegierten sprachen dem Vorstand einstimmig ihr Mißtrauen aus und stimmten zunächst geschlossen gegen den Antrag des Vorstandes. Nachdem aber seitens der Delegierten zum Ausdruck gebracht wurde, daß keine Möglichkeit vorhanden sei, den Bund bei seiner starken Verschuldung weiterzuführen, daß man aber an der„neutral- gewerkschaftlichen" Bewegung der kaufmännischen Angestellten un- bedingt festhalten wolle, wurde der Auflösungsantrag nochmals ein- gebracht und nunmehr einstimmig angenommen. Im Anschluß an den außerordentlichen Buirdestag fand eine Versammlung statt, an der sich sämtliche Delegierte des ehemaligen Bundes und viele Ber- liner Mitglieder beteiligten, in der die Gründung des„Allgemeinen Verbandes der kaufmännischen Angestellten" beschlossen wurde. Der Verband steht auf denselben Grundlagen wie der Bund. Die Ver- waltung soll zunächst ehrenamtlich erfolgen und das Verbands organ nur einmal monatlich erscheinen. Die Gründer erhoffen dadurch die Vermeidung aller finanziellen Schwierigkeiten, auf die sie die ungünstige EntWickelung des Bundes zurückführen. Die früheren Mitglieder des Bundes sollen mit allen beim B. K. A. er- wordenen Rechten übernommen werden. Die Lehrlingszüchterei im Friseurgewerbe bat während der letzten Berufs- und Betriebszählungsperiode eine Zunahme der beschäftigten Gehilfen von 10 622 oder 69,4 pro Hundert, und in weiterer Folge eine Zunahme der männlichen Selbständigen von 14 241 oder um 52,6 pro Hundert herbeigeführt. Die Zahl der Geschäftsbetriebe vermehrte sich um 19 322 oder um 56,9 Proz. Das Gewerbe hat zwar einen gewissen Aufschwung im Damenfach zu verzeichnen, dem jedoch ein erheblicher Rückgang des Herrensachs durch Ausbreitung des Selbstrasierens gegenübersteht. Das Erwerbsgebiet wird in der Hauptsache durch die Kopszahl der Bevölkerung begrenzt, weshalb seine Aufnahmefähigkeit an beruf- lichcm Nachwuchs nur gering ist. Je mehr Gehilfen herangebildet werden, desto weniger können beschäftigt werden, da sich infolge der ständig wachsenden Konkurrenz die Zahl der Alleinmeister ständig vermehrt. In den Großstädten hat der Mangel an ausreichender Bcschästigung für einen Gehilsen, in Verbindung mit der ständig großen Zahl arbeitsloser Gehilfen, längst zu dem Aushilfswesen geführt. Hunderte von Gehilfen werden nur noch des Sonnabends und Sonntags beschäftigt. Die Lehrlingszüchterei geht unablässig weiter und dehnt sich immer weiter aus. Die„Gehilsenverjüngung" bewirkt, daß die Arbeiter mit durchschnittlich 23 Jahren bereits ..zu alt" werden und ein großer Teil von ihnen durch andauernde Arbeitslosigkeit gezwungen wird, in irgendeiner Fabrik zu arbeiten, mitunter auch erst dann, nachdem sie als Selbständige eine Weile - tätig waren. Die durch die Lehrlingszüchterei geschaffenen Zustände, die die ganze wirtschaftliche Existenz der Berufsangehörigen äußerst nach- reilig beeinsluffen, sind geradezu unhaltbar geworden. Drei Meister- verbände haben sich deshalb für eine Einschränkung der Lehrlings- züchterei ausgesprochen, während selbst der Jnnungsbund als größte Korporation, in deren Reihen sich die Lehrlingszüchter hauptsächlich befinden, seinen Mstgliedern eine Einschränkung nahegelegt, was sich jedoch als gänzlich zwecklos erwiesen hat. Der Verbands- vorstand des Friseurgehilfenverbandes will nun versuchen, durch eine Petition an den Bundesrat eine' Einschränkung des Lehrlingshaltens durch entsprechende Vorschriften zu erreichen. Er hat sich deshalb mit den in Frage kommenden Meisterorganisa- tionen in Verbindung gesetzt, um ein einheitliches Vorgehen herbei- zuführen. Wenn außer den Gehilfen sämtliche Meister, die Gegner der Lehrlingszüchterei sind, die Petition unterzeichnen, wird sich der Bundesrat jedenfalls veranlaßt sehen, dagegen einzuschreiten. ' 6 mcbtö-Zeitung. TMschunss des Polizeipräsidiums— kein strafbarer Betrug! Zum Tatbestand des Betrugs gehört als w e s e n t- liches Erfordernis nach§ 263 des Strafgesetzbuchs das Vorliegen der Beschädigung des Vermögens eines anderen. Ist eine solche Vermögensbeschädigung im Rechtsfinne nicht vorhanden, so kann trotz vollendeter Täuschung und dadurch erlangten Vermögensvorteils des Täuschenden eine Bestrafung wegen Betrugs nicht eintreten. Mit einem solchen straffreien Betrugsfall, der tatsächlich und rechtlich außerordentlich interessant ist und eine Täuschung des Berliner Polizeipräsidiums zum Gegenstande hatte, be- schäftigt sich das Reichsgericht in dem nachstehenden Urteil: Ter Polizeipräsident von Berlin hatte durch Bekannt- niachung vom 22. Januar 1909 bestimmt, daß von diesem Tage ab neue Erlaubnisscheine für Kraftdroschken mit Verbrennungsmotoren nicht mehr zur Aus- gäbe gelangten. Eine gleiche Bestimmung ist für die übrigen Trtspolizeibezirke des Landespolizcibezirks Berlin getroffen worden. Es wurde jedoch in einzelnen Fällen zugunsten der- jenigen Personen eine Au s n a h m e gemacht, die durch einen vor dieser Sperre abgeschlossenen Lieferungsvcrtrag zur Ab- nähme von Kraftdroschken der genannten Art verpflichtet waren. Tem Angeklagten K. sind am 25. August 1910 sür 10 neue Kraftdroschken mit Verbrennungsniotoren Droschkeit- scheine,„Nummern", zugeteilt worden. Der Antrag war auf einen mit dem niitangeklagteir Gesckjäftsführer H. am 18. Dezember 1908 abgeschlossenen Vertrag auf Lieferung von 10 Automobilen und auf ein Versäunmisurteil, das ihn zur Zahlung von 8000 M. Restkaufpreis für eine Motordroschke verurteilte, gestützt worden. Den Angeklagten wird nun vor- geworfen, daß der Lieferungsvertrag zum Schein abge- schlössen, der Prozeß zum Schein geführt, der Polizei- Präsident getäuscht und das Vermögen der übrigen Motordroschkenbesitzer Groß-Berlins dadurch beschädigt sei, daß ihnen der von den Inhabern der widerrechtlich erlangten Troschkenscheine gemachte Ver- dienst entgangen sei. Das Landgericht I Berlin hat aber die Angeklagten von der Anklage des Betrugs freige- sprochen.� Das R e i ch s g e r i ch t hat die F r e i s p r e ch u n g b e st ä t i g t und die Revision der Staatsanwalt- schaft verworfen. Aus den Entschcidungsgründen des Reichsgerichts geben wir folgende interessante Ausführungen wieder: Der fest- gestellte Sachverhalt ermöglicht nicht die Verurteilung der Angeklagten wegen Betrugs. Ungeschriebenes Tatbestands merkmal des§ 263 des Strafgesetzbuches ist eine Verfügung (eine sogenannte Vermögensdisposition) des Getäuschten. Nur süe kann den ursächlichen Zusammenhang zwischen Irr- tum und Vermögensschaden herbeiführen. Die Verfügung des Polizeipräsidenten, zu der er durch einen von den An- geklagten erregten Irrtum bestinmit sein soll, hat niemandes Vermögen beschädigt. Sie erteilte dem Angeklagten K. die Erlaubnis zum Betriebe des'Fuhrgewerbes mit 10 Kraft- droschken, ließ aber die Erwerbsmöglichkeit derjenigen Kraft- droschkenbesitzer, denen die Erlaubnis vorher erteilt war. un- verändert bestehen. Deren Einnahmen konnten verringert werden, wenn K. die 10 Droschken in Betrieb setzte. Geschah dies, so war die Schmälerung ihres Erwerbes die Folge der freien Handlung der Gewerbeausübung durch K., nicht die Folge der Erlaubnis zur Gewerbeausübung. Die Erteilung der Droschkcnscheine mit Nummern war eine Amtshandlung der Ortspolizeibehörde. Mit diesem staatlichen Akt hat die gewollte Wirkung der von den Angeklagten angeblich vorge- nommenen Täuschung ihr Ende gefunden. Die Ausnutzung der durch den staatlichen Akt geschaffenen Rechtslage ist nicht mehr Fortentwicfelung des ursächlichen Zusammenhangs der Täuschung, sondern Beginn einer Tätigkest. welche sich an den Erfolg der Täuschung anschließt. Nach Z 53 der Gewerbe- ordnung können die Genehmigungen und Bestallungen zu- rückgenomnren werden, wenn die Unrichtigkeit der Nachweise dargetan wird, auf Grund deren sie erteilt worden sind. Dieser Grundsatz gilt auch von der staglichen Erlaubnis des Polizei- Präsidenten: bis zu deren Zurücknahme ist der Angeklagte K. öffentlich rechtlich befugt, das Fuhrgewerbe mit 10 Kraft- droschken auszuüben. Wer durch wissentlich falsche Angaben oder Nachweise sich eine gewerbliche Ge- n e h m i g u n g. Konzession. Erlaubnis, Bestallung verschafft und dann das betreffenden Gewerbe betreibt, begeht zum Nachteil derer, die dasselbe oder ein gleich- artiges Gewer be betreiben, wegen des Mangels des erforderlichen Kausalzusammenhangs keinenBetrug. Bestialische Dienstboten-Mitzhandlung. Die 2. Ferienstrafkammer in Dresden verhandelte«un Mitt- woch wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Erpressung gegen die 1851 in Promnitz bei Bautzen geborene Oberstleutnants- Witwe Helene Agathe Franz geb. v. Zeuker. Die Angeklagte hat ihr 17jähriges Dienstmädchen Ehlig in der Zeit vom 1. September 1912 bis 25. Januar d. I. fortgesetzt in der scheußlichsten Weise mißhandelt, sie durch Schläge und Drohungen genötigt, einige Er- klärungen zu unterschreiben, nach denen sich das Mädchen selbst der Faulheit, Lügenhaftigkeit usw. bezichtigte und durch die gleichen Mittel von ihr eine Verzichtleistung auf den vereinbarten Monats- lohn von 18 M. erpreßt. Die Beweisaufnahme ergab, daß schon nach 14 Tagen die Mißhandlungen mit einer Ohrfeige begannen, weil der„Gnädigen" eine Arbeit nicht schnell genug ging. Dann folgte eine Mißhandlung der anderen, von früh bis spät abends die ganzen Monate hindurch. Dazu benutzte die„Gnädige" einen dicken Rohrstock, einen Schrubberstiel, einen Ausklopfer, den Schuh. Mit dem Schuh schlug die Megäre dem Mädchen solange auf den Kopf, bis das Blut zum Rücken herunterlief. Der Schrubberstiel ging auf dem Körper des Mädchens entzwei; die„Gnädige" nahm dann das eine Stück und schlug weiter, bis auch dies zerbrach. Dann mußte das bedauernswerte Mädchen noch aus seine Kosten einen neuen Schrubberstiel kaufen. Den Rohrstock mußte es selbst holen, um damit geschlagen zu werden. Die Megäre erklärte selbst, sie müsse jemanden haben, an dem sie ihre Wut auslassen könnte. Ferner wurde das Mädchen auf den Fußboden geworfen und mit den Füßen getreten. Bei der Arbeit wurde ihm eine nach Minuten berechnete Zeit gegeben. Die„Gnädige" setzte sich mit der Uhr in der Hand und mit dem Rohrstock dazu hin. Das Mädchen hatte beim Treppenwischen oder Zimmerreinigen selbst den Wecker vor sich stehen. Wenn es eine Minute länger dauerte, als vorgeschrieben war, dann gab es Prügel. Das Mädchen wurde an den Haaren gezaust und ihr ganze Büsche herausgerissen, so daß sie kahle Stellen auf dem Kopfe bekam. Es wurde wiederholt gezwungen, vor der„Gnädigen" niederzuknien und sie um Ver- zeihung zu bitten, daß sie sie„aufgeregt" hätte. Oesters wurde es im Gesicht gekratzt. Um es am Schreien zu verhindern, zog ihm die Angeklagte mit den Händen den Mund breit auseinander. Dann mußte die 49jährige, geistig zurückgebliebene Tochter der Angeklagten, die gleichfalls durch Ohrfeigen und Schläge(angeb- lich auf ärztliche Verordnung hin» traktiert wurde, einen Kübel kaltes Wasser holen und das goß die Frau dem Mädchen über den Kops mit der Bemerkung, das hätten ihr ihre Verwandten empfohlen. Zuvor mußte das Mädchen aber erst den Teppich umschlagen, damit dieser nicht naß wurde. Speisen, die der„Gnädigen" nicht fach- gemäß zubereitet schienen, wurden von ihr weggeschüttet und das Mädchen mußte aus seine Kosten andere besorgen. Durch die Flucht konnte sich das bedauernswerte Opfer den Mißhandlungen nicht entziehen, denn es erhielt in der ganzen Zeit nur 7,50 M. Lohn ausbezahlt. Für das andere Geld brachte ihm die Frau Sachen mit, die es gar nicht gebrauchen konnte und nicht haben wollte. Es hätte also mittellos dagestanden und Verwandte waren hier nicht vorhanden. Ihre Briefe an die Verwandten wurden ihr von der Gnädigen diktiert, ankommende Briefe gelesen. Haus- bewohner befreiten enhlich das Mädchen und durch die„Dresdener Volkszeitung" wurden die Oeffentlichkeit und die Behörden mit diesen entsetzlichen Zuständen bckanntgemacht. Der Arzt Dr. Grimm stellte fest, daß der ganze Körper des Mädchens mit grünen und blauen Flecken und mit Verletzungen bedeckt war. Schon die Jahre vorher waren zu ihm Mädchen der Angeklagten mit denselben Beschwerden gekommen. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ist die Angeklagte zwar erblich belastet, aber strafrechtlich verantwortlich. Sic wurde wegen gefährlicher Körper. Verletzung und wegen Nötigung zu 2 Monaten 1 Woche Gefängnis verurteilt. Widerstand durch Rauchen? Mit der eigenartigen Rechtsfrage, ob ein Arrestant bei einer Arretur rauchen darf, beschäftigte sich das Hallesche Schössen» gericht in der Sache des Bergarbeiters Max Sauer, der wegen Uebertretung und Widerstandes angeklagt war. S. war eine? Tages wegen einer Polizeiübertretung von einem Polizeibeamten zur Rede gestellt und festgenommen worden. Nach der Festnahme brannte sich der Arrestant auf dem Wege nach der Wache eine Zigarette an. Der Beamte verbot ihm das Rauchen und erblickte in dem Nichtbefolgen seiner Anordnungen Widerstand gegen die Staatsgewalt. Der Angeklagte meinte, er habe nicht daran gedacht, durch das Anzünden der Zigarette Widerstand zu begehen; er sei ein leidenschaftlicher Raucher und müsse schon früh, wenn er daS Bett verlasse, eine Zigarette in den Mund nehmen.„Ohn'e Ziga- rette im Munde könne er nicht leben". Der Amtsanwalt be- zweifelte, ob Widerstand vorliege, meinte aber, es sei zu prüfen, ob in dem Anzünden der Zigarette bei der Arretur nicht etwa „eine Verhöhnung des Beamten" erblickt werden könne. DaS Gericht«ahm aber Widerstand als vorlieget, an l!) und verurteilte S. zur Zahlung einer Geldstrafe von 19 M. Wegen der Ueber- tretung soll er außerdem 3 M. bezahlen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 14. Sept., vormittags 9 Uhr, Pappelallee 15—17, Neukölln, Jdealpassage, und Tegel, Schlieper- straße M: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr, Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Herrn Dr. H. Hasse:„Wenn sich die Fäden knüpfen."— Damen und Herren als Gaste willkommen. Witterungsüberficht vom 1Z. September 19X3. Stationen JSS Ii Ii p-i Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien 762 762 sz WSW SSW 763 W 76Z1NO 763D IbliSSW Wetter 2wolkig Zhedeckt t heiter t heiler Ahcitcr Iwolkcnl *5. Äll i* 14 13 11 19? 5 9 Stationen ie ls Saparanda etersburg Scilly Werdern Paris c 5 Bf 753 W 759[®@ffi 759 ANW 745 3 761 NNO Wetterprognose für Sonnabend, den 13. September X913. Vielfach heiter, am Tage ziemlich mild bei lebhasten südlichen Winde»; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wette rbure au. der Gestalt Schwanenweiß' nützlich gewesen wäre.� Auch das Ueber- gehen der Königsszene kann nicht sachdienlich heißen. Dem letzten Drittel der Dichtung und besonders der Darstellung Schwanenweiß' ging durch diesen Strich ein belebendes Moment verloren. Das Spiel Hedwig Thimigs als Schwanenweiß traf: es Ivar das Beste der Aufführung, ohne Falsch in der Verinnerlichung des TonS und des Bildes. Aber sie stand in ihrer Art recht allein. Der Prinz des Herrn C l e w i n g gab sich knabenhaft; dagegen ist nichts einzuwenden, aber man merkte leider, daß er sich so geben wollte; das war zu Anfang so und ließ sich nicht vergessen. Das andere war Theatralik, auch die Stiefmutter der Frau Butz e, die auf schneidende Härte ausging und daS Pantherbafte, das Strind- berg vorzeichnet, nicht traf. Das Ganze der Aufführung war gar so einexerziert korrekt aufgebaut. Diese Form läuft immer auf er- starrteS Leben hinaus und tötet. Die Dichtung wurde in der Uebersetzung von Ernst S ch e r i n g aufgeführt, die in der großen deutschen Strindberg-AuSgabe des Münchener Verlages von Georg Müller im Bande der Märchenspiele enthalten ist. trck. Im Deutschen Schauspielhaus a» der Weidendammer Brücke gab man gestern Strindbergs naturalistisches Trauer- spiel. F r ä u l e i n I u l i e", das vor sechs Jahren am Deutschen Theater zur Aufführung gelangte. Es ist des Dichters krassestes, aber auch sein stärkstes Drama. Die Handlung, die, fast jedes äußeren Geschehens entbehrend, sozusagen nur in Dialogen und Gebärden, aber doch ungeheuer dramatisch aufspringt, spielt in der Johannisnacht. Im Schloß des Grafen wird getanzt. Auch Julie, die jugendliche Komtesse, tanzt leidenschaftlich— zuguterletzt mit Jean, dem Diener des Vaters. In der Küche macht sie ihm starke zweideutige Avancen. Vom anderen Hausgesinde überrascht, muß sie sich verbergen. Jean nimmt sie in sein Zimmer mit— und hier„entehrt" er sie, oder richtiger gesagt: sie läßt sich entehren. Hernach sind die beiden allein. DaS Entsetzliche ihrer Tat wird Julie klar. Sie hat von der Mutter das heiße sündhafte Blut— vom Vater das Erbe adeliger Gesinnung. Was nun tun? Flüchten, mit Jean verreisen, um jeden Preis. Doch was sie noch nicht wußte: Jean ist ein brutaler Kerl, und im übrigen eine echte Domestikenkreatur. Er denkt weder an ein Fort- gehen mit Julie, noch auch daran, sie zu seinem angetrauten Weibe zu machen. Nun verlangt sie, daß er sie töte. Er weigert sich— schiebt ihr jedoch sein Rasiermesser in die Hand. Julie geht aus der Küche. Man errät, was sie tun wird. Der Vorhang fallt. Julie ist der verbildete Weibtypus der vornehmen Gesellschaft. Mit psychologischer Schärfe hat Strindberg diesen Typ umrissen, und besonders fein gegeben ist, wie in Julie der innere Adel ihrer Natur zum Sieger wird. Paula S o m a r y gab die schwere Rolle der Julie mit allen Finessen eines feinnervigen Menschenkindes. Die nicht eben leichte, aber überaus dankbare Figur des Bedienten wurde von Paul Otto erschöpft. Einzig echt gab er sich da. wo er auf dem Streichriemen sein Rasiermesser schärft. Rosa Baletti ver- lieh der Köchin wahre Züge. Es war ein Nervenspiel von packendem Reiz. Dazu kam, daß alle drei Akte hintereinander ohne Pause ab- gewickelt wurden. Und das merkwürdigste war, daß das Publikum nicht nur nicht ermüdete, sondern im Gegenteil mit stetig sich steigerndem Beifall die Handlung begleitete. So unzweifelbaft die Wirkung des Dramas, so stark und verdient war der künstlerische Erfolg. Ob die Mucker und die Moralischen heuer wieder gegen Fräulein Julie Sturm laufen werden, wie 1994— oder gar 1892, als das Stück die deutsche Uraufführung erlebte? � Josef-Kainz-Theater(am kleinen Wannsee). In un- zähligen Volksmärchen, Liedern und Balladen ist die Beziehung des Todes zu allem, was Leben heißt, gedeutet worden— von mannigfachen bildlichen Darstellungen nach Art mittelalterlicher und neuzeitlicher „Totentänze" ganz zu schweigen. Auch in der Kunstdichtung aller Völker spielt der Tod eine große Rolle, als Vernichter und als Feind des Lebens. So hat denn auch Eberhard König seinen Gevatter Tod, ein„Märchen von der Menschheit", gedichtet. Eigentlich dichtete der reiche Stoff für ihn. Er begnügte sich damit aber nicht, sondern formte ein fünfaktiges Drama in Versen. Und geheimnißte viel mythische Fabeln und noch mehr mystischen Tiefsinn hinein. Und vergaß vor lauter schön klingender Rethorik, daß ein Drama Handlung haben muß— selbst wenn dies Drama auch bloß ein Märchen ist, Shakespeare ist doch gewiß ein unverdächtiger Großmeister des Märchendramas I König hat den bekannten Stoff, wonach ein armer Junge es bis zum König bringt, dann aber eben auch sterben muß, zu„ver- tiefen" gesucht. Bei Hans, dem Sohne des alten Häuers Mathias, stand der Tod Gevatter. Hans soll alle Herrlichkeit der Welt ge- nietzen dürfen,„ein Sonnenmensch", ein Sieger ohne Tränen, ohne Angst" sei», sofern er. dem Tode unverbrüchliche Treue halte und sich jeglicher Selbstsucht entschlagc. Hans verspricht es mit tausend Eiden. Aber als er die kranke Königstochter liebt, soll sie sterben— so will es Gevatter Tod. Darüber gerät Hans in rasenden Zorn. Nun scheidet sich der Tod als Feind von ihm. Di« Prinzessin soll zwar leben und sein Weib werden. Jedoch von nun an muß Hans daS Schwerste erleiden; schließlich verliert er Weib und Kind. Vor» zeitig aus Gram zum Greis geworden, wandert seine Seele wieder zu seiner Kindheit Bereichen. Allen selbstsüchtigen Siegersinn hat er gebüßt; und völlig entsühnt, gesellt sich ihm wieder Gevatter Tod, um ihn zu Grabe zu geleiten. Wie gesagt: ein Drama ist eS nicht; nur ein Zwiegespräch mit leidenschaftlichen Akzenten zuweilen und ewig langen Monologen. Das mag sich ja alles sehr schön lesen. In ein Spiel mit Personen umgesetzt, ermüdet dies Märchen selbst die geduldigsten Hörer. Vor Jahren ist es im königlichen Schauspielhaus gegeben worden: der Dichter hätte besser getan, eS dort weiter schlafen zu lassen. Trotz- dem sei rückhaltlos die ungeheuere Mühe anerkannt, die einzelne Darsteller der Hauptrollen aufwandten. Namentlich soll Ernst Res chke wegen seiner großenteils achtbaren Leistung als Hans und neben ihm Dora v. Warberg(Prinzessin Elsa) And Hilm« Schlüter(Gefion) genannt sein. ek- / Notizen. — Gustav Jansen gestorben. Aus Stockholm kommt die Nachricht, daß der Schriftsteller Gustav Janson gestern im Alter von 47 Jahren nach einer Gallcnsteinoperation gestorben ist. Janson ist der deutschen Arbeiterschaft in de» letzten Jahren durch eine Reihe erzählender Werke von kraftvoller Gcgenwartsart bekannt geworden. Sein Bergarbeiterroman„Im Dunkel gehört zu den besten Schöpfungen sozialer Dichtung. Der„Vorwärts" brachte seinen Lesern im vorigen Jahre Jansons Art durch die Erzählungen„DaS Meer" und„Lügen" nahe. Die letztgenannte Erzählung gehört zu einer Reihe Schilderungen aus tnpouinNtschem Milieu und ist gegen den Krieg gerichtet. — Theaterchronik. Wedekinds Gastspiel im Deutschen Theater ist bis zum 22. September verlängert worden. Die Absicht, neben Franziska noch andere Werke Wedekinds oufzusühren, ist aufgegeben worden.— Im Deutsche« Schauspielhause gelangt am Sonntag, den 14. d. MtS., Suder niannS„Der gute Rur" zum ersten Male m einer Nachmittagsvorstellung zu ermäßigten Preisen zur Ausführung. — Eine neue Südpolexpedition wird übers Jahr unter Leitung von Foster Stackhouse, dessen Name mit der Organi- sation der Scott-Expedition verbunden ist,»ach King-Edward-Land abgehen. Vierzig Personen sollen daran teilnehmen. 5©€€€#«• Dem Genossen Ä, Ü Julius Schramm| K v « und(einer Gattin die herzlichsten Glückwünsche G zu ihrer Silberhochzeit. g2A G � vis fun>l«i--Ses lten S.»dtlz. W M, des«. Kreises. jg' �AKKAAKSGOGSSS««� �S€€€€©e»»SKSAKAAA� 5f Unserem Bezirkssührcr Jnllns Schpamm R � und«einer Gattin R lö zu ihrer Silberhochzeit die R g herzlichsten Glückwünsche.® v Qje Genossen d. 533a. Bezirks. M r «r V C; « W * Ü «. v Unserer Genossin 6ee€€€% sin% Emilie Schramm| nebst ihrem Gatten zu ihrer® Silberhochzeit die herzlich- C. sten Glückwünsche. Tie Abteilunqslciterinnen K des K. Kreises. jj 5 Unserer AbteilungSsührcrin l Frau Emilie Schramm ( nebst ihrem Ehegatte» zu ihrer am 13. September stattfindenden „ Silberhochzeit J die herzlichsten Glückwünsche. ä Die Funktionäre der 4. Abt. 1 des 6. Kreises. LM» WW VWWWWWWW Todes-Anzeigen Zlüislljenililii'zt.«peiz«!lli!vemii Bezirk Uoktenderl Den Genossen zur daß unser Mitglied, der Schlosser Erit� Jakubaschke Travcstratze 1 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn aus statt. 14/16 Rege Beteiligung erwartet Bie Bezirksleitung. Zug fährt 2.41 ab. Spar- Dud Kreditrerein Solidaria. Am 5. September starb unser Mitglied Erite Jakubaschke. Ehre seinem Andenken! _ Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenballe in Marzahn bei Lichtenberg aus statt. 2225b Der Vorstand. Deuter Bolzarbeiter-Verhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Wilhelm Hamm Gubenerstraße g, im Alter von 55 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Montag, den 15. September, nachmittags 4 Uhr von der Halle des Zentral.FriedhoscS in Fried« richSselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht � 88/15 Die Ortsvertoaltung. ...... j Deutseher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Am 11. September starb unser Mitglied Kart Haase (Bezirk Osten I). Ehre seinem Andenkc»: Die Beerdigung findet am Montag, den 15. September, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Georgen-Kirchhoses in der Landsberger Allee aus statt. 145/6 Her Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Max Biedermann gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Sonnabend, den 13. September, nachmittags 1'/� Uhr, von der Leichenhalle des' städtischen Kirch- Hofes in Buch aus statt. Rege Beteiligung erwartet 125/13 Bie Ortsverwaltung. Am 11. September verstarb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann und guter Bater, der Putzer ZKai*! Maa�e. Dies zeigen ticsbctrübt alt lüpnestine Haase u. Sühne. Die Beerdigung sindet am Montag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen- Kirchhoses,' Landsberger Allee, aus statt. 2224b Am 11.«eptember starb nach längcrem Leiden unser lieber, langjähriger Kollege, der Schrift- setzer 2220b Wilhelm Müller im 69. Lebensjahre. Ein ehren- des Gedenken werden ihm allezeit bewahren Die Kollegen der Vossiscben Zeitung. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. d. Mts., nachm. 2 Uhr, von der Kapelle des Petri- Kirchhoses.Friedenstraße, aus statj. Am 8. September verstarb meine liebe Frau und Mutter Erida Henk g°b. Karl. Dies zeigen tiesbetrübt an Otto Henk und Kinder. Die Beerdigung findet am Montag, den 15. d. M., nach- mittags 4'/. Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide auZ statt. 93A� Danksagung. Für die herzliche Teilnahme als auch die herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, sage ich allen Teilnehmern, Verwand- tcn und Bekannten, besonders dem Verbände der Töpser meinen herz- lichstcn Dank. 2221b Witwe Hapla I-orenz. Danksagung. 9031 Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme und die vielen Kranz- spenden bei der Beerdigung unserer inniggcliebten Tochter und Schwester Erna sagen wir allen Freunden und Bc- kannten unseren herzlichen Dank. Panillle Knospe, Berlin-Weitzensee, Langhansstr. 109. Danksagung. Sagen hiermit allen Bekannten und Verwandten sowie den Kol- legen der Firma Siebert u. Aschen- dach für die Teilnahme an der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres Vaters Gottlieb Nicolaus unseren besten Dank. 145/16 Wwe. Antonie Nieolaus, Söhne u. Schwiegertochter. Sommerppeise! �UIW� Kohlen=Briketts= (Zrokliandlunx L/agcrplatz u. 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Witte. Max ÄÄS Ve«ntwortticher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil Verantw.: Th. Glocke. Berlin. Drucku.Berlag: Vorwärtl Buchdrucker«« u. BerlagSanftalt Paul Singer u. Berli» SM Ar. 238. 30. Jahrgang. 3. KkilM kü Jotmirtf Öttliatt UcksdlM. Partei- Angelegenheiten. Vierter Wahlkreis. Wegen Umzug bleibt unser Bureau am Montag, den 16. September geschlossen. Vom Dienstag, den 16. September ab befindet sich das- selbe Stralauer Platz 1l)/11, Hochparterre. Telephon König- stadt 3759. SchiiicScrg. Sonntag, den 14. d. M., vormittags 8 Uhr, treffen sich die Genossen und Genossinnen zu wichtigen Recherchen in fol- genden Lokalen: Der t. und 3. Bezirk bei Milde, Nollendorfftr. 16; der 2. und 4. Bezirk bei Folger, Kyffhäuserstr. 26; der 3. Bezirk bei Piehl, Mühlenstr. 8; der 6. und 7. Bezirk bei Brock, Bahnftr. 19/20; der 8. Bezirk bei Knobloch, Sedanstr. 33; und der S., 10., 11. und 12. Bezirk bei Rathmann. Tempelhofer Str. 18a. In Anbetracht der bevorstehenden wichtigen Wahlen wird es jedem einzelnen zur Pflicht gemacht, pünktlich zu erscheinen.' Alt. Glienicke. Der Bildungausschutz veranstaltet am Sonntag, den 14. September, 28. September und 3. Oktober im Restaurant F. Bohn, Grünauer Str. 33, Lichtbildervorträge. Thema: Technik, Kulturgeschichte. Vortragender: Erwin Neumann-Adlershof. Programme für alle drei Abende 30 Pf., Einzelabcnd 20 Pf., für Jugendliche 10 Pf. find bei den Mitgliedern des Bildungsaus- schusses zu haben. Nach dem Vortrag: Gemütliches Beisammensein. Anfang 7�/2 Uhr. Tie Parteigenossen und Genossinnen werden ersucht, diese Ver> anstaltung durch rege Beteiligung zu unterstützen. Adlcrshof. Heute Sonnabend, abends 8 Uhr, beginnt im Rest. Gesellschaftsbaus, Bismarckstr. 10, der Lichtbilder-Vortragskursus über: Bergbau und Hüttenwesen. Eintritt 10 Pf. Lichtenrade. Heute Sonnabend, den 13. September, abends K>/z Uhr, Zahlabend in den bekannten Lokalen. Tegel. Dienstag, den 16. September, abends SVä Uhr, Mitgliederversammlung im.Tegeler Gesellschaftshaus", Schlotzstratze. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Jugendbewegung". 2. Vereins- angelegenheit. 3. Verschiedenes.— Die Bibliothek befindet sich jetzt im neuen Jugendheim, Bahnhofstr. 13. Sie ist geöffnet jeden Mon- tag und Donnerstag abends von 8— lst/a Uhr. Schcnkciidorf bei Königswustcrhausen. Am Sonnabend, den 13. September, abends 8 Uhr: Autzerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins im Lokal des Herrn Otto Paetsch. Tagesordnung: U. a. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. Abrechnung vom Sommerfest. Ergänzungswahl des ersten Vorsitzenden, der Beisitzer und des Bildungsausschusses. Vereinsangelegenheiten und Ver- schiedenes. Nicdcrschönhausen-Nordend. Sonntag, den 14. September, morgens 8 Uhr, wichtige Handzettelverbreitung von den bekannten Stellen aus, zu der am Dienstag, den 16. September, abends 8V2 Uhr, im Lokal von Nettig stattfindenden öffentlichen Protest- Versammlung. Spandau. Eine Besichtigung der städtischen Kanalisations- und Kläranlage seitens der 1. Abteilung und des 10. Bezirks findet am Sonntag, den 14. September, statt. Herr Stadtbauführer Micksch hat die Führung und Erklärung übernommen. Treffpunkt für alle an der Besichtigung teilnehmenden Genossen pünktlich vormittags um Uhr beim Genossen Pieper. Metzer Stratze 12. Die be- absichtigte Besichtigung des städtischen Wasserwerks kann wegen dort Vorgenommener Reparaturen erst späterhin stattfinden. Berliner Nacbmbten* Die Charlottenburger Sparkasse bezieht mit deni heutigen Tage ein neues Heim, nachdem das alte längst zu eng geworden. Es ist in einem Erweiterungs- bau des Rathauses untergebracht, der sich äußerlich an die Fassade des Rathausgebäudes anschließt. Die hellen, freund- lichen Räume bieten dem Publikum alle Annehmlichkeiten in bezug auf bequeme und schnelle Abfertigung, und für die Ver- waltung bringen sie eine einfachere und praktischere Aus- gestaltung des Sparkassenwesens. Besonders bemerkenswert ist die unter den Sparkassenräumen belegene Stahlkammer, deren Decken. Fußböden und Wände mit Stahl gepanzert sind und so den Mietern von Tresors alle Garantien auf Sicherheit ihrer Wertpapiere und Wcrtgegenstände. bieten..Der vom Baumeister Seeling projektierte Bau nimmt auf die Zukunft Rücksicht und ist ein Beweis für die fortschreitende EntWickelung unserer Nachbarstadt Charlottenburg. Die Sparkasse, die 1887 gegründet Ivurde, entwickelt sich ständig in aufsteigender Linie. Zurzeit betragen die Einlagen etwas über LO Millionen Mark; auf 100 Einwohner kamen im Jahre 1912 35,80 Sparbücher. Wie Radium und Mesothorium geprüft werden. Infolge der plötzlich entstandenen Nachfrage nach radioaktiven Substanzen und der Versorgung der deutschen Städte und lluiversiläts- kliniken mit Radium und Mesothorium dürfte auch die Frage inter- essieren: wie werden diese kostbaren Präparate ans ihre Radio- aktivilät geprüft? Für Deutschland ist in erster Reihe die Physikalisch- Technische Reichsanstalt in Charlottenburg hierzu bestimmt, und fast alle Käufer von Radium und Mesothorium lassen denn auch, wie wir von zuständiger Seite erfahren, die von ihnen erworbenen radioaktiven Präparate durch die Phhsikalisch-Technische Reichsanstalt prüfen. Diese hat eine besondere radioaktive Abteilung eingerichtet, der Herr Dr. Geiger(Berlin) vorsteht. Da täglich mehrere Präparate zur Prüfung eingehen, und die Gehaltsbestimmung der Radium- und Mesothorpräparate sich sehr umständlich gestaltet, so ist die Abteilung naturgemätz mit Arbeiten überhäuft. Ker Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, Geheimrat E. Warburg, hat über die Eichung radioaktiver Präparate durch dieses Institut besondere Bestimmungen getroffen. Das Eichmatz ist ein von Frau Professor Curie, der bekannten Entdeckerin des Radiums, hergestelltes Radiumpräparat von 2l,09 Milligramm reinen Radiumchlorids. Durch Beschlutz der Inter- nationalen Radium-Standard-Kommission vom März 1312 wurde dieses Präparat als internationaler Standard erklärt. Ein diesem Einheitspräparat genau entsprechender Standard ist im Besitz der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, und diese neue Einheit wird bei allen Anträgen auf Gchaltsbestimmung von Radium- und Mesothorpräparaten den Messungen zugrunde gelegt. Bei der Prüfung wird zunächst durch Vergleich mit dem Standard der Radiumgehalt deS Präparates bestimmt. Nach Verlauf von acht bis zehli Tagen findet eine zweite Messung des Präparates statt, welche im wesentlichen den Zweck hat, die Konstanz der Strahlung des Präparates festzustellen. Stimmen beide Messungen innerhalb der Fehlergrenze der Versuche überein, so gilt die Untersuchung als beendet, und es wird ein Attest aus- gestellt, in dem die Tage der Messungen, der Radiumgehalt und die Fehlergrenze der Versuche, die im allgemeinen 1 Proz. beträgt, an- gegeben werden. Die Ausstellung der Prüfungsscheine erfolgt jedoch ?et« mit dem Vorbehalt, daß das Präparat außer Radium keine Substanzen enthält, die durchdringende Strahlen aussenden, von solchen Substanzen kommt vor allem Mesothor in Betracht, das sich chemisch analog dem Radium verhält und mit diesem aus thor- haltigen Uranerzen abgeschieden wird. Bei Anwesenheit von Mesothor bleibt die Strahlung nicht konstant, sondern nimmt nach Herstellung des Präparates zunächst während eines Zeitraumes von mehr als zwei Jahren zu und fällt dann langsam wieder ab. Ein- fache Methoden zum Nachweis von Mesothor in Radiumpräparaten sind nicht bekannt. Das bei Eichung von Radiumpräparaten geübte Verfahren findet entsprechende Anwendung bei der Gehaltsbestimmung von M e s 0- thorpräparaten, indem die Gamma-Strahlung des Präparats in der beschriebenen Weise mit dem Radium-Standard verglichen wird. Die Anordnung wird dabei stets so getroffen, daß die Gamma- Strahlen vor Eintritt in das Metzgefätz eine Bleischicht von 3 Millimeter Dicke zu durchsetzen haben. Ein solches einheitliches Verfahren ist nötig, da infolge der etwas verschiedenen Durch- dringungsfähigkeit der Gamma-Strahlen des Radiums und Mesothors die Schichtdicke auf die Messungen von Einfluß ist. Das Prüfungs- attest enthält die Angabe der Radiummenge, der das Mesothor- Präparat zur Zeit der Messung an Intensität der Gamma-Strahlen äquivalent ist. Eine Angabe über die zu erwartende zeitliche Aenderung der Aktivität ist nur dann möglich, wenn Radiumgehalt und Herstellungszeit des Präparats bekannt sind. Die Gemeindebehörden der Stadt Berlin haben bekanntlich be- schloffen, für 220 000 M. Radium käuflich und für 20 000 M. Meso- thorium mietsweise zu erwerben, während der preußische Staat für 800 000 M. Mesothorium und Radium erwerben will. Soweit Berlin in Frage kommt, ist beabsichtigt, im Virchow-Krankenhause einen Pavillon mit 20 Betten für die Radiumbehandlung frei zu machen._ Aus dem Magistrat. Die Angelegenheit der Einrichtung eines Stadtschuldbuches, die wegen der Raumfrage längere Zeit zurückgestellt worden war, ist jetzl nach Erledigung dieser Frage zum Abschluß gelangt. Der Magistrat hat in seiner heutigen Sitzung den Entwurf der Schuld buckordnung genehmigt; die Einrichtung soll am 1. April 1914 in Kraft treten.'— Der Magistrat stimmte dem neuen Statut für die Feuersozietät mit den von der Stadtverordnetenversammlung be schlossenen Aenderungen endgültig zu.— Von den in Aussicht genommenen zehn Stellen von Wohnungsinspektoren wurden in der Magistratssitzung drei besetzt. Gewählt wurden Ingenieur, Dr. der«staatswissenschaslen Jenke, zurzeit Hilfsarbeiter an der Handelskammer Altenburg, Stadtbausekretär Henselin vom Hochbauamt der Stadt Berlin und Wohnungspfleger Hanske in Charlottenburg.— Der Magistrat genehmigte ferner den von dem Kuratorium des Vieh- und Schlachthofes und der Hochbau- deputation vorgelegten Vorentwurf für die neue Fleisch-Grotzmarkt- halle an der Landsberger Allee und für Neu- und Umbauten auf dem Gelände des Vieh- und Schlachthofes. Tie erste Schulärztiu. Zu der durch die Schuldeputation erfolgten Wahl des Fräulein Martha Ulrich in Berlin zur Schulärztin hat der Magistrat seine Zustimmung erteilt.___ Das Ende der Schwebebahnprobestrecke in der Brunnenstratze ist nun endgültig besiegelt. Das Polizei Präsidium hat, wie wir hören, der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische'Unternehmungen in Nürnberg nunmehr eröffnet, daß die nachgesuchte Genehmigung zu einer Schwebebahn Gesund- brunen— Neukölln, mit Erweiterungslinien im Norden nach Reinickendorf, im Südosten nach Britz, nicht erteilt werden könne, nachdem das von der Allgemeinen Elektrizitäts- gesellschaft eingereichte Projekt einer elektrischen Hoch- und Untergrundbahn Gesundbrunnen— Neukölln, welche im allgemeinen die gleichen Stratzenzüge verfolgen soll, wie die geplante Schwebe- bahn, die landespolizeiliche Genehmigung erhalten hat. Das von der Kontinentalen Gesellschaft beim Oberpräsidenten beantragte Ergänzungsverfahren war schon dadurch gegenstandslos geworden, datz die Kontinentale Gesellschaft den Aufsichtsbehörden ein zweites, erweitertes Projekt eingereicht hatte. Demzufolge ersucht das Polizei- Präsidium die Gesellschaft jetzt um bald möglich st eEntfernung der Schwebebahn-Probe st recke, welche auf Erfordern des Berliner Magistrats im Herbst 1907 im unteren Teile der Brunnenstratze errichtet worden war. Die Probestrecke, um welche nun sechs Jahre lang daS lebhafte Stratzengewühl getobt hat, ohne datz man sie als eigentliches Verkehrshindernis ansprechen konnte, wh:d nunmehr wohl bald verschwinden. Damit dürften denn auch die Akten über ein Schnellbahnprojekt endgültig geschlossen sein, welches die staatlichen und städtischen Behörden länger als zwölf Jahre beschäftigt hat.__ Todessturz auf dem Flugplatz Bork. Der Flieger Hans Lorenz war gestern früh um 6 Uhr 40 Min. auf dem Flugplatz Bork mit seinem Grade-Eindecker zu einem Flug um die Stundenprämie der Nationalflugspende aufgestiegen. Nach einer Flugzeit von zwei Stunden begann Lorenz in etwa 300 Meter Höhe zum Abstieg in einen Gleitflug überzugehen. Hierbei scheint der Flieger den Apparat zu steil gestellt zu haben, denn plötzlich schoß das Flugzeug aus ungefähr.300 Meter Höhe senkrecht in die Tiefe. Lorenz war sofort tot. Beim Aufschlagen auf die Erde geriet das aus dem Brennstoffbehälter fließende Benzin in Brand, das auch den Apparat in Flammen setzte, der teilweise verbrannte. Nach einer Mitteilung von anderer Seite soll während des Gleitfluges eine Tragfläche des Apparates der starken Druck- beanspruchung nicht standgehalten haben und nach hinten über- geklappt sein. ' Der Flieger Lorenz stand im Alter von 24 Jahren; er hatte erst im Frühjahr d. I. das Pilotenzeugnis erworben. Wie der Ingenieur Grade, der dem Fluge als Sportzeuge bei- wohnte, mitteilt, hat Lorenz nach anfänglich ruhigem Gleitflug zuviel Tiesensteuer gegeben. Der Flieger hatte anscheinend geglaubt, außer- halb des Flugplatzes niederzukommen, und setzte daher den Gleitflug ziemlich steil an. Bei der enormen Beanspruchung legten sich die Flügel erst nach oben und hinten dicht an den Apparat, um dann schließlich, als die Maschine mit immer grötzerer Geschwindigkeit ab- wärts sauste, ganz nachzugeben. Falschmünzer verhaftet. Eine Falschmünzerwerkstatt wurde wieder von der Kriminal- Polizei entdeckt und ausgehoben. Es ist dies bereits die dritte Aus- Hebung in diesem Sommer. Ende Juli verhaftete die Kriminal- Polizei zwei Brüder Gebhardt, die falsche Fünfmarkstücke herstellten, vierzehn Tage später einen Händler, der Ein- und Zweimarkstücke prägte und jetzt hat sie einen alten, schon wiederholt vorbestraften Falschmünzer hinter Schloß und Riegel gesetzt, der eine ganze An- zahl Einmarkstücke in den Verkehr gebracht und damit beschäftigt war, Jubiläumsmünzen anzufertigen, die er ohne Zweifel überall leicht losgeworden wäre, weil diese stark begehrt sind und ihr Aussehen beim Publikum noch nicht so genau bekannt ist. Der gester« verhastet« Falschmünzer, et» früherer EiSsahrer Hermann Gall, hatte vor der Festnah«« der beide» Brüder Gebhardt mit diesen zusammengearbeitet. Nach dere« Verhaftung richtete er sich eine Falschmünzerwerkstatt ei« und prägte anstatt der bisherigen Fünfmarkstücke zunächst Einmarkstücke. Weil er der Kriminalpolizei als Fälscher bekannt ist, hielt er fich vor ihr, als er vor nicht langer Zeit nach Verbützung einer dreijährige« Zuchthaus- strafe entlassen wurde, verborgen. Nach der Aushebung der Keller- wohnung in der Schillingstratze, wo er mit den beiden Brüdern Gebhardt gemeinsame Sache machte, richtete er sich seine neue Werk« statt in der Watzmannstratze ein. Hier wohnte feine Geliebte, eine erst achtzehn Jahre alte Erna Damacker. Ein kleiner Raum, dessen Fenster nach einem Lichtschacht gingen, von dem also niemand in die Stube hineinsehen konnte, war z« seiner Arbeitsstätte wie geschaffen. Als alter Falschmünzer brachte er bald wieder sehr gute Stücke in den Verkehr. ES waren Einmarkstücke, die das Münzzeichen v und die Jahreszahl 1312 trugen. Seine Spießgesellen waren neben seiner Geliebte« der 33 Jahre alte„Tischler" Walter Wons und der 24 Jahre alte wohnungslose„Schlächter" Ignatz Kachel, die bei dem Einbruch in die Wohnung des Kriminalbeamten Votz in der Lachmannstratze fest- genommen wurden. Zur Ueberraschung der Kriminalpolizei fand man in ihren Taschen auch viele falsche Einmarkstücke, wie ße i« der letzten Zeit ausgegeben worden waren. Der„Naturforscher" und fem„Tuberkuloseheilverfahren". Ein seltsamer Bakteriologe wurde auf Veranlaffung eines Schlossermeisters in einem Potsdamer Restaurant verhaftet. Die Behörde hatte schon längst ein Auge auf den sonderbaren Ge- lehrten, dessen Spezialität im Darlehnsschwindel besteht. Früher arbeitete der Bakteriologe Dr. Franz Probst, wie er sich fälschlich nannte, in Spandau und den westlichen Vor« orten Berlins, in der letzten Zeit verlegte er seine Naturforschungen nach Potsdam und als geeignete Studienobjekte suchte er sich einen Schlossermeister, einen Monteur und andere Per- sonen aus, die er für seine Disziplinen interessierte und um 10 und 30 M. anpumpte. In der Dorckstratze mietete er ein möbliertes Zimmer, war aber vielfach„verreist". Zu seinem wissenschaftlichen Inventar wählte er einige aus fremden Länden stammende Steine und Blätter, denen er die Fähigkeit nachrühmte, die Tuberkulose zu heilen. Man wurde auf den wunderlichen Gelehrten durch ein im„Berliner Tageblatt" erschienenes Inserat aufmerksam, in dem vor seinem unwissenschaftlichen Treiben gewarnt wird. Eine genaue Personalbeschreibung ermöglichte die Festnahme des„Bakteriologen", als er gerade im Begriffe stand, einem dritten seine gelehrten Ideen klar zu machen. Polizeilich ist festgestellt, datz der Pseudo-Probst seit etwa vier Jahren auf diese Art— durch Anborgen und Zechprellereien— seinen Unterhalt bestreitet und keinerlei wissenschaftliche Tätigkeit ausübt. Er ist tatsächlich Doktor, heißt aber nicht Probst, sondern Kuno Obermüller und stammt aus Heidenheim in Württem« berg. Er ist mehrfach vorbestraft. Der O. wußte durch sein sicheres Auftreten zahlreiche Personen zu täuschen, und die Behörde ersucht daher, ihr Fälle, in denen Dr. Obermüller seiner Spezialität nach- ging, bekannt zu geben.__ Wegen schlechten Geschäftsganges hat sich gestern der 24 Jahre alte Schankwirt Otto Moritz aus der Frankfurter Allee 39 das Leben genommen. In der Verzweiflung öffnete er in der Nacht die Gas- hähne der Kochmaschine in der Küche und vergiftete sich mit dem ausströmenden Gas. Als gestern vormittag feine Köchin in die Küche trat, fand sie ihn tot auf. In Briefen, die beschlagnahmt wurden, teilt er mit, daß er wegen des schlechten Geschäftsganges seiner Wirtschaft freiwillig in den Tod gehe. Die Teiche wurde beschlag- nahmt und nach dem Schauhause gebracht. Bei der Kahnfahrt ertrunken. Ein Unglücksfall, bei dem ein Grenadier sein Leben einbüßte, hat sich bei Fürstenberg ereignet. Ein Soldat des Kaiser Franz« Garde-Grenadierregiments, Wilhelm Deitmer, hatte mit dem Korb« macher Hahnke und dessen Frau eine Kahnpartie gemacht. Durch einen in die Buhne getriebenen Schleppkahn war das Buhnenfeld für die Fahrt unpassierbar, so daß sich die Insassen des Bootes an dem Schleppkahn eine Buhne weit Hochziehen mutzten. Nachdem sie sich dann von dem Schleppkahn abgestoßen hatten, wurde das leichte Fahrzeug von der Strömung erfaßt und quer vor den Steven des KahnS geworfen, so daß er sofort kenterte. Die Insassen stürzten ins Wasser und gerieten in die an dieser Stelle sehr tiefen Strudel. Hahnke konnte von einigen in der Nähe befindlichen Schiffern ge- rettet werden, während der Grenadier ertrank, ehe ihm noch Hilfe gebracht werden konnte._ Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich in der Nacht zum Freitag gegen 2 Uhr vor dem Anhalter Bahnhof. An der dortigen Straßenbahnhaltestelle verließ der 37jährige Friseur Lockmann, Schöneberger Str. 16a wohnhaft, einen Straßenbahnwagen, um sich nach Hause zu begeben. In diesem Augenblick nahte auch die Kraft- droschke 7727 in schneller Fahrt heran. Lockmann konnte'dem Gefährt nicht mehr ausweichen, wurde von dem Automobil erfaßt und eine Strecke weit mitgeschleift, ehe der Fahrer seinen Wagen zum Halten bringen konnte. Der Verunglückte, der furchtbar zugerichtet war, wurde auf die nächste Unfallstation gebracht, wo der Arzt einen komplizierten Schädelbruch und Oberschenkelbrüche feststellte. Außer- dem war dem Friseur die Kopfhaut fast völlig vom Schädel gerissen worden. L. wurde sterbend in das Krankenhaus am Urban gebracht. Straßenbahnunfall. In der letzten Nacht gegen l'/a Uhx wollte ein Herr Hermann Schulze vor dem Hause Turmstr. 74 den Hinter« Perron des Motorwagens 2419 trotz der Warnung des Schaffners während der Fahrt verlassen, kam jedoch zu Fall und geriet mit dem linken Fuß unter den Schutzrahmen des Anhängers. Obwohl der Fahrer sofort Gefahrbremse gab, wurde Sch. der Fuß oberhalb des Gelenkes vollständig abgetrennt. Der Verunglückte wurde nach dem Krankenhause Moabit übergeführt. Im Eiscnbahnzuge gestorben ist gestern eine noch unbekannte Frau von etwa 40 Jahren, die nach bei ihr vorgefundenen Papieren eine Maria Szagala ist. Sie wurde gestern früh in einem auf dem Schlesischen Bahnhof einlaufenden Zuge tot aufgefunden. Wie aus der Fahrkarte zu ersehen war, hatte sie den Zug in Stendal bestiegen. Aus ihrem Gepäck war ferner festzustellen, daß sie von Amerika her- kam und die Ueberfahrt mit dem Dampfer„Kaiser Wilhelm" gemacht hatte. Ein hinzugerufener Arzt stellte fest, daß der Tod der Frau infolge eines Herzschlages eingetreten ist, der die Folge einer großen Abmagerung war. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht.___ Großfeuer In der Schlüterstraße. Wegen eines großen Dachstuhlbrandes wurde die Charlotten« burger Feuerwehr gestern vormittag gegen S'fe Uhr nach der S ch l ü t e r st r. 36 gerufen. Als die Züge dort anrückten, standen die Dachstühle des Vorderhauses und der beiden Seitenflügel schon fast vollständig in Flammen. Der Brandinspcktor ließ sofort mit vier Rohren Wasser geben, und zwar drangen die Löschmannschaften zum Teil über mechanische Leitern und zum Teil über die Treppen gegen das Feuer vor. Obgleich gewaltige Äiajjer«»«ogeo verspritzt wurden, dauerte eS doch fast andertdalk Stunden, ehe »ffeuer auü" gemeldet werden konnte. Die Dachstühle find fast voll' ständig vernichtet. Die Ermittelungen ergaben, daß der Brand durch Fahrlässigkeit des Hausportiers entstanden war. Der Portier hatte auf dem Boden ein brennendes Streichholz achtlos weggeworfen und das Feuer hierdurch verursacht. Er wurde von der Kriminalpolizei sistiert, nach seinem Verhör aber wieder entlassen, da er die tahrlässigkeit einräumte. Mit den Aufräumungsarbeiten hatte die harlottenburger Feuerwehr bis in die NachmittagSstunden hin zu tun. Die Berliner Feuerwehr hatte zur selben Zeit in der Königsberger Straße 17 gleichfalls einen größeren Dach- stuhlbrand zu bewältigen. Hier war die Rauchentwickelung so stark, daß mehrere Rauchschutzapparate in Benutzung genommen werden mußten. Der Feuerwehrmann G r e u l erkrankte während der Löscharbeit unter Einwirkung der Raucheinatmung so schwer, daß er nach dem Krankenhaus Am Friedrichsbain gebracht wurde. Die Ablöschung des Feuers wurde mit zwei Rohren durchgeführt. In diesem Falle ist die Brandursache nicht ermittelt.— Außerdem wurde die Berliner Feuerwehr noch nach der Müllerstratze ISS» ge- rufen, wo auf dem Straßcndamm ein Ballon Salpeter« säure geplatzt war. Die Säure wurde von der Wehr mit Wasser fortgespült, doch hatte der Unfall eine längere Verkehrsstörung zur Folge._ Deu Tod in Wasser suchte gestern abend gegen S Uhr ein noch unbekannter Mann von etwa 50 Jahren. Er sprang von der Freiarchenbrücke in den Flutgraben, wurde aber noch lebend wieder herausgezogen und nach dem Urbankraukenhause gebracht. Der Lebensmüde ist etwa 1,70 Meter groß, hat etwas Glatze und einen Keinen, rötlichen Vollbart und trug einen dunklen Jackettanzug, einen schwarzen, steifen Hnt, schwarze Schnürschuhe und einen Krückstock. �_ Hiid aller Welt. Zum Öntergang des JMarincluftfdriffea. Die zahlreichen von fachmännischer Seite erhobenen Angriffe, daß die Vernichtung deS Mililärluftschiffes auf Ueberlastung zurückzuführen sei, sucht man amtlich durch die folgenden, durch WolffS Telegraphenbureau verbreiteten Ausführungen zu wider- legen: In der Oeffentlichkeit ist von sachverständiger Seite unter Be« Nutzung von nichtamtlichen Zahlen entwickelt worden, daß die Katastrophe des ,2.1' in erster Linie durch eine an- genommene Ueberlastung und erst in zweiter Linie durch vertikale Lustbewegung verursacht worden sei. Zwölf- hundert bis fünfzehnhundert Kilogramm Ballast werden dabei als reichlich bezeichnet bei nicht gerade abnorm ungünstigen meteorologischen Verhältnissen. Nun hatte Ji. 1* 1860 Kilogramm Ballast an Bord, außerdem 2300 Kilogramm Benzin und 200 Kilo gramm Oel, die bei dem Unfall ebenfalls als Ballast verwendet wurden, soweit die technischen Einrichtungen es zuließen. Der durch StrahlungSerwärmung des GaseS verursachte AuftriebSverlust war geringer als in den öffentlichen Berechnungen angenommen worden ist. Die Uebertemperatur des GaseS war nicht bedeutend, dagegen war die Höhe, bis zu der das Luftschiff durch vertikale Böen gerissen wurde, nämlich 1S00 Meter, und dementsprechend die gesamte Ueberlast, die durch Ballastabgabe oder dynamisch auszugleichen war, sehr viel größer, als öffentlich angenommen worden ist. Sonach ist in der Belastungsverteilung äußerst vor« sichtig Verfahren worden, aber die unvorhergesehene Ge« Walt des Wetters hat jede Vorsicht zuschanden gemacht. Der Unfall ist mithin durch vertikale Böen veranlaßt nnd nicht durch Fehler in der Belastungsverteilung bei der Abfahrt. Auch dieser Beschönigungsversuch wird nicht die erhoffte Wirkung haben, find doch die vertikalen Böen. d. h. das Sturmwetter, von den meteorologischen Stationen vorausgesagt worden. Der Schreckenszug der Cholera. Trotz aller Versuche, die auf dem Balkan grassierende Cholera auf den Seuchenherd zu bannen, wird die Gefahr der Verschleppung nach dem Westen immer stärker. Nachdem jüngst erst in Budapest mehrere Fälle von Cholera festgestellt wurden, wird jetzt auch aus dem nahe der bayerischen Grenze elegenen böhmischen Badeort Marienbad eine Erkrankung an Cholera gemeldet. Dort ist bei einer aus Gratschenitza(Bosnien) eingetroffenen Frau Galcinska Cholera festgestellt worden. Alle erforderlichen Matz- nahmen sind gewoffen, die Frau ist isoliert worden. In Serbien und Rumänien wütet die Cholera in furchtbarer Weise. Die amtliche Cholerastatistik für S e r b i e n für die letzten acht Tage lautet: Erkrankt seit dem Ausbruch der Epidemie 1224 Personen, genesen 370. gestorben 27 7. Der Cholerastand in Rumänien ist seit dem Ausbruch der Epidemie folgender: 1558 Kranke, 661 Todesfälle. 159 Erkrankte sind genesen. Auf die Gesamtzahl der Todes- fälle entfallen 79 Militärpersonen. Wie aus B u k a r e st gemeldet wird, ist die Moldau cholerafrei. In Bukarest hat sich kein neuer Fall ereignet. Es sind autzerordentliche Matznahmen getroffen, um die Seuche zu loka- lisieren und den Prozentsatz der Genesenen zu erhöhen. Mit den Serumeinspritzungen in den Kasernen, Fabriken usw. werden die günstigsten Ergebnisse erzielt. Ein Anhänger Leo Tolstois. Für hartnäckige Gehorsamsverweigerung im Militärdienst ver« urteilte das Petersburger Militärgericht den Soldaten Mallusch zu 5>/z Jahren Zuchthaus. Er hatte sich ge- weigert, Gewehrübungen auszuführen und das Schießen u. dergl. zu erlernen. Er erklärte, er sei ein A n h ä n g e r T o l st o i s und würde sich unter keinen Umständen dazu hergeben, etwas zu leisten. das mit Blutvergießen im Zusammenhang steht. Vor Gericht stand er das dritte Mal. Für die ersten zwei Gehorsams- Verweigerungen hat er bereits 1 Jahr und 8 Monate Disziplinar- bataillon abgebüßt. Diesmal wurde er auch aus dem Militär« dienst ausgeschlossen. Welch eine Satire, daß Christen ihr christliches Bekenntnis nicht nur im Munde führen, sondern auch in die Tat umsetzen, durch die Vertreter der christlichen Weltordnung zu Verbrechern gestempelt werden. Kleine Notizsn. vom Eisenbahnzug überrannt. Auf Bahnhof Egestorfs �Hannover) wurde ein Fuhrwerk von einem Eisenbahnzug erfaßt. Der Lenker des Fuhrwerks erlitt einen schweren Oberschenkel- b r u ch, der Bäckermeister Westendorf und der Schutzmann W i t t e k o p s aus Linden, die mit ihren Familien von einem Aus- flug zurückkehrten, wurden getötet. Die übrigen Insassen blieben unverletzt. Bon Kannibalen aufgefressen. Ein europäischer Kaufmann namens Huberso hn ist am 10. Juli, wie aus Cavally lLiberia) gemeldet wird, von Eingeborrnen des Ngere-Stammes im Ur- wald überfallen, ermordet und aufgefressen worden. Todessturz eines russischen Fliegers. Bei einem Fluge von Krasnoje Sselo nach Petersburg ist der Flieger Avinas ab- gestürzt. Er erlag nach einer Stunde den erlittenen Ver« letzungen. Verschwundene Inseln. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus San Francisco berichtete der Kapitän des aus Sydney kommenden Dampfers„Senoma', daß die zu den Tongainseln im Süden des Großen OzeanS ge- hörenden Inseln Falcon und Hop« verschwunden seien, offenbar infolge vulkanischer Erschütterungen. Mehrere hundert Eingeborene und einige Weiße seien umgekommen. Tod in den Alpen. Nach Blättermeldungen aus Gstatterboden ist ein seit einigen Tagen vermißter Tourist beute am Hochtor erfroren aufgefunden worden. ES ist der Wiener Advo- katurkandidat Julius PerliS. (O)(0X0, (O] Hosen-Woche Dauer vom 13. bis 21. September Ausnahme-Angebote moderner Hosen, bedeutend unter sonstigen Preisen Sene I Zwirnbuckskins mit idimalen und breiten Streifen..••••• Jetzt 2.95 Serie ii Dunkel- und hellgestreifte Buckskins..... Jetzt 4.95 Serie m Gestreifte Cheviots.-br d-itbrn-................ 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Oktober 1913 bis 1. April 1914 bei der.Oberfränkische» Volks- zetiung* in H o i gesucht Die Bezahlung erfolgt nach den Bedingungen des Vereins Arbeiter- presse. Bewerber wollen ihr Bewer- bungsschreibcn mit einer Abhandlung über die Ausgaben eines Lokalredal- teurs, sowie unter Angabe ihrer seit- herigcn Beschästtgung bis zum 20.Sep- tember 1913 an den GcschästSsührer Ferd. G e i tz I e r in 5'of. Bismarck- straße 13. richten. 290/16 ! S t u k k a t e u r e! I Rabitzer! Die Firma O. Stttwe, Hagel. brrgerstrastc 35, ist wegen Nichteinhaltung des TariivertrageS gesperrt, Arbeitsstellen sind: Bcllc-Alliance-Str.(Dragoncrlaserue) und Neubau der Kgl. Bibliothek. Deutscher Bauarbeitervcrbaud. Ar. 338. 30. Jahrg. KeMs-KnlM te Jotnitls" für ilotiien-illfn. 13. ZepteNber 1913. Torort- Nachrid�ten. Neukölln. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion folgenden Antrag gestellt: Um die in ständigem Wachstum hervortretende Arbeitslosigkeit und dem sich daraus ergebenden Norstande der Arbeiter nach Mög- lichkeit zu steuern, ersucht die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat: a) die bereits beschlossenen und noch nicht zur Ausführung gelangten Arbeiten im Hoch- und Tiefbau schleunigst in Angriff zu nehmen, d) für die Schaffung eines einheitlichen Arbeitsnachweises für das Gebiet Groff-Berlins an massgebender Stelle einzutreten und o) der Einführung der Arbeitslosenversicherung jede mögliche Unterstützung angedeihen zu lassen, d.) für eine kommunale Arbeitslosenfürsorge Mittel bereit- zustellen und der Stadtverordnetenversammlung schleunigst eine Vorlage zu unterbreiten. Die Kommission zur Bekämpfung der Lebcnsmittelteuerung hat in Lhrer Sitzung beschlossen, den städtischen S e e f i s ch v e r k a u f zum Oktober wieder eii�urichten. Die Verkaufsstellen werden noch bestimmt. Grundsätzlich wurde der Beschlutz gefasst, auch in diesem Winter wieder russisches Fleisch zu billigen Preisen zu beschaffen. Es liegt bis jetzt schon ein Angebot vor, wonach der Bezug in qualitativer Hinsicht viel vorteilhafter sein wird wie im Vorjahre. Auch ist nach dem Angebot der Einkaufspreis wesentlich günstiger, wie es früher der Fall war. Schwierigkeiten dürfte noch die Regelung des Vertriebs an das konsumierende Publikum bereiten. Die Erfahrungen, die bisher mit dem Verkauf durch die Ladenschlächter gemacht wurden, ermutigen nicht, diesen Weg weiter zu beschreiten. Im Interesse der B e- völkerung mutz ein entsprechender Weg gefunden werden. Es steht aber zu erwarten, dass die Schlächlerinnung mit Hochdruck ar- Veiten wird, um den Verkauf an sich zu bringen, um dann zu— versagen, wie im Vorjahre. Stadtverordueten-Ersatzwahl. Bei der gestern vorgenommenen Stadtverordneten-Ersatzwahl wurden von im ganzen 1675 Stimmen 1016 Stimmberechtigten abgegeben. Davon erhielt der sozialdemokratische Kandidat F e l s ch 426 Stimmen, der Kandidat der vereinigten Bürgerlichen, R o s e n o w 590 Stimmen. Letzterer ist somit gewählt. Lichtenberg. Eine Provokation! Das innige Verhältnis der Grundbesitzer- Majorität zum Magistrat soll anscheinend nicht gestört werden. Das gehr daraus hervor, dass die Wählerliste zur Stadtverordnetenwahl wieder nach Grundsätzen aufgestellt ist, die den gesetzlichen Be- stimmungen hohnsprechen, von denen aber der Herr Rechtsanwalt und Stadtverordnete Schachtel unter Beifall der nur noch knapp zu- stände gekommenen Majorität sagte:.Tja, die Gerichte könnten sich ja doch einmal auch auf unseren Standpunkt stellen!' Wieder ist der E i s e n b a h n f i s k u S, die Friedrichsberger Bank als eingetragene Genossenschaft usw. in die Wählerliste auf- genommen und damit sind Hunderte von Wählern der zweiten Ab- teilung in die dritte Wählcrklasse gedrängt; das an sich kümmerliche Wahlrecht ist damit wieder erheblich verschlechtert. Kann man denn die Verhöhnung der Wähler noch weiter treiben'< Gewiss I Noch schwebt die Klage unserer Parteigenossen gegen die Gültigkeit der Wählerlisten im Vorjahre vor den Verwaltungsgerichten. Bei dem Schneckengang, mit dem solche Klagen ihre Erledigung finden, können aber noch Monate und Jahre vergehen. Aber alle Gesetzes- ausleger sind der Ausfassung, dass der Fiskus nicht Aufnahme in die Wählerliste finden kann. Macht nichts; der Magistrat fühlt sich als Sachwalter der hart um ihre Majorität bedrohten Grundbesitzer- fraktion und hofft mit ihr auf— einen Zufall! Auch eine Ein- schätzung der Gerichte, die sich hören lassen kann. Die ungesetzliche Wählerliste liegt vom Montag, den t5. September, bis 30. September an den Wochentagen von 8 bis 3 Uhr und an den Sonntagen von 9 bis 12 Uhr im Stadthause, Türrschmidtstrosse, zur Einsicht aus. Jeder Wähler hat die Pflicht, die Liste einzusehen und— Protest gegen diese ungesetz- liche Aufstellung zu erheben. Der Magistrat will anscheinend den Konflikt mit der Mehrheit der Wähler. Die richtige Antwort wird die entrechtete Einwohnerschaft schon finden. Zunächst überzeuge sich jeder, ob sein Name eingetragen ist. Biesdorf. Die letzte Sitzung der Gemeindevertretung war, wie fast alle Sitzungen des letzien Jahres, Vertragsabschlüssen gewidmet. Ein Verlrag wurde mit dem Ritlergut Biesdorf zum Abschluß gebracht. Es handelt sich hierbei um das Geländedreieck zwischen der neuen und allen Marzahner Strasse. Das Rittergut Biesdorf überläßt der Gemeinde dieses Dreieck zwecks Anlegung eines Wassersammelbeckens. Die Gemeinde übereignet dafür bei Aufhebung des alten Marzahner Weges diesen an das Rittergut. Ein bedeutenderer Vertrag war der, wonach der Stadt Berlin die Erlaubnis erteilt werden sollte, in der Köpenicker Strasse ein Wasserdruckrohr zu verlegen. Dieser Vertrag beschäftigte in mehreren hintereinander folgenden Sitzungen auch die Etats- und Rechnungskommission, der auch der Vertreter der Arbeiterschaft angehört. Der Vertrag wurde nach mehreren Abänderungsvorschlägen unserer Genossen dahin angenommen, dass die Stadt Berlin als einmalige Eni- schädigung 22 000 M. und für jedes laufende Meter 30 Pf. An- erkennungsgebühr zahlen soll, was eine jährliche Einnahme von 3000 M. für die Gemeinde bedeutet. Es ist dies der vierte Vertrag, die insgesamt der Gemeinde in den letzten drei Jahren die Summe von 100 000 M. eingebracht haben. Als besonderen Punkt der Tagesordnung behandelte Gemeindevertreter Müller die Missstände in der hiesigen Volksschule. Bedauerlicherweise wurde er durch die Einwohner in seinem Vorhaben nicht unterstützt. Man mutzte er- warten, dass wenigstens einzelne Einwohner Interesse an der Sache gehabt hätten. Es wurde eine Untersuchung des Schulvorstandes zugesagt. Der Schulvorstand erwartet von der gewählten Kom- Mission, dass dieselbe vorhandenes Material zu einer am Freitag staltfindenden Sitzung vorlegen wird. Pankow. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich am Dienstag erneut als Amtsausschuss mit der in letzter Sitzung zur nochmaligen Nachprüfung an die Finanzkommission verwiesenen Polizciver- ordnung für das öffentliche Fuhrgewerbe für den Amtsbezirk Berlin-Pankow. Um Misshelligkeiten zwischen Fahrern und Fahrgästen vorzubeugen, ist von unseren Genossen in der Kommission versucht worden, diese Polizeiverordnung nach Möglichkeit mit der für Berlin geltenden in Einklang zu bringen. Es sind denn auch eine Reihe von Bestimmungen in diesem Sinne geändert worden, doch kann von wirklich gleichartigen Fahrver- Hältnissen mit Berlin, wie Genosse Kubig an einer Reihe von Beispielen nachwies, nach Einführung der Polizeiverordnung nicht gut die Rede sein. Nach längerer Debatte wurde schliesslich den in der Kommission vorgenommenen Abänderungen zugestimmt. Ausserdem wurden noch die Pankower Nachbarorte Französisch-Buch- holz und Schönholz sowie Steglitz in die billigere Fahrtaxe einbe- zogen, im übrigen jedoch die Taxverhältnissc Berlins in die Verordnung aufgenommen und letzterer wurde dann einmütig zuge- stimmt.— In der nun folgenden Gemeindevertretersitzung ge- nehmigte die Vertretung einen Nachtrag zur Kanal- gebührenordnung. Derselbe bestimmt, dass neu errichtete Gebäude nicht wie bisher erst im nach der Fertigstellung folgenden Steuerjahr zu den Gebühren herangezogen werden, sondern dass letztere bereits nach erfolgter Gebrauchsabnahme fällig werden. Des weiteren wird bestimmt, daß die von der Gebäudesteuer be- freiten, bisher auch von den Kanalgebühren freigebliebenen staat- lichen, kirchlichen usw. Gebäude in Zukunft nach Massgabe des vom Gcmeindevorstand festzusetzenden Nutzungswertes zu den Kanal- gebühren herangezogen werden.— Bekanntlich hatte die Vertretung im vorigen Jahre die Erhebung von Fremdenschulgeld für Ge- meindeschulkinder von Reichsausländern beschlossen. Obwohl nun dieses Schulgeld, wie der Bürgermeister berichtete,.überraschend gut eingegangen" sein soll, hat man sich angesichts der Tatsache, daß es sich vorwiegend um minderbemittelte Eltern handelt, dennoch dazu entschlossen, Erleichterungen bei der Erhebung dieses Fremden schulgeldes einzuführen. Es soll analog wie an den höheren Schulen das Schulgeld für die ersten zwei Kin- der voll, für das dritte nicht und für die weiteren Kinder einer Familie nur zur Hälfte erhoben werden. Die Vertretung stimmte der Massnahme einstimmig zu.— Die Feststellung der Bau- rechnung für den Wasseriverksneubau ergab eine Ueberschreitung der Bausumme von 133 704 M., was in Anbetracht der Gesamtbaukosten des Werkes von 2 700 704 M. von der mit der Prüfung der Rechnung betrauten Kommission als geringfügig be- zeichnet wurde. Die Ueberschreitung fällt um so weniger ins Ge- wicht, als dieselbe zum erheblichen Teil für Werte erfolgte, die schon für eine eventuelle Erweiterung des Werkes geschaffen wor- den sind. Die im Anschluss hieran vorgenommene Feststellung der Baurechnung für die Schulbauten in der Görsch- st ratze schliesst mit einer Ueberschreitung der Bausumme von 88 958 M. ab. Auch diese ist angesichts der Gesamtkosten der Bauten von 2 314 958 M. nur unerheblich zu nennen, zumal darin noch eine für eine weitere Turnhalle reservierte Summe von 50 000 M. enthalten ist. Gemeindebaumeister Fenken nahm bei dieser Gelegenheit Veranlassung, die in der Oeffentlrchkert, namentlich in hiesigen Grundbesitzcrkreisen gegen ihn erhobenen Vor- Würfe wegen zu luxuriöser Äusführung dieser Schulbauten zurück- zuweisen. An der Hand eines reichen statistischen Materials wies er nach, dass Pankow im Verhältnis zu den meisten Gemeinden Gross-Berlins und weiter auch Deutschlands nicht nur preiswert, sondern auch wesentlich billiger gebaut hat. Die der Vertretung angehörenden, im Grundbesitzerverein gegen den Gemeindebau- meister sonst so streitbaren Herrschaften hüllten sich merkwürdiger- weise in Schweigen. Die Ueberschreitungen sowohl beim Wasser- werksbau wie bei den Schulbauten wurden einstimmig bewilligt.— Eine Anzahl kleinerer Beratungsgegenstände entbehrten weiteren Interesses.— Der öffentlichen folgte eine geheime Sitzung. Tegel. Die Bürgermeisterwahl. Anderthalb Jahre sind seit der Sus- pendierung des Herrn Weigert verflossen, und während dieser Zeit ist unser Gemeinwesen wahrlich nicbt sonderlich gefördert worden, wie die Verhandlungen der Gemeindevertretung jedem, der sie un- beeinflutzt von Sonderinteressen beobachtete, mit Deutlichkeit gezeigt haben. Der Ankauf des Borsigschen Gaswerkes ist die einzige grössere Sache, die in diese Zeit fiel, und verschiedene Projekte, die Herr Weigert begonnen, mutzten auf die bekannte.lange Bank" ge- schoben werden, weil für Tegels Expansionspolitik leider die nötigen Mittel fehlten. Nicht unerwähnt bleiben darf die der Gemeinde so teure Bodenspekulation jenseits der Staatsbahn, die jetzt langsam durch Gemeindehypotheken realisiert zu werden scheint, sowie der so kostspielige Bau der Humboldt-Oberrealschule und die Anlage des Hafens am Tegeler See. Dann erfolgte der Sturz diese? taten- frohen Mannes und seine der Gemeinde so kostspielige Zwangs- Pensionierung. Am Donnerstag hat nun endlich die Wahl eines neuen Bürgermeisters stattgefunden. Die Stelle war ausgeschrieben worden und eS hatten sich 176 Bewerber gefunden, von denen aber nur vier in die engere Wahl kamen: die Herren Stadtrat Stritte- Spandau, Beigeordneter Niese-Treptow, Dr. Bocksch-Wittenberge und Wedel-Kiel. Zur Wahl war die Vertretung voll besetzt bis auf ein fehlendes Mitglied und drei zurzeit erledigte Mandate(Lichtenberg, Wistuba, Schenk und Schöffe Nieder). Herr Stritte- Spandau erhielt elf, Herr Niese-Treptow vier Stimmen, die anderen beiden Herren fielen aus, so dass Herr Stritte nunmehr zum Tegeler Bürgermeister auf 12 Jahre gewählt ist, vorbehaltlich der nötigen obrigkeitlichen Be- stätigung. Der Senior der Vertretung, der alte Herr Gutstein, feierte den neuen Herrn, wie er auch seinen Freund Weigert immer noch gern bei passender und unpassender Gelegenheit feiert, und er- wartete von ihm alles Gute für die verwaiste Gemeinde. Die An- Hänger Weigerts machten einen recht deprimierten Eindruck, wahr- scheinlich hätten sie lieber einen anderen Kandidaten als Sieger ge- sehen. Die Wahl war geheim, so daß die zahlreich erschienenen Zu- Hörer vergeblich gekommen waren. Sie quittierten draußen das Resultat mit einem: Gott sei Dank. Endlich wieder einen Bürger- meister! Teltow. Ein tödlicher Betriebsunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 3 Uhr in der hiesigen Filiale der Elberfelder Papierfabrik. Dort geriet der zwanzig Jahre alte Arbeiter Makowiak aus der Lichterfelder Str. 21 mit dem Rockzipfel in den Treibriemen einer Papiermaschine. Er wurde erfaßt und mit dem Kopf zwischen Zylinder und Filz dieser Maschine gepreßt, so dass der Tod auf der Stelle eintrat. Die Leiche wurde nach der Leichenhalle Zehlendorf- Schönow gebracht. Wie uns berichtet wird, sollen in letzter Zeit in diesem Betrieb des öfteren Unfälle vorgekommen sein. �riedrichsfelde. Die letzte Mitgliederversammlung konnte leider das auf die Tagesordnung gesetzte Referat über den politischen Massenstreik nicht entgegennehmen, weil kein Referent zu bekommen war. Dieselbe befaßte sich dann mit der Neuregelung der Landagitation im Kreise. Der Kreis übernimmt in Zukunft die Arbeiten der Landagitation und bestreitet die Kosten derselben. Die in den einzelnen Bezirken vorhandenen Kommissionen bleiben bestehen, sie sind der Leitung des Kreises unterstellt. Es soll dadurch eine Mehrbelastung einzelner Bezirke vermieden und eine gleichmäßigere Verteilung der Arbeiten herbeigeführt werden. Der Vorschlag des Kreisvorstandes, der er- t/s S3 CS CS u CO G> E= a> ifS CO cu CO CO :0 CD InvaSidensfr. 155 zwischen Acker- und Brunnenstr, Schuhhaus Neptun Snvalidenstr. 155 zwischen Acker- und Brunnenstr. "1 -n SL «v Sonnabend, d. 13. September, vorm. 9 Uhr: ErSffffnung! Einheits-Preis: Für Darnen- u. Herren-Stiefel in schwarz, braun und Lackleder. 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Aus Anlah des neuerdings ins Leben gerufenen Bebelfonds betonte Genosie Frentzel, er habe nichts gegen eine Unterstützung der Jugend, nur hätte ein solcher Fonds unter irgendeinen anderen Namen geschaffen werden sollen, sei doch Bebel selbst gegen jeden Personenkultus scharf zu Felde gezogen. Eine vom Redner der Versammlung in diesem Sinne unterbreitete längere Resolution gelangte, nachdem sich inehrere Genossen hierzu in gleicher Weise geäuherl hatten, einstimmig zur Annahme. Am Schlutz der Resolution wurde auch in absprechender Weise der mehr und mehr sich einbürgernden Sitte Erwähnung getan, wonach hervorragende Parteigenossen und Genossinnen es dulden, dah Post- karten mit ihren Bildnissen in den Handel gebracht werden. Da- durch würde die Sache des Sozialismus herabgewürdigt. Ueber den kommenden Parteitag referierte der Delegierte, Genosse Lehmann in längeren Ausführungen über die dort zu erledigenden Aufgaben. Die vom BildungsauSschuh veranstalteten Jugendschriften-Ausstellungen fanden die Zustimmung der Versammlung, eine solche wird am 10. November im Orte abgehalten. In einer am 23. September stattfindenden öffentlichen Versammlung bei Bürger wird Genosse Landtagsabgeordneter Konrad Haenisch über die kommenden Kämpfe referieren. Es soll für diese Versammlung schon jetzt agitiert werden, zumal auch dringende Gemeinde- angelegenheiten zur Sprache gebracht werden sollen. Neuenhagen(Ostbahn). Aus der Gemeindevertretung. Da sich sämtliche umliegenden Gemeinden für den Anschluh an das Kreiswasserwerk erklärt haben, soll auch in unserem Ort jetzt Stimmung dafür vorhanden sein. Im Beisein des Herrn Kreisbaurats Mierau wurde in der auher- ordentlichen Sitzung am Mittwoch nochmals diese Angelegenheit be- handelt. Schon am Sonnlag, den 31. August, fand eine unverbind- liche Besprechung zwischen dem Gemeindevorsteher, den Vorsitzenden der Grundbesitzervereine und der Vertretung statt, an welcher unsere Vertreter leider nicht teilnehmen konnten. So ist wohl der plötzliche Umschwung zu erklären. Darum legte Genosse Göllcr in der Sitzung unsere Stellung zu dieser ganzen Angelegenheit klar. Er und seine Freunde hielten nach wie vor an der Meinung fest, daß die Einrichtung der Wafferleitung in kürzester Zeit die Er- bauung der Kanalisation in Erwägung ziehen müsse. Der Kreis gehe an die Erbauung der Gewinn abwerfenden Wasserleitung, unbekümmert darum, wo die Gemeinden nachher mit den in erhöhtem Maße steigenden Abwässern bleiben sollen. Trotz- dem scheint die Mehrheit für einen Anschluß an das Kreiswasserwerk zu sein. Es wurde kein bindender Beschluß gefaßt, sondern der Antrag Göller wurde angenommen, wonach am Sonnabend, also Heute abend, eine öffentliche Versammlung statt- finden soll. Dort soll die Sache nochmals behandelt werden, um eventuell später mit dem Kreis weiter zu verhandeln. Diese Ver- sammlung am Sonnabend findet b e i W o l t e r, am Bahnhof, statt! trotzdem uns dieses Lokal nicht zur Verfügung steht, ersuchen wir doch, recht zahlreich zu erscheinen.— Der eventuelle Anschluß an das Kreisgaswerk unter Beteiligung eines Stammkapitals von 40 000 M. scheint gesichert zu sein.— Gegen Zahlung einer An- Jetzt Beachten Sie gefälligst die gelben Firmenschilder! Weinbergsweg i direkt am RosenthalerPlatz befindet sich mein neues Geschäftshaus. Frese ältestes Kredithaus für Möbel und Bekleidung Knlant!— Reell!- Billig! Jeder Kllafcr erhalt ein praktisches Geschenk. ISU Wanderer! Touristen! Wir empfehlen: Straube-Karten der Umgegend?. Berlin 88 Qu.-Meilenu. Berlin 1; 180000 0,50 u. 1,— dl. 132 500 1:1 30000 1,— 0.1,50 M. , 1:300000 1,— n. 1,50 M. Straube-IssSS Bernao-Biesentbal, Buckow, Ebers- walde-Chorin, Freienwalde u. 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