Kr. 249. HbonntinentS'Bedlngungen: Wonnementk» PieiZ pränumeilaido: Ziert eljährl. SL0 M!, monatl. 1,10 MI, wöchentlich 23 Psg. frei tnt Haus. Emzelne Numiner 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt- lo Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung-. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2L0 Marl, für daS übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien, Dänsmarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, itänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrs. CridKlnt tZgll». Vevlinev Volksblcrkk. DU TnFerttonS' Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zeste oder deren Raum W Pfg., für politische und gewerlschaftliche Verein-. und VersammlungZ-Anz eigen 30 Pfg. „Alelne An-elg-n", das fetigcdriuZte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 10 Ptg. Stellengesuche und Schiafstcllenon- zeigen das erste»ort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserat? für die nächste Nummer inüffen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Ervedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,F»iZllIemol!lsl steliin". Zentralorgan cUi* rozialdcmokratifcbcn Partei Deutfchlanda. Redaktion: SRI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Expedition: SRI. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984. verbsecherilchef Leichtsinn. (Zum zweiten Balkankriege.) Von Janko Sakasvff. Sofia. Seit mehr als zwei Monaten durchlebt man in Bulgarien die schwersten und peinvollsten Stunden, die einem Volke in der neueren Zeit je beschieden sind. Mitten in der endlich wiederkehrenden Zuversicht auf eine bessere arbeitsreiche Zu> kunst, wurden wir alle durch das Gerücht überrascht, an. der Grenze sei gegen Serben und Griechen ein Kampf im Gange, der schon einige Tage dauere. Man war bestürzt, man wußte nicht, was die Feindseligkeiten herbeigeführt haben könnte. Noch am 15./28. Juni war, wie man bestimmt wußte, die Regierung entschlossen nach Petersburg zur Zusammen kunst der vier Ministerpräsidenten der Balkanstaaten zu gehen Die serbische Skupschtina hatte beschlossen, die Frage der Verteilung der stritttgen Gebiete dem Schiedsspruch des Zaren zu überlassen. Ein russischer Dampfer in Varna wartete auf den bulgarischen Ministerpräsidenten D a n e w und die endgültige Abreise sollte jeden Tag -erfolgen. Alles hing an dieser Eutscheidung der serbischen und bulgarischen Regierung, den Gebietsstreit in Petersburg mit den anderen Balkan-Präsidenten zusammen zu entscheiden. Diesen Entschluß herbeizuführen und alle dagegen wirkenden chauvinistischen und militärisch-nationalistischen Einwirkungen zu bekämpfen und niederzuhalten— darin bestand in Bul- garien wie in Serbien die Aufgabe aller nüchternen Politiker. Und nun die Nachricht von dem„auf der ganzen Linie, vom Aegäischen Meere bis zu der Donau", ausgebrochenem Kampfe! Wer war der Urheber? Doch nicht die bulgarische Regierung, die ihre Vorbereitungen zur Abreise ihres Ver- treters getroffen hatte, oder die serbische Regierung, die in der Skupschtina den Beschluß hatte fassen lassen, sich dem Zarenspruch zu unterwerfen?, Der Anfang der Feindseligkeiten fiel auf den 17.130. Juni, die Nachricht davon wurde am nächsten Tage verbrettet, und bereits an dem folgenden wurde offiziell bekannt gemacht, daß die Regierung einen Befehl an die Armeekommandos zur Einstellung der Kämpfe gerichtet hätte. Es war offenbar: die Regierung wollte den Krieg nicht. Man atmete frei auf, doch nur für allzu kurze Zeit, denn am nächsten Tage erfuhr man, daß zwei bulgarische Re gimenter von einer serbischen Division überrumpelt und zer sprengt worden seien, und noch an demselben Abend ver- breitete man„zum Ersatz" das Gerücht, eine serbische Division (die Timok-Division) sei von den bulgarischen Truppen teils gefangen genommen, teils zersprengt worden. Alle Herzen waren beklemmt. Der Krieg, der gefürchtete, grausame Bruder- krieg schien nicht mehr auszuhalten. . Die Ereignisse in den darauffolgenden Tagen bestättgten diese Befürchtungen. Der oberste Befehlshaber der bulgarischen Armee wurde abgesetzt, eine neue Dislokation der Hecresteile angeordnet und all die vielen Soldaten und Offiziere, die man in letzter Zeit beurlaubt hatte, wurden wieder zurück- berufen. Es war zweifellos, daß erst jetzt die endgültigen Maß- regeln für den schon begonnenen Krieg getroffen wurden. Diesem Gedanken hat auch der bulgarische Ministerpräsident Ausdruck gegeben in seiner übrigens sonst sehr verlogenen Erklärung, in der er betonte, wenn die bulgarische Regierung den Krieg gewollt hätte, so würde sie ihn diplomatisch und militärisch vorbereitet haben. Und in der Tat, man sah mit Erstaunen, daß die bul- garischen Truppen, die längs der serbischen Grenze um Sirot, Älexonatz und Sastschar einige 30 bis 40 Kilometer ein- gedrungen waren, zurückbcfohlen wurden, um zum Teil nach anderen Richtungen gesandt zu werden. Ein unbegreiflicher Unsinn wäre die ursprüngliche Disposition der Truppen ge- wesen, wenn man annehnien sollte, daß der Krieg von der bulgarischen Regierung absichtlich angezettelt worden sei. Nicht minder erstaunlich wirkten die gleich darauf folgenden Nachrichten, daß Rumänien mit dreimalhundcrt- tausend Mann nach Bulgarien von: Nordosten her eingedrungen sei und daß die Türkei nach Adrianopel mit bedeutenden Kräften vom Südosten marschiere. Wer von den Eingeweihten konnte annehmen daß bei einer solchen diplomatischen Kon- stellation eine Regierung einen Krieg gewagt hätte? Und doch wurde es bald dem Volke klar, daß es nicht die serbische Militärliga war, die mit der Entscheidung der Skupschtina unzufrieden, den Krieg angezettelt hatte. Zwar hatten die Griechen die bulgarische Garnison in Saloniki ge- waltjani entwaffnet und deich darauf alle Maßregeln zum Vomicken ihrer Truppen getroffen, aber auch diese hatten die Bulgaren zuerst angegriffen. Alle verwundeten Soldaten, die in die Heimat zurückkehrten bestättgten diese Vermutungen. Was für einem Zweck konnte eine solche Provokation des Krieges dienen mit Gegnern, die seit Monaten hinter dem Rucken von Bulgarien eine rumänische und eine türttsche In- vafion vorbereitet hatten? Man zuckte die Achseln und die P}e kann kamen, nahm man ohnmächtig fluchend und zahneknirschend hin. J Und es ging immer schlimmer. Die Rumänen waren bis einige Kilometer weit von Sofia vorgedrungen Der Weg der Verproviantterung der bulgarischen Armee war abgeschnitten. Die an der Westgrenze gegen die Serben kämpfenden Truppen waren zwischen die Serben und Rumänen geraten. Die Türken hatten die unlängst„befreiten" Länder wieder okkupiert und die alte bulgarische Grenze überschritten. Die Bevölkerung Südbulgariens, ihr Hab und Gut im Stich lassend, flüchtete nach Norden. Die bulgarischen Truppen kämpften verzweifelt mit der lähmenden Sorge, daß unter- dessen ihre Heimstätten von Rumänen und Türken beraubt würden. Die ausländischen Vertreter in Sofia versammelten sich um zu entscheiden, ob es in Bulgarien noch eine Regie- rung gibt. Ein rumänisches Flugzeug zog zwei Tage hindurch seine Kreise über der Hauptstadt Bulgariens. Da gab die Regierung Danews ihre Demission und der„König der Bulgaren" wurde gezwungen, einen Rat der oppositionellen Parteien einzuberufen, um über die Lage des Landes zu entscheiden. Es war zu spät. Dem heranziehenden Unheil war nicht mehr zu entrinnen. Bulgarien mutzte den bitteren Kelch bis zur Neige leeren. Der Bukarester Friede hat es zugunsten Serbiens der größten Teile Mazedoniens beraubt und ließ ihm nur die kahlen Höhen der Pirius- und der Rhodope- Gebirge. Die Griechen nahmen Kawalla am Aegäischen Meere, Serres, Drama. Die Rumänen steckten die fruchtbaren Ge- biete von Puttakan, Dobritsch, Baltschik ein, und die Türken suchen es von dem Aegäischen Meere und Thrazien ganz zu vertteiben. Die Bulgaren, so scheint es, müssen jetzt froh und dankbar sein, wenn ihre Nachbarn und Verbündeten ihnen die Gebiete, die sie vor dem Kriege hatten, noch lassen. Zweihunderttausend Männer geopfert, zwei Milliarden Staatsschulden kontrahiert, das ganze Arbeitervolk nahe an den Ruin gebracht, zwei Millionen von Nationsgenossen der Entnationalisierung preisgegeben, als das grausamste und unmenschlichste Volk in der gebildeten Welt ausgeschrien— wie konnte ein arbeitsames, nüchternes Volk, wie es die Bul- garen sind, zu solchem schrecklichen Ende getrieben werden? Dieser Gedanke zerfrißt wie eine ätzende Säure das Be- wußtsein des gequälten und geplagten Bürgers und Bauers und fordert gebieterisch Antwort. Es wäre falsch, wollte matt all diese Resultate auf eine einzige Ursache oder auf eine einzige Person zurück- führen. Wenn man auch darauf verzichtet, Handlungen der bulgarischen Regierung nach der Schlacht von Lüle Burgas, als der Großwesir Kiamel Pascha um den Frieden bat, zu kritisieren, so muß man doch hervorheben. daß seit diesem Datum, 18./31. Oktober 1912, die bulgarische Regierung keine vernünftige Aktion unternommen hat, um das eroberte Territorium dauernd zu behalten. Die wag- halsige Forcierung der Tschataldschalinie, der Abbruch der Friedensverhandlungen, die Wiederaufnahme des Krieges. die Erstürmung von Adrianopel und endlich der Bruch mit den Verbündeten— all das waren Fehler einer Politik, die nicht genau wußte, was sie unangefochten erreichen konnte. Freilich haben die Serben und die Griechen die Gelegenheit benutzt, während die bulgarische Armee bei Tschataldscha und Galippoli beschäftigt war, um ihre territorialen Forderungen zu vergrößern, äber dazu hat sie die bulgarische Politik der Ausdehnung nach dem Osten selbst getrieben. Und nun der letzte und größte Schlag— der Krieg mit den Verbündeten. Wir haben ausgeführt, daß die bulgarische Regierung den Krieg mit den Verbündeten nicht gewollt und nicht vor- bereitet hatte. Die Regierung wußte genau, daß die Rumänen nicht befriedigt waren, und die rumänische Regierung hatte ja auch offiziell bekannt gemacht, daß sie sich nicht neutral verhalten werde. Tie Türkei hatte ihre Armee nicht demobili- siert und eine neue Grenzregulierung verlangt. Und dann die militärische Seite des Dramas. Die Heeresleitung und die Regierung waren sehr genau und von kompetenter Seite informiert über den Geist der Truppen. Es gab Putsche und Gewaltsamkeiten gegen die Obrigkeit noch während der Verhandlungen mit den Türken. Tie nahende Ernte machte die Bauern toll.„Lassen Sie uns freiwillig nach Hause, sonst gehen wir ohne jemand zu fragen"— so lauteten die Erklärungen der Bauern. ,,Wir haben es satt, hier in den nassen Schanzen zu schmachten, wir sehnen uns nach der lieben friedlichen Arbeit"— das war die Losung, die die Reihen der bewaffneten Bürger beseelte. Die Nachrichten, die von der serbischen Grenze kamen, sagten das- selbe: Die Truppen wollen nicht kämpfen, sie drohen, die Offiziere zu entwaffnen. Man muß die friedliche Lösung mit den Verbündeten beschleunigen, sonst ist nichts sicher. Dieser Zustand der Truppen war der Regierung und der Heeresleitung ebenso bekannt wie die verzweifelte diplo- matische Situation. Wie konnte also die Regierung es unter- lassen, den Ausbruch der Feindseligkeiten zu verhindern? In der Regierung Danew-Geschow lebten von vorn- herein zwei Seelen. Sie war auf das nationalistische Pro- gramni verpflichtet und wollte den chauvinistischen Elementen den Wind aus den Segeln nehmen; zugleich sah sie aber die tatsächlichen Verhältnisse, den Verlauf der militärischen und diplomatischen Ereignisse, der die Forderungen dieser Ele- mente als unerfüllbar erscheinen lassen mußte. Man wußte, daß Petersburg mehr die serbischen und die griechischen Prätensionen zu unterstützen geneigt war. als die bulgarischen. Man fürchtete aber die Agitation und die Rache der Ratio- nalisten und der Mazedonier, wenn man sich nachgiebig gegen Serbien gezeigt hätte. Der Ministerpräsident Tanew soll Drohbriefe erhalten haben, die ihn vor dem Gang nach Petersburg warnten, und er plante, wie es heißt, mit einem Automobil bis zu einer zweiten Station zu fahren, um seine Abfahrt nach Rußland zu verbergen. Das war die alte Geschichte des Kampfes der nationali st ischen Elemente gegen die Russenfreundschaft, und diesem Kampf ist Bulgarien zum Opfer gefallen. In der Nacht vom 16./29. Juni hat das Armeekommanbo vom Hauptquartier den Befehl bekommen, einige Höhen der"serbischen und griechischen Befesti- g u n g e n zu erstürmen, um, wie es in dem einen Befehl heißt, die Intervention Europas zu erlang en. Am zweiten Tage gab man den Befehl, die Feindseligkeiten einzustellen, was in der Tat geschah, zum Verderben der bulgarischen stürmenden Kolonnen. Die Serben und die Griechen, genau unterrichtet und vor- bereitet auf die Lage der Dinge, kümmerten sich nicht mehr um den Gegenbefehl und der Krieg brach aus. So verbrecherisch-leichtsinnig setzte man die Zukunft des ganzen Landes. auf die eine Karte der vermeintlichen Jnter- vention Europas, von der man eine richtigere Verteilung der strittigen Gebiete erwartete, ohne sich darum zu bekümmern, ob diese Jnterventton möglich war und ob sie gleich erfolgen werde, ob die Gegner auf eine solche eingehen und ob die hinter dem Rücken Bulgariens stehenden Rumänen und Türken diese Intervention nicht überflüssig machen würden, Ivie es dann in der Tat geschah. Diesem unbegreiflichen Leichtsinn der Regierung ver- danken wir jetzt nicht nur die Verstümmelung Bulgariens, sondern auch die Schaffung einer Lage aus dem Balkan, die nichts Erfreuliches in sich birgt und die vielmehr der Anfang einer Periode erbittert st er nationaler Kämpfe zwischen' den Balkanstaaten bedeutet. Nur einen erfreulichen Ausweg sehen wir aus dieser Lage und das ist die Erstarkung der Demokratie und namentlich der S 0 z i a l'd e m 0 kr a tri e, in Bulgarien und Serbien, die allein die Richtung der ruhigen inneren und äußeren Entwickelung des Balkans anbahnen kann. Der Aufschwung in Serbien wie die Demütigung in Bulgarien lverden in beiden Ländern einen günstigen Boden schaffen, auf dem sich eine starke Volksbewegung für die innere Freiheit und S e l b st b e st i m m u n g der hier woh- nenden Völkerschaften entwickeln wird, die den nationalen Gegensätzen ein Gegengewicht bieten wird. Der zehnmonatige verheerende Kriegszustand und die Rolle der Sozial- demokratie bei diesem Kriege, die sich die Herzen aller Un- interessierten erobert hat, sind eine reiche Saat, aus der die innere Freiheit der Nationen einst sprießen wird. Klassen juHir.*) Die nächste große Schlacht, die auf dem politischen Schlachtfeldc zwischen den Vorkäinpfern und den Feinden der Arbeiterklasse gekämpf Ivird, betrifft menschlicher Voraus- ficht nach die S t r a f r e ch t s r e f 0 r m. Hier dreht es sich für uns in erster Linie nicht um juristische Quisquilien, son- dern um das, was wir als Klassenjustiz zu bezeichnen pflegen. Als eine treffliche Materialsammlung für jene bevorstehenden Kämpfe ist die Schrift des Genossen Kuttner zu begrüßen. Sie ist gleich wichtig als Belehrungsnnttel für unsere Freunde wie als Kampfmittel gegen unsere Gegner. Wohl kaum einer der aus unseren Reihen ständig erhobenen Vorwürfe wird von den herrschenden Kreisen mit derartiger Entrüstung zu- rückgewiesen, als der Vorwurf der Klassenjustiz. Und wenn wir dann einzelne Entscheidungen. anführen, aus denen sich mit Sicherheit ergibt, daß die betreffenden Richter bei Fällung ihres Urteils in Klassenvorurteilen befangen waren, also Klassenjustiz geübt haben, dann schallt uns wohl die Ent- schuldigung entgegen, daß es sich um vereinzelte Mißgriffe handelt, um Ausnahmen, die inan nicht verallgemeinern dürfe. Wenn wir aber in Zukunft unseren Gegnern den Band des Genossen Kuttner präsentieren, in dem auf 138 Seiten viele Hunderte derartige Urteile in trautem Verein zu- sammengestellt sind, dann dürfte so mancher, der sich jetzt bei dem Vorwurf der Klassenjustiz empört aufbänmr, recht klein- laut werden, besonders da gegenüber dieser Schrift auch nicht einmal die beliebte Entschuldigung gestammelt werden kann. daß es in letzer Zeit besser geworden sei. Bringt doch die Broschüre nur Urteile aus den letzten fünf Jahren! Genosse Kuttner beschränkt sich in seiner Arbeit auf da? Gebiet des Strafrechts. Mit Recht hebt er jedoch hervor, daß auch das Gebiet des Zivilrechts und des Verwaltungsrechts reiche Ausbeute gewähren würde. Den ersten Teil seiner Arbeit widmet der Verfasser den „O r g a n e n d e r K l a s s e n j u st i z". Er zeigt an präg- nanten Beispielen, wie windig es um die Unabhängigkeit un- serer Richter bestellt ist, geißelt das Wesen des Hilfsrichter- tums und den Mangel an Objektivität bei Staatsanwaltschaft und Polizei. Er berührt auch die unwürdige Stellung des den Machthabern oft unbequemen Anwaltsstandes gegenüber Richter und Staatsanwalt, die den Anwälten so oft die Be- rufsfreude verbittert. *) Erich K u t t n e r:„Klassenjustiz!" /Verlag Vors wärts, Bevlin 1913, 138 Seiten, IM.). Im zweiten Teil, dem Hauptteil seiner Schrift, geißelt Kuttner die ,.U r t e i l e d e r K I a s s e n j u st i z". Tä ziehen in endloser Reihe, systematisch geordnet, alle die vielen Straf- urteile an uns vorbei, die uns in den letzten Jahren bei der Lektüre der Gerichtsberichte in peinlichstes Erstaunen versetzt haben. Kuttner beginnt mit den Fällen der von ihm söge- nannten„alltäglichen K l a s s e nj u st i z". Er zeigt, wie der Richter auch in den Fällen, die an sich keinerlei politi- sches oder gewerkschaftliches Interesse haben, unbewußt einen Unterschied macht zwischen Hoch und Niedrig. Stehen doch unseren bürgerlichen Nichtern die Angehörigen ihrer Klasse in ihrem Denken und Fühlen so nah, und die Proletarier so weltenfern! Wie sollte daselbst beim besten Willen eine wirk- lich gerechte Abwägung möglich sein. Viel schlimmer muß sich das natürlich noch bemerkbar machen, wenn es sich um Straftaten handelt, dia in Ver- bindung mit politischen und gewerkschaftlichen Kämpfen be- gangen sind, und bei denen die angeborenen und anerzogenen sozialen und politischen Vorurteile des Richters naturgemäß besonders intensiv aufgepeitscht werden. Tie Urteile, die zu diesem Thema in den Kapiteln„Politische Justiz" und „S t r e i k j u st i z" zusammengestellt sind, sind geeignet, auch dem Blindesten die Augen zu öffnen. Freilich ist die Klassenjustiz nirgends so in Reinkultur zu beobachten,- wie beim Militär. Es ist deshalb durchaus sachgemäß, daß der Verfasser in einem besonderen Kapitel die M i l i t ä r j u st i z behandelt. Es hätte hier nichts geschadet, wenn Kuttner noch herzhafter aus dem Ueberfluß des hierzu vorliegenden Materials geschöpft hätte. Doch auch die zitier- ten� Urteile reichen aus. um den Fischblütigsten zu empören. Einem vielfach auf Parteitagen geäußerten Wunsch ist der Verfasser dadurch nachgekommen, daß er bei passenden Gelegenheiten Strafurteile zum Konirast herbeigezogen hat, in denen Angehörige von Bevölkerungskreisen, die in den Klassenkänipfen der Gegenpartei auf der anderen Seite der Barrikade zu stehen Pflegen, mit liebevollster Nachsicht be- urteilt sind zur höheren Ehre des alten justizministeriell approbierten Sprichwortes: si duo kaciunt idem, non est idem.(Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht das- selbe.)— Alles in allem: die fleißige Arbeit des Genossen Kuttner ist ein nützliches Unternehmen und verdient weiteste Verbreitung.___ Die Neuregelung der Sonntagsruhe im Ihandelsgewerbe. Mehrere Zeitungen berichten, daß nicht der kürzlich vom „stokalanzeigcr" veröffentlichte, von uns wiedergcgcbene, sondern ein etwas anderer Gesetzentwurf dem Reichstag zugehen wird. ES ist im höchsten Grade zu tadeln, daß mit Gesetzentwürfen gehökert zu werden scheint. Die Regierung sollte die Gesetzentwürfe, die dem Reichstag zugehen, gleichzeitig allen Zeitungen übermitteln. Welcher Grund liegt für die Geheimhaltung oder eine Bevorzugung einzelner Zeitungen vor? Der Gesetzentwurf soll nach jenen Zeitungen folgenden Inhalt haben: „Im Handelsgcwerbe dürfen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter, vorbehaltlich der nachfolgenden Boyschriften, am c r st e m B eih»rächt S-, Ostrr- u n d P f i n g stt'a g e: überhaupt nicht, im übrigen an Sonn- und Festtagen nur wie' folgt beschäftigt werden Im Betriebe der offenen Verkaufsstellen ist eine Beschäftigung viszudreiStunden zulässig. Die höhere Ver- waltungsbehördc kann für Orte, in denen die Bevölkerung aus der Umgegend an Sonn- und Festtagen die offenen Verkaufsstellen auf- sucht, eine Beschäftigung bis zu vier Stunden zulassen. Die Gemeinde oder ein weiterer Kommunalverband kann durch statutarische Bestimmung die dreistündige Beschäftigung für alle oder einzelne Gctverbezweigc auf kürzere Zeit einschränken oder ganz untersagen. Die Polizeibehörde kann für jährlich sechs, mit Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde für weitere vier Äonn- und Festtage, an denen besondere Verhältnisse einen weiteren Geschäftsverkehr erforderlich machen, eine Beschäftigung b i s z u zehn Stunden zulassen. Im übrigen HandclSgewerbe kann die höhere Ver- waltungsbehördc sowie durch statutarische Bestimmung die Gemeinde oder ein weiterer Kommunalverband eine Beschäftigung bis zu zjn et Stunden zulassen. Für das Speditions- und das «schiffsmaklergewerbc, sowie für andere Gewerbebetriebe, insoweit in ihnen Gütcrversendungen mit Seeschiffen vorgenommen wer- den, kann in gleicher Weise eine Beschäftigung bis zu fünf Stunden zugelassen werden. Die höhere Verwaltungsbehörde kann für jährlich höchstens sechs Sonn- und Festtage, an denen besondere Verhältnisse einen weiteren Geschäftsverkehr erforderlich machen, eine Beschäftigung bis zu vier Stunden zulassen. Die Stunden, währeitd denen eine Beschäftigung stattfinden darf, werden, soweit statutarische Bestimmungen erlassen sind, durch diese, im übrtgen von der Polizeibehörde so festgesetzt, daß der Besuch des öffentlichen Gottesdienstes freibleibt. Die Stunden können für verschiedene Gewerbe verschieden festgesetzt werden. In Betrieben des H a n d e l s g e w e r b e s. die am S a b b a t h und an jüdischen Feiertagen gänzlich ruhen, dürfen Ange- stellte jüdischen Glaubens an Sonn- und Festtagen bis zur Tauer von drei Stunden mit der Maßgabe beschäftigt werden, daß die Geschäftsräume für den allgemeinen Verkehr geschloffen bleiben. Die Bestimmungen der Gewerbeordnung über Gewerbe, deren vollständige oder teilweise Ausübung an Sonn- und Festtagen er- forderlich ist ivergl§ 105c der Gewerbeordnung) bleiben bestehen. Auch die Bestimmung der Gewerbeordnung über die Anlegung eines Verzeichnisses bei der Beschäftigung von Arbeitern ist in den Gesetzentwurf übernommen. Die höhere Verwaltungsbehörde kann für solche Gewerbe- zweige, deren vollständige oder teilweise Ausübung an Sonn- und Festtagen zur Befriedigung täglicher oder an dtesen Tagen besonders hervortretender Bedürfnisse der Bevölkerung erforderlich ist, Ausnahmen von den obigen Vorschriften zulassen. Der Bundesrat trifft über die Voauesetzungen und Bedingungen der Zulassung von Ausnahmen»tähere Bestimmungen; diese sind dem Reichstage zur Kenntnisnahme mitzuteilen. Die obigen Vorschriften stehen einer weitergehenden Be- schränkttng des Gewerbebetriebes an Sonn- und Festtagen durch LandeSgcsetze oder durch landesrechtliche Verordnungen nicht ent- gegen. Tie Vorschriften deS Gesetzes finden auf die Geschäftsbetriebe der Versicherungsunternehmcr einschließlich der Vereine zur Versicherung auf Gegen- seitigkeit, der Versicherungsagenten und Makler, der Stellen-, Annoncen- und Aus- kunftver mittler, der Sparkassen, der Konsum- vereine und anderer Vereine, die nach Art des Handelsgewerbes ihre Geschäfte betreiben, entsprechende Anwendung.— Der Gesetzentwurf enthält dann Äeschrän- kungn seiner Geltung in bezug auf die Beschäftigung von Arbeitern in einer Reihe von gewerblichen Betrieben, Schankwirt- schasten, Schaustellungen und Lustbarkeiten, im Vcrkchrsgewerbc, im Maklergetverbe, in Apotheken usw." Mögen die neulich oder die oben wiedergegebenen Vorschriften den Inhalt des Gesetzentwurfs bilden, in jedem Fall sind sie v ö l l i g »»zulänglich. Der Entwurf bringt nur eine unerhebliche Besserung deS geltenden Gesetzes.<ßt geht völlig an der Notwendig- keit vorüber, auch für T e ch n i k e r und ändereAnge st eilten einen freien Sonntag zu schaffen und gewährt auch Handlungs- gehilfen, abgesehen von Weihnachten, Ostern und Pfingsten, keinen völlig freien Tag. Erforderlich und durchführbar ist völlige Sonntagsruhe mit der einzigen Ausnahme, daß Lebens- mittel. Fleisch, Backwaren, Milch, Eis, in zwei Morgenstunden ver- kauft werden dürfen. In allen Ausnahmefällen müßte als Ersatz eines völlig freien Sonntags ein völlig freier Werktag eintreten. Daß dies durchführbar, zeigen England und die heute schon an einigen Orten geltenden ortsstatutarischen Vor- schriften. politische debersickt. Tie klerikalen Pharisäer. Gewohnt, aus allen Blumen Honig zu saugen und sich alle Dinge dienstbar zu machen, haben die Klerikalen sich des Mörders Wagner bemächtigt und schlachten ihn nach allen Regeln der Kunst für ihre Zwecke aus. Neben der„Germania" tut sich darin besonders die„Kölnische V o l k s z e i t u n g" hervor. Sie hat sich sogar einen Mitarbeiter zugelegt, der den Fall Wagner„psycho- logisch erklärt" und dabei(Nr. 813 vom 19. September) folgenden Salbader produziert: „Der wissenschaftliche Hochmut, das philosophische Phrasen- Geklingel, wird für Wagner zum Dogma, und er opfert diesem Dämon seinen angeblich„scharfen Verstand" und seine ruhige Jugenderinnerung. Es wird sich ja noch herausstellen, welche M o n i st e n seiner Lesetvut zur Lektüre gedient haben. Die Phantasie des Mannes ist zu einem Stapelplatz unverstandener Begriffe, Schlagwörter und Welt- und Menfchheitsideen gewor- den, und Wagner hat bedauerlicherweise einmal die unerbittlichen Konsequenzen aus Nietzsches Herden- und Herrenmoral gezogen. Nietzsches Dämon ist sein Mentor zu„Jenseits von Gut und Bös" geworden, und er hat aus dem Werke:„Also sprach Zarathustra" die letzten Folgerungen gezogen. Das eine kann nicht genug be- tont werden: Wehe der Welt, wenn die Ideen der modernen Herrenmoral konsequent in die Tat umgefetzt würden. Weh- klagen wird die Welt erfüllen, weil dann alle Schranken der Wahrheit und des. Rechts, der Sittlichkeit und der Menschen- liebe fallen. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!" Ter Zweck der Uebung ist klar. Es soll der Welt klar gemacht werden, daß nur noch vom Klerikalismus das Heil zu erwarten ist. Die klerikalen Pharisäer haben freilich Pech, denn gerade jetzt, da sie diese Kapuzinerpredigt loslassen, muß ihnen der in Amerika abgefaßte bayerische Kaplan Schmidt in die Parade fahren, der trotz aller frommen Erziehung zum Massenmörder und abgefeimten Verbrecher geworden ist. Man darf vielleicht gegenüber dem schein- heiligen Gerede der„Kölnischen Volkszeitung" auch daran er- innern, daß im Jahre 1908 der 22jährige Sohn des früheren Reichs- und Landtagsabgeordneten des Zentrums Racke seinen Bater und seine drei erwachse»»««! Schwestern ermordete. Der Mörder verübte seine Tat in der Nacht zum zweiten WeihnachtS- feiertag, nachdem er am ersten Feiertag an der gemeinschaftlichen Kommunion der Familie teilgenommen hatte. Der Zentrums- abgeordnete Racke gehörte zu den hervorragendsten Mitgliedern der Zentrumspartei. In Zentrumsversammlungen und auf Ka- tholikentagen war er ein beliebter Redner. Man wird also nicht behaupten können, daß der Mörder, sein Sohn, keine gute, christliche und sroinme Erziehung genossen habe. Es fällt' natürlich. keiw� vxrnünfks'gen Menschen ein. für die B)uttat de» jjÄre'TOkttäft Erziehung verantwortlich zu machen, fabev man inüß( sich auch verbitten, daß die „Kölnische Volkszeitung" die antiklerikale Weltanschauung für die Verbrechen kranker oder entarteter Menschen verantwortlich macht. Ter Wahlaufruf der badischen Konservative« ist nun auch erschienen. Bemerkenswert ist die Auslassung über die Forderung der Einführung der Verhältnis- wähl für die LandtagSwahlen. Es heißt darüber im Wahl- aufruf: „Auch die Konservativen haben dem Antrag an die Regierung auf Vorlage eines Wahlrechts, das sich auf den Proporz aufbaut, zugestimmt. ES kann aber keine Rede davon sein, den Proporz einzuführen, wenn nicht andererseits dafür gesorgt wird, daß den natiirlich-staatserhaltenden Schichten unserer Bevölkerung ein ver- Mehner Einfluß auf die Gesetzgebung zugesichert wird. Die roh- mechanische Anwendung des Proporzes mit seiner geistlosen Herr- schaft der Zahl würde eine Verstärkung des sozialdemokratischen EmflusseS»n unserem Staatswesen für alle Zeiten bedeuten. Soll die Proporzwahl nicht zu eitler neuen scharfen Waffe der Sozial- demokratie werden, so ist es nötig, daß die landwirtschasttreibende Bevölkerung und die der kleinen Städte in ihrer natürlichen Be- stimmung für Staat und Gesellschaft im Gesetz gebührende Be- rücksichtigung finden. Es darf bei dieser Wahl nicht ausschließlich aus großstädtischen Rücksichten verfahren werden. Die Stimmen sollen nicht nur gezählt, sondern auch gewogen werden." Man sieht. die badischen Konservativen sind gelehrige Schüler ihrer norddeutschen Meister. Stimmten sie früher für den Proporzantrag im Landtag, so haben sie jetzt ein Haar in der Suppe gefunden und sind dagegen. Gut ist's, daß sie vor den Wahlen noch Farbe bekennen in dieser Frage, die bei den kommenden badischen Landtagswahlen mit im Vorder- grund des Interesses steht._ Von der preußischen Rechtsgleichheit. Das preußische Justizministerium hat wieder einmal seine Eignung, als oberster Hüter der Justiz zu fungieren, glänzend bewiesen. Es handelt sich um den Versuch, dem Genossen Dr. Arthur Schulz, der durch seine agrartheoretischen Ausführungen bekannt geworden ist, die Ausübung der Rechts- anwaltspraxis in Preußen unmöglich zu machen. Schulz ist gegenwärtig Rechtsanwalt in Müilchen. Als Doktor der Nationalökonomie und Gutsbesitzer in Ostpreußen hat er aber einmal einer Landarbeiterversammlung beigewohnt, wo er sich übrigens lediglich zuhörend verhalten hatte. Ein deshalb wegen Verstoßes gegen das preußische Vereinsgesetz anhängig gemachtes Strafverfahren endete n»it seiner Frei- sprechung. Nichtsdestoweniger wurde Dr. Schulz auf Be- treiben des Landrats seines Kreises durch Anordnung des jetzigen Staatssekretärs Dr. L i s c o(damals ini preußischen Justizministerium) von der Zulassung zum Re- fereudarexamen ausgeschlossen,� weil er„im Interesse der sozialdemokratischen Partei agitatorisch tätig gewesen" wäre(was unrichtig war). Es heißt in der Ver- fügung weiter: Ein solches Verhalten ist mit der Stellung etneS preußischen Beamten, also auch mit der eines Referendars, unver- einbar. Da durch die erste juristische Prüfung nur die Fähigkeit zur Bekleidung einer derartigen Stellung festgestellt werden soll, so ist Ihnen die Zulassung zu dieser Prüfung in dem angefoch- tenen Bescheide mit Recht versagt worden. Damit wäre Schulz auch die Möglichkeit, Rechtsanwalt zu werden, abgeschnitten gewesen, wenn es ihm nicht gelungen wäre, in Bayern zum Examen zugelassen zu werden, frei- lich unter dem Zwange, einen Teil der UniversitätSstudien formhalber noch einmal zu wiederholen. Dort hat er samt- liche Staatsprüfungen bestanden, ist Rechtsanwalt in München geworden und möchte nun gern in seiner ostpreußischen Heimat, wo seine Familie seit Generationen ansässig ist, als Rechtsanwalt wirken. Trotz Befürwortung durch die oft- preußische Anwaltskammer hat die preußische Justizverlval- ung ihn zurückgewiesen, und ebenso, als er eine Reihe von Zulassungsanträgen für andere Oberlandesgerichts- bezirke gestellt hatte. Der preußische Justizminister erspart sich die Angabe von Gründen, es ist aber kein Zweifel, daß hier eine rein politische Verfolgung vorliegt. Nach dem Gesetz muß freilich jeder zur Anwaltschaft zu- gelassen werden, der in dem Bundesstaat, wo er sich nieder- lassen will, die zum Richteramt erforderten Prüfungen be- standen hat. Die Zulassung bei einem weiteren Gericht und die Zulassung von„Ausländern" unterliegt aber der Will- kür der Justizverwaltungen. Ja, diese entscheidet auch über die Zulassung zu den Prüfungen selbst und dem Vorberei- tungsdienste, und hat es damit in der Hand,„unerwünschte" Elemente auch von der Advokatur fernzuhalten. Es wäre wirklich an der Zeit, dieser Willkür ein Ende zu machen und den Rechtsanwälten das Recht der Freizügigkeit durch das Reich zu gewähren. Zwei Reichsgesetze über Wandercrfürsorge. Ein wichtiges Teikproblem der Arbeitslosensürsorge ist die Frage der Wanderersür sorge, das bisher noch nicht reichsgesetzlich geregelt worden ist. Für Preußen besteht das Wandererstättengesetz vom 29. Juni 1907, nach dem die Provinzial- landtage die Stadt- und Landkreise zur Errichtung von Wanderer- arbeitsstätten an bestimmten Provinzen verpflichten konnten. Die Landtage der einzelnen preußischen Provinzen nahmen dem Ge- setz gegenüber eine sehr zwiespältige Stellung ein; durchgeführt wurde das Gesetz in Heffen-Nassau, Westfalen, Hannover und Sachsen, während Ostpreußen. Westpreutzen, Schlesien, Schleswig- Holstein, Posen und Pommern von der Errichtung von Wanderer- arbeitsstätten nichts wissen wollten. Von den übrigen deutschen Staaten hat nur Württemberg auf dem Verwaltungswege 37 Wan- dererarbeitSstätten eingeführt. Ein Reichsgesetz soll nunmehr, wie die„Kölnische Zeitung" mitteilt, dieser Verworrenheit ein Ende bereiten. Im Reichsamt des Innern wurden zwei Gesetzentwürfe ausgearbeitet und den Bundesstaaten zugestellt, die dem Reichstag zur Winter- tagung zugehen sollen. Das erste Gesetz heißt„Wa ndererfürsorgegesetz" und bestimmt, daß in jedem Bundesstaate Arbeitsstätten und Arbeits- Heime zu errichten sind für mittellose, arbeitsfähige, mindestens 16 Jahre alte männliche Personen, die unter Einhaltung der Wandererordnung umherziehen und Arbeit suchen. Die Arbeits- stätten haben die Aufgabe, Wanderern, denen eine Arbeitsstelle nicht alsbald vermittelt werden kann, vorübergehend gegen Ar- beitsleistung Beköstigung und Obdach zu gewähren. Sie entsprechen also den heutigen Wandererarbeitsstätten. Die Arbeitsheime haben die Aufgabe, Wanderern, denen durch die Arbeitsstätte eine Ar- beitsstelle nicht verschafft werden kann, für längere Zeit gegen Ar- beitsleistung Lohn und Unterhalt zu gewähren. Die Aufnahm« in Arbeitsstätten und Arbeitsheimen soll nicht als Armeue Unterstützung gelten. Der zweite Gesetzentwurf bezweckt eine Aenderung de? Gesetzes über den Unter st ützungSwohnsitz. Hier wird bestimmt, daß, wenn eine Person, die arbeitslos das Land durch- zieht, hilfsbedürftig wird, der Landarmenverband verpflichtet ist, jedem OrtSarmenverbande die für eint solche Person aufgewandten Kosten zu erstatten, ohne Rücksicht darauf, ob der Wanderarme landarm ist oder anderswo einen UnterstllhungSwohnsitz hat. In der Begründung zu den Gesetzentwürfen wird auS- geführt, daß die bestehenden Mißstände eine reichsgesetzliche Rege- lung unumgänglich notwendig machten; nur bei einer geordneten Wandererfürsorge sei die Trennung der Wandererarmen in„Ar- beitSwillige",„Arbeitsscheue" und Arbeitsunfähige" möglich. Außer- dem sei die Höhe der Unterstützung, die den Wandererarmen in den einzelnen Orten gewährt werde, sehr verschieden, so daß � an ein- zelnen Plätzen arbeitswillige Wanderer infolg« unzulänglicher Unterstützung zum Betteln gezwungen würden, während an anderen Orten die Arbeitsscheuen infolge der„reichlich gewährten Unter- stützung" zu„ungehöriger Ausnützung" der vorhandenen Wohlfahrtseinrichtungen veranlaßt würden. Darum müsse eine auf sozialen Grundsätzen aufgebaute Wandererfürsorgegesetzgebung und eine entsprechende Aenderung des Unterstützungswohnsitzgesetzes vorgenommen werden. Nach diesen Mitteilungen scheinen in den Gesetzentwürfen hin- ter den polizeilichen Gesichtspunkten die volkswirtschaftlichen und sozialen völlig in den Hintergrund zu treten. Sine organische Verbindung der Wandererarbeitsstäten mit Arbeitsnachweisen fehlt, und völlig fehlt eine hinreichende Arbeitslosenfürsorge. Eine solche ist ohne Arbeitslosenversicherung nicht zu schaffen. Eine„nationale Säule" geborsten. Der frühere Vorsitzende des Verbandes der nationalen Krankenkassenbeamten in Sachsen, Franz Ernst Meyer wurde vom Schöffengericht zu Dresden wegen Unterschlagung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er hat diese Unterschlagungen in seiner Stellung als Sekretär der Dresdener Ortskrankenkasse, bei der er eine Zweigstelle verwaltete, begangen. Trotzdem der An- geklagte seinerzeit die Unterschlagungen eingestanden hat. leugnete er jetzt vor Gericht jede Schuld. Das unterschlagene Geld ist voll- ständig ersetzt worden. Meyer brachte damals nach der Revision 600 M., die seine Frau angeblich noch im Bücherschrank auf- bewahrte und in der Bestürzung nicht gefunden hatte. ES fand über MeyerS Angaben ein« mehrstündige Beweisaufnahm« statt. Der Angeklagte vermochte jedoch das abgelegte Geständnis und die falschen Buchungen in den Kassenbüchern nicht zu erschüttern, und das Gericht kam zur Verurteilung. Interessant ist bei der Sache noch, daß der Verband der natio- nalen Beamten aus seiner Tagung für die Unschuld MeyerS eine Lanze brach und ihn als ein„Opfer der sozialdemokratischen Klaffenherrschast" hinstellte, obgleich der Beschluß über die Ent- lastung und Strafverfolgung Meyers einstimmig von Unter- nehmer- und Arbeiterbeisitzern im Kassenvorstande gesaßt wurde. Meyer war früher einer der lautesten Rufer im Kampfe gegen die „sozialdemokratische Mißwirtschaft" in den Krankenkassen und steht im Verdacht, der Lieferant von Matertal zu verschiedenen An- griffen, die auf die Kassenverwaltungen in Broschüren und im Reichstage erfolgten, gewesen zu sein. Das deutsche Volksvermögeu. Dr. Karl Helfferich, der Direktor der Deuschen Bank, hat eine Untersuchung über den Besitzstand des deutschen Volkes veranstaltet. Der Zweck der Untersuchung war. anläßlich des Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelm» II. zu zeigen, welch' gewattige wirtschaftliche Arbeit Deutschland in den letzten 25 Jahren geleistet hat. Man muß daher der Arbeit Dr. Helfierichs sehr skeptisch gegenüberstehen. Das Schlußergebnis der Untersuchung ist nach den Mitteilungen der bürgerlichen Presse folgendes: Das deutsche Volkseinkommen beträgt heute rund 40 Milliarde» Mark jährlich, gegen 22 bis 2v Milliarden Mark«m dl» Jahr 189S. Von den 40 Milliarden werden jährlich etwa 7 Milliarden Mark, also nahezu ein Sechstel, für öffentliche Zwecke aufgewendet, etwa 25 Milliarden Mark dienen dem privaten Verbrauch, und etwa 8— 8>/z Milliarden, die sich durch den automatischen Wert- Zuwachs des vorhandenen Vermögens auf W/t— 10 Milliarden erhöhten, wachsen als Mehrung dem Bollsvermögen zu, gegen etwa 4�,-5 Milliarden Mark vor IS Jahren. Das deutsche Volksvermögen beträgt heute mehr als 300 Milliarden Mark gegen rund 200 Milliarden Mark um die Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Da das Buch Helfferichs, das dem Kaiser überreicht wurde, für gewöhnliche Sterbliche 125 M. kostet, so ist es uns nicht möglich, weiteres über die Untersuchung mitzuteilen. Doch wird in AuS» ficht gestellt, daß eine Sonderausgabe demnächst erscheint. Wir dürfen aber wohl annehmen, daß aus der Arbeit Helfferichs nicht ersichtlich ist, auf welche Schichten der Bevölkerung dieser Reichtum entfällt und wie die Steigerung bei den einzelnen Bevölkerungs- schichten ist. Die Statistik für 1911/12 z. B. verzeichnet in Deutsch- land 3930 Aktiengesellschaften mit 1571,39 Millionen Mark Jahres- gewinn. An Dividenden zahlten die Aktiengesellschaften im ge- nannten Jahre 1220,93 Millionen Mark oder 8,39 v. H. Ter Ar- beiterschaft ist nichts geblieben. Das dürfte Dr. Helfferich in seinem Buche übersehen haben. Jugend-Kriegsspiele mit aktiven Truppen. Daß sich Offiziere der antisozialdemokratischen Jugendpropa- ganda durch Beteiligung an Kriegsspielen usw. hingeben, kommt längst nicht mehr vereinzelt vor. Das genügt, wie es scheint, aber noch!iicht_ Für Sonnrag, den 28. September, haben z. B. die Jugend-, Schützen- und Kriegervereine dreier Aemter in Westfalen sBüren) ein umfaffendes„KriegSipiel* vorgemerkt. Das Programm liegt vor. Nach dem Gottesdienst(stille heilige Messe) wird aus- gerückt und am Schluß gibt es Besprechung und Parademarsch. Dann heißr es: „Das Regiment 158 stellt eine Kompagnie, die auf beide Parteien verteilt und vom 27. auf den 28. 9. in Atteln und Fürsten- berg einquartiert wird/ Die Soldaten werden über diesen SonntagS-Extradienst im Interesse der antisozialdemolratischen Jugendbewegung sicher recht erfreut sein. Sieg äes l�laifeiergeäankens in R,ulZlanä. Nachdem sich einflußreiche Gruppen der Unternehmer gegen die Einmischung der Polizei und die Unterdrückungs- maßnahmen der Regierung gegen die Maifeier in Anbetracht ihrer aufreizenden Wirkung ausgesprochen haben, hat die Regierung nun auch ihren Staudpunkt in dieser Frage gewechselt. Laut Beschluß des Ministerrates soll nun der entsprechende Beschluß von 1908 verwirklicht werden, wonach es den Fabrikanten gestattet wird, die F e i e r d e s 1. M a i in die Fabrikordnung aufzunehmen. Es jst höchst bezeichnend, daß die Frage, ob der Unter- nehmer den 1. Mai freigeben darf, im Ministerrate ent- schieden wird. Selbst wo eine entsprechende Vereinbarung zwischen dem Unternehmer und den Arbeitern geschlossen ist, hält sich der russische Polizeistaat für berechtigt, in diese Ver- einbarungen bestimmend einzugreifen. Ebenso charaktristisch ist es, daß der Ministerrat senen Beschluß von 1908 erst jetzt zur Verwirklichung bringt. 5 Jahre lang bot die Regierung Polizei und Militär gegen die Arbeiter auf, die am 1. Mai ihre Solidarität mit der Arbeiterklasse der ganzen Welt be- kündeten. Erst der wuchtige Ansturm der russischen Arbeiter- klaffe in diesem und im vorigen Jahre belehrte die Regierung, daß die russischen Arbeiter sich das Recht auf die Maifeier durch keine Gewalt der Welt entreißen lassen. Allerdings sucht die Regierung ihren Rückzug dadurch zu maskieren, daß sie die Abhaltung der Maifeier nur dort ge- stattet, wo„mit diesem Tage ein Brauch oder ein kirchlicher Feiertag verknüpft ist". Tiefe Einschränkung kann die Tat- fache nicht aus der Welt schaffen, daß die grundsätzliche An- erkennung der Arbeitseinstellung am 1. Mai einen gewaltigen Sieg der russischen Arbeiterklasse bedeutet. Diese Errungenschaft wird sie noch mehr anfeuern, in ihrem Kampfe gegen politische und soziale Bedrückung fortzufahren. Die BaUtanfragcn. Scrbisch-albamsche Kämpfe. . �lcn' 23. September. Tie„Südslawische Korrespondenz" meldet t-' Albanesische Streitkräfte in Kolonnen von 300 400 Mann sind seit Freitag nacht längs der ganzen Grenze � �> e m i t serbischen Grenztruppen verwickelt. Bei Divra und Djakowa wnren die Angriffe besonder» heftig. Die Grenzkommandos verlangten dringend Verstärkungen, die auch be- reiis abgegangen find. Die Blätter bringen sensationell gefärbte Berichte über die Grenzkämpfe._ franhmcb. Gegen die dreijährige Dienstzeit. Paris, 23. September. In Firmin(Dep. Haute Loire) fanden aus Anlaß der Gestellungen der Zwanzigjährigen Straßen kundgebungen gegen die dreijährige Dienstzeit statt. Schutzleute und Gendarmen entrissen den Ruhestörern mehrere Tafeln mit der Auffchrift„Nieder mit den drei Zähren", worauf die Manifestanten kleine Luft- ballons. die dieselbe Aufschrift trugen, aufsteigen ließen. Als die Offiziere der Gestellungskommission das Bürgermeister- amt verließen, wurden in der Menge feindliche Rufe laut. England. Die Frauenrechtlerin«?«. London, 23. September. Wie ein Telegramm aus Liverpool meldet, steckten Anhängerin neu des Frauen st immrechtS gestern nacht ein großes Haus in Seaforth bei Liverpool in Brand, das von den Ortsbehörden für Geisleskranke neu erbaut war. Das Feuer konnte erst nach mehreren Stunden gelöscht werden. Der Schaden wird auf 80000 Pfund Sterling geschätzt. Am Tatort wurden Schriften von Anhängerinnen de« Fraucnstimmrechts gefunden. Amerika. Tie Wirreu in Mexiko. New York, 23. September. Wie aus Laredo(Texas) ge- meldet wird, hoben die mexikanischen Ans ständischen einen Zug der Aationalbahn südlich von S a l k i I l o in die Luft gesprengt. Vierzig Mann Bundes. truppen und zehn Reifende der zweiten Klasse wurden getötet. Hus der Partei. Ein Bebelbuch. Scchl wird das Andenken an unseren August Bebel in den Herzen des Proletariats lebendig bleiben, da fem Werk lebendig ist und täglich neue« Leben hervorruft, nichtsdestoweniger wird der Wunsch. daS Erdenwallen und Schaffen unseres großen Vorkämpfers näher kennen zu lernen, gerade jetzt, da der Schmerz über seinen Verlust noch ftisch ist, in weiten Arbeiterkreisen vorhanden sein. Zwar hat August Bebel in seinem Memoirenwerl„Aus meinem Leben" uns den besten Aufschluß über seine Persönlichkeit und sein Wirken für die Partei gegeben. Aber er konnte dieses Werk nicht vollenden, außerdem ist es auch nicht allen Arbeitern zugänglich. Es ist daher nur zu begrüßen, daß die Buchhandlung Vor- wärts schon wenige Wochen nach dem Hinscheiden Bebels mit einem Büchlein herauskommt, das dem Gedächtnis und der Würdi- gung de? unvergeßlichen Vorkämpfers gewidmet ist. Genosse Hermann Wendel zeichnet in de: Schrift knapp und doch an- schaulich ein Lebensbild August Bebels und stellt ihn plastisch als Mensch. Parteiführer und Politiker vor unser geistiges Auge. Die Schrift hat tatsächlich den großen Vorzug, daß sie nicht allein mit dem Kopf, sondern wie der Verfasser sagt, mit dem Herzen geschrieben ist: sie wird sicherlich auch zu Herzen sprechen. Die 103 Seiten starke Schrift ist würdig ausgestattet und ent- hält ein farbiges Bild des greisen Bebel noch dem Porträt von Tronnier. Der Preis der Vereinsausgabe beträgt 50 Pf. Wir wünschen dem Büchlein die weiteste Verbreitung. Ueber eine Bebel-GedächtniSfeier in Kanada wird uns geschrieben: Montreal, 7. September 1913. Ueborall auf dem Erdball, soweit eS eine Kulturmenschheit gibt, hat unser geliebter und un- vergeßlicher August Bebel eine Trauergemeinde hinterlassen. In Montreal waren es wohl über 350 Personen, die sich in der St.-Josephs-Hall zu einer Gedächtnisfeier versammelt batten, darunter mehr als die Hälfte Frauen des hier stark ansässigen jüdischen Proletariats. Es war im wahrsten Sinne eine inter- nationale Trauer. In zehn verschiedenen Sprachen wurden Ge- dächlnisreden gehalten, darunter in deutscher und französischer Sprache. Alle klangen aus in den von den Versammelten auf- genommenen Schwur, die dem großen Kämpfer entfallene rote Slurmfahne weiter zu tragen bis zum endlichen Siege. Aus den Organisationen. Eine außerordentliche Generalversammlung des Sozial« demokratischen Vereins für den Wahlkreis Bielefeld- Wiedenbrück, die am Sonntag, den 21. September, in Biels- selb stattfand, nahm nach Aenderung des Vereinsstatuts den Bericht der Delegierten zum Parteitag in Jena entgegen. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. G e g e n die vom Festausschuß für die Hundertjahrfeier für Bielefeld zur Erzielung einer starken Beteiligung der Arbeiter propagierte frühere Schließung der Betriebe am 18. Ok- tober beschloß die Generalversammlung, eine Gegendemon- st r a t i o n zu machen. Mit der Gestaltung wurde der Vorstand be- austragt. Der Kamps um die Prcßfteihcit in Rußland. Seitdem in den letzten Jahren eine gewisse politische Bewegung in Rußland eingetrecen ist. nimmt die Knebelung der Presse mit jedem Jahre zu. Namentlich in diesem Jahr, wo die Arbeiterpresse sich eine feste Stellung erobert hat, haben die Maßregelungen der Presse eine unerhörte Stärke angenommen. Allein in den ersten 8 Monaten dieses Jahres sind der Presse 223 Strafen in Höhe von 89 400 Rubel auferlegt worden. Gegenüber dem Vorjahre be- deutet das eine Steigerung von 48 125 Rubel. Es versteht sich von selbst, daß die Verfolgungen sich größtenteils gegen die Arbeiter- presse richteten. So wurden dem sozialdemokratischen. L u t s ch" 12 Strafen in Höhe von 0000 Rubel auferlegt, der„Prawda" 10 Strafen in Höhe von 5000 Rubel, der Zeitung„ S b i w a j a S h i s a" 4 Strafen im Betrage von 2000 Rubel, der„Neuen Arbeiterzeitung" ö Strafen im Betrage von 2300 Rubel, der„Rabotschaja Prawda" 2 Strafen im Betrag« von 1000 Rubel, der„Sewernaja Prawda" 2 Strafen in Höhe von 1000 Rubel usw. Aus Geldstrafen allein beschränken sich aber die Verfolgungen der Presse nicht. Namentlich die Arbeiterpresse bat noch durch die fortwährenden Konstskalionen zu leiden. So wurden von 19 Nummern der jetzt eingestellten Zeitung. S h i w a j a s h i s a" 11 konfisziert, von 17 Nummern der„Rab. Prawda" 13, von 29 Nummern der. S e w. Prawda" 20, von 23 Nummern der„Neuen Arbeiterzeitung" 5 usw. Besonders heftig sind die Verfolgungen gegen die neugegründete Moskauer Arbeiter- zeitung„Sias st Putj"(Unser Weg). Von acht Nummern ist bisher nur eine nicht konfisziert worden. Die Wut der zarischen Preßkosaken gebt so weit, daß sie in jeder Nacht die Druckerei um- zingeln, um sich im Augenblick der Fcriigstellung der Zeitung in die Druckerei zu stürzen, die fertigen Exemplare zu konfiszieren und die Druckplatten zu vernichten.— Da die Arbeiterblätler die Geldstrafen natürlich nicht aufbringen können, sitzen zurzeit eine ganze Anzahl von Redakteuren im Gefängnis. Jugendbewegung. BilduugSarbeit au der Jugend. Eine Wanderbibliothek beabfichligt der Vorstand des Deutschen Bauarbeiterverbandes für feine Jugend- abteilung einzurichten. Der Vorstand unterbreitet den Jugend- Pflegschaften einen Plan mir dem Ersuchen. dazu Stellung zu nehmen. Die Bibliothek soll vornehmlich Bücher all- gemeinen und fachwisseiischaftlichen Inhalts, in volkstüm- licher Sprache geschrieben. daneben leichtverständliche Ab- Handlungen aus der Slaatsbürgerkunde und ausgewählte Jugend- liieralur enlhallen. Die Benutzung ist unentgeltlich; die Fest- ietzung einer niedrig gehaltenen Sicherheitsleistung bleibt den Pflegschaften überlassen. Grundsatz soll sein: Für jeden Jugend- lichen ein Buch. Von jedem Buch sollen je nach der Art des In- halt» etwa 20—30 Exemplare beschafft werden, so daß die Möglich- keil gewährleistet erscheint, den Abteilungen voraussichtlich für zwei Jahre stets neuen Lesestoff zu geben. Zur Einrichtung der Biblioihek sind 3000 M. in Ansatz gebracht; 2500 M. entfallen davon auf den Ankauf von Büchern. Soziales* Sind Heimarbeiter gewerbesteuerpflichtig? Der Versuch, Heimarbeiter zu Unternehmern zu stempeln und sie dadurch aller Schutzvorschriften zu berauben sowie ihnen auch noch Steuern aufzulegen, gelangte vor der Strafkammer in Darm- stadt gestern zur Erörterung. Uns geht über diese wichtige Frage der nachstehende Bericht aus Darmstadt zu: ®er 23jährige Portefeuiller Jean Puth in Offenbach arbeitere rür einen dortigen Fabrikanten in eigener Wohnung als Heim- arbeiter. Er erhielt nämlich die„Arbeit" in zugeschnittenem Zu- stände vom Fabrikanten zugestellt und hatte diese genau nach den vorgelegten Mustern zu verarbeiten; eigene Ideen dursten dabei nicht Verwendung finden. Nach dem Gesetz sind Heimarbeiter ver- sicherungspflichtig. Dieserhalb ist in Offenoach zwischen der Organisation der Arbeiter und den Unternehmern in der Leder- industrie schon längere Zeit ein Tarifvertrag abgeschlossen, der unter anderem auch bestimmt, daß der Arbeitgeber für den Heim- arbeiter die gesetzliche Beitragsleistung zur Kranken- und In- validenversicherung zu erfüllen habe. Es hatte sich aber dann auch eine Anzahl Heimarbeiter als freiwillige Mitglieder der Kranken- lasse angemeldet, um— wie sie sagten— bei einem Wechsel des Fabrikanten nicht so viel Scherereien zu haben. Das war auch bei Puth der Fall. Die Steuerbehörde leitete indessen daraus die Auffassung ab, Puth sei kein Heimarbeiter, sondern ein selb- ständiger Hausgewerbetreibender. Weiter wurde ein Hausgewerbe- betrieb daraus noch gefolgerk, daß der Heimarbeiter in seiner Arbeitszeit unbeschränkt und an keine Arbeitsordnung gebundci sei. Aus diesen Gründen sei er gewerbesteuerpflichtig. Weil Pui nun kein Gewerbepatent gelöst hatte, wurde er auf Grund des Qic- Werbesteuergesetzes und der dazu erlassenen Verordnung von 15/ in eine Geldstrafe von 6 M. genommen. Einer Beschwerde dc Puth gab das Osfenbacher Schöffengericht statt und erkannte au; Freisprechung. Dagegen verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufnm an die Darmstädter Strafkammer, die jetzt über die Sache verhandelte. Der Sachverständige Finanzassessor Nikolai vertrat die Au; fassunM.daß ein Hausgewerbetreibender dann als solcher zu b: trachten sei, wenn er persönliche Selbständigkeit besitze. Auf d wirtschaftliche Selbständigkeit oder Unselbständigkeit komme r dabei nicht an. Da die Offenbacher Heimarbeiter an keine b: stimmte?lrbeitszeit gebunden sind, hätten sie auch nicht als Hein arbeiter zu gelten, sondern seien in Wirklichkeit HauSgewerbc treibende, die auch zur Lösung eines Gewerbepatents verpflichtci seien. Der Sachverständige Handelskammersekretär Dr. Cratz wo' gegenteiliger Ansicht. Für ihn hat der Puth zweifelsohne al Heimarbeiter zu gelten. Ein genereller Begriff für Heimarbeit'.' sei überdies nicht aufzustellen; die mannigfaltigen wirtschaftliche" Verhältnisse ließen sich nicht in einen juristischen oder volkswiri lichen Begriff pressen. Der§ 14 der Gewerbeordnung enthall auch nicht einen fcstumschriebenen Begriff des Heimarbeiters. Wenn ein Heimarbeiter, der zur Einhaltung einer bestinuntcu Arbeitszeit nicht verpflichtet ist, tatsächlich kein Heimarbeiter mei; sein solle, dann gäbe es eben in ganz Deutschland keine Heim- arbeiter mehr. Bekommt ein Heimarbeiter sämtliche Zutaten und stellt die Arbeit mit Hilfe seiner Familie, aber ohne fremde Hilfe kräfte her, so sei er dennoch als Heimarbeiter zu betrachten. Ho: der Heimarbeiter Zutaten zuzukaufen, so falle er unter den Begrij; Hausgewerbetreibender. Das gleiche gelte, wenn er seine übe 25 Jahre alten Söhne mitbeschäftigt entlohne. Diesen Aus sührungen schloß sich der dritte Sachverständige, der Gauleiter de? LederarbeitervcrbandcS, Höfs, an. Puth sei das typische Beifpioi eines Heimarbeiters. Er erhalte nur Arbeitslohn und keinen Unternehmergewinn, sei daher zur Lösung eines Gewerdepatenis nicht verpflichtet. Während der Staatsanwalt diese Verpflichtung aufrechterhielt, erkannte das Berufungsgericht in s.inem Urteil auf Freisprechung des Puth. Es könne nie gesagt werden, der Angeklagte sei er. selbständiger Gewerbetreibender. Der Hinweis auf die freüvilligc Versicherung der Heimarbeiter bei der Ortskrankenkasse sei hinfällig; die Heimarbeiter wechselten oft ihren Arbeitgeber und da sei es praktisch gehandelt und liege im Interesse von Versicherte!. und Ortskrankenkasse, wenn die Heimarbeiter die Versicherung*- frage selbst in die Hand nehmen. Nichts habe sich aus der Ver Handlung ergeben, was für eine Selbständigkeit des Heimarbeiter? spreche. Er beziehe keinen Unternehmergewinn. Auch wenn er Kleinigkeiten an der Arbeit wieder anderweitig vergebe, liege keine Selbständigkeit vor, da er seinen feftumschriebenen Akkord- preis erhalte. Die Arbeitszeit sei nicht maßgebend, da der Heim- arbeiter sein Pensum zu leisten habe und demnach in der Arbeits- zeit freie Hand haben müsse. Der Heimarbeiter ist also nicht ver pflichtet zur Lösung eines Gewerbepatents, sonach auch nicht gc- werbesteuerpflichtig. Richtig wäre es, durch Reichsgesetz alle Hausgewerbetreibenden, die nicht ausschließlich oder überwiegend aus Vorrats arbeiten, aus drücklich als Arbeiter zu bezeichnen, um die Versuche endgültig zu beseitigen, Arbeiter zu Unternehmern zu stempeln. Wie auf einer königlichen Domäne ein Landarbeiter beerdigt wurde. Die Junker jammern fortgesetzt über die Leutenot, aber wie sie die Arbeiter behandeln, spottet jeder Beschreibung. Da war in der vorigen Woche der Vater eines Deputatarbeiters auf dem zur königlichen Domäne Nettienen gehörigen Vorwerk Justinenhof in Ostpreußen gestorben. Man ließ das Grab machen und bestellte den Geistlichen. Der Kirchhof liegt zwei Kilometer von Justinen hgf entfernt und die Leiche mußte mit Fuhrwerk dorthin geschafft werden. Der Sohn des alten Landarbeiters hatte auch sichjer darauf gerechnet, daß ihm sein Herr ein Führwerk stellen würde, damit er seinen Vater in würdiger Weise unter die Erde bringen konnte. Doch in diesem Vertrauen auf die Güte des Herrn wurde er schwer getäuscht. Ter Tomänenpächter— natürlich eine echt christliche und staatserhaltende Säule— verweigerte ihm aber das Fuhrwerk, und der Sohn mußte überall herumlaufen, um einen Wagen aufzutreiben. Doch die Leute waren überall auf den Feldern und so gelang es ihm erst gegen Abend, ein Fuhrwerk zu bekommen. Von irgendeiner Feier bei der Beerdigung konnte nun nicht mehr die Rede sein. Einige hilfsbereite Arbeiter nahmen sich des Arbeiters an und halfen ihm seinen Vater beerdigen. Gegen X8 Uhr abends ging die Bestattung— beim Schein einer Laterne— vor sich. So geschehen im Jahre 1913 in einem christ- lichen Staate und auf einer königlich preußischen Domäne. Wenn nun solch ein Arbeiter erbittert über solche Zustände dem Junker- Paradies den Rücken kehrt, faseln die agrarischen Blätter davon. daß es die— Vergnügungssucht sei, die den Arbeiter in die Großstadt treibe. Hetzte NacbHcbten. Die Wiener„Arbeiterzeitung" beschlagnahmt. Wien, 23. September.(H. B.) Die„Arbeiterzeitung" fft heute wegen eines Artikels über den Rücktritt des Generlastabs- chefS Conrad von Hötzendorff konfisziert worden. Ein erbitterter Kampf zwischen Albanesen und Serbe«. Belgrad, 23. September.(Meldung des serbischen Presse- bureaus.) Gestern früh gegen 10 Uhr fand ein Zusam- menstoß zwischen Albanesen und serbischen Truppen in unmittelbarer Umgebung von D i b r a statt, der Kampf war erbittert und dauerte bis mittag, wo sich die zwei Konipagiiim starken serbischen Streitkräfte auf Kitschewo zurückzogen. Die Albanesen zogen in Dibra ein. sie sind 6000 Mann stark. Unter den Offizieren befinden sich Fremde, deren Nationalität noch unbekannt ist. Serbischerseits sind unverzüglich Verstärkungen nach Dibra gesandt worden. Tunneleinsturz in Frankreich. Ronen, 23. September.(W. T. B.) Nach der Durchfahrt eines Zuges nach Paris stürzte der Tunnel beim Bahnhof an der Rue Verte, von dem ein Teil gerade wegen Vergrößerung des Bahn- Hofes abgebrochen wird, in einer Länge von zwanzig Metern ein. Personen sind nicht zu Schaden gekommen; der Ver- kehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Ueberschwemmung in Jndo-China. Marseille, 23. September.(P. C.) Soeben hier angekommene Nachrichten aus T o n k i n g melden, daß das ganze Land unter furchtbaren Ucbcrschwemmungen zu leiden habe. In sieben Provinzen ist die Ernte vernichtet. Zahlreiche Mcn- schcn sind ertrunken. Man befürchtet, daß sich schwere Katastrophen ereignet haben. Die abergläubische Bevölkerung führt das Unheil auf das Wirken des berüchtigten tonkinesischen Piratenführers Tutuk zurück. Man befürchtet Revolten. An die Arbeiter und Angestellten Berlins! Werkftattvertrauenspersotten! Km Sonntag, den 28. September ISIS, in der Zeit von 10 Uhr vormittags biJ 0 Uhr nachmittags findet die Wahl der 60 Ausschußmitglieder und 120 Stellvertreter zur Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin statt. Die Liste der Freien Gewerkschaften und Zlngestellten Berlins trägt die Ordnuugsnnmmer I. ES ist nun Pflicht aller Vertrauenspersonen, von Werkstätten, Bureaus, Bauplätzen und Arbeitsstuben, mittels der entnommenen Feststellungsscheine die Wahlkarten von ihren Kranken� lassen abzuholen und den in den Betrieben Beschäftigten auszuhändigen. Mitglieder der sich auflösenden Kassen bekommen diese Wahlkarten bis zum 27. Sep- tember in den Krankenkassen, denen sie bisher angehörten. Neuversichernngspflichtige» auf Grund der Erhöhung der Gehaltsgrenze von 2000 auf 2500 M.(Privatbeamte usw.) melden sich bei der Kasse, welche für den betreffende» Betrieb zuständig ist, in welchem sie beschäftigt sind. Die übrigen Neuversicherungspflichtigen, die im Wandergewerbe Beschäftigten, Dienstbote« und die Mitglieder der freien Hilfskasse« erhalten die Wahlkarten von der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Berlin, Köpenicker Str. 80—82. Da vier Listen aufgestellt sind, ist eine rege Beteiligung an der Einzeichnung und Wahl erforderlich. Der Ausschuß der Gewerkschafisklimmlssion Derlins und Umgegend. 30015* I. A.: A. Körsten. Verband der jnaler, Saokierer, Anstreicher usw. Bureau: Melchiorstraße 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Msls SerUn. Arbeitsnachweis: Rückerstraße S. Fernsprecher: Amt Norden 6708. Vonnerstag» den 25. September 1913, abends 8'/- Uhr: Mitglieder" Versammlung: In Kellers f�eue Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung in Halle.(Fortsetzung der Diskussion.) 2. Bericht über den Bauarbeiterschutzkongreh. 3. Diskussion. 4. Verbandsangelegenheiten. ===== Nur Mitgliedsbuch legitimiert.== Die Versammlung wird Pünktlich eröffnet.— Zahlreichen Besuch erwartet 185/11*______ Die Ortsverwaltnns. Die Zahlstelle für den Osten befindet sich jetzt Große Frankfurter Straße 16 bei Merkmann. Orts- Krankenkasse für Steglitz und Dahlem Pitz Berlin-Tteglitz. Bekanntmachung. r Kemnltnngsstelle Kerlin. C 54, Fmienstr. 83—85. Verwaltung: Teleph.: Amt Norden 1387. Kassierer: Amt Norden ISS. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1233. 3711. Donnerstag, den 25. September, abends 8>/z Uhr: Klempner- Versammlung in den Mnfiker»Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 31, großer Saal. Tagesordnung: 1. Bericht vom vauarbeiterschutzkongrctz Leipzig. Berichterstatter Kollege 8. Hoffmann. 2. Diskussion. 3. Bericht der Lchlichtungslommijsion. 4. Verschiedenes. DM- mtclledsbach legitimiert. Die Kollegen von Bischof, Dewitz u. Herz, Gehrecke, Kiesewetter, Kufferow u. Becker, Schering(Müllerstrasie und Charlottenburg), Kunstgewerbliches Treibwerk und Windhoff, sowie die Kollegen aus den Bronzewerkstätten find hierzu ganz besonders eingeladen. Ferner werden in dieser Versammlung die Billetts zum Herbstvergnügen ausgegeben._ Donnerstag, den 25. September, abends S'/j Uhr: Branchen- Versammlung der Drahtarbeiter im Lokale von Brinkmann(früher Merkowski), Andreasstr. 26. Tagesordnung: 1. yahreSbericht der AgitationSlommission. 2. Neuwahl deS Branchen- Vertreters und der Agitationskommission. 3. Verbandsangelegenheiten und VerchiedeneS._ Tonnerstag, den 25. September, abends S1/-, Uhr: Branchen- Versammlung derFahrltublmoDteure und Helfer und der In dielen Betrieben behbäftlgten Kollegen in den Borussia-Sälen, Ackerstraße 6/7. Tagesordnung: 1. Bericht der AgitationSlommission. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Branchenvertreter. 4. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch obiger Bersammlungen wird erwartet! Ferner machen wir alle Mitglieder daraus aufmerksam, daß von der 41. Woche ab, also mit dem 4. Oktober beginnend, der Wochcnbeitrag SO Pf. beträgt. Dafür tritt vom gleichen Tage an eine Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung um 2 M. und der Streit« und Gemagregelten» Unterstützung um 1 M. pro Woche ein. 126/14 Die Ortsverwaltans. Ich habe mein Bureau von Neue Königstr. 35 nach Berlin C. 2, Eloslerstr. 65-67, am Untergrnndbahnhof KlosterstraCe, gegenüber dem Stadthaus verlegt..Mein Telephonanschluß bleibt Königstadt 11516. Dr. Siegfried Weinberg, 2373b*_ Rechtaanwalt.__ Lerantw. RedakN?Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. Wegen Umzuges bleibt die Kasse am 23. September geschlossen. Vom 26. September an befinden sich die Kassenräume Steglitz, Körnerstr. 55, Kassenitmiden werltäglich von 3 bis 1 Uhr. Berlin-Stegtitz. 22. September 1313. 276/15 Der VorNtand. Emil Barth«), Vorsitzender. Haben Sit biott9 /efi fertige davon Anzug od. Paletot noch Mass, schick, demerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Laban Neue Promenade 8, U.(Siadtb. Bon., xten 1 DEUTSCHE BANK BERLIN W., Behrenstraße 9—13 Zentralleitung der Depositenkassen: W., MaUCfStf. 28 Aktienkapital......... 200 000 000 Mark Reserven.......... 112 500 000 Mark Im letzten Jahrzehnt(1903-1912) verteilte Dividenden: 1 1, 12, 12, 12, 12, 12, 12'/z, 12'/,, 12Vs, 121/j%. Zweigniederlassungen: Bremen, Brüssel, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg, Konstantinopel, Leipzig, London, München, Nürnberg. Depositeukassen: Augsburg, Chemnitz,"Wiesbaden. Depositenkassen in Berlin: W.: Mauerstraße 26— 27....... Potsdamer Straße 134a...... Königgrätzer Straße 6...... Potsdamer Straße 36(a. d. Bülowstr.) MTV.: Alt-Moabit 129(Ecke Werftstraße). Turmstraße 51......... SW.: Krausenstraße 38(39....... Belle-Älliance- Platz 2...... Bitterstraße 48......... Belle-Älliance-Straße 21..... Friedriohstraße 209(Ecke Koehstr.) Kasse A* ; 8» . P K EG* S.: Oranienstraße 140—142 H* O EF HJ* PQ D* X.: Cbausseestraße 17........ Kasse L Schönhauser Allee 8......, V* Beinjckendorfer Straße 3...... K Brunnenstraße 24........, Z Badstraße 40/41.........„ JK* XO.: Landsberger Straße 89......„ N* Greifswaider Straße 2......„ MX* O.: An der Jannowitzbrücke 4....„ F Frankfurter Allee 89.......„ DE* SO.: Dresdener Straße 3 tKottbuser Tor)„ T Köpenicker Straße 30......„ QR* C.: Königstraßa 41—42....... n G Am Spittelmarkt 8— 10......, E Hackescher Markt 2—3....,„ B Depositenkassen in den Vororten: Charlottenbnrg: Berljper Straße 66. Kasse J* Kurfürsten straße 115.......„ M* Savignyplatz 6.. Kantstraße 162 Kurfürs tendamm 188— 189..... Tauentzienstraße 21—24...... Bismarckstraße 84........ Bcrlln-Fricdenan: Bheinstraße 58......... Bcrlln-Halcnsee: Joaohim-Friedrich-Straße 16... Bcrlln-Uchtcnberg: Frankfurter Chaussee 152a.... X'cnkölln: Berliner Straße 102....... J' B* KL- NO* OP* Potsdam: Am Alten Markt 17....... Beplln-Schöneberg: Kaiser-Wilhelm-Platz 2.... 7. Kasse U* Tü* BS* Martin-Luther-Straße 3.... Bayerischer Platz 1..... Spandau: Markt 4.......... Berlin-Steglitz; Schloßstraßs 88......... Beplln-WcIBenzee: Berliner Allee 246....... Berlin-Wilmersdorf; Uhlandstraße 57........ Schepers traße 1........ Uhlandstraße 89—90....... Kaiserplatz 11—12....... AB* ST* SP* GH* LM* W* BC* UV* TW* Die mit einem* bezeichneten Kassen besitzen Stalilkarnnrerelnrichtang. Die Depositenkassen eröffnen GeschSftstreibenden, Industriellen und Privaten laufende Konten für den Depositen- nnd Scheck-Verkehr und besorgen den An- und Verkauf von Wertpapieren, fremden Geldsorten, Schecks und Wechseln auf das Ausland, die Ausschreibung von Kreditbriefen, die Ausgabe von Welt-Zirkular-Kreditbriefen, zahlbar an all. Hauptplätzen der Welt, etwa 2000 Stellen, die Diskontierung sowie Einziehung von Wechseln, die Aufbewahruhg und Verwaltung von Wertpapieren, die Versicherung von Wertpapieren gegen Kursverlust im Falle der Auslosung, die Einziehung der abzutrennenden Coupons. iS Beschaffung und Unterbringung von Hypothekengeldern. NaohlaB- und Vermögen»- Verwaltung, Uebernahme von Tostamontsvollstreokungon. Sonderabteilung für Buchforderungen. Stahlkammern. Die Stahlkammerfächer der Depositenkassen stehen unter eigenem Verschluß der Mieter und eignen sich zur Äufbewaliriiiig yod Wertpapieren, Hypotheken-Dokiiinenteii, ürkundeD, Wertgegeastänien aad Sctunacksachea. Die Vermietung dieser Schrankfächer erfolgt je nach Wunsch auf beliebige Zeit. Bedingungen für den Depositenverkehr und die Benutzung der Stahlkammern werden an den Schaltern der Kassen ausgehändigt. Die Deutsche Bank ist mit ihren sämtlichen Zweigniederlassungen und Depositenkassen amtliche Annahmestelle von Zahlungen für Inhaber von Scheck-Konten bei dem Kaiserl. KSnigl. Oesterreichischen Postsparkassen-Amte In Wien. Dachdecker und Berufsgenoifen. Donnerstag, he» SS. September ISIS. abendS 8 Uhr: Geffentliche Versammlung bei rrlta Wilke, Tebastianstratze 39. Tagesordnung: Die gegenwärtigen Zustände im Tachdeckergewerbe und wie ist eine Befferung möglich? Referent: Kollege Hermann Höppner. 51/3 Me Kollegen und Berussgenossen werden ersucht, in dieser Bersamm- lung zu erschemen. Ter Einberufer: _ Karl COrnltg, Sophiensirasie 6. tscili Ortsgruppe Groß-Berlin. Bnrean; Kaiser-Wilhelm-Slraße 20.—(Seöffnet von 9— 5 Uhr. Heute Mittwoch, den 84. September, abendS 8'/, Uhr. im Rosenthaler Hof, Rosentiialrr Str. 11/12: stllgem. Mglieder-veriammlling. Tagesordnung: Fortsetzung der Diskussion über die Verschmelzung mit dem Zentralverbaud der Handlungsgehilfen. JedeS Mitglied ist verpslichlei, in dieser wichtigen Versammlung zu er- scheinen.. Berbandsbuch legitimiert."Mg Die Lrrsverwaltnng. So! akuten und ehromsohen OurchlSllen der Kinder und Erwachsenen hat sich„Kufeke", in Wasser oder mit Bouillon fekocht, als leichtverdauliche, die Ernährung regelnde Kost seit ahrzehnten glänzend bewährt. Es führt dem Körper die nötigen Nährstoffe zu, ohne Magen und Darm von neuem zu reizen. ist der schönste Ausflugsort? . Immer noch Vichelswerder, VeeWrZT beim Alten Freund. Vervraltaae Berlin Donnerstag, den 25. September, abend»«'/, Uhr. bei Beeker, Weberstr. 17: Komiiinierte Uersammiung der Kontrollkommission mit der Ortsverwaltung. Svan eben»Versammlung der Stellmacher Donnerstag, den 25. September, abends«'/, Übe, im Beaea- thaler Hot, Rosenthaler Strafte 11/12. 1. Vortrag deS Kollegm� über:»Neue Streitfrage» i» der Arbeilerbewegung." 2. Beruchl von der Generalversammlung. Große Versammlung der Drechsler aller Branchen Montag, den 2». September, abends 8-/. Ubr. im K«alxsta«ltkaala<>. Holzmarktstrafte 72. Tage Sordnung: t Die Ratlage unter de» Drechslern Berlins. nähme hierzu. 3. B-rschi-den-S. Bie ortBrer�ltung. 2. Stellung- Heernratze �»-**** lanngm � r.»..------------—- Uh. Glocke. Lerl'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Äuchdr. u VertagsanjtaN Aaul Singer t Co., Berlin LW. Hierzu 3 Äeiiagcn U. Nnlerhaltungodk IMe reellsten nnd billigsten Möbel nnd PoUtcrwaren erhält man zu Kassapreisen in der Mit 35 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. Sclmlz, Reichenbcrger Straße 5. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehnjähriger Garantie.(5 Proz. Kassaskonto.V Ev. auf Ratenzahlung tiCrt ix.o-ran � R-giaafn it. NnterbaltunaAdk Sir. 249 30. 1. KtÜllgt iltS DMllltS" KttlllM UllliiglllM. Mm». 24. SrMW IM. Sie Farteiprefie über den Parteitag. „Bremer Bürgerzeitung". .... War Chemnitz ein Parteitag der Unzufriedenheit, der Unklarheit, so war das diesjährige Jena ein Parteitag der Klärung. Der zaghafte Geist der Dämpfung, der aus Miß- trauen gegen die eigene Kraft glaubte, sich auf bürgerliche Hilfe stützen zu können, war hier gewichen. Die Frage, um die gestritten wurde, war die, in welcher Weise das Proletariat sich aus eigener Kraft am besten und sichersten vorwärts- und auswärtskämpfen kann..... Jetzt zeigte sichs, daß in der Partei die Auffassung schon tief eingedrungen ist, daß der Massenstreik als ein notwendiger Bestandteil zum revolutionären Kamps des Proletariats gehört und' die natürliche Konsequenz einer angreifen- den Kampftaktik bildet, die sich bewußt ist, daß ihre Kraft in den Massen liegt. Daß diese Auffassung sich so stark ausgebildet hat, ist einerseits eine Wirkung der Erfahrung der verflossenen sieben Jahre mit ihrer ungeheuren Verschärfung der Klassengegensätze, anderseits eine Wirkung der geistigen EntWickelung der Partei, der wachsenden theoretischen Einsicht, die durch unermüdliche Aufklärungsarbeit in Presse und Versammlungen in den Massen gereift ist..... Daß der Parteivorstand die Frage aus die Tagesordnung setzte und eine Resolution ausarbeitete, die den Massenstreik als Angriffs- Waffe im Kampf für das preußische Wahlrecht bezeichnet, entsprang nicht dem eigenen Triebe, sondern dem Druck von unten. Daß dann durch die Debatten der Vertreter des Parteivorstandcs, Genosse �scheidemann, gezwungen war, wesentlich kräftigere Töne anzu- schlagen als in seinem Referat, und unsere Kampsentschlossenheit zur Erringung des Preußenwahlrechts scharf zu betonen, hat sicher viele Genossen für die Vorstandsresolution gewonnen, die vom Armsen in der Frage der Massenaktion nichts wissen wollen. Und in ähnlicher Weise hob der Vorsitzende, Genosse Ebert, in seinem Schlußwort am Ende des Parteitags in erfreulicher und deutlicher Weise hervor, daß die Parteiinstanzcn nicht daran denken, dem Kampf für die Eroberung des allgemeinen Wahlrechts auszu- weichen. Wir wollen die Bedeutung solcher Erklärungen nicht über- schätzen, denn eine Bureaukratie kann ihren eigenen inneren Charakter auch durch noch so aufrichtig gemeinte Erklärungen nicht los werden. Die Tatsache bleibt unzweifelhaft, daß das große <«nmnis für die Massenaktionen in der Macht liegt, die die Partei- und Gewerkschaftsbureaukratie innerhalb der Arbeiterbewegung ausübt. Die Frage, in welchem Maße sie die EntWickelung der Massenaktionen wird hemmen können, ist die wichtigste Kernfrage, um die sich die tiefsten Gegensätze innerhalb der Arbeiterbewegung bewegen; hier liegt das wichtigste Problem aller künftigen Er- örterungen..... Anders steht es mit demjenigen Punkt der Tagesordnung des Parteitages, der nach der Massenstreikfrage der bedeutungsvollste Dar. In der St euer- und Deckungsfrage kann von einer Klärung nur sehr bedingt gesprochen werden. Südekum hatte recht, als er in seinem Schlußwort diese Debatte als eine„erweiterte Fraktionssitzung" bezeichnete. In der Tat hat die ganze Debatte darin bestanden, daß die Parlamentarier den Streit, den sie in den Jraktionssitzungen miteinander geführt hatten, hier noch einmal iwr versammeltem Volke aufführten, und sich gegenseitig mit ihren „ollen Kamellen" um die Ohren schlugen. Daß dabei kein anderes Schlußergebnis herauskommen würde, als daß der Parteitag den Standpunkt der Fraktion billigte, stand von vornherein fest..... Der Fehler der Resolution Wurm liegt nach unserer Auf- fassung darin, daß sie eine Haltung, die strengstes Gebot unserer Prinzipien ist, als prinzipienlosen Ausfluß eines prahlerischen Opportunismus hinstellt und billigt. Diese Auffassung ist auf dem Parteitag gar nicht zu Worte gekommen. Daher bleibt die Frage, was unser Prinzip in der Deckungssrage vorschreibt, nicht nur ungelöst, sondern sie ist nicht einmal berührt oder gar aufgeworfen worden. So bleibt der Zukunft die theoretische Klärung überlassen, die wir von dem Parteitag erhofft hatten..... Nennen wir also die Tagung in Jena in praktischer Hinsicht einen Parteitag der Klärung, so hat er uns dagegen in theorcti- scher Hinsicht große neue Probleme gebracht, deren Klärung eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Zukunft der Partei bildet. „Bochumer Volksblatt". Der Parteitag oder vielmehr seine Entscheidungen tragen einen einheitlichen Charakter: Die Einigung auf der vom Partcivorstand vertretenen mittleren Linie. Das wurde durch den Beschluß in der Frage des Wahlrechtsstrciks eingeleitet, den man beharrlich— der klaren Definition ausweichend— als Massenstreik bezeichnet, unter dem sich viele vieles denken. Und fortgesetzt wurde es durch den Beschluß in der Steuerfrage und die Billigung der Fraktions- Haltung, durch den Beschluß zur Maifeier, zum Falle Radck und schließlich durch die Wahl des Genossen Ebert zum Vorsitzenden gegen anfängliche anscheinend lebhafte Widerstände..... Es wäre richtiger gewesen, die Wahlrechtssrage in den Mittel- Punkt der Erörterung zu stellen und dann die Entschlossenheit, das gleiche Wahlrecht zum Preußischen Landtage unter allen Umständen und mit allen Mitteln erkämpfen zu wollen, in der Resolution aus- zusprechen. So wie es jetzt ist, können wir uns nicht der Hoffnung hingeben, daß in der nächsten Zeit der Wahlrechtskampf in Preußen eine ernsthafte Belebung erfahren wird. Indessen vertrauen wir, daß die hausbackene Nüchternheit, die aus dem Vertreter der Generalkoinmission der Gewerkschaften, Genossen Bauer, sprach, die Arbeitermassen doch wieder aufreizen wird, für etwas mehr Be- geisterung zum Kampfe für ihre Ziele zu sorgen. Es sei ferne von uns die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter gegen ihre Führer ausreizen und diesen etwa den guten Willen absprechen zu wollen, daß sie auf ihre Art den Interessen der Arbeiterklasse so gut als möglich dienen wollen. Wir sagen den Arbeitern nur, denkt daran, daß ihr noch höhere Ziele habt, als die mit Hilfe der gewerkschaftlichen Methoden zu erreichenden sind. Für diese Ziele müßt ihr politisch kämpfen und dazu seid ihr politisch organisiert. Es geht nicht an, die politischen Ziele den gewerkschaftlichen Methoden und Bedürfnissen dauernd unterzuordnen. Daher: auf keinen Fall Auflehnung gegen die Gewerkschaftsdisziplin mit Verdächtigung aufopfernder Führer, wohl aber geistiger Kampf zur Durchsetzung des Gedankens, daß die Befreiung der Arbeiterklasse aus der kapitalistischen Lohnsklaverei nicht das Ergebnis eines gut geführten Lohntariskampfes sein kann. In der Steuerfrage billigen wir die Auffassung, daß die Irak- tion unter den obwaltenden Umständen für die direkten Steuern stimmen mußte, und wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß sie in Zukunft ihre Abstimmungen in ähnlicher Weise den Umständen an- passen werde, ohne sich durch Grundsätze, die gar keine sind und nur durch Kniffe und Pfiffe ausgeputzt werden, von dieser Bahn einer klugen, die praktische« Interessen des arbeitenden Volkes wahrenden Politik abdrängen zu lassen..... Von dem Beschlüsse zur Maifeier sind wir nicht befriedigt. Nicht, daß wir an der Verpflichtung zur Abführung des Tagelohnes. am 1. Mai mäkeln wollen. Vzjx unterwerfen uns solchen Be- schlüssen, wie es bisher geschehen ist Aber daß man damit die Mai- feier wird beleben können, diese Hoffnung haben wir nicht. Unver- ständlich bleibt uns in diesem Punkte namentlich das Versteifen auf den Beschluß des internationalen Kongresses wo es doch notorisch ist. daß außer den Genossen Oesterreichs nur wir es sind, die diesem Beschlüsse nachkommen. Was ist den« die Maifeier außerhalb Oesterreichs und des Deutschen Reiches? Der Entscheidung in der Frage der P.'p.'s stimmen wir aus ziemlich intimer Kenntnis der Verhältnisse zu..... In die übertriebenen Ausdrücke der Freude darüber, daß der Parteitag auch ohne Bebel ruhig verlaufen ist und die Partei einig gezeigt hat, können wir nicht einstimmen. Aus dem einfachen Grunde, weil wir die Einigkeit des sozialdemokratischen Proletariats in Deutschland für eine Lebensnotwendigkcit und dar- um für eine Selbstverständlichkeit halten. Wir haben schon genug zu tragen an der künstlich in die deutsche Arbeiterklasse von ihren Feinden hineingetragenen Spaltung in christliche, gelbe und der- gleichen Richtungen. Wir Sozialdemokraten aber dürfen uns den Luxus einer Spaltung nicht leisten und deshalb werden wir es nicht tun, mögen auch etliche Krakeeler manchmal, wenn sie nichts Klügeres zu tun wissen, den Spaltungsteufel an die Wand malen..... „Hallesches Volksblatt". Ter dritte Jenaer Parteitag war in mancherlei Betracht von einschneidender Bedeutung. Er zeigte vor allem so offenkundig, wie noch kein Parteitag vorher, daß die Sozialdemokratie durch ihre praktische Arbeit, besonders durch den Parlamentarismus, den Charakter als Reformpartei außerordentlich stark entwickelt hat. Das ist an sich natürlich, denn die in den Organi- sationen und in den Parlamentsvertretungen aufgespeicherte Macht muß unbedingt wirken und positiv schassen. Aber diese allseitige Betätigung hat ihre Tendenz, uns durch arbeitende Anteilnahme mit dem herrschenden System stark zu verknüpfen, so massig entfaltet, daß wir heute nicht mehr so sehr das in den Vordergrund stellen, was die Arbeiterklasse als wcrtschaffender Faktor zu s o r- dein berechtigt ist, sondern uns an den— Fortschritten freuen und die Werbctaktik durch Hervorhebung„positiver Erfolge" be- streiten. Die Erledigung der Steuersrage war hier das Musterbeispiel.... Das zweite Beispiel, wie eine errungene große Organisations- macht die scharfe Aggressivtaktik beeinflußt, war die Erledigung der M a s s e n st r e i k s r a g c. Wir haben zu viel zu verlieren— das klang als tiefer Unterton in den entscheidenden Reden von Scheide- mann und besonders von Bauer und anderen. Deshalb keine„ge- fährliche" Ossensivtaktik, sondern— abwarten. So wenig die Diskussion und die Entscheidung in der Massenstreikfrage uns zu befriedigen vermag, so sehr glauben wir, daß uns die Situation zu großen Massenkämpfen bald genug zwingen wird. Von einer „Propagierung" des Massenstreikgedankens will die beschlossene Resolution zwar nichts wissen, aber die Erfordernisse der Zeit kehren sich nicht daran, denn daß wir ohne die aktive Anteilnahme der VolkSmassen auf irgendeinem Gebiete einen Schritt vorwärts kommen könnten— das will wohl niemand behaupten. Wir an unserem Teil werden die Volksmassen immer wieder darauf hin- weisen, das ist selbstverständlich. Bedenklich sind nur die Er- klärungen der Gewerkschaftsführer auf dem Parteitage.... Ter Jenaer Parteitag zeigte noch eine andere Seite unserer Entwickelung: der Schwerpunkt bei allen Parteientscheidungen ist immer mehr in die Instanzen verlegt worden. Das ist bei reinen Organisationsfragen kein Uebelstand und ganz natürlich. Aber zu beklagen ist, daß auch die taktischen und p o l i t i- s ch e n Fragen jetzt von den Instanzen so entscheidend„vorberaten" werden, daß der Parteitag eigentlich nur die gefaßten Beschlüsse sanktionieren kann und auch tatsächlich sanktioniert. Die Reso- lution zur Massenstrcikfragc und die Wahl des Parteivorsitzenden waren Beispiele.... Wir wollen uns heute nicht gegen diese Entwickelung stemmen, da in der Tat jeder Schritt zu ihr zunächst wohlbegründet war. Wir wollen hier aber aussprechen was ist. Die Einrichtung eines Parteiausschusses war an sich ein Schritt auf dem Wege zur Demokratisierung der Partei. Da aber in ihm die Leiter der Verwaltungs körpcrschaften(der Bezirksvorstände! entscheidend sind, so wirkt er auch demgemäß. Das ist bei Würdigung der Parteitage in Zukunft von vornherein zu beachten.... „Karlsruher Volksfreund". Mit großer Befriedigung dürfen wir auf den Verlauf des diesjährigen Parteitages zurückblicken. Wenn auf einen unserer Parteitage das geflügelte Wort vom„Markstein der Entwicklung" zutrifft, so aus den diesjährigen Jenaer Parteitag, der in direktem Gegensatz zu seinem Dresdener Vorgänger im Jahre 1903 steht.... Der Verlauf und die Beschlüsse des diesjährigen Parteitages bedeuten einen kräftigen Ruck in der Richtung zum konsequen- ten Reformismus. Zweimal hat auf dem Parteitag der Radikalismus sich Niederlagen zugezogen, von welchen er sich nicht mehr erholen wird. Wenn die zur Frage des Massenstreiks und die über die Steuerfrage beschlossenen Resolutionen auch noch mancherlei enthalten, was sich mit den Anforderungen einer k o n- sequent reformistischen Politik nicht verträgt, so enthalten sie doch so bedeutsame Annäherungen an den Reformismus, daß der Versuch einer Rückwärtsrevidierung der Taktik unserer Partei jetzt als ausgeschlossen betrachtet werden muß. Die wachsende Bcdeu- tung der reformistischen Richtung in der Partei ist in Jena in geradezu überraschend prägnanter Weise zum Ausdruck ge kommen.... Die Verhandlungen des Parteitages standen von Anfang bis zu Ende aus einem erfreulich hohen Niveau. Mit trefflichen Gründen wurde sowohl im Bericht des Parteivorstandes als auch in der Diskussion die Gespensterfurcht der Radikalen wegen des Stillstandes unserer Organisation gebannt. Diese rein temporäre Erscheinung kann zu irgendwelchen begründeten Besorgnissen keinerlei Veranlassung geben. Die Radikalen haben diese ganz vorübergehende Erscheinung auf die veränderte Taktik der Partei zurückzuführen versucht und deshalb einen kräftigen Anlauf ge nommen, die Partei zu einer Taktik revolutionärer Offensive zu drängen. Das Mittel dazu sollte der politische Massenstreik sein. Die vom Parteitag zu dieser Frag« gefaßte Resolution ist sehr dehnbar gefaßt und entspricht infolgedessen nicht entfernt dem. was die Radikalen von der Massenstreikdebatte erhofft haben. Der Parteitag hat den Versuch, künstlich eine Stimmung für den poli- tischen Massenstreik hervorzurufen, entschieden abgelehnt. Auch mit der Kritik an der Haltung der Fraktion im Kamps gegen die Militärvorlage haben die Radikalen kein Glück gehabt. Die prinzipielle Kritik in bezug auf die Haltung der Fraktion in der Stcucrsrage siel glatt zu Boden. Gegen die überzeugenden Argumente der Verteidiger der Fraktion konnten deren Kritiker nicht auskommen.... Leider ist Genosse Wurm und mit ihm der Parteitag aus halbem Wege stehen geblieben Dieselben trefs- lichen Gründe, mit welchen Wurm, Südekum und viele andere Redner die Zustimmung zur Deckungsvorlage rechtfertigten und eine allgemein gehaltene prinzipielle Festlegung in der Steuersrage ablehnten, gelten in vollem Umfange auch für die schon so oft erörterte Budgctfragc. Nach der Begründung der Resolution Wurm ist die Resolution über die Budgetsrage ein- fach unhaltbar geworden, denn durch die prinzipielle Budget- ablehnung sind die Landtagssraktionen— von seltenen Ausnahmen abgesehen— gezwungen, sich politisch selbst auszuschalten und den schärfsten Gegnern der Sozialdemokratie die politische» Trümpfe in die Hand zu spielen. Die Wurmsche Rede gegen die von den Radikalen beantragte Resolution zur Steuerfrage Ivar das glänzendste, beweiskräftigste Plädoyer für die Aufhebung der Magdeburger bzw. Nürnberger Budgctrcsolu- tion.... „Chemnitzer Volksstimme". ... Der Parteivorstandsreferent und die Mitte entschieden, daß zwar wahrscheinlich der große Entscheidungskamps um Preußen mit Gewalt werde ausgefochten werden, daß aber einstweilen unsere Taktik so einzurichten sei, als ob wir im Reiche und Preußen auf dem Reformwege noch lange vorwärts kommen könnten. Wegen dieser letzten praktischen Anweisung stimmte die Rechte mit dem „Sumpf". Aus diesem Geiste heraus ist auch die Parole:„Eni- weder Wahlreform oder Massenstreik" zu erklären, die Frank, Scheidemann und Ebert ausgegeben haben. Sie bedeutet nicht, daß von heute an auf den Massenstreik in Preußen al» eine in wenigen Jahren zu ergreifende Maßnahme hingearbeitet wird, sondern ruft den Herrschenden nur eine Warnung zu, die ihnen sagt, wie es kommen muß, wenn sie nicht einlenken:„So wird es kommen, eh' ihr's denkt." Die große Mehrheit der Partei wird diese vorsichtige Behandlung des Massenstreikproblems billigen, denn sie setzt auf die Krajt unserer 4k4 Millionen Reichstagswahl- stimmen und unserer 110 Abgeordneten großes Vertrauen.... Tie vom Jenaer Parteitag angenommene Resolution Wurm stellt völlig zutreffend Steuerbewilligung und Budgctbcwilligung gleich und verbietet ihre Annahme, es sei denn, daß sie sonst nbgc- lehnt und durch schlechtere ersetzt zu werden drohten. Unser Stand- Punkt von 1910 ist also der Standpunkt des Parteitages von 1913, noch genauer gesagt, der des Referenten und der Resolution Wurm. Denn der Parteitag ist noch einen kleinen Schritt weiter nach rechts gegangen und hat angesichts eben der hohen sozialpolitischen und verfassungsrechtlichen Bedeutung der ersten direkten Reichs- steuern der Fraktion Dank und Vertrauen dafür ausgesprochen, daß sie cS nicht erst auf ihre Gefährdung ankommen ließ. Dem radikalen Flügel ging die Errungenschaft direkter Reichssteuern, die unsere Hoffnung auf lange Fortsetzung der Reformarbeit er- höht, so gegen das Gefühl, daß er ohne zureichende Gründe, ent- gegen seinem eigenen früheren Verhalten und den Partei- Programmen die direkten Reichssteucrn ablehnen wollte. Auf diese politisch sehr gefährliche Katastrophcntaktik ließ sich der Parteitag nicht ein. Das Zusammenwirken deS Zentrums und des rechten Flügels in einer Anzahl sachlicher Fragen blieb natürlich nicht ohne Ein- fluß in Personalfragen bei den Wahlen.... Ausgesprochene Richtungswahlen, um den vom Genossen Hoch geprägten Ausdruck zu gebrauchen, waren(im Gegensatz zur Wahl des Genossen Ebert) andere Wahlen zur Parteileitung. Bei der Neuwahl eines Parteivorstandsmitglieds unterlag, nachdem der erste Kandidat deS linken Flügels, Flcißner-Dresden, abgelehnt hatte, sein zweiter Vorschlag. Dißmann-Frankfurt a. M., gegen den Kandidaten des Parteizentrums Bartels-Altona, für den sich auch der Partcivorstand lebhaft ins Zeug gelegt hatte. Noch bemerkenswerter war die Nicht-Wiederwahl des Genossen Brühl- Niederbarnim, der bisher Beisitzer im Parteivorstand war. Es ist wohl außerordentlich selten vorgekommen, daß ein Parteivorstands- Mitglied wider seinen Willen aus dem Parteivorstand hinaus- gewählt worden ist. Aber Genosse Brühl war mit der Luxemburg. Gruppe so weit nach links gegangen, daß die Parteitagsmehrheit ihn nicht mehr geeignet für die Instanz hielt, die die Aufgabe hat, das Partciganze zusammenzuhalten, und ihn durch den Partei- sckretär für die Provinz Brandenburg, Genossen ReichstagSabgeord- ncten Wels, ersetzte.... Es ist nun gewiß ein großer Irrtum, anzunehmen, daß die Gruppierung Zentruni und Rechte gegen Linke immer vorliegen wird. Möglicherweise wird schon auf dem nächsten Parteitag die Mehrheit aus Zentrum und linkem Flügel irgendeinen revisio- nistischen Seitensprung entschieden zurückweisen. Daher darf man der diesmaligen Gruppierung nicht jene übermäßige Bedeutung bei- legen, die ihr die bürgerliche Presse zumißt. Von einem großen endgültigen Siege des Revisionismus kann man wirklich nicht sprechen; er ist sachlich ausgeschlossen, solange nicht alle Ver. fassungsrcformen durchgesetzt sind, die eine weitere friedliche Ent- Wickelung Deutschlands gewährleisten, t.. Wichtiger als die vorübergehenden Mchrheitsbildungen ist die positive Gesamtarbcit des Parteitages. Er hat seine Verhandlungen in unübertrcsjlich sachlicher und eifriger Arbeit erledigt und kaum mit einem Wort den Feinden des-irbcitenden Volkes Material gegeben.... „Dresdner Volkszeitung". Ter Parteitag in Jena hat die in ihn gesetzten Erwartungen vollauf erfüllt. Er hat in eifrigen Beratungen eine Fülle wert- voller Parteiarbeit vollbracht. Dreine Arbeit wivd sicherlich günstige Wirkungen für die Entwickelung der Sozialdemokratie und das Wohl der deutschen Arbeiterklasse zeitigen. Es ist mit Genugtuung festzustellen, daß die Meinung?- Verschiedenheit in taktischen Fragen, die innerhalb unserer Partei zum Austrag gebracht werden mußten, in wohltuend kameradschaftlicher Art behandelt worden sind. Die Debat- ten nahmen oft einen lcbhfaften, ja leidenschaftlichen Gang, aber sie blieben stets sachlich und würdig..... Ter Parteitag hat in wichtigen Fragen, die in der jüngsten Zeit heiß umstritten wurden, volle und erfreuliche Klärung geschaffen. Allerdings ist in der Frage des poli- tischen Massen st r c i k s sowie in der S t e u c r f r a g c eine volle Einmütigkeit des Parteitage? nicht erzielt worden.... Es mag sein, daß einzelne Parteigenossen und einzelne Partei- blätter selbst noch nach diesem Parteitage, wie sie es zuvor reichlich taten, davon reden werden, daß der„Opportunismus", der„Rcvi- sionismus", der„Reformismus" die Partei auf die„schiefe Ebene" führen. Tatsächlich aber hat gerade der Parteitag in Jena über- deutlich erwiesen, wie töricht all solche Gcspensterseherei ist.... Freilich ist es Unvermeidlich und sogar unbedingt notwendig, daß die Grundregeln der Taktik nicht zu starren Formeln werden, die das Leben ertöten, sondern daß sie sinngemäß aus sich ver- ändernde und neu werdende politische Situationen?lnwendung finden. Dieser Einsicht, so hoffen wir, werden sich auch die Mit- glicder der Partei auf die Dauer nicht verschließen, die in Jena noch als Minderheit Widerstand gegen das leisteten, was doch durch- aus den Lauf der politischen Entwickelung und durch das Groß- werden der Arbeiterbewegung bedingt ist. Wir wünschen sehr, daß die Parteigenossen der Minderheit sich nicht nur auS Disziplin den Mehrheitsbeschlüssen fügen werden, sondern daß sie zur Erkenntnis von der Richtigkeit und Heilsamkcit der gefaßten Beschlüsse gelangen. Damit wird die sehr große Bedeutung, die dem Parteitag in Jena 1913 für die Entwickelung der deutschen Sozialdemokratie zukommt, noch weiter gesteigert werden..... » ch Die Rbstimmung über die IMienitreiltfrage. Wir entnehmen dem demnächst erscheinenden Parteitagsprotokoll die Abstimmungsliste zur Massenstreikfrage. Danach haben bei Antrag 100(Luxemburg u. Gen.) gestin, mt: Mit ja: Agnes, Albrecht-Halle, Albrecht-Könnern, Antrick, Apel, Arendsee, Baudert, Beck, Bellert, Berten, Bihlmeier, Blumöhr. Bock, Bühle, Brandenburg, Braun-Nürnberg, Brühl, Büchner, Buhl, Bühler, Burckhardt, Busold, Cohen, Crispien, Dr. Oskar Cohn, Dißmann, Dittmonn, Donalies, Emmel Engelhardt- Helmstedt, Engelhardt-Cannstatt, Fauth. Feigentrebe, Fiedler, R. Fischer-Mei- ningen II, Fries, Fromhold, Fröhlich, Fuchs, Funke, Gebhardt, Geht» mann, Geyer. Gottschalk, Göft, Götz, Granz, Graupe, Grenz, Gute- kunst. Hammer, Hanisch, Hartmann, Härtung, Henke, Hennig-Neustadt, Herzseld, D. Hoch, Gustav Hoch. Adolf Hoffmann-Berlin, Horn- Stettin, Horn-Dresden, Hügel, Jaffke, Jungnickel-Annaberg, Kappler, Katzenstein, Kirschbaum, Kleinspehn, Klingler, Krüger-Königsberg, Knief�Kcetzschmar, Krüger-Leipzig, Kunert, Kurt, Leber, Ledebour, Lensch, Leopoldt, Leutert, Leuthold, Levi, Lewerentz, Liebknecht, Linde, Lippman», Ludwig-Hagen, Luxemburg,'Marxhausen, Meier- Zwickau, Menzel, Mucker, Miiller-Mörs-Rees, Müller-M.-Gladbach, Müller-Leipzig, Naumann, Ostkamp, Pannekoek, Panzer, Pinkau, Plorin, Raute, ReißhauS, Reitze, Ring, Rosenfeld, Roth, Rühle, Ryssel, Schindler, Schnabpsch, Schinkel, Heinr. Schulz-Berlin, SHvartz, Schwarzburger, Schweida, Geip, Sollmann, Süxheim, Speich, Sperling, Stadthagen, Sterzel, Stolle, Karl Slubbe, Vogkherr, Voigt, Walther-TreSden. Wasser, Wellinann, Westkamp, Westuleyer, Wick», Windau, Winnig, Wittig, Wünschmann, Zentgraf, Zetkin. Ziegler, Zubeil. Ä' i t nein haben gestimmt: Abele, Ahlemeier, AcBerger, ' Auer, Bahrdt, Bartel-?, Barth, Bauer, Beckmann, Beims, Bender, Berka, Bernstein, Birkholtz, Birnkammer, Blume, Bolzniann, Bohle, Börner� Baske, Böttger, Brandes-Magdeburg, Brandes-Cuxhaven, Braun-4?erlin, Brühne, Brccour, Brey, Bromme, Brückner, Bruns, Bullmep, Buch, Clajus, Darf, David, Davidsohn, Deck, Demtröder, Dengel, Deutsch, Diesenbach, Dommershausen, Drescher, Drvncr, Dubber, Dürr, Eberl«, Ebcrt, Eckardt, Erdmann, Erckrath, Ernst, Ewald, Vahrenwald. Faulian, Feldmann, Felber, Fels- mann, Kieliy, Edmund Fischer-Briesnitz, G. Fischer-Hannover, Richard Fischer-Berlin, G. Fischer-Cannstatt, Paul Fischer- Glauchau, Frank-Mannheim, Frank-Berlin, Frenzel, Friedrich Fritsch, Frohme, Galke, Gcbhardt-Burg bei Magdeburg, Gehl, Gerisch, Glauche, Gomoll, Gvhring, Gohr«, Gradnauer, Graf, Grauer, Grosse, Grumbach, Gruber, Grünberg, Günther, Habcrlaud- Düsseldorf, .vaberland-Bohwinkel. Hahn, Hansen, HanSmann, Hartwig, Haß. Hasenzahl, Hastelba cti, Haupt, Heilmann, Hein, Geitmann, Hengs- bach, Henkel, Henning- Magdeburg, Hense, Herrmann, Herzog, Hetzschold, Heugel. Heimann, Hierl-Rosenhain, Hierl-Schwabach, Hildenbrand, Hürstng, Gottlieb Hoffmann-Berlin, Hermann Hoff- mann-Neundorf,'Johannes Hoffmann- Iserlohn, Joseph Hoffmann- Traunstein, Johnnn Hoffniann- Kaiserslautern, Karl Hoffmann- Bielefeld, Paul Hoffmann-Berlin, Hofmann-Saalfeld, Hoffbach, Hüffmeier, Hünicke, Hug, Huhnfleisch, Husemau», Hutterer, Hüttmann, Jückel, Jakobsen, Jantzen, Jasper, Jeckstadt, Jentzsch, John- Leipzig, John-Dcesden, Jordan, Juul, Jülich, Jungnickel-Tresden, Kahmann, Kahnt, Kaffner, Keidel, Keil, Keller, Kern, Kiel, Kilian, Klängler-Berlin, Klügel, Kluß, Klotzsch, Knapper, Knauf, Knieriem, Knoche. Knor. Koch, Köhler, Kohnen, König, Königshoff, Köpke, Hrissch, Kraust, Krause-Pankow, Krause-Elmshorn, Kretzig, Kröger, Krüger-Altona, Krüger-Leipzig, Kühn, Kurtzcr, Lange, Langer-Chcmnitz, Langer-Striegan, Lau, Langenberg, Lehmann, Leibrecht, Lcich, Leid, Lenk, Lieser, Lindermeier, Lindner, Ludwig-Neichenbach, Lüth, Lüthge, Lutz, Maier, Marh-nke, MatuszenSki, Mehrlein, Meier- Ober- z wehren, Melle, 2'dichel, Michelsen, Molkenbuhr, Möller- Har- bürg, Moltmann, Müller- München, Miiller- Groß- Dobritz, Müller-Berlin sPartcivorstand), Müller-Eheinnitz, Munzel, Neumann, ?!enmeier, Neupert, Respital, Rimmerfall, Nitsch, Noske, Obst, Oehme, Oppermann, Pageis. Paulick, Pawlitzki, Paetzel, Peirotes, Pcus, Peter, Pfanukuch. Pflüger, Pigusch, Polmer, Poling, Porstendorser, Preffmar, Ouarck, Onessel, Raab, Ranch, Reichert, Reimers, Rennert, Reppenhagen. Riesberg. Rindfleisch, Röstler, Roffmann, Roth- Hamburg, Rödgen, Rudolph, Ryneck, Sachse. Sailer-Luckenwaldc, Sailer-Kemptew Schadow, Scheidemaun, Phil. Schmid-Jngol- stadt, Karl Schmidt- Rathenow, Ed. Schmidt �München, Fritz Schmidt- Berlin. Stich. Schmidt- Berlin, Rich. Schmidt- Meisten, Franz Schmitt-Münchcn, Johann Schmitt-Reustadt a, d. H„ Schneider- tannover, Schneider-Dresden, Schön, Schönseldt, Tchöpslin, Scholich, cholz, Schräder, Schreck, Schröder, Schüning, Schulz-Witten, Schulz- Elbing, Schuhmacher, Schumann, Seel, J2 eifert, Sellin, Senlseil, Siering, Silberschmidt. Simon, Süff, Spiegel, �Sprenger, Stahl, Stäffler, Staim-er, Steffen, Stengel«, Stephan, StiriuS, Striebing, Strohhecker, S&ube, Heinrich Stnbbe. SMckenbrok, Taubadel, Thiele, Thislecke, Timm. Thöne, Thomas, Töneböhm, Treu, Ulrich, Undeutsch, Vesper, Vetterlein, VetterS, Vogel, Wagner-Neustädtel, Wagner-Mölln, Walter-Höchst, Wedemeyer, Wegener, Weill, Weiuheber, Wels, Wengels, Werner, Wettermann, Wiczorek, Wiesner, Winkelmann, Winnig, Wistler, Wuichick, Wurnz, Zabel. Zielle, Zietz, Zorn. >lior«Ipro?ek Kitter. Zweiter Tag. Nach Eröffnung der Sitzung durch LandgerichtSrat Schlichiiug wendet sich die Verhandlung der Erörterung des Geisteszustandes des Angeklagtem zu. Hierzu werden die Auskünfte der öfter- reichr scheu Medizinalbehörden über Ritters Krankheiten verlesen. In der Au Skunft der Medizinalbchörde in L a i v a ch heistt es, daß bar Gefreite Joseph Ritter als Leichendiener im Militär- spital tätig war. Räch einiger Zeit habe er erklärt, daß ihm dieser Dienst mehr und mehr unheimlich werde und er fühle, daß er krank lverben würde. Roch der Aufbahrung der Leiche eines Generals hatte er schreckhafte Träume, so daß er aus dem Bette sprang und wirres Zeug redete. Er behauptete, der General habe sich von seiner Bahre erhoben und sei drohend auf ihn los- gegangen. Dann verfiel er in Tobsucht. Diese Tobsüchte- anfälle wiederholten sich in der nächsten Zeit, so daß ihm mehrfach die Zwangsjacke angelegt werden mußte. Wiederholt predigte er und sang die Messe. Dem Arzte erzählte er. er habe bei der Leiche de? Generals den Teufel gesehen.— An diesen Bericht reiht sich die Verlesung eines Berichts der Medizinalbehörde in Graz aus den, Jahre 1897. Nach diesem Bericht litt Ritter damals an Epilepsie, zu denen einzelne hysterische Momente waten. Diese Krankheitserscheinungen haben sich mehr und mehr verloren, so daß die Notwendigkeit nicht vorlag, ihn für dienst- untauglich zu erklären. Auf seinen Wun'ch ist er dann Wärter in dein Spital geworden und in dieser Zeit zeigten sich einzelne religiöse Wahnvorstellungen, wobei er„Jesus! l" lief* x Der Angeklagte erklärt zu mehreren Vorhaltungen, die der Vorsitzende im Anschluß an diese Berichte ihm macht, daß er sich auf dies« Einzelheiten nicht mehr besinne.— Vors.: Mir ist auf- gekallen, daß Sie immer nur das vergesseu, was Ihnen ungünstig ist. Beispielsweise haben Sie bei der Vernehmung des Lehrlings Riefenstahl sich an alle Einzelheiten Ihrer Begegnung mit diesem Zeugen besonnen, dagegen haben Sie sich, wie Sie behaupte», nicht mehr daran erinnern können, daß Sie zu diesem Zeugen bezüglich des Mörders gesagt haben: einem solchen Manne müßte man immer 80 überziehen.•' Hierauf erstattet Medizin alrat Dr. H o f f m a n n Bericht über die Ergebnisse der Obduktion der Leiche des getöteten Knaben. Danach ist der Tod eingetreten durch das Strangulieren mit dem Strick. In eingehender Weise gibt Geheimer Medizinalrat Dr. L e p P m a n n sein Gutachten über den Geisteszustand des Angeklagten an der Hand der Akten, der Ergebnisse der Beweisaufnahme und seiner eigenen persönlichen Beobachtung an. Der Angeklagte sei ein geistig beschränkter Mensch mit einem engen Horizont: er hat noch- aewiesenermaßen vielfach an Kopff'chmerzen gelitten, es ist ihm oft schwarz vor den Augen geworden, er sah Fmilen und es zeigte sich bei verschiedenen Vorfällen Bewufftseinsminderung, naruentlich dan«. wenn er in eine seelische Aufregung kam. Es stehe fest, daß er die Form des Kopfschmerzes hat, die man als e p r l e p s i e ä h n l i ch e Migräne bezeichnet. Er hat auch mehrere epileptische An« s ä l l e a e h a b t und es besteht bei ihm eine starke Affektreizbarkeit. Es seien bei ihm zwei Fälle der Geistesstörung vor- gekommen. Dazu komme, dast er in seinen sexuellen Verhällnissen abnorm und ein angeborener Homosexueller ffi. Iii, einem ganzen Wesen zeige sich ein femininer Einschlag, der u, a. auch darin zum Ausdruck kommt, daß er gern Fraueukleider trug und Märchen erzählte. Bei der Erörtermig der Frage, ob euie gewiss« Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden ist, daß er bei d« Tal mcht bei Sinnen war, kommt der Sachverständige zu dem Schluß, daß er in diesem Falle nicht so weit gehen könne, den§ S1 Strasgeietzbuchs für anwendbar zu erklären, denn der Angeklagte sei zu der»it be- stimmt worden durch normale Motive und hat das Bewuvneln nicht verloren gehabt, sondern eine Rückerinnerung an die Einzelheilen behalten. Er war schon früher Erprestern in die Hände gefallen, er lebte in einer gewissen Furcht vor Erpressern und befand sich nun v löblich bei der Drohung des Knaben m der Furcht, dax er seme sehr gut« und bequem« Stellung verlieren könnte. Für emen Mann seines JdeenkreiseS und in seiner Situation lag eine Abwehrhandlung in solchem Augenblick nicht fern. Alles in allem: der Angeklagte sei wesentlich geistig gebrechlich, aber es liege nicht die begründete Möglichkeit zu der Annahme vor, daß bei der Tat bei ihm die freie Willensbestimiiiung ausgeschlossen war. Aber ein Mensch von der geistigen Beschaffenheit des Ritter werde sich eher gegen die Gesetze vergehen, als ein normaler Mensch, weil er vermindert zurechnungsfähig ist und bei solchen Menschen die Hemmuiigeu geringer und der Affekt größer ist und länger an- hält wie bei einem Gesunden. Sachverständiger Dr. Magnus Hirschfeld schickt voraus, daß die sexuelle Veranlagung des Angeklagten an und für sich kein Grund sei, um die Verantwortlichkeit und Zurechnungs- fähigkeit für die von ihm begangene Untat zu verringern oder gar auszuschließen. Die Ansicht des Geheimrats Dr. Leppmann, daß hier Lustmord oder sadistische Verirrung nicht vorliege, teile auch er. Tie krankhaiten Slöruugen, die hier in Frage kommen, liegen aus anderem Gebiete. Rilter ist zweimal wegen epileptischer Geistesstörung mit Tobsuchtsanfällen und Wahnvorstellungen. besonders religiösen Inhalts in Irrenanstalten gewesen. Er litt oft an starken migräneartigen Kopfschmerzen mit hoch- gradiger Affektreizbarkeit, in der der sonst so geduldige Diener, wie nachgewiesen, und auch während der Verhandlung be- obachtet werden konnte, sinnlos jähzornig wurde. Diese Kranken reagieren bei schweren Aufregungen pathologisch. Diese Erregung war durch den unerwarteten Erpressungsversuch gegeben, den Klähn während des Zusammenseins plötzlich beging. Di- dadurch hervor- gerufene Angst und Wut lösten bei dem epileptischen, etwas schwach- sinnigen Psychopathen eine Reaktion aus, in der er zunächst seiner selbst nicht mächtig war. Als er dann seine Ueber- legung wiedergewann, war die Tat schon ge- s ch e h e ii, Dr. Hirschfeld vertritt den Standpunkt, daß sich die freie Wille nsbe st immung bei dem Angeklagten nicht mit der vom Reichsgericht erforderten Sicherheit bejahen läßt. Er sei aber ein gemeingefährlicher G e i st e s k r a n k e r, der in eine geschlossene A n st a l t gehöre, da sein epileptisches Leiden ein chronisches sei und sich impulsive Gewalttaten bei geringen Anreizen wiederholen können.— R.-A. Grünspach weis: darauf hin, daß man zweierlei unterscheide: einen epileptischen Dämmerzustand und abgesehen davon, einen Zustand, den man epileptisches Aequivalent nennt und in welchem der betreffende Mensch eine abnorme Tat begeht. Der Sachverständige Sanitätsrat Dr. Koerber, der vorausschickt, daß er seit Jahren sich mit der Psychologie der Affektaten beschäftigt und eine neue Affekttheorie aufgestellt hat, gibt in einem längeren wissenschaftlichen Vortrage die Grundzüge dieser Theorie, die mit der Anschauung anderer Autoritäten nicht ganz übereinstimmt. Die Tat des Angeklagten sei die Affekltat eines Äffektmenschen, der Angeklagte sei ein schwerer Psychopath. Lust- mord sei nicht anzunehmen, denn in dem ganzen Vorleben des Angeklagten zeigen sich keinerlei sadistische Momente. Es handle sich in diesem Anklagefalle um einen Affelt der Wut und der Angst, wozu noch die geschlechtliche Erregung des Angeklagten trat. Nach Ansicht des Sachverständigen ist der Tod des Opfers eingetreten, ehe der Angeklagte eine klare Borstellung von dem bekommen hatte, waö sich ereignet hatte. � E r habe im kritischen Augenblick keine klare Vor st ellung und keinVerantwortlichkeitsgefühlgehabt. Der Borsitzende weist dem gegenüber darauf hin. daß sich aus den verantwortlichen Vernehmungen des Angeklagten � ergebe, daß er sich in jedem Augenblick seiner Tat bewußt gewesen sei. Sachverständiger Dr. med. Ernst Burchard schickt seinem Gutachten lauge' theoretische Ausführungen über die Formen der Epilepsie und die Bewertung von Taten epileptischer Personen voraus. Ter Angeklagte sei eine von grundaus krankhaft angelegte Per- sönlichleit und seine Tat stelle eine Affekthandlung dar. Als der Affelt bei ihm ausgelöst wurde, sei nach der Uebcrzeugung des Sachverständigen, die er eingehend begründet, dem Angeklagten jede Uebcrlegung und jede klare VerstandeStäligkeit genommen gewesen. Der Sachverständige kommt zu dem Schluß, daß bei einem derartig krankhaften Menschen, betrachtet man die bei der Tat in Betracht kommenden Umstände, eine Störung der Geistestätig- keit, die die freieWillensbe st immung ausschloß, anzunehmen sei. M e d i z i n a l r a t Dr. H o f f m a n n tritt diesen Ausführungen entgegen und führt seinerseits auS: Nach seiner Anficht werden hier Schwierigkeiten in den Fall hineingetragen, er werde kompliziert gemacht, was er gar nicht ist. Die Frage der Homosexualität scheidet eigeutlich auS. Den» ein Homosexueller muß ebenso verantwortlich sein, wie ein anderer, wenn er nicht krank ist, ja selbst ein Lustmörder ist nicht ohne weiteres unverantwortlich. Die Sache liegt doch so: Der Junge verlangte 100 M.. da wurde Ritter wütend, der Jnnge fing an zu schreien, da bekam Ritter Angst und in der Wut und Angst, die bei dem Angeklaglen als Epileptiker besonders stark aus- geprägt sind, kam es zur Tat. Der Angeklagte hat eine absolute Erinnerung an die Vorgänge, das ist ein Beweis, daß die freie Willensbestimmung nicht ausgeschlossen war. Als der Strick dem Jungen umgelegt wurde, lvar der Junge n o ch n i ch t t s t. Bei der genauesten Erinnerung des Angeklagten an die Tat entfällt die Annahme eines epileptischen Aeguivalenls. Der Angeklagte ist er- heblich minderwertig und war bei der Tat gereizt und in einen Affeltzustand geraten. Es folgen einige weitere medizinische Erörterungen, an denen sich der Vorfitzende, der Verteidiger, der Staatsanwalt und die Sachverständigen beteiligen. Geheimer Medizinalrat Dr. L e p p- m a n n vertritt nochmals in längerer Ausführung sein Gutachlen. Als Zeuge berichtet Dr. med. H o l d h e i m über die ärztliche Behandlung, die er dem Angeklaglen gewährt hat, als Ritter während seiner Dienstzeit bei Gutmann erkrankt war. Ter Zeuge hat damals nur feststellen können, daß der Angeklagte ein nervöieS Herz hat und ihm die entsprechenden Verhaltungsmaßregeln gegeben. Sachverständiger Kriminalkommissar Dr. Kopp soll sich auf Antrag des Rechtsanwalts Grünspach darüber aussprechen, ob die Schilderung des Angeklagten von dem Erpressungsversuch des Knaben Klähn glaubwürdig erscheint. Der Sachverständige bekundet: Zuerst habe er starke Zweifel an der Richtigkeit dieser Behauptung gehabt, denn in seiner 10 jährigen Praxi« lei ihm— wenigst«»« aus homosexuellem Gebiete— noch kein 13 jähriger Erpresser vor- gekommen:" der jüngste sei 1« Jahre alt gewesen. Aus anderem Gebiete!ei ihm ein Fall bekannt, wo zwei junge Schüler einen ganz raffinierten Erpresserbrief an eine Varietvsängerin geichrieben habe», indem sie ihr mit der Sittenpolizei drohien. Nachdem er nun noch gehört, daß der Junge in der Tat verdorben war, müsic er die Möglichkeit einer solchen Erpressung und die AuSlöiung einer ganz außerordentlichen Erschütterung zugeben.— Bors.: Man muß doch bedenken, daß die Erpressung noch gar nicht perfekt ge- worden war. Zum Schluß der Beweisaufnahme wird der U n t e r s u ch u n g s- richrer LandgerichtSrat Wetzel über die Art und den Inhalt der Bekundungen des Angeklagten bei dessen verantwortlichen Vernehmungen gehört. Danach wollte der Ritter zuerst nicht mit der Sprache heraus, er war aber ernstem Zureden zugänglich, wurde redselig und machte ausführliche Angaben über die Tat, Der An- geklagte hat dies nach Ansicht des Zeugen gefühllos und ohne Reue getan: er hat zwar geweint, der Zeuge halte aber die Empfindung, als ob dies nur geschah, weil er betrübt darüber war, daß er im Gefängnis saß und seine schöne Stellung verloren hatte. Auf Befragen des Rechtsanwalts Grünspach bestätigt der Sachverständige Dr. Ernst Burchard aus seiner praklischen Er- fahrung, daß bei Epileptikern auch aus normalen Motiven Zustände entstehen, die als epileptisches Aequivalent anzusprechen sind. Die Schuld fragen beziehen sich auf Mord, Totschlag und mildernde Um« stände. Plaidoyer?. Staatsanwaltschaftsrat Banning nimmt das Wort zur Schuldfrage. Unter Anschluß an die Gutachten des Geh. Medizinal- rats Dr. L e p p m a n n und des Medizinalrats Dr. H o f f m a n n begründet der Vertreter der Aullage seine Ueberzeugung. daß der Angeklagte für das, was er getan, verantwortlich, andererseits aber minder zurechiimigsfähig ist. Der Angellagte habe zweifellos das Gefühl gehabt, daß der Junge, dem er sich in unsittlicher Weise ge- nähert, ihn erpresserisch bedroht habe, und da sei ihm blitzschnell der Gedanke durch den Kops gefahren: er müsse den Jungen beseitigen damit er den Zeugen der Tat los werde. In dieser ganz klaren Absicht sei er seinem Opser an die Kehle gesprungen und habe kräftig zugedrückt. Als ihm der Gedanke kam. daß der schon röchelnde Knabe auf diese Weise doch nicht getötet werde, sei er in einen Nebencaum gegangen, habe ganz bewußt den Strick geholt, bei klarem Bewußtsein diesen um den Hals des Knaben gelegt und so lange zugezogen, bis er nicht mehr röcbelre. In diesem Moment habe er die Absicht gehabt, den Knaben umzubringen. Der Staatsanwalt beantrag: zum Schluß, die Schuldfrage nach Tot- schlag zu bejahen, die Frage nach milderndenUmständen aber zu verneinen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Grünspach führte den Geschworenen unter Berufung auf Mittermeyer und Staatsamvalt Wulfsen vor. daß es sich bei der Homosexualität nicht um eine häßliche Verirrung des Menschen, sondern um eine Verirrung der Ncitur handelt und sich nur daraus der Zwiespalt in dem Wesen des Angeklagten erklären läßt. Man würde sonst nicht verstehen, daß der Angeklagte, der ein ausgezeickneter Diener war und in den ihm erteilten Zeugnissen als ein Muster von Fleiß und Pflichttreue hingestellt wird, in ein so abscheuliches, unsittliches Milieu hineiiigeraten konnte. Dies müsse man bei der Bewertung der Persönlichkeit, der Tat und bei der Beurteilung der Frage der Zurechnungsfähigkeit des Angellagten sich vor Augen hallen und nicht vergessen, daß dieser ntchl ein selbstgewähltes Laster- leben geführt hat, sonder» ein Opfer seiner unnatürlichen Veranlagung ist. Bezüglich der Zurechnungsfähigkeit des An- geklagten haben die Sachverständigen widersprechende Gut- achten abgegeben, darin seien aber alle Gutachter einig, daß es sich hier um eine psychopathische Periönlichkeit, um einen Mann mit ge- steigertem Affekt, der schon in der Irrenanstalt gewesen, handelt. Bei dieser Verschiedenheit der Ansichten bewährter Sachverständiger inüffen die Geschworenen zu dem Schluß kommen, daß die Frage der Zurechnungsfähigkeit zweifelhaft ist und schon ein solcher Zweifel würde dazu führen müssen, die Schuldfrage zu verneinen, Ter Verteidiger betonte, daß hiermit dem An- geklagten kein großer Dienst erwiesen werden würde, da er damt zeitlebens als gemeingefährlich geisteskrank interniert werden würde. Wenn die Geschworenen die Zu- rechnungsfähigkeit aber annehmen, dann könnten sie doch unter keinen Umständen das Vorhandensein der II e b e r l e g u n g bei der Tat bejahen. Was die letztere selbst betrifft, so führte der Verteidiger des weiteren aus, daß man die Frage der Notwehr nicht außer acht lassen dürfe, denn der Angeklagte habe sich zweifellos ini Stande der R o t w e h r befunden, du der Knabe Klähn ihm plötzlich als Erpresser entgegentrat und Ritter sich einem gegenwärtigen rechts- widrigen Angriff gegenüber sah. Er habe die Notwehr' zweifellos überschritten, die Geschworenen hätten aber zu prüfen, ob dies aus Furcht, Schrecken und Bestürzung geschehen ist, was seine Straf- sreiheit zur Folge haben müßte. Der Verteidiger gestand den Geschworenen, daß ihm ein solches Resultat nicht sympathisch sein würde, da der Angeklagle, wenn er als zurechnungs- fähig erkannt werde. auch seine Strafe für seine Tat entgegennehmen müßte— aber seine Pflicht als Ler- teidig'er gebiete eS. diesen juristischen Gesichtspunkt nicht mt- beachtet zu lassen. Zur Frage der mildernden Umstände mögen die Geschworenen berücksichtigen, daß es sich nicht um den Typus eines Verbrechers handle, sondern um die Affekttat eines Epileptikers mit verminderter Zurcckmungsfähigkeit, der ein sparsamer, ordentlicher und frommer Mensch sei und besten Lebensführunq und ganzes Verhalten ihn wohl der Milde der Geschworenen empfehle. Der Staatsanwalt bekämpfte in seiner Replik besonders den Gedanken, daß die Geschworenen Notwehr annehmen könnten. Die Geschworenen könnten eine der Tat entsprechende Sühne nur dadurch sichern, daß sie die Frage nach Totschlag bejahen und die mildernden Umstände verneinen. Der Wahrspruch der Geschworenen lautete auf Schuldig des Totschlags unter Zubilligung milderuder Umstände. Staatsanwalt Banning beantragte das höchste Strafmaß von 5 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust. Rechtsanwalt Grünspach meinte: Wenn die Geschworenen die mildernden Umstände bewilligt haben, erscheine eS nicht not- wendig, zum höchsten Strafmaß zu greifen. Nach kurzer Beratung des Gerichts verkündete der Vor- sitzende: Als am 1l. Mai die Tötung des Knaben bekannt wurde und die ominösen Zettel an den Säulen die Pfingstruhe störten. da erregte die Bluttat in Berlin, welches gegen solche Sachen schon einigermaßen abgestumpft ist, doch Sensation. Man sagte sich: entweder ist der Täter ein Abschaum der Menschheit, dann gebührt ihm die Todesstrafe, oder es ist ein Jrrsimiiger, der für die Dauer seines Lebens unschädlich gemacht und ins Irrenhaus gesteckl werden muß. Die zweitägige Verhandlung hat gezeigt, daß die Wahrheit in der Mitre liegt. Der Angeklagte ist krank, aber nicht so trank. daß er nicht verantwortlich wäre, er ist zwar schuldig, aber doch nicht so schuldig, daß ihm nicht mildernde Momente zur Seite ständen. Das wird manchen nicht besriedigen, namentlich vom Gesichtspunkte des Schutzes der Allgemeinheit aus. Ter Schutz der Allgemeinheit vor Geisteskranken ist heute noch nicht genügend vorhanden, wie Geh. Medizinalrat Dr. Leppmann kürzlich erst in einer Versammlung von Berufsgenossen unter Aufstellung von Reformvorschlägen aus- geführt hat.� Wenn es darin besser werden soll, so kann eS nicht durch die Justiz geschehen, da diese nur zu urteilen hat vom «tandpunkte der subjektiven Schuld. In dieser Beziehung ist zu berücksichtigen, daß das bisheripc Leben des Angellagten viele guten Testen aufweist und die schlechten Seiten auf seine unglückliche natürliche Veranlagung zurückzuführen sind. Betrachten wrr die Tat, so sehen wir eine Reihe von Umständen, die die �"ttauende Tatsache einigermaßen erklären mögen, daß ein Mann, der sich 31 Jahre seine? Lebens hindurch schuldlos gefübrt, zu so schwerer Tai gebracht werden konnte. Er hat zuerst den Jungen mißbraucht, geriet dadurch in Erregung und diese bat bei ibm. mehr ot» es tonst wohl der Fall gewesen wäre, Jähzorn, Angst und Wut auS- gelöst. Es bleibt aber noch genug Schuld übrig t er hat feine un« glückliche Veranlagung nichr genügend bekämpft uns bemeiflert. Wir nehmen ihm besonders übel, daß er, als der Junge fchou röchelnd auf dem Bett lag, noch den Strick herbeiholte und ihn dem Knaben um den Hals legte. Die von ihm nach der Tat gezeigte Reue be« weist, daß er nicht zu den gemeinsten Menichen zu rechnen ist. Wenn man nun auch olle vorhandenen mildernden llniflande berücksichtigt, so ist doch kein Grund vorbanden, unier das Höchstmaß der Strafe »och herunter zu gehen. Der Gerichtsbof ha, Angeklagten zu 5 Jahrcu Gefängnis ui.d 10 Jahrc» Ehrverlust verurteilt." Der Angeklagte erklärte sich zum>Llrafa!ttritt bereit. Rm Industrie und Handel. Die oberschlesischen Montanwerke haben in der letzten Kon» junkturperiode ebenfalls einen lebhasten Aufschwung genommen. So berichtet die B«ret0lgte Königs- und Laurahütte über das vergangene©qchaslsjahr 1912/13: Die Hüttenwerke waren bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit zu lohnenden Preisen beschäftigt. Die Erzeugungs- und Versandzissern sowohl wie die Einnahme- und Gewinnziffera sind die h ö ch st e n seit Be» stehen der Gesellschaft. Nur da« Kohlengeschäft wurde durch den dreiwöchigen BergardeiterauSstand im Krühjahr empfindlich gestört. Der Rohgewirm der Gesellschaft nach Abzug der allgemeinen Unkosten und Zinsen aller Art betrug 11.2 Millionen Mark oder 2,2 Millionen Mark mehr als im Borjabr. Tie Abschreibungen von den Anlllgewerien wurden nach dem Antrag der Verwaltung aus 6,5 Millionen Mark gegen och Millionen Mark im Borjahr, das ist um eine BUllion höher, festgesetzt. Tic Dividende kann daher von 6 auf 8 Proz. erhöht werden. Diese Ziffern find zugleich eine aufreizende Illustration zum Verhalten der Unternehmer im oberschlesifchen Bcrgarbciterstreik, wo die Forderungen der Arbeiter als unerfüllbar abgelehnt wurden. Der augenblickliche!tonjunkturrückgang zeigt sich bei der Gesell-- schaft darin, daß die Aufträge für das kommende Jahr sich nur auf 18,38 gegen 22,16 Millionen Mark zu Beginn des Vorjahres be- laufen. Ferner berichtet die Gesellschaft, dah mit dem abnehmenden Auftragsbestand im Eisengeschäft eine stark rückläufige Preisbcwe- gung verbunden ist Dagegen hält die günstige Lage des Kohlen- marftcs an. Balkankrieg und Eisenindustrie Stärker noch als die deutsche Eisenindustrie wird die österreichische von der Abschwächung der Konjunktur betroffen. Während die deutschen Montanwerke das Geschätfsjahr 1912/13 mit erheblich erhöhten Umsatz- und Gewinn. ziffern abschließen, weist g. B. die Prager E r s e n ind u st r ie. Gesellschaft nur eine geringe Erhöhung des BruttoertragmsseS und einen Rückgailg des NcingLwinnS und der Dividende auf. Der Reingewinn sank um 1 Million Kronen auf 15L Millionen Kronen. �ie Dividende wird daher„nur" 190 Kronen pro Aktie oder 38 Proz. gegen 290 Kronen im Vorjahr betragen. Zeitweiliger Llrbeiter- niangel infolge des Balkaiikrieges und dm rapide verschlechterte Konjunktur ljabe» die Mehrerträgnisse der ersten drei Quartale in einen Mindergewinn im letzten Quartal gewandelt. Rüstungsdividenden. Während die gesamte österreichische In- dustrie unter den Nachwirkungen des Balkankriegcs leidet, hat die Nüstungsindustric auch dort Hochkonjunktur. Die Oester- reichische Waffe nfabrik erzielte im vergangenen Jahre einen Mehrgewinn von fast 600 000 Kronen, so daß sich der Rein- ertrag auf 2,9 Millionen Kronen stellt. Die Dividende kann daher von 17 auf 19 Proz. erhöht werden. Ein Opfer j>es BaltankriegeS. Die Tuchfirma Albert Müller in Prag hat ihre Zahlungen eingestellt. Tie Passiven belaufen sich auf 500 000 Krilr>.eil. WasierstandS-Skachrichtttt der LaudeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Tetlerbureau ') st- bedeutet Wuchs,— Fall.—") Unterpegel. " j Todes-Anzeigen| SozialdemokniBelKr Waiilverein I. i§. Berl. Reichslagswalteis. Abteilung I. Bezirk 419. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah am Sonntag, den 2l. Sept., unser laiigjähriges Mitglied, der Drechsler Karl Montag Chnstburger Stiche 10, verstorben ist. Ehre fciuem Andenken k Di« Beerdigung findet am TonnerStagiiachmiltag 4'/. Uhr von der Leichenballc des Slädl. Friedhofs in Friedrichsseide aus stett. Zablreiche Betclligung erwartet 22-2in Ter Borilnud. 0£ülSEli£r fislzaiiiEiföF-yeriianil. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Drechsler Karl Montag Chriitburger Strasse 40, im Alter von 56 Jahren gcswrben ist Ehre seinem Andenke«; Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. September, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Zentral- Fricohoses in Friedrichsfeldc aus statt. 89/7 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. LeMderkelaüai'lieileF-wvalli!! V»rwsUiinsv,tsIlv Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dass unser Mitglied, der Dreher Willi Heumann am 21. d. M. au Lungenleideu gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. September, nachmittags Uhr, von der Leichenhalle dcs'uuiienkwchkoss in Charlottenburg-Wesiend, Fürsten- brunuer Weg. aus slatt. Rege Betelligung erwartet 126113 Die Onsverwaltung, SoziaWenwkFatiseliepWahlm LliMBeSdistssiS-WiUkreis. Am 21. d M. verstarb unser Genosse, der Arbeiter �lax Lteinmann Köslincr Str. 2. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung finde! am Donnerstag, nachmittags 4% Uhr, von der Halle des neuen Nazareth- Kwchhoses in Reinickendorf, Kögel- strassc, aus statt. Am 22. d. MtS. verstarb unsere Genossin p�au üna Peters Tristste. 46, Bezirk 758. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung slndet am Tonnerslag. nachmittags 4 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhoscs.Secstrasse, Ecke Müller- strassc, aus statt. Um rege Betelligung ersucht 230/11 Der Vorstand. Mail!! der Siireauangesteilten. Ortsgruppe Groll Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kolleg« Pidiard Kettnich (Bersich erung Saugestewerj am 20. d. Wts. verstorben»st. Ehre seinem Andenken! Die Bcerdigmlg findet am Mittwoch, den 24. September, nachmittag« 4 Uhr, von der Seiche,,. halle des neuen Mcderschön- lmusener Kirchhofes in Schönholz, Gcrmanenstrasse, aus statt. 0!e Ortsverweltung Yerfianfl der Stsinselzer, Pflasterer Oenilsg.DEütsclilaiiils Filiale Berlin. Den Mllgltedern zur Nachricht, dass unser Kollege, der Nammcr Max Slemmaim verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung suidet am Donnerstag, den 25. d. M.,»ach- milt-gs 4'/, Uhr, von der Halle des Nazareth-Kirchhoses auS statt. Rege Beteiligung erwartet HS/U Der Vorstand. IfErband d. BrauErei- il Pillen- artEKETU-VErwiErtilsgenossE!]. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass der Kollege, Brauer fesdinand Weiermüiier (Teutonia-Brauerei). im Aller von 59 Jahren an Blutvergiftung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung findet heute Mittwoch, den 24. September, abends 6 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Scbasttan-Kirchhoies in Reinickendorf, Hmnboldt. strasse 68—73. aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Dir Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise bcrzllchrr Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Elise Sickert geb. Wulschkc sage ich allen Genossen, Genosfinnen und Bekannten sowie dem Genoileli peitschte für die trostreichen Worte am Sarge, unlcren herzlichsten Dank Im Namen der Hinterbliebene« AJIreck Sickert. 2394b Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzivendeu beider Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders, des Formers Hans Borsdorf sagen wir hiermit allen Freunden und Bekannten, sowie den Kollegen der Firma Ludwig Loewc u. Co., Abt. Gicherei, den Ring- Sport- vereinen ,.Hand in Hand",»Deutsche Cnhe",.Germania" und Arbeiter- Athletenbund Deutschlands, 4. KreiS unseren herzlichsten Dank. 44A Im Namen dtt Hinterbliebene« llmil Borste rk nebst ssreu und Tochter Ptö(.cnscc. RicdemannS Privatwcg 11. Danksagung. Für die herzliche Trllnabme bei der Beerdigung unseres lieben dnU ichlasenen sagen allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie seinen frühere» Kollegen der Firma Protzen,,. sohm dem Verband der sreien i-taft. und Schantwirtc Deutschlands dem sozialdemokratischen Wahloerein von Nieder-Bariilm. Bezirk Lichtenberg dem Gesangverein.Voi-wärts». den» Borhagener Sparvcrew.Rotgroschen' insbesondere Herrn A. Wieloch«ür die trostreichen Worte an der Bahre des Verstorbenen, unseren herzlichen Dank 7zA Im Namen der Hinterbliebenen Witwe Anna Morr. ssajawa�gf Schwester und Schwägerin Lina im 32. Lebensjahte. ygg Dies zeigen ticsbetrübt an die trauernden Hinterbliebeuen Veong petens Berlin, Triststrasse 46. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. September, nachmittags 4 Uhr, von der Ka- pelle des Städtischen Friedhoses, Ieeitrasse, Ecke Müllcrstr., auS statt. Für die vielen Beweise herzlicher Tellnahrne und Krairzspenden bei der Beerdigung unseres lieben BaterS und Schwiegervaters Harl Seidel sagen wir alle» Beteiligten, insbesondere den Inhabern und Kollegen der Firma Rössemann u. Kühncmänn so- wie den M'tgticdern des sechsten Wahl- Ireises, des Laubenkoloniilenoerein» Schcrbenelte" und der Zentraltranken« taste der Tischler unseren innigsten Donk Geschwister Seidel. Danksagung. Für die viclM Beweise herzfichcr Tcitnahme bei der Beerdigung meines lieben Gatten, unseres guten Vaters lagen wir hiermit allen Beteiligten, besonder»«einen Verbands- und ArbeitStollcgen, dem Kahlverein und sewen Sängern, dem Spiro erein .Rote Nelke" und Miseren Harrs- den herzlichsten Dank W,tw« A. WoltT und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die vielen Kranz spenden bei der Beerdigung ineincS lieben Mannes, unseres lieben Vaters H'llkelm Schulse sage ich allen Verwandten und Bc- kannleti, insbesondere dem Meister Herrn Grenzer, den Kollegen der A. E.-G., dem Deutschen Metall� orbeiter-Berband, dem Wahloerein Bez. Pankow und dem Gesangverein »Liedcrsreund", Pankow, mciiicn besten Dank. 9gA Anne Schulze nebst Kindern Pankow, Hchnslr. 29. Bekanntmachunc;. Das Königliche Oberversicherungs- amt Gross-Berlin hol in der Sitzung vom 30. August d. I. die Schliessung der diesseitigen Kasse mit Abiaus des 3l. Dezember 1913 beschlossen. In Gemässheit des K 300 der Rcichsverfichcrungsordnung werden die bei der Schliessung vorhandene» vcrsrchcningSvssichtigen Mitglieder der Allgemeinen OrlSkrankenkasse Nieder- baenim zugewiesen. 276/17 Clrnaige Forderungen an die Kasse find binnen 3 Monaten beim unter- zeichnetcu Vorsitzenden anzumelden; später eingehende Forderungen werden abgelcbn,. Franz. Buchholz, 23. Septbr. 1913. Der Vorstand der Ortskrankenkasse<«r die Amtsbezirke Franz. Bncbholz(Blankenburg) und Heinersdori. I.!t.: Judis, erster Vorsitzender. MohrenstnJfs Kolonnaden. QrfranKfurteotrllS Trauer- Magazin KleioSr.Hüte ek. yr Äußerste Preßt-«r „ farbige Konfektion in größtem Maßstäbe zu bfi ligsten -Preisen— Westmann Ohne jede Zlnzählung! Keine Kassierer, kleine Raten! Bett- u. Leibwäsche, Teppiche, Portieren, Bilder, Gardinen, Stores, Stepp- u. and. Decken. TIATZXEU,' Hnfelaiidstrasie Rr. 41. Plüsciie tzleldeit-lSeol tllr eiea. Damen- Paletots Mtr. I«, 12, 16 Mk Tuchlager Koch 4 Seeland G. m. b.H. (iiMidsI,. 20-21 SüHX Sie fühlen sich wie neugeboren, wenn Sie schnopfe«. 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ST ( Bcndgggn, Ouinmiw'.' � R. Baukc, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köpenickerstr. 70. Lange, A. E, Brunnenstr. 167. Liepe, Schöneberg, Grnnewaldstr.JO. Meyer,P.Jükl!ii.,Borlinerstr.49— 50 J. Ch. Pollmann, Lotkringerstr. 60. pAfpliA A Seydelstraße 15. ��������LieLatterKassen � Bele'uckT'Segenstr*� Büttner, A.« Dauzi�erstr. 96. 73 Oescliäfte ta allen Stadtteilen Berlin! und in Rixdorf. Cregrttndet L8VT. KarlHeidenreich,Münchener8t.44 FranzHcilmann,SchnliendorfeMt.l4 Karl Hennig, Steinmetzstr. 74 Paul Hoppe, Hermsdorf erstr. 8 Hoppe'sKaclif.Kraai»rek,Adalbertat66 P.Husgen,IIerfürtli-,B.Liclit«nr&derst. Jacob, Pflügerstr. 70-1. Georg Kappe, WilnoliMhaTeiioratr. 8. A. Kelb, Rostockerstr. 31. F. Kiese wetter. SckiTelbeinersir. 16. Max Kniff ert, Landsb. Alle© 29. Friedrich Knop, Bodestr. 31 Paul Köbernick, Wilh.8tolzcstr.35 A. Kosubeck, Sparrstr. 4 Josef Krell, Weserstr. 179 Max Köiil, Triftstr. 9 Ernst Küster, Frankf. Allee 197. 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R.Mende, Schulstr.117. Eckeäaish. Zahn- Atel. Volkswohl, Miillfrii.l2«i> M. Rasenke, Birkeustr. 22. Karl Sommer, Fnokfirter Alice 104, Wiffo HIdw Muakaueratr. 18 N AUv, nüuA Eck, U»»,«,If«l»t7. VerantVörtlicher Redakteur: Alfred Wirlepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärtt Buchdruckerei n. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SflL Ar. 249. 30. Jahrgang. 2. Mim des Jotmärts" ßetlintt öollistilntt Mittwoch, 24. September 1918. GcwerhrcbaftUcbca. Die englilcken Postbeamten für den Streik. London, 22. September. Mg. 33er.) Seit mehreren Jahren streben die englischen Postbeamten nach einer Ver- besserung ihrer materiellen Lage, die durch das Steigen der Lebensmittelpreise sehr beeinträchtigt worden ist. Bisher verließen sie sich nur auf das Wohlwollen der Negierung, die es auch nicht an Untersuchungskomitees fehlen ließ, ohne daß es den Postbeamten darum besser gegangen wäre. Endlich ist diesen lange gefoppten Staatsbeamten der Geduldsfaden gerissen. Sie haben eingesehen, daß sie mit ihrer bisherigen den Streik verdammenden Taktik nicht weiter kommen und haben sich mit großer Mehrheit für die Taktik des Streiks ausgesprochen. Anlaß zu diesem Beschluß gab der Bericht eines' Komitees, das sich mit den lauten Klagen der Post- beamtcn befassen und Vorschläge zur Abhilfe machen sollte. Tie gemachten Vorschläge werden nun von den Postangestellten als eine Verspottung der gesamten Beamtenschaft angesehen. Der Komiteebericht schlägt eine winzige Lohnaufbesserung und daneben eine Verlängerung der Arbeitszeit für manche Beamtenkategorien vor. Ferner soll nach dem Bericht die Verteilung der Arbeit so geschehen, daß Arbeiten, die heute von besser bezahlten Angestellten verrichtet werden, anderen, schlechter bezahlten Postbeaniten übertragen werden. Dadurch würde man mehr an Gehältern sparen, als man an den vor- geschlagenen Gehaltsaufbesserungen ausgeben würde. Der Bericht hat unter den niederen wie den höheren Postbeamten die höchste Enttäuschung hervorgerufen. Am 20. September tagte in Birmingham eine außerordentliche Generalversamm- lung des Verbandes der Postangestellten, die sich mit der Lage befaßte. Nach langer Diskussion wurde folgende Vorstands- resolution angenommen: „Die Konferenz lehnt es ab, den Bericht des Komitees als eine passende Antwort auf unsere gerechten und mätzigen Forde- rungen anzuerkennen. Sie erklärt entschieden, datz keine Spie- lerei mit Pfennigen die zugegebene Erhöhung der Kosten der Lebenshaltung aus der Welt schaffen wird und betrachtet den Versuch, die Arbeitszeit des Personals unter der Maske eines Zugeständnisses zu vermehren, als eine Beleidigung der Jntelli- genz der Postangestellten. Sie fordert die Regierung auf, sofort Schritte zu tun, um die akute und gefährliche Lage zu regeln." Später nahm die Generalversammlung dann mit 549 gegen 175 Stimmen eine Resolution an, in der sich der Ver- band für die Taktik des Streiks aussprach und so mit der 3Zergangenheit gründlich brach. Der Generalsekretär Stuart führte zu dieser Resolution aus, daß nach seiner Ansicht die streikfeindliche Haltung des Verbandes an dem Komiteebericht mit schuldig sei. Früher sei er gegen Streiks gewesen, aber die Zeiten hätten sich geändert. Man müsse den Postminister wissen lassen, daß nian nicht ewig mit sich spielen lasse und daß man nicht unter ollen Umständen den Kampf ablehne. Natürlich bedeutet dieser Beschluß nicht den unmittel- ��5.?�eik der. englischen. Postbeamten. Man hat nur eine Waffe anerkannt, von der man in dem bevorstehenden Kampfe Gebrauch zu machen gedenkt. �...... f.;,-..: Berlin und UmgcgcMd. Die Lage der Schirmmacher und Schirmnäherinnen lautete das Thema einer vom Deutschen Holzarbeiter-Verbande ein- beruienen Versammlung, in der Max K ö n i g referierte. Redner gab ein Bild von der Lage der genannten Gruppe auf Grund einer im letzten Jahre aufgenommenen Statistik. Der Bericht umfaßt 25 Orte Deutschlands, und obgleich die Statistik nicht ein vollständiges Ergebnis zeitigte, � geht doch daraus hervor, datz unter dieser Kategorie von Ar- beitern und Arbeiterinnen ein furchtbares Elend herrscht. Hier zeigen sich die verheerenden Folgen der Heimarbeit im grellsten Lichte. Die Agitation ist hier, wie in allen Heimarbeitertndustrien, eine sehr schwierige. Während der Deutsche Holzarbeiterverband für die übrigen angeschlossenen Arbeitergruppen erhebliche Vorteile er- kämpfen konnte, trifft dies für die Schirmbranche nicht in dem Maße zu. Insbesondere sind es die Schirmnäberinnen, die unter schlechten Lohn- und Arbeitsbedingungen arbeiten müssen. 10— 16 M. Verdienst in der Woche bei einer Arbeitszeit von K> bis 110 Stunden ist keine Seltenheit. Rechnet man noch 2—6 M. für Zutaten ab, so kann man sich vor- stellen, unter welch erbärmlichen Verhältnffsen diese Arbeiterinnen dahinvegetieren. Außerdem kommt noch hinzu, paß mehrere Stunden mit Liefern und Warten auf Ware verloren gehen. Gestützt auf reichhaltiges Tatsachenmaterial konnte der Re- ferent eine ebenso interessante wie ergreifende Darstellnnq der Daseinsbedingungen der Schirmproletarier entwerfen, die sowohl Berlin wie daS übrige Reich umfaßte. Charakteristisch ist auch folgendes Vorkommnis: Bekanntlich verweisen die Berliner Unternehmer aller Berufe gern auf die Löhne in der Provinz, die es ihnen aus Konkurrenzrücksichten unmöglich machten, mit ihren Lohnsätzen hinaufzugehen. So auch die Berliner Schirm- fabrikanten. Nun hatte vor zwei Jahren der Deutsche Holzarbeiter« verband eine Agitationsbroschüre herausgegeben, die auch statistische Angaben über Löhne usw. enthielt und im Reiche verteilt wurde. Da erklärten nun z. B. die Unternehmer in Straßburg i. E. ihren Arbeitern: wenn ihr dem Verband beitretet, so zahlen wir Euch von nun an— Berliner Preise I So stellt sich also in diesem Falle das Märchen von der Konkurrenz in der Provinz dar. In der Diskussion wurden die AuSfübrnngeu des Referenten ergänzt, bezw. bestätigt. Es wurde haupffächlich auf die Notwendig- keit hingewiesen, die Schirmnäherinnen zu organisieren. Das könne am besten geschehen, indem das Hauptgewicht auf Werkstuben- Versammlungen gelegt werde. Dort sei es am ehesten möglich in organisatorischer Hinsicht erfolgreich auf die BerusSan�ehörigen ein- zuwirken. Es wurden auch Beispiele vorgebracht, die die Schirm- fabrikanten im Lichte deS Scharfmachertums zeigen. Wir schwer die Arbeitslosigkeit auch auf die Gruppe der Schirmmacher.lastet, geht ans der Tatsache hervor, daß 6—8 Monate Beschäftigun�zslosigkeit keine Seltenheit ist. ES kommt vor. daß Frauen von Schirm- machern, die so lange ohne Arbeit sind, und eine Kinderschav haben, zum Bäcker gehen und alte Backwaren holen, mit denen die Familien ihren Hunger stillen._ In der Gardinen- und Portierenstangen- Fabrik von Aiigslst König. Teltower Straße 47/48, stehen die Holzarbeiter seit vier Wochen im Streik. Schon einige Wochen vorher entstanden Differenzen, weil die Firma den Arbeitern Abzüge auf tariflich festgesetzte Akkord- Positionen anbot, die für jeden in Frage kommenden Arbeiter einen � Lohnausfall von 6—9 M. pro Woche hedeuten. Und das, obgleich\ der Durchschnittslohn dieser Arbeiter nur 28 M. betrug. Trotz der bei so niedrigem Verdienst selbstverständlich sehr schlechten Wirtschaft- lichen Lage, zeigten die Arbeiter das größte Entgegenkommen, indem sie weitgehende Zugeständnisse machten. Die Firma lehnte aber diese Zugeständnisse ab und beharrte auf Durchführung ihrer horrenden Abzüge. Unter Bezug auf den erst im Januar dieses Jahres mit der Firma �.gkgelchlafferleu.. Tarifvertrag versuchte dann ein Vertreter des Deutschen Holzarbeiter-Berbandes diese Differenzen zu erledigen. Leider ohne Erfolg, da die Firmen- inhaber sich weigerten, den Organisationsvertreter zu empfangen. Die Firma liefert u. a. für fast alle Warenhäuser, so besonders siir Wertheim. Jandorf und Tietz Gardinen- und Portierenstangen, die mit der Schutzmarke.König-Stangen' ver- sehen sind. Die Vergebung der Dachdeckerarbeiten bei der Baugenossenschast„Paradies" in Bohnsdorf gab Veranlassung zu heftigen Auseinander- setzungen in der letzten Versammlung des Zentralverbandes der Dachdecker. Görnitz gab, veranlaßt durch den später zurück- genommenen Vorwurf, er habe die Interessen der organisierten Dachdecker auf dieser Baustelle nicht genügend wahrgenommen, folgende Darstellung des Falles: Unmittelbar vor der Inangriffnahme der Dachdeckerarbeiten in Bohnsdorf habe er erfahren, datz die Ausführung der Dachdecker- arbeiten dem Dachdeckermeister B a r e n t h i e n übertragen worden ist. Weil nun Herr Barenthien mit zu den Arbeitgebern gehört, welche im vergangenen Jahre beschlossen hatten, keinen Dachdecker zu beschäftigen, welcher im Zentralverband organisiert ist und weil er auch nach diesem Beschlutz streng gehandelt hat, ging Görnitz zu dem Vorsitzenden Dorner der Baugenossenschaft„Paradies", um mit ihm über diese Dinge zu reden. Dorn er sagte: ES sei wohl richtig, daß Barenthien die Arbeiten übertragen worden sind. Es sei dies aber aui Befürwortung eines Vorstandsmitgliedes der Ge- nossenschast geschehen, welches selbst Dachdecker sei. Dem Arbeit- geber Barenthien sei auch vertraglich die Verpflichtung auf- erlegt worden, in Bohnsdorf nur organisierte Arbeiter zu be- schäftigen. Zunächst sprach Görnitz seine Verwunderung aus, datz der Vorstand der Genossenschaft es nicht für notwendig erachtet habe, sich mit der Organisationsleitung des Dachdeckerverbandes zu verständigen, um sich von dieser einige taristreue und leistungsfähige Firmen in Vorschlag bringen zu lassen. Weiter wies er darauf hin, daß die Bestimmung,„nur organisierte Arbeiter" zu beschäftigen, von Herrn Barenthien so verstanden werden kann, daß er auch seine Dachdecker als organisiert betrachtet, obgleich sie alle in der gelben Organisation sind' Der Vorsitzende der Genossenschaft„Paradies" versprach. Herrn Barenthien ausdrücklich die Verpflichtung auf- zuerlegen, nur Arbeiter zu beschäftigen, welche im Zentral- verband organisiert sind. Da sich im Augenblick nicht mehr erreichen ließ, mußte man sich mit diesen Erklärungen zufrieden geben. Nach kurzer Zeit stellte sich aber heraus, daß in Bohnsdorf die Hilfsarbeiter nicht organisiert sind und trotzdem dort beschäftigt wurden. Sie hatten wohl versucht, in den Zentralverband der Dachdecker wieder auf- genommen zu werden. Die Aufnahme lehnte Görnitz aber ab, weil genügend organisierte leistungsfähige Hilfsarbeiter aus dem Arbeitsnachweis lagen, welche zum Teil schon monatelang ohne Beschäftigung waren. Als die Aufnahme vom Dachdeckerverband verweigert wurde, versuchten die Leute sich in den Transportarbeiter- verband aufnehmen zu lassen. Nach ziemlich 14 Tagen gelang es den Barenthienschen Hilfsarbeitern im Bauarbeiterverband Aufnahme zu finden. Nun waren für den Vorsitzenden D o r n e r der Genossenschaft„Paradies" die Arbeiter organisiert, während nach der Meinung von Görnitz die Arbeiter, welche im Dachdecker- gewerbe beschäftigt werden, in den Zentralverband der Dachdecker gehören. Die Versammlung verurteilte die Handlungsweise deS Vorsitzenden der Arbeiterbaugenoffenschaft„Paradies". Hätte er mehr Energie entwickelt, dann wäre es wohl möglich gewesen, einige Hilfsarbeiter vom Zentralverband in Arbeit bringen zu können. Not und Elend sind leider unter den organisierten Arbeitern im Dach- deckergewerbe im Uebermatze vorhanden. veuvkcbes Reich. Die parteiische Staatstverft. fDer Streik auf den SeeschiffSwerften ist beendet. Die Arbeiter hab«fr«ust Verlangen ihrer Organisationen- bedingungslos die Arbeit wieder aufgenommen. Die Werstgewaltigen ober lassen ihre Wut an den.Arbeitern aus. Eine größere Anzahl Arbeiter wird, nach dem Teinvo zu urteilen, in dem die Wiedereinstellung erfolgt, keine Arbeit erhalten. Viele Werftarbeiter suchen in dieser Situation den Unter« nehmerarbeihsnachweis der Eisenindustriellen nicht wieder auf, deines fcuilleton. Der Dumpf. Die Stadt Breslau scheint sich in dem Anlauf, mu dem pe sich unier der Protektion des Kronprinzen in die öffent- uche Aulmerkiamkeir gesetzt hat. überstürzen zu wollen. Zuerst kam * � imponierende Aufmarsch der Kriegervereine, die gegen eine zu hohe Autfassung der Freiheitskriege mit Erfolg protestierten und eine literarische Kompetenz zeigten, der höchstens noch die des Lanqfuhrer Obersts gleichkommt. Dann crklärie Wilhelm II. unwiderleglich die Jahrhunderthalle als eines der gelungensten Bauwerke unserer Zeit. indem er an ihr vorübermarschierle, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Und jetzt— jetzt suckr die ehrgeizige Hauplstadt Schlesiens auch noch im Skandal der Reichshauptstadt den Rang ab- zulaufen. Die neueste BreSlauer Affäre darf nicht als Jahr- hunderiseier betrachtet werden. Sie ist eine durchaus private An- gelegenheit wohlsttuierter Bürgerkreise und trägt keinen offiziellen Charakter. Zahnarzt, zwei Versicherungsbeamte, ein Konzertmeister, ein Badeanstaltsbefitzer, ein Magistratsbote, ein früherer Student— sielst man da nicht einen ganzen Stammtisch beieinander sitzen von lauter acuten, die wissen, was sie sind? Lauter Staatsstützen, die sicher wie die Rohrspatzen über Hauptmanns Festspiel und die daraus reiultierende Verletzung ihrer edelsten Gefühle schimpften. Wie groß und würdig mögen sie unter ihren nationalliberalen Parteifreunden dageiesten lein, �.eider hatten sie aber auch noch andere Gefühle und deren Ausübung hat schon mindestens zwei von ihnen zu einem wohlgezielte»«chug vors Hirn veranlaßt, während die anderen vorerst wohlgeborgen hinter Schloß und Riegel sitzen. Die wohl- situierten slaatsflutzen fanden nämlich ein besonderes Vergnügen im Umgang mit kleineu Schulmädchen, so zwischen 12 und 16 Jahren, und diese Kinderliebe hat ihnen jetzt den Hals gebrochen. Wir wollen es anderen überlassen, diesen bürgerlichen Sumpf nach jeder Richtung hin abzusuchen und die besonderen Arten des Geschlechtsverkehrs festzustellen. Uns interessiert eine ganz andere, die soziale Seite der Sache, die wertvolles Material für die Be- urlcilung der inneren Gesundheit dieses kerndeutschen Bürgertum» ■ m V�» monarchisch und loyal bis auf die Knochen ist. Wenn in Berlin �eine Skandalgeschichte auskommt, so sind in den aller- me}Ii*n die„obersten Zehnlausend" daran beteiligt, diejenigen weiche absolut nichts zu tun haben und. um ihrem hoblen Dasein etwas Aehnliches wie Inhalt zu geben, solche Orgien er- sinnen, wie sie in zahlreichen Berliner Prozessen nicht sehr wohl- riecheiib� auftauchten. In der Provinz fehlt diese verderbte �oerschichr. dieser Salar von degeneriertem Adel, schieberhaft erworbenem Reichtum und zu allem tähigen Dirnentum. Dafür ist aber ein Burgertum da das es an Stagnation mit jedem Sumpf aufnimmt. Die Geschäfte'gehen so ihren altgewohnten Trott werter, man hat Zell, einen Früh, �5 einen Dammerschoppen zu machen, das schwere Breslauer Bier macht Hrrn und Bauch schwer und. trage, man sitzt in der dumpfen, ungelüfteten Behaglichkeit des Bourgeois-Stumpfsinns zusammen, und in dieser satten, geistlosen Atmosphäre entstehe., dann die geilen Lüste, die Früchte der Faulheit. und eines Tages ist der Skandal da.'■ o v .Da ist dann mit einem Male wieder bewiesen, was daS Kirchen- lausen dieser angesehenen Burger und ihr alkoholischer Hurrapalrio- wert iw Alles Produkte stumpN°Thir.w d.e mit Inbrunst all das festhalten, was kernen Gedanken verlangt. Die Opposition ertorderl Beweglichkeit, raschen Geist Verzicht auf das Warmsitzen bmterm Ofen. Die Loyalität aber'kann man sich be- quem mS Maul schmieren lassen und tiägt am Ende noch einen Hoflieserantentitel oder Orden. Dazu hat man die allgemeine Achtung, ist Vorstandsmitglied im Verein zur Bekämpfung der Unsittlichkeit und gefeierter Damenredner im Krieger- verein und— nebenbei hat man ein warmes Absteige- quartier, wo man all die Lüstchen, die man öffentlich hinter der Maske des ehrenfesten Bürgers verhehlt, heimlich an halbwüchsige Mädels loS wird. Der Breslauer Skandal zeigt nur, wie verfault und greisenhaft dieses Bürgertum ist, das für die höchsten Güter der Nation einzustehen vorgibt. Seine geistige Domäne ist der Stammtisch, wo daS Gespräch zwischen Bismarck und Mikosch hin und her schwankt, und seine Gesühlshöhepunkte sind ein Kaii'ereinzug und ein Privatbordell mit Minderjährigen. Und mit diesem Bürgertum sollte man nicht aufräumen können? Die Moral mit dem angehängten Schinken. Peter Winnen« „Wer will unter die Soldaten?" hat den„maßgebenden Stellen" so wenig gefallen, daß sie schleunigste Konfiskation angeordnet haben. Um so mehr werden die„Rekrutenbriefe" bei eben diesen Stellen Anklang finden, die der„Bäuerliche Dienstbote", Organ des Vereins für katholische ländliche Dienstboten, Bayern r. d. Rh., seinen Lesern mit auf den Weg gibt. Herr Pfarrer St. in G-. ihr Verfasser, weiß, was sich für einen Soldaten ziemt. Heldenmut.„Die Kriegs- geichichte ist voll heldenmütiger Taten. In der Schlacht bei Bion- ville, am 16. August 1870, stürmten 1000 Reiter, den sicheren Tod vor Augen, in die ftanzösischen Reihen. Als zum Sammeln ge« blasen wurde durch den einzigen Trompeter, der noch am Leben war, gab seine Trompete einen marlerschütternden Ton: sie war von K�eln durchlöchert. Nur 100 Reiter fanden sich ein, die übrigen waren gefallen. DaS war Heldenmut und Tapferkeit. Mut und Tapferkeit werden durch die militärischen Uebungen gefördert, ober die Wurzeln dieser Manneszucht müssen beim Soldaten im festen Gottvertrauen liegen."— Neben Helden- mut und Gottvertrauen aber auch Gehorsam. DaS ist sogar am Ende noch wichtiger— von wegen der Rückwirkung auf das zivilistische Dienstverhältnis. Gehorsam muß sein.„Also kein „linksum", wenn„rechtsum" kommandiert wird, wie es daheim oft geschieht.(Leiderl) Widerrede gibt es nicht. Da heißt es einfach: „Zu Befehl" und gehorchen.... Da« ist oft schwer für den nach Freiheit strebenden Menschen, aber es muß sein, weil Soldaten- und Christenpflicht."— Endlich aber auch: Gut« Führung I„Einer ehrenbaflen Führung muß jeder Soldat sich befleißigen. Blank wie sein Schwert sei sein Charakier... Durch ehrenhafte Führung sei jeder leinen Kameraden ein Vorbild", u. s. f. Schön gesagt, nicht wahr? Welcher preußische Unteroffizier könnte der Versuchung widerstehen, die Nummer des„Bäuerlichen Dienst- boten", die diese guten Ratschläge enthält, zur Massenverbreitung zu empfehlen! Aber wir warnen dringend! Nicht nur im Schafspelz, auch in der Soutane geht der Wolf umher. Besagte Nummer des „Ländlichen Dienstboten" enthält nämlich noch einen anderen Aufsatz zur Ermunterung junger Rekruten. Und aus ihm spricht— leider!-r eine ganz andere Moral. Hans und Jakob, ihre Helden, beweisen darin ihren Heldenmut und ihre vorbildliche Führung in nicht mehr mehr und nicht weniger, als daß sie im Manöver einen Schinken klauen.� Und der Verfasser ist ihnen deshalb gar nicht böse. Nein. man hört ordentlich, wie er sich ins Fäustchen lacht, wenn der bestohlene Bauer schimpft und poltert und der Unlerosfizier angeblich nach dem geraubten Gute sucht: man spürt ordentlich seinen Aerger, wenn durch einen dummen Zufall da» Versteck— die Trommel— doch entdeckt wird..„Unrecht Gut gedeihet nicht", sagt er zwar am Schluß. Aber schließlich schadetS nichts, wenn man mal die Probe macht, ob es nicht doch am Ende gedeiht.„Heute noch schimpft Jakob, wenn er von der Sache erzählt, darüber, daß der saftige Schinken nicht den Weg in seinen und seines Freundes Magen gefunden hat." Ja, ja, sie waren doch»och nicht schlau genug. Wenn Ihr eS auch mal probieren wollt,.liebe Freunde, seid»och schlauer!... Ja, ja; blon mit Moral gefüttert kann auch ein ländlicher katholischer Diensth ote nicht werden; sonst macht er am Ende doch „linksum", während„rechtsum" kommandiert ist. Der Herr Staatsanwalt aber wirds hoffentlich nicht übel- nehmen._ Notizen. — Theaterchranik. Das Theater am Nolle»- d 0 r f p l a tz wird am Mittwoch, den 1. Oktober, mit der burlesken Operette in zwei Akten„Die Heimkehr des O d y s se u s" von Karl Eltlinger und End) Motz. Musik au» Werken von Offenbach zusammeiigestellt und bearbcvtet von Leopold Schmidt, eröffnet.— Direktor Dr. Altmann wurde von der Literarischen Gesellschaft in Dresden eingeladen, mit dem Ensemble des Kleinen Theaters am 31. Oktober eine Aufführung von Franz» Dülbergs Drama „Korallenkettlin" zu veranstalten. — Eine Telephon Verbindung auf der Flug- Maschine. Der amerikanische Ingenieur H. M. Turner hat einen „Aviophon" konstruiert, der die durch den Lärm der Motoren und Propeller veranlaßten Schwierigkeiten der Verständigung zwischen Flieger, Passagier oder Beobachter überwindet. Der Flugzeugführer trägt stets den Hörer am Ohr, der Paffagier hat ihn neben sich hängen. — Kunstchronik. Heinrich Tessenow, der Erbauer deS Festspielhauses der Jaques-Dalcroze-Schule in Hellerau bei Dresden, ist als Dozent an die Wiener Kunstgewerbefchule berufen worden. — Wie man Atome sichtbar macht. In der neuesten Nummer der„Umschau", Wochenschrift für die Fortschritte der Wissenschaft und Technik(Frankfurt a. M.), veröffeutlicht Professor Erich Rcgcner einen Artikel, wonach es C. T. R. Wilson gelungen. ist, den ganzen Weg, den ein Atom beim Zerfall von Radium durch- fliegt, sichtbar zu machen und zu photographieren. Aus den Auf- nahmen ersieht man ganz deutlich, wie von einem winzigen Ra- diumkorn nach allen Seiten kleine Massenteilchen strahlenförmig fortgeschleudert werden, und zwar die stärkeren in gerader Linie, während die schwächeren, die sich ihren Weg gewissermaßen erst suchen müssen, eine krummlinige Bahn bilden. — Mehr Objekt als Subjekt. Der FreistnnS-Engel. literarischer Rahon-Cbef im Hause Mosse, pfählt in einem Artikel über den theaterflüchtigen Felix Hollaender folgenden Satz an: „Selbst in seinen besten Tbealerjahren. als das bunte Spiel vor und hinter den Kulissen ihn so sehr erfüllte, hatte er doch Stunden, in denen er auSspracki. daß diese Welt ihm mehr Objekt als Subjekt... fei." Kann Fritz Engel, dem der Zeilgeist-Ramsch noch Zeit genug zu allerhand Ulk übrig läßt, uns diesen Gegensatz von Objekt und Subjekt nicht erklären? Aber, bitte, nicht in Wersen k prelctenlUd. Bald knurr ich wie ein wildes Tier. Bald schau ich auf ins Licht; So findet mancher was an mir. Und mancher wieder nichl. Doch trott ich weiter meinen Trot� Ob auch die Füße wund; Ich such noch immer meinen Gott, Doch müde wie ein Hund. Do kr. sondern bemühen sich um Stellung an anderen Orten. Damit machen sie einmal von ihrem guten staatsbürgerlichen Recht der Freizügigkeit Gebrauch, zum anderen gehen sie dadurch dem rachelüsternen Unter» nehmertum aus dem Wege. Die Kaiserliche Werft in Wilhelmshaven nun sucht Arbeitskräfte. Mancher Arbeitslose wendet sich nach dort um Arbeit. Es wurden von der Kaiserlichen Werft auch einige von den Werftorten kommende Leute eingestellt. Damit aber find die Privat- Werftbesitzer nicht einverstanden; sie scheinen entsprechende Schritte unternommen zu haben, um die Einstellung der Ausständigen ander- wärts zu verhindern. In diesem Sinne ist zweifellos auf die Kaiserliche Werft in Wilhelmshaven eingewirkt worden und die Werft in Wilhelmshaven folgt dem Winke der privaten Seeschiffs- werften und hilft mit, die Arbeiter in die allen Arbeitsstätten zurück- zutreiben l Seit einigen Tagen werden aus den Werftorten kommende Leute von der Kaiserlichen Werft zurückgewiesen. Mitte voriger Woche er- eignete sich ein Fall, der das klar beweist. Ein Hamburger Maschinenbauer suchte schriftlich bei der Wilhelmshavener Werst um Arbeit nach und erhielt darauf die Mitteilung, daß er vom 18. Scp- tember ab eingestellt werden könne, wenn er vom Werftarzt für gesund befunden würde und den Bedingungen des bekannten Z 1 der Arbeitsordnung entspräche. Der Mann reiste auf seine Kosten nach Wilhelmshaven, wurde vom Werftoberarzt für gesund befunden und begab sich nun nach dem Arbeiteramt. Dort wurde ihm überraschendem weise bedeutet, daß er, wenn er eingestellt werden wolle, eine B e> scheinigung darüber beibringen müsse, aus der hervorgehe, daß seiner Ein st eilung auf der letzten Werft, wo er tätig war, nichts entgegen st ehe. Ferner wurde ihm gesagt, daß er in Hamburg, wo er herkomme, Arbeit suchen möge l Der Maschinenbauer war bis zum Juli auf der Reiherstiegwerft in Hamburg beschäftigt, hatte dort mit die Arbeit niedergelegt und wollte nun auf die Gnade der Werflbesitzer nicht warten. Auf dem Arbeiteramt war in dem Arbeitsbuch des Maschinen- bauerS bereits der Tag des Eintritts in die Betriebe der kaiserlichen Werft vermerkt. Der Vermerk wurde mit Blaustift wieder durch- strichen. Zwei anderen Arbeitern erging es ähnlich. Unter diesen Umständen besteht kein Zweifel, daß die Kaiserliche Werst sich dem Willen der Scharfmacher unterordnet.. Gegen ein solches Unterfangen einer neutral sein sollenden Behörde muß ent- schieden Protest erhoben werden. Wenn die sich bei ihr meldenden Werstarbeiter— und sie suchte ja Arbeitskräste— den allgemeinen Bedingungen entsprachen, sollte und durfte der Einstellung nichts mehr im Wege stehen. ES mußte der Staalswerst sogar willkommen sein, ihren Betrieb mit eingearbeiteten Arbeitern füllen zu können. Das gebietet jedenfalls das Staatsinteresse und die Gerechtigkeit gegenüber den Arbeitern als Staatsbürger. Der Konflikt auf den Privatwerften ging die Kaiserliche Werst gar nichts an, sie war völlig unbeteiligt daran. Daher stellt ihre neueste Maßnahme eine offene Parteinahme für die privaten Seeschiffswerften zuungunsten der Arbeiter dar, die auf die Arbeiter empörend wirken muß. Zu verurteilen ist aber auch die rücksichtslose Art, wie die Kaiserliche Werst in Wilhelmshaven die Arbeiter durch ihre Parteinahme schädigt. Der Arbeiter in dem obengeschilderten Falle wurde durch das Schreiben der Werft, in dem es klipp und klar heißt, daß er vom 18. September ab Arbeit erhalten könne, wenn er für gesund befunden würde und den übrigen mitgeteilten Bedingungen entspräche, in die bestimmte Au- nähme versetzt, seine Anstellung sei so gut wie perfekt. In dem Schreiben mit den Bedingungen wärmst keinem Wort die Rede dovi>n.vaß er, falls er im Juli auf den Seeschiffswecsten mstgestreikt habe, auf der Kaiserlichen Werft nicht beschäftigt werden würde. Warum wird das aus den Werftorten sich meldenden Arbeitern zunächst verschwiegen? Die Arbeiter werden dadurch veranlaßt, für ihr sauer erworbenes Geld nach Wilhelmshaven zu fahren, um sich dann erst auf dem Arbeitsamt der Kaiserlichen Werft mündlich sagen lasten zu müssen, daß sie dort auf Arbeit zu warten hätten, wo sie gestrest» haben. ES wird notwendig sein, von den Verantwortlichen der Staats- werften im Reichstage Antwort zu verlangen über die Techtel- mechteleien der Kaiserlichen Werften mit dem Privatunter- nehmertum I_ Zum Streik im Stettiner Hafe«. Wie aus Stettin berichtet wird, hat der Magistrat die Absicht, den Hafenbetrieb Privatunternehmern zu übergeben. Damit würde er auf bequeme Art der Verantwortung enthoben sein, für die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Hafenarbeiter eintreten zu müssen. Der von Hamburg erwartete Transport von Arbeitswilligen ist auch am Dienstag nicht eingetroffen. Der Streik hat die schon mit- geteilte Ausdehnung erfahren. Die Schiffsarbeiter(Kontraktarbeiter) haben die Arbeit niedergelegt, weil sie sich nicht der neuen Ver- ordnung fügen wollen, wonach die Hafenarbeiter nur mit einer polizeilichen Konttollmarke den Betrieb betreten dürfen. Achtung, Porzellanarbeiter! Die Firma„Deutsche Speckstein- Porzellanwerke" RavenS u. Bernstiel in Lauf hat am letzten Lohn- zahlungstag sämtlichen Arbeitern und Arbeiterinnen von ihrem tarifmäßigen Stundenlohn Beträge von t bis zu 10 Pf. pro Stunde in Abzug gebracht. Zuzug ist von Lauf strengstens fernzuhalten. Smdns- Leitung. DaS schwere Eisenbahnunglück auf dem Stadtbahnhof Jannowih- brücke unterlag gestern der Prüfung der 4. Strafkammer des Laub- gerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hofmeister. Die gegen den Eisenbahngehilfen Franz Landt gerichtete An- klage beschuldigt diesen, wie wir bereits in der Sonntagsnummer näher darlegten, am 30. Oktober 1312. als zur Leitung der Eisen- bahnfahrten und zur Aufsicht über die Eisenbahn und den Be- förderungsbetrieb angestellte Person, durch Vernachlässigung der ihm obliegenden Pflichten einen Transport in Gefahr gesetzt und durch Fahrlästigkeit den Tod eines Menschen und die Körperver- letzung andere: verursacht zu haben..... Den Anlaß zu dem Zusammenstoß soll eme unrichtige S'gnal- stellung gegeben haben. Der Zug 2277 mutzte auf dem Bahnhof halten, da er kein Ausfahrtssignal hatte; der Zug 1753 wurde andererseits an der Fahrt nach dem Bahnhof nicht gehindert, da das Signal am Anfang des Bahnhofs ihm fme Fahrt angezeigt haben soll Etwa 20 Meter vor der Bahnhofshalle bemerkte zwar der Lokomotivführer Fischer den vor ihm haltenden Zug, er konnte aber seinen Zug trotz sofortigem Bremsen nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen. Die Schuld an der unrichtigen Signalstellung wird von der Anklagebehörde dem Angeklagten Landt zugeschoben, der an dem Unglückstage die Aufgabe hatte, durch Stellung der Signale und Blockung die Züge durch den Bahnhof zu leiten. Er soll durch ein— wie zugegeben wird— unrichtiges Funktionieren der elek- trischen Leitunz irritiert worden fein. Die Anklage behauptet aber, daß ihn trotzdem ein großes Verschulden treffe, da er inehrere Dienstvorschriften außer acht gelassen habe. Er hätte sich nicht auf die Farbenveränderung bei der Blockung verlassen dürfen, sondern hätte nach dem im Dienstraum hängenden Blockmerkblatt und nach § 13 der Vorschriften für den Stellwerkdienst sich durch Augenschein davon überzeugen müssen, ob tatsächlich ein Zug über jene Stelle gefahren war, wie die Farbenveränderung in dem Blockfelde an- zeigte. Er hätte, so wird behauptet, keinesfalls ein Einfahrtssignal für einen Zug geben dürfen, ohne durch Augenschein zu prüfen, ob die Fahrstraße auch frei war. Diese Prüfung ist übrigens durch den§ 23,1 der Fahrdienstvorschriften besonders angeordnet und gilt als die wichtigste Bestimmung für die Fahrdienstleiter. Um diese Bestimmung zu erfüllen zu können, ist außerdem in dem auf dem Bahnhof befindlichen Blockhäuschen ein besonderes Fensler an- gebracht, durch welches der Angeklagte sehen konnte, daß sich der Zug 227 noch in dem Bahnhof befand. In der Verhandlung bestritt der Angeklagte mit aller Ent schiedenheit, nach irgend einer Richtung hin fahrlässig gehandelt zu haben. Der Borsitzende teilte mit: Mit der eigentlichen Beweisauf- nähme solle erst nach dem Lokaltermin auf dem Bahnhof Jannowitz- brücke begonnen werden. Um die Möglichkeit zu haben, bei diesem Lokaltermin in strafprozessual zulässiger Weise Fragen richten zu können, wurden gestern nur die beiden technischen Sach- verständigen Geheimrat Wambsganß und Oberbaurät Hentzen und der medizinische Sachverständige Oberarzt Tr. Franz vom Krankenhaus Bethanien vernommen. Letzterer be- kündete auf eine Frage des Rechtsanwalts Tr. Puppe, daß die Möglichkeit gegeben sei, daß der bei dem Zusammenstoß tödlich verunglückte Arbeiter Klingenbcrg mit dem Leben davon- gekommen wäre, wenn unmittelbar nach dem Unfall durch Ab- binden der verletzten Gliedmatzen eine Verblutung verhindert war- den wäre. Diese Möglichkeit sei allerdings eine sehr entfernte, da der Verletzte neben einem komplizierten Bruch beider Unterschenkel auch einen schweren Nervenchok erlitten habe. Der Geheimrat Wambsganß, der die ersten Feststellungen an der Unfallstelle getroffen hatte, bekundete zunächst als Zeuge, daß man zuerst an ein Verschulden des Lokomotivführers gedacht Hab«. Bei dem gerade an der Westeinfahrt des Bahnhofs Jannowitzbrückc sehr unübersichtlichen Terrain habe der Lolomotivführer den in dem Bahnhof haltenden Zug erst sehen können, als es zu einem wirksamen Bremsen schon zu spät war. Der Angeklagte habe zuerst behauptet, das Einfahrtssignal habe, auf„Halt!" gestanden; erst als sieben andere Beamte bekundeten, daß das Signal auf„freie Fahrt" gestanden habe, habe auch er die Möglichkeit zugegeben. Richtig sei es, daß dos Rusfahrtssignal nicht richtig funktioniert hat und auf„Halt!" gefallen war.— Ter Angeklagte will hierdurch in dem Glauben versetzt worden sein, daß der Zug schon längst die Bahnhofshalle verlassen und das Haltesignal schon für den folgenden Zug gestellt sei. �—, Wie der Sachverständige bekundete, sei es aller- dings mehrfach vorgekommen, daß ein derartiges Signal von selbst auf„Hältl" falle. Dies liege an der inneren Konstruktion der Apparat«. Wenn durch eine Störung der elektrischen Leitung der Kuppelungsstrom unterbrochen werde, falle das Signal aus„Halt!" und müsse dann wieder aus„freie Fahrt" gestellt werden. Der Sachverständige Obcrbaurat Henven erläuterte an der Hand von Skizzen und Plänen die ganze Situation an der Unfall- stelle und die innere Einrichtung der Block- und Signalapparaie. Der Zug 2033, der kurz vor dem verunglückten Vorortzug 2277 den Bahnhof verlassen hatte, sei von der Blockstelle 3 regelrecht zurück- und vorgeblockt worden. Bei der Ausfahrt� dieses Zuges werde das Ausfahrtssignal durch einen elektrischen Schienenkoniakt auf„Halt!" gestellt. Dies müsse auch geschehen sein, da sonst über- Haupt nicht geblockt tverden konnte, weil der Flügel des Signals den Blockstrom überhaupt erst schließt. Richtig ist und werde auch von dem Lokomotivführer des verunglückten � Zuges bestätigt, daß bei seiner Einfahrt das Ausfahrtssignal auf„freie Fahrt" gestanden habe, dann aber plötzlich auf Halt!" gefallen sei, der Angeklagte müsse also ordnungsmäßig das Signal auf„freie Fahrt" gestellt haben, um den in der Halle befindlichen Zug zur Ausfahrt zu ver- anlassen. Wenn das Signal trotzdem auf„Halt!" gefallen fei, so sei dies auf einen* Fehler an dem Apparat zurückzuführen, der von dem Oberingenieur Wegner von der Firma Siemens u. Halske festgestellt worden sei. Einer der beiden Magnetschalter habe Tauerschluß gehabt. Außerdem sei auch noch ein Fehler an dem Schienenstromschließer vorhanden gewesen,«elbst wenn nun das Signal durch die technischen Mängel auf„Halt!" gefallen sei, wie es übrigens am nächsten Tage noch einmal passiert fei, ohne daß ein Unfall geschah, da der Beamte aufgepaßt hatte, so habe der Angeklagte durch das Fenster seiner Blockbude sofort bemerken müssen, daß sich der Zug noch in der Bahnhoishalle befinde. Alle technischen Einrichtungen stellen aber nur Hilfsmittel dar, die von den Beamten beaufsichtigt und geleitet werden sollen. Ein Eisen- bahnbcamter müsse eben die Augen auftun und selbst sehen, wo sich der Zug befindet und das habe der Angeklagte offenbar nicht getan.— Auf eine Reihe von Fragen des Rechtsanwalts Dr. Puppe, der u. a. darauf hinweist, daß�zu jener Zeit 47 Züge stündlich zu bedienen sind, bestätigt der Sachverständige, daß der Angeklagte innerhalb eines Zeitraums von 2lb Minuten acht verschiedene Handlungen auszuführen hatte. Es sei erklärlich, daß dies mit der Zeit rein mecharrisch getan werde, da es sich immer um dieselben Handgriff« handele. Der Angeklagte habe sich offenbar hierbei nur auf die Signale verlassen und dem folgenden Zug das„Freie- Fahrt"-Signal gegeben, nachdem er ganz mechanisch geblockt hatte. Durch die Freigabe der Strecke habe er gegen die wichtigste Dienst- Vorschrift verstoßen. Zu längeren Erörterungen kam es dann noch über die Art, in welcher morgen(Mittwoch), 7.30 Uhr früh, der Lokaltermin in der Blockbude abgehalten werden soll. Beide Sachverständigen er- klärten, daß der zur Verfügung stehende Raum ein sehr beschränkter sei, außerdem dürfte der Blockbcamt« keineswegs irritiert werden, da er bei der schnellen Zugfolge mit gespannter Aufmerksamkeit seinen Dienst veriehen müsse. Der Lokaltermin soll in der Weise abgehalten werden, daß immer nur drei Prozeßbeteiligte unter Leitung des Oberbaurats Hentzen den Tienstraum betreten sollen, wo ihnen, um jede Störung zu vermeiden, im Flüsterton die er- forderlichen Erläuterungen gegeben werden sollen Hus aller Melt. Bebel und die Kirche. DaS staatlich approbierte Geschästschristentum u»d seine Ver- treter haben heute noch schwer an der Tatsache zu verdauen, daß am Leichenbegängnis Bebels in Zürich die Glocken der St. Jakobskirche ihre ehernen Töne dem großen Toten ins Grob nachsandten. Inzwischen hat wieder ein schweizerischer Dorspfarrer das klein- liche und unsagbar engherzige Kirchenchristentum beider Konfessionen Deutschlands beschämt. Am letzten Sonnlag, dem Bettag(Bußtag) pr.digte der Pfarrer des zürcherischen Dorfes Feuerhaken, Herr Sutermeister, über den Bibeltext„Du sollst Gott den Herrn lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit ganzem Gemüte und mit allen Kräften und Deinen Nächsten wie Dich selbst." Dabei stellte er als Vorbild eines solch gottgefälligen Lebens- Wandels August Bebel auf. Es ist, so sagte der Prediger u. a. ungefähr, vor einigen Wochen in Zürich ein Mann mit fürstlichen Ehren und unter der Anteilnahme von Millionen Herzen zu Grabe getragen worden, ob- wohl der Dahingegangene nur aus dem schlichten Arbeiter- und Handwerkerstande hervorgegangen. Ungezählte liebten ihn aber, weil sein ganzes Leben den Armen und Enterbten geweiht war und er wil selten einer vor ihm das Gebot„Liebe deinen Nächsten!" praktisch betätigt hat. Wohl war sein Glaubensbekenntnis nicht das unsrige; darauf kommt es aber gar nicht an. Er hatte den Glauben an da» Gute'im Menschen, und war stets bestrebt, dem Guten zum Durchdruckt zu verhelfen. Und darin liegt die höchste und schön st e Betätigung christlicher Glaubenslehren. Der Pfarrer forderte schließlich seine Zuhörer auf, August Bebel nachzustreben, um dadurch am ehesten dem christlichen Ideal werktätiger Menschen- und Nächstenliebe nahezukommen. Ein wildes Land, diese Schweiz, wo ungestraft christliche Prediger die Kanzel benützen dürfen, um einen Mann, der bekannt« lich das Wort geprägt hat, daß Christentum und Sozialdemokratie wie Feuer und Wasser sich gegenüberständen, als Musterbeispiel christlicher Liebestäiigkeit aufzustellen! Ein wildes Land, fürwahr. Katastrophe auf einer fiskalischen Grube. Auf der dem Brausschweiger Fiskus gehörenden Grube Hercynia bei Vienenburg ritz am Dienstagmittag bei der Ablösung der Mittagsschicht auf Schacht I das Tau der F a h r u n g. Der mit zwölf Bergleuten besetzte Korb stürzte in die Tiefe. Dabei wurden vier Berg- leute sofort getötet, die übrigen schwer verletzt._ Flug über das Mittelländische Meer. Ueber den kühnen Flug eines französischen Aviatikers wird gemeldet: Paris, 23. September. Der Flieger Garros, der heute früh 3 Uhr 52 Minulen in Saint Raphael nach Tunis auf- gestiegen war, hat, nach einer dem Eibauer seines Flugzeuges zu- gegangenen Meldung, um 11 Uhr 35 Minuten Cagliari auf Sardinien passiert und ist um 1 Uhr 45 Minuten in Biserla ein- getroffen. � Die von Garros zurückgelegte Strecke beträgt 800 Kilometer. Zwei Drittel davon hat Garros über dem Meere durchflogen- Er hat damit weitaus die längste Ueber-Meer-Fahrt vollführt, die bisher unternommen worden. Automobilkatastrophe in Baden. Auf der Landstraße zwischen Gralen und Neudorf fuhr ein Automobil infolge Versagens der Bremse und infolge des schlüpfrigen Weges gegen einen Baum. Die Insassen, zwei Aerzte und der Chauffeur, wurden herausgeschleudert. Einer der Fahrgäste und der Chauffeur waren sofort tot, während der andere auf dem Transport starb. Eine schreckliche Brandkatastrophe. Eine entsetzliche Brandkatastrophe ereignete sich in Gelsen» kirchen auf der zur Zeche„Nordstern" gehörenden Teerfabrik. Auf bisher noch unaufgeklärte Weise war dort Feuer ausgebrochen, da- sich bei dem leicht brennbaren Material so rasch ausbreitete, daß in wenigen Augenblicken die ganze Fabrik in Flammen stand. In einer Abteilung wurden sechs Ar- beiter so plötzlich von der Gefahr überrascht, daß sie vor Qualm und Flammen den Weg ins Freie nicht mehr finden konnten. Sie mußten elend ersticken und ver- brannten bis zur Unkenntlichkeit. Die verkohlten Leichen wurden mit vieler Mühe geborgen und rekognosziert. Revolverhelden. Durch eine Schießerei wurden am Montag nachmittag die Ein- wohner der im Remstal gelegenen würllembergischen Orte Groß- h e p p a ch und Jndersbach in Schrecken versetzt. Gegen 3 Uhr fuhren zwei Pferdehändler auf einem einspännigen Fuhr» werk in den Ort hinein und feuerten am OrtSeingange auf das WohnhauS des Gemeinderales Heckcr«inen scharfen Schuß ab. Die Kugel durchickilug die Scheibe eines Fensters und drang dann in die Stube; glücklicherweise wurde niemand verletzt. Die Männer fuhren dann weiter durch das Dorf, und gaben noch niedrere Schüsse ab. AIS Ziel holten sie sich die Anwesen der Landwirte Fischer und Bauer auSersehen. Hier wurde aber zum Glück ebenfalls niemand verletzt. Nach diesem zweiten Ueberfall gaben sie in der Nähe der Löwenwirtschaft einen weiteren Schuß ab und flohen dann nach Jndersbach. Einer Frau, der sie auf dem Wege begegneten, sollen sie zugerufen haben: Alles muß noch heute hin sein. Die Frau hörte noch, wie die Männer kurz darauf drei weitere Schüsse abgaben. In Jndersbach hielten sie im Gasthofe„Zum Rößl" kurze Rast und flohen dann, als ihnen die erregten Leute von Großheppach nachkamen. In der Nähe von Fellbach wurden sie von einem Landjäger verhastet. Sie gaben an, daß sie nicht die Abficht gehabt hätten, irgend jemand zu verletzen. Sie wollen sich von Kollegen verfolgt geglaubt haben, und um sich ihrer Angreifer zu erwehren, hätten sie die Schüsse ab- gefeuert. Inwieweit diese Angaben auf Wahrheit beruhen, wird die eingeleitete Untersuchung ergeben. Die durch die Schießerei in die größte Erregung geratenen Bewohner glaubten im ersten Augenblick daß ein zweiter Mühlhausener Ueberfall vor sich gehen werde. Heilige Einfalt! Der Beweis, daß die Dummen nicht aussterben, wurde orck*. Tage wieder einmal vor dem Landgerickit F r a n k e n th a l in der Pfalz geliefert. Die 52 Jahre alle GastwirtSebestau Katbarina Müller von Frankenthal, die sich mit Karrenfckilagen beschäftigt. hat innerhalb zwei Jahren der BäckerScheirau Elise Weinehl bares Geld und Gegenstände in einem Gesamtwerte von 20000 Mark abgeschwindelt. Die Müller hat Frau Weinehl vorgeläuscht, aus ihrem Mann Johannes Weiehl ruhe ein Fluch. der von dessen erster Frau herrühre. Der Fluch habe sich auf sein Söhnchen übertragen, sie aber, die Müller, habe die Macht, alles Unheil abzuwenden. Dazu aber brauche sie Geld und Waren, um Sühneopfer zu kochen und auf dem Grabe der ersten Frau Weinehls zu vergraben. Diese Ausbeutung bat zum wirtschaftlichen Niedergang der Familie Weinehl geführt und ihr war es zuzuschreiben, daß am 1. März 1913 der Ehemann Weinehl Hand an sich legte. DaS Ehepaar Müller hatte sich nun wegen dieser Gaunereien vor Gericht zu verantworten, das gegen die Ehefrau Müller auf 2 Jahre 4 Monate, gegen deren Ehe» mann auf 1 Jahr Gefängnis erkannt«. Kleine Notizen. Weil eS das Gesetz verlangt. In der Feldkircher Gasanstalt begann gestern die Verbrennung von 70 00 K r l o g r am m Saccharin, das in der letzten Zeit von der Schweiz nach Tirol eingeschmuggelt wurde. Sein Wert beträgt nach der-Schätzung der Finanzorgane 200 000 Kronen....■ m.. Moderne Goldmacher. Die Polizei entdeckt� m Marseille im italienischen Restaurant Conteffo in den Kellerraumlichkeiten eine vollständig«ingerichtete F a l s ch m ü n z« r w e r l st a t t e. Die Polizei beschlagnahmte insgesamt für 3800» Frank falsche? Geld. Schweres VerkehrSunglück. Dienstag vormittag ist in der Nähe von Budapest auf einer Bahnuberquerung eine Lokomotive in einen Omnibuswagen hinerngelaufen. Zwei Personen. der Kutscher und ein Fahrgast, waren) o f o r t tot. Fünf Per» sonen liegen im Sterben, zehn wurden mehr oder weniger schwer verletzt. n>.., Absturz ins Meer. Em mtt Begleiter von Casablonca kommender Militärflieger stürzte Montagabend 7 Uhr mit seinem Apparat hinter dem marokkanischen Hafen Safi au» 300 Meter Höhe ins Meer und verschwand in den Fluten. Der den Offizier begleitende Mechaniker wurde durch herbeigeeilte Fahrzeuge gerettet. Vermißt« Dampfer. Große Unruhe herrscht in New Dork über das Schicksal des Dampfers„Huronio", der überfällig ist. Er war auf dem Weg von Port Arthur am Oberen See nach de« Ontariosee begriffen und geriet vergangenen Sonnabend in eine» Sturm. Seitdem hat man nichts wieder von ihm gehört, obwohl er Apparate für drahtlose Telegraphie an Bord hatte. E« besamden sich etwa 200 Passagiere auf dem Dampfer. Hheaten Mittwoch. 24. Septemver 1913. älnfang 7»/, Ubr. Kgl. Opernhaus. Carmen. Kgl. Tchanipiethaus. Ariadne aus Naxos. Deutsches. Faust l. Lesiing. Peer Ghnt. Zirkus Tchuma iin. Galavorstellung. ilniany 8 Uvr. Urania. Mit dem Imperator nach New Jork. Deutsches«ünstlertheater. John Gabriel Borkman. Kammeripielc. Franziska. Komödienhaus. Das Paar nach der Mode. Theater des Westens. Gräfin Fifi- Neucs Qpernthcater(Kroll). Der Zlriuz Radi. Kleines. In Ewigkeit Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Berriac. Berliner. Fiimzauber. Königgrätzer Irraste. Das vierte Gebot. Montis Operetten. Der lachende Ebemann. Deutsches Schauspielhaus. Sieben tolle Tage. Deutsches Opernhaus. Der Frei- schütz. Schiller td. Fre'wild. Schiller Charlottenbnrg. Am Tage des Gerichts. Tbaiia. Puvvchen. Theater am Nollcndorsplah. Die Kino-Königin. Metropol. Die Reise um die Well in 40 Tagen. Kasino. Der Aktientenor oder Caruso aus Teilung. Trianon. Der abgerissene Glocken- zug. Untreu. Hcrruseld. SaS sagen sie zu Leibusch? Wintergarten. Spezialitäteu. Neichsvallen. Stettiner Sänger. Zirkus Busch. Galavorstellung. Antang 8'� Ubr. Residenz. Im Ebckäfig. Luitipieldaus. 777: lv. Roie. Die schiffbrüchigen. Luisen. Wehdem, der lügt. Folies Gnvriee. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. Das Adoptiv- kind. Walhalla. Der Liebesonkel. Boigt. Wohltäter der Menschheil. Ansang 8'/, Ubr. Neues Volkstheater. Der ledige Hof. Aniang 9 Ubr. Admiralsvalaft. Eisballett: Flirt m Et. Moritz. Sternwarte. Invalid enstr. 67—62 Schiller-Theater 0. (W allner-Tlieat ar). Mttwoch, abends 8 Uhr: Freiwild. Donnerstag, abends 8 Uhr: Cyrano von IScrcerac. Freitag, abends ö Uhr: Zwei Wappen. Schiller-Theater Cbarlottenbnrs. Msttwoch, abends 8 Uhr: Am laxe des Gerichts. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Stützen der Gesellscbaft. Freitag, abends a Ubr: 8 t. Male: Grofistadtlnft. Berliner Tüeater. Filmzauber. 8 Uhr 8 Uhr: Das vierte Gebot. Komödienhaus. 8 Uhr: Das Paar uaeli öer Moile. Ben ts che» Schau spie Ihans Abends 8 Uhr: Siebe» tolle Tage. Tdesler des Westens 8 mr: Gräfin Fifi. Sonnt, nachm.3'1«: Der liebe Augustiw «ff a ilendortplalz. Knsenible-Gastspiel des Berliner«eirflp™ters: Die Kino-Königin! Anfang 8 Ubr Lessing-Jheater. «nr.tiggit. I Donnerstag: Hiq Sehissbrliohlgen. Freitag: Bs.« Abnkl-uu. Sonnab. nachm. 3 Uhr:»aria Stuart. Metropol-Hiealer Abends 8 Uhr: 1 Ii 1 Gr. Aus/m ttunqsit, m. Ges. u. Tanz in 19 Bllo. m. vallständ. freier Benutzung des Julet Verna schen Romanes von Julius k�retitid. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. llioiiarii 8o>iultz. U\i ßaetunann. Joseph Giampietro. Suiilo Thielscher. Älfreil Schtnasow. Leopold Wolf. Ludwig Woll. Helene Ballot. IdaRusska. J. de Lande. Bon 9-1 Uhr: Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. 2 Kapellen. Passage-Panoptikum Der Mann mit der eisernen Faust d.größt. Kraftphän. aller Zeiten ~ lebend zu«eben l AGA die tchwebenda Jungfrau. Buddha die geheimniswlle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! Voigt- Theater Badftraste S8. Heute Mittwoch, b. 24. September: Die Mönche im Nonnenkloster. Lustspiel in 3 Akten von Wittmann. Kaffenöffn. 7 Uhr. Ansang 8'/, Uhr. Trisnon-Itieater. abenMubr: UntfEU. Vorher: ller abgerissene llloolcanzug Xeae HVelt. lllassnllsicks. 193/114. Sonnabend, den 27. September: gM" Operetten, Gnstsp. Durchschlagender Grsolg des Atelropol-Thealers. Die Kmo-Köuigi«. Operette in 3?lkt. v. Jean Gilbert. Borverlausbilletts v. 9,49— 1,23 M. bei Locser u. Wolff. Neukölln, Berlinerstr. 1: Böckmann, Neu- kölln, Bergstraße Ecke llosenstraßc, und im Restaurant.Neue Well-. 5InMP/jU6rfl|af�� Casino«Theater Lolhrmger Str. 37. Täglich 8 Uhr. Einzig. Barietstbeat. 1. Ranges. Neu! der phüiiomenals Jules Cheroy. Magcagno Truppe. Der rote Domino. Der Aktien-Tenor oder CaruMO auf Teilung. Sonnlag, nachm. 4 Uhr: Am grünen Strand der Spree Reiebsvaüsn-Theater r Säuger Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Familicu- Torstg. mit harrl rrl. Rrogr. zu näßigt. Preisen g.t M.. Balkon 75 Pf., Entres Cum die Billettsteuer tu(pgreni 30 Ps. ZOOLOG ischer Garten Täglich: Dlllltär- Konzert Ein trittspfelse: Zoo: 1 M., von 6 Uhr ah 50 Pf. Aqnar.: lM.v.d.StraI!e,0,50v.Zoo Kindor unt. 10 Jahren d. Hälfte. \ea k\c*u 1 AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Zirkus Alb. Schumann! Heute Mittwoch, d. 24. Sept. mr Anf. 7*/* Ende 1 1 Uhr Gr. Clala- Vorstellung. Das TagesgesprSch von Berlin: 10 Bengalische 10 Biesentiger vorgeführt von Herrn Sawade u. das übrige Glanzprogramm. Zirkus Busch. Deute Mittwoch, den 24. Seht. Begrün jetzt schon 7'/- Uhr. Die neue Pantomime Aus unseren Kolonien. Orig.-Pantomime d. Zirkus Busch. Besonders hervorzuheben: Im Aufstand.— Tcchsspiinuig über de» Felsen.— Nach dem Zapfenstreich. Vorher das gr. Gala-Programm: K.'WcIscsHTuudci-btii-cn Briant. 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Abendkasse 75 Pf., Billetts im Borverkanf a 30 Pf. sind bei dcn.Borwärls--Speoiicuren Zuoht, Jmmaimellirchslraße 12 und Hanisch. Acker str. 174, bei den Vereinsmitgliedern und in den mit Plakaten belegten Handinngen zu haben. ... Schmutzige Kinder -kleidchen waschen macht viel Hrbeit. Mühelos dagegen wäscht man diese mit Persil; ebenso auch alle sehr schmutzige Berufskleidung, wie Metzger-, Bäcker-, Friseur-, Än- streicher-Jacken und Schürzen, sowie sonstige Arbeitskittel aller Art und zwar ohne jede Zutat von Seife oder sonstiger Waschmittel. Ueberall erhSItlich, nie lose, nur in Original-PakeUn. HENKEL& Co, DÜSSELDORF. Ruch Fabrikanten der ailbelicbtcn Henkers Bleich- Soda flDnaljmeltellen für„Kleine Anzeigen" llcrlin C. 21. Habnitch, Ackerstr. 174. W.<>>. Schmidt. Kirch dach str. 14. O. R. Haltelbusch, Peiersöurgcr Platz 4. Gustav Bogel, Koppen slraße 82. St. Weugcls. Gr. Frankfurter Sir. 129/ XO. 8. Zucht, Immanuellirckstr. 12.?. Reul. Barnimstr. 42. X. A. Wolgast. Watlstraße 9. 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Satzungen kostenlos durch die Geschäslsstelle Hermann Hillger Verlag in Berlin W 9. K Ortskrankenkttffs der Masctiinenbauarbciter und verwandten Gewerbe zu Berlin, LotlumstraßeS. Bekanntmachung. Die Zulassung unserer Kasse als „besondere Orlskrankenkasse.ist durch Entscheidung des kgl. Obervcrsiche- rungsamics Groß-Bcrlin unter dem 29. Mai 19l3 abgelehnt. Die hiergegen eingelegte Beschwerde ist von dem Minister für Handel und Gewerbe durch Bescheid vom 17. Juli 1913 zurückgewiesen worden. Laut Beschluß des kgl. Oberver« sicherungsaintcs Groß-Bcrlin vom 39. August 1913 wird unsere Kasse geschlossen, weil die Zulassung der Kasse rechtskräftig versagt worden ist. Die Schließung tritt mit 31. De» zcmber 1S13 in Kraft. Gemäß§ 391 der Reichsvcrsiche. rungSordinmg bringen wir vor- flehenden Beschluß zur öffentlichen Kenntnis, inii dem Hinweis daraus, daß etwaige Gläubiger ihre Forde- rungen innerhalb drei Monaten vom Tage dieser Bekanntmachung ab gc- rechnet, beim Vorstand ichristlich gellend zu machen haben. Die Bc- sricdigmig von Gläubigern, die ihre Ansprüche später einreichen, kann ab- gelehnt werden. Für Ansprüche aus der Versiche« rung gelten diese Vorschriften nicht. Die Mitglieder unserer Kasse ge- hören vom l. Januar 1914 ab in die Allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Berlin. Die Wahl zum Russchutz der Allgemeinen OrtSkrankenkafie der Stadt Berlin findet am Sonntag, den 28. September, statt. Unsere Mitglieder sind berechtigt, an obiger Wahl teilzunehmen. Wahllarten können im Kassenlokal in den Geichästsstunden von 9 bis 2 Uhr in Empfang genommen werden. 23ggb Berlin, den 23. September 1913. Der Borstand der Ortskrankenkaffe der Maschincnbanarbcitcr und vor- wandte» Gewerbe zu Berlin. Franz Schaidt, Vorsitzender. Heinrich Knrrle, Schrisisührcr. Orts- Krankenkasse für den Amts- und Gemeindebezirk n. Durch Beschluß bcS Königlichen OberversicherungsamtcS Groß-Berlin vom 39. August 1913 wird die Orts- lranfcnkasse für den früheren Amts« und Gemeindebezirk Borhagen-Rum- niclsburg zu Bcrlin-Lichtenbcrg mit Ablaub des 31. Dezember 1913 gc» schlössen, nachdem der rechtzeitig ge» stellte Zulassungsantrag aus Grund einer Ucbcrcinkunst zurückgezogen ist. Wir machen vorstehenden Beschluß gcmäg ij 301 der Ncichsvcrsicherungs- Ordnung bekannt mit dem Hinweis, daß die Besriedigung von Gläubigern. welche ihre Forderungen an die Kasse nicht biniien drei Monaten nach dieser Bckanutmachuiig angemeldet haben, venveigert werden kann. Für Ansprüche aus der Versicherung gilt diese Bestimmung nicht. Ferner geben wir bekoimt. daß Arbeitgeber und Versicherte unserer Kasse mit dem 1. Januar 1914 zur Allgemeinen Ortskranlenkass« Berlin« Lichlcnberg gehören. Tie Wahlen zum Ausschuß werden wahrscheinlich erst im November d. I. slattsindeii. Eine diesbezügliche Be- tanntmachung des Pcrsicherungs- amles dürste demnächst erscheinen. Berlin- Lichtenberg, den 22. Sep- tember 1913. Bcr Vorstand. G. Budde, Vorsitzender. � O�rts-Krankenkasse für das Töpfergewerbe zu Berlin. Laut Beschluß des Könlgl. Obe» Versicherungsamts Groß-Berlin vom 39.'August 1913 ivird die Kasse am 31. Dezember 1913 geschlossen nutz gehören dlc Betriebe fowic die Ver- sicherten einschließlich der sreiwilliaen Versicherte» vom 1. Januar 1914 ocr Allgemeinen OitS-KrankenIasse der Stadt Berlin an. Gemäß ij 301 der Reichsversicherungsordnung bringen wir zur öffeni» lichcn Kenntnis, daß etwaige Gläu- biger ihre Ansprüche innerhalb drei Monaten, im Kassenlokal geltend zu machen haben. Später einlausende Forderungen könne» verweigert werden. 21m 28. September d. I. finden die Ausschußwahle» statt und werden Wohlkarten für Mitglieder der bis- herigcn Kasse von dieser ausgestellt. Zu diesem Zwecke ist das Kassen- lokal auch abends von 5—7 Uhr ge- öffnet. 276/16 Bcr Vorstand. Max Markmann, 1. Vorsitzender. Albart Gantsch, 1. Schrisisührcr. Prima Fandmirtschaft in Pommern, mitten im großen Ort, prima massive Gebäude, Obstgarten, 9 Morgen guter Acker, 6 Morgen tadellose Wiesen. 1 Pferd, 4 Schweine, 1 Kuh. sämtliche landwirtschaftliche. Maschinen, volle Ernte, wegen dauern- der Kranlheit für 13499 M., Anzah- lung 3599— 4999 M. verkäuflich. Ver- mittler verbeten. Hölter, Pankow, Floraprarnanade 22, II. 192/1 Siems Kraftfleisch muß jede sparsame Hausfrau kaufen. Billigster und nahrhafter Tafelaufschnitt, : hergestellt aas garantiert frischem Rindfleisch. Zn haben in slinitlichen einschlägigen Geschäften.= alleiniger Fabrikant J.G. Siems, Hoflieferant, Apen L Oldbg. lit. Analyse des Herrn Dr. A. 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LertagSanjialt Paul Singer u.»o-,'Herlin SM 9, 249 3. Keilte des Armts" Kerliller WIKsblM. Die lilabnung zur Spariamkelt in der Drmenverwaltung. Die Berliner Armenverwaltung wird in einem Protokoll über die letzte Sitzung der Armentommissionsvorsteher arg bloßgestellt Ergibt sich doch daraus, daß der Leiter der Armenverwaltung Stadt Ks Kalisch im Verein mit dem Kämmerer Böß es unternommen hat, den Kommissionsvorstehern die Leviten zu lesen über die hohen Ausgaben, welche in letzter Zeit für Hilfsbedürftige gemacht sind In den Monaten April und Mai dieses Jahres sei allein eine Viertelmillie>r mehr ausgegeben wie im Vorjahre; wenn das so weiter gehe, würde der Etat um l'/z Millionen überschritten werden es solle zwar niemand Not leiden, aber die größte Sparsamkeit sei am Platze. In dasselbe Horn blies auch der Kämmerer trotz der 12'/» Millionen Ueberschuß vom letzten Jahre. Die baden Herren holten sich eine recht derbe Abfuhr; denn unter den Vorstehern fanden sich doch einige, die den Herren Ma> gistratsvertretern klar machten, woher diese Mehrausgaben stammte» In erster Linie sei eS die große Arbeitslosigkeit, die oft die ordent lichsten und arbeitsamsten Leute dazu treibt, den Armenvorsteher auß zusuchen und um Hilfe zu bitten, um ihre Angehörigen nicht Hunger leiden zu lassen; aber auch die herrschende Teuerung habe vielfach zur Erhöhung der Unterstützungen beigetragen. Daß sich auch Vorsteher fanden, die Arm in Arm mit den Herren Kalisch und Böß gingen, ist selbstredend. So erklärte einer der Herren, daß unter der Aera Münsterberg zuviel bewilligt sei. und diese große Sünde räche sich jetzt; auch mit den Mietsunterstützungen solle man sparsamer sein und die Aermsten lieber in das Obdach schicken— also auf die Straße setzen— um abschreckend zu wirken. Alten Frauen müsse man Beschäftigung geben, und wenn sie solche ablehnten, die Unterstützung absetzen. Solche Aus fllhrungen kommen aus dem Munde von Vertretern, die behaupten, «in warmeit Herz für die Not und das Elend zu haben. Der Herr Kämmerer behauptete zum Schluß noch, daß die Lage des Arbeits Marktes nicht so ungünstig liege, namentlich auf dem Baumarkt zeige sich wieder eine merkliche Besserung. Solche Behauptungen werden aufgestellt, trotzdem kurz vorher sich der Magistrat mit der Frage der Arbeitslosigkeit beschäftigt hatte. Leider konnte in der Versammlung niemand die von Herrn Stadtrat 5?alisch behauptete Mehrausgabe von einer Biertelmillion Mark nachprüfen Wir wollen hier diese Zahlen richtigstellen. Es wurden nach eigenen Angaben der Armendirektion für Almosenenchfänger gegen die gleiche Zeit im Vorjahre mehr ver« ausgabt: Im tpril 19 373 M., im Mai 21 748 M., zusammen also 41 121 M. An dieser Mehrausgabe waren rund 400 Empfänger mehr beteiligt wie im Vorjahre. Einmalige Unterstützungen wurden im April 20 714 M., im Mai 24öl8 M. mehr gewährt wie im Vorjahre. Diese Mehr ausgäbe iit nur auf die große Arbeitslosigkeit zurückzuführen, denn die Zahl der Empfänger stieg im April um über 1200 und im Mai um über 1600 gegenüber dem Vorjahre. An Pflegegcldern wurden einschließlich der Extraunterstützungen 5800 M. mehr gezahlt als 1912. Die im April und Mai gewährten Mehrausgaben betragen also zusammen nur rund 92 000 M. und nicht Vi Million, wie Herr Stadtrat Kalisch behauptete. Wenn jetzt die Herren über die Mehrausgaben jammern, so kann man ihnen ja dies nachfühlen; haben doch die beiden Herren die Anträge unserer Genossen auf E> höhung des Etats mit allen möglichen Redensarten bekämpft und die Herabsetzung des Etats um über 000 000 M. zuwege gebracht zur Freude des Magistrats und der liberalen Stadt- värer. Daß Herr Kalisch jetzt RückiriitSschmerzen bat, glauben wir gern. Daß wir aber an dieser Stelle nach wie vor dafür eintreten. daß für unsere sich in Not befindlichen Mitbürger genügend gesorgt werden muß, auch wenn der Etat erheblich überschritten wird, braucht nicht besonders betont zu werden. Partei- BtogekgenKeiten. 'Neukölln. Heute abend findet bei Bartsch, Hermannstraße 49, die Versammlung der Jugendseklion statt. Tagesordnung: Der Jenaer Parteitag und Verschiedenes. Die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen über 18 Jahre iverden dringend gebeten, zu erscheinen und eifrige Propaganda für ihre Stätte zu entfalten. Charlottenburg. Donnerstag, den 22. September, abends S'/z Uhr, im kleinen Saal des Volkshauses, Rosinemtr. 3; Extrazahlabend der 5. und 6. Gruppe. Vortrag des Genossen Köster über Werden und Vergehen des Weltalls. Kaulsdorf fOstb.). Heute Mittwoch, abends 8V» Uhr, außerordent- lrche Mitgliederversammlung bei Bobeh am Bahnhof. Nicdcr-Schöncwcidc. Am Donnerstag, den 22. d. M.. abends S'/s Uhr. Versammlung im Schweizerhaus(Winkler), Berliner Str. Tagesordnung u. a. Bericht vom Parteitag. den Reservisten. Ihnen wird ans Herz gelegt, sich besonders fernzuhalten von den roten Hetzern und Vaterlandsfeinden. Nicht in deren Reihen sei der Platz der ehemaligen Soldaten, sondern in den Krieger- und Militärvereincn. Allein derartige Reden verfehlen allermeist ihre Wir kung. Ter junge Mann, der vor dem Eintritt in die Kaserne erfahren hat. was ihm Partei und Gewerkschaft waren, wird auch während der Jahre, die er im Dienste des Vaterlandes gedrillt wurde, die Treue gehalten haben; er wird bei seiner Rückkehr wissen, wo sein Platz ist. Die Militär- und Kriegervereine sind Pflanzstätten der Kriecherei und der widerwärtigen Gesinnungsschnüffelei. Die Mitglieder derselben sind der ständigen Aufsicht der Militär bchördv» unterworfen, die mit peinlicher Sorgfalt darüber wachen, das? die„Gesinnungstüchtigkeit" außer jedem Zweifel steht. Zudem ist den Kriegcrvereinsmitgliedern jede ernste gewerkschaftliche Tätigkeit zur Verbesserung der Lebenslage verboten, sie sind daher lediglich ans die Gnade der Unter uehlyer angewiesen. Es liegt auf der Hand, daß durch solches Verhalten der Geist der Ehrlichkeit getötet und eine mit krassem Egoismus gepaarte Heuchelei großgezogen wird. Bon den jungen Reservisten mutz daher soviel Selbst achtung erwartet werden, daß sie nicht Mitglied der Krieget und Militärvereine werden, sondern in den Arbeiterorgant sationen Kameradschaft pflegen und mit ihren Arbeitsbrüdern in Reib und Glied für mehr Freiheit und mehr Brot kämpfen. Nicht bei den Söldnertruppen der Regierung, nicht in dem Landsturm des Unternehmertums, der gelben Arbeiter- organisation, ist der Platz der jungen Reservisten, sondern in der Armee der freiwilligen Kämpfer: in der sozialdcmo kratischcn Partei und der freien Gewerkschaft. Serlmer s�admekten. Reserve hat Ruh'. Des Dienstes immer gleichgestellte Uhr, Die Waffenübung, das Kommandowort— Dem Gerzen gibt es nichts, dem lechzenden. Die«ccle fehlt dem nichtigen Geschäft— Es gibt ei» anderes Glück und and'rc Freuden. — C schöner Tag, wenn endlich der Soldat Ins Leben heimkehrt, in die Menschlichkeit. Tiefe Worte, die Schiller in seinem„Piccolomini" den Max sprechen läßt, geben in trefflicher Weise auch den Er- wögungen Ausdruck, von denen taufende junge Leute beseelt werden, die in diesen Tagen nach mehrjähriger schwerer Dienstzeit den bunten Rock ablegen. Mit frohem Herzen ver- lassen die jungen Reservisten die Kaserne, denn der geisttötende Drill des Kasernenlcbens ist endlich überstanden. Jeder, der selbst einmal in der gleichen Lage war, der- steht die ausgelassene Fröhlichkeit, die jeden erfaßt, der der Machtsphäre der militärischen Disziplin entrückt ist. Was das bestehende militärische System charakterisiert, ist ja nicht die Anerkennung der Persönlichkeit, sondern ist eine Ueber» spannung des Disziplinarbcgriffes. der ausgesprochene Ka- davergehorsam. Aus diesem unbedingten Gehorsam, der jede lreie Regung des Geistes erstickt, das Tun und Lasten, selbst das Denken maschinell regeln will, erwachsen auch die Sol- datenmißhandluugen durch die Vorgesetzten. Nur am Ende der Dienstzeit leiten die Vorgesetzten, auch solche, die es sonst an Trangsalierungen und Schikanen nie fehlen ließen, in herablassender Weise Reden und Ansprachen an die scheiden- Die Prüfung der Wählerliste ist jedes Wählers erste Aufgabe und selbstverständliche Pflicht. An der Prüfung der Gemeinde Wählerliste für Berlin haben in diesem Jahr, da? uns im November die alle zwei Jahre wiederkehrenden Ergänzungswahlen zur Stadtverordnetenversamm lung bringt, sich wieder zahlreiche Wähler beteiligt. Die im Juli öffentlich ausgelegte Liste wurde diesmal, wie im „Vorwärts" bereits mitgeteilt, vou 82116 Personen geprüft, und es kamen dann 2302 Einsprüche, ungerechnet 272 Anträge auf Berichtigung von Personalienangaben sName, Beruf usw.). Während diese 272 Berichtigungen ohne weiteres vom Magistrat an- geordnet werden durften, halte über jene 2302 Einsprüche die Stadt verordnetenversammlung zu beschließen. 2232 Einsprüche kamen von Personen, die nachträgliche Aufnahme in die Wählerliste forderten, die übrigen 70 von solchen, die in der Liste standen, aber Umtragung nach der jetzigen Wohnung wünschten. Aus den 2232 sind aber noch 103 tatsächlich schon in die Liste eingetragene Personen auSzu sondern, bei denen nur irrtümlich angenommen war, daß sie nicht in der Liste ständen. Der StadiverordnetenauSschuß, dem die Magistrats- Vorlage über die Einsprüche überwiesen wurde, ist jetzt zu dem Er- gebniS gelangt, daß 490 Wählern die nachträgliche Auf- nähme zugebilligt werden muß. Man sieht, daß die Prüfung der Wählerliste wieder für eine recht beträchtliche Zahl von Wählern keine überflüssige Mühe war. Unter den 490 nachträglich aufzunehmenden Wählern sind 70 au« der großen Zahl der wegen restierender Steuerschuld nicht in die Gemeindewählerliste aufgenommenen Personen. Diesen 70 stand bei Aufstellung der Wählerliste ein Anspruch auf Aufnahme zu, weil sie teils die Steuern inzwischen noch bezahlt batte», teils im Ermäßigungsverfahren von der Steuer befreit worden waren. Hierbei � nahm der Ausschuß an, daß Ermäßigung auf 4 M. erfolgt sei, also ein Einkommen von 660—900 M. angenommen worden sei, so daß noch Aufnahme in die Wählerliste gewährt werden müsse. AuS den Personen, die als Schlafstelleninhaber gemeldet und deswegen nicht in die Gcnieinde- Wählerliste aufgenommen worden waren, wurden 171 ausgesondert. Sie waren nicht als Schlafstelleninhaber im eigentlichen Sinne Wortes anzusehen, da sie sich den Vorbehalt der Eigen- bcnutzung des Zimmers gemacht hatten, und mußten daher in die Gemeindewählerliste aufgenommen werden. Der Anspruch auf Aufnahme wurde ferner als berechtigt anerkannt jiir 42 Personen aus denen, die wegen Unterstützung aus öffentlichen Mitteln(auch Krankenhauspflege) nicht aufgenommen worden waren. Nach Lage der Sache mußte auch ihnen das Gemeinde- Wahlrecht zugebilligt werden. Dazu kommen 70 nachträglich auf- zunehmende Personen, bei denen die Annahme, daß sie nicht die taatsangehörigkeit in Preußen hätten oder nicht in Berlin gemeldet seien oder noch nicht ein Jahr in Berlin wohnten, sich als un- zutreffend erwies. Ein Wähler war zu Unrecht auö der Wähler« liste weggelassen worden, weil irrtümlich angenommen wurde, daß er mit weniger als 660 M. Einkommen veranlagt sei. Für 19 Wähler aus der Gruppe derjenigen, bei denen zu- gleich mehrere StreichuugSgründe angeführt wurden, konnten diese Gründe widerlegt werden, so daß Aufnahme gewährt werden mußte. Bei 114 Wählern hat, wie schon der Magistrat ermittelte, sich ergeben, daß weiter nichts als eine versehentliche Weglassung vorlag. Im ganzen sollen, wie schon gesagt, 490 Personen nachträglich aufgenommen werden. Sie alle wären um ihr Wahlrecht g e t o m m e n, wenn sie nicht die Wählerliste geprüft hätten. Jmnier mehr wird das von den Wählern als Notwendigkeit und Pflicht empfunden, aber auch in 1913 beteiligte sich doch noch kein Viertel aller Gcmeindewähler Berlins an der Prüfung der Wähler- liste. Bei einer allgemeinen Beteiligung hätten sich die Nachträge wohl auf einige tausend belaufen. Die Stätte der Armut. In der ersten Sitzung des Kuratoriums des Städtischen Obdachs nach den Ferien lag ein reichhaltiges Arbeitsmaterial vor. Darunter wiedtr einige recht betrübende Dinge, ohne die c«, trotz aller Mühe, welche sich die Verwaltung gibt, nun einmal dort nicht abzugehen scheint. Die Beschwerden verlaufen, mit wenigen Ausnahmen, stets im Sande, weil bei den Uniersuchungen keine eidlichen Vernehmungen stattfinden können. So kommt es, daß fast immer nur dann die Wahrheit ermittelt werden kann, wenn zugleich ein Strasdelikt vorliegt und— dieses verfolgt wird.— Diesen Weg zu beschreiten, wird auch notwendig sein in der Angelegenheit einer entlassenen Wärterin, welche über die Behandlung von Wöchnerinnen, Mißhandlungen der- selben im Wochenbett, geradezu grauenhafte Dinge berichtet. Unsere Genossen, die die Dinge zur Sprache brachten, verlangten, daß, wenn die Wahrheit nicht anders zu ermitteln sei, der sirafrecht- liche Weg gewählt werden müsse. Dementsprechend wurde be- schloffen. Auch hat das Ungeziefer, vor allem Wanzen, wieder in einzelnen Sälen der nächtlichen Obdachlosen so überhandgenommen, daß schon Besucher des Obdachs von der Fahrt auf der elektrischen Bahn a u S« geschlossen werden mußten. Wenn wir auch wiffen, daß es schwer ist, das Ungeziefer in der Stätte der Armut ganz zu be« festigen, da es ja täglich wieder hineingeschleppt wird, so Wäre ti wohl möglich, dem Ueberhandnehmen vorzubeugen. An Stelle de? als I u g e n d p f l e g e r gewählten Dr. Franke, welcher vor seinem Antritt aus familiären Rücksichten sein Amt niederlegte, wurde beschlossen, wenn irgend möglich einen Pen« sionierien Schulmann anzustellen. Zu diesem Zwecke wurden die beiden Herren Stadtschulräte um geeignete Vorschläge ersucht. Für die Aufseher ist jetzt der täglich dreifache Schichtwechsel eingeführt und dadurch auch das seinerzeit von unseren Genossen aus hygienischen Gründen so kritisierte Schlafzimmer der Auffeher beseitigt. Im Arbeitshaus gelang es endlich, die Oberpfleger mit denen der Irrenanstalten gleichzustellen, da ihre Tätigkeit mit Rücksicht auf das hier landende Menschenmaterial eher eine schwerere als leichtere ist._ Die VcrkchrSdcputation beriet in ihrer gestrigen Sitzung den Vertrag mit der Stadtgemeinde Neukölln über die Verlängerung der Nord- Süd- Bahn nach Neukölln; sie stimmte ihm in der vom Dezernenten empfohlenen Fassung zu. Ferner genehmigte die Deputation das Projekt der Untertunnelung des Potsdamer Außenbahn Hofes, das eine direkte Verbindung der Kur- sürstenstraße mit der Schöneberger und Luckenwalder Straße vorsieht. Die Deputation beschloß des weiteren, den Ge- meindebehörden zu empfehlen, die Anlegung eine? Bahn« Hofes der Untergrundbahn Gesundbrunnen— Neukölln auch an der Ecke der Stralauer und Neuen Friedrichstraße von der All- gemeinen Elektrizitätsgesellschaft zu verlangen und die Kosten, soweit aus diesem Anlaß eine Straßenverbreiterung notwendig wird, zu übernehmen. Zu Beginn der Sitzung widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Geheimen Baurat Kyllmann, der seit der Einsetzung der Verkehrsdeputation(1896) derselben als Mitglied angehört hatte, einen herzlichen Nachruf._ Zwei große Tachstuhlbrände beschäftigten die Feuerwehr in der letzten Nacht in der Schliemann- straße 42 und in der Langestr. 16. An der ersten Stelle stand der Dachstuhl des Wohnhauses in Flammen. Es waren mehrere Lösch- züge zu Hilfe geeilt, die da« Feuer mit zwei Schlauchleitungen be- kämpften. Die Rohrführer hatten anfangs aber einen schweren Stand, da sich eine starke Rauchentwickelung geltend machte. Der Dachstuhl ist fast vollständig niedergebrannt. Erst nach dreistündiger Tätigkeit konnte die Wehr den Brandplatz wieder verlassen. Der Feuerwehrmann Rudolf ist an den Folgen der Raucheinatmung er- krankt und mußte in seine Wohnung gebracht werden.— Das Feuer Langestr. 16 wurde in der dritten Morgenstunde bemerkst. Hier brannte der Dachstuhl eines Fabrikgebäudes auf dem dritten Hofe. Die Flammen sprangen auch auf das Dachgeschoß eines angrenzenden Seitenflügels über und konnten erst nach längerem Wassergeben aus drei Rohren erstickt werden. Wegen starker Verqualmung mußte auch ein Rauch- schutzapparat in Benutzung genommen werden. Mit den Nachlösch- und Aufräumuiigsarbeitcn hatten die Züge 2 und 7 bis gegen 7 Uhr morgens zu tun. Die Brandursache konnte in beiden Fällen nicht ermittelt werden.— Außerdem wurde die Wehr noch nach dem L a u b e n g e l ä n d e an der Andersenstraße im Norden Berlins ge- rufen. Hier standen mehrere Lauben in Flammen und die Situation war so bedrohlich, daß sofort mit zwei Rohren Wasser gegeben werden mußte. Hierdurch gelang es, ein weiteres Umsichgreifen dcS FeuerS zu verhüten. Dachstuhlbrand in Charlottenburg. Ein größerer Dachstuhlbrand kam gestern abend kurz nach 7 Uhr in der Schillerstr. 76 zu Char- lottenburg zum Ausbruch. Das Feuer hatte seinen Herd im Dach- geschoß des Ouergcbäudes und wurde von der Südwache der Char« loitenburger Feuerwehr mit zwei Rohren bekämpft. Trotz kräftigen WassergebcnS dauerte es dock über eine Stunde, ehe der Brand er- stickt war. Ter Dachftuhl ist fast vollständig vernichtet worden. Ueber die Ursache des Feuers konnte auch hier nichts ermittelt werden. Ei» vielseitiger Schwindler, der im Laufe des Sonnners in Berlin und Vororten besonders Schauspielerinnen heimsuchte, ist jetzt in Hamburg festgenommen worden. In Berlin trat im Sommer ein Mann auf, der sich„Schrift» teller Dr. Seeburg" nannte. Er führte sich bei Schauspielerinnen und anderen Künstlerinnen mit der Behauptung ein, daß die Bilder der Damen in einer Jubiläumsausgabe einer illustrierten Zeitung veröffentlicht werden sollten. Bedingung sei, daß die Künstlerinnen für das Klischee, das angefertigt würde, im voraus 13,60 M. zahlten. Nachdem er diesen Betrag anstandslos erhalten, ließ er nichts mehr von sich hören. Inzwischen stellte die Polizei fest, daß„Dr. Seeburg" unter dem Namen„Dr. Hiller" auch Heiratsanzeigen erlassen und mehrere junge Mädchen um ihre Ersparnisse betrogen hatte. Bald darauf tauchte in Hamburg ein Manu auf, der sich„Architekt Lortzing" nannte und versuchte, einen Juwelier um Schmucksachen im Werte von 200 M. zu betrügen. Die Hamburger Polizei sandte ein Bild des Verdächtigen nach Berlin und hier erkannte man, daß der Architekt mit der Persönlichkeit des„Dr. Seeburg" und des „Dr. Hiller" identisch war. Die Hamburger Kriminalpolizei nahm „Lortzing" fest und es gelang jetzt, ihn als einen 33 Jahre alten Artisten Leopold John aus Wien zu entlarven. Der Verhaftete hat bereits in Brünn, wo er sich ebenfalls den Doktortitel beilegte, Heirats» schwindeleien beirieben. Aus dem Litzeiiscc gelandet wurde die Leiche eines Mädchens, das etwa 20 Jahre alt gewesen sein mag. Die Unbekannte, die wohl dem Mittelstände angehörte, ist etwa 1,62 Meter groß und kräftig gebaut. Sie trug einen schwarzen Samthut, hellblaue seidene Bluse, schwarzen, gestreiften Oberrock, zwei weiße Spitzenuntcrröcke, einen Barchentuuterrock, Spitzeubeiiikleider, Spitzenhemd, schwarze Strümpfe, schwarz- und weißkarierte Strumpfbänder. Leuchtfeuer für Lustfahrzeuge. Auf dem Flugplatz Johannisthal findet am Sonnabend, den 27. d. M. von 6 Uhr abends ab der erste Berglcichsvcrsuch zwischen verschiedenen für die Zwecke der Luftfahrt eingerichteten Leuchtfeuern stall. Verschiedeue Firmen werden mit ihren verschiedenen Leucht- feiier-Systcmcn in Wettbewerb treten. Die Versuche werden der- artig bewerkstelligt, daß auf hohen Puntten, z. B. dem Müggelturm, dem Rathausturm in Berlin nud anderen hochgelegenen Stellen Beobachter ihre Wahrnehmungen über die Vorzüge der einzelnen Systeme machen werden. Ein schwerer Straßenunfall hat sich gestern nachmittag gegen 6 llhr an der Ecke der Zimmer- und Liiidcnstrnße ereignet. Als dort der 6 jährige Willi Meier, der sich bei seinen Zimmcrstraße 42 wohnenden Verwandten besuchsweise aufhält, über den Fahrdamm laufen wollte, geriet er gegen einen herannahenden Postwagen, wurde umgerissen und überfahren. Der Kleine erlitt einen schweren Schädelbruch und wurde, nachdem er auf der Unfallstation am Spittelmarkt einen Notverband erhalte» hatte, mittelst Krankenwagens der Feuerwehr nach dem Urban Krankenhaus gebracht. Der Zustand des bedauernswerten Kindes ist hoffnungslos. Eine diebische Zigeunerin, die seit längerer Zeit in den westlichen Vororten ihr Wesen trieb und zahlreiche Geschäftsleute besonders um erhebliche Beträge bestohlen hat, ist gestern verhaftet worden. Am Bayrischen Platz beobachtete ein Beamter, wie eine Zigeunerin von Geschäft zu Geschäft ging und überall eine Kleinigkeit kaufte und dann eiligst� verschwand. Der Beamte stellte durch Nachfrage in mehreren Geschäften fest, dag die Zigeunerin, nachdem sie für 10 Pf. etwas gekauft hatte, der anwesenden Frau des Inhabers angeboten hatte zu wahrsagen. Tie Frauen ivaren auf diesen Trick hineingefallen und hatten der Wahrsagerin 10- und 20-Markstiicke übergeben, mit denen die Zigeunerin dann schleunigst verschwand. Der Beamte verfolgte die Schwindlerin und nahm sie schließlich fest. Durch den Berliner Erkennungsdienst wurde die Zigeunerin alseine wohnungs� lose, 33 jährige Alma St. festgestellt, die schon seit längerer Zeit ihren Lebensunterhalt durch Diebstähle erwarb. In mehreren Fällen hat die Sr. auch Ladenkassen geplündert und erhebliche Summen dabei erbeutet.__ Vorort- JSadmcbtem Schöneberg. Aus der Stlidtverordnetenversammlung. Zunächst wurde unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Dominikus die Neuwahl zum ZweFverband an Stelle der ungültigen Wahl Dernburg vor- genommen. Von 64 gültigen Stimmen erhielt Stadtrat Härder 33, Bürgermeister Blankenstein 11 und 10 Stimmen erhielt Genosse Bern- stein. Stadtrat Härder ist somit gewählt.— Nunmehr wird über die Anfrage der Liberalen Fraktion verhandelt. B a ni b e r g(Lib.) hielt eine kurze Wahlrede, in der er meinte, daß die Finanzlage der Stadt nicht schlecht wäre, inr übrigen richte sich das Flug- bkatt der Neuen Liberalen Fraktion meistenteils gegen den Magistrat.— Oberbürgermeister Dominikus erkärle: Der Magistrat halte es für seine Pflicht, dem Wahlkampf srrnzustehen. Kenn der Ruf der Stadt angetastet werde, dann müsse darauf ge- antwortet und Unrichtigkeiten berichtet werden. Die Finanzlage der Stadt stehe nicht schlecht da. Es sei nicht richtig, daß der lieber- schuß- sowie Reservefonds aufgebraucht ist. Im Gegenteil, diese Fonds belaufen sich auf 8 Millionen Mark. Auch der Vertrag mit dem Elektrizitätswerk Südwest sei für die Stadt äußerst vorteilhaft und bringe 15 Jahre früher das, was sonst später eintreffen würde. Der Etat sei �vorsichtig aufgestellt worden, so daß selbst wirt- schaftliche Rückschläge die Stadt nicht erheblich treffen würden. Die in dem Flugblatt der Liberalen Vereinigung aufgestellten Behauptungen seien unrichtig! der gute Ruf der Stadt sollte selbst im Wahlkampf von jedem beachtet iverden.— Rein- bacher sLib. Frakt.) meinte, man müsse mit einem beschämenden Gefühl wahrnehmen, daß von Mitgliedern der Freisinnigen Volks- parier gegen Gleichgesinnte jetzt Flugblätter auftauchen, die höchst unvornehm seien. Das ganze Gerede der liberalen Freunde ergehe sich in haltlosen Behauptungen.— M u n k sLib. Vereinig.) betonte, daß im Wahlkampfe nur der Freisinn die Behörde zu Hilfe rufen könne. Für diesen Freisinn danke er. Mancher liberale Mann habe sich von diesem Freisinn schon abgekehrt, weil er seine Wirtschaftsweise nicht mitmachen könne. Keiner könne behaupten, daß � die Finanzen der Stadt gute zu nennen seien.— Kämmerer M a ch o w i c z meinte, die angeblich verschwundenen Fonds seien aufgelöst und erscheinen an anderer Stelle wieder. Es sei richtig, daß der UeberschußfondS beinahe aufgebraucht, weil die Grundsteuer viel zu niedrig war, die Liberale Vereinigung sel aber stets gegen die Erhöhung gewesen. Stadtrat K a tz sagte: der Vertrag mit Süd- West sei nur die Lkonsequenz der früheren Verträge gewesen, er bringe der Stadt großen Vorteil. Bei der Uebernahme des Werkes im Jahre 1928 wäre die Stadt verpflichtet, alle alten Maschinen und Kabel zum Anschaffungswert zu übernehmen. Die Kabel lägen in den Straßen anderer Gemeinden und es würde deren herausnehmen ganz erhebliche Kosten verursachen. Im Jahre 1908 erhielt die Stadt 180 000 M. jährlich und jetzt über eine Million Mark, das sei ein nennenswerter Vorteil. Außerdem sei das Werk verpflichtet, wenn Berlin und Charlottenburg mit den Strompreisen herunter- gehen das gleiche zu tun. Genosse B e r n st e i n erklärte, daß die Sozialdemokratie dem Kampf der beiden Brüder neutral gegenüber stehe. Wenn eS sich jedoch darum handele, eine Günstlingswirtschaft zu beseitigen, so seien die sozialdemokratischen Vertreter zur Stelle. Die in dem Flug- blatt aufgestellten Behauptungen seien indessen nicht erwiesen worden. Die sozialdemokratische Fraktion hat dem Elektrizitätövertrag zugestinimt, um der Allgemeinheit die Vorteile zugute kommen zu lassen. Wenn die Finanzlage bemängelt werde, dann habe die Regierung und das Oberverwaltungsgericht viel Schuld daran.— Die über zwei stunden währende unfruchtbare Debatte wurde, nachdem noch Jatzow(ß. V.) und Bamberg/z Uhr, im GemcindesitzungSzimmer, Dorjstr. 42. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige il be« rcchtig«, ihnen' als Zuhörer beizuwohnen. Zeutralverband den Fleischer fOrtsverwalwng Berlin). Freitag, den 26. September, abends 3 Uhr: Veriammlung aller aus dem Schlacht- hos beschäftigten Fleischergesellen im.Elyjium", Landsberger Allee 40i4t. fraucn-Lcreabcnd«. Alt vllicnicke. Heute Mittwoch, bei Rodenbusch, Nudower Str. 54. Genossin Siedel-Ncukölln reseriert über:«Bebel und die Frauenbewegung". Dcmpelhof. Heute Mittwoch, abends 8>/, Uhr, bei Becker, Berliner Straße._______ ßncfhaften der Expedition. Patienten t« Berlitz, Buch«»d«ndrrcn PetlftStte». Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während deS ganzen nächsten MonatS in der Heilftäu« bleiben, wollen ihrem bisherigen Svediieur wegen der U-b-rw-ifung von Frei- exemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersien Nummern des neuen MonatS don der Post nicht gelicsert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu-ingesandt werden. Marttpretse von Berlin am««.September l9l3. nach(Irmuternnqen de« fgl. Polizeipräsidium«. Mai» fmircb), qute Sorte 17,00—17,30. mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00— 00,00. Muts> runder), gute sortc 14.90—15.30. M a r I l h a> i e n v r e i j e. 100 Kiloot. iribitn, gelbe, zum Kochen 30.00-50.00. Sveisebobnen. weiße 35.00-60.00., Linien 36,00-70,00. Kartoffeln(Kleinddl.) 5,00— 7,00. I Kilogramm Nmvnetlch, von der Keule l ,70—2,40. Rindfteiich. Bauchfleiich 1.80— 1.80. Schweinesleisch 1,50-2.10. Kalbsleilch 1.40—2,40. Hamiii-lll-'i» 1,60—2.40. Butter 2,40-3.00. 60 Stück Eier 3,60—5,50. i Kilogramm Karv'en 1,30-2.40. Aale 1.40—2,80. Zander 1,30-3.20. Hechte UO— 2,80. Barsche 0,80-2,40. Schlei« 1,40— 3.30. Bleie 0.80—1.80- 6° Etuif Kreb'e 1,50—40.00. «),tt«runasübersi-h» vom 83. Septcmbpr md. Swinemde. 7S3NNO amburg 765 � erlin"63 N Franff. a.M 765 München:76ow» Wien! id2,WNW 3Negen iz Iwoikenr h 1 heiter 1 g 1 Nebel, ig 4, bedeckt i 10 ihbedeckt j 12 taparandch 7SSMO -Icrjburg 765 ONO Scillh tziberdeen Pari« 757, S 763 SO 765 Still 2wvlkenl 1 bedeckt 4, Nebel 6 wollig 'wolkig „ Ivo»;*»««» ivtoeat| 12 Wrtterproauoir für Mittwoch, den»4. September ISIS. Nacht« sehr kühl, am Tage wieder etwa« wärmer, vielsach better bei mäßigen nordwestlichen Linden; keine oder unerhebliche Niederschläge. __________ Berliner Setterbur e a n. ral deutlich ausgesprochene Wille fast sämtlicher Etavtveroronelen- der«utzholzhanotung g. xa. ytcqer«oqnr. o---'--«-nnrr au»«-.our-____° 1° � Verantwortlicher Redaktem:: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin ZV.