Ar. 251. HbonncmentS'Bedingungen: üboimcmenlä- Preis pränumerando! Bierteljährl. Z,Z0 Mk� monatl. 1,10 Mk., wöchcntliÄ LS Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« numrner mit illuilricricr Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Nionnementt t.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Teutschland und Oesterreich> Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. Postabonnenienis nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crlditlnt täglich. Verlinev Volltsblnkk. 30. Jahrg. Die Insertion!-Lebühe beträgt sür die scchsgcspallcne Kolonek- zcile oder deren Raunt O) Psg., für Politische und gewerkschaftliche Vereins- tmd Bersammlnngs-Anzeigeii 30 Psg, „Kleine Mnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 P'g Stellengesuche und Schlassicllcnan- zeigen das ersic Wort 10 Pkg„ jedes weitere Worts Pfg. Worte über ISBuch- ilaben zählen für zwei Worte, Inserate fiir die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sczialdemolirat Berlin". Zentratorgan der Ibzialdemokratifcheti parte» Deutfcblands. Redaktion: 8ÄI. 68, Ltndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morittplaii, Nr. 1983. Freitag, den 26. September 1913. Expedition: 8M. 68, �.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak- Nr. 1981» vas Lwachen äer Arbeiter- bemgung in Serbien. Belgrad, den 24. September. Zum ersten Male nach einem Jahre versammelten sich die Vorstande der Partei- und Gewerkschaftsorganisationen wieder im Volkshause. Ein fröhliches Empfinden beherrschte alle Teilnehmer: Endlich ist die Zeit wieder gekommen, die Lebenskräfte in den Dienst des eigenen Ideals stellen zu können, statt zwangsweise den Klassenfeinden nicht nur ge- werblich, sondern auch mit Leib und Leben dienstbar zu sein! Und wo zu tagen? In unserem Hause! Und mit wem zu sprechen? Mit unseren lieben Parteigenossen, die dasselbe wünschen und erstreben wie wir! Man müsite in unserer Haut stecken, in der Haut von Menschen, die ein langes Jahr, Tag und Nacht gezwungen waren, über Felder und Gebirge zii rennen, zu rauben, zu töten, zu verwüsten und sich dem Tode auszusetzen, und die jetzt wieder einmal unter Kulturmenschen zu leben anfangen, um zu begreifeil, wie tief und wie groß unsere Lebenslust und unser Tätigkeitsdrang für die sozialistische Bewegung sind. Tie winzige Zahl der Parteigenossen, die zu. Hause ge- blieben waren, erzählten uns, was für Jammer mid Elend hinter uns blieb. Die größte Zahl der Organisationen war mit einem Schlage aus der Welt geschafft. Da in dem zweiten Kriege gegen die Bulgaren selbst die Militäruntauglichen gesetzwidrig nach Mazedonien getrieben wurden, waren buchstäblich alle Mitglieder der Organisationen verschwunden. Tie, die noch übrig geblieben waren, konnten an den Fingern hergezählt werden. Das Vermögen der Organisationen wurde gesammelt und im Volkshause aufbewahrt. Da gegen dieses Vermögen aber mehrmals Raubversuche unternommen waren, entschlossen sich unsere Genossen, unsere Hinterlassenschaft zu schützen. Sie haben sich Waffen angeschafft-und sich vor u n d i n u il s c r e ni Ä 0 l k s h a u s e T a g u n d 9» a ch t als Wächter aufgestellt. Da sie in diesem Kampfe für unsere Sache zu wenige waren, haben sie in den dunklen und langen Winternächten ihre Gesundheit zugrunde ge richtet, aber die Hinterlassenschaft unserer Organisationen blieb bis aus den letzten Heller erhalten. Ter eifrigste unter unseren Wächtern, aber auch einer, der an der Krankheit am meisten zu leiden hat, ist der Sekretär unserer Gewerkschafts konimission, Genosse P a w l 0 w i tz. Dasselbe gilt von L a p t s ch c w i tz, unserem Abgeordneten, der alles geleitet und die Zeitung redigiert und der sich dabei überarbeitet hat. Diese denkwürdige Opfcrwilligkeit und dieser Heldenmut der Sozialdemokraten soll und muß besonders unter- strichen werden. Konnte jemand mit mehr Recht als diese beiden Genossen die heute Versammelten auffordern, so schnell wie möglich unsere Organisationen wieder aufzubauen und die Tätigkeit wieder aufzunehmen? Danach traten die bekannten Genossen Topalowitz und Tutzowitz, die eben aus dem Kriege gekommen waren, auf.-�ie waren über den Jubel, mit dem sie von den Ar- beitern einpfangen wurden, hoch erfreut. Die A u s z e i ch- n u n g c u, die ihnen als Reserveoffiziere verliehen werden sollten, haben sie zurück- gewiesen. Nachdem Genosse Topalowitz seiner Freude, sich wieder dem sozialistischen Kampfe widmen zu können, Ausdruck ge- geben hatte, zeigte er, eine wie große Verantwortung die Träger der Arbeiterbewegung in Serbien vor der Arbeiter- klasse im Laude und vor der sozialistischen Internationale zu tragen haben. Das neue Serbien ist nicht frei geworden, sondern mit dem alten unter das Joch des Militarismus gefallen. E r st jetzt gilt es, den Befreiungskampf durchzufechten, den nur die Sozialdemokratie-führen will und kann. Tie Errungenschaften unserer Gewerkschaften sind zunichte gemacht, die Arbeiterschutzgesetze außer Geltung gestellt. Die Arbeiter, die in, Felde standen, wurden wie die wilden Hunde behandelt, die zu Hause blieben haben Hunger gelitten. Und was haben wir gefunden, als wir zurück- kamen? Elend. Jammer und Ruin! Die Felder sind un- bebaut, die Geschätte geschlossen und werden noch immer nicht aufgemacht Tausende von Menschen ziehen ziellos herum, !H. r.,'ie rr�ttegelegeitlictt vorhanden ist. Tie ehemaligen -Soldaten, die Nationalhelden, die verstümmelt und die nicht verstümmelt und, betteln aus den Straßen. Im ganzen Lande wüten furchtbare, ansteckende Krankheiten. Noch immer fallen jeden Tag Hunderte von Menschen an der Cholera. Die proletarischen und halbproletarischen Volksmassen sind arg unzufrieden. Diese Unzufriedenheit kann nicht durch feierliche Paraden, die die Herrschenden veranstalten, in andere Richtungen abgeleitet werden. Die Massen richten ihren Blick zu uns, zu der Sozialdemokratie, zu dem einzigen nicht Schuldigen an der furchtbaren Katastrophe, zu den ein- zigen Gegnern des Krieges und des Militarismus, zu den einzigen Kulturmenschen. Und darin liegt unsere historische Verantwortung. Wir sind die Berufenen, denen die Pflicht obliegt, diese dunkle Unzufriedenheit der Volksmassen in be- wußten Klassenkampf zu verwandeln. Tie Arbeiter in die Organisationen anzusammeln, durch diese Organisationen für politische Freiheiten, wirtschaftliche Verbesserungen und die Abschaffung des Kapitalismus zu kämpfen, das ist der einzige Weg, unsere Arbeiterklasse vor dem Untergang zu retten. Eine ebenso wichtige Pflicht haben wir der sozialistischen Internationale gegenüber. Das ist jene großartige Organi- sation, die den unermüdlichen Kamps gegen den Krieg und gegen den Militarismus führt. Sie führt ihn, weil es die Klasseninteressen des Proletariats und die Zukunft des So- zialismus erfordern. Diesen Kampf der Internationale gegen den Krieg heißt es zu stärken, ihn müssen neue moralische Antriebe gegeben werden. Durch das Aufblühen unserer Bewegung soll der Welt das historische Beispiel gegeben werden daß s e l b st ein Krieg die Kraft der Sozialdemokratie n i ch t v e r in i n d e r t, sondern größer in a ch t. Wir haben gegen den Krieg und gegen den Militarismus gel kämpft, und eben deshalb sind wir stärker geworden. Ei ist eine geschichtliche Notwendigkeit, ein historisches Gesetz, daß jeder Krieg das Vertrauen der Volksmassen in die herrschende Klasse herunterdrückt. Beim Kriege mit seinen abschenlichen kapitalistischen Tendenzen richtet sich sofort die Empörung der Volksmassen gegen die Regierung. Tort, wo das Pro letariat die Mehrheit der Bevölkerung ausmacht, in u ß n n bedingt ein Krieg in die soziale Revolution ausmünde 11. Tie Internationale befindet sich auf dem besten Wege. Nur noch mehr Eifer, immer mehr Eifer. Verbreiten wir unsere Lehre in den Volksmassen, stärken wir innerlich unsere Organisationen, führen wir einen rücksichtslosen Kampf gegen den Krieg und gegen den Militarismus, und hegen wir die aus der Erfahrung der Balkankatastrophe ge zogene feste Neberzeugung, daß nur eine einzige Fahne siegreich durch die Welt g e t r ag e n werden wird, die rote Fahne der Sozial- d e m 0 k r a t i e. Genosse Tutzowitz erinnerte an die Pflicht, der armen Bevölkerung im.Süden des Balkans zu gedenken, wo die Armeen der fünf christlichen kriegführenden Staaten mehr Elend und Unheil angerichtet haben, als die sultanische Ro giernng in einem Jährhundert, Es wurde dort geraubt, geplündert, gebrannt, getötet. Es ist die Pflicht der Ar beiterklassc, den Unglücklichen die Freundeshand zu reichen. Wir müssen zeigen, daß in Serbien noch etwas zu finden i st außer dem, was die A r m e e k 0 in mandos, Balkanregierungen u n d Balkan k ö n i g e gezeigt haben. Ter Kapitalismus wird die neuen Gegenden unter seine unbeschränkte Herrschast stellen. Er wird die alten Wirtichafts- und Gesellschaftsformen zu- gründe richten, infolgedessen wird der Zustrom der Volks- Massen, den bisher der amerikanische Kapitalismus und der rumänische Feudalismus geschluckt haben, nur größer werden und unsere einheimischen Arbeitsmärkte überschwemmen. Wir müssen diese neuen Proletarier in unsere Organisationen einführen, sonst werden sie von unseren Gegnern in die gelben Organisationen gepreßt werden. Wir müssen die alte historische Wahrheit bezeugen, die Marx so glänzend sormu- liertc, da er sagte:„Jedem Schritt des Kapitalismus folgt ein Schritt seines Todfeindes, des Sozialismus." Möge die große Kulturaufgabe, die die Sozialdemokratie auch in den neuen Gegenden vollziehen wird, den Volksmassen wenigstens eine kleine Entschädigung sein für die ungeheuren Opfer, die sie zu tragen gezwungen waren! Tie in dieser Versammlung gesprochenen Worte haben in dem ganzen Lande großen Widerhall gefunden. Die Or- ganisationsarbcit geht rasch vorwärts. Sie wird leider ge- hemmt einerseits durch die ansteckenden Krankheiten, die das Versammeln größerer Menschenmengen unmöglich machen, und andererseits durch die unglaubliche Arbeits- l 0 s i g k e i t. Tie vom Militär gekommenen Genossen leiden buchstäblich Hunger. Das Wirtschaftsleben ist töt, die Iah- lungen sind eingestellt, das Geld in die Kassen der Bankinstitute eingeschlossen. Zurzeit ist überhaupt nicht abzusehen, ob und wann es besser werden wird. Für uns gilt es aber, eben diese Zeit der größten Unzufriedenheit agitatorisch ans-! zunützen._ Ter Tnternationale flrbeiterfchutzhonferenz. Gestern fand, wie uns telegraphiert wird, in Bern die Schluß- sitzung der sogenannten internationalen Arbeiterschutzkonferenz und die Unterzeichnung der Schlußakte statt. Unterschriften unter die Schlußalte setzten Vertreter von Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Belgien, Frankreich, GroßbritPinien, Italien, Norwegen, Niederlande, Portugal, Spanien, Schweden und der Schweiz. In dem Akt drücken die Delegierten aus, sie seien übereingekommen, den schweizerischen Bundesrat zu ersuchen, er möchte als Ergebnis der Beratungen der Konferenz den beteiligten Staatsregierungen behufs der ihnen für gut erscheinenden diplomatischen Verhandlungen die Er- gebnisse der Vcrhandlungsberatungen als Vorschläge für ab- zuschließende.internationale Vereinbarungen mitteilen. Vor der Unterzeichnung haben die Vertreter einiger Staaten noch besonders betont, daß sie für ihre Regierungen das Recht der freien Eni- schließung ausdrücklich wahren. Diese Freiheit besteht, Ivie festgestellt wurde, ohne weiteres für alle beteiligten Staaten, da erst durch die vom Bundesrat auf das Jahr 1911 einzuberufende diplomatische Konferenz die Staatsverträge vorbereitet werden. Vertreter Rußlands war zur Unterzeichnung nicht ermächtigt. Die h a u p t s ä ch I i ch st e 11 B e st i m m u n g e n der Schlußakte sind: Durch eine erste Konvention soll die industrielle Nacht- arbeit der jugendlichen Arbeiter bis zum vollendeten vierzehnten und bis zum vollendeten sechzehnten Alters- jähre verboten sein. Das Verbot ist nur für die Jugendlichen bis zum vollendeten vierzehnten Jahre unter allen Umständen absolut. Die Nachtruhe soll eine Dauer von mindestens c I f aufeinander- folgenden Stunden haben. Es soll in ihr der Zeitraum von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens liegen. Für die Stein- und Brau n kohle nberg werke sollen, falls die Ruhezeit vcr- längert wird, gewisse Verschiebungen zulässig sein. Das Ueberein- kommen soll zwei Jahre nach Schluß des Protokolls in Kraft treten- Die Frist für die G l a s i n d u st r i e und für die Walz- und Hammerwerke soll aber verlängert werden. Nach den Grund- zügen einer zweiten Konvention soll die Dauer der industriellen Arbeit von weiblichen Personen jeden Alters und von jungen Leuten bis zum vollendeten s e ch- zehnten Altersjahre täglich nicht mehr als zehn Stunden be- tragen. Nach Wahl können die Vertragsstaaten die höchste Arbeits- dauer aber auf sechzig Stunden an den sechs Werk- tagen und mit einem Maximum von zehnein halb Stunden täglich festsetzen. Die höchste Arbeitszeit kann durch U e b e r st u n d e n unter gewissen Voraussetzungen ausnahmsweise verlängert werden. Die Gesamtzahl der Ueberstunde n soll jährlich bis 110 erreichen dürfen. Tie Konvention setzt endlich für einige Industrie» noch besondere Ausnahmen fest und gewährt für solche sowie für Staaten, in denen die gesetzliche Arbeitszeit heute noch 11 Stunden beträgt, llebergangsfristen.- Ein außerordentlich mageres Ergebnis, da? wahrlich eher als ein Aufruf zum„Halt" als ein Ruf zum„Vorwärts" in den sozial so notwendigen Vorschriften sür Jugendliche und für weibliche Personen anzusprechen ist. der eigenen Schlinge. In Leipzig ist im Jahre 1890 das Dreiklassenwahlrecht nach Berliner Muster- eingeführt worden. Wie so oft, war auch hier dcr Liberalismus die treibende Kraft, er fürchtete von dem Zensus» Wahlrecht eine Ucbcrslutung öeS Kollegiums durch die Sozialdemo- kraiie. Tic Wirkungen des Rauhes sind nun freilich für den Libe- ralismus keineswegs erbaulich gewesen. Tie verhaßte Sozial- dcmokratie ist zwar in die dritte Klasse zurückgeworfen worden, aber die zweite Klasse ist gänzlich in den Besitz der mittelständ- lertschen Hausbcsitzcrpartei übergegangen. Dadurch ist der libe- rale Anhang in den unteren Schichten völlig ausgeschaltet worden, was für die Wahlrechtöräuber mit jedem Tage unangenehmer wird. Vor fünf Jahren ist es nocl) einmal gelungen, vier Sitze in der dritten Wähterklasse sür oas Bürgertum zu retten und damit einige Vertreter des mittleren Beamtentums in das Kol- legiiim zu bringen. Diese scheiden aber Ende nächsten Jahres aus und an einen abermaligen Erfolg in dcr dritten Klasse ist nicht mehc zu denken.- Kein Wunder, daß unter diesen Um- ständen daS liberale Bürgertum mit Grauen an den Wahlkampf im Herbst 181-t denkt. Darum erklärt sich dcr Eifer, mit dem die Liberalen eine Aciiderung des Wahlrechts erstreben. Seit ezcmbcr 1912 liegen dem Kollegium Eingaben der verschiedensten Interessengruppen vor, die kategorisch eine Aenderung fordern und aus allem stöhnt die Angst vor- dem nächsten Wahlkanipf. Eine dieser Eingaben stammt vom Nationalliberalen Verein Leipzig und Umgebung: sie fordert: 1. Einteilung der wahlberechtigten Bürger in vier Klassen auf Grund ocr Einkommensteuer(Wegfall der Grundsteuer- anrechnung). 2. Einführung des Verhältnisioahlvcrfahrens in allen vier Klassen. 8. Erhöhung der Stadtverordnetensitze. Die Einteilung der Wählerschaft denkt sich die Eingabe so, daß ans die erste Klasse 10 Proz., aus die zweite 20 Proz., auf die dritte 30 Proz. und aus die vierte Klasse 40 Proz. der Wähler entfallen. Aisher umfaßte die erste Klasse nur 5 Proz., die zweite 15 Proz. und die dritte Klasse 80 Proz. der Wähler. Mit dcr Verwirklichung dieser Vorschläge würde das Beamtentum voll auf seine Rechnung kommen, es würde in den beiden mittleren Klassen den sogenannten Mittelstand ans seiner sicheren Position werfen, denn das Hausagrariertuni würde durch die Nichtanrechnung dcr Grundsteuer empfindlich geschwächt werden. Tie Sozialdemo- kraiie würde ihren Besitzstand behaupten, aber auch keineswegs gewinnen. Daß diese Vorschläge keine Aussicht aus Erfolg haben konnten, liegt ans der Hand. Weder der Mittelstand noch die Sozialdemo- kraiie konnte sie annehmen. In den Ausschußberärungen sino sie denn auch nicht aufgenommen worden. Dafür tauchten aber einige ähnliche Vorschläge ans. Diese wollten das Dreiklassenwahl- recht bestehen lassen, die Klassen aber so abstufen, daß auf die erste Klasse 10 Proz., auf die zweite 25 Proz. und auf die dritte 65 Proz. der Wähler entfallen sollten unter Anwendung der Vcr- hältniswahl. Einer kleinen Vermehrung der Eitze, eventuell zu- gunsten der dritten Klasse, waren die Herren auch nicht grund- sätzlich abgeneigt, doch haben sich diese Wünsche zu Anträgen nicht verdichtet, weil die Sozialdemokraten keine Neigung zeigten, diesen Anträgen bedingungslos zuzustimmen. Eine andere Eingabe kam von den nationalen Arbeitern. Diese gelben Brüder finden es unhaltbar, daß 80 Proz. der Bürger- schaft von den Sozialdemokraten vertreten werden. Sie fordern deshalb ein Vierklassenwahlrecht derart, daß die ersten drei Klassen den ansässigen Teil des Kollegiums wählen sollen— das ist die Hälfte— lvahreno die vierte Klasse im Vcrhältniswahlversahren die Unansässigen wählt. Da die ersten drei Klassen alle Bürger umfassen sollen, die drei Viertel der Einkommensteuer aufbringen — das sind etwa 8 Proz. der Wählerschaft— würde der pluto- kratische Charakter des Wahlrechts noch verschärft werden, mehr als SO Proz. der wahlberechtigten Bürger würden in die vierte Klasse gedrängt! Endlich verlangten die freisinnigen Vereine in einer Eingabe die Einführung des Reichstagswahlrechts. Der resignierten Art der Begründung dieser Eingabe konnte man es jedoch anmerken, daß sie nicht ernst gemeint war. Am Mittwoch den 24. September, wurde die Sache im Plenum verhandelt. Der Ausschuß hatte nichts zustande gebracht und be- antragte sämtliche Eingaben auf sich beruhen zu lassessn. In der Debatte beantragte der Liberale Dr. T scharmann, den Rat um eine Vorlage zu ersuchen, in der die Einteilung der Wählerschaft nur nach der Einkommensteuer und die Wahl nach gebundenen Listen vorgesehen sei. Das bedeute also Nicht- rcchnung der Grundsteuer und Verhältniswahl. Auf eine Wieder- ausnähme der übrigen Anträge verzichteten die Herren. Genosse Lehmann begründete unsere Stellung. Er erklärte unsere Bereitwilligkeit, an einer wirklichen Verbesserung in d c r Richtung zun: allg meinen und gleichen Wahlrecht mitzuarbeiten. Der Mittelständler Jäne konnte die Not- wendigkcit einer Aenderung überhaupt nicht einsehen, was auf der Tribüne mit gebührender Heiterkeit aufgenommen wurde. Im übrigen bemühte sich der Herr, die Anrechnung der Grundsteuer zu rechtfertigen. Es war steinerwcichcnd, wie er die Erstklassigen anflehte, doch ja nicht die armen Hausbesitzer an die Wand zu drcken. Ter Lehrer H i e m a n n, einer der letzten bürgerlichen Vertreter der 3. Klasse, der unter den Erstklassigen sitzt, vertrat die Wünsche des Beamtentums. Für das allgemeine Wahlrecht sei er zwar, aber er wolle nicht dafür st i m m e n, weil das nur eine Demonstration sei! Genosse Pollen der attestierte den Libe- ralen unsere Genugtuung über ihre Beklemmung, in die sie durch das Dreiklassenwahlrccht geraten sind. Er wies dann den Herren nach, daß sie es sind, die jede Verbesserung unmöglich machen, weil sie nicht geneigt sind, die elementarsten Forderungen der Gleich- berechtigung unserer Fraktion zu erfüllen. Der Erstklassige Dr. I u n ck. ein Bruder des Reichötagsabgeordneten, diente seiner schlechten Sache mit einer schlechten Rede. Abwechselnd lobte und tadelte er die Mittelständlcr und Sozialdemokraten, um dann mit einer patriotischen Geste an den Gemeinschaftssinn zu appellieren. Damit war die Debatte beendet; sämtliche Anträge wurden abgelehnt. Die Hoffnung, daß nun für einige Zeit Ruhe ein- treten werde, dürfte sich nicht erfüllen, denn die Arbeiter- schaft wird nun an die Spitze der Bewegung treten und die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts mit allem Nachdruck verlangen. politische debersicbt. Die nationallibcrale Parteileitung Badens nimmt endlich Stellung gegen jene Vereinsleiter, die sich um die Abmachungen über die Kandidatenaufstellung nicht im geringsten kümmern. Im Bezirk Rastatt-Stadt hatte der dortige national- liberale Verein entgegen dem Abkommen mit den Fortschrittlern einen eigenen Kandidaten aufgestellt und zwar einen solchen, der auch dem Zentrum genehm ist. Damit würde der Bezirk, der bisher durch einen Fortschrittler vertreten war, der Fortschrittspartei der- lorcn gehen. Es ist versucht worden, die Rastatter Nationalliberalcn umzustimmen, das war vergebens. Die nationallibcrale Partei- .teftnng erläßt nun eins Erklärung gegen die Rastatter Sonder- kandidatur, die betont, daß sie nicht als Kandidatur der national- liberalen Partei gelten könne. Die Anhänger der nationalliberalen Partei werden aufgefordert, ihre Stimmen dem Kandidaten der fort- schrittlichen Volkspartei zu geben. Das ist gut gemeint, wird aber nicht viel nützen, der national- liberale Karren ist nun einmal verfahren. Der Volksschiiler K4 M., der Gymnasiast 397 M. Vor einiger Zeit haben wir kurz angedeutet, in welch krassem Gegensatz in Baden— und nicht anders stehts in dieser Beziehung in anderen Bundesstaaten— die Aufwendungen des Staates und der Gemeinden für höhere Schulen und für die Volksschulen stehen. Eine geradezu aufreizende Sprache reden aber die nachstehenden Zahlen. Es kostete in Baden im Jahre 1910: ein Gymnasiast..... 397,34 M. ein Realschüler..... 394.63„ ein Biirgerschiiler.... 275,73, eine höhere Tochter.... 198,69. ein Bolksschüler aber nur. 64,54„ Die Schulbildung, welche der Gymnasiumsbesucher genießt, ist also sechsmal teurer als die, welche man dem Bolksschüler augedeihen läßt. Noch stiefmütterlicher benimmt sich gegenüber dem letzteren der»fürsorgliche" Vater Staat. Er leistet an Zuschuß für einen Gymnasiasten... 258,45 M, oder 63 Proz. einen Realschüler.... 129,21„. 42 einen Bürgerschülcr... 154,79 ,,. 56» eine höhere Tochter... 59,99„„ 23» einen Volksschüler.... 16,61„„25 In löfacher Vermehrung gegenüber dem Volksschüler begünstigt also der Staat den Gymnasiasten. Das zeigt trefflich, wie stark noch immer selbst in süddeutschen Staaten die Volksschule an Wertschätzung gegenüber der Mittelschule zurücksteht. Wie traurig es in dieser Be- ziehung aber erst in Ost- und Wesivrenßen sowie in Mecklenburg aussieht, ist hinlänglich bekannt.__ folgen der Wehrvorlagc. Das neueste„Militär-Wochcnblatt" bringt Bestimmungen über ein neues Verfahren bei den RekmtenauShebungen. Danach kommt in Zukunft die Auslosung in Fortfall. Es ist beabsichtigt, beim Ersatzgcschäft eine Sichtung der Tauglichen in zwei Klassen bor- nehmen zu lassen. Die Tauglichen I lzweifellos Taugliche) werden voll zur Einstellung kommen. Die Tauglichen ll nur so weit, wie sie zur Erreichung der Rekrutcnquote benötigt sind. Eine lieber- tragung von Tauglichen ans da? kommende Jahr gibt es nicht mehr, so daß auch die Tauglichen zweiter Klasse schon im gleichen Jahre ihre endgültige Entscheidung erhalten. Zunächst werden sie noch als Nachersatz verfügbar gehalten und dann voraussichtlich am 1. Februar des der Aushebung folgenden Jahres der Ersatzrescrve überwiesen. Auch die Manöver sollen ausgestaltet werden. Die Korps- Manöver unter Leitung von Gencralinspekteuren der Armeeinspek- lionen wurden in diesem Jahre zum erstenmale angeordnet, und zwar im Korpsverbande gegen markierten Feind beim Gardekorps, 1„ 3, 19., 16., 29. und 21. Armeekorps. Vom nächsten Jahre ab sollen zwei Korps der betreffenden Generalinspektioncn unter Leitung dcS� Gcneralinspektcurs gegeneinander manövrieren. Bei den Kaiscrmanövern soll die Beteiligung von mehreren ArmeekorpZ auf jeder Seite zur Regel werden. Hiermit wird sich aber der SieichStag noch zu beschäftigen haben, da im ReichS-Etat erhöhte Mittel für die vorstehenden Zwecke gefordert werden. Auch die Marine geht bei der Neuordnung nicht leer aus. Bei der Firma Friedrich Krupp in Essen gab die Marineverwaltung die ersten 38-Zeutimeter-Geschütze zur Anfertigung in Bestellung. Es handelt sich zunächst um die Konstruktion von 16 Geschützen dieses Kalibers, die zur Installierung an Bord der beiden Großkampfschiffe „Ersatz Wörth" und„T-1 bestimmt worden sind, die die Schichau- werft in Danzig und die Howaldtswerke bei Kiel zum Bau in Auf- trag erhalten haben. Und die Reichswerst in Danzig stellte in diesen Tagen das 21. Unterseeboot fertig. Die Kominission für die Rüstungslieferungen soll kurz bor Be- ginn des Reichstags zusammentreten. Dieser„parlamentarischen Untersuchungskommission" scheint man aber nach Möglichkeit die Hände binden zu wollen. Die offiziös informierte„Neue politische Korrespondenz" schreibt nämlich— und die„Nordd. Allgcin. Zeitung" gibt es kommentarlos wieder—:„Es kann nicht die Aufgabe der Enguetekommission sein, in die Exekutive der Verwaltung hineinzureden: ihr Aufgabenkreis beschränkt sich vielmehr darauf, Fragen der Submissionspolitik und da- mit zusammenhängende weitere Fragen wirtschaftlicher Art einer erschöpfenden Erörterung und Würdigung, gegebenenfalls unter Berücksichtigung der Verhältnisse des Auslandes, zu unterziehen. Fragen, wie sie schon seit Jahren in der Budgetkommission des Reichstages erörtert worden sind und den Gegenstand von Ver- Handlungen zwischen den beteiligten Verwaltungen gebildet haben. Solche Kommissionen sind in Deutschland durchaus nichts Neues, es braucht nur an die Börsen-, Kartell-, Bank- und Fleischenquetc- kommission erinnert zu werden." Es kommt auf die Kommission an, wie sie ihre Aufgabe auf- faßt; nötigenfalls muß der Reichstag nachhelfen. Die Bochumer Wohllöbliche. Am 39. Dezember 1912 unternahm die Bochumer Polizei eine Reihe von Haussuchungen nach der vom Düsseldorfer Bureau heraus- gegebenen Broschüre„Der moderne Militarismus". Auf dem Bochumcr Parteiburcau kam es zu lebhaften Auftritten. Der Partei- sckretär Genosse Scheibe weigerte sich, die Haussuchung zu dulden und wich schließlich nur der Gewalt. DaS Schöffengericht in Bochum stellte im April dieses JahrcS fest, daß die Beamten nicht in recht- mäßiger Ausübung ihres Amtes gewaltet hätten und sprach den Genossen Scheibe von der Anklage des Widerstandes gegen die Staatsgewalt frei. Der Amtsanwalt legte zwar Berufung gegen dieses Urteil ein. zog aber vor einer Entscheidung der oberen Instanzen seine Berufung zurück. In derselben Sache holte sich jüngst die Bochumer Polizei eine zweite Niederlage. Der Vorsitzende des Sozialdemokratischen Vereins in Bochum, Genosse Te über, wurde beschuldigt, noch nach der Beschlagnahme der genannten Broschüre Exemplare an die Partei- fnnktionäre verabfolgt zu haben. In einer Gerichtsverhandlung, die schon im Juni stattfand, berief sich der Amtsanwalt auf einen Polizei- spitze!, der der Sitzung der Bochumer Parteileitung beigewohnt habe und Zeuge der strafbaren Handlung gewesen sei. Der Polizei wurde aufgegeben, eventuell diesen Vertrauensmann zu nennen. In der neuen Verhandlung vom vergangenen Mittwoch weigerte sich der als Zeuge erschienene Kriminalbeamte Eibner, den Vertrauensmann der Polizei zu nennen und Auskunft darüber zu geben, ob dieser Spitzel bezahlt werde. Er versicherte nur, der Spitzel sei„eine außer- ordentlich glaubwürdige Person". Daraufhin beantragte der Amts- anwalt 199 M. Geldstrafe; das Gericht folgte aber dem Verteidiger, der den Spitzel als verlogenen Lumpen kennzeichnete, der sich unter der Maske eines Sozialdemokraten verberge, um der Polizei Nach- richten aus internen Sitzungen zu bringen, lim möglichst viel Geld zu verdienen, sei es ganz klar, daß er nicht nur Nachrichten fälsche, sondern auch strafbare Delikte erfinde, um seinen Auftraggebern gerecht zu werden. Das Gericht sprach den Genossen Teubcr mit der Motivierung frei, daß die Angaben des Spitzels nicht genügend beweiskräftig schien und aus den sonstigen Indizien kein voller Be- weis für die Schuld entnommen werden könne. Wie übrigens aus Bochum berichtet wird, ist der Polizeispitzel inittlerweile erkannt worden und die auf diesem Gebiete sehr rührige Bochunier Polizei um einen„Vertrauensmann" ärmer. Einer von den Ihren. Am Tage der Landtagswahl hatte si-b der k o n s e r v a t i v e Arbeiter Warnat aus Noragehlcn(Kreis Niederung) in Ostpreußen nach einer Siegesfeier im Kruge auf den Arbeiter Stesewitz, der als Sozialdemolrat bekannt war. gestürzt, ihm einen wuchtigen Sckstag mit dem Stock auf den Kopf versetzt und dann wie ein wildes Tier ans den Mann, der blutend am Boden lag, eingeschlagen. Der Gc- nosse hat an den Folgen längere Zeit krank gelegen. Die konser- vative Staalsstiitze erhielt vorn SÄöffcngericht in Heinrichstpalde 14 Tage Gefängnis für die Brutalitäten. Der Mann legte aber gegen dieses Urleil, das schon sehr milde ist, Berufung ein. und vor der Strafkammer in Tilsit erklärte der Angeklagte, er hätte des- halb den Stesewitz niedergeschlagen, weil dieser sich nicht geniert hätte, in der„konservativen Niederung" s eine Stimme einem sozialdemo- kratischen W a h l m a n n zu geben. Seine Berufung wurde verworfen. Militävgcrichtsnrteile. In einem hohen Grad der Verzweiflung muß sich der Arbeitssoldat der Reserve Alfred Garde befunden, der sich dieser Tage vor dem KönigSberger Kriegsgericht zu verantworten hatte. Der Mann kam unbestraft in das Heer, in dem er sich eine Anzahl Strafen zugezogen hat. Er ivurde der Arbeiterabteilung überwiesen und in letzter Zeit wegen Verstößen gegen die Subordination drei- mal zu je einem Jahr Gefängnis vernrtei lt. Während er sich in Untersuchungshaft befand, kam eines Nachts ein Offizier, um zu revidieren. Dieser befahl dem Mann aufzustehen und ihm zu melden, weshalb er bestraft sei. Der Soldat erklärte aber, daß er dazu nicht verpflichtet sei, der Offizier möge machen, daß er hinauskomme. Wegen dieses Vorfalls hatte er sich erneut vor dem Kriegsgericht zu verantworten, das ihn wegen Ungehorsams und Achtungsverletzung zu einem weiteren Jahr und einem Monat Gefängnis verurteilte. Während der Ver- Handlung stieß der Angeklagte gegen die Richter andauernd die schwersten Beleidigungen aus und meinte, man könnte mit ihm machen, was man wollte. Bei einer früheren Verhandlung hat er ersucht, ihn zu Zuchthaus zu verurteilen. Kurz, der Angeklagte befindet sich in einem Stadium höchster Ver- zwcifeluug. Vielleicht ist er auch nicht mehr geistig zurechnungs- sähig. Aerztliche Sachverständige waren zur Verhandlung nicht geladen. In I n st e r b u r g wurde ein Kanonier vom Feldartillerie- regiment Nr. 1 zu v i e r M o n a t e n und einer Woche Gefängnis verurteilt. Er hatte eines Abends einem Unteroffizier„achtungs- lvidrige Antworten" gegeben,„keine militärische Haltung einge- nommen" und„im Ungehorsam beharrt". Und in A l l e n st e r n wurde ein Kanonier vom Feldartillerieregiment Nr. 73 wegen Achtungsverletzung vor versammelter Mannschaft unter Gewehr, Be- schädigung von Dienstsachen und tätlichen Angriffs gegen einen Vorgesetzten zu 2 Jahren und einem Monat Gefängnis verurteilt. Er hatte im angetrunkenen Znstande sich in„achtungs- verletzendem Tone" geweigert, vom Pferde zu steigen und schließlich dem Sergeanten mit der Faust einen Schlag in den Rücken versetzt._ Ter Hauptmann als Soldatenschinder. DaS„Westpr. Volksblatt" meldet au§ T h o r n: „Mit dem großen militärischen MißhandlungS- Prozeß gegen den Hauptmann und Kompagniechef Artur Köhler vom 176. Jnfanterie-Regiiiient mußte sich jetzt auch das O b e r! r i e g s g e r i ch t deS 17. Armeekorps beschäftigen. Hauptmann Köhler hat sich zweimal vor dem Kriegs- gericht zu verantworten gehabt. In der ersten Verhandlung Ende April wurde er nach einer Beweisaufnahme in zehn Verhcmdlungs- tagen wegen fortgesetzter Bestimmung und versuchter Bestimmung Untergebener zu strafbaren Handlungen durch Mißbrauch der Dienstgewalt, ferner wegen vorschriftswidriger Behandlung Unter- gebencr in 62 Fällen, wegen Mißhandlung Untergebener in 45 Fällen, wegen Mißbrauch der Dienstgewalt in drei Fällen und wegen mangelhafter Beaufsichtigung Untergebener bezw. Unterlassung her Verfolgung strafbarer Handlungen von Untergebenen in zwei Fällen zu sechs Monaten Festungshaft verurteilt. In einer zweiten Verhandlung Mitte August verhängte dann das Kriegsgericht noch gegen Hauptmann Köhler wegen vorsätzlicher Miß» handliing�Untergebener in Ausübung des Dienstes unter Mißbrauch der Waffe in fünf Fällen vier Wochen Stubenarrest Der Gerichtsherr hat gegen das Urteil der ersten Verhandlung Be- rufung eingelegt, zwar nicht wegen der Höhe des Strafmaßes, sondern nur, weil nicht auch ans Dienstentlassung erkannt worden ist. Die heutige Verhandlung findet, wie die beiden Verhandlungen vor dem Kriegsgericht, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Die Verlesung des ersten Urteils nahm mehrere Stunden in An« spruch. Zur Verhandlung sind nur 13 Zeugen geladen. Das Urteil lautet auf eine G e s a m t st r a f e von sechs Monaten Festungshaft und Dienstentlassung. Offenbar hat es sich um sc h r schwere Ausschreitungen des nunmehr endlich kaltgestellten Hauptmanns gehandelt. Es ist des- kalb doppelt bedauerlich, daß in sämtlichen drei Verhandlungen die Oeffentlichkeit ausgeschlossen worden ist. Oer fcrbifcb-albamrchc Konflikt. Belgrad, 24. September.(Gig. Ber.) Unter Führung der bekannten Führer Jssa Boljetinaz und B o j r a m Zur haben die Arnauteu in der Zahl von 20 OOO gut bewaffneten Männern die südliche serbische Grenze überschritten.. Nach einem überaus heftigen Kampfe haben sie Djakowiza und D i b r a genommen, wurden aber aus Djakowiza wieder herausgetrieben. In Belgrad riefen die Meldungen darüber die größte Bestürzung hervor. Da die in der bedrohten Gegend stehenden serbischen Truppen kaum 10000 Mann zählen, werden sie genügenden Wider- stand nicht leisten können, deshalb wird wohl auch Prinzrend verloren gehen. Eine Tcilniobilisation ist bereits an- geordnet, aber bis diese Truppen an Ort und Stelle sind, tverden die Arnautcn tief ins Land eingedrungen sein. Man glaubt, daß ihre Führer der mit Okkupation der Gegenden eine vollendete Tatsache schaffen wollen, in der Hoffnung, Europa werde seine Zustimmung geben. Die orbischc Regierung beabsichtigt aber, die Angreifer unbedingt zurückzuweisen und durch einen Einfall in ihr Land zu be- strafen. Man versichert, der Einfall der Arnautcn sei ein Versuch der österreichischen Diplomatie, die Grenzen Albaniens zu erweitern. Wären aber die geographisch un- trennbaren wirtschaftlichen Zentralpunkte Nordalbaniens von diesem nicht abgeschnitten, wäre den Albanesen der Zugang in Dibra, Prinzrend, Djakowiza serbischcrseits nicht verboten, so könnte sie eine fremde Agitation nicht in eine so gefährliche Unternehmung hineinlciten.■ Die schlimmen Folgen einer Politik der Unterjochung der fremden Nationen und der Teilung des Balkans zeigen sich von Tag zu Tag immer deutlicher.____ Italien. Tic Wahlvorbereitungen in Rom. Aus Rom wird uns geschrieben: Von den fünf Wahlkreisen Roms kann man nur in einem einzigen einen lebhaften Konflitt der Parteien mit noch unentschiedenem Ausgang erwarten. Es ist dies der 1. Wahltreis, den zurzeit Genosse C a m p a n o z z i im Parlament vertritt. Die anderen sind in festen Händen. Der 2. Wahlkreis, in dem die Sozialisten dem bisherigen Abgeordneten B i s s o l a t i als Protestkandidatcn den Genossen Amilcare Cipriani gegenüberstellen, ist Bissolati sicher. Niemand wird den greisen Kliniker Guido Baccclli bei Lebzeiten aus seinem Wahlkreis verdrängen, ebenso sicher dürfte der Republikaner Bar- z i l a i und vielleicht auch der sich als Demokrat gebärdende Fürst Caetaui sein. Kamps gibt es also nur im 1. Wahltreis; da aber läßt er sich auch schon jetzt, fünf Wochen vor dem vermutlichen Wahltag, recht scharf und giftig an. Die Zahl der Wahlberechtigten ist seit den letzten allgemeinen Wahlen im Wahlkreis Rom I von rund 5999 auf 14 999 gestiegen. Dem Genossen Campanozzi, der mit schwacher Mehrheit bei einer Ersatzwahl gewählt wurde, sollte ein Bürgerlich-Radikaler, der Fürst Scipione Borghese, und ein Konservativer, der Schriftsteller Oliva, entgegengestellt werden. Der Konservative kandidierte als Vertreter der Nationa- listen, und die Klerikalen, die dreimal täglich Italien beschimpfen und in ihren offiziellen Organen die Rückgabe Roms an den Papst 'ordern, hatten erklärt, die 5599 Stimmen, über die sie in dem Wahl- kreise zu verfügen vorgeben, dem nationalistischen Kandidaten zuzu- wenden. Dieser, der sich liberal nennt, was in Italien bekanntlich der Gegensatz von klerilal und nicht von konservativ ist, schien es ganz in der Ordnung zu finden, mit 1999 liberalen und 5599 kleri» kalen Stimmen das Mandat dem liberalen Nationalismus zu er» obern, als ihm plötzlich das nationalistisch-Uerikal-konservative „Giornale d'Jtalia" den ganzen Spaß verdarb, indem es alle Ord- nungselemcnte aufforderte, den Sieg des Sozialisten zu verhindern und geschlossen für— den Radikalen. Fürsten Borghese. zu stimmen! Das war nun freilich eine starke Zumutung für die Rationalisten» die sich eben so mühsam den Klerikalen verkauft hatten: sie sollten ihre von Grund aus reaktionäre und klerikale Nationalistenseele verleugnen, bloß um die Wahl des Sozialisten zu verhindern! Die Folge war die große Krise im„Giornale d'Jtalia", dessen Redaktion der Kandidat Oliva angehörte. Sowohl er als zwei andere Ne- dakteure legten ihr Amt nieder, und wir können jetzt erwarten, daß eine Hälfte der Konservativen zur radikalen Kandidatur Borghese übergeht und die andere Hälfte sich mit den klerikalen Stimmen mischt, um den nationalistischen Kandidaten durchzubringen. � So verzichten die bürgerlichen Ordnungsparteien bereitwillig daraus, sie selbst zu bleiben und treiben einen Kuhhandel, der geradezu Ekel erregt. Zu diesem unwürdigen Kuddelmuddel in dem Wahlkreise l, von dem noch nicht ausgeschlossen ist. daß er nicht auch auf den Wahlkreis IV(heutiger Abgeordneter Caetani) übergreift, trägt hauptsächlich die Tatsache bei, daß die liberale Partei, die die Kan. didatcn stellt, durchaus unorganisiert ist, während die Klerikalen. die in Rom keinen Kandidaten aufstellen wollen, durch die Erweite- rung des Wahlrechts die stärkste Wählermasse in Händen haben oder zu haben glauben. Die beiden kämpfenden bürgerlichen Lager sind der kommunale römische Block aus der einen, die Klerikalen aus der anderen Seite. Im Grunde sieht hinter dem politischen Kamps der Kampf um die Herrschaft der römischen Stadtvelwnt» jung: Borg�hcse ist der Kandidat des Blocks, Oliva der der Kleri- kalen. In der Gunst des dcmokratisch-antiklerikalen Blockes stehen auch Bissolati, Barzilai und Caetani; der Block verteidig mehr eine Machtstellung als ein Programm. Den Luxus, ein Programm zu haben, leistet sich außer der sozialistischen nur die resormistische Partei. Englancl. Gründung eines Scharfmacherverbandes. London, 23. September.(Pridattelegramm des „V o r w a r t§".) Die zunehmende Solidarität der britischen Arbeiterklasse hat die britische Kapitalistenklasse zu einer ener- gischen Gegenwehr angestachelt. Die„Times" veröffentlicht heute die überraschende Nachricht von der Gründung einer Unternehmerorganisation, die den Namen„Abivehrvcr band der Unter nehmerdesVereinigten König r e i ch s" trägt. Unter den Gründern befinden sich einige der größten Unternehmer des Landes und einige der bekanntesten ' Adeligen, wie z. B. der Bankier Lord Avebury und der Groß grundbesitzcr Herzog von Bcdford. Es besteht die Absicht. einen Fonds von einer Milliarde Mark anzu sammeln. Allein in der letzten Woche versprachen zwei Fabrikanten, je eine Million Mark zu zeichnen, einige andere versprachen geringere Summen. Aus dem Garantiefonds sollen an alle dem Verbände angeschlossenen Unternehmer Unter. stützungcn bei Srciks gezahlt werden, deren Gesamt. heit in einem Jahre jedoch nicht mehr als V'/z Prozent der vorhandenen Geldsumme betragen darf. Die Gründer weisen außerdem darauf hin, daß der Generalstreik der Eisenbahner und Bergarbeiter zu einem für die Unternehmer be friedigenden Ende hätte geführt werden können, wenn schon damals der Allgemeine Arbeitgeberverband bestanden hätte. Der hauptsächlichste Zweck des Verbandes ist Schutz der Arbeitswilligen oder, wie man hierzulande sagt, der freien Arbeiter, die Bekämpfung des Boykotts und des Streikpostenstehens sowie die Abänderung des Gcwerkschafts gesetzes vom Jahre 1906, das die Kassen der Arbeiterverbände sicherstellte. Ferner will er auch die Anerkennung der ein gegangenen Verträge erzwingen. Beschlossen ist auch, daß der Allgemeine Arbeitgebervcrband als Gewerkschaft registriert werden soll. Die„Times", das Organ der herrschenden Klasse Groß britannicns, das die Nachricht veröffentlichte, unterzieht das neue Unternehmen in einem Leitartikel einer Kritik und meint, daß der Name der neuen Organisation allein geeignet sei, die Arbeiter zu reizen und das Fieber der wirtschaftlichen Unruhe eher zu verschlimmern, als zu lindern. Es bleibt abzuwarten, ob die Opposition der„TimeS" stärker ist als der Einfluß der Gründer. Jedenfalls ist das neue Ereignis eine ernste Mahnung an die britischen Gewerkschaftler und die Arbeiterschaft, ihre Organisationen zu zentralisieren, ähnlich wie es ihre Arbeit geber getan haben. Marokko. Der spanische Guerillakrieg. Madrid, 25. September. Eine Depesche ouS Larrasch an das KriegSministerium meldet, daß bei einem Angriff zweier spani scher Kolonnen auf den Duar Aonzar der Feind mit Verlusten zurückgeworfen ist; er ließ 18 Tote auf dem Schlachtfelde. Die spanische Artillerie hat mehrere Duars zerstört. Die Vcr- luste der Spanier betragen: zwei Leutnants und fünf eingeborene Soldaten tot. drei Offiziere und 26 Soldaten verwundet. Die Parteiprefie Uber den Parteitag. „Erfurter Tribüne." ... Alles in allem genommen, hat der Parteitag einen erfreu- lichen Verlauf genommen. Auch für uns erfreulich, die wir mit seinen Beschlüssen nicht vollkommen einverstanden sind. Wir haben in Jena Auseinandersetzungen gehabt, die außerordentlich frucht- bar auf unsere fernere Arbeit einwirken werden. Man ist prin- zipicllcn Erörterungen nicht aus dem Wege gegangen, wenn auch durch die Gunst der Umstände die eine Seite besser davon ge- kommen ist als die andere. Vor allem haben wir aus Scheidemanns zweitem Schlußwort zum Vorstandsbcricht, wie auch aus Eberls Worten am Ende des Parteitages vernommen, daß der Parteivor- stand noch nicht so weit gedämpft ist, daß er auf eine frische Offen- sive verzichten möchte. Für uns, die wir der Meinung sind, daß wir nicht allein in der Verteidigung verharren dürfen, sondern auch zum Angriff über- zugehen haben, wenn die Zeit danach ist, wird dieser Parteitag ein Ansporn zu erhöhter Tätigkeit bilden. Genosse Ebcrt Hill zum Schlüsse ausgerufen: Entweder ein freies Wahlrecht in Preußen oder Massen streik! Wir setzen hinzu: Nicht nur parlamentarische Betätigung, sondern zu ihrer Ergänzung Massenaktionen!... „Bergische Arbeiterstimme."(Solingen.) ... Genosse S ch e i d e m a n n als Referent über den Massenstreik wußte nicht genug diejenigen zu bekämpfen, die dem Proletariat in seinem schweren Kampfe Mut und Selbstver- trauen zu starken suchten, während er die Flau- und Mießmachcr nur im Vorübergehen ein wenig schüttelte. Bebel in seinem Alter hätte das Gegenteil getan.... Die plumpe und grobschlächtige Rede des Genossen'�auer, als des Vertreters der Gcneralkommission der Gewerkschaften, gegen den Massenstreik zeitigte mit erschrecken- der Deutlichkeit den engen Gesichtskreis derjenigen Körperschaft, von deren Stellungnahme der Partcivorstand sich in seinem polt- tischen Handeln wesentlich mitbestimmen läßt. Das sind trübe Aussichten für die Partei und bringt sie in dieselbe Gefahr, in welche manche Gewerkschastsleitung ihre Organisation im Laufe der letzten Jahre hineinmanövcriert hat. daß nämlich das Vor- trauen der Massen zu ihrer Führung allmählich verloren geht. Di« Partei �vird überhaupt ganz allgemein viel zu stark von den tak- tischen Dehlern der Gewerkschaften in Mitleidenschaft gezogen, eine Folge der übergroßen Reserve, in welche sie sich gegenüber gcwerk- schaftlichen Drngen des lieben Friedens halber hat hineindrängen lassen.... Recbt unerfreuliche Erscheinungen traten auch bei der Steucrdebattc zutage.... Die Haltung der Fraktionsmehrheit zu den letzten Deckungsgesetzen ist vom Parteitage gebilligt worden, nach- dem von den beiden Referenten mit allen Mitteln rücksichtsloser Beredsamkeit das Gespenst neuer indirekter Steuern für den Ab- lehnungsfall an die Wand gemalt worden war. Leider muß gesagt werden, daß gerade die Delegierten aus Arbeiterkreisen solchen geschickt vorgetragenen Argumenten am widerstandslosesten erliegen. Manchem von ihnen wäre zu wünschen, sich stets vor Augen zu halten, daß kritisches Urteilsvermögen das erste Er- fordernis für einen Delegierten ist.... ~ DwJ'rtttc Parteitag in Jena gibt der Parteigenossenschaft im Lande allen Anlag nnt Sorge der weiteren Entwickelung der Parte: entgegenzugehen. „Dortmunder Arbeiterzeitung." ... Unserer Reichstagsfraktion hat es an Kritiken auch nicht gefehlt, sie sollte ja„gründlich verhauen" werden. Aber sie hat diese Kritik gut bestanden, sie hat gut abgeschnitten.... Mit allgemeiner Spannung sah man den Verhandlungen und Entschließungen des Parteitages in der Frage des Massen- st r e i k s entgegen. Neue Richtlinien sind nicht festgelegt worden, konnten auch nicht festgelegt werden. Die Debatte mußte jedoch sein, sie war notwendig, weil die Frage in der Presse und in Per- sammlungen mehr oder minder lebhaft aufgerollt worden war. Es mußte irgendwie entschieden werden. Nüchtern und kühl und mit Gründen der Vernunft behandelte Genosse Scheidemann die Frage in seinem Referat. Mit Feuer und Leidenschaft verfocht die Ge- nossin Luxemburg ihren Standpunkt. Und nüchtern und kühl waren wieder die Reden der Genossen Bauer und Husemann, beide Ver- treter der Gewerkschaftsbewegung. Alle Achtung vor dem Enthu- siasmus der Genossin Luxemburg, aber es ist nun einmal nicht richtig, daß die Massen nur auf die Parole warten, um� los- zuschlagen. Und es ist auch nicht richtig, daß die Genossen nur los- schlagen brauchen, um alle, auch die Nichtorganisierten, Christen, Gelben usw. mitfortzureißen. Vielmehr ist richtig, daß wir alle Welt gegen uns stehen haben werden. Und wir haben zunächst noch sehr viel Änfflärungsarbeit zu leisten, um nur unsere gesamten Partei- und Gewerkschaftsgenossen für den Angriffskrieg zu er- ziehen.... Der Massenstreik wird kommen! Er wird vielleicht sehr schnell kommen, wenn die Feinde nicht an ihn glauben und voll Zuversicht sich anschicken werden, die Arbeiter noch mehr in Fesseln zu schlagen. bestehende Rechte antasten oder rauben wollen. Dann haben sie den Krieg, der dann nicht nur zur Abwehr, sondern zum' Angriff geführt werden würde.... „Neue Zeit". In der soeben erschienenen Nr. 52 schreibt Genosse Karl Kautsky u. a.: Die jüngste Tagung von Jena hat alle diejenigen enttäuscht, die von ihr besondere Sensationen, eine tiefergehende Zerklüftung der Partei erwartet hatten, Erwartungen, die einmal daher rühr- ten, weil uns diesmal die gewaltige zusammenhaltende Kraft eines Bebels fehlte, dann aber auch daher, weil die Verfechter der neuen, kühnen Initiative uns in Aussicht gestellt hatten, in Jena ihr Banner offen zu entrollen und es zum Sturme gegen unsere alte „defensive" Taktik zu führen. Dazu kam es nicht, und so bedurften die Verfechter dieser Taktik keines Bebel, um ihre Position mit leichter Mühe zu behaupten. Zu wiederholten Malen waren die Vertreter der neuen,„offensiven" Taktik aufgefordert worden, einmal deutlich zu sagen, was sie dar- unter eigentlich verständen. Sie schwiegen hartnäckig darüber. Ihre sonstige Redseligkeit machte dies Schweigen um so beredter. End- lich, auß dem Parteitag, dachte man, könnten sie sich nicht mehr der Aufgabe entziehen, ihr taktisches Programm zu entwickeln. Wenn der Genossin Luxemburg ihre Redezeit verlängert wurde, geschah das offenbar zu diesem Zweck und nicht zu dem, ihr die Möglichkeit zu geben, Scheidemann einige Liebenswürdigkeiten zu sagen. Bei der bekannten Leistungsfähigkeit der Rednerin auf diesem Gebiet wären dazu zehn Minuten mehr als ausreichend gewesen. Doch wiederum hütete sich Genossin Luxemburg sorgfältig, auch nur mit einem Worte ihre neue offensive Taktik zu kennzeichnen und ihre eigene Resolution zu erläutern..... Daß der Parteitag so schlecht formulierte und verteidigte Reso- lutionen(die Resolution der Minderheit zur Massenstreik- und zur Steucrfrage) und damit die neue„offensive" Taktik mit großer Mehrheit ablehnte, ist nicht verwunderlich. Eher dürfte man dar- über erstaunt sein, daß sie die Unterstützung sehr tüchtiger Genossen fanden. Dies ist wohl dadurch zu erklären, daß beide Resolutionen Kompromißresolutionen darstellten. Es waren ver- schicdenc Richtungen, die sich da zusammenfanden und glaubten, auf dem Wege der Abschwächung der Luxemburgschcn Gedanken- gänge einen geineinsamen Boden zu finden. Man darf annehmen, daß von den Genossen, die für die beiden eben besprochenen Resolu- tioncn stimmten, nur die wenigsten damit für die neue„offensive" Taktik eintreten wollten. Sic suchten bloß ein energisches Jntcr- esse für den Massenstreik wachzurufen und jeder Möglichkeit von Konzessionen an den Militarismus vorzubeugen, ohne jedoch von unserer bisherigen Taktik im geringsten abzuweichen— ein Streben, das wohl die Sympathie der großen Mehrheit des Parteitags ge- funden hätte, wenn man ihm einen zweckmäßigeren Ausdruck gab als die Zustimmung zu zwei Resolutionen, die vor näherer Prüfung nicht standhielten. In der Frage des Massenstreiks bestand die wesentlichste Diffc- rcnz zwischen der Mehrheit und dem größeren Teil der Minderheit nicht in der grundsätzlichen Stellung gegenüber diesem Kampfmittel, sondern nur in der Frage, ob seine Diskutierung im jetzigen Moment das beste Mittel sei, dem ans der Krise und der Arbeits- losigkcit hervorgehenden Mangel an Kampflust großer Arbeiter- schichten zu begegnen und ihnen neuen Mut und neues Interesse am Kampfe einzuflößen. Dies zu tun ist sicher bei einer Massenstimmung wie der jetzigen eine wichtige Aufgabe. Aber die Diskutierung des Massen- streiks war kaum das geeignetste Mittel dazu. Diese Diskussion konnte gar kein anderes Resultat haben, als erkennen zu lassen, daß wir im Moment an den Massenstreik gar nicht denken können, und daß über die Art seiner Anwendung die verschiedensten Anschau- uugen unter uns bestehen. Das war unvermeidlich, weil wir über die Situation, der der Massenstreik entspringen wird, gar nichts Bestimmtes wissen. Man muntert jedoch Verzagte nicht dadurch zum Kampfe auf, daß man ihnen eine Waffe zeigt, die ihnen später einmal den Sieg verschaffen dürfte, und dabei noch erkennen läßt, daß die Art der Anwendung der Waffe noch nicht feststeht. Nur wenn die Diskussion den Massenstreik in naher Zuknifft als sicheres Rcttungsmittel aus der Not erscheinen ließ, hätte sie die Massen angefeuert. In diesem Sinne war wohl auch die Luxemburgische Massenstreikagitation ge- dacht, die zwar den sofortigen Massenstreik ablehnt, aber— nach dem Sinne ihrer Resolution zu urteilen— sofortige Massenaktionen ver- langt, die den Weg zu baldigem Massenstreik bahnen. Dieser Auf- fassung wären aber nicht viele Delegierte gefolgt. Und doch entschloß sich der Parteitag, der eben mit großer Mehr- heit die Luxcmburgschc Resolution abgelehnt hatte, einstimmig zur Einleitung einer Massenaktion, nämlich zur Bekämpfung der Schäden der Arbeitslosigkeit. Die Diskussion darüber konnte nur ermutigend und anfeuernd wirken. Sie leistete das, was die Diskussion über die allgemeine Idee des Massenstreiks hätte leisten sollen, was sie aber nicht zu leisten vermochte. Der Kampf um die Fürsorge für die Arbeitslosen wird sicher zu Massenaktionen führen. Weil diese aber mit der Notwendigkeit aus einer bestimmten Situation entspringen, wird über sie unter allen beteiligten Faktoren eine Verständigung leicht möglich sein. Bei der Verhandlung dieses Punktes standen wir auf einem konkreten Boden für eine Massenaktion, standen wir aber auch gegenüber einem bestimmten Ziel für sie, einer bestimm- ten Begrenzung. Da tratcw keine großen Differenzen auf, da waren wir alle einig— aber bei der Besprechung dieser frucht- baren Grundlegung einer Massenaktion schwiegen die Verfechter der neuen Taktik. Die Verhandlungen über die Arbcitslosenfürsorgc boten unter den praktischen Ergebnissen des Jenaer Parteitags wohl das Wichtigste. Noch wichtiger hätten die Verhandlungen über die Steuer- frage werden können, aber sie litten darunter, daß die thcorc- tische Erörterung über unsere grundsätzliche Auffassung des Steuer- wesens mit der Diskussion der praktischen Anwendung dieser Auf- fassung bei den letzten Rcichstagsverhandlungen verkoppelt worden war. Diese letztere Frage beherrschte vollkommen die Erörterungen und verhinderte schon dadurch, daß die Wurmsche Vorlage die Be- achtung fand, die sie verdiente. Störend wirkte es aber auch, daß die Beurteilung der Wurmschen Resolution und die Beurteilung seines persönlichen Verhaltens zu den jüngsten Deckungsvorlagen durcheinandcrliefen. So wies die Opposition drei Richtungen auf: die eine, die die Resolution 114 wörtlich nahm, eine zweite, die sie bloß deshalb akzeptierte, weil sie in der Resolution Wurm nicht ge- nügende Schranken zur Verhinderung eines Entgegenkommens gegenüber dem Militarismus entdeckte, und endlich eme dritte, die mit Wurm in der Theorie im wesentlichen übereinstimmte und bloß an der Praxis Anstoß nahm............ Diese Kritiken brachten der Resolution Wurm nicht theoretische Widerlegung, sondern nur Mißtrauen entgegen, als ermögliche sie eine Lockerung unseres Grundsatzes: Diesem System keinen Main, und keinen Groschen........ m. Wir haben sicher nicht die mindeste Ur,ache. an diesem Grund- satz zu rütteln. Wenn mir mehrfach mein Satz aus dem Jahre 1903 entgegengehalten wurde:„Niemals dürfen wir dem heutigen System eine Steuer bewilligen zu Zwecken, die wir verwerfen, so erwidere ich, daß ich an diesem Satz heute noch festhalte. Wenn die Regierung zu Militärzweckcn durch uns Gelder be- käme, die sie sonst nicht erhielte, wäre das entschieden zu verwerfen. Aber darüber sind wir wohl alle einig. Die Frage ist bloß die, w i e wir uns verhalten, wenn über die O u e l l e n jener Geldsummen entschieden wird, die der N e g i e r u n g s i ch e r s i n d.-�er Grundsatz: Diesem System keinen Mann und kernen Groschen kann uns unmöglich zur Gleichgültigkeit dagegen verpflichten, aus welcher Tasche die Groschen genommen werden, die die Regierung aus seden Fall bekäme. Es bedeutet keine Abschwächung unseres Grundsatzes, wenn man ihn dahin erläutert: Diesem System keinen Groschen, a m a l l c r w e n i g st e n a b er A r b e r t er g r o s ch en. Erhebliche tiefergehendc Gegensatze zwischen der Mehrheit des Parteitags und und dem größten Teile der Minderheit traten auch bei der Steucrfrage nicht zutage. Der dritte Jenaer Parteitag hat somit von neuem d,e uner- schütterliche Geschlossenheit unserer Partei bekundet. Aber eben- sosehr auch ihr Festhalten an unserer bisherigen Taktik._ Die neue„offensive" Taktik hat es nicht einmal zu einer klaren Formulierung gebracht, geschweige denn zu einer„kühnen Offen- sive". Es wurde nicht der geringste Versuch gemacht, sie zu ent- wickeln und zu verfechten. Sie kann damit als erledigt betrachtet ��Wi'r bleiben was wir waren, die unversöhnlichen Feinde der büraerlichcn Gesellschaft, ihr deshalb nicht weniger gefährlich, weil wir an unserer alten Taktik festhalten, uns stets nur an Ausgaben zu wagen, denen wir uns gewachsen fühlen. Dadurch ist die deutsche Sozialdemokratie freier von Niederlagen geblieben wie jede andere revolutionäre Partei, dadurch hat sie das Vertrauen der Massen m höherem Maße erworben wie jede andere, ist sie stärker geworden wie jede Wir bleiben unserer Taktik getreu, das Proletariat nicht nur zu Kämpfen zu führen, sondern auch zu Siegens Hus der parte!. Zum Fall Brückner wird in der„Freien V o l k s z e i t u n g" in Göppingen fol- gende Erklärung veröffentlicht:„ „Nach dem Bericht in Nr. 246 de?„Vorwärts machte Genosse K Hildenbrand auf dem Parteitag in Jena bei der Dewtte über die Angelegenheit Brückner u. a. folgende Ausführungen:„Wie richtig die Meinung Brückners über Kinkel im Interesse der Partei war. geht daraus hervor, daß derselbe Kreisvorstand. der diesen Kandidateiuvechsel gebilligt hat. einige Monate später den Kinkel zusti Rücktritt veranlaßt«, so daß der Landesvorstand vier Wochen vor der Wahl einen neuen Kandidaten ernennen mußte, nachdem Lindemann unter solchen Umständen eS natürlich abgelehnt hatfr, wieder zu kandidieren.", Die Mitglieder des damaligen KreiSvorstandeS haben hierzu folgendes zu erklären: �, 1. Es ist unwahr, daß der Kreisvorstand den Genossen Kinkel zum Rücktritt von der Kandidatur veranlaßte. Genosse Kinkel ist vielmehr freiwillig zurückgetveten, was dem Genossen Hildenbrand bekannt ist..... 2. Unwahr ist, daß der Landesvorstand vier Wochen bor der Wahl einen Kandidaten ernennen mußte. Ter neue Kandidat wurde vielmehr vom Kreisvorstand in Vorschlag gebracht und von einer Bezirkskonferenz zum Kandidaten nominiert. Dies war dem Genossen Hildcnbrand bekannt. 8. Unwahr ist ferner, daß es„Lindemann abgelehnt hatte, wieder zu kandidieren", da an ihn bezüglich Uebernahme der Kandi- datur gar nicht mehr herangetreten wurde, was Hildenbrand eben- falls bekannt ist.. 4. Der Versuch Hildenbrands, mittels unwahrer Behauptungen den Kreisvorstand als Kronzeugen für die„Richtigkeit der Meinung Brückners über Kinkel" in Anspruch zu nehmen, ist also ein Ge- baren, das zu beurteilen wir der Partciöffentlichkcit überlassen. Göppingen, den 23. September 1913. I. A.: Chr. Kopp." potmittdus, Gmchtlichco ufw« Ein abgelehnter Richter. Der Rat der Stadt Chemnitz und die Justiz bemühten sich schon seit geraumer Zeit sehr darum, den Redakteuren der„Volks- stimme" abwechselnd Staatspension zu verschaffen.� Die Ver- Handlungen vor dem Schöffengericht leitet in den meisten Fällen Amtsrichter Dr. E n g e l m a n n. Mit dessen Geschäftsführung un- zufrieden zu sein, haben aber unsere Genossen alle Ursache. In den Urteilsbegründungen ist er schon wiederholt derart aus der Rolle gefallen, daß er die„Volksstimme" und ihre Redakteure schon in ärgster Weise beschimpft hat. Deshalb lehnen unsere Genossen den Herrn Amtsrichter Dr. Engelmann ab, wenn er die Verhandlungen leiten soll, in der sie sich zu verantworten haben. Das tat auch Genosse Meyer, als er sich wegen angeblicher Be- leidigung des Cbemnitzer Rates zu verantworten hatte. In ziem- licher Erregung sagte der Amtsrichter darauf, daß es in Zukunft geraten erscheine, bei derartigen Prozessen gleich eine Spruch- kammer bereit zu halten, damit nicht erst Vertagung einzutreten brauche. Der Herr Amtsrichter wird sich natürlich für unbefangen erklären und dann doch den Vorsitz führen. IHachrichtcn. Die Kämpfe in Serbien. Belgrad, 25. September.(P. C.) Die Zahl der Albanescn, die gegen die Serben ziehen, wächst lawinenartig an. Bei dem kleinen Städtchen G a l i t s ch n i k kam es zu einem heftigen Zusammen st o ß. Die Albanesen, die die Ueberzahl waren, be- setzten den Platz. Bei Magarewo kam es mittags zu einem blutigen Kampfe. Die Serben verteidigten heldenmütig diesen Platz. Der Kampf dauerte noch an. Das Resultat ist bis- her unbekannt. Die aus Elbasan kommenden Albanesen werden von 26 buk- garischen Offizieren geführt. Sie sind aüßerordentlich gut bewaffnet. Ihr Ziel ist Mona st ir, das sie morgen zu erreichen hoffen. Die Verproviantiernng ist ausreichend. Ein christlich-nationalcr Arbciterkongrcst. Köln, 25. September.(W. T. 93.) Der Ausschuß des Deutschen (christlich-nationalen) Arbeiterkongresses, der heute in Köln tagte, faßte einstimmig den Beschluß, zum Herbst den Kongreß ein- zuberufen. Dieser soll voraussichtlich am 36. November und den folgenden Tagen in Berlin stattfinden, Ks- sichtlnung ohne Kautzwang 1 A.Weriheim V Leipziger Strasse Freitag ttnd Sonnabend: Konserven Vi Donn Va Do?« Stangenspargel � 1.90 1.00 Stangcnspargel surk 1.80 95 p/. Stangenspargel mittel 1.60 85?/. Stangenspargel 50/60 1.25 68 p/. Spargclköpfe grün.. 1.15 63 p/. Bruchspargel. 1.55 83 pt Bruchspargcl dann. 1.00 55 p/. Abschniltspargcl.. 65pf.38 p/. Kaiserschoten e�tr». 1.25 68 p/. Junge Schoten /ew. 88?/. 55?/. Junge Schoten I.. 70?/ 40 pt Junge Schoten... v. vo-e 45?/. Suppen-Schoten.. v. va,« 36?/. Gemischtes Gemüse f/Xse 95?/. Gemischtes Gemüse j�d 65 pt Gemischtes Gemüse v.v«-«. 48 n Kohlrabi m Scll6ibeo»y. gr0a9° 27?-. ApriKOSeil halbe Frucht ViOose 1.10 Erdbeeren geiartt..>/, Dose 90?/. Weichselkirschen"'""ifß™ 1.20 Saure Kirschen mit stf/;n�86 68?/. Mirabellen...... v. Dose 70?/. Melangefrüchtc�.SSp/, la 1.10 Stachelbeeren.....% Dose 65?/. Gemischte Marmeladc�Vs®}1,�! sipup, geiitrbt 1 1 I? c; Eimer ca. 5 Pfd. � p Melange-Konfitüre«eiarbt Dimer ca. 5 Ptuud a 10 o oe PI und Bismarck- u.BrathcringCD43?/. DclikatessheringeDoseSO, 78 pt Rollmops lSa�t!Ä48, 75?/. König-Strasse Rosenthaier Sirasse Nur Freitag, soweit Vorhanden. Zusendung ausgeschlossen. ITlAiefVt| Die neue Fleischhalle in der|"sTTt!«cr/nlk X IvltJVll I Leipziger Strasse ist eröffnet| J läLllC Die neue Fleischhalle in der Leipziger Strasse ist eröffnet Pa. Ochsenschmorfleisch. Pfund 1.00 Roastbeef Pfd. 95 Pf., ohne Knochen, Pfd. 1.40 Ochsenbrust Pfd. 85, Fehlrippe 90 pf. RinderKamm pfd 80, Querrippe 75 pf. Pöhelzunge pfd. 1.25,FöKelbr ust 1.00 Schinlien im Ganzen...... Pfund 8? Pf. Schweinefilet......... Pfund 1.30 SchweineKotelettes.... Pfund 1.05 Schweinehamm u. Schuft Pfund 95 pf. Rüchenfett pw 65, Liesen Pfund 75 pf. Kalbshamm und Bug Pfund 85, 90 pf Kalbsbrust Pfund.. 85 pf., Spitze 1.00 Hammelheule im Ganzen.. Pfund 80 Pf. Hammelrüchen im Ganzen. Pfund 70 Pf. Diche Rippe Pfd. 65 pf Dünnung 55 Pf. Hammelhotelettes.... 2 stück 25pf. Kasseler Rippespeer p» 85 pf. bis l.ÖO Hirsch und Wildschwein Keule RäcKen Blatt Kochfleisch pfund 1.10 85 pf. 65 pf. Kabeljau 0�ne �0''''n sanzen I2pf Sselachs Ohne Kopf in ganzenFischen, Pfd. 12 Pf. Schellfisch ca. z bis 4 Pfund schvec, Pfd. l�Z Pf. Rotzungen Pfd. 20, Steinbutten 65 pf Bratschollen pu 15, Fr. Plötzen 25 pf. Tafellachs in ganzen Fischen.. Pfund 63 Pf Frische Tafelzander... Pfund 65 Pf. Lebende Karpfen...... Pfund 85 pf. Lebende Aale.. Pfund 70, 90 pf, 1.10 Lebende Ahlender.... Pfund 60 pf. Lebende Krebse Mandel 25 pf. bis 4.00 Geflügel Gänse........ Pfund 58, 68, 75 pf. Gänserümpfe.... stück 2.35 bis 4.50 Enten.......... stück 1.50 ws 3.15 Hühner........... 55 pf. bis 2.60 Masthühner........ 2.75 und 3,00 Tauben 35, 55,65 Pf, Alte Rebhühner St. 90 Pf. Butter u. Käse Räucherwaren und Gemüse Ftttfkiii.biin.TA oc Schwed.PreioselbeerenPtd 25 p/ rcttbucklmge... 3 stuck 25?/. ßlaue Pflaumen... zPid. 10?/. Kieler Schleibucklmgestck. 10«• Makrelen Bücklinge Kochbutter.. p/und 1.10, 1.20 Tischbuttcr....... p/und 1.28 Tafelbutter p/d. 1.34, 67?/. Schmalz......... p/und 70 pt Pflaumenmus____ p/und 25?/. Bayrischer Schweizerkäse 88?/. Emmenthalerp/d.l.lO, Holländer 75 pr. Stack 1 2 pt. Goldfische st 12, Lachsstör Pfd 68 pt Ahlbecker Flundern>>«! 45, 55 pf. Aale Plundl.lO, 1.50, Baad 38 Pf. BÜCkÜnge. Kiste e» 12 stock 40 Pf. Weintrauben....... Pfd. 13 p/. Kochäpfel........ pm 10 Pf. Graue Reinetten----?/0/>o-_00,c>0, geringe 00,00—00,00. Mais(runder), gut« Sorte 14,80—15,20. Richtstroh 0.00—0,00. Heu«,00—7,60. Martthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Sveiscbobnen, Weiße 85,00—60,00. Linsen 36,00—70,00. Karlofseln(KlelnftW.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der.Keule 1,70—2,40. Rindfleiich, Bauchflellch 1.80—1.80. Schweinefleisch 1,50—2,10. Kalbfleiich 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Lutter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,60—5,60. 1 Kilogramm Karpten 1,20—2,40. Aale 1,40—2,80. Zander 1,30-3,20. Hechte 1,20—2,80. Barsche 0,80—2,40. I Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück.Krebse 1,50—40,00. p Unsen» lieben Freund und y) Kollegen Georg Fran® und feiner lieben Braut Agnes Liehmann die herzlichste» Glückwünsche zur Vermählung. vis Kollegon 9211 vom Fahrpersonal d. Brauerei Engelhardt, Abt. Pankow «»«»»»sskseschG Todes-Anzeigen I ieiitseiier iolzarheiter-Vertianl Zahlstelle Berlin. Den Milgliedem zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler sodann �Vlnämüller Waßmannstr. 2t, im Alter von 59 Jahren gestorben ist Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung siiidet am Sonnabend, den 27. September, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Krankenhause» Friedrich»bain aus. nach dem MarluZ-Krrchhos in Wilhelmsbcrg statt. 80/8 Die Qrtsverwaltung. VerWWMIsrn.foi'tklellillei' Deutsclilaiuis. Qrtöverwaltiing Berlin. Den Kollegen biermit zur Nach. richt, daß unser Mitglied, der Täschner O&Ksr Knske (Werkstatt tt. Hasse) verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am «onntag, den 28. d. M., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen. halle des neuen Jakobi-KirchhoseS, Neukölln. Hermaunstr., aus statt. 157/19 Die Qrtsverwaltung. velltzekei' LgMveilenei'bziil!. Zweigverei» Berlin. Hiclttlon der Putzer. Unseren sowie teiligten Arbeitgeber gleich. Nicht wählbar sind Mitglieder einer Behörde, welche Aussichtsbesugnisse über die Kasse bat. Wählbar als Vertreter der Versicherten sind volljährige Deutsche, auch Frauen, welche bei der Ortslrankenkasse versichert sind, oder vom 1. Januar 1914 ab oersichert werden. Versicherte werden sür die Bildung der Kassenorgane den Arbeitgebern zugerechnet, wenn sie regelmäßig mehr als zwei versicherungspflichtige Per- sonen beschästigen. Weder wählbar noch wahlberechtigt sind die Arbeitgeber unständig Beschäftigter als solche und Arbeitgeber, die mit der Zahlung der Beiträge in Rückstand sind, ferner unständig Beschäftigte, die keine Beiträgt zahlen, und Versicherungspflichtige, die Mitglieder einer Ersatzkasse sind und deren eigene Rechte und Pflichten aus ihren Antrag ruhen. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Nicht wählbar ist, 1. wer infolge strasgcrichtlicher Verurteilung die Fähigkeit zur Be- kleidung öffentlicher Aemtcr verloren hat oder wegen eines Ver- brechens oder Vergehens, das de» Verlust dieser Fähigkeit zur Folge haben kann, verfolgt wird, falls gegen ihn das Hauptversahren eröffnet ist, 2. wer infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über sein Vermögen beschränkt ist. Wer als Arbeitgeber wählbar ist, ka»n die Wahl nur ablehnen, wenn er 1. das sechzigste Lebensjahr vollendet hat, � 2. mehr als vier minderjährige eheliche Kinder bat i Kinder, die ein anderer au Kindesstatt angenommen hat, werden dabei nicht mit- gerechnet, 8. durch Krankheit oder Gebrechen verhindert ist, das Amt ordnungs- mätzig zu sühren, s. mehr als eine Vormundschaft oder Pflegschaft führt. Die Vormund- schast oder Pflegschaft über mehrere Geschwister gilt nur als eine; S. zwei Gegenvormundschasten stehen einer Vormundschaft, ein Ehren- anit der Reichsversichening einer Gcgenvormundschast gleich, während der unmittelbar vo: hergehenden Wahlzeit das Amt min- bestens zwei Jahre geführt hat. Aus Grund des 8 7 der Wahlordnung werden die Wahlberechtigten ausgejordert, Wahlvorschläge gesondert für die beteiligten Arbeitgeber und Versicherten auszustellen und dieselben bis spätestens den 12. Oktober 1913 bei dem Vorstand der Allgcincincn Ortskrankenkasse einzureichen. Tie Stimmabgabe ist an diese Wahlvorschläge gebunden. Die Wahlvorschläge sind ungültig, wenn sie nach dem 12. Oktober 1913 eingereicht werden, oder wenn sie nicht mit den erforderlichen Ilnterschristcn versehen, oder tvcnn die Bewerbe, nickt in erkennbarer Reihenfolge ausgc- führt sind, cS sei denn, daß die Mängel rechtzeitig beseitigt werden. Die zugelassenen Wablvorschläge werden eine Woche bor der Wahl ver- öffentlicht, nachdem etwaige Auslände, die sich ict der Prüfung der Wahl- vorschlüge ergeben, bis zum 18. Oktober 1913 beseitigt sind. Außerdem können die Wablvorschläge nach ibrer Zulassung von den Wählern im Kassen- lokal, Jdeal-Passage 11/12 I. werktäglich in dcr Zeit»oon 8— 3 Illir und von 5— 7 Uhr, Sonntags von 19—12 Uhr, cingescbcn werden. Taielbst können auch die Arbeitgeber- und Mitglicder-Vcrzcichiiisse cingcsebcn werden. Etwaige Einsprüche gegen die Richtigkeit der sich aus diesen Verzeichnissen ergebenden Wahl- und Slimniberccktigung sind bei Vermeidung des Aus- schlusses spätestens bis zum 12. Oktober 1913 unter Beifügung von Beweis- Mitteln einzulegen. Die Wahlvorschläge der Arbeitgeber müsse» von mindestens je 19 Wahl- berechtigten, welche mindestens 39 Stimmen haben, die der Versicherten von 39 Wahlberechtigten unterzeichnet sein. Unterzeichnet ein Wähler mehr als einen Wablvorschlag, so wird sein Name nur auf dem zuerst eingereichten Wahlvorschlag gezählt und aus den übrigen Vorschlägen gestrichen. Sind mehrere Wablvorschläge, die von demselben Wahtberechtigten unterzeichnet sind, gleichzeitig eingercicht, so gilt die Unterschrift auf demjenigen Wahl- Vorschlag,, welchen der Unterzeichner binnen einer ihm gesetzten Frist von höchstens 2 Tagett bestimmt. Unterläßt dies der Unterzeichner, so entscheidet das Los. Jeder Wahlvorschlag darf höchstens dreimal so viel Bewerber benennen, als Vertreter zu wählen sind. Die einzelnen Bewerber sind unter jort- lausender Nummer aufzuführen, welche die Reihensolge ihrer Benennung ausdrückt und nach Familien- und Vornamen(Rusnamen), Berus und Wohnort zu bezeichnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie beschäftigt sind, oder, wenn sie fteiwillige Mitglieder sind, die Mitglieds- nummer anzugeben. Mit den W ahlvorschlagcn sür Versicherte ist von'jedem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei den Wahlvvrschlägcn sür Arbeitgeber ist eine solche Erklärung nur erforderlich, solvcit ein vorgeschlagener Bewerber nach§ 17 der Rcichsversichcrungsordnung zur Ablehnuitg der Wahl befugt ist. In jedem Wablvorschlag ist jerner ein Vertreter des Wahlvorschlags und ein Stellvertreter sür ihn aus der Milte der Unterzeichner zu bezeichnen. Ist dies unterblieben, so gilt der erste Unterzeichner als Vertreter des Wahlvorschlags und, soweit eine Reihenfolge erkennbar ist, der zweite als sein Stellvertreter. Der Wahloorichlagsvcrtrcter ist berechtigt und ver- pflichtet, dem Vorstand die zur Beseitigung etwaiger Anstände crsoiderlichcn Erklärungen abzugeben. Der Wablaueschuß ist bcsugt, die Wahl- und Srimmberechtignng jedes Wählers bei der Wahlhandlung zu prüfen. Es empfiehlt sich daher, die Wahlberechtigung durch die Wählerkarte nachzuweisen, welche die Allgemeine Ortstrankenkasse allen Beteiligten aus ihren Antrag gegen Vorweis der Beitragsquittung für die Arbeitgeber und des Mitgliedsbuchs sür die Versicherten ausfertigt. Der Wähler erhält einen der Umschläge, die mit dem Stempel der Kasse verschen und im Wahlraum bereitzuhalten sind, tritt sodann an einen abgesonderten Tisch, wo er seinen Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag legt und übergibt hieraus den Umschlag unverschlossen unter Nennung seines Namens dem Vorsitzenden oder dem von diesem bezeichneten anderem Mit- glied des Wahlausschusses. Dieser läßt die Abgabe des Siimiiizettels vermerken und wirst dann den Umschlag in die Wahlurne. Arbeitgeber mit mehrfachem Stimmrecht baben soviel Stimmzettel je in einem besonderen Umschlag abzugeben, als sie Stimmen haben und abgeben wollen; in diesem Falle ist die Zahl der abgegebenen Umschläge vorzumerken. Wähler, die durch körperliche Gebrechen behindert sind, ihren Stimm- zettcl eigenhändig in den Umschlag zu legen und dem Vorfitzenden des Wahlausschusses zu übergeben, dürfen sich der Beihilfe einer Vertrauens- Person bedienen. Ter Stimmzettel enthält die Namen derjenigen Bewerber, welchen der Wähler seine Stimme geben will. Er darf höchstens dreimal soviel Namen enthalten, als Vertreter zu wählen sind.'An Stelle der Aufzählung der Namen genügt der Hinweis auf die Lrdnungsnummer des Wahlvorschlages. Der Wähler kann nur einen solchen Stimmzettel abgeben, der mit einem der zugelassenen Wahloorschlägc vollständig übereinitimmt. Die Slimmzettel sollen von weißer Farbe und 8X19 cm groß sein. Stimmzettel, die von dieser Bestimmung abweichen, sind ungültig, wenn das Abweichen die Absicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht. Stimmzettel, die mit keinem der zugelassenen Wahlvorschläge übelein- stimmen oder deren Umschläge ein Merkmal haben, welches die Absicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht, oder die unterschrieben' sind, sind un- gültig. Dasselbe gllt von Stimmzetteln, die sich in einem nicht mit dem Stempel der Kasse bersehenen Umschlag besinden. Ungültig ist ferner der Inhalt eines Stimmzettels, soweit er zweiselhast ist. Befinden sich in einem Umschlag, der nur sür einen Stimmzettel bestimmt ist, mehrere Zettel, so werden sie, ivcnn sie vollständig übereinstimmen, nur einfach gezählt, an- dernialls als ungültig�angesehen. Zur sestgcsetzten Stunde schließt der Wahlausschuß die Wabl. Nur die am Schlüsse der Wahlhandlung im Wahlraum anwesenden Wähler dül-ftn dann noch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Nach Schluß der Wahl werden die Sttmmzcllel in der Urne durcheinander geschüttelt und vorn Wahlausschüsse die Zahl der Wähler, die abgestimmt haben, sowie die Zabl der in der Urne befindlichen Wahlumsch ägc festgestellt. Hieraus werden die Wahlumschläge in einem versiegelten Pakete mit der Ää Niederschrift über die Wahlhandlung dem Vorstand Wahlergebnisses übermittelt. Neukölln, den 25. September 1913. sählerlistc und der zur Feststellung des 277/3 Ter Kaffenvorftaud. Fiedler, Vorsitzender. Z a l e w s k i, Schriftführer. Zigarrengefchafte mache ich aufmerksam aus meine Kautabak-Spezialitäten: L�andia-Lkraa und Solidaritäts-Tabak i Max Ziegenhals, 70 Sämtliche eingeführte Fabrikate in Zigaretten, Tabaken, Zigarren zu billigsten Preisen. Brams. Humorist, Gesellschaft. 1-52» Lortzingitraße 9. Komiker, sächsischer, erslllasfig. Memert, Mariannenstrai>e 21. 1116 mit Brut vernichtet radikal Rademachers Golde-:. I, pes. gesch. Nr. 75198. üeruch- u. farblos. Eeinigl die Kopthant v. Schuppen, befürd.d. Haarwuchs, verhau Zuzug von Parasiten.- WichUg fttr Schalkinder. Tausende v. Anerkennungen. 1 1. a 0.50 u. 1.00 M. In Apotheken und Drogeiden. Man weise Nach- ahmungen zurück a. achte genau auf d. Namen; Goldgeist! Verkaufsstelle: Fritr Kratz, Berlin N. 39, Relnickondorfer Str. H9. Engrosniederiage; A. Neumann, W. 67, Potsdamer Str. 65. «g UttmltmlgsStllk Kerlin. C 54, Lmienstr. 83—85. Verwaltung; Kassierer; Teleph.: Amt Norden 1987. Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Ami Norden 1239, 9714. Sonntag, den 28. September, vormittags O1/� Uhr: Branchen- Versammlung der Eisen-, Metall- und Revolverdreher sowie Rnndschleifer im großen Saale der Brauerei Friedrichshain, am Friedrichshain 23. Tagesordnuno: 1. Vortrag des Kollegen R. B a b n über:„Tie Gntwickclung der deutschen Gewerkschaften, ihre Tendenz und Taktik«. 2. Diskussion. 3. Brancheiiangelegenheiten und Verschiedenes._ OBly- CDite Mitgliedsbuch kein Zutritt."VA Wir erwarten, daß jeder Kollege anwesend ist. Von 9 Uhr ab werden am Eingang die BillettS zum Kunstabend am 15. November ausgegeben, es erhält jeder nur Billetts für den eigenen Bedarf. Ferner machen wir alle Mitglieder darauf ausmerkiam, datz von der 41. Woche ab, also mit dem LV. Ollodiw beginnend. der Wochenbeitrag 90 Pf. beträgt. Tafür tritt vom gleichen Tage an eine Grhöliunq der Arbeitslosenunter, tubung üi»>! M. und der Streik- und Gcmasiregcltenunterstüitung um 1 M. pro Woche ein. Igg�g IM« Opfsvervvaltnns;._ Terwaltnng Berlin. Küchenmöbel-Tifchler. Montag, den ÄS. Septbr., abends« Uhr, im Englischen Hof, Alexanderstr. L7c-: vranchen-versammlnng. Tagesordnung: 1. Bericht von der letzten Generalversammlung. 2- Branchenangelezenhciten. Einsetzer. Montag, den 29. September, abends 8 Uhr, im Gewcrkschaftshause, Engelufer 15, Saal 3: Kranchen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Ritsch ke über:.Die Volksfürsorge und die Schäden der Pnvawersicheruiig*. 2. Verbandsangelegenbeiten. Wahl eines Schriftführers. 89/9_ l»ie OrtBverwaltn.is. Örtskrankenkasse ierlebBriuemilteii Geweröe zu Berlin. Bekanntmachung. Durch Beschluß des löniglid)en Ober- vcrsicherungsamts Groß-Berlni vom 30. August 1913 wird unsere Kasse ani 31. Dezember 1913 geschlossen und gehören die Betriebe sowie die Mit- glieder vom 1. Januar 1914 der Allgemeinen Orts-Kranlenkasse der Stadt Berlin an. Wir bringen dies gemäß Z 301 der R.-V.-O. zur öffentlichen ikenntnis und fordern alle Gläubiger aus. binnen drei Monaten nach der Be- kaniitmachung ihre Forderungen au- zumelden. Die Befriedigung später einlaufender Fordcrungcu lann ver- weigert werden. Die Wahlen zum Ausschuß der Allgemeinen OrtSkranlenkasic sinden am 28. September d. I. statt und verweilen wft aus die Bekanntmachung der Allgemeinen Orts-Ärankenlassc vom 23. August 1913. 2416b Ter Vorstand. B. Weymann, Js. Postler, Vorsitzender. Schriftführer. wocheuschrifi für Arbeiterfamilien Wöchentlich 1 Heft für w Pf. Bekanntmachung. Auf Grund des zwischen der Ge- meinde Berlin-Oberschönewcide und uns bestehenden GaSliescrungsver- Iragcs fündigen wir hicrmtt die Gaslicserungsbedingungen oom I.Of- lober 1898, unter denen wir unseren geehrten Gasabnebmern im Ortsteil Ostend in Obcrschöneweide Gas zu Leuchtzwccken, bezm. zum Betriebe von iSaskrastintschinen, zu gewerb- lichen Zwecken, zum Heizen und Kochen usw. liefen,, zu dem Tage. au dem die GaSmefferstände im Itausc des Monats Dezember I9t3 von unseren Beamten ausgenommen werden.. Wir werden von diesem Tage ad alles im Qrtsteii Ostend in Ober- schöncweide gelieferte GaS»ift einem einheitlichen Preise von 13 Pfennig sür das Kubikmclcr, abzüglich 5 Proz. Rabatt, d. h. netto 12,35 Ps. be- rechnen. Berlin, den 24. September 1913. (Vasanstalt Oberspree. Gesellschaft mit beschränlter Haftung. P. R u d o l ptk_ Qs*. Simmel für Spezial-Arzt Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41,"" 10—2. 6—7 Moritzplatz Sonntao-s 10— 12. Qlarae Anzahl 1'" Ä liefere an jedermann IVIotoel auf Kr-edit: bei Zahlung einer.Vcna'sratc laut Vereinbarung u. bequem. Abzahl. komplette Wohnianas- Einrichtungen sowie einzelne Möbe'stücKe, Polsterwaren, larb. Küchen Portieren, Leib" u- Bettwäsche, Steppdecken, Teppiche, velllwlly Betten, Kronen, Kinderwagen usw. Garderobe für Herren, Damen u. Kinder Pelze, Stolas, Muffen GiBssls Auswahl neu«»«' F«««:» POFgiy. tVeinmelslerstr. g Ecke Alte Schönhauaer Str tfefe PfgC.ga m V. �„•v*"- 7""« \\\* v\." r~" Ceorg A.iJasmatei AKh Ges. Dresden Größbe deuhsche CigarefhenfabriK. ,t______________—-__„ 'Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wi-lepp, Neukölln. Für den Lnjeralenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorloärt,4Luchdruckerel u. Berlagsanstalt Paul Singer v-To.. Berlin 3«. vS 4; Dr. 251. BO. Jahrgang. 2. ftilMü des Jniniärtä" Krim öullisliliill frfitou, 26, Irplembn 1913. Der Berliner Öitljafen. Die Stadt Berlin wird in Kürze am Stralauer Anger einen Hafen eröffnen, der schon längst zu einer dringenden Notwendigkeit geworden ist. Ucbcr die Errichtung des Hafens entnehme» wir einer zur Eröffnung herausgegebenen Denkschrift folgende Aw gaben: »Die Stadt Berlin verdankt ihre EntWickelung zu einem Hauptknotenpunkte des Weltverkehrs in erster Linie ihrer zentralen Lage in Mitteleuropa und ihrer vorzüglichen Eisenbahn- und Wasscrstratzcir-Vcrbindung mit den wichtigsten Handelsgebieten, Während aber die Bedeutung des Eisenbahn-Gütcrverkehrs allgc- mein gebührend geschätzt wird, ist die Bedeutung des Güterverkehrs auf den Berliner Wasserstraßen wenig bekannt, und doch hat er in bezug aus das Gewicht der beförderten Güter bis zum Jahre 1304 den Eiscnbahn-Güterverkehr noch übcrtroffen. Berlin ist einer der größten Binnenhafenplätze Deutschlands und wurde erst in der Neuzeit von Duisburg-Nuhrort und Mann heim überflügelt. Es steht in direkter Wasservcrbindung mit Ham bürg durch die Untere Havcl-Wasserstraßc, mit Magdeburg durch den Plaucr Kanal, mit Breslau durch die Sprcc-Oder-Wasser- straße und mit Stettin durch den Finowkanal und den demnächst fertiggestellten Großschiffahrtsweg. Schon vor 500 Jahren schlug der Berliner Handel diese vier Hauptwcge ein, wenn auch unter tcilwciser Benutzung von Landstrecken, die dann später durch den systematischen Ausbau der Wasserstraßen ausgeschaltet wurden. Ter große Güterverkehr auf den Berliner Wasserstraßen ist um so erstaunlicher, als hier irgendwelche modernen Hascnanlagen bisher nicht bestehen. Die Lösch- und Ladeplätze sind vielmehr über das ganze Weichbild zerstreut, und die Einrichtungen für den Um- schlag an den öffentlichen Ladestellen sind unzureichend und nicht zeitgemäß. Es war daher durchaus notwendig, daß Berlin den Bau zweier großer Umschlaghäfen, im Osten und im Nordwesten der Stadt, ins Auge faßte, die mit den modernsten Hilfsmitteln der Technik ausgerüstet werden sollten. Zunächst wurde der Osthafcn zur Ausführung gebracht, wobei überaus schwierige und zeit raubende Verhandlungen mit den Staatsbehörden und den Nach bargcmeindcn zu führen waren, so daß seine Vollendung oft durch unerwartete Schwierigkeiten in Frage gestellt war. Das Baugelände für den Osthafen liegt auf dem rechten Spree ufcr zwischen der Oberbaumbrücke und der Ningbahnbrückc am Bahnhof Treptow und wird im Norden durch die Stralauer Allee und deren Verlängerung, die«traße Alt-Stralau, begrenzt. Es stellt einen Uferstreifen von rund 1390 Meter Kailänge und ge stattet das gleichzeitige Laden und Löschen von 23 längsseitig am normalen Kai liegenden Odcrschifscn größter Abmessung und von 12 am Zicgelladeplatze liegenden Finowkähnen. Das eigentliche Hafcngcländc zivischen der Stralaucr Allee und der Kaikante umfaßt 89 728 Quadratmeter. Mit Rücksicht auf die hochwasserfreie Lage der Gcbäudekcllcr und die Erleichterung des Lösch- und Lade- geschäftes wurde die Höhenlage des Hafcngeländes auf 2 Meter über dem ziemlich stetigen Wasserstande der Spree angenommen nur der am Ostende des Hafens belegene Zicgclladeplatz liegt 60 Zentimeter tiefer, um dorr das Löschen der Zicgclkähne von Hand(auskarren) zu ermöglichen. Die Abstützung des Hafcngcländcs gegen die Spree erfolgt durch eine senkrechte massive Kaimauer mit Granitvcrblendung. An den beiden Enden und in der Mitte ist je eine 1 Meter breite Treppe in diese Mauer eingebaut; außerdeni sind auf der ganzen Kailängc in regelmäßigen Abständen Stcigelcitcrn, Schiffsringc und Reib- Hölzer angeordnet. Die Verteilung der Hochbauten und der Lagerplätze längs des Kais ist die folgende: In der Mitte des Hafens stehen das Vcr- waltungsgcbäude und das Arbeiterspcischaus; an diese Gebäude reihen sich nach Osten und Westen je ein Lagerschuppen für den Durchgangsverkehr von Kaufmannsgütern und je ein Freilager- platz von derselben Größe an: es folgen dann am östlichen Ende der Kohlcnlagerplatz und der Frciladcplatz für Ziegel und andere Baumaterialien und auf dem westlichen Ende die Benzinanlagc und der Speichcrblock; rechts und links voni Speicher sind noch Frei lagcrplätzc vorgesehen, die später zur Erweiterung der Speicher gjcuppe herangezogen werden können. Vor den Hochbauten und den Lagerplätzen mit Ausnahme des Zicgclladeplatzes am Ostendc des Hafcngcländcs führen an der Kaimauer zwei Gleise entlang, von denen das vordere als Verkehrs- und das hintere als Ladegleis dient. Den Lagerschuppen und den anschließenden Freilager- Plätzen ist auch landscitig ein gleiches Glcispaar vorgelagert. Hinter den Lagcrgebäuden und den Lagerplätzen zieht sich eine Verkehrs- straße durch das jmnze Haiengclände hindurch, welche drei Aus- fahrten nach der Stralaucr Allee besitzt: Tor 1 an der Oberbaum- brücke, Tor 2 gegenüber der Caprivistraßc und Tor 3 am Ostende gegenüber dem Markgrafendamm. Die Breite dieser Straße ist so bemessen, daß abgesehen von einem 2 Meter breiten Fußsteig min- bestens zwei Fuhrwerke an einem haltenden vorbeifahren können. Von dieser Verkehrsstraße aus führen neben und zwischen den Gc- bäuden Stichstraßen bis zur Kaimauer. Ter Speichcrblock besteht aus drei feuersicheren, gegeneinander abgeschlossenen Einzelspcichcrn, von denen der mittlere znr Getreidelagerung bestimmt ist, während die beiden seitlichen Ab- tcilungcn Stückgüter zur längeren Lagerung aufnehmen sollen. Die Gesamtlänge der Anlage beträgt rund 108 Meter bei einer niittle rcn Breite von rund 27,5 Meter; sie enthält acht Stockwerke, und zwar ein Keller-, cm Erd-, fünf Ober- und ein Dachgeschoß. Zur Einspcichcrung von losem Getreide ist der Getreidespeicher mit zwei Elevatoren von je 30 Tonnen Stundenleistung ausgerüstet; diese Anlage ist so ausgebaut, daß gleichzeitig zwei Kähne und ein Eisenbahnwagen entladen, ein Kahn beladen und außerdem eine Umspcichcrung des Getreides im Gebäude vorgenommen werden kann. Die maschinelle Einrichtung der Gctrcidefördcranlage ist in einem Maschincnhaus untergebracht, welches vom Mittelbau durch zwei Brandmauern abgeteilt ist. Die Zuführung des Getreides aus den Schiffsclcvatorcn und den Eisenbahnwagen zu den im Maschincnhaus untergebrachten Förderanlagen erfolgt auf Trans- portbändcrn, die in einem vom Kellergeschoß bis zur Kaimauer reichenden Tunnel angeordnet sind. 2lus dem Kellergeschoß wird das Getreide nach Passieren der Empfangswage und der Reinigungs- Maschine durch Jnnenelevatorcn auf die im Dachgeschoß unter- gebrachten Transportbänder gehoben und von diesen durch Fallrohre r» die einzelnen Jnnenräume geleitet. Sämtliche Obergeschosse des Mittclspcichers sind zur Lagerung eingerichtet und können durch Ersetzbare Zwischenwände in Einzelabteilungen von 25 vis 125 Ouadratmetcr Grundfläche untcrlcilt werden. � Bei der Ausspeicherung wird das lose Getreide durch das Rohr- svstcm den unter der Decke des Erdgeschosses angebrachten Trans- portbändcrn zugeführt, von diesen in den Maschinenraum befördert und hier, durch Jnnenelevatorcn in die Vcrschiffungswagc gehoben. Nach dem Verwiegen gelangt es durch eine besondere Rohrleitung auf das im Eisengcrüit der Eckst ff sclcvatorcn untergebrachte Band und fallt alsdann durch ein Schiffsladerohr in den Kahn. Das Abfüllen des Getreides in Säcke kann in allen Räumen erfolgen; vorzugsweise dient dazu das Erdgeschoß, in welchem fahr- bare Absackwagen zur Entnahme des Getreides aus den Fallrohren aufgestellt sind. Zur Ucbcrgabe des Sackgctrcides in Eisenbahn- wagen ist dem Erdgeschoß wasscrscitig eine durchgehende Ladebühne vorgelagert; zum Verladen auf Landfuhrwcrk ist vor dem land- seitigcn Ausgang des Erdgeschosses eine 9 Meter lange Bühne an- geordnet. Das Ausladen von Säcken aus den Obergeschossen erfolgt mittels einer Lukcnwindc, welche die Säcke auf die Ladebühne an der Landscite absetzt Außerdem ist in das Treppenhaus ein Fahr- stuhl eingebaut, welcher sämtliche Geschosse bedient. i Die beiden Lagerschuppen sind völlig gleichartig ausgebildet. Sie besitzen eine Länge von rund 123 Meter und eine Breite von rund 21 Meter und sind dreigeschossig mit einem Keller-, einem Erd- und einem Obergeschoß ausgebaut. Rings um das Erdgeschoß läuft eine Ladebühne, deren Breite an der Wasserseite 2,50 Meter und vor. den übrigen Fronten 1,50 Meter beträgt. Decken und Stützen sind ebenso wie beim Speicher ausgebildet; das Dach wurde in Eisen ausgeführt. Die Aufnahmefähigkeit jedes Schuppens beträgt 5700 Tonnen. Die Benzinanlagc dient znr feuersicheren Lagerung von einer Million Liter Benzin oder arweren feuergefährlichen Flüssig- leiten in einer Anzahl von Tanks zur Einzelvermictung. Wenn auch die explosionssichcre Lagerung größerer Mengen von fcuer- gefährlichen Flüssigkeit innerhalb bewohnter Stadtgebiete an und für sich nichts Neues ist, so ist doch diese Anlage in ihrer Art der Einzelvermietung und in der Größe ihres Fassungsvermögens be- merkenswert. Das gewählte System zur Verhütung der Explosions- gefahr ist schon jahrelang erprobt und bietet jede Gewähr für die Gefahrlosigkeit. Es besteht darin, daß sich das Benzin in unter- irdisch gelagerten Behältern stets unter dem Druck nichtoxydieren- der- Gase befindet, wodurch mangels des gefahrbringenden Sauer- stoffs der Luft die Entstehung von explosiblen Gasgemischen ver- hindert wird. Gleichzeitig dienen diese Schutzgase dazu, die feucr- gefährliche Flüssigkeit ohne Pumpe und andere Vorrichtungen selbst- tätig den Zapfstellen zuzuführen. Für die Aufnahme des Benzins sind 36 Einzelbebälter von 20 000 bis 60 000 Liter Fassungsvermögen vorgesehen. Sic liegen mit ihrer Oberkante 1 Meter unter Terrain im Erdboden und ruhen fest verankert auf einer durchgehenden Betonsohlc, die von Beton- mauern eingefaßt sind. Diese bis zuin Terrain aufgeführten Mauern bilden zusammen mit der Sohle einen Trog von 21 Meter Breite und 61 Meter Länge. Der Hof über den Behältcrtrog ist gepflastert und umfriedigt; in den Schmalseiten der Umfriedung sind je zwei Tore eingebaut. Tie Füllung der Behälter geschieht in der Hauptsache aus Eisenbahnzisternwagen, welche auf der Nordseite des Platzes auf einem besonders umfriedigten Gleise zugeführt werden; die 60 000 Litcr-Behälter sind außerdem zur Füllung aus Tankschiffen ein- gerichtet. Zur Entnahme des Benzins aus den unterirdischen Behältern sind inmitten des Lagerhofcs und an der Umfriedung überdachte Aufbauten errichtet, die die Zapfvorrichtung in verschließbaren eisernen Schränken aufnehmen. Alle Zapfstellen besitzen in Höhe der Rollwagen eine Laderampe, auf der die Fässer gefüllt und vcr- wogen werden. Neben dem Benzinlagerhof ist in Verbindung mit dem Wiegehaus der Fuhrwcrkswage das Maschinenhaus errichtet, welches die Gaserzeugungsanlagc aufnimmt. Am Kohlenlagerplatz ist eine besondere Kohlenlöschvorrichtung mit 70 Tonnen Stundenleistung für den Umschlag von Kohle vom Schiff ßur Eisenbahn oder zum Lagerplatz aufgestellt. Sie besteht aus einem fahrbaren portalartigen Gerüst mit eingebauten Bun- kern, welches die beiden Kaigleise überspannt, und trägt oben einen fahrbaren Drehkran mit Grciferbetrieb. Für die Verschiebung der Eisenbahnwagen unter den Bunkern ist eine Rangierseileinrichtung vorgesehen, deren Antricbsstation unter dem Wicgehaus der Eisen- bahnwage untergebracht ist. Für das Löschen von Ziegeln, Stückgut und Massengütern ist auf dem Ziegelladeplatz eine fahrbare Ladebrücke mit einer innen laufenden Katze errichtet. Die Spannweite der Brücke beträgt 28,9 Meter und ihre beiderseitige Ausladung je 17 Meter; die Trag- fähigkeit ist 7 Tonnen groß. Außer diesen Hebczcugen sind noch vor den übrigen Freiladc- Plätzen vier fahrbare Vollportalkrane ausgestellt worden. Sämtliche Umschlagcinrichtungcn werden elektrisch angetrieben. Der Kraftstrom wird in einer eigenen Zentrale erzeugt, welche auch gleichzeitig den Strom für die Beleuchtung liefert. Dieses Kraft- werk hat an dem breiten Ostende des Hafens, und zwar an der Straßenseite, seinen Platz gefunden. Es enthält in einer großen Maschinenhalle die Dicsclmotoranlage mit der Gesamtleistung von 875 die Räume für die Akkumulatorenbatterien, welche die Schwankungen der Encrgiccntnahme zum Ausgleich bringen sollen, die Werkstätten und andere Nebenräume. Außerdem befindet sich in dem östlichen Anbau noch eine Ausfahrt nach der Straße Alt- Stralau. Die ungünstige Gestaltung des Hafcngeländes macht sich bc- sonders bei der Anlage des Hafcnbahnhofs geltend und bedingte einige Betricbserschwernisse. Die beiden Uebcrgabegleise, das Durch- laufglcis und das Auszichgleis sind längs der Abschlußmauer des Hafens nach der Stralaucr Allee untergebracht, während die Rangiergleisgruppe an das Ostendc des Hafens verschoben werden mutzte. Die Verbindung der Ucbergabcglcise mit den Bedienungs- gleisen wurde durch zwei in der Mitte des Hafens sich kreuzende Weichenstraßen erzielt. Das Anschlußgleis des Hafenbahnhofs mit den Gütergleisen der Ringbahn wird iu einer offenen Rampe auf dem Hafcngclände um ca. 5 Meter gesenkt, unterfährt dann in einem Tunnel, der 4,65 Meter in das Grundwasser eintaucht, die Straße Alt-Stralau und den Bahnkörper der Ringbahn und steigt an der östlichen Böschung des Dammes zu der Schiencnhöhc der Gütergleise empor; es überschreitet dann die Gleise der Schlesischcn und Ostbahn und läuft neben den Gütergleisen entlang, bis es an der nordöstlich von der Station Stralau-Rummelsburg belegenen Gabelung der Ringbahngleisc in diese einmündet. Tic Gesamt- läuge des Anschlußgleises beträgt ca. 1,5 Kilometer. Das Einbringen und Abholen der Hafenzüge erfolgt durch Staatsbahnlokomotivcn, während das Ordnen der Züge und sämt- liche Rangicrbewcgungen von zwei Hafenlokomotivcn besorgt wer- den. Ter Schuppen und der Kohlenbansen für diese beiden Loko- Motiven befindet sich am Ostendc des Hafens hinter der Rangier- gleisgruppe. Für den Rangierdienst auf dem Hafenbahnhof sind drei Stell- werke vorgesehen. Im gegenwärtigen Ausbau vermag der Hafen 37 180 Tonnen Getreide und Stückgut in geschlossenen Räumen aufzunehmen und besitzt im ganzen ca. 13 000 Quadratmeter an Frcilagerplätzen; da- zu kommt noch die Benzinanlagc mit einem Fassungsvermögen von einer Million Liter. Die reinen Baukosten für den Hafen betragen rund 8 950 000 Mark, wovon allein 1 590 000 M. auf das Anschlußgleis mit seinen Bauten entfallen; berücksichtigt man noch die Kosten für den Grund- erwerb und Bodenwert des von der Stadt eingebrachten Geländes in Höhe von rund 8 350 000 M., so ergibt sich für den Osthafen die Gesamtsumme von 17,3 Millionen Mark. Lireis SUederbarnim. Sonntag, den 28. Septenibcr, findet im Gase Bellevue am Bahnhof Stralau-Rummelsburg eine Kreis-Geueralversaiumlung statt. Dieselbe lvird pünktlich 10 Uhr eröffnet. Tagesordnung: 1. Bericht vom Jenaer Parteitag. 2. Neu- rcgelung der Landagitatiou. 3. Kreisangelegeuheiten. Zur Teilnahme verpflichtet sind außer den gewählten Delegierten die Abgeordneten, der Vorstand, die Bezirksleiter, sowie die Mitglieder des Gemeindevertreter-Ausschusses. Gäste haben gegen Vorzeigung ihres Mitgliedsbuches Zutritt. Ter Kreisvorstand. den sich Partei- Ungelegenkeiten. Zur Lokalliste. Im 3. Kreis hat das MariuchauS, Brandenburger Ufer 1, Besitzer gewechselt. Die jetzigen Inhaber Gebr. Krause haben., der Marinehaus-Gesellsibafl gegenüber verpflichtet, keine öffentlichen ozialdemokratischen Versammlungen in ihren Räumen stattfinden zu lassen. Wir ersuchen deshalb, das Marinehaus von der Lokalliste zu st reichen; es gilt für die organisierte Arbeiterschaft als gesperrt. In Schmargendorf T.-B. übernimmt am 1. Oktober der jetzige Inhaber Fischer vom SchützenhauS das Restaurant Linden- bau m. Spandauer Straße 40. Herr Fischer hat der Lokalkommission erklärt, daß er das Lokal Lindenbaum nicht zur Verfügung stellt. Das Lokal Lindenbaum, Spandauer Straße 40, ist vom 1. Oktober ab von der Lokalliste zu streichen und als gesperrt zu betrachten. 'Die Lokalkommisfion. ßcvlimv Nacbricbten. Die Stadtverordnetenversammlung hatte gestern über ein paar sehr wichtige Angelegeuheiteu zu beschließen. Der Magisträtsantrag auf Errichtung einer F l e i s ch g r o ß nt a r k t h a l l o au der Landsberger Allee in der Nachbarschaft des Vieh- und Schlachthofes fand all- seitige Zustimmung und wurde ohne Ausschußberatung au- genommen. Unser Genosse H i n tz e trug nur noch einige Wünsche bezüglich einer reichlicheren Bemessung der Stände vor. Zum Schluß sprach er die Erwartung aus, daß man die weitere Bearbeitung des Projektes und die Ausführung der Bauten möglichst beschleunigen werde. Das sei notwendig im Interesse des Fleischgroßmarktes, aber auch mit Rücksicht auf die wünschenswerte Mehrung der A r b e i t s- g c l e g e n h e i t.— Eine andere Magistratsvorlage betraf die weitere Regelung des Verhältnisses der Stadtgemeinde zum Zentralvcrein für Arbeitsnachweis, auf dessen Leitung den Gemeindebehörden künftig ein stärkerer Einfluß zustehen wird. Der Magistrat schlägt vor, bei der Ge- Werbedeputation eine besondere Abteilung als Verwaltungsstelle für den Arbeitsnachweis zu schaffen. Genosse Ritter betonte, daß die sozialdemokratische Fraktion kommunale Arbeitsnachweise fordert. Aber auf dem Wege zur Kommunalisierung des Arbeitsnachweises sei die vom Magistrat geplante Verwaltungsstelle imnierhin ein weiterer Schritt, den: man zustimmen könne. Die Vorlage wurde auf Antrag des Stadtv. Sonuenfeld, der noch einige Be- denken hatte, einem Ausschuß überwiesen.— lieber die Einsprüche gegen die G e m c i u d e w ä h l e r I i st e wurde ohne Debatte nach den Vorschlägen des Ausschusses beschlossen. 4!ll) Wählern wurde hiernach die geforderte nachträgliche Aufnahme zugebilligt. Eröffnung der Autobus-Verbindung mit Lichtenberg- Friedrichsfelde. Eine Automobil-Vcrbindung erhält Lichtenberg-Friedrichs- felde am Sonnabend, den 27. September dadurch, daß die Allgemeine Berliner Omnibus-Gesellschaft ihre Autolinie 9 vom Alexanderplatz� durch die Kaiser-, die Große Frankfurter Straße, über den Strausberger Platz, die Frankfurter Allee, den Komtureiplatz, die Frankfurter Allee, die Frankfurter Chaussee bis zum Bahnhos Lichtenberg-FriedrichSfelde ver- längert. Zu den jetzigen Teilstrecken zu 10 Pf. kommen fünf neue. Unter den Linden Ecke Friedrichstraße— Strausberger Platz, Schloßplatz— Komtureiplatz, Rathaus, Ecke Königstraße und Spandauer Straße— Frankfurter Allee, Ecke Proskauer Straße, Alexanderplatz— Frankfurter-Allee, Ecke Verbindungsweg und Strausberger Platz— Bahnhof Lichtenberg-Friedrichs- fslde. Die Wagen verkehren voni Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde Werktags von 5,30 früh bis 12,02 nachts, Sonntags von 6,00 bis 12,56. Von Moabit gehen sie zu denselben Zeiten. Sie folgen sich in Abständen von 5 bis 7 Minuten. Es entsteht so eine durchgehende Verbindung von Moabit-Stcphanplatz durch die Turmstraßc, über den Lehrter Bahnhof, den Reichstag, Unter den Linden, den Schloßplatz, den Alexanderplatz, den Strausbcrgcr Platz, den Komtureiplatz, zum Ringbahnhof Frankfurter Allee und zum Bahnhof Lichten- bcrg-Friedrichsfelde. Ein ernstes Wort an die Arbeitereltern! Wieder wollen wir imS heute an die Arbeitereltern wenden, deren Töchter die Absicht haben, Stellung in häuslichen Diensten anzunehmen oder bereits als Hausangestellte beschäftigt sind, und sie bitten, diese Familienangehörigen auf den Verband der Haus» angestellten ausmerksam zu machen. Wie bei der Gewinnum; der als Heimarbeiterinnen beschäftigten weiblichen Personen für d».e gc- werkschaftliche Organisation die Mithilfe der organisierten Arbeiter erforderlich ist, so können auch die als häusliche Dienslbotezr be- schäftigten Arbeitertöchter für die Arbeiterbewegung nur gewonnen werden, wenn die Familie hilfreiche Hand leistet. Für keinen Be- ruf aber ist die Organisation von größerer Wichtigkeit asS für diesen. Die jungen Dienstmädchen verlassen beim Antritt der Stellung nicht allein das Elternhaus, sondern oftmals auch die Heimat und stehen nun als unerfahrene junge Menschenkinder allein ihnent ganz- lich freinden Verhältnissen gegenüber. ES sind ihnen nicht ftur die LebcnSgcwohnheitcn der Familien unbekannt, bei denen sie Stellung finden, sondern auch die Ortsverhältnisse und Gebräuche. Zwpr soll die Aufnahme in die Fannlie des Arbeitgebers die daraus cnt- stehenden Schwierigkeilen beseitigen. Die Erfahrung lehrt ahcr zur Genüge, daß dies nicht der Fall ist. In den letzten Wochen ist wiederholt berichtet worden, wie manche Dienstgeber ihre Stellung den Mädchen gegenüber auffassen. Es trifft nicht zu, daß die Mädchen in häuslichen Diensten gut daran sind und durch das Zusammenleben mit der Herrscha ft besser dastehen als gewerbliche Arbeiterinnen. Das Gegenteil ist dcr Fall. Sie sind während der Dauer des Arbeitsverhältnisses gänzlich dein Wohlwollen oder den Launen der Herrschaft preisgegeben, die sich sogar tätlich an ihnen vergreifen können. Zwar hebt das bürgerliche Gesetzbuch das Züchtigungsrecht der Herrschaft formell auf, in der Praxis besteht es aber dennoch, weil nach der Gesindeordnmng die Mädchen sich nicht wehren dürfen, wenn jene sich Uebergrisse erlauben. Tun sie es oder verlassen sie den Dienst, dann haben die Herr- schafien noch immer die Möglichkeit, durch schlechte Zeugiüsse das Fortkommen der Mädchen zu erschweren. Beachtung verdient hierbei, daß das Kost- und Logistoesen den sofortige» Stellenwechsel selbst, da, wo er berechtigt ist, erheblich erschwert. Wie viele Mädchen haben nicht schon aus diesen Gvündeir in Verzweiflung unüberlegte Schritte begangen. Dabei ist die Arbeit der Hausangestellten schwer und dar Arbeits« tag unbegrenzt. Kost und Behandlung stehen oftmals in keinem Ver« HSltniS zur Arbeitsleistung. Daß die Sd&Iufgelegenheiten miserabel und gesundheitsschädlich sind, ist viel zu bekannt, um durch Beispiele noch besonders bewiesen zu werden. Bis jetzt aber stehen die Arbciiereltern diesen Dingen noch immer ziemlich gleichgültig gegenüber, sonst müßten sie weit mehr, als es geschieht, schon die jungen Mädchen, die neu in Stellung treten, auf die für Hausangestellte bestehende Organisation aufmerk- sam machen, die diesen den Schutz bietet, den die Familie den fern von ihr beschäftigten Familienmitgliedern nicht gewähren kann. Der Hausangestelltenverband gewährt seinen Mitgliedern Rechts- schütz in Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis, die in ihrer un- mittelbaren Wirkung für die Mädchen größere Schädigung bedeuten, als die Mehrzahl der gewerblichen Streitigkeiten den Arbeitern und Arbeiterinnen bringt und versucht überall, die Schäden der privaten, gewerbsmäßigen Stellenvermittelung zu beseitigen. Er unterstützt die Mitglieder in Krankheitsfällen und bietet ihnen Gelegenheit zu geselligen Zusammenkünften mit Kolleginnen. Dabei ist der Verband bestrebt, durch belehrende Vorträge die Mitglieder geistig zu beben und in ihnen Verständnis für die Bestrebungen der organisierten Arbeiterschaft zu erwecken. Hierdurch wird sicher erreicht werden, daß die Hausangestellten als spätere Arbeiterfrauen und Mütter die Pflichten erfüllen können, die Vorbedingung find für den kulturellen Aufstieg der Arbeiterklasse. Schon allein aus diesem Grunde hat die Arbeiterschaft ganz allgemein ein Interesse an der Förderung der Bestrebungen des Verbandes. Die Eltern von Hausangestellten aber besonders aus den geschilderten Verhältnissen heraus. Mögen sie deshalb ihre Töchter und Bekannten auf die Organisation der Hausangestellten aufmerksam machen und sie veranlassen, Mitglieder zu werden. Der Verband hat in der kurzen Zeit seines Bestehens wiederholt be- wiesen, daß den Hausangestellten aus der Mitgliedschaft nur Vor- teile entstehen. Die Adresse der Zentralstelle ist: Zentralverband der Haus- angestellten. Berlin 80. 16, Engelufcr 21 III. Vorsitzende: Frau Luise Kähler._ Tie verschwundene Wirtschafterin. Die Wirtschafterin Gertrud Galle ist, wie von uns wiederholt berichtet wurde, seit dem 29. Juli d. I. aus dem Erholungsheim vom Roten Kreuz in Schönholz verschwunden. Sie ist zuletzt in Reinicken- dorf in Begleitung des in Haft befindlichen Heiratsschwindlers, For- mers Hermann Henk, gesehen worden. Die Behörden nehmen an, daß Henk die Galle ermordet hat, um sich in den Besitz ihres Spar- kassenbuches zu setzen. Die Nachforschungen nach der Leiche der G. sind bis jetzt erfolglos geblieben. Einige Zeugen wollen den Henk niit der Galle bei Fürstenwalde und TrebuS gesehen haben. Es wurde deshalb ein Kommando von Berliner Kriminalbeamten unter Leitung eines Kommissars in jene Gegend entsandt. Die Ermittelungen der Beamten verstärklen den Verdacht, daß Henk die Galle in jene ihm genau bekannte Gegend verschleppt hat. Der Regierungs» Präsident zu Frankfurt a. O. hat jetzt eine Belohnung von lOOO M. für Personen aus dem Publikum ausgesetzt, die Angaben machen können, die zur Ermittelung der Galle bczw. ihrer Leiche führen würden. Die Gesuchte ist 1,65 Meter groß, hat volles schwarzes Haar, längliches, zuletzt stark gebräuntes Gesicht, dunkle Augen und einige künstliche Zähne. Sie trug zuletzt blaues Kostüm, gelben, runden Strohhut in Glockenform mit schwarzem Bande, schwarze Schnürstiefel mit Lackspitzen, Wäsche G. G. gezeichnet und führte einen schwarzen Schirm und eine schwarze Handtasche mit sich. Schutzpatron der Gelben. Die„Deutsche Arbeitgeberzeitung' ist sehr erbost über uns. Wir sind ibren Schützlingen— den Gelben— zu nahe getreten und zwar durch die Plauderei:„An ihren Früchten sollt ihr sie er- kennen.' Das Scharfmacherorgan wütet über uns in folgender er- götzlicher Weise: .Diese Plauderei, die also gewiß in Hunderttausenden von Arbeiterfamilien gelesen und zum Ausgangspunkt nachhaltiger Erwägungen gemocht wird, enthält gleich zwei giftgemeine und dabei in sich verlogene Angriffe, einen gegen die Gesamtheit der wohlhabenden Kreise» den ander gegen die verhaßten „Gelben"! Da wird erzählt, wie ein kleiner Arbeiterjunge an einem Rinnstein spielt, auf dem er eine Nußschale schwimmen läßt. Der bekannte, gut gekleidete Bllrgersohn, natürlich ein Unband von Nichtsnutzigkeit, geht in Begleitung seiner Gouvernante vorüber und hat nichts Eiligeres zu tun, als dem armen Arbeiterkinde einen heftigen Stoß zu versetzen, so daß diesem sein einziges, geliebtes Spielzeug(der„Vorwärts" schreibt rühr- selig,„das Arbeiterkind muß sich mit dem bescheiden, was andere verächtlich fortwerfen,— mit Rinnsteinfreuden") auf Nimmerwiedersehen entgleitet. Der gestoßene Junge aber, den das Muttersöhnchen auch noch anspeit, wehrt sich nicht, wir werden bald sehen, warum, sondern schleicht weinend fort. So- weit der erste Teil der Geschichte, die sich als tatsächliche Beob- achtung gibt, in jedem Wort aber eine faustdicke Lüge enthält. Höchstwahrscheinlich wird nämlich der wohlhabende Junge mit Neid auf den kleinen Kerl gesehen haben, der da ungestraft im Ninnsteinwasser umherplantschen kann; er wird sich aber sehr gehaltet haben, den strammen Arbeiterjungen anzugreifen, und wenn er eS getan hätte, so wäre ihm das Kind der Straße die Airttvort sicherlich nicht schuldig geblieben. Aber mit diesem letzten Punkt hat cS eben, so will es die Rinnsteinkunst deS„Vor- wärtS", eine besondere Bewandtnis. Im weiteren Verlauf dieser schönen Geschichte wird uns nämlich erzählt, daß der feige und weinerliche Bursche— natürlich!— der Sohn eines„gelben" Arbeiters, eines Werkvereinlers, sei und schon darum keine Spur proletarischen Selbstbewußtseins in sich trage. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen I Ein anderer Bengel wird uns vor Augen gestellt, der Sohn eines richtig, d. h. freigcwerkschaftlich organi- sierten Arbeiters, der— wiederum natürlich!— über den geputzten Bmrrgeoisknaben herfällt und ihn windelweich klopft II Das ist die Kultur, das ist die Erziehungsarbeit der roten Prssie! Man sage nicht, daß eS sich um eine Kleinigkeit handele; diese abgefeimte Art„volkstümlicher" Agitation ist wahrschein- lich wirksamer und gefährlicher als manche große VerfammlungS- rrdel Mr quittieren dankend für diesen Wuterguß; zeigt er doch, wie sehr uniscre Würdigung der Schützlinge der Arbeitgeber— der Gelben— das Richtige getroffen hat._ Die westlichen Nntcrgrundbahncn, Wittcnbergplatz— Wilmers- dorf— Dahlem und Wittenbergplatz— Kursürstendamm—Uhlandswaße, werden, wie jetzt endgültig feststeht, am Sonntag, den 12. Oktober, dem öffentlichen Verkehr übergeben werden; einige Tage zuvor findet die landespolizeiliche Abnahme der beiden Schnellbahnen statt. Em großes Omnibuskraftwagendepot hat die Allgemeine Berliner Omnibuisgesellschaft in Weißcnfee, Belforter Straße, erbauen lasten; dasselbe- wird am heutigen Freitag dem Betriebe übergeben werden. Eine der Autobuslinien, deren Genehmigung die Gesellschaft beim Polizeipräsidium beantragt hat, wird ihren Ausgang von Weißensee nehmen._ Dachstuhlbrand in der Roscnstraste. Gestern nachmittag kurz vor 5 Uhr kam in der Rosenstraße 5/6 ein größerer Dachstuhlbraud zum Ausbruch. Die Gefahr wurde erst bemerkt, als dicke Rauchwolken aus dem Dachgeschoß des Wohn- Hauses hervordrangen. Die Feuerwehr wurde von zwei Seiten aus alarmiert und eilte mit den Löschzügen 5 und 17 zu Hilfe. Der Löschangriff erfolgte mit zwei Rohren, die an eine Dampfspritze an« geschlossen waren. Die Soppeure drangen zum Teil über eine mechanische Leiter, zum Teil über die Treppen zum Brandherd vor. Bei der starken Verqualmung war ein wirksamer Angriff aber erst möglich, nachdem zwei Rauchschutzapparate in Benutzung genonimen worden waren. Nach einstündiger Löscharbeit war die Gefahr be- seitigt. Der Dachstuhl ist zu einem erheblichen Teil mit den Boden- räumen vernichtet worden. Ueber die Ursache des Feuers konnte nichts ermittelt werden._ Die Deputation für das Fach- und Fortbildungöschulwesen hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlosten, daß Pflichtfortbildungsschüler, welche von ihrem Arbeitgeber Urlaub erhalten, während der Dauer des Urlaubs vom Schulbesuch befreit werden; doch sollen die Arbeit- geber ersucht werden, den Urlaub so weit wie möglich in die Ferien der Schule zu verlegen. Verlegung eines Standesamtes. Das Standesamt XHIB wird am 30. d, MtS. von Willdenowstr. 21 nach Plantagenstr. 15— 19 verlegt. An diesem Tage ist das Amt nur zur Anmeldung von Sterbefällen geöffnet, nnd zwar von 9— 10 Uhr in der Willdenow- stratze und von 1—2 Uhr in der Plantagenstraße. Vorort- JSacbncbtem Charlottenburg. In der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch wurde zu- nächst eine Mitteilung des Magistrats zur Kenntnis genommen, daß die Einführung des neugewählten Oberbürgermeisters Dr, Scholz am 15. Oktober erfolgen wird. Die Vereinigung der Wohl- tätigkeitsbe strebungen erhielt in diesem Jahre zur Unter- Haltung einer Schreibstube für Stellenlose einen Beitrag von 2000 Mark. Der geringe Eingang von Aufträgen gab Veranlastung, solche zu niedrigeren Preisen anzunehmen, als dies ftüher der Fall war. Die den Stellenlosen gewährten Löhne wurden nicht verkürzt. Hierdurch ist der für dieses Jahr gezahlte Zuschuß bereits auf- gebraucht. Es wurden daher 1500 M. au? dem Dispositionsfonds nachbewilligt. Jedoch wird der Vereinigung die Pflicht auferlegt, daß Aufträge nicht zu niedrigeren Preisen als ortsüblich angenommen werden. Zwei Vorlagen des Magistrats, die Regulierung des Nonnen- dammeS betreffend, wurden von der Stadtverordnetenversammlnng genehmigt. Durch Gcmeindcbeschluß vom 21. Mai/25. Juni 1913 ist dem Vorentwurf für Erweiterung der Volks- badeanstalt Krummestr. 10, zugestimml worden. Es war in Aussicht genommen, den Bauentwurf so bald als möglich fertig zu stellen und mit dem Bau am 1. April 1914 zu beginnen. Dies hätte zur Voraussetzung gehabt, daß die in Frage kommenden Grundstücke zum 1. Januar 1914 bereitgestellt würden, um bis zum 1. April 1914 den Abbruch der alten Gebäude vornehmen zu können. Eine Anzahl Mieter des Hauses Krummestr. 7 weigert sich aber, trotz angebotener Entschädigung, am 1. Januar 1914 auszuziehen. An Eni- schädigungen wären für den Fall der Räumung der Häuser Krumme- straße 6, 6a, g und 9 zum 1. Januar 1914 und des HauseS Krummestr. 7 zum 1. April 1914 insgesamt 30 518 M. zu zahlen. Alle Versuche, die Mieter zur Herabsetzung ihrer Forderungen zu bewegen, sind gescheitert. Der Magistrat hält es deshalb für zweckmäßig, die Räumung der Häuser erst zum 1. Juli 1914 vorzunehmen. Der Bau wird dadurch um ein halbes Jahr hinausgeschoben, seine Fertigstellung also nicht schon zum 1. April 1916, sondern mit Sicherheit erst zum 1. Oktober 1916 zu erwarten sein. Die Vorlage des Magistrats wurde einem Ausschuß von 11 Mitgliedern überwiesen, in den die sozialdemokratische Fraktion die Genosten Vogel und Wilk delegiert. Die Etatsüberschreitnngen bei der Stadthauptkaste für das Rechnungsjahr 1912 von 451 493,79 M. werden ohne Debatte genehmigt. In Höhe von 828 183,98 M. haben die Ueberschreitungen nur formelle Bedeutung, indem ihnen gleich hohe oder höhere Einnahmen gegenüberstehen oder durch sie bei anderen Etatsnummern entsprechende Ersparnisse erzielt worden sind. Wirkliche Ueberschreitungen sind nur in Höhe von 123 309,81 M. vorgekommen. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden in nichtöffentlicher Sitzung erledigt. Schöneberg. Freie Eltcrnvcreinigung Schöneberg. Im Monat Oktober finden folgende Veranstaltungen statt: 5. MuseumSbesuch, 6. Versammlung. 12, Abspielen, nachdem Elternabend im kleinen Saal des„Schwarzen Adler", 26. Wanderung. Näheres an den regelmäßigen Spielabenden in den„Neuen Rathaussälen" jeden Montag und Freitag von Vz7 bis 8'/, Uhr. Automobilunfall. Von einem schweren Unfall wurde gestern Mittag der in der Barbarossastraße 35 zu Schöneberg wohnhafte Stadtrat Bergmann betroffen. B, wollte mit seinem Kraft- dreirad einen Straßenbahnwagen überholen, geriet dabei aber zu weit auf die linke Seite der Fahrbahn. In diesem Augenblick kam ein Möbelwagen heran, dessen Kutscher das schwere Gefährt nicht mehr zu bremsen vermochte. Der Kraftwagen fuhr in die Pferde hinein und das leichte Automobil wurde von der Deichsel des Transportwagens umgeworfen. Stadtrat Bergmann wurde von seinem Sitz geschleudert und schlug mit dem Kopf gegen die Bord- schwelle, wobei er sich eine schwere Kopfverletzung und Gehirn- erschütterung zuzog. Der Verunglückte trug außerdem noch erheb- liche Verletzungen an beiden Beinen und Armen davon. Der Ver- unglückte fand auf der nahen Unfallstation die erste Hilfe und wurde, da sein Zustand nicht ungefährlich war, in das Schöneberger Krankenhaus übergeführt. Neukölln. Am Sonntag, den 23. September, findet eine Spielpartie nach dem Plänterwald statt. Treffpunkt: Wildenbruchplatz am Elsensteg um 8 Uhr früh. Gleichzeitig machen wir auf- die erste Märchen- aufführung am Sonntag, den 5. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Lokal von Bartsch, Hermannstr. 49, aufmerksam. Britz. Krailkenkassenwahlen. Zu den Wahlen für den Ausschuß der Britzer Ortskrankenkasse werden die Vertrauensleute der Betriebe, welche bei obiger Kaste versichert sind, aufgefordert, geeignete Per- sonen in Vorschlag zu bringen. Die Adressen derselben sind umgehend an A. Hendrischke, Neu- kölln, Thomasstr. 26, einzusenden. Wilmersdorf. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Am 24. September diese? Jahres hatte sich unsere Stadtverordnetenversammlung ein- mal in sozialpolitische Positur geworfen. Was dabei herausgekommen ist, möge der geneigte Leser aus nachfolgendem ersehen. Um die so brennende Frage der K r a n k e n h a u S r e g e I u n g etwas zu lindern, war ein„Sonderausschuß für die Errichtuug von Krankenaufnahmestationen" eingesetzt worden, der nun seinen Bericht gab. Danach sind Abkommen mit vier Privatkliniken getroffen worden, die sich verpflichten. Kranke aufzunehmen, soweit Betten ftei sind. Die Bezahlung erfolgt nach den Sätzen der Teltower Kreis- krankenhäufer. Die Ueberführung der Patienten übernimmt die Feuerwehr. Damit ist also die Krankenbausfrage vorläufig er- ledigt und der Bau eines Krankenhauses noch weiter hinaus- geschoben, wie der Oberbürgermeister Habermann bei einer späteren Gelegenheit selbst zugab. Alsdann beschäftigten sich die Stadtväter mit der Milderung der Arbeitslosigkeit. Von den Stadtvv. Dröse, Leidig und Genosten lag ein Antrag vor, mit Rücksicht aus die starke Arbeitslosigkeit im Baugewerbe, die von den städtischen Körper- schaften bereits beschlostenen Neubauten schleunigt in Angriff zu nehmen. Dieser Antrag war nicht etwa der Arbeiterfreundlichkeil der Antragsteller zu verdanken, sondern einer Eingabe der Bauarbeiter. Begründet wurde der Antrag von dem als Scharfmacher bekannten Profestor Dr. Leidig, und zwar so lenden- lahm, daß selbst der Oberbürgermeister die Begründung als nur eine Anfrage bezeichnete. Dr. Leidig bchanptete bei seinen Aus- führungen, daß sich die freigewerkschaftlichen Bauarbeiter zuerst an ihn gewandt hätten und fügte ironisch hinzu:„Weil ich ihr bester Vertreter bin". Leidig und andere Stadtverordnete verlangten, daß auf städtischen Bauten vornehmlich in Wilmersdorf wohnende Arbeiter, in erster Linie aber verheiratete beschäftigt werden. Oberbürgermeister Habermann erklärte, daß der Magistrat im Sinne des Antrages vorgehen werde. Es wären schon eine Reihe von Bauten sin Angriff genommen, und einige werden vollständig neu errichtet. Gegenwärtig befinden sich bereits im Bau die Gemeinde- schule VIl, die im Rohbau beendet ist und bei der Inneneinrichtung in Arbeit genommen wird, für die noch 696 600 M. zur Verfügung stehen. Weiter wären das Reformghmnafium und das IV. Lyzeum im Rohbau bis zum ersten Siock gediehen; für diese beiden Bauten wären noch 1 431 000 M. flüssig; für die Arbeiten des Seeparkes lägen noch 929 000 M. bereit, ebenso 65 000 M. zur Asphaltierung eines Teils der Kaiserallee. Neu zu erbauen wären noch das Krcma- torium, für das 240 000 M. bewilligt sind, die Kanalisation der südlichen Seeparkstraße und die Parkanlagen auf dem ehemaligen Joachimsthalschen Gymnasium. Insgesamt ständen der Hoch- und Tiefbauverwaltung für diese Bauten 3 400 000 M. zur Verausgabung. Damit glaubte der Magistrat mitsamt den Stadtverordneten der Arbeitslosigkeit genügend zu steuern. Zu solch' hohen Plänen wie Einführung einer Arbeitslosenverficherung konnten sich die Rathaus- geister nicht aufschwingen. Nur der Stadtverordnete Dr. Edel äußerte einige Bedenken, daß das vom Oberbürgermeister Borge- tragene nicht genüge. Jedoch brachte er eS zu keinem weiteren Ver- langen, als nach einer Arbeitslosenstatistik. Außerdem wünschte er, der Magistrat möge mit den Großberliner Gemeinden verhandeln, damit eine großzügigere Steuerung der Arbeitslosigkeit vorgenommen werde. Nachdem noch Herr Heinrich das Haus wiederholt erheitert und das Verlangen der Antragsteller als„eine Schutzimpfung gegen die sozialdemokratische Antragspest" bezeichnet hatte, wurde der An- trag einstimmig angenommen. Von sozialdemokratischer Seite konnte nicht eingegriffen werden. Von den beiden Genosten ist Riedel ver- zogen und Schröder schwer erkrankt. Zum Schluß beschäftigte sich die Versammlung mit einem An- trage des Magistrats, der die Einsetzung einer Wohnungs- deputation verlangte. Das war den meisten Stadtvätern doch zu starker Tobak. Dr. Helmke verlangte, man solle die Angelegen- heit vertagen, bis der Landtag das Wohnungsgesetz verabschiedet habe. Noch strenger ging der Herausgeber des Wilmersdorfcr „Amtskiekers", Stadtv. Heenemann, mit dem Magistrat ins Gericht. Er wütete gegen die Aenderung der bisherigen Wohnungs« Politik.„Hier ist schon alles vorhanden, Wilmersdorf hat keine In« dustrie und braucht keine Arbeiterwohnungen I" schrie er wut- entbrannt in den Saal. Schließlich wurde die Sache bis zur nächsten Sitzung vertagt. Trevtow-Baumschulentveg. Der Jugendausschuß veranstaltet am Sonnabend, den 25. Oktober. im GesellschaftShauS(früher Speer) in Baumschulenweg einen Eltern- abend. Konzert, Gesang, Rezitationen sowie eine der Bedeutung des Abends entsprechende Ansprache werden denselben ausfüllen. Zur Erinnerung wird den anwesenden Jugendlichen, die zurzeit die Schule verlassen, ein Buch überreicht werden. Der Jugendausschuß ersucht daher die in Frage kommenden Eltern, ihre Kinder bis spätestens 1. Oktober zu dieser Feier anzumelden. Meldungen nehmen entgegen für Baumschulenweg die Genoffen: Hermann Hornig. Marienthaler Str. 13, I; Karl Müller, Baum- schulenstr. 14, Laden. Für Treptow die Genossen: Rob. Ehrich, Beermannstr. 4, II; Wilhelm Lemm, Graetzstr. 51, I. Pankow-Nicderschönhausen. Am Sonnabend, den 27. September, abends 8>/» Uhr, findet im „Türkischen Zelt", Pankow, Breitestr. 14, eine außerordentliche General- Versammlung des Vereins„Arbeiter- Jugendheim" statt. Tages- ordnung: 1. Die Eröffnung des„Jugendheims". 2. Vereins- angelegenheiten. 3. Verschiedenes.— Um die Ziele, welche sich der Verein„Arbeiter-Jugendheim" gesetzt hat, in vollem Maße verwirk- lichen zu können, ist es Pflicht jedes einzelnen Parteigenossen, dem Verein„Arbeiter-Jugendheim" beizutreten. Der wichtigen Tages- ordnung halber wird ein vollzähliges Erscheinen erwartet. Bernau. Der BildungSauSschuß Bernau veranstaltet am Sonnabend, den 27. September, im Neuen Gesellschaftshaus(Inhaber H. Modisch), Kaiserstraße, einen Heiteren Abend, bestehend aus Rezitation und Liedern zur Laute, mit einleitendem Vortrag, den Genosse Däumig über das Thema:„Die Bildungsbestrebungen der modernen Arbeiter- schaft" hält. Nachdem Tanz. Der Eintrittspreis beträgt 40 Pf., Tanz 30 Pf. Die Arbeiterschaft wird ersucht, sich an der Veran- staltung zu beteiligen. Billetts sind bei den Vorständen der Gewerk- schaften, des Wahlvereins, dem Obmann des Kartells, bei Modisch und Troppens zu haben. Nowawet» AuS der Gemeindevertretung. Zunächst gab der Bürgermeister bekannt, daß die in der letzten Sitzung stattgefundene Wahl des Gerichtsassessors Golisch zum besoldeten Schöffen bereits vom Landrat bestätigt worden ist.— Das Amt eines Vorsitzenden des Gewerbe- und KaufmannSgerichtS, das bisher der Gemeindevorsteher innehatte, wurde dem zum besoldeten Schöffen gewählten Gerichtsaffessor übertragen, weil, sobald im Gemeindevorstande ein Jurist vertreten ist, dieser den Vorfitz zu führen hat.— Der 11. Armenbezirk, in dem wegen seiner Größe die Arbeitslast für den Vorsteher außerordentlich gewachsen ist, soll in der Weise geteilt werde, daß die Husarenstraße und da? Haus Groß« beerenstraße 101 dem 13. Bezirk zugewiesen werden. Vorsteher dieses Bezirks ist der Fabrikmeister Gladbach, Husarenstr. 9a.— Die Vorlage betreffend Erlaß einer Polizeiverordnung über Er- richtung von GruppenhauSbauten wurde auf Antrag des Genossen Neumann an die Kommission zurückverwiesen. Es soll näher nach- geprüft werden, ob eine neue Verordnung, die eine nocbmalige Aenderung der erst seit kurzer Zeit destehenden Bauklaffen- einteilung für die Kleine Sandscholle und des für Landhausbebauung reservierten angrenzenden Terrains bedingen würde, absolut nötig ist. Der Ansicht des Genossen Ncumann, daß die nach der Baupolizei- Verordnung für die Vororte von Berlin zulässige Bauweise von drei bis fünf Häusern in zusammenhängenden Gruppen äußerst unschön wirken müßte, schloffen sich auch die übrigen Redner an.— Der letzte und interessanteste Punkt der Tagesordnung, die Einführung der Schulzahnpflege, kam leider nicht zur Verhandlung. Er wurde auf Vorschlag des Bürgermeisters noch zurückgestellt, um die Grund- lagen der Durchführung einer in gesundheitlicher Beziehung so wich- tigcn Neueinrichtung nochmals genau zu prüfen. Sitzungstage von Stadt- und mals mit dem Strafgesetz in Konflikt. Schließlich wurde er nach seiner Angabe Schauspieler, hat aber weniger die Bretter,„die die Welt bedeuten", als wie die Bretter in den Zellen verschiedener Gefängnisse und Zuchthäuser betreten. Seit einigen Jahren hat der Angeklagte folgenden Lebenslauf zu verzeichnen. Er verübte mehrere Straftaten, wurde gefaßt und eingesperrt, um aber bald wieder aus dem Gefängnis auszubrechen. Er beging dann von neuem Straftaten und wurde wiederum verurteilt. Bei der ersten besten passenden Gelegenheit gelang es ihm wieder auszubrechen Dieses Hin- und Hcrpendeln zwischen den Gefängnissen- und einigen Tagen Freiheit dauerte längere Zeit. Er wurde von den Gerichten in den verschiedensten Gegenden Deutschlands ver- urteilt und zwar erreichten die gegen ihn erkannten Einzelstrafen nach und nach die Höhe von 123 Jahren 7 Monaten und 2 Tagen. Diese Strafen sind schon längst auf das gesetzliche Maximum von 15 Jahren Zuchthaus zurückgeführt worden, so daß der Angeklagte, wenn es ihm gelingt wieder auszubrechen und neue Straftaten zu begehen, wegen dieser nur auf dem Papier bestraft werden kann. Da der Angeklagte dies weiß, richtet er an die verschie- denen Gerichte Selbstanzeigen, die natürlich nachgeprüft werden müssen. Hierdurch bringt W. etwas Abwechslung in die Mono- tonie des Zuchthauslebens, da er vorgeführt werden muß. Nach feiner eigenen Angabe müßte die Gesamthöhe der gegen ihn er- kannten Strafen über 200 Jahre ausmachen, wenn er wegen der sämtlichen von ihm verübten Straftaten verurteilt werden würde. In der jetzt zur Anklage stehenden Sache hatte der Angeklagte, nachdem er aus dem Zuchthause ausgebrochen war, sich bei einer Frau eingemietet und dieser Bücher im Werte von 100 M. ge- stöhlen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu noch einem Jahre Zuchthaus._ Verpuffte Staatsaktion. Der Schriftsetzer Kiede in Drewitz war Vorsitzender der freien Turncrschaft daselbst und soll im Jahre 1911 geduldet haben, daß Jugendliche dem Verein angehörten. Der Amtsanwalt beim Pots- damcr Schöffengericht behauptete in der vorigen Woche in einer Schöffcngerichtssitzung, daß der Verein ein politischer sei und daß der Angeklagte gegen das Vereinsgesetz verstoßen habe. Die Beweisaufnahme ergab, daß Jugendliche dem Verein nicht an- gehört, sondern daß sie an den Turnabenden nur als Gäste an- wesend loaren und zum Teil auch mitturrnen. Das Gericht kam zur Freisprechung des Angeklagten. Der Vorsitzende führte aus, die Zugehörigkeit zum Arbeiterturnerbunde reicht noch nicht hin. einen Verein als politisch zu erklären. Der Angabe des Angeklagten ist Glauben zu schenken, daß der Verein den? Bunde lediglich an- gehörte, weil dieser Unfallunterstützung zahlte. Unerheblich ist, daß Jugendliche am Turnen beteiligt. Die zum Turnen Vereinten bildeten keine Versammlung im Sinne des Vereinsgesetzes. Spiel und Sport Turner. Turnverein„Fichte". 14. Männerabteilung. Sonntag, den LS. September: Riegcnturnfahrt nach Zlestaurant.Wachtelburg- bei Hennickendorf. Trestpuntl der Riegen pünktlich 2 Uhr. 2. M ä n n e r a b t e i l u» g. Sonnabend, den 27. September, 8 Uhr, bei«Srabert, Lauscher Platz 8: Zusammenkunft früherer und jetziger Mit gtiedcr zur Erinnerung an die vor 20 Jahren crsolzte Gründung. 3. M ä n n e r a b t e i I u n g. Sonntag, den 28. September: Riegen-, Kartoffel- und Heringspartie nach Zeuthen. Treffpunkt der Riegen 1 Uhr w Zeuthen... 10. Lehrlingsabteilung. Sonnabend, den 27. September abends 8—10 Uhr, Berlin 0., Petersburger Straße 4: Ocffcntlicher Turn- abend, Gäste, besonders Jugendliche, herzlich wMkommcn. An demselben Tage ladet die 1 2. M ä n n e r a b t e i I u n g zum öffent- lichen Turnen nach der Turnhalle Choriner Straße 74 ein. 8—10 Uhr. Schöneberg. Eine RekrutcnabschiedSseier veranstaltet der Arbeiterturn verein morgen Sonnabend in den„Neuen Rathaussäien", wozu alle Rekruten und Gönner des Vereins sreundlichst eingeladen sind. Ein- tritt 20 Pf. Anfang g Uhr. Die Lehrlingsabteilung des Arbcitertunivercins veranstaltet kommenden Sonntag eine Spietpartie. Treffpunkt morgens'/,8 Uhr, Bahnhos Schöneberg. Köpenick. Sonnabend, 27 September, hält der Arbcitcrturnvereln „Eiche" das 15. S t i s tungsf'e st der Turnerinnenabteilung und em RekrutenabichiedSkränzchen ab bestehend in Konzert, turnerischen und humoristlschen Vorträgen. Theater Verlosunq und Ball. Beginn abends 8 Uhr, bei Scheer. Die Arbeiterschaft ist hierzu freundlichst ein- geladen. � Die Freie Turnerschaft Wilmersdorfs hält am kommenden Sonn» abend, den 27. d. Mts., im Restaurant St°d?varl" ihren diesjährigen Nekrulenabschi-dSball ab Da sich genanwer Verei,.»u allen Ver. anslaltungen der Arbelterschast zur Verfügung stellt wird aus guten Zu- spruch gerechnet. BillettS nur an der Abendkasse' Am Sonntags den 28. d. Mts findet auf dem Spielplatz, schräg- PÄ X iÄ* mit fÄ? Wu �rnen statt JÄÄ.'SS AS»\tr"nÄ"ile" Radfahrer. Arbeiter Radfahrerbund„Solidarität". Touren zum Sonntag, den 23. September: Sämtliche Frühtouren für die Ortsgruppe Berlin, Bezirt 2 und 2l. fallen wegen der Krankenkassenwahl aus. Ortsgruppe Berlin. 2 Uhr: Kaulsdors-Süd(Sanssouci). Start an den bekannten Stellen. Charlottenburg. 1 Uhr: Caputh bei Potsdam. Schöneberg. 1 Uhr: Eichwalde(Witte), Start bei Obst. Lichtenberg. 1 Uhr: Pichelswerder(Alter Freund). Start: Psarr- stratzc 74. Pankow-Schönhauseu. 2 Uhr: Tour wird am Start: Breitestraße, bekannt gegeben. Martendorf. 12 Uhr bei Pätsch, Tempelhos. Reinickendorf. 1. und 2. Abt. 2 Uhr bei Lüning, Schillingslraße. Tour wird dort bekannt gegeben. Lichtcrfelde. 7 Uhr: Schnitzeljagd. Nachzügler bis 11 Uhr in Wannsee(Fürstcnhof).— Nachmittags 2 Uhr: Tour ohne Ziel. Arbeiter-Radfahrerverein Groß- Berlin. Sonntag, 23. d. Mts., früh 7 Uhr nach Ferch— Caputh, Weberslr. 36.— Nachmittags 1 Uhr nach Wannsec(Fürstenhos). Start: Mariannenpark. Anschlußstart: Viktoriapark Wanderer. Arbeiter-Wandervercin Berlin. Wegen der am Sonntag, den 28. September stattfindenden Wahlen der Ausschußmitglieder unb_ Stell, Vertreter zur Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin fällt die VereinZtour Tiesensee— Falkenberg aus. Sonntag, den 5. Oktober: Studlenfahrt nach Jüterbog und Kloster Zinna. Besichtigung und Erklärung unserer mittelalterlichen Wehr bauten, Besichtigung und Besteigung der Nikolaikirche, Wanderung nach Kloster Zinna, Besichtigung und Erklärung der noch vorhandenen Kloster- gcbäude. Fühlung Krause. Weglänge zirka 12 Kilometer. Teil- nehmerkarten zu50Vf.(für Führung und Besichtigung) sind in unseren Zahlstellen: Fritz Wählisch, Skalitzer Straße 22 und Georg Weih, nacht, Grünstraße 21 zu haben. Arbeiter> Tonristeiiverel»-Die Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 28. September, Wanderungen: I. Rehfclde, Garzau. der Park, Strausberg. Wsahrt nach Rehfelde: Schlesischer Bahnhos 6.53. II. Potsdam, Lienewitzsee, Michendorf. Äbsahrt nach Potsdam: a) Bahnho Alexanderplatz 6.10, b) Potsdamer Bahnhof 6.45. Gäste stets willkommen. Arbeiter-Wanderbund»Die Naturfreunde". Am Sonntag, den 28. September, weiden folgende Touren unternommen: 1. Wilmersdorf— Suckrowec Forst— Forst Gramzow— Warnitz(Nacht, quartier in Stewhöfel). Abfahrt Sonnabend, abends 7.46 Uhr, Stcttiner Fernbahnhof. 2. Michendorf— Ferch— Petzow— Werder. Abfahrt Bahnhof Charlotten, bürg 6 Uhr vormittags. 3. Potsdam— Teuselssee— Lienewitzsee— Michendorf. Abfahrt Bahnhos Friedrichstraße 5.15 Uhr vormittags. 4. Freienwalde— Baasee— Freienwalde. Abfahrt Stettiner Fernbahnho 5.53 Uhr vormittags. 5. Finkenkrug— Brieselang— Krämer— Hennigsdorf. Wsahrt Lehrter Bahnhof 6.22 Uhr vormittags. 6. Luckenwalde— Jänickendorf— Hoher Golm— Baruth. Abfahrt Anhalter Bahnhos 5.35 Uhr vormittags. 7. Königswusterhausen— Krimnicksee—Körbiskrilg—KönigSwusterhausen. Wsahrt Görlitzer Bahnhos 6.30 Uhr vormittags. 8. Kinderwanderung. Grunewald— Pichelswerder— Grunewald. Treff, vunk Bahnhos Wcddmg(Eingang Nettelbeckplatz> und Schlesischer Bahnho (Ecke Frucht- und Madaistraße) 8 Uhr vormittags. Gäste willkommen. Fußball. Märkische Spielvereinigung, Bez. Groff-Berlin. Am kommenden Sonntag 4 Uhr finden folgende Spiele statt: Borussia— Vorwärts(Friedrichshagen) in Wittenau, Röder-Allee Schöneberg— Liberias in Mariendorf, Blanke Hölle z Allemania— Verein für Bewegungsspiele in Friedrichshagen, Gemeindcsportvlatz; Viktoria— Reinicken dorser Ballspiclklub in Tempelhos, Fnedrich-Karl-Straße. Athleten. Arbetter-Athletcnbund(Kreis 4, Groß-Berlin). Zum Wschluß der Sommcrsaison veranstaltet der KrelS 4 am Sonntag, den 28. September, nachmittags 2 Uhr, auf feinem m Baumschulenweg befindlichen Platz (Heidekampweg, neben dem Platz des Turnvereins Jahn), einen Vereins- Zehnkampf, bestehend in Lausen, Wersen, Heben und Stoßen. Da der Kvcis zurzeit 56 Vereine umsaßt, werde» spannende Kämpfe erwartet. Freunde und Gönner unserer freien Sportbewegung sind sreundlichst willkommen. Zutritt frei. Schwimmer. Arbeiter-Schwimmvcrcin»Berlin"(M. d. A.-Schw.-B.). Sonn, abend, den 27. September, hält der Verein sein diesjähriges Herbjtjest im großen Saale de? GewerkschastsbauscS ab. Bei dem reichhaltigen Pro gramm dürste ein jeder auf seine Rechnung kommen. Da der Verein bei Arbeitersesten sich zur Verfügung stellt, wird um Unterstützung der organi, siertcn Arbeiterschaft gebeten. « Arbciter-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Berlin. Monatsvcrsammlung am Freitag, 26. September, abends 8'/, Uhr, ini Restaurant Haberlandt, Neue Friedrichstr. 35. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 1. Abt. Montag, 23. Sept., Kommandantcnstr. 62, Beckers Festsäle(Tunnel). Berlin, 6. Wt. Montag, 23. Sept., Restaurant Haberlandt, Neue Friedrichstr. 35. B e r l i n, 7. Wt. Mittwoch, den 1. Oktober, Charlottenburg, Rosinen. straße 3, Volkshaus. Mariendorf. Montag. 23. Seplember, Chausseestr. 27 bei Büro. N 0 w a w e s. Montag, 23. September, Wilhelm- Ecke Friedrichstraße, bei Schmidt. N 0 w a lo e S(Abt. Potsdam). Mittwoch, 1. Oktober, Kaiser- Wilhclm-Straße, bei Glaser. Ober-Schöneweide. Montag, 23. September, Siemensstr. 12 bei Schu'z. Wilhelmsruh. Montag 29. September, Rcinickendorf-Ost Residenz- straße 6, bei Hirsch.___ Verletzungen nach wenigen Stunden. Außerdem wurden vier Arbeiter schwer und fünf Arbeite r leichter verletzt. Von den Schwerverletzten befinden sich noch zwei in hoffnungslosem Zustande. Hus aller Melt. LuftflottenwahnfMin. Der bekannte Sportredaktcur Georg Prade veröffentlicht im Pariser»Journal" einen Artikel über gepanzerte Flug zeuge und führt aus, daß, trotzdem man in Deutschland mit allem Eifer und aller Mühe an Verbesserungen arbeite, man bisher nicht dazu gelangt sei, eine entsprechende praktische Lösung zu finden. Die deutschen Apparate und ihre Motore sind schon an und für sich zu schwer, um noch eine Panzerung von 60—70 Kilo zu tragen. In, folgedcsscn habe man aber inzwischen in Frankreich stetig ge- arbeitet, und da die französischen Apparate und die französischen Motore bedeutend leichter seien, sei man endlich dazu ge kommen, eine entsprechende Panzerung auszuführen, die sowohl die Maschine wie auch den Aviatikcr schützt. Der erste Apparat dieser Art soll den Namen„Zeppelinjäger" tragen und in einigen Tagen bereits in Dienst treten. Dieser Apparat dürfte nach den Aussagen des Journalisten bedeutend ge- eigneter sein, die leicht zu beschädigenden Tragflächen der Lenkschiffe anzugreifen. Deutschlands eifrigstes Streben wird nun sein, die»Zeppelin- zager" durch einen neuen Typ des Flugzeuges zu übertreffen. Frank- reichs Antwort ist dann ein lieber- Zeppelinjäger und so geht daS Spiel munter weiter. In der kapitalistischen Gesellschaft wird die Entwicklung der Technik nicht darauf geprüft, ob mit all den grandiosen Erfindungen und Entdeckungen die allgemeine Kultur ge- hoben werden kann, sondern ob die Erfindungen sich brauchbar für den Massenmord erweisen. Und das taust man dann: Hebung des nationalen Bewußtseins! Explosion in einer Tynamitfabrik. Eine folgenschwere Explosion hat sich am Donnerstag- morgen in der Dynamitfabrik der Firma Bartsch u. Real :ix Eil bei Köln zugetragen. Durch eine S e l b st e n tz ü n- dung von Zündplättchen erfolgte eine Dynamit- explosion und ein Teil der Fabrikanlagen flog in die Luft. Eine in der Abteilung beschäftigte Arbeiterin wurde sofort getötet, ein Werkmeister erlag seinen Ein Hilfszug verunglückt. Auf der Strecke Prag— Dux entgleiste in der Nacht zum Donnerstag bei der Station K 0 l e t s ch ein Güterzug. Zufolge- dessen mußten zwei nachfolgende Züge, ein Schnellzug und ein Personenzug, auf der Strecke halten. Ein Hilfszug, der Passa- giere holte, stieß bei der Rückfahrt mit einem entgegen- kommenden Güterzug zusammen, wobei fünf Per- s 0 n e n, darunter ein Ingenieur Wolf aus Berlin, schwer ver- letzt wurden._ Geprellte Prozentpatrioten. In Romanshorn in der Schweiz ist eine Bank auf- geflogen. Daß der Herr Direktor sich erschossen hat, ist weniger interessant als die Tatsache, daß unter den Geschädigten sich viele badische Einleger befinden, die, um sich von der Kapital- r e n t e n st e u e r zu drücken, ihr Geld bei der Schweizer Bank angelegt haben. Unter den oberschlauen Geprellten befinden sich sicherlich so manche gute Patrioten, die über die Vaterlandslosigkeit der Sozialdemokratie und dem Internationalismus nicht genug Heulmeiern können, bei denen jetzt aber der Nachweis erbracht ist. daß deren Patriotismus nicht weiter als bis an den Geldbeutel reicht._ Ei» guter Rat. Vor einigen Tagen erscheint ein Ire bei der städtischen Rechts- schutzstelle in Li v e rp 0 0 l, um Rat zu erbitten.„Ja", sagt er, „denken Sie. ich halte Hühner in meinem Keller und nun kam ein Nohrbruch und alle meine Hühner sind dadurch ertränkt worden." „Zunächst wenden Sie sich an die Wasserleitungsgesellschaft." Zwei Tage später kommt der Ire traurig wieder.„Na?" fragt der Be- amte,„was hat man Ihnen gesagt?"„Ja, man sagte mir, ich müsse mir eben Enten halten."__ Kleine Notizen. Hinrichtung in München. Der Zinngießer Johann S t r a s s e r, der den preußischen Militärattache von Lewinski und den Polizeiwachtmeister Bohlender erschossen hatte und vom Münchener Schwurgericht zum Tode verurteilt worden war, ist Donnerstag früh ö'/z Uhr auf dem Hofe des VollstreckungSgefängnisses hingerichtet worden. Epidemisches Auftreten der Lnngenpcst. Wie auS Petersburg gemeldet wird, sind in Bolosti Jourgen in der Provinz SemiretschenSk 13 Kirgisen an der Lnngenpest erkrankt, don denen 14 gestorben sind. Volosti Jourgen ist für p e st- verseucht erklärt worden. Riesenbrand. Eine FeucrSbrunst hat in O r d u am Schwarzen Meer etwa tausend Häuser und Läden zerstört. Der Gesamtschaden wird auf zwei Millionen Frank geschätzt. Eisenbahnkatastrophe in Neu-Schottla»d. Wie aus Halifax gemeldet wird, kollidierten bei Amhurst zwei Züge. Mehrere Zugführer und die beiden Lokomotivführer wurden getötet, zwei andere Beamte wurden verletzt. Jugendveranstaltunge«. Neukölln. Sonntag, 28. Sept.: I. Herb st Wanderung nach dem Nonnenslies. Abfahrt Stettiner Hauptbahnhos 5.59 Uhr, Bahnhos Gesundbrunnen 6.04 Uhr bis Mclchow. Fahrgeld 1,50 M. 2. NachmittagSauSslug nach Pichclsweedcr, Abfahrt Bahnhof Neukölln 12,59 Uhr bis Grunewald. Fahrgeld 40 Pf. Für den jederzeitigen Besuch des Flugvlatzes Johannisthal sind noch BillettS für 25 Pf. im Hciin zu haben. tiir die Nrbeiterjngend findet am nächsten Sonntag, den eptember, in Kaulsdors-Süd(in der Nähe des Restaurants Sanssouci) ein großes W a l d s e st, bestehend aus Gesellschaftsspielen und Kinderbelustigungcn, Turn- und Wettspielen, Volks- und Reigentänzen usw. statt. Treffpunkte: morgens 7 Uhr und mittags 1 Uhr(für Nachzügler) am Schlesischen Bahnhof. Alle Jugendlichen und Erwachsenen sind herzlich willkommen I Waidmannslust-Hermsdorf, Um den jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen Gelegenheit zu geben, ihre freien Stunden im Kreise Gleich- altrigcr und Gleichgesinnter zu verbringe», ist im SchweizerhauS, Diana- straße 33, ein Jugendheim errichtet worden, in dem regelmäßig des Sonntags von 4—9'/, Uhr abends Untcrhaltungsabende stattsindcn. Für Unterhaltung ist vollauf gesorgt; ebenso ist durch eine reichhaltige Bibliothek dem Lesebedürfnis Rechnung getragen. Wir bitten die Arbeiter, sowie die am Ort wohnenden Jugendlichen von dieser Einrichtung Kenntnis zu nehmen und für einen regen Besuch des Heims zu agitieren. Am Sonntag- vormittag finden Jugendspiele statt. Treffpunkt 9 Uhr früh, für Hermsdors am Kniserplatz, silr Waidmannslust am Dianaplatz. eingegangene vrucltsckriften. Von der„Neuen Zeit« ist soeben da? 52. Hest deS 31. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des HesteS heben wir hervor: Der Parteitag. Von K. Kautsky.— Die erste Gcwerbezählung in England. Von M. Beer. — Dle Kinderarbeit in Oesterreich. Von Adelheid Popp.— Warum eine neue Organisation? Von Rudolf Tannebergcr- Leipzig.— Llterarlichc Rundschau: Fritz Brupbacher, Marx und Bokunin. Von G. Stieklosf. Adele Schreioer, Mutlerschaft. Von Oda Olberg. Textbücher zu Studien über Wirtschast und Staat. Von Albert Wilhelm.— Notizen: Briese von Wilhelm Liebknecht aus dem Jahre 1850. Von Ii.<3. Eine Richtigstellung. Von Joseph Emst.— Zcttschrtstenschau. Von(3. 13. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 85 Pf. LSttterungSüberficht vom 85. September 1913. Etatwnen > a Ii -> = j« B- Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien A 5 C£ if 770 Still 770 OSO 770 D 768 767 NO NO 767 NNW Vetter wolkig 2bedeckt 1 wölken! 1 beiler 3Ncbel Äbedcckt c!- äll iS" mS> «latlonen |E S s = Haparanda Petersburg Scillh Aberdeen Pari» 15 i« 773 NO 755 758 S> SSO 763 SSO Vitt« K-* u M2, wolkenl 3 bedeckt 1 5 wolkig! 1 wolkenl 16 14 10 Wetterprognose für Freitag, den 8V. September 1913. Trocken und vielfach heiter, nachts sehr kühl, am Tage etwas wärmer bei mäßigen östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WafferstandS-Nachrichte» der Landesanstall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor , Krassen . Frankfurt a r t h e, Echnmm , LandSberg Netze, Dordomm Elbe, Leitmeritz » Dresden „ Barby , Magdeburg am 24. 9. om 223 157 280 200 178 184 66 32 3 37 -91 83 79 seit 23. 9. omft -i-38 — 160 — 18 0 —5 +2 +2 -f 1 +7 +3 +34 — 1 +3 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Spremberg') , Bceskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heiwronn Main. Hanau Mosel, Trier >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. Theater. Freitag, 25, Septbr. 1913. Ansang 7'/, Uhr. Sgl. Opernhans. Die Zauier flöte. Kgl. Tchanspielbaus. Prinz Fried- rich von Homburg. Deutsches. Der blaue Vogel. Lessiug. Peer Gynt. Zirkus Zchiimnnn. Galavorstellung. ZtrknS Busch. Galavorstellung. Ansang 8 Ubr. Urania. Mit dem Imperator nach New Dort. Deutsches Künstlertheater. Der Biberpelz. Königgrätzer Strafte. Die jünf Franlsurter. Kanimerjpicle. Franziska. Komödienhans. Das Paar nach der Mode. Theater des Westens. Gräfln Fist. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. Berliner. Filmzauber. Kleines. In Ewigkeit Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Berriac. Neues Operntheater(Kroll). Der eivige Jungg'sell. Deutsches Schauivielhaus. Frau- lein Julie. Erste Warnung. Deutsches Opernhaus. Die Königin von Saba. Schiller O. Zwei Wappen. Schiller<5ftarlottenbnrg. Die Grogstadtlust. Thalia. Puppchen. Theater am Nollendorfplatz. Die Kino-Königin. Metropol. Die Reise um die Welt in 4» Tagen. Kasino. Der Akticntenor oder Caruso aus Teilung. Trianon. Geschlossen. Herrufeld. Was sagen Sie zu Leibusch? Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8'/, Ubr. Refldeuz. Im Ehekäsig. Lustspielhaus. 777: 10. Rose. Die Ahnfrau. Luisen. Die Intrigantin. Folies Cavrice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. Da3 Adaptiv- kind. Walhalla. Der Liebesonkel. Ansang 8'/, Ubr. ReneS Volkstheater. Der ledige Hos. Ansang 9 Ubr. Admiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—52 Schiller-Theater 0. (Wallner-Theater). #. Freitag, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. Sonnabend, abends 8 Uhr: Cyrano von Bcrgcrac. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Freiwild. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. Schiller-Theater Charlottenbnrg. Freitag, abends 3 Uhr: Z. I.Male: Vie/» Uhr: Wilhelm Tell. KeLsinZ-Iheuter. Täglich 7>/. Uhr: Deer ftrynt. Von Ibsen. Musik von Grieg. «vnntagnachmittag 3 Uhr: Magdalena. Vorverkauf an der Theaterkasse von 10— 2 Uhr, bei Hermann Tietz, Leipziger Straße, Alexanderplatz, Franlsurter Allee, und im Jnvalidendank. Lssino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Einzig. Varietstheat. 1. Ranges. Neu! der phänomenale Jules Lherox. Magcagno Truppe. Der rote Domino. Der Aktien-Tenor oder Caruso an! Teilung. Sonntag, nachm. 4 Uhr: Am grünen Strand der Spree. ttsuSe in allen vier rlieatern Prem iereS Apollo-Theater The Rag-Time Six Erste Original- Vorführung neuester anrterikariischcrTänze und populärer Melodien. Baggessen der König der komischen Jongleure. The Aeroplane Ladies Zahnkraft- Evolutionen am Aeroplan. Ferner ein reichhaltiges Programm crstkl. Variöte-Akte u. unsere renommierten Lichtspiele! Anfang 8 Uhr, Sonnt. 4 u. 8 Uhr. Eintrittspreise einschliesslich Garderobe, Programm und Steuer von 65 Pf. an. FM.-WilMmsM.It. Anfang 8 Uhr; Quo vadis? das gewaltigste Pllmdrama aller Zeiten. Beginn des Varidtes-Programm 10 Uhr; Alexanders RagtimeBand Das verrückte amerikanische Radau-EnsemblCi Werds Bros. Die komischsten Humpsly- Bumpsty- Akrobaten. Ferner ein reichhaltiges Programm erstklassiger Vari6t6-Akte. Anfang 8 Uhr, Sonnt. 4 u. 8 Uhr. Paiost am Zoo Auf vieleeitig. Wunsch prolongiert; „Eine Meile in der Minute" 6. Sensation. Wettrenn-Sketch Automobil geg. Expresszug". Original-Vorführung des Londoner Opera Ilouse. Anders gezeigte ähnliche Darstellungen sind Nachahmungen Maude Rochoz's Affen- Thoofor Seibslündigo Aflen- I nüdlCI varidte-Vorstellung. Paulton& Doley Humoristische Badfahrer mit ihren komischen Txickrädcrn. Ferner ein reichhalt. Programm erstklassiger Variötö-Akte und unsere renommierten Lichtspiele! UnuntcrbrocheneVorstellungvon 6 Uhr an. Eintritt jederzeit.— Sonntags von Jl— 41/* Familienvorstellung. nollendotf-Tiieat. Die Tragödie der Schröder-Stranz- Expedition Der Film wird von einem Vortrag des Marinemalers Chr. Rave begleitet, dem einzigm Mitgliede der zelmköpfigen Forschergruppe, das unversehrt zurückkehrte. Ivanhoe Film-Dichtung in 3 Akten nach dem Eoman von.Walter Scott. Alfredo der fldelo Geiger. Lilly Walter- Schreiber Uiniatur-Soubrelte. Anfang und 9 Uhr. Sonntags 4, Ä'/i und 9 Uhr. Morgen. Sonnabend, nachmittags Ith', L'tar: Jugendvorstellung. Die Tragödie d.Schröder-Stranz Expedition mit Vortrag Rave. Ermässigte Preise von 40 Pf. an. Zirkus Alb. Schumann Heute Freitag, den 26. Sept. Anf.Z'f-, Ende 11 Uhr-WW 10 Bengalische 10 Tiger vorgef. von Herrn Sawade. Enikleidungs-Szene einer Dame in der Luft ZI!« Zoe und weitere 14 Attraktionen. MotropoUboater 7 Uhr 55 präzise: Gr. Ausstattungsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. freier Benutzung des Jules Verne scheit Romanes'von Julius Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. lliohard Schultz. Karl Sacteiin. Jcsepb Giampietro. Guido Tbieiscber. Alfred Soluuasow. Leopold Wolf. Ludwig Wolf. Helene Eallol. IdaRusska. J. de Lande. Von 9-1 Uhr: Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. 2 Kapellen. ZOOLOG ischer Garten Täglich: Militär- Konzert. Flutrittspreise: Zoo: 1 M., von 6 Uhr ab 50 Pf. Aciuar.: lM.v.d.Straße,0,50v.Zoo Kinder unt. 10 Jahren d.Hälfte. Xen! Wen! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. City- Park Am Bahnhof Friedrichstraßc. GrüBt. Volksschan Berlins 50 Schaugeschäfte 50 HöIids Gr. 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Großes Woppel-Konzert I Musikkorps des 1. Garde-Dragoner-Regiments. Dirig.; Oherm. Baarz. Berliner Konzerthaus-Orchester Leit.t Komp. Frz. v. Bion und als Gastdirigent: Hofkapellmeister Prof. Traugott Ochs. Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 8 Uhr. An allen W ochentagcn: „ Cr. Nachmillags-Konzerl ba,ESSr m Die Kino-Königin im Theater am Xollendorfplatz, abends 8 Uhr i Vorzeiger dieses Inserats erhält zu der heutigen Vorstellung BiUetts zu halben Preisen im Vereins burcan 2417b Leipziger Str. 59, Tel.: Zentr. 7841. Geöffnet von S'/s— 8 Uhr. n Brauerei Friedrichshaiu sa Am KönigStor. Cef.; Ernst Fiebing. Dienstag, de» 30. September, abends 8'/» Uhr: Popnlärcs Konzert des Blüihner-Orchester c«, Künsti-r) und des MänncrchorS fiekKe-Besrginia ZT7T NR-L Dirigent für Chor und Orchester Th. Gervais. 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Berlin S» st. 251 so. Mr..., 3. Keilllße des Lsmarls" Kerlilltl Nslksdlatt. i»!ks.20.zt�et.9,3. Rus ckei« Frauenbewegung. Sbrentitel unct �)luralwak1re�t. Herr Professor v. Gruber hat wieder einmal geredet, und wie man das von ihm schon gewohnt ist, hat er die Gelegenheit benutzt, den Frauenrechtlerinnen eins auszuwischen. Das Vergnügen kann man ihm lassen, zumal die Frauen selbst über die Bosheiten des gelehrten Herrn lachen und trotz seiner Behauptung„denn Konse- guenz ist niemals das Erbteil des weiblichen Geschlechts gewesen", doch nicht s o inkonsequent sind, ihre Bestrebungen auf bessere Aus> bildung der Mädchen fallen zu lassen und sie ausschließlich auf den Mutierberuf vorzubereiten, weil es Herr v. Gruber so will. «ie glauben eben nicht mehr daran, daß in dem Augenblick, wo ihre Tochter sich die Kenntnisse angeeignet haben, deren sie bedürfen, um Mutterpflichten in einwandfreier Weise erfüllen zu können, sich ihnen auch die Möglichkeit bieten werde, im eigenen Hausstand das Gelernte anzuwenden. Die wirtschaktliche EntWickelung hat auch die Frauen im Bürgertum gelehrt, daß man sich nicht ausschließlich daraut verlassen kann, daß die Tochter heiratet und daß ihr Ehe- mann soviel verdienen wird, um Frau und Kindern auch über seinen Tod hinaus ein auskömmliches Leben zu sichern. So hallen sie es für richtiger, daß ihre Töchter sich auf einen Beruf vorbereiten, den lie immer aufgeben können, wenn sie zur Ehe gelangen, und es weder notwendig noch wünschenswert ist, daß die Frau mit- verdient. Aber das Zeter« und Mordgeschrei über die entsetzlichen Frauen rechtlermnen„mit ihrer Geringschätzung des Mutterberufs" ist durch aus nichl das Amüsanteste in der Rede, die Herr v. Gruber auf der Hauptversammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesund- heitspffege über die„Bedeutung des Geburtenrückganges für die Gesundheit des deutschen Volkes" geHallen hat. Es findet sich in thr neben sehr spärlich vertretenen vernünftigen Gedankengängen eine solche Fülle von Banalitäten. Albernheiten und Beweisen seiner llptenntnis der tatsächlichen Verhältnisse, daß es sich wohl lohnt, die Allsführungen etwas näher anzusehen. Die Behauptung, daß Geburtenrückgang und Parteizugehörigkeit m gewisser Beziehung zu einander stehen, da in den Kreisen mit sozialdemokratischen Abgeordneten ein stärkerer Rückgang zu ver- zeichnen ist, wollen wir hingehen lassen. Ein Obermedizinalrat ist offenbar nicht verpflichtet, seinen Hörern zu sagen, daß die sozial� demokratischen Wahlkreise Gegenden mit starker Jndustriearbeiler> fchatt sind, und daß dort besonders schlechte wirtschaftliche und Wohnungsverhältnisse so ungünstig auf die Geburtenziffer einwirken. Auch das muß man mit seiner mangelnden Kenntnis vom Wesen der arbeitenden Bevölkerung entschuldigen, daß er meint, die Un- fruchtbarkeit der oberen Kreise sei zu bedauern, weil sie eine„Aus- tmerzung der Talente" herbeiführe.„Es kommt in den unleren Klassen allerdings auch vor, daß ein besonders tüchtiger Mensch aus ihnen hervorgeht", aber nach Ansicht des Herrn v. Gruber mir ausnahmsweise, und er ahnt nicht, daß es nur einer Umwand- lung der Lebensbedingungen dieser Klasse bedarf, um die Talente, dre vorhanden sind, zur Ausbildung kommen zu lassen Was soll man aber dazu sagen, daß ein Mann, der die Frage des Geburtenrückgangs studiert hat, eine seiner Ursachen darin sieht, daß.die Hausin du st rie unterdrückt und die Kinder- arbeit zum Teil verboten ist!" Da4 behauptet der- selbe Mann, der bei anderer Gelegenheit davon sprach, daß die jungen Mädchen wie Stuten und Kühe auf die Weide getrieben werden müßten, mit andern Worten, daß sie nicht zur Arbeit heran- gezogen werden dürften, wenn man ein gesundes Geschlecht haben wolle. Jetzt dagegen soll verstärkte Hausindustrie und Kinderarbeit dazu beitragen, die'Gebiirtenzahl zu heben. Freut euch, ihr Kapitalisten, die ihr euern Profit aus der nervenzcrrüttenden, Geist und Körper zermürbenden Tätigkeit von Heiniarbeilerinnen zieht, Herr v. Gruber hat euch ein neues Argument gegen verstärkten Hausarbeiierschutz gegeben! Wenn wieder einmal im Reichstag verlangt wird, daß die Heim- arbeit in bestimmten Industrien eingeschränkt werden müsse, so könnt ihr euch in die Brust werfen und solchen frivolen Bestrebungen mit der Begründung entgegentreten, daß ihr im Interesse der nationalen Wehrhafligkeii eine Äilsdehnung der Hausarbeit fordern müßt! Bei einem entsprechenden Umsichgreifen der Hausindustrie würde dann auch gleich ein anderer Uebelstaud verschwinden, den Herr v. Gruber bei allen Bevölkerungsklassen rügt:„die unersättliche Gier, Genuß aus Genuß zu häufen". Aber Professor v. Gruber entwickelt wenigstens eine ganz ge- sunde, wenn auch nicht gerade neue Idee. Ilni das Zweikindersystem zu überwinden, sei neben der Umstimmung der Gesinnung die Schaffung der wirtschaftlichen Bedingungen für die rationelle Aufzucht einer genügend großen Kindermenge iiotweudig. Er meint, daß dazu gewaltige Summen, etwa von der Größe des Wehrbeilrages jährlich ailfgebracht werden müssen, und man kann einer solchen friedlichen Verwendung dieser Summen»ur zustimmen. Sie tvürde dem Volke gewiß einen bedeutend größeren Gewinn bringen. Aber der gleiche Zweck könnte vielleicht auch dadurch erreicht werden, daß man dieLebenshaltuiig der mittleren und unterenKlassen verbilligte, tirdem man die Zölle und Steuern auf Lebensmittel und notwendige Georauchsartikel abschaffte. Dann brauchten die arbeitenden Schichten dem Familienzuwachs nicht mit so quälender Sorge ent- gegenzuiehen. Daun wäre auch die milerwerbende Ehefrau i» der Lage, frühzeitiger die Berufstätigkeit einzustellen und in den Jahren, wo die Kinder der mütterlichen Nahrung und ihrer Obhut bedürfen, sich vollkommen der Familie und dem Haus zu widmen. Aber an diese Möglichkeiten hat Herr v. Gruber, wie es scheint, nicht gedacht. Und die unehelichen Kinder. Welche Mittel empfiehlt er, um ihre Lebensfähigkeit und Lebeirstauglichkeit zu heben? Gar keine. Das hält er nicht für nötig. Jai Gegenteil, er erklärt, daß„eine über den Rahmen der jetzigen Bestimmungen hinausgehende Unter- stützung der unehelichen Mutter verwerflich" sei, weil der Erzeugung unehelicher Kinder vorgebeugt werden müsse. Wie sonderbar doch unter Umständen so ein Professorengehirn arbeiten kann. Da sucht es nach Wegen, wie die Bevölkerungsziffer zu heben ist. Eme große Zahl von Kindern kommt gleich nach der Geburt um. viele Frauen gehen an„unerlaubten Eingriffen" zugrunde, weil sie die �aiande nicht ertragen zu können glauben, einem Kinde das Leben zu gebeq, das nicht de» Namen seines Vaters trägt, oder weil ne mit ihrem erbärmlichen Erwerb und dem viel z» niedrigen« Er�iebungsoettrag des unehelichen Vaters nicht ausreichend für das Kind sorgen können. Ansialt nun zu überlegen, wie man diesen un- glücklichen Kindern ein menschenwürdiges Dasein sichern kann, argu- inentierl der Herr Professor: die Kinder werden schwächlich, folglich dürfen sie nicht geboren werden. In den ikandinavischen Ländern hat man den Wert des Menschen- lcbens besser erfaßt. In Norwegen hat das uneheliche Kind die gleiche rechtliche Stellung wie das eheliche. ES trägt den Namen des Vaters und c-j beerbt den Vater. Der Mann hat die Pflicht, nack Kräften für sein uneheliches Kind zu sorgen. Erfüllt er diese Pflicht nicht, so verliert er fein Wahlrecht. Die Ge- meinve nimmt sich daiiii der Mutier— die ihr Wahlrecht weiter ausüben kann— und des Kindes an. il„d es scheint uns, als ob eine solche Bevölkerungspolitik gesunder wäre, als die des Herrn v. Gruber.— Er verlangt für die Väter mit mehr als drei Kindern ein Pluralwahlrecht, den Müttern soll ein Ehrentitel zuerkannt Werden. Dem Mann verstärktes Recht— per Frau, die die größere Leistung vollbringt, ein Titel, das ist höchste Professoren- Weisheit l Aber Herr v. Gruber täuscht sich, wenn er glaubt, daß diese Auszeichuung eine Hebung der Geburtenziffer zur Folge haben werde. Mit dem Ehrentitel„Fraumutter" kann man eine Kinder- schar nicht satt machen und wir zweifeln, daß sich viele Frauen finden werden, die dieser Titelverleihung große Sympathien ent- gegenbringen. Was jetzt geschehen muß, ist neben der Bekämpfung der Sterblichkeitsziffer, vor allem auch der mit der Geburt in engem Zusammenhang stehenden Todesursachen sKindbellfieber, mangelnde Hcbammenhilfe) die Hebung der wirtschaftlichen Lage der arbeitenden Schichten und eine vernünftige Sozial- Politik. Mit den guten Lehren mag man sich einstweilen an die oberen Klassen wenden, dort sind sie eher am Platze. T. B. Das]VIädcbcn für alles. Einem Bericht über Jugendgerichte entnehmen wir folgenden Fall:„Ein kleines Ostermädchen, so genannt, weil sie Ostern au» der Schule kam und nun einen Dienst annahm, ohne große In- telligenz, zerschnitt ihrer Herrschaft die Drähte der elektrischen Klingel, die in ihre Stube gehen, nicht etwa, um eine�Sachbe- schädigung vorzunehmen, sondern lediglich, um ihrem Schlasbe- dürfnis Rechnung zu tragen. Sie war des Morgens immer noch so schrecklich müde, wenn diese Klingel ertönte und sie unerbittlich weckte. Ungewohnte Arbeit und Blutarmut infolge von lebens- länglicher Unterernährung machen dieses Schlafbedürfnis glaub- Haft. Die Dienstherrschaft zeigt«„diesen empörenden Fall" als Beweis gründlicher Verdorbenheit an, und das Gericht mutzte Sachbeschädigung annehmen. Trotzdem kam das kleine Mädchen mit dem sogenannten Verweis davon, da es einen milden Richter fand." Diesen kurzen Worten entnehmen wir die ganze Tragik des schönen Berufes:„Mädchen für alles". Kleine Ostermädchen, also Kinder im Alter von 14 Jahren, die mit Mühe und Not in über- füllten Klaffen den kurzen Bildungsgang der Vollsschule durch- gemacht haben, werden konfirmiert und sollen nun sobald als möglich Geld verdienen und ihren Platz im armen Elternhause räumen. Arm an Geist sind sie, denn wenig konnte für ihre in- tellektuelle Ausbildung infolge der Volksschulmisere geschehen. Ihr Körper ist schwächlich, denn von frühester Jugend an entbehrten sie Luft, Licht und Sonne in überfüllten Wohnungen. Niemand hatte Zeit, sie richtig zu pflegen. Es fehlte am nötigsten, um sie zu sättigen. Blutarmut infolge von dauernder Unterernährung konstatieren die Aerzte fast immer bei den kleinen Mädchen für alles, die gewöhnlich vom Lande in den Stadtdienst geschickt wer- den. Es klingt ja so verlockend, was da alles versprochen wird:„Freie Wohnung und Beköstigung, Weihnachtsgeschenke und Trinkgelder und obendrein noch ein Lohn, der dem Kind, das nie Geld in Händen hatte, fürstlich erscheint." Weder das Mädchen noch seine Mutter denken daran, sich zu erkundigen, was für Pflichten ver- langt werden.„In einem kleinen Stadthaushalt gibt es ja nicht viel Arbeit", meint die Gnädige beim Mieten. Vielleicht ist es wirklich nicht viel für einen gesunden erwachsenen Menschen, der mit aller Hausarbeit vertraut ist. Verängstigt kommt aber das Landkind in die groß« Stadt. Das Häusermeer bedrückt sie. Die vielen Fuhrwerke und elektrischen Bahnen erschrecken sie, so daß die Gnädige empört ist darüber, daß es auch auf dem Lande nervöse Menschen zjibt. Nerven sieht sie als das Vorrecht vornehmer Stadt- leute an. Das Mädchen für alles mutz als erste im Haushalt aufstehen. Manchmal hat sie eine Kammer für sich. Sehr häufig schläft sie bei den Kindern und es kommt vor, daß sie stunden- lang in der Nacht den schreienden Säugling herumtragen mutz, der zudem viel zu schwer für ihre schwachen Kräfte ist. Wer fragt danach? So kommt es vor, daß so ein junges hilfloses Ding die Klingeldrähte durchschneidet, weil es in seiner Ueberreiztheit meint, nun-müsse die erbarmungslose Herrin es schlafen lassen. So ist es aber auch schon vorgekommen, daß ein Mädchen sich an dem schreienden Kinde oergriff, wcil� es nur von dem einen Wunsch, dem einen Gedanken beherrscht war, einmal eine ganze Nacht ausschlafen zu dürfen. Ruhepausen am Tage gibt es nicht. Zimmer aufräumen, Kaffee kochen, Kinder anziehen, das sind die Arbeiten, die schon vor dem Frühstück erledigt werden müssen, ehe die Gnädige erscheint. Nachher kommt das Kohlenschleppen, Holz- zerkleinern, Feuer anmachen, Einholen, Kartoffelschälen und Ge- müsezurichten. Alles geschieht in der Hetze, denn das Mittagessen mutz pünktlich auf dem Tisch stehen. Vielleicht ist das Essen besser, als das Mädchen es daheim gewähnt war. Aber die Portionen, die ihr zugeteilt werden, sind klein. Auch Brot darf sie sich nicht selbst abschneiden. Wenn sie es einmal wagt, wird sie Diebin gescholten. Nur einmal sich richtig satt essen zu dürfen, auch das gehört zu den nie erfüllten Wünschen des kleinen Mädchens für alles. Zum ruhigen Essen bleibt ihr nie Zeit. Immer ertönt die erbarmungs- lose Klingel aus dem Etzzimmer. Meist schlingt sie ihre Mahl- zeit kalt und im Stehen herunter. Gleich nachher muß sie sich an das Geschirrspülen machen." Ihre Hände sind ungeschickt, denn nie hat sie vorher Glas oder Porzellan in Hsipden gehabt. Wie leicht entschlüpft ihr ein Teller oder ein Glas und zerbricht. Der Preis dafür wird ihr vom knappen Monatslohn abgezogen. So geht es mit der Arbeit erbarmungslos fort bis zum späten Abend. Als Erholung gelten die Stunden, in denen sie die zum Teil gleich- altrigcn Kinder beaufsichtigen soll. Wie sie sie fürchtet, diese un- gezogenen Stadtkinder, die sie verhöhnen, weil sie nicht ordentlich lesen und schreiben kann, die ihr allerhand Schabernack spielen, ihr niemals gehorchen, bis sie in Wut gerät. Vergißt sie sich und gibt einen von ihnen �eine Ohrfeige, dann erscheint die Mutter als zürnende Göttin. Sie nimmt ohne zu fragen, Partei für ihre Kinder und schilt über die rohen Bauernmanieren. Kein Wunder. daß sich in dem Herzen des bedauernswerten Geschöpfes Haß und Neid gegen die reichen so viel glücklicheren Kinder zu regen be- ginnen. Der schrecklichste Tag in ihrem Dienstbotendasein ist der Tag der großen Wäsche. Noch früher, als sonst schreckt sie da die Klingel aus dem Schlaf. Es ist Grundsatz bei der Gnädigen, daß sie an solchen Tagen schlechter Laune ist, und natürlich läßt sie ihre schlechte Laune an dem Mädchen für alles aus. Stundenlang mutz diese am Waschfaß stehen. Die scharfe Seife zerfrißt die Hände, die fast immer von Kindheit an mit Frostbeulen bedeckt sind. Wer frägt danach? Aus der heißen Waschküche mutz sie die schweren Waschkörbe auf den zugigen Trockenspeicher schleppen. Schon manche hat sich dadurch einen«schaden für ihr ganzes Leben zugezogen. Aber niemand ist ja da, der sich uni ihre Gesundheit kümmert. Ihre ganz« Arbeitskraft gehört bedingungslos ihrer Herrschaft. Schonung gibt es da selten. Würde man eine Gnädige darauf aufmerksam machen, daß ihr kleines Dienstmädchen in den Entwickelungsjahren nicht überanstrengt werden darf, so würde sie ein spöttisches Achselzucken für solchen Humanitätsduscl haben. Sie hat das Mädchen„für alles" gemietet, hat also das Recht, ihr alle Arbeit aufzubürden, die sie für notwendig hält. Und so wenig die Dienstherrschaft Sorge trägt um die Gesund-- heit ihres Mädchens für alles, noch weniger kümmert sie sich um die Seele, um den Geist des Wesens, das sie in ihre Hausgemein- schaft aufgenommen hat. Ja, sie würde höchlich erstaunt sein, wenn man sie dafür verantwortlich machen wollte. In den Bundesstaaten, in denen auch die jungen Dienstmädchen zum Fortbildungsunter- richt verpflichtet sind, suchen die Herrschaften unter allen möglichen Vorwänden um Befreiung davon. Ein Grund z. B., der mir an- geführt wurde, lautete, man wolle das Mädchen nicht spät abends den Gefahren der Straße aussetzen. Dasselbe kleine Mädchen mutzte aber seine Herrin abends zwischen zehn und elf Uhr aus dem Theater abholen. Ob es dahin zum Schutz der Dame, einer wahren Riesin, bestellt war. ist mir unklar. Und kümmert sich dre Gnädige, die in der Woche ihre Lohnsklavin nicht einen Augen- blick aus den Augen läßt, darum, wohin das Mädchen seine Schritte lenkt, wenn es am Sonntag einmal ausgeht? Allenfalls schickt sie sie in die Kirche. Aber das Mädchen hat auf dem Dorf so viel von den Wundern der großen Stadt gehört. Sie geht willig mit jedem, der sie freundlich anredet und ihr Versprechungen macht. Manche dieser kleinen Ostermädchen werden, � selbst noch Kinder, verführt, und mit Schimpf und Schande aus dem Dienst gejagt. Dann wird gezetert über die Verderbnis der proletarischen Jugend. Nur in einem Fall kümmert sich die Dienstherrschaft um den Ver- kehr ihres Mädchens für alles, wenn sie nämlich merkt, daß dieses sich der Dienstbotenorganisation, dem Zentralverband der Hausangestellten(Berliner Adresse: Engel- Ufer 21) anschlietzen will. Tann wird plötzlich vor den verhetzenden Elementen getvarnt und vor den Abwegen. auf die das Mädchen durch sie geraten kann. Di« Herrschast weiß wohl, daß damit der Ausbeutung, der Mißhandlung, der schlechten Lebenshaltung, der die Mädchen ausgesetzt sind, eine Macht ent- gegentritt, der sie auf die Dauer nicht standhalten kann. Je kräftiger diese Organisation sich entwickelt, um so schneller� wird sie austäumen können mit der Schutz- und Rechtlosigkeit der Mädchen für alles, in derem freudelosen Dasein es bisher nur schwere Pflichten gab, weil niemand da war, der ihnen klar machte, daß auch sie Rechte haben auf ein menschenwürdiges Dasein. A. B. Organisierte weibliche Arbeitskraft. Erfreulicherweise kann von einem wachsenden Verständnis der Frauen für die Bedeutung der Organisation berichtet werden. Die Zahl der in den freien Gewerk- schaften organisierten weiblicken Mitglieder ist viel schneller gestiegen als die dev weiblichen Erwerbstätigen ihr Anteil an der Gesamt- Mitgliedschaft ist stelig gewachsen. Im Jahre 1892 wurden erst 435b weibliche Gewerkschaftsmitglieder gezählt. Sie mackten 1,8 Proz. aller Gewerkschaflsangehörigen aus. Nach dem Bericht der Generalkommission über die Entwicklung der Gewerkschaften Deutschlands stellte das weibliche Geschlecht mit 216462 organisierten Arbeiterinnen 8,6 Proz. aller Gewerkschaftsmitglieder. Das Verhältnis der Organisierten zu den in Handel und In- dustrie beschäftigten Arbeitskräften veranschaulicht diese Zusammen- stellung: . Erwerbstätige Organisierte 1895.. 2 100 726 15 265 1907.. 3 035 297 136 929 1912..— 216 462 Die organisierten Arbeiterinnen machten im Jahre 1895 erst 0,75 Proz. der in Handel und Industrie beschäftigten Arbeitskräfte aus, im Jahre 1907 waren bereits 4,5 Proz. organisiert; nach dem Ergebnis des letzten Jahres werden es schätzungsweise 6 Proz. sein. Das ist, absolut betrachtet, natürlich wenig, sehr wenig. Aber die prozentuale Zunahme berechtigt doch zu schönen Erwartungen. Wenn es in diesem Tempo mit der Organisierung der weiblichen Arbeits- kraft weiter geht, dann werden die Arbeiterinnen bald im Verhältnis ebenso gut wie die Männer organisiert sein. In dem dargestellten Aufstieg prägt sich das Ergebnis eiuer fleißigen Aufklärungs- und Organisierungsarbeit aus. Er läßt er- tennen, daß Einsicht und Klassenbewußtsein im weiblichen Proletariat erstarkt. Dieser Boden für die organisatorische Arbeit hat schon viel von seiner Unfruchtbarkeit verloren. Das eifert die Arbeits- freudigkeit an. die in weiteren Erfolgen ihren schönsten Lohn findet. Eine Fachschule für Hausangestellte, die von der Organisation der Dienstmädchen selbst ins Leben gerufen wurde, bsstehl seit einigen Jahren in Kopenhagen. Die Schule wurde im Jahre 1906 mit Unterstützung von einigen Hausfrauen ins Leben gerufen. Ihre Leiterin ist Marie Christensen, die Vorsitzende des Hausangestellren- Vereins. Das auf verschiedene Weise gesammelte Gründungskapital betrug 11 000 Kronen. Ursprünglich, in einer Etagenwohnung unter- gebracht, beanspruchte das Institut bald den Raum von 2 Etagen. Die Kurse sind halbjährlich und zwar werden die 12 bis 20 Voll- schülerinnen in 3 Abteilungen unterrichtet. Davon gibt die eine eine vollständige Ausbildung im Kochen, wobei die Mädchen auch lernen, init einem bestimmten HaushalwngSgeld zu wirtschaften; in der zweiten wird die Hausarbeit in all ihren Teilen gelehrt und in der dritten die Behandlung der Wäsche. Allwöchentlich wechseln die Schülerinnen die Abteilungen. Eine Prüfung, über die ein Zeugnis ausgestellt wird, beendet den Kursus. Anfänglich war der Unterricht ganz unentgeltlich; fest 1910 be« zahlen 15—16 Schülerinnen ein Schulgeld von 10 M. monatlich; daneben existieren 4—5 Freistellen. Im ganzen haben bis jetzt 194 Mädchen in Halbjahrskursen die Anstalt durchgemacht. Seit einiger Zeit sind auch zweimonatliche Kurse'für Köchinnen und Stuben- mädchen eingerichtet, die bisher von 526 Schülerinnen besucht wurden. Zum Teil deckt die Anstalt ihre Kosten durch einen Frühstücks- und MittagStisch, der von 70—80 Personen benutzt wird; auch wird Wäsche übernommen. Seit 1907 erhält sie vom Staat und von der Gemeinde einen festen Jahresbeitrag von je 2000 Kronen. Das Defizit(für die gesamte Zeit) beträgt nur noch 6540 Kronen. Die Leistungsfähigkeit der Telcphonbcamtimlen. Im Hamburger Telephonamt ist die Frage geprüft worden, ob ein Einfluß der Dienst- stunden auf die Leistungsfähigkeit des Personbls erkennbar ist. Es wurden alle vorgekomnienen Fehler, die Dienstzeit und die für jede Verbindung von den Beamtinnen aufgewandte Verbindungszeit an- gegeben. Die Fehler sind in zwei Klassen geteilt; die erstere ent- hält die Nachlässigkeitsfehler, die zweite die Abspannungsfehler, die nur unter dem Einfluß körperlicher und geistiger Abspannung ge- macht wurden. Die durchschnittliche Zahl der AbspannungSfehler ist in der um 7 Uhr morgens beginnenden Dienstzeit am größten, sie beträgt 50 voni 1000. während sie in den übrigen Vormittags- stunden zwischen 31 und 37 schwankt. Sie wird darauf zurück- geführt, daß die betreffenden Frauen verhältnismäßig sehr früh auf- stehen und zur Arbeitsstelle eilen, ohne genügend gefrühstückt� zu haben. Am leistuiigsfähigsten sind die Beamtinnen, deren Dienstzeit um 9 oder 9'/� Uhr beginnt. Die Nachmittagsdienst- stunden unterscheiden sich nicht von denen des Vormittags bezüglich der Leistungsfähigkeit, nur die Beamtinnen, die um 4 Uhr zum Dienst antreten und die vormittags frei hatten, geben ein noch un- günstigeres Resultat, als die Vormiltagsschicht. Dieses ist darauf zurückzuführen, daß sie die Dauer ihrer freien Zeit nicht zur nötigen Ruhe, sondern zu häuslichen Arbeiten verwenden mußten und mit einer gewissen Ermüdung zum Dienst kamen. Am günstigsten sind die Ergebnisse der geteilten, vor- und nachmittags beschäftigten Dienstschicht, die geteilten Dienstschichten sind jedoch beim Personal nicht beliebt. Dw Abspannung schreitet naturgemäß zunehmend fort, geht aber nach den eingeschobenen Erfrischungspausen wesentlich zurück. Lachmann& Scholz Turmstraße 76 Wir bauen um! Größtes Warenhaus in Moabit Ottostraße 1 Wir brauchen Platz! Wir verkaufen billig! Die erforderbohen Umbauten und Erneuerungen machen es voraussichtlich bis zum 15. November unmöglich, die Neuheiten etc. in unseren Fenstern, wie auch in den inneren Räumen auszustellen. Die durch den Bau verursachten kleinen Unbequemlichkeiten bitten zu entschuldigen.— Als Entschädigung geben wir Sfache Rabatt-Marken Stäche als Umbau-Vergüiigung. In allen Abteilungen etwaige leicht angestaubte und beschädigte Waren zu sehr ermäßigten Preisen. *) Lebensmittel und die bekannten Artikel ausgeschlossen. Würzburger Hühneraugenmlttel fton Dr. H. 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Druck u.«erlag: Borwart» zvuchbruckerei u. CeclagJanstall Kaul Singer U. BerN»