( 5 Pfennig) ontagsmwMke Q��l) Ur. 247. flbonnementi-Bedingungcn: HSonucmcntä. Preis pränumerando: Lierteljährl. Z.Zlj MI, monatl. 1,10 Mk., wöchentlich W Psg. frei ins Haus. Einzelne Rummer S Pfg. Sonntags- numnicr mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Reue Welt" 10 Pfg. Post- WSonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2150 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. stomänien, Schweden und die Schweiz. eNchtiut läglld). 30. Jahrg. Die TnfertiolllS' Gebühr beträgt für die sechsgcspaltene Kolonel- zeile oder deren Kaum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versaminlnnngs-Anzeigcn 30 Pfg. „Kleine Hnzcigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. lznlässig 2 fettgedruckte Worte), jedes lmitcre Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere WortSPZg. Worte über 15 Buch- stabcn zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Soiialdcrnoilrat Berlin'». Zentralorgan der rozialdemohratifchen Partei Deutfcblands. Redahtion: SRI. 68, Lindcnftraßc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplak- Nr. 1983. Montag, den 22. September 4013. Expedition: SRI. 68, Linden FtraOc 69. ?yermprecher: Amt MorikvliAQ, Nr. 4084. ssm Die minder der Meitsioien. Spricht man von den Arbeitslosen, dann ersteht vor dem geistigen Auge das trübe Bild männlicher Gestalten, die sich scheu durch die Straßen drücken, in der Dunkelheit Vorüber- gehende um ein Almosen ansprechen, bei Tag sich vor die Ar- beitsnachweise drängen, des Nachts die Obdachlosenasyle be- Völkern. Und welcher menschlich Empsindcnde wollte diesen Opfern unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung sein Mit- leid versagen? Die Arbeitslosigkeit entrollt aber noch ganz andere Bilder, Bilder, bei deren Anblick sich das Herz zusammen- krampst und die Faust sich ballt. Fünfzigtausend Arbeitslose in Berlin, das bedeutet, schlecht gerechnet, hundert- tausend Kinder, denen es an der notwendigsten Nah- rung mangelt. Kinder, die des Morgens ohne Frühstück zur Schule gehen und die bei ihrer Rückkehr nach Hause kaum eine andere Mahlzeit erwartet, als ein paar Kartoffeln oder ein Stück Brot-- vielleicht nicht einmal das! Selbst in Zeiten günstiger Konjunktur enthüllen uns ge- legentliche Schulberichte erschreckende Bilder des Kinderelends. Mit tiefein Grauen muß man sich fragen, wie es jetzt in Zehn- taufenden von Proletarierhäusern aussehen mag, mit Ent- setzen muß man daran denken, was noch kommen wird, wenn das Unheil der Wirtschaftskrise weiter seinen schleichend töd- lichen Verlauf nimmt. Schon das Kind im Mutterleibe wird von der Würgerin Not nicht geschont. Tausende von Frauen arbeitsloser Männer sehen jetzt„Mutterfreuden" entgegen. Aber es fehlt ihnen am Nötigsten, sich und die Frucht ihres Leibes zu nähren, oder sie sind gezwungen, zur Beschasfung dieses Nötigsten bis zur Erschöpfung zu arheiten. Tie Gesellschaft verbietet die Ab- treibung der�Leibesfrucht, sie bedroht den Kindesmord mit furchtbaren Strafen, sie hat ja das Monopol der Engel- macherei! Tausende von Frauen kommen zu früh nieder, Tausende bringen lebensunfähige Kinder zur Welt oder un- glückliche Geschöpfe, die Zeit ihres Lebens an den grausamen Wirkungen der Monate zu leiden haben, in denen sie im Leibe einer hungernden Frau geworden sind. Jede Fehl- oder Totgeburt ist ein volkswirtschaftlicher Verlust, weggeworfenes Kapital. Arzt-, Pflege-, Begräbnis- kosten für ein vernichtetes Leben, für nichts! Millionen und aber Millionen werden auf diese Weise jahraus, jahrein vcr- geudet, Millionen, die niemand zur Freude und zum Gewinn dienen und deren Verausgabung nur die unvermeidliche Be- gleiterscheinung ist für körperliche Leiden, seelische Qualen. Und welche gräßliche Ironie liegt in der Tatsache, daß dieser sinnloseste Verbrauch nie höher steigt als in den Zeiten höchster Not? Man hält Kongresse für Säuglingspflege ab, klagt über den Rückgang der Geburten und erhebt gegen die Sozialdemo- kratie, die doch an allem schuld sein muß, verleumderische Anklagen. Gegen den„sozialdemokratischen'Gebärstreik" könne nur die Religion helfen. Aber wo bleibt die Ne- ligion, wo es gilt, den schwangeren Frauen, den Kindern in der Wiege Beistand zu leisten? Da hat jüngst der fromme christlichsoziale„Reichsbote" warnend den Finger erhoben, die Ar- beitslosenunterstützung dürfe um keinen Preis der Welt Mit- gliedern streikender Verbände zugute kommen. Ehristcn! Wenn Ihr schon die Erwachsenen ruhig verhungern lassen wollt, was haben Euch die unschuldigen Kinder getan, die Ihr erbarmungslos dem gleichen Schicksal überantwortet? Liebet Eure Feinde, tut wohl denen, die Euch hassen! Aber diese Kinder sind nicht Eure, Feinde, und sie hassen Euch nicht. Geduldig lcrueu sie ihre Bibelsprüche, und wenn sie zum Kaiserbcsuch Spalier bilden müssen, schtvenken sie ihre schwarz-weiß-roten Fähnchen und rufen Hurra. Doch wenn sie einmal erwachsen sein werden sind wenn sie dann zurück- denken werde» an die Zeit, in der zu Hause das Brot fehlte und ain Abend kein Licht angesteckt wurde, Wen» sie die gram- durchfurchten Züge des Vaters, die Tränen der Mutter in ihrer Erinnerung wiedersehen werden, dann werden sie Euch hassen und Eure Todfeinde sein! Daran ändert auch nichts Eure„nationale" Jugendpflege. Aber Ihr nennt Euch nicht nur Christen, Ihr nennt Euch auch� gute Deutsche. Tie Arbeitskraft und Wehrkraft des deutschen Volkes zu heben, erklärt Ihr für Euer höchstes Ziel. Aber wenn Ihr den Arbeitslosen die Unterstützung verweigert, dann zerstört Ihr die Wurzeln dieser Kraft.' Wieder welch seltsamer Widerspruch! Tic„sozioldemo- kratischen" Gewerkschaften, die die Unterstützung der Arbeits- losen organisieren, retten der kapitalistischen Gcsellsckx-ft Ar- beitskräste und sorgen für zukünftige Soldaten. Die Rc- gierung und jene bürgerlichen Parteien, die den Arbeitslosen alle Hilfe verweigern, vermindern die wirtschaftliche Produktivkraft wie die nationale Verteidigungskraft des Landes. Wer ist es da, der den Staat erhält? Und wer untergräbt ihn? Wir fordern die A r be i t s l o s e u v e r s i ch c r u n g im Namen der ungezählten Scharen hungernder Kinder! Wir fordern aber auch, daß schleunigst umfassende Erhebungen eingeleitet werden über die Wirkung der Wirtschaftskrise auf den körperlichen und geistigen Zustand der Schuljugend. Wir haben die Arbeitslosenversicherung noch nicht, aber wenn wir sie schon hätten, würden die gewährten Unterstützungen allein kaum ausreichen, um den Kindern— zumal zahlreichen Familien— die nötige Nahrung zu schaffen. Hier muß die Schule, muß die Gemeinde durch Einführung unentgeltlicher Schulspeisungen helfend eingreifen. Und es braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß die'Gewährung unentgeltlicher Mahlzeiten nicht den entehrenden Charakter einer Armenunterstützung tragen darf. Vor allem haben wir das Recht und die Pflicht, klar zusehe n. Die trockene Statistik des Arbeitsmarktes kommt an diese grausigsten Erscheinungen der Krise gar nicht heran. Die Schule— wenn sie keine bloße Drillanstalt, sondern eine Erziehungsanstalt sein soll,— muß sich auch um das Schicksal der Kinder daheim bekümmern. Und die Lehrer, die ihre Aufgabe richtig erkannt haben. Freunde der ihnen ander- trauten Jugend zu sein, werden sich ihrer sozialen Pflicht gern unterziehen. Mögen sie jene zwingen, die Wahrheit zu sehen, die sie nicht sehen wollen. Mögen sie nun helfen, den Kindern zu helfen. Zu den Zeiten der günstigen Konjunktur, wie ward da das Loblied des bewährten Wirtschaftssystems gesungen! Deutschland war das Land, in dem Milch und Honig floßs niemand hatte ein Recht, zu klagen: wer es dennoch tat, galt als Hetzer und Aufwiegler. Auf solche Weise glaubte man den Kampf gegen die Sozialdemokratie führen zu können. Aber man hat damit nur das soziale Gewissen ein- geschläfert. Wenn jetzt die Welt die ganze Wahrheit erfährt, dann werden vielleicht«die Stimmen seltener werden, die über die „unendlichen Schwierigkeit? n" der Arbeitslosen- Versicherung jammern. Besitzen doch heute nur wenige den Mut der Brutalität, sich grundsätzlich für die Verweigerng jeder Hilfe auszusprechen. Aber um nicht tu» zu müssen, wozu die Pflicht des sozialen Gewissens treibt, baut man sich aus der Phantasie einen Berg von Schwierigkeiten auf. au dem man dann händeringend stehen bleibt, weil er gar so „unüberwindlich" ist. Nun chohl: erfährt, daß hinter diesem Berg Mütter mit ihren Säuglingen im Elend verkommen, Kinder hungernd dahinsiechen, vernehmt den Schrei der Not, der von jenseits herübertönt. Tann wird die Kraft der Ueberzeugung durch- dringen, daß Schwierigkeiten in solchem Fall nur dazu da sind, um überwunden zu werden. Ein Kind aus brennen- dem Hause zu holen oder es aus reißenden Fluten zu retten, hat auch seine Schwierigkeiten, dennoch geschieht es! Wenn Hunderttausende von einem viel grausameren Würger bedroht werden, als Feuer und Wasser es sind— sie töten schnell, die Not aber tötet langsam—, da sollte das werktätige Mitgefühl versagen, der tatbereite Wille vor Schwierigkeiten zurück- schrecken? Wenn man noch glauben sollte, daß über alle Klassen- kämpse hinweg ein Band der Menschlichkeit die Mm» scheu miteinander verbindet, dann dürfte es in dieser Frage keinen Unterschied der Parteien geben. Dann müßten alle wetteifern, zu helfen und zu retten. Wenn aber die besitzen- den Klassen die Kinder der Arbeitslosen verkommen lassen wollen, ohne einen Finger zu rühren, dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn von einem Ende des Reichs bis zum anderen ein wilder Haß anfzüugclt gegen sie und gegen ihre Gesellschaftsordnung, die Arbeiter zu Bettlern macht, Frauen auf die Straße treibt und die Unschuldigsten der Unschuldigen, die Kinder, hoffnnugslosein Verderben aussetzt. Wer b i e r versagt, entehrt sich! Wer hier v e r s a g t, h a t k e i n R e ch t m e h r, ü b e r M ö r d c r c i n Schuldig zu sprechen! Er selbst begünstigt den schändlichsten Mord! Der deutiche Chauvinismus. Zwei zeitlich zusammenfallende Ereignisse der letzten Woche haben wieder einmal den breiten Abgrund offenbart, der in Dingen der auswärtigen Politik zwischen der herrschenden und der be- herrschten Klasse Deutschlands klafft. Der Jenaer Parteitag der Sozialdemokratie hat einstimmig und mit lebhaftem Beifall eine Resolution angenommen, die in der Richtung eines Verständi- gungswerks zwischen Deutschland und Frankreich verläuft. So denkt die beherrschte Klasse. Gleichzeitig hat der sattsam bekannte Generalleutnant v. Bernhardi in der„Post" seiner Freude über den Artikel eines Jrländers kundgegeben, der sich für die Er- richtung eines selbständigen irischen Staates— wohlverstanden nach der Besiegung Englands durch Deutschland!— aussprach, und nicht minder seine Freude darüber«„daß, wenn es über kurz oder lang zum Kriege mit England kommt, wir im feindlichen Lager selbst Verbündete haben, die unter Umständen zum Hau- dein entschlossen sind." So deliriert die herrschende Klaffe Deutschland. Beides aber sind nur Symptome, hüben für den tatbcreiten Willen der Arbcitermasscn, der grausigen Barbarei des Krieges mit allen Mitteln entgegenzuarbeiten, drüben für die verbreche- rische Absicht einer Schar skrupelloser Hetzer, es mit allen Mitteln zu einem bewaffneten Zusammenprall der Völker zu treiben. Wer bislang an dieser Absicht gezweifelt hätte, müßte durch eine Dokumentcnsammlung belehrt und bekehrt werden, die der Pro- fessor Otfricd Aippold eben unter dem Titel„D c r deutsche Ch a u v i n i s m u S"(Verlag von W. Kohlhammer, Berlin, Stuttgart, Leipzig) hat erscheinen lassen. Es handelt sich bei dieser Schrift nicht um tiefgründige Untersuchungen über das Wesen des Chauvinismus, und auch das reichhaltige Material, das N i p p o l d, hauptsächlich aus den Jahren 1912 und 1913, beibringt, ist nicht neu: wir alle haben ja die trübe Schlammflut von Hetzartikeln und Hetzreden an uns vorbeischießen sehen, die alles hinwegzuspülen strebte, was an gesunder Vernunft, sittlichem Empfinden und kulturellem Bewußtsein im deutschen Volk vor- handen ist, aber gleichwohl ist die Herausgabe dieses Buches eine dankenswerte Tat, denn erst, wenn man diese Hctzartikcl und Hetzreden nebeneinander aufgereiht ficht, überschaut man das fluchwürdige System, dessen fluchwürdige Erzeugnisse sie sind. Auch der Verfasser erkennt dieses„durchaus zielbewußte System, das direkt darauf hinausgeht, mit Zuhilfenahme aller Mittel, seien es selbst Entstellungen von Tatsachen oder bösartige Verleumdun- gen, nach und nach die Bevölkerung und schließlich, wenn möglich, auch die Regierung für die Absichten der Chauvinisten zu gc- Winnen." Nur irrt Professor N i p p o l d, wenn er als Friedensideologe in dem Chauvinismus ein Gewächs' ohne eigentliche Wurzeln und ohne Mutterbodcn xrblickt und in ihm die eigentliche Kriegsgefahr ficht. Ausnahmegesetze gegen die Chauvinisten in allen Ländern, so geht seine grundfalsche Beweisführung, und der Frieden ist fest verankert wie auf des Meeres Grund! In Wahrheit ist natürlich der Chauvinismus nichts anderes als eine Wicdcrstrahlung der Tatsache, daß im Zeichen des gigantisch entwickelten Kapitalismus die wirklichen und scheinbaren Gegensätze zwischen den Großmächten sich nicht, wie N i p p o l d meint, verringert, sondern vermehrt haben. Auch die Wcltkriegsgefahr, in Permanenz erklärt, ist ein Grad- messer dafür, wie sehr bereits die gesteigerten Produktionskräfte gegen die Produktionsverhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft rebellieren und wie sehr sie ihre Hülle zu sprengen drohen. Aber gerade deshalb, weil sie vorhandene Gegensätze bis zur verwüsten- den Katastrophe auf die Spitze treiben wollen, und weil sie nicht aus freier Hand und ohne Rückhalt auf der Kriegstrommcl herum- rasseln, gilt es, den Herren Chauvinisten bei jeder Gelegenheit mit Nachdruck, derb und deutsch gesagt, übers ungewaschene Maul zu fahren und mit aller Schärfe ihre unsauberen Praktiken auzu- nageln. Dazu liefert Nippolds Schrift treffliche Handhaben. Auf der ersten Stufe des Systems wird der Krieg schlechthin verherrlicht und als eine große, glorreiche und erstrebenswerte Sache hingestellt, und zwar beginnt es mit einer frivolen Vcr- seuchung der eindrucksfähigen Jugend. Da feiert etwa die„J u n g» deutsch land-Po st" die Mcnschcnschlächterci ini größten Stil als„die hehrste und heiligste Aeutzerung menschlichen Handelns" und ruft aus: „Verlachen wir also aus vollem Halse alte Weiber in Männcrhosen, die den Krieg fürchten und darum jammern, er sei grausig oder häßlich. Nein, der Krieg ist schön!" Da bejubeln die„Berliner Neuesten N a ch r i ch t e it" den Massenmord als„den Hauptsaktor und den Erhalter wahrer, echter Kultur", die„Tägliche R u n d s ch a u"— mau glaubt, in ein Tollhaus geraten zu sein!— nennt ihn„den größten Wohl- tätcr, den einzig zuverlässigen Wächter und Prüfer der allseitigen Tüchtigkeit eines einzelnen und eines Volkes" und als in der Bcr- lincr Ortsgruppe des A l l d c u t s ch c n V c r b a n d c s ein Redner die bluttriefende Weisheit verkündet,„daß der regelrechte Krieg nicht nur die vom biologischen und kulturellen Standpunkt aus beste und edelste aller Möglichkeiten des Kampfes ums Dasein, sondern auch die für den Bestand des Staates und der Gesellschaft von Zeit zu Zeit unbedingt nötige sei," entschied sich die Versammlung begeistert dafür,„daß eine Weitervcrbrcitung dieser trefflichen Gedankcnfolge im Volke zu wünschen sei". Hat man den Gedanken des Krieges überhaupt erst einmal den Lesern und Hörern mundgerecht gemacht und gegen„Scntimcn- talität, Humanitäts- und Friedensduselei" die hinreichende Vcr- achtung wachgekitzelt, so wendet sich die chauvinistische Hetzarbeit der Aufgabe zu, den Krieg als notwendig und unvermeidlich hin- zustellen. Daß imperialistische Raubpolitik seine Quelle ist, daraus wird gar kein Hehl gemacht.„Deutschland hat", schreibt etwa das „Leipziger Tageblatt",„die Kolonien noch nicht, die es haben muß. Unsere EntWickelung fordert Anerkennung. Wir sind kein Konservierungsinstitut für sterbende Staaten"; und die „Deutsche Welt" trupft auf:„Ein rein friedlicher Landcrwcrb hat in dem allgemeinen Ringen um die Plätze an der Sonne keine Aussicht auf Erfolg oder Bestand." Also Raub und Mord! Des- halb wittern selbst die Riechorgane unserer chauvinistischen Helden, ob es nicht bald losgeht!„Es liegt Blutgeruch in der Luft", kon- staticrt der General v. Licbcrt und der General Keim sekundiert ihm:„Es riecht nach Pulver in der Welt!" Da dem nun einmal so ist, erscheint die Deckung als der beste Hieb— drauf und dann zu einem Ucbersallskrieg, ehe die Nachbarstaaten neue Nuskmgen uti terneTjmcn. Deshalb schimpfen die Chauvinisten über die„Poliii ik der Anbiederung", die Deutschland angeblich Eng- land gegenüber verfolgt, sie rufen dem neuen Botschafter des Reichs in London zu, er solle„mit seinen gehaltlosen Vcrsöhnungsreden aufhören", sie Ii>arncn das deutsche Volk in den Tagen der Wehr- Vorlagedebatten, sich in„die sriedseligen Vorstellungen einzuleben, die ihnen die Re de des Reichskanzlers vorgezaubert hat", und be- sagter Keim ärr.zert sich frisch und forsch: „Es ist dur chans verfehlt, ja, sogar friedengcfährdend, dem ' Äuslandeg gegenüber immer nur von der„Verteidigung des ButerlandeN" zu reden. Es liegt darin eine offenbare Zim- perlichkeit, die ieiner schwächlichen Stimmung ent- springt." Solche Zimperlichkeit ist aber uin so weniger am Platze, als cS sich bei den Franzosen namentlich um ein morsches Volk handelt, denn, schulmeistert die„Post" von oben herab:„Für Kenner der französischen Volkspsyoje ist es zwar niemals zweifelhaft gewesen, daß dem französischen Volke außer einigen äußerlichen zivilisa- torischcn Errungenschaften tiefere sittlich-kulturelle Fähigkeiten nur so lange innegewohnt haben, als es in seinen überwiegend keltischen Bestandteilen von einer starken germanischen Oberschicht bedeckt und bestimmt worden ist." Man denke! Deshalb werde Frankreich, wenn Teutschland eS auf den Rücken geworfen hat, nicht nur neue Gebietsstücke entrissen, sondern die darauf wohnenden Franzosen werden auch expropriiert und ausquartiert— so verkündet es wenigstens der„R e i ch s b o t e": Ebenso ist bei einem n c u c n S i e g c ü b c r F r a nT* reich schon aus strairgischcn Gründen die Hmzunnlnnc einiger Landstriche sicher? ebenso läßt sich voraussagen, daß Frank- reich das Auskaufen und die Aufnahme aller Bewohner dieser Landstriche auferlegt würde, die nicht auf Grund ihrer geschichtlich-deutschen Abstammung deutsche Bürger werden wollen. Da? also sind die schier pathologischen Vorstellungen, mit denen nach N i p p o l d s Bekundung«schon recht weite Kreise gerade der gebiloeten Stände" infiziert sind. So denkt das über Krieg, so über Eroberungspolitik, so über Frankreich und die Franzosen! Aber zum Glück kommt es nicht allÄn auf die sogenannten „gebildeten Stände"— nette Bildung!— auf sie allein nicht an. Diese chauvinistischen Schreier gleichen dem Turnvater Jahn, der, ein ganz wilder Franzosenfresscr, eine„Hamme", einen un- durchdringlichcn Urwald, zwischen Deutschland und Frankreich legen wollte, damit der„keusche Deutsche" auf ewig getrennt bleibe von dem„geilen Welschen". So suchen die um Keim und L i e b e r t eine geistige„Hamme" zwischen den beiden großen Brudervölkern zu errichten, aber, wie von neuem der Beschluß des Jenaer Parteitages gezeigt hat, rodend fällt die Axt der So- ziakdemokratie in diesen Urwald, der freilich zumeist nur aus Un- kraut besteht. Und bei diesem ihren Streben hat die Sozialdemo- kratie gegenüber den Säbelrasselern und Kriegsschreihälsen nicht nur die Vernunft, die Menschlichkeit und die Kultur auf ihrer Seite, sondern auch die Mehrheit des Bolkes! Orgel lütck Peiizeipfeifc. Wissen Sie, wer Bach war? Johann Sebastian Bach? Sie werden wohl sagen, das größte musikalische Genie? Die gotterfnllte Seele der Musik? Blech! Bach war ein reni- teuter Bursche, der sich nicht scheute, Dinge zu komponieren, an denen sogar organisierte' Revolutionäre Freude haben. Hätte es irgend noch eines Beweises bedurft, um den Klassen- Haßcharakter dieser verwerflichen Musik zu erhärten, so wäre er durch die Tatsache erbracht worden, daß der V c r e i n f ü r Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse am gestrigen Sonntag ein Bachkonzert gegeben hat, um schon die unschuldigen Seelen der Kinder mit den Klängen dreier großer Orgclkoinpositionen des p. Bach zu vergiften. Aber Herr v. Jagow wackzt! Er hat im letzten Augen- blick das Fürchterliche verhindert, daß diese versteckten Ar- beiterinorseillaisen unter den Fingern eines Hof-(!) und ,...tDirtoüil des Menschen Fiirrccht Lachen ist. Rabelais. Knegervemm und Massenstreik. Der bekannte günstige Wind hat uns folgendes Schreiben auf den Redaktionstisch geweht: Lieber Freund und Kainerad! Du mußt schon entschuldigen, aber ich kann bei bestem Willen nicht den Pessimikvnus verstehen, der aus Deinem letzten Schreiben an mich herausspricht. Ich beschäftige mich doch auch mit Politik und lese regelmäßig die„Post",„Deutsche Tageszeitung",„Tägl. Rund- schau" usw., habe auch die Verhandlungen des roten Parteitages in Jena verfolgt, komme aber zu ganz entgegengesetzten Schlußfolgerungen als Du. D u meinst, die rote Gefahr sei durch die Verhandlungen des Parteitages vor ollem durch die Annahme der Massenstreikresolution erst recht greifbar geworden, die Werbekraft unserer hehren Krieger- vereinSidce komme durch die rote Verhetzung immer mehr ins Hinter- treffen, und was dergleichen Schwarzsehereien mehr sind. Ich da- gegen bin der Ansicht, daß der ganze Mastenstreikunfug nur Wasser auf unsere Mühle sein kann. Laß die roten Brüder nur einmal Ernst machen mit ihrem Massenstreikkrakeel, dann werden wir zeigen können, daß wir deutschen Männer in den Kriegcrvereinen nicht bloß für Paraden und zum Spalierstehen zu gebrauchen sind, daß wir vielmehr die zuverlässigste Waffe im Kampfe gegen die Revolution sein werden. Ich begreife, daß loyalen Männern, wie wir es sind, das Blut bor Zorn in den Kopf steigt, wenn sie Worte wie„die rote Fahne über dem Königsschloh flattern" lesen müssen. So ähnlich hat sich ja der rote Bernstein in Jena ausgesprochen. Wenn er das auch nur hypothetisch gemeint haben will, so wissen w i r doch nur zu gut, daß das das geheime Sehnen jedes roten Umstürzlers ist. Derselbe Bernstein hat aber auch gesagt, daß die Roten für einen Massenstreik in Preußen 2 bis 3 Millionen Menschen auf die Beine bringen müßten. Und D n meinst, daß sie das mit der Zeit schon fertig brächten. Nun, und wenn schon?! Weißt Du deiw nicht, daß auf n n s e r e r Seite jetzt schon zu jeder Zeit 2 bis 3 Millionen marschbereit sind, um vereint mit unserer wackeren Polizei und unserem braven Militär die Hydraköpfe der roten Revolution abzu- schlagen? Lieber Kamerad, Du scheinst noch gar nichts von unserer letzten Bertreterversammlung des Khffhänserbundes gelesen zu haben, der Domorganisteu erklangen. Man denke, eines Mannes, dessen Orgelspiel sonst die Aufgabe hat, den obersten Kriegsherrn in die richtige Stimmung zu bringen, damit er die Friedens- botschaft des Evangeliums allerhöchst entgegenzunehmen ge- ruhe. Leider ist der Plan gescheitert, das ganze Konzert un- möglich zu machen, denn es fand sich ein ehrvergessener Orga- nist, der der Ansicht war, Frauen und Mädchen des Arbeiter- standes hätten auch ein Anrecht auf die ewige Botschaft des Genius und, wenn dem Kronprinzen'die„Lustige Witwe" recht sei, so sei dem arbeitenden Volke der alte Sebastian Bach billig, und zwar so billig, so gut, so hervorragend wie möglich. Dem Hof- und Domorganisten ist vom Polizeipräsidenten bedeutet worden, seine Mitwirkung in eineni Konzert, das ein staatsgefährdender Verein gebe, könne ihm recht teuer zu stehen kommen. Mit anderen Worten: Hilfst Du zu weihe- voller Erhebung dieser vaterlandslosen Herzen mit, so wird der Kaiser darauf verzichten, sein Herz von Gottes Gnaden weiterhin von Dir erheben zu lassen! Im gewöhnlichen Leben heißt man das„Nötigung", in der amtlichen Sprache— .Maatserhaltung". In unserer Sprache, die wir gern schlicht und klar uns ausdrücken— Torheit. So sehr, daß wir es als den echtesten und unverfälschten Ausdruck staatlich-prcußi- scheu Geistes gern anerkennen wollen. Es ist bekanntlich der Geist, in deni gerade in diesem Jahre die Großtaten des hoch- seligen Königs Friedrich Wilhelm III. so begeistert gefeiert wurden. Es ist selbst der Ironie, dem Spott sehr schwer gemacht, diesen Tatbestand in seiner ganzen hahncbüchenen Lächerlich- keit darzustellen: Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse soll der frömmste, edelste Meister an eineni Sonntagnachmittag nahegebracht werden und der Oberpolizist von Berlin will es verhindern. Er will einen Gottesdienst verhindern, der den Weltgeist in seiner klangvollsten Form feiert. Eigentlich ist es doch mehr noch traurig, als lächerlich. Vor allein aber, und das ist unser bester Trost, gänzlich unwirksam. Die Frauen und Mädchen sind nicht um diese heilige Freude ge- kommen: wir aber hoffen, daß Herr v. Jagow noch oft solche staatsmännische Einfälle hat. Das nutzt mehr als hundert politische Reden, wenn das Volk erfährt, man wolle sogar die Genies der Menschheit für die„besseren Kreise" reser- vieren. Es ist doch schon längst so, daß die edelsten Werke der Kunst dort die heißesten Herzen erobert haben, wo Herr v.Jagow den„Umsturz" angstvoll wittert. Er und seinesgleichen mögen in wilhelminischem Kunstverständnis den„Austausch- leutnant" oder„Kerkya" bewundern: wir werden mit den Gedanken und Werken der Großen, unter den Klängen Bachs und Beethovens die„Eroika" unseres Aufstiegs erleben. Tann werden w i r Herrn v. Jagow alisspielen, und uns kann er einst unter Hinweis auf den staatsgefährdenden Charakter unseres Sieges verwarnen. Politische(leberlkM. Gegen sozialdemokratische Ausländer. Die„Mecklenburgische Landeszeitung" sollte aus zuver- lässiger Quelle erfahren haben, daß der preußische Staats- minister des Innern generell verboten habe, daß sozialdemo- kratische Ausländer künftighin in Preußen in Versammlungen sprechen. Die„Deutsche Tageszeitung" hat sich erkundigt, ob diese Meldung stinimt und sie teilt mit, daß ein formelles Verbot zwar nicht ergangen sei, Wohl aber sei man schon seit geraumer Zeit entschlösse». Rede» von Ausländern in sozial- demokraischen Versammlungen zu verhindern und die fremd- ländischen Redner gegebenenfalls auszuweisen. Was die Polizei mit dieser Taktik erreicht, konnte sie erst kürzlich im Falle des Redeverbots gegen die beiden belgischen Genossen sehen, die verhindert wurden, in Berlin über den belgischen Generalstreik zu sprechen. Tie Versammlung hat doch stattgefunden und die Ausführungen der belgischen Ge- nossen wurden genau so umfangreich vorgetragen, als das die„fremdländischen Redner" selbst hätten tun können. Will die preußische Polizei ihre Taktik, die dem Auslande gegen- über ein blamables Armutszeugnis darstellt, beibehalten, so würde eben in Zukunft genau so verfahren werden wie in Berlin. Tie Polizeibureaukratie soll sich nicht einbilden, daß ich pm 6. und 7. September auf der altehrwürdigen nationalen Denlstätte deö KyffhäuserbergeS beiwohnte. Da konntest Du merken, wie fest man höheren OrteS auf uns zählt, wenn einmal„Fels und Eiche splittern". DaS preußische Ministerium des Innern hatte den Geheimen OberregierungSrat Schlosser, vortragenden Rat im Ministerium des Innern entsandt, und vom preußischen Kriegs- Ministerium war Major Lange, Referent der Ministerialabteilung unßriegsininisterium erschienen. Merkst Du waS? Sind das nicht die beiden Instanzen, die in erster Linie vom Leder ziehen, wenn die Roten Generalstreik spielen wollen? Auf dem Vcrtretertage wurde in Gegenwart der genannten hohen Herren ausdrücklich festgestellt, daß die deutschen Kriegerverbände zurzeit 32 003 Vereine mit 2 830 000 Mitgliedern umfassen. Ist das nicht eine Anti-Massenstreikarmee, über deren Stärke die Roten vor Neid platzen müssen? Laß wirk- lich unter dieser stattlichen Schaar ein kleines Häuflein räudiger Schafe sein, laß ein paar Tausend einmal den roten Generalstreik- signaleu folgen, die Hauptmacht steht doch treu zu unseren Fahnen. Dann mögen die roten Brüder nur mit ihrem„gesetzlichen" Massen- streik kommen. Wir wollen ihnen die„Gesetzlichkeit" schon ein- bläuen. Denn der Vertretcrtag lieferte noch ein andere?, sehr wichtiges Kommentar zum Maffenstreikgefasel. Unser dritter Präsident, der Geheime Regierungsrat Professor Dr. Wcstphal-Charlottenburg teilte mit, daß das Kriegsministerium im Einklang mit der Auf- fassung des Kyffhäuserbundes der Pflege des Schietzwesens in den Kriegervereinen eine hohe Bedeutung beimesse. Das Kriegsmiiiisterium habe sich bereit erklärt, dem Umtausch der den Kriegervereinen überlassenen Gewehre 71 und 71/81 gegen Ge- wehre 88 näherzutreten, wenn eine für die Schießzwecke der Krieger- vereine geeignete Patrone fertiggestellt ist. So sorgt man für uns. Begreifst Du nun, lieber Kamerad, daß uns vor dem Massenstreikgespeiist nicht zu gruseln braucht? Von all diesen Dingen haben die Roten natürlich keine Ahnung. Die dreschen ihre Phrasen von der„Macht des Proletariats" und von„alle Räder stehen still" und wie die revolutionären Tiraden sonst noch lauten, mit denen sie sich selbst zu berauschen suchen. Und dann stelle Dir einmal die Führung hüben und drüben bei einem etwaigen Massenstreik vor. Ich sollte da meinen, die Debatten in Jena hätten Dir darüber ein Licht aufgesteckt. ErstenSmal wollen die mehr naiven als gescheuten Leutchen warten, bis ihnen eine geeignete Gelegenheit vom Himmel fällt oder, wie sie sagen, aus den Massen herauskommt. Nun ich meine, wir werden dank der uns anerzogenen altpreußischen Schneidigleit schneller sie durch ihre Verbote deu iuternationalen Gedankenaustausch verhindern könne. Das aufgehobene Staatsbürgerrecht. Am Freitag stand vor dem Kreisausschuß des Landkreises Wiesbaden der Genosse Lieh ig, Gemcindcschösfe in Bierstadt. Er hatte bei der preußischen Landtagswahl sozialdemo. kratisch gewählt und sich als Wahlmann der sozialdemokratischen Partes ausstellen lassen. Deshalb wurde er vom Landrat v. Heim- bürg bekanntlich aufgefordert, sein Amt niederzulegen. Licbig teilte dem konservativen Herrn natürlich mit, daß für ihn dazu incht die geringste Veranlassung borliege. Nun wurde gegen Licbig auf Grund des Disziplinargesetzes von 18S2 vorgegangen. Vergeblich machte der Vertreter des Beklagten in der Verhandlung geltend, daß die Bestimmungen des Disziplinar- gcsetzes in diesem Falle nicht angewandt werden können, da der Be- klagte gar nicht als Beamter im Sinne des Gesetzes zu betrachten sei. Zudem habe er lediglich von einem wohlbcgründcten Recht als Staatsbürger Gebrauch gemacht, wenn er nach seiner Ucberzcuguiig wählte und sich wählen ließ. Der V e r. trcter der Staatsanwaltschaft berief sich jedoch auf den § 115 der Landgemeindeordnung und betonte, daß der Gemeinde- schösse Beamter im Sinne des Gesetzes sei. Bürgcrm ei st er und Beigeordnete von Bierstadt mutzten in der Verhandlung Sc- srätigten, daß sich Liebig kein Vergehen im Amte zuschulden kommen ließ. Liebig wurde aber trotzdem seines Amtes entsetzt, wie es der Landrat wollte. Gegen das Urteil ist natürlich beim Obcrvcrwaltnngsgcricht Berufung eingelegt worden. Vorläufig abor hat sich der schöne Verfaffungsspruch der Verfassung:„Vor dem Gesetz sind alle Preußen gleich" wieder mal herrlich bewährt. Er ist das Papier nicht wert, auf das er geschrieben ist. Der Landrat aber ist ein Stück Verfassung und wird es bleiben, so lange sich die Massen das Schandwahlrecht gefallen lassen. Tie Jagd nach Winnens Broschüre. Das Verlangen der Staatsanwaltschaft nach der Broschüre „Wer will unter die Soldaten" ist sehr brennend. Nicht nur in den Filialen unseres Lüdcnscheidcr Partciblattes, in Plettenberg und Iserlohn, sondern auch in den Bureaus des Mctallarbeitervcrbandcs dieser Orte, ja in Plettenberg sogar in der Verkaufsstelle des Konsumvereins wurde nach der Broschüre gehaussucht. Das Be- mühen war erfolglos. Die kalkaMirage«. Ter türkisch bulgarische Friede. Kottstantinopel, 21. September. Ter t ü r k i s ch- b u l- garische Friedensvertrag setzt ini Artikel 1 die bereits bekannten Grenzen fest. Artikel 2 erörtert die Nationalitätenfrage. Ten Bewohnern der den Bnlgareii verbleibenden Gebiete wird eine Frist von vier Jahren gewährt, nach deren Ablauf sie entweder auswandern oder die bulgarische Nationalität annehmen können. Während dieser vier Jahre sollen die Muselmanen nicht zum Militär- dienst herangezogen werden. Artikel 3 behandelt die Rechte der Muselmanen und ihrer Gemeinden. Tie Muselmanen sollen dieselben politischen Rechte genießen lvie die christlichen Bulgaren. Stach Artikel 4 werden die Waknfgllter von den muselmanischen Gemeinden ver- waltet werden. In A r t i k c l 5 wird der allgemeine Waffen- stillstand festgestellt. Nach Artikel 6 wird die R ä u- m u u g der den Bulgaren verbleibenden Gebiete in zwei Monaten stattfinden. Artikel 7 enthält Bestimmungen über den Austausch der Gefangenen. Ein anderer Artikel spricht aus, daß der F r i e d e v o u L o n d o n in Kraft bleibt, soweit er nicht durch den gegenwärtigen Vertrag ad- geändert erscheint. Ter Vertrag tritt vom Datum der Unter- Zeichnung an in Kraft. Serbien gegen Albanien. Belgrad, 21. September. Die serbische R c g i c r u n g hat ihre Vertreter im Auslände ermächtigt, die Regierungen, bei denen sie beglaubigt sind, auf die Gefahr hinzuweisen, der die Grenze gegen Albanien— welches noch ohne die elementarste Organisation ist und wo vollständige Anarchie herrscht— ausgesetzt ist, falls nicht in allerkürzester Zeit Ordnung beim Alarm auf dem Posten sein als die roten Herr- schaften. Und bei uns wird es nach einem Kommando und nach einem einheitlichen Plane gehen. Die Mobilmachungspläne gegen den inneren Feind liegen für unS genau so fix und fertig in den Altenschränlcn des Kriegsministeriums und GeiieralstabcS wie für unsere braven JungenS, die des Königs Rock noch tragen. Aber stelle Dir die Leitung da drüben nach de» Auseinandersetzungen in Jena von Scheidemann bis Lieblnecht und von der roten Rosa bis Bauer einmal vor! Junge, Junge, wird das einen Salat geben! Na, uns kann's recht sein. Auch den fanatischen Kampf der Noten gegen unser Herr- liches Kricgsheer und alles das, was sie Militarismus nennen, darfst Du nicht so tragisch nehmen. Ihre Milizphantasien werden in Deutschland niemals Wirklichkeit werden. Damit stehen sie ganz allein. Lies nur einmal, was sogar in dem Judenblatte, dem „Berl. Tageblatie" die ehemaligen Offiziere PersiuS und Moraht über die letzten Manöver usw. geschrieben haben. Die Herren treten, obwohl sie liberal verseucht sind, feste für den Ausbau der Rüstungen usw. ein. Von den verrückten sozialistischen Bürger- gardistenidcalen kannst Du selbst dort nichts spüren. Du darfst Dir auch nicht einbilden, daß alle Arbeiter in den roten Organisationen eingeschworene MilitarismuSfrcsser sind. Mir haben brave Kameraden, die in der Werkstatt und im Fabriksaal stehen, erzählt, daß wenn in den Arbeitspausen die Rede auf die Dienstzeit und das Militär kommt, auch noch Organisierte, ab- gesehen von den ganz Verhetzten und Fanatischen, noch Feuer und Flamme sind. Und dann vergiß nicht, daß der Jungdeutschlandbund in unserem Sinne für Nachwuchs sorgt, der schließlich auch zum größten Teile aus Arbeiterkreisen kommt. Es ist also für uns gar kein Grund vorhanden, daß wir vor der roten Bande die Segel streichen.— Auch Deine Sorgen über das Liebäugeln der Liberalen mit der Sozialdemokratie sind ganz grundlos. Lieber Kamerad, vergiß doch das eine nicht! Auch dem liberalsten Arbeitgeber sind die rot organisierten Brüder genau so verhaßt wie einem srcikonservativen Jndustrieherrn. Und im„Berliner Tageblatt" kannst Du leien, wie großes Schiß diese„entschieden" Liberalen vor� dem roten Massenstreik haben. Ich war kürzlich in einer liberalen Versammlung. Erschrick nicht, lieber Kamerad; deswegen bleibe ich doch ein un- politischer, treu nationaler Kricgcrbereinsvorsitzciider, der un- entwegt zu Kaiser und Reich hält. Es war in Steglitz, wo der OrtSverein der Fortschrittlichen Volispartci eine Versammlung mit dem Thema„Die Fortschrittliche Vollspartei und die Sozialdemo- lratie" angesagt hatte. Lediglich zu meiner Information ging ich em- und Sicherheit hergestellt werden. Die serbische Regierung hat�die Ueberzeugung gewonnen, daß die Albancsen in den an Ser- bien grenzenden Gebieten die Bevölkerung bewaffnen und einen A n g r i f f auf das serbische Gebiet vorbereiten. Die serbische Regierung hat die notwendigen Schritte unternommen, um den Frieden zu sichern, und gleichzeitig erklärt, sie werde energische Matzregeln zur Verteidigung ihres Gebietes ergreife». Hier- nach kann niemand überrascht sein, wenn sich Serbien im Zustande berechtigter Verteidigung befurdct, sobald den Albancsen der Ge- danke kommen wird, Angriffsversuche in serbischen Gebieten zu machen. Dann wird Serbien, obwohl es seinen guten Willen zeigte und den Wünschen der Grotzmächte zuvorkommend seine Truppen vom albanesischen Boden zurückzog, sich gezwungen sehen, die w i ch- tigsten strategischen Punkte auf albancsischeni Gebiet, wenn auch provisorisch, wieder zu besetzen. Vollständige Anarchie. Saloniki, 21. September. In Albanien herrscht vollständige Anarchie. Mufid Meh ist aus Europa in Eile zurückgekehrt und hat sein« Parteigänger zu den Waffen gerufen, um gegen Es fad Pascha zu marschieren, der in Tirana die österreichische Flagge hat hissen lassen und die Regierung in W a l o n a aufgefordert hat, die Stadt zu übergeben. Essad Pascha in Person hat sich des Zollhauses in Durazzo bemächtigt. Ter englische Eisenbahncrstrcik. Birminghm, 21. September. Die streikenden Eisen- b a h n c r haben beschlossen, die Arbeit unverzüglich wieder auf- zunehmen. 5Zu9 GroK-Kerlin. Betrogene Liebhaber. Bor einiger Zeit tauchte hier eine schneidige junge Dame auf, die sich Fräulein Dr. Margot von Bülow nannte und den jungen Herren, deren Bekanntschaft sie leicht fand, erzählte, datz sie Assistenzärztin an der Königlichen Charite sei. In der Unter- Haltung lietz sie durchblicken, datz sie über eine jährliche Rente von 30 0lX> M. verfüge und nur aus Liebhaberei und zum Zeitvertreib studiert habe. Liebcswcrbungen blieben unter diesen Umständen erst recht nicht aus. Bei Gelegenheit stellte sie dann die Liebe ihrer Verehrer auf die Probe. Hold errötend bekannte sie, datz sie äugen- blicklich in Geldverlegenheit sei und bat um ein kleines Darlehen, je höher, desto besser, oder sie begehrte wohl auch irgendein Schmuck- stück als Unterpfand der Liebe. Wer jedoch ihre Bitte erfüllte, und das taten alle Verehrer, die es nur irgendwie konnten, der sah die Holde nicht wieder. Einer nach dem anderen erkundigte sich dann in der Charite, und die Reihe der Betrogenen wurde immer länger. Fräulein Doktor war in der Anstalt unbekannt. Auf Anzeige meh- rcr Betrogener wurde ermittelt, datz sie sich alle Briefschaften nach einem bestimmten Postamt kommen lietz, hier wurde die Gaunerin festgenommen, als sie wieder Briefe abholte.„Fräulein Dr. von Bülow" entpuppte sich als eine wohnungslose, 25 Jahre alte Margarete Ouardt. Turch den clcktrischc» Strom getötet wurde, wie uns nachträglich erst mitgeteilt wird, am Donnerstag kurz nach 7 Uhr morgens der in der Bergmann-Elektrizitätswerke- Roscnthal beschäftigte Gietzereiarbciter August Krause. K. wollte den Schalthebel des Motors einstellen. Dabei kam er der Starkstromleitung zu nahe. Wie man uns mitteilt, fehlte der Schutzkasicn an dem Schalter, auch soll der Platz vor demselben durch Metallrückstände und Materialabfälle versperrt gewesen sein. Nach- dem das tätliche Unglück passiert, wurde der Platz aufgeräumt und der Schutzkasten an dem Schalter angebracht. Vornehme Spielrattcn. In der Nacht zum Sonntag wurden von der Kriminalpolizei zjwei SpielklubS ausgehoben. In einem Klub, der seit einiger Zeit im Cafe Bristol an der Ecke der Kleiststratzc und des Witten- bergplatzes unter dem harmlosen Namen,. Skatklub 1313" tagte, wurden mehrmals in der Woch auch verbotene Spiele betrieben. Den Vorsitz in diesem Klub führte ein Herr von Knobelsdorfs. Ein Kriminalkommissar überraschte am Sonnabend spät abends die Gesellschaft, die neben Skat auch Bakkarat usw. spielte. Die Herren taten sehr erstaunt, datz die Polizei sich in ihrem Klub einmischte. Geld und Spielapparatc wurden beschlagnahmt und die Persönlichkeiten, unter denen sich eine ganze Anzahl bekannter Spieler befanden, festgestellt. Dasselbe Geschick traf am gleichen Abend den Metropolklub, der in dem Hause Kleiststratzc 21 in fünf mal hin. Ein liberaler Redakteur namens Wenck hielt den Vortrag. Und weitzt Du, was der Mann u. a. sagte?„Zwischen der Sozial- demokratie und der Volkspartei bestehen tiefgehende Unterschiede". Und weiter:„Der Klassenstandpunkt der Sozialdemokratie ist für uns mit das Abstotzcndste von ihr. Matzlos ist ihre Verhetzungs- arbeit in den Werkstätten, Fabriken. Geschäften usiv. Hier wirkr der sozialdemokratische Klassenhatz aufs äutzerste verhetzend und erbitternd. Wenn wir mit solcher Partei ein mehr oder weniger grotzeS Stück Weg zusanmten gegangen sind, so geschah es aus der Not der Zeit heraus. Für die Zukunft wollen wir hoffen, datz die Sozialdemokratie nicht zu weit nach links gestimmt wird."— Was der Mann mit den letzten Worten gemeint hat, ist mir nicht recht klar geworden, ihm vielleicht auch nicht, aber was er sonst über die Sozialdemokratie gesagt hat, steht auch nicht anders in den Artikeln der„Post" usw. So sieht, lieber Kamerad, in Wirklichkeit die liberale Freundscbaft für die Noten aus, so urteilt ein liberaler Zeitungö- mensch im Kreise seiner Getreuen. Glaubst Du jetzt, datz bei einem Massenstreik die Liberalen nicht auf der roten, wohl aber auf unserer Seite stehen werden? „Schwarzseher dulde ich nicht!" sagte mit vollem Recht S. M. Merke Dir das. lieber Kamerad. Drüben in Frankreich wollen sie uns jetzt unsere Kriegervereine nachmachen. Sie wollen eine garcks oommunale schaffen, die ungefähr unsere Funktionen zu erfüllen hat. Wir sind früher auf- gestanden. Deutschland in der Welt voran! Hurra! hurra! hurra! Mag Franzmann, Russe oder roter Revolutionär kommen! Wir sind gerüstet. Bei der Jahrhundertfeier der Schlacht bei Leipzig sehen wir uns wieder. Für genügend Stoff zum Nascbegiesscn ist gesorgt. Da will ich Dir Deinen Pessimismus mit einigen Dutzend Ganzen endgültig vertreiben. Bis dahin Gott befohlen. Mit kameradschaftlichem Grutz Dein Y. Y. Z. 4. Vorsitzender de? Kriegcrverbandes der Provinz... Ernst. 'Cheater. Neues Volkstheater(Neue Freie Volksbühne):„Der ledige Hof." Schauspiel von Ludwig Anzcngrubcr. Aus dem Widerstreit von verbildeter und ursprünglicher Natur griff Anzengruber die Stoffe seiner wichtigsten Dramen auf, und er sah in diesen Widerstreit, den eine Zeit der Auflösung alter gc- sellschaftlichcr Zustände nährte und schärfte, mit der Kraft einer eleganten Räumen des ersten Stocks seine Poker-, Bakkarattische und so weiter aufgeschlagen hatte. Ei» teurer Schlaf im Stadtbahnzug. Eine Summe von 2000 M. und einen Wechsel über 4000 M. erbeutete ein dreister Stadtbahnräuber in einem Nordringzuge. Der Kaufmann O. hatte einen Nordringzug bestiegen, um nach der Frankfurter Allee zu fahren. Unterwegs schlief er ein und erst kurz vor Bahnhof Frankfurter Allee wachte er wieder aus. � O. machte jetzt vie unangenehme Entdeckung, datz die Scitentaschcn seines Jacketts ausgeichnitten und daraus die Brieftasche mit Hundert- und Zwanzigmarkscheinen im Gesamtbeträge von 2000 M. geraubt Ivorden war. Auch ein Wechsel über 4000 M. war in der Tasche aufbewahrt. Der Täter hat den Zug wahrscheinlich auf dem Bahnhof Zentralviehhof verlassen. Tötlichcr Sturz in de» Fahrstuhlschacht. Durch einen Sturz in einen Fahrstuhlschacht tödlich verunglückt ist vorgestern der 25 Jahre alie Monteur Ernst Schulz aus der Voltastratze 41. Schulz arbeitete auf cincin Neubau der A. E. G. in der Voltastratze auf einem Gerüst, das ringsum von einem Fahr- stuhlschacht errichtet ist. Hierbei knickte er mit den Holzpantinen, die er trug, um und kam so unglücklich zu Fall, datz er in den Schacht aus dem zweiten Stockwerk in den Keller hinabstürzte. Der Unglückliche, der erst seit einem Jahre verheiratet war, brach sich das Genick und war auf der Stelle tos. Von einer kiraftdeoschkc umgestohen wurde am Sonnabend- nachmittag vor dem Lehrter Bahnhof eine nnbekannte Frau von etwa 40 Jahren. Sie wurde so schwer verletzt, datz sie in der Charite noch besinnungslos darnicderliegt. Die Verunglückte scheint ihrem Acutzeren nach dem Mittelstande anzugehören. Sic trug ein graugcstreiftes Kostüm mit schwarz- und wcitzgestreifter Bluse, einen schwarzen Hut mit Reiher, schwarze Strümpfe und Schnürschiche. Ihre Wäsche ist H. H. gezeichnet. Im Eisenbahnwagen vom Tode überrascht wurde vorgestern der 51 Jahre alte Kaufmann Otto Thomas aus der Ehrenfried- stratze 45 zu Karlshorst. Man�fand ihn in einem Abteil 3. Klasse eines Vorortzuges auf dem Schlcsischen Bahnhof tot auf. Der Bahnhofsarzt konnte die Todesursache nicht bestimmt feststellen, vermutet aber, datz es ein Herzschalg ist. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Turch das leidige Abspringen von fahrenden Stratzenbahn- wagen ist gestern abend in der achten Stunde am Mariannenplatz wieder ein Unglückssall herbeigeführt worden. Dort versuchte eine Frau Gebhardt von einem in der Richtung nach dem Görlitzer Bahnhof fahrenden Strahenbahnwagen kurz vor der Haltestelle ab- zuspringen. Sie fiel dabei hin und mutzte in bewuhtlofem Zu- stände nach dem Krankenhause Bethanien gebracht werden. Vermißter Sekundaner. Seit dem 13. September wird der 13 Jähre alte Sohn des Kammerherrn von Keupcll, Brücken Allee Nr. 23 vermitzt. Es wird angenommen, datz der Vermitzte, der eine schlechte Zensur erhalten hatte, Selbstmord begangen hat. Die Wäsche des jungen K. war mit v. K. gezeichnet. Streikbrecher für den Stettincr Hafen werden, wie man uns aus Stettin mitteilt, in den nächsten Tagen in Berlin gesucht. Hoffentlich lassen sich die Berliner Arbeiter nicht für solche Zwecke mitzbrauchen und geben auch Acht darauf, wo man etwa versucht, Kolonnen von Hintzegardisten zusammenzutrommeln. /Zus aller Melt. Ter Sittenskundul in Breslau zieht immer weitere Kreise. Augenblicklich sitzen bereits lö Personen in Untersuchungshaft. Drei weitere sollen den Staub Breslaus wegen dieser skandalösen Asfärc bereits von ihren Fützcn geschüttelt haben. Es handelt sich bei den Verhafteten durchweg um st r a m m c Stützen v o n Thron» ndAlta r. Als Schauplatz ihrer verbrecherischen Tätigkeit benutzten die Wüstlinge an warmen Tagen die Straußsche Badeanstalt, deren Besitzer sich bekanntlich bei seiner Vernehmung im Polizeipräsidium erschoß. An Tagen, wo die Temperatur ein Verweilen im Freien nicht zuließ, wurden in einer Wohnung die wüstesten Orgien mit den Schulmädchen gefeiert, die hier nicht einmal a n d e u t u n g s- weise wiedergegeben werden können. An das Tageslicht kam die ganze Affäre durch die schwere Erkrankung eines von den Wüstlingen geschwängerten 13 jäh- r i g e n Schul Mädchens, bei dem man ein Mittel ge- geben haben soll, um die Folgen des Umgangs mit Männern zu beseitigen. Tie Behörde ist mit ihren Mitteilungen über den Sittenskandal sehr zugeknöpft, was natürlich zu den aben- gesund gerichteten Nntur hinein, die in sich selbst die sicherste Stütze und Weglcitung in den Wirren des Lebens gesunden hatte. Aus diesem Kern seiner Persönlichkeit ist das Drama vom„Lcdigen Hof" entsprungen. Man kann es ein Drama der Befreiung persön- lichen Lebens von verderblich wirkenden Abhängigkeiten nennen. Die weibliche Hauptgcstalt, die Bäuerin Agnes Bernhofer, ist als unrcisc Waise an das Erbe ihres Hofes gelangt und Pfäfferei hat sie umgarnt, um sie ledig zu halten und so ihr Gut an sich zu bringen. Spät erst begreift sie das Spiel, das mit ihr getrieben wurde:„Jeden Tritt meiner Fützc haben sie bewacht, jeden Blick vom Aug', damit ich nicht für mich allein soll gehen und sehen können." Die Liebe ist plötzlich über sie gekommen, aber der Frevel ihrer Wächter vergiftet schnell das aufblühende Glück, und sie selber taumelt in erzürnter Wut den Weg hin, auf den jene sie mißleitet haben. Bis ihr in dieser Wirrnis die Augen über sich selbst auf- gehen:„Ich Hab mit seinem Leben gespielt, weil ich mir mit dem meinen kein Bescheid gewußt Hab." Nun hat sie die Kraft, die der- derbliche Bevormundung abzuschütteln und„allfort aufrecht" ihr Leben nach eigenem Fühlen zu führen, aber diese Selbständigkeit hat sie mit dem Opfer ihres Licbesglücks teuer bezahlen müssen. Auch den Grotzknecht Leonhard, dem ihr Licbcserwachen galt. hat bevormundende Erziehung am Leben geschädigt:„Elternlos bin ich aufgewachsen, abgemahnt im Guten hat mich niemand, abwehren im Gestrengen haben mich alle wollen; so bin ich mit Listen meiner Weg' gegangen." Er ist in innerer Natur von unverdorbener Echt- heit, aber nicht in den Mitteln seines Handelns. In dem Augen- blick, der den freiesten Mut zur Wahrheit fordert, ist er feige und unwahr, und vor dieser Unwahrheit weicht die Bernhofcrin zurück. Leonhard verläßt feinen Dienst und geht übers Meer. Agnes wird ledig bleiben, aber vom Schicksal auf die eigenen Füße gestellt, weiß sie jetzt, was das heißt:„ein wahrer Mensch zu sein, nicht hoch- mutig, aber allfort aufrecht", und sie nimmt das uneheliche Kind Leonhards als ihr«igen und als Erben ins Haus. Der alte Schul- meister Wcldner, der der Bernhoferin in der Stunde der Bedräng- nis mit nnzcngruberisch starkgutcm Wort ins Helle hilft, hat gesagt: „Ohne Kinder kommt man dem Leben nicht auf den Grund", und Leonhards Kind ist auch so ein Geschöpf, das wie elternlos auf- wachsen wird, jetzt wie ein Spielzeug der Dorfkinder und später als ein junger Mensch, an dem jeder hcrumzüchten wird. AgneS sagt:„Schuldig waren alle in dem Handel, nur eines war ganz und gar ohne Schuld, warum sollt' denn gerad' das am fchiverften darunter leiden?!" So nimmt sie das Kind, um einen„rechten Menschen" aus ihm zu machen,„brav wie wohl auch sein Vater Hütt' werden können". Das Schauspiel war dem lebenden Geschlecht l ins Gewissen geredet, und aus Anzengrubers eindringender! teuerlichsten Gerüchten Veranlassung gibt. Unter den Ver- hafteten befindet sich auch einer, der erst bei Anwesenheit Wil- Helm II. in Breslau mit einem Orden ausgezeichnet wurde. Brya» bleibt dem Zirkus erhalten. Der amerikanischc! Staatssekretär Bryan fährt fort, Presse und Publikum durch eine glänzende Reklame in Atem zu halten. Er hat am Sonnabend abend seine vierzehntägige Vorlesungstour im Wanderzirkus vollendet. Wie er öffentlich bekannt gibt, hat ihm diese Zirkustätikgeit 0500 Dollar eingebracht. Ironisch bemerkt er, datz es notwendig sei, diese Summe anzugeben, weil die Presse über- triebene Mitteilungen seiner Gage veröffentlicht habe. Er erklärt, daß er durchaus kein Caruso-Gkhalt empfangen habe. Bryan teilt weiter mit, datz die heftige Kritik ihn nicht abhalten könne, seine Vorlesungen fortzusetzen. Noch einmal erklärt er mit großen Worten, datz sein„schmales Gehali" nicht ausreiche, um die nötigen Nepräscntationskosten zu decken.„Ich brauche 20 000 Dollar", er- klärte er einem Interviewer,„um die Extrausgabcn für das Mini- sterium des Aeutzcren aufbringen zu können. Da ich aber nur 12 000 Dollar jährlich verdiene, so mutz mir meine Zirkustätigkeit 8000 Dollar einbringen." Inzwischen hat sich eine Fülle von Im- prcsarios gefunden, die dem Staatssekretär ungeheure Summen sur weitere Wanderfahrten anbieten. Der fromme Mörder. Der wegen Ermordung seiner Geliebten, der Haushälterin Anna Aumüller, verhaftete Kaplan an der Bonifaziuskirche zu New Kork, Schmidt, hat bei seiner letzten Vernehmung der Polizei eingestanden, datz er noch mehrere Morde beabsichtigt habe.„Dieses gehört zu meinem Priesteramt", sagte Schmidt. Man fand in seiner Wohnung, eine Anzahl Scheine, wie sie von Aerzten zu Todesurkunden benutzt werden.„Ich wollte", sagte Schmidt weiter, die Leute in ein besseres Leben, ins Jenseits eingehen lassen, denn ich bin der Ansicht, datz sie im Jenseits viel besser daran sind als hier. Die Leute haben nur nicht den Mut zu sterben. Das ist das ganze soziale Problem. Ich weiß, datz es viel zu viel Menschen auf der Welt gibt und nicht genügend Geld für sie da ist. Ich habe auch Mittel angewendet, und zwar aus diesem Grunde, um die Geburten zu vermindern. Eben deshalb wollte ich auch falsches Geld herstellen, um es den Leuten, die zuviel Kittder haben, zu geben. Ich wollte zunächst die Leute in meinem Kirchspiel zum Teil töten und diejenigen, die unheilbar krank sind und gerne sterben mögen, da der Tod das Beste für sie ist."— Die Polizei glaubt, datz Schmidt diese Aeutzerungen nur macht, um sich als irrsinnig hinzustellen. Sie ist der Ansicht, datz er ein durchtriebener und mit allen Hunden gehetzter Verbrecher sei. Die Londoner Polizei glaubt, daß die in New Dork verhafteten Verbrecher Schmidt und M u r e t in England verschiedene Bankdiebstähle begangen haben. So nimmt sie an, datz die bciocn eS gewesen sind, die im Jahre 1907 die Bank von England be- schwindelten.__ L-$tzU Nacfträdrttti« Großer Bankkrach in Indien. Lahorc, 21. September.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Direktoren der Volksbank von Indien, die 72 Filialen unterhält u. a. besonders in Karachi. Bombay, Lucknow, Kalkutta, Rangun, Kaschmir, und die mit einem Kapital von 1200 000 Rupien arbeitet, hat beschlossen, den Betrieb einzustellen. Diesem Beschluß folgte die Schlietzung der Bank von Amritsar, die 40 Filialen, meistens im Pandschabgebiet, unter- hält. Am Sonnabend fand ein fortgesetzter Ansturm auf die Banken in Lahore statt, die unter indischer Leitung stehen. Bis- her sind die unter englischer Leitung stehenden Banken nicht in Mitleidenschaft gezogen. Wenn der Ansturm auch am Montag fortdauert, so hält man es nicht für unlvahrscheinlich, datz zahl- reiche indische Banken gezwungen werden, eben- falls zu schließen. Die Lage wird für sehr ernst ange- sehen und die Geschäftsleute erklären selbst,'daß sie nicht voraus- sagen könnten, welche schwerwiegenden Folgen sich noch ergeben können. Sturz auf der Rennbahn. Halle a. S., 21. September. Bei dem heutigen Radrennen stürzte der Rennfahrer Lange aus Erfurt und schlug, da sich der Riemen seiner Kappe gelöst hatte, mit dein bloßen Kopf auf den Zementbelag der Bahn auf, so datz er sich die Schädel- decke zertrümmerte. Er liegt im hoffnungslosen Z u st a n d c im hiesigen Bergmannstrost. Kennerschaft der menschlichen Natur ging es hervor als ein Werk, das zu des Dichters besten dramatischen Schöpfungen gezählt werden mutz. Datz das Schauspiel zur Aufführung gebracht wurde, verdient Dank. Mag immerhin am Sonnabend noch nicht alles so getroffen sein, wie es zu wünschen ist. Die Hauptgcstalten waren in ihrer derben Kraft und ihrem harten Stolz treffend angelegt, aber die Züge, die den gesunden Inhalt ihres Wesens überschatten und hemmen, sollten dreister, handgreiflicher charakterisiert»verde». Das gilt besonders für den Leonhard von Hans Felix, dessen listende Art ungedcutet blieb, es gilt aber auch für die Bernhoferin Else Bäcks, deren Bestes in den Augenblicken und Szenen ge-- geben wurde, in denen die unfrei gehaltene Natur sich entschlossen zur Selbständigkeit frei macht. Der Pfarrer Hugo Werner-KaHIes blieb zu äußerlich, sympathischer war der alte Waldner Emil Rameaus gefaßt. Martha Auge r st e i n müßte den verwilderten Trotz der Therese vielseitiger und bezeichnender ausdrücken, wenn sie der ersten, bedeutsamen Szene mit der Bernhoferin nützen will. Agnes Wcrner-Wagners alte Crcszenz traf ihre Aufgäbe. Ein Wort noch für die Regie. Anzengruber läßt zum Schluß The- rese die Bitte aussprechen, die Bernhoferin möge sie, die ihr Kind weggeben»vill, umarmen; sie will fühlen, datz die zukünftige Mutter ihres Kindes sich ihrer nicht schämt. Die Regie strich diese Stelle weg. Das wirkte als ein Fehler. hA. Musik. Theater des Westens: Gräfin Fifi. Der Humor ist tot— es lebe die Operette! Oder, ivas dasselbe: Wenn ge- wissen Berliner Spatzmachorn nichts Lustiges mehr einfällt, dann — fabrizieren sie Operettentexte. Bevor das Lebemädchen„Fifi" Frau Gräfin wurde, ist es durch viele Hände gegangen. Einst hieß Fift„Nimette" und war das geistige Produkt Hcnnequins, des Pariser Vaudevillisten. Heute bemüht sich um die angehende Vierzigerin noch ein Bierteldutzend PseudoVäter; denn, wat dem een syn Uhl, is dem annern syn Nachtigall. Wird aber nicht groß helfen, obgleich Albert C h a n t r i e r die musikalische Begleitung übernommen hat. Ja, wäre seine Musik wenigstens Original, statt den GcishaS abgeguckt zu fein: und wäre sie»oenigstens Champagner, statt Selterwasser! Aber so--- Was ansetzt übrig bleibt, ist die hübsche, obwohl alt schablonistische dekorativ- szenische„Aufmachung" mitsamt einigen altbewährten Stimm- bändcr-Bemeistcrern«Albert Kühner, Marie Ott mann), komischen„Bouletten",„schlafenden Dichtern" und Witzbolden (Pold� A u g u st i n, Julius Sachs, Rosy W e r g i n z, Gustav M ü I l e r, Poldi Deutsch). Ist's auch nur gemachter Humor, der einem„die Stiebcln auszieht"— mehr will ja die Gesellschaft aus dem Kursürstendammviertcl nicht; und mehr Geist kann sie nicht ertragen. ek. Chcaten Moni ag, 22. September 1913. Slninna 6'/; Uhr. Kgl. Opernhaus. Götterdämme- runz. Anfan a 7'/z Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Freund Fritz. Deutsches. Der lebende Leichnam. Lesung. Peer Glznt. Zirkuö Schumauu, Galavorstellung. Nnmna 8 Ubr. Deutsches Künstlerthcater. Der Biberpelz. Urania. Mit dem Imperator nach New Bork. Kammerspielc.- Franziska. Aomödienhaus. Das Paar nach der Mode. Theater des Westens. Gräfin Fifi. Neues Opernthcater(Kroll). Jägerblut. Kleines. In Ewigkeit Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Berriac. Berliner. Filmzauber. Königgrätzer Strafte. Da? vierte Gebot. Deutsches Schausvielhaus. Frau- lein Julie. 1. Warnung. Deutsches Opernhaus. Zar und Zimmermann. Montis Operette». Der lachende Ehemann. Schiller«. Freiwild. Schiller Eharlottenbnrg. Am Tage des Gerichts. Thalia. Puppchcn. Theater am Nollendorfplatz. Die Kino-Königin. Metropol. Dle Reise um die Welt in 40 Tagen. »astno. Der Aktientenor oder Caruso aus Teilung. Trianou. Der abgerissene Glocken- zug. Untren. Herrnfeld. Was sagen Sie zu Leibusch? Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Zirkus Busch. Galavorstellung. Ansang 8'/, Ubr. Residenz. Im Ehekäsig. Lustspielhaus. 777:10. Rose. Die Schiffbrüchigen. Luisen. Die falsche Höhest. Folies Caprice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. Das Adoptio- kind. Walhalla. Der Liebesonkel. Voigt. Wohltäter der Menschheit. Ansang 8'/, Ubr. ReueS Volkstheater. Mudder Mews. Anfang 9 Ubr. Admiralspalast. Cisballett- Flirt m St. Mo-�tz. ♦« Sternkarte, Jnvalidensir. 57—62 Zigarren GEG Hamburg Gcncraldcpot: Udo Stangenberg, Borlin SO. 33, Köpcnickcr Str. 20 a. Amt Moritzplatz 9160. R. Choriner Str. 53, A. Bordasch. Fchmarnstr. 8. Korsörer i-rtr. 8, W. Bredow. Kuglerftr. 15, G. Rademachcr. Kopcnhagener Str. 2, Weber. Lvchciicr Str. 123, H. Holzhütlcr. Malplaguetstr. 11, Fr. Buhk. Putbuscr Str. 11, Müller. Swinemünder Str. 89, Schenke. Veteranenstr. 6, H. Fischer. NO. Lippehncr Str. 13, Max Herforth. in borzüglichcr Güie und verschiedenen Preislagen cnlpfehlcn folgende Verkaufsstellen: Naugarder Str. 39, P. ChmilewSki. Wörthcr Str. 22, H. Martin. NW. Rostocker Str. 8, Bergmann. Rostockcr Str. 10, Pannccke. Siemensstr. 5. H. Petrall. Waldstr. 56, O. Schinkel. S. Gräscstr. 35, C. Bicleseldt. SO. Engeluscr 13(neben demGewerkschaits- haus), G. Giebel. vormals cabakafbeites-Lenossenichaft O. Kopcrnikusstr. 11, Klockau. Petersburger Str. 5, Hohnert. Romintcner Str. 18, G. Liebccke. Thaer Str. 19, Gron. AdlerShof. Bismarckstr. 50, K. Schwarzlose. Eharlottenburg. Cauerstr. 29, B. Leupold. Lichtenberg. Möllendorffstr. 73, Dopichai. Lenbachjtr. 3, G. Hielschcr. Neukölln. Biebrichstr. 11. I. Hirsch. Hermannstr. 50, W. Conrad. Böhmische Str. 9, R. Krüger. Pannicrstr. 8, Karl Borges. Nieder-Schöuewcide. Fcnnstr. 16, am Kaisersteg, G. Wegcner. Ober-Schöncweide» Edisonstraßc 61, K. Ohlrich. Spandau. Bahnhofstr. 7, R. Lorenz. Wilmersdorf. Berliner Str. 16, F. Pieper. Ulster, Paletots, getraeeno Mo- natsgarderobe ron Herrichaf- ten, Kavalieren etc. in boaton Werkstätten(teils an! Seide) ge. arbeitet, für jede Figur passend aufLager. Früherer Anchaffangs- preis bis M. 120.—, zu folgenden billigen Preisen: WInler-Ulttor M. 12, 16, 22 etc. Herren-Paleloti„ 8, 8, 12„ 10. 16, 20 JadteU-lnzllgs Selirock-Anzuq JOnglinos Anzug Hosen , 18, 22. 27. , 8. 10, 14. , 2, 3 bis 6- I Institut für Verleihung eleg. Gesellschafts-Anzüge. Garderobenhaus. Hauptgeschäft: Gr. Frankfurter Str. 110.{ an der Andreasstraßo. 2. Gesch.: Chanaseostr. HO. 7ag-CigareHen :: Qualitätsware:: Unterstützen Sie uns! 4 f. Geschlechtskrankheiten, Harnleiden, Schwäche, Ehrlich-Hata-Kuren. Blut- und Harn-Untersuchungen. Institute: Vertreter tür GroB-Berlin: P, Borsch, Engelufer 15, Gewerkschaftshaus, Spezialarzf Dr. med. Karl Reinhardt. \Tpan/fat-c+ t-aRa 17 nahe d.KöpcnickcrStralle. nednUerSlrdDe I L Sprechst. 5-7, Sonntags 10-11. Pnf�dflmpr 117 a-<1- Lützowstr., Sprechst. l/.ll-2. rUliUdiner Olr. 1 I/ u. i/,8->/310 U. abds.. Sonnt. 11-1. Nachweislich vollkommenstes Heilverfahren.£ISF"" Vorzugl. Dauererfolge, auch bei schwersten, veraltetsten Fällen. Keine Berufsstörung. Mäßige Preise. Teilzahlung gestattet. IVIan VPrlflnrrA im eigenen Interesse 48 Seiten starke i'ldll V Cl lallte Broschüre gratis und franko per Post i. verschloss. Kuvert, auch i. d. Instituten während d. Sprechst. gratis erhältl. Weitere Auskünfte i. d. Sprechstund, kostenlos. Wanilinn v.or minderwert. Heilverfahren u. ungeheuer- ndiUUliy lieber Preisforderung angeblicher Spezialärzte. Pclzwaren kauft man am billigsten direkt in der Fabrik-Niederlage Artur Löber. Gipsstrafie 7. 1279K» Hei wurden glZuzends Erfolge erzielt mit meinem gesetzlich geschützten Geradehalter-Apparat Original- System„Haas" 16 Anszelchnaneen, u. a. auf dem 10. Aerztekongreß in Lemberg und der Internat. Hygiene- Ausstellung inDresden. Soeben preisgekrönt auf dem 17. Intern. Aerztekongreß in London 1913. Dauernde Regulierung des Apparates kostenlos! Reichillustiierto Broschüre gratis. Franz Menzel, BerlinW. 35. Schöneberger Ufer 23. Vor Nachahmungen, die unter ähnlich lautenden Firmen angeboten werden, wird dringend gewarnt. Nur die Firma Franz Clenze! liefert die weltberühmten Onginal-„Haar'-Apparate..256)137 Ceinemeber Verlw C Roßflraße z, 4-5-6 Kschtrstraße\ __ Fragt Euren Freund nach Hohenbinde!!! �leideschloK Hohendmdö„Zum Gutenberg" Station Erkner. □ □ Fernruf: Erkner 293. 1R8 1»a**■ I tür. Schweine- Schlachten, Fr. Blut- und JlB)tH.BJlrtg j Leberwurst, Wellfloisch etc. in weltbekannter Güte. Vereine, Herrcnpartien, alle Typensänger, lieben Freunde, Bekannte und Sommergäste lade zu dieser Schleckerei ein. Vereinen Halte mein romantisch an«prcc und Wald gelegenes Lokal für Ausflüge empfohlen. 3 elegante Motorboote(„Wutenbcrg",.Hohenbinde" und.Gerda-, 75, 65 u. 40 Pees.) zu kulanten Bedingungen..Alh. Anzog- Stoffe, Ulster- und Paletotstoffe, Neuheiten, Mtr. 5.—, 6.—, 8.— M. Tuchlager Koch& Seeland G- m. b. H. Gertraudenstr. 20-21*is-4-¥isder Petrikirche. Die in den großen Kollnischer Fischmarkt 4 ausgestellten blaiagrauein und braimem Wer im Preise von ZZ-— M.bis IQZ.— bieten das Neueste in Stoffen. Fassons und Aarben der Saison B □ □ Knaben- und Wglings- Kleidong nur in eigenen Betriebs-Werkstätten hergestellt, ist preiswert und unübertroffen in Sitz und :: solider Verarbeitung Große Auswahl° Gute Paßform° Billige Preise kaufen Sie von Kavalieren wenig gotragei Rockanzüge, Paletot«, Serie I: lOj ißerantto. Redakt.: Carl Wcrmuth, Neukölln. Inseratenteil verantw.iTH.Glocke.Bcrlin. Druck u.VerIag: BorwärtsBuchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer& C., Berlin SW, ene sowie im Versatz gewesene«lackcttanzüge. 18 51.. Serie II;£0—30 M.. größtenteils auf Seide. Ferner Gelegenheitskäufe in ne'ncr Maßgarderobe enorm billig. Riesonposton Kleider, KostUinc. Plüischmüntel, auf Seide, früher loO, jetzt«0-35 51. Große Posten Pel». stola» in Skunks, Marder, Xc". Füchsen, früher bis ÄOO, jetzt 20- 75 M. Große Auswahl in Herren-Gehpelzen, Gelegenheitskäufe in Damen-, Reise- und»v agen- Peizcn. Extra-Angebot in Lombard gewesener Teppiche, Gardinen, Portleren, Betto«, Wüsche, Brillanten, Uhren und Goidnaren zu enorm billigen Preisen.— Vorwürtsleser erhalten lO•/„ extra.___ Hierzu 1 Beilage. st. 247, so wt«. Ktilage des Jormartf Serlilln Jülfolilött. Der Vertreter. Skizze von E d e l a R ü st. Fritz Fellncr ließ sich sein Leben ehrlich sauer werden bei seinen 120 M. monatlichen Gehaltes. Er war strebsamer„junger Wann" im Handelshause.'LKqißdoWu. Co., Kaffee- uisd Tee- Engros, und der einsichtsvollere seiner beiden Chefs hatte ihn be- reit» für eine.GehgstserWlj�g.vyn 30 M., von Ostern ah, aus- ersehen. Fritz Fellner war dankbar für den guten Willen. Aber er fand im innersten seiner Seele, daß die Plage von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends, abzüglich einer Stunde Mittags- pause, auch für 150 M. monatlich doch noch reichlich übergroß blieb. Und in seinem tiefsten Busen wälzten sich seit langem schon weitfliegcnde Pläne. Warum sollte er sich mit seinen vierund- zwanzig Jahren nicht ein beschaulicheres Dasein schaffen, da er doch nun mal zur Beschaulichkeit neigte?! Da war,' nahe dem Potsdamer Platz, ein modern ausstaffierter Zigarrenladen, in dem er seinen bescheidenen Bedarf an Nikotin deckte. Dieses flottgehende Geschäft stand zum Verkauf, weil sein Inhaber sich nach Holland verheiraten wollte, um dort zugleich die gut eingeführte Fabrik seines leidenden Schwiegervaters zu übernehmen. Fritz Fellner konnte sich gar nichts Beschaulicheres vorstellen, als so Tag über auf seinem hübschen eigenen Grund und Boden herumzusitzen, eine Zigaretten an der anderen zu ent- zünden, seine festen Kunden mit gepflegten Händen zu bedienen und immerzu bar Geld in den Kassakasten hineinklimpern zu hören. Man kam aus den angenehmsten Plauderbeziehungen nicht her- aus, erfuhr jede Neuigkeit aus erster Hand und schloß abends das Lokal, um sich in benachbarten oder entfernteren Gefilden Berlin anzusehen und zu genieße», oder auch gelegentlich im eigenen gc- niütlichen Hinterstübchen mit fröhlichen Sangesbrüdcrn einen fidc- lcn Skat zu dreschen. Herrgott, wär' das'n Leben! Zehntausend Mark hätten Fritz Fellner zum glücklichen Besitzer dieses Zigarrenladens gemacht. Doch mußten sie bar auf den Tisch des Hauses gelegt werden— für den alle Brücken hinter sich abbrechenden Inhaber hatte nur glatte Abrechnung wert. Tag und Nacht sann Fellner über die Beschaffung jener 10 000 Mark nach. Da fiel in einer gesegneten Stunde beim Zeitunglesen sein Auge auf die Rubrik:„G e l d v e r k e h r". Ja, da lag doch das Geld einfach seiner wartend bei Banken und S e l b st- g c b e r n. „Geld, von 1000 aufwärts, gibt sicheren Personen jeden Standes sofort, ohne Bürgschaft, zu ö Proz., Ratenrückzahlung. X. I.Z. Kreuzbergstr. 314." „Darlehen. Jedem, der in Verlegenheit, gibt Selbstgeber sofort; grundreell. 1 Million schon ausgezahlt. Wretzel, Kurze Str. 126 a II r." lind so fort zwei lange Spalten. Ja, war er etwa nicht eine sichere Person mit seinem Zigarrenladen? War er etwa nicht in Verlegenheit um die 10 000 M.? Am nächsten Tage bat er seinen Chef um Urlaub: um dem Begräbnis eines leider so plötzlich dahingegangenen Onkels bei- zuwohnen. In der nächsten halben Stunde klingelte er bei der Bank T.D. Z., die im Hinterhause lag. Ein dunkles Fräulein öffnete ihm und hieß ihn einen Augen- blick warten. Dieser Warteraum war eine verwohnte alte Küche ohne jegliche Ausstattung außer der Wasserleitung, zwei schäbigen Stühleu und einem ebenso schäbigen Tischchen, auf dem ein altes illustriertes Blatt zur Unterhaltung und Belehrung lag. Nebenan hörte er eine frische männliche Stimme und die Stimme des Fräuleins— er horchte nicht und verstand auch nichts. Nach etwa zwanzig Minuten kam ei» fesch aussehender junger Mann aus dem Olebenzimmer und verließ das Lokal anscheinend in bester Stimmung. „Aha!" dachte Fritz Fellner,„auch einer, dem es geglückt ist!" Nun kam auch das Fräulein heraus und lud ihn ein, näher zu treten. Das Bureau sah schon etwas luxuriöser aus: eine nicht mehr neue Schreibmaschine, zwei noch mehr neue Birken-Schreib- tische, ein Schrank, ein Regal und diverse Stühle dieser Holzart. „Also, Sie wünschen natürlich ein Darlehen?" begann das Fräulein, nachdem sie Plcktz genommen hatten."'' „Ja, ich möchte 10 000 M. aufnehmen!" sagte Fellner ebenso vergnüglich. „Nun, das wird sich ja macheis lassen. Tet Herr, der ebert fortging, bekam 15 000 ausgezahlt." „Wir geben bis 100 000. Höher allerdings nicht ohne ganz große Unterlagen." „Das läßt sich begreifen! Und bei 10000? Sie verlangen keine Bürgschaft?" „Bis 20 000 nicht! Wir sehen uns die Leute an! Wenn Sie noch nicht gepfändet und nicht verklagt sind und Ihr Ruf gut ist, geben Ivir Ihnen das Geld auf Schuldschein." „Ich glaube, daß mein Ruf soweit tadellos ist, bin weder ge- pfändet noch verklagt und— bin Buchhalter bei Obersdorf u. Co., Kaffee- und Tee-Engros." „Oh...!" machte das junge Dämchen,»m anzudeuten, daß eine Verbindung mit diesem Hause allein zu allem berechtigt. „Also, da sieht gar nichts im Wege." „Wahrhaftig...? Sehen Sic, mein Fräulein, einen Bürgen hätte ich schwer leisten können, da..." „Das kennen wir! Wer will denn heut noch für einen anderen bürgen? Und was haben wir vom Bürgen? Der kann uns ebenso durch die Lappen gehen, wie der Darlehenerheber selber." „Ja, nicht wahr? Ich übernehme ein flottgehendes Zigarren- gcschäft, das reichlich für die vierteljährliche Ratenrückzahlung Bürgschaft leistet." „Aber das ist ja wunderschön! Da haben Sie ja eine ganz bedeutende Unterlage... das ist ja mehr, als wir verlangen." „Und wieviel müßte ich vierteljährlich abzahlen?" „Wie Sie wollen— das bestimmen Sic— da nehmen wir jede erdenkliche Rücksicht." „Dann würden 300 M. genügen?" „Aber vollkommen! Also, dann wollen wir die ersten Forma- litätcn erledigen.... Wir erheben zu Beginn 8 M. Schreib- und Auskunftsgebühr und 4 M. nach Abschluß des Geschäfts, um durch diese Teilung den Herrschaften auch diese Gebühr noch zu er- leichtern. Darf ich Ihnen also zunächst eine Quittung über 8 M. ausschreiben?" Fritz Fellner war eine Sekunde lang ernüchtert. Aber schließ- lich, bei der allseitigen Kulanz! Gott sei Dank, er hatte so viel bei sich. Er zahlte und steckte die Quittung ein. Nun war alles bald in Ordnung. Er mußte einige Papiere mit dem Darlehnsgesuch unterschreiben, seine Personalien angeben und acht Tage Wartezeit bewilligen. Er würde dann pünktlich Bescheid erhalten. Fellner ging jubilierend seines Weges und wartete acht Tage. Da kam der Bescheid, daß— die Auskunft leider doch nicht so ganz nach Wunsch ausgefallen sei und die Bank aufrichtig bcdaurc, seine Wünsche nicht erfüllen zu können!— Der strebsame junge Mann von Obersdorf u. Co. war einer Ohnmacht nahe. Was könnte denn in aller Welt Ungünstiges über ihn zutage gefördert sein? Er benutzte seine Mittagspause, um zur X. U. Z.-Bank zu laufen. Das zierliche Fräulein sah heute erheblich ernster aus. Es lasse sich da wirklich nichts machen... die Gründe der Ablehnung dürfe sie nicht verraten. �. sie sei zu allerstrengster Diskretion verpflichtet! „Und die 8 M.?" wagte Fellner noch schüchtern. „Ich bitte Sie, damit decken wir nur kaum die Unkosten für die Auskunft! Genug, wenn wir Ihnen die restierendcn 4 M. er- lassen!" Wie vor den Kopf geschlagen, ging Fellner. In der Warte- küche saßen noch drei ältere Frauen niederer Stände— versorgte Gesichter, gebeugte Gestalten. „Wenn die armen Weiber nun auch nichts kriegen!" dachte er bei sich.„3 mal 8 ist 24! Ihr Ruf konnte gewiß auch nicht besser sein, und wer weiß, wie es mit Pfändung usw. steht?! Aber 3 mal 8 ist 24! Die sind der Bank sicher— diese 24 M.!" Ihm wurde plötzlich sehr helle im Kopf. Jetzt erst dachte er über das ganze Lokal und das fröhliche Fräulein nach.v„Humbug! Der reine Humbug I Wie könnte ich als gewiegter Kaufmann, der doch wissen mutzte, was Geld bedeutete, nur auf solchen Schwindel hineinfallen!" Am arideren Tage ging er aber doch zu Wretzel, Kurze Straße 126 s II r. Dieselbe Bereitwilligkeit, nur seinerseits der Unterschied, daß er zu keiner Zahlung zu bewegen war, worauf das Geschäft seinen jähen Abschluß fand. Er fluchte in allen Tonarten, aber— am Abend studierte er denn doch wieder den„G e l d v e r k c h r". Die 10 000 drängten eben. Ah, sieh da, da stand:„ohne jegliche Auskunfts- gebühr!" Das ließ man sich gefallen! Da zahlte man also nur, wenn man auch wirklich etwas bekam! Also, dahin! Fern, fern im Osten lebte dieser wirklich reelle Mann— er war bis neun zu sprechen. Er öffnete selbst: breit, groß, dick, mit einem Stiernacken und prallen dunklen Augen, in Hemdärmeln, aber sonst tadellos im An- zug, mit kostbarem Brillant am Finger. Ein Zimmer wie andere anständig möblierte Zimmer, eine alte Schreibmaschine, und ein lauger Tisch als Schreibtisch hergerichtet vor dem Sofa, auf welchem der Vertreter einer großen Hamburger Bank selbst Platz nahm. Er war die Jovialität in Person und kam ohne Umschweife zur Sache. Und als alles überaus günstig und kulant abgesprochen war, sagte der Vertreter der großen Hamburger Bank:„Auskunftsgebühr und Vorschuß bin ich nicht berechtigt, zu liquidieren, aber— natürlich für Schreiberei und Zeitverlust muß ich Ihnen leider 5 M. abknöpfen." „Aber in Ihrem Inserat sagen Sie doch ausdrücklich.. „Ja, nennen Sie das Austunftsgebühr? 5 M..! Umsonst kann ich mich Ihnen nicht zur Verfügung stellen-- Geschäft ist Geschäft! Ohne die 5 M. bedauere ich... Wollen Sie zahlen?" „Ich gebe Ihnen 30 M. wenn des Geschäft zustande kommt, aber...". „Wollen Sie zahlen oder nicht? Meine Zeit ist kostbar!' „Nein— ich will die 5 M. nicht zahlen... ich habe schon meine Erfahrungen hinter mir! Wie gesagt 30 M, extra nach. her für Sie, aber vorher nicht eine." „Dann bedauere ich! Ich mache keinen Federstrich, ehe Sie die 5 M. hinterlegt haben! Da könnte ja jeder kommen! Wollen Sie zahlen____?!" „Nein!" Der Vertreter legte sich brüsk in die Sofaeckc zurück und Fritz Fellner verließ ihn wutschnaubend. Draußen stand schon ein an- derer junger Mann.„Alles Schwindel— ich warne Sie!" schrie ich dem Fremden zu. Der aber ließ sich nicht warnen und klingelte hoffnungsfreudig. „Nun"— fragte etwa zwei Monate später der Zigarrenhändler —„wenn Sie sich jetzt noch entschließen wollen... ich habe einen festen Bewerber... in wenig Tagen wird die Sache perfekt!" „Nein, Danke! Später eröffne ich wohl ein hochfeines Zigarrengcschäft—" erwiderte der schon um vieles elegantere Fellncr—„aber vorläufig läßt eine glückliche Konstellation der Verhältnisse mich davon abstehen! Ich— bin auf Jahre V c r- treter'eincr Hamburger Bank geworden, und habe da an Spesen tägliche Einnahmen von 30— 80 M., ohne jedes weitere Risiko als: eine alte Schreibmaschine auf meinem höchst feudal möblierten Zimmer!" KarteUc imd Gewerkschaften. Von Dr. Adolf Braun. Zwei Erscheinungen, aufs innigste verknüpft und sich gegen- seitig bedingend, kennzeichnen den Stand unserer wirtschaftlichen EntWickelung und damit auch unsere politischen Zwistigkeiten und kulturellen Errungenschaften: die Organisierung und die Konzentrierung. Alles organisiert sich, überall sehen wir das Individuum zurück- treten. Will es nicht zugrunde gehen, nicht aussichtslos den Kampf aufnehmen, so mutz es sich eingliedern in Gemeinschaften, in Kollektivitäten. Alle organisieren sich, der Richter und der Lehrer, der Detailhändlcr und der Großhändler, der Arbeiter und der Unternehmer. Selbst der größte Unternehmer sieht sich genötigt, sich einzugliedern in die nach der privaten Monopolisierung seines Industriezweiges strebende Gemeinschaft. So entstehen, abgesehen von den anderen Ursachen rein wirtschaftlicher Art, die Kombina- tionen und Fusionen, die Monopolisierungen ganzer Industrien und Jndustriegruppen, wie wir sie trotz allen Widerstandes von Gesell- schaft und Staat in den amerikanischen Trusts zur Riesen- macht erwachsen sehen. Wir sahen das Hinübergreifen dieser amerikanischen Trusts nach Europa, nicht nur in den Zigaretten- fabrikeu, wir sahen amerikanische Kohle im Mannheimer Hafen mit der deutschen Kohle in Wettbewerb treten, wir wissen, daß das Deutsche Reich den Kampf aufzunehmen versucht gegen den Stan- dard Oil Trust, gegen die private Monopolisierung der Petroleum- industrie, die in Rockefeller in Amerika, in den europäischen Roth- schilds ihre sichtbaren Häupter haben. Aber weit wichtiger für unsere wirtschaftliche EntWickelung, als die Fcrnwirkung der amerikanischen Trusts ist die ähnliche, aber durchaus selbständige EntWickelung in Europa und nicht zuletzt im Deutschen Reiche. Diese höchste Konzentrierung kapitalistischer Macht hat ihre Vorläufer in mannigfachen Vereinigungen des UniernehmertumS, die zum Teil engeren wirtschaftlichen Zwecken wie der des Einkaufs, der Abmachung über Preise und Lieferungsbedingungen, über Zahlungsübungcn und dergleichen dienen; zum Teil erklärt sich die Konzentrierung der Unternehmermacht durch die gemeinsame Stellung der Eigner der Produktionsmittel gegen die Arbeiter- organisationen. Selbstverständlich beabsichtigen die Unternehmer, den Preis der Ware Arbeitskraft so tief wie möglich zu halten und den Arbeitern vor allem die Möglichkeit der Vereimgung zu nehmen, die schon dem Einzelunternehmcr gegenüber, aber natür- lich in höchst gesteigertem Matze dem koalierten Unternehmer gegen- über die einzige Voraussetzung zur Erhaltung oder Erhöhung der Löhne bildet. Das gleiche Unternehmertum, das die höchsten Er- folge durch die reine Organisation erlangt hat, dieses gleiche Unter- nehmertum, das naturgemäß weit größere Kraft hat wie die Arbeiterschaft, das sich alle Vorteile durch die Monopolisierung in Produktion und Absatz zuschanzt, dieses Unternehmertum will die Arbeiter verhindern, sich zu organisieren. Je weiter dieses Unter- nehmertum in der Konzentration vorgeschritten ist, je mehr es sich dem privaten Monopol in der Produktion und im Vertriebe genähert hat, desto schroffer wirkt es gegen die organisierte Arbeiter- schaft, desto mehr setzt es seine ganze Kraft, nicht bloß seine Wirt- schaftliche, ein, um die Organisation dem Arbeiter unmöglich zu machen, die Organisation, die sie selbst zur höchsten Vervollkommnung entwickelt haben. In Deutschland ist es der Zentralvcrband deutscher Jndu- strieller, der das mächtige Werkzeug dieser Bestrebungen ist. Sie heißen: Willenlosigkcit der Arbeiter in den Betrieben, Schutz der „Arbeitswilligen", Kampf gegen die Gewerkschaften, Vernichtung der selbständigen Arbeiterorganisationen. Der König von Sachsen hat erst in diesen Tagen diesen Zielen seine Sympathie ausgesprochen. Sehen wir auf der einen Seite das größte Unter- nehmertum in engster Fühlung mit den Agrariern verharren, so sehen wir auf der anderen Seite eine Jnteressensolidarität dieses Unternehmertums mit den Vertretern des höchsten Ausdruckes poli- tischer Macht in Deutschland. Die obersten Stützen des Staats- Wesens, die Vertreter der größten Industrie, der große Grundbesitz schließen sich immer mehr zu einer großen Einheit des Willens und der Kraftäußerung zusammen, trotz mannigfacher Verschiedenheit der Interessen, ausschließlich getrieben durch die gemeinsame Gegensätzlichkeit gegen die Arbeiterbewegung in jeder Art, habe sie die harmlose Form der Genossenschaftsbewegung, trete sie auf in den Bestrebungen der Gewerkschaftsbewegung, zeige sie ihre Macht in der Wirkung der politischen Arbeiterbewegung. Von LucifcvQ Gefcblccbt. Im Azur, auf den hochgctürmten Stühlen, dort sitzen sie, die sich die Herren nennen im weiten All, die kein Erbarmen kennen und mitleidlos mit den Geschicken spielen. Und auf der Erde nichts als Bücken, Kriechen, der Unzucht Sud', des Elends schmutzige Plage, und in der Oede die verlor'ne Klage der müden Menschheit, und als Trost den Siechen, daß nur das Schauspiel allzubald nicht ende, davon die Götter wie von Weihrauch leben: vom goldnen Alter jene grelle Lüge, vom Reich des Friedens an der Zeiten Wende; Trugbilder, wie sie Dichter hoffend weben, den Blick in Fernen, leidverzerrt die Züge. * Doch wir, wir müffen in der Tiefe leben, wo stumm des Abgrunds dunkle Schatten wallen und Nebel sich zu Spukgestalten ballen, die drohend ihre feuchten Schwingen heben. Verfemter Chor von rastlosen Verfluchern, entsenden wir zornschwere Tränenbäche zu einem Teich, um dessen schwarze Fläche sit welker Lust nur Distelstauden wuchern. Kein Nachen teilt den dumpfmetallnen Spiegel; kein Hauch; nur über uns die breiten Flügel der Schicksalsvögel, die so lautlos schweben.., denn wir, wir müssen in der Tiefe wohnen, Rebellen, aus des Lichtes Regionen gestürzt, wo unsire Sitze sich erheben. Die große Organisation des Unternehmertums, die in dem Zentralverband Deutscher Industrieller einen bedeutsamen Ausdruck findet, beschränkt sich schon seit altersher nicht auf die Durchsetzung von wirtschaftlichen Zielen. Der Zentralverband mutz Politik treiben und hat immer Politik getrieben. Di« Mitteilungen und sonstigen Schriften des Zentralverbandes deutscher Industrieller zeigen uns die ununterbrochene Stellungnahme zu Fragen des öffentlichen Lebens. Während die großen Unternehmer und die ihnen will- fährigen Organe der öffentlichen Gewalten nach Auflösungsgründen für die Gewerkschaften suchten, wenn sie sich mit öffentlichen An- gelegenheiten befaßten, haben die großen Organisationen des Unternehmertums, die Kartelle, ebenso wie die Arbeitgeber- Vereinigungen, immer Einfluß auf die öffentlichen Angelegen- heiten genommen, so bei jedem Versuche, Arbeiterschutz- gesetzt einzuführen, so in allen Entwickelungsstadicn der A r b e i t e r v e r s i ch e r u n g, so bei der Verhinderung der Durch- führung der kaiserlichen Erlasse vom 4. Februar 1830, so bei der Niedcrringung des Freiherren von Berlepsch, des Ver- treters dieser Sozialpolitik, so natürlich bei allen z o 1 1 p o l i- tischen Maßnahmen, so auch in dem Streben, das preußische Wahlrecht zu erhalten und eine demokratische Wahlrcform überall zu verhindern. Immer weiter geht dieses Streben des großen Unternehmertums. Wir sehen heute, daß es auch auf die kommunalpolitischen Angelegen- heiten maßgebenden Einfluß zu gewinnen sucht. So hat der Syndikus Dr. Zahnbrecher in der Deutschen Arbeitgeberzeitung eine lange Reihe von Artikeln veröffentlicht über die Schaffung von Unternchmerkartellen zur Durchsetzung der Unternehmerinteressen, zur Machtlosmachung der proletarischen Vertretungen in den ge- meindlichcn Körperschaften. Die ganze Haltung der Unternehmerorganisationcn belehrt unZ über den unzerreißbaren Zusammenhang wirt- schaftlicher und politischer Aktionen. Die Unter- nehmer verzichten heute auf die Vorteile der Arbeitsteilung im öffentlichen Leben. Wir sehen hier die w i r t s ch a f tl i ch e n Organisationen direkt politischen Zwecken dienen, weil der politische Ausdruck des Unternehmertums den Widerstand der Arbeiter niederringen soll, weil aus dieser Nieder- ringung die ausschließliche Bestimmung von Arbeitslohn und Arbeitszeit, wie sonstiger Arbeitsbedingungen durch die Unter- nehmer erwachsen soll. Die Unternehmer treiben Politik aus Wirt- schaftlichen Gründen und ihre Politik soll ihnen die wirtschaftlichen Vorteile schaffen. Werden die Unternehmer unsere Stadtverord- netenversammlungen und andere gemeindliche Körperschaften be- herrschen, dann werden sie den paritätischen Arbeitsnachweis ver- nichten zugunsten der ausschließlichen Unternehmernachweise, und jeden Einfluß der Gemeinden auf die allgemeine Lohnhöhe unter- drücken, in dem sie eine bessere Bezahlung der städtischen Arbeiter verhindern werden. Ueberall wird ihre politische Tendenz bestimmt sein durch das Streben, die Arbeiterorganisationen machtlos zu gestalten und ihren Einfluß auf die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu vernichten. Wir sehen diese EntWickelung in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo der S t a h l t r u st die Organisation der Metallarbeiter zu völliger Ohnmacht hinuntcrgedrückt hat. Wir wissen, wie einer seiner hervorragendsten Vorbereiter, der heute von allen Zeitungen so gerühmte Carnegie, mit seinen Arbeitern die blutigsten Schlachten führte, eine ganze Armee von privaten Geheimpolizisten Monate hindurch bezahlte, um die Arbeiterorganisationen mit Stumpf und Stiel auszurotten, um der alleinige und ausschlieh- liche Bestimmer der Arbeitsbedingungen zu sein. Wir sehen, daß die ganze Entwickelung der Trusts zu der höchsten, aber zu unserem Tröste sei es auch gesagt, zu der letzten Steigerung der Unternehmermacht führt. Der Trust erlaubt die größte Arbeitsersparnis, die höchste Durchführung einer Fabrik- organisation, die ausschließlich dem Vorteile des Unternehmers dienen; der Trust, der jedem Konkurrenten und jeden uni die Arbeiter Konkurrierenden ausschaltet, kann zum einseitigen Be- stimmer aller Arbeitsbedingungen werden. Er bestimmt Lohn und Arbeitszeit, er bestimmt die Zahl der Beschäftigten, er kann auch warten, wenn die Arbeiter die Arbeitskraft verweigern, denn kein anderer Unternehmer kann an seine Stelle treten, der statt seiner die Konsumenten bedient. So ergibt sich auS dieser gewaltigen Machtbildung des Unternehmertums vor allem eine k o n z e n- trierte Kraftäußerung gegen die Arbeiterschaft. Wo der Trust zum Ziele gekommen sein wird, da muß die Kampfes- stellung der Arbeiter eine durchaus andere werden, da müssen Massenkämpfe der Arbeiter geführt werden, da muß eine Machtfülle angestrebt werden, um gegen dieses Unternehmer- Wo schon der Blick dem Chaos angehört, gelagert an des Weltalls fernsten Grenzen» in einer Nacht, da keine Sterne glänzen, Urvögel flattern, krächzend, aufgestört, Wir lauschen auf der Erde dumpfes Stöhnen, wie sie, ein Sklave, sich in Ketten windet. Auf spätem Lager keinen Schlummer findet. Und durch die Nacht die Eisenhämmer dröhnen. Und Flammen lohn empor wie Opferbrände, und eine Sehnsucht, daß dies Schauspiel ende, eüt heißer Wunsch zur Himmelswölbung steigt: Die Sterne aus dem Aether loszuketten, ins Nichts die müde Welt zurückzubetten, bis einst der Urgrund eine schön're Blüte zeugt. P e t e r H a m e ch e r. jVlaik'afer fliege... Von Robert Grötzsch. Er war ein brauner gutgenährter Bursche, lag halbwach in einer Ecke des Gefängnishofes und sah blühend aus wie das Leben selber. Als ich ihn im Vorübergehen erblickte, kroch mir ein bohrender Neid durch die Seele. Denn der Braune war ein freier Maikäfer, konnte sich voll Luft punipen und in das sonnige Blau des Maien- tagcs hinaus schwirren. Ich aber war ein gewöhnlicher Mensch, noch dazu einer, der mit schweren Tritten im Gcfängnishofe rundum stampfte, immer rundum. Er lag hart an meiner Fußbahn, jung, frisch und keck, wie ein Bote aus der lauten, lachenden, lärmenden Welt jenseits der spitzenbewehrten Mauern. Zweimal zog ich lauernd und spähend an ihm vorüber. Beim drittenmal riß ich mein Schnupftuch aus der Tasche, manövrierte tum alles aufbieten zu können, was mittelbar und unmittelbar auf die Unternehmer einzuwirken vermag. Wie hat man noch vor kurzem gespottet über den Massenstreik der Arbeiter, über den Generalstreik; aber jeder Gewerkschafter rechnet heute mit der Drohung der Massenaussperrung, der Gcneralaus- sperrung. Vielleicht werden wir im Deutschen Reiche früher zu den großen gewerkschaftlichen Massenstreiks gezwungen werden, als politische Massenstreiks verwirklicht werden. In dem Kampfe mit einem aufs höchste konzentrierten Unternehmerwillen, der mit der Massenausspcrrung droht, in dem Kampfe gegen ungeheure Koalitionen, wie sie nun den Arbeitern nach dem Muster der amerikanischen Unternehmerverbindungen, im Stahlwerksverband, im Rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat, in den Unternehmerver- einigungen der Glas- und keramischen Industrie, in der Spiritus- zentrale und in ähnlichen existierenden und wieder werdenden Vereinigungen entgegentreten, müssen wir mit Kämpfen dieser Art rechnen. Wir müssen auch damit rechnen, daß wenn nach dem Wunsch« des Königs von Sachsen und des Zentralverbandes Deutscher Industrieller Beschränkungen des Koalitionsrechtes vom Reichstage gefordert werden, daß dann der gemeinsame Abwehr- will« der Arbeiter zu bisher nur diskutierten, aber nicht an- gewandten Kampfesformcn führen kann. Aber zu unserem Tröste erwächst der konzentrierten Unter- nehmermacht immer kräftigere Gegnerschaft aus dem konzentrierten Willen des Proletari ats. Wir sehen heute die großen Gemeinschaften der organisierten Unter- nehmer, und die organisierte Arbeiterschaft gegeneinander stehen. Da mag sich mancher ein Bild vorgaukeln, daß so wie im Tarif- vertrage, den die baugewerblichen Arbeiter abschließen, sich auch Vereinbarungen zwischen diesen höchsten Geschlossenheiten der Uniernehmerkraft wie der Arbeitermacht ergeben können. Aber wir glauben, das sind Illusionen, die auch Illusionen bleiben werden, wenn diese beiden Mächte noch größer werden. Die Unter- ney ner vermögen nicht, selbst, wenn ihnen die Arbeiter dauernden Frieden, Verzicht auf ihre letzter, sozialistischen Ziele versprechen wlllten, die Gegenleistung zu gewähren, daß alle Arbeiter der Gegenwart und der Zukunft stets beschäftigt und befriedigend ent- lohnt werden wü'den. Das ist unmöglich, und deshalb wird diese Hoffnung der Generalisierung des Tarifvertrages, einer gegen- seitigen Garantierung gewährter Unternehmer-, wie gesicherter Arbeiterinteresscn unmöglich sein. Immer werden die Arbeiter fühlen, daß der Unternehmer reicher wird durch ihre Ausbeutung. Immer werden die Unternehmer das Gefühl haben, daß sie noch rascher ihre Reichtümer steigern könnten, wenn sie die Arbeiter- organisationen vernichten würden. Deshalb wird es niemals dauerndes Ziel der Arbeiterbewegung sein können, einen Ausgleich von Unternehmer- und Arbeiterinteressen herbeizuführen. Deshalb wird der Widerstreit der Interessen von Arbeit und Kapital die ganze G e sch i ch t s p e r i o d e der kapitalistischen Produktionsweise beherrschen. Zcdwemepriester der öffentlicbcii Minung. Am Donnerstag ist ein Intendant nach Amerika abgereist, am Freitag hat sich eine Prinzessin erschossen. Daß man dies groß und breit in den Zeitungen las, ist nicht verwunderlich. Dazu ist die Rubrik„Vermischtes" da, daß unter ihr all die Dinge stehen, die eigentlich niemand etwas angehen, aber von den Vielzuvielcn, die nun einmal Zeit und Lust zum Klasch haben, verschlungen werden. Da ist nichts gegen zu machen. Aber die Schweinerei setzt da ein, wo eben die Presse, die wie ein Held gegen Sensationen wettert, sich nicht damit begnügt, zu berichten, der Intendant habe sich aus privaten Gründen entfernt und die Prinzessin aus unbekannten Gründen sich erschossen, sondern mit der Wollust halbwüchsiger, lüsterner Buben wühlt und wühlt, bis sie endlich da anlangt, wo sie ihre Leser haben wollen: beim Sexuellem Der Intendant! Jeder Schmock ahnt seligen Gemüts, da müsse ein süßes Kulissen- geheimnis dahinter stecken und siehe da: er findet natürlich die Schauspielerin, deren Reize den Mann auf dem Gewissen haben. Daß der Intendant eine Frau hat, für die eine solche Veröffent- lichung eine um so grausamere Gemeinheit ist, als solche Alkoven- dinge niemand Außenstehenden angehen, kümmert diese„Priester der öffentlichen Meinung" nicht. Sie kennen ihr Publikum und wissen, wie das auf fremde Betten fliegt, wenn sie nur ja noch nicht gemacht sind. Je mehr Schweißgeruch, desto besser. Die Unrein» umständlich im Gesicht, ließ das Tuch fallen, raffte es mit dem Braunen wieder auf und sah von unten her nach dem Aufseher. Aber der hatte nichts gemerkt. Er dehnte sich in Grenadier- länge die Mauer empor, gähnte, reckte seinen roten Uniformkragcn in's Sonnenlicht und suchte mich im Vorübergehen zu trösten:„Ja, das gloob ick gern, als Redaktöhr stehn Sie immer mit een Veen im Gefängnis;'s geht aber alles vorüber." Schweigend lehnte ich das übliche Frcistundengespräch ab. Denn in meiner Faust krabbelte eine Sensation, ein Erlebnis, ein Stück Freiheit! In meiner Faust krabbelte der Bote aus der lär- Menden, lachenden Welt jenseits der Gitter und Mauern.... Alles um mich her versank im Meer träumerischer Erinnc» rungen: die Mauern, die Gitterfenster, das Hospflaster, der Aus- sehcr. Maikäfer fliege.... summte mir ein Lied im Kopfe. Ich hörte kaum, wie der Aufseher müd gähnte, und wie er immer sagte:„Die halbe Stunde ist rum...." Ich hörte nicht den harten Schlag des Tores. Ich merkte kaum, wie ich die Treppen der steinernen Feste emporstieg, wie ich hoch oben an den eisen- beschlagenen Zellentüren vorüber schritt, wie ich in meine Zelle gelangte. Ich guckte erst auf. als der Stiel eines Schrubberbesens vor meiner Nase auftauchte. Der Stiel stak in einer großen roten Hand und die große rote Hand gehörte dem Polen Ponsior, dem kleinen starkknochigen Sträfling, der im ganzen Hause der Ein- brecherkönig hieß, weil ihm von vier Diebstab. svcrsuchen genau vier daneben gegangen waren. Stumpf, gewohnheitsmäßig schrubbte er meine Zelle auf und nieder; es war die Arbeit, die ihm zeden Tag während meiner Freistunde zufiel. „Wenn Sie die Zelle fertig haben, kommen Sie raus!" rief der Aufseher durch die'Tür. dann hörten wir sein Seitengewehr an den Wänden des Ganges entlang klappern. Ponsior dehnte den Rücken, stützte sich auf den langen Besen- stiel und ruhte aus. Da sah ich dem kleinen Polen unverwandt in die wasserblauen Augen, schob die Faust wagcrecht vor und öffnete sie langsam... Der Maikäfer krabbelt« ziellos und lebenslustig über meinen Arm. „Ahhh!" Ponsior starrte einen Augenblick, nahm dann den braunen Gesellen behutsam zwischen zwei Finger und setzte ihn leiS auf den Zellentisch.„Ahhh! Kleinerrr Käferrr. techönerrr kleinerrr Käserrrl" lichZeiten solcher Zeitungsmacher werden nur durch die chrer Leser übertroffen. Und wars bei der Prinzessin anders? Ein armes Menschen- kind. ob es nun im Leben Hoheit hieh oder nicht, ist am Dasein verzweifelt. Warum? Nun, aus dem urewigen Grund, weil sie den nicht kriegen konnte, den sie wollte. Schluß! Dieselbe Ge- schichte steht leider Gottes fast täglich im Polizeibericht von Berlin. Aber nun ists auf einmal etwas ganz anderes! Erstens ists eine Prinzessin. Das verträgt schon eine fette Ueberschrift und noch fettere Zeilenhonorare. Und dann— so munkelt man— ist da ja ein Vertreter der höchsten Hautefinance vertreten! Er ist gleich auf die Todesnachricht hin nach Heidelberg gefahren..... Nein, er ist nicht gefahren, der Großherzog von Weimar hats verboten... Doch, er war ja heimlich mit ihr verlobt...! So widersprechen sich die„Privattelegramme" und die„Informationen unseres Privat- berichterstatters" und schließlich schießt ein besonders sindiger Schmock den Vogel ab, indem er, wahrscheinlich auf die interessan- ten Aussagen der prinzlichen Köchin hin, dringend nach Berlin telegraphiert, es handle sich gar nicht um den jüdischen Geldprinzen, sondern um einen Heidelberger Leutnant! Das heißt sich ösientliche Meinung und am Ende gar noch demokratisch! Eine Demokratie, die ihre Geschäfte mit dem Skandal einer Prinzessin macht. Dabei gibt sie es noch nicht einmal osfen zu: Ja, ich will meinen Lesern genau erzählen, wieviel Liebhaber in Frage kommen und wieweit die Sache gediehen war! Im Gegenteil, sie schluchzt wie eine alte Tante über das Unglück und kann sich nicht genug tun in Ausmalungen, was die teure, leider zu früh Verschiedene für zahlreiche Tugenden gezeigt habe, wie sie getanzt, Mandoline gespielt, gezeichnet usw. habe und was es für ein Elend sei, daß der Staatsanwalt immer noch nicht zugebe, daß sie sich erschossen habe! Das ist der Byzantinismus des Depeschenteils, der dadurch nicht besser wird, daß sich der Leit- artikel manchmal oppositionell gibt. Sie schreiben und lesen eben doch von nichts lieber, als von dem Leben und Treiben der Aller- höchsten und von deren Sünden. Wo etwas Geschlechtliches winkt, vergessen sie Programm und Ueberzeugung und stürzen sich darauf, wie der Hund auf den Randstein. Und dann benehmen sie sich ganz ähnlich wie der! Zwei Menschen haben alle„Klugheit" vergessen und sind einem starken Gefühl gefolgt. Das mußte von den Sensationlingen mit „Enthüllungen" bestraft werden. Denn wenn das Mode werden sollte, daß die Menschen ihrem Gefühl oder gar ihrer Ueberzeu- gung folgen würden, dann wäre die Zeit der Riesenverdienste durch pikante Spezialberichte vorbei. Die reinigende Pistole. In der Destille zum„Roten Ballon" in Berlin N. Schulze hat zwischen Feierabend und Nachhausegehen einen genehmigt und wendet sich eben zum Gehen. Da erscheint Müller unter der Tür. Müller hat auf Schulzen eine Bombenwut, weil der sich mit seiner, Müllers, Frau zu schaffen gemacht hat. Kaum sieht er ihn, als er auf ihn zufährt,„verdammter Lump" oder was Aehnliches schreit und ihm eine herunter haut. Schulze ist schwächer als Müller, Schulze fühlt sich bedroht, zieht seinen Revolver und knallt Müller nieder. Unter welchen lleberschriften wäre diese Affäre Ihrer' Ansicht nach in der Berliner Presse erschienen? Doch mindestens unter dem Schlagwort„Roheitsverbrechen"! Der Darstellung wäre aber bestimmt eine fromme Betrachtung angehängt worden, daß der „Großstadtmob" immer gefährlicher werde, daß die Sozialdemo- kratie mit ihren entsittlichenden Lehren jetzt schon die Achtung vor dem Leben des Nächsten untergrabe, daß das Schwinden des Gottesglaubens(das hätte der„Reichsbote" geschrieben) notwendig zu einer solchen Entfesselung der niedrigsten Instinkte führen müsse, und daß es die heilige Aufgabe des christlich-monarchischen Staates sei uftv..... Leider ist die Geschichte aber nicht in der Destille zum„Roten Ballon" passiert, sondern in dem Dorado militärisch geschulter Elitebürger, im Landwehrkasino, und leider waren die handelnden Personen nicht die Arbeiter Schulze und Müller, sondern die loyalen Stützen des Bestehenden, Herr Professor Maaß, Ritter des Ordens von der lippischen Rose, und Herr Freiherr von Westernhagen, Kämmerherr Seiner Durchlaucht des Fürsten von Lippe-Detmold. Wir hätschelten ihn, wälzten ihn auf dem Rücken, freuten uns über die zappelnden Beine, die zarten Fühler, den geschweiften Stachel, richteten den üppigen Burschen wieder auf und wiesen ihm den Weg um den Tisch. „Bin ich jetzt Aufscherrr," sagte Ponsior, streichelte den Brau- nen und ließ ihn im Kreise marschieren wie einen Sträfling, immer im Kreise. Aber plötzlich machten die sechs Beine Halt. Der Käfer duckte den Kopf, als besänne er sich auf etwas Wichtiges, ignorierte unsere Fingerzeige, stellte sich dumm, atmete schwer, pumpte sich praller und voller, lockerte die Flügel und kreiste brummend durch die Zelle. Maikäfer fliege... pfiff ich leise. „Fensterrr is auf!" raunte Ponsior fast entsetzt und rannte zum Gitter wie ein Kind, das um sein Spielzeug bangt. Aber der Maikäfer war schneller; sss! schnurrte er in die Sonne hinaus. Wir standen an den Scheiben, deren Gitter uns den Himmel in neun Vierecke zerschnitten. Unsere Augen flimmerten in die blaue Lust hinaus. Draußen im Sonnenschein des jungen TageS zog unser Käfer große weite Kreise. Die Sonne ließ die Flügel bronzen schimmern. ..Is errr frei..." flüsterte Ponsior versunken und die Sehn- sucht leuchtete zwischen den Lidern seiner Schlitzaugen hindurch. „Möcht ich sein Maikäferrr! Möcht ich—--" Cit brach hastig ab, packte meinen Arm und fuchtelte mit der grozen, roten Faust durchs Gitter.„Sich dort! Pschiakreff! Verrrdammt!" Vom Dache des Verwaltungsgebäudes drüben hatte sich ein Vogel gelöst. Es war ein ganz gewöhnlicher, minderwertiger unier- ernährter Sperling. Lautlos flog er neben den Maikäfer, lautlos und schwarz wie das Schicksal. Dann ein kurzes Flattern, ein scharfes Rucken des Kopfes-- und der Maikäfer schwebte nicht mehr im Morgensonnenlicht.... Langsam lösten sich unsere gekrampften Hände, die Arme san- len schlaffer und PonswrS Augen blickten wieder wässrig-blau, stumpf, sehnsuchtslos. Er grinste breit und unbestimmt und drehte den stülpnasigen Kopf in's Zellendunkel zurück. Bangte ihm vor dem Leben da draußen? Vor dem Leben, in dem er keinen rechten Platz finden konnte und in dessen Trubel er der Schwächere war, wie der Maikäfer..., Auf der Dachrinn« drüben saß der Sperling wie ein Hann- loser schwarzer Punkt und zerhackte den prallen Maikäfer. Dafür ist allerdings auch die Veranlassung des„Roheitsverbrechens' eine weitaus pikantere. Es handelt sich nämlich um die Frage, wie man Kammerherr wird. Darüber war sich ja seit langem niemand mehr unklar. Sollte irgendeiner noch über den geeigneten Weg Zweifel gehabt haben, dann möchten wir den folgenden Brief unterbreiten, der in der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" veröffentlicht wurde: «Sehr geehrter Herr! Ich bin in der Lage, Ihnen den Hof- r a t s t i t e l vom Fürstentum Lippe oder Sachsen-Koburg-Gotha zu verschaffen. Es sind für diesen Titel eine Stiftung Ihrerseits von zirka 3000 M. erforderlich. Ich bin gern bereit, falls Sie Interesse für diesen Titel haben, sofort die Angelegenheit einzuleiten und erwarte darüber Ihren werten Bescheid." Man muß sagen, daß dies eine wahrhaft demokratische Einrich- tung ist. Endlich Titel, deren Preis den Verhältnissen des Mittel- standes angemessen ist. 3000 M. kann auch ein kinderreicher Vater erübrigen, wenn es gilt, in die Sphären der Betitelten aufzusteigen. Der Kammerherrntitel allerdings ist etwas teurer, was aber nur der Tatsache entspricht, daß er für die Edelsten der Nation reserviert ist. Manchmal allerdings endet so ein Aufstieg in die Hofluft auch mit einer Kugel im Bauch. Davon könnte Herr von Westernhagen ein Liedchen singen, wenn er es nicht vorgezogen hätte, für eine kavaliersmätzige Roheit mit Tod abzugehen. Er hatte den Herrn Maaß im Verdacht, die Art, wie er den strahlenden Titel erworben habe, einem Berliner Wochenblatt mitgeteilt zu haben. Dafür zeigte Herrn Maaß der Kammerherrn-Reserveoffizier beim Ehren- rat an. Der Ehrenrat ist bekanntlich die Einrichtung, deren Auf- gäbe es ist, ein Duell um 12 Stunden zu verzögern, um die Gegner dann um so nachdrücklicher, unter Drohung der Ausstoßung aus dem Offiziersstand, gegeneinander zu Hetzen. Vor dem Ehrenrat nun, vor der Schwelle des Zimmers, in dem die Leute saßen, die das Blutvergießen offiziell zu einem höheren Kult der Edelmanns- ehre stempeln sollten, verkürzten die zwei Gegner die Zeremonie, indem der eine ohrfeigte und der andere schoß. Sie haben einfach Beleidigung und Duell in eine Handlung zusammengezogen und auf den Ehrcnratsschwindel gar nicht mehr gewartet. Wozu da das Geschrei der Vaterlandslosen? Sie sollten diese Art, Ehren zu lädieren und Ehren zu retten im Gegenteil segnen, denn dies- mal ist, im Unterschied zu den meisten Duellen, der wirklich Schul- dige gefallen. Bei Schulze und Müller hieß es„Roheitsverbrechen' oder ein „bestialischer Ausbruch", bei Maaß und Westernhagen— eine unselige Verkettung von Umständen. Man glaubt sogar, daß der Mörder gar nicht vor Gericht gestellt wird, sondern zum Sanatorium begnadet wird. Er hat in Notwehr gehandelt! Eine seltsame Not- wehr, wenn man eine Ohrfeige mit einem Pistolenschuß quittiert! Uns scheint vielmehr, als ob der Duellunfug, der wie Knochenfraß diese Herrschaften durchsetzt, bei ihnen das Gefühl allmählich er- zeugt, tätliche Beleidigungen könnten nur durch sofortiges Blut- vergießen gesühnt werden. Äei Offizieren sind ja diese Manieren k h Brüsewitz schon längst gang und gäbe. Es war ganz gut, daß das Landwehrkasino Schauplatz der Mordtat war, das heißt der Ort, wo die monarchisch gesinnten Herren Bürger verkehren, die sich lieber Leutnant d. R. nennen, als bei ihrem bürgerlichen Beruf schimpfen hören. Dort sitzt die tiefste Wurzel des Giftbaumes Mili- tarismus, bei diesen Hohltöpfen, die sich fast genieren, Kaufmann oder Richter oder Arzt zu sein und deren Leben eine ungeduldige ewige Erwartung der nächsten Uebung ist, wo man im bunten Rock umhcrstolzieren darf. Der Schutz, der einen der ihren niederstreckte, mag ihnen grell genug in den Ohren geklungen haben. Und der Tote ist nicht eigentlich von der Hand des Professors, sondern von der ihres zwiefachen Mordwahnsinns gefallen: dem blutigen Irr- sinn im kleinen, dem Duell, und dem blutigen Irrsinn im großen, dem menschenschlachtendcn Militarismus. Wenn sie jetzt unter den Prunkbildern ihrer Herren Monarchen beisammensitzen, mögen ihnen manchmal die Ohren klingen, mögen sie manchmal die schlei- senden Schritte über ihren Köpfen hören, die einen erschossenen Mann hinausschleppten, der den zwei Seuchen der herrschenden Stände zum Opfer fiel: dem Titelblödsinn und dem Verbrechen der Standesehre! Verlcbiedene Vorteile. In das Bureau der Hapag trat ein bescheiden gekleideter Mann und äußerte dem am Gitterschaltcr lässig dienstbeflissenen Beamten den Wunsch, mit dem größten Schiff der Welt, dem „Imperator"— es war vor der Zeit des Brandes—, nach New Dork zu fahren. Der Mann wünschte zu wissen, welche bc- sonderen Vorteile die Fahrt mit dem„Imperator" böte. Der Beamte musterte den Frager mit einem raschen Blick und sprach dann, ein wenig flüchtig:„Es sind außerordentliche Vorteile, die wir Ihnen bieten. Die Kammern sind abgeschlossen und enthalten nur zwei bis vier Betten." Der Fremde schauderte:„Sie muten mir zu, mit jedem be- liebigcn Menschen zusammenzuschlafen, und nennen das Vorteil?" „Wir können leider nicht jedem Amerikafahrcr ein eigenes Schiff zur Verfügung stellen/ erwiderte der Hapag-Mann ironisch. „Außerdem sind die Kammern elektrisch beleuchtet." „Ich dachte schon, daß sie mit Mondschein illuminiert werden," meinte der andere;„weist der„Imperator" noch mehr solche Vor- teile auf?" „Gewiß! Die Speisen werden Passagieren an Tischen durch Aufwärter und Aufwärterinnen vorgesetzt." „Herrlich! Wir brauchen also nicht um den Suppenkessel herumzustehen und mit den hohlen Händen oder der Mütze den Fraß herauszuholen?" „Nein, Sie werden bedient— wie ein Fürst. ES werden Ihnen auch Teller. Messer, Gabel und Löffel geliefert..." Jetzt wurde der Fremde ängstlich und griff in die Tasche, als ob er einen Revolver suchte, den er im Falle der Not gebrauchen könnte. Der Spott war ihm vergangen. Vielmehr versuchte er den Beamten zu begütigen, den zu reizen offenbar gefährlich werden konnte. Und indem der Fremde sich ein wenig mit großer Vorsicht nach der Tür zu entfernte, murmelte er:„Ausgezeichnet, sogar Teller, Messer, Gabel und Löffel werden geliefert. Ein außerordentlicher Vorteil, daß man sie nicht mitzubringen braucht." Der Beamte war über die Anerkennung gerührt und fuhr lebhafter und wärmer mit der Anpreisung fort:„Außerdem liefern wir Ihnen Matratze, Keilkissen und Bettdecke, Handtuch und Seife.. Vom Jahrmarkt des Redens. Meiclmannskeil! Wilhelm II. ist bekanntlich ein leidenschaftlicher Nimrod bor dem Herrn. Bei seinem Regierungsjubiläum ging eine Notiz durch die Presse, in der fein säuberlich statistisch nachgewiesen war, wie- viel Böcke und anderes Viehzeug der Kaiser in den LS Jahren seiner Regierung geschossen hat. Irren wir nicht, so waren es gegen 70 000 Tiere der verschiedensten Art. Auch in der letzten Zeit ist Wilhelm II. seinem geliebten Weidwerk treu geblieben. Die wenige Zeit, die die RegicrungStätigkeit ihm läßt, benutzt er zum Abschießen von Wild. Bei seinem jüngsten Jagdaufenthalt in Schlesien wurden in Salza 1423 Fasanen, 326 Enten und 6 Rebhühner geschossen. Der Anteil des 5daisers daran betrug 6 26 Fasanen, 85 Enten und 4 Hühner. Mancher wird erstaunt fragen, wo denn der ungeheure Fasanenreichtum in Ober- schlesien herkommt. Weniger erstaunt würden die Neugierigen sein, wenn sie wüßten, wie die oberschlesischen Magnaten der Jagd- leidenschaft des Kaisers entgegenkommen. So ließ einer von ihnen vor einigen Jahren, als der Kaiser sich bei ihm als Jagdgast an- meldete, auS Böhmen für 200 000 M. Fasanen im- Portieren, damit der Kaiser eine ertragreiche Jagd habe. Denn ertragreiche Jagden reizen Wilhelm II. Das Abschießen der 526 Fasanen hat seinen Jagdeifer so rege gemacht, daß er im November wieder nach Schlesien zur Fasancnjagd fahren wird, nachdem er Anfang November in Göhrde Jagd auf Sauen gc- macht hat. Der unermüdliche Jagdeifer des Kaisers läßt hoffen, daß wir das Hunderttausend-Jubiläum in absehbarer Zeit festlich begehen können. Weidmannsheil! Oer verlorene Orden. In K e h l h e i m waren zur Fürstenfeier die Regierenden aller deutschen Staaten zusammengekommen. Enffprechend der Bedeutung des Tages hatten sie die Orden und Jnsignien, die sie für ihre besonderen Verdienste sich zum Teil selbst verliehen haben, angelegt. Nun geht es bei solchen Festivitäten manchmal hoch her und so kam es denn, daß ein Vevsicherungsbeamter aus Bam- berg nach der Feier von Kehlheim einen Orden vom Heili- gen Michael mit der Krone fand. Als ehrlicher Mann wollte er seinen Fund, für den ja nur der Verlierer Interesse hat, zurückgeben. Das ist aber nicht so leicht, als wenn es sich um einen stehengebliebenen Regenschirm handelt. Der Finder machte den Versuch, den Orden, für den er absolut keine Verwendung hat, durch ein Inserat im Hertlingschen Leiborgan, dem„Bahe- rischen Staatsanzeiger", loszuwerden. Der„Staats- anzeiger" lehnte die Aufnahme des Inserats ab. Nun will der Mann sich an das Ministerium wenden und so versuchen, den Verlierer zu ermitteln. Uns ist die konsequente Haltung des„Siaatsanzeigers" sehr sympathisch. Wie leicht könnten die Leser auf die Vermutung kommen, der Verlierer sei in so gehobener Stimmung gewesen, daß ihm der Sinn für derlei irdischen Tand abhanden ge- kommen sei. Der Canf des pfamro. Für pfarrherrliche Dienstleistungen hat die Kirche bestimmte Normalsätze festgelegt, die je nach der Ocrtlichkeit oder Zahlungs- fähigkeit wechseln. Doch nicht von diesen tariflichen Sätzen soll hier die Rede sein, sondern von einem Tarif, den sich der Pfarrer eines thüringischen Ortes für bestimmt« außerdienstliche Handlungen zurechtgelegt hat. Der Pfarrer ist der Meinung, daß, wenn er einem Dienstmädchen sagt:„wenn Du mir noch einmal solch dreckiges Waschwasscr bringst, schmeiße ich es Dir an den Kopf", und diese wenig scelsorgcrische Drohung bei anderer Gelegenheit in die Tat umsetzt, er dafür natürlich ein Pflaster drauflegen müsse. Dem bei ihm beschäftigten Dienjt- mädchen, dem ein an den Kopf geworfener Eimer eine a p f e k» große Beule am Hinterkopfe und wochenlanges Nasenbluten und Kopfschmerzen zufügte, bot er eine Mark Schmerzensgeld rmd eine Apfelsine an. Da- für mußte ihm das Dienstmädchen das Versprechen geben, von dem Vorgang Dritten oder ihren Eltern gegenüber keine Erwähnung zu tun. Der Versuch des VaterS des Mädchens, den eimerwerfen- den Diener der christlichen Kirche strafrechtlich zur Rechenschaft zu ziehen, scheiterte in allen Instanzen, da der Pfarrer zu seiner Der Fremde war ganz bleich geworden. Er fürchtete jeden Augenblick eine Katastrophe, und während er rascher den Rückzug zur Tür bewerkstelligte, wiederholte er sanft, beschwichtigend:„Ge- Witz, gewiß... Matratze, Bettdecke, Handtuch und sogar Seife.., ein beispielloser Vorteil.",-!' Jetzt stand der Mann dicht an der Tür und nun wagte er einen Ausbruch seiner Gefühle:„Herr!! Ich wollte mich nach den Vorteilen einer ersten Kajüte des„Imperator" erkundigen— auf 10 000 M. wär's mir nicht angekommen, und nicht nach der Tobsuchtszelle eines miserabel geleiteten Narrenschiffcs für geistes- kranke Bettler, von dem Sie offenbar entsprungen sind." Schon wollte er aus dem Bureau entwischen. Da lief der Beamte blitzschnell aus seinem Verschlag ihm nach und stotterte, wie im Fieber, so daß der Fremde aufs neue erschrak:„Vcr- zcihung, Herr Baron, ein bedauerliches Mißverständnis. Ich er- kannte sie nicht gleich und führte Ihnen deshalb die Vorteile des Zwischendecks vor. Die Vorteile der ersten Kajüte des„Jmpe- rator" sind geradezu ozeanesk. Kammern, Kabinen gibts über- Haupt nicht. Uebereinanderstehende Betten sind abgeschafft. Sie wohnen wie in einem EinfamilienhanS mit luxuriöser Einrich- tung, in großen Zimmern, mit Bad selbstredend. Sie haben elek- irische und türkische Bäder, in allen Zimmern fließendes und warmes Wasser, Lift, Promenadendecks von K> Kilometer Länge, einen großen Ball- und Festsaal, Schwimmhalle, Speisesaal. Palmengartcn, Kindersalon und Kinderspielgartcn, Turnhalle und ein Essen, ein Essen..." Ter Beamte begann zu schnalzen. Aber der Fremde war noch ganz benommen von den Greueln, die er vorher als Vorteile hätte bewundern sollen, und er fragt« ängstlich:„Werden auch Teller, Messer, Gabel und Löffel gc- liefert,..?" Das kleine Begebnis ist keine hetzerische Phantasie. Ich habe nur ein wirkliches Inserat des„Imperator" gefilmt, das neben- einander die„Vorteil c" der ersten Kajüte und des Zwischen- decks also schildert. Vorteile des Zwischendecks, Vorteile der ersten Kajüte! Die ganze soziale Welt in ihrem Wahnsinn auf einem Schiff. Auf demselben Schiff werden den Reichen ein ganz> Landhaus und die Mittel � eines ewigen Schlaraffenlebens ge spendet, den Armen aber sogar Teller, Messer, Gabel und Löffel. And beides heißt gleichermaßen— Vorteile! Entschuldignng angab, der Eimer sei ihm aus der Hand gerutscht und die Treppe hcrabgekollert. Sclilicß� ilch erhielt er aber doch im Privatklagevcrfahrcn die schwere Buge von 13 M. Geldstrafe. Dafür wurde dem Pfarrer auf der andc- ren Seite die Genugtuung, dag der Rechtsanwalt als Verteidiger des- Mädchens wegen Ungebühr vor Gericht zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Der Rechtsanwalt hatte zwar nicht mit Eimern geworfen, sich aber bei Per- trctung der Interessen seiner Mandantin nicht in dem Rahmen bewegt, den die Ehrfurcht vor dem hohen Gericht verlangt. Und das muhte natürlich anders geahndet werden, als der Konflikt des Pfarrers mit seinem Tienstmüdchen. Spiel unä Sport. Der Tippkoller. Schon von jeher ist das menschliche Geschlecht der Gefahr ausgesetzt gewesen, von allerlei Krankheiten heimgesucht zu werden. Es mutz daher als ein großes Glück bezeichnet wer- den, daß nicht alle Krankheiten tödlich verlaufen. Wäre das der Fall, so wäre die Menschheit wohl schon längst restlos aus- gestorben: gibt es doch wohl nur wenige Menschen, die in einem längeren Leben von jeglichen Krankheiten verschont bleiben. In neuerer Zeit ist es ärztlicher Kunst ja auch gelungen, den Ausbruch epidemischer Krankheiten, wie sie in früheren Zeiten so verheerend auftraten, den Nährboden möglichst zu entziehen. Dennoch ist auch unser heutiges Geschlecht nicht davor be- wahrt geblieben, von einer weitverbreiteten, epidemisch ans- tretenden Krankheit ergriffen zu werden. Sie grassiert schon jahrelang und breite Schichten unseres Volkes sind von ihr erfaßt worden. Wenn diese Krankheit in ihrer Gefährlichkeit bisher nicht erkannt wurde und daher bis setzt auch nichts zu ihrer Bekämpfung unternommen worden ist, so liegt das wohl daran, weil sie nicht direkt todbringend wirkt und weil es auch keine ärztliche Hilfe dagegen gibt. Vielleicht veranlassen diese Zeilen aber, daß dieser und jener Mediziner sich damit beschäftigt, eine Lymphe oder Pillen oder irgendeine Medizin gegen den Tivkoller zu er- finden. Denn mit der heute iveitperbreiteten Krankheit meine ich keine andere, als den Tipkoller. Er ist heute wohl die verbreitetste von allen Krankheiten. Namentlich tritt er in großen Städten, hauptsächlich aber in Berlin auf. Aus Schritt und Tritt begegnet man von ihm befallene Personen. Von anderen Krankheiten unterscheidet sich der Tipkoller dadurch, daß er seine Opfer nicht wahllos ersaßt. Frauen bleiben von ihm, soweit ich beobachtet habe, fast gänzlich verschont. Unter den Männern erwählt er sich hauptsächlich diejenigen, die nicht mit besonders großen geisti- gen Fähigkeiten ausgestattet sind: die so etwas dumm sind, erfaßt er am liebsten. Ich habe mir nun die Zeit und Mühe genommen, Studien an solchen Personen zu machen, die vom Tipkoller befallen sind. Dabei babe ich feststellen können, daß er von vielen anderen Krankheiten den Vorzug hat, daß er keine körperlichen Schmerzen verursacht. In dieser Beziehung hat er Berührungspunkte mit dem Irrsinn, der ja wohl auch in den meisten Füllen keinen körperlichen Schmerz bereitet. Der Tipkoller muß überhaupt unter die Geisteskrankheiten ein- gereibt werden. Wird jemand vom Tipkoller befallen, so äußert sich das zunächst dadurch, daß bei ihm eine unbezähmbare Gier nach Geld zutage tritt. Es zeigt sich das Bestreben, einen gewissen Geldbetrag mühelos zu verdoppeln oder zu vervielfältigen. Gelingt ihm das ein-, zweimal, so ist der Betreffende dem Tipkoller fast immer unheilbar überliefert. In weiter vorgeschrittenem Stadium treten bei den vom Tipkoller befallenen Personen ganz eigenartige Symptome in Erscheinung. Die Krankheit nimmt ihnen jegliches Interesse für jegliche ernste Bestrebungen. Den ganzen Tag werden sie von eineni betleiiimendeu Gefühl beherrscht. In den Gc- sprächen der� Patienten beginnen sich die Worte: Pferde, Rennbahn, Sieg und Platz ausfüllig zu häufen. Selbst im Traum phantasiert er von Sieg und Platz. Im übrigen reiht der Kranke seinem Wortscisatz ihm bisher ganz unge- läufige Worte ein. Er spricht von Puppuzza, Pearleß, von Hothollballc, von Pont d'Or und wie man die schnellbcinigen Pferde, auf die er seine Hoffnung aufbaut, noch sonst be- nannt hat. Die stark vom Tipkoller befallenen Kranken haben schließ- lich kaum noch Zeit zu einer weiteren Beschäftigung. Ihr s, Sport" nimmt sie ganz und gar in Anspruch. Morgens studieren sie drei, vier Sportzeitungen. Sind sie damit fertig, dann wird„getippt". Sodann verläßt sie eine fieberhafte Erregung nicht mehr, bis die Telegramme vom Kampfplatz einlaufen. Gewöhnlich gibts dann sehr dumme Gesichter zu sehen. Eine große Enttäuschung malt sich auf ihnen. Den Lippen entringen sich derbe Flüche und auch Setbstantlagen. Man schimpft sich selbst Rindvieh, Esel und was derartige Schmeicheleien mehr sind. In solchen Fällen scheint es oft, als ob die Kranken zu gesunden beginnen. Sie schwören hoch und teuer, nur noch einmal„wetten" zu wollen und nie mehr wieder. Kommt jedoch dann wieder ein„Treffer", so geht die Vernunft wieder zum Teufel. Gewöhnlich gesundet der Tiptoller-Kranke überhaupt nicht oder nur sehr sckstver. Die Krankheit führt ihn dem finanziellen Ruin und dann mitunter auch dem Selbstmord entgegen. Insofern kann der Tipkoller auch tödlich verlaufen. Da der Tipkoller nun heute wohl die verbreitetste Krank- heit ist und viel Unheil anrichtet, so wäre es tatsächlich an der Zeit, eine Schutzlymphe zur Impfung dagegen zu er- finden. Ob das möglich ist, bezweifle ich allerdings, weil— nun weil die Dummen ja nicht aussterben. V Outrfcldeinlauf der Frauenabtcilungcn des Turnvereins Fichte. Lustiges Treiben konnte man gestern auf der Havelinscl be- obachten. Die Frauenabteilungen des Turnvereins Fichte sam- melten sich hier, um beim Spiel und anderen Belustigungen den Nachmittag gemeinsam zu verbringen. Auch einige Abteilungen der Brudervereine hatten der Einladung Folge geleistet, so daß sich nach der Mittagspause zirka 130 Turnerinnen nach dem Spiel- platz begaben. Barlaus und Faustball wechselten mit anderen Spie- len ab, bis um zirka'A* Uhr das Signal zur Ausstellung zum 300- M e t e r- O u e r f e l d e i n l a u f gegeben wurde. Außer den 21 startenden Turnerinnen begaben sich alle übrigen nach dem Start oder verteilten sich auf der ganzen Linie, je nachdem das Terrain Interessantes versprach.■— Bald nach dem Start teilte sich das Feld der Läufer nach dem Passieren der Schlucht in zwei Noch einige 100 Meter, dann giugs vor dem Ziel zirka -i'-r v...... r erv____ Su vrfifirtTloYt Zwei Läufer, nnett erreichen fast gleichzeitig oben den Waldboden. Nun schnell noch die letzten 00 Meter durcheilt, und die Siegerin, Fräulein Hehde, 5. Fraucnabtcilung, passierte das Zielband. Dicht- auf folgte Fräulein Viek, 4. Frauenavleilung. das Ziel. Einige hundert Zuschauer wohnten dieser Veranstaltung bei und vcr- folgten mit Interesse die einzelnen spannenden Momente des Laufes. Die Beteiligung in, allgemeinen konnte wohl noch besser sein; es ist darum nötig, daß der Berliner Arbeiterschaft klar gemacht wird, daß nur der Turnverein Fichte für Turnen und sporttreibende Arbeiter in Betracht kommt. Resultate: Beteiligung am Start 21 Läuferinnen; 1. Fräulein Hehde, 3. Abteilung. 2,08 Min., 2. Fräulein Viek, 4. Abteilung, 2,10 Min., 3. Fräulein Borchardt, 1. Abteilung, 2,11 Min. Radrennen auf der Olympia-Bahn. Die Rennen am Sonn- tag standen im Zeichen des Motorcngcknatters. Der QLe�o ß e Preis von Deutschland, der von den zwölf Fahrern Beck, Bordoni, Elxleben, Guignard, Günther, Hall, Ryscr, Schipkc, Shcp- Herd, Sykora, Tiinmermaiin und Walthour bestritten' wurde und über 73 Kilometer führte, erforderte drei Vorläufe(über je 23 Kilo- metcr) und einen Hoffnungslaus, um die besten Fahrer für den Endlauf auszusieben. Leider brachte ein gegen 3 Uhr einsetzender Regen eine fast cinstündige Unterbrechung; die Dunkelheit brach her- ein und der Endlauf mußte nach 23 Kilometer gegen 6V2 Uhr abgebrochen werde». Die restlichen 30 Kilometer sollen heute(Mon- tag) abend 6 Uhr ausgefahren werden. Großer Preis von Deutschland für Dauerfahrer. 2000, 1300, 1000, 800, 600 M.. den Vierten der Vorläufe je 130 M., Hoffnungslauf dem Zweiten 400 M., ferner 300, 250, 200 M. 1. Vorlauf(23 Kilometer): 1. Günther in 10 Min. 344h Sek., 2. Beck 1120 Meter, 3. Shep- Herd 3020 Meter, 4. Sykora 9380 Metcr zurück. Günther hat von Beginn die Spitze; Shcphcrd und Sykora durch Radwechsel zurück- gcbjicben.— 2. Vorlauf: 1. Walthour in 19 Min. 2% Sek., 2. Timmermann 1910 Meter, 3. Schipke 2500 Meter, 4. Bordoni 4120 Metcr zurück. Walthour zeigt sich seinen Gegnern überlegen. 3. Vorlauf: Ryscr in 19 Min. 50% Sek., 2. Guignard 380 Meter, 3. Elxleben 2090 Metcr, 4. Hall 2530 Meter zurück. Anfangs führt Guignard; er wird aber nach dem 15 Kilometer von Ryser überholt, dem für sein gutes Fahren lebhafter Beifall gc- spendet wird.— Hoffnungslauf(auf 15 Kilometer gekürzt): 1. Timmermann in 12 Min. 2lVr, Sek., 2. Beck 210 Meter, 3. Schipkc 020 Meter, 4. Erxlcbcn 000 Meter, 3. Shepherd 1020 Meter zurück.— E n d l a u f(bei 23 Kilometer abgebrochen): 1. Walthour in 19 Min. IV�H Sek., 2. Günther 850 Meter, 3. Timmermann 990 Meter, 3. Guignard 1280 Meter zurück. Ryscr aufgegeben. Für Fahrer über die kurze Strecke war ein Rennen ,.E i n c r gegen Sechs" ausgeschrieben, in dem Lorenz in vier vcr- schicdenen Rennen gegen die Fahrer Bchrcnd, Frciwald, Jokiel, Krupkat, Linsener und Rchra zu kämpfen battc. Preise: 300 und 300 M. Lorenz gewann drei Rennen, während er im Vorgabe- fahren als Malmann unterlag. Das Taucrrudcrn der Freien Ruderer-Bundes fand gestern auf der Strecke Neues Vorwärstbootshaus— Köpenick und zurück statt. Das Nudern erstreckte sich diesmal auf 17,1 Kilo- metcr. Da eine weite Strecke eher einen Maßstab für das Kön- neu eines Ruderers ermöglicht, als eine kurze Regattastrecke, so ist auch das Interesse der Fachleute für das Dauerrudern größer als für die Regatta, die immer mehr zu einem bloßen Schaustück wird. Interessant war diesmal das Rudern auch noch dadurch, weil hier den Arbeiterrnderern Gelegenheit gegeben war, ihr Können mit dem der bürgerlichen Vereine zu vergleichen. Ter Rekord, der bei den bürgerlichen Vereinen auf 4 Min. 32 Sek. pro Kilometer steht, wurde um 11 Sekunden gedrückt. Nachfolgend die Resultate: l. Riemvierer„Vorwärts" 73,57 Min., 2. Riemvierer„Vorwärts" 75,0 Min., 1. Doppelvierer„Freiheit" 74,23 Min., 2. Doppelvierer „Kollegin" 77,34 Min.. 1. Doppelzweier„Vorwärts" 86,25 Min., 2. Doppelzweier„Vorwärts" 86,53 Min. Ter Turnverein„Fichte", 4. Lehrlingsabteilung, veranstaltet am Mittwoch, den 23. d. M., ein öffentliches Turn e n in der Turhalle Siemensstraße 20, abends 8— 10 Uhr. Gäste, besonders Jugendliche, sind herzlich willkommen. Fußballresultate: Der Berliner Fußballklub„Adler" spielte mit seiner 1. Mann- schaft gegen„Union", Pankow, und gewann nach ziemlich scharfem Spiel mit 3:0. Bei Halbzeit stand das Spiel 2:0. Das Resultat vom Spiel am vergangenen Sonntag ist noch dahin zu berichtigen, daß nicht„Borussia", sondern„Adler" mit 3:1 gewann.„Fichte", 15. Abteilung, gewann im Gesellschaftsspiel gegen„Jahn" Treptow mit 3:2; bei Halbzeit 2:0 zugunsten„Fichtes". Berliner Fußball- klub„Hansa" gegen Fußballklub„Ferber" 2:1, Halbzeit 2:1 zu- gunsten„Hansa. „Fichte", 11. Abteil., gegen„Fichte", 12. Abteil., 5: 3, Halbzeit 3: 1 für„Fichte 11".„R. B. C.", 1. Mannschaft, Hegen„Fr. T. Schönebcrg" 0: 0, Halbzeit 3:0 für„R. B. C.".„R. B. C.", 1. Jugendinannschaft, gegen„Fr. T. Reinickendorf" 3: 0, Halbzeit 2: 0 für„R. B. C.".„R. B. C.", 2. Jugendmannschaft, gegen„Fr. T. Schönholz" 2:1 für„Schönholz", Halbzeit 1:1.„Vorwärts"- Friedrichshagen gegen„Fichte 17", 1. Mannschaft, 4: 1 für„Fichte". „Hertha l 12" gegen„Fichte 18", 1. Mannschaft, 13: 1 für„Hertha". „Hertha", 2. Mannschaft, gegen„Fichte 16", 2. Mannschaft, 12:0 für„Hertha".„Fr. Sportvereinigung" gegen„Fichte 7", 1. Mann- schaft, 12: 0 für„Sportvereinigung".„Fr. Sportvereinigung", Jugendmannschafk, gegen„Stralauer Ballspielklub", 3: 0 für „Stralau".„Eintracht" gegen„Lichtenberg", 1. Mannschaft". 3: 0 für„Eintracht".„Viktoria", 2. Mannschaft, gegen„Wilmersdorf", 2. Mannschaft, 2: 0 für„Wilmersdorf".„Friedrichsselde I" gegen „Friedrichsfclde II", Jugendmannschaft, 10:1 für„Friedrichsfelde I".„Jung-Volk", Jugendmannschaft, gegen„Fichte 8", 18: 1 für„Jung-Volk".„Neuköllner Sperber", 2. Mannschaft, gegen „Pankower Union", 9: 1 für„Sperber".„Adler III" gcgcn „Borussia II", 0: 2 für„Borussia".„Allemania", Frd., gcgcn „Liberias", 1. Mannschaft, 2: 0 für„Allemania".„Fr. T. Rummels- bürg" gegen„Neu-Hcllas", 1. Mannschaft, 3: 2 für„Rummelsburg�. „Pankower Arbeiter-Turnvcrein" gegen„Reinickendorfer Fr. T., 1. Mannschaft, 3: 3.„Fichte 12", 2. Mannschaft, gegen„Spandau II, 7:0 für„Fichte 12".„Oberspree" gegen„V. F. B. Friedrichs- hagen", 2. Mannschaft, 7:1 für„F. B.".„Allemania"-Frledrichs- Hagen, 2. Mannschaft, gegen„Johannistaler Ballspielklub". 8: 3 für „Allemania".„Borussia", 1. Mannschaft, gegen„Fichte 3, 2:2. „Rummelsburg I", Jugendmannschaft, gegen„Adlershof", 10:1 für „Rummelsburg".„Fichte 8" gegen„Fichte 3", 6: 0 für„Richte 8. Bundesfpicl vom Arbeitcrturnerbund: Sport/lub„Vorwärts". Neukölln, 1. Mannschaft, gegen Freie Turnerschaft NowaweL 9:0, Halbzeit 3:0 zugunsten des„Vorwärts. „Vorwärts", 2. Mannschaft, gegen Freie Turnerschaft Schoneberg 1:1, Halbzeit 0:0.„Vorwärts", 1. Jugendabteilnng, gegen Alt- Glienicker Sportvereinigung 2:0, für„Vorwärts, Halbzeit 0:0. John mit 3145 und dritte Käthe Wagner mit 31 Punkten. Im Mannschaftskugclstoßen, 0 Mann, erzielte die 3. Männerabtei» lung mit 37,3 Metcr den ersten Rang; in dem der Frauenabtei- lungen siegte die 1. Frauenabteilung(6 Turnerinnen) mit 32,10 Meter. Die Arbcitcr-Samaritcr�Kolonncn des Kreises Brandenburg hielten am gestrigen Sonntag auf dem Gelände der Konsum» gcnossenschaft, Lichtenberg, Rittergutstraße 22/26, ihre diesjährige Kreisübung ab. Fast alle Llolonnen des Kreises waren vertreten. Außer den Kolonnen Groß-Berlin, Spandau, Maricndorf, Nowa- wes, Wilhelmsruh, Ober-Schöneweide, Alt-Glieuicke waren noch Vertreter von Bautzen und Elberfeld anwesend. Geübt wurde an Unfällen, wie sie der Betrieb gestattete. Eisenbahn- und Bauunfälle, Verletzungen durch Elektrizität, Grubengasvcrgiftnngcn, bei denen der Sauerstoffapparat Verwendung fand, gaben ein reichhaltiges Material, um das Können der Samariter zu zeigen. Ter Trans» Port nach den von der Berliner Kolonne gestellten fünf großen Ber- bandSzelten zeigte die praktische Ausbildung der Samariter. Sticht nur Tragbahren fanden Verwendung, sondern alle Arten Notbahren mutzten hergestellt werden, um den Transport der Verunglückten zil erleichtern. Auf dem Sammelplatz nahmen die leitenden Aerzte eine eingehende Kritik der angelegten Notverbände vor.— Tic zahl- reich erschienenen Zuschauer konnten sich ein klares Bild von der raschen und zuverlässigen Hilfeleistung der Arbetter-Samariter machen. Neukölln. Tie Frauenlese abende finden heute abend Viertels- weise statt. Für das 1. Viertel in den„Hohenstaufensälen, für das 2. Viertel in den„Passagc-Fcstsälen", für das 3. Viertel bei Felsch, Kncscbcckstraße, und für das 4. Viertel bei Bartsch. Hcrmannstraße. In sämtlichen Versammlungen Vortrag über:„Tie Sozialgefctz- gebung und die Frauen". für Weißensc 0 gegen Sportklub Hälften.----,> M 90 Meter steil bergauf. Da hieß es täpfer klettern und durchhalten._____ Verantwortlicher Redakteur: Carl Wrrmuth�Reukölln. Für' den Inseratenteil verantw.: TH.Gl»itr. Berlin. Druck n. Verlag: Vorwärt» �portklub Lichtenberg 8:0; Halbzeit 7:0 für Weißensee Weißensee, 2. Mannschaft gegen„Fichte", 4. Abteilung, 4:0, Halb- zeit 1:0 zugunsten des Weitzenseer Sportklubs. Das Abturnen der Männer- und Frauenabteilungen der Freien Turncrschaft„N e u k ö l l n- B r i tz" fand unter großer Be- teiligung auf dem Turnplatz in der Grenzallee statt. Es beteiligten sich am Scchskampf in der Mittelstufe 24, in der Unterstufe 32 Turner. Erster wurde Scheffel mit 101 Punkten, zweiter Hauer mit 94 und dritter Masuch mit 92% Punkten. In der Unterstufe wurde erster Pusch mit 101, zweiter Schigulski mit 93%. dritter Fuchs mit 93 Punkten. Am Fünfkampf der Frauenabteilung be- teiligten sich 46 Turnerinnen, in der Oberstufe 20, in der Unterstufe 26. Erste in der Oberstufe wurde Frida Klimaschsii mit 30, zweite Frida Krügel mit 40% und dritte Charlotte Rohr mit 38 Punkten. In der Unterstufe erste Frau Miethke mit 36%, zweite Frau k�norr-Suppen Nnct durch ihre stets gleichbleibende Qualität die I�ieblingsluppen der Rausfrauen geworden. jMes belfere Lebensmittel- Geschäft führt die Knorr- Suppen in der charakteristischen Alürf elpachung nämlich: Gelbe Würfel z Celler 10 pf.— 40 Sorten Rote Würfel 3 Celler 15 pf.= 6„ pikant. Cbenfo anerkannt find Kn orr-ßaf ermeb l, Haferflocken. neu W«°« ZigarreiigeschSft einrichtet, wende sich vertrauensvoll an die bekannte Firma Carl Röcker, Berlin, Grüner Weg 119.(Kömgstadt JSSi.) Alle bekannte» Tabake(Kapitän. Hanewacker,«jrimm u. Driepcl, jxopenyagener Kautabak usw.. Kapitän-Ranch- tabake. v. Gilten. Hamburg, Oldenkott, Goldfarb Dchnupflabak »»d andere; stets frisch. Zigaretten, denkbar größte Auswahl zu billigsten Fabrik- preiien: Jofetti. Garbatp. Zal. Aleikum. Manoli, Problem, Ccsterr. Regie, Russische und viele andere Sorten. Zigarren, mir In Qualitäten, welche seit Jahren in vielen Hunderten Geschäften bestens eingesührt sind, in jeder Preislage. Van der Kelac zurück. � Zahnoperationon mit örtl. Betäubung, für Kassenmilgl. ans Wunsch ohne Nach- zahl. Sprcchst.8— 8. Bitte dar.z. achten, daß sich m. Aldier nur Kunralr. R'lü, Eckh. Kaiser-Wilhelrn-Slr. 19 befindet. 30 Zieles simes - Die- Wochenschrift für Arbeiterfamilie» Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. /■ /-'/ iV S v?«W. PSe&wsusen in allen Farben direkt aus der Fabrik FlPleureusen Nc.50, 35cm. Ig..... 4.50 .„ 52, 50...... 9,50 „, 54, ca.OOcmlg. 2X9ekn. 20,00 , 55, ca. 65.„2Xgekn. 26.00| StrauBfedern Nr. 43, 45 cm lang.. 4,00 . 44,50,„-- 5,00 „ 45,55",■• 6.50 Boas. Stolas, Reiher in allen Preislagen, Umarbeitung aller Federn zu schönen Pleureusen»on 3 M. an, sowie Reinigen, Krausen und Farben. 1„Capstadt", Straußfedern-Fabrik Preisliste gratis. Hauptgeschäft: Kl. Frankfurter Str. 25 I, Ecke Kaiserstr., Kgst.2056 2. Geschäft: Kochstr. 38 I, an der Jerusalomor Kirche, Hol. 8093. | Hntforincnl Fedcrllüto _—-----------------..------. i�-�TnicSiias Olatie nT er* liefere an jedermann IVIöt>oX ICr-edit: bei Zahlunj einer Monatsnte laut Vereinbarung u. bequem. Abiehl. komplette Wohniino»-ElnrIchtnnBeii sowie einzelne MöbelstücKe, Polsterwaren, färb. Küchen Portieren, f** o l* 3 ft BD Lejb-u. Bettwäsche, Steppdecken, Teppiche, laaraanen, Betten. Kronen. Kinderwagen U3�. Garderobe tür Herren, Damen u. Kinder Pelze, Stolas, Muffen Grüssle Auswahl neuester Fassons | s. PQRry. Weinmeistersfr Eckb Alte Schönliauscr ■Ji 0 a B il jguchdruckeret u. Vertagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW»