Kr. 244. RbonnemcntS'Bedlngangtn: Konnemcntä» Preis pränumerando! Liertcljährl. Z,Z0 Mk, monatd 1,10 Mk, wöchentlich SS Pfg. frei ins HauS. Sinzeine Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit Mustrierter Sonntags- Betlage„Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- kldonnement: 1,10 SKürk pro Monat. Sing-tragen in die Post-Zeitungs- Preislisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn R50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. kklcheilil tZgllch. Verlinev Volksblntt. 30. Jahrg. vle Tnf«rtions*Gcbü!)r beträgt für die fcchsgcspaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg., fjir politische und gewerkschaftliche Bercius- und BersnmmlungS-Anzcigen 30 Pfg. „Uleine?ln:eigen", das fettgedruckte Wort S0 Pfg.(zulässig S fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lö Buch' ! laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer ntüfsen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozialdcmolirat Berlin", Zentralorgan der Ibzialdemokratifchen Parte» Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstraesc 69. Fernsprecher: Amt Morilsplah, Nr. 1383. Freitag, den 19. September 1913. Sxpedition: 8M. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morittpln«, Nr. 1381. für die Arbeitslosen! H. St. Jena, 18. September. Die Sozialdemokratie trägt einen Januskopf. Sie hat zwei Gesichter. Wenigstens erscheint das ihren Gegnern so, die die in sich geschlossene harmonische Bildung des Parteikörpers nicht zu be- greifen vermögen. Die Sozialdemokratie kämpft in himmelan- stürmendem Titanentrotz für ihre letzten politischen und gesellschaftlichen Ideale. Aber die gleiche Partei, die ihre Sehnsucht und ihre Begeisterung soeben erst den kühnsten Zukunstsgesichtern zugewandt hat, findet sich im nächsten Augenbliik auch arbeitsfreudig und schaffenseifrig zu den Aufgaben zurück, die gebieten, auf dem spröden, steinigen Boden der kapitalistischen Gegenwart die Ernte der Zukunft zu bestellen. Die Proletarier- saust, die das Schwert zu schwingen hat für die Bahnung des Zukunftswcges, hat dennoch nicht verlernt, auch den Pflug in das harte Erdreich zu drücken, damit den mühsam gezogenen Furchen die künftige Saat cntsprieffe. So entsprach eS nur alter Partei- und Parteitagsgepflogenheit, daß dem hitzigen Meinungsstreit über unsere Taktik und der ernsten Wägung unserer künftigen Kampfcsmittel unmittelbar die Ver- tiefung in eine soziale Aufgabe folgte, die die k r a f t v 0 l l st e praktische Gegen wartS arbeit zur Voraussetzung hat. Der Zukunft, der Erringung noch weit abliegender Positionen, der Verwirklichung unseres Endziels galt im tiefsten Grunde der Streit über den Massenstreik. Um die Erlösung des ganzen Volkes aus den Ketten des Kapitalismus handelte sich's dabei. Aber mit dem gleichen leidenschaftlichen Interesse, mit nicht minderer Anteilnahme beriet der Parteitag heute über die Mittel, um das Los der Arbeitslosen zu mildern, uni diese Opfer kapitalistischer Wirt- schastspolitik vor dem Schicksal zu behüten, in Elend und Ver- kommenhcit hinabgestohen zu werden. DaS Referat über diese wichtigste soziale Gegenwartsfrage hatte Genosse Timm übernommen. Und ihm muff das Zeugnis aus- gestellt werden, daß er seiner schwierigen Aufgabe im vollsten Umfange gerecht wurde, daß er zwar eine Fülle von Einzelmaterial zur Beleuchtung des Problems zusammengetragen hatte, daß er aber gleichwohl nicht einen Augenblick die grosien politischen nnd sozialen Gesichtspunkte aus dem Auge verlor. Die Linderung der Arbeits- loseninisere galt ihm als dringlichste GegenwartSaufgabe— aber nicht um humanitärer oder sozialer Quacksalberei das Wort zu reden, sondern um durch Ausfüllung einer klaffenden Lücke unserer öffcnt- lichen und gewerkschaftlichen Sozialfürsorge das Proletariat reifer und tüchtiger zu � machen für die viel größeren bevor- st e h e n d e n EmanzipZtionSlämpfe der Zukunft. Gewiß sollen Not und Elend der Gegenwart gemildert werden, mn den Hunderttausenden die verzweifelten Nöte des Daseins zu lindern; aber die Bewahrung dieser bemitleidcnS- wertesten Opfer unseres brutalen Wirtschaftssystems vor körperlicher und geistiger Entartung soll zugleich das Mittel sein, um der vollen Befreiung der Arbeiterklasse, der endgültigen Mensch- werdung der Prolctariermasscn die Wege zu bereiten. Das Referat deS Genossen Timm soll nach Parteitagsbeschluß als besondere Werbeschrift die verdiente Verbreitung finden. Nichts- deftoweniger— und trotz des eingehenden Verhandlungsberichts— seien hier die leitenden Gesichtspunkte seines Vortrages wieder» gegeben. Der Redner begann mit der Kennzeichnung des kapitalistisch- imperialistischen Aberwitzes. Ein wilder Völkermord hat die östlichen Teile Europas verwüstet, ungeheuere Opfer an Blut und Gut ver- schlungen, hat auch das vermeintliche alte Kulturreservat des West- lichen Europas in ein einziges Waffenarsenal verwandelt. Diese unseligen Zustände, die jeglicher Zivilisation, aller gesunden Vernunft spotten, haben die ohnehin wieder einmal kritische Wirtschaftslage vollends erschüttert, haben der normalen Produktion die Mittel ent- zogen und Westeuropa mit einer neuen Armee von arbeitsuchenden ausländischen Proletariern überschwemmt. Selbst nach dem führenden Zentrnmsorgan befindet sich zurzeit in Deutschland eine Million ausländischer Proletarier, wogegen in den verschieden- sten Industriezweigen, im Baugewerbe, der Textilindustrie usw., bereits die schlimmste Gcschäftsflauheit eingetreten ist. In München z. B. sind 8V2 Proz. Arbeitslose gezählt worden, und viele davon sind seit Jahr und Tag dem nacktesten Elend preisgegeben. Aber nicht nur in der einen Großstadt, dem einen Landes- teil grassieren Arbeitslosigkeit und Reduktion der Arbeitszeit auf Kosten der Entlohnung, sondern in zahlreichen Großstädten, Industriezentren und Landesteilen finden wir das gleiche trost- lose Bild. Selbst ehrliche bürgerliche Politiker und einsichtsvolle Sozialpolitiker haben längst dies Elend anerkannt und Abhilfe ge- fordert. Aber ihre Rufe sind in den Reihen ihrer eigenen Parteigenossen verhallt, sind in der Parteipraxis völlig unbeachtet geblieben. Selbst ein Bismarck hat seiner Zeit ge- fordert, daß die Existenz aller Volksindividuen von Staats wegen sicher gestellt werde— und heute befinden wir uns noch weltenfern von der Verwirklichung dieser Forderung! Die Sozialdemokratie allein ist seit vielen Jahren am Werke gewesen, um wenigstens das schlimmste Elend der Arbeitslosigkeit auszurotten. Sie forderte und fordert auch heute wieder zu ihrer Bekämpfung die schleunigste Inangriffnahme aller zu vergebenden öffentlichen Ar- besten. Aber nicht im Sinne von Notstands arbeiten zu herabgesetzten Löhnen. Sie will keine Lohndrückerei, sondern Einhaltung der tariflich festgelegten Löhne oder wenigstens die ortsüblichen Normallöhne. Sie bekämpft gerade nachdrücklichst die bürgerliche Theorie und Praxis, daß die Arbeitslosigkeit zu Krisenzeiten die ersehnte Gelegenheit gebe, die Arbeitslöhne zum Vorteil der raffgierig brutalen Kapitalisten- klaffe herabzudrücken und damit die Erfolge der Gewerk- schaftsarbeit wenigstens zum Teil wieder zu vereiteln! Die Sozialdemokratie verlangt, daß eine öffentlich-rechtliche, auf breiter Basis aufgebaute Arbeitslosenversicherung dem Elend der Arbeitslosigkeit organisch steuere. Die. freien Gewerkschafts- organisationen haben bereits Gewaltiges auf diesem Ge- biete geleistet, unzählige Millionen aufgewendet, sie haben allein im Jahre 1912 für ihre Arbeitslosen annähernd neun Millionen in Deutschland verausgabt. Aber gegenüber so furchtbaren Krisenzeiten, wie sie jetzt über Deutschland hereinzubrechen drohen, ist diese Selbsthilfe völlig ungenügend. Wir verlangen, daß der Staat, der unzählige Milliarden für den Rnstungswahnsinn ver- schleudert, endlich auch hier tatkräftig eingreift, lind je mehr das Scharfmachertüm sich zusammenschart, um unter Ausnutzung der Wirtschaftskrise die Arbeiter in die Knie zu zwingen und rücksichtslos seiner Lohnsklaverei dienstbar zu machen, desto kraftvoller muß auch die Arbeiterklasse sich rühren und durch straffstes Zusammenwirken dem Staate und der Gesellschaft ihre Forderungen abzuringen suchen. Industrielles Scharfmachertüm und Agrariertum gehen hier wie allezeit Hand in Hand. Dieselben Agrarier, die das Volk durch eine unerhörte Lebensmittelverteuerung ausbeuten, lassen mit den Schleifsteindrehern der Industrie unr die Wette den Ruf nach Zuchthausgesetzen erschallen. Wir wissen also,, welch ungeheuer schwierigen Kampf unser Drängen nach einer Arbeitslosenversicherung voraussetzt, aber wir sind entschlossen, diesen Kampf erfolgreich zu führen I Die Agrarier verhöhnen die Opfer der Arbeitslosigkeit. Sie sprechet: schamlos von Arbeitsscheu, sie verlangen Zurück� sührung der Arbeitslosen auf das platte Land. Dabei ist z. B. in Bayern einwandfrei festgestellt, daß in der bayerischen Landwirt- schaft gleichfalls bereits ein Ucberangebot von Arbeitskräften vorhanden ist, wie denn überhaupt die Landwirtschaft diesen geringen Teil der Opfer unseres Wirtschaftssystems höchstens für 1—2 Monate Unterschlupf zu gewähren vermöchte. Aber auch das Agrariertum möchte gar zu gerne den ArbeitSmangel seinerseits zu rücksichtS- losester Lohndrückerei ausnützen. Diesen Attentaten gegen die Arbeiterintcressen gilt es den organisierten Angriff des Proletariats gegen- überzusetzen: das ungestüme Verlangen nach der Arbeits- losenversicherung. Längst sind ausländische Staaten mit gutem Beispiel vorangegangen. Dänemark hat bereits die obliga- torische Verpflichtung für Staat und Gemeinden eingeführt, den Gewerkschaftsorgainsatioiieiv erhebliche Zuschüsse zur Arbeitslosen- fürsorge zu gewähren. Dieser kleine Staat, der nur halb so viel Einwohner zählt wie Bayern, hat 1910/11 an staatlichem Zuschuß mehr als 766 000 M. und an Zuschuß der Gemeinden fast 650 000 M. geleistet. In England sind seit kurzem 2'A Millionen von Arbeitern zwangsweise versichert und bereits viele M i l- l i 0 n e n an öffentlichem Zuschuß gezahlt worden. Vor allen Dingen beweist aber auch das Vorbild dieser Staaten, daß die staatliche Zwangsversicherung vorzüglich mit der Selb st ver waltung der Arbeiterorganisationen in Ein- klang zu bringen ist! Der Redner ging dann auf die Er- fahrungen der Einzelstaaten und Kommunen in Sachen der Ar- bcitslosenvcrsicherung ein. Er führte dabei den bündigsten Nach- weis, daß vor allem das sozialpolitisch so renommiersüchtige Z e n- t r u m schmählichst versagt und die sozialdemokratischen Anträge systematisch hintertrieben hat. Und wie in den Einzel- staatcn, so auch im Reich c. Natürlich seien die übrigen, speziell die liberalen Spielarten des Bürgertums, auch um kein Haar besser und arbeiterfreuudlichcr; immerhin habe es sich in Bayern gezeigt, daß es doch gelingen könne, durch die rücksichtslose proletarische Initiative auch die Liberalen vorwärts zu treiben— durch die Furcht vor den Folgen des gleichen Wahl- rechts! So sei es möglich, durch nachhaltiges, rücksichtsloses Trängen dem Bürgertum auch hier Zugeständnisse abzutrotzen durch ein Drängen, das getragen sei von einer großen systematischen Aktion der Volksmas sc n. Möge die Arbeiterklasse alle ihre Kraft einsetzen für eine wichtige Kulturtat für die Arbeiter- klaffe, für die Menschheit! In der Diskussion fanden die Ausführungen Timms vielfach die wertvollste Ergänzung durch zahlreiche Redner, die über Einzel- erfahrungen zu berichten hatten. Besonders warme Töne fand Genosse W i n n i g, der die Arbeitslosenversicherung nicht nur für die dringendste soziale Forderung des Proletariats, sondern für die Aufgabe aller human Denkenden erklärte. Da war es diesem wohl- gemeinten Enthusiasmus und Optimismus Winnigs gegenüber keineswegs unangebracht, daß Timm in seinem kernigen Schluß- wort noch einmal auseinandersetzte, daß die Frage der Arbeits- losenversicherung von den einzelneu Klassen durchaus vom Stand- punkte ihres wirtschaftlichen Vorteils aus nüchtern bc- trachtet werde. Mau möge deshalb auch die theoretisch noch so „gründlichen" Erörterungen bürgerlicher Sozialpolitiker nicht überschätzen. Auf der Genfer Konferenz habe man zivar die denk- bar„gründlichste" Erörterung gepflogen, aber leider sei es nicht zu einer ebenso gründlichen Verdichtung der Ansichten zu kategorischen praktischen Forderungen gekommen! Viel wertvoller sei es da gewesen, wenn z. B. der letzte Katholiken- tag in Metz entschiedene Stellung zu der Frage genommen hätte. Statt der gewichtigen Taten gebe es aber höchstens schöne Worte. Das Wichtigste und einzig Erfolg Versprechende bleibe deshalb die großzügige Organisation der Kundgebungen für die Arbeitslosenversicherung. Tie prächtige Debatte fand ihren wirksamen Abschluß in der einstimmigen Annahme der von Timm empfohlenen Resolution. Mag nun die Partei rüstig und unwiderstehlich ins Werk setzen, was ihre Vertreterschaft in Jena beschlossen hat! Die Nachmittagssitzung wurde durch das gründliche Referat des Genossen Wurm über die Steuerfrage ausgefüllt, dessen Gedanken- gängen die von ihm bereits seit Wochen der Ocffentlichkeit unter- breitete Resolution zugrunde lag. Wir werden auf Wurms Darlegungen bei der Würdigung der gesamten Stcuerdcbatte morgen zurückkommen. poUtilcKe Qebcrlicbt. Antisozialpolitischcs ttnternehmerschutzkartell. Immer deutlicher wird dem zwischen dem Zentralvcrband deutschen Industrieller, dein Bund der Landwirte und dem Reichsdeutschen Mittelstandsverband abgeschlossenen Bündnis in der konservativen Presse als nächstes erstrebenswertes Ziel der Kampf gegen die Arbeiterbewegung empfohlen, da in ihrem Widerstand gegen die„Herrschsucht" und den„Terro- rismus" der verhetzten Arbeiterschaft alle drei Gruppen völlig einig seien und gleiche Interessen zu vertreten hätten. Auch die„Kreuzztg." leistet sich jetzt in ihrer letzten Nummer einen Leitartikel, in dem sie den Großindustriellen des Zentral- Verbandes nachzuweisen sucht, daß si'e, wenn sie den sogenann- tcn Streik- und Organisationsterrorismns der Arbeiter brechen wollten, dies nur mit Hilfe der Agrarier und Mittel- standler erreichen könnten, da die nationalliberale Partei völlig versage. Man möge deshalb die Per- ständigung über zollpolitische Dinge vorläufig zurückstellen und dafür die Lösung gewisser anderer fragen in Angriff nehmen: „Als solche Fragen", heißt es weiter,„sind neben der Auf- rechierhaltung der bisherigen Wirtschaftspolitik besonders ge- nannt: nicht— wie es in der Linkspresse heißt— Einschränkung der Sozialpolitik, sondern Abwehr übertriebener und unerfüllbarer, um der Masseng nnst willen ge stelltest sozialpolitischer Forjde. rungcn, Wahrung der Autorität deS Unter- nehme rs in seinem Betriebe, besserer Schutz gegen Streik- und Organisationsterrorismus, Schutz der Arbeitswilligen. Das sind gar nicht eigentlich konservative Programmpunkte; besonders würden sie es dann nicht sein, wenn die konservative Partei, wie man ihr stets vorwirft, einseitige Agrarpartei wäre. Sondern eS handelt sich bei diesen Fragen in erster Lime um berechtigte Interessen des Unternehmertums in Stadt und Land, die eben, weil sie be- rechtigt sind, auch dem allgemeinen Interesse entsprechen.,.. Für eine gerechte Abwägung der Interessen auch des gewerb- lichen Unternehmertums versagt die nationalliberale Partei, wenn sie dem Großblock immer mehr sich annähert, wenn sie in allen Wahlkämpfen stramm gegen rechts mit dem der Sozialdemokratie auf Gedeih und Verderb eng verbündeten Fortschritt zusammenhält, wenn die Zahl ihrer Abgeordneten stetig wächst, die mit sozialdemokratischer Hilfe und auf Grund der Anerkennung sozialdemokratischer Bedingungen gewählt sind, wenn sie ihre Politik bewußt auf Massenpopularität abstellt, wenn sie die Bestrebungen auf Verbesserung des gesetzlichen Ar- bcitswilligenschutzes ablehnt, wenn sie den in Staat und Ge- mcinde scharf erfaßten Besitz einer direkten, auf Ersparnisse und Fortschritt gelegten Sonderstcuer unterwirft, um sich nicht in den Bannkreis des schwarz-blauen Blocks zu begeben, und die Mehrheit der Linken zur Geltung zu bringen." lind dieselbe Mahnung, zunächst gemeinsam die>,g e- w i s s e n l 0 s c n Hetzer" zu bekämpfen richtet einer der Führer der Reichspartei, Herr Otto Arendt, im roten „Tag" an Großindustrielle und Agrarier: „Wie die Landwirtschaft, so ist auch die Industrie durch den Radikalismus bedroht. Der Radikalismus untergräbt die Autorität und zerstört den sozialen Frieden. Der Radikalismus ist freihändlerisch und versagt der Industrie den Schutz gegen das Ausland. Ter Radikalismus treibt Konsumentcnpolitik und übersieht dabei mix, daß die Voraussetzung jedes Konsums die Gütcrerzeugung ist. Die Verbilligung unter den angemessenen Preis ist ein Vorteil für den Augenblick, aber ein dauernder Schade, weil dadurch der Ruin der schaffenden Arbeit herbei- geführt wird. Hier ist es, wo sich der Landwirtschaft und der Industrie Handwerk und Gewerbe zugesellen. Auch sie fordern mit Recht den angemessenen Preis. Auch sie fühlen sich vom Radikalismus bedroht, der die Autorität untergräbt und zu einer Zwangsherrschaft der Sozialdemokratie auszuarten droht. Gleiche Gegner führen stets zu g e- m einsam er Abwehr zusammen. Landwirtschaft, In- dustrie und gewerblicher Mittelstand können sich einzeln des Radikalismus nicht mehr erwehren, sie gehören zu- sammen und müssen sich zusammenfinden— der Block der Erwcrbsstände ist eine notwendige Folge der Organisation der Massen durch die Sozialdemokratie." Also zunächst gegen die Arbeiterbewegung! Ter Name „V e r t e u e r u n g s k a r t e l l" paßt nicht mehr: die Inter- esscngcmeinschaft der wahlverwandten industriellen und agra- rischen Seele muß, wenn sie nicht unter falscher Flagge segeln will, ihre Firma in„Antisozialpolitisches Ilnterehmerschntz- kartell" ändern._ Rederei. DaS„Verl. Tagcbl." sucht sich heute mit einigen Ausflüchten um. unsere Anklage der Angstmeierei herumzudrücken. ES spricht da- von, daß unsere Auffassung des Massenstreiks, die sich mit der Rosa Luxemburgs decke, vom Parteitag desavouiert worden sei, und wir, um nicht gegen den PartcitagSbeschluß zu polemisieren, gegen seine Massenstreikängste Front machen. Darin täuscht sich daS Blatt gründlich. Wir haben in der Masscnstrcikfrage nie die Auffassung oder vielmehr die wechselnden Auffassungen Rosa Luxemburgs vertreten, sondern unsere eigene, und die Zitate aus unserem Partei- tagSartikel beziehen sich nicht, wie daS„Verl. Tagebl." für seine Be- dürfgisse zurechtmacht, auf den Massenstreik, sondern auf den Kampf gegen den Militarismus. Wir selbst stimmen dem Partei- t a g s b e s ch l u ß um so eher z u, als der Parteitag gar nicht anders beschließen konnte, als er tat, nachdem ihm einmal zu denkbar ungünstigster Zeit ein Beschluß auf- genötigt worden ist. Aber gerade deshalb mußten wir uns gegen eine falsche Interpretation wenden, die aus dem klaren Wortlaut des Beschlusses und der trefflichen Erläute- r u n g, die S ch e i d e m a n n in seinem Schlußwort, mit dem w i r i n a l l e in wesentlichen ü berein st im n, en, der Re- solution gegeben hat, das Gegenteil herauszulesen bemüht ist. Wenn der Massenstreik heute in Deutschland so viel schwieriger im Kampf um daS Wahlrecht anzuwenden ist, so auch deshalb, weil der deutsche Liberalismus sich sofort angstvoll gegen die Arbeiterschaft wendet, sobald der Kampf ernsthaft werden könnte. Mit der„gemeinsamen Taktik der Linken", der faulen Zauberformel des„B. T.", hat diese Frage schon deshalb nichts zu tun, weil diese.Linke" im Dreiklassenhaus eine hoffnungslose Minorität ist und unter diesem Wahlrecht bleiben muß, da alle taklisch- parlamentarischen und Wahlkünste von vornherein vergeblich bleiben müssen. Die Formel von der„gemeinsamen Taktik" ist in Preußen nur eine Ausrede für politisches Nichts- tun; das Dreiklassenwahlrecht kann nur außerparlamentarisch überwunden werden und deshalb ist die Stellung zur Massenstreik- frage ein untrügliches Zeichen für die Echtheit oder Unechtheit des �.Mflens zum gleichen Wahlrecht, die mit der ganz anderen Frage, wann der Massenstreik anwendbar ist, zunächst nichts zu tun hat. Für die polemischen Manieren und den„Geist" des„Verl. Tage- blattS" ist es übrigens lennzeichnend, daß es aus einem Korrektur- fehler, der aus dem„Zentralvcrband deutscher Industriellen" den „Bund der Industriellen" gemacht hat, unsere Sachunkcnntnis her- leiten will, obgleich wir in derselben Nummer einige Zeilen vorher uns recht ausführlich mit der Stellung des Zentralverbandes be- schäftigt haben._ Ter Hansabund gegen de» amerikanische» Tabaktrust. An das Rcichsamt des Innern ist eine Eingabe des Hansa- bundes gelangt, in der die Bitte ausgesprochen wird, eine staatliche Enquete' über die Beziehungen des amerikanischen Tabaktrustes zur deutschen Zigarettenindustrie baldigst in die Wege zu leiten. Begründet wird diese Forderung damit, daß seit einiger Zeit in der deutschen Zigarettenindustrie eine lebhafte Bewegung gegen den amerikanischen Tabaktrust eingesetzt hat. Eine Reihe deutscher Fabriken soll bereits ganz oder teilweise in den Händen des Trusts sein und es bestehe die Gefahr, daß die ganze deutsche Zigaretten- industrte unter die Botmäßigkeit deS Trusts komme. AuS privaten Interessentenkreisen heraus hat sich bereits ein Verband zur Abwehr des Tabaktrustes gebildet, der aber die ihm gestellte Aufgabe kaum erfüllen kann. Unter diesen Umständen wird ein staatliches Eingreifen als eine unabweisbare Notwendigkeit bezeichnet. Bedenkliche Erscheinungen. Die nackten Zahlön der Statistik zeigen in vielen Gegenden eine Verringerung der großen landwirtschaftlichen Betriebe und ein An- wachsen der Zahl der kleinbäuerlichen Wirtschaften. Daß diese Ent- Wickelung sich aber vielfach unter volkswirtschaftlich ganz bedenklichen Erscheinungen vollzieht, zeigt der in der jüngsten Nummer der .Hannoverschen Land- und F-or st Wirt schaftlichen Zeitung", dem amtlichen Organ der Landwirtschaftskammcr, veröffentlichte Monatsbericht deS landwirtschaftlichen Hauptvereins für OstfrieSland an die LandwirtschaftSkammer. ES heißt da, „daß in manchen Gemeinden fOstfrieslands) leider über die Zerstückelung bäuerlicher Betriebe zu klagen sei. Junge Bauern setzen sich zur Ruhe, bleiben auf ihrem Wohnplatze . sitzen und bringen die zum Wohnhause gehörenden Ländereien stückweise zur Verpachtung. Damit beginnt die Zerstückelung. Für die stückweise verpachteten Ländereien werden zum Teil enorme Pachtprcise bezahlt, die eine Rente für den Pächter so gut wie ausschließen". Diese Notiz weist auf den wundesten Punkt unserer Agrarwirt- schaft hin: der Preis des BodenS, ganz gleich ob er käuflich erworben oder ob er gepachtet wird, st e i g t in ganz u n g e- heuerlichem Maße, und zwar bei Stückländereien noch be- deutender als bei ganzen Gütern. Und wenn dann bei diesen hohen Bodenpreisen die Bewirtschaftcr keine Rente erzielen, schreien sie nach staatlicher Hilfe, um so auf Kosten der Allgemeinheit ihre Existenz zu sichern. Dabei handelt es sich nicht etwa um der- einzelte örtliche Erscheinungen. Wie wir vor einigen Tagen aus dem Jahresbericht der Landwirtschaftskammer in Ostpreußen mitteilten, sind auch dort Grund und Boden weiter im Preise ge- stiegen. Vielfach werden über SOO M. für den Morgen salso rund 2000 M. für den Hektar) bezahlt, nicht selten sogar KOO, 700 und 800 M. Auch die P a ch t p r e i s e seien voll dieser Erhöhung nicht unbeeinflußt geblieben. Wörtlich heißt es: .Daß die durch eine Steigerung der Renta- bilität keineswegs begründete Erhöhung der Bodenpreise für das landwirtschaftliche Gewerbe eine ernste Gefahr bedeutet, wird von den maßgebenden Stellen anerkannt. Abgesehen von der zunehmenden Verschuldung des Grund und Bodens werden leider der Landwirtschaft dadurch auch Elemente zugeführt, die das Gut rmr als eine Verkaufsware ansehen." Wenn die in der außergewöhnlichen Preissteigerung des Grund und Bodens liegende„ernste Gefahr" für die Landwirtschaft von den„maßgebenden Kreisen" anerkannt wird, dann ist es um so bedauerlicher, daß von diesen maßgebenden Kreisen nichts Wirk- sames unternommen wird, die Gefahr zu bannen. In jenen Kreisen verlangt man im Gegenteil immer höheren Zollschutz, noch schärfere Grenzsperren usw., Einrichtungen, die samt und sonders die künstliche Preistreiberei im Güterhandel begünstigen und damit die dem landwirtschaftlichen Gewerbe drohende„ernste Gefahr" noch mehr steigern. Geht die Sache so weiter, kann eine landwirtschaftliche Krise nicht ausbleiben. Aus dem päpstlichen Rom. Das„Neue Jahrhundert"(Nr. 37 vom 14. September) bringt„Religiöse Reiscbilder" aus der Feder eines katholischen Pfarrers, der nach Malta gepilgert ist. Bei der Beschreibung Roms beginnt er mit dem Besuch des Pcterdoms, den er, wie er hervorhebt, zu Fuß aufsuchte. Zu Fuß zu gehen, sei der A p o st e l Art gewesen. Dann schreibt er weiter: „Heute ist es anders. Die Nachfolger der Apostel, Kardinäle, Bischöfe und Prälaten fahren in noblen Karossen, und die Söhne des Hl. Benedikt und des Armen von Assisi auteln. Nur der Lnndpfarrer geht noch zu Fuß. Warum das so ist und so fein muß, wissen die Bischöfe von Metz und Trier, die ihrem Klerus das Auteln verbieten, und ihn dahin belehrt zu haben, daß sich das mit der Einfachheit des Pfarr- standcö nicht vertrage. Den Kardinälen ist das Ausgehen zu Fuß überhaupt verboten. Darum sammelt auch die Christenheit reich- lich P e t e r s p f e n n i g e für den Gefangenen im Vatikan und seine Räte und deren Diener und Dienerinnen, Neffen und Nichten. Der Nepotismus(Vetternwirtschaft. Red.) ist uralte gut kirchliche Tradition und hat mit Modernismus und Reformertum nichts gemein." Die„zigarrenrauchenden/ hcllebardentragcndcn Schlveizcr der päpstlichen Pnlaftgarde" nennt der Verfasser„ein teures Spielzeug" ohne Sinn und Wert, aber sie sei schmuck„und die Gläubigen bezahlen auch für sie den P e t e r s p f e n n i g". Vor der Riesenstatue des Heiligen Petrus ruft der Pilger auS:«O Petrus, waS ist in 1000 Jahren aus deiner röinischcn Gründung geworden!", und er schreibt nun, die PctruSstatue sei„Sinnbild der katholischen Kirche, wie es kein zweites gibt. Erdrückend groß und majestätisch, innen aber kalt, leer, nicht herz- erquickend". An anderer Stelle schreibt der Verfasser, daß er es bisher als schmähliche Verleumdung betrachtet habe, wenn gesagt wurde, daß in Rom„an demselben Beichtstuhl gleichzeitig zwei, ja drei Personen beichten, eine rechts, eine links, eine vornehinein"; nun aber habe er es selber gesehen und sich empört. Heute ärgere er sich nicht mehr darüber, denn er wisse,„daß diese Ohren- beichte nicht der Herr und seine Apostel eingesetzt haben, und daß sie der Heilige Augustin(5. Jahrhundert. Red.) noch nicht gekannt habe." Der frühere crzbischöiliche Kanonikus Rufus, der Reform- katholik, der jetzt im italienischen Kultusministerium arbeitet und dse Verhältnisse natürlich gut kennt, habe ihm vieles über Rom, den Vatikan und dessen Bewohner erzählt: „Alles läuft hier hinaus auf Macht und Ein« fluß und vor allem auf Geld. Die Länder, die Fürsten, die Kunst, die Wissenschaft, der Handel, alles soll sich beugen und sich der fcholasiischen Schablone fügen. Wer den schwer st en P e t e r S p f e n n i g bringt, ist am willkommensten. Als dem Kardinal Fischer(der kürz- lich gestorbene Kölner Erzbischof; Redaklion) der Vor- wurf gemacht wurde, er habe seine Herde schlecht ge- weidet, replizierte er diesen Vorwurf mit den Worten: „aber gur geschoren", reichte einen s ch w e r en P» t e r s- Pfennig dar und alles war wiederum gut. Nach Geld lechzt, nach Geld verlangt alles in Rom. Auch lvas„gut katholisch und päpstlich gesinnt" ist. Was wir in dieser Zeitschrift schon über Rom gelesen haben, und was ge- legentlich liberale und freisinnige Zei- tun gen berichte n> ist durchaus keine lieber- treib nng. Der hohe Klerus besitzt und schtoelgt und niacht sich das Leben— gelegentlich auch da« Zölibat— leicht, und der niedere KlernS darbt und sehnt sich nach Besserstellung und setzt sich über die kirchlichen Vorschriften hinweg. Diese sind per i forestieri(für die Ausländer. Red.), besonders für die Deutschen. Uebermächtig sind die Orden. Sie haben alle in Ronr ihre Häuser und ihre Generalobern und bilden ein wohl- organisiertes Heerlager, während dem W c 1 1 k l e r u s jede Organisation verboten ist: er ist und bleibt ein H e l o t c n st a n d, und nur Sklavenseelen sehen das nicht ein und finden in ihm ihre Befriedigung."___ Fehlgeburten. Infolge des Geburtenrückganges versucht man in Magdeburg seit 1010 auch die Zahl der Fehlgeburten statistisch zu erfassen. Für das Jahr 1012 wurde eine Verbesserung der Statistik dadurch erzielt, daß auf eine Aufforderung des Kreisarztes hin auch ein Teil der Magdeburger Acrzte vierteljährliche Meldungen über die von ihnen behandelten Fehlgeburten— ohne Nennung von Namen — erstattet. Das so erlangte Material ist natürlich keineswegs vollständig; es läßt aber die ungewöhnliche Größe der Zahl der Fehlgeburten ahnen. Im ganzen wurden nämlich 1012 in Magde- bürg nicht weniger als 1158 Fälle von Fehlgeburten gezählt. Da- von entfielen 1215 auf verheiratete und 232 auf leoige Frauen. Auf 1000 eheliche Geburten entfielen 221, auf 1000 uneheliche Ge- burten 238 Fehlgeburten. Die verhältnismäßig höchste Zahl von Fehlgeburten weist bei den verheirateten Frauen das Lebensalter vom 25. bis 30. Jahre mit 32 Proz. auf, bei den unverheirateten das Jahrfünft vom 20. bis 25. Lebensjahr mit 58,5 Proz. Be- rücksichtigt man indessen die Geburtenhäusigkeit der verschiedenen Lebensalter und stellt hierzu die Häufigkeit der Fehlgeburten in Vergleich, so ergibt sich mit dem zunehmenden Alier eine starke Steigerung. Aus das Alter bis zu 20 Jahren cntsielcn auf 1000 standesamtlich gemeldete Geburten nur 57 Fehlgeburten, bei 20 bis 25 Jahren bereits 123, bei 25— 30 Jahren 213 und bei den älteren Ehefrauen sogar 341 Fehlgeburten. Auch die Frage wurde gestellt, die wievielte Geburt die beobachtete Fehlgeburt ist. Sie wurde bei 1084 Frauen beantwortet.'Danach waren die Fehige- burten in 71 Fällen Erstgeburten, 101 zweite, 221 dritte, 181 vierte, 151 fünfte, 82 sechste, 54 siebente, 43 achte, 28 neunte,� 0 zehnte, 12 elfte, 6 zwölfte, 7 dreizehnte, je drei vierzehnte und fünfzehnte, eine siebzehnte und eine cinundzwanzigste Geburt. Di Frage, ob und wie viele von den Fehlgeburten mehr oder weniger absichtlich herbeigeführt wurden, läßt die Statistik natür- lich unbeantwortet._ Schutz für Soldaten im Manöver! Anfangs September ging durch die Presse die Mitteilung, daß Mannschaften des in Rendsburg garnisonierenden Trainbataillons »Nr. 0 im Manövergelände von einem schweren Unglücksfall betroffen worden waren. Die Mannschaften waren mit einer Anzahl von Dienstpscrden in einem Stallgebäude auf dem Gute Groß-Zecher in der Gegend von Ratzeburg einquartiert. Nachts brach �in dem Gebäude Feuer aus, wobei vier Soldaten vcr- letzt wurden wurden, der eine so schwer, daß er bald an den Brandwunden starb. Außerdem verbrannten sieben Dienstpferde. Dieser traurige AuSga»g_dcs Unglücksfalles Ivar nur möglich, weil der Raum, in dem die Soldaten einquartiert waren, nur eine Tür hatte, die, weil sie versackt war, sich wohl von außen, nicht aber von innen öffnen ließ und das Lichtloch, Fenster genannt, einen eisernen Rahmen hatte. Da die Soldaten durch die Tür nicht ent« kommen- konnten, mußten sie mit der bloßen Faust den eisernen Rahmen des in ziemlicher Höhe befindlichen Fensters durchschlagen. Die Laterne, durch deren Explosion daS Feuer entstanden ist, soll auch nicht einwandsfrei gewesen sein. Ist es schon eine schwere Anklage gegen die Militär- behörde, daß die Soldaten in einem Raum untergebracht wurden, wo sie so wenig gegen Feuersgefahr geschützt wurden, so wird die Sache für sie dadurch noch schlimmer, daß sie auS dem Vorfall anscheinend nichts gelernt hat. Der„Kieler Zeitung" wird nämlich von einem Soldaten der 0. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 85 aus dem Manövergelände ein Vorfall berichtet, der eine große Aehnlichkeit mit dem auf dem Gute Groß-Zechcr passierten hat. Die Kompagnie hatte am letzten � Freitag anstrengende Uebungen und Märsche gehabt. Nach einer schlaflosen Nacht mutzte sie am Sonn- abend noch nach dem 30 Kilometer entfernten Gute Kittlitz (Laucnburg) marschieren, wo sie ins Quartier sollte. Todmüde gelangten die Soldaten auf dem Gute an und wurden im Biehstall einquartiert. Die wohlverdiente Ruhe wurde aber bald durch den Ruf„Feuer" gestört. DaS Innere deS Stalles stand in Flammen. Die an dem der Tür entgegengesetzten Ende schlafenden Mannschaften konnten an ein Entkommen kaum denken. In höckister Gefahr gelang es ihnen noch im letzten Augenblick eine hohe Pforte zu öffnen und zu entkommen. Von ihrer Ausrüstung und den Gewehren konnten sie nur wenig retten. Sic mutzten nur mit der uotwen!» digsten Kleidung versehen, das Manöver mit fortsetzen. Auch in diesem Falle soll eine Laterne die Ursache des Feuers sein. Die Ocffcntlichkeit hat ein Recht zu verlangen, daß die Militär- behörde Aufklärung über diese Fälle gibt. Die ßalkanfrage. Einigung über die Grenzfragc. Konstantinopel, 18. September. Tic gestrige Sitzung der türkischen und bulgarischen Delegierten dauerte drei Stunden. Das Ergebnis wurde allgemein mit Ungeduld er- wartet. Während der Sitzung begab sich der erste türkische Delegierte T a l a a t B e y zum Grotzwesir, bei dem einige Minister versammelt waren. Man nimmt an, daß er dabei den Großwesir fragte, ob für D e m o t i k a, auf dem der Kriegsminister Jzzet Pascha unbedingt bestand, irgendein Zugeständnis an Bulgarien möglich sei. Wie es scheint, wurde jede K o ii�z e s s i o n abgelehnt. Nach» dem Talaat Bey in die Sitzung zurückgekehrt war, wurde diese alsbald geschlossen, und die bulgarischen Delegierten er- klärten selbst Journalisten gegenüber, daß D e m o t i k a türkisch bleibe. Mit der gestrigen Sitzung ist die.G r enz- frage vollkommen erledigt, über die Nationali» t ä t e n f r a g e ist es im Prinzip zu einer Einigung ge- kommen. Die nächste Sitzung sindet morgen statt. Nette Zustände in Albanien. Valona, 18. September. E s s a d Pascha hat, obwohl er Mitglied der provisorischen Regierung ist, eine gegen diese gerichtete Aktion eingeleitet. Der Liegierung gehen aus allen Teilen des Landes Telegramme zu, in denen das Vorgehen Esfad Paschas ge- tadelt und die Solidarität mit der Regierung mit der Versicherung betont wird, das Land gegen jeden inneren und äußeren Feind schützen zu wollen. In Regierungskreisen verlautet, daß E s s a d Pascha in Durazzo eine größere Summe Staatsgeld c.r beschlagnahmt habe. Dollanä. Wahlrechtsdcmonstration der Frauen. In Haag'veranstalteten 8(X) Frauen am Mittwoch nach- mittag eine Kundgebung zugunsten des Frauen- stimmrechts. da die Thronrede nicht die Gleichheit der Männer und Frauen angekündigt hat. Ter Ministerpräsident empfing eine Abordnung von zwei Frauen. Er antwortete, der Gesetzgeber würde nach der angekündigten Verfassungsrevision das Frauenstimmrecht gewähren können. Tie Frauen zogen darauf vor das Kammergebäude. CHna. Der Konflikt mit Japan. Tokio, 17. September. Wie es jetzt scheint, hat sich China nur mit den unbedeutcudereu Forderungen Japans einverstandeu erklärt, während auf die Forderung einer Entschuldigung und der Entlassung des Generals Changsuen noch keine A nt w o r t eingegangen ist. Wie erklärt wird, hat das japanische auswärtige Amt die b r i- tische Regierung über die Haltung im Falle einer japanischen Aktion zu Wasser oder zu Lande sondiert, worauf ihm geantwortet wurde, daß England eine militärische Aktion Japans mit Besorgnis betrachten würde, da sie ge- eignet sei, zur Aufteilung Chinas zu ermutigen. Hingegen würde England die Forderungen Japans auf Ent- schuldigung und Entschädigung in Peking diplomatisch unterstützen._ Die Stimmung in Japan. Tokio, 18. September.(P. C.) Zwischen dem Minister des Aeußeren und dem Kriegsminister sind Mc i n u n g sve r sch ied e nh e-it e n entstanden. Der Kriegs. minister besteht auf der Besetzung N a n ki n g s, die auch von der öffentlichen Meinung energisch verlangt wird, wobei auf die Abmachungen mit Rußland und England hingewiesen wird. Das Kriegsmintsterium verlangt eine Vermehrung des Heeres um zwei Divisionen. Der Minister des Aeußeren soll bereits seinen Ab» schied eingereicht Haben. Hier herrscht die Meinung vor, daß der Vorfall von Nanking noch nicht erledigt sei, da die chine» fische Regierung wieder zur Politik der Ausflüchte zu greifen beginnt Amerika. New Aork vor den städtische« Wahlen. AuS New A o r k wird uns geschrieben: Am 16. September haben die eingeschriebenen Wähler durch die neuerdings gesetzlich vorgeschriebene Urabstimmung(Primärwahl) die Männer zu bestiinmcn, zwischen denen die Bürger in den kommenden Wahlen(5. November), in denen über die Besetzung der obersten BerwaltungSämter der Stadt wie über die Zusammensetzung des Stadirats entschieden wird, zu wählen haben werden. Natürlich handelt es sich hier in Wirklichkeit nur um eine durch die registrierten Wähler der einzelnen Parteien vorzunehmende Gutheißung der von den jeweiligen Parteiinstanzen fertig ausgearbeiteten Kandidatenlisten. wenngleich auch die theoretische Möglichkeit besieht, daß den offiziell vorgeschlagenen Bewerbern auS der Masse der Parteimitgliedschaft heraus durch ein umständliches Petitionsvcrfahren Gegenlandidoten gegenübergestellt werden. Das„honette" Bürgertum hat wieder eine„Fusion" gegen das erbeingeseffene Raubrittcrgesind.l von der Tammany Hall gebildet, diese Bande skrupelloser Geschäfts- Politikanten, die trotz ihrer hundertjährigen Skandalchronik und kom- munalen Diebeswirtschaft noch immer die mächtigste politische Organisation New AorkS, wenn nicht des ganzen Landes ist. Der Kampf zwischen Fusion und Tammany ist aber weiter nichts al» ein Konflikt zweier kapitalistischen Cliquen, höchstens daß die Kapitalisten don der Fusion daneben das„Prinzip* derireten, daß die Teilung der Beute mit den Lumpen und Bravados, wie sie in der Tammany Hall dominieren, von Uebel ist. Eine Parallel- Strömung zur bürgerlichen„Respektabilität" ist sogar in TammanyS eigenen Reihen vorhanden. Am besten und knappsten gibt hierüber. wie über die ganze politische Naturgeschichte TammanyS die „Encyclopaedia Britannien* Auskunft:„Die krassen Formen der Korruption, die unter Tlveed herrschten, treten mehr und mehr zurück. Statt dessen wird das Gold für Tammany Hall und seine Führer erpreßt von Korporationen, die es bequemer finden, sich den Frieden zu erkaufen, als für ihre Rechte zu kämpfen, von Kapitalisten, die irgendwelche Konzessionen von der Stadtverwaltung wünsche», oder die bei der Ausbeutung des Volkes nicht gestört werden wollen; von Spirituosenhändlern und Wirten, deren Lizcnscn mehr oder weniger von der Gnade unskrupulöser lokaler Machthaber ab- hängen; von sonstigen Geschästsleuten, speziell in den Ouartieren der Armen, deren Geschäftsbetrieb polizeilichen Schikanierungen ausgesetzt sein kann; von Beamten und Kandidaten für öffentliche Acmter und schließlich indirekt von korrupten Polizeibeamtcn, dem Verbrechertum und den Spielhöllen- und Bordellbesitzern als Honorar für Nichtbelästigung seitens der Polizei.— Man darf nicht vergessen, daß Tammany Hall nicht durch kollektiven Rat geleitet, sondern von einem einzelnen beherrscht wird, der sich kraft seiner Geschicklichkeit zu seiner Position empor- geschwungen hat und in dessen Hand die Finanzen der Gesellscha ruhen, ohne daß er irgend jemand finanzielle Rechenschaft schuldet.* Dieser„Boß* Tammanys ist gegenwärtig ein vollkommen ungebildeter und idealloscr Bursche namens Charles Murphy, der so gut wie Tweed und Croker in der Politik nur ein Privatgeschäft erblickt, ohne aber solche offenen Formen der Gaunerei zu praktiziere», wie seine beiden be- rüchtigten Vorgänger, deren einer im Zuchthause endete, während der andere seinen Millioncnraub und sich selber nach Irland gerettet hat. Aber die typisch-amerikanisckie„Boßwirtschaft* treibt Murphy in der Tammany Hall— übrigens die„reguläre* demokratische Orga- nisation Manhattans!— noch in der jetzigen Wahlbcwegung so offen wie nur mögliw, und was sich die braven„Demokraten" diese? Gott weiß wie„smarten* mrd„freien" Landes von ihm bieten lassen, geht auf keine hinterpommersche oder oberbayerische Kuhhaut, und wenn es mit stenographischen Schriftzeichen niedergeschrieben wird. Tag für Tag konnte man in den Blättern lesen, wie Murphy bald den einen, bald den anderen seiner Getreuen nach einem fashionablen Hotel lud, um mit ihm zu„konsericren", und nachdem diese Nachrichten mehr als eine Woche lang das intelligente New Dork in Spannung der- setzt hatten, zog„Charlie* das Publikum ins Vertrauen und weihte es in die Namen der Leute ein, die als Kandidaten TammanyS auftreten werden. Am Tage darauf waren Murphys Kandidaten auch richtig von einer tausendköpfigen„Dclcgatenversammlung" akzeptiert, ohne daß auch nur ein einziger dieser freien Bürger des freiesten Landes der Welt und des smartesten obendrein zu mucksen gewagt hätte! Bürgermcisterkandidat Tammanys ist nun ein gewisser Mc.Call, bis vor kurzem Inhaber eineö hohen RichteramteS, seitdem Präsident der New-Aorker VerkchrSbehörde, in beiden Eigenschaften eine Kreatur Murphys. Auch die Annahme der Kandidatur durch Mc.Call ist spaßhaft bezeichnend für den Unterthanengeist der Leute Murphys. Mc.Call hatte erklärt, nie und nimmer als Kandidat herhalten zu wollen, und wenn man ihm die Pistole vor die Brust setze— und über Nacht tanzte er, wie Murphy pfiff. Von der Kandidatur des bih- herigen Bürgermeisters Gaynor hat Tammany dessen plötzlicher Tod befreit. Wie erinnerlich, war Gaynor vor vier Jahren von Tammany als der zweifellos populärste Mann im Felde nur not- gedrungen akzeptiert worden, und GaynorS Amtsführung hat denn auch die pessimistische Erwartung der„Tammany-Braven*. daß er ihnen daS Stehlen einigermaßen erschweren werde, bestätigt. Sozialistischer Bannerträger ist der Schriftsteller und bewährte Känipfer Charles Edward Russell. Von SSS 159 insgesamt abgegebenen Stimmen erhielt der sozialistische Bürgermeisterkandidat im Jahre 1909 11168; die Sozialistische Arbeiterpartei fDeleoniten) erzielte IZöö Stimme». Da relative Mehrheit entscheidet, konnte damals Gaynor mit 250 378 Stimmen inL Rathaus einrücken. Achte intenrntiotiBle fionfemii der geujerfefchaftlichi Fandesjeittetäre. Zürich, den 16. September 1913. Im Züricher Volkshaus hat heute die achte Internationale Kon- fcrcnz der Vertreter der gewerkschaftlichen Landcszentralen ihren Anfang genommen. Die Teilnehmer der Konferenz bestehen aus den Vertretern der dem Internationalen Sekretariat der Gewerk- schaffen angeschlossenen LandeSzentralcn. Zurzeit sind 19 gewerk- fchaftlichc LandeSzentralcn dem Internationalen Sekretariat an- geschlossen, und zwar England, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland. Teutschland, Oester- reich. Bosnicn-Herzcgowina. Ungarn, Kroatien-Slavonien, Serbien, Rumänien, die Schweiz, Italien, Spanien und die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Ter Mitgliederbestand beträgt rechnerisch 7121 009 gegen 6 570 000 im Vorjahre, somit ist eine Zunahme von 531 000 Mitgliedern zu verzeichnen. Die Kosten des Ilster- nationalen Sekretariats konnten bisher durch die eingegangenen Mitglicdcrbeiträge gedeckt werden. Seit dem 1. Januar 1913 sind aber durch die Herausgabe der Internationalen Gewerkschafts- korrcspondenz die Ausgaben ganz erheblich gestiegen, so daß die Beiträge wesentlich erhöht werden müssen. Statt der seit 1907 gezahlten 1,50 M. pro 1000 Mitglieder werden in Zukunft 4 M. gezahlt werden müssen. Internationaler Sekretär ist Reichstagsabgeordnctcr Legien, Deutschland. Vorsitzender ist H u g g l c r. Bern(Schweiz). Folgende Vertreter der Landeszentrale nehmen an der Konferenz teil: Eng- land: W. A. Appleton-London, James O'Grady-London; Frank- reich: L. Jouhaux-Paris. Dumoulin-Paris; Belgien: C. Macrtcns- Brüssel; Holland: I. Oudegeest-Amstcrdam;� Dänemark: Carl F. Madren-Kopcnhagcn; Schweden: Ernst Södcrberg-Stockbolm; Norwegen: Die O. Lian-Christiania; Finnland: O. Tokoi-Helsing- fors; Deutschland: Karl Legien-Berlin, Johann Sasscnbach-Berlin; Oesterreich: Anton Hueber-Wicn; Franz Nader-Wien; Bosnien- Herzegowina: F. Ranscher-Sarajewo; Ungarn: S. Jaszori-Buda- Pest; Kroatien: W. Bukseg-Agram; Schweiz: A. Huggler-Bcrn, Robert Kolb-Zürich; Italien: D'Aragona-Mailand, Ouaglino- Mailand; Spanien: Vincente Barrio-Madrid; Bereinigte Staaten: George W. Perkins-Chicago. Serbien, Bulgarien und Rumänien sind nicht vertreten; ihre materielle Lage ist infolge des Krieges zu schlecht. Dagegen nehmen zahlreiche Vertreter der Internationalen Bcrufssekrctariatc, die am Freitag hier tagen, an den Verhandlungen teil. Als Gast ist Barermann-London als Vertreter des Parlamentarischen Komitees der englischen Arbeiter anwesend. Angeschlossen ist nur die General- Fcderation, die etwa ein Drittel der englischen Gewerkschaften umfaßt. Legien gibt als internationaler Sekretär den Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Es sind sechs internationale Hilfsaktionen bei Streiks veranstaltet worden: für Serbien und Bulgarien, für die holländischen Tabak- arbeiter, für Belgien(Generalstreik), für Italien(nach dem tripo- litanischen Krieg), für Norwegen(bei der großen Aussperrung). für England(Dockarbeiterstreik): für den Untcrstützungsbeitrag der Balkanländcr ist noch nichts verteilt worden, da die Reorgani- sation der Gewerkschaften in den Balkanländcrn noch nicht möglich gewesen ist. Eine neue Landeszcntrale hat sich dem Internationalen Sekretariat angeschlossen: Transvaal mit dem Sitze Johannisburg. In Transvaal sind zirka 100 000 Gewerkschafter organisiert und cS besteht die Hoffnung, die Organisation auf ganz Südafrika aus- zudehnen. Verbindungen sind in Südamerika angeknüpft worden; auch in der Türkei sind Anknüpfungsversuche gemacht worden, aber zu greifbaren Resultaten sind sie noch nicht gediehen. In der Diskussion über den Bericht des inter- nationalen Sekretärs spricht zunächst B u k s e g- Kroatien. Er beschäftigt sich mit der Lage der Gewerkschaften in den Balkan- ländern nach dem 5ln:ge. In Serbien ist man mit dem Wieder- aufbau der gewerkschaftlichen Organisationen beschäftigt. Sehr schwierig liegen die Verhältnisse in Bulgarien. Es existieren dort zwei Organisationen, die„Engherzigen" und die„Weitherzigen". (Die Engherzigen machen den Weitherzigen den Vorwurf, daß sie im bürgerlichem Fahrwasser segeln und auf der letzten Konferenz in Budapest sind die Weitherzigen vom Internationalen Sekretariat ausgeschlossen worden mit dem Anheimgeben sich zu e i n e r Landes- zentrale zu vereinigen.) Die Engherzigen bilden jetzt die Haupt- gruppe, sie sind sozusagen die einzige nach dem Kriege übrig- gebliebene Organisation. Sie allein sollte vom Internationalen Bureau unterstützt werden, nur so kann die Einheitlichkeit der bul- garischen Gewerkschaftsbewegung gefördert werden. Hucber-Wien meint, daß es notwendig sei, daß Legien und Rauscher nach Belgrad und Sofia fahren, dort die Verhältnisse studieren, ehe ein Knopf Geld an die Balkanvölker gezahlt wird. (Heiterkeit.) Bekommen beide bulgarischen Organisationen Geld, so wird mit diesem Geld der Krieg neu eröffnet werden. Anläßlich des österreichischen Gewerkschaftskongresses werden wir versuche», die serbischen und bulgarischen Gewerkschaftsführer nach Wien zu bekommen und da kann Legien mit ihnen verhandeln. In der Nachmittagssitzung fragt Hueber-Wien warum die Franzosen ihre Beiträge an das Internationale Bureau nicht ab- geführt haben. Mit internationalen Phrasen sei nichts getan, man müsse die Solidarität auch durch materielle Opfer zu betätigen wissen. Jouhaux-Paris: Der Spott Huebers über den französischen Wortidealismus war deplaziert. Die Regierung hat nicht nur die Verwalter der Landeszentrale verhaftet, sondern auch alle Bücher konfisziert. Tie Verwaltung sei also in den größten Schwierigkeiten gewesen. Tie Franzosen haben für den belgischen Generalstreik mehr getan, als alle andern Gewerkschaften. Inzwischen seien auch die französischen Beiträge bezahlt worden. Im Materiellen erschöpfe sich auch nicht alle Kraft, Idealismus sei auch nötig. H u e b e r hält die Erklärung Jouhaux' für keine genügende Rechtfertigung. Jouhaux habe ja selbst erklärt, nur die Bücher seien konfisziert worden, nicht das Geld.(Heiterkeit.) Mit dem vcr- hafteten Kassierer sei doch nicht gleichzeitig das Geld verhaftet worden.(Erneute Heiterkeit.) Er habe die Franzosen nicht ver- spottet, er habe ihnen nur die bittere Wahrheit gesagt. Legten häl die Frage der französischen Beitrage mit der Erklärung von Jouhaux für erledigt. Es muß angestrebt werden, daß internationale Unicrstützungcn nur durch das Internationale Sekretariat und die internationalen Berufssekretäre angefordert werden. Nur so ist eine Kontrolle möglich. Er erklärt sich bereit, den Wünschen entgegenzukommen, die auf Sammlung von Material über einzelne Fragen wie Heimarbeit und Arbeitslosenversicherung gerichtet sind. Die Konferenz genehmigt den Bericht des Internationalen Sekretärs und beschließt die Herausgabe von Berichten, die einen Zeitraum von zwei Jahren(von einer Konferenz zur anderen) umfassen. Die Konferenz hält es für notwendig, daß bei wichtigen internationalen sozialpolitischen Veranstaltungen das Sekretariat den Landcszentralen die Teilnahme empfiehlt und das Matcrjal dieser Veranstaltung sammelt. In Anerkennung der Verdienste des Internationalen Sekretärs wird einstimmig, beschlossen, seine Remuneration von, 500. auf, 600 Frank pro Jahr zu erhöhen. Eine längere DiSlussion entspinnt sich über den Antrag Rumänien:„Den internationalen Berufsverbänden können nur solche Gewerkschaften angehören, welche der in Frage kommenden Landeszentrale angeschlossen sind." Von Hue und andern wird darauf hingewiesen, daß zum Beispiel die Bergarbeiter von England und Belgien der Landes- zentrale nicht angeschlossen sind. Würde der Antrag zum Beschlutz erhoben, müßten die englischen und belgischen Bergarbeiter aus dem internationalen Berufsberband ausgeschlossen werden. Man könne den Gedanken des Antrages als erstrebenswert äußern, aber eS gehe nicht an, einen solchen Beschluß zu fassen. Andere Tele- gierte, mit Jouhaux, D'Aragona, empfehlen die Annahme des Antrages im Interesse der Einheitlichkeit der GcwerkschaftS- bewegung. Schließlich wird ein Vermittelungsantrag Hueber-Wien an- genommen, wonach die Konferenz über den Antrag Rumänien zur Tagesordnung übergeht, aber betont, daß das internationale Sckrc- tariat und die Landcszentralen verpflichtet sind, sich gegenseitig in die Hände zu arbeiten. Tie weiteren Verhandlungen werden auf Mittwoch vertagt. Bus der Partei. Polizeiliche Hetzjagd gegen eine Soldatcnbroschüre. DaS Niederrhcinische Agitationskomitee hat ein � Broschürchcn herausgegeben, das sich an die militärpflichtigen jungen Leute wendet und überschrieben ist:„Wer will unter die Soldaten?" Die ganz harmlose Broschüre, die die jungen Leute mit allerhand nützlichen Ratschlägen unterstützen will, ist auf Veranlassung der Elberfcldcr Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Die Kriminalpolizei in den verschiedenen Städten macht nun eine Hetz- jagd auf diese Broschüre. Am Donnerstag früh wurde in den beiden Expeditionen der„Freien Presse" in Elberfeld und Barmen eine Haussuchung abgehalten und in Elberfeld 25, in Barmen 11 Exemplare der Broschüre konfisziert. Auch wurde in der Druckerei unseres Elberfclder Parteiorgans gehaussucht, um die Druckplatte zu beschlagnahmen. Die Arbeit war vergeblich. Zu gleicher Zeit wurde in Düsseldorf in der Buchhandlung der „VolkSzcitung", im Jugendheim und in der Wohnung des Genossen Winnen gehaussucht. Auch den Filialen der..Volkszeitung" in der Umgegend schenkte die Polizei ihre ganze Aufmerksamkeit. ES wurden dort nicht nur die Geschäftslolalitäten, sondern auch die Wohnungen der Filialleitcr durchsucht. Der Erfolg war sehr minimal. Nur in der Buchhandlung der„Volkszeitung" wurden 22 Exemplare der Broschüre beschlagnahmt. Auch in Essen und in Köln wurde nach der Broschüre in den dortigen Parteilokalen gehaussucht. Auch hier kamen die Polizisten, wie in anderen Orten, zu spät. Ten gleichen Eiser betätigte die Polizei in Hamburg, wo in der Parteibuchhandlung und allen ihren Filialen gchauSsucht würde. Die Ausbeute war 14 Exemplare. In Bochum wurde die dortige Parteibuchhandlung, in Witten das Metallarbeiter- bureau heimgesucht. Weitere Nachrichten, über Haussuchungen und Beschlagnahmungcn der Schrift kommen aus Jena und Weimar. In Nürnberg holte sich die Polizei bei einer Haussuchung 77 Exemplare. Die Tatsache, daß fast zu gleicher Zeit in vielen Orten Haussuchungen vorgenommen wurden, weist darauf hin, daß hierzu bestimmte Anweisungen von„oben" vorliegen. Vielleicht glaubt die Staatsanwaltschaft, Ihr Fiasko, das sie bei der Ver- iolgung der Limpertzschen Broschüre erlebt hat, durch möglichst ichncidigcs Vorgehen gegen die Winnensche Broschüre wider den Militarismus vergessen machen zu können. UebrigenS soll gegen den Verfasser, Peter Winnen, bereits Klage erhoben worden sein. Schwindel mit Bebclbilbern. Unser Dortmunder Parteiblait warnt vor einem unerhörten Schwindel, der im dortigen Kreise mit höchst geschmacklosen, in Form eines Haussegens gehaltenen Bcbelbildern verübt wird. Die Reisenden, die diese Bilder auch auswärts abzusetzen versuchen werden, fordern dafür 28 M., bei einer Anzahlung von 7 M. Dabei beträgt der Wert des Bildes mit Rahmen höchstens 7—3 M. Mögen die Arbeiter vor dieser Gaunerei gewarnt sein, polivcilicbes» Gcrlcbtllebes ufw. Preßsiindcr. Weil die„Dresdener Volkszeitung" die unzulänglichen Zu- stände in der Dorfschule zu Pennrich kritisch besprochen hatte, fühlte sich der Schulvorstand des genannten Ortes beleidigt. Ge- nosse Dr. Sachs als verantwortlicher Redakteur wurde wegen der Missetat zu 5 0 M. G c l d st r a f verurteilt, obwohl aus der Ge- richtsvcrhandlung hervorging, daß die gerügten Mißstände i m wesentlichen bestanden haben. Em Industrie und Kandel. Verschlechterung des Eiscnmarktes. In der Hauptversammlung des Stahlwerksverbandes wurde über die Geschäftslage berichtet: In Halbzeug halten die Folgen der politischen Berwickelungen das Ver- trauen auf eine nachdrückliche Belebung des Geschäfts noch immer zurück. Infolge der geringeren Beschäftigung der Verbraucher liegt der Inlandsmarkt nach wie vor sehr ruhig. Unter diesen Um- ständen wurde der Verkauf für das letzte Viertel des Jahres heute zu einem um 5 Mark pro Tonne ermäßigten Preise freigegeben. Auch der Auslandsmarkt liegt zurzeit ruhig, doch ist der Abruf befriedigend. Auf dem Auslandsmärkte für Eisenbahn- Material halten die Bahnen infolge der ungeklärten Lage mit neuen Aufträgen etwas zurück. In Grubenschienen war der Ab- ruf im Juli geringer, er hob sich jedoch wieder im Laufe des August. Im Auslande tritt der belgifckie Wettbewerb weiter auf. Im Auslande macht sich ebenfalls der fremde Wettbewerb stärker bemerkbar. In Formeisen hält die seitherige Zurückhaltung in- folge der mißlichen Lage des Baumarktcs weiter an. Es wird nur der notwendigste Bedarf gekauft, allerdings mit kurzen Lieferungs- fristen. In Rheinland-Wcstfalcn, Nordwest- und Mitteldeutschland ist der Bedarf besser als in den übrigen Absatzgebieten, besonders als zum Beispiel in Berlin und Ostdeutschland. Anzeichen daftir, daß das Herbstgeschäft eine Belebung bringen wird, glaubt man hier und da zu erkennen. Für den Verkauf von Formeisen nach dem Jnlande wurden heute die Preise unter Auftechterhaltung der bisherigen Bedingungen um 5 Mk. pro Tonne ermäßigt; im Auslände haben sich die kontinentalen. Abnehmer in den letzten Wochen etwas reichlicher eingedeckt, doch läßt auch hier infolge der teueren Geldverhältnisse der Bestellungseingang zu wünschen übrig. DaS Balkangeschäst beginnt sich langsam zu beleben; von einem belangreichen Absatz dahin wird man aber für längere Monate noch nicht sprechen können. Aus dem Bericht geht also bervor, daß die Lage des Eisen-' Marktes so ungünstig ist, daß der Stahlwerksverband die Preise für Halbzeug und Träger um 5 M. pro Tonne hat ermäßigen müssen. Eine Bank in Albanien. In diesen Tagen wurde gemeldet, daß der Wiener Bankverein zusammen mit der Banca Commerciale Jtaliana eine albanische Bank zu gründen beabsichtige. Auf An- frage telegraphiert die Direktion des Wiener Bankvereins einer Berliner Handelskorrespondenz:„Fragliche Angelegenheit befindet sich im Anfangsstadium, wir können daher keine Mitteilung machen." Aus diesem Telegramm geht hervor, daß die Gründung einer österrcichisch-italienischen Bank in Albanien ernsthaft erwogen wird. Man weiß aus der Geschichte der letzten Balkankriege, in wie starkem Maße Oesterreich und Italien wirtschaftlich an Albanien interessiert sind. Der Außenbandcl Albaniens ist eng an OeM» reich und an Italien gekettet, österreichische und italienische Handels- schiffe vermitteln den Warentransport nach und von Albanien. Ter österreichische Anteil am albanischen Anßcnhandel ist größer als der italienische. Nachdem nunmehr eine Einigung beider Länder in der albanischen Frage erzielt ist, gehen die genannten Bank- institute daran, gemeinsam die Kräfte der albanischen Volkswirt- schaft zu sruktifizieren. Es heißt, daß infolge der indirekten Be- tciligung deutschen Bankkapitals an dem Wiener Bankverein und der Banca Commerciale auch deutsche Interessen in Albanien wahrgenommen werden sollen. I*ctzU NadmcMcn. Albanische Anarchie. Belgrad, 18. September.(P. C.) Die blutigen Zusammen- stoße in Albanien dauern an. Die Bevölkerung von Durazzo und Alesio fordert Essad Pascha auf. gegen Valona zum Sturz der provi- sorischen Regierung zu marschieren. Das Ministerium soll Valona b ereitS verlassen haben. In Anbetracht der unruhigen Haltung der Albanesen hat Serbien seine Grenzgarnisonen durch Infanterie und Artillerie verstärkt. Da? serbische Kabinett hat bei den Groß- mächten gegen die fortgesetzten Grenzverletzungen durch albanische Banden Protest eingelegt und verlangt die sofortige Bildung der albanischen Gendarmerie zur Verhinderung weiterer Angriffe. In hiesigen politischen Kreisen ist man davon überzeugt, daß die Alba- nesen selbst das Grab ihres Nationalstaates graben, bevor der Staat noch ins Leben gerufen worden ist. Europa sei verpflichtet, Albaniens Nachbarn vor den Angriffen dieser unzivilisierten Ban- den zu schützen. Man befürchtet jedoch neue Komplikationen. Selbstmord einer deutschen Prinzessin. Heidelberg, 18. September. Heute morgen wurde die Prin« zessin Sofia von Sachsen-Weimar erschossen in ihrem Zimmer aufgefunden. Sie soll aus Liebeskummer Selbstmord verübt haben. In Verbindung mit dieser Tragödie wird der Name des Dr. jur. Hans Bleichröder, eines Sohnes des bekannten Berliner Finanziers, genannt. Man sagt, daß der jüdische Glaube dieses jungen Mannes einer ehelichen Verbindung des sich liebenden Paares hindernd im Wege gestanden hat. Die Strastenbahnkatastrophe bei Villeneuve-Loubay. Antibcs, 18. September.(W. T. B.) Die AufräumungS- arbeiten bei den in die Schlucht gestürzten Straßenbahnwagen werden lebhaft fortgesetzt. Das 24. Alpenjägerbataillon zählte bis zum Abend allein acht Tote. Eine Anzahl seiner ermüdeten Leute hatte die Erlaubnis zur Benutzung der Straßenbahn er- halten. Die Gesamtzahl der Getöteten Personen beträgt sieben, Ter Prozeß Sulzcr. Albnny, 18. September.(W. T. B.) Die Verhandlung gegen den Gouverneur von New Dork, Sulzer, der angeklagt ist, Bei- träge zum Wahlfonds unterschlagen und in bezug auf die empfan. genen Summe» falsche Eide geleistet zu haben, begann heute vor dem Senat. Sulzcr wird durch 12 Anwälte vertreten. Nach Erledigung der Förmlichkeiten vertagte sich der Gerichtshof auf morgen früh. Noch mehr Gold! Brüssel, 18. Sept.(W. T. B.) Ein vom Kongo zurückgekehrter Reisender erklärte dem„Journal de Bruxelles", er habe aus guter Quelle erfahren, daß mau kürzlich in der Umgebung der Goldminen von Kilo außerordentlich ergiebige Goldlager entdeckt habe. Aua Konditorei: Kränze Gofhaer Art mit reicher Füllung 0 50 90 h. 1.35 �Königskuchen; 50 Pf. 90 pt. 1.35 Nur Freitag i Fleisch Ochsenschmorfleisch.. Rund 1.— Filet>m Ganzen, 1 ausgeschält-t tn r,,Cl imausgeschält!•— Rund Roastbeef Pluud 95?l., ohne Knochen 1.40 Rökelzunge........ Rund 1.25 Schinken im Ganzen..... Pfund 85 PI. Schweinekamm n. Schuft Rund 95 r. Schweine-Kotelettes,.. Rund 1.05 Schweinebauch...... Rund 80 pl Eisbein" Dickbein pm 60 pl Rückenfett Pfd. 65 pr. Liesen Rd.75 r. Kalbskamm u.-Bug Rund 80 85 r. Kalbsbrust pm. 85 pi. Spitze Rd. 1.— Hammelkeule....... Rund 80 r. Hammelrücken im Ganzen, Rund 65 Pf. Hammelkotelettes.....stück 10 pt Dicke Rippe........piund 70 pi. Hammelüünnung..... piund 60 pt Casseler Rippespeer pm. 85 pt., 1.— Hirsch und Wildschwein Keule Rücken Blatt Pfund 1.10 Rund 85 Pt Rund 75 Pt *Geflögel Gänse......... 58 68 75 R. Gänserümpfe......2.30 bis 4,50 Enten.......... 1.55 bis 3.15 Junge Hühner..... 55 r bis 1.20 Brathühner..« i-» 1.25 bis 2.— Suppenhühner.... 1.25 bis 2.50 (IMhMem StbwmMd Freitag und Sonnabend. Wurstwaren •Rotwurst i...».. Rund 55 85 R. •Landlcberwnrst.....Rund 1.— •Pasteten-Leberwurst. Rund 1.15 •Feine Leberwurst... Rund 1.20 •Jagdwurst........ Pfund 1.05 •Teewurst......... Rund 1.30 Bauern mettwurst.... Rund 1.25 Zerveiat- u. Salamiwurst Rund 1.35 Westf.Zerveiat-o.Salamiwurst 1.75 Rollschinken ca. 6-8 pm. schw. Pfd. 1.55 Landschinken ca.8-12Rd.schw. ptd.1.45 Mansschinkcn ca.2-3pid.schw.Rd. 1.40 Schinkenspeck'-�ück.v.f>>« Rd. � 25 Gänsebrust i.ganz.u.halb Brüst. Pfd. 1.60 Magerer Speck..... Pfund 1.— Fetter Speck.......Hund 90 pt Fleischsalat, jägersaiat\ Schweinskopf, DelikafeBsülze J JJPt Bordeaux-Weine IbKI. 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Die dazu vorliegenden Anträge 192, 195 und 199 werden zurückgezogen. Es bleibt also nur noch die Resolution Timm Xq 198 übrig. Referent Timm-München: Wenn der diesjährige Parteitag zu der Frage der Arbeitslosig- keit und Arbeitsloscnfürsorge erneut Stellung nimmt, so deshalb, weil der Umfang der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit das schlimmste für de» komincildcn Winter befürchten läßt. Für uns handelt es sich nicht mehr darum, uns erst über die Frage und ihre Lösung klar zu werden. Unsere sozialpolitische Pflicht ist es vielmehr, von dieser Stelle aus die Oeffenllichkeit und die herrschenden Gewalten auf die zunehmende Not hinzuweisen und Abhilfe von ihnen zu fordern. Das soll einleitend unseren sozialpolitischen Gegnern gegenüber hervorgehoben werden, die, wie besonders das Zentrum, uns anzurempeln versuchen, weil wir wieder diese bedeutsame sozialpolitische Angelegenheit auf unserem Parteitag verhandeln. Das führende Organ der Zentrums- Partei in Bayern, die„Augsburger Postzeitung�, schreibt von einer Verfahrcnheit der Sozialdemokratie in dieser Frage. Gerade das Zentrum, das bisher in dieser wichtigen Frage� vollständig versagt hat, hat es nötig, solche Vorwürfe gegen uns zu erheben I(Sehr richtig I) Die Sozial- demokratie ist sich theoretisch und praktisch völlig klar über das Problem der Arbeitslosigkeit und seine Lösung. Die Sozialdemo- kratie vertritt die Auffassung, daß die wirtschaftliche» Krisen untrrnn- dar mit der kapitalistischen regellosen Produktionsweise verbunden find. Die Verwandlung des kapitalistischen Privateigcntnms und der Produktionsmittel im Gcscllschaftscigeutum und die Umwandlung der Warenproduktion in sozialistische für und durch die Gesellschaft be- triebenc Produktion wird auch die Ursache des Elends der Arbeits- losigkeit beseitige». Die Arbeitslosigkeit als das notwendige Produkt der kapitalistischen Gesellschaft wird endgültig erst mit der Umwandlung dieser Gesellschaft in die sozialistfschc verschwinden. Nack allen An- zeichen wird die hcrauszichcndc Wirtschaftskrise eine ungewöhnlich große Ausdehnung annehmen. Die Arbeitslosigkeit ist die Folge der Ueber- Produktion der vorhergegangenen Jahre, des Balkankriegs und anderer wirtschaftlicher Erschütterungen. In Budapest sind zurzeit nicht weniger als 99 999 Arbeitslose vorhanden, in ganz Ungarn 299 999. Die Massenabwanderung der Arbeitslosen aus Oesterreich-Ungarn und anderen durch den Balkanlrieg in erster Linie in Mitleidenschaft gezogenen Ländern trägt wesenllich zur Vermehrung der Arbeits- losigkeit in Deutschland bei. Nach der„Köln. Volkszeitung" sind zurzeit etwa 1 Million ausländische Arbeiter in Deutschland be- schäftigt. Der Kapitalismus zieht überall die billigen und die in Not befindlichen Arbeiter heran, um die einheimffche Arbeit zu drücken. In den deutschen Großstädten war selten eine solche Krise im Baugewerbe wie jetzt, und zwar infolge des Tiefstandes deS BaukreditS in- folge der wirtschaftlichen und politischen Erschütterungen. Die Münchener Arbeitslosenzählung der Gewerkschaften, die wir von» 1. bis 15. Juli veranstaltet haben, ergab, daß von den 79 999 Mitgliedern der freien Gewerkschaften 6931, gleich 8,5 Proz., arbeitslos ivaren, davon 1624 bereits über 6 Wochen.(Hört I hört l) Bon den gesamten Arbeitslosen entfällt die Hälfte auf das Bau- gewerbe und ein guter Teil ist bereits seit dem 1. Oktober 1912 arbeitslos, ohne selbst bei größter Anstrengung irgendwie Arbeit erhalten zu können. Der Mitgliederstand aus dem Baugewerbe bei der Münchener Ortskrankenkasse ist vom Juli 1911 bis zum Juli 1913 von 25 226 auf 15 965 gefallen, also in zwei Jahren um 19 161.(Hört! hört!)- Die 31 284 M. freiwilliger Lokalunterstützung des Bauarbeiterverbandes an seine Arbeitslosen on ci �')'e- 90 999 M-, die die Stadt Münschen hergab(vom 29. Januar bis 15. März 1913) erwiesen sich gegenüber dem Massen- elend als viel zu gering. Nach einem Bericht des Rcchtsrats Griese an den Armenpflegschastsrat in München stieg die Zahl der dauernd unterstützten Erwachsenen in den letzten 19 Jahren halbjährig um 65, im Jahre 1913 aber um mehr als 199, und während ftühcr im Halbjahr 39 Leute Erziehungsbeiträge empfingen, waren es im ersten Halbjahr 1913 mebr'als 399! Bis Juli dieses Jahres gab die?lrmcnpflege 269 999 Anweisungen auf Mittagskost in der städtischen Suppcnanstalt aus, in der gleichen Zeit des vorigen Jahres 198 999 Anweisungen. Der dem Zentrum an- gehörende Rechlsrat Griese erklärt, daß es sich nur ahnen uud nicht zählen läßt,� wieviel Hunger und Entbehrung der Armenunterstützung vorausging, wieviel Kummer und Ver- z w e i f l u n g der Zukunft entgegenstarrt. Herr Griese, einer der wenigen Zenlrumsmänner. die nicht bloß schöne Sprüche für die Arbeiter haben, sondern ehrlich helfen wollen, fordert die Erhaltung der Arbeitslosen als eine Aufgabe der Wirtschaftsordnung. Ich fürchte, wir werden diese Worte den politischen Freunden des Rechts- rats Griese noch sehr oft in die Obren rufen müssen, ehe wir die Arbeitslosenversicherung im großen Stil erlangen.(Sehr richtig!) Nicht minder wie in München besteht das Arbeitslosen- elend gegenwärtig in allen deutschen Großstädte».(Sehr wahr!) In Nürnberg haben selbst die Siemens-Schuckerl-Werke seit langem leinen so schlechten Geschäftsgang gehabt; die Nürnberger Gewerkschaften haben bereits 6999 Arbeitslose. Bei dem Paritätischen Holzarbeiternachweis in Berlin waren Anfang August 6999 Arbeitsuchende vorgemerkt, 1599 mehr als in der schlimmsten Zeit des Jahres 1998 In zehn Holzarbeiterkrankenkassen Berlins und Neuköllns ist die Zahl der Versicherten vom Juni 1912 bis zum Juni Igiz auf 39 137 gegen 43 141 zurückgegangen. Während die Andranqsziffern der deutschen Arbeitsnachweise im Januar 1913 um gl Punkte geringer war als 1912, steht sie im Mai lüig bereits um 19 Punkte höher als im Vor- jähre; auf 199 offene Stellen kamen im Juni 127 Arbeitsuchende gegen 118 und 119 in den beiden Vorjahren, und im Juli waren es bereits 135,7.(Hört! hört!) Der Eisenbahngüterverkehr. die Berichte der Industriellen, die Ziffern der Krankenkassen— alles deutet auf eine große schwere Krise in allen Gewerben hin. Dem Proletariat steht schlimmes bevor und das Elend wird um so drückender werden als die Arbeitslosigkeit in eine Zeit außerordent- licher Teuerung aller Lebensmittel, Mieten und Gebrauchsgegenstände fällt.(Sehr richtig I> Als die berufenen Vertreter der Interessen der gesamten deutschen Arbeiterschaft fordern wir daher von den herrschenden Gewalten wirksame Hilfe gegen das Massenelend.(Beifall.) Wir verlangen nicht Notstandsarbcileii unter billigeren Löhnen. sondern zu Tarif- oder mindestens üblichen Berüfslöhne'n. wo Tarife nicht bestehen. Der Teufel Arbeitslosigkeit darf nicht durch den Seelze- bub Lohndrückerei ausgetrieben werden, sonst wird das Lebensniveau des Volkes herabgedrückt. Hier muß eine öffentlich-rechtliche, auf breiter Basis aufgebaute Arbeitslosen- Unterstützung sozial ausgleichend das Uebel einzudämmen versuchen. Seit 1891 haben die deutscheu freien Gewerkschaften ihre arbeitslosen Mitglieder mit 68 Millionen Mark unterstützt, 1912 allein mit 8,9 Millionen Mark.(Hört, hört I) Einer solchen Krisis gegenüber, wie es die gegenwärtige ist, versagt aber die Selbsthilfe der organisierten Arbeiterichaft, und die Gewerkschaften, die so außer- ordentliches geleistet haben, können verlangen, daß endlich Reich, Einzclstaatcn und Gemeinden ihre Pflicht den Arbeitslosen gegenüber tun.(Sehr richtig!) Unsere deutsche Sozialgesetzgebung hat zwar eine schwache Fürsorge für Kranke, Unfallverletzte, Invalide, aber die Opfer der Arbeitslosigkeit sind sich bisher selbst überlassen. Und doch war es kein Geringerer als Bismarck, der 1884 im Reichs- tag ausführte:„Geben Sie dem Arbeiter das Recht auf Arbeit, so- lange er gesund ist." Als damals Eugen Richter Bismarcks zur Ein- dämmung der Sozialdemokratie unternommene Sozialgesetzgebung als eine Einmischung in das freie Spiel der Kräfte zurück- wies, erwiderte Bismarck:„Dem Staat kommt es zu, für die Ernährung und Verpflegung derjenigen Bürger zu sorgen, die ihren Unterhalt nicht selbst verdienen können." Und heute? Tie leitenden Personen ergehen sich fortgesetzt darin, alle möglichen Schwierigkeiten gegenüber unseren Forderungen vorzuschützen. Auf der Genter Arbeitslosigkeitskonfercnz meinte Dr. Zacher vom Statistischen Amt des Reichs, daß das Problem nur durch eine Zwangsversicherung nach beruflicher Gliederung gelöst werden könne. Gleichzeitig aber verkündete die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", daß die bisherigen Versuche, die Arbeitslosen vor der äußersten Not zu schützen, mehr oder weniger versagt hätten, die Gemeinden und die Verbände hätten überwiegend nur Mißerfolge erzielt. Wo immer es gilt, den kapitalistische» Profit zu wahren, da tritt die Raubtiernatur desKapitalisnius kraß in Erscheinung, und so ist das Scharfmacherlum gegenwärtig bestrebt, sich für die Zukunft billige Lohnsklaven zu sichern. Die kapitalistische Presse schreibt von einem übertriebenen Arbcitslosengeschrei, von einer Ver- mehrung der Simulanten, Arbeitslosenfürsorge sei ein Heller Wahn- Witz.(Hört! hört!) Die Arbeitslosigkeit ist immer die Zuchtrute gewesen, um die Arbeiter willfährig und hörig den Unternehmern gegenüber� zu machen, die ihre mühelosen Gewinne nicht irgendwie geschmälert sehen wollen. Die Jndnstriescharfninchcr haben sich mit den Agrariern verbunden, um den deuffchcn Arbeitern ausS neue die Lebensmittel unerhört zu verteuern.(Hört! hört!) Um einen mäßigen Ausgleich zu finden, müssen die Arbeiter sich rühren, und deshalb schreien die Scharfmacher nach Zuchthaus gesehen.(Hört I hört I> Wir aber müssen verlangen, daß die bestehenden Klassensonderrechte gegen die Arbeiterklasse endlich beseitigt werden(Sehr richtig!), da wir genau wissen, daß die ganze bisherige Gesetzgebung in erster Linie aus die Wahrung der Interessen der Industriellen und des Agrariertums zugeschnitten ist und daß deshalb um die Erreichung einer ausreichenden Arbeitslosenversicherung noch ein ungeheurer Kampf auszufechtcn sein wird. Mit den Scharfmachern ver- höhnen die Agrarier die Arbmtslosen, die sie die Arbeits- scheuen der Großstadt nennen. Die„Deutsche Tageszeitung" regt an, den Rücklauf arbeitswilliger Arbeitsloser auf das Land zu organisieren. In Bayern aber erklärt die bürgerliche Presse, daß auch die Landwirtschaft keine Arbeitslosen mehr ausnehmen könne, weil bereits ein Ueberangebot im Sommer vorgelegen habe. Soweit die Landwirtschaft Arbeitskräfte überhaupt aufnehmen kann, handelt es sich nur um einen bis zwei Monate im Sommer, im Winter braucht sie keine Kräfte. Das ist auch durch die amtliche Statistik bewiesen. Die Großgrundbesitzer und Großbauern brauchen Saisonarbeiter, die sie im Winter sortschicken können und die dann das Heer der Arbeitslosen in den Städten vermehren. Die Arbeitslosenversicherung Ivird den Zuzug eindämmen. Aber jür die Reichsregierung sind bekanntlich nur die Gründe der Industriellen und Großagrarier ausschlaggebend und sie drückt sich um die Lösung dieser Frage herum, wie es Staatssekretär Delbrück bei der Etatsberatung im Reichstag machte. Reich, Bundesstaaten und Gemeinden schieben sich die Lösung des Problems gegenseitig zu. Wir aber fordern, daß gleichzeitig und sofort sowohl das Reich, wie die Einzelstaaten und Gemeinden, einen organischen Aiigriff auf das Massenelend der Arbeitslosigkeit unternehmen.(Beifall.) Bei uns streitet man über den Jnstanzenzug— in Däne- mark müssen seit 1997 Arbeitslosenkassen, wenn sie gewisse Bedingungen erfüllen, vom Staate und sie können auch von den Gemeinden unterstützt werde». Der Staat, der nur halb so viel Einwohner wie Bayern hat, zahlte 1919/11 766 834 M., die Gemeinden 349 948 M. Arbeitslosenunterstützung aus. 59 Proz. der männlichen, 21 Proz. der weiblirben Industriearbeiter sind in Däne- mark gegen Arbeitslosigkeit versichert. Dieser Erfolg tvar nur möglich durch die starke Entwickclung der Arbeiterorganisaftonen in Dänemark. In wahrhaft großzügiger Weise hat England das Problem gelöst. Die dort 1912 eingeführte Zwangsversicherung umfaßt 2V, Millionen Personen. Arbeiter und Arbeitgeber zahlen wöchentlich 29 Ps. Beitrag, der Staat 15 Pf., bei hohe» Ausgaben für die Arbeitslosenversicherung aber auch mehr. Die Unterstützung beträgt 6 bis 7 M. pro Woche auf die Längsdauer von 15 Wochen im Jahre. Die Gewerkschaften verwalten die Ver- sichernng für ihre Mitglieder. Die ZwangS Versicherung kann sich also� vorzüglich mit dem gewerkschaftlichen Prinzip der Selbstverwaltung der ArbeitslosenversichernngSlörper- fchaften vertragen. Die Verantwortung für die Unfurchtbarkeit Deutschlands auf diesem Gebiet tragen' die bürgerlichen Parteien, besonders das Zentrum. Als das Zentrum die ungeheuerliche Reichs- finanzreform im Galopptempo durchbrachte, erklärte der Abgeordnete Pieper, es seien noch keine Grundlagen vorhanden, um die Arbeitslosenfrage lösen zu können. Die Belastung der Arbeiter aber konnte im Handlimdrchc» gemacht werden. Jetzt erklärt die Zentrumspresse, die notwendige Grundlage müsse ein paritätisch geleiteter Arbeits- nachweissern. 1919 lehnte das Zentrum beim Stellenvermittlungsgesetz den sozialdemokratischen Antrag auf Untersaguug aller nichtparnäti- >chen Arbeitsnachweise ab.(Hört! hört!) Die verschlagene Jesuitentaktik des bayerischen Zentrums in dieser Frage mutz öffentlich gebrandmarkt werden. Als 1998 im Landtag u. a. von einem Liberalen eine Denkschrift über den Umfang der Arbeitslosigkeit verlangt wurde, erklärte der Referent Zenlrumsabgeordneter Graf v. Pestalozza:„Wenn heute der deutsche Arbeiter in Not ist. hat er gar nichts von einer Denkschrift, und wenn sie noch so schön ist. sondern nur von klingender Münze." Eine Münchener Konferenz von Behörden, Selbstverwaltungsinstanzen und Gewerkschaften nahm einen Antrag des Zentrumsabgeordneten Ostwald auf staatliche Unterstützung der gemeindlichen Arbeitslosenversicherung au. Und als wir im Landtag die Durchführung dieses Antrags forderten, be- kam das Zentrum Bedenken und schließlich lehnte es den An- trag ab.(Hört! hört!) Aehnliche Streiche hat das Zentrum auch in den von ihm beherrschten Gemeinden, wie der Redner aussühr- lich und namentlich an dem Beispiel von Regensburg darlegt, wo derselbe Zentrumsführer Held, der im Landtag ein Vorgehen der Gemeinden gegen die Arbeitslosigkeit verlangt hatte, in der Stadt« Vertretung erklärte, man müsse eine abwartende Haltung einnehmen. (Hört! hört!) In nächster Zeit wird da? Zentrum Farbe bekennen müssen, denn der Prinzregent Ludwig hat den Minister v. Soden unter Betonung der Notwendigkeit der Arbeitslosenversicherung mit der Ausarbeitung bestimmter Vorschläge beauftragt. Ueberdies hat Frhr. v. H e r t l i n g selbst in einer Schrift 1897 die Krisenversiche- rung verlangt. Nächstens kann er seinen Wunsch erfüllen, die Sozialdemokraten iverden ihn unterstützen, ob auch das Zentrum, werden wir ja sehen. Aber das eine wissen wir alle, daß die Sozialdemokraten in der Frage der Arbeitsloscnfürsorge die Anwälte aller Arbeiter, auch der Christlichen, sein werden. Die christliche Gewerkschafts- presse klagt sehr beweglich über die zunehmende Arbeitslosigkeit, aber das Zentrum— das ist etwas ganz anderes I Mögen die ch r i st- lichen Arbeiter aller Schattierungen von dieser Stelle die Ver- sichernng entgegennehmen, da sie in dieser Frage, in der sie die Unterstützung ihrer Parteien nicht finden, sich auf die deutsche Sozialdemokratie verlassen können, die unausgesetzt für eine durchgreifende Arbeitslosensürsorgc gekämpft hat.(Lebhafte Zustimmung.) Mit allen Waffen und aller Schärfe werden wir diesen Kampf weiter führen, und neidlos werden wir uns freuen, daß die Früchte unseres Kampfes allen Arbeitern, auch den christlichen, zugute kommen werden.(Sehr richtig!) Der Redner stellt dann fest, daß auch in den anderen süd- deutschen Staaten die sozialdemokratischen Anträge auf Einführung des Genter Systems von den bürgerlichen Parteien abgelehnt wurden, und er verweist dann auf Sachsen und Preußen, auf den Einfluß der Schwerindustrie und auf die Rede deS sächsischen Königs vor den in Leipzig persammeltcn Scharfmachern des Zentralverbandes der Industriellen. Da ist uns klar, was wir zu erwarten haben von dem guten Willen der Herrschenden.(Sehr wahr!) Unsere Genossen in allen Bundes- st a a t e n müssen noch sehr viel auf dem Gebiet der Arbeitslosen- Versicherung tun. Daß die Bundesstaaten Geld haben, bewiesen sie bei der letzten Wehrvorlage! Für landwirtschaftliche Genossenschaften niid Viehvcrsicherung ist auch überall Geld vorhanden. Es wird ja bei der Arbeitslosenversicherung immer geltend gemacht, sie käme den Gewerkschaften zugute und diese uinfaßlen nicht alle Arbeiter. Es steht aber fest, daß in Deutschland beinahe die Hälfte aller Arbeiter gewerkschaftlich organisiert sind. Von der Entwickelung der Arbeitslosenversicherung in den Gemeinden erwähne ich nur kurz, daß bisher 11 deutsche Städte eine Arbeitslosenunterstützung hauptsächlich in Anlehnung an das Genter System eingeführt haben. Wir können den Einwand nicht gelten lassen, daß die Städte zu warten haben, bis die anderen Körperschaften vorangegangen sind. Aus der Statistik ergibt sich, daß die Arbeitslosigkeit eine hauptsächlich a r o ß st ä d t i s ch e Erscheinung ist und daß deshalb auch die Städte zum Eingreife» verpflichtet sind. Wir können den Einwand nicht gelten lassen, als hätten die Städte keine Mittel, sie haben doch die Möglichkeit, durch eine Erhöhung der Umlagen das Elend der Arbeitslosigkeit soweit als möglich zu mindern.(Sehr richtig!) Wenn wir von den Städten die Bekämpfung der Arbeits- losigkeit fordern, dann selbstverständlich mit dem Vorbehalt, daß irgendwelche Hemmungen für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und ihre Bewegung nicht eintreten dürfen. Solche Versuche sind mehrfach gemacht tvorden. Eine besondere Entrüstung ging kürzlich durch die bürgerliche Presse, als es hieß, in Charlotten- bürg hätten die Sozialdemokraten die Einführung einer Arbeits- losenstatistik verhindert. Tatsächlich aber hatte die liberale Mehrheit eine vernünftige Vorlage des Magistrats abgelehnt, die sich an das Genter System anlehnte und für die unsere Genossen eintraten. Einige Monate später brachte der Magistrat eine neue Vorlage ein, ans der aber die Zuschüsse für die Gewerkschaften heraus- gestrichen waren. Der Magistrat erklärte selbst, daß dies der wichtigste Teil seiner ersten Vorlage war, daß er aber dem Drängen der Mehrheit nachgegeben habe. Auch diese Vorlage wurde ab- gelehnt," und zwar vereinigten sich diejenigen, die überhaupt nichts von einer kommunalen Arbeitslosenversicherung tvissen wollen, hier- bei mit den Sozialdemokraten, die um so weniger Grund hatten, der Vorlage zuzustimmen, als sie durch einige andere Bestimmungen direkt zu einer Vorlage gegen die Gewerkschaften gestaltet war und die Gefahr bestand, daß durch die Gesamtversicherung Gelbe ge- züchtet werden könnten. Wo solche Bestrebungen vorhanden sind, werden wir natürlich dagegen stimmen.(Sehr richtig!) Ich habe einleitend betont, für uns Sozialdemokraten ist die Frage längst entschieden. Ich tuende mich entschieden dagegen, wenn man sagt, wir müssen erst st a t i st i s ch e Erhebungen veranstalten. Die Sozialdemokratie, die stets den sozialpolitischen Fortschritt ain wirksamsten gefördert hat, Ivird auch hier die Auf- gäbe übernehmen, die Widerstände zu beseitigen. Vereinigen wir unseren Willen dahin, daß wu geschlossen daran arbeiten, für unsere Arbeitslosen die Fürsorge zu schaffen, die sie notwendigerweise von der heutigen Gesellschaft beanspruchen können. Die gemeinsame Taktik für diesen Kampf werden wir hier aus diesem Parteitag nicht festlegen können, wohl aber werden wir unseren Willen da- hin ausdrücken, daß die Aktion der Masse» hinter den Forde- ningcn uiisercr Vertreter im Reich, in den Einzelstaaten und in den Kommunen zu stehen hat. Als selbstverständlich nehme ich an, daß unser Parteivorstand als Vollstrecker des Willens des Partei- tageS überall die Aktionen einleiten wird, und daß alle unsere Organisationen die Pflicht in sich fühlen, diese Bewegung zu unterstützen. Ich denke nicht bloß an Arbeitslosenversammlungen. die große Masse der Arbeiter ist zurzeit an keiner Frage so sehr interessiert, wie an dieser.(Lebsaftes Sehr richtig I> Haben doch allein die Holzarbeiter in München in neuerer Zeit sich einen Extra- beitrag von 29 Pf. auferlegt, um ihre arbeitslosen Kollegen zu unterstützen.(Bravo!) Es handelt sich nicht um eine Frage der Arbeitslosen, sondern um eine Frage den gesamten Arbeiter. (Sehr richtig!) Der Kampf muß planmäßig organisiert werden. Was von unserer Seite getan werden kann, ist niedergelegt in der Resolution, die ihnen neuerdings in etwas geändeter Form unter- breitet worden ist.') Die früher� Resolution kann zurückgezogen *) Die zurzeit herrschende und noch ansteigende ungewöhnlich große Arbeitslosigkeit erfordert schleunige Maßnahmen zur Linderung der Not der Arbeitslosen. In allen öffentlichen Körperschaften im Reiche, in den Einzel- staaten, in den Gemeinden ist deshalb auf sofortige Ausführung noch unerledigter Arbeitsaufträge auf planmäßige Schaffung von Arbeits- gelegenheit zu tarifmäßigen Sätzen zu dringen. Von den Organisationen wird erwartet, daß sie durch Ver- anstaltung von Massenversammlungen das Wirken ihrer Vertreter in den Gemeinden und den Parlamenten nachdrücklich unterstütze». Die ständige und die periodisch stärker auftretende Arbeits- losigkeit ist eine untrennbare Begleiterscheinung und Folge der kapitalistischen Produktionsweise; nur sie wird erst mit der Einführung der sozialistisch-organi- sierten Produktion verschwinden. Durch eine entsprechende Erweiterung der Sozialgesetzgebung lverdcn. Selbstverständlich ist auch in der neuen Resolution nicht im einzelnen ausgeführt, wie die Organisationen den Kampf unterstützen sollen, aber wir sind überzeugt, mit Eifer und Energie werden überall die Massen in den Kampf gegen das Elend eintreten. (Bravo!) Wir verlangen eine allgemeine, alle Arbeiter und An- gestellten umfassende Arbeitslosenversicherung, wir verlangen aber auch, daß die Gewerkschaften berücksichtigt werden. Es wird leine Simulation auf diesem Gebiete geben, die Gewerkschaften selbst werden dafür sorgen, dasv durch die Mithilfe der Arbeiter die Ver- sicherung auch ihre Aufgabe erfüllt. Die Resolution ist auf dem Boden der Resolution des Dresdener Gewerkschaftskongresses und des internationalen Kongresses von Kopenhagen aufgebaut'. Wir glauben, daß damit alles gesagt ist. Wenn wir zum Schlus; betonen, dah durch den Beitritt der Arbeiter zu den politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter am wirksamsten der Kampf unterstützt wird, so müssen wir diesen Appell erneut an d i e unorganisierten und an alle uns fernstehenden Arbeiter richten. Wenn wir vereint im Sturm und mit unserer ganzen Kraft den Ruf nach Brot und Arbeit für da? Proletariat erheben, und wenn wir diesem Kampfe eine planmäßige Richtung geben, dann wird der Erfolg nicht ausbleiben. Wir alle aber, die wir die Führer dieser Bewegung sein werden, haben das stolze iBewusitseiu, eine wichtige Knlturtat für die Arbeiter- belvegung zu leisten.(Lebhafter Beifall.) Vorsitzender Bock teilt mit, daß ein Antrag Katzenstein- Berlin eingegangen ist:„Dem Parteivorstand wird empfohlen, das Referat des Genossen Timm im Sonderabdruck herauszugeben". Ferner werden noch zur Debatte gestellt neben der Resolution Timm die Anträge 6 und 105—). Der Antrag 26 wird zurückgezogen. Darauf wird in die Diskussion eingetreten. Fritz Zubeil-Berlin: Als wir im Januar 1902 im Reichstag wegen der Arbeits- lostgkeit interpellierten und dabei den zehnstündigen Maximal- arbeitStag mit dein Hinblick auf den Achtstundentag, ein Reichs- arbeitsamt, die Ausdehnung der Arbciterschutzgesetzgebung und die Einführung einer reichsgesetzlichen Arbeitslosenunterstützung ver- langten, stellte sich der damalige Staatssekretär Graf Posado wsky auf vollkommen ablehnenden Standpunkt. Die Arbeitslosen- Versicherung, meinte er, sei nicht Sache des Reichs, sondern der Einzelstaaten und der Kommunen. Er gab den Arbeitern den billigen Rat, aufs flache Land zurückzukehren. Auch die bürger- lichen Parteien nahmen fast ausnahmslos einen ablehnenden Standpunkt ein. Daher sind meine Hoffnungen gering, daß wir im Reichstag eine Mehrheit finden werden, ioenn wir in der nächsten Session ein entsprechendes Gesetz einbringen. Die Arbeits- losigkeit hat sich im Sommer in einer Weise ausgedehnt, wie wir es seit 10 Jahren nicht erlebt haben. Wie soll das erst im Winter werden. Es sieht geradezu trostlos aus in der Textilindustrie und noch trostloser auf dem Baumarkt. Allein 23 Proz. der Bauarbeiter in Berlin find arbeitslos, in anderen Berufen 10—16 Proz. In Breslau wurden im August 10 000 arbeitslose Bauhandwerker gezählt. Wir haben schon einmal in Berlin bei einer starken Arbeits- losigkeit kennen gelernt, was geschieht, wenn die Not im Volke so groß ist. Auf das Reich, auf die Einzclstaaten können wir nicht warten. Wir müssen unseren ganzen Einfluß in den Kommunen geltend machen. Wir in Groß-Berlin find mitten in der Arbeit und haben die Gemeindebehörden gezwungen, auf diesem Gebiet vorzugehen. Der Oberbürgermeister von Berlin hat eine Vertreterkonferenz aller Gemeinden einberufen müssen, dort mußten auch diese Herren zu- geben, daß eine Arbeitslosigkeit existiert und im Winter- noch zu- nehmen wird, der auch sie mit Schrecken entgegensehen. Gelingt es, diese Auffassung auch in den anderen Kommunen zu verbreiten, so bleibt zu hoffen, daß wir dann zu besseren Einrichtungen kommen. Deshalb bitte ich alle Parteigenossen, ihr ganzes Augenmerl auf die Kommunen zu richten.(Beifall.) Klüß-Mag!deburg: Wir können dem Parteworstand dankbar dafür sein, daß er noch vor dem Zusammentritt des Parteitages diese wichtige soziale Frage auf die Tagesordnung zu setzen beschlossen hat und daß er venigstens m diesem Falle das Ohr für die feinen Regungen der Lolksftimme bewiesen hat, das gestern noch an ihm vermißt wurde. 5ch bin überzeugt, daß wir in der gegenwärtigen Situation einen nwerzeihlichen Fehler begangen hätten, wenn wir nicht die Frage >er Arbeitslosigkeit und der Fürsorge für die Opfer der kapita- .istischen Gesellschaft gewissermaßen in den Mittelpunkt unserer Diskussion gestellt hätten.(Sehr richtigl) Wie dem Partervorstand, muß ich aber auch einer hier viel angegriffe- nen Einrichtung meine Anerkennung aussprechen, das ist die Zeitungskorrespondenz des Genossen Stampfer, der zur rich- tigen Zeit dafür gesorgt hat, daß auch in den Parteiblättern neben den Diskussionen über den Massenstreik und die Steuerfragen die Frage der Arbeitslosenfürsorge in aller Ausführlichkeit zur Be- sprechung gelangte. Wir haben hier und vor dem Parteitag wiederholt von der Notwendigkeit der M a s s e nm k t i o n e n ge- sprachen. Jede Massenaktion aber muh ein scharf umrissenes festes Ziel haben. Hier ist uns ein solches Ziel gesteckt. In der gegenwärtigen Situation läßt sich am einleuchtendsten nachweisen, welche Schäden die kapitalistische Produktions- weise für all die Arbeitsbienen aufweist. In der Zeit der Teuerung, in der Zeit des Zollwuchers, in einer Zeit, wo immer neue Millionen und Milliarden in den Rachen des Militarismus geworfen werden, läßt sich an diesem einen Beispiel ganz besonders und immer aufs neue nach- muß aber schon jetzt versucht werden, die schlimmen Folgen der Arbeitslosigkeit tatkräftig zu mildern. Die öffentlich rechtliche Arbeitslosenversicherung für alle Arbeiter und Angestellten kann nur durch die Reichsgesetzgebung herbeigeführt werden, aus der Grundlage, wie sie die Beschlüsse des achten Kongresses der Gewerkschaslen Deutschlands zu Dresden 1911 und des internationalen Sozialistenkongresses zu Kopenhagen 1910 fordern. Bis zur Verwirklichung der allgemeinen öffentlich rechtlichen obligatorischen Arbeitslosenversicherung ist das System der Zahlung gemeindlicher Zuschüsse zu den gewerkschaftlichen Arbeitslosenuntcr- stützungen in den Gemeinden zu fordern. Zu diesem Zwecke muß überall die Heranziehung der Einzel- staaten zu den erforderlichen Zuschußleistungen verlangt werden. Die Förderung der öffentlich rechtlichen Arbeilslosenfürsorge ist nur möglich durch die tatkräftige Stärkung unserer politischen und gewerkschaftlichen Organisationen. Der Parteitag fordert daher alle Arbeiter auf, sich diesen Organisationen anzuschließen. Timm. —) S. Magdeburg: Angesichts der immer drohender auf- tretenden Zeichen der beginnenden Wirtschaftskrise, die eine massenhafte Beschäftigungslosigkeit und infolgedessen unbegrenztes Massenelend zur Folge hat, das durch die der Zollpolitik geschuldete allgemeine Teuerung noch verschlimmert wird; angesichts ferner der empörenden Untätigkeit der Reichs-, Landes- und Kommunalver- waltungen gegeir diese die Arbeiterschaft bedrohenden Gefahren möge der Parteitag beschließen, zur Bekämpfung der Arbeits- losigkeit und ihrer Folgen eine nachhaltige Massenbewegung zu- gunsten der Einführung der Arbeitslosenversicherung durch das Reich einzuleiten...., 105. Den dritten Absatz der Resolution Timm wie folgt zu fassen: Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand, sich nnt der Gencralkommission der Gewerkschaften über ein gemeinsames Vor- gehen zu verständigen, um die weitesten Kreise deS arbeitenden Bolkes für eine wirksame Arbeitslosenfürsorge aufzurufen, sich in Versammlungen, Erklärungen und Petitionen zu vereinigen und dadurch die Anträge unserer Vertreter im Reichstage, in den Land- tagen und in den Gemeinden mehr und mehr zu unterstützen. Hoch und mehr als 20 Genossen. weisen, daß die kapitalistische Gesellschaft zwar Reichtümer auf Reichtümer häuft, aber daß diejenigen, die die Reichtümer schaffen, unter einem ständigen Druck leben müssen, daß sie ständig bedroht sind von dem Gespenst der Arbeitslosigkeit. Ich halte es für zweck- mätzig, wenn Sie zu dem Antrag des Genossen Timm den Antrag Hoch annehmen, weil ich es für wünschenswert halte, daß unseren Genossen im Lande eine Richtschnur für die Art ihrer Agitation gegeben wird, daß wir uns nicht auf Massenversammlungen be- schränken, sondern mit unserer Agitation für die Arbeitslosenfür- sorge hineingehen in die weitesten Kreise des Volkes, nicht nur in die Kreise, die wir gewöhnlich in unsere Versammlungen be- kommen. An den Schäden der Arbeitslosigkeit sind nicht allein die Arbeitslosen, nicht allein die arbeitenden Kollegen beteiligt, es sind daran auch beteiligt alle kleinen Geschäftsleute, alle Hand- werker, deren Geschäft nachläßt, wenn der Arbeiter nicht mehr zahlungsfähig ist. Ich möchte dem Parteivorstand ans Herz legen, daß er bei diesen Flugschriften und Flugblättern von unserer ge- wohnten Schablone ein wenig abweicht. Die Frage der Arbeits- losigkeit und der Not, die durch sie herbeigeführt wird, ist nicht eine solche, die lediglich mit verftandeSmätzigen Gründen behandelt werden kann. Da kommt es darauf an, vor allen Dingen das Ge- fühl zu wecken, ern die Seele der Mitmenschen zu appellieren. So- weit die Worte dazu nicht ausreichen, möchte ich dringend bitten, den Zeichenstift unserer größten und besten Künstler für diese Sache diensthar zu machen. Eine Künstlerin von den Fähigkeiten und dem Ruf einer Käthe Kollwitz darf für diesen Zweck für uns- nicht unerreichbar sein.(Sehr wahr!) Ich bitte drin» gend, daß wir die Not der Arbeitslosen bildnerisch darstellen lassen, um so einen größeren Eindruck durch unsere Schriften herbeizu- rufen. Wenn wir, vorübergehend natürlich, alle Kräfte anspannen und auf diese eine Forderung konzentrieren, dann beweisen wir damit aufs neue und aufs beste, daß wir nicht nur eine Partei der Massenstreikler sind, sondern eine Partei der Arbeitswilligen für des Bolkes Wohlfahrt und den Fortschritt der Arbeiterklasse. (Lebhafter Beifall.) Eduard Schmid-München: Wir Münchener danken dem Vorstand, daß er der Anregung die Arbeitslosenversicherung zu behandeln, die von München aus- gegangen ist, so erfreulich Rechnung getragen hat. Aus Timms Daten können wir ersehen, daß in München-Capua nicht alles schwimmt in Bürgerglück und Wohlstand, und daß die sogenannte große Gemütlichkeit die Gegensätze sehr wohl aufkommen läßt zwischen Kapital und Arbeit. Leider findet sich die gegenteilige Behauptung auch in der Parteipresse. Darunter leidet zu einem guten Teil das Ansehen unserer Tätigkeit. Gerade in München ist jetzt die Arbeitslosigkeit außerordentlich groß. Im Hochsommer 1913, in der Zeit der sonst günstigsten Arbeitsgelegenheit, zählen wir 7000 organisierte Arbeitslose. Ueberrascht sind wir durch diese Zustände nicht worden, wir haben darauf zur rechten Zeit hin- gewiesen. Schon 1905, bei der ersten Münchener Gemeindeaktion für die Arbeitslosen, zeigte sich, daß die Gewerkschaften die Träger der Arbeitslosenversicherung sein müssen. Der Magistrat sprach den Münchener Gewerkschaften die An- erkennung für ihr opferfreudiges� geschicktes Arbeiten im Dienste der Arbeitslosen aus.(Hört I hörtl) Ein völlig ausgearbeiteter Entwurf auf Einführung des Genter Systems wurde von den bürgerlichen Parteien zum Schei- tern gebracht. Und so ging es mehrmals. Einmal gab die bayerische Regierung den Städten statt Geld— Papier, nämlich Mustersatzungen für die Arbeitslosenversicherung. Der Städtetag er- klärte, der Staat müsse 50 Proz. der Kosten hergeben; aber eS kam nichts zustande, als daß der Amtsschimmel zwischen Gemeinden und Regierungen hin- und Hergetrieben wurde bis zur Bewußt- losigkeit. Mehrmals mußte die Stadt München je 100 000 M. siir die Arbeitslosen hergeben. Im Landtag legte bei einer Debatte über die Arbeitslosenversicherung der Zentrumsminister Soden das traurige Geständnis ab, er wisse nichts von der Arbeitslosen» Versicherung, er sei heute nur auf die Rindvieb-Maul- und Klauen. seuche präpariertl Und dabei ist der Mann Minister des Innern! Die Arbeitslosigkeit in München �und das Elend wären noch viel schlimmer, wenn die Gemeinde nicht wieder auf unseren Antrag Nahrungsmittel verteilt hätte. So ist eS auch in anderen Orten Bayerns geschehen. Die Arbeitslosenversicherung muß eingeführt werden, entweder durch das Reich, durch den Staat oder die Gemeinde. Die Affenkomödie des Zentrum? muß ein Ende nehmen. Früher sagte es, der Staat mutz eS machen, jetzt, wo es die Mehrheit im Landtag hat, heißt es, das Reich muß die Arbeitslosenversicherung einführen. Nein, alle Faktoren haben die Opfer der kapitalistischen Produktionsweise über Wasser zu halten.(Bravo I) Barth-Zwickau: Ich bedaure, daß der Referent alle die anderen Dinge, die neben der Arbeitslosenversicherung geeignet sind, nicht nur die Folgen der Arbeitslosigkeit, sondern die Arbeitslosigkeit selbst zu mildern, so ganz beiseite gestellt hat. Ich verweise besonders auf einen Punkt, den die Genter Konferenz zur Bekämpfung der Ar- beitslosigkeit ausfiihrlich behandelt hat und der in einer Resolution des neuen holländischen Arbeitsministers T r e u b dahin zusammen- gefaßt worden ist, man solle die öffentlichen Arbeiten dazu verwenden, die Arbeitslosigkeit in den Depressionsperioden einzudämmen. Bis jetzt werden die öffentlichen Arbeiten völlig planlos, ohne Berücksichtigung deS Arbeitsmarktes vergeben. Und doch besitzt ein sehr großer Teil von ihnen genügend Elastizität, um auf eine längere Reihe von Jahren vorbereitet, um erst in dem Augenblick in Ausführung gegeben zu werden, wo der Arbeits- markt erschüttert ist. Das gilt vor allen Dingen für die Arbeit des Baugewerbes. Die Genter Resolution verlangt, daß die einzelnen Nationen A e m t e r schaffen, die planmäßig den Arbeits- markt beobachten und gewissermaßen ein Krisenbarometer auf- stellen. Mit Notstandsarbeiten allein kommen wir nicht durch. Durch die Zurückhaltung der Arbeitsvergebung könnte man das Hetztempo in der Hochkonjunktur vermindern. Redner bespricht die Arbeitsnachweisfrage und wendet sich gegen die Unternehmernachweise, die das verschärfte System der schwarzen Listen darstellen.(Bravol) Winnig-Hamburg: Der Kampf für die Arbeitslosenfürsorge ist eine gute und große Sache und er ist eine edle Sache. Das wird uns besonders augenfällig, wenn wir der kulturzerstörenden Wirkung gedenken, die die Arbeitslosigkeit auf ungezählte Tausende von Arbeitern ausübt. Es ist der Ruhmestitel der Arbeiterbewegung, durch solidarische Selbsthilfe für Hunderttausende eine Hebung des Lebensniveaus erreicht zu haben. Wir nehmen jedenfalls das Ver- dienst für uns in Anspruch, daß wir für die Arbeiter viel erreicht haben, indem wir ihr Leben leichter und sonniger gemacht haben. Alles das, was dem einzelnen gestattet, mehr Mensch zu sein, seine Lebenshaltung mehr der Lebenshaltung eines Kulturmenschen an- zunähern, das wird im einzelnen Falle und in vielen Tausenden von Fällen dadurch zerbrochen und zerstört, daß der ein- zelne Arbeiter, wenn er sich herausgearbeitet hat aus dem Schlamm des Elends, durch die Arbeitslosigkeit wieder heruntergestoßen wird in den tiefsten Sumpf der Not und Entbehrung. Ungeheuer viel Kulturwerte gehen dadurch verloren. Es steht fest, daß wir zur Sicherung der Früchte unserer Tätigkeit das, was wir durch die Selbsthilfe im schweren Kampfe erreicht haben, wenigstens zum großen Teil durch eine Für- sorge für die Arbeitslosen festhalten müssen. Wir werden in der Diskussion mit den Gegnern mit diesen Argumenten operieren müssen. Wir werden nachweisen müssen, daß dieser Kampf ein Kampf für das Wohl des ganzen Volkes ist. Die alljährlich wieder- kehrende große Arbeitslosigkeit, diese mit jeder Krisis wiederkehrende große Welle der Beschäftigungslosigkeit, führt zur Entartung des Volkes. Viele Arbeiter können sich nicht so ernähren, wie sie es müßten, um ihrem schweren Berufe gewachsen zu sein. DaS kann auch der Wehrkraft des Voltes nicht zum Vorteil sein. So können wir mit guten, großen Argumenten austreten, mn unsere Gegner zu zwingen, dieser Frage ernsthaft näherzutreten. Aller» dings sind wir als Vertreter der Arbeiter, als Wortführer der voq der Arbeitslosigkeit Geschlagenen, doppelt daran interessiert. Die höchste Errungenschaft, die die Arbeiterbewegung aller Länder er» zielt hat, ist, daß sie in dem Arbeiter das Selbstbewußtsein gestärkt bat, das Bewußtsein, daß er seinem Unternehmer als Gleicher gegenüber st cht, daß er im Staate das gleich« Recht verlangen kann, daß er weiß, daß er sich eine Menschen» würde zu wahren hat, und daß er das Recht auf Einwirkung in allen öffentlichen Angelegenheiten hat. Aber dieses Selbstbewußt- sein wird immer wieder untergraben durch die Furcht, arbeitslos zu werden. Es ist keine Frage, daß der Arbeiter, der weiß, daß er, wenn er hier an einer Stelle entlassen wird, wochenlang, vier, fünf, sechs Monate herumlaufen kann, ehe er eine andere Beschäftigung findet, daß er nicht imstande ist, seine Würde als Mensch und Ar- heiter gegenüber den Zumutungen der Unternehmer so zu wahren, wie wir es wünschen, und wie es für den Fortschritt unserer Be- wegung notwendig ist. Ich gebe mich nicht der Illusion hin, als wäre eine Arbeitslosenfürsorge der Zauberstab, der mit einem Schlage aus Knechtseelen Männer schaffen könnte. Aber eine Stärkung ist es, wenn der Arbeiter weiß, daß er auch im Falle der Entlassung den Strudeln des Lebens nicht ganz preisgegeben ist, Mit diesen Gründen müssen wir in der Oesicntlichkeit operieren. In Ermangelung einer ausreichenden Statistik fehlt uns eine genaue Ucbersicht über den Grad der Arbeitslosigkeit. Es steht aber fest, daß die Kurve der Konjunktur sich gegenwärtig wieder ent- schieden nach unten senkt. Jede Industrie steht entweder mitten drin in der Krisis, oder sie ist nahe daran: Besonders trifft das fiir das Baugewerbe zu, für das die Frage der Arbeitslosenfür- sorge eine größere Rolle spielt, als für die meisten anderen Ge- werbe. Die Bauarbeiter waren infolge der Eigenart ihres Be- rufes bisher zum größten Teil nicht in der Lage, durch Selbsthilfe Sicherung �gegen die zerstörende Wirkung der Arbeitslosigkeit zu schaffen. Sie sind jetzt aber auf dem besten Wege dazu, allerdings durch Auferlegung sehr großer Opfer. Aus den Hochkonjunkturberichten, die wir im Bauarbeiter. verband aus etwa 120 Orten eingefordert haben, schließen wir, daß in dieser Zeit, die sonst eine Zeit gesteigerter Bautätigkeit ist, wo die Hauptbelebung emtritt, 18— 20 Proz. der ganzen deutschen Bauarbeiter ohne Beschäftigung sind.(Lebhaftes Hört! hört!) In Hamburg, wo man in der Bauarbeiterorganisation eine gute Kontrolle über die Arbeitslosen führt, haben sich in den letzten Monaten von 11 000 Arbeitern im Durchschnitt 2700—3000 pro Monat arbeitslos gemeldet.(Leb» Haftes Hört! hört!) In B e r l i n sind die Zustände nicht besser, ebenso nicht in Kiel, Lübeck, Hannover, Breslau, München, Nürn- berg, Regensburg und vielen anderen Städten. Ueberall herrscht eine Arbeitslosigkeit von einer Wucht, wie wir sie seit 1908 nicht gehabt haben, um nicht in spätere Zeiten zurückzugehen. Bei uns an der Zentralstelle im Bauarbeiter» verbände kommen manchmal Bricfäußerungen ergreifender Art, herzrührender Verzweiflung an, die uns an das Wort erinnern: „Wenn Ihr wüßtet, was ich weiß, dann würdet Ihr viel weinen und wenig lachen!" Viele Zchntauscndc leben in bitterer Not. während das ganze Land in Jubelfeiern schwelgt.(Sehr richtig!) Ueber die Art der Zlbhilfe sind wir uns klar. Bei dem Kampfe in den Parlamenten dürfen wir uns nicht dadurch irritieren lassen, daß die Gegner die Frage der Arbeitsnachweise in die Diskussion werfen. Diese Frage mutz davon ganz getrennt bleiben. Verknüpfen wir erst die Arbeitslosenfrage mit dieser Frage, dann können wir die Erfüllung unserer Wünsche auf den Sanktnimmerleinstag hinausschieben. DaS Genter �System kommt in Frage, d. h. die Einrichtung der Arbeitslosenfürsorge in Anlehnung an die Gewerkschaften, die die Gewißheit bieten, daß die Arbeitslosenhilfe in die richtigen Hände kommt. Die Gewerk- schaften sind ja gezwungen, eine gute ausreichende Kontrolle� zu führen. Darin sollen auch die Behörden, die Gemeinden, die Städte eine ausreichende Gewähr sehen, daß nicht Leute der Arbeitslosen- fürsorge teilhaftig werden, denen es in Wirklichkeit nicht zu- kommt. Wenn wir die Arbeitslosenfürsorge erst einmal im großen Umfange haben, dann wird auch das Interesse der herrschenden Gewalten an der Regelung der Arbeitsnachweisfrage ganz anders sein. Wenn die Arbeitsnachweise der Großindustriellen, der Metall- industriellen die empörend st en Dinge verüben können, ohne daß eine Staatsgewalt einschreitet, dann werden wir von dem Augenblick an, wo die öffentlichen Haushalter für die Opfer der Arbeitslosigkeit aufkommen müssen, ganz anderes Interesse sinken. Dann wird dort das Interesse an einer öffentlichen rechtlichen Re» gelung der Arbeitsnachweisfrage lebendig sein,' weil es sich um materielle Interessen handelt. �... Ich sehe eine gewisse Gefahr darin, daß ine Gegner m dem Bestreben, unseren Kampf zu vereiteln, immer zu dem Mittel greifen werden, unsere Bestrebungen als parteipolitisch zu verdach» tigen. Daß sie sagen ioerden: das Ganze ist nur eine Agitations» mache, es fehlt der Sozialdemokratie wieder einmal an einem guten, zündenden Agitationsstoff, deshalb beschäftigt sie sich jetzt damit. Wir dürfen diesen Bestrebungen keinen Vorschub leisten. Wir müssen in der Agitation alles vermeiden, was den Gegnern recht geben könnte, unsere Bestrebungen in dieser Weise zu dis» kreditieren. Wir müssen vor allen Dingen immer betonen, daß es sich gar nicht um eine Parteisachx handelt, daß die Linderung der Not eine Sache des ganzen Volkes ist, die hoch über allem Parteigetriebe steht. Wir appellieren nicht an die politische Ueberzeugung des einzelnen, sondern an das Kultur» gewissen und das menschlich-sittliche Em p f i n d e n. Dort, wo überhaupt ein Funken von sozialem Verständnis ist, wo man sich durchgerungen hat zu der Erkenntnis, daß der Staat die Pflicht hat, für die Opfer der Wirtschaftsordnung aufzukommen, dort hoffen wir, daß wir Unterstützung finden werden. Wir allein können es ja nicht machen. Es kommt nicht darauf an, AgitaftonS- stoff zu schaffen, sondern Brot für die vielen Tausenden von Ar» beitsloscn.(Lebhafter Beifall.) Böttger-Mannheim: Zu den wenigen Landcstegierungen, die in der Arbeitslohn- frage aus dem Stadium tbeoretischer Erwägungen zur praktischen Betätigung übergegangen sind, gehört neben Bayern aus Baven. Das soll kein Kompliment sein, sondern nur die Feststellung einer selbstverständlichen Tatsache. In einer Denkschrift der Reg�eru g, die das Produkt einer Konferenz der verschiedenartigsten Jnlereyen- gruppen ist, macht die Regierung eine Verbeugung vor o e m sozialdemokratischen Parteiprogramm, indem sie das anerkennt, was wir in unserem Parteiprogramm fcsigelcgt haben und zugibt, daß die Ursachen der perlodi,ck, auftretendei, Ar- beitslosigkeit zum Teil in der privatkapitalisti,chen ProduktionS» weise begründet sind. Wir betätigen uns praktisch in dn Arbeits- losensürsorge. Der letzte Landtag hat die Regierung beauftragt, 100 000 M. in den Etat einzustellen als Zuschuß nir unsere G e- m c i n d e n. die bereits die Arbeitsloienfuriorge eingeführt haben. Neben dem Zentrum haben die Vertreter der christlichen Gewerk- schaften und die wenigen Konservativen im badischcn Landtag gegen den Antrag gestimmt. Auch'» den Städten haben diese Parteien die Arbeitslosenfürsorge zu verhindern gesucht, auch unsere Block- b r ü d e r, die Nationalliberalen, haben sich zum größten Teil da- gegen erklärt. In Mannheim jollten wir uns mit einer so- genannten Spareinrichtung begnügen, die außerdem noch die Ar- beitslosen unter die Zuchtrute des industriellen Arbeitsnachweises beugen wollte. Dagegen sind wir vor- gegangen und zwar mit Erfolg, so daß die Bahn ffir die Ein- führung einer modernen Arbeitslosenfürsorge frei war. Auch die Kontrolle, ob der betreffende Arbeitslose bezugsberechtigt ist oder nicht, ist in die Hände der Gewerkschaftsfunktionäre gelegt worden. Ich empfehle Ihnen die Resolutton und den An- trag Hoch zur Annahme. Die Massen müssen mit schwieliger Faust an die Türen der Rathäuser pochen und ihr Recht verlaufen. (Beifall.) Treu-NÄtnverg: Der Parteitag dürste wohl einig sein, daß die endgültige Lösung der Arbeitslosenversicherung nur Sache der Reichs- Gesetzgebung sein kann. Die bürgerlichen Parteien müssen endlich einmal gezwungen werden, Farbe zu bekennen. Jetzt wird mit den Interessen der Arbeitslosen geradezu Schindluder ge- trieben. Aber wenn wir auch im Reichstag eine Mehrheit finden, so ist noch immer wenig erreicht, denn die Regierung würde so wie wir sie kennen, sehr lange Zeit brauchen, ehe sie praktische Arbeit leistet. Da schnelle Hilfe not tut, kommen jetzt nur die G e- m e i n d e n in Betracht. Dadurch kann die Arbeitslosigkeit zwar nicht beseitigt, aber gemildert werden. In einzelnen Städten sind schon Anfänge da, es handelt sich nur darum, die Mittel flüssig zu machen. Es ist schwierig festzustellen, ob die Liberalen oder das Zentrum in dieser Frage jesuitischer sind. Bei uns in Nürnberg wollte sogar ein sogenannter Linksliberaler die Frage der Armenpflege überweisen und so den armen Opfern der heutigen Gesellschaftsordnung ihre wenigen politischen Rechte noch vollends rauben. Ein anderer Freisinniger wollte, daß die Gewerkschaften ihre Millionen für diesen Zweck verwenden sollen. Tasselbe fordert ja auch die„Kreuzzeitung". Trotzdem ist es in Nürnberg gelungen, 30 000 M. als Grundstock einzustellen. Tie Liberalen haben zugestimmt unter der Bedingung, daß die Summe nur dann verwendet werden darf, wenn der bayerische Landtag die gleiche Summe zur Verfügung stellt. Nach der Kund- gebung des bayerischen Prinzregenten werden die bürgerlichen Par- teien hoffentlich dafür sorgen, daß dieses Königswort eingelöst wird. Unsere Prozentpatrioten stehen ja sonst auf dem Stand- Punkt, daß an einem Königswort nicht gedreht und nicht gedeutelt werden darf. Unsere bürgerlichen Parteien sollen jetzt einmal zeigen, daß man bei solchen Ding« nicht nur den Mund spitzen, sondern auch pfeifen muß.(Beifall.) Dr. Ouarck-Frankfurt a. M.: Mein Wahlkreis hat um sich einen Kranz von Fabrikstätten, die in der Zeit der Krisis ihre arbeitslosen Elemente nach Frank- furt schicken und dort die Arbeitslosigkeit steigern, so daß es früher bereits zu großen Arbeitslosenkundgebungen ge- kommen ist. Trotzdem hat die Stadt in dieser Frage nichts getan. Selbst Staatsbehörden haben diese Untätigkeit der Ge- meinde kritisiert. Natürlich sammeln sich die Arbeitslosen in solchen Verkehrszcntreen mit Vorliebe in den Wartesälen der Bahnhöfe. Die Regierung hat nun eine Vereinbarung mit der Polizei ge- troffen, daß wer zum zweiten Male arbeitslos ohne Fahrkarte in den Hallen angetroffen wird, ohne weiteres wegen Hausfriedensbruch bestraft werden soll.(Hört! hört!) Leute ohne Haus und Wohnung werden von vornherein zu HauS- friedcnsbrechern gestempelt.(Hört! hört!) Ich erkundigte mich nach dem Grund für dieses rigorose Vorgehen und erhielt von der Eisenbahnverwaltung die Antwort, daß man nur ungern zu diesem Mittel gegriffen habe, aber das Zusammenströmen sei zu groß, und im übrigen sei es doch auffällig, daß ein großer Teil dieser Arbeits- losen als direkten Grund ihres Aufenthalts angebe, daß die Stadt keine Vorkehrungen für Arbeitslose ge- troffen habe.(Hört! hört!) Das ist also au? dem Munde einer preußischen Behörde die denkbar schärfste Kritik einer Kommu- nalverwaltung. Das mutz in der Agitation gebührend benutzt werden. Natürlich darf der Staat auch nichts in denselben Fehler verfallen, wie die Gemeinden. Aber der Staat hat auch allen Anlaß, die Gemeinden anzufeuern, er ist ja auf anderen Gebieten nicht so zimperlich, wenn es sich um Gemeinden, namentlich in Preußen, dreht. Die Arbeitslosenunterstützungsfrage, hat ein« große prinzipielle Bedeutung. Sie läßt sich nicht ohne M i t V e r- w a l t u n g der freien Gewerkschaften lösen. Das zeigt das Fiasko aller Versuche, die ohne die Gewerkschaften unternommen werden sollten. Sosfentlich vollzieht sich auf diesem Gebiete ein« Entwickclung ähnlich wie auf dem Gebiet der Rechtsprechung. Da haben wir ja glücklicherweise unter reger Mithilfe unserer Partei die Arbeitcrgcrichte durchgesetzt. Greifen wir auch hier in der Arbeitslosenversicherung mit verdoppelter Kraft ein. Hier kann mit der Versicherungsburcaukratie wenigstens zu einem kleinen An- fang aufgeräumt werden; mit dieser Vcrsicherungsbureaukratie, die darin besteht, daß die ganze Organisation unserer Arbeiterversichc- rung, wenn nicht gegen, so doch mindestens neben den freien Organisationen der Arbeiter organisiert ist. Die Arbeitslosen- Versicherung kann nicht gemacht werden ohne die Zuziehung der Arbeiterorganisationen. Sie wird zu einem Element der Um- wälzung unserer ganzen Versichcrungsorganisation, wenn wir sie richtig anfassen Die Arbeitslosigkeit wirb in diesem Winter w i e ein Sturm durch die deutschen Gaue jagen. Be- nutzen wir diesen SBind und benutzen wir die Tatsache, daß durch die Arbeitslosigkeit die herrschenden Gewalten zwischen Scylla und Charybdis kommen. Sie müssen Helsen, ob sie wollen oder nicht. Sorgen wir dafür, daß die bürgerliche Gesellschaft in Deutschland aus diesem Druck nicht ohne Erschütterung ihrer alten burcaukra- tischen Einrichtungen und nicht ohne wesentliche Zugeständnisse an die Arbeiterschaft herauskommt.(Bravo!) Molkenbuhr: Ich will mich kurz gegen den Antrag tOö wenden. In der Re- solution Timm ist bereits gesagt, daß die Organisationen alles aufwenden sollen, Ivos aus dem Gebiete der Agitation getan werden kann. Einer besonderen Pcreinbarung mit der Generalkommission bedarf es darum nicht. Es ist nicht Aufgabe der Generalkommission, die eine unpolitische Körperschaft ist, bei der Agitation der sozial- � demokratischen Partei mitzuwirken. Dazu ist die politische Partei da, und der Parteivorstand wird nichts versäumen, um die Agitation so nachdrücklich und nachhaltig zu gestalten, wie eS nötig ist. Tie Frage der Arbeitslosenversicherung ist nicht, wie Genosse W innig meinte, lediglich eine Kulturfrage, sondern eine Frage, die einen Widerstreit der lassen hervorruft, wie er schärfer nicht gedacht werden kann.(Sehr richtig!) Tic Kapitalisten haben ein besonderes Interesse daran, daß die Arbeitslosenversicherung nicht eingeführt wird, denn eine große Arbcitslosenarmee ist für sie da? eigentliche Werkzeug, die Arbeiter in ihrer Lebenshaltung herunterzudrücken. Umgekehrt hat die Arbeiterklasse das entgegengesetzte Interesse, all diejenigen Dinge zu beseitigen, die ein furchtbares Machtmittel in den Händen der Kapitalisten sind. Daneben besteht natürlich auch ein all- gemeines Kulturinteresse, daß nicht Massen von Menschen ver- hungern. Die kapitalistischen Staaten selbst hätten eigentlich ein sehr großes Interesse daran, diesem Elend nnd Hunger entgegenzuwirken, denn die Arbeitslosigkeit kommt ja den Staaten und Gemein den gar nicht ganz billig zu st e h e n. Wenn der Arbeitslose schließlich in der Not zum Bettler oder auf die Bahn des Verbrechens getrieben wird, dann verursacht das der Gesellschaft doch große�Kosten. Bei einer Zu- sammenrechnung dieser Ausgaben würden Summen herauskommen, die bei rechtzeitiger Anwendung so manchen davor bewahren könn- ten. ein überflüssiges Glied der Gesellschaft zu werden.(Lebhafte Zustimmung.) Falsch ist es auch, wenn man die Arbeitslosenver- sicherung und-fürsorge als eine reine K r i s e n f r a g e anwenden will. Das ist sie ebensowenig, wie die Krankenversicherung eine Epidemienfrage ist. Wir haben doch eine chronische Arbeitslossg- teit, die sich überall bemerkbar macht. Die Statistik unserer Unfall- Versicherung zeigt, daß im Jahre 1903 ein Rückgang von 100 000 Vollarbeitern gegen 1907 eingetreten ist. Die 12 Baugewerksbcrufs. genossenschaften haben allein einen Rückgang von etwa 140 000 Voll- Arbeitern aufzuweisen. Wir haben in der Schöncberger Gemeinde. Verwaltung einen kleinen Anmng von Arbeitslosenversicherung da- durch gemacht, daß wir städtische Zuschüsse zu den Arbeitslosenuntcr- stützungen der Gewerkschaften und Sparvereine zahlen. Jetzt haben wir angeregt, die Sache für G r o ß- B e r l i n einheitlich zu machen, und der Magistrat hat erklärt, daß er sich unserem An- trag anschließt und mit den anderen Städten eine Petition an den Reichstag vorbereiten will. Auf die Dauer, glaube ich, kann die Reichs regierung sich dieser Forderung der Arbeitslosenversicherung «cht widersetzen. England ist als Pionier auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung vorangegangen; man kann jetzt nicht mehr sagen, wie bisher immer: es geht nicht. Deshalb heißt es: nach- drücken!(Beifall.) Bihle-Straßburg: Wenn in Straßburg schon 1906 die Arbeitslosenunterstützung eingeführt wurde, so war das nur möglich, weil wir damals eine starke sozialdemokratische Fraktion im Rathaus hatten, die einen Antrag nach dieser Richtung stellte. Wir im Elsaß stehen natürlich auch nicht auf dem Standpunkt, daß nur die Städte Mittel für die Arbeitslosenfürsorge bereitstellen sollen. Ich glaube, im Namen der gesamten sozialdemokratischen Landtags- iraklion Elsatz-Lothringens erklären zu können, daß wir in diesem Winter mit aller Energie an die Frage einer staatlichcnRegc- l u n g herangehen werden. Es kommt dabei lediglich auf die Hal- tung des Zentrums an, das mit uns in der Zweiten Kammer die Mehrheit hat. Ten Antrag Hoch halte ich für überflüssig. (Beifall.) Silbcrschmidt-Berlin: Nicht auf dem ganzen europäischen Kontinent tritt gegenwärtig die Arbeitslosigkeit in gleichem Maße aus. Sonidern ihre Stärke hängt von der jeweiligen Politik des betreffenden Staates ab. Die ungeheuerlichsten Wirkungen finden wir in der Nähe des Balkans, während Staaten mit etwas vernünftigerer Politik weniger von der Arbeitslosigkeit erfaßt werden. In England ist die Beschäftigung noch beinahe gut, und in Dänemark und änderen Ländern beobachten wir nicht die krassen Wirkungen, wie sie die Folgen der Zollpolitik sind. Unter Umständen also kann das Uebel, das am Marke des Volkes zehrt, auch durch ungeschickte und unzeitgemäße politische Regierungsmatznahmen verschärft werden. Wir als Deutsche haben in dieser Hinsicht schwere Anklag en gegen die Regierung zu erheben.(Sehr richtig!) Namentlich leidet Berlin unter der Arbeitslosigkeit, und hier.wieder ganz besonders das Baugewerbe. In einer Zeit, wo sonst die Arbeitslosigkeit am niedrigsten ist, waren über 23Proz. derMitglieder des deutschen Bauarbeiter- Verbandes arbeitslos.(Hört! hört!) AehnlicheS gilt für die Holzarbeiter und andere Gewerbe. Die Wirkungen dieser Arbeitslosigkeit sind geradezu verheerend. Eine große Summe von Lebensglück und von Familienglück geht dabei verloren, die Wider- staNdSkraft der Arbeiter im Kampfe wird geschwächt, denn ihr Trachten ist naturgemäß zuerst auf die Befriedigung dcS Hungers gerichtet. Sonst kräftige, mutige, kampfeslustige Männer verlieren durch den Hunger nnd die Entbehrungen das Vertrauen in die eigene Kraft.(Sehr richtig!) Wir Berliner haben nicht über das heimtückische und hinterlistige Zentrum zu klagen, sondern wir haben mit dem Kommunalfreisinn zu kämpfen. Aber glauben Sie nicht etwa, daß der der Situation Verständnis ent- gegenbringt, und daß etwa von ihm eine weit ausschauende Politik zu erwarten wäre. Die Rückständigkeit, die Angst vor der Be- lastung des Portemonnaies trifft man in Berlin genau so an, wie in anderen Kommunen.(Sehr wahr!) Es sind eben die ökonomischen Ursachen, die den Menschen leiten, und als ökonomische Gegner sind Freisinn, Zentrum und Konservative im Grunde genommen gleich. Wir müssen weiter verlangen, daß auch im preußischen Landtag die Frage der Linderung der gegenwärtigen Not mit größerem Verständnis behandelt wird. Unsere kleine Fraktion wird sich das besonders angelegen sein lassen. Es hätte dafür gesorgt werden sollen, daß umfangreiche Ar- betten in Angriff genommen und beschleunigt werden, daß in erster Linie einheimische Arbeiter beschäftigt werden. Wir müssen ferner die Förderung des Kleinwohnungsbaues verlangen und dafür sorgen, daß in dieser Zeit der äußersten Not die Lebensmittel nicht noch weiter verteuert werden. Es mutz auf Herabsetzung der Zölle und auf Beseitigung der Einfuhrerschwernisse hingedrängt werden. Die Agitation ist nicht der Hauptzweck bei dieser Aktion, aber wir haben doch auch die Aufgabe, aus die Kreise derer einzuwirken, die mutlos in die Zukunft blicken, wir müssen sie aufrufen zur Mitarbeit und ihnen klar machen, wer der legitime Vertreter der Arbeit ist, die/ deutsche Sozialdemokratie und die mit ihr in Verbindung stehenden Körperschaften und Organisationen. Wir werden die Massen aufrufen und ihnen auch bei dieser Gelegenheit zeigen müssen, wer ihr Freund ist.(Bravo!) Giebel: Gewiß ist die Frage der Arbeitslosenfürsorge keine reine Krisenfrage. Aber besonders im Augenblick der Krise ist das Verständnis, das Interesse und die Anteilnahme der Massen an dieser Frage sehr viel größer. Deshalb muß der gegenwärtige Augenblick ganz besonders ausgenützt werden zur Förderung der Arbeitslosenversicherung. Wir müssen suchen, in den Gemeinden einen Bundesbruder zu bekommen für oie reichsgesetzliche Lösung. Unsere Reichsarbeiterversicherung kam erst dann zur Etnführung, als in den Gemeinven die Ausgaben für erkrankte und unfallver- letzte Arbeiter im Armenetat ganz gewaltig anschwollen. AuS diesem Grunde möchte ich Sie ersuchen, Sturm zu laufen gegen unsere Gemeindeverwaltungen und mit diesen gemeinsam die Re- gierung zur rcichsgesetzlichen Regelung der Arbeitslosenfürsorge zu drängen. Dabei dürfen wir die weiten Schichten der Privat- angestellten nicht übersehen, die ebenso wie die Handarbeiter an der Lösung dieser Frage interessiert sind. Es ist der Ausdruck des entsetzlichsten Elends, wenn man Tag für Tag lesen mutz, daß Angestellte aus Verzweiflung über die monatelange Stellenlosig- keit zum Selbstmord greifen, weil sie keinen andern Ausweg mehr aus diesem kapitalistischen Jammertal sehen. Auch die An- gestellten sind nicht in der Lage, von ihren kargen Gehältern für oie Zeit der Stcllcnlosigkeit vorzusorgen. Wir haben leider kein authentisches statistisches Material über den Umfang der Arbeits- losigkeit bei den Angestellten; aber das dürftige Material aus den Stellennachweisen zeigt schon, in welch erschreckendem Maße in den letzten Monaten diese Arbeitslosigkeit um sich gegriffen hat. Allein im zweiten Vierteljahr dieses Jahres sind 3 3 0 0 0 st e l l e n l o s e Mitglieder der verschiedenen Angestelltenvevbände hinzuge- kommen zu den rund 30000, die arbeitslos ge- blieben sind aus dem 1. Quartal.(Hört! hört!) DaS sind nur die Zahlen der Organisationen mit etwa 600 000 Mit- gliedern, die höchstens 30 Proz. der Angestellten ausmachen. Etwa 60 000 Stellensuchendcn stanoen nur etwa 2S 000 Stellen zur Verfügung. Unsere Gcmeindevertretcr möchte ich darauf hin- weisen, daß ein sogenannter Verband deutscher gemeinnütziger Schreibstuben besteht, der sich angeblich die Versorgung der An- gestellte» bei Arbeitslosigkeit zur Aufgabe gemacht hat. Er wirft aber nur l o h n d r u ck e n d für die Angestellten im Interesse der Prinzipale, genießt jedoch vielfach Unterstützung von den Kam- munen. Ich bitte daher die Gemeindevertreter, darauf zu achten. daß der Passus der Resolution Timm, daß auf tarifmäßige Zahlung geachtet werden soll, auch auf die Angestellten anzuwenden ist. Wenn so Hand- und Kopfarbeiter gemeinsam für die Lösung der Frage kämpfen, wird es damit auch vorwärts gehen.(Beifall.) . Ein Schlußantrag, den Brückncr-Berlin befürwortet und gegen den Pfliigrr-Württemberg spricht, wird angenommen. Timm(Schlußwort): Tie Debatte hat eine wertvolle Ergänzung zur Frage der Ar- beitslosenversicherung gegeben. Alle Redner haben betont, daß diese Frage jetzt in den Vordergrund des ganzen öffentlichen Interesses gestellt werde. Wenn ich auch nur das Zentrum kritisiert habe, so bin ich mir doch klar, daß die übrigen bürgerlichen Parteien in gleicher Weise gegen eine ausreichende Arbeitslosenfürsorge sind. Aber das Zentrum nimmt bekanntlich für sich in Anspruch, auf dem Gebiet der Sozialpolitik boranzumarschieren, da muß ein- mal öffentlich klargestellt werden, wie gerade das Zentrum in dieser wichtigen Frage versagt hat.(Lebhafte Zustimmung.) Das Zentrum hat es mitverschuldet, wenn praktische Ergebnisse bis- her nicht erzielt sind. Wir haben gehört, daß in den Gemeinden dagegen, wo die Sozialdemokraten eine ausschlaggebende Bedeutung haben, auch die bürgerlichen Parteien auf die Dauer sich gegen unsere Forderungen nicht sträuben,(Sehr richtig!) Das bietet eine Aussicht für die Zukunft, wenn wir geschlossen unsere Aktion führen. Mit Recht hat Treu auf die Haltung der Liberalen in Nürnberg verwiesen und Silberschmidt den Berliner Kon;- munalfteisinn geschildert. Auch in Augsburg hat ein Liberaler das krasse Prinzip aufgestellt, es müsse immer eine ge- nügende Anzahl von Arbeitslosen für die In- dustrie vorhanden sein.(Hört! hört!) Sie sollen also als Lohndrücker dienen.(Hört! hört!) Der politischen Gerechtigkeit wegen aber möchte ich doch erwähnen, daß die Liberalen im bayeri- schen Landtag unseren Anträgen zugestimmt haben, natürlich nicht aus gutem Herzen, sondern weil die Verhältnisse dazu sie z w a n- g e n. Der Liberalismus ist unter dem allgemeinen Wahlrecht auf weite Kreise des Volkes angewiesen. So werden die bürgerlichen Parteien durch uns mehr und mehr zur Sozialipolitik gezwungen. W i n n i g meinte, die Arbcitsloscnfrage müsse hoch über dem Parteigetriebe stehen. Wie macht sich die Sache praktisch? Kürzlich fand eine internationale Konferenz zur Bekämpfung der Arbeits- losigkeit statt. Aber aus diesen bürgerlichen Kongressen werden tief- gründig theoretisch alle möglichen Probleme erörtert und neue Schwierigkeiten aufgerichtet. Nach einigen Jahren hört man nichts mehr davon. Ich habe noch kein organisiertes Vorgehen gegen die Widerstände vernommen, die innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zu überwinden sind. Politische Parteien müssen Stellung nehmen. Ich hätte cS begrüßt, wenn die katholischen Arbeiter auf dem Katholikentag in Metz eine einheitliche Aktion zur Durch- führung der Arbeitslosenversicherung unternommen hätten. Wieder ist es allein die Sozialdemokratie, die innerhalb der heuti- gen Gesellschaftsordnung mit allem Nachdruck betont, welche Ak- tioncn notwendig sind, um die bürgerlichen Parteien zu zwingen, auf diesem Gebiet voranzugeben.(Sehr richtig!) Da genieren wir uns nicht. Wir wissen, daß dieser Kampf kommt und daß wir ihn aufnehmen müssen, um einen Erfolg zu haben. Das mußte betont werden, damit wir nicht in falsche elegische Bahnen kommen.(Sehr richtig!) Barth hat vermißt Vorschläge zur besseren Vorbereitung öffentlicher Arbeiten und zur Regelung der Arbeitsnachweisfrage in der Resolution. Ich habe die Wichtigkeit'der Arbeitsnachweis- frage betont, aber ich will diese Frage nicht als Hindernis auf- türmen. Wir wollen doch nicht in das Fahrwasser der bürgerlichen Parteien geraten, die es immer verkehrt anpacken, indem sie neue Schwierigkeiten aufhäufen.(Sehr richtig!) DaS Wichtigste in diesem Augenblick ist eine großzügige Agitation zur Durchführung der Arbeitslosenversicherung im Reich, in den Einzel st aaten und in den Gemein- den.(Sehr wahr!) Die planmäßige Organisierung der öftent- lichen Arbeitsvergebung und die Regelung der Arbeitsnachweis- frage werden dann ganz von selbst kommen als notwendige Mit- bedingung.(Sehr richtig!) Molkenbuhr hat recht, daß die Arbeitslosenfrage keine Ärisenfrage ist. Sie ist mit der heutigen bürgerlichen Ordnung untrennbar verbunden und eine ch r o- nische Erscheinung, die wir durch Einführung der Arbeits- losenversicherung nach Möglichkeit gemildert wissen wollen. Darüber sind wir uns vollständig klar. Wir sind uns auch darüber klar, daß alle Instanzen mitzuwirken haben. Das ist genügend be- tont in meiner Resolution, die im übrigen von dem Gesichtspunkt aus gestellt ist. daß wir uns auf diesem Parteitag möglichst zu einer einheitlichen Aktion vereinigen wollen. Theoretisch und praktisch sind wir uns über diese Frage klar. Wir brauchen nur zu handeln, und ich halte es für selbstverständlich, daß. wenn der Absatz 3 meiner Resolution angenommen wird, der P a r t e i- vorstand die Aktion einleiten will. Deshalb habe ich gedacht, Hoch würde seinen Antrag zurückziehen. Vielleicht wartet er noch auf eine bestimmte Erklärung des Parteivorstandes. so daß dann nur noch meine Resolution vorliegt, die uns die Bahn zu einer einheitlichen Aktion ebnet. Wir verkünden der halben Million Arbeiter, die gegenwärtig arbeitslos sind, wir verkünden den Arbeitern, die verkürzt arbeiten müssen. die in der nächsten Zeit das gleiche Schicksal erleiden, wie lhre� arbeitslosen Brüder, wir verkünden sämtlichen Angestellten, daß die Sozialdemokratie die Partei ist, die mit voller Wucht und mit voller Kraft, wie in allen anderen Fragen, so auch in dieser, daS Interesse der gesamten Arbeiterschaft wahrnimmt. Wenn Sie. dies durch Annahme der Resolution bekunden, dann haben wir unsere Pflicht getan, unsere Pflicht im Dienste der deutschen Ar- beiterbewegung.(Lebhafter Beifall.) Vorsitzender Bock: Ich kann erklären, daß der Parteworstand gewillt ist, im Sinne der Resolution zu wirken.(Bravo!) Infolge dieser Erklärung wird die Resolution Hoch zurück. gezogen, es liegt also nur noch die Resolution Timm bot, die einstimmig angenommen wird. Auch der Antrag Katzenstein, der dem Parteivorstanb empfiehlt, das Referat von Timm als Sonderabdruck heraus- zugeben, wird angenommen. �, Damit ist dieser Punkt der Tagesordnung erledigt. Nachmittagssitzung. Vorsitzender Eb-rt schlägt vor. die wichtige Dteuersrage. der ein möglichst großer Raum in den Verhandlungen gewidmet werden soll, der Maifcierfrage voranzustellen. Der Parteitag stimmt zu. Die Steuerkrage. Dazu liegen vor die Anträge 20 bis 25, 92, 98, 112 bis 114 und Leitsätze und Resolution Wurm*). •) 20. Magdeburg-Breslau Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Magdeburg(Breslau) erkennt an, daß die Zustimmung der R e i ch s ta gs f ra k t i o n zu den Besitz steuern nicht im Widerspruch zum Parte;- Programm steht, sondern den Beschlüssen der internationalen Kon, gresse und den Interessen des arbeitenden Volkes entspricht. 21. K a s s e l- M e l s u n g e n: Die Generalversammlung deS Sozialdemokratischen Vereins von Kassel-Melsungen erklärt: Der Kampf gegen den kulturfeindlichen Militarismus, den die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bei Beratung der unerhörten Rüstungsvorlagen in der schärfsten Weise geführt hat. darf nicht ruhen, sondern muß von allen Parteigenossen schärfer denn se geführt werden, denn die wahnsinnigen militärischen Rüstungen be- drohen immer mehr den Frieden der Völker, und der Militarismus enthüllt sich mehr denn je als Instrument der kapitalistischen Klassenherrschaft zur Niederhaltung der nach Freiheit und Kultur strebenden Arbeiterschaft. Es ist Pflicht aller Parteigenossen, immer wickter« Schichten der Bevölkerung darüber aufzuklären, daß eS allein dem riesenhaften Wachstum der Sozialdemokratie zu danken ist, wenn die enormen Lasten der neuesten Rüstungsvorlage nicht wieder durch Steuern auf den Konsum der Massen gedeckt werden, sondern durch direkte Steuern, die im wesentlichen die Wohlhabenden und Reichen treffen. Durch erhöhte Werbetätigkeit müssen alle Parteigenossen dazu beitragen, daß die sozialdemokratische ReichStagsfraktion bei den nächsten Wahlen noch viel stärker in den Reichstag wiederkehrt. Nur dann ist damit zu rechnen, daß der Ausbau der unter Mitarbeit der sozialdemokratischen Rcichstagsftaktion geschaffenen Besitzsteuern zu dauerndep durchgreifenden ReichseinkommenS-, Reichsvermögens- und Reichserbschaftssteuern erfolgt, die sobald als möglich an Stelle der die ärmeren Volksschichten in der skanda- losesten Weise belastenden indirekten Steuern treten müssen. Die Generalversammlung erkennt an, daß die sozialdemokratiscbe Reichstagsfraktion durch ihre Zustimmung zum Webrbeitrag und zur ReichSver. m ö g e n s st e u e r, die die Besitzenden belasten, im Interesse des arbeitenden Volkes gehandelt und zur Stärkung des Vertrauens der Massen zur sozialdemokratischen Partei mit Erfolg beigetragen hat. 22. Hefsische Landeskonferenz: Der vartetta« st»A sich auf den Boden der von der ReichStagsfraktion zu den DeckungS, verschterstatter Wurm: Entsprechend den Parteitagsbeschlüssen von 1911 und 1912 steht diesmal die Steuerfrage auf der Tagesordnung. Ich habe über unsere Stellung zur Steuerfrage und zu den Deckungsfragen vom theoretischen Standpuntt aus zu sprechen, während S ü d e k u m über die Entwickelung der Steuer im Reich und die Stellung der Sozialdemokratie zur letzten Steuerfrage referieren wird. Eine frühere Veröffentlichung meiner Leitsätze und Resolutionen, als vor drei Wochen, war mir infolge des späten Reichstagsschlusses und unaufschiebbarer Parteiarbeit nicht möglich. Ich hoffe, daß wir zu einer Klärung der Frage kommen, die um so notwendiger ist, als wir in unserer Parteiliteratur bis heute eine nur ganz spärliche theoretische Erörterung der Stcuerfrage besitzen. Das ist um so wunderbarer, als seit 59 Jahren unsere Agitation auf den theoretischen Untersuchungen Ferdinand Lassalles in seinem .Arbeiterprogramm" begründet ist, Gedanken, die dann in das 137Ser und in das Erfurter Programm von 1891 übergegangen sind. Zwar hat Kautsky 1899 in seiner„Agrarfrage" einen kurzen Abriß unserer Stellung zu den Steuern vom marxistischen Standpunkt aus gegeben— die Parteipresse ist bei der Debatte, wahrscheinlich aus Unkenntnis, nicht darauf eingegangen— und 1902 hat er in seiner„Sozialen Revolution" auf einige Punkte hingewiesen. Eine zusammenhängende größere Arbeit ist Karl Renner- Wien:„Das arbeitende Volk und die Steuern". Sein« Schlußfolgerungen stehen im Widerspruch mit dem, was wir bisher festgelegt haben, es ist aber wenigstens eine theoretische Betrachtung vom marxistischen Standpunkt aus. Dann kommt noch in Frage die„Akkumulation der Steuerfrage" von Rosa Luxem- bürg, Broschüren von Hilfcrding, Bernstein, Kautsky und mir und unser Bremer Kommnnalprogramm. ES ist kein Zufall, daß uns eine zusanimenhängendc Unter- suchung fehlt, denn für unsere bisher geführten Kämpfe reichte LassalleS..Arbeiterprogramm" aus. Der Gegensatz zwischen mobi- lem Handels- und Industriekapital und dem immobilen Kapital, dem Grundbesitz, war bis jetzt in bezug auf Steuerfragen im Reichs- tag nicht vorhanden; mobiles uüd immobiles Kapital vereinig- ten sich dort zur Abwälzung aller Steuerlasten vorlagen abgegebenen Erklärung und billigt ausdrücklich die Zustimmung der Fraktion zu den beiden Besitz- steuergesetzen. 23. N i e d e r b a r n i m: Die Generalversammlung des Krei- seS Niederbarnim spricht ihr lebhaftes Bedauern aus über die Stellungnahme der Reichstagsfraktion in der Deckungsfrage und erwartet, daß der Parteitag Richtlinien schafft, die in Zukunft eine Stellungnahme gewährleisten, welche mit unseren Grundsätzen in Einklang stehen. 24. 13. sächsischer Wahlkreis: Die Versammlung billigt aus programmatischen Gründen die A b st i m m u n g der Reichstagsfraktion für die Steuervorlagen, die zur Deckung der Militärvorlage dienen, nicht; sie erwartet daher vom Parteitag eine dem Parteiprogramm entsprechende klare und entschiedene Anweisung für die Stellung der Reichstagsfraktion bei künftigen Steuervorlagen. 25. Halle a. S.: Der Parteitag zu Jena bedauert die Z u st i m m u n g der sozialdemokratischen F r a k t i o n zu dem ein- maligen Wehrbeitrag sowie zu dem Vermögenszu- wachs st euergesetz als einen Verstoß gegen einen fundamen- talen sozialdemokratischen Grundsatz, als einen schweren politischen Mißgriff. Er erwartet unbedingt, daß die Anwendung einer beste- ren Taktik in Zukunft die Fraktion vor ähnlichen Entgleisungen be- wahren wird. 92. Berlin lV: Da der heutige Militarismus das Mittel der herrschenden Klasse ist, um das Volk niederzuhalten, bedauert der Parteitag, daß die Reichstagsfraktion die Deckungsvorlagen be- willigt hat. 98. Arnstadt:„Die aui 39. August in Arnstadt tagende Versammlung der Parteiorganisation, J)ie von zirka 100 Mitgliedern besucht ist, erklärt sich mit der Stellungnahme der Reichs- tagsfraktion bei der Erledigung der Teckungsvorlagen für die letzte Militärvorlage einverstanden. Sic erblickt in der Erledigung der Deckungsvorlagen den wachsenden Einfluß der Arbeiterbe- wcgung, der erreichte, daß die arbeitende Bevölkerung von neuer indirekter Belastung verschont wurde. Sie sieht in der Zustimmung der Fraktion zu den Besitzsteuern keinen Verstoß gegen das Pro- gramm, sondern erkennt an, daß durch die Zustimmung das erste- mal in größerem Maßstab unsere Forderung auf Einführung von Bejitzsteuern durchgeführt werden konnte. Die Fraktion hat im Kampf gegen die Wehrvorlagc ihren Mann gestanden. Wenn trotzdem die Annahme der Wehrvorlage nicht verhindert werden konnte, dann trifft daran die Fraktion nicht die geringste Schuld. Hätte sie aber bei den Deckungsoorlagen einen anderen Stand- Punkt«ingenommen, dann hätte das nicht im Interesse der Ar- beiterklaffe gelegen. Der Parlamentarismus darf für uns nicht allein Mittel sein, die Klagen der Arbeiterschaft der Oeffentlichkcit zu unterbreiten, sondern muß auch dazu benutzt werden, alle ohne Verletzung des Programms zu erreichenden Vorteile für die Ar- beiterklasse durchzusetzen." 112. Der Parteitag erklärt: Für Besitzsteuern, die zur Deckung von Militärausgaben dienen, können unsere Vertreter nur dann eintreten, wenn die Annahme dieser Steuern 1. nicht eine Bedingung für die Annahme der Militärvor- lag« ist, und 2. die Annahme einer für die Arbeiterklasse ungünstigere steuerung verhindert. Hoch. 113. Die Worte im drittletzten Absatz von„es sei denn, daß" vb bis zum Schlüsse, sowie die beiden folgenden Absätze zu streichen. Geyer und mehr als 20 Genossen. 114. Alle öffentlichen Steuern im heutigen Klassenstaat, ob formell auf den Besitz oder auf den Arbeitsverdienst gelegt, ob als sogenannte direkte oder als indirekte Steuern erhoben, werden in letzter Linie von den arbeitenden Klassen aufgebracht, da diese es sind, die in der heutigen Gesellschaft allen gesellschaftlichen Reichtum schaffen. Wie immer das Stcuerwesen ausgestaltet ist. auch in dem für die Arheiterklaffe günstigsten Falle, wenn die Besitzsteucrn den überwiegenden Teil der Staatshaushaltkostcn decken, ändert das nichts an den Grundlagen der kapitalistischen Produktion, die auf Ausbeutung urtd Klassenherrschaft beruht. Die Abwälzung des größten Teiles der öffentlichen Lasten auf die Schultern der arbeitenden Klassen durch das System der in- direkten oder Verbrauchssteuern ist aber eins der wirksamsten Mittel der herrschenden Klassen, um die Lebenshaltung der Arbeiterschaft herabzudrücken und ihren sozialen und geistigen Aufstieg zu hemmen. deshalb gemäß Punkt 10 des Partei Programms:„Stufenweis steigende Einkommen» und Vermögens� steuer zur Bestreitung aller öffentlichen Ausgaben, soweit diese durch Steuern zu decken sind; Sclbsteinschatzungspflicht; Erbschafts- steuer, stufenweise steigend nach Umfang des Erbgutes und nach dem Grad« der Verwandtschaft; Abschaffung aller indirekten Steuern. Zölle und sonstigen Wirtschaftspolltischen Maßnahmen, welche die Interessen der Allgemeinheit den Interessen einer bevor zugten Minderheit opfern." Ferner erklärt der Parteitag: �„ Der Militarismus ist als das stärkste Machtmittel der Herr schenden Klassen auf das äußerste zu bekämpfen. Alle Gesetzesvorlagen, die zur Stärkung des Militarismus dem Reichstage vorgelegt werden, also auch Steucrvorlagen, die zur Deckung der Kosten des Militarismus eingebracht werden, sind, ob sie direkte oder indirekte Steuern fordern, abzulehnen. Für sonstige Steuervorlagen ist die Stellung der sozialdemokra tischen Fraktion durch Punkt 10 des Parteiprogramms vorge. schrieben: bestehende indirekte Steuern sind durch direkte zu ersetzen. Geyer und 80 Genossen. Di« Resolution Wurm ist unseren Lesern aus dem„Vorwärts" bekannt. auf die arbeitenden Klassen durch Verbrauchs- abgaben. In den Landtagen spitzt sich der Kampf zwischen mobilem und immobilem Kapital noch mehr zu. Dos aufkommende Bürgertum wehrte sich gegen gewisse Belastungen durch die Grund- Herren. Die Parteien des Kleinbürgertums, die Fortschrittspartei, Teile der Nationalliberalen und des Zentrums, mutzten direkte Steuern auf das Kapital auch in den Landtagen bewilligen, so daß wir heute die Teilung haben: im Reich fast nur indirekte Steuern, in den Bundesstaaten auch Steuern auf das bewegliche und unbe- wcgliche Kapital, direkte Steuern auf Einkommen und Vermögen. Während die Vertreter des mobilen Kapitals, Fortschrittler und Nationalliberale es bisher im Reichstage nur vorübergehend zu einer Stellung gegenüber den Konservativen und dem Zentrum bringen konnte, die ihnen ermöglichte, die Interessen ihrer An- Hänger zu wahren, ist jetzt durch die Stärke der Sozialdemokratie in steigendem Matze die Sache dahin verschoben, daß es von uns abhängt, wer im Streit zwischen mobilem und immobilem Kapital siegt. Dabei bestätigt sich die Richtigkeit des Lassalleschen Satzes: „die herrschende Klasse gibt auch!wm Steuersystem ihr Gepräge"; wer die Macht hat, legt die Steuerlasten auf den Machtlosen, mag es der Großgrundbesitz sein, der dos Bürgertum belastet, mögen Großgrundbesitz und Bürgertum zusammen die Arbeiterklasse be- lasten. Daraus folgt, daß, wenn die Arbeiterklasse die poli- tische Macht erringt, auch für sie die Stunde kommt, wo sie bei dem unüberbrückbaren Interessengegensatz zwischen mobilem und immobilem Kapital ausschlaggebend wird im Kampf. Sie muß daher die Stcuerfrage sehr gründlich studieren., weil das Dilemma, daß wir vor der Lösung scheinbar noch nicht aufgeworfener Fra gen stehen, sich wiederholen wird und mutz. Die S t e u er- belastung bildet einen Teil der Ausbeutung der beherrschten Arbeiterklasse durch die politisch und Wirt- schaftlich herrschenden Klassen. Wir fordern gleiche Rechte und gleiche Pflichten für alle, auch im Steuerwesen, und da die heutige Gesellschaft wirtschaftlich ungleiche Klassen enthält, so kann die Gleichheit nur dadurch geschaffen werden, daß die Steuern sich nach der Wirtschaft- lichcn Leistungsfähigkeit des Besteuerten richten. Im letzten Bande seines„Kapital", den Marx noch selbst herausgegeben hat, schildert er die Eigentümer von bloßer Arbeitskraft, die Eigentümer von Kapital, und die Grundeigentümer, deren Einkommensquell Ar- bcitSlohn, Profit, Grundrente sind. Lohnarbeiter. Kapitalisten und Grundeigentümer bilden also die drei großen Klassen der modernen, auf der kapitalistischen Produktionsweise beruhenden Gesellschaft. Das Ergebnis des Produktionsprozesses zerfällt in Lohn, Unternehmerprofit und Grundrente. Das Einkommen des Arbeiters dient zu seiner Erhaltung, zu seinem Verbrauch, es ist sein Konsumtionsfonds; was die Kapitalistenklasse für ihre Er- Haltung braucht, ist ihr Konsumtionsfonds, und was darüber hinausgeht, ist ihr Produktionsfonds. Selbstverständlich sind wir gegen jede Steuer auf das Arbeitseinkommen in der kapitalistischen Gesellschaft, gegen jede Belastung des Konsumtionsfonds der Ar- beiter, denn in der kapitalistischen Gesellschaft ist das Ein- kommen der Arbeiter unter der Grenze, die zu einer menschenwürdigen Lebensführung im weiteren Sinne für ihn als Kulturmensch not- wendig i st. Nach Marx ist die EntWickelung der gesellschaftlichen Pro- duktionskräfte die Voraussetzung für den Aufstieg der Arbeiter- klaffe, die nur dann eine höhere Gesellschaftsordnung, deren Grund- Prinzip die volle und freie EntWickelung jedes Individuums ist, bilden kann, wenn eine gewisse EntWickelung der gesellschaftlichen Produktivkräfte erreicht ist. Wir können also keinerlei Hinde- rung dieser Entwickelung billigen, und eine solche Hinderung ist es, wenn das zur Ausdehnung der Produktion aufgewendete Kapi- tal verbraucht wird zu Zwecken, die nicht wiederum der Erweite- rung der Produktion, der Entwickelung der Produktivkräfte dienen. Der Konsumtionsfonds der Kapitalisten könnte insofern durch Steuern vollständig konfisziert werden, als die Kapitalisten als Klasse selbst in der kapitalistischen Gesellschaft bereits über- flüssig geworden sind, denn die Produktion wird nicht mehr von den Kapitalisten geleitet, sondern vollzieht sich nur noch kraft seines Kapitals. Die Staatsuntcrnehmungen und Aktien- gescllschaften beweisen die U e b e r f l ü s s i g k e i t� der Person des Kapital! st en für den kapital! st ischen Be- trieb. Der zur Entwickelung der Produktion notwendige Akku- mulationsfonds mutz aber selbst in der sozialistischen Gesellschaft erhalten bleiben, weil sonst diejenige Entwickelung der Produktion. Technik und Distribution, welche notwendig ist. um dw menschliche Arbeit so ertragreich zu gestalten, daß sie jedem Individuum volle und freie Entwickelung gewähren kann, aufhört. Lschon heute ist der Kapitalist deswegen, falls er nicht zugrunde gehen will, keines- wegs unbeschränkter Herr über den Mehrwert, den er aus dem Unternehmen zieht. Würde er seinen ganzen Ueberschuß ver- brauchen, so würde er von den anderen niederkonkurnert. Wurde also der ganze Mehrwert durch Steuern konfisziert, so mußte auch die Arbeiterklasse darunter leiden. Man sagt uns oft, ivas wollt Ihr, von den Rüstungsausgaben haben ja die Arbeiter Verdienst, bei der Fabrikation von Kanonen, beim Schiffs- und Festungsbau. Während aber bei den Kunst- und Luxusgegcnständen, die der Kapitalist für, einen personlichen be- darf erwirbt, meistens Handwerker und gelernte Arbeiter tatig sind, arbeiten in der Großindustrie, der Rüstungsindustrie uberwiegend Maschinen mit sehr wenig Arbeitern; dort sind große summen als konstantes Betriebskapital und sehr wenig als Lohnkapital an- gelegt. Wandern die bisher zur Deckung persönlicher Bedürfnisse der Kapitalisten aufgewendeten Summen hinaus in die Groß- industrie, so werden vcrhälnismätzig weniger Arbeiter beschäftigt als bisher, wo sie in großer Anzahl in der Knnst- und Luxus- industrie beschäftigt waren. Schon eine solche Abwanderung des Kapitals in eine andere Produktion wird Arbeitslosigkeit hervor-- rufen. Auf die Frage, wann wir überhaupt im kapitalistischen Staat Steuern bewilligen können, lautet die volkswirtschaftliche Antwort: nur dann, wenn sie verwendet werden zur Entwickelung der gesell schastlichen Produktionskräftc oder zur Erhaltung der für die Ge- meinsamkeit erforderlichen Arbeitskräfte, nicht jibcr, wenn iie sur arbeiterfeindliche Zweck verwendet werden.(Sehr richtig!) Als Partei der Kultur, die wir allen Menschen zuteil werden lassen wollen, stellen wir an die Gesellschaft so große Anforderungen, wie sie bisher noch nie gestellt sind, wir brauchen deshalb keineswegs zu knapsen, der Gemeinschaft Gelder zu bewillgen, wen sie in richtiger Weise volkswirtschaftlich genommen werden, ohne die Pro- duktion und die Notleidenden zu schädigen und wenn sie verwendet werden für Zwecke der Arbeiterklasse. Die Grundlage ist: Ver- Wendung für Zwecke der Arbeiterklasse, Belastung des wirtschaftlich Starken! Hiergegen hat sich in der Presse, in Versammlungen und hier in der Resolution 114 ein Widerspruch erhoben, der sagt: Was kümmert Ihr Euch darum, ob die Steuern so oder so sind, zuletzt tragen die Arbeiter doch alle Steuern, die Arbeiter schaffen alle Werte. Wenn der Satz 1 der Resolution 114 einen Sinn haben soll, so kann ich ihn nur mit einem negativen Vorzeichen versehen und als Unsinn bezeichnen.(Sehr richtig I) Da heißt es:„Alle öffentlichen Steuern"— geheime Steuern kennen wir nicht, selbst die Parteisteuern sind keine geheimen Steuern! Wenn der so be- ginnende Satz, der ausführt, daß alle Steuern, ob auf Besitz oder auf Arbeitsverdienst gelegt, ob direkt oder indirekt erhoben, in letzter Linie von den arbeitenden Klassen aufgebracht werden, da diese allen gesellschaftlichen Reichtum schaffen, wenn dieser Satz nichts weiter sagen soll, als daß der Mehrwert der unbezahlte Lohn des Arbeiters ist, dann sagt er absolut nichts Neues und gehört nicht hierher.(Sehr richtig!) Wir Marristcn sind uns klar darüber, daß die Arbeiter allen gesellschaftlichen Reichtum schaffen. Aber es geht den Arbeitern so, wie jenem Landmann, von dem Fritz Reuter sagt:„Pflaumen und Klötze sind ein schön Gericht doch schade, ick hew et nich."(Heiterkeit.) �Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wi-lepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Gl-ckr.Berlin. Drucku.Werlag: Vorwärts Einen Teil des von den Arbeitern geschaffenen ReiibwmS be-- kommen sie als Lohn, einen Teil bekomnit der Unternehmer als Mehrwert, und nachdem an dieser Teilung nicht mehr zu rütteln ist, da kommen die Steuern, und dann soll es gleichgültig sein, von wem sie genommen werden, ob vom Mehrwert oder vom Ar» beitslohn.(Sehr gut!) Oder soll dieser Satz etwa gar bedeuten: Macht, was ihr wollt, wenn ihr die Steuern auf den Mehrwert legt, dann zwicken sie die Unternehmer den Arbeitern doch wieder heraus. Wenn das wahr ist, dann können wir eigentlich jetzt den Parteitag schließen, dann brauchen wir auch nicht in den Reichstag oder Landtag zu gehen(Sehr richtig!). dann brauchen wir auch keinen Riassenstre ik fstr das preußische Wahlrecht zu machen.(Wiederholte lebhaste Zustimmung.) Wenn die Arbeiterklasse so bankrott am Boden liegt, daß das Unternehmertum mit ihr machen kann was es will, was hat dann ein�Wahlrcform, was hat Arbeiterschutz für einen Sinn, wozu dann die ganzen Anstrengungen der Arbeiter. (Sehr gut!) Vielleicht müssen wir dann warten, bis wieder einmal der Zar nach Berlin kommt, um dann mal zu schreien, vielleicht hilft das!(Heiterkeit.) Wir bestreiten, daß alles Sisvphus» arbeit ist, dafür sind wir Sozialdemokraten.(Sehr richtig Ist Gegen die allen Arbeitern auS langer Arbeitszeit, aus Kinderarbeit in Fabriken bekannte Tendenz, soviel wie möglich Mehrwert ein» zuhcimsen, ist eben die Gegcntendenz dcS Proletariats erwacht. der organisierte Widerstand der Arbeiterklasse.(Sehr richtig!) „DaS Schröpfen der Arbeiterklasse durch den Mechanismus der indirekten� Steuern, um daraus die Stütze der kapitalistischen- Staatsmaschinerie zu erhalten, läuft einfach auf ein« Vergrößerung des Mehrwerts, und zwar des konsumierenden Teils des Mehr- Werts hinaus. Nur daß diese ergänzende Teilung zwischen Mehr» wert und variablem Kapital post kestum nach vollzogenem Aus» tausch zwischen Kapital und Arbeitskraft geschieht." So schrieb Ge- nossin Luxemburg 1913 in der„Akkumulation des Kapitals". (Große Heiterkeit.) Wie da der Name Luxemburg unter die Rs» solution 114 kommen kann,— dazu reicht mein Verstand nicht auS. (Sehr gut! Rosa Luxemburg: Das glaube ich!) Genossin Zetkin hat sich in der„Gleichheit" gegen die angebliche Ueber» schätzung der Bedeutung der Besitzsteucrn durch die Fraktionsmchr» heit aui einen Artikel von Karl Marx in der„Rheinischen Zeitung" aus dem Jahre 1849 bezogen, worin er die Steuerreform als ein Spezifikum aller spießbürgerlichen Reformer hinstellt. Aber in demselben Artikel steht auch, daß das Proletariat durch jede neue Steuer eineStufe tiefer herabgedrückt wird.(Hört! hört!) Während Genossin Zetkin im Eifer des Gefechts nicht den ganzen Artikel von Marx abgedruckt, sondern sich auf eine frühere teilweise Wiedergabe zu anderen Zwecken in der „Neuen Zeit" beschränkt hat, lesen wir in dem von Mehring herausgegebenen Marx-Nachlaß, daß Marx in jenem Artikel weiter geschrieben hat:„Uebrigens hat die Steuer auf das Kapital als einzige Steuer ihre Vorzüge. Alle Oekonomen, namentlich Ricardo, haben die Vorteile einer einzigen Steuer nachgewiesen. Die Ka» pitalsteuer als einzige Steuer beseitigt mit einem Schlage das zahl- reiche und kostspielige Personal der bisherigen Steuerverwaltung, greift am w e n i g st e n ein in den regelmäßigen Gang der Pro» duktion, Zirkulation und Konsumtion und trifft allein von allen Steuern das Luxuskapital." Der Marxfche Artikel wendet sich gegen ein Buch von Emile de Girardin:„Oe soeialisrne et 'impöt", und Marx beschäftigt sich mit dem Unsinn Girardins, der das ganze Elend der Menschen auf die Steuern zurückführt und erklärt, daß die Abschaffung der Steuern alles zu bester Ordnung wenden würde. So steht es mit dem Marx-Zitat. das uns Marxisten totschlagen sollte. Wenn die Resolution 114 sagt, daß selbst das der Arbeiterklasse günstigste System von Besitzsteuer den auf Ausbeutung und Klassenherrschaft beruhenden Grundcharakter des Kapitalismus nicht ändert, so brauchen wir doch nicht eine Steuerdebatte, um dies A B C kennen zu ler» n e n.(Lebhaft« Zustimmung.) Im Gegensatz dazu steht unter anderem Ricardo, der sagt, daß die Arbeiter sich gegen belastend« Steuern wehren und schließlich die Abwälzung auf den Kapital» Profit durchsetzen werden. Es ist aber doch nicht gleichgültig, ob wir diese Arbeiter erst belasten, damit sie sich durch schwere Kämpf« wieder entlasten, oder ob wir sie von vornherein freihalten. Ich glaube, die Anschauung, daß Steucrform und Steuerart für die Arbeiterklasse gleichgültig sind, wird keinen Widerhall auf dem Parteitag finden. Von Lassall« her sind wir gewohnt, gegen indirekte Steuern zu sein. Das war damals voll berechtigt, weil damals alle in» direkten Steuern abgewälzt werden konnten auf die weniger Wohl» habenden, vor allem aus die Arbeiter, selbst die Grundsteuer. TaS hat sich durch die großen weltwirtschaftlichen Umwälzungen ge- ändert, und deshalb können wir nicht streng an der Formel: gegen indirekt« und für direkte Steuer kleben bleiben, wenn wir das nur auf die Form der Steuererhebung beziehen, d. h. ob die Steuer von dem, der sie zahlt, auch wirklich getragen wird, oder ob man sie abwälzen kann auf di« Konsumenten. Die Bier st euer z. B. zahlt die Brauerei. Getragen wird sie vom Konsumcn» t e n. Nur dann, wenn es der Arbeiterklasse hier und da gelingen kann, durch Bicrboyiott die Ucbcrwälzung der Steuer abzuwälzen. dann muß die Brauerei sie bezahlen. Gerade bei der Bicrsteucr hat der Gesetzgeber im Interesse der Kapitalistcnklasse Einrichtungen getroffen, die die Abwälzung fast unmöglich machen. Manchmal will der Gesetzgeber, daß die Steuern überwälzt werden, z. B. vom Brauer auf den Trinker. Die Ueberwälzungsmöglichkeit der Steuer wechselt nach den wirtschaftlichen Machtverhältnissen der verschiedenen BcvölkerungSklassen, so daß wir genau prüfen müssen, wie jederzeit die Wirkung einer Steuer ist. Es gibt direkte Steuern der Er» Hebungsform nach, die wir bekämpfen müssen, und es gibt indirekte Steuern der Erhebungssorm nach, für die wir eintreten können. Steuern auf Einkommen und Vermögen sind direkt nach Form und Wirkung. Sie können nicht abgewälzt werden. Die Einkommensteuer aber kann nur die Pby- fische Person treffen, was nach unserer Ansicht nicht zulässig ist. Ihr« Ausdehnung auf die Genossenschaft ist ein Wahnsinn. Denn was diese an Einkommen besitzt, ist nur das. was der Arbeiter über den Wert der Ware für sie gibt. In Preußen wird die Rückvergütung der Konsumvereine besteuert. Da der Arbeiter von seinem Einkommen Steuern bezahlt, weiter von dem Einkommen. teil, den er an den Konsum zahlt, und endlich wieder von der Rückvergütung, so haben wir eine dreimalige Besteuerung seines Bermögenö! (Hört! hört!) Das Existenzminimum, das heute in den deutschen Staaten zwischen 500 und 900 M.(Schwarzburg-Rudolftadt. Preußen, Baden, Bremen, Hamburg) liegt, muß bedeutend erhöht werden. Die preußische Regierung wollte es 1883 schon auf 1200 M. erhöhen. Der Landtag lohnte es ab. Auch das 1Z00- Mark-Existenzminimum des Lohnbeschlagnahmegesetzes von 1869 ist z u g e r i n g. Die Steuer muß progressiv gesteigert sein, welche ursprünglich kleinbürgerliche Forderung unter dem stärksten Widerspruch von Großfinanz und Agrariertapital in das Gesetz hineingekommen ist. 1878 erklärte Graf Bethush Huc, daß die kommunistische Forderung der progreipven Einkommensteuer durch das Sozialistengesetz getrogen werden müßte. Und noch 1900 erklärten die Vorstästde der Preußischen Landwirtschasts- kammern die direkte Rerch seinkommen st euer als den Anfang der Expropriation des Vermögens. Infolge dieser Angst daß die Kapitalisten wirklich getroffen werden könnten, stnd die zjrogreftlonen zu gering und die Höchstsätze zu n'edr,g. Zj,. betragen in P r e n tze n mit dem Steuerzuschlag nur o Proz., in Hamburg und Bremen scheinbar 8 Proz. Infolge des Fehlens von Kommunalzuschlägen sind eS aber hier nur 4 Proz., denn in Preußen werden 100 und mehr Prozent Kommunalsteuer«vhoben. Wir dürfen nicht für Steuern auf den Arbeitsertrag, den Lohn, das Gehalt, die Besoldung eintreten. Wir müssen fitr eine Besitz» steuer eintreten. _(Schluß in der 2. Beilage.)_ Buchdruckerei n. VerlagSanstalt Kaul Singer u-Eo., Berti, AM' gr.244 30.|»8ro, 2. �111� fafl Lomarts" Ktklilltt Dolksllllltl 19 1913. ■— nM.-tCTMwm.u �----- �— n p| j j|| im"rnir i f�nomPTTT�ii ii im i iiiin i iiiiiiiji|iiii i hihi iiiiii ii iiii i ii i m njagwiiiMi— iiimiwiB............. iiwiiiiihi i! n i,. iihihiii m\......... 1 ,1 Parteitag der deutschen Sozialdemokratie. (Schluh aus der 1. Beilage.) Wurm sBerichierst.): Eine Wehr st euer aufDienstun- taugliche, wie in Oeslerrcich und der Schweiz, lehnen wir ab. denn ein Untauglicher hat zwar nicht die Unkosten des Drenstes, aber er ist vielleicht weniger erwerbssähig. Nicht durch solche Mädchen, sondern durch eine gesunde Progression und eine richtig c V cranlagung kann man mit einer Ein- kommen- und Vermögenssteuer genügende Erträge schaffen. Das Einkommen aus Vermögen muß höher besteuert werden als gewohnliches Einkommen. Allmählich hat sich die Kapitalistenklasse zu diesem Grundsatz bekehrt. Beim Wehrbeitrag wird das Vermögeneinkommen höher besteuert wie das Arbeitseinkommen. Eine Gegenströmung sieht darin«ine große Gefahr für die ganze politische und wirtschaftliche EntWickelung. Für Steuern auf Leihzins, Dividenden. Auf- s! ch t s r a t s t a n t i e m e n usw. können wir eintreten. Aber sie können immer nur eine Ergänzung der Einkommen- Vermögenssteuer sei». Die Agrarier poussieren diese Steuern, weil sie nur das mobile, nicht das Agrarkapital treffen. In ausgleichender Gerechtigkeit sind wir bereit, beide gründlich zu packen. Der Vcrmögenszuwachs- st euer können wir zustimmen, wenn sie sowohl das mobile wie das immobile Kapital trifst. Finanzminister Dr. Lenste hat diese Steuer eine Prämie auf Verschwendung und Leichtsinn ge- nannt. Wenn man will, kann man das annehmen. Aber es sind Einzelfälle,>vo der Unternehmer leichtsinnig sein Kapital ver- schwendet. Im wohlverstandenen SelbsterhaltungSintcresse wird er vielmehr sein Kapital kumulieren, um seine Produktion auf hoher stufe zu halten, weil sie sonst zugrunde geht. Wir brauchen nicht Angst zu haben, daß der Kapitalist wegen dieser Steuern lieber Zehntausendc verjuxt, als daß er tOOO M. Steuern zahlt. Man macht uns zum Vorwurf, daß das eine schlechte Steuer sei, weil sie die großen Kapitalisten zu wenig und die kleinen Kapita- listen verhältnismäßig zu viel tresfc. Ja, mögen sich die Kapita- listen deshalb gegenseitig die Haare ausreißen. iSehr richtig!) Was die Kapitalisten sonst der Arbeiterklastc getan haben, geschieht eben jetzt den kleine» Kapitalisten durch die großen. Mögen sich die kleinen kümmern, wenn ihnen die Steuern auf die großen Noch nicht genügen. Es ist übertrieben und Gespenstersehcrei, zu sagen, daß der Produktionsprozeß aufgehalten wird, wenn diese Steuern die kleinen Kapitalisten an der Akkumulation hindern. Wir haben doch alle Ursache, zur Uneinigkeit der ver- schicdcnen Kapitalistcuklassen untereinander beizu- trage». Solange wir in der Minderheit sind, können wir nur durch die Gegensätze innerhalb der Kapitalistenklaffe etwas erreichen. Aus Liebe zur Arbeiterklasse wird uns nichts zuteil, sondern nur, wenn wir, die wir in der Minder- heit sind, eine Mehrheit durch Koalition mit anderen bilden. (Sehr richtig I) Bei den ungeheuren Schwierigkeiten einer wirklich genauen Veranlagung müssen wir einen Weg suche», der eine Kontrolle der wirklichen Einkommen und Vermögen ermöglicht. Ta�u dient die Erbschaftssteuer und deshalb wird sie von den Großkapilalisten bekämpft. Die Steuerhinterziehungen sind kein leerer Wahn. Professor Del- brück hat das festgestellt, und ebenso beweisen es zahlreiche Pro- zcsse. Die Erben des Herrenhaus Mitgliedes Wachler haben Btillionen Mark Strafe für Steucrhinter- ziehung bezahlen müssen. Die Wertzuwachs st euer auf Gebäude und Bauplätze bekommt durch die Konzentration des Bank- kapitals in den Terraingesellschaftcn ein ganz anderes Gesicht. Wo diese Gesellschaften stark sind, so daß sie die Zeiten, in denen das Wohnungsangcbot größer ist als die Nachfrage, durchhalten können, schreiben sie die Steuern einfach mit auf die Geschäfte und schlagen sie bei nächster Gelegenheit aus die Preise. Die Großfinanz, das Bankkapital ist eng liiert mit dem toten Kapital. Sti deutsche Banken besitzen lll Milliarden Mark Boden- und Bauakticn; die Hälfte davon entfällt auf 8 kartellierte Großbanken. Da muß man sich sehr überlegen, ob die Boden- werchuivochssteuer ohne weiteres anzunehmen ist, denn bei Woh- nungsbauten kann sie auf die Käufer, Pächter und Mieter ab- gewälzt werden. Deshalb ist diese Steuer nur dort einzuführen, wo sie nicht um ihre Wirkung gebracht werden kayn; sie ist also durch Gemcindebeschluß einzuführen. Aber in den Gc- meindcn herrschen die Hausbesitzer. Das gibt es also nicht. daß wir von vornherein sagen könnten: für diese Steuer habe ich zu stimmen und für jene nicht.(Sehr richtigl) Das gibt es weder in der Gemeinde, noch im Landtag, noch in, Reichstag. Die Besitzstcuern aus das mobile Kapital, Stempelsteuern auf Kaufverträge, Ouittungs-, Wechsel-, Frachturkunden-, Fahrkarten- steuern usw. sind alle Erschwerungen des Verkehrs und damit der kapitalistischen EntWickelung l deshalb lehnen wir sie ab. Wohl aber können Steuern auf den Spckulations- und Gründergewinn und dem auf Umwandlung von Privatgesellschaften in Aktiengesellschaften in Erwägung gezogen werden, da hierbei große Werte entstehen, die sich der Einkommen- und Vermögenssteuer cnt- ziehen. Unser Freund Renner in Oesterreich sieht eine not- wendige Ergänzung unseres Stcuerprogramms in den Ertrags- steuern auf Grundbesitz, Gebäude, Leihkapitalien und Gewerbe. Die Grund st euer auf landwirtschaftlichen Er- trag wirkt nur dann nicht auf den Konsumenten der Bodcnpro- duttc, wenn mehr Getreide auf den Markt kommt, als gebraucht wird. Die Konkurrenz verhindert die Abwälzung der Steuer. So- lange wir in Preußen eine Ucberproduktion an Getreide hatten, waren die Agrarier die größten Feinde jeder Grundsteuer, der Adel protestierte, als Preußen in der höchsten Not die Grundsteuer er- höhen mußte. Als aber durch billige Dampfschifffrachten Anfang � sechziger Jahre das preußische Getreide nach England ging, horte der agrarische Widerstand gegen die Grundsteuer auf. Jetzt wird dor Höchstpreis für Getreide(Weltmarktpreis für das Volk) für den Agrarier voll ausgenutzt. Sie mühten jede Grundsteuer wieder tragen und sind darum die Grundfcinde der Grundsteuer überhaupt. L a s s a I l e bekämpfte die Grundsteuer, weil sie in die Zeit der Abwalzungsunmöglichlcjt Wir haben heute keine Ursache dazu, zumal im Weltmarktpreis für daS Volk sehr wenig Grund- steuer st�stt, au� die Hauptexportländer für Getreide Amerika und Rußland, haben keine oder nur sehr niedrige Grundsteuer. Fürst Salm hat doch im Herrenhaus erklärt, die Grundsteuer müsse beseitigt werden, sie komme einer Konfiskation seines Vermögens sehr nahe. Heute ist die Grundsteuer eine den Gemeinden zugc- wiescne Steuer auf das agrarische Grundkapital und sie geht uns umsomchr an. als wir in den Gemeinden öfter ausschlaggebender sind als im Staate. Sic hat aber sehr" große Mängel und man muß selbstverständlich, wenn man wie kürzlich in Bayern die Wahl hat. der Einkommen- und Vermögenssteuer den Vorzug geben. Für eine gerechte Grundsteuer»ach dem Verkaufs- und nicht nach dem ErtcagSwert haben wir einzutreten obwohl wir in Laisall>'s Zeiten gegen sie hätten sein müssen. Vor einigen Jahren stritten wir in der Partei über den O k t r o i. Nun aber wird die Gebäudesteuer aufgehoben in einer Zeit der Wohnungsnot und der Uebarmacht des Hauskapitals, dann ist sie c i n G e s ch e n k a n d i e Hausbesitzer und der Konsument hat nichts davon. Mit Bau- Politik und Gcbäudesteuer treibt man überhaupt keine WohnungS- Politik, sondern nur durch Beeinflussung von Angebot und Nach- frage, durch gemeinnützige Einrichtungen und Bauten. Gerade diejenigen Parteien, deren Parteischiff träge dahinzieht, benutzen die Steuerpolitik zu wirtschaftspolitischen Maßnahmen z. B. die Geiocrbesteucr zur mittelständlerischen Bekämpfung des Großkapi- tals, was aber den Rückgang des Kleingewerbes nicht hindert. Die Gewerbesteuern sind zu roh, um den Unterschied zwischen Betriebskapital und Einkommen fassen zu können. Deshalb lehnen wir sie ab. Im März lgtl war aus einem Artikel des Handelsteils des »Berliner Tageblatts" zu erkennen, daß die Kapitalisten trotz allen Geschreis gegen Bauplatz- und Wertzuwachsstcucr diese Steuern nicht fürchten, weil schließlich doch die K o n s u m c n t e» ebenso wie bei der Warenhaussteuer die Lieferanten sie aufbringen müß- tc». Seit Lassalles Zeiten sind wir uns einig, daß die Verbrauchs- abgäbe unweigerlich vom Konsumenten getragen werden muß, weil er machtlos ist. Wo das nicht war, hat die moderne Gesetzgebung dafür gesorgt, daß durch die Begrenzung der Produktion die freie Konkurrenz der Produzenten ausgeschaltet wurde, so daß die ge- samten Steuerlasten auf den Konsumenten abgewälzt wurden, wie z. B. die B r a n n t w e i n st c u c r, Lassalle schildert auch in seinem Arbeiterprogramm, warum die herrschenden Klasse» Ver- brauchssteuern so gern sehen, weil sie nämlich das Volk im Un- klaren über die Höhe seiner Besteuerung lassen. Sagte doch Bis- marck 1875 ausdrücklich, er wolle möglichst viel solcher indirekter Steuern, denn sie würden weniger gefühlt und es sei schwer zu berechnen, was der einzelne zu zahlen hat. Wir wissen aus der Praxis, daß selbst in Großstädten manch« mal ungläubiges Staunen entsteht, wenn man den Leuten vor- rechnet, wie jeder mit Steuern belastet ist und welche Summe das ausmacht. Weil sie nicht bar zahlen, glauben sie nicht daran. Einer sagte, man bezahle keinen Pfennig, denn er habe nie eine Stcucrquittung bekommen.(Heiterkeit.) Viele meinen, es sei wirtschaftlich und finanztechnisch nicht mehr möglich, neue indirekte Steuern zu bringen. Das ist nicht der Fall. Wenn es nicht möglich war, so nur deshalb, weil die Besteuerung abhängig ist von der politischen Macht. Mitunter sind Luxusstcuern als letztes Mittel vorgeschlagen worden. Da halte ich es mit Lassalle, der sagte: Eni- weder sind Luxusstcuern keine, d. h. sie treffen die anderen, oder sie sind es wirklich, dann bringen sie nichts. Die eine Luxus- steuer, die wir haben, die Ehampagnersteuer, bringt ganze 10 bis 11 Millionen Mark. Will man den Luxus treffen, so treffe man ihn an der Quelle, am Einkommen und Vermögen. Das große Ver- mögen ist ein LuxuS, das soll man treffen. Eine neue Form von Steuern ist die der Staatsmono- pole, bei denen der Staat den Preis der Waren bestimmen kann, also in verkappter Form Steuern erhebt. Glücklicherweise haben wir das beim Petroleummonopol verhindert.(Beifall.) Neben diesen wirtschastspolitischcn Erwägungen bestehen für uns auch parteipolitische. Damit komme ich zu meiner Resolution. ES genügt nicht mehr für eine große Partei, daß sie n»r sagt, wr wollen Einkommen-, Vermögens- und ErbschafSsteuern. Wir sind gezwungen, tagtäglich Stellung z» nehmen zu dem. was heut« im kapitalistischen Staate an St.'uern vorliegt. Punkt 10 ie8 Erfurter Programms hat mit der Deckungsfrage nichts zu tun. Diese Auffassnng hat mir K a u t s k y, der Vater des Pro- gramms, bestätigt. Ferner fordere ich, daß der Bedarf der Bun- desstaaten durch Zuschläge zu den direkten Reichs- steuern zu decken ist, also umgekehrt wie bisher. Dann komme ich zu dem springenden Punkt, bei dem ich hoffe, daß nicht allzu- viele aus der Haut fahren. Man hat schon gegenüber meinen An- sichten Ausdrücke gebraucht von schlvammig und verschwommen bis zu revisionistisch.(Heiterkeit.) Ich erkläre: für die Bewilligung von Steuern ist nicht allein maßgebend die Art der Steuern, son- dern auch ihr Verwendungszweck. Es ist eine kleine Richtung, die sagt: der Verwendungszweck geht mich nichts an, wenn die Steuer wirtschaftlich gerechtfertigt ist. Aber da die Steuer ein politisches Kampfmittel ist, muß auch die politische Situation in Betracht gezogen werde». Wir sind vorläufig eine Partei der Minderheit, was wir erreichen können, hängt ob von unserer politischen Macht. Wir würden nichts er- reichen können, wenn uns eine einheitliche geschlossene Kapitalisten- klassc gegenüber stehen würde. Aber sie ist wohl einheitlich in bezug auf Schaffung des Mehrwertes auf Kosten der Arbeiter, aber z e r- rissen in bezug auf die Verteilung deSMehr- Werts. Ucberall zeigen sich da Gegensätze, die unfern Aufstieg ermöglichen. Wir müssen uns entscheiden zwischen dem größeren und kleineren Ucbcl. Die Wege, die scheinbar neue sind, sind in Wirklichkeit ausgefahrene Gleise, wie die praktischen Erfahrungen eines halben Jahrhunderts hier zeigen, Zum erstenmal kamen wir in die Lage, dazu praktisch Stellung zu nehmen in Bayern bei der Budgetabstimnuing. Daher der bahcrischc Budgetstrcit und die Nürnberger Resolution 1908. Der wohlüberlegte Beschluß lautete: Wir wollen zwar der gegnerischen Regierung kein Budget bewilligen, denn sie ist arbeiterfeindlich, aber wir wollen uns nicht ausschalten lassen, nicht einfach uns prügeln lasten, wo wir uns wehren können, sondern wir wollen, wenn die Wahl zwischen einem bcstercn und einem schlechteren Budget ist, dafür eintreten, daß das für die Arbeiter g ii n st i g e r e Budget angenommen wird. Denn wenn auch in dem günstigeren Budget die Arbeiterinteresscn geschädigt werden, so fühle ich nicht für uns die Verpflichtung, daß wir die Arbeiterintcressen noch mehr schädigen müssen, indem wir dafür sargen, daß daS schlechtere Budget angenommen wird. Wir waren zuerst nicht ganz darin einig, allmählich aber sind wir einig ge- worden. Gerade diese Resolution ist auch von linksstehenden Gc« nassen gerühmt worden dafür, daß sie nicht kautschukartig sei. Des- wegen habe ich sie als vorbildlich beibehalten und gesagt: Was dem Budget recht ist, ist der Stcucrfrage billig, (Kautsky ruft: Sehr richtig!) Nun kam im Reichstage die Entscheidung über die Steuern, In der Wistenschaft sucht man neue Wege dadurch zu finden, daß man vom Bekannten zum Unbekannten übergeht. Daß Bekannte war unsere Stellung zum Budget, das zu Suchende unsere Stellung zur Steuerfragc. In meiner Resolution heißt es nun:»In gleicher Weise ist auch jede direkte Steuer, selbst wenn sie allein den Mehrwert trifft, von unseren Genossen abzulehnen, falls der Verwendungszweck den Interessen der Arbeiterklasse widerspricht, es sei denn, daß die Ablehnung der direkten Stcn- c r n durch unsere Genossen die Annahme der b c- kämpften Vorlage nicht hindern und eine für die Ar- beitcrklasse ungünstigere Besteuerung zur Folge haben würde." Also die Regel ist die Ablehnung, die Ausnahme ist die Zustimmung unter bestimmten Bedingungen, Wenn also die Militärvorlage angenommen ist, dann müssen wir für die- senige� Steuer stimmen, die die Arbeiter nicht außerdem, daß sie Militärlasten zu tragen haben, auch noch mit der S t e u« r l a st bedrückt. Andere Genossen sagen:„Nein, wir dürfen keinen Pfennig Steuer für Zwecke des KlasseustaatS bewilligen." Die Bourgeoisie wird immer imperalistischer, jede noch nicht geborene Militärvorlagc wird von ihr angenommen. Was tun wir nun, nachdem die Militärvorlage angenommen worden ist? Wir bekämpfen den Militarismus durch Ausklärung und sagen: Gc- schielst mir ganz recht, warum kaust mir mein Vater keine Handschuhe nicht!(Heiterkeit.) Und sollen wir sagen: Nun guter Vater Staat und Mchrheitsparteien, im» seid so gut, nun wollen wir auch noch bezahlen. Das würden wir sagen, wenn Sie der Ucbcr- zcugung wäre», daß wir ohnmächtig am Boden liegen, daß die ganze Sozialdemokratie ein riesiger Humbug ist, die ganze gewerkschaftliche Bewegung eine leere Redensart, daß die Arbeiter sich alles gefallen lassen müssen. In der„Gleichheit wird gesagt:„Auch wenn wir die direkten Steuern abgelehnt hätten, tvürde man doch nicht gewagt haben, neue indirekte Steuern zu bringen." In demselben Artikel heißt es aber weiter unten:„Die bewilligten direkten Steuern sind ein ständiger Anreiz für den Kapitalismus, neue in- dicrektc zu fordern." Was ist nun richtig? Diese Beweisführung findet sich auch in der»Leipziger V o l k s z e i t un g" und ist R. L. gezeichnet. Selbst wenn ein solcher Anreiz vorhanden wäre, müssen wir dann, weil wir künftig einmal Prügel bekommen könnten, jetzt gleich den Buckel hinhalten, wenn direkte Steuern ohne unsere Zustimmung eine Mehrheit finden bei einer Vorlage, die wir bekämpfen und deren Zweck wir nicht billigen? Dann haben wir gegen diese Steuer zu stimmen, denn dann bewilligen wir durch die Zustimmung den Zweck. Darum bin ich gegen die Zustimmung zum Weh rb ei trag aufgetreten, während die Mehrheit der Fraktion sagte: Stimmen wir gegen den Wehrbci« trag, dann reichen sich Zentrum, Konservative und ein Teil der Natlonalliberalen jubelnd die Hände und sage», nun haben wir die Sozialdemokratie fein hineingelegt, nun stimmen sie nicht siir die direkten Steuer», nun sind sie schuld, wenn indirekte kommen!(Sehr gut!) Als die Mehrheit unserer Fraktion sich für diesen Standpunkt entschied, haben wir uns gefügt und sind siir den Wehrbcitrag cintzetreten. Anders liegen die Dinge bei der B c s i tz st c n c r. Dort war es sicher, daß, wenn wir gegen die Bcsitzsteucr stimmen würden, die andern mit Jubel diese Steuer fallen ließeu und daß dann eine Mehrheit für indirekte Steuern gefunden würde. (Lebhafter Widerspruch bei den Genossen E m m c l und H o ch.) Aber wie dem auch sei, es handelt sich bei meiner Resolution nur darum, zu zeigen, daß nicht eine Frage des Prinzips, wie wir uns in solchem Fall zu verhalten haben, sondern eine Frage t a k- tischer Erwägungen gegenüber der Steuer vorliegt.(Sehr richtig!) Die Militärvorlage war angenommen, cS handelte sich nur nach darum: Verhindern tvir� eine die Arbeiter belastende Steuer oder verhindern wir sie nicht. Wir sind in allen Paria- mcnten vorläufig doch noch keine Mehrheit, sondern eine Minder- heit, die in politischer Notwehr handelt und in der Notwehr erlaubt sogar das Strafgesetzbuch, von Mitteln Gebrauch zu machen, die man sonst nicht gebrauchen darf. Soll ich Ihnen die ganze Liste vorlesen, wie die deutsche Sozialdcmorkatie in der Notwehr gc- handelt hat? Beim Eaprivischen Handelsvertrag waren wir bei der Frage: 5 oder!! Mark Getreidezoll? die Ausschlaggebenden, und obwohl wir nicht Anhänger irgendeines Getreidezolls waren, sind wir die Netter der Handelsverträge gewesen, die zum Nutzen des Proletariats einen geringeren Zoll brachten. Ich tvill nicht im einzelnen ausführen, wie wir das Arbeiter- s ch n tz g e s e tz nur dadurch bekommen haben, daß wir den Zwie- spalt zwischen mobilem»nd immobilem Kapital benutzten. Selbst einer der Unterzeichner der Gegcnresolntion, G e h e r, hat in seiner Rede auf dem Leipziger Parteitag gesagt:„In dem Augenblick, Ivo wir eine große Last vom Volke abwälzen können an indirekten Steuern, Wersen wir natürlich für direkte Steuern stim» men."(Heiterkeit und Hört! hört!) In der„Leipziger Volks- zeitung" sagt Karski, ich hätte mit meiner Resolution unsere Hal- tung vollständig abhängig gemacht von der jeweiligen Parlaments- inehrheit, und damit würden wir den marxistischen Boden verlassen. Zu mcinenl Trost lese ich in der„Kommunalen Praxis" eilten Artikel von Freund A r o n S. Er ist sehr unglücklich darüber, daß wir bei den Etatsabstim mnngen unser Verhalten abhängig machen von dem größeren oder kleineren Uebel. Er hält es für unwürdig, daß unsere Stellungnahme zu einem Budget beschlossen wird im Fraktionszimmcr der Konservativen. Also: der Marxist sagt, das ist nicht marxistisch, und der Revisionist sagt, es sei unwürdig, seine Haltung abhängig zu machen von den anderen. Um Himmels willen, seit wann wird Krieg geführt, ohne daß man sich um das kümmert, tvas die Gegner tun! Wenn der Gegner ein Budget vorschlägt, das die Arbeiter schädigen muß. müssen wir es ablehnen. Und genau so ist es mit den Steuern. ES handelt sich darum: Sind wir in der Lage, zum Ruhen der Arbeiter zu wirken oder milssen wir dastehen wie dumme Jungrns, die man auslachen musi, weil sie nicht fäbiq sind, die Jntmsseo der Arbeiter zu vertreten.(Lebhafte Zustimmung.) Nach der Anschauung derer, die unsere Resolution bekämpfen, sind wir alle 110— und Freund Ewald als U1. wird sicher gleichfalls dazu gehören.— hartgesottene Verbrecher. Da erinnere ich Sie nur daran, daß toir am 14. Februar 1912 einen Antrag A l b r cch t eingereicht haben, lvonach wir die bestehenden indirekten Steuern auf Streichhölzer, Petroleum usw. durch eine Reichs- e i n i o m»i c n st c u e r ersetzen wollten. Liebe Freunde, waS heißt denn das? Neun Zehntel des deutschen Rcichsetats wird für m i l i- t ä r i s ch e Zwecke verwendet. Und wenn wir die indirekten Steuern durch direkte ersetzen wollen, so machen wir genau dasselbe, was tvir setzt tun. Wir sagen eben: der Ver- wcndungszwcck ist eine abgeschlossene Sache, an dem können wir nichts ändern. Aendcrn können wir nur an der Art und Weise, wie die Kosten bezahlt werden. Und da ist es jedenfalls unsere Pflicht, die Koste» abzuwälzen auf die besitzenden Klassc». Von dieser Pflicht waren wir alle 110 durchdrungen und wie können Sic dann sagen, es komme auf den VcrwendungS- zweck nicht an. Ja, da sind Sie stumm.(Heiterkeit.) Ich bin aber im Auftrage der Fraktion dazu gezwungen, nicht etwa weiter zu gehen auf neuen unbctretcncn Wegen, sondern die Konse» quenzc» dieses Verhaltens zu ziehen. Wenn wir nach dem Antrag Albrecht bestehende indirekte Steuern durch direkte ersetzen wollen. dann können tvir ebensogut solche, die noch nicht da sind, aber sicher kommen werden, durch direkte ersetzen.(Sehr richtig!) Oder bole ich den Arzt erst dann, wenn der Kranke tot ist? Versuche ich nicht vielmehr, den Kranken zu heilen, bevor er gestorben ist? (Sehr gut! Lachen.) Ich weiß nicht, was Sie an dieser Logik auszusetzen haben.(Zuruf: Seichbeutelei ist das!) Die gesamie politische und wirtschaftliche Situation ist entscheidend für nnS. Nicht was wir zu fordern und zu wünschen haben, haben wir in»nserm Programm festgelegt, sondern was wir durchsetzen können. Deshalb muß ich mich ganz entschieden gegen die gegnerisch« Resolution 114 wenden. Satz 1.darin hat jeden Sinn verloren, wenn er sich auf die Steiierdcbatte bezieht. Er sagt nicht einen Funken darüber, was mit dem Reichtum, den die Arbeiter schaffen, geschieht. Wir haben darum zu kZmpfen, daß ihnen nickt von dem, was ihnen geblieben ist, noch mehr genommen wird. Des- halb ist Satz 1 ganz überflüssig oder sinnverwirrend, weil er sagen will:„Gleich, wie die Steuern sind, Arbeiter, Ihr seid ohnmächtig, Ihr müßt sie doch bezahlen." Dazu steht dann der 2. bis 4. Absatz in vollständigem Widerspruch. Denn wenn wir eben ohnmächtig sind, werden wir auch nichts durch die Abschaffung der Verbrauchs- steuern ändern. Dann dürfen loir auch das E r fu r t e r Pro- g r a m m nicht mehr aufrechterhalten, wo es heißt, daß wir statt indirekter direkte Steuern haben wollen. Also diese Resolution ist voller Widersprüche. Sie gibt nicht den geringsten Anhalt dafür, wie wir uns in der entscheidenden Situation zu verhalten haben, toeil sie den Verwendungszweck durcheinandermengt, der nicht in unserer Macht steht, mit der Verteilung der Steuerlast, über die wir zu entscheiden haben, nämlich zugunsten oder zuungunsten der Arbeiterklasse. Ich sehe von dem Antrag Hoch ab, der eine Wortändcrung bringt, weil ich einfach unfähig bin, einen Unterschied zu entdecken, zwischen dem was er will und dem, was meine Resolution will. Dagegen will ein Eventualantrag, daß meine Resolution gestrichen werden soll vom dritten Absatz bis zum Schluß. Er will also den vierten Absatz streichen, wonach wir den Ersatz indirekter durch direkte Steuern zu fordern haben. Damit will er also, daß unser Antrag Albrccht und Genossen vom Jahre 1912 wieder zurückgezogen wird. Das haben die Herren im Eifer des Gefechts übersehen. Ich gratuliere zu einer solchen Rcsolutions- fabrikation.(Sehr richtig!) Nun wird mir entgegengehalten werden, die Leitsätze und meine Resolution seien zu spät veröffentlicht worden, man habe keine Zeit gehabt, das gründlich durchzudenken und daher sei es besser, wir machten jetzt gar nichts. Ich warne Sie davor. Das könnte von denen, die wirklich andere Wege wandeln, als wir bisher ge- wandelt sind, ausgenutzt werden, indem sie sagen: Der Parteitag hat uns freien Spielraum gelassen, er hat erklärt, man könne keine Resolutionen fassen und jeder könne machen, tvas er will. Der Zweck meiner Resolution ist, zu zeigen, daß wir rnis in der Steuerfrage genau so verhalten haben, wie die Sozialdemokratie sich von jeher verhalten hat, daß wir absolut keine neuen, sondern d i e alten Wege wandeln wollen, die dahin gehen, alles zu tun, was die Arbeiterklasse vor Ausbeutung schützt. Wie wir das auf wirtschaftlichem und sozialreforme- rischem Gebiet und im Kampf gegen den Militarismus tun, so auch auf dem Gebiet der Steuerfrage. Wenn die Arbeiterklassen auch durch weniger Steuern sicher vom Joch des Kapitalismus nicht befreit wird, so spielt es im Leben der Arbeiter doch eine große Rolle, ob sie mehr oder weniger Steuern zu zahlen haben. Wir alle, die wir wissen, daß die Kämpfe der'Zukunft nur gekämpft werden können durch eine tatkräftige, lebenskräftige Arbeiterschaft, haben alles zu tun, was die Arbeiter- klasse schützt gegenüber der Ausbeutung. Daher haben wir, wenn es nicht anders möglich ist, das kleinere Uebel zu wählen, damit die Arbeiter vor dem größeren Uebel, vor der Verelen- d u n g geschützt werden. In diesem Sinne bitte ich Sie, meine Resolution anzunehmen. CLanganhaltender stürmischer Beifall.) Vorsitzender Ebert schlägt vor, das zweite Referat morgen früh entgegenzunehmen und heute noch den bei Beginn der Sitzung zurückgestellten Antrag Dr. Rosenfeld(Den Fall Radek an die Beschwerdekommission zu verweisen) zu erledigen, über den im Laufe des Nachmittags Verhandlungen stattgefunden hätten. Mitllrr-Berlin empfiehlt den Antrag zur Annahme. Alle den Fall Radek betreffenden Anträge werden der Be- schwerdekom Mission überwiesen, die dann dem Parteitag zu berichten hat. Der Parteitag vertagt sich auf Freitag vormittag 9 Uhr. Gebartenrückgang und Säuglingslchutz. (Tclegraphi scher Bericht.) -e Breslau, 18. September 1913. Der 4. Deutsche Kongreß für Säuglings schütz in Verbindung mit der Mitgliederversammlung der Deutschen Per- «Inigung für Säuglingsschutz ist am heutigen Donnerstag in Breslau unter Beteiligung von mehreren hundert Männern und Frauen aus allen Ständen zusammengetreten. Den Vorsitz führt Kammerherr v. Behr-Pinnow. Zur Begrüßung nimmt u. a. Overbürgermeister Dr. M a t t i n g(Breslau) das Wort. Er schilderte, was Breslau auf dem Gebiete des Säuglingsschutzes getan hat. Es hat ein Säuglingsheim errichtet. Es müsse aus diesem Gebiete etwas geschehen, denn infolge Unkenntnis würde in den Familien noch unendlich viel an den Säuglingen gesündigt. Am schwierigsten sei es, den Schutz für den unehelichen Säugling durchzusetzen, denn es gebe noch viele Kreise, die in der Unter- siützung einer unehelichen Mutter oder eines unehelichen Kindes etwas Unsittliches sehen und die den Schutz nur mit großmütiger Geste dulden, weil man eben heutzutage in der Zeit des Geburten- rückganges auch die unehelichen Kinder unbedingt braucht. Der Säug- ling erfordere unendliche Mühe, Geduld und Geld.(Zustimmung.) Kommerzienrat Kohrs wies auf das Interesse der Industrie an der Erhaltung einer gefunden Volkskraft hin. Der erste Punkt der Tagesordnung lautete: Geburten- rückgang und Säuglingsschutz. Der erste Referent Prof. Dr. Julius Wolf war am Erscheinen verhindert, hatte aber sein Referat eingeschickt, das verlesen wurde. In dem Referat wird ausgeführt, daß seit den siebziger Jahren in Deutschland die Geburtenziffer ständig zurückgeht. Eine Regulierung her Ge- burten war zunächst nur den oberen Schichten vorbehalten. Aber diese Erscheinung hat immer weitere Schichten ergriffen, und heute sind es auch die Arbeiter, die vielfach die Regulierung der Geburten zum Gesetz der Ehe machen. Daß in dieser Beziehung ein Stillstand eintreten wird, ist mindestens als zweifelhaft zu bc- zeichnen. Für die oberen Klassen besteht bereits das Zweikinder- spstem, und es �ist durchaus wahrscheinlich, daß diese Gewohnheit sich auch auf die unteren Schichten ausdehnen wird. Eine Ver- Minderung der Kinderzahl ist heutzutage für den Privathaushalt und für die Person der� Frau zweifellos mit vielen Vorteilen verbunden. Eine ungünstige wirtschaftliche Konjunktur ver- schärft noch die Tendenz der Gcburtenverminderung und eine darauffolgende günstige Konjunktur mildert diese Tendenz kaum. Allerdings gilt das nur für die Städte. Für das Land gilt ein anderes Gesetz. Dort können Kinder, zumal in einer Zeit der Arbeitcrnot, Kapital sein. Eine langsame Umkehr in der gegen- wältigen Entwickelung liegt in dem natürlichen Interesse der Nation. Ruhlands Bevölkerungsvorsprung vor Deutschland beträgt heute bereits 100 Millionen und wird im Laufe der Jahre auf 200 Millionen wachsen. Es ist nur ein Gebot nationaler Selbst- erhaltung. wenn wir langsam den Rückgang der Geburtenziffer einzudämmen suchen. Eine ganze Reihe von Mitteln stehen uns dazu zur Verfügung. Man sollte kinderreichen Familien Bevor- zugungen im Gehalt und bei der Steuer geben, man sollte dafür sorgen, daß die Kinder, welche bereits geboren sind, auch am Leben bleiben durch Mahnahmen auf dem Gebiete des Säuglings- und Kinderschutzes und schließlich sollte man die Hindernisse aus dem Wege räumen, die heute den Eltern Veranlassung zur Einschränkung der Geburten geben. Alle diese Maßnahmen werden keineswegs den Geburtenrückgang abschaffen, aber sie werden ihn doch eindämmen. Eine solche Eindämmung ist nicht nur national erwünscht, sondern auch sozial kaum anfechtbar. Wir beziehen alljährlich Hunderttausende von Arbeitern aus dem Auslande, ein Beweis für die Tatsache, daß in Deutschland im allgemeinen es nickt an Arbeit, wohl aber an Arbeitern fehlt. Aller Voraus- sickt nach wird sich der Arbeitermangel, wenn das jetzt in Jnel geringerer Zahl geborene Geschlecht groß geworden ist, noch größer werden. Eine Qualitätsverschlechterung der Geborenen mit der Durchführung einer Eindämmung des Geburtenrückgangs ist nicht wahrscheinlich. Wir sind im Begriff, ein neues Jena zu erleben, wenn nichts geschieht.(Beifalllj Als zweiter Redner erörterte Prof. Dr. L a n g st e i n, der Direktor des Kaiserin-Auguste-Biktoria-Krankenhauses in Berlin, das Problem vom Standpunkt des Mediziners. Dafür, daß der Geburtenrückgang durch Rassendegeneration, Geschlechtskrank- heiten oder Alkoholismus hervorgerufen sei, läßt sich sicheres Ma- terial nicht beibringen. Die Geburtenvermindcrung ist im wesent- lichen auf die gewollte Beschränkung der Kinderzahl zurückzu- führen. Die Bekämpfung des Geburtenrückganges muß daher auf dieser Erkenntnis sich aufbauen und wird daher, wenn überhaupt, nur durck wirtschaftliche Maßnahmen zu erreichen sein. Die Voraussetzungen für einen vollen Erfolg des Mutter- und Säuglingsschutzes sind gegeben. Es läßt sich nachweisen, daß die höhere Gefährdung des Kindes in kinderreichen Familien keine Naturnotwendigkeit ist, und die Erfolge der Säuglingsfürsorge lassen sich zahlenmäßig feststellen. Darauf, daß mit höherer Geburtenzahl auch eine höhere Gefährdung des Kindes in einer Familie vorhanden zu sein scheint, weisen statistische Erhebungen in den verschiedensten Bevölkerungsschichten hin. Warum ist das der Fall? Ist diese erhöhte Sterblichkeit eine Notwendigkeit? Kommen die Kinder so minderwertig auf die Welt, daß sie überhaupt nicht lebensfähig sind? Grundlegende statistische Untersuchungen und die genaue Analyse des Schicksals der Kinder aus kinderreichen Familien durch Säuglingsfürsorgc- ärzte geben darauf die Antwort, daß Kinderreichtum nur in den seltensten Fällen den Tod bedingen� muß, daß bei weitem mehr als von der Zahl der Kinder ihre Sterblichkeit von der Art ihrer Pflege und Ernährung abhängt. Eine Erhebung hat gezeigt, daß in Familien, in denen alle Kinder mindestens 30 Wochen gestillt wurden, kaum ein Unterschied in der Sterblichkeit der Kinder zwischen den Familien mit kleinerer und denen mit größerer Kinderzahl besteht. Der Angelpunkt der ganzen Frage ist also die Ernährung. Die Brustnahrung kann_ auch die Folgen sozial ungünstiger Stellung überwinden. Das Stillen ist in erster Linie das Mittel zur Erzielung eines kräftigen Nachwuchses. Diese Tatsache, daß die Bruststillung auch eine große Kindcrzahl gesund und lobcnskräftig zu erhalten vermag, stellt uns vor die Aufgabe, mit allen Mitteln der Säuglingsfürsorge den Weg zur natür- lichen Ernährung zurückzuleiten. Die Erfahrungen der Aerzte bc- werfen die Gefährdung des einzigen Kindes und die Gefahren und schweren Schäden des Zweikin-dersystems. Einziges Kind sein, bedeutet fast immer schon Krankheit an und für sich. In einer Bevölkerungsklasse, die das Einkindersystcm bevorzugt, muß eine Verschlechterung der Rasse eintreten. Demgegenüber sei auf die in der Statistik zum Ausdruck kommende günstige Stellung des drittgeborencn Kindes hingewiesen. Tie Anschauung, daß in Ländern mit hoher- Säuglingssterblichkeit die Militärtauglichieit eine bessere und die Tuberkulose weniger häufig sei, ist widerlegt. Dank den Vorschriften der Kinderheilkunde stehen wir auch der schlechten körperlichen Konstitution der Kinder keineswegs mehr so machtlos gegenüber wie früher. Durch eine individualisierende Ernährung und Pflege, durch gesteigerte Fürsorge können wir aus konstitutionell minderwertigen Säuglingen leistungsfähige Jndi- viduen heranzubilden. Daß die Säuglingsfürsorge tatsächlich bereits Erfolge auf- zuweisen hat, läßt sich heute schon beweisen. Angesichts der drohen- den Gefahr aber muß die Säuglingsfürsorgobewegung verstärkt und nach einheitlichen Gesichtspunkten organisiert werden. Ferner brauchen wir eine Mutter schastsvcrsicherung großen Stils.(Beifall.) In der Debatte verlangte Stadtrat R o s e n st o ck- Königs- berg, daß Kinderzulagen nicht mir für Arbeiter, was jetzt schon geschehe, sondern auch für Beamten gegeben werden.— Frau Wegener- Breslau wies auf die Ungerechtigkeit hin, die darin liege, daß man bei dem verheirateten Mann das Einkommen von Mann und Frau zusammenziehe, wodurch in sehr vielen Fällen eine höhere Steuerstuse erreicht werde. Weiter wies sie auf das Cölibat der Beamtinnen hin, als einer bedenklichen Erscheinung. Schließlich betonte die Rednerin die Notwendigkeit eines Schutzes der Ehefrau vor Ansteckung durch den Mann und eines Schutzes der schwangeren Frau vor Mißhandlung.— Geh. Medizinalrat Krahne- Berlin verteidigte die preußische Regierung gegen den Vorwurf, daß sie nichts tue. Freilich kann die Regierung heute noch keine positiven Maßnahmen vorschlagen, da die Materie sich noch im Stadium der Ermittelungen befinde. Das zweite Thema des Kongresses lautete: Die Stellung der Aerzte in der Säuglingsfürsorge. Hierzu sprach als erster Redner Oberpräsidialrat Breyer- Magdeburg: Daß es, wenn auch spät, doch endlich zum Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit in Deutschland gekommen ist, ver- danken wir in erster Linie Ihnen und der medizinischen Wissen- schaft.im Bunde mit Nationalökonomie, Soziologie und Statistik, welche die entgegenstehenden mächtigen Hindernisse: Unwissenheit, Gleichgültigkeit. Irrtum und Vorurteil, überwinden mutzten. Nun heißt es: Sammlung und Formierung aller mitarbeitenden Kräfte, Schaffung eines Netzes von Arbeitsstätten über ganz Deutschland, wo es noch fehlt! Die äußere Organisation muß sich über ganz Deutschland erstrecken; die Reichszentrale ist in der Deutischen Ver- einigung für Säuglingsschutz gegeben. In den Bundesstaaten sind die Landeszentralen zum Teil vorhanden. Der Schwerpunkt der Mitarbeit der Aerzte liegt in der täglichen Fürsorgearbeit an Müttern und Kindern. In erster Reihe steht hier die dauernde und praktische Stillpropaganda der berufstätigen Aerzte. Die „Renaissance des Stillens" ist das A und O aller Säuglingsfür- sorge. Diese wichtigste Mitarbeit kostet dem Arzt keine besondere Zeit und Mühe, sie wird gelegentlich geleistet und hat nur seine eigene feste, durch keine noch so glänzende Reklame für künstliche Nährmittel zu erschütternde Ueberzeugung von der Ueber- legenheit der natürlichen Ernährung zur Voraussetzung. Von nicht geringerer Bedeutung ist zugleich der dauernde Einfluß der Aerzte auf die Hebammen, die treffliche Mithelferinnen der Stillpropaganda sein können. Sehr wichtig ist ferner die praktische Verwertung der Kenntnis und Erfahrung der Aerzte über das für die Kinderaufzucht so verhängnisvolle Wohnelend der ärmeren Bevölkerung, sowie ferner ihre beruf- liche Berührung mit dem Haltekinderwesen und der Waisenfürsorge. Zu dieser Art von Mitarbeit ist nicht einmal das besonders geschärfte soziale Gewissen oder Gefühl jedes Arztes nötig; es genügt die Erkenntnis der gesundheitlichen Notwendigkeit und die Benutzung der gebotenen Hilfsgelegenhcit. Wo es sich aber um besondere Leistungen und Opfer des Arztes für die Säuglingspflege handelt, da mutz er allerdings grundsätzlich angemessen honoriert werden, und dieser Grundsatz muß in allen Organisationen anerkannt und festgelegt werden; denn cS geht nicht an, die ärztliche Arbeit zu allerhand wohltätigen und gemeinnützigen Zwecken unentgeltlich zu beanspruchen. Als zweiter Referent betonte Professor S a l g e- Straßburg ebenfalls dringlich die Notwendigkeit der Mitarbeit der Aerzte an der Säuglingsfürsorge. Aber die Aerzte sind hierfür heute nicht genügend ausgebildet; sie kennen die Physiologie und Pathologie des Kindes und besonders des Säuglings nicht. An einer Reihe von Universitäten findet überhaupt kein ernst zu nehmender Unter- richt in der Kinderheilkunde statt. Ebenso viel läßt die Ausbildung in der sozialen Medizin zu wünschen übrig. Deshalb ist zu fordern ein Ausbau des ärztlichen Studiums in der Kinderheilkunde. In der Diskussion besprach Landrat R a d e b r e ch e r- Geeste- münde die Notwendigkeit der Mitwirkung der Hebammen nament- lich auf dem Lande, wo ja meist zu Geburten ein Arzt nicht zugezogen würde. Er mochte ferner auf eine Bestimmung der Reichsversicherungsordnung aufmerksam, wonach Wöchnerinnen Stillprämien in Höhe eines halben Krankengeldes erhalten können. Diese Bestimmung habe er in seinem Kreise durchgeführt und da? habe zu einer Verminderung der Säuglingssterblichkeit beigetragen. Morgen geben die Verhandlungen weiter. Soziales. Die Neuregelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Der„Berliner Lokalanzeiger" bringt einen Auszug aus demt Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, der hem Reichstage bei seinem Wiederzusammentritt vorliegen wird. Der aus fünfzehn Paragraphen bestehende Entwurf bestimmt im wesentlichen: Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter dürfen im all- gemeinen am ersten Weihnachts-, Oster- und Pfingsttage überhaupt nicht, im übrigen an Sonn- und Festtagen wie folgt beschäftigt werden: In den offenen Verkaufsstellen ist eine Be- schäftigung bis zu drei Stunden zulässig. Die höheren Verwal- tungsbchörden können für Orte, an denen die Bevölkerung aus der weiteren Umgebung an Sonn- und Festtagen die offenen Verkaufs- stellen aufzusuchen genötigt ist, eine Beschäftigung bis zu vier: Stunden zulassen. Die Gemeinde oder ein weiterer Kommunal- verband können durch statutarische Bestimmung die dreistündige Beschäftigung für alle oder einzelne Gcwerbezweige auf kürzere Zeit einschränken oder ganz untersagen. Die Polizeibehörde kann alljährlich für höchstens sechs Sonn- und Festtage, an denen örtlich» Verhältnisse einen weiteren Geschäftsverkehr erforderlich machen. in offenen Verkaufsstellen eine Beschäftigung bis zu zehn Stunden zulassen.— In den Kontoren und den nicht mit offenen Ver- kaufsstcllcn verbundenen Betrieben des Handels und Gewerbes kann die höhere Verwaltungsbehörde sowie durch statutarische Be- stimmung die Gemeinde oder ein weiterer Kommunalverband eine Beschäftigung bis zur Dauer von zwei Stunden zulassen. Diese letztere Bestimmung gilt auch für die Angestellten der Spediteure» der Vcrsicherungsunternchmer, der Versicherungsagenten und Mal- ler, Annoncenexpeditionen, Stcllenvermittler, Auskunfteien, Spar- lassen und Konsumvereine. In Betrieben des Handelsgewerbes, die am Sabbath und an jüdischen Feiertagen gänzlich ruhen! dürfen Angestellte jüdischen Glaubens an Sonn- und Festtagen bis zur Dauer von fünf Stunden mit der Maßgabe beschäftigt werden, daß die Geschäftsräume für den allgemeinen Verkehr geschlossen blechen. — Weiterhin werden dann Ausnahmen festgesetzt für Arbeiten. die im Notsall oder im öffentlichen Interesse, für gesetzlich vorge- schricbene Inventuren, zur Verhütung des Verderbens für Roh» stoffc oder zur Verhinderung des Mitzlingens von Arbeitserzeug- nissen vorgenommen werden. Die höhere Verwaltungsbehörde kann auch für solche Gewerbczwcige, deren vollständige oder teilweise Ausübung an Sonn- und Festtagen zur Befriedigung täglicher oder an diesen Tagen besonders hervortretender BeDürsnissc der Bevölke» rung erforderlich ist, Ausnahmen von den Borschriften über Bc- schäftigung in den offenen Verkaufsstellen, in Kontoren und in den mit offenen Verkaufsstellen verbundenen Betrieben des Handels- gcwerbcs zulassen. Endlich wird noch bestimmt, daß diese Vor- schritten einer weitgehenden Beschränkung des Gewerbebetriebes an Sonn- und Festtagen durch Landesgesctz oder landcsrcchtliche Verordnung nicht entgegenstehen.— Mit Geldstrafe bis zu 600 M. eventuell Haft wird jede Zuwiderhandlung gegen diese Vorschriften bestraft.— Auf den Verkauf von Arzneimitteln und Gegenständen der Krankenpflege in Apotheken und den von Speisen, Getränken und Gcnutzmitteln in Gast- und Schankwirtschaftcn zum Genuß auf der Stelle, auf Musikaufführungen und Schaustellungen, thea- tralische Vorstellungen und sonstige Lustbarkeiten sowie auf dai Verkehrsgcwerbe findet dieses Gesetz keine Anwendung. Zusammenschluß der preußischen Arbeitönachwcisvcrbände. Die preußischen Arbeitsnachweisverbände haben zu der Frage der Begründung eines preußischen Gesamtarbcitsnachweisverbandcs Stellung genommen und eine Kommission mit der Ausarbeitung eines Statuts beauftragt. Die Kommission, die unter Vorsitz des Landrats Dr. Freund, Vorsitzender des Verbandes märkischer Arbeitsnachweise tagte, hat sich einstimmig auf einen Statuten- entwurf geeinigt. Es erscheint danach die Begründung eines preußischen Gesamtarbeitsnachweisverbandes gesichert. Haupt- bestreben de» neuen Gcsamtvcrbandcs soll ckie Förderung des Arbeitsnachweises im Königreich Preußen sein, ohne die Wirksam- keit des seit langen Jahren bestehenden Verbandes deutscher Arbeits- nachweise zu beeinträchtigen.->- Urlaub und Entlassung. Vor dem Gewerbegericht klagte gestern Fräulein Adamheit gegen die Firma Pathe Freies wegen kündigungsloser Entlassung. Tie Klägerin hatte vom 24. Juli bis 3. August Urlaub, wünschte aber einen Nachurlaub bis 10. August, und trat deswegen an den Geschäftsführer Hermann heran, der, obwohl er es jetzt bestritt, einverstanden gewesen sei, unter der Bedingung, daß die Klägerin eine zuverlässige Vertretung stelle. Fräulein Adamheit wiederum wollte nur dann den Urlaub verlängert haben, wenn die Witterung günstig ist. Das war nun der Fall. Rechtzeitig setzte sie die Firma und auch ihre Vertreterin in Kenntnis. Letztere kam auch am 4. August anstelle der Klägerin ins Geschäft. Die Firma hatte dagegen nichts einzuwenden und erst vierTage später sagte man ihr,„aus bestimmten Grün- den" würde sie ihr Gehalt von der Firma erhalten und nicht von der Klägerin. Das tat man, wie aus der Verhandlung deutlich wurde, um aus dem angeblich unberechtigten Fernbleiben der Klägerin einen Entlassungsgrund herleiten zu können. Jetzt be- hauptet nun auch der Geschäftsführer, von einem Einverständnis mit dem Nachurlaub könne keine Rede sein. Das Gericht, unter Vorsitz des Magistratrats Schultz, ver- urteilte die Firma mit Recht zur Zahlung des geforderten Monats- gehaktes in Höhe von 60 M. mit dem Hinweis,� daß in der wider- spruchslosen Annahme der Vertreterin der Klägerin ein Einver- ständnis mit dem Nachurlaub zu erblicken war. Die sofortige Entlassung erfolgte demnach zu Unrecht. Kmflurten der Redahtion. Die ItuiftildK e»rea, stunde findet Lindenstraste Kg, dorn»ler Treppe» --- Fahrstuhl—,»oochenlii glich»an*'/i bis Tii Uhr abends, Sonnabend», »»»»Mi bis 6 Uhr abend» ftalt. Jeder fstr den vrieslaften beitimaiten Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen detzufiigea. Brieftiche«newor« wird nicht erteUt. Anfragen, denen keine Abonuemeistsgulttung detgesügt ist. »erb-n nicht beantwortet, ikilige Frage» trage ma» tu der Sprechstunde bor. G. 87. Wismar wurde im Westsälischen Frieden 1K48 an Schweden abgetreten. Im Vertrage von Malmö 1803 sür 1 250 000 Rcichstaler an Mccklenburg-Schwerin verpfändet unter der Bedingung, daß Schweden es nach hundert Jahren gegen Rückzahlung dieser Summe nebst 3 Prozent jährlicher Zinsen wieder zurücknehmen könne. Schweden verzichtete 1903 endgültig aus seine Ansprüche. . Ihre Tochter kann nur sür die ver- einbarte Zeit den abgemachten Lohn beanspruchen. Eine Klage ist beim Gewerbegericht zu erheben.— G. S. 101. Nein.— Peru LI. ES hätten alsdann sämtliche Kinder Anspruch auf das Erbteil.— W. Zt. 99. Ja. ein Versuch ist angebracht.— 21. B. N 10. Eine Klage aus Herausgabe der Sachen ist aussichtsvoll. Zuständig ist das Amtsgericht Gransee. Die Adresse des BczirksführerS erfahren Sie im Bureau des 4. Reichstags- Wahlkreises, Stralauer Platz 10/11.— R St. 117. 1. Nein. 2. In der Regel ja und zwar die zur gesonderten Wirtschaftssührung erforderlichen Sachen. 3. Die Frau kann den Einwand der Verzeihung mit Aussicht aus Erfolg machen.— 1111. Derartige Sachen registrieren wir nicht — Z. Z. SO. Sofern Strasantrag seitens der Frau gestellt ist. kann Be. firasung effolgen.— P. 0». Der Junge muß auch dir Fragen beantworten. — O.it dem Imperator nach New Jork. Lessing. Das Licht scheint in der Finsternis. Rammerspiele. Franziska. Komödieiihaus. Das Paar nach der Mode. StleincS. In Ewigkeit Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Bcrriac. Verliner. Filmzauber. ttöniggraher Strasse. Die süns Franlsurter. Deutsch. S6>auspielhaus. Frau- lein Julie. Deutsches Opernhaus. Eugen Oncgin. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. Schiller O. Chrano b. Bcrgerac. Schiller Charlotteuburg. Die Stützen der Gesellschaft. Dbalia. Puppchen. Theater am Nollcudorfplatz. Die Kino-Köuigin. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. tiasino. Der Aktientenor oder Caruso aus Teilung. Trianon. Der abgerissene Glocken- zug. Untreu. Residenz. Im Ehekäfig. Herrufeld. LicbcSprobc. Schonzeit- Jäger. Wintergarten. Spezialitäten. Ncichshallen. Stclliner Sänger. Anfang Sllt Ubr. Snstspielhaus. 777:j0. Rose. Die Schiffbrüchigen. Luisen. Die Allwördens. Folies Tavricc. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. Das Adoptio- kind. Walhalla. Der LicbeSonkel. Voigt. Wohllätcr der Menschheit. Aniang 8'l, Ubr. Reu es volköthcater. Die Siebzehn- jährigen. Aniang 9 Ubr. Vdmiralsvalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. Sternwarte. Jnvalidenftr. b7— 62 Sehiller-ThealerO.IS: Freitag, abends 8 Uhr: Chrano von Bcrgerac. «-onnabcnd, abends 8 Uhr: Freiwild. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Freiwild. Sonntag, abends 8 Ubr: Cyrnno von Ilergcrac. Sehiiler-fheater c*Xu°T' Freitag, abends 8 Uhr: Die Stützen der(iesellschaft. Sonnabend, abends 8 Ubr: Am Tasc des Gerichts. Sonntag, nachmittags 3 Uhr; Der Pfarrer von Klrchfeld Sonnlag, abends 8 Uhr: Uasemanna Töchter. Berliner Thealer. s uhr: Filmzauber. TbeaterioiierKönjggrStzerStraOe 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Kotnödienhaus. 8 Uhr: Das Paar naeb der Thealer des Weslens. Morgen Sonnabend,?>/, Ubr: veginn der Spielzeit: Z. l. Male: Gräfin Fl«. Ii Fnsenible-Gastspiel lies Berliaer Metropol-Tlieaters: Die Kino-Königin! Anfang 8 Uhr. Montis Operetten-Theater SchiMbauerdamm 4a.(fr. Neues Th.) Abends 8 Uhr: Gastspiel Der lachende Fhcmann. Deotsehes KiiDsllertheater Sozietät Nürnberger StraOe 70/71, am Zoo. 8 Uhr: John Gabriel Uorkmann. Sonnabend 7'/, Uhr: Wilhelm Tcll. Lessing-Theater. Reu einstudiert: Und das Licht scheiuet in der Finsternis... Drama von Leo Tolstoi. Ansang« Uhr. Sonnab., Sonnt., Mont.: Peer ki/et. Sonntagnachmittag: Magdalena. Borvcrkaus an der Theaterkasse von 10—2 Uhr. bei Herrn Tietz und im Jnvalidendank. Große Franksurtcr Str. 132. Täglich 8',. Uhr: vis Sdiiffbrochigen. L Theaterstück in 3 Akten o. Srieux. Gonntagnachm. 3 Uhr: Narla Stuart- l DentschesSchansplelhaas Abends 8 Uhr: Sieben tolle Tage. »ünnilinni-TiiMinru». Im Ehekäfig. (Les Maris en cage.) Schwank in 3 Sitten v. finlony Mars und Maurice Desvallibrs Morg. u. solg. Tage: Im Ehckäftg. Sonntag, 21. Scptb., nachm. 3 Uhr: Ter Schlafwngenkontrollcur. MLOi ischer Garten Tätlich: Jitilitär-ßoppcl-Konzert. Eintrittspreise: Zoo: IM., von 6 Uhr ab 50 Pf. Aquar.: IM.v.d.Straß., 50Pf. v.Zoo Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Aeti! 5fen! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Passage-Papoptikum Der Mann mit der eisernen Faust d.größt. Kraftphän. aller Zeiten lebend zu sehen! Eyon, der Mensch mit dem Gummi-Gesicht. AGA die schweb. Jungfrau. Unddha die geheimnisvolle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! Metropol Theater Abends 8 Uhr. II«« Gr. Ausstattungsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. sreicr Benutzung des iulcs Verna schen Romanes von .JuHus Freund. Musik von Jean Gilbert. �oÄgof Richard Schultz. Karl BaciiDiann. Joseph Giampietro. Guido Ibielsclier. Alfred Sciiuiasow. Leopold Wolf, Ludwig Wolf. Helene Ballot. IdaRusska. J. de Lande. Von 9—1 Uhr: Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. X Kapellen. Neue Welt. Hasenhoido 108/114. Freilag, den 19. September: JÄT" Operctten-Gastsp.-chpg Durchschlagender(iisolg des Metropol-TheaterS. Die Kino-Königin. Operette in 3 Akt. v. Jean Gilbert. Vorverkausbilletts v. 0,50— 1,50 M. bei Loeser u. Wolff, Neulölln, Berlinerstr. 1; Böckmann, Neukölln, Bergstraße Ecke Ziosenstraße, und im Restaurant.Neue Weh". �lns�Sl�U�r�asseneröfsnunH��� Reichsbalien-Thealer Anfang 8 Uhr. » Sonntag nachm. 3 Uhr: Famlllen- ■VoPBtg. mit herrl. Progr. zu ermäßiglPreisen Log. 1 M.. Balkon 75 Ps., llntreo tum dieBillettsteuer zu sparen)»9 Pf._ Inh.: M. Wendt& A. Schütze. 04 Andreasstr. 04. Jeden Sonntag: � Mililär-StreiEhkonzert ausgeführt von der Kapelle d. Garde Pioniere unt Leitung des kgl. Ober- musikrastr. R. Kühle. Hoffmanns Sänger. Jede Woche neues Programm. Anfang des Konzerts O Uhr, der Vorstellung 7 Uhr. Im oberen Saale von 5 Uhr an: Großer BALL- Zirkus Alb. Schumann] Hente Freitag, den 19. Septbr., abds. T1/. Uhr: 1 Wiederholung des üäesen- l»Sg- IS für Berlin vollständig neue Attraktionen."HM Trianon-fheater. abenMubr: UutreU- Lorher: Oer abgerissene Glockenzug. Admiralspalast Elnz. Eispalast der Welt mit prunkvollen Eisballetten. Allabendlich Flirt in St. Moritz. Beginn d. Vorstellung'/z9 Uhr. Bis 6 Uhr und von lO®/, Uhr halbe Kassenpreise. CasinosTheater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Giuzig. iBarietätheat. I.Ranges. Neu! der phänomenale Jules Cheroy. Magcagno Truppe. Der rote Domino. Der Aktien-Tenor oder Carnao anf Teilung. Sonntag, den 21., nachm. 4 Uhr: Ein toller Ehemann. B— Berliner cmor-ftBortett W.WntlkyM' Zirkus Busch. Heute Freitag, 19.«eptember, abends 8 Uhr: B. Welse"» dressierte Bären zeigen eine Arbeit, wie sie bisher niemals auch nur annähernd in gleicher Weise vorgeführt worden iit.(Völlig selbständiges Tandem- sahren, Rollichuhlausen, Akrobatik uiw. usw.) Ferner das grolle Gala-Programm. Kapt. Wall mit s. Alligatoren. Itrlant(Mensch oder Puppe?) sow. Austr. aller gr. Attraktionen. Felles Gaprice. Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt Anfang «-/. Uhr' Voigt- Theater Badstrafte 38. Freitag, den 19. September 1913: Wohltäter der Menschheit. Schauspiel in 3 Akt. v. Felix Philippi. Kasseneröfsnung 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. .vderbergerLtrLe Litz7- park Am Bahnhos Friedrichstraße. Grollt. ToIUsschan Berlins 50 Schaugeschätte 50 HöhDS Gr. Hippodru-Nolilesse und 10 Attraktionen. Geöffnet: täglich nachm. 4 Uhr Sonn- und Feiertage nachm. 3 Uhr bis 11 Uhr abends. Eintritt frei."MI Vereinigte Berliner Volksbühnen. Eolscn-Thcatcr. 8'/, Uhr: Die Allwördens. Sonnabend: Die Intrigantin. Sonntag 3 Ubr: Die Allwördens. , abend 8'/«: Die falsche Hoheit. Walhalla-Theater. Täglich 8'/, Uhr: Der Lilcbesonhcl. Posse m. Gesang u. Tanz in 3 Akten. Sonntag 3 Uhr: Die gelbe Gefahr. Heute in allen vier Theatern Premiere Annerdein In allen vier Tbealern eine Ueberinile der rcnommlerteaten nrtlali- »clicn n. klnematograpblich. 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Zentrum: Albert H a H n i s ch, Ackerstr. 174. am Koppenplatz. L. Wahlkreis:\V.: Gust. Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hochparterre. L. und SW.: Hermann Werner. Gneisenaustr. 72. 3. Wahlkreis: L>t. Fritz. Brinzenstr. 31, Hos rechts Part. 1. Wahlkreis: Osten: Robert Weng eis, Gr. Franlsurterstr. 120. — Richard H a ck e I b u s ch, PeterSburgerplatz 4(Laden). 4l. Wahlkreis. Südosten: Paul Böhm, Laulitzerolatz 14/15. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanueltirchstr. 12(Hos). «.Wahlkreis(Boablt): Salomou Joseph, Wilhelmshaven« straste 48. Wedding: I. H ö n i s ch, Müllerstr. 34a Ecke Utrechter Str., Laden, Bosenthaler und Oranienburger Vorstadt; 21. Wolgast. Wattstraste 9. Gcsnndbrnnncn: Fischer, Bastianstr. 6, Laden. bicliönhanscr Vorstadt: Karl Mars, Greisenhagener Str. 22. A dlershof: Karl Schwarzlose, Bismarckstr. 50. Alt-Glienicke: Wilhelm D ü er e. KäpeNickerstr. S. Banmsehnlenweg: H. Hornig, Marientbalerstr. 13, L Bernau, Ilöntgcntal. Zepernick, 8cbönow, Sichön» brück und Buch: Heinrich B r o i e, Mühlenstr. 5, Laden. Bohnsdorf, Fnlkenberg und Falkenhorst: Paul G e n s ch, BobuSdorj, Genossenlchaftshaus.Paradies'. Oharlottcnbnrg: Gustav«iocharnberg, Selenheimerstraste 1 Elchwaldc, iüchmöckwlts: OSkar Mahle, Siubenrauchstr. 99. Erkner, Aen-Zlttan: Em il I w a n g, Scharnwebcrstr. 10. Frcdersdorf-Pctcrsliagen, Eggersdorf: S. H ö s e l b a r l h, Pelcrshagcn._.. Friedenau, Steglitz, Südende, Grell- I.lchtcrfelde, Lankwitz: H. B e r n s e e, 2llsenstr. 5 in Sieglitz. Friedrichshagen, Fichtenau, Rahnsdorf, Schönclche, KI.-Schönebeck: Ernst Wertmann, Frtedrichshage», Köpe. nickcr Straste 18. Grünnn: Franz Klein, Fricdrichstr. 10. jlobannlsthal, Rudow: Max Gonschur, Parkstr. 8. Karlshorst: Richard K ü t er, Rödelltr. 9, 17. Königs- Wnsterhansen, Wildau: Friedrich B a U m a N N, BaHnHassir. 8. Köpenick: Emil W i stier, Kiehersir. S, Laden. Elcktcnbcrg, Fricdrichsfclde, Hohenschönhansen: Cllo Seilei, Warteiibergstraste 1(Laden). Rnhlsdorf, Kanlsdorf, Ricsdorl: P. Hestberg, KaulS« dorf, Ferdinandstraste 17. M nriendorf: August Leip, Ehausteestr. S9S. Hos. Marlenfelde: Emil W e i n e r t, Berliner Str. 114 IL Kcncnhagen, Hoppegartcn: Gustav L e y, Wolterskaste. Acnkölln: M. Heinrich, Neckarstt. 2, im Laden! Neulölln, Britz: Rohr, Siegsriedskaste 28/29. Nleder-Eehme: Karl Freitag. Mcder-Schöncweide: Wilhelm Unruh, vrückenftr. 10, IL X ownwes: Wilhelm Joppe, Lutherstr. 2. Ober-Schöncweide: Aisred Bader, Wilhelminenhosstr. 17, Laden. Fnnkow, h'lederschönhansen, Aordend, Frs.-Bnch» holz, Rlankenbnrg: R i st m a n n, Mühlcnftr. 30. Reinickendorf- Ost, Wllhelmsrnh und Schönholz: P. G u r s ch, Provinzstr. 56, Laden. Rnnimelshnz-g, Boxhngcn, Stralau: 21. Rosenkranz. 2llt- Boxbagen 5ö. Schenkendorf b. Königs-WustcrHauscn: Ehr. H a n t s ch k e, Dorsstr. 10 Schöneherg: Wilhelm 25 äu ml er, Marlin Lutherstr. 69, im Laden. Spandau, Nonnendamm, Staaken, Seegefeld und Fnlkcnhagen: K ö p p e n, Breitestr. 64. Tegel, Rorslgwuldc, Wittenau, Waidmannslast, flcrmsdorf. Rohen- Aencndorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Reinickendorf- West: Paul Kiena sl, Borsigwalde, Räuichstrast« 10. Teltow: Wilhelm Bonow, Tellow, Berliner Str. 16. Tcmpclhof: Job. K r o h n, Borussiastr. 62. Treptow: Rob. Gramen-z, �ejholzstraste 412, Laden. Welllensee, Reinersdorf: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105, Part. Wlln>ersdorf, Ralensee, Schmargendorf: Paul Schubert, WiHelmsaue 27. Zeuthen, Riersdorkc Ernst H ü t t i g, Zeuthen, Miersdorfer Str. 14. Sämtliche Partelliteratur sowie alle wissenschastlichen Werte werden geiiesert. Tod li. Reichal's Wanzen- Fluid„Radikal" tDtct die Wanzen auf SetSteU» u. Ist absolut nicht steckend. 5fl. 5« Pl. 1,«,» Liierst. 5. 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Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 20. September, nach- mittags 3'/, Uhr, von der halle des Zentral-FnedhoseZ in Friedrichs- selde au« statt. 208/18 Um rege Beteiligung ersucht Dei» Vorntzriiil. Verhand der Buch- und Steindruckerei- Blüsarheiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaliung Berlin. Am 15. September verstarb plötzlich unser Mitglied Otto Iden im Alter von 36 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 20. September, nachmittags 31/, Uhr, aus dem städtischen Zentral- Friedhos in Friedrichsseloe statt. 28/10 Die Ortsrarwltiing. Todes-Anzeige. Am 17. September, vormittag« 9 Uhr, starb nach längerem Leiden mein inniggeliebter Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Nestau- rateur psul Tluelnisrm im 87. Lebensjahre. Dies zeigen schmcrzersiillt an Ann» Thielmann geb. Fechner nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. d. M., nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle der St. Hedwigs- und Pius- Gemeinde in Berlin-Hohenschön- Hausen, Berliner Straße 31/32, aus statt. 93a Sozialdemokratischer Wahlverein l.d. 4. Berlin. Reichstagswahlkreis Landsberger Viertel. Bezirk 399 I. De» Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Gastwirt Paul Thielmann Landsberger Allee 41 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. September, nachmittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Pius- Kirchhofes in Hohen-Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Arbeiter-Athietenbund Ceutschl, 4. Kreis. Am Montag, den 15. Sep- tember d. I. verstarb unser Mit- glied Hans Borsdorf (Verein»Hand in Hand'). Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Freitag, den 19. d. M., um 3 Uhr, aus dem Lutsen-Kirchhos, West- end. Fürstenbrunner, Weg statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Ringsportvolsin Hand in Hand Moabit 06. Am Montag verschied nach kurzen Leiden unser eifrigster und be- liebtester SportSkollcge 2301b Hans Borsdorf. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 19. 9. 1913, aus dem Luisen- Kirchhos, Westend, Fllrstinbninner Weg, statt. Ter Vorstand. Danksagung. Sagen hiermit allen Bekannten und Kollegen sllr die Teilnahme an der Beerdigung meines lieben Manne«. unseres guten Vaters 87A Karl Haas© unseren besten Dank.__ Witwe Ernestine Haast und Sohne. Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 4. ßerl. Eeiohstagswahlkreis. Köpenicker Viertel. Bezirk 195 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Möbel- Polterer Gustav Burke Görlitzer Str. 70, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. September, nachm. 4 Uhr, von der Halle des Emmaus- Kirchhofes, Hermann- slrafie, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ber Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Verli«. Den Milgiiedcrn zur Nachricht, daß unser Kollege, der Möbct- Polierer 89/2 Gustav Burke Görlitzer Str. 70, Im Alter von 15 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. September, nachmittags 1 Uhr, von der Halle des EmmauS-Kirchhoscs in Neu- kölln. Hermannstraße, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi unser Kollege, der Möbel- Polierer Albert Münster Gubener Str. 15, im Alter von 57 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 19. September, nach- mittag 3 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwallung. Sozialdemokrat. Rreisvahiverein Riederbarnim. Bezirk Lichtenberg(Gruppe 54). Am Miitwochnachmittag verschied unser Mitglied, der Gastwirt Nennaim Morr Neue Bahnhosstr. 28 im Alter von 63 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 20. September, nach- mittag« 3 Uhr, von der Leichen- Halle de« Gemeinde-FriedhoseS Löckstrafie aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Bezirktleitung. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Lichtenberg. Den Kollegen die traurige Nachricht, daß unser Mitglied Hermann Morr im 63. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am " Uhr von tenberger ummel«. burger«Iräfie, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/20 Die Ortsverwaltung Verbandd.Gemeinde-u.Staatsarb. Filiale VJroß-Berlln. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Guttlieb Kienitz welcher im städtischen Steindepot Treptow beschäftigt war, ver- storven ist. Wir werden ihm«in ehrende« Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Sonnabend, den 20. September, nachmittag«'/,5 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirch- böses in Neukölln, Hermann- straste au« statt. 35/8 Die Drteverwaltung. Verband d. Brauerei- u.Nlihien- arbeiter o.verw.Bernlsgenossen. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi am 7. September d. I. der Kollege, Stallmann Otto Koppiscb nach langen, schweren Lewe» an der ProletarierkrankheU ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! 44/5 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metaiiarbelter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dafi unser Mitglied, der Dreher Emil Vogt Gotzkowskhstr. 4, am 16. d. M. an HaiSIeiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des alten Thomas-Kirchhoses, Z!eu- löll», Hermannstrafie. aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Maschinenschlosser Paul Wagner. Die Beerdigung findet am Frei- lag, den 19. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle de« Gemeinde-FriedhoseS in Ober-Schöneweide, au« statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwarlet 126/6 Die Drtsverwzliung. Deutscher Iransportarheiter- Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi unser Kollege, der Arbeiter dulius Szuk�s am 15. d. Mts. im Aller von 48 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Di- Beerdigung findet am Freitag, den 19. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle de« Simeon- Friedhofes, Britz, Ru- dower Slrafie, aus statt. 68/4 Die Bezirksverwaltung. Tanksaguna. Für die Vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS und Bruders Paul Menzel sagen wir allen, insbesondere dem Verband der Steinsetzer u. Pflasterer Deutschlands, unseren innigsten Dank. Ww. Auguste Menzel. R. Büttner. Danksagfniig-. Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Mannes.4ss per Kampf nicht abgebrochen werden dürfe. Achtung, GastwirtSgchilfen. Auf vielseitige Anfragen betreffs der Differenzen im Schuliheiß-Spezialausschank fJnh. H. Sander), Ska- litzerstr. 39, ist mitzuteilen, daß die Differenzen fortbestehen. Herr Sander beharrt auf seinein Herrn-im-Hause-Standpunkt und ver- zichtet auf Organisierte in seinem Betriebe. Der Betrieb ist für organisierte Gehilfen gesperrt. Die dortigen Kellner sind nicht organisiert. Verband der Ga st Wirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin. Ter Streik bei der„Paragon-Kassenblock" A.-G. Der Kampf um das Koalitionsrecht der in obiger Firma Be- schäftigten dauert unverändert fort; alle Verhandlungsversuche Zeitung" das Rätsel dies Wettbewerbsergebnisscs zu lösen versucht; er meinte, daß zwar die meisten der Wettbewerbler, aber nur nicht die Juroren den Sinn des Preisausschreibens begriffen hätten. Man kann auch noch einer anderen Meinung sein. Unter den Richtern saß Peter Behrens, ein Künstler. Nach dem ge- wältigen Erfolg seines Petersburger Hauses hatte er steihändig den Austrag bekommen, nun auch in Washington zu bauen. Her- nach kamen die bekannten unverantwortlichen Instanzen, es kamen allerlei Schiebungen und mit diesen der Wettbewerb. Es wäre nicht unwitzig, wenn der Künstler sich gerächt hätte, wenn er die schwächlichste d«r offiziellen Schleimblasen an die Oberfläche hätte tauchen lassen. Der Witz wäre gut, aber grausam. Im übrigen, wozu braucht solch ein Botschaftshaus die Kom- pliziertheit eines Thronsaales; solch byzantinisches Theater wird schwerlich dazu dienen, uns größeren Respekt zu gewinnen, be- sonders in Amerika. Ein Thronsaal tuts freilich nicht, wohl aber das charaktervolle Werk eines aufrechten Mannes. Der Reichstag, der ja die Bauraten zu bewilligen hat, wird dafür Sorge zu tragen haben, daß der Fehler dieses Preisgerichtes wieder wettgemacht wird. rbr. Wie ei» Dichter sein muß. Im Tagebuch der Zeitschrift„Heim" garteu", fEerlag Leykam, Graz) schreibt Peter Stosegger:„Ein Dichter kann nicht dumm genug sein," sagte ich im Gespräch einmal, worauf jemand rasch erwiderte:„Sie sind ein großer Dichter!" Indessen ist es mein Ernst, das viele Denken zerstreut die Phantasie und die soll doch beim Dichter wichtiger fein als das Denken. Ferner meine ich. daß� es für die Einfachheit und Leicht- Verständlichkeit des Stiles nicht günstig ist, wenn einer zu viel weiß, wenn sich zu viele Gedanken in die Feder drängen, die alle auf ein- mal aufs Papier wollen. Ich glaube fast, daß der Begriffsstutzige eine klarere Schreibweise hat, als der Leichtfassende, der lomplizierte Geist. Dieser macht zu gern auch seine Sätze kompliziert, während jener nach eigenem Maßstabe immer mit Lesern rechnet, denen man alles deutlich, womöglich bildlich und beispielmäßig sagen muß, wenn sie es fassen sollen. Nun, dumm genug zum Dichter wäre mancher, gber eS fehlt ihm leider wieder waS anderes. Und Goethe? Man muß doch nicht allemal an Goethe denken, wenn man von unseren Dichtern spricht. Theater. Komö dienhauS:„Das Paar nach der Mode", Lustspiel von RaolAuernheimer. In dem verkrachten Hause des Herrn Lothar, der dritten Bühne, die Meinhard und Bernauer, die Direktoren des Berliner- und Hebbel-TheaterS, jetzt übernommen haben, wurde am DienStag die Saison mit einer anspruchslosen, aber witzig munteren Plauderkomödie des Wieners Raol Auern- heimer eröffnet. Der Autor, der mst pariserisch pariüinierten Ein« akter-Dialogen von etwas snobistischer Talmieleganz debütierte, gibt sich in dem satirischen Geplänkel dieser neuen Szenen viel zwanglos- freier. Man hat den Eindruck behaglichen Sichgehenlassens. bei dem wurden seitens der Direktion abgelehnt. Die Haltung der Streikenden ist, obgleich der Ausstand schon zwei Wochen dauert und hauptsächlich Nichtorganisierte Personen in Frage kommen, sehr gut zu nennen. Die Firma hat sich, um Ersatz für die Ausständigen zu erhalten, mit den Arbeitswilligenvermitllern K e i l i n g, Stralsunder Straße 43, Seitenflügel II, und Adolf Koch, Berlin-Niederschön- hausen, Kaiscr-Wilhelm-Str. 65, in Verbindung gesetzt. Am Mitt- woch früh zogen dieselbe», mit Revolvern und Knüppeln bewaffnet, mit 22 der„nützlichen Elemente" in den Betrieb ein, um die Plätze der Streikenden zu besetzen. Daß dieses aber nicht durch jeden Arbeitswilligen möglich ist, die Verhältnisse bei der Firma aber auch nicht die besten sind, beweist der Umstand, daß von den 22 ein großer Teil am Donnerstag ebenfalls seine Beschäftigung nicht wieder antrat. Einen uns übermittelten Engagementszettel des Arbeitswilligenvermittlers Adolf Koch wollen wir unseren Lesern noch zur Kenntnis bringen: Arbeits-Zettel. Zwischen den Arbeitgeber Paragon Kassablock A.-G. in Vertr. Adolf Koch, und den Arbeitnehmer........... Setzer, wurde vereinbart Fester Wochenlohn von 28,— Mark. Lohnzahlung Sonnabend. Arbeitszeit von VzL Uhr bis 6 Uhr, Sonnabend bis Mittag. Die Kündigung ist eine Ltägige. Bemerkungen. Außer den obigen Lohnsatz erhält jeder Arbeitnehmer eine Gratifikation von 4 Mark pro Woche, wenn derselbe bis zur Be» endigung des Streiks im Arbeitsverhältnis verbleibt, und gelangt diese dann durch Herrn Koch zur Auszahlung. Jedem der Unterzeichneten wurde ein Exemplar ausgehändigt. Berlin, den 17. September 1913. Adolf Koch. Berlin- Nicderschönhausen Kaiser-Wilhelmstr. 65. Die Streikenden berlaffen sich aus die Solidarität der übrigen Arbeiterschaft und erwarten, daß Arbeitsangebote der Firma „Paragon-Kassenblock" A.-G. oder deren Vermittler zurückgewiesen werden. * Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend teilt uns mit, daß sie noch nie von der Firma„Paragon" Kasienblock-A.-G. in Oberschöneweide etwas bezogen hat und daß sie, sofern sie mit neuen Firmen in geschäftliche Verbindung tritt, bei den gewerkschaft- lichcn Organisationen sich erkundigt, ob die Lohn« und Arbeits- bedingungen als geregelt betrachtet werden können. Verneint die Gewerkschaft dieses, so werden die Offerten dieser Firmen nicht be- rücksichtigt._ Zum Streik der Stettiner Hafenarbeiter. Am Mittwochabend wurden über 550 Streikende gezählt. Der Magistrat sucht in Stettiner Blättern Streikbrecher. Er verspricht ihnen genügenden Schutz, selbstverständlich auch guten Lohn. Mitt- woch brachte die Feuerwehr mit ihren AutoS Betten, Strohsäcke, Tische und Stühle sowie Decken, damit die Hintzebrüder, die man sehnlichst erwartet, auch alles nach ihre» Wünichen vorfinden. Daß für Bier, Schnaps. Zigarren und Zigaretten sowie für des Leibe» Notdurft und Nahrung aufs beste gesorgt ist, versteht sich am Rande. Wenn die Arbeiter� eine Ausbesserung ihrer prekären Lage "verlangen, dann ijT ef' unerhört wenn man aber diesen Raus- reißcrn neben doppeltem Lohn noch allerhand Benesizien gewährt, so ist dies selbstverständlich und entspricht durchaus dem Standpunkt der pommerschen Scharfmacher, die in dem Magistrat nur den Ausschutz zur Wahrung ihrer Profitinterefsen erblicken. Man vergegenwärtige sich: Es wird behauptet, daß der diesjährige Etat mit einem Defizit von 600 000 M. abschließen wird. Die Unter- nehmer haben schon angelündiat. daß eine Verbilligung der Hafengebühren in ihrem Interesse absolut notwendig sei. Wenn man dann noch sieht, daß Tausendc und Abertausende Marl auf- gewendet werden muffen, nur damit die Arbeiter keine Aufbesserung erhalten dürsen, so kann mit Fug und Recht behauptet werden, daß hier mit den Mitteln der Allgemeinheit nicht richtig HauS gehalten wird. Der Standpunkt des Herrn-im-Hause wird dem Magistrat und seinen Auftraggebern noch recht unangenehm werden, denn die Hoffnung, die das offizielle Nachrichtenbureau im Rathaus sich eine Fülle mokanter Einfälle wie ungerufen einstellt. Keine ge- schniegelte Pose stört die vergnügte Laune. Und da sie lustig sind, nimmt man auch Uebertreibungen und Unglaubwiirdigkeiten gern mit in Kauf. Sintemal die Prätention, etwas wie ein wirklich charakte- ristisches Zeitbild zu entwerfen(worauf der Titel deuten könnte) vom Verfasser gar nicht erhoben wird. Er spielt nur mit dem Gegen- stand und täuscht nur eine Handlung vor, so weit er ihrer für dies Spiel bedarf. Das Wiener Millionärstöchterchen, das einen wahlverwandten jungen Mann mit seiner Hand beglückt hat, beeifert sich, zum Schrecken der korrelten Verwandtschaft, die Halbweltdamen, in denen sie ihr Ideal von Chick sieht, an Ungeniertheit möglichst noch zu übertrumpfen. Und wenn sie ihren Angetrauten im Grund auch lieb hat, meint sie es ihrem Prestige schuldig zu sein, derartige alt- modische Empfindungen, die einen Ehebruch bedauerlich erschweren, zum mindesten hinter den Anschein eines solchen zu verstecken. Und auch der Herr Gemahl hat analoge Ehrenpunkte. Ein Wettkampf, der, ergötzlich persifliert, mit der Abrede endet, daß sie am Tage, an welchem die verlangte Scheidung vom Gericht ausgesprochen wird, sich als Verhältnis etablieren und durch eine gemeinsame Lustflugfahrt ihren Bekannten ein sensationelles AergerniS bereiten wollen. Gespielt tvurde iin ganzen recht flott, nur aus der Figur des alten Onlel Adolf hätte sich bedeutend mehr herausholen lasten. Otto Gebühr, der brillante Doktor Jura aus dem Bahrschen „Konzert", lancierte die Verrücktheiten des Ehemannes mit ver- blüffend drolligem Effekt, Ludmilla Hell als göhrenhast ver- zogenes Modepüppchen mit der prickelnden Lust, die Leute vor den Kopf zu stoßen, war eine ebenbürtige Partnerin. In den Nebenrollen der Tante aus der alten guten Zeit und des elegisch gestimmten Hausfreundes exzellierten Frau Frida Richard und der vorzüg- lich wienerische Herr E u g e n B u r g. dt. Humor und Satire. Je nachdem. Der große König Konstantin, Er sei gelobt, gebenedeit— Für heute und für alle Zeit— In Ewigkeit und fernerhin. Er ist der allergrößte Mann. Weil er daraus kein Hehl nicht macht, Das was ihn auf die Höh' gebracht-- Die Preußen, die sind schuld daran. Herrgott wie sind wir erzbeglückt, Der Griechenkönig lebe hoch! Wie Bismarck und viel höher noch. Er sei bis nach Wallhall entrückt! Doch das steht fest auf Wort und Ehr— Hätt er im Falle sich erstecht Und spräche von den Preußen schlecht,. Daß er das dümmste Lud« wärt F, 3. in der bürgerlichen Presse verbreitet, in zwei bis drei Tagen alles zu beheben, wird sich als trügerisch erweisen. AuS den Reihen der Arbeiter werden sich keine finden, die dem Magistrat zu Willen sein werden. Dafür sorgt schon der fürstliche Lohn von 3,2S M., den man den Hafenarbeitern zahlt, sogar Löhne von 2,90 M. sind in einigen Betrieben zu verzeichnen. Die Streikenden hielten Mittwochabend zwei Versammlungen ab. Sie beschlossen, die Arbeit nicht eher aufzunehmen, als bis der Magistrat den berechtigten Wünschen der städtischen Arbeiter Rech- nung getragen hat. Nicht die Lust zum Streiken habe sie in den Kampf getrieben, sondern Not und Elend und die unerhörte Zu- mutung, sie sollten ihre Frauen und Kinder mitarbeiten lassen, wenn ihr Lohn nicht ausreiche. Weiter habe die rigorose BeHand- lung der Arbeitervertreter dem Fast den Boden ausgeschlagen. In der anderen Versammlung der städtischen Arbeiter(die nicht Hafen- arbeiter sind und daher vom Streik nicht berührt werden) wurde den städtischen Körperschaften die schärfste Mißbilligung ausgesprochen. Die Versammelten versprachen den streikenden Hafenarbeitern volle Sympathie, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Sie werden jede Streikarbeit verweigern. Die Verantwortung trage der Magistrat, weil er den Weisungen der Scharfmacher gefolgt sei. Es wird aber doch erwartet, daß der Magistrat einsichtig genug ist, weiteres zu verhüten. Bleibt der Zuzug von Arbeitswilligen fern, so wird der Streik erfolgreich für die städtischen Hafenarbeiter enden._ Dcutldies Reich. Lohnbewegung der Schneider in Swrnemünde. Die Schneider in Swinemünde planen, in eine Lohnbewegung einzutreten, um auch mit den Swinemünder Schneidermeistern Tarife abzuschließen. Die Unternehmer haben hiervon schon Wind bekommen und suchen deswegen in auswärtigen Zeitungen Gehilfen. Alle organisierten Schneider werden gebeten, in Swinemünde keine Beschäftigung anzunehmen.__ Mit der Aktien-Malzfabrik in EtgerSleben besteht seit zwei Jahren ein Tarifvertrag, der am 1. Oktober 1913 endet. Von den dort beschäftigten Arbeitern wurde versucht, den Vertrag mit einigen Verbesserungen zu verlängern. Die Firma hat jedoch den Arbeitern mitgeteilt, daß der Vertrag ohne jegliche Aenderung auf zwei Jabre verlängert werden soll; wer damit nicht einverstanden sei, dem würde gekündigt. Dem Organisations- Vertreter, der bei der Firma vorstellig wurde, erklärte man, daß es keine Verbesserung der Arbeitsbedingungen gebe. Die Firma hat nunmehr sämtlichen Ar- beitern gekündigt.— Zuzug von Arbeitern ist streng fern- zuhalten._ Ein gelber Berbandssekretär wegen Beleidigung eines Sozialdemokraten verurteilt. ES geschehen doch noch Zeichen und Wunder. In Walden- bürg i. Schl., wo die gelben rerchstrcuen Sekretäre mit aller Gewalt dem Sozialdemokraten Sachse das Mandat entreißen wollen, ist die KampfeSwcise dieser Leute selbst den Richtern zu dumm geworden. Der gelbe Verbandssekretär F i ch t n c r, ein Mann, der m Berlin bei der Lebiusgarde eine böse Rolle gespielt hat,.arbeitet" seit den letzten Jahren in seiner Art in Schlesien. In seiner Abwehr gegen seine Kampfesweise nannte die.Schlesische Bcrgwacht", unser dortiges Parteiblatt, den Fichtner einmal einen Gemütsathleten. Sofort ging der Gelbe zum Richter und verklagte den verantwortlichen Redakteur L u s ch e r von der.Berg- wacht" wegen Beleidigung. Er erreichte auch, daß der Aus- druck.Gemütsathlet" mit ausgerechnet 225 M. Strafe taxiert wurde. Luscher suchte aber aus der Fülle des gelben Schimpflexikons die Bezeichnung:.Redakteur eines hiesigen SkandalblättchenS"(.Berg- wacht") heraus und strengte Widerklage an. Vor dem Schöffen- gericht wurde Fichtner von der Anklage der Beleidigung unseres Genossen glatt freigesprochen. L. legte Berufung ein. und nun mußte selbst die Strafkammer zugeben, daß sich F. mit den obengenannten Worten in.verächtlicher und wegwerfender Weise" über die.Bergwacht" und ihre Redakteure habe äußern wollen. Die Absicht der Beleidigung sei klar erkennbar. Die Strafe lautete auf 26 M. und Tragung der Kosten. Wenig zwar, aber immerhin etwas, wenn man bedenkt, daß früher dasselbe Ge- richt dieselben Ausdrücke, die ein anderer Redakteur des sozial- demokratischen Blattes auf sich bezog, nicht als Beleidigung gelten ließ. Dieser Fichtner wurde gleich darauf von denselben Richtern noch einmal wegen einer Beleidigung verknackt. Er hatte in einem Schreiben an eine Grubenverwaltung einen eben zum Aufseher avancierten Hauer als sozialdemokratischen Spitzel denunziert und sich in diesem Schreiben bitter darüber beklagt, daß die reich?« treuen Bergarbeiter benachteiligt würden gegenüber solchen ver« kappten Sozialdemokraten, die nur im Interesse der Partei als Aufseher ihr Spitzelwesen treiben würden. Der also als»Sozial- demokrat" verdächtigte Aufseher strengte Klage an und der gelbe Notizen. -—Theaterchronik. Im Deutschen Schauspiel« hause wird in Abänderung des Spielplan« am Sonnabend« und Sonntagabend Sudermanns„Der gute Ruf" gegeben. Sonntag« nachmittag 3'/« Uhr gelangt zu ermäßigten Preisen.Der Dieb' von Henri Bernstein zur Aufführung.— Ida Orloff ist aus dem Verbände des Wiener BurgtheaterS entlassen worden, weil sie, einer Vorschrift der Burgtheaterleitung entgegen, Filmarbeit geleistet und außerdem das Oberhaupt des BurgtheaterS durch eine kritische Be- merkung beleidigt hat. Es heißt, sie habe einen Vorwand gesucht. um vom Burgtheater loszukommen. Sie fühlte sich nicht nach Wunsch beschäftigt.— Die erste Aufführung von Goethes.Torquato Talso" in der Inszenierung von Max Reinhardt findet Ende nächster Woche im Deutschen Theater statt. Das Werk ge- langte seit 4 Jahren an keiner Berliner Bühne zur Darstellung.— Josef Schildkraut, der Sohn des bekannten Schauspielers Rudolf Schildkraut ist, nachdem er Max Reinhardt vorgesprochen hatte, sofort auf 6 Jahre für das Deutsche Theater verpflichtet worden. Er ist erst 17 Jahre alt. — K U n st ch r o n i k. Die nächste � Nummer der Zeitschrift .Licht und Schatten"(Nr. 61) erscheint als Sondernummer sür den Königsberger Graphiker Heinrich Wolf f. Sie enthält acht bemerkenswerte Blätter dieses Künstlers. — Freie Hochschule Berlin. DaS neue Programm ist soeben erschienen. Es zeigt 123 Vorlesungsreihen au§ allen Gebieten von Wissenschaft und Kunst an. Die Kurse finden zumeist in den Abendstunden von 3—10 Uhr statt und sind jedermann zugänglich. Die Vorlesungen beginnen am 3. Oktober. — Arno Holz' Sonne nfin st ernis, das zweite der Dramen aus dem Zyklus Berlin, wurde von Leopold Jeßner am Hamburger Thalia-Theater eindrucksvoll aufgeführt. Karl Müller- Rastatt sagt, das Werk sei keine Mustcrtragödre in eigentlichem Sinn geworden, wohl aber ein Muster dafür, was der konsequente Naturalismus auf dem Gebiet des großen Drama? zu leisten im- stände ist, wenn ein Dichter ihn handhabt. — Radium fu>rd in Deutschland. Bei Oberwiesenthal und Niederschlag im sächsischen Erzgebirge wurde das Vorkommen von Uranpcchblende, dem Rohmaterial zur Gewinnung von Radium, festgestellt. Man hat das Mineral schon früher in einem seit Jahr« zehnten nicht mehr abgebauten Schachte gefunden. — Der Tanz als Schädiger der Landwirtschaft. Der Gemeindevorsteher eines Dorfes in den Pyrenäen hat folgende Verfügung erlassen:.Da die jungen Leute der Gemeinde sich jeden Sonntagabend zusammentun und tanzen und der Lärm, den sie dabei machen, die Hähne, Hühner und andere Tiere des Dorfes erschreckt, wodurch eine Schädigung der Landwirtschaft entsteht, ver- bieten und untersagen wir hiermit das Tanzen innerhalb der Gcmeindegrenzen während aller der Stunde», in denen die HauS tiere ihre Ruhe halten. Kampfhahn Fichtner wurde zu 30 M. Strafe verurteilt. Auf seinen Einwurf, daß er als reichstreuer Arheitersekretär die Interessen seiner gelben Mitglieder gewahrt habe, antwortete ihm der Richter trocken, daß das nicht zu erkennen sei; im Gegenteil, er habe die Interessen der Gruben- Verwaltung wahren wollen, und—.die gingen ihn nichts an". Jetzt muß der gelbe Mann in seinem eigenen Blättchen .Feierabend" das Urteil gegen sich publizieren. Die„Mcistertrcncn". Der.Deutsche Fleischergesellenbund" hielt seinen zweiten Bundestag vom 14. bis 17. September in Leipzig ab. Ter Bundes- tag ist eine Schaustellung, die Gesellen sollen sich beim Essen, Trinken, Tanzen und Ausflügen über ihre schlechte Lage hinweg- täuschen. Außer den„Delegierten" waren auch eine erhebliche Anzahl Fleischermeister als„Ehrengäste" anwesend, die die Aufgabe haben, streng darauf zu achten, daß ja nichts geschieht, was nicht im Interesse der Meister ist. Die Fleischermcister verlangen für die geleistete Unterstützung unbedingte Unterwerfung. Die Vertreter der Handwerkskammer, der Jlrnungen sowie des Arbeitgeberschutzverbandes erklärten, daß sie mit den Arbeiten des Bundes zufrieden seien und daß, wenn er so weiter arbeite, auch weitere Unterstützungen folgen würden. Treue zu.Kaiser und Reich sowie zur Meisterschaft soll die vornehmste Aufgabe der Ge- sellen sein; das letztere ist die Hauptsache. An die Verbesicrungcn der Lohn- und Arbeitsbedingungen zu denken ist nach Ansicht der vertretenen Meister sozialdemokratisch, also eines nationalen Gesellen unwürdig. Nach dem Bericht des Vorstandes soll die Mitgliederzahl auf 7000 gestiegen sein.(?) Dir Herren haben wohl vergessen, daß der Bericht des Förderungsausschusses der gelben Arbeitervereine Deutschlands nur 6900 Mitglieder angibt, was nie widerrufen ist. Wer sagt hier die Unwahrheit? Ferner sei bemerkt, daß nach einer Berechnung des Verbandes der Fleischer im April d. I. die Mitgliederzahl annähernd 2000 betragen kann. Die gelbe Bundesleitung hat diese Berechnung des Zentralverbandes noch nicht widerlegt; sie muß also ungefähr stimmen. Von Erfolgen konnte nichts berichtet werden. Der Berichterstatter schimpfte des- halb auf die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften. DaS wüste Schimpfen und die vielen Vergnügungen, die veranstaltet waren, sollten die Gesellen über die Mißerfolge hinwegtäuschen. Die Versuche der gelben Führer, einige Scheinerfolge zu erzielen, haben die Meister energisch zurückgewiesen. Die Gelben haben nichts (auch nicht zum Schein) zu fordern. Nach dem Bericht des Kassierers beträgt die Einnahme 13 917,98 Mark, die Ausgabe 11 716,34 M. Der Kassenbestand beträgt 2202,64 M. Schamhaft verschweigt der Kassierer, wieviel die Meister im Berichtsjahre gezahlt haben I Die Mitglieder haben das wenigste aufgebracht. Ein besoldeter Bundesagitator erklärte vor kurzem. wenn die Gesellen Beiträge zahlen wollten, so brauchen sie nicht im Bunde zu sein. Bemerkt sei hier noch, daß der Bund an seine Mit- glieder keinerlei Unterstützung zahlt. Den Löwenanteil der Einnahmen verzehren die vier besoldeten Agitatoren. Der Zentralverband der Fleischer zahlte in seiner letzten Geschäflsperiode annähernd 100 000 Mark an seine Mitglieder an Unterstützung. Ferner wurden erheb- liche Summen für Lohnbewegungen und Streiks aufgewandt. Da man die älteren Gesellen nicht mehr so leicht für den Bund einsangen kann, beschloß der Bundestag, in Zukunft mehr die Lehrlinge und ausgelernten Gesellen zu bearbeiten. Zur Le- sonderen Freude der Meister brachte man es fertig, über einen Lehrlingsmangel zu klagen.— Die Glanznummer der Tagung war die Rede eines Oberstleutnants, der vor der„Volks- fürsorge" warnte und für die nationale privatkapitalistische Versicherungsgesellschaft Reklame machte. Der Wunsch eines Delegierten, Tarifverträge mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 76 Stunden abzuschließen, um den Gesellen den guten Willen zu zeigen, wurde ohne Einspruch vom Vorsitzenden des Arbeitgeber- Schutzverbandes als.sozialdemokratische Tendenz" bezeichnet. Hierauf erklärten die„Delegierten", daß die Sache nicht auf den Bundestag gehöre, das sei Sache der Innungen. Da keine Mittel zur Unter- stützung hilfsbedürftiger Mitglieder vorhanden, wurden dieselben auf den nächsten Bundestag vertröstet. Ob in Fleischereien ungelernte Arbeiter, die billiger sind, beschäftigt werden sollen, überließen die handwerkstreuen Gesellen dem Verband der Fleischermeister zur Entscheidung. Wie gewöhnlich, wo Gelbe zusammen kommen, wurde auch hier auf die Sozialdemokratie sowie auf den Zentralverband ge- schimpft, was den anwesenden Meistern natürlich große Freude machte. DaSKleinhandwerk solle erhalten bleiben; nur verriet man nicht, wie das gemacht werden solle. Die größten Schreier für die Erhaltung des KleinhandwerlS waren die G r o ß-Fleischermeister und Wurst- fabrikanten. Die Fleischermeister können an dieser Tagung ihre Freude haben; sie haben ihr Geld nicht schlecht angelegt. Für die Gesellen ist bei der Tagung nichts herausgekommen. Die Entscheidung in allen wichtigen Gesellenftagen hat man den Meistern überlassen. Das ist gelbe Interessenvertretung. Hoffentlich sehen auch die paar Fleischergesellen, die ihnen noch nachlaufen, bald ein. wohin sie von den gelben Agitatoren geführt werden. Nur durch die gewerkschaft- liche Organisation werden bessere Lohn- und ArbettSbedtngungen errungen. Nicht mit den Meistern, sondern gegen die Meister. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Stadtverordneten-Versammlung. 26. Sitzung vom Donnerstag, den 18. September 1913, nachmittag 5 Uhr. Vorsteherstcllvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach 5K Uhr mit einem ehrenden Nachruf für den verstorbenen früheren Stadtv. Gombert(A. L.). Der Ausschutz für die Vorberatnng der Vorlage betr. den Erwerb der Herrschast L a n k e ist gewählt und hat sich konstituiert; die sozialdemokratische Fraktion ist darin durch Basner, Bruns, Heimann, Stadthagen, Dr. Wehl vertreten. Stadtv. Dr. Wcyl(Soz.), der im Ausschuß für d»e Borlage betr. Gewährung einer Beihilfe an die Berliner Mcdl- zinische Gesellschaft zur Errichtung und Unterhaltung des Rudolf-Virchow-Hauses den Vorsitz geführt hat, berichtet über die Ausschußverhandlungen....„. Stach der Vorlage soll der Gesellschaft zum Betriebe des Haukes auf 6 Jahre, vom 1. Oktober 1914 an, jährlich ein Zuschuß von 10 000 M. aus städtischen Mitteln geleistet, außerdem aber der Magistrat ermächtigt werden, nach der Fertigstellung des Baues der Gesellschaft auf ihr Verlangen ein Hypothekendarlehn bis zu 1 Million Mark zu 4 Proz. aus Anleihemitteln zu gewahrem Der Ausschuß hat nach eingehender Prüfung die Vermögcnsverhältnisse der Gesellschaft als günstig anerkannt und die Vorlage schließlich einstimmig mit der Matzgabe angenommen, daß die Bedingung „nach der Fertigstellung des Baues" fallen gelassen wird und daß das Darlehen nach 10 Jahren rückzahlbar sein und aus„geeigneten Mitteln" oder aus einer später aufzunehmenden Anleihe ent nommen werden soll._ Ohne Debatte beschließt die Versammlung nach den Ausschuß- antrügen Der„Internationalen Vereinigung gegen die Tuberkulose", die vom 22.-26. Oktober er. ,n Berlin die 11. Internationale Tuberkulosekonferenz abhält, soll ein offizieller Empfang in den Fe st räumen des Rathauses dargeboten werden. Die Kosten sind auf 12 000 M. veranschlagt. Es wird beantragt, den Empfang durch eine Deputation aus 6 Magistratsmitgliedern und 10 Stadtverordneten vorbereiten zu lassen. �„r Stadtv. Dr. Wetzl(Soz.): Wir haben selbstverständlich gegen die Vorlage als solche nichts einzuwenden; wir begrüßen es, daß einer hochangesehenen Vereinigung besonderes Entgegenkommen seitens der Stadt gezeigt werden soll. Wir nehmen nur Anstoß daran, daß für eine Bewirtung 12 000 M. ausgegeben werden_________ Snieraienteti oerantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck». Verlag: Vorwärt» Buchdruckeret u. Le clagsanftalt Paul Singer Ii. Eo, Berlin sollen. Es sollte doch hier die haushälterische Sparsamkeit walten. die uns bei anderen Gelegenheiten immer empfohlen wird. Es brauchen doch schließlich auch nicht alle Besucher des Kongresses an einer solchen Festlichkeit teilzunehmen, es sollte vielmehr eine Siebung vorgenommen werden. Bei allen solchen Kongressen und Vereinigungen nationaler wie internationaler Art findet sich immer eine gewisse Anzahl von Kongretzbummlern ein, welche ihr Haupt« intercsse auf die dabei zu veranstaltenden Festivitäten konzentrieren. Auch ich bin dafür, daß bei dem Empfang eine gut bürgerliche Küche gewährt wird; aber ist es notwendig, wie es bei früheren Gelegenheiten geschehen ist, französischen Champagner und franzö« fischen Rotwein zu geben? Ich will ja nicht unbedingt die Nach« ahmung des von Nordamerika gegebenen Beispiels empfehlen, wo man die Kongreßteilnehmer mit Selterwasser und Limonade be» wirtet; aber wir werden uns in der Deputation Mühe geben, die beantragte Summe auf ein entsprechendes Maß herabzusetzen. Stadtrat Panofsktz: Die 12 000 M. sind nur verlangt, aber deshalb brauchen sie nicht mit aller Gewalt ausgegeben zu werden. Es stecken in dieser Summe auch die Kosten, welche unseren Krankenhäusern usw. durch den Besuch von Kongreßteilnehmern erwachsen; es wird diesen Herren bei solcher Gelegenheit je nach« dem Tee, ein kleiner Lunch oder dergl. gereicht, und die Ausgaben dafür werden den Anstalten aus diesem Fonds zurückerstattet. Das Mahl im Rathause wird nicht üppiger werden als sonst. Bei der letzten Gelegenheit waren die bewilligten Mittel etwas knapp, und wir sind aus Stadtverordnctenkreisen ersucht worden, in Zu- kunft nicht allzusehr zu sparen. Der geforderte Kredit von 12 000 M. wird bewilligt und die Einsetzung der gemischten Deputation beschlossen. Die Steuerlasse VI! C reicht mit ihren im Realschul. gebäude RigacrStratze 8 befindlichen Amtsräumen nicht mehr aus; sie soll schon im Oktober er. verlegt werden, und zwar einstweilen in eine Mietswohnung von 10 Zimmern im zweiten Stock des Hauses Petersburger Straße 1. Der jährliche Mietspreis soll 3600 M. betragen, der Mietsvertrag zum 1. Oktober 1913 zunächst auf 6 Jahre abgeschlossen werden. Ter Magistrat bittet die Versammlung unterm 12. September die betr. Vorlage als dringlich anzusehen und in der nächsten Sitzung zu er- ledigen. Die Magistratsvorschläge gelangen ohne Debatte zur Annahme, ebenso mehrere weitere Vorlagen von untergeordneter Bedeutung. Schluß%7 Uhr._ Konfereu; der ArbkttvkhmerbkMer der Gewerbe- und ßaufmannsgenchte. Leipzig, 17. September. Zweiter V e rhan dl un g s tag. Uober den Punkt: „Die Ausdehnung der Zuständigkeit der Gewerbegerichte" sprach heute Paul Starke-DreSden. Der Redner behandelte haupftachlich das Gebiet der Konkurrenzklausel und ihre Ausdehnung auf die gewerblichen Arbeiter. Für Streitigkeiten aus Konkurrenzklauseln sind die Gewerbegerichte nach dem geltenden Recht nicht zustandig. Ihre Zuständigkeit ist aber dringend nötig, da die Konkurrenzklausel auch bei dem gewerblichen Ärbeitsver- hältnis immer mehr Eingang findet. Nach einer Umfrage bei den Nrbeitersekretären haben unter der Kvikurrenzklausel die ver- schiedensten gewerblichen Berufe zu leiden. Konkurrenzklauseln kamen sogar vor bei Kaffee- und Milchausträgern, Kutschern, Hausdienern, Markthelfern, Schneidern, Kunftformern, Spezial- arbeitern und Werkmeistern. Die Konkurrenzklausel dringt also """ser weiter vor. Die festgesetzten Strafen stehen in keinem Verhältnis zum Lohn und zur Arbeit. Es wurde die Festsetzung von Strafen bis zu 2000 M. und Fristen, in denen der Arbeiter nicht in einem ähnlichen Betriebe arbeiten darf, bis zu drei Jahren ermittelt. In einem Falle war bei einem Monatslohne von 110 M eine Strafe von 1000 M. festgesetzt! Durch solche Bestimmungen wird dem Arbeiter das Fortkommen erschwert. Die Konkurrenz- klausel müßte daher im gewerblichen Arbeitsverhältnis verboten werden. In der Aussprache erklärte Lehmann- Berlin, der Vertreter des Verbandes der Bnreauangeftellten, daß diese Berufsgruppe ganz verschieden behandelt würde. Einzelne Gewerbegerichte stellten sich auf den Standpunkt, die Bureauangcstellten sielen unter die GewevbegerichtSbarkeit. Auch KauftnannSgerichte würden einen verschiedenen Standpunkt einnehmen. Nach dem Gesetz hätten aber diese Angestellten die Rechte der Kaufleute und fielen unter das Kauftnannsgericht. Redner bittet, bei Erstattung von Gutachten in diesem Sinne zu wirken. Lange-Berlin vom Zentrakverbanb der Handlungsgehilfen betont«, daß die Kaufmannsgerichte schon seit zehn Jahren für die Konkurrenzklausel zuständig seien. Man hatte die Ausdehnung der Gewerbegerichte auf diesem Gebiet schon lange verlangen müssen. Es Ware auch notwendig, daß die Gewerkschaftspresse der Sozial« Politik mehr Beachtung schenke. Fr a n k e- Leipzig erklärte, wenn man nicht schon früher ein- gegriffen habe, so entspringe die? dem Umstand, daß die Kon- kurrenzklausol früher gar nicht oder nur vereinzelt bei gewrrb- lichen Arbeitern vorgekommen sei. _ Nach weiteren Ausführungen faßte Vorsitzender Robert «chmidt das Resultat der Besprechung dahin zusammen, die Konferenz sei der Meinung, daß eine Aenderung des§ 4 deS Ge- werbegerichtsgesetzes in dem Sinne herbeigeführt werden müsse, daß die Gewerbegerichte auch für Streitigkeiten aus Konkurrenz- klauieln zuständig sind. Daneben müsse«ine allgemeine Erweitc- rnng der Zuständigkeit der Gewerbegerichte verlangt werden. DaS Gewerbegericht sollte zuständig sein für alle Streitigkeiten aus dem gewerblichen Arbeitsverhältnis ohne Unterschied des Berufs; also auch für die Musiker, das Theaterpersonal(Ehor, Statisten sttw.), die Gärtner, Landarbeiter und Dienstboten. ES solle ver- sucht werden, in den Ausschüssen diese Fragen anzuregen und an die Gesetzgebung heranzutreten. Uebcr: „Die Verhältniswahl zu den Gewerbegcrichten" verbreitet« sich hierauf Reichstagsabgeordneter K ö r st e n- Berlin. Er zeigte, wie sich die Anschauungen über das Proportionalsystem gewardelt haben, und schilderte dann die verschiedenen Proportio» nalwahlsysteme. Es seien hunderterlei Systeme eingeführt, nur nach dem Musterstatut des Handelsministers richte man sich nicht. Es gebe ein« Reihe Systeme, die durchaus nicht alle der Gerechtig- keit entsprächen. Viel besser wie das� Mehrheitssystem sei das Proportionalwahlshstem auch nicht. Körsten beleuchtete ausführlich die technische Seite der verschiedenen Systeme, er kommt zu dem Schluß, daß dem Siegfriedschen System das bei den meisten Gc- richten eingeführte Frankfurter System vorzuziehen fei. In der regen Debatte schilderten die Redner die örtlich ge» machten Erfahrungen mit den verschiedenen Systemen, sie unter- suchten, welches System das beste, das gerechteste ist. Dafür wurde daS System der streng gebundenen Listen erflärt. Die Verhält- niswabl müsse obligatoriich eingeführt weiden, nicht nur dort, wo man glaubt, damit die modern organisierte Arbeiterschaft zu schwächen. Die Christen würden— erklärte ein Redner aus dem Ruhrgebiet— dort,� wo sie festsitzen, nicht daran denken, die Ver« hältniswahl einzuführen. Robert Schmidt faßte als übevein» stimmende Meinung der Konferenz zusammen, daß auf eine Aende» rnng des Gesetzes in dem Sinne gedrängt werden soll, die Pro» portionalwahl allgemein einzuführen. Es soll dafür auch eine bestimmte Form und Art vorgeschrieben werden. Gefordert solle das System der streng gebundenen Listen werden. Die Konferenz besprach dann noch die Tagesordnung des Ver. bandStags der Gewerbe» und Kaufmannsgerichte, der morgen be« ginnt. Damit waren die Arbeiten der Konferenz erledigt. Nr. 244. 80. Jahrgang. i KeilW Ks Jnmiirts" lirrlinet Oiilbliiolt. Freitag, 19. September 1913. partei- Hngelegenbeiten. Zur Lokalliste. Die Kammersäle, Teltower Str. 1—4, find nach wie vor für die organisierte Arbeiterschaft gesperrt. In Lychen steht uns das Lokal von Moritz Kähne, Templiner Straße 48, zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. In Reinickendorf- West ist das Lokal„Eichbornsäle*, Eichbornstraße 60, von der Lokalliste zu streichen, weil uns der Besitzer seinen Saal zu Versammlungen strikte verweigert. Die Lokalkommission. Lichtenrade. Der Wahloerein begeht am Sonnabend, den 20. September, im„Wirtshaus Lichtenrade* am Bahnhof sein viertes Stiftungsfest. Da die Kommission für eine würdige Vorbereitung des Festes alles getan hat, wird um allseitige Beteiligung gebeten. Bruchmühle-Eggersdors. Am Sonntag, den 21. September, nach- mittags 4 Uhr, Mitgliederversammlung bei Mille in Bruchmühle. Staaken. Sonnabend, den 20. September, abends 8Vz Uhr, bei Gnädig: Mitgliederversammlung. Es ist eine sehr wichtige Tages- ordnung zu erledigen.___ Berliner IVacbricbtem Tie Stadtverordneten hatten gestern ein sehr geringes Arbeitspensum, so daß ihre Sitzung nur ganz kurze Zeit dauerte. Nur dem Magistrats- antrag, zum Empfang der Teilnehmer der im Oktober in Berlin zusammentretenden Internationalen Tuber- kulosekonferenz 12 OOO M. herzugeben, wurden einige Worte gewidmet. Genosse Wehl rügte den Unfug, bei solchen „Empfängen" die Weine teuerster Sorte in Strömen fließen zu lassen. Sein Hinweis auf Nordamerika, wo die Gäste bei solchen Gelegenheiten mit Selterwasser und Limonade bewirtet werden, zeigt den krassen Unterschied, wie solche Angelegen- heiten anderswo behandelt werden. Ein Vorschlag, es bei uns ebenso zu machen, dürfte unter den Teilnehmern der Konferenz wenig Freunde finden. Stadtrat P a n o f s k y versprach, man werde an den 12000 M. noch zu sparen der- suchen, und sie wurden dann bewilligt. Glaubt einer, daß da viel übrig bleiben wird? Ein Erziehungsheim für psychopathische Knaben. Die Deutsche Zentrale für Jugendfürsorge hat in Templin (Provinz Brandenburg) ein Heilerziehungsheim errichtet, das dazu bestimmt ist, psychopathische Knaben aufzunehmen. Für die besitzende Klasse ist es leicht, psychopathifche Kinder in privaten Heilstätten unterzubringen und der Heilung entgegenzuführen. Für die Kinder der Armen besteht keinerlei Einrichtung, obwohl die Zahl der psycho- pathischen Kinder viel größer ist als man im allgemeinen annimmt. Wurde doch bei der Eröffnungsfeier mitgeteilt, daß unter den den Aerzten der Charitä in Berlin aus anderen Gründen vorgeführten Kindern in einem Jahre nicht weniger als 200 psychopathische waren. Die psychopathische Konstitution unterscheidet sich scharf von Schwachsinn oder Irrsinn. Es handelt sich dabei um Kinder, die meist keinerlei Jntelligenzdefekte aufweisen, oft sogar vorzüglich be- gabt sind, aber deren Triebleben krankhaft und einseitig entwickelt ist. Nicht mit Unrecht sagte der Vorsitzende der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge, Freiherr von Soden, daß aus den Kreisen dieser Anormalen, wenn sie ihrem Schicksal überlassen werden, häufig jene Verbrecher hervorgehen, vor deren Motiven man wie vor Rätseln steht, bis sie durch die seelische Belastung erklärt werden. Die psycho- pathische Erkrankung dieser Kinder ist heilbar, wenn rechlzeitig die notwendige Behandlung und Pflege einsetzt. Aber, wie gesagt, hier haben bisher die öffentlichen Behörden, Staat und Gemeinden versagt Diese Kinder gehören so wenig in eine Jdiotenanstalt oder in die Schulen für Schwachsinnige, wie sie unter die normalen Kinder ge- hören. Die Deutsche Zentrale für Jugendfürsorge hat durch Samm- lung 81 000 M. ausgebracht und mit diesen Mitteln ein prächtiges kleines Heim hergestellt, das jedoch nur zur Aufnahme von 24 Knaben ausreichl. Für Mädchen ist noch garnicht gesorgt; und die Hilfe, die man 24 unter den Tausenden so belasteter Kinder angedeihen lassen kann, ist leider auch nicht als wirksame Hilfe zu bezeichnen. Es kommt noch dazu, daß die Verpflegung in dem neuen Heim nicht unentgelllich ist; es muß ein Pflegegeld von 76 M. monatlich bezahlt werden, was wiederum Arbeitereltern zu leisten nicht imstande sind. So sehr dieser erste Versuch einer Abhilfe auf diesem Gebiete zu begrüßen ist, für die Arbeiterklasse und ihre armen kranken Kinder bleibt er auch schon wegen dieser Höhe des Pflegegeldes ganz ohne Bedeutung. Man hatte zur Einweihungsfeier auch die Kinderschutzkommission der Arbeiterschaft eingeladen, die dieser Einladung auch gefolgt ist. Die Sozialdemokratie hat volle Anerkennung für alles Streben, das der geistigen und körperlichen Pflege unserer Jugend gewidmet ist; aber gerade solchen Unzulänglichkeiten gegenüber muß sie immer wieder mit Nachdruck darauf verweisen, daß es die Pflicht der Ge- meinden und des Staates ist, eine durchgreifende Pflege der Kinder zu organisieren und die Schäden zu heilen, die zum weitaus größten Teile von unserer heutigen Wirtschaftsordnung verschuldet werden. Die 1. städtische Kinderleschalle, Ehrenbergstr. 24, wird vom 1. Oktober d. I. ab nachmittags von 3—6 Uhr geöffnet sein. Mitglieder der städtischen Behörden Nottinghams(England) sind in Berlin eingetroffen, um hier ftädiische Einrichtungen und Anstalten zu besichtigen, nachdem sie auf ihrer vorigen Studienreise schon andere Orte Deutschlands besucht haben. Straßcnbahnunfall. Vor dem Hause Petersburger Straße 20 wollte vorgestern nachmittag gegen'/zS Uhr der v jährige Erich Schönfeldt lurz vor einem in der Richtung nach Charlottenburg fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 81 über das Gleis laufen. Der Knabe wurde jedoch umgestoßen und geriet mit dem rechten Fuß unter den Schutzrahmen. Mittels mitgeführter Winden wurde der Waggon angehoben und der Kleine befreit. Der Verunglückte, der einen Bruch des rechten Oberschenkels und Hautabschürfungen am Kopfe und an dem rechten Arme erlitten hatte, wurde nach der nächsten Unfallstation und von dort nach Anlegung von Notverbänden »ach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht. Der neue Güterbahnhof Neukölln-Treptow wird am 1. Oktober d. I. für den Stückgut-, Wagenladungs- und Tierverkehr sowie für die Abfertigung von Leichen und Fahrzeugen eröffnet werden. Er liegt zwischen den Bahnhöfen Neukölln und Treptow, rechts der Berliner Ringbahnstrecke. Mit demselben Tage wird der Bahnhof 2. Klasse Neukölln-Treptow in den Staats- und Privatbahn-, Güter- und Tiertarif und in den ost-mitteldeutsch-sächsischen Gütertarif auf- genommen.� Der Frachtberechnung find bis zur Herausgabe von Tarifnachträgen für den Staats« und Privatbahngüterverkehr die für die Knotenstation Neukölln-Treptow angegebenen Entfernungen zugrunde zu legen. Was oine Dienstherrschaft für zulässig hält! Wenn Dienstmädchen im Haushalt einen Schade» anrichten, glauben manche Herrschaften, einen schier unbegrenzten Anspruch auf Schadenersatz zu haben. Eine Probe davon, was in solchen Schadenersatzansprüchen mitunter geleistet wird, ist eine uns vorgelegte Zusammenstellung, die eine Herrschaft einem Mädchen beim Dienstaustritt überreichte. Der Arzt Dr. Dub, der im Hause Brückenstraße 2 zusammen mit seiner Mutter wohnt, machte einem zum 1. September die Stellung in diesem Haushalt verlassenden Dienst- mädchen die folgende, eigenhändig niedergeschriebene Rechnung: Lohn für August 1913........ 25,— M. Davon ab: 6 Versicherungsmarken........—,96, 8 Gläser a 42 Pf.......... 1,26„ 1 kleiner roter Topf.........—,20, Vertretung zum Türöffnen am 17. 8....—.80„ Wäsche gewaschen.......... 2,—, Glühbirne............ 1,50„ 1 Glasschale zur Krone........ 1,30„ Kammerjäger für Sonntagsarbeit extra.. 3,—„ Makkaroni............— ,40„ Silberlöffel repariert........—,80„ 12,22 M. verbleiben 12,78 M. Die Erläuterungen, die das Mädchen zu den hier aufgestellten Ersatzansprüchen gibt, find nicht ohne Interesse. Makkaroni habe sie für sich selber mitgebracht, so daß die Forderung berechtigt sei. Die drei Gläser seien beim Abwaschen in zu heißem Wasser gesprungen, den Topf habe sie fallen lasten, die Glasschale der Krone sei ihr beim Staubwischen heruntergefallen, einen zerbogenen Silberlöffel habe sie geradebiegen wollen und dabei zerbrochen. Irrtümlich habe man ihr die Glühbirne einer sehr empfindlichen Osramlampe, die nicht funktionierte und sich dann als beschädigt erwies, mit aufs Schuldkonto gesetzt. Die Forderung des Ersatzes von Waschkosten sei dadurch entstanden, daß sie in Abwesenheit der verreisten Herr- schaft ihr Bettzeug habe wechseln wollen und es gewaschen habe. wobei sie Seife und Feuerung der Herrschaft verbrauchte. Den Kammerjäger habe Frau Dub noch für den letzten Sonntag vor dem Dienstaustritt geholt, weil sie in der Mädchenstube Wanzen bemerkt hatte und diese auf Kosten des Mädchens(!) beseitigen lassen wollte. Der Stellvertreter zum Türöffnen sei ein Messenger Boy, den der Arzt Dr. Dub für seine Sprechzeit habe kommen lasten, weil das Mädchen wegen eines in früherer Stellung erlittenen Unfalles ans Erfordern der Berufsgenossenschaft einen ihr benannten anderen Arzt während dessen Sprechzeit aus suchen mußte. Wenn diese Darstellung in allen Punkten zutrifft, so haben wir es hier mit einem ungewöhnlich starken Stück von Schadenersatz- beanspruchung einer Herrschaft zu tun. Fast unglaublich klingen die Angaben über die Entstehung der dem Mädchen aufgebürdeten Kosten für Wäsche sowie für den Kammerjäger und den Türöffnex. Es ist höchst bedauerlich, daß das Mädchen alle diese Lohn- abzüge, die Schmälerung des Monatslohnes um fast die Hälfte, widerspruchlos hingenommen hat. Der Dienstaustritt, bei dem diese Lohnabzugsrechnung überreicht wurde, erfolgte auf eigenen Wunsch des Mädchens, das sich verheiraten wollte. Sehr sonderbar ist auch das Zeugnis, das Dr. Dub in das Dienstbuch schrieb. ES lautet:„Hat mit den Angelegenheiten ihreS Bräutigams in und außer dem Hause derart zu tun, daß ihre ganze Aufmerksamkeit für ihre Pflichten in meinem Haushalt ver- loren geht.* Unter den übrigen Zeugnissen, die das Buch enthält, finden wir kein schlechtes. Wir haben hier wieder eine recht drastische Illustration des .Gesinderechtes* sowie der Art, in der manche Herrschasten es anwenden zu dürfen meinen. Man kann nur wünschen, daß ein Dienstherr, der solche Schadenersatzansprüche stellt und ein derartiges Zeugnis schreibt, dabei mal an„die Richtige* gerät. Zu dem unaufgeklärten Todesfall des Arbeiters Wilhelm Radack, über den wir in der gestrigen Nummer des„Vorwärts* berichteten, meldet jetzt eine von der Polizei informierte Korrespondenz folgendes: Auf ungeklärte Weise tödlich verunglückt ist der Former Wilhelm Radack, der bei seinen Eltern in der Friedenstraße 41 wohnte und bei Siemens-Schuckert in der Franklinstraße beschäftigt war. Bor etwa zehn Wochen brachte ein anderer Arbeiter einem Verbot zuwider Schnaps in die Fabrik mir und gab Radack davon so reichlich zu trinken, daß er gleich nach Verlassen der Fabrik auf der Straße zusammenbrach. Der Erkrankte wurde nach der Dr. Edelschen Heilanstalt gebrocht. Nach fünf Wochen geheilt entlasten, wurde er wieder eingestellt. Sein Arbeitskollege dagegen, der den Schnapsgenuß verschuldet hatte, wurde entlassen. Am 9. September fanden zwei Schutzmänner Radack, der morgens zur gewohnten Zeit zur Arbeit gegangen war, abends um 11 Uhr hilflos in der Haustürnische des Grundstücks Zwinglistr. Nr. 26 liegen. Er war bewußtlos und roch stark nach Alkohol. Verletzungen waren bis auf eine kleine, nur ganz leicht gerötete Anschwellung an der rechten Stirnseite nicht wahrzunehmen. Der Hilflose wurde von den Schutzmännern nach dem Krankenhause Moabit gebracht, wo er am nächsten Tage in: Alter von 43 Jahren starb. Erst nachträglich wurde festgestellt, daß er einen Schädel- bruch erlitten hatte. Wo und wie er sich diesen zugezogen hat, ließ sich nicht ermitteln. Für die Vermutung, daß Radack etwa in eine Schlägerei geraten sei, hat sich kein Anhalt ergeben. Die Nachforschungen der Polizei stellten fest, daß zu jener Zeit weder in einer Schankwirtschaft»och auf der Straße in der Umgebung des Fundortes eine Schlägerei stattgefunden hat. Der letzte Aufenthalt des Verstorbenen ließ sich nicht ermitteln. Dafür, daß er etwa das Opfer einer Rachehandlung geworden sei, fehlt es auch an jedem Anhalt. Man muß deshalb wohl annehmen, daß er hingefallen ist und sich so die Verletzung zugezogen hat. Die Leiche wurde jetzt von der Staatsanwaltschaft zur Beerdigung freigegeben. Die Hnndesperre ist in den Kreisen Westhavelland, Ruppin, West- und Ost-Priegnitz für zahlreiche Gemeinden und Gutsbezirke bis zum 10. Dezember d. I. einschließlich verlängert worden. Auch hier ist zwar die.milde Sperre* zugelassen, indes soll die Maßregelung der Hunde(und ihrer Besitzer) doch immer 3Vz Wochen länger dauern als in Groß-Berlin und den Kreisen Niederbarnim, Teltow, Osthavelland usw., wo sie(wenn nichts dazwischen kommt!) schon am 15. November ihr Ende erreicht. Das neue Kammergerichtsgebäude im Kleistpark wurde gestern mittag um 12 Uhr unter Anivesenheil einer Anzahl staatlicher Ver- treter eingeweiht. Zum Verschwinden der Wirtschafterin Galle. DoS mysteriöse Verschwinden der Wirtschafterin Gertrud Galle harrt noch immer der Aufklärung. Jetzt hat sich ein Gastwirt aus Trebus gemeldet, der bekundet, daß am 29. Juli, also am Tage des Verschwindens der G., die letztere in Begleitung des Henk in sein Lokal eingekehrt ist. Der Zeuge will dann beobachtet haben, wie Henk fortgesetzt auf seine Begleiterin einsprach. Einige Gäste, die an den Nachbartischen saßen, machten sich noch über das merkwürdige Wesen de? jungen Mannes lustig. Henk selbst bestreitet alles, was man ihm vorwirft.� Die UntersuchungSbehörde hat nunmehr dem Fischermeister Kunig den Austrag übergeben, den Trebuser See mit einem Grundnetz ein- gehend abzusuchen. Man rechnet noch immer damit, daß die Leiche der G. auf dem Grunde des Sees ruht. Ein Opfer des Straßenverkehrs wurde gestern abend das zwei Jahre alte Töchterchen Frieda des Pförtners I o ka t in der Jonas- straße 3. Die Kleine spielte vor dem elterlichen Hause unter der Aufsicht ihres siebenjährigen Bruders mit anderen Kindern auf dem Bürgersteige. Als sich nun der Knabe einen Augenblick anderen Gespielen zuwandte und seine Schwester außer Acht ließ, lief diese vom Bürgersteig auf den Straßendamm. Zum Unglück kam gerade ein Mörtelwagen dahergcfahren. Er war schon fast vorbei, als die Kleine plötzlich vor ein Hinterrad lief und hinfiel. Das Rad ging ihr über den Kopf und zermalmte ihn. Die Wer- unglückte war sofort tot. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich gestern abend kurz nach 10 Uhr in der Potsdamer Straße. Der Kutscher einer Räucherwarenhandlung war mit einem Kutscher der Firma W. Wertheim in Streit geraten und wollte diesem zu Leibe gehen, in- dem er versuchte, auf das Gefährt der Firma Wertheim zu klettern. Dabei rutschte er ab und geriet unter die Räder, die ihm über die Brust gingen. In schwerverletztem Zustande wurde der Ver- unglückte nach dem Elisabethkrankenhaus gebracht. Die Fortbildungsanstalt im Friedrichs- Gymnasium, Albrecht- straße 27, die ihre Winterkurse am 8. Oktober eröffnet, steht unter der Verwaltung des Magistrats. Die Stadt Berlin wendet etwa 80 000 M. jährlich auf, um in ihren drei Fortbildungsanstalten Herren und Damen Gelegenheit zu sprachlicher und technischer Fort- bilduug gegen ein Entgelt zu geben, wie es niedriger nicht bemessen werden kann. Das Schulgeld beträgt für den ganzen Lehrgang von 2 Stunden wöchentlich 2,50 M.. von 4 Stunden wöchentlich 5 M. Unterrichtszeit von V«»acki 8 bis B/t nach 9 Uhr abends, nur Zeichnen ist Sonntags früh von 8 bis 10 Uhr. Anmeldungen täglich in der Anstalt, Zimmer 13, wo auch Stundenpläne unentgeltlich zu haben sind. Der Zirkus Schumann hat am Mittwoch abend mit einem reich- haltigen Programm die diesjährige Saison eröffnet. Gleich zu An«' fang zeigte sich Direktor Albert Schumann in zwei hervorragenden Nummern auf dem Gebiet der Pferdedressur. Ganz besonders rief die auf dem Vollblut-Jrländer„All Fours* gerittene hohe Schule mit ihren komplizierten Gangarten das Interesse des Hauses hervor. Hierauf folgten Freiheitsdressure» von 16 Pferden, die sich zum Schluß zu einer Pyramide aufbauten. Aufsehen erregten die Vor- führungen des Mr. Sawade mit seinen zehn bengalischen Königs- tigern. Es bot einen schauerlich schönen Anblick, wie der Dresseur die schlecht gelaunten Bestien zwang, auf Geheiß allerlei Kunst- stücke auszuführen. So manches dieser prächtigen Tiere zeigte wohl Neigung, sich auf seinen Gebieter zu stürzen, wenn es nicht der Respekt vor der Peitsche immer wieder in seine Schranken verwiesen hätte. Originell wirkten auch die akrobatischen Bären Paul BattyS. Lobende Erwähnung verdienen ferner die musikalischen Darbietungen der Asanas-Truppe, das zoologische Potpourri Miß Ostaria, der komische Radfahrerakt The 2 AbbinS, der Reitakt der 4 römischen Grazien und die Leistungen der Luftvoltigeure„Hegelmann-Truppe". Als Athlet mit erstaunlichen Kraftproben zeigte sich Herr Wingart, und Miß Zoe hielt, da sie sich, an den Zähnen hoch oben im Zirkus hängend, langsam ihrer reichhaltigen Garderobe entkleidete, das Publikum in Spannung. Der gewandte und originell wirkende Clown Toto sowie seine Kollegen vervollständigten das Programm. Die Urania- Borträge Berliner Gelehrter werden an Dienstagen und Freitagen des kommenden Winterhalbjahrs in vier gesonderten Vortragsreihen stattfinden. Es werden Abonnements zu sehr er« mäßigten Preisen für jede Serie ausgegeben, die immer fünf ver- schiedene Vorttäge umfaßt. Die Namen der Gelehrten, die der Urania ihre Mitwirkung zugesagt haben, und die Themata, die in Aussicht genommen sind, sichern der Veranstaltung ein ganz allge- meines Interesse. Man wird Gelegenheit haben, Aufklärung über die neuesten Errungenschaften und Erkenntnisse in Naturwissenschaft und Technik zu erhalten und zugleich die Anschauungsweise und Ge« dankenarbeit der einzelnen Forscher selbst kennen zu lernen. Unter anderen werden folgende Vorträge stattfinden: Geh. Rat Professor Dr. Flamm„Ueber Sicherheitsmaßnahmen moderner Seeschiffe*, Geh. Rat Professor Dr. Fritsch„Ueber das Seelenleben der Tiere vom Standpunkte des Anatomen und Physiologen', Geh. Rat Prof. Dr. Hellmann„Ueber Wetteraberglauben". Geh. Rat Prof. Dr. Miethe„Ueber die Herstellung künstlicher Edelsteine*. Geh. Rat Prof. Dr. Nernst„Ueber die Bedeutung des Stickstoffes für das Leben*, Geh. Rat Prof. Dr. Penck„Ueber Werden und Vergehen der Alpen*, Geh. Rat Prof. Dr. Rubens„Ueber moderne Atomistik*, Geh. Rat Prof. Dr. Schmidt„Ueber die.Forschungsinstitute auf dem Telegraphenberg bei Potsdam und ihre Tätigkeit', Geh. Rat Prof. Dr. Schwarzschild„Ueber die Physik der Sonne*, Geh. Rat Pros. Dr. Wahnschaffe„Wie unser Heimatland entstand*, Geh. Rat Prof. Dr. Weinstein„Ueber Weltenentstehung und Weltenuntergang, Geh. Rat Prof. Dr. Zuntz„Physiologisches über Leibesübungen und Sport*, Prof. Baschin„Der atlantische Ozean, seine Fischverhältnisse und Schiffahrt*. Prof. Dr. Donath „Ueber die wissenschaftlichen Grundlagen der Bewegungsphoto- graphie*, Prof. Dr. Dörpfeld„Ueber die Ausgrabungen homerischer Städte*, Pros. Dr. Glatzel„Ueber neuere Fortschritte aus dem Ge- biete der'telegraphischen Bildübertragung*, Prof. Dr. Poll„Ueber die Entwickelung des Menschen", Prof. Dr. Scheffer„An den Grenzen der Sichtbarkeit*, Prof. Dr. Spieß„Ueber Spektral- analyse und Elektronentheorie*, Gerichtschemiker Dr. Jeserich „Ueber Wissenschaft und Verbrechen*. Die Vorträge beginnen An- sang Oktober. Ausführliche Programme mit den Abonnements- bedingungen können durch das Bureau der Urania, Taubenstraße, bezogen werden. Auf der Trcptow-Sternwarte finden folgende kinematographischen Vorführungen mit erläuterndem Vortrage statt: Am Freitag, den 19. September, nachmittags'/a5 Uhr:„Aus fernen Landen'; am Sonnabend, den 20. September, abends 7 Uhr:„Scotts Reis« zum Südpol und ein Blick ins Weltall*, abends 9 Uhr:„Christoph Kolumbus*; am Sonntag, den 21. September, nachmittags 5 Uhr: „Aus fernen Landen*, abends 7 Uhr:„Das Berner Oberland'; am Montag, den 22. September, abends 7 Uhr:„Jntereffante Bilder aus Italien*. Mit dem großen Fernrohr werden Mond und Jupiter beobachtet. Außerdem stehen den Besuchern noch kleinere Fernrohre zur freien Versügung, mir denen beliebige Objekte selbst eingestellt werden können. Vorort- Ffocbricfotefl. Charlottenburg. Ein schwerer Unfall hat sich am Mittwoch nachmittag auf dem Grundstück des Charlottenburger Elektrizitätswerks zugetragen. Dort werden gegenwärtig Bauarbeiten ausgeführt, zu welchem Zwecke von der Firma L. Altmanu-Charlottenburg ein Gerüst er- richtet wird. Bei der Ausstellung des Gerüstes war auch der 21jährige Eduard Müller aus der Potsdamer Straße beschäftigt. Als dieser auf dem Gerüst in der Höhe des zweiten Stockwerkes tätig war, trat er fehl und stürzte kopfüber in die Tiefe. M. erlitt einen Schädelbruch und anscheinend auch innere Verletzungen. Der Verunglückte erhielt auf der Unfallstatton in der Berlnier Straße die erste ärztliche Hilfe und wurde dann in sehr bedenNichem Zustande nach dem Krankenhause Westend geschafft. Der Kursu» des BildungsauSschusseS:.Tinftihrung in die wiffen schaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung", beginnt am kommenden Montag, den 22. September(Volkshaus, Noflnen« straffe g>. Eintrittskarten zum Preise von 60 Pf. für den ganzen Kursus(vier Vorträge) sind noch zu haben in der Expedition des „Vorwärts", Scsenheimer Str. 1, sowie bei den Bezirksführern. Die Borträge beginnen pünktlich um Va9 Uhr. Wir erwarten eine recht zahlreiche Beteiligung der Partei« und Gewerkschaftsgenossen. Neukölln. Seht die Wählerlisten ein! Die Liste der stimmfähigen Bürger für die Stadtverordnetenwahlen liegt in der Zeit vom 16.-30. Sep tember, an den Wochentagen von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nach mittags, Sonnabends nur bis 2 Uhr nachmittags und an den Sonn tagen von 8—10 Uhr vormittags, im Wahlbureau des Rathauses, Berliner Str. 62, 1 Treppe links, aus. In dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtgemeinde die Liste einsehen und gegen die Nichtigkeit der Liste schriftlich oder zu Protokoll Einspruch erheben. Pflicht jedes stimmberechtigten Bürgers ist es, Einficht in die Liste zu nehmen. Nur der ist wahlberechtigt, der in der Liste steht. Eine» BolkSliedrrabend veranstaltet am Sonntag. 21. September, der Männer» und Frauenchor Neukölln/, Uhr, Abturnen aus dem Gemeindespielplatz. .Freie Turnerschaf»- Reinickendorf. Am Sonnabend, den 20. Sept.. Rekuten-AbschiedSseicr in Nördes.Waldschlößchen". Elchborn- slraßc 46, bestehend in turnerischen Aufführungen und Tanz. .Freie Turnerschaft« Schönholz. Sonnabend, den 20. September, feiert der Verein sein 2. Sttslungösest verbunden mit Relruten-AbschiedSball in den„Hubertussälen", Schönholz, Provinzstraße. Turnerische und Theater- Aufführung. Verlosung. Markische Spiclvereiuiaung. Bez. Grotz-Berlin. Am kommende» Sonntag beginnen die Sericn-Fußball-Wettspiele. In der 1. Kl. stehen sich gegenüber: Rummelsburg— Neuhellas in Lichtenberg, Trislweg: Vorwärts— Fichte XVII in Friedrichshagen, Gemeinde- sportplal; Borussia— Fich te III in Reinickendors; Reinickendorfer B-Ilspteltlub— Schönebera, te Reiutckendors, SchUler-vro- menade; LtbertaS—«llemania te Reteickendsrf. Pankower Alle«: S5 et ein für Bewegungsspiele- Viktoria w UedrichS Hagen, Gemeindesporidlatz; Fichte XI— Fichte XII in Weißenfee, Rennbahnstr, 4k>. Diese Spiele beginnen um 4 Uhr. Ter Turn-»nd Tportverein Schmargendorf. SU. b. A.-T.-B., be« acht am Sonnabend, den A), September 1913, im Restaurant Waldlater, Warnemünder Str. 14/1b, seine Rekruten-Mschiedsseier. Alle Sport- genossimien und-Genossen werden aus dieses Fest aufmerksam gemacht. Radfahrer. Arbeiter-Radfahrerbnud„SolidarttSt*(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 21. Septeniber. 1. Abt.: 1 Uhr: Groß- Beeren(Heinzc). Start: Bülowstr. 58.— 2. Abt.: 6 Uhr: Nedlitz(Abkochtour). 1 Uhr: Zehlendors(Mieck). Start: Fontanchromenade 18.— 3. Abt.: 7 Uhr: Potsdam(FriedrichSaarten). IL Uhr: Steglitz(Birkenwäldchen). Besichtigung des Botanischen Gartens. Start: Lausitzer Platz 12.— 4. Abt.: « und 12 Uhr: Miersdors(Krüger). Start; Küstriner Platz.— 5. Abt.: 7 Uhr: Gussow. I Uhr: Sichwalde(Witte). Start:. Elysium.— 6. Abt.: Am 20., abends S'/a Uhr: Lampiontour nach Waidmannslust. Am 24., 1 Uhr: WaidmannSIust(Schweizerhäuschen). Start: Odcrberger Str. 28. — 7. Abt: 1 Uhr: Röntgental(Marx). Start: Schulstr. 29.— 8. Abt.: 7 Uhr: Strausberg(Hungriger Wolf). 1 Uhr: Hohenschönhausen.(Wirts- haus am Orankesee). Start: Wicles'tr. 15.— 9. Abt.: 1'/, Uhr: Bernau (Elysium). Start: Schillingstr. 22.— 10. Abt.: 1 Uhr: Adlershos(Jäger- heim). Start: Gr. Franksurter Str. 30.— 11. Abt.: Am 24., 9 Uhr: Strenzüge durch den Blumenthal. Start: Große Hamburger Straße 18)19. Neukölln. 10 Uhr: Zernsdorf. 2 Uhr: Adlershos(Wöllstein). Start: Hohenzollernplatz. Treptow. 6 Uhr: Strausberg— Prötzel— Blumenthal. Start: Baum- fchulenweg bei Krause. Köpenick. 2 Uhr: Familientour nach Erkner. Start: bei Stippekohl. Wilmersdorf. 7 Uhr: Wandlitz. SchÄneberg. 2 Uhr: Picheis Werder(Alter Freund). Start: bei Obst. Eharlottenburg. 8 Uhr: Wandlitzsee. Lichtenberg. 6 Uhr: Streiszüge durch den Blumenthal.(Endziel: xiesensee). 12'/» Uhr: Eggersdorf«Lindenhos). Start: Psarrstraße 74. Ttralau-Rummelsburg. 7 Uhr: Grüna«. Start: Türrschmidt-, Ecke Cesfingitrafee. � �_ xzaidmannSlust zur UnterbezirkSversammlung. Weistensee. 8 Uhr: Schillerpark und Hohen-Neuendors. Start: Berliner Allee LSI. Reinickeudorf. Tour nach WaidmannSIust zur Unterbezirkssitzung. t Abt. Start: 1 Uhr bei Lüning. 2. Abt. Start: 1 Uhr bei Hirsch. Lichterfelde. Sonnabend, den 20. Sept.: Herbstvergnügen im Birken« Wäldchen. Sonntag, den 21. Sept., nachmittags 2 Uhr: Spieltour. Start: bei Lettski. Oberschöneweide. Sonntag, den 21. Sept., früh 9 Uhr: Zehlendors. Dortselbst Besichtigung des Erziehungsheims. Start: StemenSstr. 28, Restaurant Th. Schüssler. Wanderer. Arbeiter-Wanderbund„Tie Naturfreunde«. Am Sonntag, den 21. September, findet eine Gejellschastsfahrt nach dem Kloster Chorin, dem Naturschutzpark.Plagesenn» und den Schleusenanlagen deS GroßschifsahrtS- toegeS statt Programme und Teilnehmerkarten find bis heute(Freitag) abend bei Hehse, Boycnftr. 19, Horlch, Engelufer 15, und Zepmeisel, Neukölln, Her- Nannstraße 176 zu haben. Außerdem werden folgende Touren unternommen: 1. Nennhauscn—Ferchesar— Rathenower Itadtsorst— Rathen olv— Nennbausen. Abfahrt Lehrter Bahnhof 4.53 Uhr vorm. 2. Schwante— BehrenSbrück— Nassenheide. Abfahrt Stettiner Fernbahn- Hof 6.42 Uhr vorm. 3. Erkner— Löcknitz—Wupatzsee—Heiderrntersee—Flakensee— Rahnsdorf. Abfahrt Schlestscher Budnhof S.S3 Uhr vorm. 4. Potsdam— Ravensberge— Kaputher See— Potsdam. Abfahrt Wannsee- Bahnhos 6.30 Uhr vorm. 5. Ludwigsselde— Glauer Berge— Michmdors. Absahrt Anhalter Bahnhos &15 Uhr vorm. 6. Grunewald. Treffpunkt 2 Uhr nachmittags Bahnhos Grunewald (Waldbaus). Gäste stets willkommen. Arbeiter- Tourtstenvereln„Die Naturfreunde«. Ortsgruppe Berlin. I. Sonnabend, den 20. Sevt, abends 8'/, Uhr, im Berliner Klub« Haus, Ohmstr. 2: Vortrag über: Die Zustände in der Mark während der Regentschaft der Witteisbacher.— II. Sonntag, den 21. Sept.: Wanderung Tiesensee, nördl. Gamengrund, Falkenberg. Absahrt nach Tiesensee Wriezener Bahnhos 5.30 Uhr. Käste stets wlstkommen. Arbeiter-Wanderverein Berlin. Sonntag, den 21. September: Wanderfahrt nach Charloltenhof— Pirschheide— Neu- Geltow— Caputh— TeuselSsce— Gr. Navcnberge— Drewitz. Absahrt Potsdamer Hauptbahnhos 7.SS Uhr. Gäste willkommen. Schwimmer. Arbeiter-Schwimmverei«„Berlin«(M. d. A.-Schw.-V.) Sonntag, den 21. Sept. veranstaltet die 1. Abt. einen Jugendausflug nach Strausberg (Tiesensee). Treffpunkt morgens 6'/, Uhr am Schlestschen Bahnhof(Unter- mundbahn). Proviant und Liederbücher find mitzubringen. Fahrgeld 1,25 M. Sämtliche jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen find willkommen. Ruderer. Die dem»Freien Ruder« Bund« Berlin angeschlossenen Vereine »Collegia«,»Freiheit«,»Vorwärts« halten am Sonntag, den 21. September, vormittags, ihr diesjähriges Dauerrudern über eine Strecke von zirka 16 lrm ab. Start und Ziel: Neues Bootshaus des Rudervereins»Vorwärts«, Ober-Schöneweide. Ein»Heiterer Abend' verbunden mit Rekruten-Abschiedsfeier in den Räumen der Braueret Königstadt, Schönhauser Allee 10/11, beschließt die sportliche Veranstaltung.— Konzert, Gesang, Vorträge. Beginn 6 Uhr. Eintritt will Tanz 50 Ps. Fustball. Tie Freie Sportvereinigung Berlin weihte am Sonntag ihren Sportplatz in Johannisthal ein, wobei einige Gesellschaftsspiele ausgetragen wurden. Die dabei erzielten Resultate waren: Freie Sportvereinigung I gegen Stralauer Ballsptelklub I 5 zu 8.— Freie Sportvereinigung II gegen Stralauer Ballsptelklub II 0 zu 6.— Jugendschast Freie Sport- Vereinigung I gegen Fichte 3(2. Mannschaft) 2 zu 2. » Arbeiter-Samariterbund. Krei» Brandenburg. Am Sonntag, den 21. Sept., nachmittag» 2 Uhr, findet auf dem Ge< lande der Konsumgenossenschasi, Lichtenberg, Rittergutftraße 22/26, unsere Kreisübung statt Sämtliche Kreiskolonnen haben zu erscheinen. Treff- Punkt l'L Uhr im»Schwarzen Adler«, Franksurter Chaussee, Ecke Gürtelstraße. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 1. Abt. Montag, 22. Sept., Kommandantenstr. 62, Beckers Festsäle(Tunnel). Berlin, 2. Abt. Montag, 22. Sept, im Swinemünber GesellschaftS« hauS, Swinemünder Straße 42. Berlin. 3. Abt. Donnerstag, 25. Sept., Schineberg, Borbergstr. 9, Restaurant Haendel. Berlin, 4. Abt. Donnerstag, 25. Sept., Lichtenberg, Scharnweber- straße 60, bei Pickenhagen. Berlin, 5. Abt. Freitag, 19. Sept., Neukölln, Jdealkastno, Weichselstr. 8. Ober-Schöneweide. Montag, 22. September, SiemenSstr. 12, bei Schulz. N o w a w e S. Montag, 22. September, Wilhelm- Ecke Friedrichftraße, bei Schmidt. N o w a w e»(Abt. Potsdam). Mittwoch, 24. September, Kaiser- Wilhelm-Stratze, bei Glaser. Eus aller Welt. Ötraßenbabnhatartropbe in den franzönfcben Hlpen. Ein schwerer Unfall hat sich Mittwochabend auf der Straßen- bahnlinie von Cagnes nach Grosse zugetragen. Infolge eines Bremsbruches entgleiste ein aus 4 Wagen bestehender Zug in der Nähe des Dorfes Billeneuve Loubay. Die Kuppelung zwischen dem ersten und dem zweiten Wagen riß und die drei letzten Wagen des Zuges stürzten einen Abgrund von 12 Meter hinab. Die Wagen waren auf der Stelle zertrümmert und be- gruben die Passagiere unter sich. Die Schmerzensschreie der Verwundeten, die lange in ihrer qualvollen Lage verharren mußten, ehe Hilfe herbeikam, waren weit zu hören. Es mußten erst Leitern herbeigeschast werden, um i» die Tiefe zu gelangen, und die Verunglückten mutzten mit grotzer vorficht in an Sellen befestigten Körben in die Höhe befördert werden. Im Zuge befanden fich zahlreich« Soldaten de« 24. und 27. Jägerregiments. Bis jetzt sind 12 Tote und zirka 30 Ver- w u n d e t e aus den Trümmern hervorgezogen werden. ES besteht jedoch dte Befürchtung, datz die Katastrophe noch weitere Opfer an Menschenleben gekostet hat. Die Rettungsarbeiten sind infolge des strömenden Regens und des tiefen Abgrundes sehr schwierig._ Gold! Ein Goldfisber. das lebhnft an die Zeit der Entdeckung der kalifornischen Goldfelder und der Erschließung Klondykes erinnert, ist durch die Entdeckung reicher Goldfelder am Lihola Creek, einem Nebenfluß des Tahlsa in Zentral-Britisch-Kolumbien bei der Bevölkerung der umliegenden Ortschaften entstanden. Auf Meilen im Umkreise sind keine Pferde erhältlich und helle Haufen von Gold- suchern ziehen nach den Goldgebieten. Die Städte Aldermere und T e l q u a sind volkommmen verlassen. Das Urteil der Sachverständigen über die Ertragfähigkeit der neuentdeckten Felder lautet vorläufig noch sehr zurückhaltend. Kleine Notizen. Vom Eisenbahnzug überrannt. Ein Automobil, in dem fich der Vertreter der Berliner Brennaborwerke, Müller, befand, wurde auf einem Bahnübergang kurz vor Laage(Mecklenburg) von einem Zuge erfaßt und voll ständig zertrümmert. Müller erlitt einen Bruch der Wirbelsäule, schwere Schädelver- letzungen und mehrere Rippen- und Beinbrüche. Er wurde in hoffnungslosemZu stände in das Krankenhaus in Laage übergeführt. Die Cholera in Galizien. Im Bezirk Skole in Galizien find am Donnerstag vier weitere Choleraerkrankungen festgestellt worden, davon zwei in der Gemeinde O p o r z e c und je einein den Gemeinden Tuchla und Tuch alka. Zwei der Er- krankten sind bereits gestorben. Feuer in der Genter Ausstellung. In der Ausstellung zu Gent brach in der letzten Nacht kurz nach Mitternacht im Restaurant »Rheinland« Feuer a u S, das sich auf den Pavillon der Konditoren und Bäcker und das BurgershuiS ausdehnte. Vier Per- sonen fielen dem Brande zum Opfer, auch ein Privaihaus im Boulevardpark geriet in Brand. Nach etwa einstündiger Arbeit war das Feuer gelöscht. Ein royalistischer Verschwörer. In einer Apotheke in L i s s a b o n ereignete sich am Donnerstag eine Explosion, bei der der Be- sitzer getötet wurde. Die Feuerwehrleute fanden im Hause vier Bomben. Der Apotheker war früher als Verschwörer unter Anklage gestellt, seinerzeit aber freigesprochen worden. Der Kompagnon deS Apothekers, namens Valerio Berata, ist verhaftet worden._ Allgemeine Kranken-«nd Sterbekafie der Metallarbeiter. (B. a. G.) z« Hamburg. Filiale Berit» 7. Mitgliederversammlung, Sonnabend, den 20. September, abends 8'/, Uhr, bei Hoffmann, Pasewalker Straße 3. Kranken-, Sterbe-»nd Zuschuhtafl« für männliche Personen aller Berufe Grofi-Berltns. Kaisenstunden jeden Sonnabend, abends von 7—10 Uhr, Gr. Hamburger Str. 18/19. Jugendveranstaltuuge»- Tie Arbeiterjugend Pankow-Niederschönhauscn veranstaltet am Sonntag, den 21. September, eine Besichttgung der ArbeiterwohlsahrtS- Ausstellung in Eharlottenburg, Fraunhoferftr. 11/12. Treffpunkt: 1 Uhr, Pankow, Berliner Ecke Kaiser-Friedrich- Straße. Absahrt:'/,2 Uhr mit der Straßenbahn W vom Ringbahnhos Schönhauser Allee. Fahrgeld 20 Ps. Rege Beteiligung wird erwartet. Adlershof. Am Sonnabend, den 20. September, abend» 8'/, Uhr, findet der zweite Abend des Lichtbildervortrage» über»Bergbau und Hütten- Wesen«, BiSmarckstr. 10, statt. Der JugendauSschuß ersucht die Genossen, ihre Söhne und Töchter hieraus ausmerksam zu machen und sür einen guten Besuch Sorge zu tragen. Für Jugendliche unter 18 Jahren ist der Vortrag frei, während von den Erwachsenen ein Eintrittsgeld von 10 Pf. er- hoben wird. Potsdam. Am Montagabend 8'/, Uhr im FriedrichSaarten in der Alten Luisenstraße: Große öffentliche unpolitische Versammlung. Vortrag de» Schriftstellers Un g er über: Jugendziele und Auf- klärun g._ eingegangene Dnicbrcbriftoi. Von der„Renen Zeit« ist soeben daS 61. Heft de» 81. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Hefte» heben wir hervor: Der Landtags- wahlkampf in Baden. Von G. A. Lehmann(Mannheim).— Ein Beitrag zur Frage de» landwirtschastlichen Kleinbetrieb». Von Dr. Helena Landau- Gumplowiez(Lemberg).— Der Panamakanal und der Kamps um die Weltmärkte. Von M. Pawlowttsch.— Dte Lage der deutschen Recht»- anwaltsangestellten. Von Max Kette.— Literarische Rundschau. Feuilleton der„Neuen Zeit« Nr. 67: Neue Schriften über Marx. Von Fr. Mehring. Die bildende Kunst in der Urzell. Von Arnulf. III.— Glückspelle. Bon Robert Grötzsch.— Lose Blätter: Ein journalistischer KaNIinarter. Die»Neue Zeit« erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,21! M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Bleichheit«. Zeitschrist für die Jntereffen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 25 de« 23. Jahrgang» zugegangen. Au» dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: ArbeitSlostgkeit— Die Organisierung der katholischen Frauen. Von H. Limbertz.— Die Frau t» der Unsallverstcherung. Bon?. EX— Eine Ursache de» Geburtenrückgang». II. Von Heinrich Bogel.— Eine erfolgreiche Lohnbewegung der Heim- arbeiierinnen. Von G. H.— Klassenkampf in Irland. Bon a. tll.— Au» der Bewegung: Von der sozialisttschen Frauenbewegung in Eisenach. — Die proletarische Frauenbewegung in Stuttgart— Von der Eni« Wickelung der sozialistischen Frauenbewegung in Baden.— Ferienwanderungen und-spiele in Hannover-Lmden. Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder. Die»Gleichheit« erscheint alle 14 Tage einmal. Prei» der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der AborntemetttSpretS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 86 Ps. Jahresabonnement 2,60 M. »In Freien Stunden«. Heft 36—38. Preis pro Hest 10 Ps. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin. Vom„Wahren Jacob« ist soeben dte 20. Nummer de» 80. Jahr- ganges 16 Seiten stark erschienen. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Prodenummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dletz Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart, sowie von allen Buchhalldlungen und Kolporteuren zu beziehen. Diarktpretse von Berlin am 17. September 1V13, nach Ermittelungen de» kgl. Polizeiprästdiums. Mais(mixed), gute Sorte 17,00—17,30, mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00—00,00. MaiS(runder), gute Sorte 14,90—15,80. Richttttoh 4,40-4,60. Heu 5,80-7,20. Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Sveisebobnen. weiße 35,00—60,00. Linsen 38,00—70,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70-2,40. Rindileiich. Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,50—2,10. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Butter 2,40-3.00. 60 Stück Eier 3,60—5,50. 1 Kilogramm Karpien 1,20— 2,40. Aale 1.40—2,80. Zander 1,40—3,20. Hechte 1,40—2,80. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1.80. 60 Stück Krebse 1,50—40.00; WitterungSübersicht vom 18. September 1313. Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien ii 8f 75? SW 756 N 753 758 SW Still 758 NO 769jW Z! Qettn I 4wolkig 4!wolkenl Lbcdeckt jDunst 3Regen Ichalb bd »ac ri« a II I? HÖ «tanonen Haparanda Petersburg Seilly Aberdeen Pari» iß Bf 760$ 76250 758 NN« 760iSttll 758iätia Vetter bedeckt 1 heiter 3 halb bd. bedeckt halb bd. ** K* Ii Wetterprognose für Freitag, de» IS. September ISIS. Ziemlich kühl, teilweise heller, vielfach nebelig oder«olktg bei mäßigen fadwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner WetterSttrea«. WafierstandS-Nachrichte»- der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mttgetetlt vom Berliner Weiterburean ')-j- bedeutet Wuchs,— Fall.—") Unterpegel. Tischler-Verein zn Aerlin. Sonntag, den 21. September: artie nach dem Spandancp Forst. reffpunkt: früh 7 Uhr Lehrter Hauptbabnhos. 290/20 Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Der Torstand. Mlid-WdSchiimnt- GrMlWmi 1, Wichertstraße No. 1 Creorg Ott. Offeriere in bek. Qualität von Sonnabend ab: la Schmorfleisch(ohne Knoche») Pfd. 95 Ps. u. 1,00 Rouladen...... Psd. 1,00 Pa. 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Januar 1914 gesucht. Die Kasse hat etwa LS 666 Mitglieder, worunter etwa 5666 Kassenmitglieder aus 13 wöchige Familienbehandlnug Anspruch baben. Die Verträge sollen aus 16 Jahre abgeschlossen werden. Das jährliche feste Honorar wird von 16 666 Mark an steigend festgesetzt. Bewerbungen werden sofort unter Ein. sendung des Lebenslaufes und Zeugnisse an den unterzeichneten Borstand erbeten. Breslau, den 13. September 1913. Der Vorstand der Orts-Krankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker. H. ZInimep, Vorsitzender. 230/4* Bucbdnicher Adolf Koch, Berlin- Niederschönhausen, Kaiser- Wilhelm-Srr. 65, sucht in Berliner Tageszeitungen Setzer und Drucker für die Paragon-Kassablock-A.-G. in Oberschönc- weide. Diese Firma, bei der sich zurzeit das unorganisierte Personal im Ausstande befindet, ist nicht taristreu und für Verbandsmitglieder gesperrt. Konditionsannahme bei der- selben hat den Ausschluß zur Folge. 28/11 Der Vorstand des Vereins der Verlmer Kuchdrucker u. Schristgießer rage vo, uaoen.' �.rgaiei, �ranicinirage ror. rsorsr' �zogoaa,___ Lllbcrl J.Vrtisint, Vorsitzender.___ � BeÄntw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.!»». Glocke. Zetlm. Tcucl.u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Cerlagsanstall Maul S nger t lSo„ Berlin LVf. � Patentanwalt Müller, GUschiner» straße 16. Patentanwalt Wesiel. Bittchinn» strage 94a._ PianinvS, Möbel, Fahrräder, Näh. Maschinen höchstbeleihend LeihhauS «chwedterstratze 11. 254/7 Grestes VereinSzimmer mit Piano zu vergeben. Eweleit, Haupt- straße 85, 1-97» Aufpolsterung! Sofa, Matratzen billig, im, außerm Hause. Chaussee« straße 74, Schäfer._ 1 19/20 Möbel, Fahrräder, Nähmaschinen, Pianos, höchstbeieihend, LeihhauS !schwedterstraße 11.__ 254/8 Hiermit nehme ich die Beleidigung gegen Frau Baudisch zurück und er« kläre dieselbe für eine ehrenhafte Person. 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