Ztr. 343. flboniKmentS'Redlngungen: SUonncmcntä> Preis pränumerando: Vicrteljährl. Z,Z0 M�, monatl. 1,10 wöchentlich 23 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Posl- ?lbonncment: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband jür Teutschland und Oesterreich> Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen un: Belgien, Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. CriOltlnt täglich. Derlinev Volltsblakk. Die Tniertions-Gebüfir beträgl für die scchsgcspaltcnc Kolonel- zeilc oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vercins- imb Versnmmlungs'Anzeige» bO Pfg. „KUtne Mnzcigcn", das scttgcdrnckle Wort 20 Psg.(zulässig Lfetlgedruckle Wortes, jedes weitere Wort(0 P'g. Stellengesuche inL' Zchlasstellenail- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lüBuch. staben zählen für zivci Worte. Iuscraie für die nächste Nuinmer niüssen bis 5 Illir nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramni- Adresse: „Sozialiicmollral Berlin". Zcntratorgan der rozialdcmokratirchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morilfplaft, Nr. 1983. Homerule mi Bürgerkrieg. London, 14. September 1913.(Eig. Ber.) Weniger als IL Monate trennen uns von dem Zeitpunkt, an deni die irische SclbstverMaltungsvorlage über die Köpfe der Lords hinweg Gesetz werden soll, was nach den Drohungen der irischen Protestanten in Nordirland zum offenen Bürger- krieg führen wird, lieber Nacht ist die irische Frage wieder zur aktuellsten Frage der englischen Politik geworden. Zwei Ereignisse waren cS, die in den letzten Tagen die Diskussion wieder angeregt haben i Eine Rede des früheren konservativen Führers B a l f 0 u r und ein langes Schreiben, das Lord Loreburn, der bis vor kurzem liberaler Lordkanzler war, in der„Times" veröffentlicht hat. Herr Balfour forderte in seiner Rede, dasi vor der endgültigen An- nähme der Sclbstverwaltungsvorlagc Parlamentsauflösung und Neuwahlen stattfinden müstten. Aus seiner Rede sprach die Furcht der englischen Konservativen, das; die liberale Regierung die Neuwahlen nach der Annahme des Gesetzes, aber vor der Errichtung eines Parlaments in Dublin vor- nehmen lassen könnte. Tann wären die Konservativen, sollten sie bei den Wahlen den Sieg davontragen, in einem schönem Dilemma. Entweder müssten sie das Gesetz wieder rückgängig machen und dadurch die Nationa- listen zum offenen Widerstand reizen, oder sie müßten(und dies ist der wahrscheinlichere Fall) die Ausführung des Gesetzes übernehmen und die angedrohten Gewalttätigkeiten der Nordirländer verhindern, die sie heute gutheißen. Aber wie die liberale Regierung zwingen, das Parlament aufzu- lösen, ehe noch die irische Vorlage unter Dach und Fach gc- bracht ist? Herr Balfour erklärt, daß eS unmoralisch sei, die Vorlage durchzudrücken, ehe noch die Wähler wieder befragt worden sind, und erinnert die Minister daran, daß sie doch englische Gentlcmcn sind, die in den Traditionen der englischen Staatskunsr ausgewachsen. Tie stockreaktionären Elemente �er konservativen Partei gehen einen Schritt weiter. Sie verlangen nichts weniger, als daß die Krone selbst, ohne die Minister zu befragen, das Parlament vorher auflösen sollte; sie haben sich eine neue Verfassungstheorie zurechtgemacht, die sie der Theorie von dem„automatischen" Handeln der Krone entgegensetzen. Diesen loyalen Monarchisten läge gar nichts daran, wenn die Krone in dem Kampf der Parteien in Stücke ging, wenn sie nur ihren Kopf durchsetzen können. Wichtiger als die Rede Balfours ist das Schreiben Lord Loreburns. Die Ausführungen dieses alten uncntivcgten libe- ralcn Parteigängers sind>vie eine Bombe im liberalen Lager geplatzt. Er zeigt in sehr einleuchtender Weise, ivie es keiner der streitenden Parteien dienlich sein kann, wie die eine von ihnen mit Gewalt bezwungen wird. Lassen es die Ulsterlcute auf den Biirgerkrieg oder große Straßentumulte ankommen, so wird ihre blühende Industrie schtver zu leiden haben: große Menschenmengen werden arbeitslos iverden, die Industrien Nordirlands werden zum Stillstand gebracht werden. Und Herrn R e d m 0 n d, dem Führer der Nationalisten und" dein künftigen Premierminister Irlands kann es doch auch nicht gleichgültig sein, daß in den schwierigsten Zeiten des jungen Irlands fast ein Viertel der Bevölkerung offen gegen ihn rebelliert. Weshalb nicht einen Versuch machen, fragt Lord Loreburn, eine Konferenz ab- zuhalten, um die Parteien zusammenzubringen und ein Rc- gicrungssystem für Irland auszuarbeiten, das die Zustimmung aller findet? Alle, die den religiösen und nationalen Hader satt haben, würden mit dankbarem Herzen diesem Plane zustimmen, wenn er nur ausführbar wäre. Ilm ein Kompromiß zustande zu bringen, ist vor allen Dingen notlvcndig, das; sich die handelnden Parteien ini wesentlichen einig sind. Das ist aber hier nicht der Fall. Der Kernpunkt der ganzen Frage ist, daß die Unionistcn Ulsters von der Selbstvcrlvaltung Irlands überhaupt nichts wissen wollen. Unter keinen Umständen wollen» sie eineni Parlament in Dublin untertänig sein. Sie erklären gerad heraus: Auch wenn sich die Wähler zivanzigmal für Homerule aussprechen, werden wir uns nicht fügen. Sie haben kein Recht, uns aus dem Reiche hinauszuwerfen und uns unter das Joch einer Mehrheit zu bringen, deren Religion und politische Ansichten wir hassen und verachten. Wir tverden der Regierung in Dublin mit Waffengewalt cnt- gegentreten und in Belfast eine provisorische Regierung er- richten, wenn uns unsere englischen Religions- und Stammes- genossen ausstoßen. Homerule ist für uns eine Frage, die wir nicht diskutieren können. Die liberale Regierung hat es an Versuchen nicht fehlen lassen, die Nordirländer zu versöhnen. Mehr als ein Minister hat diese starrköpfigen Leute ersucht, doch tvenigstens einen Gegenvorschlag zu machen, damit man wisse, wie nian den lllstcrleuten entgegenkommen könne. Aber vergebens. Die Gegenvorschläge bestanden«darin, daß man feierlichst ein Ge- lübdc unterschrieb, nie und nimmer einer Dubliner Regierung zu gehorchen: daß man sich militärisch organisierte und exerzierte; daß man selbst Waffen für die kommende Revolution aufkaufte, um die Regierung zu erschrecken. Wahrscheinlich wäre das jetzt wieder von Lord Loreburn angeregte Kompromiß schon vor drei Jahren zustande gekommen, wenn eben dieser Widerstand in Ulster nicht vorhanden iväre. Wie erinnerlich sein wird, kamen die liberalen und konservativen Parteiführer Großbritanniens im Jahre 1910 zu einer mehrere Wochen dauernden Konferenz zusammen, um zu versuchen, den durch die Verwerfung des Budgets entstandenen Vcrfassungs- streik auf gütlichem Wege zu schlichten. Was diese Konferenz zur Unfruchtbarkeit verdammte,>var eben diese Hartnäckigkeit der irischen Unionistcn, die von keiner Art Homerule etwas wissen wollten. Die englischen Unionisten sollen auf dieser Konferenz für die allgemeine Selbstverlvaltuttg, für die Politik der„Abwälzung" eingetreten sein, mich der nicht allein in Irland, sondern auch in Schottland, Wales, Rordcngland und anderen Landesteilen ein lokales Parlament errichtet werden sollte, um das Reichsparlament zu entlasten. Ulster sollte sein eigenes Parlament erhalten. Der Gedanke wurde damals von den einflußreichsten Schriftstellern der kon- servativen Partei eifrig propagiert. Tie Ulstcrlcutc stemmten sich dagegen. Sie konnten den Gedanken nicht ertragen, daß sie ihre Vorzugsstellung in Irland verlieren sollten. Unter diesen Umständen ist es nicht wahrscheinlich, daß eine neue Konferenz irgendwelche Erfolge zeitigen»vird. Die irische Frage, eine so srilchtbarc Quelle der liberal konservativen Parteikämpfc und Intrigen, in denen nie das Recht der Nation auf Selbstverwaltung klar zu Worte ge kommen ist und die Situation beherrscht hat, ist in erster Linie eine bürgerliche Frage. Aber sie ist aitch eine Arbeiterfrage, besonders in dem Sinne, daß die Arbeiter bei allen ernsten Kämpfen die blutigen Köpfe davontragen werden. In der traurigen Geschichte der Insel waren es stets die Bauern und die Arbeiter, die die von Aristokraten und Bourgeois eingebrockte Suppe ausfressen mußten. So Ivird es wahrscheinlich auch in Ulster kommen, wenn die irische Vorlage Gesetz geworden ist. Die reichen Advokaten und Berufspolitiker, die heute in Ulster noch hoch verräterische Reden führen, werden wohl nicht in der ersten Linie anzutreffen sein, wenn die Ulsterlcute ihre hölzernen Flinten, mit denen sie jetzt exerzieren, gegen ordentliche Schieß Prügel ausgetauscht haben werden. Sonst würde ein nicrk würdiger Umschwung in der Geschichte Irlands stattgefunden haben. In Großbritannien, Ivo isti allgemeinen chic irische Frage unter dem Volke nur noch wenig Interesse erweckt, ist man ge- neigt, über die Drohungen der irischen unionistischen Führer zu lachen; man erwartet höchstens Straßenkraivalle in Belfast und anderen Städten. Man trifft aber auch Personen, die die Provinz Ulster- kennen und die Situation aU sehr ernst schildern. Wohl das häßlichste an den Zuständen in Ulster ist, daß viele p rote st antische Ar b c i t c r im Kampf gegen die Homerule eine bevorzugte wir! schaftlichc Stellung verteidigen. Es gibt große Betriebe in Belfast, zu denen sie keine katholischen Arbeiter zulassen Dies scheint ein Ucberblcibsel aus der Zeit zu sein, als den Katholiken in Irland die Ausübung geivisser Berufe untersagt war. Ucber die nächste Entwicklung der Dinge in Nordirland gehen die Ansichten unserer Genossen weit auseinander. Drei erfahrene sozialistische Gewcrkschaftsbeamtc' äußerten sich darüber wie folgt. Der erste, der in England tätig ist, aber aus Ulster stammt und seine Landsleutc gut kennt, glaubt, daß die Protestanten Ulsters ihre Drohungen ausführen werden. Ter zweite, ein Engländer, der häufig auf Agitations- reisen in Nordirland ist, hält die Drohungen für Bluff; er erklärt, daß die unionistischen Arbeitgeber die Arbeiter zwängen, den Regimeittern der Rebellen beizutreten; auf den Märschen gehe es meist lustig zu und es werde viel Freibier konsumiert. Ter dritte, ein Südirländer, der in Belfast ivohitt, glaubt, daß mit ernsten Unruhen zu rechnen ist, bis sich die protestantischen Arbeiter an die neue Lage gewöhnt und gesehen haben, daß all die schrecklichen Folgen der Selbstverwaltung, von denen man ihncil seit Jahr und Tag erzählt, ausgeblieben sind. Es ist somit äußerst schwer, zu sagen, ob etwas aus dem angedrohten Bürgerkrieg in Ulster werden wird oder nicht.___ Der parlamentarifch« Bericht. H. St. Fcmt, 17. September. Nach den in der Form zwar durchaus sachlichen, aber doch von ver- haltener Leidenschaft durchzittertcn Auseinandersetzungen über den Massenstreik kehrte am Dienstagvormittag die Debatte in ruhigere Bahnen zurück. Zwar stand der F r a k t i 0 n s b e r i ch t auf der Tagesordnung, doch war aus der Diskussion gerade der Teil zu späterer Erörterung herausgelöst worden, der die lebhaftesten Kontroversen verspricht: die Stellung der Fraktion zur Steuerfragc. Da nun aber die Wehr« Vorlage und ihre Deckung die ganze letzte Reichstagssession über- ragend beherrscht hatte, ist es begreiflich, daß die Hauptdebatte über die Tätigkeit der Reichstagsfraktion erst bei der Verhandlung über die Steuerfrage einsetzen wird. Genosse Heinrich Schulz konnte sich deshalb als Bericht- erstatter der Fraktion auf kürzere Bemerkungen beschränken, zumal er in dem schriftlich erstatteten Bericht ein scharfes Bild der fleißigen, eindringlichen und vielseitigen Tätigkeit unserer Neichstagsfraktion gegeben hatte. Eingehender behandelte der Re- ferent vor allem die Anträge, die ihre Mißbilligung über die nicht vollzählige Anwesenheit der Mitglieder der Reichstagsfraktion aus- sprachen und energische Vorkehrungen gegen eine Wiederholung Expedition: 8Äl. 68, Lindenstrasse 69« Fernsprecher: Amt Moritiplati, Nr. 1984. solcher Vorkommnisse forderten. Er verwahrte die Fraktion lebhaft gegen den Verdacht mangelnden Pflichtgefühls; ge- legentliche Nichtanwesenhcit eines kleinen Prozentsatzes der Fraktion bei nicht vorauszusehenden Abstimmungen sei zu entschuldigen und niemals völlig zu vermeiden.— Wenn man bei der Beratung der Wehrvorlage einen Mangel an Energie vermißt habe, so sei dies Enipfinden zum guten Teile auf ungenaue Kenntnis des parlainenta- rischen Geschäftsganges zurückzuführen. Daß es die Fraktion in der zweiten Lesung an„Wucht und Großzügigkeit" nicht habe fehlen lassen, sei ihr doch selbst von der sehr kritischen !, Gleichheit" bestätigt worden. Auch die intensive Tätigkeit der FraklionSmitglieder in den Kommissionen gelange durch die knappen Berichte nur zu höchst ungenügendem Ausdruck. Leider nur habe es an der starken Resonanz der sozialdemokratischen Redner im Lande gefehlt. Die Fraktion verdenke den Genossen wahrhaftig nicht ihre Kritik und habe zweifellos selbst das Gefühl, daß manches noch besser zu machen gewesen sei, allein manche Kritik treffe doch total daneben. So die in einem Blatt ausgesprochene seltsame Ansicht, daß es nicht die Aufgabe der sozialdemokratische» Fraktion sei,„Schönheitsfehler" des heutigen Militarismus zu bekämpfen, deren Ausmerzung wesent. lich nur im Interesse des Bürgertums liege. Wer die Bekämpfung z. B. des Einjährigenprivilegs und der Ungeheuerlichkeiten der Militärjustiz für dem Proletariat gleichgültige Dinge hält, verkenne doch völlig den Standpunkt und die Aufgaben sozialdemokratischer ParlamcntStätigkeit dem Militarismus gegenüber. In der Debatte wandte sich eine Reihe von Rednern gegen die Entschuldigung der bei wichtigen Abstimmungen fehlenden Ab- geordneten. Wer ins Parlament geschickt werde, habe dort auch jederzeit auf dein Posten zu sein. Scharfen Widerspruch fand auch die Ansicht, daß es Schuld der Massen im Lande gewesen sei, daß eine Erschlaffung der Demonstrationen gegen die Wehrvorlage ein- getreten sei. Die Fraktion als berufenste Führerin habe eben durch ihre Tätigkeit die Erregung im Flusse halten müssen. Genosse Heil ingn n- Chemnitz mißbilligte, dix Taktil der Fraktioii, einer Verabschiedung der. Wchrborlage zuzustimmen, bevor die Deckungs- frage erledigt lvar, und Lcdebonr erklärte sich darin mit ihm cinverstandc».— Neben mancherlei anderen Anregungen vertrat namentlich Genossin Z i c tz beredt jene Resolution, die den Aus- bau des Kindcrschutzes der besonderen Aufmerksamkeit der Fraktion empfahl.— Die schärfste Brandmarkuug erfuhr auch van mehreren Rednern das derzeitige Diätengesctz, das zum Quell der schlimmsten Korruption geworden sei, weil es geradezu eine Prämie aus die skrupelloseste pnrlanieirtarische Schwitzarbcit setze. Tic Fraktion möge deshalb alles daran setzen, dies unwürdige und volksschädliche Gesetz zu besciiigen. Fn packenden Worten begründete schließlich Genosse Grum- Vach eine geharnischte Protestresolution gegen die infame chauvinistische Verhetzung zwischen Tetiischland»lud Frankreich. Der Größenwahn deutscher Radaupolitiker rase sich nachgerade in so gciiieingcfährlichen Orgien aus, daß selbst eriistzunchmendc fran- zösische Politiker, wie George Clemeueeau, der tollen Wahnbor- stellung lebte», daß das deutsche Volk geradezu nach Nicdcrtrctuiig und Vernichtung Frankreichs lechze, lind leider bestärke die un- sinnige, geincingcfährlichc VerfolgungSpolitik in Elsaß-Lothringcn die französischen Gespensterseher in ihren Angstdelirien. Darum sei es doppelt am Platze, daß der Parteitag der deutschen Sozial- dcmokratic, als Vertreter der ganzen 4�-MiWonen-Partei, er- neut auf das energischste bekunde, daß das deutsche Proletariat gleich Bebel auf der Berner Konferenz einmütig scdc Völkcrver- hctzung und jede Bedrohung der nationalen Rechte der Auslands- staaten verabscheue und bekämpfe. Auch der größte Teil der NachmittagSsitzmig war noch der Besprechung des parlamentarischen Berichts gewidmet, teils in Form von Kritik, teils in Gestalt von Anregungen für die künftige parlamentarische Arbeit. In zu Herzen gehender Weise schilderte Genosse Knieriem die Kindersklaverei und den gesundheits- zerrüttenden Frondiciisi der zartesten Jugendlichen am Bodensce, von denen Hunderte jährlich zu Krüppeln werden. Und das Zentrum, statt selbst diese Schande kapitalistischer Ausbeutuug zu bekämpfen, denunziert noch die Sozialdemokratie wegen ihrer Kiuderschutz- bestrcvungen bei den Bauern. Frank versprach ein entschiedenes Eintreten der Fraktion für die Forderung des gesundheitlichen und sittlichen Kiiiderschutzes, Ivie er denn überhaupt die Hoffnung aus- sprach, daß eS endlich einmal in der nächsten Reichstags- session möglich sein werde, ernsthaft auf die Durchsetzung sozial- demokratischer Reformen zu dringen, ohne von neuem durch maßlose Forderungen des Militarismus gestört zu werden. Der Redner erbat dazu die tatkräftige Unterstützung der Genossen im Lande. Nachdem Genosse Cohen die Reichstagsfraktion gegen die von anderer Seite erhobenen Borwürfe verteidigt hatte, ging Genosse Heinrich Schulz in seinem Schlußwort noch einmal auf die viel« fachen Beschwerden ein. Eine Obstruktion sei absolut unmöglich ge« Wesen, und auch der Standpunkt der Genossen Heilmann und Ledebour, die sozialdemokratische Mitwirkung zur Vorwegnahme der Wehrvorlage vor der Lösung der Deckungsvorlage sei ein Fehler gewesen, sei nur von einer unBeiräcfjtltdjcn Minderheit der Fraktion geteilt worden. Die Anwesenheit der Abgeordneten im Reichstag sei eine selbstvcr- ständliche Pflicht. Allein es gebe auch Umstände, wo anderweitige Partei- pflichten und besonders geartete Privatverhältnissc eine Nichtanwcsen- heit triftig entschuldigen. Zudem sei die Anwesenheit der sozial- demokratischen Abgeordneten im Verhältnis zur FraktionSzahl sehr viel größer als bei irgendeiner der bürgerlichen Parteien. Der Punkt der Tagesordnung fand- schließlich seine Erledigung dadurch, daß man die Resolutionen sozialpolitischen Inhalts der Fraktion zur Berücksichtigung überwies und einen Antrag annahm, der die Teilnahme an den Reichstagsverhandlungen sämtlichen Ab-- geordneten nachdrücklich zur Pflicht macht. Eine lebhafte Debatte führten zuletzt die Anträge herbei, ent- gegen einem Beschluß des ParteiausschusscS auch im Jahre 1914 einen Frauentag zu veranstalten. Mehrere Redner wandten sich gegen die Anträge. Aber die zündende Beredsamkeit und die guten Gründe, die von den Genossinnen R e i tz e- Brandenburg, Luise Zietz, Klara Zetkin und anderen ins Feld geführt wurden, ver- anlaßtcn den Parteitag, dem Wunsche der Genossinnen zu will- fahren. Der Parteitag beschloß, sich im Prinzip fiir die Abhaltung des Frauentages auszusprechen, jedoch Zeitpunkt und Art der Ver-- anstaltung dem Parteivorstand und Partciansschuß zu überlassen. * Eine formale Unrichtigkeit unseres gestrigen Entre- filets sei auch an dieser Stelle ividerrufen. Es wurde am Dienstagabend nämlich nicht die Resolution des PartcivorstandeS mit 333 gegen 142 Stimmen angenommen, sondern die Gegen- resolution mit 333 gegen 142 Stimmen abgelehnt, was in der Sache freilich auf dasselbe hinausläuft. Am Mittwoch früh wurde dann die Resosution des Parteivorstandes gegen einige Stimmenenthaltungen angenommen. politische deberficht. Das Verteuerungskartcll als Scharfmacherkartell. Ein Teil der linksliberalen Blätter befindet sich schon tvieder im Zustand schönster Hoffnungen, und zwar— weil die Herren Rötger und Schweighoffer in der Dclegicrtcnvcr- sammlung des Zentralverbandes deutscher Industrieller vor einigen Tagen in verklausulierter Form erklärt haben, das; sie einer weiteren Erhöhung der Lebcnsmittelzölle nicht zu- zustimmen vermöchten. Mit dem bekannten, bei den Frei- sinnigen ganz besonders ausgeprägten naiven Optimismus .sehen diese Blätter bereits den völligen Zusammenbruch des Lebensmittelverteuerungskartells vor sich. Das ist wirklich eine kuriose Uebcrschätzung der auf der zentralverbändlerischen Tagung gefallenen Redensarten. Sicherlich sind die Macher des Zentralverbandes deutscher Industrieller einige Schritte zurück- gehopst, aber nur aus rein taktischen Gründen. Unter den MUgliedern des Zentralverbandes hat das schöne groß- industriell-argrarisch-mittelstandsrctterische Zollbündnis nicht überall Zustimmung gefunden, besonders ein Teil der in be- trächtlichcm Maße exportierenden Industriezweige hat Bedenken gjegen eine weitere Erhöhung der Agrarzölle. Diese Bedenken zu beschwichtigen und irgendwelcher Opposition in den eigenen Reihen von vornherein die Spitze abzubrechen, das ist das „Mgtiv, weshalb die Strategen des Zcntralverbandcs der Dclcgiertenversammlung ihre schön gedrechselte Erklärung vorlegten. Es hat ja noch viel Zeit bis zur Beratung des neuen Zolltarifs im Reichstage— und bis dahin hofft man mit den Agrariern einig zu werden. Zudeni aber handelt es sich bei dem Kartell gar nicht allein um die Aufrechterhaltung und sogenannten Ergänzung des heutigen Schutzzollsystems, sondern zugleich um den Kampf gegen die sozialdemokratische Arbeiterbewegung und gegen die fteien Gewerkschaften, wie es denn auch zum Schluß der in Leipzig beschlossenen Erklärung heißt: .In gleicher Weise hält es der Zentralverband für seine Pflicht, auf dem Gebiete der Sozialpolitik gemeinsame Arbeit zu leisten mit allen Kreisen, die für Aufrechterhaltung der Autorität des Arbeitgebers und loirk- samen Schutz der Arbeitswilligen einzutreten gewillt find." Ein deutlich die Absichten der großindustriellen Scharf- machcr verratender Beschluß, der überdies später noch durchs folgende zweite Resolution prächtig ergänzt wurde: .Der Zentralverband deutscher Industrieller gibt im Hinblick auf die diesjährige Arbeiterschutzkonferenz in Bern der Erwartung Ausdruck, daß die Verbündeten Regierungen den Anträgen der Internationale!« Vereinigung für Arbeiterschutz auf Verbot der Nachtarbeit für jugendliche Arbeiter bis zum vollendeten 13. Lebensjahre, sowie ans gesetzliche Einschränkung der Ueber- arbeit für Frauen und junge Leute im Alter bis zu 18 Jahren ihre Zustimmung versagen werde u." Und in bezug auf die Niederhaltung der Arbeiter- bestrebungen gibt es zwischen den am Kartell beteiligten Großindustriellen, Agrariern und Zünftlern keine Meinungs- Verschiedenheiten. In diesem Punkte ist, wie die„Deutsche Tageszeitung" gestern mit Recht betonte,-„die Jntcreffen- aemcinschast lückenlos und restlos". Deshalb würde es auch ein grober politischer Fehler sein, mit einer baldigen Auf- lösung des sogenannten„Kartells der schaffenden Arbeit" zu rechnen. Die Leipziger Erklärung bedeutet nichts anderes, als daß man die Verständigung über die. Erhöhung des Zoll- tarifs auf später verschiebt und zunächst den gemeinsamen Kampf für den Schutz der Arbeitswilligen sowie gegen jegliche weitere Ausgestaltung der sozialpolitischen Gesetzgebung in den Vordergrund schiebt.., In diesem Kampf aber rechnen die Scharfmacher au; mancherlei Unterstützungen, hat doch Friedrich August von Sachsen im Leipziger Rathaus die schonen Forderungen der Zentralverbändser gebilligt und öffentlich verkündet: Ich spreche meinen besten Dank aus für die soeben gehörten Ausführungen, die mich lebhaft interessiert haben. Es gereicht mir zur großen Freude, durch diese Rede die Ziele des fleut ralverbandes kennen gelernt zu haben, und ich hoffe zuversichtlich, als Herrscher eines so werktätigen Landes, das auf die Industrie angewiesen ist, daß die Ziele des Zentralvcrbandes stets mit Tatkraft durchgrfiihrt werden.". Außerdem haben auch die großindustriellen Scharsmacher sich in letzter Zeit redlich bemüht, die Rationalliberalen für ihre Pläne zu bearbeiten, und die Anzeichen mehren sich, daß die Nationalliberalen in ihrer Haltung zum verstärkten Arbeits- willigenschutz eine Schwenkung vorbereiten. Die„Kölnische Zeitung" widmet den Forderungen des Zentralverbandes deutscher Industrieller auf seiner Leipziger Tagung folgende Ausführungen: „Tie Wüusche und Foidaungcn■ dieser Jnteiessenvertretung haben sich durchaus im Rahmen des Möglichen und. nach unserer Ueberzeugung auch Berechtigten gehalten. Das Gefühl beherrscht heute weiteste Kreise des Volkes, daß unsere Sozialpolitik, so sehr grundsätzlich ihr Nutzen anerkannt werden muß, allmählich einen Umfang und einen Eharakter angenonimen hat, der die ihr innewohnen- den Schattenseiten, namentlich ihren bureaukratischen Zuschnitt und ihre Verminderung des Willens zur Selbsthilfe so stark und drückend hervortreten läßt, daß man wenigsteeS einmal eine Pause wünscht, um sich über den Weg der Wciterentwickelung klar zu werden. Und wenn der Sprecher des Zcntralverbandcs die Forderung des Schutzes der Arbeilslvilligen und der Aufrcchterhaltnng der Autorität in allen Wirt- schaftliche» Betrieben von neuem erhebt, so befinden wir uns darin völlig mit ihm in Ucbcrcinstnilmuiig und hoffen, daß seine über- zeugenden Ausführnngcn ihre Wirkung auch auf andere maßgebende Kreise nicht verfehleu werden." Trügt nicht alles, so müssen wir mit harten Kämpfen um ein Gesetz gegen das Streikpostenstchen und zum Streik- brecherschutz im nächsten Reichstag rechnen. Liberale Angstmeierci. Das„Berl. Tagebl." versucht dem Beschluß des Parteitags über den Massenstreik eine Deutung zu geben, die dem klaren Wortlaut der Resolution des ParteivorstandcS ebenso widerspricht, wie den Erklärungen S ch c i d c m a n u S, besonders in seiner Schlußrede- Der Kampf umS preußische Wahlrecht ist fiir den politischen Fort- schritt Deutschlands das wichtigste Problem. Er ist die unerläßliche Vorbedingung jeder weiteren demokratischen EntWickelung. Und daß in diesem Kampfe alle Mittel anzuwenden seien, auch, wenn es die Situation erfordert und ermöglicht, den Massenstreik, darüber gab es auf dem Parteitag keine Meinungsverschiedenheit. Das„Berk. Tageblatt" aber möchte es so darstellen, als ob der Massenstreik ganz außer Betracht käme und nur mehr die Kateridee von dem Block von Fricdberg bis Liebknecht die politische Taktik im preußischen Wahlrechtskampfe bestimmen dürfe. Von dieser Einbildung ist das „Tageblatt" sehr entzückt und wir könnten ihm seine Freude lassen, wenn eS nicht weiterhin auSfiihrte: „Man müßte absichtlich die Augen verschließen, um nicht zu- geben zu wollen, daß die Stellung des sozialdemokratischen Partei- tags zun, Massenstreik ein Zusammengehen aller r e f o r m f r e u n d l i ch e n Elemente in Preußen zur Er- ringung eines freien Wahlrechts erleichtern muß. Das l i b e- r a l e Bürgertum wird niemals mit d e in Gedanken des Massenstreiks auch nur spielen können. Mit einer Partei, die den V e r f a s s u n g s k a m p f auf die Straße trägt, wäre eine Verständigung kaum in v g l i ch. Wohl aber ist die Durchsetzung des freien Wahlrechts in Preußen für das liberale Bürgertum nicht minder wichtig und dringend als für die Arbeiter. So muß sich auch die Grundlage zu einer gemeinsamen Taktit der Linken finden lassen, die zunächst nur den einen Punkt des Wahlrechts ins Auge zu fassen hätte, die aber auf diesen Punkt auch alle verfügbaren Kräfte konzentriert. Und der Volkswille ist doch allmählick zu einen: so mächtigen Faktor im Staat geworden, daß er sich schließlich auch durchsetzen wird." Das ist wieder einmal echt liberal, genauer gesagt, preußisch- liberal. Wir wollen gar nicht davon reden, daß die preußischen Nationalliberalen zu den erbittertsten Feinden des gleichen Wahlrechts gehören und daß ihre preußische Fraktion niehr als je völlig abhängig ist vom Bund der Jndustnelleii, dem Bundesgenoffen des Bundes der Landwirte, dem erbittersten Feinde jedes sozialen und politischen Fortschritts. Es ist daher gänzlich ausstchtZlos, selbst vorausgesetzt, daß die Fortschrittspartei in der Wählrechtsfrage absolut zuverlässig wäre, auf rein parlamentarischem Wege etwas zu er- reichen, einfach deswegen, weil das Dreiklassenwahlrccht schon dafür gesorgt hat, daß eine konscrvativ-klerikale und konservativ-national- liberale Majorität stets vorhanden ist. Wirkliche Demokraten, wie Herr v. G e r l a ch oder Herr Gädle zum Beispiel, erklären es deshalb auch als die wichtigste Aufgabe der bürgerlichen Demokratie, dem Bürgertum klarzumachen, daß es mit allen Mitteln den außer- parlamentarischeu Kampf der Arbeiterklasse unterstützen müßte. Auch die belgischen Liberalen brachten zwar nicht den Mut auf, offen die Anwendung des Massenstreiks durch die Arbeiterschaft zu billigen, aber sie haben wenigstens in ihrer Presse und zum Teil auch materiell den Kampf der Arbeiter unterstützt. Das„Berl. Tagebl." aber, das sich stets selbstgefällig seiner„Ent- schiedcnheit" rühmt, schaudert vor dem Gedanken des Massenstreiks zurück, obwohl es sich bei den preußischen Junkern um Gegner handelt, die vor den schönsten liberalen Reden und Artikeln noch lange nicht zusammenknicken. In dem Kampf ums preußische Wahl- recht ist diese liberale Feigheit, die vor jeder energischen Tat auch der anderen— denn vom Liberalismus erwartet ja niemand mehr Taten— ängstlich zurückzuckt, mit eines der schlimmsten Hindernisse- Zur braunschwcigischen Thronfolge berichtet die halboffiziöse Korrespondenz Woth: Zurzeit finden zwischen der preußischen Krone und den Ver- tretern des Hauses Cumberland die Schlußberatungen statt über die Bedingungen, unter denen das Haus Cumberland die Regierung in Braunschweig antreten soll. Diese Verhandlungen werden streng vertraulich geführt. Gesagt darf aber werden, daß die Verhandlungen vor dein Abschlusie stehen, der allgemein beftiedigen wird. Prinz Ernst August wird einen förmlichen Verzicht auf Hannover aussprechen, da andernfalls ein einstimmiger Be- schluß im Bundesrat über die Aufhebung der Entschließung vom 2. Juli 1885 und dem 28. Februar 1907 nicht zu erwarten ist und ein solcher unbedingt herbeigeführt werden muß. Das Schreiben des Prinzen Ernst August an den Reichs- kanzler vom 20. April d. I. verpflichtet den Thronanwärter staats- rechtlich zu nichts. Nach dem Stande der Angelegenheit ist anzunehmen, daß der Verzicht des Prinzen bald erfolgt und der Bundesrat im Oktober der Angelegenheit nähertreten kann. Die Uebernahme der Regierung in Braunschweig kann alsdann erfolgen.— Gesagt kann auch werden, daß bis zum gegenwärtigen Stande der Angelegenheit zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden waren, die zum Teil durch die welfische Agitation bedingt waren. Altonaer Wahlrcchtskampf. Aus Hamburg wird uns. geschrieben: Der Kampf gegen den geplanten Wahlrechtsraub in Altona hat jetzt mit voller Schärfe eingesetzt. Am vorigen Donnerstag schon stand die Vorlage, die erst vor einer halben Woche eingebracht war, auf der Tagesordnung der städtischen Kollegien. Unsere Genossen hatten beschlofien, alle Mittel. welche die Geschäftsordnung an die Hand gibt, auszunützen, um die Verhandlungen zu verzögern und damit gegen die schnöde Ueberrumpelung zu protestieren. Sie hatten daher ein Dutzend Interpellationen eingebracht. Nach der Geschäfts- ordnung muß zu diesen vor der Tagesordnung das Wort zur Begründung erteilt werden. Die Mehrheit jedoch trat sofort in die Beratung der Wahlvorlage ein. Da sie zum Rechts- raub entschlossen ist, kam es ihr auf einen Rechts b r u ch auch nicht mehr an. Die Verhandlung mußte aber schließlich vertagt werden. Gegen den Rechtsbruch, der sich zum Rechtsraub gesellt. protestierten die Altonaer Arbeiter am Dienstag in zwei gut- besuchten Versammlungen, in denen die Genossen Herz und Kürbis sprachen. Folgende Resolution wurde in beiden Versammlungen unter großem Beifall einstimmig an- genommen: Die Versammlung ist tief empört über das Vorgehen des Ma- gistrats und der bürgerlichen Mehrheit der Stadtverordneten. Sie verurteilt die vom Magistrat vorgeschlagene BezirkSeinteilung, die nur von dem einen Zwecke diktiert ist, die Sozialdemokratie zu schädigen und damit die Arbeiterschaft noch weiter zu entrechten. Zugleich verurteilt sie den offenen Bruch der Geschäftsordnung und die damit verbundene Vergewaltigung der Minderheit. Der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion spricht die Vcrsamm- lung ihre Anerkennung für die entschiedene Verfechtung der Wähler- Interessen aus; sie fordert sie auf, den Kampf mit allen geeigneten Mitteln weiter zu führen und gelobt, alles zu hm, um die Pläne der WaHlrechtSräuber zu vereiteln. Klerikales Liebeswcrbcn. Das Zentrum empfindet es recht bitter, daß es mit den Konser« vativen im Reichstag keine Mehrheit zu bilden vermag und versucht deshalb immer wieder, den rechten Flügel der Nationalliberalen zum Anschluß an den blau-schwarzcn Block zu bewegen. Das „Kartell der schaffenden Arbeit" und die Tagung des Zentral- Verbandes Deutscher Industrieller haben nun im Zentrum neue Hoff- nungen auf eine Sammlungspolitik genährt, die bei den künftigen Zolltarifkämpfen die bisherige„bewährte Wirtschaftspolitik" gegen Freihändler und Sozialdemokraten schützen soll. Das Werben um die Gunst der RechtSnationalliberalen setzt deshalb mit neuen Kräften ein. Die klerikale Presse des Westens(„Tremonia",„Essener Volks- zeitung" usw.) druckt einen Artikel der Erzbergerschen Korrespondenz ab, worin die Erwartung ausgesprochen wird, daß die Mehrheit der nationalliberalcn Fraktion zur Verständigung mit dem Zentrum und der Rechten sich entschließen werde: die jüngste Steuerreform habe ja schon in diesem Sinne vorgearbeitet. Es heißt wörtlich: „Alle Machenschaften des Hansabundes und der sonstigen Blockpolitiker werden doch kaum soviel Gewicht erlangen können, daß sie die versöhnliche Wirkung der jüngsten Steuerreform auf- zuHeben vermöchten. Dabei hat freilich die konservative Partei abseits gestanden. Aber die nationalliberale Partei hat doch in den Steuerfragen erfolgreich mit dem Zentrum zusammengearbeitet und es liegt kein sachlicher Grund vor, daß diese Zusam m e n- arbeit nicht auf dem zollpolitischen Gebiete fortgesetzt werden sollte. Die Heranziehung der kon- servativen Partei wird sich schon von selbst ergeben, wenn nur an die Erhaltung eines angemessenen Zollschutzes sür die Landwirtschaft als selbstverständliches Korrelat der Jndustriezölle von vornherein festgehalten wird," Und schließlich führt die Korrespondenz aus: „Diese Sammlung ist bei der jüngsten Finanzreform ein- geleitet worden. Ist nur erst der allseitig gute Wille zur Verständigung da. so wird sich über die Einzelheiten des Zolltarifs der Ausgleich schon finden lassen. Wir vertrauen also trotz allen Quertreibern auf das Kartell der schaffenden Arbeit und der positiven Parteien." Der«allseitige gute Wille zur Verständigung" zum Zweck der weiteren Auspowerung der breiten Volksmaffen durch das jetzige Schutzzollsystem— das ist das Ziel dieser glorreichen„Sammlung". Frankreich. Kommunarde und Diplomat. Paris, 14. September.(Eig. Ber.) Der französische Bok- schafter in Rom.Camille B a r r ö r e, der Herrn Paul Cambon in London ersetzen wird, blickt— vermutlich mit einiger Be- fangenheit— auf eine Jugendzeit zurück, deren Wege von der gewöhnlichen Bahn diplomatischer Debütanten etwas fern lagen. Barröre war nämlich ein sehr hitziger Teilnehmer am Kommuneaufftand. Besonders lebhaft hat er sich damals für die Nicdcrlegung der Vendüme-Säule eingesetzt. In seinem Ucbereifer ließ er sogar schon am 10. Mai im revolutto- nären Blatt„La Sociale" einen Artikel los, der mit den Worten anhob:„Die Säule ist geivesen". während die Niederlegung erst am 16. erfolgte. Als Haupt- veranttvortlicher dieses symbolischen Protestes gegen die Eroberungspolitik des Kaiserreichs ist bekanntlich der Delegierte der schönen Künste, der große Maler C o u r b c t zum Schadenersatz verurteilt tvorden. Courbet bekam auch in der Folge— sogar noch nach seinem Tod bei der Anbringung seines Hauptwerks in einem der dunkelsten Säle des Louvrc— die Tücke der Reaktton zu spüren. Herr Barrere aber fand merkwürdig rasch Vergebung seiner Sünden und Zugang zur Karriere, deren höchste Stufen er nun erklimmt. So jäh wie etwa Briand hat er den Uebergang zur offiziellen Welt der Bourgcoisrepublik wohl nicht vollzogen, wenn aber einmal die zu Staatsstützcn gewordenen„alten Herrn" der Revolution eine festliche Zusammenkunft veranstalten sollten. dürfte Herr Barrorc schon einen Ehrenplatz beanspruchen. Dänemark. Die Wahlrechtsrcform. Dem dänischen Abgeordnetenhause wurde am Mittwoch die im Vorjahre bereits eingebrachte Verfassnngs- änderungsvorlage tvieder unterbreitet. Der Minister- Präsident führte aus. daß an dem Gcsetzcnttvurf nichts ge- ändert worden sei. Das Volk wünsche, daß ihm der Freiheits- brief von 1849 wiedergegeben werde, und die Regierung werde diesen Wunsch des Volkes erfüllen. Er ermahnte die Rechte, ihren Widerstand gegen die Vorlage aufzugeben, der zwecklos sei. Rolland. Troelstra Vizepräsident. Haag, 17. September. Die Kammer hat als ersten Kandidaten sür die Präsidentschaft Borgesius, Führer der Liberalen Vereinigung, als zweiten Kandidaten Troelstra, Führer der Sozialistenpartei, und als dritten den Katholiken van Rispen tot Sevenaer, früheren Präsidenten der Kammer, gewählt. � China. Keine uencu Fordcrnugen. Tokio, 17. September. Die japanische Regierung hat keine neuen Forderungen an die chinesische Regierung gestellt. Das Gerücht. Japan habe die Verlängerung des Pacht- Vertrages der Halbinsel Kwangtung verlangt, wurde von der Opposition in der Hoffnung ausgesprengt, das gegenwärtige Kabinett durch Straßende mon st rationen zu stürzen. Schweizerische!' GcwerWcljaftstiongreß. j Zürich, IS. September. Die Verhandlungen beginnen mit dem Referat der Genossin Frau Juni(Wolter) über: »Die Förderung der Organisation bei den schlcchtgcstelltrn Arbeitern »ud in solchen Jnduftriezweigen, für die zurzeit noch keine Zentral- verbände bestehen." Die Referentin betont einleitend die große Bedeutung des Eoüdaritätsgedankens in der Arbeiterschaft in der Welt des Kapi- talismus, mit ihrer Kümmerlichkeit und Unsicherheit der Existenz, toobei die Lage der Arbeiter von beute schlimmer ist als die der Sklaven usw. Darüber müssen die Massen aufgeklärt werden, um sie für die Organisation und für Verbesserung ihrer Verhältnisse zu gewinnen. Die Stärkung der Organisation ist um so not- wendiger, als die Unternchmcrorganisationen aller Formen jeden weiteren Fortschritt, auch auf dem Gebiete der Arbeiterschutzgesctz- Hebung zu verhindern suchen. Die Referentin zeigte und würdigte sodann die große Masse der ungelernten männlichen Arbeiter, der ' Frauen, Jugendlichen und Heimarbeiter und wies die bezüglichen Verhältnisse in den einzelnen Gewerben und Industrien(Textil- industrie, Schneiderei, Lebens- und Genußmittel, Handel, Verkehr, Wirtschaftsgcwerbe) nach, in denen vielfach die Männerarbeit, die besser entlohnte qualifizierte Arbeiterschaft ausgeschaltet wird. So wird der Fortschritt und Aufstieg der Fortgeschrittenen gehemmt. Es ist dringend notwendig und unerläßlich, die Schlechtgestelltcn, bie Zurückgebliebenen, für die Organisation zu gewinnen. Mehr als 20 000 solcher sollen noch organisiert werden. Dazu sind auch mehr Kräfte für die Agitation notwendig. So z. B. ist eine einzige Arbeiterinnensekretärin zu wenig und sollte der Gewerkschaftsbund die Mittel dafür aufbringen, daß hier mehr geschehen kann. Es sollte auch ein eigener Verband für die Schlechtergestellten geschaffen werden, was Aufgabe des Bundeskomitccs sein wird. Es ist alles zu tun, um erfolgreich für eine bessere Zukunft des Proletariats kämpfen zu können. Eine ihren Ausführungen entsprechende Rc- folution empfahl sie zur Annahme. Roch eingehender Debatte wurde die Resolution angenommen. Heber: »Wesen und Bedeutung der Tarifverträge" referierte S ch l u m p f- Bern, Sekretär des Typographenbundes. Er empfiehlt die Annahme folgender Resolution: „Die Gewerkschaftsorganisation betrachtet es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben, für die Verbesserung der Lebenshaltung der > Arbeiter zu wirken. Je stärker die Organisation ist, desto besser wird sie diese Aufgabe zu lösen vermögen. Im Abschluß von Tarifverträgen, in denen die Arbeits- und Lohnverhältnisse fest- gesetzt sind, darf ein Mittel zur Erreichung dieses Zieles erblickt werden. Tarifliche Vereinbarungen gelten als Beweis der An- erkennung der Gleichberechtigung der Tarifkontrahenten. Sie verpflichten dieselben, die im Tarife getroffenen Abmachungen gegenseitig zu halten. Bestimmte Normen für die Form der Tarifverträge lassen sich der Verschiedenheit der in Betracht fallenden Verhältnisse und Umstände wegen nicht zum voraus für alle Berufe aufstellen, dagegen erscheint es als zweckmäßig, Ivo die nötigen Voraussetzungen dazu da sind, Tarifverträge nicht nur für einzelne Firmen und Orte, sondern gemeinsam für ge- wisse Landesteile oder das ganze Land zu vereinbaren." Unter Ablehnung der Debatte wegen Mangel an Zeit wird die Resolution angenommen. Nun folgt das Referat Schneebcrgers über: „Die Revision des FabrikgeseheS." Der Referent empfiehlt die Annahme folgender Resolution: „Der am 13., 14. und 15. Sevtember 1913 im„Bolkshaus" in Zürich tagende Kongreß des Schweizerischen Gewerkschafts- Hundes stellt mit. Bedauern fest, daß Her sogenannte Verstände- gungsentwurf für das neue Fabrikgesetz den wichtigsten und be- rechtigsten Postulaten, wie sie seinerzeit vom Schweizerischen Ar- bciterbund und vo>n Schweizerische» GetverkjchaftSbuird aufgc- stellt und begründet wurden, gar keine oder in ganz ungcnügen- . der Weise Rechnung trägt. Der Kongreß ersucht die Arfieitervertrcter in der Bundes- Verwaltung, auf eine Verbesserung der sogenannten Verständi- gungsvorlage zu dringen. Der Gewerkschaftsbund behält sich vor, nach Fertigbexatung de? Entwurfes durch die Bundesversammlung zu dem Ergebnis der Beratungen Stellung zu nehmen." Die Resolution wird ohne Debatte einstimmig angenommen. Als letztes Referat folgt nun dasjenige HugglcrS über: „Der Generalstreik." Einleitend erinnert er daran, daß sich schon im Jahre 1910 der Gewerkschaftsausschuß auf Antrag der Maler mit der Frage des Generalstreiks beschäftigte, und er gibt sodann eine Uebcrsicht über die seitherige weitere Behandlung der Frage durch den ge- nannten Ausschuß. In bczug auf das Verhältnis zur Partei ist er der Meinung, daß in dieser Sache die Partei vorangehen und der Gewerkschaftskongreß dann dazu-Stellung nehmen soll. Ab- gelehnt wird- von uns der syndikalistische Generalstreik und abgelehnt wird auch, allgemeine Berufs- oder Soli- daritätsstrciks als Generalstreiks anzuerkennen. Anerkannt werden Massenstreiks als Notwehr- und Protestaktionen, wenn eS sich darum handelt, Maßnahmen der Behörden gegen die Arbeiter zu verhindern oder gegen solche zu protestieren. Generalstreiks zur Eroberung politischer Rechte kommen in der Schweiz nicht in Be- tracht, die als Demokratie bereits die Institutionen besitzt, um deren Erringung die Arbeiter anderer Länder erst heftige Kämpfe führen müssen. Ein schwerer Mißstand ist für uns in der Schweiz nur die politische Rechtlosigkeit der Hunderttausende von Aus- kändern, dem durch die Erleichterung der Einbürgerung abgeholfen werden muß. Eventuell mühte der Gewcrkschaftsbund zur Be- ratung und Beschlußfassung zugezogen werden, wenn die Partei Massenstreiks zur Verteidigung verfassungsmäßiger Rechte an- Wenden wollte. Unter allen Umständen muß aber an der Ueber- zeugung festgehalten werden, daß sich die Arbeiterschaft erst dann wirksam für ihre Interessen wehren kann, wenn sie möglichst vollzählig organisiert ist. Huggler empfiehlt zum Schlüsse die An- nähme der bezüglichen mit der Gcschäftsleitung der sozialdemo- kratischen Partei vereinbarten Resolution. T r a u d e stellt derselben seine Resolution gegenüber, die er in der Sitzung des GewcrkschaftSausschusses vom 22. Dezember 1912 einbrachte, die aber damals nicht erledigt wurde. Diese Rc- solution geht davon aus, daß die ivirtschaitliche Entwickclung die Kämpfe der Arbeiter zu Massenaktionen drängt und daß es in kon- krcten Fällen Pflicht der gewerkschaftlichen Leitungen ist, sich mit her Frage der Massenaktionen zu befassen. Pflicht der Verbände ist es dann, sie durchzuführen. Wurm- Zürich weist unter anderem auf das Antistreikgesetz im Kanton Zürich bin und findet, daß unsere gewöhnlichen. Kampf- Nuttel nicht mehr ausreichen und daher, die Massenaktion ebenfalls als Kampfmittel angewendet werden muß. Greulich wendet sich gegen- die Ausführungen der beiden Vorredner, insbesondere Stnudcs, der noch immer von einem fyn- dikalistischen Rest belastet ist, dessen Spuren wir aber nicht folgen können. Der Gewerkschaftskongreß soll durch seine Stellungnahme den Spielereien mit dem Generalstreik einmal ein Ende machen. Massenaktionen werden gewiß nicht ausbleiben und diese berück- sichtigt die vorgelegte Resolution. R e i ch m a n n- Zürich empfiehlt eine schärfere Form der Be- schlußfassung, anderenfalls sollte man eine solche ganz nntcrlassen. Der Züricher Generalstreik hat das Klassenbewußtsein der Gegner sehr gestärkt, es gilt nun, auch das Klassenbewußtsein der Arbeiter zu stärken. Lang- Zürich führt u. a. aus, daß an einer Abwehr-Maffen- aktion. bei der es sich um die Erhaltung unserer Verbände handelt, wahrscheinlich auch die konservativen Buchdrucker mitmachen würden. Viel wichtiger als die Frage der Massenaktion ist übrigens die der Massenorganisation, Dürr- Bern beschäftigt sich u. a. auch mit dem Züricher Ge- ncralstrcik, der eigentlich ein solcher gar nicht war, sondern nur eine allgemeine Demonstration der Arbeiterschaft. Im übrigen befriedigen ihn beide Resolutionen nicht, ebensowenig die des d e u t s ch c n P a r t e i v o r st a n d c s, die nur ein Verlegenheits- Produkt ist. Er konstatiert dabei auch, daß man in Deutschland den Massenstreik bisher immer nur in Verbindung mit der Er- oberung des Wahlrechts(allerdings auch zur Abwehr eventueller gesetzgeberischer Rechtlosmachung der Arbeiter) erörtert habe, noch nicht aber als Dcmonstrationsmittel. Er empfiehlt die Ablehnung beider Resolutionen und Unterlassung jeder Beschlußfassung. Bock- Basel erklärt sich für die Resolution Staude, während in seinem Schlußwort Huggler seine Resolution aufrecht er- hält und zur?lnnahme empfiehli. Diese Resolution ist ein Wert des Kompromisses, das den verschiedenen Organisationen Rech- nung tragen will. In der Abstimmung erhält zuerst(Eventualabstimmung) die Resolution Huggler 46, die Standes 25, in der Hauptabstimmung 41 gegen 33 Stimmen, die der Antrag Dürr erhielt, gar keinen Beschluß zu fassen. Die Resolution Huggler ist also mit einer Mehrheit von 8 Stimmen angenommen. Schncebergcr gibt noch bekannt, daß die Beitragserhöhung mit dem 1. Januar 1914 in Kraft treten soll. Damit sind die Verhandlungen des Kongresses beendet. Konftlkm der Arbeitnehmerbeißher der Gewerbe- vvd Kaufmllnnsgenchte. Leipzig, 16. September. Dem Gewervegerichtstag geht immer eine Konferenz der Ar- beitnchmcrbcisitzer voraus, die von der Generalkommission cinbc- rufen wird. Die diesmalige wurde heute vormittag von dem Leiter der sozialpolitischen Abteilung der Generalkommission. Reichs- tagsabgeordnetcn Rod. Schmidt, eröffnet. An der von l60 Personen besuchten Tagung nahmen außer den 88 Delegierten zum Ver- bandstag der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte auch Vertreter ein- zclner Gewerkschaften teil.'' i Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten berichtete Rob. Schmidt über: „Tic Tätigkeit dcr sozialpolitischen Abteilung der General- kommifsion. Die sozialpolitische Abteilung gibt Auskunft in allen Rechts- fragen. Dem Wunsche der letzten Konferenz, eine bessere Ver- folgung der Rechtsprechung, ist die soziapolitische Abteilung durch Herausgabe der Rcchtsbeilage zum Korrcspoudenzblatt uachge- kommen. Ter Redaktion ist erwünscht, noch mehr Mitarbeiter zu bekommen. Die Herausgabe eines Handbuches für die Gewerbe- gerichisbeisitzer ist in Vorbereitung, es wird nächstes Jahr zum Abschluß kommen. Vom Ausschutz des Verbandes der Gewerbe- und KäusmannSgerichte wurde die Generalkommission ersucht, für einzelne Verhandlungspunkte des GcwerbegcrichtStages Referenten zu bestimmen; dem wurde nachgekommen. Schmidt bespricht die Tagesordnung der Gewcrbcgcrichtstagung und behandelte dann einige wichtige sozialpolitische Fragen, die in den letzten Jahren von dcr sozialpolitischen Abteilung verfolgt wurden. Er ging dabei auf Petitionen und Anträge der Geworbcgerichte � an die Gesetz- gcbung ein. Zum Schlüsse betonte der Redner, die sozialpolitische Abteilung sei gerne bereit, den Beisitzern für die Entfaltung ihrer Tätigleit noch wehr an die Hand zu geben und sie in theoretischer und praktischer Beziehung mit allen Fragen vertraut zu wachen. In der Debatte vermißte Holz- Dresden die Hcxausgabe eines Musterstatuts für die Gewerbegerichte durch die sozialpoli- tische Abteilung. Von anderer Seite wurde die Frage: Zwei Bei- sitzer oder vier Beisitzer bei den Spruchsitzungen der Gerichte? auf- geworfen... Unter-Zustimmung wurde, betont,..die Erfahrungen zeigten, daß es besser sei, wenn vier Beisitzer(zwei Arbeitnehmer und zwei Arbeitgeber) an den Gerichtssitzungen teilnehmen. Stark e,-.DrcSden begrüßte die beabsichtigte.Hcrausga.be deZ Handbuchs für die GewcrbcgerichtSbeisitzcr und äußerte Wünsche für diese Ausgestaltung. Die Kommentare sollten nicht zu auS- führlich fein. Im Schlußwort sicherte Schmidt die Ausarbeitung esnes Musterstatuts zu. Den Wünschen von Starke werde nachgekommen. Das Handbuch solle sich nur auf das notwendigste beschränken, die einzelnen Fragen nicht zu breit behandeln, unier Ausschaltung schwieriger juristischer Deduktionen. Starke- Dresden berichtete nun als Mitglied de? Aus- schusses des Verbandes Deutscher Gewerbe- und KaufmannSgerichte über dessen Tätigkeit. Aus seinen Ausführungen ist hcrvorzn- heben, daß im Ausschuß ein Vorstoß unternommen wurde, das Laienelement zu verstärken, derartige Anregungen, seien jedoch ab- gelehnt worden.— Die Konferenz erklärte sich mit dcr Tätigkeit Starkes im Ausschuß einverstanden. lieber den zweiten Punkt: „Die Rechtsprechung dcr Gcwerbegcrichte" seit der letzten Konferenz referierte Arbcitersekretär- L ü t t i ch- Leipzig. Die gewerbliche Rechtsprechung sei einer der wichtigsten Faktorc im Wirtschaftsleben. Es sei notwendig, zeitweise diese Ein- richtungen einer Betrachtung zu unterziehen. Die Rechtsstreitfälle hätten eine große Ausdehnung genommen. In den wichtigsten Fragen des gewerblichen Lebens fei aber die Rechtsprechung sehr vcrfchicden, was vielfach eine große Schädigung der Arbeiter be- deute. In der Unterrichtung der sozialen Rechtsprechung sei noch viel zu wünschen. Es gehe nur langsam vorwärts. Ueberall seien Kräfte am Werke, die versuchten, Rückschritte zu erreichen. In bezug auf die Zuständigkeit der Gewerbegerichtc erscheine eine dringende Neuregelung notwendig. Bei Betrachtung der Statistik dcr Gewerbe- und Kaufmannsgerichte erscheine auffällig, daß die Vergleiche außerordentlich zugenommen haben. Tiefe Zunahme stehe nicht im Einklang mit der Zunahme der gewerblichen Streitigkeiten überhaupt. Ein großer Teil von Ar- beitern würde sich zu einem Vergleich bereit erklären, obwohl das Recht auf ihrer Seite sei. Bemerkenswert sei auch, daß die Kauf- mannsgerichtc nur von den Arbeitern, nicht auch von den Arbeit- gebern als Einigungsamt angerufen worden seien. Auch die Gut- achten hätten abgenommen. Ten gesetzlichen Bestimmungen für die Errichtung von Gewcrbcgcrichtcn werde vielfach nicht ent- sprachen, es werde nicht immer den Bedürfnissen entsprochen und ein Gewcrbcgericht gegründet. Auch schenkten die Magistrate den Gewerbe- und Kaufmannsgerichtcn zu wenig Beachtung. Diese würden oft als nebensächliche Einrichtung, als notwendiges Uebel betrachtet. Redner fordert einen weiteren Ausbau der Gewerbe- gertchte. Wenn alle Faktoren zusammenwirkten, wäre eS möglich, eine Rechtsprechung herbeizuführen, die besonders die wirtschaftlich Schwachen schützt. In dcr längeren Aussprache, die sich an dieses Rcfetat schloß, wurde sehr ausführlich die Zulassung von Arbeitersckrctären als Vertreter vor den Gewerbegerichien erörtert und diese allge- mein verlangt. Betont wurde aber auch dabei, die Beisitzer müßten so geschult sein, daß sie die Rechte der Arbeiter schützen könnten. Die reduzierte- Anrufung der Gewerbegerichte als Einigungsamt lasse sich dadurch erklären, daß durch die Tarifverträge besondere Schiedsinstanzen festgelegt sind. Ein Redner meinte, die Presse würde die Berichterstattung übrr die Rechtsprechung dcr Gewerbe- und Kaufmannsgerichte vernachlässigen. Die Berichte dürften nicht nur rein referierend, sondern, müßten kritisch und belehrend gehalten sein. Nach dem Schlußwort des Referenten wurden die Vcrhand- lungcn auf morgen vertagt. Bus der Partei. Harry Cnclcy gestorben. Nach längerem Krankenlager ist am Mittwoch in London der Führer dep sozialistischen Föderation Englands, der Genosse Harry Queich derstoSen. Genosse Queich ist auch den deutschen Genossen nicht unbekannt geblieben, war er doch auf zahlreichen deutschen Parteitagen anwesend. Eine besondere Ehrung erfuhr der Verstorbene, als er im Jahre 1907 von der württembergischen Regierung ausgewiesen wurde, weil er aus dem Internationalen Kongreß in Stuttgart eine Bemerkung gemacht hatte, die der württembergischen Re- gierung unangenehm war. Er bezeichnete nämlich den Haager Friedenskongreß als„o tbwfs supper". Die Worte übersetzte die württembergische Regierung als„eine Abendgesellschaft von Dieben". Queich erklärte, er habe niemanden verletzen wollen- seine Worte bedeuten nur:„eine Versammlung kapitalistischer Jnteressenvertreter". Die Ausweisung Queichs erfolgte trotz dieser loyalen ErElärnng. Die englischen Delegierten hefteten auf den Platz des ausgewiesenen Genossen einen Zettel mit der Aufschrift:„Hier saß Harry Queich, der gestern von der württemberaischen Regierung ausgewiesen wurde."— Der Verstorbene hat bis zu seinem letzten Atem- zuge für die Sache des internationalen Proletariats gekämpft. Sein Andenken werden ihm auch die deutschen Genossen be- wahren._ Keine Todeöstrnsc für den Mörder. Der oberste Gerichtshof in Wien hat die Todesstrafe, die über den Mörder unseres Genossen Schnhmcier, den Christlich- sozialen Kunschak, ausgesprochen worden ist, bestäligt. Darauf hat die Witwe Schuhmeierö beim Justizminister den Antrag gestellt, die Todesstrafe an dem Mörder Kunschak nicht zu vollziehen, Werl rhr ermordeter Gatte als Sozialdemokrat stets ein G e g n e r der Todes- strafe gewesen sei.... � Hat man schon je davon gehört, daß rn den Kreisen, die mit ihrem Christentum sich laut brüsten, eine solche Tat wahrhaft christ- licher Gesinnung begangen worden ist, wie sie„gottlose" Sozial- demokratcn, denen der teure Führer, der Gatte und Bater durch Meuchelmord vernichtet wurde, an dem verbrecherischen Feinde be- Währen? Das Gnadengesuch lautet: Erlre Exzellenz? � Am 20. Mai d. I. wurde vom hiesigen Schwurgericht Paul Kunschak wegen Verbrechens des Meuchelmordes, begangen an meinem mir unvergeßlichen, geliebten Gatten Franz Schuhmeier, nach em- stimmiger Schuldsprechung durch die Geschworenen zum Tode durch den Strang verurteilt. Infolge dcr Verwerfung der Nlchtlgkclts- besck-werde de§ Verurtriftcn ist dieses Urteil am 9. September d. I. in Rechtskrofc erwachsen und es müßte vollstreckt werden, wenn die über Paul Kunschak verhängte Strafe nicht in eine Freiheitsstrafe umgewandelt wird.■, " Ich bitte nun Sie, Herr Mlinster. von Ihrem_ derfassungs- mäßigen Rechte, die II m Wandlung der über einen Verbrecher ausgesprochenen Todes st rase zu er wirke>l. Gebrauch zu machen. Würden Sie das nicht tun und würde die vom Wiener Schwurgericht ausgesprochene und jetzt rechtskräftige Strafe wirklich vollzogen werden, so würde mir und meinen drei Kinder» dcr unsägliche Schmerz, den das Verbrechen des Paul Kinischak über uns gebracht hat, noch gräßlicher werden und alle die Hunderttausende, die das Andenken meines teuren Mannes in Ehren halten, würden die Hinrichtung seines Mörders als Verunehrung des Andenkens an den Toten empfinden. Getreu dem Programm dcr sozialdemokratischen Arbeiterpartel Oesterreichs, daS hie Abschaffung der Todesstrafe fordert, ist mein Mann die ganze Zeit semes öffentlichen Wirkens hindurch in Wort und Sckirift für die Beseitigung der Todesstrafe eingetreten und die Anträge der sozialdemokratischen Partei im Abgevrdnetenhcmse. ick brnen die Befreiung Oesterreichs von dieser barbarischen Strafart gefordert wird, tragen auch seine Unterschrist. Wenn er auch als Milglied der gesetzgebenden Körper- schafl das Ziel seiner Anträge nicht erreichen konnte, so soll doch wenigste!,« nicht das, was er verabscheute und zu beseitigen sich be- mühte, um seinetwillen geschehen. � Tiefe Trauer hat das Verbrechen, dessen Opfer mein geliebter Gatte geworden ist, bei allen Sozialdemokraten Oesterreichs hervorgerufen, aber schon in dcr Stunde des allergrößten Schmerzes, am frischen Grabe. hat der Vertreter der vielen Hunderttausende gewerlschaftlich organisierten Arbeiter Oesterreichs ausgesprochen, daß der Mord, soviel Schmerz und Trauer er auch gebracht hat. nicht mit neuem Mord vergolten werden solle. In meinem Auftrage hat m der SchwurgerichtSverhandlulig gegen Paul Kunschak mern Anwalt er- klärt, daß mir und meinen Kindern nichts ferner liege, als den haß- vollen Ruf nach Rache und Vergeltung zu erheben, und daß wir, wenn daS Gericht gesprochen hat. beweisen werden, daß uns auch dem Mörder gegenüber menschliches Empfinden nicht fremd ist. Im Eiiiverständuis mit den, Parteivorstand der deutschen Sozial- demokratie Oesterreichs, dent auch mein Mann durch zwei Jahrzehnte bis zu seinem Tode angehört hat, und in Uebereinstimmung mit der Ansicht aller Sozialdemolraten ersuche ich Sie, Herr Justizminister. zu veranlassen, d a ß die Todesstrafe an Paul Kunschak nicht vollzogen werde. Hochachtungsvoll __ Cä cilieSchuhmeier. Letzte Nadmcbten. Jtalieuische Verluste in Tripolis. Rom, 17. September. Die„Agenzia Stefani" meldet aus S u a r a von gestern: Die italienischen Truppen unter dem Befehl des Generals Torelli rückten am Morgen vor. um die Aufständischen anzugreifen und zu zerstreuen, die am Tage zuvor ihre Stellungen bei Gsur verlassen hatten. Der Feind versuchte. zum Angriff vorzugehen, wurde aber nach einem heftigen Feuer- gefecht geschlagen.' Die Italiener erlitten sehr schmerzliche Verluste. General Torelli, der sich in der vordersten Linie befand, st a r b den Heldentod, ebenso zwei Offiziere und 23 Mann, darunter sieben Italiener. Drei Offiziere und siebzig Mann wurden verwundet, darunter 19 Italiener. Die Aufständischen hatten ebenfalls beträcht« liche Verluste, auch einige Häuptlinge fielen. Die Hamburger Betrngsaffäre. Hamburg, 17. Scpteiubgr.(D. T.). Die Betrugsaffäre bei der Hamburg-Südamcrikanischen Tampfschiffahrtsgesellschast nimmt einen- gcivaltigen Umfang an. Wie bereits mitgeteilt wurde, sind der Oberinspektor, Kapitän Sibbers und ein weiterer Angestellter dcr Reederei Jonnh Stehe verhaftet worden. Soweit die einge- leitete Untersuchung ergeben hat, über die die Polizeibehörden jede Auskunft' verweigern, sind annähernd 80 erste Offiziere, Kapitäne und Maschinisten der Gesellschaft in die Angelegenheit verwickelt. Tie Höhe der Veruntreu- ungen beträgt nicht, wie zuerst angegeben wurde, 500 000 M., son- dern sofl weit die erste Million übersteigen. Eine zu realistische Kinoausnahme. Klauscnburg, 17. September.(W. T. B.) Eine Filmgescll- schaft ließ hier heute' eine Filmaufnahme von einem'ungarischen Volksstück machen, in der bei einer Ueberfahrt über einen Fluß das Umkippen eines Bootes vorgeschrieben war. Diese Sgcne wurde in Gegenwart von vielen Tausenden von Zuschauern vor der Mühlenschleuse des Szamosflusses ausgeführt, plötzlich wurden die aus dem'umgestürzten Boot ins Wasser gefallenen zehn Schauspieler gegen die Mühlenräder geschleudert. Beherzte Zuschauer sprangen hinzu und retteten alle, doch wurden mehrere schwer verletzh eine Schauspielerin ist gestorben. €heater* Donnerstag, 18. Scptbr. Slnfang 7 Ubr. 1913, Sefsing. Peer Gynt. Ansang 7'/» Ubr. Kgl. Opernhaus. Fra Diavolo. Kgl. Schauspielhaus. Die Neu- vermählten. Der zerbrochene Krug. Deutsches. Der lebende Leichnam. Deutsches Knnstlcrtheater. Wil- Helm Tell. Aniana 5 Ubr. Ura»:ia. Mit der.. Imperator nach New Jork. Kammcrspiele. Franziska. Komödienhaus. Das Paar nach der Mode. Kleines. Fn Ewigkeit Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Bcrriac. Berliner. Filmzaubcr. Königgrätzer Strafte. Das vierte Gebot,' Deutsch. Schauspielhaus. Sieben tolle Tage. Deutsches Opernhaus. Zar und Zimmermann. Moutis Operetten. Der lachende Ehemann. Schiller O. Am Tage des Gerichts, Schiller Charlottenburg. Freiwild. Thalia. Puppchen. Theater am Nollendorfplaft. Die Kino-Königin. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Kasino. Dcr Aktientenor oder Caruso aus Teilung. Trianon. Der abgerissene Glocken zug. Untreu. Herrnfeld. Licbcsprobc. Schonzeit, Jäger. Wintergarte«. Spezialitäten. Reichshallcn. Stcttiner Sänger. Ansang 8'/« Ubr. Residenz. Die Frau Präsidentin. Lustspielhans. 777: tv. Rose. Die Schissbrächigen. Luisen. Die Intrigantin. Folics Caprice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. Das Adoptivkind. Walhalla. Der Liebesonkel. Voigt. Wohltäter der Menschheit. Ansang 8'/, Ubr. Reues Volksthcater. Die Siebzehn- jährigen. Ansang 9 Ubr. Admiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. » �» Sternwarte. Jnvalidensir. 57—62 DcntschesSchansplelhans Abends 8 Uhr: Sieben tolle Tage. �essinx-Idester. ttynt. Von Ibsen. Musik von Grieg. Ansang 7'/. Uhr. Donnerstag. Sonnabend, Sonntag: O.vnt. Freitag: Und das Licht scheinet in der� Finsternis. Sonntagnachmittag: Magdalena. Vorvcrkaus an der Theaterkasse von 10—2 Uhr, bei Hcrm. Tictz, Leipziger Straße, Alcrandcrpl., Franksurt. Allee und im Jnvalidendank. 08c-IN�7e! Große Franksurter Sir. 132. Täglich 8'/. Uhr: vis Schiffbrüctiigen, Theaterstück in 3 Alten v Brieux. Sonntagnachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Lekiller-fdesteroH�er' Donnerstag, abends 8 Uhr: �.n« Daxe des Gerichts. Freitag, abends 8 Uhr: Cj'rano von Bcrserac. eoonnabend, abends 8 Uhr: Freiwild._____ Sehiller-fheater Donnerstag, abends 8 Uhr: Freiwild. Freitag, abends 8 Uhr: Die Stützen der Gesellscbait. Sonnabend, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. Tbeater in der Königgrätzer Straße 8 Uhr: Das vierte Gebot. Komödienhaus. 8 Uhr: Das Paar naeb der Theater des Westens. Beginn der Spielzeit: Sonnabend, den SV. September: Gräfin Flfl. Fnseinble-Gast spiel des Berliner Metropol-Theaters: Die Kino-Königin! Anfang 8 Uhr. Atatitis Operetten-Theater Schiffbauerdamm 4a.(fr. Neues Th.) Abends 8 Uhr: Gastspiel Der lachende Ehemann. BeotsebesMertheaterSozietlit Nürnberger StraBe 70/71, am Zoo. 7V, Uhr: Wilhelm Tell. Freitag 8 Uhr: lohn Gabriel Borkwann. ■8'/, * Residenz-Theater* Die Frau Präsidentin. (Madamo la Presidente.) Schwank in 3 Akt. v. M. Honnequiu und P. Veber. Morgen u. folgende Tage: Die Frau Präsidentin. Reiehshallen-Theater BF Anfang 8 Uhr. .-4h Sonnlag nachm. 3 Uhr: Familien- Torstzf. mit herrl. Progr. zu ermäßigt. Preisen Log. 1 M.. Balkon 78 Pf., Fnlree(am dic Billcttstcuer zu spare») 3» Ps. iscker(Zarten Täglich: Ktilitär-Doppel-Jtonzert. Fintrittspreise: Zoo; 1 M.. von 6 Uhr ab 50 Pf. Aquar.: IM.v.d.Straß., 50Pf. v.Zoo Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Xen! Neu! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Casino- Th eater Lothringer str. 37. Täglich 8 Uhr. Einzig. Barirtbtheat. 1. Ranges. Neu! der phänomenale Jules Cheroy. Magcagno Truppe. Der rote Domino. 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Sonntsx, 21, September, 3 Uhr: Künstler-Theater Nürnberger StraCe 70/71.(19. Abtcllnng): Komödie von Hermann Bahr. Gastkartcn zu dieser Extravorstellung sind beim Obmann im Theater von Ä Uhr ab zu haben. PMF" Zu dem Konzert in der Hochschule für Musik am Sonntag, den 28. September, Schnbcrt-Abend, sind Einlaßkarten a 60 Pf.(inkl. Programm) nur in folgenden Zahlstellen zu haben: Norden: 1. Beyer, Veteranenstr. 11. Südost: II. Harsch, Engelufer 15. Osten: 13. Dunst, Cadiner Str. 15. Süden; 20. G. Schulz, Admiralstr. 40a. Nordwest: 28, Göbel, Putlitzstr. 10. Charlottenburg: 33. Schmidt, Wilmersdorfer Str. 130 Zentrum; 63. Hahn, Alexander-Platz. Neukölln: 64. Konrad, Hermannstr. 50. Wp" Die Zahlstelle 24. früher Oharitestraße, befindet sich jetzt bei F. Freitag, Restaurant, Luisonstr. 26. Für neue Mitglieder sind noch"HM Upg?" in den Abteilungen 16—20 Igtg* in den bekannten Zahlstellen Groß- WM" Berlins Mitgliedskarten zu haben. Thalia-Theater: Ibsen: Die Wildente. Schillertheater-Charlottenburg: Der Pfarrer von Kirchfeld. Zirkus Alb. Schumann Heute Donnerstag:. den 18. Septbr., abends 8 Uhr; II. Große Gala-Vorstelliiag. 10 Bengalische Riesen Tiger 10 vorgeführt von Herrn Sawade und weitere 17 Ättraktiflnen. Zirkus Busch. Heute Donnerstag, 18. September, abends 8 Uhr; Dehnt! Dehnt! Zum 1. Male in dieser höchsten Vollendung und abioiut neu: H. Weise's Wunder- Bären. Die Dressur als pcrsckle Rolllchuh- läiiscr.Tandcmjahrer u. Piloten im Aeroplan sowie das gesamte Aus- lrctcii der Bären ist unerreicht und ohne Konkurrenz. Dchat k Ferner: Dehnt! Madame Solea und Partner Salon- Akrobatik sow. Austr. aller gr.'Attraktionen. City- Park Am Bahnhof Friedrichstraße. Gcößt. Votksschaa Berlins 50 Schaugeschäfte 50 Gölms Gr. Bippoilroni-Nollesse und 10 Attraktionen. Geöffnet: täglich nachm. 4 Uhr Sonn- und Feiertage nachm. 3 Uhr bis 11 Uhr abends. »W- Fintritt frei. Herrnfeld-Theater: Familie Seiicke. Neues Volkstheater: Mudder Mews. 245/8 Die Geschäftsstelle: G. Wlnkler. Vereinigte.Berliner Volksbühnen. Lniscn-Theater. S'U Uhr: Die Intrigantin. Freilag: Die Allwördens. Sonnabend: Tie Intrigantin. Walhalla-Theater. Täglich 81/, Uhr: Der JLiebcsonkcI. Posse m. Gesang u. Tanz in 3 Akten. Verein für brauen u. Mädchen der Arbeiterklasse Sonntag, den LI. September, nachm. 4 Uhr, im Blttthner-Saal, Lützowstr. 16: Erstes Konzert Werke von Joh. Seh. Bach. ti Mitwirkende: Frau Therese. Schnabel-Behr(Gesang); Herr Professor Karl Flesch(Violine); kgl. Musikdirektor Herr Bernhard Irrgang(Orgel); Herr Marix Loowensohn(Violin- cello). Am Klavier: Herr Artur Schnabel. Billetts a 60 Pf. zu haben bei Horsch, Gewerkschaftshaus, Engelufer 15; Schulz, Admiralstraße 10, in den Zahlstellen des Vereins und an der Kasse. 53/14 LL i i i i i i i i i i r SS M I I I I I u QÜ :: Berliner:: Konzerthaus ÄaClon« *■■™ MauerstraSe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Oroßes Doppel-Konzert! Berliner Konzepthans-Opchcster! Leitung; Komponist Frz. v. Blon und als Gastdirigent; Hotkapeilmeister Prof. Traugott Ochs. Musikkorps des 2. Niederschi. Feld-Artillerie-Regiments No. 4t aus Glogau. Leitung: Oberm. W. Baarz. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen Eintritt 50 Pf. ; Gr. Nachmittags-Konzert Anfang 8 Uhr. bei freiem Eintritt. Brauerei Friedrichshain mm Am Königstor. Cd.: Ernst Eiebing. Dienstag- den 30. September, abends 8'/, Uhr: Popnlärcs Konzert des iBIUthner-Orchester(so Künstler) und des Männerchors Fichte-Georginia 1879 fti'l.ll Dirigent sür Chor und Orchester Th. Gervais. Abendkasse 75 Pf., Billetts im Barverkauf a 30 Pf. sind bei den„VorwärtS"-Spediicuren Zueht, Fmmanucllirchstraße 12 und Hanisch, Ackcrstr. 174, zu Haben. Deutscher Holzarbeiterverband Zal,lstelle : Berlin: ■■ 3 Sonnabend, den 20. September, im gr. Saale der„Neuen Welt", • Hasenheide 108— 114: 21. StlftunsssPest . Volkslieders Abend---- Mxtwirkenae; Männerchor Fichte-Georginia(M. d.D. A.-S.-B.), Dirig. HerrTh. Gervais. Konzertsängerin Frau Paula Weinbaum(Alt) und das Kestenberg-Trio. Klavier: Herr Leo Kestenberg. Violine; Herr Louis van der Laar. Violoncello: Herr Marix Loevensohn.— Konzertflügel Ibach.— Nach dem Konzert: BäTI bei zwei Orchestern. Anfang S1/, Ihr, Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Eintrittskarten sind auf allen Zahlstellen, beim Gastwirt Kollegen G r e i v c, Rungestr. 30, und im Bureau zu haben. 88/13* I m Inh.; M. Wondt& A. Schütze. C4 Andreasstr. 34. Donnerstag, den 18. Septbr. 1913 ErolfiiuDgs-Soiree der allgemein beliebten u. bekannton Mtnanns Sänger mit vollständig neuem Programm. Anf. 8 Uhr. Kach der Soiree: Frei-Tanz. Vorzugskarten haben Gültigkeit. Jeden Sonntag: Gr. Jlilitär-Streicnknnz.. HolTtnanns 8äng.u Ball Anfang S'l, Uhr Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt Xene Welt. Hasenheide 108/114. Freitag, den 19. September: Lperetten-Gastsp. Durchschlagender Erfolg des Metropol-THealerS. Die Kino-Königin. Operette in 3 Akt. v. Fean Gilbert. 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Vor mittagssitzung. Ebert eröffnet die Verhandlungen um 9 Uhr mit der Verlesung eine» Begrüffungstelegramms vom Komitee der Auslandsorganifation Rußlands in Paris. Hierauf wird das Ergebnis der gestrigen namentlichen Abstimmung über den Antrag 109 mitgeteilt. Der Antrag wurde mit 333 gegen 142 Stimmen abgelehnt. Die Resolution des Partcivorstandcs zum Massenstreik gelangte gegen zwei Stimmen zur Annahme. Zur Geschäftsordnung erklärt Emmcl: Eine Anzahl meiner Kollegen haben nicht für die Resolution gestimmt, aber auch nicht dagegen, weil die Resolution von Niederbarnim noch ausstand, die wichtiger war. Durch diese Abstimmung find die Anträge 11, 12 und 88 er- ledigt. Ebenso sind die Punkte 1 und 2 der Tagesordnung erledigt. Es folgt der KmcKt der Rdchstagsfrahtion. Auf Vorschlag von Bock wird die Deckungsfrage aus der Dis- lussion ausgeschieden und später mit der Steuerfrage verbunden. Die zu diesem Punkt vorliegenden Anträge 27— 3o und 37 Verden genügend unterstützt.*) Berichterstatter Heinrich Schulz: Die Stellung des Berichterstatters der Reichstagsfraktion unter- scheidet sich von der des Berichterstatters des Parteivorstandes oder des Berichterstatters über eine bestimmte Frage insofern, als es sich bei der Reichstagsfraktion nicht um eine geschlossene Gemeinschaft handelt, die einmütigere Beschlüsse faßt, und für die der Bericht- erstatter einzutreten hat. Die Fraktion bestimmt wohl die Redner für die einzelnen Fragen, aber sie schreibt keinem Redner vor, wie er fie zu behandeln hat. ES gibt natürlich auch Fragen der Fraktion, bei denen die Meinung der Mehrheit als die Meinung der Fraktion im Plenum des Reichstages vertreten wird. Sie wissen, daß eine dieser Fragen gerade die D e ck u n g s f r a g e ist. Aber gerade bei solchen Fragen, bei denen es sich um Differenzen innerhalb der Fraktion handelt, bei denen eine Mehrheit einer kleineren oder größeren Minderheit gegenübersteht, hat der Referent der Reichstags- sraktion in der Tat ein Amt aber keine Meinung als Referent. Sie *) 27. Breslau: Die Reichstagsfraktion wird beauftragt, unverzüglich die Regierung zu veranlassen, Maßnahmen gegen die kapitalistischen Manipulationen zu ergreifen, die Heilmittel(wie neuerdings Mesothorium) für Volksirankheiten erheblich verteuern. 28. Hamburg l: Die Parteigenossen des I. Hamburger Wahlkreises sehen in dem Fehlen unserer Abgeordneten bei der A b st i m m u n g über den von der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstage eingebrachten Antrag betreffs Einführung des Proportionalwahlrechts eine schwere Schädigung des parlamentari- schen Ansehens der Partei. Es bleibt den Parteigenossen unverständlich, daß auch bei der notwendig gewordenen zweiten Abstimmung die Genossen in der Fraktion abermals ihre Pflicht nicht erfüllten. Die Parteigenossen des 1. Hamburger Wahlkreises verlangen vom Parteitag, daß derselbe die fehlenden Abgeordneten zur Rechenschast zieht. 29. Hamburg II: In Anbetracht der Beschlußun- fähigkeit des Reichstages mrd der darauf erfolgten Ab- stimmung über den sozialdemokratischen Antrag auf Einführung der Proportionalwahl zum Reichstage verurteilt der Parteitag auf das entschiedenste die Nachlässigkeit derjenigen Ab- geordneten, die aus nicht erklärlichen Gründen der Abstimmung ferngeblieben sind. Gleichzeitig spricht der Parteitag die Erwartung aus) daß in Zukunft bei allen prinzipiellen Abstimmungen im Reichstage die Fraktion möglichst in ihrer vollen Stärke vertreten sein muß, um dadurch den Interessen ihrer Mandatgebcr mehr Rechnung zu tragen. 39. Schwarzburg-Sondershausen: Die Reichs- tagsfraktion ist verpflichtet, bei wichtigen Ab st im- m u n g e n im Reichstage und bei Beratung von Anträgen, die von unserer Fraktion gestellt sind, möglichst vollzählig anwesend zu sein. 31. Schwarzburg- Rudolstadt: Die sozialdemo- kratischen Reichstagsabgeorduelen haben während der Tagung des Reichstages, wenn nicht durch Krankheit verhindert, vollzählig zur Stelle zu sein, damit nicht, wie geschehen, bei sehr wichtigen Abstimmungen durch das Fehlen unserer Vertreter die Vorlage zu Fall kommt. 32. Essen: Der deutsche Parteitag möge beschließen, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beauftragt wird, einen Antrag auf Aufhebung der Zwangsimpfung im Reichstage einzubringen. 33. München I und II: Der Parteitag möge die Reichs- tagssraktion beauftragen, im Laufe der nächsten Reichstagssession einen Antrag auf Verbesserung und Ausdehnung des Kinder- schutzgesetzes einzubringen. Es wolle beantragt werden, daß jede Erwerbstätigkeit der Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahre, ohne Unter- schied, ob diese eigene oder fremde Kinder sind, verboten ist. Es soll unberücksichtigt bleiben, ob die Beschäftigung der Kinder im Gewerbe, in der Heimindustrie oder im Botendienst erfolgt. Das verbesserte, eventuell das bestehende Gesetz wird auf die in der Land- und Forstwirtschast, sowie die im Boten- und Gesindedienst beschäftigten Kinder ausgedehnt. 34. K o I m a r i. E l s.: Der Parteitag spricht seine Freude über das Zustandekommen der Berner Konferenz deutscher und französischer Parlamentarier aus, in der er den ersten Schritt zu einer systematischen und direkten Verständigungsaktion der euro- päische» Parlamente erblickt. Der Parteitag erwartet, daß die äußerst zahlreiche Beteiligung französischer Parlamentarier beider Kammern und aller republika- nischen Parteien an der Berncr Konserenz von dem deutschen Volke ihrer Bedeutung entsprechend als Beweis für die Friedensliebe und den Willen der Verstäudiguirg des französischen Volkes gewürdigt wird. Er hofft desbalb, daß Regierung. Bundesrat und Reichstag Elsaß-Lothringen endlich die von seiner Bevölkerung verlangte volle republikanische Autonomie und staatsrechtliche Gleichberechtigung mit den übrigen Bundesstaaten gewähren und dadurch die iur Interesse des Welt- friedens notwendige Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland erleichtern. 3ö. Hamburg III: Der Parteitag wolle beschließen, die Reichstagsfraktion aufzufordern, im Reichstag einen A n- trag auf Einführung der direkte» Gesetzgebung durch das Volk vermittels des Vorschlags- und Verwerfungsrechts einzubringen. Gleichzeitig ist im ganzen Reiche eine lebhafte und intensive Propaganda für diese Programmfordcrung einzuleiten. 37. Berlin VI: Die Reichstagssraktion wird beauftragt, in den nächsten Tagungen einen Antrag einzubringen, wonach eine Xeueinteilung der Wahlkreise nach den Ergebnissen der letzten Bolls- zählung vorzunehmen ist. können keinem Abgeordneten zumuten, daß er etwa, wenn er zur unter- legenen Minderheit gehört hat. dennoch mit innerer Ueberzeugung und Wärme für die Auffassung der Mehrheit eintreten soll. Sie können auch nicht verlangen, daß der Berichterstatter in solchem Falle sein Amt niederlegen soll, denn die Fraktion könnte dadurch in die größten Schwierigkeiten kommen. Ich habe also meine Aufgabe darin gesehen, so objektiv wie möglich zu berichten. Der Bericht ist von den Mitgliedern der Fraktion noch ergänzt worden, so daß ich an- nehmen darf, daß das, wa» dort niedergelegt ist, über die Stellung der Fraktion zur Deckungsfrage der wirklichen Situation, wie sie damals bestand, entspricht. Abgesehen von der Abstimmung bei der Deckungsfrage ist die Fraktion wenig angegriffen worden. Die Abstimmung der Fraktion am allerletzten Tage der Session hat das Interesse der Partei- genossen am ineisten in Anspruch genommen, lieber die Tätigkeit an diesem 194. Tage der Session ist sehr viel geredet und geschrieben worden, über die Tätigkeit an den anderen 193 Tagen fast gar nicht. Wenn wir daraus schließen dürfen, daß das, was die Fraktion an den anderen 193 Tagen gemacht hat, gut ist, könnten wir ja mit einer solchen Kritik zufrieden sein. Dadurch, daß sich die sozialdemokratische parlamentarische Arbeit auf allen Gebieten herausgehoben habe, ist der Bericht etwas ausführlich ge- worden. Er umfaßt aber nicht, wie das Breslauer Parteiorgan cnt- setzt feststellte, 173, sondern nur 199 Seiten, denn 73 Seiten kommen davon auf den Bericht des Parteivorstandes, lieber die Form des Fraktionsberichts gab es bisher in unserer Partei noch keine festen Normen. Gegen den Schluß der Session wurde der Berichterstatter ernannt und ihm wurden keine Borschriften über die Anlegung des Be- richts gemacht. Dadurch hat die Verwendbarkeit für die Praxis der Parteiarbeit nicht gewonnen, weil jeder Berichterstatter seinen besonderen parlamentarischen Neigungen freien Lauf lassen konnte. Ich habe auf jedes persönliche Gepräge des Berichts verzichtet und versucht, alles sachliche Material so zusammenzustellen, daß es leicht auffindbar und verwendbar ist. Ich gebe zu. daß ein solcher Bericht keine amüsante Lektüre für Zeitungslescr ist, aber es ist wohl auch nicht mehr berechtigt, daß der gesamte Bericht in der Parteipresse abgedruckt wird. Ich möchte anregen, daß in Zukunft nicht mehr irgend ein Mitglied der Fraktion im Laufe der Session mit der Be- richterstattung beauftragt wird, sondern daß diese Arbeit dem Fraktionssekretär übertragen wird, der ja immer mit der Sammlung des Tatsachenmaterials beschäftigt ist und so den Bericht viel leichter während der Session zusammenstellen kann. Dann kann der Be- richt wenige Wochen nach Schluß der Session erscheinen und eS kann darauf im Interesse der Agitation eine kleine Broschüre ausgezogen werden. Wenn wir noch ein alphabetisches Stichwortregister an- fügen, wie ich es in diesem Jahre noch nachholen will, dann haben wir ein brauchbares Nachschlagewerk für die Genossen, die sich dauernd oder vorübergehend mit der Tätigkeit des Reichstages beschästigen. Am Schluß der Legislaturperiode hat man dann für die Neuwahlen durch ein Generalregister sofort eine Uebersicht über die ganze Fraktionstätigkeit. Da wir leider durch den Tod des Ge- nossen Z i e t s ch die Stelle des Fraktionssekretärs neu besetzen müssen, ließe sich bei der Gelegenheit meine Anregung leicht ver- wirklichen. Wenn man sagt, der Bericht sollte nicht so ausführlich sein, sondern nur das wichtigste zusammenfassen, so gilt hier das alte klassische Sprichwort„Wat dem einen sin Ilhl is, i§ dem andern sin Nachtigall I" Für die Binnenschiffer ist es z. B. von großem Interesse, wenn sie nach dem alphabetischen Stichwortregister unter„Binnenschiffahrt" schnell feststellen können, daß über die Arbeitszeit der Binnenschiffer beim Etat des Reichsamts des Innern, bei einer Interpellation, bei einer Petition verhandelt worden ist und daß auch einmal eine kurze Anfrage in der Sache erfolgt ist. Soviel über die Form des Berichts. Nun zu den Anträgen. Die Anträge 27, 32, 33, 33 und 37 bitte ich der Fraktion zur Erwägung zu überweisen. Es handelt sich dabei um verschiedene Anregungen, und Sie müssen es der Fraktion schon überlassen, in Ivelcher Weise sie ihnen Folge gibt. Die Initiativanträge müssen im Reichstage innerhalb der ersten zehn Tage einer neuen Session eingebracht werden, und da die ersten zehn Tage dieser Session schon seit geraumer Zeit vorüber sind, können wir jetzt überhaupt keine Initiativanträge mehr stellen. Aber viel- leicht kann man diese Anregungen bei der Etatsberatung vorbringen. Die Entsendung von Delegierten nach Bern ist auf Beschluß der Fraktion erfolgt, die Fraktion hat auch die Entscheidungen der Konferenz gutgeheißen. Die Anträge 28—31, die das F ehlen der Abgeordneten bei wichtigen Abstimmungen rügen, haben einen bestimmten Fall im Auge. Wir hatten zum Etat des Reichskanzlers eine Resolution auf Einführung des Proportional- Wahlsystems eingebracht, und es wurden 99 Stimmen dafür, 88 da- gegen abgegeben. Die Resolution wäre also mit 2 Stimmen Mehr- heit angenommen gewesen, wenn nicht durch Hammelsprung die Beschlußunsähigkeit festgestellt worden wäre. Am nächsten Tage mußte die Abstimmung wiederholt werden, und nun wurden 139 Stimmen dafür und 149 dagegen abgegeben, die Resolution war also mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt. Wir haben das be- dauert, aber am ersten Tage konnte niemand voraussehen, daß e» noch zur Abstimmung kommt, und am nächsten Tage fand die Abstimmung gleich zu Beginn statt, es war unmöglich, alle auswärtigen Kollegen bis dahin telegraphisch zusammenzurufen. Wer gefehlt hat, läßt sich heute nicht mehr feststellen.(Adolf Hoff- mann: Ihr müßt Euch solidarisch erklären!) In der preußischen Landtagsfraktion ist es natürlich leichter.(H o f f in a n n: Wir sind immer da!> Unsere Genossen sind doch schließlich glücklicherweise nicht nur Parlamcnticr, sondern sie haben auch noch einen lleinen Nebenberuf und können nicht täglich von 1 bis 7 oder noch länger im Reichstag sitzen. Verlangen Sie etwa, daß jeder Abgeordnete in jeder Sitzung von Anfang bis zu Ende im Reichstag ist? So grausam können Sie nicht sein. Dann hätten wir den ersten Mafien- streik.(Heiterkeit.) Dann würden die Abgeordneten ihre Mandate niederlegen.(Zurufe: Na, na!) Das hält kein Mensch aus. Leicht- sinnig versäumt auch heute keiner von uns seine Pflicht. Ich empfehle Ihnen den Antrag 39 zur Annahme und bitte, alle anderen Anträge abzulehnen. Die kritischen Bemerkungen über die Haltung der Partei zur Wchrvorlagc waren mehr von allgemeinen Sentiments diktiert als von durch- schlagenden Gründen. Auch wurde zum großen Teil nicht der par- lamentarische Geschäftsgang berücksichtigt, über den wir Sozialdemo- kraten auch nicht hinwegkönnen. Die Haltung der Fraktion bei der zweiten Lesung im Plenum wird ja im allgemeinen zum Teil mit sehr schmeichelhaften Worten anerkannt. So schreibt die„Gleichheit", die sonst die Fraktion hier und da zupft:„Erst bei der zweiten Lesung stand die sozialdemokratische Reichsvcrtretung ans der Höhe der Situation. Hier rang sie 19 Tage lang Brust an Brust mit dem tückischen, gewalttätigen Feind des Proletariats und riß ihn durch ihre gutgewählten und meist schneidig beglündeten Anträge die Maske vom Gesicht." Nun soll die Fraktion bei der ersten Lesung, in der Kommission und bei der dritten Lesung ihre Schuldigkeit nicht getan haben. Tatsächlich haben wir u n s e r e Pflicht erfüllt. Es wurde ja auch nicht behauptet, daß wir in grundsätzlicher Beziehung irgend etwas außer acht gelassen haben, aber sagt die„Gleichheit",„im ganzen hat es an dem Ton gefehlt, der die Musik macht". Der volle Ton konnte doch nur durch oie Resonanz der Massen erzielt werden, und die Massen hatten leider bei der ersten Lesung nicht das genügende Interesse, um den Kampf der Fraktion ausreichend zu unterstützen. Die gleiche Ansicht vertritt ja auch Genossin Luxemburg in der„Leipziger Volkszeitung". lieber die Kommissionsberaiung sagt die„Gleichheit":„Es ist nicht unerbitt- lich genug der trügerische Schein zerstört ivorden, als ob die dort ausgekramten politischen und militärtechnischen Gründe für die ungeheure Heeresverstärkung die llnbeugsamkcit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft zu mildern vermocht hätten." Dieser Vorwurf ist nicht genügend substantiiert. Wir haben in der Kommission das Kampsfeld vorbereitet, auf dem dann in der zweiten Lesung der Kampf geführt worden ist, den auch die„Gleich- heit" anerkannt hat. Die Kommissionsberatungen geben doch kein solches Bild wie die Plenarverhandlungen. Die dritte Lesung hat dann durch das Erfurter Urteil eine ganz besondere Färbung erhalten. Ich bin weit davon entfernt, alles gut zu heißen, was die Fraktion getan hat. Im Gegenteil, manches wäre besser gemacht ivorden. Selbstverständlich muß die Kritik einsetzen, damit keine be- schauliche Selbstzufriedenheit bei unseren Parlamentariern einreißt. Unsere Abgeordneten sollen immer wieder genötigt werden, ihre Haltung mit der der Massen zn vergleichen und mit den Massen Fühlung zu erhalten. Soweit die Kritik aber zu irrigen Schlüssen kommt,' muß sie auf das berechtigte Maß zurückgeführt werden. Es fehlte dem Kampfe gegen die Heeresvorlage das notwendige Echo in den Massen. Aber sobald die Massen sich rührten, wurde der Kampf der Fraktion unmittelbar belebt und verstärkt, und als durch das Erfurter Urteil die Massen zu zorniger Empörung ausgepeitscht wurden, da konnte die Fraktion in kühner Initiative und mit schnelleni Zupacken auch einen unmittelbaren Er- folg erzielen. Dieser Erfolg wäre ohne die Massen nicht möglich gewesen, er hat aber andererseits auch wieder aufrüttelnd auf die Massen gewirkt. Vielleicht haben die Organisationen das Eisen, als es nach den Militärdebatten recht heiß war, nicht in genügendem Maße geschmiedet. Ich hätte auch gewünscht, daß nach Schluß der Reichstagsverhandlungen im Hinblick auf den aufregenden und für die Partei ehrenvollen Ausgang die Parteigenossen im Lande sich mehr darum gekünnnert und in Versammlungen dazu Stellung genommen hätten. Das Erfurter Urteil gibt ein Schulbeispiel dafür, wie sich der prinzipielle Kampf und der praktische Erfolg gegenseitig in die Hände arbeiten können und müssen. Ich komme nun auf ein Urteil iiber die Fraktion, da?, glaube ich, allein steht. Die„Düsseldorfer Volkszeiiung" schreibt über die Tätigkeit der Reichstagssraktion:„Wie sehr wir die Kritik von der Reichstagstribüne aus zu schätzen wissen, ja sie gewissermaßen als die Hauptaufgabe der sozialdemokratisckien Fraktion betrachten, so haben unS doch manche Anträge mrd Ausführungen unserer Genossen, die bei dieser Gelegenheit im Reichstag gemacht wurden, selisam angemutet. Wir halten es nicht für die Aufgabe unserer Fr�hljon, durch Anträge und Reden Zustände im militärischen System be- scitigen zu wollen, wodurch der Militarismus wohl den Kreisen des Bürgertums schmackhafter gemacht worden könnte, am System des Militarismus als Hcrrschaftsmittcl der herrschenden Kläflen aber nichts geändert werden würde. Wir meinen, daß wohl das Bürgertum ein großes Interesse an Anträgen hat, die das Einjährig-Freiwilligen-System, die Abschaffung des Burschen- Wesens, die Beseitigung des Gardevorrechts, die Freiheit der politischen und religiösen Gesinnung für alle An- gehörigen der Armee, die Beförderung in der Armee nach der persönlichen Tüchtigkeit betreffen, aber für das Proletariat ist die Beseitigung oder Richtbeseitigung dieser Schönheitsfehlerchen am Militarismus wirklich von untergeordneter Bedeutung."(Hört! hört!) Diese Auffassung verkennt vollkommen unsere Stellung zur Wehrfrage.(Sehr richtig!) Wir bekämpfen den heutigen kapitalistischen, imperialistischen Militarismus als die Waffe der heutigen bürgerlichen Gesellschaft, mir bekämpfen aber nicht dir Wchrhastigkcit des Voltes. Wir wollen ja gerade nach unserem Parteiprogranim die Volks wehr, die Miliz an Stelle des stehenden Heeres, wir wollen gerade die möglichst gute körperliche «nd geistige Ausbildung von frühester Jugend an, die znc>leich auch die denkbar größte Wehrhaftigkcit des Volkes gewährleistet. Wir können nicht durch Parlamentsbcschlutz das stehende Heer von heute auf morgen abschaffen. Wir können auch nicht in der heutigen kapi- talistischen Gesellschaft unsere Ideale, Forderung der Voliswehr, restlos durchsetzen, aber wir haben doch die Verpflichtung, dem heutigen Militarismus durchKritik, durch Anträge so zuzusetzen, wie es nur immer angeht, und diese Kritik und die Reformen, die wir von der heutigen bürgerlichen Gesellschaft auf dem Gebiete des Militarismus erlangen, erhalten ihre Ziele und Richtlinien durch unsere programmatische Volkswehrforderung, durch unser militärisches Endziel. Dies End- ziel besähigt uns, zu den vers chieden st en Einzel- fragen deS heutigen Militär fy st emS Stellung zu nehmen, Forderungen zn erheben, die eine Besserung in der Richtung zu unserem Endziel darstellen. Ist es denn überhaupt richtig, daß das Bürgertum ein Interesse an der Beseitigung des Einjährig-Freiwiligen- Privilegs bat? Nein wir haben ein Interesse daran. Wir wollen die Beseitigung dieses Klassenunterschiedes beim heutigen Militär. Auch hat nicht das Bürgertum ein Interesse an der Verkürzung der Dienstzeit, die es sich ja selbst für seine Klassengenossen durch die einjährige Dienstzeit verschafft, die für die meisten jungen Leute des Bürgertums eine angenehme Abwechselung bringt. Nein, inr Interesse des Proletariats fordern wir die Verkürzung der Dienstzeit. Ebenso liegt natürlich die Abschaffung des Burschenwesens im Interesse der Proletarier. Wir wollen, daß alle Soldaten gleich sind, daß nicht ein Soldat der Bursche des andern ist. In dem Wort „Bursche" liegt schon eine Herabsetzung des Arbeiters, der den bunten Rock anziehen muß. Ist es nicht etwas Entwürdigendes, wenn ein Arbeiter genötigt wird, als Bursche bei einem blutjungen Leutnant Stellung zu nehmen. Und dient ferner nicht gerade das Gardevorrecht als Stütze des Imperiums unserer imperialistischen Gesellschaft. Sollte eS da nicht im Interesse der Arbeiter liegen, daß wir die Beseitigung dieser D e k o- r a t i o n verlangen. Ebenso ist die Freiheit der politischen und religiösen Gesinnung eine Forderung, die gerade wir Sozialdemokraten stellen, genau so wie die Forderung der Beförderung nach der persönlichen Tüchtigkeit usw. Ich könnte begreifen, wenn man sagt, Ihr habt diese Forderungen nicht ausreichend genug vertreten. Aber wenn wir darauf verzichten wollten, sie überhaupt zu erheben, würden wir unserer ganzen Militärpropaganda das Rückgrat brechen. Gerade auch die vielen Indifferenten spitzen in der Regel sehr aufmerksam die Ohren, wenn ein parteigcnöisischer Redner über das heutige stehende Heer redet, wenn er vielleicht aus Sachkenntnis heraus erinnert an die Dinge, die sich heutzutage der Soldat beim stehenden Heer gefallen lassen muß. Gerade bei dieser Kritik können wir an persönliche Erfahrungen anknüpfen, und das ist bekanntlich die beste Anknüpfung, um zu theoretischen Auffassungen hinüber zu leiten. Ich möchte im Gegensatz zu den Parteigenossen in der„Düsseldorfer Volkszeitung" sagen, wir müssen noch viel mehr als bis« her unsere volkstümlichen Mili tä r f o r d er»ug e n propagieren. Zum Schluß möchte ich noch kurz auf das Erfurter Urteil zurückkommen, welches mir ein Schulbeispiel zu sein scheint für die Bedeutung des Parlaments für die Massen und umgekehrt der Massen für das Parlament. Jene Vorgänge in den letzten Tagen der Session haben aufgedeckt, daß selbst der deutscheParlamentarismus mehr durchzusetzen vermöchte, wenn er nur den entscheidenden Willen zeigte, wenn die bürgerlichen Parteien das nötige Maß von Mut aufbringen würden. Vor dem einmütigen Willen des Reichstages beugte sich die Regierung, weil sie sich" in einer Zwangslage befand. Wichtig ist für uns, daß die Fraktion bei dieser Frage das ganze Bürgertum mit verschwindenden Ausnahmen zur Gefolgschaft gezwungen hat. Unsere wochcnlangen Reden vorher fanden taube Ohren. In diesem Einzelfalle rissen wir die ganzen bürgerlichen Parteien ohne weiteres mit uns. Ich behaupte, daß das nicht möglich gewesen wäre, toenn nicht durch wochenlange Debatten vorher, durch unseren jähre« langen Kampf gegen den Militarismus der Boden vorbereitet ge- Wesen wäre. Das eine ist nicht ohne das andere denkbar. Der grundsätzliche Kampf muß in und außerhalb des Parlaments geführt werden, aber daneben hat die Reichstagsfrakiion die Pflicht, jede parlamentarische Situation und Konstellation zur Erringung von Vorteilen auszunutzen. Diese Vor- teile wirken dann wieder aufrüttelnd und belebend auf die Massen. In diesem Fall war es ja leider nur ein kleiner Erfolg. Den besten Beweis dafür liefert das neue Urteil. Der Parteitag wird sich, ohne daß wir eine besondere Re- solution dazu zu fassen brauchen, doch einig sein in der schärfsten Berurteilung dieses»enc» Erfurter Urteils. sSehr richtig!) Absolut genommen ist es ja milder, denn zwei Jahre Gefängnis sind weniger als zwei Jahre Zuchthaus. Aber relativ genommen ist es schärfer, denn während bei dem ersten Urteil die Mindest- strafen zugrunde gelegt waren, ist man dann um das Doppelte über die Mindeststrase hinausgegangen. Es ist geradezu unerhört, daß wegen eines erbärmlichen Wirthaustrakeels so namenloses Unglück über zahlreiche brave Menschen gebracht worden ist, nur weil wir in Deutschland ein rückständiges Gesetz und rückständige Bestimmungen über die Kontrollversammlung mit uns schleppen müssen, und weil in einigen Bundesstaaten zufällig die Gendarmen als militärische Vorgesetzte gelten. Also die Gegenleistung für das Volk für die ungeheuren Opfer, die ihm bei der' Militärvorlage auf- erlegt sind, ist sehr gering, wenn wir auch stolz darauf sein dürfen, daß dieser Erfolg durch unsere Fraktion erzielt worden ist. Aber auch er wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht die Massen hinter der Fraktion gestanden hätten. Freilich war das Urteil, als es im Reichstag zur Sprache kam, den Arbeitermassen noch nicht bekannt. Aber trotzdem standen die Massen hinter der Fraktion. Die Fraktion lehnte sich an jenem Sonnabend mit geradezu elementarer Leidenschaft gegen dieses Urteil auf, verschwunden war die Müdigkeit, die sonst bei dritten Lesungen im Reichstag Platz greift. Verschwunden waren all die Aeußerlichkeiten eines letzten Verhandlungstagcs im Reichstag. Die ganze gewaltige organiserte Kraft und Wucht des deutschen tlassenbewußten Proletariats, die die Gegner so oft kranipfhaft hinwegzuleugnen suchen, und die ihnen doch ständig wie ein Alb auf der Brust liegt, drang an jenem Sonnabend gleichsam wie eine körperliche Macht in den Reichs- tag ein und diktierte diese Gesetzesreform. Daraus dürfen wir den Schluß ziehen, daß ein Parlament, dem die Massen gleichgültig gegenüberstehen, ein müßiger Zeitvertreib ist, daß aber ein Parlament, hinter dem der geschlossene Wille des Proletariats antreibend und aufpeitschend steht, ein wertvolles Hilfsmittel im Klassen- t a m p f s e i n k a n n. So darf die Fraktion von den Parteigenossen verlangen, daß die Massen Anteil nehmen an dem Kampf der Fraktion. Dann müssen aber auch die Massen über das Wollen der Sozialdemokratie unermüdlich von den Partei- organisationen aufgeklärt werden. Umgekehrt können aber die Ge- Nossen von der Fraktion verlangen, daß die Fraktion sich lediglich als das dienende Glied des großen Ganzen ansieht und ständig die .nnigste Fühlung mit den Wünschen der Masse aufrecht erhält.' Ich spreche den Wunsch aus, daß die Debatte dieses Parteitages über den parlamentarischen Bericht diese wertvolle und notwendige Gegenseitig- .cit stärken und befestigen wird. sBeifall.) Die Diskusfio». Als erster Redner in der Debatte erhält das Wort Dr. Kurt Roscnfeld-Berlin: Wenn die Fraktion bei all ihrem unermüdlichen Eifer und ihrer tatkräftigen Energie für die Interessen des Proletariats, die sie von neuem als die einzigen wahrhaften Volksvertreter erwiesen haben, nicht mehr greifbare positive Erfolge aufweisen kann, so liegt das an der größeren Zuspitzung der Klassengegensätze infolge des Wachstums der Partei und unserer Fraktion, die die Gegner zusammenschweißt und unseren Abgeordneten eine geschlossene Phalanx aller bürger- lichen Parteien gegenüberstelll. Die sozialpolitische Gesetzgebung stockt völlig, das Wohnungsgesetz ist noch nicht da, die Konkurrenzklauselfrage noch nicht gelöst und besonders ist gerade jetzt in der Zeit der Krise das Fehlen der Arbeitslosenfürsorge zu bedauern.10 Abgeordnelen nur 10 Mann gefehlt haben. Soviel werden wahr« scheinlich immer fehlen. Dagegen haben die Freisinnigen, obwohl es sich um einen von ihnen bestrittenen Wahlkreis handelte, so zahlreich gefehlt, daß das Mandat des Reichsverbändlers für gültig erklärt werden konnte. Ich habe den starken � Verdacht, daß auch bei der Abstimmung über den Antrag betreffend das Verhältnis- Wahlrecht manche Liberale absichtlich gefehlt haben, um einer Entscheidung auszuweichen. Stubbc-Hamburg: Daß die Fraktion es bei der Beratung der Miliiärvorlage an der nötigen Schärfe hat fehlen lassen, lag daran, daß die Arbeiter- s ch a f t sich von vornherein mit der Vorlage abgefunden hatte. Diese Auffassung hat die Reichstagsfraltion durch ihr Verhalten bei der ersten Lesung noch verschärft. Auch die Presse hat es im wesent- lichen fehlen lassen. Hätte man nicht von vornherein den Gedanken propagiert: ihr braucht ja nicht zu bezahlen, dann wäre nicht eine so starke Müdigkeit unter den Genossen eingerissen. Wenn solche Vorlagen wiederkommen, muß mit größerer Macht und Wucht ein- gesetzt werden. Da ist Gelegenheit gegeben, die Massen auf- zurütteln.(Bravo!) Frau Zietz-Berlin: Wir Genossinnen begrüßen den Antrag 33, denn wir, die wir in den Kinderschutzkommissionen tätig sind, haben es schmerzlich empfunden, wie vollkommen unzulänglich das Kinder» s ch u tz g e s e tz ist. Wir sind bestrebt, nicht nur den geringen Schutz, der heute möglich ist, nutzbar zu machen zum Segen der Kinder, sondern auch unseren Vertretern in den Landesparlamentcn und ini Reichsparlament Material für eine Erweiterung des Kinder- schutzes an die Hand zu geben. Das Gesetz ist nicht ausgedehnt auf die in der Landwirtschaft und der Hauswirtschaft beschäftigten Kinder, und außerdem ist die Altersgrenze zu niedrig bemessen. Wir wünschen ganz allgemein eine Erhöhung der Alters- grenze auf das 14. Jahr und eine Beseitigung der Unterscheidung zwischen eigenen und fremden Kindern. Der Fortfall dieser Unter» scheidung kann ja schon durch Polizeiverordnungen bestimmt werden, wenn bewiesen wird, daß durch die starke Verwendung eigener Kinder zur Erwerbsarbeit sich offenbare Mißstände ergeben haben. Unsere Vertreter in den Stadtparlamenten sollren ihren Einfluß dahin geltend machen, daß, so lange das Gesetz nicht geändert ist, wenigstens auf dem Verwaltungswege etwas mehr schütz für die Kinder herbeigeführt wird.(Bravo!) Es kann ja auch sonst auf dem Verwaltungswege bereits heute der Kmderfchutz erweitert werden. Die Tätigkeit unserer Genossinnen in den Kinderschutzkommissionen hat außerordentlich segensreich gewirkt. Sie hat viel dazu bei» getragen, den bestehenden gesetzlichen Schutz auch wirksam werden zu lassen und hat die Kenntnisse über die Bestimmungen des Kinder- schutzes in weite Kreise getragen und die Einsicht der Arbeiterklasse über die Schädlichkeit der Kinderarbeit erhöht.(Sehr richtig I) Ich bitte Sie deshalb, unsere Genossen und Genossinnen in den Kinder- schutzkommissionen zu unterstützen und im Parlament so zu wirken, wie eS Antrag 33 wünscht. Dann würden Sie dazu bei» tragen, daß schon in der Gegenwart ein klein wenig mehr Lebenssonne für diese Kinder geschaffen und die heranwachsende Generalion gesünder an Geist und Körper geeignet wird, in unserer Arbeiterbewegung später das fortsetzen, was wir begonnen haben. (Lebhafter Beifall.) Hammer-Essen spricht gegen den Impfzwang und verweist auf den Rechts- Wirrwarr, den das Jmpfgesetz zur Folge gehabt hat. Tatsache ist, daß die Impfung jahrelang sehr nachläsffg betrieben worden ist und daß die verschiedensten Krankheitsübertragungen stattgefunden haben. Auch seitdem wir Kälberlhmpbe haben, ist diese Gefahr noch nicht behoben. Möge die Fraktion im Sinne der Jmpfgegner wirken, vor allem dahin, daß die GewissenSklausel eingeführt wird. Darf-Breslau: Wir in Breslau sind in der übergroßen Mehrheit auch mit der Taktik der Fraktion bei der Wehrvorlage einverstanden. Auch nach den Ausführungen von Schulz muß ich die Kritik des Breslauer Parteiorgans aufrecht erhalten, wonach der Fraktionsberichl als zu lang empfunden wird. Schulz meint, man sollte von der Tradition abgehen, den Fraktionsbericht in der Parteipresse volliiandtg abzu- drucken. Aber der vollständige Abdruck hat doch emttt gewissen Wert, zumal er im Sommer erfolgt, wo die Zeit politssch weuiq bewegt ist. Schulz regte an, daß künftig der Frakttonsbertcht gewissermaßen ein RcichStagshandbuch in Lieferungen darstellen soll. Damit wäre ich einverstanden, aber daneben tollte ttotzden, ein kurzer Fraktionsbericht alljährlich in der bisher üblichen Form gegeben werden.„ NoSke-Chemnltz: Es ist der Werbearbeit der Partei keineswegs förderlich, wenn so, wie es besonders Stengele getan hat, auf dem Parteitag be- hauptet wird, aus der Arbeit der 110 sei so gut wie gar nichts herausgekommen. Das ,st total falsch. Richtig ist nur, daß sich im Handumdrehen nicht grundsturzcnde Reformen ermöglichen lassen. Wer aber, wie wir, das ganze Jahr in harter Arbeit im Reichstag sitzt, der merkt, daß es vorwärts geht. Mit der Zeit summieren sich auch die kleinen Fort» schritte. Ich lsabe gelegentlich festgestellt, daß wir allein bei dem Kolonialetat mehr als ein Dutzend praktische Reformen in unserem Sinne durchgesetzt haben. Dann kann sicher« lich auch von der Arbeit anderer Kommissionsmitglieder in gleichem Maße gesagt werden. Es ist eine total irrige Taktik, von den Er- gebnissen der Fraktionsarbeit als von einem Quark zu sprechen, wie es das Braunschweiger Parteiblat� kürzlich getan hat. Dagegen muß mit allem Nachdruck protestiert werden. Ich würde mich dafür bedanken, meine Lebensarbeit für einen Ouark herzugeben. Das Recht der Kritik an der Fraktion wird kein Mensch den Genossen beeinträchtigen wollen, aber wir Abgeordneten wollen nicht nur dazu auf den Parteitag kommen, um den Prügelknaben ab- zugeben, sondern ich nehme für mich das Recht in Anipruch. an der Äritik wiederum Kritik zu üben und festzustellen, daß sie vielfach weit über das Ziel hinausgeht. sSehr richtig 1) Solche Kritik, wie sie der Hamburger Karl Stubbe vorhin geübt hat, hört sich zwar sehr schön an, aber anfangen können wir damit nichts. Die Arbeits- freudigkeit wird wahrlich dadurch nicht gehoben und wir brauchen die Arbeitsfreudigkeit. In der Anerkennung der.Gleichheit", daß die Fraktion in der zweiten Lesung gut gearbeitet habe, liegt ein herber Tadel, als ob in der ersten Lesung mangel- Haft gearbeitet worden sei. Die.Gleichheit" hat getadelt, daß wir in der Kommission nicht genügend die Begründung zerfetzt haben, die von der Regierung für die Vorlagen gegeben wurde. Zu einem erheblichen Teil haben doch aber diese Kommissionsverhand- langen unter Ausschluß der Ocffentlichteit stattgefunden, und die Kritiker, die an der Kommissionsarbeit herumgenörgclt haben, wissen ja gar nicht, was wir eigentlich getan haben. Auch die letzte Politische Arbeit Bebels wird damil herabgesetzt, denn er hat in geradezu ergreifender Weise bei den Kommissionsverhandlungen in einer Rede die Scheingründe Bethmanns zerfetzt. Immer wieder haben wir den Staatssekretär des Auswärtigen Amts genötigt, in der Kommission zu erscheinen, und wir haben in Tönen mit ihnen geredet, die an Derbheit wirklich nichts zu wünschen ließen. Der Kriegsminister ist von uns in einer Weise gebimst worden, wie noch niemals einem Minister zugesetzt worden ist. Unsere Tätigkeit in der Kommission waren aber Grenzen dadurch gesetzt, daß die bürgerlichen Abgeordneten nicht reden wollten. Wir haben immer allein bei den Ministern anbohren müssen, um die nötigen Auskünfte in tagelangen Verhandlungen zu erreichen. Des- halb hat Stengele durchaus unrecht, wenn er sagt, wir hätten die Verhandlungen durch eine Art stiller Opposition hinausziehen lassen sollen. Man kann der Kommission eigentlich nur den einzigen Vor- wurf machen, baß wir davon Abstand genommen haben, etwas gar zu laut unser eigenes Lob in die Presse zu bringen. Wenn Stengele meint, daß es möglich gewesen wäre, die Entscheidung hinauszuziehen, dann kennt er die Stimmung in bürgerlichen Kreisen nicht. Man war ja mit dem, tvas die Re- gicrung forderte, noch nicht einmal zufrieden, sondern verlangte noch mehr, namentlich die Abgeordneten aus den Grcnzbczirken wollten mehr Kavallerie. Tie Gegner ließen uns reden, sie selbst aber schwiegen. Eine größere Eselei, als an den vertrau- lichen Sitzungen nicht teilzunehmen, hätten wir gar nicht machen können. sSchr richtig!) Es wäre verkehrt gewesen, wenn wir beiseite gestanden und wenn nur die bürgerlichen Abgeordneten erfahren hätten, was wirtlich los ist. Gerade aus Grund unserer Kenntnis der vertraulichen Mitteilungen in der Kommission haben wir im Plenum darlegen können, daß gar keine besonderen Gründe für die Heercsvcrstärkung vorliegen. Richtig ist es, daß wir in bezug auf die Reform des Militärstrafrechts nicht viel erreicht haben, aber bei dem Wiedcrzusammcntritt des Reichstags werden wir Weiler nach dieser Richtung hin tätig sein; wir werden weitere Konzessionen herauszuholen suchen. Selbstverständlich können wir diese Arbeit besser leisten, je wertvollere Anregungen wir aus den Reihen der Genossen erhalten. Lcdcbour: Einen Antrag auf Ncucinteilung der Rcichstagswahlkreise habe ich bereits vor mehreren Jahren ausführlich im Reichstage begründet. Tie Fraktion hat in dieser Hinsicht ihre Schuldigkeit getan; es ist aber trotzdeui wünschenstvert, wenn auch aus der Mitte der Genossen auf das ungeheure Unrecht hingewiesen wird, das gerade der Sozialdemokratic durch die Aufrcchlerhaltung der veralteten Wahlkreiseinteilung zugefügt wird. Die Kritik an dem Verhalten der Fraktion begrüßen wir mit Freuden. Wenn manch- mal übers Ziel hinausgeschossen wird, so erklärt sich das daraus, daß die Genossen die allgemcine Empfindung habe», daß da etwas faul ist, aber da sie nicht selbst in den Dingen drinsteckcn, suchen sie die Ursachen oft an der falschen Stelle. Ich stimme Rosenfelo zu, daß die Frage der Taktik gegenüber m o n a r ch i s ch e u K u n o- gedungen künftig geändert iverdcn muß. Wir haben auch in der Fraktion schon darüber gesprochen, und bei Beginn der nächsten Session werden wir die. Frage gründlich erörtern. Ich hoffe, daß dann beschlossen wird, daß wir künftig im Saale bleiben, natürlich nicht aufstehen, sondern sitzen bleiben. Heilmanu stimme ich darin bei, daß bei den Wehr- und Deckungsvorlagen keine Trennung hätte vorgenommen werden dürfen. Per- schicdene Genossen haben instinktiv gefühlt, daß wir trotz unserer 110 Mann nicht genug erreichen konnten. Die einzelnen haben es an nichts fehlen lassen, und namentlich in den Kommissionen haben wir harte Kämpfe zu bestehen gehabt. Ten geheimen Sitzungen können wir nicht fernbleiben, wenn es auch unangenehm ist, daß wir das, was wir dort erfahren haben, nicht weitergeben können. Würden wir aber nicht daran teilnehmen, dann würden wir nicht erfahren, wie die bürgerlichen Abgeordneten von den Regierungsvertrctcrn eingeseift werden. Blühender Un- sinn war es, wenn die bürgerlichen Abgeordneten damit renommiert haben, daß, wenn die Ocffcntlichkeit wüßte, was in den geheimen Sitzungen bekannt geworden sei, noch mehr Kavallerie- rcgimenter bewilligt worden wären. Schwindel lvar auch die Bc- hauptung von Müllcr-Meiningen, wir hätten uns in den geheimen Sitzungen anders ausgedrückt als im Plenum. Als er diese un- geheure Behauptung aufstellte und sich auf mich bezog, habe ich ihn mir in öffentlicher RcichStagssitzung in meiner gewohnten Höflichkeit(Große Heiterkeit) und mit einer Schärfe, die ich sonst gar nicht gewöhnt bin(Große Heiterkeit), vorgenommen, und da hat der Mann, dem sonst die Rede wie Wasser aus dem Munde läuft, nicht zu antworten gewagt. Trotzdem ist in der freisinnigen Presse dieselbe Behauptung wiederholt worden. Wir haben uns im Plenum natürlich genau so ausgesprochen wie in der Kom- Mission. Wenn wir nicht so haben wirken können, wie wir es gerne wollten, so liegt das daran, daß seit den Kämpfen um den Zolltarif die bürgerlichen Parteien, die Freisinnigen voran, die Taktik des Totschweigens uns gegenüber befolgen. Es ist un- geheuerlich, wie diese Gesellschaft auS Angst vor der Sozial. demokratie das parlamentarische System verkümmert. Eines der wesentlichsten Vcrschärfungsmittel für diese Verkümmerung des Parlamentarismus ist das infame Diätcngesetz, das nichts weiter als ein Äorruptionsfonds ist, der darauf hinausläuft, daß den Abgeordneten eine Prämie dafür bezahlt wird, daß sie sobald wie möglich die Verhandlungen abbrechen. sSehr richtig!) Wir sind damals, dumm genug gewesen, diesem infamen Gesetz zuzu- stimmen, weil wir dessen raffinierte Wirkungen nicht durchschaut haben. Da sehen wir, was wir für naive Menschen sind.(Heiter- keit.) Die letzte Rate von 1000 Mark wird am 1. Mai gezahlt, gleichviel ob man nur noch eine Stunde oder noch 100 Tage sitz:, und deshalb wird systematisch darauf hingearbeitet, wenn der 1. Mai gekommen ist, möglichst bald Schluß zu machen. Tas ist die Maifeier der bürgerlichen Abgeordneten, daß sie möglichst rasch die parlamentarische Arbeit einzustellen versuchen.(Heiterkeit.) Adolf Hoffmann-Berlin: Dem Wunsche, daß die Fraktion anständig verhauen wird, werde ich, soweit es in meinen schwachen Kräften steht, willfahren. lHeiterkeit.— Noske: Wir revanchieren uns auf dem Preußen- tag!) Darin stimme ich Ledebour bei, daß es eine Torheit wäre, an den geheimen Sitzungen nicht teilzunehmen, denn wenn wir nicht wissen, wie die Regierung die bürgerlichen Vertreter ein- geseift hat. dann können wir sie nachher auch nicht formgerecht rasieren.(Heiterkeit.) Tie Tatsache, daß bei der Abstimmung über die Resolution betreffend das Proportioualwahlrccht ein Teil un- serer Abgeordneten gefehlt hat, so daß sie mit einer Stimme ab- gelehnt wurde, ist doch nach außen hin als Blamage empfunden worden. In der preußischen Landtagsfraktion ist so etwas glück- l'cherweise bisher noch nicht vorgekommen. Wenn Sie immer nur prozentual so anwesend wären wie wir(Heiterkeit), wir sind mit wenigen Ausnahmen immer da. Wir sind sogar so eifrig, daß einer von uns in seinem Eifer versäumt hat, zur Wahl zu gehen. (Heiterkeit.) Vor dem Massenstreik der Abgeordneten, die mit ihrer Mandatsniederlegung drohen, habe ich keine Angst. Ich bin überzeugt, daß für diesen Massenstreik die Massen noch nicht reif sind. Es besteht vielmehr eine Furcht der Parlamentskinder, die mit Hilfe der Dämpfung geboren sind(Heiterkeit), vor einem Ver- lust ihres Mandats und im Volke herrscht die Ansicht, daß solche Abgeordneten immer erwägen, ob sie im Falle einer Auflösung auch wieder gewählt werden. Richtig ist es auch, daß die jetzigen Diäten wie Sprengpulver wirken. Tas war ja die Absicht bei Ein- bringung des Tiätengesetzes.(Sehr richtig!) In der Wehrvor- läge hätte die Fraktion aggressiver vorgehen müssen, dann hätte sie die Massen aus die Beine gebracht. Wir haben so oft erklärt, daß der Parlamentarismus allein uns nicht zum Ziele führen könne, sondern daß er dazu diene, die Massen in Bewegung zu setzen, uKd nun sagt man umgekehrt, die Massen hätten ihre Schul- digkeit tun müssen, um die Abgeordneten vorwärts zu schiehen. Man sollte sich doch freuen, wenn aus den Massen heraus gedrängt wird. Ich meine nicht wie NoSke, die Fraktion soll weiter arbeiten mit unermüdlicher Geduld, sondern wir bitten sie, mit recht großer Ungeduld weiter zu arbeiten.(Bravo!) Grumbach-Colmar spricht für den Antrag 34. Gegenüber der skrupellosen Hetze, die von beiden Seiten zwischen Frankreich und Deutschland betrieben wird, müssen wir mit allen Mitteln ankämpfen. In einer Schrift „Frankreichs Ende im Jahre 19??" finden sich z. B. folgende ganz unfaßbaren Sätze, die unerklärlicherweise von ernsten fran- zösischen Blättern ernst genommen sind. Es ist da die Rede davon, daß der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland zu Ende ist, Deutschland hat gesiegt:„Endlich war Frankreich verblutet, das Land entvölkert, die Saat vernichtet... die leeren Kasernen wur- den mit deutschen Truppen belegt, französische Soldaten und Ma- troscn gab es nicht mehr." Selbst George Clemenccau schreibt in seinem Blatt„I�Homme Libre" vom 27. Juli 1913 über die angebliche Stimmung der Massen der deutschen Bevölkerung Frank- reich gegenüber:„Die Deutschen hassen uns so, daß sie es an allen Ecken ihrer Presse hinausschreien, daß man sich zum Vernichtungs- kriege gegen uns vorbereiten muß, und wir haben mit einem plötzlichen Angriff stets zu rechnen." Wenn so ein führen- der Politiker der äußersten bürgerlichen radikalen Linken schreibt, kann man sich vorstellen, wie die wahre Situation entstellt wird. Auf der andern Seite müssen wir auch protestieren gegen die Hetze, die von der pangermanistischen Presse gegen die Fremdenlegion betrieben wird— die wir gewiß keinen Grund haben, zu ver- leidigen—, nicht etwa, um diejenigen zu warnen, die sich ver- leiten lassen könnten, zur Fremdenlegion zu gehen, sondern um auf den Scheiterhaufen der Hetze gegen Frankreich neues Brenn- material zu tragen.(Sehr richtig!) Wir wünschen, daß sich Deutschland und Frankreich politisch und wirtschaftlich ergänzen. In diesem Sinne entstand die Berncr Konferenz, auf der Bebel unter jubelndem Beifall die Stellung der deutschen Tele- gierten darlegte. Nach der Konferenz hat man in der französischen Presse behauptet, die 20 sozialdemokratischen Delegierten hätten nicht die Gesamtpartei hinter sich. Ohne weiteres feststellbar ist, daß die gesamte Fraktion die Delegierten nach Bern entsandt hat. Heute gilt es zu zeigen, daß die Gesamtpartei, die 4M Millionen Parteigenossen, hinter den Delegierten stehen, die aus zukünftige Berner Konserenzen hoffentlich gehen werden. Sollen diese Kon- ferenzen wirklich praktische Arbeit leisten, so muß ein inneres beut- sches Problem, die clsaß-lothringische Frage, gelöst werden. Gerade in letzter Zeit wird dort eine unbegreifliche Po- litik getrieben, die den Anschein erweckt, als ob die Regierung syste- matisch darauf hinarbeite, daß eine Verständigung zwischen Deutsch- land und Frankreich nicht erfolgt. Wir verlangen nichts als Gleichberechtigung mit allen deutschen Bundesstaaten. Wir bekämpfen den Nationalismus mit aller Schärfe. Aber wir verzichten keine Sekunde auf unsere Forderung der republi- kanischen Autonomie, der vollen Gleichberechtigung im deutschen Reich. Unsere Resolution soll einerseits eine Demon- stration nach Frankreich hinüber sein und sagen: Alles, was Ihr hört vom Haß der Massen in Deutschland gegen Frankreich, ist beispiellose Lüge und Verdrehung, ist von Leuten geschrieben, die eigentlich wegen dieser Anreizung zum Massenmord ins Zuchthaus gehörten.(Sehr richtig!) Ein großer Teil des Bürgertums denkt ebenso. Weiter ist die Resolution ein Protest gegen die Schand- Politik, die in den letzten Monaten wieder getriehen wird, und die Ankündigung von Ausnahmegesetzen in Elsaß-Lothringen. Wir bitten den Parteitag, uns darin zu unterstützen, daß wir den schärf- sten Kampf gegen die elsaß-lothringische Regierung, die solche Aus- nahmegesetze plant, aufnehmen.(Bravo!) Fritsch- Liegnitz: Die Abstimmungen über die Gültigkeitserklärung des Mandats von Becker-Sprendlingen und über die Einführung der Propor- tionalwahl, bei denen es sich nur um eine einzige Stimme hau- delte, werden der Fraktion eine Lehre sein. Bei der Wehrvorlage hat die Fraktion auch beantragt, alle landeSrechtlichen Vorschriften aufzuheben, durch welche die Erteilung von Turnunterricht von der politischen oder religiösen Gesinnung der Lehrer und Schüler abhängig gemacht wird. Der Antrag ist leider nicht angenommen worden, aber da die Landtagsfraktion zu schivach ist, muß die Reichstagsfraktion gegen die kaiserliche Kabinettsorder von 1834 energisch Sturm laufen. Wir haben in Liegnitz ein geradezu er- schreckendes Vorkommnis in dieser Beziehung. Unser Arbeiter- turnderein Liegnitz bekam eines schönen Tages in der Turnstunde den Besuch der Polizei. Wenige Tage später kam von der Regie- rung ein Strafmandat gegen den Turnwart und den Gastwirt des Gewerkschaftshauses über 150 M. Geldstrafe oder 3 Wochen Haft; dagegen wurde Beschwerde erhoben, denn ein gerichtliches Urteil ist dazu nicht zu ermöglichen. Am folgenden Tage kam aber die Polizei wieder, und so ging eS 7 Tage in jeder Turnstunde fort. Es kamen 7 Strafmandate von je 150 M., che die erste Beschwerde erledigt werden konnte. Die Strafmandate machen zusammen also 21 Wochen Haft aus. Inzwischen wurde noch ein weiterer Turnwart bestraft, so daß in kurzer Zeit 18 Strafmandate er- lassen wurden, immer mit der Höchststrafe von 150 M., zusammen also 2300 M. Geldstrafe oder 48 Wochen Haft.(Pfui- rufe.) Ter erste Turnwart, der natürlich die Strafe nicht hczahlen konnte, mußte 6 Wochen im Gefängnis sitzen. Der zweite hatte 7 Strafmandate abzusitzen, also 21 Wochen Haft. Als der Mann 4 Wock?en im Gefängnis saß und der erste bereits seine 6 Wochen herunter hatte, haben wir in öffentlicher Versammlung gegen eine derartige brutale Handlungsweise protestiert, und die Folge war, daß selbst der Stadtrat von Liegnitz ins Gefängnis ging und zu dem Inhaftierten sagte, ob er nicht ein Gnaden- N e s u ch um Verkürzung der Haft einreichen wolle. Ich selbst fragte den RegierungSrat, der die Strafmandate unterzeichnet hatte, ob der Mann seine 21 Wochen Haft absitzen solle. Da sagte er init der größten Gemütsruhe: Jawohl, dagegen ist nichts zu machen.(Lebhafte Pfuirufe.) Der Fall muß im Reichstag zur Sprache gebracht werden. Er muß der Fraktion den Anstoß geben, nochmals einen energischen Vorstoß gegen die Kabinettsordcr von 1834 zu unternehmen, die längst ins Altertumsmuseum gehörte. (Bravo!) Sollmann. Köln: Schulz hat einen wesentlichen Teil seines Berichts der Ent- schuldigung der Reichstagsfraktion über die Abstimmung der Pro- portionalwahl gewiomct. Seine Gründe konnten freilich nicht gc- nügcn, und Hcilmann hat eigentlich die Fraktion viel besser ver- teidigt. In den Massen hat diese Abstimmung große Mißstimmung erregt, das konnte ich selbst bei einem Vortrag vor deutschen Ar- vcitcrn in London beobachten. Ich bin aber nicht dafür, daß wir deshalb Anträge annehmen, die den Anschein erwecken könnten, als bestehe � ein allgemeines Mißtrauen gegen die Fraktion. Wir können im Gegenteil feststellen, daß die Wählermassen mit geradezu rührendem Vertrauen an der Fraktion hängen. TvS sollte für die Fraktion eine Mahnung sein, dafür zu sorgen, daß solche Vorkommnisse, wie sie hier kritisiert wurden, sich nicht wiederholen. Mit diesem Wunsch können wir es aber bewenden lassen und wir brauchen keine besonderen Anträge dazu anzu- nehmen. Gegen die Reden unserer Genossen gegen die Wehrvor- läge läßt sich zwar nichts einwenden, aber jeder draußen im Land: bat wohl das Gefühl gehabt, daß schärfer hätte aufgetreten werden müssen. In Militärfragcn vermissen wir am meisten unseren Bebel, dessen Reden zu diesen Fragen nie wieder erreicht wor- den sind. Erst durch das Schreckensurteil von Erfurt hat die Fraktion den Ton gefunden, den sie schon bei der Einbringung der Wehrvorlage hätten finden müssen. In der Frage des Militari»- mus muß eine bessere Erziehung der Massen und auch unserer Parteigenossen einsetzen. Wir wollen den jungen Leuten den Militärdienst nicht verekeln. sondern nur der bürgerlichen Rckruteusürsorge entgegentreten. Tie „Arbeiterjugend" ist glänzend redigiert, aber nicht geeignet für Kinder von 14 bis 18 Jahren. Wir sollten besondere Nummern bei der Rckruteneinstcllung massenhaft verteilen. Vorsitzender Bock macht dem Parteitag, der sich von den Plätzen erhebt, die traurige Mitteilung von dem Ableben des Genossen Queich, des Führers der englischen Bruderpartei. Queich war steter Gast der deutschen Parteitage und hat auch noch am thcm nitzer Parteitag teil- genommen. In Stuttgart wurde er seinerzeit wegen einer Rede ausgewiesen. Der englischen Bruderpartei ist die herzlichste und innigste Teilnahme der deutschen Genossen ausgesprochen worden. Bcrten-Düsseldorf: Leider war der Bericht der Fraktion über ihre Stellung zum P e t r o l c u m m o n o p o k sehr dürftig. Da wäre mehr Aufklärung am Platze. Im Wahlkreis Tüsscldorf wurde am 27. April eine Resolution angenommen, in der die Fraktion aufgefordert wurde, schärfere Mittel bei der Bekämpfung der Wehrvorlage zur An- Wendung zu bringen. Da wir in Düsseldorf außerordentlich höflich sind, war die Resolution so abgefaßt, daß sie niemanden verletzen konnte. Es wurde hervorgehoben, daß die Reden bei der ersten Lesung sehr gut und eindrucksvoll gewesen seien, daß wir aber eine schärscre Kampfcsweisc gegen die Wehrvorlage wünschten. In der Fraktion wurde dann erklärt, daß die Düsseldorfer ja mit der Haltung der Fraktion einverstanden seien, daß man also nicht länger darüber zu beraten brauche, was weiter zu geschehen habe. Das Mittel der O b st r u k t i o n hätte angewendet werden müssen. Ebenso wie 1902 die bürgerlichen Parteien sich von den Zwirns- fäden der Geschäftsordnung nicht abhalten ließen, ihren Willen durchzudrücken, ebenso durfte für unsere Parteigenossen die Ge- schäftsordnung nicht ein unüberwindliches Hindernis sein. Man sagt, der mangelhafte Vcrsammluügsbcsuch habe der Fraktion den Elan genommen. Die fortwährende Wiederholung dieses Entschuldigung�- grundes wirkt nicht sehr imponierend. Der Militarismus kann nicht umgewandelt er mutz beseitigt werden. Aus der hätzlichen Raupe des Militarismus wird der schöne Sckimettcrling der Miliz einst kommen. Der Militarismus aber gehört zu jener Sorte von blnt- saugerischen Insekten, die keine Metamorphose durchmachen, die man vernichten und totschlagen muß, wenn man sie loswerden will. (Sehr richtig!) Es ist zu verstehen, wenn die Fraktion versuchte, das Los unserer Klassengenossen beim Heere zu mildern. Wir begrüßen da die scharfe Kritik an den Soldatenmißhandlungen, die Herbeiführung von Milderungen der Strafbeitimmungen, die Er- höhung der Soldatenlöhnung. Alle anderen Reformwünsche wären aber nur eine Erleichterung des Militarismus für die bürgerliche Gesellschaft, an dem Wesen des Militarismus würde nichts gc- ändert werden. Darum dürfe der prinzipielle Kampf gegen den Militarismus bei der Wehrvorlage nicht vernachlässigt werden. In dieser Beziehung hat die Fraktion nicht das geleistet, was ver- langt wurde. Tarauf vertagt sich der Parteitag auf Nachmittag. N a ch m i t t a g s s i tz u n g. Vors. Bock teilt folgendes Telegramm der Vertrauensleute der Hamburger Werft Metallarbeiter mit:„Laut Bericht des„Hamburger Echo" hat Genosse Bauer bei seinen Aus- sührungcn über den Streik der Werftarbeiter wissentlich unwahre Ausführungen gemacht. Es muß ihm bekannt sein, daß der Ver- bandsrag der Metallarbeiter die Resolution, durch welche unser Streik anerkannt werden sollte, mit 70 gegen 67 Stimmen abge- lehnt hat. Außerdem haben in letzt« Zeit Metallarbeitervcr- sammlungen im Binncnlande uns ihre Sympathie ausgesprochen." Der von Bl u m e- Hamburg erstattete Bericht der Mandats- Prüfungskommission gibt als anwesend 15 auswärtige G ä st c, 10 Mitglieder des Parteivorstandes, 7 Mitglieder der Kontroll- tommission, je 1 Vertreter des„Vorwärts", des Parteigeschäfts Auer u. Co., Hamburg, des„Wahren Jakob", Stuttgart, der„Neuen Zeit", den Kontrolleur der Partcigeschäftc, ferner 387 Delegierte, darunter 27 Frauen, endlich 84 Reichstagsabgeordnete, also zu- sammen 500 Partcitagsteilnelnner an, wovon 488 stimmberechtigt sind. Sämtliche Mandate werden zunächst bis auf zwei gültig erklärt. Die Wahlproteste gegen die Delegierten H ü n e k e- Lohe (19. Hannov. Wahlkreis)" und S p r e ng e r- Kornwestheim (2. Württemberg. Wahlkreis) werden entsprechend dem Kom- missionsantrag als unerheblich und unbcachtlich zurückgewiesen. Blume-Hamburg ersucht im Auftrage der Kommission den Parteivorstand darum, Vorsorge zu treffen, daß die Formulare für die Mandate auch die Angabe der Wohnung des Delegierten enthalten.(Zustimmung vom Parteivorstand.) Vors. Bock teilt mit, daß der ertranite Genosse Geck, Mit- glied der Kontrollkommission, auf dem Wege der Genesung von seiner schweren Erkrankung ist und dem Parteitag zu seinen Ar- beiten gutes Gedeihen wünscht. In der fortgesetzten Debatte über den Fraktionsbcricht tritt Knicrirm-Münchcn für den Antrag 33 ein, dessen warme Befürwortung von ver» schiedenen Seiten ein Beweis der großen Liebe und Sympathie für die proletarische Jugend ist. Die reichsstatistischen Erhebungen über die Ueberanstrengung der Jugend unter 12 Jahren hat bisder kein Resultat ergeben. Es steht aber fest, daß mehr als eine halbe Million Kinder im Alter von 8— 12 Jahren und 146 000 Kinder unter acht Jahren in Teutschland beschäftigt sind. In Asien und Afrika kämpft die Reickisregicrung gegen die Sklaverei und in Teutschland selbst haben wir große Kindcrsklavrnmärkte! (Sehr richtig!) Am Bodensce verschachern jährlich Geistliche Taufende von Arbeiterkindern auf dem Sklavcnmarkt(Hört! hört!) und dann erklärt man noch, es sei eine schöne Einrichtung, daß es den Kindern möglich sei, zum Unterhalt der Familie etwa» zu verdienen. Die ungeheure Schädigung dieser Kinder in der endlosen landwirtschaftlichen Arbeit ist klar. Und da? nennt man eine Wohltat! Der Beschluß unserer Münchener General- Versammlung für diesen Antrag wurde von den„christlichen" Blättern �bei zwei bayrischen Wahlen benutzt, um die Bauern gegen Sozialdemokrat c n scharf z u machen, die an- gcblich nicht mehr wollten daß die eigenen Kinder durch die eigene Familie in der Landwirtschaft beschäftigt würden. Tas ist eine Verleumdung und Irreführung. Wir Sozialdcmokra- ten haben nichts dagegen, wenn die eigenen Kinder im eigenen Haushalt kurze Zeit, in den kleinen Gärten der kleinen Land- leute beschäftigt werden, aber sie dürfen nicht länger von Ma- schinen verkrüppelt werden. Die herrschende Gesellschaft schreit Zeder und Mordio über den Gebärstrcik der Arbeiterfrau, aber sie rührt keinen Finger, wenn die Geborenen verstümmelt und verkrüppelt werden.(Sehr'wahr!) Ter papicrne Kinderschuh, den wir jetzt haben, genügt nicht. In Ostpreußen werden Kinder von früh 6 bis abends 7, 8 Uhr zum Rübenzupfen benutzt, und die Schulen werden deshalb geschlossen. Die Folge dieser Arbeit sind Rückenverkrümmungen, der Umgang mit den Knechten und Mägden schädigt die Kinder auch moralisch. Ist eS toch in Vorarlberg und Tirol vielfach vorgekommen, daß Mäd chen von Ig Jahren geschwängert in die Heimat zurückgekommen sind, das schreit zum Himmel. Statt daß die Kreise, die die christliche Liebe in Erbpacht genommen zu haben behaupten, hier vorangehen, um in ihren Elemcinden Abhilfe zu schaffen, mar- schieren sie bei der Lttndcrausbeutung voran. Tragen sie durch An- nähme unseres Antrages dazu bei, daß der Staat unsere Kinder zu schützen gezwungen wird, dann werden wir ein geistig und körperlich kräftiges Volk bekommen.(Bravo.) Dr. Frank- Mannheim: Die Fraktion wird es als eine ihrer ersten Pflichten ansehen, den geäußerten Wünschen Rechnung zu tragen und eine energische Berstärkung des Kindcrschutzes verlangen. Im nächsten Winter dürften nicht wieder alle Kräfte der Fraktion zur Abwehr neuer Forderungen des Militarismus in Anspruch genommen werden, sondern den Hauptteil ihrer Tätigkeit dürfte die sozialpolitische Arbeit bilden. Mit der bisher geübten Kritik kann die Fraktion im allgeni«iäcn zufrieden sein, denn der Ton war meistens nicht unfreundlich. Berechtigt ist der Wunsch, daß unsere Reichstags- abgeordneten in Berlin anwesend sein sollen, und die Fraktion wird aus den hierzu gestellten Anträgen sicherlich die Pflicht ab- leiten, künftig noch mehr darauf zu achten, daß keiner fehlt. Damit man aber nicht glaube, wir hätten eine Fraktion von Schwänzern, will ich feststellen, daß wir den Vergleich mit den bürgerlichen Fraktionen auf jeden Fall aushalten können, und daß beim Besuch der Sitzungen die sozialdemokratische Fraktion im Vergleich zu anderen an er st er Stelle steht. Uebrigcns ist unter den Kritikern vielleicht mehr als einer, der sich an die Brust schlagen und fragen könnte, ob er als Mitglied einer Stadt- Vertretung oder einer Partcikörperschaft niemals eine Sitzung vcr- säumt hat.(Sehr richtig!) Wir haben in der Fraktion nicht lauter Leute ohne Beruf, sondern der größte Teil der Mitglieder hat eine berufliche Tätigkeit auszuüben, sei es im Dienste der Arbeiterbewegung oder sonst. Aus der Kritik gegenüber der Militärvorlage muß man lernen, aber es ist nicht immer leicht, denn die einzelnen Korde- rungen widersprachen einander nicht selten, nsehr richtig!) Stengelc hätte' mehr Anträge gewünscht, die Düsseldorfer Genossen wieder weniger Anträge. Tic Begründung des Tüsscldorfcr Antrags klang recht seltsam und veraltet. Gewisse irrtümliche totgcglaubte Anschauungen tauchen alle paar Jahre wieder aus, wie Wasserleichen. Wie können Genossen in einem so großen Ort glauben, es stehe in Widerspruch mit unserer grundsätzlichen Stellung zum Militaris- mus, wenn wir Rcformanträge stellen?! Das ist die alte Anschauung, die früher nicht begriffen hat, daß wir bei aller grund- fätzlichcn Bekämpfung des Kapitalismus sozialpolitische Anträge stellen müssen, die scheinbar die Stellung des kapitalistischen Systems stärken, in Wirklichkeit aber vor allem die?lrbeiterklasse stärken. (ehr richtig!) Ter Düsseldorfer Redner hat unseren Antrag auf Abschaffung der Garde bemängelt. Man würde doch den Kopf schütteln, wenn wir auf allen Gebieten die Durchführung der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung verlangen, aber gerade die Abschaffung des Standesvorrechts nicht, das in dem Gardeprinzip zum Ausdruck kommt.(Sehr richtig!) Auch gegen unseren Antrag auf Aufhebung des Einjährigcn-Vorrechts'kann doch ein Sozial- demokrat nichts sagen. Mehr als tausend aufreizende Reden wird es gewirkt haben, daß die bürgerlichen Parteien, die unserem An- trag auf einjährige Dienstzeit ablehnten, einige Stunden darauf von der Aufhebung des Sondervorrcchts für die Söhne der Bc- sitzenden nichts wissen wollten.(Sehr gut!) Wir sollten im Winter mit unserer Tätigkeit dort fortfahren, wo wir im Sommer aufgehört haben. Dazu ist allerdings nötig, daß wir von den Genossen im Lande besser unterstützt werden. So werden im Herbst die Debatten über den Militärboykoti wiederkommen, wir werden von der Regierung Auskunft verlangen, inwieweit sie der Resolution des Reichstages stattgegeben hat. Da sollten wir nicht bloß durch Volksversammlungen, sondern auch durch Vorstöße derjenigen Genossen, die unter dem Militärbohkott zu leiden haben, auf den Rathäusern unterstützt werden. iSchr richtig!) Man rügte, daß wir keine Obstruktion auS Rücksicht auf die Zwirnsfäden der Geschäftsordnung getrieben hätten. Die Geschäftsordnung kann von der Mehrheit Wohl als Zwirnsfäden behandelt werden, aber für die Minderheit ist sie mehr, da kann sie zum eisernen Hindernis werden,(«sehr richtig!) Ich glaube, daß die Vorwürfe wegen der Haltung der Fraktion zur Militärvorlage zurücktreten müssen hinter der unbestreitbaren Tatsache, daß der Kampf in dem einen Punkt unseres Verhältnisses zu Frankreich besser und planmäßiger geführt wurde als in früheren Jahren. Vom ersten Tage an haben wir Wert darauf gelegt, Hand in Hand mit unseren französischen K ameraden den Kampf zu führen. Der in Gemeinschaft mit den Franzosen der- öffentlichtc Aufruf war eine ausgezeichnete Waffe gegen den Mili- tarismu? hüben und drüben und machte die bekannten Behaup- tungen zu schänden, daß die Franzosen bessere Patrioten seien als wir oder— wir bessere Patrioten als die Franzosen, wie man da? in Paris vorzubringen gewohnt war. Auf derselben Linie bewegte sich der Versuch, durch die B c r n e r Konferenz für eine Ver- ständigung der beiden großen Völker zu demonstrieren und es wiro die Genossen vielleicht interessieren, daß diese Konferenz nicht die letzte gewesen ist. Es sollen aufs neue die Parlamentarier der beiden Länder zusammengerufen werden, soweit sie der Ueber- zeugung sind, daß das Interesse der beiden Völker streng und unab- weisbar verlangt, daß zusammengearbeitet wird und nicht gegen- einander. Streitfragen, über die eine Verständigung nötig und möglich wäre, sind genug vorhanden und ich bin überzeugt, daß das. tvas in Bern unter der hervorragenden Mitwirkung unseres Bebel geschaffen wurde, eine Werwolle internationale Neubildung sein kann.(Beifall.) Cohen- Rcuß: Zweifellos hat die Fraktion manchen Fehler begangen und das ist auch gar nicht so schlimm; die Genossen hätten allen Anlaß, einer Fraktion besonders auf die Finger zu sehen, die sich ein- bildet, keine Fehler zu machen. Eine Anzahl Fehler müssen Sie der Fraktion schon zugestehen, erst wenn die Fehler das Maß des Erlaubten überschreiten, haben Sie bloß das Recht, ihr so den Kopf zu waschen, wie es einige Hamburger heute schon getan haben. Wenn Begriffe fehlen, dann stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein. Was heißt es, wenn Stengcle verlangte, daß die Fraktion mit Aufbietung aller Kräfte hätte arbeiten sollen? Sogar Rosa Luxemburg hat in der„Leipziger Volkszeitung" geschrieben, daß nicht die Fraktion schuld sei, wenn so wenig geschehen ist, sondern die Gesamtpartci, die in dem Baseler Kongreß den Höhepunkt des Kampfes gegen den Militarismus erblickt hat, statt umgekehrt den Kampf von dort seinen Ausgang nehmen zu lassen. Mit Unrecht stellt uns Genossin Luxemburg die französischen Genossen als Vor- bild hin. Die Einführung des dritten Dienstjahres in Frankreich ist doch wohl etwas mehr als die Forderung von 136 0(X> Mann, und ich glaube, wenn man bei uns die dreijährigeDienst- zeit wieder einführen wollte, dann w ü r de man wohl etwas ganz anderes erleben. Wir täuschen uns, wenn wir glauben, daß die Massen der Arbeiter solche Antimili- taristen sind, wie wir es wünschen.(Sehr richtig!) Das ist bedauerlicherweise nicht der Fall; es mag ein Mangel an sozialistischer Erziehung sein, aber er liegt vor und es ist etwas Wahres an dem, was Noske sagte, daß sich in den Grenzbezirken die Leute, auch zu uns gehörende Arbeiter, vor dem Feind fürchten. Wird die Frage in den Volksversammlungen so gestellt, dann gibt es genug nicht sattelfeste sozialistische Agitatoren, die darauf nichts zu sagen wissen. Nach dem Ruf, den Genosse Hoffmann genießt, hätte ich mir vorgestellt, daß er die Fraktion gründlich verhauen würde. (Adolf Hofsmann: Daran ist Bock seine Klingel schuld!) Ich bin etwas enttäuscht. Auf das s ch ä r f st e p r o t e st i e r e ich da- gegen, daß Genossen, die durch die Tämpfungspolitik in den Reichs- tag gewählt sind, manchmal geneigt seien, sich in ihren Abstim- n»"ngen nach der Tämpfungsmethode zu richten. Das muß ein komischer Sozialdemokrat sein, der glaubt, daß ein Ab- geordneter so etwas täte.(Lebhaftes Sehr richtig!) Ten Tadel Heitmanns an der Fraktion— nach den Artikeln in der Chemnitzer„Volksstimme" hatte ich viel mehr erwartet— kann ich als berechtigt nicht anerkennen. Die Tatsachen haben das Gegenteil davon bewiesen, daß die sofortige zweite Lesung den Kampf abgestumpft bätte. Soll es das A und O der Bekämpfung des Militarismus sein, daß die Entscheidung um 2 Tage hinausgeschoben wird? Kann man eine Militärvorlage nicht ebenso scharf bekämpfen, wenn sie von der Dcckungsvorlagc getrennt ist? Ich bin überzeugt, daß anfangs eine ganze Reihe bürgerlicher Abgc- ordncter sich vorgenommen hatte, auf unsere Angriffe überhaupt nicht zu reagieren, aber die Wucht der Angriffe war so groß, daß sie gar nicht anders konnten, sie mußten erwidern. Die Zustim- mung zur sorfortigen zweiten Lesung gab uns eine Frist für den Kampf! In bezug auf das Eintreten für Reformen stimme ich Frank zu. Selbst Genossin Luxemburg gibt zu, daß die Bcschrän- kung der Dienstzeit auf ein Jabr auf dem Wege unser« Miliz- forderung liegt. Allerdings hätte die Fraktion alles ausbieten sollen, um womöglich wegen der Heeresvorlagc eine Reichs- tagsauflösung herbeizuführen. Ich weiß, daß mancher da nicht zugestimmt hätte, aber ich glaube nicht, daß es sozial- demokratische Abgeordnete gegeben hätte, die die Auflösung aus Angst um ihre Mandate vermeiden wollten.(Sehr richtig!) Aber es lag wohl keine Möglichkeit vor, die Auflösung herbeizuführen. In einer Polemik gegen den„Vorwärts" hat die Genossin Luxemburg vehauptet, daß die Miliz zu den innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsordnung aufzustellenden Mindest- forderungen gehört. Ich meine, daß die Verwirklichung der Miliz im kapitalistischen Staate überhaupt nicht möglich ist. Ich finde diese Ideologie gar nicht Luxemburgisch, sondern sie nähert sich bedenklich der von Genossin Luxemburg bekämpften Ideologie von Jaures. Ich will daran nur beweisen, wie sich auch eine sehr kluge Frau irren kann, denn die Reichstagsfraktion hat gerade in dicfer Frage das Menschenmöglichste getan.(Beifall.) Wicky-Mülhausen i. Elf.: Die Aufrüttelung der Volksmasscn ist deshalb nicht eingetreten, weil wir jahrzehntelang nur immer einzelne ilebclständc im Mili- tarismus hervorgehoben und die grundsätzliche Bekämpfung des Militarismus dabei nicht genug in den Vordergrund geschoben haben. Für die hierbei auftretende Unklarheit ist die Masse sehr empfänglich. Wenn es ricbtig ist, daß die Volksbewegung deshalb ausblieb, weil das Volk wußte, daß russische Soldaten an der Grenze stehen, dann ist das ein Beweis dafür, daß wir nicht genügend Er- ziehungsarbcit geleistet haben. Ich kann nickt verstehen, daß in der Kommission der Regierungsvorschlag auf Verstärkung des K r i c g s s ch a tz c s die Zustimmung der Genossen S ü d c k u m und Noske fand. Das versteht die Masse nicht. Den Herrschenden mutz gesagt werden, daß wir die Massen so erziehen, daß sie Putschen, die die Herrschenden veranstalten wollen, mit allen Mitteln entgegentreten. Die Höflichkeit ist etwas Schönes, aber wir brauchen sie nicht zu übertreiben, wie es von unseren Genossen im Reichstage beim Regierungsjubiläum geschehen ist. Wir müssen auch in solchen Dingen der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber eine klare Stellung einnehmen. Für die deutsche Partei ist das eine Lebensfrage, daß wir auch dem Aus- lande gegenüber keinen Zweifel lassen über unsere unbedingte Gegnerschaft gegen den Militarismus.(Bravo!) Stacffler-Berlin begründet den Antrag Nr. 37(Neueinteilung der Reichstags- Wahlkreise nach dem letzten Volkszählungsergebnis). Daß unser Proportionalwahlrechtsantrag eine so große Stimmenzahl erlangen würde, hat wohl die Fraktion selbst nicht vermutet. Ein Antrag auf Neueintcilung der Wahlkreise aber wäre als leichter durchführbar und zweckmäßiger mit ungeheurer Mehrheit angenommen worden. Das Fehlen der Rcichstagsmitgliedcr ist auch bei uns sehr bemängelt worden- Verfolgt man den Gedanken weiter, daß viele unserer Abgeordneten außerhalb des Reichstags im Dienste der Arbeiterbewegung tätig sein müssen, dann kommen wir zu bedenklichen Schlüssen. Kommt es einmal zum Massenstreik, dann wird auch in den Parlamenten mit aller Schärfe gekämpft werden müssen, und dann kann es kommen, daß der größte Teil der Abgeordneten durch die wirtschaftlichen Kämpfe draußen fern- gehalten wird. Man muß in Zukunft dafür sorgen, daß die Reichstagsabgeordnetcn nicht außerhalb des Parlaments in den Organisationen zubiel beschäftigt sind. Ich sage nicht, daß wir die GcwerkschaftS- und Genossenschaftsangestelllen nicht mehr mit Mandaten betrauen sollen, aber es darf nicht durch Aemtcrhäufung entweder der wirtschaftliche oder der parlamentarische Kampf leiden. Auch die Bummelei in den Stadtparlamenten beweist. daß wir einzelne Personen mit zuviel Arbeit belasten. Sehen Sie sich in Zukunft bei der Kandidatenaufsiellung immer die Genossen vorsichtig darauf an, ob sie Zeit genug haben, die Aufgaben zu er- füllen, die wir ihnen anvertraut haben.(Bravo!) Ein von Schrader-Hannover befürworteter Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Es folgen persönliche Bemerkungen. Klara Zetkin: Ich habe meine wiederholt zitierten Aus- führungen gegen das Verhalten der Genossen in der Kommission nicht leichtfertig gemacht, sondern auf Grund der vorliegenden Be- richte. Waren sie unrichtig, so soll die Rcichstagsfraktion für gute Berichte sorgen, damit man nicht den Eindruck der Schwäche be- kommt, sondern einen klaren Einblick hat in die Tugenden der Parlamentarier, die nicht wie die Veilchen im Verborgenen blühen und duften sollen.(Heiterkeit und Beifall.) Adolf Hoffmann-Äerlin erklärt, durch den Schluß der Debatte nicht dazu gekoinmen zu fein, die versäumte Verhauung der Fraktion nachzuholen. Ich habe nicht gesagt, daß die durch Dämpfung gc- wählten Abgeordneten dadurch zu einer anderen Haltung bestimm! werden, sondern daß sich die Meinung breit gemacht hat, daß man eher als vor dem Abgeordnctenstreik Furcht davor haben müsse, daß die durch Dämpfung Gewählten sehr leicht dazu kommen könnten; nicht in der richtigen Weise zu stimmen. Auch in� der Berichterstattung wurde ja gesagt, daß wir bei einer Auflösung wahrscheinlich nicht in derselben Zahl wiedergekommen wären. Das bestätigt, was ich gesagt habe. Die Abstimmung über die Per- hältniswahl hätte ganz gut durch einen Antrag auf namentliche Abstimmung auf einen anderen Tag verschoben werden können. Heinrich Schulz-Berlin(Schlußwort): Die Abtrennung der Deckungsvorlagen vom Fraktionsbcricht war sehr zweckmäßig, denn sonst hätten wir wahrscheinlich eine reine Dcckungsdebattc gehabt, während wir so fördernde Kritik und Anregungen gehört haben. Hätte Genosse Heine den Lieg- nitzer Turnvercinsfall gekannt, so hätte er ihn sicher vorgebracht. Die reiche Unterstützung, die der Antrag 33 gefunden hat, wird den Eifer der Fraktion in dieser Richtung beflügeln. Vielleicht läßt sich die Sache in Form einer Resolution beim Reichsamt des Innern zur Abstimmung bringen. Der Bericht über das Petroleumgcsctz ist doch nicht dürftig, wie hier behauptet wurde. Er enthält nur nicht die Stellungnahme unserer Fraktion. weil diese erst nach der dritten Kommissionslesung festgelegt worden ist. Bemerken möchte ich zu einer an mich gelangten Anregung, daß es nicht möglich ist, daß in jeder Session jeder Abgeordnete einmal zum Wort kommt. Man darf also den Genossen, die nicht zum Reden gekommen sind, nicht vorwerfen, daß sie ihre Schuldig- keit nicht getan hätten. Unter Umständen wird der Reichstags- fraktion auch durch Schweigen genützt. Ich kann im Namen der ganzen Reichstagsfraktion sprechen, wenn ich erkläre, daß das, was H e i l m a n n gegen ihre gewissenhafte Stellung bei der Prüfung von Wahlen gesagt hat, nicht nur vollkommen überflüssig, sondern in gewissem Maße sogar schädlich gewesen ist. Es konnte nach außen der Eindruck erweckt wtrden, als ob unsere Fraktion bei der Prüfung von Partcimandaten es an der nötigen Gewissenhaftigkeit hätte fehlen lassen. Ganz besonders im Falle Haupt haben wir den Rcchtsstandpunkt gewahrt. Ungerechtigkeiten sind' aber im Falle Haupt von gegnerischer Seite begangen fiwrfjotr Mit Heilmann bcdaure ick, daß der von ihm verlangte �Luxus der Gerechtigkeit von Haupt im Falle Becker an falscher Stelle auS» geübt worden ist. Ich frage die Mitglieder der ÄeniorcnkonventS-. ob sie nicht dringend verlangt haben, daß alle Wahlprüfungen zar Entscheidung kämen. Aber die bürgerlichen Abgeordneten habewz erklärt, sie könnten sich im Hinblick auf die Militärvorlage dabei nicht aushalten. Die Frage der monarchischen Kundgebungen wird von der Fraktion bei ihrem nächsten Zusammentreten in Ruhe und Gründlichkeit erörtert werden. Wir konnten eine Reihe von Ucbel- ständen feststellen, in der Sitzung, bei der keiner von uns cnt- sprechend dem Fraktiansbesckluß anwesend war und in der dann ohne unsere Anwesenheit die Vertagung beschlossen wurde. Es könnte aber auch einmal etwas Ernsteres beschlossen werden. De Fraktion wird also ihre Auffassung in dieser Frage revidieren. Niemand verlangt, daß unsere Abgeordneten auch anwesend sein sollen, wenn ernste Partei- oder Gewerkschaftsangelegenheiten sie fernhalten oder wenn sie durch Krankheit oder durch ihren bürger- lichcn Beruf verhindert sind. Nach den Listen über die namcnt- lichen Abstimmungen aber waren unsere Genoffen fast vollzählig vertreten. Im Lande klagt man, daß die Abgeordneten sich zu wenig um ihre Kreise kümmern, und man sagt: was braucht Ihr llO alle im Reichstag zu sein? Weigert man sich, in den Wahl« kreis zu kommen, so werden einem von den Wählern Vorwürfe gemacht. Geht man aber in den Wahlkreis und versäumt dadurch eine Rcichstagsitzung, so wird einem auf dem Parteilag der Kopf gewaschen. Ilcberspannen Sic also den Bogen nicht und verlangen Sie von unseren Abgeordneten nicht, im Reichstag ununterbrochen anwesend zu sein, wie hier gefordert worden ist. Sie wissen ja nicht, was für ein Opfer es ist, wenn man von der ersten bis zur letzten Minute im Reichstag sein soll. Kennen Sie Erzbcrger, den knarrenden und rasselnden Redcnimmersatt. den Polizei- präsidalton des Grafen Westarp, die schleimigen Witze Oertels. die Ocdcreicn eines Werncr-Hcrsfeld und Mumm oder das pastoral« Pathos eines Wicmer? Würde es sich nur um die Reden von Parteigenossen handeln, dann wäre es etwas anderes. Hier auf dem Parteitag, der nur sechs Tage dauert und wo nur wohl- überlegte, glänzende Reden von Sozialdemokraten gehalten werden (Heiterkeit), sieht man auch viele, die nicht da sind. Im Reichstag nun gar sechs bis acht Monate die Reden von Bürgerlichen an- hören, das hält kein Viech aus.(Heiterkeit.) Wir müssen alles tun, um das unwürdige Diäten« gcsctz zu reformieren. Natürlich sind wir durch dieses korrnm- piercndc Gesetz in keiner Weise beeinflußt worden. Ich bestreite, daß die Taktik bei der Wehrvorlage lau und schleppend war. Die Kritiker haben ihr Urteil nicht begründet. Selbstverständlich haben wir auch die Obstruktion erwogen, und gerade hierbei war Bebels Einfluß entscheidend. Aus seiner reichen parlamcnta» rischcn Erfahrung und seiner Kenntnis der Geschäftsordnung hat er den Nachweis geführt, daß an eine O b st r u k t i o n nicht zu denken sei. Eine namentliche Abstimmung über die Kavallerie- regimenter hätte die Entscheidung nur um eine Stunde hinaus« geschoben. Lange Reden? Die Fraktion tat, was sie konnte. Noske sprach Stunden, das ist keine Kleinigkeit. Wir sollen die Zwirnsfäden der Geschäftsordnung wie l9l>3 zerreißen? Da- mals änderte eine bürgerliche Mehrheit die' Geschäftsordnung. Wa? sollen wir Illl gegen 287 machen? Berten hat den Reformeifer der Fraftion gerügt. Wir sind uns grundsätzlich über die Be- deutung des Militarismus einig. Unsere Reformanträge aber haben wir so einzurichten, als ob wir am morgigen Tage unsere Forde- rungen durchzusetzen vermögen. Eine grundsätzliche Kritik kann nur an daS Vorhandene anknüpfen und sagen, wie es besser sein soll. Heitmann hat seine Stimme gegen das Verhalten der Fraktion nach Beendigung der ersten Lesung der Wehrvorlage in der Kommission erhoben.(Lcdebour ruft: Mit Recht!) Genosse Lcdcbour gehört darin zu einer unbedeutenden Minderheit der Fraktion. Vorsicht ist der bessere Teil der Tapferkeit. Heilmann hat vorsichtig gemeint, wenn die Fraktion durch ihre Taktik den kleinen Gewinn erzielt, die Regierung zur Annahme einer Reicks- erbschafts- oder Reichsvermögenssteuer� zu veranlassen, dann mag der Erfolg der Taktik ihr Verhalten rechtfertigen. Damit hat er seine Kritik selbst desavouiert. Ueber die Taktik hat die Fraktion stundenlang sehr heiß, aber sehr sachlich diskutiert. Es handelte sich dabei nicht um die alten Richtungsstreitigkeiten, die sonst wohl eine Rolle gespielt haben. Nach Ledebour besteht das Gefühl in der Partei, daß etwas faul sei, aber auch Ledebour hat nachgewiesen, daß diese Mißstimmung nicht auf die Fraktion zurückzuführen sei, sondern daß sie eine Folge der Verkümmerung des bürgerlichen Parlamentarismus wäre. Das können wir ruhig anerkennen. Aber die Fraktion ist nicht schuld, und durch sie allein sind diese Mißslände nicht zu bessern, sondern nur durch unsere ganze Partei- tätigkcit kann das versucht werden. Die Fraktion hat für ihre zu- künftige Tätigkeit durch die Dskussion reiche Anregung erhalten und wird ihre Arbeit mit verstärktem Eifer fortsetzen. Heilmann-Chemnitz lpersönlich): Meine Worte über die Wahl- Prüfungen waren außerordentlich vorsichtig formuliert. Es ist mir nicht eingefallen, der Fraktion irgendeine Ungerechtigkeit vorzu- werfen. Ich habe als bekannt vorausgesetzt, daß die Konservativen mitten in einer Debatte beantragten, die Prüfung der Wahl Haupts auf die Tagesordnung zu setzen. Dagegen haben wir mit Recht gestimmt, weil wir den Gegnern einen solchen Gefallen nicht zu tun brauchen, und schon gar nicht mitten in einer anderen Debatte. Ich kann nicht finden, daß die Mahnung, sorgfältig auch auf die Vermeidung des Scheines einer Ungerechtigkeit zu achten, geeignet sein könnte, unsere Fraktion irgendwie zu diskreditieren. In meiner Absicht bat das jedenfalls nicht entfernt gelegen. Virkliold-Hamburg zieht den Antrag 28 zugunsten des An- trags 29 zurück. ist Punkt 3 der Tagesordnung erledigt. Auf Vorschlag des Bureaus wird daraus der Antrag 104*0 Jttt Debatte gestellt. Genossin Reitze-Vegcsack: , Die Internationale Frauenkonferenz in Kopenhagen hat den Wunsch geäußert, daß alljährlich in den Ländern, wo von einer proletarischen Frauenbewegung gesprochen werden kann, ein Frauentag abgehalten werden möge. Deutschland hat diesem Wunsch Rechnung getragen und hat durch die Erfolge seiner Frauentage vorbildlich für die anderen Länder gewirkt. Aie Frauentage haben nicht nur dort, wo sie gut vorbereitet waren, zur Gewinnung neuer Mitglieder geführt, sondern auch dazu, daß� wir die organisierten Genossen disziplinieren konnten. Diese Fort- schritte konnten nur durch die Unterstützung der Genossen erzielt werden. Wir halten an der alljährlichen Wiederholung des Frauen- tages nicht unbedingt fest, aber die 27 weiblichen Delegierten sind der Ueberzeugung, daß wir 1914 den Frauentag abhalten müssen. damit dann auf der Internationalen Konferenz in Wien eine internationale Verständigung der ivrauen erfolgen kann. Tic Frauentage brauchen nicht an einem bestimmten Tag überall statt« zufinden; vielmehr muß uns eine ganze Woche zur Auswahl zur Verfügung stehen mit Rücksicht aus die Schwierigkeiten, die die Referenten-, die Lokalfrage und fonsttge örtliche Verhältnisse bc- reiten. Ich bitte Sie, unserem Antrag zuzustimmen.(Beifall.) *) Der Parteitag beschließt für das Jahr 1914 die Abhaltung eines Frauentages. Er gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß bei gi'tcr Vorbereitung die agitatorischen und organisatorischen Er- folge die aufgewendete Mühe belohnen werden. Außerdem darf nicht das gute Beispiel vergessen werden, daß der Frauentag der deutschen Sozialdemokratie ein ermutigendes Vorbild für andere Länder ist, wo die proletarische Frauenbewegung noch der Stärkung bedarf. Johanna Reitze und Genossen. (Schluß in der 2. Beilage.) ktUtlgtft tUlCl} DCC gll liOjlgll»'»mp«.454 jp a u p i ijuinlu— D-(_ y___—-———— Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den gnseraLenteil verantw.? Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin LZ». Dr. 243. 30. Ilthrgang. 2. Kcilme in.Amiirts" Sttlin« Jloltisliliitt Donnerstag, 18. September 1913. (Parteitag der deutschen Sozialdemokratie. (Schluß aus der 1. Beilage.) Helene Brandenburg-Hainburg: Wir gehen bei unserem Antrag davon aus, daß die Jugend- Bewegung von den Frauen unterstützt werden muß, daß sie ohne unsere Unterstützung nicht die notwendigen Fortschritte machen kann. Wenn wir Deutschen auch in bczug aus den Frauentag vorangehen, so liegt dies im Interesse der gesamten Bewegung. Es ist bewiesen, daß unsere Frauentage demonstrativ gewirkt und nach- gewirkt haben. Kommen Sie uns, so wie wir es von Ihnen ge- wohnt sind, entgegen. Auer-München: Gewiß muß die Agitation unter den Frauen und den Jugend- lichcn noch bedeutend mehr gesördcrt werden, aber ich halte es sür verkehrt, wenn wir uns heute schon durch einen Beschluß aus etwas binden, was wir vielleicht auszuführen nicht in der Lage sind. Der Frauenagitation wird am besten gedient, wenn wir den Antrag IlM dem Parteiausschutz und dem Partcivorstand zur Berücksichtigung überweisen. Es könnte ja irgendeine Agitation der Partei not- wendig sein, die es uns dann unmöglich macht, uns mit dem scst- gelegten Frauentag so zu beschäftigen, wie es die Sache erfordert. Minna Rcichert-Bcrlin: Ich bitte, diesem Antrag nicht stattzugeben. Mit solchen lieber- Weisungen an den Parteiausschuß haben wir nicht allzu gute Er- fahrungen gemacht. Worin hat der Mißerfolg des Frauentages im vorigen Jahre gelegen?(Zuruf: War es denn ein Mißerfolg?) Wir Frauen sind ja auch der Meinung, daß es kein Mißerfolg war. Aber wo ein solcher zu verzeichnen war, hat es daran gelegen, daß der Frauentag zu spät bekannt wurde und die Genossinnen sich nicht genügend vorbereiten konnten. Solange die Frauen noch� unter dem Ausnahmerecht der bürgerlichen Gesellschaft leben, müß man auch besondere Rücksicht auf sie nehmen. Es ist unbedingt not- wendig, daß den Frauen immer wieder und wieder vorgehalten wird, daß sie ihr Mcnschcnrccht fordern müssen. Wir brauchen einen Tag im Jahr, um diese Forderung zu erheben. Es kommt immer mehr vor, daß die Genossen beschließen, die Genossinnen sollen nicht crtra Versammlungen haben, sondern sich air den allgemeinen Vcr- sammlungcn beteiligen. Ich bin auch im allgemeinen dafür, aber einen Tag soll man uns gönnen, wo wir unsere Forderungen er- heben können. Schon im Hinblick darauf, daß immer geklagt wird, daß die Jugendbewegung nicht genug Fortschritte macht, ist es not- wendig, die Frauen viel mehr für die Jugendbewegung zu' inter- essicren. Ohne den Frauentag hätten wir Frauen sicherlich nicht solche Fortschritte gemacht in diesem Jahre der Stagnation in den Organisationen. Ich bitte Sic also, für den Frauentag 1914 zu stimmen.(Beifall.) Ludwig-Hagen: Es wäre sehr zweckmäßig, wen« die Genossen sich ein klein wenig die Philistcrhaftigkcit der Bürgerlichen abgewöhnen und die Frauenbewegung etwas mehr beachten würden. Mancher von uns, der sich mühselig mit den Genossen abquält, weiß gar nicht, welche Hilfe er bekommen würde, wenn der Frauen- und Jugcndbctoegung mehr Aufmerksamkeit gewidmet würde. Mir erscheint der Antrag der Frauen sehr sympathisch. An den bisherigen Frauenkonfcrenzen haben nur wenige Genossen als Zuhörer teilgenommen. Dort aber hätten sie manches lernen können an der Art, wie dort die Frauen, die man scr sehr der Schtoatzhaftigkcit bezichtigt, debattieren und die Parteifragen erörtern. Das war sehr interessant zu hören. Wir müssen auch bedenken, daß dort, wo Frauen Versammlungen besuchen, wo sie schon die Scheu vor der Beteiligung am öffent- lichen Leben abgestreift haben, auch die Männer viel leichter zu organisieren sind, daß sie dort nicht so leicht davon laufen wie anderwärts, wo die Frauen immer nörgeln und Irakeelen, daß der .Kerl" in die Versammlungen läuft.(Heiterkeit.) Auch die Förde- rung der Jugendbewegung ist viel leichter, wenn dicjjraucn für uns gewonnen sind. Aus diesen Gründen bitte ich Sic, alles zu unterstützen, was darauf hinzielt, die Selbständigkeit der Frau im politischen Leben zu stärken.(Bravo!) Luise Zicb-Bcrlin: Es ist gesagt worden, an vielen Orten und von vielen Genoffen würde die Frauenbewegung nicht genügend unterstützt. Zu einem Urteil darüber ist wohl diejenige am kompetentesten, in deren Händen alle Fäden zusammenlaufen. Und da muß ich hier sagen, daß ich bei meiner Tätigkeit, wenn ich Anregungen gegeben habe, in den verschiedensten Bezirken bis heute noch nirgends auf Wider- stand gestoßen bin.(Hört! hört!) Ich muß erklären, daß überall die Genossen in der bereitwilligsten Weise den Anregungen Folge gegeben und unsere Bewegung unterstützt haben, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, unsere Beivegung; denn unsere Be- wcgung ist Ihre Bewegung.(Lebhafte Zustimmung.) Wir haben eine gemeinsame allgemeine Bewegung, wie könnte das auch anders sein unter Sozialdemokraten. Sozialdemokraten wissen, daß sie nicht nur theoretisch für die Gleichberechtigung der Frau eintreten und daß seit jeher unsere Vertreter dafür eingetreten sind, sondern sie wissen auch, daß in Zukunft womöglich noch größere Kräfte eingesetzt werden müssen. Es ist richtig, daß unsere Be- wcgung gewinnt, je mehr wir die Frauen in unsere Organisation einreihen. Wenn der Ausschuß sich gegen die Abhaltung des Frauen- tagcs sin nächsten Jahre ausgesprochen hat, so tvurdc dort folgender Grund dafür angeführt, den ich allerdings nicht für stichhaltig er- achte: Der Ausschuß befürchtet, der Frauentag könnte, wenn er alljährlich wiederholt wird, schließlich an Zugkraft und Elan ein- büßen, und das Interesse an dieser Demonstration für die Gleich- berechtigung der Frauen könnte schwinden, weil man immer dieselbe Tagesordnung auf den Frauentagen haben müßte. Dieser Grund hat obenhin betrachtet etwas für sich. Aber wir haben auf unseren Frauentagen bisher schon und werden auch weiterhin nicht nur die Forderung des Frauenwahlrechts erörtern, sondern die politische Situation berücksichtigen. Gerade an der Hand der politischen Situation haben wir gezeigt, wie wertvoll es wäre, wenn neben den Männern, die das Wahlrecht haben, die proletarischen Frauen stehen, ausgerüstet mit der Waffe des Wahlrechts, so daß sie sich an den Kämpfen des Proletariats weit wirksamer beteiligen könnten als bisher. Wenn also auch der Frauentag in der Hauptsache eine Demonstration für das Frauen Wahlrecht bleiben soll, so wird doch nicht von den Rednern das Gleiche schablonen- mäßig wiederholt werden. Der ganze Komplex der Franenfrage und die praktische Bedeutung des Frauenivahlrcchts in Verbindung mit der politischen Situation wird erörtert werden. Unsere Frauen- tage haben zweifellos außerordentlich gut agitatorisch und dcmon- strativ gewirkt.(Sehr richtig!) Demonstrativ für die Forderung des Frauenwahlrechts, agitatorisch, indem sie nicht nur aufklärend wirkten, sondern unendlich zur Aufrüttelung der Indifferenten bei- getragen haben. Wie könnte es auch anders sein, wenn an einem bestimmten Tage eine bestimmte Forderung ganz allgemein im ganzen Reiche propagiert und der Blick der Frauen, die wir ge- Winnen wollen, auf ein großes Ziel gelenkt wird. Darum bitte ich Sic, daß wir im Prinzip beschließen, daß der Frauentag im nächsten Jahre lvieder abgehalten wird, daß dem Ausschuß und Parteivorstand aber die praktische Durchführung überlassen werde, die auch prüfen müssen, ob wir den Frauentag lvieder im Frühling abhalten wollen oder zu einer anderen Zeit. Wenn wir alle mit ganzer Kraft daran arbeiten, den Frauentag noch wuchtiger und wirksamer zu gestalten, dann wird er nicht nur eine mächtige Demonstration für das Fraucn- wahlrccht und ein Bekenntnis zum Sozialismus sein, sondern auch außerordentlich werbend im Lande wirken.(Lebhafter Beifall.) Ein Antrag Auer will die Angelegenheit dem Partciausschuß überweisen. Klara Zetkin: Ich möchte der Anregung beitreten, die von der Genossin Zietz bereits ausführlich begründet worden ist, daß der Parteitag sich heute lediglich im Prinzip für die Veranstaltung eines Frauentages im Jahre 1914 ausspricht, daß er aber die Durchführung des Be- schlusscs dem Parteivorstand und dem Parteiausschutz überträgt. Wir Genossinnen in Deutschland stehen der sozialdemokratischen Partei anders gegenüber als die Genossinnen anderer Länder. Wir sind hier vollständig in den Rahmen der allgemeinen Partei ein- gegliedert, wir nehmen Teil mit unserer ganzen Kraft an den Kämpfen und Arbeiten der Sozialdemokratie.(Beifall.) Wir wissen, daß in den nächsten Monaten und Jahren wirtschaftliche und politische Situationen eintreten können, die es vielleicht unmöglich machen, jetzt schon einen bestimmten Tag festzusetzen. Deshalb wollen wir nur im Prinzip den Frauentag beschließen und die Durchführung dem Parteivorstand überlassen. Wir sind fest über- zeugt, daß eine ganze Reihe von Ereignissen und Aufgaben, die an die Sozialdemokratie herantreten können, gerade in Verbindung mit einer Demonstration und Agitation der Frau erst in weitestem Um- fange der Partei nutzbar.gewacht werden können. Das kann zum Beispiel eintreten, wenn das deutsche Proletariat im nächsten Jahre Stellung nehmen muß zu der bevorstehenden Reform des Straf- gesctzes. Uns liegt auch deshalb vicl daran. daß der Parteitag nn Prinzip den Frauentag für das nächste Jahr beschließt, weil wir 1914 vor die Internationale Sozialistische Fraucnkonferenz in Wien mit einem Erfolg in den Händen treten wollen, gerade dort, wo vielfach die politische Frauenbewegung schwächer ist als bei uns, ist das Beispiel der sozialdemokratischen Frauenbewegung in Deutschland außerordentlich und maßgebend. Wir sind aber auch der Ansicht, daß der Frauentag so ausgestaltet werden muß, daß auch die kleineren Orte erfaßt werden. Ich verweise auf die Tat- fache, daß gerade in diesem Jahre, wo vielfach über die geringe Zu- nähme der männlichen Mitgliedcrzahl geklagt wird, der Löwen- antcil des Mitgliederzuwachses auf die Frauen fällt. Ein außer- ordentlich hoher Prozentsatz der neuen weiblichen Mitglieder ist auf dem Frauentag gewonnen lvorden; er ist ein Tag der Agitation, der Organisierung, und gleichzeitig auch ein Tag der Deman- stration, der den breitesten Massen zeigt, datz in Deutschland die Sozialdemokratie die einzige große Partei ist, die sich, nicht wie die Fortschrittliche Volkspartci mit den Lippen widerwillig stammelnd, zu einem bißchen mehr Gleichberechtigung für das weibliche Geschlecht bekennt, sondern in Theorie und Praxis voll auf dem Boden der Gleichberechtigung beider Geschleckter steht. (Beifall.) Von Helene Grünbcrg-Nürnberg ist folgender Antrag ein- gegangen, der ausreichend unterstützt wird:„Unterzeichnete bcan- tragt, daß der Parteitag im Prinzip der Abhaltung des Frauen- tagcs im Jahre 1914 zustimmt, die praktische Durchführung aber dem Partcivorstand und dem Parteiausschutz überläßt." Helene Grünberg: Wenn der Partciausschuß beschlossen hat, daß ein Frauentag im kommenden Jahre nicht stattfinden soll, dann weiß ich nicht, welche Gründe ihn dazu geführt haben.(Zuruf: Das stimmt ja nicht!) Ich habe das jedenfalls hier gehört. Wir haben in Nürn- berg keine Veranlassung, mit dem Frauentag 1913 unzufrieden zu sein. Er hat bei uns zum dritten Male stattgefunden. Das erste- mal fand die Versammlung am Sonntagvormittag in einem Saale statt, der 2399 Personen faßt; der Saal war gestopft voller Frauen. Im zweiten Jahre hat der Besuch etwas nachgelassen. Im dritten Jahre hatten wir beantragt, es sollten zehn Versammlungen statt- finden, und zwar am Montag abend. Die Genossen waren zum Teil dagegen, aber alle zehn Versammlungen waren überfüllt, die Arbeiterinnen waren demonstrativ erschienen. Auch in kleinen Orten haben die Frauentage Erfolg gehabt. Darum bitte ich, da- für einzutreten, datz 1914 wieder ein Frauentag stattfindet. Genossin Arendsec-Lichtcnberg: Es ist ein verkehrter Standpunkt, wenn der Parteiausschuß den Frauentag mit der Begründung ablehnt, daß durch die wieder- holte Abhaltung seine Wirkung abgeschwächt svürde. Tic Forde- rung des Frauenwahlrechts kann durch einen solchen Frauentag wirksam vertreten werden. Rehmen Sie jede Gelegenheit wahr, die Frauenbewegung zu fördern und nehmen.Sic unseren Antrag an.(Beifall.) Rosimann-Ulm: Man soll für irgend welche Gruppen keine Extrawürste braten, am wenigstens für das weibliche Geschlecht, das ja sehr leicht ge- neigt ist, die ganze Hand zu nehmen, wenn man ihm den kleinen Finger reicht. Ich �verurteile es, wenn man. innerhalb unserer Organisation eine Sonderorganisation der Genossinnen schaffen will. Trotzdem kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Beschluß des Partciausschusscs von einer ziemlich weitgehenden Engherzigkeit Zeugnis ablegt. Die Abhaltung eines Frauentages erweckt keinerlei Befürchtungen nach der von mir erwähnten Rich- tung. Der Beschlutz, einen Frauentag abzuhalten, würde die Orga- nisation bis zu einem gewissen Grade verpflichten, der Frauen- bcwcgung unausgesetzte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Man soll auch kleineren Orten die notwendigen Referentinnen zur Verfügung stellen. Warnen möchte ich bei der Abhaltung des Frauen- tagcs vor jeder Schabionisierung. Sic wäre der Tod einer wirk- samen Aktion. Der Antrag 194 ist nicht übermäßig glücklich ge- faßt. Wenn wir prinzipiell den Frauentag beschließen wollen, so genügt dcrjnste Satz oder die Annahme des Antrages Grünberg. Stimmen Sie im übrigen der Abhaltung eines Frauentages sür 1914 zu. Adolf Hoffmann-Bcrlin: Nachdem die Genossinnen Zietz und Zetkin in begeisterten Worten für die Sache der Frauen eingetreten sind, hätte ich eigentlich nicht nötig, hier noch etwas zu sagen. Ich will nur ans einen Mißstand aufmerksam machen, der uns schwer schadet, weil er viele Frauen von uns zurückhält. Wenn der Anteil der Frauen am Wachstum der Partei den Löwenanteil bildet, so wäre dieser Löwenanteil noch bedeutender, wenn die Männer etwas mehr Rücksicht nehmen wür- den und bei den Zählabendcn und sonstigen Zusammenkünften nicht mit Rauchen die Frauen geradezu hinausräuchern würden.(Heiterkeit.) Ein großer Teil von ihnen kommt deshalb nicht in unsere Versammlungen. Wir haben es erlebt, daß in einer Städtischen Deputation, in der es uns gelungen war, Frauen hineinzubringen, aus Bosheit so stark geraucht wurde, damit die Frainm hinaus- geräuchert wurden. Wir würden viel mehr Frauen für uns ge- Winnen, wenn wir wirklich mehr Rücksicht nehmen würden.(Sehr wahr!)'., I, Damit schließt die Debatte. Der Antrag 194 wird zugunsten des Antrages 7 zurückgezogen. Der Antrag G r chn b e r g�. der Parteitag möge im Prinzip der Abhaltung eines Frauentages im Jahre 1914 zustimmen und die praktische Durchführung dem Vorstand und Ausschuß überlassen, wird angenommen. Dadurch ist der Antrag Auer erledigt. ' Vorsitzender Bock verliest dann folgende Erklärung des Genossen Bauer: Den in einem Telegramm aus Hamburg gegen mich erhobenen Vorwurf, daß ich über die Vorgänge auf der letzten außerordentlichen Generalversammlung der Metallarbeiter„wissent- lich unwahre Ausführungen" gemacht habe, muß ich c n t s ch i c- dcnzurückwcisen. Ich habe erklärt, daß die Gencralversamm- lung des Meiallarbcitcrvcrbandcs nahezu einstimmig die Maß- nahmen des Vorstaridcs gutgeheißen hat. Dabei kommt nicht in Frage die Abstimmung darüber, ob der Streik an sich genehmigt werden soll, sondern die Resolution D u h s c, die ausdrücklich die Maßnahmen des Vcrbartdsvorstandcs billigt und die Streikenden auffordert, zur Arbeit zurückzukehren. Diese Resolution ist gegen etwa ein Dutzend Stimmen angenommen worden. Darauf vertagt der Parteitag die Verhandlungen auf Donnerstag. Schluß 6 Uhr. Richtigstellung. In dem Bericht über die Sitzung des Partei« tags vom Montag heißt es in meiner Rede:„Aber im Pressebureau sitzen nur drei Redakteure, deren Arbeitszeit 13 Stunden beträgt und die im Sommer nur alle fünf Tage einen freien Tag haben." Das habe ich nicht gesagt, ich wollte nur zum Ausdruck bringen: „Die Arbeitszeit im Pressebureau beträgt 13 Stunden, in die sich die drei politischen Redakteure in der Weise teilen, daß zwei den Vormittags- und einer den Nachmittags- resp. Abenddienst macht. Im Sommer während der Ferienzeit haben die politischen Redakteure des PressebureauS infolge der schwachen Besetzung der Redaktion und wegen der Sonntagsarbeit nur alle 14 Tage einmal einen freien Tag." Daniel Stücklen. Soziales* Wie man ine Arbeitslosigkeit aus der Welt schafft, dafür hat die Polizei in Schweinfurt ein verblüffend einfaches Mittel cnt- deckt. Mitte Juli beabsichtigte ein 29jährigcr Arbeiter, sich auf die Wanderschaft zu begeben, er kam aber von diesem Vorsatz wieder ab und erhielt 11 Tage später von der Polizei den Auftrag, sich um Arbeit zu bemühen. Er tat dies auch und hatte es schon vorher getan, konnte jedoch eine ständige Arbeitsstelle nicht erhalten und wurde wieder arbeitslos. Und nun nahm sich das städtische Polizeidezcrnat seiner an, die Folge war ein Strafbesehl, der als herrliches Kulturdokument hier folgen soll: „Sch. W.� Arbeiter, wohnhaft in Schwainfurt, ist nach einer Anzeige des stadtmagistrats hier vom 18. August beschuldigt, bis zum 2. August 1913»ach Verlust seines bisherigen Unterkommens innerhalb der ihm vom Stadtmagistrat Schweinfurt unterm 28. Juli gesteckten Frist sich cin anderweitiges Unterkommen nicht verschafft und sich dadurch gegen die Vorschriften des§ 361 Z. s Strafgesetzbuch verfehlt zu haben. Betveismittel: Anzeiger." Auf Grund dieser Anzeige setzte der Amtsrichter eine Haft- strafe von einer Woche fest! Der junge Mann ist bisher fast un- unterbrochen in Arbeit gestanden, auch nicht ohne Existenzmittel, denn er wohnt bei seinen Eltern und bezieht von seinem Verband 8 M. Arbeitslosennntcrstützung pro Woche. Da sinnen Sozial- Politiker und andere einfältige Leute jahraus, jahrein über das Problem der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nach, das hier ein geniales Polizeigehirn spielend löst: man gibt den Arbeitslosen den Auftrag, sich binnen einer bestimmten Frist ein„anderweitiges Unterkommen zu verschaffen", und wenn sie das nicht fertigbringen, sperrt man sie ein. Wirklich höchst einfach! Em Indurtne und Rande!. Der Arbeitsmarkt im August. Nach vorläufiger Mitteilung des kaiserlichen Statistischen Amtes auf Grund der Berichte für das„ReichSarbeitsblatt" war der Be- schäftigungSgrad im allgemeinen ausreichend. Die Lage des gewerb- lichcn Arbeilsmarktes im August zeigte sich gegenüber dem Vormonat nicht in einheitlichem Sinne verändert. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ist sie aber fast überall schlechter. Die an das„Reichsarbeitsblatt" berichtenden Krankenkassen hatten am 1. September 1913 5 296 643 beschäftigte Mitglieder oder 19 193 mehr als am 1. August 1913, und zwar hat die Zahl der männlichen Mitglieder uni 9,23 Proz., die der weiblichen unr 9,67 Proz. zugenommen.� In der Regel tritt im Laufe des August für beide Geschlechter eine Belebung des Beschäftigungsgrades ein. Sie war im vorigen Jahre bei den männlichen und bei den weib- lichen Personen etwas stärker._ Nach den Berichten von 13 größeren Arbeiterfachverbänden mit zusammen 1,7 Million Mitgliedern waren Ende August 1913 14 984 oder 2,6 Proz. der Mitglieder arbeitslos gegenüber 2,6 Proz. Ende Juli 1913 und 1.69 Proz. Ende August 1912. Von Ende Juli auf Ende August pflegt die Arbeitslosigkeit zu sinken. Wenn das in diesem Jahre im Gegensatz auch zum Jahre 1912 nicht ge- schehen ist, so ist die» um so mehr als eine ungünstige Erscheinung anzusehen, als der Stand der Arbeitslosigkeit zu Ende Juli des Vor- jahres schon an sich erheblich niedriger war. Bei 399 öffentlichen Arbeitsnachweisen mit 141 939 Vermittelungcn kommen im August auf 190 offene Stellen bei den männlichen Personen 167, bei den weiblichen 98 Arbeitsgesuche. Die entsprechenden Ziffern des Vormonats waren 174 und 193. Hiernach hätte der Andrang männlicher wie weiblicher Arbeitsuchender nach- gelassen. Ein solches Nachlassen pflegt alljährlich vom Juli zum August einzutreten. Es scheint aber, im Zusammenhang mit den Ziffern des Beschäftigungsgrades und der Arbeitslosigkeit für Ende August betrachtet, eine Besserung der Lage des Arbeitsmarktes nicht zur Folge gehabt zu haben. Die Berichte von industriellen Firmen und Verbänden über die Lage des Arbeitsmarkts im August lauten verschieden, lleberwiegend günstig sind die Berichte aus dem Kohlen- und dem Eisenbergbau, aus der Automobil- und der elektrischen Industrie. Mäßig und nur ausreichend waren Roheisenerzeugung, Kaliindustrie, Eisengießereien und Stahlwerke, endlich die Leinenindustrie beschäftigt. Verschlechte- rung gegen das Vorjahr zeigen sehr viele Industriezweige, besonders Maschinenindustrie, Holzindustrie, Baumwollspinnereien und-Webereien und Bangetverbe. Bon 233 Firmen ist die Arbeiterzahl angegeben. Es ist also eine Vermehrung gegen den August 1912 um 6,47 Proz. eingetreten, während für den Juli eine Zunahme gegenüber dem Vorjahre um 5,29 Proz. und für den Juni eine solche von 6,32 Proz. zu der- zeichnen war. Der Umfang der Zunahme ist also gegenüber dem Vor- nionat gewachsen, wenn er auch hinter der des Juni etwas zurückbleibt. Die Zunahme, die im wesentlichen als eine solche in der Großindustrie anzusprechen ist, ist in der Hauptsache auf einige Gewerbegruppen be- schränkt, auf die„sonstigen Gewerbe" mit 22,22 Proz., die Maschinen- industrie mit 19,94 Proz., die chemische Industrie mit 11,49 Proz., Bergbau und Hüttenwesen mit 4,76 Proz., endlich die Textilindustrie mit 3,37 Proz. Diesen Zunahmen steht eine erhebliche Abnahme beim Bekleidungsgewerbe(—3,96 Proz.) und bei der Holzindustrie(—6,96 Proz.) und eine weniger erhebliche bei der elektrischen Industrie (— 3,14 Proz.) gegenüber. & An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. 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Bewerbungen werden sofort unter Eiii. sendung deS LebcnZlauscs und Zeugnisse an de» untei zeichneten Vorstand erbeten. Breslau, den 13. September 1913. Der Vorstand � der Orts-Krankeukassc für den Gewerbebeweb der Kaufleute, Handelsleute und Llporfterer. II. SMiumcr, Vorsitzender. 230/4* Dr>BS§mm@l Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ä'ä 10— 2. 5—7. Sonntags 10— 12. Spezialarzt für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata. Blutuntersuchung.* Schnelle, sich. Heilung. Mäßige Preise. Dr. med. Wockentoß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor) Sprechst. 8— 8, Sonntags 9— 10. Potsdamer Str. 4(Potsdamer Platz) Sprechst. 10—1, 4— 8, Sonnt. 9— 11. Verschiedenes. Elsholz, straße 6. Komiker, Gropius- 2194b* Parenrauwalr Müller, Gttllhiner- stroße 81.__ 2439K* Parcuraiinialt Seijet, Gitschincr. straße 94a. Großes Vereinszimmer mit Piano zu vergeben. Ewelcit, Haupt- straße 85._"+97* Jede Uhr zu reparieren lA (außer Bruch), kleinere Rcvaraturen billiger. 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K Xa�annsgsn» izuschncider, besähigt Werk- meisierposteu», Pap'-rauSstattungS. sabrik auszufüllen, sucht sosort jur dauernde Stellung Das« � asservcsel, 23006 Ritterstt. 90. Achtung! Holzarbeiter. Wegcu Streik oder Lohn- differeiize» sind gesperrt: Klaviaturfabrit IVci-acckc, Neuköllu, Hobrechtstr. tili. Ptanofortefavrik danchinnkzr, Bouchbstr. 37. Für die Hol»leiftc»-.-Branche der Betrieb von Ans- KOnig, Teltower Str. 48/-19. Für Tischler: Werdan i. T. DaS Berliner Arbeitswilligen. verinittelungsbureau d. gelben .Haiidu'crkerschuiiverbaiidcs«. Arbeitsnachweis d. Stellmacher- inunug und der Wageufabri- kanten, Kaiser-Franz-Grenadier- Platz. Zuzug ist streng jernzuhalten. vie OrisvenraltUBg Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes enrcicroeiucg. am— XUO. HB—— 1—"■'-■——- p- 7� ,■ eil* Kerantwsrtlicher Redakteur: Alfreh Wielepp, Neukölln, Zur den Jnjeratenteil verantw.i Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwart» lvuchdruckerei». Verlagsanstalt Paulssmger u.Co., eru»»» 9,. 243 30.1.1,«,.., 3. Dtilllge des Jormörte"§n\m iolteMdlt..8. Gcwerkfcbaftlicbca. Husländifd�c Hrbcitcr als Lohndrücker. In einem Beleidigungsprozetz, den die �alzziegelfabrik Ludowici in Fockgrim(Pfalz) gegen den Genossen Stessen als Verantwortlichen unseres Pfälzischen Parteiorgans ange- strengt hatte, wurde die traurige Lage ausländischer Arbeiter, die zum Zwecke der Lohndrückerei nach Deutschland importiert tverden, in krasser Weise beleuchtet. Die genannte Firma ist eine� entschiedene Feindin jeglicher Arbeiterorganisationen; selbst von den christlichen Organisationen will sie nichts wissen. Als mit der christlichen Organisation Differenzen ausbrachen, die wohl auf keinen Fall zu einem Streik geführt hätten, be- nuhte die Firma diese als Vorwand, um Arbeiter aus Galizien nach der Pfalz zu importieren. In einer Polemik mit der schwarzen Presse wurden nun die Arbeitsverhältnisse bei der Firma von der„Pfälzischen Post" einer scharfen Kritik unterzogen. Die Folge war die eingangs erwähnte Klage bei dem Amtsgericht Kandel. In der Verhandlung wurde u. a. auch ein Werkführer des Betriebes zeugeneidlich vernommen. Dieser sagte aus, daß die galizischen Arbeiter nur eingestellt worden seien, weil die Firma einen Streik befürchtete. Weiter bekundete der .Zeuge, daß sich die Firma um die Entlohnung dieser galizi- schen Lohnndrücker überhaupt nicht kümmere. An die„Akkor- danten" Strobalsky und St u r m werden pro Mann und Stunde 27� Pf. bezahlt. Durch Lohntüten konnte nach- gewiesen werden, daß die Galizier tatsächlich pro Tag nur 1,3 3 M. erhalten, während die beiden„Zwischenmeister" für ihre„Mühe" und für eine Kost, über die sich selbst die so ge- nügsamen Galizier beklagten, 1,10 M. pro Mann und Tag in die Tasche stecken. Die Firma umgebt mit diesem Vertrag, den sie mit den beiden Arbeitervermittlern abschloß, unzweifelhaft das gesetz- lichc Verbot des Trucksystems. Im übrigen ist hier wieder eine treffliche Illustration dazu gegeben, wie es bei unseren bis auf die Knochen patriotischen Unternehmern mit dem von ihnen immer so sehr betonten Schutze der nationalen Arbeit in Wirklichkeit aussieht. Nur um den einheimischen, und in diesem Falle sogar gut christlich gesinnten Arbeitern nicht ein paar Pfennige mehr Lohn bezahlen zu müssen, werden aus- ländische Arbeiter herbeigeholt, die dann den Lohndrücker spielen müssen und der Gnade moderner Sklavenhalter über- liefert sind. Das Urteil lautete wegen formaler Beleidigung auf 30 M. Geldstrafe oder zehn Tage Haft und Veröffentlichung des Urteils in der„Pfälzischen Post". Berlin und Umgegend. Tarifbewegung der Autogenschweißer. Die im Deutschen Metallarbeitervecbande organisierten Autogen» schweitzer sind in eine Tarifbewegung eingetreten. Bisher bestand für sie noch kein Tarif, da das Verfahren des Autogenschweißens erst seit einigen Jahren in Anwendung kommt und die Branche der Autogenschweitzer darum noch jung ist. Es gibt jetzt Löhne von bS— 85 Pf. die Stunde. Um diesem Zustande ein Ende zu machen und einheitliche Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu schaffen, ist die Bewegung eingeleitet. Den Bericht über die Verhandlungen mit den Unternehmern erstattete die Kommission in einer am Dienstag abgehaltenen Versammlung. Von 17 eingeladenen Firmen haben vier abgeschrieben und sich an den Verhandlungen nicht beteiligt. Wie sie schrieben, gehörten sie dem Schntzverband für Schlossereien an, für die ein Tarif bereits bestehe. In einigen Betrieben ist Aus- ficht vorhanden, datz der Tarif vielleicht noch unterzeichnet wird, während bei den übrigen wegen der Forderungen nochmals ver- handelt werden soll. Für die Betriebe, die dem Schlossertarif unter- stehen, soll gewartet werden bis zum Ablauf dieses Tarifs, dann soll für die Autogenschweißer ei» besonderer Tarif in Geltung treten. Schmerzen der Gastwirte. In der Nr. 431 der„Berliner Volks-Zeitung" vom 14. Sep- tember d. I. ist in einem Versammlungsbericht des Vereins der Saalbesitzer von Berlin und Umgegend die Mitteilung enthalten, datz die Kellnerstreiks der letzten Zeit das Polizeipräsidium vcran- laßt hätten, gegen den sogenannten„Roten Kellnerverband" vorzu» gehen. Es sollen schon wegen begangener Gewalttätig- leiten(!) Vernehmungen stattgefunden haben, außerdem soll dem Verband die Konzession für den Arbeitsnachweis entzogen werden. Wir begreifen den Schmerz des Herrn Wolter, der als Vor- fitzender obigen Vereins seinen Mitgliedern diese Mitteilung machte. Jenen Herren ist es unverständlich, datz die Gastwirtsgehilfen zur Selbsthilfe griffen, als die Unternehmer freiwillig zur Verbesserung der miserablen Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht das geringste tun wollten. Und weil nun die Gastwirtsgehilfen nicht mehr nach der Pfeife der Arbeitgeber tanzen wollen, deshalb das Bestreben, der Bewegung der Gastwirtsgehilfen mit allen scharfmacherischen Mitteln Einhalt zu gebieten. Eines dieser Mittel wird wohl auch das Antichambrieren beim Polizeipräsidium sein, waS ja mit Deutlichkeit aus dem omi- nösen Versammlungsbericht hervorgeht. Wir wollen das hiermit nur niedriger hängen. Im übrigen sind wir an Erlasse und Verbote vom Polizei- Präsidium her hinreichend gewöhnt, so datz auch eine etwaige der- artige Musterleistung gegen unseren Arbeitsnachweis uns in unserem Fortschritt nicht aufhalten kann. Im Gegenteil, sie würde uns das beste Agitationsmaterial bieten. Interessant ist diese Scharfmacherei um so mehr, als die Mit- glieder des Saalbesitzervereins mitsamt Herrn Wolter vorwiegend auf die Kundschaft der Arbeiter angewiesen sind. Zur Be- ruhigung wollen wir Herrn Wolter und seinem Anhang aber noch muteilen, datz der Arbeitsnachweis nicht das Objekt ist, an dem der Verband zu Grunde gehen würde. Im Gegenteil, wir sind immer bereit, die Verbandsarbcitsnachweise zu gunsten gemein- nütziger paritätischer Nachweise aufzugeben. Dieser einer unserer Programmpunkte wird ja auch in Berlin bald erfüllt sein, allerdings nicht durch den Willen des Polizeipräsidiums, idern weil dies den Interessen der gastwirtschaftlichen AngesN i entspricht, deren Vertretung unsere Aufgabe ist. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin. veutfebes Reich. Die Stettiner Hafenarbeiter sind gestern in den Ausstand ge- treten, da die städtischen Körperschaften nicht alle von ihnen gestellten Forderungen bewilligt haben. Im Freibezirk sind von 9 Arbeitern etwa 609 ausständig. Die Verwaltung kann augenblicklich nur die dringendsten Schiffsabfersigungen vornehmen, hofft aber, in etwa zwei Tagen den gesamten Bedarf an Arbeitskräften gedeckt zu haben- Die Bauarbeiter in Hadmersleben(Regierungsbezirk Magdeburg) streiken schon seit drei Wochen die Bauarbeiter wegen Nichtbezahlung der tariflich festgelegten Löhne. Viele der Streikenden arbeiten alljährlich zur Zeit der Zuckerkampagne in den Zucker- fabriken des Ortes und der llmgegend. In diesem Jahre— die Kampagne hat vor wenigen Tagen begonnen— werden die Arbeiter meistens von den Zuckerfabriken zurückgewiesen. Indessen ist an- zunehmen, datz sich die Zuckerfabriken nickt aus purer Liebe zu einem tarifbrüchigen Bauunternehmertum der Gefahr aussetzen werden, die Kampagne nicht durchführen zu können. Ein Nachspiel zum Oberlausitzer Braunkohlen- arbeiter-Itreik bildete ein Schadenersatzprozetz, der sich bis jetzt vor dem Land- gericht Bautzen hingezogen hat. Im Sommer 1911 streikten mit den übrigen Bergarbeitern des Reviers auch die des Braunkohlen- und Brikettwerks Herkules in Hirschfelde. Hier wurde der Kampf besonders scharf geführt, da der bekannte Direktor Faber alles daran setzte, damit die Bergarbeiter im Kampf unterliegen sollten. Eine Anzahl polnischer Streikbrecher hatte F a b e r sich schon zu verschaffen gewußt, als er am 24. Juli 1911 abends gegen 11 Uhr einen neuen Trupp erwartete und mit dem bisherigen am Bahnhof erschien. Auf dem Nachhausewege kam es dann zu einer Schlägerei. Aus den Reihen der Streikenden und der Einwohner, bei denen sich über kleines Feuilleton Der Kontrollierte. Da ist die Berliner Straßenbahn... Aber es wird ja aus den anderen Bahnen nicht viel anders sein... Also da sitzen nun die Leute da und träumen und glotzen und unterhalten sich und manche lesen--. Auf einmal betritt ein uniformierter Mann den Wagen und sagt:„Die Fahrscheine bitte I"— Das ist ein Beamter, der hauptsächlich zur Kontrolle der Schaffner an- gestellt ist. Pflichtschuldig wühlt alles in den Taschen. Alle reichen das Stückchen Papier dem Beamten hin. Nur einer hat seinen Fahrschein verloren. Es ist doch ein Bedientenvolk, das deutsche. Denn nun sehen alle den Mann an, als ob er ein Verbrechen begangen habe. Denn sie bilden sich ein, der Beamte kontrolliere s i e. Dabei ist der Beamte höflich und tut eigentlich nichts, was diesen Aberglauben bestärken könnte. Aber sie denken sich das so und sind voller Ehr- furcht und verabscheuen alle den Mann, der seinen Fahrschein verloren hat. Einen Augenblick hat er den ganzen Wagen gegen sich. Manche mögen ja ein bißchen teilnahmsvoll zusehen, wie er sich abmüht, und sie denken sich schaudernd in seine entsetzliche Lage... Sie ducken sich. Sie bekommen einen roten Kopf. Der Ver- liercr einen dunkelroten. Er entschuldigt sich. Er sagt nicht:„Ich Hab ihn verlegt, ich werde meinethalben nachbezahlen..' Er fühlt sich ertappt. Man sollte nickt denken, einen Erwachsenen vor sich zu haben, der vielleicht eine Frau hat. Kinder, die er erziehen soll, An- gestellte, die er anschnauzt.... Hier ist er ganz klein. Denn hier ist das Heiligste an einen Deutschen herangetreten: die Uniform. Und da hört der Spatz auf. Eine Kleinigkeit, eine Belanglosigkeit, gewiß. Aber doch wieder eine einfache Beobachtung des taglichen' Lebens, die zeigt, wie hier der Einzelne gar nicht erst wagt, zu sagen;„Halloh! Hier bin ich!"— Sondern er bekommt einen roten Kopf, duckt sich und sucht den Fahrschein. Und das ist eine Misere des deutschen Lebens. Tkienter. Deutsches Künstler-Theater Sozietät:„Wilhelm T e ll" von Schiller, inszeniert von Gerhart Hauptmann. Die alte Garde Brahms, Hauptmanns, des Naturalismus, ficht aus neuem Grund um neue Lorbeeren. Der Kranz, den sie sich im ersten .Vorrücken geholt hat, ist �nichr in allen Blättern grün, aber ein Siegeskranz ist es. Das sozierät-Theatcr hat mit der Eröfsnungs- Vorstellung die Versicherung gegeben, datz man seinem künstlerischen Wollen vertrauen darf. Diese Tell- Aufführung war neuer Guß. und daS erste Massendrama der deutschen Dichtung brauchte den Neugutz längst. Es brauchte die Befreiung von allerlei schlechwm Metall, das ihm eine jahrhundertlange Bühnenlaufbahn eingeschmolzen hat: eine Befreiung von klangschädigcnden Unarten der Darstellung, die als Tradition vergangener Bühnenarbeit weiter- geschleppt wurden, und eine Neugeburt aus unserem Lebensempfinden heraus. Wir wollen den Tell ohne Theaterheldentum und ohne Alpenschwelgerei, wir wollen den Freiheitsschrei der Vergewaltigten ohne Phrasengetön, wir wollen ihn als naturnotwendig und nalür- lich ausbrechende Inbrunst der Volksseele, die wie zyklopisches Ge- stein ist, das unter gewaltigem Druck zu knirschen, zu glühen, zu reden, zu handeln beginnt. Kein edles Bühnenwerl ist in den Volksmassen so lebendig wie Schiller? „Tell"; um so mehr also drängt die Forderung, dem Werke vollendeten Bühnenausdruck zu geben, sich dem Theater als echte Gegenwartsaufgabe auf. Nun gab das Sozität-Theater eine Lösung in der Form, wie Gerhart Hauptmann das Werk ansieht und emp- findet, Gcrhart Hauptmann, der in den„Webern" und im„Florian Geyer" bedeutend fortsetzte, was Schiller im„Tell" groß begann. Den Kern der Rcgiearbeit, die Hauptmann leistete, verrät die Art, wie die Hauptgestalten der schweizerischen Volksbewegung angepackt sind. Das Ganze Jollte ein Ausdruck urtümlicher Wucht worden, die schwer und allmählich in Bewegung gerät und dann mit entschlossenem Ungestüm losrast. Nicht im pathetischen Ausdruck, der, rhythmisch auf eine Einheit gebracht, überall aus der Masse auf- lodert, soll diese Leidenschaft versinnlicht werden. Nicht so, wie eine idealistisch gerichtete Zeit ihr Freiheitsgefühl ausbrauste. Sondern erdwiichsig-realistisch. Also mit naturalistischen Mitteln individuali- stert aus den Einzelnen der Masse herausgearbeitet. Ohne Zweifel: diesem Ziel legten sich nicht geringe Schwierigkeiten in den Weg. Widersprach der Absicht nicht die rhythmische Form der Dichtung? Die Bauern Schillers sprechen einmal nicht bäurisch, aber die Regie ging darauf aus, auch in der Sprechweise ihre bäurische Art hervorzukehren. Das forderte die Ueberwindung des jambischen Flusses der Verse und zwang zur Herausnahme von Zeilen, die der naturalistischen Art unüberwindlich widerstrebten. Hier zeigte sich bedeutende künstlerische Arbeit. Man spürte die Art Hauptmanns, wenn sie sich dramatisch in jambischen Versen gibt. Die hinfließenden Sätze Schillers wurden sinngemäß in Teile zerlegt gesprochen, und nicht zum Schaden des Dichters: soweit die Arbeit gesingen konnte, wurde der Dichter reicher lebendig, als ihn die frühere Art, seine Verse zu sprechen, ausschöpfen konnte. In knorrigem Wuchs erstand so der Stauffacher Otto Werthers, dieser Bauernkolotz. dem sich die Zunge nur schwer, aus stotterndem Suchen zum Worte löst, dann der Tell Heinrich M a rrs, diese berg- mächtige, im ersten Auftreten fast rübezahlhaft wirkende Gestalt, in der Versonnenheit und innere Sicherheil sich paaren, beide die eigeitl- lich tragenden Quadern der Inszenierung, beide herausgearbeitetes Individuum und zugleich Massenelemenl in vollendet verkörperter Erschlossenbeit, beide neue Gebilde auf altem Grunde. In neu- wachsener Frische stand neben ihnen der MelchtHal Hans Zeile» G ö t t s, auch er mit überraschender Wirkung gewonnen auf dem von der Regie gewollten Wege. Die Grundstimmung, � die das Werk durch die Aufführung empfangen sollte, wurde schnell durch die ersten Szenen fcstgelegr. Der Aufbau ging auf gigantische Formen aus. Die Bergmassen, Mattenflächen, Felsstücke. Bäume, Häuser, alles suchte die massige Wucht. Im Malerischen war in einzelnem Wichtiges störend miß- lungen. Einiges— die Bäume der Apfelschutzszcne � wirkte unfertig und konnte nur der Absicht nach, die nichts als das Wesent- liche geben wollte, gelten. Höchstes erreichte die Darstellung in der ersten Stauffacherszene und dann bis zur Rütliszene hin. Die Massen- szene des Zwinguribaus war überwältigend entwickelt, und dies Urteil F a b e r s Verhalten große Erbitterung geltend gemacht hatte erjcholl, nachdem F a b e r mit seinen Streikbrechern schon zirka 60 Schritte weit entfernt war, ein Zuruf. Das gab Ver- anlassung zu dem Kommando:„Alle Mann zurück, haut ein!" Die Polen, die mit Knütteln, Drahtseilenden und Schlagringen ausgerüstet waren, stürzten zurück und hieben auf alles ein, waS sich ihnen in den Weg stellte. Eine ganze Anzahl Personen wurde schwer verletzt. Unter anderen erhielt ein Arbeiter eine acht Zentimeter lange Schlagwunde am Kopf, ein zweiter hatte Stichwunden im Arm und in der Brust, und dem Bergarbeiter H o f f m a n n aus Seitendorf wurde das rechte Auge ausgeschlagen. Das alles geschah in wenigen Minuten. Als F a b e r dann bei seiner Kolonne wieder angelangt war und mit den Worten:„Aufhören, gut nun!" die Ruhe wieder herstellte, da hatte ein unbeteiligter Bildhauer die Gewißheit erlangt, datz F a b e r das erst erwähnte Kommando gegeben hatte, wenn er ihn auch schon vorher an der Stimme erkannt hatte. Hoff mann, dem der Bergarbeiterverband Rechtsschutz ge- währte, klagte nun gegen Faber auf Zahlung von 1500 M. Schmerzensgeld und 800 M. jährliche Rente, weil er dauernd zum Krüppel ge- worden war und als Bergarbeiter gar keine und sonstwie nur schwer Arbeit finden würde. F a b e r wurde der Anstiftung zur Körper- Verletzung beschuldigt. Der Verletzte hatte zwei Zeugen zur Seite, die bestimmt aussagten, das Kommando habe F a b e r gegeben. Auch Hoffmann war bereit, zu beschwören, datz er F a b e r an der Stimme bestimmt erkannt habe, er kam aber nicht zum Schwur. Der Beklagte brachte ebenfalls eine Anzahl Zeugen, teils polnische Arbeiter, teils Angestellte des Herkuleswerkes. Ihre Aussagen standen im Gegensatz zu den Aussagen des Zeugen Hoffmann. Hiernach sah das Gericht die Sachlage nicht für geklärt an und schob F a b e r den Eid darüber zu, daß er das Kommando nicht gegeben habe. Faber leistete trotz der bestimmten Aussagen der Hoffmannschen Zeugen den Eid und nun stellte sich das Gericht auf den Standpunkt, datz F a b e r die Aeutzerung nicht getan habe. Was den Unbeteiligten merkwürdig berühren dürste, ist die Tat- fache, datz man H o f f m a n n nicht schwören ließ, ja ihn nicht einmal zur Gerichtsverhandlung zuließ, während F a b e r, der doch ein großes Interesse an dem Ausgang des Streites hatte, zum Schwur zugelassen wurde. Das Gericht unter- nahm in der Begründung für die Abweisung der Klage sogar noch einen besonderen Rechtfertigungsversuch für F a b e r. Der Metallarbciterstreik in Aschersleben. Der vor einigen Wochen in der Maschinenbauanstalt A.-G. zu Aschersleben ausgekrochene Streik der Former wächst sich anscheinend zu einem härtnäckigen Ärbeitskampfe aus. Die Ursache des Streiks lag darin, datz die Betriebsleitung wegen der Einführung von Preß- luststampfern die Akkordlöhne um 10 Proz. herabsetzen wollte, welchen Prozentsatz die Arbeiter für zu hoch hielten. Verhandlungen mit der Direktion sind bisher ergebnislos gewesen, vielmehr hat der Streik dadurch eine Ausdehnung erfahren, datz� sich die im mecha- nischcn Betriebe beschäftigten Arbeiter mit den Streikenden solidarisch erklärten. Dreher, Schlosser, Putzer haben infolgedessen ebenfalls die Arbeit niedergelegt und die im Betriebe beschäftigten Holz- arbeiter haben sich gleichfalls schon mit der Frage beschäftigt, ob sie einen Solidaritätsstreik führen sollen. Die Zahl der Streikenden beträgt gegenwärtig rund 600. Die Firma bemüht sich, die Streikenden durch Arbeitswillige zu ersetzen. Sie hat auch schon einige arbeitswillige Elemente gefunden, mit denen sie bisher aber eigentlich nur— Betriebsstörungen erzielt hat. Die Streikbrecher fühlen sich natürlich, wie überall, so auch hier, als Herren der Situation, sodatz es bereits zu provokatorischen Revolverschietzereien gekommen ist. Einer dieser Burschen begleitete seine auf offener Straße verübten Heldentaten mit dem Ausrufe:„Wir Streikbrecher werden euch schon noch blaue Bohnen zu kosten geben!" Der Betriebs- leitung ist, wie sie bereits öffentlich bekundete, viel daran gelegen, unorganisierte Arbeiter zu bekommen, die sich dann zu einem gelben Wcrkverein zusammenschließen könnten. An der Solidarität und der Ruhe der Streikenden werden die Pläne der Unternehmer sowohl wie die Provokationen der Arbeitswilligen zuschanden werden. gilt fast ebenso sehr auch für die Rütli- und Apfelschutzszene. An der Art ivie in der Apfelschutzszene und später in der hohlen Gasse mit kräftiger Betonung das komische Element vor und neben erschütternde Tragik gesetzt war, spürte man, datz Künstlerkraft am Werke war. In der hohlen Gasse freilich versagte ihre Sicherhtit. Hier war das nicht überwunden, was Eugen Kilian gerade in bezug auf diese Szene Regie für kleine Kinder genannt hat. Für den Schlutzakt wurde keine Lösung gefunden, die befriedigen konnte. Auf die Parricida- szene mochte die Regie nicht verzichten und das apotheotische Schlutzbild wirkte verfehlt: man fand sich im Aufbau nicht zurecht. Den Getzler gab, in dürerische Farben gehüllt, Emanuel Reicher. Er zeichnete ein Bild kalter Ruhe. Aber nur in einigen Augenblicken zog er mit, am stärksten während der Frage nach Tells zweitem Pfeil. Zum Bedeutenden der Aufführung gehörte Oskar S a u e r s Attinghausen. Unzulänglich war Annie Ernsts Armgart; ihr fehlt die Leidenschaft, die die Armgart-Worte zum Notschrei eines ganzen Volkes macht. Die Gattin Tells in der Darstellung von Irma Strunz war eine Lösung, die zugleich eine Erlösung ist von der Erinnerung an den Mißwuchs, den die Bühnen früher dieser Gestalt aufzwangen. Die Aufführung wurde mit stürmischem Beifall bedacht. Hauptmann wies die Beifallspender, die sich an ihn wenden wollten, mit energischer Handbewegung nach der Bühne. Und das war gut so. frd. Notizen. Theaterchronik. Das Theater des Westens will dem Billettzwischenhandel und dem sogenannten Vereinsbillett- wesen entgegentreten. Die Eintrittspreise sollen bedeutend herab- gesetzt werden.— Im Neuen Volkstheater geht am Sonn- abend„Der ledige Hof" von Ludwig Anzengruber zum erstenmal in Szene. — K u n st ch r o n i k. Auf dem Erste» Deutschen Herb st- s a I o n. veranstaltet von der Zeitschrift„Der Sturm", Pots- damer Straße 75, wird zum Gedächtnis von Henri Rousseau „le Douanicr" eine Kollektion seiner Werke ausgestellt. Diese Bilder sind sämtlich im Privatbesitz und bisher in Deutschland noch nicht gezeigt. Die Eröffnung des Herbstsalons findet am 20. September, 10 Uhr morgens statt. — Drucksachen-AuS st ellung. Im Berliner Buch- gewerbefaal, Dcffauer Straße 2, ist zurzeit eine größere Anzahl ge- schmackvoll ausgestalteter moderner Drucksachen für den Geschäfts- verkehr ausgestellt. Der Buchgcwcrbesaal ist täglich von 11—2 Uhr mittags geöffnet; den Besuchern stehen die Bibliothek und die Sammlungen der Berliner Typographischen Gesellschaft während dieser Zeit bei freiem Eintritt zur Verfügung. — Felix Holländer, der vor einigen Monaten von Rein« Hardt schied, um die Leitung des Frankfurter Schauspielhauses zu übernehmen, hat seinen Posten plötzlich verlassen. Ein ehelicher Konflikt wird als Ursache genannt. Als er nach Frankfurt ging, schien er sich von vornherein die Brücke zur Rückkehr zu Reinhardt freihalten zu wollen. Er wird aber die Brücke nicht benutzen. Eine gemeine Verleumdung. In Köln wurden am 27. Juni sechs Hafenarbeiter verhaftet, Weil man sie für verdächtig hielt, bei der Rhein- und Seeschiffahrts- gescllschaft Früchte gestohlen zu haben. Da es sich um frei- organisierte Leute handelte, so war der Fall ein gefundenes Fressen für unsere klerikalen Gegner. Durch die schwarze Partei- und Gewerkschaftspresse des Westens lief eine entsprechende Notiz, deren Schlußsatz lautete: „Als stille Teilhaber kommen ausschließlich sozialdemokratisch organisierte Hafenarbeiter, Mitglieder deS Deutschen Transportarbeiter-Verbandes, in Frage, die seit langer Zeit das Bestreben hatten, das Privateigentum abzuschaffen." Aus den sechs Verhasteten wurden gleichzeitig 17 gemacht. Jetzt verhandelte die Strafkammer in Köln gegen die angev- lichen Diebe. Sie Ivurden sämtlich auf den An- trag deS Staatsanwalts hin freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen, weil sich ihre völlige Unschuld herausstellte. Aus der Verhandlung ging hervor, daß die Leute einer gemeinen Verleumdung zum Opfer gefallen waren. Der Geschäftsführer einer Fourage- Handlung, der sich gleichzeitig wegen Hehlerei verantworten sollte, hatte die Leute einfach bezichtigt, um von sich selbst den Verdacht des Diebstahls abzuwälzen. Er erklärte vor Gericht, er habe die An- gaben lediglich aus dem Grunde gemacht, weil er sonst selber in Haft gehalten ivorden wäre. Und das war der einzige Belastungs- zeuge! Man niuß sich wirklich fragen, wie es möglich war, auf dieses „Beweismaterial" hin sechs Familienväter elf Wochen in Unter- suchungShaft zu behalten?— Trotz dieser glänzenden Rehabilitierung der Verhafteten ist hundert gegen eins zu wetten, daß sie für die klerikalen Blätter, die die Verleumdungen gierig aufnahmen, nicht existieren wird._ Witterungsübersicht vom 17. September 1913. Ii l Oö ij l' JlCvCL JLO Wetterprognose für Tonnerstag. den 18. September 1913. Zunächst ziemlich trübe und regnerisch bei mäßigen südwestlichen Winden und etwas niedrigerer Tagestcmperatur i später wieder langsam ausklarend. Berliner Wette rbureau. Marktpreise von Berlin am 19. September 1913, nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Mais fmixed), gute Sorte 17,00— 17,30, mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00— 00,00. Mais(runder), gute Sorte 11,30—15,30. Richtstroh 0,00. Heu S.OO— 7,20. Martlhallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebohnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 36,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1.80. Schweinefleisch 1,50—2,10. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,60— 5,50. 1 Kilogramm Karpsen 1,20— 2,40. Aale 1,40—2,80. Zander 1,40—3,20. Hechle 1,40—2,80. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebse 1,00—40,00. Wasierstands-Rachrichten der Landesanflalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau st 4- bedeutet Wuchs.— Fall.— st Unterpegel. An der preußischen W e i ch f e l ist starkes Steigen zu erwarten. Todes-Anzeigen ZimzlllmvMctiei' Wahlverein I. d. 3. ßeii. Reichstaoswatiikreis. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unsere Genossin, krau EIi8e Sickert Bezirk 226a gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. September, nach- mittags 4st< Uhr, von der Halle de§ städtischen Gemcindesriedhoses in Neukölln, Mariendorser Weg, aus statt. 208,17 Um rege Beteiligung ersucht vor Vors tand. Am 16. September verschied nach kurzem Leiden mein herzensguter Mann, unser guter, treusorgender Vater, der Schuhmacher Willlelm Wolff im Alter von 39 Jahren. Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag 4st,Uhr aus dem Zentraisriedhos in Friedrichs- selbe statt. 2301b Dies zeigen tiesbetrübt an krau Anns Wolff ncbsi Kindern, I.d. iBerLHeiclistagswalilkrEis. Stralauer Viertel. Bez. 293. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schuhmacher Wilhelm Wolf Caprivistraße 19, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. September, nachm. 4»/, Uhr, von der Halle de« Zentral-Friedhofes in Friedrichs- selbe aus statt. 217/8 Um rege Beteiligung ersucht Ter Borstand. �enb'alvei'daad der SctiuhniacheF Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Wilhelm Wulff am 16. d. Mts. verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. September, nachmittags 4>,, Uhr, von der L'ichenhalle des städtischen Zentral- Friedhofes in Fricdrichsselde aus Rege Beteiligung erwartet 163/13 Der Vorstand. Sozialdetnokratischep Wahlverein !. dAßerUeichstagswahlkreis. Am 15. d. Mts. verstarb unser Genosse Franz Margraff Bezirk 443. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. September, von der Leichenhalle des Bartholomäus-Kirchhofes.'.Weißen- see, Fallenberger Strage, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 222/10 Her Vorstand. Am 16. d. Mts. verschied nach kurzem Leiden meine innigst. geliebte Frau, unsere gute Mutter Frau Lllllls Müller geb. Barks im 65. Lebensjahre. 2230b Die Beerdigung findet Freitag, nachmittags 5 Uhr, von derLeichen- Halle in FriedrichSselde aus statt. Wilkelm Müller, Berlin. Else Sassen geb. Müller, Berlin. W. Müller, Wald(Rheinland). Sozialdemokratischer Wahlverein Spandau. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Heizer Wilhelm Siephsll Grimmnitzstr. 7 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. September, nachmittags 3>/. Uhr, von der Halle des Friedhofs in den Kisseln aus statt. Uni rege Beteiligung ersucht 290/19 Der Vorstand. Zentralverhand der Maschinisten u. Heizer sowie BeruIsg.Deotsehl. Geschäftsstelle Groß■ Berlin. Bezirk Spandau. Am Montag, den 15. September, verstarb unser Mitglied Wilhelm Stephan. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Städtischen Friedhoses in Spandau aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Am Montag verstarb unser Kollege, der Schmied Hermann Schuster im Alter von 72 Jahren. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. September, nachmittags 3 Uhr, von der Halle deS Zions-Kirchhofes in Nordend aus statt. 24A Um rege BeteUigung ersucht Karl Mertens, Bernau«: Str. 82. Deutscher Hetailarheiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen- zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied �uxust Käppier Berlichingenstr. 10, am 15. d. M. an Rtagetilrebs gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. September, nach- mittags 4'/. Uhr, von der Leichen- Halle des Philippus-Apostel-Kirch- hoseS, Müllerstr. 44/45, aus stall. Ziege Beteiligung erwartet 126/5 Gle Ortsverwaltung. ,jui- UankMagung. die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Vaters, Schwiegervaters und Großvaters sagen wir allen Teib nehmern sowie den Kollegen vom Deutschen Holzarbeiterverband, dem Wahlverein, dem Gesangverein, den Arbeitern der Möbcljabrit Müller u. Bechert, insbesondere Herrn Nietzsche sür seine warm empsundenen Worte unseren herzlichen Dank. 2294b Die trauernden Hinterbliebenen: Vanellle Jordan. Familie Bchmlt». Für die vielen Beweise herzlicher Telnahme und die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannet und unseres Vaters Wilhelm Damm sage ich allen Beteiligten meinen besten Dank. 93A Ble trauernde Witwe nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise der Teil- nähme und die herrliche» Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Teil- nehmern hierdurch meinen besten Dank. 143/13 Im Namen der Hinterbliebenen Wiwe Anna Glinski. Danderkarlen hält stet, vorrätig Buchhandlung Vorwärts eindenstr. SS(Cnhea) Danksagung. Sagen hiermit allen Bekannten und Kollegen sür die Teilnahme an der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters 87A Karl Haase unser» besten Dank. Witwe Ernestine Haase u. Sohn. Orts- Krankenkasse der Gastwirte und verwandten Gewerbe zu Berlin. Kaffenlokal: Roßstr. 23/30. Bekanntmachung. Die Zulaffung der unterzeichneten Kasse als besondere Orlskranlenkasse ist durch Entscheidung des königlichen OberversichcrungsamteS Groß-Berlin vom 23. Mai 1313 abgelehnt, die bicrgegen eingelegte Beschwerde vom Minister sür Handel und Gewerbe durch Bescheid" vom 26. Juli 1313 zurückgewiesen worden. Zufolge Beschlusses des königlichen OberversichcrungsamteS Groß-Berlin vom 30. August 1313 wird die Kasse am 31. Dezember geschloffen. Nach§ 301 der Reichsversicherungs- ordnung bringen wir dieses zur öffentlichen Kenntnis mit dem Hinweis, daß etwaige Gläubiger ihre vermeintlichen Forderungen inner- halb drei Monaten vom Tage dieser Bekanntmachung ab gerechnet im Kaffenlokal schriftlich geltend zu machen haben. Die Bcsricdigung von Gläu- bigern, die ihre Ansprüche später an- m elden, kann verweigert werden. Für Ansprüche aus der Vcrsiche- rung gilt diese Aufforderung nicht. Berlin, den 15. September 1913. Der Vorstand der Ortskrankenkaffe der Gastwirte und verwandten Gewerbe zu Berlin. H. Poppe. O. Schilling, Vorsitzender.[275/14] Schristsührer. Orts- Krankenkasse für das Barbiergewerbe Berlin. Bekanntmachung. Laut Beschluß des Königl. Ober- VersicherungSamtcs Groß-Berlin vom 30. August 1313 wird unsere Kasse mit Ablauf des 31. Tez. 1913 geschlossen. Die beteiligten Arbeit- gcber und Mitglieder gehen mit dem 1. Januar 1314 zur Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin über. Wir bringen das hiermit gemäß Z 301 der Reichsversicherungsordnung zur öffentlichen Kenntnis und er- suchen die Gläubiger, ihre Ansprüche innerhalb drei Monate im Kaffenlokal anzumelden, da die Befriedigung später einlausendcr Forderungen ver- weigert werden kann. Tie Wahlen zum Ausschusi der Allgemeine» Ortskrankenkasse der Stadt Berlin finden am Sonntag, den 28. September 1913, statt. An diesen Wahlen nehmen bereits die Arbeitgeber und Mitglieder unserer Kasse teil und werden dazu Wahltarken von unserer Kasse werk- täglich von 8 bis 2 Uhr und von 5 bis 7 Uhr im Kaffenlokal Rosen- thaler Str. 1« ausgefertigt. 275/18 vor Vorstand. Paul Schrulle, Vorsitzender. Ortskrankenkasse der Knpserschmiede zu Berlin. Laut Beschluß des Königlichen OberoersicherungSamts Groß-Berlin vom 30. August 1313 wird unsere Kasse am 31. Dezember 1313 ge- schlössen und gehören die Betriebe sowie die Versicherten vom 1. Januar 1314 ab der Allgemeinen Oris. krankenkasse der Stadt Berlin au. Wir bringen dies gemäß§ 301 der R.-V.-O. mit dem Hinweis zur öffentlichen Kenntnis, daß etwaige Gläubiger ihre Ansprüche innerhalb drei Monaten vom heutigen Tage ab im Kaffenlokal schrislliq einzureichen haben. Die Befriedigung spater ein- lausender Forderungen kann ver- weigert werden. Der Borstand. Oskar Grath, Vorsitzender. 275/19 IF frcircligiöfc Gemeinde jö? Jugendweihe& der Kinder von JVIitgliedem der freireligiösen Gemeinde. Atti Sonntag;, den XI. Sept.. vorm. 10'/, Uhr, bei L-lpps, Am Friedrichsham 16. (Das Lokal wird erst um 9 Uhr geöffnet.) Am Sonntag/, den 28. Sept., vormittags 10'/, Uhr, bei Kliem, Hasenheide 13/15. Festrede von Dr. B. Wille:„in uns das Göttliche". Fesfvorträge auf der Orgel mit Violinbegleifung. Einlritlsprois: Erwachsene 29, Kinder 19 Pf. W Beschließende Versammlung Freitag, den 19. September, abends 81/, Uhr. pünktlich, in„Alt-Berlin", 0. 27, Blumenstr. 10(großer Saal). AM" Wichtige Tageaordnnng. Jeden Sonntag, vorm. 11 Uhr, in der Kl. Frankfnrter Str. 6: V ortrag. Harmonium: Adagietto(Bizet). Oktober 5. Herr M. H. Baege: Altes und neues Denken. „ 12. Harmonium: Kol nidrei(Bruch). Herr Dr. B. Wille: Ausblicke ins Unendliche. Raum, Zeit, Folgerichtigkeit, Ewigkeit „ 10. Harmonium: Melodien aus„Stradella"(v. Flotow). Herr Dr. M. Brie; Wilh. Raabe, der Meister deutschen Humors. „ 26. Harmonium: Noctumo(Chopin). Herr Anton Fischer: Was wissen wir von der Seele? 55/15 Gcwerbegericht zu Berlin. J.-Nr. 616 Gcw.-Ger. 13. Berlin, den 11. September 1313. Bekanntmachung. Zwischen dem Arbeitgeberverband im Rohrlegergewerde von Berlin und Umgegend einerseits und a) dem Allgemeinen Deutschen Metallarbclteroerband, Verein Berlin und Umgegend, b) dem Deutschen Metallarbeiter verband, Verwaltungsstelle Berlin, andererseits sind am 13. Juni 1313 je ein neuer Lohntaris und je zwei neue Akkord� tarisc, sämtlich mit Gültigkeit bis 31. März 1316, geschlossen worden. Die sechs Tarisc find bei uns l gleichen Tage niedergelegt. Der christliche Metallarbeitcrverband (Ortsgruppe Berlin) hat nach einem uns zugegangenen Schreiben vl 18. Juni 1313 den Tarif sür sich allen seinen Teilen als verbindlich anerkannt, desgleichen der Gewerkt verein der Deutschen Maschinenbau� und Metallarbeiter H.D.(VII. Bezirk) laut Schreiben vom 5. Juli 1313. gez. v. Schulz. Orts-Krankenkasse der Posamentiere, Seiler, Seidenknopf- und Bandmaciier. Bekanntmachung. Durch Beschluß des Königlichen Oberversichcrungsamtcs Groß-Berlin vom 30. August 1313 wird die Kasse am 31. Dezember 1313 geschloffen und gehören die Betriebe sowie die Versicherten vom 1. Januar 1914 der Allgemeinen Ortskrankenkaffe der Stadt Berlin an. 22g5b Wir bringen dies gemäß K 301 der R.-V.-O. zur öffentlichen Kenntnis und fordern alle Gläubiger aus, binnen drei Monaten nach der Be- kanntmachung ihre Forderungen an« zunl-iden. Die Befriedigung später einlaufender Forderungen kann ver- weigert werden. Die Wahlen zum Ausschuß finden am 28. September d. I. statt und verweisen wir aus die Bekanntmachung der Allgemeinen OrtS-Krankenkasse vom 23. August 1313. Der Vorstand. I. V.: Bernhard Herzer, Georgcnkirchstr. 53. 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Arbeiterinnen! machen wir hiermit aufmerksam aus den am Freitag, den 1». September tS13, abends S'/a Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 4, stattfindenden I. I C Ii � K) I I li 0 N-i tfo Ht 1» S g Erste Hilfe bei Unglücksfällen in Haus und Werkstatt. Referent: Genosse M. König, Vorsitzender d. Verbandes Volksgesundheit. Eintritt 20 Ps.(Ilnkostenbeitrag.) Mitglieder frei. — Rauchen verboten.==== In Anbetracht dieses so wichtige» Themas sieht�einen� zahlreichen Be- such entgegen. Ter Ortsvorständ. Orts- Krankenkasse der ilaiilcrll.Sietiifilichkr zu Berlin. Bekanntmachung. Laut Beschluß deS königlichen Ober- vcrsicherungsamts Groß-Berlin vom 30. August d. J. wird die Kasse am 31. Dezember 1813 geschlossen und gehöre» die Betriebe sowie die Ver- sicherten vom t. Januar 1914 der Allgemeinen OrtS-Krankenkasse der Stadt Berlin an. 275/17 Die Wahlen zum Ausschuß finden am 28. September d. I. statt und ver- weisen wir aus die Bekanntmachung der Allgemeine» Orts-Krankenkasse vom 23. August 1913. Nach s 301 der Reichsversicherungs- ordnung wollen die Gläubiger ihre Forderungen innerhalb drei Monaten vom Tage der Bekanntmachung ein- reichen; die spätere Anmeldung von Forderungen kann verweigert werden. Berlin, den 18. September 1313. Ter Vorstand. I. A.: Robort Bchmidt, Vorsitzender. Spezialarzt f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Bcintranke jeder Art. Ehrlich Hata- Kuren in Us. Horneyer Blut Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Friodrichstr. 81, Äpwum. Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mähig, auch Tellzahl. lSeparate» Dameuzimmer. öuellksnälungVorwärtz Undenslr. 69(Laden) Ansichtskarten vom Riesengebirge, Harz, Sächsische Schweiz, Dresden, Berlin in reicher Auswahl. Stück 5 Pf. Ulster- Stoffe. Anzugstofle, Palototstoffe, Kesto Meter 5,—, 6,—, 7,— Mk.* Tuchlager Koch& Seeland G. m b. K. Gertraudteustr. 20/21 vis-ävisder Petrikirche. Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts X-lndenstr. 60. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Tb Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckere, u. Ve clagSanftalt Paul Singer u. Co., Berlin S«. Kr. 243. 30. Jahrgang. 4. ßfilnp des Jornätts" letlinet DslksdiÄ Donnerstag, 18. September 1913. partex-)Zngelegenkeiten. A« die Bildungsausschüsse und Organisations« leitungen. Wir machen darauf aufmerksam, daß es sich nicht empfiehlt, bei den jetzt in allen Organisationen beginnenden Vorträgen und Kursen schulpflichtige Kinder zuzulassen. Die Langeweile, die sich bei den jlindern mit Sicherheit einstellt, läßt sie unruhig werden und verursacht somit Störungen. Die Möglichkeit von Störungen durch die Anwesenheit der Kinder wird noch erhöht bei Licht- bildervorträgen, da die Dunkelheit des Saales die Kinder ängstlich macht. Sehr dringend müssen wir jedoch davor warnen, Kinder in die Vorträge über die Abstammungslehre, die in den nächsten Monaten in ziemlich großer Zahl gehalten werden, mit zunehmen. DaS Thema läßt sich gar nicht behandeln ohne die Erörterung und bildliche Darstellung der embryonalen Entwicklung, und eS ist uns bekannt, daß die Polizei den Veranstaltern solcher Vorträge und den Vortragenden Schwierigkeiten macht, wenn Kinder zugegen find. Dazu kommt noch, daß sich die Kinder vor den oft nicht sehr anmutigen Bildern fürchten. Wir ersuchen die Organisationen, diese Winke zu beachten; wir wurden diese Zeilen nicht schreiben, wenn wir nicht Beobachtungen gemacht hätten, die uns solche Veröffentlichung ratsam erscheinen ließen. Wir benutzen auch diese Gelegenheit, um erneut auf die Abendsprechstunde im Sekretariat(Sonnabends von ö— 3 Uhr) hin- gutoeifen. Der Bezirks-BildungSausschuß Groß-Berlin. Lindenstr. 2, Hof I. Lankwitz. Der BildungsauSschuß veranstaltet am Sonnabend. den 20. September, im Lokal Giegcl lZum Seydlitz), Kaiser-Wilhelm- Straße 34, einen Heiteren Abend, bestehend aus Rezitationen und Liedern zur Laute. Anschließend geselliges Beisammensein mit Tanz. Trebbin. Am Sonnabend, den 20. September, abends 8'/zUhr, im Schützenhause: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Der politische Massen- streik. 3. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 4. Partei- angelegenheiten._ Berliner JSacbricbten. Berliner Obdachlosenelend in agrarischer Beleuchtung Ueber die Frequenzziffern des Obdachs der Stadt Berlin, die wir in Nr. 242 aus dem Bericht der Obdachverwaltung wieder gaben, äußert sich auch die.Deutsche Tageszeitung". Sie nennt es erschreckend, daß das Obdach im letzten Jahr— ähnlich wie im vorletzten— fast 1% Million Besucher gehabt hat. Daran knüpft dann das Agraricrblatt die folgenden Ausführungen: .In welchem Maße grassiert gegenwärtig in Berlin wieder das Bettclunwesen l Der Arbeitsmangel trägt ja auch mit dazu bei. Indessen haben die Asylisten von jeher einen sehr erheb- lichcn Prozentsatz der Bettler gestellt. Der gesamte Norden Berlins, der ja außer dem städtischen Asyl bekanntlich noch ein großes privates Obdach, die sogenannte..Wiesenburg", beherbergt, ist geradezu überflutet von Strolchen, Tagedieben und Bettlern. Die Hausbesitzer wissen ein Lied davon zu singen, wie schwer eS ihnen in dieser Gegend gemacht wird, überhaupt anständige Mieter zu bekommen. Das ist der bekannte Ton, den die„Deutsche Tageszeitung' liebt, so bald sie auf das Thema Grotzstadtelcnd kommt. Arbeits lose gelten ihr als Tagediebe, in Obdachlosen sieht sie Strolche— wer will von dem sozialen Empfinden agrarischer Soldschreiber anderes erwarten! Festnageln möchten wir noch eine kleine Probe der Gewissen hastigkeit, mit der das Blatt über die Höhe der dem Obdach ent- standenen Verpflcgungskostcn berichtet. Die Notiz fährt fort: „Schon mit Rücksicht auf die steigenden Verpflcgungskosten ist Berlin so ziemlich an der Grenze seiner finanziellen Leistungs- fähigkeit angelangt. Sie sind in sechs Jahren(von 1906- bis 1912) pro Kopf und Tag von 49 auf 99 Pfennig gestiegen." Diese Zahlen können nur auf die Abteilung für nächtlich Obdachlose bezogen werden; denn nur von ihr und ihren IV* Million Besuchern ist die Rede, während über die Abteilung für obdachlose Familien kein Wort gesagt wird. Aus dem Bericht der Obdach- Verwaltung, den die Notiz ausdrücklich als Quelle nennt, ist zu ersehen, daß vom Etatjahr 1993 bis zum Etatjahr 1912 die Ver pflegungskosten pro Kopf und Tag in der Abteilung für Familien sich von etwa 47 Pf. auf 99 Pf. gesteigert haben. Die„Höhe" dieser Kosten erklärt sich daraus, daß die Insassen des Familien- obdachs in ihm nicht nur bei Nacht, sondern auch am Tage der- weilen und volle Beköstigung erhalten Daß die Steigerung des Kostenbetrages hauptsächlich auf die Lebensmittel- Verteuerung zurückzuführen ist, weiß die„Deutsche Tages- zcitung" so gut wie wir— aber hierüber wird gerade sie wohl- weislich schweigen. Wie hoch sind nun die Verpflegungskosten in der Abteilung für nächtlich Obdachlose? Die nur über Nacht beherberg- ten Obdachlosen erhalten weiter nichts als am Abend und am anderen Morgen je 2 9 9 Gramm Brot und"/.o Liter Roggenmehlsuppe pro Kopf. Tic Kosten dieser Bewirtung find in dem Bericht genau bis aufs Tausendstel des Pfennigs, für die beiden letzten Jahre gar bis aufs Zchntausendstel des Pfennigs pro Portion angegeben. Die Abrundung auf Zehntel ergibt pro Portion Suppe und Brot in 1999— 1912; 5,4 Pf., 6,6 Pf.. 5,8 Pf.. 5,5 Pf.. 5 Pf.. 5,6 Pf.. 5,6 Pf. Wer am Abend und am Morgen seine Portion beanspruchte, hat z. B. in 1912 bei jedem Nachtquartier für 11,2 Pf.„ve r s ch l e m m t". Bei fast lii Million Besuchern habe die Verpflegung in 1912 pro Kopf und Tag 99 Pf. gekostet, liest man in der„Deutschen Tageszeitung". Ueber 1 Million Mark müßte dann Berlin auf- gewendet haben, um„Strolche, Tagediebe und Bettler" zu bewirten! In Wirklichkeit hat die Verpflegung der über Nacht Beherbergten nicht mehr als 195 292 M. erfordert. Was mögen die Junker, die aus ihrer„Deutschen Tageszeitung" sich„Belehrung" über bei Reichshauptstadt holen, bei dem von ihr verzapften Unsinn ge- dacht haben? Zwei Personen in einem Brunnenschacht erstickt. Ein schweres Unglück hat sich am gestrigen Nachmittag im Depot II der Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft in der Marienburgcr Straße 41— 46 zugetragen. Bei der Reparatur einer Brunnenanlage wurden dort zwei Monteure durch giftige Gase getötet. Im einzelnen wird uns über das Unglück folgendes gemeldet: Auf dem Hof des zweiten Omnibusdepots in der Marienburger Straße 41— 46 befindet sich seit etwa sieben Jahren ein« große l Brunnenanlage. Der Brunnenschacht ist etwa 29 Meter tief. Da sich gestern an dem Schöpfwerk der Anlage ein Defekt heraus- stellte, so wurden von der Zentralwerkstatt die beiden Monteure Zahn und Rcrgard nach dem Depot geschickt, um die Reparatur vorzunehmen. Als erster stieg Nergard in den Brunnenschacht hinab, einige Minuten später folgte Zahn. Als dieser den ersten Podest erreicht hatte, sah er zu seinem Schrecken, daß sein Kollege a u f dem zweiten tiefer gelegenen Podest umgefallen war. Zahn stieg sofort wieder empor und alarmierte die An gestellten des Depots. Ehe diese Mannschaften aber an dem Brunnenschacht kamen, war der Monteur Zahn schon wieder in den Schacht hinabgestiegen, um seinen Kameraden zu retten. Aber auch er verlor in einer Tiefe von etwa zehn Metern das Bewußt� sein und kam nicht wieder ans Tageslicht. Inzwischen war die Feuerwehr zu Hilfe gerufen worden. Es rückte der 17. Löschzug an und sofort wurde mit dem Rettungswerk begonnen. Nachdem mit Hilfe einer Tampfspritze frische Luft in den Schacht gepumpt worden war, wurde ein Oberfeuerwehrmann angeseilt und, mit einem Atmungsapparat ausgerüstet, in den Schacht geschickt. Der Oberfeucrwehrmann drang bis zu den beiden Verunglückten vor und es gelang ihm auch, beide anzuseilen. Tann kehrte er an die Oberfläche zurück und die beiden Monteure wurden an den Seilen herausgezogen. Sie waren beide leblos, doch stellten die Samariter der Feuerwehr sofort Wiederbelebungsversuche mit Sauerstoff an. Nach einstündigen Bemühungen wurden die Ver suche aber abgebrochen, da ein hinzugerusener Arzt bei beiden Personen den Tod festgestellt hatte. Die Leichen wurden dem SchauhauS überwiesen. Man nimmt an, daß sich in dem Brunnen schacht Sumpfgase gebildet hatten. Die Eröffnung der Wilmersdorfer Schnellbahn soll, wie be- richtet wird, am 12. Oktober erfolgen. Am 11. Oktober wird der Bahnhof Wittenbergplatz, der neue große Zentralbahnhof für die Berliner, Charlottenburger und Wilmersdorfer Untergrundbahn betriebsfähig hergestellt sein. Ein unaufgeklärter Todesfall beschäftigt die Kriminalpolizei. Der Arbeiter Wi lh. R a d a ck, der im Hause Fri e d enstr. 41 bei seinen Ellern wohnte, verließ am 8. September die Wohnung, um an seine Arbeitsstelle(Siemens-Schuckert, Franklinsträße) zu gehen. Als er am Abend nicht heimgekehrt war und sich am folgenden Morgen nicht sehen ließ, wurden seine hochbetagten Eltern unruhig. Schon am Vormittag wurde dann sein Verschwinden auf- geklärt. Ein Schutzmann überbrachte den Eltern die Nachricht, daß Radack am Abend im Krankenhaus Moabit eingeliefert worden sei. Im Krankenhaus erhielten die Angehörigen, als sie den Kranken besuchten, vom Wartepersonal den Bescheid, zwei Schutzleute hätten Radack hierher gebracht. Radack selber konnte ihnen keine Auskunft geben, weil er wie besinnungslos dalag. Im Gesicht bemerkte man Spuren von Verletzungen, die er erlitten zu haben schien. Nach einer Angabe der Pflegeschwester wäre er als betrunken eingeliefert worden. Am folgenden Tage, 19. September, erhielt die Familie vom Krankenhaus die schriftliche Mitteilung, daß Radack an „Herzschwäche und Altersschwäche" gestorben sei. Radack war erst 43 Jahre alt, von„Altersschwäche" kann daher wohl nicht die Rede sein, und bei der Arbeit soll niemand an ihm, der als tüchtiger Arbeiter galt, etwas Derartiges bemerkt haben. Die Angehörigen trafen sofort Vorbereitungen für das Begräbnis. Aber noch an demselben Tage kam vom Krankenhause ein Rohrpostbrief mit der Meldung, das Begräbnis könne noch nicht erfolgen, da „nachträglich ein Schädelbruch ärztlicherseits festgestellt" worden sei. der die Anzeige an die Staatsanwaltschaft nötig ge- macht habe. Inzwischen hat die Kriminalpolizei gearbeitet, ohne daß bisher bekannt geworden wäre, was sie ermittelt hat. Sie scheint es auch nicht für nötig gehalten zu haben, durch Mitteilung an die Presse die Aufmerksamkeit auf diesen Todesfall zu lenken. Wir er- innern uns wenigstens nicht, daß uns eine Siotiz darüber zu Gesicht gekommen wäre. Inzwischen ist die Leiche freigegeben worden. Sie wird am 19. September beerdigt. Durch elektrischen Strom getötet. Ein bedauerlicher Unglücksfall hat sich in dem Betriebe der Zentrole Oberspree der Berliner Elektrizitätswerke in Oberschönt» weide zugetragen. Dort werden zurzeit in dem Kabelkeller des Werkes Malerarbeiten ausgeführt, mit deren Ueberwachung der Monteur Paul Wagner aus der Frifchenstr. 4 beauftragt worden war. Infolge einer unvorsichtigen Bewegung kam W. dem Hoch- spannungSschalter zu nahe und wurde von dem 29 999 Volt starken elektrischen Strome getroffen. Der Monteur stürzte sofort be- finnungSlos zu Boden und verstarb nach wenigen Minuten, ehe ärztliche Hilfe herbeigeholt werden konnte. Im Hochbahnhof„Gleisdreieck" wird demnächst eine bemerkens- werte Aenderung vor sich gehen. Bei Anlage der jetzigen Kreuzungs- station mußte, wie erinnerlich, daS eine der nach der Stadt führen- den Gleise vom alten Viadukt an der Luckenwalder Straße nach außen auf 19 eiserne Stützen gelegt werden, die zwischen den Bögen -der Potsdamer Ringbahn und dem fiskalischen Gelände am Dienst- gebäude der Eiscnbahndirektion fundiert werden. Auf diesem provi- sorischen Gleis fahren noch heute die Hochbahnzüge von Gleis- drcieck nach Leipziger Platz usw. Inzwischen ist der tiefergelegte Bahnkörper der Hochbahn, die sich von hier aus nach der Köthencr Brücke am Hochbahnhof senkt, fertiggestellt worden, so daß auch das erwähnte Stadtgleis in seiner endgültigen Lage in Benutzung genommen werden kann; es wird zu diesem Behufe, voraussichtlich schon in der Nacht zu Sonntag, an den umgestalteten Bahnkörper angeschlossen werden, so daß die Gleise nach und von der Stadt wieder dicht nebeneinander liegen. Die hohen schief gespreizten Eisengcrüstc, die in der Zufahrtstrahc zu den vermieteten Piadukt- bögen kaum verunstaltend, aber doch vcrkehrsstörend wirkten, werden dann beseitigt werden. Mit der einstweiligen Einstellung des direkten Zugverkehrs von Osten nach Westen ist übrigens das Gleis- dreieck als solches keineswegs ausgehoben worden; es besteht vielmehr noch heute die Möglichkeit, ohne umzusteigen vom Osten über das Gleisdreieck nach Westen zu fahren. Diese Gleisverbindung mußte einstweilen noch aufrecht erhalten werden, um die Betriebsmittel den Werkstätten an der Warschauer Brücke und in Westend zu- führen zu können. Ein unaufgeklärter Selbstmord wird au» der Jnvalidenstraße ge- meldet. Der 39 Jahre alte Prokurist Max C., der als Junggeselle in der Rilterstraße wohnte und als Prokurist in einem hiesigen Bankgeschäft eine Vertrauensstellung bekleidete, erhielt gestern von dem Geschäftsinhaber den Auftrag, nach Breslau zu fahren. Er be- gab sich»ach dem Schlesischen Bahnhof, verabschiedete sich dort von feiner Braut, die ihn begleitet hatte, und fuhr auch ab. Aber schon auf der nächsten Station stieg er wieder aus, kehrte nach Berlin zurück, begab sich in ein Hotel in der Jnvalidenstraße und schoß sich dort eine Kugel in daS Herz, so daß er auf der Stelle verschied. Die Tür hatte der Lebensmüde von innen verriegelt. Der Geschäfts- inhaber, bei dem der Verstorbene das größte Vertrauen. genoß, kann sich dessen Selbstmord nicht erklären. Er prüfte sofort Bücher und Kasse nach und fand nicht eine Spur irgendeiner Un- regelmäßigkeit. Diphtherie und Scharlach treten jetzt auch in Tegel auf. Zum Glück handelt es sich aber nur um leichte Fälle. Die Behörden haben unverzüglich alle notwendigen Maßnahmen getroffen, um eine Ausbreitung der Krankheiten zu vermeiden. Grund zu ernsten Befürchtungen liegt nicht vor. Deutscher Arbeiter-- Sängerbund, Gau Berlin und Umgegend. In der letzten Ausschußsitzung gedachte der Vorsitzende zunächst in warmen Worten des verstorbenen Genossen A. Bebel. Das Stistungs- fest soll wieder in der Weise gefeiert werden, wie im Vorjahre. Außer den sich meldenden Vereinen werden ein Opernsänger(Tenor), ein Cellist und ein Pianist mitwirken. Um das Programm einheit- licher zu gestalten, sollen die mitwirkenden Vereine sechs Lieder, dar- unter drei Volkslieder, einsenden. Hiervon wird der Vorstund unter Mitwirkung des musikalischen Beirats des Bildungsausschusses das Programm feststellen. Diejenigen Vereine, welche gewillt sind, zum Stiftungsfest mitzuwirken, werden ersucht, sich bis zum 28. d. Mts. beim Vorsitzenden zu melden.— Bei genügender Beteiligung soll auch in diesem Jahre wieder ein Kursus in der Chorführer- schule abgehalten werden; doch wurde darauf hingewiesen, daß der Gau außer der Miete für das Schullokal keinen Zuschuß leistet.— Sodann werden die Vereine noch- mals ersucht, die noch ausstehenden Fragebogen umgehend an den Vorsitzenden einzusenden. Auch wurden die Vereine darauf hingewiesen, um allen Weiterungen aus dem Wege zu gehen, Ver- träge mit den Dirigenten nur schriftlich unter Ausschluß der Kündi- gung abzuschließen. Das Vorgehen der beiden Vereine„Fichte- Georginia" und„Neuköllner Männerchor", die beide öffentliche Konzerte veranstaltet haben, wurde den großen Vereinen zur Nach- ahmung empfohlen, doch soll auch hierbei ein gewisses Maßhalten empfohlen und hauptsächlich Volkslieder zum Vortrag gebracht werben. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß von einer Musikalien- Handlung, Grüner Weg 17, beim Streik der Sattler Streikbrecher vermittelt worden sind. Dem Arbeiter-Samariterbund wurden 159 M. und dem Arbeiter-Schwimmerbund 75 M. für ihre Mit- Wirkung beim Sängerfcst bewilligt. Von den Revisoren wurde be- mängelt, daß noch mehrere Vereine die Billetts vom Sängerfcst nicht abgerechnet haben; die Vereine werden aufgefordert, umgehend abzurechnen. Die Adresse des Vorsitzenden Paul Kupfer ist vom 1. Oktober ab 0. 84, Petersburger Str. 66. Vermißt werden seit Montag, den 15. September, daS 11 Jahr� alte Mädchen Erna und der 12 Jahre alte Willi der Stiefschen Ehe' leute. DaS Mädchen trug ein blaues Kleid, braune Strümpfe und schwarze Schuhe, der Knabe blaue Hosen, ein blaues Hemd, braune Strümpfe und schwarze Schuhe. Personen, die Angaben über den Verbleib der beiden Kinder machen können, werden gebeten, dies entweder bei Wilhelm Sticf, Berlin LV 61, Teltower Str. 29, oder auf dem Polizeibureau zu melden. llnbekanntr Leiche. Am 19. September d. I. wurde aus dem Humboldthafen am Wilhelmufer, gegenüber dem Bahnpostamt Lehrter Bahnhof, die Leiche eines unbekannten etwa dreißig Jahre alten Mannes gelandet. Größe: 1,64, Haar und Schnurrbart dunkelblond. Bekleidung: Marengojackettanzug, Makkohemd, weiß und blau ge- streiftes Vorhemd, schwarze wollene Strümpfe, schwarze neue Schnür- stiefel. Auf dem rechten Unterarm der Leiche ist ein Herz tätowiert, sonstige Kennzeichen sind nicht vorhanden. Die Leiche mag ungefähr acht Tage im Wasser gelegen haben. Spuren äußerer Gewalt ivaren an derselben nicht sichlbar. Mitteilungen, welche zur Identifizierung der Leiche dienen könnten, nimmt jedes Polizeirevier sowie die Kriminalpolizei, Zimmer 349 zu den Akten 3699 IV 65. 13. ent- gegen. Der Verband VolkSgcsundheit, Ortsberein Berlin, veranstaltet am Freitag, den 19. September, abends Vs9 Uhr, im Gewerkschaftshaus einen Lichtbildervortrag über„Der Samariter im Hause, auf der Straße, in der Werkstatt". Referent: Genosse M. König-Drcsden. Erläutert wird derselbe durch über 89 Lichtbilder, teils in natür- lichen Farben koloriert und hergestellt nach den besten anatomischen Präparaten, Modellen und Verbänden. Der Eintrittspreis beträgt 29 Pf. Eine traurige Ueberrafchung wurde gestern abend der Frau des Tischlers B e h n, wohnhaft Wollincr Straße 3, zuteil. Als sie gegen 9 Uhr von ihrem Blumenbandel nach Hanse kam, fand sie in der zur Wohnung gehörigen Stube keinen Einlaß. Als die Stube dann geöffnet wurde, sah sie, daß sich ihr Mann darin er- hängt hatte. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Der Ver- storbene hinterläßt außer seiner Witwe neu» Kinder. Wie wir erfahren, soll Arbeitslosigkeit den Mann zu der Verzweiflungstat getrieben haben._ Vorort- JSacbricbtem Lichtenberg. Eine Glnilzlcistung. Der Lichtenberger Polizeipräsident scheint nach dem Ruhm zu geizen, in der Anfertigung von Ablehnungsbeschciden als ein Muster von Genialität betrachtet zu werden. Darauf läßt wenigstens ein Antwortschreiben schließen, das der Vorsitzende der Freien Turnerschaft Lichtenberg auf sein Ge- such, aus Anlaß eines zu Sonntag, den 14. September, arrangierten volkstümlichen WetturnenS nach Steuers Festsälen, Frankfurter Chaussee 128, marschieren zu dürfen, erhalten hat. Wir geben dieses Polizeidokumcnt in feinem Wortlaut hier wieder: Die Erlaubnis zur Veranstaltung eines öffentlichen Auf- zugcS der„Freien Turnerschaft Lichtenberg" am Sonntag, den 14. d. M., von Fricdrichsfelde her durch die Frankfurter Cbaussce bis zum Vcreinslokal von Steuer muß ich gemäß 8? des Reichs- vereinsgcsetzes vom l9. April 1998 wegen Gefahr für die öffent- liche Sicherheit versagen. Die verhältnismäßig große Zahl der Teilnahme an diesem Aufzuge, dem sich crsahrungsgemätz eine große Anzahl von Passanten hinzugescllt, unter denen sich häufig z u Il u s- schreitungen neigende Element« befinden, würde die Sicherheit des an sich schon am Sonntagabend gesteigerten Verkehrs gefährden. Hinzu kommt, daß der Aufzug bei einbrechender Dunkelheit stattfinden soll, wodurch gleichfalls bei dem Zusammenströmen der Meyschenmaffen U n- glücksfällen Vorschub geleistet wird. Um jene Zeit pflegen ferner die zahlreichen Besucher der in jener Gegend belegenen Kirchhöfe letztere zu verlassen und die ordnungsmäßige Abwickelung des Verkehrs zu erschweren. Wenn schon die oben angeführten Tatsachen das Verbot des Aufzuges aus Gründen der öffentlichen Sicherheit rechtfertigen, so kommt zurzeit noch der Umstand hinzu, daß die Pflaster- und Straßenbahngleisarbeitcn an der Fricdrichsfeldcr Brücke zwischen der Gudrun- und Siegfriedstraße eine weitere Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, wie sie der geplante Aufzug zur Folge haben würde, darstellen und das Verbot des Aufzuges zur Not- wendigkcit machen. Die öffentliche Sicherheit, das Hinzugesellen einer großen An- zahl von Passanten, unter denen sich häufig zu Aus- schreitungen neigende Elemente befinden, Gefähr- dung des am Sonntagabend gesteigerten Verkehrs und zu be- fürchtende Unglücksfalle— wer zweifelt nun noch daran, daß die Lichtenberger Polizei von rührender Fürsorge um das Heil und das Wohl der Einwohner erfüllt ist. Wie rücksichtslos handelt dieselbe Polizei doch, wenn es sich um die Abwickelung irgendeiner Patriot!- schen Feier größeren Kalibers handelt. Wahrlich, die Lichtenberger Patrioten hätten nunmehr allen Anlaß, sich über die ihnen zuteil gewordene ungleiche Behandlung des Polizeipräsidenten zu be- schweren. Gründe auZgleickender Gerechtigkeit sollten den Lichtenberger Polizeipräsidenten veranlassen, bei der nächsten sich bietenden Gc legenhcit patriotischen Vereinen dieselbe Fürsorge angedeihen zu lassen. Denn von solchen Veranstaltungen kann der Polizeipräsi dcnt doch nur seine Kenntnis haben, wenn er meint, daß sich er fahrungsgcmäh eine grosse Anzahl von Passanten hinzugeselli unter denen sich häufig zu Ausschreitungen neigend Elemente befinden. Umzüge von Arbeitervereinen sind bisher so selten genehmigt worden, dass sie das Objekt der Polizei lichcn Erfahrung nicht sein können. Arbeitervereine trifft also der Vorwurf des Lichtenberger Polizeipräsidenten nicht. Besser Ware es, wenn der Polizei Präsident sich in späteren Ablehnungsbescheiden mehr gerader Wege bedienen und den Vertretern von Arbeitervereinen mitteilen würde, dass, weil wir in Preußen, dem Lande der Junkerschaft leben, die Polizei nur Umzüge von sogenannten „Patrioten", nicht aber von Arbeitervereinen genehmigen darf. Ii» übrigen sei mitgeteilt, daß der Turnverein jetzt wegen seiner Zugehörigkeit zum Arbeitcr-Turnerbund als politischer Vcr ein erklärt worden ist. Am Sonnabend, den 20. September, abends 8'ch Uhr, hält der Verein in Steuers Festsäle sein Stiftungsfest ab, unter Mit Wirkung des„Lichtcnbergcr Männerchors". Die Lichtcnbcrger Arbeiterschaft ist hierzu herzlich eingeladen. Neukölln. Zur Boriereitung der Delegiertenwahlen für die Neuköllner Handwerkerkrankenkasse finden zwei große öffentliche Mitglieder Versammlungen statt, und zwar: Donnerstag, den 18. September, abends b'/z Uhr in der„Neuen Philharmonie" zu Berlin, Köpenicker Strasse 9«'und Freitag, den 26. September, abends 8s/z Uhr in den .Bürgersälen" zu Neukölln, Bergstr. 142. In beiden Versammlungen sollen nach Erörterung der Frage „Was ist zu tun, um unsere Krankenkasse zu einem segensreichen tnstitut auszubauen?* die Kandidaten für die bevorstehenden »elegiertenwahlen aufgestellt werden. Im Interesse der Herbei führung geordneter Zustände sind diese Wahlen von ausserordent licher Wichtigkeit, der Besuch der angesetzten Versammlungen daher dringend zu empfehlen. Volkstümliche Vortröge über Rechtsfragen des töglichen Lebens veranstaltet die Oeffentliche Rechtsauskunftsstelle der Stadt Neukölln im Winterhalbjahr 1913/14. Geplant ist eine Besprechung der wichtigsten Rechtsverhältnisse des Bürgerlichen Gesetzbuches, des ge werblichen und kaufmännischen Dienstvertrages und der Sozial- Versicherung(Invaliden- und Hinterbliebenen-, Kranken-, Unfall- und Angestelltenversicherung). Die Vorträge find unentgeltlich und finden jeweils Freitag, abends 8>/z— 9�/, Uhr, im alten Stadtverordneten sitzungssaal zu Neukölln(Eingang: Altes Rathaus) statt. Der erste Vortrag am 3. Oktober wird die„Invaliden- und Hinterbliebenen Versicherung der Reichsversicherung"(Vortragender: Magistratsassessor Lange, Neukölln) behandeln. Charlottenburg. Die Einführung des neuen Oberbürgermeisters Dr. Scholz soll in der Sitzung der Stadtverordneten vom 15. Oktober erfolgen. Elternoerein für freie Erziehung. Sonntag, den 21. dieses Monats, findet ein grosser Familienausflug nach dem Restaurant Waldkater(Inhaber Fritz Schön), Tegeler Weg, statt. Treffpunkt 2 Uhr nachmittags vor dem Kaiser-Friedrich-Dcnkmal(Luisenplatz). Abmarsch pünktlich 2� Uhr. Auch Nichtmitglicdcr und deren Kinder können daran teilnehmen. In dem gestrigen Bericht über die Maßnahmen gegen die Lebensmittelteuerung ist in der fünften Zeile durch Fortlassung des Wortes nicht vor„zu befürchten" der Sinn in das Gegenteil gekehrt. Es muß heißen... des Winters nicht zu befürchten. Nieder-Schönhause«. Der Polizeikampf gegen die Arbeiterjugend war das Thema einer überfüllten Protestversammlung, in der Genosse Peters sprach. Wie der Vorsitzende mitteilte, machte sich die Versammlung dadurch notwendig, dass zwei öffentliche Jugendversammlungen durch die Polizei aufgelöst wurden. Genosse Peters schilderte in seinem großzügig angelegten Refe- rat den kleinlichen Polizeikampf gegen die moderne Jugend bewegung in Preussen-Deutschland. Wenn es anders werden solle, müssen wir vor allem dafür Sorge tragen, daß der schikanöse§ 17 des Reichsvereinsgcsetzes verschwinde. Genosse Hellrich berichtete in der Diskussion von einer Unter redung mit dem hiesigen Amtsvorsteher, die er aus Anlaß der Ruhmestaten der Polizei bei der letzten Jugendversammlung mit diesem hatte. Der Herr war der Meinung, dass schon aus der Ein- ladung zur Versammlung, in der es heiße:„Jugendliche, demon- striert für Eure gute Sache", klipp und klar hervorgehe, daß diese Versammlung eine politische sein müsse. Hellrich berichtete weiter, wie sich die Polizei gar nicht scheue, dem Gastwirt, bei welchem die letzte Jugcndversammlung stattfinden sollte, verblümt mit wirt- schaftlichem Schaden zu drohen, wenn er uns sein Lokal zu dieser Versammlung zur Verfügung stelle.— Der nächste Redner, Gc- meindcvertreter Genosse Kubig-Pankow, unterzog dann die Tätig- keit des Polizeiwachtmeisters Förster einer ätzenden Kritik. Mit beißender Satire schilderte er die Kopflosigkeit dieses Herrn bei der letzten Versammlung. Genosse Hiege teilte den Versammelten mit, wie der jüngst zum Kirchenpatron ernannte Herr Frees«, der Inhaber der„Konsti- tutionellen Fabrik",„Jugendpflege" treibe. Ein bei ihm einge- trctener junger Mensch von 16 Jahren sei von ihm aufgefordert worden, dem Jungdeutschlandbunde beizutreten. Tie Uniform werde er ihm liefern. Als sich der junge Mensch geschämt habe, in dieser Uniform auf die Strasse zu gehen,' soll Herr Freese von ihm verlangt haben, dann aber wenigstens der gelben Organi- sation beizutreten. Als Arbeitslohn bekäme der junge Mann 9 M. die Woche. Nachstehende Resolution kam einstimmig zur Annahme: „Die am Dienstag, den 16. September, im Lokal„Schwarzer Adler" tagende öffentliche Versammlung protestiert auf das schärfste gegen das Vorgehen der hiesigen Polizei gegen die proletarische Jugendbewegung. Sie verurteilt dieses um so mehr, da gewisse Vereinigungen, wie Pfadfinder usw., unter dem Schutze der Be- Hörden sich der größten Freiheit erfreuen. Die Versammelten er- warten, daß das Vereinsgesetz gleichmäßig für alle Jugendlichen und Bürger angewendet wird." Nowawes. Einen zweiten Brrkaufsstand für Seefische hat die Gemeinde jetzt bei dem Kaufmann Knape, Priesterstr. 58, dem auch im vori- gen Jahre der Verkauf übertragen war, eingerichtet. Zum Ver- lauf kommen in diesem Gcschäftslokal jeden Mittwoch von nach- mittags 3 Uhr ab sowie auf dem Donnerstagmarkt: Schellfisch(pro Pfund 26 Pf.). Kabeljau, Schollen, Goldbarsch, Seelachs und See- Hecht(pro Pfund 15 Pf.). Der Scefischverkaus bei dem Händler Ziegener, Grossbcerenstr. 31, findet Dienstag nachmittags von 3 Uhr ab und Mittwoch vormittags statt. Das Betreten der Nuthewiescn- ist, wie einzelne Tafeln darauf hinweisen, bei Strafe verboten. Tics scheint jedoch vielen noch un- bekannt zu sein, denn immer wieder hört man von Bestrafungen von Personen, die von Gendarmen oder Polizeibeamten auf den Wiesen angetroffen wurden. So erhielten letzthin wieder einige Arbeiter, die bei der an einem der letzte» Sonntage von der Polizei veranstalteten Razzia als unbefugte Angler am Nutheufer oder auf dem angrenzenden Wiesengeländc sich aufhielten, j» ein Straf- Mandat wegen Betretens fremden Eigentums. Erholungsuchende werden daher gut tun, für ihre Spaziergänge andere, weniger kost- spielige Ziele zu wählen. Spandau. Die Rcvolveraffäre in der Wilhclmstraße, bei der der Polizei- beamte Püngel, der vielen Parteigenossen noch von dem Scitzschen Boykott bekannt ist, angeblich in der Notwehr den Arbeiter Ko- walski erschoß, ist immer noch nicht aufgeklärt. Nach der ersten polizeilichen Meldung hatte der Beamte in der Nacht zum Sonn- abend den Arbeiter Kowalski auf dem Exerzierplatz festgenommen, der dort mit einem Revolver geschossen hatte. Auf dem Wege zur Wache sollte K. die Flucht ergriffen haben und nach seiner Wohnung Wilhelmstrasse 152 geflüchtet sein. Dort soll K. bei seiner aber- maligen Verhaftung auf den Beamten eingedrungen sein und ihn sogar an die Kehle gefaßt haben, so dass derselbe in der Notwehr drei Schüsse abgegeben, von denen der dritte, ein Bauchschuß, den unmittelbaren Tod herbeigeführt habe. Nach einer anderen Meldung soll der Erschossene, der ausländischer Pole ist, der dcut schcn Sprache nur in geringem Masse niSchtig gewesen sein. Als er in der betreffenden Nacht vom Exerzierplatz, wo er geschossen hatte, bereits zu Hause angelangt war, habe er dem Beamten au" dessen Klopfen sofort geöffnet. Es ist nun möglich, dass er die Auf forderung des Polizeibeamten, seine Waffe herauszugeben und mit zur Wache zu gehen, nicht richtig verstanden habe, denn er zog sich aus dem Korridor in die Wohnstube zurück. Hier fielen dann nach einem Handgemenge die Schüsse, die der Beamte aus K. ab gab. Nach einer Meldung des„Spandauer Tageblatts" bat der Beamte sogar vier Schüsse abgegeben, wovon einer in das Schulter- blatt, zwei in die Brust und der vierte in den Unterleib gedrungen seien. Die eingeleitete Untersuchung wird ergeben, ob der Polizei beamte die Grenzen der Notwehr nicht überschritten hat. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen Spandau. Heute Donnerstag, den 18, September, nachmittags 4>?, Uhr, im neuen Rathause. Mariendorf. Heute Donnerstag, den 18. September, nachmittags 5 Uhr, im Rathause, Kaiserstratze. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist be rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Gembte- Zeitung Ter»grosse Coup". Wegen eines nur zum Teil geglückten„großen Coups" stand gestern der noch jugendliche Kaufmann Hermann Fischer unter der Anklage der schweren Urkundenfälschung und des Betruges vor der dritten Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Baumgarten. Der Angeklagte hatte durch empfehlende Vermittelung eines kaufmännischen Vereins eine Aushilfsstelle im Bureau der Equitable-Gesellschaft erhalten und war im Laufe der Zeit mit den geschäftlichen Gepflogenheiten der letzteren vertraut geworden. Die Eguitable-Gesellschaft hat bei einer Filiale der Dresdner Bank in der Französischen Strasse ein großes Depot und teht mit der'Bank im Kontokorrentverkehr, so dass sie bei vor kommenden finanziellen Transaktionen entsprechende Zahlung» anweisungen an die Bank gelangen läßt. Der Angeklagte glaubte Grund zu der Annahme zu haben, daß er am 1. Juli d. I. entlassen werden würde, und strebte nun danach, zu einer größeren Summe Geldes zu kommen, um evcnt. ins Ausland zu gehen. Dazu er- änn er sich den folgenden Plan: er ließ mit einer kleinen Einlage bei einer Filiale der Diskontogcsellschaft ein Konto auf seinen Namen einrichten und verstand es, diesem Konto eine recht grosse Summe zuzuwenden. Er benutzte einen günstigen Augenblick, um sich ein Formular für Geldüberweisungen der Equitable-Gesell chaft anzueignen, fälschte darauf die Unterschriften und brachte so eine Urkunde zustande, durch welche die Dresdner Bank angewiesen wurde, von dem Guthaben der Gesellschaft den Betrag von 35 666 Mark an die Filiale der Diskontogesellschaft auf das Konto Fischer zu überweisen. Der Angeklagte hob dann, um nicht Aufsehen zu erregen, zunächst die Summe von 3566 M. ab. Seinen Arbeits- kollegen hatte er vorher mitgeteilt, daß er von der Afrikanischen Diamantgesellschaft angestellt worden sei und ins Ausland gehe. Er ging aber nicht ins Ausland, sondern nach Breslau, wo er lustige Tage in der Jubiläums-Ausstellung und im Anschluß daran an Stätten, wo man sich nicht langweilt, verlebte. Inzwischen war ein Streich bekannt geworden, es wurde ein Steckbrief hinter ihm erlassen und er kam gar nicht in die Lage, noch weitere Gelder ab- zuHeben. Er behauptet freilich, daß er von Anfang an nur die Ab- icht gehabt habe, sich die 3566 M. zu verschaffen, um ins Ausland zu gehen. Er sei dazu nicht gekommen, weil er in liederliche Ge- ellschaft geraten und das Geld wie Wasser durch ein Sieb ge- rönnen sei. Er verstand es, sich noch bis zum 11. Juli verborgen zu halten, dann aber war das Geld aufgebraucht und er stellte sich, elbst der Polizei. Der Angeklagte war in vollem Umfange ge- tändig, so daß nur der Kriminalkommissar Riemann und der Prokurist Erich Winter ganz kurz vernommen zu werden brauchten. Der Staatsanwalt betonte, dass es sich hier um ein mit größtem Raffinement ausgeführtes Betrugsmanöver und um eine recht höhe Summe handle und beantragte gegen den Angeklagten 2 Jahre Gefängnis. Rechtsanwalt Dr. Georg Cohn hielt mit Rück- ficht auf das Geständnis und die offenbare Reue, die der Angeklagte über seine Tat empfinde, ein milderes Strafmass für angemessen. Der Gerichtshof erkannte auf ein Jahr Gefängnis unter Anrechnungen von zwei Monaten Untersuchungshaft. Ein„Hausfriedensbruch" im Straßenbahnwagen bildete den Gegenstand einer Anklage, welche gestern unter Vorsitz des Amisgerichtsrats Weßling das Schöffengericht Berlin-�chone- berg beschäftigte. Angeklagt wegen Hausfriedensbruch und ge-ahr- licher Körperverletzung war der Lagerverwalter Paul P i n- k i n e l l a.— Der Angeklagt«, welcher in Schöneberg beschäftigt i't, wollte am Abend des 14. Mai d. I. mit der Strassenbahn- linie 89 nach seiner Wohnung in Neukölln fahren. Nachdem mehrere besetzte Wagen vorübergefahren waren, sprang er schließ- lich auf den Anhängerwagen dieser Linie auf, auf dessen Vorder- perron schon eine überzählige Person stand. Der Schaffner des Anhängers forderte ihn mehrmals auf, den Wagen zu verlassen. Der Angeklagte weigerte sich mit dem Bemerken, daß auf dem Hinterperron des ersten Wagens sogar neun Personen ständen. Dieser Hinweis hatte zur Folge, daß sich nun auch der Schaffner des ersten Wagens einmischte, der den Angeklagten schliesslich packte und gewaltsam von dem Vorderperron herabzog. Hierbei soll P. dem Schaffner einen Fußtritt gegen den Leib versetzt haben.— Auf Grund der Novelle zum Strafgesetzbuch, nach welcher jetzt auch eine Bestrafung wegen Hausfriedensbruchs in einem den, öffent- liehen Verkehr dienenden umschlossenen Raum erfolgen kann, wurde gegen P. Anklage erhoben.— Vor Gericht bestritt der Angeklagte fich strafbar gemacht zu haben. Ihm sei leider nicht möglich gc- wesen sich Zeugen dafür aufzuschreiben, daß er zu der Zeit, als ihn der Schaffner von dem Wagen herunterriß, sich schon im Besitze eines Fahrscheins befunden habe. Rechtsanwalt Dr. I a f f c wies auf einen kürzlich veröffentlichten Artikel hin, in welchem aus�ü�rtworden�war�da��as�Zublikum�beide� lichcn Bestimmungen tatsächlich von der Gnade des Schaffners abhängig sei, wenn er nicht schon vorher recht auffällig noch ein Fünfpfennigstück bereithalte. Wenn es richtig ist, daß sich auf dem Hinterperron des ersten Wagens neun Personen befunden hatten, so mußte der Angeklagte die ihm zugefügte Behandlung als eine große Ungerechtigkeit empfinden.— Das Gericht ließ diese Mil- derungsgründe auch gelten �und verurteilte den Angeklagten zu der niedrigsten gesetzlichen Strafe von je 3 M. G e l d st r a f e. Preisrätsel in Zeitungen als Mittel zur Gewinnung von Kunden- Wegen öffentlicher Auslosung beweglicher Sachen ohne Obrig- keitserlaubnis und zugleich wegen Vergehens gegen 8 33 des Reichs-- stempelgcsetzes von 1969 ist vom Landgericht II in Berlin am 3. März der Buchhändler Artur He l b i g in Friedenau zu 1666 M. Geldstrafe verurteilt worden. Ter Angeklagte veröffentlichte im Jahre 1916 in einer größeren Reihe von Provinzialzeitungen Preis, rätsel leichtester Art lz. B. Zemt— Metz) und machte bekannt, daß jeder Einsender der Lösung, der zugleich 36 Pfennige mitsende, ein Soldatenalbum oder dergleichen erhalte. Die Rätsellöser wurden dann auch eingeladen. Kunden zu werben, und jeder, der1L6 M. einsandte, erhielt außer einem Postkartensortiment einen Sammel- bon und eine Anweisung, wie er neue Kunden zu gewinnen habe. Darauf stand den Einsendern die Aussicht offen, sehr erhebliche Preise bei einer Auslosung zu erhalten, mindestens aber einen Trostpreis. � Das Gericht hat in dem Preisausschreiben eine öffent- lichc Auslosung erblickt, zu welcher der Angeklagte keine obrigkeit» liche Erlaubnis hatte. Wenn auch in den 1,26 M. scheinbar der Gegenwert für die Drucksachen liegt, so ist darin gleichzeitig der Einsatz für die Auslosung zu sehen. Die Revision des Angc- klagten wurde vom Reichsgericht verworfen, da der strafbare Tat» bestand einwandfrei festgestellt sei. Jim aller Welt. Zu Tode gebetet. Ein unglaublicher Fall des krassesten Aberglaubens hat sich ür WerneSgrün im sächsischen Vogtlande ereignet. Der dort bei seinen Eltern wohnende 24 jährige Sticker Kurt Lücke hatte vor einigen Tagen einen Ausflug zu Rad unternommen, von dem er abends in der Djinkelheit zurückkehrte. In unmittelbarer Nähe der elterlichen Wohnung stieß der Nadfahrer mit einem Fuhrwerk zu« sammen. Bei diesem Zusammenstoß erlitt der junge Mann l e b e n s« gefährliche innere Verletzungen. Es gelang ihm aber noch das elterliche Haus zu erreichen. Dann brach er bewußtlos zusammen. Die Deichsel des Wagens war ihm in den Unter- leib gedrungen. Die Eltern des Schwerverletzten, die der Sekte der Gesundbeter angehören, riefen nun aber keineswegs den Arzt, sondern suchten ihr Heil bei den Gesundbetern. Der Vater ließ noch am selben Abend sechs Betschwestern in sein Haus kommen, zu welchen sich auch noch eine Nonne derselben Sekte gesellte. Tag und Nacht, vier Tage und vier Nächte saßen nun die Gesundbeterinnen abwechselnd am Krankenlager des Schwerkranken und verrichteten unter allerlei Zeremonien und Hokus« pokus Gebete. Auch die Eltern des Kranken nahmen an diesem Unfug der sieben Gesundbeterinnen teil, so daß manchmal nicht weniger als fünf Personen der Gesundbeter-Sekte am Lager saßen und beteten. Aber das Wunder blieb aus. Mittlerweile hatte der Gcmeindevorstand Kenntnis von dem Treiben der Gesund« beterinnen erhalten. Er begab sich in das Haus des bereits mit dem Tode ringenden jungen Mannes. Die Gesundbeterinnen fand er wieder an der Arbeit. Er machte aber kurzen Prozeß und trieb die Beterinnen zum Tempel hinaus und machte dann die Eltern des Kranken darauf aufmerksam, daß sie sich eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung zuziehen würden, wenn das wüste Treiben des Gesundbetens fortgesetzt werde. Dann holte der Ge- meindevorstand schleunigst einen Arzt herbei, der aber nur konstatieren konnte, daß eS mit dem Kranken zu Ende gehe. Auf dem Wege nach dem Krankenhause verschied der junge Mann nach qualvollen Leiden. Bier Hochtouristen tödlich verunglückt. Wie cin Telegramm aus Bern meldet, unternahm eine ans drei Herren und einer Dame bestehende Touristenkolonne am letzten Freitag eine Besteigung des Piz di Palü in der Berninagruppe. Die Kolonne war zuletzt am Sonn- abend früh gesehen worden und wurde seitdem vermißt. Nachdem die am Montag aufgebrochenen Rettungskolonnen wegen des. S ch n e e st u r m s unverrichteter Dinge hatten umkehren müssen, brachen am Dienstag zwei neue große Führerkolon- nen zur Suche nach den Vermißten auf. � Dabei wurden dann alle vier Touristen tot in einer Gletscher- s p a l t e g e f u n d e n. Die Leichen sind geborgen worden. Die Toten sind zwei Herren und eine Dame aus S a in a d e n und der etwa dreißig Jahre alte Kurgast Franz Milczewski aus Berlin. Endlich mal ein warmer Regen. Im Leitartikel der„Dresdener Volkszeitung" über die Er- öffmmgssitzung des Parteitages lesen wir folgende schmeichelhafte Anerkennung: „Aus allen Reden rang sich empor der heiße Wille zum Borwärt s. Und dieser selbe Wille zum Vorwärts soll den ganzen Deutschen Parteitag erfüllen." In weiser Voraussicht dieses durchaus berechtigten Verlangens hat unser Verlag dafür Sorge getragen, daß alle Delegierten während der Dauer des Parteitages ein Exemplar des„Vorwärts" erhalten._ Kleine Notizen. 500000 Mark unterschlagen. Wegen Betrügereien in Höhe von 506 666 Mark sind in Hamburg der Oberir-spektor S i b b e r S und der S t a u e r I o h n S t e h r von der Hamburg- Südamerikanischen Dampff'chiffahrtsgesellschast verhaftet worden. Absturz eines Militärflugzeuges. Am Mittwoch vormittag stürzte in der Nähe des Flugplatzes Puchheim ein Militärflugzeug ab. Die Insassen, zwei Offiziere, wurden dabei verletzt. Panik in der Spielhölle. In der vergangenen Nacht drang ein kürzlich entlassener Beamter des Kasinos in San Sebastian während eines Festes in den Spielsaal und feuerte fünf Revolver- s ch ü s s e auf den Kasinodirektor B o u e l l e ab. der schwer verwundet zusammenbrach. Unter dem Publikum entstand eine P a n i k. Der Täter ließ sich widerstandslos festnehmen, Drei Personen ertrunken. Ter Oberschwcizer der. Kolonial- 'chule in Witzenhausen, G Y g e r, unternahm mit seinen beiden Kindern eine Bootsfahrt auf der Werra. Dabei stürzte sein sieben Jahre altes Töchtcrchen aus dem Kahn und wurde von der Strömung fortgerissen. Bei dem Bemühen, das Kind zu ergreifen, beugte sich Gyger aus dem Boot heraus, dieses schlug um und alle Insassen ertränken. P�raniwonlicher Redakteur: Alsrcp Wicsepp, Neukölln. Für den Lnjeralenteil oeranUv.l TH. Glocke, Berltn. Drucku. Verlag: Vorwart» tvMSruckeret Perlagsansialt Paul Smger u.Eo., Berlin SM Singegangene Drucfcfchnftcn. Kommunale Praxis-. Nr, 36—39. DaS Abonnement auf die wöchentlich erfcheinende„Kommunale PrariS" beträgt pro Quartal 3 M. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen. Postanilallcn und Zeitung«- speditiolien entgegen. Die Nummern 38 und 39 smd als Topvelnummer erschienen und bringen ausführliche Arbeiten über die Tätigkeit der Ge- mcinden in den Städten und Landorten, in denen die Sozialdemokratie die Mehrheit belitzt. Die Doppclnummer ift im Buchhandel zum Preise >!. erhältlich, Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW 68.