Nr. 248. 3(K Jahrg. fl bonncments-Bedingungen: H vis Insertion;. Lediihr Abonnements. Weis prämuneiando: ZW! WS! WSlmmr uMl�r/ IHf Hl Hb HW MB r I � v-KSgt für die sechsgestialtcne«olonel. Vierleliahrl. SLV MI, monatl. 1,10 MI, f£S MW I vBM WD WM// Kw HM HB KS MM HiPr I Zeile ober beten!)iaum 00 Pfg, für wöchentlich 28 Psg, frei inS HauS. MW I MM HMfl MM t*>\ ML fffil|W MM MM■Hj f/ Bfl| WM ���7/ politische unb gewerlschoktliche Vereins- Einzelne Nunimer 5 Pfg, Sonntags- C Ifffl I IW MM MM �} IW Hfl WM BW HB HB W» MW f— 7/ uno Bersnmmlungs-�.n,eigen 80 Pfq "Ummer mit illuitnerier Sonntags. WWW jW �M>W UM MM RSr MM B» MM w) MM DM //„Kleine Hnzcigcn", ba-S fettgebrnSte Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post. WMM WM I WM W Wfl MM W> WI MM Wj MM � W KM I mL. Wort 20«fg. l zulässig 2 settgebruckte Nbonnemenl: 1,10 Mar! pro Monat. MM j MM MM MM HS Beb Bwb Bm HB 7jjBSm£SS&/ Worte), jebes weitere Wort 10 Pfa Eingetragen uz bie Post-ZeitunaZ. 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Er konnte nicht, wie etwa die Parteitage in Oesterreich oder Belgien, die mitten in den stürmischsten Kampfestagen abgehalten wurden, den Massen- streik als unmittelbar bevorstehend proklamieren, wenn das Kampfziel nicht anders durchzusetzen sei, sondern er mußte sich auf die Wiederholung der früheren Beschlüsse beschränken. War dies aber d�r Fäll, so verlor die Opposition gegen die Vorstandsresolution ihren wesentlichen Inhalt. Sie hätte nur Sinn gehabt, wenn sie den Standpunkt hätte festhalten können, den Massenstreik als unmittelbar einzuleitende Aktion von dem Parteitag beschließen zu lassen. Nach dem vorangegangenen Aufwand von heftigen Angriffen auf die Parteitaktik war aber das Bedürfnis noch zu drängend, die Oppositions- stellung beizubehalten und so wurde der Vorstands- rcsolution eine andere entgegengesetzt, die sachlich nichts anderes enthielt, und nur stärkere Worte gebrauchte. So litt die Diskussion unter der Zweideutigkeit, daß die ob- jektive Gestaltung der Situation nur eine Lösung zuließ, während die Nachwirkung der ursprünglichen Stellungnahme das subjektive Bedürfnis zu einer Auseinandersetzung auslöste, die unter diesen Umständen einen Persönliches Charakter an- nehmen mußte. Es ist also grundfalsch, wenn liberale Blätter und leider auch ein Parteiblatt, die einen jauchzend, das andere zu Tode betrübt, von einer Beisetzung des Massenstreikgedankens sprechen. Es ist ein Verdienst der Rede Franks und des Schlußworts von Scheidemann, diese Auffassung als völlig irrig erwiesen zu haben. Ob und wann der Massenstreik in Deutschland ge- führt werden wird, kann niemand sagen, das hängt von dem Widerstand der Herrschenden gegen das eherne Muß der politischen und sozialen Fortentwicklung einerseits, anderer- seits von der Angriffslust und dem Opfermut der Massen ab. Nichts törichter jedenfalls, das soll hier noch be- merkt werden, als die Phrase von der Unreife dieser Dienstag, den Ä3. September 1913. Massen. Die deutschen Arbeiter stehen an politischer Einsicht und Erfahrung hinter keinen anderen zurück, und wir sind überzeugt, daß sie in gegebener Stunde tun werden, was getan werden muß. Ebenso falsch ist es, von der Unreife der Verhältnisse zu sprechen. Gerade umgekehrt, weil in Deutschland die Klassengegensätze einen viel höheren Grad erreicht haben als irgendwo anders, hat der Massen- streik hier auch, ganz andere Bedingungen und ganz andere Bedeutung als in einem anderen Lande. Aber daß er be- sondere Bedingungen erfordert, die momentan, wie der Parteitag konstatieren mußte, nicht gegeben sind, sagt keines- wegs, daß diese Bedingungen nicht eintreten werden, wenn der Widerstand vor den Lebensnotwendigkeiten der Arbeiter- klaffe nicht zurückweicht. Es wäre ein großer Schaden gewesen, lvenn diese Ansicht nicht das deutsche Arbeiterparlament be- herrscht hätte. Vor diesem Schaden hat der Parteitag uns bewahrt. Aber viel mehr konnte er unter diesen Umständen, die ihm, wie Liebknecht sehr einsichtig sagte, in ungünstigster Zeit eine solche Diskussion aufdrängten, nicht leisten. Und die Frage ist wohl berechtigt, ob dies so kommen mußte. Es ist spezifisch literatenhaft, lvenn auch diese Meinung durchaus nicht auf Literaten beschränkt bleibt, zu meinen, daß man., durch die theoretische Erörterung einer so konkreten, unter den verschiedenen Umständen stets wechselnden Erschei- nung, wie es der Massenstreik ist. seiner Verwirklichung näher kommt. Was stellt man sich denn unter der Propaganda des Massenstreiks eigentlich vor? Glaubt man denn den Ar- beitern über die Natur des Streiks, den siL doch aus eigener Erfahrung kennen, erst noch besondere Aufklärung geben zu müssen? Oder fürchtet man.�sie seien zum Streik zu wenig vorbereitet, so daß, wenn die Situation eintritt, sie wegen der inangelnden Ausklärung ungenützt vorübergehen könnte? Ein Blick auf die Geschichte des Massenstreiks würde solche Ansicht unmöglich machen. Ueberall ist die Ueberzeugung, daß der Massenstreik als stärkstes politisches Mittel wirken kann,er Jenaer Parteitag hat jedenfalls kein Zeichen her Mauserung gebracht, und deshalb haben die„Scharf- macher" auch keinen Anlaß, wie die„Vossische Zeitung", die diesmal als Wortführerin der Schlappmacher auftritt, meint, ihre Taktik zu revidieren und den Revisionismus für gefähr- licher zu erklären wie den Radikalismus. Unsere Auffassung von der Bedeutung des Revisionismus haben wir schon kürzlich hier dahin ausgesprochen, daß sie in den V e r s ch l e i e r u n g s- d i e n st e n liegt, die er der Partei leistet. Er erhält die Mauserungslegende am Leben, macht die Sozialdemokratie sa- lonfähiger und mindert so daS Odium, mit dem die Liebes- dienste an die Sozialdemokratie die liberalen Parteien sonst be- laswn würden. Im übrigen ist es nur sehr bedingt richtig, in den Revisionisten gewissermaßen den gemäßigten Flügel der Partei zu sehen. Sind beispielsweise.doch gergde. fix: es gc- 'mfen, die den Gedanken des M a s s e n st r e it � in die Parte,' hineingetragen haben. Sobald sie aber einmal wirklich ver- 'Jüchen sollten, einer' gemäßigten; tatsächlich rsvifioNistischen" Politik das Wort zu reden, würde sich bald erweisen, daß sie Offiziere ohne Soldaten sind." Die Zentrumspresse sucht beide Ausfassungen, die liberale wi« die konservative, zu vereinen. Sie spricht zwar auch von dem Sieg des Revisionismus, erklärt diesen aber für einen noch gefährlicheren Gegner und ausgerechnet die„Germania" schreibt von dem grundsatzlosen Opportunismus in der— Sozialdemokratie. So widerlegen die Urteile der bürgerlichen Presse einander und uns bleibt die Gewißheit, daß das Verständnis unserer Be- wegung bei den Gegnern auch nach dem Parteitag von Jena nicht größer ist als vorher. fliwchie Im Reichsgericht? Da? Reichsgericht hat eine Entscheidung gefällt, deren praktische Nutzanwerrdung mit„Umsturz" gleichbedeutend wäre. Anarchie im Reichsgericht. Es scheint notwendig, daß man das tollkühne Unternehmen bei Licht betrachtet. Die großen Tages- zeitungen, die verstecken die alarmierende Meldung unter einer neckischen Ueberschrift irgendwo in der Gerichtssaalrubrik; es scheint also, daß man entweder von der revolutionären Tat wenig erwartet oder daß nran sie fürchtet(und sei es auch nur, weil man ein „heikles Thema" mit unangebrachter Zimperlichkeit rticht ernsthaft vor das Publikum zu bringen wagt). Denn es handelt sich um einen Verstoß gegen die von Staat und Kirche sanktionierte Ge- schlechtsmoral. Und der verwegene Ritter, der sich unterfangen hat, gegen diese ehrfurchtgebietend« Erscheinung die Lanze einzulegen, heißt: Deutsches Reichsgericht. Aber Fassung! Es ist nötig, daß die Angelegenheit mit ach» tungsvoller Gelassenheit betrachtet wird. Sehen wir zu. ES handelt sich um die Frage: Darf eine allein- stehende Dame Herrenbesuche empfangen— ohne sich unter allen Umständen nachteiligen Wirtungen auf ihre weib- lichc Ehre aussetzen zu müssen? Das Reichsgericht hat diese Frage in einem konkreten Falle ebenso mutig wie unzweideutig bejaht. Ein Berliner Haus- besitzer war an einen Mieter, der seinerseits an eine Dame weiter- vermietet hatte, mit dem Ersuchen herangetreten, der Untermieterin Herrenbesuche zu verbieten. Als Begründung dieses Verlangens hatte der Hauswirt angegeben, daß die Herrenbesuche bei der Dame anderen Mietern unangenehm aufgefallen seien. DaS Reichsgericht hat sich diese Auffassung— die mit den staatlichen Moralbegriffcn durchaus im Einklang steht— nicht zu«igen gemacht. Es hat vielmehr den Mut gefunden, ohne Ein- schränkung oder Vorbehalt die individuell-amoralistische(und also ..umstürzlerische") These auszusprechen: Das strikte Verbot von Herrenbesuchen ist eine Beschränkung der Persönlichkeit. Ohne jedoch bei diesem allgemeinen— wenn auch an sich schon bemerkenswerten— Satze stehen zu bleiben, ist das Gericht, frei von jeder kompromißlichen Lauheit, in der folgenden Begründung bis zur äußersten Konsequenz seiner Auffassung gegangen: „ES muß der einzelnen Person überlassen bleiben, inwieweit sie sich den Gesetzen der Sitte unterwerfen will. Will«ine junge Dame Herrenbesuch empfangen und bringt sie nicht gerade durch die Art der Besuche den Eharakter des Hauses in Verruf, so kann ihr daS Recht dazu nicht abgesprochen werden. Sie braucht sich auch nicht deshalb Beschränkungen aufzuerlegen, weil andere | poUtifcbe üeberlicbt Tie Regierung und das Verteuerungskartell. Das schöne Bündnis zwischen dem Aentrahverband deutscher Industrieller und dem Bund der Landwirte zur Bekämpfung der Arbeiterbewegung und Verteuerung der Lebensmittel wird nicht nur von der preußischen Regierung begünstigt, sondern direkt agitatorisch gefördert. Auf der Eröffnungsfeier der Ausstellung des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen hat am letzten Sonntag in Essen der preußische Landwirt- schaftsminister v. Schorlcmer-Lieser eine Eröffnungsrede ge- halten, die als immer wiederkehrendes Leitmotiv der schöne Ruf durchzieht:„Großunternehmer aller Be- rufe vereinigt Euch zur Mehrung Eures Profits!" Nach der Wolffschen offiziellen Meldung sagte der Land- wirtschaftsminister: „Anläßlich der Tagung in der ehemaligen Acker- und jetzigen Industriestadt Essen ist in der Einladung des La»dwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen der Wunsch zum Ausdruck gebracht worden, daß diese Tagung dem gegenseitigen Verstehen der beiden hervorragenden Erwerbsstände Deutschlands sörderlich sein und zu einer gegenseitigen Würdigung ihrer hohen wirtschaftlichen und nationalen Bedeutung beitragen möge. Namens der preußischen landwirtschaftlichen Verwaltung kann ich versichern, daß dieser Wunsch auch der u n s r i g e i st. Ich würde es tief bedauern und als einen unverantwortlichen, nicht wieder gut zu machenden politischen Fehler ansehen, wenn in der gegenwärtigen Zeit, w o die Erhaltung von Eigentum und Besitz, die staatliche Autorität ebenso wie die deSHauS- Herrn und Arbeitgebers in Handwerk, In- dustrie und Landwirtschaft in Frage ge- stellt wird, ortliche Reibungen und der gewiß be- rechtigte Widerstreit von Einzelinteressen Landwirtschaft, Industrie und Handwerk verleiten könnten, ihre großen gemein« schaftlichen Ziele im wirtschaftlichen Kampfe außer acht zu lassen und sich in dem Augenblick zu trennen, wo nur geschlossenes Zusammengehen gegen den gemeinschaftlichen Feind ihrer Existenz und auch die unseres Vaterlandes für die Zukunft sichern kann." Diese offene Sympathicerklärung der Regierung für das antisozialpolitische Untcrnehmerkartell ist recht wertvoll; öffnet es doch dem einfältigsten die Augen über den Charakter unserer hohen Regierung; doch haben wir auch ohnehin ge- wüßt, daß die preußischen Minister sich lediglich als Sach- Walter der Großindustriellen und Großagrarier betrachten. Zur Landtagswahl in Baden wird uns geschrieben: Der Aufmarsch der Parteien für die am 2t. Oktober d. I. stattfindenden badischen Landtagswahlen hat begonnen. Die sozialdemokratische Partei hat bereits ihre Kandidaten in den samt- lichen 73 Wahlkreisen aufgestellt. Im Zentrumslagcr hält man mit der Kandidatenaufftellung in verschiedenen Kreisen noch zu- rück, um sich Spielraum zu lassen für die„W ittumereien". Das Zentrum will bekanntlich die 1912 in Pforzheim bei der ReichstagSwahl angewandte Taktik auch bei der diesmaligen Land- tagswahl praktizieren und überall dort, wo es selbst keine Aus- sichten hat, im ersten Mahlgang jeden Gegner der So z ia l d e.Srok'rä't u N t c r s: ü tz e n. Doch' i�e'Rational- liberalen erleichtern dem Zentrum die Anwendung dieser' Taktik dürch einen"lNaü�el cnf Schla�fistfigkeit, hei!' jetzt/ vier Wochen vor der Wahl, schlechterdings nicht mehr zu verstehen ist. 54 Kandidaten sollen die Nationallibcralen nach einem zwischen ihnen und'den Fortschrittlern getroffenen Abkommen aufstellen— bis heute haben sie aber erst 35 Kandidaten aufgestellt. Auch die Fort- schrittler sind noch nicht überall fertig mit der Kandidatenauf- stellung. Inzwischen haben alle Parteien den Wahlkampf mit der Ver- anstaltung von Versammlungen und Verbreitung von Flugblättern aufgenommen. Die Nationalliberalen haben ihren Wahlaufruf herausgegeben. Er wendet sich in der Hauptsache gegen den Rechtsblock, dessen Sieg ein Verhängnis für das Land wäre. Tarauf wird die Einführung der Verhältniswahl Mieter des Hauses Anstoß daran nehmen. Selbst wenn der Herrenbesuch zu unsittlichen Zwecken stattfand, ändert das nichts an der Auffassung des Gerichts. Es geht niemand etlvas an, tvas hinter verschlossenen Türen zugeht." Das bedeutet vom Standpunkt der herrschenden Sexualethik nichts Geringeres als offene Rebellion einer hohen Staatsbehörde gegen die vom Staat protegierte Sozialethik. Sachlich fit es hierbei gleichgültig, ob diese Behörde in ihrem mutigen Bekenntnis zu einer freieren Moralauffassuug die Forderung aller Gebildeten ausspricht, denen die Befreiung der Menschheit von unzeitgemäßen Moralbegriffen ein Postulat menschlicher Freiheit überhaupt dünkt. Wir stehen hier also vor der verblüffenden Tatsache, daß ein wichtiges Organ des Staates dieMoralderOrganisation, der eS dient, desavouiert. Hunderte von Gerichtsver» Handlungen und andere Aeußerungen staatlicher Willensbetätigung haben bis auf üen heutigen Tag in Dingen der Sexualethik eine absolut gegenteilige Ausfassung dokumentiert. Auf einmal trägt das Reichsgericht gewissermaßen den Forderungen der Zukunft Rechnung, ohne scheinbar mit den Hemmnissen der Gegenwart zu rechnen. Da fragt man sick: Sollte sich eine Körperschaft von so hoher Bedeutung bei Abfassung des Erkenntnisses dieses Wider- spruchs nicht bewußt geworden sein? Und wenn cS sich dessen beimißt war: wie gedenkt es seine fortgeschrittene Auffassung in der Wirklichkeit gegenüber den entgegengesetzten Forderungen der herrschenden Morql zu behaupten? Aber lassen wir solche Erwägungen ruhig auf sich beruhen. Die Entscheidung hat so viel Bedeutung für die Wirklichkeit, daß ein Hinweis auf ihre praktische Geltungsmöglichkeit mehr als jede philosophische Auseinandersetzung geeignet ist. den Vorwurf der Inkonsequenz zu begründen. Man braucht nur die„Sittenpolizei" zu erwähnen. Wir haben mit dieser Einrichtung Erfahrungen gemacht, die den Schluß zulassen, daß diese Behörde in der Auffassung über die persönliche Freiheit alleinstehender Frauen unbedingt mit dem Reichsgericht kollidieren muß. Die Sittenpolizei ist mit sehr weitgehenden Befugnissen aus- gestattet. Sie darf— wie bestimmte Fälle gezeigt haben— unter Umständen ohne weiteres bei alleinstehenden Frauen eindringen, um sich zu vergewissern, ob etwa ein— nicht.konzessionierter unmoralischer Lebenswandel vorliegt. Sie darf sich sogar sogenannter „Vigilantinnqn" bedienen, deren Aufgabe es ist,„verdächtige" Frauen gelegentlich auf die Probe zu stellen,„inwieweit sie sich"— um mit dem Reichsgericht zu reden—„den Gesetzen der Sitte unterwerfen wollen". Wir haben also auf der einen Seite amtliche Instanz Nr. 1. Deren Aufgabe ist es, alleinstehende Frauen zu überwachen und nötigenfalls einzuschreiten"— das heißt: wenn sie Herrenbesuche für die Wahlen zum Landtag gefordert, und dann folgen allerlei schöne an die Landwirtschaft, die Industrie, den Handel, die Ge- wcrbetreibenden und Handwerker, an Beamte, Lehrer und Ar» beiter gerichtete Versprechungen, alle sollen nach nationakiberaler Fasson selig werden. Unsere Partei hat die Rede des Genossen Dr. Frank auf dem diesjährigen badischen Parteitag in Broschürenform an die Landtagswähler im ganzen Lande zur Verbreitung gebracht. Diese Rede Franks enthält das Wahlprogramm der Sozialdemo- kratie. Sie weist. auf die Leistungen der sozialdemokratischen Fraktion im verflossenen Landtag hin und zeigt, was im kommen- den Landtag geleistet werden soll. Im Jahre 1909 erzielte unsere Partei bei den badischen Land- tagswahlen einen überraschend guten Erfolg. Die Zahl der so» zialoemokratischen Stimmen wuchs von 59 431 im Jahre 1995 auf 89 835, während die des Zentrums und der Konservativen von 137 999 auf 118 999 zurückgingen. Tie Sozialdemokratie ver- mehrte' 1899 ihren Mandatsbesitz von 12 auf 29, während die Nationalliberalen 6, die Konservativen ein Mandat und das Zentrum 2 Mandate verloren. Der sogenannte Großblock, der 1995 41 Sitze im Landtag innehatte, besaß 1999 deren 44, während der schwarz-blaue Block von 32 auf 29 Sitzen zurückging. Der Erfolg unserer Partei im diesmaligen Wahlkampf wird wesentlich davon abhängen, inwieweit es uns inzwischen gelungen ist, die im Jahre 1999 gewonnenen 36 999 LandtagSwähler zu Par- teigenossen zu machen und in den Kreisen der Wähler neue An- Hänger zu werben. Von dem Erfolg unserer Partei wird auch wesentlich der Sieg über den Rechtsblock, die Verhinderung einer klerikal-konservativ.en Mehrheit abhängen. Aber für sich allein können unsere Genossen das Ziel, die Verhinderung einer k l e ri ka l- k o n se r va t i v e n Mehrheit im ba- dischen Landtag, nicht erreichen. In dieser Erkenntnis hat bekanntlich der letzte badische Parteitag fast einstimmig einem Ab- kommen zugestimmt, das zwischen der Nationalliberalen Partei, der Fortschrittlichen Volkspartei und Sozialdemokratischen Partei vereinbart wurde. Nach diesem Abkommen sind Fortschrittler und Nationalliberale verpflichtet, in fünf bisher zu dem Besitzstand der Sozialdemokratie gehörigen Wahlkreisen selbständige Kandi- daturen für den ersten Wahlgang aufzustellen. Damit soll die Absicht des Zentrums, durch Unterstützung jedes Gegners der So- zialdemokratie den Mandatsbesitz der Sozialdemokratie schon im ersten Wahlgang derart zu dezimieren, daß unsere Genossen die Liberalen im zweiten Wahlgang aus Verärgerung durchfallen lassen, durchkreuzt werden. Dieses Großblockabkommen für den zweiten Wahlgang wurde von den Nationalliberalen und den Fortschrittlern, gleichwie von unseren Genossen gutgeheißen. Auf der Landesversammlung der Nationalliberalen hat denn auch deren Führer, Hofrat R e b- mann, die Erwartung ausgesprochen, daß dasselbe strikte ein- gehalten werde. Er hat die Wacker sche Taktik als eine Spekulation auf die Charakterlosigkeit bezeichnet und es als eine Frage des Taktes und der persönlichen Ehre bezeichnet, daß man sich„aller und jeder geheimen und offenen, direkten und indirekten Verhand» lungen mit dem Zentrum und den Konservativen enthalte". Der damals ausgesprochene gute Wille des nationalliberalen Führers hat eS freilich nicht hindern können, daß nationalliberale Bezirks- und Ortskomitees das Abkommen schmählich durchbrachen. So haben die Nationalliberalen in Rastatt-Stadt einen eigenen, beim Zentrum in Gnaden stehenden Kandidaten aufgestellt; auch in verschiedenen anderen Bezirken haben die Nationalliberalen sich bei,,dev'Aüfstcllung ihrer Kandidaten offenbar von der Hoff- n,xng'asis->j>eNtrümkiche oher konservative Hilfe leiten lassen. Das ist eine zwiespäliige Haftung, die den National� liberalen sehr verhängnisvoll werden kann. Die nationalliberale Partei zeigt sich im gegenwärtigen Wahlkampf als die Partei der unbegrenzten Möglichkeiten. War es doch sogar möglich, daß ein Mitglied und Vertrauensmann der nationalliberalen Partei eine ihm vom Zentrum und den Konservativen angebotene Kandidatur annahm! Unsere Genossen in Baden sind durch diese jämmerlichen Er- 'cheinungen nicht enttäuscht; sie lassen dessentwegen das Ziel nicht aus dem Auge. Es gilt einen harten Kampf auszufechten gegen die Reaktion, es gilt, deren Sieg zu verhindere Ihnen steht ein von der Regierung und den bürgerlichen Parteien reich ausgestattetes Waffcnarsenal zur Verfügung. Die Nichtbe- empfangen, an denen„andere Hausbewohner Anstoß nehmen". Auf- der anderen Seite haben wir amtliche Instanz Nr. 2, die der allein» Gehenden Frau versichert, sie brauche sich nicht Beschränkungen aufzuerlegen, wenn andere Hausbewohner an Herrenbesuchen An- 'wß nehmen..., selbst nicht, wenn der Besuch zu unsittlichen Zwecken stattfand. Wie will da gegebenenfalls die Sittenpolizei vor dem Reichs- geeicht und wie will das Reichsgericht vor der Moral seines Auf- traggebers bestehen? Vor allem aber: Wie wollen beide vor der Frau bestehen, die sich im Vertrauen auf die Grund- ätze des Gerichts hinter verschlossener Tür ihren privaten Neigungen überläßt, um sich plötzlich einer Sittenpolizei ausge- liefert zu sehen, der vom Staat das Recht gegeben wurde die reichs- gerichtlich geschlossene Tür mit Gewalt aufzubrechen? Ist das Gericht in diesem Falle willens und in der Lage, für die Konsequenzen seiner Entscheidung einzustehen und der Frau Genugtuung zu geben, indem es die Sittenpolizei zur Ordung ruft? AuS alledem ergibt sich, daß die Auffassung des Reichsgerichts— so menschlich frei und großzügig sie aus den ersten Blick erscheinen! mag— im Grunde eine Unmöglichkeit ist, solange es eine Sitten- Polizei gibt. Hier heißt cS: Entweder alles oder nichts— sonst bedeutet der neue Standpunkt eine Halbheit, die lediglich geeignet ist, neue Verwirrungen anzurichten. Die praktische Nutzanwendung der freieren Moralauffassung würde im übrigen unter den be- stehenden sittenpolizeilichen Vorschriften und Praktiken das weitere Uebel zur Folge haben, daß bald kein Mensch, der an eine noch so anständige Dame mit den anständigsten Herrenbeziehungen ver- mietet, vor dem Verdacht der Kuppelei bewahrt bliebe. Die fortgeschrittene Bevölkerung hat also keinen Grund, die Entscheidung des Reichsgerichts— die aus noch so ehrlichen Mo- tiven geflossen sein mag— als einen wirklichen Fortschritt zu be- trachten— ebensowenig, wie die schwarzblaue Reaktion Anlaß hat, über eine gesetzmäßige Umwertung der Sexualethik ans dem Häuschen zu geraten. ES war ein blinder Schuß, und man möchte darauf schwören, daß seit jenem einen Erkenntnis inzwischen in allen Teilen des Reiches hundert andere die an sich lobenswerte „oberinstanzliche" Auffassung eck sbsurckum geführt haben. Denn eine gesetzmäßige Umwertung der herrschenden GeschlechtSmoral kann nicht neben einer Sittenpolizei wirksam werden, deren Wirk- samkeit ja eben durch den Fortbestand der herrschenden Moral be- dingt ist. Man wird also die Hoffnung auf eine wirkliche Umwertung veralteter Moralbegriffe nach wie vor auf jene Kräfte setzen müsset«, die vielfach noch von der Autorität des Staates gerade deshalb als feindliche Mächte betrachtet werden, weil sie nicht für Kompromisse zu haben sind, sondern unter allen Umständen ganze Arbeit leisten wollen. tzfeta Sch«. rücksichiigung einer Steide selbfwerständlicher Forderungen der Arbeiterschaft, die Stellungnahme der Negierung und der Be- Hörden zu den Kämpfen zwischen Kapital und Arbeit, die mehr und mehr sich breit machende Klassenjustiz, dazu die ungeheuerliche Ber- teucrung der Lebenshaltung und die Vermehrung der Heeres- lasten, alles das fördert die Agitation der badischen Genossen, llebcr- all im Reiche wird man diesen Kampf mit Interesse verfolgen, überall wird man auch wünschen, dah der Kampf einen Sieg bringe für unsere Genossen und das} es gelingen möge, die Hoffnungen der Reaktion gründlich zunichte zu machen. »* « Der in der obigen Tarstellung erwähnte Aufruf deü National- liberalen lautet in seinem wesentlichsten Teil: „In unserer engeren Heimat dürfen wir auf ein halbes Jahrhundert einer ruhigen, glücklichen Entwickelung zurück- blicken, an der die Nationalliberale Partei in vorderster Linie gearbeitet hat. Der Fortgang dieser EntWickelung ist aber schwer bedroht,«enn eine klerikal-konservative Mehrheit in den Land- tag einzieht. Eine solche Mehrheit abzuwehren, ist das wichtigste Ziel des bevorstehenden Wahlkampfes. Um dieses Ziel zu sichern, hat die Nationalliberale Partei ein W a h l a b k o m m e n mit der Fortschrittlichen Bolkspartei für die Hauptwahl getroffen. Außerdem haben die beiden libe- ralen Parteien mit der Sozialdemokratie vereinbart, daß bei diesen Wahlen zur Abwehr einer klerikal-konservativen Mehrheit ein Abkommen für die Stichwahlen getroffen wird. Diese Wahlabkommen lassen aber allen Parteien, die daran beteiligt sind, so auch der Nationalliberalen Partei, die volle innere Freiheit; in keiner einzigen politischen oder Wirtschaft. lichen Frage ist sie gebunden, in keiner wird sie im Landtag anders stimmen, als das eigene, gewissenhafte Ermessen ihr vor- schreibt. Sie ist und bleibt troy des Wahlabkommens insbe- fondere eine scharfe Gegnerin der Sozialdemokratie, von der sie grundsätzliche Anschauungen in wichtigen Lebensfragen unseres Volkes, vor allem in nationalen Fragen und in Fragen unserer Staatsform und Gesellschaftsordnung trennen." „Unseren Hauptkampf haben wir in den bevorstehenden Wahlen mit dem Rechtsblock zu bestehen. Das Zentrum, in Verbindung mit Konservativen und den Anhängern LeS Bundes der Landwirte, unternimmt erneut mit äußerster Kraftanstren- gung einen Anlauf, um die Mehrheit im Badischen Lanotag zu erringen. Der Sieg des kerikal-konservativen Blocks wäre ein Verhängnis für unser Land; wir werden unsere ganze Kraft einsetzen, ihn zu verhindern. Das in Baden gültige geheime, gleiche und direkte Wahl- recht soll uns erhalten bleiben. Die dem Wahlberfahren aber anhaftenden Mängel wollen ivir beseitigt wissen durch Einführung der Verhältniswahl. Von ihr erwarten wir die volle Gerechiig- keit, die allen Parteien gleichmäßig zugute kommt und die bis- her üblichen Wahlabkommen entbehrlich macht, den Schutz der Minderheiten und die Gewähr für eine ruhige Entwickelung unseres Landes und die stetige Wciterbiloung seiner freiheit- lichen Einrichtungen. Die Erkämpfung der Verhältniswahl wird die wichtigste Aufgabe des nächsten Landtages sein." fortschrittliche Oeffentlichkeitsfurcht. Am Sonnabend und Sonntag hielt die Fortschrittliche Volks- Partei in Magdeburg einen Parteitag für die Provinz Sachjen ab. Tie Veranstaltungen des Sonnabends beschränkten sich auf eine öffentliche politische Festvenammlung, in welcher unter anderen Reichstagsabgeordneter Weinhausen die Stellung der fort- schrittlichen Reichstagsstaktion zu verschiedenen Fragen, wie der Wehr- und Deckungsvorlagc usw. darlegte und Rektor Kopsch allerlei Betrachtungen über innerpolitische Verhältnisse anstellte und in phrasenreichem Ueberschwang die Fortschrittliche Volkspartei glorifizierte. Der Inhalt, der Sieden, iirteresfiert hier im.übrigen Nicht weiter. Der Sonntag war den Verbandlungen der Delegiertenversamm- lung vorbehalten. Auf besondere Einladung hin waren drei Ver- treter der bürgerlichen Presse Magdeburgs erschienen, und einem sozialdemokratischen Berichterstatter war auf Anfrage vom Vorsitzenden des ProvinzialverbandeS, Stadtrat Wolff sMagdeburg), im Einver- ständnrs mit seinem Vorstandskollegen Rechtsanwalt Herzfeld sHalle) ebenfalls die Anwesenheil gestaltet worden. Als eben die Begrüßungsansprache verklungen war, nahm jedoch der Chefredakteur der fortschrittlichen„NordhäuserZeitung", Nebe lung lNordhauien), das Wort, um gegen die unbeschiänkte Zulassung der Presse zu polemisieren; er beantragte, drei Punkte der Tagesordnung, nämlich gerade die Punkte, die ei» öffentliches Interesse beanspruchen, in nichtöffentlicher Sitzung zu verhandeln. Es handelte sich dabei um die Berichterstattung der Bezirksverbände über die Vorgänge im Bezirk mit besonderer Berücksichtigung des Provinzial- obkommens mit der Nationalliberalen Partei gelegentlich der letzten Landtagswahl, um die Organisation und Agitation in der Provinz und schließlich um die Frage:„Ist ein Zusammenschluß der fortschrittlichen Mitglieder kommunaler Körperschaften für die Provinz not- wendig?" Nach kurzer Debatte, in der aber nicht etwa gegen den Antrag Nebelung polemisiert wurde, ließ der Vorsitzende über die Frage ab- stimmen, ob überhaupt geheim verbandelt iv erden solle. Die Frage wurde mit erdrückender Mehrheit, wenn nicht einstimmig bejaht! Daraus verließen die vier Presse» Vertreter den Saal. Die bürgerlichen Berichterstatter waren besonders erbost darüber, daß sie hinausgewiesen wurden. obwohl sie ausdrücklich eingeladen worden waren. Der Antrag st eller hat sich umsonst mit Ruhm bedeckt, da er selb st Angehöriger der Presse ist. Der blamable Beschluß dürfte in der Hauptsache auf die Furcht zurückzu'ühren sein, allerlei erbauliche Dinge, die sich bei dem Landtagswahl-Kuhhaudel mit den Nationalliberalen abspielten, könnten bekannt werden. Von besonderem Vertrauen in die Stärke der eigenen Position zeugt das nicht gerade. Betrügereien in einer agrarischen Genossenschaft Vor einiger Zeit beschäftigten sich die Zeitungen mit Unregel- mäßigleiten im Betrieb der„Masurischen Landwirtschaftlichen Betriebs» genossenschaft" in Johannisburg. Dort waren stark mit Sand durchsetzte Leinlucheninehle verkauft und auf dem Speicher der Genossenschaft waren Haferspelzen in Gersten- schrot eingemischt und als vollwertig verkauft worden. Die AufsichtS- organe der Genossenschaft erklärten diese Beschuldigungen einfach als unwahr; es ist aber gerichtlich festgestellt ivorden, daß sie zutreffend sind. Der Winterichuldirektor KerschowSki hatte de» Direktor der Genossenschaft Mickleh der unreellen Handlungsweise beschuldigt, worauf dieser Beleidigungsklage anstrengte. Vor Gericht sagten drei frühere Speichcrarbeiter der Genossenschaft unter ihrem Eide aus, Direktor Mickley hätte sie beauftragt, Reiskleie, Hirsekleie, Gerstenkleie und andere minderwertige Sachen m Roggen- und Weizen- kleie bezw.Getreideschrot einzumischen. Zwei weitere Zeugen erklärten, sie hätten von dem GenossenschastSdircktor de» Auftrag erhalten, Hafer- fpelzen in Gerstenschror einzumischen. Dieses Gemenge wäre dann als Gerstenschrot an die Kunden abgegangen. Ein anderer Zeuge bekundete, Mickley halte ihm befohlen,' ein unbekanntes sehr schweres Weiße« Mehl in Kleie zu mengen. Das Schöffengericht erklärte, daß der Beweis der Wahrheit für dieses unreelle Geschäfts- gebaren erbracht sei. Nur wegen formaler Beleidigung verurteilte es den Angeklagten zu 30 M. Geldstrafe. Konfessionelle Stenographie. � Die deutsche„Stenographen-Zeitung" berichtet unter der Ueber- schrifl.Stenographie und Politik": „Nach der.Neuwacht" Kämpfe so heftig, daß die Gefahr besteht, daß aus der jetzigen prole- tarischen Partei eine neue proletarische Partei entsteht.(Stürmische Zustimmung.) Der hier gesperrt gedruckte Satz ist auch„Vorwärts" vom 29. Juli gesperrt gedruckt. Wichtiger als die Feststellung des Wortlautes erscheint uns, daß Genosse Geyer auf dem Parteitag seine Ausführungen erläutert und ihnen dadurch den bedenklichen Sinn genommen hat. Die Sozialisten Japans zu Bebels Tod. Aus Japan ging uns folgendes Schreien zu: Tokio, 6. September 1913. Liebwerte Genossen Deutschlands! Wir haben in den japanischen Zeitungen die telegraphische Nachricht gelesen, daß der von uns hochgeehrte Hauptsührer der deutschen Sozialdemokratie, Herr Bebel, so unvermutet rasch ver- schieden ist. Wir sind über seinen frühen Tod sehr traurig, und auch uns im fernen Osten trifft der große Verlust schmerzhaft. ES ist uns, als ob ein helles Licht erloschen seil Aber wir sehen seine kühne Arbeit ewig bestehen, und sein bOjähriges unermüdliches Wirken für den Sozialismus gleich fruchtbar und segenSvoll, wie eS daS unseres Vaters Marx gewesen ist. Unsere noch unentwickelte japanische Organisation, die noch immer mit der Feindschaft der Regierung zu kämpfen hat und sich noch leine öffentliche Position schaffen konnte, hat als Ersatz einer öffentlichen Trauerfeier in geschlossener Sitzung dem Andenken des großen Mannes gehuldigt und beschlossen, den Genossen im Deutschen Reiche den Ausdruck aufrichtiger Teilnahme und herzlicher Sympathie für die großen Ziele der Partei zu Übermittelm. Mit brüderlichem Gruße die trauernden Genossen Japans. _ I. A.: Dr. med. T. Ueber den Parteitag in Jena nahm eine Kreisversammlung des sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Waldenburg in Schlesien den Bericht entgegen. Genosse Abgeordneter Sachse sprach im Sinne der Parteitagsmehr- heit über die Sleuerfrage, den Massenstreik usw. In der Diskussion nahm der Redakteur des Waldenburger Parteiorgans, Genosse Schiller, sowie ein anderer Redner eine etwas abweichende Stellung ein. ES wurde aber schließlich eine Resolution einstimmig an- genommen, die ihr Einverständnis mit den Beschlüssen des Parteitags ausdrückt. Totenliste der Parte«. In Mühlhause ii(Thür.) verstarb am Donnerstag der Krankenkassenbeamte Genosse Otto Schäfer imAlter von 40 Jahren. Er ist mit der Bewegung des Wahlkreises Mühlhausen-Langensalza- Weißensee, die er aus kleinen Anfängen auf die jetzige Höhe bringen half, durch jahrelange Tätigkeit auf das engste verwachsen. Elf Jahre hindurch bekleidete er den Posten eines Kreisvorsitzenden, und von 1907 an war er als Reichstagskandidat für den Ltreis auf- gestellt, bis er in diesem Frühjahr die Kandidatur wegen seiner Er» krankung niederzulegen gezwungen war. Auch als Stadtverordneter wirkte er mehrere Jahre lang. Selbst der Magistrat und der Stadt» verordnetenvorsteher erkannten diese Tätigkeit in einem Nachruf an, in dem es heißt:„Herr Schäfer war ein eifriger, fleißiger Mit- arbeiter in der Stadtverordnetenversammlung; wir bedauern auf- richtig sein frühes Dahinscheiden. Sein Andenken wird in Ehren gehalten werden". Am Sonntag früh starb in Altenburg der Genosse Edmund B u ch w a l d im Alter von 65 Jobren. Genosse Buchwald hat 21 Jahre hindurch dem Altenburger Landrage als Mitglied angehört und verlrat den Altenburger Reichstagswahlkreis von 1903 bis zur Auflösung IVOS auch im Reichstage. Die Altenburger Partei- organisation verdankt ihm außerordentlich viel. Die Genossen werden ihm ein dauerndes Andenlen bewahren. Hetzte Nachrichten. Ter Stettiner Magistrat in Nöten. Stettin, 22. September.(ST T. B.) Der Magistrat wird in den Morgenblättern vom Dienstag folgende Bekanntmachung veröffentlichen: Durch den Ausstand der städtischen Hafenarbeiter sind wir genötigt, den Zwischenumschlogbetrieb im Frcibezirk und am Dunzigkai heute, Dienstagabend, bis auf weiteres ein zu- stellen. Der Umschlagbetrieb wird aber morgen, Mittwoch früh, durch einen Privatunternehmer, dem die nötigen Arbeits- kräfte zur Verfügung stehen, aufgenommen. Während der Dauer dcS Ausstandes iverdcn die städtischen Kais, Kräne, Lagerräume und Bureaus im Freibezirk und Dukzigkai dem Unternehmer zur Verfilgung gestellt. Der Betrieb erfolgt für seine Rechnung gegen 'eine Vergütung, die nach den Sätzen der städtischen Hafentarife mit einen, Zuschlag von 100 Prozent berechnet wird. Die beliebte Methode eigensinniger Unternehmer. Mag der Streit ihnen auch Unsummen an Geld kosten, die berechtigten Forde- rungen der Arbeiter dürfen nicht anerkannt werden, darunter leidet ihr Herr-im-Hause-Standpunkt. Red. d.„V.".) Mangelhafter Jugcndschutz der Arbeiterschubkonserrnz Bern, 22. September. Die Kommission für dos Verbot der Nachtarbeit Jugendlicher hat das Inkrafttreten dieses Verbotes für die Glasindustrie und einige Zweige der Metallindustrie auf längere Jahre hinausgeschoben, als der Entwurf der internationalen Ver- einigung es vorgesehen hatte. Die Arbeiten der Kommissionen werden morgen beendigt sein, so daß die Schlußsitzung im Plenum der Konferenz voraussichtlich Mittwoch stattfindet. Der Dockerstreik in Manchester. London, 22. September.(W. T. B.). In der heukige» Kon» ferenz der Vertreter der Manchester Ship Canal Company mit den Vertretern der ausständigen Dockarbeiter ist leint Verständi» gung erzielt worden. Der Streik dauert daher fort. Auf den � Docks in Manchester ruht alle Arbeit. Eine Flugleist, ing mit sieben Passagieren. London, 22. September.(W. T. B.) Der Flieger LottiS Noe l blieb heute mit seinem Flugzeug auf dem Flugplatz von Hendon mit sieben Passagieren 17 Minuten 36 Se- künden in der Luft und stellte damit einen neuen Welt.« rekord auf. Eisenbahnkatastrophe in New Aork. New Kork, 22. September.(P. C.) Ein schwerer Eisenbahn» Unfall ereignete sich heute mittag am College Point in der Nähe von Long Island. Zwei vollbesetzte elektrische Züge stießen in voller Fahrt ktufeinander. Drei Personen sind tot, 4V ver* wundet, darunter viele schwer. Ein später Rächer seiner Ehre. � Prag, 22. September.(SB. T. B.) Hier schnitt heuke stcr ö8jährige Bauwächter Posledni seiner Gattin, mit der er 32 Jahre verheiratet war, den Hals durch, weil er von einem Ehe- bruch erfahren hatte, den die Frau vor 30 Jahren bc» gangen hatte. Vorher zwang er seine Gattin zu einem schrift» lichen Geständnis ihres Fehltrittes. Die Frau ist wt, der Mörder wurde verhaftet. 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September 1913 unter den oon derselben veröffeut« lichten Bestimmungen statt. Samt» liche grogjährigen Mitglieder unserer Kasse sind wahlberccht. Zur Aus« gäbe von Wahltarten ist das Kassen« lokal täglich von 8—2 und von 5—7 Uhr geöffnet. Gcmäff§ 301 R.-P.-O. bringen wir dieses zur öffeiitlichen Kenntnis und fordern etwaige Gläubiger auf, ihre vermeintlichen Ansprüche inner- hatb drei Monaten nach dem Tage dieser Bctanntmachung geltend zu machen. Die Bezahlung später zur Anmeldung gebrachter Forderungen kann verweigert werden. 276/13 Dvp Torntand. R. Nitschke, R. Teichmann, Vorsitzender. Schristsuhicr. Orts Krankenkasse für das Goidsehmiede-Geverde zu Berlin. Bekanntmachung. Durch Beschlug des Königlichen Obervcnicherungsamlcs Groh-Berlin vom 30. August 1913 wird die Kasse am 3l. Dezember 1913 geschlossen und gehören die Betriebe sowie die Versicherten vom l. Januar 1914 der Allgemeinen Orlskiaiikenkasse der —m, B■ Stadl Berlin an.»76/14 IIP. SIBtllTICB a,®'1 Wnocn dies gemäss ß 301 der m«�1■■■■■■*' R.-V.-O. zur öffentlichen Kenntnis und sorderst alle Gläubiger aus, binnen drei Monaren nach der Be« Spezisl-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, wintzpiTu 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. Kiiiintii- und Krauihiiidkrtj von koderl HeveF, Jnh.: dSutleta Marianncnftr. 2. Tel. Mpl. 346. fannlmachung ihre Forderungen an« zumelden Die Befriedigung fpäter einlaufender Forderungen kann oer- weigert werden. Die Wablen zum AuSfchuss finde» am 28. September d. I. statt und verweisen wir aus die Bekanntmachung der Allgemeinen Orts-Ktankenlafse vom 23. August 1913. Der Bentand. A. Wilke. H. Hertz, Vorsitzender._ Schrislsührer. Utz. Blecke, Berlin. Druck u. Beriaa: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanftalt DaulSinger5!Co..BerllnSW. Hierzu 3 Beilagen u.Untcrhaltungsbl, Nr. 248. 80. Jahrgang. 1. Skilm ilks Jutmötls" Keilim öoltetilstt. pitnshs, 23. Zeptembn 1913. Die Fartelpreife über den Parteitag. Hamburger Echo. . Nur in der Frage der Arbeitslosigkeit kam ies zu einem einhelligen Votum der ganzen Versammlung und zeigte die Geschlossenheit der Partei der kapita- listischen Gesellschaft gegenüber. Aber in Fragen der Taktik kamen starke Abweichungen der Auf- fassungen und Meinungen vor. So zum Beispiel in der M a s s e n st r e i k d e b a t t e. Aber wenn es sich hier wesentlich um Grade in der Beurteilung der Möglichkeiten und der Be- dingungen handelte, so kamen bei der Besprechung der Steuer- frage sich scharf entgegengesetzte Auffassungen zum Vorschein. Wir glauben«ber nicht fehl zu gehen, wenn wir sagen, daß hier die Schärfe des Gegensatzes weniger aus der Sache selbst stammte, als daher, daß die Diskussion au einen mißlichen konkreten Fall anknüpfte. Auch die Debatte über den Massenstreik litt ja da- runter, daß sie zu einer unglücklichen Zeit hervorgerufen wurde, und daß sie mehr auf vorhergegangene Preßäußerungen und -Polemiken zugespitzt wurde, als auf die Kernfrage. In weit höherem Grade war das aber bei der Steuerfrage der Fall.... Tatsächlich wird der Beschluß des Parteitags, die Annahme der Wurmschen Thesen, nur als vorläufige Erledigung der Frage aufgefaßt werden können.... Ueberhaupt verdienen die Diskussionen des Parteitags auf- mcrksam gelesen zu werden. Uebcrragcndc Reden wurden aller- dings nicht gehalten und als ein Merkstein der Bewegung kann der Parteitag von t9l3 beim besten Willen nicht bezeichnet wer- den. Denn die Referate zur Steuerfrage, die eine außergewöhn- liche rhetorische Dauerleistung bedeuten und insofern höchst be- merkenswert sind, als Referent und Korreferent nicht gegen, son- dern nur nacheinander für denselben Antrag sprachen, sind sicher- lich noch nicht der Weisheit letzter Schluß in dieser Angelegenheit. Aber wenn Jena 1913 künftig nicht wegen einer bedeutsamen Entscheidung genannt werden wird, so wird man es öfter er- wähnen, weil es viele Anregungen im einzelnen gegeben hat und weil unverhohlen dies und das kritisiert worden ist, worüber vorher kaum in der Oeffentlichkeit gesprochen wurde.... In dieser Art hat auch der dritte Jenaer Parteitag gute Er- gebnisse gebracht. Es wird sich nur darum handeln, sie für die Praxis der Partei nützlich zu machen. Das kann bereits be- ginnen bei der Berichterstattung, indem eingehende Erörterungen stattfinden. Auch weiterhin werden Presse und Versammlungen reichlichen Stoff finden, an den sich nützliche Besprechungen schließen können. Wenn sich Diskussion und Selbstkritik so fortsetzt, wie sie in Jena gepflogen wurde, so wird sich für die Partei ein Segen ergeben: neues Leben!" Mecklenburgische Volkszeitung. ..... Der Jenaer Parteitag hat unsere Erwartungen vollauf befriedigt. Er legte ein prächtiges Zeugnis ab für die Regsamkeit der Parteigenossenschaft und bekundete den starken Willen, dem Proletariat gegebenenfalls das zu erzwingen, was die Re- aktion ihm vorenthält. Denn der Beschluß über den Massenstreik ist ja nicht, wie unser Braunschweigcr Parteiblatt in seiner Auf- geregtheit glauben machen mochte, eine„Beisetzung" des Massen- streiks", zu welcher Annahme es eben nur kommen kann, weil es die Gegner der Resolution Luxemburg schlankweg als Gegner des Massenstreiks überhaupt ansieht. Was aber ganz falsch ist!.... Geradezu lächerlich ist es nun, wenn, wie ein durch die „unpolitische" Presse laufender Artikel sich ausläßt, es so darzu- stellen versucht wird, als hätten auf dem Jenaer Parteitag die „Revisionisten" über die„Radikalen" gesiegt, oder wenn gar, wie es auch in einigen bürgerlichen Zeitungen Mecklenburgs abgedruckt war, von„einer Spaltung innerhalb der deutschen Sozialdemo- kratie" gefaselt wird.... Gegenüber der Debatte über den politischen Massenstreik traten auf dem Jenaer Parteitag die anderen Diskussionen zurück. Bei der Frage der Arbeitsloscnfürsorge wurde ja kaum debattiert. Aber nicht etwa, weil diese Angelegenheit als unwichtig angesehen wurde, sondern weil man sich darin von vornherein völlig einig war.... Anlangend den Beschluß des Parteitages betreffend die H a l- tung der Fraktion bei der Besitz st euervorlage, welche Haltung durch Annahme der Resolution Wurm gebilligt wurde gegen eine Minderheit, so können wir hierüber nur unsere Genugtuung aussprechen. Wir haben eine andere Bekundung des Parteitages aber auch für ausgeschlossen gehalten.... Alles in allem betrachtet, sind die Verhandlungen des Partei- tages in hohem Maße beftiedigend gewesen und zweifellos ge- eignet, unfern Vormarsch zu begünstigen. Dieses„Jena" darf der Partei recht gefallen!" Weimarische Volkszeitung. .... Wie seine Vorgänger, hat der Parteitag nicht nur fleißige, sondern auch gute und reiche Erträgnisse versprechende Arbeit geleistet. Alle Entscheidungen sind klar und unzweifelhaft zum Ausdruck gekommen. Die Debatten aller Tagesordnungspunkte waren trotz mancher Schärfe von strenger Sachlichkeit und brüder- lichem Geist getragen. Alle, die die Waffen des Geistes kreuzten, können einmütig zusammen weiterarbeiten in dem großen Be- freiungsringen des klassenbewußten Proletariats, denn offen und ehrlich wurden die Meinungen ausgetragen, nichts bemängelt und nichts vertuscht. Dabei standen die Referate wie die Debatten im allgemeinen inhaltlich recht hoch, was selbst von einem Teile unserer Gegner anerkannt wird.... Wenn auch die Debatte in der Steuerfrage trotz ihrer Kürze der Wichtigkeit des Problems entsprach und von beiden Seiten— der Meinungen sind freilich mehr wie nur zwei— die besten und kenntnisreichsten Leute ins Redetournier geschickt wurden, so hätten wir doch gerne gesehen, daß auch die Anhänger der Resolution Gcyer-Luxemburg einen Referenten gestellt hätten. Geht die Debatte auch weiter, so hat die Annahme der Resolution Wurm uns doch zunächst vor dem Gegner unser Verhalten festgelegt. Daß der Parteitag der Reichstagsfraktion ftin Vertrauen mit großer Mehrheit ausgesprochen hat und damit die Zweifel und Be- fürchtungen beseitigte, daß die Fraktion falsch gehandelt haben könnte, betrachten wir als einen Gewinn. Eine Tat bedeutet der einstimmige Beschluß des Parteitags in der Frage der Arbeitslosenfur sorge!... Einmütig, geschlossen-wuchtig hat der Parteitag in der M a s sc n st r e i i d eb a t t e das Wort Franks unterstrichen: Kommt in Preußen keine Wahlreform, dann kommt der Massen- streik, und stürmischer Beifall wurde ausgelöst, als Ebert in seiner Parteitagsschlußrede das ernste politische Wollen, des Proletariats in der preußischen Wahlrecht-srage. diesem Angelpunkt der deutschen Politik, nochmals betonte. Damit hat die angenommene Resolution des Parteivorstandes eine größere vollständig eindeutige Tendenz erhalten....« o, Die in den wichtigsten Fragen vom Parteitage gefaßten Eni- schließungen sind aber auch in hervorragendem Maße geeignet. Anserer Maifeier neuen Inhalt neue Kraft, einen neuen lebendigen Geist zu geben. Wenn auf allen Wegen des politischen. wirtschaftlichen und sozialen Lebens das Proletariat mächtig vor- wärts dringt, dann kann und darf es nicht verzichten auf wuchtige. auch d,e Lauesten begeisternde Demonstrationen für die der erste Mai immer noch der geeignetste Tag ist.. Alles in allem hat der dritte Jenaer Parteitag sich seinen beiden vorgangern würdig gezeigt, wie er sich auch durch seine ruhige, fleißige Arbeit, die Wichtigkeit und Bedeutung der gefaßten Be- Müsse aus der langen Reihe seiner Vorgänger heraushebt... Mannheimer Volksstimme. >... Kaum einer der früheren Parteitage hat in so m u st e r- gültige'n Formen beraten wie der diesjährige. Und dem Er- gebnis hat das nicht zum Nachteil, sondern zum großen Vorteil gereicht. Nicht aus gereizten Stimmungen wie in Dresden, sondern aus ruhiger Ueberlegung wurden die Beschlüsse geboren. So gehört der dritte Parteitag von Jena in seinem äußeren Verlauf wie in seinem materiellen Ertrag zu den b e st c n in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. ... Der Parteitag hat mit großen Mehrheiten die R c v o l u- tionsromantik abgelehnt, der seit einiger Zeit von einer kleinen Gruppe innerhalb der Partei das Wort geredet worden war. Diese Tatsache drückt ihm sein Gepräge auf. Die Partei steht fest zu ihren alten Grundsätzen, sie ist sich aber auch der Verantwortung bewußt, die sie in um so höherem Grade zu tragen hat, je stärker sie wird und je mehr sie in die öffentlichen Körperschaften ein, und das ganze öffentliche Leben durchdringt.... Wir in Deutschland haben mit unseren gut entwickelten Partei- und Gewcrkschafts- organisationen viel zu viel zu,»verlieren, als daß wir sie leichtfertig aufs Spiel setzen dürften. Der Verlauf des Jenaer Parteitages bürgt uns dafür, daß die Partei nicht in die Fehler der Syndikalisten verfallen wird. In dem Teil unserer Presse, der sich am lautesten gebärdet, war der P a r t e i v o r st a n d als revisionistisch verseucht, als unfähig zu jeder Initiative und Offensive hingestellt worden. Auf dem Partei- tag waren solche Stimmen kaum noch zu vernehmen. Dem Partei- vorstand konnte nicht bestritten werden, daß er im Berichtsjahr ein gut Stück Arbeit geleistet hat. So allgemein der Wunsch verbreitet war, die Erfolge unserer Arbeit möchten größer sein, �o mußte doch anerkannt werden, daß die Hemmung der rein ziffcr- mäßigen Parte, zu nähme auf Ursachen beruht, die sich dem Einfluß der Parteitaktik und der ganzen Partcitätigkcit ent ziehen.... Die Beschlüsse von Jena 1995 und von Mannheim 1996 über die Bedeutung des M a s s e n st r e i k s sind aufs neue bestätigt worden. Näher gerückt ist die Möglichkeit, daß dieses Kampfes- mittel Anwendung finden wird zur Lösung der preußischen .Wahlrechtsfrage, dieses Angelpunktes der deutschen Politik. Nicht im gegenwärtigen Moment denkt die Partei ans Losschlagen; daß aber die klassenbewußte Arbeiterschaft Preußens und Deutsch- lands nicht dauernd auf ihr Recht verzichten, sondern schlimmsten- falls zu der ultimo ratio— als die Bebel schon in Mannheim den Massenstreik bezeichnete— greisen wird, darüber hat der Parteitag keinen Zweifel gelassen. Das ist die positive Seite des gefaßten Beschlusses. Nicht minder wichtig ist die negative. Sie besteht in der Zurückweisung der syndikalistischen Massen, streikprobleme. Gewiß soll die Masse auf die großen Auf- gaben vorbereitet werden, für deren Lösung möglicherweise jeder einzelne mit seiner Existenz einstehen muß; verhütet werden müssen aber die wilden Kämpfe, die ohne klar umrissenes Zieh ohne die solide Grundlage einer guten Organisation planlos in Szene gesetzt werden und zum Schaden der Gesamtbewegung ausschlagen müssen.... Dieselbe große Mehrheit der Parteivertreter lehnte die Auf- fassung der Kritiker der Reichstagsfraktion ab. Die Ge- dankengänge, von denen diejenigen Genossen sich leiten lassen, die die Ablehnung der Besitzstcuern durch unsere Fraktion verlangten, widersprechen der Jahrzehnte alten Taktik der Partei. Das hat ihnen vor allem Bebel bestätigt in einem Brief an Molkcnbuhr, den er unmittelbar vor seinem Tode geschrieben hat. Die Kritik der Fraktionstaktik führt in ihrer Konsequenz naturnotwendig zum AntiParlamentarismus. Darüber helfen auch die unlösbaren Widersprüche nicht hinweg, in die sich die Resolution Geyer verwickelte. Sie zeigen vielmehr nur die UnHaltbarkeit der Stellung der Fraktionskritiker...." Leipziger Volkszeitung. .... Mit besonderer Freude können wir feststellen, daß auf dem Parteitag zu Jena nichts von Vertuschungstendenz zu bemerken war, daß die Gegensätze klar und entschieden dargelegt worden sind, so daß eine weitere gesunde EntWickelung des geistigen Lebens der Partei gesichert ist. Und wir dürfen uns weiter freuen, daß dieser Austrag der Meinungsverschiedenheiten in einer Weise geschehen ist, die ihnen alle schädlichen Nebenwirkungen fernhält. In früheren Jahren haben sich die großen sachlichen Auseinandersetzungen häu- fig genug mit widrigem, persönlichem Gezänk verknüpft, das ihre klärende Wirkung zeitweise stark beeinträchtigt hat und unseren Feinden manches Gaudium bereitete. Diesmal sind sie absolut nicht auf ihre Kosten gekommen. Wengleich in der Massenstreik- debatte der Referent Genosse Scheidemann der Versuchung, die De- batte aufs persönliche Gebiet hinüberzuspielen, nicht ganz wider- standen hat, so ist ihm der Parteitag dabei nicht gefolgt. Im gan- zen sind die Verhandlungen getragen gewesen von dem Geist der Kameradschaftlichkeit und Brüderlichkeit; sie hinterlassen in allen ihren Teilen den Eindruck ernsten, sachlichen Ringens um wichtige Entscheidungen. Und bis in die Debatten und Abstimmungen um die kleinsten Einzelheiten des Arbeitspensums geht der Zug stren- gen Verantwortlichkcitsgefühls, vor dem das Kleine nicht mindere Sorgfalt zu beanspruchen hat, wie das Große. Die Art, wie am letzten Tage über Beschwerden, über den Fall Radek entschieden wurde, läßt das trotz gelegentlicher Kundgebungen der Ungeduld, die einzelne Redner über sich ergehen lassen mußten, sehr deutlich erkennen. Und was ist der sachliche Ertrag des Parteitages? Er hat eine Massenstreikdebatte gebracht, die nicht völlig auf der Höhe stand, die man ihr hätte wünschen mögen, und die Annahme einer Resolution über den politischen Streik, die nicht die scharfe, entschiedene Ant- wort auf die neuesten Drohungen und Herausforderungen unserer Feinde darstellt, wie sie uns angebracht erschienen wäre, der der Geist der Offensive fehlt, die sie hatte haben müssen. Aber es bleibt immerhin als Gewinn ein erneuter kräftiger Vorstoß für den preu- ßischcst Wahlrechtskampf, der für die Arbeit unserer preußischen Genossen nicht ohne nützliche Folgen bleiben wird. Die Logik der Tatsachen hat sich wieder einmal stärker ertoiesen als die der Menschen. Der Parteivorstand war ausgezogen, um die„Massen- streikaktionäre" zu erlegen, und Genosse Scheidcmann hat als sein Speerführer das Mögliche getan, um diese schwierige Aufgabe zu er- füllen. Nachdem er aber die Drachen Syndikalismus und Putschis- mus getötet, die er, wie Genossin Rosa Luxemburg in ihrer ätzen- den Satire erklärte, selbst ausgebrütet hatte, da führte ihn die politische Notwendigkeit, und die unumgängliche Reaktion gegen die Rede des Genossen Bauer selbst dem Lager der„Massenstreik- aktionäre" näher, und so wurde sein Schlußwort, so wenig erfreu- liche Partieen es sonst auswies, zu einer Deklaration, die die an sich unzulängliche Massenstreikresolution des Vorstandes bei weitem ge- nießbarer machte. In seiner wuchtigen Schlußrede hat Genosse Ebert dann diese Deilaration noch unterstrichen und verschärft. „Wahlreform in Preußen oder Massenstreik!" Diesen Ertrag der Debatte können auch diejenigen Genossen, die sich um die Resolution Luxemburg scharten, gutheißen. Alle ihre Forderungen sind frei- lich nicht erfüllt, aber die Erörterung hat der Klärung des Problems vorgearbeitet und die Minderheit, die sich auf die Resolution Luxem- bürg vereinigte, ist nicht gering. Achnlich, wie in der Abstimmung über die Massenstreik- resolution, war das Zahlenverhältnis bei der Entscheidung über die Resolution zur Steuerfrage. Doch decken sich die beiden Lager in beiden Fällen nicht. Eine ganze Anzahl derer, die für die Massen- streikresolution Luxemburg stimmten, haben das Eintreten für die Steuerresolution Beyer-Luxemburg-Ledebour abgelehnt, haben für die Resolution Wurm gestimmt, während andere, die der Massen- streikresolution de» Parteivorstandes zugestimmt hatten, jetzt sich zu den Gegnern der Resolution Wurm gesellten. Diese Ver- schiebung weist schon darauf hin, daß es falsch wäre, ein Schema aufzustellen, wonach die Linke gegen die Rechte für die Resolution Wurm gestimmt hätte. Nein, die Linke ist stärker als die Minderheit von 142 Mann, die sich um die Resolution Geyer- Luxemburg-Ledebour gruppierte. Das zeigte sich besonders dcut- lich bei der Wahl des Parteivorstands, wo eine so ausgesprochene Richtungskandidatur, wie die des Genossen Ditzmann, 211� Stimmen auf sich vereinigte, obgleich der Gegenkandidat Genosse Bartels keineswegs als ein ausgesprochener Kandidat der Rechten angesehen werden darf. Was insbesondere jene Genossen angeht, die für die Massenstreikresolution Luxemburg, aber gegen die Steuerresolution Geyer-Luxemburg-Ledebour, gegen die Massenstrcikresolution des Parteivorstands, aber für die Stcucrresolution Wurm stimmten, so hat sie dabei der Gesichtspunkt geleitet, der auch für die Stellung der„Leipziger Volkszeitung" entscheidend war, nämlich der, daß die Partei der Arbeiterklasse die Interessen dieser Klasse auch in schwieriger Lage vertreten muß, wenigstens eine neue Belastung der Arbeiterschaft verhindern muß, Ivenn sie ihr die Last und Ge fahr einer großen Heeresverstärkung nicht vom Halse zu schassen vermag. Das ist der Gesichtspunkt, von dem aus wir die Rc- solution Wurm befürwortet haben. Daß wir nicht mit jedem Wort des Wurmschen Referats übereinstimmen, namentlich seine überscharse Polemik gegen den ersten Absatz der Resolution Geyer- Luxemburg-Ledebour für verfehlt erachten, haben wir am Sonn- abend schon hier ausgeführt. Noch weniger stimmen wir mit dem Referat des Genossen Südekum und mit den Begründungen fiir die Fraktionshaltung überein, die von verschiedenen Vertretern der Rechten in der Debatte gegeben wurden...." ... Es war ein Parteitag der Sachlichkeit und der Klärung — die deutsche Sozialdemokratie darf mit ihrer dritten Tagung in Jena ehrlich zurfieden sein. J: lilordprozeß iittcr. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts I begann gestern die Verhandlung gegen den Diener Joseph Ritter, der am 19. Mai dieses Jahres, dem Pfingstsonnabend. den Schüler Otto K l ä h n im Hause Hohenzollernstraße 26 getötet und den Leichnam zer- stückelt hat. Den Vorsitz führt Landgerichtsrat Dr. S ch li ch t i n g, die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat B a n n i n g, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Grünspach. Die Anklage lautet auf M o r d. In seiner kurzen Ansprache an die Geschworenen weist der Bor- sitzende u. a. darauf hin. daß dies die erste Tagung des Schwur- gerichts sei, die unter dem neuen Gesetz betr. dieGcwährung vonTagegeldern anGeschivorene abgehalten lvird. Nach der Zahl der Geschworenen wird, wie der Vorsitzende weiter erklärt, jeder von ihnen eigentlich nur an 5 Sitzungen teilzunehmen haben. Um eine unnötige Ueberlastung zu vermeiden, tverde er im Laufe der Sitzungsperiode jedesmal dem Staatsanwalt und bcm Verteidiger mitteilen, welcher Herr schon an 5 Sitzungstagen teil- genommen habe. Die jetzige Schwurgerichtsperiode«verde sich fast ausschließlich mit Mord und Totschlag beschäftigen, was ja eigentlich nicht Wunder zu nehmen sei, da jetzt fast jedes ZeitungSblatt über eine Bluttat berichtet. Wenn es doch noch so wäre wie in Romanen, wo solche Bluttaten nur bei ganz großen Konflikten verübt zu werden pflegen. In der Wirklichkeit wird aber oft auS ganz geringfügiger Veranlassung ein Menschenleben ver- nichtet. Das rührt zum Teil daher, daß leider die wie ein Spiel- zeug fast in jedem Warenhause zu kaufende Pistole jedem. Mann oder Frau, zugänglich ist.„So werde» wir", so fährt der Vor- sitzende fort,„an einem Tage einen Fall zu verhandeln haben, der an die Tat der Frau Dr. Blum in Posen erinnert. Da soll ein hübsches junges Mädchen, das zwei Liebhaber hatte, den armen�Freund, der ihr bei ihrer Liebschaft mit dem reichen Freund hinderlich war, um- Mitternacht im Tiergarten erschossen haben.— Die große Zahl der Geschworenen, die hier ihr Urteil nach ihrer besten Ueberzeugung zu fällen haben, soll ferner verhindern, daß Rassen- und Klassenhaß, religiöse oder politische Momente in dem Gerichtssaal eine Wirkung haben. Hinzu könimt noch der Kamps gegen die eigenen Stimmungen und Gefühle. Bei einer grausigen Tat ist jeder leichter geneigt, an die Schuld des Angeklagten zu glauben, bei einer Tat, von der man sagen kann,„der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an", kommt das Mitleid. Derartige Ge- fühle dürfen hier keine Rolle spielen, dos Verzechen ist einer höheren Macht vorbehalten, niemand darf aus Barmherzigkeit freigesprochen werden. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen treten wir in die Verhandlung ein, ich ersuche, den Angeklagten vorzuführen." Die Einzelheiten der Bluttat und die begleitenden Umstände sind kurz folgende: Am 11. Mai 1913 morgens gegen Ii Uhr wurde in der Bedürfnisanstalt Ecke Kaiserallee und Meier-Otto- Straße ein fest verschnürtes Paket gefunden, in dem sich die Über den Knicen abgetrennten Beine eines jungen Menschen befanden. An demselben Tage abends gegen 7 Uhr fand man in der Vorhalle des Potsdamer Bahnhofes ein gleichartiges Kartonpaket, in dem sicii der zugehörige Oberkörper, der in den Kleidern steckte, befand. Es war die Leiche des Schülers und Botengängers Otto K l ä h n, der am 18. Oktober 1999 zu Burg bei Magdeburg geboren ist und bei seiner Mutter, Steinmetzstr. 46, wohnte. Es konnte bald festgestelll werden, daß es der Angeklagte— ein homosexuell veranlagter Mensch— war, der in der Wohnung seiner Herrschaft den Knaben unter Umständen, die den Begriff des Wortes„Lustmord" zu erfüllen scheinen, erwürgt und dann die Leichenteile abgetrennt ver- packt und an die Fundorte gebracht hat. Der Angeklagte hat zugegeben, den Knaben getötet zu haben, er will aber die Tat nicht mit Ueberlegung ausgeführt haben. Der Angeklagte ist am 26. September 1873 zu Sagor in Krain fOberösterreichj geboren, katholischer Religion, ledig und in Wien im Jahre 1911 wegen Erregung öffentlichen Aergernisses mit fünf Tagen strengem Arrest vorbestraft. Aus feinem Lebensgange wird in den Akte» u. a. hervorgehoben, daß, als er 1897 in Laibach seiner Militärpflicht genügte, er sich als Leichendiener verwenden ließ und als solcher den Militärärzten auch bei den Leichenöffnungen half. In einem Falle geriet er bei der Aufbahrung der Leiche eines Generals in große Auftegung und es entwickelte sich ein Tob- suchtsanfall mit religiösen Wahnvorstellungen. Er wurde infolgedessen längere Zeit ärztlich behandelt. Sein Zu- stand- wurde damals als Epilepsie unter Beimengung einzelner h y st e r i s ch e r Momente bezeichnet. Nach der Militärzeit war der Angeklagte als Diener in Oesterreich bei verschiedenen Herrschaften angestellt und hat von allen gute Empfehlungen erhalten. Es wurde auch seine F r ö m m i g- keit gerühmt; er war ein fleißiger Kirchenbesucher und machte auch Wallfahrten mit. Im September 1912 kani er nach Berlin als Diener zu dem österreichischen Sektionsrat v. Pfisterer- Auhof, der ihn auf Grund seiner glänzenden Zeugnisse engagiert hatte, ohne die anormale Veranlagung des Angeklagten zu kennen. Am 1. Februar 1�13 wechselte er seine Dienststelle und trat eine besser bezahlte Dienststelle bei dem Regierungsbaumeister Max Gutmann, Hohenzollernstr. 26, an, der mit seinem Bruder, dem Bankier Paul Gutmann, eine Wohnung im ersten Stock des Hauses bewohnte. Auch hier erwies er sich als sehr brauchbar; sein Dienst- Herr sagte von ihm, er sei der beste Diener gewesen, den er je ge- Habt habe. Eine Köchin, die noch im Februar mit dem Angeklagten zusammen bei Gutmann diente, war Anfang März entlassen worden. Der Angeklagte hat anscheinend für diese Entlassung mit vorgearbeitet. Er verstand selbst gut zu kochen und hatte um Ende April, als die Brüder Gutmann eine längere Badereise noch Karlsbald angetreten hatten, die Wohnung zur freien Verfügung und benutzte sie wiederholt zu unsittliche« Zwecken. Der getötete Knabe Otto Kläfjn kam am 10. Mai auch in die Wobnung; er war als Laufbursche bei dem Kaufmann Scholz in der Lützowstraße tätig und hatte bestelltes Bier abzuliefern. Er ist dann abends noch einmal zu Ritter in die Wohnung gegangen, wo er von Ritter— wie dieser behauptet, in» folge einer von dem Knaben ausgestoßenen Drohung— am Halse gepackt und gewürgt worden ist, so daß der Tod bald eintrat. � Das Gericht beschließt den Ausschluß der Oeffentlich keit während der ganzen Dauer der Verhandlung wegen Gefährdung der Sittlichkeit; den anwesenden'Bericht- erstattern.. die sich als solche, legitimieren, die Anwesenheit jedoch zu gestatten. Bernehmuug des Angeklagten. Der'Angeklagte, der seine Aussagen in österreichischem Dialekt und unter immer wiederholten Tränenausbrüchen macht, ist schwer zu verstehen. Auf Fragen des Vorsitzenden gibt er an, daß er seine Mutter, die früh gestorben, nicht gelannt habe; von seiner Stief- mutier sei er nicht freundlich und gütig behandelt worden. Richtig sei es, daß er seiner Zeit in Laibach bei Ausübung seines Berufes als Leichendiener sich den Finger verletzt und eine Blutvergislung zu- gezogen habe; er ist dann wegen schwerer Krankheit monatelang im Lazarett behandelt worden, hat Tobsuchtsanfälle erlitten, so daß er gefesselt werden mußte. Mit großer Energie bestreitet er aber die Behauptung, daß er fortgesetzt geschrien habe: da sitzt der Teufel I Der Angeklagte gibt ohne weiteres zu, daß er sexuell krankhaft veranlagt sei und dieser seiner krankhasten Neigung in umfangreicher Weise nachgelebt habe. Neigung zum weiblichen Geschlecht habe er nie gehabt. Zur Sprache kommt bei der ein- gehenden Erörterung dieser delikaten Sachen, daß der Angeklagte in« folge einer Untersuchung des Arztes Dr. Holdheim für sein Leben besorgt wurde und am 25. April 1913 sein Testament gemacht hat, in dem er seinen„Stiefbruder" August Beidl zum alleinigen Erben einsetzte. Beidl ist nicht sein Stiefbruder, sondern einer seiner Wiener Freunde. Bei einer anderen Stelle erklärte der Angeklagte unter Schluchzen:„er sterbe gern, aber er sei nicht solch ichlechter Kerl, daß, wie man ihm im Gefängnis gesagt habe, er geköpft werden nillsse". Der zu diesem ersten Teil der Vernehmung als Zeuge gehörte Sektionsrat v. Pfisterer gibt dem Angeklagten das Zeugnis eine! sehr fleißigen und in seinem Beruf ordentlichen Mannes, mit dem er sehr zufrieden gewesen ist. Von dessen krankhafter Veranlagung habe er keine Ahnung gehabt. Auf eine Frage des Rechtsanwalts G r ü n s p a ch bestätigt der Zeuge, daß der Angeklagte auch ein frommer'Mensch ist, oft die Kirche besuchte und auch eine Wallfahrt mitgemacht hat. Dasselbe günstige Zeugnis gibt dem Angeklagten der Zeuge RcgicrungHbaumeister Max Gutmann. Er habe noch nie einen so guten'Diener gehabt. Ritter war ehrlich, zuverlässig, freundlich. Die sonst noch im Gutmannschen Hause angestellt gewesene Köchin sei ohne Zutun des Angeklagten entlassen worden und der Ange- klagte habe sich, da er perfekter Koch sei, dazu verstanden, das Kochen mit zu übernehmen. Richtig sei es, daß er den Angeklagten, einmal im Erkrankungsfalle durch den Doktor Holdheim haben untersuchen lassen und der Angeklagte aus diesem Grunde ein Testament aufgesetzt habe. Dies ist einige Zeit vor der Tat geschehen und hat auf diese keinen Bezug. Der Angeklagte hat, wie der der Vorsitzende feststellt, auch nach der Tat noch ein zweites Testament gemacht.— R�-A. G r ü n s p a ch läßt sich durch den Zeugen Gut- m.a n n bestätigen, daß dieser dem Angeklagten den Befehl gegeben hat, einerseits kein Frauenzimmer in die Wohnung zu nehmen und anderseits die Wohnungstür immer hinter sich zu verriegeln. Auf Anregung dos Geheimrats Leppmann wird davon gesprochen, daß einmal ein Fall geistiger Störung bei dem Angeklagten vor- gekommen sei und dieser mehrfach bei geringfügigem Anlaß in Wut geraten ist. Zur Tat selbst erklärt der Angeklagte auf die Fragen des Vorsitzenden u. a.: Er hflbe am Tage der Tat zunächst den Besuch des Otto Klähn erhalten, der ihm Bier ablieferte. Er habe ihm ber dieser Gelegenheit gesagt, daß er gegen Abend vielleicht noch im Geschäft nach Apfelsinen an- klingeln werde. Er habe sich nach der Entfernung des Jungen umgezogen und sei, ohne jeden Zweck und lediglich um Luft zu schnappen, durch die Straßen gegangen. Er habe gar nichts im Sinn gehabt und habe, als er über die Lützowbrücke ging, den Otto Klähn ganzf zufällig getroffen und damit habe sein Unglück begonnen. Der Knabe habe ihn zuerst gar nicht gleich erkannt, weil er einen anderen Anzug anhatte und habe ihn»ach der Kaiser-Wtlhelm-Straße gefragt. Dann habe ihn der Junge erkannt und sei sehr lieb zu ihm gewesen. Der Knabe habe sofort seinen Arm in den seinigen gehängt und sei so zutunlich zu ihm gewesen,„grab' so als ob ich sein Vater wär 1* Der Angeklagte behauptet weiter, daß der Knabe und nicht er, die An- rcgung zu dem abendlichen Besuch gegeben habe, indem er sagte, er wolle ihm die Apfelsinen in seine Wohnung bringen. � Schließlich habe er seine Einwilligung dazu gegeben und habe ihm 30 Pf. übergeben, um die Apfelsinen zu bezahlen.„Ich will Ihnen offen sagen, Herr Präsident, ich Hab' auch meine Freud' an ihm g'habt uiid. so Hab' ich ihm seinen Wunsch gern erfüllt. Da ist er'gangen und i bin nach HauS'gangen, um ihn zu erwarten. I trank einen kleinen Nordhauser, rauchte mir eine Zigarett' an, begoß meine Blumen und dann kam der Bursch'. I zündete Gas an, machte die Tür zu und legte nach meiner Gewohnheit die Kette vor, und da war der Bursch' gleich wieder lieb zu mir und schmiegte sich an mich, indem er sagte: Ach, wie schön ist'S hier! Ich sagte ihm: O, viel schöner ist's now da drinnen, und so gingen wir ins Bibliothekzimmer. Da schaute der Bursch' ganz erstaunt ein großes Bild an, schaute dann nach dem Bücherspind und zeigte auf ein Buch, das er gern haben möchte. Ich sagte ihm aber:„Mein Herz'l, daS Buch kann ich Dir nicht geben", und da ich den Jungen lieb hatte, habe ich ihn um- gefaßt. Der Angeklagte stellt die Vorgänge dann weiter so dar: Der Knabe habe sich dann zum Weggehen gewandt und von ,hm 20 Pf. verlangt. Als er da« Portemonnaie öffnete, um das Geld herauszunehmen, habe der Junge lüstern in daS Portemonnaie geguckt und plötzlich 100 M. verlangt, denn seine Mutter sei arm und er wolle ihr daS Geld geben. Nun sei er schon einmal von jemand um drei Mark erpreßt worden und da habe ihn die For- derung des Jungen in die höchste Erregung versetzt. ES sei ihm durch den Kopf gegangen, daß der Junge auch erpressen und ihm Unheil bereiten wolle, denn der Junge habe gesagt:„Ich habe schon ein- mal einen Herrn gehabt, der mir auch kein Geld geben wollte, als ich jedoch sagte, ich werde es meiner Mutter sagen, da habe ich gleich da? Geld bekommen!" Und der Angeklagte fährt dann fort: „Ich sagte mir. wenn der Junge daS macht, dann ist dein Unglück gekommen, dann bist du verloren, dann verlierst du deine schöne Stelle". Da rief ich dem Jungen zu:„Du Lauser willst mich er- pressen ich packte ihn am Halse, weil er schrie, und drückte ihn am Hals«. Was dann geschehen, kann i— auf Ehren- wort— nicht mehr akkurat sagen." Der Angeklagte gerät bei weiteren Borhaltungen des Vorsitzenden in höchste Erregung, er schluchzt und weint und gestikuliert lebhaft mit den Händen, indem er wiederholt beteuert:„Ich wollte ihm bestimmt nichtdas Leben nehmen, sv wahr JesusChristu» im Himmel thront, das ist die Wahrheit!" Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, daß er in der Vor- Untersuchung alle schauerlichen Einzelheiten sehr genau geschildert und angegeben habe, tote er sich benommen, als der Junge, den er aufs Bett geworfen, im letzten Todeskampfe lag. Da habe er zugegebenermaßen einen Strick geholt, diesen den Jungen um den Kopf gelegt und den Strick zu- gebunden, bis er sich überzeugt habe, daß der Junge tot war.— Der Angeklagte versichert immer wieder, daß er nickt wiffe. warum er diesen Strick geholt.— Bors.: Es holt doch nur jemand in solcher Situation einen Strick, wenn er einen bestimmten Zweck damit verfolgt. Einen solchen Strick zu holen, ihn abzuschneiden und ihn dem Opfer umzulegen, dazu gehört doch Zeit, so etwas macht man doch nicht in einem Traumzustande l Sie werden sich doch wohl gesagt haben: derJunge muß ganz tot werden!—« n g e k l.: Das ist ja möglich, daß ich damals solchen Gedanken gehabt habe, aber ich weiß es wirklich nickt(weinend): Ich weiß nur, ich wollte ihn nicht töten!— Vors.: Das widerspricht Ihrem Geständnis vor dem Untersuchungsrichter und auch Ihrer ersten Vernehmung auf der Kriminalpolizei. Dort haben Sie ohne weiteres zu- gegeben, daß Ihnen blitzartig der Gedanke durch den Kopf geschossen sei: der Junge muß weg, sonst kommt d a s U n g l ü ck ü b e r d i ch.— Ä n g e k l.: Es tut mir leid, daß ich'-Z nit sagen kann. Ich weiß nur, daß i mir a Ziga- retten angesteckt bab', dann bin ich in das Bibliothekzimmer gegangen und Hab' a Kerzen geholt, mit der Hab' ich den Jungen ang'schaut und da ist mir zum Bewußtsein gekommen, was i Furchtbares ge- tan und mir kam der Gedanke, was nun aus mir werden soll. Zur Ausklärung von Widersprüchen wird das Protokoll über die erste Vernehmung des Angeklagten vor dem Untersuchungsrichter verlesen. Die Kriminalkommissare G e n a t und Weber be- künden, daß der Angeklagte bei der Vernehmung auf der Krimi- nalpolizei alle Einzelheiten der furchtbaren Tat geschildert und zu- gegeben hat, daß er den Knaben töten wollte. Vors.: Da Sie gläubig und religiös waren, hätten Sie es doch als Ihre Pflicht betrachten müssen zur Polizei zu gehen, um dann Ihr Verbrechen zu sühnen. Das haben Sie nicht getan, sondern haben sich daran gemacht, die Leiche zu zerstückeln, um die Spuren Ihrer Tätigkeit zu verwischen.— A n g e k l.: Ich wollte erst meinen langen Regenmantel nehmen und die Leiche im ganzen ivegschaffen, aber es ging nicht. Dann dachte ich an Selbstmord, hielt es aber für nötig, auf alle Fälle die Leiche fortzuschaffen.— Vors.: Sie sind dann ausgegangen, um sich.Packpapier zum Wegbringen der Leichenteile zu besorgen. Auf der Straße trafen Sie' den jungen Riefenstahl, der ein Kollege des gelöteten Knaben im Sckolzschen Geschäft war, und fragten ihn nach Packpapier Das ist Ihnen zum Verhängnis geworden, denn als später bekannt wurde, daß die aufgefundenen Leichenteile in Packpapier gewickelt waren, erinnerte sich Riefenstahl, daß Sie ihn nach Packpapier gefragt haben. Bei der Begegnung mit Riesenstahl haben Sie sich schleunigst wieder entfernt, denn Riefenstahl war der erste Mensch, den Sie nach der Tat sprachen und Ihr böseS Gewissen plagte Sie und Sie fürchteten, daß man Ihnen die Tat am Gesicht ansehen könnte. Sie find dann also dazu übergegangen, die Leichenteile in Papier zu packen und wegzubringen.— Angekl.: Ja, Herr Richter, ich hatte den Drang, die Leiche so schnell wie möglich wegzuschaffen. Vors.: Wie kamen Sie denn nun ans den Gedanken, die Leichen- teile auf die Straße zu bringen? Sie konnten sich doch denken, daß sie dort bald gefunden werden müßten.— Angekl.: Ich weiß selbst nicht, ich konnte die Leiche, nicht mehr sehen.— Vors.: Zu dem Akt der Zerstückelung hatten Sie sich anders gekleidet. Sie hatten den Rock ausgezogen und eine Schürze umgebunden.— Angekl.: Das muß ich zugeben.— Vors.: Wo blieben denn nun die Teile über Nacht?— Angekl.: Den Rumpf hatte ich auf den kleinen Korridor gelegt, die Beine in das Mädchenzimmer. Geschlafen habe ich nicht viel, sondern machte mir Beschäftigung und machte mich daran, die Blutflecken abzuwaschen.— Vors.: In der Nacht waren Sie wohl in großer Unruhe?— Angekl.(weinend): Ruhe und Schlaf fand ich nicht. Ich habe viel getrunken und geraucht.— Vors.: Sie mieden ängstlich die Hinterräume, wo der tote Knabe lag; da gingen Sie auf Ihrer ruchlosen Wanderung durch die Räume nicht hin, Sie fürchteten, der Geist des Toten würde über Sie kommen.— Angekl.(weinerlich): Jawohl, ich habe deshalb die Hinterräume auch abgeschlossen. Ich habe keine Ruhe gehabt.— Vors.: Bei dem Wegbringen der Leichenteile sind Sie sehr vorsichtig zu Werke ge« gangen, Sie sind mit den Paketen jedesmal kreuz und quer gefahren, ehe Sie sich ihrer entledigten, aus Angst, daß Sie von Polizei- Hunden aufgespürt werden könnten. Am Morgen nach der Tat, als Sie die Leichenteile weggebracht hatten, sind Sie in fortwährender Unruhe gewesen. Sie sind zunächst in ein Lokal gegangen.— Angekl.: Ich habe dort nur etwas getrunken, gegeffen habe ich zwei Tage und zwei Nächte nichts.— Vors.: Ihre Unruhe hat Sie auch in ein Kino getrieben.— Angekl.(schluchzend): Da wurde ein Stück ge- geben, wo jemand ermordet wurde. Das erinnerte auch an meine Tat und eine innere Stimme sagte mir: du hast jetzt jemand um- gebracht und kannst doch so etwas nicht ansehen. Da bin ich fort- gestürmt.— Vors.: Sie sind dann nach Hause gegangen, ver- mieden aber immer die Berührung mit den Hinterräumen, ließen die Tür des Balkonzimmers offen stehen, denn Sie konnten die Stille nicht ertvagen und wollten lieber das Straßengcräusch hören, um Ihre Gedanken zu verscheuchen.— A n g e k l.: Ja, das ist wahr, mein Gewissen ließ mir keine Ruh'.— Vors.: Am nächsten Morgen, dem Pfingstmontag, hat Sie Ihre Unruhe dazu getrieben. bei dem Kaufniann Scholz anzurufen nnd etwa? zu bestellen.— Angekl.: Ich brauchte nichts, aber ich wollte bloß mal hören, ob die Tat schon ruchbar geworden.— Vors.: Auf Ihr Anklingeln kam dann Riefenstahl aus dem Sckolzschen Geschäft und brachte Bier. Um sich recht unbefangen zu stellen, hatten Sie rasch ein Kartenspiel zur Hand genommen und so ge- tan, als ob Sie sich Patience legten.— Angekl.: Da fing Riefen stahl an: Haben Sie schon gehört... DaS war für mich furchtbar, Herr Richter; ich wurde sehr verlegen, und als dann Riefenstahl sagte, daß Klähn verschwunden sei und man seine Leiche aufgefunden habe, habe ich gesagt: Na, den Mörder wird man schon finden!— Vors.: Sie sollen noch hinzu- gefügt haben:„Einem solchen Manne müßten immer 30 übergezogen werden."— Angekl.(in großer Er- regung): Das ist nicht wahr! Das ist gewiß nicht wahr! Wenn Sie einen Glauben haben, das ist nicht wahr!— Der Angeklagte erzählt dann auf Befragen weiter, daß er am zweiten Feiertag abends aus Unruhe wieder in ein Gasthaus gegangen sei und etwas italienischen Salat gegessen habe. Dann sei er nach Hause gegangen und habe wieder Schlaf gesucht. habe aber solchen nicht gefunden. Er habe sich dann auf ein Chaiselongue in der Vorderstube gelegt und fast die ganze Nacht nicht geschlafen. Am dritten Feiertag früh sei der Briefträger gekommen und habe geklingelt. Bei dem Tone der Glocke sei er zusammcngeschreckl. Als dann die Bureaubeamten kamen und bei dem Gespräch über den Mord aus Scherz von der bevorstehenden Verhaftung des Mörders sprachen, habe er einen panischen Schrecken bekommen und sei fast zusammengesunken. Er habe schleunigst zur Arbeit gegriffen, um wieder auf andere Gedanken zu kommen, dann habe er sein Testament gemacht.— Borf.: Sie hatten doch nun schon einmal ein Testament gemacht. Warum machten Sie denn nun ein zweites Testament?— Angekl.: Da« weiß ich nicht. In dem zur Verlesung gebrachten Testament heißt es u. a.:»Alles was ich besitze, gehört meinen guten Be- kannten, den ich meinen Stiesbruder nenne. Ich bitte.� mir mein grausames Verbrecken zu verzeihen, ich weiß nicht, wie ich dazu gekommen bin. TS war ein Wahn von mir. schon lange, einen um das Leben zu bringen und wirklich habe ich es getan und Gott wird mir verzeihen. Ich habe in keinem klaren Verstände das getan, so wie ich beim Militär geisteskrank war in Laibach im Garnisonspital und dann.nach Graz gekommen, so ebensolchen Wahn hatte ich jetzt. Ich büße gern mein Leben lang, nur Arbeit möchte bitten, ein Stück Brot und Wasser."— Rechtsanwalt G r ü n s p a ch läßt feststellen, daß dieses Testament in einem Kuvert stak, auf welchem geschrieben stand:„Die Polizei soll alles regeln". Die Worte in dem Testament hätten wohl nur die Bedeutung: der An- geklagte wollte sagen, daß ihm seinerzeit in Laibach gesagt worden war, er habe an jener Wahnidee gelitten, jemand umö Leben zu bringen und daß er nun wieder im Wahn gehandelt haben müffe.— Vors.: Damals in Laibach hat der Angeklagte von den Dingen nicht» gewußt, bei der jetzt in Frage stehenden Tat hat er doch über alle Vorgänge bei und nach der Tat minutiös Rechenschaft gegeben.— Der Angeklagte wird weiterhin wieder durch die Er« innerung an seine Tat überwältigt und er erzählt mit verzweifelndem Händeringen, daß er am letzten Abend noch in eine Kapelle gegangen und als zerknirschter Sünder fußfällig feine Reue bekundet und gebeten habe, ihm zu verzeihen. Al« er schließlich verhastet wurde, hat er. wie der Vorsitzende feststellt, gleich alle? gestanden und sich nicht auf» Leugnen gelegt. In der weiteren Beweisaufnahme werden zahlreiche Zeugen vernommen, die über den Charakter des Klähn beftagt werden. Die Ansichten darüber sind geteilt. Einerseits wird dem Knaben von seinen Spielgenossen ein gutes Zeugnis gegeben. Sie schildern ihn als einen gutmütigen Kameraden, der etwa» schwächlich war und auch hier und da dumme Streiche machte, manchmal auch schwindelte und kleine Unehrlichkeiten beging. Ein ehemaliger Lehrer schilderte ihn als aufmerksam, fleißig und bescheiden, doch sei er kein rechter Junge gewesen und habe eine piepsige Stimme gehabt. Auch die als�Zeugin vernommene Mutter, Frau Klähne, gab ihrem Sohne ein'gutes Zeugnis. Andererseits traten mehrere Zeugen auf, darunter auch der Verwalter des Hauses, in dem die Familie Klähn wohnte, und der ehemalige Pfleger des Knaben, welche sich dahin ausließen: Der Knabe habe sich keines guten Rufes erfreut, er habe alle möglichen Dummheiten gemacht, habe viel gelogen, viel genascht, kleine Diebstähle begangen usw. Nach dem Zeugnis deS Kriminalkommissars Klinghammer hat bei den ersten Recherchen die Stiefschwester des Getöteten dem Zeugen gegenüber sich dahin geäußert, daß ihr Bruder recht geldgierig sei.— Dann werden noch der ehemalige Arbeitgeber des Klähn, der Kaufmann S ch o l z und der Lehrling Riefenstahl vernommen, schließlich müssen noch mehrere Lauf- burschen, die aus dem Scholzschen Geschäft bei Ritter Bestellungen zu machen hatten, Auskunft über unsittliche Zumutungen seitens deS Ritter geben. Nachdem sämtliche Zeugen bis auf einen vernommen sind, ver« tagt der Vorsitzende die Sitzung auf heute, Dienstag, 9 Uhr. Tllgnug der Gewerbe- und Kallfoiaimsgerichte. Leipzig, 20. September. Dritter Verhandlungstag. Die Sitzung beginnt mit Entgegennahme deS Referats Boa Magistratsrat v. Schulz- Berlin über: Die zivilprozessuale Bedeutung der Schiedssprüche der Einigungsämter und tariflichen Schiedsgerichte. In seinen kurzen Ausführungen greift der Redner aus der Fülle des Stoffes einiges heraus. Das vom Gewerbegericht ge- bildete Einigungsamt ist eine Behörde, es übt behördliche Funktio- nen aus. Verhängnisvoll ist für die Schiedssprüche, wenn die for- malen Grundsätze verletzt sind, dann können die Sprüche aufgehoben werden; sie haben dann keine prozessuale Kraft. Dieselben Funktio- nen wie die Einigungsämtcr haben auch die durch Tarifverträge eingesetzten schiedsgerichtlichen Instanzen. Die Einigungsämter sollten vom Kleinkram entlastet, den SchlichwngSämtern als erste Instanz die Entscheidung überlassen werden. Reichsgerichtsrat Dr. Weber- Leipzig erkennt mit dem Re- ferenten die behördlich« Funktion des Änigungsamtes an. Den Tarifverträgen fehl« jedoch jede Klagbarkeit gegen seine Mitglieder, wenn diese tarisuntreu seien. So entbehre der Schiedsspruch der Vollstreckbarkeit. Dies dränge zu der Frage, wie den Tarif. vertragen Rechtsschutz gewährt werden könne. Daß den gewerblichen Berufsvereinen die Rechtsfähigkeit immer noch oersagt werde, stelle eine schwere Unterlassung dar. Es sei dringend notwendig, den Berufsvereinen die Rechtsstihigkeit zu geben. Eine Förderung des Tarifwesens wäre es, wenn die Re- gierung den Petitionen aus Einrichtung eines Reichseinigungsamts nachkommen würde. Ueber den Punkt: Die Vertretung vor den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten hielt das Referat Rechtsrat Dr. Wagner- Nürnberg. Nach dem geltenden Recht werden Rechtsanwälte und Personen, die das Ver» handeln vor Gericht geschäftsmäßig betreiben, als Prozeßbevoll- mächtigte oder Beistände vor dem Gewerbe- und Kausmannsgericht nicht zugelassen. Dies sei, sagt der Referent, auf �»ie Dauer nicht mehr haltbar. Es sei dringend notwendig, auf dem Wege der Ge- setzgebung Abhilfe zu schaffen. Bei dem bestehenden Zustand ent- stehe für auswärtige Parteien, welche trotz aller Bemühungen einen Vertreter für sich nicht verschaffen können,«ine Schutzlosigkeit, die einer Rechtsverweigerung gleichgeachtet werden könne. Darum sei die Zulassung von Rechtsanwälten angebracht. Dies sei besonders für die K a u f m a n n s g e r i ch t e notwendig, denn schon heute würden sich die Parteien vor dem Kaufmann?- gericht vielfach von Rechtsanwälten Schriftsätze anfertigen lassen. Dagegen halte er(Redner) für die Gewerbegerichte die Zu- lassung von Rechtsanwälten nicht für geboten. Bei der Zulassung von Arbeitersekretären und Verbandsbeamtcn solle man nicht engherzig sein. Redner schlägt vor, im Gesetz anstatt geschästs- mäßig„gewerbsmäßig" zu sagen, da die klarer wäre. Der Korreferent, Rechtsanwalt Bu ich-Gladbeck i. W., geht weiter wie Dr. Wagner. Er will keinen Unterschied zwischen Kauf- mannS- unt> Gewerbegerichten machen und verlangt die Zulassung der Rechtsanwälte für beide Gerichte. Zu den Personen, welche das Verhandeln vor Gericht geschäftsmäßig betreiben, gehörten auch Gewerkschafts, und Arbeitersekretäre und die Angestellten der HandlungSgehilfenorgänisatiouen sowie auf der anderen Seite die Handwerkersekretäre und die zum Zwecke der Rechtsberatung bzw. Verfolgung Angestellten Iber Arbe i tgebe rorgani sati on en und der Kaufleute. Geschäftsmäßig betrieben schließlich auch die Personen das Verhandeln vor Gericht, die aus der Zahl der Gemeinde« angestellten oder aus den Reihen der noch tätigen oder früheren Beisitzer ständig hiermit betraut würden. Dieser Zustand ent- spreche, wie die Praxis eS zeig«, weder den Wünschen der Parteien, noch liege er im Interesse der Rechtspflege. Die Bestimmungen der§§ 31 deS KaufmannSgerichtSgesetzeS und IS des Gewerbe« gerichtSgesetzeS müßten daher so umgeändert werden, daß sie den berechtigten Wünschen der Parteien und der Rechtspflege Rechnung tragen. Der Referent macht hierzu folgende Vorschläge: Um den Grundsatz der Unmittelbarkeit bei dem Verhandeln vor Gericht zu wahren, ist im Gegensatz zu den Vorschriften der Zivilprozeßordnung eine Prozeßvertretung prinzipiell nicht ge- stattet. Die Partei soll sich vor Gericht nur vertreten lassen können im Falle der erheblichen Entfernung ihres Aufenthalts- ortes von dem Gericht und in den Fällen, in denen der dem Rechtsstreit zugrunde liegende Sachverhalt nicht eigene Wahr- nehmung der Parteien gewesen ist. Der erste Fall lehnt sich an bestehende gesetzliche Bestimmungen an. Der zweite Fall ist vorgesehen, weil in diesem Falle die Unmittelbarkeit bei dem Ver- handeln doch nicht durchgeführt werden kann(z. B. in großen Be. trieben, in denen der Chef nicht unmittelbar mit den Ange- stellten verkehrt). In beiden Fällen sollen die 8s 16 des Kauf- mannSgerichtsgesctzes und 31 deS Gewerbegerichtsgesetzes keine Geltung haben. Als Beistände können sämtliche Personen auftreten, also auck Rechtsanwälte und solche Personen, die das Verhandeln vm Gericht geschäftsmäßig betreiben._ Die Diskussion war sehr lebhaft, ber ihrem Beginn waren bereits 15 Redner eingezeichnet. Der erste, I o se p h. Berlin (Arbeitnehmer) betonte, die Schnelligkeit und Bllligke:t, mit denen die Gewcrbegerichte arbeiten, dürfe Vicht unterbunden werden. Wenn aber Rechtsanwälte zugelassen wurden, dann könnte die Billigkeit der Prozeßführung nicht mehr bestehen.(Stürmischer Beifall.) Wer muß dann die Kosten der Vertretung zahlen? Viel- leicht der Staat oder die Kommune? Nein, die Parteien! Es ist nicht notwendig, daß die Parteien juristische Kenntnisse haben. eS genügt, wenn sie die Sachlage klar jchildern. Ich muß mich gegen die Zulassung von Rechtsanwälten wenden. Zu berücksichtigen ist aber eine Vertretung durch Beisitzer oder die Organisationen. (Beifall.). Holz- Dresden(Arbeitnehmer): Nach einer Erhebung werden von 77 Proz. der Gewerbegerichte Arbeitersekretäre ohne weiteres zugelassen. Bei einigen nur Gcwerk schaftsang:stellte und andere Gerichte entsckwioen von Fall zu Fall. Wir verlangen nicht unbedingte Zulassung der Arbeitersekretärc, kein besondere» Recht, sondern ausgleichende Gerechtigkeit gegenüber den Unter- nehmern. Die Vertretung durch Arbeiterserretäre ist nötig, wenn der Kläger vom Orte abwesend ist. Ueber die Zulassung der Ar- beitersekretäre sollen aber nicht pur der Borsitzende, sondern das Richterkollegium entscheiden. Der Ruf auf Zulassung der Rechts- anwälte kommt nicht von den Arbeitgebern noch von den Ar- beitern, sondern nur von den Rechtsanwälten selbst. Das muh beachtet werden. Wir sind gegen die Zulassung der Rechtsanwälte.(Beifall.) �. Stadtverordneter Gronewal dt- Berlin(Kaufmannsoei- sitzer) weist darauf hin, daß sich der Kaufmannstag in Düsseldorf gegen die Zulassung der Rechtsanwälte ausgesprochen habe. Auch er ist gegen die Zulassung. Rechtsanwalt Abel-Essen tritt für d,e Zulassung von Arbeitersekretären und Vertreter der Unternehmer ein. Man habe mit diesen Vertretungen nur gute Ersah- r u n g e n gemacht. Durch die Zulassung von Verbandssekretären werde die Rechtsprechung erleichtert. Man solle aber auch gegen die Rechtsanwälte kein Mißtrauen hegen. Die An- waltschaft würde bei Zulassung es als ihre Ehre betrachten, genau so die Sache zu behandeln, wie die Verbanossekretäre. Magchratsrat Dr. Landsberger- Charlottenburg(Ge- werbe- und Kaufmannsgerichtsvorsitzender) wendet sich ent- schieden gegen eine Aenderung des Gesetzes und gegen die Zu- lassung der Rechtsanwälte. Wer garantiere dafür, daß die Rechts- anwälte nur in schwierigen Fällen auftreten?(Großer Beifall.) Senator G r o t e- Hannover: Es müßte noch beachtet werden, ob die Zulassung der Rechtsanwälte nicht dann gewährt werden soll, wenn beide Parteien mit der Zulassung einverstanden seien und das Gericht es beschließe. Schlich- Berlin(Bund technisch-industrieller Beamten): Die erdrückende Mehrheit der Versammlung steht zweifelsohne auf dem Standpunkt, daß an dem gegenwärtigen Zustand nichts geändert werden darf.(Stürm. Beifall.) Der Vorschlag, anstatt„geschäfts- mäßig"„gewerbsmäßig" zu sagen, wäre sehr akzeptabel, dadurch würde eine bessere Klarheit geschaffen.(Beifall.) S o m m er- Berlin(Handlungsgehilfe): Durch die Zulassung von Rechtsanwälten nmrbc das Wesen der Gerichte als Laien- gerichte geschmälert. In Berlin werden die Vertreter der Organi- sationen nicht zugelassen, aber Vertreter großer Gesellschaften. Die Vetreter der Organisationen müssen zugelassen werden, denn es ist Pflicht jedes Menschen, daß er sich einer Organisation an- schließt.(Beifall.) Auch in der weiteren Debatte überwiegen die Gegner der Zulassung der Rechtsanwälte. Nach den Schlußworten des Referenten war dieser Punkt er- ledigt. Beschlüsse werden ja bekanntlich auf dem Gewerbegerichts- tag nicht gefaßt, sonst hätte sich ergeben, daß die große Mehr» heit der Tagung sich gegen die Zulassung der Rechtsanwälte er- klärt haben würde. Den letzten Verhandlungsgegenstand: »Dir Bedeutung und F'ststcllung der Ortsgcbräuche vor den Gewerbe- und Kaufmannsgcrichten" behandelten die Herren M a n t e l° Leipzig und Stadtverordneter Gronewal dt» Berlin. Die Redner wiesen an zahlreichen Beispielen nach, wie das gesetzliche Recht durch den Ortsgebrauch ergänzt wird. Eine Diskussion fand zu diesem Punkt wegen der vorgeschrittenen Zeit nicht statt. Der Vorsitzende Magistratsrat v. Schulz. Berlin schloß die Tagung mit Äankesworten an die Referenten und für die Gast- freundschaft der Stadt Leipzig. Soziales. Die Barbarei der Zuchthausstrafe. Lieber den Tod als das Zuchthaus! Das ist das Ergebnis einer Betrachtung, die ein Kenner deutscher ZuchthauSzustände über die Ursachen angestellt hat, warum so mancher zum Tode Verurteilte sich mit Händen und Füßen gegen eine Begnadigung sträubt, die ihm bekanntermaßen lebenslängliches Zuchthaus einbringt. Straf- anjtaltsinspektor v. Bachr in Breslau— der bereits früher einmal eine zutreffende Charakteristik unserer sozialen Zustände veröffent- lichte, als er nachwies, daß sich zu Zeiten steigender Not der arbei- tenden Klassen auch die Gefängnisse füllen, weil es dort wenigstens einen warmen Raum und etwas zu essen gibt— er stellt in einer Zuschrift an das Leipziger Limanblatt fest, daß die weitaus meisten der zum Tode verurteilten, aber zur Begnadigung vorgeschlagenen Delinquenten die Begnadigung ablehnen aus Furcht vor der Ein- terkrrung auf Lebenszeit. »Das Bewußtsein, auf unbestimmte Zeit hinter Zuchthaus- mauern bleiben zu müssen, bis zum Lebensende von der Welt abgeschlossen zu sein, läßt sie die in jedem Menschenherzen mehr oder minder pulsierende Todesfurcht überwinden und daS Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorziehen. Gewiß, der Aufenthalt im Strafhause hat gegen früher ganz bedeutend an Qualen verloren, immerhin aber bleibt das Gefangensrin ohne zeitliche Grenze für die meisten Rechtsbrecher doch eine moralische Folter ohnegleichen. Jeder, der Gelegenheit hatte, mit den sogenannten„Lebens- länglichen' ,n einer Strafanstalt in Verbindung zu treten, per- sonlich mit ihnen zu sprechen, wird den trostlosen Eindruck be- stätigen müssen, den viele dieser Gefangenen in ihrer völligen Hoffnungslosigkeit und Stumpfheit bieten. ES ist nichts Tel- tenes, daß ein Teil von ihnen es lebhaft bedauert, seinerzeit nicht hingerichtet zu sein, der daS Gnadengesuch nicht als solches mehr anzuerkennen vermag und immer wieder versucht, sofern die Energie überhaupt noch dazu ausreicht, seinem Leben ein vor- zeitiges Ende zu machen. Als Folge dieser Hoffnungslosigleit und schließlich auch die zahlreichen geistigen Erkrankungen anzu- sehen. Jeder, der Studien in dieser Richtung machen konnte, fc?"® uiehr und mehr einer Auffassung zuneigen, die einst Ernst n e'n-e- Ümfragc über die Todesstrafe niederlegte: 7;'- Übrigens ist nach meinem Geschmack die Strafe des lcbcns- länglichen Zuchthauses widersinnig und schlimmer als die Todes- strafe. Gewiß, es ist ein billiger Ruhm, bei der Verkündung deS landesherrlichen Gnadenerlasses den Held zu markieren, den Ritter obne �urcht, der ob der vorhandenen Gefahr hochmütig die Ächl'elllzuckt. Es steht�aber andererseits unumstößlich fest, daß nach Abwendung dieser äußersten Gefahr, nach Rückkehr der vollen Besinnung die nackte harte Tatsache, eingesperrt zu sein auf Lebenszeit. e,ne erneute, nicht zu unterschätzende Furcht auslöst. Nur die Hoffnung, durch einen verwegenen Fluchtversuch die Freiheit wiedergewinnen zu können, schimmert als blasser Stern in der Ferne, ist Zlel und hält den Geist rege. Auf eine zweite, völlige Begnadigung wird im allgemeinen nicht gerechnet. Wer von den zum Tode Verurteilten nun die Zukunft, die seiner nach eingereichter Begnadigung harrt, klar und nüchtern ins Auge faßt— sollte er nicht dazu kommen, die Hinrichtung der Begnadigung, den Moment einer langen, langen Reihe von Jahren als besseren Teil zu erwählen? Man gelangt daher immer zu dem Schlüsse, Gnade nur den. Rechtsbrechern zu er- n',J>'e solche haben wollen und sse auch wirklich anerkennen. Eine Gnade schließlich� die als solche nicht geschätzt wird, die not- wendigerweise als„aufaedrungen" betrachtet werden könnte, ist am�Endekeme Gnade mehr." �,ie Schlußfolgerung des Artikelschreibers ist natürlich nicht die unferige, die wir den ganzen gegenwärtigen Strafvollzug für widersinnig halten. Um so bemerkenswerter sind die tatsächlichen, nicht vereinzelt dastehenden Feststellungen des StrafanstaltS, rnspektorS, der als Fachmann die furchtbaren Folgen des berrschen- den Strafvollzugs ganz gewiß nicht zu schwarz gemalt hat. Sie zeigen die ganze Barbarei de» Strafvollzugs unserer herrschenden Gesellschaft, die stch ,0 v»el auf ihr«„Humanität" zugute tut. Klus Inckuftm und Pandel. Da« H-chkonjuukturjahr 1912 hat allen großen Montanwerken avsthlüssen rnht fich m dies« Hmficht auch b« der Rombacher Hüttenwerke an. Trotz vermehrter Rücklagen erhöhte ssch der Reingewinn von S,S7 auf 8,91 Millionen Mark. Daraus werden wie im Vorjahre S Millionen Mark oder 10 Prozent wiederum als Dividende verteilt. Ferner werden die Extraabschreibungen um das l'/z fache vermehrt. Als Wehrbeitrag werden erstmalig 200 000 M. eingestellt. Einschränkung in der Zündholzindustrie? Der Verein deutscher Zündholzfabrikanten beruft auf Dienstag nach Berlin eine Versamm- lung der Zündholzindustriellen ein, um über die Marktlage eine Aussprache herbeizuführen, wobei die Möglichkeit erörtert werden soll, mit Rücksicht auf den zurückgehenden Verbrauch der Zündwaren beim Bundesrat die Herabsetzung der gegenwärtig auf Proz. festgesetzten Zwangskontingentierung zu beantragen, weil anders der zunehmenden Ueberfüllung des Marktes nicht gesteuert werden könne. Die Zündholzpreise sind durch die„Finanzreform" von 1S0S so hoch getrieben, daß eine Produktionseinschränkung die Konsumenten nur noch mehr belasten würde. Auch wäre für sie die Zeit der zu- nehmenden Arbeitslosigkeit der ungeeignetste Termin, der sich denken läßt. Eine Bankkrisis in Indien wird aus Lahore gemeldet: Die Direktoren der Bolsbank von Indien, die 72 Filialen unter« hält, u. a. besonders in Karachi, Bombay, Lucknow, Kalkutta, Rangun, Kaschmir, und die mit einem Kapital von 1 200 000 Rupien arbeitet, beschloß, den Betrieb einzustellen. Diesem Beschluß folgte die Schließung der Bank von Amritsar, die 40 Filialen, meistens im Pandschabgebiet, unterhält. Am Sonnabend fand ein fortgesetzter Ansturm auf die Banken in Lahore statt, die unter indischer Lei- tung stehen. Bisher sind die unter englischer Leitung stehenden Banken nicht in Mitleidenschaft gezogen. Wenn der Ansturm fort- dauert, so hält man es nicht für unwahrscheinlich, daß zahlreiche indische Banken gezwungen werden, ebenfalls zu schließen. Die Lage wird für s e h r e r n st angesehen, und die Geschäftsleute er- klären selbst, daß sie nicht voraussagen könnten, welche schwer- wiegenden Folgen sich noch ergeben könnten. Vorboten der Krise. Wie ein Telegramm der„Fronkf. Zeitung' meldet, trat in der Konsumanstalt der Firma Krupp Arbeitsmangel ein. Arbeiterkündigungen wurden vorgenommen, auch beabsichtigt man, kürzere Arbeitszeit einzuführen. Serickts- Leitung. „Die nationale Jugendpflege ist eine— Staatseinrichtung." Wer in einer Jugendversammlung die staatliche, unter dem irreführenden Namen„Jugendpflege" geführte gewalt- same Patriotenzüchtung zum Gegenstande seiner Erörterungen macht, kritisiert eine Staatseinrichtung und macht die Versammlung zu einer„politischen" im Sinne des lieb- lichen Vereinsgesetzes. So entschied das Schöffengericht zu Osterode am Harz jetzt in einer Strafsache gegen die Genossen Beckmann, Riesberg und Kaspare k. Als im Mai dieses Jahres Genosse Kasparek aus Halle in Osterode bor einer auch von Gegnern überaus stark besuchten, vom Arbciterjugendausschuß einberufenen öffentlichen Jugend- Versammlung über das Thema:„Di e wahren und falschen Freunde der Arbeiterjugend" sprechen wollte, erschienen zwei Polizisten zur Ueberwachung. Als der Referent einleitend in kurzen Zügen die„goldene Jugendzeit" des Arbeiterkindes zu schildern begann, dabei die Verwüstungen, die die Profitgier der Unter- nehmer unter der Jugend des Proletariats anrichtet, erwähnte und auch von der„Aussaugung der Lebenssäfte" sprach, wurde die Versammlung einfach aufgelöst. Der Redner habe von Aus- beutung und Aussaugung gesprochen und damit die Versammlung zu einer politischen gemacht, meinte der Hüter des Gesetzes. Alle Hinweise auf seine irrige Auffassung und die im Vereins- gesetz klipp und klar festgelegten Auflösungsgründe waren der- geblich. Nach nochmaliger„Auflösung" verschwanden die Polizisten, worauf die Versammlung in aller Ruhe zu Ende geführt werden konnte. Anstatt nun den das Vereinsgesetz so schlecht beherrschenden Beamten für sein völlig ungerecht- fertigtes Vorgehen zur Rechenschaft zu ziehen, wurden die beiden Veranstalter und der Referent mit, wegen angeblicher Uebertretung des Vereinsgesetzes unter An- klage gestellt. Es stehe„zweifellos" fest, daß die drei Angeklagten von vornherein die Absicht gehabt hätten, eine Versanunlung zur Erörterung politischer Angelegenheiten zu veranstalten, meinte der A m t s a n w a l t. Das beweise schon der Einladungs- zettel, der stch ausdrücklich„an die Arbeiterjugend" und die„organisierte Arbeiterschaft" richtete. DaS beweise auch die Rede, in der die Schule, das Kinder- schutzgesctz und die„Entwickelungstheoric" behandelt worden lväre. Er beantragte gegen jeden der drei Angeklagten eine Geldstrafe von 190 M. Das G e r i dj t lehnte eine Zeugenvernehmung ab, weil der Angeklagte Kasparek durch„eigenes Geständnis überführt" sei, eine politische Rede gehalten zu haben. Leiter und Ver- anstalter sollen zwar nicht 100, sondern nur 10 M. bezahlen, da sie beide noch völlig unbescholten sind. Der Referent mußte freigesprochen werden. Der die Verhandlung leitende Assessor meinte in der Urteilsbegründung: Politische Angelegenheiten seien wohl solche, die die Verwaltung, Ver- fassung und Gesetzgebung des Staates und die staatsbürger- lichen Rechte der Untertanen in sich begreifen. Eine solche Staatseinrichtung sei aber auch die Jugend- pflege. Denn— sie sei vom Staat durch Ministerialerlaß geschaffen und werde von diesem materiell unterstützt. Da der Angeklagte selber zugegeben, daß er sich in seinem Vortrage energisch gegen diese staatliche Jugendpflege gelvandt habe, war also sein Vortrag cm politischer. Es möge deshalb dahingestellt bleiben, ob auch andere Gebiete— z. B. das der Sozialpolitik und Volksschule— besprochen worden seien, ja, das Gericht nimmt sogar an, daß weniger ein Erörtern, vielmehr ein bloßes gelegentliches Streifen dieser Gebiete stattgefunden habe. Es geht doch nichts über eine einfache, schöne, aber dennoch „durchschlagende" Begründung. Das Gericht erklärt die natio- nale, von oben befohlene Jugendpflege einfach als eine Staats- einrichtung, die in Gegenwart politisch unmündiger Arbeiter- kinder nicht„erörtert" lverden darf— und damit basta. Und so hätte man die längst gesuchte bequeme Handhabe, jegliche Aufklärung über die wahren Absichten der in allerlei Ver- kleidung sich an die Arbeiterjugend herandrängenden Jugend- Pfleger unmöglich zu machen. Nur immer hübsch großzügig und sich nicht lange in nebensächlichen Einzelheiten verlieren. Vor dem Berufungsgericht dürfte diese Begründung schwerlich standhalten._ Wir ein Staatsauwalt über die Notlage des Volkes denkt. Bekanntlich haben wir eine Strafgesetznobelle bekommen, nach der es zulässig istz Taten, die in Notlag« begangen find, milde zu bestrafen. Wie diese durch daS Reichsparlament geschaffene Neuerung 'I manchmal versagt, darüber gab eine Straf! ammerberhand« lung Aufschluß, die am Sonnabend in H a l l e a. S. stattfand. Unter Anklage stand der 41jährige Grubenarbeiter G 0 t t l i e b S t e p h a'.n aus Paupitzsch und seine 38jährige Ehefrau wegen vollendeten und versuchten schweren Dieb- st a h l s. Das Ehepaar hatte in einer Apiilnacht aus dem Keller des Rittergutsbesitzers Schirmer zwei Säcke Kartoffeln entwendet und versucht, in ein« Mainacht nochmals eine Quantität Kartoffeln zu nehmen. Dabei wurde es von dem Nachtwächter überrascht. Also der er- langte Vorteil war nicht erheblich. Die Beschuldigten, beides bisher unbestrafte Personen, räumten die Tat ein, klagten aber, in bitterer Notlage gehandelt zu haben. Sie hätten acht Kinder im Alter von drei bis 16 Jahren; der Ehemann habe 13 Jahre auf dem Gute gearbeitet und bei einigen Nebenbezügen im Sommer 14 Mark, im Winter nur 12 Mark pro Woche ver- dient. Da sei er, um sich zu verbeffern, als Grubenarbeiter ge- gangen, habe aber dann pro Woche ohne Nebenbezüge nur 18 bis 20 Mark verdient. Für das Geld habe er seine starke Familie nicht erhalten können. Der Staatsanwalt war der Ansicht, daß die Angeklagten mit ihren Einkünften sehr wohl hätten auskommen können. Er meinte, die Angeklagten hatten 18 bis 2V M. pro Woche»»Ver- rechnet man davon auf die Miete pro Woche 2,S0 M., dann haben die Angeklagten noch reichlich Geld für Lebensmittel übrig gehabt. Von einer Notlage könne keine Rede sein und eS sei gegen beide Angeklagte eine Gefängnisstrafe von je drei Monaten und vierzehn Tagen zu be- Anträgen. Das Gericht verurteilte tatsächlich beide Angeklagt« zu je drei Monaten und einer Woche Gefängnis. Daß eine zehnköpfige Familie mit 18 bis 20 M. pro Woche ohne Notlage sich befinde, kann nur starke Weltfremdheit annehmen._ Ein raffinierter BerdandSmarder. Bor der Strafkammer in Halle a. S. war am Sonnabend der Kaufmann Arnold G u t h, 26 Jahre alt, angeklagt, der fast in allen deutschen Städten Verbandsfilialen der Buchdrucker, Metallarbeiter usw. in recht empfindlicher Weise durch betrügerische Manipulationen geschädigt hat. Der Mann reiste in den letzten drei Jahren unter dem falschen Namen Max Fried- l ä n d e r aus Prag und verschaffte sich bald als Buch- druck«, bald als Metallarbeiter usw. mit falschen Legiti- mationen und gestohlenen VerbandSbüchern Reiseunterstützungen und andere Vorteile. Durch sein gemeines Treiben hat er Verbands- angestellten erhebliche Unannehmlichkeiten bereitet. Auf eine Anzahl Verbandsbücher, die in Magdeburg gestohlen wurden, sind allein 400 M. Unterstützung erschwindelt worden. Bis jetzt werden ihm 66 strafbare Handlungen zur Last gelegt;"rS besteht aber der Ver- dacht, daß Guth noch weitere Betrügereien begangen hat. Bielleicht können diese Zeilen zur weiteren Aufklärung beitragen. Guth, der von vielen Verbandsangestelltcn als Täter bezeickmet wird, will un- schuldig sein und zur Zeit der Taten in Prag, Wien und Paris ge- Wesen sein. Die Verhandlung wurde deshalb vertagt. Die gefährliche Kellertür. Das Reichsgericht hat in ständiger Rechtsprechung angenommen, daß der G a st w i r t gegenüber den bei ihm verkehrenden Gästen die vertragliche Pflicht hat, für ordnungsmäßige sichere Beschaffenheit der Wirtschaf ts räume und der Gänge nach den Aborten zu sorgen. Trifft den Wirt in dieser Hinsicht eine Fahrlässigkeit, insbesondere wegen Nichtbeleuchtung oder Nichtverschlusses einer mit der Aborttür zu verwedffelnden, Kellertür, so ist er dem verunglückten Gaste zum Schadens- ersatz verpflichtet. Diese Schadensersatzpflicht kann sich nur mindern, wenn der Verunglückte selbst sich unachtsam benommen und dadurch den Unfall mitverursacht hat. Ein Rechtsstreit dieser Art beschäftigte jetzt das Reichsgericht. Der Zimmermann H. weilte am 24. Juni 1911 in der Wirt- schaft des Gastwirts B. in Neukölln. Nach 6 Uhr nachmittags wollte er den Abort aufsuchen. Auf dem Gang dorthin öffnete er anstatt der Aborttür eine in der Nähe befindliche Tür, die zu der im Keller liegenden Kegelbahn führt; er stürzte die Treppe hinab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er alsbald starb. Die Unglücks- tür war mit der Aufschrift versehen:„Vorsicht Stufen! Zur Kegelbahn!" Es ist aber nicht festgestellt worden, daß H. diese Auf- schrift gesehen hat. Die Witwe des Verunglückten verlangt von dem Gastwirt Schadensersatz; sie klagt auf Zahlung einer monatlichen Rente von 60 Mk. Vom Landgericht II zu Berlin ist die Klage gänzlich abge- wiesen worden, weil der Unfall ausschließlich auf das Verschulden des Getöteten zurückzuführen sei. DaS Kammergericht dagegen hat den Beklagten dem Grunde nach verurteilt, die Hälfte des Schadens zu ersetzen, und wies die Klägerin mit der anderen Hälfte ab. Zur Begründung seiner Entscheidung führt daS Kammergericht aus: Das Landgericht verlangt in seinen Er- wägungen ein sehr großes Maß von Aufmerksamkeit bei der Be- wegung des Gastes in einer Gastwirtschaft. Dem ist nicht beizu- treten. Entscheidend ist hier, daß eine gefährliche Anlage in den Gasträumen des Beklagten vorhanden und daß diese gefährliche Einrichtung nicht zu vermuten war. Es fragt sich, ob der Kläger als normal denkender Mensch seines Standes und seiner Bildung nach erkennen mutzte, daß sich hinter der hier fraglichen Tür Räume be- finden würden, die gefährlich waren. Das ist zu verneinen. Der Inhaber einer Gastwirtschaft muß mit einer Türverwechselung seitens seiner Gäste rechnen und dementsprechende Maßregeln treffen. Daß die zur Kegelbahn führende Kellertür nicht ver- schlössen war, ist deshalb eine Fahrlässigkeit, die der Beklagte zu vertreten hat. Andererseits liegt aber auch ein eigenes Verschulden deS Getöteten vor. Er mußte, da es auf dem Korridor nicht ganz hell war, noch mehr Vorsicht aufwenden und durfte nicht ohne weiteres in den ihm unbekannten dunklen Raum treten. Es er- schien deshalb angemessen, die Klägerin mit der Hälfte des Schadens- anspruches abzuweisen. Gegen diese Entscheidung hatte der Beklagte Revision ein- gelegt, indessen ohne Erfolg: das Reichsgericht hat das Urteil deS Kammergerichts bestätigt und die R e- Vision zurückgewiesen. Singegangene Druck kckrifren. Im Verlag von I. H. W. Tletz Nachfolger, Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, ist soeben erschienen: Tie Bergarbeiter. Historische Darstellung der Bergarbeilerverhällnisse von der ältesten bis w die neueste Zeit. Vou Otto Hue. Zweiter Band. Preis L M„ geb. S M., In Halbsranz 10 M. Fachblatt sür Holzarbeiter, tzest S. Herausgegeben vom Deutschen Holziirdeitcr. Verband. MonatSschrist. Vierteljährlich 1 M. Berlin, Am Köllnischen Park 2. Aus Natur und Geistcöwelt. Bd. 360. Die Luftfahrt. Bon R. Nlmsühr.— Bd. 42S. Die wirtschaftlichen Organisationen. Bon E. Lederer.— Bd. 432. Die preußische Volts- und Mittelschule. Von A. Sachse.— Bd. 43b. Das Recht an Schrift- upd Kunstwerken. Von R. MothcS. Einzelbd. 1 M., geb. 1,25 M. B. G. Teubner, Leipzig. Heimatbild« deutscher Kunst. 1. MeereSbranduug an der Nordsee. Von Prof. K. Biese.— 2. Winterstille im Schwarzwald. Bon demselben.— 3. Sommersonucnschei« in der Mark. Von Prof. F. Kallmorgen.— 4. Winteridyll tu einem pommerschen Städtchen. Von H. Herrtlg. Je 1,80 M. F. Schneider, Berlin-Schöneberg. Quo vadis Austritt? Von Dr. Vladom Gcorgevitch. 80 Pf. S. Hirzcl, Leipzig. Preußische Polcnpolitik und deutsche Weltpolitik. Von Constantin Ritter von Gilwicki. 80 Ps.— Stirbt Odin? Ein Mahnwort an das deutsche Volt von L. Auge. Berlin SW 48,.Politik", Verlagsanstalt und Buchdruckerei. 80 Pf- Dt« Digerkatze. Haus im Glück. Novellen von Hedda v. Schmid. (Kürschner» Bücherschatz Nr. 913.) H Hillg«, Berlin W. 3. Sozialdemokratischer Wahlyerein für den K. Berliner Reichstagsvahlkreis. Dienstag, den Ä3. September, abends 8V2 Uhr: Nit�lie�er-VersÄrnmIun� in den Germania-Prachtsälen, Chaufseestr. 110. Tagesordnung: Die üekurieneinLeilrsnkung. Referentln: Genossin �UiSL ZldtZ. Korreferent: Genosse Df. Alfred BemSteilL Unsere Genossinnen sind zu dieser Bersammlung besonders eingeladen. Ohne Mitgliedsbulh kein Zutritt, s?o/s» ver VwrstnnS. VerksnN der Alsler, Saekterer, Anstreicher Bureau: Melchiorstraße 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Male Berlin. usw. Arbeitsnachweis: Rückerstraße S. Fernsprecher: Amt Norden 6708. Donnerstag, clen 25. September ipja, abends 8 /2(lkr: Mitglieder»Versammlung: in Reliefs JSeuc Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97. "V■ Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung in Halle.(Fortsetzung der Diskussion.) 2. Bericht über den Bauarbeiterschutzkongreß. 3. Diskusfion. 4 Berbandsangelegenheitett. Nur Mitgliedsbuch legitimiert.- Die Versammlung wird pünktlich eröffnet.— Zahlreichen Besuch erwartet 135/11'___________ Die Orts Verwaltung. Die Zahlstelle für den Osten befindet sich jetzt Große Frankfurter Straße 10 bei Merkmann._ h die Arbeiter und Angestellten Berlins! Werkstattvertranenspersonen! Am Sonntag, den S8. September 1913, in der Zeit von 19 Uhr vormittags bis 9 Uhr nachmittags findet die Wahl der 60 Ausschußmitglieder und 120 Stellvertreter zur Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin statt. Die Liste der Freien Gewerkschaften und Angestellten Berlins trägt die Ordnungsnummer l. Es ist nun Pflicht aller Vertrauenspersonen, von Werkstätten, Bureaus, Bauplätzen und Arbeitsstuben, mittels der entnommenen Feststellungsscheine die Wahlkarten von ihren Kranken- lassen abzuholen und den in den Betrieben Beschäftigten auszuhändigen. Mitglieder der sich auflösenden Kassen bekommen diese Wahlkartcn bis zum 27. Sep- tember in den Krankenkassen, denen sie bisher angehörten. Neuvcrstcherungspflichtige, auf Grund der Erhöhung der Gchaltsgrenze von 2000 auf 2500 M.(Privatbeamte usw.) melden sich bei der Kasse, welche für den betreffenden Betrieb zuständig ist, in welchem sie beschäftigt sind. Die übrigen Neuversicherungspflichtigen, die im Wandergewerbe Beschäftigten, Dienstboten und die Mitglieder der freien Hilfskaffen erhalten die Wahlkarten von der Allgemeinen Ortskrankcnkasse zu Berlin, Köpenicker Str. 89—82. Da vier Listen aufgestellt sind, ist eine rege Beteiligung an der Einzeichnung und Wahl erforderlich. Der Ansschuß der GewerkschattskommisSlin Derlius und ztmgegend. 300/5* I. A.: A. Körstcn. tsnr Demuttuugssteile Drrlin. C 54, Finienstr. 83—85. Berwaltung: Teleph.: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Adjtung! Metallarbeiter Tempelhofs! Heute Dienstag, den 23. Septbr. 1913, nachm. Uhr, im Wilhelmsgarten, Tempelhof, Berliner Str. 9: Vsrssmmlung aller Metallarbeiter=s=== Tagesordnung: Vortrag:»Die Reichsversicherungsordnung und ihre Beden- tnng für die Arbeiterschaft.-« Morgen Mittwoch, den 24. September, abends 8'/2 Uhr, im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45: Mitglieder-Versammlung der Gold-«. Silberarbeiter und verwandte» Berufsgenoffen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Wlssell über: Die Volkssürsorge. 2. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. {jV" Mitgliedsbuch legitimiert."Mg Morgen Mittwoch, den 24. September» abends S1/e Uhr, in den Corona-Prachtsälen, Kommandantenstr. 72: Versammlung der Graveure und Ziseleure» Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag über: Die Volksfürsorge. U. Brückner. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Referent: Morgen Mittwoch, den 24. September, abends 9 Uhr, im großen Saale des Gcwerkschaftshauscs, Engelufer 15: Varsammlung aller in de» Stempelbetrieben beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Bericht über die Ersolge der Resolution vom 31. Juli. eines Obmannes sür die Branche. 2. Wahl Morgen Mittwoch» den 24. September, abends 9 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12: Bersammlung der chirurgischen Branche. 1. Vortrag. fchiedenes. Tagesordnung: 2. Verbands- und Branchcnangelegenheiten. 3. Ver- gy Mitgliedsbuch legitimiert."VS Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet 12(5/11 Die Ortsverwaltnng, »Anke-'-Gesellschafi. Duette, Solos. «owinemünderftr. 75. 19ß3b� Zentral-Verbatul der Zimmerer. ZahlCtelle Berlin und Umgegend. Morgen Mittwoch, d. 24. September, finden im Berliner Tarifgebiet 254/12» Statistische Erhebungen über die Organisationsverhältnisse sowie Lohn- n. Arbeits- bedingungen der Zimmerer Berlins und der Vororte statt. Im Interesse der guten Sache richten wir an alle Berufsgenoffen den Appell, hierbei pflichtschuldigst mitzuhelfen und den mit der Aufnahme betrauten Verbandskameraden über die gestellten Fragen bereitwilligst Auskunft zu geben. Der Borstand. Verwaltung Berlin. Mtglirder-Nersammlungen: Jaloufiearbeiter Mittwoch, den 24. September, abends 8'/, Uhr, bei Anton Boeker, Weberftr. 17. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen L-anghammcr:»Die bürgerliche und proletarische Jugendbewegung.« 2. Berichte und Branchenangelegenheiten. Sargtischler Mittwoch, den 24. September, abends 8'/, Uhr, bei Michaltseck, Petersburger Str. 84. Tagesordnung: 1. Vortrag deZ Koll. Klfiner über Feuerbestattung. 2, Brauch en- angelegenheiten. Maschinenarbeiter Mittwoch, den 24. September, abends 8 Uhr, bei Boeker, Weberstrafte 17: Versammlung aller in Schueidtmnhlen, Feisten- und halzbearbeiinugsfabrikeu beschäst. Maschiueuarbetter. Tagesordnung: Die Ausschnftwahlen zur Allgemeinen Ortskranteukaffe. Bürsten- u. Pinselmacher Mittwoch, den 24. September, abends 8'/, Uhr. in Hertneln VerelnsliauB, Holzmarktstrafte 21. Tagesordnung: 1. Was lehrt uns die Statistik über die Lohn- und Arbeits- verhaltnisie in der Bürstenindustrie? 2. Branchenangelegenhciten. ll'erlmuttee«, Horn- und Steinnuß-- Einopfarbeiter und- arbeiterinnen Mittwoch, den 24. September, abends 61/, Uhr, im Gcwcrk- schaftsha use,(Kngelnfer 15(Saal 5). Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Ver- bands- und Branchenangelegenheiten. Hamm- ii. Haarichmuckbranche Mittwoch, den 24. September, abends' 8 Uhr, bei Berkownki, Andreasstr. 26. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Wilh. Nttschke:„Bie Volks- fürsorge". 2. Bericht von der Generalversammlung. Die Kollegen werden ersucht, ihre Frauen mitzubringen. 8g/5 Bie Ortsverwaltnng. Spezialarzt f. Haut-, Har»>. Frauenleide», nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in lls. Homeyer f? Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Friedrichstr. 81, SÜb». Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mäftig, auch Teilzahl. Separates Tamenzimmer. Kranzspenden sowie sämtliche• ßlumenarrangementö liesert schnell und billig Puul Gross. LindenstP. 69, Tel. Pipl. 7203. Dr. Cobnheim Von der Reise zurück Spezialarstf.Magen- u.Dannleiden Oranienburger Straße 39. Schöneberg Sozialdemokratiseher Wahlverein. Heute Dienstag, den 23. Sept. 1913, abeuds 8 Uhr, i« den Neuen Rathaussälen, Meininger Str. 8: Außerardrntliche PitgliriKmifammlntig Tagesordnung: 1. Bericht der Stadtverordnetenfraktion. Referent: Genosse E. Obst. Diskussion. 2. Aufstellung der Kandidaten. 3. Ver- fchiedenes. Mg- Pflicht der Genossinnen und Genossen ist es, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 16/1 Der Borstaud. pbel-Cohn 1. 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Verlag: Vorwärt? wuchdruckerei u. VerlagSansialt Paul Singer u. Co., Berliu! Nr. 248. 30. Jahrgang. 2. KcilM des, Jotmärtf Drrlim Dcksblalt. Nieustag, 23. 5e?teUbtr 1913. Se�erksckaftUckes. Saarfiskus und Sicberbeitsmänner. Bei der letzten Beratung des preußischen Bergetats im Dreiklassenparlament sprach der bekannte Zentrumsabgeordnete und christliche Bergarbeiterführer I m b u s ch von den„ u n- kündbaren Sicherheits männern", und er pries die preußische Berginspektion als die beste der Welt. Die »unkündbaren Sicherheitsmänner", das ist das Wunderwerk, das das Zentrum für die preußischen Bergarbeiter geschaffen hat. Und weil es das Werk des Zentrums ist, deshalb loben es die Führer des christlichen Gewerkvereins über den grünen Lllee. Zur höheren Ehre des Zentrums schweigen sie alle Schikanen und Verfolgungen ihrer eigenen Sicherheits- männer tot. Voriges Jahr schon wurde öffentlich bekannt, daß christ- liche Sichcrheitsmänner, die wegen ihres Eintretens für Ord- nung und Sicherheit im Betriebe von der Verwaltung der fiskalischen Saargrubcn in ihrem Lohn geschädigt worden waren, diesen Schaden aus der Kasse des christlichen Gewcrk- Vereins ersetzt bekommen hatten. In einem Falle erhielt ein Cicherheitsmann 40 M. Entschädigung vom Gewerkverein. Nach dem Berggesetz können Sicherheitsmänner während ihrer Amtsperiode nicht entlassen werden, sofern sie sich keine groben Verstöße gegen die Arbeitsordnung oder gegen das Berggesetz zuschulden kommen lassen. Nur wenn Verhältnisse eintreten, nach denen ihr Amt als Sicherheitsmann erlischt, können sie genau wie andere Arbeiter gekündigt und entlassen werden. Wie der Saarstskus Verhältnisse eintreten läßt, um unliebsame Sicherheitsmänner loszuwerden, zeigt folgender Fall: Auf der Grube Viktoria bei Püttlingen war in einer Steigerabteilung ein äußerst gewissenhafter und Pflicht- treuer Sicherheitsmann tätig, der es durch sxine Tätigkeit mit der Verwaltung längst verdorben hatte. Vor einigen Monaten löste die Verwaltung nun diese Abteilung auf und teilte die Betriebe anderen Steigerabteilungen zu. Mit d e m A u f- lösen der Steigerabteilung erlosch auch das Mandat des S i ch e r h e i t s m a n n e s. den man nun sofort nach eineni anderen Schacht verlegte, wo er aber kaum das Salz für die Suppe verdiente. Er kündigte deshalb selbst. Kurz nach der Verlegung des unbequemen Sicherheits- mannes ließ man die aufgelöste Steiger- abteilung wieder aufleben und ließ einen Neuen Sichercheitsmann wählen, weil sich die »Verhältnisse geändert hätten". Es war selbstverständlich, daß die Verwaltung nun die nötige Vorsorge traf, damit nicht wieder ein Sicherheitsmann gewählt wurde, der die noch- malige Auflösung der betreffenden Steigerabteilung notwendig machte. Anstelle des pflichttreuen Vcrbandskameraden wurde ein gelber Sicherheitsmann gewählt, der. sicherlich immer »alles in Ordnung" findet. Auf diese oder ähnliche Weise.hat sich der Saarfiskus manchen unbequemen Sicherheitsmann vom Halse geschafft. Diese Vorkommnisse zeigen, daß der Saarftskus die Gesetze genau befolgt und Sicherheitsmänner erst dann verlegt oder kündigt, wenn den Sichcrheitsmännern durch vorher„einge- tretene Verhältnisse" das Mandat geraubt war. Wirklich vor- treffliche weiße Salbe!__ Berlin und amgegcnd. Gegen die Organisationszersplitterer in der Handlungsgehilfenbewegung. Der aus dem verkrachten Bund der kaufmännischen Angestellten hervorgegangene Allgemeine Verband der kaufmännischen Angestellten halte zur Gründung einer Ortsgruppe in Ssrlin eine Versammlung zum 19. September nach den„Marine-Festsälen" einberufen. Das einleitende Referat hielt ein Herr Band. Er schilderte ausführlich den Untergang des Bundes der kaufmännischen Angestellten, den er auf finanzielle Mißgriffe zurückführte. Anschließend daran versuchte er die Versammlung davon zu überzeugen, daß trotz des Fehl- schlagens dieser Organisationsgründung der neutral-gewerkschaftliche Gedanke unter den Handlungsgehilfen marschiere. Er forderte zum Anschluß an den neuen Allgemeinen Verband der kaufmännischen Angestellten auf. In der sehr lebhaften Diskussion stellte sich jedoch heraus, daß die Neigung, diesen neuen Zersplitterungsversuch der gewerkschaftlichen Handlungsgehilfenbewegung mitzumachen, sehr ge- ring ist. Die geplante Gründung einer Ortsgruppe kam nicht zu- stände. Dagegen stimmte die Versammlung einstimmig einer Reso- lution zu, in der die Gründung einer neuen Organisation für kauf- männische Angestellte als eine Zersplitterung der Angestelltenbewegung und der Zentralverband für Handlungsgehilfen als gewerkschaftliche Organisation für Handlungsgehilsen und-Gehilfinnen erklärt wird. Tie Brauereiarbeiter beschäftigten sich am Sonntag in einer überfüllten Versammlung mit der Frage:„Kündigen wir die im Jahre 1993 mit den Unternehmern vereinbarten Bestimmungen über die Bezahlung des Zuschusses in Krankheitsfällen usw.?" Am 1. Januar 1914 tritt der Teil der Reichsversicherungsord- nung in Kraft, der die Bestimmungen über die Krankenversicherung enthält. Die dadurch bedingte Abänderung der Krankenkassen- statuten in bezug auf Gewährung von Krankengeld hat' eine weit- gehende Aenderung �ier bisher durch die Unternehmer auf Grund des 8 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches zu leistenden Zuschüsse zur Folge. Diese Aenderung tritt im ganzen Groß-Berliner Zahlstellen- gebiet ein. Der Höchstgrundlohn der Brauereiarbeiter ist auf Grund der Vereinbarungen auf 32 M. festgesetzt. In Krankheits- fällen hatte bis dahin der Unternehmer bei Arbeitern, die Familie haben, zum Krankengeld%, bei Unverheirateten% des Grundlohnes zuzuschießen, das macht bei 32 M. 19 M. Nach dem Ein- treten der neuen Krankenkassenbestimmungen erhöhen sich sowohl die Leistungen als auch die Beiträge der Kasse, so daß die in Klasse 6 Versicherten künftighin 21 M. Krankengeld erhalten und die Brauereien nur 3 M. statt 19 M. tragen würden. Die Unter- nehmcr hätten also bei dieser einen Klasse schon eine Ersparnis von 7 M. pro Person, was einen großen Vorteil für sie bedeuten würde. Ebenso verhält es sich auch bei den anderen Klassen. Wie der Re- ferent Träger am Schlüsse seiner Ausführungen erklärte, haben sich die maßgebenden Körperschaften des Verbandes für die Kün- digung der im Jahre 1993 mit den Unternehmern vereinbarten Be- stimmungen über die Bezahlung des Zuschusses in Krankheitsfällen usw. ausgesprochen. Einen dementsprechenden Antrag unterbreitete der Redner auch der Versammlung. In der Diskussion wurde beklagt, daß die Lage der Flaschen- kellerarbeiter eine äußerst schlechte sei, besonders die Anforderungen an die Arbeitsleistungen der betreffenden Arbeiter stiegen ins Un- gemessene. Einige Redner meinten, die Sache solle bis zum Tarif- abschlutz zurückgestellt werden, während in der weiteren Diskussion der Antrag des Vorstandes gutgeheißen wurd?. Weiter verlangte ein Redner, daß an der Bezahlung der ersten drei Tage in Krank- heitssällen.-UAler. allen Umständen-festgehallen-werden müsse.-— Der Vertreter des Böttcherverbandes Klapp schuß sowie der Vorsitzende des Bierbrauergesellenvereins traten ebenfalls für den Antrag ein, der einstimmig angenommen wurde. Hierauf wurde scharfe Kritik an der Brauerei Groterjan und an der Deutschen Bierbrauerei in Pichelsdorf geübt. Die Brauereien haben nämlich das Recht auf sogenannte Prozent- einstellung. Ein großer Teil verzichtet jedoch darauf, während die beiden genannten Brauereien die Prozenteinstcllung besonders be- treiben. Auch die Stadtbrauerei hat bereits mit diesem System be- gönnen, doch ist auf Beschwerde hier vom Inhaber der letztgenannten Brauerei Abhilfe zug-ßigt worden. „Was sind und was wollen die Syndikalisten?" Ein Arbeitsloser schreibt uns zu diesem Thema: In der(wohl syndikalistischen?)„Morgenpost" fand ich folgendes Inserat: Hausdiener, Packer, Kutscher sogleich Stellung. Mitglied- schaft erforderlich. Arbeitsnachweis Alexandrinenstraße 81. In der Hoffnung, endlich schnell Arbeit zu bekommen, begab ich mich in das„Bureau" dieses Arbeitsnachweises. In der ersten Etage des Hausrs Alexandrinenstraße 81 ist an der Tür zu lesen: „Freie Vereinigung der HandelshilfSarbeitcr Berlins". Ich betrete das Zimmer, dessen Einrichtung auS zwei Tischen, sechs Stühlen, zwei alten vergilbten Adreßbüchern und einem Telephon besteht. In dem Raum hielten sich einige Arbeitslose auf, die sich fast alle um die Leitung bemühten. Als ich mich auf das Inserat berufend, wegen Beschäftigung anfrage, wurde mir gesagt, ich müßte erst Mitglied werden. Das heißt, ich hätte sechs Wochenbeitxqge a 39 Pf. im voraus und S9 Pf. Eintrittsgeld, also insgesamt 2,39 M. zu zahlen. In der Hoffnung, schnell die gewünschte Be- schäftigung zu bekommen, biß ich in den sauren Apfel und zahlte die geforderten 2,39 M. Nachdem ich hierüber eine Quittung er- halten hatte, verabschiedete ich mich, um am anderen Tage den Nach- weis wieder aufzusuchen. Nun wurde mir das Mitgliedsbuch und zugleich ein gedruckter Leitfaden ausgehändigt, welcher die Ueberschrift:„WaS sind und was wollen die Syndikalisten"? trägt, und von Fritz Kater, Berlin 0 77, unterzeichnet ist. Unter anderem ist darin zu lesen, daß die Syndikalisten radikale GeWerk- schaftler seien, im Gegensatz zu den reformerischen zentralen GeWerk- schaften. Als ich flüchtig die Statuten gelesen hatte, wurde mir ein Heftchen zum Einzeichnen vorgelegt, aus dem ich ersah, daß der Nachweis täglich von durchschnittlich sechs Personen aufgesucht wird. Im ganzen besuchen zurzeit neun Personen den Nachweis. Aus einer Liste konnte ich ersehen, daß die Zahl der gemeldeten Stellen (wenn die Meldungen überhaupt echt sind) recht gering, und die Zahl der besetzten Stellen noch geringer ist. Während meines mehr- ständigen Aufenthaltes in diesem Nachweis trat das Telephon über- Haupt nicht in Tätigkeit, wie auch sonst von einer Arbeitsvermittelung ganz und gar nichts zu merken war. Wohl aber meldete sich wieder ein Arbeitsloser, der wegen Beschäftigung an- fragte und ebenfalls aufgefordert wurde, Mitglied zu werden. Wenn man nun bedenkt, daß der Arbcitsmarkt arg daniederliegt und auch auf diesem„Nachweis" recht minimal Stellen- Meldungen vorliegen, so steht fest, daß dieser„Nachweis" es nicht nötig hatte, durch Inserat Arbeitslose zu suchen, sondern daß es dieser syndikalistischen Vereinigung nur darauf ankommen kann, die 2,39 M. einzustecken und zugleich Mitgliedersang zu treiben. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, andere Arbeitslose vor Schaden zu bewahren. Das Geschäftsgebaren dieser Vereinigung gleicht-auf ein Haar der Art von gewerbsmäßigen Stellen- kleines feuilleron Herrn JrrgangS Erklärungen. Was zu der neuesten Kunst- aktion des Herrn v. Jagow zu sagen war. hat der„Vor- wärts" gesagt. Die Berliner Polizei hat abermals gesorgt, daß ihre Bedeutung für das Kulturstceben des Volkes im faulen Staate Preußen mit der richtigen Elle gemessen werden kann. Aber das ist nicht alles: man erfährt nun auch gleich hinterdrein, wie es kommr, daß die Polizei wagen kann, was sie gewagt hat. Man erfäbrt es — leider— von Herrn Bernhard Jrrgang, dem Hof- und Dom- organisten. den wir für ein Opfer der Polizeigewalt hielten. Herr Jrrgang nämlich springt der Polizei hilfreich bei. Einige Blätter haben ihn um den Sachverhalt befragt, und mit bemerkenswertem Eifer hat er sich beflissen, ihnen— das ist in kurzen Worten der Sinn seiner Erklärungen— mitzuteilen, daß er ganz dieselbe Ansicht habe wie die Polizei und daß er auf den Wink der Polizei durchaus nicht habe zu warren brauchen; schon vorher sri� er entschlossen gewesen, die Mitwirkung an dem Bachkonzert auf- zusagen. Wie sich das abgespielt hat. mag die Wiedergabe der Jrigangschen Miiteilungen in der.Vossischen Zeitung" selber be- leuchten. Danach äußerte der Herr königl. Musikdirektor: «Von einer Warnung des königl. Polizeipräsidiums kann keine Rede fein. Der vom Polizeipräsidium entsandte Beamte teilte mir mit, daß der betreffende Verein ein sozialdemokratischer sei. Dieser Mitteilung hätte es übrigens gar nicht bedurft, da ich zufällig kurz zuvor in der Domknsterei erfahren hatte, daß ich in einem sozial- demokratischen Verein mitwirken sollte. Ein Arbeiter eines anderen sozialdemokratischen Vereins war nämlich dort erschienen und wollte sich erkundigen, ob ich bei einem großen Konzert, das sein Verein veranstalten wollte, mitwirken könne. Er äußerte dem Dom- küstcr gegenüber, mit dem er die Angelegenheit besprach, daß er dann erst wohl die Genehmigung meiner vorgesetzten Behörde werde einziehen müssen. Aus den Mitteilungen des Domküstcrs entnahm ich erst, daß ich am Sonntag bei der Veranstaltung eines sozialdemo- kralischcn Vereins beteiligt sein sollte. Wenn ich auch ohne weiteres zugebe, daß Musik und Politik nichts miteinander zu tun haben, und es ein verdienstliches Werk ist. die Schöpfungen eines Johann Sebastian Bach Arbeitern zugänglich zu machen, so widerstrebt es mir doch nach meiner ganzen Gesinnung und in meiner Stellung als Staatsbeamter, mich an Veranstaltungen, die von sozialdemo- kratischer Seite unternommen werden, irgendwie zu beteiligen. Wäre ich über den politischen Charakter des Vereins, der diese an sich sehr löblichen Ausführungen veranstaltet, von vornherein aufgeklärt worden, so hülle ich sofort unbedingt meine Mitwirkung ab- gelehnr. Das habe ich auch dem Herrn, der diese Konzerte leitet, unzweideutig zu erkennen gegeben, ,hm zugleich auch Herren genannt, die gleiche Bedenken nicht hätten und wohl für mich ein- springen könnten." Und dieser Erklärung schließen wir noch einen Satz an, den die „Morgenpost" anführt und der keinesfalls fehlen darf. Danach sagte Herr Jrrgang im Anschluß an die Aeußerung. daß er aus eigenem Willen auf die Mitwirkung an den, Bach-Konzert verzichtet habe: „Erst kurz darauf erhielt ich den Besuch von dem Beamten der Polizei." Gemeint ist also: die Polizei kam zu spät; sie rannte offene Türen em. Aber es kommt natürlich darauf an, daß sie überhaupt kam. um Herrn Jrrgang« Mitwirkung an dem Bach- Konzerf zu hintertreiben, und wenn sie das nicht warnend, sondern etwa in Form einer höflichen„Aufklärung" über die Art des als sozialdemokratisch bezeichneten Vereins tat, so bleibt der Zweck doch immer der gleiche. Das Bild ändert sich„ur insosern. als nun Herr Jrrgang von dem gegen die Polizei Gesagten den wesentlichen Teil mitzutragen hat. Herr Jrrgang zeigt sich erfreut, daß der Berein, von deflen Arbeit er sich in zwölfter Stunde zurückzog, edelste Musik in die Volksmassen tragen will, aber seine politische Gesinnung und seine höfische Dienststellung verbieten ihm die Mitwirkung. Wir meinen, es gehört eine verteufelte Geschicklichkeit dazu, beides harmonisch zu vereinigen. Herrn Jrrgangs Freude sinkt zu platonischer Bedeutungslosigkeit herab, und in dieser Form ist sie ein Widerspruch gegen das Wesen einer grundernsten Künstlernatur. Vor dem Garn solchen Widersprnchs kann sich nur hüten, wer Kunst und Politik streng auseinanderhält. Aber nun kommt hinzu, daß sich's in diesem Falle überhaupt nicht um einen Verein mit poli- tischer Tendenz handelt. Der„Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse" steht völlig selbständig neben den Organisationen der Sozialdemokratie und verfolgt nichts als ein Bildungs- ziel, das mit politischer Arbeit nichts gemein hat. Weil dem so ist. fällt der Vorwurf, den Herr Jrrgang Herrn Leo Kestenberg macht, gänzlich dahin. Herr Kestenberg, der beiläufig bemerkt nicht Leiter, sondern nur künstlerischer Beirat des Vereins ist, konnte gar nicht davon reden, daß sichS um Mitwirkung in einer sozialdemokratischen Organisation bandle. Die Sache liegt vielmehr so. daß Herr Jrrgang. ehe er die übernommene Mirwirkung aufsagte, sich vergewissern mußte, ob der Verein wirklich als sozial- demokratischer anzusehen sei. Warum hat er diese Pflicht versäumt? Hat ihm die Ansicht der Polizei endgültig genügt? Herr Jrrgang hat die Kunstbestrebungen der Arbeiterschaft, die ihm so erfreulich dünken, wahrlich nicht gefördert. Denn was seine Erklärungen bekunden, kann nur auf eine neue Befestigung der Hemmnisse hinauslaufen, mit denen die Kunstarbeit der arbeitenden Massen zu kämpfen hat. Gefördert hat er nur die Ansicht der Polizei, ihr Amt sei es, den freien Verkeh� auf den Straßen der Kunst zu unterbinden. v Musik. Ein Bach-Konzert: im„Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse zu Berlin".„Kirchenmusik" und Arbeiterklasse— wie reimt sich das zusammen! Däucht es nicht ein Wagnis ohne gleichen, die Arbeiterschaft ullseres Zeitalters mit dem alten Leipziger Thomasschulkautors in seelischen Rapport zu setzen? Die so puri- tanisch dächten, wüßten entweder nichts von Bach oder nichts von der Kunst als Offenbarerin höchster Freiheit und wahrster Religion— odet nichts von beiden. Unser Verhältnis zu dieser Kunst und ihren Meistern ist ein von aller Dogmatil und Zwcckdienlichkeit völlig be- freites. Nicht das Zufälligkeitsmerkmal, daß Bach mit seinen so ungeheuer mannigfaltigen Schöpfungen der Kirche lutherischer Kon- fession diente, sondern weil er durch sein ganzes Leben und Wirken nach eigenem Ausspruch bewiesen hat.„daß das Schöne und Edle nicht um des Vorteils, ja selbst nicht um des Ruhmes uud der Anerkennung willen ins Dasein tritt," ist sür unS das Entscheidende. In einer Epoche traurigster Verkommenheit hat Bach dem deutschen Geist wieder zum Siege verholfen. Wie Luther das Volk aus den Knechtschaftsbanden der paplstischen Klerisei befreite, so er- löste Bach zwei Jahrhunderte später die Musik aus den Fesseln orthodox evangelischer Kirchlichkeit. Daß sich jene, trotz ihres vor« wiegend geistlichen Charakters, nunmehr in erweiternden Formen gleich einem mächtig einherbrausenden Strome ergießen konnte, ist fein Hauptwerk. Er glaubte nicht bloß an dies Sakrament, sondern an die Heiligkeit der Kunst schlechtweg. Um deswillen war er aber auch einer ihrer größten Märtyrer. Er starb, fast ohne die Teil- nähme der herrschenden Klasse zu erregen, in Not und Dürftigkeit zu einer Zeit, da„die großen und kleinen Höfe der Fürsten von italienischen Opernkomponislen und Virtuosen wimmelten, die man mit ungeheuren Opfern dazu erkaufte, dem verachteten Deutschland den Abfall einer Kunst zum bestell zu geben, welcher heutzutage nicht die mindeste Beachtung mehr geschenkt werden kann". Irdische Schätze harte Bach nicht zu sammeln vermocht. Seine Witwe nebst Töchtern blieb in großer Bedrängnis zurück und starb als— Almosenempfängerin. Kein Stein bezeichnet die Stätte, wo einst die Gebeine des größten deutschen Musikers ruhten!... Aber sein Werk bleibt unsterblich. Es ist daher nur recht und billig, wenn versucht wird, das arbeitende Volk zu ihm hinanzuführen, und wir dürfen, nach dem Erfolg des ersten Konzerts zu schließen, sagen, daß es über alle Erwartungen geglückt ist. Täuschte uns unsere Wahr- nehmung nicht, so haben die Hörer keinerlei Anstoß an den strengreligiösen Texten und Melodien genommen. Sie hielten sich lediglich an die M u s i k— und so ward dann gleich das richtige Verhältnis zu Bach gewonnen, was eben dank der klugen Wahl der Instrumental« und Vokalkompositionen erheblich erleichtert wurde. Einige Werke für die Orgel gaben dem auf eine höchstenfalls zwei« stündige Dauer bemessenen Programm das Rückgrat und die voll- tönige Umrahmung. Durch ihren Vortrag von jungen berufenen Künstlerhänden erfuhr Bach eine Rehabilitation. wie solche ein preußischer Büttelgeist weder zu träumen noch zu unterbinden vermag. An der von Marix Loevensohn meisterhaft frei und mit edler Klangkraft gespielten Sonate in v-woll wurde so recht offenbar, wie großartig modern Bach dies Soloinstrument— und in anderen Kompositionen die Violine— zu orchestraler, das heißt viel« stimmiger Wirksamkeit zu erheben verstanden hat. Wieder noch anders trat in der Arie aus einer seiner Kantaten die Geige(Pro- fcssor Karl F l e s ch) mit der menschlichen Stimme und dem Klavier als reserviertem Begleiter in Wcttkampf. Sowohl hier wie in ver- schiedenen Liedern zeigte sich Therese Schnabel-Behr als eine geradeswegs prädestinierte Jnterpretin Bachscher Gesänge, die Artur Schnabel mit erlesener Feinheit am Bechstcin-Flügel begleitete, oü Der Volks l-ieder-Abend, den der Männer- und Frauenchor Neukölln unter Leitung seines Dirigenten Joseph Vieth im großen Saale der Neuen Welt veranstaltete, ließ, wenn keine Oualitätsleistungen, doch gute Erwartungen für die Zukunft auskommen. Zuoberst interessierte ein im April gegründeter Frauenchor in Stärke von 13S Mitgliedern, der sich zum ersten- mal hören ließ. Hübsches Stimmaterial ist ja vorhanden; auch an peinlichem Singen fehlts nicht. Allein, was wir da hörten, klang noch zag und unpersönlich. Die LoSeisung der Singerinnen vom faktischen Notenwert und Takt, sowie von fehlerhafter Behandlung der Vokale und Verwechslung leichter mit schwerer Taktteilen muß weiterer gesangtechnischer Arbeit vorbehalten bleiben. Man singt und spricht beispielsiveise nicht:„verlo-rän",„Ha-l-dän",„RöSla-ln" usw. Der Männerchor verfügt— den ersten Baß ausgenommen— über recht llanghaft-biegsamc Stimmen. Auf den Vortrag jedoch muß der Dirigent weit strenger Bedacht nehmen als es der Fall ist. Wohl bestrebt er sich, Deutlichkeit der Aussprache und eine gewisse Korrektheit zu erzielen— die allerdings manchmal z u pedantisch wird. Volkslieder, um aus ihnen Juwelen zu schleifen, verlangen eine sinngemäße Behandlung des Textes und der Melodie; denn beide bilden, weil gleichzeitig entstanden, ein organisches Ganzes und vertragen kein Nebeneinander. Einschnitte oder Zäsuren aber auch nicht. Man wird also nicht singen lassen„Da sang ein klei-(Ruhepunkt) nes Böglcin", oder:„Die Glücklichsten(Ruhepunkt) im Land", sondern läßt an solchen Stellen, wenn der fortlaufende Sprechsatz es ver- langt, die Zäsur weg. In ähnlicher Art muß das Zeitmaß oder Tempo bald rascher, dramatischer, bald langsamer genommen werden. Ein An- und Abschwellen des Stimmeustromes ist gleichfalls ernst- lich zu üben, so daß nicht stark gesungen wird, was piano oder nicht gar pianissimo zu ballen ist. Nur weniges befriedigte halbwegs. Interessant war die Mendelssohnsche VolkSIiederdreiheit für gemischten Chor. In klanglicher Hinsicht war es erfreulich: das Ganze muß aber noch erst tüchtig vertieft und geschliffen werden. Frau Käthe H y a n gab sogenannte Volkslieder mit Lauten- begleitung zum besten. Leider auch— Kabarcttspäße. DaS alle» war doch mehr auf bloße„Unterhaltung" angelegt und mutet im Rhythmus und Melodiegefüge etwas«onoton an. vk. Vermittlern, die b«R Nermsten der Armen die letzten paar Groschen abnehmen. Der Streik der Militarsnttlrr in den Militärausrüstungsbetrieben C. Pose, Schlesische Str. 18, F. Damaschke, Jüterboger Str/ 9, Deutsche Militärausrüstungsgesellschaft, Alexandrinenstr. 14/15, sowie bei Ludewig, Lindenstr. 93, dauert unverändert fort. Die Unter nehmer inserieren in allen möglichen Provinzblättern, besonders in Ostpreußen und Schlesien, und suchen so die Situation zu retten Da der Erfolg bisher sehr mäßig geblieben ist, so haben sie alle Hoffnungen auf die jetzt stattfindenden Reserbistenentlaffungen gesetzt. Au diesem Zweck wandte sich die Deutsche MilitärauSrüstungSgesefr schaft an die verschiedenen Regimenter mit der Bitte, die zur Tnt- lasiung kommenden Sattler auf die sich bielende Arbeitsgelegenheit aufmerksam zu machen. Natürlicherweise hat man schämig ver- schwiegen, daß es sich um reguläre Streikbrechervermitte- lung handelt. Aber auch so dürfte die Sache nicht allzu viel Er folg haben; über kurz oder lang werden auch diese vier Firmen sich dem bestehenden Tarifverhältnis anschließen niüssen. DeutTchcs Reich« Zum Streik im Stettiner Hafen. In nur durchsichtiger Absicht wird das Gerücht verbreitet, daß der Hafrnbetrieb trotz des Streiks aufrechterhalten werden kantr. In Wirklichkeit arbeiteten am Sonnabend am Dunzig 4, am Ostkai 1 und am Westkai 4 Kräne. In den Schuppen arbeiten zirka 49 Mann. Diese nützlichen. Element« lassen dem Magistrat ein ganz schönes Stück Arbeit liegen. Die Kosten haben die Steuer- zahler StetttnS aufzubringen. In den letzten Tagen sind wieder eine Anzahl Sistierungen vorgenommen worden. Sowie sich bekannte Arbeiter sehen lassen, werden sie der Straßen und Plätze in der Nähe des Freihafens und des Dunzigkais verwiesen oder sie werden gleich festgenommen. Auch Angestellte des Gcmeindearbeiterverbandes wurden sistiert. Gchen das Verbot des Streikpostenstehens ist Beschwerde beim Polizeipräsidenten eingelegt. Die Situation ist für die Arbeiter nach wie vor günstig. RauS- reißer haben sich so gut wie gar nicht gefunden. Stettiner Ar- beiter bedanke« sich für solche Dienste und Auswärtige arbeiten für derartig niedrigen Lohn nicht, steht doch Stettin mit seinen Löhne» für die Hafenarbeiter nicht nur von den Großstädten, son- dern auch von den kleinen Städten an letzter Stelle. Am Sonnabend wurde bekannt, daß in Hamburg für Stettin Streikbrecher angeworben seien. Am Sonntag sollte ein Trupp von 490 Mann nach Stettin abgehen. Vermittler ist die Streik- brecherfirma Herzberg in Blankenese bei Hamburg. Mit den avisierten 499 wurde es aber nichts. Der Herr Lieferant bekam nicht einmal den zehnten Teil der avisierten Anzahl zusammen. Wie wir erfahren, soll nun am Dienstag«in großer Schub abgehen. Der Magistrat hat jetzt weitere Maßregeln gegen die Streiken. den angekündigt. An den Anschlagsäulen prangt seit dem 29. Sep tember ein Plakat folgenden Inhalts: Die Stettiner Arbeiter werden hiermtt aufgefordert, sich bis Montagmittag, 12 Uhr, zur Arbeit im städtischen Hafen zu melden. Soweit dies nicht in dem erforderlichen Umfange geschieht, werden wir genötigt und in der Lage sein, vom nächsten Tage ab auswärtige Arbeitskräfte zur Aufrechterhaltung der Betriebe heranzuziehen. Der Magistrat. Weiter verkündet die städtische Hasenverwaltung: .Da die im Ausstande befindlichen städtischen Hafenarbeiter ihre früheren Arbeitsstellen nicht mehr betreten dürfen, sind ihre Jnvalidenkarten auf dem städtischen Arbeitsnachweise, Frauen- straße 31, abgegeben. Daselbst können dieselben gegen Rückgabe der allgemeinen Bedingungen, der Satzungen für den Arbeiter ausschuß, des Kranlenkasseichuches und etwaiger weiterer be- sonderer Diensworschristen und unter Abgabe einer bescheinigung in Empfang genommen werden,' soweit Auch dieser Bluff wird seine Wirkung verfehlen. Dies kam in der am Sonntag stattgefundenen Versammlung der Streikenden zum Ausdruck. Der Streik erfährt in den nach st en Tagen eine ziemliche Ausdehnung. Die bei der Kaufmannschaft und bei den Spediteuren beschäftigten Arbeiter haben am 29. September beschlossen, vom 22. September ab die Arbeit einzustellen, so daß an diesem Tage zirka 1999 Mann streiken. Durch die Halsstarrig keit der städtischen Behörden ist diese Ausdehnung des Kampfes heraufbeschworen worden. Andere Arbeiterkategorien beschließen Sympathiekundgebungen für die Streikenden. So die am Gaswerk Beschäftigten. Auch die Schiffsarbeiter(Kontraktarbeiter) am Freihafen haben in einer Versammlung am Sonntagvormittag ein« Entschließung ange nommen, die den streikenden städtischen Hafenarbeitern in ihren durchaus gerechten Forderungen volle Sympathie ausspricht. Sie ermahnen den Magistrat, den Arbeitern Entgegenkommen zu zeigen, da sonst ein allgemeiner Streik des Stettiner Hafcngebiets schwere wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen kann. Die Versammlung nahm weiter zu der polizeilichen Bewachung im Freihafen Stellung. Gegen die polizeiliche Aufsicht und die polizeilichen Schikanen wurde protestiert. Alle Verantwortung für eine weitere Ausdehnung des Streiks hat jetzt der Magistrat. Er hat es in der Hand, ob zu den am Montag, den 22. September d. I., streikenden 1999 Mann noch weitere 1999 hinzukommen sollen. treffenden Arbeiter legitimieren. de- der Lage sind, sich glaubwürdig zu Die städtische Hafenverwaltung." Humor und Satire. Et n Bismarckturm zum erste». � In Posen, wo der Pole haust Und sich trotz allen Hurraschreiern Nicht öfter als der Deutsche laust, Da wollte man den Bismarck feiern Und baute im Begeisterungssturm Als teutschen Wesen« Hort und Sitz Dem Kanzler einen Ehrenturm— In Meseritz I Jedoch das teutsche Stückchen Land, Das man dadurch dem Reichsgedanke« Gewonnen, dieses Stückchen stand Nicht fest, fing plötzlich an zu schwanke»- Fast so wie der Ostmartenkurs. Die teutsche Eiche traf der Blitz! Der Bismarckturm ging in Konkurs In Meseritz I Jetzt fitzt und klagt der Hakatist, Er muß den Turm ja wieder steiger» Und wie! Denn Mitzubieten ist Den Polen ja nicht zu verweigern. Da faßt den Patriot ein Groll! WaS ist das Hurraschrein denn nütz. Wem» man den Beutel ziehen soll—- In Meseritz? Notizen. — Theaterchronik. In Reinhardt» Neueinstudierung von Goethe«.Torquato Taiso� für das Deutsche Theater werden die fünf Rollen von Else HeimS, Leopoldine Konstantin und von Alfred Abel, Alexander Moisfi und Eduard v. Winterstein gespielt.— Im Schiller-Theater-Charlottenburg wird am Freitag der vieraktige Schwank.Die Großstadtluft' von Blumenthal und Kadelburq zum eritenmal gespielt. Am Dienstag nächster Woche findet die erste Aufführung des Lustspiels.Wenn der junge Wein blüht' von Björnson statt.— Im Trianon- Theater findet die Erstaufführung de« Armontschen Lustspiel« .Seine Geliebte'(Mari-Gargon), Deutsch von Erich Motz, am kommenden Sonnabend statt. — Deutscher Naturforschertag. Der Vorstand der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte, deren Tagung in Wien gestern begonnen hat, beschloß, daß der nächste Kongreß in Hannover abgeballen werden soll. Er befaßte sich ferner mit der Anregung, eine Reform des deutschen naturwissenschaftlichen Kongreß- Wesens durchzuführen und den großen Naturforschertag dloS alle zwei Jahre abhalten zu lasten. — DaS Telephon der Milliardäre. Eine amerika- nische Gesellschaft hat die Schöpfung einer direften Telephon- Verbindung von New Dork mit«an Francisco und Los Angeles untenrommen, doch werden sich das Vergnügen, sich auf eine Ent- fernung von 5999 Kilometern hin zu unterhalten, nur sehr reiche Leute gestatten können. Die Anlage ist nämlich außerordentlich teuer; die Drähte bestehen aus absolut reinem Kupfer und haben einen Durchmesser von 5 Millimeter; alle 14 Kilometer wird eine Verstärkungsstation eingerichtet. Da zudem zwischen New Aork und San Francisco ein Zeitunterschied von 3 Stunden besteht, so wird die prakttsche Benutzungsdauer der Linie sehr beschränkt. Man hat daher den Preis für ein Gespräch von 2 Minuten auf 29 Dollar festgesetzt. Die Lohnbewegung der Buchbinder in Lsterwicck a. H. ist be endet. Die durch den Bezirksleiter und den Gaubevollmächtigten des Buchbinderverbandes mit den beteiligten Firmen, unter Mit Wirkung eines Vertreters des Jndustrieschutzverbandes gepflogenen Verbandlungen führten zu folgendem Ergebnis: Die wöchentliche Arbeitszeit von bisher 54 und 53'/, Stunden wird auf 53 Stunden verkürzt. Die Minimallöhne der Arbeiter erfahren eine Erhöhung von 7V, Proz. Solche Arbeiter, die die angesetzten Minimallöhne bereits erhalten, bekommen ebenfalls eine Zulage von 7V, Proz. zu ihrem bisherigen Lohne. Der Tarif läuft vom 1. Oktober 1913 bis 31. Dezember 1919._ Konsumvereinsarbeiter und Getverbegerichtswahl. Der Stadtrat in Zittau hat die Arbeiter des dortigen Konsum- Vereins, der neuerdings zu einer WirtschastSgenossenschast für einen größeren Bezirk umgewandelt wurde, von der Betätigung an der Wahl >er Gewerbegerichtsbeisitzer mit der Begründung zurückgewiesen, der Betrieb sei nicht mehr al« gewerblich anzusehen. Der Stadtrat be- rief sich dabei auf das neue Statut, in dem gesagt wird, daß die Wirtschaftsgenossenschaft die Förderung der Wirtschaft ihrer Mit- glieder� mittels gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebes bezweckt unter grundsätzlicher Ausschließung gewerbsmäßiger Gewinnerzielung. Seit über zehn Jahren beteiligten sich die Genossenschaftsarbeiter an der Wabl. Das Gewerkschaftskartell Zittau will die Entscheidung des Stadtrats anfechten. Huslnnck. Buchvinderstrrik in England. Ein in voriger Woche bei der Firma I. B u r n u. Co. in London auSgebrochener Streik der Buch- bindcr und Buchbindereiarbeiterinnen, an dem schon von Anfang an etwa 599 Personen beteiligt waren, ist inzwischen auch auf Escher, Surrah, Edinburg und andere Orte in England und Schottland über- gesprungen und dürfte noch weiteren Umfang annehmen. Während zunächst durch den Streik verhindert werden sollte, daß die Firma I. Burn u. Co. ihre bisher in London angefertigte Arbeit in Filiol- betrieben von jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen herstellen ließ, wächst die Bewegung sich nach und nach zu einem allgemeinen Kamps gegen die Hereinzichung ungelernter und billiger Arbeits- kräfte in den Beruf aus. Zuzug von Arbeitskräften ist strengstens fernzuhalten l_ Huö aller ftlelt Kulturbilder. Im.Prager Tageblatt' vom 17. d. M. veröffentlichte ein Menichenfteund, der seine lieben Nächsten richtig einzuschätzen weiß. daS folgende Inserat: Titel und Orden gegen eine im Nachhinein zu entrichtende SttftungStaxe. Antr. 17./9. 1913 unt..Ohne Vorspesen'. Prag.—... Zur gleichen Zeit war in der Wiener.Reuen Freien Presse' dieser Aufruf zu lesen:.Ein akademisch gebildeter Oesterreicher, der 29 Jahre seine« LebenS ausschließlich der Flugforschung und Flug- technik gewidmet und anerkannte Werke auf diesem ebiet geliefert hat. befindet sich in drückender Notlage. nur die Mittel zur Fortsetzung seiner sondern auch da« zum Leben un» Die ununterbrochenen finanziellen Opfer für seine Forschungen haben den Mann schließlich an den Bettelstab gebracht und er steht sich heute mit Frau und zwei Kindern dem Nicht» gegenüber. Er mußte seinen Hausstand auflösen und seine bescheidene Habe veräußern, da er die K o st e n für die WohnungSmiete nicht aufzubringen vermochte. DaS fort- dauernde Hungerleben hat diesen eifrigen und tüchtigen Forscher so zermürbt, daß seine Freunde das Schlimm st e befürchten. Die Redaktion ist gem bereit, Spenden entgegenzunehmen und aus- zuweisen, die wenigstens augenblicklich die verzweifelte Not- läge eines akademisch graduierten ManneS, der feine ganze Tätig- keit der Luftschiffart und Flugforschung gewidmet hat, zu lindern vermögen.' Daß der wohlgemeinte Aufruf einen größeren Erfolg haben wird, als den, daß der ins Unglück geratene Erfinder soviel Beitel- groschen erhält, um seinen Hunger acht oder vierzehn Tage zu stillen, darf man wohl bezweifeln. Dafür wird aber der Weizen des Titel- und Orden-SchachererS um so mehr blühen. ES fehlen ihm nicht konstrultiven Arbeiten, bedingt Nötige. Revolverattentat eines Geisteskranken. In der französischen Ort- schaft Melun feuerte ein Mann mehrere Revolverschüsse auf eine Prozession ab. Der Domherr C a u d r o n wurde durch zwei Kugeln schwer und ein neunzehnjährige« Mädchen leicht verletzt. Der Täter, ein Mann namens S i x t e, der vor mehreren Jahren aus einem Jrrenhause entlassen worden war, wurde verhastet. Automobilkatastrophe in Frankreich. Bei St. Paul im Deparlemem Pas-de-Calais fuhr ein mit d r e i P e r s o n e n be- setztes Automobil, dessen Lenker dem Schlagbaum eines Bahnüber- ganges ausweichen wollte, durch die Hecke des Bahndammes aus das Gleis, wurde von einem Zuge erfaßt und an hundert Meter weit geschleift. Zwei Insassen des Automobils wurden getötet, der dritte wurde in hoffnungslosem Zu- stand ins Krankenhaus gebracht. (3()000 Kronen unterschlagen. Der 39 jährige Ingenieur Ernst G l a ß n e r in Budapest ist nach Unterschlagungen von 99 999 Kronen flüchtig geworden. Immer Die Cholera i« Rumänien. weitere Gebiete Rumäniens werden von der Cholera ergriffen. Nach den letzten amtlichen statisttschcn Nach- weisen hat die furchtbare Seuche in 206 Gemeinden des Landes Eingang gefunden. Die Gesamtzahl der alten Erkrankungen an Cholera beziffert sich auf 113t, die der neuen aus 99. Die Zahl der Gestorbenen beträgt 45, die der Genesenen 51, es bleiben also noch 113, Kranke. Am Sonntag wurde eine sozialistische Versammlung durch die Polizei ver- hindert, weil zur Vorbeugung gegen die Cholera Menschenansammlungen verboten sind. Kesselexplosion auf einem Ozeandampfer. Auf dem Dampfer.Berlin', der am Sonnabend den Hafen von New Jork verließ, um nach Neapel zu fahren, platzte ein Dampf- kessel, wobei die Maschinisten Hermann Wolfs und August Klein- schmidt durch daS fiedende Wasser verbrüht wurden. Ter Dampfer lehrte zurück und brachte die Verletzten in dos Spital, wo Wolfs in der Nacht gestorben ist. Einige Stunden später starb auch K l e i n s ch m i d t._ Kleine Notizen. Ei» Opfer des Radsports. Der bei den Radrennen in Halle a. S. verunglückte Radfahrer Lange au« Erfurt ist im «rankenhans« am Sonntag abend seinen schweren Verletzungen erlege». AMer-BildungsscIiule Berlin. Qrenadierstraße 37, Hof geradezu, 1 Treppe. Lehrplan für das 4. Quartal 1913. Montag, den 6. Oktober: Geschichte(Griechische Geschichte) 1. Die griechische Vorzeit. Griechenland und der Orient.— 2. Sagenzeit und dorische Wanderung.— 3. Ständekampf und Tyrannis. Athen und Sparta.— 4. Die kleinasiatischen Griechen und die Kolonien.— 5. Griechenland in der Zeit der Perser- kriego.— 6. Das Zeitalter dos Perikles.— 7. Der Pelo- ponnesische Krieg und die gleichzeitigen inneren Umwälzungen. — 8. Die griechischen l-reistaaten im 4. Jahrhundert. Die Griechen in Sizilien.— 9. Griechenlands Unterwerfung durch die Mazedonier und die Kroberungszüge Alexanders des Großen.— 10. Die Zeit des Hollenismus. Vortragender; Dr. A. Conrady. Dienstag, den 7. Oktober; Xatnrerkenntnls. Einleitung; Natürliche und übernatürliche Weltanschauung. Erster tWl: Weltall un«1 Sonnensystem. 1. Die historische Entwickelung des astronomischen Weltbildes.— 2. Die Hilfsmittel der Astronomie.— 3. Unser Sonnensystem.— 4. Die Weltontstehungstheorien. Zweiter Teil: Geschichte der Erde. 1. Die Kräfte der Erdentwickelung.— 2. Die geologischen Zeitalter. Vortragende: Käte Dunoker. Mittwoch, den 8. Oktober; I-lteratnrffeachtchte des nenn- zchnten Jahrhunderte. Erster Teil: 1. Gesellschaftliche and kulturelle Zustände in Deutschland um die Jahrhundertwende.— Die Beziehungen dos eigentlichen Volkes zur Dichtkunst— Der Weimarische Klassizismus am Anfang des Jahrhunderts.— Schillers letzte Lebensjahre. — 2. Goethes Lebenshöhe und Altersschaffen.— Faust— Dichtung und Wahrheit— Die Wahlverwandtschaften usw.— 3- Hölderlin.— Jean Paul— Schund- und Unterhaltungsliteratur zu Goethes Zeiten.— 4. Die Dichter der Befreiungskriege.— Heinrich v. Kleist— 5. Die Wurzeln der Romantik.— Die Brüder Schlegel. Tieok, Kovalis.— 6. Arnim und Brentano.— Des Knaben Wnnderhorn.— Die Brüder Grimm.— 6. Eichendorff.— E. T. A. Hoffmann.— Die Sohioksalstragödie.— 7. Die unpolitische Dichtung.— Die schwäbischen Dichter.— Rückert.— Platen.— Aus der Diohtersohar der dreißiger und vierziger Jahre.— 8. Die österreichischen Dichter: Lonau u. a.— Grillparze r. Hebbel— 9. Die politische Dichtung.— Das junge Deutschland.— Heinrich Heine.— 10. Deutsche Revolutionsdichtung.— Die politischen Dichter Oesterreichs. Vortragender: Ernst Däumig. Donnerstag, den 9. Oktober: Praktische Nationalökonomie. Vortragenäer; D r. E, D a v i d. Freitag, den 10. Oktober: GevrerJkschaftswesen(Geschichte der Gcwerkschatten). Von der Entwickelung des Handwerks bis zum Großkapitalismus der Gegenwart.— Verlegersystem. Manufaktur und Kooperation.— Fabriksystem und Industrie.— Der Kapitalismus der Gegenwart.— Vorläufer gewerkschaftlicher Organisationen. Bruderschaften und Zünfte. Zunftverfassung.— Gesellenvorbände. — Zerfall der Zünfte und Gesellenorganisationen.— Reichs- abschied von 1731.— Die Arbeiterverbrüderung 1848/49.— Anfänge moderner Arbeiterorganisationen in Deutschland. Internationale Arbeiterassoziation.— Vereinstag.— Allgemeiner deutscher Arbeiterverein.— Sozialdemokratische Partei.— Liberale Partei— Selbständige Gründung von Gewerkschaften.— Polizeiliche Verfolgungen und Sozialistengesetz.— Von 1874 bis 1878.— Das Sozialistengesetz(1878 bis 1890).— Wiederaufbau gewerkschaftlicher Organisationen(1884 bis 1890).— Zentralisations-Bestrebungen. Einigung der Arbeiterparteien Deutschlands 1875.— Gewerkschaftskonferenzen und Kongresse.— Entwickelung der Freien Gewerkschaften seit 1890. Ausbau der Unterstützungs- einrichtungeu.— Mitglieder. Finanzen. Streiks und Lohnbewegungen.— Die gegnerisohenGewerkschaften. — E n t w i c k e 1 u n g s t e n d e n z o n der deutschen Gewerkschaften. Vortragender: Emil Dittmer. Sonnabend, den 11. Oktober: Geschichte des Sozlailsnms. Erster Teil: Altertum und Mittelalter. Was ist Sozialismus?— Soziale Verhältnisse und soziale Ideen. - Der Urkommunismus.— Soziale Bewegungen im Altertum. — Die platonische Staatsidee; ihre Anhänger und Gegner.— Der Kommunismus im Urchristentum.— Die soziale Rolle der Kirche.— Die Klöster,— Die Reformation.— Der Bauernkrieg.— Kommunistische Sekten im Mittelalter.— Thomas Münzer.— Die soziale Struktur zu Ausgang des Mittelalters: Feudalismus, Handel Handwerk, beginnender Kapitalismus. Vortragender; Emil Eichhorn. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende. Beginn pünktlich 8'/, Uhr, Ende 10 Uhr. Die reiohhalti Uhr g und ist spätestens am zweiten Aben Bibliothek ist r geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag Villi 0 I q U1C Cj I J«J Ks W M-.——- watu——- Monat 25 Pf., das Unterrichtegeld für jedes Fach pro Kursus an den Untemohteabenden beträgt pro is 1 Mark zu zahlen. Die Aufnahme Jtige von 71/, hie 81/, Uh: ~as Un n i-*- vi v»-— v,.003 ti»--—------————————--- �_ neuer Mitglieder und Schüler erfolgt bei Beginn jedes Kursus un Schullokal Grenadieratr. 37, Hof geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schul«, Admiral- straße 40a; Heul. Bamimstraße 42; Vogel, Lortzingstr. 37; W. KaciorowakJ, RavenAstr. 6; Horaeh, Engelufer 15. Besondere Veranstaltungen: Sonntag, den 28, September, abends 7 Uhr, in den„Armlnbnllen-, Kommandantenstraße, gr. Saal: Vortrag des Genossen M. H. Baege über;..Unsere Kenntnis de» prähistorischen Menschen" mitLiohtbildorn: Sonnlag. den 12. Oktober, abends 6 Uhr, im Schullokal, Grenadier- straße 37: Vortrag des Gen. Franz Diederich über:..Ludwig Büchner". Sonntag, den 19. Oktober, abends 7 Uhr, im �Kinigstadt-Kasino", Holzmarktstr. 72. Referent und Thema werden noch bekanntgegeben. Sonntag, den 2. November, abends 6 Uhr, im Sehullokal, Grenadier- straße 37, Vortrag des Herrn Ernst Reuter über:„Die nationale Frage in der Geschichte aet 19. Jahrhunderts''. Sonntag, den 23. November, abends 6 Uhr, im Schullokal. Sonntag, den 7. Dezember, abends 7 Uhr, im„KSnlgetadt-Kaalne", Referenten und Themas werden durch Inserat bekannt» Am SmiMa�. den 9. November, findet in den„Industrie Festsälen", Benthstraßo, ein„Lustiger Abend" unter Mitwirkung bewährter Kräfte statt.___' Vorsitzenden Hermana Alle Zuschriften sind an den______ Uammö. BerHn Uichtenberg. Klttepgntato. SW I, Geldsendungen an den Kassierer H. Küaiga, Berlin S. 59, Hasenheide 56, zu richten.®©v> orstand. Xbeater. Di«nStag, 23. September 1912. Slnrang Tl, übe. Sgl. Opernhaus. Der Wildschütz. «gl. Schauspielhaus. Schwanes weiß. Deutsches. Der lebende Leichnam Dentsches«üustlertheater. Wib Helm Tell. Zirkns Schumann. Galavorstellung. ilniang 8 Udr. Urania. Mit dem Imperator»ach New Jork. Sessing. Professor Bernhardi. Kammerspiele. Franziska. Komödienhaus. Das Paar n»ch der Mode. Theater des WestenS. Gräfin Fifi. Neues Opcrntheatcr(Kroll). Der Glücksschmied. Kleines. In Ewigkeit Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Berriac. Berliner. Filmzauber. Königgräuer Strafte. Die fünf Franksurter. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Rui. Deutsches Opernhaus. Die Jüdin. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. Schiller O. Cyrano von Bergerac. Schiller Eharlottenburg. Die Stützen der Gesellschaft. Thalia. Pupvchen. Theater am Rollendorfplatz. Die Kino-Zkönizin Metropol. Die Reife um die Welt in 40 Tagen. Kastno. Der Aktientenor oder Earuso aus Teilung. Triauon. Der abgerissene Glocke», zug. Untreu. Herrufeld. WaS sagen Sie zu Leibusch k Wintergarte'». Spezialitäte». Reichsdalle«. Stettmer Sänger. Zirkus Busck. Galavorstelluug. Antang S'l, Uhr. Residenz. Im Ehekäfig. Luftspielbaus. 777: 10. Roie. Die Schiffbrüchigen Luisen. Die falsche Höhest. Folies Eaprice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. DaS Adoptto kind. Walhalla. Der Liebesonkel. Boigt. Wohltäter der Menschheit. Ansang 8'/, Uhr. ReueS Bolls theoter. Mndder MewS. I Ansang 9 Uhr. Admiralsvalast. EiSballett: Flirt w St. Moritz. '.' Sternwarte. Jnvclidenstr. b7— 62 Schiller-Theater Berlin O. Dienstag, abends 8 Uhr: Gyrano von Bergerae. Mittwoch, abends 8 Uhr: LVelivllil. Donnerstag, abends 8 Uhr: Cyrano von Bergerae. Schiller-Theater Charlottenbnrg. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Stützen der Gesellscbatl. Mittwoch, abends 8 Uhr: Am Tage des Gericht«. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft Berliner Thealer. s uhr: Filmzauber. Theater in der KöDipStzerStralie 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Kotnödienhaus. 8 Uhr: Das Paar naeh der Mode. De u ts ch e s S c h anspi e 1 h au s Abends 8 Uhr: Dei««nt© Ruf. Thealer des Westens. 8 uhr: Gräfin Fifi. Sonnt. nachw.3')4: Der liebe Auguttln it Ensemble-Gastspiel des Berliner Metrnpol-fiieaters: Die Kino-Königin! Anfang 8 Uhr. Lessing-Theater. Professor Bernhardi. Komödie von Artur Schnitzler. Ansang$ Uhr. Dhltmoch: peer Gynt. Boroerkau, an der Tb-aleriasse von 10—2 Uhr, bei Senn. Tietz, Leipziger Straße. Al-xanberplatz. granljurter Allee, und ,m Jnvalidendank. Reicbshalleo-Theaier ir Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: MTamUlen- Vorstg. mit herrl. Progr. ja ermäßigt. Preisen Log. IM.. Balkon 78 Ps.. llntree sam dic Billettsteu-r m Waren, 89 Ps. 8 V* Uhr ?1U Im Ehekäfig. (Les Maris en cage.) Schwank in 3 Akten v. Antony Mars und Maurice Desvallifers Morg. u. folg. Tage: Im Ehekäfig. Sonntag, 28. Septb., nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrollcnr. tWontts Operetten-Theater Schiffbauerdamm 4a.(fr. Neues Th.) Täglich abends 8 Uhr: Der lachende Ehemann. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Dienstag 71/, Uhr: Wilhelm Tell. Mittwoch: lohn Gabriel Barkmann. OSEsTHEATE Große Frankiurter®ti. 132. AbenhS S'li Uhr: j] Die Schiffbrüchigen. Theaterstück in 3 Akten v. Brieux. Morgen: Die Kehlsrhrtjchlgen. I ZOOLOG ischer Garten T&glich: IWilitar- Konzert Eintrittspreise: Zoo: 1 M.. von 6 Uhr ab 50 Pf. Aguar.: IM.v.iStraße.O�Ov.Zoo Kinder tmt. 10 Jahren d.Hälfte. Ken! Ken! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abend*. MetropoLTheater Abends 8 Uhr: lisei die Erde Gr. AuSstattungSst. m. Ges.«. Tanz in 13 Bild. m. vollständ. freier Benutzung deS lule» Verne'lchen RomancS von Julius Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. lllodaed Schultz. Karl Bachniann. Joseph Giampietro. Guido TMelscber. Alfred Setunasov. Leopold Wolf. Ludwig Woit. Helene Sallct. idaRnsska. J. de Lande. «on 9-1 Uhr: Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. _ ä Kapellen._ Casino- Theater Loihringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Einzig. Barietttheat. I. Ranges. Neu! der phänomenal« lules Cheroy. Magcagno Trupps. Der rote Domino. Der Aktien-Tenor oder Carnoo auf Tellnnf. Sonntag, nachm. 4 Uhr: Am grünen Strand der Spree. �asssge-�snopllhnm Der Mann mit der eisernen Faust d.größt. 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September, abends 81/, Uhr: Popnlhres Konzert des Blüthner-Orchester(60�1») und des Männerchors Fichte-Georginia 1879«K Dirigent für Chor und Orchester Tb. Gerval«. Abendkaffe 75 Pf., Billetts im Borvertaus a 3« Pf. find bei den.VorwSrtS-.Spedileuren Zucht, JmmanueMrchstraße 12 und Hanisch, Ackerftt. 174, bei den Vereinsmitgliedern und in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Jj„ClOD" — Maufirstraße 82.— ZI :: Berliner Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZlmmerstraOe 90/91. Oroßes Doppel-Konzert! Musikkorps Kaiser-Franz-Garde-Grenad.-Regls. Dlrig. Oberm. A. Beeker. Berliner Konzerthans-Orcheater mit einem Vokalquartett. Leitung: Komponiet Frz.». Bloa und als Gastdirigent: Hofkapellmeister Prof. Traugott Oohs. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 PI Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gr.»SeVMMgS-�vieFt"�tri� slmhlt wr /u uhnn wg/RM*; wnn ich du/jmini MitMn kickt In Dosen zn 10, SO n. 95 Pfg. Aberall erhftltlich. Fabrik: Urban& Lemm, Charlottenburg. Möbel Rredilhaus Frankfurter Tor vormals J. 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Besonders hervorzuheben: Unter Afrikas Sonne.— Der Flnftstbergang.— Afrikanische Reiterstückchen. Vorher dasi gr. Gafö-Programm: B.Wels»».WnndecbUren Md. 8olea und Parin«?! Frl. Schreiher-Detlefsen, Schulreiterin 2C. 2C. Admlralspalast Einziger Elnpalast mit prunkiallen Eisballstten. Flirt in 8t. Boritz. Tango auf dem Eise— Charlotte. Bis 8 Uhtz und von lO*/. Uhr halbe Kassenpreise. Restaarant I. Ranges. Wein- u. Bier- Abteilung. Beginn d, Verstellung ll£ Uhr. Auch während der Vorstellung kann gespeist werden. {.d.l.Beri.Reiehstapvahlla'eis. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Genosse, der Schaniwirt Julius Döring Fürstenstr. 8, Bezirk 224 gestorben ist. Ehre feine« Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirckihojes, Hermannftraße, auS statt. Um reg» Beteiligung ersticht Der Verstand. SozialUeinokratiseher Wahiveran Am 90. d. Mt«. verstarb unser Genoffe, der Bureaubeamte lodsoves 8ed!em»Dll Schwedter Str. 91. Bezirk 503. Ehre seine» Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 5 Uhr von der Halle deS Friedhofes der ZionSgemeinde in Nordend aus statt. Um reg« v-telligung ersucht Der Vorstandst DeutsctierKetaliarbetler-Vefhanil Verwaltungsstolle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Ariur Herzog Martendorf, Richter ftr. 60 am 20. d. M. an Lungenleiden gestorben ist. Ehr« seinem Awdenken! Di» Beerdigung findet am Mstwoch, den 24. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- halle de» Freireligiösen Friedhofes in der Pappelalle« au« statt. Rege Beteiligung erwartet 136/12 Di« Orisverwaltung. Ortsverwaltuug Berlin, Bezirk 16. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Hermum Raddant am 90. d. Mt». verstorben ist. Die Beerdigimg findet am Dienstag, den 23. d. Mt»., nach- mittag« 3 Uhr, von der Halle de« EmmauS-Kirchhose» au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 258/18 DI« Drisverwaltung. Danksagung. Für die unS anläßlich der Beerdi- gung unseres teuren Entschlafenen, des Restaurateurs Paul Thielmann In so überaus großem Maße zuteil gewordenen Ehrungen und Beweise herzlicher Teilnahme, insbesondere dem Soziatdemolratilchen Wahlverein 4, den Parteigenossen und Genosfimien vom Bezirk SSS 1, dem Verband der Sreien Gast- und Schankwirte, den oloniflen von Neu- Berlin, dem Arbeiter-Naucherbund, dem Rauchvub .Garwor' sowie den Stammgästen unseren inmgsten Dank. S4N Die trauernden Hinterbliebenen. die Beweise herMcher Teil- nähme beim Hinscheiden«eines lieben Mannes >VildeIm Aepksa sag« ich allen, insbesondere dem Wahlverein, dem ZeMralverband der Maschinisten und Heizer und Berus». genoffen Deutschland», sowie den Herren Brauern und dem gesamten Personal der Deutschen Bierbrauerei ineinen tiesgesühlten Dank. 153/20 Spandau, 20. September ISIS. Frau Josephlne Stephan nebst Kindern. Am 21. d. M. starb nach langem, schwerem Leiden mew geliebter Man», unser sorgsamer Bater, Bruder, Schwager und Schwieger- vater, dev Portesentller Fritz Radio. Dies zeigt tiefbetrübt am Ut trauernde Witts« Pauline Radio geb. Gleiß«. Di« Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. d. M., von der Leichenhalle des neuen Luisen« städtischen Kirchhofes, Reukölln, Hermannstraße, aus statt. 153/13 Danksagung. Für die vielen Beweis Teilnahme und die schonen spenden bei der Beerdigung meine» lieben, nach langem, schwerem Leiden »erstorbenen Enkels Psuh Nesse sage ich allen Beteiligten, de» Ehest, Melelleu und Lehrkollegen der Finna tzeyer u. ffiubc, seinen Jugendfreunden, seinen Mitschülern her 3. Pstichtsortdil- dungsschule M.75 sowie den Pattenten der Lungenheilanstalt Beelltz B. HI meinen herzlichen Dank. Wwe. R. ZI um ermann. Orts-Krankenkasse der Zigarreusortlerer ODd deren ge- verbliehefl Usarbeiter z« Berlin. Bekimutmachttttg. Laut Beschluß de« Königlichen Ober« versicherungsamts Groß-Berlw vom 30. August d. I, wird dt« Kaff« am 3t. Dezember 1913 geschlossen»nd zören die Betrieb« sowie die Ler- erten einschl. der freiwillige» Ber- erten vom 1. Janu« 1214 ab der Allgememen OrtS-Krankonkaffe der Stadt Berlin an. Am 28. September d. F. finden die«nsschußirahlen statt und werden Rahlkarten sür Mtglieder der bis. herigen Kaffe von dieser-uSg-stellt. Zu diesem Zweck ist da» Koffen- lokal auch adendS von 6— 7 Uhr geöffnet. 23886 Gemäß 3 801 der R.-B.-O. bringen wir zur östentliche» Kenntnis, daß etwaige Gläubiger ihr« Ansprüche innerhalb drei Monaten im Kassen- lokal geltend zu machen haben. Später einlausende Forderungen können»erlveigert werden. Der VerstaniL WIIU Tscheuschnor, 1. Borfitzender. + Oskar Woflburg Trauer- Magazin Berlin N., BrunneustraBe 56. Grolle Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung naeh MaB in 12 Standen. Aendeningeo sofert.* Letzte Neuhelten,■""* Mow|uettplösch465l>1®e01r Muster bei näher. Angabe Iranko EmilLefevreSlSB Von der Reise zurück 153/18 Dr. Paul Ctiristeller. Ich. habe mein Bureau von Neue Königstr. 35 Berlin C.2, Klosterslr. 65-67, am Untergrundbahnh of Klostersiraße, gegenüber dem Stadthaus verlegt« Mein Telej»honanschluJB bleibt Königstadt 11516« Dr. Siegfried Weinberg, 2o."9b* Rechtütanwalt. Damen- KostUmstolTe. Ulsterstoffe ..Neuheiten' Mtr. 3,— 4.— 5,— Mk. Tuchlager Koch& Seelend G. m. b. H., Gertraadtenstr. 20-21 vis'4vis der Petrikirc he. SpeziaEarzt für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata. Blutuntersuchung.* Schnelle, sich. Heilung. MäBigePreise. Dr. med. WockenfnB, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor) Spreohst. 8— 8, Sonntags 8— 9. Potsdamer Str. 4(Potsdamer Platz) Spreohst. 11— 1, 5—8, Sonnt. 9— 10. H.& P. Uder, Tabak-Großhandlnng und Tabaktabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. Kane wacker, Urimm a Triepel ■--■ Stets Irisch zu' den äußersten Engrospreisen. ■..- Amt IV SOI 4.===== Jedes Wort 10 Pfennig. 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Die Zeit der hundertjährigen Wiederkehr des Tages der Völkerschlacht bei Leipzig rückt heran— für alles, was Patriotenantlitz trägt, Grund genug, um einen Rummel vorzubereiten, der alles auf dem Gebiete der Gedenktage bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll. Mit Tamtam, mit'Hurra und Straßenumzug soll das ganze in Szene gesetzt werden. Jungdeutschland darf dabei nicht fehlen. Die jungen Zukunflshelden sollen durch ihre Teilnahme dazu beitragen, den Jahrhundertrummel zu einer„würdigen" Gedenkfeier zu gestalten. Zwar lehrt die Geschichte, daß die Befreiung Europas von dem„Joche" Napoleons den für diese Be- freiung mit Gut und Blut eingetretenen Völkern alles andere, nur keine Freiheiten brachte. Aber was tut's? Derartige geschichtliche Tatsachen braucht man ja unseren waschechten Patrioten und denen, die es durch die Erziehungskünste der Jungdentschland- führer werden sollen, nicht auf die Nase zu binden; es genügt voll- ständig, wenn man sie in einen künstlichen Begeisterungstaumel hineinkommaudiert. Der bevorstehende Rummel hat eine ernste Seite insofern, als sich die Veranstalter desselben davon eine ganz besonders eindrucks- volle Wirkung auf die Jugend versprechen. Zumal wieder die Zeit herangekommen ist, in der Tausende junger Proletarierkinder die Schule verlassen, um in das Erwerbsleben einzutreten- So hoffen denn die Herren vom Jungdeutschlandbund, wieder manch guten Fang zu machen und mit dem üblichen Aufputz, mit Fahnenschwenken und Jubiläumsfestzügen die jugendlichen Gemüter zu berücken. Auch in den Schulen wird versucht werden, für den Jungdeutschlandbund Propaganda zu macheu. Da erscheint es denn angezeigt, die Arbeiterschaft von neuem an die ernste Pflicht zu erinnern, ihre schulentlassenen Söhne und Töchter den Veranstaltungen der freien Jugendbewegung zuzuführen. Die Sache der proletarischen Jugendbewegung ist die ureigenste Sache des gesamten Proletariats. Erfreulicherweise haben sich die Dinge auf dem Gebiete der Jugendbewegung in der letzten Zeit so weit geklärt, daß man eigent- lich nur noch von zwei feindlichen Heerlagern reden kann: hie bürgerliche Jugendpflege— hie proletarische Jugend- bewegung. Der bunte Mischmasch der weitverzweigten bürgerlichen Jugendpflege ist dank der eifrigen Bemühungen der preußischen Staatsregierung unter einen Hut gebracht worden: Jung- deutschlandbündler und Pfadfinder, Wandervögel und deutsche Turner, christliche, evangelische und katholische Jünglinge und Jung- frauen haben sich einträchtig unter den Fittichen der staatlichen Jugendpflege zusammengefunden— einer Jugendpflege, die aus den Mitteln der preußischen Steuerzahler unterhalten wird. Zwar schließt diese holde Eintracht edler Seelen nicht aus, daß sich die Bundesbrüder gegenseitig mit Mißtrauen betrachten, daß die Frommen in recht beweglichen Worten Klage führen über die mangelnde religiöse Betätigung der Jungdeutschlandbündler, während die letzteren so sehr von dem Gedanken der körper- lichen„Ertüchtigung" der Jugend erftillt find, daß sie die Frömmigkeit und Sonntagsheiligung darüber ganz vergessen. Doch in einem find fich alle gegnerischen Vereine einig: in dem Be- streben, die Jugend des Volkes, die proletarische Jugend zu ködern. Der Proletariersohn, um dem man sich sonst nicht kümmerte oder den man von oben herab ansah, jetzt ist er ein so begehrtes Ob- jekt, daß selbst der preußische Leutnantsstolz vor ihm in alle Winde zerstiebt. Zweifellos bedeutet die bürgerliche Jugendbewegung für uns eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Sie umfaßt in ganz Deutsche land etwa l'/a Millionen Mitglieder, davon entfallen auf den Jung> deutschlandbund ungefähr 500 000 Mitglieder. Nun mögen diese Zahlen vielleicht mit Vorsicht aufzunehmen sein, mögen sie auch nicht unbedingt einen sicheren Maßstab bedeuten für den inneren Halt und die innere Kraft der bürgerlichen Jugendbewegung, immerhin lehren sie uns mit eindringlicher Deutlichkeit, welch' ungeheures Arbeitsfeld die proletarische Jugendbewegung— deren Mitglieder stand etwa 100 000 beträgt— noch zu beackern hat. Jetzt zur Zeit der Schulentlassung ist wieder der geeignete Augenblick gekommen, in dem für alle Arbeitereltern die Parole gilt: Die Augen auf I Schaut zu, daß Eure Söhne und Töchter nicht in die Fangarme jener Vereine geraten, die zwar viel von Frömmig keit oder Ertüchtigung der Jugeno reden, deren Zweck aber darin besteht, die Jugend der Gedankenwelt des klassenbewußten Proletariats zu entfremden. Gerade in der frühesten Jugendzeit ist der Mensch am empfänglichsten und aufnahmefähigsten, die Eindrücke, die er in diesen Jahren empfängt, sind gewöhnlich von dauerndem Einflüsse auf sein ganzes ferneres Leben. Frühzeitig muß daher die geistige EntWickelung des jungen Proletariats in die Bahnen gelenkt werden, die im Gesichtswinkel proletarischer Pädagogik und Lebens- auffassung als die richtigen erscheinen. Diese Aufgabe gegenüber dem heranwachsenden Geschlecht zu erfüllen oder an ihrer Erfüllung mitzuwirken, sind in erster Linie die Arbeitereltern berufen. Keine Polizei und kein Staatsanwalt kam,— selbst in Preußen nicht— daran etwas ändern. Der Kampf der Polizei gegen die Arbeiter- jugend muß scheitern an dem entschlossenen Willen der Ar- beiterschaft. Darum rufen wir allen Arbeitercltetn zu: Abonniert für Eure schulentlassenen Söhne und Töchter die„Arbeiter-Jugend", die wirksamste Waffe der proletarischen Jugendbewegung und das beste Bildungsmittel für die arbeitende Jugend I Schickt Eure Jugendlichen in die Veranstaltungen der freien Jugendbewegung. Die freie Jugendbewegung ist die berufene Führerin der arbeitenden Jugend. Sie veranstaltet belehrende Vorträge über alle Gebiete des Wissens; bei ihr wird die Geselligkeit im besten Sinne des Worte? gepflegt. Wanderungen in die Natur und Spiele im Freien sorgen für die Erfrischung des Geistes und Srärlung der körperlichen Kräfte. In dem Maße, wie die freie Jugendbewegung durch die er- wachsene A'b-»tcrschaft unterstützt wird, tatkräftig unterstützt wird, wird sie auch wachsen. Darum muß es Ehrenpflicht jedes Einzelnen sein, zu seinem Teile beizutragen zum Wohle der arbeitenden Jugend I___ Der 36* BrandenburgifclK Städtetag trat am Montag in Spandau zusammen. Von den 140 Städten Brandenburgs gehören ihm 131 an. Den Vorsitz führte Oberbürgermeister K o e l tz e(Spandatss. Als Bertreler der Regierung begrüßte Regierungspräsident v. d. Schulenburg die Teilnehmer mit einer Ansprache, in der er auch den Fall Lanke streifte.„Es ist mir eine besondere Freude", sagte er.„die hier versammelten Vertreter der branden- burgischen Städte zu begrüßen und ihnen die herzlichsten Glückwünsche zu der schnellen und mächtigen EntWickelung auszusprechen, die die Gemeinden in den letzten Jahren genommen haben. Die besondere Aufmerksamkeit wendet die Regierung den kleinen Landstädten zu, die ,ehr unter drr Flucht der Bevölkerung nach der Großstadt zu leiden haben. Fragt man nach dem Grunde des schnellen und gewaltigen Ausschwunges der großen Städte, so muß mau den Organen der Selbstverwaltung Anerkennung aussprechen. Ich weiß, daß es immer noch Stimmen gibt, die behaupten, die Re- gicrung nehme nicht genügend Rücksicht auf die Selbstverwaltungs- rechte der Gemeinden. Mir Unrecht! Wenn ich auf die zehn Jahre, während deren ich an verantwortlicher Stelle stehe, zurückblicke, so muß ich sagen, daß die Fälle am zahlreichsten gewesen sind, in denen ich es ablehnte, zugunsten von Pelenten gegen den Nachbarn einzu- greifen, um dessen Selbstverwaltungsrecht nicht zu schmälern." Der Regierungspräsident deutete dann die staatliche Genehmigung der Steuerordnung von Niederbarnim für den Verkauf von Lanke au die Stadt Berlin an und sagte: Auch hier liege die Sache so, daß man der Regierung nichts weiter zum Vorwurf machen könne, als daß sie es abgelehnt habe, in die Selbstverwallungsrechte einer Kreisverwaltung einzugreifen, wie es der Wunsch des Nachbarn gewesen sei. Zum Schluß sprach der Redner die Hoffnung aus, daß die Zeit nicht mehr fern sein werde, wo Gemeindeverwallungen und Staatsaufsichtsbehörden Hand in Hand zum Wohle der Gemeinwesen arbeiten und sich nicht mehr als Gegner betrachten werden. Ueber die„Förderung des Kleinwohnungsbaues durch Gewährung städtischer Hypotheken" referierte Justizrat Dr. Baumert(Spandau). Zweifellos besteht, führte er aus, eine Not im Kleinwobnungswesen, sie ist aber vielfach hervor- gerufen durch die Not des städtischen Haus- und Grundbesitzes. Vor allem besteht eine Not auf dem Hypothekenmarkt. Neukölln hat ein Hypothekenamt gegründet und leiht aus Stadtmitteln zweite Hypotheken unkündbar aus. Die Unkündbarkeit ist allerdings die erste Forderung, die man im Interesse des Haus! besitzes erheben muß. Statt Kündbarkeit hal Neukölln Amortisation eingeführt, und denselben Weg hat Düsseldorf beschritten. Es muß aber als gefährlich bezeichnet werden. Düsseldorf hat bis jetzt 60 Millionen aus Anleihen als Hypotheken ausgeliehen und will zu demselben Zweck eine weitere Anleihe von 20 Millionen Mark machen. Wenn nun eine Krifis eintritt, steht die Stadt mit ihrer enormen Anleiheschuld nicht gut da und wird versuchen, das Geld wieder zurückzuerhalten. Der Hausbesitzer steht nicht besser da, als wenn er von privaten Geldgebern Hypotheken- geld erhalten hätte. Redner erklärt, daß er es ferner nicht für gut halte, wenn die Finanzen einer Stadt allzu sehr mit dem Grundbesitz zusammenhängen. Da sei es besser, wenn die Hausbesitzer durch Schaffung von auf Selbsthilfe beruhenden Pfandbriefin st ituten die Hypothekennot zu lindern suchten. Eigene Pfandbriesämter können nur größere Städte schaffen. Schöneberg hat dies bereits getan, bei mittleren Städten hat es schon seine Schwierigkeiten, bei kleineren ist es ganz unmög« lich. Redner beantragte: Der Vorstand des Brandenburgischen Städtetages wolle bei der Brandenburgischen Provinzialverwaltung beantragen, daß das Brandenburgische Pfandbriefinstitut seine Tätig- keit auf die Beleihung zweiter Hypotheken ausdehne und möge ferner an den Landwirtschastsminister eine Eingabe richten, daß der Staat Pfandbriefinstitute für zweite Hypothen ins Leben rufe. In der Diskussion führte Landessyndikus Gerhardt aus Wir haben im Brandenburgischen Pfandbriefinstitut uns entschlossen, dem Provinzialausschuß bestimmte Anträge zu unterbreiten, nach welchen wir die Not der zweiten Hypotheken lindern wollen. Fast nirgends tritt der Unterschied zwischen Stadt und Land so kraß zu Tage wie auf diesem Gebiete.. Im Wege der bloßen Selbsthilfe, ohne Rückhalt einer öffentlichen Garantie wird es kaum möglich sein, wirklich zu einem Sieg zu gelangen. In Zeiten der Not würde ein solches lediglich auf Selbsthilfe beruhendes Pfandbriefamt ver- sagen.— Stadtrat Arlat- Neukölln verteidigt das Hypothekenamt Reuköllns. Der Antra Baumert wurde angenommen. Aus der Säuglingsfürforge der Stadt ßerlin. Die Berliner Säuglingsfürsorge st ellen haben im Etatsjahr 1912(1. April 1912 bis 31. März 1913) eine sehr erheb- liche Steigerung ihres Betriebes gehabt. Sie ist hauptsächlich dadurch zustande gekommen, daß die Stadt am 1. April 1912 für die mich diesem Zeitpunkt in Berlin geborenen unehelichen Kinder eine Sammelvormundschaft einführte. Das Vormundschaftsamt der Stadt übertrug die pflegerische Aufsicht über die so bevor- mundeten Kinder den Sauglingsfürsorgestellen, und der Besuch dieser Fürsorgestellen wurde den Müttern oder Pflegemüttern der Mündel des Vormundschaftsamts zur Pflicht gemacht. Infolge- dessen wurde den Säuglingsfürsorgestellen diesmal, wie wir dem jetzt erschienenen Jahresbericht entnehmen, 16 874 Säuglinge zu- geführt, gegenüber nur 13 841 im vorhergehenden Jahre. Zählt mau den aus dem Borjahr übernommenen Bestand mit, so waren in 1912 im ganzen 20096 Säuglinge in der Obhut der Für» sorgestellen, gegenüber 17 728 in 1911. Diese Verschiebungen haben bewirkt, daß bezüglich der Zu- sammensetzung des„Kindermaterials" sich weitgehende Unterschiede zwischen 1911 und 1912 ergaben. Vergleicht man den bei den Für- sorgestellen gezählten Zugang an Säuglingen mit der Zahl der in Berlin in demselben Jahre lebend geborenen Kinder, so war er im vorletzten Jahre nur 32,1 Proz., im letzten Jahre aber 40,1 Proz. Ebenso stieg der Anteil der unehelichen Kinder an der Gesamtzahl der den Fürsorgestellen zugeführten Säuglinge von nur 17,6 Proz. sofort-auf 31,4 Proz., von 2445 Kindern auf 5294 Kinder. Gegen- über allen unehelichen Lebendgeborenen des Jahres waren die den Fürsorgestellen zugeführten unehelichen Säuglinge diesmal 55,4 Proz., im vorhergenden Jahr nur 25,6 Proz. Weiter hat, weil das Vormundschaftsamt auf baldigste Inanspruchnahme der Für- sorgestellen dringt, bei diesen auch die Zahl der noch vor Ablauf der vierten Lcbenswoche vor einen Fürsorgearzt gebrachten Säug- linge sich gemehrt. Diesmal waren es 52,2 Proz. des gesamten Zuganges, gegenüber 49,7 Proz. im Vorjahr. Aufs neue betont der Bericht, wie richtig es ist, daß die Säuglinge möglich st früh- zeitig vor den Fürsorgearzt kommen. Auch hebt er erneut her- vor, daß der Besuch der Fürsorgestellcn hinreichend oft wiederholt werden muß. Die Fürsorgestellen erblicken, so führt der Bericht hierzu aus, ihre Hauptaufgabe nicht in der Heilung, son- dern in der Verhütung von KranlA.üten. Daß es nützlich ist, auch ein gesundes Kind ärztlich überwachen zu lassen, leuchtet noch nicht allgcnisin ein. Die Folge ist; daß bei Erkrankungen oft der Arzt zu spät aufgesucht wird, weil der Uebergang von Gesundheit zur Krankheit oft dem Laien längere Zeit verborgen bleibt. Viele Mütter begnügen sich, einmal durch den Arzt die Gesundheit des Kindes feststellen zu lassen, und bleiben dann der Fürsorgestelle fern. Die Zahl der zu früh oder gar schon nach einem einzigen Besuch aus der Obhut der Fürsorgestellen wieder ausscheidenden Kinder verringert sich zwar von Jahr zu Jahr und ist auch im letzten Jahr weiter gesunken, sie ist aber noch immer bedauerlich hoch. In 1912 schieden innerhalb der ersten vier Wochen nach der Aufnahme 31 Proz. der Aufgenommenen wieder aus. gegenüber 32,3 Proz. in 1911. Die Fürsorgestellen bemühen sich auch, den Säuglingen die natürliche Ernährung mit Mutter. milch zurückzuerobern. Wie zahlreich die Brustkinder unter den Aufgenommenen waren, darüber können genaue Angaben diesmal noch nicht gemacht werden. Der Bericht sagt nur, ihr Anteil sei wahrscheinlich nicht erheblich anders als im Vorjahr, wo er etwa 65 Proz. betrug. Die Leistungen der Säuglingsfürsorgestellen sind leider nicht so gestiegen wie die Zahl der Säuglinge. Trotz der Aussicht des Mchrzugangs kam es in 1912 noch nicht zu einer Vermehrung der Fürsorgestellen, nur das Personal der bisherigen 7 Fürsorgestellen wurde vermehrt. Konsultationen der Aerzte wurden 178 375 gezählt, gegenüber 174�096 im Vorjahr. Das ist angesichts der bedeutenden Mehrung der Säuglinge ein Rückschritt: die Durch- schnittszahl der Konsultationen pro Kind hat sich von etwa 10 auf etwa 9 vermindert. Gesteigert wurde dagegen die Haus�- kon trolle, die den Helferinnen obliegt, und zwar von 41615 Besuchen auf diesmal 75 310 Besuche. Die Stillprämien hielten sich wieder in bescheidenen Grenzen und waren sogar noch dürftiger als im Vorjahr. 185 905 M. Stillprämien verteilten sich auf 9196 berücksichtigte Mütter, macht pro Kopf 20,21 M. Das ist der Betrag nicht etwa pro Woche, sondern für die ganze Unter- stützungsdauer. Wieviel durchschnittlich pro Woche gezahlt wurde, verrät der Bericht nicht, und auch über die durchschnittliche Unter- stützungsdauer erfahren wir nichts aus ihm. Im vorletzten Jahre erhielten 8964 Mütter noch 194 121 M. cstillprämien, das waren durchschnittlich pro Kopf noch 21,65 M. Das Wenig« ist, wie man sieht, noch weniger geworden. Für Flaschenkinder wird Nahrung zu billigerem, Preise, manchmal auch ganz umsonst, abgegeben. Diesmal wurde Milch oder Nährpräparate für 3324 Kin- der geliefert; für das Vorjahr fehlte hierüber eine Zahlenangabe. Der Bericht schließt mit der nochmaligen Feststellung, daß das letzte Jahr den Säuglingsfürsorgcstellen einen erheblichen Zuwachs an Pflegebefohlenen und eine bedeutende Er- Weiterung ihres Arbeitsfeldes gebracht hat. Bedauerlich ist nur, daß die Arbeit der Fürsorgestellen, wie ja die hier mitgeteilten Zahlen lehren, nicht auch an Intensität zugenommen hat.__ parte!- Hngelegenbeitcn* Vierter Wahlkreis, Am Mittwoch, den 24. September, abends S'/a Uhr, findet im„Elysium", Landsberger Allee 40/41, eine öffent- liche Viertelsversammlung statt, in der Herr Direktor Pauli einen Demonstrationsvortrag über„Feuerbestattung" halten wird. Johannisthal. Am Donnerstag, den 25. September, abends S'/s Uhr: Außerordentliche Mitgliederversammlung mit Frauen im Arbeiterheim. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse I. Haß-Treptow. Adlershof. Morgen Mittwoch, abends Uhr. im Lokal von Kaul, Bismarckstr. 16, Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse Wilhelm Zabel. Köpenick. Am Mittwoch, den 24. d. Mts., abends 8 Uhr, im Stadt-Theater: Wablvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse Wißler. 2. Diskussion. 3. Auf- nähme neuer Mitglieder. 4. Bericht vom Stiftungsfest, ki. Ver- schiedenes. Lichterfelde. Heute Dienstag, abends Uhr, findet im Lokal von Lenski, Chausseeftr. 55, eine Besprechung der Mitglieder der Konsumgenossenschaft statt. Parteigenossen, die ein Interesse an der Errichtung einer Verkaufsstelle in Lichterfelde-West haben, sind hierzu eingeladen._____ ßerliner Nacbncbtern Umzugsverdienst. So diele Schattenseiten das halbjährliche große Umziehen in der Weltstadt mit sich bringt, hat es doch unleugbar auch seine Vorteile. Es kommt Kleingeld unter die Leute. Der Umzug erfordert selbst für kleine Mieterverhältnisse nicht un- bedeutende Kosten, die schon Wochen und Monate vorher auf- gespart werden müssen. Sie wandern in Taschen, die auf dieses gewohnheitsmäßige Umzugsrecht des Großstädters zu- geschnitten sind. Ganze Industriezweige sind auf den Umzug. seine Freuden und Leiden, stark angewiesen, wenn sie natür- lich auch nicht lediglich von ihm existieren können. Vor allem feiert das Transportgewerbe sein halbjähriges Erntefest. Be- schränkt sich doch der Großstadtumzug längst nicht mehr auf die eigentlichen drei Umzugstagc, sondern er verteilt sich auf reichlich zwei Wochen. Leute, die lieber nehmen als geben, wettern dann wohl auf die tarifmäßig geregelten Trinkgelder der Ziehmänner, machen sich aber dabei keinen Begriff von den gewaltigen Kraftleistungen, die aufgeboten werden müssen. Vom frühen Morgen bis in den späten Abend hinein fast ohne Unterbrechung treppab treppauf zentnerschwere Lasten zu schleppen und das viele Tage hinter- einander fortsetzen, ist natürlich keine Kleinigkeit. Die Zieh- männer verdienen also ihre Trinkgelder, die ja bekanntlich nur einen Teilbetrag des Lohnes darstellen und deshalb auch direkt an den Fuhrherrn gezahlt werden können, mehr wie redlich. Es kommt freilich gerade beim Umzug der sogenannten besseren Kreise häufig vor. daß die Mühe und Sorgfalt der Ziehmänner recht schlecht gelohnt wird. Verdienst fällt auch für das Kleinhandwerk im Bau- gewerbe ab. Unsere Hausagrarier würden noch viel weniger renovieren lassen, wenn sie nicht durch zuziehende Mieter, die sonst keinen Mietsvertrag abschließen, dazu gezwungen würden, den Beutel aufzutun'. Stubenmaler, Anstreicher, Bohner, Maurer, Tapezierer und Dekorateure, Möbclpolierer, Glaser haben alle Hände voll zu tun, um die sich auf wenige Tage zusammendrängenden Ansprüche zu befriedigen. Eine originelle Spezialität ist der„Küchenmaler" geworden. Vorläufig sind es nur wenige spekulative Köpfe, die sich auf dieses Gebiet gelegt haben und für die Verschönerung des Stolzes jeder guten Hausfrau, für das Bemalen der Küchenmöbel, sorgen. Ueberhaupt wird ja beim Umzug das unterste zu oberst gekehrt, mit altem Gerümpel gründlich aufgeräumt und manches schon Ramponierte erneuert. So ziehen selbst kleinste Ladeniuhaber ihren Verdienst aus dem Umzugstohuwabohu, und am meisten vielleicht sind in ihrem Element die„Lumpenfrauen". Das Aufräumungsgeschäft sollte noch viel kräftiger besorgt werden. Es gibt noch genug Leute, die sich von ältestem, ssst wert- losem Gerümpel nicht trennen können, es von Wohnung zu Wohnung mitschleppen. Die Aussonderung dieser Schmutz- und Bakterienfänger befördert schließlich doch auch die Hygiene. Der Bertrag der Stadt Berlin mit dem Gute Lanke wurde gestern nach langer Debatte vom Ausschuß mit 13 gegen 2 Stimmen angenommen. Die Berkehrsübergabe der JuselbrScke fand am Montag in Gegenwart zahlreicher Mitglieder der Gemeinde- behörden statt. Die Brücke, die nach einem Entwurf des Stadt- baurats Krause ausgeführt ist, überspannt den Spreekanal im Zuge der Jnselstraße und der Straße„An der Fischerbrücke" mit " Bögen und ist in ihren sämtlichen Teilen massiv gebaut. Dir Spannweite des mittleren Bogens betragt IS Meter, die der beiden seitlichen Bögen je 11 Meter. Die Breite der Brücke ist der neuen Bauflucht der Slrabe„An der Fischerbrückc" angepaßt und beträgt für den Fahrdamm 11 Meter, für die Bürgcrsteige je 4 Meter. Die beiden Landwiderlager sowie �der südliche Flußpfeiler sind auf Beton zwischen Spundwänden, der nördliche Fluß- Pfeiler wegen des an dieser Stelle sehr schlechten Baugrundes auf Pfählen gegründet worden. Die Gewölbe sind aus Klinkerinauerwerk hergestellt und als Dreigelenkbögen ausgebildet worden; nach der Ausrüstung der Brücke wurden die Gelenke vergossen. Die Ver- blcndung der Brücke besteht aus stirchheimer Miischelkallstein; auf den Flußpfeilerpodesten ist noch architektonischer Schmuck vorgesehen. Mit den Arbeiten für den Neubau wurde im September 1912 begonnen, so daß der Bau der Brücke etwa ein Jahr in Anspruch ge- uommen hat. Die gesamten Kosten waren aus 470 000 M. veranschlagt; die Ausfüheungskosten werden sich voraussichtlich auf 420 000 M. belaufen.__ Ei» Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen, bei dem ein Fahrgast verletzt und durch den eine längere Verkehrs- störung herbeigeführt wurde, ereignete sich am Sonntagabend in Charlottenburg. Gegen 0 Uhr entgleiste am Luisenplatz ein Straßew bahnwagen der Linie 54 in der Kurve und stieß infolgedessen gegen einen aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnwagen der Linie 8. Der Anprall erfolgte mit solcher Wucht, daß der angefahrene Wagen ebenfalls aus den Schienen' sprang. Dabei wurde ein Fahrgast, der Kaufmann A. Lüde, von seinem Sitze geschleudert und erlitt anscheinend innere Verletzungen; er wurde nach dem Krankenhaus Westend gebracht. Die beiden entgleisten Wagen wurden durch Rettungswagen der Straßenbahn wieder in die Schienen gehoben und dann aus dem Betriebe gezogen. Infolge des Zusammenstoßes mußten in der Zeit von 9 bis 11.45 Uhr die die Unfallstelle passierenden Straßenbahnwagen umgeleitet werden. Die Wagen der Linie 5, 8 und 10 wurden in der Richtung nach Charlottenburg durch die Kaiserin-Augusta-Allee, Berliner und Wilmersdorser Straße, die der Linien 64 und 184 durch die Kaiserin- Augusta-Allee über den Großen Stern, Lützow- und Nollendorfplatz geführt. In entgegengesetzter Richtung legten die Wagen der Linien 54 und 164 am Lützowplatz um und nahmen von dort ihre Fahrzeit auf.___ Gewerbegericht und Kaufmannsgericht. Beim Gewerbegericht und beim Kaufmannsgericht zu Berlin hat im letzten Jahr die Zahl der Klagen sich nicht erheblich gegenüber dem vorletzten Jahr geändert. Der Magistrat veröffentlicht jetzt aus 1912<1. April 1912 bis 31. März 1913) die Jahresberichte über die Tätigkeit dieser beiden Gerichte. Dem Gewerbegericht gingen diesmal 14 846 Klagen zu, 234 mehr als im Vorjahr. Darunter waren 1024 von Arbeitgebern und 18 462 von Arbeitnehmern. Der Streit betraf rückständigen Löhn 8859 mal, Lohn- oder Entschädigungsanspruch wegen Entlassung bor der Zeit und ohne Kündigung 5181 mal, ferner Schadenersatz 1331 mal, Herausgabe von Papieren, Sachen, Werk- zeug 1200 mal, Zeugnisausfertigung 691 mal, Kautionsrückzahlung 185 mal usw. usw. In vielen Fällen wurden gleichzeitig mehrere Ansprüche geltend gemacht. Der Wert war nieist unter 100 M., im besonderen 5920 mal nur bis 25 M., 4476 mal über 20 bis 50 M.. 2706 mal über 50 bis 100 M., und 1385 mal über 100 M. Höchster Betrag war 11 250 M., geringster 17 Pf. Von den 14 486 Klagen wurden 519 vor dem ersten Termin erledigt, es blieben also noch 13 967 für die Rechtsprechung. Diese verteilten sich so auf die Kanimern: I, Schneiderei usw. 3263, II. Textil-, Leder«, Putzindustrie 863, Hl. Baugewerbe 1202, IV. Holz- Industrie 603, V. Metallindustrie 1772, VI. Nahrung, Be- Herbergung, Erquickung 3048, Vll. Handel, Verkehr 1917, Vlll. Allgemein 1294. Der in Kammer III seit Jahren an- dauernde Rückgang ist noch immer nicht zum Stillstand ge- kominen. Erledigt wurden bis zum Jahresschluß 13 473 Klagen, durch Vergleich 5152, Verzicht 364, Rücknahme oder Ruhen- lassen 3913, Abgabe an andere Gerichte 642, Anerkenntnisurleil 71, Versäumnisurteil 1998, kontradiktorisches Urteil 1333. Unter letzteren waren 60 Klagen von Arbeitgebern, wovon 38 Erfolg hatten, und 1273 Klagen von Arbeitnehmern, wovon 585 erfolgreich waren. Bei den durch kontradiktorisches Urteil beendeten Klagen war die Dauer in 4 Proz. weniger als 1 Woche, in 21 Proz. 1—2 Wochen, in ziemlich 37 Proz. 2 Wochen bis 1 Monat, in über 34 Proz. 1 bis 3 Monate, in ettva 4 Proz. noch länger. DaS Kaufmannsgericht hatte 5828 Klagen, 1213 weniger als im Vorjahre, von Geschäftsinhabern 282, von Handlungs- gehtlfen 5546. Streitgegenstand war rückständiges Gehalt 1710 ural, Gehalts- oder Entschädigungsanspruch wegen Entlassung vor der Zeit und ohne Kündigung 3082 mal, ferner Zeugnisausfertigung 306 mal, Schadenersatz 188 inal, Spesen- und Vorschubrückzahlung 85 mal, Kautionsrückzahlung 81 mal usw. usw. Der Werl war nur 372 mal bis 30 M., 723 mal über 20 bis 50 M., 1136 mal über 50 bis 100 M., 2086 mal über 100 bis 300 Dt.. 936 mal über 300 M. (Bei 575 Klagen fehlt die Wertangabe.) 15 880 M. war höchster Betrag, geringster 90 Pf. Bonden 5823 Klagen blieben, da 216 vor dem ersten Termin erledigt wurden, für die Rechtsprechung 5612. Bis Jahresschluß lvurden hiervon 5040 erledigt, durch Vergleich 1924, Verzicht 234, Rücknahme oder Ruhenlassen 1260, Abgabe an andere Gerichte 107, Anerkenntnisurteil 39, BersäumniSurtel 593, kontradiktorisches Urteil 883. Unter den Klagen mit kontradiktorischen, Urteil waren 38 von Geschäftsinhabern, 25 mit Erfolg, 845 von Handlungsgehilfen, 325 mit Erfolg. Die Dauer der Klagen mit kontradiktorischem Urteil stellte sich bei über IV-Proz. auf weniger als eine Woche, bei 7'/« Proz. auf 1 bis 2 Wochen, bei 31°/� Proz. auf 2 Wochen bis 1 Monat, bei etwa 51 Proz. auf 1 bis 3 Monate, bei 8% Proz. auf mehr al» S Monate._ Tragisches Geschick eines Ehepaares. Der 45 Jahre alte Bier- brauer Friedrich Weiermüller aus dem Hause Waldstr. 15 erlitt vor einigen Tagen durch einen rostigen Nagel eine Rißwunde an der linken Hand und starb an einer Blutvergiftung in seiner Wohnung. Nachdem seine 10 Jahre jüngere Frau zwei Tage lang bei der Leiche gewacht hatte, beschloß sie ihrem Manne im den Tod zu folgen und öffnete in der Küche den GaShahn, um sich zu vergiften. Als die Pförtnerfrau, durch den Gasgeruch aufmerksam gemacht, sie am Sonntag abend auffand, war sie schon tot. Schwerer Unfall einer Greisin. Am Sonntagnachinittag gegen 5 Uhr versuchte vor dem Hause Potsdamer Str. 73a die 78jährtge Witwe Teubel aus der Hauptstraße in Schöneberg kurz vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 24'daS Gleis zu über- schreiten. Die Greisin, die offenbar die Warnungssignale des Wagen« führers überhört hatte, wurde umgestoßen und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung. Die Verunglückte wurde in sehr bedenklichem Zustande nach dem nahen Elisabeth-Krankenhause gebracht. Unter reger Beteiligung fand am Sonntag das Abturnen der Jugendabteilungen statt. Rund 400 Teilnehmer des Turnvereins Fichte waren erschienen, um sich im Fünfkampf zu messen. Fol- gende Resultate wurden erzielt: 1. Schröter, 18. Abteilung, mit 106 Punkten; 2. Reichardt, 14. Abteilung, mit 102 Punkten; 3. Dörr- band, 4. Abteilung, mit 101 Punkten; 4. Eisermann, 6. Abteilung, mit 95 Punkten; 4. Bergel, 7. Abteilung, mit 95 Punkten; 5. Eng- wicht, 5. Abteilung, mit 94 Punkten; 5. Neumann, 17. Abteilung, mit 94 Punkten; 6. Potschatke, 17. Abteilung, mit 93 Punkten; 7. Brunn, 11. Abteilung, mit 92 Punkten; 8. Steinicke, 10. Ab- teilung, mit 91 Punkten; 8. Kuwest, 15. Abteilung, mit 91 Punk- ten. An den einzelnen Geräten wurden folgende Höchstleistungen erreicht: Weitboch: Schmidt, 4. Abteilung, 2,65 Meter weit, 1,32 Meter hoch. Weitstand: Reichardt, 14. Abteilung, 2,70 Meter weit. jhigelstoßen: Schröter, 18. Abteilung, links und rechts zusammen 15 Meter. Spcerwurf: Nüchel,' 11. Abteilung, 34 Meter. 100-Mcter- Laufen: Schmidt und Pökelmann 12% Sekunden. Radrennen im Olympiapark. Montag, 22. September. Das am Sonntag der Dunkelheit wegen abgebrochene Rennen um den Großen Preis von Deutschland endete noch mit einem kleinen Nachspiel für den Amerikaner Walthour. Sein Schrittmacher Ceurremans versuchte durch Oeffnen der Gamaschen seinem Fahrer einen unerlaubten Vorteil zu verschaffen, doch trug dies beiden eine Strafe ein. Walthour wurde auf den vierten Platz verwiesen. Das Rennen wurde heute mit dem 25. Kilometer begonnen und endete mit einem glänzenden Siege Walthöurs, der die restlichen 50 Kilometer in 37 Minuten 48� Sekunden beendete, vor Günther. 1410 Meter; Guignard, 2630 Meier; Ryser, 3500 Meter; Timmernrann, 8080 Meter. Walthour übernahm gleich die Führung und zeigte sich seinen Gegnern weit überlegen. Er holte seine ihm zudiktierten Straf- runden auf und hielt dann sicher die Spitze. Guignard wurde von Motorschaden betroffen und fiel auf den dritten Platz, während Ryser, der am Sonntag gut gefahren, ganz enttäuschte. Das Gesamtergebnis stellt sich wie folgt: 1. W a l t h o u r; 2. Günther, 600 Meter; 3. Guignard, 2260 Meter; 4. Timmermann, 7420 Meter; 5. Ryser, 10 790 Meter. Im Zirkus Busch wurde am Sonnabend, also bereits acht Tage nach der Eröffnungsvorstellung, eine Pantomimen- Premiere aufgeführt. Das gewaltige Schaustück trägt den Titel:„Aus unseren Kolonien". Schon der Titel ließ ahnen, daß das Zirkuspublikum einmal mit der südwestafrikanischen Kultur vertraut gemacht werden sollte. Verfaffer dieses Manegcschau- stückes ist der aus diesem Gebiete erprobte Schulreiter George Burckhardt Footit. Obwohl man an Pantomimen, die sich weniger durch Inhalt als vielmehr durch Prachtentsaltung auszuzeichnen pflegen, keinen Maßstab ernster Kritik anlegen kann, müssen wir doch betonen, daß die Aufführung dieses Schaustückes recht sonder- bare Stimmungen unter dem Publikum auslöst. Der Verfasser will die Gefahren aufzeigen, unter denen die deutsche Schutz- truppe sowie die zentralafrikanische Mission in den afrikanischen Besitzungen leben. Der Schauplatz ist ein Missionshaus, wo Schwestern mit den Negerkindevn den Geburtstag des Gouverneurs feiern. Später wird das Missionshaus von„Wilden" überfallen. Ein Negermädchen holt militärische Hilfe und nun entspinnt sich eine„furchtbare Schlacht", wobei natürlich eine große Anzahl „Tote" zu verzeichnen sind. Vor diesem Kampfe werden dem Publikum militärische Exerzitien von Marinesoldaten und Ar- tillcristinnen vorgeführt. Die Zirkusmanege gleicht einem Ka- sernenhof, auf dem u. a. auch eine wirkliche Besehlshaberin das Kommando führt. Später wird über die mit Wasser gefüllte Manege eine Brücke geschlagen und nun marschiert die Infanterie und rast die Artillerie mit ihren Geschützen über dieselbe hinweg. Das ganze macht auf den Zuschauer den Eindruck, als ob der Zirkus auch einmal als Pflanzstätte der Kolontalbogeisterung be- nutzt werden sollte. Neben dem Beifallsklatschen aus den Logen fehlte es nicht an faulen Bemerkungen, die während der Hand- lung mehr von„oben" herab kamen. Jedenfalls hätte die„Tägl. Rundschau" und mit ihr mehrere andere kolonialbcgeisterte Blät- ter klüger getan, wenn sie sich in ihren Bericht über die„stark be- suchte Demonstration zugunsten der Flotten-, Heeres- und Kalo- nialvorlagen" einer größeren Reserve befleißigt hätten. Von einer Demonstration haben wir nichts gemerkt, vielmehr die Ileberzeugung gewonnen, daß diesmal die Direktion gerade keine glückliche Auswahl getan hat, um sich ein volles Haus zu sichern. Reges Interesse erregte im ersten Teile des Programms die vorzügliche Bärendressur des Herrn R. Weise. Zu seine» Eltern zurückgekehrt ist der 16 Jahre alte Sohn Wilhelm des Kammerherrn v. Keudell, der, wie wir mitteilten, seit dem vergangenen Freitag vermißt wurde. Vorort- Nadmcbtcn. Der Kreis-Bildungsausschuß für Niedcrbarnim hatte zu Sonutag eine Konferenz der Bildungsausschüsse und Be« zirksleiter einberufen, um über die kommenden Winterarbeiten und die Richtlinien dafür zu beraten. Genosse Gabel hielt das ein- leitende Referat, worin er die Maßnahmen des Kreisausschusses dar- legte, die den Zweck haben, auch den kleinsten Orten eine systematische Bildungsarbert zu ermöglichen. Vor allem empfahl er ein Handinhand- arbeiten sämtlicher örtlichen Arbeitervereine, um einesteils eine gleich- mäßige BildungSarbeit zu ermöglichen und andernteils zu verhüten, daß zeitweise die Veranstaltungen der einzelnen Vereine dicht auseinander fallen und so den Erfolg für sämtliche in Frage gestellt wird. Wenn auch der Erfolg der künstlerischen wie wissenschaftlichen Veranstaltungen nicht sofort zutage trete, dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. ES widerspreche dem Wesen unserer Bildungsveranstaltungkn, diese als melkende Kuh betrachten zu wollen. Er zog dann weiter Theatervorsiellungen, Lichtbildervorträge und das Bibliothekwesen in den Kreis seiner Erörterungen und bot damit der Konferenz eine gute Grundlage zu der später einsetzenden. sehr sachlichen und wertvollen Diskussion, an der sich auch die Ver- treter vom BezirkS-BildungSauSschuß und von Tellow-Beeskow rege beteiligten. Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf die geplante Jugendschriften- und Wandschmuckausstellung. Diese wird entsprechend den im Vorjahre gesammelten Erfahrungen besser organisiert und vollkommener ausgestattet sein und soll sich versuchsweise auch auf empfehlenswerte Spiele erstrecken. Da sich die meisten Ausgabestellen von Jugendschriften im Kreise vorzüglich be« währt haben, sei wohl zu erwarten, daß der gute Erfolg der vor- jährigen Ausstellung in diesem Jahre noch überlroffen werde. Auch hieran schloß sich eine ergiebige Aussprache, wobei noch eine Fülle praktischer Ratschläge und Anregungen gegeben wurden, die wohl den allseitig vorhandenen guten Willen erkennen ließen, der guten Sache zu größtmöglichstem Erfolg zu verhelfen. Die Buchhandlung„Vorwärts" bekam gleich- falls eine Reihe beachtenswerter Borschläge mit auf den Weg. Alles in allem genommen konnte wohl jeder den Eindruck ge- Winnen, daß selbst unter den schwierigen Verhältnissen im Kreise die BildungSarbeit vorzüglich gedeiht und in ernstwollenden Händen ruht._ Treptow. Ein Brand in der Anilinfabrik am Lohmühlenweg machte am Montag die Alarmierung der Berliner Feuerwehr nötig. Es gelang, den im ersten Fabritgebäude ausgekrochenen Brand mit zwei Schlauchleilungen zu lokalisieren. Später traf die freiwillige Feuer- wehr aus Treptow ein, der dann die Brandstelle zur Ablöschung und Ausräumung übergeben wurde. Britz. Am Donnerstag, den 25. d. MtS., findet der erste Vortrag im neuen Heim statt. Frau Klara Schuch spricht über: Klara Müller- Jahnke. Das Heim befindet sich bei Z i I g, Rungiusstr. 3(nicht, wie am Sonnabend angegeben, 37o). und Gemeindevertretungen, Heute Dienstag, abends 3 Uhr, un Sitzungstage von Stadt- Eggersdorf(Niederbarnim.). Katholyschen Lotale. Marienfelde. Morgen Mittwoch, abends S Uhr, im Zeichensaale des neuen SchulhauseS, Dorsslr. 53. Treptow-Baumschulenweg. Donnerstag, den 25. September, abends ö Uhr, im Raihause. Diese Sitzungen find öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige itt berechtigt� ihnen al» Zuhörer deizuwohnen. CmAegansene vrudilcknttm. Die Syndikate und Kartelle und ihr Einflust auf die Arbeits« Verhältnisse. Von K. Massatsch. 47 S. Deutscher Metallarbeiteroerband, Stuttgart._ Brief haften der Kedahtion. Tie luriftilche Sprechstunde findet Ltudenftratze SS, dorn vier Treppen — F a h r ft n h l—, wochcntSglich von tls, bis 7� Uhr abendS, Sonnabend», von bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brirsiasleo bestimmten Anfrage ist ein Bnchstade nnd eine Zahl al« Merkzeichen dctzufügen. Briefliche Antwort wird nicht rrtrilt. Anfragen, denen keine AbonncmcntSgnittnng beigefügt Ist, »erde» nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man tu der Eprcchstnndc Nor. B. 12. Uns ist cine solche Meldung leider nicht zugegangen.— Hauptstr. 52. 1. Nein. 2. Für den Fall der Versicherung ist der wirkliche Wert zu bcanspruten. 3. Die Hetrschast würde nur haften, wenn ein Verschulden derselben vorliegt. 4, Im„Vorwärts- lostet eine Anzeigenseite 450 M. netto, auch bei Jahresabschlüssen: in der„Morgenpost- beträgt der Preis, so weit uns bekannt, 850 M. Bei eventueller Jnseratausgabe in der letzteren Zeitung emvnehli es sich, direkt Offerte einzusordcrn, da sich der Preis bei größeren Abschlüssen wahrscheinlich ermäßigt.— E. M., Lichtenberg. Zur Uebcrnahme der Kinder können Sie nicht gezwungen werden. Der Mann ist jedoch alimentationspflichtig. Ein Olesuch um Befreiung vom Eheverbot ist an das Landgericht, welches die Ebe geschieden bat, einzu- reichen. 2. Richten Sie einen Antrag an die Siechenhausverwaltung.— C. E. 6. 1. und 2. Die Genannten. 3. Ja.— E. A. 3. Bis zum Ersten abends,— Komisch. Kommen Sic mit den Schriftstücken in die Sprechstunde.— I. A. 93. Tic Kosten richten sich nach der Höhe des Objekts und sind gleich doch, ob der Vertrag vor oder nach der Verheiratung geschlossen wird.— Tausend. Nein. — H. B. 87. Sic müssen sich bei den einschlägigen Berussorganisationen erkundigen.— R. 100. I. Eine preußische Ouadratrute— 14,134 Quadratmeter. 2. Gesetzlich keine.— E. K. 78. Da müssen Sie sich schon selbst von überzeugen,'—'H. D. 1. Schreiben Sie sofort ans Gericht und ver« langen Sic unter Sachdarstellung Reisekostenvorschun. 2. Ja.— A. P. 101. Die Kündigung ist rechtzeitig erfolgt.— F. F. 32. 1. Ja. 2. An das Polizeipräsidium, sür den Fall der Zurückweisung an den Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg in Potsdam. 3. Das ist möglich. 4. Bis zur Aushebung.— G. G. 12. Nein.— Sbg. 13. Den Ehevertrag tönnen Sie noch jetzt zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll schließen.— W. H. Hcrzfelde. 1. Ja, sosern der Wagen nicht zu den unentbehrlichen Gegen- ständen gehört, wofür aus Ihrem Schreiben nichts zu enwehmcn ist. Die Herausgabe muß ersoigen, sobald Sie den Schaden ersetzen. 2. Nein. — E. B. 75. Das ist schon jetzt zulässig. Der Antrag aus Pfändung und Ueberwcisung ist beim Amtsgericht unter Ueberreichung des schuld- titels zu stellen.— H. St. 13. Nein, sofern der Frau nicht ein Verschulden nachzuweisen ist.— R. R. 1000. 1. und 2. Für den Fall der Psändung lann mit Aussicht auf Erfolg interveniert werden. Die Groß- bezw. Schwiegereltern können eidesstattliche Versicherungen abgeben. 3. Ja. — H. M. 812. Im Bureau des 6. Berliner ReichStagswahlkreiseS, Ke- richtstraße 71, erhalten Sie die gewünschte Auskunst.— Richard 30. Nein. — A. Schmidt, 100. Es besteht in solchen Fällen das gesetzliche Ehe- verbot, falls wegen des-sraglichen Ehebruchs die Ehe geschieden ist. Von diesem Eheverbot kann aus Antrag durch den Just izminiilcr Besreiung be- willigt weiden.— Sl. F. 37. Ein Scheidungsgrund liegt nach Ihrer Darstellung nicht vor. Für die zurückliegende Zeil kön neu Alimente nur dann gefordert werden, wenn Sie zur Zahlung ausgcfordcrt worden sind, andern- salls nicht. Konsession hat sür die Frage der Scheidung, so sern es sich um deutsche Reichsaugchörige handelt, leine Bedeutung.— E. D. 100. 1. Die Berufungsfrist beträgt 1 Monat und beginnt erst mit der Zustellung des Urteils zu laufen. 2. Wenn es sich um einen freihändigen Verlaus bandelt, bleibt der Mietsoertrag gültig Ist das Grundstück versteigert, so kann das Vcrtragsocrhältnis unter Jnnehallmig der gesetzlichen Kündi- gungsfrist ausgelündigt werden. Soweit ersichtlich, würde die gesetzliche KündigungSsrist in dem vorliegenden Falle's. Jabr betragen und bis zum Dritte» des dem Verileigerungstermin folgenden Quartals mit Wirkung zu dem daraussolgendcn Ouartalserslen zulässig sein.— P.(9. 300. Die Frage nach dem Auscnlhalt Ihrer Eitern ist unerheblich, sosern sie einen «taatszugehörigkeltSausweis beibringen können.— H. L. 43. 1. Ja. 2. Dem Anwalt gegenüber sind Sic hastbar. Wird der Bcklagte�verurieilt, so haben Sie einen Kostenerstattungsanspruch. 3. Ja. sofern Sie keinen Vertreter bestellt haben.— M. W. 0876. 1. und 2. Ja. 3. Nein. — M. 27. Der Zeuge hat das Recht der Zcugnisverweigerung.— A. A. 32. Da Sie nicht die Höhe Ihres Arbeitsverdienstes angegeben babcn, läßt sich die Frage nicht beantlvaitcn.— F. P. 15. Auf Antrag kann Besreiung ersoigen.— C. R. 101. Wäscheschrank oder Kommode, Küchenrahmen, eventuell auch die Näbmaschine.— L. 3!. 03. Soweit ersichtlich, hat der Wirt einen Zahlungsanspnich sowohl gegen Sie, als auch gegen Ihre Vorgänger. Für den Fall, daß Sie zahlen muffen, baben Sie einen Ersatzanspruch an die Geschäftsvorgänger.— 81. Kr. Eine ausdrückliche Beichränkung der LchriingSzabl ist im Gesetz nicht vorgesehen. Nur darf durch eine übergroße Anzahl von Lehrlingen im Verhältnis zu den erwachsenen Angestellten der Ansbildungszwcck nicht leiden. Geschieht dies, so lann Klage aus Lösung deS Lehrveriiages erhoben werden, außer- dem beim Polizeipräsidium der Antrag gestellt werden aus Entziehung der Befugnis zum Halten von Lehrlingen.— M. K. III. 1. und 3. Ja. 2. Auf Befragen Ja. 4. Nein.— Sofia 33. 1. und 3. Die Berufs- genoffenschast lann auf Antrag eine Absindungssumme zahlen. Den Antrag tönnen Sie schriftlich einreichen. 2. Nur zu beantworten, wenn Sie außer den bisherigen Angaben noch Ihr Alter angeben.— E. 29. Falls Sie Ihre Darstellung beweisen können„ Nein. — Z. 156. 1. Direkt oder Annonce. 2. Präparandenanstalten sind mit wenigen Ausnahmen Privatunterncbmen. Sie tun gut, mit dem Rektor der Gcmeindcschule darüber zu sprechen,— H. F. 9. I. Der Parteiooisland ist die Leitung der deutschen Partei, Bebet war Vorsitzender. Zurzeit ist Haase Vorsitzender, 2. Inkonsequent, das heißt nicht folgerichtig. — B. C. 7, April 1912.— M. 95. Irgendeine Tageszeitung oder Stellennachweis, Ate Leipziger Straße 1.— C. S. 19. Bedauern, Eine städtische Einrichtung sicher nicht. W. F. 100. Fragen Sie bei der Kasse: Groß-Lichterfelde, Ehaussee» ftraße 93a, direkt an._ Marktpreise von Berlin am 20. September I9l3. nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. Mais(nnxed), gute Sorte 17,00— 17,30, mittel 00,00—00,00. geringe 00,00—00,00. Mais«.runde»), gute Sorte 14,30—15,30. Richtstroh 0,00—0,00. Heu 5,80—7,20. . Martthallenvreise. 100 Kitogr. Erbien, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Sveisebobnen, weise 35,00— 60,00. Linien 36,00— 70,00. Kartoffeln(Klembdl.) 5,00— 7,00. 1 KUograinm Rindsieiich, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,50—2.10. Kalbfleisch 1.40— 2,40. Hammelfleisch 1,60— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,60— 5,50. 1 Kilogramm Karpien 1,20— 2,40. Aale 1,40—3,80. Zander 1,30—3,20. Hechte 1,40—2,80. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,60— 3,20. Bleie 0,80—1.80. 60 Stück Krebse 1,50—10,00. WttterungSübersicht vom 22. September 1913. Stationen 2 3 if Swincmde. 762.N tamburg 764 NW crlin! 763 53 Franks. a.M 767 ZW München|767!äS3 Wien 1704 SSN© Wetter 3 wolkig 2 halb bd 3 bedeckt iNcbci 3 bedeckt 3 halb bd. e2> ä M i? rs Si«ö 5 i«! CtottoiKn lg„ lg;(SeUn EZ' i 5aparanda 767,0!® ctcrsburg 762D Scilly Aberdcen Paris 766 SW 7K7iOSO 768iSlill *¥ c* ü 2 wolkcnl Hcdeckt Swolkig 1 wolkig , wolkig 1 6 14 11 12 TSetterproguoie für Dienstag, den 23. September 1913 Ein wenig wärmer, zeitweise ansklarend, vorwiegend neblig wolkig mit etwas Regen und mäßigen westlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u. oder «Saflerftands-Nact, richten der LandeSanflalt für Eewässerlundc, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M c m e l, Tilstt P r e. g e l, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krosscn . Franlsuri Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Spandaus , OiatbenowZ Spree, Sprembcrg») , BeeSlow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximüianSmi Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier ')-s- bedeutet WuchS,— Fall.— 1 Unterpegel. Perantwortlicher Redakteur: Alfred Wielcpp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SVfc