Kr. 246. Bbonnement S'Redi ngunge n: Abonnements> Preis pränumerando: Pierteljährl. 3�0 Mb, monatl. 1,10 Mk� wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus, Einzelne Nummer ö Pfg, Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- BeUage.Die Neue Well' 10 Pfg, Poit- Abonnement: l,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post> Zeitungö- Preisliftc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat, Bostabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die 1nfertions*GebQ1)r beträgt für die scchsgespaltene Kolonet- zeile oder deren lliaum 00 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Verfnmmlungs-Anzcigcn 30 Pfg, „Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg, tzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes weitere Worts Pfg. Worte über 15 Luch. fiben zählen für zwei Worte. Inserate r die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Erpedition ltbgegcben werden. Die Expehition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Crfdicint täglidj, Verlinev Volksblakt. Zcntralorgan der fozialdcmoltratirchen Partei Deutfchlands! Telegramm- Adresse: „Sozialiltinolirat Berlin". Redaktton: 8W. 68, Ltndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt MoriKPlaff, Nr. 1S8Z. Sonntag, den September 1913. Expedition: 8Rl. 68, Lindenstrasse 69« Fernsprecher: Amt Morinplatz, Nr. 4384» Sei' Parteitag. H. 8t. Jena, 19, September, Es ist eine oftmals ausgesprochene Wahrheit, daß unsere Parteitage keine Katholikentage sind, keine raffiniert in Szene gesetzten Augenblendcn, sondern Tage kritischer Selbst betrachtung. Daraus ergibt sich auch, daß auf unseren Partei tagen bisher stets die Selbstkritik die Demonstration überwog. Trotzdem wäre es grundverkehrt, daraus zu folgern, daß nicht genug der positiven Arbeit geleistet worden sei. Im Gegenteil: die positivste Arbeit, die auf unseren Parteitagen überhaupt geleistet werden kann, besteht gerade in der Sorge um die Reinhaltung unserer Prinzipien und unserer Taktik. Der sozialistische Klassenkampf ist es gewesen, der die 4'/<-Millioncn-Partci zusammengeschart hat, und jedes ernst hafte Abirren von den Grundsätzen, die uns groß und stark gemacht haben, würde sich unfehlbar durch den inneren und äußeren Zerfall der Partei bitter rächen. Die Taktik-Dcbatten sind daher etwas Altes auf unseren Parteitagen und sie werden es bleiben, so lange die Sozial demokratie noch sie selbst ist. Im Gegenteil: je gewaltiger die proletarische Kämpfcrarnice anschwillt, je stärkere Ver- tretung in den gesetzgebenden Körperschaften sie sich erringt, je mannigfaltiger in Reich, Staat und Gemeinde ihre Tages arbeit sich gestaltet, desto kritischer lvird ihre Tätigkeit zu prüfen sein, desto häufiger werden die Warnungen vor Ab- wegen erschallen. Das ist natürlich und das ist notwendig. Haben wir doch nur zu viel der Beispiele, daß Bruderparteien wirk- lich auf solche Abwege, in Opportunismus und Ministerialis- mus, gerieten und dadurch den schwersten Schaden nahmen. Solche Verirrungen entsprangen aber kcineslvegs bloß dem Ehrgeiz Einzelner, sondern zumeist der ganz ehrlichen lieber- zeugung, gerade durch eine Politik der Anpassung und der schlauen Diplomatie der Sache der Arbeiterschaft am meisten nützen zu können. Und es wäre auch Pharisäertum und nationale Ucberhcbung, Befürchtungen solcher Art einfach mit der selbstbewußten Wendung abtun zu ivollen: so cüvas mag wohl da und dort im Ausland möglich sein, nimmermehr aber bei uns. Man braucht sich nur die Herzcnsbekenntnissc gewisser deutscher Revisionisten zu gewärtigen, um sich darüber klar zu sein, daß Opportunismus und Staats- männerei gefährlichster Art längst auch innerhalb der deutschen Sozialdemokratie wuchern. Diese Genossen wissen zwar selbst daß ihre Ideen kein Echo innerhalb der Massen der deutschen Sozialdemokratie finden, aber sie hoffen auf die Zukunft, auf die allmähliche„EntWickelung" stt ihrem Sinne, auf das I a n g s a m e H e r a b g l c i t e n auf der schiefen Ebene. Auch wir sind natürlich der fröhlichen Zuversicht, daß diese Hoffnungen ewig Illusionen bleiben iverden; aber darum dürfen wir den Kopf noch lange nicht in den Sand stecken. Wenn aber wachsamste Selbstkritik geboten ist, wenn wir sie als erste Notwendigkeit des Gedeihens der Partei an- erkennen müssen, so sollte man auch nicht ü b e r c m p f i n d- l i ch selbst gegen solche Kritik sein, die einmal uni ein Bc- trächtliches übcr's Ziel hinausschießt. Um so weniger aber. wenn man die oft viel bösartigere revisio- ni st ische Kritik jahraus, jahrein mit einem wahren Fatalismus über sich ergehen lassen zu sollen vermeint! Dabei gleich noch eines. Man sollte bei den Auseinandersetzungen innerhalb der Partei nicht allzusehr mit den Waffen des Witzes und schillernder Geist- rcichelcicn zu kämpfen suchen. Man hat mit Recht vor über- tricbencm Feuilletonismus in der literarischen Be- Handlung politischer Dinge gewarnt, es scheint uns aber nachgerade am Platze zu sein, diese Warnung auch vor dem Fcuilletonismus der Rede zu erheben. Wir wollen wahrhaftig niemandem zumuten, sorgfältig jeden witzigen oder selbst boshaften Einfall in der Partei- diskussion zu unterdrücken, ober, man sollte seine Reden erst recht nicht auf Schlager dieser Art anlegen, auf Schlager, die in der Sache auch nicht das geringste beweisen! Vielleicht war Bebel— wenn man seine Reden vom ästhetischen Stand- Punkt aus betrachtet— gar zu ernst und sachlich. Aber seine Reden entschädigten dafür zehnfach durch den tiefen Ernst, durch die innere Wärme, die� jedes Wort durchglühte, jeden Gedanken durchleuchtete. Diese innere Wärme vermissen wir jetzt so manchmal bei Parteidebatten, bei denen cS sich doch um das Wohl und Wehe der Partei handelt. Und wir wissen, daß das nicht nur unser Eindruck gewesen ist! Mit dem Verlauf des Parteitages können wir gleichwohl zufrieden sein. Weniger unsere Gegner, sind doch all ihre törichten Hoffnungen auf heftige Zusammenstöße. auf Auf- klaffen unversöhnlicher Gegensätze gründlichst zuschanden ge- worden. Meinungsverschiedenheiten bestehen— und wir' wären die letzten, die das Vorhandensein erheblicher Differenzen vertuschen wollten— aber ebenso besteht der feste und ehr- lichc Wille zur Verständigung, zum geschlossenen Zusammen- gehen, zum gemeinsamen Schlagen. Vorläufig können unsere bürgerlichen Freunde ihre Spaltungs- und Zersetzungs- Hoffnungen also wirklich begraben. Nicht minder auch ihre Mauserungshoffnungen. Denn die übergroße Mehrheit der Partei ist offensichtlich entschlossen, von der alten Tattik der Partei auch nicht um Haaresbreite abzuweichen. In der Frage des M a s s c n st r e i k s herrschte im Grunde größere Uebcreinstiminung, als es die zugespitzte Debatte ver- niutcn ließ. Scheideniann betonte in seinem Schlußwort mit allem nur wünschenswerten Nachdruck, daß die Resolution sich entschieden zur Anwendung schärfster Kampfesmittel, sei es zur Abwehr, sei es zum Angriff, bekennt. Auch darüber bc- steht volle Einmütigkeit, daß die Voraussetzung für den Massenstreik die ganz bestimnite Situation, die unwidersteh- liche Empörung der Massen sein muß. Und endlich gingen auch darüber die Meinungen nicht im geringsten auseinander, daß ein Massenstreik nur dann erfolgreich sein kann, wenn möglichst starke Organisationen den festen Rückhalt des Kampfes bilden. Die Ansichten trennten sich erst bei der Beurteilung der momentanen Diskussion des Massenstreiks. Aber auch darüber dürfte nach der Debatte kaum noch ein Streit sein, daß bei der Erziehung des Proletariats zu sozialistischen Klassen- kämpfcrn auch der Gedanke von Wert und Wichtigkeit ist, daß jeder Sozialdemokrat entschlossen sein muß, im gegebenen Augenblick seine ganze Persönlichkeit, seine volle E x i st e n z in die Schanze zu schlagen. Das ist ja im Grunde natürlich nichts Neues, sondern etwas Uraltes. Aber die Kunst der politischen Agitation besteht nun einmal in eindringlichen Wiederholungen, und schließlich zwingt gerade auch die wachsende Tagesarbeit dazu, gerade die Grundprobleme dem Verständnis und dem Gefühle unserer Anhängermassen mög- lichst eindrucksvoll zum Bewußtsein zu bringen. Der Massen- streik wird durch imnier erneute Betonung seiner Notwendig kcit dem Proletariat auch wahrhaftig nicht verekelt werden. Im Gegenteil wenn einmal der Augenblick kommt, wenn der Sturm losbri t und wenn dann die Leitungen der Organi sationen den Massenzorn in das Bett einer kraftvollen, ziel klaren und.vohldisziplinierten Aktion leiten, dann wird gerade durch sie lange Kampfbereitschaft der Proletarierarmee auch die Gewähr gegeben sein, daß der Vorstoß nicht zev splittert und zerschellt. Zur Steuer frage haben wir unsere Meinung bereits gesagt. Die Wahl des kleineren Uebels entspricht in der Tat der alten Taktik der Partei. Und wenn die?lnwendung dieser Taktik auf den konkreten Fall der Steuerdeckung für Militär zwecke auch neu ist, so fällt sie daruni doch nicht aus dem Geist der bisherigen Taktik heraus. Die Bekämpfung des Militarismus ist das erste Gebot der Partei. Wenn jedoch trotz alles Kampfes die Rüstungen gesichert sind und es sich nur noch darum handelt, ob die Sozialdemokratie dem Proletariat nun wenigstens die Last der Steuerausplünderung ersparen kann, so kann die Entscheidung füglich nicht anders ausfallen, als der Parteitag beschlossen hat. Trotzdem>var auch in diesem Falle die Opposition und Kritik erfreulich. Lag ihr doch die Sorge zugrunde, daß durch ein solches Vorgehen die prinzipielle Schärfe unserer Bekämpfung des Militarismus abgestumpft und die Vergleichs weise sekundäre Frage der Stcuerbelastung allzu sehr in den Vordergrund gerückt»Verden könnte. Diese Gefahr ist in der Tat nicht zu verkeimen. Aber sie konnte nicht in der Form ab geivehrt»verdcn, tvie das die Resolution 114 vorschlug, sondern ihr kann nur für jeden Einzelfall durch recht zeitige Wachsamkeit der Fraktion und der Partei begegnet iverden. Sorgen wir dafür, daß die Deckungsfrage nicht den Inbegriff unserer Bekämpfung des Militarismus und Imperialismus bildet, vertiefen»vir in Literatur, Presse und Flugblättern unseren Kampf gegen ihn— das ist das beste Verhütungsinittel, unsere prinzipielle Frontstellung zu verwischen. Wie denn überhaupt dergleichen Gefahren für die Partei niemals durch einmalige Resolutionen und taktische Festlegungen abgewehrt werden können, sondern nur durch Pflege des sozialistischen Geistes an j e d c m A l l- tage und Respektierung unserer Grundsätze in jeher klein st en Tages frage. Aber auch noch eine andere praktische Pflicht, eine»in- mittelbare Aufgabe hat der Parteitag übernoinmen: die Er- ringung einer Arbeitslosenversicherung, die sich auf der Grundlage der ge»vcrkschaftlichcn Selbstverwaltung aufbaut. Eine Aufgabe, die keinesivegs leicht, aber doppelt dringlich ist. Denn darüber ließ Genosse Timm als Referent keinen Zweifel: von dem guten Wollen der bürgerlichen Par- teien und der Tatkraft bürgerlicher Sozialpolitiker ist»venig Hilfe zu erivarten. Aber es gilt, das Elend von Hundert- taufenden, zu mildern, es gilt einen neuen Schritt zur sozialen Hebung der Arbeiterklasse selbst zu tun, und da muß die organisierte Arbeiterklasse mit dem Aufgebot aller Kräfte ans Werk gehen! So könnten wir über den Verlauf des Parteitages rcst- lose Genugtuung empfinden, wenn ihn nicht zuletzt noch ein schriller Mißton gestört hätte. Es handelte sich um den„Fall Rädel". Radck war von einer ausländischen Brudcrpartei aus der Partei ausgeschlossen»vorden, und zivar»vegen ehr- loser Handlungen. Da er zur Zeit seines Ausschlusses bereits jahrelang in der deutschen Partei hervorragend publizistisch tätig»var und da auch das gegen ihn eingeleitete Verfahren nicht alle noüvendigen Rechtsgarantien geboten zu haben schien, sah sich die Bremer Parteiorganisation gleichwohl veranlaßt, ihn als Mitglied aufzunehmen. Nach dein Vorschlag des Parteivorstandes und der Beschiverdekoinmission sollte nun der Parteitag beschließen, daß der Ausschluß einer Bruder Partei auch für Deutschland bindend sei, daß also Rädels Aus nähme zu Unrecht erfolgt sei. Sämtliche Diskussionsredner empfahlen, dem An- gcschuldigten Rädel aus Gründen der Gerechtigkeit das Recht einer Revisionsinstanz zu getvährcn, möge nun ein deutsches oder ein vom Internationalen Sekretariat zu stellendes Schiedsgericht den Fall nachprüfen. Mehrere der Redner, wie Liebknecht, Cohn, Katzenstein, ivarntcn den Parteitag dringlichst vor einer Abstimmung aus Animosität oder aus vermeintlichem organisatorischem Interesse heraus. Die höchst unglückliche Wendung, daß hier einen» Literaten eine Extralvurst gebraten werden sollte, tat ihre Schuldigkeit. und die Unlust, in letzter Stunde noch lange zu diskutieren und zu prüfen, tat das übrige. So fand sich eine große Mehr- heit für den Antrag der Beschwerdekomniission, durch den Radek ohne erneute Nachprüfung einfach seiner Mitglied- schaft' entkleidet wird. Mag sein, daß in der Sache Radek nur sein Recht geworden, daß er in der Tat unwürdig ist, der Sozialdemokratie anzugehören. Aber auch der s ch w e r st e Verbrecher hat das Recht auf ein g e 0 r d- netes, unparteiisches Verfahren auf pein- lichsten Rechtsschutz. So werden die Verhandlungen des Parteitages noch manchen Nach- und Widerhall in der Partei finden müssen. Die Partei hat es nicht so gut. daß sie sich nach getaner Arbeit»venigstens für ein Weilchen ruhig auf dem Faulbett aus- strecken könnte. Die Läuterung der Geister muß fortgesetzt werden. Es gilt, Mängel und Irrtümer in den eigenen Reihen auszumerzen, damit der große Kampf gegen unseren gemeinsamen Feind, die bürgerliche Gesellschaft, uin so un- widerstehlicher geführt iverden kann! Klulige Orgie». „Schon der Direktor des(Petersburger) Männergcfäng- niffes hatte betont, daß— eigentlich gegen seine bessere Nebcrzengung die B e h a nd lung der Gefangenen in den russische»: Gefängnissen teil iv eise zu h u»n a n, sogar humaner als in Deutschland sei." So schrieb vor einiger Zeit der frühere Dresdener Staatsanwalt Dr. Erich Wulfsen in einem Feuilleton des„Berliner Tageblatts", in den» er seine kriminalistischen Eindrücke in Rußland schilderte. Kein Wort der Kritik fand er gegenüber den Zuständen in den russischen Gefängnissen, die er— nach dem Besuch zweier Muster- anstalten in Petersburg— ausdrücklich als sehr günstig bezeichnete. Die Einsicht des bekannten Kriminalpsychologen versagte vollständig, als er der politische n Tatsache gegenüber- stand, daß es auch auf den» Gebiete der Justiz und des Gcfängnislvcsens zun» System der russischen Regierung gehört, den Vertretern des Auslandes„Potcmkinsche Dörfer" vorzuführen. Naiv, wie nur ein deutscher Staatsanivalt sein kann, nahm Dr. Wulffen die Klage des durchtriebenen Gefängnisdirektors über die allzu große„Humanität" des russischen Gefängnisivesens a(s bare Münze an, ohne das Augurenlächeln zu bemerken, von dem diese Worte ziveiselloL begleitet wnrden. Russische Humanität! Welch ein Hohn auf die Greuel in den russischen Kerkern, die die dicken Gefängnismauern durchbrechen und täglich, stündlich zum Himincl schreien! Man durchblättere die russischen Zeihingen und Zeitschriften, die ungeachtet der Preßverfolgungen iinmer wieder von den entsetzlichen Vorgängen in den Kerkern berichten. Man lese die stenographischen Dmuaberichte, die Materialien der amtlichen Instanzen: überall starrt unS eine Anhäufung von Elend und Qual der Gefangenen, ein solcher Grad der Grausamkeit der Geivalthabcr entgegen,»vie die kühnste Phan- tafie sie nicht zu ersinnen vermöchte. Kürzlich ging der offene Brief eines unglücklichen Eltern- Paares durch die Presse, der die Oualen ihres Sohnes, des politischen Gefangenen Godlewsky, in Jekaterinburg schilderte. Von Aerzten als unheilbarer Geisteskranker anerkannt, wird dieser Gefangene seit ztvci Jahren den fürchterlichsten Oualen ausgesetzt. Mit 24 Jahren sieht er»vie ein Greis aus, halb erblindet, lungenkrank, vom Rheumatismus gelähmt. Aehnliche Zustände schildert der in der Schlüsselburgcr Festung internierte politische Gefangene A. Koslo>v in seiner Klage an die Hauptgefängnisverwaltung. Vier Monate lang wurde er mit einem notorischen Tobsüchtigen in eine Zelle gesperrt, jedcp Augenblick der Gefahr ausgesetzt, von den» Wahnsinnigen erivürgt zu»verdcn. Endlose Karzcrstrafcn, die für jede Kleinigkeit verhängt»verde»», ergänzen dieses Bild. Aus derselben Bastille berichtet die liberale„Ketsch" dieser Tage folgenden Vorfall: Der stellvertretende Direktor befahl im Juli vorigen Jahres einige politische Gefangene durchzupeitschen, die der Anstiftung eines Hungerstreiks ver- dächtig»varcn; aus dem benachbarten Walde»vurden zolldicke Stöcke geholt, mit denen die Exekution vorgenommen werden sollte. Allein sowohl die Aufseher»vie die Oberaufseher weigerten sich, unter diesen Uniständen die Exekution vor- zunehmen. In Petersburg»vurden diese Stöcke als„un- zulässige" Prügelinstruinente anerkannt, indessen»vurden die protestierenden Beamten gemaßregelt oder entlassen. Dieser Vorfall ist bezeichnend für die Petersburger Gefängnis- direktion,»venn„Musteranstalten"»vegen ihrer„Humanität" gepriesen werden. Ausführlicher sind die Schilderungen von W o i t i n s k y, 'der als politischer Gefangener eine mehrjährige Zuchthaus- strafe verbüßte und jetzt in der Monatsrevue„Rußkoje Bo- gatstwo" seine Eindrücke und Erlebnisse erzählt. Grauen- haste Szenen ziehen an uns vorüber. Szenen, die das Blut in den Adern erstarren lassen. Hunger. Kälte,.Krankheiten und über alles herrschend die Faust und die Peitsche des Aufsehers. Ein blutiger Taumel hat die Machthabenden erfaßt, die den letzten Funken ihres Menschentums in sadisti- scheu Ausschreitungen gegen die Gefangenen zu ersticken suchen. Niemand wird verschont: sdhwiirdsüchtige Kranke werden im Spital vom Lager gezerrt, auf den Fußboden ge- schleudert, von tierischen Auffehern mit Füßen getreten, mit Stöcken bearbeitet und in den dunklen, kalten Keller ge- schleppt.... Man glaube nicht, daß diese Schilderungen etwa über- trieben sind. Die Richtigkeit dieser Angaben wird auch von der entgegengesetzten&eite zugegeben. Das zurzeit in Ruß- land allgemein erörterte Buch des langjährigen Militärrich- ters General A. Shirkewitsch:„Die Stiefsöhne des Militärdien st es, Materialien zur Ge- schichte der Militärgefängnisse in Rußlan d", entrollt über die Zustände in den Gesängnissen ein ähnliches Bild wie die obengenannten Erinnerungen von Woitinsky. Der Hauptwert dieses Buches liegt aber nicht auf diesem Gebiet. General Shirkewitsch war viele Jahre hindurch Militärrichter. Er machte die allmähliche EntWickelung dieses Instituts zu einem Werkzeug der blutigsten Reaktion mit. Er verhängte in den Revolutionsjahren als Mitglied der Kriegs- und Feldgerichte Todesurteile gegen die politischen Gegner des Zarismus. Und von Grauen geschüttelt, von Ge- Wissensbissen gepeinigt, erzählt er nun, nachdem er sein Amt fortgeworfen, wie die zahlreichen Todesurteile zustande kamen und w e r die Urteile fällte, die die Galgen bevölkerten und die Zuchthäuser mit Opfern füllten. Schon der Personalbestands der Militärgerichte vor der Revolution wird vom General Shirkewitsch mit den düstersten Farben geschildert. Faule, stumpfe Subjekte, Leute, die keine Ahnung von der Rechtsprechung hatten. Trunkenbolde, die aus der Sitzung des Gerichts nach Hause geschleppt werden mußten, grausame Bestien, die ihre Karriere auf hartherzigen, ungerechten Urteilssprüchen aufbauten, bildeten nach seiner Schilderung das Gros der Militärrichter. Als die Revolu- tion ausbrach, wurden diese Richter zur Geißel des Landes erkoren. Der Oberstaatsanwalt Pawlow, eine blutdürstige Bestie, schwang von Petersburg aus seine Peitsche über die Militärrichter im Reiche, er trieb sie an zu immer strengeren und härteren Gerichtsurteilen und alle, die Faulen und die Unwissenden, die Trunkenbolde und die Karrieristen, stürzten sich vereint auf die ihnen vorgeführten Opfer der politischen Rachsucht der Regierung, um die Revolution in dem Blute ihrer Anhänger zu ersticken. Es gab natürlich Militärrichter, die, nur der Not gehorchend, schweren Herzens ihr Amt ausübten. Aber— erklärt General Shirkewitsch—„d i e M e h r- zah l übte ihr Henkeramt mit einer Wollust aus, als rächten sie sich für die Aug st. die sie auszustehen hatte n." Der Zentralregierung war diese Tatsache nicht nur be- könnt, sie wurde von ihr mit allen Mitteln gefördert.„Es war dies eine furchtbare Zeit, wo die Militärrichter fiirchteten. mit einem Gesuch um Straflinderung bei dem Kommandieren- ktk'st der Truppen zu erscheinen, um nicht roh angeschrien zu werden und das Attest eines schwachen, unfähigen Richters j zu erhalten." Hierbei wimmelte es in der Praxis der Militär- geeichte von offenkundigen Justizmorden, von eklatanten Per- stößen gegen die Gerichtsordnung, gegen die es keine Be- rufung mehr gab. General Shirkewitsch erzählt aus seiner eigenen Praxis, daß er bei der Prüfung der Urteile eines Kollegen, der sich mit besonderer Gier auf die Fälle, die ein Todesurteil versprachen, stürzte, zahlreiche Fehler, Wider- sprllche und Verstöße, eine wahre Anarchie der Rechtsprechung entdeckte. Das alles hinderte die Regierung nicht, durch ihre Vertreter den Mitgliedern der Militärgerichte die Anerken- nung aussprechen zu lassen, daß„dieses Ressort allein bei der allgemeinen Panik der Regierungsvertreter nicht den Kopf verloren, sondern gehandelt hatte". Der Autor dieser furchtbaren Anklagen ist noch heute ein angesehenes Mitglied der herrschenden Kaste. Er haßt die Revolution und die Revolutionäre mit ganzer Seele. Er schleudert aber dem herrschenden System sein„J'accuse" ins Gesicht weil, wie er sagt,„die Zahl der bleich, en. kalten, vor- wurfsvollen Schatten der Hingerichteten" zu groß geworden ist. Aus der Vergangenheit steigen sie vor rhm auf. dre Schatten der Hingemordeten, die Opfer der Erotomanen und Sadisten, die über sie„Recht" gesprochen. In den Ker- kern aber schmachten noch heute Zehntausende solcher Opfer. die, zum langsamen Sterben verurteilt, der Blutgier und der Brutalität der Kerkermeister fortwährend ausgesetzt stnd. Ihre Schatten beunruhigen vorläufig noch niemand von den Herrrschenden. Ihre Zahl und ihre Qual wächst, aber dre Kerkermeister klagen mißvergnügt über die übertriebene „Humanität", mit der die Unglücklichen in den russischen Ge- fängnifsen behandelt werden. poUtflcbc Geberficbt* Der Begriff des Streikpostensteheus. Nach den Angaben der großindustriellen Scharfmacher und ihrer aararischen Gesinnungsgenossen fordern sie nur des- halb ein Verbot des Streikpostenstehens. um die Arbeits- willigen, d b. die Streikbrecher, vor den Drohungen und Angriffen der Streikenden zu schützen. In Wirklichkeit sind ihnen die Arbeitswilligen und deren irdisches wie himmlisches Heil höchst aleichgüllia: die Streikbrecher haben für sie nur inso- fern Wert, als sie ihnen ermöglichen, den Betrieb ausrecht zu erhalten und gegen die Streikenden einen Trumpf auszu- spielen. Das eigentliche Motiv ihres heißen Bemühens, ein gesetzliches Verbot des Streikpostenstehens durchzusetzen, ist vielmehr, künftighin Streiks unmöglich zu machen, indem man die Verständigung der Streikenden mit den von auswärts herangezogenen Arbeitskräften wie auch unter den Streiken- den selbst unmöglich macht und zugleich für das Verhalten jedes einzelnen Streikenden die gewerkschaftliche Orgamsahon zur Verantwortung zieht. Recht deutlich zeigt das ein soeben in Nr. 447 der„Deutschen Tageszeitung" veröffentstchter Leit- arlikel. überschrieben„E i n B e i t r a g z u m B e g r i f f d e s Streikposten stehen s", in welchem ein Jurist dre Frage untersucht, was unter„S tr e i kp o st e n steh en" zu ver- stehen sei und wie dieser Begriff gefaßt werden müsse um recht wirksam den Unternehmer— nicht etwa die Arbeitswilligen— gegen Streiks zu schützen. Der ehrenwerte Herr Verfasser kommt zu folgendem Resultat: „Der Zweck der Streikpostenstehens besteht darin, arbeitS- willige Leute zur Teilnahme an dem ausgebrochenen Streik zu bewegen bzw. ihnen von der Tatsache des Streiks Mitteilung zu machen. Dies letztere wird besonders in den Fällen nötig sein, in denen die Arbeitgeber zum Ersatz der streikenden Ar- beiter neue Arbeitskräfte von auswärts heranziehen. Die Tätigkeit der Streikpostensteher kann auch darin bestehen, daß sie Arbeiter, die eine Zeitlang gestreikt haben, plötzlich aber„umfallen", d. h. die Abeit wieder aufnehmen wollen, zum Ausharren und zur Stand haftigkeit ermutigen...." Kein notwendiges Begriffs merk mal des Streikpostenstehens ist, daß es an eineni öffentlichen Platze ausgeübt wird. Streikposten- stehen liegt vielmehr z. B. auch dann vor, wenn die betreffende Person sich an das Fenster eines der Arbeitsstelle gegenüber. liegenden Hauses setzt und von dort aus auf die Arbeitswilligen einzuwirken sucht. Regelrecht werden die Streikposten auf dem Wege zur Arbeitsstätte tätig, meistens sogar in unmittelbarer Nähe ihres Zuganges. Dies erklärt sich aus dem praktischen Gesichtspunkte, daß sie dort die Arbeitswilligen am leichtesten erkennen und kaum verfehlen können. Es ist dies jedoch meines Erachtens zum Begriff des Streik- Postenstehens nicht unerläßlich nötig. Die Streikposten können— wenn sie einzelne Arbeitswillige persön- lich kennen— auch durch Aufsuchen in oder vor ihrer Wohnung Streikpo st en st eherdien st e ver- richten. Die Tätigkeit des Streikpostenstehers besteht, allgemein ge- sprachen, in einer Beeinflussung, in einer Einwirkung auf die Arbeitswilligen im Sinne einer Arbeitseinstellung. Das ist das Grundelement des Streikpostenstehens. Erforderlich ist eine unmittelbare oder mittelbare Einwirkung auf den Arbeitswilligen seitens des Streikpostenstehers, sei es durch bloße Beobachtung, sei es durch münd- liche oder tätliche Handlung. Auch das Ueber- reichen einer Druck schrift, in der den Arbeitswilligen für weitere„Streikbrechcrarbcit" schwere Nachteile, beispiels- weise Boykotterklärung beim Kaufmann, angedroht werden, muß für genügend erachtet werden. Schwere Fälle des Streikposten- stehens sind bereits in Z 153 der Gewerbeordnung enthalten. Zusammenfassend möchte ich sagen: Streikpostenstehen liegt vor, wenn jemand als Mitglied oder doch im Interesse einer Organisation zum Zweck der Aufrechterhaltung oder Durchführung eines Streiks Arbeitswillige eines bestimmten Gewerbes durch unmittelbare oder mittelbare Beeinflussung im Sinne einer Arbeitseinstellung zum Streik veranlassen will. Hiermit ist meines Erachtens ein brauchbarer Begriff des Streikpostenstehens gegeben. Vom Standpunkt des Juristen war es logisch, diejenigen Personen nicht mehr als Streikposten- steher im technischen Sinne zu kennzeichnen, die ohne Zusammen- hang mit der in der obigen Darstellung für erforderlich er- achteten Organisation tätig geworden sind. Folgerichtig war dies, da der Begriff des Streiks dieses Tatbestandsmerkmal not- wendig macht." Danach ist unter den Beariff des Streikpostenstehens nicht nur das Aufstellen von Posten in der Nähe der Arbeitsstätte zu verstehen, sondern jede Beobachtung der Streikbrecher, auch auf ihrem Wege zur Arbeit, vor ihrem Wohnhause, auf der Straße, die sie zum Gang nach der Arbeitsstätte passieren müssen usw. Ja selbst bloße Beobachtungen vorübergehender Streikbrecher durch die Fenster der eigenen oder einer fremden Wohnung gehört zum Beariff des Streikpostenstehens. Ferner auch noch das Aufsuchen der Streikbrecher in ihrer eigenen Wohnung zu dem Zweck, sie zur Niederleguna ihrer Arbeit zu bewegen. Und zwar ist es nach der weiteren juristischen De- finition des Artikelschreibers durchaus nicht immer nötig, daß der Streikbrecher irgendwie bedroht oder angeredet wird: auch die bloße Beobachtung oder die stillschwei- aende Ueberreichung eines gedruckten Zet- t e l s. durch den zum Anschluß an den Streik oder zur Ar- beitseinstellung aufgefordert wird, muß unter den Begriff des Streikvostenstehens fallen— wenn dieser wirklich„brau ch- bar" sein soll. Mit anderen Worten: jede..unmittel- bare oder mittelbare Beeinflussung im Sinne einer Arbeitsein st ellung" fällt, wenn sie „im Interesse einer Organisation" geschieht feiner Gewerkschaft, eines Berufs- oder Werkstättenverbandes usw.) unter den Beariff des Streikvostenstehens und ist dem- nach zu verbieten. Doch da fällt dem ehrsamen Svezialsuristen der„Deut- schen Tageszeitung" ein. daß dieser Beariff noch immer nicht umfassend genug ist. um jede Aufforderung zur Einstellung der Arbeit auszuschließen. Da könnte z. B. ein Freund oder ein Verwandter, der gar keiner Organisation angehört, ge- legentlich eines Besuches oder einer Zusammenkunft zu einem Streikbrecher sagen:„Du. ich finde es recht unanständig, daß Du'Deinen Arbeitskollegen in den Rücken fällst." Auch solche die Interessen der Unternehmer schädigenden Handlungen müssen natürlich verhindert und bestraft werden— und so fügt zum Schluß der Jurist der„Deutschen Tageszeitung" seiner eigenen Begriffsdefiniffon noch die Worte hinzu: -„Eine andere Frage ist es, ob man sich bei Einführung eines gesetzlichen Verbots des Streikpostenstehens mit dem oben kurz formulierten engen Begriffe be- gnügen soll und kann. Diese Frage ist zu verneinen! Will man ein in der Praxis wirksame? Verbot der Beeinflussung Arbeitswilliger einführen, so muß man auch die Streikpostensteher im weiteren Sinne ein- beziehen, also auch die Posten, die ohne Zusammenhang mit der Organisation tätig geworden sind. Dies ist schon ein Gebot der Vernunft, da anderenfalls eine Ueberführung der Streik- Posten häufig unmöglich sein würde. Sie würden sich stets mit der schwer zu widerlegenden Behauptung verteidigen, sie handelten völlig auf eigene Faust ohne Rücksicht auf eine Organisation."" Besser als durch diese juristischen Begriffsverrenkungen kann kaum erwiesen werden, worauf der gefordert angebliche „Arbeitswilliaenschutz" der industriellen und agrarischen Scharfmacher hinausläuft, nämlich auf gesetzliche Ver- Hinderung jeglicher Arbeits ein st ellung. Alle ihre schönen Redensarten über die Notwendigkeit einer Be- hlltung der sogenannten Arbeitswilligen vor körperlichen Schädigungen und Bedrohungen sind nur zur Täuschung jener bestimmt, die nicht alle werden. Sozialdemokratie und katholische Krankenpflege. Unter dieser Ueberschrift wendet sich die„Kölnische Volks- zeitung" gegen einige Aeußerungen, die auf der sozial- demokratischen Landeskonferenz in Mainz gefallen sind. Im besonderen fühlt sie sich durch die Aeuße- rung gekränkt, die katholischen Krankenschwestern seien oft ge- neigt, Bekehrungsversuche vorzunehmen, wodurch dem Kranken die letzten Augenblicke verbittert würden; denn nach derLeh« ihrer Kirche dürften die katholischen Schwestern einem Ster» benden nur den katholischen Pfarrer als Beistand holen, auch wenn der Kranke der katholischen Religion nicht angehöre. Die„Köln. Volksztg." erklärt mit der ihr eigenen schau- spielerischen sittlichen Entrüstung:„Dieser unerhörte Vorwurf besagt nichts mehr und nicht» weniger, als daß katholische Kranken- schwesternsicheintretendenFalles w ei gerten, bezw. weigern müßten, nichtkatholischen Kranken di.e gewünschten Tröstungen ihrer Religion durch Inkenntnissetzung der Ver» wandten bezw. des betreffenden Religions- dieners zu vermitteln." Solche.Aeußerungen seien nichts als„aus Dummheit und Bosheit zu- s an: mengesetzte Verleumdungen". Das Bachemsche Blatt täte besser, sich nicht in dieser Weise unnütz aufzuregen und über Dummheit, Bosheit und Verleumdung zu reden, denn die Dummheit oder Bosheit liegt ganz auf seiner Seite. Entweder kennt das Kölner ultramontane Blatt die Entscheidungen des heiligen römischen Offiziums und die darauf aufgebauten Lehren hervorragender katholischer Moraltheologen nicht � dann beweist es damit nur ein für seine Stellung als Hauptorgan des rheinischen Klerikalismus ganz außergewöhnliche Dummheit, oder aber die„Köln. Volksztg." kennt diese Lehren recht wohl, zeihet also wider eigenes besseres Wissen die be- treffenden Redner der Mainzer 5tonferenz der Verleumdung, dann ist ihr Verhalten der Ausdruck einer verlogenen Bosheit. der jedes Mittel den Zweck heiligt. Vorläufig vermögen wir freilich kaum zu glauben, daß die„Köln. Volksztg." jene Morallehren selbst nicht kennen sollte, ist doch der Hofmoralist des Zentrums und der„Köln. Volksztg." der bekannte Jesuit Lehmkuhl— und diese Leuchte des Klerikalismus erbringt in ihrer Moraltheologie— in derselben Moraltheologie, welche der verstorbene Zentrums- führer Lieber einnial mit feierlicher Geste auf den Tisch des Hauses im Reichstage niederlegte— selbst die Beweise für die Richtigkeit d e s s c n, w a s in M a in z be- s a g t w u r d e. In seinem Lehrbuch der Moraltheologie, das in so vielen Priesterseminaricn das offizielle Lehrbuch bildet, nach dem die Kapläne geschult werden, heißt es: „Ist es erlaubt, einen ketzerischen Geistlichen herbeizurufen, damit er einem st erbenden Re« ligionsgenossen die Tröstungen seiner Sekte spendet? Wir haben darüber einen Entscheid des heiligen Offiziums vom 15. März 18t3, das auf die Frage, ob dies Krankenschwestern in Krankenhäusern erlaubt sei, geantwortet hat: Nein, sie sollten sich dabei passiv verhalten. An dieser Antwort ist durch- aus festzuhalten: denn einen ketzerischen Geistlichen herbeirufen, damit er seine Kultushandlungen vornehme, heißt nichts anderes, als etwas von ihm verlangen, was er ohne Sünde (wenigstens objektiv) nicht tun darf. Die bloße Benachrichtigung aber, es liege dort ein sterbender Nichtkatholik. der seine Gegenwart wünsche, auch wenn man voraussieht, daß der Geistliche seinen ketzerischen Ritus vornehmen werde, ist nur eine materielle Mit« Wirkung. Diese Mitwirkung ist an sich eine ziemlich entfernte, aber unter diesen Umständen doch eine notwendige, damit die Vornahme de? Ritus überhaupt erfolgen kann, zudem handelt es sich um eine für den Sterbenden sehr wichtige Sache. Deshalb halte ich dafür, daß nur beim Vorhandensein e i n e S d ur ch a u s g e w i ch tig en G run d e s ein solches Herbeirufen erlaubt ist. Die Gewichtigkeit des Grundes ist aber nicht bloß auS einem etwa entstehenden Privatnach- teil zu entnehmen, sondern hauptsächlich mit Rücksicht auf das allgemeine Wohl, das großen Schaden litte, wenn durch die Weigerung der Schwestern, einen ketzerischen Geistlichen herbei- zurufen, der öffentliche Haß gegen die katholische Religion erregt und den Krankenschwestern die Gelegenheit genommen würde, viel Gutes zu tun. Dennoch ist nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß dem Sterbenden, den ich als gut« gläubig voraussetze, auf andere Weise beigestanden wird, nämlich durch Erweckung vollkommener Reue. Das Dekret vom Jahre 1848 ist am 14. Dezember 1898 erneuert worden."(Lehmkuhl, Dbsol. mar. I. n. 819, Freiburg 1919.) Hier ist mit klaren Worten ausgesprochen, daß katho- tische tfeaukenschwestern für gewöhnlich einen nicht- katholischen Geistlichen nicht rufen dürfen, vielmehr versuchen sollen,„dem Sterbenden auf andere Weise" beizustehen. Und diese andere Weise wird näher erläutert:„durch Erweckung der voll- kommcnen Reue". Was heißt das.„auf andere Weise" dem Sterbenden helfen? Von den katholischen Schwestern wird diese Forderung nur zu oft dahin verstanden, sie sollten einen katholischen Geistlichen rufen, der in der„Erweckung der voll- kommenen Reue" geübter sei als sie selbst. Die in Mainz vorgebrachten Bedenken waren aber für die dorfigen Verhältnisse notwendig, da der Mainzer Klerus vielfach den Lehren der Jesuiten folgt und darum die jesuitische Moraltheologie des Jesuiten Lehmkuhl in besonders hoher Achtung steht. Der Reichskanzler und die Schlachtviehcinfuhr. Da die Fleischpresse in letzter Zeit wiederum gestiegen sind, hat jüngst der Stadtrat von Karlsruhe an das badische Ministerium das Ersuchen gerichtet, eS möchte beim Reichskanzler die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Einfuhr von Schlachtrindern aus Holland erwirken. Als Antwort auf die Eingabe der Stadtgememde hat zetzt das Ministerium den Bescheid des Reichskanzlers mitgeterlt, in dem unter Bezugnahme auf die Stellungnahme des preußiichen LandwirtschaflsministerZ die Gestattung der Wiedereinfuhr von Rindern aus Holland versagt wird. In dkm betreffenden Erlaß deS preußischen landwirtschaftlichen Ministeriums wird ausgeführt, daß das Ministerium nach den Erfahrungen, die es im letzten Winter mit der hollandlichen Rindvieheinfuhr gemacht habe, nicht in d er L a g e I e l, d e m An tr a g a u f Wiederzulassung der Ein f u h r die Genehmigung zu erteilen, weil ersten» die Ernfchleppuug von Seuchen zu be- fürchten sei, und zweitens, weil die Enisuhr aus Holland zu einer Herabsetzung der Preise im Jnlande voraussichtlich nicht oder doch nur unvollkommen führen ro,�de. Ueberdies sei die Frage der weiteren Entwicklung der Fletichvreife nicht so ungünstig zu be- urteilen, wie das von feiten der Karlsruher Stadtgemeinde geschehe. Da der Karlsruher Stadtrat eine dem Ländwirfichafts- Ministerium gegenteilige Ansicht vertritt, bat er in seiner gestrige» Sitzung beschlossen, den Vorstand des Deutschen Städtetages um weitere Schritte zur Wiederermöglichung der holländischen Vieh- einfuhr zu ersuchen._ Der Schuß im Offizierkafino. Vor«inigen Tagen fiel bekanntlich im Landwehr-Ofizierkafin» zu Berlin ein Revolverfchuß. Der Professor und Kamrnerhev? Maaß hatte sich aus auf diese Weise für Ohrfeigen, die ihm ein kammerherrlicher Kollege, ein Herr v. Westernhagen, appliziert hatte, Genugtuung verschafft. Man wird nicht leugnen können, dah das Verfahren ebenso einfach wie„standesgemäß" gewesen ist. Es heißt, Professor Maaß sei in der Notwehr gewesen, habe im Affekt geglaubt, sich nicht anders gegen den auf ihn eindringenden Hünen- hasten Kammerherrn von Westernhagen wehren zu können. Das mag sein; immerhin macht der so geschäftige Eifer, womit in bürgerlichen Zeitungen das abgekürzte Verfahren der Revolver- schießerei verteidigt wird, die Sache verdächtig. Aber etwas anderes haben wir bereits vernommen. Nämlich eine eindringliche Mahnung: Der Revolverschutz mahnt alle die, die sich so oder anders, auf legalem oder krummem Wege, mit dem Verschleiß von Orden und Ehrenzeichen, Titeln und Wür- den befassen, zur Vorsicht; denn was leicht und freudig begann, kann— wie Figura zeigt— tragisch enden. Daß Titel und Würden für Geld und gute Worte zu haben sind, wußte man längst, aber es war bisher nicht bekannt, daß derartige Geschäfte auch auf Abzahlung abgeschlossen würden. Jetzt hört man jedoch, daß die Zwischenhändler des fürstlich lippeschen Hofes in dieser Beziehung mit sich reden lassen. Sie vermittelten auch Titel auf Pump, und das ist den beiden fürstlich lippi- schen Kammerherren zum Verhängnis geworden. Denn wäre hier Zug gegen Zug erfolgt, wäre mit der Verleihung des Titels auch das Geld dafür eingestrichen worden: Kammerherr v. Westernhagen lebte noch. Die Hofverwaltung des Monarchen in Detmold, des regierenden Herrn über zweiundzwanzig Ouadratmeilen, hat keine glückliche Hand. Schon vor Jahren, kurz nachdem dieser Fürst mit Hilfe des Reichsgerichts fein Dhrönchen erklommen hatte, machte ein in Berlin betriebener Handel mit fürstlich lippischen Titeln von sich reden. Ter Handel war eingeleitet, damit der Theaterbaufonds in Detmold besser bespeist werde. Als die Sache publik wurde, hieß eS: Stop! Aber das fürstlich lippische Hoftheater brannte ab, und nun scheint gewissen Stellen die Erleuchtung gekommen zu sein, daß sich bei vorsichtiger Handhabung des Apparats wohl doch noch etwas aus der Vergebung von Titeln und Wür- den für den Theaterneubauherausschlagen lasse. Warum auch nicht! Kritiker unseres Schlages sind ja in diesem Punkte beinahe abgebrüht— das Titel- und Ordenswesen kann schlechterdings nicht mehr im Kurse sinken; es ist genügend bis- kreditiert. Aber die Weise, wie der Schacher geübt worden ist, scheint doch manchen bürgerlichen Aestheten Unbehagen zu bereiten. Titel und Würden im baren Handel mit dem Hintergrunde angeblicher Förderung des„allgemeinen Wohls" durch Zuwendungen an Krüppelheime, Krankenhäuser und zur Not auch an einen gemein- nützigen Theaterbaufonds— ja, das läßt man sich ge- fallen. Aber Titel und Würden gegen Schuldschein, faule Hhpo- theken und bloße„Ehrenwörter"— pfui Teufel auch, das übersteigt sogar die Fassungsmöglichkeiten. Da bleibt also nur der dringende Rat an alle Hofvcrwaltungen, speziell an die fürstlich lippische übrig, es sich zu einem heiligen Grundsatze zu machen: Nur sobald das Geld im Kasten klingt, die Würde an den Liebhaber springt! Vielleicht empfiehlt sich auch die Ausgabe besonderer Preis- listen mit festen, nicht handelbaren Sätzen und dem Vordruck: Nur gegen Barzahlung! Kredit— gleichviel in w.elcher Form �.wi.p.d nicht gewa hx t!„ So weicht.man allen verhängnisvollen Endspielen soweit wie möglich am besten aus. Teuerung und kein Ende. Auf eine Anfrage wegen der Fleischteuerung in der Stadt- berordnetenversammlung zu Detmold erklärte der Direktor des Schlachthofs, daß die unerschwinglich hohen Fleischpreise nicht fallen, sondern steigen würden. Der Mangel an Schweinen werde immer fühlbarer; Rinder seien schon jetzt schwer zu be- kommen und nach Kälbern hielten die Fleischermeister schon längere Zeit vergeblich Umschau. Dieser Zustand werde sich im Winter noch verschärfen. Unter diesen Umständen beschloß die Stadtverordnetenver- sammlung, die Teucrungskommission wieder zusammentreten zu lassen und zu versuchen, ob sich durch die Gemeinde eine Milderung des Notstandes erreichen lasse. Der Ober- bürgermcister erklärte, daß sich Vieh aus Holland nicht beschaffen lasse; der Transport von Vieh aus Dänemark fei aber zu kostspielig. Von der„Osfiziersehre". Die Flensburger Strafkammer beschäftigte sich in vierstündiger Verhandlung mit einer Offiziersprügelei. Mehrere Offiziere, dar- unter der Oberleutnant Lauenstein, hatten einen Kaufmann an- gerempelt und verweigerten auf die Vermittelungsversuche von dessen Bruder jede Entschuldigung. Ter Oberleutnant erhielt des- halb eine Ohrfeige und der Täter, ein Student, wurde zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Die KalKanfragoi. Zusammenstöße zwischen Serben und Albanern. Wien, 2V. September. Infolge des gewalttätigen Vor- gehens der Serben gegen die Albaner in der Dringegend und in Djuma ist es in der letzten Zeit wieder zu blutigen Zusammen st ößen zwischsn serbischen Truppen und Al- banern gekommen. Die Serben haben eine Anzahl Albaner getötet, die nach Djakova auf den Markt gehen wollten. Hierauf sind eine Anzahl serbischer Soldaten von den Al- banern getötet worden. Serbische Truppen haben das Dorf Patok überfallen, viele Häuser verbrannt und eine Anzahl Einwohner des Dorfes gefangen genommen. Die Regierung hat den Uebertritt aus Alba- n i e n in serbisches Gebiet für jedermann verboten. Griechische Proteste. Janina. 20. September. Wie der„Agence dAthenes" gemeldet wird, verursacht die Ernennung des früheren österreichischen Generalkonsuls in Janina, Ritter von Bilinski, zum Mitglied der Abgrenzungskommission unter der epirotischen Bevölkerung große Erregung, da Bilinski wegen feiner antihellenischen Gesinnung be° kannt sei. Die Bevölkerung ohne Unterschied der Raffe und der Religion sei gereizt und erwarte mit Ungeduld die Ankunft der Kommission, um energisch zu protestieren. Ein hier erscheinendes Blatt veröffentlicht in dieser Sache einen Artikel, in dem erklärt wird, daß etwa ISO 000 Christen, die eben erst von der türkischen Tyrannei befreit worden sind infolge deralbanischenPolitik Oesterreich-Ungarns und I t a l i e n's Gefahr laufen, wieder in die Sklaverei zurückgeworfen zu werden. Die Bevölkerung von Epirus fordere eine unparteiische Kommission. Die griechische Regierung werde die epirotische Bevölkerung nicht dazu zwingen können, einen Beschlutz anzunehmen, der gegen die politischen Anschauungen der Bewohner des Landes verstoße. Sie sei entschlossen, bis zum äußersten zu kämpfen, wenn. ihnen zugemutet werden sollte, sich den türkisch-albanischen Banden zu unterwerfen. Amerika. Brhan. New Dork, 20. September. Staatsminister Bryan ist über alle die Blätter sehr aufgebracht, welche eine Kampagne gegen ihn be- züglich s-iner Vortragsreisen unternommen haben. Doch haben die Kritiken, welche seine Vorträge in den Vereinigten Staaten wie auch in der Presse anderer Länder gefunden haben, ihn nicht veran- lassen können, diese Vorträge einzustellen, jedoch will er in Zukunft allen Journalisten und sonstigen Vertretern der Presse keine Be- richte über seine Vorträge mehr zukommen lassen. Am Don- nerstagabend hatte er eine Einnahme von 350 Dollar. Achte iuternationale Kovferm der gewerkschaftlichen Landessekretäre. Zürich, den 18. September 1913. H u g g l e r- Bern eröffnet und leitet auch die heutige Schluß- sitzung der Konferenz. Zunächst wird die gestern abgebrochene Diskussion über die Frage:„Was können die nationalen Landes- sekretäre tun, um den Anschluß der Gewerkschaften an die inter- nationalen Berufssekretariate zu bewirken?" I o cha d e- Berlin(internationaler Sekretär der Transport- arbeiter) setzt den Teilnehmern der Konferenz die Schwierig- leiten auseinander, die in manchen Ländern dem Anschluß ein- zelner Gewerkschaften an die internationalen Berufssekretariate entgegenstehen, so zum Beispiel, wenn die ausländischen Verbände, wie in Skandinavien, sich aus vielen Berufen zusammensetzen oder wenn die Landeszentrale nicht genügend Autorität hat, die einzelnen Organisationen heranzuziehen, wie in Frankreich. Es entstehen auch häufig Mißverständnisse wegen der sprachlichen Ver- schiedenheiten in der Korrespondenz. Die Aufforderung zum An- schluß an die internationalen Berufssekretariate werde manchmal infolge unrichtiger Uebersetzung so aufgefaßt, als werde das Auf- geben der eigenen Selbständigkeit in der Organisation verlangt. Shaw- Manchester(internationaler Sekretär der Textil- arbeiter) hält auch eine bessere Verbindung mit dem Inter- nationalen Sekretariat für notwendig, vor allem müsse für bessere sprachliche Verständigung durch gute Uebersetzung gesorgt werden. D e i ch m a n n- Bremen(internationaler Sekretär der Tabak- arbeiter) bedauert, daß wiederholte Versuche, die amerikanischen Tabakarbeiter zum Anschluß an die internationale Organisation zu bewegen, bisher immer noch gescheitert sind. Legten bemerkt, daß sich Deichmann im Irrtum befinde, die amerikanischen Tabakarbeiter vollziehen gegenwärtig den An- schluß an die Internationale. L e i p a r t- Berlin(internationaler Sekretär der Holz- arbeiter) ist der Meinung, daß die Landessekretäre genügend Autorität besitzen, auch in Frankreich, daß sie sie aber zu wenig anwenden, um für den internationalen Anschluß Propaganda zu machen. Namentlich in der Presse müßte mehr für den Anschluß agitiert werden. Es müßte in allen Gewerkschaftsblättern von Zeit zu Zeit ein Artikel verbreitet werden, der die Notwendigkeit des Anschlusses an die internatfonalen Berufsverbände darlegt. Besonderer Wert ist auf gute Uebersetzung zu legen, und zwar sollte möglichst ein Berufsgenosse für die einzelnen Verbände die Uebersetzungen liefern, damit die fachlichen und technischen Aus- drücke richtig wiedergegeben werden. Wünschenswert würde es sein, wenn ausländische Gewerkschafter, ein Engländer und ein Franzose, die die ausländischen Verhältnisse kennen, vom Inter- nationalen Sekretariat beschäftigt werden und die Uebersetzungen kontrollieren-könnten.■ Baumeister(Schriftführer des Internationalen Sekre- tariatS) hält den Wunsch Leiparts, Uebersetzer aus den Berufs- kollegen zu gewinnen, für unerfüllbar, da solche Kräfte nicht vor- handen sind. Das Internationale Bureau beschäftigt gegenwärtig ausländische Uebersetzer und ist bestrebt, die Uebersetzung immer vollkommener zu gestalten. Er selbst habe ganz tüchtige Sprach- kenntnisse, aber Uebersetzungen in fremder Sprache, die ihren Zweck im Ausland erfüllen sollen, getraue er sich nicht zu machen. Wer gewissenhaft sei, müsse das ablehnen. Wie schwer sei es, für Arbeiter in der Muttersprache druckfertig zu schreiben? Wie viele Gewerkschaftsfunktionäre könnten das? Die meisten haben Glück, weil die Buchdrucker gut Deutsch können.(Heiterkeit und Zu- stimmung.) F'i n n e n- Amsterdam(internationaler Sekretär der Hand- kungsgehilfen) hält für das beste Mittel, den Anschluß an die internationale Organisation zu fördern, persönliche Besuche und Agitation. Appleton. London vertritt die Ansicht, daß die inter- nationalen Berufssekretäre mehr Einfluß haben als die Landes- zentralen, wenigstens in England. Die Diskussion habe wertvolle Anregungen ergeben, die man sich in England zunutze machen werde. Shaw- England sieht ebenfalls die Hauptschwierigkeit in der Vielsprachigkeit und dem Mangel an guten Uebersetzungen. Er empfiehlt in einer Resolution die Errichtung eines Uebersetzungs- kurses beim Internationalen Bureau. P e r k i n s- Amerika bespricht noch einmal die Frage der Aufnahmebeschränkung von fremden Arbeitern in amerikanische Organisationen. Der Widerstand gegen die Aufnahmen komme meistens von den frisch eingewanderten Arbeitern, die eben erst aufgenommen worden sind.(Heiterkeit.) Viele Organisationen übten jetzt schon Gegenseitigkeit, andere freilich noch nicht. Die amerikanischen Verhältnisse seien sehr eigenartig und könnten nicht so leicht auswärts verstanden werden. Gestern habe Kloth von 10 000 Buchbindern in Chicago gesprochen. In Chicago wür- den im gesamten Buchgewerbe nicht 10 000 Arbeiter beschäftigt. Solche Mißverständnisse seien vom Uebel und man sollte wirklich die Gelegenheit ergreifen, einmal nach Amerika zu kommen und die nächste Konferenz 1915 in San Franziska abhalten. Das würde die Mißverständnisse verringern. Le'gien ist von der Aussprache sehr befriedigt.. Freilich habe es sich auch gezeigt, dah die Berufssekretäre nicht immer völlig einwandfrei über die Verhältnisse des eigenen Berufes in den verschiedenen Ländern unterrichtet seien. Deichmann zum Beispiel habe nicht gewußt, daß sich jetzt der Anschluß der amerika- Nischen Tabakarbeiter an die Internationale vollzieht.(Deich- mann ruft: Es geht eben sehr langsam!) Ja. das ist eben das Falsche, wenn deutsche Maßstäbe angelegt werden. Bei den riefen- haften Entfernungen in Amerika ist die Verständigung zwischen den einzelnen Ortsgruppen und der Zentrale viel zeitraubender als bei unS. Die Uebersetzungen werden besser werden. Das Bureau schwebte bisher in der Luft. Jetzt, nachdem die Beitrags- erhöhung beschlossen ist, können wir die Sache ausgestalten und ein Uebersetzungsbureau als dauernde Einrichtung schaffen. Die Konferenz erhebt die Resolution Shaw auf Errichtung eines ständigen Uebersetzungsbureaus zum Beschlutz. P e r k i n s- Amerika fordert nunmehr die Konferenz auf. die nächste Tagun« 1915 in San Franziska abzuhalten. Die international organisierten Gewerkschaften soll- ten die Gelegenheit ergreifen. Amerika, dieses große und inter- essante Land, kennen zu lernen, dessen eigenartige Verhältnisse nur zu � verstehen sind, wenn man sie persönlich studiert hat. Die Kosten sind nicht unerschtvinglich, sie werden für die Reise von sechs Wochen etwa 1600 M. betragen. Redner üerreicht außer- dem noch ein Einladungsschreiben der AuSstellungSleihmg der Weltausstellung von San Franziska. Legicn erklärt sich unter der Voraussetzung, daß die Konfe- renz keine Rumpfkonferenz, sondern international gestaltet wird, daß also jedes angeschlossene Land einen Delegierten entsendet und die Kosten durch Umlageverfahren gemeinsam aufgebracht werden, für die Annahme der Einladung nach San Franziska. Die Generalkommifsion der Gewerkschaften Deutschlands wie die American Federation haben sich bereits mit der gemeinschaftlichen Aufbringung der Kosten einverstanden erklärt. Der Redner weist auf die Fertigstellung des großen Kulturwerkes des Panamakanals hin und betont, daß auch die organisierte internationale Arbeiter- schaft dabei nicht fehlen darf. Nach längerer Diskussion, in der sich unter anderen H u e b e r- Wien, Oudcgeest- Holland und M a e r t e n s- Belgien gegen die Reise nach Amerika ausgesprochen, wird in Abstimmung nach Nationen mit 10 gegen 6 Stimmen und einer Enthaltung be- schloffen, die nächste Konferenz im Jahre 1915 in San Franziska abzuhalten. Hueber erklärt, daß er diesen Beschluß nur mit Zustim- mung der österreichischen Generalkommifsion durchführen könne. Legicn erklärt, ohne Widerspruch zu finden, daß damit auch das Umlageverfahren über die Aufbringung der Kosten be- schlössen worden ist. Die Konferenz spricht den Hinterbliebenen des englischen Führers Harry Queich das Beileid aus. Die Arbeiten der Konferenz sind damit beendet und die Ver- Handlungen werden vom Vorsitzenden H u g g l e r geschlossen, £[iis Industrie irnd Handel. Konjunkturgewinne. Die Harpen er Bergbau-Aktiengesellschaft erzielte im vergangenen Geschäftsjahre einen Bruttogewinn von 33,55 Millionen Mark gegen 25,68 Millionen Mark im Jahre 1911 bis 1912. Die Gewinnsteigerung innerhalb eines Jahres beträgt also fast 8 Millionen Mark. Fast 9 Millionen werden zu Abschrei- bungen verwandt. Die Aktionäre erhalten aus dem Reingewinn 11 Proz. Dividende gegen 9 Proz. im Vorjahre. Kartellterrorismus. Wie ein Telegramm auS Wien meldet, wurde in einer Plenarsitzung des österreichischen Eisenkartells das Rokvcanwerk wegen kartellwidriger Vorgänge aus einstimmigen Beschluß aus dem Kartell ausgeschlossen und die Her- stellung von Kampfpreisen gegen Rokycan beschlossen. Danach wurden die Stabeisenpreise in dem Bezirk Rokycan auf 3 Kronen 5 Heller per Mcter-Zcntner herabgesetzt. Für den Bezirk Wien be- trug die Herabsetzung 1 Krone 20 Heller.- Ferner wurden ent- sprechend der Abschwächung auf dem internationalen Eisenmarkt die Grobblechpreise um 1 Krone 50 Heller und die Träger um 60 Heller erniedrigt. Ein ganzes Land an eine Firma. Wie der Standard in London mitteilt, hat Lord Murrah für die englische Firma Pearfon u. Son nach einem scharfen Konkurrenzkampfe mit amerikanischen und europäischen Firmen einen Kontrakt von 40jähriger Dauer zum Zwecke der wirtschaftlichen Erschließung der Republik Columbia abgeschlossen. Der Kontrakt enthält Konzessionen zum Bau von Eisenbahnen, Hafenanlagen, Kanälen, Telegraphen- und Telephonleitungen und zur Erforschung und Ausbeutung von Petroleumquellen. Soziales* Tie Schulzahnpflege in Deutschland. Das deutsche Zentralkomitee für Zahnpflege in den Schulen nimmt seit einigen Jahren regelmäßige Statistiken über die Ver. breitung der Schulzahnpflege auf. Nach der Erhebung im Jahre 1909. wurden in 42 Orten prgktisch?. Schulzahnpflege ausgeübt� Im Jahre.1911 war dje Zahl dieser Örte schon auf 78 angei wachsen. Die dritte, vor einigen Bconaten aufgenommene Statistik führt insgesamt schon 209 Orte auf. Unter diesen befinden.sich 79, meist große Stäote, in denen Schul- Z a hn k l i n i k e n bestehen. Am besten ist wohl die Fürsorge in jSernburg, Darmstadt, Erfurt, Charlottenburg, Nürnberg, Stuttgart, Straßburg durchge- führt, wo allen Volksschulkindern unentgeltliche Zahnbehandlung gewährt wird. In den anderen Orten fehlt es angeblich an Mitteln hierzu. Man hat hier eine Verteilung der Lasten vorgenommen, insofern als die Gemeinde einen Teil, die Eltern den andern Teil zu übernehmen haben. Meist werden pro Kind und Jahr Beträge von 50 Pf. bis 3 M. erhoben. In manchen Orten, wie in B e r- l i n, Chemnitz, Tortmund, Essen, Hamburg usw. ist die Behand- lung nur für die Kinder der„Armen" frei; die von den anderen Kindern zu leistende Bezahlung wird verschiedentlich gehandhabt. In Berlin sind pro Fall 50 Pf. zu zahlen, in Altona, Bonn, Leipzig, Stettin, Ulm usw. können die Kinder Abonnements in den Kliniken entnehmen, die meist 1 M. pro Jahr kosten. Die Zahl der behandelten Kinder betrug beispielsweise in Essen 18 802, Berlin 15 000, Düsseldorf 13 082, Nürnberg 12 327, Stuttgart 10 522. Duisburg 7233, Barmen 9960. Frankfurt a. M. 5838. Hau- nover 6000 usw, In den übrigen 130 Orten bestehen Schulzahnpflegestellen. Die Behandlung erfolgt hier nebenamtlich durch ortsansässige Zahnarzte. Die Gemeinden geben meist einen Zuschuß zu der Behand- lung, im übrigen ist sie in der Regel zu bezahlen. Vielfach ge- schieht diese Bezahlung durch„ermäßigte Preise", meist durch Ent- nähme von Abonnements. Dar Preis für letztere schwankt von 1 bis 3 M. In einigen Orten ist die Behandlung auch Dentisten anvertraut. Neben der Behandlung der Schulkinder wird aller- wärts eingehende Belehrung über die Bedeutung eines gesunden Gebisses und die Wichtigkeit der Zahnpflege erteilt. An dieser Propaganda beteiligen sich nach den Darlegungen deö Berichts de» Zentralkomitees nicht nur Behörden, Zahnärzte und Aerzte, son- dern vor allen Dingen auch die Lehrer, und in dem Zusammen- arbeiten aller dieser Kräfte liegt der große Erfolg im Kampfe gegen die weitverbreitete Karies der Zähne unter den Schul- lindern. Deutschland könne für sich den Ruhm beanspruchen, sagt der Bericht, unter allen Ländern an erster Stelle in dieser sozialen Fürsorge zu stehen._ Hetzte Nachrichten. Heftige Streikbewegung in England. Manchester, 20. September.(W. T. B.) Die Arbeit ruht voll- ständig. Auf den Docks von Manchester feiern 5000 Mann und etwa 50 Schiffe sind an der Abfahrt verhindert. Die Direktoren der Kanalgesellschast lehnen jedes Zugeständnis und den Smpfang einer Arbeiterdelegation ab. Die Arbeiter bereiten sich auf einen lange währenden Streik vor. Nottingham, 20. September. Etwa hundert auf dem Güter- bahnhof der Midkand-Eisenbahn beschäftigte Arbeiter sind heute nachmittag in den Ausstand getreten. Neue Cholerafälle in Kroatien. Agram, 20. September.(P. C.) Gestern wurden bei der Landesregierung neuerlich 20 Cholerafälle zur Anzeige gebracht. Bis zum heutigen Tage sind in Kroatien 200 Chokerasälle amtlich festgestellt. Folgenschwere Explosion. Bilbao, 20. September.(W. T. B.) Wie aus Galdacano ge- meldet wird, wurden bei einer Explosion in einer Fabrik von Ex- plosivstoffen fünf Arbeiterinnen getötet. Absturz eines Fliegers. Sebastopol, 20. September.(W. T. BZ Der Militärflieger Artillerieleutnant Fischer ist aus 200 Meter Höhe abgestürzt, Ex war sofort tot, A.Wertheim is Leipziger Sirasse König~Str. am Bahnhof Alezander-Platz Rosenihaler Strasse Oranien~Sirasse 'Bis Ende dieser Woche Grosser Verkauf Eztra-'Preise Porzellan Weisses Porzellan Feston Form Speiseteller tief od. flach 18 Pf. Dessertteller...... 1 2 Pf Kompotteller...... 9 Pf Terrinen..... 1.10, 1.35 Kartoffelnäpfe.. 75, 95 Pf Saucieren........ 38 Pf Kompottschüsseln 20 b.48 Pf BratenscimsselnoniiZS t». 95, n�-45 Ff Kaffeekannen.. 28, 45 Pf Teekannen....... 45 Pf Milchtöpfe.... 8 bis 15 Pf Zuckerdosen...... 12 Pf Tassen........ 8, 12 Pf Meissner Porzellan blaues Zwiebelmuster Speiseteller tief Dessertteller. Kompotteller Terrinen.... Kartoffelnäpfe Saucieren.-. Bratenschiisselo.. Kaffeekannen Teekannen.. Milchtöpfe.. Tassen..... 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Glocke, Berbn. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. a Lerlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu SBrilage» »»»■»■>« i, Skilaze ks Lmirls" Jitrliucr MldsM s..�.a.wm Parteitag der deutsche« Sozialdemokratie. Sechster Verhandlungstag. Jena,'20. September. Ten Platz des Genosien Eugen E r n st. der heute seinen KO. Geburtstag feiert, schmückt ein groher Blumenstrauß, den ihm seine Berliner Freunde überreicht haben. Bock eröffnet die Sitzung um 8 Uhr mit' der Mitteilung, daß W i n n i g- Hamburg und Julius Koch- Magdeburg zu Protokoll erklären, sie seien gestern durch die Abhaltung einer Versammlung bczw. durch die Teilnahme an einer Gerichtsverhandlung abge- halten worden, sich an der Abstimmung über die Resolution Wurm zu beteiligen, sie hätten sonst dafür gestimmt. Ter Parteitag tritt in die Tagesordnung Punkt 6 JMaifdcr. Hierzu liegen die Anträge 58 bis 74 vor.*) Berichterstatter Ebert: Auf dem vorigen Parteitag haben wir uns bei diesem Punkt fast ausschließlich mit der Frage der Abführung des Tagclohnes beschäftigt. Erhebend waren die Debatten nicht. Die peinlichen Lwischenfällc bei der Abstimmung haben sogar recht niederdrückend gewirkt. Die Angelegenheit ist infolgedessen nicht endgültig erledigt worden. Wohl ist der Nürnberger Beschlutz aufgehoben worden, ober der Antrag Robert Schmidt und Genossen, der die Ab- sührung des Tagelohnes auf die in der Partei und den Gewerk- schaftcn angestellten Genossen beschränken wollte, kam nicht mehr zur Abstimmung, obwohl nur unter dieser Voraussetzung der größte Teil der Anhänger des Antrags Schmidt vorher für die Aufhebung des Nürnberger Beschluffes gestimmt hatten. Parteivorstand und A u ss ch u tz haben sich im Laufe des Jahres wiederholt mit der Frage beschäftigt, wir haben uns dabei von der Absicht leiten lassen, die Maifeier möglichst zu befreien von den deprimierenden Streitigkeiten über die Lohnabführung. Das Resultat unserer Bc- ratungen ist der Antrag 58,**) auf dessen Boden auch die G e n eral- lommifsion steht und der den Kreis derjenigen, die zur Ab- führung des Tagelohnes verpflichtet sind, möglichst einschränken will. Es ist im vorigen Jahre eingehend dargelegt worden, zu welchen Unzuträglichkeiten der Nürnberger Beschluß geführt hat, und tatsächlich hat unsere Umfrage bei den Organisationsleitungen ergeben, daß fast überall, wo versucht wurde, den Beschluß ernsthaft durchzuführen, die allergrösiten Schwierigkeiten entstanden sind, die teilweise das ganze Parteiw�sen erschüttert haben.(Hört! hört!) Die Organisationen der großen Orte sind gar nicht in der Lage festzustellen, welche Arbeiter keinen Lohnausfall haben, denn der Beschluß bezieht sich ja auch auf die Arbeiter in Genossenschaften und in Privatbetrieben. Daran hat auch die vor zwei Jahren er- folgte Verschärfung des Nürnberger Beschlusses nichts geändert. Im Gegenteil, mit dieser Dr. Eisenbart-Kur find die Zustände nur noch verschlimmert worden.(Sehr richtig!) Die Ausschluß- antrüge haben sich geradezu gehäuft. Vielfach ist die Durchfüh- rung auch an den wirtschaftlichen Verhältnissen der in Frage kom- inenden Arbeiter gescheitert. Sehr große Schwierigkeiten macht uns auch die Bestimmung des Buchdruckertarifs, wonach für ge- setzliche treicrtage öder für solche, die vom Arbeitgeber angeordnet werden, der Lohn bezahlt werden mutz. Hätten wir etwas weiteres gegen das Personal unternomnien, dann wären wir in tarifliche Drsrerenzen geraten. Auch bei den Angestellten der Genossenschaften und Kranken- lassen sind große Schwierigkeiten entstanden; es ist sogar vorge- kommen, daß diese Körperschaften, wenn die Organisationen streng darauf hielten, daß dem Beschluß Rechnung getragen wird, in Zu- iunft einfach von der Arbeitsruhe abgesehen haben. Das ist höchst bedauerlich und aufs schärfste zu verurteilen, aber mit dieser Tat- fache müssen wir rechnen.(Sehr richtig!) Wir haben uns deshalb auf die Angestellten der Partei und der Gewerkschaften zu be- schränken. Partei und Gewerkschaften, das sind die Organisationen, die die Maifeier beschließen und durchführen, das sind die Kampfes- organisationcn des Proletariats, von deren Führern man verlangen kann, daß �fie auch hier mit gutem Beispiel voran- g e h en.(Sehr richtig!) Für diese Angestellten ist die Abführung des Tagelohnes ein verhältnismäßig geringes Opfer, und man kann wohl erwarten, daß sie alle gern und freudig dies Opfer auf sich nehmen.(Sehr richtig!) Wenn bisher bedauerlicherweise einige Gewerkschaften der Durchführung des Beschlusses Schwierig- keiten bereitet haben, so konnten sie sich darauf berufen, daß der Beschluß einseitig von der Partei gefaßt, also für sie nicht bindend ist. Das ist in Zukunft nicht mehr möglich, denn unser Antrag hat auch die Zustimmung der Generalkommission gefunden, die erklärt hat, sie werde alles aufbieten, damit er glatt zur Durch- führung gelangt. Wir zweifeln nicht daran, daß das der Fall sein tvird. Wenn sich aber trotzdem Widerstände geltend machen sollten, dann haben die Organisationen das Erforderliche zu veranlassen, und ich kann nachdrücklich erklären, daß wir in der Parteileitung einmütig der Meinung sind, daß Parteigenossen, die so wenig Pflichtgefühl haben und so wenig Opfersinn besitzen sollten, daß sie diesem Beschluß Widerstand leisten, tatsächlich das Vertrauen der Parteigenossen für sich nicht mehr in An- spruch nehmen können.(Lebhafter Beifall.) Der Wortlaut unseres Antrages ist klar und unzweideutig. Selbstverständlich bezieht er sich nicht allein auf Parteigenossen, sondern auf Parteigenossinnen, und unter dem Begriff„Bureaus" sollen auch Zeitungsexpeditionen, Buchhandlungen und ähnliche In- stitutionen verstanden werden.. Auch die im Außendienst tätigen Genosien, z. V. Akquisiteure und Beitragskassiercr, fallen unter den Antrag, während wirtschaftlick schlecht gestellte Personen, wie Lauf- burschen, Reinmachefrauen, Zeitungsausträgerinncn, von der Ab- führung des Beitrags befreit sind. Wir verkennen nicht, daß auch unser Vorschlag nicht völlig einwandfrei ist, aber er bildet den besten Ausweg, um aus der Situation herauszukommen.(Sehr richtig!) Der Vorschlag wird zunächst angegriffen von den Gegnern des Nürnberger Beschlusses überhaupt, z. B. von Heilmann. Ich möchte aber dringend bitten, die Dinge nicht auf die Spitze zu treiben.(Bravo!) Auch die Anhänger des Nürnberger Beschlusses greifen unseren Vorschlag an. Das Entscheidende der Differenz zwischen uns und dieser Gruppe ist nur ein gewisser Ausfall von Einnahmen für den Maifeierfonds, aber dieser Ausfall ist nicht so bedeutend, daß wir deswegen die großen Schwierigkeiten, die luir in der Organisation haben, weitcrschleppen sollten. Ich bitte Sic deshalb recht dringend, unserem Antrag zuzustimmen und alle *) Die Anträge foridern eine Regelung der Abführung des Tagesverdienstes durch die Angestellten der'Arbeiterbewegung. Der Antrag 73 verlangt die Verlegung der Maifeier aus Sonntag. **) 58. P a r t e i v o r st a n d-. Dem Beschluß des Leipziger Parteitages vom Jahre 1909, der die Regelung der Maifeier und die Ansammlung eines Maifeiersonds anordnet, fügt der Parteitag in Jena folgende Erklärung hinzu: Der Parteitag erwartet von den in Bureaus und Redaktionen der Partei und der Gewerkschaften angestellten Parteigenossen, daß sie im Hinblick auf die Opfer, die die Arbeiter im Kampf um die Maifeier bringen, ihren Tagesverdienst am 1. Mai an den Maifeier- sonds abliesern. übrigen Anträge, die sich mit der Abführung des Tagelohns be- schäftigen, abzulehnen.(Beifall.) lieber den Ilmfang der vorjährigen Arbeitsrube kann ich nichts berichten, weil damals der 1. Mai auf einen gesetzlichen Feiertag fiel. Es wäre lediglich zu erörtern, ob auf dem n ä ch st e n i n t e r- nationalen Kongresse im nächsten Jahre die deutsche Delegation zur Arbeitsruhe eine andere Stellung ein- nehmen soll als bisher. Darüber hat sich im vergangenen Jahre Molkenbuhr geäußert. Er hat erklärt, der Parteivorstand stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Arbeitsruhe am 1. Mai beibehalten werden solle. Das ist auch heute noch die einmütige Auffassung des Parteivorstandes. Die Maidemonstration ist eine Aktion, die ihrem ganzen Wesen nach am besten geeignet sein muß, bei den Massen Begeisterung und Entschlossenheit auszulösen. Sie gilt den For- dcrungen des proletarischen Klassenkampfes. Neben der Forderung des wirksamen Schutzes der menschlichen Arbeitskraft gegen kapita- liftischc Ausbeutung und Verwüstung gilt es einzutreten für die politische Gleichberechtigung, zu protestieren gegen den kulturfeind- lichen Militarismus und den männermordenden Krieg.(Bravo!) Die Gefährdung des Koaliftonsrechtes der Arbeiter, der Stillstand der Sozialpolitik, die Verweigerung des gleichen Wahlrechts in Preußen und der immer beutegieriger auftretende Imperialismus geben der Maidemonstration des deutschen Proletariats neuen Inhalt und neue Kraft.(Sehr richtig!) Eine Abschwächung der Maifeier gerade in dieser Situation wäre ein Zurückweichen, das von unseren Parteigenossen nicht verstanden würde.(Sehr richtig!) Den Treibereien der Scharfmacher und Rüstungsfanatiker mutz mit steigender Wucht die Solidarität der Arbeiter aller Länder gegenübergestellt werden, dazu gibt die Maidemonstration die beste Gelegenheit. Wenn der internationale Kongreß im nächsten Jahre zusammentritt, sind 25 Jahre verflossen, seitdem die neue Internationale entstand, die als mächtiger Bund des Sozia- lismus die Länder des Erdballs umspannt. Auf jener imposanten Tagung vor 25 Jahren wurde die Maifeier geschaffen, die seitdem mächtig für die Begeisterung der Massen gesorgt hat. Ich glaube, niemand aus diesem Fubiläumskongrcß Ivird Neigung haben, den Eharakter der Maidemonstration abzuschwächen. Ich hittc Sie da- her dringend, alle Anträge, die dahinzielcn, abzulehnen.(Lebhafter Beifall.) Fries-Köln: Der Magdeburger Antrag verlangt, daß am 1. Mai die Referen- ten keine Entschädigung, sondern nur die Erstattung ihrer direkten Unkosten erhalten. So sehr ich diesen Antrag begrüße, so zweifle ich doch an seiner Durchführbarkeit. Wir haben einen Wahlkreis, der dasselbe schon beschlossen hatte, aber die Folge war, daß die Ge- werkschaftsaugestellten, die wir als Referenten brauchten, einfach streikten.(Zurufe:„Schöne Sozialdemokraten!" Pfuirufe!) Ich kann Ihnen den Bclvcis erbringen. Der Antrag des Vorstandes ist mir zwar sympathisch, aber ich kann ihm nicht zustimmen, weil er nichts Festes bringt. Es heißt nur,„es wird erwartet", daß sie den Verdienst abführen. Das ist schon früher ausgesprochen Wdrden, aber es ist nicht geschehen. Ich fürchte auch der neue Antrag wird nur zu Reibereien führen. Die Erklärung von Ebert könnte den Antrag ja schmackbafter machen, aber ich würde wünschen, daß auch die Geucralkommission der Gewerkschaften eine Erklärung im glei- chcn Sinne für die Gewerkschastsangcstellten abgeben würde. Wir baben Taufende von Parteigenossen mit geringem Arbeitslohn, die im ganzen Jahre so viele Opfer für die Partei bringen, daß das, was die Angestellten am 1. Mai abführen sollen, dadurch hundertfach aufgewogen Ivird. Wollen Sic die Mißstimmung zwischen Arbeitern und Gclvcrkschaftsbcamtcn beseitigen, dann beschließen Sie ein- stimmig die Abführung des Tagesverdienstes der Angestellten von Partei, Gewerkschaften und Genossenschaften am 1. Mai. Beweisen Sie. daß Sie das sind, was Sic sein wollen, die Kulturpionicre der sozialistischen Bewegung.(Beifall.) Klingler-Berlin: Der Parteitag würde am besten tun, wenn er den Nürnberger Beschluß wieder herstellt. lSehr richtig!) Als ich im vorigen Jahre von der Aushebung dieses Beschlusses las. hatte ich das Gefühl, als wenn ich einen Faustschlag ins Gesicht bekäme. Der Nürn- berger Beschluß ist keine Ausnahmebestimmung, im Gegenteil, er beseitigt eine Ausnahme, denn die Angestellten befinden sich doch bei der Maifeier in einer bevorzugten Stellung, und es ist nur gerecht, wenn sie einen kleinen Beitrag abführen zugunsten derer, die wegen der Arbeitsruhe am 1. Mai gemaßregelt sind. Wer sich weigert, dem Nürnberger Beschluß nachzukommen, zeigt, daß ihm alles abgeht, was man von einem Sozialdemokraten verlangen kann.(Sehr richtig!) � Die Partei verliert gar nichts, wenn solche Leute einfach gestrichen werden.(Lebhafte Zustimmung.) Wenn wir den Nürnberger Beschluß nicht wieder herstellen, dann wird man uns vorwerfen, wir haben dokumentiert, daß bei uns keine Ideale mehr vorhanden sind.(Bravo!) Fischer-Hannover: hat sich leider nicht verwirklicht. Das beweisen die zahlreichen Die Hoffnung, daß durch den Beschluß des Chemnitzer Partei- tages die leidige Angelegenheit der Maifeier definitiv erledigt sei, Anträge. Die Anträge, die von allen am 1. Mai feiernden.Ge- nossen, soweit sie keine Einbuße an Lohn erleiden, die Abführung des Obolus verlangen, lassen sich schon wegen der Schwierigkeit der Kontrolle nicht verwirklichen. Tie Anträge auf Wieder- Herstellung es Nürnberger Beschlusses sind deshalb nicht praktisch, weil wir dann auf jedem Parteitag die gleichen Klagen hören würden. Wir sollten definitiv Schluß machen. Am konscquentestcu ivärc es, man würde alle Anträge, auch den des Parteivorstandes ablehnen. Die EntWickelung, die die Maifeier genommen hat, findet die Sympathie auch nicht' eines einzigen Genossen. Die Arbeitsruhe am 1. Mai bietet ein eigen- tümliches Bild, man sieht nur wenige, die wirklich gezwungen sind, am 1. Mai zu arbeiten und trotzdem feiern. Wir haben auf diesem Gebiet gar keinen Erfolg zu verzeichnen.(Zuruf: Ihr habt ja die Maifeier totgeredet!) Entweder man setze alle Kraft dafür ein, daß der l. Mai wirklich ein Ruhetag wird, oder inan mache der Maifeier in der heutigen Form ein Ende. Wir sollten uns auf Tcmonstrationsversammlungen am Abend beschränken. (Beifall und Widerspruch.) Grosse-Hamburg: Darin stimme ich Ebert bei, daß die Schwierigkeiten be- sonders in den letzten Jahren seit Bestehen des Nürnberger Be- schlusscs sich bedeutend vergrößert baben. Ich kann aber nicht ein- sehen, daß wir durch den Antrag des Parteivorstandes aus diesen Schwierigkeiten herauskommen. Wenn es in das Belieben jedes Einzelnen gestellt wird, ob er den Lohn vom 1. Mai abführen will, dann werden wir nicht die Beiträge bekommen, die nötig sind, um die Opfer der Maiseier zu entschädigen. Es kann uns nicht gleichgültig sein, ob die Abführung der Beiträge von dem Bc- lieben der einzelnen Genossen abhängt. Wir in Hamburg haben bei der Einziehung der Beiträge keine Schwierigkeiten gehabt. Das kann uns aber nicht bestimmen, einen Beschluß zu fassen, der weder Fisch noch Fleisch ist. Es ist ein unhaltbarer Zustand, wenn sich jemand, der jahrelang in der Arbeiterbewegung angc- stellt ist und seine Pflicht getan hat, wie es in Hamburg schon vor dem Nürnberger Parteitag der Fall war, sich in Versamm- lungen beschimpfen lassen mutz. Durch den Nürnberger Beschluß und durch die Einführung der Maifeierunterstützung ist die Mai- feier eigentlich nicht mehr das, was sie ursprünglich gewesen ist. Verzeihen Sie das harte Wort, aber wenn man diese Entwickc- lung sieht, dann kann es einem leid tun, auf die Dauer noch für die Arbeitsruhe am 1. Mai einzutreten.(Zustimmung und Wider- spruch.) Man muß die A r b e i t s r u h e erweitern, um da- durch die Arbeitgeber zur Freigabe des 1. Mai zu zwingen. Sonst hat die ganze Demonstration keinen Sinn. Das erfordert natür- lich auch Opfer, wir müssen infolgedessen mit großen Au� sperrungen rechnen, und diese Opfer zu entschädigen, sind wir gar nicht in der Lage. Da aber ist es doch ganz natürlich, daß die- jenigen, die keinen Schaden haben, ihren Obolus zugunsten der Geschädigten opfern. Wir müssen einen positiven Beschlutz fassen, denn wir können die Beiträge nicht entbehren. Wir wissen, daß die Durchführung der Arbeitsruhe am 1. Mai eigentlich nur in Deutschland konsequent erfolgt ist. Deshalb glaube ich auch, daß der Vorstand es sich noch einmal überlegen wird, ob auf dem internationalen Kongreß in der Form der Maifeier nicht eine Aenderung geschaffen werden kann. Ich bin auch überzeugt, daß alles, was uns bewegt am 1. Mai, auch ohne Arheitsruhe öffent- lich zum Ausdruck gebracht werden kann.(Sehr richtig!) Ich will mich nicht verbreiten darüber, ob es angebracht ist, einen Antrag �zum internationalen Kongreß vorzubereiten, aber ich möchte Sie bitten, daß wir mindestens diejenigen, die keinen Lohnausfall haben, verpflichten, den Tagelohn zu opfern für die Unterstützung der Geschädigten.(Beifall.) Es läuft ein Antrag Beims- Magdeburg ein, in dem An- trag des Parteivorstandes(58) hinter„Parteigenossen" einzufügen: „sobald sie mehr als 2000 M. Jahresgehalt heziehen". Auer-München begründet einen Antrag aus Schluß der Debatte. Die prinzipielle Seite der Maifeier wird Voraussicht- lich nicht mehr besprochen werden, die Anträge beziehen sich alle aus die Ablieferung des Tagelohncs. Die Erörterung dieser Frage aber ist des Parteitages nicht würdig, und der Maifeier wird damit nicht gedient. Bcims-Magdeburg: Ich bitte, den Schlußantrag abzulehnen, damit der Antrag des Parteivorstandes so abgeändert oder inter- pretwrt werden kann, daß sich später keine Schwierigkeiten daraus ergeben. Der Schlutzantrag wird mit großer Mehrheit angc- n o m m e n. Ebert(Schlußwort): Es ist bemängelt lvorden, daß unser Antrag nicht in positive Form gekleidet ist. Ich habe aber bereits erklärt, daß der Partei- vorstand der Auffassung ist, daß die Parteiorganisationen auch bei dieser Form des Antrages Mittel und Wege genug haben, um das Erforderliche für die Durchführung des Antrages veranlassen zu können. Von einem Redner ist gesagt worden, daß er wohl glaube, daß nach der Deklaration, die wir dem Antrag gegeben haben, Parteiangestellte sich nicht weigern würden, den Tagesverdienst zu zahlen. Er hat nur eine ähnliche Erklärung von der General- kom Mission vermißt. Ich habe ja schon zu verstehen gegeben. daß die Erklärung der Gencralkommission hereits vorhanden ist und kann jetzt ausdrücklich noch einmal sagen, daß die General- kommission immer der Auffassung war, daß die Beschlüsse des Parteitages von den in den Gewerkschaften tätigen Parteigenossen unter allen Umständen zu beachten sind. Ich kann weiter erklären, daß die Generalkommission auch in bezug auf unseren Antrag derselben Ansicht ist, so daß also auch von dieser Seite alles geschehen tvird, um den Antrag zur Durchführung zu bringen.(Bravo!) Wenn dann Iveiter geltend gemacht worden ist, daß wir mit unserem Antrag aus den bestehenden Schwierigkeiten nicht herauskommen werden, so haben die Redner ganz außer acht gelassen, daß der Kreis der Beteiligten erheblich eingeschränkt wird. Alle, die gegen diese Einschränkung gesprochen haben, sind auf meine Darlegungen eigentlich gar nicht eingegangen. Niemand ist eingegangen auf die Schwierigkeiten, die uns heim technischen Personal entstehen, sowie darauf, daß ein großer Teil der Nrheiter in der Privatindustric wirtschaftlich kaum in der Lage ist, dem Beschluß zu entsprechen, ebensowenig darauf, daß die Kontrollmöglichkeit für die Durch- führung eines solchen Beschlusses fehlt.(Zuruf: Schlußantrag!) Die Genossen in Hamburg haben die Einrichtung schon sehr lange, und bei der an sich guten Organisation in Hamburg ist es begreif- lich, wenn dort weniger Schwierigkeiten entstehen. Aber in fast' allen übrigen Bezirken des Landes sind diese Schlvierigkeiten in der Tat entstanden.— Die Maifeiersonds werden bei Annahme unseres 'i ntn- Vnrrfians n'cbt gefährdet. Sie werden nicht, wie man es darzustellen versuchte, iu der Hauptsache gespeist durch die Abfüh- rung des Tagelohnes, sondern fast überall ist man dazu überge- gangen, eine gewisse Beitragsleistung der Mitglieder der Organi- sationen für den Maifeiersonds durchzuführen. Man führt ihm Ueberschüsse van Festlichkeiten usw. zu. Abzulehnen hitte.ich den Antrag Bei ms. Der abzuführende Beitrag wird ja be- messen nach der Höhe des Gehalts, so daß die Belastung sehr wohl auch für solche, die weniger als 2000 M. Gehalt haben, nicht allzu hart ist.— Ich bitte Sie also nochmals dringend, dem Vorschlag des Parteivorstandes zuzustimmen.(Bravo!) Auf die Frage der A r b e i t s r u h e glaube ich nicht näher ein- gehen zu müssen. Es ist i» der Debatte sowohl der Abschwächung wie der Erweiterung der Arbeitsruhe das Wort geredet worden. Beide Fragen sind auf Partejtagen und internationalen Kongressen eingehend erörtert worden, und nachdem im Jahre 1904 auf dem Amsterdamer Kongreß unter allgemeiner Zustimmung eine Rege- lung gesunden worden ist, die unseres Erachtens die zweckmäßigste ist, bitte ich, es dabei zu belassen.(Sehr richtig!) Hieraus wird unter Ablehnung des Amendements Beims der Antrag 58 des Parteivorstandes mit großer Mehrheit angenommen. Dadurch erledigen sich die übrigen zu diesem Punkt gpstelltcn Anträge. Es folgt der bericbt der ßercbweraettommtnton. BerichterstatterPau.l'sk.Dessau: _ Der Genosse Julius Brückner in Göppingen ist durch Schieds- gerichtsurteil vom 8. März aus der Partei ausgeschlossen und hat hiergegen Berufung eingelegt. Eine Bczirkskonferenz in Göppingen hatte beschlossen, an Stelle des bisherigen Abgeordneten Lindemann den Genossen Kinkel als Kandidaten zum Landtage auszustellen. Gegen diesen Beschluß wollte Brückner ein Inserat in der„Frcickn Volkszeitung" in Göppingen veröffentlichen, indem er sagte, daß die Aufstellung Kinkels gleichbedeutend mit dem Verlust des Man- dats sei. Er wollte eine Urabstiminung darüber, ob Kinkel oder Lindemann kandidieren solle und bat die Genossen, die für eine Urabstimmung seien, ihm ihre Adresse mitzuteilen. Die Expedition lehnte die Aufnahme des Inserats ab und verwies ihn mit seinem Antrag an die Partciversammlung oder die Krcisgencralvcrsamm- lung. Brückner ließ darauf den Text als Plakat drucken, und zw« Stunden später klebte dn-Z Plakat zur Freude unserer Gegner an den Säulen.(Hört! hört!) Am anderen Tage erklärte der Kreis- ausschust in der„Volkszcitung", wer sich dem Beschlutz nicht füge, stelle sich außerhalb der Partei; zu einem Antrag auf Urabstim- mung sei der Kreisausschutz auf Grund des Statuts nicht berechtigt. tbine Partciversammlung am'23. Mai bezeichnete das Vorgehen Brückners als Disziplinbruch und stellte einen Antrag auf Aus- s ch l u tz. Br ü ck n c r antwortete mit einem neuen Plakat, worin es hieß:„Wenn der Gedrückte nirgends Recht finden kann, greift er nicht nach dem Schwert, sondern nach der Plakatsäule. l Heiterkeit.) Soll man sich vergewaltigen lassen, soll man sich alles gefallen lassen, ohne sich zu wehren und vor lauter Prinzip Dogma und Disziplin sich des Rechts der freien Meinungsäuhcrung bc- geben?"(Hört! hört!) Die Gegner nutzten diese Erklärung natürlich weidlich gegen uns aus, und die Folge war, daß der Wahlkreis'verloren ging, obwohl an Stelle Kinkels ein anderer Kandidat getreten war. Der württ« in bergische L a n d c s v o r st a n d ist denr Ausschlutzantrag nicht beigetreten, hat aber das Verhalten Brückners entschieden gemitz- billigt. Auch in die G c m e i n d e r a t s s i tz u n g e n hat Brückner den Parteistreit hineingetragen, er hat u. a. dem Ober- bürgermeister geschrieben, er komme nicht in die Sitzungen, weil er Kinkel nicht als Ehrenmann betrachte und deshalb jede gemein- same Arbeit mit ihm ablehne. Die sozialdemokratische Fraktion erklärte in einer Parteiversammlung, sie sei der Meinung, daß Kinkel sein Mandat nicht niederzulegen brauche, und mit Aus- nähme von fünf Teilnehmern war die Versammlung damit ein- verstanden. Brückner aber fügte sich auch diesem Beschlutz nicht. Das Schiedsgericht, das auf Betreiben der Göppingcr Organisation eingesetzt wurde, kam zu der Auffassung, daß Brückner, wenn er mit der Kandidatcnaufstcllung nicht einverstanden war, sich doch nicht an die Oeffentlichkeit hätte wenden dürfen. Da er nach dem ersten Anschlag durch den Kreisausschutz gewarnt war und trotzdem sein zweites Plakat anschlagen ließ, liege ein beharrliches Zuwiderhandeln gegen Beschlüsse der Parteiorganisation vor. Ebenso sei das Parteiinteresse geschädigt worden, denn Brückner babe den Gegnern Waffen geliefert. Er habe mit einem zweiten Plakat und den darin enthaltenen Angriffen auf die Partei die Grenzen dessen überschritten, was eine Partei sich bieten lassen könne, es sei deshalb auf Ausschluß zu erkennen. Nach Ansicht der Beschwerdekommission ist die Schlußfolgerung des Schiedsge- richts richtig. Wir beantragen deshalb den Ausschluß zu bestätigen. (Bravo!) Maicr-Heidelberg: Ich nehme Brückner wegen seiner Handlungsweise nicht in Schutz, aber man mutz ihm Milderungsgründc zubilligen und nicht gleich die Todesstrafe, den Ausschluß aus der Partei, verhängen. Er hat sich gegen einen Mann gewendet, der als un- sauberer Patron gekennzeichnet worden ist und dessen Handlungs- weise von allen anständigen Parteigenossen durchaus verworfen wird. Das Mandat ging nicht infolge des Brückncrschen Plakats verloren, sondern weil man so töricht war, durch einen Kinkel Lindcmann ersetzen zu wollen.(Sehr richtig!) Brückner hat aus lauteren Motiven gehandelt und in gutem Glauben gegen die Parteidisziplin schwer verstoßen. Er wollte einen notorischen Parteischädling nicht als Kandidaten dulden. Ohne den traurigen württembergischen Parteistreit aufrühren zu wollen, mutz ich sagen, daß es damals Brückner in Göppingen kaum möglich war, als An- gehöriger der Minderheit auf legalem Wege sein Recht zu suchen. Ich bitte, Brückner zwar die schärfste Rüge zu erteilen, ihn aber nicht auszuschließen. Sonst sagen die Massen des Volkes, der Kinkel, der die unsauberen Geschichten gemacht hat, bleibt in der Partei und der Brückner, der die Sache aufgedeckt hat, der wird hinausgeschmissen. Auf das Rcchtsbewutztsein des Volkes müssen unsere Urteile Rücksicht nehmen.(Bravo I) Hildrnbrand: Tie Angelegenheit ist nur verständlich, wenn man die in Göp- pingen herrschende Verwirrung in Betracht zieht. Auch der Landes- vorstand hat den Anschlag der Plakate als eine schwere Autzeracht- lassung all unserer disziplinarischen Vorschriften angesehen, aber er konnte einen Mann nicht ausschließen, dem es darauf ankam, das Ansehen und die Würde der Partei vor Schädigung zu be- wahren. Brückner ist in Göppingen seit 30 Jahren als Partei- genösse tätig. Seit langen Jahren Gemeinderat, lebt er allerdings lange schon mit Kinkel in Unfrieden. Die Wahlkreiskonferenz ent- schied über den Kandidatenwechsel, ohne daß vorher auf die Ab- ficht eines Kandidatenwechsels hingewiesen worden war und ohne daß in einer Mitgliedschaft eine Minute darüber diskutiert worden wäre. Kinkel, der in einem anderen Bezirk selbst Kandidat war, wurde einfach an die Stelle Lindemanns gesetzt. Seinem Protest wurden die Spalten des Parteiblattcs verschlossen. Den Plakat- anschlag wird niemand billigen, aber der Inhalt des Plakats war durch das Gerichtsurteil u. a. m. den Gegnern bereits bekannt und konnte von ihnen im Wahlkampf ausgeschlachtet werden. Daher hat der Landesvorstand eine Rüge ausgesprochen und vom Aus- schlutz abgesehen. Wie richtig die Meinung Brückners über Kinkel im Interesse der Partei war, geht daraus hervor, daß derselbe Kreisvorstand, der diesen Kandidatenwechsel gebilligt hat, einige Monate später den Kinkel zum Rücktritt veranlatzte, so daß der Landesvorstand vier Wochen vor der Wahl einen ncgen Kandi- daten ernennen mutzte, nachdem Lindemann unter solchen Um- ständen es natürlich abgelehnt hatte, wieder zu kandidieren. Das Mandat wurde mit Glanz verloren. Stimmen Sie dem Antrag Maier zu!(Beifall.) Müller(Parteivorstand): Ich war Vorsitzender des urteilenden Schiedsgerichts in Göp- pingen und kenne die Einzelheiten. Der Ausschluß wurde austze- sprachen, weil die Voraussetzungen dazu in der prägnantesten Wetse vorlagen.(Sehr richtig!) Nicht die Redaktion des Parteiblattes (Dr. Thalheimcr) hat einer Erklärung Brückners die Aufnahme versagt, sondern die Erpedition lehnte ein Inserat Brückners ab. Am 21. Mai schlug Brückner sein Plakat an, am 23. verurteilte eine Mitgliederversammlung dieses Vorgehen und am 24. ließ Brückner einen neuen Anschlag anheften, worin er die allerschärfsten An- griffe auch gegen die Partei richtete.(Hört! hört!) Es heißt da, daß Leute, die mit dem Heiligen Crispin, der den Reichen das Lcder stahl und den Armen daraus Schuhe machte, verglichen werden, durch jahrelange Hetzarbeit es fertiggebracht haben, an Stelle eines Lindemann einen Kinkel zu setzen usw. Das ist Parteischädigung.(Sehr richtig!) Das Urteil ist Brückner gerecht geworden, es glaubt Brückner, daß ihn nicht unlautere Motive be- stimmt haben, sondern daß er Kinkel sachlich ungeeignet zum Land- tagskandidaten hielt. Das Verfahren über den Fall Kinkel schwebte zu dieser Zeit noch, der Fall in der Ortskrankenkasse war noch nicht restlos geklärt. Selbst wenn Gerichtsurteile bis zur letzten Instanz vorgelegen hätten und wenn auch das Disziplinarstrafverfahren abgeschlossen gewesen wäre, so hätte doch das Schiedsgericht nicht über Kinkel entscheiden dürfen, denn Kinkel war nicht angeklagt. Wenn Kinkels Verhalten in Württemberg so verurteilt wird, dann wundere ich mich, daß noch kein württcmbergischer Ortsvercin einen Ausschlutzantrag gegen Kinkel gestellt hat, damit die Angelegenheit geprüft werden könne. Gerade im Hinblick auf die jahrelangen schweren Differenzen in Württemberg bitte ich, dem Beschluß der Beschwerdckommission beizutreten. Wen» es Sbstcm werden soll, daß, wenn einer nicht Recht bekommt, er an die Plakatsäulen geht, dann können wir noch schöne Dinge in Württemberg erleben! (Lebhafter Beifall.) Der Antrag M a i e r wird abgelehnt, der Parteitag stimmt dem Antrag der Beschwerdekommission zu. Rysscl-Leipzig: Der sozialdemokratische Verein Nürnberg legt gegen das Urteil des Schiedsgerichtes in Sachen Schmucker Be- rufung ein. Schmucker hat in seiner Eigenschaft als zlvcitcr Vor- sitzender der Nürnberger Hilfskrankenkasse Frauenstift rfne Beschwerde an die Kreisregicrung von Mittclfranken gerichtet, um Mißstände im Verein zu beseitigen, er hat die Verwaltung und den Aufsichtsrat, die mit einer Ausnahme aus Parteigenossen bestehen, nicht angerufen und auch die Generalversammlung übergangen. Die Beschwerde warf bestimmten Personen ehrenrührige Hand- lungen vor. Die darauf folgende amtliche Revision hat Kasse und Bücher in Ordnung gefunden und keinen Grund zum Einschreiten gesehen. Ter Gauvorstand für Nordbayern hat Schmucker aus der Partei ausgeschlossen wegen ehrloser Handlung. Schmucker ist schon lange Jahre Mitglied der Partei, er war sich seiner Handlungsweise bewußt. Das Schiedsgericht, das auf seinen Antrag eingesetzt wurde, hat ihm mildernde Umstände zugebilligt, den Ausschluß aufgehoben, ihm eine ernste Rüge erteilt und ihm das Recht aberkannt, auf die Dauer von zwei Jahren Ehren- ämter in der Partei zu bekleiden. Gegen dieses Urteil hat der sozialdemokratische Verein Berufung eingelegt und u. a. darauf hingewiesen!, daß durch das Manöver Schmuckers ei» alter Kämpfer unserer Partei, der Genosse W i c in e r, der Wöhrend des Sozialistengesetzes den 20. sächsischen Wahlkreis im Reichstag ver- treten hatte, brotlos gemacht worden ist. Schmucker hatte nämlich in der Beschwerde an die Regierung eine Bestrafung von W i e m e r, die schon 12(4 Jahre zurückliegt, erwähnt.(Hört! hört!) Die Be- schwerdekommission beantragt einstimmig, das Urteil des Schieds- gerichts aufzuheben und Schmucker aus der Partei a u s z u- schließen. Schmid-Münchcn: Selbstverständlich liegt in dem Vorgehen Schmuckcrs ein äußerst scharfer Verstoß gegen unsere Parteiorganisation, und seine Handlung grenzt auch an Ehrlosigkeit. Aber das Schiedsgericht, dessen Vorsitzender ich war, ist zu der Auffassung gekommen, daß Schmucker in dem Moment, wo er das Schreiben an die Regie- rung richtete, sich nicht völlig bewußt war, was er tat.(Lachen.) Was sich nachher abgespielt hat, darüber bin ich nicht unterrichtet, aber auf Grund der vorliegenden Tatsache ist das Schiedsgericht einstimmig zu dem Beschluß gekommen, ihn nicht auszuschließen. Treu-Nürnberg: Schmucker hat alle Instanzen übergangen, er hat nicht, wie es sein Recht und seine Pflicht gewesen wäre, sich an die General- Versammlung des Vereins gewandt. Der Parteitag stimmt dem Antrage der Be- schwerdekommission zu. Rysscl-Leipzig: Eine Beschwerde ist während des Parteitages eingegangen von dem Genossen Julian Vorchardt über den Beschlutz der Kontroll- kommission, den B r ü h n e im Anschluß an den Geschäftsbericht des Partcivorstanides gegeben hat. Borchardt hatte beim Partei- vorstand verlangt, daß in den beiden gegen ihn gestellten Aus- schlutzanträgen des dritten und vierten Berliner Wahlkreises der vierte Wahlkreis, der zuletzt den Ausschlutzantrag gestellt hatte, die Beisitzer bestimmen sollte. Der Parteiborstand hat dem ersten Antrage des dritten Kreises den Vorzug gegeben und diesen beauf- tragt, die Beisitzer zum Schiedsgericht zu ernennen. Da auch die Kontrollkommission einstimmig sich dem Vorgehen des Parteivor- standcs angeschlossen hat, beschwert sich Borchardt bei der Beschwerde- kommission. Diese ist zu folgendem B e s ch l u tz gekommen: Die Beschwerde- kommission ersucht den Parteitag, die Beschwerde des Genossen Julian Borchardt abzulehnen, da auch die Beschwerdekommission wie die Kontrollkommission der Ansicht ist, daß der Parteivor- st and richtig gehandelt hat. indem er die Organisation, die zuerst den Ausschlutzantrag gestellt hat, aufgefordert hat, die Bei- sitzcr für das Schiedsgericht zu ernennen. Diesem Beschluß stimmt der Parteitag debattrlos zu. Berichterstatter Nvflel-Leipzig: S ch w e d u x, KonsumvcreinSangcstclltcr in Elberfeld, weigerte sich beharrlich, den Tagesverdienst für den von ihm durch Arbeits- ruhe gefeierten 1. Mar 1011 zum Maifonds abzuführen. Er er- klärte, daß er mit dem Nürnberger Parteitagsbcschluß nicht einverstanden sei. Die Bezirksleitung für den Niedcrrhcin hat ihn aus der Partei ausgeschlossen. Vor dem Schiedsgericht erklärte er, sein bisheriges Verhalten in der Angelegenheit lebhast zu be- dauern. Daraufhin hob man den Ausschluß auf, erteilte ihm eine entschiedene Rüge und entband ihn knit Rücksicht auf seine bedrängte persönliche Lage von der Nachzahlungspflicht. Hiergegen erhebt der sozialdemokratische Verein Elbcrfeld-Barmen Berufung, Schwcdux besitze 2000 M. in der Sparkasse, er habe also das Schiedsgericht belogen. Schwedux erklärt, daß das Geld nicht ihm gehöre, er dürfe aber wegen Familienverhältnisse nicht sagen, wem es gehöre. Genosse D r ö n e r- Elberfeld, Vorsitzender der Parteiorganisation, erklärt die Behauptungen Schwedux für un- glaubwürdig, aber nicht widerlegbar. Wir haben nicht die Möglich- feit, weitere Beweise zu beschaffen und empfehlen, dem Antrag der Bcschwcrdcköm Mission, es bei der Rüge zu be- l a s s e n. st a t t z u g c b e n. Der Parteitag beschließt so. Weiter wird beschlossen, den rechtskräftig gewordenen Ausschlug des Genossen Hermann Schlattmann in Elberfeld wegen beharr- licher Zuwiderhaudluiig gegen den Nürnberger Beschluß gemäß dem Antrag der Beschwerdekommission zu bestätigen. Da jedoch mog- licherwcise ein Verschen der Post, sowie bcrücksichtigcnswcrte tfw milienvcrhältnissc in Betracht kommen können, wird Schlattmann empfohlen, auf Grund des Organisationsstatuts beim Bezirksvor- stand seine Wiederaufnahme zu beantragen. Julius Linke-Luckcnwalde legt Berufung gegen eine Rüge ein, die ihm erteilt wurde, weil er in einem Beleidigungsprozetz vor dem Schöffengericht erklärt haben soll, wenn er verurteilt werde, würde die ganze Macht der sozialdemokratischen Partei und des Gcwcrk- schaftskartclls in Anwendung gebracht werden, um ihn aus der Ver- waltung des Konsumvereins zu bringen. Linke erklärt, nicht gesagt zu haben, daß die Partei, sondern daß„nian" gegen ihn�vor- gehen würde. Er erhielt eine scharfe Rüge und ans drei Jahre wurde ihm die Fähigkeit zur Bekleidung von Parteiämtern abgesprochen. Gegen das vom Schiedsgericht bestätigte Urteil liegt Bc- rufung vor. Räch der Entscheidung der Kommission ist dem Gc- nossen Linke nicht widerlegt, daß er mit seiner Aeutzerung seine Prozetzgcgner gemeint habe. Der dreijährige Ehrverlust erscheint hart, es soll Linke eine scharfe Rüge erteilt, er aber nicht für un- fähig zur Bekleidung von Ehrenämtern erklärt werden. Der Be- richterstatter bemerkt, daß die Organisationsverhältnisse in Lucken- Wälde nicht die besten seien, was für den Beschluß der Beschwerde- kommission auch maßgebend gewesen sei. Sailer- Luckenwalde und Ewald-Berlin weisen die Be- merkung über die Organisationsverhältnissc in Luckenwalde als voll- ständig unbegründet zurück. Ewald verlangt Beweise für diese Behauptung, Sailer bittet, den Kommissionsantrag abzulehnen, da Linke immerfort gestänkert habe. Der Metallarbeiterverband hat ihn dauernd für nichtaufnahmefähig erklärt. Er hat auch eine schwindelhafte Beschwerde gegen die Selbstverwaltung der Orts- krankcnkasse an die Aufsichtsbehörde gerichtet. Wird das SchiedS- gerichtsnrtcil aufgehoben, dann fängt das schändliche Treiben Linkes sicher wieder an. Bewahren Sie uns davor. Berichterstatter Rüssel erklärt, die Organisation Luckenwalde nicht herabsetzen haben zu wollen. Wir glauben, daß Linke nur auf eine falsche Bahn gedrängt ist und seine Fälligkeiten nicht ent- falten kann. Halten wir ihm einen Weg dafür offen! Der An- trag der Beschwerdekommission wird mit 139 gegen 122 Stimmen abgelehnt, es bleibt beim Urteil des Schieds- gerichts. Das Schiedsgerichtsurteil aufs schärfste Rüge gegen den Ge- Nossen ThewcS in Rheine und Aberkennung der Funktionsfähigkeit auf zwei Jahre wegen parteischädigenden Treibens bei den Reichs- tagswahlen wird bestätigt. Rüffel berichtet über einige Fälle, bei denen es sich um Be- sckwerden von Leuten handelt, die lvegen Gründung gcivcrkschaft- licher Lokalorganisationen aus der Partei ausgeschlossen wurden. Die Lokalisten behaupten, daß unsere Forderung nach voller Koali- tionsfreiheit ihnen das Recht geben müsse, außerhalb der gewerk- schaftlichen Zentralverbände Lokalorgan isationcn zu gründen. Die Beschlverdekommission beantragt Verwerfung, der Berufun- gen und Bestätigung der Ausschließungen, da wir es nicht dulden können, datz solche Außenseiter der Partei an die Rock» schöße gehängt werden und da ein grober Verstoß gegen das Partei« � stalut und einen Partcitagsbeschluß vorliegt. Der Parteitag entscheidet im Sinne der Kommission. Der Berichterstatter Genosse Ryssel berichtet hierauf über eine Berufung des Genossen Hub erb Schmitz in i�oest gegen die Erteilung einer Rüge. Die Be- schwerdekommission hat festgestellt, datz Parteiintcrejsen nicht ver- letzt sind. Sie hält aus diesem Grunde auch die Rüge nicht für berechtigt und bittet, der Berufung des Genossen Schmitz stattzu- geben. Die Kommission drückt weiter ihr Bedauern darüber aus, daß aus so kleinlichem Anlaß der ganze Verwaltungrkörper der Partei in Bewegung gesetzt, Zeit und Geld vergeudet wird.(Leb- hafte Zustimmung.) Der Antrag der Beschwerdekommission wird angenommen. Ter Berichterstatter unterbreitet dann dem Parteitag die grundsätzliche Frage zur Entscheidung, ob bei Schiedsgcrichtsver- Handlungen die Oeffentlichkeit wenigstens für legitimierte Parteigenossen zugelassen werden soll. Die"Kommission beantragt, die Oeffentlichkeit in solchen Fällen auszuschließen. Scheidemann beantragt, diese Frage dem Vorstand und Aus» schütz zur gemeinsamen Beratung und Beschlutzfassung zu über- weisen. Der Antrag Scheidemann wird angenommen. Berichterstatter Ryssel geht dann auf den �all Radek ein. Die Kommission ist sich darüber einig, daß der Parteitag unmöglich sachlich auf die Angelegenheit Radek eingehen, sondern lediglich die Rechtsfrage prüfen kann. Die Beschwerdekommission hat nach dreistündiger Verhandlung beschlossen, sämtliche vor- liegenden Anträge zurückzuweisen und den Antrag des Partcivorstandcs in Verbindung mit dem Amendement BcimS zur Annahme zu empfehlen.*) Durch Annahme dieses Antrags würde der Fall Radek für uns als Parteitag erledigt sein. Dem Antrag, die Angelegenheit dem internationalen sozialistischen Bureau in Brüssel zu überweisen, konnten wir nicht folgen, da dies nach unserer Meinung Sache der daran interessierten Gruppen oder Rädels ist. Es dürften sowieso mehrere ausländische Gruppen demnächst an das internationale Bureau appellieren, damit eine internationale Regelung der Rechtsfrage erzielt wird. Ein anderes Amendement, welches forderte, datz wir nur unter der Bedingung vorgehen, daß für die ausländischen Bruderparteien ähnliche Rcchtsgarantien bestehen wie in der deutschen Sozialdemokratie, konnten wir gleich- falls nicht akzeptieren, da wir keinen Einslutz auf die Gestaltung der ausländischen Bruderparteien haben. Vorsitzender Eberl: Es sind zum Fall Radek eine Menge Zu- schriften von russischen und oolnischen Parteigruppen und-grüppchei» eingegangen. Ich bitte den Parteitag damit einverstanden zu sein, daß wir diese Erklärungen nicht verlesen.(Zustimmung.) In der Diskussion nimmt als erster Redner das Wort Müller(Parieivorstand): Ich möchte zunächst feststellen, datz der Vorwurf nicht zutrifft. als sei der Antrag de? Parteivorstandcs ein Gclegcnheitsawtrag mit rückwirkender Kraft. Der Parteivorstand tut mit seinem An- trag nur, wozu er vom Chemnietzr Parteitag beaustragt worden ist. Wir müssen den Fall losgelöst von den persönlichen Dingen twtrachten, die Rädel zur Last gelegt werden. Es liegt im Falle Radek ein polnisches Urteil erster Instanz vor, das den Ausschluß Radeis wegen ehrloser Handlungen ausgesprochen hat. Auf Grund diese» Urteils verlangte der Borstand der S. D. P. L., datz Rcrdet das Auftreten in der deutschen Partei unmöglich gemacht würde. Der Vorstand war gezwungen, zu dieser Forderung der Bruder- Partei Stellung zu nehmen. Wir mutzten ganz allgemein die Frag« verneinen, datz wir das Recht und die Pflicht hätten, das polnische" Urteil nachzuprüfen. Wir sind nicht der Obervormund und nicht der Obcrrichter der Internationale.(Zustimmung.) Das würde zu schlimmen Konsequenzen führen. Wenn irgendein Genosse von einer der vielen Parteien in Rußland und Polen wegen Ehrlosig- keit ausgeschlossen wird, so könnte er sich dann nach Deutschland, Oesterreich oder andere der Internationale angeschlossene Parteien wenden und er könnte mit seinen Aufnahmegesuchen jahrelang die ganze Internationale in Atem halten. Es kommt hinzu, datz nach- her dem Urteil der deutschen Partei immer der Vorwurf gemacht Ivüvde, daß nicht genügend die Tatsachen nachgeprüft worden seien. Ein Beispiel dafür haben wir ja auch in dem bekannten Brief deS Genossen T u r Sk i aus Paris zum Falle Radek. Gerade dieses Beispiel wird uns zeigen, datz kein Bedürfnis vorhanden ist, die Bremer Methode auf das ganze Reich zu übertragen.(Lebhafte Zu- stimmung.) Ryssel hat sich mit Recht darüber beschwert, datz der Fall der Filiale Kamen der Partei so viele unnütze Kosten gemacht bat. Welckw Kosten würden erst entstehen, wenn jeder in irgend einer ausländischen Partei Ausgeschlossene uns zur Nach- Prüfung des ganzen Falles veranlassen könnte. Allerdings, wegen eines Arbeiters wäre wohl nicht soviel Wesens gemacht worden. (Lebhafte Zustimmung.) Aber wenn irgendein Literat, der genügend schreibt und redegewandt ist. betroffen wird, dann werden wir es erleben, daß die deutschen Partciinstanzen und Parteigelder ganz unnütz in Anspruch genommen werden.(Sehr richtig?» ES ist weiter der Vorschlag gemacht worden, die ganze Geschickte bei» Internationalen Bureau zu überweisen. Ich warne Sie davor. Der Fall hat seit Jahr und Tag die deutsche Partei be- schäftigt, und wir haben ihn zu erledigen. Wenn die uissinffen und polnischen Parteigruppen an die Internationale gehen wollen, dann mögen sie es tun, aber das ist nicht unsere Aufgabe. Nun wird gesagt, daß wir in Deutschland den Fall Radek zu untersuchen hätten, weil Radek in Deutschland Mitglied ist. In Leipzig hat er 47 Wochenbeiträge gezahlt, in Berlin VI hat er sich 1908 gemeldet. aber nur einen Beitrag gezahlt. Er behauptete zwar, er habe außerdem noch einem Bezirksführcr 3 M. gezahlt, es wurde aber festgeitellt, datz er überhaupt nichts bezahlt und auch keinen Zahl- abend besucht habe. Radek erklärte schließlich, datz er s)chj?a"rt wohl geirrt habe. Ja, das ist der Radek in Reinlu-Uur.(Lebhafte Zustimmung.) Dann ist er nach Teltow-Bceskow gegangen. Der Vorstand dieses Kreise? hat aber mit Recht gegen die Ausnahme Widerspruch erhoben, weil seit 1911 die Untersuchung gegen Rädel schwebt. Dann ging er nach Bremen, und er tat gut daran, denn ich glaube nicht, datz eine andere Parteiorganisation in Zeutsch- land ihn aufgenoninien hätte. In Bremen wurde die Sache gc- schoben auf Grund der Theorien, die in Bremen über den Aus- schlutz vorhanden sind. In anderen Organffationen kennt man diese Grundsätze nicht. Da ist es nicht üblich, nach den Ausführun- gen der Bremer„Bürgerzcitung", weil wir eine Massenpartei sind, Spitzel, Schufte und Heuchler aufzunehmen und sie erst nach- her auszuschließen.(Sehr gut!) ES besteht kein Grund, Auslän» dcrn bei uns eine Vorzugsstellung einzuräumen. Dazu ist unser Ausschlutzverfahren nicht da, datz wir wegen solcher Elemente erst den ganzen Parteiapparat in Bewegung setzen. In dem detaillier- tcn Urteil der polnischen Partei, das wir nicht nachzuprüfen haben, *) 45. Parte i b o r st a n d: Personen, die aus einer dem Internationalen Sozialistischen Bureau angeschlossenen Bruder- Partei aus Gründen, die auch ,n der deutschen sozialdemokratischen Partei zum Ausschluß luhren, ausgeschlossen worden sind, können in der sozialdemokratischen Partei Deutschlands ohne Zustimmung der Partei, die den Ausschluß vollzogen hat, die Mitgliedschaft nicht erwerben. Amendement zum Antrag 4ö. Im Vorstandsantrag die Worte:. —•- aus Gründen, die auch in der deutschen sozialdema-; krat, scheu Partei zum Ausschluß führen" zu streichen und dafür die Worte zu setzen: .wogen ehrloser Handlungen." ist die sachliche Unterlage für das Vorgehen von Teltow-Beeslow gegeben. Es wnrde gesagt, wir müßten ein Wiederaufnahmevcr- fahren vornehmen. Wir haben aber den Fall zu erledigen nach dem Geist, der in der Internationale herrschen soll und der ver- bietet, daß ein Element, das in einer Brudcrpartei ausgeschlossen ist, wieder ausgenommen wird in einer anderen Partei. Deshalb bitte �ich isie, dem Antrag der Beschwerdekommission zu folgen. Sie können das tun mit dem guten Gewissen, der Partei den größten Dienst zu leisten.(Beifall.) Dr. Liebknecht-Berlin: Ich mutz mein lebhaftes Bedauern darüber aussprechen, daß Müller in demselben Augenblick, in dem er erklärte, materiell aus den Fall Rädel nicht eingehen zu wollen, dies auf einem Umwege doch getan hat.«Sehr wahr!) Gleichzeitig hat er leider nicht bloß den Charakter Rädels in einer solchen Weise charakterisiert, son- dcrn auch über die Bremer Parteiorganisation ein Urteil gefällt, wie es abfälliger und bedauerlicher nicht gedacht werden kann, be- sonders au» dem Munde eines Vorstandsmitgliedes.(Lebhafte Zu- stimmung.j Ebenso muß ich lebhaft bedauern, daß Müller die ruhige, sachliche Erörterung dieser Rechtsfrage(Zuruf: Es ist keine Rechtsfrage, sondern eine Organisationsfrage!) dadurch erschwert hat, daß er sagte, um einen Arbeiter würde nicht soviel Wesens gemacht werden, wie um diesen Literaten.(Sehr wahr!) Mir wird gewiß niemand unterstellen wollen, daß ich um einen Arbeiter mich weniger kümmern würde. Ich habe in Chemnitz auch Rädel scharf angegriffen, um so mehr aber muß ich fordern, daß aus einer per- sönlichcn Verstimmung heraus nicht die Prüfung der Rechtsfrage im Falle Rädel erfolgt. Wir müssen uns darüber klar sein, daß nach dem Antrag des Partcivorstandes mit der Erledigung der Rechtsfrage auch der Fall Rädel selbst erledigt wird und das Votum der Bcschwerdekommission geht geradezu dahin, noch beson- ders zu beschließen, daß wir durch Annahme des Partcivorstands- antrages dem Beschluß rückwirkende Kraft auf den Fall Radck geben. Wir fällen damit also ein Urteil über Radck ohne materielle Prüfung der Tatsachen. Wenn wir zu einem gerechten Urteil kommen wollen, so müssen wir die Entscheidung vollständig trennen von der Person Rädels, die wohl hier im ganzen Saale wenig Sym- pathien genießt. Wir müssen eine Regelung schaffen über einen bisher nicht geregelten Punkt. Die verschiedenen der Jnter- nationale angeschlossenen Parteien bilden keine Zentralisation, son- dcrn eine Föderation an und für sich autonomer selbständiger Orga- nisationen. Aus dem organisatorischen Verhältnis der Jnter- nationale müssen wir den Schluß ziehen, daß der Ausschluß aus einer Partei fiir die anderen Parteien keinerlei formalwirkende Kraft hat. Selbstverständlich ist diese Rechtslage sehr unbefricdi- gend, und man muh einen Ausweg suchen, aber der Ausweg, den der Parteivorstand sucht, ist nicht der geeignete. Diese Frage muß dem Internationalen Bureau überwiesen werden, wie es mein Antrag will. Der Parteivorstand sagt: Wir würden uns mit einem solchen Antrag hineinmischen in interne Angelegenheiten einer anderen Partei, aber auch nach dem Parteivorstandsantrag ist eine solche Einmischung schlechterdings unvermeidlich(Die Rede- zeit ist abgelaufen.) Dr. Liebknecht beruft sich darauf, daß er als Begründer seines Antrags eine längere Redezeit zu beanspruchen habe. Der Partei- tag entscheidet, daß auch die Antragsteller keine längere Redezeit haben dürften, da alle Anträge an die Beschwerdekommission über- wiesen worden seien.— Liebknecht schließt: Müller hat hier das Gespenst eines ewigen polnischen Juden an die Wand gemalt, der durch die ganze sozialistische Internationale hindurchschweift und überall die Aufnahme zu erzielen sucht.(Heiterkeit.) Er hat dabei vorausgesetzt, daß in Polen ein schlimmes Durcheinander der ver- schiedenen Parteigruppen besteht. Um so notwendiger ist es doch, nachzichrüfen die Zuständigkeit des polnischen Parleigerichts, und dazu ist eine Einmischung in die Interna der ausländischen Par- tci unvermeidlich. Eine internationale Regelung der ganzen Frage ist unumgänglich, und ich bitte Sie, meinem Antrag znzustimmen, die Frage dem Internationalen Bureau zu überweisen. Wir wollen kein Sondcrgesetz für Radek, aber auch kein Sondergesctz gegen Rädel machen.(Beifall.) Ein von F r i t s ch- Gotha begründeter, von Hoffmann- Berlin und K a tz e n st e i n- Charlottcnburg bekämpfter Antrag auf Schluß der Debatte wird mit 175 gegen 141 Stimmen abgelehnt. Kahrnstcin-Charlottenburg: Wir als Sozialdemokraten müssen immer daran denken, daß ein Zcntbcr Gerechtigkeit zuviel besser ist, als ein Gramm zu wenig. (Sehr richtig!) Gerade in einer Sache, in der unsere Empfindung nahezu einstimmig gegen die Person, um die es sich handelt, ge- richtet ist. Wir dürfen um so weniger unser Urteil durch derartige Empfindungen beeinflussen lassen.(Sehr richtig!) Der Partei- vorstand hat in dieser Frage einen Standpunkt eingenommen, der ganz unhaltbar ist. Er hat im Februar verlangt, der Bremer Verein solle Radek streichen nach Analogie der Vorschriften über Aufnahme oder Nichtaufnahme eines aus der deutschen Partei Aus- geschlossenen. Er hat also eine Bestimmung, die nicht im Statut steht, aus anderen Bestimmungen heraus folgern wollen. Das ist ein Grundsatz, den selbst unser bürgerliches Strafrecht verwirft. Wollen wir uns als Rcvolutionstribunal konstituieren, das bercch- tigt wäre, über alle herkömmlichen Rcchtsgaranticn zur Tagcsord- nung überzugehen? Das dürfen wir nicht tun.(Sehr richtig!) Ich bin selbstverständlich weit entfernt von der Theorie, die man in Bremen über das Recht der Aufnahme aufgestellt hat. Nachdem aber die Aufnahme erfolgt ist, kann der Ausschluß nur durch ein ordnungsgemäßes Ausschlußverfahren erfolgen. M ü l l er hat hier auch einen Gegensatz zwischen der Behandlung der Literaten und der Arbeiter zu schaffen versucht. Diese Behauptung ist nicht wahr. (Widerspruch.) Ich erinnere an den Fall des polnischen Prole- tariers Kasprezak. Unser Partcivorstand hat den Proletarier K a s p r c z a k geschützt, der später bei der Verteidigung einer Ge- heimdruckcrei gegen russische Gendarmen sein Leben gelassen hat. Es kann sich um ehrlose Handlungen mannigfacher Art handeln, die ganze Frage ist�iioch ungeklärt. Tun Sic die Sache nicht so rasch ab, überwersen �rie sie mit dem Antrag Liebknecht dem Jnternatio- nalcn Bureau. Es handelt sich nicht um eine politische und per- sönliche Fräste, sondern um eine Frage der Gerechtigkeit. RoV» Luxemburg: Wir können die Sache gar nicht anders erledigen, als indem wir beschließen, daß der Fall von dcn deutschen Partei- instanzen in vollem Umfang untersucht werden muß.(Sehr richtig!) Durch formelle Erläuterungen kann man die Sache nicht mehr von sich schieben. Wäre Radek, als er sich zur Ausnahme in Deutschland meldete, gesagt worden, er könne nicht aufgenommen werden, weil eine andere internationale Partei ihn ausgeschlossen hat, dann wäre das recht und billig gewesen. Radek hat schon seit Jahren seine Tätigkeit in der deutschen Partei geübt, die deutsche Parteipresse hat sich jahraus jahrein mit dem Fall Radek beschäftigt.(Pfannkuch: Schlimm genug!) Ich bcdaure es auch, aber jetzt genügt eine formale Lösung nicht. Wird die allgemeine. Regelung des Parteivorstandes im Prinzip angenom- men, so kann der Beschluß auf den Fall Radek keine rückwirkende Kraft erhalten. Der Fall muß in vollem Umfang untersucht wer- den. Unannehmbar ist der Antrag Liebknecht, denn das Jnter- nationale Bureau kann nur dann einschreiten, wenn zwei inter- nationale Parteien die Berufung an das Bureau ergreifen. Das liegt hier nicht vor. Die deutsche Partei muß selbst das Perhältnis mit einem Mitglied regeln können, das sich in die deutsche Or- ganisation hat auftrehmen lassen; es wäre lächerlich, deswegen an das Jnter-na'ionale Bureau zu gehen. De- polnische Parteivor- stand wird es mit Freude begrüßen, wenn Sie beschließen, den Sall Radck innerhalb der deutschen Instanzen wie es sich gehört, l vollem Umfange zu untersuchen. Ich bjste Sie, wenigstens diesen Antrag von mir auf diesem Parteitag anzunehmen.(Heiter- keit und Beifall.) Oskar Cohn-Berlin: Heute hat uns nicht die sachliche Seite zu beschäftigen, sondern nur die formale. Ueber die Art, wie Müller seine Sache führen zu sollen geglaubt hat, will ich mich nicht verbreiten, nachdem ihm Katzenstein unwidersprochen vorgehalten, daß er sich eines dema- gogischen Kniffes bedient hat.(Große Unruhe.) Vorsitzender Ebert: Ich habe das nicht gehört, sonst hätte ich das gerügt. Oskar Cohn: Es widerstrebt meinem Gerechtigkeits- und An- standsgefühl, auf einen, der am Boden liegt, herumzuschlagen. Der Antrag Liebknecht ist mißverstanden worden. Wir gehen da- von aus, daß das Gerichtsverfahren in der polnischen Partei un- seren Bedürfnissen nicht entspricht. Wir wollen der deutschen Partei nicht irgend jemand aufzwingen, sondern wir wollen, daß Recht Recht bleibt, auch gegenüber ausländischen Genossen und solchen, die von ausländischen Organisationen ausgeschlossen wur- den. Wenn da eine Lücke in unserem Statut ist, muß sie aus- gefüllt werden. Das kann nur durch das Internationale Bureau und dann durch den Internationalen Kongreß geschehen. Ter V o r st a n d war klug genug, nicht etwa zu sagen, daß sein Beschluß rückwirkende Kraft habe, das hat.erst der Bericht- erstatter der Beschwerdckommission ausgeführt. Wenn nun eine Straftat begangen ist, bei der sich zwischen der Begehung und der Aburteilung das Gesetz ändert, so ist das mildere Gesetz anzu- wenden, siehe Erfurt! Hier wollen wir aber im Fall Radek das schärfere Gesetz anwenden, und sogar ein Strafgesetz zu diesem Ziveck erst schaffen. Es handelt sich um eine Frage der Gerechtig- keit und des Parteianstandes, die man. nicht lediglich vom Stand- Punkt der Organisation aus betrachten kann. Wenn im Offizial- verfahren ein Staatsanwalt für einen Streikbrecher eintritt, da reden Sie von Ausnahmebchandlung, und nun wollen Sic selber ein solches Ausnahmerecht schaffen.(Unruhe.) Der Vorstand hätte gern die Sache an die Internationale verwiesen, er hat sich aber in den Akten festgelegt und will nicht zurück.(Unruhe und Zurufe: Unwahr!) In München hat Pfannkuch selber beim Fall Kasprezak gesagt:..Ich würde auch heute stutzen, wenn von einer ausländischen Organisation ohne Beweismittel das Verlangen gestellt würde, wir sollten einen Genossen abschaufeln. Wir müssen die Dinge doch nachprüfen können." Ich mache Sie noch auf einen besonderen Fallstrick in dem Vorstandsantrag aufmerksam:..Wer ausgeschlossen ist von einer anderen Partei, erwirbt keine Mitgliedsrechte." Man kommt also zu dem unglaublichen Ergebnis, daß eine anerkannte Organisation unserer Partei jemand aufnehmen kann, und daß dann der Parteitag bestimmen kann: dieser Mann darf bei Euch keine Rechte erwerben. 50 Jahre ist es so gegangen wie bisher, da können wir auch noch ein Jahr warten, bis sich die Jnter- nationase geäußert hat. Fällen Sie ein Urteil, das der Gercchtig- keit und der Würde unserer Partei entspricht.(Bravo!) Ein Schlußantrag wird angenommen. Vorsitzender Eberl schlägt vor, in der Weise abzustimmen, daß zuerst der Beschluß der Kommission zur Abstimmung gestellt wird, und daß dann darüber entschieden werden soll, ob der Beschlutz rückwirkende Kraft haben soll. Gottschalk-Königsberg: Es liegt ein Irrtum des Bericht- erstatters vor. Tie Beschwerdekommission hat nicht beschlossen, daß dem Antrage rückwirkende Kraft gegeben werden soll.(Hört! hört! und Widerspruch.) Maier-Heidelberg: In der Beschwerdekommission ist erklärt worden, daß der Fall Radek für Deutschland mit dem vorhin gefaßten Beschluß erledigt sei. Scholz-Neukölln: Als Mitglied der Beschwerdekommission kann ich im Namen verschiedener anderer Mitglieder nur bestätigen, daß der Antrag der Beschwerdekommission dahin ging, diesen Antrag des ParteivorstandcS mit dem Amendement B e i m S zur Annahme zu bringen, und daß dann beschlossen worden ist, diesen Antrag auf die Angelegenheit Radek anzuwenden mit rückwirkender Kraft.(Beifall und Zurufe: Na, also!) Der Antrag: „Personen, die aus einer dem internationalen sozialistischen Bureau angeschlossenen Brudcrpartei wegen ehrloser Handlungen ausgeschlossen worden sind, können in der sozialdemokratischen Partei Deutschlands ohne Zustimmung der Partei, die den Aus- schluß vollzogen hat, die Mitgliedschaft nicht erwerben" wird mit übergroßer Mehrheit, wie Ebert feststellt, angenommen. Der Parteitag beschließt, ebenfalls mit übergroßer Mehr- beit, daß der eben gefaßte Beschluß rückwirkende Kraft haben soll. Damit sind alle übrigen Anträge zur Sache Radek erledigt.(Leb- hafter Beifall.) Antrag IIS wird mit 168 gegen 158 Stimmen angc- nommen. Zu einer Erklärung erhält das Wort Roske- Chemnitz: Ich habe in meiner Rede zum Fraktionsbericht ausgeführt,' obne wörtlich zu zitieren, das Braunschweiger Parteiblatt habe ge- schrieben, durch unsere Tätigkeit sowohl im Reichstage wie im all- gemeinen werde für das Proletariat ein Quark erreicht. Ich habe betont, durch solche Auslassungen werde für die Partei die Werbe- arbeit erschwert. Das Braunschweiger Parteiblatt hat recht, wenn. es darauf hinweist, daß ich nicht wörtlich zitiert habe. Es hat in seiner Nr. 213 vom 11. September geschrieben:„Alles, was das Proletariat innerhalb der bestehenden Ordnung erreichen kann. ist doch schließlich nur ein Dreck."(Hört! hört!) DaS Urteil, das ich in meiner Rede über die Wirkung solcher Schreibweise gegeben habe, erfährt durch diesen Wortlaut keine Aenderung.(Sehr richtig?) Es folgt die Beratung von Anträgen. Zunächst der Anträge 39 und 97*) betreffend das Verhalten zur P. P. S. Braun: Der Antrag 97 des Parteivorstandes, der zunächst die haka- tistisckic Politik der preußischen Regierung und der bürgerlichen Parteien auf das schärfste verurteilt, und im übrigen die Eini- gungsbedingungcn mit der P. P. S. von 1996 aufhebt und die Er- Wartung ausspricht, daß alle polnischen Genossen innerhalb der deutschen Landesgrenzen sich der sozialdemokratischen Partei Deutschlands anschließen, ist nach eingehenden Beratungen vom Parteiausschuß, an der auch Vertreter der P. P. S. teilgenommen haben, einstimmig angenommen worden. Zur Begründung der Resolution liegt eingehendes Material vor. Wir haben uns ja schon vielfach auf Parteitagen mit Polen- debatten zu beschäftigen gehabt, die nicht den erquicklichsten Teil der Debatten bildeten. Es wurde die„Gazetta Robotnitza" ge- gründet und dann eine besondere polnische Partei innerhalb der deutschen Landesgrenzen geschaffen. Diese Sonderorganisation 97.„Der Parteitag verurteilt auf das schärfste die Hakatistische Politik der preußischen Regierung und der bürgerlichen Parteien. Unsere Genossen in den parlamentarischen Körperschaften werden diese Politik wie bisher mit aller Kraft bekämpfen. Wie die Erfahrung gelehrt bat, kann diese UnterdrückungS- Politik, wie überhaupt der Kampf zur Befreiung des polnischen Volkes von politischer Unterdrückung und wirtschaftlicher Ausbeu- tung, nur wirksam geführt werden, wenn das polnische Proletariat sich ebenso wie in den Gewerkschaften auch in der sozialdemokrati- schen Partei einheitlich organisiert und mit dem unter gleichem Joch seufzenden deutschen Proletariat gemeinsam den Bcfreiungs- kämpf führt. Der Parteitag hebt daher die Einigungsbcdingungen von 1996 auf und spricht die Erwartung aus, bog alle polnischen Genossen innerhalb der deutschen Landesgrenzcn sich der sozialdeniokratischcn Partei Deutschlands anschließen. In Landesteilen mit polnisch sprechender Bevölkerung haben die örtlichen Organisationen dafür Sorge zu tragen, daß die schriftliche und mündliche Agitation auch in polnffcher Sprache betrieben wird." Partcivorstand. wurde aber die Quelle fortgesetzter Zwistigkeiten, die nicht nur mit dem mehr oder weniger verträglichen Charakter der leitenden Personen der P. P. S. zusammenhängen, sondern meiner festen Ueberzeugung nach in dem Wesen der Sonderorgani- sation begründet waren. Trotz reichlicher Unterstützung der Gesamtpartei machte die P. P. S. keine Fortschritte. Auch zeigten sich in ihr immer mehr polnisch-nationalistische Bestre- Hungen. Auch die Erwartung, daß die Einigung von 1996 länger vorhalten wird als die früheren Einigungsversuche, hat sich als irrig erwiesen. Trotz der reichlichen Mittel, die für die„Gazetta Robotnitza", die in ein dreimal wöchentlich erscheinendes Blatt umgewandelt wurde, und für die polnische Agitation im allgc- meinen dauernd gewährt wurden, trotz der�Anstellung eines polnischen Sekretärs, der lediglich der P. P. S." zur Verfügung stand, war eine fruchtbare Arbeit nicht möglich. Es wurde fest- gestellt, daß jeder Abonnent der„Gazetta Robotnitza" uns jährlich 19 M. kostet. Wir haben oeshalb der P. P. S. empfohlen, ihr Blatt wieder in ein Wochenblatt umzuwandeln, um die Zu- schösse auf ein erträgliches Maß h-rabzudrücken. Auf ihrem Parteitag haben dann die polnischen Genossen bc- hauptet, der Älißerfolg ihrer Agitation resultiere daraus, daß sie von der deutschen Partei Subvention erhielten. Als wir dann sagten, dem könne leicht abgeholfen werden, behaupteten sie, das sei nicht gesagt worden, die Schuld liege an dem unfähigen Ueber- setzer. Außerdem beschlossen die polnischen Genossen, ihr Blatt täglich erscheinen zu lassen. Tarauf haben wir die Zuschüsse eingestellt und sind aus dem Geschäft ausgetreten. Den Agitationszuschuß gewährten wir weiter unter der Bedingung, daß er nicht für das neue Blatt Verwendung finde. Von diesem Augen- blick an wurden in dem Blatt die schärfsten Töne gegen die Gesamt- Partei angeschlagen. So wurde dem Parteivorstand und der Ge- neralkommission der wissentlich unwahre Vorwurf gemacht, sie trieben Hakatismus, ebenso der Reichstags- und Landtagsfraktion. Und was das schlimmste ist, die polnischen Arbeiter, die unserer Organisation beitraten, wurden als Abtrünnige, als Verräter an ihrem Polt hingestellt. Trotzdem haben wir noch einen letzten Ver- such zur Einigung gemacht, haben Grundsätze stipuliert, die auch von den Genossen der P. P. S. akzeptiert wurden. Die Grundsätze wurden unseren Funktionären durch Zirkular mitgeteilt und ihnen zur Pflicht gemacht, sie strikte zu beachten. Die P. P. S. hat das nicht getan, aber ihre Vertreter haben erklärt, sie hätten in� ihren Versammlungen die größte Vorsicht angeraten. Sehr weit scheinen sie damit nicht gegangen zu sein, denn nach kurzer Zeit ging der Krach von neuem los. Die Kämpfe bilden für unsere bürgerlichen Gegner tatsächlich ein Gaudium. Um ein solches Resultat zu zeitigen, haben wir in den letzten Jahren über 69 999 M. bezahlt, lediglich um eine selb- ständige polnische Partei innerhalb Teutschlands Grenzen zu er- halten, eine Partei, die es bisher trotz aller dieser Mittel nicht einmal auf 2999 Mitglieder in ganz Deutschland gebracht hat und die lediglich ein Hemmschuh für die Arbeiterbewegung in ben ge- mischtsprachigen Gegenden gewesen ist.(Sehr richtig!) Sollen wir noch länger unsere reichlichen Mittel geben, nur damit die beiden Parteien sich gegenseitig bekämpfen?(Hört! hört!) Die Ursachen der Zwistigkeiten liegen nicht in den persönlichen Eigenschaften der einzelnen Führer, sondern in der D o p p e l o r g a n i s a t i a n, die wir da geschaffen haben.(Sehr richtig!) Eine solche Doppel- organisation muß Differenzen zeitigen. Deshalb sehen wir einen Ausweg aus dieser Situation nur in der Schaffung der Einheit?- organisation. Ich gebe mich nicht der Illusion hin, daß wir da- durch mit einem Schlage die Kämpfe beseitigen, nein, diese Kämpfe werden noch einige Zeit weitergeben, aber wir haben dann we- nigstens für die Zukunft die Aussicht auf geordnete Verhältnisse. Bemühen wir uns, den polnisch sprechenden Arbeitern Agitations- schriften in ihrer Muttersprache zugänglich zu mächen, reden wir in den Versammlungen in ihrer Muttersprache zu ihnen, dann wird und muß es uns gelingen, das Mißtrauen zu beseitigen und sie zu veranlassen, sich um die Fahne der deutschen Sozialdemokratie D zu scharen. Auch die Genossen der P. P. S. werden dann ein- sehen, daß es ein Verbrechen an der Arbeiterschaft wäre, wollten—- sie in sträflicher Verblendung die Geschäfte der erbittertsten Ar- beiterfeinde weiter besorgen durch Äufrcchterhaltung der Zer- splitterung. Unsere Vertreter in den Parlamenten werden wie bisher die Hakatistische Gewaltpolitik der preußischen Regierung geißeln und mit allem möglichen bekämpfen. Daran wird auch das polnische Proletariat sehen, daß seine Interessen bei der einhcit- lichen deutschen Partei am besten aufgeboben sind. Stimmen Sie unserem Antrag zu, Sie werden dadurch die Bahn freimachen für die Befreiung auch der polnischen Arbeiter aus wirtschaftlicher Not und politischer Schmach.(Leb- hafter Beifall.) Die Verhandlungen werden unterbrochen durch die Mitteilung des Resultats der Wahl der Parteileitung. Abgegeben sind 473 S t i m m z c t t e l. Die absolute Mehrheit beträgt also 237. Zu Vorsitzenden sind gewählt Haase mit 467 und Ebert mit 433 Stimmen. Zum Kassierer Braun mit 458 Stimmen. Als Sekretäre haben erhalten Bartels-Altona 269, Gcrisch 466, Dißmann-Frankfurt a. M. 211, Molkenbuhr 449, Her- mann Müller 442, Pfannkuch 468, Scheidemann 445, Luise Zieh 459 Stimmen, außerdem je 1 Stimme Quessel, Edmund Fischer, Stadthagen. Südckum, Wurm und andere.(Heiterkeit.) Es sind also zu Sekretären gewählt Bartels, Gerisch, Molkenbuhr, Her- mann Müller, Pfannkuch, Scheidemann und Luise Zietz. Als Beisitzer haben erhalten Brühl 232, WclS 246, Wcn- gelS 439 Stimmen. Wels und Wengels sind somit gewählt. Bei der Wahl der Kontrollkommiffion haben erhalten Bock 373, Breh 193, Brühne 436, Ernst 427, Geck 399, Geyer 247, Helene Grünberg 158, Hengsbach 347, Löbe 191, Sindrrmann 247, Stubbc 315, Timm 368, Klara Zetkin 288 Stimmen. Zwischen Sindcrmann und Geyer, die gleichviel Stimmen erhalten haben, hat das Los zugunsten von Geher entschieden. Die Kontrollkommission setzt sich also wie folgt zusammen: Bock, Brühne, Ernst, Geck, Geyer, Hengsbach, Stubbc, Timm, Klara Zetkin. Die Kommission hat sich bereits konstituiert und Bock zum ersten, Brühne zum zweiten Borsitzenden gewählt. In der fortgesetzten Debatte erhält da« Wort Katzcnstcin-Stralsunld: Wir sind wohl alle darin einig, daß die Vorwurfe, als ob innerhalb unserer Partei irgend jemand hakatistische Ziele verfolge, völlig unzutreffenid und töricht sind, aber ebenso falsch ist es, aus derartigen und aus anderen törichten Handlungen auf polnischer Seite nun gleich die äußer sie Konsequenz zu ziehen. Die polnischen Arbeiter seufzen unter einem doppelt und dreifach so schweren Joch wie die deutschen, sie sind national unter- drückt unid haben es mit der preußischen Verwaltung und Polizei in ihrer schlesisch-ostelbischen Reinkultur zu tun. Auch wir haben Fehler gemacht. Eine nationale Minderheit mutz die Möglichkeit haben, nicht nur ihre Klaffenintcressen, sondern auch ihre sprach- lichen Interessen zu wahren, mit denen ja die materiellen Jnter- essen zum Teil zusammenfallen. Warum hat man keinem Polen ein sicheres Mandat zum preußischen Land- tag gegeben? Wir dürfen uns nicht verhehlen, daß gerade der letzte Beschluß des Parteivorstandcs von polnisch nationalistischer Seite gegen uns ausgenutzt wird. Mit Recht hat Bruhns in seinem ausgezeichneten Artikel in der Sonntagnummer der„Weimarischen Volkszeitung" den Parteitag gewarnt, dem Antrage des Parteivor- standcs zuzustimmen. Bruhns kennt die Dinge grüiw'ch Ö1Ig persönlicher Anschauung. Wir sollten unsere polnischen Genossen, die in den deutschen Organisationen sind, veranlassen, sich zu einer Einheitorganisation zusammenzuschließen. Die P. P. S. hat ihre Wurzeln nicht in Schlesien, sondern in Galizien, und was geleistet werden kann, das beweisen die dort errungenen Erfolg«, wo ivir 6 Vertreter, darunter so glänzende Führer wie Daschnski und Diamand im Parlament haben. Also nicht nur die Polen, sondern cmch wir haben Fehler gemacht, und ich bitte Sic, dem Bibelwort zu folgen: Du sollst Deinem Bruder nicht siebenmal, sondern siebenmal siebenmal vergeben! Es liegt im Interesse der Internationale so- wie im Interesse des deutschen Proletariats, daß wir dies Kind Nicht in die Wüste stoßen. Hörsing- Beuthen: Das Material>des Parteivorstandes und die Ausführungen von Braun zeigen nur zu deutlich, daß das Verhältnis mit der P. P S. Nicht länger aufrecht zu erhalten ist. Die Tatsache, daß imehr als 50 Proz. der Mitglieder in den sogenannten deutschen Organisationen Polen sind, beweist zur Evidenz, daß die polnischen Arbeiter die Sonderorganisation ablehnen. Der polnische Arbeiter, der den Klasserlfampf erkannt hat, weiß, daß wir gemeinsam mit unseren deutschen Brüdern kämpfen müssen, aber wer den Klassen- kämpf noch nicht erkannt hat, der kommt woder zu den freien Gewerkschaften noch zu uns. Die P. P. S. zählt heute in ganz Deutschland nicht mehr als 12 000 Mitglieder. Wir verurteilen den Hakatismus und das Demagogentum der Nationalpolen, aber wir dürfen uns der Tatsache nicht verschließen, daß wir mit sprach- lich getrennten Organisationen unsere Aufgabe in gemischtsprach- lichen Gegenden nicht so erfüllen können wie es möglich ist. Wir wollen die einheitliche Organisation, wir wollen nicht germani- sicren. Wir bitten Sie, den Antrag des P.-V. möglichst einstimmig anzunehmen. Damit erklären wir, daß mir das Treiben der Rc- gieung und ihrer hakatistischen Helfershelfer verurteilen und be- kämpfen, daß wir aber auch das Verhalten der Führer der P. P. S. verurteilen, aus deren Verhalten nur die Nationalpolen und Haka- tisten Vorteil ziehen. Das wird auch die große Masse des pol- nischen Proletariats zum Ausbruch bringen, daß die Sozialdcmo- kratie die einzige Partei ist, die dem polnischen Proletariat helfen will, aus der Lohnknechtschaft und aus der politischen Knechtschaft herauszukommen.(Beifall.) Lcdebour: Wenn man den Polen eine eigene Organisation unmöglich machen will, so wird das bei den polnischen Proletariern gerade den Eindruck erwecken, daß man ihnen nicht das gleiche Recht zu- gestehen will wie den deutschen Genossen innerhalb der Sozial- demokratic. Katzenstein hat durchaus anerkannt, daß die Polen schwere Fehler gemacht haben. Die Leute haben uiivcrantwort- liches Zeug geschwafelt. Das ist die Folge dieser unglücklichen Ver- Hältnisse bei dieser unglücklichen Bevölkerung, die konfessionell unter dem Druck der Pfaffen seufzt, und auf die wir wegen der fremden Sprache direkt keinen Einfluß ausüben können. Die Polen kann man nicht mit den Dänen, den französisch sprechenden Elsaß- Lothringern und den Littauern vergleichen, das sind kleine Völker- schaften, während wir Millionen Polen haben. Es wäre ein schwerer �Fehler, wenn wir den Antrag annehmen würden. Die Folg« wäre nicht der Eintritt der Polen in die deutsche Sozial- demokratie, sondern ein erbitterter Kanipf. Es muß versucht wer- den, die Leute auszusöhnen und nicht, sie in die Wüste zu stoßen.(Beifall.) Ein Schlußantrag, den Eduard Schmid-München empfiehlt, wird angenommen. Der Antrag des Partcivorstandcs wird gegen wenige stimmen ebenfalls angenommen. Es folgen die Anträge über Organisationsfragen, nämlich 38. 40, 41, 42, 43. 44, 4«. 79, 85, 93 und 99.») Müller(vom Parteivorstand): Ich möchte Sic ersuchen, die Anträge 38, 40 bis 44, 79. 85, 93 und 99 dem Pärteivorstand zu überweisen. Wir babcn bereits im vorigen Jahre erklärt, daß über die Frage der Aende- rung des Delcgationssystems zum Parteitag in diesem Jahre Ver- Handlungen stattfinden sollen. Tann kann bei dieser Gelegenheit alles dies mit verhandelt werden, was eventuell bezüglich der Aenderungen zum Organisationsstatut vorzubringen ist. Es geht nicht an, daß wir alle Jahre Aenderungen am Organisationsstatut vornehmen. Vielfach sind die Aenderungen vom Chemnitzer Partei- tag in die Mitgliedsbücher noch nicht eingetragen. Die Dinge können nicht aus dem Handgelenk geändert werden, sie erfordern genügende Vorbereitungen. Nun haben wir einen Antrag gestellt, der betrifft das Aus- .schlnßverfahren. Wir haben es. vielfach gehabt, daß in Organisa- tionen, nachdem gxgcn einen Parteigenossen in einer Instanz auf Ausschluß erkannt ist, der Verein beschlossen hat, nicht mehr bei Z8. Hamm i. W.: Der Parteitag möge beschließen: Es ist unzulässig, daß in einer zusammenhängenden kleinen Stadt mit weniger als 600 Mitgliedern zwei Filialen bestehen. Wo in solchen Fällen zwei Filialen be- stehen, sind diese zu verschmelzen. Ob eine Teilung einer Filiale erforderlich ist, entscheidet unter Hinzuziehung des Kreisvor- standes die Filialversammlimg. 40. Elberfeld-Barmen: Abänderungsantrag zum ■§ 27, Absatz 2 des Statuts: An Stelle der Worte:„Unterläßt es der Angeschuldigte usw." zu setzen:..... Unterläßt es eine Partei, innerhalb einer Vom Parteivorstand zu bestimmenden Frist, die mindestens vier Wochen betragen muß, Schiedsrichter zu ernennen, so ernennt der Parteivorstand für diese Partei die » Beisitzer." 41. Köln a. Rh.: An den Z 27 des Organisationsstatuts ist hinter Absatz 4:„so hat der Parteivorstand das Recht, die Sache vor ein Schiedsgericht zu bringen", anzufügen:„In diesem Falle muß das Schiedsgericht gegen alle Angeschuldigten verhandeln, wenn einer der Angeschuldigten Beisitzer ernennt." 42. Breslau: Der Parteitag möge den Beschluß des Nürnberger Parteitages(betreffend Sonderorgan i- sation, Lokalverein) aufheben. 43. Kiel-Ost: Der Parteitag möge beschließen: Die Wahlen zum deutschen Parteitag werden in Ur- Wahlen, die in bestimmten Stunden an einem Sonntage statt- zufinden haben, vorgenommen. 44. Breslau-Land, Neu markt: Der Partei- Vorstand übernimmt die Kosten des Wahlkreises, die sür die Beschickung des deutschen Parteitages durch einen Delegierten entstehen. Zur Beschickung sind nur diejenigen Wahl- kreise berechtigt, die mehr als 100 Mitglieder haben. 46. Pa r t e i V o r st a n d: Hat eine der im Ausschlußver- fahren nach§§ 26 und 27 des Organisationsstatuts vorgesehenen Instanzen gegen ein Mitglied der Partei auf Ausschluß aus der Partei erkannt, so ruhen die Rechte und Pflichten dieses Mit- glisdes bis zur endgültigen Entscheidung. 79. 4. Pfälzischer Reichs tagswahlkreis Zwei- brücken-Pir masens: Der Parteitag möge beschließen: Der Parteivorstand wird beauftragt, dem nächsten Parteitag eine Neuregelung für die Beschickung der Parteitage in Vorschlag zu bringen, wobei auch minderbemittelten Wahlkreisen bei gewisser Höhe des Mitgliederstandes die Möglichkeit einer Vertretung ge- boten wird. 85. 3. pfälz. Kreis: Der Parteitag möge beschließen, daß der deutsche Parteitag nicht alljährlich, sondern nur alle zwei Jahre stattzufinden hat. 93. Frankfurt a. M.- B o de nh c i m: Die Wahl der Delegierten zum Parteitag hat durch Urwahlcn zu erfolgen. Zum 8 7 des Organisationsstatuis wird deshalb zu dem Passus:„Die Wähl der Delegierten erfolgt nach Maßgabe der Mitgliederzahl" der Zusatz„und durch Urwahlcn" beantragt. 99 19. h a n n o V e r s che r W ah l kr e i s:„Der Parteitag möge den Absatz 1 in 8 7 des Organisationsstatuts der Partei dahin ändern, daß in Zukunft die Zahl der Delegierten zum Parteitage um die Hälfte verringert wird." Ottavtwartlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für dez dem Betreffenden kassieren zu lassen. Das Organisationsstatut hat darüber keine Bestimmung. Hier muß eine einheitliche Regelung herbeigeführt werden. Wenn eine zweite oder dritte Instanz das Ausschlußurteil aufhebt, mutz dem Betreffenden Gc- legcnheit gegeben werden, die Beiträge nachzuzahlen in angemessc- neu Fristen. Den Antrag 42 bitte ich abzulehnen. Hier- über haben wir uns in Essen und Nürnberg unterhalten. Es besteht gar kein Grund, eine Aenderung an den Beschlüssen über die Lokalorganisiertcn vorzunehmen.(Beifall.) Heilmann-Chcmnitz: Der Antrag 46 ist in der vorliegenden Form unannehmbar. Bei uns in Sachsen besteht der Bezirksvorstand aus drei Personen. Wenn also zwei dieser Personen sich darüber einigen, auf Antrag irgendeines kleinen Bezirksvcrcins einen Genossen vorläufig für ausgeschlossen zu erklären, so soll dieser Genosse vor der Entschci- dung des Schiedsgerichts und aller anderen Instanzen also seine Mitgliederrechte verlieren. Stellen Sie sich den ungeheuerlichen Fall vor, irgendein Abgeordneter unserer Partei würde von zwei Genossen aus dem Bezirksvorstand befeindet, und diese beiden Ge- nassen nähmen in dieser Weise einen vorläufigen Ausschluß vor und beraubten diesen Abgeordneten der Möglichkeit, weiter sein Mandat auszuüben, dann würde in der ganzen Partei über dieses außerordentliche Standrcchtsversahren ein großer Unwille ent- stehen. Ich kann es nicht begreifen, wie der Parteivorstand über- Haupt zu dem Antrage kommen konnte, daß vor dein Urteil des Schiedsgerichts ein Parteigenosse seine Rechte als Parteigenosse ver- licrcn soll. Ich bitte Sie, den Antrag 46 abzulehnen.(Beifall.) Müller(vom Parteivorstand): Hcilmaun hat eingewendet, daß in Sachsen die Bczirksvor- stände aus drei Personen bestehen und daß schon zwei dann einen Abgeordneten ausschließen könnten. Die Sache liegt doch so, daß der Bezirksvorstand in-einem Vorverfahren, zu dem der Be- treffende zugezogen wird und die Zeugen vernommen werden, ord- nungsgcmäß verfahren muß. Es ist praktisch absolut unmöglich, daß ein Bezirksvorstand gegen einen Parteigenossen oder Abgcord- neten in der Weise vorgeht, wie Hcilmann geschildert hat. Wir haben bisher auf Grund der Erfahrungen, die wir mit den Ur- teilen der Bezirksorganisationen gemacht haben, nicht geglaubt, daß eine derartige Konsequenz gezogen werden könnte. Die Be- zirksvorstände stich eine ganz objektive Instanz. Der Fall, der von Heilmann erwähnt wurde, wird also nicht vorkommen. Außerdem gibt es in Sachsen keinen Abgeordneten, der in Gefahr kommen könnte, so behandelt zu werden. Gerade die Erfahrungen aus Sachsen haben uns veranlaßt, den Antrag zu stellen. Eventuell könnte man ein Amendement annehmen, daß die zweite Instanz ge- sprachen haben solle. Aber ich halte das für überflüssig. Darauf wird der Antrag 46 angenommen, die übrigen Anträge zu diesem Punkte werden dem Parteivorstand zur Er- wägung übergeben. Vorsitzender Ebert: Es ist folgender Antrag eingegangen: Die Zahl der Mitglieder des Zentralbildungsaus- s ch u s s e s wird von 7 auf 9 erhöht. Heinrich Schulz: Der Antrag will keine grundstürzende Aenderung unseres Organisationsapparates, sondern nur die Erhöhung unseres Aus- schusses um zwei Mitglieder. Unsere Aufgaben wachsen und die Leitung des Zentralbildungsausschusses kann auf den zahlreich stattfindcichen Bezirkskonferenzen der Bildungsarheit kaum noch genügend vertreten sein. Wir bitten den Parteitag, unseren An- trag anzunehmen. Der Antrag wird ein st immig angenommen. Vors. Ellert: Ich habe hier eine Mitteilung zu machen, die die Erledigung des A n t r a g s 115 betrifft. Es sind nach Annahme dieses Antrages mehrfach Anfragen an mich und an das Bureau gerichtet worden, wie dieser Antrag aufgefaßt werden soll. Im Einvernehmen mit dem Genossen Liebknecht kann rch erklaren: Es ist außer Zweifel, daß durch Annahme des Antrags 115 die Vertreter der deutschen Partei im Internationalen Sozialistischen Bureau dahin wirken sollen, daß die Frage, die für Deutschland durch Ananhmc des Antrages der Beschwerdekommission zunächst erledigt ist, eine internationale Regelung findet.(Beifall.) Dankit ist der Parteitag einverstanden. Es folgen weitere Anträge. Der Antrag 36 wird ohne be- sondere Begründung und ohne Diskussion angenommen.») Es folgen die Anträge über den n ä ch st en Parteitag. Der Antrag 84 wird ohne Debatte abgelehnt.") Heitmann-OIdenburg beantragt, die Anträge, die davon handeln, an welchen Ort der Parteitag im Jahre 1914 stattfinden soll, dem Parteivorstand und Parteiausschuß zu überweisen. Bei der ständig wachsenden Zahl der Delegierten kommt es darauf an. das richtige Parteitagslokal zu finden. Das können wir hier nicht entscheiden, das müssen Parteivorstand und Parteiausschuß er- wägen. Grumbach-Colmar beantragt, den nächsten Parteitag früh- zeitiger einzuberufen, damit die Punkte, die auf die Tagesordnung des Internationalen Kongresses in Wien kommen, noch diskutiert werden können. Ich bitte, meinen Antrag dem Parteivorstand und dem Parteiausschutz zu überweisen. Die Anträge Heitmann und Grumbach werden darauf angenommen. Vors. Ebert: Kontrollkommission und Parteivorstand, wie sie jetzt gewählt worden sind, haben nach einem früheren Beschluß die Mitglieder des Zen tralbildungsausschusscs gewählt, und zwar gleich unter Berücksichtigung des vorhin gc- faßten Beschlusses, wonach die Zahl der Mitglieder von 7 auf 9 erhöht werden soll. Es sind in de» Zentralbildungsausschuß ge- wählt worden: David- Mainz, H e i m a n n- Berlin, Korn- Berlin, Laufenberg- Hamburg, L o c b e- Breslau, M e h r in g- Berlin, Müller- München, Schulz- Berlin(als Geschäfts- führer) und Genossin Zetkin- Stuttgart. Vorsitzender Ebert: Wir sind damit am Schluß unserer Arbeiten angelangt. Wie nach früheren Tagungen in Jena können wir auch dies- mal wieder sagen, wir tvaren hier in jeder Hinsicht gut unter- gebracht. Dafür sind wir unseren Jenaer Genossen zu großem Danke verpflichtet. Sie hatten alles bis ins einzelne sehr gut vor- bereitet und haben während unserer Tagung in umsichtiger und liebenswürdiger Weise alles getan, um eine glatte Erledigung un- screr Arbeiten zu ermöglichen. Auch darüber hinaus haben die Jenaer Genossen uns den Aufenthalt hier so angenehm wie mög- lich gemacht. Die prächtige Aufführung der kampfesfrohen Ar- bciterhymne am Sonntagabend war eine recht stimmungsvolle Ein- leitung unserer Arbeiten. Auf uns alle hat sie einen tiefen und bleibenden Eindruck gemacht. Ich halte es für meine Pflicht, allen Mitwirkenden auch an dieser Stell« noch besonders zu danken. (Lebhafter Beifall.) Wir alle scheiden von Jena mit den besten Erinnerungen an diesen gastlichen Ort. Wir danken auch den Mitgliedern der Kommissionen, die in schwerer und oft nicht sehr angenehmer Arbeit dem Parteitag gute Dienste geleistet haben. ») 36. Breslau: Die preußische Landtagsfraktion möchte daraus hinwirken, daß der Austritt aus der Landeskirche kostenfrei ist. ••) 84. Hamburg I: Der Parteitag möge im Jahre 1914 das Thema:„Staat und Kirche" auf die Tagesordnung setzen._ Jnjeratemeil veranttv.: Th. Glocke, Berlin. Druckl�VerlagsVorwärt« (Beifall.) Wir danken auch den Vertretern der Presse, die ein« Woche anstrengender Arbeit hinter sich haben. Wenn wir auf unsere Verhandlungen zurückblicken, so können wir mit vollem Recht sagen, der Parteitag bat fleißige und gute Arbeit geleistet. Der Parteitag hat der Tätigkeit der Partei» leitung und Reichstagsfraktion zugestimmt und beiden Körper- schaften sind für ihre künftige Tätigkeit wichtige Anregungen ge- geben worden, die sicher weitestgehende Berücksichtigung finden und nach Möglichkeit in die Tat umgesetzt werden. Tie überaus wichtige und sehr komplizierte S t e u e r f r a g e, die die Partei seit Jahren lebhaft beschäftigte, hat der Parteitag gründlich be- handelt. Die fleißige und dankenswerte Vorarbeit unserer Refe- renten ermöglichte eine recht ersprießliche Behandlung dieses Themas. Die in der angenommenen Resolution festgelegten Richt- linien zeichnen scharf unsere Älassenkampfhaltung und bringen klar die Grundsätze unserer Steuerpolitik zum Ausdruck.(Sehr richtig.) Diese Entschließung wird uns bei der Agitation bei un- serer Tätigkeit im Reichstage, in den Landtagen und in den Gc- meinden große Dienste leisten.(Sehr wahr.) Mit der Behandlung oer Arbcitslosenfür sorge hat der Parteitag Stellung genommen zu einer Frage, die zurzeit die Lebensinteressen Hunderttausendcr von Arbeiterfamilien aufs engste berührt. Tie mit der planlosen kapitalistischen Produktions- weise untrennbar verbundene Arbeitslosigkeit hat bereits ein Massenelend in großem Umfange hervorgerufen.(Sehr wahr!) Die Wintermonate werden sicher noch eine-enorme Steigerung des Elends bringen.(Sehr wahr!) Im ganzen Reiche mutz oeshalb unverzüglich eine gewaltige Massenbewegung eingeleitet werden zur Propagierung und Durchsetzung der in unserer Resolution festgelegten Forderungen.(Lebhafte Zustimmung.) In den hinter uns liegenden Jahren glänzender wirtschaftlicher Prosperität, in denen der Kapitalismus ungeheure Reichtümer einheimste, waren die herrschenden Klassen zu wirksamen Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit nicht zu bewegen. Jetzt gilt es, einen Massen- stürm zu entfachen, der mit unwiderstehlicher Wucht die Herrschen- den zur Abhilfe zwingt.(Stürmischer Beifall.) Erneut hat sich der Parteitag mit dem politischen Massenstreik beschäftigt. Wie auf den früheren Parteitagen, so sind auch hier über die Art des Kampfmittels und seine Propagierung die Mci- nungen auseinandergegangen. Volle Einigkeit herrschte aber über das Ziel, zu dessen Ergänzung, wenn ändere Biittel versagen, eventuell der Massenstreik in Anwendung gebracht werden soll.(Lebhafte Zu- stinimung.) Dir Dreiklassenschandc in Preußen muß beseitigt werden, koste es, was es wolle. (Stürmischer Beifall.) Unser Beschluß ist klar und unzweideutig, nicht nur für die Partei, sondern auch für die, die sich in kurz- sichtiger Verblendung der Beseitigung der Dreiklassenschmach widersetzen. Wenn es sein muß, weroen wir zum äußersten Mittel greifen.(Lebhafter Beifall.) Es ist so, wie ein Redner sagte: entweder werden wir das freie Wahlrecht in Preußen haben oder wir haben den Massenstreik.(Stürmische Zustimmung.) Für unsere Gegner tvar unsere Tagung eine recht bittere Enttäuschung. Sie setzen ihre einzige Hoffnung auf die Selbst- zerflcischung der Partei, und gerade an diesen Parteitag haben unsere Feinde in dieser Hinsicht besondere Erwartungen geknüpft. Mit Freuden können wir demgegenüber feststellen, daß bei aller sachlichen Schärfe, mit der wir unseren Meinungsstreit geführt haben, unsere Verhandlungen getragen waren von gutem käme» radschaftlichcm Geist. Ich übertreibe sicher nicht, wenn ich sage, dir innere Festigkeit der Partei, der entschiedene Wille zur Einheit und Geschlossenheit der Partei sind wohl selten auf einem Parteitag stärker zum Ausdruck gekommen als auf diesem. (Lebhafte Zustimmung.) Es ist auf diesem Parteitag von neuem die Erkenntnis gefestigt worden: Die Znsammenfassung aller Kräfte in der Partei zu einheitlicher Arbeit ist die Wurzel unserer Kraft und unserer Erfolge.(Lebhafte Zustimmung.) Und wenn wir uns nun anschicken, auf unsere heimatlichen Posten zurück- zukehren, so tun wir es mit dem aufrichtigen Gelöbnis, in alter Treue unser Bestes, unser Alles einzusetzen für die Partei, für die Befreiung des Proletariats aus wirtschaftlicher und politischer Unterdrückung. In all unserem Tun und Handeln, in all unser« Kämpfen wollen wir uns leiten lassen von dem glänzenden Bei- spiel, das uns unser großer unvergeßlicher Meister August Bebel gegeben hat.(Stürmischer Beifall.) So trennen wir uns frohen Mutes mit unserem alten Schlachtruf: Die deutsche, die intcr- nationale Sozialdemokratie, sie lebe hoch!(Die Delegierten haben sich erhoben, stimmen begeistert in das Hoch ein und singen den ersten Vers der Arbeitermarscillaise.) Schluß VA Uhr. *» Die Abstimmung über die Steuerfrage. Gegen den Antrag Wurm haben folgende 140 Dele« gierte gestimmt: Lore Agnes-Tüsseldorf, Albrecht-Halle. Albrecht-Könnern, Antrick-Braunschweig, Apcl-Erfurt, Martha Arendsee-Lichtenberg, Beck-Weimar, Bellert-Solingen, Berten- Düsseldorf, Bihlmeicr-Schw.-Gmünd, Blumöhr-Hanau, Bock-Gotha, August Böhle-Leipzig, Helene Brandenburg-Hamburg, Brühl-Berlin, Büchner-Berlin, Bühler-Remscheid, Burckhardt-Eilcnburg, Clajus- Berlin II, Crispien-Stuttgart, Tavidsohn-Berlin, Dißmann-Frank- furt, Dittmann-Solingen, Tonalies-Königsberg, Emmel-Mülhausen, Engelhardt-Helmstedt, Engelhardt-Cannstatt, Ewald-Berlin, Agnes Fahrenwaldt-Berlin, Fauth-Wetzlar, Fiedler-Krimmitschau,~'tt0 Frank-Berlin VI, Fries-Köln, Fuchs-Schiltigheim, Gebhardt-Burg, Gebhardt-Hof, Gehrmann-Zeitz, Geyer-Leipzig, Gottschalk-Konigs- berg, Göft-Kirchheim, Götz-Eibenstock, Grenz-Limbach, Grauer-Ber- tin, Graupe-Zwickau, Grcnz-Leipzig, Gutekunst-Berlin, Hammer- Essen, Hanisch-Stettin, Marie Hartung-Königsberg, Hengsbach-Koln, Henke-Bremcn, Henkel-Berlin VI, Auguste Hennig-Leipzig, Herr- mann-Dresden, Herzfeld-Berlin, Frau Hoch-Franksurt a. l.!., Gustav Hoch-Hanau, Hofimann-Berlin IV, Hofimann-Berlin IV, Hofrichter-Köln, Horn-Dresden, Hugel-Bavreuth, Jafike-Lichten- berg, John-Leipzig, Jungnickel-Annaberg, Kappler-Berlm, Kilian- Kassel, Klcinspehn-Nordhausen, Klingler-Berun, Knnglcr-Koburg, Knauf-Gera, Knief-Bremen, Krügcr-Warnsbeck, Kruger-Lcipzig, Kühn-Langenbielau, Kunert-Halle, �rber-�ena, �.edebour-Berlin, Lcich-Lcipzig, Leid-Berlin, Dr. Lensch-Bcrlin, �.copold-Zeitz, Leutert- Apolda. Leulhold-Dresden, Lewerentz-Krefeld. Linde-Königsberg. Liudner-Colditz, Lippmann-D-uisburg, Ludwig-Hagen, Frau Dr. Luxemburg-Berlin, Vkarxbausen-Burgel� Meier-Zwickau, Menzel- Bittcrfeld, Möllcr-Schönefeld,>uiier-�.-upeldorf, Müllcr-Leipzig, Oppcrmann-Blankcnburg, Ostkamp-Essen, Dr. Pannekoek-Brcmen, Panzer-Bayrcuth, Peter Elmng, Plorin-Jena. Pollendcr-Lcipzig, Porstendorfer-Freiberg-Oederan, Raute-Eilenburg. Reißhaus-Er- furt, Johanna Äeitze-Legesack. Reiwand-Halle, Roth-Werdau, Rühle- Dresden. Ryssel-Lerpzig.«chmdler-Pankow. Schmidt-Berlin III, Schnabrich-Hanau, Schinkel- Thale, Schultz-Elbing, Schwarz-Lübeck, Schwarzburger-Niederbarnim, Helene Schweida-Breme», Seip- Hanau, Sellin-Tanzig, spcich-Eßlingen, Lisbeth Sperling-Halle, Stadthagcn-Berlin, Staffler-Berlin VI, Sterzel-Pirna, Stolle- Gesau, Karl Swbbe-Han iburg III, Vogthcrr-Wernigerode, Frau Wasscr-Solingcn, Westtau, p-Düsseldorf, Westmeyer-Stikttgart, Wicky-Mülhausen lEIsaß), Wittig-Lcipzig. Wünschmann-Vegesack, Zentgraf-Gotha, Frau Klara Zetkin-Stuttgart, Ziegler-Breslau, Zubeil-Berlin.__ Suchdruckerei u. VerlagSanstalt PauISinger u. Eo�B«rlin SM |r.246. 30. Iahrgavg. 2. Skilav Ii» Jonuirtü" Knlim WKsdlÄ Sonntag, 2t. Septenlbtt l9t3. TaMg der Geverbe- vnd Kaufmannsgeriihte. Leipzig, IS. September. Zur Beratung stand heut« der wichtigste Togesordnungspuntt: Grundgedanken und Möglichkeit eines einheitlichen Arbeitsrechts für Deutschland. Referent Dr. S inzh eim e r- Frankfurt a. M.: Es sei nicht richtig, daß das Interesse für ein einheitliches Arbeitsrecht nur ein politisches sei; es steckten dahinter wirtschaftliche, soziale Kräfte, der Gedanke sei entsprungen auS tiefsten elementarsten Rechts- pedürsnissen. Die Forderung eines einheitlichen Arbeitsrechts ist in dem Mangel des bestehenden Rechtszustands begründet. Seine Quellen sind unübersichtlich und teilweise nicht genügend abgegrenzt. Seinem Inhalt fehlt auf wichtigen Gebieten innerlich« Einheit und zusammenfassender Ausdruck. Die Gerichtsverfassung für Arbeitsstreitigkeiten ist nicht einheitlich, so daß durch nutzlose Zu- ständigkeitsstreitigkeiten die Rechtsverfolgung in vielen Fällen auf- gehalten ist. Ter Gedanke des einheitlichen Arbeitsrechts kann in einem .Gesetzbuch der Arbeit", das alle Arbeitsverhältnisse in jeder Be- ßiehung einheitlich regelt, nicht erfaßt werden. Das Arbeits- recht ist ein werdendes Recht, welches eine gesetzbuch- wäßige Festlegung zurzeit nicht ertragen kann. Seine Durchführung kann auch nicht darin bestehen, den sozialen Schutzgedanken in der Gesetzgebung abzuschwächen oder zu verdrängen. Auch darin kann der Gedanke des einheitlichen Arbeitsrechts nicht bestehen, die geltende Spezialgeletzgebung im Gebiete des Arbeitsrechts, soweit sie sachlich begründet ist, aufzuheben, oder soweit sie künftighin notwendig wird, zu hindern. Wie das von Tag zu Tag anschwellende Drängen neuer Arbeiter- und Angcsrelltenschichten nach einem eigenen Recht beweist(Schauspieler, Künstler aller Art, Kranken- Pfleger, Kunstgewerbezeichner, Orchestermusiker usw.), ist die wach- sende Differenzierung der Gesetzgebung ein gewünschtes und not- wendiges Mittel des Fortschritts. Der Gedanke eines einheitlichen Arbeitsrechts kann sich deswegen unter den gegebenen Umständen nur in einer Vereinfachung des Rechts durch Zentralisation des Rechtsstoffs und durch Dezentralisation der Rechtsbildung und Rcchsfindung äußern. Die Zentralisation des Rechtsstosfs hat die Entlastung der Gesetzgebung zum Ziel durch Zusammenziehung von Einzel- ordnungen und Einzelbestimmungen. Di« folgenden Formen kommen in Betracht: 1. ReichSrcchtliche Regelung derjenigen Ge- biete, die heute noch durch eine Summe von Landcsgesetzen be- herrscht sind(Bergarbeiterrecht, Gesinde- und Landarbciterrecht). 2. Schaffung eines allgemeinen Teils des Arbeitsrechts für alle, die in einem die Erwerbstätigkeit hauptsächlich in Anspruch nehmenden Dienstverhältnis stehen. Als Gegenstände einer solchen allgemein- rechtlichen Regelung finden sich: Lebens-, Gesundheits- und Sittlichkeitsschutz, Arbeitszeit mit Sonntagsruhe, Nachtarbeit, Ueberarbeit und Urlaub, Lohnsicherung, wichtige Mndigungsgründe und Gleichheit der Kündigungsfristen, Verleitung zum Vertragsbruch, Buße und Konkurrenzklausel, Arbeitsordnung, Arbeiterausschuß. Koalitionsrecht und Aufficht, Lchrlingsverhältnisse und Fortbildungsschulpflicht; Einschränkung des KündigungsrcchtS für außerbcrufliche Betätigung, Recht auf Offenlegung und Verbot geheimer Kenn- Zeichnung; DienstvertragSakkord, Trennung von Arbeitsvertrag und Werk- Wohnungsmiete. 3. Ausgleichung solcher Bcrufsrechte, die nicht durch sachliche Notwendigkeit, sondern durch historische Zufälligkeit voneinander getrennt sind. Sie ist möglich und erstrebenswert für die ver- schiedenen Gruppen der„Privatangestcllten", die heute unter ver« schiedcnem Recht leben(Handlungsgehilfen, Betriebsbeamte, Werk- mcister, Techniker. Burcauangestellte, Güterbeamte usw.).(Bei Begründung der Forderung eines einheitlichen Angestelltenrcchts, das ein Teil des Arbeitsrechts sein soll, polemisierte Sinzheimer scharf gegen den Deutschnationalen Handlungsgehilfcnverband. Dessen Behauptung, die Handlungsgehilfen hätten kein unmittel- bares Interesse an einem einheitlichen Arbeitsrecht, sei nicht richtig.) 4. Erweiterung des Begriffs des gewerblichen Arbeiters(Gesellen, Gehilfen, Fabrikarbeiter) auf olle Arbeiter, die ihre Erwerbstätig- keit hauptsächlich in Jnspruch nehmende Tienstverträge abschließen, ohne Rücksicht darauf, ob ihre Dienste für eine gewerbliches Unter- nehmen geleistet werden oder nicht. Auszunehmen von diesem erweiterten Arbeiterbegriff sind nur solche Arbeitergruppen, bei denen die Art der Arbeit besondere spezialgesetzliche Regelung not- wendig macht(z. B. Bergarbeiter, Landarbeiter, Gesinde, Fahr und Streckenpersonal der Eisenbahn usw.), oder deren Arbeitsver� bältnisse rcichsrechtlich bereits besonders geregelt sind(Binnen- fchiffahrtsgesctz, Flößercigesetz, Seemannsordnung). Tie D e z e n t r a l i sa t i o n hat zum Ziel die Einsetzung und die Erleichterung der Gesetzgebung durch die Heranziehung der am Arbeitsrecht unmittelbar Beteiligten zur Rcchtsbildung und Rechts finbung durch genossenschaftliche Selbsthilfe. Für die Ver wirklichung dieses Gedankens stehen folgende Wege offen: Tarifverträge. Ihre Bedeutung besteht nicht nur in ihrer zeitweisen Friedensstiftung, sondern auch in der Erfüllung von Aufgaben/ die ohne sie das staatliche Gesetz zu lösen hätte. Soweit Tarifverträge die Arbeitsverhältnisse regeln, machen sie staatliches Gesetz überflüssig. Die Gesetzgebung kann diesen tech Nischen Vorteil der Tarifverträge, unterstützt durch die Staats Verwaltung und die Staatsbetriebe, dadurch planvoll nutzen, daß sie die Tarifverträge zu Organen objekiven Arbeitsrechts(der Gesetzgebung) erhebt. Paritätische R e ch t s v e r w a l t u n g. Das Gesetz kann sich auf den Ausspruch allgemeiner Grundsätze und Grenzen be- schränken, wenn Stellen vorhanden sind, welchen der Erlaß der Ausführungs- und Vollzugsvorschriften von Fall zu Fall obliegt. Erweiterung der Gewerbe-, Kaufmanns- und Innungsgerichte zu Arbeitsgerichten, die innerhalb einer bestimmten Gebaltsgrcnze über alle Streitigkeiten aus jedem Arbeitsverhältnis entscheiden. Tie Bedeutung der bestehenden Sondergcrichte liegt nicht nur in dem schnelleren und billigeren Verfahren, sondern auch dann, daß sie infolge ihrer paritätischen Zusammensetzung die Uebersulle der Einzelheiten in der gesetzlichen Regelung entbehrlich machen. Es besteht kein innerer Grund, einzelnen Gruppe» vorzuenthalten, was andere Gruppen unter gleichen Voraussetzungen haben. r, Schlüsse seiner Ausführungen betonte Redner, es empfehle sich zur sorderung des Einheitsgedankens, daß der Verband.der deutichen Gewerbe, und KaufmannSgerichte die einzelnen Einbeits- rcformfragen und künftigen Tagungen besonders behandelt und zum Zw�stL ihrer gemeinsamen Bearbeitung mit denjenigen Ver- einen Fühlung nehme, die. wie der Deutsche Juristentag und die Gesellichast für soziale Reform, demselben Ziele zustreben. Dieses Vorgehen werde um so wirksamer sein, wenn die Berufsvcreini- gungcn selbst den Gedanken eines einheitlichen-Arbeitsrechtes als em gemeinsames Interesse ergreifen und vertreten würden. Stürmischer, stch wiederholender Beifall belohnte den Redner für seine zweistündigen, glanzenden Darlegungen. Die Debatte eröffnete Dr. M i e l e n z- Berlin. Er ver- trat die Stellung der Arbeitgeber. Es sei kein zwingendes Bedürfnis für die Vereinheitlichung des Arbeitsrechts vorhanden. Gerade die für Dienstverhältnis grundlegenden Bestimmungen mußten für Angestellte anders lauten als für Arbeiter. Wenn jeder Sondervorteil, den eine Gruppe erreicht habe, auf alle Arbeiter und Angestellte übertragen werden solle, dann brauche man stch nicht zu wundern, wenn die Arbeitgeber dagegen energisch Front machten. Man könne keinen gleichen Maximalarbeitstag für alle Arbeiter festlegen. Die Arbeitgeber würden auch im Gegensatz zu Sinzheimer die Zeit noch nicht für gekommen halten, �die eine gesetzliche Regelung des Tarifvertrags bringt. Dann müsse auch beachtet werden, wie die Arbeitgeber die neuen Lasten der Sozial- gesetzgcbung ertragen. Der soziale Frieden sei durch die neuen sozialpolitischen Einrichtungen nicht gefördert worden. Immer wieder kämen Klagen über den Stillstand der Sozialpolitik. Die Arbeitgeber müßten aber von neuen Lasten verschont werden, denn sie seien am Rande der Tragfähigkeit angelangt.(Gelächter.) Die Forderung auf Schaffung eines einheitlichen Arbeitsrechts sei vom Standpunkt der Arbeitgeber abzulehnen.(Teilweiser Beifall.) Reichstagsabgeordneter Rod. Schmidt weist darauf hin, daß in Frankreich bereits die betreffenden Gesetze zu einem einheitlichen Ganzen zusammengefaßt sind. Der Hinweis des Vorredners auf neue Lasten für die Unternehmer sei unberechtigt. Die Schaffung eines einheitlichen Arbeitsrechts werde sicher nicht mit einer weiteren Ausgestaltung der sozialpolitischen Forderungen verknüpft. England habe auf dem Gebiete der Sozialgesetzgebung weit günstigere Bestimmungen für die Arbeiter als Deutschland. Das Unternehmer- tum in England erhebe aber die gleichen Vorwürfe wie das in Deutschland, auch sie würden sagen, sie könnten aus Konkurrenz- rücksichten neue Lasten nicht ertragen. Schmidt wandte sich dann gegen die Vorwürfe, wie der mangelnden Objektivität, die in der Verbandstagsschrist gegen die Gewerbegerichte erhoben wurden. Die Angriffe seien völlig unberechtigt. Die Gewerbegerichte müßten weiteren Kreisen zugänglich gemacht, ihre Zuständigkeit auch auf Dienstboten und Landarbeiter ausgedehnt werden. Die Interessen- gemeinschast zwischen Arbeiter und Handlungsgehilfen bestehe in der Praxis auf einer Reihe Gebieten. Der frühere Ladenschluß sei beispielsweise nur möglich, wenn die Arbeiterschaft schon vorher einen früheren Arbeitsschluß durchgeführt habe.(Sehr richtig!) In der Verherrlichung des Tarifvertrages kann Redner nicht soweit hinneigen wie Dr. Sinzheimer. Er möchte nicht haben, daß man den Tarifvertrag mit mehr belastet wie schon heute.(Lebhafter Beifall.) Dr. Kubasch-Berlin(Arbeitgebervertreter): Die Unübersichtlich- keit in der Gesetzgebung wird noch größer, wenn dem Vorschlage Dr. Sinzheimers gefolgt wird. Dann haben wir noch ein weiteres Gesetz: das Allgemeine Arbeitsrecht. Die Arbeitgeber haben gegen die Tarifverträge große Bedenken Bei Abschluß von Tarisver- trägen müssen die Arbeitervertreter zu große Rückficht auf ihre Mitglieder nehmen. Die Tarifverträge bilden auch eine einseitige Bindung der Arbeitgeber, in Zeiten schlechter Konjunktur sind sie an den Vertrag gebunden, und bei Hochkonjunktur verlangen die Arbeiter eine Zulage.(Widerspruch.) Auch die Arbeitgeber haben Forderungen, sie verlangen einen besseren Schutz für die Arbeitswilligen.(Gelächter.) Es ist nicht angängig, hier immer nur die sozialen Wünsch« der einen Partei vorzubringen, Sie müssen auch die der anderen Partei anhören.(Sehr richtig!) Bei Arbeitskammern würde man erleben, daß den wirtschaftlich Schwachen Rechnung getragen wird. Vergessen Sie auch nicht, daß eines Tages die Tragfähigkeit der deutschen Industrie beendet ist, dann nützen Ihnen alle Bestimmungen sozialer Natur auch nichts. (Beifall und Widerspruch.) Dr. Köhler-Hamburg, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins von 1858, betonte, sie müßten dem, was Sinzheimer vorgeschlagen, entschiedensten Widerstand entgegensetzen. Sinzheimer schlage einen Mittelweg vor, er glaube aber, nur darum, um den Gedanken deS einheitlichen Arbeitsrechts mundgerechter zu machen. Voraussetzung für ein einheitliches Arbeitsrecht sei, daß die gleiche wirtschaftliche Lage der Arbeitnehmer vorhanden sei. Wenn Sinzheimer die Not- wcndigkeit der Sonderrechte betone, dann gebe er damit, den Grundgedanken des einheitlichen Arbeitsrechtes selbst preis. Die Vorteile der einzelnen Berufsgruppen müßten aufrecht erhalten werden. Die Handlungsgehilfen würden sich gegen ein einheitliches Arbeitsrecht wehren, weil sie glaubten, daß durch dieses die Existenz- grundlage ihres Standes untergraben werde, die Privatangestelltcn würden dann im Arbeiterstande untergehen. Arbeitsgerichte lehnte Redner ebenfalls entschieden ab, weil nicht anzunehmen sei, daß diese die notwendige paritätische Zusammensetziing erhalten und rein sachlich urteilen. Di« Behauptung Dr. Köhlers, di« Hand- � lungsgehilfen ständen auf einem höheren Niveau als die Arbeiter, ruft starken Widerspruch hervor. Zum Schluß sagte Redner, durch die Rechtsgleichheit werde die natürliche Entwickelung der Berufs- schichten verhindert, was eine außerordentliche Gefahr für die nationale EntWickelung des Volkes sei.(Lebhafter Beifall.) Stadtverordneter Goldschmidt-Berlin(Verband deutscher Ge- werkvereine): Was Dr. Sinzheimer so vorzüglich auseinandergesetzt hat, berührt die Großindustriellen nicht, die wollen unbedingte Herr- scher der Arbeiter sein. Es ist eine Sehnsucht der Arbeiter, daß sie als Bürger, als Menschen Anerkennung finden. Deshalb muß in das einheitliche Arbeitsrecht die Bestimmung hinein, daß Arbeiter. ausschüsse, wie wir sie in kleineren Betrieben haben, auch in den Großbetrieben eingesetzt werden müssen. Da läge es nicht im Jnter- esse der Handlungsgehilfen, wenn sie in einer solchen Betriebsver tretung ausgeschlossen würden. Redner glaubt, daß zahlreich« Hand' lungsgehilfen anders denken, wie Dr. Köhler.(Sehr richtig!) Töring-Hamburg: der Vertreter des Deuffchnationalen Hand. lungsgehilfenverbands. wendet sich gegen die„Gleichmacherei". Nicht diese, sondern die wachsende Differenzierung sei das notwendige Mittel des Fortschritts. Wissel-Berlin(Generalkommission der Gewerkschaften): Er könne nicht glauben, daß Dr. Köhler für seinen Verband gesprochen habe, 1010 habe dieser auf dem Gewerbcgerichtstag für ein ein- bcitliches Arbeitsrecht sich ausgesprochen. Es scheine, daß das Sinz- bcimerschc Referat manchen Herren sehr unbequem gewesen sei. Der Unterschied zwischen Handlungsgehilfen und Arbeiter sei doch nur der, daß der Arbeiter besser ißt und derHand- lungsgehilfe sich besser kleidet.(Zustimmung.) Die Handlungsgehilfen hatten in ihrer Mehrzahl keine andere Schule genossen als die Arbeiter. Jeder Fortschritt des Rechts sei das Ergebnis eines langen Ringens und KämpfenS. Da sei es nötig. daß man gemeinsam vorgehe. Wenn die zwei Handlungsgehilfen- organisationen. deren Vertreter gesprochen, einen andern Weg gehen wollen, er sei überzeugt, daß alle übrigen Angestelltenverbände ge- iiieinsam mit den Arbeitern für ein einheitliches Arbeitsrecht ein- treten.(Lebhafter Beifall.) Dr. Potthof-Tüsseldorf erklärt, daß er grundsätzlich mit Sinz' beim er übereinstimme. Die Form ist ganz gleichgültig, der soziale Fortschritt ist wichtiger als die Einheit/ Ich kann nicht zugeben, daß man Arbeiter und Angestellte nicht unter dasselbe Recht stellen kann. Tarifverträge haben mit der Leistungsfähigkeit der Betriebe nichts zu tun. Es ist unbedingt notwendig, daß wir paritätische Rechtsprechung haben. Die Handlungsgehilfen glauben, daß sie allein schneller vorwärts kommen. Prüfen Sie aber die Geschichte der letzten 10 Jahre, dann werden Sie finden, daß die Hand- lungsgehilfen allein auch nicht den klein st en Schritt vorwärts gekommen sind. In der einheitlichen Ge- staltung des Angestelltenrechls soll der Anfang mit dem Arbeitsrecht gemacht werden. Der Arbeiterschutz ist notwendig, weil das Arbeits- Verhältnis eine Gefahr für nationalen Wohlstand und nationale Gesundheit ist, damit der Arbeitgeber nicht unrationell an der Gesundheit der Arbeiter wirtschaftlichen Raubbau treibt.(Leb- hafter Beifall.) Es sprachen noch mehrere Redner für und wider das einheit- liche Arbeitsrecht. Große allgemeine Heiterkeit erregte der Bank- beamte F a m m le r- Frankfurt a. M., als er erklärte, sie(die Handlungsgehilfen, die gegen das einheitliche Arbeitsrecht sind) hatten darum auf Fragen des� Referenten keine Antwort geg«ben, „weil diese Herren dort uns nicht gefallen". Damit meinte er die sozialdemokratischen Teilnehmer. Im Schlußwort fertigte Dr. Sinzheimer die Einwände der Handlungsgehilfen und der Vertreter der Industriellen schneidig ab. Die Diskussion diene zur weiteren Klärung der Frage, wenn man ausscheide, was nicht dazu gehöre, z. B. die Leistungsfähigkeit der Industrie. Das einheitliche Arbeitsrecht liege in weiter Ferne, wenn man sich nicht damit befasse, es sei aber nahe, wenn man sich mit ganzer Kraft dafür einsetze.(Lebhafter Beifall.) Die Verhandlungen wurden dann auf Sonnabend vertagt. frauen-I�ekeabenäe. Erster Kreis. 1.-4. Abteilung bei Weihnacht, Grünftr. 2!: Bortrag des«Aeiiosscii Tappert. Erster Kreis. Hansaviertel. Montag im Lokal von Dreßler, Altonaer Straxc 20: Diskussionsabend über Versassungssragea mit einleitendem ��Ziuciter Kreis. Montag, 81/, Uhr, in solgenden Lokalen: Wiemers, Bülowstr. 58.— Saß, Hornstr. 2, Genosse Wendel:.Religion und Sozialismus".— Frölisch, Älüchcrstr. SS, Ecke Fontanepromenade: Vortrag der Genossin Baader.— Lörisch, Markgrascnstr. 88, Genosse Harndt:»Der Austritt aus der Landeskirche". Dritter Kreis. 1., 2., 5. Abt. bei Stramm, Ritterstr. 123. Genossin Kaschewski:„Die Bedeutung der Frauenarbeit und ihr Einfluß aus die Familie." 3., 4., 6, 7. Abt. bei Henning, Alcxandrincnftr. 44, 8., 9., 10. Abt. Sprechoskantme, Wustcrhausener Straße IS. Genossin Mittag:«Ist der Gebärslreik eine politische Waffe?" Vierter Kreis. Montag, 8>/, Uhr, im Lokal„Süd-Ost", Waldemar- straße 75: Gemeinfchastlicher Lescabend der 4., b. und S. Abt. Vortrag des Genossen Dr. Moses über:„Gebärstrcik." Baumschnlrnweg. Ernststr. 22, Seitenfl. Part. Vortrag deS Genossen Dr. Max Schütte über:„Das deutsche Volk im Altertum". Borsigwalde. Dienstag 8'/, Uhr, in den Borsigwalder Festsälen. Vorttag des Genossen Glöckner:.Entivickelungsgeschichte des Sozialismus und der sozialdemokratischen Partei". Eharlottcnburg. Dienstag, 8H, Uhr, in solgenden Lokalen: 1. Gruppe (Westend;, Haescler- Ecke Soorstraße, Genossenschastsrestaurant.— 1. und 2. Gruppe, Hoest, Nehringstr. 25.— 3. Gruppe(Kiep), Bade, Kaiserin- Augusta-Allee 52.— 3. Gruppe(Moabit), Ohm, Reuchlinstr. 5.— 4. Gruppe, Liedtkd, Suarezstr. 4.— 5. und L. Gruppe, Volkshaus, Rosinenstr. 3.— 7. und 8. Gruppe, Thunak, Wielandsir. 4.— In allen Leseabenden findet ein Vortrag statt. Köpenick. Dienstag, 8'/, Uhr, bei Otto, Stadtlheater: Vortrag deS Genossen Woik über.Die Frau und die Krankenkassenwahlen. Friedenau. Montag. Handjerystr. SO, bei Klabc: Vortrag. Hermsdorf. Mittwoch, 8'/, Uhr, bei Eggebrccht, Albrechtslr. 1! Vor- trag des Genossin Wich. Knbig über„Bebel und die Frauensrage". Johannisthal. Der am Dienstag, den 23. September, sällige Lese- abend fällt aus. Zlm Donnerstag, den 25. September: Gemeinsame Mit- gliederversammlung der Genossen und Genossinnen. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Lichtenberg. Am Montag: 1. Viertel bei Heine, Fricdrich-Karl-Straße. Genoffe Glöckner über: .Natnrwiffcnschast". 2. Viertel bei Schulz, Kronprinzenstraße. Genosse Richter über:»Bebel als Vorkämpfer für die Bcsreiung der Frau". 3. Viertel bei Blume, Alt-Boxhagen. Genossin Gertrud Hanna über: „Kranken- und Lnvalidenverstcherung". 4. Viertel bei Krüger, Türrschmidtstraße. Genosse John über:»Unsere Kinder". 5. Viertel bei Erdmann, Wilhelmstraße. Genosse Peterhensel über: .Die Frauen und die Hinterblicbcnenverfichmmg". 6. Viertel bei Hoffmann, Möllendorsstraße. Genosse Rössel über: Die Ziele der Frauenbewegung". Niederschönhausen-Stordend. Dientag 8H, Uhr bei Rettig, Blanken- burger Str. 4: Vortrag: Ersnrtcr Programni. Sitcder-Schöncwcjde. Dienstag 8H, Uhr bei Bengsch, Britz er Str. ,17. Obcr-Schönewetde. Montag bei Rabe, Wilhclmincnhosstr. 42. Ge- nosfin Bohm-Schuch über: Sexuelle Ausllärung des Kindes. Pankow. Montag 8H, Uhr bei Rozycki, itrcuzstr. 3/4. Vortrag: Die soziale Stellung der Frau in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Reinickendorf-Ost. Montag(nicht Dtenstag), den 22. September, 8 Uhr, im Restaurant Sadau, Resideiizstr. 124: Gcnossili Rubcn über: August Bebel und die Frauen. Reinickendorf-Weft. Montag im Lokal von Hallmann, Scharnwebcr- straße. Bortrag des Genossen Willi Tscheuschner. Steglitz. Montag 8h, Uhr bei Thiel, Albrcchtstr. 87. Genosse Pieck über: Der deulsche Bauernkrieg. Stralau. Nicht am Montag, den 22., sondern Montag, den 29. Sep- tember, im Lokal von Stcinike, Alt-Stralau 5. Bortrag des Genossin Dr. Moses. Tegel. Montag im Jugendheim, Bahnhofstr. 15. Vortrag: Die Frauen und das neue Krankenversicherungsgejctz. Reserent: Genosse Fritz Carl. Treptow bei Schmidt, Kiesholzstr. 22. Vortrag de? Genossen Germroth über die Volkssürsorgc. Wittenau. Mttlwoch 8h, Uhr im Lokal von Wittchow, Oranienburger Straße 99/100. Vortrag der Genossin Demmning: Sozialistische Kinder- erzichung im Hause.__ Bmfkaften der Redaktion. Tic lnrlsttlche epnqstunde findet LIndenftrahe KS, vorn vier Treppen Falirftnhl—, wochcntäglich von tkz, vis lchr adendS, SonnavendS. von m vis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brtcslastcn dcsttmmtcn«nfrage ist ein Buchstave nnd eine Labt als Malzeichen»rtznfügc-.«riefltche Antwort wird nicht crlctlt. Anfragen, denen keine AboiinementSanittnog beigefügt ist, »erden nicht deantwortet. Eilige Fragen trag« man t» der Sprrchftnnde vor. A. N. 37. Daß sich Kaninchen mit Natten paaren, ist eine absurde Behauptung. Das Gegenteil ist der Fall: die Ratte ist der Todseind des Kaninchens. Sie sressen die Jungtiere auf und fallen auch die großen Kaninchen mörderisch an.— O. H. I6Ä. 1. Sic haben Anspruch aus Erlaß der StaatSeinkommensteuer für den Monat Mai. 2. Ja, und zwar ebenfalls Staatsemkommcnsteuer.— B. Fr. 26. Die kirchliche Trauung kann der Psarrcr ablehnen. Ein Wiedereintritt geschieht durch Erklärung beim Amtsgericht.— E. W. 116. Einen Anspruch aus Altcueinsicht- nähme haben Sic nicht.— H. D. 23. Rur dann, wenn den Vermieter ein Verschulden trifft.— H. 3. Das konnte geschehen, da das Gericht das Recht der srcicn Bcwciswürdigung hat. Ihr Sohn kann, sosern die Be- rusungsirisl von einer Woche noch nicht verstrichen ist, Berufung einlegen. — H. E. 3666. Bureau des 0. Berliner Reichstagswahikreises Berlin dl, Gerichtslr. 71.— R. St. 23. Bewerbungen um Einstellung als Hand- werler in Betrieben der Stadt Berlin sind zu richten an die einzelnen Ver- waltmigsdcpulationen, z. B. Gasdeputation, Wasserwerksdeputatioii, Kanalisationödeputation usw. Ebenso ist zu verfahren, um Anstellung bei der Eisenbahn zu erreiche»:. Dabei bat mau sich an die BctticbSinsPcktion zu wenden, bei welcher man aus Anstellung reflektiert. Siehe Berliner Adreßbuch, Band 2, Teil II, S. 99.— L. 9)1. 876. 1. und 2. Nein — W. L. 95. In derartigen Spezialfällen kann nur der Fachmann. Bescheid geben.— P. W. 105. Im Feenpalast 1910.— X. U. Zu spät. — 88. 44. Sie können die Zulassung als Nebenkläger und die Zu» erkennung ewcr Buße beantragen.— R. 2t. 78. Innerhalb 2 Jahren. — Kündigung. Nein, sosern nicht aus Bestimmungen des MietsvcrtrageS etivas anderes gefolgert werden kann.— H. W. 40. 1. An das Polizei- Präsidium, Kosten entstehen nicht. 2. Ja, sofern und soweit die Lohn- jorderung 23,85 M. pro Woche oder 125 M. monatlich übersteigt.— E. 29. 1. Sosern Sie gegen Invalidität versichert sind, richten Sie einen Antrag an die LandesversichcrnngsanstLlt. 2. Einen mit Petroleum getränkten Lappen in den Hügel stecken. 3. Nein.— B. 1. 1. Ja und zwar für die Zeit bis einschließlich Dezember 1913. 2. Ja, wenn die Frau der Kirchen- gemeinschast noch ailgehört.— JBä. L. Nach Ihrer Tarstclliiiig sind Sie nicht haftbar. Sie können Ihre Frau mit der Vertretung bcausttagen, in- dem Sie eine schriftliche Prozeßvollmacht ausstellen.— R. G. Der Mann kann sofort wieder heiraten, die Frau soll 10 Monate warten. Aus Antrag kann der Justizminister die Frau von der Wartezeit befreien.— G. H. 42. Der Verlrag bleib! gültig.— Fra» The, irisch, t. ES geniigl die Vorlegung des Bons. 2. An die Stadthauptkasse. Höhe der Unterstütziing 1,44 M. pro Tag. — M. C. 166. Schulgeld an den Realschulen Berlins 80,— M., sür Auswärtige 140 M.— R> 2. 80. Wenden Sie sich an die Zentral- kommission der Krankenkassen Berlins. Zllexandcrstraße 39/40.— O. P. 55. Der von Ihnen gefundene Baumschwamm dürste wohl wenig Interessenten finden. Wegen der Wahlen in Charlottenbing wenden Sie sich an das dortige Volkshans. Rosinenitraßc 3. Ihre Anfragen sind sehr nnverständ- sich.— Th. W. 30. Nein.— K. G. 12. Zu erfahren bei der Deputation sür die städtischen Fach- und Fortbildungsschulen Berlin 0. 2, Spandaucr Straße 10, HI. 2. Eine Ausweisung wäre möglich, sosern Sic Ausländer sind, aber nicht wahrscheinlich.— E. P. 166. t. Uns ist nur bekaiml, daß das Denkmal aus einem Obelisken mit eroberten Geschützen besteht. 2. Gewöhnlich 3'/, Stunden. 3. Nicht bekannt. Vielleicht zu erfahren bei der Zentralkommission der Krankenkassen Berlins, Alexandcrsttaße 39/46. □□□ DDD □□□ Theater und Vergnügungen (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne. Sonntag, d en 2 1, September, nachm. 3 Uhr: Thalia-The'�«.- Die Wildente. Neues Volrs-Thecter: Mudder Mcws. Schiller-Theater Charlottenburg: Der Pfarrer von Kirchseld. Herrnseld-Theater: Familie Selicke. Ztünstler-Theater: Das Prinzip. Neue freie Volksbühne. Sonntag, 14. September, nachm. 2*1, Uhr: Deutsches Theater: Der lebende Leichnam. Kammerspiele: Die Einnahme von Berg-op-Zoom. nachm. 3 Uhr: Deutsches Opernhaus: Die Hochzeit des Figaro. Schiller Theater O: Freiwild. Lessing-Theater: Magdalena. Berliner Theater: Bummelstudenten. Montis Operetten-Theater: Der Vogclhändler. Trianon-Theater: Untreu. Theater in der Königgrätzerftraße: Da» Lebcnssest Metropol-Theater:'S Nullerl. Theater des Westens: Der liebe Augustin. abendS 8 Uhr: Neues Lolks-Theater: Der ledige Hos. abends 8*1, Uhr: Neues BoltS-Theater: Montag, DienS- tag, Donnerstag: Mudder MewS. Mittwoch u. Freitag: Der ledige Hos. Sonnabend: Die Siebzehnjährigen. Zediller-svestero.�.»' Sonntag, nachmittags 3 Uhr: ITi-elivUd. Sonntag, abends 8 Uhr: Cyrano von Berjrerac. Montag, abends 8 Uhn Freiwild. Schlller-Tbeaier 0"C- Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Klrctafeld Sonntag, abends 8 Uhr: HasemannH Töchter. Montag, abends 8 Uhr: Am Taxe den Gerlchta. Berliner Tbeater. s uhr: Filmzauber. 8 Uhr: Das vierte GeboL„ Komödienhaus. 8 Uhr: Jas Paar naej jer joje. DentschesSchansplelhan» Nachm. 3*1, Uhr: Der Dieb. Abends 8 Uhr: Der gntc Knf. Theater des Westens. 8 uhr: Gräfin Fifi. Sonnt, nachm.31/.: Der liebe Auguslin Enscmble-Gastspiei lies Berliner Metropol-Tneaters: Die Kino-Königin! Anfang 8 Uhr._ DeutseliesKiinsilertlieater Sozietät Nürnberger StraBe 70/71, am Zoo. Sonntagnachm.3 Uhr: TasPrinzib. «onntag lll, Uhr: Wilhelm Dell. Montag 8 Uhr: Der Vibcrpelz. Dessinx-Iheater. Nachmittag 3 Uhr: Magdalena. Abends 8 Uhr: Peer Gynt. Montag: Peer Gynt. Vorverkaus an der Tbeaterlasse von 10— 2 Uhr, bei Herm. Tietz, Leipziger Straße, Alexandcrplatz, Franlsurter ?lllec, und im Jnvalidcndant. Uhr Ueeilienü-IiiesiesV Im OZelräfig. (Les Maris en cage.) Schwant in 3 Akten v. Antony Mars und Maurice Desvaliibrs. Morg. u. folg. Tage: Im Ehekäfig. Sonntag, 21. Septb., nachm. 3 Uhr: Der �chlafmagenkontrollenr. ?assage-?annptilcnm ver mit der eisernen Faust d.größt. Kraftphän. aller Zeiten lebend zu sehen! AGA die schwebende Jungfrau. Buddha die geheimnisvolle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! ZOOLOG ischer Garten Tligllch: JCilitar-fioppel-Konzert. Eintrittspreise: Aquar.: HBUle 50?kg. Kinder unt. 10 Jahren d.Hälfte. /Nen! IVen! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. MetropoiJlieater Nachm. 3 Uhr: 's Nullerl. Abends 8 Uhr: im m i Gr. Ausstattungsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. srcier Benutzung des Jules Verne'schen Romanes von Julius Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. liichard Schultz. Karl Baclunann. Joseph Oiampietro. Guido Thielscher. Allred Schmasow. ieopold Wolf. Ludwig WolI. Helene Ballot IdaRusska. J. de Lande. Von 9-1 Uhr: Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. 2 Kapellen�_ Montis Operetten-Theater Schiffbauerdamm 4a.(fr. Neues Th.) Nachm. 3 Uhr: Ter Bogelhändler. Abends 8 Uhr: Gastspiel Der lachend« Ehemann. I0SE=THEATE Große Frautlurler Str. 132. Nachm. 3 Uhr: Nalbe Preise Hall-» Stuart. Abends S1� Uhr: Die Schlffbrüchiecn. Auf der Gartenbuhne: Konzert. Theatervorstellung. Bunter Teil. Ansang 4 Uhr._ Casino«Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Einzig. Bariettztheat. I.Ranges. Neu! der phänemenaie Jules Cheroy. Magcagno Truppe. Der rote Domino. Der Aktien-Tenor »der Caruso auf Tellnng. Sonntag, den 21., nachm. 4 Uhr: Ein toller Ehemann. In allen v lep Thaa tern i Neues Programm. mure apom o- UflllEiV Theater Alexanders Rag- Time- o j das urkomischste In- Daliu atrumental- Ensexnble Werds Bros. Humoristische Akrobaten Anfang 8 Uhr, Sonnt. 4 u. 8 Uhr. GINES Friedrich-Wil-"j helmstädtTh. Emerson u. Baldwin amerikanische Vari�lökoinödie Konerz Bros. neuartige Diabolospiele GINES Palast am Zoo. Eine Meile in der Minute clor fabelhaft sensationelle "Wcttrcnn- Sketch The Rag-Time Six amerik. Tänze und Gesänge. Uniinterbxochene Vorstellung von « Uhr an. Kintritt jederzeit.— Sonntags von— 1/.3 Familien- vorstcllung. GINES t Nollendorf- h e a t e r. Alfrede exzentrischer GcigenkUnstler The Joburq ßirls englische Tänze und Gelänge. Anfang tl1/. und 9 Uhr. Sonntags 4,«1'fz und J Uhr. Ausserdem in allen vierTheatern eine Ueberfülle der renommiertesten arVIstlachcn und klne- matograpb. Allrakllonen. — Freier Ruder-Bund Berlin— Im Anschluß an das am Sonntae. den 21. September, vormittags, stattfindende Pauemidem: „Bcitcrer Hbcndu verbunden mit Rekruten=Abschieds=Feier in den Räumen der Brauerei Königsladt, Schönhauser Allee 10/11. Konzert: Berliner Sinfonie-Orchester— Gesang: Mitglieder des„Männerohor Osten"— Rezitationen und Lieder zur Laute: Herr Emil Kühne und Frau Elsa Kühne. Beginn 6 Uhr. Eintritt inkl. Tanz: 50 Pf. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Enlsen-Theatcr. Walhalla-Theater. Nachm. 3 Uhr: Nachm. 3 Uhr: Die Alltvitrden«. Die gelbe Gefahr. Abends 81/.: Die falsche Hoheit. I 8'/. Uhr: Der Eiebesonkel. Jubiläums-KunstausstellunglSIS Landes-Ausstellungs- Gebäude Berlins nnifffrSamorf im JKoukrtr de banse. Bcsselstr. Tcke F'ri'eöri'chsTraste�s Salt unter Mitwirkung von 60 der eiegantelten Varnen. Srltkialfige Rücke und Meine. Sut gepflegte Kiere. Sntree> filk. Hnfang 8 llkr. Mm Lnsuvnvl k'ff'iecli'ivkskssn mm Am Königstor. Del.: Ernst Elebing. Dienstag, den 30. September, abends Sll, Uhr: Populäres Konzert des Bliithnep-Orchestep(60 Künstler) und des Männcrchors k'Ivkte-Gvopginis 1373 Dirigent sür Chor und Orchester Tb. Gervais. Abendkasse 75 Pf., Billetts im Vorverkauf a 30 Pf. find bei den.Vorwärts"- Spediteuren Zucht, Jmmanuelkirchstrafie 12 und Hanisch, Aderftr. 174, bei den Vereinsmitgliedern und in den mit Plakate» belegten Handlungen zu haben. „Glau" :: Berliner Konzerthaus MauerstraBe 82. ZimmerstraBe 90/91. Oroßes I>oppel-K«nzert! Musikkorps Kaiser-Franz-Garde-Grenad.-Rcgts. Dirlg. Oberm. A. Becker Musikkorps des 2. Niederschi. Feld- Artillerie- Regiments No. 4t aus Glogau. Leitung: Oberm. W. Baarz. Anfang 4l/2 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 4'/, Uhr. Wochentagen: Gf. NSe!lM!ttSg8-«(0I1iei't Trianon-Theater. aben�llllhr: UfltPCU. Vorher: Der abgerissene Glockenzug. Reiehshallen-Tbeater er Sänger Ansang 8 Uhr. Heute nachm. 3 Uhr: Pamlllen- Vorstg. zu ermäfiigt.Preisen Log. 1 M.. Ballon TSPs.,Entres fnm die Billettsteucr zu sparen)»S Ps. 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Jeden Donnerstag und Sonntag: Groiier Ball. Die Säle sind noch sür Bufiiag, Totensonntag, 1. Wcihnachisseieriag und Sonnabend, 29. November, k. und 13. Dezember frei! 2291b" Voistshmis Charlottenburg;; Honte Sonntag in den beiden neu renovierten Sälen; Anfang « Ehr. Frei-Konzert. Anfang » 3 Ehr. »»«««»»««»»»««««»««««»»««»«»«>««»««»>«««» „Restaurant Oranien-Haus" Kommandantenstraße 43 I. Etagre bis 300 Personen fassender heller, luftiger Versamiulunys-« Vereinsraum Auch für größere Gesangvereine und Privat- festllchkeiten geeignet Gntgeflegte Blere— Vorsügliche KUche Berliner Prater-Theater 7—9 Kastanien-Allee 7—9. Der Walzerkönig. Gesangsposse in 4 Alien von Mannstädt. Ansang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Großer Ball.— Voigt- Theater Vadstrafte 38. Heute Sonnlag, den 21. September: Wohltäter der Menschheit. Kasscnöfin. 10 Uhr. Ansang 7 Uhr. Inh.: M. Wendt& A. Schatze. 64, Andreasstr. 64. Jeden Sonntag: Militär-Strelciikonzert ausgeführt von dor Kapelle d. Garde- Pioniere unt. Leitung des kgl. Ober- muslkmstr. R. Kühle. Hoffmanns Sänger. Jede Woche neues;Programm. n fang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 7 Uhr. Im oberen Saale von 5 Uhr an; Gpoßep BALL. Volksgarten- Theater. Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/2S. Sonntag, den 21. September; G nftspiel der Bunten Bühne. Kabaret- und Theater- Vorstellung. Ansang 5 Uhr.— Gntrcc auf allen Plätzen 30 Ps. Im Saale: Gr. Ball. Zirkus Alb. Schumann Sonntag, den 81. Sept.: 2gr. Vorstellungen n nachm. S'/jU.abds�'/jU.~ In beiden Vorstellungen; Zoologischer Potpourri bestehend aus 15 Affen, Hunden, Katzen etc. In beiden Vorstellungen: 16 Bengal. Königstiger vorgef. von Herm Sawade. S rnss. Akrob.-Büren 16 Enftvoitigenre 16 u. das übrige Glanzprogramm ungekürzt.' Nachm. hat jeder Erwachsene 1 Kind unter 10 Jahren frei auf all. Plätzen außer Galerie. City- Park Am Bahnhof Friedrichstratze. Größt. Volksschan Berlins 50 Schaugeschäfte 50 Böhns Gr. Hippoilroiii-Hoblesse und 10 Attraktionen. 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Ehejubiläum. |iU A Sein Freund. |!�!ä| Todes-Slnzeigen Verband der Sureauangesteltten. Ortsgruppe Berlin. Den Mitgliedern zur gefl. Kenntnis, daß unser früherer| Ortsgruppenkassierer, Kollege Johannes Schiemann (Kassenangestellter) am 20. September im Alter von 36 Jahren verstorben ist. Ehre»einem Andenken. Die Ortsgruppe Berlin verliert einen ihrer pflicht- 1 treuesten und eifrigsten Funktionäre. Die Kollegen, welche mit ihm zusammen in der Organisationsleitung gewirkt haben, wissen seine Arbeitskraft zu schätzen. Sein Pflichteifer, welchen er bei allen Angelegenheiten an den Tag| legte, sichert ihm ein dauerndes Andenken. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 34. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Zions- Kirchhofes in Nordend aus statt. Die Ortsverwaltung. Todes-Anzeige. Am 20. Scpember verstarb unser lieber Kollege Mennes Schiemann. Er war ein ehrenwerter, braver Kollege, welcher stets seine Pflicht im Jntcitesse der Allgemeinheit getan hat. Vir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. September, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Fricdhoscs der Zionsgemeinde in Nordend aus statt. Di« Angestellten der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Berlin. SozialdemokratiscIiepWalilvePEin i. i!. 6. Beri. Reichstagswatilkreis Am 17. d. Mts. verstarb unser Genosse, der Schneider Max Fiebig Wolgaster Str. 12. Bezirk 587. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montagnachmitlag 3 Uhr von der Halle des Fricdens-KirchhoscS in Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 230/0 Uez» Vorstund. SozialdemMsctierWalMii i.d.6.BeFl.Reic{istags-Wa!ilkpeis. Nachruf. Am 18. d. M. verstarb unser Genosse, der Büsctier >VllbeIm visk Schlicmannstr. 1t, Bezirk 540. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung fand bereits Sonnabend aus dem Gethsemane- ! Kirchhos in Nordend statt. 230/7 Ter Borftand. Vertand d. Brauerei- u. Villen- I arbeiler u. verw-ßeruispossen. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, s dajz der Kollege, Rcscrvesahrcr B�äeth (Schultheig- Brauerei, Abteil. I.) an einem Herzleiden im Alter von 33 Jahren verstorben ist. Möge ihm die Erde leicht sein. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 22. September, nach- mittags 41/, Uhr, von der tteichci» balle des Gethsemane- Kirchhos, Nordend, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 44/6 Die Ortsvertiialtiing. Verband der Vier, kaekierer. Anstreicher usw. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Nildelm Setoirniaim am DonnerfSig, den 18. Sept., verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 21. September. nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Luther-KirchhoseS in Lankwitz aus statt. 135/10 Die Drisverwaliung Sozialdemokratischer Waiilverein I. d. Uerl. Reichstagswatilkreis. Köpenicker Viertel. Bezirk 192. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Bauarbeiter tlermann Radant Görlitzcr Str. 60, gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. September, nachm. 3 Uhr, von der Halle des Emmaus- Kirchhoses, Hermann- slraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Doi- Vorstand. Deutscher Bauarbeiterverband. Kwelgvercin Berlin. Am 20. September starb unser Mitglied, der Bauarbeiter ttermanti Radant (Bezirk Südost). Ehre seinem Andenke« Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. September, nachmittags 3 Uhr. von der Halle des EmmauS-Kirchhoses in Neukölln, Hermannstraste, aus statt. 145/10 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorntaud. Am Sonnabend verstarb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann und Vater ttei-mann Radant im Alter von 53 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an Witwe Marle� Radant nebst Sohn. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, vondcrLcichen- halle des Emmaus-Kirchhoses in Britz, Hcrmannslraste, aus statt. Deutscher Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Schlosser >Vjl!i köttdier Charlottcnburg, Gutcnbcrgstraste, am 10. d. M. an Lungcnlcidcn gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 22. September, nach. mil tags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen-KirchhojcS, Fürsten- brunner aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Drisverwaltung. Nach langem schweren, mit un- endlicher Geduld getragenen Lei- den, verstarb heute mein lang- jähriger Mitarbeiter und Freund. Herr 1S87L Walter Manasse im 35. Lebensjahre. Mit nie ermüdendem Eiser und in treuer Pflichiersüllung war er während seiner Tätigkeit in mci- ncm Hause stets sür meine Jnter- essen tätig. Sein Andenken wird mir un- vergestlich bleiben. Benillan! Slupecki, in Fa. Lenke«St Slnpcckl. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Dahinscheiden unserer teuren Entschlafenen unseren herzlichen Dank. A Wilhelm Minier nebtt Kindern. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege, der Biersahrcr Reinbolii Muller am 17. d. Mts. im Alter von 36 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 21. d. Mts., nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Andreas-Kirchhoses in Wilhelmsberg aus statt. Den Mitgliedern zur Nachrichfi dast unser Kollege, der Kohlen- arbeiter üernried Winkler am 18. d. Mts. im Alter von 45 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Montag, den 22. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle des Friedhofes der Heiligen- Geist. Gemeinde in Stahnsdorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 68/5 Die Bezirksverwaltung. Am Mittwoch, den 17. Sep- tcmbcr, nachmittags 4'/, Uhr, verschied nach längcrem schweren Leiden mein innigstgeliebter Sohn, der Lehrer psill Schöppke im 26. Lebensjahre. A Dies zeigt ticsbetrübt an Die trauernde Mutter Wildelmine Scböppke. Berlin, Eberthstraste 43. Die Beerdigung findet am Montag, den 22. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. Danksagung. Für di« vielen Beweise herzlicher Teilnabnic bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, unseres guten Bruders Fritz Schnell sagen wir hiermit allen Verwandten und Freunden, insbesondere den Kollegen der Firma I. C. Psaff, dem Holzarbeiterverband, dem Wahlverein, dem Sparvercin Guter Wille und den Mietern des Hauses Manteufiel- straste 51 unseren herzlichsten Dank.: Frau Sekziell und Kinder. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage allen Verwandten, Feunden und Bekannten sowie' den Kollegen mtd Kolleginnen der Firma Langer u. Co. und den Mietern derBaugcnossenschast .Ideal- meinen herzlichen Dank. Im Namen der Hinierblicbenen Willielni Schmidtke. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters I3mil Vogt sage ich allen Beteiligten, insbesondere dein Meister Bcruetzki und den Kollegen der A. E. G.. Turbinen- sabrik, dem Deutschen Metallarbeiter- verband und dem Ches der Firma Benno Franken G. m. b. H. meinen herzlichsten Dank, 2350b Klara Vogt nebst Kindern. vsnkssxunx. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden, Bekannten und Ber- wandten, insbesondere Herrn Pastor Sickert, dem Gesangverein Neu- köllner Licdcrlasel sowie den Mietern des Hauses Okerstraste 3 meinen herzlichsten Dank. Vt/ltwe Stahlberg nebst Kindern._ Danksagung. Für die vielen Bcivcise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres io plötzlich verstorbenen lieben Bru- ders, Schwagers und Onkels, des Drehers doltiis Gilnthep, sagen wir allen Freunden und Bekannten, seinen Kollegen der Firma Daimler, Mancnselde, dem 4. Berliner Wahl- kreis Bez. 301. dem Deutschen Metall. arbciter-Verband unseren herzlichste» Dank. Im Namen der trauernden Hititcr- biiebcncn Adolf Glinthep, _ nebst F r a u und Sohn. Feuerbestattung Mark 160,— mit allem Zubehör u. Gebühren Beerdlganz-«- Anstalt Mcnteuffelstr. III.' Ausführliche Broschüre gratis. Fernst».: Moritzpl. 5582. ann M 9 Plr Anzahlung an verlause (1UU InarK. Parz van 2000 M. an. 10 Ps.-Tour, clektr. Bahnlinie 164, Hohen-TchSnhansen, Haiiptftr.17, Hos Part. 440/15' Viktoria-Fortbildungs- und Faehscimie. Kurfürstenstr. 160. Berlin W. Telephon: Lzw. 0706. I. Seminare: a) Seminar für Handelslehrerinnen(Ausbildung für Kontoristinnen- u. 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In einer größeren Zahl Lohngebiete sind die örtlichen Verhandlupgen noch nicht erledigt und eine Sitzung des Haupttarifamts, die die Schwierigkeiten jedenfalls er- leichtert hätte, wußte der Unternehmerverband bisher zu vereiteln. Von größter Bedeutung für das Malergewerbe und nicht ohne allgemeines Interesse ist es, daß der Gauverband Rhein- land-Wcstfalen des Unternehmerverbandes mit über 10 Millionen Lohnsumme bisher den am 22. Mai von den beiden Zenkralorganisationen angenommenen Schiedssprüchen und dem Reichstarifvertrag noch nicht zugestimmt hat. Tas ist ein nun schon vier Monate andauernder Tarif- und D i s- z i p l i n b r u ch schlimmster Art. Inzwischen hat auch be- reits �eine Hauptversammlung des Unternehmerverbandes zu dem Fall Stellung genommen und den tarifbrüchigen Gau- verband aufgefordert, seinen unhaltbaren Standpunkt zu ver- lassen. Während dieser Verhandlungen kam es zwischen den führenden � Leuten des Unternehmerverbandes zum offenen Konflikt, in dessen Verlauf die Rheinländer die Hauptver- sammlung unter heftigem Protest und mit der Drohung ver- ließen, auch vor einem Ausschluß aus dem Verbände nicht ängstlich zu sein. Etae besonders nach dem Rheinland zur Beruhigung der höchst unwilligen Geister entsandte Deputa- tion mußte trotz aller Bemühungen unverrichscter Sache wieder abziehen. Jetzt ist nun offenkundig geworden— was allerdings ein Geheimnis eigentlich schon längst nicht mehr war—, daß h i n t er den rabiat gewordenen reinländisch. westfälischen Malermeistern die großindustriellen Scharfmacher stehen; vielleicht sind diese sogar die direkten Anstifter der ganzen Differenz, Dem Verband der Maler ist nämlich folgendes geheime Zirkular zugeflogen: Elberfeld, den 27. August 1913. Verband von Arbeitgebern im belgischen Jndustriebezirk. Geschäftsstelle: Elberfeld, Blierstr. 44. Fcrnspr. 47SS. Vertraulich! An unsere Mitglieder! Der Ausstand im Maler- und Anstreichergelverbe ist beendet. lVcrgleiche unser Rundschreiben vom 13. März d. I.) Auf Wunsch des Arbeitgeberverbandes für das Maler- und An- streichergcwerbe bitten wir unsere Mitglieder, etwa für das Frühjahr vorgesehene Arbeiten schon vorher vornehmen zu lassen, da im Frühjahr mit einer neuen Bewegung gerechnet wird. Ferner bitten wir, die Arbeiten nur an solche Firmen zu ver- geben, die Mitglied des Arbeitgebcrverbandes für das Maler- und Anstreichergewcrbe sind. Auskunft erteilt dessen Geschäfts- stelle: Barmen, Untcrdörnerstr. öl. Tel. 497. Hochachtungsvoll Verband von Arbeitgebern im bergischen Jndustriebezirk. I. A.: Dr. Lindemann. Danachwollen die Unternehmer also noch -Jä-itper im Tnrr-tffrT-ucH TTTg-rn-f-tjerlraxte-n und i m kommenden Jahre entweder wieder aggressiv vorgehen, nachdem die bis in die jüngsten Tage angewendeten Zwangsmittel nicht vermochten, den Ge- Hilfen einen schlechteren Tarif aufzuzwingen, oder sie er- warten dann von den Gehilfen nichts Gutes. Schuld an dem unhaltbaren Zustande trägt der Ge- samtunternehmerverband selbst mit am meisten. Er hat durch seine Hast, mit der er vor vier Iahren einen Reichstarif forderte— in der trügerischen Hoffnung, damit seine Reihen fester schließen zu können— den Bogen zu straff gespannt und eine Reaktion im eigenen Lager erzeugt, die jetzt gegen diese gerade vom Standpunkt der Malermeister falsche Tarif Politik ankämpft. Tas bereitet dem selbst in weiteren Un ternehmerkreisen immer so großsprecherisch auftretenden Unterneymerverband des Malergewerbcs außerordentliche organisatorische Schwierigkeiten, die einer völligen Krise ver teufelt ähnlich sehen. Die organisierten Malermeister sind eben enttäuscht, weil die von deni Reichstarif ihnen früher gemachten Hoffnungen nicht in Erfüllung gegangen sind. Verschlimmert wird der Zustand mit dem Rheinland noch durch das zwiespältige Auftreten der Leitung des Unter nehmerverbandes. Während dessen Vorsitzender immer noch Haftungsbestimmungen gegen die angeblich nicht tariftreuen Gehilfen verlangt, daneben aber den beharrlichen Tarifbruch eines ganzen Gaues des Unternehmerverbandes nach außen hin mißbilligt, um diesen tatsächlich für ihn blamablen Zu stand zu beseitigen, erklärte er wiederholt im gleichen Atem zuge. er lasse sich nicht zum Büttel der Gehilfen gegen das tarisbrüchige Rheinland mißbrauchen und lehne es ab. anders als durch gütliches Zureden Wandel anzustreben. Wie sollen dann die abseits tanzenden Scharfmacher die gegen sie einge leitete Aktion ernst nehmen? So ist denn das Ganze auch ein treffliches Beispiel für die Gewissenhaftigkeit, mit der sich die Bezirksorganisationen der Unternehmer bemühen, ihre tariflichen Pflichten nach dem Grundsatz von Treu und Glau ben zu erfüllen. Und diese Leute verlangen Garantie für die Einhaltung der Tarifverträge durch die Gewerkschaften. « Verlin und CXmgcgcnd. Zum Streik in der Pelzbranche. Die Situation auf dem Kampffelde ist bis dahin unverändert geblieben. Nach wie vor stehen die streikenden Hausindustriellen samt den Arbeitern und Arbeiterinnen geschlossen zu ihren Fox derunaen. Ties zeigte am klarsten eine überfüllte gemeinsame Ver, sammlung aller Ausständigen, die am Freitagabend stattfand. Regge erklärte unter dem tosenden Beifall der Anwesenden, daß die Streikenden den Arbeitgebern gerne ausreichende Zeit lassen, über den Tarif zu beraten. Regge versicherte, daß in der aller- nächsten Zeit der Ring der Arbeitgeber durchbrochen werden wird — trotz aller Konventionalstrafen. Mit scharfen Worten geißelte Redner auch das rigorose Vorgehen der Polizei, das direkt russisch anmute. Aber selbst die größte Schar von Schutzleuten werde nicht verhindern, daß die Streikposten ihre Pflicht erfüllen. Gründlich rechnete Regge mit dem anwesenden Redakteur des Unternehmer- Fachorgans ab und die stürmischen Zustimmungsäutzerungen der Versammlung zeigten mit aller Deutlichkeit, daß die Hiebe gut saßen. Herr Redakteur Praß nahm in der Diskussion auch das Wort und suchte die Ausführungen deS Referenten zu entkräften, konnte jedoch die Stimmung der Versammlung nicht beeinflussen. Der Achtstundentag sei eine Prinzipienfrage; hier entscheide einzig und allein die Macht. Die Unternehmen ständen ebenso entschlossen gegen die Forderungen der Arbeiter und Hausindustriellen, wio diese zu denselben.' Die Differenzen seien nicht so, daß der Streit und der damit verbundene Lohnausfall sich lohne. Auch den Unter- nehmern käme im Kampfe manches zustatten, so z. B. die jetzige warme Witterung. Die nachfolgenden Redner räumten mit den Behauptungen der Untcriiehmer gründlich auf. Nach ciutra Schlußwort des Hausindustriellen F.e.l d m a n n der die Ausführungen des Herrn Praß mit viel Glück einer Korrektur unterzog, nahm die Versammlung unter begeisterten Hochrufen ihr Ende.__ Der Verband der Schneider und Schneiderinnen veranstaltet in den nächsten Tagen Branchen-Agitationsversammlungen und bittet die Partei- und Gewcrkschaftsgenossen, ihre Angehörigen und Be- kannten auf diese Versammlungen aufmerksam zu machen. Die Ortsverwaltung. Achtung, Linoleumleger und Teppichnäher! Auch der Zwischen- meister Karl Scholz, Stallschreiberstr. öS, hat sich nunmehr mit uns geeinigt und den neuen Vertrag unterschrieben. Damit ist der Streik ausderganzenLi niebeendet. Als Ausweis ihrer Organisationszugehörigkeit führen die vorgenannten Linoleumleger und Teppichnäher eine graue Kontrollkarte, auf welcher der Monat September abgestempelt sein muß. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattkdr und Portefeuiller. Deutfcbcs Reich. Die Differenzen bei der Firma„Delphin" Schubfabrik in Strausberg konnten in der ersten Streikwoche ourch gegen- festige Verhandlungen beigelegt werden. Die Wiedereinstellung des Entlassenen wurde zugesagt und ein neuer Lohntarif mit etlichen Verbesserungen für die Arbeiter vereinbart. Am Montag wird die Arbeit wieder aufgenommen. Die Situation im Stettiner Hafen ist noch dieselbe. Es arbeiten einige Kräne mit höchstens K9 Beschäftigten. Der Magistrat hat sehr weitgehende polizeiliche Maß- nahmen getroften. Eine Anzahl Sistierungen sind bereits zu ver- zeichnen. Ein Platz am Hafen ist zu einem Polizeilager umge- wandelt. Arbeiter, die gar nichts mit dem Streik zu tun haben, werden im bekannten Polizeiton von der Straße verwiesen. Der Magistrat scheint noch in anderer Art zu versuchen, die genügende Zahl Arbeitswilliger zu erhalten. Die Hafenbetriebsdircktion ver- sucht anscheinend aus den Reihen der Streikenden Verräter zu finden. Ob mit Erfolg, ist stark zu bezweifeln. Auch Arbeiter, die ihren Sommerurlaub haben, werden von den Dienststellen aufge- fordert, diesen zu unterbrechen, da alle verfügbaren Bediensteten dringend gebraucht würden. Sie sollten sich spätestens Freitag früh zum Dienst melden.— Der Streik steht für die Arbeiter günstig; wenn die übrige Arbeiterschaft Solidarität übt, muß den städtischen Hafenarbeitern der Sieg werden. Die„üble Nachrede". Der Gärtnereibesitzer Walter in Köln-Bahenthal klagte vor dem Kölner Schöffengericht gegen den Vorsitzenden und den Kassierer der Ortsgruppe Köln des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins wegen Beleidigung, weil an einigen Straßenecken in der Nähe seines Betriebes Zettel folgenden Inhalts angeklebt waren: Achtung! Gärtner! Wegen Nichtanerkennung des mit der Gruppe Köln abge- schlossenen Tarifvertrages(Stundenlohn 46 Pf.) ist über die Firma Otto Walter, Gärtnerei zu Bayenthal, die Sperre verfügt. Jetzige Löhne 25 M. pro Woche?— nein, pro Monat. Lohn pro Stunde demnach 30 Pf. Jeder Gärtner meide den Betrieb! Die jetzige Verhandlung vor dem Schöffengericht bestätigte im allgemeinen die Richtigkeit dieses Anschlags. Der Gärtnereibesitzer beschäftigte einen Mann, der drei Jahre gelernt hat, und zahlte ihm 25 M. pro Monat; er gab zu seiner Rechtfertigung an, daß der Mann nicht voll ausgebildet gewesen sei. Es wurde weiter fest- gestellt, daß Walter noch zwei weitere Leute mit 35 und 49 M. pro Monat entlohnte und er somit drei Leute unter den Tarifsätzen beschäftigte. Trotzdem verurteilte das Gericht die Angeklagten zu je 39 M. Geldstrafe und ordnete die Publikation des Urteils in der „Allgemeinen Deutschen Gärtnerzeituna" an. Der Vorwurfs so heißt es in der Urteilsbegründung, daß Walter den Tarif nicht eingehalten habe, sei unberechtigt; es handle sich um einen Mann, der nicht Gehilfe gewesen sei, und es müsse gestattet sein, mit Per- sonen, die nicht unter den Tarif fallen, besondere Verein- barungen zu treffen! Diese merkwürdige Auslegung des Tarifvertrages werden die Verurteilten durch Berufung anfechten. Der Tarifkampf im Karlsruher Flcischcrgewcrbe ist in ein neues Stadium gerückt. Nachdem die beiden Firmen Gebrüder H e n s e l und Stefan Gärtner sich zu Unterhandlungen nicht herbeilassen, haben die Ausgesperrten unter Zustimmung der Kam- Mission des Gewerkschaftskartclls beschlossen, eine eigene Schlachterei und Wursterei in der Form einer Gesellschaft m. b. H. zu gründen. Der Beschluß wurde einstimmig gefaßt und zugleich eine Kom» Mission zur Vornahme der erforderlichen Vorarbeiten gewählt. kleines feuületon» Das fedenmb. Ja, da wackeln lange Ohren, mancher Schädel schwitzt dabei, wer gefährlicher wohl sei: Radikale? Revisoren? Diesen sieht man jubilieren, weil die pp. Luxemburch heuer wieder drunter durch war' gewesen samt den Ihren. Diesen aber warnet jener, daß eS um so schlimmer sei, denn die RevisionSvartei sei im Gegenteil nicht schöner. Sieh', da kommt schon einer wieder und beschwichtigt alle zwei, weil die ganze Sozerei unaufhaltsam ginge nieder. Doch ein vierter taucht die Feder ein, um zu beweisen, wie die Sozialdemokratie überhaupt wird immer röter. Auch die blassen Revisoren würden quasi purpurrot. Ja, dem Staat droht Not und Tod, die Gesellschaft ist verloren! Sieht man so. in wa« für Schwuli- täten diese Blase steckt, wie die Tintenpfoten leckt jeder schwarzblaugrüne Kuli, wie sie fitzen, schwitzen, spützen, und wie Schlangenkriechevieh, einerlei wohin und wie, Gifte und Gestank verspritzen— dann so sagt man sich: Ich dächte. paß bei allem blinden Zorn lene« vierte Huhn ein Korn doch gefunden haben möchte. Franz. Eine Kulturtat der Preußischrn Polizei Tas erste Kor des VereinsfürFrauenundMädchenderArbeii Konzert ...........----- � u o ch e n d e r A r b e i t e r- k l a s s e. das heute nachmittag 4 Uhr im Blüthnersaal stattfindet und noch Eintrittskarten an der Kasse bereit hält, ist den Kom- Positionen Johann Sebastian Bachs gewidmet. Für dieses Konzert war der Hof- und Tomorganist Musikdirektor Jrrgang ge- Wonnen worden. Herr Jrrgang sollte drei große Orgklkompositionen de? Meisters zum Bortrage bringen. Das muß aber dem Berliner Polizeipräsi- deuten staatsgefährlich erschienen sein, denn das Polizeipräsidium hat gestern einen Beamten entsandt, der Herrn Jrrgang warnte, bei diesem Konzert, das von einem staatsgesährlichen Verein ver- anstaltet werde, mitzuwirken. Glaubt die Polizei durch diesen Streich, der ihre Teilnahme am Kunstleben der Berliner Arbeiterschaft wieder einmal um ein Blatt leuchtenden Ruhmes vermehrt, das Bach-Konzert unmöglich ge- macht zu haben? Da hat sie sich geschnitten. Für Herrn Jrrgang ' wurde sofort vollgültiger Ersatz gewonnen, so daß das Konzert mit unverändertem Programm heute nachmittag zur festgesetzten Stunde stattfindet. Wagner und Schmidt. Als der Schulmeister Wagner letzthin mit einer Selbstladepistole in jeder Hand durch die Straßen von Mühlhausen sauste und zusammenschoß, was ihm nur in den Weg lies, stand es für die„Germania" und gesinnungsverwandte Blätter fest, daß dieser verrückte Schütze das„Opfer seiner Gottlosigkeit" geworden sei, denn nimmer könne, so faselte das augenverdrehende Blatt salbungsvoll, ein frommer Mensch mit so grausen Verbrechen seine Seele belasten. Nun, wenn es einen Gott in himmlischen Sphären gibt, so steht er ganz gewiß nicht im Bunde mit Pfaffen und Muckern, denn als ihm das Geplärr der„Germania" und Konsorten zu dumm wurde, lieferte er flott den Gegenbeweis und spielte der Polizei von New Kork einen Mann namens Schmidt in die Hände, der weder ein Schulmeister noch gottlos ist, in einem Priester- seminar aufgezogen wurde und sogar die geistlichen Weihen empfangen hat und sich jetzt-wegen einer erklecklichen, aber einer sehr erklecklichen Reihe von Verbrechen vor der Jury wird ver- antworten müssen. Herr Schmidt, früher geistlicher Herr in der Diözese Mainz, war eine schöpferische Natur, kein Weltenschöpfer, sondern ein Schöpfer im kleinen: Banknoten hat er täuschend nachgemacht. „Gott befahl es mir!" erklärt er schlicht beim Verhör. Hochwürdcn Schmidt hat die kommunistischen Prinzipien des Urchristentums in seiner Art ausgelegt und Kirckengelder in die eigene Tasche gesteckt. Warum?„Ich handelte im Auftrag Gottes!" Auch mit seinem Pfunde gewuchert hat Kaplan Schmidt und Grundstücksschwindeleien in einem selbst für die U. St. o. A. an- erkennenSwerten Umfang betrieben.„Ich folgte", sagt er und lächelt übte die irdischen Gedanken des Untersuchungsrichter?,„nur einer Weisung Gottes!" Und Wundcrkurcn machte Hochwürden auch. Freilich weckte er keines Jairus Töchtcrlein vom Tode, ganz im Gegenteil! er ließ— edel sei der Mensch, hilfreich den Frauen!— Frauen, die darum baten, solche Praktiken angedeihen, daß es mit dem Töchter- lein nichts wurde.„Gott offenbarte es mir im Traum!" Seine Geliebte würgte er schließlich ab und sägte sie in Stücke, und begründet es mit dem frumbcn Krcuzfahrerruf:„Gott will es!" Was sagt die„Germania" dazu??? Die optische Wut. In der Ausstellungshalle am Zoo gibt es etwas Merkwürdiges zu sehen. Alte Modekupfer, wie wir sie stets gern durchblätterten, kolorierte Zeichnungen von Gavarni und Hose- mann, sind plötzlich lebendig geworden und lausen leibhaftig herum. Damen mit bebänderten Schuten und wippenden Glockenröcken schunkeln an uns vorüber und lächeln zu den Genossinnen, die den Turm des Eul de Paris gravitätisch tragen. Die Herren Ossi- ziere vom Jahre 1813 machen Händeschütteln mit den Kameraden, die so um siebzig herum bei Kranzler die Beine sonnten. Tie Idee ist nicht übel, Geschichte, die bisher nur in verstaubten Büchern zu lesen war, wirklich und greifbar wieder lebendig werden zu lassen. Es eröffnen sich allerlei Ausblicke; man_ könnte so Hannibal und Napoleon, die Jakobiner und die Märzstürmer be- schwören. In ostelbischen Landen wäre es sogar möglich, vorsint- flutliche Geschöpfe ohne Mühe und höchst lebendig auf die Bühne zu schicken; die verschiedensten Saurier ließen sich aus den Ritter- gütern und Landratsämteru herausholen. Tas gibt herrliche Zeiten; man wird weder Geschichte noch Naturgeschichte zu lernen brauchen, alles wird einem, bequem und schmackhaft zubereitet, vor die Augen gesetzt werden. Wir sind ein recht schaulustiges Geschlecht geworden. Vor zehn Jahren, sicherlich aber vor zwanzig lvaren wir noch fast blind, und heute können unsere Augen sich kaum sättigen. Die Mechanik des Automobils, des Kinos, des Plakats und der Lichtreklame hat uns verwandelt. Wir wollen immer nur sehen; Zeitschriften durch- blättern wir nach ihren Bildern, das Theater beurteilen wir nach der Ausstattung und den Minister nach seinen Lackstiefeln. Die optische Wut geht durch die Lande. Der Intellekt und die Fähigkeit abstrakt zu denken werden demnächst im Museum aufgestellt werden. Und doch gibt es keinen gebildeten Menschen, dessen Sinne, dessen Augen nicht gebildet wären. Nur: gebildete Augen und blöde Schaugier sind zweierlei. rdr. Theater. Residenz-Theater:„Im Ehekäfig", Schwank von Antony Mars und Maurice Desralliöres. Auf dem Pariser Schwankmarkt scheint starke Flaue in Angebot zu herrschen. Das Fabrikat von Mars und DesralliöreS, welches das altrenommierte Jmporthaus für dieses Genre seinen Kunden zum Saisonbeginn offerierte, blieb hinter der Oualität der sonstigen Durchschnittsware wohl noch um einiges zurück. Ein Ragout von hundertmal ge- brauchten Tricks, dem sich kaum ein neuer, herzhaftes Lachen weckender Einfall beigesellt. Grimassen einer ungeschminkten billigen Frivolität, die über das Manko ausgelassener Laune und Erfindungs- kraft wegtäuschen sollen. Der in dem Ehekäflg hockende Gatts, der. um überhaupt einmal ohne Begleitung seiner besseren Hälfte au« dem Haus zu kommen, in einem von ihm selbst zu diesem Zwecke erfundenen Militärblatt sich zum Reserveleutnant befördern und zu erdichteten Kontroll- Versammlungen einladen läßt, hat obendrein noch ausgerechnet eine praktizierende Aerztin als Frau. Die Eskapade dieses Herrn und des ebenso sorgsam gehüteten Schwiegervaters führt in den Salon eines sehr eindeutigen, mit der ihrem Gemahle abgeschwindelten JahreSrente von 29 999 Fr. nie auskommenden Dämchens zu der üblichen Hetzjagd deS Versteckspiels, für welches das Zimmer nach berühmten Mustern mit Drehapparaten usw. sinnvoll ausgestattet ist. Eine Neuerung bildet die Ohnmacht, die dem Schwiegervater dabei anfällt. Dadurch wird der besonders geschmackvolle Coup ermöglicht, daß der alte Sünder von seiner eigenen, als Aerztin herbeigerufenen Tochter, die das sehr komisch findet, in der verfängliche« Situation Gerichts- Zeitung. DaS große Eisenbahn-Unglück auf dem Bahnhof Jannowitzbrücke "wird nunmehr am nächsten Dienstag und Mittwoch den Gegen- stand umfangreicher Verhandlungen vor der 4. Strafkammer des Landgerichts l urrter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hof- meister bilden. Die gegen den Eisenbahngehilfen Franz L a n d t gerichtete Anklage lautet auf fahrlässige Tötung und 5iörperverletzung unter Verletzung der Berufspflicht. Das Unglück hatte sich am 30. Oktober 1912, morgens 7% Uhr, auf dem Stadtbahngleise des Bahnhofs Jannowitzbrücke ereignet: dort war ein Nordringzug auf einen Vorortzug aufgefahren. Durch den Anprall entgleisten 4 Wagen des Vorortzuges und 3 Wagen des Mordringzuges und es wurden gegen 7g Personen zum Teil schwer verletzt. Einer der Verletzten ist noch an demselben Tage gestorben. Der Grund zu dem Zusammenstoß soll in unrichtiger Signalstellung zu suchen sein, und die Schuld an dieser wird dem Angeklagten aufgebürdet, während dieser die Schuld von sich ab- wälzt und unzulängliche technische Einrichtungen für das Unglück verantwortlich macht. Rechtsanwalt Dr. Puppe hat als Ver- leidiger des Angeklagten in umfangreichen Schriftsätzen und unter Berufung auf sachverständige Persönlichkeiten folgendes behauptet: Der Vorortzug sei mit einigen Minuten Verspätung in den Bahn- Hof Jannowitzbrücke eingelaufen und es sei infolge unrichtigen 'Funktionierens der elektrischen Leitung das Ausfahrtssignal auf Halt gefallen, so daß der Vorortzug nicht ausfahren konnte. Hier- 'durch allein sei das Unglück verursacht worden. Ueber diese Frage, die weitere Frage, ob sich der Angeklagte der Verletzung von Dienstvorschriften schuldig gemacht, und endlich über die Frage, ob die vorhanden gewesene Blockeinrichtung imstande war, die Siche- rung des Betriebes im weitesten Umfange zu gewähren, wird es zu eingehenden eisenbahntechnischen Erörterungen kommen.— Am Mittwoch früh 7,30 Uhr soll eine Besichtigung der OertlicHfeit (Station Jannowitzbrücke) von Gerichts wegen stattfinden. Eine feine Firma. Der gewiß seltene Fall, daß ein Angeklagter wegen Unter- schlagung von 20 000 M. nur zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt und außerdem aus eigener Initiative von dem Gericht der Begnadigung empfohlen werden soll, trug sich gestern in einer Verhandlung zu, die unter Borsitz des Landgerichtsrats B r i e s- 1 o r n die 10. Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte. An- geklagt war der Reisende Max Scholer. Die Verhandlung entrollte eine Art Leidensgeschichte eines Geschäftsreisenden, der trotz anerkannter Tüchtigkeit und großer Aufträge mit einem so lächerlich geringen Spesenzuschuß auf die Reise geschickt worden war, daß er, um überhaupt tätig sein zu können, sich an den In- kassogeldern vergriff.— Der Angeklagte trat vor 13 Jahren als Handlungsgehilfe bei der Drogenengrosfirma Brückner, Lampe n. Co. ein. Seit dem Jahre 1907 wurde er als Reisender be- schäftigt, und zwar erhielt er ein Monatsgehalt von 100 M. und einen Spcsenzuschutz von 10 M. täglich. Von diesen Spesen sollte 'der Angeklagte nun große Geschäftsreisen nach Stettin, Pommern, Brandenburg usw. unternehmen, so daß, wie er vor Gericht er- klärte, häufig das Fahrgeld allein mehr ausmachte, als die Spesen betrugen. Auf eine Frage eines Beisitzers erklärte der Angeklagte weiter, daß es sich um eine vornehme Firma handele, für die er nach außen hin repräsentieren mußte. Er sei gezwungen ge- Wesen, sich anständig zu kleiden und habe auch stets in einem an- ständigen Hotel wohnen müssen, da er häufig von seinen Kunden, wohlhabenden Apothekenbesitzcrn, in seinem Hotel aufgesucht wor- den sei. Da er häufig sein Gehalt auf den Geschäststouren habe angreifen müssen, sei er schließlich gezwungen gewesen, die von ahm«inkassierten Gelder anzugreifen.— Wie die Verhandlung ergab, hatte der Angeklagte das Recht, von den einkassierten Be- trägen sein Gehalt und die Spesen in Abzug zu bringen, den Mehrbetrag muhte er sofort an die Firma einsenden. Obgleich nun der Angeklagte stets größere Beträge zurückbehielt, als er eigentlich durfte, und die überschießenden Beträge an die Firma einsandte, wurde in den ganzen 6� Jahren, in denen er jene Summe unterschlug, hiervon nichts bemerkt. Erst im Juli d. I. stellte sich bei einer Revision durch die Treuhandgesellschaft ein 'Kassenfehlbetrag von 20 000 M. heraus. Der Angeklagte gab so- fort zu, daß er diese Summe während der Jahre auf Reisen verbraucht habe, und zwar lediglich im Geschäftsinteresse. Die ertappt wird. Der Beifall hielt sich in mäßigen Grenzen. Die Hauptrollen wurden vom Direktor Sikla, Otto Treptow, Marie Ressenhoser und Therese Orla gewandt durchgeführt. dt. Notizen. — Erich Schmidts Nachfolge an der Berliner Uni- versität läßt sich für das neue Semester nicht erledigen. Keiner läßt sich finden, der die Ansprüche für diesen Posten, die nicht bloß in wissenschaftlicher Tauglichkeit bestehen, sondern auch in Eigen- schaften, die mit der Wissenschaft nichts zu schaffen haben, voll be- friedigen könnte. Erich Schmidt, das Repräsentationsgenie, hat die bestimmenden Instanzen verwöhnt. Damit nun sein Lehrstuhl nicht ganz verwaist bleibt, hat man den Bonner Privatdozenten Hermann Schneider kommissarisch herangezogen. — Theaterchronik. Das„Marionettentheater Münchener Künstler" eröffnet sein jüngst in Aussicht ge- stelltes Gastspiel in Berlin bereits am 3. Oktober im großen Saale des Kunsthauses von Keller u. Reiner, Potsdamer Straße 118b, mit seinen.Faustspielen".— Im Deutschen Theater findet am Sonnabend die Erstaufführung von Torquato Tasso statt.— Die Franziska-Aufführungen in den Kammer- spielen des Deutschen Theaters sind abermals verlängert worden, und zwar bis 29. d. M. Die nächste Premiere der Kammerspiele, das neue Lustspiel von de Flers und Caillavet findet infolgedessen erst Dienstag, den 30. September, statt. — M o i s si s Vortragsabend. Alexander Moissi wird bei seinem Vortragsabend am Freitag, den 26. September, abends 8 Uhr in der„Philharmonie" die drei Gedichte des Paria- Zyklus, Gott und die Bajadere, den Klagegesang der edlen Frauen des Asan Aga und Gedichte aus dem westöstlichen Divan rezitieren sowie aus der Bibel Psalmen und die Bergpredigt und Märchen ans 1001 Nacht... — DerSeeweg nach S i b r r, e n. Nach einer drahtlosen Meldung, die in Jngö, Amt Hammerfest, eintras, nähert sich der norwegische Dampfer„Correci" Norwegen mit einer wertvollen Ladung sibirischer Produkte vom Flusse Jenissei. Fridtjof N a n s e n, der sich neuerdings die Erforschung des Seeweges nach Sibirien zur Aufgabe gemacht hat, hat das Schiff herausgesteuert, und der Leiter des Unternehmens, Orlied, begleitet es zurück nach Norwegen. — Die Wünschelrute. Der deutsche Wünschelruten- kongreß, der in Halle tagt, hat Probegänge veranstaltet. Bei einem solchen Gange wurde im Diemitzer Provinzialobstgarten. dessen Eristenz durch Wassermangel in Frage gestellt war, da alle Boh rungen ergebniß blieben, durch den Rutengänger Baumschulen besitzer Bochme-Mühlhausen eine unterirdische Wasserader nach gewiesen. Sofort vorgenommene Bohrungen ergaben in 10 Meter Tiefe große Wassermengen, so daß der Wassermangel als dauernd beseitigt gelten kann.„__ _ Die Film-Notflagge. Bei der Herstellung des AtlanfisfilmS in der.Kögebucht haben vorüberfahrende Schiffe das Schwenken der Notflagge während des gespielten Schiffbruchs für ein wirkliches Notzeichen gehalten und sind zur Hilfe hcrangeeilt. In Zukunft müssen die Film-Mimen eine Flagge benutzen, die ähnliche Irrtümer ausschließt. Wenn sich der Atlantisfilm, der am 17. Oktober in Berlin zuerst gezeigt werden soll, rentiert, wird das Filmkapital sicherlich diese Flagge ausgiebig benutzen. An zahl- reichen Küsten wird lustig in Schiffbruch gemacht werden. 'Ermittelungen ergaben auch nicht, daß der Angeklagte etwa spielte oder wettete oder sonstigen noblen Passionen huldigte. Er lebte im Gegenteil stets sehr einfach und bescheiden.— In der gestrigen Verhandlung bekundete der als Zeuge auftretende Geschäftsführer der Firma u. a., daß der Angeklagte ein sehr tüchtiger und bei den Kunden beliebter Reisender gewesen war und Aufträge von 100 000 bis 160 000 M. pro Jahr gebracht habe.— Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten. Rechts- anwalt Dr. Willi Beyer wies darauf hin, daß der Angeklagte doch unmöglich als Vertreter einer vornehmen Firma mit zer- rissenen Stiefeln gehen und in Spelunken übernachten konnte. Wenn er in den 614 Jahren 20 000 M. verbraucht habe, so bedeute dies pro Tag 10 M. und diesen Mehrbetrag habe der Angeklagte auf seinen Reisen offenbar im Interesse der Firma verbraucht.— Das Gericht schloß sich der Auffassung des Verteidigers an und kam zu einem sehr milden Urteil. Es wurde auf nur zwei Wochen Gefängnis erkannt; außerdem beschloß das Gericht aus eigenem Antriebe, den Angeklagten zur Begnadigung zu empfehlen. Ist Turnen eine politische Versammlung? Der Vorsitzende des Turnvereins zu Frankfurt a. O., der Tischler Friedrich Horn, war vom Schöffengericht zu 10 M. Geld- strafe verurteilt worden, weil er es geduldet hatte, daß an einem Turnabend des Vereins auch einige Personen unter 18 Jahren teilgenommen hätten. Das Schöffengericht Frankfurt a. O. hatte ohne weitere Beweisaufnahme erklärt, der Turnverein wäre politisch und das Turnen wäre die„Versammlung" eines polift- schen Vereins, an welcher teilzunehmen nach§ 17, Absatz 2, des Vereinsgesetzcs Jugendlichen verboten wäre, und bei denen die Turnvereinsleiter Jugendliche nicht dulden dürften. Bereits im Mai fand eine Verhandlung in der Berufungs- instanz bei dem Landgericht Frankfurt a. O. statt, und hier machte der Angeklagte durch seinen Verteidiger geltend, daß kein Beweis für einen politischen Charakter des Vereins erbracht wäre, und daß im übrigen auch das Turnen nicht als eine den Jugendlichen verschlossene Versammlung angesehen werden dürfte. Darauf wurde vertagt, damit die Staatsanwaltschaft erst noch Beweise für den politischen Charakter des Vereins beibringen könnte. Dies gelang ihr nun nicht. Sie konnte weder beweisen, daß der Verein vorwiegend aus Sozialdemokraten bestünde, was ursprünglich angenommen war, noch daß bei irgendeiner Ver- anstaltung des Vereins politische Reden gehalten oder politische Lieder gesungen worden wären. In der neuen Verhandlung am 17. September legte der Ver- leidiger, Rechtsanwalt Heine aus Berlin, das Hauptgewicht darauf, daß, auch wenn der Verein politisch gewesen wäre, was er bestritte, die Teilnahme an dem Turnen nicht als„Versamm- lung" anzusehen wäre. Der§ 17 des Vereinsgesetzes verbiete nämlich nur die Teilnahme an„Versammlungen" politischer Ver- eine. Nun habe sowohl das Kammergericht als tws Oberverwaltungsgericht sich wiederholt auf den Standpunkt gestellt, daß das Vereinsgesetz unter„Versammlungen" überhaupt nur Zusammenkünfte verstünde, bei denen in Reden Gegenstände er- örtert würden und dadurch auf die Zuhörer eingewirkt werden sollte. Besonders sei auch in dem Handwörterbuch der Preutzi- schen Verwaltung deS Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts Dr. von Bitter, ausdrücklich erklärt, daß Turnübungen nicht unter die Versammlungen nach dem Ver- einsgesetz fielen. Daraus ergebe sich dann die Konsequenz, daß die Teilnahme am Turnen freistünde, auch wenn der Turn- verein politisch wäre. Der Verteidiger wies dann noch auS der Entstehungsgeschichte des Vereinsgesetzes nach, daß auch die Absicht der Mehrheit, welche die Beschränkung der Jugend in das Vereinsgesetz hineingebracht hätte, nur darauf ausgegangen wäre, Jugendlichen die Teilnahme an politischen Erörterungen abzuschneiden. Endlich verwies der Verteidiger auf die Ausnahmebestimmung des§ 17, wonach die Teilnahme an„geselligen Veranstaltungen" politischer Vereine jugendlichen Personen freistünde. Zu solchen geselligen Ver- anstaltungen rechne selbst der durchaus im Polizeisinne abgefaßte Kommentar deS Sächsischen RegierungSrates Adolph daS Turnen. Sowohl der Staatsanwalt als das Gericht konnten nicht umhin, dieser Auffassssung beizutreten. Der Angeklagte wurde frei- gesprochen. Haftpflicht der Stadt bei Glatteis vor städtischen Gebäuden. Jetzt, wo wir wieder den Tagen entgegengehen, in denen oft ganz überraschend der Frost eintritt und das Glatteis unsere Schritte unsicher macht, ist eS angebracht, auf die Rechtsprechung des Reichsgerichts hinzuweisen, die bei Vernachlässigung der Streupflicht den Hauseigentümer für haftpflichtig erklärt. Diese Haftpflicht beruht auf Polizeiverordnungen und der Aus- legung, die das Reichsgericht allgemeinen Gesetzesbestimmungen über den Schutz des Mitmenschen gegeben hat. Der Streupflich- tige kann zwar einen anderen mit dem Streuen beauftragen, doch mutz er dann eine gewisse Kontrolle darüber üben, ob der andere seiner Verpflichtung pünktlich nachkommt. Wer diese Kontrollpflicht vernachlässigt, ist nach der Rechtsprechung deS Reichsgerichts ebenso haftpflichtig, als wenn er selbst durch Ver- nachlässigung des Streuens einen Unfall verursacht hat. Mit diesem Tkiema interessiert der nachstehend mitgeteilte Rechtsstreit. In Schmiedeberg i. R. kam am 17. Februar 1910 am Nachmittag gegen 5�4 Uhr der Barbier T. vor dem städtischen Armenhause infolge von Winterglätte zu Fall. Nach den ge- troffenen Feststellungen war zu dieser Zeit vor dem Armenhause nicht mit abstumpfendem Material gestreut gewesen, weil am Mittag Tauwetter geherrscht, der Armenvater aber nicht darauf geachtet hatte, daß nach 4 Uhr wieder Frost eingetreten und der Schnee mit dem Schmelzwasser geftoren war. T. hat gegen die Stadt- gemeinde Schmiedeberg Klage erhoben und Ersatz des erlittenen Schadens verlangt. Er macht zur Begründung seines Anspruches geltend, daß vor dem Armenhause schon mehrere Un- fälle durch Glatteis eingetreten seien, weil der Armenvater sehr oft nachlässig im Bestreuen deS Bürgersteiges gewesen sei. Die be- klagte Stadtgemeinde suchte sich dadurch zu entschuldigen, daß sie ausführt, mit der Bestellung des ArmenvaterS ihrer Pflicht genügt zu haben, die untergeordnete Betätigung des Streuens habe sie nicht überwachen brauchen. Landgericht Hirschberg und Oberlandesgericht Breslau haben die Beklagte jedoch verurteilt, dem Kläger den durch den Unfall entstandenen Schaden zu ersetzen. Das Oberlandes- gericht stellt in seinen Entscheidungsgründen fest, daß der beklagten Stadtgemeinde Schmiedeberg als Eigentümerin des Armenhauses die Streupflicht obgelegen habe und daß an jenem Nachmittag unbedingt hätte gestreut werden müssen. Der Armen- vater hat sich jedoch um das Geftieren des Schmelzwassers nicht gekümmert, erst am Abend nach dem Unfall und nach besonderer Aufforderung hat er sich dazu bequemt, die Glätte zu beseitigen. Das Verschulden am Fortbestchen der Glätte trifft aber die Beklagte, weil sie den Armenvater nicht in bezug auf das Glatteis kontrolliert hat. Hätte sie ihrer A u f s i ch t S p l i ch t ge- nügt, so hätte' eS ihr nicht entgehen können, daß er die Streu- Pflicht stark vernachlässigt hat und dann hätte sie den Mangel leicht abstellen und den Unfall verhindern können. Wegen dieses Verschuldens in der Kontrolle haftet die Stadt- gemeinde nach 8 823 deS Bürgerlichen Gesetzbuches für den ent- standenen Schaden.— Das Reichsgericht hat diese Entschei- 1 dnng gebilligt und die Revision der Beklagten als erfolglos ' zurückgewiesen. Achtung! Genoffen! Interessenten ladet zu einer Besprechung am Sonntag, den St. September, vormittags tv'/e Uhr, nach dem Restaurant KaatonwsKv, Ravenckstr. 6, freundlichst ein 29lft Jeutralverbond proletarischer Freidenker. Orts-Krankenkasse der und verwandten Gewerbe zu Berlin. Bekanntmachung. Durch Beschluß des königlichen Ober» versicherungsamts Groß-Berlin vom 30. August ISIS wird die Kasse am 31. Dezember 1313 geschlossen und gehören die Betriebe sowie die Versicherten vom 1. Januar 1314 der Allgemeinen Orts. Krankenkasse der Stadt Berlin an. 276/4 Wir bringen dies gemäß§ 30t der Reichsversicherungsordnung zur öffent- lichcn Kenntnis und fordern alle Gläubiger aus, binnen drei Monaten nach der Bekanntmachung ihre Forde- rungen anzumelden. Die Befriedigung später einwusenderFordcrimgen kann verweigert werden. Die Wahlen zum Ausschutz finden am 28. September d. I. statt und oerweisen wir aus die Bekanntmachung der Allgemeine» Orts-Krankenkasse vom 23. August 1313. veik Vovstsnck. Adolf B endig, Vorsitzender. 275(20 Orts- Krankenkasse der Hlliidslhuhmlilhtt und verwandten Berufe. Laut Beschluß des Königlichen Oberverficherungsamts Groß-Beriins vom 30. August d. I. wird die Kasse am 31. Dezember d. I. geschlossen. Vom 1. Januar 1314 gehören die Betriebe und Mitglieder unserer Kasse der Allgemeinen Orts-Krankenkasse der Stadt Berlin an. Wir machen gemäß K301 der Reichs- versichcrungsordnung bekannt, daß Gläubiger der Kasse ihre Ansprüche an dieselbe, vom Tage der Bekannt« machung ob, innerhalb drei Monaten im Kasseniokal geltend zu machen haben. Spätere Ansprüche können ver- weigert werden. 276/3 Die Wahlen zum Ausschuß finden am 28. September statt und ver- weisen wir auf die von der All- gemeinen Orts-Krankenkasse erlassenen Bekanntmachungen. Vei- Vorstand. Gusiav Schmidt, Vorsitzender. Orts-Krankenkasse der Arechslkr u. veno. Gewerbe zu Brrli«. Bekanntmachung. Durch Beschluß des Königlichen OberversicherungsamleS Groß-Berlin vom 30. August 1313 wird die Kasse am 31. Dezember 1313 aeschlosien und gehören die Betriebe sowie die Versicherten vom t. Januar 1314 der Allgemeinen OrtSkrankenkaffe der Stadt Berlin an.. 23S6b Wir bringen dies gemäß§301 der R.-V.-O. zur öffentlichen Kcnnwi« und fordern alle Gläubiger auf, binnen drei Monaten nach der Be- kannlmachung ihre Forderungen an- zumeiden. Die Besriedigung später cinlausendcr Forderungen kann oerweigert werden. Die Wahlen zum Ausschuß finden am 28. September d. I. statt und verweilen wir aus die Bekanntmachung der Allgemeinen Orts-Krankenkasse vom 23. August 1913. Der Borstand. I. Gnstav Tledt, Vorfitzender._ Ortskrankenkasse der Uhrmacher zu Berlin. Da die Ortskrankenkasse der Uhr- macher zu Berlin am 81. Dezember 1913 geschlossen wird, gehören die Mitglieder vom 1. Januar 1314 der Allgemeinen Ortskrankenlasse der Stadt Berlin an. Die Wahlen zum Ausschuß, welcher an Stelle derjetzigen Generalversamm- lung tritt, finden am Sonntag, 2«. September 1913 statt, und zwar für die Arbeitgeber von 8—2, sür die Arbeitnehmer von 8—6 Uhr. sRäheres ist au« den Bekanntmachungen der Allgemeinen Ortskrankenlasse vom 23. September 1913 ersichtlich.) Die Ausstellung von Wahlkarten findet täglich in den Kassenslunden statt und wird rege Wahlbeteiligung empfohlen. Gemäß§ 301 R.-V.-O. machen wir biermit belannt, daß etwaige Gläubiger ihre Ansprüche innerhalb drei Monaten im Kassenlokal geltend zu machen haben. Die Besriedigung später eingehender Forderungen lann verweigert werden.„ Berlin, den l8. September 1913. 276/3 0er Vorstand. Gustav LaetscH, Robert NreBlar. Schristsührer. 1 Knabenanziige Ulster, Paletots, rinzelneHosen 1' am vreisw ertesten> direkt in der Fabrik Bertha PrOstel 50,«ndreaSftr. 50, 1 Etage. Kein Laden. Ortskrankenkasse Lichteillitrz, Laut Beschluß des Kgl. Obcr-Ver- ficherungsamtes Groß-Berlin vom 30. August d. I. wird die Orts- Krankenkasse Lichtenberg am 31. De- zember 1313 geschlossen. Gemäß§ 301 der Reichsoerfichc- rungsordnung bringen wir dies mit dem ausdrücklichen Hinweis zur öffentlichen Kenntnis, daß etwaige Gläubiger ihre Ansprüche innerhalb drei Monaten, vom heutigen Tage ab gerechnet, im Kassenlokal, Magda- lenenstr. 40/41, schristlich geltend zu machen haben. Die Befriedigung später einlausender Forderungen kann verweigert werden. 276/11 Bcrlln-Lichtenberg, den 21. September 1313. Der Vorstand. F. A.: O. S e i k e l. Vorfitzender. Orts-Krankenkasse der Stellmacher zu Berlin. Bekanntmachuna. Durch Beschluß des löniglichen Ober- versicherungsamts Groß-Berlin vom 30. August 1313 wird die Kasse am 31. Dezember 1313 geschlossen und gehören die Betriebe sowie die Ver- sicherten vom 1. Januar 1314 der Allgemeinen Orts-Kranlcnkasse der Stadt Berlin an. Wir bringen dies gemäß§ 301 der R.-V.-O. zur öffentlichen Kennwis und fordern alle Gläubiger aus, binnen drei Monaten nach der Be- lanntmachung ihre Forderungen an- zumeiden. Die Besnedigung später einlausender Forderungen kann ver- weigert werden. Die Wahlen zum Ausschuß finden am 28. September d. I. statt und verweisen wir aus die Bekanntmachung der Allgemeinen Orts-Krankenkasse vom 23. August 1313. Ter Vorstand. 23ö8b Franz Henke, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse der Dachdecker zu Berlin. Bekcmntinachung. Laut Beschluß des König!. Oberv Versicherungsamts Groß-Berlin vom 30. August 1313 wird die Kasse am 31. Dezember 1313 geschlossen und gehören die Betriebe sowie die Ver- sicherten vom 1. Januar 13t4 der Allgemeinen OrtS- Krankenkasse der Stadt Berlin an. Wir bringen dies gemäß§301 der Reichsversicherungsoronnligzurössent- lichen Kenntnis und sordcrn alle GIäu- biger aus, binnen dreiMonaten nach der Bekanntmachung ihre Forderungen anzumelden. Die Besriedigung später einlausendcr Forderungen kann ver- weigert werden. Die Wahlen zum Ausschuß finden am 28. September d. I. statt und verweisen wir aus die Bekanntmachung der Allgemeinen Orts-Krankenkasse vom 23. August 1913. Berlin, den 19. September 1913. Der Vorstand. 276/8 I. A.: Jos.Jiornernann. I. Vorsitzender. liOmbard-Haus I H. Graft, Leipziger Str. 75 H <5 Brillanten| � Uhren Goldwarenl 25—50'/, nnter Ladenpreis. D Von der Reise EnrlicU. I.KallmannMtke'sNachf. Zahnoperationen mit örtl. Betäubung. für Kassenmitgl. auf Wunsch ohne Nach- zahl. Sprechst.8— 8. Bitte dar.z. achten. daß sich m. Atelier nur �üni»tr. 14�5, Eckh. Kaieer-Wilhelm-Str. 19 befindet. ccim. ivaiaer-wuneim- Roland-Säle d« Asser Sti*» ÄO _ Xtl�on: Norden 8324.= Empfiehlt Mi Ftstsält fA Bereins, immer zu kulanten?- dingungen. Hermann Zerniek, Itessioier-BniMen zum Selbstausstellen sür 3 m Tiefe schon v. 12 M. an. Hofpinnptn, Garten» und Druckpumpen usw. ö Jahre Garanne. Jllu- strierte Preisliste gratis. Rohlnnh& Co., Pumpenjabrik, Berlin N. Reiniekendorier Str. 95. Obst-'S öemüse- Zeitung Heidelberg. 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Paul Neue, Pintschftr> 11. Deutscher HändlersVerband. Die Bezirksversammlungcn der Verwaltungsstelle Berlin finden an folgenden Tagen statt: Bezirk 1: Mituvoch, den 24. September, bei Böhm, Licsenstr. 12 . 2: Jeden MMwoch nach dem 15. d. Mts. bei Peisch, Pappelallee 80. , 3: Donnerstag, den 25. Scvtembcr, bei Kirsch, Petersburger Str. 81 4: Donnerstag, den 25. September, bei Ende, Luisenuser 21. „ 5: Mittwoch, den 24. September, bei Habig, Hagcibergcrstr. 55. .m 6: Sonntag, den 21. September, vormittags S'/, Uhr, bei Weiß, Stromstr. 28. , 7: Donnerstag, den 25. September, Jtei Köttling, Prenzlauer Str. 29 # Schöncderg, Sonntag, den 21. September, vormittags 91/, Uhr, bei Sander. Fcurigstr. 8. . Lichtenberg, Mittwoch, den 24. September, bei Zdnüppel, Reue _ Bahnhosftr 20, 3�" Die Versammlungen beginnen, wenn nichts anderes angegeben, abends S'/j Uhr. 2357b Markthelfer, Hausierer, Ttrasienhändler sowie sonstige Klein gewerbetreibende sind zn diesen Acrsammlungen�hierdurch freund �le lichst eingeladen. Tie Ortsverwaltung. f erbattd der Schneider. Filiale Berlin Bureau: Sebaftianftr. 37/Z«. Teleph.: Amt Moritzplatz 9737. Arbeitsnachweis: Joftystr. 7. Tcleph.: Amt Königstadt V7S4. Achtung! iW Achtung!"Mtz Mitglieder aller Branchen! ügilalions-Versammlungen Herrenmatzbranche. Drei offcntl. Versammlungen Dienstag, den 33. September, in den Prachtsalcn des BSestens, Spichernstr. 3. Mittwoch, den 34. September in der Brauerei FriedrichShatn, Am Friedrichshain. Mittwoch, den 1. Oktober, in den Arminiushasien, Bremer Str. 72/73. SG* Anfang abends 8'/, Uhr.' Herrenkonsektion. Sine öffentliche Versammlung der Herreu- uud Staptlkunfekttonsschnkider, Schntiderinnkn uud Zuschneider Montag, den 33. September, abends 8>/, Uhr, in der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11. Damen- und Musterkonsektion. Vier offentl. Versammlungen der Dumeukonsektilinsschneidtr uud-Schntidkrinseu. lloton' Montag, de» SS. September, abends 8'/, Uhr, in der UaleU. Riebeck-Braueret. grantsurter Allee 53. VofikliniR' TicnStag, den LZ. September, abends 8'/, I nclliml�. Kolbergcr Salon. Kolbcrger Str. 23. Nni'Hon• Montag, den 29. September, abends 81/, Uhr, bei HUI UCU. Puhlmaon, Schönhauser Allee 14«. Heukölln, Südost: Kostümschneider und-Schneiderinnen sowie Muster- und Damenkonfektion für die �e»»trttmsgeschäste. Dienstag, den 39. September, abends 8 Uhr, in den Arminhalle«, Kommandantenstt. 58/59: Oeffentliehe Versammlung. Tagesordnung in allen Versammlungen: Luhn- it. intifplilili im Schlieihttzeiilnbt Reserenten sind die Kollegen: Johann. Fulfs, Zölu, Knöckleiu, Nürnberg und Ploog, Leipzig. S» ist Pflicht jedes Kollegen, für guten Besuch dieser Versammlungen zu a gitteren. 184'16 Die KomDilsnlonen. Montag, den 29. September, abends S'/i Uhr. in den Hohcnstaufensälen, Kott- buser Damm 7S. Bekanntmachung. Allgemeine Orts- Krankenkasse Berlin-Britz. Mittwoch, den 34. September, abends 8'/, Uhr. findet die .AuLerordentliclie General-Versammlung der Vertreter der Herren Arbeit- «eber und Arbeitnehmer im Restaurant A. R a d d a tz, Berlin, Britz, Chausseestr. 39, statt. Tagesordnung: 1. Nochmalige Beschlußfassung über die vom Königlichen Oberverstche- rungsamt zur Abänderung zurück- gereichten Satzung der Kasse. 2. Be. Ichlußsajsung betreffend Dienstordnung der Kassenangestellten. 3. Per- jchiedcnes. 273/7 Der Vorstand. W. Beuthmann, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse für den Grmeindtbezirk IZ«rDn-£>ti*»ImK Bekanntmachung. Durch Beschluß des Königlichen Oberversicherungsamt» Groß-Beriin vom 30. August 1913 wird die OrtSkrankcnlasfe für den Gemeinde. bezirk Berlin-Stralau mit dem 3t. De- zember 1913 geschlossen, nachdem die Zulassung der Kasse rechtsträsiig vcr- sagt worden ist. Wir machen dies gemäß§ 30t der ReichSveqichcrungsordnung bicrdurch öffentlich bekannt mit dcin Hinwpis daraus, daß die Befriedigung von Gläubigern, welche ihre Forderungen an die Kasse nicht binnen drei Mo- naten nach dieser Bekanntmachung angemeldet haben, verweigert werden kann. 273/10 Für Ansprüche auS der Versicherung gilt diese Bestimmung nicht. Ferner geben wir bekannt, daß Arbeitgeber und Versicherte unserer Kasse mit dem 1. Januar 1914 zur Ortskrankcnkasse'Niederbarnim ge> hören. Di- Wahlen zu dem Ausschuß dieser Kasse werden demnächst vorgenommen werden, wozu noch nähere Bekannt- machungen ergehen. Berlin-Stralau, 19. September 1913. vev Vorst»tid der Ortskrailkcnkasse für den Gemeindebezirt Berlin-Stralau. gez. I. Gebert, 1. Vorsitzender. Nerkl» der Keldeilkkt für Fkiierbeßiitllllig. Gegründet 1993. Berlin. Gegründet 1993. Montag, 22. Septbr., abends 8'/s Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12: Mitglieder-Versammlung. Gäste willkommen! 2273b Der Borstand. I. A.: �V. Kiehmann. Bekanntmachung beweffeub die Wahle« der Ber- treter und Ersabmänner zum Ausschuf, der Allgemeine» Orts- Krankenkasse in Stadt Berlin. Gemäß§ 8 der Wahlordnung geben wir den belciltgten Arbeitgebern und Versicherten hiermit bekannt, daß. sol- gende Wahlvorfchläge eingegangen und nach der Reihenfolge ihres Ein- gangs mit Ordnungsnummern ver- sehen worden sind. l. Arbeitgeber: Wahlvorschlag Nr. 1, Lifte der ver- einigten Arbeitgeber, beginnend mit dem Namen Max tzUmon, erster Unterzeichner Arnold Obersky. II. Versicherte. Wahlvorsiblag Nr. 1. Liite der freien Gewerkschaften«ndAiigestellten Berlins, beginnend mit demNamen doli. Flnm. erster Unterzeichner Wilhelm Bräanlng. Wahlvorschlag Nr. 2. Liste des Verbandes ver deutschen Gewerk- vereine, beginnend mitdemNamen Friedrieb Brandt, erster Unterzeichner Fmii Simon. Wahlvorschlag Nr. 3. Liste deS Wahl- ausichusseS der katholischen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins, beginnend mit dem Namen Bichael Schnilt«, erster Unterzeichner Kasimir PodrybinMkl. Wahlvorschlag Nr. 4. Liste der Berliner Geschäftsdiener- und Parkervereinigung, freie un abhängige Berufsorganisation beginnend mit dem Namen Ernst Kaukc, erster Unterzeichner Ernnt Kaukc. Die Wahlvorfchläge werden den Beteiligten bis zum 27. September er. auf Wunsch im Kasseniolal Köpenicker Straße 80/82 werktäglich von 8—2 Uhr und 5— 7 Uhr zur Einsicht vorgelegt. Da von seilen der Arbeitgeber nur ein Wahlvorschlag eingegangen ist, so gelten nach§ 9 der Wahlordnung die Vorgeschlagenen als gewählt. Die Arbeitgeber brauche« somit am 28. September er. uicht zu wählen. 273/8 Ansechlungen gegen die Gültigkeit der Wahl der Arbeitgeber sind bi» zum 5. Oktober er. bei dem unter- zeichneten Vorstand oder beim Ver- sicherungsamt der Stadt Berlin, Ab teilung für Kranken- und Uusall» Versicherung, anzubringen. Berlin, den 21. September 1913. Allgemeine Ortskrankenkasse zn Berlin. Der Vor.tand. W. Pichl. Vorsitzender. / DR. v.M. 6." an PeierslM IIIIIIIIIIIIDIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHI S ca. 7 Min. ▼. Babnh. Fredersdorf,■ ■ Kostenfreie Auskunft b. u. Ver-" » treter Puhl« l. u. Verkaufs- ■ pavillon a. Bahnh. Fredersdorf. IMiesehalk«& Nlfseh« p Berlin, Nene Kftnigstr- 16 V Fspr.-Amt: Königat. 6376. JT Verband der Maler, Saekierer, Anstreicher ete. Bureau: Melchiorstr. 28, Part. �jRfllkfltllitt-'r�ei'3na-t�ro,:-'ii�eci'c' 9 Fernspr.: Amt Moritzpl. 4787. Fernspr.: Amt Norden 8708 Wir machen unsere Kollegen darauf anfmerkfam, daß am 3 8. September die Ausschuß wählen für die All- gemeine Ortskrankenkasfe stattfinden und daß es unbedingt notwendig ist, daß a l l e K o l l e g e n, die bei Berliner Firmen ia Arbeit stehen, sich an der Wahl beteiligen. Dsie Frageschcinc müssen ans dem Verbandsburea« ab geholt werden, ausgefüllt und vom Arbeitgeber bestätigt werden. Mit diesem Schein gehen die Kollegen nach der Ortskrankenkasse der Maler, Schickler st r. S und erhalten dort die Legimationskarten. Die Kasse ist z« diesem Zweck auch nachmittags von 5—7 Uhr geöffnet. Die Kollegen, die nicht in der Lage find dort hingehen zu können, können sich an das Verbandsburea« wenden. Wir ersuchen die Kollegen, sich unter allen Umstände« an der Wahl zu betelligen. __ Die Ortsverwaltung. Dienstag, den 33. September, abends 8'/, Uhr: Bezirks- Versammlungen der Lackierer in solgenden Lokalen: UM Nermttllngsjletlt Kerlin. C 54, Fimenstr. 88—85. Berwaltnng: Teteph.: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Achtung! Metallarbeiter Tempelhofs! Dienstag, den 33. Septbr. 1913, nachm. 8V« Uhr, im Wilhelmsgarten, Tempelhof, Berliner Str. 9; Versammlung aller Metallarbeiter s===== T a g as or d n un g: Vortrag;»Die Reichsversicherungsordnnng und ihre Bede«- tnng für die Arbeiterschaft�_ Dienstag, den 33. Septbr., abends 6 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15: Cfrolk Versammlung der JtietaUdrücker Serlins u. Umgeg. Tagesordnung: I. Bortrag. 2. DlSkusflon. 8. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet 128/9 Die Drtavenvaitnnix. Norden: bei Neumann, Gleimstr.70. Osten: bei Thimm, Tilsiter Str. 79. Süd-Ostcu: bei Mix. Skalitzer Straß- 59c. Süden: bei Kutscher, Urbanstr. 93. Westen: bei Dhunack, Charlotten- bürg, Wielandstr. 4. Nord-Weften: bei Paersch, Oldcn- burger Str. 10. Wedding: bei Gutschow, Maxstr. 7. Tagesordnung: 1. Der Ablauf der Tarifverträge im nächsten Jahre. 2. Berbandsangelegenheiten. Die Kollegen werde» dringend ersucht, sämtlich in diesen Versammlungen AU crfcfi einen, 136/8 Dir SekttonSIeitnng. Verwaltung Berlin. Milglirbkr DechMlmtgett: Bautischler Montag, de« 22. September, abends 8ff, Uhr, bei Becker. Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Unser Tarif in der jetzigen Konjunktur. 2. Diskussion 3. Verbands- angelegenhelten. M o« t a g, den 22. September, abends 8 Uhr, im Lokale von Knttrig, An der Stralauer Brücke Z. Tagesordnung: 1.»Die Lage der Schirmnäherinnc» und Schirmmacher i« Berlin und Umgegend.«' Referent: JS. Ktinig. 2. Diskussion."IUI Vergolder Montag, den 22. September, abends 8'/. Uhr, im„€>ewerk«ebatt«bans", Engelufer 15(Saal 1 u. 2). Tagesordnung:' 1.»Die Bolksfürsorge und die Schäden der private« Ber- sicher», ig.* Referent: Kollege Vrilb. Vltschke. S. Vcrbands- angetegenheiten. Korbmacher Montag, den 22. September, abends 8'/, Uhr, bei 4VoiI»ebiiiger, Adalbertstr. 29. Tag esordnung: l. Dreißig Jahre Ortskraukenkasie der Korbmache« und Auflösung. Rcscrent: Kollege Scliwedler. Geueralversammlung. 3. Branchenangelegenheiten. 2. Bericht ihre von der Jalousiearbeiter Mittwoch, den 24. September, abends 8st, Uhr, bei Anton Booker, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen lianghammcr proletarische Jugendbewegung.» heiten. »Die bürgerliche und Berichte und Branchenangelegcn- Sargtischler Mittwoch, den 24. September, abends 8'/, Uhr» bei MlcbaltBeck, Petersburger Str. 84. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Kall. KlBner über Feuerbestattung. 2 Branchen- angelegenheiten. Maschineuarbeiter Mittwoch, de« 24. September, abends 8 Uhr, bei Boeker, Weberstraße 17; allkr Versammlung aller iu Schueidemuhleu, Feisteu- uud Holibearbeituugssabriken öeschSst. Maschiueuarbtiter. Tagesordnung: Die Ausschnßwahlen zur Allgemeinen OrtSkrankeukass«. Stellmacher Donnerstag, den 23. September, abends 8'/, Uhr, im Ronen- thaler Hot, Rosenthaler Strafte 11/12. Tagesordnung: 1. Dortrag des Kollegen B. Leopold über:»Sdenc Streitfragen in der Arbeiterbewegung.» 2 Bericht von der Generalversammlung. Donnerstag, den 25. September, abends 8'/, Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Kombinierte Uersammluug der Kontrollkommissio» mit der Ortsvertvaltung. Die Drtnverwaltnng. 89/4 in bester O-ualttät liefert statten und Private. August Steinke, pünktlich an Werk 2351b Harkgraten- ■traüe 7. Einige Beispiele m Herren- Anzüge aus englisch gemusterten Cheviot- und Kammgarnstoffen in �50 • l bester Ausführung. Herren- Ulster von M. und-Paletots aus den an modernsten solidesten Stoffen, chic verar-< /�OO beitet...................... von M. I an Herren- Beinkleider aus Buckskin, Cheviot und kammgarnartigen Stoffen, guter 4 50 Schnitt..................... von M. 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September, abends S'A Uhr. findet im „Elhsium", Landsberger Allee 40/4l, eine öffentliche Viertelsvcr- sammlung statt, in der Herr Direktor Pauli einen„Demonstrations- Vortrag über Feuerbestattung" halten wird. Neukölln. Des Leseabends wegen findet der zweite Vortrag des Kursus: Ursachen und treibende Kräfte der EntWickelung, Vortragender Genosse H. Baege, am Dienstag, den 23. September, abends pünktlich 8t-- Uhr statt. Das Thema dieses Abends lautet: Tie vorgeburtliche EntWickelung und der Stammbaum der Tiere. Karten a 30 Ps. sind noch in größerer Anzahl vorhanden; wir bitten die Genossen und Genossinnen, dieselben am Eingang des Vortragslokals, Bartschs Festsäle, Hermannstr. 4g, entnehmen zu wollen. Der Bildungsausschutz. Schöncberg. Eine autzerordcntlichc Wohlvereinsversammlung findet am Dienstag, den 23. d. M., abends 8 Uhr, in den„Neuen Rathaussälen", Meininger Str. 8, statt. Tagesordnung: 1. Be- richt der Stadtverordnetenfraktion. Referent Genosse E. O b st. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten. 4. Verschiedenes. Lichtenberg. Dienstag, den 23. September, abends 8% Uhr: autzcrordentlicke Generalversammlung im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee� Tagesordnung: l. Berichterstattung vom Parteitag. Referent Stadtverordneter Gen. I a f f k e. 2. Stellung« uahme zur Frage der Landagitation. 3. Verschiedenes.— Mit- glicdsbuch legitimiert. Trcptow-Vaumschulcnwcg. Am Dienstag, den 23. September, abends SA Uhr, im Lokal von Friedrich Kubat, Restaurant„Zum Parkschlotz", Am Treptower Park 60. Ecke Parkstratze: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Bericht vom Jenaer Parteitag, Tis- kussion und Verschiedenes. Britz-Buckow. Mittwoch, den 24. d. M., abends SV, Uhr. Mitgliederversammlung in Beckers Gesellschaftsbaus, Elmusseestr. 97. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referent Genosse Hätz. Verschiedenes. Lankwih. Am Mittwoch, den 24. September, bei Schulz. Mühlenstr. 2l: Generalversammlung des Wahlvercins. Trmpelhof. Ter Vortragskursus„Aus der Geschichte des Sozialismus"(Referent Genosse E. Eichhorn) wird am Montag, oen 22. d. M., abends 8V2 Uhr, im„Wilhelmsgarten"» Berliner «trotze 49, fortgesetzt. Der Schlutzvortrag findet am 2S. dieses Monats statt. Reinickendorf-West. Heute, Sonntagvormittag 8lh Uhr, Flug- blattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Dienstag, den 23. d. M.. abends 8 Uhr: Volksversammlung im Lokale von Karl Bchcr, Scharnweberstr. lOl. Tagesordnung: Kirche und Arbeiter- schast. Genotzen, agitiert für den Besuch der Versammlungl Berliner blachricbten.. Nach Hohenbinde! An der alten Spree, fern dem Lärm der Großstadt, liegt die Kolonie Hohenbinde, wenigen nur bekannt und doch einer der schönsten Ausflugsorte in Berlins näherer Umgebung. Wir haben uns ein Motorboot gemietet und verlassen mit demselben gegen 8 Uhr morgens Berlin. In ziemlich schneller iftihrt passieren wir Treptow. Grünau und die alte Stadt Copenick. Noch eine kurze Strecke und vor uns liegt die blendende Fläche des Müggelsees. Wollüstig atmen unsere der- staubten Großstadtlungen die köstliche Luft und unser Auge erfreut sich ivährend der lieberfahrt an dem schönen märkischen -�andichaftsbilde. Nach Verlassen des Müggelsees strebt unser Voot stromaufwärts dem Dämeritzsec zu, den wir in kurzer Wit erreichen. Wer nicht von Berlin aus direkt ein Boot be- nutzt, kann in Erkner eines der dort unweit des Bahnhofes liegenden Fährbote besteigen. An der Villenkolonie Hessen- Winkel vorüber gelangen wir von hier aus nach einer scharfen Kurve in die alte Spree. Tiefe Ruhe umfängt uns. Infolge deS niedrigen Wasserstandes ist dieser Spreearm für größere Fahrzeuge nicht schiffbar, und auch Ruder- und Motorboote begegnen uns nur noch selten. Unser Boot folgt den nialerischen Windungen der Spree, passiert das am rechten Ufer liegende Torf Neu-Zittau und in nicht allzu weiter Entfernung erblicken wir das terrassenartig aufgebaute Restaurant„Zum Gutenbcrg" in Hohenbinde. Es ist unser Ziel, und nach kurzer Zeit legt unser Boot an. Mittlerweile lst es Mittag geworden und bald stärken wir uns an dem nach der Fahrt ganz trefflich mundenden Mittag- essen. Den Nachmittag kann jeder nach seinem Geschmack ausnützen. Wer gern badet, findet dazu unweit des Lokals Prachtige Gelegenheit, während für den Ruhebedürftigen der nahe Wald wie geschaffen ist. Pjcl zu schnell für alle schlägt die Abfahrtsstundc. Wer noch Lust zum Wandern hat. kann den Weg nach Erkner einschlagen, der durch herrliches Wald- gebiet führt, und dann von dort aus nach Berlin mit der -vahn zurückkehren. Wir besteigen jedoch unser Boot und fahren heimwärts mit dem Bewußtsein, einen selten aenuß- reichen Tag verlebt zu haben. Die Tanzmaschine. Mein Schwager, der dicke Joseph, erklärt inuner, das Danzen wurde ihm an sich gefallen, wenn nur das verfl Herumdrehen nicht wäre. Wer Joseph kennt, wird das'b'e- greisen. Denn wenn er sich selbst herumdreht, muß er auch den Bauch mitdrehen und der hat so seine 75 Kilo Schlacht- gewicht. Daneben kommen die wirklich nicht zu dünn ge- ratenen Extremitäten und das rundlickie Köpfchen gar nicht mehr in Betracht, �etzt winkt allen tanzfreudigen Dicken Erlösung aus ihrer Qual. Das Zeitalter der Maschine ent- hebt sie der Notwendigkeit, ein so herrliches Vergnügen wie den Tanz durch überflüssige Kraftvergeudung zu entweihen. Warum auch nicht? Wenn die Maschine dein Menschen die Fälligkeit verleiht, 200 Kilometer in der Stunde zu über- winden, wenn sie ihn. den Flügellosen, zu den Wolken empor- hebt, warum soll sie ihin nicht die Last des Tanzes abnehmen und allein seine Lust übrig lassen? Und wahrhaftig: In der Besselstraße in Berlin, im zweiten Hause von der Friedrichstraße, allen Vergnügungssüchtigen so recht vor der Nase, haben sie in einem schmucken Saale eine Tanz» Maschine aufgestellt! Sie nennen das Ding:„Roulette cle clankie". Gestern abend ist die Sache den Berlinern und Berlins Besuchern zugänglich gemacht worden, nachdem am Freitag vor den Pressevertretern ein Probebetrieb stattfand. Tie Direktion des Unternehmens spekuliert mit viel Geschick auf den Zulauf aller derer, die schon verdreht sind oder die es durchaus werden wollen. Kommt jemand noch ganz vernünftig nach dem„Roulette cle dausse". so sieht er zunächst nur als Tanzboden eine Einrichtung ähnlich der Manege eines Zirkus, abr mit einem glattgewichsten Parkett statt des Sandes. Harmlos betritt er durch eine Tür das Innere des abgegrenzten Raumes und fliegt bald nach den Klängen eines brillanten Orchesters mit einer jungen Dame im Tanze herunr. Auf einmal wird ihm so anders, so sonderlich. Er hält mit seinen Bewegungen inne; aber um ihn schwingt sich jetzt ruhig weiter kreisend der Saal, schwingen die Musiker auf ihrem Orchestersitz, schwingen die Logen, das Büfett und alle die lachenden und schwatzenden Menschen an den Tischen rings herum. Jede Bewegung macht die Sache kom° pliziertcr. Jetzt hört man den Motor summen, immer rascher fliegt alles im Kreise herunr. Lachend fliehen die letzten Paare aus der Mitte des Zauberkreises nach der Barriere, nach den dort aufgestellten Polsterbänken: aber auch diese sind dem allgemeinen Taumet verfallen und kreisen vollbe- setzt lebhaft im Saale, bis rrsit dem Aufhören der Musik die Bewegung sich legt. Beim Probctanz am Freitag zeigten die Damen, wie immer, am meisten Courage. Wie auf dein Standesamt drängten sie mutig nach vorn, während die Herren eine vorsichtige Zurückhaltung beobachteten, bis einige der Jüngeren durch den Damenflor auf dem Roulette ins Innere gelockt wurden. Schließlich mußten aber auch die Kühlsten zugeben, daß Berlin bei Nacht für den kommenden Winter um eine Sensation bereichert sei. Das Westhafen-Projckt. Im Stadtverordiieten-Sitzungssaale fand am Sonnabend eine erweiterte Sitzung der Hafendeputation statt, zu welcher die Spitzen der Industrie und des Handels als Sachverständige bezw. Berater eingeladen waren. Etwa 70 Herren aus allen Branchen hatten der Einladung Folge geleistet. Geheimer Bourat Krause gab an Hand erläuternder Zeichnungen ein großzügiges Bild des zu errichtenden We st Hafens, aus welchem zu entnehmen ist, daß der projektierte Hafen zunächst drei Speicher auf der Speichcrinsel vorsieht, nämlich einen Warenspeicher mit 3100 Quadratmeter bebauter Fläche, einen Getreidespeicher von gleichen Abmessungen und drittens einen Zollspeicher von 4000 Quadratmeter bebauter Grundfläche. Es ist ferner noch Platz für weitere drei Speicher und für die zweite Hälfte des Zollspeichers vorgesehen. An sonstigen Betriebsgebäuden sind geplant: 1 vier- stöckiges Verwaltungsgebäude, 1 Arbeiterspeisehalle, 1 elektrische Um- formstation nebst Werkstatt und Arbeiterbad und endlich 4 Lokomotiv- schuppen und 2 Handwerksgebäude. An Fördermitteln sind vorgesehen: 18 elektrisch betriebene Portalkrane, 1 Schwerlastenkran von 30 Tonnen Maximallast und 2 Kohlenlöschvorrichtungen. Aus dem Fassungsvermögen der Lagergebäude und Freidachplätze errechnet sich eine Leistungsfähigkeit des Hafens von rund 1 600 000 Tonnen im Jahre. Die Gesamtkosien sind auf 36 Millionen Mark veranschlagt. AuS der Versammlung wurden zum Teil schwerwiegende Be- denken gegen die Rentabilität des projektierten Hafens erhoben. Man wies darauf hin, datz große Firmen wie Thyssen, Siemens u. Schuckert u. a. m. ihre eigenen Hafenanlagen besäßen, daß außerdem die vielen Privatlagerhäuser sehr starke Konkurrenz befürchten lassen usw. Demgegenüber wies Geheimrat Krause darauf hin, daß seit 1880 Verhandlungen mit der Kaufmannschaft stattfinden, welche die Er- ! richtung des Westhafens als dringendste Notwendigkeit erscheinen | lassen. Eine Rentabilitätsberechnung, wie sie von anderer Seite verlangt werde, könne natürlich zur Zeit nicht gegeben werden. Ge- heimrat Arnhold vermochte die pessimistischen Ansichten der verschiedenen Redner nicht zu teilen, hielt vielmehr die Errichtung des West- Hafens für ein durchaus dringendes Bedürfnis. Beschlüsse konnten, da es sich ja um eine rein informatorische Sitzung handelte, nicht gefaßt werden, dies blieb zunächst der für Donnerstag, de» 26. d. M. bereits anberaumten Deputationssitzung vorbehalten. Berlin und die Fflcischeinfuhr. Aus dem Nachrichtenamt des Berliner Magistrats wird gemeldet: Verschiedene Zeitungen gefallen sich darin, die endgültige Ein- stellung für Fleischeinfuhr aus Rußland nach Groß-Berlin um dcssentwillen vorauszusagen, weil die beteiligten städtischen Or- ganc bisher einen Antrag auf Genehmigung der Einfuhr über den t. Oktober hinaus nicht gestellt haben. Diese Schlußfolgc- r u n g i st vollkommen irrig. Bekanntlich ist die Fleisch- einfuhr zeitweilig unterblieben, weil die wärmere Jahreszeit dies nur gestattet haben würde unter Aufwendungen, lvelche mit der damaligen Preislage nicht zu vereinen gewesen wären. Es ist aber damals ausdrücklich vorbehalten, auf sie zurückzukommen, so- fern die Verhältnisie es von neuem erfordern. Jetzt ist der Preis von Rind- und Schweinefleisch bereits wieder derart gestiegen, daß die Erwägung der Wiederaufnahme der Itinfuhr f i ch aufdrängt. Verschiedene Vororte, darunter Neukölln, haben diesen Wiederbeginn bereits auch ausdrücklich an- geregt, und auch in Eharlottcnburg wird ein dahingehender Antrag vorbereitet. In Berlin, welches bekanntlich den Flcischbezng für die Vororte mit übernommen hat, stehen Beratungen zunächst in der Deputation für Notstandsfragen unmittelbar bevor. Es ist danach unerfindlich, wie man aus dem Heranrücken des 1. Oktobers die oben erwähnte Schlußfolgerung ziehen kann. Selbst wenn die Erlaubnis erst nach dem l. Oktober nachgesucht werden sollte, so kam, daraus keinerlei Hindernis hergeleitet werden; denn diö Einfuhrbewilligung wirkt eben von dem Tage ab, von welchem sie aufs neue erteilt ist. Es ist nach den früheren Aeußerungen der Landwirtschaftlichen Verwaltung mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die Erlaubnis ver- läiigert werden wird, sobald die Städte sie beantragen, und zwar um so mehr, als die Voraussetzungen, welche im vorigen Jahre zu ihr führten, bereits jetzt in vollem Maße wieder vorliegen. Das Rcichsgesetz, das die Herabsetzung des Zolles für die betreffenden Fleischsendungen vorsieht, erstreckt seine Wirkung, wie bekannt, vorläufig bis zum 31. März 1014. Neue städtische Kochschule. Die Stadt Berlin eröffnet am 1. Oktober d. I. in der Gneisenaustraße 4 eine neue Kochschule für junge Mädchen und Frauen. Jeder Kursus, wöchentlich vier Stunden, kostet halbjähr- lich 6 M. Die Teilnahme berechtigt zur Teilnahme an je einem Kursus in Schneidern und Plätten an der ersten Wahlfortbildungs- schule, SW. 20, Gneisenaustraße 7. Anmeldung im Bureau der Fortbildungsschule.__ In groster Lebensgefahr schwebten gestern Nacht drei kleine Kinder bei einem Brande, der um 10 Uhr in einer Wohnung in der Urbanstraße 106 auskam. Zum Glück bemerkten Hausbewohner den Qualm und drangen auf das Geschrei der Kinder in die verschlossene Wohnung ein. Es gelang die Kinder noch vor Ankunft der Feuerwehr in Sicher- heit zu bringen.— Der 7. Löschzug hatte in der Koppenstraße 0 zu tun, wo ein Dachstuhl brannte. Ein Kellerbrand mußte in der Dresdener Str. 82 gelöscht werden. Vor dem Hause Christinenstr. 9 war ein Möbelwagen umgefallen, als er dort den Berg herunter kam. Die Feuerwehr richtete ihn wieder aus, weil die ganze Straße versperrt war. Feiern für die schulentlassene Jugend und deren Eltern finden am Sonntag, den 5. Oktober 1013, nachmittags 'A2 Uhr, statt und zwar in den Eoncordia-Festsälen, Andreas- straßc 64, und in den Pharussälen, Müllerstr. 142. Das Pro- gramm ist der Bedeutung der Feier entsprechend ausgewählt und besteht aus Festrede, Gesang und Rezitation. Da gerade jetzt die bürgerlichen Jugendvcreine wieder alles aufbieten, um die schulentlassene Jugend für sich zu gewinnen, werden alle Arbeitereltcrn schon heute auf diese Feiern aufmerksam gemacht und gebeten, sich die angegebene Zeit freizuhalten. Der Zutritt zu den Feiern ist unentgeltlich. Ei» mißglückter Bankschwindel beschäftigt augenblicklich die Kriminalpolizei. Von der Filiale der Elsässischen Bank in Frank- furt am Main lief bei einem Berliner Bankhause die Mitteilung ein, daß einem gewissen Herrn Meyer in Berlin durch Vermitt- lung der Deutschen Bank 160 000 M. ausgezahlt werden sollten. Die Bank gab die Zahlungsanweisung an die Deutsche Bank weiter. Das Geld wäre auch zur Auszahlung gelangt, wenn nicht kurz vor der Auszahlung dsi telephonische Mitteilung bei der Bank eingelaufen wäre, das Geld solle zu Herrn Meyer in der König- grätzer Straße 47 in Berlin geschickt werden. Dadurch schöpfte man Verdacht und fragte tclephonisch bei der Filiale der Elsässischen Bank in Frankfurt am Main an. Tort erhielt man die Auskunft, es müsse ein Bctrugsversuch vorliegen, da in Frankfurt am Main von einer solchen Zahlungsanweisung nichts bekannt sei.— In dem Hause Königgrätzer Straße 47 in Berlin wohnt zurzeit kein Mann mit Namen Meyer. Auch in dem dort befindlichen Pensionat ist ein Herr dieses Namens nicht abgestiegen. Umzugstcrmine. Nach dem Gesetz vom 30. Juni 1834 und der Bekanntmachung vom 26. März 1870 sind bei dem bevorstehenden Umzugstermin zu räumen: 1. Kleine, aus höchstens 2 Zimmern und Zubehör be- stehenden Wohnungen, am 1. Oktober d. I. 2. Mittlere, aus 3 oder 4 Zimlncrn nebst Zubehör bestehende Wohnungen, bis zum 2. Oktober d. I. mittags 12 Ubr. 3. Große, mehr als 4 Wohnzimmer umfassende Wohnungen, bis zum 3. Oktober d. I. mittags 12 Uhr. Die Inhaber von Wohnungen, die aus 3 Wohnzimmern und Zubehör bestehen, müssen jedoch 1 Wohnzimmer, und die Mieter von Wohnungen von mehr als 3 Wohnzimmern mit Zubehör 2 Wohnzimmer schon am 1. Oktober d. I., vollständig geräumt, dem künftigen Wohnungsinhaber zur Verfügung stellen. Diese Be- stimmungen beziehen sich nicht auf die Räumung von Geschäfts- lokalen. Deren Räumung richtet sich nach den Bestimmungen des Mictsvcrtragcs. Der neue Weg über das Gleisdreieck ist gestern dem Verkehr übergeben worden. Die am meisten in das Auge fallende Folge der Gleisverlegung wird die sein, daß die unschöne Eisenbrücke zwischen Luckenwalder Straße und Schöneberger Ufer nun bald verschwinden wird. In nächster Zeit muß abermals eine Gleis- Verlegung stattfinden, weil ein Teil der über den Bahnkörper der Anhalter Bahn führenden Brücke jenseits des Gleisdreiecks der- stärkt werden soll. I» einem entsetzlichen Zustand wurde gestern morgen gegen 7 Uhr das Dienstmädchen M. in der Atbrcchtstraße aus dem Hofe des Grundstückes aufgefunden. Die Lebensmüde war am Freitagabend gegen 11 Uhr aus dem zweiten Stockwerk herab- gesprungen, ohne daß irgend jemand etwas von dem Borfall be- merkt hatte. Erst morgens fand man die Lebensmüde auf dem Hofe liegend auf. Hilflos hatte sie die ganzen acht Stunden hin- durch in schwerverletztein Zustand zubringen müssen. Man brachte das junge Mädchen nach dem Krankenhaus, wo es bedenklich da- niedcrliegt. Ein vermeintliches Kapitalverbrechen rief gestern abend die Mordkommission der Kriminalpolizei nach dem Hause Großgörschen- straße 32. Hier wurde nach 8 Uhr ein Mann mit durchschnittener Kehle tyt auf dem Hofe liegend aufgefunden. Die � Revicrpolizei, die zunächst benachrichtigt wurde, rief in der Annahme, daß es sich um ein Kapitalverbrechen handele, die Mordkommission, zu mal da ein Messer oder sonst ein scharfes Werkzeug nicht ge- funden lourdc. Die Kommission untersuchte die Leiche, fand unter dem Körper ein blutiges Rasiermesser und stellte fest, daß der Tote ein am 18. März 1870 zu Hohenleuten im Kreise Gera gc» borcner Konditor Gustav Otto S i p p o l d ist. Die weiteren Er- Mittelungen ergaben, daß Sippold ohne Zweifel Selbstmord begangen hat. � Die„Deutsche Gesellschaft für Mutter- und Kindcsrecht"(E. V.), Geschäftsstelle für Groß-Berlin: Charlottenburg, Dahlmannstr. 25, unterhält 7 Auskunftsstcllen in Groß-Berlin zur Beratung verehe- lichter und unverehelichter Mütter. Sie vermittelt Rechtsschutz, Pflegestellen, Arbeit, Adoptionen, Unterkunft vor und nach der Ent- bindung. In dem Heim„Mutterhilfe", Wilmersiyjff, Düsseldorfer Straße 14, finden Mütter allein oder mit ihrem Kinde Aufnahme. Dem Heim„Mutterhilfe" gliedert sich daselbst eine Poliklinik(für Frauen- und Kinderkrankheiten) an. Sprech- stunden für Frauen: Montag,' Dienstag, Donnerstag, Freitag 12—1 Uhr, Dr, Blumberg; Sprechstunden für Kinder: Montag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend 2—3 Uhr, Dr. Abraham. Die Auskunftsstellen befinden sich: Norden: Schönhauser Allee 131, Mitt» woch 7—8, Sonnabend 10—11 Uhr; Koloniestr. 1, Dienstag 6—7, Donnerstag 1—2 Uhr. Süden: Neukölln, Steinmetzstr. 113, Mitt- woch 10— 11, Sonnabend 7—8 Uhr. Osten; Dresdener Straße 81, Dienstag l/t10— Voll Uhr, Freitag 8—9 Uhr nachmittags. Westen: Steinmetzstr. 11, Montag 1—2 Uhr. Pankow: Rathaus, Armen- amt, Sonntag 11—12 Uhr. Charlottenburg: Dahlmannstr. 25, täglich 7z2— 3 Uhr. Der Zentralarbeitsnachweis C. 54, Rückcrstr. 9, geöffnet 7— 1, Tel.: Amt Norden, 3791— 3797, bittet die Berliner Hausfrauen, ihre Bestellungen auf Reinemachefrauen zum bevorstehenden Um- zugstermin un!d Herbstreinemachcn rechtzeitig möglichst immer zwei Tage vorher abzugeben. Der Arbeitsnachweis wird dann in der Lage sein, eine gute Auswahl zu treffen und den Hausfrauen die geeigneten Arbeitskräfte zuzuweisen. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania steht der Imperator augenblicklich im Mittelpunkt des Interesses. Der Vortrag wird in dieser Woche noch allabendlich zur Darstellung gelangen; am Mittwoch wird Herr Direktor Goerkc seinen Vortrag persönlich halten. Am Sonnabend nachmittag gelangt noch einmal der Vor- trag.In den Dolomiten" zu kleinen Preisen zur Darstellung. Im Zoologischen Garten ist ein großer Grünstärling cinge- troffen und im großen Vogclhause untergebracht. Es ist ein feite- ner und merkwürdiger Vogel, der aus dem südamerikanischen Ama- zoncngebiet stammt und fast so groß wie eine Krähe ist. Er zeichnet sich durch sein in verschiedenen grünen Tönen abschattiertes, schwarz- gelbes und kastanienbraunes Gefieder, besonders aber durch den elfenbeinfarbigen Schnabel und die hellblauen Augen aus. Oeffcntliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO.. Adalbertstr. 41. Geöffnet werktäg- lich von 5%— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9— 1 Uhr und 3— 6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 617 Zei- tungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Auf Anfragen teilen wir mit, daß zur Benutzung der Bibliothek jede Person berechtigt ist, die das 14. Lebensjahr überschritten und ihren Wohnsitz oder ihre Beschäftigung iw Groß-Berlin hat. Wer sich über Wohnung und Beruf durch Vorzeigung des Ver- bandsbucheS, Wahlvcreinsbuches. Krankenkassenbuches. Mietsver- träges oder ähnliche Papiere ausweisen kann, erhält eine Lesekarte unentgeltlich ausgestellt. Diese Lesekarte gilt zunächst für ein Jahr; sie wird nach Slblauf nach Kontrolle etwaigen Wohnungs- Wechsels ohne weiteres von Jahr zu Jahr verlängert. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich gestern nachmittag in Lank- w,tz zugetragen. Dort werden gegenwärtig in der Gärtncrstraße Kasernenneubauten errichtet und gestern sollte mit der Legung der Kabel für die Beleuchtungsanlagen begonnen werden. Als gegen 4 Uhr nachmittags mehrere Arbeiter damit beschäftigt waren, die von den Berliner Vororts-EIektrizitätswerkcn gelieferten Kabel abzuladen, geriet plötzlich eine der schweren Rollen ins Rutschen und konnte von den Männern nicht gehalten werden. Während eS den übrigen- gelang, rechtzeitig zur Seite zu springen, wurde der 47zahrrge Kutscher Albert Ruthe aus der Berlinickestraße 3 in Steglitz unter der schweren Last begraben. Obwohl seine Ar- beitskollegen sich sofort an die RettungSarbeiten machten, konnte R. nur noch tot hervorgezogen werden. Ihm war der Brust. kästen eingedrückt worden. Tie Leiche wurde nach der Lankwitzer FriedhofshalsK gebracht. Vorort- jNacbncbtei** Eharlottenburg. De« Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit der sozialdemo- kratischen Fraktion innerhalb des Stadtparlaments erstattete in der Mitgliederversammlung des hiesigen Wahlvereins Genosse Richter. Er betonte: An dem guten Willen sowie an An- trägen und Resolutionen unserer 12 Genossen, soziale Arbeit zu leisten, hat es nicht gefehlt, doch scheiterte jeder Versuch an dem Widerstand der bürgerlichen Mehrheit. Haben es doch die Libe- ralen soweit gebracht, daß sie in der Vorschulfrage— an der Herber» schule— Beschlüsse faßten, die das direkte Gegenteil ihrer früheren .Forderungen darstellen. Bei der Steuerfrage ging das Bestreben der Bürgerlichen dahin, den Geldbeutel soweit wie möglich zu schonen. Die Vorlage auf Erhebung eines Kommunalzuschlages von 110 Proz. wurde von den Bürgerlichen gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt, natürlich mußte nun an notwendigen Ausgaben gespart werden. So wurden die Anträge unserer Ge- nassen auf Streichung der Gasmessermiete, was einen Ausfall von 271 800 M. bedeutet hätte, und auf Gewährung freier Lernmittel für dte beiden unteren Gemeindeschulklassen, was 12 000 M. er- fordert hätte, abgelehnt. An den 82 000 M. für Nachhilfeunterricht, die der Stadtschulrat beantragt hatte, wurden 10 000 M. durch die bürgerliche Mehrheit gestrichen. Bei dem Posten von 45 650 M. für Kmdermilch beantragten die Liberalen einen Abstrich von 7000 Mark, sie meinten, fiir die Kinder armer Eltern sei die gewöhnliche Kuhmilch auch noch gut genug. In städtischer Regie sind die Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke. Die Gaswerke allein werfen einen Ueberschutz von 3 Millionen Mark ab, wozu noch 1 Million kommt, welche die Straßenbeleuchtung kostet. Die Lohnverhältnisse in diesen Betrieben sind aber lange nicht so, wie sie sein müßten. Als die städtischen Arbeiter durch den Gemeindearbeiterverband Schaffung eines Tarifvertrages beantragten, setzte der Magistrat dem ein glattes Nein entgegen. Erst dem Eingreifen unserer Fraktion ist es zu verdanken, daß die Angelegenheit wenigstens einem Ausschuß zur Prüfung überwiesen wurde. Einen erheb- lichen Teil des Etats nehmen die Polizeikosten in Anspruch. Sie beziffern sich auf 683 000 M. Hinzu kommt noch eine Nachtrags- forderung von 19 700 M., wofür wir die Ehre haben, uns von 447 Schutzleuten und zirka 50 höheren Beamten bewachen zu lassen. Die Stadt hat wohl das Recht zur Aufbringung der Kosten. aber nicht den geringsten Wunsch auf ihre Verwendung zu äußern. Eine alte Forderung der Stadtverordnetenversammlung ist die Schaffung eines Gemeindefriedhofes: konnte es doch vor- kommen, daß die Leiche eines Dissidemcn viele Tage in der Woh- nung liegen mutzte, weil keine Kirchengemeinde die Beerdigung auf ihrem Friedhofe zulassen wollte, bis die Polizei einschritt. Trotzdem wissen aber die Kirchengemeinden jedes Projekt der Stadt auf Anlegung, eines Gemeindefriedhofes infolge ihrer einflußreichen Verbindungen zu hintertreiben. Dies wird erst verständ- lich, wenn man erfährt, daß allein die Luisengemeinde aus ihren Kirchhöfen eine jährliche Einnahme von rund 1 000 0 0 M. hat. Die Fortbildungsschulen, die von 4000 Schülern frequentiert werden, sind durchweg in früheren Miethäusern untergebracht und teilweise für diesen Zweck sehr ungeeignet. Nachdem die Stadt einen größeren Grunderwerb an der Sömmeringstraße vorgenommen hat, soll dahin eine Fortbildungsschule für männliche Personen ge- baut werden, der auch Lehrwerkstätten angegliedert werden. Letztere waren Gegenstand schwerer Kämpfe. Die Jnnungsmeister befürch- teten wohl, daß die Lehrlinge dort einen Einblick in mustergültige Verhältnisse bekämen und wohl die Werkstatt des Meisters keinen Vergleich in hygienischer Beziehung mit jenen aushalten könne! Von unserer Fraktion wurde beantragt, als llnterrichtsgegenstand Gewerbehygiene aufzunehmen. Ein Beschluß ist noch nicht gefaßt. Zur Linderung der Fleischnot beantragten unsere Genossen Ein- führung russischen Fleisches, da dieser Umstand an sich schon ge- nüge, preisdrückend auf das hiesige Fleisch zu wirken. Von bürger- licher Seite wurde der Antrag damit bekämpft, daß die Gemeinde in die Selbständigkeit der Gewerbe nicht eingreifen dürfe. Eigenartige Praktiken zeitigte die Wahl des Oberbürger- meisters. In 1!em zweiten Bürgermeister besaß Eharlottenburg einen fähigen, tüchtigen Mann, der auch mit den örtlichen Verhält- nissen völlig vertraut war. Dieser war den Liberalen nicht rcprä- sentabel genug. Man holte sich Dr. Scholz aus Kassel, dem so- gleich das Höchstgehalt seines Vorgängers und daneben noch 30OO Mark Repräsentationsgelder, zusammen 27 000 M., bewilligt werden muhten. Er wurde mit 40 gegen 21 Stimmen gewählt mit der liberalen Hoffnung, endlich ein Halt auf sozialpolitischem Gebiet 'zu machen. Dieses war der Ziveck der ganzen Uebung, ob er er- reicht ist, soll die Zukunft lehren. Unter dem Druck der wirtschaftlichen Krise 1908 kam eine Magisiratsvorlage heraus, die eine Arbeitslosenunterstützung nach dem Genter System einführen wollte, jedoch mit der Einschränkung, daß jeder, der Anspruch auf Unterstützung mache, in den letzten zwei Jahren voll beschäftigt gewesen sein niuß. Obwohl diese Be- stimmung schon den Zweck zum Teil illusorisch machte, stimmten die Liberalen doch dagegen, weil sie es verhindern wollten, daß die Stadt die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter unterstütze. Der Magistrat wollte aber durchaus etwas schaffen und so kam im Vorjahre die Vorlage, die alles andere war, als ein Mittel zur Linderung der Arbeitslosigkeit. Die Unternehmer sollten berechtigt sein, ihre gesamte Arbeiterschaft zu versichern, was geradezu auf eine Züchtung gelber Gewerkschaften hinauslief. Mau wollte aber auch großmütig den Gewerkschaften gestatten, pro Mitglied und Woche 10 Pf. zu zahlen, wofür dann jedes arbeitslose �Mitglied 75 Pf. pro Tag Unterstützung bekommen sollte. Dies konnten die Gewerkschaften billiger und besser Haben, wenn sie selbst ihre Bei- träge um 10 Pf. erhöhen wollten. Aus diesen Gründen mußte auch diese Vorlage abgelehnt werden, und zwar in Gemeinschaft mit den Liberalen, welchen auch hier die Unterstützung an organisierte Ar- beiter nicht paßte. Nachdem eine immer stärker werdende Arbeits- losigkeit sich wieder bemerkbar macht, wurde von unserer Fraktion ein Antrag eingebracht, 1. alle städtischen Bauten und Arbeiten in Angriff zu nehmen und in erster Linie ortsansässige Arbeiter zu beschäftigen, 2. Einführung einer Arbeitslosenunterstützung nach dem Genter System. Der Magistrat erklärte, daß nach dem 1. Teil des Antrages schon verfahren werde. Der 2. Teil wurde zurück- gestellt, weil sich die Gemeinden von Groß-Berlin gemeinschaftlich in nächster Zeit damit beschäftigen Ivürden. Inzwischen hat eine Zusammenkunft unter Mermuths Leitung stattgefunden. Sie stellte sich aber auf den Standpunkt des Städtetages in Posen, daß die Arbeitslosenunterstützung Sache des Reiches, nicht die der Ge- meinden wäre. Das Reich denkt natürlich noch lange nicht daran. Haben nun die bürgerlichen Parteien bei allen Anträgen, die im Interesse der Arbeiterschaft gestellt waren, mehr oder weniger un- verblümt ihre reaktionäre Gesinnung gezeigt, so tritt jetzt in die Erscheinung, daß der Unterschied zwischen Liberalen und alter Fraktion(Konservative und Nationalliberale) immer mehr ver- schwindet. Haben doch dieselben für die kommenden Wahlen ein Bündnis geschlossen unter Wahrung ihres alten Besitzstandes gegen die Sozialdemokratie. Diesen reaktionären Bestrebungen gegenüber heißt es auf der Hut zu sein und bei der Wahl den letzten Mann heranzuholen. Diskussion fand nicht statt. Darauf wurde für den verziehenden Genossen Finger der Ge- nosse Weidigt als Beisitzer und der Genosse Tennitz als Ersatz- revisor gewählt. Zum Schluß gab Genosse Seifert die Abrechnung von der Landtagswahl. Einer Einnahme von 592,75 M. steht eine Ausgabe von 1151,42 M. gegenüber. Es war somit ein Zuschuß des Kreises von 558,67 M. erforderlich. Neukölln. Einen verhängnisvollen Ausgang hat ein Streit genommen, der sich vor einigen Tagen in Neukölln unter mehreren jungen Männern entspann. Der 21 Jahre alte Arbeiter S. vom Maricndorfer Weg geriet mit einem Bekannten in Streit, weil dieser ihm das Eigentum an einer Streichholzschachtel streitig machte. Andere griffen in den Zwist mit ein, und es kam bald zu Tätlichkeiten. Diesen sah eine Weile der 33 Jahre alte Arbeiter Krogmann aus der Cherusker- stratze in Schönebera zu, der gerade des WegeS kam. Plötzlich sprang S., der ihn irrtümlich für einen seiner Widersacher hielt, auf ihn zu und versetzte ihm einen Schlag inS Gesicht. Der An- gegriffene zog sofort sein Messer und stieß es seinem Gegner in den Hals. S. brach blutüberströmt zusammen und wurde, während seine Begleiter davonliefen, nach dem Krankenhause in Buckow ge- bracht. Hier starb er gestern morgen an den Folgen des Stiches. K. wurde daraufhin verhaftet und dem Untersuchungsrichter zu- geführt. Dir städtische Omnisbuslinie Buschkrug-�Britz— Krankenhaus Buckow wird am 30. d. M. ihren Betrieb einstellen. Am 1. Oktober eröffnet dafür die Große Berliner Stratzenbahn-Gesellschaft die neue Straßenbahnlinie Pankow— Berlin— Neukölln— Britz- Buckow— Rudow. Damit verschwindet die letzte Linie des städtischen Omnibusbetriebes, die seit Oktober 1909 besteht. Das GcwrrkschaftSkartell weist darauf hin. daß die für die Wahlen der Neuköllner Handwerkerkrankenkasse einberufene Ver- sammlung mit den Wahlen zur Ortskrankenkasse nichts zu tun hat, was zur Vermeidung von Irrtümern ausdrücklich zu beachten ist. Friedenau. Die Mitgliederversammlung deö Wahlvereins nahm zunächst einen äußerst interessanten Vortrag des Genossen Dr. G r u m a ch über die Landarbeiterfrage entgegen. Redner verbreitete sich ein- gehend über die Frage:.Ist die Art, in der jetzt von unserer Seite die Agitation auf dem flachen Lande betrieben wird, die richtige? Diese Frage verneinte er. An einer Anzahl von Flugschriften, die von unserer Partei für die Landarbeiter herausgegeben sind, suchte der Referent nachzuweisen, mit wie wenig Verständnis vielfach an diese Sache herangetreten werde. Mit fremdwörtergespickter Schreib- stubenweisheit sei der Landarbeiter nie zu gewinnen; zu ihm müsse in seiner Sprache gesprochen iverden. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Alle Redner waren sich darin einig, daß in unserer Partei die Landarbeiterfrage wie so manches andere zu sehr nach Schema F behandelt werde.— Den Bericht von der Kreis-Generalversammlung gab Genosse Kamrowski.— Zum Schluß machte Genosse Hagen noch auf die am Montag, den 22. September, von 2—9 Uhr stattfindende Gewerbegerichtswahl aufmerksam und ersuchte um rege Beteiligung. Auch den Wahlen zu den Ausschüssen der Krankenkassen, die dicht bevorstehen, müßten Genossinnen und Genossen ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden. Ans der Gemeindevertretung. Gegen Mißstände, die das Roll- schuhlaufen auf öffentlichen Straßen und Plätzen gezeitigt hat. richtet sich folgender Nachtrag zur Polizeiverordung betr. der Aus- rechterhaltung der Sicherheit für den Verkehr usw.: „Das Rollschuhlaufen auf öffentlichen Straßen und Platzen ist nur in der Fahrrichtung, in Straßen mit zwei Fahrdämmen nur auf dem in der Fahrrichtung rechts belegenen, im übrigen stets nur auf der rechten Seite des ,xahrdammes möglichst hart an der Bordschwelle und nur mit einer einem trabenden Gespann gleich- kommenden Höchstgeschwindigkeit gestattet. Das Rollschuhlaufen auf den Bürgersteigen und zwischen bzw. auf den Schienen der elektrischen Straßenbahn, abgesehen von einer Kreuzung derselben in senkrechter Richtung, sowie jede Art des Kunstlaufens(Holländern, Paarlaufen und dergleichen!, das Kettenlaufen, das Wettlaufen mit anderen Rollschuhläufcrn und mit Fuhrwerken oder Radfahrern, das Anhängen an Fuhrwerken ist verboten..«. Gänzlich untersag� ist Kindern unter 14 Jahren das Rollschuh- laufen auf folgenden Straßen: Kaiserallce, Rheinstratze, sowie auf dem Platze vor dem Ringbahnhof Wilmersdorf-Zriedenau." Dieser Nachtrag, der vom Gemeindevorstand vorgelegt und be- gründet wurde, fand einstimmige Annahme. Ferner wurde beschlossen, dem Zentralausschuß fiir Volks- und Jugendspiele in Görlitz mit einem Jahresbeiträge von 40 M. bei- zutreten. Ein Antrag des Haus- und Grundbesitzervcreins verlangt die Errichtung eines Hypothekenamtes. Bürgermeister Walger führte hierzu aus: Ter Finanzausschuß habe sich mit dieser Frage be- schäftigt und sei nach eingehender Prüfung der Verhältnisse zu dem Rcsultal gekommen, der Gemeindevertretung die Errichtung eines solchen Amtes im Augenblick nicht zu empfehlen. Er bitte jedoch, in der Angelegenheit einen grundsätzlich zustimmenden Be- schluß zu fassen, da dann, wenn die Verhältnisse auf dem Geld- markte günstiger liegen, die Errichtung des Hypothekenamtes sofort borgenommen werden könne. Dem wurde entsprochen. Wie noch mitgeteilt wurde, wird die Große Berliner Straßenbahn in den nächsten Tagen eine neue Linie L einstellen. Dieselbe geht vom Stettiner Bahnhof aus, fährt über Moabit, den Großen Stern, die Spichernstraße, Kaiserallee nach Lichterfelde-Händelplatz. Durch diese neue Linie wird im Wechsel mit den Linien F und J von Lichterfelde bis Spichernstraße ein Fünfminutenbetrieb statt de? bisherigen Siebeneinhalbminutenbetriebes geschaffen. Gchöneberg. Die liberalen Gruppen liegen sich bereits in den Haaren, ob- wohl der Wahlterniin für die bevorstehenden Stadtratswahlcn noch nicht feststeht. Der liberale Kommunalverein schimpft auf die Zobel- Partei während die liberale Fraktion gegen die Haberländer wütet. Den Zobelianern wird zum Vorwurf gemacht, daß der kürzlich ab» geschlossene Vertrag mit dem Elektrizitätswerk Südwest ein Angst- Produkt der- Liberal«, gewesen wäre, denn sonst hätte infolge der liberalen Wirtschaftspolitik die Einkommensteuer auf 120 Proz. er- höht werden müssen. Die Zobelpartei will davon nichts wissen und wirft dem andern Bruder vor, daß durch seine Mißwirtschaft nur die Boden- und Grundstücksspekulanten gewonnen hätten und die Stadt geschädigt worden wäre. Ter Stadtverordnetenversammlung am Montag liegt von der liberalen Fraktion folgende Anfrage vor: „Ist dem Magistrat bekannt, daß in der Bürgerschaft unwahre An- gaben über die Finanzlage Schönebergs verbreitet werden, und daß sogar die Behauptung aufgestellt wird, der Vertrag mit dem Elek- trizitätswerk Südwest wäre nur der schlechten Finanzlage wegen gegen eine vollständig ungenügende Entschädigung verlängert wor- den? Welche Schritte gedenkt der Magistrat zu tun, um derartige Unwahrheiten richtigzustellen?" Der ganze Streit ist nur Theater. Bis zu den Wahlen werden sich die feindlichen Brüder wieder in den Armen liegen, um gemein- sam die Sozialdemokratie zu bekämpfen. Die Sozialdemokratie weist daher dem Hader keinerlei Bedeutung bei, sie wird, ganz auf sich allei ngestcllt, den Wahlkampf für die Sache der arbeitenden Bevölkerung führen. Steglitz-Friedenau. Der Bildungs- und Jugendausschuß erinnert nochmals an die Schulentlassungsfcicr. Sic findet am Sonntag, den 28. September, nachmittags 3 Uhr, im Albrechtshof, Steglitz, Albrechtstr. 1, statt. Alle Jugendlichen, die am 1. Oktober die Schule verlassen sowie deren Eltern sind dazu eingeladen. Der Ausschuß ersucht sie, sich zur Feier zu melden bei: R. Büth, Friedenau, Rheingaustr. 20; K. Paulus, Friedenau, Kaiscrallee 112; M. Peters, Steglitz, Ahorn- stratze 12s: W. Pieck, Steglitz, Hardenbergstr. 2; R. Seidel, Süd- ende, Potsdamer Skratze 4. Kalkberge- Rüdersdorf. Ein Schadenfeuer brach am Freitag abend an der Berlin— Frankfurter Chaussee unmittelbar neben dem Vcrbandskrankenhaufe aus. Es brannte auf der sogenannten Schäferei des Eigentümers Sch. eine Strohscheune, die einen weithin sichtbaren Feuerschein verbreitete. Die Scheune wurde mit ihrem sämtlichen Inhalt lKorn und Stroh) ein Raub der Flammen. Bei Ausbruch des Feuers ver- lautete gerüchtweise, das Krankenhaus stehe in Flammen! Diese Nachricht verursachte einen gewaltigen Menschenauflauf an der Brandstätte. Fast sämtliche Feuerwehren der Umgegend waren zur Stelle. Köpenick. In ihrer erste» Sitzung nach den Ferien hatten die Stadtverord- neten sich zunächst mit Rechnungssachen vom Jahre 1912 zu befassen. Der Abschluß der Stadthaupikasie ist folgender: Einnabme 1 998 740.47 M.. Einnahmereste 229 995,35 M.. Ausgabe 2 185 846.16 Mark. Restausgabe 11 796,63 M. Bleibt ein Ueberschutz von 31092.98 M. Derselbe soll im Etat für 1914 vorgetragen werden. Die Rechnung der städtischen Kanalisation schließt in Einnahme und Ausgabe mit 248 068.06 M. ab, die des Wasserwerks mit 151 057.45 Mark; die Kanalisation ergibt einen Ueberschutz von 4000 M., das Wasserwerk einen solchen von 6678,65 M. Das städtische Elektri» zitätswerk ergibt für 1912 einen Ueberschutz von 151 638,29 M., das Gaswerk einen Ueberschuß von 98 969,19 M. Ohne Debatte be- willigte die Versammlung zum 1. April 1914 zwei neue Oberlehrer- stellen für die Körnerschule und eine neue Assistenlenstelle für die Kalkulatur. In geheimer Sitzung wurde noch dem Ankauf der Robert Thieleschen Scheune in der Müggelheimer Stratze zum Preise von 5000 M. und der am früheren Henplay gelegenen Witwe Strcichhan» schen Scheune zum Preise von 10 000 M. zugestimmt. Mariendorf. Eine umfangreiche Tagesordnung hattendieGemeindevertreter in der ersten Sitzung nach den Ferien zu erledigen. Es standen 14 Punkte aus dem öffentlichen Teil und eine ganze Anzahl sollte in geheimer Sitzung beraten werden. Gemeindcvertretcr Schmidt stellte auS diesem Grunde den Antrag: Punkt 3—0 von der Tagesordnung abzusetzen und in einer späteren Sitzung zu erledigen. Der Ge- mcindevorsteher widerspricht dem mit der Begründung, daß sich jeder Redner zu den einzelnen Punkten recht kurz fassen möge; es wäre sehr wohl möglich, heute die ganze Tagesordnung zu er- ledigen. Genosse Reichardt unterstützte den Antrag Schmidt und es wurde hierauf beschlossen, Punkt 3—6 von der Tagesordnung abzusetzen. Herr Schöffe Pohmer machte Mitteilungen über die Vermietung der Wohnungen im Gemeindehause Lichterfelder Straße 20 in Südende. In diesem Hause war früher die höhere Mädchen» schule untergebracht; nachdem dieselbe in das jetzt neucrboute Lyzeum übergesiedelt ist, stand das Haus leer. Durch einen Be- schluß der Gemeindevertretung wurden die Räume zu Wohnungen umgebaut. Diese sollen nun an Gemeindearbeiter, die der frei- willigen Feuerwehr angehören, vermietet werden. Nach den Vc- rechnungen des Bauamts sollen die Wohnungen 1900 M. Miete einbringen; es hat sich aber herausgestellt, daß keiner der in Be- iracht. kommenden Mieter so viel zahlen kann und will. Herr Schöffe Pohmer ersuchte die Gemeindevertretung um Zustimmung, die Wohnungen billiger zu vermieten, und zwar drei Wohnungen ä 300 M. und eine Wohnung zu 240 M.; dieses würde einen Mietsertrag von 1140 M. ergeben. Genosse Reichardt bemängelt« die gemeinsame Badeeinrichtung, welche auf dem Boden unter» gebracht ist. Er macht den Vorschlag, um ein zu schnelles Erkalten des Raumes zu verhindern, denselben mit isolierten Wanren au». zugestalten. Tie Gemeindevertretung stimmt dem Vorschlage Pohmer zu. Tic ganze soziale Rücksiändigkeit der bürgerlichen Mehrheit zeigte sich wieder einmal bei dem Puntt: Einladung de» Brandenburgischen Städtctages zum 36. ordentlichen Siadielag am 22. und 23. September 1913 in Spandau. Trotz der Befürwortung zur Beschickung durch den Gemeindevorsteher und unseren Genossen Weber, hat die Gemeinde nach Ansicht unserer bürgerlichen Ver- treter dazu kein Geld übrig. Herr-Schmidt machte den Vorschlag, Herrn Sauer das Mandat zu übertragen. Von unseren Genossen- wurde Reichardt und der Genicndevorycher in Vorschlag gebracht. Für die Beschickung des Städtctages stimmten nur unsere Genossen mit dem Gemeindevorsteher. t;cnilIn.'an'n Betracht zieht, daß auf der Tagesordnung u. a. der Kleinwohnungsbau, die Ange- stelltenverficherung usw. steht, so bedeutet dieser Beschlutz für die Gemeinde geradezu ein« Blamage.— Beim nächsten Punkt über den Vertrag mit den Berliner Vororts-Elektritrtzitätswerken be» treffS Versorgung der Pumpftation mit elektrischer Kraft, rügt« Herr Noack die unregelmäßige Beleuchtung der Straßen. Genoff« Reichardt und Herr Eillgcs bestätigten und ergänzten verschiedene Beschwerden über mangelhafte Beleuchtung unseres Orte». Ersterer wünschte, daß in Zukunft die Straßenbeleuchtung etwas früher eingeschaltet und der Brennkalender nach dieser Richtung hin ab- geändert werde. Die Beschlußfassung über den Vertrag wurde auf Antrag des Schöffen vertagt. Als letzter Punkt der öffentlichen Sitzung kam ein« Anfraq» unserer Genossen betreffend Linderung der Arbeit»«»t zur Verhandlung. Genosse Reichardt begründete die hierzu vor liegenden Anträge mit dem Hinweis, daß die Arbeitsiossgleit in diesem Jahre bereits besonders kratz in die Erscheinung trete. Wenn trotzdem das Reich und der Staat nichts unternimmt, so müssen die Kommunen versuchen, durch Notstandsarbeiten zur Linderung der Arbeitslosigkeit beizutragen. Er empfiehlt deshalb, mit dein Neubau der IV. Gemeinde schule baldigst zu beginnen; auch könn- ten die Erdarbeiten zum Volkspark in Angriff genommen werden. Und zwar seien die Arbeiten von der Gemeinde in eigener Regie zu betreiben, auch müssen nach Möglichkeit Mariendorfer. Eifr wohner beschäftigt werden. Daneben sei eine Arbeitslosenvcrsiche rung unbedingt notwendig. Er, Redner, ersuche die Gcmeindever tretung sich dem Vorgehen Neuköllns anzuschließen und mit'dazu beizutragen, daß in dieser Richtung für Grotzberlin etwas Brauch- bares geschaffen wei�c. Herr Sauer meinte, die Rede hätte Herr Reichardt lieber in einer Volksversammlung halten sollen. Er wolle darauf deshalb nicht eingehen. Wenn der Schulhausbau notwendig sein sollte, so mutzte er ausgeführt werden. Ter Park habe noch lange Zeit; eine besondere Not sei nach seiner Meinung gar nicht vorhanden. Auf eine Arbeitslosenversicherung gehe er nicht ein; dieses würde eine politische Debatte zeitigen, und dazu würde er zwei Stunden für sich allein gebrauchen. Die Arbeiter sollen nur fleißig sparen, das Geld, welches sie ihren Verbänden zuführen, sollten sie lieber für sich behalten, dann hätten sie einen Nolgroschen. Auch könnten die Streikkassen ihr Geld zu billigen Zinsen an die Gemeinden, die Geld brauchen, abgeben, dann wiir- den dieselben einen Zweck und Sinn haben, Ter Gemeindevorsteher betonte, die Stratzcnbauten seien im Etat bereits vorgesehen. Auch bei der Parkanlage könnte eine ganze Anzahl ungelernte Arbeiter beschäftigt werden. Der Neubau der vierten Schule sei dringend notwendig. Die ganzen Arbeiten könnten aber nur in Angriff genommen werden, wenn die Anleihe perfekt sein würde. Es seien verschiedene Versuche gemacht worden, zu annehmbaren Bedingun- gen Geld zu erhalten. Ter Arbeitslosenversicherung stehe er sehr sympathisch gegenüber. Herr Noack ist der Meinung, daß die Ar- heiter nicht als Feinde, sondern wie Reichardt mit Recht auSgc- führt habe, als Volksgenossen zu betrachten seien. Er wünsche, daß die Regelung des Platzes am Maricndorfer Bahnhof schleunigst in Angriff genommen würde. Genosse Weber ist der Ansicht, daß die ganzen Vorschläge von unserer Seite praktische Arbeit seien. Er wendete sich hierauf gegen die Ausführungen von Sauer; wenn derselbe bis jetzt von der Arbeitslosigkeit noch nichts verspürt habe, so habe er jedenfalls den Dornröschenschlaf ge- halten. Genosse Reichardt hielt Herrn Sauer nochmals vor, daß die Verbände jährlich große Summen an Arbeitslosen- und Kran- kcnunterstützungcn ausgeben, die sonst wohl vielfach als Armen- Unterstützung von der Kommune übernommen werden mühten. Es wurde hierauf über die Anträge unserer Genossen einzeln abge- stimmt: 1. Der Schulhausbau für die IV. Gcmcindeschulc soll so- halb als möglich in Angriff genommen werden; 2. mit den Boden- bewcgungen am Volkspark sofort zu beginnen, wenn die Pläne fertig sind und 4. die Arbeiten, wenn irgend möglich, in eigener Regie auszuführen, auch nach Möglichkeit nur Maricndorfer Ar- beiter zu beschäftigen, wurden angenommen. Der 3. Antrag, die auf dem Gelände des Volkspark lagernden Steine zu zerkleinern, wurde abgelehnt. Mit den im Etat vorgesehenen Straßen- Pflasterungen soll begonnen werden, wenn der Abschluß der Anleihe geregelt ist. Herr Sauer fragte hierauf an, wieweit die Verhandlungen mit der Eisenbahnbehördc betreffs der Bahnüberführungen an der Lankwitzcr- und Grotzbeerenstratze vorgeschritten sind. Infolge der vorgerückten Zeit wurde vom Gemeindevorsteher der Vorschlag ge- macht, diesen Punkt auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. Hierauf folgte noch eine geheime Sitzung. Wciheiisee. Eine Sanierung der Wcihenscer Bank läßt sich immer noch nicht herbeiführen. In der letzten geheimen Sitzung der Gemeinde- Vertretung wurde über das Ersuchen der Bank, nunmehr die von der Vertretung seinerzeit bewilligten 200 000 M. zur Verfügung zu stellen, da nach Ansicht des AufsichtSrats die Genossen die von ihnen aufzubringende Summe von ebenfalls 200 000 M. aufgebracht hätten, verhandelt. Tatsächlich sind aber nur 78 000 M. in Bar vorhanden, während der Rest durch Umbuchungen gedeckt ist. Ter Kreisausschutz hat seinerzeit ausdrücklich hervorgehoben, daß die Gemeinde nur helfend eingreifen darf, wenn die Genossenschafts- Mitglieder 200 000 M. in bar aufbringen. Nach langer Debatte sah die Gemeindevertretung gegen vier Stinnncn die Forderung als erfüllt an und wolle mil Genehmigung des KreiSauslchusses die Summe zur Verfügung stellen. Der Krcisausschutz vertrat in seiner stattgcfundenen Sitzung den Standpunkt, daß die aufgebrachte Barsumme'von 78 000 M. in keinem Verhältnis steht zu der erst- maligen Forderung und vertagte einstweilen seinen Entscheid, un» den Genoug«? Gelegenheit zu geben, weitere Einzahlungen zu machen. Es wurde damit gerechnet, die Bank am 20. September wieder zu eröffnen; durch die Entscheidung des Krcisausschusscs besteht jedoch diese Möglichkeit nicht, da die Einzahlungen trotz Versammlungsbeschlusses nicht erfüllt werden und die Situation durch die Einreichung von Klagen gegen die sträubenden Genossen- schaftsmitglicder noch verschärft ist. Die Leidtragenden sind die Sparer, die anstatt Geld nur Vertröstungen erhalten und sich ver- pflichten müssen, bei einer eventuellen Wiedereröffnung der Bank nur geringe Teile ihrer Guthaben abzuheben; der grötzte Teil der Sparer ist auf diese Verpflichtung eingegangen, doch trotzdem mutz die Bank auf den ersten Ansturm 3S0 000 M. zur Verfügung haben. Diese Summe wäre vorhanden gewesen, wenn alles vorschrifts- mäßig gegangen wäre, da die Dresdener Bank unter denselben Anforderungen noch 200 000 M. zur Verfügung gestellt hätte. Rudow. Zweierlei Maß. Der hiesige AmtSvorsteher hatte eine vom Arbeiier-Radfahrerbund, Ortsgruppe Rudow, nachgesuchte Korsofahrt mkr der Begründung verioeigert. daß ein derartiger Ilmzug eine Verkehrsstockung herbeiführen könne. Ter AmtSvorsteher scheint aber nur Verkehrsstockungen zu befürchten, wenn Arbeitervereine die Genehmigung eines ösientllchen Umzuges nachsuchen, denn sonst könnte man eS nicht verstehen, daß derselbe AmtSvorsteher dem vom Rauchklub„Dampfwalze- für denselben Sonntag nachgesuchten Umzug die Genehmigung erteilen konnte. Zugleich ist dem bürger- lichen Turnverein Jahn m Rudow die Genehmigung eines Umzuges erlcitt worden, während ein von der Freien Turnerschaft Rudow nachgesuchter Umzug versagt worden ist. Größer kanii die grund- verschiedene Behandlung von Gemeindeangehörigcn nicht mehr i» die Erscheinung treten. Für diejenigen Mitglieder der bürgerlichen Vereine, die sich noch einen Funken GerechtigleitSgefühl bewahrt haben sollte diese« Messen mit zweierlei Matz ein Anlatz sein, den bürgerliche» Vereinen den Rücken zu kehren und sich den Arbeiter- vereinen anzuschließen, die sich zur Aufgabe machen, gleiches Recht o,r!äm?fe"- Für die übrige Arbeiterschaft erwächst die Pflicht. d>e Veranstaltungen der bürgerlichen Bereine, die in oe- srerrlcn lokalen staltfinden, streng zu meiden. Es stehen uns am Lrte nur die �.okale von LLedler und Palm zur Verfügung. Fredersdorf a. d. Ostbahu. Tie gesundheitlichen Zustände des Orte« lassen zurzeit viel zu wünschen übrig. Vcr,chledene an Scharlach. Masern, sowie Diph- terie bei Kindern vorgekommene Todesfälle oeranlatzten einige Ge- Nossen— inzwischen sind weitere Todesfälle vorgekommen— beim Schulvorstand eine Eingabe auf eventuelle Schlietzung der Schule zu machcru tMn begnügt stch bisher damit die Geschwister, wie auch die übrigen Kinder aus dem Hause, i» dem die Krankheitsfälle vor- gekommen sind, vom Schulbesuch zu dispensieren Uevcr die erfolgten Desinfektionen herrscht die Meinung, daß sie teilweise zu spät und nicht genügend seien. Auf dem Amt ist die Meinung vorherrschend. bau die Krankheiten aus den näheren Vororten Berlins eingeschleppt würden, vielleicht kümmert sich aber die Aufsichtsbehörde einmal mehr um die sanitären Verhältnisse des Ortes, sowie der Nachbar- gemeinde Pctershagen, in der, wie dem Amr bekannt sein dürfte, schon im vergangenen wie auch in diesem Jahr verschiedene an Diphtcrie und Scharlach vorgekommene Todesfälle zu verzeichnen tvarcn. Es würde sich auch empfehlen, wenn das Wasser der in der Nähe von Dunghaufen stehenden Brunnen einmal gründlich unter sucht würde. Viele Einwohner sind der Meinung, daß die Krank' heitsherde nicht in den näheren Vororten Berlins, sondern in den mitunter nicht mit genügend Luft und Licht versehenen Wohnungen der beiden genannten Orte liegen. Zchlendorf(Wannseebahn). Die letzte Gemrindevertretcrsitzung beschloß die Wiederwahl des bisherigen Bürgermeisters Dr. Köster aus 12 Jahre. Diese Wahl batte ick den hiesigen kommunalen Vereinen schon zu erregten DiS kussionen Anlas; gegeben, trotzdem konnte der Kandidat von 20 ab gegebenen Stimmen 16 auf seine Person vereinigen. Vier Vertreter waren nicht erschienen und pier hatten weiße Zettel abgegeben. Die Gemeindevertretung hatte im Sommer beschlossen, das Obst aus den Gemeindegärten an die Gemeindeschulkinder zu verteilen. Dieser Beschluß wurde in der vorletzten Sitzung aufgehoben. Da? Obst soll nun in Zukunft verkauft werden, um die Unkosten zu decken und eventuell einen Uebers-butz zu erzielen. Für dies Jahr beträgt der Ueberschutz ganze gö,23 M. Den bürgerlichen Turnvereinen wurden als Beitrag zur Feier der Völkerschlacht bei Leipzig 500 M. bewilligt, trotzdem der Gemeindevorstand nur 300 M. beantragt hatte. Einer dieser bürgerlichen Vereine feiert am 11. Oktober sein 2öjähriges Stiftungs fest; auch diesem Verein wurden noch extra aus dem allgemeinen Sieuersäckel 200 M. bewilligt mit dem Hinweis, daß sich gerade dieser Verein um die nationale Jugendbewegung verdient gemacht habe. Es wurde dem Verein weiter anhcimgestellt, wenn diese Spende nicht reicht, erneut an die Gemeinde heranzutreten. Dieser Beschlutz sticht sehr von dem Verhalten gegen den Arbeiterturnverein ab, dem man nicht einmal die Gemeindeturnhalle zur Verfügung stellt und auch durch kleinliche Chikanen seine Wirksamkeit zu ver- hndern sucht. Ferner wurden den Teilnehmern an zwei größeren Ausflügen des bürgerlichen Jugendheims eine Beihilfe von je 5 M, uachbewilligt. Rosenthal. „Vcrfassungsfragen in Teutschland" war das Thema, über das in der Mitgliederversammlung des Wahlvereins Gen. Wücke-Berlin referierte. Der Redner schilderte in anschaulicher Weise die poli- tische und wirtschaftliche Entwickctung des Deutschen Reiches und seine Verfassung. Da letztere nur den Interessen der herrschenden Klasse diene, forderte er zum Kampfe für eine bessere und dcmo- kratische Ausgestaltung der Verfassung auf. Großer Beifall folgte diesen lehrreichen und interessanten Ausführungen. Gen. Milbrodt gab hierauf in gedrängter Kürze den Bericht vom Niederbarniuier Kreistag. Das Wichtigste ist bereits im„Vorwärts" veröffentlicht worden. Das Stiftungsfest des Wahlvcrcins wird in Gestalt eines „heiteren Abend" am 25. Oktober abgehalten. Es wird um rege Beteiligung daran gebeten, da durch Heranziehung hervorragender Kunstkräftc alle Teilnehmer einen genutzreichen Abend verleben werden. Aufgenommen wurden 5 Mitglieder. Wegen vorgeschritte- ner Zeit mutzten einige Punkte von der Tagesordnung abgesetzt werden. Bernau. In der letzten Mitgliederversammlung wurde da? StiftungS- fest auf Sonnabend, den 25. Oktober, festgesetzt. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Dann wurde die bevorstehende Stadtverordneten- wähl besprochen und nach längerer Debatte die Genossen: Krieger und Schneider für die dritte und die Genossen Leist, Wünsche und Rosenow einstimmig für die zweite Klasse als Kandidaten aufge stellt. Zum Schluß ersuchte der Vorsitzende die stimmfähigen Ge nassen, dem Arbeiter-Gesangverein„Freiheit"-Bernau beizutreten Rowanies« Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung den Erlaß einer neuen Friedhofsordiiung sowie einer neuen Friedhofs- gebührenordnung und einer Anweisung für die Friedhofsaufseher.— Mit der Wirtslbaftsgenossenschaft der Haus- und Grundbesitzer soll ein Vertrag abgeschlossen werden, wonach die Gemeinde jener ihren Müllabladeplatz gegen eine jährliche Pachtgebühr von 20 Mark zur Benutzung überläßt. Die Genossenschaft hat für das grdnungS mätzige Planieren des Mülls ans eigene Kosten Sorge zu tragen und ist berechtigt, für das Abladen von HauSmüll, Asche und Kllchenabfällen auf dem Platze Gebühren zu erheben. Ein Recht zur Benutzung des' Platzes soll nur Angehörigen der Gemeinde zustehen. Im Winterhalbjahr stellt die Gemeinde der Genossenschaft einen ihrer Orlsarbeiter gegen Entrichtung deS ortsüblichen Lohnes zur Verfügung. Dem Klärmeister Scheel wird gestattet, die Ober aufsicht über den Müllabladeplatz zu übernehmen und eine Neben� ausgabestelle für Abfuhrmarlen zu unterhalten. Der Vertrag wird vorläufig aus die Dauer vom 1. Oktober 1913 bis 31. März 1914 ab- geschlossen, die Gemeinde hatjedoch das Recht, die Müllabfuhrzu gegebener Zeit wieder in eigene Regie �u nehmen.— Die Eisenbahnverwaltung hat gegen die Hcrmizichuug ihres im Werte durch den Bahnbau stark vcrminderleu Grundstückes Lindenstr. 92, neben dem Krahneschen Hause, zu Pflastcrkosten der Lindenstratze Einspruch erhoben, jedoch sich zur Zurücknahme des letzteren bereit erklärt, falls die Gemeinde die Front des neuen Bahnhofsgebäudes in der Lindenstratze unberücksichtigt läßt. Der Anteil für daS obengenannte Grundstück beträgt 2011,53 M. Die Vertretmig erklärte sich mit dieser Regelung einverstanden.— Der Privatier Bern hard Becher beabsichtigt die Ausschließung und Aufteilung des OrtSteilS vergstücken, Anlegung von Straßen und Bau von Landhäusern. Für die anzulegenden beiden öffentlichen Plätze von 4006 Quadratmeter Grundfläche fordert Becher von der Gemeinde eine Entschädigung von zwei Mark pro Quadratmeter. Trotz Ein« sprucbs des G.-V. Böhm, der darauf hinwies, daß eine Entschädigung für Hergabe deS Grund und Bodens für öffentliche Plätze nicht üblich sei, stimmte die Vertretung der Entschädigung zu. Die Zahluiig der Gesamtsumme soll jedoch erst nach vollständiger Bebauung des Geländes erfolgen. Gleichzeitig bewilligte die Vertretung die 33 000 M. betragenden Kosten für den Anschluß deS betreffenden OrtSteilS an die Kanalisation. Nach Fertigstellung der Kanallsation sollen die Anlieger zu den Kosten herangezogen werden. Solange die anliegenden Grundstücke unbebaut sind, werden pro Meter Grund- stück 20 M. berechnet.— Zum Schluß teilte der Bürgermeister mit, daß sich der Steinsetzmeister Goetsch erboten habe, einen größeren Posten der Gemeinde gehöriges altes Steinmaterial zum Preis« von 7082 M. zu kaufen. Die Vertretung gab hierzu ihre Zu- ftimmung. Ncbcr den politischen Massenstreik sprach in einer öffentlichen Versammlung im Schmidtschen Saale Landtagsabgeordnetcr Genosse Haenifch. Nach einem kurzen Rückblick auf die bisherigen Pawtci- tage hob er die besondere Bedeutung des diesjährigen hervor, wobei er auch die denselben beschäftigenden wichtigeren organisatorischen und taktischen Fragen einer kritischen Betrachtung unterzog. Der Stillstand in der Organisation lasse die Vermutung berechtigt er- scheinen, daß sich der Arbeiterschaft angesichts der Erfolglosigkeit der bisherigen politischen Kämpfe ein hochgradiger Mißmut bemächtigt babe, der aus das ganze Organisationslcben geradezu lähmend wirke. Die an den Reichstagssieg des Jahres 1912 geknüpften Hoffnungen haben sich nicht erfüllt; trotz Antvachsens der Mandate auf 110 und des Ausfalles der Landtagswahlen sei kein Fortschritt auf dem Wege zur Demokratisierung der staatlichen Einrichtungen, zur Erringung des freien Wahlrechts zu merken, und diese Tatsache habe die Ar- bciterschaft an der Macht des Parlamentarismus irre gemacht und sie veranlaßt nach neuen Wegen und Kampfesmittcln zu suchen. Dadurch erkläre sich das plötzliche Wicderauftauchen des Massen- streikgedankcnS. Der hohe, gewaltige Wert der gewerkschaftlichen und gcnosscnsckiaftlichen Tätigkeit könne zwar nicht verkannt iverdcn, doch seien diesen Organisationen durch die kapitalistischen Staats- Einrichtungen Schranken gesetzt, über die sie sich trotz besten Willens nicht hinwegsetzen können. Was sie in jahrelangen mühseligen Kämpfen errungen haben, werde ihnen durch die Steuer- und Zoll- Politik wieder genommen. Nachdem der Gedanke an den Massen- streik in den Massen Wurzel gefaßt, gelte es jetzt, ihn durch eifrige Propaganda zu vertiefen und in den Versammlungen alle die Ein- zelhciten zu erwägen, von denen die wirtsainc Durchführung des Streiks mit abhängt. Die Verhandlungen des diesjährigen Partei- tages haben gezeigt, daß die Masscnstreikfrage nicht erledigt, son- dern erst angeschnitten ist. Darum sei es jetzt die Pflicht jedes ein- zelnen, die Organisationen zu stärken, in den Herzen der Klassen- genossen Begeisterung für das hohe Ziel zu entfachen, damit der große Moment auch ein großes Geschlecht findet.— Langanhaltender Beifall belohnte den Redner für seinen begeisternden Vortrag. Spandau. Ter verschärfte Boykott des„Roten Ablers", der der organi- sierten Arbeiterschaft aufgezwungen worden ist, lenkt die Aufmerksamkeit auch auf das Aufhängen von Plakaten in Geschäftsräumen. Keinem kleinen Geschäftsmann, auch wenn seine Kundschaft sich zum großen Teil aus Arbeitern zusammensetzt, wird es hier ein- fallen, irgendein Plakat für die Partei auszuhängen. Jetzt kann man aber täglich beobachten, daß in den Läden fast sämtlicher Ge- schäfte Plakate für den„Roten Adler" aushängen. Die Lokal- kommission richtet an die Parteigenossen das Ersuchen, auf diesen Mißstand ihr besonderes Augenmerk zu richten. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Schöneberg. Am Montag, den 22. September, abcndS 6 Uhr, im alten Rathaus. Zeuthen. Dienstag, den 23. September, nachmittags 5'/, Uhr, im Gemeindehaus. Diese Sibungen sind Sffenillch. Jeder Gcmeindeangehirige l|| berechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Hiid aller Älelt. Die Rache der Frau. Eine sensationelle Wendung hat eine Ehescheidungsklage ge- nommen, die der deutsche Baron W e r t h e r gegen seine Gattin, die Tochter des früheren Ministers des Auswärtigen von Brasilien, Rio Branco, angestrengt hat. Nach einem Telegramm des„New Dork Herald" machte Baronin Werther gegen ihren Gatten eine Reihe aufsehenerregender Enthüllungen. Sie erklärte, daß ihr Gatte aus dem brasilianischen Ministerium des Auswärtigen sich Dokumente von größter Wichtigkeit angeeignet habe und sie mit dem Tode bedroht habe, falls sie den brasilianischen Behörden davon Mitteilung mache. Ferner behauptete sie, daß Baron Werther häufig Unterredungen mit dem dama- ligen deutschen Geschäftsträger in Rio de Janeiro gehabt habe, und daß ihr Gatte außerdem zahlreiche Doku- mcntc über die brasilianische Landesverteidi- g u n g und die Pläne brasilianischer Festungen an Krupp und andere deutsche Firmen ausgeliefert habe. Es handelt sich um die Ehescheidungsklage deS deutschen Barons Gustav Karl Werther, der am 8. April 1876 in Tamnig geboren ist und seit 24. Oktober 1901 mit der Tochter Rio BrancoS ver- mahlt ist. Baron Werther soll sich augenblicklich in Deutschland befinden. Mord oder Selbstmord? Am Fahrländer See bei Nedlitz wurde Sonnabend vormittag die Leiche des 55 jährigen Hotelbesitzers Artur Richter aus Brandenburg a. H. angeschwemmt. Die Leiche zeigte schwere Wunden an der Stirn. Die Polizei nimmt Mord an. Richter ist vor 14 Tagen aus Brandenburg wegen seiner un- günstigen pekuniären Verhältnisse verschwunden. Vor einigen Tagen ist über sein Hotel der Konkurs verhängt worden. Aus diesem Grunde ist Selbstmord nicht ausgeschlossen. Banknotenfälschungen im Gefängnis. Fast unglaublichen Vorkommnissen ist man nach einer Mel» dung aus London im Gefängnis von Peterhead aus die Spur gekommen. Dort entdeckte man eine Werkstatt für An- fertigung von Banknoten, die in außerordentlich großem Stile be- trieben wurde. Verschiedene Gefangene verfertigten mittels eines ganz eigens zu ihrem Zwecke präparierten Papiers Coupons der Bank von England. Die Banknoten waren so gut gearbeitet, daß selbst einige Banken sie in Zahlung nahmen. Kleine Notizen. Reichelt in Frankreich abgestürzt. Als der Flieger Reichelt, der gestern früh zum Rückflug nach Berlin aufsteigen wollte, am Freitagnachmittag in Villa-coublay einen Probeflug unter- nahm, stürzte er mit seinem Flugzeug ab. Der Apparat ging in Trümmer, der Flieger blieb unverletzt. Zwei Menschen bei einer Schlägerei erschossen. Bei einem nächtlichen Zusammenstoß wurden in Wiedenbrück(Rheinland) ein Heizer und ein Tischler erschossen. Mehrere Personen wurden verhaftet. Lokvmotivcncntglcisung. Auf der Transportbahn der Stumm- schen Grube„Ida" entgleiste während der Fahrt an einer scharf abfallenden Stelle eine Lokomotive und fiel um. Die aus ihr befindlichen Personen wurden schwerverletzt. An dem Auf- kommen des Führers und deS Heizers wird gezweifelt., eingegangene Druckfdmften. Grotesken von I. Wrodel. 50 Ps. Reuß u. Pollack Von G. Fritz. 30 T. Dieterlch'sche Der Zeitsparer Berlin IV. 3Z. Die Kapuziner in Ponape Verlagsbuchhandlung, Leipzig. Marktpreise von Berlin am IS. September ISIS, nach Ermittelmtgen deS kgl. Polizeipräsidiums. Mais(nüxed), gute Sorte 17,00—17,30, mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00— 00,00. Mais(rundet), gute Sorte 14,80—15,30. Richtstroh 5,00-0,00. Heu 5,80-7,20. Markthallenpreije. 100 KIlogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Sveisebobnen. weisic 35.00-00,00. Linien 35,00—70,00. Kartofieln(Klcmhdl.) 5,00— 7,00. 1 Kiloaramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleiich 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,50—2,10. Kalbfleisch 1.40-2,40. Hammelfleisch 1,00—2.40. Butter 2,40-3,00. 00 Stück Eier 3,00—5.50. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,40—2,80. Zander 1,30—3,20. Hechte 1,40-2,80. Barsche 0,80—2,40. Schlei« 1,60— 3,20. Bleie 0,80-1,80. 00 Stück Krebse 1,50—40,00. «SasserstaudS-vlachrichtr» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlin« Detterburcaa Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e I, Jnflerburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor . Krossen Frantsurt a r t h e, Schrimm LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitnieritz , Dresden , Bardo , Magdeburg am lS. S. om 130 -20 477«) 106 198 180 02 20 -20 —25 -140 86 77 seit 18. S. cm1) +4 +7 +59 —9 —9 +8 —4 _ 2 +1 — 1 —3 —3 — 1 Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandaus , Rathenow») Spree, Spremberg») , BceSkow Weser, Münden Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbrorm Main, Hanau Mosel. Trier ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—») Unterpegel.—») am 19. mittag« 484, am 20. morgenS 478 cm. Unvergleichliche I Auswahl W Unerreichte Preiswjrdigkeif des sind die beiden Merkmeie unserer Speziel- Heuser W Reictii iilostr. Rosteitlos riaassen Herbsf- Kostüme Herbsf- Mantel Garnierte Kleider f Moderne% j Kostümröcke| Aparle | Blusen| Kinder« % Konfektion J Berlin S (Drenien- Streße 1Ö5 illiin�� !!!ji>lV!li!>!!!!l!l!IlIl!I!!I!l!!lD!!!i!lllIIl!lI!>UIIlM!II!M!!!!!jlBll>I>Il!!i! Berlin W Leipziger Streße 42, ..................................................................... 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Nr. 246. 30. Jahrgang. 5. KcAge kä JutHiirtü" f ttlintt lolMIntt. Sonntoo, 21. Stptmttr 1913. Slirtfcbaftlicber Wochenbericht. Steigen der Knrse von Staatspapieren.— Zinsfußermäßigung der Reichsbank? In der vergangenen Woche trat auf dem Börsenmarkt für Wert- Papiere eine höchst interessante und auffällige Erscheinung auf: der seit Jahren währende und besonders im letzten Jahre beschleunigte Kursrückgang der Staatspapiere wurde durch eine beträchtliche Kurs- erhöhung unterbrochen. Die Sprozentige Reichsanleihe z. B. gewann gegen den Anfang des Monats September mehr als 2 Prozent. Es notierten: 1. September 16. September 3 prozentige Reichsanleihe.. 74,20 76,25 3>/z.„ 83,90 84,80 4„ Reichsschatzscheine 98,30 98,60 In den letzten Tagen der Woche sind die Kurse allerdings wieder etwas zurückgegangen, aber bedeutungsvoll bleibt der Kursanstieg der Rentenpapiere trotzdem. Diese Kurserhöhung ist übrigens nicht auf Deutschland beschränkt. In Frankreich z. B. steigen die französischen Staatspapiere bereits seit einigen Monaten. Es müssen also für die Aende. rung in der Kursbewegung der Rentenpapiere besondere Ursachen vor« liegen. Einmal ist die Kurserholung eine Folge der allgemeinen Kon- junklurabschwächung. In Hochkonjunkturzeiten steigert sich das Interesse der Kapitalisten für Jndustriepapiere, die infolge der günstigen Konjunktur eine hohe Rente/, Uhr.) Montag: Unbestimmt. Deutsches Opernhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Figaros Hochzeit. AbendS: Der Mikado. Montag: Zar und Zimmermann. DienS- tag: Die Jüdin. Äüttwoch: Der Freischütz. Donnerstag: Lobctanz. Freitag: Die Königin von Saba. Sonnabend: FigaroS Hochzeit. Sonntag: Die Jüdin. Montag: Der Waffenschmied.(Ansang 8 Uhr.) Lustspielbaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Majolika. Allabendllch: 777: 10.(Ansang 8'/. Uhr.) Theater des Westens. Sonntag nachmittag)Uhr: Der liebe Augustin. Allabendlich: Gräfin Fisi.(Anfang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Plwpchcn.(Anfang 8 Uhr.) Refidenz-Theater. Sonntag nachmittag 3 Ubr: Der Schlafwagen- kontrolleur. Allabendlich: Im Ehekäfig.(Anfang 8>/, Uhr.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Untreu. Die Untreu. Der abgerissene Glockenzug.(Anfang Trianon-Theater. Briestasche. Allabendlich: 8 Uhr.) Schillcr-Thcater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Freiwild. SlbendS: Chrano von Bergerac. Montag: Freiwild. Dienstag: Chrono von Bergerac. Mittwoch: Freiwild. Donnerstag: Chrano von Bergerac. Freitag: Zwei Wappen. Sonnabend: Cyrano von Bergerac. Sonntag und Montag: Die Stützen der Gesellschaft.(Ansang 8 Uhr.) Schmcr-Theater«harlottenburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Abends: Hasemanns Tochter. Montag: Am Tage des Gerichts. Dienstag: Die Stützen der Gesellschaft. Mttwoch: Am Tage des Gerichts. Donnerstag: Die Stützen der Gesellschaft. Freitag: Die Großstadtlust. Sonnabend: Die Stützen der Gesellschast. Sonntag und Montag: Die Großstadtluft.(Ansang« Uhr.) Luisen< Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Allwördens. Abends sowie Montag und Dienstag: Die falsche Hoheit. Mtttwoch und Donnerstag: Weh4 dem, der lügt. Freitag: Die Jntriganttn. Sonnabend, Sonntag und Montag: Die falsche Hoheit.(Anfang 8'l, Uhr.) Kleines Theater. Sonntag nachmittag 31/, Uhr: Der Dieb. Lüftchen'.- Geburtstag. Täglich: In Ewigkeit, Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Beriac.(Anfang 8 Uhr.) Walhalla-Thcater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die gelbe Gefahr. Allabentich: Der Licbcsonkel.(Ansang 8-/. Uhr.) MontiS Operetten. Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Vogelhändler. Allabendlich: Der lachende Ehemann.(Anfang 3 Uhr.) Neues BolkS-Theatcr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Mudder Mews. Abends: Der ledige Hof. Montag und Dienstag: Mudder Mews. Mittwoch: Der ledige Hof. Donnerstag: Mudder Mews. Freitag: Der ledige Hos. Sonnabend: Die Siebzehnjährigen. Sonntag und Montag: Mudder Mews.(Ansang 8>/, Uhr.) Rose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Allabendlich bis Sonnabend: Die Schiffbrüchigen. Sonntag und Montag: Die Ahn- frau.(Ansang 8'/« Uhr.) Urania< Theater. Allabendlich: Mit dem �fmperator« nach New York.(Ansang 8 Uhr.) Gebr. Herrnseld-Theater. Allabendlich: Was sag« Sie|i> Lei. dusch? I(Ansang 8 Uhr.) Kasino-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Em toller Ehemann. Allabendlich: Der Aktientenor.(Ansang 8 Uhr.) FolteS Caprice. Allabendlich: Ritter Baldrian. Mißgeburt. Adopttv- kind.(Ansang 8'/. Uhr.) Theater am Nollendorfplah. Allabendlich: Die Kino- Königin. (Anfang 8 Uhr.) Metropol. Sonntag nachmittag 3 Uhr:'s Nullerl. Allabendlich: Die Reise um die Welt in 40 Tagen.(Anfang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich Spczialtlälen.(Anfattg 8 Uhr.) Vteichshallen-Theater. Soiintagnachmitlag 3 Uhr: Stetttner Sänger. Allabendlich: Stettiner Sänger.(Anfang 8 Uhr. Sonntags VI, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntag nachmittag 3st, Uhr: Galavorstellung. Allabendlich: Galavorstellung.(Ansang 8 Uhr.) Zirkus Schumann. Sonntag nachmittag 3% Uhr: Gaiavorstrlmig. Allabentlich: Galavorstellung.(Ansang l'j, Uhr.) Admiralspalnft. Elsballelt: Flirt in St. Moritz.(Anfang« Uhr.) WitteruugSüberstcht vom SO. September 1913. Statwnen Swmemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien 761 762 761 763 763 s3 NO Still Still SW W 758® »tatwncn Haparanda Petersburg Scilly Aberdcen Pari? ti» »— 765 762 762 762 762 i5 NW WNW N NW SO loitatl wdeckt lolfig 2!6aI5 bd. l'Regen ** l 2 12 11 9 11 Wetterprognose für Sonntag- den LI. September 1913. Zeitweise aufklarend, vorwiegend neblig oder trübe mtt leichten Regen- fällen und mäßigen nordwestlichen Winden; Temperatur wenig verändert. Berliner Wette.rburea». Hefte öettenfullung rfind die vorzüglich lullenden, seh» clastischen, echt chinefischen Monopol-Daunen lgeschlich gefchicht) Pfund 2.85 TO. 3-4 Psund genügen zu großem Oder- bctt. Versand geg. Nachn. Verpack, fre!. 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Breslau- den 13. September 1913. Ter Vorstand der Orts-Krankenkasse für den Hfewerbebctriev der Kauflente, Handelsleute und Apotheker. H. Zimmer, Vorsitzender. 230/4* Möblierte, saubere Schlasstelle, 2 Herren, Bad. Winzer, Neukölln, Mahlowerstrasse 9, vorn 3 Treppen. Schlasstelle sür Mädchen. Stoltzcn- bürg, Starz arderslrasse 59.+92 Schlafstclle.Herrn, allein. Weichsel- strasse 27, II rechts, Bahnhof Frank- surter Allee._+118 Schlafstelle mit und ohne Kost vermietet Necker, Wiesenstrgj;e 33. Schlafstelle sür Herrn. Barnim- strasse 31, Fiedler, Hos parterre rechts._*+151 Möblierte Schlafstelle vermietet Stoldt, Petersburgerslrasse 65, Seitenflügel III.+ Möblierte Schlafftelle. Lands- bergerallee 123, vorn FC«echts. f Mietsgesuche. Suche für Bruder. Schlosser, 18 Jahre, lleineS möbliertes Zimmer, Lichtenberg und Nähe, möglichst Fa- milienanschluß. Offerten erbittet Klein, Schöneberg, Ebersstraße 10. Einfach möbliertes Zimmer iucht junges Mädchen mit Kind. Auch Vorort. 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Bewerber, in Kaffengeschästen er« fahren und mit Führung der Kario» thek vertraut, wollen ihre Gesuche mit der Zlusschrist.Bewerbung* bis zum 1. Ottoher d. I. im Kaffenlokal einreichen. 234Sb Her Vorstund. llnslä l-iossolc, Vorsitzender. tctiliiiig! Holzarbeiter. Wegen Streik oder Loh«, differenzen sind gesperrt: Klaviaturfabrik HVornecfce, Neukölln. Hobrechtstr.«». Pianofortefavrik JnscnlnsKy. Boucysstr. 37. Für die Holzte», icu-Branche der Betrieb von A.!»«. KOnis:, Teltower Str. 48/49. Für Tischler: Werda» i. S. Das Berliner Arbeitswilligen» vermittelnngsbureau d. gelben .Handwcrkerschnyderbandes*. Arbeitsnachweis d. Stellmacher- inniing und der Wagenfabri- kanten, Kaiser-Franz-Krcnadier- Platz. Zuzug ist streng jern zuhalten. Die Ortsverwaltuag Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes Ächtung;! Cafe-Angestellte! Q x 32/8* Promenaden-Cafö Inhaber Max Schröter Allee 151, ist bis aus sperrt. Verband der Gastwirtsgehiifen. Zweigverein der Cals-Angestelllen. Schönhauser weiteres ge» Alfrrh Wielcpp, Neukölln. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt»»uchdruckeret».Verlagsanstalt Paul Singer».Co� Bert» SM